{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_sha256": "51ca74abd91c5d9b0405aa8cc653aadd307e1adfcb70303d9d9d6a6f8545eb8c", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/10/27_01/bmtnabg_1910-10-27_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/10/27_01/bmtnabg_1910-10-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "275", "page_fin": "275", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.1", "debut_caractere": 534, "fin_caractere_exclue": 807, "texte": "INHALT:\nKARL HAUER: Von den fröhlichen Menschen / PETER HILLE: Das Mysterium Jesu / PETER BAUM: Liebespsalme / PAUL SCHEERBART: Der Wetter-\nprophet / ALFRED DÖBLIN: Antikritisches / TRUST: Moloch /J. A: Vom Tage / ELSE LASKER-SCHÜLER: Weltflucht / Musik von HERWARTH WALDEN"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "275", "page_fin": "275", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.2", "titre_corps": "Belauscht!", "titre_sommaire": "Belauscht!", "signature_source": "Oskar Kokoschka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.1", "debut_caractere": 809, "fin_caractere_exclue": 856, "texte": "Belauscht! 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Früher\nhieß es: sei tugendhaft, gerecht, mitleidig, weise;\nheute hört man wohl auch : sei stark, rücksichtslos,\nschön. Es ist aber noch nicht gelungen, auch nur\nfür eine einzige dieser Forderungen eine Begrün-\ndung zu finden, die allen Menschen einleuchten\nmüßte, und die berühmten Lehrer der Menschheit,\nauf die man sidh bei, solchen Forderungen beruft,\nhaben sidh immer nur al's sehr anmaßliche, von\nEinbildungen geplagte Leute entpuppt, die uns\nweider etwas erklären, nodh uns helfen können,\nwenn wir uns nidh't selber helfen.\nDas Leben selbst fordert nur eines vion uns:\nsei fröhlich! Und dies heißt nichts anderes als:\ngrüble nidht über das Leben, sondern freue dich\nseiner. Alles andere ist Wahn! Gerechtigkeit ist\nvielleicht nur Ueberhebung, Mitleid nur Schwäche,\nWeisheit nur Einbildung, Schönheit nur ein äußerer\nFirnis, Stärke (nur grobes Wüten. An der Fröhlichkeit\noder Traurigkeit aber kann nichts Falsches, Zweifel-\nhaftes oder Schwankendes sein. Wenn ich fröhlich\noder traurig bin, so bin idh! es zweifelsohne. Und\nwie es auf Erden nichts Zwiespältigeres, nichts\nZerrisseneres gibt, als den traurigen Mensdhen, so\ngibt es audh keine höhere Harmonie ah den fröh-\nlichen Mensdhen.\nWenn wir den Wert einer Zeit oder Umgebung\ndanach bemessen, ob sie angetan sind, fröhliche"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 13001, "texte": "Menschen zu erzeugen, und zu begünstigen, oder\nob sie angetan sind, die Fröhlichkeit zu beschrän-\nken und zu unterdrücken, dann ist jede Zeit, in der\nder sogenannte Ernst des Lebens vorherrscht, in\nder alles in praktische Zwecke eingespannt und Vom\nKampf um die bloße Existenz verdüstert ist, eine\nschlimme Zeit. Wenn wir Fröhlichkeit und Kultur\nals dasselbe, als die zwei unzertrennbaren Erschei-\nnungsformen der Harmonie des Lebens betrachten,\ndann ist eine unfröhllidhe Zeit, nur die Vorform\noder die Verfallsform einer Kultur, ein Uebergang\noder ein Untergang. Nur darf man den Fröhlich-\nkeitsgehalt einer Epoche nicht mit wehleidigem\nHerzen prüfen, aus geschichtlichen Tatsachen allein\nläßt sich überhaupt nicht auf die Vorherrschaft Von\nHeiterkeit oder Ernst sdhlüeßen. Und dem kurz-\nsichtigen Blick eines Historikers mag oft eine Zeit\nbesonders düster und von Schrecken erfüllt vor-\nkommen, während der Sehende in den [unterlassenen\nGeistesspuren gerade dieser Epoche, deren ganze\nsogenannte Geschichte Krieg, Rache, Mord und\nGrausamkeit bilden, eine besonders strahlende Hei-\nterkeit, eine unbändige, überquellende Lebenslust\nentdeckt. Die Grausamkeit des Griechentums war\neine furchtbare, Homers Gesang besteht aus\nSchlachten, Morden und Foltern, aber welch eine\nkindliche, herzerquickende Fröhlichkeit leuchtet aus\ndiesem Gesang hervor! Weldh späterer Ausfluß\neines Volksempfindens kann sidh damit vergleichen.\nDie Fröhlichkeit hat ganz und gar nichts mit\nder sogenannten Humanität zu tun, sie ist vielmehr\nin vieler Beziehung recht eigentlich ihr Gegensatz.\nHumanität in unserem Sinne war ursprünglich ein\nProdukt der Not, ein ökonomisches Prinzip. Die\nHumanität beginnt, wenn der Mensch vor allem auf\nseinen Wert als Arbeitstier hin abgeschätzt wird,\nund isie verzärtelt nadh und nach die lebendigsten,\ndie l!ustauslösenden Triebe, sie Verbindet sidh mit\neinem Gefühl der Furdht Vor jeder starken Lust\n(Gewissen), sie madht wehleidig und legt sich wie\nReif über die naive Fröhlichkeit.\nMit der Humanität beginnt der leidige Ernst\ndes Lebens, die Trübsal des Daseins. Mit der\nHumanität beginnen auch die Rechte auf Kosten des\nRechts, der natürlichen Macht des Ueberlegenen.\nRecht ist von Hause aus natürliches Vorrecht, und\nalle Würde ist von Hause aus die Würde eines\nVorredhtes. Mit Rechten und Würden aber, die\nsidh auf alle verteilen, mit Mensdhenrecht und Men-\nsdhenwürde müssen Redht und Würde faktisch zum\nTeufel gehen. Wo begegnen wir heute — da jeder\nauf seine Menschenwürde pocht — wahrhafter\nWürde ? Würde ist natürlicher Wert. Würde setzt\nein frohes Gemiüt voraus oder wenigstens Sicher-\nheit und Glauben an sich selbst. Es ist einer der\nstärksten Einwände gegen unsere Zeit, daßi man\nheute allgemein die Würde — das Wertbewußt-\nsein, den Ausdruck frohgemuter Sicherheit — mit\ndem Ernst verwedhselt, der der Ausdruck der Furcht,\nder sinnenden Besorgtheit ist.\nDie innere Möglichkeit der Fröhlichkeit ist\njedem Menschen ohne Ausnahme gegeben. Erst das\nVerlassen der natürlichen sozialen Schichtung und\ndie Verlockungen einer falschen Freiheit berauben\nden Menschen dieser Möglichkeit. Wer nicht an\nder Stelle steht, die seine Natur ihm anweist, wer\nfrei sein will, ohne sich selbst beherrschen zu\nkönnen, der wird notwendig zum unfröhlichen Men-\n• sehen. Die Freuden, die ein solcher sucht, sind\nin Wirklichkeit Betäubungen seiner inneren Freud-\nlosigkeit. Freudlosigkeit ist nach; einem guten Wort\nNietzsches die Mutter der Ausschweifung. Fröh-\nlichkeit ist Wohlsein von innen aus, ein Gefühl\ninnerer und äußerer Harmonie.\nEs gibt eine Fröhlichkeit der Bescheidenheit\nund Verehrung, und es gibt eine Fröhlichkeit der\nUeberl'egenheit und des Wohlwollens. Die eine\nerwächst aus der Lust, eingereiht zu sein in eine\nfeste, natürliche Ordnung, gelenkt zu werden von\nFührern, zu denen man mit gutem Vertrauen auf-\nblicken kann, und benutzt zu werden zum sicht-\nbaren Wohl! eines Ganzen. Die andere Fröhlich-\nkeit erwächst aus der Lust, zu ordnen, zu lenken,\nzu schaffen. Der Glaube an die Führung und der\nGlaube an sidh1 selbst finden in der Fröhlichkeit\nihren Ausdruck. Es besteht eine tiefe Kluft zwischen\nMensch und Mensch, die Fröhlichkeit allein Vermag\nsie zu überbrücken. Und daßi es ein natürliches\nOben und Unten gebe, ist wiederum ihre Voraus-\nsetzung. Die eine Art Menschen kann nur fröhlich\nsein, wenn sie sich begrenzt fühlt, wenn sie ihren\nguten Willen und ihre kleine Nützlichkeit geschützt\nund behütet weiß vor dein unzähmbaren Wilden,\nvor dem ewigen Barbaren in ihr selbst: dies ist der\nZustand, den das Volk sich wünscht, um guter\nDinge zu sein — das Volk, solange es noch nicht\nVon Demagogen verführt und verhetzt ist. Die\nhöhere Art des Menschen, die schaffende, kann nur\nfröhlich sein, wenn sie sich unbegrenzt nach außen\nfühlt, denn sie hat ihre Grenzen in sich, sie re-\npräsentiert den gebändigten Menschen, den Men-\nsdhen der Selbstzucht.\nDie Hauptquelle allgemeiner Unfröhlichkeit,\nallgemeinen seelischen Unbehagens ist Freiheit, mit\nder man nichts zu beginnen weiß. Die größte\nLast, die auf eine Seele gelegt werden kann, ist\nSelb s tbes timmu ngs recht Und das größte Ver-\nbredhen der Machthaber unserer Zeit besteht darin,\ndaß sie, um ihre Madht, der sie innerlich nicht\ngewachsen sind, äußerlich zu behaupten, denen\nein Selbstbestim'mungsreCht geben, diie diese Last\nnicht tragen können, weil1 sie nicht mündig, nicht\ngeschult, nicht kultiviert genug sind: dem Volk,\nden Frauen, der Jugend.\nMan wird einmal1 vom Wahn der demokrati-\nschen Prinzipien erwachen, und mit vierwunderten\nAugen erkennen, was man für Wahrheit und Ver-\nnunft gehalten hat. Denn mit dem gleichen Recht\nfür alle wird das natürliche Gleichgewicht einer\nGemeinschaft aufgehoben, und alles in dieser Ge-\nmeinschaft gerät ins Rollen. Niemand fühlt sich\nmehr fest und an seiner Stelle, niemand fühlt sich\nmehr eingegliedert in ein organisches System ; alles\nwird unsicher, schwankend, ein Für - Sich ohne\nzwingenden Zusammenhang mit seiner Umgebung;\nnichts wird mehr von heilsamen Notwendigkeiten\nbewegt. Eine erkünstelte, steten Veränderungen\nunterworfene Ordnung (der sogenannte sozialle Fort-\nschritt) tritt an Stelle der natürlichen und unver-\nänderlichen Ordnung der patriarchalischen Gemein-\nsdhaft. Es gibt kein wirkliches Ueber und Unter\nmehr, keinen Zusammenschluß zu organischen und\ndaher Hebens fähigen sozialen Gebilden, keine soziale\nSynthese.\nDer Fortschritt der Demokratie ist für den von\nGegenwartsphrasen nicht Verdummten Beobachter\nein Prozeß der Auflösung, des fortschreitenden Aus-\neinanderfallens, der Atomisierung des sozialen\nLebens: eine soziale Diathese. Die Anbetung des\nletzten Zerfallproduktes, des Atems oder Individu-\nums, ist nicht etwa — wie man heute vielfach\nglaubt — eine Reaktion gegen die demokratische\nNivellierung, sondern vielmehr deren logische und\nletzte Konsequenz. Im losgelösten, selbstherrlichen\nund unverant wtor t lidhen Individuum des christlich-\ndembkratisdhen End-Ideals ist jede Möglichkeit einer\nKultur des Genius und jede Möglichkeit der Fröh-\nlidhkeit erstorben. Denn Genie und Fröhlichkeit\nsind im tiefsten Grunde eines und dasselbe: der\nlebendige Zusammenhang des Einzelnen mit allem>\nwas ihn umgibt. Fröhlichkeit ist Harmonie, Drei-\neinigkeit von Gemeinschaft, Individuum und Natur,\nHeiligkeit der Ordnung, Glaube an die Ordnung.\nSeelische Verdüsterung ist Disharmonie, Aus-\neinanderstreben von Individuum und Gemeinschaft,\nvon Leben undj Natur, Unbeständigkeit der Ordnung,\nNeuerungssucht und Kritizismus. Dies alles sind\naber Kennzeichen des modernen Lebens, und gerade\ndie besten Menschen leiden am meisten unter der\nallgemeinen seelischen Verdüsterung, die heute wie\nein giftiger Nebel über dem Leben lagert. Die Men-\nsdhen, die mit der reichsten innerlichen Möglich-\nkeit, fröhlich zu sein, ausgestattet sind, müssen heute\ndie Verdüstertsten und Verbittertsten sein. Die\nObersten und Untersten sind heute die Kränksten,\nnur das menschliche Mittelgut ist noch halbwegs\nversdhont, aber von Oben und Unten wird das\nKrebsgeschwür der Zeit sich bis zur Mitte durch-\nfressen: vielleicht ist es ein Gesundungsprozeß.\nVielleidht kommt ein Anfang nach einem Ende.\nDem Volke Selbstbestimmungsrecht geben,\nheißt das Volk unfehlbar zum Gesindel machen,\ndenn mit der Freiheit wächst die Begehrlichkeit\nins Ungemessene. Ein Volk ist eine Masse von\nnatürlichem Zusammenhang, und natürlicher Struk-\ntur, eine Masse, in der Zufriedenheit und Fröhlich-\nkeit herrschen kann; eine ungegliederte Masse aber,\ndie bloß durdh Begehrlichkeit und Unzufriedenheit\nzusammenhängt, eine Masse, in der die mit dem\nSelbstbestimimungsredht Unreifer unausbleiblich Ver-\nknüpfte materielle und seelisdhe Verlotterung jeden\nKeim der Fröhlichkeit erstickt, eine solche Masse\nist ein Gesindel. Das Merkzeichen des Gesindels\nist, daß es nicht fröhlich sein kann. Was beim\nGesindel Fröhlichkeit heißt, verdient diesen Namen\nnicht. Das Gesindel kennt kein Wohlgefühl aus\nsich heraus, es braucht stets einen äußeren Anlaß\noder eine Betäubung, um sich wohl zu fühlen.\nEs kann sich „diebisch freuen\", wenn seine Be-\ngehrlichkeit für einen Augenblick gestillt wird, es\nkann sich „kanibalisch wohl fühlen\", wenn seine\nstets wache Schadenfreude sich ergötzen darf, und\nes kann „ausgelassen vergnügt\" sein, wenn es\ngaffend eine Sensation mitmadht, oder wenn\nTrunkenheit es seine geheime Trauer vergessen läßt,\nwenn es Von der Trauer einen Augenblick aus-\ngelassen wird. Niemals aber kann das Gesindel\ninnerlidh fröhlich sein. Schon sein Blick zeigt es,\nhinter dem stets der mißverstehende Neid hervor-\nlugt. Es kann sich den Höherstehenden nur als\nGenießenden vorstellen, als den Menschen, der das\nbesitzt und genießt, was es begehrend entbehrt.\nEin schauerlicher Irrtum des Gesindelgeistes! Und\ndas heute in sehr hohe Regionen reichende Parvenu-\ntum gibt diesem schrecklichen Irrtum einen noch\nschauerlicheren Anschein von Wahrheit. Trotzdem\ngibt es kein härteres, kein entsagungsreicheres\nLeben, als das eines von der Natur zum Lenker,\nzum Voranschreitenden bestimmten Menschen. Als\ndas Leben, eines Sich-Verantwortlichen! Sein Glück\nberuht in nichts weniger, als in materiellen Ge-\nnüssen. Darin beruht gerade das Glüdk des kleinen\nMenschen, der frei von großer Verantwortung seine\nArbeit leistet und dafür eine frohe Behaglichkeit\ngenießen darf, Fluch dem gewissenlosen Deirna-\ngogentum, das ihm diese Behaglichkeit vergällt und\ndie Zufriedenheit raubt! Fluch denen, die ihm\nsdhon das Frühstück mit dem Morgenblatt Ver-\ngiften, und die ihm den Feierabend durch eine\npolitisdhe Versammlung wegstehlen!\nIst die demagogische Verhetzung des Volkes\ndas tragisdhste Schauspiel1 der neuen Zeit, so ist\ndie unter der Patronanz gehirnloser Männer sich\nbreitmachende sogenannte Frauenbewegung das\ngroteske Schauspiel dieser Tage. ,Die Frau war\nbisher für den Mann der vornehmste Quell der\nFröhlichkeit, denn die Frau ist in höherem Grade\nals der Mann ein Gefäß veredelter Natürlichkeit.\nDie Erhaltung und Veredlung der weiblichen Natür-\nlichkeit ist eine der vornehmsten Aufgaben wirk-\nlicher Kultur, denn diese Natürlichkeit ist der\nJungbrunnen der Menschheit. Und wenn der Geist\ndes Mannes sich nicht mehr an der Natur des\nWeibes beleben und erholen kann, dann altert\nJ ;\ndie Menschheit und wird greisenhaft und un-\nfruchtbar.\nDaß frian nun die Frau, die bestimmt ist, durch\nFröhlichsein froh zu machen, mit sozialen und\npolitischen Rechten beglücken will, darin zeigt sich\nin grotesker Weise der ganze Jamlmer einer um\nalle Vernunft, um allein natürlichen Instinkt ge-\nkommenen Zeit. Aber die Fröhlichkeit der Frau\nwird schon vor dem Sieg der Frauenbewegung\nsterben, denn sdhon vor diesem Sieg wird es keine\nMänner mehr geben, für die und durCh die die\nFrauen fröhlich sein könnten\nSo bliebe nodh die Kunst als Quelle der Fröh-\nlichkeit. Damsit aber die Kunst eine Quelle des\nFrohsinns sei, muß Frohsinn die Quelle der Kunst\nsein, die Kunst, djie in ihren großen Zeiten eine\nFolge, ein Ausfluß, eine Begleiterscheinung der\nFröhlichkeit war, soll in unserer Zeit die wunder-\nwirkende Bringerin, die Erzeugerin der Fröhlich-\nkeit sein, die nidht Von Natur aus in den Menschen\nist. Wunderlichster Irrtum1 einer kranken Zeit!\nDaher wird heute soviel Kunst gemacht, und\nals berauschendes Narkotikum konsumiert. Ehe-\nmals aber war viel ungeimadhte Kunst, viel un-\ngesuchte Anmut und Größe, viel heiteres Linien-\nspiel1 und viel Musik. Es war in den Dingen, in\nden Menschen und im Leben selbst! Einst war die\nKunst ein zierender Rahmen der Lebensfröhlichkeit,\nheute ist sie eine vom Zusammenhang mit dem\nLeben l'osgetrennte Berauschun gsm asc'hinerie\nDer fröhliche Mensch ist heute nicht nur kein\nZiel! der Bewunderung, er wird sogar mit Miß-\ntrauen, ja mit Veradhtung betrachtet. Er wird nicht\nernst genommen, weil er über dem Ernste seiner\nZeit steht. Am meisten wird heute — wie im Rom\nder Verfallszeit oder wie bei den Indianern — der\nMensdh der starren Maske, der Mimiker seelischer\nUnbewegliChkeit, der stoische Mensch bewundert,\nder Mensch der Ataraxia gilt heute als höchster"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 863, "texte": "Typus, dem heimlich oder offen, bewußt oder un-\nbewußt alle nadhistreben. Das moderne Leben\nuntergräbt alle Wurzeln der Fröhlichkeit, denn es\nist ein System der Verwüstung aller natürlichen\nOrdnung. Die Predigt der Demokratie, die Politi-\nsierung der Massen durch Demagogie Von Unten\nund Abwälzung der Verantwortung von Oben, die\nVerödung des Geistes durch die Erzeugnisse der\nSchnellpressen und fortschreitende Maschinali-\nsierung des ganzen Lebens, Ueberproduktion und\nIndustrialisierung der Kunst, neben überhebendem\nAesthetentum, Verbrauch der Kräfte durch ein\nwahnwitziges Zuviel an unnütze Arbeit, die von\nMännern geförderte Frauenemanzipation: dies alles\nsind Ertötungen von Möglichkeiten des\nFrohsinns. Was dieser Zeit am meisten abgeht,\nist ein homerisdh'es Gelädh'ter über sie!\nAus einem demnächst bei Johada und Siegel in Wien er-\nscheinenden Essayband"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "277", "page_fin": "278", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.4", "titre_corps": "Das Mysterium Jesu : Aus de in Nachlass", "titre_sommaire": "Das Mysterium Jesu : Aus de in Nachlass", "signature_source": "Peter Hille", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.3", "debut_caractere": 865, "fin_caractere_exclue": 11860, "texte": "Das Mysterium Jesu\nAus de in Nachlass\nVon Peter Hille\nDer Heiland und das Weib\nDas Geschlecht der Liebe, das der Heiland\nheben und 'befreien [wollte aus der Sklaverei der\nLust zum Sdhwesterntum des Mannes, wie hätte\ner nicht vor allem dieses verstehen sollen und es\nlieben? Lieben mit der Liebe der Verklärung, in\nder nichts Einzelnes mehr zittert, die alle hebt und\nlehrt und bereitet, und keine verstößt jm! Vorzug\nder Einen?\nWeil er rein und unve Hängend über dem Weibe\nstand, war er ihm audh näher, trauter, das Ge-\nheimnis des heldenmütigen scheuen Geschlechtes,\nseine Bangnis schlichtend und ratend zu seinem\nBesten. Nichts nimmt sich der Mensch so leicht\nheraus als Raten, und nur Einer kann raten: Gott.\nAndere lieben zu oft das Weib nur zu dessen Ver-\nderben. Jesus aber liebte das Gebärgeschlecht, das\nLust und Opfer der Liebe, Gehorsam und Qualen\nzu mischen hat, alles dies weidsam Trübe zur Rein-\nheit der Liebe, reinsam zu seinem Heile.\nEkel ist der Schatten der Lust. So wandelt\nsich die Gemeinschaft der Lust leicht in die Ge-\nmeinsamkeit tdes Ekels, entzweit sich und lästert.\nDer Reine aber erkennt auch im Uebeln die Hin-\ngabe. So liebte Jesus das Weib, das gemütstief\nfolgsame Geschlecht und lehrte es lieben, ließ sich\nlieben von ihm und erzog seine Seele zur Freiheit,\ndie er ihm zu geben gedachte.\nUnd das Weib, das wie Verfolgte, wie Wild\nund Kinder witternde Geschlecht, erkannte seinen\nFreund, seinen göttlidhen Freier und bradhte ihm\nSalben, (die eis löste mit dem Tau seiner Seele1,\nehrfürchtige Demut und stillen Dankes tiefen Blick.\nRichter auf Erden\nEs ist mensdhlichem Hochmut einmal eigen,\nwenn jemand sidh frei fühlt von dem oder jenem\nhindernd erniederndem Trieb. Und findet am Nach-\nbar ihn, so geht er hin und verklagt ihn und will\nein Mal der Schände ihm auf gestempelt haben. Seine\neigene Häßlichkeit aber an anderer Stelle sieht er\nnidht, und sieht er sie, denkt er mit Reu und Gebet\nleicht sie abzubitten vor deml obwaltenden Gott.\nDodh des Geistes Gesetz ist die Gerechtigkeit.\nWunder der Allmacht zwar sind dem Geiste leicht,\nganz unmöglich aber jWunder des Willens. Gott\nkann keinen Geist beseligen wider seinen Willen\noder Wert. Marklose nützen da nicht.\nUnd dieses Gesetz eben heißt Gerechtigkeit, heißt:\nGott kann sein eigenes Reich1 nidht zerstören.\nDes unverzeihenden Schuldners Schwäche kränkt\ndie Reinheit des Geistes, wie aber kann ihn, den\nUnreinen, (ein anderes Unreines kränken? Kaum\nhat er Recht, es zu vermerken — und er will es\nahnden? (Alst ob (der Andere ihm verantwortlich\nsei! So sah der Göttliche, um den die MensChen-\nsinne jiur geworfen Waren wie ein Gewand der\nSeele, des • Redhts jämhierlichen Behelf, und wies\nihn puf.\nAllein der Sündenlose soll den ersten Stein\nWerfen auf die eingestehend Angeschuldigte.\nUnd hättei ein solcher sich gefunden, auch er\nhätte nidht strafen dürfen. Der Vorzug des\nseelischen Glückes, des eigenen .Vorrechts, das jhmi\ngeworden war, gab ihm1 kein Redht auf den seelisch\nminder Starken, minder Begabten.\nHartherzigkeit derer aber, die selbst Barm-\nherzigkeit sehr nötig haben, nimmt von ihrem\nHaupte, was sie andern weigern, nackt stehen sie\nnun da der strengen Gerechtigkeit, die zürnen\nwürde, falls sie (zürnen könnte.\nIm Reiche des (Geistes hört die Gewalt auf,\nda gibt es nicht Sklaven und Herrscher.\nNur Einer konnte die Sünderin strafen, der\nHeiland selbst. Aber ihn verlangte nidht nach Ver-\nletzung, sondern nach Genesung, so entließ er sie1\nmit Verzeihung zu einem besseren Leben.\nDer Umgang\nSage (mir, mit wem du umgehst, und ich will\ndir sagen, wer du nidht bist. Das gilt für jeden:\nder Umgang will Ergänzung, Andersgeartetes. Jesuis\naber hatte noch einen höheren Grund, alsb zu han-\ndeln. Um sich1 die Jünger, die künftigen Gefäße\nseiner Lehre, gern erbötig denen, die ihn aufsuchten\num Trost und Belehrung, vorsprechend bei Freun-\nden in der stillen, gegenseitig Geist und Gemüt\nnährenden Heiterkeit und gastlich herzlidhen Feier\nder Einkehr, suchte er nicht die Reichen und Mäch-\ntigen, die gesetzeiteln Pharisäer und Schriftgelehrten\nauf, die aus Hodhmüt leere Werke taten, auch nicht\ndie behäbigen Besitzer mittlem Standes. Die moch-\nten zu ihm kommen, wenn sie hungerten, aber sie\nwaren satt und (bedurften seiner nidht. Nein, die\nVorurteile brach er, mit den Geächteten ging er um,\nmit den schlecht Angesehenen, mit der offenkun-\ndigen, vom1 Hochmut der Tugendbolde, dem über-\ntündhten Moder der Seelb, dem Tode des Geistes\ngeächteten Sünde verkehrte er und trat ein in die\nWohnung (des Ausländers, des verhaßten Zollein-\nforderers fremdländischer Unterjochung, des\nHenkers des Handels und der Freiheit, denn längst\nvorüber waren die Tage der Makkabäer, der Hämmerer.\nDas waren die Gefäße seiner Gnade, sie erhob\ner, eine Lehre wollte er geben der Kleinlichkeit der\nöffentlichen Meinung — er, der göttlichen Ur-\nsprungs, sich dennoch schlidht des Menschen Sohn\nnannte.\nSo bradh er in die Vorurteile sein Geistesreich\nunendlichen Bruderfriedens und sah hoch hinweg\nüber die Vorurteile, die Enge des' vaterländisdhen\nAberglaubens'.\nArzt war er, und ging-, wo er Krankheit fand,\ner wollte gründen das Ueberreieih und suchte Bürger.\nDie sühnende Sünderin\nMan hätte den wunderlichen Meister von\nNazaret eingeladen, siidh' (zu Geimüte geführt —\nnicht den Wundertäter, den starken Sohn der Macht,\nden Geist in Gestalt.\nMan hat sidh diese Merkwürdigkeit kommen\nlassen, aber denkt nidht an Ehrerbietung, an gast-\nliche Pflicht.\nUnd (nun naht ein Weib: die Sünderin!\nDas Aergernis, was will's hier ?\nLodkere Sitten? Nein, hier wandelt man\nstrenger Satzung nach. Und so sdhliießen sich die\nMienen in verkniffner Lippe der Tugenddünker\nwiderstrebend über der eigenen Lüsternheit. Nei-\ngung allein hemmt Verweisung. Das Aergernis\nkniet, seine Seele fbadet in Zähren des Staub des\nIrdischen vom Füße wegstaubigen Wanderers.\nUnd alle die strengen Blicke fühlte es, das Aerger-\nnis — Blicke (in ihr Leben und in ihr befremd-\nliches Tun und Treiben. Und dodh ist sie Weib,\nsie muß sich spiegeln mit all ihrem blanken Emp-\nfinden im Lädhein der Umgebung. Mutig hat sie\ndiesen Zug bekämpft, als sie Sünde tat, der Lust\nzuliebe, \"mutiger besiegt sie auch die Verachtung\nder Freieren: Sie ist Geist.\nIhr Leib läßt die Sucht und dient in Demut\ndem Willen der Gottheit. Wie ein Mantel der\nGnade umhüllt sie das Haar, und demütig nimmt\nsie die schweren, vollen Ringel, um die duftende\nSalbe um die edeigefügten Füße des Gottesgängers\nzu führen. Das Salbengefäß, diese Graburne der\nEitelkeit, ist nun leer, köstlidh wie eine geläuterte\nSeele duften die schlichten Füße des Allgöttlichen.\nIn einsam strenger Sdhlankheit steht das Ala-\nbastergefäß Ida, immer aber kniet die Heimgefun-\ndene vor den göttlichen Augen. Auch sie fühlte\ndie gütigen Sonnen wie Wärme auf das! Bad, den\nsegnenden Regen der Rührung vollwilliger Reinheit.\nNoch kann sie nicht auf sich wagen, hinein nicht\nschauen, doch von all den Verachtenden um! sie\nweiß sie nichts jnehr.\nUnd nun sdhauert ihre Seele, ihr Sdheitel fühlt\ndie Gnadenhand kühl und lauter — sie ruht, die\nHand, und ist gegen: Gotteshand ist Gabe und\nGottesruhe Weihe. Der Heiland fühlt das Gesetz\nihrer reinen Liebe, seine seelensudhende Liebe hat\ngefunden (und freut |sich und wärmt. Der reine\nMann des göttlichen Willens versteht und gestaltet\ndes Liebesgesdhlechtes biegsame Seele. Höher als\nfeige Tugend, furchtsamer Kälte steht edle Ver-\nschwendung törichter Liebe, das kraftvolle Wilden-\nten1 des Willens. In seiner Göttlichkeit dankbarer\nRuhe lohnt der Hohe die Gabe gewendeten Lebens.\nIhr Salbengefäß der weltlichen Lust und Lockung,\nnun ist es leer, voll aber, über Rand und Zeit voll\nist nun ein Gefäß, das ehedem Staub nur barg und\nverwahrlosten Fleiß der Oede bezeichnenden Spinne.\nDie Besessenen\nErdbeben der Geister: Unerklärliche Unruhe\nfaßte, jagte und trieb sie auf die Menschen, diese zu\nbedrüdken, ihre Angst in ungeberdigen Bewegungen\nmitzuteilen und dadurch sich erleichtert zu fühlen.\nWas in den Menschen forschte, sie hierher und\ndorthin trieb, zu •Lehre und Richtung, zu Vater-\nl'andstum oder Anschmiegung ans Fremde: es hetzte\naudh (die Geister.\nUm nun der in ihnen furchtbarer, greller,\nungebrochener körperunverdumpfter sich zeigenden\nWendungsempfindung zu entgehen, luiri ihr und\nsidh zu entfliehen (und doch irgendwo Schutz zu\nfinden, verkrochen sich die Unvollkommenen und\nhinabgewandelten Geister bei den Menschen. Diese\nunreinen, ins Böse entschiedenen Geister der Un-\ndeutlidhkeiit, isie durfte der Meister nicht schonen,\ntmit ihnen durfte er kein Mitleid haben, wo es\nums schwebende Leben der freien, in Gleidhge wicht\nvorwärts schwankenden Menschennatur sich han-\ndelte.\nDa schnitt sein reinscharfes Antlitz, sein hart-\nruhiges Wort, seine schneidend schraubende, leichte\nHandauflegung sie aus ihren Sdhlupfwinkeln.\nDer Seelenseher\nAndere sehn die Gestalten, die Fehler und\nLockungen, Ergebenheit und Trotz, Schmeichelei\nihrer (äußeren Schicht.\nDer dauernde Geistempfinder, der von Gott ist,\nsieht nur die Wierdegestalt edler, sich mühender\nSeelen, und bei den Wenigen den köstlichen Geist,\nfür den sdhon auf Erden das Schleier spiel der Welt\nein Nichts ist. Er sieht die Liebe, wenn sie auch\nals Ausschlag, als zur Oberfläche tritt,\nals etwas aus zu großer Formbrunst Zergehendes —\ner sieht sie und sagt:\n„Ihr ist viel vergeben, weil sie viel geliebt hat.\"\nAuch die warm empfindende Sünderin ist rei-\ncher als der nüchterne geizige T ugendpocher.\nUnd so ist auch die Reue schön, wenn sie in ihrer\nTiefe Fieber ihre Höhe schaut.\nFrauen ;w,aren seines suchenden Erlösersinnes\nerstes Gefolge mit ihrer hingebenden, fassend die\nGnade, alle Gnade leidenden Seele. Erst das\nerstarkte, kräftige, körperlich tastbar gewordene\nSeelentum voller Sprünge und Einzeledken: das aus\ndem Einen ein Vieles gewordene — Moral — fassen\nund tragen auch die Männer; sie mit ihrem son-\ndernden Arbeitssinn mehren dann und opfern sich\nihm. Nur ganz Wenige aber dringen wieder hinein\nin den zarten Beginn und sind ruhig in ihm und\nmildfest. So war Johannes, so wurden die Gott-\nempfinder. jZur Vollkommenheit aber vereint sich\nbeides: Weibeszarte Frömlmigkeit muß männlich'\nheldenstark rühren, tätig sein, nicht leidend,\ngestaltend, gebend, frudhtbar — nidht fühlend nur\nund nehmend.\nJa, sie wollen Heil, die Mensdhen — aber von\naußen. Von Heute wollen sie hören, aber nidht\nden ,der die Ewigkeit redet. Das hindert den Geber,\nmacht ihn unfähig, hart und herb zu bitterster\nVerachtung das Wort des holdselig miit tiefen,\nernsten, seelenliebessehnsüchtigen Augen Sprechen-\nden. Er soll helfen. Man hindert ihn: das Ver-\nlangen, das enge Gebet schön schiebt beiseite seine\nGnadenhand. Aller Umstand — und sei er noch'\nso selig — kann nidht hinein in die unfertige,\nverunstaltete, nidht nach dem Geiste ringende Seele.\nSie wirft zu ihrer Genesung, zur Abwehr von\nKrankheitseLnschlüß, zur Verhütung blühend be-\nwucherten Uebels alles Glück hinaus, solange ihr\nZustand nicht lauter ist, nidht alles äußerlich Gute\nannimmt und wieder von innen heraus es verklärt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 659, "texte": "Gott kann nur anstoßen, das Lebensholde, die\nAusführung und Haltung kann jedem nur von dem\nihm innewohnenden, leicht verdunkelt und reglos\ngemachten, nahrungs- und ernährungslos verunstal-\nteten, Geiste kommen. Die Seele baut den Leib\nund das Glück, und die Seele baut den Geist.\nDer Geist aber ist Gottes.\nDas ist, was tdie Welt nicht kennt und es\nhindert: Idas Reich, [nicht von dieser Welt, das\nHimmelreich, das nur mit Gewalt, mit\nräumung jder Zufaltedhichten, (der Oberflächlich-\nkeiten des Lebens gewonnen werden kann.\nSo ist es auch mit der Kunst, der Verlaut-\nbarung ;des Lebens: auch! sie ist hinwegräumende\nGottes sucherin,\nAlles Tiefe geht zu Gott."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "278", "page_fin": "279", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.5", "titre_corps": "Liebespsalme", "titre_sommaire": "Liebespsalme", "signature_source": "Peter Baum", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.4", "debut_caractere": 661, "fin_caractere_exclue": 2218, "texte": "Liebespsalme\nVon Peter Baum\nI\nDeine Nächte klagen in meine Tage\nDurdh mein Träumen rieselt das Blut deiner Füße,\nO, ich will dir forttrinken alle Tränen,\nIch will dich tragen unter meine Wipfel.\nMeine Wipfel' sind kühl und voll Frieden\nUnd baden sich (hoch in tiefen Wassern.\nHimmels tiefen tropfen zu uns hernieder,\nAus ewigen Meeren durch heilige Wipfel.\nSchlummre du tief in meinen Armen!\nMeine Augen sind stahlhärte Engel: die wachen\nUeber deinem Frieden.\nII\nAlls du zu imir tratest,\nNachtzagende Wimpern hobst,\nWolken taten sich auf,\nZwei Sterne kamen.\nDie Angst deiner Sterne\nIst (älter als idu,\nVieler (Geschlechter Gram. •\nOft glaube ich, dein Lächeln\nUeb ersonne mich\nAus vielen großen Feuern.\nIII\nDeine Augen leuchten vor Dunkel,\nUnd ein spinnendes Weinen\nDeiner schwarzen Haare\nUeber da® Leinen.\nO dein blasses Gesicht,\nUnd wie deine schmalen Hände\nUeber die Kissen suchen —:\nRührendes (Stammeln\nEines sprießenden Liedes,\nDas blühen möchte.\nMeine Seele sucht mit dir.\nIV\nWenn die Rosen des Morgens aufstaunen,\nMöchte ich zu dir kommen!\nIch brächte deiner Btirne kühlen Tau\nUnd deinen Uppen Lachen.\nIn meinen Nächten schreckt mich deine Einsamkeit;\nSchmiege dich tief In die Fl'ügel meiner Seele ;\nDunkel rauschten sie über die Meere,\nBis sie zu dir sich fanden.\nV\nWenn Hie Nacht von dannen geht,\nWollen (wir uns aus dunklen Schalen\nUnser Blut reichten.\nEin Auge wollen wir sein und eine Seele\nSchauernd über der Täler\nBrennend klaren Kelchen.\nSiehst du den Morgenwind? 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Auch im\nOsten des asiatischen Kontinents ist vieles anders\ngeworden. Und so kam es, daß Li-Bari-Schin mich\nnoch an demselben Abend, an dem er mich kennen\nlernte, einlud, ihn an einem der nächsten Tage in\nseiner Villa zu besuchen.\nEr sandte mir eines Morgens ganz früh, gleich\nnadh Sonnenaufgang, sein Automobil, und nach\ndreistündiger Automobilfahrt empfing mich Herr\nLi-Ban-Schin im Portal seiner Villa zwischen zwei\ngroßen jweißen Porzellanhunden.\nDie Villa war eine Porzellan- Villa — außen\nblau und innen hellgelb. Schwarzer Sanimetbelag\nbedeckte [überall den IFußboden. Und die Hälfte\naller Porzellanfließen wrar sowohl innen wie außen\nbemalt. [Die Möbel bestanden aus geschnitztem\nEbenholz — tief schwarz, aber nicht poliert. Das\nKöstlichste steckte in den großen bunten plastischen\nPorzellanfrüchten, die in dekorativen Kränzen\nmitten in den Wänden und an Tür- und Fenster-\numrahmungen innen wie außen das Ganze belebten;\ndiese Weintrauben, Pfirsiche, Pflaumen, Aepfel,\nKirschen ,und Aprikosen erinnerten (ein wenig an\nitalienische Renaissance, obwohl da der Farben -\nreidhtum lange nicht so üppig hervortrat wie hier.\nDaß diese Porzellan-Villa in China entstand, dafür\nsprachen die Malereien, die durchaus in rein\nchinesischem Stil blieben i— und zwar in einem\nganz alten, dem man Verwandtschaft mit dejm\nmodernen 'Geschmack nicht nachsagen konnte.\nich (mußte zunächst mit Herrn Li-Ban-Schin\nfrühstücken. Es gab Tee, Cognac und mindestens\ndreißig chinesische Delikatessen — dazwischen Zi-\ngaretten und Zigarren. Ich hatte jedoch gar keine\nZeit, dieses Frühstück viel zu betrachten, denn der\nHerr (des Hauses 'war sehr gesprächig. Er hatte\nsich in jüngeren Jahren sehr lange in Berlin auf-\ngehalten (Und sprach 'fließend Deutsch.\n„Man hält mich hier\", sagte er lächelnd, „für\neinen Wetterpropheten. Aber ich bin eigentlich\netwas (mehr. Mir ,ist es eigentlich ganz gleich-\ngültig, ob es regnet oder schneit, ob es windig oder\nnicht windig ist.\"\nNun war idh natürlich sehr neugierig, ich ließ\nmir vom Diener Selterwasser geben — ganz! kaltes.\nUnd ich goß Oognac hinzu und rauchte zunächst\neine\nUnd Herr Li-Ban-Sdhin fuhr währenddem in\netwas nervöser Hast fort:\n„Wissen Sie\", sagte er gestikulierend, „ich\nglaube doch, daß man in Europa immer noch die\nSonnenenergie (unterschätzt. Und das geht doch\njetzt nicht {mehr. Die Natur der großen Sonnen-\nflecke ist für uns noCh immer ein ungeheuerliches\nRätsel; [daß sie aber Beziehungen zu dem Wetter\nin unserer Erdatmosphäre haben, das ist doch nicht\nmehr zu leugnen. Ist aber der Einfluß der Sonnen-\nfck-Energie auf die Erdatmosphäre nicht zu leug-\nnen, so muß man dodh auch annehmen, daß dieselbe\nEnergie auf die Menschenköpfe wirkt. Mithin haben\nwir Krisen, Kriege und Revolutionen mit der Son-\nnenenergie in Verbindung zu bringen.\"\n„Die Ansicht ist nicht neu!\" sagte ich leise.\nEin Diener putzte währenddessen einen FruCht-\nkranz, der uns gegenüber die halbe Wand bedeckte\nund 'mindestens einen Umfang von vier Metern\nhatte, blitzblank.\nHerr Li - Ban - Schin pfiff leise und gab dem\nDiener einen Wink, nach dem er sofort verschwand.\n„Ich weiß\", fuhr der chinesische Herr fort,\n„daß die Ansicht, die ich entwickle, schon vielfach\nausgesprochen worden ist. Aber noCh niemals ist\nmir die Wahrheit der Geschichte so eindringlich\nklär geworden, wie in diesem Sommer. Das Wetter\nist, wie Sie bemerkt haben, in diesem Sommer des\nJahres 1910 gänzlich unnormal. So unnormal\nwar's schon lange nicht. Und nun kommen überall\ngroße Krisen, Kriege und Revolutionen hinzu —\nin der Türkei, in Persien, in Portugal, in Deutsch-\nland — und bei uns auch. So viel passierte\nnoch niemals in einem Somjmer. Und dazu\nkommt jdie rapide Entwicklung der Luftschiffahrt,\nBleriot ist schon über den Kanal gefahren. Soll\nnoch mehr passieren? Glauben Sie, das alles hängt\nnicht mit dem Wetter und danach mit der Sonnen-\nenergie (Zusammen? Unser ganzes Leben ist be-\ndroht. Wir leben alle wie in einem Porzellanhause.\nMein Porzellanhaus ist symbolisch für unser ganzes\nLeben; gebrechliche Materie umgibt uns auf allen\nSeiten — gebrechliches Porzellan. Ich bin nicht\nnur ein Regenwetterprophet, ich will audh das\npolitische Wetter prophezeien. Und das ist es,\nwas idh Ihnen sagen wollte.\"\n„Ja\", versetzte ich ruhig, „Schwarzseher gibt's\naber in Europa schon genug. Wenn irgend etwas\nlos ist, glauben viele gleich, die halbe Welt könnte\nuntergehen. Aber diese Untergänge sind schon so\noft prophezeit, daß manche Leute gar nicht mehr\nängstlich tzu machen Sind. Das können Sie mir\nglauben.\"\n„Das ist es eben\", flüsterte er erregt, „nach\nmeiner Meinung sollen (die Leute audh gar nicht\nängstlich Werden. Aber es wäre doch gut, wenn\nsie darauf aufmerksam gemacht würden, daß ganz\ngroße Umwälzungen auf allen Gebieten des Lebens\nbevorstehen. Denken Sie an die Zeit, vor hundert\nJahren! Napoleon war noch nicht in Moskau. Man\nhielt die politischen Umwälzungen für sehr wichtig.\nEs war ein stürmisches politisches Wetter damals\nin Europa. Das politische Wetter hatte aber gar\nnicht so viel zu bedeuten; es war nur der Vorbote\nfür ein größeres Unwetter — für das Unwetter,\ndas durch die {Entwicklung der Eisenbahnen der\nGroßstädte, der Elektrizität und der ganzen Technik\nhervorgerufen wurde — das wir erlebt haben. Und\nso kündigt sich jetzt auch ein ganz neues, großes\niUnwetter an, und die politischen Stürme und die in\nder Atmosphäre sind nur Vorboten. Habe ich recht,\noder habe ich mcht recht?\"\nJetzt bekam ich zunächst wieder Appetit, und\nich sagte das — ich sagte gleichzeitig:\n„Sie müssen mir ein wenig Zeit lassen. Ich\nwill mir, was Sie sagen, ein wenig überlegen. Meine\nAntwort wird nidht lausbleiben.\nMit der größten erklärte er, daß\ner durchaus einverstanden sei, und er gab dem\nDiener ein Dutzend Aufträge.\nUnd ich aß jmit Löffel und Gabel von allen\nden dhinesisdhen Delikatessen, die jmir vorgesetzt\nwurden — von allen nur eine Kleinigkeit. Es war\nsehr delikat, und idh dachte über diesen seltsamen\nGastgeber nach, der schweigend dasaß und mit ge-\nsenkten Augen eine echte Kuba-Zigarre rauchte.\n„Idh bin\", sagte ich dann, als ich nicht mehr\nessen mochte, „eigentlich durchaus Ihrer Ansicht.\nDoch 'weiß ich iniCht, worin das neue Unwetter\nbestehen soll, das jetzt im Anzüge sein soll. Ich\nweiß es nicht.\"\nHerr Li-Ban-Schin zog seinen dunkelblauen\nSeidenmantel fester um seine Schulter und sagte:\n„Die Dampfbahn hat im vorigen Jahrhundert,\nwie Sie mir zugeben werden, ganz ungeheuerliche\nUmwälzungen hervorgebracht. Dagegen waren alle\npolitischen Umwälzungen und auCh alle Kriege des\nneunzehnten Jahrhunderts so gut wie gar nichts.\nDanach kam das Automobil, und nach dem das\nlenkbare Luftfahrzeug. Und dieses Lenkbare wird\nim zwanzigsten Jahrhundert noch mehr umwälzen\nals alle Dampffahrzeuge des neunzehnten Jahr-\nhunderts umgewälzt haben.\"\n„Ist es da {nicht\", fragte ich lachend, „sehr\nunvorsichtig, in einem Porzellanhause zu wohnen?\"\n„Das tu ich\", erwiderte er, „nur der Freude\nwegen, die ich am Symbolischen habe. Ich war\nam Ende des .vorigen Jahrhunderts in Paris und\nlernte da einige sogenannte Symbolisten schätzen.\nDoch ich weiß (nicht, ob Sie wissen, worin das\nGefährliche der modernen Luftschiffahrt besteht.\"\n„Nein! Ich weiß es nicht!\" sagte ich Jeise.\nUnd er fuhr fort:\n„Die Europäer überlegen sich die Sache immer\nnoch nicht. Es ist doch nicht mehr daran zu zwei-\nfeln, daß wir in kürzester Zeit sehr viele lenkbare\nLuftschiffe und sehr viele Gleitflieger haben werden\n— sie können bald nach Hunderten zählen — und\nbald nach Tausenden. Und dann wird der Mili-\ntarismus sich fast nur dieser Luftvehikel bedienen\nund alle anderen Vehikel wie eine Nebensache be-\nhandeln. Und man wird aus diesen Luftvehikeln\ndie gefährlichsten Sprengstoffe herauswerfen — und\ndie können überall hinfallen und alles zerstören.\nSind da nicht ungeheuerliche Umwälzungen zu be-\nfürchten? Ich bitte Sie Sie müssen ja blind\nsein, wenn Sie die nicht sehen. Was die Haager\nKonferenz sagt, ist dodh eine platonische Ge-\nschichte, um so was kümmern sich doch die Leute\nnicht, wenn sie den Krieg wollen. Und die Revo-\nlutionäre werden sich um die Beschlüsse der Haager\nKonferenz noch weniger bekümmern — das' ist doch\nso klar wie der Einfluß der Sonnenenergie auf die\nMenschenköpfe. Sagen Sie das doch den Euro-\npäern. Erzählen Sie ihnen, daß ich in einem Por-\nzellanhause wohne, um damit eine permanente sym-\nbolische Sprache zu sprechen. Ich will damit sagen,\ndaß wir alle in einem Porzellanhause wohnen —\nalle — alle — die Europäer auch.\"\nWir sprachen noch bis tief in die Nacht über\ndieses Thema.\nUnd als ich am nächsten Tage zwischen den\nbeiden großen Porzellanhunden, die zwei Meter\nläng waren, Abschied nahm, sagte ich kopf-\nschüttelnd : i .'\n„Welch ein seltsames Land ist dieses China!\nDaß ich alles das von einem Chinesen hören\nmußte!\"\nich werde die Gespräche in dieser Porzellan-\nVilla in meinem ganzen Leben nicht vergessen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "280", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.8", "titre_corps": "Antikritisches", "titre_sommaire": "Antikritisches", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.5", "debut_caractere": 9476, "fin_caractere_exclue": 11769, "texte": "Antikritisches\n\nNachdem ich mich seit Jahr und Tag gewöhnt\nhabe, mein Kunstbedürfnis faute de rnieux in\nCinema, Variete, Zirkus zu befriedigen, bedeutet\nder erste Gang ins Konzert eine folgenschwere\nHandlung. Ich schätze alles, was schweigt; und\nKafypso, die süße Liedersängerin, die Hehre der\nGöttinnen, sagte einmall: „Eine fürstliche Kunst\nist die Musik. Ich muß die Schweigsamkeit lieben,\naber wenn es mich nach einer Stimme verlangt,\nzu wem soll ich sprechen, wer soll zu mir sprechen ?\nich lasse die Menschen nur in der Musik an mich\nherankommen. Sie redet in großem, feierlichen\nTon von ihnen, ohne Umlsdhweif, sachlich, streng\nüberliegen, lohne Wort für das Bestimmte, Klein-\nliche, Feintiefe. Ein vielsagendes Mienenspiel geht\nüber ihr Gesicht.\" Ich tat einen folgenschweren\nSchritt, und will den letzten Grund, der mich zu\ndiesem ersten Sdhritt bewegte, nicht zurückhallten,\nnämlich: die Kritik, auch meine Kritik ist schlecht\noder war schlecht. Die Kritiker erfassen ihren\nBeruf falsch. Sie vergreifen sich in edelster Ab-\nsicht mit Vorliebe am untauglichsten Objekt. Es\nhandelt (sieh zwar bei unserer Kritik niemals um\nUrteiifsübermittelung an die pp. Herren Autoren,\ndie ** * Schauspieler ;wäre hier etwas zu bessern,\nwäre den pp. ** * fängst geholfen. Viel mehr liegt\nuns an dem Hörer, der in der dicken Publikums-\nmasse urteilsschwach den Darbietungen gegenüber-\nsitzt und von den charakterisierten Herren pro-\nfessionel! (ausgebeutelt wird. Statt dauernd Ver-\neine zur Verbilligung des Theaterbesuchs zu grün-\nden, sollte sich das Gesamtpublikum zu einem\nRiesenskat zusammentun, und die feindliche Partei\naushungern. £)iie Skatabende ehemaliger Theater-\nbesucher würden sich größter Beliebtheit bei dem\nOberkomitee jder Aesthetik erfreuen.\nAber ich sehe jetzt immer deutlicher, daß un-\nsere Unterhal'tungsbedürfnisse genau so viel mit\nKunst zu tun haben, wie unsere Handlungen mit\nder 'Moral. Sehen Sie sich ein Theater an; mit\nGeneralstreik, Riesenskat ist da nichts zu machen;\ndie pp. Kreuzelherren und der Publikus sind ganz\nunter sich und quietschvergnügt beieinand. Hol\nsie beide der heilige Borromäus; aber ein Stier ist\nkeine Heuschrecke, und ein Veilchen keine Queck-\nsilbersalbe. Das heißt zu deutsch: das liebe Vieh\nliefert nichts als Kalbskotelette, höchstens Esels-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3805, "texte": "milch. Und ohne beleidigendes Bild: die Schau-\nkünste mag man hochachtungsvo 11 ergebenst mit\nidealistischen Kritiken verschonen. Die Skala\nlautet: 1. verurteilen, 2. beurteilen, 3. verstehen.\nDiese Dinge haben Gesetze und Gründe höchst\nsolide in sidh; es gibt nicht eine einzige Aesthetik\nso wenig es eine einzige Moral gibt.\nIch war im Walh a 11 a-The a t e r am Wein-\nbergsweg. Allah ist groß, und nach dem Rosen-\nthaier Tor ist eine weite Strecke. Auch mit den\nPrinzipien einer neuen gegenständlichen Aesthetik.\nNaCh zehn Minuten saß ich gesenkten Hauptes da.\nWäre ,ich drei Tage jünger, ich würde loslegen\nund brüllen wie — jener Stier, der keine Heu-\nschrecke jist. Aber ich beruhigte mein Hiebes Ge-\nmüt mit der Wendung, man solle Stiefel nicht mit\nGänseschmalz behandeln wollen. Ich würde mich\nfächerlich machen mit dem Gebrüll. Vielmehr:\nPortugal! ist von Stund an kein Königreich\nmehr; die Dynastie Braganze hat abgewirt-\nschaftet; lassen wir die Vorgänge auf den Pyrenäen\nnidht widerhallos an uns vorüberdonnern! Stürzen\nwir das Königreich der Kritik, schlagen wir die\nprunkenden jund dezenten Fenster ein, rollen wir\nauf das baumwollene Banner der demokratischen\nKunstrepublik, und rauben wir der festesten Mo-\nnarchie ihre Devise: Jedem das Seine, Gerechtig-\nkeit für Alle. Und so lebe der Weinbergsweg!\nIdh hob wieder den Kopf. Kennen Sie noch aus\nder „Wildente\" den Mann mit der sittlichen For-\nderung in der Hosentasdhe? Er ruiniert eine Fa-\nmilie. Die Apostel mit der Schönheitsfiorderung\nin der Hosentasche sind unschädlicher geblieben.\nDas Publikum und seine Kunst hat ein dickes Fell;\nes grunzt noch mit Behagen über die phantastischen\nKritiker-Fliegen, die auf seiner Nase tanzen. Und\nso konstatiere ich in der süffisanten Haltung des\nNaturwissenschaftlers, daß der Weinbergsweg eine\nNotwendigkeit für Berlin bedeutet. Das Metropol-\ntheater jist klein und teuer; das Walhallatheater\nwird, wenn es noch mehr Kapital! daran setzt,\nreüssieren. Etwas weniger kindlidh, weniger Neu-\nRuppiner Bilderbogen wäre auch1 ganz gut; man\nsoll auch als Autor seine Phantasie nicht absolut\nbeschränken auf Erinnerungen aus dem' Zirkus\nBusch, Passagetheater und dem1 Metropol. Aber\ndas Ganze stimmt, ist sogar entwicklungsfähig —\nwenn man nur nicht die Herren Freund und\nHolländer als Klass;i:ker anbeten m|ödhte. So schlecht\nsind sie doch noch nicht. Ich emlpfehle für die\nZukunft aktuelle Märchiens'piele; lesen Sie mal\nAriistophenes [Komödien; und statt einer ziemlich\nsinnlos (gereiften Revue der Ereignisse halten Sie\nsich einmal! fest an ein paar Fakte und bauen Sie\ndaran (herum. Lernen Sie Kürze und Gedrängt-\nheit, Dramatik vom Kinema. Geben Sie der kost-\nbaren Buntheit Ihrer Bilder einen glitzernden siche-\nren Rahmen, meine Herren Direktoren. Die neue\nAesthetik wird Sie unterstützen. Ich werde regie-\nrungsfähiig. Zwei Tage darauf saß ich in der\nSingak a d e m i e zum ersten Abend des Wi t -\nt e n b e r.gquartett s, da wurde mir meine Kritik\nsehr schwer. Der Saal! war überheiß; ich schlief\nden ganzen Mozart durch. Der Mann wäre sicher\nein vorzüglicher Musiker geworden, wenn ihn nicht\nseine Klassizität verdorben hätte. Man spielte\nHaydn mit Schwung und Grazie, ich! weiß nur nicht,\nwarum ;man ihn noch slo viel spielt; einhundert-\nundfünfzig jjahre sind kein Pappenstiel, und die\neinstmals schönsten Sachen verblassen notwendig,\nsind verblaßt, halbtot. Nun lastete der furchtbare\nSdhatten Beethovens über dem! Saal; ich blühte\ndarunter fast auf. IChl verstehe; hier verstehe ich.\nAber es war zu viel für mich1, ich schlich jballd!\nhinaus. Auf der Treppe fiel mir die objektive Kritik\nein. Ja, hier war ich Mensch, hier könnt ichs sein.\nIch will in Zukunft Stiller halten, kühler blicken,\nmich wehren gegen die Ueberwältigung. Ich bin\nkein Mensch, sondern ein Kritiker.\n\nAlfred Döblin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "280", "page_fin": "280", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.9", "titre_corps": "Moloch", "titre_sommaire": "Moloch", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.6", "debut_caractere": 3807, "fin_caractere_exclue": 6191, "texte": "Moloch\nDas Jammerspiel des nachgelassenen Pflegers\nvon Josef Kainz wurde al!so tatsächlich in Berlin\naufgeführt. Natürlich von der Familie Qettke im\n„Modernen Theater\", Fritz Engell, der den Zeit-\ngeist beherrscht, nennt es kühn die „Räuber\" des\nAutors und erwartet von [ihm also mindestens\nKabale (und Liebe. Man muß Schiller tatsächlich\ngegen seine Verehrer (Herr Engel! gehört zu ihnen)\nin Schutz nehmen. Schließlich war der doch kein\nTscbirikoff-Epigone, wie der traurige Verfasser des\n— Mut! — Dramas der Moloch. Wie nahe die\nBomben an ihm vorbeigeflogen sind, weiß die\nVossische Zeitung nicht. Sie kann sich beruhi-\ngen: im Cafe Museum zu Wien tut man so etwas\nnicht. Die lästigen Ausländer in Preußen schmug-\ngeln sich aus Oesterreich ein (und seinen Kron-\nliändern). Und ihre Waren finden in der Presse\nund an den Theatern reißenden Absatz.\nWenn doCh mehr Kunstpolitik in Deutschland\ngetrieben würde! Einem Didhter, einem Künstler\nseine Fehler zu zeigen, bedeutet Gewinn für alle\nTeile. Einein unfähigen Dilettanten zu analysieren\nheißt ihn zur Fortsetzung des Gewerbes zu veran-\nlassen. Dazu liegt kein Grund vor. Bleibt zu\nbeweisen, daß der arni de Kainz1 kein Dichter ist.\nZwei Sätze genügen. Die Verschwörer erklären\nfeierl!idh ihre Gemütsverstimmung: „Wir alle stehen\nunter Hochdruck\". Der „Held\", der nicht mehr\nBomben werfen will, lädielt bitter: Grüßen Sie\nmir die Menschheit! Die Menschheit nämlich ist\nder Moloch, der keinen „ausläßt\". Der Held will\nnidht mehr Revolution mitspielen, die Einzelhaft\nhat ihn gebrochen. Er muß endlich sei Ruh haben,\neventuell isogar durch den Tod. Er sieht keinen\nZ w e c k, weil er den Zweck jeder Revolution über-\nsieht: die Begeisterung, denn er ist geistlos, wie\nsein Schöpfer.\nJedesmal erlebt man dieselbe komische Erfah-\nrung: die schlechten Autoren und Kritiker schimp-\nfen auf Nietzlsdhe und Ibsen, und sind entzückt,\nwenn sie deren Gedanken verwässert oder in gas-\nförmigem Zustand vorgetragen bekommen. Sie\nreden dann vom philosophischen Gehält. Und Her-\nmann Bahr schreibt offene Briefe an Schaubühnen-\nbesitzer, man solle ja das Stück richtig verstehen!\nEr hat den Beruf des Molochmännes verkannt. Er\nsoll sidh von ihim1 pflegen lassen! Treu bis in\nden Tod. Der Autor ist erst bei den „Räubern\".\nUnd das hat Herrn Bahr verwirrt. Dem Mann\nkann geholfen werden. 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Warum', Meister, dem\nSterbenden (mit der Verabreichung des' grellsten\nSonnenlichtes der Wahrheit das Ende noch dunkler\nerscheinen Jassen, wenn Iman den Gesunden nur\nmit ihren Tallglidhtern den dunkeln Weg erhellte.\nSie können sich das Entsetzen nicht ausmalen,\nwe n n sie pl!ötz 1 i d h gewahr würden,\nih r ei g ein e s Ste rb ein ve rsä u m[t z[u\nhab e n. Vielleicht gelingt das einemf andern, sofern\ner von Ibsen tief durchdrungen ist, aber um! des\nGlückeis der mysteriösen „Erkennung\" willen,\nwird sich kaum irgendwer den Tod ansagen\nfassen.\n„U n d je me h r e s ein Men s d h is t,\nder erkannt hat, daß es seinen eigentlichen Wert\nausmädht, (des Lebeins ganz inne zu werden, und\nwas das Schicksal ihm' zugewiesen hat, nicht bloß\nzu erleiden, sondern bewußt zu erfüllen, ja selbst\nzu gestalten, desto schlimmer wird es für ihn sein,\nwenn er zu fetzt dodh erkennen muß, (nicht etwa,\ndaß die Bahrsche Philosophie keineml Hund das\nSterben leichter machen kann, sondern), daß er\nbetrogen worden ist.\"\nJa, je me h r e s ej, n Men s d h is i\nSanssoucier\nAlles Talent, das ihm für die Zeichenkunst\nabgeht, stellt Herr Edmund Edel unter die ertrags-\nfähigen Fittiche der literaturbehafteten Presse. Noch\nplaudert er, dodh er ist auf dem' besten Wege,\nTurszinsky ist sdhon so weit, einer derjenigen zu\nwerden, (die etwas zu „sagen\" halben.\nAm fünfzehnten wurde das Restaurant Sans-\nsouci eröffnet. Sans rime et saus raison erzählt\nEdel davon (in demselben Montagsblättchen). Er\nnennt die Eröffnung eine „Premiere am Kurfürsten-\ndamim\". Bezei dh nen d war schon für das große\nEreignis, daß Edel in einem goldenen Auto hin-\nfuhr. Tatsächlich. Er sagt es. „Ich führ in einem\ngoldenen Auto hin, wie der Prinz: im! Märchen.\"\nUnter einem Prinzen tut ers! nidht. Aber erst an\nOrt und Stelle vergißt er nicht, daß er nur (ein\nDiener der „immer hungerigen Leserwelt\" ist und\nihr Berichte zu servieren \"hat.\n„In einem güldenen Auto fuhr idh hin (er sagt\nes zweimal), aus güldener Kanne (gleich aus der\nKanne?) trank idh Kaffee und aus einem güldenen\nTraum erwadhte ich am andern Mittag.\" Und dann\nsetzte er sich an einen güldenen Schreibtisch und\nschrieb mit güldener Feder Blech, der Dichter: er\nwar in einem MärChenland, während er doch nur\nin einem neuen Restaurant gegessen hat; allerdings\n„um mit andern die Sensation des Kurfürstendamms\naus der Taufe zu essen und zu trinken\". Er rühmt\ndie Intimität des Raumes, „die mit der un-\naufdringfidh e n Vorn ehrnh e i t seiner\nAusstattung we 11 eif e r t\".\nIdh könnte in einem Raum, dessen Intimität\nohne Ursadhe noch Zweck mit seiner unaufdring-\nlichen Vornehmheit unausgesetzt wetteifert, ebenso-\nwenig mit Ruhe essen, als das Lobragout zum\nErbrechen reizt, das Edel nach seinem1 Erwachen\naus dem güldenen Traume auf dem kleinen Rokokb-\npavillon, „der so weltverloren an der Straßenecke\nlag\", zubereitet hat. Jedoch an dem1 neuerlichen\nSjeg der Kultur, daß „die verwöhnten Lebens-\ngenießier des Westens jetzt in der Nähe ihrer Be-\nhausung anstän d i g e s zu essen bekommen\",\nkönnte jidh Irnich sattfreuen. „Die Kosten für die\nNadhhausefahrten werden gespart werden und das\nGeld dafür lieber an die schönen Begleiterschei-\nnungen der MonokelÜnhaber zur Hebung ihies Toi-\nlettenbudgets [ausgeliefert.\"\n„Und der krause Stil1 des Rokoko ist mit dem\nKomfortbedürfnis der Moderne vereinigt.\"\n„Oben im kleinen Saal hatte Dr. Artur Lands-\nberger eine illustre Gesellschaft versammelt, um die\nAnwesenheit eines Großen zu feiern.\" Nidht\nBahr s. Eiin e s no dh größie r e n. „Fulda,\nReicke, Reinhardt, Geiger, Walter Turszinsky, sie\nalle jmit ihren Frauen, Barnowsky, Rudolf Lothar,\nCarl! Hauptmann und die pikante Tochter von\nBrandes zierten die Tafel1, wie die Rosen, die zwi-\nschen den Gläsern lagen. Wie di e Rose n. Nach\nMitternacht Ischlossen sich die Türen des Saales\nund der ewig junge Brandesl ergr i 112 112 das Wort.\nDa is ed I e Bii 1 d de r Jungfrau von Orl e -\na n:s sdh wankt im We dh se 1! der Zeit e n,\naber Brandes Ruhm steht fest.\"\n„Seiine bedeutungsvolle Rede (anders konnte sie\nnicht sein) entfachte ein ganzes Feuerwerk Im-\npromptus, mit denen vor allem Ludwig Fulda ant-\nwortete.\" Das war doch wohl nicht möglich. Aber\ndie Wahrscheinlichkeit, daß, Rudolf Lothar von dem\nFeuerwerk einen Schein mit nach Hause nahm, um\nihn in seinem nächsten Libretto fortleuchten zu\nlassen, liegt furchtbar na;he.\n„Es war spät, als die letzten SänsSouCier auf\nden .Kurfürstendamim traten.\"\nEr soll sich unter ihren Füßen gekrübi'mt haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "280", "page_fin": "280", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.11", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Ton werke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Ton werke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.6", "debut_caractere": 11307, "fin_caractere_exclue": 11480, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Ton werke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nOSKAR KOKOSCHKA\nDie träumenden Knaben\nWiener Werkstätte 1908"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "282", "page_fin": "282", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.12", "titre_corps": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "titre_sommaire": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.8", "debut_caractere": 181, "fin_caractere_exclue": 2146, "texte": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater\nOktrfchps* Dienstag Mittwoch Donnerstag- Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\nVJ'illUtfEf- 25 26 27 28> 29 30 3K Spielplan:\nDeutsches Theater F . «inrnnriin Judith Ei]! Sommer- Premiere w linfl nipnpl. q11Tril1vAn Kleines Theater Die verflixten Frauen-\nSchumannstrasse 13 a ' 1 \" 1 nachs träum Herr und Diener Unter den Linden 44 zimmer / Erster Klasse\nKammermnftlft * Komödie der ~ , Komödie der -j-, » , Komödie der Komödie der a Modernes Theater\nQoii? ? Irrungen / Heirat ni. , Irrungen / Heirat 0 , Irrungen / Heirat Irrungen / Heirat Gawan .r*?L Der Moloch\nSchumannstrasse 14 „r.n Gleichen tttmi am Scheidewege • TTT.„ «j t-it-h Königgrälzerstr. 57 58\nwider Willen wider Willen wider Willen wider Willen\nT)qv öfißv von Olivpra\nLessingtheater Wenn der junge Wenn der junge Wenn der junge Die Frau vom Wenn der junge Wenn der junge Wenn der junge Neues Theater\nFriedrich Karlufer l Wein blüht Wein blüht Wein blüht Meere Wein blüht Wein blüht Wein blüht Schiffbauerdamm 4a|5 1 y Reg\nNobl6ss6 obli^e\nssssÄ. «.**■» ssas. «\">«»- wm— saat\"1\"\nOperntlie\"terC,'e9 Figaros Hochzeit CavaUeria GaSt^n1fnMnS° Lohengrin Fideiio ° LieCtraok180 Siufonie-Ktmze« 7 ab Der heilige\nKönigsplatz 7 rusticana * Hain\nNeues Der Tartüff Gastspiel TrieschfGastspiel Triesch Der Tartüff Gastspiel Triesch f-ipr -npher nnwe Neues\nSchauspielhaus Der Herr yon Jungfrau von Jungfrau von Der Herr von Jungfrau von 1 Kraft Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNoiiendorfstrasse 11 [12 Pourceaugnac Orleans Orleans Pourceaugnac Orleans c Schiff bauerdamm 25\nBerliner Theater Die thörichte Tai*-.« mn;fnn Die törichte er schwarze Die törichte Theater des ,\nCharlottenstr. 93 Jungfrau Taltun Talfnn Jungfrau Der,f(Cn^fze Junker Jungfrau Westens Die schönste Frau\n_ Junker ° Kantstrasse 12\nSchauspielhans Rabenrteinerin Der Krampus 11 ZopfundSchwert Maria Stuart Der Krampus Die Journalisten Hurrah - Wir leben noch!\nGensdarmenmarkt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.7", "debut_caractere": 169, "fin_caractere_exclue": 383, "texte": "Heue Secession\nSraphische Ttussfellung\n1910\n1. 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Schonv.vielen j|\nSchulen gelehrt u. von vielen s\nBehorden, Firmen usw. ver- ®\nwendet. Esperanto-Lehrbuch 1|\nmit Prospekten und Zeitung j|\n„La Esperantisto\" versendet g\ngegen 15 Pf. in Briefmarken ft\nRedakt. Fritz Stephan, Leipzig §\n(nu4lMMlui!\nllliuWlllS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "282", "page_fin": "282", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.8", "debut_caractere": 2572, "fin_caractere_exclue": 3179, "texte": "In keinem Hause sollte\nfehlen:\nFelke-Zeitung\nZeitschrift fiir naturgemasse\nLebens- und Heihveise und\nHomoopathie nach der von\nPastor Felke in Repelen be-\n:: griindeten Heilmethode\nSie erscheint allmonatlich\nunter Mitwirkung mehrererAerzte\nund hervorragender Sachverstan-\ndiger. Sie bringt ausfiihrliche Auf-\nsatze über die verschiedensten\nKrankheiten und deren Behand-\nlung, ferner iiber Naturheilkunde\nHomoopathie, Licht,- Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementsprds jahrSich\n===== 3 Mark =====\nAbonnements nehmen dießrieftra-\ngerund jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "282", "page_fin": "282", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.8", "debut_caractere": 3181, "fin_caractere_exclue": 3316, "texte": "a™\" 7; 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Kurse von\nFriedr. Mester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepri'ifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Oriindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationeUes\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren niit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannlsplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "282", "page_fin": "282", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.8", "debut_caractere": 5669, "fin_caractere_exclue": 6342, "texte": "Finkenmuhle\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztliche Befaandlung,\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervensehwache, Magen- und Darmleiden, Qicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\nSsnaterioia nnd Erholnfi^heiu\nPost Melienbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: ®\n• • •\n5>r ®f. ned. W. Hots\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persOnlieher\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „&e8undee\nLeben\". von der wir Probe\nnummerh suf Wunsch gratis\nversend. Abonn.M.3,60p.Jahr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-10-27-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-10-27_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-10-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "282", "page_fin": "282", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.8", "debut_caractere": 6344, "fin_caractere_exclue": 6498, "texte": "iihimwm I, ■ i\" M«MMfiwmTwr»»-rriTwnT m»\n€r*l« Universal ■Zeltungs-\nJ1u$$c|>nitt - Bureau\nHlramstr. 18 ltiiiitcben X telefon 8537\nlilan vcrlange Prospektl"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezugs 10 Pfennig\nFÜR KULTUR UNEHD^KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: BerlinW3s, Potsdamerstr. 111/AmtVl 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark ! Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN /DONNERSTAG DEN 27. OKTOBER 1910/ WIEN\nNUMMER 35\n\nINHALT:\nKARL HAUER: Von den fröhlichen Menschen / PETER HILLE: Das Mysterium Jesu / PETER BAUM: Liebespsalme / PAUL SCHEERBART: Der Wetter-\nprophet / ALFRED DÖBLIN: Antikritisches / TRUST: Moloch /J. A: Vom Tage / ELSE LASKER-SCHÜLER: Weltflucht / Musik von HERWARTH WALDEN\n\nBelauscht! Cliché Zeichnung von Oskar Kokoschka\n\nVon den fröhlichen Menschen\nVon Karl Hauer\nZum Teufel mit allen Forderungen, die von\nMensdhen a;n den Menschen gestellt werden! Früher\nhieß es: sei tugendhaft, gerecht, mitleidig, weise;\nheute hört man wohl auch : sei stark, rücksichtslos,\nschön. Es ist aber noch nicht gelungen, auch nur\nfür eine einzige dieser Forderungen eine Begrün-\ndung zu finden, die allen Menschen einleuchten\nmüßte, und die berühmten Lehrer der Menschheit,\nauf die man sidh bei, solchen Forderungen beruft,\nhaben sidh immer nur al's sehr anmaßliche, von\nEinbildungen geplagte Leute entpuppt, die uns\nweider etwas erklären, nodh uns helfen können,\nwenn wir uns nidh't selber helfen.\nDas Leben selbst fordert nur eines vion uns:\nsei fröhlich! Und dies heißt nichts anderes als:\ngrüble nidht über das Leben, sondern freue dich\nseiner. Alles andere ist Wahn! Gerechtigkeit ist\nvielleicht nur Ueberhebung, Mitleid nur Schwäche,\nWeisheit nur Einbildung, Schönheit nur ein äußerer\nFirnis, Stärke (nur grobes Wüten. An der Fröhlichkeit\noder Traurigkeit aber kann nichts Falsches, Zweifel-\nhaftes oder Schwankendes sein. Wenn ich fröhlich\noder traurig bin, so bin idh! es zweifelsohne. Und\nwie es auf Erden nichts Zwiespältigeres, nichts\nZerrisseneres gibt, als den traurigen Mensdhen, so\ngibt es audh keine höhere Harmonie ah den fröh-\nlichen Mensdhen.\nWenn wir den Wert einer Zeit oder Umgebung\ndanach bemessen, ob sie angetan sind, fröhliche"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.2", "texte": "Menschen zu erzeugen, und zu begünstigen, oder\nob sie angetan sind, die Fröhlichkeit zu beschrän-\nken und zu unterdrücken, dann ist jede Zeit, in der\nder sogenannte Ernst des Lebens vorherrscht, in\nder alles in praktische Zwecke eingespannt und Vom\nKampf um die bloße Existenz verdüstert ist, eine\nschlimme Zeit. Wenn wir Fröhlichkeit und Kultur\nals dasselbe, als die zwei unzertrennbaren Erschei-\nnungsformen der Harmonie des Lebens betrachten,\ndann ist eine unfröhllidhe Zeit, nur die Vorform\noder die Verfallsform einer Kultur, ein Uebergang\noder ein Untergang. Nur darf man den Fröhlich-\nkeitsgehalt einer Epoche nicht mit wehleidigem\nHerzen prüfen, aus geschichtlichen Tatsachen allein\nläßt sich überhaupt nicht auf die Vorherrschaft Von\nHeiterkeit oder Ernst sdhlüeßen. Und dem kurz-\nsichtigen Blick eines Historikers mag oft eine Zeit\nbesonders düster und von Schrecken erfüllt vor-\nkommen, während der Sehende in den [unterlassenen\nGeistesspuren gerade dieser Epoche, deren ganze\nsogenannte Geschichte Krieg, Rache, Mord und\nGrausamkeit bilden, eine besonders strahlende Hei-\nterkeit, eine unbändige, überquellende Lebenslust\nentdeckt. Die Grausamkeit des Griechentums war\neine furchtbare, Homers Gesang besteht aus\nSchlachten, Morden und Foltern, aber welch eine\nkindliche, herzerquickende Fröhlichkeit leuchtet aus\ndiesem Gesang hervor! Weldh späterer Ausfluß\neines Volksempfindens kann sidh damit vergleichen.\nDie Fröhlichkeit hat ganz und gar nichts mit\nder sogenannten Humanität zu tun, sie ist vielmehr\nin vieler Beziehung recht eigentlich ihr Gegensatz.\nHumanität in unserem Sinne war ursprünglich ein\nProdukt der Not, ein ökonomisches Prinzip. Die\nHumanität beginnt, wenn der Mensch vor allem auf\nseinen Wert als Arbeitstier hin abgeschätzt wird,\nund isie verzärtelt nadh und nach die lebendigsten,\ndie l!ustauslösenden Triebe, sie Verbindet sidh mit\neinem Gefühl der Furdht Vor jeder starken Lust\n(Gewissen), sie madht wehleidig und legt sich wie\nReif über die naive Fröhlichkeit.\nMit der Humanität beginnt der leidige Ernst\ndes Lebens, die Trübsal des Daseins. Mit der\nHumanität beginnen auch die Rechte auf Kosten des\nRechts, der natürlichen Macht des Ueberlegenen.\nRecht ist von Hause aus natürliches Vorrecht, und\nalle Würde ist von Hause aus die Würde eines\nVorredhtes. Mit Rechten und Würden aber, die\nsidh auf alle verteilen, mit Mensdhenrecht und Men-\nsdhenwürde müssen Redht und Würde faktisch zum\nTeufel gehen. Wo begegnen wir heute — da jeder\nauf seine Menschenwürde pocht — wahrhafter\nWürde ? Würde ist natürlicher Wert. Würde setzt\nein frohes Gemiüt voraus oder wenigstens Sicher-\nheit und Glauben an sich selbst. Es ist einer der\nstärksten Einwände gegen unsere Zeit, daßi man\nheute allgemein die Würde — das Wertbewußt-\nsein, den Ausdruck frohgemuter Sicherheit — mit\ndem Ernst verwedhselt, der der Ausdruck der Furcht,\nder sinnenden Besorgtheit ist.\nDie innere Möglichkeit der Fröhlichkeit ist\njedem Menschen ohne Ausnahme gegeben. Erst das\nVerlassen der natürlichen sozialen Schichtung und\ndie Verlockungen einer falschen Freiheit berauben\nden Menschen dieser Möglichkeit. Wer nicht an\nder Stelle steht, die seine Natur ihm anweist, wer\nfrei sein will, ohne sich selbst beherrschen zu\nkönnen, der wird notwendig zum unfröhlichen Men-\n• sehen. Die Freuden, die ein solcher sucht, sind\nin Wirklichkeit Betäubungen seiner inneren Freud-\nlosigkeit. Freudlosigkeit ist nach; einem guten Wort\nNietzsches die Mutter der Ausschweifung. Fröh-\nlichkeit ist Wohlsein von innen aus, ein Gefühl\ninnerer und äußerer Harmonie.\nEs gibt eine Fröhlichkeit der Bescheidenheit\nund Verehrung, und es gibt eine Fröhlichkeit der\nUeberl'egenheit und des Wohlwollens. Die eine\nerwächst aus der Lust, eingereiht zu sein in eine\nfeste, natürliche Ordnung, gelenkt zu werden von\nFührern, zu denen man mit gutem Vertrauen auf-\nblicken kann, und benutzt zu werden zum sicht-\nbaren Wohl! eines Ganzen. Die andere Fröhlich-\nkeit erwächst aus der Lust, zu ordnen, zu lenken,\nzu schaffen. Der Glaube an die Führung und der\nGlaube an sidh1 selbst finden in der Fröhlichkeit\nihren Ausdruck. Es besteht eine tiefe Kluft zwischen\nMensch und Mensch, die Fröhlichkeit allein Vermag\nsie zu überbrücken. Und daßi es ein natürliches\nOben und Unten gebe, ist wiederum ihre Voraus-\nsetzung. Die eine Art Menschen kann nur fröhlich\nsein, wenn sie sich begrenzt fühlt, wenn sie ihren\nguten Willen und ihre kleine Nützlichkeit geschützt\nund behütet weiß vor dein unzähmbaren Wilden,\nvor dem ewigen Barbaren in ihr selbst: dies ist der\nZustand, den das Volk sich wünscht, um guter\nDinge zu sein — das Volk, solange es noch nicht\nVon Demagogen verführt und verhetzt ist. Die\nhöhere Art des Menschen, die schaffende, kann nur\nfröhlich sein, wenn sie sich unbegrenzt nach außen\nfühlt, denn sie hat ihre Grenzen in sich, sie re-\npräsentiert den gebändigten Menschen, den Men-\nsdhen der Selbstzucht.\nDie Hauptquelle allgemeiner Unfröhlichkeit,\nallgemeinen seelischen Unbehagens ist Freiheit, mit\nder man nichts zu beginnen weiß. Die größte\nLast, die auf eine Seele gelegt werden kann, ist\nSelb s tbes timmu ngs recht Und das größte Ver-\nbredhen der Machthaber unserer Zeit besteht darin,\ndaß sie, um ihre Madht, der sie innerlich nicht\ngewachsen sind, äußerlich zu behaupten, denen\nein Selbstbestim'mungsreCht geben, diie diese Last\nnicht tragen können, weil1 sie nicht mündig, nicht\ngeschult, nicht kultiviert genug sind: dem Volk,\nden Frauen, der Jugend.\nMan wird einmal1 vom Wahn der demokrati-\nschen Prinzipien erwachen, und mit vierwunderten\nAugen erkennen, was man für Wahrheit und Ver-\nnunft gehalten hat. Denn mit dem gleichen Recht\nfür alle wird das natürliche Gleichgewicht einer\nGemeinschaft aufgehoben, und alles in dieser Ge-\nmeinschaft gerät ins Rollen. Niemand fühlt sich\nmehr fest und an seiner Stelle, niemand fühlt sich\nmehr eingegliedert in ein organisches System ; alles\nwird unsicher, schwankend, ein Für - Sich ohne\nzwingenden Zusammenhang mit seiner Umgebung;\nnichts wird mehr von heilsamen Notwendigkeiten\nbewegt. Eine erkünstelte, steten Veränderungen\nunterworfene Ordnung (der sogenannte sozialle Fort-\nschritt) tritt an Stelle der natürlichen und unver-\nänderlichen Ordnung der patriarchalischen Gemein-\nsdhaft. Es gibt kein wirkliches Ueber und Unter\nmehr, keinen Zusammenschluß zu organischen und\ndaher Hebens fähigen sozialen Gebilden, keine soziale\nSynthese.\nDer Fortschritt der Demokratie ist für den von\nGegenwartsphrasen nicht Verdummten Beobachter\nein Prozeß der Auflösung, des fortschreitenden Aus-\neinanderfallens, der Atomisierung des sozialen\nLebens: eine soziale Diathese. Die Anbetung des\nletzten Zerfallproduktes, des Atems oder Individu-\nums, ist nicht etwa — wie man heute vielfach\nglaubt — eine Reaktion gegen die demokratische\nNivellierung, sondern vielmehr deren logische und\nletzte Konsequenz. Im losgelösten, selbstherrlichen\nund unverant wtor t lidhen Individuum des christlich-\ndembkratisdhen End-Ideals ist jede Möglichkeit einer\nKultur des Genius und jede Möglichkeit der Fröh-\nlidhkeit erstorben. Denn Genie und Fröhlichkeit\nsind im tiefsten Grunde eines und dasselbe: der\nlebendige Zusammenhang des Einzelnen mit allem>\nwas ihn umgibt. Fröhlichkeit ist Harmonie, Drei-\neinigkeit von Gemeinschaft, Individuum und Natur,\nHeiligkeit der Ordnung, Glaube an die Ordnung.\nSeelische Verdüsterung ist Disharmonie, Aus-\neinanderstreben von Individuum und Gemeinschaft,\nvon Leben undj Natur, Unbeständigkeit der Ordnung,\nNeuerungssucht und Kritizismus. Dies alles sind\naber Kennzeichen des modernen Lebens, und gerade\ndie besten Menschen leiden am meisten unter der\nallgemeinen seelischen Verdüsterung, die heute wie\nein giftiger Nebel über dem Leben lagert. Die Men-\nsdhen, die mit der reichsten innerlichen Möglich-\nkeit, fröhlich zu sein, ausgestattet sind, müssen heute\ndie Verdüstertsten und Verbittertsten sein. Die\nObersten und Untersten sind heute die Kränksten,\nnur das menschliche Mittelgut ist noch halbwegs\nversdhont, aber von Oben und Unten wird das\nKrebsgeschwür der Zeit sich bis zur Mitte durch-\nfressen: vielleicht ist es ein Gesundungsprozeß.\nVielleidht kommt ein Anfang nach einem Ende.\nDem Volke Selbstbestimmungsrecht geben,\nheißt das Volk unfehlbar zum Gesindel machen,\ndenn mit der Freiheit wächst die Begehrlichkeit\nins Ungemessene. Ein Volk ist eine Masse von\nnatürlichem Zusammenhang, und natürlicher Struk-\ntur, eine Masse, in der Zufriedenheit und Fröhlich-\nkeit herrschen kann; eine ungegliederte Masse aber,\ndie bloß durdh Begehrlichkeit und Unzufriedenheit\nzusammenhängt, eine Masse, in der die mit dem\nSelbstbestimimungsredht Unreifer unausbleiblich Ver-\nknüpfte materielle und seelisdhe Verlotterung jeden\nKeim der Fröhlichkeit erstickt, eine solche Masse\nist ein Gesindel. Das Merkzeichen des Gesindels\nist, daß es nicht fröhlich sein kann. Was beim\nGesindel Fröhlichkeit heißt, verdient diesen Namen\nnicht. Das Gesindel kennt kein Wohlgefühl aus\nsich heraus, es braucht stets einen äußeren Anlaß\noder eine Betäubung, um sich wohl zu fühlen.\nEs kann sich „diebisch freuen\", wenn seine Be-\ngehrlichkeit für einen Augenblick gestillt wird, es\nkann sich „kanibalisch wohl fühlen\", wenn seine\nstets wache Schadenfreude sich ergötzen darf, und\nes kann „ausgelassen vergnügt\" sein, wenn es\ngaffend eine Sensation mitmadht, oder wenn\nTrunkenheit es seine geheime Trauer vergessen läßt,\nwenn es Von der Trauer einen Augenblick aus-\ngelassen wird. Niemals aber kann das Gesindel\ninnerlidh fröhlich sein. Schon sein Blick zeigt es,\nhinter dem stets der mißverstehende Neid hervor-\nlugt. Es kann sich den Höherstehenden nur als\nGenießenden vorstellen, als den Menschen, der das\nbesitzt und genießt, was es begehrend entbehrt.\nEin schauerlicher Irrtum des Gesindelgeistes! Und\ndas heute in sehr hohe Regionen reichende Parvenu-\ntum gibt diesem schrecklichen Irrtum einen noch\nschauerlicheren Anschein von Wahrheit. Trotzdem\ngibt es kein härteres, kein entsagungsreicheres\nLeben, als das eines von der Natur zum Lenker,\nzum Voranschreitenden bestimmten Menschen. Als\ndas Leben, eines Sich-Verantwortlichen! Sein Glück\nberuht in nichts weniger, als in materiellen Ge-\nnüssen. Darin beruht gerade das Glüdk des kleinen\nMenschen, der frei von großer Verantwortung seine\nArbeit leistet und dafür eine frohe Behaglichkeit\ngenießen darf, Fluch dem gewissenlosen Deirna-\ngogentum, das ihm diese Behaglichkeit vergällt und\ndie Zufriedenheit raubt! Fluch denen, die ihm\nsdhon das Frühstück mit dem Morgenblatt Ver-\ngiften, und die ihm den Feierabend durch eine\npolitisdhe Versammlung wegstehlen!\nIst die demagogische Verhetzung des Volkes\ndas tragisdhste Schauspiel1 der neuen Zeit, so ist\ndie unter der Patronanz gehirnloser Männer sich\nbreitmachende sogenannte Frauenbewegung das\ngroteske Schauspiel dieser Tage. ,Die Frau war\nbisher für den Mann der vornehmste Quell der\nFröhlichkeit, denn die Frau ist in höherem Grade\nals der Mann ein Gefäß veredelter Natürlichkeit.\nDie Erhaltung und Veredlung der weiblichen Natür-\nlichkeit ist eine der vornehmsten Aufgaben wirk-\nlicher Kultur, denn diese Natürlichkeit ist der\nJungbrunnen der Menschheit. Und wenn der Geist\ndes Mannes sich nicht mehr an der Natur des\nWeibes beleben und erholen kann, dann altert\nJ ;\ndie Menschheit und wird greisenhaft und un-\nfruchtbar.\nDaß frian nun die Frau, die bestimmt ist, durch\nFröhlichsein froh zu machen, mit sozialen und\npolitischen Rechten beglücken will, darin zeigt sich\nin grotesker Weise der ganze Jamlmer einer um\nalle Vernunft, um allein natürlichen Instinkt ge-\nkommenen Zeit. Aber die Fröhlichkeit der Frau\nwird schon vor dem Sieg der Frauenbewegung\nsterben, denn sdhon vor diesem Sieg wird es keine\nMänner mehr geben, für die und durCh die die\nFrauen fröhlich sein könnten\nSo bliebe nodh die Kunst als Quelle der Fröh-\nlichkeit. Damsit aber die Kunst eine Quelle des\nFrohsinns sei, muß Frohsinn die Quelle der Kunst\nsein, die Kunst, djie in ihren großen Zeiten eine\nFolge, ein Ausfluß, eine Begleiterscheinung der\nFröhlichkeit war, soll in unserer Zeit die wunder-\nwirkende Bringerin, die Erzeugerin der Fröhlich-\nkeit sein, die nidht Von Natur aus in den Menschen\nist. Wunderlichster Irrtum1 einer kranken Zeit!\nDaher wird heute soviel Kunst gemacht, und\nals berauschendes Narkotikum konsumiert. Ehe-\nmals aber war viel ungeimadhte Kunst, viel un-\ngesuchte Anmut und Größe, viel heiteres Linien-\nspiel1 und viel Musik. Es war in den Dingen, in\nden Menschen und im Leben selbst! Einst war die\nKunst ein zierender Rahmen der Lebensfröhlichkeit,\nheute ist sie eine vom Zusammenhang mit dem\nLeben l'osgetrennte Berauschun gsm asc'hinerie\nDer fröhliche Mensch ist heute nicht nur kein\nZiel! der Bewunderung, er wird sogar mit Miß-\ntrauen, ja mit Veradhtung betrachtet. Er wird nicht\nernst genommen, weil er über dem Ernste seiner\nZeit steht. Am meisten wird heute — wie im Rom\nder Verfallszeit oder wie bei den Indianern — der\nMensdh der starren Maske, der Mimiker seelischer\nUnbewegliChkeit, der stoische Mensch bewundert,\nder Mensch der Ataraxia gilt heute als höchster"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.3", "texte": "Typus, dem heimlich oder offen, bewußt oder un-\nbewußt alle nadhistreben. Das moderne Leben\nuntergräbt alle Wurzeln der Fröhlichkeit, denn es\nist ein System der Verwüstung aller natürlichen\nOrdnung. Die Predigt der Demokratie, die Politi-\nsierung der Massen durch Demagogie Von Unten\nund Abwälzung der Verantwortung von Oben, die\nVerödung des Geistes durch die Erzeugnisse der\nSchnellpressen und fortschreitende Maschinali-\nsierung des ganzen Lebens, Ueberproduktion und\nIndustrialisierung der Kunst, neben überhebendem\nAesthetentum, Verbrauch der Kräfte durch ein\nwahnwitziges Zuviel an unnütze Arbeit, die von\nMännern geförderte Frauenemanzipation: dies alles\nsind Ertötungen von Möglichkeiten des\nFrohsinns. Was dieser Zeit am meisten abgeht,\nist ein homerisdh'es Gelädh'ter über sie!\nAus einem demnächst bei Johada und Siegel in Wien er-\nscheinenden Essayband\n\nDas Mysterium Jesu\nAus de in Nachlass\nVon Peter Hille\nDer Heiland und das Weib\nDas Geschlecht der Liebe, das der Heiland\nheben und 'befreien [wollte aus der Sklaverei der\nLust zum Sdhwesterntum des Mannes, wie hätte\ner nicht vor allem dieses verstehen sollen und es\nlieben? Lieben mit der Liebe der Verklärung, in\nder nichts Einzelnes mehr zittert, die alle hebt und\nlehrt und bereitet, und keine verstößt jm! Vorzug\nder Einen?\nWeil er rein und unve Hängend über dem Weibe\nstand, war er ihm audh näher, trauter, das Ge-\nheimnis des heldenmütigen scheuen Geschlechtes,\nseine Bangnis schlichtend und ratend zu seinem\nBesten. Nichts nimmt sich der Mensch so leicht\nheraus als Raten, und nur Einer kann raten: Gott.\nAndere lieben zu oft das Weib nur zu dessen Ver-\nderben. Jesus aber liebte das Gebärgeschlecht, das\nLust und Opfer der Liebe, Gehorsam und Qualen\nzu mischen hat, alles dies weidsam Trübe zur Rein-\nheit der Liebe, reinsam zu seinem Heile.\nEkel ist der Schatten der Lust. So wandelt\nsich die Gemeinschaft der Lust leicht in die Ge-\nmeinsamkeit tdes Ekels, entzweit sich und lästert.\nDer Reine aber erkennt auch im Uebeln die Hin-\ngabe. So liebte Jesus das Weib, das gemütstief\nfolgsame Geschlecht und lehrte es lieben, ließ sich\nlieben von ihm und erzog seine Seele zur Freiheit,\ndie er ihm zu geben gedachte.\nUnd das Weib, das wie Verfolgte, wie Wild\nund Kinder witternde Geschlecht, erkannte seinen\nFreund, seinen göttlidhen Freier und bradhte ihm\nSalben, (die eis löste mit dem Tau seiner Seele1,\nehrfürchtige Demut und stillen Dankes tiefen Blick.\nRichter auf Erden\nEs ist mensdhlichem Hochmut einmal eigen,\nwenn jemand sidh frei fühlt von dem oder jenem\nhindernd erniederndem Trieb. Und findet am Nach-\nbar ihn, so geht er hin und verklagt ihn und will\nein Mal der Schände ihm auf gestempelt haben. Seine\neigene Häßlichkeit aber an anderer Stelle sieht er\nnidht, und sieht er sie, denkt er mit Reu und Gebet\nleicht sie abzubitten vor deml obwaltenden Gott.\nDodh des Geistes Gesetz ist die Gerechtigkeit.\nWunder der Allmacht zwar sind dem Geiste leicht,\nganz unmöglich aber jWunder des Willens. Gott\nkann keinen Geist beseligen wider seinen Willen\noder Wert. Marklose nützen da nicht.\nUnd dieses Gesetz eben heißt Gerechtigkeit, heißt:\nGott kann sein eigenes Reich1 nidht zerstören.\nDes unverzeihenden Schuldners Schwäche kränkt\ndie Reinheit des Geistes, wie aber kann ihn, den\nUnreinen, (ein anderes Unreines kränken? Kaum\nhat er Recht, es zu vermerken — und er will es\nahnden? (Alst ob (der Andere ihm verantwortlich\nsei! So sah der Göttliche, um den die MensChen-\nsinne jiur geworfen Waren wie ein Gewand der\nSeele, des • Redhts jämhierlichen Behelf, und wies\nihn puf.\nAllein der Sündenlose soll den ersten Stein\nWerfen auf die eingestehend Angeschuldigte.\nUnd hättei ein solcher sich gefunden, auch er\nhätte nidht strafen dürfen. Der Vorzug des\nseelischen Glückes, des eigenen .Vorrechts, das jhmi\ngeworden war, gab ihm1 kein Redht auf den seelisch\nminder Starken, minder Begabten.\nHartherzigkeit derer aber, die selbst Barm-\nherzigkeit sehr nötig haben, nimmt von ihrem\nHaupte, was sie andern weigern, nackt stehen sie\nnun da der strengen Gerechtigkeit, die zürnen\nwürde, falls sie (zürnen könnte.\nIm Reiche des (Geistes hört die Gewalt auf,\nda gibt es nicht Sklaven und Herrscher.\nNur Einer konnte die Sünderin strafen, der\nHeiland selbst. Aber ihn verlangte nidht nach Ver-\nletzung, sondern nach Genesung, so entließ er sie1\nmit Verzeihung zu einem besseren Leben.\nDer Umgang\nSage (mir, mit wem du umgehst, und ich will\ndir sagen, wer du nidht bist. Das gilt für jeden:\nder Umgang will Ergänzung, Andersgeartetes. Jesuis\naber hatte noch einen höheren Grund, alsb zu han-\ndeln. Um sich1 die Jünger, die künftigen Gefäße\nseiner Lehre, gern erbötig denen, die ihn aufsuchten\num Trost und Belehrung, vorsprechend bei Freun-\nden in der stillen, gegenseitig Geist und Gemüt\nnährenden Heiterkeit und gastlich herzlidhen Feier\nder Einkehr, suchte er nicht die Reichen und Mäch-\ntigen, die gesetzeiteln Pharisäer und Schriftgelehrten\nauf, die aus Hodhmüt leere Werke taten, auch nicht\ndie behäbigen Besitzer mittlem Standes. Die moch-\nten zu ihm kommen, wenn sie hungerten, aber sie\nwaren satt und (bedurften seiner nidht. Nein, die\nVorurteile brach er, mit den Geächteten ging er um,\nmit den schlecht Angesehenen, mit der offenkun-\ndigen, vom1 Hochmut der Tugendbolde, dem über-\ntündhten Moder der Seelb, dem Tode des Geistes\ngeächteten Sünde verkehrte er und trat ein in die\nWohnung (des Ausländers, des verhaßten Zollein-\nforderers fremdländischer Unterjochung, des\nHenkers des Handels und der Freiheit, denn längst\nvorüber waren die Tage der Makkabäer, der Hämmerer.\nDas waren die Gefäße seiner Gnade, sie erhob\ner, eine Lehre wollte er geben der Kleinlichkeit der\nöffentlichen Meinung — er, der göttlichen Ur-\nsprungs, sich dennoch schlidht des Menschen Sohn\nnannte.\nSo bradh er in die Vorurteile sein Geistesreich\nunendlichen Bruderfriedens und sah hoch hinweg\nüber die Vorurteile, die Enge des' vaterländisdhen\nAberglaubens'.\nArzt war er, und ging-, wo er Krankheit fand,\ner wollte gründen das Ueberreieih und suchte Bürger.\nDie sühnende Sünderin\nMan hätte den wunderlichen Meister von\nNazaret eingeladen, siidh' (zu Geimüte geführt —\nnicht den Wundertäter, den starken Sohn der Macht,\nden Geist in Gestalt.\nMan hat sidh diese Merkwürdigkeit kommen\nlassen, aber denkt nidht an Ehrerbietung, an gast-\nliche Pflicht.\nUnd (nun naht ein Weib: die Sünderin!\nDas Aergernis, was will's hier ?\nLodkere Sitten? Nein, hier wandelt man\nstrenger Satzung nach. Und so sdhliießen sich die\nMienen in verkniffner Lippe der Tugenddünker\nwiderstrebend über der eigenen Lüsternheit. Nei-\ngung allein hemmt Verweisung. Das Aergernis\nkniet, seine Seele fbadet in Zähren des Staub des\nIrdischen vom Füße wegstaubigen Wanderers.\nUnd alle die strengen Blicke fühlte es, das Aerger-\nnis — Blicke (in ihr Leben und in ihr befremd-\nliches Tun und Treiben. Und dodh ist sie Weib,\nsie muß sich spiegeln mit all ihrem blanken Emp-\nfinden im Lädhein der Umgebung. Mutig hat sie\ndiesen Zug bekämpft, als sie Sünde tat, der Lust\nzuliebe, \"mutiger besiegt sie auch die Verachtung\nder Freieren: Sie ist Geist.\nIhr Leib läßt die Sucht und dient in Demut\ndem Willen der Gottheit. Wie ein Mantel der\nGnade umhüllt sie das Haar, und demütig nimmt\nsie die schweren, vollen Ringel, um die duftende\nSalbe um die edeigefügten Füße des Gottesgängers\nzu führen. Das Salbengefäß, diese Graburne der\nEitelkeit, ist nun leer, köstlidh wie eine geläuterte\nSeele duften die schlichten Füße des Allgöttlichen.\nIn einsam strenger Sdhlankheit steht das Ala-\nbastergefäß Ida, immer aber kniet die Heimgefun-\ndene vor den göttlichen Augen. Auch sie fühlte\ndie gütigen Sonnen wie Wärme auf das! Bad, den\nsegnenden Regen der Rührung vollwilliger Reinheit.\nNoch kann sie nicht auf sich wagen, hinein nicht\nschauen, doch von all den Verachtenden um! sie\nweiß sie nichts jnehr.\nUnd nun sdhauert ihre Seele, ihr Sdheitel fühlt\ndie Gnadenhand kühl und lauter — sie ruht, die\nHand, und ist gegen: Gotteshand ist Gabe und\nGottesruhe Weihe. Der Heiland fühlt das Gesetz\nihrer reinen Liebe, seine seelensudhende Liebe hat\ngefunden (und freut |sich und wärmt. Der reine\nMann des göttlichen Willens versteht und gestaltet\ndes Liebesgesdhlechtes biegsame Seele. Höher als\nfeige Tugend, furchtsamer Kälte steht edle Ver-\nschwendung törichter Liebe, das kraftvolle Wilden-\nten1 des Willens. In seiner Göttlichkeit dankbarer\nRuhe lohnt der Hohe die Gabe gewendeten Lebens.\nIhr Salbengefäß der weltlichen Lust und Lockung,\nnun ist es leer, voll aber, über Rand und Zeit voll\nist nun ein Gefäß, das ehedem Staub nur barg und\nverwahrlosten Fleiß der Oede bezeichnenden Spinne.\nDie Besessenen\nErdbeben der Geister: Unerklärliche Unruhe\nfaßte, jagte und trieb sie auf die Menschen, diese zu\nbedrüdken, ihre Angst in ungeberdigen Bewegungen\nmitzuteilen und dadurch sich erleichtert zu fühlen.\nWas in den Menschen forschte, sie hierher und\ndorthin trieb, zu •Lehre und Richtung, zu Vater-\nl'andstum oder Anschmiegung ans Fremde: es hetzte\naudh (die Geister.\nUm nun der in ihnen furchtbarer, greller,\nungebrochener körperunverdumpfter sich zeigenden\nWendungsempfindung zu entgehen, luiri ihr und\nsidh zu entfliehen (und doch irgendwo Schutz zu\nfinden, verkrochen sich die Unvollkommenen und\nhinabgewandelten Geister bei den Menschen. Diese\nunreinen, ins Böse entschiedenen Geister der Un-\ndeutlidhkeiit, isie durfte der Meister nicht schonen,\ntmit ihnen durfte er kein Mitleid haben, wo es\nums schwebende Leben der freien, in Gleidhge wicht\nvorwärts schwankenden Menschennatur sich han-\ndelte.\nDa schnitt sein reinscharfes Antlitz, sein hart-\nruhiges Wort, seine schneidend schraubende, leichte\nHandauflegung sie aus ihren Sdhlupfwinkeln.\nDer Seelenseher\nAndere sehn die Gestalten, die Fehler und\nLockungen, Ergebenheit und Trotz, Schmeichelei\nihrer (äußeren Schicht.\nDer dauernde Geistempfinder, der von Gott ist,\nsieht nur die Wierdegestalt edler, sich mühender\nSeelen, und bei den Wenigen den köstlichen Geist,\nfür den sdhon auf Erden das Schleier spiel der Welt\nein Nichts ist. Er sieht die Liebe, wenn sie auch\nals Ausschlag, als zur Oberfläche tritt,\nals etwas aus zu großer Formbrunst Zergehendes —\ner sieht sie und sagt:\n„Ihr ist viel vergeben, weil sie viel geliebt hat.\"\nAuch die warm empfindende Sünderin ist rei-\ncher als der nüchterne geizige T ugendpocher.\nUnd so ist auch die Reue schön, wenn sie in ihrer\nTiefe Fieber ihre Höhe schaut.\nFrauen ;w,aren seines suchenden Erlösersinnes\nerstes Gefolge mit ihrer hingebenden, fassend die\nGnade, alle Gnade leidenden Seele. Erst das\nerstarkte, kräftige, körperlich tastbar gewordene\nSeelentum voller Sprünge und Einzeledken: das aus\ndem Einen ein Vieles gewordene — Moral — fassen\nund tragen auch die Männer; sie mit ihrem son-\ndernden Arbeitssinn mehren dann und opfern sich\nihm. Nur ganz Wenige aber dringen wieder hinein\nin den zarten Beginn und sind ruhig in ihm und\nmildfest. So war Johannes, so wurden die Gott-\nempfinder. jZur Vollkommenheit aber vereint sich\nbeides: Weibeszarte Frömlmigkeit muß männlich'\nheldenstark rühren, tätig sein, nicht leidend,\ngestaltend, gebend, frudhtbar — nidht fühlend nur\nund nehmend.\nJa, sie wollen Heil, die Mensdhen — aber von\naußen. Von Heute wollen sie hören, aber nidht\nden ,der die Ewigkeit redet. Das hindert den Geber,\nmacht ihn unfähig, hart und herb zu bitterster\nVerachtung das Wort des holdselig miit tiefen,\nernsten, seelenliebessehnsüchtigen Augen Sprechen-\nden. Er soll helfen. Man hindert ihn: das Ver-\nlangen, das enge Gebet schön schiebt beiseite seine\nGnadenhand. Aller Umstand — und sei er noch'\nso selig — kann nidht hinein in die unfertige,\nverunstaltete, nidht nach dem Geiste ringende Seele.\nSie wirft zu ihrer Genesung, zur Abwehr von\nKrankheitseLnschlüß, zur Verhütung blühend be-\nwucherten Uebels alles Glück hinaus, solange ihr\nZustand nicht lauter ist, nidht alles äußerlich Gute\nannimmt und wieder von innen heraus es verklärt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.4", "texte": "Gott kann nur anstoßen, das Lebensholde, die\nAusführung und Haltung kann jedem nur von dem\nihm innewohnenden, leicht verdunkelt und reglos\ngemachten, nahrungs- und ernährungslos verunstal-\nteten, Geiste kommen. Die Seele baut den Leib\nund das Glück, und die Seele baut den Geist.\nDer Geist aber ist Gottes.\nDas ist, was tdie Welt nicht kennt und es\nhindert: Idas Reich, [nicht von dieser Welt, das\nHimmelreich, das nur mit Gewalt, mit\nräumung jder Zufaltedhichten, (der Oberflächlich-\nkeiten des Lebens gewonnen werden kann.\nSo ist es auch mit der Kunst, der Verlaut-\nbarung ;des Lebens: auch! sie ist hinwegräumende\nGottes sucherin,\nAlles Tiefe geht zu Gott.\n\nLiebespsalme\nVon Peter Baum\nI\nDeine Nächte klagen in meine Tage\nDurdh mein Träumen rieselt das Blut deiner Füße,\nO, ich will dir forttrinken alle Tränen,\nIch will dich tragen unter meine Wipfel.\nMeine Wipfel' sind kühl und voll Frieden\nUnd baden sich (hoch in tiefen Wassern.\nHimmels tiefen tropfen zu uns hernieder,\nAus ewigen Meeren durch heilige Wipfel.\nSchlummre du tief in meinen Armen!\nMeine Augen sind stahlhärte Engel: die wachen\nUeber deinem Frieden.\nII\nAlls du zu imir tratest,\nNachtzagende Wimpern hobst,\nWolken taten sich auf,\nZwei Sterne kamen.\nDie Angst deiner Sterne\nIst (älter als idu,\nVieler (Geschlechter Gram. •\nOft glaube ich, dein Lächeln\nUeb ersonne mich\nAus vielen großen Feuern.\nIII\nDeine Augen leuchten vor Dunkel,\nUnd ein spinnendes Weinen\nDeiner schwarzen Haare\nUeber da® Leinen.\nO dein blasses Gesicht,\nUnd wie deine schmalen Hände\nUeber die Kissen suchen —:\nRührendes (Stammeln\nEines sprießenden Liedes,\nDas blühen möchte.\nMeine Seele sucht mit dir.\nIV\nWenn die Rosen des Morgens aufstaunen,\nMöchte ich zu dir kommen!\nIch brächte deiner Btirne kühlen Tau\nUnd deinen Uppen Lachen.\nIn meinen Nächten schreckt mich deine Einsamkeit;\nSchmiege dich tief In die Fl'ügel meiner Seele ;\nDunkel rauschten sie über die Meere,\nBis sie zu dir sich fanden.\nV\nWenn Hie Nacht von dannen geht,\nWollen (wir uns aus dunklen Schalen\nUnser Blut reichten.\nEin Auge wollen wir sein und eine Seele\nSchauernd über der Täler\nBrennend klaren Kelchen.\nSiehst du den Morgenwind? Er trägt\nSchwebendes Leben von Büschen zu Besehen,\nHalm zu Halm.\nSei du mein!\n\nWeltflucht\nDichtung von Else Lasker-Schüler\nMusik von Herwarth Waiden"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.5", "texte": "VI\nUns deckt der wallende Mantel\nDes Abends mit tiefen Schatten,\nUnsre Wipfel lachen voll Sternen.\nUnsre Wipfel staunen:\n„Wart ihr nicht zwei törichte Kinder?\nEin Mensch, hebt |ihr euCh nun\nUeber uns empor.\"\n\nDer Wetterprophet\nEine chinesische Geschichte\nVon Paul Scheerbart\nAis ich vor drei Monaten in Peking war, lernte\nich bei dem italienischen Gesandten an einem\nlustigen Gesellschaftsabend den reichen Herrn Li-\nBan-Schin kennen, der als Wetterprophet im Lande\ndes Zopfes ein großes Ansehen genießt.\nDie vornehmen Chinesen sind heute den Euro-\npäern gegenüber nicht imehr so diplomatisch zu-\ngeknöpft wie vor zehn Jahren noch. Auch im\nOsten des asiatischen Kontinents ist vieles anders\ngeworden. Und so kam es, daß Li-Bari-Schin mich\nnoch an demselben Abend, an dem er mich kennen\nlernte, einlud, ihn an einem der nächsten Tage in\nseiner Villa zu besuchen.\nEr sandte mir eines Morgens ganz früh, gleich\nnadh Sonnenaufgang, sein Automobil, und nach\ndreistündiger Automobilfahrt empfing mich Herr\nLi-Ban-Schin im Portal seiner Villa zwischen zwei\ngroßen jweißen Porzellanhunden.\nDie Villa war eine Porzellan- Villa — außen\nblau und innen hellgelb. Schwarzer Sanimetbelag\nbedeckte [überall den IFußboden. Und die Hälfte\naller Porzellanfließen wrar sowohl innen wie außen\nbemalt. [Die Möbel bestanden aus geschnitztem\nEbenholz — tief schwarz, aber nicht poliert. Das\nKöstlichste steckte in den großen bunten plastischen\nPorzellanfrüchten, die in dekorativen Kränzen\nmitten in den Wänden und an Tür- und Fenster-\numrahmungen innen wie außen das Ganze belebten;\ndiese Weintrauben, Pfirsiche, Pflaumen, Aepfel,\nKirschen ,und Aprikosen erinnerten (ein wenig an\nitalienische Renaissance, obwohl da der Farben -\nreidhtum lange nicht so üppig hervortrat wie hier.\nDaß diese Porzellan-Villa in China entstand, dafür\nsprachen die Malereien, die durchaus in rein\nchinesischem Stil blieben i— und zwar in einem\nganz alten, dem man Verwandtschaft mit dejm\nmodernen 'Geschmack nicht nachsagen konnte.\nich (mußte zunächst mit Herrn Li-Ban-Schin\nfrühstücken. Es gab Tee, Cognac und mindestens\ndreißig chinesische Delikatessen — dazwischen Zi-\ngaretten und Zigarren. Ich hatte jedoch gar keine\nZeit, dieses Frühstück viel zu betrachten, denn der\nHerr (des Hauses 'war sehr gesprächig. Er hatte\nsich in jüngeren Jahren sehr lange in Berlin auf-\ngehalten (Und sprach 'fließend Deutsch.\n„Man hält mich hier\", sagte er lächelnd, „für\neinen Wetterpropheten. Aber ich bin eigentlich\netwas (mehr. Mir ,ist es eigentlich ganz gleich-\ngültig, ob es regnet oder schneit, ob es windig oder\nnicht windig ist.\"\nNun war idh natürlich sehr neugierig, ich ließ\nmir vom Diener Selterwasser geben — ganz! kaltes.\nUnd ich goß Oognac hinzu und rauchte zunächst\neine\nUnd Herr Li-Ban-Sdhin fuhr währenddem in\netwas nervöser Hast fort:\n„Wissen Sie\", sagte er gestikulierend, „ich\nglaube doch, daß man in Europa immer noch die\nSonnenenergie (unterschätzt. Und das geht doch\njetzt nicht {mehr. Die Natur der großen Sonnen-\nflecke ist für uns noCh immer ein ungeheuerliches\nRätsel; [daß sie aber Beziehungen zu dem Wetter\nin unserer Erdatmosphäre haben, das ist doch nicht\nmehr zu leugnen. Ist aber der Einfluß der Sonnen-\nfck-Energie auf die Erdatmosphäre nicht zu leug-\nnen, so muß man dodh auch annehmen, daß dieselbe\nEnergie auf die Menschenköpfe wirkt. Mithin haben\nwir Krisen, Kriege und Revolutionen mit der Son-\nnenenergie in Verbindung zu bringen.\"\n„Die Ansicht ist nicht neu!\" sagte ich leise.\nEin Diener putzte währenddessen einen FruCht-\nkranz, der uns gegenüber die halbe Wand bedeckte\nund 'mindestens einen Umfang von vier Metern\nhatte, blitzblank.\nHerr Li - Ban - Schin pfiff leise und gab dem\nDiener einen Wink, nach dem er sofort verschwand.\n„Ich weiß\", fuhr der chinesische Herr fort,\n„daß die Ansicht, die ich entwickle, schon vielfach\nausgesprochen worden ist. Aber noCh niemals ist\nmir die Wahrheit der Geschichte so eindringlich\nklär geworden, wie in diesem Sommer. Das Wetter\nist, wie Sie bemerkt haben, in diesem Sommer des\nJahres 1910 gänzlich unnormal. So unnormal\nwar's schon lange nicht. Und nun kommen überall\ngroße Krisen, Kriege und Revolutionen hinzu —\nin der Türkei, in Persien, in Portugal, in Deutsch-\nland — und bei uns auch. So viel passierte\nnoch niemals in einem Somjmer. Und dazu\nkommt jdie rapide Entwicklung der Luftschiffahrt,\nBleriot ist schon über den Kanal gefahren. Soll\nnoch mehr passieren? Glauben Sie, das alles hängt\nnicht mit dem Wetter und danach mit der Sonnen-\nenergie (Zusammen? Unser ganzes Leben ist be-\ndroht. Wir leben alle wie in einem Porzellanhause.\nMein Porzellanhaus ist symbolisch für unser ganzes\nLeben; gebrechliche Materie umgibt uns auf allen\nSeiten — gebrechliches Porzellan. Ich bin nicht\nnur ein Regenwetterprophet, ich will audh das\npolitische Wetter prophezeien. Und das ist es,\nwas idh Ihnen sagen wollte.\"\n„Ja\", versetzte ich ruhig, „Schwarzseher gibt's\naber in Europa schon genug. Wenn irgend etwas\nlos ist, glauben viele gleich, die halbe Welt könnte\nuntergehen. Aber diese Untergänge sind schon so\noft prophezeit, daß manche Leute gar nicht mehr\nängstlich tzu machen Sind. Das können Sie mir\nglauben.\"\n„Das ist es eben\", flüsterte er erregt, „nach\nmeiner Meinung sollen (die Leute audh gar nicht\nängstlich Werden. Aber es wäre doch gut, wenn\nsie darauf aufmerksam gemacht würden, daß ganz\ngroße Umwälzungen auf allen Gebieten des Lebens\nbevorstehen. Denken Sie an die Zeit, vor hundert\nJahren! Napoleon war noch nicht in Moskau. Man\nhielt die politischen Umwälzungen für sehr wichtig.\nEs war ein stürmisches politisches Wetter damals\nin Europa. Das politische Wetter hatte aber gar\nnicht so viel zu bedeuten; es war nur der Vorbote\nfür ein größeres Unwetter — für das Unwetter,\ndas durch die {Entwicklung der Eisenbahnen der\nGroßstädte, der Elektrizität und der ganzen Technik\nhervorgerufen wurde — das wir erlebt haben. Und\nso kündigt sich jetzt auch ein ganz neues, großes\niUnwetter an, und die politischen Stürme und die in\nder Atmosphäre sind nur Vorboten. Habe ich recht,\noder habe ich mcht recht?\"\nJetzt bekam ich zunächst wieder Appetit, und\nich sagte das — ich sagte gleichzeitig:\n„Sie müssen mir ein wenig Zeit lassen. Ich\nwill mir, was Sie sagen, ein wenig überlegen. Meine\nAntwort wird nidht lausbleiben.\nMit der größten erklärte er, daß\ner durchaus einverstanden sei, und er gab dem\nDiener ein Dutzend Aufträge.\nUnd ich aß jmit Löffel und Gabel von allen\nden dhinesisdhen Delikatessen, die jmir vorgesetzt\nwurden — von allen nur eine Kleinigkeit. Es war\nsehr delikat, und idh dachte über diesen seltsamen\nGastgeber nach, der schweigend dasaß und mit ge-\nsenkten Augen eine echte Kuba-Zigarre rauchte.\n„Idh bin\", sagte ich dann, als ich nicht mehr\nessen mochte, „eigentlich durchaus Ihrer Ansicht.\nDoch 'weiß ich iniCht, worin das neue Unwetter\nbestehen soll, das jetzt im Anzüge sein soll. Ich\nweiß es nicht.\"\nHerr Li-Ban-Schin zog seinen dunkelblauen\nSeidenmantel fester um seine Schulter und sagte:\n„Die Dampfbahn hat im vorigen Jahrhundert,\nwie Sie mir zugeben werden, ganz ungeheuerliche\nUmwälzungen hervorgebracht. Dagegen waren alle\npolitischen Umwälzungen und auCh alle Kriege des\nneunzehnten Jahrhunderts so gut wie gar nichts.\nDanach kam das Automobil, und nach dem das\nlenkbare Luftfahrzeug. Und dieses Lenkbare wird\nim zwanzigsten Jahrhundert noch mehr umwälzen\nals alle Dampffahrzeuge des neunzehnten Jahr-\nhunderts umgewälzt haben.\"\n„Ist es da {nicht\", fragte ich lachend, „sehr\nunvorsichtig, in einem Porzellanhause zu wohnen?\"\n„Das tu ich\", erwiderte er, „nur der Freude\nwegen, die ich am Symbolischen habe. Ich war\nam Ende des .vorigen Jahrhunderts in Paris und\nlernte da einige sogenannte Symbolisten schätzen.\nDoch ich weiß (nicht, ob Sie wissen, worin das\nGefährliche der modernen Luftschiffahrt besteht.\"\n„Nein! Ich weiß es nicht!\" sagte ich Jeise.\nUnd er fuhr fort:\n„Die Europäer überlegen sich die Sache immer\nnoch nicht. Es ist doch nicht mehr daran zu zwei-\nfeln, daß wir in kürzester Zeit sehr viele lenkbare\nLuftschiffe und sehr viele Gleitflieger haben werden\n— sie können bald nach Hunderten zählen — und\nbald nach Tausenden. Und dann wird der Mili-\ntarismus sich fast nur dieser Luftvehikel bedienen\nund alle anderen Vehikel wie eine Nebensache be-\nhandeln. Und man wird aus diesen Luftvehikeln\ndie gefährlichsten Sprengstoffe herauswerfen — und\ndie können überall hinfallen und alles zerstören.\nSind da nicht ungeheuerliche Umwälzungen zu be-\nfürchten? Ich bitte Sie Sie müssen ja blind\nsein, wenn Sie die nicht sehen. Was die Haager\nKonferenz sagt, ist dodh eine platonische Ge-\nschichte, um so was kümmern sich doch die Leute\nnicht, wenn sie den Krieg wollen. Und die Revo-\nlutionäre werden sich um die Beschlüsse der Haager\nKonferenz noch weniger bekümmern — das' ist doch\nso klar wie der Einfluß der Sonnenenergie auf die\nMenschenköpfe. Sagen Sie das doch den Euro-\npäern. Erzählen Sie ihnen, daß ich in einem Por-\nzellanhause wohne, um damit eine permanente sym-\nbolische Sprache zu sprechen. Ich will damit sagen,\ndaß wir alle in einem Porzellanhause wohnen —\nalle — alle — die Europäer auch.\"\nWir sprachen noch bis tief in die Nacht über\ndieses Thema.\nUnd als ich am nächsten Tage zwischen den\nbeiden großen Porzellanhunden, die zwei Meter\nläng waren, Abschied nahm, sagte ich kopf-\nschüttelnd : i .'\n„Welch ein seltsames Land ist dieses China!\nDaß ich alles das von einem Chinesen hören\nmußte!\"\nich werde die Gespräche in dieser Porzellan-\nVilla in meinem ganzen Leben nicht vergessen.\n\nAntikritisches\n\nNachdem ich mich seit Jahr und Tag gewöhnt\nhabe, mein Kunstbedürfnis faute de rnieux in\nCinema, Variete, Zirkus zu befriedigen, bedeutet\nder erste Gang ins Konzert eine folgenschwere\nHandlung. Ich schätze alles, was schweigt; und\nKafypso, die süße Liedersängerin, die Hehre der\nGöttinnen, sagte einmall: „Eine fürstliche Kunst\nist die Musik. Ich muß die Schweigsamkeit lieben,\naber wenn es mich nach einer Stimme verlangt,\nzu wem soll ich sprechen, wer soll zu mir sprechen ?\nich lasse die Menschen nur in der Musik an mich\nherankommen. Sie redet in großem, feierlichen\nTon von ihnen, ohne Umlsdhweif, sachlich, streng\nüberliegen, lohne Wort für das Bestimmte, Klein-\nliche, Feintiefe. Ein vielsagendes Mienenspiel geht\nüber ihr Gesicht.\" Ich tat einen folgenschweren\nSchritt, und will den letzten Grund, der mich zu\ndiesem ersten Sdhritt bewegte, nicht zurückhallten,\nnämlich: die Kritik, auch meine Kritik ist schlecht\noder war schlecht. Die Kritiker erfassen ihren\nBeruf falsch. Sie vergreifen sich in edelster Ab-\nsicht mit Vorliebe am untauglichsten Objekt. Es\nhandelt (sieh zwar bei unserer Kritik niemals um\nUrteiifsübermittelung an die pp. Herren Autoren,\ndie ** * Schauspieler ;wäre hier etwas zu bessern,\nwäre den pp. ** * fängst geholfen. Viel mehr liegt\nuns an dem Hörer, der in der dicken Publikums-\nmasse urteilsschwach den Darbietungen gegenüber-\nsitzt und von den charakterisierten Herren pro-\nfessionel! (ausgebeutelt wird. Statt dauernd Ver-\neine zur Verbilligung des Theaterbesuchs zu grün-\nden, sollte sich das Gesamtpublikum zu einem\nRiesenskat zusammentun, und die feindliche Partei\naushungern. £)iie Skatabende ehemaliger Theater-\nbesucher würden sich größter Beliebtheit bei dem\nOberkomitee jder Aesthetik erfreuen.\nAber ich sehe jetzt immer deutlicher, daß un-\nsere Unterhal'tungsbedürfnisse genau so viel mit\nKunst zu tun haben, wie unsere Handlungen mit\nder 'Moral. Sehen Sie sich ein Theater an; mit\nGeneralstreik, Riesenskat ist da nichts zu machen;\ndie pp. Kreuzelherren und der Publikus sind ganz\nunter sich und quietschvergnügt beieinand. Hol\nsie beide der heilige Borromäus; aber ein Stier ist\nkeine Heuschrecke, und ein Veilchen keine Queck-\nsilbersalbe. Das heißt zu deutsch: das liebe Vieh\nliefert nichts als Kalbskotelette, höchstens Esels-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.6", "texte": "milch. Und ohne beleidigendes Bild: die Schau-\nkünste mag man hochachtungsvo 11 ergebenst mit\nidealistischen Kritiken verschonen. Die Skala\nlautet: 1. verurteilen, 2. beurteilen, 3. verstehen.\nDiese Dinge haben Gesetze und Gründe höchst\nsolide in sidh; es gibt nicht eine einzige Aesthetik\nso wenig es eine einzige Moral gibt.\nIch war im Walh a 11 a-The a t e r am Wein-\nbergsweg. Allah ist groß, und nach dem Rosen-\nthaier Tor ist eine weite Strecke. Auch mit den\nPrinzipien einer neuen gegenständlichen Aesthetik.\nNaCh zehn Minuten saß ich gesenkten Hauptes da.\nWäre ,ich drei Tage jünger, ich würde loslegen\nund brüllen wie — jener Stier, der keine Heu-\nschrecke jist. Aber ich beruhigte mein Hiebes Ge-\nmüt mit der Wendung, man solle Stiefel nicht mit\nGänseschmalz behandeln wollen. Ich würde mich\nfächerlich machen mit dem Gebrüll. Vielmehr:\nPortugal! ist von Stund an kein Königreich\nmehr; die Dynastie Braganze hat abgewirt-\nschaftet; lassen wir die Vorgänge auf den Pyrenäen\nnidht widerhallos an uns vorüberdonnern! Stürzen\nwir das Königreich der Kritik, schlagen wir die\nprunkenden jund dezenten Fenster ein, rollen wir\nauf das baumwollene Banner der demokratischen\nKunstrepublik, und rauben wir der festesten Mo-\nnarchie ihre Devise: Jedem das Seine, Gerechtig-\nkeit für Alle. Und so lebe der Weinbergsweg!\nIdh hob wieder den Kopf. Kennen Sie noch aus\nder „Wildente\" den Mann mit der sittlichen For-\nderung in der Hosentasdhe? Er ruiniert eine Fa-\nmilie. Die Apostel mit der Schönheitsfiorderung\nin der Hosentasche sind unschädlicher geblieben.\nDas Publikum und seine Kunst hat ein dickes Fell;\nes grunzt noch mit Behagen über die phantastischen\nKritiker-Fliegen, die auf seiner Nase tanzen. Und\nso konstatiere ich in der süffisanten Haltung des\nNaturwissenschaftlers, daß der Weinbergsweg eine\nNotwendigkeit für Berlin bedeutet. Das Metropol-\ntheater jist klein und teuer; das Walhallatheater\nwird, wenn es noch mehr Kapital! daran setzt,\nreüssieren. Etwas weniger kindlidh, weniger Neu-\nRuppiner Bilderbogen wäre auch1 ganz gut; man\nsoll auch als Autor seine Phantasie nicht absolut\nbeschränken auf Erinnerungen aus dem' Zirkus\nBusch, Passagetheater und dem1 Metropol. Aber\ndas Ganze stimmt, ist sogar entwicklungsfähig —\nwenn man nur nicht die Herren Freund und\nHolländer als Klass;i:ker anbeten m|ödhte. So schlecht\nsind sie doch noch nicht. Ich emlpfehle für die\nZukunft aktuelle Märchiens'piele; lesen Sie mal\nAriistophenes [Komödien; und statt einer ziemlich\nsinnlos (gereiften Revue der Ereignisse halten Sie\nsich einmal! fest an ein paar Fakte und bauen Sie\ndaran (herum. Lernen Sie Kürze und Gedrängt-\nheit, Dramatik vom Kinema. Geben Sie der kost-\nbaren Buntheit Ihrer Bilder einen glitzernden siche-\nren Rahmen, meine Herren Direktoren. Die neue\nAesthetik wird Sie unterstützen. Ich werde regie-\nrungsfähiig. Zwei Tage darauf saß ich in der\nSingak a d e m i e zum ersten Abend des Wi t -\nt e n b e r.gquartett s, da wurde mir meine Kritik\nsehr schwer. Der Saal! war überheiß; ich schlief\nden ganzen Mozart durch. Der Mann wäre sicher\nein vorzüglicher Musiker geworden, wenn ihn nicht\nseine Klassizität verdorben hätte. Man spielte\nHaydn mit Schwung und Grazie, ich! weiß nur nicht,\nwarum ;man ihn noch slo viel spielt; einhundert-\nundfünfzig jjahre sind kein Pappenstiel, und die\neinstmals schönsten Sachen verblassen notwendig,\nsind verblaßt, halbtot. Nun lastete der furchtbare\nSdhatten Beethovens über dem! Saal; ich blühte\ndarunter fast auf. IChl verstehe; hier verstehe ich.\nAber es war zu viel für mich1, ich schlich jballd!\nhinaus. Auf der Treppe fiel mir die objektive Kritik\nein. Ja, hier war ich Mensch, hier könnt ichs sein.\nIch will in Zukunft Stiller halten, kühler blicken,\nmich wehren gegen die Ueberwältigung. Ich bin\nkein Mensch, sondern ein Kritiker.\n\nAlfred Döblin\n\nMoloch\nDas Jammerspiel des nachgelassenen Pflegers\nvon Josef Kainz wurde al!so tatsächlich in Berlin\naufgeführt. Natürlich von der Familie Qettke im\n„Modernen Theater\", Fritz Engell, der den Zeit-\ngeist beherrscht, nennt es kühn die „Räuber\" des\nAutors und erwartet von [ihm also mindestens\nKabale (und Liebe. Man muß Schiller tatsächlich\ngegen seine Verehrer (Herr Engel! gehört zu ihnen)\nin Schutz nehmen. Schließlich war der doch kein\nTscbirikoff-Epigone, wie der traurige Verfasser des\n— Mut! — Dramas der Moloch. Wie nahe die\nBomben an ihm vorbeigeflogen sind, weiß die\nVossische Zeitung nicht. Sie kann sich beruhi-\ngen: im Cafe Museum zu Wien tut man so etwas\nnicht. Die lästigen Ausländer in Preußen schmug-\ngeln sich aus Oesterreich ein (und seinen Kron-\nliändern). Und ihre Waren finden in der Presse\nund an den Theatern reißenden Absatz.\nWenn doCh mehr Kunstpolitik in Deutschland\ngetrieben würde! Einem Didhter, einem Künstler\nseine Fehler zu zeigen, bedeutet Gewinn für alle\nTeile. Einein unfähigen Dilettanten zu analysieren\nheißt ihn zur Fortsetzung des Gewerbes zu veran-\nlassen. Dazu liegt kein Grund vor. Bleibt zu\nbeweisen, daß der arni de Kainz1 kein Dichter ist.\nZwei Sätze genügen. Die Verschwörer erklären\nfeierl!idh ihre Gemütsverstimmung: „Wir alle stehen\nunter Hochdruck\". Der „Held\", der nicht mehr\nBomben werfen will, lädielt bitter: Grüßen Sie\nmir die Menschheit! Die Menschheit nämlich ist\nder Moloch, der keinen „ausläßt\". Der Held will\nnidht mehr Revolution mitspielen, die Einzelhaft\nhat ihn gebrochen. Er muß endlich sei Ruh haben,\neventuell isogar durch den Tod. Er sieht keinen\nZ w e c k, weil er den Zweck jeder Revolution über-\nsieht: die Begeisterung, denn er ist geistlos, wie\nsein Schöpfer.\nJedesmal erlebt man dieselbe komische Erfah-\nrung: die schlechten Autoren und Kritiker schimp-\nfen auf Nietzlsdhe und Ibsen, und sind entzückt,\nwenn sie deren Gedanken verwässert oder in gas-\nförmigem Zustand vorgetragen bekommen. Sie\nreden dann vom philosophischen Gehält. Und Her-\nmann Bahr schreibt offene Briefe an Schaubühnen-\nbesitzer, man solle ja das Stück richtig verstehen!\nEr hat den Beruf des Molochmännes verkannt. Er\nsoll sidh von ihim1 pflegen lassen! Treu bis in\nden Tod. Der Autor ist erst bei den „Räubern\".\nUnd das hat Herrn Bahr verwirrt. Dem Mann\nkann geholfen werden. Nein, Deutschland und\nOesterreich: der Mann kann helfen.\nTrust\n\nVom Tage\nJ. A.\nOh Mensch!\nHermann Bahr ist Propagandist der Wahrheit\ngeworden. Die Kfimtsche Veritas, die vor seinem\nArbeitstisdh schon viel! Staub angesetzt hat, wird\naus dem Rahmen gefallen sein. Man hat Kainz:\ndie wahre Natur seiner Krankheit verschwiegen.\nJeder ,vernünftig denkende wird das! billigen, nur\nBahr lläßt es nicht z!u, er muß es sagen, daßi „der\nArzt dem Kranken die Wahrheit schuldig ist\". Er\nwirft das Thema in einem neuen reaktionären Mon-\ntagsbllättdhen den Di skü ss ions hy ä nen zum Zer-\nfleischen (hin.\nDer Sterbende soll ein Redht haben, zu wissen,\ndaß er stirbt. Aber der Gesunde kann sterben,\nehe er es gewahr wird. Warum', Meister, dem\nSterbenden (mit der Verabreichung des' grellsten\nSonnenlichtes der Wahrheit das Ende noch dunkler\nerscheinen Jassen, wenn Iman den Gesunden nur\nmit ihren Tallglidhtern den dunkeln Weg erhellte.\nSie können sich das Entsetzen nicht ausmalen,\nwe n n sie pl!ötz 1 i d h gewahr würden,\nih r ei g ein e s Ste rb ein ve rsä u m[t z[u\nhab e n. Vielleicht gelingt das einemf andern, sofern\ner von Ibsen tief durchdrungen ist, aber um! des\nGlückeis der mysteriösen „Erkennung\" willen,\nwird sich kaum irgendwer den Tod ansagen\nfassen.\n„U n d je me h r e s ein Men s d h is t,\nder erkannt hat, daß es seinen eigentlichen Wert\nausmädht, (des Lebeins ganz inne zu werden, und\nwas das Schicksal ihm' zugewiesen hat, nicht bloß\nzu erleiden, sondern bewußt zu erfüllen, ja selbst\nzu gestalten, desto schlimmer wird es für ihn sein,\nwenn er zu fetzt dodh erkennen muß, (nicht etwa,\ndaß die Bahrsche Philosophie keineml Hund das\nSterben leichter machen kann, sondern), daß er\nbetrogen worden ist.\"\nJa, je me h r e s ej, n Men s d h is i\nSanssoucier\nAlles Talent, das ihm für die Zeichenkunst\nabgeht, stellt Herr Edmund Edel unter die ertrags-\nfähigen Fittiche der literaturbehafteten Presse. Noch\nplaudert er, dodh er ist auf dem' besten Wege,\nTurszinsky ist sdhon so weit, einer derjenigen zu\nwerden, (die etwas zu „sagen\" halben.\nAm fünfzehnten wurde das Restaurant Sans-\nsouci eröffnet. Sans rime et saus raison erzählt\nEdel davon (in demselben Montagsblättchen). Er\nnennt die Eröffnung eine „Premiere am Kurfürsten-\ndamim\". Bezei dh nen d war schon für das große\nEreignis, daß Edel in einem goldenen Auto hin-\nfuhr. Tatsächlich. Er sagt es. „Ich führ in einem\ngoldenen Auto hin, wie der Prinz: im! Märchen.\"\nUnter einem Prinzen tut ers! nidht. Aber erst an\nOrt und Stelle vergißt er nicht, daß er nur (ein\nDiener der „immer hungerigen Leserwelt\" ist und\nihr Berichte zu servieren \"hat.\n„In einem güldenen Auto fuhr idh hin (er sagt\nes zweimal), aus güldener Kanne (gleich aus der\nKanne?) trank idh Kaffee und aus einem güldenen\nTraum erwadhte ich am andern Mittag.\" Und dann\nsetzte er sich an einen güldenen Schreibtisch und\nschrieb mit güldener Feder Blech, der Dichter: er\nwar in einem MärChenland, während er doch nur\nin einem neuen Restaurant gegessen hat; allerdings\n„um mit andern die Sensation des Kurfürstendamms\naus der Taufe zu essen und zu trinken\". Er rühmt\ndie Intimität des Raumes, „die mit der un-\naufdringfidh e n Vorn ehrnh e i t seiner\nAusstattung we 11 eif e r t\".\nIdh könnte in einem Raum, dessen Intimität\nohne Ursadhe noch Zweck mit seiner unaufdring-\nlichen Vornehmheit unausgesetzt wetteifert, ebenso-\nwenig mit Ruhe essen, als das Lobragout zum\nErbrechen reizt, das Edel nach seinem1 Erwachen\naus dem güldenen Traume auf dem kleinen Rokokb-\npavillon, „der so weltverloren an der Straßenecke\nlag\", zubereitet hat. Jedoch an dem1 neuerlichen\nSjeg der Kultur, daß „die verwöhnten Lebens-\ngenießier des Westens jetzt in der Nähe ihrer Be-\nhausung anstän d i g e s zu essen bekommen\",\nkönnte jidh Irnich sattfreuen. „Die Kosten für die\nNadhhausefahrten werden gespart werden und das\nGeld dafür lieber an die schönen Begleiterschei-\nnungen der MonokelÜnhaber zur Hebung ihies Toi-\nlettenbudgets [ausgeliefert.\"\n„Und der krause Stil1 des Rokoko ist mit dem\nKomfortbedürfnis der Moderne vereinigt.\"\n„Oben im kleinen Saal hatte Dr. Artur Lands-\nberger eine illustre Gesellschaft versammelt, um die\nAnwesenheit eines Großen zu feiern.\" Nidht\nBahr s. Eiin e s no dh größie r e n. „Fulda,\nReicke, Reinhardt, Geiger, Walter Turszinsky, sie\nalle jmit ihren Frauen, Barnowsky, Rudolf Lothar,\nCarl! Hauptmann und die pikante Tochter von\nBrandes zierten die Tafel1, wie die Rosen, die zwi-\nschen den Gläsern lagen. Wie di e Rose n. Nach\nMitternacht Ischlossen sich die Türen des Saales\nund der ewig junge Brandesl ergr i 112 112 das Wort.\nDa is ed I e Bii 1 d de r Jungfrau von Orl e -\na n:s sdh wankt im We dh se 1! der Zeit e n,\naber Brandes Ruhm steht fest.\"\n„Seiine bedeutungsvolle Rede (anders konnte sie\nnicht sein) entfachte ein ganzes Feuerwerk Im-\npromptus, mit denen vor allem Ludwig Fulda ant-\nwortete.\" Das war doch wohl nicht möglich. Aber\ndie Wahrscheinlichkeit, daß, Rudolf Lothar von dem\nFeuerwerk einen Schein mit nach Hause nahm, um\nihn in seinem nächsten Libretto fortleuchten zu\nlassen, liegt furchtbar na;he.\n„Es war spät, als die letzten SänsSouCier auf\nden .Kurfürstendamim traten.\"\nEr soll sich unter ihren Füßen gekrübi'mt haben.\n\nBeachtenswerte Bücher und Ton werke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nOSKAR KOKOSCHKA\nDie träumenden Knaben\nWiener Werkstätte 1908\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn:\n1.V.: Oskar Kokoschka"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.7", "texte": "Verantwortl. f. d. Anzeigenteil: A. Bots / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle and Anzeigen <■ Annahme: Berlin W. 35 / Druck v. Hans Walter, Berlin SW.I 3\n\nHeue Secession\nSraphische Ttussfellung\n1910\n1. OMober bis 1. December\nin fler\nOaierie maximlllan ITlachf\nEseSS] I5SSS3 ES?9S] iS5Sl [SS«2 tSSS]\nBerlin Hi., Ranhe-Strasse 1\nan 9er Kaiser HJilheim SeSachfnis - Hirche"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101027-01.1.8", "texte": "Auslieferung fSr Ost rrelch-Ungam A. MShlhans-Smital Wien IX / Für den Buchhandel: M. Braunschweig Wien IX / \"erantwortl. für die Schriftleitung in Osterreich: I. V.: 0. Kokoschka\n\nWochen-Spielplan der Berliner Theater\nOktrfchps* Dienstag Mittwoch Donnerstag- Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\nVJ'illUtfEf- 25 26 27 28> 29 30 3K Spielplan:\nDeutsches Theater F . «inrnnriin Judith Ei]! Sommer- Premiere w linfl nipnpl. q11Tril1vAn Kleines Theater Die verflixten Frauen-\nSchumannstrasse 13 a ' 1 \" 1 nachs träum Herr und Diener Unter den Linden 44 zimmer / Erster Klasse\nKammermnftlft * Komödie der ~ , Komödie der -j-, » , Komödie der Komödie der a Modernes Theater\nQoii? ? Irrungen / Heirat ni. , Irrungen / Heirat 0 , Irrungen / Heirat Irrungen / Heirat Gawan .r*?L Der Moloch\nSchumannstrasse 14 „r.n Gleichen tttmi am Scheidewege • TTT.„ «j t-it-h Königgrälzerstr. 57 58\nwider Willen wider Willen wider Willen wider Willen\nT)qv öfißv von Olivpra\nLessingtheater Wenn der junge Wenn der junge Wenn der junge Die Frau vom Wenn der junge Wenn der junge Wenn der junge Neues Theater\nFriedrich Karlufer l Wein blüht Wein blüht Wein blüht Meere Wein blüht Wein blüht Wein blüht Schiffbauerdamm 4a|5 1 y Reg\nNobl6ss6 obli^e\nssssÄ. «.**■» ssas. «\">«»- wm— saat\"1\"\nOperntlie\"terC,'e9 Figaros Hochzeit CavaUeria GaSt^n1fnMnS° Lohengrin Fideiio ° LieCtraok180 Siufonie-Ktmze« 7 ab Der heilige\nKönigsplatz 7 rusticana * Hain\nNeues Der Tartüff Gastspiel TrieschfGastspiel Triesch Der Tartüff Gastspiel Triesch f-ipr -npher nnwe Neues\nSchauspielhaus Der Herr yon Jungfrau von Jungfrau von Der Herr von Jungfrau von 1 Kraft Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNoiiendorfstrasse 11 [12 Pourceaugnac Orleans Orleans Pourceaugnac Orleans c Schiff bauerdamm 25\nBerliner Theater Die thörichte Tai*-.« mn;fnn Die törichte er schwarze Die törichte Theater des ,\nCharlottenstr. 93 Jungfrau Taltun Talfnn Jungfrau Der,f(Cn^fze Junker Jungfrau Westens Die schönste Frau\n_ Junker ° Kantstrasse 12\nSchauspielhans Rabenrteinerin Der Krampus 11 ZopfundSchwert Maria Stuart Der Krampus Die Journalisten Hurrah - Wir leben noch!\nGensdarmenmarkt\n\nMlpninpiffl\nhi\nfi\nm\nLernt durch\nSelbstanterricht\ndie leicht\nerlernbare\nO\nSchon j|\ndrei bis funf\nMillion en An- W\nhanger und iiber h\n1650 Vereine in alien j|\nErdteilen. 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Kasein — 5. Salze\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d.Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nBERLIN W 35\nSpichernstr. 7\nTelefon: Amt Wilm. 2676\nSprechstunde: 5—6 Uhr\n\nDer scbonsic Ptinkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasscrvillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodettgc$eli$cftdft de$ Ulestetts, ttlaumtr. $6°$$\nTelephon I, 7497\n\nHandelswissen-\nschaftl. Kurse von\nFriedr. Mester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepri'ifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Oriindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationeUes\nStudium aer Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren niit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannlsplatz 5\n\nFinkenmuhle\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral\nheizung und elektrisches Licht, komfortable Gesell-\nschaftsraume. Individuelle arztliche Befaandlung,\nDie Kiiche steht unter Aufsicht des Arztes. Bei\nNervensehwache, Magen- und Darmleiden, Qicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\nSsnaterioia nnd Erholnfi^heiu\nPost Melienbach bei Schwarzburg im Thiiringer Wald\ngeeigneter Aufenthalt\nBesitzer und Leiter: ®\n• • •\n5>r ®f. ned. W. Hots\nAllseit Reformbestrebungen,\ninsbes. derPflege persOnlieher\nKultur und gesunder Lebens-\nanschauungen, dient unsere\nMonatsschrift „&e8undee\nLeben\". von der wir Probe\nnummerh suf Wunsch gratis\nversend. Abonn.M.3,60p.Jahr\n\niihimwm I, ■ i\" M«MMfiwmTwr»»-rriTwnT m»\n€r*l« Universal ■Zeltungs-\nJ1u$$c|>nitt - Bureau\nHlramstr. 18 ltiiiitcben X telefon 8537\nlilan vcrlange Prospektl"}]}