{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_sha256": "ff1eb59db9991d63824826d70a733dae0875796b8ee83f8d1124b210d517d05e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/03/04_01/bmtnabg_1911-03-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/03/04_01/bmtnabg_1911-03-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "419", "page_fin": "419", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.1", "titre_corps": "INHALT:", "titre_sommaire": "INHALT:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "419", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.1", "debut_caractere": 546, "fin_caractere_exclue": 871, "texte": "INHALT:\nMEHR KINDER / Eine Rundfrage: PRO-\nFESSOR DR. 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Der Bundesrat kann den Verkehr mit Gegen-\nständen, die bei Menschen die Empfängnis verhüten,\noder die Schwangerschaft beseitigen sollen, beschränken\noder untersagen . . .\nSoweit der Bundesrat den Verkehr mit einzelnen\nGegenständen untersagt hat, ist deren Einfuhr ver-\nboten . . .\n§ 8 . . . Mit der gleichen Strafe (Gefängnis bis\nzu sechs Monaten und Geldstrafe bis zu 1500 Mark)\nwird, wenn nicht nach anderen gesetzlichen Bestim-\nmungen eine schwerere Strafe verwirkt ist, bestraft,\nwer öffentlich ankündigt oder anpreist, Gegenstände\noder Verfahren, die den Menschen . . . zur Ver-\nhütung der Empfängnis oder zur Beseitigung der\nSchwangerschaft dienen würden . . .\nDiese Paragraphen findet man in dem neusten\nGesetzentwurf zur Bekämpfung der Kurpfuscherei, der\ndemnächst in einer Kommission des Reichstages zur\nBeratung steht. So etwas soll in Deutschland Gesetz\nwerden. In Deutschland, das den traurigen Ruf der\ngrössten Kindersterblichkeii besitzt, das an sozialer\nFürsorge so gut wie nichts leistet und den Schutz der\nMütter und der neugeborenen Kindern Privatpersonen\nüberlässt. Der Verfasser des Entwurfs befindet sich\nin dem ahnungslosen Zustand eines neugeborenen\nKindes gegenüber allen sozialen, hygienischen und\nvolkswirtschaftlichen Erfahrungen und Kenntnissen.\nMan weiss nicht, wie weit die Kommission orientiert\nist. Es erschien mir daher angebracht, einige hervor-\nragende Persönlichkeiten über Wesen und Bedeutung\ndieses Teils des Gesetzentwurfes zu befragen. 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Ich will daher nur kurz\nmeine Ueberzeugung äussern.\nDer Neumalthusianismus, der die Empfängnis zu\nhindern empfiehlt, ist heute in den oberen und teil-\nweise auch in den mittleren Klassen so verbreitet, dass\nauch ein Verbot des Verkehrs mit den ihm dienenden\nMitteln nicht viel nutzen wird. Die Verhinderung der\nEmpfängnis mag in vielen Fällen unberechtigt sein, in\nvielen anderen ist sie berechtigt; so gegenüber schwäch-\nlichen Frauen, gegenüber Frauen und Eltern, die durch\nmehr als zwei bis drei Kinder in wirtschaftliche Not\nkommen. Frühe Heiraten von Leuten, die für die\nersten fünf bis zehn Jahre die Empfängnis hindern,\nkönnen in zahllosen Fällen ein grosser Vorzug gegen-\nüber Spätheiraten sein, das sittliche Familienleben viel-\nmehr fördern als hemmen. Dagegen ist richtig, dass\nder übertreibende Neumalthusianismus den Egoismus\nder Eltern, die Abneigung gegen die Erfüllung von\nPflichten steigert, hiergegen helfen aber nicht Verbote,\nwie sie jetzt vorgeschlagen sind, sondern wirtschaftliche\nMassnahmen, die die Familiengründung erleichtern, wie\ngleichmässigere Vermögens- und Einkommensverteilung\nund moralische Mittel, die den Egoismus der oberen\nKlassen zurückdrängt.\nWo — wie in den unteren Klassen in Deutsch-\nland vielfach — die Mittel der Hinderung der Emp-\nfängnis noch garnicht bekannt sind, ändert das Verbot\nnichts; ist gewissermassen überflüssig. Aber gerade\nvon diesen Kreisen wird man sagen müssen: Weniger\nGeburten, aber lebensfähigere wären erwünscht. — —\nIn den armen Familien, die heute noch so vielfach\nsechs bis zehn Kinder haben, sterben eine Ueberzahl\nvor dem fünfzehnten Jahre. Das ist eine nationale\nKalamität.\nDer ganze Neumalthusianismus mit seinen Mitteln\nist ein zweischneidiges Schwert. Völker, die ihm zu\nsehr huldigen, werden senil, breiten sich nicht mehr\naus, haben keinen Zuwachs wie Frankreich und ein-\nzelne Teile respektive Schichten Nordamerikas. Anderer-\nseits kann es prinzipiell nicht falsch sein, wenn der\nMensch mit sittlicher Ueberlegung die Kinderzahl regu-\nliert; der richtige Weg freilich, führt haarscharf zwischen\nzwei Gefahren hindurch. Ich würde es für richtiger\nhalten, zunächst nicht mit mechanischen Verboten in\ndieses Gebiet einzugreifen. Die Sache ist nicht\nspruchreif."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "419", "page_fin": "420", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.4", "titre_corps": "Kants Vermächtnis", "titre_sommaire": "Kants Vermächtnis", "signature_source": "S. Friedlaender", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "419", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.1", "debut_caractere": 4877, "fin_caractere_exclue": 8678, "texte": "Kants Vermächtnis\nVon Dr. S. Friedlaender\nZum Philosophen wird man durch die Fähigkeit, lauter\nProbleme dort zu sehen, wo der gemeine Kopf lauter\nTatsachen findet Schon, dass etwas sein könne ausser\nihm, unabhängig von ihm, erstaunt den Philosophen\nbis zur schwermütig brütenden Nachdenklichkeit. Er\nfühlt sich Alles in Allem. Er verlässt sich allein auf\nsich selbst.\nEin Phänomen des Erkennens ist Philosophie\nnur auf der Fläche. In ihrer Tiefe ist sie die Sehn-\nsucht nach Weltaneigung. Der Mensch, als Philosoph,\nist im Grunde so gesättigt vom Gefühle seiner Freiheit,\nseiner Unvergänglichkeit, dass alle dagegen schreiende\nErfahrung ihm einen schmerzlichen Unglauben erregt,\nund dass er sich auf Schritt und Tritt aufgefordert\nfühlt, sein Besserwissen auszusprechen.\nHier nun beginnt die Gefahr der Philosophie, die\nMöglichkeit des jähen Umschlagens aus der äussersten\nVertrauensseligkeit in die äusserste Verzweiflung. Eine\nGefahr, der sie daran war, zu erliegen, als ihr,\ngegen das Ende des achzehnten Jahrhunderts, ein\nmächtiger Wender ihrer Not erstand. Immanuel\nKant, der zum ersten Male den Versuch machte, weder\ndogmatisch noch skeptisch zu verfahren; sich gegen\ndie Welterfahrung weder zu verstocken, noch sie\nresigniert in aller ihrer Wankelmütigkeit hinzunehmen,\nmit demütiger Unterwerfung. Sondern, der zwar noch\nmit der Gebärde schüchterner Zurückhaltung, aber mit\nbescheidener Entschiedenheit das unberechenbare Welt-\nkind der Sinneserfahrung bei sich aufnahm und sich\nauf die Disziplinierung dieses spröden Wesens ein-\nschränkend, sich aller Ansprüche auf vermeint1 :ch\nhöheren Beruf entschlug.\nEs ist das erste, langsame, halb noch widerwillige\nWegwenden des Blicks vom Traumbild einer holderen\nJenseitigkeit. Es ist das erste, noch herb schmeckende\nHoffnung auf blutechte Wirklichkeit des Selben, was\nman vordem hinter die Welt verlegt, oder worauf man\nin allen Graden der Skepsis verzichtet hatte.\nDass alles Endliche ein Irrtum, ein Traum und Alb-\ndruck, höchstens ein Gleichnis sei, ist der Gesang\naller Zeiten. Vieleicht gab es einmal eine so göttliche\nGesundheit des Lebens, dass man nicht erst über die\nWelt und in Märchenphantasien oder zur Kunst zu\nflüchten brauchte, das ewig Wirkliche gewahr zu\nwerden —es klingt uns heute wie Mythologie. Jeden-\nfalls hat man sich sehr früh pathologisch zum Wirk-\ngestellt, indem man entweder gegensätzliche Ideale\nbildelte oder allen Idealen entsagte.\nDen Anfang des Endes dieser langen Quälerei be-\ndeutet uns Kant, der den Geist gesetzgebend für die\nErfahrung, ihn ihren Schöpfer sein liess. Die Dignität\nder Erfahrung stieg hierdurch beträchtlich. War es\nauch erst ein Anfang mit allem Ächzen und Krächzen\nmühseliger Beladenheit, so war nun zu hoffen, dass\nvon dorther eine unerhörte Gesundung nicht nur der\nTheorie, dieser belebenden Atmosphäre der Praxis,\nsondern der Praxis selbst in immer tieferem Durch-\ngreifen sich anhebe. Denn hier erschien eine junge\nArt der Resignation, welche sich ebenso streng den\nLuxus des Ausschweifens ins Imaginäre wie den arm-\nseligen Reiz des Klebens am puren Sinnlichen ein und\nalle mal verbot. Eine Resignation, welche Raum doch liess\nfür ein ungeheures Problem, vor dem sich Kant selbst\nden Finger auf die geschlossenen Lippen drückte, und\ndas mit der ganzen Zukunft schwanger geht. —\nVon Cartesius rührt in der Metaphysik das ernst-\nliche Streben nach Gewissheit her. Zu loben ist hier,\nwie bej Anfängern in der Regel, nicht viel mehr als\nder redliche Wille. Allzuschnell war das pou sto bei\nder Hand. Vor lauter Bäumen sah man kaum den\nWald, vor lauter Begriffen kaum die Welt. Man un-\nterschied das denkende Subjekt und das körperliche\nObjekt und stritt über die Abgrenzung der Kompetenzen.\nEs schien nicht gelingen zu können, des Objekts\nhabhaft zu werden, ohne entweder es subjektiv zu be-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "420", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7132, "texte": "einträchtigen oder die subjektiven Ansprüche zu mindern.\nMan erfand sich, um die Uebereinstimmung denken\nzu können: die sonderbarsten, scharfsinnigsten, fast\naberwitzigen Theoreme. Bald sollten Subjekt und\nObjekt identisch sein, Attribute, verschiedene Seiten\nderselben Substanz. Bald war Gott der Ort, wo sie\neigentlich harmonierten; nachdem der influxus physicus\nnicht mehr Stich gehalten hatte. Wieder waren ver-\nschiedene Arten zu ersinnen, auf welche sie in Gott\nharmonieren könnten; war's durch göttliche Hilfsbereit-\nschaft in jedem Augenblick? Oder war es würdiger,\ndass Gott in einem Augenblick ewiger Prädestinetion\ndie Harmonie endgültig besiegelte?\nDiesen Wagnissen gemeinsam ist die unkritische\nArglosigkeit gegen das denkende Subjekt mit seinen\nBegriffen. Den Finger in diese Wunde legte John\nLocke. In der Schule Bacons, des Begründers der\nPhysik, des Wirdlichkeitsfanatikers, und in der des\nMaterialisten Hobbes wohl vorbereitet, gegen das Sub-\njekt auf seiner Hut zu sein, brachte er die Neigung\nmit sich, dessen Immaterialität anzuzweifeln. Jeden-\nfalls erhält es zu allen Begriffen den Anstoss von\naussen. Ueberhaupt stammt alle echte allgemein\ngültige, notwendige Erkenntnis von aussen: hier brach\nsich die Willkür des Subjektes an Realien, an denen\nes nicht einmal in Gedanken etwas ändern konnte.\nAntipodisch entgegen trat der Alles subjektivierende\nBerkeley. Sinnreich zu vermitteln suchte Leibniz, einer\nder liebenswürdigsten und erfindnrichsteu Geister. Aus\neiner Welt schuf er eine Harmonie zahlloser Welten\ndie sich durch göttliche Fügung zum Reigentanze zu-\nsammengeschickt haben. Einer solchen rein geistigen\nWeltmonas ereignete sich das materiell Gegenständliche\ndurch eine Art perspektivischen Um- und Herabblickens\nauf die Gesamtheit der übrigen. Das Aeusserliche\nwar ein Sumationsphänomen, ein Konglomerat aus\ngeistigen Elementen. —\nSo weit was das Problem bis zu Kant gediehen\nUeberall war man darauf aus, den Dualismus des\nAussens und Innens zu überwinden, den Riss der\nWeltglocke, deren blechernes Geklapper statt des\nKlanges man längst vernahm, auszuheilen. Man war\nvoller Zuversicht: Mit ein paar Dogmen, mit dem Deus\nx machina glaubte man alles geleistet. Denn das\n£ir es eben, dass niemand den Mut besass, die ge-\nfährliche Kluft wirklich klaffen zu lassen, die man\nlängst vor Augen sah. Der Riss drohte durch das\nLeben selber zu gehen. Und ohne sich überhaupt\ngründlich zu den Extremen entschlossen zu haben,\nbehalf man sich schon mit allerhand Vermittlungen.\nAber Hume hatte bereits mit schwerem Finger an\nein Problem gerührt, welches schon die Zündschnur\nzur Mine Kants in Brand setzte, die hernach alle\njene metaphysischen Luftschlösser gewaltig auffliegen\nliess. Hume wunderte sich, dass wir manches in-\nstinktiv besser und früher wüssten, als es erfahren — viel-\nmehr, als es überhaupt nie und nimmer mit rechten\nDingen erfahren werden konnte. Nach einem be-\ndenklichen Kopfschütteln entschied er sich, es sei\nvielleicht eine mehr nützliche als auf Wahrheit beruhende,\njedenfalls tief eingewurzelte Angewohnheit. Mit un-\nvergleichlich denkkräftigerem Organe griff hier Kant zu.\nEine ungeheure Vorsicht bezeichnet seinen Weg,\neinen Weg des erstaunlichsten Lavierens zwischen\ndurch einander treibenden Eisblöcken. Als Mann der\nOrdnung, des Vertrauens, der Sicherheiten, hielt er\ndas Bewusstsein der ausserordentlichen Verantwortung,\nwelche man mit einer Revolution auf sich nimmt, be-\nständig in sich wach Zögernd und zaghaft gesteht\nsich ein solcher Geist die eigene revolutionäre Be-\nstimmmung ein. Unter viel Vorbehaltlichkeit und stetem\nProtest gegen sich selbst wagt er sich mit ihr hervor.\nEr klammert sich an das Alte so lange, bis vor dem\nwehenden Winde des Neuen alle Segel sich blähen,\nalle Taue sich straffen dann entschliesst er sich zur\nFahrt. —\nWir sehen Kant in seinen reifen Mannesjahren\nvon Leibniz -Wolffischer Tradition zur englischen\nEmpirie zweifeld hin und wieder pendeln. Das Problem\nder Apriorität macht ihm die Natur interessant. Nicht\nohne Glück versucht er mehrmals, auf spakulativem Wege\nphysischen Phänomenen beizukommen. Er stösst hier-\nbei auf den Widerstand der Natur, auf die berühmte\nGrenze, deren Festsetzung seine erste und letzte Sorge\nwar.\nHume, wie gesagt, hatte ihn bis dicht an das\nProblem herangeführt, dem er gründlicher zu Leibe\nals jemals einer vor ihm. Wie ist es möglich, dass\nwir manches über die Dinge da draussen unvergleichlich\nsicherer wissen, als es uns Erfahrung jemals lehren\nkönnte? Apaodiktisch wissen? — Grosse Geister\nhatten hier verschiedene Antworten gegeben: von Piaton\nangefangen, der allegorische Aufschlüsse gibt, wenn er\nmeint, wir erinnerten uns gewisser überzeitlicher Er-\nlebnisse ; bis auf Leibniz, dem die äussere Erfahrung\nnur eine zusammengeronnene innere ist. Niemand\nhatte sich noch um die gehörige Systematisierung der-\nartiger apriorischer Erkenntnisse bemüht.\nDiese Kritik aller Kritiken unternimmt nun Kant:\ndie Kritik der reinen Vernunft. Hier ist das Ende\nalles philosophischen Vagabundierens ins Blaue hinein\nohne einen anderen Aufwand als wunderschöner Ima-\nginationen. Gleichviel, heisst es jetzt, ob da draussen\neine selbständige, von unserem Subjekt unabhängige\nWelt dasteht oder nicht: — Wir haben an ihr zugleich\nunser Machwerk, zugleich unser Problem, Mag das,\nwas uns der Verstand im voraus eingibt, mit dem, was\nuns der Sinn hinterdrein] kennen lehrt, in der Wurzel\nverwandt sein: uns Menschen ist diese Verwandtschaft\nein Geheimnis. Wir müssen unterscheiden zwischen\nder Weltform, welche wir selbst liefern, und dem\nWeltgehalt, der problematischen Ursprungs ist. Apri-\norischer Verstand und aposteriorische Sinnlichkeit sind\nauf einanderangewiesen. Dem Geiste ist es fortan nicht\nmehr gestattet, die Sinnlichkeit wie eine lästige Fessel\nvon sich abzustreifen; sondern seine ganze Energie\nwird au die Kultur der Sinne verwendet.\nAllein er braucht sie dabei nicht auf! Wo soll\ner mit dem Reste hin? Ebenfalls nicht ins Blaue: er\nverwende ihn zum Ordnen, zum Regulieren und\nSystematisieren desschonErrungenen Und meldet sich auch\ndarnach noch ein Bedürfnis herzlichster Art in seinem\nInnern, so kann ihn dies mit nichts Besserem be-\nschenken als mit einer sicheren, wiewohl unerweislichen\nHoffnung. Damit ist alle wunderliche Verflogenheit ins\nUeberweltliche eingefangen in der Welt des Hier, der\nGegenwart. Hic Rhodus! hic salta! ruft Kant dem\nGeiste zu.\nDieser grandiose Positivismus, der zum ersten\nMale, wenn auch gleichsam halb und halb in der\nTasche, die Faust ballte gegen allerhand absolut gewähnte\nRealitäten und Dinge an sich, brachte sogleich tief ein-\nwühlende Wirkungen hervor. Der Skeptizismus hielt\nseine rechte Stunde für gekommen. Der Dogmatismus\nbäumte sich aus Leibeskräften gegen den Zwang auf,\nder ihm angetan werden sollte. Besonders der\nIdealismus glaubte, Gründe zum Triumph zu haben.\nEs geschah endlich eine um so grössere Ernüchterung,\neine Ebbe, die man noch heutzutage beobachten kann,\nobgleich geschrieben steht: „Die ernste alte Sphinx\nmit ihren Rätsel liegt unbeweglich da und stürzt sich\ndarum, dass ihr sie für ein Gespenst erklärt, nicht\nvom Felsen\" (Schopenhauer)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "420", "page_fin": "421", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.5", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "420", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.2", "debut_caractere": 7153, "fin_caractere_exclue": 12368, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXLII\nDer Astronom\nAls die Lotte nun nach Ulaleipu fuhr, war der\nHerr Bartmann auf der grossen Sternwarte im alten\nSchneegebirge und hatte dort die Sturmküste und den\nbeweglichen Sumpf beinahe schon vergessen; Herr\nBartmann sprach fast den ganzen Tag mit dem Astro-\nnomen Haberland; diese beiden Herren schienen un-\nzertrennlich zu sein.\nHerr Haberland entwickelte dem Herrn Bartmann\nTheorien über die Natur der menschlichen Sinnesvor-\nstellungen und über die verschiedenen Arten des\nDenkens.\n„Denken ist\", sagte Herr Haberland „natürlich nur\nein Verknüpfen von Sinnesvorstellungen; der Philosoph\nverknüpft zumeist nur Formeln, die die Gestalt von\nWorten annehmen, der bildende Künstler verknüpft die\nAugenvorstellungen, aber der Gärtner verknüpft die\nGeruchsvorstellungen — und der Koch Ge-\nschmacksvorstellungen. Die beiden Letzteren pflegen\nihre Gedankentätigkeit nicht mit vollem Bewusstsein\nauszuüben, aber ihre Gedankentätigkeit lässt sich trotz -\ndem nachweisen. Nun lässt sich aber die Gedanken-\ntätigkeit des Gärtners und des Kochs, wenn auch in\nsehr geringem Masse doch bei jedem Menschen nach-\nweisen. Das Denken mit den anderen Sinnen, die\nnicht Auge und Ohr sind, nennen wir gemeinhin un-\nbewusstes Denken — — man sollte sagen : schwer\nkontrollierbares Denken Dieses spielt im sogenannten\nTraumzustande die Hauptrolle. Aber der sogenannte\nTraumzustand spielt wieder in unserem Leben die\nHauptrolle; der wachende Zustand, in dem nur Auge\nund Ohr in Gedankentätigkeit befindlich sind, könnte\nals Ausnahmezustand betrachtet werden. Sie werden\nmir das, Herr Bartmann, schnell unterschreiben, wenn\nSie eingesehen haben, dass das, was sie hinter jedem\nAugeneindruck suchen — eigentlich nur auf die Fixie-\nrung der unbewussten Geruchs - Geschmacks - Gefühls-\nempfindungen ausgeht. Die unbewusste Verknüpfung\ndieser Empfindungen sowohl untereinander wie auch mit\ndem Augeneindruck — macht diesen intim. Die soge-\nnannte Gehirntätigkeit, die von den arideren Sinnen\nausgeht, macht die bewusste Tätigkeit des Auges erst\ninteressant, bedeutsam, reich, geheimnisvoll, grossartig,\nintensiv und glänzend. Und somit wissen Sie jetzt,\nHerr Bartmann, was Sie eigentlich wollen und suchen:\ndie Mittätigkeit der anderen Sinne wollen Sie ins Be-\nwusstsein hinaufziehen.\"\nXLIII\nDer Nachthimmel\nDem Herrn Bartmann fiels plötzlich wie Schuppen\nvon den Augen; der Astronom Haberland kam ihm wie\nein Erlöser vor — und es währte lange, bis sich die\nNatur des Herrn Bartmaun wieder konzentriert hatte;\ner kam sich so aufgelöst vor — er verglich sich mit\neinem Knoten, der von der Hand eines Zauberers ganz\nleicht auseinandergelöst wurde und nun als einfaches\nschlappes Tau daliegen muss und für andere kein\nweiteres Interesse bietet.\nUnd der sonst so stolze Kaiser Philander verlor\nin ein paar Stunden sein ganzes Selbstbewusstsein,\ndass er dem Herrn Haberland mit einer Demut und\nEhrfurcht begegnete, die etwas Kindliches hatte und\nsehr fein berührte.\nUnd so gingen die beiden Herren eines Abends im\nSchnee auf dem grossen Balkon lebhaft gestikulierend\nauf und ab; sie hatten dicke Pelze und Pelzhand-\nschuhe an und achteten nicht auf die rotglühenden\nSchneekuppen der grossen Berge ringsum und auch\nnicht auf die Sterne des Himmels, die nacheinander\nsichtbar wurden und mächtig funkelten.\n„Es handelt sich\", meinte Herr Haberland, „sicher-\nlich immer wieder darum, die unbewussten Empfin-\ndungen und Vorstellungsverknüpfungen, die wir auch\nals Gedankenoperationen bezeichnen müssen, ins be-\nwusste Augen- und Ohrenleben hineinzuziehen; wir\nmüssen uns eben bemühen, immer mehr zu erwachen\n— um das aber zu können, müssen wir immer leb-\nhafter die Traumzustände und die Tätigkeit der Sinne,\ndie nicht Auge und Ohr sind, aus dem Dunkel der\nNacht in die helle Beleuchtung rücken.\"\nJetzt funkelte der Nachthimmel ganz hell, und die\nroten Gluten in den Berggipfeln wurden dunkler und\ndunkler, und der Herr Bartmann erwiderte erregt:\n„Das ist die Beleuchtung dessen, was ich erstrebte;\nich habe immer in unsicheren Konturen gefühlt, dass\nwir hinter die Sinneseindrüke kommen müssten; ich\nmeine natürlich nur: hinter die Augeneindrücke; die\nOhreneindrücke beachtete ich noch garnicht. Sie haben\nmir, Herr Haberland, das Allerwichtigste in meinem\nLeben gesagt; ich glaubte tatsächlich, dass zunächst\ndie Tätigkeit der anderen Sinne dem Augeneindruck\neinen Hintergrund gibt. Jawohl 1 Jawohl! Was für uns\nhinter dem einfachen Augeneindruck lauert — das\nsind immer die anderen Sinnesvorstellungen, die bei\ndem Augeneindruck mittätig sind, ohne dass wir ihre\nMittätigkeit genau kontrollieren können. Aber nun die\nanderen Sinne! Glauben sie nicht, dass wir noch\nandere Sinne haben können, von deren Dasein wir\nvorläufig noch keine genauere Vorstellung besitzen?\"\nDer Nachthimmel leuchtete; und Herr Haberland\nerwiderte sehr schnell:\n„Sie gehen zu schnell vor! Sie dürfen nicht ver-\ngessen, dass es die Idee unseres Schöpfers sein kann,\nuns allmählich immer wacher zu machen — aber nur\nallmählich — allmählich — damit wir auch Zeit haben,\nden ganzen Vorstellungsrausch, den uns das Weltleben\nbieten kann, in uns aufzunehmen — es gehört was\ndazu Herr Bartmann. Es wäre doch schlimm, wenn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5966, "texte": "Alles so ohne Mühe ins bewusste kleine Augenleben\numgesetzt werden könnte — wenn Alles so leicht kon-\ntrollierbar wäre — das würde uns doch keine Vor-\nstellung von der Grandiosität des uns sich nähernden\nWeltlebens bieten.\"\n„Schon richtig\", erwiderte Herr Bartmann, „aber'\nspringen wir doch einmal. Gibt es im Traumzustande\nunbewusstes Weiterarbeiten der Sinne, so gibt es viel-\nleicht im Todeszustand ein unbewusstes Weiterarbeiten\nder Sinne. Und vielleicht haben wir mal alle unsere\nTodeszustände ebenso gut in das Tageslicht des kleinen\nAuges hinüberzuziehen, wie unsere Traumzustände.\nKönnen Sie sich unkontrollierbare Vorstellungsver-\nknüpfungen im Traumzustande denken ?\nKönnen Sie glauben, dass die Leiche eigentlich noch\nweiter lebt — ein anderes Leben ?\"\nDie Sterne funkelten hoch über den beiden Herren,\ndie mit ihren Pelzstiefeln durch den hohen Schnee\nstampften und sich dabei die Hände in den Pelzhand-\nschuhen rieben, da es sehr kalt war. Und Herr Haber-\nland sagte leise:\n„Wie die Sterne leben, wissen wir auch nicht\nordentlich. Aber dass sie leben ist uns nicht zweifel-\nhaft. Oh ja! Der Traumzustand in dem wir uns so\nbefinden, ist für uns richtunggebend — das Leichen-\nleben wird für uns ein ähnliches sein wie das Leben\nim Traumzustande — ein entfernt ähnliches. Ich glaube,\nwir werden bald überzeugt sein, dass wir früher schon\nsehr oft gestorben sind. Ich glaube an eine Materiali-\nsation unseres Geistes — der könnte doch eine Aether-\nkomposition sein, die wir vorläufig mikrospisch noch\nnicht wahrzunehmen vermögen Manche Sterne kommen\nuns auch wie Leichen vor — und es ist doch nicht\nanzunehmen, dass sie tot sind. Ich glaube überhaupt\nnicht an den Tod.\nDa stürzten dem Herrn Bartmann die Tränen aus\nden Augen und froren auf der Backe an.\nHerr Haberland aber fuhr fort:\n„Sehen Sie nur, wie prächtig über uns die Sterne\nfunkeln und blitzen! Was die erst ist Traumzustande\nund im sogenannten Todeszustände erleben müssen !\nAber seien wir nicht neidisch! Wir können wahrlich\nschon genug mit unseren Sinnen empfinden — wachend\nsowohl wie träumend. Jawohl! Wir müssen immer\nweiter aufwachen. Wir müssen auch das Totsein dem\nLebendsein immer mehr zu nähern suchen. Vielleicht\nentdecken wir in uns noch Dinge, die wir in früheren\nTodeszuständen in uns aufgenommen haben — und\nvermögen sie unserm Augen- und Ohrleben anzu-\npassen. Oh, wir können tatsächlich noch viel lebendiger\nweiden dazu brauchen wir noch nicht einmal neue\nSinne in uns zu entdecken. Es lässt sich doch alles\nMögliche für jeden Sinn vornehmlich gestalten. Was\nda ist, lässt sich auch • für jeden Sinn empfindbar\nmachen. Wenigstens sollte mans meinen. Dass das\nnicht so schnell geht, ist ganz vortrefflich — denn\nwir haben schon genug des Feinen, wenn wir nur\nAuge und Ohr genügend schärfen und die anderen\nSinne nicht vergessen.\"\n„Könnten Sie\", bemerkte da Herr Bartmann, „wohl\nannehmen, dass diejenigen Leute, die sich nicht be-\nmuhen, aus ihrem Leben die denkbar grösste Fülle\neines sogenannten Weltlebens herauszuziehen — dass\ndiejenigen Leute, die zu faul sind dazu, durch längere\nTodeszustände bestraft werden könnten oder überhaupt\nvon jedem ferneren Erwachen ausgeschlossen werden\nkönnten ? \"\n»Von jedem nicht\", versetzte Herr Haberland,\n»denn der Geist, der uns schuf und uns sicherlich\nimmerzu führt, hat ganz bestimmt keine kleinlichen\nrachsüchtigen Gedanken. Er straft nur, wenn wir ihn\nnicht empfinden, durch trübe Stimmungen. Aber diese\ntrüben Stimmungen sollen uns nur wieder veranlassen,\nseine Nähe zu suchen.\"\n\"Also\", rief nun der-Herr Bartmann, „ist es jeden-\na s ganz richtig von mir gewesen, wenn ich immer\nsag e, man müsse das Leben überall heftiger sehen;\nic wollte ja nur populär ausdrücken, dass wir immer\nwacher — immer wacher leben sollten.\"\n. »Ja'\" versetzte Herr Haberland, „nur stellen Sie\nsie aber vor, was mir eben einfällt: Sie müssten zu\nem Kaiser Philander nach Schiida fahren und ihn\nwac er machen. Der Kaiser müsste für Ihren Be-\nebungsplan gewonnen werden; er müsste, so wie Sie,\nHerr Bartmann, überall herumfahren und den Leuten\nar machen, dass sie zuviel schlafen und zu wenig\ndabei die Traumzustände ins wache Augenleben über-\nsäen Und Sie müssten dem Kaiser Philander sagen:\nso schlaf doch nicht hier in Schiida - der grosse\nSumpf an der Sturmküste ist In Bewegung. Wer weiss,\nwas daraus wird! Schlaf nicht, Kaiser! Jetzt kannst\nDu zeigen, dass Du nicht bloss zum Spass Kaiser ge-\nnannt wirst. Jetzt kannst Du zeigen, dass Du ein\nFührer der Geister bist — ein Gedankenkaiser! Einer,\nder auch des Volkes Gedanken lenkt — so ähnlich\nwies der grosse Geit tut, den wir Volksgeist nennen\nund als Gott verehren.\"\nHerr Bartmann blieb stehen. Die Sterne funkelten.\nHerr Haberland blieb auch stehen, und dann sagte der\nHerr Bartmann ganz leise und sich scheu umblickend:\n„Kann uns hier niemand hören? Können Sie mir\nschwören, über das, was ich Ihnen jetzt anvertrauen\nwill, zu schweigen — unter allen Umständen?\"\n„Ich schwöre!\" gab Herr Haberland leise zurück.\n„Ich bin,\" erwiderte da der Herr Bartmann noch\nleiser als vorhin, „selber der Kaiser Philander. Aber\nSie dürfens keinem sagen. In Schiida sitzt der Flug-\ntechniker Sebastian und tut so, als wäre er Philander.\nDer Sebastian schweigt auch und ausser uns dreien\nweiss keiner von dieser Geschichte.\"\nDer Herr Haberland machte grosse Augen, sah\nden Kaiser fest an, reichte ihm die Hand und sagte\neinfach:\n„Das freut mich! Das ist kaiserliche Art! So\nhätt ich's an Ihrer Stelle auch gemacht.\"\nDie Herren schüttelten sich die Hände in den\nFausthandschuhen, und ein Unterbeamter steckte den\nKopf zu einem naheliegenden Fenster hinaus und\nrief:\n„Meine Herren, es sind fünfundvierzig Grad Kälte!\nSie müssen hereinkommen, sonst passiert Ihnen was.\"\n„Kommen Sie nach Ulaleipu?\" fragte der Kaiser.\nAber der Herr Haberland schüttelte den Kopf und\nsagte leise:\n„Ich bin hier dem Nachthimmel so nahe. Ich\nmöchte nicht — wirklich nicht.\"\nDa gingen die beiden Herren Arm in Arm in die\nwarmen Stuben hinein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "421", "page_fin": "421", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.6", "titre_corps": "Der Tag der Stadt", "titre_sommaire": "Der Tag der Stadt", "signature_source": "Jakob van Hoddis", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.3", "debut_caractere": 5987, "fin_caractere_exclue": 7844, "texte": "Der Tag der Stadt\nVon Jakob van Hoddis\n\nAm Abend\nAch! die glitschig nasse Planke\nWar ihm mächtig unbequem.\nSass er doch auf einer Bänke\nUnd bedachte ein Problem.\nDachte, dachte ; er war wichtig\nDenn er gab sich das Gebot:\n„Löse jene Frage richtig ,\nOder mach dich, bitte, tot.\"\nIn der Bülowstrasse war es.\nJa, es war ein Abenteuer\nHeldisch war und voll Gefahr es\nWard er dümmer? Ward er schläuer?\nJa! er sass auf einer Bänke\nUnd er hatte ein Problem\nUnd die pitschenasse Planke\nWard ihm auch sehr unbequem.\n\nDie Stadt\nIch sah den Mond und des ägäischen\nGrausamen Meeres tausendfachen Pomp\nAll meine Pfade rangen mit der Nacht.\nDoch sieben Fackeln waren mein Geleit\nDurch Wolken glühend, jedem Sieg bereit\n„Darf ich dem Nichts erliegen, darf mich quälen\nDer Städte weiten Städte böser Wind?\nDa ich zerbrach den öden Tag des Lebens l\"\nVerschollene Fahrten! Eure Siege sind\nZu lange schon verflackt. Ah! helle Flöten\nUnd Geigen tönen meinen Gram vergebens.\n\nDer Traum\nJawohl! Wir träumen oft von grossen Prünken\nUnd durch die goldene Stadt, als Triumphator\nKutschieren wir erhaben dem Senat vor\nUnd nackte Mädchen stehn auf Marmelstrünken.\nDer Wagen fliegt den Vogelfug der Möwen\nTrotzdem er köstlich teure Beute führt\nUnd diamantenes Geschirr umschnürt\nDie Löwin und den Tibetaner-Löwen.\nDa stürzt der Wagen. Plötzlich! Weh, verlieren\nDie Löwen sich zu Wut der Wüstennächte\nWeh! wer ist nahe der uns Hilfe brächte\nWeh! in der Not! — Die Bestien coitieren.\n\nAm Morgen\nEr spricht: „Nicht ängstlich an Gestaden\nAuf offnem Meere will ich baden —\nHa! der Vergleich ist ein gewagter!\nIch werde frei vom Frohn der Zeiten\nZum kosmisch-schöpferischen schreiten.\" —\n(Kosmisch, sagt er).\nEr wandelt kühn um seinen Tisch, er wandelt\nwohl die ganze Nacht\nBeglückt in seiner Lampe Licht,\nDas jetzt am Tag am Blau zerbricht.\nDie ganze Nacht hat er umgebracht!\n(So ein Kerl!)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "421", "page_fin": "421", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.6.1", "titre_corps": "Am Abend", "titre_sommaire": "Am Abend", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.3", "debut_caractere": 6027, "fin_caractere_exclue": 6493, "texte": "Am Abend\nAch! die glitschig nasse Planke\nWar ihm mächtig unbequem.\nSass er doch auf einer Bänke\nUnd bedachte ein Problem.\nDachte, dachte ; er war wichtig\nDenn er gab sich das Gebot:\n„Löse jene Frage richtig ,\nOder mach dich, bitte, tot.\"\nIn der Bülowstrasse war es.\nJa, es war ein Abenteuer\nHeldisch war und voll Gefahr es\nWard er dümmer? 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Aber während es für diesen\nnur Peripherie des geistigen Hervorbringens ist, weil\nsich sein Schaffen auf bestimmte Lebensausschnitte\nrichtet, bedeutet es für den reinen Mystiker Zentrum,\nweil ihm die allgemeine Lebensanschauung, aus der\nPerspektive der Identität aller Kreatur, wesentliches\nErlebnis ist. Frühere Mystik (zum Beispiel die sufi-\ntische Weisheit) nannte diese Versenkung ins Hyper-\nmdividuelle „Vereinigung mit der Gottheit durch Ver-\nnichtung des Ichs\". Die „Gottheit\" in solchem Sinn\nsteht auch bei den neuesten Mystikern, bei Mombert\nund Rainer Maria Rilke, im Mittelpunkt ihres Sinnes\nund Trachtens. Alle Mystiker sind Pantheisten, sofern\nsie Gott und All identifizieren, und zugleich Atheisten,\nsofern sie wiederum All und Ich (nebst dem Werden\ndieses Ichs) gleichsetzen. Während der religiöse\nDichter Gottsucher ist, ist der mystische Dichter\nG o t tverkünder; während jener Gott als transzendente\nWirklichkeit auffasst, als Urquell des Daseins voraus-\nsetzt, verlegt ihn dieser ins Menscheninnere zurück,\nmacht ihn im Menschen bloss bewusst, — schafft ihn\nerst. Ihm ist Gott das das Unendliche, dessen\nImmanenz im Endlichen durch die Tatsache des Tiefen-\nbewusstseins und seiner ekstatischen Erkenntnis ge-\nwährleistet erscheint. In den Urgrund des Zeit- und\nRaumlosen hinabzutauchen, — das persönliche Ich\ngefühlsrnässig zum universellen Ich zu erweitern, ——\nWelt und Ich als dieselbe „denkendschaffende\" Substanz\nzu empfinden, — jenen Zustand des Rausches zu er-\nreichen, wo alles Naturgeschehen in der eignen Seele\nsich noch einmal abspielt, wo der Kausalitätsgedanke\nsinnlos wird und schwindet, wo der Geist vibriert in\nder Uebereinstimmung zwischen dem Ewigen der Aussen-\nwelt und dem Ewigen menschlicher Innenwelt: — das\nist der Grundtrieb jedes Mystikers.\nSchon in der Darstellung mystischer Ideen durch\ndie islamitischen Sufi, im „Masnawi\", wird gesagt, dass\nman niemanden „zum Ewigen bekehren\" könne.\nMystik, als eine Sache innerer Sammlung des einzelnen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "422", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5862, "texte": "Menschen, ist nicht lehrbar, sondern angeboren wie\nPoesie und Religion (als die Ehrfurcht vor dem Uner-\nforschlichen), und sie hat mit Propagation so wenig\nzu tun wie Religion mit Moral. Das mystische Erleben\nist nur mitteilbar — durch die sinnlichanschauliche\nIntuition.\nPersönlichkeiten mit der seelischen Konstruktion\ndes Mystikers sind zu jeder Zeit möglich und haben\nin allen Jahrhunderten gelebt, im Morgenland und\nAbendland, unter Buddhisten, Mohammedanern, Juden,\nChristen und „Heiden\". Der Chinese Lao-Tse gehört\neu ihnen wie der Perser Dschelalud-Din-Rumi,\nder Neuplatoniker Plotin wie der Pantheist Bruno\nund der Romantiker Novalis, der Prediger Eckhart\nim dreizehnten Jahrhundert wie der Arzt Parazelsus\nim sechszehnten, der Schuhmacher Jakob Böhme\nim siebzehnten, der Physiker Fechner im neunzehnten\nund der Rechtsanwalt Mombert im zwanzigsten Jahr-\nhundert. Besonders häufig traten sie im vierzehnten\nJahrhundert auf, in einer Zeit grober Veräusserlichung\nder Kirche. Die bildliche Ausdrucksweise dieser\nchristlchen Mystiker (Ruisbruch, Tauler, Suso) bewegt\nsich ebenso im Rahmen der Scholastik und Mystik des\nmittelalterlichen Katholizismus, wie die der heutigen\nMystiker im Rahmen der dogmatisch unbefangenen\n„naturalistischen\" modernen Philosophie. Alle Mystiker\nsind Träger derselben Grundidee, bei deren (mehr oder\nweniger dichterischen) Gestaltung sie an typische Vor-\nstellungen und Begriffe ihrer Zeit anknüpfen. Ueber\ndie Jahrhunderte grüssen sie sich zu, und es erscheint\nnur wie eine persönlich ungeprägte Harmonisation der-\nselben Melodie, wenn ein mystischer Gedanke wie der\ndes Sufismus, dass „alle Dinge von dem ewig uner-\nschaffnen Licht ausfliessen\", nun in Momberts Munde\nlautet: „Die hohe Himmlische gebar das Wunder der\nWelt!\"\n*\nWährend der realistische Dichter dem Geheim-\nnis der Einzelerscheinungen des Lebens ins Auge sieht,\ntreibt es den mystischen Dichter, an dem Geheim-\nnis des Lebens als Ganzen zu raten. Jener bringt\nnaturgemäss allgemeinere und raschere Wirkung hervor,\nweil in den von ihm geschaffenen Illusionen des Lebens\nsich jeder selbst leicht wiederfindet, dagegen dieser nur\nlangsam und auf wenige wirkt, weil es schwer ist, zu\neinem Erlebnis der Selbstversenkung (der „Abgeschieden-\nheit\", wie die alten Mystiker sagen) hinaufzugelangen.\nDazu kommt, dass die Menge von dem geistigen\nPathos metaphysischer Abstraktionen wie Sein und\nWerden, Ich und Welt, Zeit und Ewigkeit, die der\nmystische Dichter in seinen Gleichnissen konkretisiert,\nnur schwach berührt wird.\n*\nZu den wesentlichen Merkmalen mystischer Be-\nfähigung gehört die Schau „sub specie aeternitatis',\nDer Mystiker hat das Trügerische der Erkenntnisfornaen\nvon Zeit und Raum tief begriffen und versenkt sich\nin den Gedanken der Ewigkeit und Unendlichkeit, den\nuns die unmittelbare Betrachtung der Welt eingibt. Er\nsagt mit dem alten Heinrich Suso: „Lass dir nimmer\ngenügen, bis dass du erkriegest in der Zeit das gegen-\nwärtige Nun der Ewigkeit\"; oder mit Angelus Silesius:\n„Du selber machst die Zeit, das Uhrwerk sind die\nSinnen; hemmst du die Unruh nur, so ist die Zeit\nvon hinnen\"; oder mit dem modernen französischen\nSymbolisten Albert Samain: „Pense, domine Tage, et\nrespire l'Espace\"; er bildet mit souveräner Kraft ein\nGleichnis und sagt mit Alfred Mombert:\nEs fliesst alles von mir ab wie grosser Regen.\nAuch mein eigen Herz fliesst von mir ab,\nselbst mein Geist und all meine Weisheit.\nIch bin ein Marmorbild in einem Garten\nund blicke auf klare Bäche, auf Blumen.\nDas ist Regen, der von mir abfloss,\nund zu Blumen ward.\nIch bin im Hochwald, in den Schatten;\num meine Marmorschultern rankt Epheu.\nBis das Feuer in den Wald kommt\nund mich entkleidet.\nIch aber singe im Geloh der Flammen\ndas tiefe Lied von meiner Ewigkeit.\nVerstandesmässig ist auch dem Nichtmystiker ein-\nleuchtend, dass sich im Kleinsten das Universum\nwiderspiegelt („Die Sonne blickt hinein in das Weltall\nmeines Auges\" Mombert) — dass das in unendlich\nvielen Abstufungen sich entwickelnde Gesamtbewusstsein\nunabreissbar sein muss und dass vom Gesichtspunkt\ndieser Unabreissbarkeit das Einzelbewusstsein sich als\newig fühlen darf (wenn auch nicht im Aberglauben\neiner persönlichen Unsterblichkeit); aber intuitiv,\ngefühls-schöpferisch, erlebt das Leben • als „ewigen\nGedanken\" doch nur der geborne Mystiker. Ihm sind\ndie Stunden gegönnt, wo das individuelle Fühlen im\nAllgefühl völlig aufgeht und alle Zeit eitel Gegenwart\nwird — wo ein Verstehen über dem Alltagsverstehen\nzu walten scheint, das ohne unser Zutun und Anstren-\ngung, wie in Traum und Rausch, mit unfassbarer\nSicherheit gleichsam zu Ende denken lässt, was in ge-\nwöhnlicher Stunde unerraffbar bleibt.\nDass für dieses Glück der inneren Entäusse-\nrung von Zeit und Raum das Wortsymbol unzu-\nlänglich ist, deutet Mombert an zwei Stellen seiner\n„Schöpfung\" an. „Oeffne keinen Mund. Denn das\nLeben ist unsagbar\"; „Aus dem> Qualm der Sprache\nkehre ich heim um nie mehr zu sprechen\". Er fühlt\ndass die Sprache als eine Funktion des Gemeinschafts-\nlebens, nichts über das auszusagen vermag, was aller-\neinsamste Erfahrung ist. Schon der alte Mystiker\nJakob Böhme klagte: „Die irdische Zunge kann nicht\nerleben, was der Geist begreift und versteht.\" Aber\ndas Begreifnis des Geistes ist nun einmal an die\n„irdische Zunge\" gebunden; die Verwandlung in Sprach-\nform gibt ihm erst „Wesen\" (so wie die Körperwelt\ndem Chaos erst Wesen gibt); das Erlebnis der eksta-\ntischen Erkenntnis will sich mitteilen, aus demselben\nDrange heraus, der das Zeitlose nach Zeitlichem, das\nIch nach einem Du begehren lässt, und so bedienen\nsich die Mystiker bildlicher Umschreibungen, um mit\nder Sprache, die ja vielmehr ein Ausdrucksmittel des\nVerstandes als des Gefühls ist, doch dem Gefühl bei-\nzukommen. Aus diesem Gesichtspunkt müssen die\nhalluzinatorischen und zugleich so realistischen Gebilde\nder grossen Dichter beurteilt werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "422", "page_fin": "423", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.8", "titre_corps": "Der Rosenkavalier", "titre_sommaire": "Der Rosenkavalier", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "422", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.4", "debut_caractere": 5864, "fin_caractere_exclue": 12715, "texte": "Der Rosenkavalier\n\nEine Vorbemerkung\nDer Rosenkavalier des Herrn Dr. Strauss hat sich\nvorgestellt; dies weiss jeder jetzt in den durch Telegraph,\nKabel, Zeitung erreichbaren Territorien der Erde . . .\nIch lasse es dahingestellt, ob die Notiz richtig ist, dass\naugenblicklich eine Expedition ausgerüstet wird unter\nFührung von Wellmans, um die Nachricht coute que\ncoute, nötigenfills mit Waffengewalt unter der Bevölkerung\nvom Grönland und an den Quellen des Nils zu verbreiten,\nich zweifle daran, weil man vermutlich auch da schon\nalles weiss. Sicherlich aber hat nie ein „Kavalier\" von\nReporters Gnaden solchen ungeheuren Weg gemacht\ndurch die weltverdeutenden Blätter, dass selbst Herr\nMargolin ein betrübter Eckensteher gegen ihn wurde,\ndass der Rosenkavalier, unähnlich dem Phosenkavalier,\njedem Verdacht der Hochstapelei entgehen konnte. —\nWir kennen Dr. Strauss seit Jahren gut. Er bedient\ndas Bedürfnis weiter Kreise nach Musikfortschritt vor-\nzüglich. Er ist ein Vertreter des Liberalismus in\nbester Form, er leistet zwar nichts mehr, aber dafür\nschreibt er Opern. Man braucht ihn, jede Zeit hat\nden Dr. Strauss, den sie verdient. Früher trat er in\nder Literatur unter dem Namen Sudermann auf; in\nder Musik ist er weniger gut angreifbar. In früheren\nZeiten waren die Priester berufen, dem Volk einen\nGott zu demonstrieren; das besorgen jetzt die Schor-\nnalisten; was sie demonstrieren, ist zwar kein Gott, aber\nimmerhin Herr Dr. Strauss. Im Vordergrund der\ngegenwärtigen Kunstproduktion stehen diejenigen straf-\nbaren Handlungen und Vergehen, welche mit Musik\nkonpliziert sind; Vorschub leistet der Snob (auch Vor-\nschuss), das ist die zahlungsfähige Versammlung von\nAmüsierbengels und Lebemädchen beiderlei Geschlechts.\nAndere Produktionen scheinen nach dem Gesetz von\nAngebot und Nachfrage wenig mehr aufkommen; sodass\nunsere Kunst eigentlich nur noch juristisches Interesse\nbietet. Jetzt haust die Pest in Ostasien, bei uns geht\nder Rosenkavalier um. Es gilt auch, hygienisch zu\narbeiten.\nEin gewisser Alfred Schattmann führt in das neuste\nElaborat des p. Strauss ein. Diese Einführung ist\nein Unikum ; sie ist fraglos interessanter als das Ela-\nborat des Dr. Strauss. A. Sch. gehört zu Str.: der\nbläst Himmel und Erde aus Seifenschaum, Sch. aber\nkann nicht einmal die solide Erde stehen lassen; sie\nfliesst ihm als Quarkkäse durch die Finger.\nAm Anfang gesteht er: ,Hier hat es die Welt er-\nlebt, dass R. Str., der Komponist der Salome und\nElektra, eine Komödie für Musik schrieb.\" Schwer\ngenug ist es der Welt schon geworden; aber schliess-\nlich, sie hat schon schlimmeres erlebt. Und dann,\nHerr Sch. schreibt über das Opus, das bringt Heiter-\nkeit in den Ernst der Situation. Er fällt ins Knie und\nbetet: „dass ihm Humor, Laune, Witz, Ueberschweng-\nlichkeit als musikalisches Ausdrucksmittel, also die Ur-\nelemente einer innerlich wahren, aus solchen Gründen\n— man müsste sagen: mit organischer Notwendigkeit\nherausentstehenden komischen Oper wie nur einem im\nBlute liegen, hat der Schöpfer des Don Quixote, des\nEulenspiegel und nicht zu vergessen, der Feuersnot ja\ndoch handgreiflich bewiesen.\" Ich verstehe den Satz\nwohl, aber dem Mann ist nicht zu helfen. Wenn er\nin solchem Haus wohnen sollte, würde er bei einer\ngewissen organischen Notwendigkeit den Weg unfehlbar\nverpassen, müsste den Weg vom Wohn- zum Speise-,\nund nicht zu vergessen zum Schlafzimmer, man müsste\nsagen, aus aus solchen Gründen mit Blaupläne deren\nUrelemente ihm wie nur einem im Blute liegen, suchen\nund nicht finden. Sven Hedin, den ich wegen des\nSatzes befragte, erklärte, soetwas käme weder in China\nnoch im Tibet vor, Es ist im Satz, gegen den ein\nUnterseeboot ein Kinderspiel an Gefährlichkeit ist; an\nseinem Schlussist mein Gesicht blauviolett geworden,\nmein alter Schnupfen ist sprachlos versiegt, die Zunge\nhängt mir meilenweit zum Halse heraus, und ich bin\ngemacht, vom Dr. Strauss handgreiflich komponiert zu\nwerden.\nIch hatte glücklich meine Ferien zugebracht, mich\nvon dem Schreck zu erholen, als mir folgendes passierte:\n„Die andere Seite des Wesens der komischen Oper,\ndie sie mit der pathetischen gemeinsam hat, die\nSteigerung des ersten Empfindens über den Alltag, den\nDurchschnitt der phflistriösen Gefühlswelt hinaus in\nhöhere Stockwerke intensiven Empfindens, diese aus\ninneren Notwendigkeiten der Veranlagung der Personen\nim Drama, des Milieus und des dramatischen Prozesses\nherausgeborene menschlich höchste Ausdrucksweise\ndurch Wort and Ton in einem: sind nicht die Salome\nund Elektra vom der ersten bis zur letzten Note ein Aus-\ndruck solchen Fühlens?\"\nNa,f ich bestreite, das ich bestreite alles, was mög-\nlicherweise in diesem Satz steht; es ist mir ganz egal,\nman braucht sich so etwas keineswegs gefallen zu lassen.\nEine derart herausgeborene menschlich höchste Aus-\ndrucksweise geht über meine Fassungskraft, sie gehört\nin die höheren Stockwerke, wo die Veranlagung anfängt,\nüber den normalen Alltag hinaus zum Platzen gesteiger\nzu werden.\nDer Herr Sch. lenkt später ab, ins Gebiet der\nEmbryologie. Hier bemerkt er, dass der Rosenkavalier\naus inneren Keimen entstanden sei. Schon möglich:\nes ist freilich erstaunlich, was die Begeisterung für den\nDr. Strauss für Fortschritte „zeitigt\", es gibt jetzt offen-\nbar schon äussere Keime, und was wird es später\nnoch alles geben, wenn Dr. Strauss Klassiker ge-\nworden ist! Die höheren Stockwerke werden sich\nbevölkern, die inneren Keime im Oberstübchen werden\nüber die philiströse Gefühlswelt hinaus fabelhaft\nwuchern. — Nur fiel mir eine einschränkende Be-\nmerkung des p. Sch bezüglich der Keime auf; er meint,\nes seien die Keime in Elektra und Salome zwar anders\ngeartet [als im Rosenkavalier, aber doch unterscheidet sich\nder Rosenkavalier, etwas vom Elektra und Salome. Dies\nist meines Erachtens sehr begreiflich, man wird daraus\ndem Rosenkavalier kaum einen Vorwurf machen, denn\nzwar ist der Rosenkavalier ein Mann, aber dennoch\nist er keine Frau. Und zwar ist Herr Sch. logisch\nsehr unorientiert, aber dennoch kann er keinen ver-\nnünftigen Satz schreiben.\nIch gehe zur Embryologie des Werkes selbst\nüber: „Das Buch Hofmannsthals entstand stückweise.\"\nSchon dies hebt das neue Elaborat de facto weit über\ndie sonstigen Werke der Mitwelt, denn diese sind\nsämtlich sofort ganz fertig gewesen. Der Künstler der\nalten Schule vermied krampfhaft irgend etwas Ein-\nzelnes zu dichten, zu komponieren, zu malen, in einem\nNu schrieb er sämtliche Seiten auf einmal, dies ist ja\ndas noch immer ungelöste Rätsel künstlerischer Produktion.\nWie kann Herr Sch. nur vom Hofmannsthal das Gegen-\nteil behaupten ? Oder schrieb Hofmannsthal zwar\nstückweise, aber dennoch nicht im Nu? — „Wie ein\nAkt fertig war, ja manchmal auch ehe ein ganzer Akt\nfertig war, ging das Manuskript an Strauss, der es\nkomponierte.\"\nMir fehlen Worte der Anerkennung für diese\nArbeitsweise. Das Beste wäre freilich gewesen, Herr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "423", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1952, "texte": "Dr. Strauss hätte die ganze Affaire komponiert, ehe\nüberhaupt etwas fertig war, und die Theaterauf-\nführung hätte stattgefunden, ehe überhaupt die Autoren\nan das Stück dachten. Es eröffnen sich hier ganz\nneue Perspektiven Aeltere Autoren pflegten bekannt-\nlich ihre Sachen zu überarbeiten. Die neue Methode\nbringt es mit sich, dass der Autor in der siebenten Szene\nnicht mehr weiss was er in der vierten schrieb. Die Per-\nsonen entsinnen sich nicht mehr, was sie im vorigen\nAkt gesagt haben, und in einem Stück ähnlich Romeo\nJulia ist Romeo eben bereit, den Knoten tragisch zu\nlösen, als der Vater erscheint und erklärt, seinetwegen\nbrauche Romeo sich nicht umzubringen; er stamme\naus einem anderen Stück und sei im ersten Akt bloss zu-\nfällig hier vorbeigekommen. Dieser Zustand wird im\nRosenkavalier um so eher begreiflich, als Dr. Strauss\nnach Mittheilung des p. Schattmann die thematische\nArbeit zwar nicht völlig verlassen, so doch gänzlich\naufgegeben hat („Triebkräfte innerer Erregung\" und so).\nUnd da verstehen wir alles: wir sehen mit A.\nSchattmann, dass Dr. Strauss in diesem Stück einen\nSchritt weiter gegangen ist. Und zwar bestand das\nNähere des Schritts darin, dass er der Fantasie, die\nsich für einen echten Künstler ziemt, die Zügel\nschiessen liess. Als die schiessen gelassene Fantasie\nüber den Schritt erstaunte, liess Dr. Strauss sie\nspielen, was ihr gegen den Strich ging, worauf sie den\nDoktor kurzer Hand entrükte. Das Zielenlassen nun\nder ihm entrückenden Fantasie, der er aus Triebkräften\ninnerer Erregung die Zügel schiessen liess, war immer-\nhin derart, dass er einen Schritt weitergehen konnte,\nundgihn der „holde Wahn\" erfasste, ihn, „den Kenner\nund Wiederbeleber Mozartischen Geistes in ungezählten\nAufführungen, eine Kongenialität, die wenigstens bis\nzum gleichen Grade —1\"\nDiese unter den Augen von Richard Strauss entstandene „Ein-\nführung\" in den Rosenkavalier erschien im Verlag Adolph Fürstner,\nBerlin.\n\nAlfred Döblin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "423", "page_fin": "423", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.9", "titre_corps": "Lina Lossen", "titre_sommaire": "Lina Lossen", "signature_source": "Fritz Schwiefelt", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "423", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.5", "debut_caractere": 1954, "fin_caractere_exclue": 4054, "texte": "Lina Lossen\nFritz Schwiefelt\n„Und dennoch sagt der viel, der „Abend\" sagt,\nein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt . . .\" Liegt\nnicht schon im schweren Dahingleiten ihres harmonisch\ngefügten Namens die himmlische Ruhe dieses Weibes\nbeschlossen! Wrenn sie auf lautlos weichen Schritten\nvorüberschwebt, sich niedergleiten lässt, wenn aus der\nMutterhut ihrer zärtlichen Wimpern ein leicht geflügelter\nBlick aufschwingt wenn — Schmetterlingen gleich — in\nweichgeschwungener Kurve tändelnde oder schwermütig\nflatternde Worte ihren Lippen entgleiten, — weg mit\nAristokratie und Edelfrauentum, das Weib ist wie ein\nKreis, dessen Harmonie in sich selbst zurückschwingt,\ndiese Frau ist ein Kunstwerk, ein Rhythmus, ein ruhig\norgelhafter Akkord im unrhythmischen Gewühl unseres\nhämmernden Lebens\nSie las Gedichte von George, Hofmannsthal, Dehmel\nund Rilke. Haltlos trauernde Verse, die ihre Schwer-\nmut wie schleppende Gewänder tragen, und durch die\nsteilen Falten hindurch fühlte man das Zucken wund-\nlebendigen Lebens, wie man das Leben ihres kathedraben\nKörpers durch die Falten ihres seidenen Gewandes\nhindurchfühlte; sie las den zwanzigsten Gesang aus dem\nPoggfred und Thomas Manns Erzählung: „Ein Glück\",\ngottseidank gar nicht schauspielerisch, gar nicht ver-\nsessen auf Herausarbeitung billiger Kontraste, sondern\nmit Weibesinstinkt darauf bedacht, die Sehnsucht einer\nverlorenen Frauenseele schluchzende Musik werden zu\nlassen, mitfühlend und mitleidfühlend, ihre eigene Sache\ngleichzeitig vertretend, gleichzeitig preisgebend. Das war\ndas Erschütternde, wie sie das Mysterium einer frierenden\nSeele wie eine zag geschlossene Blume mit zitternden\nHänden auseinanderbog und eine warme Träne in den\nfrostigen Kelch hinabtropfte.\nLina Lossen ist ja im Grunde keine Komödiantin\nmit dem Auswechslungstrieb eigenen Lebens, ihre\nwundervolle Kunst ist der mystische Prozess einer\nWärmeausstrahlung, ein Duften und Ausströmen ihrer\nruhig klaren Weiblichkeit, ein gefälliges Umhüllen des\nunrastvollen Lebens mit dem weichen Mantel ihres\nmitleidsvollen Weib- und Weltgefühls, ein Harmonisieren\nund Ausgleichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "423", "page_fin": "423", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.10", "titre_corps": "Die Musen", "titre_sommaire": "Die Musen", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "423", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.5", "debut_caractere": 4056, "fin_caractere_exclue": 11549, "texte": "Die Musen\nJoseph Adler\n„Geist ist kein allgemeines Bedürfnis.\nWer damit handelt, mache sich daher von\nvornherein auf eine beschränkte Anzahl von\nAbnehmern gefasst.\"\nDiese grobe Sentenzlüge lieferte Ludwig Fulda\ndem Musen-Almanach des Presseballs als Beitrag. Geist\nist etwas, das wenige besitzen, und die Produkte, die\nsie aus ihm ziehen, sind so gewiss ein allgemeines\nBedürfnis, als sie keine Waren sein können, mit denen\nman schachern muss, damit sie Abnehmer finden.\nFuldas Dichterexistenz ist die schlotternde Bestätigung\nder unleugbaren Tatsache: dass Geist ein allgemeines\nBedürfnis ist. Es war eine blasierte Vermessenheit von\nFulda, dem Presseballmusenalmanach diesen Trugapho-\nrismus abzulassen. Gerade und nur dem allgemeinen\nBedürfnis nach Geist verdankt er sein Ansehen und\nseinen Wohlstand. Das allgemeine Bedürfnis nach\nGeist ist da, aber das Publikum wird dessen in zuvor-\nkommender Weise „entäußert\". In seiner Gedenkrede\num Löwenfeld verstieg sich Fulda zu der Phrase vom un-\nstillbaren Hunger des Volkes nach Kunst, und vier\nWochen später behauptet er kalt: Geist sei kein all-\ngemeines Bedürfnis. Ja, wenn der Geist, nach dem\nkeine Nachfrage herrscht, mit der Kunst, um die das\nVolk „mit unstillbarem Hunger wirbt\", nichts gemein hat,\nbehält Fulda Recht. Dann haben die Tntelektuellen\nkeinen „Bedarf für Geist\", trotz Fulda und allen den\nandern nicht (wer zählt die Namen?), die sich in Vers\nund Prosa im Musenalmanach zusammentaten.\n„Der alte Träger eröffnete die Bardenreihe\"\nDer noch jugendfrische Achtziger dichtet natur-\ngemäss kindisch.\nDiamantendurchleuchtete Nacht,\nFunkelnder Orden vornehme Pracht,\nDrängen und Schieben sanfter Gewalten,\nStolzer Schritt, geduldiges Halten\nVor der Leiber lebendigen Wall —\nFühre mich auf den Presseball!\nBlendender Reize Locken und Fliehn,\nAlles, was schön und reich in Berlin,\nTönender Namen volles Register,\nAdel, Militär und Minister,\nWirbelnder Tanz und Trompetenschall,\nFühre mich auf den Pressseball!\nMan muss ihn in der diamantendurchleuchteten\nNacht doch nicht „dahin\" geführt haben, denn der\n„tönenden Namen volles Register\" trug eine Lücke.\nDie Jungen glichen den Alten, diese schreiben\nwie jene, Presbers Humor ist gerade so alt, als Stetten-\nheims Witz je frisch warl\nFür das Damengeschenk des Ballfestes, das alles\nanlockte, „was schön und reich ist in Berlin,\" dichtete\nPresber, der Liebling der Frauen ein Geständnis, das\nin seiner Banalität die Distanz bestätigt, die einen\nDandy von einem Parvenü trennt.\nLahme Pferde vor schickem Wagen,\nAhnenstolz in einem Wicht,\nUnd Genies mit dreckigem Kragen,\nSchlagt mich tot, ich mag sie nicht.\nAber der „Lokal-Anzeiger\": „Von A bis Z vor-\ntreffliche Autoren, die sich im Almanach von der\nbesten und heitersten Seite zeigen\".\nWelchen Wert können die Werke von Adolf Wil-\nbrandt, „dem Meister des Romans und der Novelle,\ndem Seelenergründer\", besitzen, wenn sein Alma-\nnachbeitrag schon zu dem Besten und Heitersten zählt,\ndas er zu geben vermag. „Wilbrandt kennt kein ge-\nfährliches Alter der Frau\", und er schreibt:\n„Als junger Bursche musst' ich oft erfahren:\nAm höchten blüht die Frau von dreissig\nJahren I\nViel später ward mir, ganz allmählich klar:\nDie Frau von vierzig lebt im schönsten Jahr.\nJetzt denk ich oft: Ihr Frau'n, euch wird noch\nglücken\nMit fünfzig als der Krone euch zu schmücken.\nWie wird es den Frauen glücken, mit fünfzig als\nder Krone sich zu schmücken ? Der Meister des\nRomans und der Novelle, der Seelenergründer, über\nSiebzig alt, kennt freilich kein „gefährliches Alter\" der\nFrau. 112\nEin anderer Psychologe, der Hermann Bahr\nenthüllt uns im Almanach „seines Wesens Kern\"\nin folgender Strophe:\nIn ein Stammbuch schrieb einer stolz:\nImmer derselbe!\nIch darunter keck: Niemals derselbe!\nSpät erst ging mir auf, das Rechte wäre wohl\nbeides:\nNiemals derselbe und eben darin doch immer\nderselbe zu sein.\nUnd trotzdem wird „Julius Bauer der witzigste aller\nWiener Humoristen\" genannt.\n„Fünf sympathische Gäste hat Wien den Berliner\nKollegen geschickt,\" aber „zu den Alamanachgästen\naus der Fremde gehören die Hamburger Otto Ernst\nund Gustav Falke, der Münchener Ganghofer, der\nBremer Widmann und viele andere mehr. Wien, das\ngeistige, liegt für die Berliner Kollegen nimmermehr\nin der Fremde\". Doch dank der besten Vorsehung,\nliegen Wien und Berlin weit genug auseinander, um\nniemals zu einer Stadt verschmolzen werden zu kön-\nnen. Ist doch der Berliner Presseball an sich schon\n„eine sehr üppige Schönheit, sie wogt und\nwallt und alle Räume der Philarmonie\nsind voll von ihr\". Auch „breitet er (Holzbock\nist der Lyriker) den ihm innewohnenden\nZauber aus jenem Zauber der Lebensfreu-\ndigkeit, die von der Vornehmheit verschönt\nwird\". Die „deutsche Literatur\" war „sektions-\nweise\" erschienen, sogar Max Bernstein (München)\nhatte sich eingestellt. „In später Stunde erschien selbst\nPrinz Friedrich Wilhelm von Preussen.\" Und gar nicht\nerst in später Stunde, wenn ein Fürst zuverlässiger ist*\nSchon zu sehr früher Zeit, kurz nach zehn\nUhr, entsteht auf der Estrade der Zuschauen-\nden eine kleine Bewegung, denn Prinz\nFriedrich Wilhelm von Preussen betritt\nmit einem Adjudanten die Loge.\nHolzbock war nicht ganz auf seinem Posten, ihm\nist der Zauber einer Bewegung entgangen, die der\nZauber der „stolzen Genugtuung verschönt\" hat. Der\nChronist der „Täglichen Rundschau\" weiss von der\nAnwesenheit eines Prinzen überhaupt nichts, so ge-\nwissenhaft er auch die Namen aller, „die da\nwaren\", vermeldete. Selbst Thielscher erwähnte\nUnd dieser bat ihn sogar darum, „damit er für seine\nFrau einen Beweis habe, dass er zum Ball war.\"\nNein, er ist zu originell, dieser Guido, fast so originell\nwie der Reporter der „Täglichen Rundschau\". Der\nstürzte sich in das Gewühl des Festes, um mit einem\nAbenteuer literarisch zu Fall zu kommen.\n„Benützt die Gegenwart mit Glück!\" Eine\nsilbergepanzerte Chriemhild, eine dunkel-\nviolettgepanzerte reife Brünhild rauscht vorüber,\neine Recha mit gelbem Seidenturban, ein knall-\nrotes Mephistolinchen. Und in der Loge knallt\nes. Jetzt huscht neben mir Amalaswintha.\nAmalaswintha ? Es ist eigentlich eine schwarze\nJudith, ich aber taufe dich Amalaswintha.\nDas kann man nämlich. Nanu, wo ist denn\nmeine Dame ? „Judith! Amata . .!\" Weg\nist sie. Was, ausgerechnnt mit dem Russen?\nDer nichts hat, als einen schweren Namen?\nWarten Sie, mein Herr — denke ich, die\nSache ist ernster, als Sie glauben. Die Be-\nziehungen unserer Länder werden dadurch\nnicht gewinnen, mein Herr. Sie werden mir\neine Erklärung geben müssen, mein Herr,\ndenke ich. Ach Quatsch, ob Judith oder Amala-\nswintha, es ist immer derselbe Leim, auf den\nwir kriechen, denke ich.\nEin sanftes Eckchen und ein neuer Drei-\nbund. Darf ich Dmitri sagen ? Prost P- ots-\ndam! Prost Judith — Dmitri - Amala-\ns.. .! Nanu, sind wir den vier? Pardon,\nich seh' euch doppelt, Judith-Amalaswintha.\nMir sind alle Menschen ganz ungewöhnlich\nsympathisch.\nDas nennt man: Die persönliche Note.\nChriemhild, Brünhild, Recha, Judith, Amalaswintha\nund — „Kind, du kannst tanzen\". Aber übers Jahr\nwirds besser sein; Dmitri Holzbock lässt es uns\nhoffen:\nVom hohen Balkon herab liess die Finster-\nbuschsche Kapelle die Polka- und die beim\nnächstjährigen Presseball vielleicht schon um\neinen Richard Strauss bereicherten Walzer-\nweisen ertönen.\nFall und Lehar sollen um Richard Strauss be-\nreichert werden.\nFrauen und Mädchen drängen sich um „die Ver-\nteiler der Damenspende mit ihren frackärmeligen\nArmen, in den Händen die Pakete schwingend\".\nSarottikonfekt und Sarottiverse:\nKeine Bedürfnisfrage 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "424", "page_fin": "424", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.11", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 229, "texte": "Notiz\nDie Nr. 52 der Wochenschrift DER\nSTURM wurde auf den Berliner Bahn-\nhöfen nicht zum Verkauf gestellt: wegen\ndes „unmöglichen\" Bildes, wie uns mit-\ngeteilt wurde. 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Sie werben finben,\nbafc Sie biefes in gan3 befonberem (Dafee befriebigt, benn\nKosmln t?at tiberaus erfrifd)ensen Wot)lgefd>macfe,\nfconjerviert bie 3atyne imb kraftigt bos 3al)nfleifd).\nStafd>e (T)k 150, langt ausreidjenb, fiberall Mhtflict)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "424", "page_fin": "424", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.6", "debut_caractere": 774, "fin_caractere_exclue": 1015, "texte": "Die Kindermilch nach Prof. Dr. Backhaus kommtderMuttermilch am nachsten.\nKu hmiich°H Ba<Khaus-Mikh■ Frauen-A\\ilch\nli'lM.\nTrockensubstanzen von je I Backhaus-Milch und Frauenmilch#.\n1. 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Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fur Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig.\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe =\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben ia alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c019", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "424", "page_fin": "424", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.6", "debut_caractere": 2122, "fin_caractere_exclue": 3001, "texte": "•Oesunde ZShne sind ein viel kostbareres Out, als man es im taglichen\nLeben ohnehin schon einschatzt. Regelmassige Verdauung, gute Ernahrung,\ninfolgedessen Schaffens- und Lebenskraft, alles das sind Faktoren, die zum\ngrossen Teil von der guten Beschaffenheit der Zahne abhangen. Wenn\nSit daher Ihre Zahne schon und gesund erhalten wollen, so empfehlen\nwir Ihnen dringend, morgens und namentlich auch abends Kosmin zu\nbenutzen, da dieses Mundwasser infolge seiner erwiesenen Wirkung das\nZahnfleisch kraftigt, die durch Speisereste entstehende Faulnisbildung im\nMunde verhindert und dadurch die Zahne konserviert, solange dieses\nnur irgend moglich ist. Der überaus erfrischende Wohlgeschmack\ndes Kosmin macht den taglichen Gebrauch dieses /orzuglichen\nMundwassers bereits nach kurzer Zeit zum angenehmen Bedurf-\nnis. 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Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fordernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7j20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. 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Sie bringt ausfilhrliche Auf-\nsatze iiber die verschiedensten\nKrankheiten und deren Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomdopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementspreis jahrlich\n= 3 Mark =====\nAbonnements nehmen die Brieftra-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "426", "page_fin": "426", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "426", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.8", "debut_caractere": 2513, "fin_caractere_exclue": 3053, "texte": "Zum Besten des Mutterschutzhauses in Pankow\nLeitung: FRANZISKA SCHULTZ\nDIENSTAG, DEN 7. 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Frankreich\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultur und\n<5 franzosische Sezession in\nJ den Kiinsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter : ||\nJEAN RICHARD |\n$ Jahresbezug fiir das {\n1 Ausland: Mark 4.50 1\n3"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c028", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "426", "page_fin": "426", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "426", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.8", "debut_caractere": 3353, "fin_caractere_exclue": 3510, "texte": "Max Giesswein\nKgl. 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Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 ■■ Telephon I 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c034", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "426", "page_fin": "426", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "426", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.8", "debut_caractere": 4328, "fin_caractere_exclue": 4474, "texte": "Hanse Herrmann\nKiinstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-04-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-04_01#c035", "volume": "bmtnabg_1911-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "426", "page_fin": "426", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "426", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.8", "debut_caractere": 4476, "fin_caractere_exclue": 5780, "texte": "if ££?£. Friadr. Blester uiP*ig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). GrQnd-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz flir\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- urd\nBilanz-Technik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl flir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechead ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,Nationalokonom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "419", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme\nHannover Artilleriestr 15 und Berlin W 35 Potsdamerstr. 111\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN/SONNABEND DEN 4. MÄRZ 1911/ HANNOVER\nNUMMER 53\n\nINHALT:\nMEHR KINDER / Eine Rundfrage: PRO-\nFESSOR DR. G. VON SCHMOLLER: Erste Antwort /\nDR. S. FRIEDLAENDER: Kants Vermächtnis / PAUL\nSCHEERBART: Der Kaiser von Utopia / JAKOB\nVAN HODDIS: Der Tag der Stadt / FRIEDRICH\nKURT BENNDORF: Mystik / ALFRED DÖBLIN: Der\nRosenkavalier / FRITZ SCHWIEFELT: Lina Lossen /\nJ. A.: Die Musen\n\nMehr Kinder\n§6. Der Bundesrat kann den Verkehr mit Gegen-\nständen, die bei Menschen die Empfängnis verhüten,\noder die Schwangerschaft beseitigen sollen, beschränken\noder untersagen . . .\nSoweit der Bundesrat den Verkehr mit einzelnen\nGegenständen untersagt hat, ist deren Einfuhr ver-\nboten . . .\n§ 8 . . . Mit der gleichen Strafe (Gefängnis bis\nzu sechs Monaten und Geldstrafe bis zu 1500 Mark)\nwird, wenn nicht nach anderen gesetzlichen Bestim-\nmungen eine schwerere Strafe verwirkt ist, bestraft,\nwer öffentlich ankündigt oder anpreist, Gegenstände\noder Verfahren, die den Menschen . . . zur Ver-\nhütung der Empfängnis oder zur Beseitigung der\nSchwangerschaft dienen würden . . .\nDiese Paragraphen findet man in dem neusten\nGesetzentwurf zur Bekämpfung der Kurpfuscherei, der\ndemnächst in einer Kommission des Reichstages zur\nBeratung steht. So etwas soll in Deutschland Gesetz\nwerden. In Deutschland, das den traurigen Ruf der\ngrössten Kindersterblichkeii besitzt, das an sozialer\nFürsorge so gut wie nichts leistet und den Schutz der\nMütter und der neugeborenen Kindern Privatpersonen\nüberlässt. Der Verfasser des Entwurfs befindet sich\nin dem ahnungslosen Zustand eines neugeborenen\nKindes gegenüber allen sozialen, hygienischen und\nvolkswirtschaftlichen Erfahrungen und Kenntnissen.\nMan weiss nicht, wie weit die Kommission orientiert\nist. Es erschien mir daher angebracht, einige hervor-\nragende Persönlichkeiten über Wesen und Bedeutung\ndieses Teils des Gesetzentwurfes zu befragen. Die\nAntworten seien hier veröffentlicht.\n\nProfessor Dr. G. von Schmoller:\nWeitere Antworten folgen\nIch habe weder Zeit, die Fragen ausführlich zu\nbeantworten, noch habe ich den Gesetzentwurf zur\nBekämpfung der Kurpfuscherei so studiert, dass ich\nein Urteil abgeben könnte. Ich will daher nur kurz\nmeine Ueberzeugung äussern.\nDer Neumalthusianismus, der die Empfängnis zu\nhindern empfiehlt, ist heute in den oberen und teil-\nweise auch in den mittleren Klassen so verbreitet, dass\nauch ein Verbot des Verkehrs mit den ihm dienenden\nMitteln nicht viel nutzen wird. Die Verhinderung der\nEmpfängnis mag in vielen Fällen unberechtigt sein, in\nvielen anderen ist sie berechtigt; so gegenüber schwäch-\nlichen Frauen, gegenüber Frauen und Eltern, die durch\nmehr als zwei bis drei Kinder in wirtschaftliche Not\nkommen. Frühe Heiraten von Leuten, die für die\nersten fünf bis zehn Jahre die Empfängnis hindern,\nkönnen in zahllosen Fällen ein grosser Vorzug gegen-\nüber Spätheiraten sein, das sittliche Familienleben viel-\nmehr fördern als hemmen. Dagegen ist richtig, dass\nder übertreibende Neumalthusianismus den Egoismus\nder Eltern, die Abneigung gegen die Erfüllung von\nPflichten steigert, hiergegen helfen aber nicht Verbote,\nwie sie jetzt vorgeschlagen sind, sondern wirtschaftliche\nMassnahmen, die die Familiengründung erleichtern, wie\ngleichmässigere Vermögens- und Einkommensverteilung\nund moralische Mittel, die den Egoismus der oberen\nKlassen zurückdrängt.\nWo — wie in den unteren Klassen in Deutsch-\nland vielfach — die Mittel der Hinderung der Emp-\nfängnis noch garnicht bekannt sind, ändert das Verbot\nnichts; ist gewissermassen überflüssig. Aber gerade\nvon diesen Kreisen wird man sagen müssen: Weniger\nGeburten, aber lebensfähigere wären erwünscht. — —\nIn den armen Familien, die heute noch so vielfach\nsechs bis zehn Kinder haben, sterben eine Ueberzahl\nvor dem fünfzehnten Jahre. Das ist eine nationale\nKalamität.\nDer ganze Neumalthusianismus mit seinen Mitteln\nist ein zweischneidiges Schwert. Völker, die ihm zu\nsehr huldigen, werden senil, breiten sich nicht mehr\naus, haben keinen Zuwachs wie Frankreich und ein-\nzelne Teile respektive Schichten Nordamerikas. Anderer-\nseits kann es prinzipiell nicht falsch sein, wenn der\nMensch mit sittlicher Ueberlegung die Kinderzahl regu-\nliert; der richtige Weg freilich, führt haarscharf zwischen\nzwei Gefahren hindurch. Ich würde es für richtiger\nhalten, zunächst nicht mit mechanischen Verboten in\ndieses Gebiet einzugreifen. Die Sache ist nicht\nspruchreif.\n\nKants Vermächtnis\nVon Dr. S. Friedlaender\nZum Philosophen wird man durch die Fähigkeit, lauter\nProbleme dort zu sehen, wo der gemeine Kopf lauter\nTatsachen findet Schon, dass etwas sein könne ausser\nihm, unabhängig von ihm, erstaunt den Philosophen\nbis zur schwermütig brütenden Nachdenklichkeit. Er\nfühlt sich Alles in Allem. Er verlässt sich allein auf\nsich selbst.\nEin Phänomen des Erkennens ist Philosophie\nnur auf der Fläche. In ihrer Tiefe ist sie die Sehn-\nsucht nach Weltaneigung. Der Mensch, als Philosoph,\nist im Grunde so gesättigt vom Gefühle seiner Freiheit,\nseiner Unvergänglichkeit, dass alle dagegen schreiende\nErfahrung ihm einen schmerzlichen Unglauben erregt,\nund dass er sich auf Schritt und Tritt aufgefordert\nfühlt, sein Besserwissen auszusprechen.\nHier nun beginnt die Gefahr der Philosophie, die\nMöglichkeit des jähen Umschlagens aus der äussersten\nVertrauensseligkeit in die äusserste Verzweiflung. Eine\nGefahr, der sie daran war, zu erliegen, als ihr,\ngegen das Ende des achzehnten Jahrhunderts, ein\nmächtiger Wender ihrer Not erstand. Immanuel\nKant, der zum ersten Male den Versuch machte, weder\ndogmatisch noch skeptisch zu verfahren; sich gegen\ndie Welterfahrung weder zu verstocken, noch sie\nresigniert in aller ihrer Wankelmütigkeit hinzunehmen,\nmit demütiger Unterwerfung. Sondern, der zwar noch\nmit der Gebärde schüchterner Zurückhaltung, aber mit\nbescheidener Entschiedenheit das unberechenbare Welt-\nkind der Sinneserfahrung bei sich aufnahm und sich\nauf die Disziplinierung dieses spröden Wesens ein-\nschränkend, sich aller Ansprüche auf vermeint1 :ch\nhöheren Beruf entschlug.\nEs ist das erste, langsame, halb noch widerwillige\nWegwenden des Blicks vom Traumbild einer holderen\nJenseitigkeit. Es ist das erste, noch herb schmeckende\nHoffnung auf blutechte Wirklichkeit des Selben, was\nman vordem hinter die Welt verlegt, oder worauf man\nin allen Graden der Skepsis verzichtet hatte.\nDass alles Endliche ein Irrtum, ein Traum und Alb-\ndruck, höchstens ein Gleichnis sei, ist der Gesang\naller Zeiten. Vieleicht gab es einmal eine so göttliche\nGesundheit des Lebens, dass man nicht erst über die\nWelt und in Märchenphantasien oder zur Kunst zu\nflüchten brauchte, das ewig Wirkliche gewahr zu\nwerden —es klingt uns heute wie Mythologie. Jeden-\nfalls hat man sich sehr früh pathologisch zum Wirk-\ngestellt, indem man entweder gegensätzliche Ideale\nbildelte oder allen Idealen entsagte.\nDen Anfang des Endes dieser langen Quälerei be-\ndeutet uns Kant, der den Geist gesetzgebend für die\nErfahrung, ihn ihren Schöpfer sein liess. Die Dignität\nder Erfahrung stieg hierdurch beträchtlich. War es\nauch erst ein Anfang mit allem Ächzen und Krächzen\nmühseliger Beladenheit, so war nun zu hoffen, dass\nvon dorther eine unerhörte Gesundung nicht nur der\nTheorie, dieser belebenden Atmosphäre der Praxis,\nsondern der Praxis selbst in immer tieferem Durch-\ngreifen sich anhebe. Denn hier erschien eine junge\nArt der Resignation, welche sich ebenso streng den\nLuxus des Ausschweifens ins Imaginäre wie den arm-\nseligen Reiz des Klebens am puren Sinnlichen ein und\nalle mal verbot. Eine Resignation, welche Raum doch liess\nfür ein ungeheures Problem, vor dem sich Kant selbst\nden Finger auf die geschlossenen Lippen drückte, und\ndas mit der ganzen Zukunft schwanger geht. —\nVon Cartesius rührt in der Metaphysik das ernst-\nliche Streben nach Gewissheit her. Zu loben ist hier,\nwie bej Anfängern in der Regel, nicht viel mehr als\nder redliche Wille. Allzuschnell war das pou sto bei\nder Hand. Vor lauter Bäumen sah man kaum den\nWald, vor lauter Begriffen kaum die Welt. Man un-\nterschied das denkende Subjekt und das körperliche\nObjekt und stritt über die Abgrenzung der Kompetenzen.\nEs schien nicht gelingen zu können, des Objekts\nhabhaft zu werden, ohne entweder es subjektiv zu be-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "420", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.2", "texte": "einträchtigen oder die subjektiven Ansprüche zu mindern.\nMan erfand sich, um die Uebereinstimmung denken\nzu können: die sonderbarsten, scharfsinnigsten, fast\naberwitzigen Theoreme. Bald sollten Subjekt und\nObjekt identisch sein, Attribute, verschiedene Seiten\nderselben Substanz. Bald war Gott der Ort, wo sie\neigentlich harmonierten; nachdem der influxus physicus\nnicht mehr Stich gehalten hatte. Wieder waren ver-\nschiedene Arten zu ersinnen, auf welche sie in Gott\nharmonieren könnten; war's durch göttliche Hilfsbereit-\nschaft in jedem Augenblick? Oder war es würdiger,\ndass Gott in einem Augenblick ewiger Prädestinetion\ndie Harmonie endgültig besiegelte?\nDiesen Wagnissen gemeinsam ist die unkritische\nArglosigkeit gegen das denkende Subjekt mit seinen\nBegriffen. Den Finger in diese Wunde legte John\nLocke. In der Schule Bacons, des Begründers der\nPhysik, des Wirdlichkeitsfanatikers, und in der des\nMaterialisten Hobbes wohl vorbereitet, gegen das Sub-\njekt auf seiner Hut zu sein, brachte er die Neigung\nmit sich, dessen Immaterialität anzuzweifeln. Jeden-\nfalls erhält es zu allen Begriffen den Anstoss von\naussen. Ueberhaupt stammt alle echte allgemein\ngültige, notwendige Erkenntnis von aussen: hier brach\nsich die Willkür des Subjektes an Realien, an denen\nes nicht einmal in Gedanken etwas ändern konnte.\nAntipodisch entgegen trat der Alles subjektivierende\nBerkeley. Sinnreich zu vermitteln suchte Leibniz, einer\nder liebenswürdigsten und erfindnrichsteu Geister. Aus\neiner Welt schuf er eine Harmonie zahlloser Welten\ndie sich durch göttliche Fügung zum Reigentanze zu-\nsammengeschickt haben. Einer solchen rein geistigen\nWeltmonas ereignete sich das materiell Gegenständliche\ndurch eine Art perspektivischen Um- und Herabblickens\nauf die Gesamtheit der übrigen. Das Aeusserliche\nwar ein Sumationsphänomen, ein Konglomerat aus\ngeistigen Elementen. —\nSo weit was das Problem bis zu Kant gediehen\nUeberall war man darauf aus, den Dualismus des\nAussens und Innens zu überwinden, den Riss der\nWeltglocke, deren blechernes Geklapper statt des\nKlanges man längst vernahm, auszuheilen. Man war\nvoller Zuversicht: Mit ein paar Dogmen, mit dem Deus\nx machina glaubte man alles geleistet. Denn das\n£ir es eben, dass niemand den Mut besass, die ge-\nfährliche Kluft wirklich klaffen zu lassen, die man\nlängst vor Augen sah. Der Riss drohte durch das\nLeben selber zu gehen. Und ohne sich überhaupt\ngründlich zu den Extremen entschlossen zu haben,\nbehalf man sich schon mit allerhand Vermittlungen.\nAber Hume hatte bereits mit schwerem Finger an\nein Problem gerührt, welches schon die Zündschnur\nzur Mine Kants in Brand setzte, die hernach alle\njene metaphysischen Luftschlösser gewaltig auffliegen\nliess. Hume wunderte sich, dass wir manches in-\nstinktiv besser und früher wüssten, als es erfahren — viel-\nmehr, als es überhaupt nie und nimmer mit rechten\nDingen erfahren werden konnte. Nach einem be-\ndenklichen Kopfschütteln entschied er sich, es sei\nvielleicht eine mehr nützliche als auf Wahrheit beruhende,\njedenfalls tief eingewurzelte Angewohnheit. Mit un-\nvergleichlich denkkräftigerem Organe griff hier Kant zu.\nEine ungeheure Vorsicht bezeichnet seinen Weg,\neinen Weg des erstaunlichsten Lavierens zwischen\ndurch einander treibenden Eisblöcken. Als Mann der\nOrdnung, des Vertrauens, der Sicherheiten, hielt er\ndas Bewusstsein der ausserordentlichen Verantwortung,\nwelche man mit einer Revolution auf sich nimmt, be-\nständig in sich wach Zögernd und zaghaft gesteht\nsich ein solcher Geist die eigene revolutionäre Be-\nstimmmung ein. Unter viel Vorbehaltlichkeit und stetem\nProtest gegen sich selbst wagt er sich mit ihr hervor.\nEr klammert sich an das Alte so lange, bis vor dem\nwehenden Winde des Neuen alle Segel sich blähen,\nalle Taue sich straffen dann entschliesst er sich zur\nFahrt. —\nWir sehen Kant in seinen reifen Mannesjahren\nvon Leibniz -Wolffischer Tradition zur englischen\nEmpirie zweifeld hin und wieder pendeln. Das Problem\nder Apriorität macht ihm die Natur interessant. Nicht\nohne Glück versucht er mehrmals, auf spakulativem Wege\nphysischen Phänomenen beizukommen. Er stösst hier-\nbei auf den Widerstand der Natur, auf die berühmte\nGrenze, deren Festsetzung seine erste und letzte Sorge\nwar.\nHume, wie gesagt, hatte ihn bis dicht an das\nProblem herangeführt, dem er gründlicher zu Leibe\nals jemals einer vor ihm. Wie ist es möglich, dass\nwir manches über die Dinge da draussen unvergleichlich\nsicherer wissen, als es uns Erfahrung jemals lehren\nkönnte? Apaodiktisch wissen? — Grosse Geister\nhatten hier verschiedene Antworten gegeben: von Piaton\nangefangen, der allegorische Aufschlüsse gibt, wenn er\nmeint, wir erinnerten uns gewisser überzeitlicher Er-\nlebnisse ; bis auf Leibniz, dem die äussere Erfahrung\nnur eine zusammengeronnene innere ist. Niemand\nhatte sich noch um die gehörige Systematisierung der-\nartiger apriorischer Erkenntnisse bemüht.\nDiese Kritik aller Kritiken unternimmt nun Kant:\ndie Kritik der reinen Vernunft. Hier ist das Ende\nalles philosophischen Vagabundierens ins Blaue hinein\nohne einen anderen Aufwand als wunderschöner Ima-\nginationen. Gleichviel, heisst es jetzt, ob da draussen\neine selbständige, von unserem Subjekt unabhängige\nWelt dasteht oder nicht: — Wir haben an ihr zugleich\nunser Machwerk, zugleich unser Problem, Mag das,\nwas uns der Verstand im voraus eingibt, mit dem, was\nuns der Sinn hinterdrein] kennen lehrt, in der Wurzel\nverwandt sein: uns Menschen ist diese Verwandtschaft\nein Geheimnis. Wir müssen unterscheiden zwischen\nder Weltform, welche wir selbst liefern, und dem\nWeltgehalt, der problematischen Ursprungs ist. Apri-\norischer Verstand und aposteriorische Sinnlichkeit sind\nauf einanderangewiesen. Dem Geiste ist es fortan nicht\nmehr gestattet, die Sinnlichkeit wie eine lästige Fessel\nvon sich abzustreifen; sondern seine ganze Energie\nwird au die Kultur der Sinne verwendet.\nAllein er braucht sie dabei nicht auf! Wo soll\ner mit dem Reste hin? Ebenfalls nicht ins Blaue: er\nverwende ihn zum Ordnen, zum Regulieren und\nSystematisieren desschonErrungenen Und meldet sich auch\ndarnach noch ein Bedürfnis herzlichster Art in seinem\nInnern, so kann ihn dies mit nichts Besserem be-\nschenken als mit einer sicheren, wiewohl unerweislichen\nHoffnung. Damit ist alle wunderliche Verflogenheit ins\nUeberweltliche eingefangen in der Welt des Hier, der\nGegenwart. Hic Rhodus! hic salta! ruft Kant dem\nGeiste zu.\nDieser grandiose Positivismus, der zum ersten\nMale, wenn auch gleichsam halb und halb in der\nTasche, die Faust ballte gegen allerhand absolut gewähnte\nRealitäten und Dinge an sich, brachte sogleich tief ein-\nwühlende Wirkungen hervor. Der Skeptizismus hielt\nseine rechte Stunde für gekommen. Der Dogmatismus\nbäumte sich aus Leibeskräften gegen den Zwang auf,\nder ihm angetan werden sollte. Besonders der\nIdealismus glaubte, Gründe zum Triumph zu haben.\nEs geschah endlich eine um so grössere Ernüchterung,\neine Ebbe, die man noch heutzutage beobachten kann,\nobgleich geschrieben steht: „Die ernste alte Sphinx\nmit ihren Rätsel liegt unbeweglich da und stürzt sich\ndarum, dass ihr sie für ein Gespenst erklärt, nicht\nvom Felsen\" (Schopenhauer).\n\nFortsetzung folgt\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXLII\nDer Astronom\nAls die Lotte nun nach Ulaleipu fuhr, war der\nHerr Bartmann auf der grossen Sternwarte im alten\nSchneegebirge und hatte dort die Sturmküste und den\nbeweglichen Sumpf beinahe schon vergessen; Herr\nBartmann sprach fast den ganzen Tag mit dem Astro-\nnomen Haberland; diese beiden Herren schienen un-\nzertrennlich zu sein.\nHerr Haberland entwickelte dem Herrn Bartmann\nTheorien über die Natur der menschlichen Sinnesvor-\nstellungen und über die verschiedenen Arten des\nDenkens.\n„Denken ist\", sagte Herr Haberland „natürlich nur\nein Verknüpfen von Sinnesvorstellungen; der Philosoph\nverknüpft zumeist nur Formeln, die die Gestalt von\nWorten annehmen, der bildende Künstler verknüpft die\nAugenvorstellungen, aber der Gärtner verknüpft die\nGeruchsvorstellungen — und der Koch Ge-\nschmacksvorstellungen. Die beiden Letzteren pflegen\nihre Gedankentätigkeit nicht mit vollem Bewusstsein\nauszuüben, aber ihre Gedankentätigkeit lässt sich trotz -\ndem nachweisen. Nun lässt sich aber die Gedanken-\ntätigkeit des Gärtners und des Kochs, wenn auch in\nsehr geringem Masse doch bei jedem Menschen nach-\nweisen. Das Denken mit den anderen Sinnen, die\nnicht Auge und Ohr sind, nennen wir gemeinhin un-\nbewusstes Denken — — man sollte sagen : schwer\nkontrollierbares Denken Dieses spielt im sogenannten\nTraumzustande die Hauptrolle. Aber der sogenannte\nTraumzustand spielt wieder in unserem Leben die\nHauptrolle; der wachende Zustand, in dem nur Auge\nund Ohr in Gedankentätigkeit befindlich sind, könnte\nals Ausnahmezustand betrachtet werden. Sie werden\nmir das, Herr Bartmann, schnell unterschreiben, wenn\nSie eingesehen haben, dass das, was sie hinter jedem\nAugeneindruck suchen — eigentlich nur auf die Fixie-\nrung der unbewussten Geruchs - Geschmacks - Gefühls-\nempfindungen ausgeht. Die unbewusste Verknüpfung\ndieser Empfindungen sowohl untereinander wie auch mit\ndem Augeneindruck — macht diesen intim. Die soge-\nnannte Gehirntätigkeit, die von den arideren Sinnen\nausgeht, macht die bewusste Tätigkeit des Auges erst\ninteressant, bedeutsam, reich, geheimnisvoll, grossartig,\nintensiv und glänzend. Und somit wissen Sie jetzt,\nHerr Bartmann, was Sie eigentlich wollen und suchen:\ndie Mittätigkeit der anderen Sinne wollen Sie ins Be-\nwusstsein hinaufziehen.\"\nXLIII\nDer Nachthimmel\nDem Herrn Bartmann fiels plötzlich wie Schuppen\nvon den Augen; der Astronom Haberland kam ihm wie\nein Erlöser vor — und es währte lange, bis sich die\nNatur des Herrn Bartmaun wieder konzentriert hatte;\ner kam sich so aufgelöst vor — er verglich sich mit\neinem Knoten, der von der Hand eines Zauberers ganz\nleicht auseinandergelöst wurde und nun als einfaches\nschlappes Tau daliegen muss und für andere kein\nweiteres Interesse bietet.\nUnd der sonst so stolze Kaiser Philander verlor\nin ein paar Stunden sein ganzes Selbstbewusstsein,\ndass er dem Herrn Haberland mit einer Demut und\nEhrfurcht begegnete, die etwas Kindliches hatte und\nsehr fein berührte.\nUnd so gingen die beiden Herren eines Abends im\nSchnee auf dem grossen Balkon lebhaft gestikulierend\nauf und ab; sie hatten dicke Pelze und Pelzhand-\nschuhe an und achteten nicht auf die rotglühenden\nSchneekuppen der grossen Berge ringsum und auch\nnicht auf die Sterne des Himmels, die nacheinander\nsichtbar wurden und mächtig funkelten.\n„Es handelt sich\", meinte Herr Haberland, „sicher-\nlich immer wieder darum, die unbewussten Empfin-\ndungen und Vorstellungsverknüpfungen, die wir auch\nals Gedankenoperationen bezeichnen müssen, ins be-\nwusste Augen- und Ohrenleben hineinzuziehen; wir\nmüssen uns eben bemühen, immer mehr zu erwachen\n— um das aber zu können, müssen wir immer leb-\nhafter die Traumzustände und die Tätigkeit der Sinne,\ndie nicht Auge und Ohr sind, aus dem Dunkel der\nNacht in die helle Beleuchtung rücken.\"\nJetzt funkelte der Nachthimmel ganz hell, und die\nroten Gluten in den Berggipfeln wurden dunkler und\ndunkler, und der Herr Bartmann erwiderte erregt:\n„Das ist die Beleuchtung dessen, was ich erstrebte;\nich habe immer in unsicheren Konturen gefühlt, dass\nwir hinter die Sinneseindrüke kommen müssten; ich\nmeine natürlich nur: hinter die Augeneindrücke; die\nOhreneindrücke beachtete ich noch garnicht. Sie haben\nmir, Herr Haberland, das Allerwichtigste in meinem\nLeben gesagt; ich glaubte tatsächlich, dass zunächst\ndie Tätigkeit der anderen Sinne dem Augeneindruck\neinen Hintergrund gibt. Jawohl 1 Jawohl! Was für uns\nhinter dem einfachen Augeneindruck lauert — das\nsind immer die anderen Sinnesvorstellungen, die bei\ndem Augeneindruck mittätig sind, ohne dass wir ihre\nMittätigkeit genau kontrollieren können. Aber nun die\nanderen Sinne! Glauben sie nicht, dass wir noch\nandere Sinne haben können, von deren Dasein wir\nvorläufig noch keine genauere Vorstellung besitzen?\"\nDer Nachthimmel leuchtete; und Herr Haberland\nerwiderte sehr schnell:\n„Sie gehen zu schnell vor! Sie dürfen nicht ver-\ngessen, dass es die Idee unseres Schöpfers sein kann,\nuns allmählich immer wacher zu machen — aber nur\nallmählich — allmählich — damit wir auch Zeit haben,\nden ganzen Vorstellungsrausch, den uns das Weltleben\nbieten kann, in uns aufzunehmen — es gehört was\ndazu Herr Bartmann. Es wäre doch schlimm, wenn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "421", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.3", "texte": "Alles so ohne Mühe ins bewusste kleine Augenleben\numgesetzt werden könnte — wenn Alles so leicht kon-\ntrollierbar wäre — das würde uns doch keine Vor-\nstellung von der Grandiosität des uns sich nähernden\nWeltlebens bieten.\"\n„Schon richtig\", erwiderte Herr Bartmann, „aber'\nspringen wir doch einmal. Gibt es im Traumzustande\nunbewusstes Weiterarbeiten der Sinne, so gibt es viel-\nleicht im Todeszustand ein unbewusstes Weiterarbeiten\nder Sinne. Und vielleicht haben wir mal alle unsere\nTodeszustände ebenso gut in das Tageslicht des kleinen\nAuges hinüberzuziehen, wie unsere Traumzustände.\nKönnen Sie sich unkontrollierbare Vorstellungsver-\nknüpfungen im Traumzustande denken ?\nKönnen Sie glauben, dass die Leiche eigentlich noch\nweiter lebt — ein anderes Leben ?\"\nDie Sterne funkelten hoch über den beiden Herren,\ndie mit ihren Pelzstiefeln durch den hohen Schnee\nstampften und sich dabei die Hände in den Pelzhand-\nschuhen rieben, da es sehr kalt war. Und Herr Haber-\nland sagte leise:\n„Wie die Sterne leben, wissen wir auch nicht\nordentlich. Aber dass sie leben ist uns nicht zweifel-\nhaft. Oh ja! Der Traumzustand in dem wir uns so\nbefinden, ist für uns richtunggebend — das Leichen-\nleben wird für uns ein ähnliches sein wie das Leben\nim Traumzustande — ein entfernt ähnliches. Ich glaube,\nwir werden bald überzeugt sein, dass wir früher schon\nsehr oft gestorben sind. Ich glaube an eine Materiali-\nsation unseres Geistes — der könnte doch eine Aether-\nkomposition sein, die wir vorläufig mikrospisch noch\nnicht wahrzunehmen vermögen Manche Sterne kommen\nuns auch wie Leichen vor — und es ist doch nicht\nanzunehmen, dass sie tot sind. Ich glaube überhaupt\nnicht an den Tod.\nDa stürzten dem Herrn Bartmann die Tränen aus\nden Augen und froren auf der Backe an.\nHerr Haberland aber fuhr fort:\n„Sehen Sie nur, wie prächtig über uns die Sterne\nfunkeln und blitzen! Was die erst ist Traumzustande\nund im sogenannten Todeszustände erleben müssen !\nAber seien wir nicht neidisch! Wir können wahrlich\nschon genug mit unseren Sinnen empfinden — wachend\nsowohl wie träumend. Jawohl! Wir müssen immer\nweiter aufwachen. Wir müssen auch das Totsein dem\nLebendsein immer mehr zu nähern suchen. Vielleicht\nentdecken wir in uns noch Dinge, die wir in früheren\nTodeszuständen in uns aufgenommen haben — und\nvermögen sie unserm Augen- und Ohrleben anzu-\npassen. Oh, wir können tatsächlich noch viel lebendiger\nweiden dazu brauchen wir noch nicht einmal neue\nSinne in uns zu entdecken. Es lässt sich doch alles\nMögliche für jeden Sinn vornehmlich gestalten. Was\nda ist, lässt sich auch • für jeden Sinn empfindbar\nmachen. Wenigstens sollte mans meinen. Dass das\nnicht so schnell geht, ist ganz vortrefflich — denn\nwir haben schon genug des Feinen, wenn wir nur\nAuge und Ohr genügend schärfen und die anderen\nSinne nicht vergessen.\"\n„Könnten Sie\", bemerkte da Herr Bartmann, „wohl\nannehmen, dass diejenigen Leute, die sich nicht be-\nmuhen, aus ihrem Leben die denkbar grösste Fülle\neines sogenannten Weltlebens herauszuziehen — dass\ndiejenigen Leute, die zu faul sind dazu, durch längere\nTodeszustände bestraft werden könnten oder überhaupt\nvon jedem ferneren Erwachen ausgeschlossen werden\nkönnten ? \"\n»Von jedem nicht\", versetzte Herr Haberland,\n»denn der Geist, der uns schuf und uns sicherlich\nimmerzu führt, hat ganz bestimmt keine kleinlichen\nrachsüchtigen Gedanken. Er straft nur, wenn wir ihn\nnicht empfinden, durch trübe Stimmungen. Aber diese\ntrüben Stimmungen sollen uns nur wieder veranlassen,\nseine Nähe zu suchen.\"\n\"Also\", rief nun der-Herr Bartmann, „ist es jeden-\na s ganz richtig von mir gewesen, wenn ich immer\nsag e, man müsse das Leben überall heftiger sehen;\nic wollte ja nur populär ausdrücken, dass wir immer\nwacher — immer wacher leben sollten.\"\n. »Ja'\" versetzte Herr Haberland, „nur stellen Sie\nsie aber vor, was mir eben einfällt: Sie müssten zu\nem Kaiser Philander nach Schiida fahren und ihn\nwac er machen. Der Kaiser müsste für Ihren Be-\nebungsplan gewonnen werden; er müsste, so wie Sie,\nHerr Bartmann, überall herumfahren und den Leuten\nar machen, dass sie zuviel schlafen und zu wenig\ndabei die Traumzustände ins wache Augenleben über-\nsäen Und Sie müssten dem Kaiser Philander sagen:\nso schlaf doch nicht hier in Schiida - der grosse\nSumpf an der Sturmküste ist In Bewegung. Wer weiss,\nwas daraus wird! Schlaf nicht, Kaiser! Jetzt kannst\nDu zeigen, dass Du nicht bloss zum Spass Kaiser ge-\nnannt wirst. Jetzt kannst Du zeigen, dass Du ein\nFührer der Geister bist — ein Gedankenkaiser! Einer,\nder auch des Volkes Gedanken lenkt — so ähnlich\nwies der grosse Geit tut, den wir Volksgeist nennen\nund als Gott verehren.\"\nHerr Bartmann blieb stehen. Die Sterne funkelten.\nHerr Haberland blieb auch stehen, und dann sagte der\nHerr Bartmann ganz leise und sich scheu umblickend:\n„Kann uns hier niemand hören? Können Sie mir\nschwören, über das, was ich Ihnen jetzt anvertrauen\nwill, zu schweigen — unter allen Umständen?\"\n„Ich schwöre!\" gab Herr Haberland leise zurück.\n„Ich bin,\" erwiderte da der Herr Bartmann noch\nleiser als vorhin, „selber der Kaiser Philander. Aber\nSie dürfens keinem sagen. In Schiida sitzt der Flug-\ntechniker Sebastian und tut so, als wäre er Philander.\nDer Sebastian schweigt auch und ausser uns dreien\nweiss keiner von dieser Geschichte.\"\nDer Herr Haberland machte grosse Augen, sah\nden Kaiser fest an, reichte ihm die Hand und sagte\neinfach:\n„Das freut mich! Das ist kaiserliche Art! So\nhätt ich's an Ihrer Stelle auch gemacht.\"\nDie Herren schüttelten sich die Hände in den\nFausthandschuhen, und ein Unterbeamter steckte den\nKopf zu einem naheliegenden Fenster hinaus und\nrief:\n„Meine Herren, es sind fünfundvierzig Grad Kälte!\nSie müssen hereinkommen, sonst passiert Ihnen was.\"\n„Kommen Sie nach Ulaleipu?\" fragte der Kaiser.\nAber der Herr Haberland schüttelte den Kopf und\nsagte leise:\n„Ich bin hier dem Nachthimmel so nahe. Ich\nmöchte nicht — wirklich nicht.\"\nDa gingen die beiden Herren Arm in Arm in die\nwarmen Stuben hinein.\n\nFortsetzung folgt\n\nDer Tag der Stadt\nVon Jakob van Hoddis\n\nAm Abend\nAch! die glitschig nasse Planke\nWar ihm mächtig unbequem.\nSass er doch auf einer Bänke\nUnd bedachte ein Problem.\nDachte, dachte ; er war wichtig\nDenn er gab sich das Gebot:\n„Löse jene Frage richtig ,\nOder mach dich, bitte, tot.\"\nIn der Bülowstrasse war es.\nJa, es war ein Abenteuer\nHeldisch war und voll Gefahr es\nWard er dümmer? Ward er schläuer?\nJa! er sass auf einer Bänke\nUnd er hatte ein Problem\nUnd die pitschenasse Planke\nWard ihm auch sehr unbequem.\n\nDie Stadt\nIch sah den Mond und des ägäischen\nGrausamen Meeres tausendfachen Pomp\nAll meine Pfade rangen mit der Nacht.\nDoch sieben Fackeln waren mein Geleit\nDurch Wolken glühend, jedem Sieg bereit\n„Darf ich dem Nichts erliegen, darf mich quälen\nDer Städte weiten Städte böser Wind?\nDa ich zerbrach den öden Tag des Lebens l\"\nVerschollene Fahrten! Eure Siege sind\nZu lange schon verflackt. Ah! helle Flöten\nUnd Geigen tönen meinen Gram vergebens.\n\nDer Traum\nJawohl! Wir träumen oft von grossen Prünken\nUnd durch die goldene Stadt, als Triumphator\nKutschieren wir erhaben dem Senat vor\nUnd nackte Mädchen stehn auf Marmelstrünken.\nDer Wagen fliegt den Vogelfug der Möwen\nTrotzdem er köstlich teure Beute führt\nUnd diamantenes Geschirr umschnürt\nDie Löwin und den Tibetaner-Löwen.\nDa stürzt der Wagen. Plötzlich! Weh, verlieren\nDie Löwen sich zu Wut der Wüstennächte\nWeh! wer ist nahe der uns Hilfe brächte\nWeh! in der Not! — Die Bestien coitieren.\n\nAm Morgen\nEr spricht: „Nicht ängstlich an Gestaden\nAuf offnem Meere will ich baden —\nHa! der Vergleich ist ein gewagter!\nIch werde frei vom Frohn der Zeiten\nZum kosmisch-schöpferischen schreiten.\" —\n(Kosmisch, sagt er).\nEr wandelt kühn um seinen Tisch, er wandelt\nwohl die ganze Nacht\nBeglückt in seiner Lampe Licht,\nDas jetzt am Tag am Blau zerbricht.\nDie ganze Nacht hat er umgebracht!\n(So ein Kerl!)\n\nMystik\nVon Friedrich Kurt Benndorf\nZu den Erlebnissen aus der Region des Unter-\nbewusstseins gehört jenes kosmische Fühlen, das jeder\nwahre Künstler besitzt. Aber während es für diesen\nnur Peripherie des geistigen Hervorbringens ist, weil\nsich sein Schaffen auf bestimmte Lebensausschnitte\nrichtet, bedeutet es für den reinen Mystiker Zentrum,\nweil ihm die allgemeine Lebensanschauung, aus der\nPerspektive der Identität aller Kreatur, wesentliches\nErlebnis ist. Frühere Mystik (zum Beispiel die sufi-\ntische Weisheit) nannte diese Versenkung ins Hyper-\nmdividuelle „Vereinigung mit der Gottheit durch Ver-\nnichtung des Ichs\". Die „Gottheit\" in solchem Sinn\nsteht auch bei den neuesten Mystikern, bei Mombert\nund Rainer Maria Rilke, im Mittelpunkt ihres Sinnes\nund Trachtens. Alle Mystiker sind Pantheisten, sofern\nsie Gott und All identifizieren, und zugleich Atheisten,\nsofern sie wiederum All und Ich (nebst dem Werden\ndieses Ichs) gleichsetzen. Während der religiöse\nDichter Gottsucher ist, ist der mystische Dichter\nG o t tverkünder; während jener Gott als transzendente\nWirklichkeit auffasst, als Urquell des Daseins voraus-\nsetzt, verlegt ihn dieser ins Menscheninnere zurück,\nmacht ihn im Menschen bloss bewusst, — schafft ihn\nerst. Ihm ist Gott das das Unendliche, dessen\nImmanenz im Endlichen durch die Tatsache des Tiefen-\nbewusstseins und seiner ekstatischen Erkenntnis ge-\nwährleistet erscheint. In den Urgrund des Zeit- und\nRaumlosen hinabzutauchen, — das persönliche Ich\ngefühlsrnässig zum universellen Ich zu erweitern, ——\nWelt und Ich als dieselbe „denkendschaffende\" Substanz\nzu empfinden, — jenen Zustand des Rausches zu er-\nreichen, wo alles Naturgeschehen in der eignen Seele\nsich noch einmal abspielt, wo der Kausalitätsgedanke\nsinnlos wird und schwindet, wo der Geist vibriert in\nder Uebereinstimmung zwischen dem Ewigen der Aussen-\nwelt und dem Ewigen menschlicher Innenwelt: — das\nist der Grundtrieb jedes Mystikers.\nSchon in der Darstellung mystischer Ideen durch\ndie islamitischen Sufi, im „Masnawi\", wird gesagt, dass\nman niemanden „zum Ewigen bekehren\" könne.\nMystik, als eine Sache innerer Sammlung des einzelnen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "422", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.4", "texte": "Menschen, ist nicht lehrbar, sondern angeboren wie\nPoesie und Religion (als die Ehrfurcht vor dem Uner-\nforschlichen), und sie hat mit Propagation so wenig\nzu tun wie Religion mit Moral. Das mystische Erleben\nist nur mitteilbar — durch die sinnlichanschauliche\nIntuition.\nPersönlichkeiten mit der seelischen Konstruktion\ndes Mystikers sind zu jeder Zeit möglich und haben\nin allen Jahrhunderten gelebt, im Morgenland und\nAbendland, unter Buddhisten, Mohammedanern, Juden,\nChristen und „Heiden\". Der Chinese Lao-Tse gehört\neu ihnen wie der Perser Dschelalud-Din-Rumi,\nder Neuplatoniker Plotin wie der Pantheist Bruno\nund der Romantiker Novalis, der Prediger Eckhart\nim dreizehnten Jahrhundert wie der Arzt Parazelsus\nim sechszehnten, der Schuhmacher Jakob Böhme\nim siebzehnten, der Physiker Fechner im neunzehnten\nund der Rechtsanwalt Mombert im zwanzigsten Jahr-\nhundert. Besonders häufig traten sie im vierzehnten\nJahrhundert auf, in einer Zeit grober Veräusserlichung\nder Kirche. Die bildliche Ausdrucksweise dieser\nchristlchen Mystiker (Ruisbruch, Tauler, Suso) bewegt\nsich ebenso im Rahmen der Scholastik und Mystik des\nmittelalterlichen Katholizismus, wie die der heutigen\nMystiker im Rahmen der dogmatisch unbefangenen\n„naturalistischen\" modernen Philosophie. Alle Mystiker\nsind Träger derselben Grundidee, bei deren (mehr oder\nweniger dichterischen) Gestaltung sie an typische Vor-\nstellungen und Begriffe ihrer Zeit anknüpfen. Ueber\ndie Jahrhunderte grüssen sie sich zu, und es erscheint\nnur wie eine persönlich ungeprägte Harmonisation der-\nselben Melodie, wenn ein mystischer Gedanke wie der\ndes Sufismus, dass „alle Dinge von dem ewig uner-\nschaffnen Licht ausfliessen\", nun in Momberts Munde\nlautet: „Die hohe Himmlische gebar das Wunder der\nWelt!\"\n*\nWährend der realistische Dichter dem Geheim-\nnis der Einzelerscheinungen des Lebens ins Auge sieht,\ntreibt es den mystischen Dichter, an dem Geheim-\nnis des Lebens als Ganzen zu raten. Jener bringt\nnaturgemäss allgemeinere und raschere Wirkung hervor,\nweil in den von ihm geschaffenen Illusionen des Lebens\nsich jeder selbst leicht wiederfindet, dagegen dieser nur\nlangsam und auf wenige wirkt, weil es schwer ist, zu\neinem Erlebnis der Selbstversenkung (der „Abgeschieden-\nheit\", wie die alten Mystiker sagen) hinaufzugelangen.\nDazu kommt, dass die Menge von dem geistigen\nPathos metaphysischer Abstraktionen wie Sein und\nWerden, Ich und Welt, Zeit und Ewigkeit, die der\nmystische Dichter in seinen Gleichnissen konkretisiert,\nnur schwach berührt wird.\n*\nZu den wesentlichen Merkmalen mystischer Be-\nfähigung gehört die Schau „sub specie aeternitatis',\nDer Mystiker hat das Trügerische der Erkenntnisfornaen\nvon Zeit und Raum tief begriffen und versenkt sich\nin den Gedanken der Ewigkeit und Unendlichkeit, den\nuns die unmittelbare Betrachtung der Welt eingibt. Er\nsagt mit dem alten Heinrich Suso: „Lass dir nimmer\ngenügen, bis dass du erkriegest in der Zeit das gegen-\nwärtige Nun der Ewigkeit\"; oder mit Angelus Silesius:\n„Du selber machst die Zeit, das Uhrwerk sind die\nSinnen; hemmst du die Unruh nur, so ist die Zeit\nvon hinnen\"; oder mit dem modernen französischen\nSymbolisten Albert Samain: „Pense, domine Tage, et\nrespire l'Espace\"; er bildet mit souveräner Kraft ein\nGleichnis und sagt mit Alfred Mombert:\nEs fliesst alles von mir ab wie grosser Regen.\nAuch mein eigen Herz fliesst von mir ab,\nselbst mein Geist und all meine Weisheit.\nIch bin ein Marmorbild in einem Garten\nund blicke auf klare Bäche, auf Blumen.\nDas ist Regen, der von mir abfloss,\nund zu Blumen ward.\nIch bin im Hochwald, in den Schatten;\num meine Marmorschultern rankt Epheu.\nBis das Feuer in den Wald kommt\nund mich entkleidet.\nIch aber singe im Geloh der Flammen\ndas tiefe Lied von meiner Ewigkeit.\nVerstandesmässig ist auch dem Nichtmystiker ein-\nleuchtend, dass sich im Kleinsten das Universum\nwiderspiegelt („Die Sonne blickt hinein in das Weltall\nmeines Auges\" Mombert) — dass das in unendlich\nvielen Abstufungen sich entwickelnde Gesamtbewusstsein\nunabreissbar sein muss und dass vom Gesichtspunkt\ndieser Unabreissbarkeit das Einzelbewusstsein sich als\newig fühlen darf (wenn auch nicht im Aberglauben\neiner persönlichen Unsterblichkeit); aber intuitiv,\ngefühls-schöpferisch, erlebt das Leben • als „ewigen\nGedanken\" doch nur der geborne Mystiker. Ihm sind\ndie Stunden gegönnt, wo das individuelle Fühlen im\nAllgefühl völlig aufgeht und alle Zeit eitel Gegenwart\nwird — wo ein Verstehen über dem Alltagsverstehen\nzu walten scheint, das ohne unser Zutun und Anstren-\ngung, wie in Traum und Rausch, mit unfassbarer\nSicherheit gleichsam zu Ende denken lässt, was in ge-\nwöhnlicher Stunde unerraffbar bleibt.\nDass für dieses Glück der inneren Entäusse-\nrung von Zeit und Raum das Wortsymbol unzu-\nlänglich ist, deutet Mombert an zwei Stellen seiner\n„Schöpfung\" an. „Oeffne keinen Mund. Denn das\nLeben ist unsagbar\"; „Aus dem> Qualm der Sprache\nkehre ich heim um nie mehr zu sprechen\". Er fühlt\ndass die Sprache als eine Funktion des Gemeinschafts-\nlebens, nichts über das auszusagen vermag, was aller-\neinsamste Erfahrung ist. Schon der alte Mystiker\nJakob Böhme klagte: „Die irdische Zunge kann nicht\nerleben, was der Geist begreift und versteht.\" Aber\ndas Begreifnis des Geistes ist nun einmal an die\n„irdische Zunge\" gebunden; die Verwandlung in Sprach-\nform gibt ihm erst „Wesen\" (so wie die Körperwelt\ndem Chaos erst Wesen gibt); das Erlebnis der eksta-\ntischen Erkenntnis will sich mitteilen, aus demselben\nDrange heraus, der das Zeitlose nach Zeitlichem, das\nIch nach einem Du begehren lässt, und so bedienen\nsich die Mystiker bildlicher Umschreibungen, um mit\nder Sprache, die ja vielmehr ein Ausdrucksmittel des\nVerstandes als des Gefühls ist, doch dem Gefühl bei-\nzukommen. Aus diesem Gesichtspunkt müssen die\nhalluzinatorischen und zugleich so realistischen Gebilde\nder grossen Dichter beurteilt werden.\n\nDer Rosenkavalier\n\nEine Vorbemerkung\nDer Rosenkavalier des Herrn Dr. Strauss hat sich\nvorgestellt; dies weiss jeder jetzt in den durch Telegraph,\nKabel, Zeitung erreichbaren Territorien der Erde . . .\nIch lasse es dahingestellt, ob die Notiz richtig ist, dass\naugenblicklich eine Expedition ausgerüstet wird unter\nFührung von Wellmans, um die Nachricht coute que\ncoute, nötigenfills mit Waffengewalt unter der Bevölkerung\nvom Grönland und an den Quellen des Nils zu verbreiten,\nich zweifle daran, weil man vermutlich auch da schon\nalles weiss. Sicherlich aber hat nie ein „Kavalier\" von\nReporters Gnaden solchen ungeheuren Weg gemacht\ndurch die weltverdeutenden Blätter, dass selbst Herr\nMargolin ein betrübter Eckensteher gegen ihn wurde,\ndass der Rosenkavalier, unähnlich dem Phosenkavalier,\njedem Verdacht der Hochstapelei entgehen konnte. —\nWir kennen Dr. Strauss seit Jahren gut. Er bedient\ndas Bedürfnis weiter Kreise nach Musikfortschritt vor-\nzüglich. Er ist ein Vertreter des Liberalismus in\nbester Form, er leistet zwar nichts mehr, aber dafür\nschreibt er Opern. Man braucht ihn, jede Zeit hat\nden Dr. Strauss, den sie verdient. Früher trat er in\nder Literatur unter dem Namen Sudermann auf; in\nder Musik ist er weniger gut angreifbar. In früheren\nZeiten waren die Priester berufen, dem Volk einen\nGott zu demonstrieren; das besorgen jetzt die Schor-\nnalisten; was sie demonstrieren, ist zwar kein Gott, aber\nimmerhin Herr Dr. Strauss. Im Vordergrund der\ngegenwärtigen Kunstproduktion stehen diejenigen straf-\nbaren Handlungen und Vergehen, welche mit Musik\nkonpliziert sind; Vorschub leistet der Snob (auch Vor-\nschuss), das ist die zahlungsfähige Versammlung von\nAmüsierbengels und Lebemädchen beiderlei Geschlechts.\nAndere Produktionen scheinen nach dem Gesetz von\nAngebot und Nachfrage wenig mehr aufkommen; sodass\nunsere Kunst eigentlich nur noch juristisches Interesse\nbietet. Jetzt haust die Pest in Ostasien, bei uns geht\nder Rosenkavalier um. Es gilt auch, hygienisch zu\narbeiten.\nEin gewisser Alfred Schattmann führt in das neuste\nElaborat des p. Strauss ein. Diese Einführung ist\nein Unikum ; sie ist fraglos interessanter als das Ela-\nborat des Dr. Strauss. A. Sch. gehört zu Str.: der\nbläst Himmel und Erde aus Seifenschaum, Sch. aber\nkann nicht einmal die solide Erde stehen lassen; sie\nfliesst ihm als Quarkkäse durch die Finger.\nAm Anfang gesteht er: ,Hier hat es die Welt er-\nlebt, dass R. Str., der Komponist der Salome und\nElektra, eine Komödie für Musik schrieb.\" Schwer\ngenug ist es der Welt schon geworden; aber schliess-\nlich, sie hat schon schlimmeres erlebt. Und dann,\nHerr Sch. schreibt über das Opus, das bringt Heiter-\nkeit in den Ernst der Situation. Er fällt ins Knie und\nbetet: „dass ihm Humor, Laune, Witz, Ueberschweng-\nlichkeit als musikalisches Ausdrucksmittel, also die Ur-\nelemente einer innerlich wahren, aus solchen Gründen\n— man müsste sagen: mit organischer Notwendigkeit\nherausentstehenden komischen Oper wie nur einem im\nBlute liegen, hat der Schöpfer des Don Quixote, des\nEulenspiegel und nicht zu vergessen, der Feuersnot ja\ndoch handgreiflich bewiesen.\" Ich verstehe den Satz\nwohl, aber dem Mann ist nicht zu helfen. Wenn er\nin solchem Haus wohnen sollte, würde er bei einer\ngewissen organischen Notwendigkeit den Weg unfehlbar\nverpassen, müsste den Weg vom Wohn- zum Speise-,\nund nicht zu vergessen zum Schlafzimmer, man müsste\nsagen, aus aus solchen Gründen mit Blaupläne deren\nUrelemente ihm wie nur einem im Blute liegen, suchen\nund nicht finden. Sven Hedin, den ich wegen des\nSatzes befragte, erklärte, soetwas käme weder in China\nnoch im Tibet vor, Es ist im Satz, gegen den ein\nUnterseeboot ein Kinderspiel an Gefährlichkeit ist; an\nseinem Schlussist mein Gesicht blauviolett geworden,\nmein alter Schnupfen ist sprachlos versiegt, die Zunge\nhängt mir meilenweit zum Halse heraus, und ich bin\ngemacht, vom Dr. Strauss handgreiflich komponiert zu\nwerden.\nIch hatte glücklich meine Ferien zugebracht, mich\nvon dem Schreck zu erholen, als mir folgendes passierte:\n„Die andere Seite des Wesens der komischen Oper,\ndie sie mit der pathetischen gemeinsam hat, die\nSteigerung des ersten Empfindens über den Alltag, den\nDurchschnitt der phflistriösen Gefühlswelt hinaus in\nhöhere Stockwerke intensiven Empfindens, diese aus\ninneren Notwendigkeiten der Veranlagung der Personen\nim Drama, des Milieus und des dramatischen Prozesses\nherausgeborene menschlich höchste Ausdrucksweise\ndurch Wort and Ton in einem: sind nicht die Salome\nund Elektra vom der ersten bis zur letzten Note ein Aus-\ndruck solchen Fühlens?\"\nNa,f ich bestreite, das ich bestreite alles, was mög-\nlicherweise in diesem Satz steht; es ist mir ganz egal,\nman braucht sich so etwas keineswegs gefallen zu lassen.\nEine derart herausgeborene menschlich höchste Aus-\ndrucksweise geht über meine Fassungskraft, sie gehört\nin die höheren Stockwerke, wo die Veranlagung anfängt,\nüber den normalen Alltag hinaus zum Platzen gesteiger\nzu werden.\nDer Herr Sch. lenkt später ab, ins Gebiet der\nEmbryologie. Hier bemerkt er, dass der Rosenkavalier\naus inneren Keimen entstanden sei. Schon möglich:\nes ist freilich erstaunlich, was die Begeisterung für den\nDr. Strauss für Fortschritte „zeitigt\", es gibt jetzt offen-\nbar schon äussere Keime, und was wird es später\nnoch alles geben, wenn Dr. Strauss Klassiker ge-\nworden ist! Die höheren Stockwerke werden sich\nbevölkern, die inneren Keime im Oberstübchen werden\nüber die philiströse Gefühlswelt hinaus fabelhaft\nwuchern. — Nur fiel mir eine einschränkende Be-\nmerkung des p. Sch bezüglich der Keime auf; er meint,\nes seien die Keime in Elektra und Salome zwar anders\ngeartet [als im Rosenkavalier, aber doch unterscheidet sich\nder Rosenkavalier, etwas vom Elektra und Salome. Dies\nist meines Erachtens sehr begreiflich, man wird daraus\ndem Rosenkavalier kaum einen Vorwurf machen, denn\nzwar ist der Rosenkavalier ein Mann, aber dennoch\nist er keine Frau. Und zwar ist Herr Sch. logisch\nsehr unorientiert, aber dennoch kann er keinen ver-\nnünftigen Satz schreiben.\nIch gehe zur Embryologie des Werkes selbst\nüber: „Das Buch Hofmannsthals entstand stückweise.\"\nSchon dies hebt das neue Elaborat de facto weit über\ndie sonstigen Werke der Mitwelt, denn diese sind\nsämtlich sofort ganz fertig gewesen. Der Künstler der\nalten Schule vermied krampfhaft irgend etwas Ein-\nzelnes zu dichten, zu komponieren, zu malen, in einem\nNu schrieb er sämtliche Seiten auf einmal, dies ist ja\ndas noch immer ungelöste Rätsel künstlerischer Produktion.\nWie kann Herr Sch. nur vom Hofmannsthal das Gegen-\nteil behaupten ? Oder schrieb Hofmannsthal zwar\nstückweise, aber dennoch nicht im Nu? — „Wie ein\nAkt fertig war, ja manchmal auch ehe ein ganzer Akt\nfertig war, ging das Manuskript an Strauss, der es\nkomponierte.\"\nMir fehlen Worte der Anerkennung für diese\nArbeitsweise. Das Beste wäre freilich gewesen, Herr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "423", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.5", "texte": "Dr. Strauss hätte die ganze Affaire komponiert, ehe\nüberhaupt etwas fertig war, und die Theaterauf-\nführung hätte stattgefunden, ehe überhaupt die Autoren\nan das Stück dachten. Es eröffnen sich hier ganz\nneue Perspektiven Aeltere Autoren pflegten bekannt-\nlich ihre Sachen zu überarbeiten. Die neue Methode\nbringt es mit sich, dass der Autor in der siebenten Szene\nnicht mehr weiss was er in der vierten schrieb. Die Per-\nsonen entsinnen sich nicht mehr, was sie im vorigen\nAkt gesagt haben, und in einem Stück ähnlich Romeo\nJulia ist Romeo eben bereit, den Knoten tragisch zu\nlösen, als der Vater erscheint und erklärt, seinetwegen\nbrauche Romeo sich nicht umzubringen; er stamme\naus einem anderen Stück und sei im ersten Akt bloss zu-\nfällig hier vorbeigekommen. Dieser Zustand wird im\nRosenkavalier um so eher begreiflich, als Dr. Strauss\nnach Mittheilung des p. Schattmann die thematische\nArbeit zwar nicht völlig verlassen, so doch gänzlich\naufgegeben hat („Triebkräfte innerer Erregung\" und so).\nUnd da verstehen wir alles: wir sehen mit A.\nSchattmann, dass Dr. Strauss in diesem Stück einen\nSchritt weiter gegangen ist. Und zwar bestand das\nNähere des Schritts darin, dass er der Fantasie, die\nsich für einen echten Künstler ziemt, die Zügel\nschiessen liess. Als die schiessen gelassene Fantasie\nüber den Schritt erstaunte, liess Dr. Strauss sie\nspielen, was ihr gegen den Strich ging, worauf sie den\nDoktor kurzer Hand entrükte. Das Zielenlassen nun\nder ihm entrückenden Fantasie, der er aus Triebkräften\ninnerer Erregung die Zügel schiessen liess, war immer-\nhin derart, dass er einen Schritt weitergehen konnte,\nundgihn der „holde Wahn\" erfasste, ihn, „den Kenner\nund Wiederbeleber Mozartischen Geistes in ungezählten\nAufführungen, eine Kongenialität, die wenigstens bis\nzum gleichen Grade —1\"\nDiese unter den Augen von Richard Strauss entstandene „Ein-\nführung\" in den Rosenkavalier erschien im Verlag Adolph Fürstner,\nBerlin.\n\nAlfred Döblin\n\nLina Lossen\nFritz Schwiefelt\n„Und dennoch sagt der viel, der „Abend\" sagt,\nein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt . . .\" Liegt\nnicht schon im schweren Dahingleiten ihres harmonisch\ngefügten Namens die himmlische Ruhe dieses Weibes\nbeschlossen! Wrenn sie auf lautlos weichen Schritten\nvorüberschwebt, sich niedergleiten lässt, wenn aus der\nMutterhut ihrer zärtlichen Wimpern ein leicht geflügelter\nBlick aufschwingt wenn — Schmetterlingen gleich — in\nweichgeschwungener Kurve tändelnde oder schwermütig\nflatternde Worte ihren Lippen entgleiten, — weg mit\nAristokratie und Edelfrauentum, das Weib ist wie ein\nKreis, dessen Harmonie in sich selbst zurückschwingt,\ndiese Frau ist ein Kunstwerk, ein Rhythmus, ein ruhig\norgelhafter Akkord im unrhythmischen Gewühl unseres\nhämmernden Lebens\nSie las Gedichte von George, Hofmannsthal, Dehmel\nund Rilke. Haltlos trauernde Verse, die ihre Schwer-\nmut wie schleppende Gewänder tragen, und durch die\nsteilen Falten hindurch fühlte man das Zucken wund-\nlebendigen Lebens, wie man das Leben ihres kathedraben\nKörpers durch die Falten ihres seidenen Gewandes\nhindurchfühlte; sie las den zwanzigsten Gesang aus dem\nPoggfred und Thomas Manns Erzählung: „Ein Glück\",\ngottseidank gar nicht schauspielerisch, gar nicht ver-\nsessen auf Herausarbeitung billiger Kontraste, sondern\nmit Weibesinstinkt darauf bedacht, die Sehnsucht einer\nverlorenen Frauenseele schluchzende Musik werden zu\nlassen, mitfühlend und mitleidfühlend, ihre eigene Sache\ngleichzeitig vertretend, gleichzeitig preisgebend. Das war\ndas Erschütternde, wie sie das Mysterium einer frierenden\nSeele wie eine zag geschlossene Blume mit zitternden\nHänden auseinanderbog und eine warme Träne in den\nfrostigen Kelch hinabtropfte.\nLina Lossen ist ja im Grunde keine Komödiantin\nmit dem Auswechslungstrieb eigenen Lebens, ihre\nwundervolle Kunst ist der mystische Prozess einer\nWärmeausstrahlung, ein Duften und Ausströmen ihrer\nruhig klaren Weiblichkeit, ein gefälliges Umhüllen des\nunrastvollen Lebens mit dem weichen Mantel ihres\nmitleidsvollen Weib- und Weltgefühls, ein Harmonisieren\nund Ausgleichen.\n\nDie Musen\nJoseph Adler\n„Geist ist kein allgemeines Bedürfnis.\nWer damit handelt, mache sich daher von\nvornherein auf eine beschränkte Anzahl von\nAbnehmern gefasst.\"\nDiese grobe Sentenzlüge lieferte Ludwig Fulda\ndem Musen-Almanach des Presseballs als Beitrag. Geist\nist etwas, das wenige besitzen, und die Produkte, die\nsie aus ihm ziehen, sind so gewiss ein allgemeines\nBedürfnis, als sie keine Waren sein können, mit denen\nman schachern muss, damit sie Abnehmer finden.\nFuldas Dichterexistenz ist die schlotternde Bestätigung\nder unleugbaren Tatsache: dass Geist ein allgemeines\nBedürfnis ist. Es war eine blasierte Vermessenheit von\nFulda, dem Presseballmusenalmanach diesen Trugapho-\nrismus abzulassen. Gerade und nur dem allgemeinen\nBedürfnis nach Geist verdankt er sein Ansehen und\nseinen Wohlstand. Das allgemeine Bedürfnis nach\nGeist ist da, aber das Publikum wird dessen in zuvor-\nkommender Weise „entäußert\". In seiner Gedenkrede\num Löwenfeld verstieg sich Fulda zu der Phrase vom un-\nstillbaren Hunger des Volkes nach Kunst, und vier\nWochen später behauptet er kalt: Geist sei kein all-\ngemeines Bedürfnis. Ja, wenn der Geist, nach dem\nkeine Nachfrage herrscht, mit der Kunst, um die das\nVolk „mit unstillbarem Hunger wirbt\", nichts gemein hat,\nbehält Fulda Recht. Dann haben die Tntelektuellen\nkeinen „Bedarf für Geist\", trotz Fulda und allen den\nandern nicht (wer zählt die Namen?), die sich in Vers\nund Prosa im Musenalmanach zusammentaten.\n„Der alte Träger eröffnete die Bardenreihe\"\nDer noch jugendfrische Achtziger dichtet natur-\ngemäss kindisch.\nDiamantendurchleuchtete Nacht,\nFunkelnder Orden vornehme Pracht,\nDrängen und Schieben sanfter Gewalten,\nStolzer Schritt, geduldiges Halten\nVor der Leiber lebendigen Wall —\nFühre mich auf den Presseball!\nBlendender Reize Locken und Fliehn,\nAlles, was schön und reich in Berlin,\nTönender Namen volles Register,\nAdel, Militär und Minister,\nWirbelnder Tanz und Trompetenschall,\nFühre mich auf den Pressseball!\nMan muss ihn in der diamantendurchleuchteten\nNacht doch nicht „dahin\" geführt haben, denn der\n„tönenden Namen volles Register\" trug eine Lücke.\nDie Jungen glichen den Alten, diese schreiben\nwie jene, Presbers Humor ist gerade so alt, als Stetten-\nheims Witz je frisch warl\nFür das Damengeschenk des Ballfestes, das alles\nanlockte, „was schön und reich ist in Berlin,\" dichtete\nPresber, der Liebling der Frauen ein Geständnis, das\nin seiner Banalität die Distanz bestätigt, die einen\nDandy von einem Parvenü trennt.\nLahme Pferde vor schickem Wagen,\nAhnenstolz in einem Wicht,\nUnd Genies mit dreckigem Kragen,\nSchlagt mich tot, ich mag sie nicht.\nAber der „Lokal-Anzeiger\": „Von A bis Z vor-\ntreffliche Autoren, die sich im Almanach von der\nbesten und heitersten Seite zeigen\".\nWelchen Wert können die Werke von Adolf Wil-\nbrandt, „dem Meister des Romans und der Novelle,\ndem Seelenergründer\", besitzen, wenn sein Alma-\nnachbeitrag schon zu dem Besten und Heitersten zählt,\ndas er zu geben vermag. „Wilbrandt kennt kein ge-\nfährliches Alter der Frau\", und er schreibt:\n„Als junger Bursche musst' ich oft erfahren:\nAm höchten blüht die Frau von dreissig\nJahren I\nViel später ward mir, ganz allmählich klar:\nDie Frau von vierzig lebt im schönsten Jahr.\nJetzt denk ich oft: Ihr Frau'n, euch wird noch\nglücken\nMit fünfzig als der Krone euch zu schmücken.\nWie wird es den Frauen glücken, mit fünfzig als\nder Krone sich zu schmücken ? Der Meister des\nRomans und der Novelle, der Seelenergründer, über\nSiebzig alt, kennt freilich kein „gefährliches Alter\" der\nFrau. 112\nEin anderer Psychologe, der Hermann Bahr\nenthüllt uns im Almanach „seines Wesens Kern\"\nin folgender Strophe:\nIn ein Stammbuch schrieb einer stolz:\nImmer derselbe!\nIch darunter keck: Niemals derselbe!\nSpät erst ging mir auf, das Rechte wäre wohl\nbeides:\nNiemals derselbe und eben darin doch immer\nderselbe zu sein.\nUnd trotzdem wird „Julius Bauer der witzigste aller\nWiener Humoristen\" genannt.\n„Fünf sympathische Gäste hat Wien den Berliner\nKollegen geschickt,\" aber „zu den Alamanachgästen\naus der Fremde gehören die Hamburger Otto Ernst\nund Gustav Falke, der Münchener Ganghofer, der\nBremer Widmann und viele andere mehr. Wien, das\ngeistige, liegt für die Berliner Kollegen nimmermehr\nin der Fremde\". Doch dank der besten Vorsehung,\nliegen Wien und Berlin weit genug auseinander, um\nniemals zu einer Stadt verschmolzen werden zu kön-\nnen. Ist doch der Berliner Presseball an sich schon\n„eine sehr üppige Schönheit, sie wogt und\nwallt und alle Räume der Philarmonie\nsind voll von ihr\". Auch „breitet er (Holzbock\nist der Lyriker) den ihm innewohnenden\nZauber aus jenem Zauber der Lebensfreu-\ndigkeit, die von der Vornehmheit verschönt\nwird\". Die „deutsche Literatur\" war „sektions-\nweise\" erschienen, sogar Max Bernstein (München)\nhatte sich eingestellt. „In später Stunde erschien selbst\nPrinz Friedrich Wilhelm von Preussen.\" Und gar nicht\nerst in später Stunde, wenn ein Fürst zuverlässiger ist*\nSchon zu sehr früher Zeit, kurz nach zehn\nUhr, entsteht auf der Estrade der Zuschauen-\nden eine kleine Bewegung, denn Prinz\nFriedrich Wilhelm von Preussen betritt\nmit einem Adjudanten die Loge.\nHolzbock war nicht ganz auf seinem Posten, ihm\nist der Zauber einer Bewegung entgangen, die der\nZauber der „stolzen Genugtuung verschönt\" hat. Der\nChronist der „Täglichen Rundschau\" weiss von der\nAnwesenheit eines Prinzen überhaupt nichts, so ge-\nwissenhaft er auch die Namen aller, „die da\nwaren\", vermeldete. Selbst Thielscher erwähnte\nUnd dieser bat ihn sogar darum, „damit er für seine\nFrau einen Beweis habe, dass er zum Ball war.\"\nNein, er ist zu originell, dieser Guido, fast so originell\nwie der Reporter der „Täglichen Rundschau\". Der\nstürzte sich in das Gewühl des Festes, um mit einem\nAbenteuer literarisch zu Fall zu kommen.\n„Benützt die Gegenwart mit Glück!\" Eine\nsilbergepanzerte Chriemhild, eine dunkel-\nviolettgepanzerte reife Brünhild rauscht vorüber,\neine Recha mit gelbem Seidenturban, ein knall-\nrotes Mephistolinchen. Und in der Loge knallt\nes. Jetzt huscht neben mir Amalaswintha.\nAmalaswintha ? Es ist eigentlich eine schwarze\nJudith, ich aber taufe dich Amalaswintha.\nDas kann man nämlich. Nanu, wo ist denn\nmeine Dame ? „Judith! Amata . .!\" Weg\nist sie. Was, ausgerechnnt mit dem Russen?\nDer nichts hat, als einen schweren Namen?\nWarten Sie, mein Herr — denke ich, die\nSache ist ernster, als Sie glauben. Die Be-\nziehungen unserer Länder werden dadurch\nnicht gewinnen, mein Herr. Sie werden mir\neine Erklärung geben müssen, mein Herr,\ndenke ich. Ach Quatsch, ob Judith oder Amala-\nswintha, es ist immer derselbe Leim, auf den\nwir kriechen, denke ich.\nEin sanftes Eckchen und ein neuer Drei-\nbund. Darf ich Dmitri sagen ? Prost P- ots-\ndam! Prost Judith — Dmitri - Amala-\ns.. .! Nanu, sind wir den vier? Pardon,\nich seh' euch doppelt, Judith-Amalaswintha.\nMir sind alle Menschen ganz ungewöhnlich\nsympathisch.\nDas nennt man: Die persönliche Note.\nChriemhild, Brünhild, Recha, Judith, Amalaswintha\nund — „Kind, du kannst tanzen\". Aber übers Jahr\nwirds besser sein; Dmitri Holzbock lässt es uns\nhoffen:\nVom hohen Balkon herab liess die Finster-\nbuschsche Kapelle die Polka- und die beim\nnächstjährigen Presseball vielleicht schon um\neinen Richard Strauss bereicherten Walzer-\nweisen ertönen.\nFall und Lehar sollen um Richard Strauss be-\nreichert werden.\nFrauen und Mädchen drängen sich um „die Ver-\nteiler der Damenspende mit ihren frackärmeligen\nArmen, in den Händen die Pakete schwingend\".\nSarottikonfekt und Sarottiverse:\nKeine Bedürfnisfrage 1"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "424", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.6", "texte": "Notiz\nDie Nr. 52 der Wochenschrift DER\nSTURM wurde auf den Berliner Bahn-\nhöfen nicht zum Verkauf gestellt: wegen\ndes „unmöglichen\" Bildes, wie uns mit-\ngeteilt wurde. Die Nummer ist durch den\nVerlag zu beziehen.\nVerlag DER STURM\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarr«\nV. I.: Oskar Kokoschka\n\nWenn bas von Itynen bister gebraud>te (Dunbwaffer 311\n£nbe ift, fo empfel)len wir Iljnen, an beffen Stelte einen\nVerfud} mit Kosmln 3U mad>en. Sie werben finben,\nbafc Sie biefes in gan3 befonberem (Dafee befriebigt, benn\nKosmln t?at tiberaus erfrifd)ensen Wot)lgefd>macfe,\nfconjerviert bie 3atyne imb kraftigt bos 3al)nfleifd).\nStafd>e (T)k 150, langt ausreidjenb, fiberall Mhtflict).\n\nDie Kindermilch nach Prof. Dr. Backhaus kommtderMuttermilch am nachsten.\nKu hmiich°H Ba<Khaus-Mikh■ Frauen-A\\ilch\nli'lM.\nTrockensubstanzen von je I Backhaus-Milch und Frauenmilch#.\n1. Milchzucker — 2. Fett —*3. Eiweiss — 4. Kasein — 5. Salze\n\nBund fur Gesundes Leben (B. 112. Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n„Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B- 1- G. L\" und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergunstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, - . Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fur Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig.\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe =\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben ia alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend\n\n•Oesunde ZShne sind ein viel kostbareres Out, als man es im taglichen\nLeben ohnehin schon einschatzt. Regelmassige Verdauung, gute Ernahrung,\ninfolgedessen Schaffens- und Lebenskraft, alles das sind Faktoren, die zum\ngrossen Teil von der guten Beschaffenheit der Zahne abhangen. Wenn\nSit daher Ihre Zahne schon und gesund erhalten wollen, so empfehlen\nwir Ihnen dringend, morgens und namentlich auch abends Kosmin zu\nbenutzen, da dieses Mundwasser infolge seiner erwiesenen Wirkung das\nZahnfleisch kraftigt, die durch Speisereste entstehende Faulnisbildung im\nMunde verhindert und dadurch die Zahne konserviert, solange dieses\nnur irgend moglich ist. Der überaus erfrischende Wohlgeschmack\ndes Kosmin macht den taglichen Gebrauch dieses /orzuglichen\nMundwassers bereits nach kurzer Zeit zum angenehmen Bedurf-\nnis. Preis pro Flasche, lange ausreichend, M. 1,50, überall kauflich."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "425", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.7", "texte": "Neue Sezession\nacacagag agrxn>gag msrag acacrrMr Taffr/flc? acacagag agagagag\nMl Mil I ifw» kiTHii ■^■«<WrfWN«\nGalerie Maximilian IHacf)t\n3BBBS 2BBBS 3BB§ 3BBS 3BBS 3BBBS SBSSS\nBerlin 81., Ranke-Strasse 1\nan der Kaiser Sfltl>elm Gedacl>tDis - Klrcl>e"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "426", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110304-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle „Der Sturm* Hannover, Artilleriestr 15, für Berlin, Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Expeditionen, Druck t. Carl Schüssler-Hannorer\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5-$ Uhr\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters\n\nESSS Cafe Continental\nJeden Abend Von 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\n:: Alle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::\n\n„Der Forscher\"\nIllustriertes Zentralblatt fur deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher,Hannover,unterhoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfiiistl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fordernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7j20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis und franko\nInserate finden im „Forscher\"\nwirksamste Verbreitung\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\n— Geschaftsstelle: —\nForscher - Verlag, Hannover\n\nInkeinem Hause sollte fehlen:\nFelke-Zeitung\nZeitschrift fur na.turgema.sse\nLebens- und Heilweise und\nHomdopathie nach der von\nPastor Felke in Repelen be-\n: gegriindeten Heilmethode :\nSie erscheint allmonatlich\nunter Mitwirkung mehrerer Aerzte\nund hervorragender Sachverstan-\ndiger. Sie bringt ausfilhrliche Auf-\nsatze iiber die verschiedensten\nKrankheiten und deren Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomdopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementspreis jahrlich\n= 3 Mark =====\nAbonnements nehmen die Brieftra-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland).\n\nZum Besten des Mutterschutzhauses in Pankow\nLeitung: FRANZISKA SCHULTZ\nDIENSTAG, DEN 7. MAERZ 1\nNACHMITTAGS 5 UHR ::\nSANSSOUCI I Kurfurstendamm 217\n— Kompositionen —\nvon HERWARTH WALDEN\nMitwirkende: FRANZ LINDNER, Konigl. Hof-\nopernsanger / BETSY SCHOT / Dr. RUDOLF\nBLUMNER I JULIUS LIEBAN, Koniglicher\nHofopernsanger / DER KOMPONIST ::\nKarten zu 5 Mark (einschliesslich Tee) bei Frau Fran-\nziska Schultz, Wilmersdorf, Trautenaustrasse 20 /\nIm Verlag Der Sturm, Halensee, Katharinenstr. 5 /\nBei A Wertheim, Leipzigerstrasse, Konzertkasse ::\n\nw Zweiter Jahrgang\n% Verlag und Redaktion:\ng POITIERS (Vienne)\n... Frankreich\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultur und\n<5 franzosische Sezession in\nJ den Kiinsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter : ||\nJEAN RICHARD |\n$ Jahresbezug fiir das {\n1 Ausland: Mark 4.50 1\n3\n\nMax Giesswein\nKgl. SSchs. und Kgl. WOrttembg.\nHofopernsanger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nFernspr.: Via 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr\n\nVerlag Paul Reinike\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n\nYerlag Oesterheld & Co.\nIn unserm Verlag erschien\nElse\nLasker-S chiiler\nDie\nWupper\nDrama\nMk. 2,50\nDurch alle Buchhandlungen\nzu beziehen\n\nDie Fackel\nHERAUSQEBER\nKarl Krans\nNummer 315/316\nsoeben erschienen\nPreis 5Q Pfg.\nÜBERALL ERHALTLICH\n\nHOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLIEFERANT IHRER MA .TEST AT\nDEE KAISERIN UND KONIGIN\n■\nWB-BERLIN-W8\nLeipzigorstrasse 13\nWOHNUNG-SEINRICHTUNG-EN\n' » KUNSiTGEWERBE i <\nANTIQUITATEN UND STOFFE\n\nm\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservilienbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 ■■ Telephon I 7497\n\nHanse Herrmann\nKiinstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967\n\nif ££?£. Friadr. Blester uiP*ig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung). GrQnd-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz flir\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- urd\nBilanz-Technik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl flir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechead ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,Nationalokonom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}