{"numero_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_sha256": "ea27f6fa2a294d64516b1564bd15b8386caec909b8be4fd4a7a3fe9d078d15a6", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1910/12/01_01/bmtnabg_1910-12-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1910/12/01_01/bmtnabg_1910-12-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "315", "page_fin": "315", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.1", "debut_caractere": 551, "fin_caractere_exclue": 916, "texte": "INHALT:\nERICH UNGER: Vom Pathos / PETER HILLE: Das Mysterium Jesu / OTTO STOESSL: Shakespeares Problem im Hamlet / MAX DAUTHENDEY: Gedichte/\nELSE LASKER-SCHÜLER: Max Brod / J. A.: Theater, Literatur und Reklame: Lob Reinhardts / Spekulative Buchkritik / Rache / TRUST: Vermischtes / HERWARTH\nWALDEN - ALFRED MOMBERT: Der Glühende / Lied / OSKAR KOKOSCHKA: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "315", "page_fin": "315", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.2", "titre_corps": "Der Mann mit dem Goldstück Zeichnung von Oskar Kokoschka", "titre_sommaire": "Der Mann mit dem Goldstück Zeichnung von Oskar Kokoschka", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.1", "debut_caractere": 918, "fin_caractere_exclue": 974, "texte": "Der Mann mit dem Goldstück Zeichnung von Oskar Kokoschka"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "316", "page_fin": "316", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.3", "titre_corps": "Vom Pathos : Die um George", "titre_sommaire": "Vom Pathos : Die um George", "signature_source": "Erich Unger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7351, "texte": "Vom Pathos\nDie um George\nVon Erich Unger\n„Denken heißt, die Dinge einfacher nehmen,\nals sie sind\", sagt Nietzsche in der „Fröhlichen!\nWissenschaft\", und wirklich — genau genommen\nist jede Einteilung, jeder Standpunkt, jede Betrach-\ntungsweise, jede Perspektive eine Fälschung\neine Unterschlagung an der ungeheuren Kompli-\nziertheit, dem enormen Durcheinander der Dinge,\ndas eigentlich alle jene Perspektiven auf einmal\nfür sich verlangt.\nDessen bin jkrh' mir bewußt, wenn ich etwas\nzu einem Problem sagen will, das man „Mechanik\ndes Geistigen\" nennen könnte. Zwei Zustände desl\nDenkens trenne ich, die sich', wie ich glaube, zu\npsychologischen Gegensätzen gestalten, deren Trä-\nger sich für unabsehbare Zeiten gegenüber stehen.\nDie Linie der geistigen Entwicklung stellt sich\ndar als eine Reihe von Standpunkten und Reak-\ntionen. Eine ganz bestimmte Art, zu den Dingen\nzu stehleil, beherrscht eine Zeit, in der Linse eines!\nunerschütterlichen Grunddogmas sammeln sich für\nsie die Strahlen der Welt, bis sich andere Generatio-\nnen gegen diesen Aspekt empören und, ohne in dem\nBesitze eines anderen zu sein, in fiebernder Unrast\nalle Möglichkeiten des Denkens probieren.\nDiese Uebergangspartien sind die Bewegungs1-\nzustände des Denkens.\nIm Gleichgewicht hat das denkende Subjekt eine\nrelativ große Befriedigung seines Denktriebes er-\nlangt, es glaubt sich in den Besitz einer grundlegen-\nden Wahrheit gekommen, einer Wahrheit, die nun-\nmehr Immer und ewig die Grundlage alles Forschens\nabgeben müsse.\nIn diesen Zeiten beginnt das Denken nachzu-\nlassen, wie jeder befriedigte Trieb, auszusetzen und\nbeschäftigt sich nur damit, die Vielheit der unter-\ngeordneten Dinge in eine Beziehung zu der Grund-\nwahrheit zu setzen, bemüht sich nur, die Farbe der\nGrundwahrheit an allen Dingen aufleuchten zu\nlassen. Die ganze geistige Bewegung ist ein\nschwaches Hin- und Herpendeln in dem durch so\neine Grundwahrheit abgegrenzten Bezirk. Das ist\ndas Bild aller sogenannten „umfassenden Stand-\npunkte\". Alles zum Beispiel, was Schopenhauer\nund seine Anhänger berühren, zeigt seine ganze\nhervorragende Qualifikation, Wille zu sein.\nTausendmal bunter als diese Stand- und Ruhe-\nsitze des Geistes! sind die Erscheinungen, die das\nDenken in der Bewegung erzeugt, in allen pber-\nund unterirdischen Posen der Verzweiflung, in Wut\nund Gelächter nach Vergewaltigung und Ueber-\nlegenheit über die Dinge dürstend.\nAuch unsere Zeit, der dieser Augenblick an-\ngehört, zeigt ein solches Antlitz. Zehntausend\nStandpunkte, Ueberwindungen im ganzen Bezirk\ndes Geistigen.\nSchwärme schattenhafter Fragen flattern durch\ndie Nächte der Zeit — eine lautlose Ungeduld liegt\nwie drohendes Fieber unter dem Tag — ein ge-\nheimes Zittern durchrinnt die Luft von dem Ge-\ntöse hoffnungsloser Wallungen — und die Welt-\nanschauungen stehen sich sto gegenüber — wie\nSchönhe itsm ittel.\nMit einer rasenden Beklemmung starrt der\nIntellekt — das Denken, dessen Natur es! ist, zu-\nrückzuführen, in (Beziehung zu setzen, zu verein-\nfachen — auf diese irrsinnverbreitende Vielheit.\nHeftiger als je wird das krampfige Greifen\nnach Ruhepunkten, nach einem festen Rhythmus,\nnach einer Sicherheit und Bestimmtheit des Er-\nlebens und Anschauens.\nEin Ruhepunkt ist: Stefan George.\nEs gelang ihm ein Tempo zu erfinden, (in\ndessen Schwingungen das Bewußtsein, obwohl\nes einheitlich (bleiben und mit immer glei-\nchem Pulsschlag auf die Erscheinungen blicken\nkonnte, dennoch eine größere Fülle von Emp-\nfindungsgebieten umspannen konnte als je zuvor.\nDiese Fähigkeit des Zusammenbindens! so vieler und\nvordem so weit getrennter Dinge in eine, kom-\nprimiert in dem Tonfall einer Zelle, ergab die Höhe\nseines Pathos. Er umspannte mehr.\nEine Gruppe will ich von den Menschen tren-\nnen, die die großartige Stille aufhorchen machte,\ndie durch die Erstarrung, die George über ein\nwahnwitziges Chaos goß, eintrat:\nDie Eine, die glaubte, Georges Erleben sei\n„die\" Art, zu den Dingen zu stehen, die absolute.\nGegen diese richte ich mich.\nEine absolute Betrachtungsweise — alsio eine,\naußer der es keine andere geben darf — müßte\nentweder alle andern Perspektiven in sich ver-\nschmelzen oder die, welche sich nicht vereinen\nlassen, ausschließen, aufheben, vernichten.\nEs ist nicht zu leugnen, daß in d,er Musik\nGeorges ein Ton fehlt — ein Ton, aus dem ein\nJa zu dem hastigen, verzerrten, geschmacklos;\nschreienden, sich bizarr überbietenden Kräfte-Durch-\neinander herausklingt, das als Hintergrund unserer\nüberaus wunderbaren Zeit erscheint. Die Ein-\ndruckslosigkeit, ins Immense getrieben, hat für uns\nden Schein der Groteske angenommen — wir haben\ninzwischen die ästhetischen Qualitäten desi phan-\ntastischen Gemenges von Bewegungen sehen ge-\nlernt, zu dessen Ueberwindung George gesandt war.\nDaß Stefan George selbst kein Organ für die\nDämonie dieses Chaos hatte, kompensiert sich\ndurch die Intensität, mit der sein Blick auf Ent-\ngegengesetztes gerichtet war. Aber dieses! Nicht-\nwahrnehmen, dieses Nichtsehen eines! Aspekts zum\nPrinzip zu machen, zur Moral zu erheben, einen\n.Mangel als Forderung proklamieren, erachte ich\nals verlogen und lehne es ab.\nEs begab sich' nämlich, daß; die Fehler Georges\nsich objektivierten und Menschen wurden. Als\nsolche aber gaben sie Jahrbücher heraus.\nEbenso wie ihnen die Macht eines ästhetischen\nJa zu dieser ehern-wirklichen, jagenden Monotonie\nfehlte — und aller Blick für das Diesseitige, So-\nSeiende ist nach Nietzsche eine Frage der eigenen\nMacht — steht es im innersten Zusammenhang\ndamit, daßi sie das fröhliche, tötende Gelächter,\nmit dem das seiner eigenen Existenz Gewisse die\nvernichtet, nicht ertragen.\nEin widerlicheres Zeichen der Schwäche ist\nnicht leicht zu denken.\n„Würde\" proklamieren sie in ihren Jahrbüchern\n— Und wissen nicht, daß bewußt erstrebte Würde\nein psychologisches Monstrum ist.\nAber diese Furcht vor dem Gelächter ist nicht\nnur das Symptom totaler Existenzunfähigkeit, es\nist das schlimmste Zeichen der inneren Verlogen-\nheit, der Unanständigkeit vor sich selber.\nNietzsche hat uns diesem' Kriterium des Wertes\nim Zarathustra gegeben:\n„Ihr höheren Menschen, euer Schlimmstes ist:\nihr lerntet alle nicht tanzen, wie man tanzen mußi\n— über euch hinweg tanzen! Was liegt daran,\ndaß) ihr mißrietet!\nWie vieles ist noch möglich! So lernt doch\nüber euch hinweg lachen! Erhebt eure Herzen,\nihr guten Tänzer, hoch! höher! Und vergeßt mir\nauch das gute Lachen nicht!\nDiese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-\nKrone : euch, meinen Brüdern, werfe ich diese\nKrone zu! Das Lachen sprach ich heilig ;ihr\nhöheren Menschen, lernt mir — lachen!\"\nDer um George darf nicht lachen. So leicht\n„lacht er sich — tot\".\nDenn das Gelächter ist darum ein Zeichen der\nMacht, die Wirklichkeit zu ertragen, wie sie ist,\nweil es als unmittelbarste, unkorrumpierteste\nAeußerung unseres Bewußtseins! die vollkommenste,\nredlichste Gleichgültigkeit gegen jede Perspektive\nausdrückt.\nZwischen jeder Auslegung des Geschehens, das\nist: zwischen jeder pathetischen Umsipannung, die\ndas Denken ,selbst ist, und dem Aspekt des All-\ntags klaffte bisher eine Lücke, ein Unüberbrück-\nbares.\nUnvermittelt standen sich Alltag und Pathofe\ngegenüber. Und jedes Pathos zerbrach bisher an\nder Gewalt des Alltags. Nur das Pathos!, Üaä\ndiese Lücke ausfüllt, ist slo sicher vor dem Um-\nfallen als alles Alltägliche.\nJedes andere ist verlogen.\nWir ersehnen ein Pathos, das dem Alltag eben-\nbürtig ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "316", "page_fin": "317", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.4", "titre_corps": "Das Mysterium Jesu : Aus dem Nachlass", "titre_sommaire": "Das Mysterium Jesu : Aus dem Nachlass", "signature_source": "Peter Hille", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.2", "debut_caractere": 7353, "fin_caractere_exclue": 10935, "texte": "Das Mysterium Jesu\nAus dem Nachlass\nVon Peter Hille\nDer Priester\nUnd erst, als der Sohnespflicht genügt War, tfnH\ndie Verantwortung Zeugnis zu geben vom Ewigen*,\ndas drei Jahre die Zeit durchschienen hatte, stark\nin ihm ward, erst da fühlte er die leitende Wärme\ndes Hirten, nun erst wußte der Jüngling, der ver-\ntrauend und schmiegsam zum Höchsten hinauf-\ngesehen hatte, bringend ;und tröstend liebessanft\nsich zu neigen.\nUnd all sein Wort und Auge und Lippen und\nAntlitzstille war warme Zärtlichkeit im göttliche»\nMeister für den Herrn, war Werben und Lieben in\nseinem Namen.\nDer Seher\nUnd wie die Erde ermattete, seine Seele und\ndie Erinnerungen abblichen auf ihr, da rötete sich\nsanft wie ein Kind, das erwachen will aus sonne-\ngekrautem Schimmer, des Himmels blasse, weiteti-\nedle Wange.\nEs kroch zusammen wie in den Schrein ge-\nborgnes Gewand der Raum und die Zeit: der\nStundengeist für die Erde sah auf Gott, und Gottes\nLächeln strahlte und sie verklärte sich für das'\nseelengeschildete Auge des erglühenden Greises.\nUnd er 'sah das Licht, das die Erden alsi Schatten\numwog, sah1 und, fühlte mit seinem flutstark auf-\nsteigendem Löben die hioldjgewlaltigen Melodieen\nweichfeurigen Glanzes. Das alles ist ein Genießen,\neine Gefühlfstat, ein Schauen und geht bis ins\nReinlste — weit, [weit bis tief ins Gottesherz, ins\nWeltherz, wro Gott wohnt.\nIhn aber, den Gefährten losen, erreicht kein\nMenschenauge, das wallende Licht aus stillen Tiefen\nist nur die Miene, die ihn kündet und die Regungen\nseines Willens.\nIn der ruhenden Weltkraft kreist das Voll-\nkommenvollendete, das Unendliche weiter erfassend\nohne Ende.\nUnd die Verklärten aller Erden verstehen ein-\nander und reden die holdduftleuchtende\naller Seligen, die sanft wie streichelnde Hand diß\nSeelen rührt.\nHoch, jugendhoch schlägt sein starkes Alters-\nherz, das nun den größten Umfang erreichte, sieht\nseinen Meister und Freund und erkennt aus (der\nGottheit ihn an der weichen, tiefen, rotdunkel durch-\nglühenden Kraft der Liebe und des mensch-\ngefärbten Leidens. Neben ihm, nur ein wenig voran\nins Menschliche, die Mutter, die Königin der Milde,\nderen Fürbittseelenkraft starre, lange Läuterungs-\nWege schmilzt, denn die Gerechtigkeit ist\nGüte, und Güte d ie Gerechtigkeit.\nNur Starkes, selbstlos, groß.tätig groß-\ntatig auch in stiller Seele, kann dem Weltgeist\nzuwachsen, dem Himmelsall. Alles übrige läutert\ndie nagende, ungenügende, selbstgehemmte Quai\nder Selbstgehemmten, über die das helle Licht des\nBewußtseins die Fernen wirft, welche es noch zu\ndurchmessen hat, ehe zur Ruh es gelangt.\nDer selbstentstandenen Hölle aber in so einem\nerniedrigten Geist ist alles übrige gleichgültig.\nAller Umstand, und sei er noch so selig, kann\nnicht hinein in die unfertige, verunstaltete Seele.\nDie wirft alles Glück hinaus, solange ihr Zustand\nnicht lauter ist und alles äußerlich Gute annimmt\nund es verklärt, das Lebensholde.\nKeine Seele ist ewig unbrauchbar, denn sie ist\nerneurungs fähig, und die Bewegung der Ewigkeit\nunendlich.\nAber der Seelen Wert ist verschieden, und der\nWeg nach dem Werte.\nUnd jede allandersgebildete Verklärtengestalt\nleuchtet verschieden, und dieser Glanz ist ihr Glück:\nsie will, sie kann nicht anders sein. Ganz: genau\nist so auch der Weg, ist er auch' tief drunten, von\ntief drunten in ach oben.\nMißbrauch will Zuwachs, streng muß' gefüllt\nsein das Maß, aber schmelzende, stärkende Vor-\ngänge drängen viel langsamen: Weg in eine ge-\npreßte brustbeklemmend herbvolle Honigstunde an-\ngenommener Gnade.\nDas Schauen ermüdet, Johannes Augen sinken\nzu. Sanft schläft der irdische Leib nach der Etr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5645, "texte": "ftihöpfung, die schon ein paar Schritte in die Ewig-\nkeit seinen irdischen Kräften gebracht hat.\nBereit\nUnd es ward Dämmerung im Reiche des Herrn\ntind Meisters der Seele.\nHinabgewelkt war die starkergriffene Zeit der\nmenschlichen Gegenwart des göttlichen Heilandes,\ndie Zeit des Umbruchs, der menschlich sittlichen\nEntfaltung.\nFahren lassen das Alte und Neuest greifen, be-\ngreifen und bekennen mit Gut und Blut bis zur\nletzten Marter. Diese grellscharfe Zeit des ersten\nEntscheides war zur Ruhe gewandelt, zum Gottes-\nheim in Gebet, in erbauender Versammlung. Der\num des Namen Jesu willen zeugnisfeste Gerichts-\nftof, die Richtstätte, wo Blut des Beispiels; fieue\nMärtyrer grüßte, war stiller Watndel der Güte ge-\nworden, Gang zum Heim der Seele, zur verschwie-\ngenen Stätte des heiligen Gedächtnisses), des1 Liebes-\nmaMes und mystischer Vereinigung mit dem wieder\nverklärten, in die Himmelsheimat erhobenen Erlöser\ndurch die schlichten, in bedeutendem Sinne geweiht\ngenosssenen Nahrungszeichen: ;Brot und Wein.\nBrot und Wein, Blut und Leib: das Leben —\nChristus ihr Lebein!\nNun war es still, waise hienieden.\nSeime Mutter war hinüber, alle Genossen, alle\nGehilfen der Verbreitung des Heiles hatten ihre\nKronen empfangen, und angetan die Gewände der\nSeele, jene Gewände der Gnade, vollendet durch\ntreues Mitwirken und Leben im Sinn des Meisters!\nund seines wie ihres göttlichen Vaters1.\nDer Jahre Hundert war erfüllt, seitdem der\nStern der Gnade die silberne Sprache des Himmels\ngeredet hätte jene Nacht, und sanfter, geistig weh-\nmütig nur leuchtete das Licht jener großen Tage.\nEs wJar so verlassen auf der Erde und dunkel,\ndenn nur der Himmel versteht die Erde, nur von\noben kommt Licht in die Welt. Kämpfer und Feind,\nGetreue und Freunde wie grimme Verfolger ruhen\nsdion längst in der Erde von der Erde aus.\nNur der Liebesjünger, müde, hbchbetagt, nur er\ngibt noch Kunde vom Wort, das Fleisch geworden\nist, um in uns zu wohnen: von der erdenwandelnden\nLiebe des Höchsten, dem hehren, trauten Gott der\nMenschenliebe.\nSeine müden Füße stiller, weit über Menschen-\nalter hinausgegangener, äußerlich schwankender, in-\nnerlich seelisch verklärter Greisentage suchten schon\nden Himmel, die Heimat. Aber nicht Klage noch\nSehnsucht läßt er sich regen, der zitternder Eifer\nnur ist.\nJe näher das Ende er fühlt, das die Arbeit aus\nseinen priesterlichen Händen nehmen will, dem\nJüngling der Liebe mit dem leuchtenden Antlitz)\nunter schneelichtweißem Haar, dem Jüngling hoher\nTage, so weniger kennt er Genüge.\nGerne ging er noch weiter der Pflicht nach auf\nder harten, kaum erst dem Heile sich erschließenden\nErde.\n„Herr, mein göttlicher Meister, du vergönntest\nmir, dein Freund zu sein, zu ruhen, zu atmen und\nLiebe zu haben, deine seelenwarminnige Liebe zu\nhaben um meine Seele. Freund, Erlöser, tu mit\nmir nach deinem Willen.\"\nUnd nun, Johannes, tapfer, tapfer aus Liebe!\nSiehe meine Seele, nun ist die einzige Zeit,\nda du bewähren dich kannst und etwas vergelten,\nnach verdienen die Segnungen des offnen Himmels,\nzur Seite deines Heilands, unter den zündenden\nZungen des zum göttlichen Sendbotenaint verklären-\nden heiligen Geistes. Diese kurze Nachtwache nur\nbleibt dir zur ruhigen Rüste für droben, wo dich'\nalle erwarten: die Mutter, die Freunde, und er, an\ndessen Brust du Göttlichkeit atmetest, göttliche\nMenschheit.\nSuche noch Buße zu tun für die höhen Tage,\ndie wir so lässig nahmen, so geringe, da sie noch\nWaren.\nNicht zu kurz, zu kurz nicht diese Stunde der\nBereitung, o Herr, daßi ich fertig Werde, daß\nMenschliches eingehen kann in die Wohnung him-\nmelbeströmenden Lichtes.\nDaß du nicht Boten schickst und Zeichen mehr\nund so alltäglich schon scheint und lange auch mir,\nÜem Heiland, Heiland, mein göttlicher Meister, so\nliebend, so unendlich liebend Begnadeten dieser\nselige Wandel in deinem Wort, lauschend zu deiner\nheiligen Schritte Seite, darum bitte ich noch.\nAls unsern Ausgang du uns wiesest, damals\nam See Tiberias, und unserem Hirten Petrus die\nhöhe Gnade kündetest, daßt er dir folgen dürfte in\nder Art seines Zeugnistodes, da gebotest du mir,\nja zu harren, bis du mich rufen würdest.\nWie auch die Zeiten rollten und Weiten, und\nDrangsal war und Weh und Lähmung des Alters\nund Dumpfheit des Sinnes, und mindere Gabe der\nArbeit nur blieb, immer höre ich deinen Entscheid\nvom Tiberias.\nUnd ich gehorche, gehorche, laß mein Sehnen\ndich1 nicht rufen, nicht rufen laß es dich —, wenns\nauch wieder mich spräche zu dir: bleib noch, Herr,\nentstehe, laß idein Herz! mich tun!\nJa Herr, ich warte, wie du bestimmt hast —\ndeine Ankunft erlöst mich1 vom Fleisch1.\nAber laß mich wirken und Zeugnis geben bis\nzum äußerstein Vermögen, daßi ich der Sehnsucht\nnicht erliege und nicht weile im Wandel.\nVermag ich auch sonst nichts, sichbn mein Leben\nist Amt nun, das da kündet, auch mit schwachem\nWorte kündet, mit jedem Atemzug redet von jdir\nund deinem Weilen auf der Erde.\nNicht für mich bitte ich.\nAuch für dein Werk bitte ich und um des Heiles\nwillen, das daraus fließe.\nSie alle gingen.\nNur ich noch wandle.\nUnd ob sie in ihrem jungen Glauben die Last\nder Einsamkeit schon tragen können, da nichts\nLebendes ihnen mehr Zeugnis gibt\nDu weißt, wie ich mich sehne und weißt, wie\nich der letzte bin, der schwindende Schatten noch\nauf dem Weg, den sie geschritten sind.\nSieh, noch keimt und bildet und baut (deine\nKirche sich auf — da bin ich noch nötig, könnte\nnoch nötig sein.\nHerr, sieh nicht auf mich, dehne meine Tage,\nwie du willst doch auch nicht weiter.\nGanz wie du willst, Meister, Freund!\nUnd daß auch ineine Gesichte ruhen, daß mein\n'Erinnern schwach wird und oft ich staune.\nGanz wie du willst, Meister, Freund! Ich bin\nbereit.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "317", "page_fin": "319", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.5", "titre_corps": "Shakespeares Problem im Hamlet", "titre_sommaire": "Shakespeares Problem im Hamlet", "signature_source": "Otto Stoessl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.3", "debut_caractere": 5647, "fin_caractere_exclue": 11829, "texte": "Shakespeares Problem im\nHamlet\nVon Otto Stoessl\nSamuel Lublinski, der Verfasser dieser Studie,\nbegründet ihre subjektive Notwendigkeit mit den\nBedürfnissen der eigenen dramatischen Produktion,\ndie an den problematisch vorbildlichen Werken das\nBewußtsein der allgemeinen und individuellen Be-\ndingungen des Schaffens stärke. Die Mitteilung\nsolcher Einsichten bleibt wieder nicht ohne Be-\ndeutung für die Gesamtheit der an der Kunst tätig\noder genießend Interessierten. Das Problem einer\nDichtung ist immer auch das ihres Dichters, wobei\nnur gelegentlich Maßstäbe vertauscht und innerlich\ngebändigte, zusammengehaltene Seelen Vorgänge\nnach außen gewandt und zugleich versinnlicht und\nüberhöht werden. Ist das Subjektive ganz in die\nNotwendigkeiten der Gestaltung eingeflossen, (zur\nallgemein gültigen Darstellung gebracht, so mag\nes unter dem anschaulichen Gebilde ganz aufge-\ngangen scheinen. Diese Vollkommenheit der An-\nschauung, wenn auch nicht die dramatische Form\nschlechthin, ließen im Werk Shakespeares sein je-\nweiliges subjektives Problem so aufgehen, daß er\nselbst zu einer mythischen, schließlich gar enigmati«\nschen Figur werden konnte. Man betrachtet sein\nDrama als unzwei feibare Einheit, was beim\n„Hamlet\" am allerwenigsten angebracht ist. Der\ndramatisch Schaffende, der das subjektive Problem\nim tragischen Gebilde, im eigenen wie im fremden,\nals den Herzschlag fühlt, mag mit Recht einmal\nversuchen, es zunächst im Hamlet aufzuspüren\nDenn bei dem bleibenden Widerspruch dieses ein-\nzigen Stückes darf wohl auf einen vorwiegend sub-\njektiven Gehalt rückgeschlossen werden, der in die\nForm nicht ganz1 aufgehen wollte, noch konnte\nDem größten Bekennenden mag der Kanon gleich-\ngültig, ja verächtlich werden, und im höchsten Sinne\nbleibt solches Unzulängliche Ereignis. Bei Shake-\nspeares „liebenswürdiger Besonnenheit\" und\n„würdevoller Liebenswürdigkeif' ist ein so er-\nhabenes Sichbeugen unter ein Lebensgrundgefühl,\nwie es ,im Hamlet .als dramatisch unbezwungener\nsubjektiver Rest vortritt und seinen Stoff gleich-\nsam eruptiv als eine dichterische Apokalypse her-\nvorstößt, doppelt ergreifend. Die charaktero-\nlogische Fülle und die Uebermacht des eigenen,\nveranlassenden Konflikts Sprengt die gewählte\nForm und überlebt sie.\nBeim Versuche, den Gedankengang, der zu-\ngleich höchst persönlichen und allgemein gehalt-\nvollen Schrift auseinanderzusetzen, läuft man immer-\nhin Gefahr, durch eigene ausgelöste Ideenfolgen\ndie Treue der Wiedergabe etwas begrenzt zu sehen.\nShakespeare stand seiner Welt mit iener ge-\nteilten Empfindung gegenüber, die jedem großen\nMenschen eigen ist, indem er sie sozusagen irdisch!\nbenutzte und bejahte und wiederum künstlerisch!\nund sittlich1 an ihr litt, sie verwarf. Nur der Ge-\nmeine geht in seiner rationalen Existenz restlos auf,\nder Außerordentliche erübrigt sein bestes Teil, um\nan ihr, wie unter der ganzen 'Unzulänglichkeit des\nphysischen Daseins schöpferisch überwältigt zu\nleiden. Shakespeare sah in seinem Leben, das ihn\nhinreichend versorgte und gut stellte, Schein, Lüge,\nHeuchelei, Gewohnheit ungeordnet triumphieren,\nWertloses an die Spitze gestellt, Schädliches gekrönt\nund das Gemeine mit gewichtiger Fülle sich brüsten,\nwährend er selbst in seinem Berufe als Schauspieler\nund Theaterdichter ein verachtetes Gewerbe aus-\nübte. Und doch enthält gerade diese gefällige Aus-\nbietung des Scheines im Schauspiel die völlige\nWahrheit der Dinge.\nSolche Gegensätze bot jeder Blick auf seine\ninnere und äußere Welt. Der mächtigste Auf-\nschwung der Geister: die Renaissance brachte die\nhödist persönlichen Werte in entwürdigenden Um-\nlauf unter eine rohe Menge; zur äußerlichen Zier-\nlichkeit lind unverbindlichen Verbrämung brutaler\nInstinkte wurde die Pracht der klassischen Zeit\nwohlfeil angewandt. Und ihre stilbildende Kraft\nentartete zum Modegezirp und Floskelspiel. Schein\nund Sein sind tausendfältig ineinander verflochten\nund alle Widersprüche. gehen auch unentrinnbar\ndurch den Einzelnen. Diesen Konflikt aufs Leiden-\nschaftlichste zu erleben, ist das Schicksal des Skep-\ntikers. „Hamlet\" wird seine Tragödie.\nNun ist die Skepsis in ihrer wertauflösenden,\nlediglich betrachtenden Energie und eigentlich im\nDialektischen aufgehenden, komtemplativen Lebens-\nstimmung gerade dramatisch unbrauchbar; im ei-\ngentlichen Sinne, obgleich durch die Allseitigkeit\nihrer Anschauimg von durchaus künstlerischer\nBeschaffenheit, vielleicht sogar für die Dichtung\nüberhaupt. Denn jede Tat und Gestaltung\nbedeutet auch im Poetischen einen Ueber-\nschuß von Willen, ein sich Entscheiden, wäh-\nrend die Skepsis eine reine geistige, imaginäre\nMitte einhält. Ihre Tragik wird daher als solche\nnur sinnfällig zu machen sein, wenn der Skeptiker\ndiesen geistigen Zustand unaktiver Besinnung und\nZurückhaltung nur als Hemmung sonst überwie-\ngender und gelegentlich durchschlagender Impulse,\nLeidenschaften, Ziele erlebt, wie sich im Dasein\nüberhaupt geistige Erkenntnisse und Einsichten\nnicht in unvermittelter Reinheit, sondern als Le-\ngierungen der Triebe, als Färbung der Reagenz\nauf Eindrücke, als typisches Schicksal mittelbar dar-\nstellen. Die Tragik des Skeptikers besteht letzten\nEndes also eben in der menschlichen Lebens-\nunmöglichkeit und Lebensunfähigkeit der Skepsis.\nHamlet erlebt sie.\nDer Stoff der Tragödie — die nordische Ballade\nweiß nichts von diesem, nur ih einer persönlichen\nKultur, als i,n einer Form bewußten äußeren fund\ninneren Lebens möglichen skeptischen Charakter\n— der nackte Tatsacheninhalt ist der: Hamlet hat\nden von seinem 'Oheim begangenen, offenkundigen\nMord des Vaters zu rächen und muß, um den zur\nHerrschaft gelangten Verbrecher in Ruhe zu wiegen,\ndie Maske des Wähnsinns vorbinden, bis er zu\nseinem Ziel gelangt.\nBei der Vertiefung dieser Fabel zu einem Kampf\nvon Sein und Schein, zu einem Weltgericht (über\ndie allgemeine Irrung, dem auCh! der Richter zum\nOpfer fällt, sah Shakespeare mit dem komplexen\nGeist eines Kulturgenies eine ungleich vielfältigere,\nnicht offene, sondern geheimnisvoll, ja lockend ver-\nwirrte und verdunkelte Geschehnis- und Figuren-\nfülle. Die Tat ist unbekannt, wie der Täter. Beide\nwerden erst durch den rachefordernden Geist des\nVaters dem Sohn bezeichnet So erhält ein woht"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6780, "texte": "stli'on bh'ne dies Furchtbare skeptisch zur Verach-\ntung einer Scheinwelt gestimmter, aber zugleich\ndurchaus heroisch angelegter, eine Urtiefe von\n[Wildheit bergender Charakter, des alten Hamlets\nwürdiger Sohn, seine Aufgabe. Ein echtes, an na-\ntürlich reinen Instinkten, reiches, inniges Gemüt\nwird bei höchster Bildung, Ueberfeinerung und\nUeberernährung des Geistes durch diese Offen-\nbarung vergiftet. Wie gewisse Heilmittel wirkt ein\nkonzentriertes Erlebnis, eine vor Hie schonungs-\nloseste Wirklichkeit gezerrte Skepsis als Todes-\nkrankheit selbst. Dem jungen Prinzen ist von wider-\nwärtigen Hallunken nicht bloß der Vater ermordet,\nsondern die Mutter geschändet, das Mütterliche bis\nzur unerträglichen Schamlosigkeit entstellt, ver-\nnichtet worden. Es ist die schönste tragische Folge-\nrichtigkeit gerade dieses Gefühls, daß das unwider-\nbringlich zerstörte Empfinden einer edlen Männ-\nlichkeit für das Weib, für die Mutter, auch die\nGeliebte, die Liebe selbst grausam hinopfert. Diesen\ngegen den eigenen erotischen Instinkt sich wenden-\nden Prozeß der Leidenschaft, die sittliche Vernich-\ntung Hamlets durch die entsetzliche Zwangsvor-\nstellung der geschändeten Mutter habe ich (stärker\nals Lublinski) als das Zentrum der Tragödie emp-\nfunden, von welchem die eigentümliche Lähmung\ndes heroischen Geistes ausgehen dürfte. Er steht\nwie ein Stein im Wirbel von allen Seiten ihn um-\nkreisender Fluten und wird gleichsam im Kreise\nimmer um sich selbst gedreht, wobei er scheinbar\nuntätig verharrt. Vielleicht genügt dieses Gleich-\nnis, um die Absicht des Dichters klar zu machen,\ndie ausging, dramatisch zu zeigen, warum Hamlet\ndie auferlegte und nach der äußeren Lage durchaus\nleicht auszuführende Tat hinzieht, sich an ihrem\nAufschub gleichsam weidet, und endlich von ihr,\nwie von seinem Tod, übermannt wird. Der bru-\ntale, in seinen Erkenntnissen und Entscheidungen\neinfältige Tatmensch schlüge kurzweg zu, wie es\nLaertes, Hamlets Gegenspieler, tut. In Hamlet aber\nlebt alles Menschenmögliche an Empfindung, Lei-\ndenschaft, Anschauung, Erkenntnis, und ist durch\ndie Offenbarung als ein ganzes Chaos so auferweckt,\ndaß er nun hellseherisch nicht anders als ein trun-\nkener Prophet durch sein Leben geht.\nEs ist ein Zustand von Einsicht, der selbst\nvon jenem Wahnsinn nicht weit entfernt bleibt,\nden die Höflinge an ihm vermuten. Wer jemals\nden Felssturz zermalmender Erkenntnisse über die\neigene Seele sausen gespürt hat, wird Hamlets an\n[Wahnsinn rührende Erkenntnis ohne weiteres als\nselbstverständlich begreifen. Es ist des Geistes an-\ngestammte Art, auf reale Impulse vor allem geistig\nzu reagieren und seine entscheidenden Erlebnisse\nVon außen nach innen zu verlegen. Sie werden\ndabei seelisch inkorporiert ,bis zu einem gewissen\nGrade rein innerlich abreagiert und, wenn es schließ-\nlich auf eine Handlung ankommt, genügt eben der\nbloße, konkrete Vollzug des logisch Notwendigen in\nkeiner Weise, der Geist verlangt eine umfassende\nBeantwortung. Das Mögliche wird ihm fast immer\nverächtlich, unzulänglich. Diese geistige Natur der\nErwiderung von Lebensforderungen eignet aller\ngenialen Konzeption, dem Feldherrn wie dem Dich-\nter, dem Denker wie dem Politiker, und bei einer\ndie normale Tragkraft nicht übersteigenden Er-\neignisbelastung wird die endliche Handlung auch\neine endgültige. Einen solchen Prozeß hat mit\ndem obigen Vergleich (des Feldherrn) Lublinski\nals Hamlets angeborene Artung geschildert. Ich\nmöchte schärfer die Losung: Tat als Kunstwerk,\nKunstwerk als Tat, für diesen Zustand überlegener\nGeistigkeit formulieren. Diese Losung veranlaßt\nbei einer normalen Ereigntsbelastung ein planvoll\ngeniales Handeln, einen etwa langwierigen, aber\nmit großartigem Abschluß gekrönten Prozeß. Eine\nWeltuntat hat sich offenbart, das Einzel-\ngeschehen wird durch die leidenschaftlich groß-\nartige Phantasie und nicht mit Unrecht so erwei-\ntert. Bei Hamlets Erlebnis erzeugt diese Wucht\nvon Eindruck nun eine fieberhafte Uebertreibung,\neine Verzerrung seiner konzeptiven Absichten. Was\ner innerlich auslebt, wird gigantisch gegen die nun\nfast verachtete Aufgabe, einen kleinen Schurken\naus dem Weg zu räumen. Wie der Fiebernde\netwa durch immer neuen Trunk sein Fieber, so\ninährt Hamlet den ungeheuerlichen Einsichtszustand\nals Selbstzweck. Ihm gelten alle seine tatlosen\nScheinhandlungen, und nicht wie Lublinski möchte\nich in dem gelegentlichen brutalen Losschlagen —\nauf Polonius, in Ophelias Grab — das bloße Ueber-\nwallen der natürlichen Leidenschaft, sondern gleich-\nsam eine Instinktbewegung des Gesunden, nach\ndem ehemaligen Gleichgewicht verlangenden\nHamlet erblicken, der, wenn auch planvoll, so doch\nunfehlbar, wenn auch überlegt, so doch endgültig\nzugeschlagen hätte. Die vollkommenste, hell-\nseherische, geniale Vertiefung des vereinsamten\nGeistes aber setzt sich in ein scheinbares Spiel um,\ndas uns freilich befremdet — der offenkundige\nMangel sinnfälliger Motivierung im Drama — aber\ndem Helden unentbehrlich und wichtig ist. Ein\nsolcher seelisch umständlicher Prozeß, der Hamlet\nin den Gehirnen der Kommentatoren beliebig als\nFeigling, Phantasiegenie, Untersuchungsrichter,\nMoralist, Dekadent, Willensschwächling erscheinen\nläßt, ist eben wegen seiner Innerlichkeit nicht zum\nrationalen dramatischen Ausdruck gebracht. Daß\ndies nicht gelang, beruht auf dem vorherrschenden\nsubjektiven, im Drama gewaltig überhöhten, aber\nin Dämmerlicht verhüllten Problem des Dichters,\nder durchgängige, selbstzufriedene Moralistik bei\nherrschender Unmoral, schönrednerische Manieren\nbei übelstem Tun, die Uebermacht des Kultur-\nfirnisses über die besten, über sich selbst, wie über\nseinem Hamlet so dringlich1, ebenfalls als eine Art\nFelssturz von Einsicht spürte, daß er die Vision\neiner Gewitter- und Treibhausatmosphäre im Wil-\nlenszentrum nur als Chaos in der Stimmung fas-\nzinierter Lähmung gestaltete. Durch den Untergang\naller wird es erlöst und entsühnt. Wenn ein starker\nRest von motivischer Folgerichtigkeit erübrigt, so\nist dies der gleiche Gehalt von heroischer Natur-\nkraft, der den Hamlet davor schützt, der Sklave\nseiner Abstraktionen zu werden. Schon im ge-\nheuchelten Wahnsinn Hamlets, der bei der Heim-\nlichkeit des Frevels unnötig, widersinnig scheint,\nerblickt Lublinski den ersten Bruch der Motivierung.\nNach unserer früheren Schilderung dieser hallu-\nzinierenden Einsichtsnot des Prinzen/die gleichsam\nwollüstig das höchste Kunstwerk der Sühne formt,\nund mehr in der ewig gesteigerten Phantasie, als\nin irgend einer Erfüllung sich befriedigt, möchte\nman vielleicht gerade diese Maske, die zugleich1\nSchein und wieder unwillkürliche Aeußerung eines\nZustandes ist (ein erleuchtetes „Außerslchsein\")\ndurchaus hinreichend motiviert finden. Es gilt ihm,\ndie Schuldigen aufs äußerste zu foltern, mit dem\nBewußtsein ihrer Schmach, der Angst vor der Rache,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3163, "texte": "dem Bedauern des Frevels, zu peinigen, eine Qual,\nder ein simpler Totschlag bei weitem nicht gleich-\nkommt. (Bis zum Schauspiel (im Schauspiel und\nzum Gespräch mit der Mutter wirkt der Aufschub\nder Tat durchaus als Verschärfung der verhängten\nStrafe, somit als künstlerisches Raffinement. Nur\ndas oberflächliche Hofgesindel mag seinen Wahn-\nSinn als solchen nehmen, den Schuldigen ist die\nVerstellung klar genug; daß Hamlet dabei ohne\nweiteres sich die Schlinge um den Hals legen läßt,\nbraucht bei der (von Lublinski hervorgehobenen)\nachtlosen Kühnheit des Prinzen nicht weiter zu\nverwundern. Erst als er diese Schlinge, statt sie\nruhig abzuwerfen, zuzuziehen scheint, indem er\nSich fast selbstverständlich nach England schicken\nläßt, beginnt eine äußere Planlosigkeit, die bis zum\nSchluß fortwirkt und alles sittlich und dramatisch\nNötige geschehen läßt, aber wie ein Spiel des Zu-\nfalls. Die Ermordung des Polonius, deren Folgen\nHamlet auszuweichen sucht, bietet kaum einen\nGrund. Hier führt die Skepsis des Prinzen und\ndes Dichters zu einer ungewollten Verdeutlichung\nihrer wertauflösenden Kraft, aber nicht zur eigent-\nlich sinnfälligen Gestaltung. Hier sind die Vor-\ngänge „lediglich aus der vagen Unendlichkeit des\ninneren Menschen zu motivieren\", ein psycho-\nlogisches Irrsal, keine dramatische Zielsicherheit.\nWenn ein bedeutender Geist seine eigentliche\nAbsicht nicht aus der planvollen Energie seiner\nGaben, sondern durch das Eingreifen irgen3 eines\nmechanischen Zufalls erreicht, wird ohne weiteres\nein Licht der Ironie auf ihn fallen. Wie hier bei\nShakespeare unä bei Hamlets Erreichung des Ziels\nim Endkampf, trotz völligem Scheitern der Absicht.\nDiese Ironie lag dem ungebrochenen Pathos beider\n— des Dichters, wie seines Helden — das ihre\nSkepsis mit natürlicher Urkraft überwog, zu fern,\num den Ausgang des Stückes: diese Mausefalle, in\nder sich schließlich Gerechte und Ungerechte,\nPrahler und Helden, Schwächlinge und Verbrecher\nsämtlich fangen, als ironisch beabsichtigt wirken\nzu lassen. Sonst möchte man sagen — die Ironie\nwirkte eben von außen her — die Tat als Kunst-\nwerk geht an ihrer Ueberfeinheit zugrunde, ein\nSchlachtopfer der standfesten Wirklichkeit, wie\netwa das widerwärtige Sterben Eilert Lövborgs\n— „in Schönheit\".\nGleichviel, bei allen widersprechenden Teilen\n— Lublinski sondert auf das einleuchtendste Ballade,\nitalienische Novelle und modernen pathologischen\nRoman in der Entwicklung des Dramas — der Wir-\nkung des Ganzen, als einer grandiosen Weltkritik,\nwird sich kein Zeitalter lentziehen können.\nEs bleibt das Verdienst der Schrift Lublinskis,\nden Charakter Hamlets als eine subjektive Ver-\nkörperung eines Shakespearischen Gmndproblems\nin seiner eigentümlichen Mischung von' Leidenschaft\nund Geistigkeit erfaßt zu haben, woraus die durch-\ngängige Be/jogenheit aller übrigen Figuren und\nGegenspiele sich aufs Ungezwungenste ergibt. Die\nKritik des Ganzen ist zutreffend, gerade weil sie\nsich bei allem Widerspruch gegen die zersprengte\nForm der umfassenden, subjektiven Energie des\nKunstwerkes ergibt, das weniger und zugleich\nunendlich mehr bleibt, als — ein Drama.\nLublinskis Schrift erschien im Xenienverlag zu Leipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "318", "page_fin": "319", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.6", "titre_corps": "Der Gluhende", "titre_sommaire": "Der Gluhende", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.4", "debut_caractere": 6782, "fin_caractere_exclue": 6794, "texte": "Der Gluhende"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "319", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.7", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Max Dauthendey", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.5", "debut_caractere": 3165, "fin_caractere_exclue": 4658, "texte": "Gedichte\nVon Max Dauthendey\n\nUnd einmal steht das Herz am Wege still\nHäuser und Mauern,, welche die Menschen über-\ndauern,\nBäume und Hecken, die sich über viele Menschen-\nalter strecken,\nDunkel und Sternenheer, im unendlich geduldiger\nWiederkehr,\nKamen mir auf dein Hügelwegen in der Sommer-\nnacht entgegen.\nNach1 der Farbe von meinen Haaren, bin ich noch\nder wie vor Jahren,\nNach meiner Sprache Klang und an meinem Gang\nKennen mich die Gelände und im Hohlweg (die\nFelsen wände.\nViele Wünsche sind vergangen, die w|ie Sterne un-\nerreichbar hangen,\nUnd einmal steht das Herz am Wege still,\nWeil es endlich nichts mehr wünschen will.\n\nEs sind nicht die Wunden, die uns müde\nmachen\nEs sind nidht die Wunden, die- uns müde machten,\nNicht der Jahre Meilen, die du abgefunden,\nNicht Vergangenheit, darinnen unser Lachen,\nFeierlichkeit und die Taten hingeschwunden,\nEs sind unsere Freuden, die unsi in den Händen jäh!\nerstarrten,\nDie nicht ausharrten, gleich den Himmelswänden,\nDie wie Bäume, roh entwurzelt, in dem Garten!\nAn dem Boden liegen und verenden\nUnd die Träume nicht mehr sorglos wiegen.\nBäume lassen plötzlich1 alle Blätter fliegen,\nStehen nackt, wie Galgen, an den leeren Gassen.\nNebel balgen sich, wo vorher Vögel singend saßen1,\nStümpfe, kreuz und quer, ringend mit den Stürmen,\nBis sie stürzen, gleich gefällten Türmen.\nSo sind unsere Freuden, die sich tanzend schürzen,\nUnd wie Henker täglichl uns um Köpfe kürzen.\nAus der Gedichtssammlung- Weltspuk, Verlag von Albert\nLangen München"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "319", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.7.1", "titre_corps": "Und einmal steht das Herz am Wege still", "titre_sommaire": "Und einmal steht das Herz am Wege still", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.5", "debut_caractere": 3194, "fin_caractere_exclue": 3796, "texte": "Und einmal steht das Herz am Wege still\nHäuser und Mauern,, welche die Menschen über-\ndauern,\nBäume und Hecken, die sich über viele Menschen-\nalter strecken,\nDunkel und Sternenheer, im unendlich geduldiger\nWiederkehr,\nKamen mir auf dein Hügelwegen in der Sommer-\nnacht entgegen.\nNach1 der Farbe von meinen Haaren, bin ich noch\nder wie vor Jahren,\nNach meiner Sprache Klang und an meinem Gang\nKennen mich die Gelände und im Hohlweg (die\nFelsen wände.\nViele Wünsche sind vergangen, die w|ie Sterne un-\nerreichbar hangen,\nUnd einmal steht das Herz am Wege still,\nWeil es endlich nichts mehr wünschen will."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "319", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.7.2", "titre_corps": "Es sind nicht die Wunden, die uns müde machen", "titre_sommaire": "Es sind nicht die Wunden, die uns müde machen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.5", "debut_caractere": 3798, "fin_caractere_exclue": 4658, "texte": "Es sind nicht die Wunden, die uns müde\nmachen\nEs sind nidht die Wunden, die- uns müde machten,\nNicht der Jahre Meilen, die du abgefunden,\nNicht Vergangenheit, darinnen unser Lachen,\nFeierlichkeit und die Taten hingeschwunden,\nEs sind unsere Freuden, die unsi in den Händen jäh!\nerstarrten,\nDie nicht ausharrten, gleich den Himmelswänden,\nDie wie Bäume, roh entwurzelt, in dem Garten!\nAn dem Boden liegen und verenden\nUnd die Träume nicht mehr sorglos wiegen.\nBäume lassen plötzlich1 alle Blätter fliegen,\nStehen nackt, wie Galgen, an den leeren Gassen.\nNebel balgen sich, wo vorher Vögel singend saßen1,\nStümpfe, kreuz und quer, ringend mit den Stürmen,\nBis sie stürzen, gleich gefällten Türmen.\nSo sind unsere Freuden, die sich tanzend schürzen,\nUnd wie Henker täglichl uns um Köpfe kürzen.\nAus der Gedichtssammlung- Weltspuk, Verlag von Albert\nLangen München"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "320", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.8", "titre_corps": "Max Brod", "titre_sommaire": "Max Brod", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.5", "debut_caractere": 4660, "fin_caractere_exclue": 5668, "texte": "Max Brod\n\nDas Volk wird nie nach ihm schreiin; er sättigt\nnidht, er ist überhaupt nicht zum essen, man kann\nhöchstens eine seiner Hände streicheln oder seinen\nMund küssen — er hat einen schüchternen Kinder-\nmund. Der erzählt immer von sich, immer so\nhübsche Geschichten, die sich am Ende des Pfades\nreimen und viele, viele Wege geht er mit dem\nMädchen in seinen Gedichten. In Grimms Märchen\nist er gemalt:, Wie er als Kind aussah, in Hansel\nund Gretel. Ich habe Max Brod eine Nelke mit-\ngebracht, die trug er in der Hand, als er in den\nSaal kam und ich bildete mir ein, er lese mir\nganz alleine vor inmitten der königlichen Gemälde;\nringsum an den Wänden: Van Gogh. Ich weiß)\nden Namen seines Schauspiels! nicht, aus dem er\nerzählte. Aber immer war es die Liebe, die über\nseine Lippen kam — mein Herz ging blau auf\nunter den vielen lauschenden Herzen. Max Brod\nist ein Liebesdichter. Auch der andere Aufzug]\nseines Schauspiels war ein Liebesgedicht, ein viel-\nstimmiges, ein streitendes. Ich glaube, man kann"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "nur Liebesgedichte in „Prag\" schreiben, wo so\nviele Bögen und (Wälle sind; und lauter graue\nFiguren treten aus (den alten Häusern hervor —\ndie Steingespenster -führen die Herzen bange zu-\nsammen. Ich habe manchenal Sehnsucht nach Prag,\nschon um mit Max Brod durch die Gewölbe seiner\nHeimat zu Wandeln, wo die alten Häuser wie\nMumien stehn, zur Rechten und Linken.\nBei Gelegenheit einer Vorlesung von Max Brod im Neuen Klub\n\nElse Lasker-Schüler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "320", "page_fin": "320", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.9", "titre_corps": "Theater, Literatur und Reklame", "titre_sommaire": "Theater, Literatur und Reklame", "signature_source": "J. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.6", "debut_caractere": 445, "fin_caractere_exclue": 5036, "texte": "Theater, Literatur und Reklame\nJ. A.\nLob Reinhardts\nAudh das Wiener Deutsche Volkstheater brachte\nzu Schillers Geburtstag eine Neuinszenierung der\nWallenstein-Trilogie heraus. Im Lager wurden\nreichlich viel Statisten verwiendet. Deshalb lobte\nein Kritiker die „Schule nach Reinhardt\". Aber sein\nKollege Stefan Großmann, Sozialist Und Korre-\nspondent des Tageblatts, lacht ihn aus1. „Was man\nin Wien für eine Reinhardt-Vorstellung hält. So\nwie etwa meine Tante in Görlitz überzeugt /ist,\ndaß- sie sich nach der neuesten Pariser Mode kleidet.\nAuch gut, Tantchen.\"\nWas frommt es, daß der eine in dem Massien-\naufgebot von Statisten die Reinhardtsche Marke zu\nerkennen glaubt, wenn der andere in Görlitz (eine\nTante hat, die überzeugt ist, daß sie sich nach der\nneuesten Pariser Mode kleidet.\nSchon hat Reinhardt einen Zirkus in Wien ge-\nmietet, denn: „Ernst ist der Anblick der\nNotwen d i g k e i t\".\nSpekulative Buchkritik\nIm Fastnachtsprozeß gegen die „Wahrheit\" im\nbesonderen und gegen die Lüge im allgemeinen fiel\ndie heitere Behauptung, daß bei einer anständi-\ngen Zeitung die Redaktion und die Annoncen-\nannahme zwei streng von einander ge-\ntrennte Teile sind. Das Tageblatt er-\nbrachte letzthin in unzweideutiger Form den Beweis\nhierfür. Es ließ sich eine Buchbesprechung ihres\nKopenhagener Korrespondenten am übernächsten\nTage als „Urteil (der Presse\" bezahlen, ja,\nes fügte sogar rnoch zu desisien Vervollständigung\nden Wortlaut eines Briefes hinzu, den die Ver-\nfasserin des Buche®, Karin Michaelis', an den\nRedakteur des Zeitgeist gerichtet hat.\n„Ich werde gebissen (und zerrissen\", schrieb\nsie ihkn, „wir sind hier gegeneinander wie die\nWölfe; bald bin ich gestorben.\"\nDas Tageblatt gab dieser beängstigenden Klage\neinen trostreichen Widerhall in dem schönen Silber-\nklang des Geldes, mit dem jedes ihrer Worte |die\nVerlagsgesellschaft „Concordia\" bezahlte.\nIn Dänemark zerreißt man Karin Michaelis, weil\nihr Werk, laut (Bericht des Kopenhägener Korre-\nspondenten vom Tageblatt, ein offenes sexuelles'\nBekenntnis einer Dame, nein, die Enthüllung der\nkrankhaften Erotik einer Frau ist, die bisher\neine exemplarische Gattin und Mutter war. Aber\nhierzulande ist das [Buch für Rudolf Lothar\neine uns in tden letzten Tagen zugekommene er-\nschütternde Antwort auf die Frage: in welchem\nAlter die Frau sich selbst am gefährlichsten ist.\n„Und wenn man, so versichert er, die Ant-\nwort liest, packt einen das Grauen.\"\nSeit Ewers und anderen Poeetastern des Un-\nheimlichen ist uns das Gruseln zur Alltagsspeise\ngeworden. Es wird uns nicht an Mut fehlen, ohne\nSensationsgier und Genitalienspannung zu dem\njüngsten Werk der Karin Michaelis zu greifen, das\nder Schimock an einem seiner Bruh n s 11 ag e,\nwenn er sich selbst und uns am gefährlichsten wird,\nzum Buch der Saison herab annonciert hat.\nRache\nDer Edelste aller Sanssoucier wütet gegen uns!\nin einer rührenden Anpreisung eines schnell rosten-\nden Schlüsselromans. Er sieht in ihm, uns zum\nTrotz, „ein Kunstwerk, davon ein einziges Satyr-\nkapitel eine ganze Serie ernste Leitartikel über-\nragt.\" Solche nämlich, mit denen in ernsten\nZeitu n g e n und Zeitschriften „geg'en\njene Dinge angekämpft, die eben der Roman glos-\nsiert\". Die Dinge, es kennt sie jeder, Bind\nAuswüchse unserer Zeit. Verschuldet werden sie\nvon Leuten, die „b ei m besten Willen den\nnatürlichen Lauf des Lebens nicht\nmehr sehen können. Sie sondern ihren Spei-\nchel auf die minderwertige Menschheit ab und\nschreien, wenn man ihnen mit den Scheuerlappen\num die Ohren wischt. Wer lacht da?\"\nDer ehemalige Maler Edel schreibt Reklame-\nbilder, weil er keine malen kann. Er wählte die\nZeitung zur Anschlagsäule, und sie gewährte ihm\nauch ein bescheidenes Plätzchen. Aber sehr bald\nwurde es ihm zu klein, er vergrößerte es, wodurch\ndie Bedeutung der Anschlagsäule nicht wuchs.\nDoch die Welt ruht nun einmal nicht auf hohlen\nAnschlagsäulen, der natürliche Lauf des Lebens ist\nnicht das Rinnsal, das durch Zeitungsspalten sickert.\nViel wichtiger scheint mir schon die Notwen-\ndigkeit, an einer der zahlreichen aufreizenden Ecken\njener Säulen, an welchen täglich gemeine Anschläge\nauf die Wahrheit und Vernunft verübt werden,\neinen servilen Edelknecht der hysterischen Kokotte\n„Oeffentlichkeit\" zu stellen. Und wenn dieser dann\nsich wieder erhebt, über die Auswüchse unserer\nZeit klagt und sich mit einem Zipfel der ausge-\nfransten, kotbespritzten Kulterschleppe, die man\nihm aus den Händen geschlagen hatte, die Ver-\nklebten Augen wischt, so ist das ein Bild, wie es\ndie Neunmalklugen selbst im Okkultistenspiegel\neines Schlüsselromans! nicht zu sehn bekommen.\nWer lacht da?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "320", "page_fin": "320", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.10", "titre_corps": "Vermischtes", "titre_sommaire": "Vermischtes", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.6", "debut_caractere": 5038, "fin_caractere_exclue": 7240, "texte": "Vermischtes\nDer Fremde\nDas sehr hübsche Ausstellungstheater spielte\neine Jeroiniade. Herr Jerome K. Jerome gab bis-\nher Lustspiele zum Besten. Zum Bessern soll sein\nMissionsistpiei erziehen. Die Absicht ist so deut-\nlich, daß man keine böse Miene zum guten Spiel\nmachen braucht. Der Heiland im Gehrock (Der\nFremde) wirkt höchst erzieherisch auf die Bewoh-\nner eines Boardinghbuse. Durch Blick und sanfte\nReden. Hyänen werden zu Menschen. Aber merk-\nwürdig: was bei einem deutschen Autor kitschig\nschien, wirkt bei dem Engländer religiös, fast\nschlicht. Ethischer Impetus. Ich kann mir\ndenken, daß mancher Besucher nach Schluß der\nVorstellung eine anständige Handlung vorhatte.\nWas gegen den ästhetischen Wert, aber für die\nReinheit der Gesinnung des Autors sipricht.\nGespielt wurde überraschend gut. Nur das\nDienstmädchen, die Magdalene, war mehr für die\nJungfrau von Orleans. Was gleichfalls für ihre\nedle Seele spricht.\nLyrik für Maler\nIch will nicht ohne Weiteres annehmen, daß\ndie Herren Liebermann, Slevogt, Corinth, Th. Th.\nHeine, Walser, in Gemeinschaft mit Herrn Heile-\nmann „u. A.\" ein Buch illustrieren, zu dem sie\nkeine seelischen oder künstlerischen Beziehungen\nhaben. Ein Verlag teilt mit, daß diese Herren\n„in kaum gehoffter Einmütigkeit vollwertige Doku-\nmente ihres Schaffens beisteuerten\", um den regen\nWunsch nach einer illustrierten Ausgabe der Ge-\ndichtsammlung „Auf Kypros\" von Marie Madeleine\nzu stillen. Dieser böse, süßliche, gemacht erotische\nHeinekitseh wird nur noch in den östlichsten Pro-\nvinzen ernst genommen. Und höchstens der Ver-\nleger findet in dem Buch noch „griechische Sdhön-\nheitsfreude mit südlicher Liebesglüt und deutscher\nSehnsuchtsstimmung\" vereint. Bleibt nur zu hof-\nfen, daß die Maler diese Gedichte nie gelesen\nhaben. Sie hätten dann aber so vorsichtig jsein\nmüssen, sich bei irgend einem Menschen zu er-\nkundigen. Sie hätten zum Beispiel in der ver-\ndienstvollen Anthblogie von Hans Bethge schon\nrichtigen Aufschluß gefunden. „Diesen Gedichten\nden entsprechenden Bildschmuck zuzugesellen, war\nkeine leichte {Aufgabe\", seufzt der Verlag. Nun,\ndie oben genannten Herren haben es gekonnt Ein\nguter Verleger kann auch beii schlechter „Poesie\"\nanregen. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "320", "page_fin": "320", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.11", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.6", "debut_caractere": 7242, "fin_caractere_exclue": 7529, "texte": "Beachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nKARL KRAUS\nHeine und die Folgen\nVerlag Albert Langen München\nKARIN MICHAELIS\nDas gefährliche Alter / Tagebuchaufzeichnungen\nund Briefe\nConcordia Deutsche Verlagsanstalt Berlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "320", "page_fin": "320", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.12", "titre_corps": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "titre_sommaire": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.6", "debut_caractere": 7687, "fin_caractere_exclue": 9606, "texte": "Wochen-Spielplan der Berliner Theater\nDienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montasr n u .U 1 , «, , ,\n129. November 30 November 1. Dezember 2. Dezember 3. Dezember 4. Dezember 5. Dezember Theater nilt gleichbleibendem Spielplan:\nDeutsches Theater Hamlpt Tnrti+h u i + rr a t\\• tt j Kleines Theater VerfL Frauenzimmer /I. KL\nSchumannstrasse 13 a oamiei Judith jHamlet Herr und Diener Herr und Diener Hamlet Herr und Diener Unter den Linden 44 ab Freitag: Variet6 / Com-\n—— — _ tesse Clo / I, Klasse\nKammerspiele D*r gute König Der verwundete Der verwundete T Komödie der Komödie der verwundete K°mö(He der Modernes Theater\nSchumannstrasse 14 Dagobert Vogel Yogel Irrungen / Heirat Irrungen / Heirat y ™ Irrungen / Heirat Kön Der Doppelmensch\n1 wider Willen wider Willen wider Willen o/| oa\n-aar I *.».■ sä«.—.\nKomische Oner •\nFriedrichstr. Io4|io4a Die Boh®me Abb6 Mouret Die Boheme Abb6 Monret Tosca Die Boheme Hoffmanns Residenztheater n TTnt„r.r!,t.vt\n| Erzählungen Biumenstr. 9a er unrerprateKt\nOpernhaus Tristan und Der Meistersinger . . iiTT 7\"\nAm Franz Joseph-Piati Isolde Waffenschmied von Nürnberg Fidelio Der Prophet Mignon Lohengrin pr. Friedr. Karitfr. 7 Der heiliee Hain\n!N eues \" ——————————— ■\nSchauspielhaus Genoveva üeber unsre Jungfrau von Genoveva Premiere ~ 7OTr:BWIIA Wann kommst eues\nNoiiendorfstrasse 11112 Kraft Orleans Genoveva Der Zerrissene Der Zerrisseue Du wieder? Operettentheater Der Graf von Luxemburg\n— — Schiff Dauerdamm 25\nJ&ÄW* D<t s?harfe Taifun Der scliarfe Der scharfe Der scharfe Der scharfe ™ Theater des\ntr. 93 Junker Junker Junker Junker Junker Taifun Westens Das Puppenmädel\nKönigliches ij Wallensteins w TT ~ Wallensteins *112entstrasse 12— _ —\nSchauspielhaus Lager 8 ems Der Krampus Die Journalisten Julius Caesar Lager Wallensteins Metropoltheater Hurrah - Wir leb™\nGensdarmenmarkt | Die Piccolommi Die Piccoiomini Behrenstrasse 55J5t> Urraü Wir leben BOCa."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.7", "debut_caractere": 167, "fin_caractere_exclue": 394, "texte": "Ifeue Session\n*\nISSSHSSS2SSSI [SSSI SSSIISSSIISS®\nOraphische Russfellung\n1910\n1. October bis 1. December\nin 9er\nflalerie maximilian JHachf\nRs%gggs%sii^sgsi\nBerlin ID., Ranfte-Sfrasse 1\nan 9er Kaiser HJilhelm Geaachfnis - Hirche"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 90, "fin_caractere_exclue": 126, "texte": "MTTD A TTT\n1»1 U 1\\ A XXX Manchester"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 128, "fin_caractere_exclue": 161, "texte": "KAISER-BAAL\nTRANSLAT EUR- KONZERT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 163, "fin_caractere_exclue": 178, "texte": "/\n■/«\nr „\nSt\n'M"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 180, "fin_caractere_exclue": 879, "texte": "PSnirAfimfllhlA Sanatorium KrliolGiiffiilteim\n1 111 SV Cll ill U 118 C Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer WaJd\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und eiektrisches Llcht, komfortable Geseil-\nschaftsriume. Individuelle irztliche Behandlang\nDie Kilche steht unter Aufsicht dcs Arztes. Bei\nNervenschw&che, Magen- und Darmleiden, Qicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngceigneter Aufenthalt\nBesitzer und Laiter: I>r «112. mod. W. Hots\nAllseit Reformbestrcbungen,\ninsbes. derPflege persdnlicher\nKultur und gesunder Lebens-\nansahauungen, dient unsere\nMonatsschrift nOrsoiideH\nLebenu, von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M 3,60 p.Jahr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 881, "fin_caractere_exclue": 1170, "texte": "HERAUSGEBER\nKarl Kraus\n■ ■\n■ •\nNr. 311/12\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\n| ÜBERALL ERHALTLICH |\nHI In Nummer 301-02 dieser Zeit- 11\nM schrift erschien: H\nB DIE UNSCHULDIGE g\nH Von Heinrich Mann pi\nH Aufgefdhrt im Kleinen Theater H\nzu Berlin §|\nririi iii 11 iiiir iii 11 mi iiuiMi! i ifii-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 1172, "fin_caractere_exclue": 1286, "texte": "MALSCHULB\nSystem L.v. Kunow ki\nAKT/ KOPF / STILLEBEN\nHeinrich Richter\nEisenacherstrasse lU3\nSprechstunden 12—1 Uhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c024", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 1288, "fin_caractere_exclue": 1356, "texte": "1 » PROBENUMMERN ::\numsonst u. durch die\nGeschSftsstelle „DER STURM\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c025", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 1358, "fin_caractere_exclue": 1595, "texte": "a ■\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d.Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n1 II"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c026", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 1597, "fin_caractere_exclue": 2694, "texte": "« JMcntisclK Rundschau «\n12. Jahrgang. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Georg Liittke\nDie „Akademische Rundschau\" erscneint am 10 ten und 25 ten\neines jeden Monats. Probe-Nummer gratis\nHdherzfichtung des Menschen auf biologischer Grundlage\nVon Dr Franze (Mk. 1,80) Was ist bis jetzt fur eine verniinftige\nEhereform geschehen? Nichts! Und doch ist die Sa» he fiir die\ngesamte Mehrheit ungeheuer wich'ig! Was lasst sich in dieser\nBeziehung tun? Daruber soil uns die Schrift aufklaren. Die Schrift\nist deshalb ebenso wichtig fur die Eltern wie ftir die heiratsfMhigen\n• Jiinglinge und Jungfrauen. Man lese!\nBelastung respektive Ererbung und Entartung. von Dr. J. Sadger\n(1,50 Mk.). Die zwei Worte „Belastung und Entartung\" bergen so\nungeheuer viel in sich, dass jedermann sich d>iriiber untemchten\nsollte. So viele Krankheiten haben ih<en Ursprung in der Belastung\nrespektive Ererbung. und nur danii bekommt man ein klares Bild\nvon de Krankheit und ihrer Behandlung, wenn man sich tiber Art\nWeise der Belastung oder Ererbung klar geworden ist.\ntiofterlagsbucblMtidiuttg edmuitd Detnme Ceipzis\nU, i"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c027", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 2696, "fin_caractere_exclue": 2828, "texte": ":Z7,n Cafe Continental STm\nJed en Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll© bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1910-12-01-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1910-12-01_01#c028", "volume": "bmtnabg_1910-12-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "322", "page_fin": "322", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "debut_caractere": 2830, "fin_caractere_exclue": 3717, "texte": "it\n£\n3\n±i\nP\nn\nI\ntii\nt\nu\nffl\nft\nT\nB\nm\nB\nv,\n%\nfx\nF\nm -.j\nj\\Ai\\ g>.\\hi\n'iV;_\n:S\\?\\\n'*'* h\nvJ?\ni>. c\n.•«\ntev-\nU3\n&M;\nvi-\ni ■•'\nS>\n:\nGANI TROCKE\nPUPFERBER6 RIESLING |\ntu- J\n\"\"\n\"OPUEFE RANTE\n' 11»\nJ\nxFEFi\nu\n:>?\nJw-\n-M~l~\n□\nJ\ny\ni !\n11l\nn\nnr.:\nTF\nffi\nmi\nLL '\n•—\nlL'-Xjj\nX!\n_i_j i\n_j _u.i\n-L-1.\n€} Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schoit\n\\ als solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\nK] Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad' Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 185J\nj. Ueber Bedeuiung wrt \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschluft.\n£\ni\nxßitnumifri"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug: 10 Pfennig\nWOCHENSCHWT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme und\nGeschäftsstelle: Berlin W 35, Potsdamerstr. 111 / Amt VI 3444\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark ; Halbjahresbezug 2,50 Mark/\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1910\nBERLIN/DONNERSTAG DEN 1. DEZEMBER 1910/ WIEN\nNUMMER 40\n\nINHALT:\nERICH UNGER: Vom Pathos / PETER HILLE: Das Mysterium Jesu / OTTO STOESSL: Shakespeares Problem im Hamlet / MAX DAUTHENDEY: Gedichte/\nELSE LASKER-SCHÜLER: Max Brod / J. A.: Theater, Literatur und Reklame: Lob Reinhardts / Spekulative Buchkritik / Rache / TRUST: Vermischtes / HERWARTH\nWALDEN - ALFRED MOMBERT: Der Glühende / Lied / OSKAR KOKOSCHKA: Zeichnung\n\nDer Mann mit dem Goldstück Zeichnung von Oskar Kokoschka"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.2", "texte": "Vom Pathos\nDie um George\nVon Erich Unger\n„Denken heißt, die Dinge einfacher nehmen,\nals sie sind\", sagt Nietzsche in der „Fröhlichen!\nWissenschaft\", und wirklich — genau genommen\nist jede Einteilung, jeder Standpunkt, jede Betrach-\ntungsweise, jede Perspektive eine Fälschung\neine Unterschlagung an der ungeheuren Kompli-\nziertheit, dem enormen Durcheinander der Dinge,\ndas eigentlich alle jene Perspektiven auf einmal\nfür sich verlangt.\nDessen bin jkrh' mir bewußt, wenn ich etwas\nzu einem Problem sagen will, das man „Mechanik\ndes Geistigen\" nennen könnte. Zwei Zustände desl\nDenkens trenne ich, die sich', wie ich glaube, zu\npsychologischen Gegensätzen gestalten, deren Trä-\nger sich für unabsehbare Zeiten gegenüber stehen.\nDie Linie der geistigen Entwicklung stellt sich\ndar als eine Reihe von Standpunkten und Reak-\ntionen. Eine ganz bestimmte Art, zu den Dingen\nzu stehleil, beherrscht eine Zeit, in der Linse eines!\nunerschütterlichen Grunddogmas sammeln sich für\nsie die Strahlen der Welt, bis sich andere Generatio-\nnen gegen diesen Aspekt empören und, ohne in dem\nBesitze eines anderen zu sein, in fiebernder Unrast\nalle Möglichkeiten des Denkens probieren.\nDiese Uebergangspartien sind die Bewegungs1-\nzustände des Denkens.\nIm Gleichgewicht hat das denkende Subjekt eine\nrelativ große Befriedigung seines Denktriebes er-\nlangt, es glaubt sich in den Besitz einer grundlegen-\nden Wahrheit gekommen, einer Wahrheit, die nun-\nmehr Immer und ewig die Grundlage alles Forschens\nabgeben müsse.\nIn diesen Zeiten beginnt das Denken nachzu-\nlassen, wie jeder befriedigte Trieb, auszusetzen und\nbeschäftigt sich nur damit, die Vielheit der unter-\ngeordneten Dinge in eine Beziehung zu der Grund-\nwahrheit zu setzen, bemüht sich nur, die Farbe der\nGrundwahrheit an allen Dingen aufleuchten zu\nlassen. Die ganze geistige Bewegung ist ein\nschwaches Hin- und Herpendeln in dem durch so\neine Grundwahrheit abgegrenzten Bezirk. Das ist\ndas Bild aller sogenannten „umfassenden Stand-\npunkte\". Alles zum Beispiel, was Schopenhauer\nund seine Anhänger berühren, zeigt seine ganze\nhervorragende Qualifikation, Wille zu sein.\nTausendmal bunter als diese Stand- und Ruhe-\nsitze des Geistes! sind die Erscheinungen, die das\nDenken in der Bewegung erzeugt, in allen pber-\nund unterirdischen Posen der Verzweiflung, in Wut\nund Gelächter nach Vergewaltigung und Ueber-\nlegenheit über die Dinge dürstend.\nAuch unsere Zeit, der dieser Augenblick an-\ngehört, zeigt ein solches Antlitz. Zehntausend\nStandpunkte, Ueberwindungen im ganzen Bezirk\ndes Geistigen.\nSchwärme schattenhafter Fragen flattern durch\ndie Nächte der Zeit — eine lautlose Ungeduld liegt\nwie drohendes Fieber unter dem Tag — ein ge-\nheimes Zittern durchrinnt die Luft von dem Ge-\ntöse hoffnungsloser Wallungen — und die Welt-\nanschauungen stehen sich sto gegenüber — wie\nSchönhe itsm ittel.\nMit einer rasenden Beklemmung starrt der\nIntellekt — das Denken, dessen Natur es! ist, zu-\nrückzuführen, in (Beziehung zu setzen, zu verein-\nfachen — auf diese irrsinnverbreitende Vielheit.\nHeftiger als je wird das krampfige Greifen\nnach Ruhepunkten, nach einem festen Rhythmus,\nnach einer Sicherheit und Bestimmtheit des Er-\nlebens und Anschauens.\nEin Ruhepunkt ist: Stefan George.\nEs gelang ihm ein Tempo zu erfinden, (in\ndessen Schwingungen das Bewußtsein, obwohl\nes einheitlich (bleiben und mit immer glei-\nchem Pulsschlag auf die Erscheinungen blicken\nkonnte, dennoch eine größere Fülle von Emp-\nfindungsgebieten umspannen konnte als je zuvor.\nDiese Fähigkeit des Zusammenbindens! so vieler und\nvordem so weit getrennter Dinge in eine, kom-\nprimiert in dem Tonfall einer Zelle, ergab die Höhe\nseines Pathos. Er umspannte mehr.\nEine Gruppe will ich von den Menschen tren-\nnen, die die großartige Stille aufhorchen machte,\ndie durch die Erstarrung, die George über ein\nwahnwitziges Chaos goß, eintrat:\nDie Eine, die glaubte, Georges Erleben sei\n„die\" Art, zu den Dingen zu stehen, die absolute.\nGegen diese richte ich mich.\nEine absolute Betrachtungsweise — alsio eine,\naußer der es keine andere geben darf — müßte\nentweder alle andern Perspektiven in sich ver-\nschmelzen oder die, welche sich nicht vereinen\nlassen, ausschließen, aufheben, vernichten.\nEs ist nicht zu leugnen, daß in d,er Musik\nGeorges ein Ton fehlt — ein Ton, aus dem ein\nJa zu dem hastigen, verzerrten, geschmacklos;\nschreienden, sich bizarr überbietenden Kräfte-Durch-\neinander herausklingt, das als Hintergrund unserer\nüberaus wunderbaren Zeit erscheint. Die Ein-\ndruckslosigkeit, ins Immense getrieben, hat für uns\nden Schein der Groteske angenommen — wir haben\ninzwischen die ästhetischen Qualitäten desi phan-\ntastischen Gemenges von Bewegungen sehen ge-\nlernt, zu dessen Ueberwindung George gesandt war.\nDaß Stefan George selbst kein Organ für die\nDämonie dieses Chaos hatte, kompensiert sich\ndurch die Intensität, mit der sein Blick auf Ent-\ngegengesetztes gerichtet war. Aber dieses! Nicht-\nwahrnehmen, dieses Nichtsehen eines! Aspekts zum\nPrinzip zu machen, zur Moral zu erheben, einen\n.Mangel als Forderung proklamieren, erachte ich\nals verlogen und lehne es ab.\nEs begab sich' nämlich, daß; die Fehler Georges\nsich objektivierten und Menschen wurden. Als\nsolche aber gaben sie Jahrbücher heraus.\nEbenso wie ihnen die Macht eines ästhetischen\nJa zu dieser ehern-wirklichen, jagenden Monotonie\nfehlte — und aller Blick für das Diesseitige, So-\nSeiende ist nach Nietzsche eine Frage der eigenen\nMacht — steht es im innersten Zusammenhang\ndamit, daßi sie das fröhliche, tötende Gelächter,\nmit dem das seiner eigenen Existenz Gewisse die\nvernichtet, nicht ertragen.\nEin widerlicheres Zeichen der Schwäche ist\nnicht leicht zu denken.\n„Würde\" proklamieren sie in ihren Jahrbüchern\n— Und wissen nicht, daß bewußt erstrebte Würde\nein psychologisches Monstrum ist.\nAber diese Furcht vor dem Gelächter ist nicht\nnur das Symptom totaler Existenzunfähigkeit, es\nist das schlimmste Zeichen der inneren Verlogen-\nheit, der Unanständigkeit vor sich selber.\nNietzsche hat uns diesem' Kriterium des Wertes\nim Zarathustra gegeben:\n„Ihr höheren Menschen, euer Schlimmstes ist:\nihr lerntet alle nicht tanzen, wie man tanzen mußi\n— über euch hinweg tanzen! Was liegt daran,\ndaß) ihr mißrietet!\nWie vieles ist noch möglich! So lernt doch\nüber euch hinweg lachen! Erhebt eure Herzen,\nihr guten Tänzer, hoch! höher! Und vergeßt mir\nauch das gute Lachen nicht!\nDiese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-\nKrone : euch, meinen Brüdern, werfe ich diese\nKrone zu! Das Lachen sprach ich heilig ;ihr\nhöheren Menschen, lernt mir — lachen!\"\nDer um George darf nicht lachen. So leicht\n„lacht er sich — tot\".\nDenn das Gelächter ist darum ein Zeichen der\nMacht, die Wirklichkeit zu ertragen, wie sie ist,\nweil es als unmittelbarste, unkorrumpierteste\nAeußerung unseres Bewußtseins! die vollkommenste,\nredlichste Gleichgültigkeit gegen jede Perspektive\nausdrückt.\nZwischen jeder Auslegung des Geschehens, das\nist: zwischen jeder pathetischen Umsipannung, die\ndas Denken ,selbst ist, und dem Aspekt des All-\ntags klaffte bisher eine Lücke, ein Unüberbrück-\nbares.\nUnvermittelt standen sich Alltag und Pathofe\ngegenüber. Und jedes Pathos zerbrach bisher an\nder Gewalt des Alltags. Nur das Pathos!, Üaä\ndiese Lücke ausfüllt, ist slo sicher vor dem Um-\nfallen als alles Alltägliche.\nJedes andere ist verlogen.\nWir ersehnen ein Pathos, das dem Alltag eben-\nbürtig ist.\n\nDas Mysterium Jesu\nAus dem Nachlass\nVon Peter Hille\nDer Priester\nUnd erst, als der Sohnespflicht genügt War, tfnH\ndie Verantwortung Zeugnis zu geben vom Ewigen*,\ndas drei Jahre die Zeit durchschienen hatte, stark\nin ihm ward, erst da fühlte er die leitende Wärme\ndes Hirten, nun erst wußte der Jüngling, der ver-\ntrauend und schmiegsam zum Höchsten hinauf-\ngesehen hatte, bringend ;und tröstend liebessanft\nsich zu neigen.\nUnd all sein Wort und Auge und Lippen und\nAntlitzstille war warme Zärtlichkeit im göttliche»\nMeister für den Herrn, war Werben und Lieben in\nseinem Namen.\nDer Seher\nUnd wie die Erde ermattete, seine Seele und\ndie Erinnerungen abblichen auf ihr, da rötete sich\nsanft wie ein Kind, das erwachen will aus sonne-\ngekrautem Schimmer, des Himmels blasse, weiteti-\nedle Wange.\nEs kroch zusammen wie in den Schrein ge-\nborgnes Gewand der Raum und die Zeit: der\nStundengeist für die Erde sah auf Gott, und Gottes\nLächeln strahlte und sie verklärte sich für das'\nseelengeschildete Auge des erglühenden Greises.\nUnd er 'sah das Licht, das die Erden alsi Schatten\numwog, sah1 und, fühlte mit seinem flutstark auf-\nsteigendem Löben die hioldjgewlaltigen Melodieen\nweichfeurigen Glanzes. Das alles ist ein Genießen,\neine Gefühlfstat, ein Schauen und geht bis ins\nReinlste — weit, [weit bis tief ins Gottesherz, ins\nWeltherz, wro Gott wohnt.\nIhn aber, den Gefährten losen, erreicht kein\nMenschenauge, das wallende Licht aus stillen Tiefen\nist nur die Miene, die ihn kündet und die Regungen\nseines Willens.\nIn der ruhenden Weltkraft kreist das Voll-\nkommenvollendete, das Unendliche weiter erfassend\nohne Ende.\nUnd die Verklärten aller Erden verstehen ein-\nander und reden die holdduftleuchtende\naller Seligen, die sanft wie streichelnde Hand diß\nSeelen rührt.\nHoch, jugendhoch schlägt sein starkes Alters-\nherz, das nun den größten Umfang erreichte, sieht\nseinen Meister und Freund und erkennt aus (der\nGottheit ihn an der weichen, tiefen, rotdunkel durch-\nglühenden Kraft der Liebe und des mensch-\ngefärbten Leidens. Neben ihm, nur ein wenig voran\nins Menschliche, die Mutter, die Königin der Milde,\nderen Fürbittseelenkraft starre, lange Läuterungs-\nWege schmilzt, denn die Gerechtigkeit ist\nGüte, und Güte d ie Gerechtigkeit.\nNur Starkes, selbstlos, groß.tätig groß-\ntatig auch in stiller Seele, kann dem Weltgeist\nzuwachsen, dem Himmelsall. Alles übrige läutert\ndie nagende, ungenügende, selbstgehemmte Quai\nder Selbstgehemmten, über die das helle Licht des\nBewußtseins die Fernen wirft, welche es noch zu\ndurchmessen hat, ehe zur Ruh es gelangt.\nDer selbstentstandenen Hölle aber in so einem\nerniedrigten Geist ist alles übrige gleichgültig.\nAller Umstand, und sei er noch so selig, kann\nnicht hinein in die unfertige, verunstaltete Seele.\nDie wirft alles Glück hinaus, solange ihr Zustand\nnicht lauter ist und alles äußerlich Gute annimmt\nund es verklärt, das Lebensholde.\nKeine Seele ist ewig unbrauchbar, denn sie ist\nerneurungs fähig, und die Bewegung der Ewigkeit\nunendlich.\nAber der Seelen Wert ist verschieden, und der\nWeg nach dem Werte.\nUnd jede allandersgebildete Verklärtengestalt\nleuchtet verschieden, und dieser Glanz ist ihr Glück:\nsie will, sie kann nicht anders sein. Ganz: genau\nist so auch der Weg, ist er auch' tief drunten, von\ntief drunten in ach oben.\nMißbrauch will Zuwachs, streng muß' gefüllt\nsein das Maß, aber schmelzende, stärkende Vor-\ngänge drängen viel langsamen: Weg in eine ge-\npreßte brustbeklemmend herbvolle Honigstunde an-\ngenommener Gnade.\nDas Schauen ermüdet, Johannes Augen sinken\nzu. Sanft schläft der irdische Leib nach der Etr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.3", "texte": "ftihöpfung, die schon ein paar Schritte in die Ewig-\nkeit seinen irdischen Kräften gebracht hat.\nBereit\nUnd es ward Dämmerung im Reiche des Herrn\ntind Meisters der Seele.\nHinabgewelkt war die starkergriffene Zeit der\nmenschlichen Gegenwart des göttlichen Heilandes,\ndie Zeit des Umbruchs, der menschlich sittlichen\nEntfaltung.\nFahren lassen das Alte und Neuest greifen, be-\ngreifen und bekennen mit Gut und Blut bis zur\nletzten Marter. Diese grellscharfe Zeit des ersten\nEntscheides war zur Ruhe gewandelt, zum Gottes-\nheim in Gebet, in erbauender Versammlung. Der\num des Namen Jesu willen zeugnisfeste Gerichts-\nftof, die Richtstätte, wo Blut des Beispiels; fieue\nMärtyrer grüßte, war stiller Watndel der Güte ge-\nworden, Gang zum Heim der Seele, zur verschwie-\ngenen Stätte des heiligen Gedächtnisses), des1 Liebes-\nmaMes und mystischer Vereinigung mit dem wieder\nverklärten, in die Himmelsheimat erhobenen Erlöser\ndurch die schlichten, in bedeutendem Sinne geweiht\ngenosssenen Nahrungszeichen: ;Brot und Wein.\nBrot und Wein, Blut und Leib: das Leben —\nChristus ihr Lebein!\nNun war es still, waise hienieden.\nSeime Mutter war hinüber, alle Genossen, alle\nGehilfen der Verbreitung des Heiles hatten ihre\nKronen empfangen, und angetan die Gewände der\nSeele, jene Gewände der Gnade, vollendet durch\ntreues Mitwirken und Leben im Sinn des Meisters!\nund seines wie ihres göttlichen Vaters1.\nDer Jahre Hundert war erfüllt, seitdem der\nStern der Gnade die silberne Sprache des Himmels\ngeredet hätte jene Nacht, und sanfter, geistig weh-\nmütig nur leuchtete das Licht jener großen Tage.\nEs wJar so verlassen auf der Erde und dunkel,\ndenn nur der Himmel versteht die Erde, nur von\noben kommt Licht in die Welt. Kämpfer und Feind,\nGetreue und Freunde wie grimme Verfolger ruhen\nsdion längst in der Erde von der Erde aus.\nNur der Liebesjünger, müde, hbchbetagt, nur er\ngibt noch Kunde vom Wort, das Fleisch geworden\nist, um in uns zu wohnen: von der erdenwandelnden\nLiebe des Höchsten, dem hehren, trauten Gott der\nMenschenliebe.\nSeine müden Füße stiller, weit über Menschen-\nalter hinausgegangener, äußerlich schwankender, in-\nnerlich seelisch verklärter Greisentage suchten schon\nden Himmel, die Heimat. Aber nicht Klage noch\nSehnsucht läßt er sich regen, der zitternder Eifer\nnur ist.\nJe näher das Ende er fühlt, das die Arbeit aus\nseinen priesterlichen Händen nehmen will, dem\nJüngling der Liebe mit dem leuchtenden Antlitz)\nunter schneelichtweißem Haar, dem Jüngling hoher\nTage, so weniger kennt er Genüge.\nGerne ging er noch weiter der Pflicht nach auf\nder harten, kaum erst dem Heile sich erschließenden\nErde.\n„Herr, mein göttlicher Meister, du vergönntest\nmir, dein Freund zu sein, zu ruhen, zu atmen und\nLiebe zu haben, deine seelenwarminnige Liebe zu\nhaben um meine Seele. Freund, Erlöser, tu mit\nmir nach deinem Willen.\"\nUnd nun, Johannes, tapfer, tapfer aus Liebe!\nSiehe meine Seele, nun ist die einzige Zeit,\nda du bewähren dich kannst und etwas vergelten,\nnach verdienen die Segnungen des offnen Himmels,\nzur Seite deines Heilands, unter den zündenden\nZungen des zum göttlichen Sendbotenaint verklären-\nden heiligen Geistes. Diese kurze Nachtwache nur\nbleibt dir zur ruhigen Rüste für droben, wo dich'\nalle erwarten: die Mutter, die Freunde, und er, an\ndessen Brust du Göttlichkeit atmetest, göttliche\nMenschheit.\nSuche noch Buße zu tun für die höhen Tage,\ndie wir so lässig nahmen, so geringe, da sie noch\nWaren.\nNicht zu kurz, zu kurz nicht diese Stunde der\nBereitung, o Herr, daßi ich fertig Werde, daß\nMenschliches eingehen kann in die Wohnung him-\nmelbeströmenden Lichtes.\nDaß du nicht Boten schickst und Zeichen mehr\nund so alltäglich schon scheint und lange auch mir,\nÜem Heiland, Heiland, mein göttlicher Meister, so\nliebend, so unendlich liebend Begnadeten dieser\nselige Wandel in deinem Wort, lauschend zu deiner\nheiligen Schritte Seite, darum bitte ich noch.\nAls unsern Ausgang du uns wiesest, damals\nam See Tiberias, und unserem Hirten Petrus die\nhöhe Gnade kündetest, daßt er dir folgen dürfte in\nder Art seines Zeugnistodes, da gebotest du mir,\nja zu harren, bis du mich rufen würdest.\nWie auch die Zeiten rollten und Weiten, und\nDrangsal war und Weh und Lähmung des Alters\nund Dumpfheit des Sinnes, und mindere Gabe der\nArbeit nur blieb, immer höre ich deinen Entscheid\nvom Tiberias.\nUnd ich gehorche, gehorche, laß mein Sehnen\ndich1 nicht rufen, nicht rufen laß es dich —, wenns\nauch wieder mich spräche zu dir: bleib noch, Herr,\nentstehe, laß idein Herz! mich tun!\nJa Herr, ich warte, wie du bestimmt hast —\ndeine Ankunft erlöst mich1 vom Fleisch1.\nAber laß mich wirken und Zeugnis geben bis\nzum äußerstein Vermögen, daßi ich der Sehnsucht\nnicht erliege und nicht weile im Wandel.\nVermag ich auch sonst nichts, sichbn mein Leben\nist Amt nun, das da kündet, auch mit schwachem\nWorte kündet, mit jedem Atemzug redet von jdir\nund deinem Weilen auf der Erde.\nNicht für mich bitte ich.\nAuch für dein Werk bitte ich und um des Heiles\nwillen, das daraus fließe.\nSie alle gingen.\nNur ich noch wandle.\nUnd ob sie in ihrem jungen Glauben die Last\nder Einsamkeit schon tragen können, da nichts\nLebendes ihnen mehr Zeugnis gibt\nDu weißt, wie ich mich sehne und weißt, wie\nich der letzte bin, der schwindende Schatten noch\nauf dem Weg, den sie geschritten sind.\nSieh, noch keimt und bildet und baut (deine\nKirche sich auf — da bin ich noch nötig, könnte\nnoch nötig sein.\nHerr, sieh nicht auf mich, dehne meine Tage,\nwie du willst doch auch nicht weiter.\nGanz wie du willst, Meister, Freund!\nUnd daß auch ineine Gesichte ruhen, daß mein\n'Erinnern schwach wird und oft ich staune.\nGanz wie du willst, Meister, Freund! Ich bin\nbereit.\nEnde\n\nShakespeares Problem im\nHamlet\nVon Otto Stoessl\nSamuel Lublinski, der Verfasser dieser Studie,\nbegründet ihre subjektive Notwendigkeit mit den\nBedürfnissen der eigenen dramatischen Produktion,\ndie an den problematisch vorbildlichen Werken das\nBewußtsein der allgemeinen und individuellen Be-\ndingungen des Schaffens stärke. Die Mitteilung\nsolcher Einsichten bleibt wieder nicht ohne Be-\ndeutung für die Gesamtheit der an der Kunst tätig\noder genießend Interessierten. Das Problem einer\nDichtung ist immer auch das ihres Dichters, wobei\nnur gelegentlich Maßstäbe vertauscht und innerlich\ngebändigte, zusammengehaltene Seelen Vorgänge\nnach außen gewandt und zugleich versinnlicht und\nüberhöht werden. Ist das Subjektive ganz in die\nNotwendigkeiten der Gestaltung eingeflossen, (zur\nallgemein gültigen Darstellung gebracht, so mag\nes unter dem anschaulichen Gebilde ganz aufge-\ngangen scheinen. Diese Vollkommenheit der An-\nschauung, wenn auch nicht die dramatische Form\nschlechthin, ließen im Werk Shakespeares sein je-\nweiliges subjektives Problem so aufgehen, daß er\nselbst zu einer mythischen, schließlich gar enigmati«\nschen Figur werden konnte. Man betrachtet sein\nDrama als unzwei feibare Einheit, was beim\n„Hamlet\" am allerwenigsten angebracht ist. Der\ndramatisch Schaffende, der das subjektive Problem\nim tragischen Gebilde, im eigenen wie im fremden,\nals den Herzschlag fühlt, mag mit Recht einmal\nversuchen, es zunächst im Hamlet aufzuspüren\nDenn bei dem bleibenden Widerspruch dieses ein-\nzigen Stückes darf wohl auf einen vorwiegend sub-\njektiven Gehalt rückgeschlossen werden, der in die\nForm nicht ganz1 aufgehen wollte, noch konnte\nDem größten Bekennenden mag der Kanon gleich-\ngültig, ja verächtlich werden, und im höchsten Sinne\nbleibt solches Unzulängliche Ereignis. Bei Shake-\nspeares „liebenswürdiger Besonnenheit\" und\n„würdevoller Liebenswürdigkeif' ist ein so er-\nhabenes Sichbeugen unter ein Lebensgrundgefühl,\nwie es ,im Hamlet .als dramatisch unbezwungener\nsubjektiver Rest vortritt und seinen Stoff gleich-\nsam eruptiv als eine dichterische Apokalypse her-\nvorstößt, doppelt ergreifend. Die charaktero-\nlogische Fülle und die Uebermacht des eigenen,\nveranlassenden Konflikts Sprengt die gewählte\nForm und überlebt sie.\nBeim Versuche, den Gedankengang, der zu-\ngleich höchst persönlichen und allgemein gehalt-\nvollen Schrift auseinanderzusetzen, läuft man immer-\nhin Gefahr, durch eigene ausgelöste Ideenfolgen\ndie Treue der Wiedergabe etwas begrenzt zu sehen.\nShakespeare stand seiner Welt mit iener ge-\nteilten Empfindung gegenüber, die jedem großen\nMenschen eigen ist, indem er sie sozusagen irdisch!\nbenutzte und bejahte und wiederum künstlerisch!\nund sittlich1 an ihr litt, sie verwarf. Nur der Ge-\nmeine geht in seiner rationalen Existenz restlos auf,\nder Außerordentliche erübrigt sein bestes Teil, um\nan ihr, wie unter der ganzen 'Unzulänglichkeit des\nphysischen Daseins schöpferisch überwältigt zu\nleiden. Shakespeare sah in seinem Leben, das ihn\nhinreichend versorgte und gut stellte, Schein, Lüge,\nHeuchelei, Gewohnheit ungeordnet triumphieren,\nWertloses an die Spitze gestellt, Schädliches gekrönt\nund das Gemeine mit gewichtiger Fülle sich brüsten,\nwährend er selbst in seinem Berufe als Schauspieler\nund Theaterdichter ein verachtetes Gewerbe aus-\nübte. Und doch enthält gerade diese gefällige Aus-\nbietung des Scheines im Schauspiel die völlige\nWahrheit der Dinge.\nSolche Gegensätze bot jeder Blick auf seine\ninnere und äußere Welt. Der mächtigste Auf-\nschwung der Geister: die Renaissance brachte die\nhödist persönlichen Werte in entwürdigenden Um-\nlauf unter eine rohe Menge; zur äußerlichen Zier-\nlichkeit lind unverbindlichen Verbrämung brutaler\nInstinkte wurde die Pracht der klassischen Zeit\nwohlfeil angewandt. Und ihre stilbildende Kraft\nentartete zum Modegezirp und Floskelspiel. Schein\nund Sein sind tausendfältig ineinander verflochten\nund alle Widersprüche. gehen auch unentrinnbar\ndurch den Einzelnen. Diesen Konflikt aufs Leiden-\nschaftlichste zu erleben, ist das Schicksal des Skep-\ntikers. „Hamlet\" wird seine Tragödie.\nNun ist die Skepsis in ihrer wertauflösenden,\nlediglich betrachtenden Energie und eigentlich im\nDialektischen aufgehenden, komtemplativen Lebens-\nstimmung gerade dramatisch unbrauchbar; im ei-\ngentlichen Sinne, obgleich durch die Allseitigkeit\nihrer Anschauimg von durchaus künstlerischer\nBeschaffenheit, vielleicht sogar für die Dichtung\nüberhaupt. Denn jede Tat und Gestaltung\nbedeutet auch im Poetischen einen Ueber-\nschuß von Willen, ein sich Entscheiden, wäh-\nrend die Skepsis eine reine geistige, imaginäre\nMitte einhält. Ihre Tragik wird daher als solche\nnur sinnfällig zu machen sein, wenn der Skeptiker\ndiesen geistigen Zustand unaktiver Besinnung und\nZurückhaltung nur als Hemmung sonst überwie-\ngender und gelegentlich durchschlagender Impulse,\nLeidenschaften, Ziele erlebt, wie sich im Dasein\nüberhaupt geistige Erkenntnisse und Einsichten\nnicht in unvermittelter Reinheit, sondern als Le-\ngierungen der Triebe, als Färbung der Reagenz\nauf Eindrücke, als typisches Schicksal mittelbar dar-\nstellen. Die Tragik des Skeptikers besteht letzten\nEndes also eben in der menschlichen Lebens-\nunmöglichkeit und Lebensunfähigkeit der Skepsis.\nHamlet erlebt sie.\nDer Stoff der Tragödie — die nordische Ballade\nweiß nichts von diesem, nur ih einer persönlichen\nKultur, als i,n einer Form bewußten äußeren fund\ninneren Lebens möglichen skeptischen Charakter\n— der nackte Tatsacheninhalt ist der: Hamlet hat\nden von seinem 'Oheim begangenen, offenkundigen\nMord des Vaters zu rächen und muß, um den zur\nHerrschaft gelangten Verbrecher in Ruhe zu wiegen,\ndie Maske des Wähnsinns vorbinden, bis er zu\nseinem Ziel gelangt.\nBei der Vertiefung dieser Fabel zu einem Kampf\nvon Sein und Schein, zu einem Weltgericht (über\ndie allgemeine Irrung, dem auCh! der Richter zum\nOpfer fällt, sah Shakespeare mit dem komplexen\nGeist eines Kulturgenies eine ungleich vielfältigere,\nnicht offene, sondern geheimnisvoll, ja lockend ver-\nwirrte und verdunkelte Geschehnis- und Figuren-\nfülle. Die Tat ist unbekannt, wie der Täter. Beide\nwerden erst durch den rachefordernden Geist des\nVaters dem Sohn bezeichnet So erhält ein woht"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.4", "texte": "stli'on bh'ne dies Furchtbare skeptisch zur Verach-\ntung einer Scheinwelt gestimmter, aber zugleich\ndurchaus heroisch angelegter, eine Urtiefe von\n[Wildheit bergender Charakter, des alten Hamlets\nwürdiger Sohn, seine Aufgabe. Ein echtes, an na-\ntürlich reinen Instinkten, reiches, inniges Gemüt\nwird bei höchster Bildung, Ueberfeinerung und\nUeberernährung des Geistes durch diese Offen-\nbarung vergiftet. Wie gewisse Heilmittel wirkt ein\nkonzentriertes Erlebnis, eine vor Hie schonungs-\nloseste Wirklichkeit gezerrte Skepsis als Todes-\nkrankheit selbst. Dem jungen Prinzen ist von wider-\nwärtigen Hallunken nicht bloß der Vater ermordet,\nsondern die Mutter geschändet, das Mütterliche bis\nzur unerträglichen Schamlosigkeit entstellt, ver-\nnichtet worden. Es ist die schönste tragische Folge-\nrichtigkeit gerade dieses Gefühls, daß das unwider-\nbringlich zerstörte Empfinden einer edlen Männ-\nlichkeit für das Weib, für die Mutter, auch die\nGeliebte, die Liebe selbst grausam hinopfert. Diesen\ngegen den eigenen erotischen Instinkt sich wenden-\nden Prozeß der Leidenschaft, die sittliche Vernich-\ntung Hamlets durch die entsetzliche Zwangsvor-\nstellung der geschändeten Mutter habe ich (stärker\nals Lublinski) als das Zentrum der Tragödie emp-\nfunden, von welchem die eigentümliche Lähmung\ndes heroischen Geistes ausgehen dürfte. Er steht\nwie ein Stein im Wirbel von allen Seiten ihn um-\nkreisender Fluten und wird gleichsam im Kreise\nimmer um sich selbst gedreht, wobei er scheinbar\nuntätig verharrt. Vielleicht genügt dieses Gleich-\nnis, um die Absicht des Dichters klar zu machen,\ndie ausging, dramatisch zu zeigen, warum Hamlet\ndie auferlegte und nach der äußeren Lage durchaus\nleicht auszuführende Tat hinzieht, sich an ihrem\nAufschub gleichsam weidet, und endlich von ihr,\nwie von seinem Tod, übermannt wird. Der bru-\ntale, in seinen Erkenntnissen und Entscheidungen\neinfältige Tatmensch schlüge kurzweg zu, wie es\nLaertes, Hamlets Gegenspieler, tut. In Hamlet aber\nlebt alles Menschenmögliche an Empfindung, Lei-\ndenschaft, Anschauung, Erkenntnis, und ist durch\ndie Offenbarung als ein ganzes Chaos so auferweckt,\ndaß er nun hellseherisch nicht anders als ein trun-\nkener Prophet durch sein Leben geht.\nEs ist ein Zustand von Einsicht, der selbst\nvon jenem Wahnsinn nicht weit entfernt bleibt,\nden die Höflinge an ihm vermuten. Wer jemals\nden Felssturz zermalmender Erkenntnisse über die\neigene Seele sausen gespürt hat, wird Hamlets an\n[Wahnsinn rührende Erkenntnis ohne weiteres als\nselbstverständlich begreifen. Es ist des Geistes an-\ngestammte Art, auf reale Impulse vor allem geistig\nzu reagieren und seine entscheidenden Erlebnisse\nVon außen nach innen zu verlegen. Sie werden\ndabei seelisch inkorporiert ,bis zu einem gewissen\nGrade rein innerlich abreagiert und, wenn es schließ-\nlich auf eine Handlung ankommt, genügt eben der\nbloße, konkrete Vollzug des logisch Notwendigen in\nkeiner Weise, der Geist verlangt eine umfassende\nBeantwortung. Das Mögliche wird ihm fast immer\nverächtlich, unzulänglich. Diese geistige Natur der\nErwiderung von Lebensforderungen eignet aller\ngenialen Konzeption, dem Feldherrn wie dem Dich-\nter, dem Denker wie dem Politiker, und bei einer\ndie normale Tragkraft nicht übersteigenden Er-\neignisbelastung wird die endliche Handlung auch\neine endgültige. Einen solchen Prozeß hat mit\ndem obigen Vergleich (des Feldherrn) Lublinski\nals Hamlets angeborene Artung geschildert. Ich\nmöchte schärfer die Losung: Tat als Kunstwerk,\nKunstwerk als Tat, für diesen Zustand überlegener\nGeistigkeit formulieren. Diese Losung veranlaßt\nbei einer normalen Ereigntsbelastung ein planvoll\ngeniales Handeln, einen etwa langwierigen, aber\nmit großartigem Abschluß gekrönten Prozeß. Eine\nWeltuntat hat sich offenbart, das Einzel-\ngeschehen wird durch die leidenschaftlich groß-\nartige Phantasie und nicht mit Unrecht so erwei-\ntert. Bei Hamlets Erlebnis erzeugt diese Wucht\nvon Eindruck nun eine fieberhafte Uebertreibung,\neine Verzerrung seiner konzeptiven Absichten. Was\ner innerlich auslebt, wird gigantisch gegen die nun\nfast verachtete Aufgabe, einen kleinen Schurken\naus dem Weg zu räumen. Wie der Fiebernde\netwa durch immer neuen Trunk sein Fieber, so\ninährt Hamlet den ungeheuerlichen Einsichtszustand\nals Selbstzweck. Ihm gelten alle seine tatlosen\nScheinhandlungen, und nicht wie Lublinski möchte\nich in dem gelegentlichen brutalen Losschlagen —\nauf Polonius, in Ophelias Grab — das bloße Ueber-\nwallen der natürlichen Leidenschaft, sondern gleich-\nsam eine Instinktbewegung des Gesunden, nach\ndem ehemaligen Gleichgewicht verlangenden\nHamlet erblicken, der, wenn auch planvoll, so doch\nunfehlbar, wenn auch überlegt, so doch endgültig\nzugeschlagen hätte. Die vollkommenste, hell-\nseherische, geniale Vertiefung des vereinsamten\nGeistes aber setzt sich in ein scheinbares Spiel um,\ndas uns freilich befremdet — der offenkundige\nMangel sinnfälliger Motivierung im Drama — aber\ndem Helden unentbehrlich und wichtig ist. Ein\nsolcher seelisch umständlicher Prozeß, der Hamlet\nin den Gehirnen der Kommentatoren beliebig als\nFeigling, Phantasiegenie, Untersuchungsrichter,\nMoralist, Dekadent, Willensschwächling erscheinen\nläßt, ist eben wegen seiner Innerlichkeit nicht zum\nrationalen dramatischen Ausdruck gebracht. Daß\ndies nicht gelang, beruht auf dem vorherrschenden\nsubjektiven, im Drama gewaltig überhöhten, aber\nin Dämmerlicht verhüllten Problem des Dichters,\nder durchgängige, selbstzufriedene Moralistik bei\nherrschender Unmoral, schönrednerische Manieren\nbei übelstem Tun, die Uebermacht des Kultur-\nfirnisses über die besten, über sich selbst, wie über\nseinem Hamlet so dringlich1, ebenfalls als eine Art\nFelssturz von Einsicht spürte, daß er die Vision\neiner Gewitter- und Treibhausatmosphäre im Wil-\nlenszentrum nur als Chaos in der Stimmung fas-\nzinierter Lähmung gestaltete. Durch den Untergang\naller wird es erlöst und entsühnt. Wenn ein starker\nRest von motivischer Folgerichtigkeit erübrigt, so\nist dies der gleiche Gehalt von heroischer Natur-\nkraft, der den Hamlet davor schützt, der Sklave\nseiner Abstraktionen zu werden. Schon im ge-\nheuchelten Wahnsinn Hamlets, der bei der Heim-\nlichkeit des Frevels unnötig, widersinnig scheint,\nerblickt Lublinski den ersten Bruch der Motivierung.\nNach unserer früheren Schilderung dieser hallu-\nzinierenden Einsichtsnot des Prinzen/die gleichsam\nwollüstig das höchste Kunstwerk der Sühne formt,\nund mehr in der ewig gesteigerten Phantasie, als\nin irgend einer Erfüllung sich befriedigt, möchte\nman vielleicht gerade diese Maske, die zugleich1\nSchein und wieder unwillkürliche Aeußerung eines\nZustandes ist (ein erleuchtetes „Außerslchsein\")\ndurchaus hinreichend motiviert finden. Es gilt ihm,\ndie Schuldigen aufs äußerste zu foltern, mit dem\nBewußtsein ihrer Schmach, der Angst vor der Rache,\n\nDer Gluhende"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.5", "texte": "dem Bedauern des Frevels, zu peinigen, eine Qual,\nder ein simpler Totschlag bei weitem nicht gleich-\nkommt. (Bis zum Schauspiel (im Schauspiel und\nzum Gespräch mit der Mutter wirkt der Aufschub\nder Tat durchaus als Verschärfung der verhängten\nStrafe, somit als künstlerisches Raffinement. Nur\ndas oberflächliche Hofgesindel mag seinen Wahn-\nSinn als solchen nehmen, den Schuldigen ist die\nVerstellung klar genug; daß Hamlet dabei ohne\nweiteres sich die Schlinge um den Hals legen läßt,\nbraucht bei der (von Lublinski hervorgehobenen)\nachtlosen Kühnheit des Prinzen nicht weiter zu\nverwundern. Erst als er diese Schlinge, statt sie\nruhig abzuwerfen, zuzuziehen scheint, indem er\nSich fast selbstverständlich nach England schicken\nläßt, beginnt eine äußere Planlosigkeit, die bis zum\nSchluß fortwirkt und alles sittlich und dramatisch\nNötige geschehen läßt, aber wie ein Spiel des Zu-\nfalls. Die Ermordung des Polonius, deren Folgen\nHamlet auszuweichen sucht, bietet kaum einen\nGrund. Hier führt die Skepsis des Prinzen und\ndes Dichters zu einer ungewollten Verdeutlichung\nihrer wertauflösenden Kraft, aber nicht zur eigent-\nlich sinnfälligen Gestaltung. Hier sind die Vor-\ngänge „lediglich aus der vagen Unendlichkeit des\ninneren Menschen zu motivieren\", ein psycho-\nlogisches Irrsal, keine dramatische Zielsicherheit.\nWenn ein bedeutender Geist seine eigentliche\nAbsicht nicht aus der planvollen Energie seiner\nGaben, sondern durch das Eingreifen irgen3 eines\nmechanischen Zufalls erreicht, wird ohne weiteres\nein Licht der Ironie auf ihn fallen. Wie hier bei\nShakespeare unä bei Hamlets Erreichung des Ziels\nim Endkampf, trotz völligem Scheitern der Absicht.\nDiese Ironie lag dem ungebrochenen Pathos beider\n— des Dichters, wie seines Helden — das ihre\nSkepsis mit natürlicher Urkraft überwog, zu fern,\num den Ausgang des Stückes: diese Mausefalle, in\nder sich schließlich Gerechte und Ungerechte,\nPrahler und Helden, Schwächlinge und Verbrecher\nsämtlich fangen, als ironisch beabsichtigt wirken\nzu lassen. Sonst möchte man sagen — die Ironie\nwirkte eben von außen her — die Tat als Kunst-\nwerk geht an ihrer Ueberfeinheit zugrunde, ein\nSchlachtopfer der standfesten Wirklichkeit, wie\netwa das widerwärtige Sterben Eilert Lövborgs\n— „in Schönheit\".\nGleichviel, bei allen widersprechenden Teilen\n— Lublinski sondert auf das einleuchtendste Ballade,\nitalienische Novelle und modernen pathologischen\nRoman in der Entwicklung des Dramas — der Wir-\nkung des Ganzen, als einer grandiosen Weltkritik,\nwird sich kein Zeitalter lentziehen können.\nEs bleibt das Verdienst der Schrift Lublinskis,\nden Charakter Hamlets als eine subjektive Ver-\nkörperung eines Shakespearischen Gmndproblems\nin seiner eigentümlichen Mischung von' Leidenschaft\nund Geistigkeit erfaßt zu haben, woraus die durch-\ngängige Be/jogenheit aller übrigen Figuren und\nGegenspiele sich aufs Ungezwungenste ergibt. Die\nKritik des Ganzen ist zutreffend, gerade weil sie\nsich bei allem Widerspruch gegen die zersprengte\nForm der umfassenden, subjektiven Energie des\nKunstwerkes ergibt, das weniger und zugleich\nunendlich mehr bleibt, als — ein Drama.\nLublinskis Schrift erschien im Xenienverlag zu Leipzig\n\nGedichte\nVon Max Dauthendey\n\nUnd einmal steht das Herz am Wege still\nHäuser und Mauern,, welche die Menschen über-\ndauern,\nBäume und Hecken, die sich über viele Menschen-\nalter strecken,\nDunkel und Sternenheer, im unendlich geduldiger\nWiederkehr,\nKamen mir auf dein Hügelwegen in der Sommer-\nnacht entgegen.\nNach1 der Farbe von meinen Haaren, bin ich noch\nder wie vor Jahren,\nNach meiner Sprache Klang und an meinem Gang\nKennen mich die Gelände und im Hohlweg (die\nFelsen wände.\nViele Wünsche sind vergangen, die w|ie Sterne un-\nerreichbar hangen,\nUnd einmal steht das Herz am Wege still,\nWeil es endlich nichts mehr wünschen will.\n\nEs sind nicht die Wunden, die uns müde\nmachen\nEs sind nidht die Wunden, die- uns müde machten,\nNicht der Jahre Meilen, die du abgefunden,\nNicht Vergangenheit, darinnen unser Lachen,\nFeierlichkeit und die Taten hingeschwunden,\nEs sind unsere Freuden, die unsi in den Händen jäh!\nerstarrten,\nDie nicht ausharrten, gleich den Himmelswänden,\nDie wie Bäume, roh entwurzelt, in dem Garten!\nAn dem Boden liegen und verenden\nUnd die Träume nicht mehr sorglos wiegen.\nBäume lassen plötzlich1 alle Blätter fliegen,\nStehen nackt, wie Galgen, an den leeren Gassen.\nNebel balgen sich, wo vorher Vögel singend saßen1,\nStümpfe, kreuz und quer, ringend mit den Stürmen,\nBis sie stürzen, gleich gefällten Türmen.\nSo sind unsere Freuden, die sich tanzend schürzen,\nUnd wie Henker täglichl uns um Köpfe kürzen.\nAus der Gedichtssammlung- Weltspuk, Verlag von Albert\nLangen München\n\nMax Brod\n\nDas Volk wird nie nach ihm schreiin; er sättigt\nnidht, er ist überhaupt nicht zum essen, man kann\nhöchstens eine seiner Hände streicheln oder seinen\nMund küssen — er hat einen schüchternen Kinder-\nmund. Der erzählt immer von sich, immer so\nhübsche Geschichten, die sich am Ende des Pfades\nreimen und viele, viele Wege geht er mit dem\nMädchen in seinen Gedichten. In Grimms Märchen\nist er gemalt:, Wie er als Kind aussah, in Hansel\nund Gretel. Ich habe Max Brod eine Nelke mit-\ngebracht, die trug er in der Hand, als er in den\nSaal kam und ich bildete mir ein, er lese mir\nganz alleine vor inmitten der königlichen Gemälde;\nringsum an den Wänden: Van Gogh. Ich weiß)\nden Namen seines Schauspiels! nicht, aus dem er\nerzählte. Aber immer war es die Liebe, die über\nseine Lippen kam — mein Herz ging blau auf\nunter den vielen lauschenden Herzen. Max Brod\nist ein Liebesdichter. Auch der andere Aufzug]\nseines Schauspiels war ein Liebesgedicht, ein viel-\nstimmiges, ein streitendes. Ich glaube, man kann"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.6", "texte": "nur Liebesgedichte in „Prag\" schreiben, wo so\nviele Bögen und (Wälle sind; und lauter graue\nFiguren treten aus (den alten Häusern hervor —\ndie Steingespenster -führen die Herzen bange zu-\nsammen. Ich habe manchenal Sehnsucht nach Prag,\nschon um mit Max Brod durch die Gewölbe seiner\nHeimat zu Wandeln, wo die alten Häuser wie\nMumien stehn, zur Rechten und Linken.\nBei Gelegenheit einer Vorlesung von Max Brod im Neuen Klub\n\nElse Lasker-Schüler\n\nTheater, Literatur und Reklame\nJ. A.\nLob Reinhardts\nAudh das Wiener Deutsche Volkstheater brachte\nzu Schillers Geburtstag eine Neuinszenierung der\nWallenstein-Trilogie heraus. Im Lager wurden\nreichlich viel Statisten verwiendet. Deshalb lobte\nein Kritiker die „Schule nach Reinhardt\". Aber sein\nKollege Stefan Großmann, Sozialist Und Korre-\nspondent des Tageblatts, lacht ihn aus1. „Was man\nin Wien für eine Reinhardt-Vorstellung hält. So\nwie etwa meine Tante in Görlitz überzeugt /ist,\ndaß- sie sich nach der neuesten Pariser Mode kleidet.\nAuch gut, Tantchen.\"\nWas frommt es, daß der eine in dem Massien-\naufgebot von Statisten die Reinhardtsche Marke zu\nerkennen glaubt, wenn der andere in Görlitz (eine\nTante hat, die überzeugt ist, daß sie sich nach der\nneuesten Pariser Mode kleidet.\nSchon hat Reinhardt einen Zirkus in Wien ge-\nmietet, denn: „Ernst ist der Anblick der\nNotwen d i g k e i t\".\nSpekulative Buchkritik\nIm Fastnachtsprozeß gegen die „Wahrheit\" im\nbesonderen und gegen die Lüge im allgemeinen fiel\ndie heitere Behauptung, daß bei einer anständi-\ngen Zeitung die Redaktion und die Annoncen-\nannahme zwei streng von einander ge-\ntrennte Teile sind. Das Tageblatt er-\nbrachte letzthin in unzweideutiger Form den Beweis\nhierfür. Es ließ sich eine Buchbesprechung ihres\nKopenhagener Korrespondenten am übernächsten\nTage als „Urteil (der Presse\" bezahlen, ja,\nes fügte sogar rnoch zu desisien Vervollständigung\nden Wortlaut eines Briefes hinzu, den die Ver-\nfasserin des Buche®, Karin Michaelis', an den\nRedakteur des Zeitgeist gerichtet hat.\n„Ich werde gebissen (und zerrissen\", schrieb\nsie ihkn, „wir sind hier gegeneinander wie die\nWölfe; bald bin ich gestorben.\"\nDas Tageblatt gab dieser beängstigenden Klage\neinen trostreichen Widerhall in dem schönen Silber-\nklang des Geldes, mit dem jedes ihrer Worte |die\nVerlagsgesellschaft „Concordia\" bezahlte.\nIn Dänemark zerreißt man Karin Michaelis, weil\nihr Werk, laut (Bericht des Kopenhägener Korre-\nspondenten vom Tageblatt, ein offenes sexuelles'\nBekenntnis einer Dame, nein, die Enthüllung der\nkrankhaften Erotik einer Frau ist, die bisher\neine exemplarische Gattin und Mutter war. Aber\nhierzulande ist das [Buch für Rudolf Lothar\neine uns in tden letzten Tagen zugekommene er-\nschütternde Antwort auf die Frage: in welchem\nAlter die Frau sich selbst am gefährlichsten ist.\n„Und wenn man, so versichert er, die Ant-\nwort liest, packt einen das Grauen.\"\nSeit Ewers und anderen Poeetastern des Un-\nheimlichen ist uns das Gruseln zur Alltagsspeise\ngeworden. Es wird uns nicht an Mut fehlen, ohne\nSensationsgier und Genitalienspannung zu dem\njüngsten Werk der Karin Michaelis zu greifen, das\nder Schimock an einem seiner Bruh n s 11 ag e,\nwenn er sich selbst und uns am gefährlichsten wird,\nzum Buch der Saison herab annonciert hat.\nRache\nDer Edelste aller Sanssoucier wütet gegen uns!\nin einer rührenden Anpreisung eines schnell rosten-\nden Schlüsselromans. Er sieht in ihm, uns zum\nTrotz, „ein Kunstwerk, davon ein einziges Satyr-\nkapitel eine ganze Serie ernste Leitartikel über-\nragt.\" Solche nämlich, mit denen in ernsten\nZeitu n g e n und Zeitschriften „geg'en\njene Dinge angekämpft, die eben der Roman glos-\nsiert\". Die Dinge, es kennt sie jeder, Bind\nAuswüchse unserer Zeit. Verschuldet werden sie\nvon Leuten, die „b ei m besten Willen den\nnatürlichen Lauf des Lebens nicht\nmehr sehen können. Sie sondern ihren Spei-\nchel auf die minderwertige Menschheit ab und\nschreien, wenn man ihnen mit den Scheuerlappen\num die Ohren wischt. Wer lacht da?\"\nDer ehemalige Maler Edel schreibt Reklame-\nbilder, weil er keine malen kann. Er wählte die\nZeitung zur Anschlagsäule, und sie gewährte ihm\nauch ein bescheidenes Plätzchen. Aber sehr bald\nwurde es ihm zu klein, er vergrößerte es, wodurch\ndie Bedeutung der Anschlagsäule nicht wuchs.\nDoch die Welt ruht nun einmal nicht auf hohlen\nAnschlagsäulen, der natürliche Lauf des Lebens ist\nnicht das Rinnsal, das durch Zeitungsspalten sickert.\nViel wichtiger scheint mir schon die Notwen-\ndigkeit, an einer der zahlreichen aufreizenden Ecken\njener Säulen, an welchen täglich gemeine Anschläge\nauf die Wahrheit und Vernunft verübt werden,\neinen servilen Edelknecht der hysterischen Kokotte\n„Oeffentlichkeit\" zu stellen. Und wenn dieser dann\nsich wieder erhebt, über die Auswüchse unserer\nZeit klagt und sich mit einem Zipfel der ausge-\nfransten, kotbespritzten Kulterschleppe, die man\nihm aus den Händen geschlagen hatte, die Ver-\nklebten Augen wischt, so ist das ein Bild, wie es\ndie Neunmalklugen selbst im Okkultistenspiegel\neines Schlüsselromans! nicht zu sehn bekommen.\nWer lacht da?\n\nVermischtes\nDer Fremde\nDas sehr hübsche Ausstellungstheater spielte\neine Jeroiniade. Herr Jerome K. Jerome gab bis-\nher Lustspiele zum Besten. Zum Bessern soll sein\nMissionsistpiei erziehen. Die Absicht ist so deut-\nlich, daß man keine böse Miene zum guten Spiel\nmachen braucht. Der Heiland im Gehrock (Der\nFremde) wirkt höchst erzieherisch auf die Bewoh-\nner eines Boardinghbuse. Durch Blick und sanfte\nReden. Hyänen werden zu Menschen. Aber merk-\nwürdig: was bei einem deutschen Autor kitschig\nschien, wirkt bei dem Engländer religiös, fast\nschlicht. Ethischer Impetus. Ich kann mir\ndenken, daß mancher Besucher nach Schluß der\nVorstellung eine anständige Handlung vorhatte.\nWas gegen den ästhetischen Wert, aber für die\nReinheit der Gesinnung des Autors sipricht.\nGespielt wurde überraschend gut. Nur das\nDienstmädchen, die Magdalene, war mehr für die\nJungfrau von Orleans. Was gleichfalls für ihre\nedle Seele spricht.\nLyrik für Maler\nIch will nicht ohne Weiteres annehmen, daß\ndie Herren Liebermann, Slevogt, Corinth, Th. Th.\nHeine, Walser, in Gemeinschaft mit Herrn Heile-\nmann „u. A.\" ein Buch illustrieren, zu dem sie\nkeine seelischen oder künstlerischen Beziehungen\nhaben. Ein Verlag teilt mit, daß diese Herren\n„in kaum gehoffter Einmütigkeit vollwertige Doku-\nmente ihres Schaffens beisteuerten\", um den regen\nWunsch nach einer illustrierten Ausgabe der Ge-\ndichtsammlung „Auf Kypros\" von Marie Madeleine\nzu stillen. Dieser böse, süßliche, gemacht erotische\nHeinekitseh wird nur noch in den östlichsten Pro-\nvinzen ernst genommen. Und höchstens der Ver-\nleger findet in dem Buch noch „griechische Sdhön-\nheitsfreude mit südlicher Liebesglüt und deutscher\nSehnsuchtsstimmung\" vereint. Bleibt nur zu hof-\nfen, daß die Maler diese Gedichte nie gelesen\nhaben. Sie hätten dann aber so vorsichtig jsein\nmüssen, sich bei irgend einem Menschen zu er-\nkundigen. Sie hätten zum Beispiel in der ver-\ndienstvollen Anthblogie von Hans Bethge schon\nrichtigen Aufschluß gefunden. „Diesen Gedichten\nden entsprechenden Bildschmuck zuzugesellen, war\nkeine leichte {Aufgabe\", seufzt der Verlag. Nun,\ndie oben genannten Herren haben es gekonnt Ein\nguter Verleger kann auch beii schlechter „Poesie\"\nanregen. Trust\n\nBeachtenswerte Bücher und Tonwerke\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Fall statt\nKARL KRAUS\nHeine und die Folgen\nVerlag Albert Langen München\nKARIN MICHAELIS\nDas gefährliche Alter / Tagebuchaufzeichnungen\nund Briefe\nConcordia Deutsche Verlagsanstalt Berlin\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\n1.V.: Oskar Kokoschka\n\nWochen-Spielplan der Berliner Theater\nDienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend Sonntag Montasr n u .U 1 , «, , ,\n129. November 30 November 1. Dezember 2. Dezember 3. Dezember 4. Dezember 5. Dezember Theater nilt gleichbleibendem Spielplan:\nDeutsches Theater Hamlpt Tnrti+h u i + rr a t\\• tt j Kleines Theater VerfL Frauenzimmer /I. KL\nSchumannstrasse 13 a oamiei Judith jHamlet Herr und Diener Herr und Diener Hamlet Herr und Diener Unter den Linden 44 ab Freitag: Variet6 / Com-\n—— — _ tesse Clo / I, Klasse\nKammerspiele D*r gute König Der verwundete Der verwundete T Komödie der Komödie der verwundete K°mö(He der Modernes Theater\nSchumannstrasse 14 Dagobert Vogel Yogel Irrungen / Heirat Irrungen / Heirat y ™ Irrungen / Heirat Kön Der Doppelmensch\n1 wider Willen wider Willen wider Willen o/| oa\n-aar I *.».■ sä«.—.\nKomische Oner •\nFriedrichstr. Io4|io4a Die Boh®me Abb6 Mouret Die Boheme Abb6 Monret Tosca Die Boheme Hoffmanns Residenztheater n TTnt„r.r!,t.vt\n| Erzählungen Biumenstr. 9a er unrerprateKt\nOpernhaus Tristan und Der Meistersinger . . iiTT 7\"\nAm Franz Joseph-Piati Isolde Waffenschmied von Nürnberg Fidelio Der Prophet Mignon Lohengrin pr. Friedr. Karitfr. 7 Der heiliee Hain\n!N eues \" ——————————— ■\nSchauspielhaus Genoveva üeber unsre Jungfrau von Genoveva Premiere ~ 7OTr:BWIIA Wann kommst eues\nNoiiendorfstrasse 11112 Kraft Orleans Genoveva Der Zerrissene Der Zerrisseue Du wieder? Operettentheater Der Graf von Luxemburg\n— — Schiff Dauerdamm 25\nJ&ÄW* D<t s?harfe Taifun Der scliarfe Der scharfe Der scharfe Der scharfe ™ Theater des\ntr. 93 Junker Junker Junker Junker Junker Taifun Westens Das Puppenmädel\nKönigliches ij Wallensteins w TT ~ Wallensteins *112entstrasse 12— _ —\nSchauspielhaus Lager 8 ems Der Krampus Die Journalisten Julius Caesar Lager Wallensteins Metropoltheater Hurrah - Wir leb™\nGensdarmenmarkt | Die Piccolommi Die Piccoiomini Behrenstrasse 55J5t> Urraü Wir leben BOCa."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.7", "texte": "Verantwnrti 112 d Aüzeljjeatelf? A. Bot« / Verlag Der Sfttnn Berlia Halensee Geschaftsstefle and Anzeigen -Au nähme: Berlin W. 35 / Lvock v. Hans Walter, Berlin SWJ3\n\nIfeue Session\n*\nISSSHSSS2SSSI [SSSI SSSIISSSIISS®\nOraphische Russfellung\n1910\n1. October bis 1. December\nin 9er\nflalerie maximilian JHachf\nRs%gggs%sii^sgsi\nBerlin ID., Ranfte-Sfrasse 1\nan 9er Kaiser HJilhelm Geaachfnis - Hirche"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19101201-01.1.8", "texte": "in Wien ist die Wochenschrift DER STURM vorrätig bei Hugo Heller and Cie I Bauernmarkt 3\n\nMTTD A TTT\n1»1 U 1\\ A XXX Manchester\n\nKAISER-BAAL\nTRANSLAT EUR- KONZERT\n\n/\n■/«\nr „\nSt\n'M\n\nPSnirAfimfllhlA Sanatorium KrliolGiiffiilteim\n1 111 SV Cll ill U 118 C Post Mellenbach bei Schwarzburg im Thiiringer WaJd\nBesitzt alle neuzeitlichen Einrichtungen, Zentral-\nheizung und eiektrisches Llcht, komfortable Geseil-\nschaftsriume. Individuelle irztliche Behandlang\nDie Kilche steht unter Aufsicht dcs Arztes. Bei\nNervenschw&che, Magen- und Darmleiden, Qicht\nund Rheumatismus, Frauenleiden u. a. m. best-\ngceigneter Aufenthalt\nBesitzer und Laiter: I>r «112. mod. W. Hots\nAllseit Reformbestrcbungen,\ninsbes. derPflege persdnlicher\nKultur und gesunder Lebens-\nansahauungen, dient unsere\nMonatsschrift nOrsoiideH\nLebenu, von der wir Probe-\nnummern auf Wunsch gratis\nversend. Abonn. M 3,60 p.Jahr\n\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\n■ ■\n■ •\nNr. 311/12\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\n| ÜBERALL ERHALTLICH |\nHI In Nummer 301-02 dieser Zeit- 11\nM schrift erschien: H\nB DIE UNSCHULDIGE g\nH Von Heinrich Mann pi\nH Aufgefdhrt im Kleinen Theater H\nzu Berlin §|\nririi iii 11 iiiir iii 11 mi iiuiMi! i ifii-\n\nMALSCHULB\nSystem L.v. Kunow ki\nAKT/ KOPF / STILLEBEN\nHeinrich Richter\nEisenacherstrasse lU3\nSprechstunden 12—1 Uhr\n\n1 » PROBENUMMERN ::\numsonst u. durch die\nGeschSftsstelle „DER STURM\"\n\na ■\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d.Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n1 II\n\n« JMcntisclK Rundschau «\n12. Jahrgang. Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Georg Liittke\nDie „Akademische Rundschau\" erscneint am 10 ten und 25 ten\neines jeden Monats. Probe-Nummer gratis\nHdherzfichtung des Menschen auf biologischer Grundlage\nVon Dr Franze (Mk. 1,80) Was ist bis jetzt fur eine verniinftige\nEhereform geschehen? Nichts! Und doch ist die Sa» he fiir die\ngesamte Mehrheit ungeheuer wich'ig! Was lasst sich in dieser\nBeziehung tun? Daruber soil uns die Schrift aufklaren. Die Schrift\nist deshalb ebenso wichtig fur die Eltern wie ftir die heiratsfMhigen\n• Jiinglinge und Jungfrauen. Man lese!\nBelastung respektive Ererbung und Entartung. von Dr. J. Sadger\n(1,50 Mk.). Die zwei Worte „Belastung und Entartung\" bergen so\nungeheuer viel in sich, dass jedermann sich d>iriiber untemchten\nsollte. So viele Krankheiten haben ih<en Ursprung in der Belastung\nrespektive Ererbung. und nur danii bekommt man ein klares Bild\nvon de Krankheit und ihrer Behandlung, wenn man sich tiber Art\nWeise der Belastung oder Ererbung klar geworden ist.\ntiofterlagsbucblMtidiuttg edmuitd Detnme Ceipzis\nU, i\n\n:Z7,n Cafe Continental STm\nJed en Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll© bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nit\n£\n3\n±i\nP\nn\nI\ntii\nt\nu\nffl\nft\nT\nB\nm\nB\nv,\n%\nfx\nF\nm -.j\nj\\Ai\\ g>.\\hi\n'iV;_\n:S\\?\\\n'*'* h\nvJ?\ni>. c\n.•«\ntev-\nU3\n&M;\nvi-\ni ■•'\nS>\n:\nGANI TROCKE\nPUPFERBER6 RIESLING |\ntu- J\n\"\"\n\"OPUEFE RANTE\n' 11»\nJ\nxFEFi\nu\n:>?\nJw-\n-M~l~\n□\nJ\ny\ni !\n11l\nn\nnr.:\nTF\nffi\nmi\nLL '\n•—\nlL'-Xjj\nX!\n_i_j i\n_j _u.i\n-L-1.\n€} Es ist nicht mehr als logisch, daß ein Stillwein, welcher schoit\n\\ als solcher unerreicht dasteht, als Sect seine hochste Voll-\nkommenheit erlangen muß. —\nK] Unsere neue Marke \"Kupferberg Riesling\" besteht aus hervor-\nragenden Weinen der Riesling-Traube, welche allgemein als\ndie edelste Traube der ganzen Welt anerkannt wird. Kein Land\nerzeugt Weißweine, welche sich annahernd mit unseren deutschen\nRiesling-Weinen messen konnten. —\nChr. Ad' Kupferberg & C°\nHoflieferanten MAINZ Gegrundet 185J\nj. Ueber Bedeuiung wrt \"Riesling\" gibt unsere neue Broschiire interessanten Aufschluft.\n£\ni\nxßitnumifri"}]}