{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_sha256": "41cb853915100f75cb5aece8f099d5b2bd98f7f25c03cde508fbb7a2524b1080", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/02/18_01/bmtnabg_1911-02-18_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/02/18_01/bmtnabg_1911-02-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.1", "debut_caractere": 551, "fin_caractere_exclue": 905, "texte": "INHALT:\nTRUST: Wieder eine Woche / ALBERT SAMAIN: Abende / THADDÄUS RITTNER: Rettungsaktion / PAUL SCHEERBART: Der Kaiser von Utopia /\nMORITZ KÖNIG: Der Liebhaber / ELSE LASKER-SCHÜLER: Franziska Schultz / ALFRED DÖBLIN: Musik nebst Schimpfworten / J. A.: Vom Tage / ALFRED\nLICHTENSTEIN: Siegfried Simon / Beachtenswerte Bücher / MAX PECHSTEIN: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.2", "titre_corps": "Zeichnung von Max Pechstein", "titre_sommaire": "Zeichnung von Max Pechstein", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.1", "debut_caractere": 907, "fin_caractere_exclue": 934, "texte": "Zeichnung von Max Pechstein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "404", "page_fin": "404", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.3", "titre_corps": "Wieder eine Woche", "titre_sommaire": "Wieder eine Woche", "signature_source": "Wieland von Karl Vollmoeller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9964, "texte": "Wieder eine Woche\nWieland von Karl Vollmoeller\nUnter Heulen, Johlen und Schlüsselpfeifen eines\nentgeistigten Publikums wurde das Märchen „Wieland\"\nvon Karl Vollmoeller im Deutschen Theater zu Berlin\nzertreten. Man steht vor einem der vielen Rätsel\nmenschlicher Gemütserregungen. Ich habe in diesem\nWinter unzählige schlechte Stücke gesehen, deutsche\nund ausländische, geschrieben von Journalisten, Kritikern\nund Konfektionären, arm an Geist und Erfindung,\nreich an gestohlenen Einfällen, nur zu dem Zweck\nfabriziert, ohne Verdienst zu verdienen. Das Publikum\nlärmte nie, benahm sich stets wohlwollend, stillvergnügt\nund amüsierte sich. Man gab ihm Geist von seinem\nGeiste. Vollmoeller fiel durch, denn er ist ein Dichter.\nEr schuf ein Drama, ein Märchen, wie er es nennt,\ndas gewiss nicht frei von künstlerischen Mängeln ist.\nAber ich glaube nicht an die Sensibilität und das Kunst-\nverständnis der kapitalskräftigen Menge, die sich mit der\nErlegung von fünf bis zehn Mark ein Recht auf Kunst-\nbewertung erkaufen möchte. Das angeblich literarische\nPublikum wehrte sich offenbar gegen das Drama, weil\nes den Vorzug hat, interessant zu sein. Es gibt noch\nimmer Menschen, die die Qualität eines Werkes an\nseiner Langweile und einer Sprache in Jamben ab-\nschätzen. Trotz aller äusseren und im Theater durch-\naus nicht unangebrachten Handlungen liegt der Konflikt\ninnerlich; er behandelt das Verhältnis zwischen Schöpfer-\nkraft und Persönlichkeit. Ein genialer Komponist\nnamens Wieland bringt es in seiner Kunst zu keinem\nErfolg. Er wird Klavierlehrer bei einem englischen\nGrossindustriellen. Wieland beschäftigt sich mit derr\nFlugproblem. Der Engländer stellt ihm die Mittel für die\nAusführung seiner Idee zur Verfügung. Wieland will\naus einem berechtigten Egoismus heraus seine Erfindung\nfür sich verwenden. Er entwendet das kostbare Platin\nund erzählt dem Engländer, dass er überhaupt nichts\nerfunden und die Gelder zur Zahlung seiner Schulden\nverbraucht habe. Er kommt ins Gefängnis, wird nach\nsechs Monaten begnadigt, auf Fürsprache des Be-\nstohlenen, der trotzdem nach wie vor an das Genie\nund die Erfindung Wielands glaubt. Nach zwei Jahren\nkehrt Wieland unerwartet und gänzlich überraschend in\ndas Haus des Engländers zurück. Er ist mit seinem\nfertiggestellten Flugschiff von Dünkirchen aus über den\nKanal nach England geflogen. Niemand hält es für\nmöglich, aber die Tatsachen überzeugen. Sofort wird\neine grosse Gesellschat zur Ausnützung der Erfindung\ngegründet und Wieland soll vor Tausenden von Zu\nschauern über das Meer zurückfliegen. Aber der Mut\nverlässt ihn und er erschiesst sich Die seelischen\nMotive ergeben sich aus einer Nebenhandlung. Wieland\nliebt die Tochter des Engländers, Ethel, eine Art Hilde\nWangel, die ihm ihre Gegenliebe versprach, wenn er\nals Sieger durch die Lüfte zu ihr kommen würde. Ihr\ngesteht er, dass ihn nur Zufall und Zwang des\nWindes über das Meer getrieben hätte. Ihr gesteht er\ndie Todesängste und die Nervenqualen während der\nFahrt. Ethel sieht ihr Ideal zerfliessen und gleich der\nHilda Wangel will sie ihm den Mut der Tat zu dem\nWerk seines Geistes geben. Ihr Wille trotzt der\nVergewaltigung durch Wieland, aber sie lässt sich frei-\nwillig nehmen, um ihm den Glauben an seine Kraft\nzu schaffen. Der Baumeister Solness fällt vom Turm,\nden er schon erstiegen hat, und Wieland erschiesst\nsich in den Moment, wo die Masse die Abfahrt er-\nwartet. Die Abhängigkeit von Ibsen spricht im streng-\nkünstlerischen Sinn gegen das Werk, denn Kunst muss\nihren Ursprung in der Persönlichkeit des Schaffenden\nhaben. Vielleicht ist der angedeutete Konflikt des\nDramas auch der Konflikt des Autors. Neben diesen\nHaupthandlungen laufen noch eine Zahl romanhafter\nVorgänge, insbesondere die Verbindung der alten\nWielandsage mit den Personen des Märchens. Wenn\nsie auch nicht in unbedingtem, ursächlichem Zusammen-\nhang mit dem Konflikt stehen, sie wirken: zum Teil\ndichterisch-lyrisch (man denkt an den Vollmoeller der\nKatharina von Armagnac), zum Teil satirisch. So zum\nBeispiel die Bemerkung: „Das Ueberfliegen des Kantons\nUri und des Königreichs Preussen ist von den Be-\nhörden verboten.\" So die Beleuchtung des Reporter-\ntums (was dem Dichter ein Teil der Berliner Presse\nbesonders übel nimmt): Ein Reporter wagt eine Ein-\nwendung gegen den Verleger. „Sie haben nicht zu\ndenken, Sie sind entlassen.\" — Albert Bassermann\nwar unübertrefflich. Er und die Else Lehmann und\nOs kar Sauer sind die grössten Schauspieler unserer\nZeit. Bassermann spielte den Wieland in einer Maske\nzwischen Beethoven und E. T. A. Hoffmann. Nur eine\ngrosse Persönlichkeit kann so gestalten, so kunstwahr\ngliedern wie dieser Aibert Bassermann. Die Regie\nReinhardts belebte die Szene. Er sollte sich auf sein\nTalent zur Massenwirkung beschränken, statt mit Bums-\nschauspielern wie Ferdinand Bonn durch Europa zu\nreisen und auf diese Weise falsche Vorstellungen von\nSchauspielkunst zu verbreiten.\nDas Buch erschien im Inselverlag Leipzig.\nNicht erlogenes Foyergespräch\n„Ich verstehe kein Wort, Herr Kollege.\"\n„Sie haben es gut, Herr Professor, Ich muss es\nverstehen.\"\nDie Kritik der Presse\nGlaube, Abonnent, nicht den Versicherungen deiner\nTheaterkritiker. Sie müssen verstehen. Und wenn\ndas Gehirn auch noch so versagt, in der grossen\nPause, Schmerbauch an Schmerbauch, wird sich alles\nzeigen. Man fühlt, man tastet, mann redet und man\nversteht. Wehe dem, der auf seinem angestammten\nParkettsitz bleibt. Er ist verlassen, weil er nur auf\nsich angewiesen ist Die Masse machts. Der Lokal-\nanzeiger verfügt über Köpfe, das kann man wohl sagen;\nseine Theatermänner erkennen mit sicherem Instinkt\ndie Dichter und verreissen sie. Denn man soll Dichter\nnicht aufkommen lassen. Das Theater gehört den\nDilettanten und den Kollegen. Zwei volle Jahrzehnte\nentrüstete sich der Lokalanzeiger über die „fehlende\nHandlung.\" Sie charakterisiert nach seiner Ansicht\ndirekt „damatisches Uebermenschentum\" und „Aestheten-\nclique.\" Die Ansicht wird seit dem achten Februar\n1911 aufgegeben. Neues Schlagwort: „Moderne Lärm-\ndramatik.\" Bei Wildenbruch und Schiller nennen es\ndie Herren : „sinnfällige Handlung und Natur.\" Ich\nhabe schon mindestens ebensoviel schlechte Kritiken\ngelesen, wie schlechte Stücke gesehen. Das Unglück\nentsteht, wenn das leidende Wesen tätig wird. Der\nHirsch wird gejagt, er soll nicht jagen. Und Herr\nHirsch hält den Wieland für einen Schwindler („Die\nSchwindler sind in den Dramen der neurasthenischen\nLiteraturepoche beliebte Helden . . . Frank Wedekind\nhat einen Marquis von Keith geschrieben. Wie dieser\nletztere [letztere, letztere, letzteste] ist Vollmöllers\nHeld ein kecker Schwindler, wie dieser\"). Aber\nnatürlich hat der Herr Hirsch recht. Nicht nur Wieland,\ndas Genie und die ganze Kunst ist Schwindel. Denn\nsie sind „ausserhalb des Reichs des Wahrscheinlichen.\"\nDas ist Weltanschauung, dagegen lässt sich nichts ein-\nwenden. Aber, sehr geehrter Herr, den Inhalt eines\nDramas wiedererzählen, ist weder Kunst, noch liegt\ndiese Tätigkeit im Reich des Wahrscheinlichen. Sie\nhat nicht einmal etwas mit Weltanschauung zu tun.\nUnd ich muss feststellen: dieser Hirsch weiss nicht\neinmal auf seiner Domäne Bescheid. Vollmoeller könnte\nihn berichtigen. Er verbreitet erweislich unwahre Tat-\nsachen ohne Wahrnehmung berechtigter Interessen.\nDenn die liegen doch wohl nur in seiner Welt-\nanschauung. Herr Hirsch behauptet: „Meister Wieland\nsei in die im Salon des Sir Hubert versammelte Ge-\nsellschaft hineingeplatzt und hat ihr vorgeschwindelt, er\nsei über den Kanal geflogen, seine Maschine\nsei aber in der Nähe auf den Eisenbahn-\nschienen verunglückt. Man glaubt ihm schliess-\nlich\". „Nein, Herr Hirsch, Wieland ist geflogen.\nEs wird im Drama bestätigt durch drei königliche Be-\namte. Mehr kann man nicht verlangen. Und dieser\nKopf, der amtlich bestätigte Tatsachen nicht fassen\nkann, beschimpft ausgiebig den Dichter Vollmoeller\nund weist der deutschen Literatur der Gegenwart den\nWeg. Doch der Dichter - Direktor Schmieden wird\n„aufgemuntert\": „Das sympatische Bestreben, die\nhübsche Idee vor den Ausschreitungen gewaltsamen\nSchwankulkes zu bewahren, versöhnt mit etlichen kon-\nventionellen Liebes- und Eifersuchtsszenen, und auch\nan dankbaren Rollen fehlt es nicht\". Er ist versöhnt.\nAber Vollmoeller: „Natürlich meint sein Name Wieland\nnicht den lächelnden, liebenswürdigen (!) Dichter, sondern\nden tückisch boshaften (o!) Wieland, den Schmied.\"\nAber Schmieden: „ . . halfen wacker mit, den „er-\nlauchten Ahnherrn\" Schmiedens unserm Verständnis\nnäher zu bringen — — - \"\nUnserm Verständnis. Unserm, vastehste!\nLustspielhaus\nWieder an einer Stätte der Lebensfreude. Ein\nschöner Damenflor, von Herrn Poiret gezüchtet, huldigte\neinem beliebt werden wollenden Verteidiger-Dichter. Es\nwar unbeschreiblich schön Kurfürstendamm, ein Kom-\nmerzienrat, eine Kommerzienrätin mit der Sehnsucht\nnach dem K d. W, ein Kommerzienratstöchterchen\nfrisch und frei aus Lausanne zurückgekehrt, ein Christ-\nlicher Anwalt, ein jüdischer Anwalt, ein Justizrat, ein\nstreberischer Anwalt, ein Staatsanwalt, ein Gerichts,\ndiener mit Berliner Humor, eine unverheiratete Jungfern-\ntante, ein ostpreussisches Dienstmädchen, ein ver-\nkommener echter Baron, ein erster Rowdy, ein zweiter\nRowdy, eine Dame der Halbwelt, eine zweite Dame\nder Halbwelt (angenehmes Gruseln im Zuschauerraum,\nLebensfreude, auf der Bühne wird ein Changsong ge-\nsungen, der Kommerzienrat sagt an der Stelle Chat noir,\nsiehe Lebensfreude Nummer 38 dieser Zeitschrift). Das\nwäre das Stück. Ferner wird telephoniert, die B 1\nvorgelesen, Kognak Hennessy Dreistern getrunken, von\nAustern wenigstens geredet (Lebenfreude, Lebens-\nfreude). Sämtliche Witze des Herrn Moszkowski sind\nzitiert (in jedem Anwaltswartezimmer liegen alte Jahr-\ngänge noch älterer Witzblätter auf, das muss reizen).\nEs war ausserordentlich schön. Die Schauspieler ver-\nstanden es nicht, Herrn Selten „unserem Verständnis\nnäher zu bringen.\" Näheres ist durch den Autor\nselbst zu erfahren. Sprechstunde fünf bis sieben, ausser\nSonnabends.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "404", "page_fin": "405", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.4", "titre_corps": "Rettungsaktion : Aus dem Tagebuch eines sehr gewöhnlichen jungen Menschen", "titre_sommaire": "Rettungsaktion : Aus dem Tagebuch eines sehr gewöhnlichen jungen Menschen", "signature_source": "Thaddaeus Rittner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.2", "debut_caractere": 9966, "fin_caractere_exclue": 12195, "texte": "Rettungsaktion\nAus dem Tagebuch eines sehr\ngewöhnlichen jungen Menschen\nVon Thaddaeus Rittner\n„Wie alt sind Sie?\" fragte mich heute die Frau\nKassiererin. Und sie schien ganz verwundert, als ich\nihr sagte: Dreiundzwanzig. Ich will nicht untersuchen,\nob sie selbst viel älter ist. Aber sie machte Augen,\nals hätte sie bisher nicht gewusst, dass man überhaupt\nso jung sein könnte.\nWir sind drei, ausser den Hausleuten. Ich habe\ndas kleinste Zimmer, aber dafür bewohne ich es allein.\nNebenan ist ein Zimmer mit zwei Fenstern und mit\neinem Klavier, auf dem glücklicher Weise niemand spielt.\nIm Vorzimmer begegnete ich einen auffallend grossen\nMenschen; er stand auf einem Fusse, pfiff etwas Sen-\ntimentales und putzte sich den linken Stiefel. Da\nöffnete sich die Tür vom Speisezimmer und eine\nFrauenstimme rief „Konrad!\" Darauf murmelte der\ngrosse Mensch „gleich\" und wurde verlegen, als er mich\nbemerkte. Begann auch aus Verlegenheit ein Gespräch,\nOb ich erst seit gestern hier wohnte. Ja, seit gestern.\nSein Name war Kohler.\nIhm gehört das Zimmer nebenan, das mit zwei\nFenstern und mit dem Klavier. Dafür ist er nicht\nallein. Er streitet fortwährend mit einem Anderen und\nich höre jedes Wort durch die Wand.\nDer andere ist lichtblond, bucklig und etwas nach-\nlässig gekleidet. Kohler nennt ihn „Knopf,\" aber viel-\nleicht heisst er in Wii klichkeit anders. Er ist einmal\nbescheiden und einmal frech, übrigens sieht er schlecht\naus und spricht so undeutlich, dass man ihn kaum\nversteht.\nAbends kamen wir alle drei auf der Treppe zu-\nsammen.\n„Kennen Sie schon den Kassierer? fragte mich Kohler\n„Nein,\" sagte ich.\nDarauf lächelte Knopf und flüsterte etwas, was ich\nnicht verstand. Aber Kohler scheint es verstanden zu\nhaben, denn er ärgerte sich über den Buckligen.\n„Hören Sie nicht auf ihn!\" sagte er zu mir. Der\nKnopf lügt und ist überhaupt boshaft wie ein Affe\nSie werden schon sehen . . . Der Kassierer ist ein\nlieber Mensch, ungemein witzig ... Und dass er ein\nwenig trinkt. . . .\nEr seufzte.\n„ . . . Mein Gott! . . . Niemand ist fehlerlos.\"\nDer Grosse hat augenscheinlich viel Sympathie fü'\nden Herrn Kassierer.\nBei Tisch sassen wir in folgender Ordnung: Ober\nsie, rechts Kohler, links ich und unten der Bucklig\nund der Kassierer."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7016, "texte": "Es gab Kalbsbraten mit Salat, und dann brachte\nman eine sehr schöne rosige Mehlspeise.\n„Das gehört nicht zur Pension\", sagte der Kassierer,\n„das ist sozusagen umsonst... Ich bitte, meine Herren,\ngreifen Sie zu! Sie können soviel nehmen als Ihnen\nbeliebt.\"\nDie Frau Kassierer benahm sich wie eine Dame,\ndie nur zu Besuch da ist und als ginge sie die Pension\ngarnichts an. Sie plauderte sogar von Pierre Lowys\nAphrodite.\n„Herr Konrad,\" ersuchte sie Kohler, „reichen Sie\nmir gefälligst den Gorgonzola.\"\nDer Kassierer war von allen am besten aufgelegt.\nEr erzählte:\n„Es fuhren einmal zwei Juden von Budapest nach\nTem'esvar. Der eine war dick und lustig und rauchte\neine Pfeife, der andere war mager, gelb und Nicht-\nraucher. Auf einer Station . . .\n„Aphrodite ist herrlich,\" seufzte die Kassiererin.\nDer Bucklige schnitt ein Gesicht und meinte: „Ja,\naber der Braten ist ungeniessbar.\"\nDies sagte er ausnahmsweise so deutlich, dass es\nalle hörten. Und dann schwieg er.\nNach der Mehlspeise liess der Kassierer eine\nFlasche Wein holen\n„Anton!\" ermahnte ihn die Kassiererin und schaute\ndann auf den Buckligen und den Grossen.\n„Wir trinken nicht,\" beteuerte Kohler.\nDer Kassierer machte nichts dergleichen.\nUnd als man den Wein gebracht hatte, tranken\nalle ohne Ausnahme. Auch die Frau Kassiererin.\nUebrigens heisst sie Aurora.\nDer Wein war alt und süss. Ich erlaubte mir\nvier Gläser, aber dann fragte ich mich besorgt, ob\ndenn der Wein auch zur Pension gehört.\nEs zeigte sich, dass auch der Wein umsonst ist.\nMan muss Glück haben.\nNach dem Nachtmahl befreundete ich mich mit\nKohler, und wir gingen zusammen auf unsere Zimmer.\n„Was für uneigennützige Leute,\" sagte er auf der\nTreppe. „Was? Sie denken mehr an ihre Gäste, als\nan ihren Profit. Was, glauben Sie, kostet so ein\nFläschchen? Mehr, als wir pro Tag für die ganze\nVerpflegung zahlen.\"\nIch habe es gut getroffen.\nAls ich allein im Zimmer war, fiel es mir plötzlich\nein, dass Kohler und die Frau Kassiererin etwas mit-\neinander haben. Ich mache öfter solche kleinen\nBeobachtungen.\nDer Herr Kassierer ging gerade unten auf der\nStrasse. Ich schaute vom Fenster aus zu. Denn das\nMädchen, das eben in meinem Zimmer aufräumte,\nmachte mich darauf aufmerksam.\n„Da geht unser Herr . . .\"\nSie zeigte mit den Finger und lachte.\nDer Kassierer war klein, rotharig und der Pelz\nwar so wie seine Haare. Eine Gestalt, dass die\nPassanten stehen blieben und sich umschauten.\n„Er wackelt ein wenig,\" meinte das Mädchen.\nEr ging tatsächlich etwas unsicher. Und es war\ndoch kaum acht Uhr morgens.\n„Tun Sie Ihre Pflicht,\" sagte ich kalt zum Mädchen.\nDarauf lachte sie mir ins Gesicht und begann nach-\nlässig den Staub von meinem Schreibtisch abzuwischen.\nSpäter sagte sie wieder:\n„Ich erinnere mich ganz gut, wie man unseren\nHerrn in den Arrest führte.\"\nBit. Ich glotzte sie an.\n„Na ja,\" versicherte sie, „unser Herr war doch vor\nzwei Jahren im Arrest . . . Und wissen Sie warum?\"\nIch sagte, dass ich es wüsste. Aber ich wusste\nes nicht.\ndiel Kassiererin ins Zimmer. Sie lächelte\nfreundlich. Ob ich nicht etwas brauchte. Danke nein,\ndanke vielmals.\nDas Mädchen ging.\nDie Kassiererin hat solche Augen wie die schwarz-\nweissen Schönheiten vom Harem. Gesprungene Lippen\nund zwei kleine Goldplomben.\nSie erzählte mir, wieviel sie mit der Wirtschaft zu\ntun hätte. Sie plauderte mit mir in dem Ton, in den\nman in der Dämmerung mit guten Freunden plaudert.\nIch habe sie gern.\nIch ochse für die letzte Staatsprüfung. Es kommt\nmir ungelegen, denn nebenbei bin ich verliebt\nWir duzen uns übrigens mit dem Kassierer. Ich\nmachte die Beobachtung, dass er einem nie ins Ge-\nsicht schaut. Er ist immer betrunken und manchmal\nhat er schon nach einem Glas genug. Um sieben\nUhr in der Frühe macht er schon Witze. Vorwiegend\nin der Küche; die Dienstboten wälzen sich vor Lachen.\nIch habe von ihm mit dem Buckligen gesprochen.\n„Fragen Sie nur seine Frau,\" murmelte er, „ob\ner auch früher zu trinken pflegte.\"\nNatürlich werde ich nicht fragen. Er hat also\nfrüher nicht getrunken, bon; was weiter? „Fragen Sie\nseine Frau.\" . . . Hm. Knopf ist wahrscheinlich ein so-\ngenannter Frauenhasser. Das heisst: er hat einen\nBuckel.\nSie ist eine gescheite Frau, so gescheit, dass sie\nund Kohler sicher nichts miteinander haben.\nSie und Kohler haben etwas miteinander. Aber\nsie ist doch eine gescheite Frau.\n.Nun habe ich mir vom Lebensunglück des Kassie-\nrers mit allen Einzelheiten erzählen lassen.\nDer Kassierer war einmal.... tatsächlich Kassierer.\nBei der Bahn. Aber nach seiner Hochzeit machte er\nzu grosse Ausgaben. Für seine Frau.\nSie hat ihn darum nicht gebeten ... meint Kohler.\nDas ist Nebensache. Kurz und gut, er borgte\nsich eine Kleinigkeit aus der ihm anvertrauten Kasse.\nUnd die Frau bekam von ihm entzückende Brillanten.\nDiese Brillanten hat sie noch heute. Ein anderer\nMensch wäre nach Abbüssung seiner Strafe zugrunde\ngegangen. Aber der Kassierer erhielt wieder eine An-\nstellung und lebt.\nDenn er hat eine gescheite Frau — meint Kohler.\nUnd noch etwas: ein anderer Mensch verliert nach\ndem Gefängnis gewöhnlich die gute Laune. Und der\nKassierer macht schon um sieben Uhr Witze Vor-\nwiegend in der Küche; die Dienstboten wälzen sich\nvor Lachen.\nEs hat etwas gegeben. Die Kassiererin und\nKohler ....\nIch kann nicht behaupten, der Kassierer wäre heute\nnicht in guter Laune. Aber gestern nachmittag ist er\nunerwartet etwas früher nach Hause gekommen Ich\nhörte ganz deutlich seine Stimme. Als ob er sehr\nschrill und laut gelacht hätte. Aber wahrscheinlich\nhatte er nichts zu lachen.\nKohler ist in mein Zimmer gestürzt, ganz bleich\nund zitternd. Und obwohl er so tat, als wollte er\nmich nur um eine Zigarre bitten, erriet ich .dennoch,\ndass etwas geschehen war.\nDie Kassiererin hatte verweinte Augen und ging\nauf den Zehen.\nUnd um drei Uhr nachts wachte ich\nauf, und hörte wie eine Droschke vorfuhr und wie man\nden singenden Kassierer hinaufschleppte.\nUnd die wütende Stimme des Buckligen:\n„Zum Teufel, kann man in diesem vermaledeiten\nHause nicht einmal in der Nacht seine Ruhe haben!\"\nWenn Knopf nur will, spricht er auch deutlich.\nEs interessiert mich ein Mensch, der immer in\nguter Laune ist. Da wir uns mit dem Kassierer duzten,\nso musste ich doch endlich einmal sein Inneres kennen\nlernen. Ich suchte ihm also heute wie zufällig zu\nbegegnen, um mit ihm einmal freundschaftlich zu\nsprechen und über die gestrigen Vorgänge etwas zu\nerfahren.\nIch fragte, ob ich ihn begleiten dürfte.\n„Komm, junger Tagedieb!\" erwiderte er höflich und\npfiff dann seinem Hund, der auch rothaarig ist.\n„Gestern bist du sehr spät nach Hause gekommen...\"\nEr lachte.\n„Freilich, freilich .... Ich speiste im Yokeyclub\nmit dem Prinzen von Wales.\"\nIch blickte ihm scharf in die Maske. Denn er\nhat kein Gesicht. Nur eine Maske mit roten Haaren\nund gläsernen Augen!\n„Dir fehlt etwas\", sagte ich ernst.\nEine Sekunde lang schaute er mich entsetzt an.\nUnd dann begann er ruhig vor sich hinstarrend:\n„„Zwei Ungarn wetteten einmal mit einander, wer\nvon beiden höher springen konnte. Eines schönen\nTages gehen sie über eine Brücke und . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "405", "page_fin": "405", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.5", "titre_corps": "Abende", "titre_sommaire": "Abende", "signature_source": "Albert Samain ; Deutsch von Friedrich Kurt Benndorf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.3", "debut_caractere": 7033, "fin_caractere_exclue": 9307, "texte": "Abende\nVon Albert Samain\nDeutsch von Friedrich Kurt Benndorf\n1\nDer Flussdamm ist verlassen, die Kähne ent-\nschlummern,\ndie blaue Dämmerung endet die Unrast des Tags\nund dämpft mit weicher Hand die brennenden Gluten,\ndie der Fluss wie Erz hinwälzte in seinen Fluten.\nIn fiebriger Werkstatt kommt Schraubstock und\nSpindel zur Ruhe,\nBleichwangige Mädchen eilen mit fliegendem Haar\nzum erleuchteten Laden voll Silber und Gold und\nKristall,\nund zerpressen die arme Begier nach schnödem Metall.\nHoch über der dunkelnden Stadt, wo das Volk\nsich tummelt,\nwebt, herbstlich gedämpft, die Helle des Abendhimmels,\nwie Perlen- und Türkisenglänze zu sehn:\nes ist als wollte der Himmel in Schönheit vergehn.\nDie Stunde wandelt vorüber, verhüllt wie ein Weib;\ndie Düsternis wächst, der erste Stern erblinkt:\nverlangend öffnet das Herz sich mir und trinkt,\nwas da an Traum von ihm herniedersinkt.\n2\nEin Seraph streift die Blumen zur Abendzeit.\nDer Himmel weidet sich an Farbentönen,\ndie den erlauchten Tod des Tags verschönen.\nIm Dom zur Orgel singt die Traumfee heut.\nEin Seraph streift die Herzen zur Abendzeit . .\nJungfraun, die auf Baikonen versonnen stehn,\nwie Liebe die Lüfte schlürfend, die sie umwehn,\nsind von holdseliger Blässe wie beschneit.\nIm Garten jede Rose hat Ruhe gefunden.\nEs ist, als irre Schumanns Seele im Raum\nund lisple von Leiden, die unheilbar sind . . .\nEs ist, als stürbe wo ein süsses Kind . .\nO Herz, ein Zeichen lege ins Buch der Stunden:\nDer Engel fängt auf die Tränen aus deinem Traum!\n3\nDer Himmel, ein blassgoldner See, verdämmert,\n— versinkt wie in Gedanken. Und hinaus\nins Luftall, das sich ohne Grenzen dehnt\nin Schweigen und Leere, hat sich die Nacht gelehnt\nund schüttet das schwermutvolle Herz ihm aus.\nSchon schimmert hier und da ein mattes Licht.\nDie Rinder kommen parrweis vom Feld herein.\nUnd hier und da vor seiner Hütte sitzt\nein alter Mann, das Kinn in die Hand gestützt,\nund atmet still den Frieden des Abends ein.\nWehmütig-schlicht wie ein Bild der alten Maler\nmit seinem Guten Hirten und Lamm, das springt,\nist diese Landschaft.. Horch! ein Glöcklein klingt.\nUnd jetzt, in schwärzlicher Himmelsfinsternis,\nbeginnt das Schneegeglitzer der tausend Sterne;\nuud drüben, reglos am Hügelrand der Ferne,\nträumt eines Schäfers antiker Schattenriss."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "406", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.6", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9226, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXXIII\nDie Besserungsanstalt\nAm nächsten Tage liess sich der Herr Bartmann\nüberreden, den Direktor der Besserungsanstalt aufzu-\nsuchen. Doch wie erschrak er da, als er einsah, dass\nda seine Nerven gebessert werden sollten.\nIh, da wurde der Herr Bartmann mächtig fuchtig\nund schimpfte auf die Künstler, was Zeug und Leder hielt\n„Hier sollen,\" rief er aus, „die faulen Utopianer\nnoch fauler werden! Wer ein bischen lebhafter ist,\nder wird in eine Nervenbesserungsanstalt geschickt, da-\nmit er die verdammte Lebhaftigkeit wieder verliert.\"\nDer Prior eines Klosters war gerade zugegen, als\nder Herr Bartmann über die Natur der Besserungsan-\nstalt ins Klare kam; der sehr liebenswürdige und sehr\ngebildete Prior bat den Herrn Bartmann, doch mit ihm\nIn sein Kloster zu kommen, da könnten sie ja über\ndas Leben und über das Sterben das Längere und\nWeitere reden.\nUnd der Herr Bartmann steckte sich eine Zigarre\nan, pfiff sechsmal ganz lange in einem hohen Tone\nund folgte der Einladung.\nXXXIV\nDas Kloster\nZwei Tage weilte der Herr Bartmann in dem alten\nKloster, das mitten in einem grossen, grossen Garten\nlag. Der Prior des Klosters, der den Herrn Bartmann\nhierhergeführt hatte, sass am Abend des zweiten Tages in\nseinem Bibliothekszimmer und schaute hinaus in die\nblühende Sommerpracht — Berge, Hügel, Felsen und\nTäler waren architekonisch reichgegliedert und boten\nrr.it ihren Blumenmassen ein sehr buntes und doch\nsehr stilles Bild; von den Maschinen, die bei der\nGartenkultur verwendet wurden und die Handarbeit des\nMenschen fast gänzlich überflüssig machten, sah man\nnichts — aber die Bewohner des Klosters, nur Männer,\ngingen in den Laubgängen und über die Parkterassen\nvereinzelt oder zu zweien.\nDas Kloster übte keinerlei Zwang auf seine Be-\nwohner aus; wer nicht mehr bleiben wollte, verliess\ndas Kloster, und die da blieben konnten tun und lassen,\nwas sie mochten; nur bestimmte Vorschriften, die ledig-\nlich einer gegenseitigen gesellschaftlichen Rücksichtnahme\nentsprachen, mussten innegehalten werden, aufgenommen\nwurden in dem Kloster allerdings nur diejenigen, die\nvon den Verwaltungsdirektoren auserwählt waren.\nUnd der Herr Bartmann kam zu dem Prior in\nsein Bibliothekszimmer, und dieser erklärte nun seinem\nGaste dieses:\n„Es ist nicht richtig, wenn Sie, Herr Bartmann,\nüberall in der Natur nur das ungeheure lebhafte Leben\nsehen wollen die Natur zeigt uns auch ebensoviel\nSterben, das lebhaft nicht genannt werden kann.\"\nUnd die beiden Herren blickten beide hinaus in\ndie friedliche Blumenlandschaft, die nicht lebhaft schien\nund auch nicht das Gegenteil vorstellte.\nDer Herr Bartmann steckte sich wieder eine Zigarre\nan und dachte nach und sagte leise:\n„ich meine auch das Leben nicht so einfach, wie\nwirs auf der Erde mit unseren Augen zu sehen ge-\nwohnt sind. Wenn ich vom Leben der Natur sprach,\nso wollte ich da das Wort Leben so aufgefasst wissen, dass\nes auch das Sterben in sich einschliesst.\n„Schon gut,\" erwiderte der Prior, „indessen möchte\nich doch bemerken, dass sie gerade überall eine sehr\nhochgespannte Lebhaftigkeit zu sehen wünschen, und\ndieser möchte ich eine weiche müde Schläfrigkeit\ngegenüberstellen. Diese Schläfrigkeit, Schlaffheit — diese\ngrosse Stille ist doch auch nur in der Natur und ist\ndoch auch sehr wohltuend. Und ich glaube, Sie können\nsagen, dass Sie die Aktivität suchen und ich die Passi-\nvität. Aber wenn ich auch als Geistlicher denke, so\nnehme ich die eine Seite der Natur ebensogerne hin\nwie die andere. Das ist eben der priesterliche Stand-\npunkt, der nicht zwischen den Dingen sondern über\nihnen ist — so wie die Priester eigentlich über dem\nKaiser und über dem Staatsrat stehen.\"\nHerr Bartmann war versucht, zu bemerken, dass\ner als Kaiser auch über den Priestern stehe, doch der\nPrior schien seine Gedanken zu erraten und sagte\neinfach:\n„Wenn der Kaiser mit den Priestern Hand in Hand\ngeht, dann steht er auch über den Priestern. Ob man\ndieses auch über den Kaiser Philander sagen kann, der\nSich jetzt in Schiida — gerade in Schiida — augen-\nscheinlich nur mit mathematischen Arbeiten befasst —\ndas erscheint mir doch sehr zweifelhaft.\"\n„Vom Sterben in der Natur,\" sagte der Herr Bart-\nmann, „habe ich als Mensch eigentlich keine Vorstellung,\ndenn ich bin doch noch nicht gestorben — wenigstens\nweiss ich momentan noch nichts davon. Und deshalb\nhalte ich für notwendig, zunächst das Leben im Auge\nzu behalteu\nDer Prior lächelte und kam wieder auf die Passi-\nvität zu sprechen und meinte, der Herr Bartmann sollte\nmal sehen, auch der Passivität feinere Seiten abzu-\ngewinnen.\nHerr Bartmann versprachs, aber die Geschichte lag\nihm noch nicht, und er sehnte sich jetzt gerade sehr\nnach einer sehr lebhaften Lebensfrische, und deshalb\nfuhr er in seinem Sebastianischen Luftwagen am\nnächsten Morgen zum nächsten Verkelirszentrum.\nXXXV\nDas grosse Hotel\nZum Abschied hatte der Prior noch seinem Gaste\nfeierlicht gesagt:\n„Vergessen Sie aber nicht, dass die übergrosse\nLebensfülle für uns nur die eine Seite der Natur dar-\nstellt. Ebenso energisch die Natur im Entstehenlassen\nist, ebenso energisch erscheint sie uns auch im Ver-\ngessenlassen.\"\n„Hoho!\" versetzte da Herr Bartmann, „die Natur\nist also immer überall sehr energisch! Selbst die\nSelbstmordstimmungen sind wie alle Nordstimmungen\nimmer sehr energisch.\"\n„Fragt sich nochl\" rief der Prior, aber da fuhr\nder Herr Bartmann schon fort und war zur Mittags-\nzeit im grössten Hotel von ganz Utopia in einem\nVerkehrzentrurn, das an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen\nübrig liess.\nHier machte der Herr Bartmann eine Reihe neuer\nBekanntschaften und musste erfahren, das seine Reden\nim Luftrestaurant auf dem grossen Künstlerfest sehr\nungenau kolportiert waren; die Künstler hatten dem\nHerrn Bartmann Dinge in den Mund gelegt, die er\nniemals geäussert hatte — bald sollte er ein Geister-\nseher sein — und bald eine Mönchsnatur. Aber\ngerade diese Reden, die alles entstellten und nach ver-\nschiedenen Seiten aufbauschten, machten den Herrn\nBartmann zu einer berühmten Persönlichkeit, die von\nNeugierigen sehr bald überlaufen wurde.\nEines Morgens machte sich aber im Hotel eine\ngrosse Unruhe bemerkbar; die Zeitungen brachten\nmerkwürdige Nachrichten von der Sturmküste, dort\nsollte das Meer immerfort die Farbe wechseln und\nsehr unruhig sein, ohne dass ein Sturm ausbrach.\nDer Herr Bartmann wollte mit seinem Luftwagen\nhinfahren, doch der Führer des Wagens weigerte sich,\nda die Sturmküste von allen Luftfahrzeugen der Stürme\nwegen gemieden wurde.\nUnd so fuhr der Herr Bartmann mit einem der\nschnellen elektrischen Züge auf einer Seilbahn zur\nSturmküste, und viele Gäste des Hotels fuhren eben-\nfalls dorthin.\nXXXVI\nDas unruhige Meer\nAn der Sturmküste, die aus gewaltigen, ganz steil\nzum Meer abfallenden Felsen bestand, war die Luft\nganz still und sehr warm.\nDas Meer zeigte, obgleich der ganze Himmel\ndunkelblau und ohne Wolken war, überall bunte Stellen,\nals wären grosse Teermassen hineingeworfen. Und\ndazu schäumten die Wellen ganz unregelmässig, und\neinzelne Wellenberge erhoben sich plötzlich zu un-\ngewöhnlicher Höhe. Und dazu gurgelte es überall,\nund ein seltsames Brausen ertönte, das offenbar nicht\nvon den Wogenkämmen ausging\nAm Ufer waren Alle darüber einig, dass ein unter-\nseeisches Ereignis vor sich gehe. Die Logierhäuser\nauf der Höhe der Strandfelsen wurden verlassen, da\nman mit vulkanischen Erschütterungen rechnen musste.\nIn jeder Minute kamen immer mehr Utopianer zUr\nSturmküste, und die Seilbahnen zeigten bald lange\nReihen von elektrischen Wagen, die stehen blieben und\nvon den Reisenden nicht verlassen wurden.\nAls es Nacht geworden war, machte das Meer einen\nunheimlichen Eindruck; bis auf Meilen hinaus flackerten\nimmerzu bunte Stellen auf, und das Getöse ward\nimmer stärker, als stürme ein furchtbarer Orkan über\ndie Wasser. Und dabei blieb doch die Luft ganz\nganz still, und das wirkte so furchtbar unheimlich, dass\nviele Utopianer vorzogen, so schnell wie möglich\nwieder abzufahren.\nHerr Bartmann wurde um Mitternacht von dem\nHerrn Citronenthal angesprochen, der in Begleitung des\nalten Herrn mit der Schnupftabaksdose auch zur\nSturmküste geeilt war. Die drei Herren unterhielten\nsich sehr lebhaft über das bevorstehende Naturereignis,\nund der Herr Citronenthal sagte:\n„Herr Bartmann, man spricht ja jetzt überall von\nIhnen. Man bringt das unruhige Meer mit Ihren\nAeusserungen über intime Kunst zusammen. Sie\nwollten immer, das die Utopianer das sähen, was hinter\noder unter unserer Erscheinungswelt liegt Jetzt sind\nwir gezwungen, an das zu denken, was überall dahinter\nwirkt und darunter lebt.\"\n„Nicht doch!\" versetzte Herr Bartmann, „so habt\nichs nicht gemeint.\"\nDoch er kam nicht weiter, es zeigten sich plötzlich\nhellgrüne Streifen auf dem Meere, die strahlenförmig\nvon einem Punkte wie Radspeichen ausgingen Und\ndabei wurde das Meer zwischen den grünen Streifes\ndunkelviolett und die dunkelvioletten Teile des Meeres\nbekamen zinnoberrote Flecke, die jedoch sehr rasch\nimmer wieder verschwanden und an anderen Punkten\nauftauchten.\nGanz entsetzlich kams aber jetzt allen Utopianern\nvor, als das Meer immer ruhiger wurde, sodass\nschliesslich das ganze Meerbrausen verstummte und\ndafür nur ein unheimliches unterseeisches Gurgelr\nhörbar blieb."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "407", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.7", "titre_corps": "Der Liebhaber", "titre_sommaire": "Der Liebhaber", "signature_source": "Moritz König", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.4", "debut_caractere": 9247, "fin_caractere_exclue": 11213, "texte": "Der Liebhaber\nVon Moritz König\nGedeckt von dichten Büschen Rosenlorbeers lauerte\neine kleine Masse, unbewegt, wie ein gespanntes Wild\nkätzchen. Melis wars, der Fünfzehnjährige, vom Plebejei\nKodrus im Handwerkerviertel. Die Augen treu au\ndas noch matte Weiss des Vestalinnen-Palastes gerichtet\ndas Täfelchen mit der Botschaft in der Hand Eir\nHäuflein Sestertien galt die Todesgefahr.\nSchon setzte der Vogelchor ein, aber er klang den\nKnaben nicht ungebändigt und wirr wie draussen. Nicti\nnur die Mauer hielt den Ton fest. Ein Höheres, Un\ngreifbares dämpfte die Stimmen. Melis war frei voi\nBeklommenheit. Sein Proletariersinn wich nur de\nGewalt, kannte nur Gefahr und Lockung der Sinn«\nDas Jupiterbild wo> er nach Metall. Jetzt dachte e\nnur an das gewaltsame Ergreifen oder Einbringen de\nBotenlohnes in die arme Elternkammer. Er sah di\ngrosse Schwester mit dem Husten, den ihr die Klage\nfrauen angezaubert hatten.\nEin dumpfer, brüllender Tuba-Ton zerriss seil\nunruhiges Sinnen, scheuchte das Häutchen Schlafs voi\nden wieder gespannten Augen. Wilde Frauenschrei\ndes Morgenopfers schollen durch den Garten, be\nschwörend und hallend. Das schreckliche Auslebe\nvon Fragen durch die Stimme, in der alles gepresst\nHerzweh sich ausschreien durfte, in der die Entbehrt\ndes Mannes aufklagte. Ein sanfter Gegengesang wogt\nin den Ozean der Disharmonien hinein und glättet\nihn. lieber allem erhoben sich die weissen Flüge\neines hellen Organs. Ein klagendes Lied, vielleid\nder Vesta gewidmet, mit Antiphonien dunkler Stimme\nbeantwortet. Gold mit Schwarz-Samt durchwirkt.\nMelis empfand es, wie wir das aufgehende Gitte\neines zwanzig Jahre verschlossenen Herrschaftsgarter\nempfinden, das wir als Bettelkinder anstaunten. Späte\nergoss sich Helligkeit. Unweit behauptete sich d(\nmassige Rundtempel, der den Hügel beherrschte. Ai\ngehoben von dem Gesänge sah das Kind rötlict\nFeuerschatten durch die weissen Säulenbogen dringe\nJetzt mochte das Opfer zu Ende sein und seine At\ngäbe begann."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8994, "texte": "Der feuchte Sand wich starken Schritten. Eine\nFrau kam heran. Melis fand sie grösser als irgend\neinen der Zenturionen, die in den Militärlagern zu\nsehen waren. Um das flammenfarbige Gesicht mit\nstark vorgebautem Kinn zerstreuten sich Bänder, die.\nan einer Stirnbinde hingen. Schleier umwehten den\nweissen Stoffhang des Gewandes Der Schritt schnellte\nin gebundener Kraft. Das Auge des Verborgenen\nzitterte schreckhaft an ihren nackten Armen empor,\ndie den Umfang von Oberschenkeln haben rnussten.\nSeine Gestalt zog sich zusammen und eine wonnige,\nwilde Furcht überkam ihn, als er ihr mächtiges, nicht\njunges Gesicht sah, das wie in Gelbmetall verhärtet\nschien. Die Augen waren stark umschattet. Sie ging\nan ihm vorbei und er wünschte sich zu ihr und hing\nwirren Vorstellungen wollüstig nach. Dann kamen\nZwei in enger Umschlingung. Die Gewänder faltig.\nDie schönen, sinnlos lächelnden Gesichter weiss wie\nSpielknöchel. Entzündete Augen, violette Lippen, ver-\nkündeten die Vergewaltigung der Mädchenkörper durch\neine wahnsinnige Idee der Theokratie. Gierig sah\nMelis durch die Bauschfalten der Gewänder ihre langen,\nmageren Schenkel, die Beine von Flamingos. Seine\nGedanken irnen zu der riesigen Frau mit dem furcht-\nerweckenden Blick zurück. Immer kamen jetzt neue\nWeiber. Kein sicherer Blick mehr, eine Herde\nfliehender Schatten mit geknickten Gliedern, lächer-\nlichen Bewegungen Unbeachtet, überflüssig; der\nitalische Morgen. Eine sah sich scheu um, hielt im\nGehen ein und hob, die starken jungen Arme empor-\ngereckt, den Kopf zum Licht.\nMelis dachte daran, einen Vogel freizulassen, den\ner daheim in einem Korbe hielt.\nSeine Spannung nahm zu. Diesen brachte er\nnichts. „Die in Schönheit und Jugend, hoch und stolz\ndaherkommen wird und eine grüngoldene Spange am\nArm trägt,, der übergib die Botschaft, fern von jedem\nfremden Blick.\"\nLeichte Schritte trugen den Morgen völlig in den\nGarten Ein Weisses, Hohes meldete sich an. Sing-\nvögel stiessen auf. Er wusste, sie war da. Schleier\nund Gewand fügten sich in edlem Wurf. Er sah ihre\nAugen inmftten eines gemeisselten Antlitzes von ver-\nlorener Schönheit gleich erleuchteten glänzenden Spiegeln.\nDa veriiess ihn der Sinn für Raum und Zeit, er trat\nhervor und hielt ihr das Täfelchen hin.\nWieder traf ihn der gehetzte Blick, den auch, die\nanderen hatten. Die unerwartete Erscheinung eines\nwrden armen Knaben erschreckte sie. Er gab ihr\ndas Täfelchen und hielt den Finger instinktiv mit jener\ntausendjährigen Geste vor den Mund. In grossen\nSätzen sprang er davon. Lange noch fühlte er den\nEindruck ihrer durchdringenden Lieblichkeit, er sah\nihre Lippen sich zu ausdrucksvoller stummer Frage\nbewegen. Als ob ihre Gegenwart ihn für eine höhere\nWelt entdeckt hätte. Wie wenn eine Rosenwolke sich\nauf das Leben gesenkt hätte, das er kannte. Sein\nEmpfinden war wie mit warmem wohlriechenden Wasser-\nstaub gereinigt.\nSein Tag schien ihm ein langer Kuss. Er wanderte\nauf Neuerde und sein Blick leuchtete. Vergnügt ass\ner Thunfisch in trübem Oel, sah dem Vater zu, einem\nhalbverhungerten Plebejer, der in der Stube des dritten\nStockwerkes allerlei Handwerk trieb, und neckte die\ngrosse bleiche Schwester. Grosse Münzen mit dem\nBilde der geflügelten Roma sah er vor sich rollen,\nwenn er die Augen schloss.\nDann fand er sich vor den länglichen, wuchtigen\nSäulen des Janustempels ein. Mit zuckenden Händen,\nhöchste peinvolle Erwartung in der Haltung, trat der\ngriechische Edelmann hervor, dessen Namen er nicht\nkannte. Melis fühlte wieder wie ein ehrfürchtiger Hund,\nals er vor dem Fremden stand, der mit seinem Gelde,\nmit seiner Botschaft merkwürdiges Erleben, seltene\nBilder, Glück und Sättigung gebracht hatte. Der\nfragende Blick des Herrn schien die Ereignisse aus\nihm herausschälen zu wollen. Der Knabe fühlte be-\ntäubt, dars Münzen in seine abwehrenden Hände ge-\ndrückt wurden.\nAls er das Wenige erzählte, stand der Grieche\nregungslos horchend. Melis, bekümmert ob seiner\nstarren Hoffnungslosigkeit, wusste nicht weiter zu reden.\nIm Schrecken vor der Gefangennahme war er fort-\ngelaufen, ohne ihren stummen Bitten, ihrer traurigen\nRatlosigkeit Stand zu halten. Sie wollte ja sprechen.\nEr weinte im Bewusstsein niederträchtiger Feigheit.\nEr begann zu lügen: „Ich stand und wartete, was die\nHohe sage. Aber sie schwieg und ich eilte fort, um\nnicht gepeitscht zu werden\"\nEin Kind. Der Grieche streichelte ihm sanft das\nHaupt und küsste ihn auf die Augen, die ihr Bild ge-\nspiegelt hatten. Dann entliess er ihn und schrieb\nseinen Namen in eine Merkrolle. Melis erwog, sich\nin den Fluss zu stürzen.\nIn der folgenden Nacht bewegte sich ein Zwei-\ngespann auf Seitenstrassen gegen die Richtung des\nPalatinhügels. Ein syrischer Sklave begleitete den\nGriechen. Die Bedingung seiner Freilassung.\nSpät nachts — der Wagen kam nur langsam vor-\nwärts riss endlich die weisse Gartenmauer durch\ndie Finsternis. Riesenhafte Pinien schoben sich gegen\nden Nachthimmel empor, schwarzes Gezweig zitterte\nim streichelnden Winde der Campagna.\nKurz zögerte der Liebhaber. Noch war es nicht\nZeit, noch war der Glanzstern nicht in den Wolken\nversunken An den Wagen gelehnt, hörte er den\nSyrier die Pferde besprechen Dem war es ein Dienst\nwie Mühlendrehen\nNoch einmal dachte er der logischen Gesetze.\nSie würde, die Nachricht in Händen, mit ihm fliehen.\nNur ein halbes Jahr der Trennung lag auf der herr-\nlichen Zeit des ersten Erkennens Der Zorn der\nrömischen Götter galt ihm nichts. Die Rache des\nLebenden reichte nicht zu dem phokäischen Ufer, auf\ndem ein weisses Säulenhaus in den weissflockigen\nGrüngischt des mare internum blickte. Die Verfolger\nwürden sie höchstens in der Suburra, im Häusergewirr\nder Regionen Roms suchen.\nDen Entführer überkam heisses Glücksgefühl.\nVon unten drohte das barbausche Rom Die italische\nHalbinsel hing nur noch durch diesen finsteren Garten\nmit seinem Leben zusammen, der ihm als Muschel mit\neiner Perle erschien. Hatte die finstere Schale ihre\nPerle herausgegeben, dann galt das Glück, die Ehre\ndes Abenteurers nichts mehr. Die Gunst des Impe-\nrators warf er den Hunden vor.\nWer konnte sagen, was inzwischen geschah? Nie-\nmand verstand die Zweige, die fächelnden, sprechenden\nBlätter, den Schrei der glühäugigen Vögel, die von\nPriesterschlauheit, von rachsüchtigen Anschlägen der\nFrauen jammerten. Das Gesetz streifte mit stählernen\nFängen durch die Lüfte, bereit zum Niederfallen.\nDer Grieche kletterte auf die Mauer und liess ein\nSeilende in den Garten herabfallen. Der Syrier hielt\nes draussen fest. Nicht viel später war aie Vestalin\nda. In langen eilenden Schritten näherte sie sich.\nDer Liebhaber rief sie an, ergriff das Seil und wand\nes sich fast bewusstlos um den Leib Mit geschlossenen\nAugen dachte sie zum hundertsten Male daran, wo die\nSchrift des Freundes geblieben war, die sie, wahnsinnig\nvor Angst, überall vergeblich gesucht hatte. Jetzt gab\ner ein Zeichen. Das Bild vom Perlenfischer schwebte\nihm wieder vor. Dann fiel Ihm das Schachspiel Tscha-\ntaranga ein, das ihn Jemand gelehrt hatte. Der ent-\nscheidende Schachzug der Elephantenfigur. Im höchsten\nTriumph spannte er die Muskeln, um die Geliebte\nemporzuziehen\nDa wirkte eine stärkere Gewalt an dem Seile.\nAufrührendes Stimmengewirr scholl herauf. Festge-\nklammert an das Seil fiel er in den Garten. Im\nFallen dachte er an eine klare Meereswoge, blau, tief,\nauf der sein Schiff mit ihr an Bord dahinzog Ein\nFusstritt warf ihn zur Seite. Fackeln zischten auf.\nEin riesenhaftes Weib mit ehernem Gesichte stellte den\nFuss auf ihn und er sah schwarzfunkelnde Augen auf\nsich gebohrt. Ihn überkam die Wollust der Ver-\nnichtung.\nUnter braunem und schwarzem Dienstvolk unter-\nschied er eine Priestergestalt. Er kannte den riesigen,\nglatten Schädel, die hängende Unterlippe, den Pontifex.\nDie von starren grauen Büscheln beherrschten Augen\nsuchten dicht beschauend den Körper der Verbrecherin,\nder wie ein Bündel dalag. In Fackelfeuer, dumpfen\nRufen und verschallenden Tritten verging das Bild.\nZwei Rubinenfunken blieben zurück: die Augen einer\naufgestörten Sandviper . . .\nIn den Mietskasernen des proletarischen Roms,\ndem Bereich der winzigen Menschenkäfige, flutete die\nAlltagswelle weiter Die breite Masse wusste nichts\nvom Gesprächstoff der vornehmen Quartiere. Kaum\ndass ein Schreiber etwas von der Entführung einer\nVestalin, von einem schweren Urteil stumpfen Hand-\nwerkern besprach. In den Frauengemächern der Sena-\ntoren erzählte und vernahm man zitternd vor Erregung\ndiskrete Einzelheiten Man hatte nicht mehr an den\nVollzug solch strenger Strafen geglaubt und eben des-\nhalb war von der Priesterschaft ein schauervolles\nBeispiel durchgesetzt worden\nZum kleinen Melis sprach die Erzählung noch\nanders: Noch immer fühlte er die in sein armes kleines\nLeben gekommenen Zauber. Tage versass er draussen\nund weinte und betrachtete die Münzen des Fremden.\nEr sehnte sich nach dem höheren Leben. Einmal\nverschwand er gänzlich. Er hatte sich einem reisenden\nKünstler angeschlossen, um in der weltberühmten\nHeimat des edlen Griechen ihn und die hohe Frau\nin Stein nachzubilden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "407", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.8", "titre_corps": "Franziska Schultz", "titre_sommaire": "Franziska Schultz", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.5", "debut_caractere": 8996, "fin_caractere_exclue": 10338, "texte": "Franziska Schultz\nElse Lasker-Schüler\nIn Berlin gibt es eine Fraue, die die Schmerzen\nMarias leidet, sieben Schwerter im Herzen; und die\ndoch gnadenreich herablächelt auf die Armen und\nKranken. Jeder Mensch, der sich ihr nähert, ist ein\nJesuskind. Einen Tempel müsse man um diese Mutter\nbauen, einen Garten pflanzen, der ihr blühender Mantel\nseie. Ich kann mich nicht der Fraue nahen, ohne an\nmeine eigene Mutter zu denken, wie die Katholiken\nbringt die Andacht ihres Herzens Marias Altar. Ver-\nirrte Magdalenen treten durch ihres Hauses Pforte ein\nund rasten; ruhen aus und besinnen sich unter der\nLiebe ihres Mutterdachs. Franziska Schultz ist die\nMutter des Mutterschutzes. Man könnte fast das ge-\nfallene Mädchen ihrer Patronin wegen beneiden. Mit\nfürsorglicher Liebe lullt die höchste Fraue der Gnade\nd,e verstossene Mutter und ihr pochendes Spielzeug\nmit ihren beiden Armen zärtlich ein. Kein Vorwurf\ntrifft die Tragende, ihres Kindes wegen, das noch auf\nseinem rechtmässigen, heiligen Muttererbe blüht Alle\nMütter aber lieben die Eine.\nEine Dame, die den Glanz irdischer Glänze aus-\ndrehte und durch die dunkle Strasse schreitet, vvo das\nElend wuchert. Nun wohnen keine verwöhnten Gäste\nmehr in ihrem Hause, aber solche die ein Herz voll Liebe\nbeanspruchen. Tragende und Beladene treten durch\nihres Herzens geöffnete Pforte ein. Maria!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "408", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.9", "titre_corps": "Musik nebst Schimpfworten", "titre_sommaire": "Musik nebst Schimpfworten", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.5", "debut_caractere": 10340, "fin_caractere_exclue": 12203, "texte": "Musik nebst Schimpf-\nworten\n\nDie Musiker können was, und das gut Können\ndie ausgefallensten Sachen gleichzeitig in der linken\nund in der rechten Hand; stellt man sich aber vor\nihnen hin, fragt: „Warum spielen Sie die Sonate nicht\nvon rückwärts, da ist sie noch schwerer 1\", dann reissen\nsie das Maul wegen eines so einfachen Kniffs auf.\nDie Leute sind mir unverständlich; warum blöken sie?\nSobald sie den Mund aufmachen, sind sie im All-\ngemeinen wahre Schafsnasen. Ich gehöre wirklich\nnicht zu den Leuten, die nach „Seele\" lamentieren,\nwenn gut musiziert wird, und an die Unstetlichkeit\nder Seele glaube ich schon darum nicht, weil sie nicht\naus dem Geist der Musik folgt. Aber schliesslich hört\nsich doch die Gemütlichkeit auf, wenn e ns nach dem\nandern dauernd Technik und die ältesten Kamellen\nproduziert, und die ganze Radiumforschung, drahtlose\nTelegraphie, Ehrlich-Mata links liegen lässt, als wäre\ndas alles Schnurz für die Musik. Mein Gott, übertragt\nbloss einmal Haydn auf ein anderes Ausdrucksgebiet,\nschiebt ihn mal neben eine Zentrale der Hochbahn,\nauf der ihr nach Hause fahrt, und seht euch an, was\nihr für konsequente moderne Menschen seid. Der\ngute Mann ist ja sicher ein Klassiker, aber damit gut.\nEs muss schliesslich auch Klassiker geben -- unsere\nKinder, die Konservatorien und so Aber damit gut,\nin drei Teufels Namen. Diese dauernde Aufwärmung\nvon Jugendliebeleien entspricht absolut gar keinem\nBedürfnis Man kann in kein Konzert gehen, ohne\ndiesem Pennä'ergott zu begegnen. Wenn euch das\nSpass macht, und ihr über mein Urteil die Nase rümpft,\nsollt ihr euch schämen. Es ist lächerlich, in einem\nAtem Hochbahn zu fahren und stets Haydn zu ge-\nmessen — sozusagen. — Wundervoll spielen diese\nMusiker; es sind tatsächlich hervorragende Könner\nunter ihnen. Ich hörte den Geiger Alfred Witten-\nberg am Dienstag in der Singakademie; er wiegt sich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 369, "texte": "in Musik. Dann am Mittwoch das Böhmische Streich-\nquartett. Die vertrieben mich mit dem unent-\nwegten oben genannten Klassiker. In alle Poren drang\nmir die Süsse ihres Tones, der in einem unaufhörlichen\nGesang aus ihren Instrumenten brach. Aber wenn\nich die unbeschreibliche Stimme fragte: „Was willst\nDu?\", dann wandten sich mir zwei leere Blauaugen zu.\n\nAlfred Döblin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "408", "page_fin": "408", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.10", "titre_corps": "Vom Tage", "titre_sommaire": "Vom Tage", "signature_source": "J. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.6", "debut_caractere": 371, "fin_caractere_exclue": 3618, "texte": "Vom Tage\nJ. A.\nRepräsentanten der Menschheit\nEinmal hat die Tagespresse Roda-Roda sehr ernst\ngenommen. Damals, als er sich einen in das Gewand\nder Wahrheit gekleideten Fastnachtsscherz mit ihr er-\nlaubte. Er zeigte ihr an, dass er sich mit einer\nadeligen Dame in freier Ehe verbunden habe. Die Presse\nnahm diese Anzeige mit Staunen auf und gab sie, der\nallgemein gelittenen Gesellschaftsmoral zum Trotz, vor-\nbehaltlos wieder von sich. Doch das Schwert des\nMutigen schlenkerte um der Lüge Beine nicht länger,\nals sie kurz waren Nur das Berliner Tageblatt\nglaubt noch fest an jene Rodasche Tat. In einer\nfeuilletonistischen Anregung (aber durchaus keinem an-\nregendem Feuilleton) zur Verbesserung unserer Familien-\nnachrichten, würdigt man sie in einer Weise, die ihm\nnicht vergessen werden soll.\n„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.\nWenn erst ein ministerieller Ukas die An-\nkündigung dieser Dinge (aller Familiennach-\nrichten) zur Pflicht macht, dann werden die\nLeute nicht mehr de Nase rümpfen über eine\nAnzeige, in der zwei Menschen kund und zu\nwissen tun, dass sie sich in „freier Ehe ver-\nbunden\" haben. Der Schriftsteller, der vor\nlängerer Zeit diese Anzeige veröffentlichte,\nerntete damals viel Spott und Hohn. Der\neinzelne vermag eben nichts. Gegen den\nStrom kann man nicht schwimmen. Was\nnicht Sitte ist, das wird verachtet. Die\nMenschen wünschen nicht, dass jemand etwas\nanderes macht, als sie selber. Von Galilei\nund Wagner bis zu jenem Verkünder der\nfreien Liebe ist noch jeder kühne Neuerer\nvon der Gesellschaft zunächst einmal verachtet\nworden.\"\nBade, Schüler, unverdrossen die ird'sche Brust im\nersten Morgenrot der Familiennachrichtenrenaissance.\nEin seltsamer Fall\nDie „Schmetterlingsschlacht\" ist ein schlechtes Stück.\nEs wird nur noch von Bühnen aufgeführt, die das\nVolk, erziehen und bilden wollen, dessen unstill-\nbarer Hunger nach Kunst in raffinierter\nWeise grossgepäppelt wird.\nUnd doch soll die „Scnmetterlingsschlacht\" noch\nbesser sein als manches neue Theaterstück, das gestern\noder vorgestern erstmalig aufgeführt, den vollen Beifall\nder Kritik und des Publikums fand.\n„Vieles in der Komödie zeigt noch ganz\nfrische Farbe. Der famose Berliner Handlungs-\nreisende Kesslerist mit seinem schnoddrigen\nTon eine vorzügliche Figur, die vielen Pointen\ndes Dialogs schlagen stets richtig ins Publikum\nein, und man mag glauben, dass die Komödie\nbei einer wirklich flotten und temperament-\nvollen Darstellung den grössten Teil der\nheutigen Konkurrenz mit Leichtig-\nkeit aus dem Felde schlagen würde.\"\nIst hier für Ullstein ein Kommis an der Arbeit —\noder ein enfant terrible?\nGrosse Reklame eines „Kleinen Theaters”\nDirektor Barnowsky wird als nächste\nNovität die Komödie „Der Leibgardist\" heraus-\nbringen, ein Werk von Franz Molnar, dem\nungarischen Schriftsteller, der in letzter Zeit\ndurch seine Liebes- und Duellaffären viel von\nsich reden machte. Die weibliche Haupt-\nrolle in diesem Stück wird Frau Ciaire\nWallentin-Gräfin Wolff-Metternich spielen, die\ndurch einen „Selbstmordversuch\" anlässlich der\nVerhaftung ihres Gemahls, grosses Aufsehen\nzu erregen wusste\nTrotzdem wird der „Leibgardist\" seinen Mann nicht\nstellen. Vielleicht rehabilitiert ihn ein anderer Franz,\nder auch aus Ungarn stammt. Auf Wiedersehn bei\nPalfy."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "408", "page_fin": "408", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.11", "titre_corps": "Siegfried Simon", "titre_sommaire": "Siegfried Simon", "signature_source": "Alfred Lichtenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.6", "debut_caractere": 3620, "fin_caractere_exclue": 6086, "texte": "Siegfried Simon\nAlfred Lichtenstein\nNeun Aerzte behaupten, dass ich an Wahnvor-\nstellungen leide. Ich füge mich\nSeit neunundzwanzig Jahren bin ich in der Anstalt.\nMan ist freundlich zu mir. Ich kann tun und lassen,\nwas ich will. Wenn es warm ist, gehe ich im Garten\nund horche, wie die Stunden sterben Wenn es kalt\nist, sitze ich am Fenster und sinne in den Himmel.\nOft schaue ich den Leuten zu, wenn sie rufen oder\narbeiten oder traurig sind. Ich entbehre nicht das\nLeben. Ich bin zufrieden, wenn man mir nichts tut\nund nichts von mir will. Ich beneide nicht die Menschen.\nNeunmal in jedem Jahr bringt meine bleiche Frau\nBlumen. Mein Sohn Siegfried kommt niemals. Zu-\nletzt habe ich ihn gesehen, als ich begraben wurde.\nAn meinem neunundvierzigsten Geburtstag.\nIch lag in einem schmucklosen Holzsarg. Man fuhr\nmich auf einem wagenartigen Gestell. Neben mir\nschritten neun schwarzgekleidete Sargträger. Hinter mir\nder Pastor Leopold Lehmann, an seiner Seite meine\nFrau Frieda und mein neunzehnjähriger Sohn Siegfried.\nWenige Verwandte folgten, die waren stillvergnügt und\nunterhielten sich, wenn ich recht gehört habe, von der\nRaupenplage im Tiergarten.\nDie Sonne warf warmes Licht. Wind kam dann\nund wann. Er krabbelte über den Kies und kitzelte\ndie Frauen um Brüste und Waden. Wir hielten vor\ndem aufgeschütteten Grab. Der Sarg wurde hinunter-\ngelassen, einige Formalitäten und Gebete waren schnell\nerledigt. Darauf fing der Pastor Leopold Lehmann an,\nauf Wunsch und auf Kosten meiner Frau, eine Ge-\ndächtnisrede zu halten. Er sagte:\nLiebe Schwestern und Brüder 1 Wieder hat\nein gütiges Geschick uns ein teures Menschen-\nleben geraubt. Trauernd stehen wir am Grab\ndes Dahingeschiedenen und gedenken seiner in\nWehmut.\nMein Sohn Siegfried biss sich auf die Lippen,\nDer Pastor sagte:\nDie Erde, die den Körper ausgesondert hat,\ndass er kurze Zeit ein beseeltes Eigenleben führe,\nhat ihn wieder aufgenommen in den Mutter-\nschoss. Ein edler Mensch ist heimgegangen —\nMein Sohn Siegfried bekam einen Lachanfall. Das\nGesicht wurde rot und ernst. . Er lachte, bis er\nröchelte.\nMeine Frau schrie.\nDie Verwandten waren empört. Sie schämten sich\nfür meinen Sohn Siegfried. Einige Frauen weinten in\nechte Spitzentücher.\nIch war still.\nDer Pastor sagte:\nWenn einer nicht weiss, wie er sich zu be-\nnehmen hat, soll er nicht kommen, wenn einer\nbeerdigt wird Amen.\nUnd entfernte sich. Stolz. Gekränkt. Der Pastor.\nLeopold Lehmann.\nMein Sohn Siegfried reinigte sich die Fingernägel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "408", "page_fin": "408", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.12", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.6", "debut_caractere": 6088, "fin_caractere_exclue": 6502, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nKARL VOLLMOELLER\nWieland / Märchen in drei Akten\nInselverlag Leipzig\nHERMANN ESSIG\nMariä Heimsuchung / Tragödie\nDie Weiber von Weinsberg / Lustspiel\nDie Glückskuh / Lustspiel\nVerlag Paul Cassirer / Berlin\nKARL KRAUS\nDie chinesische Mauer\nSprüche und Widersprüche\nHeine und die Folgen\nVerlag Albert Langen / München"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "408", "page_fin": "408", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.6", "debut_caractere": 6660, "fin_caractere_exclue": 7114, "texte": "tfltt\nJl'JMlfllteiwm \"\n«•*»\n14\nDie hervorragende Wirkung des Kosmin auf\nZShne und Zahnfleisch und sein ungewohnlich erfrischender\nWohlgeschmack machen dieses Mundwasser schon nach kurzem Ge-\nbrauche unentbehriich. Allen, die Wert auf schone und gesunde Zahne legen, sei\ndaher Kosmin zu ttglichen Mundspulungen bestens empfohlen. Cin Versuch fuhrt erfah-\nrengsgemSss zu dauerndem Gebrauche. Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflidt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 254, "texte": "Neue Sezession\n38S8S 3SSBS 35388S SEBSQg\nGalerie Maximilian lflacl)t\nasagsgag agagagag ssysg agagag agagag aßnyag agaragag\nA—iAiii iiiiniM —t* g ■■mil ■■ ii#lm rkm ht%«n nr%i nii irtoui\nBerlin SI., Kanke-Strasse t\nan der Kaiser Hltyeln Gcd&fytols. Kirc|e"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 176, "fin_caractere_exclue": 407, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen.Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 409, "fin_caractere_exclue": 1082, "texte": "Bund fiir Gesundes Leben (B. 112. Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n„Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B. 112. G. L.\" und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergunstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, . Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fiir Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 1084, "fin_caractere_exclue": 1456, "texte": "Preis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol -Malz- Dragees\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe —\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin MPharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 1458, "fin_caractere_exclue": 2036, "texte": "Kurhatfs und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emi! Peters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c019", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2038, "fin_caractere_exclue": 2279, "texte": "Zeitschrift fur Musterzeichner\nWirksames Insertions-Organ\nFachschrift ersten Ranges\n:i Abonnenten in alien Staaten Europas ::\nInsertionsgebiihren massig\nOfferten gern zu Diensten\nSchriftleitung C. Kriiger Unterbarmen (Rhld.)\nHirschstrasse 49"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c020", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2281, "fin_caractere_exclue": 2413, "texte": "ESS Cafe Continental ESS\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\n:: Alle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2415, "fin_caractere_exclue": 2476, "texte": "Weinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2478, "fin_caractere_exclue": 2714, "texte": "Verlag„Der Sturm\"\n«»\nWir iibernahmen in unsern\nVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang u. Klavier\n52 Seiten—=\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch denVerlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstr. 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2716, "fin_caractere_exclue": 2875, "texte": "Max Giesswein \"\nKgl. SSchs. und Kgl. WOrttembg.\nHofopernsanger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nFernspr.: Via 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2877, "fin_caractere_exclue": 2981, "texte": "Verlag Paul Reinike ■\nWilmersdorf ■\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 2983, "fin_caractere_exclue": 3118, "texte": "Yerlag Oesterheld & Co.\nIn unserm Verlag erschien\nElse\nLasker-Schiiler:\nDie\nWupper\nDrama\nMk. 2,50\nDurch alle Buchhandlungen\nzu beziehen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 3120, "fin_caractere_exclue": 3246, "texte": "BBBBBBBBBBSBSBBBBSBB\n■\nDie Fackel {\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nNummer 315/316 ■\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nÜBERALL ERHALTLICH"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 3248, "fin_caractere_exclue": 3451, "texte": "HOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERANT IHRER MAJESTAT\nDER KAISERIN UND KONIGIN\nWB-BERLIN. W8\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNGSEINRICHTUNGTEN\n■ i KUNSTGrEWERBE ■ ■\nANTIQUITATEN UND STOFFE"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c028", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 3453, "fin_caractere_exclue": 3718, "texte": "Der sciidnste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 •- Telephon I 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c029", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 3720, "fin_caractere_exclue": 3865, "texte": "Hanse Herrmann\nKunstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-18-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-18_01#c030", "volume": "bmtnabg_1911-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "410", "page_fin": "410", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "debut_caractere": 3867, "fin_caractere_exclue": 5172, "texte": "schaftfKsfvon Friedr. MOSter Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) GrOnd-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,Nationalskonom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme\nHannover Artilleriestr 15 und Berlin W 35 Potsdamerstr. 111\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBE*RLIN/SONNABEND DEN 18. FEBRUAR 1911/ HANNOVER\nNUMMER 51\n\nINHALT:\nTRUST: Wieder eine Woche / ALBERT SAMAIN: Abende / THADDÄUS RITTNER: Rettungsaktion / PAUL SCHEERBART: Der Kaiser von Utopia /\nMORITZ KÖNIG: Der Liebhaber / ELSE LASKER-SCHÜLER: Franziska Schultz / ALFRED DÖBLIN: Musik nebst Schimpfworten / J. A.: Vom Tage / ALFRED\nLICHTENSTEIN: Siegfried Simon / Beachtenswerte Bücher / MAX PECHSTEIN: Zeichnung\n\nZeichnung von Max Pechstein"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.2", "texte": "Wieder eine Woche\nWieland von Karl Vollmoeller\nUnter Heulen, Johlen und Schlüsselpfeifen eines\nentgeistigten Publikums wurde das Märchen „Wieland\"\nvon Karl Vollmoeller im Deutschen Theater zu Berlin\nzertreten. Man steht vor einem der vielen Rätsel\nmenschlicher Gemütserregungen. Ich habe in diesem\nWinter unzählige schlechte Stücke gesehen, deutsche\nund ausländische, geschrieben von Journalisten, Kritikern\nund Konfektionären, arm an Geist und Erfindung,\nreich an gestohlenen Einfällen, nur zu dem Zweck\nfabriziert, ohne Verdienst zu verdienen. Das Publikum\nlärmte nie, benahm sich stets wohlwollend, stillvergnügt\nund amüsierte sich. Man gab ihm Geist von seinem\nGeiste. Vollmoeller fiel durch, denn er ist ein Dichter.\nEr schuf ein Drama, ein Märchen, wie er es nennt,\ndas gewiss nicht frei von künstlerischen Mängeln ist.\nAber ich glaube nicht an die Sensibilität und das Kunst-\nverständnis der kapitalskräftigen Menge, die sich mit der\nErlegung von fünf bis zehn Mark ein Recht auf Kunst-\nbewertung erkaufen möchte. Das angeblich literarische\nPublikum wehrte sich offenbar gegen das Drama, weil\nes den Vorzug hat, interessant zu sein. Es gibt noch\nimmer Menschen, die die Qualität eines Werkes an\nseiner Langweile und einer Sprache in Jamben ab-\nschätzen. Trotz aller äusseren und im Theater durch-\naus nicht unangebrachten Handlungen liegt der Konflikt\ninnerlich; er behandelt das Verhältnis zwischen Schöpfer-\nkraft und Persönlichkeit. Ein genialer Komponist\nnamens Wieland bringt es in seiner Kunst zu keinem\nErfolg. Er wird Klavierlehrer bei einem englischen\nGrossindustriellen. Wieland beschäftigt sich mit derr\nFlugproblem. Der Engländer stellt ihm die Mittel für die\nAusführung seiner Idee zur Verfügung. Wieland will\naus einem berechtigten Egoismus heraus seine Erfindung\nfür sich verwenden. Er entwendet das kostbare Platin\nund erzählt dem Engländer, dass er überhaupt nichts\nerfunden und die Gelder zur Zahlung seiner Schulden\nverbraucht habe. Er kommt ins Gefängnis, wird nach\nsechs Monaten begnadigt, auf Fürsprache des Be-\nstohlenen, der trotzdem nach wie vor an das Genie\nund die Erfindung Wielands glaubt. Nach zwei Jahren\nkehrt Wieland unerwartet und gänzlich überraschend in\ndas Haus des Engländers zurück. Er ist mit seinem\nfertiggestellten Flugschiff von Dünkirchen aus über den\nKanal nach England geflogen. Niemand hält es für\nmöglich, aber die Tatsachen überzeugen. Sofort wird\neine grosse Gesellschat zur Ausnützung der Erfindung\ngegründet und Wieland soll vor Tausenden von Zu\nschauern über das Meer zurückfliegen. Aber der Mut\nverlässt ihn und er erschiesst sich Die seelischen\nMotive ergeben sich aus einer Nebenhandlung. Wieland\nliebt die Tochter des Engländers, Ethel, eine Art Hilde\nWangel, die ihm ihre Gegenliebe versprach, wenn er\nals Sieger durch die Lüfte zu ihr kommen würde. Ihr\ngesteht er, dass ihn nur Zufall und Zwang des\nWindes über das Meer getrieben hätte. Ihr gesteht er\ndie Todesängste und die Nervenqualen während der\nFahrt. Ethel sieht ihr Ideal zerfliessen und gleich der\nHilda Wangel will sie ihm den Mut der Tat zu dem\nWerk seines Geistes geben. Ihr Wille trotzt der\nVergewaltigung durch Wieland, aber sie lässt sich frei-\nwillig nehmen, um ihm den Glauben an seine Kraft\nzu schaffen. Der Baumeister Solness fällt vom Turm,\nden er schon erstiegen hat, und Wieland erschiesst\nsich in den Moment, wo die Masse die Abfahrt er-\nwartet. Die Abhängigkeit von Ibsen spricht im streng-\nkünstlerischen Sinn gegen das Werk, denn Kunst muss\nihren Ursprung in der Persönlichkeit des Schaffenden\nhaben. Vielleicht ist der angedeutete Konflikt des\nDramas auch der Konflikt des Autors. Neben diesen\nHaupthandlungen laufen noch eine Zahl romanhafter\nVorgänge, insbesondere die Verbindung der alten\nWielandsage mit den Personen des Märchens. Wenn\nsie auch nicht in unbedingtem, ursächlichem Zusammen-\nhang mit dem Konflikt stehen, sie wirken: zum Teil\ndichterisch-lyrisch (man denkt an den Vollmoeller der\nKatharina von Armagnac), zum Teil satirisch. So zum\nBeispiel die Bemerkung: „Das Ueberfliegen des Kantons\nUri und des Königreichs Preussen ist von den Be-\nhörden verboten.\" So die Beleuchtung des Reporter-\ntums (was dem Dichter ein Teil der Berliner Presse\nbesonders übel nimmt): Ein Reporter wagt eine Ein-\nwendung gegen den Verleger. „Sie haben nicht zu\ndenken, Sie sind entlassen.\" — Albert Bassermann\nwar unübertrefflich. Er und die Else Lehmann und\nOs kar Sauer sind die grössten Schauspieler unserer\nZeit. Bassermann spielte den Wieland in einer Maske\nzwischen Beethoven und E. T. A. Hoffmann. Nur eine\ngrosse Persönlichkeit kann so gestalten, so kunstwahr\ngliedern wie dieser Aibert Bassermann. Die Regie\nReinhardts belebte die Szene. Er sollte sich auf sein\nTalent zur Massenwirkung beschränken, statt mit Bums-\nschauspielern wie Ferdinand Bonn durch Europa zu\nreisen und auf diese Weise falsche Vorstellungen von\nSchauspielkunst zu verbreiten.\nDas Buch erschien im Inselverlag Leipzig.\nNicht erlogenes Foyergespräch\n„Ich verstehe kein Wort, Herr Kollege.\"\n„Sie haben es gut, Herr Professor, Ich muss es\nverstehen.\"\nDie Kritik der Presse\nGlaube, Abonnent, nicht den Versicherungen deiner\nTheaterkritiker. Sie müssen verstehen. Und wenn\ndas Gehirn auch noch so versagt, in der grossen\nPause, Schmerbauch an Schmerbauch, wird sich alles\nzeigen. Man fühlt, man tastet, mann redet und man\nversteht. Wehe dem, der auf seinem angestammten\nParkettsitz bleibt. Er ist verlassen, weil er nur auf\nsich angewiesen ist Die Masse machts. Der Lokal-\nanzeiger verfügt über Köpfe, das kann man wohl sagen;\nseine Theatermänner erkennen mit sicherem Instinkt\ndie Dichter und verreissen sie. Denn man soll Dichter\nnicht aufkommen lassen. Das Theater gehört den\nDilettanten und den Kollegen. Zwei volle Jahrzehnte\nentrüstete sich der Lokalanzeiger über die „fehlende\nHandlung.\" Sie charakterisiert nach seiner Ansicht\ndirekt „damatisches Uebermenschentum\" und „Aestheten-\nclique.\" Die Ansicht wird seit dem achten Februar\n1911 aufgegeben. Neues Schlagwort: „Moderne Lärm-\ndramatik.\" Bei Wildenbruch und Schiller nennen es\ndie Herren : „sinnfällige Handlung und Natur.\" Ich\nhabe schon mindestens ebensoviel schlechte Kritiken\ngelesen, wie schlechte Stücke gesehen. Das Unglück\nentsteht, wenn das leidende Wesen tätig wird. Der\nHirsch wird gejagt, er soll nicht jagen. Und Herr\nHirsch hält den Wieland für einen Schwindler („Die\nSchwindler sind in den Dramen der neurasthenischen\nLiteraturepoche beliebte Helden . . . Frank Wedekind\nhat einen Marquis von Keith geschrieben. Wie dieser\nletztere [letztere, letztere, letzteste] ist Vollmöllers\nHeld ein kecker Schwindler, wie dieser\"). Aber\nnatürlich hat der Herr Hirsch recht. Nicht nur Wieland,\ndas Genie und die ganze Kunst ist Schwindel. Denn\nsie sind „ausserhalb des Reichs des Wahrscheinlichen.\"\nDas ist Weltanschauung, dagegen lässt sich nichts ein-\nwenden. Aber, sehr geehrter Herr, den Inhalt eines\nDramas wiedererzählen, ist weder Kunst, noch liegt\ndiese Tätigkeit im Reich des Wahrscheinlichen. Sie\nhat nicht einmal etwas mit Weltanschauung zu tun.\nUnd ich muss feststellen: dieser Hirsch weiss nicht\neinmal auf seiner Domäne Bescheid. Vollmoeller könnte\nihn berichtigen. Er verbreitet erweislich unwahre Tat-\nsachen ohne Wahrnehmung berechtigter Interessen.\nDenn die liegen doch wohl nur in seiner Welt-\nanschauung. Herr Hirsch behauptet: „Meister Wieland\nsei in die im Salon des Sir Hubert versammelte Ge-\nsellschaft hineingeplatzt und hat ihr vorgeschwindelt, er\nsei über den Kanal geflogen, seine Maschine\nsei aber in der Nähe auf den Eisenbahn-\nschienen verunglückt. Man glaubt ihm schliess-\nlich\". „Nein, Herr Hirsch, Wieland ist geflogen.\nEs wird im Drama bestätigt durch drei königliche Be-\namte. Mehr kann man nicht verlangen. Und dieser\nKopf, der amtlich bestätigte Tatsachen nicht fassen\nkann, beschimpft ausgiebig den Dichter Vollmoeller\nund weist der deutschen Literatur der Gegenwart den\nWeg. Doch der Dichter - Direktor Schmieden wird\n„aufgemuntert\": „Das sympatische Bestreben, die\nhübsche Idee vor den Ausschreitungen gewaltsamen\nSchwankulkes zu bewahren, versöhnt mit etlichen kon-\nventionellen Liebes- und Eifersuchtsszenen, und auch\nan dankbaren Rollen fehlt es nicht\". Er ist versöhnt.\nAber Vollmoeller: „Natürlich meint sein Name Wieland\nnicht den lächelnden, liebenswürdigen (!) Dichter, sondern\nden tückisch boshaften (o!) Wieland, den Schmied.\"\nAber Schmieden: „ . . halfen wacker mit, den „er-\nlauchten Ahnherrn\" Schmiedens unserm Verständnis\nnäher zu bringen — — - \"\nUnserm Verständnis. Unserm, vastehste!\nLustspielhaus\nWieder an einer Stätte der Lebensfreude. Ein\nschöner Damenflor, von Herrn Poiret gezüchtet, huldigte\neinem beliebt werden wollenden Verteidiger-Dichter. Es\nwar unbeschreiblich schön Kurfürstendamm, ein Kom-\nmerzienrat, eine Kommerzienrätin mit der Sehnsucht\nnach dem K d. W, ein Kommerzienratstöchterchen\nfrisch und frei aus Lausanne zurückgekehrt, ein Christ-\nlicher Anwalt, ein jüdischer Anwalt, ein Justizrat, ein\nstreberischer Anwalt, ein Staatsanwalt, ein Gerichts,\ndiener mit Berliner Humor, eine unverheiratete Jungfern-\ntante, ein ostpreussisches Dienstmädchen, ein ver-\nkommener echter Baron, ein erster Rowdy, ein zweiter\nRowdy, eine Dame der Halbwelt, eine zweite Dame\nder Halbwelt (angenehmes Gruseln im Zuschauerraum,\nLebensfreude, auf der Bühne wird ein Changsong ge-\nsungen, der Kommerzienrat sagt an der Stelle Chat noir,\nsiehe Lebensfreude Nummer 38 dieser Zeitschrift). Das\nwäre das Stück. Ferner wird telephoniert, die B 1\nvorgelesen, Kognak Hennessy Dreistern getrunken, von\nAustern wenigstens geredet (Lebenfreude, Lebens-\nfreude). Sämtliche Witze des Herrn Moszkowski sind\nzitiert (in jedem Anwaltswartezimmer liegen alte Jahr-\ngänge noch älterer Witzblätter auf, das muss reizen).\nEs war ausserordentlich schön. Die Schauspieler ver-\nstanden es nicht, Herrn Selten „unserem Verständnis\nnäher zu bringen.\" Näheres ist durch den Autor\nselbst zu erfahren. Sprechstunde fünf bis sieben, ausser\nSonnabends.\nTrust\n\nRettungsaktion\nAus dem Tagebuch eines sehr\ngewöhnlichen jungen Menschen\nVon Thaddaeus Rittner\n„Wie alt sind Sie?\" fragte mich heute die Frau\nKassiererin. Und sie schien ganz verwundert, als ich\nihr sagte: Dreiundzwanzig. Ich will nicht untersuchen,\nob sie selbst viel älter ist. Aber sie machte Augen,\nals hätte sie bisher nicht gewusst, dass man überhaupt\nso jung sein könnte.\nWir sind drei, ausser den Hausleuten. Ich habe\ndas kleinste Zimmer, aber dafür bewohne ich es allein.\nNebenan ist ein Zimmer mit zwei Fenstern und mit\neinem Klavier, auf dem glücklicher Weise niemand spielt.\nIm Vorzimmer begegnete ich einen auffallend grossen\nMenschen; er stand auf einem Fusse, pfiff etwas Sen-\ntimentales und putzte sich den linken Stiefel. Da\nöffnete sich die Tür vom Speisezimmer und eine\nFrauenstimme rief „Konrad!\" Darauf murmelte der\ngrosse Mensch „gleich\" und wurde verlegen, als er mich\nbemerkte. Begann auch aus Verlegenheit ein Gespräch,\nOb ich erst seit gestern hier wohnte. Ja, seit gestern.\nSein Name war Kohler.\nIhm gehört das Zimmer nebenan, das mit zwei\nFenstern und mit dem Klavier. Dafür ist er nicht\nallein. Er streitet fortwährend mit einem Anderen und\nich höre jedes Wort durch die Wand.\nDer andere ist lichtblond, bucklig und etwas nach-\nlässig gekleidet. Kohler nennt ihn „Knopf,\" aber viel-\nleicht heisst er in Wii klichkeit anders. Er ist einmal\nbescheiden und einmal frech, übrigens sieht er schlecht\naus und spricht so undeutlich, dass man ihn kaum\nversteht.\nAbends kamen wir alle drei auf der Treppe zu-\nsammen.\n„Kennen Sie schon den Kassierer? fragte mich Kohler\n„Nein,\" sagte ich.\nDarauf lächelte Knopf und flüsterte etwas, was ich\nnicht verstand. Aber Kohler scheint es verstanden zu\nhaben, denn er ärgerte sich über den Buckligen.\n„Hören Sie nicht auf ihn!\" sagte er zu mir. Der\nKnopf lügt und ist überhaupt boshaft wie ein Affe\nSie werden schon sehen . . . Der Kassierer ist ein\nlieber Mensch, ungemein witzig ... Und dass er ein\nwenig trinkt. . . .\nEr seufzte.\n„ . . . Mein Gott! . . . Niemand ist fehlerlos.\"\nDer Grosse hat augenscheinlich viel Sympathie fü'\nden Herrn Kassierer.\nBei Tisch sassen wir in folgender Ordnung: Ober\nsie, rechts Kohler, links ich und unten der Bucklig\nund der Kassierer."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.3", "texte": "Es gab Kalbsbraten mit Salat, und dann brachte\nman eine sehr schöne rosige Mehlspeise.\n„Das gehört nicht zur Pension\", sagte der Kassierer,\n„das ist sozusagen umsonst... Ich bitte, meine Herren,\ngreifen Sie zu! Sie können soviel nehmen als Ihnen\nbeliebt.\"\nDie Frau Kassierer benahm sich wie eine Dame,\ndie nur zu Besuch da ist und als ginge sie die Pension\ngarnichts an. Sie plauderte sogar von Pierre Lowys\nAphrodite.\n„Herr Konrad,\" ersuchte sie Kohler, „reichen Sie\nmir gefälligst den Gorgonzola.\"\nDer Kassierer war von allen am besten aufgelegt.\nEr erzählte:\n„Es fuhren einmal zwei Juden von Budapest nach\nTem'esvar. Der eine war dick und lustig und rauchte\neine Pfeife, der andere war mager, gelb und Nicht-\nraucher. Auf einer Station . . .\n„Aphrodite ist herrlich,\" seufzte die Kassiererin.\nDer Bucklige schnitt ein Gesicht und meinte: „Ja,\naber der Braten ist ungeniessbar.\"\nDies sagte er ausnahmsweise so deutlich, dass es\nalle hörten. Und dann schwieg er.\nNach der Mehlspeise liess der Kassierer eine\nFlasche Wein holen\n„Anton!\" ermahnte ihn die Kassiererin und schaute\ndann auf den Buckligen und den Grossen.\n„Wir trinken nicht,\" beteuerte Kohler.\nDer Kassierer machte nichts dergleichen.\nUnd als man den Wein gebracht hatte, tranken\nalle ohne Ausnahme. Auch die Frau Kassiererin.\nUebrigens heisst sie Aurora.\nDer Wein war alt und süss. Ich erlaubte mir\nvier Gläser, aber dann fragte ich mich besorgt, ob\ndenn der Wein auch zur Pension gehört.\nEs zeigte sich, dass auch der Wein umsonst ist.\nMan muss Glück haben.\nNach dem Nachtmahl befreundete ich mich mit\nKohler, und wir gingen zusammen auf unsere Zimmer.\n„Was für uneigennützige Leute,\" sagte er auf der\nTreppe. „Was? Sie denken mehr an ihre Gäste, als\nan ihren Profit. Was, glauben Sie, kostet so ein\nFläschchen? Mehr, als wir pro Tag für die ganze\nVerpflegung zahlen.\"\nIch habe es gut getroffen.\nAls ich allein im Zimmer war, fiel es mir plötzlich\nein, dass Kohler und die Frau Kassiererin etwas mit-\neinander haben. Ich mache öfter solche kleinen\nBeobachtungen.\nDer Herr Kassierer ging gerade unten auf der\nStrasse. Ich schaute vom Fenster aus zu. Denn das\nMädchen, das eben in meinem Zimmer aufräumte,\nmachte mich darauf aufmerksam.\n„Da geht unser Herr . . .\"\nSie zeigte mit den Finger und lachte.\nDer Kassierer war klein, rotharig und der Pelz\nwar so wie seine Haare. Eine Gestalt, dass die\nPassanten stehen blieben und sich umschauten.\n„Er wackelt ein wenig,\" meinte das Mädchen.\nEr ging tatsächlich etwas unsicher. Und es war\ndoch kaum acht Uhr morgens.\n„Tun Sie Ihre Pflicht,\" sagte ich kalt zum Mädchen.\nDarauf lachte sie mir ins Gesicht und begann nach-\nlässig den Staub von meinem Schreibtisch abzuwischen.\nSpäter sagte sie wieder:\n„Ich erinnere mich ganz gut, wie man unseren\nHerrn in den Arrest führte.\"\nBit. Ich glotzte sie an.\n„Na ja,\" versicherte sie, „unser Herr war doch vor\nzwei Jahren im Arrest . . . Und wissen Sie warum?\"\nIch sagte, dass ich es wüsste. Aber ich wusste\nes nicht.\ndiel Kassiererin ins Zimmer. Sie lächelte\nfreundlich. Ob ich nicht etwas brauchte. Danke nein,\ndanke vielmals.\nDas Mädchen ging.\nDie Kassiererin hat solche Augen wie die schwarz-\nweissen Schönheiten vom Harem. Gesprungene Lippen\nund zwei kleine Goldplomben.\nSie erzählte mir, wieviel sie mit der Wirtschaft zu\ntun hätte. Sie plauderte mit mir in dem Ton, in den\nman in der Dämmerung mit guten Freunden plaudert.\nIch habe sie gern.\nIch ochse für die letzte Staatsprüfung. Es kommt\nmir ungelegen, denn nebenbei bin ich verliebt\nWir duzen uns übrigens mit dem Kassierer. Ich\nmachte die Beobachtung, dass er einem nie ins Ge-\nsicht schaut. Er ist immer betrunken und manchmal\nhat er schon nach einem Glas genug. Um sieben\nUhr in der Frühe macht er schon Witze. Vorwiegend\nin der Küche; die Dienstboten wälzen sich vor Lachen.\nIch habe von ihm mit dem Buckligen gesprochen.\n„Fragen Sie nur seine Frau,\" murmelte er, „ob\ner auch früher zu trinken pflegte.\"\nNatürlich werde ich nicht fragen. Er hat also\nfrüher nicht getrunken, bon; was weiter? „Fragen Sie\nseine Frau.\" . . . Hm. Knopf ist wahrscheinlich ein so-\ngenannter Frauenhasser. Das heisst: er hat einen\nBuckel.\nSie ist eine gescheite Frau, so gescheit, dass sie\nund Kohler sicher nichts miteinander haben.\nSie und Kohler haben etwas miteinander. Aber\nsie ist doch eine gescheite Frau.\n.Nun habe ich mir vom Lebensunglück des Kassie-\nrers mit allen Einzelheiten erzählen lassen.\nDer Kassierer war einmal.... tatsächlich Kassierer.\nBei der Bahn. Aber nach seiner Hochzeit machte er\nzu grosse Ausgaben. Für seine Frau.\nSie hat ihn darum nicht gebeten ... meint Kohler.\nDas ist Nebensache. Kurz und gut, er borgte\nsich eine Kleinigkeit aus der ihm anvertrauten Kasse.\nUnd die Frau bekam von ihm entzückende Brillanten.\nDiese Brillanten hat sie noch heute. Ein anderer\nMensch wäre nach Abbüssung seiner Strafe zugrunde\ngegangen. Aber der Kassierer erhielt wieder eine An-\nstellung und lebt.\nDenn er hat eine gescheite Frau — meint Kohler.\nUnd noch etwas: ein anderer Mensch verliert nach\ndem Gefängnis gewöhnlich die gute Laune. Und der\nKassierer macht schon um sieben Uhr Witze Vor-\nwiegend in der Küche; die Dienstboten wälzen sich\nvor Lachen.\nEs hat etwas gegeben. Die Kassiererin und\nKohler ....\nIch kann nicht behaupten, der Kassierer wäre heute\nnicht in guter Laune. Aber gestern nachmittag ist er\nunerwartet etwas früher nach Hause gekommen Ich\nhörte ganz deutlich seine Stimme. Als ob er sehr\nschrill und laut gelacht hätte. Aber wahrscheinlich\nhatte er nichts zu lachen.\nKohler ist in mein Zimmer gestürzt, ganz bleich\nund zitternd. Und obwohl er so tat, als wollte er\nmich nur um eine Zigarre bitten, erriet ich .dennoch,\ndass etwas geschehen war.\nDie Kassiererin hatte verweinte Augen und ging\nauf den Zehen.\nUnd um drei Uhr nachts wachte ich\nauf, und hörte wie eine Droschke vorfuhr und wie man\nden singenden Kassierer hinaufschleppte.\nUnd die wütende Stimme des Buckligen:\n„Zum Teufel, kann man in diesem vermaledeiten\nHause nicht einmal in der Nacht seine Ruhe haben!\"\nWenn Knopf nur will, spricht er auch deutlich.\nEs interessiert mich ein Mensch, der immer in\nguter Laune ist. Da wir uns mit dem Kassierer duzten,\nso musste ich doch endlich einmal sein Inneres kennen\nlernen. Ich suchte ihm also heute wie zufällig zu\nbegegnen, um mit ihm einmal freundschaftlich zu\nsprechen und über die gestrigen Vorgänge etwas zu\nerfahren.\nIch fragte, ob ich ihn begleiten dürfte.\n„Komm, junger Tagedieb!\" erwiderte er höflich und\npfiff dann seinem Hund, der auch rothaarig ist.\n„Gestern bist du sehr spät nach Hause gekommen...\"\nEr lachte.\n„Freilich, freilich .... Ich speiste im Yokeyclub\nmit dem Prinzen von Wales.\"\nIch blickte ihm scharf in die Maske. Denn er\nhat kein Gesicht. Nur eine Maske mit roten Haaren\nund gläsernen Augen!\n„Dir fehlt etwas\", sagte ich ernst.\nEine Sekunde lang schaute er mich entsetzt an.\nUnd dann begann er ruhig vor sich hinstarrend:\n„„Zwei Ungarn wetteten einmal mit einander, wer\nvon beiden höher springen konnte. Eines schönen\nTages gehen sie über eine Brücke und . . .\n\nSchluss folgt\n\nAbende\nVon Albert Samain\nDeutsch von Friedrich Kurt Benndorf\n1\nDer Flussdamm ist verlassen, die Kähne ent-\nschlummern,\ndie blaue Dämmerung endet die Unrast des Tags\nund dämpft mit weicher Hand die brennenden Gluten,\ndie der Fluss wie Erz hinwälzte in seinen Fluten.\nIn fiebriger Werkstatt kommt Schraubstock und\nSpindel zur Ruhe,\nBleichwangige Mädchen eilen mit fliegendem Haar\nzum erleuchteten Laden voll Silber und Gold und\nKristall,\nund zerpressen die arme Begier nach schnödem Metall.\nHoch über der dunkelnden Stadt, wo das Volk\nsich tummelt,\nwebt, herbstlich gedämpft, die Helle des Abendhimmels,\nwie Perlen- und Türkisenglänze zu sehn:\nes ist als wollte der Himmel in Schönheit vergehn.\nDie Stunde wandelt vorüber, verhüllt wie ein Weib;\ndie Düsternis wächst, der erste Stern erblinkt:\nverlangend öffnet das Herz sich mir und trinkt,\nwas da an Traum von ihm herniedersinkt.\n2\nEin Seraph streift die Blumen zur Abendzeit.\nDer Himmel weidet sich an Farbentönen,\ndie den erlauchten Tod des Tags verschönen.\nIm Dom zur Orgel singt die Traumfee heut.\nEin Seraph streift die Herzen zur Abendzeit . .\nJungfraun, die auf Baikonen versonnen stehn,\nwie Liebe die Lüfte schlürfend, die sie umwehn,\nsind von holdseliger Blässe wie beschneit.\nIm Garten jede Rose hat Ruhe gefunden.\nEs ist, als irre Schumanns Seele im Raum\nund lisple von Leiden, die unheilbar sind . . .\nEs ist, als stürbe wo ein süsses Kind . .\nO Herz, ein Zeichen lege ins Buch der Stunden:\nDer Engel fängt auf die Tränen aus deinem Traum!\n3\nDer Himmel, ein blassgoldner See, verdämmert,\n— versinkt wie in Gedanken. Und hinaus\nins Luftall, das sich ohne Grenzen dehnt\nin Schweigen und Leere, hat sich die Nacht gelehnt\nund schüttet das schwermutvolle Herz ihm aus.\nSchon schimmert hier und da ein mattes Licht.\nDie Rinder kommen parrweis vom Feld herein.\nUnd hier und da vor seiner Hütte sitzt\nein alter Mann, das Kinn in die Hand gestützt,\nund atmet still den Frieden des Abends ein.\nWehmütig-schlicht wie ein Bild der alten Maler\nmit seinem Guten Hirten und Lamm, das springt,\nist diese Landschaft.. Horch! ein Glöcklein klingt.\nUnd jetzt, in schwärzlicher Himmelsfinsternis,\nbeginnt das Schneegeglitzer der tausend Sterne;\nuud drüben, reglos am Hügelrand der Ferne,\nträumt eines Schäfers antiker Schattenriss."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.4", "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXXIII\nDie Besserungsanstalt\nAm nächsten Tage liess sich der Herr Bartmann\nüberreden, den Direktor der Besserungsanstalt aufzu-\nsuchen. Doch wie erschrak er da, als er einsah, dass\nda seine Nerven gebessert werden sollten.\nIh, da wurde der Herr Bartmann mächtig fuchtig\nund schimpfte auf die Künstler, was Zeug und Leder hielt\n„Hier sollen,\" rief er aus, „die faulen Utopianer\nnoch fauler werden! Wer ein bischen lebhafter ist,\nder wird in eine Nervenbesserungsanstalt geschickt, da-\nmit er die verdammte Lebhaftigkeit wieder verliert.\"\nDer Prior eines Klosters war gerade zugegen, als\nder Herr Bartmann über die Natur der Besserungsan-\nstalt ins Klare kam; der sehr liebenswürdige und sehr\ngebildete Prior bat den Herrn Bartmann, doch mit ihm\nIn sein Kloster zu kommen, da könnten sie ja über\ndas Leben und über das Sterben das Längere und\nWeitere reden.\nUnd der Herr Bartmann steckte sich eine Zigarre\nan, pfiff sechsmal ganz lange in einem hohen Tone\nund folgte der Einladung.\nXXXIV\nDas Kloster\nZwei Tage weilte der Herr Bartmann in dem alten\nKloster, das mitten in einem grossen, grossen Garten\nlag. Der Prior des Klosters, der den Herrn Bartmann\nhierhergeführt hatte, sass am Abend des zweiten Tages in\nseinem Bibliothekszimmer und schaute hinaus in die\nblühende Sommerpracht — Berge, Hügel, Felsen und\nTäler waren architekonisch reichgegliedert und boten\nrr.it ihren Blumenmassen ein sehr buntes und doch\nsehr stilles Bild; von den Maschinen, die bei der\nGartenkultur verwendet wurden und die Handarbeit des\nMenschen fast gänzlich überflüssig machten, sah man\nnichts — aber die Bewohner des Klosters, nur Männer,\ngingen in den Laubgängen und über die Parkterassen\nvereinzelt oder zu zweien.\nDas Kloster übte keinerlei Zwang auf seine Be-\nwohner aus; wer nicht mehr bleiben wollte, verliess\ndas Kloster, und die da blieben konnten tun und lassen,\nwas sie mochten; nur bestimmte Vorschriften, die ledig-\nlich einer gegenseitigen gesellschaftlichen Rücksichtnahme\nentsprachen, mussten innegehalten werden, aufgenommen\nwurden in dem Kloster allerdings nur diejenigen, die\nvon den Verwaltungsdirektoren auserwählt waren.\nUnd der Herr Bartmann kam zu dem Prior in\nsein Bibliothekszimmer, und dieser erklärte nun seinem\nGaste dieses:\n„Es ist nicht richtig, wenn Sie, Herr Bartmann,\nüberall in der Natur nur das ungeheure lebhafte Leben\nsehen wollen die Natur zeigt uns auch ebensoviel\nSterben, das lebhaft nicht genannt werden kann.\"\nUnd die beiden Herren blickten beide hinaus in\ndie friedliche Blumenlandschaft, die nicht lebhaft schien\nund auch nicht das Gegenteil vorstellte.\nDer Herr Bartmann steckte sich wieder eine Zigarre\nan und dachte nach und sagte leise:\n„ich meine auch das Leben nicht so einfach, wie\nwirs auf der Erde mit unseren Augen zu sehen ge-\nwohnt sind. Wenn ich vom Leben der Natur sprach,\nso wollte ich da das Wort Leben so aufgefasst wissen, dass\nes auch das Sterben in sich einschliesst.\n„Schon gut,\" erwiderte der Prior, „indessen möchte\nich doch bemerken, dass sie gerade überall eine sehr\nhochgespannte Lebhaftigkeit zu sehen wünschen, und\ndieser möchte ich eine weiche müde Schläfrigkeit\ngegenüberstellen. Diese Schläfrigkeit, Schlaffheit — diese\ngrosse Stille ist doch auch nur in der Natur und ist\ndoch auch sehr wohltuend. Und ich glaube, Sie können\nsagen, dass Sie die Aktivität suchen und ich die Passi-\nvität. Aber wenn ich auch als Geistlicher denke, so\nnehme ich die eine Seite der Natur ebensogerne hin\nwie die andere. Das ist eben der priesterliche Stand-\npunkt, der nicht zwischen den Dingen sondern über\nihnen ist — so wie die Priester eigentlich über dem\nKaiser und über dem Staatsrat stehen.\"\nHerr Bartmann war versucht, zu bemerken, dass\ner als Kaiser auch über den Priestern stehe, doch der\nPrior schien seine Gedanken zu erraten und sagte\neinfach:\n„Wenn der Kaiser mit den Priestern Hand in Hand\ngeht, dann steht er auch über den Priestern. Ob man\ndieses auch über den Kaiser Philander sagen kann, der\nSich jetzt in Schiida — gerade in Schiida — augen-\nscheinlich nur mit mathematischen Arbeiten befasst —\ndas erscheint mir doch sehr zweifelhaft.\"\n„Vom Sterben in der Natur,\" sagte der Herr Bart-\nmann, „habe ich als Mensch eigentlich keine Vorstellung,\ndenn ich bin doch noch nicht gestorben — wenigstens\nweiss ich momentan noch nichts davon. Und deshalb\nhalte ich für notwendig, zunächst das Leben im Auge\nzu behalteu\nDer Prior lächelte und kam wieder auf die Passi-\nvität zu sprechen und meinte, der Herr Bartmann sollte\nmal sehen, auch der Passivität feinere Seiten abzu-\ngewinnen.\nHerr Bartmann versprachs, aber die Geschichte lag\nihm noch nicht, und er sehnte sich jetzt gerade sehr\nnach einer sehr lebhaften Lebensfrische, und deshalb\nfuhr er in seinem Sebastianischen Luftwagen am\nnächsten Morgen zum nächsten Verkelirszentrum.\nXXXV\nDas grosse Hotel\nZum Abschied hatte der Prior noch seinem Gaste\nfeierlicht gesagt:\n„Vergessen Sie aber nicht, dass die übergrosse\nLebensfülle für uns nur die eine Seite der Natur dar-\nstellt. Ebenso energisch die Natur im Entstehenlassen\nist, ebenso energisch erscheint sie uns auch im Ver-\ngessenlassen.\"\n„Hoho!\" versetzte da Herr Bartmann, „die Natur\nist also immer überall sehr energisch! Selbst die\nSelbstmordstimmungen sind wie alle Nordstimmungen\nimmer sehr energisch.\"\n„Fragt sich nochl\" rief der Prior, aber da fuhr\nder Herr Bartmann schon fort und war zur Mittags-\nzeit im grössten Hotel von ganz Utopia in einem\nVerkehrzentrurn, das an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen\nübrig liess.\nHier machte der Herr Bartmann eine Reihe neuer\nBekanntschaften und musste erfahren, das seine Reden\nim Luftrestaurant auf dem grossen Künstlerfest sehr\nungenau kolportiert waren; die Künstler hatten dem\nHerrn Bartmann Dinge in den Mund gelegt, die er\nniemals geäussert hatte — bald sollte er ein Geister-\nseher sein — und bald eine Mönchsnatur. Aber\ngerade diese Reden, die alles entstellten und nach ver-\nschiedenen Seiten aufbauschten, machten den Herrn\nBartmann zu einer berühmten Persönlichkeit, die von\nNeugierigen sehr bald überlaufen wurde.\nEines Morgens machte sich aber im Hotel eine\ngrosse Unruhe bemerkbar; die Zeitungen brachten\nmerkwürdige Nachrichten von der Sturmküste, dort\nsollte das Meer immerfort die Farbe wechseln und\nsehr unruhig sein, ohne dass ein Sturm ausbrach.\nDer Herr Bartmann wollte mit seinem Luftwagen\nhinfahren, doch der Führer des Wagens weigerte sich,\nda die Sturmküste von allen Luftfahrzeugen der Stürme\nwegen gemieden wurde.\nUnd so fuhr der Herr Bartmann mit einem der\nschnellen elektrischen Züge auf einer Seilbahn zur\nSturmküste, und viele Gäste des Hotels fuhren eben-\nfalls dorthin.\nXXXVI\nDas unruhige Meer\nAn der Sturmküste, die aus gewaltigen, ganz steil\nzum Meer abfallenden Felsen bestand, war die Luft\nganz still und sehr warm.\nDas Meer zeigte, obgleich der ganze Himmel\ndunkelblau und ohne Wolken war, überall bunte Stellen,\nals wären grosse Teermassen hineingeworfen. Und\ndazu schäumten die Wellen ganz unregelmässig, und\neinzelne Wellenberge erhoben sich plötzlich zu un-\ngewöhnlicher Höhe. Und dazu gurgelte es überall,\nund ein seltsames Brausen ertönte, das offenbar nicht\nvon den Wogenkämmen ausging\nAm Ufer waren Alle darüber einig, dass ein unter-\nseeisches Ereignis vor sich gehe. Die Logierhäuser\nauf der Höhe der Strandfelsen wurden verlassen, da\nman mit vulkanischen Erschütterungen rechnen musste.\nIn jeder Minute kamen immer mehr Utopianer zUr\nSturmküste, und die Seilbahnen zeigten bald lange\nReihen von elektrischen Wagen, die stehen blieben und\nvon den Reisenden nicht verlassen wurden.\nAls es Nacht geworden war, machte das Meer einen\nunheimlichen Eindruck; bis auf Meilen hinaus flackerten\nimmerzu bunte Stellen auf, und das Getöse ward\nimmer stärker, als stürme ein furchtbarer Orkan über\ndie Wasser. Und dabei blieb doch die Luft ganz\nganz still, und das wirkte so furchtbar unheimlich, dass\nviele Utopianer vorzogen, so schnell wie möglich\nwieder abzufahren.\nHerr Bartmann wurde um Mitternacht von dem\nHerrn Citronenthal angesprochen, der in Begleitung des\nalten Herrn mit der Schnupftabaksdose auch zur\nSturmküste geeilt war. Die drei Herren unterhielten\nsich sehr lebhaft über das bevorstehende Naturereignis,\nund der Herr Citronenthal sagte:\n„Herr Bartmann, man spricht ja jetzt überall von\nIhnen. Man bringt das unruhige Meer mit Ihren\nAeusserungen über intime Kunst zusammen. Sie\nwollten immer, das die Utopianer das sähen, was hinter\noder unter unserer Erscheinungswelt liegt Jetzt sind\nwir gezwungen, an das zu denken, was überall dahinter\nwirkt und darunter lebt.\"\n„Nicht doch!\" versetzte Herr Bartmann, „so habt\nichs nicht gemeint.\"\nDoch er kam nicht weiter, es zeigten sich plötzlich\nhellgrüne Streifen auf dem Meere, die strahlenförmig\nvon einem Punkte wie Radspeichen ausgingen Und\ndabei wurde das Meer zwischen den grünen Streifes\ndunkelviolett und die dunkelvioletten Teile des Meeres\nbekamen zinnoberrote Flecke, die jedoch sehr rasch\nimmer wieder verschwanden und an anderen Punkten\nauftauchten.\nGanz entsetzlich kams aber jetzt allen Utopianern\nvor, als das Meer immer ruhiger wurde, sodass\nschliesslich das ganze Meerbrausen verstummte und\ndafür nur ein unheimliches unterseeisches Gurgelr\nhörbar blieb.\n\nFortsetzung folg!\n\nDer Liebhaber\nVon Moritz König\nGedeckt von dichten Büschen Rosenlorbeers lauerte\neine kleine Masse, unbewegt, wie ein gespanntes Wild\nkätzchen. Melis wars, der Fünfzehnjährige, vom Plebejei\nKodrus im Handwerkerviertel. Die Augen treu au\ndas noch matte Weiss des Vestalinnen-Palastes gerichtet\ndas Täfelchen mit der Botschaft in der Hand Eir\nHäuflein Sestertien galt die Todesgefahr.\nSchon setzte der Vogelchor ein, aber er klang den\nKnaben nicht ungebändigt und wirr wie draussen. Nicti\nnur die Mauer hielt den Ton fest. Ein Höheres, Un\ngreifbares dämpfte die Stimmen. Melis war frei voi\nBeklommenheit. Sein Proletariersinn wich nur de\nGewalt, kannte nur Gefahr und Lockung der Sinn«\nDas Jupiterbild wo> er nach Metall. Jetzt dachte e\nnur an das gewaltsame Ergreifen oder Einbringen de\nBotenlohnes in die arme Elternkammer. Er sah di\ngrosse Schwester mit dem Husten, den ihr die Klage\nfrauen angezaubert hatten.\nEin dumpfer, brüllender Tuba-Ton zerriss seil\nunruhiges Sinnen, scheuchte das Häutchen Schlafs voi\nden wieder gespannten Augen. Wilde Frauenschrei\ndes Morgenopfers schollen durch den Garten, be\nschwörend und hallend. Das schreckliche Auslebe\nvon Fragen durch die Stimme, in der alles gepresst\nHerzweh sich ausschreien durfte, in der die Entbehrt\ndes Mannes aufklagte. Ein sanfter Gegengesang wogt\nin den Ozean der Disharmonien hinein und glättet\nihn. lieber allem erhoben sich die weissen Flüge\neines hellen Organs. Ein klagendes Lied, vielleid\nder Vesta gewidmet, mit Antiphonien dunkler Stimme\nbeantwortet. Gold mit Schwarz-Samt durchwirkt.\nMelis empfand es, wie wir das aufgehende Gitte\neines zwanzig Jahre verschlossenen Herrschaftsgarter\nempfinden, das wir als Bettelkinder anstaunten. Späte\nergoss sich Helligkeit. Unweit behauptete sich d(\nmassige Rundtempel, der den Hügel beherrschte. Ai\ngehoben von dem Gesänge sah das Kind rötlict\nFeuerschatten durch die weissen Säulenbogen dringe\nJetzt mochte das Opfer zu Ende sein und seine At\ngäbe begann."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.5", "texte": "Der feuchte Sand wich starken Schritten. Eine\nFrau kam heran. Melis fand sie grösser als irgend\neinen der Zenturionen, die in den Militärlagern zu\nsehen waren. Um das flammenfarbige Gesicht mit\nstark vorgebautem Kinn zerstreuten sich Bänder, die.\nan einer Stirnbinde hingen. Schleier umwehten den\nweissen Stoffhang des Gewandes Der Schritt schnellte\nin gebundener Kraft. Das Auge des Verborgenen\nzitterte schreckhaft an ihren nackten Armen empor,\ndie den Umfang von Oberschenkeln haben rnussten.\nSeine Gestalt zog sich zusammen und eine wonnige,\nwilde Furcht überkam ihn, als er ihr mächtiges, nicht\njunges Gesicht sah, das wie in Gelbmetall verhärtet\nschien. Die Augen waren stark umschattet. Sie ging\nan ihm vorbei und er wünschte sich zu ihr und hing\nwirren Vorstellungen wollüstig nach. Dann kamen\nZwei in enger Umschlingung. Die Gewänder faltig.\nDie schönen, sinnlos lächelnden Gesichter weiss wie\nSpielknöchel. Entzündete Augen, violette Lippen, ver-\nkündeten die Vergewaltigung der Mädchenkörper durch\neine wahnsinnige Idee der Theokratie. Gierig sah\nMelis durch die Bauschfalten der Gewänder ihre langen,\nmageren Schenkel, die Beine von Flamingos. Seine\nGedanken irnen zu der riesigen Frau mit dem furcht-\nerweckenden Blick zurück. Immer kamen jetzt neue\nWeiber. Kein sicherer Blick mehr, eine Herde\nfliehender Schatten mit geknickten Gliedern, lächer-\nlichen Bewegungen Unbeachtet, überflüssig; der\nitalische Morgen. Eine sah sich scheu um, hielt im\nGehen ein und hob, die starken jungen Arme empor-\ngereckt, den Kopf zum Licht.\nMelis dachte daran, einen Vogel freizulassen, den\ner daheim in einem Korbe hielt.\nSeine Spannung nahm zu. Diesen brachte er\nnichts. „Die in Schönheit und Jugend, hoch und stolz\ndaherkommen wird und eine grüngoldene Spange am\nArm trägt,, der übergib die Botschaft, fern von jedem\nfremden Blick.\"\nLeichte Schritte trugen den Morgen völlig in den\nGarten Ein Weisses, Hohes meldete sich an. Sing-\nvögel stiessen auf. Er wusste, sie war da. Schleier\nund Gewand fügten sich in edlem Wurf. Er sah ihre\nAugen inmftten eines gemeisselten Antlitzes von ver-\nlorener Schönheit gleich erleuchteten glänzenden Spiegeln.\nDa veriiess ihn der Sinn für Raum und Zeit, er trat\nhervor und hielt ihr das Täfelchen hin.\nWieder traf ihn der gehetzte Blick, den auch, die\nanderen hatten. Die unerwartete Erscheinung eines\nwrden armen Knaben erschreckte sie. Er gab ihr\ndas Täfelchen und hielt den Finger instinktiv mit jener\ntausendjährigen Geste vor den Mund. In grossen\nSätzen sprang er davon. Lange noch fühlte er den\nEindruck ihrer durchdringenden Lieblichkeit, er sah\nihre Lippen sich zu ausdrucksvoller stummer Frage\nbewegen. Als ob ihre Gegenwart ihn für eine höhere\nWelt entdeckt hätte. Wie wenn eine Rosenwolke sich\nauf das Leben gesenkt hätte, das er kannte. Sein\nEmpfinden war wie mit warmem wohlriechenden Wasser-\nstaub gereinigt.\nSein Tag schien ihm ein langer Kuss. Er wanderte\nauf Neuerde und sein Blick leuchtete. Vergnügt ass\ner Thunfisch in trübem Oel, sah dem Vater zu, einem\nhalbverhungerten Plebejer, der in der Stube des dritten\nStockwerkes allerlei Handwerk trieb, und neckte die\ngrosse bleiche Schwester. Grosse Münzen mit dem\nBilde der geflügelten Roma sah er vor sich rollen,\nwenn er die Augen schloss.\nDann fand er sich vor den länglichen, wuchtigen\nSäulen des Janustempels ein. Mit zuckenden Händen,\nhöchste peinvolle Erwartung in der Haltung, trat der\ngriechische Edelmann hervor, dessen Namen er nicht\nkannte. Melis fühlte wieder wie ein ehrfürchtiger Hund,\nals er vor dem Fremden stand, der mit seinem Gelde,\nmit seiner Botschaft merkwürdiges Erleben, seltene\nBilder, Glück und Sättigung gebracht hatte. Der\nfragende Blick des Herrn schien die Ereignisse aus\nihm herausschälen zu wollen. Der Knabe fühlte be-\ntäubt, dars Münzen in seine abwehrenden Hände ge-\ndrückt wurden.\nAls er das Wenige erzählte, stand der Grieche\nregungslos horchend. Melis, bekümmert ob seiner\nstarren Hoffnungslosigkeit, wusste nicht weiter zu reden.\nIm Schrecken vor der Gefangennahme war er fort-\ngelaufen, ohne ihren stummen Bitten, ihrer traurigen\nRatlosigkeit Stand zu halten. Sie wollte ja sprechen.\nEr weinte im Bewusstsein niederträchtiger Feigheit.\nEr begann zu lügen: „Ich stand und wartete, was die\nHohe sage. Aber sie schwieg und ich eilte fort, um\nnicht gepeitscht zu werden\"\nEin Kind. Der Grieche streichelte ihm sanft das\nHaupt und küsste ihn auf die Augen, die ihr Bild ge-\nspiegelt hatten. Dann entliess er ihn und schrieb\nseinen Namen in eine Merkrolle. Melis erwog, sich\nin den Fluss zu stürzen.\nIn der folgenden Nacht bewegte sich ein Zwei-\ngespann auf Seitenstrassen gegen die Richtung des\nPalatinhügels. Ein syrischer Sklave begleitete den\nGriechen. Die Bedingung seiner Freilassung.\nSpät nachts — der Wagen kam nur langsam vor-\nwärts riss endlich die weisse Gartenmauer durch\ndie Finsternis. Riesenhafte Pinien schoben sich gegen\nden Nachthimmel empor, schwarzes Gezweig zitterte\nim streichelnden Winde der Campagna.\nKurz zögerte der Liebhaber. Noch war es nicht\nZeit, noch war der Glanzstern nicht in den Wolken\nversunken An den Wagen gelehnt, hörte er den\nSyrier die Pferde besprechen Dem war es ein Dienst\nwie Mühlendrehen\nNoch einmal dachte er der logischen Gesetze.\nSie würde, die Nachricht in Händen, mit ihm fliehen.\nNur ein halbes Jahr der Trennung lag auf der herr-\nlichen Zeit des ersten Erkennens Der Zorn der\nrömischen Götter galt ihm nichts. Die Rache des\nLebenden reichte nicht zu dem phokäischen Ufer, auf\ndem ein weisses Säulenhaus in den weissflockigen\nGrüngischt des mare internum blickte. Die Verfolger\nwürden sie höchstens in der Suburra, im Häusergewirr\nder Regionen Roms suchen.\nDen Entführer überkam heisses Glücksgefühl.\nVon unten drohte das barbausche Rom Die italische\nHalbinsel hing nur noch durch diesen finsteren Garten\nmit seinem Leben zusammen, der ihm als Muschel mit\neiner Perle erschien. Hatte die finstere Schale ihre\nPerle herausgegeben, dann galt das Glück, die Ehre\ndes Abenteurers nichts mehr. Die Gunst des Impe-\nrators warf er den Hunden vor.\nWer konnte sagen, was inzwischen geschah? Nie-\nmand verstand die Zweige, die fächelnden, sprechenden\nBlätter, den Schrei der glühäugigen Vögel, die von\nPriesterschlauheit, von rachsüchtigen Anschlägen der\nFrauen jammerten. Das Gesetz streifte mit stählernen\nFängen durch die Lüfte, bereit zum Niederfallen.\nDer Grieche kletterte auf die Mauer und liess ein\nSeilende in den Garten herabfallen. Der Syrier hielt\nes draussen fest. Nicht viel später war aie Vestalin\nda. In langen eilenden Schritten näherte sie sich.\nDer Liebhaber rief sie an, ergriff das Seil und wand\nes sich fast bewusstlos um den Leib Mit geschlossenen\nAugen dachte sie zum hundertsten Male daran, wo die\nSchrift des Freundes geblieben war, die sie, wahnsinnig\nvor Angst, überall vergeblich gesucht hatte. Jetzt gab\ner ein Zeichen. Das Bild vom Perlenfischer schwebte\nihm wieder vor. Dann fiel Ihm das Schachspiel Tscha-\ntaranga ein, das ihn Jemand gelehrt hatte. Der ent-\nscheidende Schachzug der Elephantenfigur. Im höchsten\nTriumph spannte er die Muskeln, um die Geliebte\nemporzuziehen\nDa wirkte eine stärkere Gewalt an dem Seile.\nAufrührendes Stimmengewirr scholl herauf. Festge-\nklammert an das Seil fiel er in den Garten. Im\nFallen dachte er an eine klare Meereswoge, blau, tief,\nauf der sein Schiff mit ihr an Bord dahinzog Ein\nFusstritt warf ihn zur Seite. Fackeln zischten auf.\nEin riesenhaftes Weib mit ehernem Gesichte stellte den\nFuss auf ihn und er sah schwarzfunkelnde Augen auf\nsich gebohrt. Ihn überkam die Wollust der Ver-\nnichtung.\nUnter braunem und schwarzem Dienstvolk unter-\nschied er eine Priestergestalt. Er kannte den riesigen,\nglatten Schädel, die hängende Unterlippe, den Pontifex.\nDie von starren grauen Büscheln beherrschten Augen\nsuchten dicht beschauend den Körper der Verbrecherin,\nder wie ein Bündel dalag. In Fackelfeuer, dumpfen\nRufen und verschallenden Tritten verging das Bild.\nZwei Rubinenfunken blieben zurück: die Augen einer\naufgestörten Sandviper . . .\nIn den Mietskasernen des proletarischen Roms,\ndem Bereich der winzigen Menschenkäfige, flutete die\nAlltagswelle weiter Die breite Masse wusste nichts\nvom Gesprächstoff der vornehmen Quartiere. Kaum\ndass ein Schreiber etwas von der Entführung einer\nVestalin, von einem schweren Urteil stumpfen Hand-\nwerkern besprach. In den Frauengemächern der Sena-\ntoren erzählte und vernahm man zitternd vor Erregung\ndiskrete Einzelheiten Man hatte nicht mehr an den\nVollzug solch strenger Strafen geglaubt und eben des-\nhalb war von der Priesterschaft ein schauervolles\nBeispiel durchgesetzt worden\nZum kleinen Melis sprach die Erzählung noch\nanders: Noch immer fühlte er die in sein armes kleines\nLeben gekommenen Zauber. Tage versass er draussen\nund weinte und betrachtete die Münzen des Fremden.\nEr sehnte sich nach dem höheren Leben. Einmal\nverschwand er gänzlich. Er hatte sich einem reisenden\nKünstler angeschlossen, um in der weltberühmten\nHeimat des edlen Griechen ihn und die hohe Frau\nin Stein nachzubilden.\n\nFranziska Schultz\nElse Lasker-Schüler\nIn Berlin gibt es eine Fraue, die die Schmerzen\nMarias leidet, sieben Schwerter im Herzen; und die\ndoch gnadenreich herablächelt auf die Armen und\nKranken. Jeder Mensch, der sich ihr nähert, ist ein\nJesuskind. Einen Tempel müsse man um diese Mutter\nbauen, einen Garten pflanzen, der ihr blühender Mantel\nseie. Ich kann mich nicht der Fraue nahen, ohne an\nmeine eigene Mutter zu denken, wie die Katholiken\nbringt die Andacht ihres Herzens Marias Altar. Ver-\nirrte Magdalenen treten durch ihres Hauses Pforte ein\nund rasten; ruhen aus und besinnen sich unter der\nLiebe ihres Mutterdachs. Franziska Schultz ist die\nMutter des Mutterschutzes. Man könnte fast das ge-\nfallene Mädchen ihrer Patronin wegen beneiden. Mit\nfürsorglicher Liebe lullt die höchste Fraue der Gnade\nd,e verstossene Mutter und ihr pochendes Spielzeug\nmit ihren beiden Armen zärtlich ein. Kein Vorwurf\ntrifft die Tragende, ihres Kindes wegen, das noch auf\nseinem rechtmässigen, heiligen Muttererbe blüht Alle\nMütter aber lieben die Eine.\nEine Dame, die den Glanz irdischer Glänze aus-\ndrehte und durch die dunkle Strasse schreitet, vvo das\nElend wuchert. Nun wohnen keine verwöhnten Gäste\nmehr in ihrem Hause, aber solche die ein Herz voll Liebe\nbeanspruchen. Tragende und Beladene treten durch\nihres Herzens geöffnete Pforte ein. Maria!\n\nMusik nebst Schimpf-\nworten\n\nDie Musiker können was, und das gut Können\ndie ausgefallensten Sachen gleichzeitig in der linken\nund in der rechten Hand; stellt man sich aber vor\nihnen hin, fragt: „Warum spielen Sie die Sonate nicht\nvon rückwärts, da ist sie noch schwerer 1\", dann reissen\nsie das Maul wegen eines so einfachen Kniffs auf.\nDie Leute sind mir unverständlich; warum blöken sie?\nSobald sie den Mund aufmachen, sind sie im All-\ngemeinen wahre Schafsnasen. Ich gehöre wirklich\nnicht zu den Leuten, die nach „Seele\" lamentieren,\nwenn gut musiziert wird, und an die Unstetlichkeit\nder Seele glaube ich schon darum nicht, weil sie nicht\naus dem Geist der Musik folgt. Aber schliesslich hört\nsich doch die Gemütlichkeit auf, wenn e ns nach dem\nandern dauernd Technik und die ältesten Kamellen\nproduziert, und die ganze Radiumforschung, drahtlose\nTelegraphie, Ehrlich-Mata links liegen lässt, als wäre\ndas alles Schnurz für die Musik. Mein Gott, übertragt\nbloss einmal Haydn auf ein anderes Ausdrucksgebiet,\nschiebt ihn mal neben eine Zentrale der Hochbahn,\nauf der ihr nach Hause fahrt, und seht euch an, was\nihr für konsequente moderne Menschen seid. Der\ngute Mann ist ja sicher ein Klassiker, aber damit gut.\nEs muss schliesslich auch Klassiker geben -- unsere\nKinder, die Konservatorien und so Aber damit gut,\nin drei Teufels Namen. Diese dauernde Aufwärmung\nvon Jugendliebeleien entspricht absolut gar keinem\nBedürfnis Man kann in kein Konzert gehen, ohne\ndiesem Pennä'ergott zu begegnen. Wenn euch das\nSpass macht, und ihr über mein Urteil die Nase rümpft,\nsollt ihr euch schämen. Es ist lächerlich, in einem\nAtem Hochbahn zu fahren und stets Haydn zu ge-\nmessen — sozusagen. — Wundervoll spielen diese\nMusiker; es sind tatsächlich hervorragende Könner\nunter ihnen. Ich hörte den Geiger Alfred Witten-\nberg am Dienstag in der Singakademie; er wiegt sich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.6", "texte": "in Musik. Dann am Mittwoch das Böhmische Streich-\nquartett. Die vertrieben mich mit dem unent-\nwegten oben genannten Klassiker. In alle Poren drang\nmir die Süsse ihres Tones, der in einem unaufhörlichen\nGesang aus ihren Instrumenten brach. Aber wenn\nich die unbeschreibliche Stimme fragte: „Was willst\nDu?\", dann wandten sich mir zwei leere Blauaugen zu.\n\nAlfred Döblin\n\nVom Tage\nJ. A.\nRepräsentanten der Menschheit\nEinmal hat die Tagespresse Roda-Roda sehr ernst\ngenommen. Damals, als er sich einen in das Gewand\nder Wahrheit gekleideten Fastnachtsscherz mit ihr er-\nlaubte. Er zeigte ihr an, dass er sich mit einer\nadeligen Dame in freier Ehe verbunden habe. Die Presse\nnahm diese Anzeige mit Staunen auf und gab sie, der\nallgemein gelittenen Gesellschaftsmoral zum Trotz, vor-\nbehaltlos wieder von sich. Doch das Schwert des\nMutigen schlenkerte um der Lüge Beine nicht länger,\nals sie kurz waren Nur das Berliner Tageblatt\nglaubt noch fest an jene Rodasche Tat. In einer\nfeuilletonistischen Anregung (aber durchaus keinem an-\nregendem Feuilleton) zur Verbesserung unserer Familien-\nnachrichten, würdigt man sie in einer Weise, die ihm\nnicht vergessen werden soll.\n„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.\nWenn erst ein ministerieller Ukas die An-\nkündigung dieser Dinge (aller Familiennach-\nrichten) zur Pflicht macht, dann werden die\nLeute nicht mehr de Nase rümpfen über eine\nAnzeige, in der zwei Menschen kund und zu\nwissen tun, dass sie sich in „freier Ehe ver-\nbunden\" haben. Der Schriftsteller, der vor\nlängerer Zeit diese Anzeige veröffentlichte,\nerntete damals viel Spott und Hohn. Der\neinzelne vermag eben nichts. Gegen den\nStrom kann man nicht schwimmen. Was\nnicht Sitte ist, das wird verachtet. Die\nMenschen wünschen nicht, dass jemand etwas\nanderes macht, als sie selber. Von Galilei\nund Wagner bis zu jenem Verkünder der\nfreien Liebe ist noch jeder kühne Neuerer\nvon der Gesellschaft zunächst einmal verachtet\nworden.\"\nBade, Schüler, unverdrossen die ird'sche Brust im\nersten Morgenrot der Familiennachrichtenrenaissance.\nEin seltsamer Fall\nDie „Schmetterlingsschlacht\" ist ein schlechtes Stück.\nEs wird nur noch von Bühnen aufgeführt, die das\nVolk, erziehen und bilden wollen, dessen unstill-\nbarer Hunger nach Kunst in raffinierter\nWeise grossgepäppelt wird.\nUnd doch soll die „Scnmetterlingsschlacht\" noch\nbesser sein als manches neue Theaterstück, das gestern\noder vorgestern erstmalig aufgeführt, den vollen Beifall\nder Kritik und des Publikums fand.\n„Vieles in der Komödie zeigt noch ganz\nfrische Farbe. Der famose Berliner Handlungs-\nreisende Kesslerist mit seinem schnoddrigen\nTon eine vorzügliche Figur, die vielen Pointen\ndes Dialogs schlagen stets richtig ins Publikum\nein, und man mag glauben, dass die Komödie\nbei einer wirklich flotten und temperament-\nvollen Darstellung den grössten Teil der\nheutigen Konkurrenz mit Leichtig-\nkeit aus dem Felde schlagen würde.\"\nIst hier für Ullstein ein Kommis an der Arbeit —\noder ein enfant terrible?\nGrosse Reklame eines „Kleinen Theaters”\nDirektor Barnowsky wird als nächste\nNovität die Komödie „Der Leibgardist\" heraus-\nbringen, ein Werk von Franz Molnar, dem\nungarischen Schriftsteller, der in letzter Zeit\ndurch seine Liebes- und Duellaffären viel von\nsich reden machte. Die weibliche Haupt-\nrolle in diesem Stück wird Frau Ciaire\nWallentin-Gräfin Wolff-Metternich spielen, die\ndurch einen „Selbstmordversuch\" anlässlich der\nVerhaftung ihres Gemahls, grosses Aufsehen\nzu erregen wusste\nTrotzdem wird der „Leibgardist\" seinen Mann nicht\nstellen. Vielleicht rehabilitiert ihn ein anderer Franz,\nder auch aus Ungarn stammt. Auf Wiedersehn bei\nPalfy.\n\nSiegfried Simon\nAlfred Lichtenstein\nNeun Aerzte behaupten, dass ich an Wahnvor-\nstellungen leide. Ich füge mich\nSeit neunundzwanzig Jahren bin ich in der Anstalt.\nMan ist freundlich zu mir. Ich kann tun und lassen,\nwas ich will. Wenn es warm ist, gehe ich im Garten\nund horche, wie die Stunden sterben Wenn es kalt\nist, sitze ich am Fenster und sinne in den Himmel.\nOft schaue ich den Leuten zu, wenn sie rufen oder\narbeiten oder traurig sind. Ich entbehre nicht das\nLeben. Ich bin zufrieden, wenn man mir nichts tut\nund nichts von mir will. Ich beneide nicht die Menschen.\nNeunmal in jedem Jahr bringt meine bleiche Frau\nBlumen. Mein Sohn Siegfried kommt niemals. Zu-\nletzt habe ich ihn gesehen, als ich begraben wurde.\nAn meinem neunundvierzigsten Geburtstag.\nIch lag in einem schmucklosen Holzsarg. Man fuhr\nmich auf einem wagenartigen Gestell. Neben mir\nschritten neun schwarzgekleidete Sargträger. Hinter mir\nder Pastor Leopold Lehmann, an seiner Seite meine\nFrau Frieda und mein neunzehnjähriger Sohn Siegfried.\nWenige Verwandte folgten, die waren stillvergnügt und\nunterhielten sich, wenn ich recht gehört habe, von der\nRaupenplage im Tiergarten.\nDie Sonne warf warmes Licht. Wind kam dann\nund wann. Er krabbelte über den Kies und kitzelte\ndie Frauen um Brüste und Waden. Wir hielten vor\ndem aufgeschütteten Grab. Der Sarg wurde hinunter-\ngelassen, einige Formalitäten und Gebete waren schnell\nerledigt. Darauf fing der Pastor Leopold Lehmann an,\nauf Wunsch und auf Kosten meiner Frau, eine Ge-\ndächtnisrede zu halten. Er sagte:\nLiebe Schwestern und Brüder 1 Wieder hat\nein gütiges Geschick uns ein teures Menschen-\nleben geraubt. Trauernd stehen wir am Grab\ndes Dahingeschiedenen und gedenken seiner in\nWehmut.\nMein Sohn Siegfried biss sich auf die Lippen,\nDer Pastor sagte:\nDie Erde, die den Körper ausgesondert hat,\ndass er kurze Zeit ein beseeltes Eigenleben führe,\nhat ihn wieder aufgenommen in den Mutter-\nschoss. Ein edler Mensch ist heimgegangen —\nMein Sohn Siegfried bekam einen Lachanfall. Das\nGesicht wurde rot und ernst. . Er lachte, bis er\nröchelte.\nMeine Frau schrie.\nDie Verwandten waren empört. Sie schämten sich\nfür meinen Sohn Siegfried. Einige Frauen weinten in\nechte Spitzentücher.\nIch war still.\nDer Pastor sagte:\nWenn einer nicht weiss, wie er sich zu be-\nnehmen hat, soll er nicht kommen, wenn einer\nbeerdigt wird Amen.\nUnd entfernte sich. Stolz. Gekränkt. Der Pastor.\nLeopold Lehmann.\nMein Sohn Siegfried reinigte sich die Fingernägel.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nKARL VOLLMOELLER\nWieland / Märchen in drei Akten\nInselverlag Leipzig\nHERMANN ESSIG\nMariä Heimsuchung / Tragödie\nDie Weiber von Weinsberg / Lustspiel\nDie Glückskuh / Lustspiel\nVerlag Paul Cassirer / Berlin\nKARL KRAUS\nDie chinesische Mauer\nSprüche und Widersprüche\nHeine und die Folgen\nVerlag Albert Langen / München\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\nV. I.: Oskar Kokoschka\n\ntfltt\nJl'JMlfllteiwm \"\n«•*»\n14\nDie hervorragende Wirkung des Kosmin auf\nZShne und Zahnfleisch und sein ungewohnlich erfrischender\nWohlgeschmack machen dieses Mundwasser schon nach kurzem Ge-\nbrauche unentbehriich. Allen, die Wert auf schone und gesunde Zahne legen, sei\ndaher Kosmin zu ttglichen Mundspulungen bestens empfohlen. Cin Versuch fuhrt erfah-\nrengsgemSss zu dauerndem Gebrauche. Preis pro Flasche lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflidt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.7", "texte": "Neue Sezession\n38S8S 3SSBS 35388S SEBSQg\nGalerie Maximilian lflacl)t\nasagsgag agagagag ssysg agagag agagag aßnyag agaragag\nA—iAiii iiiiniM —t* g ■■mil ■■ ii#lm rkm ht%«n nr%i nii irtoui\nBerlin SI., Kanke-Strasse t\nan der Kaiser Hltyeln Gcd&fytols. Kirc|e"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110218-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle „Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, für Berlin, Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Expeditionen, Druck v. Carl Schüssler-Hannover\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen.Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nBund fiir Gesundes Leben (B. 112. Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n„Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B. 112. G. L.\" und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergunstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, . Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fiir Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig.\n\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol -Malz- Dragees\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe —\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin MPharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend\n\nKurhatfs und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emi! Peters\n\nZeitschrift fur Musterzeichner\nWirksames Insertions-Organ\nFachschrift ersten Ranges\n:i Abonnenten in alien Staaten Europas ::\nInsertionsgebiihren massig\nOfferten gern zu Diensten\nSchriftleitung C. Kriiger Unterbarmen (Rhld.)\nHirschstrasse 49\n\nESS Cafe Continental ESS\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\n:: Alle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::\n\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\n\nVerlag„Der Sturm\"\n«»\nWir iibernahmen in unsern\nVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang u. Klavier\n52 Seiten—=\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch denVerlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstr. 5\n\nMax Giesswein \"\nKgl. SSchs. und Kgl. WOrttembg.\nHofopernsanger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nFernspr.: Via 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr\n\nVerlag Paul Reinike ■\nWilmersdorf ■\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n■\n\nYerlag Oesterheld & Co.\nIn unserm Verlag erschien\nElse\nLasker-Schiiler:\nDie\nWupper\nDrama\nMk. 2,50\nDurch alle Buchhandlungen\nzu beziehen\n\nBBBBBBBBBBSBSBBBBSBB\n■\nDie Fackel {\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nNummer 315/316 ■\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nÜBERALL ERHALTLICH\n\nHOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERANT IHRER MAJESTAT\nDER KAISERIN UND KONIGIN\nWB-BERLIN. W8\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNGSEINRICHTUNGTEN\n■ i KUNSTGrEWERBE ■ ■\nANTIQUITATEN UND STOFFE\n\nDer sciidnste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 •- Telephon I 7497\n\nHanse Herrmann\nKunstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967\n\nschaftfKsfvon Friedr. MOSter Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) GrOnd-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,Nationalskonom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}