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Er verglich sich mit dem Propheten Jesajas,\nder im neunundvierzigsten Kapitel sagt, der Herr habe\nseinen Mund zu einem scharfen Schwert gemacht und\nihn als einen glatten Pfeil in seinen Köcher gesteckt,\nobgleich Strindberg selbst zugab, dass gegen die Glätte\nmehr als einmal Verschiedenes einzuwenden war. Er\nverglich sich mit dem Propheten Jona, der auf aller-\nhöchsten Befehl Ninives Untergang prophezeite, aber\ndann erbarmte sich der Herr Ninives und Jona blieb\nblieb unter seinem Kürbis sitzen als ein desavouierter\nalter Prophet Und Strindberg fasste seine Weisheit\nin die bitteren Bibelworte zusammen: ich habe vergeb-\nlich gearbeitet, ich habe vergeblich und unnütz meine\nKräfte vergeudet.\nSolche rabiat-selbstkritische Perioden hat Strindberg\nviele gehabt. Sein ganzes Leben war eine Reihe von\nAuseinandersetzungen, mit anderen, mit der Gesellschaft\nund mit sich selbst. Die Untersuchung ist summarisch\nund das Urteil unerschütterlich streng gewesen, wie es\nleicht geschieht, wenn Ankläger, Zeuge und Richter und\nzuweilen auch Angeklagter dieselbe Person sind. Die\nWalstatt von Strindbergs Leben und Kämpfen erinnert\nan nichts so sehr wie an eine alte schwedische\nExerzierheide: gefurcht, zertreten, durchpflügt von\nMärschen hin und her, von Ganzwendungen und Front-\nveränderungen, die Luft widerhallend von harten Worten\nund donnernden Kommandorufen, aber trotz alledem\nstimmungsvoll und nicht ohne einen Hauch von primi-\ntiver Religiosität.\nEs gibt wohl kaum einen Menschen, dem es so\nleicht fiel, seine Meinung zu ändern wie Strindberg.\nIn dem Heim seiner Seele ist ein beständiges Kommen\nund Gehen gewesen. Da wurden Darwin nnd Spencer\neines Tages zum Hochsitz geführt, um am nächsten\nmit einer ausdrucksvollen Geste zur Tür hinausgewiesen\nwerden; da huldigte man der Wissenschaft auf den\nKnieen als aller guten Haben Spenderin, um sie gleich\ndarauf unter Injurien und \"Schimpfworten über die\nTreppe zu werfen, während die Religion und Svedenborg\nden etwas unruhigen Ehrenposten einnahmen. Wahr-\nscheinlich, Strindberg ist Herr in seinem Hause ge-\nwesen. Die Arbeiterfrage war abwechseled ein zentrales\nLebensproblem und ein erdichteter Hnmbug; die Kultur\nein Segen und ein Fluch. Man muss an die Fetisch-\nanbeter denken, die alles zwischen Himmel und Erde\nvon dem neuen Götzen erwarten, ihm aber, wenn er\ndas nicht hält, was er nie versprochen hat, ins Gesicht\nspucken und ihn verbrennen.\nStrindberg hat in seiner Selbstbiographie eine Epoche\nseines Lebens die „Gährungszeit\" genannt. Welche\nliebenswürdige Naivität. Als ob er je in diese Periode\nhinein oder aus ihr herausgekommen wäre! Er ver-\nändert sich und altert ebensowenig wie die Naturkräfte.\nBei ihm herrscht eine ewige Gährungszeit; es kann\naufsteigender Frühlingssaft oder fressende Schwefelsäure\nsein — aber es lebt ewig.\nEr ist nie eine intellektuelle Persönlichkeit, eine\ngeistige Einheit geworden, und er wird es nie werden.\nDie Ursache liegt nicht im Mangel an intellektueller\nKraft oder Scharfsinnigkeit, auch nicht in dem Fehlen the-\norethischer Interessen, Kenntnisse, Ideen — wer sein\nganzes Leben lang als wissenschaftlicher Dilettant auf-\ngetreten ist und im Alter von fast sechzig Jahren drei\nBlaubücher geschrieben hat, um sämtliche Wissen-\nschaften zu reformieren, muss über einem soichen Ver-\ndacht stehen. Das unübersteigliche Hindernis liegt in dem\nStrindbergschen Temperament. Er kennt die Gesetze\nfür den Umgang mit Ideen nicht, und sein ganzes\nWesen ist ein Protest gegen sie. Er weiss nicht, dass\nsie sich noch öfter wie Sterne aus einer Frühlings-\ndämmerung loslösen. Und er weiss vor allem nicht,\nwie Gedanken keimen und blühen, beschnitten werden\nund neue Triebe ansetzen, in Kritik und Selbstprüfung\nwachsen, wie sie reifen. Ideen werden nicht mit Ge-\nwalt geraubt wie Wikingerbräute, und sie eignen sich auch\nnicht zu Stichwaffen und Wurfgeschossen in den Duellen\nder persönlichen Affekte und Leidenschaften. Als Strind-\nberg die Gleichstellungsbestrebungen der Frauen kriti-\nsierte, freute er sich, wenn er eine Notiz über eine\nverbrannte Fabrikarbeiterin las; und als der Held in\n„Einsam\" sah, dass sein Kind schön war, gab er die\nDescendenztheorie auf. Mit dieser Gesinnung wird man\nkein Streiter des Geistes, auch wenn man wie Strind-\nberg Utilist gewesen ist, die Kunst verachtet und seine\nLebensaufgabe darin erblickt hat, ein Wahrheitskämpfer\nund Ideenverbreiter zu sein.\nEs gibt kaum ein eklatanteres Beispiel mangelnder\nSelbsterkenntnis, als wenn Strindberg um die Mitte der\nAchtzigerjahre ernstlich daran denkt, die Dichtung auf-\nzugeben, um sich der Gesellschaftsreform, der sozial-\npolitischen Schriftstellerei zu widmen. Olle Montanus\nals Reformator! Wer hat nicht im vierundzwanzigsten\nKapitel des „Roten Zimmers\" die unsterbliche Vor-\nlesung über Schweden genossen, aber wer hätte ahnen\nkönnen, dass der Verfasser den humoristischen Blick,\nfür das Phänomen so ganz verlieren könnte, um selbst\nmit seinen „Schlafwandlernächten\" und „Blaubüchern\"\nin Olle Montanus Fusstapfen zu treten.\nAber auch die schlimmsten Vorsätze vermögen\nnichts gegen die Stimme der Natur. Wie sehr Strind-\nberg auch die Poesie geschmäht hat — Poet ist er,\nein grosser Poet und nichts anderes als ein Poet.\nWenn man des Frauenhasses, der virtuosen Kampf-\nszenen, der schmählichen Polemik und der boshaften\nSophistik, der quasigenialen Einfälle und der phari-\nsäischen Religiosität dieses Heiligen der jüngsten Tage\ntötlich müde geworden ist, dann gibt es nur ein Mittel\ndas hilft: seine „Hemsöer\", „Meister Olof\", das „Rote\nZimmer\", „Schwedische Schicksale und Abenteuer\" auf-\nzuschlagen Während man die Blätter wendet, vergisst\nman das, was vergessen werden soll, und man gedenkt\ndessen, was die Nachwelt am denkwürdigsten finden\nwird: des genialen Dichters.\nSucht man den charakteristischen Ausdruck für\nStrindbergs Dichternatur, so bietet sich kein anderer\nals ihn den grossen Naturalisten der schwedischen\nLiteratur zu nennen. Aber es gibt viele Arten von\nNaturalismus. Mit dem französischen Schulnaturalismus,\nder seinem Wesen nach eine literarische Ingenieurs-\nkunst ist, mit weitläufigem Materialsammeln und ge-\nduldigen Berechnungen, hat Strindberg wenig gemein,\nwenn er auch oft von ihm inspiriert wurde und zu-\nweilen versuchte, mit ihm zu wetteifern.\nStrindbergs Naturalismus ist von weit persönlicherer\nund primitiverer Art Man findet ihn schon in den\nersten Prosawerken, er liegt in der offenen, unreflek-\ntierten Empfänglichkeit, in den unbegrenzten Reaktions-\nfähigkeiten, in dem frischen Appetit auf alle Phänome\ndes Lebens. Welche künstlerische und psychologische\nEntdeckerfreude, welche seltsam geschärften Sinne.\nVoll entwickelt hat sich der Strindbergsche Natura-\nlismus im „Roten Zimmer\". Der Beobachter, der sich\nseiner ausgedehnten und vielseitigen Sachkenntnis freut,\nder Erzähler, der es unverhohlen geniesst, sich {mit\nEreignissen, Personen und Aufgaben zu tummeln, der\nKritiker, der glücklich darüber ist, ein scharfes Messer\nzwischen den Fingern zu haben, und der wie ein\nKnabe alles zerlegt, was ihm in die Hände fällt — diese\nglückselige Dreieinigkeit hat das „Rote Zimmer\" ge-\ndichtet. Es soll eine Indignationsschrift sein, eine\nbittere Abrechnung, aber welch festliche Laune leuchtet\nnicht darüber — ein Frühlingssturm bei vollem Sonnen-\nschein und mit weissen Wölkchen, die tanzen.\nDas Bewundernswerte des Strindbergschen Natura-\nlismus liegt selten in dem bedeutungsvollen Zusammen-\nhang oder der stilvollen Architektur der Ereignisse,\nnicht in der objektiven Richtigkeit oder Konsequenz\nder Charakterschilderung, es liegt in dem mitreissenden\nLeben und der brutalen Wahrheit der Details. Strind-\nberg genügt es nicht, dass man die Dinge sieht, man\nspürt sie an der Haut, man stösst sich an ihnen, wenn\nwir ganz plötzlich vor ihnen stehen. Er ist weder der\nKonstrukteur, der sein Werk vor unseren Augen auf-\nbaut, noch der Dekorationsmaler, der uns Illusionen\nund perspektivische Augenfreude bereitet, er ist der\nZauberer, der uns die Dinge gerade vor der Nase\nherausschüttelt — manchmal recht unangenehm, denn es\nsind nicht immer Apfelsinen und Kanarienvögel, die er\nhervorzaubert.\nStrindbergs Stil, der bewunderte und vielbesprochene,\nist bei diesen Wunderwerken sein geheimnisvoller\nZauberstab Die Worte liegen wie massive Farbenflecken\nauf einer Palette, sie haben drei Dimensionen mindestens,\nsie sind nicht Begriffe, sondern Dinge mit Form und\nFarbe und Geruch. Die Saftigkeit und Anschaulich-\nkeit, die Strindbergs Prosa besitzt, trifft man sonst\nnur in den autochthonen Schöpfungen der Volkssprache.\nAber seine sprachliche Genialität ist auch im wesent-\nlichen eine Wortgenialität: treffende, tötliche, sug-\ngerierende Redewendungen, Schimpfworte, neugebildete\nWorte, geladene Worte, die an der Stirn des Wider-\nsachern explodieren, knapper konziser Stil, der das\nEreignis oder den Gedanken intensiv zusammendrängt.\nAber er ist nicht im selben Grade der grosse Stilist\nwenn es sich um die Periode und die reiche Satzzu'\nsammenfügung handelt; er ist fahrlässig und unlogisch,\ner kennt nicht die Geheimnisse des Rhythmus, die\nunerschöpflichen Nuance und unbeschreiblichen Varia-\ntionen der Melodie, er weiss nicht, wie die geheime\nIronie, das verschwiegene Gefühl, die müde Gleich-\ngültigkeit, die unterdrückte Leidenschaft unter der Ober-\nfläche der Sprache glühen und sie in geheime\nSchwingungen versetzen können, dem Eingeweihten\nvernehmbar. Bei ihm brennt das Feuer immer auf\noffenem Herd Er geht gerade aufs Ziel los wie ein\nBerserker. Das sind oft herrliche Schauspiele, aber es\ngibt raffiniertere.\nDer Strindbergsche Naturalismus steht am höchsten,\nwenn er seine üppige und spontane Freude an der\nbunten, inhaltsreichen Welt der Realitäten bewahrt: die\nkranke Blässe des Nachdenkens ist viel weniger kleid-\nsam für ihn. Wie haarspalterisch sind nicht die Ver-\nsuche, physiologische Schilderungen von Seelenprozessen\nzu geben („Am offenen Meer\"), wie wenig fruchtbar\nist nicht nicht die Problemstellung in „Utopien\" oder\n„Tschandala\"! Die Amalgamierung von Wissenschaft\nund Kunst glückt Strindberg nicht, der so rücksichts-\nlos mit Ideen zu Werke geht und der ein so un-\nreflektierter und leidenschaftlicher Künstler ist. Dazu\nbedarf es viel besonnenerer, lauerer Naturen. Er ist\nder Schmied, der den Hammer fallen lässt, während\nder Kopf ebenso heiss ist wie das Eisen; es wird\nkeine Ziselierarbeit, aber ein Schmiedewerk, das seinen\nMeister lobt.\nAls Künstler hat Strindberg wohl nie höher ge-\nstanden als in den Erzählungen aus den Schären. Da\nist Vertrautheit mit Natur und Menschen, da ist Liebe\nzu ihnen — und die Liebe ist auch in der Kunst das\nbefruchtende Prinzist. In den Hemsöern sind keine\npolemischen Tendenzen, die die Proportionen ver-\nrücken, keine wissenschaftlichen Phantome, die den\nBlick umnebeln. Die Hemsöer sind das Meisterwerk.\nNie hat Strindberg seine Figuren so allseitig und kon-\nsequent gebildet, wie hier, nie hat er Gruppierung,\nZusammenhang, Relationen, Landschaft und Neben-\npersonen mit so vollendeter Kompositionskunst gegeben.\nEr, der sonst eine einzige Situation hervorpresst, einen\neinzigen Plan von Ereignissen beleuchtet, er hat hier\neine allesumfassende Sicherheit, ein Gleichgewicht, eine\nkünstlerische meisterhafte Ruhe. Ueber diesen Bildern\naus den Schären mit ihren wechselnden Lichtern, mit\nder erlesensten, verschwenderischsten, liebevollsten\nKunst wiedergegeben, wölbt sich ein klarer Sommer-\nhimmel, scheint eine grosse, gelbe Sonne, die über\neinem grossen Dichter im Schaffensglück leuchtet.\nDie Strindbergschen Dramen stehen ebenfalls im\nZeichen des primitiven Naturalismus. Er schrieb in\nFräulein Julie ein konsequent und bewusst naturalisti-\nsches Trauerspiel, unwirklich in der Konstruktion.\nDoch die Szenen leben, die Details leben. Es gibt\nniemanden, der das gehetzte und gejagte Leben der\nMinute, den Knall des Zusammenstosses, die zischenden\nDämpfe des Zornes mit so unheimlicher Kraft geben\nkann, wie Strindberg. All das Animalische, Ursprüng-\nliche im Seelenleben, den Hass und die Erbitterung,\nden Kampf zwischen feindlichen Willen, aber auch den\nSelbstverzicht, die Müdigkeit, die Unterwerfung — hat\nniemand so wiedergeben können wie er. Strindberg\nkann selten eine elementare dramatische Wirkung ver-\nfehlen — und seine Repliken gehören nicht zu denen,\ndie man überhört, seine Effekte sind zuweilen ebenso\nzu ignorieren wie Explosionen, — aber er kann die\ndramatische Einheitswirkung verfehlen, den Zusammen-\nhang, die psychologische Entwicklung. Es gibt Dramen\nvon Strindberg, die an ein misslungenes Feuerwerk\nerinnern: es knallt und blitzt und zischt, aber aus all\nder Vernichtung steigt keine Lichtfigur empor.\nDoch wie machtlos wird nicht jede gezogene Linie,\ninnerhalb derer man Strindbergs Künstlergenius zu be-\ngrenzen versucht. Der Naturalist mit dem klaren und\nscharfen Auge ist auch der Mystiker, der Svedenborg\nin seine translunarische Welt folgt, der das dunkle\nSpiel der Träume und die Abgründe der Seele schildert.\nNur die Unwissenheit oder die prinzipielle Beschränkt-\nheit verweist Strindbergs ganze religiös mystische\nVorstellungswelt ohne weiteres in die Rumpelkammer\ndes bedeutungslosen Aberglaubens, Und doch wird\nStrindbergs religiöses Leben von dem Dickicht des\nAberglaubens so sehr überwuchert, dass man nur\nwiderstrebend diese Flur seiner Dichtung betritt. 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Strindbergs Kunst lässt\nsich nicht mit einem Baum vergleichen, der aus ge-\nheimnisvollen Tiefen Nahrung saugt und sich, allen\nStürmen zum Trotz, langsam zum Himmel erhebt.\nBesser könnte man sie mit dem Meer vergleichen,\nblau und hell im Sonnenschein, aschgrau unter den\nFittichen des Orkans, mit unbekannten Fabeltieren in\nder Tiefe, reich an Märchen und Zauber, an den\nStrand donnernd, mit der Brandung schäumend, salzig\nund erquickend, mit lächelnden Idyllen in den schim-\nmernden Sunden zwischen den Schären, und tiefen,\nunergründlichen Liedern, denen die Menschen mit Ent-\nzücken und Grauen lauschen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "413", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Marie Pukl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.3", "debut_caractere": 1308, "fin_caractere_exclue": 2084, "texte": "Gedichte\nVon Marie Pukl\nVersuchung\nWohin lauscht die Nacht?\nDem Dämmer nach,\nDer in der Grases Kühle kroch?\nSie lauscht nach uns!\nVerwegene Hände langen\nLeiselind aus Dunkeltiefen\nNach uns.\nVerschleiern unsere wächterklugen Augen.\nDa sinken blasse Grenzen\nUnd goldene Wellen brechen aus,\nDie tänzelnd Überufer schlagen\nDahinter saust die Flut\nSie reisst an tönendem Gehäuse,\nKrystallen singt die Luft,\nVom Föhn gepeitscht ....\nMütterlichkeit\nNoch glänzt des Frührots Feuerschimmer\nAuf dunstverhangenen Höhen,\nNoch locken die blauen Blumen —\nUnd schon erklommener Mittag!\nSanftgeböschte Tiefen,\nUnd Hänge, drauf die Heerden grasen.\nWehre deine Zukunft ab,\nDie bänglich Schritt und Tritt erwägt!\nDu bist der Schatten deiner Tritte,\nEs rankt an ihnen\nDas neue Werden in die Welt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "413", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.5", "titre_corps": "Rettungsaktion : Aus dem Tagebuch eines sehr gewöhnlichen jungen Menschen", "titre_sommaire": "Rettungsaktion : Aus dem Tagebuch eines sehr gewöhnlichen jungen Menschen", "signature_source": "Thaddaeus Rittner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.3", "debut_caractere": 2086, "fin_caractere_exclue": 8538, "texte": "Rettungsaktion\nAus dem Tagebuch eines sehr\ngewöhnlichen jungen Menschen\nVon Thaddaeus Rittner\nWir sassen gestern beim Nachtmahl wie ge-\nwöhnlich in folgender Ordnung: Oben sie, rechts\nKohler, links ich und unten der Bucklige und der Kassier.\nEs gab Schweinsbraten mit Kraut, und dann brachte\nman eine sehr schöne gelblichweisse Mehlspeise.\n„Das gehört nicht zur Pension*, sagte der Kassier,\ndas ist sozusagen umsonst. Ihr könnt soviel nehmen,\nals euch beliebt.\"\nNach der Mehlspeise Hess der Kassier eine Flasche\nWein holen.\n„Anton!\" rief die Kassierin und wechselte Blicke\nmit ihren Nachbarn.\n„Wir trinken nicht,\" sagte sehr bestimmt Kohler.\n„Schon gut,\" dachte ich „das kennen wir.\" Und\nich fühlte schon im Munde den süssen Geschmack\ndes Weins.\nAber der Wein wurde nicht geholt.\nDer Kassier lächelte wie ein krankes IKind. Dann\nfuhr er das Mädchen an.\n„Hören Sie nicht? Was heisst das?\"\nDas Mädchen schaute auf ihre Frau und zuckte\nverlegen mit der Achsel.\nEine neue Ordnung? dachte ich unangenehm ent-\ntäuscht — jeden Tag hatte man seinen Wein und\njetzt, auf einmal\n„Ich liebe ungemein Bourget,\" sagte die Kassierin.\nDer Kassier lachte überlaut und scharf.\n„Aurora! Jetzt ist vom Wein die Rede.\"\n„Es gibt keinen Wein,\" flüsterte milde die Kassierin.\nDa liess sich plötzlich der Bucklige hören:\n„Und ich hätte grosse Lust darauf,\" sagte er ganz\ndeutlich.\nSeine Stimme hatte etwas Herausforderndes, wie\nbei brustkranken Fanatikern.\n„Worauf?\" fragte Kohler indigniert.\n„Auf Wein\", antwortete Knopf, so bestimmt, als\nspiele er Karten und sagte „rekontra.\"\n„Es gibt keinen\", wiederholte Aurora.\nDa stand der Kassier auf, ging zum Buckligen und\nküsste ihn auf die Stirn.\nIch errötete vor Scham. Und es herrschte tiefes\nSchweigen.\n„J . . . ich liebe auch Bour . . . get,\" stotterte\nKohler.\nDer Kassier ging auf sein Zimmer.\n* *\n*\nKohler ist überall. Er tut ungemein wichtig und\nmacht das ganze Haus unsicher. Er hat die Ge-\nschäftigkeit eines Komiteemitgliedes am Tage des\ngrossen Volksfestes mit Feuerwerk und Tombola.\nEr war auch bei mir.\n„Ich ersuche Sie um ihr Ehrenwort, dass Sie dem\nKassier keinen Heller leihen.\"\n„Bitte sehr, nur möchte ich wissen . . . . \"\n„Die Sache ist die .... \"\nDie Sache ist die, dass es sich um die Existenz\neiner armen unschuldigen Frau handelt. Abgesehen\ndavon, dass dem Kassier das Delirium tremens droht.\nBei Frau Aurora habe ein Beamter vorgesprochen und\nihr erklärt, der Kassier würde unbedingt seinen Posten\nverlieren, falls er sich nicht baldigst das hässliche Laster\ndes Trinkens ahgewöhnt.\"\nIch verstehe.\nFrau Aurora und Kohler sind angeregt, ich möchte\nsagen: feierlich gestimmt. Denn sie haben einen\nMenschen vom Untergang zu retten. Sie sagen sich\nsogar aus Zerstreutheit „du\" vor fremden Leuten. Sie\nkonfiszieren gemeinsam alle auffindsamen Flaschen, durch-\nsuchen alle Kleidungsstücke des Herrn Kassiers.\nKurz es ereignen sich Dinge. Man agiert eifrig.\nIm ganzen Hause darf es nichts Alkoholisches und im\nBesitze des Kassiers keinen Kreuzer geben.\n.... Ich verstehe und bin selbst angeregt.\nDie Frau Kassierin und Kohler rauschen gleichsam\nmit den Flügeln, wie zwei Engel.\nDer Bucklige sitzt im Salon, auf dem Sofa, lächelt\nmerkwürdig und denkt.\n„Ja,\" sage ich zu Kohler, „der Bucklige leiht ihm\nGeld.\"\nKohler klopft mir beruhigend auf die Schulter.\n„Knopf reist heute weg.\"\n„Ah?!\"\n„Auf Ferien.\"\n.... „Ausgezeichnet.\"\n* *\n*\nDer Bucklige ist glücklich fort. Wir sind jetzt\nsozusagen entre naus.\nDer Herr Kassier geht gerade unten auf der\nStrasse. Und ich schaue vom Fenster aus zu. Denn\ndas Mädchen, das eben in meinem Zimmer aufräumt,\nmachte mich darauf aufmerksam.\n„Da geht unser Herr . . .\"\nDann fügte sie hinzu:\n„Aber . . . . er wackelt wieder.\"\nUnglaublich, er ging tatsächlich ein wenig unsicher.\nWiewohl er doch kein Geld bei sich haben konnte.\n„Dies dauert nicht lange, beruhigte mich Kohler,\"\njetzt gewährt man ihm noch Kredit . . . Aber dies\ndauert nicht lange \"\nNur die Abende sind jetzt langweilig.\nBei Tisch erzählt der Kassier mit Unlust Anekdoten.\nDabei schaut er zuweilen auf seine Frau und auf\nKöhler, die sich aus Zerstreutheit „du\" sagen.\nIch selbst sehne mich nach Wein.\nEs ist zwei Uhr nachts und ich kann nicht schlafen.\nDenn ich vertrage keinen Karbolgeruch.\nIch erlebte heute folgendes:\nAm Abend — in meinem Zimmer war es schon\ndunkel — kam zu mir der Kassier. Ich erhob mich\nhastig.\n„Leihe mir einen Fünfer,\" bat er leise.\nErst jetzt erkannte ich ihn.\n„Eigentlich hättest du vorher anklopfen können,\"\nsagte ich aufgeregt.\n„Entschuldige,\" flüsterte der Kassier.\n„Zum Teufel,\" dachte ich, er sagt „entschuldige?\"\nUnd ich versuchte die Lampe anzuzünden.\n„Lass es,\" hielt mich der Kassier zurück und ich\nfühlte, dass seine Hände kalt waren.\nWir standen uns gegenüber, sein Gesicht\nkonnte ich bei der Finsternis nicht sehen.\n„Ich kann dir nichts leihen,\" sagte ich.\n„Nicht?\"\n„Ich habe mein Ehrenwort gegeben, dass ich dir\nnichts leihe.\" Dann wollte ich wieder die Lampe an-\nzünden. Aber er fasste mich wieder bei der. Hand.\n„Wozu? Lass es!!! Mir ist so, als hätte ich ein\nanderes Gesicht.\"\n„Was?\"\n„Nichts. Ein Scherz .... Ich wollte nur sagen,\ndass es schwer gehen wird.\"\n„Was wird schwer gehen?\"\n„So zu leben .... Ohne alles.\"\n„Er ist nüchtern,\" dachte ich ängstlich.\nIch begann laut und natürlich zu sprechen.\n„Hör mal, wie war das mit den beiden . . . .\nUngarn? Du weisst ja. Du hast einmal davon zu\nerzählen begonnen, von den Ungarn, die gewettet\nhatten \"\nEr schwieg.\nIch wiederholte nervös:\n„Du! . . . Hör mal! Wie war die Geschichte\nvon den . . . .?'*\nIch dachte, er ist nüchtern. Und ich konnte nicht\nlänger aushalten.\n„Willst du Wein?\" fragte ich munter, zähneklappernd.\nUnd ich lief zu Tür.\n„Warte hier,\" sagte ich schnell, „ich komme sofort\nzurück! Willst du Wein? Ich werde nachsehen, viel-\nleicht finde ich welchen ... Ich frage das Mädchen.\"\nIch lief hinaus. Ich suchte im ganzen Hause nach\nAurora und Kohler.\nPlötzlich bemerkte ich, dass ich nur immer die\nTreppe hinauf und hinablief .... Ganz sinnlos.\nDann hörte ich Stimmen ... Ich suche überall\nherum und sie sind in meinem Zimmer.\nWie im Traum.\nIch kehre auf mein Zimmer zurück, denn ich höre\nvon dort die Stimmen.\nIm Zimmer sind viele Menschen. Aurora, Kohler,\ndie Dienstboten.\nUnd überall Blut, Blut ....\nAuf dem Boden liegt der Kassier. Er hat sich\nmit meinem eigenen Rasiermesser ....\nEs ist zwei Uhr nachts. Und der Leichnam ist\nlängst wo anders.\nAber ich kann trotzdem nicht schlafen.\nIch vertrage keinen Karbolgeruch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.6", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.3", "debut_caractere": 8549, "fin_caractere_exclue": 8737, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXXVII\nDas unterseeische Ereignis\nDie grünen Streifen verloren allmählich ihre grade\nForm und zogen sich bald im Zickzack durch das"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9068, "texte": "Meer, das immer heftiger zu leuchten begann und\ndann in unbeschreiblichen Farbenspielen aufflammte,\ndass den Utopianern fast die Augen geblendet wurden.\nUnd die Sterne verblassten am Himmel.\nDas Morgengrauen machte auch die Farbenspiele\nim Wasser blasser.\nUnd plötzlich brach ein Sturm los, dass den\nUtopianern die Kopfbedeckungen wegflogen.\nUnd in dem Punkte, von dem die grünen Streifen\nausgegangen waren, stieg eine Wassersäule in die Luft,\nleuchtete ganz hellgrün und erreichte eine furchtbare\nHöhe.\nUnd aus der Spitze der grünen Säule flogen rot-\nglühende Kugeln heraus in den Himmel hinauf.\nUnd danach schien sich das ganze Meer auf-\nzuheben, und es entstand in ein paar Sekunden eine\nzweite ungeheuerliche Wassersäule, die mindestens drei\nMeilen breit war — und nun auch eine ungeheure\nHöhe erreichte — und danach in weissen Strudeln\nzusammenstürzte.\nDabei brach der Sturm so heftig los, und gleich-\nzeitig erzitterte der Felsenboden so furchtbar, dass alle\nUtopianer zu Boden stürzten.\nAls die Gefallenen sich wieder aufrichteten, sahen\nsie das Meer nur als ungeheure Schaummasse, aus\nder immer wieder farbige Wolken herausqualmten,\nsodass allen Hören und Sehen verging.\nUnd dieses grossartige Schauspiel hielt bis zum\nSonnenuntergänge an.\nUnd der Utopianer bemächtigte sich eine un-\nbeschreibliche Erregung, die sich in ganz widersinnigen\nVermutungen Luft machte.\nSo kam es, dass sich plötzlich die Nachricht ver-\nbreitete, dieses unterseeische Ereignis wäre ein von\nden Barbaren arrangierter Minenangriff — und der\nBartmann müsste Näheres darüber wissen.\nGeheimpolizisten hatten auch zufällig den Bartmann\nentdeckt und ihn in heftigster Form zur Rede gestellt\nund dabei sah Bartmann den Oberlotsen vor sich, und\nder Oberlotse rief:\n„Sie haben, mein Herr, vor einigen Wochen auf\nunserem Leuchtturm Längeres und Breiteres darüber\ngeredet, was hinter der Erscheinungswelt zu suchen sei.\nSie sind in verdächtiger Weise mit einem Luftwagen\ngrade zum äussersten Leuchtturm gekommen, um wahr-\nscheinlich zu spionieren.\"\n„Das ist ja lächerlich!\" schrie der Bartmann. Und\ner war nahe daran zu erklären:\n„Ich bin Euer Kaiser, Philander der Siebente!\"\nDaran wurde er aber durch das furchtbare Getöse,\ndas jetzt mit erneuter Kraft losbrach, und abermals\nalle Utopianer zu Boden warf, verhindert.\nXXXVIII\nDie Kriegsingenieure\nGlücklicherweise waren achtzig Kriegsingenieure\nzur Stelle, die von dem Verdachte erfuhren und sofort\nden Bartmann aus seiner schlimmen Lage befreiten;\nsie erklärten einstimmig, dass hier von Minenarbeit\nund Barbarentaten keine Rede sein könnte.\nBartmann aber war selbstverständlich der Mann\ndes Tages geworden, und die Utopianer brachten jetzt\ndie Bartmannschen Aeusserungen über das, was hinter\nund unter der Erscheinung lebte, mit dem Untersee-\nereignis in anderer Weise zusammen, und es machte\nsich überall die Meinung geltend, dass sich in diesem\nBartmann doch wohl ein grosses Ahnungsvermögen\nausgebildet haben müsste. Währenddem erklärten die\nKriegsingenieure heftig, dass sie für den Schutz des\nKaiserreichs volle Garantie böten; sämtliche Grenz-\nbefestigungen seien im besten Stande und an Barbaren-\nangriffe könne garnicht gedacht werden.\nNun waren aber mit der Grenzbeschützung nur\ntausend Kriegsingenieure betraut; diese hatten aber so\nvollendete Maschinen in ihrer Hand, dass sie leicht\nnachweisen konnten, wie gut Utopia geschützt sei.\nEin Heer gabs in Utopia nicht; das ganze Grenz-\nschutzwesen wurde von den tausend Kriegsingenieuren\nganz allein geleitet.\nBartmann aber hörte, dass der Staatsrat zur\nSturmküste kommen würde, und da zog ers doch vor,\nso schnell wie möglich davonzufahren, um nicht erkannt\nzu werden.\nDie Schaumstrudel wurden nun allmählich weniger\nheftig; die Tätigkeit des unterseeischen Vulkans schien\naufgehört zu haben.\nUnd nach drei Tagen hörte man eines Morgens\ndas Rauschen der Schaumstrudel langsam verklingen.\nUnd als es nun heller Tag geworden war, sah man —\nstatt des Meeres — einen grossen Sumpf.\nXXXIX\nDer Sumpf\nDass das Meer plötzlich verschwunden war, erzeugte\nnun selbstverständlich abermals eine gewaltige Auf-\nregung |im Kaiserreich Utopia. Und in kurzer Zeit\nkamen alle Utopianer, sobald sie nur die nötige Zeit\nhatten, zur Sturmküste, um sich das grosse Wunder\nanzusehen.\nDer grosse Sumpf war es allerdings auch wert\nangesehen zu werden, denn die Formationen, die er\naufwies, hatten des Wundertaren genug.\nZunächst machte sich der Sumpf durch unglaub-\nlich viele schillernde Farben bemerkbar, und dann ver-\nänderten sich die Schlammassen immerzu — es schob\nund drängte sich das ganze Sumpfgebiet und blieb in\nständiger Bewegung und erzeugten Hügel und Täler\nund kleine wandelnde Bergrücken, und besonders\ninteressant waren plötzliche Trichterbildungen, die für\nkurze Zeit gestatteten, tief ins Innere zu blicken.\nAber die trichterförmigen Versenkungen schwanden\nimmer wieder, und die Mitglieder des Staatsrates und\ndie Männer der Wissenschaft standen ganz ratlos vor\ndiesem Schlammreich, und auch der Kaiser Moritz\nsagte blos:\n„Das ist ein Sumpf, in dem wir Alle zu Grunde\ngehen könnten!\"\nVon dieser Bemerkung nahm man aber kaum\nNotiz.\nXL\nDer ungeduldige Staatsrat\nDie Mitglieder des Staatsrates waren nun auch\nsämtlich zur Sturmküste gekommen, um das grosse\nNaturwunder anzustaunen; das Meer trat immer weiter\nzurück, und die Schlammberge des Sumpfes blieben in\nständiger Bewegung, und von den Männern der\nWissenschaft wurde immer wieder die Frage erwogen,\nob neue Ausbrüche des Erdinnern zu erwarten seien.\nDer Utopianer bemächtigte sich eine immer heftigere\nErregung, und von vielen Seiten wurde nach dem alten\nKaiser Philander verlangt, der doch sonst bei viel\nweniger wichtigen Gelegenheiten niemals mit inter-\nessanten Meinungsäusserungen zurückgehalten hatte.\nUnd der Staatsrat beschloss dementsprechend, sehr\nungeduldig zu tun und beim Kaiser Philander in\nSchiida anzufragen, was jetzt geschehen solle.\nDiese Anfrage erschien ganz natürlich, da der\nKaiser Moritz in sehr missgelaunter Stimmung nach\nUlaleipu zurückgefahren war.\nAber aus Schiida kam nur ein kurzes Telegramm\ndes folgenden Inhalts:\n„Der Kaiser Philander hat wirklich keine Zeit, sich\nmit Naturereignissen, an denen er nichts ändern kann,\nzu beschäftigen. Danken wir dem Geiste, der alles\nlenkt, für das grössere Naturereignis, das darin besteht,\ndass allen Utopianern kein Haar dabei gekrümmt ist.\nHoffen wir, dass die Utopianer auch für die Folge\ngesund bleiben. Man beachte, dass Sumpfgegenden\nstets ungesunde Dünste ausströmen, und demnach ver-\nhindere man, dass die Neugierigen zu lange an der\nSturmküste verweilen.\"\nDieses Telegramm trug keine Unterschrift und zur\nBeruhigung der Gemüter nicht viel bei; die Bemerkung\nvon der ungesunden Sumpfluft wurde vielfach erörtert\nund der Staatsrat sauste schleunigst mit den elektrischen\nHofwagen nach der Hauptstadt des Landes, allwo er\nauch fürderhin äusserlich sehr ungeduldig tat, ohne es\ninnerlich zu sein, da die Tatenlosigkeit des Kaisers in\nSchiida allen Mitgliedern des Staatsrates sehr wohl-\ntuend vorkam.\nXLI\nDer kaltgestellte Humorist\nDer Kaiser Moritz schrieb währenddem an Frau\nLotte Wiedewitt, Gemahlin des Kaisers von Utopia,\nden nachstehenden Brief:\n„Liebes Lottchen! Jetzt bin ich schon volle acht\nWochen Kaiser, und Du denkst sicherlich, ich schwimme\nhier in der reinsten Glückseligkeit. Das ist aber nicht\nder Fall. Ich finde mich in meiner neuen Stellung\neinfach nicht zurecht. Die Leute sind hier zu ernst. Ich\nhoffte, für die Stadt Schiida etwas Vernünftiges tun\nzu können — das ist mir aber, wie Du wohl erfahren\nhast, total missglückt. Nun sind mir noch manche\nlaunige Einfälle gekommen — aber der gute Staats-\nrat kam meinen launigen Einfällen nicht freundlich\nentgegen Ich bin in Schiida zu Hause und nicht im\nernsten Ulaleipu. Hier ist alles prächtig und sehr\npraktisch eingerichtet. Staatsverbesserungen kann ich\nalso nicht vornehmen. Und für Staatsverulkungen hat\nman hier keinen Sinn. Ich habe hier das Lachen\nverlernt. Ich bin kaltgestellt. Ich pfeife im Grunde\ngenommen auf allen Luxus und auf alle Bequemlichkeiten\nganz energisch. Schliesslich ist auch dieses Wohlleben\nuur eine Beengung der Gedanken. Und daram sehne\nich mich nach Dir, liebes Lottchen. Du musst mir\ndas Lachen wieder beibringen. Der Sumpf an der\nSturmküste hat hier die die Situation noch ernster ge-\nmacht. Die Erhebung des Meeres muss ja wohl\nkolossal ausgesehen haben; die kinematographischen\nBilder wirken ja einfach niederschmetternd.\nWas soll ich aber, der ich doch eigentlich Moritz\nWiedewitt heisse, dazu sagen? Ich wundre mich nur,\ndass man bei all der Aufregung und bei den Erd-\nerschütterungen so viel photographieren konnte Ich\nhabe so die Ahnung, als könnte uns der grosse Sumpf\nein grosses Unglück bringen. Und darum komm schnell\nher. Du bist mir jetzt wichtiger als ganz Utopia.\nIch bin wirkllich in sorgenvoller Stimmung und ganz\nwider meinen Willen zu ernst geworden. Setz Dich\ngleich in den nächsten Zug und komme her.\nTelegraphiere und komme! Ich bin Dein lieber Moritz\nKaiser von Utopia und Trauerklops.\"\nUnd die Lotte Wiedewitt telegraphierte und kam."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "414", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.7", "titre_corps": "Ich tanze in der Moschee", "titre_sommaire": "Ich tanze in der Moschee", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.4", "debut_caractere": 9089, "fin_caractere_exclue": 10229, "texte": "Ich tanze in der Moschee\nElse Lasker-Schüler\nDu musst mich drei Tage nach der Regenzeit\nbesuchen, dann ist der Nil zurückgetreten und grosse\nBlumen leuchten in meinen Gärten und auch ich\nsteige aus der Erde und atme. Eine sternenjährige\nMumie bin ich und tanze in der Zeit der Flurea.\nFeierlich steht mein Auge und prophetisch hebt sich\nmein Arm, und über die Stirne zieht der Tanz eine\nschmale Flamme und sie erblasst und rötet sich wieder\nvon der Unterlippe bis zum Kinn. Und die vielen\nbunten Perlen klingen um meinen Hals o,\nmachmede machet hier steht noch der\nSchein meines Fusses, meine Schultern zucken leise —\nmachmede machei, immer wiegen meine Lenden meinen\nLeib, wie einen dunkelgoldenen Stern. Derwi, Derwisch,\nein Stern ist mein Leib! .... Machmede machei»\nmeine Lippen schmerzen nicht mehr . . . rausche —\nsüss tröpfelt mein Blut und meine Schultern beben\nDüfte und immer träumender hebt sich mein Finger —\ngeheimnisvoll, wie der Stengel der Allahblume. Mach-\nmede machei fächelt mein Antlitz hin und her —\nstreckt sich viperschnell und in den Steinring meines\nOhres verfängt sich mein Tanz. 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Neben den Referaten über einen Ausschnitt\nWelt (Roman, Novelle), neben dem auf die Beine ge-\nstellten Stück Schicksal (Drama), neben den philoso-\nphäden Mischformen (Dialog, Glosse, Essay) haben\nwir nun einmal jene musikhafte Art: wie man aus"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3516, "texte": "tausend morgenländischen Rosenblättern ein einziges\nTröpfchen Rosenöl presst, so aus einer Unzahl von\ngrossen, kleinen Erlebnissen (Erfahrungen und Erfahr-\nbarkeiten der Sinne, geliebt-gehassten Problemdurch-\nschnüffelungen, Vibrationen des namenlosen — „meta-\nphysichen\" - Zentrums) einen einzigen kleinen Kom-\nplex von Worten zusammenzustampfen; Komplex von\nWorten, der ein geordnet holdes Vagieren ist und worin\ndie allerhand irdischen Sensationen — von den op-\ntischen bis zu den tastnervösen —, das allerhand Cere-\nbrale, die allerhand Wollungen ineinanderschmilzen und\neinig zusammenfliessen mit dem Weltgefühl, das unsere\nSeele kennt. All dies kraft einer Vision gemischt und\ngefasst in das Gesetz einer Form —: das Gedicht\nist da\nWarum aber der Name „Lyrik\" ? Hat denn der-\ngleichen mit Lyra und Lied etwas zu schaffen? Mit\nfahrenden Sängern und dem pfeifenden Handwerks-\n-bursch? Mögen immer die strengen Magister der\nFröhlichkeit, die behaglichen Lobpreiser einer gemein-\nverständlichen Melancholie, kurzum die (so aufrichtigen)\nVerfechter des klassischen und romantischen Volks-\ngedudels diese Frage bejahen: das Beste von Goethe\nund die tränentreibende Wunderpracht, die Hölderlin,\nGeorge, Rilke uns geschenkt, „Lyrik\" zu nennen —\ndarüber lacht mein Ohr und krümmt sich mein Sprach-\ngefühl. Wenn wirklich Bezeichnungen wie Gedicht,\nDichtung, Wortkunst nicht genügen, dann ziehe ich der\n„Lyrik\" immer noch die „Poesie\" vor — trotz allen\nAnklängen an Goldschnitt und Goldschmidt. „Poesie\"\nkommt schliesslich, ohne sich zu zieren, von Troieiv~,\nmachen, und heisst (falls das Einzelwerk gemeint ist)\nimmerhin Machsal. Wogegen sich garnichts einwenden\nlässt; da doch jedes Gedicht komponiert, ziseliert, ge-\nmeisselt werden . . da jedes Gedicht am Ende qual-\nvoll „gemacht\" sein will. Wenn steifbeinige Propheten-\nsöhne dies Fakt bestreiten und kühn behaupten, ein\nGedicht müsse „nicht gemacht, sondern gewachsen\"\nsein, so zeigt das nur, wie leicht Masochismus sich in\nalberne Theorien umsetzt . . .\nNun brauchte man sich ja über eine inadäquate\nBezeichnung nicht besonders aufzuregen; aber diese\nhier birgt Gefahren. Sie ist gefährlich der Kunst jener\nErsehnten, Kommenden, Köstlichen, welche Bedichter\nsind unserer grausig geliebten Städte; Gestalter unserer\nintellektischen Ekstasen, eisigen Gluten, süssen Flagel-\nlationen; unerhörte Zusammenraffer alles in letzten\nMenschen unerhört Durcheinanderwirbelnden. Diese\nkommende Kunst wird den Assoziationen von „Lyrik\",\ndie der mittlere und auch der bessere Bürger notwen-\ndigerweise hat, noch heftiger zuwiderlaufen als selbst\nder Georgesche Brokat und die erschütternde Konden-\nsiertheit Rilkescher Gesichte. Dieser kommenden\nKunst, aus der auch die allerletzten Rudimente von\nWaldesgrün und Lerchensang, von Herz und Schmerz\nund Lust und Brust, von Sinnigkeit und Innigkeit und\nKühen auf der Weide verduftet sein werden — : jeder\nschöngeistige Advokat und jede Lyzeumsziege wird\ndieser Kunst einfach das Dasein absprechen. Und ich\nhöre schon, als Argument, entrüstet gefistelt die rhe-\ntorische Frage: „Ist denn das noch Lyrik?!\"\nMan wird dem Schöngeist und der Ziege sich sehr\nkonträr fühlen, und wird dennoch sagen müssen:\n„Nein, Euer Liebden; Lyrik nun freilich ist dieses nicht!\"\n— worauf dann der fatale Begriffsstreit entbrennt.\nRotten wir jedoch den dämlichen Terminus bei-\nzeiten aus, so werden Schöngeist und Ziege sich schon\nein anderes Argument suchen müssen; und der Nach-\nweis, dass sie Zulus sind, gestaltet sich dann be-\nquemer.\n\nKurt Hiller"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.9", "titre_corps": "Der Dogmatiker und der Voraussetzungslose", "titre_sommaire": "Der Dogmatiker und der Voraussetzungslose", "signature_source": "Dialog von John Wolfs", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.5", "debut_caractere": 3518, "fin_caractere_exclue": 6490, "texte": "Der Dogmatiker und der\nVoraussetzungslose\nDialog von John Wolfs\nPersonen : Kurt, voraussetzungsloser Forscher. Hat\neine untersetzte Gestalt, goldene Haare,\ngoldene Brille und treue Augen.\nFitz, Dogmatiker.\nKurt: Halt, Fitz, wie beweisest Du Deine Behaup-\ntung der Existenz Gottes?\nFitz: Ich kann sie nicht beweisen.\nKurt: Dann treibst Du keine wahre Wissenschaft\nund kannst nicht zu den Quellen der Wahr-\nheit dringen. Denn das kann nur die wahre,\ndie voraussetzungslose Wissenschaft.\nFitz: Ich will garnicht voraussetzungslos sein, sinte-\nmalen ich Dogmatiker bin.\nKurt: Warum denn? Warum bist Du Dogmatiker?\nFitz: Wenn man den Dogmatismus beweist, wider-\nlegt man ihn. Wie kannst Du, Fanatiker der\nLogik, solche Unlogik von mir verlangen?\nKurt: Jetzt bist Du gefangen! Du wolltest Deinen\nDogmatismus nicht begründen, um ihn nicht\naufzuheben. Also: die Ablehnung der Be-\ngründung begründetest Du Du argumentierst\nlogisch, selbst wenn Du logische Argu-\nmentationen ablehnst. Mithin: Rechtfertigst\nDu Dein Prinzip, so verleugnest Du es, recht-\nfertigst Du es nicht, so verleugnest Du es.\nErgo ist Dein Prinzip falsch.\nFitz: Es kann mir egal sein, ob es falsch ist, da\nes garnicht richtig sein will. — Aber, o Vor-\naussetzungsloser, warum bis Du denn vor-\naussetzungslos?\nKurt: Denke an die Macht des Logikers über die\nGeister! Kann er nicht seine Gegner zu\n„folgerichtigem Denken\" zwingen, ihnen die\neignen, wohlbegründeten Ueberzeugungen auf-\nnötige n?\nFitz: Ist er nicht selbst der Logik blind ergeben?\nNur als Sklave hat er Macht. Kurt, beweise:\nWarum soll man logisch denken? Warum\nsoll man Sklave der Logik sein? Warum\nsoll man Macht über die Geister haben ?\nWarum soll man voraussetzungslos forschen?\nDas alles sind ethische Postulate. Beweise\nsie, bitte, doch.\nKurt: (schweigt)\nFitz: Du kannst sie nicht beweisen. Also bist Du\nDogmatiker, Du Voraussetzungsloser. Je-\ndoch, Du weisst nicht, dass Du Dogmatiker bist.\nKurt: Aber widersprichst Du Dir nicht selbst, wenn\nDu fortgesetzt aus Logik an der Autorität der\nLogik zweifelst?\nFitz: Ich gebe das zu. Aber spricht es wider mich,\nwenn ich mir widerspreche ? Mein Dogma-\ntismus beansprucht keine logische Geltung.\nAlso kannst Du die Logik nicht gegen ihn\nausspielen.\nKurt: Du sagst, Dein Dogmatismus beansprucht\nkeine logische Geltung. Diese Behauptung\nrechtfertigst Du logisch. Das bleibt ein\nWiderspruch. Schaff ihn hinweg.\nFitz: Habe ich gesagt, ich bekämpfe die Logik?\nIch verhalte mich ihr gegenüber neutral. Ich\nehre sie, wenn ich will, ich verachte sie,\nwenn ich will. Ich kann meinen Geist tanzen,\nich kann ihn die Gedankenbahn hinschleichen\nlassen. Niemals falle ich aus der Rolle und\nVerstösse gegen Prinzipien. Du aber, Vor-\naussetzungsloser, kannst Dein Prinzip nicht\nvertreten, ohne es zu leugnen, nicht voraus-\nsetzungslos forschen ohne Voraussetzung.\nDu denkst logisch — aus Unlogik. Das\nResultat unserer Unterredung? 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Das Stück spielt in einem Dorfe unter\nplumpen habsüchtigen Bauern. Sein Inhalt: Der Kuhhandel\nzwischen den brutalen und den zärtlicheren Instinkten;\nbeide Parteien werden betrogen, denn sie sind un-\ntrennbar ineinander verstrickt. Am meisten vergnügt\nmich Hermann Essig durch die Umkehrung einer ge-\nwohnten psychologischen Perspektive. Er stellt die\nFrauen als die Geistigeren dar, als die bewussteren\nTiere, deren Entschlüsse in grösserer Helligkeit wachsen,\nferner von besinnungsloser Dumpfheit; aber er\nempfindet sie auch als die Boshafteren, Härteren, Ver-\nlogeneren. Man würde den Hermann Essig einen grau-\nsamen Psychologen nennen, wenn man nicht fühlte:\ner liebt die Frauen viel zu sehr, um sie zu ide-\nalisieren; er kann noch da lächelnd geniessen, wo ein\nStrindberg tobt und anklagt. Zum Schluss aber, als\nman dem „Rebekkle\" die gestohlene Kuh wieder nimmt\n— die schöne braune Kuh mit den Ringelhörnern, die\nihr so sanft über [die Bühne gefolgt war —, als die\nStrafe droht und die Verlobung aufgelöst wird, ver-\nsuchte mich der Dichter zu allerhand Mitleid zu ver-\nführen. Auf Grund der Tatsache, dass die Heldin\nein Kind unter dem Herzen trägt. Und ich sollte\nmich freuen, dass dann doch der Oberamtmann mit\nder Aktenmappe durch einen wohlwollenden Machtspruch\nder Kleinen zu einem Mann verhilft. Hermann Essig\nalso, der uns so lustig zu erschrecken verstand, ein\nZergliederer menschlicher Seelen, hat Respekt vor dem\nWohlwollen der Oberamtmänner und den Ideen des\nBundes für Mutterschutz. 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Juli 1910 stellte ich in dieser Zeitschrift fest,\ndass die Berliner Presse über die Ausstellung des\nMalers Oskar Kokoschka im Salon Cassirer sich\nausgeschwiegen hat. Am 6. Februar 1911 steht in der\nAbendausgabe des Berliner Tageblatts folgendes zu\nlesen:\nDer Aufreizendste unter diesen Kommenden\nist der Maler Oskar Kokoschka. Er trat\nmit Führeraplomb aufs Schlachtfeld als Dichter,\nMaler, Stückschreiber und Regisseur. Die\nLeute über fünfundzwanzig waren zu einigem\nMisstrauen berechtigt, denn er hatte die Geste\n„Epatir les bourgeois.\" Wer aber den Bürger\nbluffen will, befindet sich noch in innigster\nAbhängigkeit von ihm. Dem Reifen kommt's\nebensowenig darauf an, dem Bürger zu\nschmeicheln, als ihn zu „giften\". Auch in\nder neuen Ausstellung, die diese jüngste\nKünstlergruppe soeben in Wiener Hagenbund\neröffnet hat, lebt sichtlich noch das Bedürfnis,\nlieber Empörung als Beifall zu wecken. Im\ngrossen Ganzen aber haben es die jungen\nnicht nötig, um den Hass der Menge zu\nbuhlen, denn sie haben, hinter allerlei ab-\nsichtlichen Posen versteckt, Talent, und das\nruft schon Zorn genug hervor. Kokoschka\nhat diesmal eine Menge Porträts ausgestellt,\ndie auf den ersten Blick grotesk wirken. Ab-\nsichtliche Unproportionen fallen ins Auge,\nkoloristische Willkürlichkeiten reizen auf.\nAber jedes dieser Porträts ist von einer Un-\nbarmherzigkeit, wie sie nur ein ganz junger\nMensch aufbringt, und je länger man um\nBilder . wirbt — und warum sollte man um\ndie Dokumente der Jugend nicht werben? —,\ndesto deutlicher liest man aus jedem dieser\nGesichter und Fratzen die Tragödie eines\nLebens. Gewiss, Herr Kokoschka ist nicht\nsehr gütig, aber seine Porträts sind doch keine\nKarikaturen, weil er seine Objekte durchaus\nnicht lächerlich machen will, indem er aus den\nGesichtern ernste, zuweilen grauenhafteTragödien\nherausliest. Edward Münch ist neben Kokoschka\nein jovialer alter Herr.\nNun glaube man ja nicht, dass der Herr Kunst-\nkritiker vom Berliner Tageblatt sich seine Ansicht bis\nzu diesem Tag überlegt hat. Diese Besprechung\nschrieb der Wiener Korrespondent des Berliner Tage-\nblatts anlässlich einer Ausstellung von Oskar Kokoschka\nim Hagenbund. Nun frage ich: Was hat die Taktik\ndes Totschweigens grosser Künstler in Berlin für einen\nZweck, wenn man es über Wien unterbrechen kann?\nUeber Wien! 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Aber ich muss Ihnen eine Freude\nnehmen. Diese Notiz ist nämlich kein Stück für Ihre\nSammlung; keine neue Demaskierung nur der primi-\ntivsten, blankesten . . . nun Vernageltheit. Hier kommen\nvielmehr Umstände hinzu, die Sie noch nicht kennen,\nund die die fesselnde Vorgeschichte des Äff . . . dieses\nAffronts bilden.\nIch hatte in einer Zeitschrift eine Glosse gegen\neinen Aufsatz von Felix Stoessinger über Heinrich Mann\nveröffentlicht. Dieser Aufsatz war kurze Zeit vorher\nin dem von Engel redigierten „Zeitgeist\" erschienen.\nEs ist nun völlig ausgeschlossen, dass Engel meine\nPolemik dagegen verstanden hat Denn ich bekämpfte\nden Psychologismus Stoessingers, der aus dem Ideelich-\nGegenständlichen der Mannschen Werke teils belanglose\n(schien mir), teils unrichtige Schlüsse auf diesen Künstler\ngezogen hatte. Ich erhielt die Beifallsäusserung der\nberufensten und die Missfallsäusserung der unberufensten\nSeite. Ich hatte ja eine scharfe Bemerkung gegen den\nRedakteur des „Zeitgeist\" gemacht und so den Un-\nwillen des Ulk-Redakteurs erregt. Herr Engel nämlich,\nim „Zeitgeist\" ein Gegenstand der Komik, versucht sie\nim „Ulk\" zu erzeugen. Er sass am „Redaktionstelefon\"\nund hörte von meinem Angriff. Und während er mit\nder linken Hand ängstlich den Hörer umklammerte,\nantwortete seine rechte, ich sei ein Antisemit (privatim).\nUnd als ihm dieser quatsche Vorwurf verwiesen wurde\n(denn es ist auch kein Antisemitismus, Herrn Bartels\nerträglicher als Herrn Engel zu finden), stellte er mich\nerst privatim, dann öffentlich als einen harmlosen\nGeisteskranken dar (denn es ist ein abgeklapperter\nSchmiererbrauch, wenn man Maure davor hat, von\neinem Stärkeren unmöglich gemacht zu werden, dies\nin einer Ueberlegenheitspose auszusprechen). Er griff\naus einem im „Sturm\" erschienenen Gedicht die un-\nanfechtbarsten Verse heraus, schrieb eine Notiz für\ndes „Ulk*, betitelte sie „Lütiti\", verschwieg aber für\ndie gebildeten Leser des „Ulk\" den Namen des „Sturm\",\ndamit diese nicht das ganze Gedicht nachprüfen könnten\n(da ihnen ja meine Verse als nicht lächerlich auffallen\nmussten und die Prüfung des ganzen Gedichts Herrn\nEngel glatt blamiert hätte). Dazu nannte er die von\nhm zitierten Verse „übergeschnappte Hebammen-\nphantasie\". . . . Und das ist wirklich schade . . . Doch\nergibt sich daraus, dass Retourkutschen Freitag früh\nfahren, will sagen, dass es nicht darauf ankommt,\nfestzustellen, wie ein Künstler zu dem Ideelich-Gegen-\nständlichen seiner Werke kommt, doch sehr darauf,\nwie ein kenntlicher Herr Engel zu dem Vergleich mit\neiner „übergeschnappten Hebamme\" als welche ich mit\nhochachtungsvollem Grusse verbleibe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.13", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.6", "debut_caractere": 2790, "fin_caractere_exclue": 3227, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nALFRED MOMBERT\nAeon vor Syrakus / Drama\nVerlag Schuster und Loeffler, Berlin\nPAUL ZECH\nWaldpastelle / Gedichte\nVerlag A. R. Meyer, Wilmersdorf-Berlin\nNOUVELLE REVUE FRANQAISE\nMonatsschrift / Einzelne Nummern auf\nBütten ein Franc fünfzig Centimes / Jahres-\nbezug für das Ausland achtzehn Francs\nParis / Marcel Riviere & Cie / 31 rue Jacob"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.6", "debut_caractere": 3385, "fin_caractere_exclue": 3944, "texte": "%..4|r\nfmilll\nm\nS>\ne*\n»\nCv\nm\n<%k\n%T4\niiiiSfii:\nWarnung!\nHo hie Zahne sind, wie die rodsten aus Erfahrung wissen,\ncines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hute\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebraucbe taglich Kosmin lundwasserj\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrischt Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich\nH.\nm\ni*r.. - '*\n- ' ,7"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.6", "debut_caractere": 3946, "fin_caractere_exclue": 4291, "texte": "Die Kindermilch nach Prof. Dr. BackhauskommtderMuttermilch am nachsten.\n' v : •>' • . . 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Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n— „Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B- 1- G- L.\" und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergiinstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, . Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fur Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "418", "page_fin": "418", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.8", "debut_caractere": 1067, "fin_caractere_exclue": 1461, "texte": "Preis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\n□\n□\nJJJ\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe =\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „Pharmacia\" / Fabrik fiir pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend\njh\n□\n□\nML\n0B\nm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "418", "page_fin": "418", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.8", "debut_caractere": 1463, "fin_caractere_exclue": 2040, "texte": "Kurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ~Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, Dezw.\nK. 6.—, fordernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, Dezw.\nK. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. 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Sie bringt ausfiihrliche Auf-\ns'&tze iiber die verschiedensten\nKrankheiten und der en Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomdopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementspreis jahrlich\n: 3 Mark :\nAbonnements nehmen die Brieftr'A-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "418", "page_fin": "418", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.8", "debut_caractere": 3569, "fin_caractere_exclue": 3806, "texte": "Verlag „Der Sturm\"\nV\nWir iibernahmen in unsern\nVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang u. 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Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 -- Telephon I 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c033", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "418", "page_fin": "418", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.8", "debut_caractere": 4793, "fin_caractere_exclue": 4941, "texte": "Hanse Herrmann\n\\\nKiinstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-02-25-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-02-25_01#c034", "volume": "bmtnabg_1911-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "418", "page_fin": "418", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.8", "debut_caractere": 4943, "fin_caractere_exclue": 6232, "texte": "Friedr. Blester uma\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprtifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in ftihrender Stellung). Griind-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz ftir\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die ftir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren una\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,National3konom.,\nOffiziere, die ftir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme\nHannover Artilleriestr 15 und Berlin W35 Potsdamerstr. 111\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALD EN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN/SONNABEND DEN 25. FEBRUAR 1911 /HANNOVER\nNUMMER 52\n\nINHALT:\nFREDERIK BOOK: Strindberg / MARIE PUKL: Gedichte / THADDÄUS RITTNER: Rettungsaktion / PAUL SCHEERBART- Der Kaiser von Utopia\nELSE LASKER-SCHULER: Ich tanze in der Moschee / KURT HILLER: Gegen Lyrik / JOHN WOLFS: Der Dogmatiker / JAKOB VAN HODDIS ■ Hermann •\nDie Glückskuh / TRUST: Von der Technik des Totschweigens / ERNST BLASS: Offener Brief / MAX FRÖHLICH: Der Spiegel / Zeichnun«\n\nDer Spiegel\nZeichnung von Max Fröhlich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.2", "texte": "Strindberg\nVon Frederik Böök\nAls Strindberg vor zehn Jahren aufgefordert wurde,\neine Vorrede für seine gesammelten Romane und Er-\nzählungen zu schreiben, da antwortete er mit einem\nBrief, der die Spuren der Bibelstudien seines Urhebers\nzeigte. Er verglich sich mit dem Propheten Jesajas,\nder im neunundvierzigsten Kapitel sagt, der Herr habe\nseinen Mund zu einem scharfen Schwert gemacht und\nihn als einen glatten Pfeil in seinen Köcher gesteckt,\nobgleich Strindberg selbst zugab, dass gegen die Glätte\nmehr als einmal Verschiedenes einzuwenden war. Er\nverglich sich mit dem Propheten Jona, der auf aller-\nhöchsten Befehl Ninives Untergang prophezeite, aber\ndann erbarmte sich der Herr Ninives und Jona blieb\nblieb unter seinem Kürbis sitzen als ein desavouierter\nalter Prophet Und Strindberg fasste seine Weisheit\nin die bitteren Bibelworte zusammen: ich habe vergeb-\nlich gearbeitet, ich habe vergeblich und unnütz meine\nKräfte vergeudet.\nSolche rabiat-selbstkritische Perioden hat Strindberg\nviele gehabt. Sein ganzes Leben war eine Reihe von\nAuseinandersetzungen, mit anderen, mit der Gesellschaft\nund mit sich selbst. Die Untersuchung ist summarisch\nund das Urteil unerschütterlich streng gewesen, wie es\nleicht geschieht, wenn Ankläger, Zeuge und Richter und\nzuweilen auch Angeklagter dieselbe Person sind. Die\nWalstatt von Strindbergs Leben und Kämpfen erinnert\nan nichts so sehr wie an eine alte schwedische\nExerzierheide: gefurcht, zertreten, durchpflügt von\nMärschen hin und her, von Ganzwendungen und Front-\nveränderungen, die Luft widerhallend von harten Worten\nund donnernden Kommandorufen, aber trotz alledem\nstimmungsvoll und nicht ohne einen Hauch von primi-\ntiver Religiosität.\nEs gibt wohl kaum einen Menschen, dem es so\nleicht fiel, seine Meinung zu ändern wie Strindberg.\nIn dem Heim seiner Seele ist ein beständiges Kommen\nund Gehen gewesen. Da wurden Darwin nnd Spencer\neines Tages zum Hochsitz geführt, um am nächsten\nmit einer ausdrucksvollen Geste zur Tür hinausgewiesen\nwerden; da huldigte man der Wissenschaft auf den\nKnieen als aller guten Haben Spenderin, um sie gleich\ndarauf unter Injurien und \"Schimpfworten über die\nTreppe zu werfen, während die Religion und Svedenborg\nden etwas unruhigen Ehrenposten einnahmen. Wahr-\nscheinlich, Strindberg ist Herr in seinem Hause ge-\nwesen. Die Arbeiterfrage war abwechseled ein zentrales\nLebensproblem und ein erdichteter Hnmbug; die Kultur\nein Segen und ein Fluch. Man muss an die Fetisch-\nanbeter denken, die alles zwischen Himmel und Erde\nvon dem neuen Götzen erwarten, ihm aber, wenn er\ndas nicht hält, was er nie versprochen hat, ins Gesicht\nspucken und ihn verbrennen.\nStrindberg hat in seiner Selbstbiographie eine Epoche\nseines Lebens die „Gährungszeit\" genannt. Welche\nliebenswürdige Naivität. Als ob er je in diese Periode\nhinein oder aus ihr herausgekommen wäre! Er ver-\nändert sich und altert ebensowenig wie die Naturkräfte.\nBei ihm herrscht eine ewige Gährungszeit; es kann\naufsteigender Frühlingssaft oder fressende Schwefelsäure\nsein — aber es lebt ewig.\nEr ist nie eine intellektuelle Persönlichkeit, eine\ngeistige Einheit geworden, und er wird es nie werden.\nDie Ursache liegt nicht im Mangel an intellektueller\nKraft oder Scharfsinnigkeit, auch nicht in dem Fehlen the-\norethischer Interessen, Kenntnisse, Ideen — wer sein\nganzes Leben lang als wissenschaftlicher Dilettant auf-\ngetreten ist und im Alter von fast sechzig Jahren drei\nBlaubücher geschrieben hat, um sämtliche Wissen-\nschaften zu reformieren, muss über einem soichen Ver-\ndacht stehen. Das unübersteigliche Hindernis liegt in dem\nStrindbergschen Temperament. Er kennt die Gesetze\nfür den Umgang mit Ideen nicht, und sein ganzes\nWesen ist ein Protest gegen sie. Er weiss nicht, dass\nsie sich noch öfter wie Sterne aus einer Frühlings-\ndämmerung loslösen. Und er weiss vor allem nicht,\nwie Gedanken keimen und blühen, beschnitten werden\nund neue Triebe ansetzen, in Kritik und Selbstprüfung\nwachsen, wie sie reifen. Ideen werden nicht mit Ge-\nwalt geraubt wie Wikingerbräute, und sie eignen sich auch\nnicht zu Stichwaffen und Wurfgeschossen in den Duellen\nder persönlichen Affekte und Leidenschaften. Als Strind-\nberg die Gleichstellungsbestrebungen der Frauen kriti-\nsierte, freute er sich, wenn er eine Notiz über eine\nverbrannte Fabrikarbeiterin las; und als der Held in\n„Einsam\" sah, dass sein Kind schön war, gab er die\nDescendenztheorie auf. Mit dieser Gesinnung wird man\nkein Streiter des Geistes, auch wenn man wie Strind-\nberg Utilist gewesen ist, die Kunst verachtet und seine\nLebensaufgabe darin erblickt hat, ein Wahrheitskämpfer\nund Ideenverbreiter zu sein.\nEs gibt kaum ein eklatanteres Beispiel mangelnder\nSelbsterkenntnis, als wenn Strindberg um die Mitte der\nAchtzigerjahre ernstlich daran denkt, die Dichtung auf-\nzugeben, um sich der Gesellschaftsreform, der sozial-\npolitischen Schriftstellerei zu widmen. Olle Montanus\nals Reformator! Wer hat nicht im vierundzwanzigsten\nKapitel des „Roten Zimmers\" die unsterbliche Vor-\nlesung über Schweden genossen, aber wer hätte ahnen\nkönnen, dass der Verfasser den humoristischen Blick,\nfür das Phänomen so ganz verlieren könnte, um selbst\nmit seinen „Schlafwandlernächten\" und „Blaubüchern\"\nin Olle Montanus Fusstapfen zu treten.\nAber auch die schlimmsten Vorsätze vermögen\nnichts gegen die Stimme der Natur. Wie sehr Strind-\nberg auch die Poesie geschmäht hat — Poet ist er,\nein grosser Poet und nichts anderes als ein Poet.\nWenn man des Frauenhasses, der virtuosen Kampf-\nszenen, der schmählichen Polemik und der boshaften\nSophistik, der quasigenialen Einfälle und der phari-\nsäischen Religiosität dieses Heiligen der jüngsten Tage\ntötlich müde geworden ist, dann gibt es nur ein Mittel\ndas hilft: seine „Hemsöer\", „Meister Olof\", das „Rote\nZimmer\", „Schwedische Schicksale und Abenteuer\" auf-\nzuschlagen Während man die Blätter wendet, vergisst\nman das, was vergessen werden soll, und man gedenkt\ndessen, was die Nachwelt am denkwürdigsten finden\nwird: des genialen Dichters.\nSucht man den charakteristischen Ausdruck für\nStrindbergs Dichternatur, so bietet sich kein anderer\nals ihn den grossen Naturalisten der schwedischen\nLiteratur zu nennen. Aber es gibt viele Arten von\nNaturalismus. Mit dem französischen Schulnaturalismus,\nder seinem Wesen nach eine literarische Ingenieurs-\nkunst ist, mit weitläufigem Materialsammeln und ge-\nduldigen Berechnungen, hat Strindberg wenig gemein,\nwenn er auch oft von ihm inspiriert wurde und zu-\nweilen versuchte, mit ihm zu wetteifern.\nStrindbergs Naturalismus ist von weit persönlicherer\nund primitiverer Art Man findet ihn schon in den\nersten Prosawerken, er liegt in der offenen, unreflek-\ntierten Empfänglichkeit, in den unbegrenzten Reaktions-\nfähigkeiten, in dem frischen Appetit auf alle Phänome\ndes Lebens. Welche künstlerische und psychologische\nEntdeckerfreude, welche seltsam geschärften Sinne.\nVoll entwickelt hat sich der Strindbergsche Natura-\nlismus im „Roten Zimmer\". Der Beobachter, der sich\nseiner ausgedehnten und vielseitigen Sachkenntnis freut,\nder Erzähler, der es unverhohlen geniesst, sich {mit\nEreignissen, Personen und Aufgaben zu tummeln, der\nKritiker, der glücklich darüber ist, ein scharfes Messer\nzwischen den Fingern zu haben, und der wie ein\nKnabe alles zerlegt, was ihm in die Hände fällt — diese\nglückselige Dreieinigkeit hat das „Rote Zimmer\" ge-\ndichtet. Es soll eine Indignationsschrift sein, eine\nbittere Abrechnung, aber welch festliche Laune leuchtet\nnicht darüber — ein Frühlingssturm bei vollem Sonnen-\nschein und mit weissen Wölkchen, die tanzen.\nDas Bewundernswerte des Strindbergschen Natura-\nlismus liegt selten in dem bedeutungsvollen Zusammen-\nhang oder der stilvollen Architektur der Ereignisse,\nnicht in der objektiven Richtigkeit oder Konsequenz\nder Charakterschilderung, es liegt in dem mitreissenden\nLeben und der brutalen Wahrheit der Details. Strind-\nberg genügt es nicht, dass man die Dinge sieht, man\nspürt sie an der Haut, man stösst sich an ihnen, wenn\nwir ganz plötzlich vor ihnen stehen. Er ist weder der\nKonstrukteur, der sein Werk vor unseren Augen auf-\nbaut, noch der Dekorationsmaler, der uns Illusionen\nund perspektivische Augenfreude bereitet, er ist der\nZauberer, der uns die Dinge gerade vor der Nase\nherausschüttelt — manchmal recht unangenehm, denn es\nsind nicht immer Apfelsinen und Kanarienvögel, die er\nhervorzaubert.\nStrindbergs Stil, der bewunderte und vielbesprochene,\nist bei diesen Wunderwerken sein geheimnisvoller\nZauberstab Die Worte liegen wie massive Farbenflecken\nauf einer Palette, sie haben drei Dimensionen mindestens,\nsie sind nicht Begriffe, sondern Dinge mit Form und\nFarbe und Geruch. Die Saftigkeit und Anschaulich-\nkeit, die Strindbergs Prosa besitzt, trifft man sonst\nnur in den autochthonen Schöpfungen der Volkssprache.\nAber seine sprachliche Genialität ist auch im wesent-\nlichen eine Wortgenialität: treffende, tötliche, sug-\ngerierende Redewendungen, Schimpfworte, neugebildete\nWorte, geladene Worte, die an der Stirn des Wider-\nsachern explodieren, knapper konziser Stil, der das\nEreignis oder den Gedanken intensiv zusammendrängt.\nAber er ist nicht im selben Grade der grosse Stilist\nwenn es sich um die Periode und die reiche Satzzu'\nsammenfügung handelt; er ist fahrlässig und unlogisch,\ner kennt nicht die Geheimnisse des Rhythmus, die\nunerschöpflichen Nuance und unbeschreiblichen Varia-\ntionen der Melodie, er weiss nicht, wie die geheime\nIronie, das verschwiegene Gefühl, die müde Gleich-\ngültigkeit, die unterdrückte Leidenschaft unter der Ober-\nfläche der Sprache glühen und sie in geheime\nSchwingungen versetzen können, dem Eingeweihten\nvernehmbar. Bei ihm brennt das Feuer immer auf\noffenem Herd Er geht gerade aufs Ziel los wie ein\nBerserker. Das sind oft herrliche Schauspiele, aber es\ngibt raffiniertere.\nDer Strindbergsche Naturalismus steht am höchsten,\nwenn er seine üppige und spontane Freude an der\nbunten, inhaltsreichen Welt der Realitäten bewahrt: die\nkranke Blässe des Nachdenkens ist viel weniger kleid-\nsam für ihn. Wie haarspalterisch sind nicht die Ver-\nsuche, physiologische Schilderungen von Seelenprozessen\nzu geben („Am offenen Meer\"), wie wenig fruchtbar\nist nicht nicht die Problemstellung in „Utopien\" oder\n„Tschandala\"! Die Amalgamierung von Wissenschaft\nund Kunst glückt Strindberg nicht, der so rücksichts-\nlos mit Ideen zu Werke geht und der ein so un-\nreflektierter und leidenschaftlicher Künstler ist. Dazu\nbedarf es viel besonnenerer, lauerer Naturen. Er ist\nder Schmied, der den Hammer fallen lässt, während\nder Kopf ebenso heiss ist wie das Eisen; es wird\nkeine Ziselierarbeit, aber ein Schmiedewerk, das seinen\nMeister lobt.\nAls Künstler hat Strindberg wohl nie höher ge-\nstanden als in den Erzählungen aus den Schären. Da\nist Vertrautheit mit Natur und Menschen, da ist Liebe\nzu ihnen — und die Liebe ist auch in der Kunst das\nbefruchtende Prinzist. In den Hemsöern sind keine\npolemischen Tendenzen, die die Proportionen ver-\nrücken, keine wissenschaftlichen Phantome, die den\nBlick umnebeln. Die Hemsöer sind das Meisterwerk.\nNie hat Strindberg seine Figuren so allseitig und kon-\nsequent gebildet, wie hier, nie hat er Gruppierung,\nZusammenhang, Relationen, Landschaft und Neben-\npersonen mit so vollendeter Kompositionskunst gegeben.\nEr, der sonst eine einzige Situation hervorpresst, einen\neinzigen Plan von Ereignissen beleuchtet, er hat hier\neine allesumfassende Sicherheit, ein Gleichgewicht, eine\nkünstlerische meisterhafte Ruhe. Ueber diesen Bildern\naus den Schären mit ihren wechselnden Lichtern, mit\nder erlesensten, verschwenderischsten, liebevollsten\nKunst wiedergegeben, wölbt sich ein klarer Sommer-\nhimmel, scheint eine grosse, gelbe Sonne, die über\neinem grossen Dichter im Schaffensglück leuchtet.\nDie Strindbergschen Dramen stehen ebenfalls im\nZeichen des primitiven Naturalismus. Er schrieb in\nFräulein Julie ein konsequent und bewusst naturalisti-\nsches Trauerspiel, unwirklich in der Konstruktion.\nDoch die Szenen leben, die Details leben. Es gibt\nniemanden, der das gehetzte und gejagte Leben der\nMinute, den Knall des Zusammenstosses, die zischenden\nDämpfe des Zornes mit so unheimlicher Kraft geben\nkann, wie Strindberg. All das Animalische, Ursprüng-\nliche im Seelenleben, den Hass und die Erbitterung,\nden Kampf zwischen feindlichen Willen, aber auch den\nSelbstverzicht, die Müdigkeit, die Unterwerfung — hat\nniemand so wiedergeben können wie er. Strindberg\nkann selten eine elementare dramatische Wirkung ver-\nfehlen — und seine Repliken gehören nicht zu denen,\ndie man überhört, seine Effekte sind zuweilen ebenso\nzu ignorieren wie Explosionen, — aber er kann die\ndramatische Einheitswirkung verfehlen, den Zusammen-\nhang, die psychologische Entwicklung. Es gibt Dramen\nvon Strindberg, die an ein misslungenes Feuerwerk\nerinnern: es knallt und blitzt und zischt, aber aus all\nder Vernichtung steigt keine Lichtfigur empor.\nDoch wie machtlos wird nicht jede gezogene Linie,\ninnerhalb derer man Strindbergs Künstlergenius zu be-\ngrenzen versucht. Der Naturalist mit dem klaren und\nscharfen Auge ist auch der Mystiker, der Svedenborg\nin seine translunarische Welt folgt, der das dunkle\nSpiel der Träume und die Abgründe der Seele schildert.\nNur die Unwissenheit oder die prinzipielle Beschränkt-\nheit verweist Strindbergs ganze religiös mystische\nVorstellungswelt ohne weiteres in die Rumpelkammer\ndes bedeutungslosen Aberglaubens, Und doch wird\nStrindbergs religiöses Leben von dem Dickicht des\nAberglaubens so sehr überwuchert, dass man nur\nwiderstrebend diese Flur seiner Dichtung betritt. Seine\nReligiosität hat nichts von Altar und Opferflamme"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.3", "texte": "nichts von germanischem Heroismus, von prometheischem\nZweikampf mit den Göttern. Sie hat einen dunklen,\nuralten Zug von Unterwerfung unter rachsüchtige Mächte,\nsie wird von Spuk und Drohung und Vergehungen um-\nwoben, und ihr Sinnbild ist die lappländische Zauber-\ntrommel, in der Hexenkünste und Prophezeiungen\nschlummern.\nDurch ihren unerhörten Umfang und Reichtum,\ndurch ihre elementare Kraft erhebt sich Strindhergs\nDichtung zu den Höhen der grossen Kunst. Wenn\nsie nie jene Erhabenheit und sublime Grösse erlangt\nhat, die den höchsten menschlichen Lebensäusserungen\nvorbehalten ist, so beruht dies auf den vulkanischen\nUrgrund der Affekte, der die langsame und definitive\nSynthese unmöglich macht. Strindbergs Kunst lässt\nsich nicht mit einem Baum vergleichen, der aus ge-\nheimnisvollen Tiefen Nahrung saugt und sich, allen\nStürmen zum Trotz, langsam zum Himmel erhebt.\nBesser könnte man sie mit dem Meer vergleichen,\nblau und hell im Sonnenschein, aschgrau unter den\nFittichen des Orkans, mit unbekannten Fabeltieren in\nder Tiefe, reich an Märchen und Zauber, an den\nStrand donnernd, mit der Brandung schäumend, salzig\nund erquickend, mit lächelnden Idyllen in den schim-\nmernden Sunden zwischen den Schären, und tiefen,\nunergründlichen Liedern, denen die Menschen mit Ent-\nzücken und Grauen lauschen.\n\nGedichte\nVon Marie Pukl\nVersuchung\nWohin lauscht die Nacht?\nDem Dämmer nach,\nDer in der Grases Kühle kroch?\nSie lauscht nach uns!\nVerwegene Hände langen\nLeiselind aus Dunkeltiefen\nNach uns.\nVerschleiern unsere wächterklugen Augen.\nDa sinken blasse Grenzen\nUnd goldene Wellen brechen aus,\nDie tänzelnd Überufer schlagen\nDahinter saust die Flut\nSie reisst an tönendem Gehäuse,\nKrystallen singt die Luft,\nVom Föhn gepeitscht ....\nMütterlichkeit\nNoch glänzt des Frührots Feuerschimmer\nAuf dunstverhangenen Höhen,\nNoch locken die blauen Blumen —\nUnd schon erklommener Mittag!\nSanftgeböschte Tiefen,\nUnd Hänge, drauf die Heerden grasen.\nWehre deine Zukunft ab,\nDie bänglich Schritt und Tritt erwägt!\nDu bist der Schatten deiner Tritte,\nEs rankt an ihnen\nDas neue Werden in die Welt.\n\nRettungsaktion\nAus dem Tagebuch eines sehr\ngewöhnlichen jungen Menschen\nVon Thaddaeus Rittner\nWir sassen gestern beim Nachtmahl wie ge-\nwöhnlich in folgender Ordnung: Oben sie, rechts\nKohler, links ich und unten der Bucklige und der Kassier.\nEs gab Schweinsbraten mit Kraut, und dann brachte\nman eine sehr schöne gelblichweisse Mehlspeise.\n„Das gehört nicht zur Pension*, sagte der Kassier,\ndas ist sozusagen umsonst. Ihr könnt soviel nehmen,\nals euch beliebt.\"\nNach der Mehlspeise Hess der Kassier eine Flasche\nWein holen.\n„Anton!\" rief die Kassierin und wechselte Blicke\nmit ihren Nachbarn.\n„Wir trinken nicht,\" sagte sehr bestimmt Kohler.\n„Schon gut,\" dachte ich „das kennen wir.\" Und\nich fühlte schon im Munde den süssen Geschmack\ndes Weins.\nAber der Wein wurde nicht geholt.\nDer Kassier lächelte wie ein krankes IKind. Dann\nfuhr er das Mädchen an.\n„Hören Sie nicht? Was heisst das?\"\nDas Mädchen schaute auf ihre Frau und zuckte\nverlegen mit der Achsel.\nEine neue Ordnung? dachte ich unangenehm ent-\ntäuscht — jeden Tag hatte man seinen Wein und\njetzt, auf einmal\n„Ich liebe ungemein Bourget,\" sagte die Kassierin.\nDer Kassier lachte überlaut und scharf.\n„Aurora! Jetzt ist vom Wein die Rede.\"\n„Es gibt keinen Wein,\" flüsterte milde die Kassierin.\nDa liess sich plötzlich der Bucklige hören:\n„Und ich hätte grosse Lust darauf,\" sagte er ganz\ndeutlich.\nSeine Stimme hatte etwas Herausforderndes, wie\nbei brustkranken Fanatikern.\n„Worauf?\" fragte Kohler indigniert.\n„Auf Wein\", antwortete Knopf, so bestimmt, als\nspiele er Karten und sagte „rekontra.\"\n„Es gibt keinen\", wiederholte Aurora.\nDa stand der Kassier auf, ging zum Buckligen und\nküsste ihn auf die Stirn.\nIch errötete vor Scham. Und es herrschte tiefes\nSchweigen.\n„J . . . ich liebe auch Bour . . . get,\" stotterte\nKohler.\nDer Kassier ging auf sein Zimmer.\n* *\n*\nKohler ist überall. Er tut ungemein wichtig und\nmacht das ganze Haus unsicher. Er hat die Ge-\nschäftigkeit eines Komiteemitgliedes am Tage des\ngrossen Volksfestes mit Feuerwerk und Tombola.\nEr war auch bei mir.\n„Ich ersuche Sie um ihr Ehrenwort, dass Sie dem\nKassier keinen Heller leihen.\"\n„Bitte sehr, nur möchte ich wissen . . . . \"\n„Die Sache ist die .... \"\nDie Sache ist die, dass es sich um die Existenz\neiner armen unschuldigen Frau handelt. Abgesehen\ndavon, dass dem Kassier das Delirium tremens droht.\nBei Frau Aurora habe ein Beamter vorgesprochen und\nihr erklärt, der Kassier würde unbedingt seinen Posten\nverlieren, falls er sich nicht baldigst das hässliche Laster\ndes Trinkens ahgewöhnt.\"\nIch verstehe.\nFrau Aurora und Kohler sind angeregt, ich möchte\nsagen: feierlich gestimmt. Denn sie haben einen\nMenschen vom Untergang zu retten. Sie sagen sich\nsogar aus Zerstreutheit „du\" vor fremden Leuten. Sie\nkonfiszieren gemeinsam alle auffindsamen Flaschen, durch-\nsuchen alle Kleidungsstücke des Herrn Kassiers.\nKurz es ereignen sich Dinge. Man agiert eifrig.\nIm ganzen Hause darf es nichts Alkoholisches und im\nBesitze des Kassiers keinen Kreuzer geben.\n.... Ich verstehe und bin selbst angeregt.\nDie Frau Kassierin und Kohler rauschen gleichsam\nmit den Flügeln, wie zwei Engel.\nDer Bucklige sitzt im Salon, auf dem Sofa, lächelt\nmerkwürdig und denkt.\n„Ja,\" sage ich zu Kohler, „der Bucklige leiht ihm\nGeld.\"\nKohler klopft mir beruhigend auf die Schulter.\n„Knopf reist heute weg.\"\n„Ah?!\"\n„Auf Ferien.\"\n.... „Ausgezeichnet.\"\n* *\n*\nDer Bucklige ist glücklich fort. Wir sind jetzt\nsozusagen entre naus.\nDer Herr Kassier geht gerade unten auf der\nStrasse. Und ich schaue vom Fenster aus zu. Denn\ndas Mädchen, das eben in meinem Zimmer aufräumt,\nmachte mich darauf aufmerksam.\n„Da geht unser Herr . . .\"\nDann fügte sie hinzu:\n„Aber . . . . er wackelt wieder.\"\nUnglaublich, er ging tatsächlich ein wenig unsicher.\nWiewohl er doch kein Geld bei sich haben konnte.\n„Dies dauert nicht lange, beruhigte mich Kohler,\"\njetzt gewährt man ihm noch Kredit . . . Aber dies\ndauert nicht lange \"\nNur die Abende sind jetzt langweilig.\nBei Tisch erzählt der Kassier mit Unlust Anekdoten.\nDabei schaut er zuweilen auf seine Frau und auf\nKöhler, die sich aus Zerstreutheit „du\" sagen.\nIch selbst sehne mich nach Wein.\nEs ist zwei Uhr nachts und ich kann nicht schlafen.\nDenn ich vertrage keinen Karbolgeruch.\nIch erlebte heute folgendes:\nAm Abend — in meinem Zimmer war es schon\ndunkel — kam zu mir der Kassier. Ich erhob mich\nhastig.\n„Leihe mir einen Fünfer,\" bat er leise.\nErst jetzt erkannte ich ihn.\n„Eigentlich hättest du vorher anklopfen können,\"\nsagte ich aufgeregt.\n„Entschuldige,\" flüsterte der Kassier.\n„Zum Teufel,\" dachte ich, er sagt „entschuldige?\"\nUnd ich versuchte die Lampe anzuzünden.\n„Lass es,\" hielt mich der Kassier zurück und ich\nfühlte, dass seine Hände kalt waren.\nWir standen uns gegenüber, sein Gesicht\nkonnte ich bei der Finsternis nicht sehen.\n„Ich kann dir nichts leihen,\" sagte ich.\n„Nicht?\"\n„Ich habe mein Ehrenwort gegeben, dass ich dir\nnichts leihe.\" Dann wollte ich wieder die Lampe an-\nzünden. Aber er fasste mich wieder bei der. Hand.\n„Wozu? Lass es!!! Mir ist so, als hätte ich ein\nanderes Gesicht.\"\n„Was?\"\n„Nichts. Ein Scherz .... Ich wollte nur sagen,\ndass es schwer gehen wird.\"\n„Was wird schwer gehen?\"\n„So zu leben .... Ohne alles.\"\n„Er ist nüchtern,\" dachte ich ängstlich.\nIch begann laut und natürlich zu sprechen.\n„Hör mal, wie war das mit den beiden . . . .\nUngarn? Du weisst ja. Du hast einmal davon zu\nerzählen begonnen, von den Ungarn, die gewettet\nhatten \"\nEr schwieg.\nIch wiederholte nervös:\n„Du! . . . Hör mal! Wie war die Geschichte\nvon den . . . .?'*\nIch dachte, er ist nüchtern. Und ich konnte nicht\nlänger aushalten.\n„Willst du Wein?\" fragte ich munter, zähneklappernd.\nUnd ich lief zu Tür.\n„Warte hier,\" sagte ich schnell, „ich komme sofort\nzurück! Willst du Wein? Ich werde nachsehen, viel-\nleicht finde ich welchen ... Ich frage das Mädchen.\"\nIch lief hinaus. Ich suchte im ganzen Hause nach\nAurora und Kohler.\nPlötzlich bemerkte ich, dass ich nur immer die\nTreppe hinauf und hinablief .... Ganz sinnlos.\nDann hörte ich Stimmen ... Ich suche überall\nherum und sie sind in meinem Zimmer.\nWie im Traum.\nIch kehre auf mein Zimmer zurück, denn ich höre\nvon dort die Stimmen.\nIm Zimmer sind viele Menschen. Aurora, Kohler,\ndie Dienstboten.\nUnd überall Blut, Blut ....\nAuf dem Boden liegt der Kassier. Er hat sich\nmit meinem eigenen Rasiermesser ....\nEs ist zwei Uhr nachts. Und der Leichnam ist\nlängst wo anders.\nAber ich kann trotzdem nicht schlafen.\nIch vertrage keinen Karbolgeruch.\n\nSchluss\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXXXVII\nDas unterseeische Ereignis\nDie grünen Streifen verloren allmählich ihre grade\nForm und zogen sich bald im Zickzack durch das"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.4", "texte": "Meer, das immer heftiger zu leuchten begann und\ndann in unbeschreiblichen Farbenspielen aufflammte,\ndass den Utopianern fast die Augen geblendet wurden.\nUnd die Sterne verblassten am Himmel.\nDas Morgengrauen machte auch die Farbenspiele\nim Wasser blasser.\nUnd plötzlich brach ein Sturm los, dass den\nUtopianern die Kopfbedeckungen wegflogen.\nUnd in dem Punkte, von dem die grünen Streifen\nausgegangen waren, stieg eine Wassersäule in die Luft,\nleuchtete ganz hellgrün und erreichte eine furchtbare\nHöhe.\nUnd aus der Spitze der grünen Säule flogen rot-\nglühende Kugeln heraus in den Himmel hinauf.\nUnd danach schien sich das ganze Meer auf-\nzuheben, und es entstand in ein paar Sekunden eine\nzweite ungeheuerliche Wassersäule, die mindestens drei\nMeilen breit war — und nun auch eine ungeheure\nHöhe erreichte — und danach in weissen Strudeln\nzusammenstürzte.\nDabei brach der Sturm so heftig los, und gleich-\nzeitig erzitterte der Felsenboden so furchtbar, dass alle\nUtopianer zu Boden stürzten.\nAls die Gefallenen sich wieder aufrichteten, sahen\nsie das Meer nur als ungeheure Schaummasse, aus\nder immer wieder farbige Wolken herausqualmten,\nsodass allen Hören und Sehen verging.\nUnd dieses grossartige Schauspiel hielt bis zum\nSonnenuntergänge an.\nUnd der Utopianer bemächtigte sich eine un-\nbeschreibliche Erregung, die sich in ganz widersinnigen\nVermutungen Luft machte.\nSo kam es, dass sich plötzlich die Nachricht ver-\nbreitete, dieses unterseeische Ereignis wäre ein von\nden Barbaren arrangierter Minenangriff — und der\nBartmann müsste Näheres darüber wissen.\nGeheimpolizisten hatten auch zufällig den Bartmann\nentdeckt und ihn in heftigster Form zur Rede gestellt\nund dabei sah Bartmann den Oberlotsen vor sich, und\nder Oberlotse rief:\n„Sie haben, mein Herr, vor einigen Wochen auf\nunserem Leuchtturm Längeres und Breiteres darüber\ngeredet, was hinter der Erscheinungswelt zu suchen sei.\nSie sind in verdächtiger Weise mit einem Luftwagen\ngrade zum äussersten Leuchtturm gekommen, um wahr-\nscheinlich zu spionieren.\"\n„Das ist ja lächerlich!\" schrie der Bartmann. Und\ner war nahe daran zu erklären:\n„Ich bin Euer Kaiser, Philander der Siebente!\"\nDaran wurde er aber durch das furchtbare Getöse,\ndas jetzt mit erneuter Kraft losbrach, und abermals\nalle Utopianer zu Boden warf, verhindert.\nXXXVIII\nDie Kriegsingenieure\nGlücklicherweise waren achtzig Kriegsingenieure\nzur Stelle, die von dem Verdachte erfuhren und sofort\nden Bartmann aus seiner schlimmen Lage befreiten;\nsie erklärten einstimmig, dass hier von Minenarbeit\nund Barbarentaten keine Rede sein könnte.\nBartmann aber war selbstverständlich der Mann\ndes Tages geworden, und die Utopianer brachten jetzt\ndie Bartmannschen Aeusserungen über das, was hinter\nund unter der Erscheinung lebte, mit dem Untersee-\nereignis in anderer Weise zusammen, und es machte\nsich überall die Meinung geltend, dass sich in diesem\nBartmann doch wohl ein grosses Ahnungsvermögen\nausgebildet haben müsste. Währenddem erklärten die\nKriegsingenieure heftig, dass sie für den Schutz des\nKaiserreichs volle Garantie böten; sämtliche Grenz-\nbefestigungen seien im besten Stande und an Barbaren-\nangriffe könne garnicht gedacht werden.\nNun waren aber mit der Grenzbeschützung nur\ntausend Kriegsingenieure betraut; diese hatten aber so\nvollendete Maschinen in ihrer Hand, dass sie leicht\nnachweisen konnten, wie gut Utopia geschützt sei.\nEin Heer gabs in Utopia nicht; das ganze Grenz-\nschutzwesen wurde von den tausend Kriegsingenieuren\nganz allein geleitet.\nBartmann aber hörte, dass der Staatsrat zur\nSturmküste kommen würde, und da zog ers doch vor,\nso schnell wie möglich davonzufahren, um nicht erkannt\nzu werden.\nDie Schaumstrudel wurden nun allmählich weniger\nheftig; die Tätigkeit des unterseeischen Vulkans schien\naufgehört zu haben.\nUnd nach drei Tagen hörte man eines Morgens\ndas Rauschen der Schaumstrudel langsam verklingen.\nUnd als es nun heller Tag geworden war, sah man —\nstatt des Meeres — einen grossen Sumpf.\nXXXIX\nDer Sumpf\nDass das Meer plötzlich verschwunden war, erzeugte\nnun selbstverständlich abermals eine gewaltige Auf-\nregung |im Kaiserreich Utopia. Und in kurzer Zeit\nkamen alle Utopianer, sobald sie nur die nötige Zeit\nhatten, zur Sturmküste, um sich das grosse Wunder\nanzusehen.\nDer grosse Sumpf war es allerdings auch wert\nangesehen zu werden, denn die Formationen, die er\naufwies, hatten des Wundertaren genug.\nZunächst machte sich der Sumpf durch unglaub-\nlich viele schillernde Farben bemerkbar, und dann ver-\nänderten sich die Schlammassen immerzu — es schob\nund drängte sich das ganze Sumpfgebiet und blieb in\nständiger Bewegung und erzeugten Hügel und Täler\nund kleine wandelnde Bergrücken, und besonders\ninteressant waren plötzliche Trichterbildungen, die für\nkurze Zeit gestatteten, tief ins Innere zu blicken.\nAber die trichterförmigen Versenkungen schwanden\nimmer wieder, und die Mitglieder des Staatsrates und\ndie Männer der Wissenschaft standen ganz ratlos vor\ndiesem Schlammreich, und auch der Kaiser Moritz\nsagte blos:\n„Das ist ein Sumpf, in dem wir Alle zu Grunde\ngehen könnten!\"\nVon dieser Bemerkung nahm man aber kaum\nNotiz.\nXL\nDer ungeduldige Staatsrat\nDie Mitglieder des Staatsrates waren nun auch\nsämtlich zur Sturmküste gekommen, um das grosse\nNaturwunder anzustaunen; das Meer trat immer weiter\nzurück, und die Schlammberge des Sumpfes blieben in\nständiger Bewegung, und von den Männern der\nWissenschaft wurde immer wieder die Frage erwogen,\nob neue Ausbrüche des Erdinnern zu erwarten seien.\nDer Utopianer bemächtigte sich eine immer heftigere\nErregung, und von vielen Seiten wurde nach dem alten\nKaiser Philander verlangt, der doch sonst bei viel\nweniger wichtigen Gelegenheiten niemals mit inter-\nessanten Meinungsäusserungen zurückgehalten hatte.\nUnd der Staatsrat beschloss dementsprechend, sehr\nungeduldig zu tun und beim Kaiser Philander in\nSchiida anzufragen, was jetzt geschehen solle.\nDiese Anfrage erschien ganz natürlich, da der\nKaiser Moritz in sehr missgelaunter Stimmung nach\nUlaleipu zurückgefahren war.\nAber aus Schiida kam nur ein kurzes Telegramm\ndes folgenden Inhalts:\n„Der Kaiser Philander hat wirklich keine Zeit, sich\nmit Naturereignissen, an denen er nichts ändern kann,\nzu beschäftigen. Danken wir dem Geiste, der alles\nlenkt, für das grössere Naturereignis, das darin besteht,\ndass allen Utopianern kein Haar dabei gekrümmt ist.\nHoffen wir, dass die Utopianer auch für die Folge\ngesund bleiben. Man beachte, dass Sumpfgegenden\nstets ungesunde Dünste ausströmen, und demnach ver-\nhindere man, dass die Neugierigen zu lange an der\nSturmküste verweilen.\"\nDieses Telegramm trug keine Unterschrift und zur\nBeruhigung der Gemüter nicht viel bei; die Bemerkung\nvon der ungesunden Sumpfluft wurde vielfach erörtert\nund der Staatsrat sauste schleunigst mit den elektrischen\nHofwagen nach der Hauptstadt des Landes, allwo er\nauch fürderhin äusserlich sehr ungeduldig tat, ohne es\ninnerlich zu sein, da die Tatenlosigkeit des Kaisers in\nSchiida allen Mitgliedern des Staatsrates sehr wohl-\ntuend vorkam.\nXLI\nDer kaltgestellte Humorist\nDer Kaiser Moritz schrieb währenddem an Frau\nLotte Wiedewitt, Gemahlin des Kaisers von Utopia,\nden nachstehenden Brief:\n„Liebes Lottchen! Jetzt bin ich schon volle acht\nWochen Kaiser, und Du denkst sicherlich, ich schwimme\nhier in der reinsten Glückseligkeit. Das ist aber nicht\nder Fall. Ich finde mich in meiner neuen Stellung\neinfach nicht zurecht. Die Leute sind hier zu ernst. Ich\nhoffte, für die Stadt Schiida etwas Vernünftiges tun\nzu können — das ist mir aber, wie Du wohl erfahren\nhast, total missglückt. Nun sind mir noch manche\nlaunige Einfälle gekommen — aber der gute Staats-\nrat kam meinen launigen Einfällen nicht freundlich\nentgegen Ich bin in Schiida zu Hause und nicht im\nernsten Ulaleipu. Hier ist alles prächtig und sehr\npraktisch eingerichtet. Staatsverbesserungen kann ich\nalso nicht vornehmen. Und für Staatsverulkungen hat\nman hier keinen Sinn. Ich habe hier das Lachen\nverlernt. Ich bin kaltgestellt. Ich pfeife im Grunde\ngenommen auf allen Luxus und auf alle Bequemlichkeiten\nganz energisch. Schliesslich ist auch dieses Wohlleben\nuur eine Beengung der Gedanken. Und daram sehne\nich mich nach Dir, liebes Lottchen. Du musst mir\ndas Lachen wieder beibringen. Der Sumpf an der\nSturmküste hat hier die die Situation noch ernster ge-\nmacht. Die Erhebung des Meeres muss ja wohl\nkolossal ausgesehen haben; die kinematographischen\nBilder wirken ja einfach niederschmetternd.\nWas soll ich aber, der ich doch eigentlich Moritz\nWiedewitt heisse, dazu sagen? Ich wundre mich nur,\ndass man bei all der Aufregung und bei den Erd-\nerschütterungen so viel photographieren konnte Ich\nhabe so die Ahnung, als könnte uns der grosse Sumpf\nein grosses Unglück bringen. Und darum komm schnell\nher. Du bist mir jetzt wichtiger als ganz Utopia.\nIch bin wirkllich in sorgenvoller Stimmung und ganz\nwider meinen Willen zu ernst geworden. Setz Dich\ngleich in den nächsten Zug und komme her.\nTelegraphiere und komme! Ich bin Dein lieber Moritz\nKaiser von Utopia und Trauerklops.\"\nUnd die Lotte Wiedewitt telegraphierte und kam.\n\nFortsetzung folgt\n\nIch tanze in der Moschee\nElse Lasker-Schüler\nDu musst mich drei Tage nach der Regenzeit\nbesuchen, dann ist der Nil zurückgetreten und grosse\nBlumen leuchten in meinen Gärten und auch ich\nsteige aus der Erde und atme. Eine sternenjährige\nMumie bin ich und tanze in der Zeit der Flurea.\nFeierlich steht mein Auge und prophetisch hebt sich\nmein Arm, und über die Stirne zieht der Tanz eine\nschmale Flamme und sie erblasst und rötet sich wieder\nvon der Unterlippe bis zum Kinn. Und die vielen\nbunten Perlen klingen um meinen Hals o,\nmachmede machet hier steht noch der\nSchein meines Fusses, meine Schultern zucken leise —\nmachmede machei, immer wiegen meine Lenden meinen\nLeib, wie einen dunkelgoldenen Stern. Derwi, Derwisch,\nein Stern ist mein Leib! .... Machmede machei»\nmeine Lippen schmerzen nicht mehr . . . rausche —\nsüss tröpfelt mein Blut und meine Schultern beben\nDüfte und immer träumender hebt sich mein Finger —\ngeheimnisvoll, wie der Stengel der Allahblume. Mach-\nmede machei fächelt mein Antlitz hin und her —\nstreckt sich viperschnell und in den Steinring meines\nOhres verfängt sich mein Tanz. Machmede machei,\nmachmede machmede\n\nGegen „Lyrik”\n\nMan höre endlich auf, von „Lyrik\" zu reden.\nDieses Wort riecht fade und nach Allegorie; an eine\nLeier erinnert es, die sehr geschwungen aussieht und\nvon seelenvollen Wurstfingern einer weiblichen Gestalt\n(Muse) geschlagen wird; emphatisch gequetschter Speck\nsind die Finger, die Gestalt aber blickt gen Himmel\nund ist von Gulbransson gezeichnet.\nDazu kommt, dass viele Leute das y in „Lyrik\"\nwie i sprechen, wodurch der Wahn gefördert wird, ein\ngutes Gedicht müsse sangbar sein.\n. . Neben den Referaten über einen Ausschnitt\nWelt (Roman, Novelle), neben dem auf die Beine ge-\nstellten Stück Schicksal (Drama), neben den philoso-\nphäden Mischformen (Dialog, Glosse, Essay) haben\nwir nun einmal jene musikhafte Art: wie man aus"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.5", "texte": "tausend morgenländischen Rosenblättern ein einziges\nTröpfchen Rosenöl presst, so aus einer Unzahl von\ngrossen, kleinen Erlebnissen (Erfahrungen und Erfahr-\nbarkeiten der Sinne, geliebt-gehassten Problemdurch-\nschnüffelungen, Vibrationen des namenlosen — „meta-\nphysichen\" - Zentrums) einen einzigen kleinen Kom-\nplex von Worten zusammenzustampfen; Komplex von\nWorten, der ein geordnet holdes Vagieren ist und worin\ndie allerhand irdischen Sensationen — von den op-\ntischen bis zu den tastnervösen —, das allerhand Cere-\nbrale, die allerhand Wollungen ineinanderschmilzen und\neinig zusammenfliessen mit dem Weltgefühl, das unsere\nSeele kennt. All dies kraft einer Vision gemischt und\ngefasst in das Gesetz einer Form —: das Gedicht\nist da\nWarum aber der Name „Lyrik\" ? Hat denn der-\ngleichen mit Lyra und Lied etwas zu schaffen? Mit\nfahrenden Sängern und dem pfeifenden Handwerks-\n-bursch? Mögen immer die strengen Magister der\nFröhlichkeit, die behaglichen Lobpreiser einer gemein-\nverständlichen Melancholie, kurzum die (so aufrichtigen)\nVerfechter des klassischen und romantischen Volks-\ngedudels diese Frage bejahen: das Beste von Goethe\nund die tränentreibende Wunderpracht, die Hölderlin,\nGeorge, Rilke uns geschenkt, „Lyrik\" zu nennen —\ndarüber lacht mein Ohr und krümmt sich mein Sprach-\ngefühl. Wenn wirklich Bezeichnungen wie Gedicht,\nDichtung, Wortkunst nicht genügen, dann ziehe ich der\n„Lyrik\" immer noch die „Poesie\" vor — trotz allen\nAnklängen an Goldschnitt und Goldschmidt. „Poesie\"\nkommt schliesslich, ohne sich zu zieren, von Troieiv~,\nmachen, und heisst (falls das Einzelwerk gemeint ist)\nimmerhin Machsal. Wogegen sich garnichts einwenden\nlässt; da doch jedes Gedicht komponiert, ziseliert, ge-\nmeisselt werden . . da jedes Gedicht am Ende qual-\nvoll „gemacht\" sein will. Wenn steifbeinige Propheten-\nsöhne dies Fakt bestreiten und kühn behaupten, ein\nGedicht müsse „nicht gemacht, sondern gewachsen\"\nsein, so zeigt das nur, wie leicht Masochismus sich in\nalberne Theorien umsetzt . . .\nNun brauchte man sich ja über eine inadäquate\nBezeichnung nicht besonders aufzuregen; aber diese\nhier birgt Gefahren. Sie ist gefährlich der Kunst jener\nErsehnten, Kommenden, Köstlichen, welche Bedichter\nsind unserer grausig geliebten Städte; Gestalter unserer\nintellektischen Ekstasen, eisigen Gluten, süssen Flagel-\nlationen; unerhörte Zusammenraffer alles in letzten\nMenschen unerhört Durcheinanderwirbelnden. Diese\nkommende Kunst wird den Assoziationen von „Lyrik\",\ndie der mittlere und auch der bessere Bürger notwen-\ndigerweise hat, noch heftiger zuwiderlaufen als selbst\nder Georgesche Brokat und die erschütternde Konden-\nsiertheit Rilkescher Gesichte. Dieser kommenden\nKunst, aus der auch die allerletzten Rudimente von\nWaldesgrün und Lerchensang, von Herz und Schmerz\nund Lust und Brust, von Sinnigkeit und Innigkeit und\nKühen auf der Weide verduftet sein werden — : jeder\nschöngeistige Advokat und jede Lyzeumsziege wird\ndieser Kunst einfach das Dasein absprechen. Und ich\nhöre schon, als Argument, entrüstet gefistelt die rhe-\ntorische Frage: „Ist denn das noch Lyrik?!\"\nMan wird dem Schöngeist und der Ziege sich sehr\nkonträr fühlen, und wird dennoch sagen müssen:\n„Nein, Euer Liebden; Lyrik nun freilich ist dieses nicht!\"\n— worauf dann der fatale Begriffsstreit entbrennt.\nRotten wir jedoch den dämlichen Terminus bei-\nzeiten aus, so werden Schöngeist und Ziege sich schon\nein anderes Argument suchen müssen; und der Nach-\nweis, dass sie Zulus sind, gestaltet sich dann be-\nquemer.\n\nKurt Hiller\n\nDer Dogmatiker und der\nVoraussetzungslose\nDialog von John Wolfs\nPersonen : Kurt, voraussetzungsloser Forscher. Hat\neine untersetzte Gestalt, goldene Haare,\ngoldene Brille und treue Augen.\nFitz, Dogmatiker.\nKurt: Halt, Fitz, wie beweisest Du Deine Behaup-\ntung der Existenz Gottes?\nFitz: Ich kann sie nicht beweisen.\nKurt: Dann treibst Du keine wahre Wissenschaft\nund kannst nicht zu den Quellen der Wahr-\nheit dringen. Denn das kann nur die wahre,\ndie voraussetzungslose Wissenschaft.\nFitz: Ich will garnicht voraussetzungslos sein, sinte-\nmalen ich Dogmatiker bin.\nKurt: Warum denn? Warum bist Du Dogmatiker?\nFitz: Wenn man den Dogmatismus beweist, wider-\nlegt man ihn. Wie kannst Du, Fanatiker der\nLogik, solche Unlogik von mir verlangen?\nKurt: Jetzt bist Du gefangen! Du wolltest Deinen\nDogmatismus nicht begründen, um ihn nicht\naufzuheben. Also: die Ablehnung der Be-\ngründung begründetest Du Du argumentierst\nlogisch, selbst wenn Du logische Argu-\nmentationen ablehnst. Mithin: Rechtfertigst\nDu Dein Prinzip, so verleugnest Du es, recht-\nfertigst Du es nicht, so verleugnest Du es.\nErgo ist Dein Prinzip falsch.\nFitz: Es kann mir egal sein, ob es falsch ist, da\nes garnicht richtig sein will. — Aber, o Vor-\naussetzungsloser, warum bis Du denn vor-\naussetzungslos?\nKurt: Denke an die Macht des Logikers über die\nGeister! Kann er nicht seine Gegner zu\n„folgerichtigem Denken\" zwingen, ihnen die\neignen, wohlbegründeten Ueberzeugungen auf-\nnötige n?\nFitz: Ist er nicht selbst der Logik blind ergeben?\nNur als Sklave hat er Macht. Kurt, beweise:\nWarum soll man logisch denken? Warum\nsoll man Sklave der Logik sein? Warum\nsoll man Macht über die Geister haben ?\nWarum soll man voraussetzungslos forschen?\nDas alles sind ethische Postulate. Beweise\nsie, bitte, doch.\nKurt: (schweigt)\nFitz: Du kannst sie nicht beweisen. Also bist Du\nDogmatiker, Du Voraussetzungsloser. Je-\ndoch, Du weisst nicht, dass Du Dogmatiker bist.\nKurt: Aber widersprichst Du Dir nicht selbst, wenn\nDu fortgesetzt aus Logik an der Autorität der\nLogik zweifelst?\nFitz: Ich gebe das zu. Aber spricht es wider mich,\nwenn ich mir widerspreche ? Mein Dogma-\ntismus beansprucht keine logische Geltung.\nAlso kannst Du die Logik nicht gegen ihn\nausspielen.\nKurt: Du sagst, Dein Dogmatismus beansprucht\nkeine logische Geltung. Diese Behauptung\nrechtfertigst Du logisch. Das bleibt ein\nWiderspruch. Schaff ihn hinweg.\nFitz: Habe ich gesagt, ich bekämpfe die Logik?\nIch verhalte mich ihr gegenüber neutral. Ich\nehre sie, wenn ich will, ich verachte sie,\nwenn ich will. Ich kann meinen Geist tanzen,\nich kann ihn die Gedankenbahn hinschleichen\nlassen. Niemals falle ich aus der Rolle und\nVerstösse gegen Prinzipien. Du aber, Vor-\naussetzungsloser, kannst Dein Prinzip nicht\nvertreten, ohne es zu leugnen, nicht voraus-\nsetzungslos forschen ohne Voraussetzung.\nDu denkst logisch — aus Unlogik. Das\nResultat unserer Unterredung? Nicht der\nvoraussetzungslose Forscher, nur der Dog-\nmatiker hat das Recht auf Logik.\n\nHermann Essig: Die\nGlückskuh\nJakob van Hoddis\nDie Pan-Bühne versuchte neulich im Modernen\nTheater Hermann Essigs Lustspiel „Die Glückskuh\"\naufzuführen. Das Stück spielt in einem Dorfe unter\nplumpen habsüchtigen Bauern. Sein Inhalt: Der Kuhhandel\nzwischen den brutalen und den zärtlicheren Instinkten;\nbeide Parteien werden betrogen, denn sie sind un-\ntrennbar ineinander verstrickt. Am meisten vergnügt\nmich Hermann Essig durch die Umkehrung einer ge-\nwohnten psychologischen Perspektive. Er stellt die\nFrauen als die Geistigeren dar, als die bewussteren\nTiere, deren Entschlüsse in grösserer Helligkeit wachsen,\nferner von besinnungsloser Dumpfheit; aber er\nempfindet sie auch als die Boshafteren, Härteren, Ver-\nlogeneren. Man würde den Hermann Essig einen grau-\nsamen Psychologen nennen, wenn man nicht fühlte:\ner liebt die Frauen viel zu sehr, um sie zu ide-\nalisieren; er kann noch da lächelnd geniessen, wo ein\nStrindberg tobt und anklagt. Zum Schluss aber, als\nman dem „Rebekkle\" die gestohlene Kuh wieder nimmt\n— die schöne braune Kuh mit den Ringelhörnern, die\nihr so sanft über [die Bühne gefolgt war —, als die\nStrafe droht und die Verlobung aufgelöst wird, ver-\nsuchte mich der Dichter zu allerhand Mitleid zu ver-\nführen. Auf Grund der Tatsache, dass die Heldin\nein Kind unter dem Herzen trägt. Und ich sollte\nmich freuen, dass dann doch der Oberamtmann mit\nder Aktenmappe durch einen wohlwollenden Machtspruch\nder Kleinen zu einem Mann verhilft. Hermann Essig\nalso, der uns so lustig zu erschrecken verstand, ein\nZergliederer menschlicher Seelen, hat Respekt vor dem\nWohlwollen der Oberamtmänner und den Ideen des\nBundes für Mutterschutz. Dieser Gedanke bedrückte\nmich auf dem nächtlichen Heimwege vom Theater.\n\nVon der Technik des\nTotschweigens\nAm 7. Juli 1910 stellte ich in dieser Zeitschrift fest,\ndass die Berliner Presse über die Ausstellung des\nMalers Oskar Kokoschka im Salon Cassirer sich\nausgeschwiegen hat. Am 6. Februar 1911 steht in der\nAbendausgabe des Berliner Tageblatts folgendes zu\nlesen:\nDer Aufreizendste unter diesen Kommenden\nist der Maler Oskar Kokoschka. Er trat\nmit Führeraplomb aufs Schlachtfeld als Dichter,\nMaler, Stückschreiber und Regisseur. Die\nLeute über fünfundzwanzig waren zu einigem\nMisstrauen berechtigt, denn er hatte die Geste\n„Epatir les bourgeois.\" Wer aber den Bürger\nbluffen will, befindet sich noch in innigster\nAbhängigkeit von ihm. Dem Reifen kommt's\nebensowenig darauf an, dem Bürger zu\nschmeicheln, als ihn zu „giften\". Auch in\nder neuen Ausstellung, die diese jüngste\nKünstlergruppe soeben in Wiener Hagenbund\neröffnet hat, lebt sichtlich noch das Bedürfnis,\nlieber Empörung als Beifall zu wecken. Im\ngrossen Ganzen aber haben es die jungen\nnicht nötig, um den Hass der Menge zu\nbuhlen, denn sie haben, hinter allerlei ab-\nsichtlichen Posen versteckt, Talent, und das\nruft schon Zorn genug hervor. Kokoschka\nhat diesmal eine Menge Porträts ausgestellt,\ndie auf den ersten Blick grotesk wirken. Ab-\nsichtliche Unproportionen fallen ins Auge,\nkoloristische Willkürlichkeiten reizen auf.\nAber jedes dieser Porträts ist von einer Un-\nbarmherzigkeit, wie sie nur ein ganz junger\nMensch aufbringt, und je länger man um\nBilder . wirbt — und warum sollte man um\ndie Dokumente der Jugend nicht werben? —,\ndesto deutlicher liest man aus jedem dieser\nGesichter und Fratzen die Tragödie eines\nLebens. Gewiss, Herr Kokoschka ist nicht\nsehr gütig, aber seine Porträts sind doch keine\nKarikaturen, weil er seine Objekte durchaus\nnicht lächerlich machen will, indem er aus den\nGesichtern ernste, zuweilen grauenhafteTragödien\nherausliest. Edward Münch ist neben Kokoschka\nein jovialer alter Herr.\nNun glaube man ja nicht, dass der Herr Kunst-\nkritiker vom Berliner Tageblatt sich seine Ansicht bis\nzu diesem Tag überlegt hat. Diese Besprechung\nschrieb der Wiener Korrespondent des Berliner Tage-\nblatts anlässlich einer Ausstellung von Oskar Kokoschka\nim Hagenbund. Nun frage ich: Was hat die Taktik\ndes Totschweigens grosser Künstler in Berlin für einen\nZweck, wenn man es über Wien unterbrechen kann?\nUeber Wien! Vielleicht wird den Berliner Kunstkritikern,\ndie ja angeblich den „Kunstmarkt\" beherrschen, das\nBlamable ihres Nachgehens begreiflich.\nTrust"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.6", "texte": "Offener Brief\nSehr geehrter Herr Waiden!\nErnst Blass\nSie haben im „Ulk\" jene Notiz von Fritz Engel\ngelesen, die sich mit meinen im „Sturm\" veröffentlichten\nVersen befasst? Aber ich muss Ihnen eine Freude\nnehmen. Diese Notiz ist nämlich kein Stück für Ihre\nSammlung; keine neue Demaskierung nur der primi-\ntivsten, blankesten . . . nun Vernageltheit. Hier kommen\nvielmehr Umstände hinzu, die Sie noch nicht kennen,\nund die die fesselnde Vorgeschichte des Äff . . . dieses\nAffronts bilden.\nIch hatte in einer Zeitschrift eine Glosse gegen\neinen Aufsatz von Felix Stoessinger über Heinrich Mann\nveröffentlicht. Dieser Aufsatz war kurze Zeit vorher\nin dem von Engel redigierten „Zeitgeist\" erschienen.\nEs ist nun völlig ausgeschlossen, dass Engel meine\nPolemik dagegen verstanden hat Denn ich bekämpfte\nden Psychologismus Stoessingers, der aus dem Ideelich-\nGegenständlichen der Mannschen Werke teils belanglose\n(schien mir), teils unrichtige Schlüsse auf diesen Künstler\ngezogen hatte. Ich erhielt die Beifallsäusserung der\nberufensten und die Missfallsäusserung der unberufensten\nSeite. Ich hatte ja eine scharfe Bemerkung gegen den\nRedakteur des „Zeitgeist\" gemacht und so den Un-\nwillen des Ulk-Redakteurs erregt. Herr Engel nämlich,\nim „Zeitgeist\" ein Gegenstand der Komik, versucht sie\nim „Ulk\" zu erzeugen. Er sass am „Redaktionstelefon\"\nund hörte von meinem Angriff. Und während er mit\nder linken Hand ängstlich den Hörer umklammerte,\nantwortete seine rechte, ich sei ein Antisemit (privatim).\nUnd als ihm dieser quatsche Vorwurf verwiesen wurde\n(denn es ist auch kein Antisemitismus, Herrn Bartels\nerträglicher als Herrn Engel zu finden), stellte er mich\nerst privatim, dann öffentlich als einen harmlosen\nGeisteskranken dar (denn es ist ein abgeklapperter\nSchmiererbrauch, wenn man Maure davor hat, von\neinem Stärkeren unmöglich gemacht zu werden, dies\nin einer Ueberlegenheitspose auszusprechen). Er griff\naus einem im „Sturm\" erschienenen Gedicht die un-\nanfechtbarsten Verse heraus, schrieb eine Notiz für\ndes „Ulk*, betitelte sie „Lütiti\", verschwieg aber für\ndie gebildeten Leser des „Ulk\" den Namen des „Sturm\",\ndamit diese nicht das ganze Gedicht nachprüfen könnten\n(da ihnen ja meine Verse als nicht lächerlich auffallen\nmussten und die Prüfung des ganzen Gedichts Herrn\nEngel glatt blamiert hätte). Dazu nannte er die von\nhm zitierten Verse „übergeschnappte Hebammen-\nphantasie\". . . . Und das ist wirklich schade . . . Doch\nergibt sich daraus, dass Retourkutschen Freitag früh\nfahren, will sagen, dass es nicht darauf ankommt,\nfestzustellen, wie ein Künstler zu dem Ideelich-Gegen-\nständlichen seiner Werke kommt, doch sehr darauf,\nwie ein kenntlicher Herr Engel zu dem Vergleich mit\neiner „übergeschnappten Hebamme\" als welche ich mit\nhochachtungsvollem Grusse verbleibe.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nALFRED MOMBERT\nAeon vor Syrakus / Drama\nVerlag Schuster und Loeffler, Berlin\nPAUL ZECH\nWaldpastelle / Gedichte\nVerlag A. R. Meyer, Wilmersdorf-Berlin\nNOUVELLE REVUE FRANQAISE\nMonatsschrift / Einzelne Nummern auf\nBütten ein Franc fünfzig Centimes / Jahres-\nbezug für das Ausland achtzehn Francs\nParis / Marcel Riviere & Cie / 31 rue Jacob\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\nV. I.: Oskar Kokoschka\n\n%..4|r\nfmilll\nm\nS>\ne*\n»\nCv\nm\n<%k\n%T4\niiiiSfii:\nWarnung!\nHo hie Zahne sind, wie die rodsten aus Erfahrung wissen,\ncines der unangenehmsten und schmerzhaftesten Uebel,\nunter welchen die Menschheit zu leiden hat. Man hute\nsich daher dringend vor Vernachlassigung der Zahn-\npflege und gebraucbe taglich Kosmin lundwasserj\nwelches den denkbar besten Schutz gegen das Hohlwerden\nder Zahne bietet, gleichzeitig das Zahnfleisch kraftigt\nund den gesamten Mundorganismus erfrischt Preis pro\nFlasche, lange ausreichend, Mark 1.50, überall kauflich\nH.\nm\ni*r.. - '*\n- ' ,7\n\nDie Kindermilch nach Prof. Dr. BackhauskommtderMuttermilch am nachsten.\n' v : •>' • . . ' ;--'V •; '. ' v\nmm\n|\\uhnitlch0H Ba<Khaus MilchH Frauen-A\\ilch'\nA\n/T\\\nA\n5\nmm\n1 2/ 3 \\4- 5 ■\niniiMiiiiii'iiß imimip i\nirim\nTrockensubstanzen von je 1 Liter Kuhmilch, Backhaus-Milch und Frauenmilck\n1. Milchzucker — 2. Fett —*3. Eiweiss — 4. Kasein — 5. SaJze\n\nDer Neue Club\nNeopathetisches Cabaret\nMontag, den 27. Februar, abends 9 Uhr\nCafe Austria, Potsdamerstrasse 29.\nEs lesen vor: Peter Baum, Ernst Blass, Golo Gange,\nGeorg Heym, Kurt Hiller, Jakob van Hoddis,\nErich Unger\nLudwig Hardt rezitiert Gedichte von Georg Heym,\nRudolf Bliimner Katerpoesie von Scheerbart.\nBillets bei Edmund Meyer, Buchhandlung, Potsdamer-\nstrasse 27 bund an der Abendkasse\n\nmtmm. i i li n im» i\n1\nZeitschrift fur Musterzeichner\nWirksames Insertions-Organ\nFachschrift ersten Ranges\n:: Abonnenten in alien Staaten Europas ::\nInsertionsgebiihren massig\nOfferten gern zu Diensten\nSchriftleitung C. Kruger Unterbarmen (Rhld.)\nHirschstrasse 49"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "417", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.7", "texte": "Galerle Iflaximllian fllacljt\n38885 38885 3885 3885 3885 38885 38885\nBerlin SI., Ranke-Strasse 1\nan der Kaiser BHlfyelffl GedScl>tnis - Klrc&e"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "418", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110225-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle „Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, für Berlin, Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Expeditionen, Druck y. Carl Scliüssler-Hannoyer\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nBund filr Gesundes Leben (B. 112. Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n— „Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B- 1- G- L.\" und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergiinstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, . Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fur Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig.\n\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\n□\n□\nJJJ\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe =\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „Pharmacia\" / Fabrik fiir pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend\njh\n□\n□\nML\n0B\nm\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters\n\nCafe Continental 52JTS\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\n:: Alle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::\n\n„Der Forscher\"\nIllustriertes Zentralblatt flir deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher,Hannover,unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfuistl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ~Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, Dezw.\nK. 6.—, fordernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, Dezw.\nK. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis und franko\nInserate finden im „Forscher\"\nwirksamste Verbreitung\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\n— Geschaftsstelle: —\nForscher - Verlag, Hannover\n\nInkeinem Hause solltefehlen:\nFelke-Zeitung\nZeitschrift fiir naturgemasse\nLebens- und Heilweise und\nHomdopathie nach der von\nPastor Felke in Repelen be-\n: gegriindeten Heilmethode :\nSle erscheint allmonatlich\nunter Mitwirkung mehrerer Aerzte\nund hervorragender Sachverstan-\ndiger. Sie bringt ausfiihrliche Auf-\ns'&tze iiber die verschiedensten\nKrankheiten und der en Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomdopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementspreis jahrlich\n: 3 Mark :\nAbonnements nehmen die Brieftr'A-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland).\n\nVerlag „Der Sturm\"\nV\nWir iibernahmen in unsern\nVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesang u. Klavier\n52 Seiten——\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch denVerlag DER STURM\nHalensee / Katharinenstr. 5.\n\n■ ■\nMax Giesswein \"\nKgl. Sachs, und Kgl. Wfirttembg.\nHofopernsanger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nFernspr.: Via 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr\n\nYerlag Paul Reinike ■\nWilmersdorf ■\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n\nVerlag Oesterheld & Co.\nIn unserm Verlag erschien\nElse\nLasker-S chiiler:\nDie\nWupper\nDrama\nMk. 2,50\nDurch alle Buchhandlungen\nzu beziehen\n\nDie Facke\nHERAUSGEBER\nKarl Krans\nNummer 315/316\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nOberall erhaltlich\n■I\n\nHOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERAOT IHRER MA.TEST AT\nDER KAISERIN UND KONIGIN\nWB-BERLIN.WB\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNG-SEINBJCHTUNG-EN\ni i KUNSTGEWERBE I i\nANTIQUITATEN UND STOFFE\n\n#\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 -- Telephon I 7497\n\nHanse Herrmann\n\\\nKiinstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967\n\nFriedr. Blester uma\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprtifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in ftihrender Stellung). Griind-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz ftir\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die ftir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren una\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,National3konom.,\nOffiziere, die ftir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}