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Aber\nfürwahr: Millionenmal öfter wiederholt sich jdie\newige Lüge.\nDie menschliche Seele ist allzudicht mit gif-\ntigem Unkraut bewachsen, und es w,äre höchste\nZeit, das Körnchen Wahrheit zu pflegen und zu\nbehüten, bevor die Seele ganz verdorrt und ver-\nfault ist.\nDenn ich habe in der Tat nichts Neues gesagt!\nSchön und heilig vwar die Macht des Ge-\nschlechtes, und fast eine religiöse Zeremonie, voll\ntiefer Mysterien war der Geschlechtsakt für die\nMensdiheit, die noch nicht durch die Syphilis der\njudaistischein Moral! infiziert war.\nIm Himmel! und auf Erden thronte unum-\nschränkt die Schaumgeborene, die furchtbare, aber\ngöttliche Astaroth und Mylitta; in der Form1 des\nPhallus baute man Tempel und Heiligtümer, und\nselbst die tugendhaften, römischen Matronen trugen\nden Phallus als Amulet auf ihrer Brust. Der Ge-\nschlechtsakt war ein Sakrament, das zu Ehren der\nGottheit in den Tempelhöfen und heiligen Hainen\ngefeiert wurde, und die Offenbarung dieser hehren,\ndieser feierlichen und schönen Geschlechtskultur,\ndas ist die unerhörte Pracht der Antike, ihre\nWiedergeburt in dem göttlichen Wunder der\nRenaissance und die überfeinerte, aristokratische\nAnmut und der Zauber der Kultur des achtzehnten\nJahrhunderts.\nDer Judaismus hat das Geschlecht erniedrigt\nund in den Kot getreten, er hat 'die Liebe kastriert\nund erlaubte ihr nur ab einer lächerlichen, (ver-\nbalen Kategorie zu leben, in den Höhlen den Ana-\ndhoreten, in den kranken Hirngespinsten hysteri-\nscher Nionjnein, !in Idein Gestammel zahnloser Mönche,\nals Liebe zu Jesus und Maria.\nAber trotzdem: wie viel von dem inten-\nsesten, geschlechtlichen Elan verbirgt sich nicht in\nder Religion des Mittelalters!\nDer Geschlechtstrieb als solcher wurde zum\nVerbrechen und zur ekelhaften Sünde, das Nackte\nzur schändlichen Scham und der Geschlechtsakt zu\neiner stinkenden Pfütze, in der Idas widerlidhste\nUngeziefer ge(deiht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6186, "texte": "Der Judaismus hat der schönen menschlichen\nSeele das Gift eingeimpft, das bis auf den heutigen\nTag die Menschheit zersetzt; er ist es, der die\nSchönheit widerlich und ekelhaft gemacht hat, der\nihr ein Gottesgeschenk mit Unrat und Kot be-\nschmutzt und die höchste, göttliche Offenbarung\nmit Aussatz beworfen hat.\nAber schon braust von Ferne die rückkehrende\nWoge, sdhon {schlägt sie hier und da ans Ufer,\nund der Tag naht, da die Seele sich' von dem Unrat\ndes Judaismus zu reinigen beginnt und in neuer\nSinnenher r llidhkeit und Schönheit ihre Auferstehung\nfeiern wird.\n*\n* *\nAber was bedeutet, wenn man meine kurze\nrhapsodische Ausführung gelten läßt, unsere alte,\nVerfaulte Ethik, die unser Geschlechtsleben regiert?\nWas ist überhaupt Ethik? Doch nichts weiter\nals: das ist mein, das ist dein, das darfst du nicht\nanrühren. Stehle nicht, töte nicht, begehre nicht\ndas Weib deines N,ädhsten.\nViel Schwereres Verlangt man schon in dem\nSatze: Du sollst dem anderen das nidht antun, was\ndu nidht möchtest, daß dir angetan wird. Aber\nauch das Befolgen dieses Gesetzes ist ein sicherer\nund bequemer Weg zu einem wohlgeordneten und\nhodhge ach teten Leben.\nDas ist so ziemlich das' Wesentlichste, worauf\nsich die alte Ethik beschränkt. Der Dekalog konnte\nzwar einigie tausend Paragraphen in dem deutschen\nReidhisgesetzbuche gebären, aber all das juridische\nGepllärre läßt sidh auf ein sehr armseliges Schema\nzurückführen.\n[Wie anders wird sidh das Leben darstellen,\nwenn die Menschheit sich nur nach einem ein-\nzigen ethischen Prinzip richten wird:\nLe b e so, wie e s d e ine Sdhön h e i t\nverl! a n g t!\nSchönheit! Ja — Schönheit!\nAber was ist Schönheit?\nIdh weiß es nicht, ich weiß nur was die mei-\nnige ist, die deine, die eurige — die kenne ich\nnidht.\nDarf idh sagen, was meine Schönheit ist?\nSie ist das Gefühl einer heißen Begeisterung,\ndie mich alles ringsumher Vergessfein läßt, die meine\nAugen blind macht, aber um so weiter die Fenster\nmeiner Seele öffnet; sie ist der fiebernde Auf-\nschwung meines ganzen Seins in einem Orgas-\nmus aller meiner Seelenkräfte, der kalte Schauer,\nder mich durchläuft: das einzige Kriterium, daß\nidh etwas Großes anschaue; sie ist die tiefe Angst\nund das Grauen vor unbekannten Mädhten, die ich\nin weitester Ferne wie ein schwaches, Milliarden\nMeilen entferntes Sternenlidht aufleuchten und\nwie|der verschwinden sehe, und sie ist das feier-\nliche Pathos ,am Tage: heiliger ,'Feste, oder das\nEntsetzen des Gerichtes am jüngsten Tage, oder\nder Schrecken, der den Menschen in eine Balz-\nsäule verwandelt.\nAlles, alles, was nur die Augen von sich nicht\nlosreißen läßt, alles, wlas mich am Boden fest-\nssdbmiedet, was mich mit Verehrung oder mit Grauen\ndurdhsdhauert, das me;in ganzes Sein in die hef-\ntigste Vibration versetzt,\ndas ist „meine\" Schönheit!\nDas einzige Maß für meine Schönheit ist die\nIntensität und Dauer des Gefühls oder vielmehr\nIder Erschütterung, in die ich durch sie (versetzt\nwerde.\nSchönheit ist nur individuell, sie kann nur immer\n„meine\" Schönheit sein.\nEin iobjektives Schöne ist Unding, man kann\nhöchstens seine eigene Schönheit einem anderen\nsuggerieren\nNur das Eine:\nAlles ringsherum kann zur Schönheit werden,\nurid um wie viel1 mehr die größte, geheimnisvollste\nMacht, die das Lebten Von einer Ewigkeit zur an-\nderen beherrscht —!\nDie höchste Ethik besitzt derjenige, der alles\nzur Schönheit umzuwerten versteht, weil nur und\neinzig allein das Schöne ethisch sein kann.\nUnd so aufgefaßt, ist das Geschlecht mit allen\nseinen Abgründen, mit seiner furchtbaren Tragik,\nmit seiner jauchzenden Lust und seinem unsäg-\nlichen Jammer, mit all den unentwirrbaren Rätseln,\nGeheimnissen, Ab- und Schleichwegen im höchsten\nSinne ethisch, und die Bestätigung des Geschlechts-\ntriebes im höchsten Sinne ethisch, weil schön.\n„Et tout est effrayant torsqu*on y songe\", sagt\nMaeterlinck, und in diesem Ausspruch steckt die\nQuelle aller Schönheit. Denn dies furchtbare\n„effrayant\" ist der Urgrund der Schönheit.\nNur was mich auf die Kniee wirft, was mich\nmit Grauen und Angst vor unbekannten Mächten\nerfüllt, was midh zur demütigen Ehrfurcht und dem\nGefühl meiner elenden Kleinheit zwingt, ist schön.\nMan muß nur Verstehen, sich in die geheimsten,\nverborgensten Wnkel jeder Sache zu vertiiefen, den\nentlegensten Urgrund aller Gründe zu erfassen\nsuchen, jedem Ding bis an seine unterirdische Quelle\nzu folgen, und Von den Untergrundswellen sidh\ndurchbeben lassen, wenn auch das Meer spiegelglatt\nVor unseren Augen liegt.\nMan muß sich mit einem Wort in dies ent-\nsetzliche „effrayant\" versenken, dies unfaßbare, dies\ngeheime Grauen, das auf dem Boden eines jeg-\nlichen Dinges liegt, um in seiner Seele die heftigste\nVibration hervorrufen zu lassen, den heiligen\nSchauer, der, ich wiederhole es: das einzige Kri-\nterium der Schönheit ist.\nUnd was ist die Schönheit der Konvulsionen\neines Ozeans während des Taifuns. Was ist die\nSchönheit des Feuergiischt, den ein Vulkan her-\nausschleudert, was ein Diluvium, das eine ganze\nWelt unter seinen Fluten begräbt, gegen die Schön-\nheit der geheimnislvollen Macht des Geschlechtes!?\nUnd darauf kommt es an:\nDas einzige moralische Gesetz für den neuen\nMenschen, (Vielmehr für den Menschen, der seine\nAuferstehung feiert, ist die Sdhönheit.\nSobald der Mensdh lernen wird, das Geschlecht\nals schön und heilig zlu betradhten, wird seine\nBetätigung des Geschlechtstriebes schön und heilig\nsein; und nur der wird seine Seele besdhimutzen\nund besudeln, der in dein Geschlecht Sünde und\nUnrat findet, und doch der „ekelhaften\", „sündigen\"\nKraft des Fleisdhes folgt. Und ein solcher Mensch,\nnur er allein ist — Schwein!\nUnd jeder seiner Geschlechtsakte wird widerlich\nund ekelhaft sein, weil er gegen das einzige Prinzip\nder Ethik, gegen die Sdhönheit Isündigt.\nDer einzige, der die logische Konsequenz seiner\nAnschauung gezogen hat, war Weininger. Mit der\nVerneinung des Gesdhledhts war für ihn jegliche\nDistanz zum Leben Verloren. Heil dir, o Strindberg !\nFreilich, freilich werden Jahrhunderte vergehen,\nbis die Menschheit sidh von dem Schmutz wird\nreinigen können, bis sie die Himmelfahrt der reinen,\nder geheiligten Sinnenlüste wird feiern können und\neine Wiedergeburt in Sdhönheit durch — das\nGeschlecht!\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "253", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.4", "titre_corps": "Das Mysterium Jesu : Aus dem Nachlass Atheistische Falter", "titre_sommaire": "Das Mysterium Jesu : Aus dem Nachlass Atheistische Falter", "signature_source": "Peter Hille", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.2", "debut_caractere": 6188, "fin_caractere_exclue": 11235, "texte": "Das Mysterium Jesu\nAus dem Nachlass\nAtheistische Falter\nVon Peter Hille\nEin Vorsymbol\nAuf reich weichem, tiefgrünem Moospolster liegt\nein Totejnsdhädel. Er liegt da wie Kroninsignien\nauf einem Sammetkissen, das vorsichtig', selbst-\ngefällig ein blonder Page trägt, und hebt auf seiner\nüppigen Unterlage so mager sich ab, sieht sio\nklagendhohl aus, sauber dürftig. Aus den Augen-\nhöhlen aber sprießen ihm fröhlich je eine Aurikel,\nderen wie schöner Mädchenhals fein st rottende\nStengel als Augennerv den Sehgang füllen.\nGeschäftig wie eine Untersudhungskommission\noder kundigbeflissene Archäologen suchen zwei\nFalter, ein Admiral und ei,n Pfauenauge, die ge-\nheimnisvolle Lebensruine ab.\nSie durchwühlen den tiefrotsammtenen Augen-\nstern der Aurikelin, kriechen in die engsten Höh-\nlungen und achten dabei nicht ihres gefährdeten\nPrachtgewandes. Nun erblickt der Admiral die\nPfeilnaht. Entrüstet, nachdenklich, nachdrucksam\nentrüstet hält er inne: „Und hier ist auch geflickt!\"\nUnd noch bedeutsamer sieht er seine Genossin an.\n„Voltaire!\" haudht diese.\n„Nicht Voltaire, meine Gnädige, Büdhner.\nVoltaire war noch Deist, und wir sind doch\nAtheisten!\"\nUnd entrüstet, mit kräftigen Bewegungen stutzt\ner die beim Denken etwas in Unordnung geratene\nUniform wieder zurecht, und beide machen sich\ndavon.\nAtheistische Falter!\nUnd doch blüht frühlingsgrün die zarte Luft\ndes jungen Lenzes und andächtige Hummeln spielen\ndie Orgel.\nUnd dazu atheistische Falter!\nMariä Empfängnis\nDas Kind des Tempels war niemals irdisch,\nnie stofflich Verdunkelt gewesen.\nNidht einmal1 Spiel und Scherz, Reihdntanz, Be-\nwegungs- und Stimmenfreude an sidh und den Ge-\nspielinnen hatte sie vorbeschäftigt, die heitere\nDienerin des Tempels, die demütig beflisslene Ge-\nhilfin. Kein Verlangen nach dem saftprallen\nHerzen einer Frudht, eines Kindes aus dem Pflan-\nzenreich, kein Schönheitsdrang nach dem duften-\nden Liejde aus Farbe und Duft, der blühenden\nWeise der Blume hatte dem jungen Willen auch\nnur eine Regung entzogen. Nur dem himmlischen\nVater, dem Gotte Israels, dem Herrn der Heer-\nscharen, der niederwirft die Hodhmütigen und die\nBedränger seiner Kinder, die Halsstarrigen und Un-\nbeschnittenen (des Herzens, aber erhebt die Ver-\ndemütigten, ihlm, vor dem die Blitze schreiben die\nSprüche seines Zürnens und die Donner blasen\ndie Posaunen seines Nahens, dunklb, wuchtig\nschmetternde Posaunen. Er aber nahet lieblich wie\ndas Säuseln im Rosengebüsche des Tales von Saron,\nihhi allein war ihr Wesen ergossen.\nUnd das Erste, Einzige, was in ihrem jungen,\nzüchtigen Kinderhirne groß und sicher sich ein-\ngrub unter dem deutenden Finger der Mutter Anna,\ndas war das Buch des heiligen Gesetzes.\nUnd ihr erstes Lallen war Gebet.\nFeierlich war ihre Kindheit aufgewachsen in\nder heiligen hochgetönten Einsamkeit des Tempels.\nNur Frömtmigkeit sah sie, Opfer und Gebet,\nhin zum gütig erhörenden Vater. Und ihr frommer\nFleiß, die ernste Anmut ihrer weibliehen Kunst-\nfertigkeit wob am Sdhmuck des Hauses, in dessen\nDienst sie sich gestellt hatte.\nUnd ruhete sie ihre Finger streckend aus, sie\nlegte sie zum Gebet zusammen. Und neben ihr\nbetete die Blume des frommen Gebetes: die Lilie,\ndie Blüte unantastbarer Reinheit.\nDeren makelloser Keldh war der heranwachsen-\nden Jungfrau auch hier an heiliger Stätte ein\nsdhärferer Mahner zu unausgesetzter Fllucht und\nWachsamkeit, die ja ist die Tapferkeit der Seele.\nDie Seele kann stäubdhenloser sein als! irgendwas\nin der Welt, und den König und Meister der Seelen\nerfreuen und erquicken in seiner wunschlosen\nHeiligkeit.\nUnd je mehr Tugend, so mehr Pflege, so kost-\nbarer wird sie, um so mehr wird ihr nachgestellt,\num so mehr muß sie behfütet werden.\nMaria betet, sie hat ihre zarten Finger vor\nden geschlossenen Augen und sieht nach innen,\nzurück nach dem Urquell ihrer in Andachtsglut\nzitternden Seele.\nUnd dieses Lidht ihres Geistes, das schon als\nkleines Flämmdhen so hell gebrannt hat vor dem\nHerrn und stündlich langsam gewachsen ist wie\nGestalt und Alter, und heller geworden zugleich\nmit der Einsidht — nun atmet es tief und dehnt\nsich höher vor den stillen, den sanften, heitern,\nden leiser spiegelnden Augen des Höchsten. Sein\nHerz bewegt sidh. Und seine himmelergossene\nUrkraft glänzt heller hervor, aus ihrer heiligen\ngütigen Strenge, die Gottheit wallt, und aus der\nAllmacht flutender Zufriedenheit sprießt wie ein\nStengel der Geist: hellfeste Tat.\nAuftragahnende Engel glühen vor Lust des\nGehorsams, flugstraff ejn Eifer. Wangenzarte\nFreude aber glüht in den Antlitzen der Bleibenden\nstill. Fröhlich schwingen des Göttlichen Zweige\nund werfen ihren Strauß aus Geisterwelt der lau-\ntersten Seelengestalt, dem edelsten Gruße aus\nErdenland.\nDa vollendet ein Strahlenbogen den dunkelent-\nschlummerten Blick der Betenden.\nVor ihr steht eine helle, freundlich weiche, wie\nBefehl einer gütigen Gottheit weichhärteste Licht-\ngestalt, und lodert reine prüfende Züge.\nEs atmet hier Jenseits und sieht mit den dün-\nnein, strengen Nüstern, die wie Geisterluft zittern,\nau» wie Zorn. Und ist doch kein Zorn, sondern Ruh\nund Wesenheit."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2604, "texte": "Nun spricht Licht, Gott durchruft die Ge-\nweihte. Lind und hold und heller lebt das Licht.\nSein Geist um schwingt ihre Seefe mit Wirbel-\nschwertern. Droben geronnen in den Flügeln noch\nzittert nach die Reinheit seiner Schärfe. Noch aber\nstehn in der Luft seiner Sendung Töne, sdhönheits-\nergießender als Melodie und Wohllaut kann\nschlafen in irdischen Saiten, Töne, wie nur die\nGotte'siiiähe sie gibt: Schwingungen göttlicher\nWorte, die den Himmel an unser Ohr bringen.\nUnd Maria, die Gottesmagd, schaudert, dodh\nGehorsam läßt audh kein Ersdhrecken, kein Zagen\nin das reine Meiden gelangen, das nun ein reines\nLeiden werden soll. „Siehe, ich bin eine Magd\ndes Herrn!\" So erhaben, so wahr, so alles! redet\nnur die Demut.\nUnd um so inniger Versenkt sich die Jungfrau\nins Gebet, darin sidh zu sichern gegen zerstreu-\nende, grüblerische Gedanken, und nicht zu er-\nschrecken, sidh' nicht zu erheben, um so würdiger\nsidh zu weihen der hohen Erhabenheit, welche die\nBerufung ihres Gottes über sie bringen will, die\nUnwürdige.\nAber Gott, Gott muß es wissen, ihm sei es über-\nfassen. Und sie atmet ganz Liebte und Andacht.\nUnd lieb1 sind ihr die Stunden, da des Temmels\nstarre Pflicht, Idiie, obwohl gewissenhaft erfüllt,\nschon etwas zurücktritt, sie freigibt, 'da eilen zum\nSchemel ihre Kniee und sinkt in die Hände ihr\nsehnendes Antlitz und in Gottes Schloß ihre flüch-\ntende Seefe,\nUnd still ruht sie, gestärkt, freudig, ganz er-\ngeben, ganz ausgeglichen hinüber ins Göttliche.\nErwartend löst sidh auf die Zeit, und es be-\nginnt zu spielen Von Licht. Düster, düstergoldien\nwie Fußtapfen. Geisterbangen Sonnensdheiines\nsteckt noch Glanz in glorienvoller Kammer, und\ndes Weibes junge, mildlrnächtige Seele steigt, und\ndas Licht steigt und jubelt und zittert, u;md ein\nKörper ist nidht mehr da, es müßte denn der Leib\nsein Vor dein Schemel, der starre —\nOb es der ihre, sie weiß, es nicht, es sorgt\nsie nidht. Sie fragt nicht, sie ist ganz Seefe, ganz\nGottes. Und seine Macht leuchtet, daß. ihr die\nSinne, auch die Sinne der Seele vergehen, [die\nFähigkeiten zur Welt, zum Erfassen der höheren\nWelt ohne die fteisdhmüh'samen Gebilde.\nUnd Inun, da sie wieder zu sich gekommen,\nda sie wieder in ihrem Leibe ist, nun weiß sie,\ndaß sie Gott trägt und ausreift: die Jungfrau wird\nfrommsorgsame Mutter, ihr Leib nun selbst ein\nsorgsam zu behütender Tempel. Ein Gefäß der\nGnade, vor jedem Anstoß zu bewahren um des-\nwillen, was sidh' darin bereitet, der ganzen Welt\nund ihr zMm Heife.\nSie fühlt nur miehr Weib1, die Heilige, die\nheilige Mutter, die Gottes träger in, zu der mit\nscheuer Ehrfurcht zagsam aufsehn die Engel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "253", "page_fin": "254", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.5", "titre_corps": "Flaubert", "titre_sommaire": "Flaubert", "signature_source": "Max Brod", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.3", "debut_caractere": 2606, "fin_caractere_exclue": 12728, "texte": "Flaubert\nVon Max Brod\nIch verbiete mir allen Enthusiasmus und will\nnichts! als Klarheit reden.\nJedes: Werk Flauberts ist eine Summe von\nhundert Einzelheiten, jede dieser Einzelheiten sorg-\nfältig, intuitiv zugleich und neu. Diese Prosa (ist\ndicht; keine Zeile, keine Phrase ist Von dem1 Pflug\nheftiger Arbeit verschont geblieben. Maupassant\nerzählt Von dein Lektionen, die Flaubert ihm gab;\nwollte er ein Feuer darstellen oder einen Raum, So\nlehrte ihn der Meister, er müsse so lange in ihre\nBetrachtung sich verlieren, bis sie keinem andern\nFeuer, keinelm andern Raum mehr glichen und\nanfingen, in ihrer Individualität aus der Menge\ngleichartiger Dinge hervorzutreten. . . Viel wäre\nüber dieöe Detailarbeit zu sagen. Doch will ich\nheute Von der andern Merkwürdigkeit Flauberts!\nhandeln: Nicht nur alle Details seiner Romane\nsind neu, jeder Roman ist außerdem1 nodh als Ganzes\nneu. Mit deinen fünf Hauptwerken hat Flaubert\nfünf neue Type n vo n Kuns!tw erk e n ge -\nschaffen, untereinander ganz verschieden, ganz ver-\nschieden und durch eine unendliche Kluft getrennt\nvon der ganzen übrigen Literatur. . . . Nichts! hat\ner so gehaßt, wie das Banale, die Wiederholung!.\nSo hat er in seinen Büchern das fast Unmögliche\nerreicht, niemals sich oder gar andere zu wieder-\nholen, nicht im kleinsten. Und nur dem Kenner\nwird es einfallen, daß „Kokosnüsse als! Schmuck\nkleinbürgerlicher Wohnungen\" zweimal im Werk\nFlauberts erschienen: bei Dussardier in der „Edu-\ncation\" und bei PeCuchet.\nDie spezifische Atmosphäre der „Madame Bo-\nvary\" könnte man benennen: Alltag. Und Flau-\nbert hat ihn beschrieben, wo er am fühlbarsten\nist: Alltag in einer Kleinstadt. . . . Zum erstenmal\nin der Weltliteratur stehen hier Menschen vor uns,\ndie sich durch gar nichts auszeichnen, Typen der\nGewöhnlichkeit. Auch Blazac hat die Kleinstadt\ngeschildert („La Rabouilleuse\"), aber bezeichnender-\nweisie ist es gleich eine Kleinstadt, in der wüste\nMordgesellen handeln und eine Erpresserin funid\neine Merkwürdigkeit von altem Junggesellen. Nichts\nVon all dem bei Flaubert. Die Romantik versinkt.\nIn Yonville l'Abbaye gibt es nur Spießer. Balzacs\nWelt, die überwundene, wird von Flaubert selbst\ndurch Peduchets: Mund dargestellt: „Er glaubt an\ndie okkulten Wissenschaften, an die Anarchie, den\nAdel1, ist Von den Schurken geblendet, rührt (in\nMillionen herum, als! wenn es Centimes w,ären,\nund seine Bürger sind keine Bürger, sondern Ko-\nlosse.\" Dieses Abenteuer, die Realistik eines Salon-\nzauberers, ist abgetan. Nur im Kopfe eines Des-\nlaurier spukt sie nodh, und indem Fläubert Des-\nlaurier scheitern läßt, verurteilt er Balzac. Bei Bal-\nzac halten noch' Ausnahmemenschen, Napoleoniden\ndas Steuer das Welt, hinter den Figuren der „Ma-\ndama Bovary\" steht es in trüber Glorie geschrieben,\ndaß jeder eine Ausnahme zu sein glaubt, indes er\nwie viele andere ist, sein Schicksal wie eines jeden\nSchicksal1. Das gibt den traurigen Humor des\nBuches. Die Galerie der Enttäuschten beginnt, der\nspäter Matho, Frederick, Antonius, Feliicie, die Alten\nVon Chävignolles! sich einfügen. Die Natürlichkeit\nihrer Schicksale enttäuscht sie. So sehr ist jede\nFigur Fl'auberts! in sich Allgemeinheit, während Bal-\nzad sein Bedürfnis nach Allgemeinheit in abstrakten\nDigreslsionen befriedigen muß. Fl'aubert kann dieser\nDigreslsionen entraten, mit einem Zuge ist der ob-\njektive Roman geschaffen, das moderne Epos. ...\nEs ist ein kompliziertes psydhologisches Problelm,\nwie Fl'aubert zu idiesler neuen Form gelangte, gerade\ner. Von Natur aus! ist Ter Romantiker, Gaillarjd,\nHeros, Anbeter Viktor Hugos. Aus Romantik her-\nvorgehend Peslsimist, Feind der körperlichen Ge-\nnüsse, Feind seiner selbst. In Synthese ergeben\ndiese beiden Gefühle: Feind seiner eigenen Ro-\nmantik. Sein künstlerischer Instinkt jagt ihn vom\nschon Gesagten weg, Vom redseligen Pessimismus\nByrons. Er klagt nicht mehr, er beschreibt. Er\nflucht dem Bourgeois nicht, er stellt ihn dar. Aber\ndaö ist die Hauptsache: dieser neue Stil, der andern\nvielleicht letztes Ergebnis aller Mühe wäre, ist bei\nihm erst das Niveau, der Ausgangspunkt seiner\nMühe. . . . Gut, er wird nun den Alltag schildern.\nJetzt aber, schon meilenweit von aller bisherigen\nKonvention entfernt, beginnt er erst recht, sein\nGenie wirken zu lassen, der niemals Zufriedene.\nUnd inun durchstudiert er den Alltag so genau nach\nrechts und links, entlockt ihm alle Farben, variiert\nihn so überraschend und mannigfach, daß Zola,\nder ihm hierin folgte, wie ein plumper Vorläufer\nerscheint. Neben ihm wirkt Maupassant fad, die\nGondourts planlos, obwohl alle diese erstklassige\nEpiker sind. Aber nun Fl'aubert gibt mit jedem\nneuen Roman nicht nur eine neue Atmosphäre,\nsondern gleich alle Nüancen dieser Atmosphäre.\nEr schafft ungeheure Felsblöcke herbei und mo-\ndelliert sie zugleich ins feinste.\nParis! hätte Fortsetzungen des Genres „Bovary\"\nerwartet. Fläubert aber holt eine andere Seele aus!\nsidh hervor, d|ie| „Salammbo\". Vorher schrieb er\neinmal eineml Freunde: Indem ich Spirituskocher\nbeschreibe, werde ich selbst einer. . . . Nur seinem\nTrieb folgend, beschreibt er Helden, Gewalttaten,\nFoltern. Aber zugleich seinem Prinzipe folgend,\nstellt er sie in ein Milieu, in dem das Größte als\ngewohnt erscheint. Er gibt gleichsam den Alltag\nder Exotik. In seinem wissenschaftlichen Drang\nrekonstruiert er das brausende Karthago. So be-\nfriedigt sich in ihm mit einem Streich der Historiker,\nder Freund der Barbären, de'sl Orients. Seine Studien\nsind ungeheuerlich. Man liest in den Tagebüchern\nder Goncourts (4. März 1860): „Dann bringt man\nFlaubert drei große, in der kaisierlidhen Druckerei\nhergestellte Quartbände über die algerischen Berg-\nwerke. Er hofft darin ein Wort zu finden, das! er\nzu seinem karthagischen Roman braucht.\" Und\nFlaubert kann gegen eine Kritik des! Professors\nFroehner brieflich ihm mitteilen: „Je n'ai, monsiieur,\nnulle pretention a Parcheologie. J'en siais cepen-\ndant assez, monsieur, pour oser dire que vous\nerrez completement d'un bout a Pautre de votre\nträvail.\" Für jedes! Detail des Romans weiß pr\nBelegstellen, Autoren, nichts hat er willkürlich ge-\nschrieben. Das Werk l'ohnt die Mühe. Wieder ist\nein neuer Typ des' Romans gelungen: der exakt-\nhistorische, in dem aber die Wahrheit neben der\nSchönheit bedeutungslos ist, trotz aller Wahrheit.\n„Die Sdhule der Empfindsamkeit.\" Ich würde\neigentlich übersetzen: „Schule der Gefühllosigkeit\",\nDenn darum handelt esi sich in diesem, wenn es\nnicht geschrieben wäre, unglaublichen Buch. „Alles\nversiegt, kein Gefühl1 kommt ans Ziel\", schreibt\nFläubert darüber. Wie Salambö ist es eine In-\nversion der „Madame Bovary\", aber von anderer\nSeite her. In der „Bovary\" klagt ein stets un-\nruhiges, romantisches Gemüt in monotoner Um-\ngebung, hier dasselbe Lied mitten in Paris, mitten\nin tausend anderen Bewegungen. Hier ist zum\nerstenmal' der Roman einer Stadt geschrieben, ein\nRoman mit tausend Nebenfiguren und Nebenereig-\nnissen, scheinbar unübersichtlich, doch gerade in\nallem Hin und Her vom zartesten unsichtbarsten\nfestesten Plan beherrscht, aus dem tiefsten Herzen\ndes Buches herauf. Hier ist das Beispiel eines\nMassenromans zum erstenmal' gegeben und nie mehr\nerreicht worden.\nDas Niveau in der „Versuchung des heiligen\nAntonius\" ist: Heiligkeit, Askese. Auch diesmal\ndie Grundstimmung nicht Endprodukt; sondern\ngleich mit den ersten Akkorden (erzielt, wird sie\nMaterie zu weiteren herrlidhen Spielen. Gleich mit\nden ersten Zeilen spüren wir: eine fremde Welt,\ndas1 haben wir noch1 nie gehört. Aber Fl'aubert\ntut gl'eidhisam so, als sei diese Höhle selbstverständ-\nlich, ganz und gar heimisch ist er in den uns\nneuen Gefühlen, mit Intensität (das ist es, was\nihn immer so auszeichnet: unbegreifliche Intensität)\nwandelt er die Frömmigkeit in alle ihre Ausläufer\nab1. Würde man glauben, daß esi zu dieser Stelle\nkommt: „Antoine et Hilarion s'amusent enorme-\nment. lis se tiennen t les cot es a forde de rire\"?\nEin Mönch, ein Einsiedller! . . . Und doch. An-\ntonius zerspringt fast vor Lachen, wie er die selt-\nsamen Idole der Heiden sieht. Da fühlen wir:\nwie weit von aller Schablone ist dieser Heilige ge-\nzeichnet, wie kraftvoll, unbegreiflich ! Er ist fromm,\naber individuell fromm, und zwar hartnäckig, selbst-\ngefällig, ein wenig beschränkt. Wenn die Ver-\nsuchung zu stark wird, beginnt er zu weinen. Wir\nkommen ihm sto nah dadurch. Ein ganz; neues\nGenre entsteht: der Humor, ja die Komik der Heilig-\nkeit. Ohne etwas1 von seinem Pathos, seiner Mystik\neinzubüßen, wirkt das Buch humoristisch, in einer\nganz ungeahnten Art menschlich. Wenn sich die\nindischen Götter verneigen, so neigen die, die\nmehrere Köpfe haben, alle zugleich. Wenn die\nBabylon ier ihre göttlidhen Sterne beobachten, es\nerscheint kultiviert und fast dandyhaft: wirft der\nEremit bäurisch starrköpfig hin, wie aus einem\nKatechis'mus: „Die Sterne sind keine Götter\".\nUnübertrefflich, wie der Magier Apollonias! sich1\naufdrängt, aber mit Hilfe seines treuen Dieners\nschnell die Sadhe umdreht, so daß Antonius ihm\nsich aufzudrängen scheint. Ich möchte das auf der\nBühne sehen. Und wie in alle Frömmigkeit der\nEhrgeiz, der Neid, die ganze Skala der Leiden-\nschaften einspielt, natürlich alles transponiert durch\ndas! Medium der Heiligkeit, alles auf den gemein-\nsamen Nenner der Kasteiung gebracht. Kleine irra-\ntionale Züge bringen unsl das Unglaublichste unter\ndie Augen. Die1 Christen stoßen ihre verurteilten\nBrüder den Löwen entgegen, „um ein Ende jzu\nmachen\", einfach aus! Nervosität. Ehe sie grausam\nden Tieren vorgeworfen werden, reicht man ihnen\n(mitleidig?) einen narkotischen Wein. Unter den\nrömischen Göttern tritt auch Crepitus auf.\nNodh einmal1 eine ganz neue Tonart „Bouvard\nund Pecuchet\". Das enzyklopädische Buch. Die\nBibell des! Dilettantismus... Die beiden Bieder-\nmänner des Titels sind Idealisten, von gutem Willen\nerfüllt, nach Höherem strebend, aber Durchschnitt,\nMittelmaß. Durdh eine kleine Fleißaufwallung glau-\nben sie jede Wissenschaft, jeden Zweig des1 mensch-\nlichen Lebens' beherrschen zu können. Wie Don\nQuidhote übersehn sie Schwierigkeiten, ihre tragische\nKomik wächst aus derselben Wurzel. 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Die künstlerische\nNeuheit des Werks liegt aber nicht etwa in dieser\nheftigen gatire, wie Flaubert selbst in manchen (Brief-\nsteilen und zahlreiche Kritiker meinen, sondern\ndarin, daß Flaubert als! erster die Schönheit des\ntrockensten Stoffes beschwört, die Poesie des\nwissenschaftlichen Dunstkreises. Er beschreibt hier\nBücher wie Landschaften, Systeme wie Kata-\nstrophen. Mit drei Worten wird ins Herz\neiner Geistesrichtung getroffen. Seine ungeheure\nKraft zeigt sich in der zwanglos mitlaufenden Er-\nzählung, in der Verbindung der Teile. Wie (die\nFreunde, von der Hygiene enttäuscht, zu einer tüch-\ntigen Mahlzeit zurückschnellen und dann gesättigt\n(selbstverständlich) die\" Sterne betrachten, ein bür-\ngerliches! Gespräch über Astronomie loslassen. Wie\nSie, müde des politischen Lebens, sich in der Liebe\nüben... Und unfehlbar gibt Flaubert alle Gemein-\nplätze, die man über ein Thema sagen kann. Das\nGerede PeHerinsi in der „EduCation\" war nur ein\nkleinem Vorspiel. Hier schwillt das Stupide, das\nUnzulängliche in gigantische Maßstäbe. Die fünf-\nzehnhundert Bücher, die Flaubert Vorarbeitend\ndurchgelesen hat, wirken schließlich wie ein er-\nhabenes! Denkmal, ohne dadurch ihre Lächerlich-\nkeit zu verlieren. Diesl alles zwischen zwei bejahrte\nMänner gelegt, ihre rührende Freundschaft, ihr un-\nermüdlicher Eifer, ihr sympathisches Pech: ein neuer\nTyp des Grotesken ist gebildet, selbständig und\nisbliert wie alles, was der Große berührt hat. Der\nfünfte Roman: die fünfte Einsamkeit.\nEs! wird gut sein, wenn man statt in biographi-\nschen und Weltanschauungs-Zusammenhängen die\nBedeutung Flauberts! in dieser fünffachen Ori-\nginalität erkennt.\nDie Werke Flauberts!, Romane, Novellen, Briefe,\nliegen nun in deutscher Gesamtausgabe vor. Durch\ndas! Erscheinen des nachgelassenen Romans „Bou-\nVard und Pecüchet\" ist sie in diesen Tagen voll-\nständig geworden. Alles Lob dem kulturbewußten\nVerlag I. C. C. Bruns, dem gelehrten Heraus-\ngeber Dr. Fis!Cher, etwas weniger ihm1 als Ueber-\nSetzer. Die Dramen und Jugendwerke Fläuberts\nwerden Vielleicht später noch angefügt. . . . Doch\nSteht zu erwarten, daß schon in dieser Form die\nAusgabe, richtig erfaßt, eine starke Umwälzung\ndeS deutschen Schrifttums und der literarischen An-\nsichten hervorbringen wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "254", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.6", "titre_corps": "Der Sohn der Lilame", "titre_sommaire": "Der Sohn der Lilame", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.4", "debut_caractere": 2837, "fin_caractere_exclue": 9738, "texte": "Der Sohn der Lilame\nVon Else Lasker-Schüler\nAls Ltlame, die Gemahlin des Großveziers, nodh\nin ihrem Schoß den kleinen Mehmed trug, ge-\nschah es, daß unter ihrem Fenster eine Gaukler-\nbande mit hellblauen Fladhsperücken ihre Späße\ntrieben. Und alfe Mehmed auf die Welt kam,\nringelten sich mitten auf seinem Kahlköpfdhen zwei\nganz kleine hellblaue Wollhärchen. Seine Mutter\nLiläme soll schwermütig darüber geworden sein,\nund sein Vater, der GroßVezier, ließ alle Friseure\ndes Landes in den Palast rufen, aber die standen\nratlos um den hellblau keimenden Haarboden seines\nSohnes. Und Mehmed wurde der Welt böse, als\ner zum erstenmal mit seinem Gouverneur durch die\nStraßen Vton Konstantinopel spazierte. Die reichen\nund die armen Leute hielten sidh1 die fetten und\ndie hageren Bäuche Vor Lachen. Und einige von\nihnen wurden sogar handgreiflich und zupften an\nden Spitzen seiner hellblauen Locken. Aber als\nMehmed älter wurde, gewährte es ihm einen un-\nerklärlichen Reiz durch die lachende Volksmenge\nzu schreiten. Seiner Locken Blau hob sich grell\nab Von der Zitronenfarbe seines Turbans. Und an\njedem Jahre einmal kam der Tag des großen\nKöpfens. An dem! wurden alle, die sich des Lachens\nbei seinem Anblick nicht enthalten konnten, in den\nweiten Vorhbf seines Palastes geladen. Der Sohn\ndes Großveziers saß dort auf einem steinernen Stuhl\nund zwang seine Opfer, sich noch' einmal so un-\ngebührlich zu gebärden, wie sie sichs vor ihm auf\nden Straßen Konstantinopels hatten zuschulden\nkommen lassen. Aber die Leute zitterten vor\nNöten, und namentlich die Kinder heulten, denn\nauf einer Wetzbank lagen krummgebogene Schlacht-\nmesser wie blitzende Mondsicheln, in jeder Größe\nfür jeden Hals1 passend. Aber es ist noch nie eines\nvon ihnen blutig geworden, denn Mehmed erlöste\ndie Qual der Schuldigen, indem er sie vor ihrer\nHinrichtung wieder in ihre Wohnungen schickte.\nUnd man betrachtete den Sohn des Großveziers\nbald mit scheuen Blicken. Die Lachlustigen ver-\nbärgen ihre Gesichter, wenn sie ihn von ferne\nherannahen sahen. Und die alten Weiber auf\nden Plätzen, die Spezereien und Kräuter\nfeilboten, tuschelten sogar von der Wunder-\nkraft seiner heiligen, hellblauen Haare. Aber\nMehmed war der Welt böse. Doch weil er sie so\nliebte, begann er seine außergewöhnlichen Haare\nmit flüssigem Kalk zu verkleistern. Und als ich\nihn eines Abends also tun slah, trat ich in den Garten\nzu ihm, er saß am Rand des Spiegelseesl, und sein\nHaupt war wie ein Stückchen Himmel, was in das\nkleine Wasser gefallen War. „Was beginnt Mehmed,\nmein lieber Vetter?\" Und ich wehrte ihn, sein\nVorhaben weiter auszuführen, denn ich empfand\njedesmal eine Prophezeiung beim1 Leuchten seiner\nhellblauen Haare. „Mehmed, du bist ein Weiser\nund bist ein Narr, da du es nicht weißt. Und wenn\ndu auch die schwarzen Haare deines Vaters oder\ndie braunen Locken Lilämes, deiner Mutter, trügest,\ndich hätte das gleiche Geschick ereilt.\" Ich zeigte\nin den See. „Deine Stirneist mit Gold beschrieben,\nwie sollten die Unwissenden ihre Sprache deuten\nkönnen, und deine Augen blicken in eine andere\nWelt.\" Und wir stellten noch1 am1 selbten Abend\neine Probe an, er Verbarg seine hellblauen Haare\ntief im Turban, und ich sah1 recht deutlich durch\nineinen Schleier, wie sich die Vorüberschreitenden\nneugierig anstießen und ihre Lachlust ihm galt.\nAber Mehmed wandelt seitdetm1 nur noch' vor mei-\nnem Gitterfenster des Harems auf und ab, bis ich\nzu ihm in den Garten trete: Seine hellblauen Locken\nläßt er sich nicht mehr nach Landessitte beschnei-\nden, sie haben schon die Länge , seines Rückens\nerreicht; und eines Abends am Spiegelsee offen-\nbarte er mir, ihn beseelte die tiefe Erkenntnis, er\nsei tatsächlich ein Weiser und größer al!sl alle seine\nNebenmenschen, als Mond und Sterne. Und er\nkönnte seine unumstößliche Erleuchtung nur damit\nbegründen, daß er ein Zwilling Allahs! sei. Auch\nwürde er ferner nicht mehr über die Straßen Kon-\nstantinopels schreiten und die winzigen Menschen-\nhaufen zertreten, das Vertrüge sich nicht mit seiner\nWeisheit. Aus verschiedenen Ländern läßt er\nGeometer kommen, weldhe die Höhe der Granit-\nsäulen feststellen sollen, auf denen das Dach seines\nPallaistes ruht. Er geht Wetten ein, natürlich gewinnt\ner immer. Er ist ja beträchtlich' größer als die\nsteinernen Träger. Und die Pyramide jenseits des\nUfers hat er selbst mit den Klötzen aus! den Bau-\nkästen der Haremskinder aufgebaut. Und die mäch-\ntige Moscheekuppel1 ist ein Punkt gegen seinen\nKopf. Und sein Vater, der Großvezier, erbaut sich\nan der heiteren Laune seines sonst so schwer-\nbrütenden Sohnes; übersteigen seine Spiäße doch\ndie Sprünge der Gaukler Vor dein1 Palast. Aber\nich werde täglich Schwermütiger, wie Lilam'e, seine\nMutter. Und es war in aller Frühe, die Priester\nhatten noch nidht die Gebete verrichtet, als ich\nMehmeds Stimme Vor meinem Fenster höre. Er\nschwenkte eine Zeitung triumphierend wie eine\nSiegesfahne durch die Luft. Und er ließ mir kaum\nZeit, die große Neuigkeit zu Ibsen. Es handelte\nsich um ein Elefantenriesenmonstrum aus Ost-\nIndien. Augenblicklich weilte es in der Kaiserstadt\nder Deutschen, im Abendland. Fünfundzwanzig\nschwarze - Diener müssen sich zur\nReise bereit halten und außerdem die Hoch-\ngestelltesten im Palaste, und ich, seine Base,\ndie idh seiine Weisheit zuerst erkannt habe.\nAuf der Fahrt über die Gewässer verhielt sich\nMehmed auffallend schweigend, nur manchmal\nsteigt ein Sieges llädhleln jäh1 wie auf Meileneile über\nsein Antlitz und Verklärt seine hellblauen Haare.\n— Umzäumt von drei Eisengittern gewahrten wir\nGoliathofoles, das Riesenmonstrum, und in den\nNebenkäfigen die anderen Elefanten, die ihn kopf-\nschüttelnd begaff «In. Er war gerade im Begriff,\nzwei Kessel Wasser auszuschlürfen. Auf eine Ein-\ngabe hat die Hauptstadt die Kessel der Gasanstalt\ndem hohen Gaste zur Verfügung gestellt — und\nder Westen war ohne Beleuchtung. Goliathofoles\nwar so groß — um1 gewissenhaft zu berichten:\nauf seinem Kopf lag Schnee. Aber nichtsdesto-\nweniger verstand er mit seinem Rüssel die Orgel\nzu drehen und namentlich die Trommel zu schla-\ngen. Heute aber weigerte er sich entschieden, seine\nKunststücke dem Publikum vorzutragen. Trotz der\nvielen Zutikerhüte, die für ihn zur Belohnung in\nBereitschaft standen. Mehmeds schmächtige Glie-\nder krampften sidh vor Ungeduld und die\nfünfundzwanzig Diener seiner Haut spannten\nihre Volle Kraft an, um das! Vorhaben ihres\nHerrn zu verhindern, in den Käfig einzudringen.\nMit zugespitzten Lippen, girrende Töne\nflötend, versuchte er das unfolgsame Riesen-\ntier zu ermutigen. Bisquitkrümel warf er in sein\nhöhlenaufgesperrtes MäulChen. Er duckte sich\nimmer kleiner, damit Goliathofoles auch den auf-\nmunternden Trommelwirbel seiner Hände auf dem\nGesäß eines seiner Diener vernehmen könne.\n„Gutes Kiehnd, gutes Kiehnd ....!\" Einen so köst-\nlichen Prinzen hat das Publikum in seiner Haupt-\nstadt noch nicht empfangen. 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Djellah ist in der Richtung der\nherrlichen Ruth St. Denis; nur leidenschaftsloser,\nweniger prunkvoll, selbstverständlicher, ohne Gobra-\nGift-Dekoration. Um so edler und wertvoller. Bei\nuns kümmert man sich leider noch1 immer viel zu\nViel um das „Können\" von Menschen als aus-\nschließlich um ihr „Sein\". Das Erlernbare ist „er-\nlernbar\", aber Vor dem „Unerlernbaren\" in jeg-\nlicher Ridhtung, da müssen wir „Habt Acht!\"\nstehen und ehrfurchtsvoll salutieren. Heil Djellah!\nKönnen, erlernen ist gar nichts; aber es Von Schick-\nsals Gnaden mitbekommen haben, Glieder, Hände,\nFüße, Gelenke, Teint, das1 ist das wirklich Beson-\ndere auf Erden.\nBei Gelegenheit ihres Auftretens in Wien"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.8", "titre_corps": "Fortschritt! : Niederungen der Bedürftigkeit", "titre_sommaire": "Fortschritt! : Niederungen der Bedürftigkeit", "signature_source": "Progreb", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.4", "debut_caractere": 11439, "fin_caractere_exclue": 12152, "texte": "Fortschritt!\nNiederungen der Bedürftigkeit\n\nDer Königsberger Naturforschertag hatte das\nBerliner T ageh 1a 11 so aufgeregt, daß es be-\nschloß, seinem Leserkreis auch einmal wissen-\nschaftlich zu kommen. 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Aber nicht nur\nOptik und Akustik streiten um den Sieg. O nein,\ndem Esoteriker Kastan gehts um Höheres.\n„Die Gedankenkolosse, die Planck und seine\nArbeitsgenossen am Baumle der Erkenntnis an ihren\nHirn Werkstätten hin- und her wälzen, um neue\nAnschauungen Von dem Weltbilde zu gewinnen,\nsie bleiben Vorerst Wenigstens dem Laiensinn un-\nzugänglich; sie bleiben vielmehr geheim und sind\nweit entfernt davon, allgemein und gleich zu sein.\nMan nähert sidh ihnen nur unter ganz bestimmten,\naber unerläßlichen intellektuellen und scientifischen\nV o ra u s s etzungen.'1\nDas steht wirklich da, in der Abendausgabe\nvom 28. September einer großen Berliner Zeitung.\nIndessen scheint sich doch, nach der ganzen Fas-\nsung 'des Satzes, der Herr Kastan zu wundern,\ndaß seine „Gedankenkolosse\" nicht „allgemein und\ngleich sind\". Er kann ganz ruhig sein. Wie sollen\ndie ärmsten denn allgemein und gleidh sein, wo sie\ndoch nicht wissen, ob „die Planck und seine Ar-\nbeitsgenossen\" Sie „am Baume der Erkenntnis\" oder\n„in ihren Hirnwerkstätten\" „hin- und herwälzen\".\nIch denke, schon das beschwerliche Hin- und Her-\nwälzen wird ihnen ihre Gleichheit genommen haben.\nWarum sie aber nicht auch „allgemein\" sind? Sehr\neinfach! Man nähert sich doch nur unter uner-\nläßlichen sdienti 112 i s c h e n Voraussetzungen. Ich\nbegreife nicht, wie Herr Kastan es über sich ge-\nwinnen kann, nidht: Heureka! zu rufen. Die Ent-\ndeckung, daß man sidh der Wissenschaft nur unter\nscientifischen Voraussetzungen nähert, hat doch\nsicher ein Flui dum an sich, das dem Tageblatt\nungeahnte Siege unter einem Leserkreis sichert, der\nsich bisher nur mit der bereits etwas veralteten\nHerleitung der Armut aus dem Pauperismus be-\nschäftigt. — Woran liegt aber dieser ungeheure\nUmschwung der Dinge ? Er liegt an einer Cha-\nraktereigenschaft des Forschers Ehrlich. Bisher\nkannte man musikalische und unmusikalische For-\nscher. Das Tageblatt hat eine neue und sehr\ngebildete Begabung entdeckt: die biologische. Bitte,\nman lese: „Der biologische Forscher Ehrlich, der\ndurdh seine Entdeckung mitten hinein in das Ge-\nwühl des Lebens getreten ist...\" Der sdientifis'dhe\nJournalist Kastan, der mitten hinein in das Gewühl\nder Syntax getreten ist, war aber so bescheiden,\neine triftige Entschuldigung vorzubringen: „Denn\nin die Erkenntnistiefen, wenn auch nur nach-\nbegreifend, m i t einzudringen, ist und bltaibt in alle\nEwigkeit nur den wenigsten beschieden.\"\nNun, die alte gute Reportersitte hat ja stets\nvorgeschrieben: Wenn man irgendwo nicht mit\ne i n d r i n g e n kann, dann wartet man draußen und\nfragt den Portier aus. Der Portier scheint denn\nauch Herrn Kastan berichtigt zu haben. Mit den\nErkenntnis-Tliefen war es wiohl nichts; denn auf\neinmal bekommen wir von Planck und Ehrlich zu\nlesen: „Nur daß der eine sich lediglich auf den\nHochspitzen der reinen Anschauung hält und\nhalten muß, während der andere in die Nie d e -\nrunge n de r Bedürftigkeit sich herabzu-\nlassen vermag\". Wer kann ermessen, wie furchtbar\ngefährlich die Kletterpartie Von den Tiefen über\ndie Hochspitzen in die Niederungen ist, wenn der\nJournalist, der sie Verantwortet, sich nicht zu ent-\nscheiden vermag, in welche Niederungen Ehrlich\nsich herabläßt: in die Niederungen des Bedarfs,\noder in : die jener, welche seiner bedürfen, oder gar\n— aber nein, das ist doch wohl im Tageblatt un-\nmöglich — in die der Bedürftigen ?\n\nProgreb"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "255", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.9", "titre_corps": "Herr Busse zog über die Hügel", "titre_sommaire": "Herr Busse zog über die Hügel", "signature_source": "R. 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Talent\nsei, pathetisch und wuchtig, in kraftvoller Wort-\nsymbolik und skeptischem Paradoxisimus schwelge\".\nIch habe dies erst nachher gelesen.\nIch saß eines Abends im Cafe Bauer und blät-\nterte in den Zeitschriften, bis mein Blick auf eine\nStelle fiel, die imiclh aufrüttelte. „ eine leise\nbeiseelte Künstlerhand, ein feines sonntägliches\nGlockenschwingen und Schmetterlingsfliegen über\nrotblühenden Kleefeldern und wogenden Acker-\nbreiten.\" Was war geschehen?! Herr Carl1 Busse\nhatte einen neuen Gedichtband unter dem Titel1\n„Die heilige Not\" erscheinen lassen. Seit Herr\nSchüler dieses Buch gelesen hatte, fand er keine\nRuhe mehr. „Die Not baut unerbittlich ihre hohen,\nlichtverstellenden Schranken. Blumen, die hinauf-\nwbllen, müssen Verkümmern, weil die Planken, die\numfalle Sehnsucht gezimmert sind, nichts dulden,\ndas sie im Drang nadh Licht und Leben über-\nsteigen will\" Herr Schüler merkte in seiner un-\nbefleckten Ahnungslosigkeit nicht, daß Herr Busse\nsein Buch aus eben den Planken gezimmert und\n— damit sie nicht in ihrer häßlichen kiefernen\nNacktheit dastehen solllten — mit Fliegenleim und\nLakritzensaft bestrichen hatte. Kraftvolle Wort-\nsymbolik, sagte Herr Benzmann Herrn Schüler\nnach. „Trotz allem, was man in merkwürdiger\nund merkwürdig störrischer Art gegen ihn (Busse)\ngesagt hat und noch1 sagt, ist er ein Meister in\nStimmung und Form. Er ist voll allem, es sei\nwiederholt, lyrisch bis in die Fingerspitzen.\" Das\nist kraftvolle Symbolik.\nWeiß man im „Literarischen Edhb\", weiß Herr\nSchüler denn, was lyrisch ist? Busse — ein\nLyriker?! Busse, der neben Rudolf Presber zu\nden Lieb Hingen der Mäd che n pe n s i o n a te zählt, Busse,\nder niemals Gedichte, sondern nur Rosinenwasser\nVerzapft hat, lyrisch? Ich habe die vier Gedicht-\nbände Busses nidht gelesen, nur darin geblättert.\nAber im „Literarischen Echo\" fand ich ein Ge-\ndicht, aus dem ich folgende Verse hersetzen will.\nErnstgemeinte. „An mein Kind\".\nDoch heb' einst nicht das Haupt so sehr:\nwir kamen auch von unten her\nin Tiefen haben Wir geschafft,\ndie Tiefe gab uns Kern und Kraft.\nEs trug dein Ahn kein Ritterschwert,\nihm waren Pfriem und Ahle wert.\nIn blanker Kugel glomm das Licht —\nVergiss das nicht — Vergiss das nicht.\nViel schlechter sind Stammbücher-, Ansichts-\nkarten- und Stollwerkbilderreime nicht. Auch früher\nschrieb Busse so.\nDie Graugans zog gen Süden heut\nwohl mit geschwindem Flügel,\nda fuhr mit Schall und Brautgeläut,\njuchheirassa!\nein' Hochzeit über die Hügel.\nJuchheirassa! lyrisch bis in die Fingerspitzen!\nIst Busse, der Prosaist besser? Er selbst gibt zu:\n„All die Romane und Novellen, die ich schlecht\nmachen mußte, weil ich sie noch (!) nicht gut\nmachen konnte, haben mir Studium und Ehe, haben\nmir ein Leben ermöglicht, wie idh es führen wollte.\nIch liebe die Dichter nicht, die nur am Schreib-\ntisch Dichter sind und deren ganze Kraft in ihre\nBücher geht\". Hiernach erübrigt es sich, eine Probe\naus der „Referendarin\" oder den „Königsträumen\"\nanzuführen. Aber nicht genug, daß; Busse das\nDeutsch seiner Heimat spricht.\nEr stammt aus dem Städtchen Birnbaum und er-\nzählt im „Literarisdhen Echo\", daß auch Lelsser\nUry (der nur von den Zionisten geschätzt wird),\nFranz Jüttner (ein Zeichner der sogenannten „Lusti-\ngen Blätter\", der die Wände des Bierrestaurants\n„Künstlerklause\" verschandelte), Georg Busse-\nPalma (ein jüngerer Bruder des Herrn Carl Busse,\naudh ein „Lyriker\", der chinesische Dichter Ver-\ngewaltigte), und die Söhne des Herrn Jankreff Tietz,,\ndenen ein paar Dutzend Warenhäuser gehören, in\nBirnbaum geboren sind. Dann fährt Herr Busse\nfort: „Birnbaum zählte damals 2500 Einwohner...\nund ich frage jeden Menschen, wo es in deutschen\nLanden nodh ein so geringes Nest gibt, das! in\neiner kurzen Zeitspanne ein halbes Dutzend doch\nimmerhin respektabler Leute hervorgebracht hat —\nLeute, die sich so oder so ihren Zeitgenossen be-\nkannt gemacht häbein. Wer eins weiß, soll es\nsagen.\" Das ist doch eine Unverfrorenheit, die\nselbst einem Größeren schlecht zu Gesicht stände.\nBusse gibt zu, daß er nur des Geldes wegen ge-\nschrieben hat. Aber warum versuchte er es nicht\nmit einer jetzt so beliebten Spezialität, zu Millionen\nzu gelangen. Seine Verse schreien nach Paul Lincke\nund Vidtor Holländer. Man weiß, daß R. Lothar\nselbst mit dem Reimlexikon keine Chansons zu-\nstande bringt. Für Herrn Busse wäre es eine Klei-\nnigkeit. Es würde mir eine Genugtuung bereiten,\nkündete Herr Palfi dem Kurfürstendamm im näch-\nsten Jahre an:\n„Die Referendarin\"\nOperette in drei Akten \\ton Carl Busse\nund Rudolf Lothar\noder\n„Königs träume\"\nOperette Von Carl Busse und Victor Leon.\nDann würde Herr Busse dem Publikum keine\nEngelhörner mehr aufsetzen können und doch\nkönnte ihm Herr Holländer einen Einzugsmarsch\n(frech nach Wagner) in eine Grunawaldvilla schrei-\nben. Zu seinen Hausabzeichen: Ahle, Pfriem und\nSchusterkugel ließe sich eine stimmungsvolle\nCouponschere hinzutun — und Herr Benzmann\nwürde von kraftvoller Symbolik sprechen.\nAber ich fürchte, Herr Busse hält sich für einen\nDidhter. Wäre Herr Busse nur Gedicht- und\nRomanfabrikant, [man würde ihn ertragen, würde\nes hinnehmen, daß sein Schaffen der Einbruch der\nGoMenen 110 in die Literatur ist. Seine Leihhaus-\neleganz wäre ein Schulbeispiel. Es muß auch\nschlechte Schriftsteller geben — aber sie sollen\naufrichtig sein und sich nicht als Berufene in Szene\nsetzen. Dieser Herr Busse ist n,äml!ich Kritiker,\nKritiker beim „Literarischen Echo\" und „Velhägen\nund Kissings Monatsheften\". Wie er das Amt\ndes Rezensenten, des Torwächters\" an der engen\nPforte des Reiches der Kunst (Andre Gide hat einst\ndiese Worte gesprochen) auffaßt, mag eine Aer.ße-\nrung zeigen, die er drudken ließ: „Rudolf H-rzog\nkann die Kritik aus lachen, denn das Publikum hat\nsich für ihn erklärt\". Hiermit ist der Kritiker Busse\ngeridhtet. Sein Ruhm ist ein Treppenruhm. Er\nist stufenweise die teppichbelegten Aufgänge der\nKurfürstendamm Wohnungen emporgeeilt und hat\nsich in die Boudoirs gedrängt, wo er neben den\nHausfreunden und den „Gesprächen der Alioysia\nSigara\" auf dem Di van zu liegen kam. Nach Art\nemporgekommener schlechter Didhter haßt er die\nechten. Und so erzählte er den Lesern von „Vel-\nhägen und Klasings Monatsheften\" neulich folgende\nUnVersdhämtbeiten von dem herb- süßen Roman\n„Malte Laurids Brigge\": „Die zweibändigen „Auf-\nzeichnungen des Malte Laurids Brigge\" sollen nur\nals dharakteristische Ausgeburt einer selbstgefälli-\ngen Aesthetenkunst Erwähnung finden. Aus dem\nungeheuren Wortbrei der zwei Bände habe ich sonst\nnur noch behalten, daß einmal ein blinder Mann\nBlumenkohl ausruft — was für Herrn Brigge ein\nungeheures Erlebnis ist.\" Die subalterne Phan-\ntasie Busses kann sich in die Gedankenwelt Brigges\nnidht einschleichen. Von dem Verfasser, Rainer\nMaria Rilke, sagt Busse: „R. M. Rilke war bisher\nziemlich härmlos: ein poetischer Kunstglasbläser\nund Zierathäimmerer. Sein Malte Laurids Brigge\naber hätte das Zeug dazu, die Entwicklung einer\nsanften Verblödung in einem gar zu aufmerksamen\nLeser anzubahnen. Und darauf darf man es nicht\nankommen lassen. Man muß sidh für seine Kinder\nerhalten.\" Vielleicht wäre es besser, statt gegen\nBusse ein Pasquill gegen das1 Publikum zu schleu-\ndern, welches nicht protestiert, wenn alberne Be-\nmerkungen als kritische Waffengänge ausgebbten\nwerden. Diese Leser haben den Treppen rühm\nBusses gezüchtet, sie lassen ihn nicht fallen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "256", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.10", "titre_corps": "Die neue Sezession", "titre_sommaire": "Die neue Sezession", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.5", "debut_caractere": 11462, "fin_caractere_exclue": 12115, "texte": "Die neue Sezession\nDie Kritik1 macht sich das Leben sehr bequem.\nSie arbeitete bei jeder neuen künstlerischen Er-\nscheinung, bei jeder neuen künstlerischen Institu-\ntion mit denselben Mitteln: feie schweigt oder witzelt.\nUnd das Publikum lacht. Beiden Parteien gemein-\nsam ist das innige Verhältnis zu Michelangiolp\nund Rafael, zu Goethe und Sdhiller, zu Beethoven\nund Mozart. (Allerdings berufen sich auch die\nKitscher aller Künste auf diese Herren.) Konser-\nvative, Liberale und Demokraten sind darin einig,\ndaß ungefähr mit dem Jahr 1870 die Kunst de-\nfinitiv begraben wurde. Sie erkennen aber bereit-\nwillig die Leute an, die sie an ihre Jugend- und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4208, "texte": "Schul-Eindrücke möglichst getreu eri' also die\nKopisten. Denn die Mehrheit ist an/f-Vilich so durch\ndie Geschäfte und die Lebensfreude iberanstrengt,\ndaß sie nicht Lust hat, Neues aufzunehmen. Na-\nmentlich, wo es sich um unfruchtbare Dinge han-\ndelt. Lieber treibt man den blühenden Unsinn, in\ndie Luft zu fahren. Vielleicht funktioniert es bald\nund wir können hier auf der schäbigen Erde wieder\natmen. Aufatmen.\nEin rührender Zug der Deutschen bleibt ihre\nLiebe zu den ollen Griechen. Die ihnen tüch-\ntig eingebleut. Die sitzen. Ein BesUztum für den\nunkünstlerischen Menschen: die Elk. mit der die\nWerke der Bildhauerei gemessen werden können.\nDie Griechen verstanden es (das \\ aben wir ge-\nhabt). Sie fanden alles, sogar rVs Meer. Sie\nwagten sich freilich1 hinauf. Aber * mim sich ins\nUferlose verlieren, denkt der solide Bürger, wenn\nman schon mal etwas gefunden bM. Zeus Otri-\nvoli, Venus vbn Milo. Das ist es, Punkt.\nFür die Malerei sorgte die Ren&issande, „jene\nEpoche, welche ...\" Enge Verwandtschaft mit den\nGriechen nachzuweisen. Dazu Italkn, das Land\nder Kunst, wo die Zitronen blühn. Ooethe. Punkt.\nDie Niederländer. Schon Vorsichtiger zu be-\nhandeln. Naturalismus. Fleischeslust. Dennoch:\nRembrandt haben wir gehabt. I MUdunkel sehr\nkünstlerisch. „Dämmerung\" in durch-\naus plausibel.\nDie alten Deutschen. Wenigstens wieder Ver-\nwandtsdhaft mit den bewährten Nied* rländern nach-\nzuweisen. Und mit dem Christentum. Und die\nDeutschen „denken\". Al'so genehmigt.\nNun wird die ganze Angelegenheit erst be-\ndenklich. Mit Feuerbach und geht man\nmit. Sie verbinden griechische Gestalten mit deut-\nschem Empfinden. Bödklin insbesondere schil-\ndert. Man kann das verstehen.\nDie Franzosen wurden 1871 endgültig ge-\nschlagen. Und jetzt werden ihre Maler zu Mei-\nstern ernannt. Solchen Unfug sollen wackere, ehr-\nlidhe Menschen mitmachen ? Watt- au ließen sie\nsich gefallen, man kann seine Szenen für Mas-\nkeraden gebraudien. Aber van Gogh! Da müßte\nein Lokalanzeiger im Namen der Menschheit drein-\nscMagen. Keine Verwandtschaft festzustellen. Keine\nTradition. Selbst die Weisheit der Fibel und des\nBilderbogens auf den Kopf gestellt. Das Funda-\nment der letzten Vorsöhulklasse zertrümmert. Ge-\nlöst sind alle Bande der Natur, alle Subjekte Von\nihren getreuen Objekten: der Baum' ;st grün, Him-\nmel! blau, Mohn rot, Sdh'af weiß.\nDer Deuts die lebt nur in Formeln, Dogmen\nund Symbolen, lebt also überhaupt nidht Er ladit,\nwenn der Lyriker Votn Hören mit der-i Auge spricht.\nWenn er wenigstens damit sehen könnte. Er\nrühmt sidh dieser Fähigkeit und trägt stets eine\nrationalistische Brille. Sie färbt shsn! die Außen-\nwelt. Sie schützt ihn vor den Strahlen des Genies.\nBlendendes Verblendet ihn. Es reizt <;hn. Nur wenn\nder Glanz genommen ist, wenn ei «eine Ursachen\nuntersudhen und „verstehen\" kamt, läßt er sich1\ndiesen Schwindel gefallen. Genie clrid Mystik ist\nQuatsch. Nur auf dem Weg der Analyse und der\nPädagogik bewilligt er dem andern die Optik des\neigenen Auges.\nWas natürlich zum Künstler nicht ausreicht.\nHöchstens zum Malier. Denn Kunst besteht nicht\naus der richtigen Wiedergabe äußerer Eindrücke.\nDas ist ihre Voraussetzung, die Technik.\nModellposen nachweisen können, bedeutet nichts,\n„Kunst des Buchstabierens\". Kunst fordert die Be-\nlebung, die Bewegung, die Beseelung des Anschau-\nlichen. Des Anschaulichen. Literatur läßt sich nicht\nmalen.\nDie Neue Sezession wird Erfolg haben. Weil\nsie die Großen der Kunst „menschlich näher bringt\",\nplausibel macht, wie ich schon sagte. Ueber Van\nGogh (mit Abstand zu nennen), über Gauguin,\nHodler, Klimt, Matisse wird geschimpft. Ihre Nach-\nahmer sieht man sich an. Die göttliche Manie\nwird hier zur irdischen Manier. Die unVerständ-\nlichen Striche und Punkte und Farben sind kor-\nrekt geordnet, S i n n ist in die Geschichte gebracht.\nDas treibt die Mehrheit.\nTrotzdem ist das Niveau höher, als bei ähn-\nlichen Veranstaltungen. Es sind einige da, die\nTechnik in meinem Sinn besitzen, die mit eigenen\nAugen sehen. Ich nenne E. L. Kirchner. Es sind\neinige da, die Kunst in sich tragen. Ich' nenne den\nMaler Max Pechstein und den Bildhauer Otto\nFreundlich.\nUnd erregte Kunstfreunde möchte ich mit dem\nwichtigsten Griechenwort beruhigen: Panha rhei.\nTru s t"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "256", "page_fin": "256", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.11", "titre_corps": "Kuno Kohn", "titre_sommaire": "Kuno Kohn", "signature_source": "Alfred Lichtenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.6", "debut_caractere": 4210, "fin_caractere_exclue": 5936, "texte": "Kuno Kohn\nVon Alfred Lichtenstein\nSeit einem halben Jahr wohne ich in der Nürn-\nbergerstraße. 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Spielplan:\n| Ihr wollt j y F.„, | [ DO, Ca,lo. S,„.rt« |\n» jjjfi,| \"ä\" Mass»«».»-.«-»»-.\nLessingtheater Einsame W der junge Wenn der junge n vnnmt Wenn der junge Wenn der junge Einsame Neues Theater n. -n,++fl ..\nFriedrich Karlufer l Menschen Wein blüht Wein blüht üonzert Wein blüht Wein blüht Menschen Schiffbauerdamm 4a|5üie te°idene Rltteiszeit\nKomische Oper Der Arzt wider Xi rpiinpvll-Aup Der Arzt wider n. t. u Der Arzt wider n. , . Der Arzt wider Residenztheater\nFriedrichstr. 1041104 a Willen WiUen Die Boheme willen. Die Boheme wmen Biumcnstr. 9a Noblesse obhge\nNeues königliches p ~7 .\nOperntheater Manon Hon Juan Carmen Tannhäuser Barbier v\" Sevilla MiSnon Madameßutterfly Karfstr. 7 Pariser WitweD\nKonigsplatz 7\nNeues Ueber Tartüff Wann kommst Der Tartüff Ueber Der Tartüf£ Der Tartüff Neues\nSchauspielhaus nnsre Kraft j *>r Herr von D wieder Der Herr von Kf T Der Herr von Der Herr von Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNoiiendorfstrasse 11)12 ' * urceaugnac Pourceaugnac ' Pourceaugnac Pourceaugnac Schiffbauerdamm 25\nKleines Erster Klasse Mnter Klasse Premiere Dpv L Erster Klasse n TlpWrflnt Erster Klasse Theater des\nUnter den Linden 44 Die verflixten !>-*, verflixten Der Liebestrank Die Zensur Die verflixten Die Zensur Die verflixten Westens Die schönste Frau\nFrauenzimmer >re,uenzimmer Die Zensur, Frauenzimmer Frauenzimmer Kantstrasse 12\nISIS Der Schlagbaum D neue Sonne Wilhelm Teil Die Räuber Der dete Die Journalisten Hurrah - Wir leben noch!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.7", "debut_caractere": 170, "fin_caractere_exclue": 333, "texte": "Oraphische Husstellung\n1910\n1. 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Brioscbi * E. 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Nik. 0- (statt Mk. IS-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, schwer versilbert und wird in elegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\nLassen Sie sich diese gOnstige r\nGelegenheit nicht entgehen !! L\n= Beachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstMndig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. Auf der Reise, auf See, im Mandver usw. unentbehrlich!\n30 mal benutzt, hat sich der Apparat be/.alilt gemacht!\nDie in jeder Beziehung vorziiglichen Messer besitzen einen derartigen durch ein spezielles\nVerfakren hergestellten Hartegrad, dass sie fur den starksten Bart verwendbar sind.\nBestellen Sie sofort, denn diese 5000 Rasier-Apparate werden infolge ihrer noch\nniemals gebotenen Billigkeit bald vergriffen sein.\nSie erhalten diesen tadellosen Rasier-Apparat gegen Nachnahme von 6,30 Mk. portofrei.\nWir richten nur die bescheidene Bitte an Sie, diesen Apparat in Ihrem werten Bekanntenkreise\nzu empfehlen.\nNach Absatz dieser 5000 Apparate kosten diese 15 Mark.\nVersandhaus chemischer mi techaischer Neuheiten Hans Fredrich\n:: Berlin SW. 68, Kochstrasse ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "258", "page_fin": "258", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.8", "debut_caractere": 2045, "fin_caractere_exclue": 2379, "texte": "Ch<>. SffiSSR. enaund\nProsp. fr.j verschl. 50 Pf.\nBrocH&Co., Condon€.G.Queenstr.9o-91\nHaH A V Sanger, Massage, Pots-\nIlcUliy damer Str. 107.1.\n|imiiimimimiiimiiimimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH\n1 Sanatorium fur Kosmetik, i\n| Haut- und Haarleiden |\n= Park gg. Palmengarten Ausf. Prosp. frei =\n§ Leipzig. Dr. med. M. 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Werner, Graphologe, z. Zt. Bad Nau\nheim, postlag. — Prima deutsche, engl.\nRef. — Skizze 2 M.t Charakterbild 4 M.\n(Betrag in deutsch. Briefmark., Rlickp.).\nErford. mind. 20 Zeilen Prosa (kein Zitat,\nkeine Linien). Namen, Adresse, Geburts-\ntag, Mon., Jahr.\nAngenehmer Landaufenthalt 112.\ni. besstr. Privathause.\nMiss Kendon ~The Fias\" Goudhurst, Kent.\nRnoa Pnhn Massage-Institut\nROSS uOnn, Potsdamer Str. 41 a."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "258", "page_fin": "258", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.8", "debut_caractere": 2810, "fin_caractere_exclue": 3181, "texte": "Wer probt, der lobt.\nSffiTSfide Lilienmilchseife\nDtz. M. 2.50 bei 30 Stck. kostenfrei M. 6.—.\nLabor. E.Walther, Halle a. S., Stephanstr. 12.\nNlorphium- etc.\n■ zwanglos bei\nDr. Franz Hub. MUller, Schloss Rhein-\nbllck, Bad Godesberg b. Bonn. Modernes\nSpezialsanatorium, 1899 gegr, flir 20 Pat.\n1. Kl. Zwanglose AlkoholentwOhnung.\nAlle Ausklinfte u. illustr. 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Kosmetika\nL. Leichner\nLieferant der Koniglichen Theater Berlin\nBERLIN SW., Schiitzenstrasse Nr. 31\nDie besten Gesichtspuder sind:\nLeichner's Fettpuder\nLeichner's Hermelinpuder\nLeichner's Aspasiapuder\nLeichner's Tagesschminken\nLeichner's Kaiserrot, Blumenrot\nLeichner's Rouge de Theatre\nLeichner's Rouge Aspasia\nLeichner's Fettsehminken fur die Bine\nFerner sind im tagllchen Qebrauch der Kunstler und Kiinstlerinnen:\nQoldcream, Abschminke, Abschminkpapier, Augenbrauen-\nand Lippenschminke, Puderquasten, Hasenpfoten, fliissige\nSehminken, Eau de lys, Haarpuder, Zahnnasta, Leichner-\nAlbum, Polisseur zur Nagelpflege. Neu: Leichner's Hand=\nschuhpuder, feinste trockene Parfumierung und zur\nKorperpflege.\nGrste Preise auf alien beschickten Weltausstellungen, zaletzt Wien 190\nQoldeoe Staatsmedaille; St. Louis U.S.A.: Grand prix; Paris 190\nVice-Prasident der Jury international; Mailand 1906: Grand prix"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "258", "page_fin": "258", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.8", "debut_caractere": 4552, "fin_caractere_exclue": 4717, "texte": "yiiiiiiiiiririi 111111111 ii MiiLi\nI\nHERAUSQEBER\nKarl Kraus\n:: Nr. 507/8\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nM ÜBERALL ERHALTLICH 1\n-iiiii 1111 iiiiiruii 11111 iniiiii\"r"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "258", "page_fin": "258", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.8", "debut_caractere": 4719, "fin_caractere_exclue": 5006, "texte": "Verlag „Der Sturm\"\n■\nS WiriibernahmeninunsernVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang u. Klavicr / 52 Seiten\nDREI MARK\nS Durch alle Buch- und Musi-\nS kalienhandlungen oder direkt\nS durch den Verlag DER STURM\nS Halensee / Katharinenstrasse 5\n■\n«\ntiQKßiaßsaataaaiiiaaaaßaaaa&aaaaaaaJ"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-06-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-06_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-10-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "258", "page_fin": "258", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.8", "debut_caractere": 5008, "fin_caractere_exclue": 5080, "texte": "Berufen Sie sich\nbitte bei EinkSufen anf die\nAnzeigen dieser Zeitschrift"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "521", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. 111/ Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark j Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 6. OKTOBER 1910/ WIEN\nNUMMER 32\n\nZeichnung von Oskar Kokoschka:\nDie Erstebeste darf der süben Lilith das Haar kämmen. Schreib bald!\n\nINHALT:\nSTANISLAW PRZYBYSZEWSKI: Das\nGeschlecht / PETER HILLE: Das Mysterium Jesu /\nMAX BROD: Flaubert / ELSE LASKER - SCHÜLER:\nDer Sohn der Liiame / PETER ALTENBERQ: Djellah /\nPROGRESS : Fortschritt! / R K. NEUMANN: Herr\nBusse zog über die Hügel / TRUST: Die neue Sezession /\nALFRED LICHTENSTEIN: Kuno Kohn / Programm-\nschmuck Berliner Theater\n\nDas Geschlecht\nVon Stanislaw Przybyszewski\nImmer und wieder dieselbe urewige Wahrheit!\nWarum1 sie denn fortwährend wiederholen, warum\nso viele Variationen über dasselbe Thema? Aber\nfürwahr: Millionenmal öfter wiederholt sich jdie\newige Lüge.\nDie menschliche Seele ist allzudicht mit gif-\ntigem Unkraut bewachsen, und es w,äre höchste\nZeit, das Körnchen Wahrheit zu pflegen und zu\nbehüten, bevor die Seele ganz verdorrt und ver-\nfault ist.\nDenn ich habe in der Tat nichts Neues gesagt!\nSchön und heilig vwar die Macht des Ge-\nschlechtes, und fast eine religiöse Zeremonie, voll\ntiefer Mysterien war der Geschlechtsakt für die\nMensdiheit, die noch nicht durch die Syphilis der\njudaistischein Moral! infiziert war.\nIm Himmel! und auf Erden thronte unum-\nschränkt die Schaumgeborene, die furchtbare, aber\ngöttliche Astaroth und Mylitta; in der Form1 des\nPhallus baute man Tempel und Heiligtümer, und\nselbst die tugendhaften, römischen Matronen trugen\nden Phallus als Amulet auf ihrer Brust. Der Ge-\nschlechtsakt war ein Sakrament, das zu Ehren der\nGottheit in den Tempelhöfen und heiligen Hainen\ngefeiert wurde, und die Offenbarung dieser hehren,\ndieser feierlichen und schönen Geschlechtskultur,\ndas ist die unerhörte Pracht der Antike, ihre\nWiedergeburt in dem göttlichen Wunder der\nRenaissance und die überfeinerte, aristokratische\nAnmut und der Zauber der Kultur des achtzehnten\nJahrhunderts.\nDer Judaismus hat das Geschlecht erniedrigt\nund in den Kot getreten, er hat 'die Liebe kastriert\nund erlaubte ihr nur ab einer lächerlichen, (ver-\nbalen Kategorie zu leben, in den Höhlen den Ana-\ndhoreten, in den kranken Hirngespinsten hysteri-\nscher Nionjnein, !in Idein Gestammel zahnloser Mönche,\nals Liebe zu Jesus und Maria.\nAber trotzdem: wie viel von dem inten-\nsesten, geschlechtlichen Elan verbirgt sich nicht in\nder Religion des Mittelalters!\nDer Geschlechtstrieb als solcher wurde zum\nVerbrechen und zur ekelhaften Sünde, das Nackte\nzur schändlichen Scham und der Geschlechtsakt zu\neiner stinkenden Pfütze, in der Idas widerlidhste\nUngeziefer ge(deiht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.2", "texte": "Der Judaismus hat der schönen menschlichen\nSeele das Gift eingeimpft, das bis auf den heutigen\nTag die Menschheit zersetzt; er ist es, der die\nSchönheit widerlich und ekelhaft gemacht hat, der\nihr ein Gottesgeschenk mit Unrat und Kot be-\nschmutzt und die höchste, göttliche Offenbarung\nmit Aussatz beworfen hat.\nAber schon braust von Ferne die rückkehrende\nWoge, sdhon {schlägt sie hier und da ans Ufer,\nund der Tag naht, da die Seele sich' von dem Unrat\ndes Judaismus zu reinigen beginnt und in neuer\nSinnenher r llidhkeit und Schönheit ihre Auferstehung\nfeiern wird.\n*\n* *\nAber was bedeutet, wenn man meine kurze\nrhapsodische Ausführung gelten läßt, unsere alte,\nVerfaulte Ethik, die unser Geschlechtsleben regiert?\nWas ist überhaupt Ethik? Doch nichts weiter\nals: das ist mein, das ist dein, das darfst du nicht\nanrühren. Stehle nicht, töte nicht, begehre nicht\ndas Weib deines N,ädhsten.\nViel Schwereres Verlangt man schon in dem\nSatze: Du sollst dem anderen das nidht antun, was\ndu nidht möchtest, daß dir angetan wird. Aber\nauch das Befolgen dieses Gesetzes ist ein sicherer\nund bequemer Weg zu einem wohlgeordneten und\nhodhge ach teten Leben.\nDas ist so ziemlich das' Wesentlichste, worauf\nsich die alte Ethik beschränkt. Der Dekalog konnte\nzwar einigie tausend Paragraphen in dem deutschen\nReidhisgesetzbuche gebären, aber all das juridische\nGepllärre läßt sidh auf ein sehr armseliges Schema\nzurückführen.\n[Wie anders wird sidh das Leben darstellen,\nwenn die Menschheit sich nur nach einem ein-\nzigen ethischen Prinzip richten wird:\nLe b e so, wie e s d e ine Sdhön h e i t\nverl! a n g t!\nSchönheit! Ja — Schönheit!\nAber was ist Schönheit?\nIdh weiß es nicht, ich weiß nur was die mei-\nnige ist, die deine, die eurige — die kenne ich\nnidht.\nDarf idh sagen, was meine Schönheit ist?\nSie ist das Gefühl einer heißen Begeisterung,\ndie mich alles ringsumher Vergessfein läßt, die meine\nAugen blind macht, aber um so weiter die Fenster\nmeiner Seele öffnet; sie ist der fiebernde Auf-\nschwung meines ganzen Seins in einem Orgas-\nmus aller meiner Seelenkräfte, der kalte Schauer,\nder mich durchläuft: das einzige Kriterium, daß\nidh etwas Großes anschaue; sie ist die tiefe Angst\nund das Grauen vor unbekannten Mädhten, die ich\nin weitester Ferne wie ein schwaches, Milliarden\nMeilen entferntes Sternenlidht aufleuchten und\nwie|der verschwinden sehe, und sie ist das feier-\nliche Pathos ,am Tage: heiliger ,'Feste, oder das\nEntsetzen des Gerichtes am jüngsten Tage, oder\nder Schrecken, der den Menschen in eine Balz-\nsäule verwandelt.\nAlles, alles, was nur die Augen von sich nicht\nlosreißen läßt, alles, wlas mich am Boden fest-\nssdbmiedet, was mich mit Verehrung oder mit Grauen\ndurdhsdhauert, das me;in ganzes Sein in die hef-\ntigste Vibration versetzt,\ndas ist „meine\" Schönheit!\nDas einzige Maß für meine Schönheit ist die\nIntensität und Dauer des Gefühls oder vielmehr\nIder Erschütterung, in die ich durch sie (versetzt\nwerde.\nSchönheit ist nur individuell, sie kann nur immer\n„meine\" Schönheit sein.\nEin iobjektives Schöne ist Unding, man kann\nhöchstens seine eigene Schönheit einem anderen\nsuggerieren\nNur das Eine:\nAlles ringsherum kann zur Schönheit werden,\nurid um wie viel1 mehr die größte, geheimnisvollste\nMacht, die das Lebten Von einer Ewigkeit zur an-\nderen beherrscht —!\nDie höchste Ethik besitzt derjenige, der alles\nzur Schönheit umzuwerten versteht, weil nur und\neinzig allein das Schöne ethisch sein kann.\nUnd so aufgefaßt, ist das Geschlecht mit allen\nseinen Abgründen, mit seiner furchtbaren Tragik,\nmit seiner jauchzenden Lust und seinem unsäg-\nlichen Jammer, mit all den unentwirrbaren Rätseln,\nGeheimnissen, Ab- und Schleichwegen im höchsten\nSinne ethisch, und die Bestätigung des Geschlechts-\ntriebes im höchsten Sinne ethisch, weil schön.\n„Et tout est effrayant torsqu*on y songe\", sagt\nMaeterlinck, und in diesem Ausspruch steckt die\nQuelle aller Schönheit. Denn dies furchtbare\n„effrayant\" ist der Urgrund der Schönheit.\nNur was mich auf die Kniee wirft, was mich\nmit Grauen und Angst vor unbekannten Mächten\nerfüllt, was midh zur demütigen Ehrfurcht und dem\nGefühl meiner elenden Kleinheit zwingt, ist schön.\nMan muß nur Verstehen, sich in die geheimsten,\nverborgensten Wnkel jeder Sache zu vertiiefen, den\nentlegensten Urgrund aller Gründe zu erfassen\nsuchen, jedem Ding bis an seine unterirdische Quelle\nzu folgen, und Von den Untergrundswellen sidh\ndurchbeben lassen, wenn auch das Meer spiegelglatt\nVor unseren Augen liegt.\nMan muß sich mit einem Wort in dies ent-\nsetzliche „effrayant\" versenken, dies unfaßbare, dies\ngeheime Grauen, das auf dem Boden eines jeg-\nlichen Dinges liegt, um in seiner Seele die heftigste\nVibration hervorrufen zu lassen, den heiligen\nSchauer, der, ich wiederhole es: das einzige Kri-\nterium der Schönheit ist.\nUnd was ist die Schönheit der Konvulsionen\neines Ozeans während des Taifuns. Was ist die\nSchönheit des Feuergiischt, den ein Vulkan her-\nausschleudert, was ein Diluvium, das eine ganze\nWelt unter seinen Fluten begräbt, gegen die Schön-\nheit der geheimnislvollen Macht des Geschlechtes!?\nUnd darauf kommt es an:\nDas einzige moralische Gesetz für den neuen\nMenschen, (Vielmehr für den Menschen, der seine\nAuferstehung feiert, ist die Sdhönheit.\nSobald der Mensdh lernen wird, das Geschlecht\nals schön und heilig zlu betradhten, wird seine\nBetätigung des Geschlechtstriebes schön und heilig\nsein; und nur der wird seine Seele besdhimutzen\nund besudeln, der in dein Geschlecht Sünde und\nUnrat findet, und doch der „ekelhaften\", „sündigen\"\nKraft des Fleisdhes folgt. Und ein solcher Mensch,\nnur er allein ist — Schwein!\nUnd jeder seiner Geschlechtsakte wird widerlich\nund ekelhaft sein, weil er gegen das einzige Prinzip\nder Ethik, gegen die Sdhönheit Isündigt.\nDer einzige, der die logische Konsequenz seiner\nAnschauung gezogen hat, war Weininger. Mit der\nVerneinung des Gesdhledhts war für ihn jegliche\nDistanz zum Leben Verloren. Heil dir, o Strindberg !\nFreilich, freilich werden Jahrhunderte vergehen,\nbis die Menschheit sidh von dem Schmutz wird\nreinigen können, bis sie die Himmelfahrt der reinen,\nder geheiligten Sinnenlüste wird feiern können und\neine Wiedergeburt in Sdhönheit durch — das\nGeschlecht!\nEnde\n\nDas Mysterium Jesu\nAus dem Nachlass\nAtheistische Falter\nVon Peter Hille\nEin Vorsymbol\nAuf reich weichem, tiefgrünem Moospolster liegt\nein Totejnsdhädel. Er liegt da wie Kroninsignien\nauf einem Sammetkissen, das vorsichtig', selbst-\ngefällig ein blonder Page trägt, und hebt auf seiner\nüppigen Unterlage so mager sich ab, sieht sio\nklagendhohl aus, sauber dürftig. Aus den Augen-\nhöhlen aber sprießen ihm fröhlich je eine Aurikel,\nderen wie schöner Mädchenhals fein st rottende\nStengel als Augennerv den Sehgang füllen.\nGeschäftig wie eine Untersudhungskommission\noder kundigbeflissene Archäologen suchen zwei\nFalter, ein Admiral und ei,n Pfauenauge, die ge-\nheimnisvolle Lebensruine ab.\nSie durchwühlen den tiefrotsammtenen Augen-\nstern der Aurikelin, kriechen in die engsten Höh-\nlungen und achten dabei nicht ihres gefährdeten\nPrachtgewandes. Nun erblickt der Admiral die\nPfeilnaht. Entrüstet, nachdenklich, nachdrucksam\nentrüstet hält er inne: „Und hier ist auch geflickt!\"\nUnd noch bedeutsamer sieht er seine Genossin an.\n„Voltaire!\" haudht diese.\n„Nicht Voltaire, meine Gnädige, Büdhner.\nVoltaire war noch Deist, und wir sind doch\nAtheisten!\"\nUnd entrüstet, mit kräftigen Bewegungen stutzt\ner die beim Denken etwas in Unordnung geratene\nUniform wieder zurecht, und beide machen sich\ndavon.\nAtheistische Falter!\nUnd doch blüht frühlingsgrün die zarte Luft\ndes jungen Lenzes und andächtige Hummeln spielen\ndie Orgel.\nUnd dazu atheistische Falter!\nMariä Empfängnis\nDas Kind des Tempels war niemals irdisch,\nnie stofflich Verdunkelt gewesen.\nNidht einmal1 Spiel und Scherz, Reihdntanz, Be-\nwegungs- und Stimmenfreude an sidh und den Ge-\nspielinnen hatte sie vorbeschäftigt, die heitere\nDienerin des Tempels, die demütig beflisslene Ge-\nhilfin. Kein Verlangen nach dem saftprallen\nHerzen einer Frudht, eines Kindes aus dem Pflan-\nzenreich, kein Schönheitsdrang nach dem duften-\nden Liejde aus Farbe und Duft, der blühenden\nWeise der Blume hatte dem jungen Willen auch\nnur eine Regung entzogen. Nur dem himmlischen\nVater, dem Gotte Israels, dem Herrn der Heer-\nscharen, der niederwirft die Hodhmütigen und die\nBedränger seiner Kinder, die Halsstarrigen und Un-\nbeschnittenen (des Herzens, aber erhebt die Ver-\ndemütigten, ihlm, vor dem die Blitze schreiben die\nSprüche seines Zürnens und die Donner blasen\ndie Posaunen seines Nahens, dunklb, wuchtig\nschmetternde Posaunen. Er aber nahet lieblich wie\ndas Säuseln im Rosengebüsche des Tales von Saron,\nihhi allein war ihr Wesen ergossen.\nUnd das Erste, Einzige, was in ihrem jungen,\nzüchtigen Kinderhirne groß und sicher sich ein-\ngrub unter dem deutenden Finger der Mutter Anna,\ndas war das Buch des heiligen Gesetzes.\nUnd ihr erstes Lallen war Gebet.\nFeierlich war ihre Kindheit aufgewachsen in\nder heiligen hochgetönten Einsamkeit des Tempels.\nNur Frömtmigkeit sah sie, Opfer und Gebet,\nhin zum gütig erhörenden Vater. Und ihr frommer\nFleiß, die ernste Anmut ihrer weibliehen Kunst-\nfertigkeit wob am Sdhmuck des Hauses, in dessen\nDienst sie sich gestellt hatte.\nUnd ruhete sie ihre Finger streckend aus, sie\nlegte sie zum Gebet zusammen. Und neben ihr\nbetete die Blume des frommen Gebetes: die Lilie,\ndie Blüte unantastbarer Reinheit.\nDeren makelloser Keldh war der heranwachsen-\nden Jungfrau auch hier an heiliger Stätte ein\nsdhärferer Mahner zu unausgesetzter Fllucht und\nWachsamkeit, die ja ist die Tapferkeit der Seele.\nDie Seele kann stäubdhenloser sein als! irgendwas\nin der Welt, und den König und Meister der Seelen\nerfreuen und erquicken in seiner wunschlosen\nHeiligkeit.\nUnd je mehr Tugend, so mehr Pflege, so kost-\nbarer wird sie, um so mehr wird ihr nachgestellt,\num so mehr muß sie behfütet werden.\nMaria betet, sie hat ihre zarten Finger vor\nden geschlossenen Augen und sieht nach innen,\nzurück nach dem Urquell ihrer in Andachtsglut\nzitternden Seele.\nUnd dieses Lidht ihres Geistes, das schon als\nkleines Flämmdhen so hell gebrannt hat vor dem\nHerrn und stündlich langsam gewachsen ist wie\nGestalt und Alter, und heller geworden zugleich\nmit der Einsidht — nun atmet es tief und dehnt\nsich höher vor den stillen, den sanften, heitern,\nden leiser spiegelnden Augen des Höchsten. Sein\nHerz bewegt sidh. Und seine himmelergossene\nUrkraft glänzt heller hervor, aus ihrer heiligen\ngütigen Strenge, die Gottheit wallt, und aus der\nAllmacht flutender Zufriedenheit sprießt wie ein\nStengel der Geist: hellfeste Tat.\nAuftragahnende Engel glühen vor Lust des\nGehorsams, flugstraff ejn Eifer. Wangenzarte\nFreude aber glüht in den Antlitzen der Bleibenden\nstill. Fröhlich schwingen des Göttlichen Zweige\nund werfen ihren Strauß aus Geisterwelt der lau-\ntersten Seelengestalt, dem edelsten Gruße aus\nErdenland.\nDa vollendet ein Strahlenbogen den dunkelent-\nschlummerten Blick der Betenden.\nVor ihr steht eine helle, freundlich weiche, wie\nBefehl einer gütigen Gottheit weichhärteste Licht-\ngestalt, und lodert reine prüfende Züge.\nEs atmet hier Jenseits und sieht mit den dün-\nnein, strengen Nüstern, die wie Geisterluft zittern,\nau» wie Zorn. Und ist doch kein Zorn, sondern Ruh\nund Wesenheit."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.3", "texte": "Nun spricht Licht, Gott durchruft die Ge-\nweihte. Lind und hold und heller lebt das Licht.\nSein Geist um schwingt ihre Seefe mit Wirbel-\nschwertern. Droben geronnen in den Flügeln noch\nzittert nach die Reinheit seiner Schärfe. Noch aber\nstehn in der Luft seiner Sendung Töne, sdhönheits-\nergießender als Melodie und Wohllaut kann\nschlafen in irdischen Saiten, Töne, wie nur die\nGotte'siiiähe sie gibt: Schwingungen göttlicher\nWorte, die den Himmel an unser Ohr bringen.\nUnd Maria, die Gottesmagd, schaudert, dodh\nGehorsam läßt audh kein Ersdhrecken, kein Zagen\nin das reine Meiden gelangen, das nun ein reines\nLeiden werden soll. „Siehe, ich bin eine Magd\ndes Herrn!\" So erhaben, so wahr, so alles! redet\nnur die Demut.\nUnd um so inniger Versenkt sich die Jungfrau\nins Gebet, darin sidh zu sichern gegen zerstreu-\nende, grüblerische Gedanken, und nicht zu er-\nschrecken, sidh' nicht zu erheben, um so würdiger\nsidh zu weihen der hohen Erhabenheit, welche die\nBerufung ihres Gottes über sie bringen will, die\nUnwürdige.\nAber Gott, Gott muß es wissen, ihm sei es über-\nfassen. Und sie atmet ganz Liebte und Andacht.\nUnd lieb1 sind ihr die Stunden, da des Temmels\nstarre Pflicht, Idiie, obwohl gewissenhaft erfüllt,\nschon etwas zurücktritt, sie freigibt, 'da eilen zum\nSchemel ihre Kniee und sinkt in die Hände ihr\nsehnendes Antlitz und in Gottes Schloß ihre flüch-\ntende Seefe,\nUnd still ruht sie, gestärkt, freudig, ganz er-\ngeben, ganz ausgeglichen hinüber ins Göttliche.\nErwartend löst sidh auf die Zeit, und es be-\nginnt zu spielen Von Licht. Düster, düstergoldien\nwie Fußtapfen. Geisterbangen Sonnensdheiines\nsteckt noch Glanz in glorienvoller Kammer, und\ndes Weibes junge, mildlrnächtige Seele steigt, und\ndas Licht steigt und jubelt und zittert, u;md ein\nKörper ist nidht mehr da, es müßte denn der Leib\nsein Vor dein Schemel, der starre —\nOb es der ihre, sie weiß, es nicht, es sorgt\nsie nidht. Sie fragt nicht, sie ist ganz Seefe, ganz\nGottes. Und seine Macht leuchtet, daß. ihr die\nSinne, auch die Sinne der Seele vergehen, [die\nFähigkeiten zur Welt, zum Erfassen der höheren\nWelt ohne die fteisdhmüh'samen Gebilde.\nUnd Inun, da sie wieder zu sich gekommen,\nda sie wieder in ihrem Leibe ist, nun weiß sie,\ndaß sie Gott trägt und ausreift: die Jungfrau wird\nfrommsorgsame Mutter, ihr Leib nun selbst ein\nsorgsam zu behütender Tempel. Ein Gefäß der\nGnade, vor jedem Anstoß zu bewahren um des-\nwillen, was sidh' darin bereitet, der ganzen Welt\nund ihr zMm Heife.\nSie fühlt nur miehr Weib1, die Heilige, die\nheilige Mutter, die Gottes träger in, zu der mit\nscheuer Ehrfurcht zagsam aufsehn die Engel.\n\nFlaubert\nVon Max Brod\nIch verbiete mir allen Enthusiasmus und will\nnichts! als Klarheit reden.\nJedes: Werk Flauberts ist eine Summe von\nhundert Einzelheiten, jede dieser Einzelheiten sorg-\nfältig, intuitiv zugleich und neu. Diese Prosa (ist\ndicht; keine Zeile, keine Phrase ist Von dem1 Pflug\nheftiger Arbeit verschont geblieben. Maupassant\nerzählt Von dein Lektionen, die Flaubert ihm gab;\nwollte er ein Feuer darstellen oder einen Raum, So\nlehrte ihn der Meister, er müsse so lange in ihre\nBetrachtung sich verlieren, bis sie keinem andern\nFeuer, keinelm andern Raum mehr glichen und\nanfingen, in ihrer Individualität aus der Menge\ngleichartiger Dinge hervorzutreten. . . Viel wäre\nüber dieöe Detailarbeit zu sagen. Doch will ich\nheute Von der andern Merkwürdigkeit Flauberts!\nhandeln: Nicht nur alle Details seiner Romane\nsind neu, jeder Roman ist außerdem1 nodh als Ganzes\nneu. Mit deinen fünf Hauptwerken hat Flaubert\nfünf neue Type n vo n Kuns!tw erk e n ge -\nschaffen, untereinander ganz verschieden, ganz ver-\nschieden und durch eine unendliche Kluft getrennt\nvon der ganzen übrigen Literatur. . . . Nichts! hat\ner so gehaßt, wie das Banale, die Wiederholung!.\nSo hat er in seinen Büchern das fast Unmögliche\nerreicht, niemals sich oder gar andere zu wieder-\nholen, nicht im kleinsten. Und nur dem Kenner\nwird es einfallen, daß „Kokosnüsse als! Schmuck\nkleinbürgerlicher Wohnungen\" zweimal im Werk\nFlauberts erschienen: bei Dussardier in der „Edu-\ncation\" und bei PeCuchet.\nDie spezifische Atmosphäre der „Madame Bo-\nvary\" könnte man benennen: Alltag. Und Flau-\nbert hat ihn beschrieben, wo er am fühlbarsten\nist: Alltag in einer Kleinstadt. . . . Zum erstenmal\nin der Weltliteratur stehen hier Menschen vor uns,\ndie sich durch gar nichts auszeichnen, Typen der\nGewöhnlichkeit. Auch Blazac hat die Kleinstadt\ngeschildert („La Rabouilleuse\"), aber bezeichnender-\nweisie ist es gleich eine Kleinstadt, in der wüste\nMordgesellen handeln und eine Erpresserin funid\neine Merkwürdigkeit von altem Junggesellen. Nichts\nVon all dem bei Flaubert. Die Romantik versinkt.\nIn Yonville l'Abbaye gibt es nur Spießer. Balzacs\nWelt, die überwundene, wird von Flaubert selbst\ndurch Peduchets: Mund dargestellt: „Er glaubt an\ndie okkulten Wissenschaften, an die Anarchie, den\nAdel1, ist Von den Schurken geblendet, rührt (in\nMillionen herum, als! wenn es Centimes w,ären,\nund seine Bürger sind keine Bürger, sondern Ko-\nlosse.\" Dieses Abenteuer, die Realistik eines Salon-\nzauberers, ist abgetan. Nur im Kopfe eines Des-\nlaurier spukt sie nodh, und indem Fläubert Des-\nlaurier scheitern läßt, verurteilt er Balzac. Bei Bal-\nzac halten noch' Ausnahmemenschen, Napoleoniden\ndas Steuer das Welt, hinter den Figuren der „Ma-\ndama Bovary\" steht es in trüber Glorie geschrieben,\ndaß jeder eine Ausnahme zu sein glaubt, indes er\nwie viele andere ist, sein Schicksal wie eines jeden\nSchicksal1. Das gibt den traurigen Humor des\nBuches. Die Galerie der Enttäuschten beginnt, der\nspäter Matho, Frederick, Antonius, Feliicie, die Alten\nVon Chävignolles! sich einfügen. Die Natürlichkeit\nihrer Schicksale enttäuscht sie. So sehr ist jede\nFigur Fl'auberts! in sich Allgemeinheit, während Bal-\nzad sein Bedürfnis nach Allgemeinheit in abstrakten\nDigreslsionen befriedigen muß. Fl'aubert kann dieser\nDigreslsionen entraten, mit einem Zuge ist der ob-\njektive Roman geschaffen, das moderne Epos. ...\nEs ist ein kompliziertes psydhologisches Problelm,\nwie Fl'aubert zu idiesler neuen Form gelangte, gerade\ner. Von Natur aus! ist Ter Romantiker, Gaillarjd,\nHeros, Anbeter Viktor Hugos. Aus Romantik her-\nvorgehend Peslsimist, Feind der körperlichen Ge-\nnüsse, Feind seiner selbst. In Synthese ergeben\ndiese beiden Gefühle: Feind seiner eigenen Ro-\nmantik. Sein künstlerischer Instinkt jagt ihn vom\nschon Gesagten weg, Vom redseligen Pessimismus\nByrons. Er klagt nicht mehr, er beschreibt. Er\nflucht dem Bourgeois nicht, er stellt ihn dar. Aber\ndaö ist die Hauptsache: dieser neue Stil, der andern\nvielleicht letztes Ergebnis aller Mühe wäre, ist bei\nihm erst das Niveau, der Ausgangspunkt seiner\nMühe. . . . Gut, er wird nun den Alltag schildern.\nJetzt aber, schon meilenweit von aller bisherigen\nKonvention entfernt, beginnt er erst recht, sein\nGenie wirken zu lassen, der niemals Zufriedene.\nUnd inun durchstudiert er den Alltag so genau nach\nrechts und links, entlockt ihm alle Farben, variiert\nihn so überraschend und mannigfach, daß Zola,\nder ihm hierin folgte, wie ein plumper Vorläufer\nerscheint. Neben ihm wirkt Maupassant fad, die\nGondourts planlos, obwohl alle diese erstklassige\nEpiker sind. Aber nun Fl'aubert gibt mit jedem\nneuen Roman nicht nur eine neue Atmosphäre,\nsondern gleich alle Nüancen dieser Atmosphäre.\nEr schafft ungeheure Felsblöcke herbei und mo-\ndelliert sie zugleich ins feinste.\nParis! hätte Fortsetzungen des Genres „Bovary\"\nerwartet. Fläubert aber holt eine andere Seele aus!\nsidh hervor, d|ie| „Salammbo\". Vorher schrieb er\neinmal eineml Freunde: Indem ich Spirituskocher\nbeschreibe, werde ich selbst einer. . . . Nur seinem\nTrieb folgend, beschreibt er Helden, Gewalttaten,\nFoltern. Aber zugleich seinem Prinzipe folgend,\nstellt er sie in ein Milieu, in dem das Größte als\ngewohnt erscheint. Er gibt gleichsam den Alltag\nder Exotik. In seinem wissenschaftlichen Drang\nrekonstruiert er das brausende Karthago. So be-\nfriedigt sich in ihm mit einem Streich der Historiker,\nder Freund der Barbären, de'sl Orients. Seine Studien\nsind ungeheuerlich. Man liest in den Tagebüchern\nder Goncourts (4. März 1860): „Dann bringt man\nFlaubert drei große, in der kaisierlidhen Druckerei\nhergestellte Quartbände über die algerischen Berg-\nwerke. Er hofft darin ein Wort zu finden, das! er\nzu seinem karthagischen Roman braucht.\" Und\nFlaubert kann gegen eine Kritik des! Professors\nFroehner brieflich ihm mitteilen: „Je n'ai, monsiieur,\nnulle pretention a Parcheologie. J'en siais cepen-\ndant assez, monsieur, pour oser dire que vous\nerrez completement d'un bout a Pautre de votre\nträvail.\" Für jedes! Detail des Romans weiß pr\nBelegstellen, Autoren, nichts hat er willkürlich ge-\nschrieben. Das Werk l'ohnt die Mühe. Wieder ist\nein neuer Typ des' Romans gelungen: der exakt-\nhistorische, in dem aber die Wahrheit neben der\nSchönheit bedeutungslos ist, trotz aller Wahrheit.\n„Die Sdhule der Empfindsamkeit.\" Ich würde\neigentlich übersetzen: „Schule der Gefühllosigkeit\",\nDenn darum handelt esi sich in diesem, wenn es\nnicht geschrieben wäre, unglaublichen Buch. „Alles\nversiegt, kein Gefühl1 kommt ans Ziel\", schreibt\nFläubert darüber. Wie Salambö ist es eine In-\nversion der „Madame Bovary\", aber von anderer\nSeite her. In der „Bovary\" klagt ein stets un-\nruhiges, romantisches Gemüt in monotoner Um-\ngebung, hier dasselbe Lied mitten in Paris, mitten\nin tausend anderen Bewegungen. Hier ist zum\nerstenmal' der Roman einer Stadt geschrieben, ein\nRoman mit tausend Nebenfiguren und Nebenereig-\nnissen, scheinbar unübersichtlich, doch gerade in\nallem Hin und Her vom zartesten unsichtbarsten\nfestesten Plan beherrscht, aus dem tiefsten Herzen\ndes Buches herauf. Hier ist das Beispiel eines\nMassenromans zum erstenmal' gegeben und nie mehr\nerreicht worden.\nDas Niveau in der „Versuchung des heiligen\nAntonius\" ist: Heiligkeit, Askese. Auch diesmal\ndie Grundstimmung nicht Endprodukt; sondern\ngleich mit den ersten Akkorden (erzielt, wird sie\nMaterie zu weiteren herrlidhen Spielen. Gleich mit\nden ersten Zeilen spüren wir: eine fremde Welt,\ndas1 haben wir noch1 nie gehört. Aber Fl'aubert\ntut gl'eidhisam so, als sei diese Höhle selbstverständ-\nlich, ganz und gar heimisch ist er in den uns\nneuen Gefühlen, mit Intensität (das ist es, was\nihn immer so auszeichnet: unbegreifliche Intensität)\nwandelt er die Frömmigkeit in alle ihre Ausläufer\nab1. Würde man glauben, daß esi zu dieser Stelle\nkommt: „Antoine et Hilarion s'amusent enorme-\nment. lis se tiennen t les cot es a forde de rire\"?\nEin Mönch, ein Einsiedller! . . . Und doch. An-\ntonius zerspringt fast vor Lachen, wie er die selt-\nsamen Idole der Heiden sieht. Da fühlen wir:\nwie weit von aller Schablone ist dieser Heilige ge-\nzeichnet, wie kraftvoll, unbegreiflich ! Er ist fromm,\naber individuell fromm, und zwar hartnäckig, selbst-\ngefällig, ein wenig beschränkt. Wenn die Ver-\nsuchung zu stark wird, beginnt er zu weinen. Wir\nkommen ihm sto nah dadurch. Ein ganz; neues\nGenre entsteht: der Humor, ja die Komik der Heilig-\nkeit. Ohne etwas1 von seinem Pathos, seiner Mystik\neinzubüßen, wirkt das Buch humoristisch, in einer\nganz ungeahnten Art menschlich. Wenn sich die\nindischen Götter verneigen, so neigen die, die\nmehrere Köpfe haben, alle zugleich. Wenn die\nBabylon ier ihre göttlidhen Sterne beobachten, es\nerscheint kultiviert und fast dandyhaft: wirft der\nEremit bäurisch starrköpfig hin, wie aus einem\nKatechis'mus: „Die Sterne sind keine Götter\".\nUnübertrefflich, wie der Magier Apollonias! sich1\naufdrängt, aber mit Hilfe seines treuen Dieners\nschnell die Sadhe umdreht, so daß Antonius ihm\nsich aufzudrängen scheint. Ich möchte das auf der\nBühne sehen. Und wie in alle Frömmigkeit der\nEhrgeiz, der Neid, die ganze Skala der Leiden-\nschaften einspielt, natürlich alles transponiert durch\ndas! Medium der Heiligkeit, alles auf den gemein-\nsamen Nenner der Kasteiung gebracht. Kleine irra-\ntionale Züge bringen unsl das Unglaublichste unter\ndie Augen. Die1 Christen stoßen ihre verurteilten\nBrüder den Löwen entgegen, „um ein Ende jzu\nmachen\", einfach aus! Nervosität. Ehe sie grausam\nden Tieren vorgeworfen werden, reicht man ihnen\n(mitleidig?) einen narkotischen Wein. Unter den\nrömischen Göttern tritt auch Crepitus auf.\nNodh einmal1 eine ganz neue Tonart „Bouvard\nund Pecuchet\". Das enzyklopädische Buch. Die\nBibell des! Dilettantismus... Die beiden Bieder-\nmänner des Titels sind Idealisten, von gutem Willen\nerfüllt, nach Höherem strebend, aber Durchschnitt,\nMittelmaß. Durdh eine kleine Fleißaufwallung glau-\nben sie jede Wissenschaft, jeden Zweig des1 mensch-\nlichen Lebens' beherrschen zu können. Wie Don\nQuidhote übersehn sie Schwierigkeiten, ihre tragische\nKomik wächst aus derselben Wurzel. Der Roman\nist eine aus dem Ritterlich-Tatsächlichen ins rein"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.4", "texte": "Geistige umgesetzte Don-Quichotterie. Aber bald\ngleitet Flauberts' Satire aus der Persönlichkeit ins\nAllgemeine. Seine Helden sind Dilettanten, und\ndeshalb' mißlingt ihnen vieles, vieles aber auch,\nweif die Wissenschaft selbst, die sie gerade durch-\nnehmen, ein Dilettantismus ist. Nun wird das Buch\neine Verhöhnung der Wissenschaft, von der Agri-\nkultur, über Chemie, Medizin und hundert andere\nEtappen bis zur Philosophie, Religion herauf. Alles\nist widersprechend, leichtsinnig, ja hirnverbrannt.\nEin Dossier der menschlichen Dummheiten entrollt\nsich, ein Bachanal der Skepsis... Die künstlerische\nNeuheit des Werks liegt aber nicht etwa in dieser\nheftigen gatire, wie Flaubert selbst in manchen (Brief-\nsteilen und zahlreiche Kritiker meinen, sondern\ndarin, daß Flaubert als! erster die Schönheit des\ntrockensten Stoffes beschwört, die Poesie des\nwissenschaftlichen Dunstkreises. Er beschreibt hier\nBücher wie Landschaften, Systeme wie Kata-\nstrophen. Mit drei Worten wird ins Herz\neiner Geistesrichtung getroffen. Seine ungeheure\nKraft zeigt sich in der zwanglos mitlaufenden Er-\nzählung, in der Verbindung der Teile. Wie (die\nFreunde, von der Hygiene enttäuscht, zu einer tüch-\ntigen Mahlzeit zurückschnellen und dann gesättigt\n(selbstverständlich) die\" Sterne betrachten, ein bür-\ngerliches! Gespräch über Astronomie loslassen. Wie\nSie, müde des politischen Lebens, sich in der Liebe\nüben... Und unfehlbar gibt Flaubert alle Gemein-\nplätze, die man über ein Thema sagen kann. Das\nGerede PeHerinsi in der „EduCation\" war nur ein\nkleinem Vorspiel. Hier schwillt das Stupide, das\nUnzulängliche in gigantische Maßstäbe. Die fünf-\nzehnhundert Bücher, die Flaubert Vorarbeitend\ndurchgelesen hat, wirken schließlich wie ein er-\nhabenes! Denkmal, ohne dadurch ihre Lächerlich-\nkeit zu verlieren. Diesl alles zwischen zwei bejahrte\nMänner gelegt, ihre rührende Freundschaft, ihr un-\nermüdlicher Eifer, ihr sympathisches Pech: ein neuer\nTyp des Grotesken ist gebildet, selbständig und\nisbliert wie alles, was der Große berührt hat. Der\nfünfte Roman: die fünfte Einsamkeit.\nEs! wird gut sein, wenn man statt in biographi-\nschen und Weltanschauungs-Zusammenhängen die\nBedeutung Flauberts! in dieser fünffachen Ori-\nginalität erkennt.\nDie Werke Flauberts!, Romane, Novellen, Briefe,\nliegen nun in deutscher Gesamtausgabe vor. Durch\ndas! Erscheinen des nachgelassenen Romans „Bou-\nVard und Pecüchet\" ist sie in diesen Tagen voll-\nständig geworden. Alles Lob dem kulturbewußten\nVerlag I. C. C. Bruns, dem gelehrten Heraus-\ngeber Dr. Fis!Cher, etwas weniger ihm1 als Ueber-\nSetzer. Die Dramen und Jugendwerke Fläuberts\nwerden Vielleicht später noch angefügt. . . . Doch\nSteht zu erwarten, daß schon in dieser Form die\nAusgabe, richtig erfaßt, eine starke Umwälzung\ndeS deutschen Schrifttums und der literarischen An-\nsichten hervorbringen wird.\n\nDer Sohn der Lilame\nVon Else Lasker-Schüler\nAls Ltlame, die Gemahlin des Großveziers, nodh\nin ihrem Schoß den kleinen Mehmed trug, ge-\nschah es, daß unter ihrem Fenster eine Gaukler-\nbande mit hellblauen Fladhsperücken ihre Späße\ntrieben. Und alfe Mehmed auf die Welt kam,\nringelten sich mitten auf seinem Kahlköpfdhen zwei\nganz kleine hellblaue Wollhärchen. Seine Mutter\nLiläme soll schwermütig darüber geworden sein,\nund sein Vater, der GroßVezier, ließ alle Friseure\ndes Landes in den Palast rufen, aber die standen\nratlos um den hellblau keimenden Haarboden seines\nSohnes. Und Mehmed wurde der Welt böse, als\ner zum erstenmal mit seinem Gouverneur durch die\nStraßen Vton Konstantinopel spazierte. Die reichen\nund die armen Leute hielten sidh1 die fetten und\ndie hageren Bäuche Vor Lachen. Und einige von\nihnen wurden sogar handgreiflich und zupften an\nden Spitzen seiner hellblauen Locken. Aber als\nMehmed älter wurde, gewährte es ihm einen un-\nerklärlichen Reiz durch die lachende Volksmenge\nzu schreiten. Seiner Locken Blau hob sich grell\nab Von der Zitronenfarbe seines Turbans. Und an\njedem Jahre einmal kam der Tag des großen\nKöpfens. An dem! wurden alle, die sich des Lachens\nbei seinem Anblick nicht enthalten konnten, in den\nweiten Vorhbf seines Palastes geladen. Der Sohn\ndes Großveziers saß dort auf einem steinernen Stuhl\nund zwang seine Opfer, sich noch' einmal so un-\ngebührlich zu gebärden, wie sie sichs vor ihm auf\nden Straßen Konstantinopels hatten zuschulden\nkommen lassen. Aber die Leute zitterten vor\nNöten, und namentlich die Kinder heulten, denn\nauf einer Wetzbank lagen krummgebogene Schlacht-\nmesser wie blitzende Mondsicheln, in jeder Größe\nfür jeden Hals1 passend. Aber es ist noch nie eines\nvon ihnen blutig geworden, denn Mehmed erlöste\ndie Qual der Schuldigen, indem er sie vor ihrer\nHinrichtung wieder in ihre Wohnungen schickte.\nUnd man betrachtete den Sohn des Großveziers\nbald mit scheuen Blicken. Die Lachlustigen ver-\nbärgen ihre Gesichter, wenn sie ihn von ferne\nherannahen sahen. Und die alten Weiber auf\nden Plätzen, die Spezereien und Kräuter\nfeilboten, tuschelten sogar von der Wunder-\nkraft seiner heiligen, hellblauen Haare. Aber\nMehmed war der Welt böse. Doch weil er sie so\nliebte, begann er seine außergewöhnlichen Haare\nmit flüssigem Kalk zu verkleistern. Und als ich\nihn eines Abends also tun slah, trat ich in den Garten\nzu ihm, er saß am Rand des Spiegelseesl, und sein\nHaupt war wie ein Stückchen Himmel, was in das\nkleine Wasser gefallen War. „Was beginnt Mehmed,\nmein lieber Vetter?\" Und ich wehrte ihn, sein\nVorhaben weiter auszuführen, denn ich empfand\njedesmal eine Prophezeiung beim1 Leuchten seiner\nhellblauen Haare. „Mehmed, du bist ein Weiser\nund bist ein Narr, da du es nicht weißt. Und wenn\ndu auch die schwarzen Haare deines Vaters oder\ndie braunen Locken Lilämes, deiner Mutter, trügest,\ndich hätte das gleiche Geschick ereilt.\" Ich zeigte\nin den See. „Deine Stirneist mit Gold beschrieben,\nwie sollten die Unwissenden ihre Sprache deuten\nkönnen, und deine Augen blicken in eine andere\nWelt.\" Und wir stellten noch1 am1 selbten Abend\neine Probe an, er Verbarg seine hellblauen Haare\ntief im Turban, und ich sah1 recht deutlich durch\nineinen Schleier, wie sich die Vorüberschreitenden\nneugierig anstießen und ihre Lachlust ihm galt.\nAber Mehmed wandelt seitdetm1 nur noch' vor mei-\nnem Gitterfenster des Harems auf und ab, bis ich\nzu ihm in den Garten trete: Seine hellblauen Locken\nläßt er sich nicht mehr nach Landessitte beschnei-\nden, sie haben schon die Länge , seines Rückens\nerreicht; und eines Abends am Spiegelsee offen-\nbarte er mir, ihn beseelte die tiefe Erkenntnis, er\nsei tatsächlich ein Weiser und größer al!sl alle seine\nNebenmenschen, als Mond und Sterne. Und er\nkönnte seine unumstößliche Erleuchtung nur damit\nbegründen, daß er ein Zwilling Allahs! sei. Auch\nwürde er ferner nicht mehr über die Straßen Kon-\nstantinopels schreiten und die winzigen Menschen-\nhaufen zertreten, das Vertrüge sich nicht mit seiner\nWeisheit. Aus verschiedenen Ländern läßt er\nGeometer kommen, weldhe die Höhe der Granit-\nsäulen feststellen sollen, auf denen das Dach seines\nPallaistes ruht. Er geht Wetten ein, natürlich gewinnt\ner immer. Er ist ja beträchtlich' größer als die\nsteinernen Träger. Und die Pyramide jenseits des\nUfers hat er selbst mit den Klötzen aus! den Bau-\nkästen der Haremskinder aufgebaut. Und die mäch-\ntige Moscheekuppel1 ist ein Punkt gegen seinen\nKopf. Und sein Vater, der Großvezier, erbaut sich\nan der heiteren Laune seines sonst so schwer-\nbrütenden Sohnes; übersteigen seine Spiäße doch\ndie Sprünge der Gaukler Vor dein1 Palast. Aber\nich werde täglich Schwermütiger, wie Lilam'e, seine\nMutter. Und es war in aller Frühe, die Priester\nhatten noch nidht die Gebete verrichtet, als ich\nMehmeds Stimme Vor meinem Fenster höre. Er\nschwenkte eine Zeitung triumphierend wie eine\nSiegesfahne durch die Luft. Und er ließ mir kaum\nZeit, die große Neuigkeit zu Ibsen. Es handelte\nsich um ein Elefantenriesenmonstrum aus Ost-\nIndien. Augenblicklich weilte es in der Kaiserstadt\nder Deutschen, im Abendland. Fünfundzwanzig\nschwarze - Diener müssen sich zur\nReise bereit halten und außerdem die Hoch-\ngestelltesten im Palaste, und ich, seine Base,\ndie idh seiine Weisheit zuerst erkannt habe.\nAuf der Fahrt über die Gewässer verhielt sich\nMehmed auffallend schweigend, nur manchmal\nsteigt ein Sieges llädhleln jäh1 wie auf Meileneile über\nsein Antlitz und Verklärt seine hellblauen Haare.\n— Umzäumt von drei Eisengittern gewahrten wir\nGoliathofoles, das Riesenmonstrum, und in den\nNebenkäfigen die anderen Elefanten, die ihn kopf-\nschüttelnd begaff «In. Er war gerade im Begriff,\nzwei Kessel Wasser auszuschlürfen. Auf eine Ein-\ngabe hat die Hauptstadt die Kessel der Gasanstalt\ndem hohen Gaste zur Verfügung gestellt — und\nder Westen war ohne Beleuchtung. Goliathofoles\nwar so groß — um1 gewissenhaft zu berichten:\nauf seinem Kopf lag Schnee. Aber nichtsdesto-\nweniger verstand er mit seinem Rüssel die Orgel\nzu drehen und namentlich die Trommel zu schla-\ngen. Heute aber weigerte er sich entschieden, seine\nKunststücke dem Publikum vorzutragen. Trotz der\nvielen Zutikerhüte, die für ihn zur Belohnung in\nBereitschaft standen. Mehmeds schmächtige Glie-\nder krampften sidh vor Ungeduld und die\nfünfundzwanzig Diener seiner Haut spannten\nihre Volle Kraft an, um das! Vorhaben ihres\nHerrn zu verhindern, in den Käfig einzudringen.\nMit zugespitzten Lippen, girrende Töne\nflötend, versuchte er das unfolgsame Riesen-\ntier zu ermutigen. Bisquitkrümel warf er in sein\nhöhlenaufgesperrtes MäulChen. Er duckte sich\nimmer kleiner, damit Goliathofoles auch den auf-\nmunternden Trommelwirbel seiner Hände auf dem\nGesäß eines seiner Diener vernehmen könne.\n„Gutes Kiehnd, gutes Kiehnd ....!\" Einen so köst-\nlichen Prinzen hat das Publikum in seiner Haupt-\nstadt noch nicht empfangen. Mir aber rannen\nschmerzende Tränen über das Herz.\n\nDjellah\nVon Peter Altenberg\nStets' betrachtete ich1 diesen speziellen Typus\nvon adeligster schlankster brauner Frauenschönheit\nals (meine geliebten vergötterten Kindchen. Idh\nmeine in diesem Falle die malerische Tänzerin\nDjellah. Nicht was sie kann, was sie ist, ist ihr\nBesonderes! Ihr Sinn, die Form ihrer Glieder, der\nAusdruck ihrer Augen, die Modellierung von Stirn\nund Nase, die Farbe ihrer Haut, die Zartheit ihres\nWesens ist ihr Besonderes. Man würde sie ebenso\nVerehren, wenn sie langsam durch Lianenwälder\nschritte oder in einem kleinen Rindenboote säße\nöder in einem Dorfe Vor einer niederen Hütte\nkauerte —. Sie repräsentiert eine andere Welt, eine\nschlanke, biegsame, braune Welt, erfüllt mit natür-\nlicher Anmut und sanfter Bewegungsf remdigkeit.\nDie unbesdhreibliiChe Schönheit ihrer gelbbraunen\nBeine zu schildern wäre geschmacklos. Vor Idealen\nVerstummt man, falls man nicht ein ganzes\nFeuilleton darüber zu schreiben den ehrenden Auf-\ntrag erhalten hätte. Da freilich muß man loslegen,\ndoute que coute. Djellah ist in der Richtung der\nherrlichen Ruth St. Denis; nur leidenschaftsloser,\nweniger prunkvoll, selbstverständlicher, ohne Gobra-\nGift-Dekoration. Um so edler und wertvoller. Bei\nuns kümmert man sich leider noch1 immer viel zu\nViel um das „Können\" von Menschen als aus-\nschließlich um ihr „Sein\". Das Erlernbare ist „er-\nlernbar\", aber Vor dem „Unerlernbaren\" in jeg-\nlicher Ridhtung, da müssen wir „Habt Acht!\"\nstehen und ehrfurchtsvoll salutieren. Heil Djellah!\nKönnen, erlernen ist gar nichts; aber es Von Schick-\nsals Gnaden mitbekommen haben, Glieder, Hände,\nFüße, Gelenke, Teint, das1 ist das wirklich Beson-\ndere auf Erden.\nBei Gelegenheit ihres Auftretens in Wien\n\nFortschritt!\nNiederungen der Bedürftigkeit\n\nDer Königsberger Naturforschertag hatte das\nBerliner T ageh 1a 11 so aufgeregt, daß es be-\nschloß, seinem Leserkreis auch einmal wissen-\nschaftlich zu kommen. Zu diesem durchaus päda-\ngogischen Ziel wurde ein unglücklicher Presse-Greis\nabkommandiert, der sich aber mit Händen und\nFüßen gegen seine Aufgabe gewehrt zu haben\nscheint. Dieser Bedauernswerte ging offenbar von\nder Absicht aus, dem Publikum des B. T. das:\nGeheimnisvolle aller Wissenschaft schon durch\nseinen Stil zu weisen. Der Verfasser — J. Kastan,\nmöge sein Name überliefert sein — maCht schon\ndurch den Titel! seines Artikels auf die Schwierig-\nkeiten des naturwissenschaftlichen Studiums auf-\nmerksam :"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.5", "texte": "Königsb e r g er Nachkl! ä n g e\nEin Rückblick auf den Naturforschertag\nSein Ziel ist schon beinahe erreicht. Der Leser\nweiß jedenfalls inoeh nicht, ob er auf die Nach-\nklänge des Naturforschertages hören oder auf\nKönigsberg soll. Aber nicht nur\nOptik und Akustik streiten um den Sieg. O nein,\ndem Esoteriker Kastan gehts um Höheres.\n„Die Gedankenkolosse, die Planck und seine\nArbeitsgenossen am Baumle der Erkenntnis an ihren\nHirn Werkstätten hin- und her wälzen, um neue\nAnschauungen Von dem Weltbilde zu gewinnen,\nsie bleiben Vorerst Wenigstens dem Laiensinn un-\nzugänglich; sie bleiben vielmehr geheim und sind\nweit entfernt davon, allgemein und gleich zu sein.\nMan nähert sidh ihnen nur unter ganz bestimmten,\naber unerläßlichen intellektuellen und scientifischen\nV o ra u s s etzungen.'1\nDas steht wirklich da, in der Abendausgabe\nvom 28. September einer großen Berliner Zeitung.\nIndessen scheint sich doch, nach der ganzen Fas-\nsung 'des Satzes, der Herr Kastan zu wundern,\ndaß seine „Gedankenkolosse\" nicht „allgemein und\ngleich sind\". Er kann ganz ruhig sein. Wie sollen\ndie ärmsten denn allgemein und gleidh sein, wo sie\ndoch nicht wissen, ob „die Planck und seine Ar-\nbeitsgenossen\" Sie „am Baume der Erkenntnis\" oder\n„in ihren Hirnwerkstätten\" „hin- und herwälzen\".\nIch denke, schon das beschwerliche Hin- und Her-\nwälzen wird ihnen ihre Gleichheit genommen haben.\nWarum sie aber nicht auch „allgemein\" sind? Sehr\neinfach! Man nähert sich doch nur unter uner-\nläßlichen sdienti 112 i s c h e n Voraussetzungen. Ich\nbegreife nicht, wie Herr Kastan es über sich ge-\nwinnen kann, nidht: Heureka! zu rufen. Die Ent-\ndeckung, daß man sidh der Wissenschaft nur unter\nscientifischen Voraussetzungen nähert, hat doch\nsicher ein Flui dum an sich, das dem Tageblatt\nungeahnte Siege unter einem Leserkreis sichert, der\nsich bisher nur mit der bereits etwas veralteten\nHerleitung der Armut aus dem Pauperismus be-\nschäftigt. — Woran liegt aber dieser ungeheure\nUmschwung der Dinge ? Er liegt an einer Cha-\nraktereigenschaft des Forschers Ehrlich. Bisher\nkannte man musikalische und unmusikalische For-\nscher. Das Tageblatt hat eine neue und sehr\ngebildete Begabung entdeckt: die biologische. Bitte,\nman lese: „Der biologische Forscher Ehrlich, der\ndurdh seine Entdeckung mitten hinein in das Ge-\nwühl des Lebens getreten ist...\" Der sdientifis'dhe\nJournalist Kastan, der mitten hinein in das Gewühl\nder Syntax getreten ist, war aber so bescheiden,\neine triftige Entschuldigung vorzubringen: „Denn\nin die Erkenntnistiefen, wenn auch nur nach-\nbegreifend, m i t einzudringen, ist und bltaibt in alle\nEwigkeit nur den wenigsten beschieden.\"\nNun, die alte gute Reportersitte hat ja stets\nvorgeschrieben: Wenn man irgendwo nicht mit\ne i n d r i n g e n kann, dann wartet man draußen und\nfragt den Portier aus. Der Portier scheint denn\nauch Herrn Kastan berichtigt zu haben. Mit den\nErkenntnis-Tliefen war es wiohl nichts; denn auf\neinmal bekommen wir von Planck und Ehrlich zu\nlesen: „Nur daß der eine sich lediglich auf den\nHochspitzen der reinen Anschauung hält und\nhalten muß, während der andere in die Nie d e -\nrunge n de r Bedürftigkeit sich herabzu-\nlassen vermag\". Wer kann ermessen, wie furchtbar\ngefährlich die Kletterpartie Von den Tiefen über\ndie Hochspitzen in die Niederungen ist, wenn der\nJournalist, der sie Verantwortet, sich nicht zu ent-\nscheiden vermag, in welche Niederungen Ehrlich\nsich herabläßt: in die Niederungen des Bedarfs,\noder in : die jener, welche seiner bedürfen, oder gar\n— aber nein, das ist doch wohl im Tageblatt un-\nmöglich — in die der Bedürftigen ?\n\nProgreb\n\nHerr Busse zog über die Hügel\nR. K. Neumann\nDas „Literarische Edio\", diese „Halbmonats-\nschrift für Literaturfreunde\", ist ein Blatt, in dem\nsich die kitainen Dichter gegenseitig den Lorbeer\naufs Haupt setzen.\nIn der fetzten Nummer lobt ein Herr Gustav\nSchüler Herrn Carl Busse auf der Teufel komm'\nraus. Er kommt aber auch sofort, denn die\nnächsten drei Seiten enthalten ein Selb'stporträtj\nBusses, zu dem er vor dem Spiegell Toilette ge-\nmacht hat. Von Herrn Schüler sagt der ahnungs-\nlose Hans Benzmann, daß er „ein sprödes! Talent\nsei, pathetisch und wuchtig, in kraftvoller Wort-\nsymbolik und skeptischem Paradoxisimus schwelge\".\nIch habe dies erst nachher gelesen.\nIch saß eines Abends im Cafe Bauer und blät-\nterte in den Zeitschriften, bis mein Blick auf eine\nStelle fiel, die imiclh aufrüttelte. „ eine leise\nbeiseelte Künstlerhand, ein feines sonntägliches\nGlockenschwingen und Schmetterlingsfliegen über\nrotblühenden Kleefeldern und wogenden Acker-\nbreiten.\" Was war geschehen?! Herr Carl1 Busse\nhatte einen neuen Gedichtband unter dem Titel1\n„Die heilige Not\" erscheinen lassen. Seit Herr\nSchüler dieses Buch gelesen hatte, fand er keine\nRuhe mehr. „Die Not baut unerbittlich ihre hohen,\nlichtverstellenden Schranken. Blumen, die hinauf-\nwbllen, müssen Verkümmern, weil die Planken, die\numfalle Sehnsucht gezimmert sind, nichts dulden,\ndas sie im Drang nadh Licht und Leben über-\nsteigen will\" Herr Schüler merkte in seiner un-\nbefleckten Ahnungslosigkeit nicht, daß Herr Busse\nsein Buch aus eben den Planken gezimmert und\n— damit sie nicht in ihrer häßlichen kiefernen\nNacktheit dastehen solllten — mit Fliegenleim und\nLakritzensaft bestrichen hatte. Kraftvolle Wort-\nsymbolik, sagte Herr Benzmann Herrn Schüler\nnach. „Trotz allem, was man in merkwürdiger\nund merkwürdig störrischer Art gegen ihn (Busse)\ngesagt hat und noch1 sagt, ist er ein Meister in\nStimmung und Form. Er ist voll allem, es sei\nwiederholt, lyrisch bis in die Fingerspitzen.\" Das\nist kraftvolle Symbolik.\nWeiß man im „Literarischen Edhb\", weiß Herr\nSchüler denn, was lyrisch ist? Busse — ein\nLyriker?! Busse, der neben Rudolf Presber zu\nden Lieb Hingen der Mäd che n pe n s i o n a te zählt, Busse,\nder niemals Gedichte, sondern nur Rosinenwasser\nVerzapft hat, lyrisch? Ich habe die vier Gedicht-\nbände Busses nidht gelesen, nur darin geblättert.\nAber im „Literarischen Echo\" fand ich ein Ge-\ndicht, aus dem ich folgende Verse hersetzen will.\nErnstgemeinte. „An mein Kind\".\nDoch heb' einst nicht das Haupt so sehr:\nwir kamen auch von unten her\nin Tiefen haben Wir geschafft,\ndie Tiefe gab uns Kern und Kraft.\nEs trug dein Ahn kein Ritterschwert,\nihm waren Pfriem und Ahle wert.\nIn blanker Kugel glomm das Licht —\nVergiss das nicht — Vergiss das nicht.\nViel schlechter sind Stammbücher-, Ansichts-\nkarten- und Stollwerkbilderreime nicht. Auch früher\nschrieb Busse so.\nDie Graugans zog gen Süden heut\nwohl mit geschwindem Flügel,\nda fuhr mit Schall und Brautgeläut,\njuchheirassa!\nein' Hochzeit über die Hügel.\nJuchheirassa! lyrisch bis in die Fingerspitzen!\nIst Busse, der Prosaist besser? Er selbst gibt zu:\n„All die Romane und Novellen, die ich schlecht\nmachen mußte, weil ich sie noch (!) nicht gut\nmachen konnte, haben mir Studium und Ehe, haben\nmir ein Leben ermöglicht, wie idh es führen wollte.\nIch liebe die Dichter nicht, die nur am Schreib-\ntisch Dichter sind und deren ganze Kraft in ihre\nBücher geht\". Hiernach erübrigt es sich, eine Probe\naus der „Referendarin\" oder den „Königsträumen\"\nanzuführen. Aber nicht genug, daß; Busse das\nDeutsch seiner Heimat spricht.\nEr stammt aus dem Städtchen Birnbaum und er-\nzählt im „Literarisdhen Echo\", daß auch Lelsser\nUry (der nur von den Zionisten geschätzt wird),\nFranz Jüttner (ein Zeichner der sogenannten „Lusti-\ngen Blätter\", der die Wände des Bierrestaurants\n„Künstlerklause\" verschandelte), Georg Busse-\nPalma (ein jüngerer Bruder des Herrn Carl Busse,\naudh ein „Lyriker\", der chinesische Dichter Ver-\ngewaltigte), und die Söhne des Herrn Jankreff Tietz,,\ndenen ein paar Dutzend Warenhäuser gehören, in\nBirnbaum geboren sind. Dann fährt Herr Busse\nfort: „Birnbaum zählte damals 2500 Einwohner...\nund ich frage jeden Menschen, wo es in deutschen\nLanden nodh ein so geringes Nest gibt, das! in\neiner kurzen Zeitspanne ein halbes Dutzend doch\nimmerhin respektabler Leute hervorgebracht hat —\nLeute, die sich so oder so ihren Zeitgenossen be-\nkannt gemacht häbein. Wer eins weiß, soll es\nsagen.\" Das ist doch eine Unverfrorenheit, die\nselbst einem Größeren schlecht zu Gesicht stände.\nBusse gibt zu, daß er nur des Geldes wegen ge-\nschrieben hat. Aber warum versuchte er es nicht\nmit einer jetzt so beliebten Spezialität, zu Millionen\nzu gelangen. Seine Verse schreien nach Paul Lincke\nund Vidtor Holländer. Man weiß, daß R. Lothar\nselbst mit dem Reimlexikon keine Chansons zu-\nstande bringt. Für Herrn Busse wäre es eine Klei-\nnigkeit. Es würde mir eine Genugtuung bereiten,\nkündete Herr Palfi dem Kurfürstendamm im näch-\nsten Jahre an:\n„Die Referendarin\"\nOperette in drei Akten \\ton Carl Busse\nund Rudolf Lothar\noder\n„Königs träume\"\nOperette Von Carl Busse und Victor Leon.\nDann würde Herr Busse dem Publikum keine\nEngelhörner mehr aufsetzen können und doch\nkönnte ihm Herr Holländer einen Einzugsmarsch\n(frech nach Wagner) in eine Grunawaldvilla schrei-\nben. Zu seinen Hausabzeichen: Ahle, Pfriem und\nSchusterkugel ließe sich eine stimmungsvolle\nCouponschere hinzutun — und Herr Benzmann\nwürde von kraftvoller Symbolik sprechen.\nAber ich fürchte, Herr Busse hält sich für einen\nDidhter. Wäre Herr Busse nur Gedicht- und\nRomanfabrikant, [man würde ihn ertragen, würde\nes hinnehmen, daß sein Schaffen der Einbruch der\nGoMenen 110 in die Literatur ist. Seine Leihhaus-\neleganz wäre ein Schulbeispiel. Es muß auch\nschlechte Schriftsteller geben — aber sie sollen\naufrichtig sein und sich nicht als Berufene in Szene\nsetzen. Dieser Herr Busse ist n,äml!ich Kritiker,\nKritiker beim „Literarischen Echo\" und „Velhägen\nund Kissings Monatsheften\". Wie er das Amt\ndes Rezensenten, des Torwächters\" an der engen\nPforte des Reiches der Kunst (Andre Gide hat einst\ndiese Worte gesprochen) auffaßt, mag eine Aer.ße-\nrung zeigen, die er drudken ließ: „Rudolf H-rzog\nkann die Kritik aus lachen, denn das Publikum hat\nsich für ihn erklärt\". Hiermit ist der Kritiker Busse\ngeridhtet. Sein Ruhm ist ein Treppenruhm. Er\nist stufenweise die teppichbelegten Aufgänge der\nKurfürstendamm Wohnungen emporgeeilt und hat\nsich in die Boudoirs gedrängt, wo er neben den\nHausfreunden und den „Gesprächen der Alioysia\nSigara\" auf dem Di van zu liegen kam. Nach Art\nemporgekommener schlechter Didhter haßt er die\nechten. Und so erzählte er den Lesern von „Vel-\nhägen und Klasings Monatsheften\" neulich folgende\nUnVersdhämtbeiten von dem herb- süßen Roman\n„Malte Laurids Brigge\": „Die zweibändigen „Auf-\nzeichnungen des Malte Laurids Brigge\" sollen nur\nals dharakteristische Ausgeburt einer selbstgefälli-\ngen Aesthetenkunst Erwähnung finden. Aus dem\nungeheuren Wortbrei der zwei Bände habe ich sonst\nnur noch behalten, daß einmal ein blinder Mann\nBlumenkohl ausruft — was für Herrn Brigge ein\nungeheures Erlebnis ist.\" Die subalterne Phan-\ntasie Busses kann sich in die Gedankenwelt Brigges\nnidht einschleichen. Von dem Verfasser, Rainer\nMaria Rilke, sagt Busse: „R. M. Rilke war bisher\nziemlich härmlos: ein poetischer Kunstglasbläser\nund Zierathäimmerer. Sein Malte Laurids Brigge\naber hätte das Zeug dazu, die Entwicklung einer\nsanften Verblödung in einem gar zu aufmerksamen\nLeser anzubahnen. Und darauf darf man es nicht\nankommen lassen. Man muß sidh für seine Kinder\nerhalten.\" Vielleicht wäre es besser, statt gegen\nBusse ein Pasquill gegen das1 Publikum zu schleu-\ndern, welches nicht protestiert, wenn alberne Be-\nmerkungen als kritische Waffengänge ausgebbten\nwerden. Diese Leser haben den Treppen rühm\nBusses gezüchtet, sie lassen ihn nicht fallen.\n\nDie neue Sezession\nDie Kritik1 macht sich das Leben sehr bequem.\nSie arbeitete bei jeder neuen künstlerischen Er-\nscheinung, bei jeder neuen künstlerischen Institu-\ntion mit denselben Mitteln: feie schweigt oder witzelt.\nUnd das Publikum lacht. Beiden Parteien gemein-\nsam ist das innige Verhältnis zu Michelangiolp\nund Rafael, zu Goethe und Sdhiller, zu Beethoven\nund Mozart. (Allerdings berufen sich auch die\nKitscher aller Künste auf diese Herren.) Konser-\nvative, Liberale und Demokraten sind darin einig,\ndaß ungefähr mit dem Jahr 1870 die Kunst de-\nfinitiv begraben wurde. Sie erkennen aber bereit-\nwillig die Leute an, die sie an ihre Jugend- und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.6", "texte": "Schul-Eindrücke möglichst getreu eri' also die\nKopisten. Denn die Mehrheit ist an/f-Vilich so durch\ndie Geschäfte und die Lebensfreude iberanstrengt,\ndaß sie nicht Lust hat, Neues aufzunehmen. Na-\nmentlich, wo es sich um unfruchtbare Dinge han-\ndelt. Lieber treibt man den blühenden Unsinn, in\ndie Luft zu fahren. Vielleicht funktioniert es bald\nund wir können hier auf der schäbigen Erde wieder\natmen. Aufatmen.\nEin rührender Zug der Deutschen bleibt ihre\nLiebe zu den ollen Griechen. Die ihnen tüch-\ntig eingebleut. Die sitzen. Ein BesUztum für den\nunkünstlerischen Menschen: die Elk. mit der die\nWerke der Bildhauerei gemessen werden können.\nDie Griechen verstanden es (das \\ aben wir ge-\nhabt). Sie fanden alles, sogar rVs Meer. Sie\nwagten sich freilich1 hinauf. Aber * mim sich ins\nUferlose verlieren, denkt der solide Bürger, wenn\nman schon mal etwas gefunden bM. Zeus Otri-\nvoli, Venus vbn Milo. Das ist es, Punkt.\nFür die Malerei sorgte die Ren&issande, „jene\nEpoche, welche ...\" Enge Verwandtschaft mit den\nGriechen nachzuweisen. Dazu Italkn, das Land\nder Kunst, wo die Zitronen blühn. Ooethe. Punkt.\nDie Niederländer. Schon Vorsichtiger zu be-\nhandeln. Naturalismus. Fleischeslust. Dennoch:\nRembrandt haben wir gehabt. I MUdunkel sehr\nkünstlerisch. „Dämmerung\" in durch-\naus plausibel.\nDie alten Deutschen. Wenigstens wieder Ver-\nwandtsdhaft mit den bewährten Nied* rländern nach-\nzuweisen. Und mit dem Christentum. Und die\nDeutschen „denken\". Al'so genehmigt.\nNun wird die ganze Angelegenheit erst be-\ndenklich. Mit Feuerbach und geht man\nmit. Sie verbinden griechische Gestalten mit deut-\nschem Empfinden. Bödklin insbesondere schil-\ndert. Man kann das verstehen.\nDie Franzosen wurden 1871 endgültig ge-\nschlagen. Und jetzt werden ihre Maler zu Mei-\nstern ernannt. Solchen Unfug sollen wackere, ehr-\nlidhe Menschen mitmachen ? Watt- au ließen sie\nsich gefallen, man kann seine Szenen für Mas-\nkeraden gebraudien. Aber van Gogh! Da müßte\nein Lokalanzeiger im Namen der Menschheit drein-\nscMagen. Keine Verwandtschaft festzustellen. Keine\nTradition. Selbst die Weisheit der Fibel und des\nBilderbogens auf den Kopf gestellt. Das Funda-\nment der letzten Vorsöhulklasse zertrümmert. Ge-\nlöst sind alle Bande der Natur, alle Subjekte Von\nihren getreuen Objekten: der Baum' ;st grün, Him-\nmel! blau, Mohn rot, Sdh'af weiß.\nDer Deuts die lebt nur in Formeln, Dogmen\nund Symbolen, lebt also überhaupt nidht Er ladit,\nwenn der Lyriker Votn Hören mit der-i Auge spricht.\nWenn er wenigstens damit sehen könnte. Er\nrühmt sidh dieser Fähigkeit und trägt stets eine\nrationalistische Brille. Sie färbt shsn! die Außen-\nwelt. Sie schützt ihn vor den Strahlen des Genies.\nBlendendes Verblendet ihn. Es reizt <;hn. Nur wenn\nder Glanz genommen ist, wenn ei «eine Ursachen\nuntersudhen und „verstehen\" kamt, läßt er sich1\ndiesen Schwindel gefallen. Genie clrid Mystik ist\nQuatsch. Nur auf dem Weg der Analyse und der\nPädagogik bewilligt er dem andern die Optik des\neigenen Auges.\nWas natürlich zum Künstler nicht ausreicht.\nHöchstens zum Malier. Denn Kunst besteht nicht\naus der richtigen Wiedergabe äußerer Eindrücke.\nDas ist ihre Voraussetzung, die Technik.\nModellposen nachweisen können, bedeutet nichts,\n„Kunst des Buchstabierens\". Kunst fordert die Be-\nlebung, die Bewegung, die Beseelung des Anschau-\nlichen. Des Anschaulichen. Literatur läßt sich nicht\nmalen.\nDie Neue Sezession wird Erfolg haben. Weil\nsie die Großen der Kunst „menschlich näher bringt\",\nplausibel macht, wie ich schon sagte. Ueber Van\nGogh (mit Abstand zu nennen), über Gauguin,\nHodler, Klimt, Matisse wird geschimpft. Ihre Nach-\nahmer sieht man sich an. Die göttliche Manie\nwird hier zur irdischen Manier. Die unVerständ-\nlichen Striche und Punkte und Farben sind kor-\nrekt geordnet, S i n n ist in die Geschichte gebracht.\nDas treibt die Mehrheit.\nTrotzdem ist das Niveau höher, als bei ähn-\nlichen Veranstaltungen. Es sind einige da, die\nTechnik in meinem Sinn besitzen, die mit eigenen\nAugen sehen. Ich nenne E. L. Kirchner. Es sind\neinige da, die Kunst in sich tragen. Ich' nenne den\nMaler Max Pechstein und den Bildhauer Otto\nFreundlich.\nUnd erregte Kunstfreunde möchte ich mit dem\nwichtigsten Griechenwort beruhigen: Panha rhei.\nTru s t\n\nKuno Kohn\nVon Alfred Lichtenstein\nSeit einem halben Jahr wohne ich in der Nürn-\nbergerstraße. Von den Hausbewohnern hat noch\nniemand etwas gemerkt. Ich bin vorsichtig.\nDas weiße Kostüm bringt mir Glück, ich Ver-\ndiene genug. Idh habe angefangen zu sparen, denn\nic!h fühle, daß die Kräfte nachlassen. Häufig bin\nidh matt, manchmal1 habe ich Schmerzten. Auch\nwerde idh dick und alt. Ich schminke mich nicht\ngern — — ~ : i | j | ' j j\nIdh stehe nidht mehr unter Kontrolle. Kuno\nKohn hat midh frei gemacht, ich bin ihm dankbar.\nKuno Kohn ist häßlich.\nKuno Kohn hat einmal gesagt, daß er Knochen-\nfraß habe.\nSonderbar ist die erste Begegnung gewesen:\nEs regnete. Die Straßen waren naß und\nschmutzig. Ich stand an einer Laterne in der Kaiser-\nallee und blickte auf die angespritzten Kleider.\nWenn Wind kam, fröstelte ich. Die Füße schimerz-\nten 'Von dein Schuhen.\nSelten ging wer. Meist auf der anderen Seite.\nMit aufgeschlagenem Mantelkragen. Den Hut über\ndie Stirn... Niemand beachtete mich, ich' stand\ntraurig. , j\nDer Kies knirschte hinter mir. Hart und\nplötzlich, daß ich aufschreckte. Ein Polizist kam,\ndie Hände am Rüdken. Er ging langsam. Er sah\nmich argwöhnisch an, stolz auf sein Recht. Er\nfühlte sich Herr! Er schritt weiter. Ich lachte\nhöhnend, er schaute sich nicht um. Der Polizist\nverachtete (mich...\nIch gähnte, es war spät geworden. Ich ging\nbis zur Kantstraße. Da kam einer, der war klein\nund verwachsen. Er blieb stehen, als er mich sah.\nEr versteckte einen Teil des Gesichtes hinter\ndürren Fingern. Und rieb am rechten Lid wie wer,\nder sich schämt. Und hüstelte... Ich trat dicht\nzu ihm, daß er mich fühlte. Er sagte: Na — Ich\nsagte: Komtrn Kleiner. Er sagte: Eigentlich bin ich\nhomosexuell.\nUnd nahm meine Hand.\n\nSchmuck der Berliner Theaterprogramme\nIII / Metropol-Theater\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nPAUL SCHEERBART\nDas Perpetuum mobile\nVerlag Ernst Rowohlt Leipzig\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nWochen-Spielplan der Berliner Theater\nOktnhf*s* Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\n4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Spielplan:\n| Ihr wollt j y F.„, | [ DO, Ca,lo. S,„.rt« |\n» jjjfi,| \"ä\" Mass»«».»-.«-»»-.\nLessingtheater Einsame W der junge Wenn der junge n vnnmt Wenn der junge Wenn der junge Einsame Neues Theater n. -n,++fl ..\nFriedrich Karlufer l Menschen Wein blüht Wein blüht üonzert Wein blüht Wein blüht Menschen Schiffbauerdamm 4a|5üie te°idene Rltteiszeit\nKomische Oper Der Arzt wider Xi rpiinpvll-Aup Der Arzt wider n. t. u Der Arzt wider n. , . Der Arzt wider Residenztheater\nFriedrichstr. 1041104 a Willen WiUen Die Boheme willen. Die Boheme wmen Biumcnstr. 9a Noblesse obhge\nNeues königliches p ~7 .\nOperntheater Manon Hon Juan Carmen Tannhäuser Barbier v\" Sevilla MiSnon Madameßutterfly Karfstr. 7 Pariser WitweD\nKonigsplatz 7\nNeues Ueber Tartüff Wann kommst Der Tartüff Ueber Der Tartüf£ Der Tartüff Neues\nSchauspielhaus nnsre Kraft j *>r Herr von D wieder Der Herr von Kf T Der Herr von Der Herr von Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNoiiendorfstrasse 11)12 ' * urceaugnac Pourceaugnac ' Pourceaugnac Pourceaugnac Schiffbauerdamm 25\nKleines Erster Klasse Mnter Klasse Premiere Dpv L Erster Klasse n TlpWrflnt Erster Klasse Theater des\nUnter den Linden 44 Die verflixten !>-*, verflixten Der Liebestrank Die Zensur Die verflixten Die Zensur Die verflixten Westens Die schönste Frau\nFrauenzimmer >re,uenzimmer Die Zensur, Frauenzimmer Frauenzimmer Kantstrasse 12\nISIS Der Schlagbaum D neue Sonne Wilhelm Teil Die Räuber Der dete Die Journalisten Hurrah - Wir leben noch!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.7", "texte": "Verantworte 112, d. Anzeigenteil: A. Bots / Verlag Der Sturm Berlin Haiensee Geschäftsstelle and Anzeigen ■ Annahme: Berlin W. 35 / i-nick v* Hans Walter, Berlin SW.I 3\n\nOraphische Husstellung\n1910\n1. Ohfober bis 1. December\n»•\nIfn 9er\nOalerie lllaximilian Ulachf\nBerlin 10., Ranhesfrasse 1\nan Oer Kaiser IDilhelm 6e93chfnis - Kirche"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101006-01.1.8", "texte": "Auslieferung fßr Ost irrelch-Ungarn A. MBhlhans-Smital Wien IX / Für den Buchhandel: M. Brannschwelg Wien IX / T erantwortt. für die Schriftleitung in Ost*ireich4>ngarn: Otto Soyka\n\nfritz (Surlllt | fiofkunstbandlung\nPotsdammtrasse 113 Uilla II Berlin 01 Potsdamcrstrasse 113 Uilla II\nm —-= mm- 1 a\nHerbstausstellung von Werken der Maler:\nToni Stadler * 0. Brioscbi * E. Stort * E, Oppler\nUbde * Zligel * Trlibner * Leibl«Feuerbach etc.\n„ --- .■\nWochentags von 10—5 I Sonntags von 12—2 geoffnet\n\nLesen und st&unen!!\nUm unseren Sicherheits-Rasierapparat ~Roniileti\", welcher\nalle bis dato auf den Markt gebrachten Rasierapparate iiber-\ntrifft, schnell in alien Kreisen einzufiihren, haben wir uns\nPn t^pVilossfn\n5000 Stiick zum Selbstkosten-\npreise v. Nik. 0- (statt Mk. IS-)\nzu liefern.\nDieser Apparat ist aus dem allerfeinsten Material\nhergestellt, schwer versilbert und wird in elegantem\nLeder-Etui mit 12 vorziiglichen Schneiden versandt.\nLassen Sie sich diese gOnstige r\nGelegenheit nicht entgehen !! L\n= Beachten Sie die grossen Vorteile, die Ihnen ein guter Apparat bietet:\n1. Grosse Ersparnis an Zeit und Geld! ::\n2. Stets sauber rasiert, da Schneiden und Kratzen voll-\nstMndig ausgeschlossen!\n3. Kein Warten beim Barbier!\n4. Keine Ansteckungsgefahr, wie Bartflechten usw.!\n5. 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