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Idh bin dafür (aus den gleichen Grün-\nden). Man dürfe das Wort Glück (im Sinne „gün-\nstiger Zufall\") gar nicht in seinem Vokabularium\nhaben (sagen die meisten). Man müsse alles auf\ndie eigene Arbeit setzen. Der Gedanke an das\nGifück verderbe gute Sitten. Das ist Uebertreibung.\nUnd mit Rücksicht auf das allgemeine Ueberhand-\nnehmen der Arbeit sogar gefährlich. Es ist höchst\nunsittlich, alles auf den trivialen Nexus von Lei-\nstung und Lohn zu gründen. Ohne die Vorstellung\n„es gibt noch etwas darüber\" ist eine würdige\nExistenz schwer denkbar.\nGebt uns „etwas darüber\" in besserer Qualität\nund wir nehmen es an. Wenn nur der Glaube da\nwäre. Aber die Mehrzahl ist in dieser Hinsicht\nimpotent. (Man kommt dafür nicht in die Hölle;\nes ist eine Frage der Konstitution.) Und selbst\ndie potentesten Bauern und Droschkenkutscher\nbrauchen da Stimulantia. Die Sonntagspredigt wirkt\nitmtm&r schwächer. Und daran ist nicht der Seel'en-\nhirt, sondern die Gewohnheit schuld. Es sei meinet-\nhalben in schlechterer Qualität, aber — „praktisch\".\nDie Sonntagspredigt kann nicht ziehen, denn\nsie ist (nur Zereimlonie. Vielleicht war sie einst\nmehr, aber sie hat sich in punkto Aktualität ver-\nnachlässigt. Oeffentliche Reden und Zeitungs-\nartikel müssen — so gemein es ist — aktuell blei-\nben, sonst gähnt die zuhörende Gemeinheit.\nDie Lotterie ist aktuell: denn sie nimmt Be-\ndacht auf meine SchneiderschuMen von gestern und\nauf meinen leeren Magen von heute. Sie berück-\nsichtigt liebevoll den Plan meines leichtsinnigen;\nund geMiosen Bruders, sich ein Palais auf der\nRingstraße zu bauen. Sie wurzelt im Leben, wie\nder „New York Heralid\" und wädh&t trotzdem hoch\n„darüber\" wie der Kölner Dom.\nDie Lotterie ist deshalb über dem Alltag\n(obwohl sie ihn berücksichtigt), weil sie sich um\nseine Logik nicht kümmert. Sie triumphiert über\nden Satz vom zureichenden Grunde. Sie ist un-\nberechenbar wie alles Göttliche. Ein Ungerechter\nist ihr oft lieber als zehntausend Gerechte. Sie\nverspricht dem letzten, er werde am Tage der\nZiehung der Erste sein. Und er glaubt ihr mehr\nals dem Sonntagsprediger. Ja, er glaubt ihr sogar\nnach dem Tage der Ziehung. Und nach fünf-\nhundert weiteren Ziehungstagen. Er glaubt. Er\nblickt zum Himtoiel hinauf, anstatt mit Neid auf\nden reichen Nächsten zu blicken. Die Hoffnung\nauf den Treffer führt direkt zum lieben Gott. Sie\nbesänftigt die brutalsten Appetite und erhellt die\nfinstersten Diebsgesichter. Sie hypnotisiert wie\n„das bessere Jenseits\".\nNirgends! ist der liebe Gott populärer als in\nNeapel, wo alles Nummern träumt. Dort ist das\nLotto ebenso eine religiöse Angelegenheit wie das\nBlut des S. Gennario. Es sind keineswegs zwei\nKonkurrenzgeschäfte; es ist geradezu ein Unter-\nnehmen in zwei Formten. Die beiden moralischen\nAnstalten unterstützen einander und repräsentieren\neine Idee. Man setzt auf das Fließen des Blutes\noder auf die Nummer 37; auf jeden Fall plaziert\nman seine Hoffnung hübsch hoch, in den Wolken.\nUnd darauf kommt es an. Nur Individuen, die\nihre Hoffnung niedrig plazieren, sind hoffnungslos\nniedrig.\nDeshalb bin ich' gegen die Abschaffung des\nLottos. ;Und ich freue mich, diesmal den Staat\nauf meiner Seite zu wissen. Der ist ja ebenfalls1\ndagegen (wenn auch leider . . . nicht aus morali-\nschen Gründen)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "268", "page_fin": "269", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.4", "titre_corps": "Das Mysterium Jesu : Aus dem Nachlass", "titre_sommaire": "Das Mysterium Jesu : Aus dem Nachlass", "signature_source": "Peter Hille", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.2", "debut_caractere": 3341, "fin_caractere_exclue": 11717, "texte": "Das Mysterium Jesu\nAus dem Nachlass\nVon Peter Hille\nHeimkehr\nNun war die Zeit vorbei, das Geräusch der\nBeendigung kränzte die lehrende Stille, die Gottes-\nerörterer gingen auseinander, und freundlich, aber\nals sei nidhts geschehen, ging Jesus auf seine Eltern\nzu. Diese Sicherheit und das Fremde, das Anders-\nartige, dem1 der fast noch kindliche Sohn so un-\nheimlich selbstbeschlossen sich gewidmet hätte, er-\nbitterte die natürlidhe Mutter, die menschliche\nMaria.\n„Mein Sohn, wie konntest du uns das antun?\nSiehe, dein Vater und idh haben dich mit Schmerzen\ngesucht ... drei Tage! O mein Sohn \" Aber\naudh die Bestimmtheit des Sohnes, des Gottes-\nsohnes, nicht des Menschenkindes nimmt herbe\nFärbung an. Schon früh scheiden die Wege sich\nzwisdhen Göttlichem und Menschlichem, dem All-\ngeredhten und dem Verhältnisbefangenen, dem\nSeelentiefsten und dem nur Häuslidhen. Da sah\naudh Johannes mit frohVerkllärtem gefährtenstolzem\nAnteilantlitz aus den Zusdhauern hervor zu seinen\nVerwandten.\nDessen Eltern waren nicht mitgekommen, hätten\nMaria und Josef die Sache überlassen; wußten sie\nnidht schön, daß, wo Jesus sich befand, da auch\nJohannes zu finden war.\n„Warum hjabt ihr mich gesucht — wußtet ihr\nnicht, daß ich in dem sein mußte, was meines\nVaters ist?\" Indes, der Ton, dieser harte Ton\nblieb nicht stehn, und sofort erklärte der Knabe\nsich bereit, mit seinen Eltern den HeimWeg an-\nzutreten. Und drinnen in Nazareth, in der Zim-\nmermannshütte, war er der gehörsame, sanfte hilfs-\nanstellige Sohn des Handwerkers in schlichter froher\nArbeit. Nur der Rost der Arbeit, Rauheit der\nGebärden, des Wortes und Tones, Unzufriedenheit,\nMurren und häßlidhes Begehren blieben diesem\nHause fremd, diesem Muster erlesener Höhe audh\nin Niedrigkeit.\nUnd stark, in sidh' gekehrt blieb beflissen Jo-\nhannes. Meist war er mit Jesus, doch oft suchte\ner auch die Einsamkeit.\nDie Stimme des Rufenden in der Wüste\nBald hörte man von eineml jugendstarken\nMahner in der Wüste, der sei von erschütternder\nMacht und Wucht der Rede1, sein Körper sei über-\naus sehnig, stark und ringend, er gürte sich in\nFelle, lang wehe ihm Bart und Haar, und nur die\nherbe Gabe der kargen Wüste: Honig und Heu-\nschrecken nehme er zur Nahrung.\nNoch stand das Morgenrot am Himmel, da\ntrat Jesus gerüstet und mit Sandalen an den Füßen\n'Vor seine Eltern, die ehebevor sie das tägliche Werk\nbegannen, den Preis Jehovas sangen und seine\nGnade auch' über diesen Tag herabriefen. Ah sie\ndamit geendet hatten und nun sich zum Frühmaf\nsetzten, MiMi und Brot, um sich zur Arbeit, zu\nall der Mühseligkeit des Tages zu stärken, trat der\nGottessohn auf sie zu und sprach: „Meine Stunde\nist gekommen! Es ist Zeit nun, daß ich hinaus-\ngehe, um das Reich meines Vaters seinem Volk\nzu verkünden. Ich muß euch verlassen, doch mein\nhimmlischer Vater wird euch trösten und euch bei-\nstehen, und mein Gebet wird um euch' sein immer-\ndar. Aber es ruft die Stunde, und idh darf keine\nZeit mehr mit eudh verbringen. Wie du ausgießest\nein Gefäß und das Wasser zog in die Erde, und1\ntränkte die Blumen des Feldes, so soll auch das\nLeben des Mensdhen seine Bestimmung erfüllen.\"\nMaria stand auf und legte ihr Haupt an seine\nißrust, der pflidhtfeste Sohn ließ sie eine Weile\ndort ruhn, da nahm er sanft ihre Hände: „Du\nwirst tnidh wiedersehn, Mutter, und Trost haben bis\nan dein Ende!\"\nJosef, dem greisen, an den sdhlon das Alter\nrüttelte und ihn zittern machte, ward der Bissen\nschwer und schrammend: „Und wann sehe ich didh\nwieder?\" und sah ängstlich auf.\nJesus aber wies nadh oben, und trat hinaus\nUnd ging durch den Ort mit starkem, gleichen\nSchritt, ohne sich umztisehen. Das Mahl aber blieb\nunangerührt.\nUm den Verweisenden in der Wüste standen\nreiche, vornehme, weichliche Würdenträger, die\nNeugier hinaus trieb, die stehend sich erschüttern\nließen, gehend überlegten, nach Hause gekommen\nwieder anlegten das Gewohnheitsgewand.\nEr überragte sie alle mit seinem ganzen Haupt,\nseine kräftige gereif eilte, dunkelrötliche Manneslippq\nzittert vom Schwung der Kraft seiner Rede. Seine\nschwarzen Augen äugen sittlich kühn iji die Ferne,\nund der starken Brauen schwarze Bogen sind warm\nund reich von kräftiger Seelengröße, und ausgiebig\nfroher Willenswucht, Willenswucht, die auch dann\nnicht schlief, wenn leise die Sprache war. „Ihr\nkommt hinaus, weil ihr übersättigt seid mit Schön-\ngeschwätz, weil ihr stumpf seid, daß; meine Rede\neudh angenehm errege. So rede ich euch nur tiefer\nhinein ins Verderben, da ich1 doch zu eurem Heil1\nrede.\"\nNun schob er alle beiseite, trat mit mächtigem\nedlem Schritt durch die Schar, und beugte sich vor\nihm, der einst sein göttlicher Gespiele gewesen war.\nDann sprach er zu der Schar, der bunten von\nWeibes- und Würden-Gewand: „Entfernt euch, der\nHeiland ist gekommen, dem ich1 nicht würdig bin,\ndie Schuhriemen zu lösen — und ihr seid seiner\nnoch nicht wert\".\nUnd Jesus sah1 zu dem Bräunlidhstarken, dessen\nwüstenheiße Seelenglut und Siedlerkraft ihn de-\nmütig anblickte, freundlich mitteilend hinauf: „Ich\nmöchte von dir getauft werden!\"\n„Du von mir?\" entsetzte er sidh1. Gleichwohl\ngehorchte er. Eine goldene Schale abdr war das\nsonnige Jordantal. Dann schieden sich Beider\nWege. Jesus nahm das friedlich1 stille Land, darin\nzu lehren. Johannes aber zog in die purpurtosende\nHauptstadt, um dort inmitten pfauenäpgig schilt\nlernden Stolzes und prächtiger Zusetzung das ernste\nWort des rauhen Heils zu künden. Umwundert,\numspottet zog dies rauhe Wort der Wüste die\nStraßen hinan bis vor die Hofburg. Auch hier\nsprangen vor ihm auf die mildgoldenen Pforten\nund bald brach sich seine herrliche Stärke an der\nglätten Härte des Marmors und nodh härterem\nFürstenherzen.\nDie Versuchung\nFrüher suchte man die Thebäide auf. Nun trägt\nman sie in sich1. Oft mehr als lieb. Die Wüste\nwar Unmittelbarkeit des Seelenlebens, Grauen vor\ndem gebetbuchsatten Philistertum der Pharisäer.\nGewiß ist das gänzliche Ablassen vion der Erde nur\neine Insel des Göttlichen im Leben, aber eine selige\nInsel: wo nichts Menschliches lebt, da ist alles\ngöttlich.\n„Reißt du sie aber zu früh mir wieder auf,\nSatan, die Tür des Fleisches, winke ich selbst meinen\nLeib wieder herbei, dann ist viel Wachstum des\nGeistes verloren.\"\nWie eine Krone zackt sich die Stadt. Auf der\nZinne des Tempels steht Jesus und sieht hinab.\n„Stürz dich hinab, greif mit magischer Macht\ndiese Krone.\" Ihm zur Seite wiegen sich die listig\nschlängelnden Mienen des Versuchers, der anmutig\nist und sdhön in seiner lauernden Schmeichelgestalt.\nJesus begegnet ihm ohne Sdhwäche und ohne\nHochmut. Nur seine Seelengeradheit stellt er ihm\nentgegen. Ein Blick seines gottnüchternen Lebens\nlegt dem Versucher all den Aberwitz seines Be-\nginnens wieder vor die Füße. „Magische Eitelkeit\nzerschellt.\" Des Torensinnes (der Schlauheit, an\ngöttlich Weltdurchdringende auch nur heranzu-\nrollen. Und doCh ist Jesus dankbar. Versuchung\nübt. Blöde Unsdhuld erträgt schon der vorwärts\ndringende Mensch nicht. Heran muß die Fehld auch\nan den ins Leben tretenden Gottessohn, nur hinein\nzieht sie ihn nicht.\nIm Sündenfall bereits liegt dieser Sinn. Aus der\nStarrheit des alten zur Gewandtheit des neuen Glau-\nbens. Das Unversudhte (Widerspricht dem Gott-\nmenschlichen. Der Gipfel ruft, das freudeglänzende\nTal kommt näher. Wie Worte, Machtschlüssel des\neigenen Lebens, (den Menschen suchende Pforte.\n„Sieh1, das (sind deine Sklaven.\" „Nur wer die\nTeile flieht, oder redht sie zusammenlegt — der hat\ndas Ganze. Nein, sie sollen sie selbst sein. Dann\nsind sie meines Vaters ,der imi Himmel ist, und\nmein, der sie! liebt wie ihr Leben.\"\nAudh Schatten und Mängel sind zur Vollkom-\nmenheit notwendig, die Welt erheischt sie zu ihrem\nhöheren Sinn, um über sich hin auszudeuten. Nun\nverließ den reinen [Sohn der Höhe der Geist der\nFinsternis, das Lidht kam1 und umharrte seine\nBefehle.\nAcker und Ackerer\nDer letzte (Genuß, den ein Mensdh oder Volk\nnodh sich zu bereiten vermag, ist die Schuhneisterei,\ndie selbstgefällige 'Strenge äußerlidh leerer Regel.\nDann bringt (man sein Wesen aufs Kldid. Unter\nlauter Geboten verliert sich das Gesetz. Zu unter-\nweisen findet man nichts, es fehlt die Frische auf-\nmerkender Schüldr, und wäre sie vorhanden, man\nwürde sie nicht (erkennen, ihren Drang und ihr\nRecht nicht verstehen. Zu echter Lehre gehört Fülle\ndes eigenen Empfindens, ein Jünglingstum der\neigenen Seele, und straffe, männlidhe Meisterschaft\nsaftreidher, wohlvbrbereiteter Geistesgaben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4432, "texte": "Von nun pn aber fraß der Weg die Sohlen,\nGeist und Eifer den Weg und Geduld das Laster.\nUnd es kam der erste Jünger und stellte dem\nMeister sein ganzes Lebensgut zur Verfügung, die\nEinsicht zur Belehrung, (den Willen zum Gehor-\nsam. Womit er sein Leben vordem hatte bauen\nund erhalten wollen, das Vermögen reidite er dar,\ner zertrümmerte die Form seiner Tage und sprach\nzum Meister: „Schaffe mir eine neue, wie du willst,\nMeister!\"\nDer Meister nahm den Starken und erzog ihn\nund baute aus dem guten Grund.\nWieder kamen ihrer, die wollten wohl das Gute,\nSdiöne, das Seligwerden nach dem Tode; aber\nfahren lassen, was sie hielten, das vermochten sie\nnicht, und traurig gingen sie fort, weil! sie fühlten,\nder Leib liebte, aber die Seele starb. Und wie sie\ngingen, empfanden sie vor Furcht schon die Hölle\nder eigenen Verderbnis, die keinem erspart bleibt,\nder fühlt und schwankt und seine Besserung tötet.\nUnselig sind sie und überaus armselig, armselig\ngerade an ihrem Reichtum und erringen kein Mit-\nleid wie die Darbenden und wehgeschlagenen Träger\nder Plagen und Qualen — die Lauen an eigener\nTrägheit Verwiesenden, nur noch Verachtung. Der\nVollkommenheitssucher ist ein Malen Der aber\nerhebt und läutert die Gebilde seiner Gemälde und\nmacht sie frei von der Gestalt seiner Schau sitzen-\nden. Der weiß: Nur die Schale der Welt ist bunt,\ndarinnen aber wohnt die Fäulnis für und für, und\nwer statt der {Arbeit* die treue Hand zu reichen,\ndie purpurheiße Zimmetwange lichtlockigen Ge-\nnusses streichelt, [wie des Westens Fingerspitzen\nfeis über Rosengärten gleiten, der stört und zerstört\ndie Menschheit bei sich und andern, die er braucht,\nder Verführer. An so geil entarteter Häufung aber\nentzündet sich (das Feuer der Hölle.\nDer Starke gebraucht die Welt nach dem Geist,\noder er 'wirft sie fort, wenn er das nicht vermag\noder mag. Der fkh wache aber fühlt nicht, wie\ner so schwach ist, zu schwach für die Welt und\nganz ohne Gegenwehr für den täuschenden Welt-\nsinn, und sterben muß an der Nahrung der Welt,\nsterben muß im Geiste. Darum verliert der Reiche\nden Sinn für (die Seele, weil, was des Leibes ist,\nso laut ihn umtost, und er nur darauf bedacht ist,\nwie er den Leib füttere, den Geist aber darben,\nabisterben, sterben läßt. Und mehr der Jünger\nkamen, viele fielen, doch es blieben derer, die sich\nanschlössen, sich (opferten, (derer, die immer die\nWorte ewigen Wertes hörten und ihre Seelen aus-\nrichten ließen nach dem Wohlgefallen Gottes. Nicht\nhervorragende Anlagen, (oder Ansehn und Vermögen\nzählte mit bei (der Jüngerwahl, keine Kaste, nur\nVertrauen und [Willen.\nUnd immer geschwisterlicher ward es, treulich\nwollend sich ergänzend. Und der Zwölfte kam.\nDa ist der Ring geschlossen. Und einer derer, die\nkamen, auch' er (glaubte. Aber er war Vorsichtig,\nohne Mißtrauen (vorsichtig. «Er hielt die Augen\noffen. Er konnte nicht anders. Er suchte die Wahr-\nheit, aber wie ein Forscher, nicht mit Inbrunst\noder Gebet, wie die Frommen sonst es tun, der\nVorschrift treuherzige (Beherzigen\nUnd des Heilands Rede war mächtig wie ein\nOeSetz und stellt gewaltig sich hin, milde hier und\nherbe dort, und alles zur redhten Stunde. Gleich-\nnisse, tüchtig und schlicht wie das Leben, das\nGottes Hand entflossene Leben verscheuchten den\nVorwitz und forderten auf zu Heben dieser stillen\nKraft zu Tat und Gehorsam, zu starker Demut\nden Willen zu erziehen. Und sein Wort fiel auf\ndie Jünger und die Weiten und die Massen.\nDie Zwölf aber samlmelte er um sich und lebte\ngemeinsam mit ihnen, und lehrte sie den hehren,\nschlichten Alltag des Göttlichen, den die Auserwähl-\nten wandeln, Jdie [Weihe und Würde des Mahles\nund der Erholung, das innerliche Gebet vaterauf-\nblickenden, dankend langsamen Brotbrechens, den\nGruß zum Himmel für die Frucht der Erde. Später\ndann sollten die Berufenen seine Vertreter werden,\nsie sollten sein Werk tun, wie er selbst, in seinem\nNafrien. Und seine Kraft, sein Willen zur Mensch-\nheit öffnete isich, [müdemadiende, die starke Seele\ndes Menschlichgebundenen schwächende IWunder.\nSammlung und Gebet ersetzte die gespendete Kraft.\nNächtlich, wenn desl Tages allgemeines Werk dann\nruhete, kam zu ihm die stille forschende irdische\nWeisheit, die gehalten prüfende Vornehmheit des\ngebildeten Mannes. Und auch den lehrte er nicht\nallgemein wir (dais Volk, nicht wie ein Priester,\nein Verkünder und Prediger, sondern allein, ein\nZwiegespräch Von Mund zu Mund, wie der Denker\nseinen Lieblingsschüler unterweist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "269", "page_fin": "269", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.5", "titre_corps": "Gedanke", "titre_sommaire": "Gedanke", "signature_source": "Leonardo da Vinci ; Deutsch von Walter Heymann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.3", "debut_caractere": 4434, "fin_caractere_exclue": 5551, "texte": "Gedanke\nVon Leonardo da Vinci\nDeutsch von Walter Heymann\nDie vor mlir waren glücklicher als ich.\nSie griffen zu und tasteten mit Händen\nUnd sudhten aus. Bei tausend Gegenständen\nFanden sie Vorteil und Gebrauch für sich.\nMir aber drückt sidh1 in die Hände: Leere,\nIch sah ja schon im Gehn und Stehh und Streifen,\nNidhts blieb mir übrig, das noch zu ergreifen\nGroß-nützlich oder sehr gefällig wäre.\nDa mußt ich tun, wie jener fremde Mann,\nDen seine Armut stundenlang Verspätet;\nDaß er als Letzter auf den Jahrmarkt kommt,\nUnd keiner gafft und feilscht mehr auf dem Markte.\nVon dem, was Vieler Käufer Hand durdhharkte\nSieht er nur liegen, Was sie ausgejätet\nBeiseite ließ. Dodh dieses nimmt er an,\n— was wegen wenigen Wertes keinem frommt —\nBesorglieh, jwie er's gut zusammenrafft.\nJa, ich werd' auf mein schwaches Saumtier legen\nDen Sadk des Unerkannten und Verschmähten,\nUnd damit geh's — nicht zu den großen Städten!\nAn armen Dörfern soll, auf Mühsalwegen,\nAnkehren sein, Hinreichen und Verweilen.\nDort werde mir solldh Lohn für jede Gabe,\nAls es gebührlich scheint ihn zu erteilen\nDer Sache, welche ich gegeben habe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "269", "page_fin": "271", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.6", "titre_corps": "Leonardo da Vinci und Lisa Gioconda", "titre_sommaire": "Leonardo da Vinci und Lisa Gioconda", "signature_source": "Walter Heymann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.3", "debut_caractere": 5553, "fin_caractere_exclue": 11798, "texte": "Leonardo da Vinci und\nLisa Gioconda\nVon Walter Heymann\n„So wie die großen Bücher der Menschheit\nnichts Fertiges sind, sondern jedes Jahrhundert,\njede Epoche, jeder Mensch an ihnen weiter dichtet,\nso ist die Giodonda, in der Leonardo sein höchstes\nLied vom Weib, vom Menschen, von der Natur\ngesungen hat, immer neu gesungen, immer neu\ninstrumentiert, heute wie eine ungeheure Welt-\npolyp hönie, in der die Zeiten selber tönend ge-\nworden sind —\", mit diesen Worten beginnt Marie\nHerzfeld im Buche „Leonardo da Vinci, der Denker,\nForscher und Poet\" einige Seiten über das Bild\nder Mona Lisa. Wem soMie Worte übertrieben\nscheinen, der sucht nach anders klingenden Stim-\nnus glidhen die Worte, mit denen der „Praerafaelit\"\nWalter Pater ihr Bild beschwört. Rainer Maria\nWaither Pater ihr Bild beschwört. Rainer Maria\nRilke singt:\n„Das Weib ward Hängst in der Mona Lisa reif\nwie Wein.\nEs müßte nie ein Weib mehr sein!\"\nVersuchen, diesem „Wunder\" mit wissen-\nwollender Betrachtung zu nahen, heißt in Leo-\nnardos Sinne handeln, der nur den durch Erkennt-\nnis oder Experiment geprüften und bewiesenen\nGlauben gelten ließ.\nWir wollen Von delm Sdhöpfer des Bildes aus-\ngehen. Um zu sehen, was uns das Bild über\nihn und seine Sinnesart sagt, müssen wir auf\ndas Urbild kommen, fragen, was es ihm bedeutete.\nWir können dabei kaum mehr als auf einer Wahr-\nscheinlichkeitsgrundlage weiterdichten; so lange die\nfortschreitende Leonardoforschung nicht eine De-\ntailuntersudhüing der spezifischen mimischen Aus-\ndrucksmittel bietet, kann nichts zu bessern Resul-\ntaten führen.\nNach seinem Mailänder Aufenthalt am Hofe\ndes Moro (Hauptarbeiten: „Das Abendmahl\", „Rei-\nterdenkmal des Frandesco Sforza\") ist Leonardo\num 1500 wieder in Florenz. Er soll der Santa\nAnnunziata eine Tafel für den Hauptaltar malen\nund schafft wenigstens den Karton der heiligen\nAnna Selbdritt. Zwei Tage lang wallfahrten die\nFlorentiner jzu {dem Bild, um zu bestaunen: wie\nhier die sehr lächelnde Anna ihre Tochter Maria\nauf delm Schoß hält, die, gleichfalls Mutter, dein\nkleinen Jesus bete Spiel mit dem Johanneskind und\ndeim Lamme zusieht.\n1501 malte Leonardo eine Madonna mit Spinn-\ngerät. Das Christkind hat eine Haspel genommen\nund betrachtet verwundert ihre vier kreuzförmigen\nStrahlen. Das Bild war ein Auftrag, es ist uns\nVerloren. Leonardo hat um1 diese Zeit überwiegend\nmathematische, technische, anatomische Interessen,\nhört fast ganz auf, zu malen. In den Folgejahren\nnimmt er als Oberingenieur des Cesare Borgia an\ndessen blutigen Feldzügen teil. Vorn fünften März\n1503 ist der Fünfzigjährige in Florenz. Dorthin\nkam im Jahre 1504 — in dem Leonardos Vater\nstarb — der junge RaffaeJ und blieb bis 1506. Er\nstudierte den Karton, auf dem Leonardo im Reiter-\nkampf der Anghiarischlacht der Erinnerung an das\neben geschaute Kriegswüten durch die Darstellung\ntobender Leidenschaft Ausdruck verllieh. Er ließ\nsich weiter beeinflussen durch Leonardos Leda und\ndurch das, was er Vom Bilde der Gioconda da-\nmals sehen konnte. Diese beiden Bilder stehen\nfür Leonardo mit seinem wohl letzten Gemälde,\neinem „Johannes\" in Verbindung. Am1 dreißigsten\nMai 1506 verließ der Meister seine Florentiner Hei-\nmat, vermutlich mit der Absicht, nicht mehr sobald\ndorthin zurückzukehren, kam aber 1507 wegen\neines Rechtsstreites mit seiner Familie wieder. Er\ndürfte das Bild der Lisa, Frau des Francesco del\nGiodondo sdhon 1506 soweit geführt haben, wie\ner es ließ, vollkommen nach unsern Begriffen, nicht\nvollendet nadh seiner Meinung. Nach Vasari hätte\ner vier Jahre daran gemalt; daßi dafür die Jahre\n1503 bis 1506 vorzugsweise in Betracht kommen,\ngilt heute als sicher.\nEs war nicht viel, was sich ihm in\nbot; und was ihn dennoch hielt, war eben die\nungewöhnliche Aufgabe. Man bedenke: es war\ndas erste eigentliche Frauenportrait, das nicht von\nder Medaille abhängig blieb oder einen Frauenkopf\neinfach im scharfen Profil vor eine Wand, eine\nFarbenschicht stellte. Man hatte noch kurz vorher\nüberhaupt nur Männer, und Frauen höchstens als\nAktriden in religiösen Szienen und sonst als Ma-\ndonnen abkonterfeit. Dann kam eis auf, Frauen so\ndarzustellen, daß sie wie irgend eine Genie die\nIdee, das Ideal des Malers, die Frau an sich ver-\ntraten. Leonardo zeigte die Möglichkeit, durch ein\neinfaches Abbild, wirklichkeitstreu und überwirk-\nlidh, nicht nur all diese Wünsche und Absichten zu\nerfüllen, sondern bewies durch seine Zusammen-\nfassung, daß die Individualität im Ausdruck Historie\nin Ruhe sei.\nUns kann Leonardo nachträglich als einer er-\ns Che inen, den seine besondere Begabung zum Por-\ntrait gedrängt habe, zumal wenn wir an die Fülle\nschöner Handzeichnungen denken, die uns liebliche\nKöpfe und Gestalten erleben lassen. Wir müssen\nseine Neigungen für das halten, was ihn führte.\nSein Anfang zeigt ihn als Lyriker. Lächelnde junge\nholde Frauen und Mädchen, schöne Jünglinge, ehr-\nwürdige Greise wies ihm seine Phantasie freiwiEig.\nUnter Männern in der Blüte der Jahre fesseln ihn\nnur kraftvoll schöne. In allem sucht er höchsten\nAusdruck für ein Gefühl, eine Stiminung — sie\nwollte er das Fluid um der reinsten Gebilde der\nSchöpfung in zarter Vision spüren lassen. Er rät,\ndie guten Partien aus verschiedenen Gesichtern von\nanerkannter Schönheit auszuwählen, sonst bringe\nman Aehnlichkeiten mit den eigenen hinein. Ein\nLyrikerbekenntnis. Und didht neben diesem Fühlen\ndas psychologische Interesse. Leonardo wächst mit\nseinen Aufgaben, als hingebender Wirklichkeits-\ndiener, als spekulativer Forschier und Denker, als\nSouverän seiner Darstellungsmittel, aber nicht durch\ndie Zeidhnungen, die so sdhnell entstehn, sondern\nbei der Arbeit an großen Werken, die Viel Zeit ver-\nlangen. Er träumt davon (Anbetung der Könige),\nerbietet sidh dazu (Sforzadenkmal'), wird zu ge-\nwaltiger Anspannung durch Aufträge angeregt,\nderen Bedeutung er erst wirklidh erfaßt (Abend-\nmahl). Mehr als alles andere liebt er die Malerei\nund seine Malerei wird dramatische Schöpfung. Er\ngeht mit Zittern an die Arbfeit, die langwierig ist,\nSie ganze Seele quält und noch nadh erlangter\nUebersicht tausend Ueberkgungen fordert. Die\nSzene des Abendmahls verbindet dreizehn Per-\nsonen in Gebärde und Mienenspiel so, daß die\nWorte Christi zum innersten Mittelpunkte der Dar-\nstellung Verden; es macht dies Werk zu einer"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 12984, "texte": "dramatischen Tat, der in der späteren Theater-\ngesChichte Europas nichts ebenbürtig ist. Fast alle\nApostel sind Wesen, die dem eigentlichen Leonardo\nfremd, ihm nicht Von Natur lieb oder gegeben\nwaren. Den Philippus, den Johannes freilich fand\ner IbiCht, stellte er aus seinem Gefühl heraus. Der\nJudas fesselte ihn als problematischer Charakter\nund Gegenspieller Christi. Zuletzt malte er am\nHaupt Jesu. Er hatte sChon so viel vorweggenom-\nmen, und das Ende der Aufgabe braChte eine läh-\nmende und die ganze Sehnsucht anspannende\nSchwierigkeit. Er malt den Gast unter Freunden,\nden milden Helden, den Sieg einer MaCht im\nSChicksal des Unterliegens, das Symbol der Resig-\nnation, die ihre tragisChe Verheißung erfüllen will.\nUnd seltsam: hier, wie bei der Mona Lisa, be-\nhauptet Leonardo, das Antlitz sei nidht fertig, nicht\nvollendet. Und weiter: beide Mal wird aus einem\nlebenden Modell — das zum Christus war ein\nMailänder Graf — einel Idealgestalt geschaffen,\ndie glbiCh dem Zeus Von Otrikoli einige überwirk-\nliche Züge enthält. Das verbreiterte Oval des\nChristusgesiChts, die Breiterstellung der Augen, die\nMischung jungmännlicher Züge mit denen einer\ngütig-reifen Frau fallen bei der Betrachtung dieses\nHauptes auf, mit dem Leonardo einen neuen Typus\nbildete, vion solChejm Einfluß, daß die Kunst-\ngeschichte hier mit einer neuen Zeitrechnung -zu\nbeginnen isiCh genötigt sah. Hatte hier der\npantheistisChe Pllatoniker geahnt, daß er Viom\nIdeal nur ein romantisches Abbild, einen Wied er-\nschein geben konnte. Er sah, das Höchstmögliche,\nletzte Erreichbare war der Ausdruck eines Gefühles,\neiner Empfindung. So hatte er seinen Ausgangs-\npunkt wiedergefunden. Sollte er nunmehr dem\nDenkenden, Logischen in sich folgen, so mußte\ner episCher werden. Wenn er sich mit seinem\nphantastischen Hang dem Gefühl unterwarf, kam\ner in den Bann des Mystizismus. Davor hat ihn die\nGewalt seines weltvveisen Denkens und die Gegen-\nständlichkeit seines Forschens geschützt; nur die\nWahl1 seiner Vorwürfe verrät eine Bestärkung dieses\ndurCh Fühlen weiterarbeitenden Triebes. Doch war\nnoch (der Epiker in der UebermaCht, als er das\nBild der Lisa GioConda schuf.\n*\nEine steinerne Loggia ragt mit der Brüstung\nnach Nordosten gegen die Luft, die — es ist eine\nStunde vor Sonnenuntergang — liChtgetränkt matt\nsChimmert ohne zu glänzen. Schon macht er aus\ndem tiefen aufsteigenden Nebel die fernen blauen\nBerge dunkler, ehe er ihre zerklüfteten Umrisse Vter-\nwisCht, so daß sie näher zu kommen scheinen.\nAudi Wollen sich in diesem Nebel wie in einem\nMeer viele geteilte Läufe gestauter, herabfließen-\nder, zwisdhen den Bergen gewundener, unter ein-\nsamer Brücke sich hintragender Wasser finden. Bald\nwird das Dunkel sie Versdhließen, den bunten\nSchimmer verwischen, mit denen der Sonnenwider-\nsChein noch €&e näheren Höhen trifft. Urweltliche\nStimmung, die naCh der Sintflut — „und die Wasser\nverliefen sich\" —, geschaffen von einem, dem nicht\ndas Fabelfhafte wahr, sondern das Wirkliche wun-\nderbar schien.\nIn ganz stiller Nähe, wo die Schatten kaum\nFarbe haben, in der leise flutenden Luft taucht dies\nunwirklich scheinende Wesen auf, wie ein Fisch,\nder allein schwimmt und den ein zitternder Glanz\ntrifft. Alle Farbe ist an ihr, es ist, als komme die\nLuft von ihr her, als sei sie gekommen, um (die\nSChönheit der Stunde zu bringen. Groß hebt sie\nsich Vor ihrer Ferne, groß ragt ihre Einzelgestalt\ngegen die sinkenden Massen. Tote und in Dämme-\nrung Wandelinde sind bunte Schemen. Stiller sind\nihre Züge, deutlicher redet aus ihnen, groß wie\nauf Steine gehauene Masken, zart wie auf Bildern\nVon weichem Wachs, ihr Wesen.\nDas ferne Wasser welllt sich wohl wie das\nHaar dieser Frau. Die Falten der Wasserfläche\nund die FurChen der Gesteine und die Gesetze,\nunter deren Zwang sie sich bilden, kannte Leonardo,\nsowie er die Falten und Rinnen im Gewand Lisas\nbinden und ihre Reihen malen konnte. Als sie\neben gekommen war und der nahende Abend ihre\nHände zusammengeführt hatte, und sie so auf-\ngerichtet saß, wie eine Florentinerin sich bei, einem\nBesuch hält, da wurde der Sessel zum Thron, und\ndie Linke, auf der Armlehne wie ein Tierkopf,\nspielte im Ruhen und hielt den Knauf. Die Rechte\nlehnte über ihr, als führe sie dahin; schön wi£ die\nBiegung eines Schwanenhalses (Leda) war ihr An-\nsatz, so streifte diese kluge, duldsame, sChöne Hand\nabsichtslos das Kleid. Die Gestalt wandte sich,\nsie ruhte naCh dem rechten Arm1 zu, aber ihr Ant-\nlitz sah fast schon geradeaus, als das Blicken nach\nlinks sie den Meister anschauen ließ. Diese Stunde,\ndiese Stellung war Leonardo die liebste, als er\nLisa kannte. Ehe er sie kannte, wie man nur eine\nSeele einmal im Leben kennt, daß man fürchten\nmuß, ihre und eigenen Empfindungen zu, ver-\nwechseln — bis er sie in drei, vier Jahren so kennen\ngelernt hatte, spielte er mit ihr.\nIhr nahmen Erzählter und Spaßmacher, Saiten-\nsChläger und Flötenblaser die Müdigkeit, das Ge-\nzwungene, verscheuchten die Langeweile, nahmen\nihr mehr: allmählich verschwanden trübe Erinne-\nrungen, Vergingen die Gedanken. Sie fühlte, daß\nsie fast ihr ganzes Leben wie eine gleichgültige\nVergangenheit würde vergessen und verlieren kön-\nnen. Ein Scherz gewann ihr ein Lächeln ab, ein\nLied, daß sie zum zweiten Male hörte, lullte sie\nin Träume, oft kam sie in Wochen nur einmal,\ndann wieder fast täglich. Sie fühlte, daßi dies\nScheinleben stärker als ihr alltägliches wuitle.\nManchmal hatte sie Furcht vor dem Maler wie\nvor einem Feind. Er schien die Musik nicht zu\nhören, denn sie war es nicht, die seinen Pinsel\nrasCher streifen oder länger innehalten machte.\nWeil er aber — und nicht zuletzt durch seine ban-\nnende Erscheinung — so fest- und fernzuhalten\nwußte, war er über Haß oder Liebe hinaus, jn\ndiesen Stunden ihr stärkerer, schützender Freund.\nAuch konnte er nicht nur ihrer Vergangenheit ein\nGrabmal setzen, niCht nur mit seinem städtefüllen-\nden Ruhm sie der Ewigkeit geben, er war wie\nein Gott, der ihr leibliches Antlitz bildete. Wie\nalle die Menschen, die Leonardo sich noch ver-\nwandt fühlte, gehörte auCh diese Frau zu einem\nSChicksalsgeschlecht, zu denen die noch in der Be-\nherrschung leidenschaftlich, in Schönheit begehrend,\nstolz und klug sind. Diese werden Kinder, wenn sie\nglücklich lieben. Mitten unter ihnen stand Mona\nLisa allein. Einem ungeliebten Mann hatte sie\nKinder geboren, und ihr Leid atmete zarte Mütter-\nlichkeit. Sie kannte dennoch nicht das Mutter-\nglück. Die rechte Seite ihres Gesichtes zeigte, daß\nsie darum noCh selbst wie ein Kind war, an der\nWange, am Auge. Mutter und Kind in einem\nWesen, das reiz!vol!e Rätsel lockte Leonardo. Sein\nGefühl für Generation war durch die Darstellung\nder Deszendenz Anna-Maria-Christus damals noch\ngesChärft. (Beide Bilder haben auch einen ähn-\nlichen Hintergrund.)\nWunderbar war Leonardo auCh ihre Sensiitivi-\ntät, ihm, der die Tiere und ihre vielfach feineren\nInstinkte beneiden konnte (vergleiche seine Be-\nmerkung über die Geruchswerkzeuge des Löwen).\nIhr Haar hatte bei bräunlicher Grundfarbe £inen\ngoldroten Ton. Spärlich waren die Brauen (heute\nnicht mehr sichtbar, vergleiche aber Vasari) und\nihr Flaum verstärkte im Empfindungsfeld ihres Ge-\nsichtes den Glanz der Augen. So konnte der Augen-\nscheitel bald spotten, bald leuchten über den ge-\nschwungen auskeimenden Ovalen der Augentiefein,\ndie wie eine Schattenbrille unter der Haut am\ntastenden Fühlen teilnahmen. Wenn sie müde war\nund verstummte, wurde dies vor allem (deutlich,\n. r *\ndann wurde der Schnitt der Augenmaske den ge-\nschwungenen Linien der Oberlippe ähnlich, deren\nForm Leonardo lieb und geläufig war. Er hatte\nsie bei den besten griechischen Statuen gefunden,\nauch den Abstand der Nasenwurzel vom Lippen -\nrand. Züge, die unter den schönen Menschen\nItaliens nicht selten sind. Auch daß die Nase Voll-\nkommen in der Richtung der Stirn verlief, mit feiner\nRückenbreite war marmorbildhaft, wie aus dem\nKanon, und das Kinn fast an der Grenze erträg-\nlicher Zierlichkeit. Doch nun wurden die charak-\nteristischen E igen sclia 112 tsme rkrna IC um so spür-\nbarer. Die energische Unterlippe zeigte, daß diese\nFrau auch gegen ihr eigenes Fühlen aus Selbst-\neinschätzung trotzen, hassen, etwas lange ver-\nbergen konnte. Den Unterlidern fehlt die pikante\nZusammenziehung, die an jeder zweiten Italienerin\nzu sehen ist, hier trat eine mehr träumende Sinn-\nlichkeit vor der Klugheit zurück.\nJa, die Klugheit! Sie machte viele, die sie\nanlockte, scheu, daß: sie nicht vollkom|m)en schön\nwar, mehr als das Rothaar, das damals noch blond\ngenannt wurde. Denn die Klugheit zwang ihr\nSelbstbeherrschung auf, sie mußte ihre Lebhaftig-\nkeit zurückhalten, und wenn sie sonst den Leuten\nexzentrisch erschienen wäre, galt sie nun für selt-\nsam. Sie hebte das Schöne, liebte schöne Men-\nschen und wollte gern schön sein. Sie sprach ge-\nwählte Worte und hätte das schon um der Lippen\nwillen getan; andere hätten sie geekelt, doCh auch\nso empfand sie sich nicht al!s ehrlich. Sie mied\nalle Jähheit, alle Schärfen des Ausdrucks, weil sie\nsich als ein Schrecknis fühlte. Weil sie Angst hatte,\ndas Stolze und Geringe in ihr zu verraten. Ihr war\neine Leidenschaftlichkeit eingeboren und eine Leb-\nhaftigkeit der Phantasie (rasche Beobachtung, rasche\nAssoziation) mitgegeben, daß sidh ihr jede Emp-\nfindung deutlich aufprägte, als sei sie die Ver-\nkörperung dieses Ausdrucks, sofort, ganz und\nschnell wechselnd. So zwang sie die Dezenz, so\nin Gesellschaft allein zu sein, daß sie für hoch-\nmütig gelten konnte, so fühlte sie sidh einsam, wenn\nsie allein war. Mit der alten Kindersehnsucht und\ndem Wunsdh nach ihrem Frauenschicksal1 und mit\nihrem weiblichen Fühlen, aus dem heraus sie dachte,\ndenken mußte, gefühlslogisch wie eine echte Frau,\nverband sich ihre Klugheit, lähmend, als wäre sie\neine Schuld. Sie war nicht etwa nur geistreich,\nsie war so logisch klug, daß ihr das Gefühlsdenken\nnicht genügte, daß sie das Glbichnishafte aller Er-\nscheinungen empfand. Es gab zu ihrer Zeit Frauen,\ndie Griechisch und Latein konnten, sie war nicht\ngeltehrt, verlangte auch weniger danach, als jnach\nder ganz besonderen Wissenschaft, die ihr Sinn\nund Wert ihrer Erlebnisse zeigen, ihre Neugier mit\nErnst befriedigen und ihr Ordnung geben konnte.\nDann wäre sie der großen Wissenschaft doch näher\ngekommen; im Fühlen — das wußte sie — kann\nman nur zu Zeiten in Sicherheit sein. Vielleicht\nwar es Leonardo wie freundschaftlich, daß sie von\nseinem Beobachtungsposten aus ihn manchmal wie\neinen Jüngling ansah, mit der von ihm mehr dem\nBesChauer zugekehrten Gesichtshälfte. Doch nun\nmöchte ich vorwegnehmend betonen, daß die Lisa\nnaCh dem bisher gezeigten etwas Katzenhaftes hätte.\nDies würde bei niedriger Stirn stark hervorgetreten\nsein, besonders mit der Breiterstellung der Augen.\nDa kam die Florentiner Mode der künstlichen Stirn-\nerhöhung Leonardos umwandelnden Formungsprin-\nzipien zugute. Die schöne hohe Stirn, die musi-\nkalische Stirn des schönen Widerhalls versöhnte,\nglich völlig aus. Doch macht noch heute, sobäljd\njemand die Stirn als „zu hoch\" empfindet, der\nRest des Gesichts in Verbindung mit dem pyra-\nmidalen Aufbau der Gestalt und mit den Flügeln\ndes Schleiers am Kopf, dies Bild den Eindruck\neiner Sphinx. — Durch den dunklen und durch-\nsichtigen Schibier konnte Leonardo nicht nur wieder\ndas Gefühl der Terne erwecken, er machte nicht\nnur den Scheitel deutlicher, er zeigte diese Frau\nals; eine, die für ihren einsamen HoChmut und ihr\nunrastliches Leid in Gebet und frommer Anwand-\nlung Strafe, Sühne, Befreiung suchte. Er ließ aber\ndas einfaCh gescheiterte Haar wellend nach vorne\nniederrieseln auf die freie Brust, Liebesfühlen kün-\ndend, Zärtlichkeit atmend. Fromme Inbrünste\nmittelalterlicher Klosterschwestern hätte Leonardo\nbei zartem Verstehn doch' entschieden abgelehnt.\nAber diese Mischung von Vergangenheit im ernsten\nGewände und WeiblichreizVollem, Neuartiggegen-\nwärtigem entzückte ihn. Das gab er ihr in der\nWahl der Kleidung, in schönen, die Ewigkeit Ver-\nsinnbildlichenden Farben, und verklärte ihren vor-\nnehmen, die Zurückhaltung liebenden Geschmack.\nDer Ausdruck des Antlitzes seiner Mona Lisa,\nder GioConda, wie er sie sah, gab ihm SChicksals-\nstunden. Andere als ihr, stärkere als die Liebe\nallein sie geben konnte. Diese Stunden haben in\nLeonardo viel vernichtet.\nEr sah, daß alle Empfindungen in dem Ge-\nsicht der Frau kamen und gingen, fast ohne eine\nSpur zu hinterlassen, geeint durCh instinktive Sicher-\nheit und geübte Beherrschung. Nur etwas vom\nLächeln, dem schicksalsagenden, unheilverkünden-\nden, dem stets geliebten tragischen Lächeln, blieb\nan der ewig Wartenden haften, als ihr die Erinne-\nrung an alles Gewesene schwand. Das war der\nAugenblick, in dem er sie ganz erkannte, und so\nwollte er sie für immer sehn. Er hätte ihr nach\nseinem Gewissen doCh nur Ahnungen bieten, nicht\nseine aus dem Fundament aufgebauten zahllos sich\nteilenden Erfahrungen geben können. Er konnte ihr\nniChts geben wollen, was sie verändert, nach seiner\nArt umgeschaffen hätte. Die Pein der Klugheit\nhatte er ihr verscheucht, die Phantasie — er wußte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4446, "texte": "mit weldhen Mitteln — in ein kleines Reich ge-\nbannt. Darin war sie Königin. Er, Leonardo, hatte\nsonst die Seele zu erkennen versucht, hatte gelernt,\nwenn er bezeichnende Züge zur Maske, zur grau-\nsam übertreibenden Karikatur zusammensetzte.\nAuch hatte sein Blick Gesichter in Masken ver-\nändern und zerdenken müssen, wenn er sie scharf\nbetrachtete. Diese Frau vor ihm aber war zu der\nPforte des Traumlandes gesdhritten, als w,äre sie\nvon Anbeginn nur eine Larve gewesen. Früher eine\nPhantastin, nun ganz Seele; das Gefühl konnte\nsie jeden Augenblick überwältigen. Er sah die\nAugen seiner Madht, seines Winkes harren, sie\nblickte ihn an wie eine stolze Bettlerin. Gerne\nhätte er ihr Kraft gegeben. Schien sie ihm doch\nwie von selber so verändert, da er nur Hemtnendes\nbeseitigt, der leise fließenden Natur die Bahnen\nvollenden geholfen hatte. So also sah die Seele\naus. Eine Summe Von Erfahrungen und Leiden-\nschaften, deren Wiederkehr die Menschen zeich-\nnete. Oder die sich ergänzenden Gefühle in Fülle\nverschwindend wie Rosenbllätter im Hauch des\nWindes, weiche Mulden und Flüllen. Dort starre\nMaske, hier ruhelose bewegliche. Er gab ihr Liebe;\ndenn dem Pia toniker war schon die Erkenntnis des\nangeschauten Gegenstandes Liebe, er gab ihr\nFreundschaft. Und in seiner Sorgsamkeit — wis-\nsentlich hätte er nie eine Seele Vernichtet — lag\nMitgefühl. Die Frau spürte in all dem nur die\nGemeinsdhaft der Seelen, und wartete, hoffte.\nEinst glaubte Leonardo: „Die Seele steht außer-\nhalb der Sinne, wenn sie betrachtet\". Dann fand\ner „die Sinne sind die Beamten der Seele\", Jetzt\nsah er nur das Flutende, sah nidht mehr ein Feld\naus Samen gewachsen, zur Aussaat bestimmt. Zwei-\nfelte er an ihr, oder siegte die Aufgabe. Sie erschien\nihm als der Zweifel und gerade so sdhön. Es war\ndie erste kommende Müdigkeit seines Lebensabends,\ndie seinem Denken die kühle Sicherheit und auf-\nstrebende Glut zu nehmen begann. Nur durdh voll-\nkommene Zwiedeutigkeit und Gleichung und Er-\ngänzung der Merkmale konnte er Lisa darstellen,\ndie Stirn ist das Wahrzeichen. „Alle Liebe, die\nverschwenderisch über das einzeihe geht, hat den-\nnodh einer in Furcht gegeben, er habe die Welt\nzerdacht!\" Man kann jede Einheit zerstören, wenn\nman einen Menschen zu nahe betrachtet. Lisas\nBild erkennt man erst in der Tiefe seiner Einheit-\nlichkeit, wenn man es aus nächster Nähe anschaut.\nDies war sein Sieg; wer seine kommende Nie-\nderlage sehen will, vergleidhe mit dem1 Bild der\nGiocionda die frühere Zeichnung des Johannes mit\ndem Rohrkreuz (Windsor) und dann das spätere\nGemälde, in dem Johannes nicht mehr der selbst-\nentzweite Vorläufer des Herrn ist, sondern der zwei-\ndeutige des Rokoko.\n*\nWas wir gesdhiidhtlich von Lisa wissen: Es\nist zweifelhaft, wo sie geboren ist — für die Be-\nhauptung, sie stamme aus Neapel, fehlen Anhalts-\npunkte. Ihr Großvater Naldo Gherardini lebte in\nFlorenz von 1401 bis 1460. Das alte Welfen-\ngeschlecht (der Gherardini, dessen Stammbaum bis\nan 900 zurückreicht, war hier angesehen. Naldo\n(Noldos) Sohn Maria Antoni heiratete 1473 Caterina\naus dem Hause des Piero Ruoellai. Deren Tochter\nerhielt den Namen Lisa nadh der Mutter des Vaters.\nDas Datum ihrer Geburt ist uns unbekannt. Es\nmuß zwischen 1474 und 1479 liegen, da Lisa schon\n1494 heiratete.\nAls Leonardo sie malte, war sie etwa dreißig\nJahre alt. Ihr Mann Francesco del Giocondo war in\nerster Ehe mit Lisas Tante vermjählt (1491), heiratete\nschon 1493 die zweite Frau, und 1494 wird Lisa\ndie dritte. Die Giocondi waren ursprünglich Küfer,\ndann trieben sie Seidenhandel. Lisas Mann besaß\nein Haus in der Via della Stufa. Der Titel „Ma-\ndonna\" der Ritterfrauen kommt ihr in Wirklichkeit\nnidht zu, sie ist nur eine Mona (Monna). 1496\ngebar Mona Lisa einen Sohn, Piero, 1502 einen\nSohn Andrea. Ob audh ein früh gestorbenes Töch-\nterdhen des Giocondo ihr Kind war, ist nicht er-\nmittelt. Ihr Mann, jünger als Leonardo, hat diesen\nlange überlebt. Er stiftete für sidh und die Seinen\neine Grabkapelle in der Santissima Annunziata. Das\nr\\ # *\nBuu Lisas hat Leonardo später verkauft, dann für\neinen hohen Preis zurückgekauft. Von ihr selbst\nhören wir nach dem großen Ereignis nichts Mehr.\nSie konnte jedenfalls nichts Stärkeres mehr erleben.\nSie war deün Helden unter den Künstlern, dem\ngroßen Ahnen unserer Zeit, eine schmerzlehrende\nMadonna geworden, ein Sinnbild des Erliegens\nganzer Geschlechter, die es im Geiste Baudelaires\ngrüßen (müssen: „O Mutter der Erinnerung, Frau\nder Frauen!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "271", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.7", "titre_corps": "William Wauer", "titre_sommaire": "William Wauer", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.5", "debut_caractere": 4448, "fin_caractere_exclue": 6701, "texte": "William Wauer\nElse Lasker-Schüler\nAls das Cafe Kutschera noch seinen adligen\nNamen „Seeession\" trug, hielt in dem oberen Raum\ndes Cafes William Wauer einen Vortrag über\nTheaterkunst. Ein junger SchauspieleleVe nahm\nmich mit herauf; viele Eleven und Elevinnen\nschritten vor mir in den Saal der grauen Sammet-\nsofas und Sessel; ich war die einzige unter den\nZuhörern, die Wauer noch nie gesehen und doch\nihn sich genau so vorgestellt hatte mit der eigen-\nartig schmerzlichen Sicherheit in den Augen und\nin den Gebärden. Ein großer Geiger, der nicht\ndie göttliche Geige findet. Ein großer Dirigent\n— ist nicht sein Vortrag ein Zusammenspiel' vieler-\nhand Instrumente gewesen. Lebendige Violinen,\nseine Schauspieler; er mag nicht die erste Violine\nzwischen ihnen, die den Ton angibt, kein Genie,\ndas siidh abtönt, hervortönt von den anderen Tönen.\nDas Zusammenspiel! seiner Leute, eine Genielei-\nstung soll sie sich heben aus der Fertigkeit seiner\nHand. Als das künstlerische Theater aus Moskau\nin Berlin gastierte, gedachte ich der Worte William\nWauers. Der Zar bis zum Onkel Wanja und die\nFrauen all, glichen seinen IdealgesChöpfen. Wan-\ndelnde Töne, schreitende Melodien, unbezahlbare\nInstrumente mit tausendtiefem Ton. Aus Spielläden\nund Kotillongesdhäften liefert man William Wauer,\nSpaßgeigen, Trompeten, Kriköhs: Dilettanten und\nTantinnen. Sie essen ihre Rolle, Um! sie ganz: im Leib\nzu haben. Sie muß ihnen auf den Leib passen.\nAber der Schauspieler soll den Duft seiner Rolle\neinatmen, meint William Wauer, „Ueber solch\ntrunkene Seele zu streichen mit seinem\nBogen\". — Seine Regie steht auf Füßen, das\nMilieu gleicht dem Bewohner des Schauspiels.\nErster Aufzug: Veranda, von Säulen umstanden.\nZweiter Aufzug: Wohnzimmer der gräflichen Fa-\nmilie. Man kann sich gar kein anderes Innere\nVorstellen nadh dem Wudhs der Villa. Williabi1\nWauers Regie ist anatomisch. Sein Bl'ut möchte\nfließen durch die Adern seiner Schauspieler wie ein\nStrom durch das Spiel. Das soll keimen und auf-\ngehen aus seiner Gestalt in Vielen Gestalten. Kein\nAsiateist er, dem die Tragödie nur eine einzige\nKriegsgebärde wird. Er meint, zu den Wilden ge-\nhöre ich, und mit der eigenartig schmerzlichen\nSicherheit im Auge betrachtet er mich Wie ein\nfremdes Instrument aus Bambus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "271", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.8", "titre_corps": "Katzenjammer", "titre_sommaire": "Katzenjammer", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.5", "debut_caractere": 6703, "fin_caractere_exclue": 9205, "texte": "Katzenjammer\nDer Verein zur Erhaltung alter Burgen und\nder Verein zur Verwertung gebrauchter Offiziers-\nreitpferde haben einen neuen Zuwachs erhalten:\nden Verein zur Erhaltung alter Universitäten (oder\nso (ähnlich). Die Finanzierung des neuen Unter-\nnehmens übernahm die höchst überflüssige Richard\nWagner-Gesellschaft für Kunst und Kultur. Durch\neine Fes (Vorstellung im Fri e drich Wilhelmstädti-\nschen Schauspielhaus. Ein hohles und langweiliges\nTheaterstück (des jHerrn Otto Born grabe r im Ver-\nkitschten — Wildeinbruchstil wurde aufgeführt. Dar-\nüber wäre nichts zu sagen, auch wenn Professor\nErnst Haecke! in einer Vorrede der Buchausgabe\nden Phrasenschleim eine „große, ganz auf der Höhe\nunserer Zeit stehende Tragödie\" nennt. Es beweist\nnur, daß man angeblich das Welträtsel lösen kann,\nund einem die Kunst doch ein Buch mit sieben\nSiegeln bleibt. Ueber die Aufführung ist noch zu\nbemerken, daß das Spannendste „der Tod auf dem\nScheiterhaufen\", fortfiel. Was zu bedauern bleibt.\n(Nur der Referent des Berliner Tageblatts hat diese\nSzene auf der Bühne gesehen.) Für den E dehnen-\nsehen hatte (die Direktion sich Von dem sonst in\ndieser Zeitschrift nicht zu erwähnenden König-\nlichen Schauspielhaus (den Herrn Walter Staege-\nmann ausgeliehen, den talentlosesten und hohlsten\nSdhreier, über den Deutschlands Bühnen verfügen.\nMan versicherte mir im Theater, daß Herr Staege-\nmann sein Referendarexamen gemacht hat. Warum\nergreift er nicht den chancenreichen Beruf eines\nBürovorstehers. Außer Herrn Staegemaiin brüllten\nund heulten verschiedene Dilettanten auf der Bühne,\nbesonders eine gewisse Baronin Virginia. Nur zwei\nSchauspieler 'waren zu entdedken: Ernst Nessler\nund Armin Wassermann. Regie und Inszenierung\nVeranlassen midh immerhin, das Theater als sol-\nches weiter zu beachten. Man brauchte diese ganze\nSdhredkensaffaire (nicht zu notieren, wenn Herr\nBorngraeber (nidht langeblich über eine Gemeinde\nVerfügt. Es gibt tatsädhlich Leute, welche sich für\nsolche Stücke im Sonnentrottelstil interessieren.\nDennoch entspricht die Höhe des Stücks der Vor-\nstellung, die sidh Universitätsprofessoren von der\nKunst (machen. Hoffentlich liegt die Zeit nicht\nmehr fern, in der die Universitäten ihren Kunst-\nund Weltansdhauungsdünkel ablegen und sich als\ndas ausgeben, (was sie heute ,in Wirklichkeit nur\nnoch sind: Fachschulen für Juristen, Mediziner,\nTheologen und Oberlehrer.\nZwanzig Btunden später wurde man im Ber-\nliner Theater (durch ein verkitschtes — Bernstein-\nstück endgültig erschlagen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "271", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.9", "titre_corps": "Rauch ist alles irdische Leben", "titre_sommaire": "Rauch ist alles irdische Leben", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.5", "debut_caractere": 9207, "fin_caractere_exclue": 11218, "texte": "Rauch ist alles irdische Leben\nEs bleibt ein Glück, daß der wirkliche Künst-\nler keinen Ehrgeiz für Zeit und Ewigkeit besitzt.\nDie Ewigkeit wird durch unsinnige Behauptungen\nder Konversationslexika und der professoralen\nLiteraturgeschichte 'dargestellt und die Zeit durch\nVerherrlichung von Librettisteil und Roman-\nSchmierern entstellt. Man hofft nichts mehr, kann\nalso nidht enttäuscht werden. Die ProVinzier, die\nBerlin unter Literatur setzen, legen Wert darauf,\nin ihrer Heimatsstadt besondere Anerkennung zu\nfinden. Es fällt ihnen nidht schwer. Denn das\nNiveau in (der Provinz1 ist niehr als unerheblich.\nIm sogenannten bergischen Land absolut Flach-\nebene. Da gibt es zum! Beispiel eine literarische\nGesellschaft, (die die Herren Paul Bliss und Roda\nRoda zu Vorlesungen einladen. Der Bemühung\ndieses trauten Vereins verdankte die Stadt Elber-\nfeld offenbar das Unglück, sich ihre Dreijahr-\nhundertfeier durch ein Festspiel1 des Herrn Walter\nBibern zu verekeln. Dagegen w,äre nidhtsi einzu-\nwenden. Jede Stadt hat das Recht, ihre Ein-\ngeborenen gegen Bezahlung zur Belustigung heran-\nzuziehen. Ich persönlich wäre in solchen Fällen\nimmer mehr für Somalineger. Also dieser Herr\nBibern, der in Berlin alle möglichen „literarischen\"\nEhrenposten bekleidet, dieser Herr Bloem verfaßte\nein Festspiel „Der Väter Not\". Wozu glaubt\nman, eignet sich dieser Titel noch außer zu schlech-\nten Schauerspielen im verkitschten Schillerstil. Ge-\nwalt ige Inserate in Elberfeld er Zeitungen wissen\ndavon zu sagen: Zur Zigarrenmarke. Ein lokaler\nFabrikant konnte nidht umhin, Herrn Doktor Bibern\nzu bitten, ihm diesen Titel für eine Spezi als orte zur\nVerfügung zu stellen. Der Dichter Bloem gab gern\nseine gütige .Erlaubnis. Freudig erregt wird das\nFaksimile der holden Gewährung Veröffentlidht. Der\nVäter Segen bauet den Kindern Häuser, der Väter\nN0t.... läßt (sie ;in Rauch aufgehen. Hoffenltic'h\nist die (Marke bekömmlicher als ihr Name. Das\nGute bricht sidh Bahn. Das hat mit seinem Singen\nder Dichter Bloem getan. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "271", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.10", "titre_corps": "Decurtins", "titre_sommaire": "Decurtins", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.5", "debut_caractere": 11220, "fin_caractere_exclue": 12152, "texte": "Decurtins\nH. W.\nMan beschwert sich über unsere Unzufrieden-\nheit. Man beklagt sieb, daß wir zu viel tadeln.\nMan beklagt sich, daß wir alles angreifen. Es ist\nnidht unsere Schuld. Wenn man gegen Indolenz,\nDummheit, Frechheit und Gemeinheit ankämpft,\nerregt ätnan selbstverständlich Anstoß:.\nDie Zeitschrift März: glaubt zu der Behauptung\nberechtigt Jzu sein, daß Herr Professor Decortins\nden Lehrstuhl1 an der Universität zu Freiburg in\nder SchWeiz seiner Gutgläubigkeit zu verdanken\nhabe. Wir wollen der Redaktion vorläufig selbst\nGutgläubigkeit zuerkennen, und bemerken ihr, daß\nProfessor Decortins vielleicht der bedeutendste und\ntiefste Geist der Anhänger der katholischen Welt-\nanschauung- ist. Für seine gründliche Wissenschaft-\nlichkeit Izeugt (seine vielbändige Chrestomatie der\nrhlätoromanischen Literatur. Ein Mann wie De cur-\ntins kann (sehr wohl1 die moderne Literatur Ver-\nstehen und die „Modernisten\" ablehnen. Wie wir."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.11", "titre_corps": "Reminiszenzen", "titre_sommaire": "Reminiszenzen", "signature_source": "J. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3848, "texte": "Reminiszenzen\nJ. A.\nDie Übarlebendan\nIn den Berichten der Wiener Bliätter über die\nBeerdigung Kainzens stand zu l'esen, daß der An-\nblick des Leichenwagens „den Frauen die schim-\nmernden Tränen in die Augen trieb und die Männer\nin Ergriffenheit versetzte\". Aber nicht alles, was\nZeuge des Begräbnisses war, zeigte Rührung und\nTrauer. So zum Beispiel1, wie der Reporter des\nNeuen Wiener Tageblatts erzählt, blieben die Durch-\nführungen der polizeilichen Maßnahmen, so nahe\nsie auch dem Kondukt standen, unerschütterlich.\nEs klingt fast unglaublich: „Vor der Schottenkjrche\nwaren außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen ge-\ntroffen, um allzu großes Gedränge zu vermeiden.\nDer Pol'izeibezirksleiter der Innern Stadt, Regie-\nrungsrat Doteisch, hatte persönlich die klaglose\nDurchführung der einheitlich getroffenen Vorkeh-\nrungen getroffen.\"\nWürde die Polizei in Wien gegen jeden ein-\nschreiten, der in der Lotterarena der käuflichen\nOeffentlichkeit in frechen Posen geistig schauturnt,\nsie hätte Heinrich Glücksmann am offenen Grabe\nseines großen Freundes Maulschellen anlegen müs-\nsen. Er verewigte sein Buhten um den Beifall der\nReporter und der Zeitungsleser in einem „warm-\nem pfund e n e n\" Nachruf: „H ineinge \\V a C h -\nse n und hineingeboren in eine Zeit, die ihre\nTalente und schaffenden Geister auseinanderstreben\nund wir ke n lü eß , hast du mit der Gewalt\ndes Geistes ein Ziel1 gezeigt und dazu den Weg\ngebaut, ihn als Erster und Größter beschreitend\nund bis ans Ende gehend, eine Feuersäule, der\ndie Begeisterung der Jugend nachstürmte, deren\nLeuchtkraft aber auch in alle jugendlichen\nFreudeaufsdhwung strahlte.\"\nNoch eine Elegie\nDa ist doch Fritz Engel! ein anderer Kerl. Er\nwendet sich im Ulk mit einer selbstgefälligen Elegie\nauf den Tod eines berühmten Jünglings unmittelbar\nan das Publikum. Er tröstet es über das allzu frühe\nHinscheiden des Helden der jüngsten Georg Her-\nmannschan Romanarbeit, die Vor kurzem erschienen\nist, indem er unzweideutig von dem1 Recht singt,\ndas die überlebende Reklame behält.\n„Fahr' denn wohl, du Trauter meiner Seele,\nEingewiegt von uns'ren Segnungen,\nSchlummre ruhig in der Grabeshöhle\nBis wir feiern einst Begegnungen:\nNicht in Welten, wie die Weisen träumen,\nNicht in Himmeln wie die Dichter reimen —\nNein, o nein, du kleener Unglücksrabe,\nAber in der Buchausgabe.\nAus der Elegie wird mir bekannt, daßi Emil\nKubinke ein Friseurgehilfe war, der drei Bräute\nbesaß, unter einer Alimentenklage litt und sich\nschließlich selbstmordete. Und er sprach: „Wie\nist das Leben mieß!\" Und Fritz Engel1 reimt\nprompt: „Und der Parzen Faden riß\". Mit schwerer\nMühe sucht er die reinen Reime und findet sie nicht,\naber mit leichtem Gewissen beschmutzt er frech\nein ernstgewoHtes Gedicht.\nAber dessenungeachtet Verdient Fritz Engel' für\ndie Fußnote zu seinem Gedicht, „der Name des\nJünglings war Emil Kubinke, Fr. Schiller\", einen\nFußtritt.\nBerliner Theaterkritik\nMit Lg. zeichnet ein Musik-, mit M. L. ein\nTheaterkritiker m Ullsteinschen Diensten.\nLg. schrieb zur hundertsten Aufführung v'on\n„Toscia\": „Freilich, die Berliner Tosca ist auf\ndi e bei d e n Augen der Labia ges t e 1111.l111.\nIn so glänzender Darstellung wirkt die Gestalt fast\nÜberzeugend.\" Zuvor aber sagt er, daß selbst ein\nfestgesdhmiiedetes ästhetisches Rüstzeug nicht Stand\nhalte Vor der Wirkung eines geschickt aufgebauten\nmusikaEsdi dramatischen Kunstwerkes. Doch:\n„Die Berliner Tosca ist auf die beiden Augen der\nLabia gestellt\", das ist Insztig, wenn auch die\nVorstellung, daß etwas auf die schönen Augen der\nLabia gestellt ist, schmerzhaft sein mag.\nM. L. Hinwider berichtet in einer Kritik über\ndie Aufführung Von „Ueber unsere Kraft\" am Neuen\nVolkstheater: „Die Kinder Sangs lagen in den\nHänden von Otto Montua und Annaliese Wagner.\nSo bringt IM. L. in den toten Schematismus der\nlandesüblichen, altbewährten und beliebten Kritiken\nLoeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.12", "titre_corps": "Mechthildis", "titre_sommaire": "Mechthildis", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.6", "debut_caractere": 3850, "fin_caractere_exclue": 6687, "texte": "Mechthildis\nVon Mynona\nMechthiMis, ein Mädchen von lockeren Sitten,\nbegab sidh auf die Straße, ürri Unterhalt und Unter-\nhältung zu suchen. Sie trug einen jovial aus-\nsehendem Regenschirm; ihre Absätze waren schel-\nmisch. Mit Schnaps iml Magen und sündiger Fröh-\nlichkeit im Herzen musterte sie die vorübergehenden\nMannsleute. Ihr war es eigentlich gleich, aber sie\nWahrte den Schein. Ein Herr mit blauer Brille\nund einer gewissen lüsternen Energie erregte die\nAufmerksamkeit dieses zarten Kindes, und man kann\nsich denken, wie hocherfreut es war, als er es\nwirklich ansprach. Er ging mit auf das Zimfrier\nder Mechthildis. Eift blaues stummes Kabinett, ganz!\ngleichgültig brannte eine Lampe. „Mechthildis\",\nsagte die blaue Brille und funkelte vollkommen\nhochmütig, „sei verflucht! Um so mehr als —\"\ndamit brach er ab. Alb sie sich nun beide hoch-\naufatmend wieder gegenüberstanden, lachte Mech-\nthiMis mit einem Mal sehr beleidigend. Der Herr\nspürte das heraus und setzte sich, denn er war\njetzt zu müde, um Beleidigungen stehend zu ver-\ntragen. „Mechthildis\", sagte der Herr mit leiser\nwehmütiger Stimme, „was zwischen uns sich er-\neignet hat, berechtigt dich keineswegs, heraus-\nfordernd gegen mich zu werden\". Danach gab'\ner dem Weib ein Goldstück. Im selben Moment\nfladkte die Lampe auf, die bis 'dahin teilnahmlos\nwie ein Mensch gewesen war, und erlosch. Wir\nalle haben es schon an uns erfahren, daß Finster-\nnis die Ehrlichkeit in Gesellschaft begünstigt. So\ngeschah es auch hier. Mechthildis, bis jetzt so\nsanft wie ein Faß Pulver, das kalt steht, explodierte,\nweil es niemand sah. Sie puffte den Zylinder des\nHerrn und spie hinein. Sie zerschlug die Brille\ndes Herrn auf seinem Antlitz. Sie kratzte sich selbst\nblutig. Sie brüllte wie ein sterbendes Ferkel.\nKurzum, sie benahm sich ohne ersichtlichen Grund\n— überdies war es finster — so ungebärdig, daß\nder Herr endlich die Geduld verlor. Nicht als ob\nder Herr sich irgendwie gewehrt hätte! Aber er\nsuchte ihr mit eindringlichen Worten deutlich zu\nmachen, daß ihr Benehmen Mängel aufwiese, unter\ndenen er litte. Leider schien es in Mechthildens\nInteresse zu liegen, diese Von edler sittlicher Strenge\nZeugnis ablegenden Worte zu überhören. „Zünde\",\nsagte sie endlich, „lieber die Lampe an, du Lackl!\"\nAls sie wieder auf die Straße gingen, stieß ihn\nMechthildis in die Seite! „Schatz, du nimmst es\nmir doch nicht übel?\" Der Schatz gab ihr sogar\neinen Kuß. Diese Dinge sind eben nicht so schnur-\ngrade zu motivieren. Sie gehören in eine Geschichte\nder seelisdhen Ueberwältigungen. Zwischen Mech-\nthildis und dem Herrn, der kurz zuvor noch eine\ntadellose blaue Brille getragen hatte, war unter den\nprosaischsten Umständen jene Intimität vor sich\ngegangen, welche die poetischsten verlangt. 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Verlag\nSAMUEL LUBLINSKI\nDas werdende Dogma vom Leben Jesu\nZweiter Band des Werkes. Der\nurchris 11 iche Erdkreis und sein\nMythos\nJena Eugen Diederichs\nHERMANN WAGNER\nDie rote Flamme / Novellen\nVerlag Georg Müller München\nShakespeare in deutscher Sprache\nHerausgegeben und zum Teil neu übersetzt von\nFriedrich Gundolf / Gesamte Ausstattung\nvon Melchior Lechter / Fünfter Band-'\nKönig Heinrich der Sechste / Zweiter und dritter\nTeil: König Richard der Dritte"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.14", "titre_corps": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "titre_sommaire": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.6", "debut_caractere": 7549, "fin_caractere_exclue": 9495, "texte": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater\n, Dienstag Mittwoch I Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\nOktober 18 19 20. 21. 22. 23. 24. Spielplan:\nWintemärchen [ Jndith [ [ D°P oarl°3 | P°° Sumurftn * Die thörichte Jungfrau\nKammerspiele Der Grat von und «S« Gawan TTS* =FraUen\nSchumannstrasse 14 Gleichen (jer jrrungen R'n& der Irrungen i ocneiaeweg der Irrungen Der Moloch\nLessingtheater Einsame Wenn der junge Wenn der junge n Kon.art Wenn der junge Wenn der junge Einsame Neues Theater Der Stier VQn 01ivera\nFriedrich Karlufer 1 Menschen Wein blüht Wein blüht D Wein blüht Wem blüht Menschen Scbiffbauerdamm4a|s\n. ■■■■ i nu.< ii ■ ..i.t. ..i I> - «tu. i.in>..mw.u» in.i 1..'.,. njmay ■ i ■ \"\"Mi» -I- i ' \"\nFHeÄr.Äa Die Boheme De* Die Boheme |z°?Xngen Die Bohtoe Die Boheme Tiefland Noblesse °blige\nNeues königliches Romeo Samson Tristan iirflrtnmPßiitterflv GastsPielCarnso: Trianontheater Pariser Witwen\nOperntheater Sinfonie-Konzert und Jlllia und Dalila tochter lmd Isolde Madame Butterfly oarmen pr. Friedr. Karistr. 7 i anser WltweD\nKönigsplatz 7 fuppeniee — _\nNeues ~ Gastspiel Trieseh Gastspiel TrieschlGrastspiel Triesch Der Tartüff Gastspiel Triesch Gastspiel Triesch Der Tartüff Neues\nSchauspielhaus Jungfrau von Jungfrau von Jungfrau von Der Herr von Jungfrau von Jungfrau von Der Herr von Operettentheater De* Graf von Luxemburg\nNoiiendorfstrasscil|i2 Orleans Orleans Orleans Pourceaugnac Orleans Orleans Pourceaugnac Schiff bauerdamm 25\n~~7 ~ ~~ t~\\• ry Erster Klasse Erster Klasse Erster Klasse — 7pn£slir Theater des\nKleines Theater Die Zensur Die Zensur Die verflixten Die verflixten n ♦ v Die verflixten tw T iphLtrank Westens Die schönste Frau\nUnter den Linden 44 Der Liebestrank Der Liebestrank Frauenzimmer Frauenzimmer r kiebestrank Frauenzimmer Kantstrasse 12\nSchauSlhans j Unbestimmt Der Krampu» P™Vomburgh Der Krampus Colberg Der Krampus 6 BetÄIÄS Hurrah - Wir leben noch!\nGensdarmenmarkt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "273", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.7", "debut_caractere": 168, "fin_caractere_exclue": 381, "texte": "ueue Secession\nflraphische Russfellung\n1910\n1. 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Br ioschi * E. Stort * E. Oppler\nUhde - Ziigel ♦ Trubner * Leibl * Feaerbach etc.\n■ ——jm— :m\nWochentags von 10—5 I Sonntags von 12—2 geSffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "274", "page_fin": "274", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.8", "debut_caractere": 478, "fin_caractere_exclue": 762, "texte": "Die Kindermikh nach Prof. Dr. Backhaus kommt der Muttermilch am nachsten.\n■V.\nK\nBackhaus-Milch\nMilch\nh\nIch\nFrauen\nu\nm\n3 V * / 2/3 V S 1 2/3 V «?'\n1 2\nTrockensubstanzen von je 1 Liter Kuhmilch, Backhaus-Milch und Frauenmilch,\n1. 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Naheres die\nBodengeseiUcbaft dcs mauerstr. $6°ss\nTelephon I, 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "274", "page_fin": "274", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.8", "debut_caractere": 1271, "fin_caractere_exclue": 1470, "texte": "i_M !ll! 11 111111l 11111111111 111 I L!;\n|DieSaM|\ng HERAUSGEBER 1\nM Karl Kraus 1::\n|:: Nr. 307/8 » |\njj soeben erschienen J\nm Preis 50 Pfg. 5\n1 ÜBERALL ERHALTLICH 1\nriiiisiii ii riiiini 11 iriiiin\"^"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-20-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-20_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-10-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "274", "page_fin": "274", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.8", "debut_caractere": 1472, "fin_caractere_exclue": 1788, "texte": "■MMI\nimi\n/ \\\nVerlag „Der Sturm\"\na\nWir iibernahmen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\n| Fur Gesang u. 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Sie werben finben,\nbafe Sie biefes in gan3 befonberem (Dafee befriebigt, benn\nKosmSn Ijat iiberaus erfrifrfjenben Wotygefctymacfc,\nhonferviert bie 3al)ne unb kraftigt bas 3al>nfleifd>\nslafd)e CDk. 1.50, lange überall kauflicl).\nfa\ny\n/■■ •' ,/,■ • ' •\n/ ii> jf ,"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nFÜR KULTUR UNEHD^KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. 111 / Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark j Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRQANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 20. 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Das ist Uebertreibung.\nUnd mit Rücksicht auf das allgemeine Ueberhand-\nnehmen der Arbeit sogar gefährlich. Es ist höchst\nunsittlich, alles auf den trivialen Nexus von Lei-\nstung und Lohn zu gründen. Ohne die Vorstellung\n„es gibt noch etwas darüber\" ist eine würdige\nExistenz schwer denkbar.\nGebt uns „etwas darüber\" in besserer Qualität\nund wir nehmen es an. Wenn nur der Glaube da\nwäre. Aber die Mehrzahl ist in dieser Hinsicht\nimpotent. (Man kommt dafür nicht in die Hölle;\nes ist eine Frage der Konstitution.) Und selbst\ndie potentesten Bauern und Droschkenkutscher\nbrauchen da Stimulantia. Die Sonntagspredigt wirkt\nitmtm&r schwächer. Und daran ist nicht der Seel'en-\nhirt, sondern die Gewohnheit schuld. Es sei meinet-\nhalben in schlechterer Qualität, aber — „praktisch\".\nDie Sonntagspredigt kann nicht ziehen, denn\nsie ist (nur Zereimlonie. Vielleicht war sie einst\nmehr, aber sie hat sich in punkto Aktualität ver-\nnachlässigt. Oeffentliche Reden und Zeitungs-\nartikel müssen — so gemein es ist — aktuell blei-\nben, sonst gähnt die zuhörende Gemeinheit.\nDie Lotterie ist aktuell: denn sie nimmt Be-\ndacht auf meine SchneiderschuMen von gestern und\nauf meinen leeren Magen von heute. Sie berück-\nsichtigt liebevoll den Plan meines leichtsinnigen;\nund geMiosen Bruders, sich ein Palais auf der\nRingstraße zu bauen. Sie wurzelt im Leben, wie\nder „New York Heralid\" und wädh&t trotzdem hoch\n„darüber\" wie der Kölner Dom.\nDie Lotterie ist deshalb über dem Alltag\n(obwohl sie ihn berücksichtigt), weil sie sich um\nseine Logik nicht kümmert. Sie triumphiert über\nden Satz vom zureichenden Grunde. Sie ist un-\nberechenbar wie alles Göttliche. Ein Ungerechter\nist ihr oft lieber als zehntausend Gerechte. Sie\nverspricht dem letzten, er werde am Tage der\nZiehung der Erste sein. Und er glaubt ihr mehr\nals dem Sonntagsprediger. Ja, er glaubt ihr sogar\nnach dem Tage der Ziehung. Und nach fünf-\nhundert weiteren Ziehungstagen. Er glaubt. Er\nblickt zum Himtoiel hinauf, anstatt mit Neid auf\nden reichen Nächsten zu blicken. Die Hoffnung\nauf den Treffer führt direkt zum lieben Gott. Sie\nbesänftigt die brutalsten Appetite und erhellt die\nfinstersten Diebsgesichter. Sie hypnotisiert wie\n„das bessere Jenseits\".\nNirgends! ist der liebe Gott populärer als in\nNeapel, wo alles Nummern träumt. Dort ist das\nLotto ebenso eine religiöse Angelegenheit wie das\nBlut des S. Gennario. Es sind keineswegs zwei\nKonkurrenzgeschäfte; es ist geradezu ein Unter-\nnehmen in zwei Formten. Die beiden moralischen\nAnstalten unterstützen einander und repräsentieren\neine Idee. Man setzt auf das Fließen des Blutes\noder auf die Nummer 37; auf jeden Fall plaziert\nman seine Hoffnung hübsch hoch, in den Wolken.\nUnd darauf kommt es an. Nur Individuen, die\nihre Hoffnung niedrig plazieren, sind hoffnungslos\nniedrig.\nDeshalb bin ich' gegen die Abschaffung des\nLottos. ;Und ich freue mich, diesmal den Staat\nauf meiner Seite zu wissen. Der ist ja ebenfalls1\ndagegen (wenn auch leider . . . nicht aus morali-\nschen Gründen).\n\nDas Mysterium Jesu\nAus dem Nachlass\nVon Peter Hille\nHeimkehr\nNun war die Zeit vorbei, das Geräusch der\nBeendigung kränzte die lehrende Stille, die Gottes-\nerörterer gingen auseinander, und freundlich, aber\nals sei nidhts geschehen, ging Jesus auf seine Eltern\nzu. Diese Sicherheit und das Fremde, das Anders-\nartige, dem1 der fast noch kindliche Sohn so un-\nheimlich selbstbeschlossen sich gewidmet hätte, er-\nbitterte die natürlidhe Mutter, die menschliche\nMaria.\n„Mein Sohn, wie konntest du uns das antun?\nSiehe, dein Vater und idh haben dich mit Schmerzen\ngesucht ... drei Tage! O mein Sohn \" Aber\naudh die Bestimmtheit des Sohnes, des Gottes-\nsohnes, nicht des Menschenkindes nimmt herbe\nFärbung an. Schon früh scheiden die Wege sich\nzwisdhen Göttlichem und Menschlichem, dem All-\ngeredhten und dem Verhältnisbefangenen, dem\nSeelentiefsten und dem nur Häuslidhen. Da sah\naudh Johannes mit frohVerkllärtem gefährtenstolzem\nAnteilantlitz aus den Zusdhauern hervor zu seinen\nVerwandten.\nDessen Eltern waren nicht mitgekommen, hätten\nMaria und Josef die Sache überlassen; wußten sie\nnidht schön, daß, wo Jesus sich befand, da auch\nJohannes zu finden war.\n„Warum hjabt ihr mich gesucht — wußtet ihr\nnicht, daß ich in dem sein mußte, was meines\nVaters ist?\" Indes, der Ton, dieser harte Ton\nblieb nicht stehn, und sofort erklärte der Knabe\nsich bereit, mit seinen Eltern den HeimWeg an-\nzutreten. Und drinnen in Nazareth, in der Zim-\nmermannshütte, war er der gehörsame, sanfte hilfs-\nanstellige Sohn des Handwerkers in schlichter froher\nArbeit. Nur der Rost der Arbeit, Rauheit der\nGebärden, des Wortes und Tones, Unzufriedenheit,\nMurren und häßlidhes Begehren blieben diesem\nHause fremd, diesem Muster erlesener Höhe audh\nin Niedrigkeit.\nUnd stark, in sidh' gekehrt blieb beflissen Jo-\nhannes. Meist war er mit Jesus, doch oft suchte\ner auch die Einsamkeit.\nDie Stimme des Rufenden in der Wüste\nBald hörte man von eineml jugendstarken\nMahner in der Wüste, der sei von erschütternder\nMacht und Wucht der Rede1, sein Körper sei über-\naus sehnig, stark und ringend, er gürte sich in\nFelle, lang wehe ihm Bart und Haar, und nur die\nherbe Gabe der kargen Wüste: Honig und Heu-\nschrecken nehme er zur Nahrung.\nNoch stand das Morgenrot am Himmel, da\ntrat Jesus gerüstet und mit Sandalen an den Füßen\n'Vor seine Eltern, die ehebevor sie das tägliche Werk\nbegannen, den Preis Jehovas sangen und seine\nGnade auch' über diesen Tag herabriefen. Ah sie\ndamit geendet hatten und nun sich zum Frühmaf\nsetzten, MiMi und Brot, um sich zur Arbeit, zu\nall der Mühseligkeit des Tages zu stärken, trat der\nGottessohn auf sie zu und sprach: „Meine Stunde\nist gekommen! Es ist Zeit nun, daß ich hinaus-\ngehe, um das Reich meines Vaters seinem Volk\nzu verkünden. Ich muß euch verlassen, doch mein\nhimmlischer Vater wird euch trösten und euch bei-\nstehen, und mein Gebet wird um euch' sein immer-\ndar. Aber es ruft die Stunde, und idh darf keine\nZeit mehr mit eudh verbringen. Wie du ausgießest\nein Gefäß und das Wasser zog in die Erde, und1\ntränkte die Blumen des Feldes, so soll auch das\nLeben des Mensdhen seine Bestimmung erfüllen.\"\nMaria stand auf und legte ihr Haupt an seine\nißrust, der pflidhtfeste Sohn ließ sie eine Weile\ndort ruhn, da nahm er sanft ihre Hände: „Du\nwirst tnidh wiedersehn, Mutter, und Trost haben bis\nan dein Ende!\"\nJosef, dem greisen, an den sdhlon das Alter\nrüttelte und ihn zittern machte, ward der Bissen\nschwer und schrammend: „Und wann sehe ich didh\nwieder?\" und sah ängstlich auf.\nJesus aber wies nadh oben, und trat hinaus\nUnd ging durch den Ort mit starkem, gleichen\nSchritt, ohne sich umztisehen. Das Mahl aber blieb\nunangerührt.\nUm den Verweisenden in der Wüste standen\nreiche, vornehme, weichliche Würdenträger, die\nNeugier hinaus trieb, die stehend sich erschüttern\nließen, gehend überlegten, nach Hause gekommen\nwieder anlegten das Gewohnheitsgewand.\nEr überragte sie alle mit seinem ganzen Haupt,\nseine kräftige gereif eilte, dunkelrötliche Manneslippq\nzittert vom Schwung der Kraft seiner Rede. Seine\nschwarzen Augen äugen sittlich kühn iji die Ferne,\nund der starken Brauen schwarze Bogen sind warm\nund reich von kräftiger Seelengröße, und ausgiebig\nfroher Willenswucht, Willenswucht, die auch dann\nnicht schlief, wenn leise die Sprache war. „Ihr\nkommt hinaus, weil ihr übersättigt seid mit Schön-\ngeschwätz, weil ihr stumpf seid, daß; meine Rede\neudh angenehm errege. So rede ich euch nur tiefer\nhinein ins Verderben, da ich1 doch zu eurem Heil1\nrede.\"\nNun schob er alle beiseite, trat mit mächtigem\nedlem Schritt durch die Schar, und beugte sich vor\nihm, der einst sein göttlicher Gespiele gewesen war.\nDann sprach er zu der Schar, der bunten von\nWeibes- und Würden-Gewand: „Entfernt euch, der\nHeiland ist gekommen, dem ich1 nicht würdig bin,\ndie Schuhriemen zu lösen — und ihr seid seiner\nnoch nicht wert\".\nUnd Jesus sah1 zu dem Bräunlidhstarken, dessen\nwüstenheiße Seelenglut und Siedlerkraft ihn de-\nmütig anblickte, freundlich mitteilend hinauf: „Ich\nmöchte von dir getauft werden!\"\n„Du von mir?\" entsetzte er sidh1. Gleichwohl\ngehorchte er. Eine goldene Schale abdr war das\nsonnige Jordantal. Dann schieden sich Beider\nWege. Jesus nahm das friedlich1 stille Land, darin\nzu lehren. Johannes aber zog in die purpurtosende\nHauptstadt, um dort inmitten pfauenäpgig schilt\nlernden Stolzes und prächtiger Zusetzung das ernste\nWort des rauhen Heils zu künden. Umwundert,\numspottet zog dies rauhe Wort der Wüste die\nStraßen hinan bis vor die Hofburg. Auch hier\nsprangen vor ihm auf die mildgoldenen Pforten\nund bald brach sich seine herrliche Stärke an der\nglätten Härte des Marmors und nodh härterem\nFürstenherzen.\nDie Versuchung\nFrüher suchte man die Thebäide auf. Nun trägt\nman sie in sich1. Oft mehr als lieb. Die Wüste\nwar Unmittelbarkeit des Seelenlebens, Grauen vor\ndem gebetbuchsatten Philistertum der Pharisäer.\nGewiß ist das gänzliche Ablassen vion der Erde nur\neine Insel des Göttlichen im Leben, aber eine selige\nInsel: wo nichts Menschliches lebt, da ist alles\ngöttlich.\n„Reißt du sie aber zu früh mir wieder auf,\nSatan, die Tür des Fleisches, winke ich selbst meinen\nLeib wieder herbei, dann ist viel Wachstum des\nGeistes verloren.\"\nWie eine Krone zackt sich die Stadt. Auf der\nZinne des Tempels steht Jesus und sieht hinab.\n„Stürz dich hinab, greif mit magischer Macht\ndiese Krone.\" Ihm zur Seite wiegen sich die listig\nschlängelnden Mienen des Versuchers, der anmutig\nist und sdhön in seiner lauernden Schmeichelgestalt.\nJesus begegnet ihm ohne Sdhwäche und ohne\nHochmut. Nur seine Seelengeradheit stellt er ihm\nentgegen. Ein Blick seines gottnüchternen Lebens\nlegt dem Versucher all den Aberwitz seines Be-\nginnens wieder vor die Füße. „Magische Eitelkeit\nzerschellt.\" Des Torensinnes (der Schlauheit, an\ngöttlich Weltdurchdringende auch nur heranzu-\nrollen. Und doCh ist Jesus dankbar. Versuchung\nübt. Blöde Unsdhuld erträgt schon der vorwärts\ndringende Mensch nicht. Heran muß die Fehld auch\nan den ins Leben tretenden Gottessohn, nur hinein\nzieht sie ihn nicht.\nIm Sündenfall bereits liegt dieser Sinn. Aus der\nStarrheit des alten zur Gewandtheit des neuen Glau-\nbens. Das Unversudhte (Widerspricht dem Gott-\nmenschlichen. Der Gipfel ruft, das freudeglänzende\nTal kommt näher. Wie Worte, Machtschlüssel des\neigenen Lebens, (den Menschen suchende Pforte.\n„Sieh1, das (sind deine Sklaven.\" „Nur wer die\nTeile flieht, oder redht sie zusammenlegt — der hat\ndas Ganze. Nein, sie sollen sie selbst sein. Dann\nsind sie meines Vaters ,der imi Himmel ist, und\nmein, der sie! liebt wie ihr Leben.\"\nAudh Schatten und Mängel sind zur Vollkom-\nmenheit notwendig, die Welt erheischt sie zu ihrem\nhöheren Sinn, um über sich hin auszudeuten. Nun\nverließ den reinen [Sohn der Höhe der Geist der\nFinsternis, das Lidht kam1 und umharrte seine\nBefehle.\nAcker und Ackerer\nDer letzte (Genuß, den ein Mensdh oder Volk\nnodh sich zu bereiten vermag, ist die Schuhneisterei,\ndie selbstgefällige 'Strenge äußerlidh leerer Regel.\nDann bringt (man sein Wesen aufs Kldid. Unter\nlauter Geboten verliert sich das Gesetz. Zu unter-\nweisen findet man nichts, es fehlt die Frische auf-\nmerkender Schüldr, und wäre sie vorhanden, man\nwürde sie nicht (erkennen, ihren Drang und ihr\nRecht nicht verstehen. Zu echter Lehre gehört Fülle\ndes eigenen Empfindens, ein Jünglingstum der\neigenen Seele, und straffe, männlidhe Meisterschaft\nsaftreidher, wohlvbrbereiteter Geistesgaben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.3", "texte": "Von nun pn aber fraß der Weg die Sohlen,\nGeist und Eifer den Weg und Geduld das Laster.\nUnd es kam der erste Jünger und stellte dem\nMeister sein ganzes Lebensgut zur Verfügung, die\nEinsicht zur Belehrung, (den Willen zum Gehor-\nsam. Womit er sein Leben vordem hatte bauen\nund erhalten wollen, das Vermögen reidite er dar,\ner zertrümmerte die Form seiner Tage und sprach\nzum Meister: „Schaffe mir eine neue, wie du willst,\nMeister!\"\nDer Meister nahm den Starken und erzog ihn\nund baute aus dem guten Grund.\nWieder kamen ihrer, die wollten wohl das Gute,\nSdiöne, das Seligwerden nach dem Tode; aber\nfahren lassen, was sie hielten, das vermochten sie\nnicht, und traurig gingen sie fort, weil! sie fühlten,\nder Leib liebte, aber die Seele starb. Und wie sie\ngingen, empfanden sie vor Furcht schon die Hölle\nder eigenen Verderbnis, die keinem erspart bleibt,\nder fühlt und schwankt und seine Besserung tötet.\nUnselig sind sie und überaus armselig, armselig\ngerade an ihrem Reichtum und erringen kein Mit-\nleid wie die Darbenden und wehgeschlagenen Träger\nder Plagen und Qualen — die Lauen an eigener\nTrägheit Verwiesenden, nur noch Verachtung. Der\nVollkommenheitssucher ist ein Malen Der aber\nerhebt und läutert die Gebilde seiner Gemälde und\nmacht sie frei von der Gestalt seiner Schau sitzen-\nden. Der weiß: Nur die Schale der Welt ist bunt,\ndarinnen aber wohnt die Fäulnis für und für, und\nwer statt der {Arbeit* die treue Hand zu reichen,\ndie purpurheiße Zimmetwange lichtlockigen Ge-\nnusses streichelt, [wie des Westens Fingerspitzen\nfeis über Rosengärten gleiten, der stört und zerstört\ndie Menschheit bei sich und andern, die er braucht,\nder Verführer. An so geil entarteter Häufung aber\nentzündet sich (das Feuer der Hölle.\nDer Starke gebraucht die Welt nach dem Geist,\noder er 'wirft sie fort, wenn er das nicht vermag\noder mag. Der fkh wache aber fühlt nicht, wie\ner so schwach ist, zu schwach für die Welt und\nganz ohne Gegenwehr für den täuschenden Welt-\nsinn, und sterben muß an der Nahrung der Welt,\nsterben muß im Geiste. Darum verliert der Reiche\nden Sinn für (die Seele, weil, was des Leibes ist,\nso laut ihn umtost, und er nur darauf bedacht ist,\nwie er den Leib füttere, den Geist aber darben,\nabisterben, sterben läßt. Und mehr der Jünger\nkamen, viele fielen, doch es blieben derer, die sich\nanschlössen, sich (opferten, (derer, die immer die\nWorte ewigen Wertes hörten und ihre Seelen aus-\nrichten ließen nach dem Wohlgefallen Gottes. Nicht\nhervorragende Anlagen, (oder Ansehn und Vermögen\nzählte mit bei (der Jüngerwahl, keine Kaste, nur\nVertrauen und [Willen.\nUnd immer geschwisterlicher ward es, treulich\nwollend sich ergänzend. Und der Zwölfte kam.\nDa ist der Ring geschlossen. Und einer derer, die\nkamen, auch' er (glaubte. Aber er war Vorsichtig,\nohne Mißtrauen (vorsichtig. «Er hielt die Augen\noffen. Er konnte nicht anders. Er suchte die Wahr-\nheit, aber wie ein Forscher, nicht mit Inbrunst\noder Gebet, wie die Frommen sonst es tun, der\nVorschrift treuherzige (Beherzigen\nUnd des Heilands Rede war mächtig wie ein\nOeSetz und stellt gewaltig sich hin, milde hier und\nherbe dort, und alles zur redhten Stunde. Gleich-\nnisse, tüchtig und schlicht wie das Leben, das\nGottes Hand entflossene Leben verscheuchten den\nVorwitz und forderten auf zu Heben dieser stillen\nKraft zu Tat und Gehorsam, zu starker Demut\nden Willen zu erziehen. Und sein Wort fiel auf\ndie Jünger und die Weiten und die Massen.\nDie Zwölf aber samlmelte er um sich und lebte\ngemeinsam mit ihnen, und lehrte sie den hehren,\nschlichten Alltag des Göttlichen, den die Auserwähl-\nten wandeln, Jdie [Weihe und Würde des Mahles\nund der Erholung, das innerliche Gebet vaterauf-\nblickenden, dankend langsamen Brotbrechens, den\nGruß zum Himmel für die Frucht der Erde. Später\ndann sollten die Berufenen seine Vertreter werden,\nsie sollten sein Werk tun, wie er selbst, in seinem\nNafrien. Und seine Kraft, sein Willen zur Mensch-\nheit öffnete isich, [müdemadiende, die starke Seele\ndes Menschlichgebundenen schwächende IWunder.\nSammlung und Gebet ersetzte die gespendete Kraft.\nNächtlich, wenn desl Tages allgemeines Werk dann\nruhete, kam zu ihm die stille forschende irdische\nWeisheit, die gehalten prüfende Vornehmheit des\ngebildeten Mannes. Und auch den lehrte er nicht\nallgemein wir (dais Volk, nicht wie ein Priester,\nein Verkünder und Prediger, sondern allein, ein\nZwiegespräch Von Mund zu Mund, wie der Denker\nseinen Lieblingsschüler unterweist.\n\nGedanke\nVon Leonardo da Vinci\nDeutsch von Walter Heymann\nDie vor mlir waren glücklicher als ich.\nSie griffen zu und tasteten mit Händen\nUnd sudhten aus. Bei tausend Gegenständen\nFanden sie Vorteil und Gebrauch für sich.\nMir aber drückt sidh1 in die Hände: Leere,\nIch sah ja schon im Gehn und Stehh und Streifen,\nNidhts blieb mir übrig, das noch zu ergreifen\nGroß-nützlich oder sehr gefällig wäre.\nDa mußt ich tun, wie jener fremde Mann,\nDen seine Armut stundenlang Verspätet;\nDaß er als Letzter auf den Jahrmarkt kommt,\nUnd keiner gafft und feilscht mehr auf dem Markte.\nVon dem, was Vieler Käufer Hand durdhharkte\nSieht er nur liegen, Was sie ausgejätet\nBeiseite ließ. Dodh dieses nimmt er an,\n— was wegen wenigen Wertes keinem frommt —\nBesorglieh, jwie er's gut zusammenrafft.\nJa, ich werd' auf mein schwaches Saumtier legen\nDen Sadk des Unerkannten und Verschmähten,\nUnd damit geh's — nicht zu den großen Städten!\nAn armen Dörfern soll, auf Mühsalwegen,\nAnkehren sein, Hinreichen und Verweilen.\nDort werde mir solldh Lohn für jede Gabe,\nAls es gebührlich scheint ihn zu erteilen\nDer Sache, welche ich gegeben habe.\n\nLeonardo da Vinci und\nLisa Gioconda\nVon Walter Heymann\n„So wie die großen Bücher der Menschheit\nnichts Fertiges sind, sondern jedes Jahrhundert,\njede Epoche, jeder Mensch an ihnen weiter dichtet,\nso ist die Giodonda, in der Leonardo sein höchstes\nLied vom Weib, vom Menschen, von der Natur\ngesungen hat, immer neu gesungen, immer neu\ninstrumentiert, heute wie eine ungeheure Welt-\npolyp hönie, in der die Zeiten selber tönend ge-\nworden sind —\", mit diesen Worten beginnt Marie\nHerzfeld im Buche „Leonardo da Vinci, der Denker,\nForscher und Poet\" einige Seiten über das Bild\nder Mona Lisa. Wem soMie Worte übertrieben\nscheinen, der sucht nach anders klingenden Stim-\nnus glidhen die Worte, mit denen der „Praerafaelit\"\nWalter Pater ihr Bild beschwört. Rainer Maria\nWaither Pater ihr Bild beschwört. Rainer Maria\nRilke singt:\n„Das Weib ward Hängst in der Mona Lisa reif\nwie Wein.\nEs müßte nie ein Weib mehr sein!\"\nVersuchen, diesem „Wunder\" mit wissen-\nwollender Betrachtung zu nahen, heißt in Leo-\nnardos Sinne handeln, der nur den durch Erkennt-\nnis oder Experiment geprüften und bewiesenen\nGlauben gelten ließ.\nWir wollen Von delm Sdhöpfer des Bildes aus-\ngehen. Um zu sehen, was uns das Bild über\nihn und seine Sinnesart sagt, müssen wir auf\ndas Urbild kommen, fragen, was es ihm bedeutete.\nWir können dabei kaum mehr als auf einer Wahr-\nscheinlichkeitsgrundlage weiterdichten; so lange die\nfortschreitende Leonardoforschung nicht eine De-\ntailuntersudhüing der spezifischen mimischen Aus-\ndrucksmittel bietet, kann nichts zu bessern Resul-\ntaten führen.\nNach seinem Mailänder Aufenthalt am Hofe\ndes Moro (Hauptarbeiten: „Das Abendmahl\", „Rei-\nterdenkmal des Frandesco Sforza\") ist Leonardo\num 1500 wieder in Florenz. Er soll der Santa\nAnnunziata eine Tafel für den Hauptaltar malen\nund schafft wenigstens den Karton der heiligen\nAnna Selbdritt. Zwei Tage lang wallfahrten die\nFlorentiner jzu {dem Bild, um zu bestaunen: wie\nhier die sehr lächelnde Anna ihre Tochter Maria\nauf delm Schoß hält, die, gleichfalls Mutter, dein\nkleinen Jesus bete Spiel mit dem Johanneskind und\ndeim Lamme zusieht.\n1501 malte Leonardo eine Madonna mit Spinn-\ngerät. Das Christkind hat eine Haspel genommen\nund betrachtet verwundert ihre vier kreuzförmigen\nStrahlen. Das Bild war ein Auftrag, es ist uns\nVerloren. Leonardo hat um1 diese Zeit überwiegend\nmathematische, technische, anatomische Interessen,\nhört fast ganz auf, zu malen. In den Folgejahren\nnimmt er als Oberingenieur des Cesare Borgia an\ndessen blutigen Feldzügen teil. Vorn fünften März\n1503 ist der Fünfzigjährige in Florenz. Dorthin\nkam im Jahre 1504 — in dem Leonardos Vater\nstarb — der junge RaffaeJ und blieb bis 1506. Er\nstudierte den Karton, auf dem Leonardo im Reiter-\nkampf der Anghiarischlacht der Erinnerung an das\neben geschaute Kriegswüten durch die Darstellung\ntobender Leidenschaft Ausdruck verllieh. Er ließ\nsich weiter beeinflussen durch Leonardos Leda und\ndurch das, was er Vom Bilde der Gioconda da-\nmals sehen konnte. Diese beiden Bilder stehen\nfür Leonardo mit seinem wohl letzten Gemälde,\neinem „Johannes\" in Verbindung. Am1 dreißigsten\nMai 1506 verließ der Meister seine Florentiner Hei-\nmat, vermutlich mit der Absicht, nicht mehr sobald\ndorthin zurückzukehren, kam aber 1507 wegen\neines Rechtsstreites mit seiner Familie wieder. Er\ndürfte das Bild der Lisa, Frau des Francesco del\nGiodondo sdhon 1506 soweit geführt haben, wie\ner es ließ, vollkommen nach unsern Begriffen, nicht\nvollendet nadh seiner Meinung. Nach Vasari hätte\ner vier Jahre daran gemalt; daßi dafür die Jahre\n1503 bis 1506 vorzugsweise in Betracht kommen,\ngilt heute als sicher.\nEs war nicht viel, was sich ihm in\nbot; und was ihn dennoch hielt, war eben die\nungewöhnliche Aufgabe. Man bedenke: es war\ndas erste eigentliche Frauenportrait, das nicht von\nder Medaille abhängig blieb oder einen Frauenkopf\neinfach im scharfen Profil vor eine Wand, eine\nFarbenschicht stellte. Man hatte noch kurz vorher\nüberhaupt nur Männer, und Frauen höchstens als\nAktriden in religiösen Szienen und sonst als Ma-\ndonnen abkonterfeit. Dann kam eis auf, Frauen so\ndarzustellen, daß sie wie irgend eine Genie die\nIdee, das Ideal des Malers, die Frau an sich ver-\ntraten. Leonardo zeigte die Möglichkeit, durch ein\neinfaches Abbild, wirklichkeitstreu und überwirk-\nlidh, nicht nur all diese Wünsche und Absichten zu\nerfüllen, sondern bewies durch seine Zusammen-\nfassung, daß die Individualität im Ausdruck Historie\nin Ruhe sei.\nUns kann Leonardo nachträglich als einer er-\ns Che inen, den seine besondere Begabung zum Por-\ntrait gedrängt habe, zumal wenn wir an die Fülle\nschöner Handzeichnungen denken, die uns liebliche\nKöpfe und Gestalten erleben lassen. Wir müssen\nseine Neigungen für das halten, was ihn führte.\nSein Anfang zeigt ihn als Lyriker. Lächelnde junge\nholde Frauen und Mädchen, schöne Jünglinge, ehr-\nwürdige Greise wies ihm seine Phantasie freiwiEig.\nUnter Männern in der Blüte der Jahre fesseln ihn\nnur kraftvoll schöne. In allem sucht er höchsten\nAusdruck für ein Gefühl, eine Stiminung — sie\nwollte er das Fluid um der reinsten Gebilde der\nSchöpfung in zarter Vision spüren lassen. Er rät,\ndie guten Partien aus verschiedenen Gesichtern von\nanerkannter Schönheit auszuwählen, sonst bringe\nman Aehnlichkeiten mit den eigenen hinein. Ein\nLyrikerbekenntnis. Und didht neben diesem Fühlen\ndas psychologische Interesse. Leonardo wächst mit\nseinen Aufgaben, als hingebender Wirklichkeits-\ndiener, als spekulativer Forschier und Denker, als\nSouverän seiner Darstellungsmittel, aber nicht durch\ndie Zeidhnungen, die so sdhnell entstehn, sondern\nbei der Arbeit an großen Werken, die Viel Zeit ver-\nlangen. Er träumt davon (Anbetung der Könige),\nerbietet sidh dazu (Sforzadenkmal'), wird zu ge-\nwaltiger Anspannung durch Aufträge angeregt,\nderen Bedeutung er erst wirklidh erfaßt (Abend-\nmahl). Mehr als alles andere liebt er die Malerei\nund seine Malerei wird dramatische Schöpfung. Er\ngeht mit Zittern an die Arbfeit, die langwierig ist,\nSie ganze Seele quält und noch nadh erlangter\nUebersicht tausend Ueberkgungen fordert. Die\nSzene des Abendmahls verbindet dreizehn Per-\nsonen in Gebärde und Mienenspiel so, daß die\nWorte Christi zum innersten Mittelpunkte der Dar-\nstellung Verden; es macht dies Werk zu einer"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.4", "texte": "dramatischen Tat, der in der späteren Theater-\ngesChichte Europas nichts ebenbürtig ist. Fast alle\nApostel sind Wesen, die dem eigentlichen Leonardo\nfremd, ihm nicht Von Natur lieb oder gegeben\nwaren. Den Philippus, den Johannes freilich fand\ner IbiCht, stellte er aus seinem Gefühl heraus. Der\nJudas fesselte ihn als problematischer Charakter\nund Gegenspieller Christi. Zuletzt malte er am\nHaupt Jesu. Er hatte sChon so viel vorweggenom-\nmen, und das Ende der Aufgabe braChte eine läh-\nmende und die ganze Sehnsucht anspannende\nSchwierigkeit. Er malt den Gast unter Freunden,\nden milden Helden, den Sieg einer MaCht im\nSChicksal des Unterliegens, das Symbol der Resig-\nnation, die ihre tragisChe Verheißung erfüllen will.\nUnd seltsam: hier, wie bei der Mona Lisa, be-\nhauptet Leonardo, das Antlitz sei nidht fertig, nicht\nvollendet. Und weiter: beide Mal wird aus einem\nlebenden Modell — das zum Christus war ein\nMailänder Graf — einel Idealgestalt geschaffen,\ndie glbiCh dem Zeus Von Otrikoli einige überwirk-\nliche Züge enthält. Das verbreiterte Oval des\nChristusgesiChts, die Breiterstellung der Augen, die\nMischung jungmännlicher Züge mit denen einer\ngütig-reifen Frau fallen bei der Betrachtung dieses\nHauptes auf, mit dem Leonardo einen neuen Typus\nbildete, vion solChejm Einfluß, daß die Kunst-\ngeschichte hier mit einer neuen Zeitrechnung -zu\nbeginnen isiCh genötigt sah. Hatte hier der\npantheistisChe Pllatoniker geahnt, daß er Viom\nIdeal nur ein romantisches Abbild, einen Wied er-\nschein geben konnte. Er sah, das Höchstmögliche,\nletzte Erreichbare war der Ausdruck eines Gefühles,\neiner Empfindung. So hatte er seinen Ausgangs-\npunkt wiedergefunden. Sollte er nunmehr dem\nDenkenden, Logischen in sich folgen, so mußte\ner episCher werden. Wenn er sich mit seinem\nphantastischen Hang dem Gefühl unterwarf, kam\ner in den Bann des Mystizismus. Davor hat ihn die\nGewalt seines weltvveisen Denkens und die Gegen-\nständlichkeit seines Forschens geschützt; nur die\nWahl1 seiner Vorwürfe verrät eine Bestärkung dieses\ndurCh Fühlen weiterarbeitenden Triebes. Doch war\nnoch (der Epiker in der UebermaCht, als er das\nBild der Lisa GioConda schuf.\n*\nEine steinerne Loggia ragt mit der Brüstung\nnach Nordosten gegen die Luft, die — es ist eine\nStunde vor Sonnenuntergang — liChtgetränkt matt\nsChimmert ohne zu glänzen. Schon macht er aus\ndem tiefen aufsteigenden Nebel die fernen blauen\nBerge dunkler, ehe er ihre zerklüfteten Umrisse Vter-\nwisCht, so daß sie näher zu kommen scheinen.\nAudi Wollen sich in diesem Nebel wie in einem\nMeer viele geteilte Läufe gestauter, herabfließen-\nder, zwisdhen den Bergen gewundener, unter ein-\nsamer Brücke sich hintragender Wasser finden. Bald\nwird das Dunkel sie Versdhließen, den bunten\nSchimmer verwischen, mit denen der Sonnenwider-\nsChein noch €&e näheren Höhen trifft. Urweltliche\nStimmung, die naCh der Sintflut — „und die Wasser\nverliefen sich\" —, geschaffen von einem, dem nicht\ndas Fabelfhafte wahr, sondern das Wirkliche wun-\nderbar schien.\nIn ganz stiller Nähe, wo die Schatten kaum\nFarbe haben, in der leise flutenden Luft taucht dies\nunwirklich scheinende Wesen auf, wie ein Fisch,\nder allein schwimmt und den ein zitternder Glanz\ntrifft. Alle Farbe ist an ihr, es ist, als komme die\nLuft von ihr her, als sei sie gekommen, um (die\nSChönheit der Stunde zu bringen. Groß hebt sie\nsich Vor ihrer Ferne, groß ragt ihre Einzelgestalt\ngegen die sinkenden Massen. Tote und in Dämme-\nrung Wandelinde sind bunte Schemen. Stiller sind\nihre Züge, deutlicher redet aus ihnen, groß wie\nauf Steine gehauene Masken, zart wie auf Bildern\nVon weichem Wachs, ihr Wesen.\nDas ferne Wasser welllt sich wohl wie das\nHaar dieser Frau. Die Falten der Wasserfläche\nund die FurChen der Gesteine und die Gesetze,\nunter deren Zwang sie sich bilden, kannte Leonardo,\nsowie er die Falten und Rinnen im Gewand Lisas\nbinden und ihre Reihen malen konnte. Als sie\neben gekommen war und der nahende Abend ihre\nHände zusammengeführt hatte, und sie so auf-\ngerichtet saß, wie eine Florentinerin sich bei, einem\nBesuch hält, da wurde der Sessel zum Thron, und\ndie Linke, auf der Armlehne wie ein Tierkopf,\nspielte im Ruhen und hielt den Knauf. Die Rechte\nlehnte über ihr, als führe sie dahin; schön wi£ die\nBiegung eines Schwanenhalses (Leda) war ihr An-\nsatz, so streifte diese kluge, duldsame, sChöne Hand\nabsichtslos das Kleid. Die Gestalt wandte sich,\nsie ruhte naCh dem rechten Arm1 zu, aber ihr Ant-\nlitz sah fast schon geradeaus, als das Blicken nach\nlinks sie den Meister anschauen ließ. Diese Stunde,\ndiese Stellung war Leonardo die liebste, als er\nLisa kannte. Ehe er sie kannte, wie man nur eine\nSeele einmal im Leben kennt, daß man fürchten\nmuß, ihre und eigenen Empfindungen zu, ver-\nwechseln — bis er sie in drei, vier Jahren so kennen\ngelernt hatte, spielte er mit ihr.\nIhr nahmen Erzählter und Spaßmacher, Saiten-\nsChläger und Flötenblaser die Müdigkeit, das Ge-\nzwungene, verscheuchten die Langeweile, nahmen\nihr mehr: allmählich verschwanden trübe Erinne-\nrungen, Vergingen die Gedanken. Sie fühlte, daß\nsie fast ihr ganzes Leben wie eine gleichgültige\nVergangenheit würde vergessen und verlieren kön-\nnen. Ein Scherz gewann ihr ein Lächeln ab, ein\nLied, daß sie zum zweiten Male hörte, lullte sie\nin Träume, oft kam sie in Wochen nur einmal,\ndann wieder fast täglich. Sie fühlte, daßi dies\nScheinleben stärker als ihr alltägliches wuitle.\nManchmal hatte sie Furcht vor dem Maler wie\nvor einem Feind. Er schien die Musik nicht zu\nhören, denn sie war es nicht, die seinen Pinsel\nrasCher streifen oder länger innehalten machte.\nWeil er aber — und nicht zuletzt durch seine ban-\nnende Erscheinung — so fest- und fernzuhalten\nwußte, war er über Haß oder Liebe hinaus, jn\ndiesen Stunden ihr stärkerer, schützender Freund.\nAuch konnte er nicht nur ihrer Vergangenheit ein\nGrabmal setzen, niCht nur mit seinem städtefüllen-\nden Ruhm sie der Ewigkeit geben, er war wie\nein Gott, der ihr leibliches Antlitz bildete. Wie\nalle die Menschen, die Leonardo sich noch ver-\nwandt fühlte, gehörte auCh diese Frau zu einem\nSChicksalsgeschlecht, zu denen die noch in der Be-\nherrschung leidenschaftlich, in Schönheit begehrend,\nstolz und klug sind. Diese werden Kinder, wenn sie\nglücklich lieben. Mitten unter ihnen stand Mona\nLisa allein. Einem ungeliebten Mann hatte sie\nKinder geboren, und ihr Leid atmete zarte Mütter-\nlichkeit. Sie kannte dennoch nicht das Mutter-\nglück. Die rechte Seite ihres Gesichtes zeigte, daß\nsie darum noCh selbst wie ein Kind war, an der\nWange, am Auge. Mutter und Kind in einem\nWesen, das reiz!vol!e Rätsel lockte Leonardo. Sein\nGefühl für Generation war durch die Darstellung\nder Deszendenz Anna-Maria-Christus damals noch\ngesChärft. (Beide Bilder haben auch einen ähn-\nlichen Hintergrund.)\nWunderbar war Leonardo auCh ihre Sensiitivi-\ntät, ihm, der die Tiere und ihre vielfach feineren\nInstinkte beneiden konnte (vergleiche seine Be-\nmerkung über die Geruchswerkzeuge des Löwen).\nIhr Haar hatte bei bräunlicher Grundfarbe £inen\ngoldroten Ton. Spärlich waren die Brauen (heute\nnicht mehr sichtbar, vergleiche aber Vasari) und\nihr Flaum verstärkte im Empfindungsfeld ihres Ge-\nsichtes den Glanz der Augen. So konnte der Augen-\nscheitel bald spotten, bald leuchten über den ge-\nschwungen auskeimenden Ovalen der Augentiefein,\ndie wie eine Schattenbrille unter der Haut am\ntastenden Fühlen teilnahmen. Wenn sie müde war\nund verstummte, wurde dies vor allem (deutlich,\n. r *\ndann wurde der Schnitt der Augenmaske den ge-\nschwungenen Linien der Oberlippe ähnlich, deren\nForm Leonardo lieb und geläufig war. Er hatte\nsie bei den besten griechischen Statuen gefunden,\nauch den Abstand der Nasenwurzel vom Lippen -\nrand. Züge, die unter den schönen Menschen\nItaliens nicht selten sind. Auch daß die Nase Voll-\nkommen in der Richtung der Stirn verlief, mit feiner\nRückenbreite war marmorbildhaft, wie aus dem\nKanon, und das Kinn fast an der Grenze erträg-\nlicher Zierlichkeit. Doch nun wurden die charak-\nteristischen E igen sclia 112 tsme rkrna IC um so spür-\nbarer. Die energische Unterlippe zeigte, daß diese\nFrau auch gegen ihr eigenes Fühlen aus Selbst-\neinschätzung trotzen, hassen, etwas lange ver-\nbergen konnte. Den Unterlidern fehlt die pikante\nZusammenziehung, die an jeder zweiten Italienerin\nzu sehen ist, hier trat eine mehr träumende Sinn-\nlichkeit vor der Klugheit zurück.\nJa, die Klugheit! Sie machte viele, die sie\nanlockte, scheu, daß: sie nicht vollkom|m)en schön\nwar, mehr als das Rothaar, das damals noch blond\ngenannt wurde. Denn die Klugheit zwang ihr\nSelbstbeherrschung auf, sie mußte ihre Lebhaftig-\nkeit zurückhalten, und wenn sie sonst den Leuten\nexzentrisch erschienen wäre, galt sie nun für selt-\nsam. Sie hebte das Schöne, liebte schöne Men-\nschen und wollte gern schön sein. Sie sprach ge-\nwählte Worte und hätte das schon um der Lippen\nwillen getan; andere hätten sie geekelt, doCh auch\nso empfand sie sich nicht al!s ehrlich. Sie mied\nalle Jähheit, alle Schärfen des Ausdrucks, weil sie\nsich als ein Schrecknis fühlte. Weil sie Angst hatte,\ndas Stolze und Geringe in ihr zu verraten. Ihr war\neine Leidenschaftlichkeit eingeboren und eine Leb-\nhaftigkeit der Phantasie (rasche Beobachtung, rasche\nAssoziation) mitgegeben, daß sidh ihr jede Emp-\nfindung deutlich aufprägte, als sei sie die Ver-\nkörperung dieses Ausdrucks, sofort, ganz und\nschnell wechselnd. So zwang sie die Dezenz, so\nin Gesellschaft allein zu sein, daß sie für hoch-\nmütig gelten konnte, so fühlte sie sidh einsam, wenn\nsie allein war. Mit der alten Kindersehnsucht und\ndem Wunsdh nach ihrem Frauenschicksal1 und mit\nihrem weiblichen Fühlen, aus dem heraus sie dachte,\ndenken mußte, gefühlslogisch wie eine echte Frau,\nverband sich ihre Klugheit, lähmend, als wäre sie\neine Schuld. Sie war nicht etwa nur geistreich,\nsie war so logisch klug, daß ihr das Gefühlsdenken\nnicht genügte, daß sie das Glbichnishafte aller Er-\nscheinungen empfand. Es gab zu ihrer Zeit Frauen,\ndie Griechisch und Latein konnten, sie war nicht\ngeltehrt, verlangte auch weniger danach, als jnach\nder ganz besonderen Wissenschaft, die ihr Sinn\nund Wert ihrer Erlebnisse zeigen, ihre Neugier mit\nErnst befriedigen und ihr Ordnung geben konnte.\nDann wäre sie der großen Wissenschaft doch näher\ngekommen; im Fühlen — das wußte sie — kann\nman nur zu Zeiten in Sicherheit sein. Vielleicht\nwar es Leonardo wie freundschaftlich, daß sie von\nseinem Beobachtungsposten aus ihn manchmal wie\neinen Jüngling ansah, mit der von ihm mehr dem\nBesChauer zugekehrten Gesichtshälfte. Doch nun\nmöchte ich vorwegnehmend betonen, daß die Lisa\nnaCh dem bisher gezeigten etwas Katzenhaftes hätte.\nDies würde bei niedriger Stirn stark hervorgetreten\nsein, besonders mit der Breiterstellung der Augen.\nDa kam die Florentiner Mode der künstlichen Stirn-\nerhöhung Leonardos umwandelnden Formungsprin-\nzipien zugute. Die schöne hohe Stirn, die musi-\nkalische Stirn des schönen Widerhalls versöhnte,\nglich völlig aus. Doch macht noch heute, sobäljd\njemand die Stirn als „zu hoch\" empfindet, der\nRest des Gesichts in Verbindung mit dem pyra-\nmidalen Aufbau der Gestalt und mit den Flügeln\ndes Schleiers am Kopf, dies Bild den Eindruck\neiner Sphinx. — Durch den dunklen und durch-\nsichtigen Schibier konnte Leonardo nicht nur wieder\ndas Gefühl der Terne erwecken, er machte nicht\nnur den Scheitel deutlicher, er zeigte diese Frau\nals; eine, die für ihren einsamen HoChmut und ihr\nunrastliches Leid in Gebet und frommer Anwand-\nlung Strafe, Sühne, Befreiung suchte. Er ließ aber\ndas einfaCh gescheiterte Haar wellend nach vorne\nniederrieseln auf die freie Brust, Liebesfühlen kün-\ndend, Zärtlichkeit atmend. Fromme Inbrünste\nmittelalterlicher Klosterschwestern hätte Leonardo\nbei zartem Verstehn doch' entschieden abgelehnt.\nAber diese Mischung von Vergangenheit im ernsten\nGewände und WeiblichreizVollem, Neuartiggegen-\nwärtigem entzückte ihn. Das gab er ihr in der\nWahl der Kleidung, in schönen, die Ewigkeit Ver-\nsinnbildlichenden Farben, und verklärte ihren vor-\nnehmen, die Zurückhaltung liebenden Geschmack.\nDer Ausdruck des Antlitzes seiner Mona Lisa,\nder GioConda, wie er sie sah, gab ihm SChicksals-\nstunden. Andere als ihr, stärkere als die Liebe\nallein sie geben konnte. Diese Stunden haben in\nLeonardo viel vernichtet.\nEr sah, daß alle Empfindungen in dem Ge-\nsicht der Frau kamen und gingen, fast ohne eine\nSpur zu hinterlassen, geeint durCh instinktive Sicher-\nheit und geübte Beherrschung. Nur etwas vom\nLächeln, dem schicksalsagenden, unheilverkünden-\nden, dem stets geliebten tragischen Lächeln, blieb\nan der ewig Wartenden haften, als ihr die Erinne-\nrung an alles Gewesene schwand. Das war der\nAugenblick, in dem er sie ganz erkannte, und so\nwollte er sie für immer sehn. Er hätte ihr nach\nseinem Gewissen doCh nur Ahnungen bieten, nicht\nseine aus dem Fundament aufgebauten zahllos sich\nteilenden Erfahrungen geben können. Er konnte ihr\nniChts geben wollen, was sie verändert, nach seiner\nArt umgeschaffen hätte. Die Pein der Klugheit\nhatte er ihr verscheucht, die Phantasie — er wußte"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.5", "texte": "mit weldhen Mitteln — in ein kleines Reich ge-\nbannt. Darin war sie Königin. Er, Leonardo, hatte\nsonst die Seele zu erkennen versucht, hatte gelernt,\nwenn er bezeichnende Züge zur Maske, zur grau-\nsam übertreibenden Karikatur zusammensetzte.\nAuch hatte sein Blick Gesichter in Masken ver-\nändern und zerdenken müssen, wenn er sie scharf\nbetrachtete. Diese Frau vor ihm aber war zu der\nPforte des Traumlandes gesdhritten, als w,äre sie\nvon Anbeginn nur eine Larve gewesen. Früher eine\nPhantastin, nun ganz Seele; das Gefühl konnte\nsie jeden Augenblick überwältigen. Er sah die\nAugen seiner Madht, seines Winkes harren, sie\nblickte ihn an wie eine stolze Bettlerin. Gerne\nhätte er ihr Kraft gegeben. Schien sie ihm doch\nwie von selber so verändert, da er nur Hemtnendes\nbeseitigt, der leise fließenden Natur die Bahnen\nvollenden geholfen hatte. So also sah die Seele\naus. Eine Summe Von Erfahrungen und Leiden-\nschaften, deren Wiederkehr die Menschen zeich-\nnete. Oder die sich ergänzenden Gefühle in Fülle\nverschwindend wie Rosenbllätter im Hauch des\nWindes, weiche Mulden und Flüllen. Dort starre\nMaske, hier ruhelose bewegliche. Er gab ihr Liebe;\ndenn dem Pia toniker war schon die Erkenntnis des\nangeschauten Gegenstandes Liebe, er gab ihr\nFreundschaft. Und in seiner Sorgsamkeit — wis-\nsentlich hätte er nie eine Seele Vernichtet — lag\nMitgefühl. Die Frau spürte in all dem nur die\nGemeinsdhaft der Seelen, und wartete, hoffte.\nEinst glaubte Leonardo: „Die Seele steht außer-\nhalb der Sinne, wenn sie betrachtet\". Dann fand\ner „die Sinne sind die Beamten der Seele\", Jetzt\nsah er nur das Flutende, sah nidht mehr ein Feld\naus Samen gewachsen, zur Aussaat bestimmt. Zwei-\nfelte er an ihr, oder siegte die Aufgabe. Sie erschien\nihm als der Zweifel und gerade so sdhön. Es war\ndie erste kommende Müdigkeit seines Lebensabends,\ndie seinem Denken die kühle Sicherheit und auf-\nstrebende Glut zu nehmen begann. Nur durdh voll-\nkommene Zwiedeutigkeit und Gleichung und Er-\ngänzung der Merkmale konnte er Lisa darstellen,\ndie Stirn ist das Wahrzeichen. „Alle Liebe, die\nverschwenderisch über das einzeihe geht, hat den-\nnodh einer in Furcht gegeben, er habe die Welt\nzerdacht!\" Man kann jede Einheit zerstören, wenn\nman einen Menschen zu nahe betrachtet. Lisas\nBild erkennt man erst in der Tiefe seiner Einheit-\nlichkeit, wenn man es aus nächster Nähe anschaut.\nDies war sein Sieg; wer seine kommende Nie-\nderlage sehen will, vergleidhe mit dem1 Bild der\nGiocionda die frühere Zeichnung des Johannes mit\ndem Rohrkreuz (Windsor) und dann das spätere\nGemälde, in dem Johannes nicht mehr der selbst-\nentzweite Vorläufer des Herrn ist, sondern der zwei-\ndeutige des Rokoko.\n*\nWas wir gesdhiidhtlich von Lisa wissen: Es\nist zweifelhaft, wo sie geboren ist — für die Be-\nhauptung, sie stamme aus Neapel, fehlen Anhalts-\npunkte. Ihr Großvater Naldo Gherardini lebte in\nFlorenz von 1401 bis 1460. Das alte Welfen-\ngeschlecht (der Gherardini, dessen Stammbaum bis\nan 900 zurückreicht, war hier angesehen. Naldo\n(Noldos) Sohn Maria Antoni heiratete 1473 Caterina\naus dem Hause des Piero Ruoellai. Deren Tochter\nerhielt den Namen Lisa nadh der Mutter des Vaters.\nDas Datum ihrer Geburt ist uns unbekannt. Es\nmuß zwischen 1474 und 1479 liegen, da Lisa schon\n1494 heiratete.\nAls Leonardo sie malte, war sie etwa dreißig\nJahre alt. Ihr Mann Francesco del Giocondo war in\nerster Ehe mit Lisas Tante vermjählt (1491), heiratete\nschon 1493 die zweite Frau, und 1494 wird Lisa\ndie dritte. Die Giocondi waren ursprünglich Küfer,\ndann trieben sie Seidenhandel. Lisas Mann besaß\nein Haus in der Via della Stufa. Der Titel „Ma-\ndonna\" der Ritterfrauen kommt ihr in Wirklichkeit\nnidht zu, sie ist nur eine Mona (Monna). 1496\ngebar Mona Lisa einen Sohn, Piero, 1502 einen\nSohn Andrea. Ob audh ein früh gestorbenes Töch-\nterdhen des Giocondo ihr Kind war, ist nicht er-\nmittelt. Ihr Mann, jünger als Leonardo, hat diesen\nlange überlebt. Er stiftete für sidh und die Seinen\neine Grabkapelle in der Santissima Annunziata. Das\nr\\ # *\nBuu Lisas hat Leonardo später verkauft, dann für\neinen hohen Preis zurückgekauft. Von ihr selbst\nhören wir nach dem großen Ereignis nichts Mehr.\nSie konnte jedenfalls nichts Stärkeres mehr erleben.\nSie war deün Helden unter den Künstlern, dem\ngroßen Ahnen unserer Zeit, eine schmerzlehrende\nMadonna geworden, ein Sinnbild des Erliegens\nganzer Geschlechter, die es im Geiste Baudelaires\ngrüßen (müssen: „O Mutter der Erinnerung, Frau\nder Frauen!\"\n\nWilliam Wauer\nElse Lasker-Schüler\nAls das Cafe Kutschera noch seinen adligen\nNamen „Seeession\" trug, hielt in dem oberen Raum\ndes Cafes William Wauer einen Vortrag über\nTheaterkunst. Ein junger SchauspieleleVe nahm\nmich mit herauf; viele Eleven und Elevinnen\nschritten vor mir in den Saal der grauen Sammet-\nsofas und Sessel; ich war die einzige unter den\nZuhörern, die Wauer noch nie gesehen und doch\nihn sich genau so vorgestellt hatte mit der eigen-\nartig schmerzlichen Sicherheit in den Augen und\nin den Gebärden. Ein großer Geiger, der nicht\ndie göttliche Geige findet. Ein großer Dirigent\n— ist nicht sein Vortrag ein Zusammenspiel' vieler-\nhand Instrumente gewesen. Lebendige Violinen,\nseine Schauspieler; er mag nicht die erste Violine\nzwischen ihnen, die den Ton angibt, kein Genie,\ndas siidh abtönt, hervortönt von den anderen Tönen.\nDas Zusammenspiel! seiner Leute, eine Genielei-\nstung soll sie sich heben aus der Fertigkeit seiner\nHand. Als das künstlerische Theater aus Moskau\nin Berlin gastierte, gedachte ich der Worte William\nWauers. Der Zar bis zum Onkel Wanja und die\nFrauen all, glichen seinen IdealgesChöpfen. Wan-\ndelnde Töne, schreitende Melodien, unbezahlbare\nInstrumente mit tausendtiefem Ton. Aus Spielläden\nund Kotillongesdhäften liefert man William Wauer,\nSpaßgeigen, Trompeten, Kriköhs: Dilettanten und\nTantinnen. Sie essen ihre Rolle, Um! sie ganz: im Leib\nzu haben. Sie muß ihnen auf den Leib passen.\nAber der Schauspieler soll den Duft seiner Rolle\neinatmen, meint William Wauer, „Ueber solch\ntrunkene Seele zu streichen mit seinem\nBogen\". — Seine Regie steht auf Füßen, das\nMilieu gleicht dem Bewohner des Schauspiels.\nErster Aufzug: Veranda, von Säulen umstanden.\nZweiter Aufzug: Wohnzimmer der gräflichen Fa-\nmilie. Man kann sich gar kein anderes Innere\nVorstellen nadh dem Wudhs der Villa. Williabi1\nWauers Regie ist anatomisch. Sein Bl'ut möchte\nfließen durch die Adern seiner Schauspieler wie ein\nStrom durch das Spiel. Das soll keimen und auf-\ngehen aus seiner Gestalt in Vielen Gestalten. Kein\nAsiateist er, dem die Tragödie nur eine einzige\nKriegsgebärde wird. Er meint, zu den Wilden ge-\nhöre ich, und mit der eigenartig schmerzlichen\nSicherheit im Auge betrachtet er mich Wie ein\nfremdes Instrument aus Bambus.\n\nKatzenjammer\nDer Verein zur Erhaltung alter Burgen und\nder Verein zur Verwertung gebrauchter Offiziers-\nreitpferde haben einen neuen Zuwachs erhalten:\nden Verein zur Erhaltung alter Universitäten (oder\nso (ähnlich). Die Finanzierung des neuen Unter-\nnehmens übernahm die höchst überflüssige Richard\nWagner-Gesellschaft für Kunst und Kultur. Durch\neine Fes (Vorstellung im Fri e drich Wilhelmstädti-\nschen Schauspielhaus. Ein hohles und langweiliges\nTheaterstück (des jHerrn Otto Born grabe r im Ver-\nkitschten — Wildeinbruchstil wurde aufgeführt. Dar-\nüber wäre nichts zu sagen, auch wenn Professor\nErnst Haecke! in einer Vorrede der Buchausgabe\nden Phrasenschleim eine „große, ganz auf der Höhe\nunserer Zeit stehende Tragödie\" nennt. Es beweist\nnur, daß man angeblich das Welträtsel lösen kann,\nund einem die Kunst doch ein Buch mit sieben\nSiegeln bleibt. Ueber die Aufführung ist noch zu\nbemerken, daß das Spannendste „der Tod auf dem\nScheiterhaufen\", fortfiel. Was zu bedauern bleibt.\n(Nur der Referent des Berliner Tageblatts hat diese\nSzene auf der Bühne gesehen.) Für den E dehnen-\nsehen hatte (die Direktion sich Von dem sonst in\ndieser Zeitschrift nicht zu erwähnenden König-\nlichen Schauspielhaus (den Herrn Walter Staege-\nmann ausgeliehen, den talentlosesten und hohlsten\nSdhreier, über den Deutschlands Bühnen verfügen.\nMan versicherte mir im Theater, daß Herr Staege-\nmann sein Referendarexamen gemacht hat. Warum\nergreift er nicht den chancenreichen Beruf eines\nBürovorstehers. Außer Herrn Staegemaiin brüllten\nund heulten verschiedene Dilettanten auf der Bühne,\nbesonders eine gewisse Baronin Virginia. Nur zwei\nSchauspieler 'waren zu entdedken: Ernst Nessler\nund Armin Wassermann. Regie und Inszenierung\nVeranlassen midh immerhin, das Theater als sol-\nches weiter zu beachten. Man brauchte diese ganze\nSdhredkensaffaire (nicht zu notieren, wenn Herr\nBorngraeber (nidht langeblich über eine Gemeinde\nVerfügt. Es gibt tatsädhlich Leute, welche sich für\nsolche Stücke im Sonnentrottelstil interessieren.\nDennoch entspricht die Höhe des Stücks der Vor-\nstellung, die sidh Universitätsprofessoren von der\nKunst (machen. Hoffentlich liegt die Zeit nicht\nmehr fern, in der die Universitäten ihren Kunst-\nund Weltansdhauungsdünkel ablegen und sich als\ndas ausgeben, (was sie heute ,in Wirklichkeit nur\nnoch sind: Fachschulen für Juristen, Mediziner,\nTheologen und Oberlehrer.\nZwanzig Btunden später wurde man im Ber-\nliner Theater (durch ein verkitschtes — Bernstein-\nstück endgültig erschlagen.\n\nRauch ist alles irdische Leben\nEs bleibt ein Glück, daß der wirkliche Künst-\nler keinen Ehrgeiz für Zeit und Ewigkeit besitzt.\nDie Ewigkeit wird durch unsinnige Behauptungen\nder Konversationslexika und der professoralen\nLiteraturgeschichte 'dargestellt und die Zeit durch\nVerherrlichung von Librettisteil und Roman-\nSchmierern entstellt. Man hofft nichts mehr, kann\nalso nidht enttäuscht werden. Die ProVinzier, die\nBerlin unter Literatur setzen, legen Wert darauf,\nin ihrer Heimatsstadt besondere Anerkennung zu\nfinden. Es fällt ihnen nidht schwer. Denn das\nNiveau in (der Provinz1 ist niehr als unerheblich.\nIm sogenannten bergischen Land absolut Flach-\nebene. Da gibt es zum! Beispiel eine literarische\nGesellschaft, (die die Herren Paul Bliss und Roda\nRoda zu Vorlesungen einladen. Der Bemühung\ndieses trauten Vereins verdankte die Stadt Elber-\nfeld offenbar das Unglück, sich ihre Dreijahr-\nhundertfeier durch ein Festspiel1 des Herrn Walter\nBibern zu verekeln. Dagegen w,äre nidhtsi einzu-\nwenden. Jede Stadt hat das Recht, ihre Ein-\ngeborenen gegen Bezahlung zur Belustigung heran-\nzuziehen. Ich persönlich wäre in solchen Fällen\nimmer mehr für Somalineger. Also dieser Herr\nBibern, der in Berlin alle möglichen „literarischen\"\nEhrenposten bekleidet, dieser Herr Bloem verfaßte\nein Festspiel „Der Väter Not\". Wozu glaubt\nman, eignet sich dieser Titel noch außer zu schlech-\nten Schauerspielen im verkitschten Schillerstil. Ge-\nwalt ige Inserate in Elberfeld er Zeitungen wissen\ndavon zu sagen: Zur Zigarrenmarke. Ein lokaler\nFabrikant konnte nidht umhin, Herrn Doktor Bibern\nzu bitten, ihm diesen Titel für eine Spezi als orte zur\nVerfügung zu stellen. Der Dichter Bloem gab gern\nseine gütige .Erlaubnis. Freudig erregt wird das\nFaksimile der holden Gewährung Veröffentlidht. Der\nVäter Segen bauet den Kindern Häuser, der Väter\nN0t.... läßt (sie ;in Rauch aufgehen. Hoffenltic'h\nist die (Marke bekömmlicher als ihr Name. Das\nGute bricht sidh Bahn. Das hat mit seinem Singen\nder Dichter Bloem getan. Trust\n\nDecurtins\nH. W.\nMan beschwert sich über unsere Unzufrieden-\nheit. Man beklagt sieb, daß wir zu viel tadeln.\nMan beklagt sich, daß wir alles angreifen. Es ist\nnidht unsere Schuld. Wenn man gegen Indolenz,\nDummheit, Frechheit und Gemeinheit ankämpft,\nerregt ätnan selbstverständlich Anstoß:.\nDie Zeitschrift März: glaubt zu der Behauptung\nberechtigt Jzu sein, daß Herr Professor Decortins\nden Lehrstuhl1 an der Universität zu Freiburg in\nder SchWeiz seiner Gutgläubigkeit zu verdanken\nhabe. Wir wollen der Redaktion vorläufig selbst\nGutgläubigkeit zuerkennen, und bemerken ihr, daß\nProfessor Decortins vielleicht der bedeutendste und\ntiefste Geist der Anhänger der katholischen Welt-\nanschauung- ist. Für seine gründliche Wissenschaft-\nlichkeit Izeugt (seine vielbändige Chrestomatie der\nrhlätoromanischen Literatur. Ein Mann wie De cur-\ntins kann (sehr wohl1 die moderne Literatur Ver-\nstehen und die „Modernisten\" ablehnen. Wie wir."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.6", "texte": "Reminiszenzen\nJ. A.\nDie Übarlebendan\nIn den Berichten der Wiener Bliätter über die\nBeerdigung Kainzens stand zu l'esen, daß der An-\nblick des Leichenwagens „den Frauen die schim-\nmernden Tränen in die Augen trieb und die Männer\nin Ergriffenheit versetzte\". Aber nicht alles, was\nZeuge des Begräbnisses war, zeigte Rührung und\nTrauer. So zum Beispiel1, wie der Reporter des\nNeuen Wiener Tageblatts erzählt, blieben die Durch-\nführungen der polizeilichen Maßnahmen, so nahe\nsie auch dem Kondukt standen, unerschütterlich.\nEs klingt fast unglaublich: „Vor der Schottenkjrche\nwaren außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen ge-\ntroffen, um allzu großes Gedränge zu vermeiden.\nDer Pol'izeibezirksleiter der Innern Stadt, Regie-\nrungsrat Doteisch, hatte persönlich die klaglose\nDurchführung der einheitlich getroffenen Vorkeh-\nrungen getroffen.\"\nWürde die Polizei in Wien gegen jeden ein-\nschreiten, der in der Lotterarena der käuflichen\nOeffentlichkeit in frechen Posen geistig schauturnt,\nsie hätte Heinrich Glücksmann am offenen Grabe\nseines großen Freundes Maulschellen anlegen müs-\nsen. Er verewigte sein Buhten um den Beifall der\nReporter und der Zeitungsleser in einem „warm-\nem pfund e n e n\" Nachruf: „H ineinge \\V a C h -\nse n und hineingeboren in eine Zeit, die ihre\nTalente und schaffenden Geister auseinanderstreben\nund wir ke n lü eß , hast du mit der Gewalt\ndes Geistes ein Ziel1 gezeigt und dazu den Weg\ngebaut, ihn als Erster und Größter beschreitend\nund bis ans Ende gehend, eine Feuersäule, der\ndie Begeisterung der Jugend nachstürmte, deren\nLeuchtkraft aber auch in alle jugendlichen\nFreudeaufsdhwung strahlte.\"\nNoch eine Elegie\nDa ist doch Fritz Engel! ein anderer Kerl. Er\nwendet sich im Ulk mit einer selbstgefälligen Elegie\nauf den Tod eines berühmten Jünglings unmittelbar\nan das Publikum. Er tröstet es über das allzu frühe\nHinscheiden des Helden der jüngsten Georg Her-\nmannschan Romanarbeit, die Vor kurzem erschienen\nist, indem er unzweideutig von dem1 Recht singt,\ndas die überlebende Reklame behält.\n„Fahr' denn wohl, du Trauter meiner Seele,\nEingewiegt von uns'ren Segnungen,\nSchlummre ruhig in der Grabeshöhle\nBis wir feiern einst Begegnungen:\nNicht in Welten, wie die Weisen träumen,\nNicht in Himmeln wie die Dichter reimen —\nNein, o nein, du kleener Unglücksrabe,\nAber in der Buchausgabe.\nAus der Elegie wird mir bekannt, daßi Emil\nKubinke ein Friseurgehilfe war, der drei Bräute\nbesaß, unter einer Alimentenklage litt und sich\nschließlich selbstmordete. Und er sprach: „Wie\nist das Leben mieß!\" Und Fritz Engel1 reimt\nprompt: „Und der Parzen Faden riß\". Mit schwerer\nMühe sucht er die reinen Reime und findet sie nicht,\naber mit leichtem Gewissen beschmutzt er frech\nein ernstgewoHtes Gedicht.\nAber dessenungeachtet Verdient Fritz Engel' für\ndie Fußnote zu seinem Gedicht, „der Name des\nJünglings war Emil Kubinke, Fr. Schiller\", einen\nFußtritt.\nBerliner Theaterkritik\nMit Lg. zeichnet ein Musik-, mit M. L. ein\nTheaterkritiker m Ullsteinschen Diensten.\nLg. schrieb zur hundertsten Aufführung v'on\n„Toscia\": „Freilich, die Berliner Tosca ist auf\ndi e bei d e n Augen der Labia ges t e 1111.l111.\nIn so glänzender Darstellung wirkt die Gestalt fast\nÜberzeugend.\" Zuvor aber sagt er, daß selbst ein\nfestgesdhmiiedetes ästhetisches Rüstzeug nicht Stand\nhalte Vor der Wirkung eines geschickt aufgebauten\nmusikaEsdi dramatischen Kunstwerkes. Doch:\n„Die Berliner Tosca ist auf die beiden Augen der\nLabia gestellt\", das ist Insztig, wenn auch die\nVorstellung, daß etwas auf die schönen Augen der\nLabia gestellt ist, schmerzhaft sein mag.\nM. L. Hinwider berichtet in einer Kritik über\ndie Aufführung Von „Ueber unsere Kraft\" am Neuen\nVolkstheater: „Die Kinder Sangs lagen in den\nHänden von Otto Montua und Annaliese Wagner.\nSo bringt IM. L. in den toten Schematismus der\nlandesüblichen, altbewährten und beliebten Kritiken\nLoeben.\n\nMechthildis\nVon Mynona\nMechthiMis, ein Mädchen von lockeren Sitten,\nbegab sidh auf die Straße, ürri Unterhalt und Unter-\nhältung zu suchen. Sie trug einen jovial aus-\nsehendem Regenschirm; ihre Absätze waren schel-\nmisch. Mit Schnaps iml Magen und sündiger Fröh-\nlichkeit im Herzen musterte sie die vorübergehenden\nMannsleute. Ihr war es eigentlich gleich, aber sie\nWahrte den Schein. Ein Herr mit blauer Brille\nund einer gewissen lüsternen Energie erregte die\nAufmerksamkeit dieses zarten Kindes, und man kann\nsich denken, wie hocherfreut es war, als er es\nwirklich ansprach. Er ging mit auf das Zimfrier\nder Mechthildis. Eift blaues stummes Kabinett, ganz!\ngleichgültig brannte eine Lampe. „Mechthildis\",\nsagte die blaue Brille und funkelte vollkommen\nhochmütig, „sei verflucht! Um so mehr als —\"\ndamit brach er ab. Alb sie sich nun beide hoch-\naufatmend wieder gegenüberstanden, lachte Mech-\nthiMis mit einem Mal sehr beleidigend. Der Herr\nspürte das heraus und setzte sich, denn er war\njetzt zu müde, um Beleidigungen stehend zu ver-\ntragen. „Mechthildis\", sagte der Herr mit leiser\nwehmütiger Stimme, „was zwischen uns sich er-\neignet hat, berechtigt dich keineswegs, heraus-\nfordernd gegen mich zu werden\". Danach gab'\ner dem Weib ein Goldstück. Im selben Moment\nfladkte die Lampe auf, die bis 'dahin teilnahmlos\nwie ein Mensch gewesen war, und erlosch. Wir\nalle haben es schon an uns erfahren, daß Finster-\nnis die Ehrlichkeit in Gesellschaft begünstigt. So\ngeschah es auch hier. Mechthildis, bis jetzt so\nsanft wie ein Faß Pulver, das kalt steht, explodierte,\nweil es niemand sah. Sie puffte den Zylinder des\nHerrn und spie hinein. Sie zerschlug die Brille\ndes Herrn auf seinem Antlitz. Sie kratzte sich selbst\nblutig. Sie brüllte wie ein sterbendes Ferkel.\nKurzum, sie benahm sich ohne ersichtlichen Grund\n— überdies war es finster — so ungebärdig, daß\nder Herr endlich die Geduld verlor. Nicht als ob\nder Herr sich irgendwie gewehrt hätte! Aber er\nsuchte ihr mit eindringlichen Worten deutlich zu\nmachen, daß ihr Benehmen Mängel aufwiese, unter\ndenen er litte. Leider schien es in Mechthildens\nInteresse zu liegen, diese Von edler sittlicher Strenge\nZeugnis ablegenden Worte zu überhören. „Zünde\",\nsagte sie endlich, „lieber die Lampe an, du Lackl!\"\nAls sie wieder auf die Straße gingen, stieß ihn\nMechthildis in die Seite! „Schatz, du nimmst es\nmir doch nicht übel?\" Der Schatz gab ihr sogar\neinen Kuß. Diese Dinge sind eben nicht so schnur-\ngrade zu motivieren. Sie gehören in eine Geschichte\nder seelisdhen Ueberwältigungen. Zwischen Mech-\nthildis und dem Herrn, der kurz zuvor noch eine\ntadellose blaue Brille getragen hatte, war unter den\nprosaischsten Umständen jene Intimität vor sich\ngegangen, welche die poetischsten verlangt. Man\nsollte sich also über die ungewöhnlichen Wirkungen\nihres jZusammenseins ,nicht wundern.\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nEMILE VERHAEREN\nDramen: Das Kloster\nLeipzig Inselverlag\nGABRYELA ZAPOLSKA\nWovon man nicht spricht / Roman\nBerlin Oesterheld & Co. Verlag\nSAMUEL LUBLINSKI\nDas werdende Dogma vom Leben Jesu\nZweiter Band des Werkes. Der\nurchris 11 iche Erdkreis und sein\nMythos\nJena Eugen Diederichs\nHERMANN WAGNER\nDie rote Flamme / Novellen\nVerlag Georg Müller München\nShakespeare in deutscher Sprache\nHerausgegeben und zum Teil neu übersetzt von\nFriedrich Gundolf / Gesamte Ausstattung\nvon Melchior Lechter / Fünfter Band-'\nKönig Heinrich der Sechste / Zweiter und dritter\nTeil: König Richard der Dritte\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich - Ungarn :\nI. V.: Oskar Kokoschka\n\nWochen-Spielplan der Berliner Theater\n, Dienstag Mittwoch I Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\nOktober 18 19 20. 21. 22. 23. 24. Spielplan:\nWintemärchen [ Jndith [ [ D°P oarl°3 | P°° Sumurftn * Die thörichte Jungfrau\nKammerspiele Der Grat von und «S« Gawan TTS* =FraUen\nSchumannstrasse 14 Gleichen (jer jrrungen R'n& der Irrungen i ocneiaeweg der Irrungen Der Moloch\nLessingtheater Einsame Wenn der junge Wenn der junge n Kon.art Wenn der junge Wenn der junge Einsame Neues Theater Der Stier VQn 01ivera\nFriedrich Karlufer 1 Menschen Wein blüht Wein blüht D Wein blüht Wem blüht Menschen Scbiffbauerdamm4a|s\n. ■■■■ i nu.< ii ■ ..i.t. ..i I> - «tu. i.in>..mw.u» in.i 1..'.,. njmay ■ i ■ \"\"Mi» -I- i ' \"\nFHeÄr.Äa Die Boheme De* Die Boheme |z°?Xngen Die Bohtoe Die Boheme Tiefland Noblesse °blige\nNeues königliches Romeo Samson Tristan iirflrtnmPßiitterflv GastsPielCarnso: Trianontheater Pariser Witwen\nOperntheater Sinfonie-Konzert und Jlllia und Dalila tochter lmd Isolde Madame Butterfly oarmen pr. Friedr. Karistr. 7 i anser WltweD\nKönigsplatz 7 fuppeniee — _\nNeues ~ Gastspiel Trieseh Gastspiel TrieschlGrastspiel Triesch Der Tartüff Gastspiel Triesch Gastspiel Triesch Der Tartüff Neues\nSchauspielhaus Jungfrau von Jungfrau von Jungfrau von Der Herr von Jungfrau von Jungfrau von Der Herr von Operettentheater De* Graf von Luxemburg\nNoiiendorfstrasscil|i2 Orleans Orleans Orleans Pourceaugnac Orleans Orleans Pourceaugnac Schiff bauerdamm 25\n~~7 ~ ~~ t~\\• ry Erster Klasse Erster Klasse Erster Klasse — 7pn£slir Theater des\nKleines Theater Die Zensur Die Zensur Die verflixten Die verflixten n ♦ v Die verflixten tw T iphLtrank Westens Die schönste Frau\nUnter den Linden 44 Der Liebestrank Der Liebestrank Frauenzimmer Frauenzimmer r kiebestrank Frauenzimmer Kantstrasse 12\nSchauSlhans j Unbestimmt Der Krampu» P™Vomburgh Der Krampus Colberg Der Krampus 6 BetÄIÄS Hurrah - Wir leben noch!\nGensdarmenmarkt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.7", "texte": "Verantwortl. f. d. Anzeigenteil: A. Bots t Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle and Anzeigen - Annahme: Berlin W. 35 / Lmick v. Hans Walter, Berlin SW.I 3\n\nueue Secession\nflraphische Russfellung\n1910\n1. Ohtfober bis 1. December\nin 9er\nOaferie JTlaximilian Illachf\n®SSI [SSS ISSSI [SSS GSSSI ISS3\nBerlin ID., Ranfie-Sfrasse 1\nan der Kaiser tOilhelm OeOSchtnis - Kirdie\nj"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101020-01.1.8", "texte": "Auslieferung für Ost rreich-Ungarn A. Mühlbans-Smitai Wien IX / Für den Buchhandel: M. Braunschweig Wien IX / f'erantwortl. für die Schriftieitung in Österreich: I. V.: 0, Kokoschka\n\nfritz Mittlfiofkimstbandlung\nPoisdammtrasse m Uiila II Berlin 01 Pofsdanierstrasse m Uiila II\nHerbstausstellung von Werken der Maler:\nTorn Stadler * 0. Br ioschi * E. Stort * E. Oppler\nUhde - Ziigel ♦ Trubner * Leibl * Feaerbach etc.\n■ ——jm— :m\nWochentags von 10—5 I Sonntags von 12—2 geSffnet\n\nDie Kindermikh nach Prof. Dr. Backhaus kommt der Muttermilch am nachsten.\n■V.\nK\nBackhaus-Milch\nMilch\nh\nIch\nFrauen\nu\nm\n3 V * / 2/3 V S 1 2/3 V «?'\n1 2\nTrockensubstanzen von je 1 Liter Kuhmilch, Backhaus-Milch und Frauenmilch,\n1. Milchzucker — 2. Fett — 3. Eiweiss — 4 Kasein — 5. Salze\n\nDr. Rudolf Bluernner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nBERLIN W 55 Telefon: AmtVl, 1769\nSpichernstr. 7 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nDer schotiste Punkl\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengeseiUcbaft dcs mauerstr. $6°ss\nTelephon I, 7497\n\ni_M !ll! 11 111111l 11111111111 111 I L!;\n|DieSaM|\ng HERAUSGEBER 1\nM Karl Kraus 1::\n|:: Nr. 307/8 » |\njj soeben erschienen J\nm Preis 50 Pfg. 5\n1 ÜBERALL ERHALTLICH 1\nriiiisiii ii riiiini 11 iriiiin\"^\n\n■MMI\nimi\n/ \\\nVerlag „Der Sturm\"\na\nWir iibernahmen inunsernV erlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\n| Fur Gesang u. Klavier /52 Seiten\ns\n■\nS DREI MARK\n9\n3\n«\n■\nV\n9\n| Durch alle Buch- und Musi-\n| kalienhandlungen oder direkt\n1 durch den Verlag- DER STURM\njg Halensee / Katharinenstrasse 5\na\n««>■■■ jSßaaßataßBS«aHßHaaßßiiii\n\n€nm Universal-Zeifunas-\n/. .flusscbnitt'Bureau\nBlramstr. 18 MUBCIKtt X C«kfonBJs7\nman verlange Prospckl!\nIPXHPQaBRrJBCFS£K2ZS-fyytggJ •\n\nK\n111/fur*«s\n» ' ./ ■\n_ ■ ;\nv .- '\n~ ;■ ■ ; ' V.\n•c• v ■\ny ' •'' ' ■ '' * J\"' ■'* ? \" 'S\"' ■\n.- .V <**•'* *- :v '% ; V -'-\nMill\n-J-T ¥&&*»<\n>.-***£& jtiM\n•r--\nWenn bas von tynen bister gebraudjfe (Dunbwaffer 3U\n€nbe iff, fo empfetylen wir Iljnen, an beffen Stelle einen\nVerfud} mit Kosmln 3U madden. Sie werben finben,\nbafe Sie biefes in gan3 befonberem (Dafee befriebigt, benn\nKosmSn Ijat iiberaus erfrifrfjenben Wotygefctymacfc,\nhonferviert bie 3al)ne unb kraftigt bas 3al>nfleifd>\nslafd)e CDk. 1.50, lange überall kauflicl).\nfa\ny\n/■■ •' ,/,■ • ' •\n/ ii> jf ,"}]}