{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_sha256": "8d8d2024cc8500f2a9849d88fe75fa4373bf3463d2e27941d8b64f2df9d6dc60", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/11/10_01/bmtnabg_1910-11-10_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/11/10_01/bmtnabg_1910-11-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "291", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.1", "debut_caractere": 560, "fin_caractere_exclue": 1030, "texte": "INHALT:\nWRITEN AFTER CONDEMNATION TO\nDEATH / AUGUST STRINDBERG:: Das tausendjährige\nReich / ELSE L ASKER-SCHÜLER: Minn, der: Sohn\nde 3 Sultans von Marokko /i|PETER HILLE: Das\nMysterium Jesu / .OTTO SOYKA: Schule / PETER\nALTENBERG: Englische! Tänzerinnen / jTRUST: Die\nWoche: Der Klüngel / Arnold Schönberg / NeuesSchau-\nspielhaus / Der Literatur-Normalmensch / QUINTUS\nFIXLEIN: Umschau: 'Dauerbäder / Edelschmock / Der\nVitalitäts-Koeffizient / J. A.: Opfer gelber Gefahr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "291", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.2", "titre_corps": "Writen after condemnation to death", "titre_sommaire": "Writen after condemnation to death", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.1", "debut_caractere": 1032, "fin_caractere_exclue": 2170, "texte": "Writen after condemnation\nto death\nWintergarten\n8/Rey no Ids and Do negan\nOh1 my Lord, Creator of all beauty!\n... Die schwebende „Gottestochter\" hat zu mir\ngelächelt, als mir das Leben schwer Wurde...\nThis remarkable and innocent human document\nshows the emotion of the young Oskar Kokbschka,\nthe „Mensch Gottes\", as he appeared after exe-\ncution. (\n„No hbpe?\" „No pardon?\"\n„An ugly bloody shoot or imprisonment?\"\nquestionned instead of ans Wer an encouraging one.\nNo pardon! After having lelt useless lovers\nof divine art and beauty to theyr fate.\nHis remains were buried in the souls of his\naffectioned friends.\n12/„General\" Edward La Vine\n... Der Clown ist der Mensch, der seine Toten\nhinauswirft...\nBring also out your de ad!\nI daim no pity for deads.\nA dreary, comical All SouPsday for thbse lost\nin the waste of Society 's waves.\nPraying for the boy'si good ghosts drowned\nat sea of oommonity — and there are many friends\nof the boy's poor good sbul deeply grieved at his\npassing. Of this by no means the least sincere\nare those which know this paper, who counted him\na comrade in „belief\" ...\nOh my Lord, creator of all bad things."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "293", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.3", "titre_corps": "Das tausendjährige Reich", "titre_sommaire": "Das tausendjährige Reich", "signature_source": "August Strindberg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.1", "debut_caractere": 2172, "fin_caractere_exclue": 2455, "texte": "Das tausendjährige Reich\nVon August Strindberg\n\nDas Jahr 999 näherte sich seinem Ende im#\ndie Christenheit Hebte in Todesangst. In Rom und\nUmgegend hatte alles Leben aufgehört. Der Acker\nwurde nicht besät, er lag im Unkraut; der Handel\nstockte; die Läden waren geschlbssen. Wer etwas"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10335, "texte": "verschenkte es, und mußte noch den An-\nnehmenden suchen. Die Kirchen standen drei Mo-\nnate ununterbrochen offen. Und es war jeden Tag\nSonntag. Man zog seine besten Kleider an, da es\nkeinen Zweck hatte, sie zu bewahren, und man\nfestlich, gekleidet sein wollte, um den Erlöser bei\nseiner Ankunft ztij empfangen.\nWeihnachten wurde in seltener Andacht ge-\nfeiert, und die Mensdhen lebten in friedvoller Ein-\nmacht. Die StadtwaChe hatte nichts! zu tun, denn\nder Sdhrecken vor dem, was kommen würde, hielt\nZudht und Ordnung; man schlief hinter offenen\nTüren und niemand wagte zu stehlen oder zu be-\ntrügen. Das hatte man auch' nicht nötig. Denn\nwer etwas verlangte, erhielt es geschenkt; die\nBäcker teilten dasi Brot umsonst aus, und in den\nSdhenken gab es unbegrenzten Kredit, Schulden\nwurden nidht eingetrieben. Die Kirchen waren Tag\nund NaCht überfüllt; ißeiChte und Absolution,\nMessen und Abendmahl gewährte man ununter-\nbrodhen.\nDer Tag Vor Neujahrsabend war gekommen.\nDie Ansichten über die Art der Katastrophe teilten\nsidh, man erwartete Fltut oder Erdbeben. Die\nmeisten Einwohner hielten sich im Freien auf, in\nder Ebene oder auf den Hügeln. Alle aber rich-\nteten die Blicke zum Himmel.\nDas' Marsfeld war am Morgeln Von Menschen\nüberfüllt Eine Gruppe hatte einen Kreis um einen\nHolzstoßi gebildet; ein Verrückter stand auf ihm,\nSchriften und ein Pergament in der Hand. Es war\nein reidher Bürger, der seit drei Monaten Buße\nund Besserung geübt hatte und jetzt zum Skelett\nAbgemagert, dem kommenden Gericht entgehen\nwollte. Er hatte einen ganzen Arm trockenen\nHolzes herbeigeschleppt, unter dem Vorwand, er\nwolle allen Lastträgern und Zugtieren Wärme\ngeben. Da der eine sich1 nicht darum kümmerte,\nwas; der andere tat, ließ man ihn gewähren.\nEr stellte sich auf eine zerbrochene Kanzel\nneben dem Scheiterhaufen, den er in Brand gesetzt\nhatte:\nIm Namen des ewigen Gottes, so wie idh' jetzt\ndiese SchuMseheine verbrenne, wird der Herr, mein\nGott, meine Sdhulden aus1 dem Buch des Lebens\nstreichen. Für alle Leiden, die ich anderen ver-\nursacht habe, will ich selber leiden. Reinigendes\nFeuer, verbrenne meinen elenden Körper mit allen\nseinen Sünden, steigende Flammen, laßt midh euch\nfolgen! Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!\nEr madhte einen Sprung, fiel! in die flammen\nund blieb auf den Knieen liegen, bis! er erstickte.\nAuf dem Forum arbeitete ein Mann mit einer\nBrechstange an einem Schutthaufen, der ihn be-\ngraben sollte. „Sagt zu den Bergen: bededkt uns\",\nsang er.\nVom pon& Sublidius sprang ein junges Paar\nin den in einer Umarmung, die der Tod nidht\nlösen konnte.\nZur Mittagslzeit wurden die Gefängnisse ge-\nöffnet und die Gefangenen; wie Helden und Mär-\ntyrer aufgenommen. Sie wurden in die Häuser\nder Vornehmen geführt und mußten sich zu Tisch\ni;w« „ürnm\nsetzen. Die Senatoren und ihre Frauen wuschen\nihnen die Füße.\nAlle sind wir Sünder und haben nichts, dessen\nwir uns rühmen könnten! Diese Gefangenen haben\nihre Strafe erlitten, während wir frei herumgingen!\nSo redeten sie. \\\nNie hatte die Mensdhen liebe und die Barm-\nherzigkeit sidh so gezeigt, nie seit den ersten Tagen\ndes Christentums. Die Kranken wurden in ihren\nBetten aus den Hospitälern hinausgetragen. Alles,\nwas lebte, wollte unter freiem Himmel sein. Fa-\nmilien brachten die (Möbel auf die Straße.\nVögel wurden ausi den Käfigen gelassen, Und\nPferde aus den gtällen. Zuerst irrten die in der\nStadt umher. Als sie aber die frische Luft wit-\nterten und die Tore erreicht hatten, liefen sie nach\nder Campagna, um einige grüne Stellen zu suchen;\nmanche lagen in der Stadt herum, während die\nKinder auf ihre Rüdken kletterten.\nNur die Kinder fürchteten sich' nicht. Sie\nsprangen und spielten wie sonst und freuten sich\nüber die Freiheit und da® Ungewöhnliche. Nie-\nmand mochte sie strafen. Und da sie nicht be-\ngriffen, was vorging, spielten sie sorglos.\nDer Neujahrsabend war gekommen, und die\nAngst gestiegen. Man sah Herren und Diener\neinander weinend umarmen, sie bekannten ihre\nHärte, ihre Unehrlichkeit. Alte Feinde, die sich\nauf der Straße trafen, faßten sich bei den Händen,\nwanderten wie Kinder auf und nieder und sangen\nLoblieder.\nEs' war wie im goldenen Zeitalter oder so, wie\nsidh die Kirchenväter das tausendjährige Reich ge-\ndacht hatten.\nDie Luft war milde wie im Frühling, und der\nHimmel klar bis zu|m| vMittag. Dann bewölkte er sidh.\nNiemand aß, niemand trank, alle nahmen Bäder\nund kleideten sidh festlich. Am Nachmittag zogen\nProzessionen von Priestern und Mönchen durch\ndie Stadt und fangen Litaneien, in die das Volk\neinstimmte.\n„Kyrie eleison!\" erschallte es über die ganze\nStadt. „Herr, erbarme dich, Christus, erbarme\ndich !\"\nMan bereitete sich <auf seinen Untergang vor.\nEs gab aber Ungläubige und Verkommene, die\nnichts Besonderes erwarteten; sie hätten sich unten\nin den Katakomben und Ruinen versammelt, und\nfeierten bacchantische Orgien.\nIn den Ruinen von Neros goldenem Haus hatten\ndie Libertiner und Dirnen der Stadt ein großes\nFestmahl veranstaltet. Mitten auf dem Boden\nbrannte ein Feuer, das von Tischen und Bänken\numgeben war. Speisen und Wein gabs im Ueber-\nfluß, denn man brauchte nur aus Vorratskammer\nund Keller zu nehmen. Man unterhielt sich mit\nMuisik, Gesang und Tanz, und als Zwischenspiel\ngenoß man, wie Fledermäuse und Eulen sich am\nFeuer verbrannten und lebendig gebraten wurden.\nDie Freude war lärmend, aber nidht lustig.\nAuch hier wurde philosophiert und prophezeit.\nHeute kommt kein jüngstes Gericht, meinte ein\njunger Mann, der ein Nachkomme Kaiser Neros\nhätte sein können.\nUebrigensl, wenn es kommt, schlimmer wie wir\nes im Leben hatten, kann es der Tod uns nicht\nbieten.\nIdh habe immer gefunden, wir sind in der\nHölle gewesen! Kopfschmerzen jeden Morgen,\nSdhulden und Schande, ab und zu etwas Gefängnis.\nDer Kaiser sitzt naCkt in einer Grotte am Fuß\ndes Soracte\n„Vides ut alta stat nive: Candida, Soracte !\"\n„Mitten im Wort entflieht uns das neidische\nLeben! Nütze den Tag und trau nidht dem\nnächsten!\"\nUnd der Papist wird die Mitternadhtsmesse\nhalten. Er, der nicht glaubt.\nAber er muß gute Miene madh'en und so tun.\nVon einer wieißi idh1, daß sie heute nicht in\ndie Messe geht.....\nDas ist die schöne Stephania, die Witwe des\nCresdentius\nAber sie wadht, wie die Rache....\nWas haben diese Teutonen in Rom zu tun !\nIdh wünschte1, der Herr dieses goldenen Hauses\nstände von den Toten auf. Dias war der letzte\nRömer!\nEin Mann, der mit seinen Feinden nidht schön\ntat! Er fürdhtete nichts zwischen Himmel und Erde.\nDer Blitz schlug einmal in seinen Speisesaal ein,\nals er zu Tisdh lag. Wißt Ihr, was er sagte?\nProsit! sagte er und erhob seinen Becher.\nIn diesem Augenblick fiel ein erhitzter Stein\nvom Gewölbe herab und ins Feuer hinein, daßi die\nFunken sprühten. Aber durdh das Loch drang der\nNaChtwind und wirbelte den Gästen den Rauch\nins Gesicht. Zuerst fanden sie das Abenteuer\nscherzhaft, bald aber sahen sie sidh' genötigt, die\nHöhle zu verlassen.\nLaßt uns hinausgehen, und den Weltuntergang\nansehen! sdhrie einer der Jünglinge.\nUnd der Zug bildete sich1 aus Bacchanten und\nMänaden, ein gefüllter Weinschlauch an der Spitze,\nFlötenspieler hinterdrein und alle Gäste mit Bechern\nin der Hand.\nUnten in der alten BasiLika des Sankt Peter\nstand der Papst vorm Altar und las die stille Mitter-\nnachtsmesse.\nIn der überfüllten (Kirche lagen die Menschen\nauf den Knieen. Tiefe Stille. Man hörte das Rau-\nschen der weißen Hemdärmel des Offizanten,\nwenn er den Keldh hob. Und einen anderen Laut,\nder gleidhsam die letzten Minuten des Jahrtausends\nausmaß. Er klang wie der Puls im Ohr des Fieber-\nkranken und sdüüg ebensoviele Schläge. Die Tür\nder Sakristei stand offen und die große Uhr, die\ndort hing, schlug ruhig und sicher jede Sekunde.\nDer Papst, der ein berechnender Mann war, hatte\ndie Tür [offen 'stehen lassen, um die höchste Wirkung\nin dem großen Augenblick zu erzielen. Sein Ge-\nsicht war leichenweiß vor Erregung, bewegte sich\naber nicht und seine Hände zitterten nicht.\nDie Messe war beendet und ein Todes-\nsdhweigen trat ein. Man erwartete, der Diener\ndes Herrn am Altar würde einige Worte des Trostes\nsagen, aber er war in Gebet versunken, wie es\nschiein, und hatte die Hände gen Himmel gestreckt.\nDie Uhr schlug, das Volk seufzte, aber nichts\ngeschah. Wie Kinder, die sich im Dunkel! fürchten,\nlag die Gemeinde mit dem Gesicht auf dem Boden\nund wagte nicht aufzusehein. Angstschweiß tropfte\nvon eiskalten Stirnen, Knie sdhmerzten, ermüdeten\noder wurden gefühllos, als seien sie abgenommen.\nDa hörte plötzlich (die Uhr auf zu gehen...\nWar das Werk ausgelaufen? War es ein Zeichen?\nSollte alles stehen bleiben, die Zeit zu Ende sein,\nund die Ewigkeit beginnen? Aus' der Gemeinde\ndrang Geschrei, und vom Entsetzen getötet fielen\neinige Körper auf den steinernen Fußboden. Da\nbegann die Uhr zu sdhlagen: eins, zwei, drei,\nvier Der zwölfte Schlag w;ar verklungen.\nT odes schweigen.\nSilVester drehte sidh um, und mit dem1 stolzen\nLädhein eines Sieges streckte er die Hände zum\nSegen ausl. Im selben Augenbliidk läuteten alle\nGlodken fröhlich, jubelnd, und vom Emporium der\nOrgel erschallte ein Chor von Stimmen, jungen\nund alten, etwas unsicher anfangs, bald aber fester\nund heller:\nTe Deum Laudamus!\nDie Gemeinde stimmte ein, aber es dauerte ge-\nraume Zeit, ehe die erstarrten Rücken sich gerade\nrichtein konnten, und bis) man sich von dem An-\nblick der vor Schreck Gestorbenen erholt hatte.\nDer Gesang w;ar zu Ende, und die Menschein\nfielen sidh in die Arme, weinten und lachten wie\nWahnsinnige und gaben sich Friedensküsse.\nSo endete das! erste Jahrtausend nach Christi\nGeburt.\nIn der kleinen Burg Paterno am Soracte hatte\nder Kaiser die Weihnachtswochen und den Neu-\njahrs abend unter strengsten Fasten und Buß-\nübungen zugebracht. Als! aber der Neujahrstag\ngekommen und alles unverändert war, zog er in\nRom ein, um Silvester zu treffen und für die Zu-\nkunft zu sorgen.\nDer ältere Freund und Lehrer empfing den\nKaiser mit einem Lächeln, das nicht mißverstanden\nwurde; noch aber ,war der Monarch von seiner\nFurcht so beherrscht, daßi er nicht zornig zu werden\nwagte.\nWillst du jetzt zur Erde zurückkehren, mein\nSohn, und deine weilftlidien Angelegenheit en be-\nsorgen? sagte Silvester.\nIch muß zuerst zwei Gelübde erfüllen, die ach\nin der Stunde der Not abgelegt habe.\nDann erfülle sie !\nIch gehe nach dem Grab meinesi Freundes\nAdalbert in Gnesen und ich1 will die Gruft Karls\ndes Großen in Aachen besuchen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2967, "texte": "Tu das, aber du müßt gleichzeitig einige Auf-\nträge ausführen,, die ich dir mit auf die Reise\ngebe.\nUnd so geschah es.\nZwei Jähre waren vergangen, alis der Papst\nSilVeßter feines Tages im Januar nach' Paterno ge-\nrufen wurden der kleinen Burg am Soracte, in der\nder römisch-deutsche Kaiser wohnte und jetzt\nkrank l!ag.\nAlls Silvester ins Krankenzimmer eintrat, saß\nder Kaiser laufredht, sah aber verkümmert aus.\nDu bist krank; an Seele oder Körper?\nIch' bin tnüde.\nIm Alter Von Zweiundzwanzig Jahren?\nIch bin mißmutig.\nDu bist mißmutig, obwohll du die Welt nach\nihrem Albtraum erwachien sahst! Bedenk doch',\nUndankbarer, was haben diese beiden Jahre nicht\nalles gebracht, welche Siege für Christus, der\nwirklidb wiedergekommen zu sein scheint. Ich will\nsie aufzählen; hör zu! — Böhmen hat seinen Herzog\nbekommen, der das Heidentulm' ausrodete, Oester-\nreidh! sich als Donaustadt geeinigt; der heidnische\nMagyar hat sich taufen Hassen und die Krone von\nunserer eigenen Hand empfangen,, als Stephan der\nErste ; Boleslaw von Polen hat auch eine Krone\nund einen Erzbischof bekommen; das neue Reich\nder Russen die Taufe genommen, und Wladimir der\nGroße schützt uns gegen untergehende Sarazenen\nund die aufgehenden Seldschuken oder Türken;\nHarald von Dänemark und Olof von Schwedeft\nhaben das Christentum befestigt; Ollof Trygveson\nebenfalls in Norwegen und Island, auf den Farör-\ninsein, in Shetland und Grönland; und mit dem\nDänen Sven Tveskaegg wurde Britannien fürs\nChristentum gesichert. In Frankreich sitzt der\nfromme Robert der Zweite ausi dem neuen Ge-\nschlecht der Kapietinger, aber von sächsischer Her-\nkunft wie du. In Spanien haben die nördlichen\nStaaten Leon, Castil'ien, Aragonien, Navarra sich'\nendlich geeinigt und wehren uns die Mohren in\nCordova ab. — Das alles in wenigen Jahren und\ndurch Rom! Ist das nicht Christi Wiederkehr, und\nverstehst du jetzt, was die Vorsehung mit dem\ntausendjährigen Reich meint! Die in tausend Jahren\nleben, werden vielleicht die Früchte reifen sehen,\nwährend wir nur die Blüte gesehen haben! Ein\nParadies ist es nicht, aber es ist etwas besser afe!\nfrüher, als wir Wilde im Norden und Osten hatten.\n— Und von Rom Wolfen alle ihre Kronen und ihr\nPallium. Du bist ein Herrscher der Völker, mein\nKaiser. 1 - M f'! ' M PT\nDu regierst die Geister. Ich' will nicht\nherrschen.\nIch1 hörte es ; denn du hast dir eine Herrscherin\ngeschaffen!\nWer sollte das sein?\nMan 'sagt, und du kennst das Gerücht ebensogut\nwie idh, daß es1 die Witwe des Crescentius ist, die\nschöne Stephania. Nun, das ist deine Sache, aber\nSalome rät: Nimfm1 dich1 in Acht Vor deinen Fein-\nden, aber sei auch' vorsichtig mit deinen Freunden!\nDer Kaiser sah1 aus, als Wolle er sich ver-\nteidigen, vermochte es aber nicht, und so war das\nGespräch' zu Ende.\nEinige Tage darauf war Otto der Dritte tot,\nnach der Sage von der schönen Stephania vergiftet.\nUnd ein Jahr später starb SilVester der Zweite.\nEnde\nAus der schwedischen Handschrift übertragen von\nEmil Schering"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "291", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.3.1", "titre_corps": "Die schöne Rollschuhläuferin Zeichnung von Oskar Kokoschka", "titre_sommaire": "Die schöne Rollschuhläuferin Zeichnung von Oskar Kokoschka", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.1", "debut_caractere": 2457, "fin_caractere_exclue": 2515, "texte": "Die schöne Rollschuhläuferin\nZeichnung von Oskar Kokoschka"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "293", "page_fin": "293", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.4", "titre_corps": "Minn, der Sohn des Sultans von Marokko", "titre_sommaire": "Minn, der Sohn des Sultans von Marokko", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.3", "debut_caractere": 2969, "fin_caractere_exclue": 7411, "texte": "Minn, der Sohn des Sultans von\nMarokko\nVon Else Lasker-Schüler\nDer Sultan von Marokko trägt einen Mantel\nvon weißer Seide, der ist über der Brust von einem\nSmaragd in der Größe ieines Taubeneis gehalten.\nAber sein Sohln kommt barfuß und iim staubigen\nKamelfell gehüllt, ein Bettler neben steinern könig-\nlichen Vater. Mein Vetter im Kamelfell ist sechs-\nzehn Jahre alt, Ali Mohamed könnte sein älterer\nBruder sein, der ärgert sich nicht, ist stets zu\nScherzen aufgelegt, er hat schöne Zähne, Perlmutter,\nliebliche Frauenzähne, und belächelt seines Sohnes\nmürrische Laune. Auch die Furche zwischen seinen\nBrauen ist nur ein seltener, huschender Schatten,\nsieben Häute tiefer schlummert die Nadit in seines\nSohnes Stirn. Bei der Tafel weigern sich die Hof-\nleute neben diesem zu sitzen und auf dem Dach.\nSein Kissen ist ängstlich gezeichnet. Unter dem\nlieblidhen Himmel des weißen Rosengartens wan-\ndelt er auf verbotenen Wegen; das1 Wandeln durch\nden weißen Duft ist nur uns Frauen gestattet. Aber\nich bitte meinen Vater, den weißbärtigen Pascha,\nmit meinem Vetter im Kamelshaar am Krön tag tanzen\nzu dürfen. Und idh1 tanze mit Minn, dem närrischen\nSohn des Sultans. Meine Hände liegen quer über-\neinander,fingergespreizt, ein goldblasser Stern gegen\nseine Zottige Brust gestemmt. „Nun muß ich vom\nFeste eilen\", klagt traurig mein Vetter, „denn du\nwirst nicht noch einmal (mit mir tanzen wollen\".\nIch meine ärgerlich : Er glaube wohl, ich leide auch'\nunter närrischen Launen wie er? folge ihm auf den\nSpitzen meiner beringten Zehe bis! an das große\nBiecken im dunklen Sultanshof. „Minn, siehst du\nmich, ich bin deine Tänzerin?\" Und da er schweigt,\nsage idh verächtlich : Ich' möchte wohl wissen, ob\ner HeldeusChultern unter seinen Bettelmantel ver-\nsteckt oder ob mich gar meine Träume necken und\nsieine Arme nicht einmal ein Kätzchen zu bändigen\nvermögen? „O, ich bin nodh tausendmal stärker\nwie deine Träume dirs schildern, Tochter meines\nOheims, da ich1 dieses ärmliche Kleid trage und\ngegen alle stiere Veradhtung gleichmütig bleibe.\nMich dünkt, ich bin der stärkste Heid im ganzen\nLand.\" Er zerrt an der zottigen Naht seines Man-\ntels, eine Masche zerreißt und das ganze Fell sinkt\nzu Boden. Der Abend färbt seine Glieder zart und\nsanft. „Wirst du noch einmal mit mir tanzen zum\nLohne, da ich meine Rüstung abwarf ? Horch-\nflötentöne singen die Rosen (des weißen Gartens1\nzu unserer Feier. — Sklaven finden uns — und\nzaudern; — auf dem Rand des großen Beckens\nsetzen sich die Frauen, die Gesichter gestreckt, und\nhinter der Palme stehen unsere Väter, der Sultan\nAli Mohamed und Mohamed Pascha, sein älterer,\nweißbärtiger Bruder. Wir tanzen, bis unsere Füße\neins sind im Drehen. Dann läßt mein Vater den\nschwarzen Dienern, die also [gesehen haben |mit\nihren nackten Augen unseren nächsten Tanz, meinen\nLeib und vor allen Dingen mein Angesicht, er läßt\nihnen ihre Zunge durchbohren und die edlen Hof-\nleute blenden iim Vorhof des' Palastes. Den Prin-\nzessinnen geschieht nichts Uebles, sie haben (nur\nauf den Prinzen geschaut. Täglich empfängt er von\nihnen Geschenke, Armspangen, Gürtel ; und auf dem\nDache liegen für seine Nächte seidengestickte\nKissen. Die Frau des Fruchtveredlers reichte ihm\nein durchsichtiges Feigenblatt aus Mondstein ge-\nschliffen. Aber der huschende Schatten auf der\nStirn seines königlichen Vaters krallt sich tief ins\nFleisch, finster umschleicht er den Palast bis zur\nLidhtstunde. Man vermutet, er habe sich vor\nSchreck in der Tantinacht an einer Säule einen seiner\nPerlmutterzähne ausgeschlagen. Die Frauen ties\nHarems schmachten nicht Wehr hinter den Fenstern\nihrer Gemächer nach seinem Anblick, aber sie be-\nstechen die Eunuchen seines Sohnes wegen, die\nihnen Manns trachten verschaffen und so ihre An-\nwesenheit bei der Abendtafel ermöglichen. Ich halte\ndie Augen gesenkt über den trauernden Rosen-\ngarten. Minn hatte die heilige Tanznacht vergessen\nzwischen schillernden Schmeicheleien. Nur mein\nVater läßt manchmal steinen weißen Bart über meine\nHände gleiten und schweigt. Er glaubt, ich habe\ndas alles nur für einen Traum gehalten. Aber die\nRosen im weißen Garten sind grau geworden, zer-\nbissen unter seinen geknickten Aesten liegt Minn.\nDie Gärtner meinen, nur eine Prinzessin könne so\ngrausam gewesen sein — ich weiß aber, was seine\nzarten, sanften Glieder zerbissen hat... Mein Ge-\nmach war grün bescheint vom Smaragd des vorüber-\nschleichenden Seidenmantels seines Vaters, des Sul-\ntans von Marokko."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "293", "page_fin": "294", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.5", "titre_corps": "Das Mysterium Jesu", "titre_sommaire": "Das Mysterium Jesu", "signature_source": "Peter Hille Aus dem Nachlass", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.3", "debut_caractere": 7413, "fin_caractere_exclue": 10654, "texte": "Das Mysterium Jesu\nVon Peter Hille\nAus dem Nachlass\nAhnung\nWolken jagen, bald dunkelt ein der Tempel.\nBald verlangt er noch mehr, noch glänzender hin-\naus, und ist kein Halt und ein Wandeln und Um-\nbruch, jäher und jäher — der ganze Himmel ist\nerregt. Nun blendet ganz besonders herüber der\ninariaragende stolze;, heilige Bau, die Burg des\nHöchsten.\nWer ist wie Gott?\nIst er nicht herrlich1, der Tempel?\nAber dem Tief erforschenden kommt gerade vor\nglänzender Gegenwart am ehesten die Wissenschaft\nnachdringenden Dunkels, und so füllt Trauer, un-\nerbitterlich hohe Richtertrauer des unbefolgtert\nGesetzes Seele. Schwarze Wolken schießen lang,\nwildköpf ig hinaus1, Träger des furchtbaren Gerichts,\nhinaus mit den dunkellangen Posaunentönen des\nSturmes.\nGreuel römischer Verwüstung, Blitze darüber,\nbrennendes peinliches Harren, eine Minute, kurz\nwie vor Gottessinn die Ewigkeit —- dann beginnt\ndas Leben über den Wolken, das streng entschei-\ndende, Erfüllung des Drunten.\n(Droben auf 'dem Stuhle der Höhe der Uner-\nerkannte, der Gerechte, der Nichtmehrschoner.\nUnd es bedrängt ihn, er möchte alles an sein\nHerz ziehn, — noch geht es nicht.\n„Denn ihr seid Tempel des heiligen Geistes, in\neuch will das Göttliche wohnen, ihr aber verengt\nund verdrängt un'd vermischt und besudelt — und\nnun es zu Ende und nichts Göttliches mehr da ist\n— was dann?\nWas kann ich1 tun?\nAermste Verblendete!\nHelfen kann ich; bereiten, aber nicht für euch\nwollen!\nDoch1 ihr wollt nicht : esl soll euch' nicht ge-\nholfen sein!\"\nStille, wehmütige Tage nun bei denen um den\nHeiland, wie um einen bald Entschwundenen, wie\nvor Abschied.\nUnd weiche, verheißungsreiche Worte mäch-\ntigen Trostes von seiner herben, strengen, wie\nfremden, übergütigen, rotruhigen Lippen, die aber\nmachten das Weh erst üppig. Und sie erschraken.\nWieder ein Auftrag und so getragen, feierlich\n„Mich verlangt, mit meinen Jüngern das Abend-\nmahl zu halten \"\nDa war esi dem Boten, als ging es zu einer\nBestattung, da er des Meisters Worten nachkam\nund gen Bethphage ging.\nUnd sorgsam, ernst wie zu einer Bestattung\nauch, ward es geordnet, gerichtet.\nAbendmahl\nEin feierlicher Abend: Purpur halb und halb\ngeschlossen Gold.\nMan geht nicht gern fort vom Fenster, das der\nWehmut so gut tat, doch das Mahl ist bereitet, und\ndie Ecken des Gemaches liegen im Dunkeln.\nUnd nun Wein und Brot, das er nie mehr ver-\ngnüglich, irdisch traut würde reichen, nun ward\nes heilig und verklärte sich. Nun ward der Schei-\ndende selbst ganz Liebesüberschwang für die, so\nden guten Willen hatten.\nHeilige Weinglut eines gleich edler Traube;\nsterbenden Tages scheint durch das wie der Bogen\ndes Friedens gewölbte Mittelfenster, legt seinen\nwärmstfeierlieben Ton liebend hin um das .gütig-\nblasse, braunumgoldete göttliche Haupt.\nAn seinem ruhestarken Herzen atmet der Jünger\nder Liebe das1 heilig flutende Leben, den göttlichen\nOdem seines Meisters, Freundes, Bruders, um eis\naufzunehmen in sich und weiterzuleben.\nAlle kleineren Winkel sind verschwunden, nur\ndas Große ist noch deutlich1.\nEs geht auf den Abschied.\n„Nehmet hin und esset!\"\nDem frommen Gedenken wird alle Scheinform\nKraftzeichen des heiligen Willens und seines\nMeisters.\n„Nehknet hin und trinket!\"\nDas Blut des Machtbundes fließt durch alle\nSäfte. ' ! >"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6681, "texte": "Es berauscht, dem edlen Weine nachlebend,\naber es berauscht die Seele.\nDas Licht verfällt, dunkler schon nisten sich\ndie Schatten in die Winkel, und ein kalter Windzug\nmacht sich auf und fröstelt durch das dreifach\nweite Mittelfenster, durch das eben noch gütig die\nSonne ihre scheidende Wärme reichte.\nJäh bricht der Gerufene auf:\n„Die Stunde ist gekommen!\"\nOpfer\nDer Mond ist schon herauf.\nSo großi und verstört.\nBleich streift sein noch zarter Schein die wirr-\nzerrissenen und qualvoll gekrümmten Oelbäume, die\nwie Klageweiber erscheinen voller Ausgelassenheit\nleidenschaftlichen Schmerzes.\nLeise öffnet sich die Pforte.\n„(Wartet hier, wachet und betet, denn die Stunde\neurer Entscheidung naht.\"\nUnd die ergebenen festen Schritte des starken\nBewußten verloren sich, und seine Gestalt ging\nein in das Dunkel einer Gruppe von finsteren ge-\ndrängten Bäumen, die einer Grotte Grund ver-\nwahrten.\nLinde Himmelshilfe tröstete den Einsamen, von\nseinen Freunden Einsamen.\nDann kam er zurück.\nSie aber, die schwachen guten Kinder des Dies-\nseits, die des Seelischen (schon zu viel ertrugen,\nsie schliefen.\nSo fand der hohe Meister die Gekauerten.\nNoch zog schmerzlich in seiner Seele der Kampf,\ndie Todesangst des Geschöpfs, alles Fleisches Teil,\nauch wenn der Göttliche gekommen ist, an uns\nzu wohnen.\nNoch einmal warb der Heiland herwandelnd\num die Mitbitte seiner Jünger.\nUnd rang weiter, und voller Frieden kam.\nAls er nun wiederkehrte und schlummern fand\nder Gefährten Gebet — da waren die Welten ge-\ntrennt: sie die Menschen, die über die Grenze hohen\nMitgefühls nicht zu kommen vermochten, er der\nmit des Leidens Wehen vom Menschlichen sich\nloszureißen beginnende Gott.\nNachsichtig bedauernder Vorwurf: „Daß ihr\nnicht einmal das vermochtet!\"\n„Doch nun ist meine Stunde gekommen.\nSiehe, schon nahet, der mich verraten soll!\"\nNoch' ein herbes, wie 'Brandmal herbes Be-\ngegnen: ein Begegnen seiner göttlichen mit den\nunlautersten Lippen, und getrennt sind Meister Und\nJünger, der Hirt gesdhlagen und die Herde zerstreut.\nSie gehn und folgen — tatlos, ziellos, kaum\nbewußt.\nSo fremd ihnen Alles, so kleinlaut bis zum\nZweifel fremd, da seine glaubenerhaltende Kraft\nihnen fehlt.\nTrotz allen Zuspruchs, aller Arbeit an ihnen.\nSie werden irre nun, und auch er, der noch\nehelang dem Verräter gezürnt hatte, der feurige\nBekenner und Vorsprecher, dreimal verrät auch er\nder Seele nach.\nDa aber trifft auch das Zeichen ein, das einmal\ndem Uebereifrigen sein vorausschauender Meister\ngesagt hat: der Hahnen ruf — und die Reue faßt\ndas große Kind, läuternde Scham der Reue, \"daß\ner sich verhüllt und meidet.\nAber die Angst, sie bleibt.\nDiese ihre Angst, diese ihrer Aller Angst ragt\nzwischen ihnen und der hohen, duldenden Gestalt,\nderen Schimpf und Qual vor ihren Augen steht, und\nsie springen nicht zu.\nWie es die Sonne verlangt, zur Erde ihre be-\nlebenden Strahlengüsse zu senden, so neigt auch\nder Gnade Gefäß stetig sich vor, so bedrängt es\nauch den Geist, von seiner unerschöpflichen Fülle\nan Bedürftige abzugeben.\nAber nur die Starken, die Geistesstarken, die der\nStimme der Vollendung schwach werden und sich\ndasl hemmende Tages-lch, den Alltag abtun lind\ndas tierhaft unerfahrene Kleinleben — die es aus\nsich vermögen, können sie tragen. Nur die, welche\nGewalt brauchen, reißen das Reich der Himmel\nan sich.\nWer vom Geiste ist, prüft und sichtet seine\nLast, legt Altes ab und nimmt Neues an die Stelle.\nDer Schollensohn aber, der stumpf gebliebene\nKnecht der Gewohnheit, trägt alles weiter, so wie\ner es übernommen hat.\nBieten wollen solche Menschen etwas — Gott\netwas anbieten. Es ist aber Entartung, Sünde\nist es.\nZum Nehmen sind sie zu bequem, nicht zu\ndemütig.\nSogar die Jünger, noch sind sie Menschen,\nungeweihte Menschen, und der mit seinen Leiden,\nseinem Leiden um die Gottespflicht der seelischen\nHeilung ins Göttliche Enthobene bleibt ihnen fern\nund entrückt.\n„ Noch können sie nichts mitteilen, weil sie selbst\nnichts besitzen.\nAuch später, als schon der Keim des rein er-\nschwungenen Geistes mit seinem goldgrünen Licht-\nsaft des Felsens dürre Wucht gesprengt hat — sie\ngetrauen sich nicht: es muß etwas zerrissen sein.\nVerschüchtert stehen ihre Empfindungen.\nSo geisterhaft, so nicht mehr gleich und eben\nmit ihnen, kommt der Erstandene denen vor, die\nzuletzt so feige sich erwiesen.\nUnd nun nach der überwachten Nacht am\nTagessaum das hingezögerte Unterkunft heischende\nUrteil, die langen Pausen, die liebloser Hohn vor-\nausnehmend zu füllen sich bestrebt.\nAls Zielscheibe, als Söldnerzeitvertreib muß der\nKöllig der Könige von den Sklaven der Gewalt den\nSpott der Ehrerbietung erdulden im qualvollen (Mum-\nmenschanz der Dornenkrönung.\nDann Aerger der Männer über ihre palmen-\nschwingende Begeisterung von gestern, blutdürstig\nheischender Aerger, losbrechend im Wutruf:\n„Jesus, den Nazarener, ihn kreuzige, den Täu-\nscher kreuzige!\"\nDer Editeste, Täuscher erscheint er dem Pöbel!\nVerklärtes sieht er nur als Zerrbild, Ehrerbietung\nverunstaltet er zu Spiott.\nAber auch das menschliche Mitleiden begegnet\ndem gefesselten Erlöser, dem göttlich Leidenden:\ndie weichen Gruppen der Frauen, die nicht verstehn,\nwie eine Sendung ihren Träger töten kann, wie die\nMacht des Geistes und der Seele von des Staates\nLeibesmacht grimmig erschlagen werden soll. Er,\nder Erlöser aber, sieht das Leiden der Verstockten,\nihre erstarrende Qual.\n„Weinet nicht über mich, weint über euch und\nüber eure Kinder, über die Männer weint, die ihr\ngebärt.\"\nDer Kreuzträger\nWer seine Stärke äußerlich an den Tag legt,\nstimmt nur mit dem Schweren, dumpfen wuchten-\nden Lasten der Erde überein — den Anlagen nach\nist er ein sehr roher, sklavenmäßiger Mensch.\nAber die Anwendung im Geistigen verfeinert\nauch diese Kraft.\nDas hat Cyrenaer-Simon erfahren, dieser starke\nMann, als er gleichsam zum Vorspann, zuin! Vor-\nspann der Erlösung der Seele genötigt, seinen Leib,\nseine starken Schultern unter das Kreuz schob. So\ntrug auch er, Lastträger des Geistes, das Heil der\nWelt. So trug auch1 er ein ypuaxdcpopoc;, ein Christo-\nphoros, den Erlöser, so trug auch er den Befreier\nvon der Last der Lasten und erleichterte die Welt.\nDer Kreuzweg, kurz, eine halbe Stunde nur,\naber lang und führersam genug, um der Menschheit\ninnern Saharasand zu entfernen, ruht auf Golgatha.\nHier erwartet er verewigendes Ende.\nDie Höhe ist erreicht: Der Erlöser hat die Qual\ngetragen, nun trägt sie ihn.\nZuckend gießen die Empfindungsbahnen seiner\nArme und Beine ihre glühenden Verletzungsströme\ndurch den hammergeschnellten Leib. Er dürstet\nnach Liebem, nach Heilsbereitschaft. Er sieht !zu\nseinen Füßen die dunklen Scharen der Unerlösten\nund aus aller Zukunft und dürstet nach ihren Seelen.\nUnd niemand ist, der sie ihm gäbe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c007", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "295", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.6", "titre_corps": "Schale", "titre_sommaire": "Schale", "signature_source": "Otto Soyka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.4", "debut_caractere": 6683, "fin_caractere_exclue": 11475, "texte": "Schale\nVon Otto Soyka\nSehr viel liebevolles Interesse bringt die Gegen-\nwart der geistigen Minderwertigkeit entgegen. Das\nöffentliche Mitleid ist bei der Not der Dummen\nlangellangt, die moderne Hilfsbereitschaft hat die\nGrenzen des Verstandes überschritten; jene Ach-\ntung vor dem Schwachen, die sich in der Aera\nder Humanität Ansehen verschaffte, macht längst\nvor den Geistesschwachen nicht mehr Halt. Und\nalt man zur Ansicht kam, daßi Geistesarmut picht\nschändet, hörte sie auch auf, verschämt zu sein.\nSie fordert heute bereits laut und herrisch Unter-\nstützung. Die Reform der Sdhule macht sie Jzu\nihrer Sache und ruft nach der Erleichterung im\nStudium, die ihr naturgemäß das Erstrebenswerteste\nscheint. Und gegenwärtig ist der Geist der Zeit\ngern bereit, sidh nach den Wünschen der Geist-\nl'osigkeit der Zeit zu richten.\nDer Sdhule und ihrem Leben gegenüber ist ein\nklagender Ton, voll Wehleidigkeit und Sentimentali-\ntät in Mode gekommen. Das Wort Schüler scheint\nförmlich nach der Zusam Inensetzung mit Selbst-\nmord zu verlangen, und die Kandidatur für diesen\nSelbstmord mit jener anderen für die Matura aufs\nInnigste verknüpft zu sein. Der zartfühlende, lie-\nbenswürdige und ungemein sympathische Schwach-\nkopf ist zum Repräsentanten unseres Schüler-\ntums ausersehen worden. Seine geduldige, erfolg-\nlose Arbeit wird uns immer wieder zur Würdigung\nentgegengehalten, auf Schritt und Tritt begegnen\nwir in der Literatur seinem blassen, übernächtigten\nAntlitz mit dem stets leidenden und anklagenden\nZug. Wird es nicht endlich gelingen, eine Schul-\ntype zu finden, die seine Gefühle nicht verletzt.\n(Die Zahl der Noten mußte um seinetwillen Ver-\nringert werden, ein Teil! jener Leistungsunterschiede,\ndie stets zu seinen Ungunsten bestanden, wird in\nZukunft nicht mehr zum Ausdruck kommen. Wird\nman ihm zuliebe nicht bald ganz auf die Kritik\n„Klassifikation\" verzichten? Solange sie besteht,\nsind „Elternliebe und Kunstinteresse\" bei ihm vor\nStörungen nicht sicher, denn hier ist stets die Quelle\nder viel unzarteren Empfindungen des Aergers und\ndes Neides für ihn. Die Härten der Schule sind\nein Behelf für den Lehrer und vielleicht entbehr-\nlich, was bedeuten sie aber nicht alles für den\nSchüler! An diesen fand der Ehrgeiz seinen Halt,\nhier war Gelegenheit zum Wettstreit, es durften\nSiege und Niederlagen gefeiert werden. Was findet\nnicht alles Raum zwischen den wenigen Ziffern!\nWieviel vom ernsten Glück und Schmerz des Lebens,\nGefahren und Schwierigkeiten umspannen sie! Hier\nbirgt sich etwas von jenem schweren Ernst des\nDaseins, der ein heißes Glück empfindet, wenn er\nein Knopfloch mit einem roten Bändchen schmücken\ndarf, von dem Schicksalsernst des Beamtenlebens,\nin welchem das Avancement über Existenzen ent-\nscheidet. Darf und kann die Schule auf diese Macht\nverzichten? Kann sie sich den Ehrgeiz weiterhin\ndienstbar machen, wenn sie ihm seine Ziele, sein\nrotes Bändchen entzieht? Das Opfer, es wird den\nUnfähigen gebracht und auf Kosten des Eifers der\nFähigen. Vollständig hat man vergessen, daß die\nHauptsorge der Schule die Ausbildung eben jenes\nSchülers zu sein hat, der ihr keine Sorgen macht.\nEin Treibhaus für kümmerliche Geister, eine Wohl-\ntätigkeitsanstalt für die Bedürftigen an Verstand\ndarf sie nicht werden. Es gibt nämllich auch Schüler,\ndie das Lehrziel mühelos erreichen.\nManches an der Schule bedarf der Aenderung.\nEs ist gewiß nicht vorteilhaft, daß das Recht zu\nstrafen, neben der Pflicht zu unterrichten in der\nHand des Lehrers liegt. Schon deshalb nicht, weil\ndie Fähigkeiten der einzelnen Lehrer in der Aus-\nübung dieses Rechtes allzu verschieden sind. Der\neine stolpert unaufhörlich über seine Versuche, Dis-\nziplin zu halten, der andere ist ein Virtuose, ein\nZauberkünstler des Strafwesens. Die Möglichkeiten\nvon Klassenbuch, Karzer, Strafarbeit, jer läßt sie\nnur so durcheinander wirbeln, vereinigt sie Zu den\nschönsten und seltensten Effekten, gewinnt ihnen\nnie geahnte Reize ab, und wird dadurch in seiner\nArt, Schule zu halten, einseitig wie jeder Künstler.\nWenn das Disziplinarwesen an jeder Schule einem\ndazu eigens bestellten Pädagogen unterstünde, der\nes allein oder im Verein mit dein Direktor zu über-\nwachen hätte, wäre vieles besser.\nEs würde vermieden, daß der Lehrer lang-\nwierige Strafuntersuchüngen Zu führen hat, und\ndaß er in eigener Sache Richter ist; dem Unterricht\nwäre viel Zeit gewonnen und seine Würde Ibesser\ngewahrt als jetzt.\nEine höchst überflüssige Sache ist die Sitten-\nnote. Die Ungünstige bedeutet eine Unannehmlich-\nkeit, wie jede deutliche Mißbilligung, die man er-\nfährt. Die Gute ist geradezu beschämend. Ein\ntaktvoller Lehrer wird es gewiß gern vermeiden,\neinen begabten Schüler mit der besten Sittennote\nbloßzustellen. Der einzige Wert dieser Kritik des\nsittlichen Betragens liegt darin, daßi ein Ventil für"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2870, "texte": "etwa vorhandene Gehässigkeiten des Lehrers ge-\nschaffen wird, die sich hier weit harmloser mani-\nfestieren, als wenn sie bei der Note im Gegenstand\nmitsprächen. 810 ß der Name der Rubrik führt irre;\ndie Sdhule maßt sich auch nur scheinbar eine\nKlassifikation über einen Gegenstand an, den einer\nPrüfung auszusetzen ihr nicht gestattet ist.\nGerade der Punkt aber, in welchem nichts er-\nllassen werden kann, das ist die Arbeit des Schülers,\nsind die Ansprüche an seine Leistung. Hier stellt\ndie Zeit ihre Forderungen, und sie treibt sie auch\nspäter im praktischen Leben ein, ohne nach der\nZahl der Unterrichtsstunden von einst zu fragen.\nEin gehirnloses Mitleid, das gegen die Beschwerden\nder Vorübung eifert, die Aufgabe selbst aber nicht\nerleichtern kann. Es ist unnötig, die Schar jder\nGeistesprofetarier von heute noch um solche zu\nvermehren, die im Reich ides Geistes den Rang\nvon Proletariern haben. An welchem Lehrfach die\nArbeitsfähigkeit des Schülers entwickelt wird, ob\nan alten oder neuen Sprachen, ist von geringer\nWichtigkeit, notwendig nur, daß sie geübt wird,\nund heute: daß sie mehr geübt wird, denn je. Die\nEntwicklung will aber vor allem eine ernstere\nLehrzeit, eine an Gefahren und Erlebnissen rei-\nchere. Sie wird deshalb (weit eher auch eine an-\ngenehme sein. Die Forderungen, die für das tränen-\nfeuchte Schülerideal der Gegenwart erhoben wer-\nden, widersprechen dieser Notwendigkeit. Per\nLehrer kann nicht „der Freund desf Schüfers\" sein;\nschon deshalb nicht, weil der begabtere Schüler\nsich eine beliebige Freundschaft nicht aufzwingen\nläßt. Der Lehrer kann nicht Individualitäten berück-\nsichtigen, denn dem begabten Schüfer gegenüber\ngeht das vielleicht über seine Kräfte, und man könnte\nes ihm auch nicht verdenken, wenn er sich ener-\ngisch dagegen wehrte, seine Individualität zum\nUeberfluß von ungeschickten Händen betasten zu\nfassen. Der Lehrer möge der Vertreter der Arbeit\nsein und das allein. Sein Gebiet bleibe Wissen und\nVerstand. Man braucht sich nicht darum zu sorgen,\ndaß bei größerem Ernst und strengerer Sachlichkeit\ndie Poesie der Jugend zu kurz komme. Die läßt\nsich künstlich nicht erzeugen, aber auch nicht ver-\nbannen. Sie wohnt zwisdhen den Ereignissen und\nnur die Lange weife tötet sie. Man verschone den\nguten Sdhüfer mit der Langeweile der Erleichte-\nrungen. i ' '\nDaß man von den Reformen, deren Notwendig-\nkeit fühlbar wird, in der Regel die Entbürdung zur\nVerwirklichung ausersieht, wirkt seltsam. Die an-\nderen Erfordernisse, die Separierung des Disziplinar-\nwesens, das Aufgeben der Sittenkontrolle, die grö-\nßere Sachlichkeit, das sind Rechte, die die Zeit\ngeltend macht; und an ihrer Stelle will man ein\nGeschenk geben. Fast erscheint es wie eine Be-\nstechung. Als wolle man für den kleinen Mann des\nGeistes den stets Bedürftigen, etwas tun, und sidh\ndafür die Anhängerschaft und das Zuwarten seiner\nFreunde erkaufen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c008", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "295", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.7", "titre_corps": "Englische Tänzerinnen", "titre_sommaire": "Englische Tänzerinnen", "signature_source": "Peter Altenberg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.5", "debut_caractere": 2872, "fin_caractere_exclue": 4577, "texte": "Englische Tänzerinnen\nVon Peter Altenberg\nIdh habe diesmal lange gewartet, um zu schrei-\nben. Ich wartete auf meine Begeisterungen;\nauf diese seltenen leidenschaftlichen, fast religiösen,\nda sie einen wirklich momentan entrücken den tra-\ngischen Unzulänglichkeiten des eigenen Verworre-\nnen und verfehlten Daseins und der Heimtücke des\nganzen uns umgebenden Lebens selbst! So wartete\nich und wartete ich, bis endlich die „Rocking girls\"\nkamen, vier englische Tanzsängerinnen, IBarfuß-\ntänzerinnen. Lizzie und Esther sind das überhaupt\nVollkommenste an kindlicher Lieblichkeit, unermeß-\nlicher Natürlichkeit, Zartheit und Originalität! Der\nAusdruck ihres Antlitzes allein beweist es während\ndes Tanzes. Man wird gerührt, ergriffen, wie wenn\neigene geliebte Töchterchen Meisterleistungen voll-\nbrächten in irgend einer zarten Kunst! Man glaubt\ngar nicht, daß es nur Tanz und Gesang sei, man\nglaubt, das ganze zarte, mysteriöse Maeterlinckiesge\nLeben dieser überzarten Seelen zu erleben, izu er-\nträumen! Von der Pracht dieser Gazellenglieder\ngar nicht zu sprechen! Sie tanzen in weißen ge-\nstickten einfachen Kinderkleidern, ohne Silberflitter\nund gestickten Seidenrosen, entsprechend gekleidet\nnach ihrem kindlich-süßen Gebaren, nach einer Art,\ndie man nur in Gärten bei spielenden edlen Kindern\nerblickt. Es sind zartadelige Geschöpfe, die jdie\ngroben Sinnen der meisten fast Haß und Abneigung\neinflößen. Desto mehr sollten die Edelkultivierten\nhinpilgern, um den einfachen Triumph des fast\nUeberzarten mitzuerleben mit ihren Augen, mit ihren\nSeelen! Maeterlinck muß unter solchen Impressio-\nnen seine Seelen-Königstöchter erdichtet haben!\nPrinzessin Lizzie, Prinzessin Esther — — —\nCaslno de Paris / Wien"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "295", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.8", "titre_corps": "Die Woche", "titre_sommaire": "Die Woche", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.5", "debut_caractere": 4579, "fin_caractere_exclue": 10795, "texte": "Die Woche\nDer Klüngel\nKarl Kraus und mit und nach ihm alle Ein-\nsichtigen erhoffen die Entliterarisiierung der Presse.\nDenn nichts ist fürchterlicher, als wenn Journalisten\nliterarisch oder gar lyrisch werden. Die Aufgabe\nder Presse, Nachrichten zu vermitteln, vermag feie\nheute noch nicht zu lösen. In dem Prozeß einer\nWiener Dame gegen einen pathologischen Roman-\nschmierer war eine einstweilige Verfügung er-\ngangen, die die Verbreitung des die Dame schwer\nbeleidigenden Buches bei einer hohen Geldstrafe\nuntersagte. Im ordentlichen Verfahren wurde die\nVerfügung wieder aufgehoben. Das stand in den\nZeitungen. Der Leser muß also annehmen, daß\ndie behaupteten Tatsachen, die diesen Beschluß her-\nbeiführten, sich später als unrichtig erwiesen. Wer\nsoll aus dieser Mitteilung entnehmen können, daß\ndie Aufhebung dieses Verbots der Verbreitung aus\nformal-jur i s t ii s c h e n Gründen erfolgte. So\nkann eine Tatsache durch sachlidh ungenaue Bericht-\nerstattung entstellt werden. Das Berliner Tageblatt\nleistete sich noch ein übriges, indem es von „zwei\nbekannten Satirikern\" sprach, die sich gegenüber-\nstanden. Der „eine\", Arzt, der aus dem Berufsge-\nheimnis literarische „Anregungen\" holt, ist der Ver-\nfasser des gänzlich wertlosen Machwerkes, der\n„andere\" ist der größte lebende Schriftsteller in\ndeutscher Sprache, Karl Kraus. Das nennt das\nBerliner Tageblatt „zwei bekannte Satiriker\". In\nder Sadhe selbst reparierte es in einer zweiten Notiz\nden Schaden, was anzuerkennen ist. Dennoch bleibt\nbestehen, daß auf der Redaktion einer großen\nTageszeitung der Name eines großen Schriftstellers\nso wenig bekannt ist, daß man diesen Namen nicht\neinmal richtig schreiben kann. Noch ungeheuer-\nlicher, daß selbst der Verlag einer angeblich literari-\nschen Zeitschrift (das Literarische Edho) von jihm\nnichts weiß. Ihr Rechtsvertreter spricht von einem\nKlüngel, der mit Karl Kraus ein Interesse an dem\nNichterscheinen des Machwerkes habe. Er trat als\nZeuge für die beleidigte Dame auf. Daß man ihn\nin Deutschland nicht genügend kennt, ist nicht seine\nSchuld. In Oesterreidh herrscht er. Und wer seine\nSchriften gelesen hat, wird niemals glauben, (daß\ndieser Mann etwas gegen ein Buch unternehmen\nwird, das ihn „satirisch behandelt\". Er ist zu klug,\num nicht zu wissen, daß er erst dadurch' dem Buch\neine Bedeutung geben würde, die es an sich nie\nbesitzen kann. Recht humorig wirkt die Ansicht\ndes Rechtsvertreters von dem „interessierten\nKlüngel\". Eine landesübliche Journalistenidee,\nderen Uebernahme das Hirn dieses dreisten Juristen\nkennzeichnet.\nDiese Leute können sich eben eine Persön-\nlichkeit nicht vorstellen. Alles muß immer in\nMassen, Vereinen oder wenigstens Klüngeln auf-\ntreten. Es sei den Herren gesagt, jdaß Künstler\nweder Masseninstinkte noch gemeinsame Interessen\nbesitzen. Woraus sich die Unmöglichkeit des\nKlüngels ergibt. Diejenigen „Künstler\", die solche\nInstitute bilden, sind keine. Da sie sich unbewußt\nder Bedeutungslosigkeit ihres „Ichs\" bewußt sind,\ntreten sie stets herdenweise auf, halten fest tund\ntreu zusammen und bescheinigen sich1 gegenseitig\nihr Vorhändensein. Sie sind nicht monarchisch ge-\nsinnt die Hammel. Sie würden jeden Ober-\noder Leithammel unbarmherzig den Wölfen aus-\nliefern, um das Recht zu erlangen, mit ihnen zu\nheulen. Aber auch die .Wölfe sind noch keine\nKünstler, denn sie treten gleichfalls in Klüngeln auf.\nZoologie, für Juristen bearbeitet.\nArnold Schönberg\nAus Wien kommen nicht nur „Genies\". Arnold\nSchönberg wird dort maßlos überschätzt. Ein guter\nMusiker, kein Künstler. (Ihm fehlt die Fähigkeit\ndes Gestaltens, er ist keine Persönlichkeit, vielmehr\nein Homunculus aus Wagner, Mahler und DebUssy.\nDie Väter sind gliedhaft nachzuweisen. Mit\n„Pelleas und Melisande\" hat seine Symphonie gar\nnichts zu tun. Musik ohne Struktur, niahleriscbes\nBarock aufgekleistert.) Die Presse benahm sich\nhilflos. Einige jubelten. Die nicht „verkennen\"\nwollen. Andere tobten über die „Disharmonien\".\nAlso über das Rein musikalische, was bei Schön-\nberg über dem Durchschnitt steht. Laien und „Be-\nrufskritiker\" verwechseln stets Handwerk und\nKunst. (Schufen sogar „Kunst im Handwerk\".)\nGanz deutlich : Der vollkommene Handwerker wird\nnie Künstler. Bei ihm ist Manuelles, auch im Gei-\nstigen, Voraussetzung. Kunst kann nicht „verstan-\nden\" und erklärt werden. Wer sie nicht in sich\nträgt, wird sie nie begreifen. Also: Hände weg!\nNeues Schauspielhaus\nProgramm: Residenztheaterstücke, mit Literatur\nversetzt. Bisson mit Psychologie. Ernsthafte Ab-\nhandlungen in der Tagespresse. Die Fuldaianer\nzischten (wegen (des glücklichen Ausgangs. Im Foyer\ndiskutierten Gang-höfer und Oskar Blumenthal mit\nRudolf Lothar über das Wesen der Kunst. (Gute\nSchauspieler: Ida Wüst, Gertrud Arnold und Erich\nZiegel.) . , I' i : ! i '\nDer Literatur-Normalmensch\nHerr Walter Turszinsky kann in Berlin seinem\ngequälten qualvollen Gehirn* nicht genügend Luft\nmachen, trotzdem er gewohnt ist, mit dem Hute\nin der Hand zu antichambrieren. Die Literatur\nwill ihn durchaus nicht empfangen. Selbst die\nbesten Beziehungen zu der Presse scheinen in\ndiesem Fall nichts zu nützen. In solcher Not wendet\nman sich verzweiflungsvoll nach Breslau. In dieser\nliteraturfreien Stadt hofft Herr Turszinsky wenig-\nstens als Literatur-Normalmensch anerkannt zu wer-\nden. öder zum Mindesten seinen Aerger über die\nbösen Berliner auszukramen, das einzig Echte, was\ner zu verkaufen hat. Die Breslauer Zeitung nimmt\nihm die Ware gern und billig ab :\n„Gründeutschland\", das auf den Blocksbergen der\nBerliner Literaturcafes haust — mit langen Haaren,\nschmutzigen Kragen, allezeit hohntriefend, wenn ein\nLiteratur - Normaimensch ein bisschen Glück hat —\n„Gründeutschland\" hat diesen Ludwig Fulda, von dessen\nneuestem im „Deutschen Theater\" gespielten Versstück\nin drei Akten „Herr und Diener\" mein Telegramm\nbereits kurz gesprochen hat, längst zum alten Eisen\ngelegt. Das ist natürlich undankbar und böswillig zu-\ngleich. Denn mehr als je lebt in diesem scharfsinnigen,\nerkenntnisreichen Manne. . .\nMit dieser Meggendorferphantasie stellt sich\nHerr Turszinsky die unzugängliche Literatur vor.\nEr ahnt nicht, daß Alfred Kerr bereits vor !zehn\nJahren dem geschäftigen Fulda die Tür gewiesen\ni' , r ' 112 .! } I 112 ;\nhat. \\\nT ru st"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "296", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.9", "titre_corps": "Umschau", "titre_sommaire": "Umschau", "signature_source": "T", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.5", "debut_caractere": 10797, "fin_caractere_exclue": 11798, "texte": "Umschau\n\nDauerbäder\nHerr Rudolf • Presber, der Lyriker, ist immer\nnoch sehr beliebt. Sinniger Humor. Liebe deutsche\nPoesie. Individuelle Eigenart: lyrische Betonungen\ndurch Sperrdruck. Hier sechs Zeilen aus dem Ge-\ndicht „Ein Wunsch\":\nZu deinem Munde blickt' ich zag und scheu,\nO lehr' mich reden, was ich1 nie bereu!\nIn deine Augen schau ich1, liebstes Weib —\nO, daß ich würdig solchen Spiegels bleib!\n112\nUnd diese H a n d — o, daß es Gott mir fügt,\nDaß sie als letzte auf der Stirn mir liegt!\nr\nHerr Presber ist ausdauernd; er läßt isoeben\nwieder einen neuen Band erscheinen: Späne. Der\nVerlag empfiehlt die Späne mit diesen Worten: „Die\nLektüre der Presberschen Bücher gibt uns ein Wohl-\ngefühl wieb e i e 1 n e m B ade... Erlebnisse, wie\nsie jeder hat, in jenem seltenen Lichte gesehen, das\nnur von diesen wenigen ,ausstrahlt, die man die\nHumoristen nennt.\"\nDas Wohlgefühl hängt zumeist von der Dauer\ndes Bades ab; man frage Herrn Heyermanns, den\nSpezialistein für Dauerbäder. Er wird bestätigen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4142, "texte": "daß das Wohlgefühl des Behandelten nicht immer\nmit der Energie der Bedienungsmannschaft gleichen\nSchritt zu halten vermag. Also Vorsicht!\nEdelschmock\nDer Sanssouci er ist aus dem güldenen Traum\nerwacht, in den der Schluck aus dem güldenen\nKännlein ihn versenkt hatte. Er streitet im konser-\nvativ-demokratischen Organ der Montags-Exzellenz\nfür das heilige Recht des Künstlers, seine Gaben\nin den Dienst der Destillen-Reklame zu stellen:\n„Man hat es Th. Th. Heine, Bruno Paul, Ferd.\nv. Keller, Franz v. Stuck, vielen ersten weltberühm-\nten Malern und mir selber niemals verargt, für\nirgend einen schlechten Schnaps, für eine miserable\nSchuhwichse künstlerische Plakate entworfen zu\nhaben...\"\nEr hatte wohl ursprünglich geschrieben: vielen\nweltberühmten Malern und selbst mir; in seiner\nBescheidenheit hat er aber schließlich die Worte\numgestellt. Edel sei der Mensch...\nUebrigens irrt er sich, wenn er glaubt, daß\n[man den Schriftstellern grollt, die sich in\nden Dienst der Reklame stellen, weil ein Gott ihnen\ngab zu sagen, daß die Menschheit an schlechtem\nSchnaps und miserabler Schuhwichse Mangel leidet.\nIm Gegenteil — man grollt ihnen, weil sie vielfach\nihr so geartetes Talent mißbrauchen, indem sie sich\nals Künstler empfinden und in ihrer Verblendung\nMenschheit und Kultur mit Schnaps und Stiefel-\nwichse verwechseln.\nVitalitätskoeffizient\n„Der Kientopp! Ich hörte dies\nWort zum ersten Mal, als ich\njetzt wieder nach Berlin zurück\nkam, und habe mich sofort darin\nverliebt. Vier Jahre lang bin ich\nauf drei Kontinenten . . . und ich\nliebe die Berliner, dass sie dies\nWort gefunden haben/'\nAus einer Montagszeitung 31.Oktober 1910\nDer dämonische Lokalanzeiger-Korrespondent,\nfrisch1 aus Indien zurück, dichtet einen Hymnus auf\nden Kientopp. Der Kientopp ist, bitte, ein „erst-\nrangiger Vitalitätskoeffizient\". Der dämonische\nL.-A.-Korrespondent hat das Wort Kientopp zum\nersten Male gehört, denn ler ist, bitte, vier Jahre\nlang auf drei Kontinenten herumgereist. Vier Jahre\nlang, bitte, auf drei Kontinenten! (Daß er zwischen-\ndurch häufig tin den Cafes und auf den Redaktionen\ngesehen wurde, hat übersinnliche Gründe; er jst,\nbitte, ein Dämoniker.)\nEr hört also das (Wort Kien topp tum ersten\nMal, als er nach vierjähriger Abwesenheit inach\nBerlin zurückkehrt... „und ich habe mich Sofort\ndarin verliebt...\" Und er liebt die Berliner, „daß\nsie dieses Wort gefunden haben\".\nVater, sagt er, schicke deine Kinder in den\nKientopp. Denn er ist erzieherisch. Und außerdem\nist er erstrangig. Und ein Vitalitätskoeffizient.\nMutter, sagt er, gehe mit Vätern in den Kien-\ntopp, denn er ist amüsierend. Und er ist gesünder\nals Bierkeller und Schnapkbudiken.\nDer dämonische L.-A.-Korrespondent findet,\n„wir Künstler\" könnten bewuß t für den Kientopp\nschaffen:\n„Hier iist ein neues Feld für die Kunst, ein\njunger Acker — wer hilft ihn pflügen ?\"\nEr verspricht, ein Kientoppstück zu schreiben.\nTun Sie es, Dämonier - Ladedämonier (Lokal-\nA n zeiger- Co r re spondent-Dämon ie r). Sie sind es\nuns schuldig.\nQ u i n t u s F i x 1 e i n\nSehr geehrter Herr Fixleiin!\nSie wundern sich, daß der Lokal-Anzeiger-\nDämoniker vier Jahre lang auf drei Kontinentein\nherumgereist ist, nach Berlin zurückkehrt, das Wort\nKientopp zum ersten Mal hört und ideshalb die\nBerliner liebt. Was sagen Sie aber daz:u, daß der-\nselbe Herr alles dies schon einmal erlebt, entdeckt\nund geliebt hat. In der Nummer 18 der entschwun-\ndenen Zeitschrift „Morgen\" vom 11. Oktober 1907\nschreibt der Kosmiker (oder Kosmetiker, wie ßie\nwollen) folgendes:\n„Der Kientopp! Ich hörte dies Wort zum ersten\nMal, als ich jetzt wieder nach Berlin zurück kam, und\nhabe mich sofort darin Verliebt. Vier Jahre lang\nbin ich auf drei Kontinenten . . . und ich liebe die\nBerliner, dass sie dies Wort gefunden haben.\"\nZum Mindesten liegt ein Rechhiungsfehler vor.\nWenn er jetzt geschrieben (hätte, „ich bin drei\nJahre auf vier Kontinenten hemmgereist, so wäre\ndie Zeitrechnung (vom 11. Oktober 1907 bis zftun\n31. Oktober 1910, an welchem Tage er das1 Er-\nlebnis zum zweiten Male hatte), in Ordnung. Aber\nKosmetiker rechnen nach1 Jahrhunderten. Sie wissen\ndoch: ..Und aber nach1 fünfhundert Jahren \"\n\nT."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "296", "page_fin": "296", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.10", "titre_corps": "Opfer gelber Gefahr", "titre_sommaire": "Opfer gelber Gefahr", "signature_source": "J. 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Wo der Geist des Gelehrten fast erschöpft\nversiegt, bricht die Quelle der „geistvollen, (durch-\ndachten Gedanken\" deSi bekannten Schriftstellers\nhervor; in kaum zwei Stunden zeichnete er den\nand äch ti g e n Zuhörern den Weg, den die Kultur\nJahrhunderte hindurch gehen mußte, um kaum über\nihren Schatten hinaus zu kommen. Der Phasen,\nin denen sie in Wien vom „ersten, vom einzigen\nKaiser, der dort herrschte\", bis zum letzten Dichter,\nder es heute besingt, lendenlahm schwankte, sind\nviele, aber Gelber „Zwang\" den Stoff und „fesselte\"\ndie Zuhörer. Nicht immer waren die Wiener der\nKultur gewogen, sie soll ihnen unter Kaiser Joseph\ndem Zweiten lästig gewesen sein, und sie lebten\nlieber in „der besten der Welten\".\nErst nach dem Jahre1 1866 erfüllte die Kaiser-\nstadt ihre kulturelle Mission; jede Burgtheater-\naufführung war ein Gebet, ein Opferdienst,\nund Mak a r t malte. Nur Gelber schrieb Ida-\nmals noch nicht. Schade. Das hätte Wiens Auf-\nschwung noch mehr Kolorit verli e h n.\nUnd dann kam wieder eine Zeit des Nieder-\ngangs. Im Burgtheater betete man noch immer,\naber Makart malte nicht mehr und Gelber be-\nga n n zu schre i b e n. Selbst der Messias Presse\nkonnte nicht helfen, Wien litt fünfzehn Jahre an\neiner Kulturverstopfüng. Die Gewalt der Kleri-\nkalen, die jenen Eunuchenzustand der Donaustadt-\nkultur auf dem Gewissen haben sollen, ist heute\nauch noch nicht gebrochen, aber es leuchtet trotz-\ndem „eine strahlende Abendröte nach langem Tage\nüber Wien. Kulturarbeit nach allen Richtungen,\nauch in den freimütigen, poetischen Schöpftingen\neines Bartsch, Ginzkey, Schönherr\". Der Vor-\ntragende hatte ein Trugbild geliefert, aber es wurde\nihm mit „ehrlichem Beifall\" bezahlt.\nEr nannte viele, die in Wien von Rudolf von\nHabsburg bis hinauf zu Rudolf aus der Steiermark\nTeil hätten an dem niedrigen Berg- und dem hohen\nTalbahngang der Kultur, und er brachte die Namen\nVon Schriftstellern, deren Ruf [gar locker in dem\nSande kurzatmiger Mode und unkultivierten Ge-\nschmackes wurzelt, in Verbindung mit einer\nstrahlenden 'Abendröte, die über Wien brachliegt.\nNur von dem genialen Geist schwieg er, der\nüber Wien, der Begräbnisstätte der Kultur, Schon\nseit Jahren und so gewaltig lodert, daß er in Berlin,\nwo man Gelber als „bekannten Schriftsteller\" liebt,\nnoch viel zu fremd ist. Er schwieg, ein zitternder\nSklave seines ephemeren Ruhmes, von Karl\nKraus, dem 801 l werk, daran die Sturmflut\nschwarz-Gelber Scheinkultur zuschanden wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "296", "page_fin": "296", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.11", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.6", "debut_caractere": 7056, "fin_caractere_exclue": 7418, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nALFRED KERR\nDas neue Drama\nVerlag S. Fischer Berlin\nELISABETH PAULSEN\nJ ungf rauen-Beichte\nVerlag J. Bensheittier Mannheim\nELSE LASKER-SCHÜLER\nDie Wupper / Drama\nVerlag Erich Oesterheld u. 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Spielplan:\nDer . ~\nSchumannSflsT Helr und Diener Judith He» llnd Diener FaUSt Herr Und Diener HelT Und DieUer Wiä««en 44 Limmer/EwterTlasse\ntt -i tv a 4. Komödie der ai. Komödie der Komödie der Komödie der ■*«• j mi\ns,r.-»;zr» |,„\nLessingtheater Wenn der junge ri?<!'«hf£o I\"l Wenn der junge Ibsenzyklus: Wenn der junge Wenn der junge Ibsenzyklus: Neues Theater kL6*«1 t\nFriedrich Karlufer l Wein blüht Die Stutzen der Weinbi(hts Nora Wein blüht Wein blüht Ein Volksfeind Schiffbauerdamm4a|s Mittwoch bis bonntag.\nGesellschaft ____ Der (j. m. b. H.-Tenor\nKomische Oper ni Rov,imp HofEmanns ni Rnh),mp Der Arzt Di r, h; Di R - T Residenztheater M 1 „1,1:„„\nFrledrichstr. 1041104 a uie-öoneme Erzählungen uie Botieme wider Willen tfoneme me eoneme losca Blumenstr. 9a «oDiesse oDlige\nNeues königliches t-v Pntfpr TriflnnnfliOQfar.\nOperntheater Waffenschmied Der Liebestrank dämmeran» Figaros Hochzeit Der Freischütz Der Liebestrank Tannhäuser larMr.7 Der heilige Hain\nKönigsplatz 7 _\nSchauspielhaus Sternenhochzeit JunorieanJon Sternenhochzeit Sternenhochzeit Sternenhochzeit UebKrJftSere Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNollendorfstrasse 11(12 ' _ Schiff bauerdamm 25\nBerliner Theater Der scharfe m . Der scharfe Der scharfe Der scharfe Der scharfe Theater des , _\nChariottenstr. 93 Junker Taifuu Junker Junker Talfun Junker Junker Westens Die schönste Frau\n____ _____ _ _ _ _ _ Kantstrasse 12\nSÄ. ESitr DtlKl,mp„ utss*.- -W-U5-»EÄ »»—\nGensdaribenmarkt weilt Die Piccolomini 10(1 ,Die PiccolomhÜ ioa Behrenstrasse 05|5t>"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "297", "page_fin": "297", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.7", "debut_caractere": 169, "fin_caractere_exclue": 335, "texte": "Oraphische Russfellung\n1910\n1. 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Allen, die Wert auf schone und gesunde Zahne legen, sei\ndaher* Kosmin zu taglichen Mundspulungen bestens empfohlen. Ein Versuch fuhrt erfah-\nrungsgetnass zu dauerndem OebraucheT Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich.\nwip:\n•-• • ~\n*'Jf.ft '■ ir, ■\ni"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "298", "page_fin": "298", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.8", "debut_caractere": 622, "fin_caractere_exclue": 743, "texte": "Cafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll* bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "298", "page_fin": "298", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.8", "debut_caractere": 745, "fin_caractere_exclue": 790, "texte": "li/ftttd A nrnr^j\nJVL U it JUL AAA Manchester"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "298", "page_fin": "298", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.8", "debut_caractere": 792, "fin_caractere_exclue": 1036, "texte": "Zeitschrift fiir Musterzeichner\nWirksames Insertions-Organ\n: Fachschrift ersten Ranges :\nAbonnenten in alien Staaten Europas\nInsertionsgebiihren massig\nOfferten gern iu Diensten\nSchriftleitung C. Kriiger Unterbarmen (Rheinland)\nRirschstrasse 49"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "298", "page_fin": "298", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.8", "debut_caractere": 1038, "fin_caractere_exclue": 1416, "texte": "II 1:1 ririi iiii ill iiii i'i^\n|Diesacfte[|\n1 HERAUSGEBER jj\ng Karl Kraus M\n1:: Nr. 309/10 :: |\n1 soeben erschienen J\nm Preis 50 Pfg. jj\nB Aus dem Inhalt: M\nj§ Kempinski von Karl Kraus jj\ng Gedichte von Else Lasker- m\nB Schiiler M\nM ÜBERALL ERHALTLICH §\nllllllllllllllllllllillllillilllllllllllllira\n:: PROBENUMMERN s:\numsonst u. portofrei durch die\nGesch&ftsstelle „DER STURM\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-11-10-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-11-10_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-11-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "298", "page_fin": "298", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.8", "debut_caractere": 1418, "fin_caractere_exclue": 1648, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. 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Den BuchhMndlern\nund VerkSufern unserer Zeitschrift stehen\nExemplare kostenlos zur VerfUgung. 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'. V ' •!> 7>> ~y V-\";:-. ■•'.'■•■'■!\n?■ ' v- \\; • ■v;v-:.;;•\"•• •. .„v •- V.-v? '•'■ i?;*•■£|l>'•>; V;•?«■'7-3fe*).'• ':••\n. v.- •- \\r:;\"Wv:v \"' '\nt 2/ 3 V 5\n■ H IKi HI 1131\nll'll>t-;'l\niiiiiHl 112 ■■■■» ■!\nlIIIUIWVIIII I\nTrockensubstapzen von je 1 LiteiyKuhmilch, Backhaus-Milch und Frauenmilch*\nI« Milchzucker — 2. Fett — 3. Eiweiss — 4. Kaseitr —* 5. 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Tänzerinnen / jTRUST: Die\nWoche: Der Klüngel / Arnold Schönberg / NeuesSchau-\nspielhaus / Der Literatur-Normalmensch / QUINTUS\nFIXLEIN: Umschau: 'Dauerbäder / Edelschmock / Der\nVitalitäts-Koeffizient / J. A.: Opfer gelber Gefahr\n\nWriten after condemnation\nto death\nWintergarten\n8/Rey no Ids and Do negan\nOh1 my Lord, Creator of all beauty!\n... Die schwebende „Gottestochter\" hat zu mir\ngelächelt, als mir das Leben schwer Wurde...\nThis remarkable and innocent human document\nshows the emotion of the young Oskar Kokbschka,\nthe „Mensch Gottes\", as he appeared after exe-\ncution. (\n„No hbpe?\" „No pardon?\"\n„An ugly bloody shoot or imprisonment?\"\nquestionned instead of ans Wer an encouraging one.\nNo pardon! After having lelt useless lovers\nof divine art and beauty to theyr fate.\nHis remains were buried in the souls of his\naffectioned friends.\n12/„General\" Edward La Vine\n... Der Clown ist der Mensch, der seine Toten\nhinauswirft...\nBring also out your de ad!\nI daim no pity for deads.\nA dreary, comical All SouPsday for thbse lost\nin the waste of Society 's waves.\nPraying for the boy'si good ghosts drowned\nat sea of oommonity — and there are many friends\nof the boy's poor good sbul deeply grieved at his\npassing. Of this by no means the least sincere\nare those which know this paper, who counted him\na comrade in „belief\" ...\nOh my Lord, creator of all bad things.\n\nDas tausendjährige Reich\nVon August Strindberg\n\nDas Jahr 999 näherte sich seinem Ende im#\ndie Christenheit Hebte in Todesangst. In Rom und\nUmgegend hatte alles Leben aufgehört. Der Acker\nwurde nicht besät, er lag im Unkraut; der Handel\nstockte; die Läden waren geschlbssen. Wer etwas\n\nDie schöne Rollschuhläuferin\nZeichnung von Oskar Kokoschka"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.2", "texte": "verschenkte es, und mußte noch den An-\nnehmenden suchen. Die Kirchen standen drei Mo-\nnate ununterbrochen offen. Und es war jeden Tag\nSonntag. Man zog seine besten Kleider an, da es\nkeinen Zweck hatte, sie zu bewahren, und man\nfestlich, gekleidet sein wollte, um den Erlöser bei\nseiner Ankunft ztij empfangen.\nWeihnachten wurde in seltener Andacht ge-\nfeiert, und die Mensdhen lebten in friedvoller Ein-\nmacht. Die StadtwaChe hatte nichts! zu tun, denn\nder Sdhrecken vor dem, was kommen würde, hielt\nZudht und Ordnung; man schlief hinter offenen\nTüren und niemand wagte zu stehlen oder zu be-\ntrügen. Das hatte man auch' nicht nötig. Denn\nwer etwas verlangte, erhielt es geschenkt; die\nBäcker teilten dasi Brot umsonst aus, und in den\nSdhenken gab es unbegrenzten Kredit, Schulden\nwurden nidht eingetrieben. Die Kirchen waren Tag\nund NaCht überfüllt; ißeiChte und Absolution,\nMessen und Abendmahl gewährte man ununter-\nbrodhen.\nDer Tag Vor Neujahrsabend war gekommen.\nDie Ansichten über die Art der Katastrophe teilten\nsidh, man erwartete Fltut oder Erdbeben. Die\nmeisten Einwohner hielten sich im Freien auf, in\nder Ebene oder auf den Hügeln. Alle aber rich-\nteten die Blicke zum Himmel.\nDas' Marsfeld war am Morgeln Von Menschen\nüberfüllt Eine Gruppe hatte einen Kreis um einen\nHolzstoßi gebildet; ein Verrückter stand auf ihm,\nSchriften und ein Pergament in der Hand. Es war\nein reidher Bürger, der seit drei Monaten Buße\nund Besserung geübt hatte und jetzt zum Skelett\nAbgemagert, dem kommenden Gericht entgehen\nwollte. Er hatte einen ganzen Arm trockenen\nHolzes herbeigeschleppt, unter dem Vorwand, er\nwolle allen Lastträgern und Zugtieren Wärme\ngeben. Da der eine sich1 nicht darum kümmerte,\nwas; der andere tat, ließ man ihn gewähren.\nEr stellte sich auf eine zerbrochene Kanzel\nneben dem Scheiterhaufen, den er in Brand gesetzt\nhatte:\nIm Namen des ewigen Gottes, so wie idh' jetzt\ndiese SchuMseheine verbrenne, wird der Herr, mein\nGott, meine Sdhulden aus1 dem Buch des Lebens\nstreichen. Für alle Leiden, die ich anderen ver-\nursacht habe, will ich selber leiden. Reinigendes\nFeuer, verbrenne meinen elenden Körper mit allen\nseinen Sünden, steigende Flammen, laßt midh euch\nfolgen! Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!\nEr madhte einen Sprung, fiel! in die flammen\nund blieb auf den Knieen liegen, bis! er erstickte.\nAuf dem Forum arbeitete ein Mann mit einer\nBrechstange an einem Schutthaufen, der ihn be-\ngraben sollte. „Sagt zu den Bergen: bededkt uns\",\nsang er.\nVom pon& Sublidius sprang ein junges Paar\nin den in einer Umarmung, die der Tod nidht\nlösen konnte.\nZur Mittagslzeit wurden die Gefängnisse ge-\nöffnet und die Gefangenen; wie Helden und Mär-\ntyrer aufgenommen. Sie wurden in die Häuser\nder Vornehmen geführt und mußten sich zu Tisch\ni;w« „ürnm\nsetzen. Die Senatoren und ihre Frauen wuschen\nihnen die Füße.\nAlle sind wir Sünder und haben nichts, dessen\nwir uns rühmen könnten! Diese Gefangenen haben\nihre Strafe erlitten, während wir frei herumgingen!\nSo redeten sie. \\\nNie hatte die Mensdhen liebe und die Barm-\nherzigkeit sidh so gezeigt, nie seit den ersten Tagen\ndes Christentums. Die Kranken wurden in ihren\nBetten aus den Hospitälern hinausgetragen. Alles,\nwas lebte, wollte unter freiem Himmel sein. Fa-\nmilien brachten die (Möbel auf die Straße.\nVögel wurden ausi den Käfigen gelassen, Und\nPferde aus den gtällen. Zuerst irrten die in der\nStadt umher. Als sie aber die frische Luft wit-\nterten und die Tore erreicht hatten, liefen sie nach\nder Campagna, um einige grüne Stellen zu suchen;\nmanche lagen in der Stadt herum, während die\nKinder auf ihre Rüdken kletterten.\nNur die Kinder fürchteten sich' nicht. Sie\nsprangen und spielten wie sonst und freuten sich\nüber die Freiheit und da® Ungewöhnliche. Nie-\nmand mochte sie strafen. Und da sie nicht be-\ngriffen, was vorging, spielten sie sorglos.\nDer Neujahrsabend war gekommen, und die\nAngst gestiegen. Man sah Herren und Diener\neinander weinend umarmen, sie bekannten ihre\nHärte, ihre Unehrlichkeit. Alte Feinde, die sich\nauf der Straße trafen, faßten sich bei den Händen,\nwanderten wie Kinder auf und nieder und sangen\nLoblieder.\nEs' war wie im goldenen Zeitalter oder so, wie\nsidh die Kirchenväter das tausendjährige Reich ge-\ndacht hatten.\nDie Luft war milde wie im Frühling, und der\nHimmel klar bis zu|m| vMittag. Dann bewölkte er sidh.\nNiemand aß, niemand trank, alle nahmen Bäder\nund kleideten sidh festlich. Am Nachmittag zogen\nProzessionen von Priestern und Mönchen durch\ndie Stadt und fangen Litaneien, in die das Volk\neinstimmte.\n„Kyrie eleison!\" erschallte es über die ganze\nStadt. „Herr, erbarme dich, Christus, erbarme\ndich !\"\nMan bereitete sich <auf seinen Untergang vor.\nEs gab aber Ungläubige und Verkommene, die\nnichts Besonderes erwarteten; sie hätten sich unten\nin den Katakomben und Ruinen versammelt, und\nfeierten bacchantische Orgien.\nIn den Ruinen von Neros goldenem Haus hatten\ndie Libertiner und Dirnen der Stadt ein großes\nFestmahl veranstaltet. Mitten auf dem Boden\nbrannte ein Feuer, das von Tischen und Bänken\numgeben war. Speisen und Wein gabs im Ueber-\nfluß, denn man brauchte nur aus Vorratskammer\nund Keller zu nehmen. Man unterhielt sich mit\nMuisik, Gesang und Tanz, und als Zwischenspiel\ngenoß man, wie Fledermäuse und Eulen sich am\nFeuer verbrannten und lebendig gebraten wurden.\nDie Freude war lärmend, aber nidht lustig.\nAuch hier wurde philosophiert und prophezeit.\nHeute kommt kein jüngstes Gericht, meinte ein\njunger Mann, der ein Nachkomme Kaiser Neros\nhätte sein können.\nUebrigensl, wenn es kommt, schlimmer wie wir\nes im Leben hatten, kann es der Tod uns nicht\nbieten.\nIdh habe immer gefunden, wir sind in der\nHölle gewesen! Kopfschmerzen jeden Morgen,\nSdhulden und Schande, ab und zu etwas Gefängnis.\nDer Kaiser sitzt naCkt in einer Grotte am Fuß\ndes Soracte\n„Vides ut alta stat nive: Candida, Soracte !\"\n„Mitten im Wort entflieht uns das neidische\nLeben! Nütze den Tag und trau nidht dem\nnächsten!\"\nUnd der Papist wird die Mitternadhtsmesse\nhalten. Er, der nicht glaubt.\nAber er muß gute Miene madh'en und so tun.\nVon einer wieißi idh1, daß sie heute nicht in\ndie Messe geht.....\nDas ist die schöne Stephania, die Witwe des\nCresdentius\nAber sie wadht, wie die Rache....\nWas haben diese Teutonen in Rom zu tun !\nIdh wünschte1, der Herr dieses goldenen Hauses\nstände von den Toten auf. Dias war der letzte\nRömer!\nEin Mann, der mit seinen Feinden nidht schön\ntat! Er fürdhtete nichts zwischen Himmel und Erde.\nDer Blitz schlug einmal in seinen Speisesaal ein,\nals er zu Tisdh lag. Wißt Ihr, was er sagte?\nProsit! sagte er und erhob seinen Becher.\nIn diesem Augenblick fiel ein erhitzter Stein\nvom Gewölbe herab und ins Feuer hinein, daßi die\nFunken sprühten. Aber durdh das Loch drang der\nNaChtwind und wirbelte den Gästen den Rauch\nins Gesicht. Zuerst fanden sie das Abenteuer\nscherzhaft, bald aber sahen sie sidh' genötigt, die\nHöhle zu verlassen.\nLaßt uns hinausgehen, und den Weltuntergang\nansehen! sdhrie einer der Jünglinge.\nUnd der Zug bildete sich1 aus Bacchanten und\nMänaden, ein gefüllter Weinschlauch an der Spitze,\nFlötenspieler hinterdrein und alle Gäste mit Bechern\nin der Hand.\nUnten in der alten BasiLika des Sankt Peter\nstand der Papst vorm Altar und las die stille Mitter-\nnachtsmesse.\nIn der überfüllten (Kirche lagen die Menschen\nauf den Knieen. Tiefe Stille. Man hörte das Rau-\nschen der weißen Hemdärmel des Offizanten,\nwenn er den Keldh hob. Und einen anderen Laut,\nder gleidhsam die letzten Minuten des Jahrtausends\nausmaß. Er klang wie der Puls im Ohr des Fieber-\nkranken und sdüüg ebensoviele Schläge. Die Tür\nder Sakristei stand offen und die große Uhr, die\ndort hing, schlug ruhig und sicher jede Sekunde.\nDer Papst, der ein berechnender Mann war, hatte\ndie Tür [offen 'stehen lassen, um die höchste Wirkung\nin dem großen Augenblick zu erzielen. Sein Ge-\nsicht war leichenweiß vor Erregung, bewegte sich\naber nicht und seine Hände zitterten nicht.\nDie Messe war beendet und ein Todes-\nsdhweigen trat ein. Man erwartete, der Diener\ndes Herrn am Altar würde einige Worte des Trostes\nsagen, aber er war in Gebet versunken, wie es\nschiein, und hatte die Hände gen Himmel gestreckt.\nDie Uhr schlug, das Volk seufzte, aber nichts\ngeschah. Wie Kinder, die sich im Dunkel! fürchten,\nlag die Gemeinde mit dem Gesicht auf dem Boden\nund wagte nicht aufzusehein. Angstschweiß tropfte\nvon eiskalten Stirnen, Knie sdhmerzten, ermüdeten\noder wurden gefühllos, als seien sie abgenommen.\nDa hörte plötzlich (die Uhr auf zu gehen...\nWar das Werk ausgelaufen? War es ein Zeichen?\nSollte alles stehen bleiben, die Zeit zu Ende sein,\nund die Ewigkeit beginnen? Aus' der Gemeinde\ndrang Geschrei, und vom Entsetzen getötet fielen\neinige Körper auf den steinernen Fußboden. Da\nbegann die Uhr zu sdhlagen: eins, zwei, drei,\nvier Der zwölfte Schlag w;ar verklungen.\nT odes schweigen.\nSilVester drehte sidh um, und mit dem1 stolzen\nLädhein eines Sieges streckte er die Hände zum\nSegen ausl. Im selben Augenbliidk läuteten alle\nGlodken fröhlich, jubelnd, und vom Emporium der\nOrgel erschallte ein Chor von Stimmen, jungen\nund alten, etwas unsicher anfangs, bald aber fester\nund heller:\nTe Deum Laudamus!\nDie Gemeinde stimmte ein, aber es dauerte ge-\nraume Zeit, ehe die erstarrten Rücken sich gerade\nrichtein konnten, und bis) man sich von dem An-\nblick der vor Schreck Gestorbenen erholt hatte.\nDer Gesang w;ar zu Ende, und die Menschein\nfielen sidh in die Arme, weinten und lachten wie\nWahnsinnige und gaben sich Friedensküsse.\nSo endete das! erste Jahrtausend nach Christi\nGeburt.\nIn der kleinen Burg Paterno am Soracte hatte\nder Kaiser die Weihnachtswochen und den Neu-\njahrs abend unter strengsten Fasten und Buß-\nübungen zugebracht. Als! aber der Neujahrstag\ngekommen und alles unverändert war, zog er in\nRom ein, um Silvester zu treffen und für die Zu-\nkunft zu sorgen.\nDer ältere Freund und Lehrer empfing den\nKaiser mit einem Lächeln, das nicht mißverstanden\nwurde; noch aber ,war der Monarch von seiner\nFurcht so beherrscht, daßi er nicht zornig zu werden\nwagte.\nWillst du jetzt zur Erde zurückkehren, mein\nSohn, und deine weilftlidien Angelegenheit en be-\nsorgen? sagte Silvester.\nIch muß zuerst zwei Gelübde erfüllen, die ach\nin der Stunde der Not abgelegt habe.\nDann erfülle sie !\nIch gehe nach dem Grab meinesi Freundes\nAdalbert in Gnesen und ich1 will die Gruft Karls\ndes Großen in Aachen besuchen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.3", "texte": "Tu das, aber du müßt gleichzeitig einige Auf-\nträge ausführen,, die ich dir mit auf die Reise\ngebe.\nUnd so geschah es.\nZwei Jähre waren vergangen, alis der Papst\nSilVeßter feines Tages im Januar nach' Paterno ge-\nrufen wurden der kleinen Burg am Soracte, in der\nder römisch-deutsche Kaiser wohnte und jetzt\nkrank l!ag.\nAlls Silvester ins Krankenzimmer eintrat, saß\nder Kaiser laufredht, sah aber verkümmert aus.\nDu bist krank; an Seele oder Körper?\nIch' bin tnüde.\nIm Alter Von Zweiundzwanzig Jahren?\nIch bin mißmutig.\nDu bist mißmutig, obwohll du die Welt nach\nihrem Albtraum erwachien sahst! Bedenk doch',\nUndankbarer, was haben diese beiden Jahre nicht\nalles gebracht, welche Siege für Christus, der\nwirklidb wiedergekommen zu sein scheint. Ich will\nsie aufzählen; hör zu! — Böhmen hat seinen Herzog\nbekommen, der das Heidentulm' ausrodete, Oester-\nreidh! sich als Donaustadt geeinigt; der heidnische\nMagyar hat sich taufen Hassen und die Krone von\nunserer eigenen Hand empfangen,, als Stephan der\nErste ; Boleslaw von Polen hat auch eine Krone\nund einen Erzbischof bekommen; das neue Reich\nder Russen die Taufe genommen, und Wladimir der\nGroße schützt uns gegen untergehende Sarazenen\nund die aufgehenden Seldschuken oder Türken;\nHarald von Dänemark und Olof von Schwedeft\nhaben das Christentum befestigt; Ollof Trygveson\nebenfalls in Norwegen und Island, auf den Farör-\ninsein, in Shetland und Grönland; und mit dem\nDänen Sven Tveskaegg wurde Britannien fürs\nChristentum gesichert. In Frankreich sitzt der\nfromme Robert der Zweite ausi dem neuen Ge-\nschlecht der Kapietinger, aber von sächsischer Her-\nkunft wie du. In Spanien haben die nördlichen\nStaaten Leon, Castil'ien, Aragonien, Navarra sich'\nendlich geeinigt und wehren uns die Mohren in\nCordova ab. — Das alles in wenigen Jahren und\ndurch Rom! Ist das nicht Christi Wiederkehr, und\nverstehst du jetzt, was die Vorsehung mit dem\ntausendjährigen Reich meint! Die in tausend Jahren\nleben, werden vielleicht die Früchte reifen sehen,\nwährend wir nur die Blüte gesehen haben! Ein\nParadies ist es nicht, aber es ist etwas besser afe!\nfrüher, als wir Wilde im Norden und Osten hatten.\n— Und von Rom Wolfen alle ihre Kronen und ihr\nPallium. Du bist ein Herrscher der Völker, mein\nKaiser. 1 - M f'! ' M PT\nDu regierst die Geister. Ich' will nicht\nherrschen.\nIch1 hörte es ; denn du hast dir eine Herrscherin\ngeschaffen!\nWer sollte das sein?\nMan 'sagt, und du kennst das Gerücht ebensogut\nwie idh, daß es1 die Witwe des Crescentius ist, die\nschöne Stephania. Nun, das ist deine Sache, aber\nSalome rät: Nimfm1 dich1 in Acht Vor deinen Fein-\nden, aber sei auch' vorsichtig mit deinen Freunden!\nDer Kaiser sah1 aus, als Wolle er sich ver-\nteidigen, vermochte es aber nicht, und so war das\nGespräch' zu Ende.\nEinige Tage darauf war Otto der Dritte tot,\nnach der Sage von der schönen Stephania vergiftet.\nUnd ein Jahr später starb SilVester der Zweite.\nEnde\nAus der schwedischen Handschrift übertragen von\nEmil Schering\n\nMinn, der Sohn des Sultans von\nMarokko\nVon Else Lasker-Schüler\nDer Sultan von Marokko trägt einen Mantel\nvon weißer Seide, der ist über der Brust von einem\nSmaragd in der Größe ieines Taubeneis gehalten.\nAber sein Sohln kommt barfuß und iim staubigen\nKamelfell gehüllt, ein Bettler neben steinern könig-\nlichen Vater. Mein Vetter im Kamelfell ist sechs-\nzehn Jahre alt, Ali Mohamed könnte sein älterer\nBruder sein, der ärgert sich nicht, ist stets zu\nScherzen aufgelegt, er hat schöne Zähne, Perlmutter,\nliebliche Frauenzähne, und belächelt seines Sohnes\nmürrische Laune. Auch die Furche zwischen seinen\nBrauen ist nur ein seltener, huschender Schatten,\nsieben Häute tiefer schlummert die Nadit in seines\nSohnes Stirn. Bei der Tafel weigern sich die Hof-\nleute neben diesem zu sitzen und auf dem Dach.\nSein Kissen ist ängstlich gezeichnet. Unter dem\nlieblidhen Himmel des weißen Rosengartens wan-\ndelt er auf verbotenen Wegen; das1 Wandeln durch\nden weißen Duft ist nur uns Frauen gestattet. Aber\nich bitte meinen Vater, den weißbärtigen Pascha,\nmit meinem Vetter im Kamelshaar am Krön tag tanzen\nzu dürfen. Und idh1 tanze mit Minn, dem närrischen\nSohn des Sultans. Meine Hände liegen quer über-\neinander,fingergespreizt, ein goldblasser Stern gegen\nseine Zottige Brust gestemmt. „Nun muß ich vom\nFeste eilen\", klagt traurig mein Vetter, „denn du\nwirst nicht noch einmal (mit mir tanzen wollen\".\nIch meine ärgerlich : Er glaube wohl, ich leide auch'\nunter närrischen Launen wie er? folge ihm auf den\nSpitzen meiner beringten Zehe bis! an das große\nBiecken im dunklen Sultanshof. „Minn, siehst du\nmich, ich bin deine Tänzerin?\" Und da er schweigt,\nsage idh verächtlich : Ich' möchte wohl wissen, ob\ner HeldeusChultern unter seinen Bettelmantel ver-\nsteckt oder ob mich gar meine Träume necken und\nsieine Arme nicht einmal ein Kätzchen zu bändigen\nvermögen? „O, ich bin nodh tausendmal stärker\nwie deine Träume dirs schildern, Tochter meines\nOheims, da ich1 dieses ärmliche Kleid trage und\ngegen alle stiere Veradhtung gleichmütig bleibe.\nMich dünkt, ich bin der stärkste Heid im ganzen\nLand.\" Er zerrt an der zottigen Naht seines Man-\ntels, eine Masche zerreißt und das ganze Fell sinkt\nzu Boden. Der Abend färbt seine Glieder zart und\nsanft. „Wirst du noch einmal mit mir tanzen zum\nLohne, da ich meine Rüstung abwarf ? Horch-\nflötentöne singen die Rosen (des weißen Gartens1\nzu unserer Feier. — Sklaven finden uns — und\nzaudern; — auf dem Rand des großen Beckens\nsetzen sich die Frauen, die Gesichter gestreckt, und\nhinter der Palme stehen unsere Väter, der Sultan\nAli Mohamed und Mohamed Pascha, sein älterer,\nweißbärtiger Bruder. Wir tanzen, bis unsere Füße\neins sind im Drehen. Dann läßt mein Vater den\nschwarzen Dienern, die also [gesehen haben |mit\nihren nackten Augen unseren nächsten Tanz, meinen\nLeib und vor allen Dingen mein Angesicht, er läßt\nihnen ihre Zunge durchbohren und die edlen Hof-\nleute blenden iim Vorhof des' Palastes. Den Prin-\nzessinnen geschieht nichts Uebles, sie haben (nur\nauf den Prinzen geschaut. Täglich empfängt er von\nihnen Geschenke, Armspangen, Gürtel ; und auf dem\nDache liegen für seine Nächte seidengestickte\nKissen. Die Frau des Fruchtveredlers reichte ihm\nein durchsichtiges Feigenblatt aus Mondstein ge-\nschliffen. Aber der huschende Schatten auf der\nStirn seines königlichen Vaters krallt sich tief ins\nFleisch, finster umschleicht er den Palast bis zur\nLidhtstunde. Man vermutet, er habe sich vor\nSchreck in der Tantinacht an einer Säule einen seiner\nPerlmutterzähne ausgeschlagen. Die Frauen ties\nHarems schmachten nicht Wehr hinter den Fenstern\nihrer Gemächer nach seinem Anblick, aber sie be-\nstechen die Eunuchen seines Sohnes wegen, die\nihnen Manns trachten verschaffen und so ihre An-\nwesenheit bei der Abendtafel ermöglichen. Ich halte\ndie Augen gesenkt über den trauernden Rosen-\ngarten. Minn hatte die heilige Tanznacht vergessen\nzwischen schillernden Schmeicheleien. Nur mein\nVater läßt manchmal steinen weißen Bart über meine\nHände gleiten und schweigt. Er glaubt, ich habe\ndas alles nur für einen Traum gehalten. Aber die\nRosen im weißen Garten sind grau geworden, zer-\nbissen unter seinen geknickten Aesten liegt Minn.\nDie Gärtner meinen, nur eine Prinzessin könne so\ngrausam gewesen sein — ich weiß aber, was seine\nzarten, sanften Glieder zerbissen hat... Mein Ge-\nmach war grün bescheint vom Smaragd des vorüber-\nschleichenden Seidenmantels seines Vaters, des Sul-\ntans von Marokko.\n\nDas Mysterium Jesu\nVon Peter Hille\nAus dem Nachlass\nAhnung\nWolken jagen, bald dunkelt ein der Tempel.\nBald verlangt er noch mehr, noch glänzender hin-\naus, und ist kein Halt und ein Wandeln und Um-\nbruch, jäher und jäher — der ganze Himmel ist\nerregt. Nun blendet ganz besonders herüber der\ninariaragende stolze;, heilige Bau, die Burg des\nHöchsten.\nWer ist wie Gott?\nIst er nicht herrlich1, der Tempel?\nAber dem Tief erforschenden kommt gerade vor\nglänzender Gegenwart am ehesten die Wissenschaft\nnachdringenden Dunkels, und so füllt Trauer, un-\nerbitterlich hohe Richtertrauer des unbefolgtert\nGesetzes Seele. Schwarze Wolken schießen lang,\nwildköpf ig hinaus1, Träger des furchtbaren Gerichts,\nhinaus mit den dunkellangen Posaunentönen des\nSturmes.\nGreuel römischer Verwüstung, Blitze darüber,\nbrennendes peinliches Harren, eine Minute, kurz\nwie vor Gottessinn die Ewigkeit —- dann beginnt\ndas Leben über den Wolken, das streng entschei-\ndende, Erfüllung des Drunten.\n(Droben auf 'dem Stuhle der Höhe der Uner-\nerkannte, der Gerechte, der Nichtmehrschoner.\nUnd es bedrängt ihn, er möchte alles an sein\nHerz ziehn, — noch geht es nicht.\n„Denn ihr seid Tempel des heiligen Geistes, in\neuch will das Göttliche wohnen, ihr aber verengt\nund verdrängt un'd vermischt und besudelt — und\nnun es zu Ende und nichts Göttliches mehr da ist\n— was dann?\nWas kann ich1 tun?\nAermste Verblendete!\nHelfen kann ich; bereiten, aber nicht für euch\nwollen!\nDoch1 ihr wollt nicht : esl soll euch' nicht ge-\nholfen sein!\"\nStille, wehmütige Tage nun bei denen um den\nHeiland, wie um einen bald Entschwundenen, wie\nvor Abschied.\nUnd weiche, verheißungsreiche Worte mäch-\ntigen Trostes von seiner herben, strengen, wie\nfremden, übergütigen, rotruhigen Lippen, die aber\nmachten das Weh erst üppig. Und sie erschraken.\nWieder ein Auftrag und so getragen, feierlich\n„Mich verlangt, mit meinen Jüngern das Abend-\nmahl zu halten \"\nDa war esi dem Boten, als ging es zu einer\nBestattung, da er des Meisters Worten nachkam\nund gen Bethphage ging.\nUnd sorgsam, ernst wie zu einer Bestattung\nauch, ward es geordnet, gerichtet.\nAbendmahl\nEin feierlicher Abend: Purpur halb und halb\ngeschlossen Gold.\nMan geht nicht gern fort vom Fenster, das der\nWehmut so gut tat, doch das Mahl ist bereitet, und\ndie Ecken des Gemaches liegen im Dunkeln.\nUnd nun Wein und Brot, das er nie mehr ver-\ngnüglich, irdisch traut würde reichen, nun ward\nes heilig und verklärte sich. Nun ward der Schei-\ndende selbst ganz Liebesüberschwang für die, so\nden guten Willen hatten.\nHeilige Weinglut eines gleich edler Traube;\nsterbenden Tages scheint durch das wie der Bogen\ndes Friedens gewölbte Mittelfenster, legt seinen\nwärmstfeierlieben Ton liebend hin um das .gütig-\nblasse, braunumgoldete göttliche Haupt.\nAn seinem ruhestarken Herzen atmet der Jünger\nder Liebe das1 heilig flutende Leben, den göttlichen\nOdem seines Meisters, Freundes, Bruders, um eis\naufzunehmen in sich und weiterzuleben.\nAlle kleineren Winkel sind verschwunden, nur\ndas Große ist noch deutlich1.\nEs geht auf den Abschied.\n„Nehmet hin und esset!\"\nDem frommen Gedenken wird alle Scheinform\nKraftzeichen des heiligen Willens und seines\nMeisters.\n„Nehknet hin und trinket!\"\nDas Blut des Machtbundes fließt durch alle\nSäfte. ' ! >"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.4", "texte": "Es berauscht, dem edlen Weine nachlebend,\naber es berauscht die Seele.\nDas Licht verfällt, dunkler schon nisten sich\ndie Schatten in die Winkel, und ein kalter Windzug\nmacht sich auf und fröstelt durch das dreifach\nweite Mittelfenster, durch das eben noch gütig die\nSonne ihre scheidende Wärme reichte.\nJäh bricht der Gerufene auf:\n„Die Stunde ist gekommen!\"\nOpfer\nDer Mond ist schon herauf.\nSo großi und verstört.\nBleich streift sein noch zarter Schein die wirr-\nzerrissenen und qualvoll gekrümmten Oelbäume, die\nwie Klageweiber erscheinen voller Ausgelassenheit\nleidenschaftlichen Schmerzes.\nLeise öffnet sich die Pforte.\n„(Wartet hier, wachet und betet, denn die Stunde\neurer Entscheidung naht.\"\nUnd die ergebenen festen Schritte des starken\nBewußten verloren sich, und seine Gestalt ging\nein in das Dunkel einer Gruppe von finsteren ge-\ndrängten Bäumen, die einer Grotte Grund ver-\nwahrten.\nLinde Himmelshilfe tröstete den Einsamen, von\nseinen Freunden Einsamen.\nDann kam er zurück.\nSie aber, die schwachen guten Kinder des Dies-\nseits, die des Seelischen (schon zu viel ertrugen,\nsie schliefen.\nSo fand der hohe Meister die Gekauerten.\nNoch zog schmerzlich in seiner Seele der Kampf,\ndie Todesangst des Geschöpfs, alles Fleisches Teil,\nauch wenn der Göttliche gekommen ist, an uns\nzu wohnen.\nNoch einmal warb der Heiland herwandelnd\num die Mitbitte seiner Jünger.\nUnd rang weiter, und voller Frieden kam.\nAls er nun wiederkehrte und schlummern fand\nder Gefährten Gebet — da waren die Welten ge-\ntrennt: sie die Menschen, die über die Grenze hohen\nMitgefühls nicht zu kommen vermochten, er der\nmit des Leidens Wehen vom Menschlichen sich\nloszureißen beginnende Gott.\nNachsichtig bedauernder Vorwurf: „Daß ihr\nnicht einmal das vermochtet!\"\n„Doch nun ist meine Stunde gekommen.\nSiehe, schon nahet, der mich verraten soll!\"\nNoch' ein herbes, wie 'Brandmal herbes Be-\ngegnen: ein Begegnen seiner göttlichen mit den\nunlautersten Lippen, und getrennt sind Meister Und\nJünger, der Hirt gesdhlagen und die Herde zerstreut.\nSie gehn und folgen — tatlos, ziellos, kaum\nbewußt.\nSo fremd ihnen Alles, so kleinlaut bis zum\nZweifel fremd, da seine glaubenerhaltende Kraft\nihnen fehlt.\nTrotz allen Zuspruchs, aller Arbeit an ihnen.\nSie werden irre nun, und auch er, der noch\nehelang dem Verräter gezürnt hatte, der feurige\nBekenner und Vorsprecher, dreimal verrät auch er\nder Seele nach.\nDa aber trifft auch das Zeichen ein, das einmal\ndem Uebereifrigen sein vorausschauender Meister\ngesagt hat: der Hahnen ruf — und die Reue faßt\ndas große Kind, läuternde Scham der Reue, \"daß\ner sich verhüllt und meidet.\nAber die Angst, sie bleibt.\nDiese ihre Angst, diese ihrer Aller Angst ragt\nzwischen ihnen und der hohen, duldenden Gestalt,\nderen Schimpf und Qual vor ihren Augen steht, und\nsie springen nicht zu.\nWie es die Sonne verlangt, zur Erde ihre be-\nlebenden Strahlengüsse zu senden, so neigt auch\nder Gnade Gefäß stetig sich vor, so bedrängt es\nauch den Geist, von seiner unerschöpflichen Fülle\nan Bedürftige abzugeben.\nAber nur die Starken, die Geistesstarken, die der\nStimme der Vollendung schwach werden und sich\ndasl hemmende Tages-lch, den Alltag abtun lind\ndas tierhaft unerfahrene Kleinleben — die es aus\nsich vermögen, können sie tragen. Nur die, welche\nGewalt brauchen, reißen das Reich der Himmel\nan sich.\nWer vom Geiste ist, prüft und sichtet seine\nLast, legt Altes ab und nimmt Neues an die Stelle.\nDer Schollensohn aber, der stumpf gebliebene\nKnecht der Gewohnheit, trägt alles weiter, so wie\ner es übernommen hat.\nBieten wollen solche Menschen etwas — Gott\netwas anbieten. Es ist aber Entartung, Sünde\nist es.\nZum Nehmen sind sie zu bequem, nicht zu\ndemütig.\nSogar die Jünger, noch sind sie Menschen,\nungeweihte Menschen, und der mit seinen Leiden,\nseinem Leiden um die Gottespflicht der seelischen\nHeilung ins Göttliche Enthobene bleibt ihnen fern\nund entrückt.\n„ Noch können sie nichts mitteilen, weil sie selbst\nnichts besitzen.\nAuch später, als schon der Keim des rein er-\nschwungenen Geistes mit seinem goldgrünen Licht-\nsaft des Felsens dürre Wucht gesprengt hat — sie\ngetrauen sich nicht: es muß etwas zerrissen sein.\nVerschüchtert stehen ihre Empfindungen.\nSo geisterhaft, so nicht mehr gleich und eben\nmit ihnen, kommt der Erstandene denen vor, die\nzuletzt so feige sich erwiesen.\nUnd nun nach der überwachten Nacht am\nTagessaum das hingezögerte Unterkunft heischende\nUrteil, die langen Pausen, die liebloser Hohn vor-\nausnehmend zu füllen sich bestrebt.\nAls Zielscheibe, als Söldnerzeitvertreib muß der\nKöllig der Könige von den Sklaven der Gewalt den\nSpott der Ehrerbietung erdulden im qualvollen (Mum-\nmenschanz der Dornenkrönung.\nDann Aerger der Männer über ihre palmen-\nschwingende Begeisterung von gestern, blutdürstig\nheischender Aerger, losbrechend im Wutruf:\n„Jesus, den Nazarener, ihn kreuzige, den Täu-\nscher kreuzige!\"\nDer Editeste, Täuscher erscheint er dem Pöbel!\nVerklärtes sieht er nur als Zerrbild, Ehrerbietung\nverunstaltet er zu Spiott.\nAber auch das menschliche Mitleiden begegnet\ndem gefesselten Erlöser, dem göttlich Leidenden:\ndie weichen Gruppen der Frauen, die nicht verstehn,\nwie eine Sendung ihren Träger töten kann, wie die\nMacht des Geistes und der Seele von des Staates\nLeibesmacht grimmig erschlagen werden soll. Er,\nder Erlöser aber, sieht das Leiden der Verstockten,\nihre erstarrende Qual.\n„Weinet nicht über mich, weint über euch und\nüber eure Kinder, über die Männer weint, die ihr\ngebärt.\"\nDer Kreuzträger\nWer seine Stärke äußerlich an den Tag legt,\nstimmt nur mit dem Schweren, dumpfen wuchten-\nden Lasten der Erde überein — den Anlagen nach\nist er ein sehr roher, sklavenmäßiger Mensch.\nAber die Anwendung im Geistigen verfeinert\nauch diese Kraft.\nDas hat Cyrenaer-Simon erfahren, dieser starke\nMann, als er gleichsam zum Vorspann, zuin! Vor-\nspann der Erlösung der Seele genötigt, seinen Leib,\nseine starken Schultern unter das Kreuz schob. So\ntrug auch er, Lastträger des Geistes, das Heil der\nWelt. So trug auch1 er ein ypuaxdcpopoc;, ein Christo-\nphoros, den Erlöser, so trug auch er den Befreier\nvon der Last der Lasten und erleichterte die Welt.\nDer Kreuzweg, kurz, eine halbe Stunde nur,\naber lang und führersam genug, um der Menschheit\ninnern Saharasand zu entfernen, ruht auf Golgatha.\nHier erwartet er verewigendes Ende.\nDie Höhe ist erreicht: Der Erlöser hat die Qual\ngetragen, nun trägt sie ihn.\nZuckend gießen die Empfindungsbahnen seiner\nArme und Beine ihre glühenden Verletzungsströme\ndurch den hammergeschnellten Leib. Er dürstet\nnach Liebem, nach Heilsbereitschaft. Er sieht !zu\nseinen Füßen die dunklen Scharen der Unerlösten\nund aus aller Zukunft und dürstet nach ihren Seelen.\nUnd niemand ist, der sie ihm gäbe.\n\nSchale\nVon Otto Soyka\nSehr viel liebevolles Interesse bringt die Gegen-\nwart der geistigen Minderwertigkeit entgegen. Das\nöffentliche Mitleid ist bei der Not der Dummen\nlangellangt, die moderne Hilfsbereitschaft hat die\nGrenzen des Verstandes überschritten; jene Ach-\ntung vor dem Schwachen, die sich in der Aera\nder Humanität Ansehen verschaffte, macht längst\nvor den Geistesschwachen nicht mehr Halt. Und\nalt man zur Ansicht kam, daßi Geistesarmut picht\nschändet, hörte sie auch auf, verschämt zu sein.\nSie fordert heute bereits laut und herrisch Unter-\nstützung. Die Reform der Sdhule macht sie Jzu\nihrer Sache und ruft nach der Erleichterung im\nStudium, die ihr naturgemäß das Erstrebenswerteste\nscheint. Und gegenwärtig ist der Geist der Zeit\ngern bereit, sidh nach den Wünschen der Geist-\nl'osigkeit der Zeit zu richten.\nDer Sdhule und ihrem Leben gegenüber ist ein\nklagender Ton, voll Wehleidigkeit und Sentimentali-\ntät in Mode gekommen. Das Wort Schüler scheint\nförmlich nach der Zusam Inensetzung mit Selbst-\nmord zu verlangen, und die Kandidatur für diesen\nSelbstmord mit jener anderen für die Matura aufs\nInnigste verknüpft zu sein. Der zartfühlende, lie-\nbenswürdige und ungemein sympathische Schwach-\nkopf ist zum Repräsentanten unseres Schüler-\ntums ausersehen worden. Seine geduldige, erfolg-\nlose Arbeit wird uns immer wieder zur Würdigung\nentgegengehalten, auf Schritt und Tritt begegnen\nwir in der Literatur seinem blassen, übernächtigten\nAntlitz mit dem stets leidenden und anklagenden\nZug. Wird es nicht endlich gelingen, eine Schul-\ntype zu finden, die seine Gefühle nicht verletzt.\n(Die Zahl der Noten mußte um seinetwillen Ver-\nringert werden, ein Teil! jener Leistungsunterschiede,\ndie stets zu seinen Ungunsten bestanden, wird in\nZukunft nicht mehr zum Ausdruck kommen. Wird\nman ihm zuliebe nicht bald ganz auf die Kritik\n„Klassifikation\" verzichten? Solange sie besteht,\nsind „Elternliebe und Kunstinteresse\" bei ihm vor\nStörungen nicht sicher, denn hier ist stets die Quelle\nder viel unzarteren Empfindungen des Aergers und\ndes Neides für ihn. Die Härten der Schule sind\nein Behelf für den Lehrer und vielleicht entbehr-\nlich, was bedeuten sie aber nicht alles für den\nSchüler! An diesen fand der Ehrgeiz seinen Halt,\nhier war Gelegenheit zum Wettstreit, es durften\nSiege und Niederlagen gefeiert werden. Was findet\nnicht alles Raum zwischen den wenigen Ziffern!\nWieviel vom ernsten Glück und Schmerz des Lebens,\nGefahren und Schwierigkeiten umspannen sie! Hier\nbirgt sich etwas von jenem schweren Ernst des\nDaseins, der ein heißes Glück empfindet, wenn er\nein Knopfloch mit einem roten Bändchen schmücken\ndarf, von dem Schicksalsernst des Beamtenlebens,\nin welchem das Avancement über Existenzen ent-\nscheidet. Darf und kann die Schule auf diese Macht\nverzichten? Kann sie sich den Ehrgeiz weiterhin\ndienstbar machen, wenn sie ihm seine Ziele, sein\nrotes Bändchen entzieht? Das Opfer, es wird den\nUnfähigen gebracht und auf Kosten des Eifers der\nFähigen. Vollständig hat man vergessen, daß die\nHauptsorge der Schule die Ausbildung eben jenes\nSchülers zu sein hat, der ihr keine Sorgen macht.\nEin Treibhaus für kümmerliche Geister, eine Wohl-\ntätigkeitsanstalt für die Bedürftigen an Verstand\ndarf sie nicht werden. Es gibt nämllich auch Schüler,\ndie das Lehrziel mühelos erreichen.\nManches an der Schule bedarf der Aenderung.\nEs ist gewiß nicht vorteilhaft, daß das Recht zu\nstrafen, neben der Pflicht zu unterrichten in der\nHand des Lehrers liegt. Schon deshalb nicht, weil\ndie Fähigkeiten der einzelnen Lehrer in der Aus-\nübung dieses Rechtes allzu verschieden sind. Der\neine stolpert unaufhörlich über seine Versuche, Dis-\nziplin zu halten, der andere ist ein Virtuose, ein\nZauberkünstler des Strafwesens. Die Möglichkeiten\nvon Klassenbuch, Karzer, Strafarbeit, jer läßt sie\nnur so durcheinander wirbeln, vereinigt sie Zu den\nschönsten und seltensten Effekten, gewinnt ihnen\nnie geahnte Reize ab, und wird dadurch in seiner\nArt, Schule zu halten, einseitig wie jeder Künstler.\nWenn das Disziplinarwesen an jeder Schule einem\ndazu eigens bestellten Pädagogen unterstünde, der\nes allein oder im Verein mit dein Direktor zu über-\nwachen hätte, wäre vieles besser.\nEs würde vermieden, daß der Lehrer lang-\nwierige Strafuntersuchüngen Zu führen hat, und\ndaß er in eigener Sache Richter ist; dem Unterricht\nwäre viel Zeit gewonnen und seine Würde Ibesser\ngewahrt als jetzt.\nEine höchst überflüssige Sache ist die Sitten-\nnote. Die Ungünstige bedeutet eine Unannehmlich-\nkeit, wie jede deutliche Mißbilligung, die man er-\nfährt. Die Gute ist geradezu beschämend. Ein\ntaktvoller Lehrer wird es gewiß gern vermeiden,\neinen begabten Schüler mit der besten Sittennote\nbloßzustellen. Der einzige Wert dieser Kritik des\nsittlichen Betragens liegt darin, daßi ein Ventil für"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.5", "texte": "etwa vorhandene Gehässigkeiten des Lehrers ge-\nschaffen wird, die sich hier weit harmloser mani-\nfestieren, als wenn sie bei der Note im Gegenstand\nmitsprächen. 810 ß der Name der Rubrik führt irre;\ndie Sdhule maßt sich auch nur scheinbar eine\nKlassifikation über einen Gegenstand an, den einer\nPrüfung auszusetzen ihr nicht gestattet ist.\nGerade der Punkt aber, in welchem nichts er-\nllassen werden kann, das ist die Arbeit des Schülers,\nsind die Ansprüche an seine Leistung. Hier stellt\ndie Zeit ihre Forderungen, und sie treibt sie auch\nspäter im praktischen Leben ein, ohne nach der\nZahl der Unterrichtsstunden von einst zu fragen.\nEin gehirnloses Mitleid, das gegen die Beschwerden\nder Vorübung eifert, die Aufgabe selbst aber nicht\nerleichtern kann. Es ist unnötig, die Schar jder\nGeistesprofetarier von heute noch um solche zu\nvermehren, die im Reich ides Geistes den Rang\nvon Proletariern haben. An welchem Lehrfach die\nArbeitsfähigkeit des Schülers entwickelt wird, ob\nan alten oder neuen Sprachen, ist von geringer\nWichtigkeit, notwendig nur, daß sie geübt wird,\nund heute: daß sie mehr geübt wird, denn je. Die\nEntwicklung will aber vor allem eine ernstere\nLehrzeit, eine an Gefahren und Erlebnissen rei-\nchere. Sie wird deshalb (weit eher auch eine an-\ngenehme sein. Die Forderungen, die für das tränen-\nfeuchte Schülerideal der Gegenwart erhoben wer-\nden, widersprechen dieser Notwendigkeit. Per\nLehrer kann nicht „der Freund desf Schüfers\" sein;\nschon deshalb nicht, weil der begabtere Schüler\nsich eine beliebige Freundschaft nicht aufzwingen\nläßt. Der Lehrer kann nicht Individualitäten berück-\nsichtigen, denn dem begabten Schüfer gegenüber\ngeht das vielleicht über seine Kräfte, und man könnte\nes ihm auch nicht verdenken, wenn er sich ener-\ngisch dagegen wehrte, seine Individualität zum\nUeberfluß von ungeschickten Händen betasten zu\nfassen. Der Lehrer möge der Vertreter der Arbeit\nsein und das allein. Sein Gebiet bleibe Wissen und\nVerstand. Man braucht sich nicht darum zu sorgen,\ndaß bei größerem Ernst und strengerer Sachlichkeit\ndie Poesie der Jugend zu kurz komme. Die läßt\nsich künstlich nicht erzeugen, aber auch nicht ver-\nbannen. Sie wohnt zwisdhen den Ereignissen und\nnur die Lange weife tötet sie. Man verschone den\nguten Sdhüfer mit der Langeweile der Erleichte-\nrungen. i ' '\nDaß man von den Reformen, deren Notwendig-\nkeit fühlbar wird, in der Regel die Entbürdung zur\nVerwirklichung ausersieht, wirkt seltsam. Die an-\nderen Erfordernisse, die Separierung des Disziplinar-\nwesens, das Aufgeben der Sittenkontrolle, die grö-\nßere Sachlichkeit, das sind Rechte, die die Zeit\ngeltend macht; und an ihrer Stelle will man ein\nGeschenk geben. Fast erscheint es wie eine Be-\nstechung. Als wolle man für den kleinen Mann des\nGeistes den stets Bedürftigen, etwas tun, und sidh\ndafür die Anhängerschaft und das Zuwarten seiner\nFreunde erkaufen.\n\nEnglische Tänzerinnen\nVon Peter Altenberg\nIdh habe diesmal lange gewartet, um zu schrei-\nben. Ich wartete auf meine Begeisterungen;\nauf diese seltenen leidenschaftlichen, fast religiösen,\nda sie einen wirklich momentan entrücken den tra-\ngischen Unzulänglichkeiten des eigenen Verworre-\nnen und verfehlten Daseins und der Heimtücke des\nganzen uns umgebenden Lebens selbst! So wartete\nich und wartete ich, bis endlich die „Rocking girls\"\nkamen, vier englische Tanzsängerinnen, IBarfuß-\ntänzerinnen. Lizzie und Esther sind das überhaupt\nVollkommenste an kindlicher Lieblichkeit, unermeß-\nlicher Natürlichkeit, Zartheit und Originalität! Der\nAusdruck ihres Antlitzes allein beweist es während\ndes Tanzes. Man wird gerührt, ergriffen, wie wenn\neigene geliebte Töchterchen Meisterleistungen voll-\nbrächten in irgend einer zarten Kunst! Man glaubt\ngar nicht, daß es nur Tanz und Gesang sei, man\nglaubt, das ganze zarte, mysteriöse Maeterlinckiesge\nLeben dieser überzarten Seelen zu erleben, izu er-\nträumen! Von der Pracht dieser Gazellenglieder\ngar nicht zu sprechen! Sie tanzen in weißen ge-\nstickten einfachen Kinderkleidern, ohne Silberflitter\nund gestickten Seidenrosen, entsprechend gekleidet\nnach ihrem kindlich-süßen Gebaren, nach einer Art,\ndie man nur in Gärten bei spielenden edlen Kindern\nerblickt. Es sind zartadelige Geschöpfe, die jdie\ngroben Sinnen der meisten fast Haß und Abneigung\neinflößen. Desto mehr sollten die Edelkultivierten\nhinpilgern, um den einfachen Triumph des fast\nUeberzarten mitzuerleben mit ihren Augen, mit ihren\nSeelen! Maeterlinck muß unter solchen Impressio-\nnen seine Seelen-Königstöchter erdichtet haben!\nPrinzessin Lizzie, Prinzessin Esther — — —\nCaslno de Paris / Wien\n\nDie Woche\nDer Klüngel\nKarl Kraus und mit und nach ihm alle Ein-\nsichtigen erhoffen die Entliterarisiierung der Presse.\nDenn nichts ist fürchterlicher, als wenn Journalisten\nliterarisch oder gar lyrisch werden. Die Aufgabe\nder Presse, Nachrichten zu vermitteln, vermag feie\nheute noch nicht zu lösen. In dem Prozeß einer\nWiener Dame gegen einen pathologischen Roman-\nschmierer war eine einstweilige Verfügung er-\ngangen, die die Verbreitung des die Dame schwer\nbeleidigenden Buches bei einer hohen Geldstrafe\nuntersagte. Im ordentlichen Verfahren wurde die\nVerfügung wieder aufgehoben. Das stand in den\nZeitungen. Der Leser muß also annehmen, daß\ndie behaupteten Tatsachen, die diesen Beschluß her-\nbeiführten, sich später als unrichtig erwiesen. Wer\nsoll aus dieser Mitteilung entnehmen können, daß\ndie Aufhebung dieses Verbots der Verbreitung aus\nformal-jur i s t ii s c h e n Gründen erfolgte. So\nkann eine Tatsache durch sachlidh ungenaue Bericht-\nerstattung entstellt werden. Das Berliner Tageblatt\nleistete sich noch ein übriges, indem es von „zwei\nbekannten Satirikern\" sprach, die sich gegenüber-\nstanden. Der „eine\", Arzt, der aus dem Berufsge-\nheimnis literarische „Anregungen\" holt, ist der Ver-\nfasser des gänzlich wertlosen Machwerkes, der\n„andere\" ist der größte lebende Schriftsteller in\ndeutscher Sprache, Karl Kraus. Das nennt das\nBerliner Tageblatt „zwei bekannte Satiriker\". In\nder Sadhe selbst reparierte es in einer zweiten Notiz\nden Schaden, was anzuerkennen ist. Dennoch bleibt\nbestehen, daß auf der Redaktion einer großen\nTageszeitung der Name eines großen Schriftstellers\nso wenig bekannt ist, daß man diesen Namen nicht\neinmal richtig schreiben kann. Noch ungeheuer-\nlicher, daß selbst der Verlag einer angeblich literari-\nschen Zeitschrift (das Literarische Edho) von jihm\nnichts weiß. Ihr Rechtsvertreter spricht von einem\nKlüngel, der mit Karl Kraus ein Interesse an dem\nNichterscheinen des Machwerkes habe. Er trat als\nZeuge für die beleidigte Dame auf. Daß man ihn\nin Deutschland nicht genügend kennt, ist nicht seine\nSchuld. In Oesterreidh herrscht er. Und wer seine\nSchriften gelesen hat, wird niemals glauben, (daß\ndieser Mann etwas gegen ein Buch unternehmen\nwird, das ihn „satirisch behandelt\". Er ist zu klug,\num nicht zu wissen, daß er erst dadurch' dem Buch\neine Bedeutung geben würde, die es an sich nie\nbesitzen kann. Recht humorig wirkt die Ansicht\ndes Rechtsvertreters von dem „interessierten\nKlüngel\". Eine landesübliche Journalistenidee,\nderen Uebernahme das Hirn dieses dreisten Juristen\nkennzeichnet.\nDiese Leute können sich eben eine Persön-\nlichkeit nicht vorstellen. Alles muß immer in\nMassen, Vereinen oder wenigstens Klüngeln auf-\ntreten. Es sei den Herren gesagt, jdaß Künstler\nweder Masseninstinkte noch gemeinsame Interessen\nbesitzen. Woraus sich die Unmöglichkeit des\nKlüngels ergibt. Diejenigen „Künstler\", die solche\nInstitute bilden, sind keine. Da sie sich unbewußt\nder Bedeutungslosigkeit ihres „Ichs\" bewußt sind,\ntreten sie stets herdenweise auf, halten fest tund\ntreu zusammen und bescheinigen sich1 gegenseitig\nihr Vorhändensein. Sie sind nicht monarchisch ge-\nsinnt die Hammel. Sie würden jeden Ober-\noder Leithammel unbarmherzig den Wölfen aus-\nliefern, um das Recht zu erlangen, mit ihnen zu\nheulen. Aber auch die .Wölfe sind noch keine\nKünstler, denn sie treten gleichfalls in Klüngeln auf.\nZoologie, für Juristen bearbeitet.\nArnold Schönberg\nAus Wien kommen nicht nur „Genies\". Arnold\nSchönberg wird dort maßlos überschätzt. Ein guter\nMusiker, kein Künstler. (Ihm fehlt die Fähigkeit\ndes Gestaltens, er ist keine Persönlichkeit, vielmehr\nein Homunculus aus Wagner, Mahler und DebUssy.\nDie Väter sind gliedhaft nachzuweisen. Mit\n„Pelleas und Melisande\" hat seine Symphonie gar\nnichts zu tun. Musik ohne Struktur, niahleriscbes\nBarock aufgekleistert.) Die Presse benahm sich\nhilflos. Einige jubelten. Die nicht „verkennen\"\nwollen. Andere tobten über die „Disharmonien\".\nAlso über das Rein musikalische, was bei Schön-\nberg über dem Durchschnitt steht. Laien und „Be-\nrufskritiker\" verwechseln stets Handwerk und\nKunst. (Schufen sogar „Kunst im Handwerk\".)\nGanz deutlich : Der vollkommene Handwerker wird\nnie Künstler. Bei ihm ist Manuelles, auch im Gei-\nstigen, Voraussetzung. Kunst kann nicht „verstan-\nden\" und erklärt werden. Wer sie nicht in sich\nträgt, wird sie nie begreifen. Also: Hände weg!\nNeues Schauspielhaus\nProgramm: Residenztheaterstücke, mit Literatur\nversetzt. Bisson mit Psychologie. Ernsthafte Ab-\nhandlungen in der Tagespresse. Die Fuldaianer\nzischten (wegen (des glücklichen Ausgangs. Im Foyer\ndiskutierten Gang-höfer und Oskar Blumenthal mit\nRudolf Lothar über das Wesen der Kunst. (Gute\nSchauspieler: Ida Wüst, Gertrud Arnold und Erich\nZiegel.) . , I' i : ! i '\nDer Literatur-Normalmensch\nHerr Walter Turszinsky kann in Berlin seinem\ngequälten qualvollen Gehirn* nicht genügend Luft\nmachen, trotzdem er gewohnt ist, mit dem Hute\nin der Hand zu antichambrieren. Die Literatur\nwill ihn durchaus nicht empfangen. Selbst die\nbesten Beziehungen zu der Presse scheinen in\ndiesem Fall nichts zu nützen. In solcher Not wendet\nman sich verzweiflungsvoll nach Breslau. In dieser\nliteraturfreien Stadt hofft Herr Turszinsky wenig-\nstens als Literatur-Normalmensch anerkannt zu wer-\nden. öder zum Mindesten seinen Aerger über die\nbösen Berliner auszukramen, das einzig Echte, was\ner zu verkaufen hat. Die Breslauer Zeitung nimmt\nihm die Ware gern und billig ab :\n„Gründeutschland\", das auf den Blocksbergen der\nBerliner Literaturcafes haust — mit langen Haaren,\nschmutzigen Kragen, allezeit hohntriefend, wenn ein\nLiteratur - Normaimensch ein bisschen Glück hat —\n„Gründeutschland\" hat diesen Ludwig Fulda, von dessen\nneuestem im „Deutschen Theater\" gespielten Versstück\nin drei Akten „Herr und Diener\" mein Telegramm\nbereits kurz gesprochen hat, längst zum alten Eisen\ngelegt. Das ist natürlich undankbar und böswillig zu-\ngleich. Denn mehr als je lebt in diesem scharfsinnigen,\nerkenntnisreichen Manne. . .\nMit dieser Meggendorferphantasie stellt sich\nHerr Turszinsky die unzugängliche Literatur vor.\nEr ahnt nicht, daß Alfred Kerr bereits vor !zehn\nJahren dem geschäftigen Fulda die Tür gewiesen\ni' , r ' 112 .! } I 112 ;\nhat. \\\nT ru st\n\nUmschau\n\nDauerbäder\nHerr Rudolf • Presber, der Lyriker, ist immer\nnoch sehr beliebt. Sinniger Humor. Liebe deutsche\nPoesie. Individuelle Eigenart: lyrische Betonungen\ndurch Sperrdruck. Hier sechs Zeilen aus dem Ge-\ndicht „Ein Wunsch\":\nZu deinem Munde blickt' ich zag und scheu,\nO lehr' mich reden, was ich1 nie bereu!\nIn deine Augen schau ich1, liebstes Weib —\nO, daß ich würdig solchen Spiegels bleib!\n112\nUnd diese H a n d — o, daß es Gott mir fügt,\nDaß sie als letzte auf der Stirn mir liegt!\nr\nHerr Presber ist ausdauernd; er läßt isoeben\nwieder einen neuen Band erscheinen: Späne. Der\nVerlag empfiehlt die Späne mit diesen Worten: „Die\nLektüre der Presberschen Bücher gibt uns ein Wohl-\ngefühl wieb e i e 1 n e m B ade... Erlebnisse, wie\nsie jeder hat, in jenem seltenen Lichte gesehen, das\nnur von diesen wenigen ,ausstrahlt, die man die\nHumoristen nennt.\"\nDas Wohlgefühl hängt zumeist von der Dauer\ndes Bades ab; man frage Herrn Heyermanns, den\nSpezialistein für Dauerbäder. Er wird bestätigen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.6", "texte": "daß das Wohlgefühl des Behandelten nicht immer\nmit der Energie der Bedienungsmannschaft gleichen\nSchritt zu halten vermag. Also Vorsicht!\nEdelschmock\nDer Sanssouci er ist aus dem güldenen Traum\nerwacht, in den der Schluck aus dem güldenen\nKännlein ihn versenkt hatte. Er streitet im konser-\nvativ-demokratischen Organ der Montags-Exzellenz\nfür das heilige Recht des Künstlers, seine Gaben\nin den Dienst der Destillen-Reklame zu stellen:\n„Man hat es Th. Th. Heine, Bruno Paul, Ferd.\nv. Keller, Franz v. Stuck, vielen ersten weltberühm-\nten Malern und mir selber niemals verargt, für\nirgend einen schlechten Schnaps, für eine miserable\nSchuhwichse künstlerische Plakate entworfen zu\nhaben...\"\nEr hatte wohl ursprünglich geschrieben: vielen\nweltberühmten Malern und selbst mir; in seiner\nBescheidenheit hat er aber schließlich die Worte\numgestellt. Edel sei der Mensch...\nUebrigens irrt er sich, wenn er glaubt, daß\n[man den Schriftstellern grollt, die sich in\nden Dienst der Reklame stellen, weil ein Gott ihnen\ngab zu sagen, daß die Menschheit an schlechtem\nSchnaps und miserabler Schuhwichse Mangel leidet.\nIm Gegenteil — man grollt ihnen, weil sie vielfach\nihr so geartetes Talent mißbrauchen, indem sie sich\nals Künstler empfinden und in ihrer Verblendung\nMenschheit und Kultur mit Schnaps und Stiefel-\nwichse verwechseln.\nVitalitätskoeffizient\n„Der Kientopp! Ich hörte dies\nWort zum ersten Mal, als ich\njetzt wieder nach Berlin zurück\nkam, und habe mich sofort darin\nverliebt. Vier Jahre lang bin ich\nauf drei Kontinenten . . . und ich\nliebe die Berliner, dass sie dies\nWort gefunden haben/'\nAus einer Montagszeitung 31.Oktober 1910\nDer dämonische Lokalanzeiger-Korrespondent,\nfrisch1 aus Indien zurück, dichtet einen Hymnus auf\nden Kientopp. Der Kientopp ist, bitte, ein „erst-\nrangiger Vitalitätskoeffizient\". Der dämonische\nL.-A.-Korrespondent hat das Wort Kientopp zum\nersten Male gehört, denn ler ist, bitte, vier Jahre\nlang auf drei Kontinenten herumgereist. Vier Jahre\nlang, bitte, auf drei Kontinenten! (Daß er zwischen-\ndurch häufig tin den Cafes und auf den Redaktionen\ngesehen wurde, hat übersinnliche Gründe; er jst,\nbitte, ein Dämoniker.)\nEr hört also das (Wort Kien topp tum ersten\nMal, als er nach vierjähriger Abwesenheit inach\nBerlin zurückkehrt... „und ich habe mich Sofort\ndarin verliebt...\" Und er liebt die Berliner, „daß\nsie dieses Wort gefunden haben\".\nVater, sagt er, schicke deine Kinder in den\nKientopp. Denn er ist erzieherisch. Und außerdem\nist er erstrangig. Und ein Vitalitätskoeffizient.\nMutter, sagt er, gehe mit Vätern in den Kien-\ntopp, denn er ist amüsierend. Und er ist gesünder\nals Bierkeller und Schnapkbudiken.\nDer dämonische L.-A.-Korrespondent findet,\n„wir Künstler\" könnten bewuß t für den Kientopp\nschaffen:\n„Hier iist ein neues Feld für die Kunst, ein\njunger Acker — wer hilft ihn pflügen ?\"\nEr verspricht, ein Kientoppstück zu schreiben.\nTun Sie es, Dämonier - Ladedämonier (Lokal-\nA n zeiger- Co r re spondent-Dämon ie r). Sie sind es\nuns schuldig.\nQ u i n t u s F i x 1 e i n\nSehr geehrter Herr Fixleiin!\nSie wundern sich, daß der Lokal-Anzeiger-\nDämoniker vier Jahre lang auf drei Kontinentein\nherumgereist ist, nach Berlin zurückkehrt, das Wort\nKientopp zum ersten Mal hört und ideshalb die\nBerliner liebt. Was sagen Sie aber daz:u, daß der-\nselbe Herr alles dies schon einmal erlebt, entdeckt\nund geliebt hat. In der Nummer 18 der entschwun-\ndenen Zeitschrift „Morgen\" vom 11. Oktober 1907\nschreibt der Kosmiker (oder Kosmetiker, wie ßie\nwollen) folgendes:\n„Der Kientopp! Ich hörte dies Wort zum ersten\nMal, als ich jetzt wieder nach Berlin zurück kam, und\nhabe mich sofort darin Verliebt. Vier Jahre lang\nbin ich auf drei Kontinenten . . . und ich liebe die\nBerliner, dass sie dies Wort gefunden haben.\"\nZum Mindesten liegt ein Rechhiungsfehler vor.\nWenn er jetzt geschrieben (hätte, „ich bin drei\nJahre auf vier Kontinenten hemmgereist, so wäre\ndie Zeitrechnung (vom 11. Oktober 1907 bis zftun\n31. Oktober 1910, an welchem Tage er das1 Er-\nlebnis zum zweiten Male hatte), in Ordnung. Aber\nKosmetiker rechnen nach1 Jahrhunderten. Sie wissen\ndoch: ..Und aber nach1 fünfhundert Jahren \"\n\nT.\n\nOpfer gelber Gefahr\nJ. A.\nVor kurzem berief die merkwürdige Lessing-\ngesellschaft den „bekannten Wiener Schriftsteller\"\nDr. Gelber nach Berlin, damit er ihren Mitgliedern\nan einem Abend etwas von der Kulturherberge\nan der Donau erzähle. Sie lockte ihn aus der\nRinnsteintiefe seiner poloniusheiteren Shakespeare-\nablausung auf jenen Literatenhügel, von dem jaus\nein bekannter Schriftsteller selbst das zu [über-\nblicken vermag, was der Forscher nur ahnend\nschaut. Wo der Geist des Gelehrten fast erschöpft\nversiegt, bricht die Quelle der „geistvollen, (durch-\ndachten Gedanken\" deSi bekannten Schriftstellers\nhervor; in kaum zwei Stunden zeichnete er den\nand äch ti g e n Zuhörern den Weg, den die Kultur\nJahrhunderte hindurch gehen mußte, um kaum über\nihren Schatten hinaus zu kommen. Der Phasen,\nin denen sie in Wien vom „ersten, vom einzigen\nKaiser, der dort herrschte\", bis zum letzten Dichter,\nder es heute besingt, lendenlahm schwankte, sind\nviele, aber Gelber „Zwang\" den Stoff und „fesselte\"\ndie Zuhörer. Nicht immer waren die Wiener der\nKultur gewogen, sie soll ihnen unter Kaiser Joseph\ndem Zweiten lästig gewesen sein, und sie lebten\nlieber in „der besten der Welten\".\nErst nach dem Jahre1 1866 erfüllte die Kaiser-\nstadt ihre kulturelle Mission; jede Burgtheater-\naufführung war ein Gebet, ein Opferdienst,\nund Mak a r t malte. Nur Gelber schrieb Ida-\nmals noch nicht. Schade. Das hätte Wiens Auf-\nschwung noch mehr Kolorit verli e h n.\nUnd dann kam wieder eine Zeit des Nieder-\ngangs. Im Burgtheater betete man noch immer,\naber Makart malte nicht mehr und Gelber be-\nga n n zu schre i b e n. Selbst der Messias Presse\nkonnte nicht helfen, Wien litt fünfzehn Jahre an\neiner Kulturverstopfüng. Die Gewalt der Kleri-\nkalen, die jenen Eunuchenzustand der Donaustadt-\nkultur auf dem Gewissen haben sollen, ist heute\nauch noch nicht gebrochen, aber es leuchtet trotz-\ndem „eine strahlende Abendröte nach langem Tage\nüber Wien. Kulturarbeit nach allen Richtungen,\nauch in den freimütigen, poetischen Schöpftingen\neines Bartsch, Ginzkey, Schönherr\". Der Vor-\ntragende hatte ein Trugbild geliefert, aber es wurde\nihm mit „ehrlichem Beifall\" bezahlt.\nEr nannte viele, die in Wien von Rudolf von\nHabsburg bis hinauf zu Rudolf aus der Steiermark\nTeil hätten an dem niedrigen Berg- und dem hohen\nTalbahngang der Kultur, und er brachte die Namen\nVon Schriftstellern, deren Ruf [gar locker in dem\nSande kurzatmiger Mode und unkultivierten Ge-\nschmackes wurzelt, in Verbindung mit einer\nstrahlenden 'Abendröte, die über Wien brachliegt.\nNur von dem genialen Geist schwieg er, der\nüber Wien, der Begräbnisstätte der Kultur, Schon\nseit Jahren und so gewaltig lodert, daß er in Berlin,\nwo man Gelber als „bekannten Schriftsteller\" liebt,\nnoch viel zu fremd ist. Er schwieg, ein zitternder\nSklave seines ephemeren Ruhmes, von Karl\nKraus, dem 801 l werk, daran die Sturmflut\nschwarz-Gelber Scheinkultur zuschanden wird.\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nALFRED KERR\nDas neue Drama\nVerlag S. Fischer Berlin\nELISABETH PAULSEN\nJ ungf rauen-Beichte\nVerlag J. Bensheittier Mannheim\nELSE LASKER-SCHÜLER\nDie Wupper / Drama\nVerlag Erich Oesterheld u. Cie\nSTEFAN GEORGE\nDer siebente Ring\nVerlag Georg Bondy Berlin\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn:\n1.V.: Oskar Kokoschka\n\nWochen-Spielplan der Berliner Theater\nl\\lnvPtnh**r Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montag Theater mit gleichbleibendem\n8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. Spielplan:\nDer . ~\nSchumannSflsT Helr und Diener Judith He» llnd Diener FaUSt Herr Und Diener HelT Und DieUer Wiä««en 44 Limmer/EwterTlasse\ntt -i tv a 4. Komödie der ai. Komödie der Komödie der Komödie der ■*«• j mi\ns,r.-»;zr» |,„\nLessingtheater Wenn der junge ri?<!'«hf£o I\"l Wenn der junge Ibsenzyklus: Wenn der junge Wenn der junge Ibsenzyklus: Neues Theater kL6*«1 t\nFriedrich Karlufer l Wein blüht Die Stutzen der Weinbi(hts Nora Wein blüht Wein blüht Ein Volksfeind Schiffbauerdamm4a|s Mittwoch bis bonntag.\nGesellschaft ____ Der (j. m. b. H.-Tenor\nKomische Oper ni Rov,imp HofEmanns ni Rnh),mp Der Arzt Di r, h; Di R - T Residenztheater M 1 „1,1:„„\nFrledrichstr. 1041104 a uie-öoneme Erzählungen uie Botieme wider Willen tfoneme me eoneme losca Blumenstr. 9a «oDiesse oDlige\nNeues königliches t-v Pntfpr TriflnnnfliOQfar.\nOperntheater Waffenschmied Der Liebestrank dämmeran» Figaros Hochzeit Der Freischütz Der Liebestrank Tannhäuser larMr.7 Der heilige Hain\nKönigsplatz 7 _\nSchauspielhaus Sternenhochzeit JunorieanJon Sternenhochzeit Sternenhochzeit Sternenhochzeit UebKrJftSere Operettentheater Der Graf von Luxemburg\nNollendorfstrasse 11(12 ' _ Schiff bauerdamm 25\nBerliner Theater Der scharfe m . Der scharfe Der scharfe Der scharfe Der scharfe Theater des , _\nChariottenstr. 93 Junker Taifuu Junker Junker Talfun Junker Junker Westens Die schönste Frau\n____ _____ _ _ _ _ _ Kantstrasse 12\nSÄ. ESitr DtlKl,mp„ utss*.- -W-U5-»EÄ »»—\nGensdaribenmarkt weilt Die Piccolomini 10(1 ,Die PiccolomhÜ ioa Behrenstrasse 05|5t>"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "297", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.7", "texte": "Verantworte f. d. Anzeigenteil: A. Bots / Verlag Der Sturm Berlin Halensee Geschäftsstelle nnd Anzeigen - Annahme: Berlin W. 35 / D*nck v« Hans Walter, Berlin SWJ3 297\n\nOraphische Russfellung\n1910\n1. Ohfober bis 1. Dejember\n*\nin fler\nOalerie ITlaximilian ITlachf\nBerlin ID., RanKe-Slrasse 1\nan fler Kaiser EUiihelm 6e3flchfnis - Kirdhe"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "298", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101110-01.1.8", "texte": "In Wien ist die Wochenschrift DER STURM vorrätig bei Hugo Heller und Cie I Bauernmarkt 3\n\n>\n\"J\nIt\nkl\n.t V\n(it\n>w»\n* .\n.*■ .\nA*\nUI w» vwwyw/JUi® ,\\',,/!»,\n<i\n*h\nDie hervorragende Wirkung des Kosmisi auf\nZahne und Zahnfleisch und seiii ungewohnlich erfrischender\nWohlgeschmack machen dieses Mundwasser schon nach kurzem Ge-\nbrauche unentbehrlich. Allen, die Wert auf schone und gesunde Zahne legen, sei\ndaher* Kosmin zu taglichen Mundspulungen bestens empfohlen. Ein Versuch fuhrt erfah-\nrungsgetnass zu dauerndem OebraucheT Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich.\nwip:\n•-• • ~\n*'Jf.ft '■ ir, ■\ni\n\nCafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll* bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nli/ftttd A nrnr^j\nJVL U it JUL AAA Manchester\n\nZeitschrift fiir Musterzeichner\nWirksames Insertions-Organ\n: Fachschrift ersten Ranges :\nAbonnenten in alien Staaten Europas\nInsertionsgebiihren massig\nOfferten gern iu Diensten\nSchriftleitung C. Kriiger Unterbarmen (Rheinland)\nRirschstrasse 49\n\nII 1:1 ririi iiii ill iiii i'i^\n|Diesacfte[|\n1 HERAUSGEBER jj\ng Karl Kraus M\n1:: Nr. 309/10 :: |\n1 soeben erschienen J\nm Preis 50 Pfg. jj\nB Aus dem Inhalt: M\nj§ Kempinski von Karl Kraus jj\ng Gedichte von Else Lasker- m\nB Schiiler M\nM ÜBERALL ERHALTLICH §\nllllllllllllllllllllillllillilllllllllllllira\n:: PROBENUMMERN s:\numsonst u. portofrei durch die\nGesch&ftsstelle „DER STURM\"\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterrichtjn\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 34 Sprechstunde: 5-6 Uhr\n\nD«r schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft u'erden. Niiheres die\nBofleitflmiucbaft des Ulesiens, Itlaumtr. $6*ss\nTelephon I, 7497\n\nSujmXS, & (KA n\n&AMMTHAJLvk* (f\\uMMb\n\nVerlag DER STURM\nUnser Plakat, Kiiaistlerlithographie in Drei-\nfarbendruck von OSKAR KOKOSCHKA\nist soeben erschienen. Den BuchhMndlern\nund VerkSufern unserer Zeitschrift stehen\nExemplare kostenlos zur VerfUgung. Preis\nfiir Plakatfreunde M 1— / Vorzugsdrucke\n(1)0 Stiick) M 5— nur direkt durch den Verlag\n- - DER ST UR M, Berlin - Halensee - -\nE\n\nKindermilch nach Prof. Dr. Backhaus kommt der Muttermilch am nachsten.\nV ■■: : :•■.•■•••>. -^:v< ;;.;,-.f /-■ --:•-• \\ r - ' ' T- - ■\n■M P'VVVVVHVTffffV Mppp MMMHj\nv - •\ny. •;•* :• . - • • . •:. -■ ' ■■■■'-■ \"..-V.. «.a5, V-v-;'. >• . , •-; ' ■■:« -\n. .V \" ■ /.;•. y.-; • £. '. V ' •!> 7>> ~y V-\";:-. ■•'.'■•■'■!\n?■ ' v- \\; • ■v;v-:.;;•\"•• •. .„v •- V.-v? '•'■ i?;*•■£|l>'•>; V;•?«■'7-3fe*).'• ':••\n. v.- •- \\r:;\"Wv:v \"' '\nt 2/ 3 V 5\n■ H IKi HI 1131\nll'll>t-;'l\niiiiiHl 112 ■■■■» ■!\nlIIIUIWVIIII I\nTrockensubstapzen von je 1 LiteiyKuhmilch, Backhaus-Milch und Frauenmilch*\nI« Milchzucker — 2. Fett — 3. Eiweiss — 4. Kaseitr —* 5. Salze"}]}