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Darum entgleitet vieles\nder Ohnmacht dessen, der jene Ausdrucksart nicht er-\nträgt, in die sich gerade die tiefsten Erkenntnisse fügen\nmüssen, weil sie die reichste ist an Möglichkeiten und\nTönen, und der dem Gesehenen schon in der Tiefe\ndie durchsichtige, farblose Gestalt des Logischen auf-\nzwingen will — vieles zerinnt ihm, was der andere\ngreifen kann. — Und vielleicht war es nötig, die Dinge\nnur einmal erst ans Licht zu tragen. — So entstand\nNietzsches Dityrambus.\nWas letzten Grundes allem Denken Bewegung gibt,\nwas seine Formen aneinanderfügt und aus einem\nMechanismus ein Organ macht, das, was allem Er-\nkennen eine Richtung weist, ist ein Wollen, dessen\nNatur so allgemein ist, dass wir seine Ziele noch\nnicht zu sagen vermögen. Aber gerade in dieser\nTätigkeit des Erkennens beschränkt und verneint sich\ndas Wollen selbst und lässt nicht zu, dass sein Wesen\nsich äussere Und wie alle Selbstverneinungen ist\nauch diese nur das Zeichen einer höher gesteigerten\nIntensität.\nDoch es geschieht, dass jenes Wollen die Formen\ndes reinen Erkennens, in denen es sich birgt, durch-\nbricht und unverhüllt in seiner Gewalt offenbar wird\n— wir stehen vor der Erscheinung des Pathos. Seinen\nleisesten Hauch und Keim fühlen wir eigentlich schon\nin der blossen Synthese, die jedes denkerische Resul-\ntat darstellt in der blossen Verbindung zweier vor-\ndem weit getrennter Empfindungskomplexe, wenn\nwir etwa vernehmen: Die Welt ist Wille.\nDas Pathos erhebt sich überall dort, wo ein allzu\nheftiges Strömen des Wollens, nicht stark genug, trotz\nder Last der Gesetze des Denkens bis an ein Resul-\ntat vorzudringen, sich von diesen befreit, wo der\nGeist demzufolge zu schwach ist, die logischen Einzel-\nheiten, die zu einem Ergebnis führen, getrennt hervor-\ntreten zu lassen, wo nur die Richtung und so der\nAusgang der Bewegung dieser logischen Zwischenglieder\nin zusammengesetzten Empfindungen als Erlebnis wahr-\ngenommen, aufgegriffen und formuliert wird, wo eine\nErkenntnis nicht entfaltet, sondern vorwegge-\nnommen wird.\nGenau genommen, sind alle Ergebnisse, die die\nGeschichte des Denkens aufweist, solche Vorwegnahmen\nvon Erkenntnissen einer kommenden Zeit. Denn,\nwenn wir eine Entwicklung des Denkens über Völker\nhin annehmen dürfen, so kommt ein Gedanke weit\nspäter in jener ausgebreiteten als in dieser komplexen\nForm zu Tage. Und der, der eine Entdeckung dieser\nletzten Art ausspricht, hat die Empfindung, dass er\njetzt schon etwas gesagt und aufgefangen hat, das\nerst in fernen Zeiten gleichsam fällig ist — und dieser\nungeheure Vorsprung, dieses Ankerwerfen in ferne\nZeiträume, diese Verdichtung eines gewaltigen Ablaufes\nin eine Wahrnehmung, ein Uebermass von Sensationen,\nist die Befriedigung jenes tiefen Wollens, das uns bis\nheute als der letzte greifbare Ausdruck der Gegeben-\nheit erscheint, die wir „Leben\" nennen.\nJe komplizierter und rcicher das Empfindungs-\ngewebe ist, auf dem das Erlebnis ruht, desto weiter\ndünkt dem Gestaltenden die Zeit, bis seine Erkennt-\nnis entfaltet, zerlegt und aufgenommen ist, desto länger\ndie Spanne, da sein Gedanke eine wirkende Macht\nbedeutet, desto tiefer glaubt er das Wesen des Exi-\nstierenden gesehen zu haben, desto intensiver ist sein\nPathos.\nFür unsere Empfindung mächtiger als je, über-\nfliessender als je, strömt die pathetische Kraft durch\ndie Gestaltungen des Auserlesenen dieser Zeit — Frie-\ndrich Nietzsches — dass alle Worte wie vor Leben\nerzittern. Durch irgend welche Zusammenwirkungen\nzeigt sich an dieser Erscheinung wie an keiner anderen\nfür unsere Augen das Schauspiel des Genies und das\nPhänomen steigert sich fast zu einer Grösse, die\npsychologischem Erfahrungswissen entwächst und nur\ndurch eine philosophische Anschauung umspannt werden\nkann, steigert sich zu einem Problem, dessen Lösung\nmit den Lösungen der letzten Fragen verwoben ist.\nWir können nichts tun als beschreiben\nDas Denken trägt mit sich die furchtbare Be-\nstimmung, das ihm ein Ding gerade dann, wenn es\nam meisten darum ringt, entgleitet. Denn immer\ndann, wenn der Geist die grösste Intensität des Denkens\nan der Erfassung eines Objektes arbeiten lässt, dann\nmuss das Denken über das Objekt hinweg und zu\nsich selbst zurückspringen.\nDenn die Steigerung der Intensität findet keinen\nanderen Ausweg. Wenn das Denken sich auf einen\nGegenstand richtet, tiefer und tiefer in das Wesen\ndieses Dinges dringt, ihn so ergreift, wie es ihm mög-\nlich ist, und schliesslich keine neue Seite mehr an\nihm entdecken kann, so prallt die nachdrängende\nKraft des Denkens, die keine Anhaltspunkte mehr an\ndem schon völlig „durchdachten\" Gegenstande finden\nkann, notwendig von diesem zurück und — richtet\nsich gegen sich selbst Denn dies verlangt die not-\nwendige Steigerung der Intensität des Denkens. Das\nDenken zerfasert, da es des Objekts nicht Herr ge-\nworden ist, seine eigenen Fähigkeiten, seine eigenen\nBeziehungen zu dem Gegenstande der Betrachtung,\nes wühlt und sondert seine Empfindungen, es viviseziert\nsie erbarmungslos, um ihren Blutkreislauf zu sehen und\nihre Herkunft zu erkunden, es lässt seine lebendigen\nFunktionen wirken, um sie dann als zerschnittenes,\nwertloses Experimentiermaterial verächtlich beiseite zu\nwerfen.\nDas enttäuschte, durch den Misserfolg und Nicht-\nÜberwindung seines Gegenstandes ohnmächtige Denken\nbegeht gleichsam Selbstmord. Es wütet gegen sich:\nWas war es denn an mir, dass ich das Ding nicht\nlösen konnte? Dies Selbstbedenken schwillt, den ganzen\nGeist durchsetzend, mehr und mehr an und schliess-\nlich :\nDie Kraft des Denkens, die den widerstehenden\nGegenstand zu erfassen suchte, und die Lösung\nbringen sollte wird schwächer und schwächer und\nmehr und mehr auf die Selbstbeobachtung des\nDenkens verbraucht\nDie Selbstbetrachtung wird Selbstzweck, obwohl sie\nanfangs nur Mittel war, den Gegenstand tiefer zu er-\nfassen. Zwischen zwei Grenzpunkten bewegt sich das\nDenken, zwischen der grössten auf einen Gegenstand\nverwandten Intensität, und zwischen der grössten auf\nsich selbst verwandten Intensität, zwischen naivem und\nund indirektem, zwischen direktem und kritischem,\nzwischen schaffendem und zersetzendem, zwischen dem\nDenken, das sich seiner selbst unbewusst und nur seines\nGegenstandes bewusst — und dem Denken, das sich\nnur seiner selbst bewusst ist.\nDas schaffende Denken ist dann am kleinsten und\ngeringsten, wenn die Selbstzerfleischung am grössten ist\nund überhand genommen hat.\nDas schaffende Denken arbeitet am machtvollsten,\nwenn es sich seiner selbst unbewusst nur auf den\nGegenstand richtet.\nDieses direkte Denken, das von sich selbst abso-\nlut nichts empfindet, dessen ganzes Bewusstsein rest-\nlos durch die Inhalte und Objekte des Denkens aus-\ngefüllt wird, oder das seine ganze Kraft in der Um-\nfassung des Inhalts seines Objektes erschöpft, dieses\nDenken dringt naturgemäss viel tiefer in das Wesen\neines Objektes als das, welches auf die Objekte nur\nschaut, in seinem eigenen Innern durch Dunkelheiten\nund Krankheiten gefesselt.\nUnd noch in Einem scheiden sich die naive oder\nunbewusste und die indirekte oder bewusste Denkmethode\nvoneinander.\nDas langsame grübelnde Tempo der refletiven und\nder Intensitätssturm der naiven Erkenntnis.\nDas indirekte Denken, durch Misserfolge unsicher\ngemacht, misstraut jeder seiner eigenen Beobachtungen,\nimmer tiefer dringt die Selbstbeobachtung von Schritt\nzu Schritt mehr mit Vorbehalten beladen und bleiern\nsich an die Kraft des Erkennens hängend — alles wird\nverdächtig und vorläufig.\nJedes Denken, auch das kritische, ist nämlich letzten\nGrundes naiv — denn immer muss ein sich selber un-\nbewusstes, denkendes agens vorhanden sein — aber\ndie dem Denkempfindenden andauernd eingeprägte\nDrohung des Irrtums — diese gleichsam christliche\nMoral der Trug- und Scheinhaftigkeit alles Denkens\nund der Verleugnung seiner Ergebnisse — untergräbt\ndie Lebenskraft und Sicherheit des ursprünglichen\nDenkens, und macht seinen Gang langsam nnd kraft-\nlos. Aber kein Urteil soll etwa damit gesprochen\nwerden über den Wert der beiden Wege. *\nDie eine Bewegung des Denkens, die indirekte,\nsich selbst betrachtende, stellt sich in der Erkenntnis-\nkritik dar, die andere, nach der gegebenen Definition\nunbewusste Denkbewegung gipfelt in philosophischen\nSystembau.\nDie Reihe derer, die begierig waren, die Formen\nund Zusammenhänge des Daseins zu greifen, trennt\nsich in die, welche ihre Kraft verwandten, sich zu\ndieser Aufgabe zu prüfen, und in die, welche imstande\nzu sein glaubten sie zu lösen.\nUnter den Philosophen des Landes gewinnt die\nindirekte, kritische Anwendung der Erkenntnisfähigkeit,\ndas Bedenken des Denkens, mit Kant ein grosses\nUebergewicht, dessen Nachwirkung das ganze vorige\nJahrhundert bis zur Gegenwart hindurch tätig war.\nZuerst, weit zuerst, ist das Denken selber das Thema\nKants und dahinter, erst indirekt, im Nebel, tauchen\ndie eigentlichen Daten auf, welche die geistige Tätig-\nkeit bewältigen sollte. Neben einem energischen, bis\nin die subtilste Begriffskasuistik hinein durchgespon-\nnenen und aufgetrennten Gewebe der inhaltlosen\nFormen des Denkens steht eine ungleich schwächere\nund mattere Betrachtung der direkten Objekte des\nDenkens. Ob zu recht oder unrecht steht nicht in\nFrage, Auf Kant folgt eine gewisse Reaktion gegen\ndiese Ausübung des Denkens mit zu schwachen Mitteln,\num den allmächtigen Begriffsherrscher zu überwinden.\nDas unterdrückte direkte Denken bricht in mitunter\nziemlich erbarmungswürdiger Gestalt in der Naturphilo-\nsophie hervor. Die in der Geschichte des Geistes an-\ndauernden Revolutionen und Gegenrevolutionen, Unter-\nrevolutionen und Gegenunterrevolutionen arbeiten weiter.\nWeitaus kraftvoller als seine Vorgänger tritt Schopen-\nhauer dem indirekten Denken gegenüber. Viel wuchtiger\nist bei ihm die Erfassung der Welt, des Ganzen als\nWille und Vorstellung, und nichts fühlt man deutlicher,\nals dass hier leidenschaftlicher, direkter als seit langem\neine endgültige Erfassung der Probleme angegriffen\nwird.\nVon hier aus nun steigt die Periode zu einem\nNon-plus-ultra des Gegensatzes zu Kant, zu einer be-\ntäubenden Explosion des direkten Denkens, zu Fried-\nrich Nietzsche.\nHier ist das Denken wieder geworden, was es im\nAnbeginn gewesen sein mag — ein Sinn. Ein Sinn, in\nallem bis ins letze, seiner selbst unbewusst, nach den Ge-\nsetzen seines Baues das Gegenständliche einsaugend.\nAlle Gedanken fluten nah wie die Emfindungen der\nSinne, angefüllt mit Realität. In reinster Einheit trifft\ndie Macht der Seele gegen alle Dinge — und zum\nersten Male.\nEs ist ein erstes Begegnen zwischen Denken und\nDingen, ein erstmaliges erbebendes Erstaunen, denn\nalles ist neu, anders und seltsam. Eben wie die Sinne,\nlebt und arbeitet das Denken nicht auf Geheiss\neines bewussten Willens sondern auf Geheiss eines un-\nbewussten. Und hier ist die letzte Grenze des Rätsels,\ndessen stummes fragendes Aussen in dem Geiste Nietzsches\nsichbarer als irgend sonst aus dem Schatten tritt. Diese\nletzte Sichbarkeit ist: Das Denken denkt nicht auf be-\nwussten Willen, sondern es strömt aus einem Unter-\nbewusstsein, es ist unwillkürlich, da, wo es sich\nzum Grössten entfaltet.\n„Ich\" sagst Du und bist stolz auf dies Wort. Aber\n„das Grössere ist, woran du nicht glauben willst\n„Dein Leib und seine grosse Vernunft.\n„Die sagt nicht Ich, aber tut Ich.\n„Werkzeuge sind Sinne und Geist: hinter ihnen\n„liegt noch das Selbst. Das Selbst sucht auch mit\n„den Augen der Sinne, es horcht auch mit den\n„Ohren des Geistes\n„Es herrscht und ist auch des Ichs Beherrscher.\n„Hinter Deinen Gedanken und Gefühlen steht ein\n„mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser —\n„Der heisst Selbst.\n„Das Selbst sagt zum Ich: „Hier fühle Schmerz\"\n„Und da leidet es und denkt nach, wie es nicht\n„mehr leide — und eben dazu soll es denken.\n„Das Selbst sagt zum Ich: „Hier fühle Lust.\"\n„Und da freut es sich und denkt nach, wie es\n„noch oft sich freue und eben dazu soll es denken.\"\nJetzt nimmt der Gegensatz zwischen direktem und\nindirektem, kritischem, selbstbetrachendem Denken andere"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5862, "texte": "Formen an, die tiefergehend und umfassender die\nZweiheit spiegeln: Das Denken, das an der Oberfläche\ndes Bewusstseins arbeitet, vom Willen getrieben, und\ndas Denken, dass aus dem bisher Unbekannten seine\nKraft holt.\nNirgends liegt der Abgrund tiefer zwischen dem\nZersetzenden, zwischen Nietzsche und Kant: Der naive\nDenker, dessen Denken dem Sinne, der nach der Art\nseiner Natur empfindet, gleicht; dieser wendet die in\nihm liegenden Gesesetze des Denkens unbewusst\nan • der Denker das Oberbewusstseins und der kritische\nbringt sich währnnd des Denkens dauernd die in ihm\nliegenden Gesetze des Denkens ins Bewusstsein (darauf\nverwendet er die Kraft) und vergleicht, ob er nach\nihnen gedacht hat. Darum denkt er nicht eigentlich,\nsondern er prüft. Der andere aber prüft nicht —\nsondern — sieht.\nWie ist Zweifel möglich, wenn das Denken selber\nsieht? Mit fröhlichem Hohngelächter antwortet\nZarathustra dem Jünger, der ihn nach Gründen fragt\nfür seine Wahrheit:\n„Warum ? sagte Zarathustra, Du fragst „Warum ?\"\n„Ich gehöre nicht zu denen, welche man nach ihrem\n„Warum\" fragen darf.\n„Ist denn mein Erleben von gestern ? Das ist\n„lange her, dass ich die Gründe meiner Meinungen\nerlebte.\"\nWie der Sinn seine Fähigkeit holt aus der Lebendig-\nkeit seines Trägers, so nimmt das Denken seine Kraft\naus Einem, das denkt, aber nicht selber das Denken\nist, aus einem unbekannten Faktor, der das Bewusstsein\nerzeugt und in ihm denkt, der aber selbst jenseits der\nGrenzen des Bewusstseins schafft und existiert.\nUnd in gerader Bahn aus diesem Unbekannten\nbrechen bei Nietzsche die Kräfte des Geistes in die\nBewusstheit, aus diesem Wesen, in dem die Ungreif-\nbarkeit von Leben und Sein selbst beginnt. So hat er die\ntiefste Unmittelbarkeit des Denkens und jede Erkenntnis\nist eine Entladung von unterirdischer Gewalt.\nEin solcher Machtausbruch des Geistes ohne\nGleichen ist der „Zarathustra\".\nSo tiefher kam die Kraft, dass er näher drang an\nalles Unaussprechbare als ein anderer.\nIn heimlichste Dunkelheiten wurde er getragen im\nSturm des Erlebens ergriff er ihre unfassbaren Formen\nund liess die Gestaltungen überfluten, voll von den\nSchauern der Wirklichkeit.\nIn je zehn Tagen stürzen die Rhythmen Zarathustras\nhervor — dreimal ein unvergleichbarer Torso — eine\nso rasende Verschwendung, dass der überströmende\nReichtum in zehn Tagen nicht erzeugt, nicht geschaffen,\nsondern nur gerade ausgeschüttet werden konnte, der\nlange auf dem Grunde zusammengetragen war. Ihn\nselber, in seinem bewussten Empfinden, ergriff jedesmal\nein fassungsloses Ueberschüttetsein bei diesem Schau-\nspiel des vulkanischen Werdens. Und er wusste, dass\ndies seine Einzigkeit und sein Geschick war. Er\nwusste, dass all sein Wert an diese Zeit gebunden\nwar, da ihm ein Unterbewusstsein sein tiefes Schauen\nin das Denken warf. Und er fühlte: Sein Leben hing\ndaran, dass er es ergriff, sonst sank es wieder er-\nbarmungslos in das Dunkel zurück und wurde leer\nund farblos. Nur diese kurze Spanne war ihm ge-\ngeben, die Empfindungen zu gestalten, während sie\noberhalb der Tore des Bewusstseins dahinflogen, ehe\nsie rettungslos versanken.\nSo griff er in fiebernder Hast nach Bildern und\nGleichnissen, zu halten, was zu halten war, wenn der\nStrom des Erlebens heraufschwoll.\nIn diesem Schweben, in diesem stillen traumhohen\nSich-Halten wird das Denken sich voll Entzücken un-\nerhörter Fähigkeiten inne, ein auf- und niederjagender\nlautloser Jubel zittert in ihm, da er sieht, dass es alle\nSehnsüchte in Wirklichkeit zu wandeln vermag. Und\nein schmerzhafter Ton des vergangenen Scheins ent-\nzündet die stille Lust noch tiefer.\nNichts entflieht, ruhig liegen die fernsten Wunder\nvor dem bebenden Erstaunen des Einsamen und haben\nsich in dunkelleuchtende Wirklichkeit verändert.\nUnd er kann es nicht fassen, dass dies nicht Traum\nsein soll und sich so ihm zeige.\nHöchstes Gestirn des Seins!\nEwiger Bildwerke Tafel!\nDu kommst zu mir?\nWas keiner erschaut hat,\nDeine stumme Schönheit,\nWie? sie flieht vor meinen Blicken nicht?\nSchwebendes, Gleitendes, zu greifen ist seine\nAufgabe, seine Weisheit, und er heisst sie\n„Vogel-Weisheit\"\n„Wenn ich spielend in tiefen Licht-\n„Fernen schwamm und meiner Freiheit „Vogel-\n„Weisheit kam:\n„ — So aber spricht Vogel-Weisheit: Siehe es\n„gibt es gibt keinen Oben, kein Unten! Wirf Dich\n„umher hinaus, zurück, du leichter! Singe! sprich\n„nicht mehr.\n„Sind alle Worte nicht für die Schweren gemacht?\n„Lügen dem Leichtem nicht alle Worte?\n„Singe! Spricht nicht mehr!\nSein Teufel und Erzfeind — das ist der Geist der\nSchwere: Wahrlich — nie kannte einer den Todfeind,\ndas Furchtbare seines Lebens besser als Nietzsche —\nder Geist der Schwere, der ihm entreissen wollte,\nworan sein Selbst hing, — der Geist der Schwere,\ndurch den alle Dinge fallen, und alles Schwebende,\ndas heraufgeschleudert wurde und das nicht fallen\ndurfte.\nDen Geist der Schwere — so nennt Nietzsche das\nDenken, das in der Sphäre der bewussten Logik\narbeitet, das kritische, gründliche, zersetzende ober-\nbewusste Denken, das schafft, dessen Gründe wohl\n„schwerwiegend\" sind, aber den Geist niederziehen,\ndass er keine Weite überschauen kann.\nEinmal schleppt Zarathustra den Geist der Schwere,\nder auf ihm lastet, halb Zwerg halb Maulwurf, der mit\nMaulwurfsaugen in versteckte Windungen kriecht, er\nschleppt ihn auf seine Höhen, da, wo er den Gedanken\nder Ewigen Wiederkunft verkünden will, das einzige im\nWerke, das logisch und bewusst zu begründen versucht\nwird, ein Opfer dem Geist der Schwere, das ihm\nwiderwillig ist, denn nicht zu den Gründlichen redet er:\n„Zu Euch, den kühnen Suchern, Versuchern, und\n„wer je sich mit listigen Segeln auf furchtbare\n„Meere einschiffte — euch den Rätsel-Trunkenen,\n„den Zwielicht-Frohen, deren Seele mit Flöten zu\n„jedem Irrschlunde gelockt wird: — denn nicht\n„wollt ihr mit feiger Hand einem Faden nachtasten;\n„und wo ihr erraten könnt, da hasst ihr es zu\n„erschliessen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "381", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte nach dem Chinesischen", "titre_sommaire": "Gedichte nach dem Chinesischen", "signature_source": "Heinrich Horvát", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.3", "debut_caractere": 5879, "fin_caractere_exclue": 8086, "texte": "Gedichte nach dem\nChinesischen\nHeinrich Horvát\nDer Spielmann und die Tänzerin\nSie tanzt einen Tanz der entzückend ist:\n„Das Wiegen der Apfelbaumzweige\".\nAlle Männer bezaubert sie,\nAlle Frauen beneiden sie,\nJa selbst der Mikado wird freundlich gestimmt —\nDoch die Dichter — sie strahlen vor Wonne.\nSie tanzt einen Tanz der berauschend ist:\n„Das Taumeln des trunkenen Falters\".\nAlle Männer bezaubert sie,\nAlle Frauen bezaubert sie,\nJa selbst der Mikado ist höchlich erstaunt —\nDoch die Dichter sind ganz aus dem Häuschen.\nSie tanzt einen Tanz der unsagbar ist:\n„Das Zittern des Grases im Winde\".\nRosendüfte umhauchen sie,\nGoldene Falter umgaukeln sie,\nDa streift mich die Seide ihr leuchtendes Haar —\nUnd die Laute entsinkt meinen Händen.\nVorfrühling\nAuf den Strauss von Azaleen\nDen die schlanken Finger halten\nBlickt sie lächelnd. Goldfasanen\nFolgen ihr im lichten Grase.\nPlötzlich kommt ein gelber Falter\nStreift ihr Haar und lässt sich nieder\nAuf den Strauss von Azaleen,\nDen die schlanken Finger halten.\nUnd mit ängstlicher Geberde\nHält sie fern von sich die Blumen,\nDass ihr Atem nicht verscheuhe\nDiesen holden Gast des Frühlings,\nAuf den Strauss von Azaleen.\nDie Liebe\nAuf einer grossen Barke zog sie von mir fort;\nIch sah noch lang die Lampen und die Fahnen.\nDann stand ich noch. Dann sank die kühle Nacht\nherab --\nDann sah ich nichts, nur grosses schwarzes Wasser.\nNun bin ich traurig. Die gewohnten Dinge sind\nWie Fremdes, das mir nie vertraut gewesen ist.\nIch lege mich unter den dunklen Thujabaum\nUnd denke immer an die frühen Zeiten.\nWenn ich die Augen schliesse, seh ich ihren Mund,\nEr ist halboffen — oh ich hör ihn atmen.\nDas schöne Jahr\nDer Lenz war süss; mit einem jungen Mädchen\nTrank ich im jungen Walde goldnen Wein.\ni\nDer Sommer war ein Fest; im hohen Mittag\nSangen die Käfer auf dem Blumenfelde.\n«\nDer Herbst sah uns in laubgeschmückten Kähnen,\nRot säumten Ebereschen unsern Strom.\nDer Winter aber ist die märchenhafte,\nDie leise Zeit. Wir dichten dann von Bäumen,\nVon rotem Herbst und heller Frühlingshalde,\nVon Bienenblumensang und diesem wunderreichen\nSchneeflockenvorhang der sich langsam senkt\nUnd endlos senkt und ohne Laut . . oh sieh\nDes Schweigens weisse Blüten an den Fenstern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.5", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.3", "debut_caractere": 8088, "fin_caractere_exclue": 9561, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXIV\nDer spassende Oberlotse\nNach dem Mittagessen, das der Herr Bartmann an\nder grossen Lotsentafel einnahm, gabs ein sehr gemüt-\nliches Plauderstündchen.\nHerr Bartmann fragte nach den persönlichen Ver-\nhältnissen der einzelnen Herren und motivierte seine\nFragen dadurch, dass er sich den Anschein gab, als\nreise er im Auftrage der grossen Rechtszentrale am\nSchwantufluss. Und so bekam er sehr viele offene\nAntworten\nDoch die Antworten, die Herr Bartmann erhielt,\ngenügten ihm immer noch nicht — er hätte haupt-\nsächlich gern eine Schilderung des Phantasielebens\nder Herren Lotsen gehabt und sprach demnach sehr\noft und mit Wiederholungen von dem Innern des\nMenschen — und dass der Mensch doch nicht bloss\nein äusseres Leben führe; er meinte:\n„Die Natur, die uns umgibt, ist doch eigentlich\nnur ein grosses Sinnbild für uns; was wir äusserlich\nin uns aufnehmen, wird zu Mist. Und wir selber\nwerden auch etwas, was als Dünger verwandt werden\nkann. Unser äusseres Leben geht zu Grunde — aber\nalles, was wir innerlich empfinden und verarbeiten —\nwas wir, geleitet von dem grossen Volksgeiste, als\neine Lebenswelle schaffen — das geht nicht so zu\nGrunde wie das Äusserliche — ist nicht so flüchtig\nwie eine Meereswelle. Von dem, was die Herren\ninnerlich in sich haben — von dem möchte ich gern\netwas wissen.\"\n„Nun\", meinte da der Oberlotse, „was werden wir\nin uns haben? Was wir gegessen haben, werden wir\nin uns haben.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7992, "texte": "Da lachten Alle.\nAber der Kaiser lachte nicht; er verliess den\ngrossen Leuchtturm und begab sich in seinen Luft-\nwaggon.\nXXV\nSchiida und Ulaleipu\nDie Lotte Wiedevvitt schrieb an ihren Gatten nach\nlangen wirtschaftlichen Auseinandersetzungen am Schlüsse\nihres ersten Briefes:\n„Soweit ist hier wieder alles beim alten; die roten\nund gelben Tuchstreifen sind wieder fortgebracht, und\njeder macht hier wieder seine alten Dummheiten,\nmanchmal auch neue dazu. Viel Gescheites kommt\ndabei nicht raus. Der Kaiser, der jetzt hier Deine\nStellung einnimmt, lässt sich fast garnicht sehen; man\nsagt, er schreibe immerzu Rechnungen aus. Aber ich\nglaube das nicht. Schreib mir bald, wie es Dir geht\nin Deiner neuen Position. Es hat mit sehr leid getan,\ndass ich bei Deiner Abfahrt wieder so heftig wurde —\naber Du warst doch die Veranlassung. Wir sind ja\nvon all den vielen Sorgen so nervös geworden.\nHoffentlich wird jetzt alles besser; die Nachbarn glauben\ndas auch. Schreibe bald!\nViele Grüsse aus Schiida!\nIch bin\nDeine\nLotte\"\nDer Kaiser, der ja nicht der Kaiser, sondern der\nHerr Sebastian war, schrieb natürlich keine gewöhnlichen\nRechnungen aus — darin hatte die Lotte Wiedewitt\nganz recht; der Herr Sebastian rechnete sehr viel\nhinter verschlossenen Türen — aber diese Rechnungen\nwaren wissenschaftlicher Natur; der Herr Sebastian\narbeitete an einer neuen Erfindung, die mit Kanonen\neinen Warentransport arrangieren sollte; die Waren\nsollten mit Kanonen geschossen werden, und es handelte\nsich darum, die Fangapparate so zu konstruieren, dass\nsie die Geschosse auch dann auffingen, wenn ein\nstärkerer Wind die Bahn ein wenig veränderte.\nIn Ulaleipu war man natürlich nicht wenig erstaunt,\nals man immer noch nichts von den Taten des neuen\nOberbürgermeisters hörte; man zerbrach sich den Kopf\nüber das zurückgezogene Leben des Kaisers, konnte\naber nichts herausbekommen, da die Schildbürger ganz\nvernarrt in ihren kaiserlichen Oberbürgermeister waren\nund ihn ganz ungestört Hessen — natürlich in der\nAnnahme, dass ihr neues Oberhaupt nur über das\nSeelen- und Leibesheil der Schildbürger nachdächte;\ndie Rechnungen des Herrn Sebastian kamen den Schild-\nbürgern als nationalökonomische Rechnungen vor.\nAuch der Herr Moritz Wiedewitt lebte in Ulaleipu\nin der ersten Zeit sehr zurückgezogen, und auch er\narbeitete an grossen Rechnungen; diese aber waren\nnationalökonomischer Natur und betrafen die Einnahmen\nund Ausgaben der Stadt Schiida.\nDer Interimskaiser Moritz wollte seine Position\nzum Besten seiner Mitbürger ausnützen; er dachte\naber keineswegs an die innerlichen Schäden der Ein-\nwohner Schiidas, sondern an ihr äusserliches Leben,\ndem natürlich sehr viel abging, da Schiida wirtschaft-\nlich vom Kaiserreich Utopia losgelöst war und keinen\nAnteil mehr haben sollte an all den vielen Wohlfahrts-\neinrichtungen des Kaiserreichs.\nDer Staatsrat kam oft zusammen, und die häufigen\nZusammenkünfte brachten allmählich eine heitere\nStimmung hervor; man beglückwünschte sich, dass\nwenigstens kein Unsinn gemacht wurde — weder in\nSchiida noch in Ulaleipu.\nDie Bewohner der Residenz schienen äusserlich\nvon dem Thronwechsel kaum Notiz zu nehmen; die\nStaatsverhältnisse waren ja nach allen Richtungen so\ngesichert, dass einschneidende Veränderungen nicht\ndenkbar schienen; doch die Neugierde wuchs — und\nman war denn doch allgemein gespannt, was nun\nwerden würde.\nMan glaubte schon, der Kaiser würde in Schiida\nallmählich wieder den alten Volksglauben aufrichten,\naber die Priester schüttelten den Kopf und erklärten,\ndass sie doch ganz allein berufen wären, einen der-\nartigen Umschwung in der religiösen Lebensauffassung\nzu bewirken.\nAnderseits betonte man des Oefteren die verbohrte\nHartnäckigkeit der Schildbürger, die ein für allemal er-\nklärt hatten, dass sie sich aus dem Volksgeiste nichts\nmachten und durchaus ihr eigenes Leben unabhängig\nvom Volksgeiste führen wollten.\nUnd das war in Schiida immer noch so.\nUnd die Neugierde wuchs.\nDie Neugierde wuchs auch in Schiida.\nMan wachte auch in Schiida jeden Morgen mit\ndem Gedanken auf:\n„Was wird geschehen?\"\nAber es geschah nichts.\nDie Zeitungen schwiegen sich aus oder setzten\nleere Vermutungen in die Welt.\nDer Herr von Moellerkuchen sagte schliesslich zu\nseiner Frau:\n„Wenn jetzt nicht bald ein Erlass kommt, so be-\nfürchte ich, dass alles beim Alten bleibt\"\nHerr von Moellerkuchens Frau hielt das nicht für\nso unwahrscheinlich.\nXXVI\nDer Antiquar\nDer Kaiser fuhr nun als Herr Bartmann mit fieber-\nhafter Schnelligkeit durch sein Kaiserreich und studierte\nLand und Leute in der ihm eigentümlichen Art.\nDer Herr Bartmann erregte überall ein beträchtliches\nAufsehen, aber nicht des sebastianschen Luftfahrzeuges\nwegen — Luftwagen gabs in Utopia recht viele — es\nwar das Benehmen des Herrn Bartmann den Utopianern\nso auffällig; der fremde Herr fragte so viel, und das\nkam allen so neu, ungewöhnlich und — auch ein\nbischen anstössig vor.\nUnd die Antworten, die man dem Herrn Bartmann\ngab, klangen sehr bald recht spöttisch, so dass der\nFragesteller vorsichtig wurde und seine Taktik änderte;\ner sah ein, dass er sich verdächtig gemacht hatte und\ngab nun plötzlich vor, dass er eigentlich „Sammler\"\nsei — aber nicht ein einseitiger Sammler, vielmehr\neiner mit sehr vielseitigen Interessen.\nUnd auf diese Weise machte er, ohne dass es\nauffiel, die Bekanntschaft des Herrn Citronenthal, der\nals berühmter Antiquar ein grosses und dabei sehr\nintim gehaltenes Museum sein Eigen nannte.\nUnd Herr Bartmann setzte Herrn Citronenthal sehr\nbald auseinander, was er eigentlich zu sammeln wünschte,\nund sprach demzufolge so:\n„Ich möchte Raritäten geistiger Art sammeln —\nsolche, die sich scharf abheben vom Allgemeinen und\neigensinnig ganz aparte Ziele verfolgen — Ziele, die\nes zu ihren Zeiten noch nicht gab — kurzum: die\nPhantasieprodukte der bizarrsten Naturen.\"\n„Aha!\" versetzte rasch Herr Citronenthal, „wenn\nich nicht irre, so wollen Sie die Ahnengallerie des\nmodernen Schiida \"\nDer Herr Bartmann errötete und fürchtete sich\nabermals verraten zu haben und änderte deswegen\nabermals den Kurs und meinte ganz harmlos lächelnd:\n„Nicht so! Nicht so! Ich möchte bloss wissen,\nwie sich der Volksgeist, dem wir göttliche Verehrung\nentgegenbringen und gegen den ich gar keine Opposition\nwage, wie sich dieser Volksgeist in den feiner organi-\nsierten Vertretern des Volkes in früheren Zeiten\noffenbarte. Auf diese Wissbegierde allein basiert meine\nganze Sammelkunst. Mir ist so, als müsste ich etwas\nAltes sammeln, wenn ich die Quintessenz und das\nAllerfeinste der menschlichen Natur kennen lernen will.\"\n„Ganz auf dem richtigen Wege, Herr Bartmann\",\nversetzte der Antiquar einfach, „Sie wollen alte recht\nabenteuerliche Manuskripte — vielleicht Märchen oder\nsogenannte Utopien! Ganz richtig! So was kann\nman im Kaiserreich Utopia wohl sammeln. Ich habe\nsehr viel davon — auf kostbaren alten Blättern. Ja,\ndas nennt man wohl Erinnerungskunst, was Sie da\nsammeln wollen. Im Alten steckt die ganze Seele\nder Menschheit. Zum Alten zieht es uns immer wieder\nhin, wenn wir in der Gegenwart nicht das finden, was\nunserer Sehnsucht Genüge tut. Das weiss ein\nAntiquar, und ich verstehe Sie, Herr Bartmann, und\nschätze Sie.\"\nDer Antiquar blickte den Kaiser mit feuchten\nAugen lächelnd an, doch der sagte hastig:\n„Wie wärs aber, wenn ich noch weiter gehen\nmöchte? Kennen Sie nicht vielleicht Verhältnisse, in\ndenen das Alte in die Gegenwart gesetzt ist und dort\ngreifbar vor uns steht — und ganz lebendig ist? Sehen\nSie, grade das Lebendige möchte ich — das Lebendige!\"\nHerr Citronenthal runzelte die Stirn, stand auf und\nging auf seinen alten Teppichen ein paar mal auf und\nab und sagte dann bestimmt:\n„Herr Bartmann, Sie sind doch kein echter\nSammler. Aber ich kann Sie in eine befreundete\nFamilie einführen, wo Sie wohl das finden werden,\nwas Sie suchen. Obschon ich gestehen muss, dass\nich nicht ganz klar Ihre Ziele erkenne.\"\n„Wir werden uns schon allmählicn verstehen!\"\nsagte der Herr Bartmann.\nUnd sie gingen zusammen zu der dem Herrn\nCitronenthal befreundeten Familie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "384", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.6", "titre_corps": "Der gebildete Wüstling", "titre_sommaire": "Der gebildete Wüstling", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.4", "debut_caractere": 8013, "fin_caractere_exclue": 11580, "texte": "Der gebildete Wüstling\nVon Mynona\n\nEin Wüstling namens Benno Kleck (Anfang dreissig;\nWeltanschauung va sans dire; intelligentes rasiertes\nAeusseres; genialische Mache; unvergleichlich zu-\ngeschneidert etcetera) — — war so gebildet, dass er\nliterarisch-doktrinarisch endlich nicht nur flo-, sondern\nobendrein auch deflorierte. Wie entsetzlich genant!\nWas sollte die höhere Tochter, die keusche Jungfrau\ndenken, wenn erst Montaigne, Alfred Kerr, Max Harden,\nAristoteles, Fulda und andere Berge kreissten — dann\naber — hast du nicht gesehehen? — sie selbst!!\nEinem Gebildeten steht nichts so schlecht und so\nseltsam an, so unerwartet und überraschend als zu\nsehr betonte .... na ... . Lenden Und nun gar\nein Wüstling: sus Minervam. Benno! Benno! — Nu\nschön! aber gibt uns Faust nicht das unehrenhafteste\nVor- und Beispiel? Glauben Sie, der Heinrich (wa-\nrum Heinrich??) hätte Gretchen — — —, wenn er\nnicht einen annähernd gebildeten und zugleich pa- und\npotenten Eindruck gemacht hätte? Nein, nein, dass\nes dem Kleck mit den Mädlein so kleckte, rührte von\n— — mit Bildung her — eine nette Geschichte diese\nGeschichte seiner Verführungen: hier eine statt aller.\nBenno näherte sich unter den unglaublichsten\nalbernsten Vorwänden dem Fräulein Thekla Händewech\naus der Sauenziehnstrasse (oh ihr Setzer!). Theki\nwar sechzehn Jahre, blond bis in das Mark ihrer\nschnippischen Knochen, unverdorben wie ein Bastard\naus Tugend und Hässlichkeit, aber hübsch wie Eva\ndrei Sekunden vor ihrem interessanten Fall; also eine\nDelikatesse für — verstehen Sie ? Na, die blosse\nAnnäherung ist ja auch ohne alle Bildung wohl mög-\nlich, führt aber zu weiter nichts als zu komischen\nphysiologischen Allotrien ohne eigentlichen Effekt.\nMan kann überhaupt sagen: Bildung allein verfährt\nbloss die Seele; Kraft allein bloss den Leib, — es\nentsteht beidemal keinerlei totale Verführung, man tut\n— auf Ehre! — nur ein halbes Werk. Sie müssen, wenn\nSie wie Kleck sind, entweder die holde Mädchenseele\nmit dem Salz der Bildung durch und durch einmari-\nnieren, um den armen Körper dadurch — wer weiss\nwie zu reizen; oder Sie müssen physisch brutal werden\nund dann die arme Seele so lange mit Bildung zu\nkaressieren wissen, dass sie sich mit den verfluchten\n(weil gesegneten) Umständen ihres Leibes auszusöhnen\nentschliesst. Beidemal — non aliter — verführen Sie\ntolaliter. So Benno.\nBenno verwandelte die Thekla in eine wahre Lit-\nfasssäule der Gebildetheit. Er beklebte sie von oben\nbis unten ringsherum unter Auslassung eben nur einer\neinzigen, kleinen, winzigen Stelle mit allen Plakaten\ndes feinen Wissens. Von Pantschatantra bis Suder-\nmann — was sage ich: bis Leonor Goldschmied! —\n— war sie affichiert und gut auskoloriert — sie schrie\nwie die Nymphe Echo von Allem, was nicht aus ihr\nselbst, sondern aus Benno kam: das Echo beschämt\nden Schall, es ist so viel mehr Ohren schonend, zarter,\neinschmeichelnder: oh geniales Weib! Und als Benno\ndie Seele Theklas erfunden hatte (oh weib-\nliche — Jesses — „Psyche\"!), als Benno die etwas\nrobuste Wald- und Wiesen-Animadität der kleinen\nHändewech seelisch ausgeläutert, abgebadet, ätherisiert\nhatte — — da — — da — — ja da eröffnete er\ndieser geschickt arrangierten Seele: sie sei hohl, hohl,\nhohl (hol ihn der Teufel!). Nua begann also Theklas\nallerliebste Figur seelisch zu leiden; hm. Das Wissen\nwäre ja nichts ohne —. Ohne? — Na, ohne Herz:\nverstehen Sie! — Es ist gar nicht mehr viel zu be-\nrichten. Schluss mit Benno und Thekla. Es gibt\nnichts schauerlicheres als wenn cerebrum und sexus\nsich wie Zahnkiefern alliieren, um eine keusche Mädchen-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 305, "texte": "knospe wie eine Nuss zu zerknacken — krach! und\nda haben wir die Bescheerung. Es muss mit dem\nBankrott der Kultur enden; denn dass aller Leib,\nauch aller Mädchenleib Seele werde, das will Kultur.\nUnd da darf man doch nicht schamlos wie Benno —\nlassen Sie mich abbrechen und Worte wie Thränen\nverschlucken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "383", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.6.1", "titre_corps": "Menschenköpfe / Zeichnung von Oskar Kokoschka VII / Karin Michaelis", "titre_sommaire": "Menschenköpfe / Zeichnung von Oskar Kokoschka VII / Karin Michaelis", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 67, "texte": "Menschenköpfe / Zeichnung von Oskar Kokoschka\nVII / Karin Michaelis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "384", "page_fin": "384", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.7", "titre_corps": "Claire Waldoff", "titre_sommaire": "Claire Waldoff", "signature_source": "Siegmund Kalischer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.6", "debut_caractere": 307, "fin_caractere_exclue": 2859, "texte": "Claire Waldoff\nSiegmund Kalischer\n. . . Der alte Herr aber, wenn ihm die Reden der\ndummen Leute zu Ohren kamen, lächelte verschmitzt:\ner wusste schon, was er an dem niedlichen Porzellan-\nfigürchen hatte. Jede Nacht, wenn alle anderen\nMenschen längst schliefen, kam Püppchen von ihrem\nSockel, der am Kopfende des Bettes auf der Kommode\nstand, herunter, setzte sich auf den Bettrand zu Häupten\ndes alten Herrn, streckte das freche Stumpfnäschen in\ndie Höhe, liess die Beine ins Bett baumeln und sang\nmit ihrem dünnen Porzellanstimmchen die wunderlichsten\nLieder. So von Knoll, dem Grenadier, der mit seinem\nHerrn bei der Offizierswitwe in Einquartierung lag, die\neines Nachts liebeglühend in sein Zimmer kam:\nWillst Du mich li—ieben oder ha—hassen?\nUnd er stand stramm und sagt: jawoll!\n* *\n*\nDas grösste Geheimnis ihrer Wirkung ist: sie sieht\ngarnicht so aus. Ihr hat ein gütiger Gott die Gabe\ndes Kontrastes in den Leib gelegt Bei ihrer Freundin\nYvette sehen wir es voraus.\nLa couer de ta mere . . .\nnur wird sie den Kopf nicht, wie eine deutsche Schau-\nspielerin, voll Verachtung zurückwerfen, und dennoch\nwird aller verlangender Leichtsinn der Liebe in ihren\nWorten zittern:\npour mon chien!\nIhren Bruder Otto Reutter, aus dessen Gesicht\nsofort der Komiker mit den unbeweglichen Zügen\nherausspringt, übertrifft Ciaire Waldoff noch dadurch\nan Wirkung, dass sie ein kleines Mädchen ist: sie\nsieht „jarnich\" so aus. Ein kleines Mädchen, das\nplötzlich lachend dasteht und freundlich nickt. Oben\nein grosser Hut, unten ein Jungfräulein, das in den\nFrühling tanzt, aber dazwischen der Kopf, und in dem\nKopf der schmale, schiefe Mund, von dem jene Stimme\nsich löst — denn sie löst sich und wird ihr eigener\nHerr — in der der Leichtsinn und freche Uebermut\nder ganzen Welt Triumphe feiert, zu denen der begabte\nSchauspieler Arme und Beine und ein grösseres\nQuantum Alkohol brauchen würde.\nUnd er stand stramm und sagt: jawoll!\nDie Stimme, nur unterstützt von einem Zuckert\nder feinlinigen Brauen, ist plötzlich der Grenadier\nKnoll geworden. Ebenso plötzlich der Schusterjunge,\ndessen heissem Sehnen die Dame ohne Unterleib nicht\nGenüge tun kann:\nDas schönste sind die Beenekens, die Beenekens,\ndie Beenekens . . .\nInzwischen ist der Körper des kleinen Mädchens\ntot. Das Gehirn, die Kunst lebt ein unerhörtes Leben\nfrecher Freude, wird Stimme, verfolgt uns, setzt sich\nnachts mit baumelnden Beinen auf den Bettrand zu\nHäupten des Bettes und springt uns in den erstaunt\naufgehobenen Kopf:\nDas schönste sind die Beenekens, die Beenekens,\ndie Beenekens\nohne Ende."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "384", "page_fin": "384", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.8", "titre_corps": "Varieté", "titre_sommaire": "Varieté", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.6", "debut_caractere": 2861, "fin_caractere_exclue": 4828, "texte": "Varieté\nIn reinerer Luft unter dem Sternenhimmel des\nWintergartens. Das Variete befreit von der\nschwülen Schwere der Geistlosigkeit des Theaters.\nMan ist jenseits von Kitsch und Böse. Es darf nicht\nden mit üblichen Massstäben der Kunst gemessen\nwerden. Das Variete ist trotzdem Kunst, Ausdruck\nder Persönlichkeit. Aber die Persönlichkeit äussert sich\nhier nicht gefühlsmässig, sondern körperlich. Mit\nder Ansicht ist der richtige Blickpunkt gefunden. Sie\nerklärt die künstlerische Wirkung dessen, was wir in\nder Kunst sonst Kitsch nennen. Gold, Silber und\nFlitter scheint im Theater banal und verlogen, weil es\ndie Arbeit der Phantasie verhindert. Im Variete wird\ndurch diese Betonung der Linien und Formen die sinn-\nliche Aufnahmefägkeit gesteigert, ja überhaupt erst ge-\ngeben. Denn hier wollen wir nur mit den Augen sehen.\nNichts hinzutun und nichts hinwegnehmen. Natürlich\nentzückt sich die unkünstlerische Mehrheit der „gebil-\ndeten\" Zeitgenossen am stärksten bei Darbietungen, die\nüberhaupt nicht ins Variete gehören: der seriöse\nSänger, das patriotische Bild, der — Humorist beru-\nhigen ihr Kunstgewissen. Der Bürger vermag nur\nmillionenfach gedachte Gedanken nachzudenken, ver-\nschleimt in „Humor\" oder Sentimentalität (Der Er-\nfolg der Operette und des Feuilletons!) Er besitzt\nkeine Phantasie uud keine Anschauung. Selbst seine\nSinnlichkeit geht durch den Verstand. Erst die ganz\nnackte Tänzerin erregt ihn. Oder er muss ihr ge-\ndanklich wenigstens das Trikot abstreifen. Er kennt\nnicht die Naivität des Schauens. Er ist für das\nVariete verdorben, wie für die Kunst.\nIm Wintergarten sah ich die herrliche spanische\nTänzerin Leonora und den komischen Reckakt „The\n3 Ernest.\"\nIm Passagetheater sah ich die vorzüglichen Ex-\nzentriks „Mazuz and Mazette\" und die Schwestern\nChristians. Erheblich störte mich ein beliebter „Meister-\nchansonier\", der sich sehr komisch und sehr wichtig\nvorkam. Das Publikum brüllte seinen! Refrain mit.\nBerliner „Temperament\"\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "384", "page_fin": "384", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.9", "titre_corps": "Lokales", "titre_sommaire": "Lokales", "signature_source": "J. 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Und\neine dieser Seelen, selbst eine Grösse in der lyrischen\nDichtkunst, schrieb für den Lokal-Anzeiger einen reizen-\nden Bericht über das Ballfest.\nFür den Mittelpunkt, die Schlagerrevue, fand er\nnoch den Superlativ: faszinierend, aber schon „Johann\nStrauss schwingt das Szepter, und einschmeichelnde\nWalzerklänge locken, Terpsichore begeistert zu huldigen\".\nIn einem Nebenraume war die Tombola etabliert. Der\nlyrische Schmock: „Liebenswürdige Frauen ermahnen\nuns, der Glücksgöttin die Hand zu reichen, und es\nlohnt sich, denn prachtvolle Gewänne locken demjenigen\nals Lohn, der den geringen Einsatz wagt\" Aber der\nder Sänger vergisst nicht über sein Talent die Pflicht,\nund er notiert: „Exzellenz Dincklage-Lampe gehört zu\ndenen, die dem Rollen des Glücksrades interessiert\nzuschauen\". Und bei Tisch: „Da sass mir zur Rechten\neine schwarzharige Rheinländerin in gelbem Seidenbrokat,\ndie Person gewordene Antwort auf die Frage: Haben\ndie Frauen Humor?\" Ehe noch der Lokal-Anzeiger\ndiese Frage auswarf, hätte der Schmock die Wahr-\nnehmung machen können, dass jede Marktfrau mehr\nHumor und Witz besitzt als ein „Kollege\" oder etwa\nRudolf Herzog, der erfolgreiche Verfasser der Hanse-\naten, der4 nebst seiner liebenswürdigen Gattin Frau\nMinnie, zu den Grössen des Festes zählte. Aber\ner nicht allein, Victor Blüthgen auch, und von andern\nhervorragenden Persönlichkeiten sah der Schmock vor\nallem den Polizeipräsidenten von Jagow.\nDoch zum Schluss wird er wieder lyrisch.\n„Johann Straussens Walzertöne locken neuerdings,\nund abwechslungsreich, wie die Erzählungen Schehere-\nsades, lösen künsterische Unterhaltung und Tanz sich\nab, und der Schönheit huldigend und von der\nFreude getragen, gleiten die Stunden der Nacht\ndahin \"\nDie schwarzharige Rheinländerin muss, als sie am\nandern Morgen den lyrischen Gedankenniederschlag\nihres geistreichen Tischnachbars las, gar herzlich ge.\nlacht haben; vorausgesetzt, dass sie noch mehr ist\nals die Person gewordene Frage: Haben die Frauen\nHumor?\nWirtschaft, Horatio, Wirtschaft\n\" »Von den | bekannten Persönlichkeiten gaus den\nKreisen der Kunst und Literatur sah man Sigmund\nLautenburg, Dr. Artur Dinter und Kadelburg, [dessen\nHusarenfieber erst vor einigen Tagen in den Spielplan\nder Schillertheater aufgenommen worden.\"\n£112Das „Husarenfieber\" gwar für \"die Schillerbühnen\nangenommen .worden, Raphael Löwenfeld konnte sterben.\nAber an seinem Verdienst, die Kunst dem Volke ge-\nschenkt zu .haben, sollen \"die letzten Ehren, die ihm\ndie Ersten unserer Literatur erwiesen haben, wenig\nschmälern können.\n„Alle Widerstände und Anfeindungen wusste\nder rastlos Tätige zu überwinden; seine Glaube\nan das Volk, an den unstillbaren Hunger des\nVolkes nach Kunst hatte Recht behalten.\nKaviar fürs Volk nennt Hamlet zu hohe\ngeistige Kost. Vom Publikum des Schiller-\ntheaters haben wir erfahren, dass für das\ndeutsche Volk keine Kost zu teuer und zu\nfein sein kann, wenn man sie ihm nur an-\nbietet Denn zu den unveräusserlichen\nMenschenrechten zählte für Löwenfeld auch\ndas Recht auf Kunst.\"\nOlm Namen der „gedunsenen\" Claudius-\nLiteratur, des falschen „geflickten\" Lumpenkönigs,\nder um die Liehe der Königin Kunst buhlt, führte\nFulda einen Stoss hinreissender Polemik gegen Hamlet,\nder niemals in einem „Dummkopf\" zu hohe geistige\nKost für das Volk erblickt hätte. Des Volkes un-\nstillbarer Hunger nach Kunst wird mit einem\n„Husarenfieber\" befriedigt und zum geilen Appetit mit\neiner aufgewärmten Kost, die sich schon in Theatern\nfür Snob und Halbwelt bezahlt gemacht hat, prosti-\ntuiert\n„Hinreissend und ergreifend waren die Wök\nFuldas.\" Hinreissend? Wozu? Aber ergreifend\nmüssen sie gewesen sein, galten sie doch einem Manne,\ndessen Ringen nach etwas Grossem, an der Macht\nder hohlen Grössen unserer zeitgenössischen Literatur\nzerbrach."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "384", "page_fin": "384", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.10", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.6", "debut_caractere": 9237, "fin_caractere_exclue": 9849, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nMAX DAUTHENDEY\nDie geflügelte Erde / Ein Lied der Liebe\nund der Wunder von sieben Meeren\nVerlag Albert Langen / München\nRAINER MARIA RILKE\nDie Aufzeichnungen des Malte Laurids\nBrigge / Zwei Bände / Zweite Auflage\nInselverlag Leipzig\nMARGES\nRevue / Erscheint sechsmal im Jahre, am\nfünfzehnten jedes zweiten Monats / Jahres-\nbezug fünf Francs / Auf Japanpapier zehn\nFrancs\nParis / 5 rue Chaptal\nMERCURE DE FRANCE\nHalbmonatsschrift / Einzelheft ein Franc\nfünfzig Centimes\nParis / Mercure de France / 26 rue de Conde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 174, "texte": "1808S 388 SI SBBS 288Slg g^2BS\nGalcric Maximilian laelt\n35853S SSSS3S 3S3SS §BBS 3S3BS 3S3S3S2S 3SSSS\nBerlin SI., Ranhe-Strasse 1\nan der Kaiser Sli!l)eim Gedaci>tnls - K!rc^e"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "386", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.8", "debut_caractere": 178, "fin_caractere_exclue": 1130, "texte": "if.' •\n•.. .y\ni -..r-\n-f\ntiPSMin\n> . h \\ ' - >•\n... . * «;,! I • 1 -\nGesunde Zahne sind ein viel kostbareres Gut, als man es im taglichen\nLeben ohnehin schon einschatzt. Regelmassige Verdauung, gute Ernahrung,\ninfolgedessen Schaffens- und Lebenskraft, alles das sind Faktoren, die zum\ngrossen Teil von der guten Beschaffenheit der Zahne abhangen. Wenn\nSie daher Ihre Zahne schon und gesund erhalten wollen, so empfehlen\nwir Ihnen dringend, morgens und namentlich auch abends Kosmin zu\nbenutzen, da dieses Mundwasser infolge seiner erwiesenen Wirkung das\nZahnfleisch kraftigt, die durch Speisereste entstehende Faulnisbildung im\nMunde verhindert und dadurch die Zahne konserviert, solange dieses\nmir irgend moglich ist. . Der iiberaus erfrischende Wohlgeschmack\ndes Kosmin macht den taglichen Gebrauch dieses vorzuglichen\nMundwassers bereits nach kurzer Zeit zum angenehmen - Bedurf-\nnis. Preis pro Flasche, lange ausreichend, M. 1,50, überall kauflich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "386", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.8", "debut_caractere": 1132, "fin_caractere_exclue": 1363, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. 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Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle z.immer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "386", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.8", "debut_caractere": 2309, "fin_caractere_exclue": 2550, "texte": "Zeitschrift fur Musterzeichner\nWirksames Insertions-Organ\nFachschrift ersten Ranges\n:: Abonnenten in alien Staaten Europas ::\nInsertionsgebiihren massig\nOfferten gern zu Diensten\nSchriftleitung C. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7,20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis und franko\nInserate finden im „Forscheru\nwirksamste Verbreitung\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\n— Geschaftsstelle: —\nForscher - Verlag, Hannover"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "386", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.8", "debut_caractere": 3639, "fin_caractere_exclue": 3739, "texte": "Verlag Paul Reinicke,\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-01-28-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-01-28_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-01-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "386", "page_fin": "386", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Darum entgleitet vieles\nder Ohnmacht dessen, der jene Ausdrucksart nicht er-\nträgt, in die sich gerade die tiefsten Erkenntnisse fügen\nmüssen, weil sie die reichste ist an Möglichkeiten und\nTönen, und der dem Gesehenen schon in der Tiefe\ndie durchsichtige, farblose Gestalt des Logischen auf-\nzwingen will — vieles zerinnt ihm, was der andere\ngreifen kann. — Und vielleicht war es nötig, die Dinge\nnur einmal erst ans Licht zu tragen. — So entstand\nNietzsches Dityrambus.\nWas letzten Grundes allem Denken Bewegung gibt,\nwas seine Formen aneinanderfügt und aus einem\nMechanismus ein Organ macht, das, was allem Er-\nkennen eine Richtung weist, ist ein Wollen, dessen\nNatur so allgemein ist, dass wir seine Ziele noch\nnicht zu sagen vermögen. Aber gerade in dieser\nTätigkeit des Erkennens beschränkt und verneint sich\ndas Wollen selbst und lässt nicht zu, dass sein Wesen\nsich äussere Und wie alle Selbstverneinungen ist\nauch diese nur das Zeichen einer höher gesteigerten\nIntensität.\nDoch es geschieht, dass jenes Wollen die Formen\ndes reinen Erkennens, in denen es sich birgt, durch-\nbricht und unverhüllt in seiner Gewalt offenbar wird\n— wir stehen vor der Erscheinung des Pathos. Seinen\nleisesten Hauch und Keim fühlen wir eigentlich schon\nin der blossen Synthese, die jedes denkerische Resul-\ntat darstellt in der blossen Verbindung zweier vor-\ndem weit getrennter Empfindungskomplexe, wenn\nwir etwa vernehmen: Die Welt ist Wille.\nDas Pathos erhebt sich überall dort, wo ein allzu\nheftiges Strömen des Wollens, nicht stark genug, trotz\nder Last der Gesetze des Denkens bis an ein Resul-\ntat vorzudringen, sich von diesen befreit, wo der\nGeist demzufolge zu schwach ist, die logischen Einzel-\nheiten, die zu einem Ergebnis führen, getrennt hervor-\ntreten zu lassen, wo nur die Richtung und so der\nAusgang der Bewegung dieser logischen Zwischenglieder\nin zusammengesetzten Empfindungen als Erlebnis wahr-\ngenommen, aufgegriffen und formuliert wird, wo eine\nErkenntnis nicht entfaltet, sondern vorwegge-\nnommen wird.\nGenau genommen, sind alle Ergebnisse, die die\nGeschichte des Denkens aufweist, solche Vorwegnahmen\nvon Erkenntnissen einer kommenden Zeit. Denn,\nwenn wir eine Entwicklung des Denkens über Völker\nhin annehmen dürfen, so kommt ein Gedanke weit\nspäter in jener ausgebreiteten als in dieser komplexen\nForm zu Tage. Und der, der eine Entdeckung dieser\nletzten Art ausspricht, hat die Empfindung, dass er\njetzt schon etwas gesagt und aufgefangen hat, das\nerst in fernen Zeiten gleichsam fällig ist — und dieser\nungeheure Vorsprung, dieses Ankerwerfen in ferne\nZeiträume, diese Verdichtung eines gewaltigen Ablaufes\nin eine Wahrnehmung, ein Uebermass von Sensationen,\nist die Befriedigung jenes tiefen Wollens, das uns bis\nheute als der letzte greifbare Ausdruck der Gegeben-\nheit erscheint, die wir „Leben\" nennen.\nJe komplizierter und rcicher das Empfindungs-\ngewebe ist, auf dem das Erlebnis ruht, desto weiter\ndünkt dem Gestaltenden die Zeit, bis seine Erkennt-\nnis entfaltet, zerlegt und aufgenommen ist, desto länger\ndie Spanne, da sein Gedanke eine wirkende Macht\nbedeutet, desto tiefer glaubt er das Wesen des Exi-\nstierenden gesehen zu haben, desto intensiver ist sein\nPathos.\nFür unsere Empfindung mächtiger als je, über-\nfliessender als je, strömt die pathetische Kraft durch\ndie Gestaltungen des Auserlesenen dieser Zeit — Frie-\ndrich Nietzsches — dass alle Worte wie vor Leben\nerzittern. Durch irgend welche Zusammenwirkungen\nzeigt sich an dieser Erscheinung wie an keiner anderen\nfür unsere Augen das Schauspiel des Genies und das\nPhänomen steigert sich fast zu einer Grösse, die\npsychologischem Erfahrungswissen entwächst und nur\ndurch eine philosophische Anschauung umspannt werden\nkann, steigert sich zu einem Problem, dessen Lösung\nmit den Lösungen der letzten Fragen verwoben ist.\nWir können nichts tun als beschreiben\nDas Denken trägt mit sich die furchtbare Be-\nstimmung, das ihm ein Ding gerade dann, wenn es\nam meisten darum ringt, entgleitet. Denn immer\ndann, wenn der Geist die grösste Intensität des Denkens\nan der Erfassung eines Objektes arbeiten lässt, dann\nmuss das Denken über das Objekt hinweg und zu\nsich selbst zurückspringen.\nDenn die Steigerung der Intensität findet keinen\nanderen Ausweg. Wenn das Denken sich auf einen\nGegenstand richtet, tiefer und tiefer in das Wesen\ndieses Dinges dringt, ihn so ergreift, wie es ihm mög-\nlich ist, und schliesslich keine neue Seite mehr an\nihm entdecken kann, so prallt die nachdrängende\nKraft des Denkens, die keine Anhaltspunkte mehr an\ndem schon völlig „durchdachten\" Gegenstande finden\nkann, notwendig von diesem zurück und — richtet\nsich gegen sich selbst Denn dies verlangt die not-\nwendige Steigerung der Intensität des Denkens. Das\nDenken zerfasert, da es des Objekts nicht Herr ge-\nworden ist, seine eigenen Fähigkeiten, seine eigenen\nBeziehungen zu dem Gegenstande der Betrachtung,\nes wühlt und sondert seine Empfindungen, es viviseziert\nsie erbarmungslos, um ihren Blutkreislauf zu sehen und\nihre Herkunft zu erkunden, es lässt seine lebendigen\nFunktionen wirken, um sie dann als zerschnittenes,\nwertloses Experimentiermaterial verächtlich beiseite zu\nwerfen.\nDas enttäuschte, durch den Misserfolg und Nicht-\nÜberwindung seines Gegenstandes ohnmächtige Denken\nbegeht gleichsam Selbstmord. Es wütet gegen sich:\nWas war es denn an mir, dass ich das Ding nicht\nlösen konnte? Dies Selbstbedenken schwillt, den ganzen\nGeist durchsetzend, mehr und mehr an und schliess-\nlich :\nDie Kraft des Denkens, die den widerstehenden\nGegenstand zu erfassen suchte, und die Lösung\nbringen sollte wird schwächer und schwächer und\nmehr und mehr auf die Selbstbeobachtung des\nDenkens verbraucht\nDie Selbstbetrachtung wird Selbstzweck, obwohl sie\nanfangs nur Mittel war, den Gegenstand tiefer zu er-\nfassen. Zwischen zwei Grenzpunkten bewegt sich das\nDenken, zwischen der grössten auf einen Gegenstand\nverwandten Intensität, und zwischen der grössten auf\nsich selbst verwandten Intensität, zwischen naivem und\nund indirektem, zwischen direktem und kritischem,\nzwischen schaffendem und zersetzendem, zwischen dem\nDenken, das sich seiner selbst unbewusst und nur seines\nGegenstandes bewusst — und dem Denken, das sich\nnur seiner selbst bewusst ist.\nDas schaffende Denken ist dann am kleinsten und\ngeringsten, wenn die Selbstzerfleischung am grössten ist\nund überhand genommen hat.\nDas schaffende Denken arbeitet am machtvollsten,\nwenn es sich seiner selbst unbewusst nur auf den\nGegenstand richtet.\nDieses direkte Denken, das von sich selbst abso-\nlut nichts empfindet, dessen ganzes Bewusstsein rest-\nlos durch die Inhalte und Objekte des Denkens aus-\ngefüllt wird, oder das seine ganze Kraft in der Um-\nfassung des Inhalts seines Objektes erschöpft, dieses\nDenken dringt naturgemäss viel tiefer in das Wesen\neines Objektes als das, welches auf die Objekte nur\nschaut, in seinem eigenen Innern durch Dunkelheiten\nund Krankheiten gefesselt.\nUnd noch in Einem scheiden sich die naive oder\nunbewusste und die indirekte oder bewusste Denkmethode\nvoneinander.\nDas langsame grübelnde Tempo der refletiven und\nder Intensitätssturm der naiven Erkenntnis.\nDas indirekte Denken, durch Misserfolge unsicher\ngemacht, misstraut jeder seiner eigenen Beobachtungen,\nimmer tiefer dringt die Selbstbeobachtung von Schritt\nzu Schritt mehr mit Vorbehalten beladen und bleiern\nsich an die Kraft des Erkennens hängend — alles wird\nverdächtig und vorläufig.\nJedes Denken, auch das kritische, ist nämlich letzten\nGrundes naiv — denn immer muss ein sich selber un-\nbewusstes, denkendes agens vorhanden sein — aber\ndie dem Denkempfindenden andauernd eingeprägte\nDrohung des Irrtums — diese gleichsam christliche\nMoral der Trug- und Scheinhaftigkeit alles Denkens\nund der Verleugnung seiner Ergebnisse — untergräbt\ndie Lebenskraft und Sicherheit des ursprünglichen\nDenkens, und macht seinen Gang langsam nnd kraft-\nlos. Aber kein Urteil soll etwa damit gesprochen\nwerden über den Wert der beiden Wege. *\nDie eine Bewegung des Denkens, die indirekte,\nsich selbst betrachtende, stellt sich in der Erkenntnis-\nkritik dar, die andere, nach der gegebenen Definition\nunbewusste Denkbewegung gipfelt in philosophischen\nSystembau.\nDie Reihe derer, die begierig waren, die Formen\nund Zusammenhänge des Daseins zu greifen, trennt\nsich in die, welche ihre Kraft verwandten, sich zu\ndieser Aufgabe zu prüfen, und in die, welche imstande\nzu sein glaubten sie zu lösen.\nUnter den Philosophen des Landes gewinnt die\nindirekte, kritische Anwendung der Erkenntnisfähigkeit,\ndas Bedenken des Denkens, mit Kant ein grosses\nUebergewicht, dessen Nachwirkung das ganze vorige\nJahrhundert bis zur Gegenwart hindurch tätig war.\nZuerst, weit zuerst, ist das Denken selber das Thema\nKants und dahinter, erst indirekt, im Nebel, tauchen\ndie eigentlichen Daten auf, welche die geistige Tätig-\nkeit bewältigen sollte. Neben einem energischen, bis\nin die subtilste Begriffskasuistik hinein durchgespon-\nnenen und aufgetrennten Gewebe der inhaltlosen\nFormen des Denkens steht eine ungleich schwächere\nund mattere Betrachtung der direkten Objekte des\nDenkens. Ob zu recht oder unrecht steht nicht in\nFrage, Auf Kant folgt eine gewisse Reaktion gegen\ndiese Ausübung des Denkens mit zu schwachen Mitteln,\num den allmächtigen Begriffsherrscher zu überwinden.\nDas unterdrückte direkte Denken bricht in mitunter\nziemlich erbarmungswürdiger Gestalt in der Naturphilo-\nsophie hervor. Die in der Geschichte des Geistes an-\ndauernden Revolutionen und Gegenrevolutionen, Unter-\nrevolutionen und Gegenunterrevolutionen arbeiten weiter.\nWeitaus kraftvoller als seine Vorgänger tritt Schopen-\nhauer dem indirekten Denken gegenüber. Viel wuchtiger\nist bei ihm die Erfassung der Welt, des Ganzen als\nWille und Vorstellung, und nichts fühlt man deutlicher,\nals dass hier leidenschaftlicher, direkter als seit langem\neine endgültige Erfassung der Probleme angegriffen\nwird.\nVon hier aus nun steigt die Periode zu einem\nNon-plus-ultra des Gegensatzes zu Kant, zu einer be-\ntäubenden Explosion des direkten Denkens, zu Fried-\nrich Nietzsche.\nHier ist das Denken wieder geworden, was es im\nAnbeginn gewesen sein mag — ein Sinn. Ein Sinn, in\nallem bis ins letze, seiner selbst unbewusst, nach den Ge-\nsetzen seines Baues das Gegenständliche einsaugend.\nAlle Gedanken fluten nah wie die Emfindungen der\nSinne, angefüllt mit Realität. In reinster Einheit trifft\ndie Macht der Seele gegen alle Dinge — und zum\nersten Male.\nEs ist ein erstes Begegnen zwischen Denken und\nDingen, ein erstmaliges erbebendes Erstaunen, denn\nalles ist neu, anders und seltsam. Eben wie die Sinne,\nlebt und arbeitet das Denken nicht auf Geheiss\neines bewussten Willens sondern auf Geheiss eines un-\nbewussten. Und hier ist die letzte Grenze des Rätsels,\ndessen stummes fragendes Aussen in dem Geiste Nietzsches\nsichbarer als irgend sonst aus dem Schatten tritt. Diese\nletzte Sichbarkeit ist: Das Denken denkt nicht auf be-\nwussten Willen, sondern es strömt aus einem Unter-\nbewusstsein, es ist unwillkürlich, da, wo es sich\nzum Grössten entfaltet.\n„Ich\" sagst Du und bist stolz auf dies Wort. Aber\n„das Grössere ist, woran du nicht glauben willst\n„Dein Leib und seine grosse Vernunft.\n„Die sagt nicht Ich, aber tut Ich.\n„Werkzeuge sind Sinne und Geist: hinter ihnen\n„liegt noch das Selbst. Das Selbst sucht auch mit\n„den Augen der Sinne, es horcht auch mit den\n„Ohren des Geistes\n„Es herrscht und ist auch des Ichs Beherrscher.\n„Hinter Deinen Gedanken und Gefühlen steht ein\n„mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser —\n„Der heisst Selbst.\n„Das Selbst sagt zum Ich: „Hier fühle Schmerz\"\n„Und da leidet es und denkt nach, wie es nicht\n„mehr leide — und eben dazu soll es denken.\n„Das Selbst sagt zum Ich: „Hier fühle Lust.\"\n„Und da freut es sich und denkt nach, wie es\n„noch oft sich freue und eben dazu soll es denken.\"\nJetzt nimmt der Gegensatz zwischen direktem und\nindirektem, kritischem, selbstbetrachendem Denken andere"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.3", "texte": "Formen an, die tiefergehend und umfassender die\nZweiheit spiegeln: Das Denken, das an der Oberfläche\ndes Bewusstseins arbeitet, vom Willen getrieben, und\ndas Denken, dass aus dem bisher Unbekannten seine\nKraft holt.\nNirgends liegt der Abgrund tiefer zwischen dem\nZersetzenden, zwischen Nietzsche und Kant: Der naive\nDenker, dessen Denken dem Sinne, der nach der Art\nseiner Natur empfindet, gleicht; dieser wendet die in\nihm liegenden Gesesetze des Denkens unbewusst\nan • der Denker das Oberbewusstseins und der kritische\nbringt sich währnnd des Denkens dauernd die in ihm\nliegenden Gesetze des Denkens ins Bewusstsein (darauf\nverwendet er die Kraft) und vergleicht, ob er nach\nihnen gedacht hat. Darum denkt er nicht eigentlich,\nsondern er prüft. Der andere aber prüft nicht —\nsondern — sieht.\nWie ist Zweifel möglich, wenn das Denken selber\nsieht? Mit fröhlichem Hohngelächter antwortet\nZarathustra dem Jünger, der ihn nach Gründen fragt\nfür seine Wahrheit:\n„Warum ? sagte Zarathustra, Du fragst „Warum ?\"\n„Ich gehöre nicht zu denen, welche man nach ihrem\n„Warum\" fragen darf.\n„Ist denn mein Erleben von gestern ? Das ist\n„lange her, dass ich die Gründe meiner Meinungen\nerlebte.\"\nWie der Sinn seine Fähigkeit holt aus der Lebendig-\nkeit seines Trägers, so nimmt das Denken seine Kraft\naus Einem, das denkt, aber nicht selber das Denken\nist, aus einem unbekannten Faktor, der das Bewusstsein\nerzeugt und in ihm denkt, der aber selbst jenseits der\nGrenzen des Bewusstseins schafft und existiert.\nUnd in gerader Bahn aus diesem Unbekannten\nbrechen bei Nietzsche die Kräfte des Geistes in die\nBewusstheit, aus diesem Wesen, in dem die Ungreif-\nbarkeit von Leben und Sein selbst beginnt. So hat er die\ntiefste Unmittelbarkeit des Denkens und jede Erkenntnis\nist eine Entladung von unterirdischer Gewalt.\nEin solcher Machtausbruch des Geistes ohne\nGleichen ist der „Zarathustra\".\nSo tiefher kam die Kraft, dass er näher drang an\nalles Unaussprechbare als ein anderer.\nIn heimlichste Dunkelheiten wurde er getragen im\nSturm des Erlebens ergriff er ihre unfassbaren Formen\nund liess die Gestaltungen überfluten, voll von den\nSchauern der Wirklichkeit.\nIn je zehn Tagen stürzen die Rhythmen Zarathustras\nhervor — dreimal ein unvergleichbarer Torso — eine\nso rasende Verschwendung, dass der überströmende\nReichtum in zehn Tagen nicht erzeugt, nicht geschaffen,\nsondern nur gerade ausgeschüttet werden konnte, der\nlange auf dem Grunde zusammengetragen war. Ihn\nselber, in seinem bewussten Empfinden, ergriff jedesmal\nein fassungsloses Ueberschüttetsein bei diesem Schau-\nspiel des vulkanischen Werdens. Und er wusste, dass\ndies seine Einzigkeit und sein Geschick war. Er\nwusste, dass all sein Wert an diese Zeit gebunden\nwar, da ihm ein Unterbewusstsein sein tiefes Schauen\nin das Denken warf. Und er fühlte: Sein Leben hing\ndaran, dass er es ergriff, sonst sank es wieder er-\nbarmungslos in das Dunkel zurück und wurde leer\nund farblos. Nur diese kurze Spanne war ihm ge-\ngeben, die Empfindungen zu gestalten, während sie\noberhalb der Tore des Bewusstseins dahinflogen, ehe\nsie rettungslos versanken.\nSo griff er in fiebernder Hast nach Bildern und\nGleichnissen, zu halten, was zu halten war, wenn der\nStrom des Erlebens heraufschwoll.\nIn diesem Schweben, in diesem stillen traumhohen\nSich-Halten wird das Denken sich voll Entzücken un-\nerhörter Fähigkeiten inne, ein auf- und niederjagender\nlautloser Jubel zittert in ihm, da er sieht, dass es alle\nSehnsüchte in Wirklichkeit zu wandeln vermag. Und\nein schmerzhafter Ton des vergangenen Scheins ent-\nzündet die stille Lust noch tiefer.\nNichts entflieht, ruhig liegen die fernsten Wunder\nvor dem bebenden Erstaunen des Einsamen und haben\nsich in dunkelleuchtende Wirklichkeit verändert.\nUnd er kann es nicht fassen, dass dies nicht Traum\nsein soll und sich so ihm zeige.\nHöchstes Gestirn des Seins!\nEwiger Bildwerke Tafel!\nDu kommst zu mir?\nWas keiner erschaut hat,\nDeine stumme Schönheit,\nWie? sie flieht vor meinen Blicken nicht?\nSchwebendes, Gleitendes, zu greifen ist seine\nAufgabe, seine Weisheit, und er heisst sie\n„Vogel-Weisheit\"\n„Wenn ich spielend in tiefen Licht-\n„Fernen schwamm und meiner Freiheit „Vogel-\n„Weisheit kam:\n„ — So aber spricht Vogel-Weisheit: Siehe es\n„gibt es gibt keinen Oben, kein Unten! Wirf Dich\n„umher hinaus, zurück, du leichter! Singe! sprich\n„nicht mehr.\n„Sind alle Worte nicht für die Schweren gemacht?\n„Lügen dem Leichtem nicht alle Worte?\n„Singe! Spricht nicht mehr!\nSein Teufel und Erzfeind — das ist der Geist der\nSchwere: Wahrlich — nie kannte einer den Todfeind,\ndas Furchtbare seines Lebens besser als Nietzsche —\nder Geist der Schwere, der ihm entreissen wollte,\nworan sein Selbst hing, — der Geist der Schwere,\ndurch den alle Dinge fallen, und alles Schwebende,\ndas heraufgeschleudert wurde und das nicht fallen\ndurfte.\nDen Geist der Schwere — so nennt Nietzsche das\nDenken, das in der Sphäre der bewussten Logik\narbeitet, das kritische, gründliche, zersetzende ober-\nbewusste Denken, das schafft, dessen Gründe wohl\n„schwerwiegend\" sind, aber den Geist niederziehen,\ndass er keine Weite überschauen kann.\nEinmal schleppt Zarathustra den Geist der Schwere,\nder auf ihm lastet, halb Zwerg halb Maulwurf, der mit\nMaulwurfsaugen in versteckte Windungen kriecht, er\nschleppt ihn auf seine Höhen, da, wo er den Gedanken\nder Ewigen Wiederkunft verkünden will, das einzige im\nWerke, das logisch und bewusst zu begründen versucht\nwird, ein Opfer dem Geist der Schwere, das ihm\nwiderwillig ist, denn nicht zu den Gründlichen redet er:\n„Zu Euch, den kühnen Suchern, Versuchern, und\n„wer je sich mit listigen Segeln auf furchtbare\n„Meere einschiffte — euch den Rätsel-Trunkenen,\n„den Zwielicht-Frohen, deren Seele mit Flöten zu\n„jedem Irrschlunde gelockt wird: — denn nicht\n„wollt ihr mit feiger Hand einem Faden nachtasten;\n„und wo ihr erraten könnt, da hasst ihr es zu\n„erschliessen.\"\n\nSchluss folgt\n\nGedichte nach dem\nChinesischen\nHeinrich Horvát\nDer Spielmann und die Tänzerin\nSie tanzt einen Tanz der entzückend ist:\n„Das Wiegen der Apfelbaumzweige\".\nAlle Männer bezaubert sie,\nAlle Frauen beneiden sie,\nJa selbst der Mikado wird freundlich gestimmt —\nDoch die Dichter — sie strahlen vor Wonne.\nSie tanzt einen Tanz der berauschend ist:\n„Das Taumeln des trunkenen Falters\".\nAlle Männer bezaubert sie,\nAlle Frauen bezaubert sie,\nJa selbst der Mikado ist höchlich erstaunt —\nDoch die Dichter sind ganz aus dem Häuschen.\nSie tanzt einen Tanz der unsagbar ist:\n„Das Zittern des Grases im Winde\".\nRosendüfte umhauchen sie,\nGoldene Falter umgaukeln sie,\nDa streift mich die Seide ihr leuchtendes Haar —\nUnd die Laute entsinkt meinen Händen.\nVorfrühling\nAuf den Strauss von Azaleen\nDen die schlanken Finger halten\nBlickt sie lächelnd. Goldfasanen\nFolgen ihr im lichten Grase.\nPlötzlich kommt ein gelber Falter\nStreift ihr Haar und lässt sich nieder\nAuf den Strauss von Azaleen,\nDen die schlanken Finger halten.\nUnd mit ängstlicher Geberde\nHält sie fern von sich die Blumen,\nDass ihr Atem nicht verscheuhe\nDiesen holden Gast des Frühlings,\nAuf den Strauss von Azaleen.\nDie Liebe\nAuf einer grossen Barke zog sie von mir fort;\nIch sah noch lang die Lampen und die Fahnen.\nDann stand ich noch. Dann sank die kühle Nacht\nherab --\nDann sah ich nichts, nur grosses schwarzes Wasser.\nNun bin ich traurig. Die gewohnten Dinge sind\nWie Fremdes, das mir nie vertraut gewesen ist.\nIch lege mich unter den dunklen Thujabaum\nUnd denke immer an die frühen Zeiten.\nWenn ich die Augen schliesse, seh ich ihren Mund,\nEr ist halboffen — oh ich hör ihn atmen.\nDas schöne Jahr\nDer Lenz war süss; mit einem jungen Mädchen\nTrank ich im jungen Walde goldnen Wein.\ni\nDer Sommer war ein Fest; im hohen Mittag\nSangen die Käfer auf dem Blumenfelde.\n«\nDer Herbst sah uns in laubgeschmückten Kähnen,\nRot säumten Ebereschen unsern Strom.\nDer Winter aber ist die märchenhafte,\nDie leise Zeit. Wir dichten dann von Bäumen,\nVon rotem Herbst und heller Frühlingshalde,\nVon Bienenblumensang und diesem wunderreichen\nSchneeflockenvorhang der sich langsam senkt\nUnd endlos senkt und ohne Laut . . oh sieh\nDes Schweigens weisse Blüten an den Fenstern.\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXIV\nDer spassende Oberlotse\nNach dem Mittagessen, das der Herr Bartmann an\nder grossen Lotsentafel einnahm, gabs ein sehr gemüt-\nliches Plauderstündchen.\nHerr Bartmann fragte nach den persönlichen Ver-\nhältnissen der einzelnen Herren und motivierte seine\nFragen dadurch, dass er sich den Anschein gab, als\nreise er im Auftrage der grossen Rechtszentrale am\nSchwantufluss. Und so bekam er sehr viele offene\nAntworten\nDoch die Antworten, die Herr Bartmann erhielt,\ngenügten ihm immer noch nicht — er hätte haupt-\nsächlich gern eine Schilderung des Phantasielebens\nder Herren Lotsen gehabt und sprach demnach sehr\noft und mit Wiederholungen von dem Innern des\nMenschen — und dass der Mensch doch nicht bloss\nein äusseres Leben führe; er meinte:\n„Die Natur, die uns umgibt, ist doch eigentlich\nnur ein grosses Sinnbild für uns; was wir äusserlich\nin uns aufnehmen, wird zu Mist. Und wir selber\nwerden auch etwas, was als Dünger verwandt werden\nkann. Unser äusseres Leben geht zu Grunde — aber\nalles, was wir innerlich empfinden und verarbeiten —\nwas wir, geleitet von dem grossen Volksgeiste, als\neine Lebenswelle schaffen — das geht nicht so zu\nGrunde wie das Äusserliche — ist nicht so flüchtig\nwie eine Meereswelle. Von dem, was die Herren\ninnerlich in sich haben — von dem möchte ich gern\netwas wissen.\"\n„Nun\", meinte da der Oberlotse, „was werden wir\nin uns haben? Was wir gegessen haben, werden wir\nin uns haben.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.4", "texte": "Da lachten Alle.\nAber der Kaiser lachte nicht; er verliess den\ngrossen Leuchtturm und begab sich in seinen Luft-\nwaggon.\nXXV\nSchiida und Ulaleipu\nDie Lotte Wiedevvitt schrieb an ihren Gatten nach\nlangen wirtschaftlichen Auseinandersetzungen am Schlüsse\nihres ersten Briefes:\n„Soweit ist hier wieder alles beim alten; die roten\nund gelben Tuchstreifen sind wieder fortgebracht, und\njeder macht hier wieder seine alten Dummheiten,\nmanchmal auch neue dazu. Viel Gescheites kommt\ndabei nicht raus. Der Kaiser, der jetzt hier Deine\nStellung einnimmt, lässt sich fast garnicht sehen; man\nsagt, er schreibe immerzu Rechnungen aus. Aber ich\nglaube das nicht. Schreib mir bald, wie es Dir geht\nin Deiner neuen Position. Es hat mit sehr leid getan,\ndass ich bei Deiner Abfahrt wieder so heftig wurde —\naber Du warst doch die Veranlassung. Wir sind ja\nvon all den vielen Sorgen so nervös geworden.\nHoffentlich wird jetzt alles besser; die Nachbarn glauben\ndas auch. Schreibe bald!\nViele Grüsse aus Schiida!\nIch bin\nDeine\nLotte\"\nDer Kaiser, der ja nicht der Kaiser, sondern der\nHerr Sebastian war, schrieb natürlich keine gewöhnlichen\nRechnungen aus — darin hatte die Lotte Wiedewitt\nganz recht; der Herr Sebastian rechnete sehr viel\nhinter verschlossenen Türen — aber diese Rechnungen\nwaren wissenschaftlicher Natur; der Herr Sebastian\narbeitete an einer neuen Erfindung, die mit Kanonen\neinen Warentransport arrangieren sollte; die Waren\nsollten mit Kanonen geschossen werden, und es handelte\nsich darum, die Fangapparate so zu konstruieren, dass\nsie die Geschosse auch dann auffingen, wenn ein\nstärkerer Wind die Bahn ein wenig veränderte.\nIn Ulaleipu war man natürlich nicht wenig erstaunt,\nals man immer noch nichts von den Taten des neuen\nOberbürgermeisters hörte; man zerbrach sich den Kopf\nüber das zurückgezogene Leben des Kaisers, konnte\naber nichts herausbekommen, da die Schildbürger ganz\nvernarrt in ihren kaiserlichen Oberbürgermeister waren\nund ihn ganz ungestört Hessen — natürlich in der\nAnnahme, dass ihr neues Oberhaupt nur über das\nSeelen- und Leibesheil der Schildbürger nachdächte;\ndie Rechnungen des Herrn Sebastian kamen den Schild-\nbürgern als nationalökonomische Rechnungen vor.\nAuch der Herr Moritz Wiedewitt lebte in Ulaleipu\nin der ersten Zeit sehr zurückgezogen, und auch er\narbeitete an grossen Rechnungen; diese aber waren\nnationalökonomischer Natur und betrafen die Einnahmen\nund Ausgaben der Stadt Schiida.\nDer Interimskaiser Moritz wollte seine Position\nzum Besten seiner Mitbürger ausnützen; er dachte\naber keineswegs an die innerlichen Schäden der Ein-\nwohner Schiidas, sondern an ihr äusserliches Leben,\ndem natürlich sehr viel abging, da Schiida wirtschaft-\nlich vom Kaiserreich Utopia losgelöst war und keinen\nAnteil mehr haben sollte an all den vielen Wohlfahrts-\neinrichtungen des Kaiserreichs.\nDer Staatsrat kam oft zusammen, und die häufigen\nZusammenkünfte brachten allmählich eine heitere\nStimmung hervor; man beglückwünschte sich, dass\nwenigstens kein Unsinn gemacht wurde — weder in\nSchiida noch in Ulaleipu.\nDie Bewohner der Residenz schienen äusserlich\nvon dem Thronwechsel kaum Notiz zu nehmen; die\nStaatsverhältnisse waren ja nach allen Richtungen so\ngesichert, dass einschneidende Veränderungen nicht\ndenkbar schienen; doch die Neugierde wuchs — und\nman war denn doch allgemein gespannt, was nun\nwerden würde.\nMan glaubte schon, der Kaiser würde in Schiida\nallmählich wieder den alten Volksglauben aufrichten,\naber die Priester schüttelten den Kopf und erklärten,\ndass sie doch ganz allein berufen wären, einen der-\nartigen Umschwung in der religiösen Lebensauffassung\nzu bewirken.\nAnderseits betonte man des Oefteren die verbohrte\nHartnäckigkeit der Schildbürger, die ein für allemal er-\nklärt hatten, dass sie sich aus dem Volksgeiste nichts\nmachten und durchaus ihr eigenes Leben unabhängig\nvom Volksgeiste führen wollten.\nUnd das war in Schiida immer noch so.\nUnd die Neugierde wuchs.\nDie Neugierde wuchs auch in Schiida.\nMan wachte auch in Schiida jeden Morgen mit\ndem Gedanken auf:\n„Was wird geschehen?\"\nAber es geschah nichts.\nDie Zeitungen schwiegen sich aus oder setzten\nleere Vermutungen in die Welt.\nDer Herr von Moellerkuchen sagte schliesslich zu\nseiner Frau:\n„Wenn jetzt nicht bald ein Erlass kommt, so be-\nfürchte ich, dass alles beim Alten bleibt\"\nHerr von Moellerkuchens Frau hielt das nicht für\nso unwahrscheinlich.\nXXVI\nDer Antiquar\nDer Kaiser fuhr nun als Herr Bartmann mit fieber-\nhafter Schnelligkeit durch sein Kaiserreich und studierte\nLand und Leute in der ihm eigentümlichen Art.\nDer Herr Bartmann erregte überall ein beträchtliches\nAufsehen, aber nicht des sebastianschen Luftfahrzeuges\nwegen — Luftwagen gabs in Utopia recht viele — es\nwar das Benehmen des Herrn Bartmann den Utopianern\nso auffällig; der fremde Herr fragte so viel, und das\nkam allen so neu, ungewöhnlich und — auch ein\nbischen anstössig vor.\nUnd die Antworten, die man dem Herrn Bartmann\ngab, klangen sehr bald recht spöttisch, so dass der\nFragesteller vorsichtig wurde und seine Taktik änderte;\ner sah ein, dass er sich verdächtig gemacht hatte und\ngab nun plötzlich vor, dass er eigentlich „Sammler\"\nsei — aber nicht ein einseitiger Sammler, vielmehr\neiner mit sehr vielseitigen Interessen.\nUnd auf diese Weise machte er, ohne dass es\nauffiel, die Bekanntschaft des Herrn Citronenthal, der\nals berühmter Antiquar ein grosses und dabei sehr\nintim gehaltenes Museum sein Eigen nannte.\nUnd Herr Bartmann setzte Herrn Citronenthal sehr\nbald auseinander, was er eigentlich zu sammeln wünschte,\nund sprach demzufolge so:\n„Ich möchte Raritäten geistiger Art sammeln —\nsolche, die sich scharf abheben vom Allgemeinen und\neigensinnig ganz aparte Ziele verfolgen — Ziele, die\nes zu ihren Zeiten noch nicht gab — kurzum: die\nPhantasieprodukte der bizarrsten Naturen.\"\n„Aha!\" versetzte rasch Herr Citronenthal, „wenn\nich nicht irre, so wollen Sie die Ahnengallerie des\nmodernen Schiida \"\nDer Herr Bartmann errötete und fürchtete sich\nabermals verraten zu haben und änderte deswegen\nabermals den Kurs und meinte ganz harmlos lächelnd:\n„Nicht so! Nicht so! Ich möchte bloss wissen,\nwie sich der Volksgeist, dem wir göttliche Verehrung\nentgegenbringen und gegen den ich gar keine Opposition\nwage, wie sich dieser Volksgeist in den feiner organi-\nsierten Vertretern des Volkes in früheren Zeiten\noffenbarte. Auf diese Wissbegierde allein basiert meine\nganze Sammelkunst. Mir ist so, als müsste ich etwas\nAltes sammeln, wenn ich die Quintessenz und das\nAllerfeinste der menschlichen Natur kennen lernen will.\"\n„Ganz auf dem richtigen Wege, Herr Bartmann\",\nversetzte der Antiquar einfach, „Sie wollen alte recht\nabenteuerliche Manuskripte — vielleicht Märchen oder\nsogenannte Utopien! Ganz richtig! So was kann\nman im Kaiserreich Utopia wohl sammeln. Ich habe\nsehr viel davon — auf kostbaren alten Blättern. Ja,\ndas nennt man wohl Erinnerungskunst, was Sie da\nsammeln wollen. Im Alten steckt die ganze Seele\nder Menschheit. Zum Alten zieht es uns immer wieder\nhin, wenn wir in der Gegenwart nicht das finden, was\nunserer Sehnsucht Genüge tut. Das weiss ein\nAntiquar, und ich verstehe Sie, Herr Bartmann, und\nschätze Sie.\"\nDer Antiquar blickte den Kaiser mit feuchten\nAugen lächelnd an, doch der sagte hastig:\n„Wie wärs aber, wenn ich noch weiter gehen\nmöchte? Kennen Sie nicht vielleicht Verhältnisse, in\ndenen das Alte in die Gegenwart gesetzt ist und dort\ngreifbar vor uns steht — und ganz lebendig ist? Sehen\nSie, grade das Lebendige möchte ich — das Lebendige!\"\nHerr Citronenthal runzelte die Stirn, stand auf und\nging auf seinen alten Teppichen ein paar mal auf und\nab und sagte dann bestimmt:\n„Herr Bartmann, Sie sind doch kein echter\nSammler. Aber ich kann Sie in eine befreundete\nFamilie einführen, wo Sie wohl das finden werden,\nwas Sie suchen. Obschon ich gestehen muss, dass\nich nicht ganz klar Ihre Ziele erkenne.\"\n„Wir werden uns schon allmählicn verstehen!\"\nsagte der Herr Bartmann.\nUnd sie gingen zusammen zu der dem Herrn\nCitronenthal befreundeten Familie.\n\nFortsetzung foglt\n\nDer gebildete Wüstling\nVon Mynona\n\nEin Wüstling namens Benno Kleck (Anfang dreissig;\nWeltanschauung va sans dire; intelligentes rasiertes\nAeusseres; genialische Mache; unvergleichlich zu-\ngeschneidert etcetera) — — war so gebildet, dass er\nliterarisch-doktrinarisch endlich nicht nur flo-, sondern\nobendrein auch deflorierte. Wie entsetzlich genant!\nWas sollte die höhere Tochter, die keusche Jungfrau\ndenken, wenn erst Montaigne, Alfred Kerr, Max Harden,\nAristoteles, Fulda und andere Berge kreissten — dann\naber — hast du nicht gesehehen? — sie selbst!!\nEinem Gebildeten steht nichts so schlecht und so\nseltsam an, so unerwartet und überraschend als zu\nsehr betonte .... na ... . Lenden Und nun gar\nein Wüstling: sus Minervam. Benno! Benno! — Nu\nschön! aber gibt uns Faust nicht das unehrenhafteste\nVor- und Beispiel? Glauben Sie, der Heinrich (wa-\nrum Heinrich??) hätte Gretchen — — —, wenn er\nnicht einen annähernd gebildeten und zugleich pa- und\npotenten Eindruck gemacht hätte? Nein, nein, dass\nes dem Kleck mit den Mädlein so kleckte, rührte von\n— — mit Bildung her — eine nette Geschichte diese\nGeschichte seiner Verführungen: hier eine statt aller.\nBenno näherte sich unter den unglaublichsten\nalbernsten Vorwänden dem Fräulein Thekla Händewech\naus der Sauenziehnstrasse (oh ihr Setzer!). Theki\nwar sechzehn Jahre, blond bis in das Mark ihrer\nschnippischen Knochen, unverdorben wie ein Bastard\naus Tugend und Hässlichkeit, aber hübsch wie Eva\ndrei Sekunden vor ihrem interessanten Fall; also eine\nDelikatesse für — verstehen Sie ? Na, die blosse\nAnnäherung ist ja auch ohne alle Bildung wohl mög-\nlich, führt aber zu weiter nichts als zu komischen\nphysiologischen Allotrien ohne eigentlichen Effekt.\nMan kann überhaupt sagen: Bildung allein verfährt\nbloss die Seele; Kraft allein bloss den Leib, — es\nentsteht beidemal keinerlei totale Verführung, man tut\n— auf Ehre! — nur ein halbes Werk. Sie müssen, wenn\nSie wie Kleck sind, entweder die holde Mädchenseele\nmit dem Salz der Bildung durch und durch einmari-\nnieren, um den armen Körper dadurch — wer weiss\nwie zu reizen; oder Sie müssen physisch brutal werden\nund dann die arme Seele so lange mit Bildung zu\nkaressieren wissen, dass sie sich mit den verfluchten\n(weil gesegneten) Umständen ihres Leibes auszusöhnen\nentschliesst. Beidemal — non aliter — verführen Sie\ntolaliter. So Benno.\nBenno verwandelte die Thekla in eine wahre Lit-\nfasssäule der Gebildetheit. Er beklebte sie von oben\nbis unten ringsherum unter Auslassung eben nur einer\neinzigen, kleinen, winzigen Stelle mit allen Plakaten\ndes feinen Wissens. Von Pantschatantra bis Suder-\nmann — was sage ich: bis Leonor Goldschmied! —\n— war sie affichiert und gut auskoloriert — sie schrie\nwie die Nymphe Echo von Allem, was nicht aus ihr\nselbst, sondern aus Benno kam: das Echo beschämt\nden Schall, es ist so viel mehr Ohren schonend, zarter,\neinschmeichelnder: oh geniales Weib! Und als Benno\ndie Seele Theklas erfunden hatte (oh weib-\nliche — Jesses — „Psyche\"!), als Benno die etwas\nrobuste Wald- und Wiesen-Animadität der kleinen\nHändewech seelisch ausgeläutert, abgebadet, ätherisiert\nhatte — — da — — da — — ja da eröffnete er\ndieser geschickt arrangierten Seele: sie sei hohl, hohl,\nhohl (hol ihn der Teufel!). Nua begann also Theklas\nallerliebste Figur seelisch zu leiden; hm. Das Wissen\nwäre ja nichts ohne —. Ohne? — Na, ohne Herz:\nverstehen Sie! — Es ist gar nicht mehr viel zu be-\nrichten. Schluss mit Benno und Thekla. Es gibt\nnichts schauerlicheres als wenn cerebrum und sexus\nsich wie Zahnkiefern alliieren, um eine keusche Mädchen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.5", "texte": "Menschenköpfe / Zeichnung von Oskar Kokoschka\nVII / Karin Michaelis"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.6", "texte": "knospe wie eine Nuss zu zerknacken — krach! und\nda haben wir die Bescheerung. Es muss mit dem\nBankrott der Kultur enden; denn dass aller Leib,\nauch aller Mädchenleib Seele werde, das will Kultur.\nUnd da darf man doch nicht schamlos wie Benno —\nlassen Sie mich abbrechen und Worte wie Thränen\nverschlucken.\n\nClaire Waldoff\nSiegmund Kalischer\n. . . Der alte Herr aber, wenn ihm die Reden der\ndummen Leute zu Ohren kamen, lächelte verschmitzt:\ner wusste schon, was er an dem niedlichen Porzellan-\nfigürchen hatte. Jede Nacht, wenn alle anderen\nMenschen längst schliefen, kam Püppchen von ihrem\nSockel, der am Kopfende des Bettes auf der Kommode\nstand, herunter, setzte sich auf den Bettrand zu Häupten\ndes alten Herrn, streckte das freche Stumpfnäschen in\ndie Höhe, liess die Beine ins Bett baumeln und sang\nmit ihrem dünnen Porzellanstimmchen die wunderlichsten\nLieder. So von Knoll, dem Grenadier, der mit seinem\nHerrn bei der Offizierswitwe in Einquartierung lag, die\neines Nachts liebeglühend in sein Zimmer kam:\nWillst Du mich li—ieben oder ha—hassen?\nUnd er stand stramm und sagt: jawoll!\n* *\n*\nDas grösste Geheimnis ihrer Wirkung ist: sie sieht\ngarnicht so aus. Ihr hat ein gütiger Gott die Gabe\ndes Kontrastes in den Leib gelegt Bei ihrer Freundin\nYvette sehen wir es voraus.\nLa couer de ta mere . . .\nnur wird sie den Kopf nicht, wie eine deutsche Schau-\nspielerin, voll Verachtung zurückwerfen, und dennoch\nwird aller verlangender Leichtsinn der Liebe in ihren\nWorten zittern:\npour mon chien!\nIhren Bruder Otto Reutter, aus dessen Gesicht\nsofort der Komiker mit den unbeweglichen Zügen\nherausspringt, übertrifft Ciaire Waldoff noch dadurch\nan Wirkung, dass sie ein kleines Mädchen ist: sie\nsieht „jarnich\" so aus. Ein kleines Mädchen, das\nplötzlich lachend dasteht und freundlich nickt. Oben\nein grosser Hut, unten ein Jungfräulein, das in den\nFrühling tanzt, aber dazwischen der Kopf, und in dem\nKopf der schmale, schiefe Mund, von dem jene Stimme\nsich löst — denn sie löst sich und wird ihr eigener\nHerr — in der der Leichtsinn und freche Uebermut\nder ganzen Welt Triumphe feiert, zu denen der begabte\nSchauspieler Arme und Beine und ein grösseres\nQuantum Alkohol brauchen würde.\nUnd er stand stramm und sagt: jawoll!\nDie Stimme, nur unterstützt von einem Zuckert\nder feinlinigen Brauen, ist plötzlich der Grenadier\nKnoll geworden. Ebenso plötzlich der Schusterjunge,\ndessen heissem Sehnen die Dame ohne Unterleib nicht\nGenüge tun kann:\nDas schönste sind die Beenekens, die Beenekens,\ndie Beenekens . . .\nInzwischen ist der Körper des kleinen Mädchens\ntot. Das Gehirn, die Kunst lebt ein unerhörtes Leben\nfrecher Freude, wird Stimme, verfolgt uns, setzt sich\nnachts mit baumelnden Beinen auf den Bettrand zu\nHäupten des Bettes und springt uns in den erstaunt\naufgehobenen Kopf:\nDas schönste sind die Beenekens, die Beenekens,\ndie Beenekens\nohne Ende.\n\nVarieté\nIn reinerer Luft unter dem Sternenhimmel des\nWintergartens. Das Variete befreit von der\nschwülen Schwere der Geistlosigkeit des Theaters.\nMan ist jenseits von Kitsch und Böse. Es darf nicht\nden mit üblichen Massstäben der Kunst gemessen\nwerden. Das Variete ist trotzdem Kunst, Ausdruck\nder Persönlichkeit. Aber die Persönlichkeit äussert sich\nhier nicht gefühlsmässig, sondern körperlich. Mit\nder Ansicht ist der richtige Blickpunkt gefunden. Sie\nerklärt die künstlerische Wirkung dessen, was wir in\nder Kunst sonst Kitsch nennen. Gold, Silber und\nFlitter scheint im Theater banal und verlogen, weil es\ndie Arbeit der Phantasie verhindert. Im Variete wird\ndurch diese Betonung der Linien und Formen die sinn-\nliche Aufnahmefägkeit gesteigert, ja überhaupt erst ge-\ngeben. Denn hier wollen wir nur mit den Augen sehen.\nNichts hinzutun und nichts hinwegnehmen. Natürlich\nentzückt sich die unkünstlerische Mehrheit der „gebil-\ndeten\" Zeitgenossen am stärksten bei Darbietungen, die\nüberhaupt nicht ins Variete gehören: der seriöse\nSänger, das patriotische Bild, der — Humorist beru-\nhigen ihr Kunstgewissen. Der Bürger vermag nur\nmillionenfach gedachte Gedanken nachzudenken, ver-\nschleimt in „Humor\" oder Sentimentalität (Der Er-\nfolg der Operette und des Feuilletons!) Er besitzt\nkeine Phantasie uud keine Anschauung. Selbst seine\nSinnlichkeit geht durch den Verstand. Erst die ganz\nnackte Tänzerin erregt ihn. Oder er muss ihr ge-\ndanklich wenigstens das Trikot abstreifen. Er kennt\nnicht die Naivität des Schauens. Er ist für das\nVariete verdorben, wie für die Kunst.\nIm Wintergarten sah ich die herrliche spanische\nTänzerin Leonora und den komischen Reckakt „The\n3 Ernest.\"\nIm Passagetheater sah ich die vorzüglichen Ex-\nzentriks „Mazuz and Mazette\" und die Schwestern\nChristians. Erheblich störte mich ein beliebter „Meister-\nchansonier\", der sich sehr komisch und sehr wichtig\nvorkam. Das Publikum brüllte seinen! Refrain mit.\nBerliner „Temperament\"\nTrust\n\nLokales\nJ. A.\nBallbericht\nIn die Vornacht zur Trauerfeier für Raphael Löwen-\nfeld fiel der „Schlagerrevue\"-Ball des Schriftsteller-Klubs.\nDas traf sich wahrscheinlich für manche Grösse der\nKunst und Literatur sehr gut. Sie fuhr, nachdem sie\nsich totgelacht und lahm getanzt hatte, gen Charlotten-\nburg, um sich von dem professionellen „Gedenk-\nredner\" Fulda hinreissen zu lassen.\nDie Grössen unsrer Kunst und Literatur bedrücken\nkeine Sorgen, sie sind vergnügt und zufrieden, sie sind\nihrer Theaterdirektoren, ihrer Verleger und eines hero-\nisch geduldigen Publikums gewiss, ihre Wegbereiter,\nverzückte Schmöcke, sind ihnen hündisch ergeben. Und\neine dieser Seelen, selbst eine Grösse in der lyrischen\nDichtkunst, schrieb für den Lokal-Anzeiger einen reizen-\nden Bericht über das Ballfest.\nFür den Mittelpunkt, die Schlagerrevue, fand er\nnoch den Superlativ: faszinierend, aber schon „Johann\nStrauss schwingt das Szepter, und einschmeichelnde\nWalzerklänge locken, Terpsichore begeistert zu huldigen\".\nIn einem Nebenraume war die Tombola etabliert. Der\nlyrische Schmock: „Liebenswürdige Frauen ermahnen\nuns, der Glücksgöttin die Hand zu reichen, und es\nlohnt sich, denn prachtvolle Gewänne locken demjenigen\nals Lohn, der den geringen Einsatz wagt\" Aber der\nder Sänger vergisst nicht über sein Talent die Pflicht,\nund er notiert: „Exzellenz Dincklage-Lampe gehört zu\ndenen, die dem Rollen des Glücksrades interessiert\nzuschauen\". Und bei Tisch: „Da sass mir zur Rechten\neine schwarzharige Rheinländerin in gelbem Seidenbrokat,\ndie Person gewordene Antwort auf die Frage: Haben\ndie Frauen Humor?\" Ehe noch der Lokal-Anzeiger\ndiese Frage auswarf, hätte der Schmock die Wahr-\nnehmung machen können, dass jede Marktfrau mehr\nHumor und Witz besitzt als ein „Kollege\" oder etwa\nRudolf Herzog, der erfolgreiche Verfasser der Hanse-\naten, der4 nebst seiner liebenswürdigen Gattin Frau\nMinnie, zu den Grössen des Festes zählte. Aber\ner nicht allein, Victor Blüthgen auch, und von andern\nhervorragenden Persönlichkeiten sah der Schmock vor\nallem den Polizeipräsidenten von Jagow.\nDoch zum Schluss wird er wieder lyrisch.\n„Johann Straussens Walzertöne locken neuerdings,\nund abwechslungsreich, wie die Erzählungen Schehere-\nsades, lösen künsterische Unterhaltung und Tanz sich\nab, und der Schönheit huldigend und von der\nFreude getragen, gleiten die Stunden der Nacht\ndahin \"\nDie schwarzharige Rheinländerin muss, als sie am\nandern Morgen den lyrischen Gedankenniederschlag\nihres geistreichen Tischnachbars las, gar herzlich ge.\nlacht haben; vorausgesetzt, dass sie noch mehr ist\nals die Person gewordene Frage: Haben die Frauen\nHumor?\nWirtschaft, Horatio, Wirtschaft\n\" »Von den | bekannten Persönlichkeiten gaus den\nKreisen der Kunst und Literatur sah man Sigmund\nLautenburg, Dr. Artur Dinter und Kadelburg, [dessen\nHusarenfieber erst vor einigen Tagen in den Spielplan\nder Schillertheater aufgenommen worden.\"\n£112Das „Husarenfieber\" gwar für \"die Schillerbühnen\nangenommen .worden, Raphael Löwenfeld konnte sterben.\nAber an seinem Verdienst, die Kunst dem Volke ge-\nschenkt zu .haben, sollen \"die letzten Ehren, die ihm\ndie Ersten unserer Literatur erwiesen haben, wenig\nschmälern können.\n„Alle Widerstände und Anfeindungen wusste\nder rastlos Tätige zu überwinden; seine Glaube\nan das Volk, an den unstillbaren Hunger des\nVolkes nach Kunst hatte Recht behalten.\nKaviar fürs Volk nennt Hamlet zu hohe\ngeistige Kost. Vom Publikum des Schiller-\ntheaters haben wir erfahren, dass für das\ndeutsche Volk keine Kost zu teuer und zu\nfein sein kann, wenn man sie ihm nur an-\nbietet Denn zu den unveräusserlichen\nMenschenrechten zählte für Löwenfeld auch\ndas Recht auf Kunst.\"\nOlm Namen der „gedunsenen\" Claudius-\nLiteratur, des falschen „geflickten\" Lumpenkönigs,\nder um die Liehe der Königin Kunst buhlt, führte\nFulda einen Stoss hinreissender Polemik gegen Hamlet,\nder niemals in einem „Dummkopf\" zu hohe geistige\nKost für das Volk erblickt hätte. Des Volkes un-\nstillbarer Hunger nach Kunst wird mit einem\n„Husarenfieber\" befriedigt und zum geilen Appetit mit\neiner aufgewärmten Kost, die sich schon in Theatern\nfür Snob und Halbwelt bezahlt gemacht hat, prosti-\ntuiert\n„Hinreissend und ergreifend waren die Wök\nFuldas.\" Hinreissend? Wozu? Aber ergreifend\nmüssen sie gewesen sein, galten sie doch einem Manne,\ndessen Ringen nach etwas Grossem, an der Macht\nder hohlen Grössen unserer zeitgenössischen Literatur\nzerbrach.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nMAX DAUTHENDEY\nDie geflügelte Erde / Ein Lied der Liebe\nund der Wunder von sieben Meeren\nVerlag Albert Langen / München\nRAINER MARIA RILKE\nDie Aufzeichnungen des Malte Laurids\nBrigge / Zwei Bände / Zweite Auflage\nInselverlag Leipzig\nMARGES\nRevue / Erscheint sechsmal im Jahre, am\nfünfzehnten jedes zweiten Monats / Jahres-\nbezug fünf Francs / Auf Japanpapier zehn\nFrancs\nParis / 5 rue Chaptal\nMERCURE DE FRANCE\nHalbmonatsschrift / Einzelheft ein Franc\nfünfzig Centimes\nParis / Mercure de France / 26 rue de Conde\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\nI. V.: Oskar Kokoschka"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.7", "texte": "1808S 388 SI SBBS 288Slg g^2BS\nGalcric Maximilian laelt\n35853S SSSS3S 3S3SS §BBS 3S3BS 3S3S3S2S 3SSSS\nBerlin SI., Ranhe-Strasse 1\nan der Kaiser Sli!l)eim Gedaci>tnls - K!rc^e"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110128-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle „Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, für Berlin A. Bots, Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Exped., Druck v. Carl Schüssler-Hannover\n\nif.' •\n•.. .y\ni -..r-\n-f\ntiPSMin\n> . h \\ ' - >•\n... . * «;,! I • 1 -\nGesunde Zahne sind ein viel kostbareres Gut, als man es im taglichen\nLeben ohnehin schon einschatzt. Regelmassige Verdauung, gute Ernahrung,\ninfolgedessen Schaffens- und Lebenskraft, alles das sind Faktoren, die zum\ngrossen Teil von der guten Beschaffenheit der Zahne abhangen. Wenn\nSie daher Ihre Zahne schon und gesund erhalten wollen, so empfehlen\nwir Ihnen dringend, morgens und namentlich auch abends Kosmin zu\nbenutzen, da dieses Mundwasser infolge seiner erwiesenen Wirkung das\nZahnfleisch kraftigt, die durch Speisereste entstehende Faulnisbildung im\nMunde verhindert und dadurch die Zahne konserviert, solange dieses\nmir irgend moglich ist. . Der iiberaus erfrischende Wohlgeschmack\ndes Kosmin macht den taglichen Gebrauch dieses vorzuglichen\nMundwassers bereits nach kurzer Zeit zum angenehmen - Bedurf-\nnis. Preis pro Flasche, lange ausreichend, M. 1,50, überall kauflich.\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nDER NEUE CLUB\nDonnerstag, 26. Januar, abends 8 Uhr, Salon Cassirer,\nVictoriastrasse 35\nHerwarth Walden s Liederkompositionen\nEs singen: Hofopernsanger Jul Liebau / Hedwig Rossin-Rosenfeld\nHofopernsanger Franz Lindner / Dr. Rudolf Bltimer\nAm Klavier: Herwarth Walden\nKarten zu 3 Mk. bei Edmund Meyer, Buchhandlung,\nPotsdamerstrasse 27 bund an der Abendkasse :: ::\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle z.immer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fOrdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7,20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis und franko\nInserate finden im „Forscheru\nwirksamste Verbreitung\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\n— Geschaftsstelle: —\nForscher - Verlag, Hannover\n\nVerlag Paul Reinicke,\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n\nVerlag Osterheld & Co.\nIn unserm Verlag erschien\nElse\nLasker-Schiiler:\nDie\nWupper\nDrama\nMk. 2.—\nDurch alle Buchhandlungen\nzu beziehen\n\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\nivvvvvvvvvvvvvvwwvwwwwrvwv\\f\n\nHOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERANT IHRER MA .TEST AT\nDER KAISERIN UND KONIGIN\n■■\n■\nWB-BERLIN -W8\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNGrSEINBICHTUNG-EN\n■ i KUNSTG-EWERBE i i\nANTIQUITATEN UND STOFFE\n\n#\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\n;preiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 ■■ Telephon I, 7497"}]}