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Aber nach wie vor will man\nim Spiegel dieser Kunst das Abbild einer müden kranken\nMenschheit erkennen, das Hinsterben einer überreifen\nKultur. Ein Dichter der Dekadenz, ein Künstler des\nLeidens, Schöpfer unfroher und gequälter Gestalten,\nprägt er die Hoffnungslosigkeit eines erliegenden Ge-\nschlechtes — damit ist die allgemeine Auffassung gekenn-\nzeichnet, die von der Kritik selten eingeschränkt wurde.\nDie gegenteilige Anschauung erscheint im ersten\nAugenblick paradox. Dennoch ist in der Reihe der\nDramen von den „Stützen der Gesellschaft\" angefangen\nneben der Geschichte des Zugrundegehens die des Neu-\nerwachens einer Zeit enthalten; und mit so stolzen,\nzukunftsicheren Verheissungen ist sie verkündet, dass\njeder Moment der Hoffnungslosigkeit vor ihr verblasst.\nWenn das allgemeine Urteil sich darüber täuschen\nkonnte, so lag es daran, dass man Anschauungen, die\ndem Wesen des Ibsenschen Dramas fremd sind, als\nMassstab für seinen Inhalt nahm. Diese feste Voraus-\nsetzung, mit der man an die Beurteilung der Dramen\nherantrat, ist der populäre Glaube an einen ganz be-\nstimmten Sinn und Zweck dessen, was schlechthin\nLiebe heisst. Denn als man endlich verzichtet hatte,\nin Ibsens Werke die abgezirkelte Aneinanderreihung\nsozialer Probleme zu sehen, als man in seinen Gestalten\nMenschen erkannte, deren Tun und Lassen durch ein\ntiefes Interesse, das sie an einander nehmen, gelenkt\nwird, da galt es erst dieses Interesse zu verstehen und\nzu werten. Dieses seltsame, starke Fühlen, dessen Vor-\nhandensein jedem konventionellen Wort einen tieferen\nNebensinn verleiht, solange es nicht alle Schranken der\nKonvention durchbricht, schien sich überhaupt dem ge-\nbräuchlichen Begriff der Liebe nicht recht zu fügen.\nUnd als man doch nicht umhin konnte, ein Begehren,\nwie es zwischen Hedda und Eylert, Rebekka und Rosmer,\nIrene und Rubeck und all den anderen nach Ausdruck\nund Erfüllung ringt, Liebe zu nennen, da mass man\nseinen Wert am hergebrachten Zweckmassstab.\nDer Zweck! Zu allen Zeiten hat man der Dar-\nstellung der Liebe auch in den absurdesten Formen die\nSympathie nicht versagt. Dolch, Gift, Natur- und Spinn-\nstubenromantik sind dem Künstler gerne als Requisiten\nzugestanden worden. Nur an eines durfte er nicht\nrühren, ein Zug musste klar und unverkennbar bleiben:\nder stets vorweggenommene Zweck. Wie immer die\nAeusserungen waren, das Begehren selbst musste als\nWille zum Kind verstanden werden können. Hier war\nder Wertmassstab der Liebe, trotz Kunstbegeisterung\nund Romantik, hier ihre Berechtigung, hier auch die\nGrenze des Gesunden, noch zu Duldenden in ihrem\nBereich. Als man diese Auffassung in die Welt der\nDramen trug, dann — und erst dann — erhielten ihre\nGestalten den Stempel der Unvollkommenheit, ihre\nLeidenschaften den des Krankhaften. An dieser Ueber-\nzeugung gemessen ist Ibsen der Schilderer des Nieder-\nganges Aber diese Anschauung selbst, dieser alte, ge-\nfestete Glaube an den Götzen „Kind\" dem so viele\nGenerationen im Leben und in der Kunst geopfert haben,\nbedarf der Prüfung.\nIst jede Liebe krankhaft und unnütz, die dem einen\nZweck nicht gerecht wird, ist sie stets eines von beiden:\nverächtlich oder bedauernswert? Gibt es keinen anderen\nSinn, kein anderes Ziel der Liebe, das diesem einen\nebenbürtig ist? Gibt es nur diese eine Liebe und ist\njedes andere Liebesfühlen krankhaft, dem natürlichen\nZweck entfremdet oder gibt es Liebe, mit anderen\nebenso natürlichen Zwecken als die Fortpflanzung der\nGattung?\nGerade in diesen Dichtungen, die die vornehmste\nDarstellung einer Liebe enthalten, die nicht der Trieb\nzur Zeugung sein kann, ist es möglich, Wert und Wesen\ndieser Gefühle zu kennen.\nDie Liebe bei Ibsen wirkt und schaft am Menschen.\nNicht neue Menschen zu zeugen, die Lebenden zu\nhöheren Menschen zu veredeln, ist ihr Ziel. Sie er-\nweckt, sie erzieht, sie befreit. Schaffende, im Leben\nund durch das Leben schaffende Liebe beseelt seine\nSchöpfung. Nur nach dem erziehenden und befreienden\nWert darf gemessen werden, ob diese Liebe das Leben\nverneint. In modern materialistisch geschulten Gehirnen\nentsteht der Einwand: Welche Bedeutung kann es für\ndie Menschheit überhaupt haben, wenn der Einzelne\nveredelt wird, der sich nicht fortpflanzt? Rosmer,\nSolness, sie werden zu den höchsten Gipfeln ihres\nSelbst getrieben, um im Augenblicke dieses Erreichens\nzu Grunde zu gehen ? Man muss es heute besonders\nbetonen, es gibt eine Art, Kulturwerte fortzupflanzen,\ndie nicht Vererbung heisst. Das ist die Tat; das Bei-\nspiel, das von einem gegeben in unzähligen anderen\nlebendig weiterwirkt. Baumeister Solness stürzt im\nMoment seiner grossen Ueberwindung, aber er über-\nwindet im Angesicht der Menge.\nLiebesgeschichte, Geschichte dieser Liebe allein ist\nder Insalt all dieser Werke, denen man so gerne Rätsel-\nhaftigkeit und ungeheuerliche Verwicklung zuspricht.\nWas der mächtige Apparat, die Fragen der Zeit und\nder Gesellschaft, bei ihrer Darstellung zu suchen haben?\nEs ist eine Liebe besonderer Art. Liebe, die Kultur-\nwerte schafft und nicht Menschen, die den Menschen\nheranbildet zum Kämpfer einer Zukunft und ihn von\nden Jochen der Vergangenheit befreit, die hat nicht\nRaum in der kleinsten Hütte; die* muss ihn begleiten\nin die Stürme seiner Zeit, die braucht das ganze Theater\ndes Seins, um zu reifen und zu schaffen. Da müssen\nalle Klippen und Gefahren der alten Kultur sich offen-\nbaren, alle ihre Dogmen und Drohungen klar liegen,\num die Schöpfung des Menschen höherer Kultur zu\nbegleiten.\nIn den „Stützen der Gesellschaft\" ist das Problem\ngestellt. Zwei Frauen stehen dem Manne zur Seite;\ndie eine, die Mutter seines Kindes, die andere, die\nRetterin seines Selbst. Lona Hessel liebt, indem sie\nkämpft. Sie reisst den Konsul aus der Ruhe, ihre\nLiebe will ihn veredeln, neu schaffen, zum freien Menschen\nschaffen. Diese Liebe und ihr Werk ist der Inhalt des\nStückes. Noch fehlt die Siegeszuversicht, die aus späteren\nDramen spricht, noch wirken äussere Umstände helfend\nund bestimmend. Wie schaffende Liebe kämpft und\nsiegen kann, ist hier die Formel; nicht dass sie siegen muss.\nDas Bedürfnis am Menschenwert zu schaffen in\nLiebe treibt Nora von der Seite ihres Mannes. In der\nErkenntnis, in der Aufgabe, in dem Bewusstwerden ihrer\nBestimmung liegt der Keim zukünftiger Tat. Da ist\nmehr an hoffnungsfrohem Optimismus verborgen, als\njener zweite Schluss des Dramas davon ausschreit, da\nNora um der Kinder willen bleibt. — In den Gespenstern\ndie vernichtende Gegenprobe: Die Mutter, die ihr eigenes\nMenschentum und das des Mannes, den sie liebt, dem\nKinde opfert und zwecklos opfert. Das wird erst uns,\ndie Gegenwart, bejahen müssen, um damit das Kind,\ndie Zukunft zu bejahen.\nDie Wildente ist wohl vom „Normalgefühl\" aus das\nperverseste der Dramen. Ein geschlechtsunreifes Kind,\ndas einen Mann liebt, der sein Vater sein könnte.\nHeiss und stark, mit ihrer ganzen, ihr selber fremden\nSeele liebt. Ohne Rat und Ueberlegen, geleitet von\neinem untrüglichen Instinkt, geht Hedwig Ekdal den\nWeg, der allein zur Rettung Hjalmars aus Lebenslüge\nund Niedrigkeit führen kann. Den Weg, den der kluge,\nwägende Verstand Gregor Werles so sicher verfehlen\nmuss als ihn dieses Kind nicht fehlen kann in Liebe.\nRosmersholm. Die Geschichte einer Erfüllung. Die\nErschaffung zweier Menschen. Wie sie einander geben,\nvon einander empfangen, zur Höhe wachsen und zum\nvornehmsten Menschentum Igelangen; wie diese Kraft,\ngenannt Liebe mit der unabwendbaren Gewissheit eines\nFatums ihr Werk vollendet und dieses Werk der freie\nMensch einer Zukunft ist. Hier ist der siegesfrohe\nGlaube an die läuternde, schaffende Macht der Liebe\nzum reinsten Ausdruck gebracht.\nDie Frau vom Meere. Dass Wangel heranwächst\nin seiner Liebe, stark und sehend wird in ihr; so\nübermenschlich stark, dass er in dem einen entscheiden-\nden Moment, in dem das ganze Zukunftsschicksal dieser\nbeiden Menschen gepresst ist, verzichten kann, das ist\ndas alte Märchen wieder, von der in den Edelstein\ngebannten Prinzessin, die nur erlösst wird, durch das\nVonsichwerfen des Edelsteines, und durch die Zu-\nversicht, dass diese Erlösung kommt (Hebbels Rubin)\nHedda Gabler. In leidenschaftlicher Sehnsucht zu\ngeben, stirbt sie am Ueberreichtum schaffender Liebe.\nSie hat das einzige getan, das ihr Teil an einem\nMenschenschicksal geben konnte und sie hat dem ge-\nliebten Mann die Gabe des Schmerzes gereicht. Zwei-\nmal. Als sie sein Werben zurückwies und als sie sein\nWerk zerstörte. Das erste Mal wurde sie die Mutter\nmeines Buches, das zweitemal gab sie ihm den Tod.\nAber dass sie sterben, Hedda Gabler und Eylert Lövborg,\nin dieser Welt ohne Schönheit, das ist das Zeugnis\neiner Kraft, die über den einzelnen hinweg an einer\nkommenden Welt der Schönheit schafft.\nBaumeister Solness. Nicht in Bewunderung seiner\nFähigkeiten, im Ansturm gegen seine Unzulänglichkeiten\nund Mängel streitet und wirkt Hilde Wangels Liebe,\nSie ist die Naturkraft, die an der Unvollkommenheit\nwächst, um der Unvollkommenheit willen schafft. Das\nKind, das einen Schwindsüchtigen durch die Berge jagt,\ntut nichts anderes, als das Weib, das einen Schwindelnden\nzur Höhe treibt: Sie streitet gegen die Schwächen, und\nwurzelten sie noch so tief in der Natur, sie ist in\nihrem Recht, denn sie selber ist schaffende Natur. Der\nEinzelne mag über diese Entwicklung zerbrechen; sein\nTod ist das Leben der Kultur und diese Toten erwachen,\nKlein Eyolf. Der unzweideutige Ausdruck dieser\nneuen Metaphysik der Geschlechtsliebe. Rita und Asta,\nbeide wollen sie dem Mann geben, den Mann erschaffen\nund nicht das Kind: Rita: „Wenn nun aber Eyolf niemals\ngeboren wäre? Was dann?\" Allmers (ausweichend),\n„Ja, das wäre etwas anderes, dann hätte ich ja nur\ndich.\" Rita (leise mit bebender Stimme). „Dann\nwünschte ich, ich hätte ihn nie geboren.\" Allmers (fährt\nauf): „Rita! Du weisst selbst nicht was du sprichst!\"\nRita (vor Gemütserregung zitternd) „Ich Lrachte ihn zur\nWelt unter den unsäglichsten Qualen, doch alles ertrug\nich mit Jubel und Wonne um deinetwillen.\" Allmers\n(mit Wärme): „Gewiss, gewiss, das weiss ich wohl.\"\nRita (entschlossen): „Dabei aber muss es sein Bewenden\nhaben. Mein Leben will ich leben zusammen mit dir,\nganz mit dir! ..\" Der Tod des Kindes hat ein neues\nLeben zweier Menschen geschaffen.\nJohn Gabriel Borgmann. Einer, der nach den\nGipfeln strebte und seinen Weg verfehlte, als er die\nLiebe opferte. „Die grosse unverzeihliche Sünde -\ndas ist die Sünde, die man begeht, wenn man das\nLiebesleben mordet in einem Menschen\" — „Ein Toter\nund zwei Schatten, das ist die Frucht der Kälte.\" „Ja,\nder Herzenskälte.\" Das Leben, das hohe freie Leben,\ndie Gegenwart, das ist die Frucht der Liebe.\nWenn wir Toten erwachen. Wenn wir Totes er-\nwecken in uns und in anderen. Irene und Rubek er-\nwachen, Frau Maja erwacht in dieser zu.\nihrem eigenen Leben. . Erweckende Liebe, wie h\nIrenes zu Rubek, ist wie die Rubeks zum Marmor,\nBorkmanns zum Golde. Erweckende Liebe ist der\nBaustein aller Kultur.\nIn grandioser Einfachheit steht Ibsens Werk vor\njeder Kritik, die nicht eine Welt hinter den Personen\nsucht, sondern die Personen aufsucht in ihrer Welt,\ndie nicht nach aussen, die nach innen deutet, die ver-\neinfacht und nicht kompliziert. An ungezählten Stellen\nzeichnet er den Begriff seiner Liebe, seiner „unnatür-\nlichen\" Liebe, die in Manuskripten und Bildwerken ihre\nrechtmässigen Kinder erkennt. Und bei richtigem Ver-\nständnis dieses Begriffes bleibt in der Menge der\nwechselnden Erscheinungen ein einziger Inhalt: es wird\ngeliebt.\nWelche Zwecke und Erfolge diese Liebe begleiten:\nOb er in ihr das Leben bejaht oder verneint?\nWo immer es die Gegenwart verneint, bedeutet es\neine Bejahung der Zukunft. Die Erschaffung der\nhöheren Kultur und des höheren Menschen ist der Sinn\ndes Bildes, das er von dieser Gegenwart entwirft. Mit\neinem oftj missbrauchten Namen nennt man das die\nSchaffung des Uebermenschen. Und das ist der Weg\nden er schildert: So ringen und drängen in unseref\nZeit Kräfte der Liebe im Leben und an jedem Leben,\ndie es bereichern, die es steigern und veredeln. Sünde\nwider die Zukunft ist Wiederstand gegen diese schaffende\nKraft der Liebe. Sie aber schafft an ungezählten\nMenschen von heute ihr grosses Werk, den kommendet\nMenschen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "396", "page_fin": "397", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.4", "titre_corps": "Das Lied auf das Gold", "titre_sommaire": "Das Lied auf das Gold", "signature_source": "Sar Peladan ; Deutsch von Emil Schering", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.2", "debut_caractere": 12402, "fin_caractere_exclue": 12616, "texte": "Das Lied auf das Gold\nVon Sar Peladan\n\n1\nSinnbild der Vollkommenen, Vereinigung der Wissen\nSchäften, o reines Metall, Verhärtung aus Sonne, Did\ntigkeit aus Licht, ruhmreiches Gold, allmächtiges Golfl\nGottheit Gold!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4777, "texte": "Vergebens werden die Moses auf die Höhen gehen,\ndas göttliche Wort zu empfangen: immer Verlangen\nnach Gold, wird man dich anrufen, und dein Gesetz\nwird wie ein verehrtes Joch die Seelen dieser Welt\nbeugen.\n2\nTalisman des Wunsches, unverderblicher Stoff, o\neinzige Erde: du gabst den magischen Zeiten die Ge-\nsundheit, trinkbares Gold; die Gelehrten selbst haben\ndich gesucht, Stein der Weisen. Die Künste und die\nBerufe sind Wege zu dir.\nDie Barmherzigkeit des Heiligen, die Selbstsucht\ndes Schlechten begehren dich beide; Triebfeder jedes\nVerbrechens, Mittel dej Güte, Bestandteil des Friedens,\nWerkzeug der Finsternis, gleichgültiger Mitschuldiger\nder Schande und des Ruhms, fügsam dem Satan wie\ndem Engel, Allgottheit Gold.\n3\nDieser Alchemist, der sein Alter über den Athanor\nbeugt, hat sein Leben verbraucht, um dich zu be-\nschwören. Sieh: sein fieberhaftes Forschen belebt noch\nsein Auge, das morgen der Tod verglasen wird.\nDieses Schiff, das nach unbestimmten Ufern geht,\nnimmt es mit Winden und Strömungen und Wirbel-\nstürmen auf; denn an einem Abend der Wache er-\nzählte ein Schiffer, er habe einst an den Küsten eines\nLandes gekreuzt, wo du dich noch verbirgst; um einen\nStrahl von dir verlassen diese Christen Land, Herd,\nFamilie und heuern eine Argo, um dich zu entführen,\ngoldenes Vliess\n4\nDu bist der Don Juan jeder Elvira, und das Bett\nder Liebe ist nur einer deiner Altäre, o Meister des\nLebens und Meister der Frau, Verführer ohne Nieder-\nlage, Ueberreder ohne Einrede, Stoff, der die Seele\nunterwirft, Ideal jedes Wesens, verhängnisvolles Gold.\nErst muss man dich besitzen, wie auch der Plan\nsei, den man verfolgt; keiner wüsste eine Liebe zu\nleben oder ein Werk zu machen, wenn du nicht\nPracht für den Leib, Stille für den Geist brächtest,\nerste Zutat jeder Freude.\n5\nGold! Gold! Macht über den Mächtigen, du be-\nzwingst die Starken, Auflöser des Unauflöslichen, Ver-\nwirklicher des Unmöglichen, Gold, Lösegeld, das von\nallem Schaden befreit, wenn du morgen in reinen\nHänden wärst, würde die verwandelte Welt uns den\nHimmel kosten lassen.\nGold, Schwert des Verlangens, Schild, den das\nLeben nur in rauhe Hände gibt; will Gott etwa den\nSchmerz bei den Starken, und wählt er schon aus,\nindem er dich von einem Schicksal verbannt?\n6\nWie ich dich besinge, stört mich ein Gedanke.\nWarum kommst du nicht auf den Ruf des Genies?\nImmer bist du fern vom Leben der Grossen: Corneille\nohne Schuhe, Wagner seinend Hund verkaufend, Balzac\nvon Schulden geplagt, Spinoza Brillenschleifer, Sigalon\nohne Farben, Lamartine ohne Brot klagen dich an.\nWarum bist du den Einfältigen und den Räubern\ntreu? Kein Held hat dich je gekannt. Dir gefällt es\nbei den Flegeln. O du machst den Reichen: warum\nbist du der gute Geist der Dummen und der Schutz-\nengel der Rohen allein?\n7\nDein Ruhm verwirrt, geheimnisvolles Metall, höch-\nstes Ding. Allesbeherrscher, der über der Welt der\nSeele eine zweite Sonne zu sein scheint, kostbarer\nund fruchtbarer. Dein Ruhm begann am Morgen der\nMenschheit und erbleicht nie; dein Ruhm wird von\nallen anerkannt. Wenn Gott nicht wäre, du würdest\nGott sein.\nDennoch, Gold, das alles in sich schliesst, du bist\nnichts durch dich selbst, sondern nur eine Ueberein-\nkunftl Du vereinfachst das Kaufen, den Tausch; das\nist alles; unpersönlicher Gegenstand, Gold, sachliches\nDing.\n8\nDas Erz, schlecht geprägt, bricht; das Wasser be-\nwahrt seinen drohenden und eigensinnigen Willen; die\nErde hat Krisen und verschwindet zuweilen; der Wind\ngehorcht dem Schiffer nicht: du, du bist der Knecht\ndes Knechtes selber; gemeines Gold, jede Hand ge-\nbraucht dich, du bist das grosse Werkzeug des Gleich-\nmachens; und wenn du eine Seele hast, glänzendes\nGold, wbs machst du damit?\nGold! Ich beklage dich; solltest du dieser Teil\ndes Lichtes sein, der Lucifer in seiner Sünde folgte?\nWirst du die versöhnde Form der Weltkraft sein, die\ndich empörte ?\nDeine Schönheit enthüllt uns einen erhabenen Ur-\nsprung und deine Rolle hier unten als Teilnehmer an\njedem Wunsch flösst mir ein tiefes Mitleid ein; dein\nGlanz bestimmt dich zum Werk des Lichts, der Güte\nund Liebe, wunderbares und liebliches Gold.\n9\nDu hast gesündigt, ohne Zweifel durch deine ei-\ngenen Strahlen geblendet, Metall aus Licht: du sühnst,\nindem du durch die Hände der Gemeinsten auf der\nWelt gehst.\nAn den grossen Gott, der dich geschaffen hat, richte\nich meine Bitte, dass dir verziehen werde. Und die\ndich vergeblich gerufen haben, die Genies und die\nArmen, werden auch für dich bitten. Dann wird das\nhimmlische Mitleid verzeihen, wie die Helden und die\nKünsler dir verziehen haben: Gold, Nichts von heute.\nIm Tal Josaphat wirst du, begnadigtes Gold, reu-\nmütiges Gold, reines Gold, wirst du, erhöhtes, wieder\nLicht gewordenes Gold, am purpurnen Tag des jüngsten\nGerichtes sein.\n\nDeutsch von Emil Schering"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "398", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.5", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.3", "debut_caractere": 4779, "fin_caractere_exclue": 10705, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXX\nDie Rechtszentrale\n„Nanu\", sagte der Herr Bartmann in der Rechts-\nzentrale am Schwantuflusse, „was wollen Sie denn von\nmir?\"\nDer Angeredete, ein alter Kontrollbeamter, zog eine\nPhotographie aus der Westentasche und zeigte sie dem\nHerrn Bartmann und sagte lächelnd:\n„Das sind Sie, nicht wahr, Herr Bartmann? Sie\nhaben gestern Abend in einem Bierkeller, der nur\nachtzig Meilen von der Rechtszentrale entfernt ist, eine\nBierrede gehalten und sich in dieser sehr abfällig über\ndas Kaiserreich Utopia geäussert. Die Rede ist durch\nAutomat aufgenommen mitsamt Ihrer Photographie und\nheute morgen durch Rohrpost hierhergelangt. Sie Herr\nBartmann sind mit Luftwagen hierhergekommen und\naugenscheinlich ein sogenannter Fremder. Alles was\nRecht ist, aber das können Sie nicht verlangen, dass\nman in Utopia schlecht über Utopia reden darf — und\nsomit wollte ich Sie bitten, mich zu meinem Betriebs-\ndirektor zu begleiten\"\nHerr Bartmann kraute sich hinter den Ohren, ihm\nwurde schwül zu Mute, er stotterte und sah sich nach\nseinem Luftwagen um.\nAber der Kontrollbeamte meinte lächelnd:\n„Es ist ja nichts Gefährliches. Strafen tun wir\nnicht in Utopia. Aber die Sache muss zur Diskussion\ngestellt werden. Ihre Rede hat interessiert. Durch\nsolche Reden können Sie in Utopia berühmt werden.\"\n„Ich danke schön für den Ruhm!\" rief der Herr\nBartmann wütend aus.\n„Danken Sie nicht zu früh,\" versetzte der Beamte,\n„der Ruhm ist doch eine vortreffliche Ware\"\nSie standen äm Ufer des Schwantuflusses, in der\nMitte des Flusses stand auf einer länglich ellipsen-\nförmigen Insel der Hauptturm der Rechtszentrale, und\nan jedem Ufer standen je drei Nebentürme der Rechts-\nzentrale. Und diese sieben, hundert Stock hohen\nTürme waren durch Tausende von Brücken mit Fahr-\nstühlen untereinander verbunden.\nUnd da fuhr dann der Herr Bartmann mit dem\nalten Kontrollbeamten sehr bald auf diesen Brücken\nherum, und die beiden Herren unterhielten sich über\ndie Bedeutung der sieben Türme; der Beamte sprach\nnicht ohne Wichtigtuerei.\n„In diesen sieben Türmen werden nur Manuskripte\nfabriziert; jeder Rechtsfall wird hier zu Papier gebracht,\ndie Druckereien befinden sich auf den Hügeln ringsum,\nhinter denen sich, wie Sie sehen, die Stadt ausbreitet.\nAugenblicklich wird am meisten über unseren Kaiser\nPhilander geschrieben, der sich ja, wie Sie wissen, im\nSchiida befindet und garnichts von sich hören lässt.\"\nDer Herr Bartmann kraute sich abermals hinter\nden Ohren und sagte seufzend:\n„Die Geschichte kann ja gut werden.\"\n„Haben Sie bloss keine Furcht,\" erwiderte lächelnd\nder Beamte, „in Utopia geht — Alles was Recht ist —\nAlles mit rechten Dingen zu, und keinem Menschen\nwird ein Haar gekrümmt..\"\nDanach stellte der Beamte den Herrn Bartmann\nseinem Betriebsdirektor vor, der in einem Prachtsaale\nsass und gemütlich seine Zigarre rauchte^\nAls nun der Herr Bartmann dem Herrn Betriebs-\ndirektor allein gegenüber sass in einem köstlichen\nEbenholzstuhle mit Emaiimalereien, da fragte der\nDirektor seinen Gast höflich, während er ihm eine\nZigarre anbot:\n„Wollen Sie das gestern Gesagte in allen Teilen\naufrechterhalten ? \"\nHerr Bartmann nickte und las sich noch einmal\nseine Rede durch und nickte wieder.\nDa wurde» denn sofort dreissig Regierungsliteraten\nvom Inhalte der Rede in Kenntnis gesetzt.\nUnd der Direktor plauderte danach mit seinem\nGaste, als wäre garnichts vorgefallen.\nXXXI\nKaiser Moritz der Blamierte\nDer Zeremonieeimeister Kawatko sprach in der\nVersammlung des Staatsrates zu Ulaleipu das folgende:\n„Eine Kraftprobe meine Herren, hat unser Staats-\ngebäude glänzend bestanden. Bereits vier Wochen\nsind es her, dass unser Kaiser Philander der Siebente\ndie Regierungsgeschäfte in die Hände des Oberbürger-\nmeisters von Schiida gelegt hat. Und diese recht kecke\nKandlungsweise hat den Utopianern bislang nicht ein\nHaar gekrümmt: wir können mit Zuversicht in die\nZukunft blicken.\"\nDer Kaiser vereinigte in seiner Person die Macht\nvon fünfzig Stimmen, die hundert Mitglieder hatten\ndagegen nur hundert Stimmen; wollte also der Kaiser\netwas durchsetzan, so musste er mindestens fünf-\nundzwanzig Mitglieder des Staatsrates auf seiner Seite\nhaben. Hatte der Kaiser nicht fünfundzwanzig Mitglieder\ndes Staatsrates auf seiner Seite, so blieb dem Kaiser\nnur ein Appell ans Volk übrig.\nDer stellvertretende Kaiser Moritz wollte nun zu-\nnächst die wirtschaftliche Stellung der Bewohner\nSchiidas durch eine allgemeine Landessteuer befestigen.\nDa kam er aber beim Staatsrate schön an, kein Mit-\nglied des Staatsrates trat auf die Seite des stell-\nvertretenden Kaisers; Herr Malke, der Historiker,\nerklärte feierlich:\n„Da es eine historische Tatsache ist, dass sich die\nSchildaer von der grossen Staatsreligion der Utopianer\nlossagten, so sind die Schildaer auch von den wirt-\nschaftlichen Wohltaten des utopischen Staates abge-\nschnitten worden; die Utopianer helfen den Schildaern\nnicht, wenn es ihnen schlecht geht. Und somit er-\nklären wir, dass ein Staatssteuer zu Gunsten der Stadt\nSchiida nicht von uns genehmigt wird.\"\nDer Kaiser Moritz appellierte sofort ans Volk —\naber in fünf Broschüren wurde einstimmig die Idee des\nneuen Kaisers für undurchführbar erklärt — der Stell-\nvertretende wurde ganz kalt daran erinnert, dass die\nUtopianer sich niemals verachten und dabei gleichzeitig\nanpumpen Hessen.\nUnd der neue Oberbürgermeister von Schiida, den\nalle für den Kaiser Philander hielten, und der doch\nnur der Herr Sebastian war, erklärte feierlich, dass\ndie Schildaer nicht nötig hätten, die Utopianer anzu-\nbetteln. Und danach schenkte der neue Oberbürger-\nmeister der Stadt Schiida zehntausend Reichstaler, und\nder Kaiser Moritz war der Blamierte.\nUnd ganz Utopia lachte über die erste Regierungs-\nhandlung des stellvertretenden Kaisers; der Moritz\närgerte sich.\nDas Künstlerfest\nXXXII.\nDie bildenden Künstler des Kaisereichs Utopia hatten\nin den letzten Jahrzehnten eine grosse Vorliebe für die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5775, "texte": "Kunstarten vergangener Epochen gezeigt und dement-\nsprechendverschiedene alte Städte wieder so rekonstruiert,\ndass man hinter ihren Mauern glauben konnte, noch\nin einer alten lange vergangenen Vorzeit zu leben; es\nhatten sich auch viele Utopianer gefunden, die diese\nalten Städte im Kostüm der alten Zeiten so getreu\nwie möglich kopierten.\nDiese antiquarische Geschmacksrichtung hatte aber\nauch ihr Gegenspiel erzeugt, und somit gabs auch\nsehr viele Maler, Bildhauer und besonders Architekten,\ndie den lebhaften Wunsch besassen, in einer Zukunfts-\nzeit zu leben.\nDiese Zukunftszeit sollte sich ganz besonders durch\ntransportable Häuser — und demnach auch durch\ntransportable Städte auszeichnen. Naturgemäss konnte\nman so kostspielige Zukunftspläne nicht gleich iß die\nreale Welt übersetzen. Es wnrde daher beschlossen,\nzunächst ein Künstlerfest mit transportablen kleinen\nRestaurants zu arrangieren. Zwanzig sehr umfang-\nreiche Fesselballons sollten die Restaurants in die Lüfte\nhinaufheben und 'da immer wieder in interessanter\nGruppierung auf und absteigen und so die Reize der\ntransportablen Architektur zur Anschauung bringen.\nDer Plan kam zur Ausführung, und die Künstler waren\neinfach entzückt — besonders in den warmen Sommer-\nnächten, wenn unten und oben tausend bunte elek-\ntrische Scheinwerfer die Luftstadt durchleuchteten.\nGanz Utopia interessierte sich für dieses Künstler-\nfest sehr lebhaft, und die Zahl der photographischen\nAufnahmen von den einzelnen Luftrestaurants aus und\nauch solche vom Erdboden aus belief sich in den\nersten vierzehn Tagen auf ungefähr siebzig Millionen;\ndie antiquarische Richtung verlor der neuen Luftrichtung\ngegenüber immer mehr an Boden, und alle Welt war\nerstaunt und entzückt über die lebhafte Tätigkeit der\nutopianischen Künstlerwelt.\nNur dem Herrn Bartmann gefiel diese neue Richtung\nin der Kunst keineswegs, und seine abfällige Kritik er-\nregte in den Künstlerkreisen nicht geringes Aufsehen.\nSeine heftige Rede im Bierkeller über die utopianische\nSchlaffheit und Faulheit hatte bereits ei» grosses Kopf-\nschütteln überall erzeugt, die Künstler aber hielten es\njetzt für angezeigt, diesem merkwürdigen Quengler\nganz energisch entgegenzutreten.\nUnd es kam zwischen den ersten Architekten jjdes\nLandes und dem Herrn Bartmann zu einer heftigen\nAuseinandersetzung — und natürlich hoch oben in den\nLüften tausend Meter über dem Festplatze mitten in\nder Nacht, als die Scheinwerfer herumflirrten — wie die\nbrennenden Blitzstrahlen von Riesendiamanten.\n„Eine sehr äusserliche Kunstrichtung\", sagte der\nHerr Bartmann, „eine rein dekorative Kunstrichtung —\neine Raumkunst, aber keine Traumkunst. Wenn wir\nauch dadurch in mancher Beziehung sehr neue und\nsehr wertvolle Anregungen empfangen, verinnerlicht wird\ndadurch die Kunst keineswegs — sie wird im Gegenteil\nimmer mehr veräusserlicht durch derartige Spielereien.\"\nDa gabs nun spitze Worte auf beiden Seiten, und\nder Herr Bartmann hatte einen schweren Stand; die\nKünstler setzten ihm klipp und klar auseinander, dass\nman der Kunst den Boden unter den Füssen fortzöge,\nwenn man die Kunst von der äusserlichen Erscheinungs-\nwelt trennen wollte.\nHerr Bartmann aber erklärte nachdrücklich:\n„Wenn wir in einer äusserlichen Erscheinung das\ninnere Leben herauszufühlen versuchen, so können\nwir sehr viel herausziehen; lassen wir aber immer\nwieder neue äusserliche Erscheinungen auf uns wirken,\nso werden wir nicht die Zeit finden, jeder einzelnen\näusserlichen Erscheinung ins Innere zu schauen, und\nwir werden bald das Innere ganz über dem Aeusseren\nvergessen. Sie wissen, meine Herren, dass ich nicht\nbehaupte, wir könnten überirdische Geister irgendwo\nentdecken — Sie wissen, wie ich das Innere meine —\nSie geben mir immer wieder zu, dass die Fülle der\nErinnerungen und der unwillkürlich erzeugten Neben-\nvorstellung jedes äusserliche Bild vertieft, verfeinert\nund zu eiuem sehr empfindlichen Darstellungsgegenstände\nmacht. Würde sichs nicht empfehlen, dieser intimen\nKunstrichtung mal mehr Raum zu schaffen? Durch\nIhre Luftschlösser machen Sie alle Bestrebungen ein-\nfach tot — Sie zerstreuen, statt zu konzentrieren —\nSie geben nicht dadurch den grandiosen Eindruck des\nintensiven Naturlebens.\"\nDa widersprach man natürlich sehr heftig und er-\nklärte, dass siebzig Millionen Photographien von all den\nverschiedenen Luftsituationen uns doch wohl die Fülle\ndes Lebendigen recht lebhaft verkörpern und dass es\ngeradezu toll wäre, in dieser Luftkunst nicht die ge-\nnügende Sensibilität zu erblicken.\n„Nein, nein!\" rief aber wieder der Herr Bartmann,\n„Sie töten damit die Sensibilität. Sie bringen nicht\ndas fieberhaft grandiose Weltleben dadurch zur Empfin-\ndung. Auf diese Weise kommen Sie nicht hinter die\nErscheinungswelt — nicht in das grosse ungeheuerliche\ninnere Leben der Natur hinein. Sie müssen das Leben\n— das ungeheuerliche Leben erfassen — das Leben>\ndas uns in den Sonnenprotuberanzen und in den all-\nmächtigen Aetherschwingungen des Mikrokosmos ent-\ngegenrauscht — das müssen Sie erfassen — Sie müssen\nlebendiger Alles sehen — lebendiger!\"\nHerr Bartmann zitterte dabei, und seine Zuhörer\ntraten seitwärts und erklärten ihn für übernervös und\nbeschlossen, ihn durch List in eine Besserungsanstalt\nzu schicken, in der überreizte Nerven durch einfache\nTätigkeit und feine Ablenkung wieder normal werden.\nUnd die Künstler erklärten dem Herrn Bartmann,\ndass er sich wohl selber wohl noch nicht ganz ver-\nstände; er müsse jedenfalls auf einem stillen Landsitze\nseinen Nerven eine Erholung gönnen. Und sie schlugen\nihm vor, den Direktor einer Besserungsanstalt aufzu-\nsuchen, der für intime Kunst sehr viel übrig hätte.\nDer Herr Bartmann trank aus Aerger mehr als\nsonst und erklärte feierlich, dass ihn bisher noch nicht\nein einziger Utopianer verstanden hätte — nicht ein\neinziger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "398", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.6", "titre_corps": "Intérieur", "titre_sommaire": "Intérieur", "signature_source": "Alfred Richard Meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.4", "debut_caractere": 5796, "fin_caractere_exclue": 10765, "texte": "Intérieur\nAlfred Richard Meyer\nWir fühlen es lange schon, seit Stunden oder Sekunden,\ndass der Tag sonnengelockt vor dem Fenster liegt.\nDurch den Vorhang schlüpft lustig der Wind des Morgens,\nmit ihm schleichen sich heimliche Wünsche nach\nWonnen ein.\nAus nächtlichen Müdigkeiten dehne ich mich\nnach Schlaf und Erschlaffung in eine müdere Seligkeit\nmeines Erwachens und küss Dir die Augen auf.\nAn meiner Schulter räkelt sich rosig der schönste Rausch\nin Sehnsucht, Rosenblüten und rauschendem Blut..\nIst es schon spät?\nAch heut ist ja Sonntag!\nWer ist denn galant und wo ist mein Kavalier,\nder in die Küche geht und präsentiert seiner Gattin\ngoldendampfenden indischen Tee\nund prächtige, buttergestrichene Brödchen\nmit getrüffelter Leberwurst\noder gewürfelter Gänsebrust?\nGibts denn vom Stilton-Käse nicht mehr ein Stückchen?\nDie Katze Quiwi quäkt kläglich ihr Morgenmiau\nund wimmert nach weisser Milch.\nSchon brodelt das Wasser zitternde Blasen zum Brühn,\nda schäkerst Du bleich und bloss wie ein türkischer\nKnabe,\nums Haar ein Handtuch faltig als Turban gewunden,\nim Bad.\nGleich glitzert ein silberner Tropfenfall,\ntrommelt und prickelt in Kühle all Deine Prächte,\nküsst Dir den Busen rund,\nrötet den Bug Deines Nackens,\nschleicht kosend sich heimlicher weiter\nüber Schluchten und Hügel der Venus\nzum goldenen Knick Deiner Kniee,\nüber Knöchel und zierliche Zehen\nzum schmalen Mass Deiner Füsse.\nIch bin wie immer Dein treuer Diener und\nleg Dir natürlich den trocknenden Mantel um\ndie nassen Schauer der nackten Schultern.\nWars schön?\nSchon glüht es gelb in den grossen und blumenbunten\nBauerntassen und duftet heisser vom dampfenden Tee.\nSchmeckt Dir das Leberwurstbrödchen,\ndes Käses, grünlich Gebröckel?\nWohlig verschmatzt sich der Morgen im Bett.\nUnser Kätzchen\nstreicht sich den struppigen Bart und kauert sich\nschnurrend.\nEs klingt einer Guitarre Geklimper vom Hofe her,\ndie Heilsarmee gröhlt ihren munteren Morgengruss:\nHerrlich, herrlich wird es einmal sein,\nwenn wir ziehn von Sünden frei und rein\nin das gelobte Kanaan ein,\nJesus sieh her, ich komm!\nDa wirfst Du der seidenen Decken Purpurglut ab,\nin die persischen Pantoffel gleitet Dein blosser Fuss\ndann blinzelst Du lachend geblendet durchs Fenster\nins Licht der leuchtenden Sonne und summst ganz\nglücklic:\nden Chorus da unten mit, erst leise, dann lauter,\nzuletzt gestattet Deine Grossmut einen Groschen sogj'\nDu, Dein Tee wird ja kalt.\nGleich nehm ich Dir auch\ndas letzte Gänsebrustbrödchen grad vor der Nase wer\nNicht doch!\nDa kuschelt sofort etwas Warmes und\nWeiche;\nbettelnd und bittend wieder ins wilde Bett,\nstrampelnder Kampf kullert die Kissen herab,\nstreckt sich, endlich ermattend,\nzur Ruhe; dann ebbt auch\ndie Sturmflut der bräunlichen Brüste, wiegt ihre Welle;\nweicher und wärmer mir in die Hand.\nEin Sonnenkringel tupft unsrer Katze\nfeuriges tanzendes Gold auf das schwärzliche Seidenfei\nDann lullt uns wieder des Frühlingswindes\nwohliges Frösteln ein.\nNoch lallt leise mein Mund:\nDu liebe Liebe! leiser und leiser.\nUnd unsere Träume, trunken von Rosen,\nwollen in immer köstlichem Röten ertrinken.\nDa klingelt die Glocke.\nO Gott!\nGewiss ein Besuch.\nVielleicht ists Dein Vater.\nOder der Schusterschuft mit der ewigen Rechnung.\nSpäh erst durchs Guckloch.\nMan ist eben nicht zu Hause.\nGuten Morgen und schönsten Gruss vom gnädigen\nFräulein. -\nGrüssen Sie bitte sehr und sagen Sie herzlichen Dank\nIn meinen Händen halt ich den herrlichsten Fruchtkorb.\nAus Erdbeeren, Bananen und ganz dunklen Kirreffl,\nRosinen und Mandeln, Chokolade, Johannisbrot,\ngleisst in dem Flaum zweier Pfirsichbacken,\ndie mich ich sag nicht an was erinnern,\nder Spenderin bestens bekannte Bütten-Visitenkarte.\nSchon schaukelt die Kirschenkugel zwischen den\nKatzentatzen,\nes zwirbelt der Ball zwischen Hemdchen und Höschen,\nDu lachst.\nUnd die scharfen Nägel der niedlichen\nHände\nstreifen die gelbliche Schale der grössten Banane ab,\ndie strebt und strotzt wie der stolzeste Phallus empor,\ngleich züngelt Dein Kuss um die pralle prächtige Kuppel,\ndie Frucht wird Fleisch,\nder zähige Zucker wird flüssig.\nAn dieses Frühstück des sonnigen Sonntagmorgens,\ndas wir der Gunst einer lieben Freundin verdankten,\ndenken wir oftmals und gern in der Erinnerung wiedei\nund immer wieder.\nDoch an dem Abend desselbigen\nTages,\nDu trugst deinen neuen Hut, wie einstmals ihn liebten\nDaumier, Gavarni und Felicien Rops,\nergingen wir uns vergnügt im Zoologischen Garten,\nbegafften mit Krethi und Plethi das pluffende Feuerwerk,\nbestaunten die flammenden Sterne,\nden roten Flug der Raketen\nund ahnten im Schwung violetter Feuer und fahler\nFackeln\ndie schwarze Sonne von Dauthendey.\nZu Hause jedoch erblühten und sprühten und glühten\ndieselben Funken uns nackter und herrlicher aus der\nNacht\nAm nächsten Tag überraschten uns Scheerbarts,\nPaul und der Bär, aus Lesabendiosphären,\nund die ganze Kompagnie. Wir sangen und tranken\nDoornkaat, das Feuerwasser, und eine Waldmeisterbowle,\naber das erste Glas auf die mit Recht so beliebte\nAntierotik."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "399", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.7", "titre_corps": "Lüge, Ehe und Wahrheit", "titre_sommaire": "Lüge, Ehe und Wahrheit", "signature_source": "Alfred Kind", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4407, "texte": "Lüge, Ehe und Wahrheit\nVon Alfred Kind\nUeber die Hebung der sexuellen Moral wird seit\nEwigkeiten gepredigt, bald mit der klingenden Schelle\nAbraham a Santa Claras, bald mit dem tönenden Erz\nlutherischer Tischreden. Und die Aussenseiter der\nChristenheit heulen in allen Tonarten. Der ver-\nsammelten Mitwelt Vorschriften zu machen, erzeugt\ndas leberbefreiende Gefühl eigener Untadelhaftigkeit.\nAuch geht der tatenschwangere Jüngling vielleicht hin\nund handelt nach des Meisters Drommetenstoss, bis\ndie Sonne einmal ins Meer gesunken ist. Aber darnach\nist die Dumpfheit und die lästige Grimmasse des öden\nZwangs. Und man nickt künftig ein schläfriges Ja\nder Verstellung und schleicht durch die lichtscheuen\nGassen der Lüge.\nDenn alle Ethik kann sich nur von innen heraus\ngebären, wenn sich die Schlacken schleifen im Daseins-\ngedränge und das Gehäuse der felsenfesten Ueber-\nzeugungen aus den Fugen bröckelt. Da steht der\nratlos Nackte und duckt den Straussenkopf in das\nSandhäufchen der Beschämung. Aber der Blitz fuhr\nin ihn, dass wir alle nackt sind, dass ein jeder Blossen\nbehängte und der eigene Balken im Auge der aller-\nmühseligste war. Erkenne dich selbst! — ein läppischer\nKlingklang, ein Redeblümchen aus dem Soffitenhimmel\nder Tempelkunst, gesagt zum Weitersagen. Nur das\nTun und das Wachsen im Werden der Zeit bringt den\nKlimmer zur fernsichtigen Höhe, und du erkennst, dass\nalle Berge Kuppen sind.\nSagtest du nicht, du wärst tolerant? und du kannst\ndoch die Nacktheit des Wahren nicht ertragen, wenn\ndu dich selber noch in Kleidern weisst. Du fliehst\nmit dem Weib deiner Wahl in die schweigenden Wälder\nder Lust; durch rote Abendbuchten plätschert dein\nKahn selige Furchen. Und ihr seid treu wie Gold.\nTreu wie der reine Goldreif an eurem Finger, und\nzerreibbar wie er. Ihr achtet nicht, dass jeder Hände-\ndruck des Glücks 'seine Spur von ihm mindert. Und\nwenn sein Schwinden bemerkbar wird, beginnt ihr, ihn\nmit der Falschheit zu legieren. Ihr spielt mit hartem\nTombak, und ihr weist ihn triumphierend auf vor\neinander.\nUnd doch sehnt ihr euch schon nach neuer Echt-\nheit, da die eure sich unter euch vernutzte. Du er-\nwachst des Morgens und das süsse Traumbild der\nGeliebten hängt nicht mehr sichtbar in der Luft zu\ndeinen Häupten Die Raubgeister der Vorvergangenen\nhaschen wieder nach deiner Liebesseele; die schweigenden\nWälder blauen dahinten irgendwo in den Flitterwochen.\nEs war ein Rausch; und du bemäntelst die Blosse\ndeines Selbstgeständnisses mit den Trauertüchern des\nVorwurfs gegen deine Genossin. Sie hat sich geändert.\nIn ihren Armen zuckst du mit dem Gedanken an eine,\ndie dir heute in zufälliger Schönheit vorüberwandelte.\nDu Erznarr! wähnst du, deine Gattin könnte dir noch\nmit allen Teilchen zufliegen wie der Stahl dem Magneten;\nAbgenutzt, verbraucht, Lüge.\nFragt euch doch einander, was ihr über Tage fühlt\nund euch nächtens vorgaukelt! Euer Mund wird\nflüstern: Du bist's und in euren unsichern Augen wird\nein Besserwissen glimmen. Es sprach einer das Wort:\nIch aber sage euch, ihr habt schon die Ehe gebrochen\nin euerm Herzen. Ein fluchbeladenes Wort, ein Wort,\nsich das Fleisch vom Leibe zu reissen, wenn es ernst-\nhaft zu Gemüte dringt. Aber ihr lächelt und lügt, und\neuer Wunsch flattert nach dem Winde, und ihr werdet\nmürrisch und verdrossen, und der Zank hebt sein ver-\nsteinerndes \"Schlangenhaupt. Was habt ihr euch noch\nzu sagen? was bleibt ihr beieinander in Unfeinheit.\nEs geht eben nicht anders. Die Welt dreht sich,\nund die Jahreszeiten wechseln, und die Quelle ersäuft\nim Meer. Sehnsüchte verblassen, und eure Arme ver-\nstricken sich träger. Wollt ihr wider die verrammelten\nTore der Unmöglichkeit mit euren Stirnen Sturm laufen?\nNur euch wird die Wunde klaffen!\nBegreift doch, dass ihr hier auf diesem Boden\nwurzelt, dass ihr nur aus dieser Wirklichkeit zu Halm\nund Frucht gedeiht. Jene Wolkenwand da oben ist\nein trügerisch Gebilde, ein Gebirg aus Wasserdampf,\nMauerkronen aus weissem Gischt Kniet nieder vor-\neinander und beichtet; bis in die violetten Tiefen\nleuchtet euch hinab ohne Bangnis Und ihr werdet\naufstehen als freie Menschen, in Wahrheit freie, und\nin eure Arme stürzen, nicht als Mitschuldige, sondern\nals ehrliche Ringer und Bekenner, dessen, was ist und\nnicht ist.\nReden ist leicht, und auch meine Worte sind\nKlingklang. Eine Fastenpredigt Narreteien über blutigen\nErnst. 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In neuerer Zeit hat\ndie eifrige Musikforschung herausgefunden, dass er\nselber Melodien, sogar für Gesang zu erfinden verstand.\nSein „Wohltemperiertes Klavier\" ist gefürchtet, weil\njeder Debütant mit einer Nummer daraus sein Konzert\neröffnet; aber auch altberühmte Künstler wollen von\ndieser Vorübung nicht abgehen. Man bewundere dann\nimmer die erhabene Einfalt der Präludien und die un-\nergründliche Tiefe der Fugen wie ja auch schon Beet-\nhoven gesagt hat: Nicht Bach, Meer sollte er heissen.\nSeine Hmoll-Messe, früher nur Musikgelehrten bekannt,\nwird augenblicklich sehr hoch bewertet; man muss sie\nfür den Gaurisankar im Himalaya der grossen Kunst\nhalten. Mit seinen Kantaten, von denen immer vier\nauf einen Abend gehen, hat er seinen Ruf in den\nweitesten Kreisen des gebildeten Publikums, das natür-\nlich a priori musikalisch ist, festigen können. Dabei\nist er so bescheiden, den Löwenanteil an dem Erfolg\nden ausgezeichneten Solisten zu überlassen. Von seinen\nSöhnen haben sich nur durch ihre aparte Kunst Philipp\nEmanuel und selbst der gänzlich verbummelte Wilhelm\nFriedemann wieder in die musikalische gute Gesell-\nschaft einführen können.\nBERLIOZ, der Komponist eines grossartigen\nRequiems für Chor, Tenorsolo, Haupt- und vier Neben-\norchester. In Berlin hätten acht Nebenorchester noch\nmehr für seinen Ruhm tun Können. Sein Vornahme\nHektor verleitete ihn zur Komposition der „Trojaner\",\nerster und zweiter Teil; in Berlin unbekannt.\nBEETHOVEN, der Komponist der „Letzten Quar-\ntette\", die man verstehen muss, um diesen Meister\nüberhaupt verstehen zu können.\nGOUNOD, von dem schon oben die Rede war,\nnoch immer sehr beliebter französischer Komponist, was\nman aber nicht eingestehen darf, um seinen Kunst-\nkredit nicht zu schädigen\nHAENDEL wurde früher stets mit Bach zusammen-\ngenannt, was jetzt bei Strafe der Lächerlichkeit ver-\nboten ist. Sehr vernachlässigt; dürfte indessen mit zu-\nnehmender Verengländerung Berlins wieder an Boden\ngewinnen.\nMENDELSSOHN, gänzlich abgetaner Komponist.\nEinige Klavierstücke von ihm, zum Beispiel sein einst\nberühmtes Spinnerlied werden noch als Etüden in der\nKlavierstunde gespielt.\nMOZART war lange Zeit weit ins Hintertreffen\ngekommen. Jetzt muss man ihm gegenüber Partei\nergreifen: entweder man geht gänzlich über ihn hin-\nweg — was man tun darf, ohne irgendwie Gefahr zu\nlaufen. Oder man stellt ihn als eine Spitze unserer\nmusikalischen Kultur hin: besonders beliebt bei Wag-\nnerianern und Modernsten als temperierende Mischung.\nDann macht es nichts, wenn man ihn nicht kennt.\nRICHARD STRAUSS. Es ist jetzt nicht mehr ge-\nstattet, ihn für ein Mitglied der lustigen Wiener Familie\nzu halten oder ihn mit dem Schöpfer der Fledermaus\nzu verwechseln. Seine Musik findet man, wenn man\nsonst nichts zu sagen weiss, immer ungeheuer inter-\nessant; auf diese Weise riskiert man nichts Man muss\ndie Salome und die Elektra mehrmals gesehen haben,\nhat sich aber noch immer kein abschliessendes Urteil\nüber ihre Stellung zur Musikgeschichte und in der\nEntwicklung des Musikdramas bilden können. Von\nseinen vielen Liedern sei man entzückt. Einen ent-\nschieden gegnerischen Standpunkt einzunehmen, ver-\nbietet nicht nur die gesellschaftliche Höflichkeit, sondern\nauch die drohende Gefahr, als musikalisch verknöchert\nangesehen zu werden.\nWEBER, KARL MARIA. Komponist für Kinder.\nSeine Jubelouvertüre, arrangiert für Klavier zu vier\nHänden, war eine der entsetzlichsten Plagen des Klavier-\nunterrichts, seinen Freischütz hat man einst in sehr\njungen Jahren gehört. Abgetane Sache.\nHUGO WOLF. Man nennt immer den Vornamen\nmit, obgleich die Musik nicht viele Wölfe aufzuweisen\nhat. Bei Nennung dieses Namens mache man ein\nsehr schlaues Gesicht.\nKONTRAPUNKT kann man jetzt alles nennen, was\nman im Grunde seiner Seele für scheusslich hält.\nWenn vom Kontrapunkt der alten Meister gesprochen\nwird, so mache man wieder ein sehr schlaues Gesicht.\n(Aber etwas anders als bei Hugo Wolf.)\nSINGAKADEMIE, gefürchteter Konzertsaal in Berlin,\nohne Restaurant, ohne Büffet, selbst ohne Automat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.9", "titre_corps": "Arbeit der Presse : Das bedrohte Asien", "titre_sommaire": "Arbeit der Presse : Das bedrohte Asien", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.5", "debut_caractere": 8842, "fin_caractere_exclue": 11911, "texte": "Arbeit der Presse\nDas bedrohte Asien\n\nEine Kaiserdepesche weckte einmal in Deutschland\ndas Interesse für einen fremdländischen Schriftsteller\num so viel Jahre früher, als an gleicher Zahl Jahr-\nzehnte über den Versuch vergehen müssen, einer\nganzen Welt den Namen eines Mannes zu entreissen,\nder sich den Beifall der Presse und der Intellektuellen\neiner einzigen Stadt zu erbluffen gewusst hat.\nEine Kaiserdepesche brachte den Namen Kipling\nin den Mund von abertausenden deutschen Zeitungs-\nlesern. Wie viele sind seinem Klange nachgegangen?\nAber so wie jene Depesche des Kaisers an den\ngrössten Erzähler Indiens angesichts der Indienreise\ndes Kronprinzen zu einer vollständig antiquierten\nReminiszenz hinabsinkt, so triumphiert heute der\nJournalist Ewers über den Dichter Kipling. Mag Ewers\nIndien auch nur gelegentlich „mitgenommen\" haben,\ndie Kenntnis der Literaturoffiziellen von Kipl ng wird\nzu einem flackernden, verlöschenden Lichtlein. Aber\nes ist auch das Indien der „Feuerflamme\", des\nSahibs Ewers, das der Kronprinz bereist. Er lernt das\nIndien kennen, von dessen kultureller und merkantiler\nBedeutung der Leitartikelschreiber mit Hilfe des\nKonversationslexikons dem Leser, der sich bekanntlich\nfür alles interessiert, gründliche Kenntnis vermittelt.\nÜber das der Feuilletonist, der es mit eigenen Augea\nsah, in der Note der Lustigen Blätter sich „auslässt\".\nDie Freundschaft eines Maharadscha, mit der Ewers\nso lieblich flunkert, in allen Ehren, aber sie wird von\nder Bedeutung der Gefolgschaft, die ein Bericht-\nerstatter dem Kronprinzen leistet, zu einem Amüsement\nherabgedrückt, das jedem Spassvogel zuteil werden\nkann. Maharadschas gibt es in Indien genug, aber\nDeutschland hat nur einen Kronprinzen und nur eine\nNorddeutsche Allgemeine. Der Mann, der für sie den\nhohen Reisenden bis auf die gefahrvollen Panther-\njagden verfolgt, ist schon wert, hier angeschossen zu\nwerden.\nNach seiner untertänigen Meinung muss jeder, der\nRom besucht hat, die Peterskirche gesehen haben, und\nwer in Indien reist, muss auf Tiger und Panther jagen.\nEr muss. Und überdies wäre es mehr als seltsam,\nwollte man dem Kronprinzen wegen seiner Jagdaus-\nflüge Vorwürfe machen; er ist doch Schritt für Schritt\nin der Lage, „sich über jede sich ihm aufdrängende\nFrage so zu informieren, dass er über Probleme, zu\nderen Studium ein anderer Reisender\nWochen, ja Monate brauchen würde\n(Ewers auch ?), in kürzester Zeit Aufklärung verschaffen\nkann\". Diese wundersame Möglichkeit gleicht den\nFakirkunststücken des Journalismus, der hier mit allen\nseinen stabilen Begleiterscheinungen eine Prinzen-\nvergnügungsreise in das Geleisenetz der weltgeschicht-\nlichen Ereignisse verwickelt.\nMit der Uhr in der Hand beobachtet der Indien-\nreporter die programmgemässe Abwicklung der Panther-\njagd. „Gegen neun Uhr sprengte ein eingeborener\nReiter heran, der die Ankunft des Kronprinzen meldet.\"\nDie Soldaten stellten sich in Ordnung, die bärtigen\nOffiziere zogen ihre rostigen Säbel, das Auto des\nKronprinzen brauste heran, die Jagd begann und der\nBerichterstatter nahm den hohen Jäger, „dessen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6600, "texte": "Silhouette ganz scharf in der Luft sich abzeichnete\",\nfest aufs Korn. Die Jagd war im Gange, der Panther\naufgescheucht und eine Kugel des Kronprinzen hatte\nihn schon getroffen. Aber die Kraft des Tieres war\nnoch nicht gebrochen, es änderte vielmehr die Richtung\nseiner Flucht und stürzte in seiner blinden Wut auf\nden Kronprinzen zu.\nDen Zeugen dieser Pause stockte einen\nMoment der Atem. Auf seinem Felsen-\nstandpunkt sah man die schlanke, vertraute\nGestalt des Kronprinzen, ruhig die Büchse an\nder Wange, und unter ihm in einer Entfernung\nvon etwa drei Meter den Panther zum Sprunge\ngebückt. Aber da knallt wie erlösend, scharf\nund kurz, aus der Büchse des Kronprinzen\nein zweiter Schuss, und wie vom Blitz ge-\ntroffen, sinkt die Bestie zu Boden.\nDer grosse Kriegspfadzug gegen die Schundliteratur\nbleibt eine Farce, solange die Mestizen unserer Literatur\nden Verfassern von Schauerromanen ins Handwerk\nhuschen. Und wie gelehrig die Eingeborenen sind, wie\nrasch ihnen der tiefste Wesenskern des freien deutschen\nBürgertums aufgepfropft werden kann ;\n»Eine kleine Episode am Schluss der Jagd\nist hierfür sehr bezeichnend. Als der Kron-\nprinz die Beute besichtigte, umringten ihn\nplötzlich Soldaten und Eingeborene und\nbrachten ihm ganz spontan ein dreimaliges\nHurra dar, für welches der Kronprinz über-\nrascht und erfreut dankte.\nDie Engländer sollte sich versehen; hierzulande\ngibt es Tausende, die, trotzdem sie auch nur Hurra\nschreien können, jederzeit bereit sind, für Deutschland\nzu sterben.\nDas noch mehr bedrohte Europa\nIch habe es schon vor Wochen gesagt: Dem\nReinhardt muss der Zirkus zur Enge der Kammerspiele\nwerden. Der gute Engel Mosses warnt ihn zu\nspät. Schon hat er sich der Proben zu der Oper\n„Der Rosenkavalier\" mitschuldig gemacht, schon ist\ner der leitende Regissenre der Gesellschaft für deutsche\nVolksfestspiele, schon liess er sich in London mit\nSumurun auspfeifen, er wird in Leipzig und Frankfurt\nam Main den Bonnificierten „Oedipus\" spielen, in\nMünchen zwei Operetten einstudieren und selbst in\nParis will er sich sehen lassen. Summa-Sumurun ist\ndas selbst Engel zu viel. Der „erste\" Kritiker der\nW. a. M. nannte einmal den Roda Roda der deutschen\nRegisseure einen „Napoleon des Theaters.4' Nicht mehr.\nVielleicht darum nicht, weil es ihm unbekannt sein\nwird, dass Napoleon viele Kriege notgedrungen geführt\nhat. Ihm wäre, hätte man ihn zufrieden gelassen,\nFrankreich vielleicht schon gross genug gewesen, aber\nReinhardt wird Europa tatsächlich zu klein. Und\n„schon ist die Erde voll von seinem Ruhm\nund die Himmel singen ihn wieder.\" So singt\nder gute Engel Fritz. Aber, wie schon gesagt: er\nwarnt. Er stellt in aller Verehrung und just\naus aller Verehrung die Frage, wie das enden\nsoll, für Reinhardt selbst, für seine Kunst, für das\nDeutsche Theater. „Es ist gewiss besser, dass Reinhardt\nfür sich selber eintritt, ehe die flachen Abgucker sich\nüber das Land verbreiten und mit einer falschen Kunst\nä la Reinhardt Handel treiben\", aber trotzdem: wie\nsoll das enden? Man hat den Weitermarsch dieses\nimmer noch so jugendlichen Mannes mit der vollen\nHoffnung auf grosse Gewinne (an Geld!) und auf\neine völlig unabsehbare Reihe künstlerischer Taten be-\ngleitet, aber jetzt tritt etwas dazwischen. Der Ruhm.\nDer soll von allen Geschenken der Götter das ge-\nfährlichste sein. Und wie auch nicht.\n.Abertausende umjubeln ihn, diesen Max\nReinhardt. Wenn es einen mechanischen\nBeifallszähler gäbe, würde sich dartun, dass\ner alle populären Fürsten, Parteiführer und\nKünstler schlägt und jetzt der applaudierteste\nEuropäer ist. Man verlangt nach ihm, man\nreisst sich um ihn, man spricht von nichts\nals von ihm, und schon umhüllt ihn der viel-\nfarbige Schleier der Legende Alle Welt muss\nes verstehen, dass die Wolken des Weihrauchs\nihm lieblich duften, und wir alle glauben\nsicherlich auch, dass es ihm über die äussere\nBefriedigung des Selbstgefühls hinaus als eine\nernste Aufgabe erscheint, seine Ideen aus dem\nengeren Kreis weiterzupflanzen.\nDeshalb konnte man es noch begrüssen,\ndass die Gesellschaft für deutsche\nVolksfestspiele für ihn gegründet und auf\nseine Schultern gestellt wurde. In diesen\nPlänen liegen soviel aufatmend neue Möglich-\nkeiten, soviel schöne Ausblicke und eine so\nstarke volksfreundliche Gesinnung, dass man\nihnen schon den besten deutschen Theater-\nmann gönnen durfte. Die lokalen Interessen\nund die Sorge um das Deutsche Theater,\nobschon sie sich regte, mussten unterdrückt\nwerden. Man durfte nicht so ganz nur\nBerliner, nichts als Berliner sein. Nun aber\nschwingt Reinhardt sich auf ganz Europas\nRegiestuhl. Wie die Bälle in einem verwir-\nrenden Jongleurkunststück fliegen die Namen\nLondon, Paris, Frankfurt, Leipzig, Dresden,\nMünchen vor unserem Auge auf und ab.\nEs glitzert um Reinhardt von klassischen\nTragödien, modernen Schauspielen, Pantomimen,\nOpern und Operetten. Wir sehen diesen\nMann mit Regiebuch und Kursbuch durch den\nKontinent sausen, einen Meister der gewollten\nSchlaflosigkeit, an fünf Orten und mit hundert\nHänden zugleich tätig. Er bleibt scheinbar\nruhig. Uns wird vom blossen Hinsehen\nschwindelig\nDer Schwindel, der uns erfasst, geht ganz von dem\nbesehenen Vorgängen aus Wie viele Geschäftsleute,\nrechtschaffen und redlich, müssen, obgleich sie Waren\nvertreiben, die wertvoller sind als moderne Bühnenkunst,\nteures Geld für Inserate bezahlen. Für Reinhardt\nbesorgt die Presse die schreiendste Reklame kostenlos\noder wenigstens für eine Bagatelle. In fingierten\nWiderlegungen sprengt sie Gerüchte aus von sensa-\ntionellen Plänen Reinhardts. Um der bevorstehenden\nErstaufführung des Vollmöllerschen Märchenspiel „Wie-\nland\" willen, das den ersten Aeroplan auf die Bühne\nbringen wird, schwingt sie sich flugs zu dem Dementi\nauf: Die Nachricht, dass Reinhardt den Flugplatz\nJohannistal zwecks Erbauung einer Arena für\n50000 Personen kaufen will, bestätigt sich nicht.\nIst aber an den Kaiser die Einladung ergangen, einer\nFestvorstellung beizuwohnen, die Reinhardt inszenieren\nsoll, so melden die Blätter: Der Kaiser wünscht Rein-\nhardts geniale Kunst, von der er schon so viel gehört\nhat, endlich kennen zu lernen. „Ueber\" sein Verlangen\nwird Reinhardt in Potsdam „Minna von Barnhelm\"\naufführen. —\nDie Sitzplatte des Rcgiestuhls von ganz Europa\nruht auf jenen Beinen, die von der Presse gestellt\nwerden.\nIn Wien ist für den Sommer eine Theaterausteilung\ngeplant Ihren Veranstaltern bliebe ein Defizit erspart,\nkönnten sie die Hämorrhoiden erwerben, die sich der\nNapoleonide Reinhardt im Regiestuhl und allen D-Zügen\nEuropas bald ersessen haben wird.\nAber für die Erklärung dieses Schaustückes müsste\nEngel engagiert werden\n\nJoseph Adler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "400", "page_fin": "400", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.10", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.6", "debut_caractere": 6602, "fin_caractere_exclue": 7534, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nMAX STEINER\nDie Lehre Darwins in ihren letzten Folgen\nDie Rückständigkeit des modernen Frei-\ndenkertums\nVerlagsbuchhandlung Ernst Hofmann u. Co. /\nBerlin\nKARIN MICHAELIS\nDas Schicksal der Ulla Fangel / Eine Ge-\nschichte von Jugend und Ehe\nVerlag Axel Juncker / Berlin\nRachel / Ein Ghettoroman\nBerlin / Concordia Deutsche Verlagsanstalt\nFRANK WEDEKIND\nIn allen Sätteln gerecht\nKomödie in einem Aufzug\nMit allen Hunden gehetzt\nSchauspiel in einem Aufzug\nIn allen Wassern gewaschen\nTragödie in einem Aufzug\nMünchen / Verlag Georg Müller\nGERHART HAUPTMANN\nDie Ratten / Berliner Tragikomödie\nVerlag S. Fischer / Berlin\nDIE LIEBESBRIEFE der Dame Lescombat und\ndes Herrn Mongeot / oder Geschichte ihrer\nverbrecherischen Liebe\nDreililien-Verlag / Karsruhe\nPAUL CLAUDEL\nMittagswende / Drama\nDer Tausch / Drama\nMünchen / Verlag Hans von Weber"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "400", "page_fin": "400", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.6", "debut_caractere": 7692, "fin_caractere_exclue": 8071, "texte": "Weitn bas von Ityrten btsfyer gebraudjte CDunbwaffer 311\n€nbe ift, fo empfef)len wir D>nen, an befien Stelle emen\nVerfud? mtt Kosntln 311 mad>en. 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Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nV!e*\" Hauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nirt helle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\np meter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nprar Lauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\ni! Den Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\n\"scd empfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\n\"nd Stadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\n, lichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\nwar „Leben\" kommen vom Besitzer u. 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Kruger Unterbarmen (Rhld.)\nHirschstrasse 49"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "402", "page_fin": "402", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.8", "debut_caractere": 1697, "fin_caractere_exclue": 1825, "texte": "Cafe Continental S2S\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\n:: Alle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c019", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "402", "page_fin": "402", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.8", "debut_caractere": 1827, "fin_caractere_exclue": 1985, "texte": "Max Giesswein\nKgl. sachs. und Kgl. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\njahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntrMgen bertihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ~Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. s—, Dezw.\nK. 6.—, f6rdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis und franko\nInserate finden im „Forscher\"\nwirksamste Verbreitung /.\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\n— Geschaftsstelle: —\nForscher - Verlag, Hannover"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "402", "page_fin": "402", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.8", "debut_caractere": 2775, "fin_caractere_exclue": 2873, "texte": "Verlag Paul Reinike\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-11-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-11_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "402", "page_fin": "402", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Aber nach wie vor will man\nim Spiegel dieser Kunst das Abbild einer müden kranken\nMenschheit erkennen, das Hinsterben einer überreifen\nKultur. Ein Dichter der Dekadenz, ein Künstler des\nLeidens, Schöpfer unfroher und gequälter Gestalten,\nprägt er die Hoffnungslosigkeit eines erliegenden Ge-\nschlechtes — damit ist die allgemeine Auffassung gekenn-\nzeichnet, die von der Kritik selten eingeschränkt wurde.\nDie gegenteilige Anschauung erscheint im ersten\nAugenblick paradox. Dennoch ist in der Reihe der\nDramen von den „Stützen der Gesellschaft\" angefangen\nneben der Geschichte des Zugrundegehens die des Neu-\nerwachens einer Zeit enthalten; und mit so stolzen,\nzukunftsicheren Verheissungen ist sie verkündet, dass\njeder Moment der Hoffnungslosigkeit vor ihr verblasst.\nWenn das allgemeine Urteil sich darüber täuschen\nkonnte, so lag es daran, dass man Anschauungen, die\ndem Wesen des Ibsenschen Dramas fremd sind, als\nMassstab für seinen Inhalt nahm. Diese feste Voraus-\nsetzung, mit der man an die Beurteilung der Dramen\nherantrat, ist der populäre Glaube an einen ganz be-\nstimmten Sinn und Zweck dessen, was schlechthin\nLiebe heisst. Denn als man endlich verzichtet hatte,\nin Ibsens Werke die abgezirkelte Aneinanderreihung\nsozialer Probleme zu sehen, als man in seinen Gestalten\nMenschen erkannte, deren Tun und Lassen durch ein\ntiefes Interesse, das sie an einander nehmen, gelenkt\nwird, da galt es erst dieses Interesse zu verstehen und\nzu werten. Dieses seltsame, starke Fühlen, dessen Vor-\nhandensein jedem konventionellen Wort einen tieferen\nNebensinn verleiht, solange es nicht alle Schranken der\nKonvention durchbricht, schien sich überhaupt dem ge-\nbräuchlichen Begriff der Liebe nicht recht zu fügen.\nUnd als man doch nicht umhin konnte, ein Begehren,\nwie es zwischen Hedda und Eylert, Rebekka und Rosmer,\nIrene und Rubeck und all den anderen nach Ausdruck\nund Erfüllung ringt, Liebe zu nennen, da mass man\nseinen Wert am hergebrachten Zweckmassstab.\nDer Zweck! Zu allen Zeiten hat man der Dar-\nstellung der Liebe auch in den absurdesten Formen die\nSympathie nicht versagt. Dolch, Gift, Natur- und Spinn-\nstubenromantik sind dem Künstler gerne als Requisiten\nzugestanden worden. Nur an eines durfte er nicht\nrühren, ein Zug musste klar und unverkennbar bleiben:\nder stets vorweggenommene Zweck. Wie immer die\nAeusserungen waren, das Begehren selbst musste als\nWille zum Kind verstanden werden können. Hier war\nder Wertmassstab der Liebe, trotz Kunstbegeisterung\nund Romantik, hier ihre Berechtigung, hier auch die\nGrenze des Gesunden, noch zu Duldenden in ihrem\nBereich. Als man diese Auffassung in die Welt der\nDramen trug, dann — und erst dann — erhielten ihre\nGestalten den Stempel der Unvollkommenheit, ihre\nLeidenschaften den des Krankhaften. An dieser Ueber-\nzeugung gemessen ist Ibsen der Schilderer des Nieder-\nganges Aber diese Anschauung selbst, dieser alte, ge-\nfestete Glaube an den Götzen „Kind\" dem so viele\nGenerationen im Leben und in der Kunst geopfert haben,\nbedarf der Prüfung.\nIst jede Liebe krankhaft und unnütz, die dem einen\nZweck nicht gerecht wird, ist sie stets eines von beiden:\nverächtlich oder bedauernswert? Gibt es keinen anderen\nSinn, kein anderes Ziel der Liebe, das diesem einen\nebenbürtig ist? Gibt es nur diese eine Liebe und ist\njedes andere Liebesfühlen krankhaft, dem natürlichen\nZweck entfremdet oder gibt es Liebe, mit anderen\nebenso natürlichen Zwecken als die Fortpflanzung der\nGattung?\nGerade in diesen Dichtungen, die die vornehmste\nDarstellung einer Liebe enthalten, die nicht der Trieb\nzur Zeugung sein kann, ist es möglich, Wert und Wesen\ndieser Gefühle zu kennen.\nDie Liebe bei Ibsen wirkt und schaft am Menschen.\nNicht neue Menschen zu zeugen, die Lebenden zu\nhöheren Menschen zu veredeln, ist ihr Ziel. Sie er-\nweckt, sie erzieht, sie befreit. Schaffende, im Leben\nund durch das Leben schaffende Liebe beseelt seine\nSchöpfung. Nur nach dem erziehenden und befreienden\nWert darf gemessen werden, ob diese Liebe das Leben\nverneint. In modern materialistisch geschulten Gehirnen\nentsteht der Einwand: Welche Bedeutung kann es für\ndie Menschheit überhaupt haben, wenn der Einzelne\nveredelt wird, der sich nicht fortpflanzt? Rosmer,\nSolness, sie werden zu den höchsten Gipfeln ihres\nSelbst getrieben, um im Augenblicke dieses Erreichens\nzu Grunde zu gehen ? Man muss es heute besonders\nbetonen, es gibt eine Art, Kulturwerte fortzupflanzen,\ndie nicht Vererbung heisst. Das ist die Tat; das Bei-\nspiel, das von einem gegeben in unzähligen anderen\nlebendig weiterwirkt. Baumeister Solness stürzt im\nMoment seiner grossen Ueberwindung, aber er über-\nwindet im Angesicht der Menge.\nLiebesgeschichte, Geschichte dieser Liebe allein ist\nder Insalt all dieser Werke, denen man so gerne Rätsel-\nhaftigkeit und ungeheuerliche Verwicklung zuspricht.\nWas der mächtige Apparat, die Fragen der Zeit und\nder Gesellschaft, bei ihrer Darstellung zu suchen haben?\nEs ist eine Liebe besonderer Art. Liebe, die Kultur-\nwerte schafft und nicht Menschen, die den Menschen\nheranbildet zum Kämpfer einer Zukunft und ihn von\nden Jochen der Vergangenheit befreit, die hat nicht\nRaum in der kleinsten Hütte; die* muss ihn begleiten\nin die Stürme seiner Zeit, die braucht das ganze Theater\ndes Seins, um zu reifen und zu schaffen. Da müssen\nalle Klippen und Gefahren der alten Kultur sich offen-\nbaren, alle ihre Dogmen und Drohungen klar liegen,\num die Schöpfung des Menschen höherer Kultur zu\nbegleiten.\nIn den „Stützen der Gesellschaft\" ist das Problem\ngestellt. Zwei Frauen stehen dem Manne zur Seite;\ndie eine, die Mutter seines Kindes, die andere, die\nRetterin seines Selbst. Lona Hessel liebt, indem sie\nkämpft. Sie reisst den Konsul aus der Ruhe, ihre\nLiebe will ihn veredeln, neu schaffen, zum freien Menschen\nschaffen. Diese Liebe und ihr Werk ist der Inhalt des\nStückes. Noch fehlt die Siegeszuversicht, die aus späteren\nDramen spricht, noch wirken äussere Umstände helfend\nund bestimmend. Wie schaffende Liebe kämpft und\nsiegen kann, ist hier die Formel; nicht dass sie siegen muss.\nDas Bedürfnis am Menschenwert zu schaffen in\nLiebe treibt Nora von der Seite ihres Mannes. In der\nErkenntnis, in der Aufgabe, in dem Bewusstwerden ihrer\nBestimmung liegt der Keim zukünftiger Tat. Da ist\nmehr an hoffnungsfrohem Optimismus verborgen, als\njener zweite Schluss des Dramas davon ausschreit, da\nNora um der Kinder willen bleibt. — In den Gespenstern\ndie vernichtende Gegenprobe: Die Mutter, die ihr eigenes\nMenschentum und das des Mannes, den sie liebt, dem\nKinde opfert und zwecklos opfert. Das wird erst uns,\ndie Gegenwart, bejahen müssen, um damit das Kind,\ndie Zukunft zu bejahen.\nDie Wildente ist wohl vom „Normalgefühl\" aus das\nperverseste der Dramen. Ein geschlechtsunreifes Kind,\ndas einen Mann liebt, der sein Vater sein könnte.\nHeiss und stark, mit ihrer ganzen, ihr selber fremden\nSeele liebt. Ohne Rat und Ueberlegen, geleitet von\neinem untrüglichen Instinkt, geht Hedwig Ekdal den\nWeg, der allein zur Rettung Hjalmars aus Lebenslüge\nund Niedrigkeit führen kann. Den Weg, den der kluge,\nwägende Verstand Gregor Werles so sicher verfehlen\nmuss als ihn dieses Kind nicht fehlen kann in Liebe.\nRosmersholm. Die Geschichte einer Erfüllung. Die\nErschaffung zweier Menschen. Wie sie einander geben,\nvon einander empfangen, zur Höhe wachsen und zum\nvornehmsten Menschentum Igelangen; wie diese Kraft,\ngenannt Liebe mit der unabwendbaren Gewissheit eines\nFatums ihr Werk vollendet und dieses Werk der freie\nMensch einer Zukunft ist. Hier ist der siegesfrohe\nGlaube an die läuternde, schaffende Macht der Liebe\nzum reinsten Ausdruck gebracht.\nDie Frau vom Meere. Dass Wangel heranwächst\nin seiner Liebe, stark und sehend wird in ihr; so\nübermenschlich stark, dass er in dem einen entscheiden-\nden Moment, in dem das ganze Zukunftsschicksal dieser\nbeiden Menschen gepresst ist, verzichten kann, das ist\ndas alte Märchen wieder, von der in den Edelstein\ngebannten Prinzessin, die nur erlösst wird, durch das\nVonsichwerfen des Edelsteines, und durch die Zu-\nversicht, dass diese Erlösung kommt (Hebbels Rubin)\nHedda Gabler. In leidenschaftlicher Sehnsucht zu\ngeben, stirbt sie am Ueberreichtum schaffender Liebe.\nSie hat das einzige getan, das ihr Teil an einem\nMenschenschicksal geben konnte und sie hat dem ge-\nliebten Mann die Gabe des Schmerzes gereicht. Zwei-\nmal. Als sie sein Werben zurückwies und als sie sein\nWerk zerstörte. Das erste Mal wurde sie die Mutter\nmeines Buches, das zweitemal gab sie ihm den Tod.\nAber dass sie sterben, Hedda Gabler und Eylert Lövborg,\nin dieser Welt ohne Schönheit, das ist das Zeugnis\neiner Kraft, die über den einzelnen hinweg an einer\nkommenden Welt der Schönheit schafft.\nBaumeister Solness. Nicht in Bewunderung seiner\nFähigkeiten, im Ansturm gegen seine Unzulänglichkeiten\nund Mängel streitet und wirkt Hilde Wangels Liebe,\nSie ist die Naturkraft, die an der Unvollkommenheit\nwächst, um der Unvollkommenheit willen schafft. Das\nKind, das einen Schwindsüchtigen durch die Berge jagt,\ntut nichts anderes, als das Weib, das einen Schwindelnden\nzur Höhe treibt: Sie streitet gegen die Schwächen, und\nwurzelten sie noch so tief in der Natur, sie ist in\nihrem Recht, denn sie selber ist schaffende Natur. Der\nEinzelne mag über diese Entwicklung zerbrechen; sein\nTod ist das Leben der Kultur und diese Toten erwachen,\nKlein Eyolf. Der unzweideutige Ausdruck dieser\nneuen Metaphysik der Geschlechtsliebe. Rita und Asta,\nbeide wollen sie dem Mann geben, den Mann erschaffen\nund nicht das Kind: Rita: „Wenn nun aber Eyolf niemals\ngeboren wäre? Was dann?\" Allmers (ausweichend),\n„Ja, das wäre etwas anderes, dann hätte ich ja nur\ndich.\" Rita (leise mit bebender Stimme). „Dann\nwünschte ich, ich hätte ihn nie geboren.\" Allmers (fährt\nauf): „Rita! Du weisst selbst nicht was du sprichst!\"\nRita (vor Gemütserregung zitternd) „Ich Lrachte ihn zur\nWelt unter den unsäglichsten Qualen, doch alles ertrug\nich mit Jubel und Wonne um deinetwillen.\" Allmers\n(mit Wärme): „Gewiss, gewiss, das weiss ich wohl.\"\nRita (entschlossen): „Dabei aber muss es sein Bewenden\nhaben. Mein Leben will ich leben zusammen mit dir,\nganz mit dir! ..\" Der Tod des Kindes hat ein neues\nLeben zweier Menschen geschaffen.\nJohn Gabriel Borgmann. Einer, der nach den\nGipfeln strebte und seinen Weg verfehlte, als er die\nLiebe opferte. „Die grosse unverzeihliche Sünde -\ndas ist die Sünde, die man begeht, wenn man das\nLiebesleben mordet in einem Menschen\" — „Ein Toter\nund zwei Schatten, das ist die Frucht der Kälte.\" „Ja,\nder Herzenskälte.\" Das Leben, das hohe freie Leben,\ndie Gegenwart, das ist die Frucht der Liebe.\nWenn wir Toten erwachen. Wenn wir Totes er-\nwecken in uns und in anderen. Irene und Rubek er-\nwachen, Frau Maja erwacht in dieser zu.\nihrem eigenen Leben. . Erweckende Liebe, wie h\nIrenes zu Rubek, ist wie die Rubeks zum Marmor,\nBorkmanns zum Golde. Erweckende Liebe ist der\nBaustein aller Kultur.\nIn grandioser Einfachheit steht Ibsens Werk vor\njeder Kritik, die nicht eine Welt hinter den Personen\nsucht, sondern die Personen aufsucht in ihrer Welt,\ndie nicht nach aussen, die nach innen deutet, die ver-\neinfacht und nicht kompliziert. An ungezählten Stellen\nzeichnet er den Begriff seiner Liebe, seiner „unnatür-\nlichen\" Liebe, die in Manuskripten und Bildwerken ihre\nrechtmässigen Kinder erkennt. Und bei richtigem Ver-\nständnis dieses Begriffes bleibt in der Menge der\nwechselnden Erscheinungen ein einziger Inhalt: es wird\ngeliebt.\nWelche Zwecke und Erfolge diese Liebe begleiten:\nOb er in ihr das Leben bejaht oder verneint?\nWo immer es die Gegenwart verneint, bedeutet es\neine Bejahung der Zukunft. Die Erschaffung der\nhöheren Kultur und des höheren Menschen ist der Sinn\ndes Bildes, das er von dieser Gegenwart entwirft. Mit\neinem oftj missbrauchten Namen nennt man das die\nSchaffung des Uebermenschen. Und das ist der Weg\nden er schildert: So ringen und drängen in unseref\nZeit Kräfte der Liebe im Leben und an jedem Leben,\ndie es bereichern, die es steigern und veredeln. Sünde\nwider die Zukunft ist Wiederstand gegen diese schaffende\nKraft der Liebe. Sie aber schafft an ungezählten\nMenschen von heute ihr grosses Werk, den kommendet\nMenschen.\n\nDas Lied auf das Gold\nVon Sar Peladan\n\n1\nSinnbild der Vollkommenen, Vereinigung der Wissen\nSchäften, o reines Metall, Verhärtung aus Sonne, Did\ntigkeit aus Licht, ruhmreiches Gold, allmächtiges Golfl\nGottheit Gold!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.3", "texte": "Vergebens werden die Moses auf die Höhen gehen,\ndas göttliche Wort zu empfangen: immer Verlangen\nnach Gold, wird man dich anrufen, und dein Gesetz\nwird wie ein verehrtes Joch die Seelen dieser Welt\nbeugen.\n2\nTalisman des Wunsches, unverderblicher Stoff, o\neinzige Erde: du gabst den magischen Zeiten die Ge-\nsundheit, trinkbares Gold; die Gelehrten selbst haben\ndich gesucht, Stein der Weisen. Die Künste und die\nBerufe sind Wege zu dir.\nDie Barmherzigkeit des Heiligen, die Selbstsucht\ndes Schlechten begehren dich beide; Triebfeder jedes\nVerbrechens, Mittel dej Güte, Bestandteil des Friedens,\nWerkzeug der Finsternis, gleichgültiger Mitschuldiger\nder Schande und des Ruhms, fügsam dem Satan wie\ndem Engel, Allgottheit Gold.\n3\nDieser Alchemist, der sein Alter über den Athanor\nbeugt, hat sein Leben verbraucht, um dich zu be-\nschwören. Sieh: sein fieberhaftes Forschen belebt noch\nsein Auge, das morgen der Tod verglasen wird.\nDieses Schiff, das nach unbestimmten Ufern geht,\nnimmt es mit Winden und Strömungen und Wirbel-\nstürmen auf; denn an einem Abend der Wache er-\nzählte ein Schiffer, er habe einst an den Küsten eines\nLandes gekreuzt, wo du dich noch verbirgst; um einen\nStrahl von dir verlassen diese Christen Land, Herd,\nFamilie und heuern eine Argo, um dich zu entführen,\ngoldenes Vliess\n4\nDu bist der Don Juan jeder Elvira, und das Bett\nder Liebe ist nur einer deiner Altäre, o Meister des\nLebens und Meister der Frau, Verführer ohne Nieder-\nlage, Ueberreder ohne Einrede, Stoff, der die Seele\nunterwirft, Ideal jedes Wesens, verhängnisvolles Gold.\nErst muss man dich besitzen, wie auch der Plan\nsei, den man verfolgt; keiner wüsste eine Liebe zu\nleben oder ein Werk zu machen, wenn du nicht\nPracht für den Leib, Stille für den Geist brächtest,\nerste Zutat jeder Freude.\n5\nGold! Gold! Macht über den Mächtigen, du be-\nzwingst die Starken, Auflöser des Unauflöslichen, Ver-\nwirklicher des Unmöglichen, Gold, Lösegeld, das von\nallem Schaden befreit, wenn du morgen in reinen\nHänden wärst, würde die verwandelte Welt uns den\nHimmel kosten lassen.\nGold, Schwert des Verlangens, Schild, den das\nLeben nur in rauhe Hände gibt; will Gott etwa den\nSchmerz bei den Starken, und wählt er schon aus,\nindem er dich von einem Schicksal verbannt?\n6\nWie ich dich besinge, stört mich ein Gedanke.\nWarum kommst du nicht auf den Ruf des Genies?\nImmer bist du fern vom Leben der Grossen: Corneille\nohne Schuhe, Wagner seinend Hund verkaufend, Balzac\nvon Schulden geplagt, Spinoza Brillenschleifer, Sigalon\nohne Farben, Lamartine ohne Brot klagen dich an.\nWarum bist du den Einfältigen und den Räubern\ntreu? Kein Held hat dich je gekannt. Dir gefällt es\nbei den Flegeln. O du machst den Reichen: warum\nbist du der gute Geist der Dummen und der Schutz-\nengel der Rohen allein?\n7\nDein Ruhm verwirrt, geheimnisvolles Metall, höch-\nstes Ding. Allesbeherrscher, der über der Welt der\nSeele eine zweite Sonne zu sein scheint, kostbarer\nund fruchtbarer. Dein Ruhm begann am Morgen der\nMenschheit und erbleicht nie; dein Ruhm wird von\nallen anerkannt. Wenn Gott nicht wäre, du würdest\nGott sein.\nDennoch, Gold, das alles in sich schliesst, du bist\nnichts durch dich selbst, sondern nur eine Ueberein-\nkunftl Du vereinfachst das Kaufen, den Tausch; das\nist alles; unpersönlicher Gegenstand, Gold, sachliches\nDing.\n8\nDas Erz, schlecht geprägt, bricht; das Wasser be-\nwahrt seinen drohenden und eigensinnigen Willen; die\nErde hat Krisen und verschwindet zuweilen; der Wind\ngehorcht dem Schiffer nicht: du, du bist der Knecht\ndes Knechtes selber; gemeines Gold, jede Hand ge-\nbraucht dich, du bist das grosse Werkzeug des Gleich-\nmachens; und wenn du eine Seele hast, glänzendes\nGold, wbs machst du damit?\nGold! Ich beklage dich; solltest du dieser Teil\ndes Lichtes sein, der Lucifer in seiner Sünde folgte?\nWirst du die versöhnde Form der Weltkraft sein, die\ndich empörte ?\nDeine Schönheit enthüllt uns einen erhabenen Ur-\nsprung und deine Rolle hier unten als Teilnehmer an\njedem Wunsch flösst mir ein tiefes Mitleid ein; dein\nGlanz bestimmt dich zum Werk des Lichts, der Güte\nund Liebe, wunderbares und liebliches Gold.\n9\nDu hast gesündigt, ohne Zweifel durch deine ei-\ngenen Strahlen geblendet, Metall aus Licht: du sühnst,\nindem du durch die Hände der Gemeinsten auf der\nWelt gehst.\nAn den grossen Gott, der dich geschaffen hat, richte\nich meine Bitte, dass dir verziehen werde. Und die\ndich vergeblich gerufen haben, die Genies und die\nArmen, werden auch für dich bitten. Dann wird das\nhimmlische Mitleid verzeihen, wie die Helden und die\nKünsler dir verziehen haben: Gold, Nichts von heute.\nIm Tal Josaphat wirst du, begnadigtes Gold, reu-\nmütiges Gold, reines Gold, wirst du, erhöhtes, wieder\nLicht gewordenes Gold, am purpurnen Tag des jüngsten\nGerichtes sein.\n\nDeutsch von Emil Schering\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXX\nDie Rechtszentrale\n„Nanu\", sagte der Herr Bartmann in der Rechts-\nzentrale am Schwantuflusse, „was wollen Sie denn von\nmir?\"\nDer Angeredete, ein alter Kontrollbeamter, zog eine\nPhotographie aus der Westentasche und zeigte sie dem\nHerrn Bartmann und sagte lächelnd:\n„Das sind Sie, nicht wahr, Herr Bartmann? Sie\nhaben gestern Abend in einem Bierkeller, der nur\nachtzig Meilen von der Rechtszentrale entfernt ist, eine\nBierrede gehalten und sich in dieser sehr abfällig über\ndas Kaiserreich Utopia geäussert. Die Rede ist durch\nAutomat aufgenommen mitsamt Ihrer Photographie und\nheute morgen durch Rohrpost hierhergelangt. Sie Herr\nBartmann sind mit Luftwagen hierhergekommen und\naugenscheinlich ein sogenannter Fremder. Alles was\nRecht ist, aber das können Sie nicht verlangen, dass\nman in Utopia schlecht über Utopia reden darf — und\nsomit wollte ich Sie bitten, mich zu meinem Betriebs-\ndirektor zu begleiten\"\nHerr Bartmann kraute sich hinter den Ohren, ihm\nwurde schwül zu Mute, er stotterte und sah sich nach\nseinem Luftwagen um.\nAber der Kontrollbeamte meinte lächelnd:\n„Es ist ja nichts Gefährliches. Strafen tun wir\nnicht in Utopia. Aber die Sache muss zur Diskussion\ngestellt werden. Ihre Rede hat interessiert. Durch\nsolche Reden können Sie in Utopia berühmt werden.\"\n„Ich danke schön für den Ruhm!\" rief der Herr\nBartmann wütend aus.\n„Danken Sie nicht zu früh,\" versetzte der Beamte,\n„der Ruhm ist doch eine vortreffliche Ware\"\nSie standen äm Ufer des Schwantuflusses, in der\nMitte des Flusses stand auf einer länglich ellipsen-\nförmigen Insel der Hauptturm der Rechtszentrale, und\nan jedem Ufer standen je drei Nebentürme der Rechts-\nzentrale. Und diese sieben, hundert Stock hohen\nTürme waren durch Tausende von Brücken mit Fahr-\nstühlen untereinander verbunden.\nUnd da fuhr dann der Herr Bartmann mit dem\nalten Kontrollbeamten sehr bald auf diesen Brücken\nherum, und die beiden Herren unterhielten sich über\ndie Bedeutung der sieben Türme; der Beamte sprach\nnicht ohne Wichtigtuerei.\n„In diesen sieben Türmen werden nur Manuskripte\nfabriziert; jeder Rechtsfall wird hier zu Papier gebracht,\ndie Druckereien befinden sich auf den Hügeln ringsum,\nhinter denen sich, wie Sie sehen, die Stadt ausbreitet.\nAugenblicklich wird am meisten über unseren Kaiser\nPhilander geschrieben, der sich ja, wie Sie wissen, im\nSchiida befindet und garnichts von sich hören lässt.\"\nDer Herr Bartmann kraute sich abermals hinter\nden Ohren und sagte seufzend:\n„Die Geschichte kann ja gut werden.\"\n„Haben Sie bloss keine Furcht,\" erwiderte lächelnd\nder Beamte, „in Utopia geht — Alles was Recht ist —\nAlles mit rechten Dingen zu, und keinem Menschen\nwird ein Haar gekrümmt..\"\nDanach stellte der Beamte den Herrn Bartmann\nseinem Betriebsdirektor vor, der in einem Prachtsaale\nsass und gemütlich seine Zigarre rauchte^\nAls nun der Herr Bartmann dem Herrn Betriebs-\ndirektor allein gegenüber sass in einem köstlichen\nEbenholzstuhle mit Emaiimalereien, da fragte der\nDirektor seinen Gast höflich, während er ihm eine\nZigarre anbot:\n„Wollen Sie das gestern Gesagte in allen Teilen\naufrechterhalten ? \"\nHerr Bartmann nickte und las sich noch einmal\nseine Rede durch und nickte wieder.\nDa wurde» denn sofort dreissig Regierungsliteraten\nvom Inhalte der Rede in Kenntnis gesetzt.\nUnd der Direktor plauderte danach mit seinem\nGaste, als wäre garnichts vorgefallen.\nXXXI\nKaiser Moritz der Blamierte\nDer Zeremonieeimeister Kawatko sprach in der\nVersammlung des Staatsrates zu Ulaleipu das folgende:\n„Eine Kraftprobe meine Herren, hat unser Staats-\ngebäude glänzend bestanden. Bereits vier Wochen\nsind es her, dass unser Kaiser Philander der Siebente\ndie Regierungsgeschäfte in die Hände des Oberbürger-\nmeisters von Schiida gelegt hat. Und diese recht kecke\nKandlungsweise hat den Utopianern bislang nicht ein\nHaar gekrümmt: wir können mit Zuversicht in die\nZukunft blicken.\"\nDer Kaiser vereinigte in seiner Person die Macht\nvon fünfzig Stimmen, die hundert Mitglieder hatten\ndagegen nur hundert Stimmen; wollte also der Kaiser\netwas durchsetzan, so musste er mindestens fünf-\nundzwanzig Mitglieder des Staatsrates auf seiner Seite\nhaben. Hatte der Kaiser nicht fünfundzwanzig Mitglieder\ndes Staatsrates auf seiner Seite, so blieb dem Kaiser\nnur ein Appell ans Volk übrig.\nDer stellvertretende Kaiser Moritz wollte nun zu-\nnächst die wirtschaftliche Stellung der Bewohner\nSchiidas durch eine allgemeine Landessteuer befestigen.\nDa kam er aber beim Staatsrate schön an, kein Mit-\nglied des Staatsrates trat auf die Seite des stell-\nvertretenden Kaisers; Herr Malke, der Historiker,\nerklärte feierlich:\n„Da es eine historische Tatsache ist, dass sich die\nSchildaer von der grossen Staatsreligion der Utopianer\nlossagten, so sind die Schildaer auch von den wirt-\nschaftlichen Wohltaten des utopischen Staates abge-\nschnitten worden; die Utopianer helfen den Schildaern\nnicht, wenn es ihnen schlecht geht. Und somit er-\nklären wir, dass ein Staatssteuer zu Gunsten der Stadt\nSchiida nicht von uns genehmigt wird.\"\nDer Kaiser Moritz appellierte sofort ans Volk —\naber in fünf Broschüren wurde einstimmig die Idee des\nneuen Kaisers für undurchführbar erklärt — der Stell-\nvertretende wurde ganz kalt daran erinnert, dass die\nUtopianer sich niemals verachten und dabei gleichzeitig\nanpumpen Hessen.\nUnd der neue Oberbürgermeister von Schiida, den\nalle für den Kaiser Philander hielten, und der doch\nnur der Herr Sebastian war, erklärte feierlich, dass\ndie Schildaer nicht nötig hätten, die Utopianer anzu-\nbetteln. Und danach schenkte der neue Oberbürger-\nmeister der Stadt Schiida zehntausend Reichstaler, und\nder Kaiser Moritz war der Blamierte.\nUnd ganz Utopia lachte über die erste Regierungs-\nhandlung des stellvertretenden Kaisers; der Moritz\närgerte sich.\nDas Künstlerfest\nXXXII.\nDie bildenden Künstler des Kaisereichs Utopia hatten\nin den letzten Jahrzehnten eine grosse Vorliebe für die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.4", "texte": "Kunstarten vergangener Epochen gezeigt und dement-\nsprechendverschiedene alte Städte wieder so rekonstruiert,\ndass man hinter ihren Mauern glauben konnte, noch\nin einer alten lange vergangenen Vorzeit zu leben; es\nhatten sich auch viele Utopianer gefunden, die diese\nalten Städte im Kostüm der alten Zeiten so getreu\nwie möglich kopierten.\nDiese antiquarische Geschmacksrichtung hatte aber\nauch ihr Gegenspiel erzeugt, und somit gabs auch\nsehr viele Maler, Bildhauer und besonders Architekten,\ndie den lebhaften Wunsch besassen, in einer Zukunfts-\nzeit zu leben.\nDiese Zukunftszeit sollte sich ganz besonders durch\ntransportable Häuser — und demnach auch durch\ntransportable Städte auszeichnen. Naturgemäss konnte\nman so kostspielige Zukunftspläne nicht gleich iß die\nreale Welt übersetzen. Es wnrde daher beschlossen,\nzunächst ein Künstlerfest mit transportablen kleinen\nRestaurants zu arrangieren. Zwanzig sehr umfang-\nreiche Fesselballons sollten die Restaurants in die Lüfte\nhinaufheben und 'da immer wieder in interessanter\nGruppierung auf und absteigen und so die Reize der\ntransportablen Architektur zur Anschauung bringen.\nDer Plan kam zur Ausführung, und die Künstler waren\neinfach entzückt — besonders in den warmen Sommer-\nnächten, wenn unten und oben tausend bunte elek-\ntrische Scheinwerfer die Luftstadt durchleuchteten.\nGanz Utopia interessierte sich für dieses Künstler-\nfest sehr lebhaft, und die Zahl der photographischen\nAufnahmen von den einzelnen Luftrestaurants aus und\nauch solche vom Erdboden aus belief sich in den\nersten vierzehn Tagen auf ungefähr siebzig Millionen;\ndie antiquarische Richtung verlor der neuen Luftrichtung\ngegenüber immer mehr an Boden, und alle Welt war\nerstaunt und entzückt über die lebhafte Tätigkeit der\nutopianischen Künstlerwelt.\nNur dem Herrn Bartmann gefiel diese neue Richtung\nin der Kunst keineswegs, und seine abfällige Kritik er-\nregte in den Künstlerkreisen nicht geringes Aufsehen.\nSeine heftige Rede im Bierkeller über die utopianische\nSchlaffheit und Faulheit hatte bereits ei» grosses Kopf-\nschütteln überall erzeugt, die Künstler aber hielten es\njetzt für angezeigt, diesem merkwürdigen Quengler\nganz energisch entgegenzutreten.\nUnd es kam zwischen den ersten Architekten jjdes\nLandes und dem Herrn Bartmann zu einer heftigen\nAuseinandersetzung — und natürlich hoch oben in den\nLüften tausend Meter über dem Festplatze mitten in\nder Nacht, als die Scheinwerfer herumflirrten — wie die\nbrennenden Blitzstrahlen von Riesendiamanten.\n„Eine sehr äusserliche Kunstrichtung\", sagte der\nHerr Bartmann, „eine rein dekorative Kunstrichtung —\neine Raumkunst, aber keine Traumkunst. Wenn wir\nauch dadurch in mancher Beziehung sehr neue und\nsehr wertvolle Anregungen empfangen, verinnerlicht wird\ndadurch die Kunst keineswegs — sie wird im Gegenteil\nimmer mehr veräusserlicht durch derartige Spielereien.\"\nDa gabs nun spitze Worte auf beiden Seiten, und\nder Herr Bartmann hatte einen schweren Stand; die\nKünstler setzten ihm klipp und klar auseinander, dass\nman der Kunst den Boden unter den Füssen fortzöge,\nwenn man die Kunst von der äusserlichen Erscheinungs-\nwelt trennen wollte.\nHerr Bartmann aber erklärte nachdrücklich:\n„Wenn wir in einer äusserlichen Erscheinung das\ninnere Leben herauszufühlen versuchen, so können\nwir sehr viel herausziehen; lassen wir aber immer\nwieder neue äusserliche Erscheinungen auf uns wirken,\nso werden wir nicht die Zeit finden, jeder einzelnen\näusserlichen Erscheinung ins Innere zu schauen, und\nwir werden bald das Innere ganz über dem Aeusseren\nvergessen. Sie wissen, meine Herren, dass ich nicht\nbehaupte, wir könnten überirdische Geister irgendwo\nentdecken — Sie wissen, wie ich das Innere meine —\nSie geben mir immer wieder zu, dass die Fülle der\nErinnerungen und der unwillkürlich erzeugten Neben-\nvorstellung jedes äusserliche Bild vertieft, verfeinert\nund zu eiuem sehr empfindlichen Darstellungsgegenstände\nmacht. Würde sichs nicht empfehlen, dieser intimen\nKunstrichtung mal mehr Raum zu schaffen? Durch\nIhre Luftschlösser machen Sie alle Bestrebungen ein-\nfach tot — Sie zerstreuen, statt zu konzentrieren —\nSie geben nicht dadurch den grandiosen Eindruck des\nintensiven Naturlebens.\"\nDa widersprach man natürlich sehr heftig und er-\nklärte, dass siebzig Millionen Photographien von all den\nverschiedenen Luftsituationen uns doch wohl die Fülle\ndes Lebendigen recht lebhaft verkörpern und dass es\ngeradezu toll wäre, in dieser Luftkunst nicht die ge-\nnügende Sensibilität zu erblicken.\n„Nein, nein!\" rief aber wieder der Herr Bartmann,\n„Sie töten damit die Sensibilität. Sie bringen nicht\ndas fieberhaft grandiose Weltleben dadurch zur Empfin-\ndung. Auf diese Weise kommen Sie nicht hinter die\nErscheinungswelt — nicht in das grosse ungeheuerliche\ninnere Leben der Natur hinein. Sie müssen das Leben\n— das ungeheuerliche Leben erfassen — das Leben>\ndas uns in den Sonnenprotuberanzen und in den all-\nmächtigen Aetherschwingungen des Mikrokosmos ent-\ngegenrauscht — das müssen Sie erfassen — Sie müssen\nlebendiger Alles sehen — lebendiger!\"\nHerr Bartmann zitterte dabei, und seine Zuhörer\ntraten seitwärts und erklärten ihn für übernervös und\nbeschlossen, ihn durch List in eine Besserungsanstalt\nzu schicken, in der überreizte Nerven durch einfache\nTätigkeit und feine Ablenkung wieder normal werden.\nUnd die Künstler erklärten dem Herrn Bartmann,\ndass er sich wohl selber wohl noch nicht ganz ver-\nstände; er müsse jedenfalls auf einem stillen Landsitze\nseinen Nerven eine Erholung gönnen. Und sie schlugen\nihm vor, den Direktor einer Besserungsanstalt aufzu-\nsuchen, der für intime Kunst sehr viel übrig hätte.\nDer Herr Bartmann trank aus Aerger mehr als\nsonst und erklärte feierlich, dass ihn bisher noch nicht\nein einziger Utopianer verstanden hätte — nicht ein\neinziger.\n\nFortsetzung folgt\n\nIntérieur\nAlfred Richard Meyer\nWir fühlen es lange schon, seit Stunden oder Sekunden,\ndass der Tag sonnengelockt vor dem Fenster liegt.\nDurch den Vorhang schlüpft lustig der Wind des Morgens,\nmit ihm schleichen sich heimliche Wünsche nach\nWonnen ein.\nAus nächtlichen Müdigkeiten dehne ich mich\nnach Schlaf und Erschlaffung in eine müdere Seligkeit\nmeines Erwachens und küss Dir die Augen auf.\nAn meiner Schulter räkelt sich rosig der schönste Rausch\nin Sehnsucht, Rosenblüten und rauschendem Blut..\nIst es schon spät?\nAch heut ist ja Sonntag!\nWer ist denn galant und wo ist mein Kavalier,\nder in die Küche geht und präsentiert seiner Gattin\ngoldendampfenden indischen Tee\nund prächtige, buttergestrichene Brödchen\nmit getrüffelter Leberwurst\noder gewürfelter Gänsebrust?\nGibts denn vom Stilton-Käse nicht mehr ein Stückchen?\nDie Katze Quiwi quäkt kläglich ihr Morgenmiau\nund wimmert nach weisser Milch.\nSchon brodelt das Wasser zitternde Blasen zum Brühn,\nda schäkerst Du bleich und bloss wie ein türkischer\nKnabe,\nums Haar ein Handtuch faltig als Turban gewunden,\nim Bad.\nGleich glitzert ein silberner Tropfenfall,\ntrommelt und prickelt in Kühle all Deine Prächte,\nküsst Dir den Busen rund,\nrötet den Bug Deines Nackens,\nschleicht kosend sich heimlicher weiter\nüber Schluchten und Hügel der Venus\nzum goldenen Knick Deiner Kniee,\nüber Knöchel und zierliche Zehen\nzum schmalen Mass Deiner Füsse.\nIch bin wie immer Dein treuer Diener und\nleg Dir natürlich den trocknenden Mantel um\ndie nassen Schauer der nackten Schultern.\nWars schön?\nSchon glüht es gelb in den grossen und blumenbunten\nBauerntassen und duftet heisser vom dampfenden Tee.\nSchmeckt Dir das Leberwurstbrödchen,\ndes Käses, grünlich Gebröckel?\nWohlig verschmatzt sich der Morgen im Bett.\nUnser Kätzchen\nstreicht sich den struppigen Bart und kauert sich\nschnurrend.\nEs klingt einer Guitarre Geklimper vom Hofe her,\ndie Heilsarmee gröhlt ihren munteren Morgengruss:\nHerrlich, herrlich wird es einmal sein,\nwenn wir ziehn von Sünden frei und rein\nin das gelobte Kanaan ein,\nJesus sieh her, ich komm!\nDa wirfst Du der seidenen Decken Purpurglut ab,\nin die persischen Pantoffel gleitet Dein blosser Fuss\ndann blinzelst Du lachend geblendet durchs Fenster\nins Licht der leuchtenden Sonne und summst ganz\nglücklic:\nden Chorus da unten mit, erst leise, dann lauter,\nzuletzt gestattet Deine Grossmut einen Groschen sogj'\nDu, Dein Tee wird ja kalt.\nGleich nehm ich Dir auch\ndas letzte Gänsebrustbrödchen grad vor der Nase wer\nNicht doch!\nDa kuschelt sofort etwas Warmes und\nWeiche;\nbettelnd und bittend wieder ins wilde Bett,\nstrampelnder Kampf kullert die Kissen herab,\nstreckt sich, endlich ermattend,\nzur Ruhe; dann ebbt auch\ndie Sturmflut der bräunlichen Brüste, wiegt ihre Welle;\nweicher und wärmer mir in die Hand.\nEin Sonnenkringel tupft unsrer Katze\nfeuriges tanzendes Gold auf das schwärzliche Seidenfei\nDann lullt uns wieder des Frühlingswindes\nwohliges Frösteln ein.\nNoch lallt leise mein Mund:\nDu liebe Liebe! leiser und leiser.\nUnd unsere Träume, trunken von Rosen,\nwollen in immer köstlichem Röten ertrinken.\nDa klingelt die Glocke.\nO Gott!\nGewiss ein Besuch.\nVielleicht ists Dein Vater.\nOder der Schusterschuft mit der ewigen Rechnung.\nSpäh erst durchs Guckloch.\nMan ist eben nicht zu Hause.\nGuten Morgen und schönsten Gruss vom gnädigen\nFräulein. -\nGrüssen Sie bitte sehr und sagen Sie herzlichen Dank\nIn meinen Händen halt ich den herrlichsten Fruchtkorb.\nAus Erdbeeren, Bananen und ganz dunklen Kirreffl,\nRosinen und Mandeln, Chokolade, Johannisbrot,\ngleisst in dem Flaum zweier Pfirsichbacken,\ndie mich ich sag nicht an was erinnern,\nder Spenderin bestens bekannte Bütten-Visitenkarte.\nSchon schaukelt die Kirschenkugel zwischen den\nKatzentatzen,\nes zwirbelt der Ball zwischen Hemdchen und Höschen,\nDu lachst.\nUnd die scharfen Nägel der niedlichen\nHände\nstreifen die gelbliche Schale der grössten Banane ab,\ndie strebt und strotzt wie der stolzeste Phallus empor,\ngleich züngelt Dein Kuss um die pralle prächtige Kuppel,\ndie Frucht wird Fleisch,\nder zähige Zucker wird flüssig.\nAn dieses Frühstück des sonnigen Sonntagmorgens,\ndas wir der Gunst einer lieben Freundin verdankten,\ndenken wir oftmals und gern in der Erinnerung wiedei\nund immer wieder.\nDoch an dem Abend desselbigen\nTages,\nDu trugst deinen neuen Hut, wie einstmals ihn liebten\nDaumier, Gavarni und Felicien Rops,\nergingen wir uns vergnügt im Zoologischen Garten,\nbegafften mit Krethi und Plethi das pluffende Feuerwerk,\nbestaunten die flammenden Sterne,\nden roten Flug der Raketen\nund ahnten im Schwung violetter Feuer und fahler\nFackeln\ndie schwarze Sonne von Dauthendey.\nZu Hause jedoch erblühten und sprühten und glühten\ndieselben Funken uns nackter und herrlicher aus der\nNacht\nAm nächsten Tag überraschten uns Scheerbarts,\nPaul und der Bär, aus Lesabendiosphären,\nund die ganze Kompagnie. Wir sangen und tranken\nDoornkaat, das Feuerwasser, und eine Waldmeisterbowle,\naber das erste Glas auf die mit Recht so beliebte\nAntierotik."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.5", "texte": "Lüge, Ehe und Wahrheit\nVon Alfred Kind\nUeber die Hebung der sexuellen Moral wird seit\nEwigkeiten gepredigt, bald mit der klingenden Schelle\nAbraham a Santa Claras, bald mit dem tönenden Erz\nlutherischer Tischreden. Und die Aussenseiter der\nChristenheit heulen in allen Tonarten. Der ver-\nsammelten Mitwelt Vorschriften zu machen, erzeugt\ndas leberbefreiende Gefühl eigener Untadelhaftigkeit.\nAuch geht der tatenschwangere Jüngling vielleicht hin\nund handelt nach des Meisters Drommetenstoss, bis\ndie Sonne einmal ins Meer gesunken ist. Aber darnach\nist die Dumpfheit und die lästige Grimmasse des öden\nZwangs. Und man nickt künftig ein schläfriges Ja\nder Verstellung und schleicht durch die lichtscheuen\nGassen der Lüge.\nDenn alle Ethik kann sich nur von innen heraus\ngebären, wenn sich die Schlacken schleifen im Daseins-\ngedränge und das Gehäuse der felsenfesten Ueber-\nzeugungen aus den Fugen bröckelt. Da steht der\nratlos Nackte und duckt den Straussenkopf in das\nSandhäufchen der Beschämung. Aber der Blitz fuhr\nin ihn, dass wir alle nackt sind, dass ein jeder Blossen\nbehängte und der eigene Balken im Auge der aller-\nmühseligste war. Erkenne dich selbst! — ein läppischer\nKlingklang, ein Redeblümchen aus dem Soffitenhimmel\nder Tempelkunst, gesagt zum Weitersagen. Nur das\nTun und das Wachsen im Werden der Zeit bringt den\nKlimmer zur fernsichtigen Höhe, und du erkennst, dass\nalle Berge Kuppen sind.\nSagtest du nicht, du wärst tolerant? und du kannst\ndoch die Nacktheit des Wahren nicht ertragen, wenn\ndu dich selber noch in Kleidern weisst. Du fliehst\nmit dem Weib deiner Wahl in die schweigenden Wälder\nder Lust; durch rote Abendbuchten plätschert dein\nKahn selige Furchen. Und ihr seid treu wie Gold.\nTreu wie der reine Goldreif an eurem Finger, und\nzerreibbar wie er. Ihr achtet nicht, dass jeder Hände-\ndruck des Glücks 'seine Spur von ihm mindert. Und\nwenn sein Schwinden bemerkbar wird, beginnt ihr, ihn\nmit der Falschheit zu legieren. Ihr spielt mit hartem\nTombak, und ihr weist ihn triumphierend auf vor\neinander.\nUnd doch sehnt ihr euch schon nach neuer Echt-\nheit, da die eure sich unter euch vernutzte. Du er-\nwachst des Morgens und das süsse Traumbild der\nGeliebten hängt nicht mehr sichtbar in der Luft zu\ndeinen Häupten Die Raubgeister der Vorvergangenen\nhaschen wieder nach deiner Liebesseele; die schweigenden\nWälder blauen dahinten irgendwo in den Flitterwochen.\nEs war ein Rausch; und du bemäntelst die Blosse\ndeines Selbstgeständnisses mit den Trauertüchern des\nVorwurfs gegen deine Genossin. Sie hat sich geändert.\nIn ihren Armen zuckst du mit dem Gedanken an eine,\ndie dir heute in zufälliger Schönheit vorüberwandelte.\nDu Erznarr! wähnst du, deine Gattin könnte dir noch\nmit allen Teilchen zufliegen wie der Stahl dem Magneten;\nAbgenutzt, verbraucht, Lüge.\nFragt euch doch einander, was ihr über Tage fühlt\nund euch nächtens vorgaukelt! Euer Mund wird\nflüstern: Du bist's und in euren unsichern Augen wird\nein Besserwissen glimmen. Es sprach einer das Wort:\nIch aber sage euch, ihr habt schon die Ehe gebrochen\nin euerm Herzen. Ein fluchbeladenes Wort, ein Wort,\nsich das Fleisch vom Leibe zu reissen, wenn es ernst-\nhaft zu Gemüte dringt. Aber ihr lächelt und lügt, und\neuer Wunsch flattert nach dem Winde, und ihr werdet\nmürrisch und verdrossen, und der Zank hebt sein ver-\nsteinerndes \"Schlangenhaupt. Was habt ihr euch noch\nzu sagen? was bleibt ihr beieinander in Unfeinheit.\nEs geht eben nicht anders. Die Welt dreht sich,\nund die Jahreszeiten wechseln, und die Quelle ersäuft\nim Meer. Sehnsüchte verblassen, und eure Arme ver-\nstricken sich träger. Wollt ihr wider die verrammelten\nTore der Unmöglichkeit mit euren Stirnen Sturm laufen?\nNur euch wird die Wunde klaffen!\nBegreift doch, dass ihr hier auf diesem Boden\nwurzelt, dass ihr nur aus dieser Wirklichkeit zu Halm\nund Frucht gedeiht. Jene Wolkenwand da oben ist\nein trügerisch Gebilde, ein Gebirg aus Wasserdampf,\nMauerkronen aus weissem Gischt Kniet nieder vor-\neinander und beichtet; bis in die violetten Tiefen\nleuchtet euch hinab ohne Bangnis Und ihr werdet\naufstehen als freie Menschen, in Wahrheit freie, und\nin eure Arme stürzen, nicht als Mitschuldige, sondern\nals ehrliche Ringer und Bekenner, dessen, was ist und\nnicht ist.\nReden ist leicht, und auch meine Worte sind\nKlingklang. Eine Fastenpredigt Narreteien über blutigen\nErnst. Denn wer das Glück in der Wahrheit sucht,\nwird ohne Zuruf den Weg finden.\n\nAus dem musikalischen\nNotizbuch für Berlin\nFranz Ziller\nAdam ist auch im Musiklexikon der erste Mensch.\nHeute nur noch für die Sommeroper zu verwenden,\nwas er der Zeit des Automobils auch nicht weiter ver-\nübeln darf, die mit einem „Postillon\" schlechterdings\nnichts mehr anzufangen weiss.\nBACH war früher nur bekannt als Mitarbeiter\nGounods, zu dessen wundervollem Ave-Maria er eine\nsehr geschickte Begleitung setzte. In neuerer Zeit hat\ndie eifrige Musikforschung herausgefunden, dass er\nselber Melodien, sogar für Gesang zu erfinden verstand.\nSein „Wohltemperiertes Klavier\" ist gefürchtet, weil\njeder Debütant mit einer Nummer daraus sein Konzert\neröffnet; aber auch altberühmte Künstler wollen von\ndieser Vorübung nicht abgehen. Man bewundere dann\nimmer die erhabene Einfalt der Präludien und die un-\nergründliche Tiefe der Fugen wie ja auch schon Beet-\nhoven gesagt hat: Nicht Bach, Meer sollte er heissen.\nSeine Hmoll-Messe, früher nur Musikgelehrten bekannt,\nwird augenblicklich sehr hoch bewertet; man muss sie\nfür den Gaurisankar im Himalaya der grossen Kunst\nhalten. Mit seinen Kantaten, von denen immer vier\nauf einen Abend gehen, hat er seinen Ruf in den\nweitesten Kreisen des gebildeten Publikums, das natür-\nlich a priori musikalisch ist, festigen können. Dabei\nist er so bescheiden, den Löwenanteil an dem Erfolg\nden ausgezeichneten Solisten zu überlassen. Von seinen\nSöhnen haben sich nur durch ihre aparte Kunst Philipp\nEmanuel und selbst der gänzlich verbummelte Wilhelm\nFriedemann wieder in die musikalische gute Gesell-\nschaft einführen können.\nBERLIOZ, der Komponist eines grossartigen\nRequiems für Chor, Tenorsolo, Haupt- und vier Neben-\norchester. In Berlin hätten acht Nebenorchester noch\nmehr für seinen Ruhm tun Können. Sein Vornahme\nHektor verleitete ihn zur Komposition der „Trojaner\",\nerster und zweiter Teil; in Berlin unbekannt.\nBEETHOVEN, der Komponist der „Letzten Quar-\ntette\", die man verstehen muss, um diesen Meister\nüberhaupt verstehen zu können.\nGOUNOD, von dem schon oben die Rede war,\nnoch immer sehr beliebter französischer Komponist, was\nman aber nicht eingestehen darf, um seinen Kunst-\nkredit nicht zu schädigen\nHAENDEL wurde früher stets mit Bach zusammen-\ngenannt, was jetzt bei Strafe der Lächerlichkeit ver-\nboten ist. Sehr vernachlässigt; dürfte indessen mit zu-\nnehmender Verengländerung Berlins wieder an Boden\ngewinnen.\nMENDELSSOHN, gänzlich abgetaner Komponist.\nEinige Klavierstücke von ihm, zum Beispiel sein einst\nberühmtes Spinnerlied werden noch als Etüden in der\nKlavierstunde gespielt.\nMOZART war lange Zeit weit ins Hintertreffen\ngekommen. Jetzt muss man ihm gegenüber Partei\nergreifen: entweder man geht gänzlich über ihn hin-\nweg — was man tun darf, ohne irgendwie Gefahr zu\nlaufen. Oder man stellt ihn als eine Spitze unserer\nmusikalischen Kultur hin: besonders beliebt bei Wag-\nnerianern und Modernsten als temperierende Mischung.\nDann macht es nichts, wenn man ihn nicht kennt.\nRICHARD STRAUSS. Es ist jetzt nicht mehr ge-\nstattet, ihn für ein Mitglied der lustigen Wiener Familie\nzu halten oder ihn mit dem Schöpfer der Fledermaus\nzu verwechseln. Seine Musik findet man, wenn man\nsonst nichts zu sagen weiss, immer ungeheuer inter-\nessant; auf diese Weise riskiert man nichts Man muss\ndie Salome und die Elektra mehrmals gesehen haben,\nhat sich aber noch immer kein abschliessendes Urteil\nüber ihre Stellung zur Musikgeschichte und in der\nEntwicklung des Musikdramas bilden können. Von\nseinen vielen Liedern sei man entzückt. Einen ent-\nschieden gegnerischen Standpunkt einzunehmen, ver-\nbietet nicht nur die gesellschaftliche Höflichkeit, sondern\nauch die drohende Gefahr, als musikalisch verknöchert\nangesehen zu werden.\nWEBER, KARL MARIA. Komponist für Kinder.\nSeine Jubelouvertüre, arrangiert für Klavier zu vier\nHänden, war eine der entsetzlichsten Plagen des Klavier-\nunterrichts, seinen Freischütz hat man einst in sehr\njungen Jahren gehört. Abgetane Sache.\nHUGO WOLF. Man nennt immer den Vornamen\nmit, obgleich die Musik nicht viele Wölfe aufzuweisen\nhat. Bei Nennung dieses Namens mache man ein\nsehr schlaues Gesicht.\nKONTRAPUNKT kann man jetzt alles nennen, was\nman im Grunde seiner Seele für scheusslich hält.\nWenn vom Kontrapunkt der alten Meister gesprochen\nwird, so mache man wieder ein sehr schlaues Gesicht.\n(Aber etwas anders als bei Hugo Wolf.)\nSINGAKADEMIE, gefürchteter Konzertsaal in Berlin,\nohne Restaurant, ohne Büffet, selbst ohne Automat.\n\nArbeit der Presse\nDas bedrohte Asien\n\nEine Kaiserdepesche weckte einmal in Deutschland\ndas Interesse für einen fremdländischen Schriftsteller\num so viel Jahre früher, als an gleicher Zahl Jahr-\nzehnte über den Versuch vergehen müssen, einer\nganzen Welt den Namen eines Mannes zu entreissen,\nder sich den Beifall der Presse und der Intellektuellen\neiner einzigen Stadt zu erbluffen gewusst hat.\nEine Kaiserdepesche brachte den Namen Kipling\nin den Mund von abertausenden deutschen Zeitungs-\nlesern. Wie viele sind seinem Klange nachgegangen?\nAber so wie jene Depesche des Kaisers an den\ngrössten Erzähler Indiens angesichts der Indienreise\ndes Kronprinzen zu einer vollständig antiquierten\nReminiszenz hinabsinkt, so triumphiert heute der\nJournalist Ewers über den Dichter Kipling. Mag Ewers\nIndien auch nur gelegentlich „mitgenommen\" haben,\ndie Kenntnis der Literaturoffiziellen von Kipl ng wird\nzu einem flackernden, verlöschenden Lichtlein. Aber\nes ist auch das Indien der „Feuerflamme\", des\nSahibs Ewers, das der Kronprinz bereist. Er lernt das\nIndien kennen, von dessen kultureller und merkantiler\nBedeutung der Leitartikelschreiber mit Hilfe des\nKonversationslexikons dem Leser, der sich bekanntlich\nfür alles interessiert, gründliche Kenntnis vermittelt.\nÜber das der Feuilletonist, der es mit eigenen Augea\nsah, in der Note der Lustigen Blätter sich „auslässt\".\nDie Freundschaft eines Maharadscha, mit der Ewers\nso lieblich flunkert, in allen Ehren, aber sie wird von\nder Bedeutung der Gefolgschaft, die ein Bericht-\nerstatter dem Kronprinzen leistet, zu einem Amüsement\nherabgedrückt, das jedem Spassvogel zuteil werden\nkann. Maharadschas gibt es in Indien genug, aber\nDeutschland hat nur einen Kronprinzen und nur eine\nNorddeutsche Allgemeine. Der Mann, der für sie den\nhohen Reisenden bis auf die gefahrvollen Panther-\njagden verfolgt, ist schon wert, hier angeschossen zu\nwerden.\nNach seiner untertänigen Meinung muss jeder, der\nRom besucht hat, die Peterskirche gesehen haben, und\nwer in Indien reist, muss auf Tiger und Panther jagen.\nEr muss. Und überdies wäre es mehr als seltsam,\nwollte man dem Kronprinzen wegen seiner Jagdaus-\nflüge Vorwürfe machen; er ist doch Schritt für Schritt\nin der Lage, „sich über jede sich ihm aufdrängende\nFrage so zu informieren, dass er über Probleme, zu\nderen Studium ein anderer Reisender\nWochen, ja Monate brauchen würde\n(Ewers auch ?), in kürzester Zeit Aufklärung verschaffen\nkann\". Diese wundersame Möglichkeit gleicht den\nFakirkunststücken des Journalismus, der hier mit allen\nseinen stabilen Begleiterscheinungen eine Prinzen-\nvergnügungsreise in das Geleisenetz der weltgeschicht-\nlichen Ereignisse verwickelt.\nMit der Uhr in der Hand beobachtet der Indien-\nreporter die programmgemässe Abwicklung der Panther-\njagd. „Gegen neun Uhr sprengte ein eingeborener\nReiter heran, der die Ankunft des Kronprinzen meldet.\"\nDie Soldaten stellten sich in Ordnung, die bärtigen\nOffiziere zogen ihre rostigen Säbel, das Auto des\nKronprinzen brauste heran, die Jagd begann und der\nBerichterstatter nahm den hohen Jäger, „dessen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.6", "texte": "Silhouette ganz scharf in der Luft sich abzeichnete\",\nfest aufs Korn. Die Jagd war im Gange, der Panther\naufgescheucht und eine Kugel des Kronprinzen hatte\nihn schon getroffen. Aber die Kraft des Tieres war\nnoch nicht gebrochen, es änderte vielmehr die Richtung\nseiner Flucht und stürzte in seiner blinden Wut auf\nden Kronprinzen zu.\nDen Zeugen dieser Pause stockte einen\nMoment der Atem. Auf seinem Felsen-\nstandpunkt sah man die schlanke, vertraute\nGestalt des Kronprinzen, ruhig die Büchse an\nder Wange, und unter ihm in einer Entfernung\nvon etwa drei Meter den Panther zum Sprunge\ngebückt. Aber da knallt wie erlösend, scharf\nund kurz, aus der Büchse des Kronprinzen\nein zweiter Schuss, und wie vom Blitz ge-\ntroffen, sinkt die Bestie zu Boden.\nDer grosse Kriegspfadzug gegen die Schundliteratur\nbleibt eine Farce, solange die Mestizen unserer Literatur\nden Verfassern von Schauerromanen ins Handwerk\nhuschen. Und wie gelehrig die Eingeborenen sind, wie\nrasch ihnen der tiefste Wesenskern des freien deutschen\nBürgertums aufgepfropft werden kann ;\n»Eine kleine Episode am Schluss der Jagd\nist hierfür sehr bezeichnend. Als der Kron-\nprinz die Beute besichtigte, umringten ihn\nplötzlich Soldaten und Eingeborene und\nbrachten ihm ganz spontan ein dreimaliges\nHurra dar, für welches der Kronprinz über-\nrascht und erfreut dankte.\nDie Engländer sollte sich versehen; hierzulande\ngibt es Tausende, die, trotzdem sie auch nur Hurra\nschreien können, jederzeit bereit sind, für Deutschland\nzu sterben.\nDas noch mehr bedrohte Europa\nIch habe es schon vor Wochen gesagt: Dem\nReinhardt muss der Zirkus zur Enge der Kammerspiele\nwerden. Der gute Engel Mosses warnt ihn zu\nspät. Schon hat er sich der Proben zu der Oper\n„Der Rosenkavalier\" mitschuldig gemacht, schon ist\ner der leitende Regissenre der Gesellschaft für deutsche\nVolksfestspiele, schon liess er sich in London mit\nSumurun auspfeifen, er wird in Leipzig und Frankfurt\nam Main den Bonnificierten „Oedipus\" spielen, in\nMünchen zwei Operetten einstudieren und selbst in\nParis will er sich sehen lassen. Summa-Sumurun ist\ndas selbst Engel zu viel. Der „erste\" Kritiker der\nW. a. M. nannte einmal den Roda Roda der deutschen\nRegisseure einen „Napoleon des Theaters.4' Nicht mehr.\nVielleicht darum nicht, weil es ihm unbekannt sein\nwird, dass Napoleon viele Kriege notgedrungen geführt\nhat. Ihm wäre, hätte man ihn zufrieden gelassen,\nFrankreich vielleicht schon gross genug gewesen, aber\nReinhardt wird Europa tatsächlich zu klein. Und\n„schon ist die Erde voll von seinem Ruhm\nund die Himmel singen ihn wieder.\" So singt\nder gute Engel Fritz. Aber, wie schon gesagt: er\nwarnt. Er stellt in aller Verehrung und just\naus aller Verehrung die Frage, wie das enden\nsoll, für Reinhardt selbst, für seine Kunst, für das\nDeutsche Theater. „Es ist gewiss besser, dass Reinhardt\nfür sich selber eintritt, ehe die flachen Abgucker sich\nüber das Land verbreiten und mit einer falschen Kunst\nä la Reinhardt Handel treiben\", aber trotzdem: wie\nsoll das enden? Man hat den Weitermarsch dieses\nimmer noch so jugendlichen Mannes mit der vollen\nHoffnung auf grosse Gewinne (an Geld!) und auf\neine völlig unabsehbare Reihe künstlerischer Taten be-\ngleitet, aber jetzt tritt etwas dazwischen. Der Ruhm.\nDer soll von allen Geschenken der Götter das ge-\nfährlichste sein. Und wie auch nicht.\n.Abertausende umjubeln ihn, diesen Max\nReinhardt. Wenn es einen mechanischen\nBeifallszähler gäbe, würde sich dartun, dass\ner alle populären Fürsten, Parteiführer und\nKünstler schlägt und jetzt der applaudierteste\nEuropäer ist. Man verlangt nach ihm, man\nreisst sich um ihn, man spricht von nichts\nals von ihm, und schon umhüllt ihn der viel-\nfarbige Schleier der Legende Alle Welt muss\nes verstehen, dass die Wolken des Weihrauchs\nihm lieblich duften, und wir alle glauben\nsicherlich auch, dass es ihm über die äussere\nBefriedigung des Selbstgefühls hinaus als eine\nernste Aufgabe erscheint, seine Ideen aus dem\nengeren Kreis weiterzupflanzen.\nDeshalb konnte man es noch begrüssen,\ndass die Gesellschaft für deutsche\nVolksfestspiele für ihn gegründet und auf\nseine Schultern gestellt wurde. In diesen\nPlänen liegen soviel aufatmend neue Möglich-\nkeiten, soviel schöne Ausblicke und eine so\nstarke volksfreundliche Gesinnung, dass man\nihnen schon den besten deutschen Theater-\nmann gönnen durfte. Die lokalen Interessen\nund die Sorge um das Deutsche Theater,\nobschon sie sich regte, mussten unterdrückt\nwerden. Man durfte nicht so ganz nur\nBerliner, nichts als Berliner sein. Nun aber\nschwingt Reinhardt sich auf ganz Europas\nRegiestuhl. Wie die Bälle in einem verwir-\nrenden Jongleurkunststück fliegen die Namen\nLondon, Paris, Frankfurt, Leipzig, Dresden,\nMünchen vor unserem Auge auf und ab.\nEs glitzert um Reinhardt von klassischen\nTragödien, modernen Schauspielen, Pantomimen,\nOpern und Operetten. Wir sehen diesen\nMann mit Regiebuch und Kursbuch durch den\nKontinent sausen, einen Meister der gewollten\nSchlaflosigkeit, an fünf Orten und mit hundert\nHänden zugleich tätig. Er bleibt scheinbar\nruhig. Uns wird vom blossen Hinsehen\nschwindelig\nDer Schwindel, der uns erfasst, geht ganz von dem\nbesehenen Vorgängen aus Wie viele Geschäftsleute,\nrechtschaffen und redlich, müssen, obgleich sie Waren\nvertreiben, die wertvoller sind als moderne Bühnenkunst,\nteures Geld für Inserate bezahlen. Für Reinhardt\nbesorgt die Presse die schreiendste Reklame kostenlos\noder wenigstens für eine Bagatelle. In fingierten\nWiderlegungen sprengt sie Gerüchte aus von sensa-\ntionellen Plänen Reinhardts. Um der bevorstehenden\nErstaufführung des Vollmöllerschen Märchenspiel „Wie-\nland\" willen, das den ersten Aeroplan auf die Bühne\nbringen wird, schwingt sie sich flugs zu dem Dementi\nauf: Die Nachricht, dass Reinhardt den Flugplatz\nJohannistal zwecks Erbauung einer Arena für\n50000 Personen kaufen will, bestätigt sich nicht.\nIst aber an den Kaiser die Einladung ergangen, einer\nFestvorstellung beizuwohnen, die Reinhardt inszenieren\nsoll, so melden die Blätter: Der Kaiser wünscht Rein-\nhardts geniale Kunst, von der er schon so viel gehört\nhat, endlich kennen zu lernen. „Ueber\" sein Verlangen\nwird Reinhardt in Potsdam „Minna von Barnhelm\"\naufführen. —\nDie Sitzplatte des Rcgiestuhls von ganz Europa\nruht auf jenen Beinen, die von der Presse gestellt\nwerden.\nIn Wien ist für den Sommer eine Theaterausteilung\ngeplant Ihren Veranstaltern bliebe ein Defizit erspart,\nkönnten sie die Hämorrhoiden erwerben, die sich der\nNapoleonide Reinhardt im Regiestuhl und allen D-Zügen\nEuropas bald ersessen haben wird.\nAber für die Erklärung dieses Schaustückes müsste\nEngel engagiert werden\n\nJoseph Adler\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nMAX STEINER\nDie Lehre Darwins in ihren letzten Folgen\nDie Rückständigkeit des modernen Frei-\ndenkertums\nVerlagsbuchhandlung Ernst Hofmann u. Co. /\nBerlin\nKARIN MICHAELIS\nDas Schicksal der Ulla Fangel / Eine Ge-\nschichte von Jugend und Ehe\nVerlag Axel Juncker / Berlin\nRachel / Ein Ghettoroman\nBerlin / Concordia Deutsche Verlagsanstalt\nFRANK WEDEKIND\nIn allen Sätteln gerecht\nKomödie in einem Aufzug\nMit allen Hunden gehetzt\nSchauspiel in einem Aufzug\nIn allen Wassern gewaschen\nTragödie in einem Aufzug\nMünchen / Verlag Georg Müller\nGERHART HAUPTMANN\nDie Ratten / Berliner Tragikomödie\nVerlag S. Fischer / Berlin\nDIE LIEBESBRIEFE der Dame Lescombat und\ndes Herrn Mongeot / oder Geschichte ihrer\nverbrecherischen Liebe\nDreililien-Verlag / Karsruhe\nPAUL CLAUDEL\nMittagswende / Drama\nDer Tausch / Drama\nMünchen / Verlag Hans von Weber\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\nV. I.: Oskar Kokoschka\n\nWeitn bas von Ityrten btsfyer gebraudjte CDunbwaffer 311\n€nbe ift, fo empfef)len wir D>nen, an befien Stelle emen\nVerfud? mtt Kosntln 311 mad>en. Sie werben fraben,\nbafc Sie biefes in gan3 befonberem CDafee befriebigt, benn\nKosrnin überaus erfrifd>enben Wotylgefdjmack,\nkonjerviert bie 3aljne unb kraftigt bas 3al?nfleifd).\nSlafd>e CDk. 150, kmge ausreidjenb, Qberotl fcauflkrf)."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.7", "texte": "Neue Sezession\n3BSBS 3S3S3BS 388S SE3SBS 38SS3S\nGalcric Maximilian tßacl)t\n3BBBS gS3SS3g 2BBS §S§BS 3SBBS 28538S 3SSBS\nBerlin SI., Itenkc-Strasse I\nan der Kaiser Gcda€l>tnls - Klrciie"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110211-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle „Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, £ für Berlin A. Bots, Potsdamerstr. 111, sowie sämti.fAnnoncen-Exped., Druck v. CarTSchüssler-Hannover\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nTehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nirUxje u*ii\nifuJKsl* J C<A\niIAVM4rWU4\\- (/W/Ait\n\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheres Mitfcel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben ia alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nReg in Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nV!e*\" Hauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. 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