{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_sha256": "1aafed87b529d96662b2e138c1550061eabf5fb62a58fcb83bdfd1ac265b4c82", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/03/18_01/bmtnabg_1911-03-18_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/03/18_01/bmtnabg_1911-03-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "435", "page_fin": "435", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.1", "titre_corps": "Jupe – culotte Zeichnung von Max Fröhlich", "titre_sommaire": "Jupe – culotte Zeichnung von Max Fröhlich", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "435", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.1", "debut_caractere": 547, "fin_caractere_exclue": 588, "texte": "Jupe - culotte\nZeichnung von Max Fröhlich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "435", "page_fin": "435", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "435", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.1", "debut_caractere": 590, "fin_caractere_exclue": 1019, "texte": "Inhalt:\nMehr Kinder / Antworten von ALFRED KERR /\nDR. JUR. WERTHAUER / PROFESSOR DR. STRASS-\nMANN / FRIEDRICH KURT BENNDORF: Alfred\nMombert / PAUL SCHEERBART: Der Kaiser von\nUtopia / ELSE LASKER-SCHÜLER: Ein Brief meiner\nBase Schalöme / DR. S. FRIEDLAENDER: Kants Ver-\nmächtnis / ALFRED LICHTENSTEIN : Die Dämmerung /\nMYNONA: Was bin Ich? / J. 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(Siehe Nummer 53 und 54\ndieser Wochenschrift.) Die Paragraphen lauten:\n§ 6 Der Bundesrat kann den Verkehr mit Gegen-\nständen, die bei Menschen die Empfängnis verhüten\noder die Schwangerschaft beseitigen sollen, beschränken\noder untersagen.\nSoweit der Bundesrat den Verkehr mit einzelnen\nGegenständen untersagt hat, ist deren Einfuhr ver-\nboten\n§ 8 .... Mit der gleichen Strafe (Gefängns\nbis zu sechs Monaten und Geldstrafe bis zu 1500 Mark)\nwird, wenn nicht nach anderen gesetzlichen Bestim-\nmungen eine schwerere Strafe verwirkt ist, bestraft,\nwer öffentlich anzeigt oder anpreist, Gegenstände oder\nVerfahren, die den Menschen zur Verhütung\nder Empfängnis oder zur Beseitigung der Schwanger-\nschaft dienen würden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "436", "page_fin": "436", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.3.1", "titre_corps": "Alfred Kerr:", "titre_sommaire": "Alfred Kerr:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "436", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Alfred Kerr:\nEmpfängnis muss nach Wunsch vereitelt werden\ndürfen. Wer nicht soviel Gedecke liefern kann, wie\nKinder da sind: der muss nur soviel Kinder liefern,\nwie Gedecke da sind.\nHohe Bevölkerungszahl verbürgt nicht einmal poli-\ntische Macht. (China.) Die grossen Einflüsse stammen\nimmer von kleinen Völkern. Der Glaube der Welt\nkam von dem kleinen Judäa. Die Schönheit der\nWelt von dem kleinen Griechenland.\nDer Bundesrat sollte bessere Schutzmittel erfinden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "436", "page_fin": "436", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.3.2", "titre_corps": "Dr. jur. Werthauer:", "titre_sommaire": "Dr. jur. Werthauer:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "436", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.2", "debut_caractere": 465, "fin_caractere_exclue": 3380, "texte": "Dr. jur. Werthauer:\nDie Konstellation für gesetzgeberische Arbeiten ist\naugenblicklich im Interesse des Fortschritts der Mensch-\nheit, soweit er durch bewusste Einflussnahme überhaupt\ngehemmt oder gefährdet werden kann, als eine äusserst\nungünstige zu bezeicnen; weil die Voraussetzungen,\nnach denen die Wahlkörper zusammengesetzt sind,\nnicht den Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechen.\nDeshalb ist ein Eingreifen der Gesetzgebung auf\nkeinem Gebiet zur Zeit wünschenswert. Es wäre\nschon deshalb das Scheitern des Entwurfes zum Kur-\npfuschereigesetz nur zu begrüssen. Wenn man\nGesetze vorschlägt, welche einerseits die individuelle\nFreiheit beschränken, andererseits dem Gesundbeten\nund Aehnlichem das Wort reden, ist die Hoffnung\nausgeschlossen, dass etwas Kraftvolles, Einheitliches,\nFreiheitliches zu Stande kommt.\nSpeziell die Frage, ob der Staat berechtigt sei, die\nNichtvollendung der Konzeption zu verbieten, ist schon\nin ihrer Aufstellung eine Verhöhnung der Individualität\ndes Menschen.\nEin solches Verbot trifft, wie die meisten Mass-\nnahmen dieser Art, natürlich nicht die Intelligenten,\nsondern nur die bedauernswerte Masse der Armen; es\nist ein besonders exponierter Gipfel unsozialer Gesetz-\ngebung. Die übliche Begründung, dass der Staat für\noder gegen die Schaffung des Nachwuchses Sorge\ntragen müsse, ist wissenschaftlich haltlos.\nDie Natur schafft so überreich, dass das Eingreifen\nder Menschen ihr gegenüber verwegen erscheint. Selbst\nwenn vorübergehend das Quantum nachlässt, so kann\nes die Natur durchaus durch die Qualität ersetzen.\nJedem Volke ist, wie jeder Familie, nur eine bestimmte\nLebensdauer gegeben. Die Natur kann auch den\nUntergang zur Schaffung neuer Werte nötig haben.\nDer Staat ist seinem Begriff nach ein Zusammen-\nschluss der Einzelnen, um ein geordnetes Zusammen-\nleben zu ermöglichen. Wenn der Staat darüber hinaus\nin anmassender Weise noch weitere Dinge zu seinen\nOperationen verwenden will, so verletzt er sich selbst,\nkann naturgemäss keinen Erfolg haben, und dient nur\nder Hinderung und Zerstörung seiner eigentlichen\nZwecke.\nDie Statistik versagt für die hier fraglichen Fälle,\naus ihr lässt sich ein Nachteil nicht herausrechnen.\nWesentlich ist allein, ob Pflichtgefühl erlaubt, beliebig\nviel Kinder in die Welt zu setzen, damit sie verkommen\noder andere sie ernähren. Oder ob wahre Pflicht\nnicht mit absolutester Selbstsucht harmonisch ver-\nbunden ist.\nMan erzieht und belehrt schon in der Fortbildungs-\nschule, im Vorbereitungsunterricht die Jugend im\nweitesten Masse, damit soziale Not und Elend, Selbst-\nmord und Kindesmord immer mehr verschwinden.\nDie Judikatur des Reichsgerichts halte ich in\ndiesen Fragen nicht für richtig. Wenn eine Gesetz-\ngebung eingreifen soll, müsste sie abändernd, in ganz\nanderer Richtung gehen, als sie jetzt in Aussicht steht.\nDaher bin ich absolut gegen die hier angeführten\nBestimmungen des Entwurfes eines Kurpfuscherei-\ngesetzes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "436", "page_fin": "436", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.3.3", "titre_corps": "Geheimer Medizinalrat Professor", "titre_sommaire": "Geheimer Medizinalrat Professor", "signature_source": "Strassmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "436", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.2", "debut_caractere": 3408, "fin_caractere_exclue": 7307, "texte": "Geheimer Medizinalrat Professor\nDr. Strassmann\nAuch mir ist es wie Herrn von Schmoller nicht\nmöglich, die von Ihnen aufgeworfenen Fragen nach\nallen Richtungen hin erschöpfend zu behandeln, ich\nMuss mich auf die Punkte beschränken, die mir als\nVertreter der gerichtlichen Medizin naheliegen.\nVon diesem Gesichtspunkte aus möchte ich zu-\nnächst bemerken, dass das Thema einer Teilung be-\ndarf. Es muss besonders erörtert werden, inwieweit\nein Verbot von Gegenständen, die die Schwangerschaft\nbeseitigen sollen einerseits, von solchen, die beim\nMenschen die Empfängnis verhüten, andererseits, be-\nschränkt oder untersagt werden müsste.\nWas den ersten Punkt anlangt, so erscheint es\nmir unzweifelhaft, dass ein solches Verbot gerecht-\nfertigt ist. So lange unser Strafgesetzbuch die Ab-\ntreibung als ein Verbrechen oder Vergehen ahndet, —\nund wie unser gegenwärtiges Strafgesetzbuch, so wird\nauch das künftige sicherlich diesen Grundsatz vertreten\n— ist es eine offenbar unzulässige dreiste Verhöhnung\ndes Gesetzes, wenn Gegenstände, die diesem ver-\nbrecherischen Zweck dienen, unbedenklich verkauft\nund vertrieben werden. Das geschieht bisher leider\nim grössten Masstabe und grosses Unheil wird dadurch\ngestiftet. Denn der anstandslose Verkauf der „Mutter-\n• spritzen\" wie anderer zu gleichem Zweck bestimmter\nApparate und Mittel muss unerfahrenen Frauen und\nMädchen die Ueberzeugung beibringen, dass sie mit\nder Anwendung dieser Gegenstände etwas ganz legales\ntun und verschuldet es so schliesslich, dass zahl-\nreiche weibliche Personen an Ehre und Freiheit ge-\nschädigt werden. Und was dem Mediziner noch be-\nsonders bedauerlich erscheinen muss, auch an ihrer\nGesundheit, denn oft genug führt die Anwendung\ndieser Instrumente seitens Unkundiger zu Verletzungen\nund schweren, mitunter tötlichen Erkrankungen. Das\nVerbot von Gegenständen, die die Schwangerschaft be-\nseitigen sollen, erscheint mir und in gleicher Weise\nwohl allen meinen Fachgenossen dringend notwendig.\nIch habe es selbst angeregt, als ich in der Hauptver-\nsammlung des preussischen Medizinalbeamtenvereins\nvor einem Jahre über dem Vorentwurf zum Strafge-\nsetzbuch referierte, ohne irgend welchen Widerspruch\nzu finden.\nDie Gesundheitsgefahr ist aber auch bei einer An-\nzahl von Gegenständen gegeben, die als Verhütungs-\nmittel der Empfängnis ebenfalls in schwungvoller Weise\nvertrieben werden. Reisende von Firmen, die sich\ndiesem bedenklichen Geschäftszweig widmen, ziehen im\nLande umher und preisen als sicher und unschädlich\nInstrumente an, die diese Eigenschaft keineswegs be-\nsitzen. Ich denke dabei besonders an Instrumente von\nder Art der sogenannten Intrauterinpessare: an einer\nHartgummischeibe, die vor dem Muttermund zu liegen\nkommt, befindet sich ein längliches Ansatzstück,\ndas in den Gebärmutterhals zu liegen kommt\nund so jenen Ring festhält. Das dauernde\nTragen eines Fremdkörpers im Innern der Gebärmutter\nkann chronische Reizzustände des Organs und damit\neine schwere Gesundheitsschädigung der Frau bewirken.\nWenn es möglich wäre, den Handel mit diesen Gegen-\nständen zu untersagen, so wäre damit ein erheblicher\nhygienischer Gewinn erzielt. Ich nehme an, dass bei\nden vorgeschlagenen Gesetzesparagraphen nur daran\ngedacht worden ist, solche gesundheitsschädlichen\nMittel zu verbieten und glaube nicht, dass jemals die\nAbsicht bestanden hat, das Verbot auch auf andere\nGegenstände zu erstrecken, die seit langer Zeit als\nMittel zur Verhütung der Empfängnis ebenso wie zur\nVerhütung der Infektion weit verbreitet sind. Es wäre\nmeines Erachtens nichts dagegen einzuwenden, wenn\nin dem Gesetzentwurf die Zulässigkeit des Verbots\nEmpfängnis verhindernder Mittel auf diejenigen be-\nschränkt würde, die gesundheitsschädlich sind. Mit\neiner solchen Einschränkung aber müssen meiner Ueber-\nzeugung nach die vorgeschlagenen gesetzlichen Be-\nstimmungen als eine wesentliche Förderung des öffent-\nlichen Wohls begrüsst werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "436", "page_fin": "437", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.4", "titre_corps": "Alfred Mombert", "titre_sommaire": "Alfred Mombert", "signature_source": "Friedrich Kurt Benndorf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "436", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.2", "debut_caractere": 7309, "fin_caractere_exclue": 11051, "texte": "Alfred Mombert\nVon Friedrich Kurt Benndorf\nDieser Dichter kommt zu uns wie jener Fischer\nin „Tausend und eine Nacht\", den ein Dämon, ein\nIfrid, befähigte, eine verzauberte Gegend mit Augen\nzu schauen und in dem sonst unsichtbaren See da-\nselbst die roten, blauen und goldenen Fische zu angeln.\nEr kommt und redet begeistert von dem Wunderbaren\nund zeigt es uns. Und wir verstehen ihn zuerst nicht\nund brauchen Geduld, dass uns das Traumhafte zum\nGlaubhaften werde. Dann aber lässt uns das Gehörte\nund Geschaute nicht mehr los; es ist wie jene Zauber-\nrune in der Baumrinde, davon Volker im Nibelungen-\nlied erzählt: mann sinnt ihr nach und sinnt sie doch\nnicht aus.\nWer solcherweise von Momberts Werken ergriffen\nwurde, für den hat das Entdecken kein Ende; immer\nwieder steht er am Anfang, wie bei der Betrachtung\nder Natur. Vieles von dem, was ihm zuerst als schwer-\nverständlich erschien, wird ihm dann selbstverständlich.\nUnd was ihm verschlossen bleibt, verbirgt vielleicht\ndie Wurzeln des seelischen Erlebnisses so tief, dass sie\nunauffindbar sind (denn es gibt Nerven - Erglühungen,\nPhantasie - Paroxysmen, die nur im Schaffensmoment\nund nur für den Autor selbt mit ihrer Aussprache im\ndichterischen Wort übereinstimmen.)\nMombert hat innere Stimmungen, die unter der Schwelle\nder Wortausdrucksmöglichkeit zu liegen schienen, nun\ndoch „wortbar\" gemacht — er hat sie ins Bewusstsein\neiner persönlichen Sprache erhoben — stellvertretende\n„Ikonen\" dafür gefunden.\nManchmal ist es beim Lesen, als führe man mit\nder Eisenbahn tags in einen Tunnel ein: — plötzliches\nErblinken der Lampen in den Wagenabteilen, — ein\ndunkles Reich mit hellen Lichtern! —\nUnd immer stellt man sich einen vor, der fernab\nvom Alltag wohnt, in einem Leuchtturm am Meer, in\neiner Sternwarte auf dem Hochgebirge, — der ein\nNachbar der elementaren Natur ist und darum tiefer\nin sich hinnein, kühner in die Welt hinaus schaut und\ndie Enträtselungskraft und den Ewigkeitsausdruck für\ndas ephemere Erleben gewinnt.\nEs ist, als verfüge dieser Dichter über eine grosse\ngeheime Gemäldegalerie, von deren Inhalt er in Worten\ndie deutlichste Anschauung gibt, sodass wir ihrer selbst\ngarnicht bedürfen.\nMomberts Dichtung suggeriert uns Stimmungen\ndurch überraschende, mehr oder weniger ausgedehnte\nBilderreihen — durch Umsetzung von Innenleben in\nLandschaftliches und menschliche Szene innerhalb dieses\nLandschaftlichen. Sie rückt die vergleichbaren Vor-\nstellungen, die symbolischen Obergedanken direkt an\ndie Stelle der gegebenen Vorstellungen. Sie tauscht die\nindividuellen symbolischen Analogievorstellungen für\ndie konventionellen und wirklichen ein. Da jene ins\nUnbestimmte und Unbegrenzte ausstrahlen, kann ihnen\nder logisch erkennende und nur berechnende Verstand\nebensowenig beikommen, wie etwa den Symbolen einer\nmusikalischen Symphonie. Sie sind Natur und zugleich\nHieroglyphe. Sie sind unerklärbar wie Blumen.\nFragt man danach, worüber das sinnende Antlitz\neiner Marmorstatue sinnt, oder was ein Fels in der\nTalheimlichkeit bedeutet, oder warum mich ein Menschen-\nwesen anzieht?! Aller Sinn und damit alle Freude liegt\nschon in der Existenz, und höchstens deren Charakter\nund Beziehungsreichtum wünscht bestimmt zu werden.\nGlücks genug ist es, zu fühlen, und nach dem\neigenen Temperament auszulegen, was ein Dichter sagt.\nZumal in der lyrischen Kunst ist jeder Empfangende\nsein eigener Kommentator. Nur die Trivialität ist ein-\ndeutig.\nWer Momberts Grundmotiv — das unendliche\nWerden des Geistes in der Zwei-Einheit des materiellen\nund mystischen Lebens — nicht klar erkannt und er-\nfüllt hat, ist beim Lesen seiner Gedichte in derselben\nLage, wie einer, der eine Orgelfuge anhört, ohne das\nThema deutlich aufgefasst zu haben. Er vernimmt nur\nein erhabenes Brausen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "437", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3980, "texte": "Der „einseitige\" Stil eines Künstlers, die immanente\nNötigung zu einem bestimmten Ductus des Ausdrucks,\nist sein eingeborener, sein „gefundener\" Stil. In Mom-\nberts Kunst äussert er sich als ein Zwang, Seelisches durch\neine sehr mittelbare, auf Assoziationen im Unter-\nbewusstsein ruhende Symbolik kundzugeben. Diese Sym-\nbolik wiederum (mit ihrer freien Verknüpfung und Um-\nbildung von Elementen der Wirklichkeit) redet un -\nmittelbarer vom Geiste des Grenzenlosen als eine pri-\nmitive Symbolik, die dem Weltgefühl im begrenzteren\nAusschnitt der Wirklichkeit Gestalt verleiht.\n* *\n*\nDie Technik aus Momberts Gedichten muss aus dem\nGeist der grossen impressionistischen Bewegung\nund Errungenschaft begriffen werden, an der heute\nalle Künste (nebst ihrer Aesthetik!) teilhaben und die\nnicht eine blosse Richtung, sondern das Wesen der\nmodernen Kunst bedeutet — die zusammenfällt mit\ndem, was man „Naturalismus\" nennt.\n* *\n*\nDie Naturnotwendigkeit eines Kunstschaffens (auch\ndes zur Unpopularität privelegierten) beweisst sich da-\nrin, dass der Schaffende auf dem eingeschlagenen\nWege selbsttreu und selbstsicher vorwärtsschreitet, sei\nes als ein Einsiedler, ein königlicher. Auch wer in dem\nLand, in das Mombertsche Gedichte führen, nicht heim-\nisch zu werden vermag, wird in der Folge der bis-\nher veröffentlichten Werke des Dichters die organische\nEntfaltung einer von vornherein gezeichneten Persön-\nlichkeit anerkennen müssen. In „Tag und Nacht\" sind\ndie Keime deutlich sichtbar, die sich zu der poetischen\nZukunftsmusik der „Schöpfung\", des „Denkers\", der\n„Blüte des Chaos\" ausgewachsen haben. Mombert ist\ndarin ein „erwählter Liebling der Natur\", dass er sich\nin seiner Kunst frühzeitig selbst gefunden hat und von\nAnfang an jenes eigene Gesicht trägt, das allein einem\nSchaffen Anwartschaft gibt, „in die ferne Zeit zu\nleuchten\". Weil er besonderes mitzuteilen hat und zu-\ngleich über eine neue dichterische Sprachmelodie ver-\nfügt, reizt und lohnt es, in die zunächst spröd an-\nmutende Esoterik seiner Dichtung einzudringen. Nir-\ngends ist man mit dem Genuss des rein Aesthetischen\nzu Ende; immer bleibt ein Problematisches, ein Un-\nausschöpfbares. Seme Poesie geht in die Tiefe der\nErfahrung hinein und ist insofern transzendental. Sie\nsucht unerforschte Seelengebiete auf; sie kommt mit\nneuen Aspirationen und verschliesst sich daher der\nprofanen Leselust. Die Menge geht ja von vornherein\njeder nachdenksamen Symbolik und noch so klarer\nMystik weit aus dem Wege und in einem Dichter wie\nMombert sieht sie bestenfalls einen Monomanen. Aber\ndennoch werden auch solche, die nicht befähigt sind,\nkomplizierten psychologischen Zuständen, Beziehungen\nund Wandlungen nachzufühlen und nachzugehen, sich\nan den meisterhaft geschauten Milieus freuen können\nund Stimmungen in sich angeregt finden, wenn sie in\ndiesen Seelenlandschaften nur die Bildwirkung ins Auge\nfassen. Ein Fest für die Phantasie!\nBedenkt man, welche Spannung der Seelenkraft die\nEntstehung lyrischer Dichtungen vom Mombertschen\nAusmass voraussetzt und dass die Stunden rausch-\nhaften Nervenzustandes nur selten sein können,\nweil sie eng zusammenhängen mit dem langsamen\nWachsen und Reifen der Individualität, so staunt man\nüber die Produktivität dieses Dichters, über die grosse\nZahl schlechthin vollkommener und unvergessbarer Ge-\nbilde.\n* *\n*\nTrotz der romantischen Entlegenheit ihrer Szene,\ntrotz der Fremdartigkeit ihrer visuellen Assoziationen\n(„Wachträume\"), atmet diese Dichtung doch lauter Erd-\nmütterliches und Menschgemeinsames. Sie ist nicht die\nTat eines Schwärmers, sondern eines Menschen der\nRealität. Sie bewegt sich in nächster Nähe und Nach-\nbarschaft des wirklichen Seins. Und dieses ist nichts\nanderes, als die Polypsychie des menschlichen\nIch.\n* *\n*\n„Mystisch heissest du ihnen,\nWeil sie Närrisches bei dir denken.\"\n„Du aber bist mystisch rein,\nWeil sie dich nicht verstehn.\"\nGoethe: Westöstlicher Diwan.\nDie Dichtungen von Alfred Mombert erschienen im Verlag Schuster\nund Loeffler, Berlin."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "437", "page_fin": "438", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.5", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "437", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.3", "debut_caractere": 3982, "fin_caractere_exclue": 10451, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nLI\nDie neuen Kometen\nGleichzeitig wurden auf verschiedenen Sternwarten\neine ganze Reihe neuer Kometen entdeckt.\nDiese Entdeckung wirkte auf die Bewohner des\nKaiserreichs einfach unheimlich; man sah nachts alle\nUtopianer fortwährend den Himmel mit dem Fernrohre\nbeobachten\nDann aber wurde von allen Seiten konstatiert, dass\ndie neuen Kometen garnicht Kometen sein könnten,\nda ihre Bewegung am Himmel eine allzu schnelle war.\nUnd dann entdeckte man, dass die Irrlichter schon\nin der Nähe des Erdbodens Kometenform annahmen.\nUnd da wars denn klar, dass die neuen Kometen\nErscheinungen der Erdatmosphäre vorstellten — Irr-\nlichter waren.\nAber der Himmel sah nun einfach grossartig aus.\nLII\nDie Volksangst\nDie neuen Kometen, die mit den neuen Irrlichtern\nidentisch waren, machten nun das nächtliche Himmels-\nbild ausserordentlich reich und glänzend — vornehmlich\nauch durch die Farbenpracht — und dann durch die\nstete Veränderlichkeit der Formen.\nDieses verhinderte aber nicht, dass sich des ganzen\nVolkes eine ungeheure Angst bemächtigte; viele\nUtopianer verfielen in ein heftiges Nervenfieber.\nEs waren nur wenige, die ihre kalte Ruhe und\nBesonnenheit bewahrten — und zu diesen gehörte neben\nsorglosen Dichtern und Künstlern natürlich in erster\nReihe der Herr Bartmann, was seinen Namen jetzt so\nbekannt machte, dass bald Jeder mit den Bartmannschen\nAnsichten über die Erscheinungswelt vertraut wurde.\nLIII\nDer zornige Bartmann\nMit dem leeren Namen und dem fruchtlosen Ruhm\nwar aber der Herr Bartmann keineswegs zufrieden; er\nwetterte gegen die Volksangst in einer sehr wilden\nund heftigen Form.\n„Zeichen vom Himmel,\" schrieb er, „flammen auf,\num die faulen Utopianer endlich aus ihrer Ruhe\nherauszutreiben — und da packt den Utopianer die\nAngst? Auf den Knieen sollte er dem Geiste, der\nuns führt, danken, dass er uns ganz augenfällig die\nunerschöpfliche Lebensfülle der Welt offenbart. Sieht\nder Utopianer nicht, dass der Himmel und das Meer\neine gewaltige Sprache zur Verfügung haben ? Und\nsieht der Utopianer nicht, dass Himmel und Meer zu\nuns, den Utopianern, sprechen? Ist es da an der\nZeit, wie Kinder ängstlich zu werden? Wahrlich —\nalle Bequemlichkeitseinrichtungen und alle Gerechtig-\nkeitseinrichtungen sind viel zu schade für den Utopianer\n— der sollte wieder von Not und Unterdrückung ge-\npisackt werden, damit seine Lebensgeister wieder auf-\nflammen können, wie die Irrlichter im Meeressumpf.\nDer Kaiser von Utopia sollte zum Tyrannen werden\nund Waffen sollten wieder getragen werden — wie\neinst vor Jahrtausenden im barbarischen Zeitalter.\nDamals war es besser um uns bestellt es war\ndurch Hunger, Krankheit und Ungerechtigkeit dafür\ngesorgt, dass der Mensch nicht schlaff wurde. Unsere\nguten und angenehmen Zeiten sind zu früh gekommen.\nUtopia steckt noch in den Kinderschuhen und sollte\nmit harter Rute erzogen werden. Ist es etwa nicht\ndas Zeichen eines kindischen Gemütes — wenn man\nAngst hat — vor der grossen Natur? Und wenn die\nIrrlichter strafende Geister sind — weswegen können\nsie strafen? Doch nur unserer Faulheit wegen können\nwir gestraft werden, damit wir ein gewaltigeres Leben\nführen ein Leben, wie es einem reifen Volke ziemt.\nAuspeitschen sollte man den erwachsenen Leuten die\nalberne Kinderangst . .\nIn dem Tone gings immer weiter — und auch\nmündlich überall — ward man gar zornig — und\nviele Utopianer gaben ihm recht — seine Worte\nschlugen ein wie Blitze.\nLIV\nDie Natur der neuen Kometen\nDie Gelehrten erklärten allerdings den heiligen Eifer\ndes Herrn Bartmann für sehr unnütz; sie sagten, es\nwäre nicht nötig, dass jetzt auch noch die Worte wie\nBlitze wirkten. Die neuen Kometen wirken ja schon\nwie Blitze — teilten elektrische Schläge aus, ent-\nzündeten Fesselballons, erzeugten starke Gewitter, ver-\nänderten die Luft, erregten das Gemüt und brachten\ndie gesamten Utopianer in eine so nervöse Stimmung,\ndass es einfach rätselhaft erscheinen müsste, jetzt gerade\nnoch immer die geistige Trägheit der Utopianer zur\nZielscheibe des Witzes und des — Zornes zu machen.\nBartmanns Zorn erschien den Gelehrten sehr un-\npassend, und sie machten bald mit Erfolg Stimmung\ngegen diesen Zorn.\nLV\nSchiida\nAls der Herr Sebastian von dem Bartmannschen\nZorne hörte, musste er laut auflachen.\n„Also, dieser Herr Bartmann,\" sagte er im goldenen\nSchwan am Stammtisch, „erlaubt sich, auf den Kaiser\nvon Utopia zu schimpfen? Der Kaiser von Utopia\nsoll ein Tyrann werden — gerade jetzt, wo wir augen-\nscheinlich nahe daran sind, von überirdischen geister-\nhaften Kometen und Irrlichtern tyrannisiert zu werden?\nWir müssen zeigen, dass noch ein Schiida existiert;\narrangieren wir sofort ein lächerliches Tyrannenfest\"\nUnd das geschah, und der Herr Sebastian präsidierte\ndiesem Feste in so lächerlicher Weise, dass nicht bloss\nSchiida — nein — dass ganz Utopia furchtbar lachen\nmusste; echte Soldaten mit Holzsäbeln, Polizisten mit\nOpernguckern, Scharfrichter in roten Gewändern und\nZuchthäuser mit Gitterfenstern wurden vorgeführt —\nselbst pompöse Hinrichtungen Hess der Herr Bartmann\nvorführen.\nLVI\nUlaleipu\nDer Staatsrat machte ein verdutztes Gesicht, als\ner von diesem Schildaer Tyrannenfest hörte.\nAber man lachte.\nUnd es erschienen verschiedene Bücher, die das\nTyrannenfest des Kaisers Philander über Gebühr ver-\nherrlichten; da musste auch der Herr Bartmann lachen\n— die Komödie war wirklich komisch\n„Ich schimpfe auf mich selbst,\" sagte der Herr\nBartmann ganz leise, dass es Niemand hörte, „und\ndafür macht man sich über mich lustig — und des-\nwegen werde ich verherrlicht Das ist auch eine\nKomödie des Ruhmes. Wer die schreiben könnte!\nJetzt heist es aber still seinl\"\nFrau Cäcilie schüttelte aber in Ulaleipu sehr heftig\nmit dem Kopf und erklärte der Lotte:\n„Du, die Geschichte geht nicht mit rechten Dingen\nzu hier haben wirkliche Geister ihre Hand im\nSpiel.\"\nDie Lotte fragte: „Warum?\"\nAber die Frau Cäcilie schwenkte ab und sprach nur\nnoch von den Kometen; denken aber tat sie ganz\nwas Anderes.\nDie Bewohner von Ulaleipu fa den jedoch das\nSchildaer Tyrannenfest so lustig, dass sie beschlossen,\nauch ein Tyrannenfest zu feiern, um die Volksangst\nzu zerstreuen.\nTr\nUnd man bereitete Alles sehr lustig zu dem Ty-\nrannenfest vor, sodass es wirklich köstlich zu werden\nversprach.\nDer Kaiser Moritz übernahm feierlich das Präsidium\nin dem Vergnügungs-Komitee und zeigte sich plötzlich\nso lebhaft bei der ganzen Spassarie, das Viele sagten:\n„Kaiser Moritz lebt auf — dem hat der Spass\ngefehlt.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "438", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3702, "texte": "LVII\nDer betrunkene Bartmann\nAls der Herr Bartmann nun auch von dem Tyrannen-\nscherz in Ulaleipu vernahm da fuhr er mit einem\nelektrischen Wagen in die Grottenschlucht, allwo die\nLiteratur-Zentrale in fieberhafter Tätigkeit an allen\nmöglichen ernsten und weniger ernsten Werken\narbeitete.\nUnd in der Grottenschlucht arrangierte der Herr\nBartmann ein „Auferstehungsfest des Volkes\".\nUnd auf diesem Feste erkannten seine Freunde\nden Herrn Bartmann garnicht wieder — er trank furcht-\nbar viel Bier und war bald schrecklich betrunken und\nsagte immer wieder:\n„Mein liebes Volkl Mein gutes Volk! Komm\nwieder in meine Ärmel Ich habe Dir weh getan!\nVerzeih!\"\nAlle hielten das für einen ausgezeichneten Witz\nnur der Astronom Haberland, der auch das Fest mit-\nmachte, wurde tiefernst und brachte bald den Kaiser\nfort und war sehr besorgt um ihn.\nLVIII\nDie bunte Krankheit\nDoch mitten in all diesem Scherz kam plötzlich\nein furchtbarer Ernst hinein: an der Sturmküste er-\nkrankten plötzlich in einer Nacht über dreihundert\nPersonen.\nUnd diese Krankheit war unheimlich: der ganze\nKörper wurde ganz bunt und fing an zu opalisieren.\nUnd mit blitzartiger Schnelligkeit verbreitete sich\ndie Krankheit über das ganze Reich; die Kranken\nlagen reglos da mit lächelndem Gesicht, und dabei\nspielte ihr Körper in tausend Farben, als wollte er zu\neinem Irrlicht werden.\nLIX\nDie Ärzte\nDie Arzte erklärten sämtlich einstimmig, dass diese\nKrankheit mit dem Meeressumpf und den Irrlichtern\nzusammenhängen müsse.\nUnd das erschien Allen sehr natürlich, da die\nbunte Haut der Kranken sehr bald zu leuchten begann.\nDie Kranken lächelten nur und erklärten immer\nwieder, dass sie sich sehr wohl befänden, konnten\naber kein Glied bewegen und nahmen auch gar keine\n\\Nahrung zu sich.\nDie Festfreude verstummte plötzlich; Jeder sah\nmit entsetzten Augen seinen Nächsten an und fürchtete\nimmer, dass er bunt werden würde.\nDie Ärzte isolierten die Kranken, aber sie erklärten\nauch gleich: „Eigentlich hat das garkeinen Zweck.\"\n„Was kommt jetzt?\"\nDas fragten jetzt alle Utopianer täglich hundert\nMal.\nLX\nDas neue Delirium\nDas Lächeln der Kranken machte nach einigen\nTagen einen furchtbaren Eindruck — es war so, als\nerstarrte das Lächeln. Und dabei sprachen die Kranken\nganz ruhig von der Herrlichkeit des Sterbens.\nEin alter Botaniker sagte, während sein Gesicht\ndas erstarrte Lächeln zeigte und seine ganze Körper-\nhaut in blauen, roten und grünen Farben leuchtete und\nflimmerte:\n„Das hätte ich doch nie geglaubt. Ich fühle, dass\nich sterbe. Und ich fühle, dass ich so glücklich bin\n— wie ichs noch niemals war. Es geht die ganze\nWelt mit mir zusammen. Grosse Wolken schaukeln\nmich und umhüllen mich. Ich versinke und sehe un-\nendliche weiche Räume mit stillen Rauchstreifen, die\nsich um meinen Hals winden. Das Sterben ist herr-\nlicher als alles Leben. Ich will sterben und mich auf-\nlösen und fortschweben und vergehen. Es ist nicht\nzu beschreiben. Aber es wird immer köstlicher. Alles\nwird so weich und warm. Ich versinke. Es schwimmt\nalles. Ich sehe nicht mehr. Ich fühle nur — so als\nwenn die ganze Welt mich leise zusammendrückte.\nEin Duft von sterbenden Blüten! Und es geht in\nmeinen Hals, und ich schmecks mit meinem ganzen\nInnern. Jetzt steige ich auf — wie Rauch zu den\nWolken. Und nun langsam fallend seitwärts in immer\nwärmere Welten — die seh ich glühen und brennen —.\nIch verbrenne. Unbeschreiblich! Köstlich! Das\nSterben ist es wert, dass man gelebt hat! Ich\nsterbe.\"\nDer Kranke starb aber noch nicht, dafür wieder-\nholte er in ermüdender Eintönigkeit immerfort diese\nReden von der Herrlichkeit des Sterbens.\nUnd die anderen Kranken sprachen ein Aehn-\nliches.\nUnd die Aerzte sagten kopfschüttelnd:\n„Das ist das neue Delirium.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "438", "page_fin": "438", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.6", "titre_corps": "Ein Brief meiner Base Schalôme : Liebe", "titre_sommaire": "Ein Brief meiner Base Schalôme : Liebe", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "438", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.4", "debut_caractere": 3731, "fin_caractere_exclue": 6635, "texte": "Ein Brief meiner Base\nSchalôme\nLiebe\nElse Lasker-Schüler\nIm Hafen von Konstantinopel liegen goldene Bote\n— Sterne Ich bin im Palaste meines Gross-\noheims; wir Basen aus Bagdad duften nach altem Ge-\nmäuer, wir Prinzessinnen vom Tigris tanzen mit stummen\nGliedern. Und ich verstehe die Sprache der Frauen\ndes Harems nicht. Weiss nicht, was sie veranlasst,\nsich zu freuen oder sich gegenseitig zu überwerfen.\nSie sprechen nicht ihre Sultanssprache: „Wir sprechen\nparisisch\", erklärt mir die Kleinste; ihre Haare sind\nrot, chik. Manchmal summt sie hüpfende Lieder, Ich\nhungere, schwebe über die bunten Mosaikbilder der\nBöden; ich fürchte mich vor den bösen Speisen und\nGetränken, die heimlich in die Frauengemächer ge-\nschafft werden. Verbotene Fleische essen sie und rote\nund gelbe murmelnde Getränke trinken wir, unsere\nKöpfe schaukeln immerzu. Auch schäme ich mich\nvor dem Eunuchen, seine Augen stehen vornüber,\nkranke Greise. Wenn ich an unsern Eunuchen denke\n— runde Mannakuchen sind seine Backen und seine\nStimme dudelt lustig wie Gauklerflöten. Ich wollte, ich\nwäre wieder in Bagdad. Hier sitzt auf dem schönsten\nKissen der Eunuche. Meine Tante und ihre Töchter\nknieen um ihn, ein Kranz von bunten Farben, sie\ntragen alle weite Hosen und meine älteste Tante eine\nweite weite aus geblümtem Brokat. Mich langweilt\nihr Lachen und ihre entblössten Gebärden, ich möchte\nins Bad steigen, aber ich schäme mich vor der kriechen-\nden Stimme des Eunuchen meinen Schleier vom\nAntlitz zu heben. Meine älteste Tante in der über-\nweiten Brokathose beginnt sich zu entkleiden; neu-\ngierig folgen die anderen Frauen den Belehrungen des\nEunuchen. Ein grosses Buch mit grausamen Bildern\nbreitet er auf dem Teppich hin. Seine Stimme\nschlängelt sich ein lüsterner Bach um die fiebernden\nSinne der Frauen. Hinter dem Vorhang unter der\nTaube Mohammeds, die sanfte Behüterin des Harems,\nstehen scharfe und zackige Gestelle, Peitschen und Pech-\nfackeln. Meine Tanten und Basen haben mich heute\nAbend ganz vergessen; ich weiss nur, dass sie so spitz wie\nDolchstiche durch meine Träume schreien wie Mütter,\nderen tote Kinder ihre Leiber zerfleischen. Ich bebe,\nder Eunuche ergreift eine der vielfältigen Peitschen;\nin Bleikugeln endet jeder Riemen; er wetzt sie einige\nMale wagerecht in der Luft, lässt sie dann langsam\nherab auf den weiten überweiten allerwertesten Voll-\nmond meiner ältesten Tante prallen, die ihn, ich\nschwöre es bei Allah, nach allen Seiten hin ihm zuwendet,\nmörderisch aufschreiend, kokett die Zähne zeigend.\nAuf dem Divan sitzen ihre Töchter; neidisch ent-\nblössen sie ihre Brüste, die blühen in gespren-\nkelten Goldnelken. Der Eunuche entnimmt dem\nVorhang kleine spitze Nadeln. Ich schleiche leise auf\nVieren über den Teppich aus dem Frauengemach und\nstehe hinter dem Fenster des Vorraums. Ich möchte\nin eins der kleinen Sternbote steigen, auf dem Bos-\nporus — der Himmel ist ein einziger grosser Stern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "438", "page_fin": "439", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.7", "titre_corps": "Kants Vermächtnis", "titre_sommaire": "Kants Vermächtnis", "signature_source": "S. Friedlaender", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "438", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.4", "debut_caractere": 6637, "fin_caractere_exclue": 10807, "texte": "Kants Vermächtnis\nVon Dr. S. Friedlaender\nSchopenhauer verdankt das Beste seiner genialen\nNatur. Aber fast wird man zur Wiedererweckung des\nGlaubens an die Lehrbarkeit des Genies geneigt ge-\nmacht, wenn Kant das Beispiel gibt, dass es dem be-\nharrlich angewandten Scharfsinn langsam gelingt, die\nStelle zu erreichen, wo der geniale Tiefsinn ihn plötz-\nlich auf seine Flügel nimmt. Kant arbeitet im\nSchweisse seines Angesichts. Er trägt und schichtet\nseine Gedanken aufeinander wie Steine zu einem Bau,\nund es entsteht wirklich mehr eine Gedankenruhe als\nein eigentlicher Gedankengang. Wehe dem Schüler,\nder nicht mit allen Gliedmassen zu Verfügung steht,\ndie weiten Umfänge, Treppen, Stiegen, Säle, Kammern\nund die geheimnisvolle Eingeschachteltheit dieses Ge-\ndankenburgbaues selbst zu durchforschen. Nichts be-\nmüht sich zu ihm heran. Hingegen Schopenhauers\nDenken ist ein reissender Adlerflug. Fast gerät man\nausser Atem, so schnell wird man davongetragen. Es\ndroht hier die Gefahr, bei Autor und Leser, dass sie\ndie Widerstandskraft gegen diese Windsbraut von Ge-\ndanken nicht gehörig aufbieten können, ja, sich aller\neigenen Bewegung entübrigt erachten. In diesem ge-\nnialischen Automatismus der Gedanken kann die Be-\nsonnenheit leicht lädiert werden. Eine gewisse furiose\nBlindheit macht sich denn auch im Verfahren Schopen-\nhauers bemerkbar/ — Auf Grellste in die Augen sticht\nder Unterschied der Charaktere bei einer vergleichen-\nden Lektüre der Korrespondenzen. Ein urbaner Ton,\neine feine, leise Heiterkeit, eine gewisse konziliante\nFestigkeit, ein mild abgemessenes Wohlwollen sind für\nKant bezeichnend. Schopenhauers Briefe strotzen von\nprachtvollen Menschlichkeiten. Man bewiese einen be-\ndenklichen Mangel an Takt und Humor, wenn man es\nübersieh gewänne, diese naturalia turpia zu finden;\n•und man beraubte sich des köstlichen Schauspiels, mit\nallen Arten und Unarten die Kindlichkeit eines grossen\nMannes aus nächster Nähe zu beobachten.\nIn beiden Denkern schätzen wir metaphysische\nKräfte ersten Ranges. Beide muten uns an wie\nExtreme derselben Tendenz, wie Pole derselben Kraft\nWir sehen Kant, der Metaphysik Einhalt gebietend, sie\nernüchternd, erstickend, fast ertötend — und doch\nunter der Hand zur Hoffnung ermutigend mit erhabenen\nPostulaten: sehen Schopenhauer, sie bis zur Glut\nihrer Sehnsucht entflammend, beinahe das Zeitalter der\nMagie, der Experimentalmetaphysik heraufführend —\nund aber zuletzt desto gründlicher von Welt und Wissen\nabgekehrt.\nSeit Kant ist die Metaphysik nur scheintot: wie\nhätte er zweifeln können, nachdem er ihr die falschen\nFlügel ausgerissen hatte, dass ihr durch eine unausrott-\nbare Sehnsucht natürliche nachwachsen würden 1\nAlso einerseits sehen wir das metaphysische Be-\ndürfnis auf das knappste Mass der Befriedigung ein-\ngeschränkt, gerade um es zu stärken; andererseits zur\nmasslosesten Sättigung gereizt, um es schliesslich\nHungers sterben zu lassen.\nSo sind es denn gleichsam die Hemisphären der\nPhilosophie, die einander zu deren runder Vollendung\nentgegenstreben.\nAls eine noch unüberwundene Krisis zwar ist die\n„Kritik der reinen Vernunft\" über den metaphysischen\nTrieb verhängt: aber wer die Entscheidung hier her-\nbeiführen möchte, der müsste die vorhandene, aber\ngleichsam illegitime Abstammung Schopenhauers von\nKant nachträglich strikte so zu legitimieren verstehen,\ndass uns kein von Kant ins Nirwana gescheuchter, sondern\nein hienieden gebändigter Schopenhauer erstände.\nHier steht man lange schon zaudernd an der\nStelle, wo sich endlich das Geschick der Meta\nphysik entscheidet. Der Widerstreit beider Charaktere\nerheischt eine höhere Ausgleichung. In welcher Richtung\nsollen wir sie suchen?\nMan muss sich davon entwöhnen, die Person\nund das Werk eines Meisters als vollendete Tatsache\nanzusehen; denn gerade darin besteht seine unsterb-\nliche Meisterschaft, dass er nicht aufhört zu leben,\nsich ins reifere immerfort zu verwandeln, immer\nhöherer Vollendung fähig zu werden. Kants Werk, so\nwie es vor uns liegt, endgültig hingenommen, würde\nsich der Verehrung nicht mehr gewachsen zeigen. Eben\ndiese Kraft, die in ihm liegt, sich selbst hinter sich\nzu lassen, der zwingende Antrieb zur eigenen Neuer"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "439", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4569, "texte": "Zeugung ist das Bewundernswerte. Jeder gute Lehrer\nzieht sich in seinen Schülern seine eigenen Belehrer,\nFörderer, Ueberwinder heran. Die werdende Grösse\nsolcher Männer bringt ihre vorhandene erst recht zum\nVorschein. Wir müssen mit ihnen und ihren Werken\nverkehren, als ob sie lebten und immer noch im Ent-\nstehen begriffen wären.\nUm nichts also müssen wir uns bemühen als um\ndie Erkenntnis des Kerninteresses, des fruchtbaren\nKeimpunktes lebendiger Werke. Das ist aber bei\nKant der Apriorismus: ihm galt seine kritische Sichtung,\nseine letzte Entscheidung. Sein Leben lang strengte\ner sich an, endlich einmal das echte, stichhaltende\nApriori zu formuliren und gelangte so schliesslich zu\neiner Metaphysik vo]n unfehlbarer Sicherheit\ninnerhalb un üb ersteiglicher Schranken von\neiniger symbolischer Durchsichtigkeit.\nSollte damit der Apriorismus sein letztes Wort gesprochen\nhaben? Bekanntlich scheidet das Apriori als Grenze\ndie Immanenz von der Transzendenz: aber sind Grenzen\nnicht immer auch verbindend? Sollte man hierauf eine\ninnigere Vermitlung verzichten müssen? Schopenhauer\nhat in der Tat den Ansatz gemacht, die Tauglichkeit des\nAprioris für die Immanenz erheblich zu verstärken;\ndie Transzendenz erschliesst er sich durch seinen\n„Willen zum Leben\", die völlige Durchschauung der\nImmanenz, der „Vorstellung\" nicht nur durch das\nsomnambule Hellsehen, sondern versucherisch auch\ndurch die Annahme, „dass schon in den allgemeinsten\nFormen der Vorstellung, in diesem eigentlichen Grund-\ngerüst der erscheinenden Welt, also in Raum und Zeit,\nder Grundtypus, die Andeutung, Anlage alles dessen,\nwas die Formen füllt, aufzufinden und nachzuweisen\nsei\". Inzwischen hinterlässt er die Realisation dieser\nBestrebung ausdrücklich einem genialen Kopf Dass\ndiese jedoch, wenn sie gelänge, nichts geringeres be-\ndeuten würde als die Verwirklichung der Kantischen\nIdee eines intellectus archetypus, ist zweifellos. Ge-\nrade diese Idee war es auch, die Goethe so „höchst\nbedeutend\" fand, dass sie ihn Kant geneigter machte\nals es wohl sonst geschehen wäre: „Hatte ich doch erst\nunbewusst und aus innerem Trieb auf jenes Urbildliche,\nTypische rastlos gedrungen\", bemerkt Goethe, . . . .\n„so konnte mich nunmehr nichts weiter verhindern,\ndas Abenteuer der Vernunft, wie es der Alte vom\nKönigsberge selbst nennt, mutig zu bestehen.\" „Zwar\nscheint der Verfasser\", schickt er voran, „hier auf\neinen göttlichen Verstand zu deuten, allein wenn wir\nja im Sittlichen durch Glauben an Gott, Tugend und\nUnsterblichkeit uns in eine obere Region erheben und\nan das erste Wesen annähern sollen, so dürft es wohl\nim Intellektuellen derselbe Fall sein, dass wir uns\ndurch das Anschauen einer immer schaffenden Natur\nzur geistigen Teilnahme an ihren Produktionen würdig\nmachten\". Daher auch wollte ihm „manchmal dünken,\nder köstliche Mann verfahre schalkhaft ironisch, indem\ner bald das Erkenntnisvermögen aufs Engste einzu-\nschränken bemüht schien, bald über die Grenzen, die\ner selbst gezogen hatte, mit einem Seitenwink hinaus-\ndeutete\".\nMit einem Wort, dem Apriorismus fehlt immer\nnoch Hand und Fuss, Wurzel und Krone, Anfang und\nEnde. Nietzsche, der so etwas wie ein Arzt Schopen-\nhauers ist, hat mit seiner glühenden Erfassung des\nringartig polarischen Wesens der Zeit dieses dringende\nphilosophische Bedürfnis sehr wohl empfunden und\nbefriedigen wollen. Leider war in ihm das Dionysische\nzum Schaden des Apollinischen mächtig, so dass er\nuns den klaren Erweis schuldig gebieben ist. So wie\nbei ihm gewahren wir auch bei Goethe, ohne auf den\nGrund zu kommen, eine Lösung des Rätsels der\nGrenzenlosigkeit in dem Sinne, dass sie sich selbst\nbegrenze nach dem einen Weltgesetz der Kompensation,\nder sich selber indifferenzierenden Weltpolarität.\nDarin besteht das wahre Vermächtnis Kants, dass\nwir seinen Apriorismus um ein erstes und letztes er-\ngänzen, dass wir das Bindeglied zwischen Kantischer\nResignation und Schopenhauerschem Allmachtsgelüst\nentdecken. Wir sind weder allmächtig noch allwissend,\nweder ohnmächtig noch unwissend. Wir sind Mittel-\nwesen in jeglichem Betracht. Und wagen wir uns\nan das Weltproblem, so sollen wir weder verzagen\nnoch tolldreist werden, sondern uns einen gewissen\nlebendigen Indifferentismus aneignen, der sich\nweder begrenzt fühlt noch Grenzen überschreitet, sondern\neben auf der Grenze seinen Weg der Vermittlung\ngeht. Wir besitzen weder nichts noch alles, wir er-\nwerben, erlernen etwas — und wer wollte hier tote\nSchranken setzen; sie seien lebendig! 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Welche Frage! Ich bin ja der\ngrösste Antinumismatiker. Neulich sagte mir jemand:\n„Exzellenz! pst!\" Ich war nicht beleidigt. Als er aber\nhinzufügte: „Das geht auf Sie, das ist auf Sie ge-\nmünzt\" — da gab ich ihm eins aufs Trittbrett, dass\ner sich noch heut um seine Achse dreht.\nUebrigens war ich nicht immer so. Das wäre ne\nselige Illussion, als ich es mit dem Antiphilatelismus\nversuchte. Ich danke schön, da hätte man viel zu tun.\nSo liess ich sie denn ihre kleinen bunten Papierchen\nweiter sammeln. Ein Paar Hefte so en passant, de\ngaiete de coeur zu verbrennen — immer losl Da bin\nich nicht gegen. Aber schliesslich soll ne gesunde\nOpposition doch mehr einbringen als Asche. Der Anti-\nphilatelimus ist nichts für konsequente -Utilitarier. So\nlasst sie man sammeln!\nDagegen die Numismatik — eine Erbfeindin, Anti-\npodin aller menschlichen Verwertbarkeit: alles Unnützen\nQuintessenz — ich laufe rot an, wenn ich nur an diese\nLudrians denke.\nWie? Geprägtes Metall, Gold, Geld — sammeln?\nHülfe! Ich werde verrückt, ich muss mir die Weste\naufknöpfen. Es ist ja das krasseste desaveu, die\nsystematischste Negation des Geldes, des deutlichsten\nInbegriffs aller menschlichen Wertschätzungen. Ich\nmuss mir den Kragen abknöpfen und mich kalt über-\nduschen. Warum nicht gleich Menschen sammeln?\nKönige sammeln? (deren Profile ja der Numismatiker\nnicht verschmäht!) Briefträger sammeln? Sammeln\nsammeln sammeln — ich gerate ausser mir, ich kann\nmich nicht erholen, ich komme um! Im Sammeln allein\nliegt schon so viel Idiotie: aber Münzen sammeln ist die\nKonzentration dieses Irrsinns. Was folgt? Seid ge-\nwarnt! Propaganda der Tat! Bartholomäushochzeit\nfür die gesamte Numismatik in ihren Hauptvertretern.\nEs ist nicht „harmlos\", wenn man das Geld, statt\nes auf Zins zu legen oder schlicht auszugeben —\n„sammelt\". Ich koche. Ich habe die Antisammelwut.\nIch möchte platzen.\nAn diesem Symptom eben verrät sich die enorme\nLebensgefährlichkeit der Aesthetisierung\ndes Nützlichen. Pfui! Geld soll nicht „schön\"\n— äh! — sein, sondern kulant, kurrent. Schönheit\nist überhaupt — ater ich schweige, ich habe Brech-\nreiz, wenn allerhand Fritzen vom Gelde Schönheit\nwollen — für Geld . . . ä la bonheur! Das Nütz-\nliche soll gebraucht, verwendet werden; es soll so\nHässlich sein, dass es jeden dieser Sammler geradezu\nabschreckt und „Tod allen Sammlern\" soll darauf ein-\ngerändelt stehen! Oder: „haut sie\"! Oder: „Wer\nmich sammelt, sei verdammelt\"; oder so ähnlich\nMit einem Wort: es muss aufhören! Wo ich noch\neinen Numismatiker entdecke, werde ich ihn kon-\nfiszieren und mir so nach und nach eine lachhafte\nSammlung dieser Sammler anlegen, bis sie der Teufel\nholt. Am allergeeignetsten zur Vertilgung dieser Land-\nplage wäre ein grosses numismatisches Irrenhaus. Mir\nscheint nämlich, dass vom Prinzip der Numismatik aller\nübrige Irrsinn derivirt ist. Geld, also kondensierte\nVernunft, kondensierte Menschheit, statt sie zu be-\ntätigen, zu sammeln??? Mir steht der Schweiss auf\nder Stirn, ich kann nicht mehr. Confessus sum."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "439", "page_fin": "440", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.10", "titre_corps": "Neues vom Tage", "titre_sommaire": "Neues vom Tage", "signature_source": "J. 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Hören wir einen\nVerständigen von der Morgenpost darüber.\nDie lustige Gesangsposse „Polnische Wirt-\nschaft\" wurde bei der gestrigen 200 Auffüh-\nrung vom Publikum stürmisch bejubelt. Die\nreizende Musik, vor allem die Schlager . . .\n„Mann, hak mir mal die Taille zu\", mussten\nmehrmals wiederholt werden. Nach Schluss\nder Vorstellung wollte der Beifall gar nicht\nenden und der Vorhang musste mindestens\nzwanzigmal in die Höhe gehen.\nDiesem ernsten Referat war ein ulkiger Bericht\nüber die dritte Ausstellung der Neuen Sezession vor-\naufgedruckt. Er sollte nur fünf Zeilen länger sein als\ndas Referat. Aber es steckt Librettistenwitz in ihm.\nDie Galerie Macht ist: der Kunstsalon „Zum\nwilden Mann.\"\nBei der zweihundertsten Aufführung einer erbärm-\nlichen Gesangsposse gebärdet sich das Publikum ganz\nwild, doch\n„von den Werken einiger Mitglieder abge-\nsehen, die am besten in zwei gesonderten\nRäumen unter der Aufschrift Schreckens-\nkammer und Lachkabinett untergebracht worden\nwären, enthält die neue Sezession auch mehrere\nrecht gute Bilder.\"\nHier sind es nur vereinzelte Talente, die etwas\nwild einsetzen, dort jedoch schafft ein Meister, der\nseine Erfolge dem „Geschmak\" der Presse und des\nTheaterpublikums verdankt In einem Fall handelt es\nsich nur um die Kunst, in dem andern aber ums\nTheater. Jean, noch eine Gesangsposse 1\nAuch ein Bühnenerfolg Schnitzlers\nDie Zeitungen berichten:\nDer Dichter als Arzt. Bei der General-\nprobe im Wiener Burgtheater am Sonntag\nkonnte Artur Schnitzler in seiner bürgerlichen\nTätigkeit als Arzt fungieren. Wie unser\nWiener Korrespondent meldet, hatte sich der\nSchauspieler Reimers während der Probe auf\nder Bühne der Fuss verstaucht. Arthur\nSchnitzler, der gerade im Zuschauerraum sass,\nkam auf die Bühne und leistete dem Dar-\nsteller erste Hilfe.\nAuf der Generalprobe! Und wo war der Theater-\narzt? Vielleicht beim Dichter?\nDie beiden Walter\nSchätze ich Shaw schon seit Jahren als einen\nJournalisten, der nicht den Mut verliert, seine Feuille-\ntons und Leitartikel „über Bretter\" hinwegschreiten zu\nlassen, damit mir an einem Montag Turszinski die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "440", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1685, "texte": "Enttäuschung bereitet: „dass unserer Zeitepoche die Emp-\nfindungen des Antiferos Shaw in Fleisch und Blut\nübergegangen sind.\" Mit anderen Worten: der Geist\nunserer Zeitepoche nagt an den Knochen der Empfin-\ndungen, mit denen ein etwas spleeniger Kostgänger\nder Literatur posiert.\nDa war es schon not, dass Walter Bloem mit\neinem neuen Roman erscheine, „die alten hel-\ndischen Hochgefühle aufleben zu lassen.\"\nEr machte den „Ritt ins Romantische\" Fast jeder\nSchriftsteller reitet einmal dorthin. Das gehört schon\nso zum Beruf. Aber „Waiter Bioems Ritt ins\nRomantische vollzog sich auch durchaus auf der Bahn\neines romantischen Konfliktes, oder besser mehrerer\nKonflikte.\"\nDass muss kein leichtes Kunststück sein, auf der Bahn\nmehrerer romantischen Konflikte einen Ritt ins Kriegs-\nromantische zu tun. Walter Bloem vollführt es. Er\nlässt seinen, wenn Walter Turszinski so sagen darf,\n„privat-inhaltlich\" heiss bewegten Romankom-\nplex mit dem pastoralen Auftakt von Ems einsetzen,\n„er siegt, was bei alledem von vornherein festzustellen\nist, als Schlachtenmaler, und er ist an der Hand\nvon Ueberlieferungen und Ortsstudien in die alte Zeit\nzurückgestiegen und hat sich in sie hineingebettet, als\nwäre es die seine\".\nDas konnte nicht ohne Folgen bleiben. Walter\nBloem „bietet Ui.vergessliches im Neugeboren-\nwerdenlassen einer grossen Zeit - im Heraus-\narbeiten von — man verzeihe die Bühnensprache\n— Ensemble- und Detailwirkungen.\" Und so lässt er\ndie kühne Buchbesprechung ausklingen: „Da sind Ro-\nmanstücke von wahrhaft gigantischer Form,\nRomanstücke, die den Namen Walter Bloem glatt\nneben den Namen Emile Zola setzen.\"\nMan verzeihe ihm ein letztes Mal, diesem —\nSchwankdichter.\n\nJ. 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Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Lehen\" kommen vom Besitzer u. 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Kosmln yu tnod>en. Sie werben finben,\nSafe Sie biefes in 90113 befonberero (Pafee befriebigt, berm\nKosmln Iyat fiberatts erfrifd>enben Wobtgefsmadt,\nhonferviert die 3SAjm tmb krSftigt das Safcitfleifd).\n(Ok. 150, long* ausreid>en&, ftberaß Hkufltet)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "441", "page_fin": "441", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "441", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 251, "texte": "Dritte Ausstellung\n/\n>■\nV / y\n3BBBS 3BBBS 3QS 3BBS 3BBBS 3BBBS\nGalerie Ifiaximilian lflacl)t\n3MBM£ V9SX %MK2S3S 3M2£BM£\n■AMAMAmMI 'b 'KULJL iXnAanXii iMiHMHWi BMIMHHXMXI allMXMAiHlla\nBerlin SI. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJShrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ~Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, ftirdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, Dezw.\nK. 7,20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. 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Sie bringt ausfiihrliche Auf-\ns'&tze iiber die verschiedensten\nKrankheiten und deren Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomoopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenb&der usw.\nAbonnementspreis jahrlich\n===== 3 Mark ===\nAbonnements nehmen die Brieftra-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Fe!ke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 1588, "fin_caractere_exclue": 1724, "texte": "Yerlag Oesterheid & Co.\nIn unserm Verlag erschien\nElse\nLasker-S chiller:\nDie\nWupper\nDrama\nMk. 2,50\nDurch alle Buchhandlungen\nzu beziehen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 1726, "fin_caractere_exclue": 2104, "texte": "Lernt durch\nSelbstunterricht\ndie leicht erlernbare\nWelt-Sprache\n„Esperanto\"\nSchon drei bis fiinf Milli-\nonen Anhanger und iiber\n1650 Vereine in alien Erd-\nteilen. Schon von vielen\nSchulen gelehrt und von\nvielen Behorden, Firmen\nu.s. w. verwendet. Espe-\nranto - Lehrbuch mit Pro-\nspekten und Zeitung „La\nEsperantisto\" versendet\ngegen 15 Pf in Briefmarken\nRed.FritzStephan,Leipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 2106, "fin_caractere_exclue": 2205, "texte": "Die Fackel\nHERAUSQEBER\nKarl Kraus\nNummer 317/318\nsoeben erschienen\nPrels 50 Pfg.\nÜBERALL ERHALTLICH"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c028", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 2207, "fin_caractere_exclue": 3509, "texte": "Friedr. Nlester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) Grtind-\nUche Einfiibrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handeis- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fiir\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen — _ L ,\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnlicne Scnule\nabsolviert haben, wie fiir ' _\nHerren mit besseren praktfschen Oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tdtig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,National6konom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c029", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 3511, "fin_caractere_exclue": 3742, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. 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Die Soziale Beilage\ntritt fur die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-Inserate die Zeile 10 Pf., fur Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einen\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktlon: Berlin N 37 Lottumstrasse 14"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c031", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 4397, "fin_caractere_exclue": 4524, "texte": "Cafe Continental ££SI\nJeden Abend Jvon 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\nAlle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-03-18-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-03-18_01#c032", "volume": "bmtnabg_1911-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "442", "page_fin": "442", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "debut_caractere": 4526, "fin_caractere_exclue": 4979, "texte": "Sammler-Beriehte JOTnKvder\nInternationaleKorrespondenz-Vereinigung\nfur ideale Korrespondenz, Sammelwesen, Tausch, Verkauf, Geschaft,\nVertretungen und sonstigen Absatz, Erwerb, Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmdrken, zuadressierten Post-\nkarten, Biichern usw\nJahresbeitrag fur I K V mit „Sammler-Berichte\" nur 4 Mk.\n(5 Franks). 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Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n„Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B 112. G. L.M und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergunstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, . Ausfuhrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fur Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "435", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme\nHannover Artilleriestr 15 und Berlin W 35 Potsdamerstr. 111\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN/SONNABEND DEN 18. MÄRZ 1911/ HANNOVER\nNUMMER 55\n\nJupe - culotte\nZeichnung von Max Fröhlich\n\nInhalt:\nMehr Kinder / Antworten von ALFRED KERR /\nDR. JUR. WERTHAUER / PROFESSOR DR. STRASS-\nMANN / FRIEDRICH KURT BENNDORF: Alfred\nMombert / PAUL SCHEERBART: Der Kaiser von\nUtopia / ELSE LASKER-SCHÜLER: Ein Brief meiner\nBase Schalöme / DR. S. FRIEDLAENDER: Kants Ver-\nmächtnis / ALFRED LICHTENSTEIN : Die Dämmerung /\nMYNONA: Was bin Ich? / J. A.: Neues vom Tage /\nBeachtenswerte Bücher / MAX FRÖHLICH: Jupe-\nculotte / Zeichnung.\n\nMehr Kinder\nEs werden hier weitere Antworten auf unsere Rund-\nfrage über die Zweckmässigkeit der Paragraphen 6 und 8\ndes vorgeschlagenen Gesetzes zur Bekämpfung der\nKurpfuscherei veröffentlicht. (Siehe Nummer 53 und 54\ndieser Wochenschrift.) Die Paragraphen lauten:\n§ 6 Der Bundesrat kann den Verkehr mit Gegen-\nständen, die bei Menschen die Empfängnis verhüten\noder die Schwangerschaft beseitigen sollen, beschränken\noder untersagen.\nSoweit der Bundesrat den Verkehr mit einzelnen\nGegenständen untersagt hat, ist deren Einfuhr ver-\nboten\n§ 8 .... Mit der gleichen Strafe (Gefängns\nbis zu sechs Monaten und Geldstrafe bis zu 1500 Mark)\nwird, wenn nicht nach anderen gesetzlichen Bestim-\nmungen eine schwerere Strafe verwirkt ist, bestraft,\nwer öffentlich anzeigt oder anpreist, Gegenstände oder\nVerfahren, die den Menschen zur Verhütung\nder Empfängnis oder zur Beseitigung der Schwanger-\nschaft dienen würden"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "436", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.2", "texte": "Alfred Kerr:\nEmpfängnis muss nach Wunsch vereitelt werden\ndürfen. Wer nicht soviel Gedecke liefern kann, wie\nKinder da sind: der muss nur soviel Kinder liefern,\nwie Gedecke da sind.\nHohe Bevölkerungszahl verbürgt nicht einmal poli-\ntische Macht. (China.) Die grossen Einflüsse stammen\nimmer von kleinen Völkern. Der Glaube der Welt\nkam von dem kleinen Judäa. Die Schönheit der\nWelt von dem kleinen Griechenland.\nDer Bundesrat sollte bessere Schutzmittel erfinden.\n\nDr. jur. Werthauer:\nDie Konstellation für gesetzgeberische Arbeiten ist\naugenblicklich im Interesse des Fortschritts der Mensch-\nheit, soweit er durch bewusste Einflussnahme überhaupt\ngehemmt oder gefährdet werden kann, als eine äusserst\nungünstige zu bezeicnen; weil die Voraussetzungen,\nnach denen die Wahlkörper zusammengesetzt sind,\nnicht den Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechen.\nDeshalb ist ein Eingreifen der Gesetzgebung auf\nkeinem Gebiet zur Zeit wünschenswert. Es wäre\nschon deshalb das Scheitern des Entwurfes zum Kur-\npfuschereigesetz nur zu begrüssen. Wenn man\nGesetze vorschlägt, welche einerseits die individuelle\nFreiheit beschränken, andererseits dem Gesundbeten\nund Aehnlichem das Wort reden, ist die Hoffnung\nausgeschlossen, dass etwas Kraftvolles, Einheitliches,\nFreiheitliches zu Stande kommt.\nSpeziell die Frage, ob der Staat berechtigt sei, die\nNichtvollendung der Konzeption zu verbieten, ist schon\nin ihrer Aufstellung eine Verhöhnung der Individualität\ndes Menschen.\nEin solches Verbot trifft, wie die meisten Mass-\nnahmen dieser Art, natürlich nicht die Intelligenten,\nsondern nur die bedauernswerte Masse der Armen; es\nist ein besonders exponierter Gipfel unsozialer Gesetz-\ngebung. Die übliche Begründung, dass der Staat für\noder gegen die Schaffung des Nachwuchses Sorge\ntragen müsse, ist wissenschaftlich haltlos.\nDie Natur schafft so überreich, dass das Eingreifen\nder Menschen ihr gegenüber verwegen erscheint. Selbst\nwenn vorübergehend das Quantum nachlässt, so kann\nes die Natur durchaus durch die Qualität ersetzen.\nJedem Volke ist, wie jeder Familie, nur eine bestimmte\nLebensdauer gegeben. Die Natur kann auch den\nUntergang zur Schaffung neuer Werte nötig haben.\nDer Staat ist seinem Begriff nach ein Zusammen-\nschluss der Einzelnen, um ein geordnetes Zusammen-\nleben zu ermöglichen. Wenn der Staat darüber hinaus\nin anmassender Weise noch weitere Dinge zu seinen\nOperationen verwenden will, so verletzt er sich selbst,\nkann naturgemäss keinen Erfolg haben, und dient nur\nder Hinderung und Zerstörung seiner eigentlichen\nZwecke.\nDie Statistik versagt für die hier fraglichen Fälle,\naus ihr lässt sich ein Nachteil nicht herausrechnen.\nWesentlich ist allein, ob Pflichtgefühl erlaubt, beliebig\nviel Kinder in die Welt zu setzen, damit sie verkommen\noder andere sie ernähren. Oder ob wahre Pflicht\nnicht mit absolutester Selbstsucht harmonisch ver-\nbunden ist.\nMan erzieht und belehrt schon in der Fortbildungs-\nschule, im Vorbereitungsunterricht die Jugend im\nweitesten Masse, damit soziale Not und Elend, Selbst-\nmord und Kindesmord immer mehr verschwinden.\nDie Judikatur des Reichsgerichts halte ich in\ndiesen Fragen nicht für richtig. Wenn eine Gesetz-\ngebung eingreifen soll, müsste sie abändernd, in ganz\nanderer Richtung gehen, als sie jetzt in Aussicht steht.\nDaher bin ich absolut gegen die hier angeführten\nBestimmungen des Entwurfes eines Kurpfuscherei-\ngesetzes.\n\nWeitere Antworten folgen\n\nGeheimer Medizinalrat Professor\nDr. Strassmann\nAuch mir ist es wie Herrn von Schmoller nicht\nmöglich, die von Ihnen aufgeworfenen Fragen nach\nallen Richtungen hin erschöpfend zu behandeln, ich\nMuss mich auf die Punkte beschränken, die mir als\nVertreter der gerichtlichen Medizin naheliegen.\nVon diesem Gesichtspunkte aus möchte ich zu-\nnächst bemerken, dass das Thema einer Teilung be-\ndarf. Es muss besonders erörtert werden, inwieweit\nein Verbot von Gegenständen, die die Schwangerschaft\nbeseitigen sollen einerseits, von solchen, die beim\nMenschen die Empfängnis verhüten, andererseits, be-\nschränkt oder untersagt werden müsste.\nWas den ersten Punkt anlangt, so erscheint es\nmir unzweifelhaft, dass ein solches Verbot gerecht-\nfertigt ist. So lange unser Strafgesetzbuch die Ab-\ntreibung als ein Verbrechen oder Vergehen ahndet, —\nund wie unser gegenwärtiges Strafgesetzbuch, so wird\nauch das künftige sicherlich diesen Grundsatz vertreten\n— ist es eine offenbar unzulässige dreiste Verhöhnung\ndes Gesetzes, wenn Gegenstände, die diesem ver-\nbrecherischen Zweck dienen, unbedenklich verkauft\nund vertrieben werden. Das geschieht bisher leider\nim grössten Masstabe und grosses Unheil wird dadurch\ngestiftet. Denn der anstandslose Verkauf der „Mutter-\n• spritzen\" wie anderer zu gleichem Zweck bestimmter\nApparate und Mittel muss unerfahrenen Frauen und\nMädchen die Ueberzeugung beibringen, dass sie mit\nder Anwendung dieser Gegenstände etwas ganz legales\ntun und verschuldet es so schliesslich, dass zahl-\nreiche weibliche Personen an Ehre und Freiheit ge-\nschädigt werden. Und was dem Mediziner noch be-\nsonders bedauerlich erscheinen muss, auch an ihrer\nGesundheit, denn oft genug führt die Anwendung\ndieser Instrumente seitens Unkundiger zu Verletzungen\nund schweren, mitunter tötlichen Erkrankungen. Das\nVerbot von Gegenständen, die die Schwangerschaft be-\nseitigen sollen, erscheint mir und in gleicher Weise\nwohl allen meinen Fachgenossen dringend notwendig.\nIch habe es selbst angeregt, als ich in der Hauptver-\nsammlung des preussischen Medizinalbeamtenvereins\nvor einem Jahre über dem Vorentwurf zum Strafge-\nsetzbuch referierte, ohne irgend welchen Widerspruch\nzu finden.\nDie Gesundheitsgefahr ist aber auch bei einer An-\nzahl von Gegenständen gegeben, die als Verhütungs-\nmittel der Empfängnis ebenfalls in schwungvoller Weise\nvertrieben werden. Reisende von Firmen, die sich\ndiesem bedenklichen Geschäftszweig widmen, ziehen im\nLande umher und preisen als sicher und unschädlich\nInstrumente an, die diese Eigenschaft keineswegs be-\nsitzen. Ich denke dabei besonders an Instrumente von\nder Art der sogenannten Intrauterinpessare: an einer\nHartgummischeibe, die vor dem Muttermund zu liegen\nkommt, befindet sich ein längliches Ansatzstück,\ndas in den Gebärmutterhals zu liegen kommt\nund so jenen Ring festhält. Das dauernde\nTragen eines Fremdkörpers im Innern der Gebärmutter\nkann chronische Reizzustände des Organs und damit\neine schwere Gesundheitsschädigung der Frau bewirken.\nWenn es möglich wäre, den Handel mit diesen Gegen-\nständen zu untersagen, so wäre damit ein erheblicher\nhygienischer Gewinn erzielt. Ich nehme an, dass bei\nden vorgeschlagenen Gesetzesparagraphen nur daran\ngedacht worden ist, solche gesundheitsschädlichen\nMittel zu verbieten und glaube nicht, dass jemals die\nAbsicht bestanden hat, das Verbot auch auf andere\nGegenstände zu erstrecken, die seit langer Zeit als\nMittel zur Verhütung der Empfängnis ebenso wie zur\nVerhütung der Infektion weit verbreitet sind. Es wäre\nmeines Erachtens nichts dagegen einzuwenden, wenn\nin dem Gesetzentwurf die Zulässigkeit des Verbots\nEmpfängnis verhindernder Mittel auf diejenigen be-\nschränkt würde, die gesundheitsschädlich sind. Mit\neiner solchen Einschränkung aber müssen meiner Ueber-\nzeugung nach die vorgeschlagenen gesetzlichen Be-\nstimmungen als eine wesentliche Förderung des öffent-\nlichen Wohls begrüsst werden.\n\nAlfred Mombert\nVon Friedrich Kurt Benndorf\nDieser Dichter kommt zu uns wie jener Fischer\nin „Tausend und eine Nacht\", den ein Dämon, ein\nIfrid, befähigte, eine verzauberte Gegend mit Augen\nzu schauen und in dem sonst unsichtbaren See da-\nselbst die roten, blauen und goldenen Fische zu angeln.\nEr kommt und redet begeistert von dem Wunderbaren\nund zeigt es uns. Und wir verstehen ihn zuerst nicht\nund brauchen Geduld, dass uns das Traumhafte zum\nGlaubhaften werde. Dann aber lässt uns das Gehörte\nund Geschaute nicht mehr los; es ist wie jene Zauber-\nrune in der Baumrinde, davon Volker im Nibelungen-\nlied erzählt: mann sinnt ihr nach und sinnt sie doch\nnicht aus.\nWer solcherweise von Momberts Werken ergriffen\nwurde, für den hat das Entdecken kein Ende; immer\nwieder steht er am Anfang, wie bei der Betrachtung\nder Natur. Vieles von dem, was ihm zuerst als schwer-\nverständlich erschien, wird ihm dann selbstverständlich.\nUnd was ihm verschlossen bleibt, verbirgt vielleicht\ndie Wurzeln des seelischen Erlebnisses so tief, dass sie\nunauffindbar sind (denn es gibt Nerven - Erglühungen,\nPhantasie - Paroxysmen, die nur im Schaffensmoment\nund nur für den Autor selbt mit ihrer Aussprache im\ndichterischen Wort übereinstimmen.)\nMombert hat innere Stimmungen, die unter der Schwelle\nder Wortausdrucksmöglichkeit zu liegen schienen, nun\ndoch „wortbar\" gemacht — er hat sie ins Bewusstsein\neiner persönlichen Sprache erhoben — stellvertretende\n„Ikonen\" dafür gefunden.\nManchmal ist es beim Lesen, als führe man mit\nder Eisenbahn tags in einen Tunnel ein: — plötzliches\nErblinken der Lampen in den Wagenabteilen, — ein\ndunkles Reich mit hellen Lichtern! —\nUnd immer stellt man sich einen vor, der fernab\nvom Alltag wohnt, in einem Leuchtturm am Meer, in\neiner Sternwarte auf dem Hochgebirge, — der ein\nNachbar der elementaren Natur ist und darum tiefer\nin sich hinnein, kühner in die Welt hinaus schaut und\ndie Enträtselungskraft und den Ewigkeitsausdruck für\ndas ephemere Erleben gewinnt.\nEs ist, als verfüge dieser Dichter über eine grosse\ngeheime Gemäldegalerie, von deren Inhalt er in Worten\ndie deutlichste Anschauung gibt, sodass wir ihrer selbst\ngarnicht bedürfen.\nMomberts Dichtung suggeriert uns Stimmungen\ndurch überraschende, mehr oder weniger ausgedehnte\nBilderreihen — durch Umsetzung von Innenleben in\nLandschaftliches und menschliche Szene innerhalb dieses\nLandschaftlichen. Sie rückt die vergleichbaren Vor-\nstellungen, die symbolischen Obergedanken direkt an\ndie Stelle der gegebenen Vorstellungen. Sie tauscht die\nindividuellen symbolischen Analogievorstellungen für\ndie konventionellen und wirklichen ein. Da jene ins\nUnbestimmte und Unbegrenzte ausstrahlen, kann ihnen\nder logisch erkennende und nur berechnende Verstand\nebensowenig beikommen, wie etwa den Symbolen einer\nmusikalischen Symphonie. Sie sind Natur und zugleich\nHieroglyphe. Sie sind unerklärbar wie Blumen.\nFragt man danach, worüber das sinnende Antlitz\neiner Marmorstatue sinnt, oder was ein Fels in der\nTalheimlichkeit bedeutet, oder warum mich ein Menschen-\nwesen anzieht?! Aller Sinn und damit alle Freude liegt\nschon in der Existenz, und höchstens deren Charakter\nund Beziehungsreichtum wünscht bestimmt zu werden.\nGlücks genug ist es, zu fühlen, und nach dem\neigenen Temperament auszulegen, was ein Dichter sagt.\nZumal in der lyrischen Kunst ist jeder Empfangende\nsein eigener Kommentator. Nur die Trivialität ist ein-\ndeutig.\nWer Momberts Grundmotiv — das unendliche\nWerden des Geistes in der Zwei-Einheit des materiellen\nund mystischen Lebens — nicht klar erkannt und er-\nfüllt hat, ist beim Lesen seiner Gedichte in derselben\nLage, wie einer, der eine Orgelfuge anhört, ohne das\nThema deutlich aufgefasst zu haben. Er vernimmt nur\nein erhabenes Brausen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "437", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.3", "texte": "Der „einseitige\" Stil eines Künstlers, die immanente\nNötigung zu einem bestimmten Ductus des Ausdrucks,\nist sein eingeborener, sein „gefundener\" Stil. In Mom-\nberts Kunst äussert er sich als ein Zwang, Seelisches durch\neine sehr mittelbare, auf Assoziationen im Unter-\nbewusstsein ruhende Symbolik kundzugeben. Diese Sym-\nbolik wiederum (mit ihrer freien Verknüpfung und Um-\nbildung von Elementen der Wirklichkeit) redet un -\nmittelbarer vom Geiste des Grenzenlosen als eine pri-\nmitive Symbolik, die dem Weltgefühl im begrenzteren\nAusschnitt der Wirklichkeit Gestalt verleiht.\n* *\n*\nDie Technik aus Momberts Gedichten muss aus dem\nGeist der grossen impressionistischen Bewegung\nund Errungenschaft begriffen werden, an der heute\nalle Künste (nebst ihrer Aesthetik!) teilhaben und die\nnicht eine blosse Richtung, sondern das Wesen der\nmodernen Kunst bedeutet — die zusammenfällt mit\ndem, was man „Naturalismus\" nennt.\n* *\n*\nDie Naturnotwendigkeit eines Kunstschaffens (auch\ndes zur Unpopularität privelegierten) beweisst sich da-\nrin, dass der Schaffende auf dem eingeschlagenen\nWege selbsttreu und selbstsicher vorwärtsschreitet, sei\nes als ein Einsiedler, ein königlicher. Auch wer in dem\nLand, in das Mombertsche Gedichte führen, nicht heim-\nisch zu werden vermag, wird in der Folge der bis-\nher veröffentlichten Werke des Dichters die organische\nEntfaltung einer von vornherein gezeichneten Persön-\nlichkeit anerkennen müssen. In „Tag und Nacht\" sind\ndie Keime deutlich sichtbar, die sich zu der poetischen\nZukunftsmusik der „Schöpfung\", des „Denkers\", der\n„Blüte des Chaos\" ausgewachsen haben. Mombert ist\ndarin ein „erwählter Liebling der Natur\", dass er sich\nin seiner Kunst frühzeitig selbst gefunden hat und von\nAnfang an jenes eigene Gesicht trägt, das allein einem\nSchaffen Anwartschaft gibt, „in die ferne Zeit zu\nleuchten\". Weil er besonderes mitzuteilen hat und zu-\ngleich über eine neue dichterische Sprachmelodie ver-\nfügt, reizt und lohnt es, in die zunächst spröd an-\nmutende Esoterik seiner Dichtung einzudringen. Nir-\ngends ist man mit dem Genuss des rein Aesthetischen\nzu Ende; immer bleibt ein Problematisches, ein Un-\nausschöpfbares. Seme Poesie geht in die Tiefe der\nErfahrung hinein und ist insofern transzendental. Sie\nsucht unerforschte Seelengebiete auf; sie kommt mit\nneuen Aspirationen und verschliesst sich daher der\nprofanen Leselust. Die Menge geht ja von vornherein\njeder nachdenksamen Symbolik und noch so klarer\nMystik weit aus dem Wege und in einem Dichter wie\nMombert sieht sie bestenfalls einen Monomanen. Aber\ndennoch werden auch solche, die nicht befähigt sind,\nkomplizierten psychologischen Zuständen, Beziehungen\nund Wandlungen nachzufühlen und nachzugehen, sich\nan den meisterhaft geschauten Milieus freuen können\nund Stimmungen in sich angeregt finden, wenn sie in\ndiesen Seelenlandschaften nur die Bildwirkung ins Auge\nfassen. Ein Fest für die Phantasie!\nBedenkt man, welche Spannung der Seelenkraft die\nEntstehung lyrischer Dichtungen vom Mombertschen\nAusmass voraussetzt und dass die Stunden rausch-\nhaften Nervenzustandes nur selten sein können,\nweil sie eng zusammenhängen mit dem langsamen\nWachsen und Reifen der Individualität, so staunt man\nüber die Produktivität dieses Dichters, über die grosse\nZahl schlechthin vollkommener und unvergessbarer Ge-\nbilde.\n* *\n*\nTrotz der romantischen Entlegenheit ihrer Szene,\ntrotz der Fremdartigkeit ihrer visuellen Assoziationen\n(„Wachträume\"), atmet diese Dichtung doch lauter Erd-\nmütterliches und Menschgemeinsames. Sie ist nicht die\nTat eines Schwärmers, sondern eines Menschen der\nRealität. Sie bewegt sich in nächster Nähe und Nach-\nbarschaft des wirklichen Seins. Und dieses ist nichts\nanderes, als die Polypsychie des menschlichen\nIch.\n* *\n*\n„Mystisch heissest du ihnen,\nWeil sie Närrisches bei dir denken.\"\n„Du aber bist mystisch rein,\nWeil sie dich nicht verstehn.\"\nGoethe: Westöstlicher Diwan.\nDie Dichtungen von Alfred Mombert erschienen im Verlag Schuster\nund Loeffler, Berlin.\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nLI\nDie neuen Kometen\nGleichzeitig wurden auf verschiedenen Sternwarten\neine ganze Reihe neuer Kometen entdeckt.\nDiese Entdeckung wirkte auf die Bewohner des\nKaiserreichs einfach unheimlich; man sah nachts alle\nUtopianer fortwährend den Himmel mit dem Fernrohre\nbeobachten\nDann aber wurde von allen Seiten konstatiert, dass\ndie neuen Kometen garnicht Kometen sein könnten,\nda ihre Bewegung am Himmel eine allzu schnelle war.\nUnd dann entdeckte man, dass die Irrlichter schon\nin der Nähe des Erdbodens Kometenform annahmen.\nUnd da wars denn klar, dass die neuen Kometen\nErscheinungen der Erdatmosphäre vorstellten — Irr-\nlichter waren.\nAber der Himmel sah nun einfach grossartig aus.\nLII\nDie Volksangst\nDie neuen Kometen, die mit den neuen Irrlichtern\nidentisch waren, machten nun das nächtliche Himmels-\nbild ausserordentlich reich und glänzend — vornehmlich\nauch durch die Farbenpracht — und dann durch die\nstete Veränderlichkeit der Formen.\nDieses verhinderte aber nicht, dass sich des ganzen\nVolkes eine ungeheure Angst bemächtigte; viele\nUtopianer verfielen in ein heftiges Nervenfieber.\nEs waren nur wenige, die ihre kalte Ruhe und\nBesonnenheit bewahrten — und zu diesen gehörte neben\nsorglosen Dichtern und Künstlern natürlich in erster\nReihe der Herr Bartmann, was seinen Namen jetzt so\nbekannt machte, dass bald Jeder mit den Bartmannschen\nAnsichten über die Erscheinungswelt vertraut wurde.\nLIII\nDer zornige Bartmann\nMit dem leeren Namen und dem fruchtlosen Ruhm\nwar aber der Herr Bartmann keineswegs zufrieden; er\nwetterte gegen die Volksangst in einer sehr wilden\nund heftigen Form.\n„Zeichen vom Himmel,\" schrieb er, „flammen auf,\num die faulen Utopianer endlich aus ihrer Ruhe\nherauszutreiben — und da packt den Utopianer die\nAngst? Auf den Knieen sollte er dem Geiste, der\nuns führt, danken, dass er uns ganz augenfällig die\nunerschöpfliche Lebensfülle der Welt offenbart. Sieht\nder Utopianer nicht, dass der Himmel und das Meer\neine gewaltige Sprache zur Verfügung haben ? Und\nsieht der Utopianer nicht, dass Himmel und Meer zu\nuns, den Utopianern, sprechen? Ist es da an der\nZeit, wie Kinder ängstlich zu werden? Wahrlich —\nalle Bequemlichkeitseinrichtungen und alle Gerechtig-\nkeitseinrichtungen sind viel zu schade für den Utopianer\n— der sollte wieder von Not und Unterdrückung ge-\npisackt werden, damit seine Lebensgeister wieder auf-\nflammen können, wie die Irrlichter im Meeressumpf.\nDer Kaiser von Utopia sollte zum Tyrannen werden\nund Waffen sollten wieder getragen werden — wie\neinst vor Jahrtausenden im barbarischen Zeitalter.\nDamals war es besser um uns bestellt es war\ndurch Hunger, Krankheit und Ungerechtigkeit dafür\ngesorgt, dass der Mensch nicht schlaff wurde. Unsere\nguten und angenehmen Zeiten sind zu früh gekommen.\nUtopia steckt noch in den Kinderschuhen und sollte\nmit harter Rute erzogen werden. Ist es etwa nicht\ndas Zeichen eines kindischen Gemütes — wenn man\nAngst hat — vor der grossen Natur? Und wenn die\nIrrlichter strafende Geister sind — weswegen können\nsie strafen? Doch nur unserer Faulheit wegen können\nwir gestraft werden, damit wir ein gewaltigeres Leben\nführen ein Leben, wie es einem reifen Volke ziemt.\nAuspeitschen sollte man den erwachsenen Leuten die\nalberne Kinderangst . .\nIn dem Tone gings immer weiter — und auch\nmündlich überall — ward man gar zornig — und\nviele Utopianer gaben ihm recht — seine Worte\nschlugen ein wie Blitze.\nLIV\nDie Natur der neuen Kometen\nDie Gelehrten erklärten allerdings den heiligen Eifer\ndes Herrn Bartmann für sehr unnütz; sie sagten, es\nwäre nicht nötig, dass jetzt auch noch die Worte wie\nBlitze wirkten. Die neuen Kometen wirken ja schon\nwie Blitze — teilten elektrische Schläge aus, ent-\nzündeten Fesselballons, erzeugten starke Gewitter, ver-\nänderten die Luft, erregten das Gemüt und brachten\ndie gesamten Utopianer in eine so nervöse Stimmung,\ndass es einfach rätselhaft erscheinen müsste, jetzt gerade\nnoch immer die geistige Trägheit der Utopianer zur\nZielscheibe des Witzes und des — Zornes zu machen.\nBartmanns Zorn erschien den Gelehrten sehr un-\npassend, und sie machten bald mit Erfolg Stimmung\ngegen diesen Zorn.\nLV\nSchiida\nAls der Herr Sebastian von dem Bartmannschen\nZorne hörte, musste er laut auflachen.\n„Also, dieser Herr Bartmann,\" sagte er im goldenen\nSchwan am Stammtisch, „erlaubt sich, auf den Kaiser\nvon Utopia zu schimpfen? Der Kaiser von Utopia\nsoll ein Tyrann werden — gerade jetzt, wo wir augen-\nscheinlich nahe daran sind, von überirdischen geister-\nhaften Kometen und Irrlichtern tyrannisiert zu werden?\nWir müssen zeigen, dass noch ein Schiida existiert;\narrangieren wir sofort ein lächerliches Tyrannenfest\"\nUnd das geschah, und der Herr Sebastian präsidierte\ndiesem Feste in so lächerlicher Weise, dass nicht bloss\nSchiida — nein — dass ganz Utopia furchtbar lachen\nmusste; echte Soldaten mit Holzsäbeln, Polizisten mit\nOpernguckern, Scharfrichter in roten Gewändern und\nZuchthäuser mit Gitterfenstern wurden vorgeführt —\nselbst pompöse Hinrichtungen Hess der Herr Bartmann\nvorführen.\nLVI\nUlaleipu\nDer Staatsrat machte ein verdutztes Gesicht, als\ner von diesem Schildaer Tyrannenfest hörte.\nAber man lachte.\nUnd es erschienen verschiedene Bücher, die das\nTyrannenfest des Kaisers Philander über Gebühr ver-\nherrlichten; da musste auch der Herr Bartmann lachen\n— die Komödie war wirklich komisch\n„Ich schimpfe auf mich selbst,\" sagte der Herr\nBartmann ganz leise, dass es Niemand hörte, „und\ndafür macht man sich über mich lustig — und des-\nwegen werde ich verherrlicht Das ist auch eine\nKomödie des Ruhmes. Wer die schreiben könnte!\nJetzt heist es aber still seinl\"\nFrau Cäcilie schüttelte aber in Ulaleipu sehr heftig\nmit dem Kopf und erklärte der Lotte:\n„Du, die Geschichte geht nicht mit rechten Dingen\nzu hier haben wirkliche Geister ihre Hand im\nSpiel.\"\nDie Lotte fragte: „Warum?\"\nAber die Frau Cäcilie schwenkte ab und sprach nur\nnoch von den Kometen; denken aber tat sie ganz\nwas Anderes.\nDie Bewohner von Ulaleipu fa den jedoch das\nSchildaer Tyrannenfest so lustig, dass sie beschlossen,\nauch ein Tyrannenfest zu feiern, um die Volksangst\nzu zerstreuen.\nTr\nUnd man bereitete Alles sehr lustig zu dem Ty-\nrannenfest vor, sodass es wirklich köstlich zu werden\nversprach.\nDer Kaiser Moritz übernahm feierlich das Präsidium\nin dem Vergnügungs-Komitee und zeigte sich plötzlich\nso lebhaft bei der ganzen Spassarie, das Viele sagten:\n„Kaiser Moritz lebt auf — dem hat der Spass\ngefehlt.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "438", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.4", "texte": "LVII\nDer betrunkene Bartmann\nAls der Herr Bartmann nun auch von dem Tyrannen-\nscherz in Ulaleipu vernahm da fuhr er mit einem\nelektrischen Wagen in die Grottenschlucht, allwo die\nLiteratur-Zentrale in fieberhafter Tätigkeit an allen\nmöglichen ernsten und weniger ernsten Werken\narbeitete.\nUnd in der Grottenschlucht arrangierte der Herr\nBartmann ein „Auferstehungsfest des Volkes\".\nUnd auf diesem Feste erkannten seine Freunde\nden Herrn Bartmann garnicht wieder — er trank furcht-\nbar viel Bier und war bald schrecklich betrunken und\nsagte immer wieder:\n„Mein liebes Volkl Mein gutes Volk! Komm\nwieder in meine Ärmel Ich habe Dir weh getan!\nVerzeih!\"\nAlle hielten das für einen ausgezeichneten Witz\nnur der Astronom Haberland, der auch das Fest mit-\nmachte, wurde tiefernst und brachte bald den Kaiser\nfort und war sehr besorgt um ihn.\nLVIII\nDie bunte Krankheit\nDoch mitten in all diesem Scherz kam plötzlich\nein furchtbarer Ernst hinein: an der Sturmküste er-\nkrankten plötzlich in einer Nacht über dreihundert\nPersonen.\nUnd diese Krankheit war unheimlich: der ganze\nKörper wurde ganz bunt und fing an zu opalisieren.\nUnd mit blitzartiger Schnelligkeit verbreitete sich\ndie Krankheit über das ganze Reich; die Kranken\nlagen reglos da mit lächelndem Gesicht, und dabei\nspielte ihr Körper in tausend Farben, als wollte er zu\neinem Irrlicht werden.\nLIX\nDie Ärzte\nDie Arzte erklärten sämtlich einstimmig, dass diese\nKrankheit mit dem Meeressumpf und den Irrlichtern\nzusammenhängen müsse.\nUnd das erschien Allen sehr natürlich, da die\nbunte Haut der Kranken sehr bald zu leuchten begann.\nDie Kranken lächelten nur und erklärten immer\nwieder, dass sie sich sehr wohl befänden, konnten\naber kein Glied bewegen und nahmen auch gar keine\n\\Nahrung zu sich.\nDie Festfreude verstummte plötzlich; Jeder sah\nmit entsetzten Augen seinen Nächsten an und fürchtete\nimmer, dass er bunt werden würde.\nDie Ärzte isolierten die Kranken, aber sie erklärten\nauch gleich: „Eigentlich hat das garkeinen Zweck.\"\n„Was kommt jetzt?\"\nDas fragten jetzt alle Utopianer täglich hundert\nMal.\nLX\nDas neue Delirium\nDas Lächeln der Kranken machte nach einigen\nTagen einen furchtbaren Eindruck — es war so, als\nerstarrte das Lächeln. Und dabei sprachen die Kranken\nganz ruhig von der Herrlichkeit des Sterbens.\nEin alter Botaniker sagte, während sein Gesicht\ndas erstarrte Lächeln zeigte und seine ganze Körper-\nhaut in blauen, roten und grünen Farben leuchtete und\nflimmerte:\n„Das hätte ich doch nie geglaubt. Ich fühle, dass\nich sterbe. Und ich fühle, dass ich so glücklich bin\n— wie ichs noch niemals war. Es geht die ganze\nWelt mit mir zusammen. Grosse Wolken schaukeln\nmich und umhüllen mich. Ich versinke und sehe un-\nendliche weiche Räume mit stillen Rauchstreifen, die\nsich um meinen Hals winden. Das Sterben ist herr-\nlicher als alles Leben. Ich will sterben und mich auf-\nlösen und fortschweben und vergehen. Es ist nicht\nzu beschreiben. Aber es wird immer köstlicher. Alles\nwird so weich und warm. Ich versinke. Es schwimmt\nalles. Ich sehe nicht mehr. Ich fühle nur — so als\nwenn die ganze Welt mich leise zusammendrückte.\nEin Duft von sterbenden Blüten! Und es geht in\nmeinen Hals, und ich schmecks mit meinem ganzen\nInnern. Jetzt steige ich auf — wie Rauch zu den\nWolken. Und nun langsam fallend seitwärts in immer\nwärmere Welten — die seh ich glühen und brennen —.\nIch verbrenne. Unbeschreiblich! Köstlich! Das\nSterben ist es wert, dass man gelebt hat! Ich\nsterbe.\"\nDer Kranke starb aber noch nicht, dafür wieder-\nholte er in ermüdender Eintönigkeit immerfort diese\nReden von der Herrlichkeit des Sterbens.\nUnd die anderen Kranken sprachen ein Aehn-\nliches.\nUnd die Aerzte sagten kopfschüttelnd:\n„Das ist das neue Delirium.\"\n\nFortsetzung folgt\nSchluss\n\nEin Brief meiner Base\nSchalôme\nLiebe\nElse Lasker-Schüler\nIm Hafen von Konstantinopel liegen goldene Bote\n— Sterne Ich bin im Palaste meines Gross-\noheims; wir Basen aus Bagdad duften nach altem Ge-\nmäuer, wir Prinzessinnen vom Tigris tanzen mit stummen\nGliedern. Und ich verstehe die Sprache der Frauen\ndes Harems nicht. Weiss nicht, was sie veranlasst,\nsich zu freuen oder sich gegenseitig zu überwerfen.\nSie sprechen nicht ihre Sultanssprache: „Wir sprechen\nparisisch\", erklärt mir die Kleinste; ihre Haare sind\nrot, chik. Manchmal summt sie hüpfende Lieder, Ich\nhungere, schwebe über die bunten Mosaikbilder der\nBöden; ich fürchte mich vor den bösen Speisen und\nGetränken, die heimlich in die Frauengemächer ge-\nschafft werden. Verbotene Fleische essen sie und rote\nund gelbe murmelnde Getränke trinken wir, unsere\nKöpfe schaukeln immerzu. Auch schäme ich mich\nvor dem Eunuchen, seine Augen stehen vornüber,\nkranke Greise. Wenn ich an unsern Eunuchen denke\n— runde Mannakuchen sind seine Backen und seine\nStimme dudelt lustig wie Gauklerflöten. Ich wollte, ich\nwäre wieder in Bagdad. Hier sitzt auf dem schönsten\nKissen der Eunuche. Meine Tante und ihre Töchter\nknieen um ihn, ein Kranz von bunten Farben, sie\ntragen alle weite Hosen und meine älteste Tante eine\nweite weite aus geblümtem Brokat. Mich langweilt\nihr Lachen und ihre entblössten Gebärden, ich möchte\nins Bad steigen, aber ich schäme mich vor der kriechen-\nden Stimme des Eunuchen meinen Schleier vom\nAntlitz zu heben. Meine älteste Tante in der über-\nweiten Brokathose beginnt sich zu entkleiden; neu-\ngierig folgen die anderen Frauen den Belehrungen des\nEunuchen. Ein grosses Buch mit grausamen Bildern\nbreitet er auf dem Teppich hin. Seine Stimme\nschlängelt sich ein lüsterner Bach um die fiebernden\nSinne der Frauen. Hinter dem Vorhang unter der\nTaube Mohammeds, die sanfte Behüterin des Harems,\nstehen scharfe und zackige Gestelle, Peitschen und Pech-\nfackeln. Meine Tanten und Basen haben mich heute\nAbend ganz vergessen; ich weiss nur, dass sie so spitz wie\nDolchstiche durch meine Träume schreien wie Mütter,\nderen tote Kinder ihre Leiber zerfleischen. Ich bebe,\nder Eunuche ergreift eine der vielfältigen Peitschen;\nin Bleikugeln endet jeder Riemen; er wetzt sie einige\nMale wagerecht in der Luft, lässt sie dann langsam\nherab auf den weiten überweiten allerwertesten Voll-\nmond meiner ältesten Tante prallen, die ihn, ich\nschwöre es bei Allah, nach allen Seiten hin ihm zuwendet,\nmörderisch aufschreiend, kokett die Zähne zeigend.\nAuf dem Divan sitzen ihre Töchter; neidisch ent-\nblössen sie ihre Brüste, die blühen in gespren-\nkelten Goldnelken. Der Eunuche entnimmt dem\nVorhang kleine spitze Nadeln. Ich schleiche leise auf\nVieren über den Teppich aus dem Frauengemach und\nstehe hinter dem Fenster des Vorraums. Ich möchte\nin eins der kleinen Sternbote steigen, auf dem Bos-\nporus — der Himmel ist ein einziger grosser Stern.\n\nKants Vermächtnis\nVon Dr. S. Friedlaender\nSchopenhauer verdankt das Beste seiner genialen\nNatur. Aber fast wird man zur Wiedererweckung des\nGlaubens an die Lehrbarkeit des Genies geneigt ge-\nmacht, wenn Kant das Beispiel gibt, dass es dem be-\nharrlich angewandten Scharfsinn langsam gelingt, die\nStelle zu erreichen, wo der geniale Tiefsinn ihn plötz-\nlich auf seine Flügel nimmt. Kant arbeitet im\nSchweisse seines Angesichts. Er trägt und schichtet\nseine Gedanken aufeinander wie Steine zu einem Bau,\nund es entsteht wirklich mehr eine Gedankenruhe als\nein eigentlicher Gedankengang. Wehe dem Schüler,\nder nicht mit allen Gliedmassen zu Verfügung steht,\ndie weiten Umfänge, Treppen, Stiegen, Säle, Kammern\nund die geheimnisvolle Eingeschachteltheit dieses Ge-\ndankenburgbaues selbst zu durchforschen. Nichts be-\nmüht sich zu ihm heran. Hingegen Schopenhauers\nDenken ist ein reissender Adlerflug. Fast gerät man\nausser Atem, so schnell wird man davongetragen. Es\ndroht hier die Gefahr, bei Autor und Leser, dass sie\ndie Widerstandskraft gegen diese Windsbraut von Ge-\ndanken nicht gehörig aufbieten können, ja, sich aller\neigenen Bewegung entübrigt erachten. In diesem ge-\nnialischen Automatismus der Gedanken kann die Be-\nsonnenheit leicht lädiert werden. Eine gewisse furiose\nBlindheit macht sich denn auch im Verfahren Schopen-\nhauers bemerkbar/ — Auf Grellste in die Augen sticht\nder Unterschied der Charaktere bei einer vergleichen-\nden Lektüre der Korrespondenzen. Ein urbaner Ton,\neine feine, leise Heiterkeit, eine gewisse konziliante\nFestigkeit, ein mild abgemessenes Wohlwollen sind für\nKant bezeichnend. Schopenhauers Briefe strotzen von\nprachtvollen Menschlichkeiten. Man bewiese einen be-\ndenklichen Mangel an Takt und Humor, wenn man es\nübersieh gewänne, diese naturalia turpia zu finden;\n•und man beraubte sich des köstlichen Schauspiels, mit\nallen Arten und Unarten die Kindlichkeit eines grossen\nMannes aus nächster Nähe zu beobachten.\nIn beiden Denkern schätzen wir metaphysische\nKräfte ersten Ranges. Beide muten uns an wie\nExtreme derselben Tendenz, wie Pole derselben Kraft\nWir sehen Kant, der Metaphysik Einhalt gebietend, sie\nernüchternd, erstickend, fast ertötend — und doch\nunter der Hand zur Hoffnung ermutigend mit erhabenen\nPostulaten: sehen Schopenhauer, sie bis zur Glut\nihrer Sehnsucht entflammend, beinahe das Zeitalter der\nMagie, der Experimentalmetaphysik heraufführend —\nund aber zuletzt desto gründlicher von Welt und Wissen\nabgekehrt.\nSeit Kant ist die Metaphysik nur scheintot: wie\nhätte er zweifeln können, nachdem er ihr die falschen\nFlügel ausgerissen hatte, dass ihr durch eine unausrott-\nbare Sehnsucht natürliche nachwachsen würden 1\nAlso einerseits sehen wir das metaphysische Be-\ndürfnis auf das knappste Mass der Befriedigung ein-\ngeschränkt, gerade um es zu stärken; andererseits zur\nmasslosesten Sättigung gereizt, um es schliesslich\nHungers sterben zu lassen.\nSo sind es denn gleichsam die Hemisphären der\nPhilosophie, die einander zu deren runder Vollendung\nentgegenstreben.\nAls eine noch unüberwundene Krisis zwar ist die\n„Kritik der reinen Vernunft\" über den metaphysischen\nTrieb verhängt: aber wer die Entscheidung hier her-\nbeiführen möchte, der müsste die vorhandene, aber\ngleichsam illegitime Abstammung Schopenhauers von\nKant nachträglich strikte so zu legitimieren verstehen,\ndass uns kein von Kant ins Nirwana gescheuchter, sondern\nein hienieden gebändigter Schopenhauer erstände.\nHier steht man lange schon zaudernd an der\nStelle, wo sich endlich das Geschick der Meta\nphysik entscheidet. Der Widerstreit beider Charaktere\nerheischt eine höhere Ausgleichung. In welcher Richtung\nsollen wir sie suchen?\nMan muss sich davon entwöhnen, die Person\nund das Werk eines Meisters als vollendete Tatsache\nanzusehen; denn gerade darin besteht seine unsterb-\nliche Meisterschaft, dass er nicht aufhört zu leben,\nsich ins reifere immerfort zu verwandeln, immer\nhöherer Vollendung fähig zu werden. Kants Werk, so\nwie es vor uns liegt, endgültig hingenommen, würde\nsich der Verehrung nicht mehr gewachsen zeigen. Eben\ndiese Kraft, die in ihm liegt, sich selbst hinter sich\nzu lassen, der zwingende Antrieb zur eigenen Neuer"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "439", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.5", "texte": "Zeugung ist das Bewundernswerte. Jeder gute Lehrer\nzieht sich in seinen Schülern seine eigenen Belehrer,\nFörderer, Ueberwinder heran. Die werdende Grösse\nsolcher Männer bringt ihre vorhandene erst recht zum\nVorschein. Wir müssen mit ihnen und ihren Werken\nverkehren, als ob sie lebten und immer noch im Ent-\nstehen begriffen wären.\nUm nichts also müssen wir uns bemühen als um\ndie Erkenntnis des Kerninteresses, des fruchtbaren\nKeimpunktes lebendiger Werke. Das ist aber bei\nKant der Apriorismus: ihm galt seine kritische Sichtung,\nseine letzte Entscheidung. Sein Leben lang strengte\ner sich an, endlich einmal das echte, stichhaltende\nApriori zu formuliren und gelangte so schliesslich zu\neiner Metaphysik vo]n unfehlbarer Sicherheit\ninnerhalb un üb ersteiglicher Schranken von\neiniger symbolischer Durchsichtigkeit.\nSollte damit der Apriorismus sein letztes Wort gesprochen\nhaben? Bekanntlich scheidet das Apriori als Grenze\ndie Immanenz von der Transzendenz: aber sind Grenzen\nnicht immer auch verbindend? Sollte man hierauf eine\ninnigere Vermitlung verzichten müssen? Schopenhauer\nhat in der Tat den Ansatz gemacht, die Tauglichkeit des\nAprioris für die Immanenz erheblich zu verstärken;\ndie Transzendenz erschliesst er sich durch seinen\n„Willen zum Leben\", die völlige Durchschauung der\nImmanenz, der „Vorstellung\" nicht nur durch das\nsomnambule Hellsehen, sondern versucherisch auch\ndurch die Annahme, „dass schon in den allgemeinsten\nFormen der Vorstellung, in diesem eigentlichen Grund-\ngerüst der erscheinenden Welt, also in Raum und Zeit,\nder Grundtypus, die Andeutung, Anlage alles dessen,\nwas die Formen füllt, aufzufinden und nachzuweisen\nsei\". Inzwischen hinterlässt er die Realisation dieser\nBestrebung ausdrücklich einem genialen Kopf Dass\ndiese jedoch, wenn sie gelänge, nichts geringeres be-\ndeuten würde als die Verwirklichung der Kantischen\nIdee eines intellectus archetypus, ist zweifellos. Ge-\nrade diese Idee war es auch, die Goethe so „höchst\nbedeutend\" fand, dass sie ihn Kant geneigter machte\nals es wohl sonst geschehen wäre: „Hatte ich doch erst\nunbewusst und aus innerem Trieb auf jenes Urbildliche,\nTypische rastlos gedrungen\", bemerkt Goethe, . . . .\n„so konnte mich nunmehr nichts weiter verhindern,\ndas Abenteuer der Vernunft, wie es der Alte vom\nKönigsberge selbst nennt, mutig zu bestehen.\" „Zwar\nscheint der Verfasser\", schickt er voran, „hier auf\neinen göttlichen Verstand zu deuten, allein wenn wir\nja im Sittlichen durch Glauben an Gott, Tugend und\nUnsterblichkeit uns in eine obere Region erheben und\nan das erste Wesen annähern sollen, so dürft es wohl\nim Intellektuellen derselbe Fall sein, dass wir uns\ndurch das Anschauen einer immer schaffenden Natur\nzur geistigen Teilnahme an ihren Produktionen würdig\nmachten\". Daher auch wollte ihm „manchmal dünken,\nder köstliche Mann verfahre schalkhaft ironisch, indem\ner bald das Erkenntnisvermögen aufs Engste einzu-\nschränken bemüht schien, bald über die Grenzen, die\ner selbst gezogen hatte, mit einem Seitenwink hinaus-\ndeutete\".\nMit einem Wort, dem Apriorismus fehlt immer\nnoch Hand und Fuss, Wurzel und Krone, Anfang und\nEnde. Nietzsche, der so etwas wie ein Arzt Schopen-\nhauers ist, hat mit seiner glühenden Erfassung des\nringartig polarischen Wesens der Zeit dieses dringende\nphilosophische Bedürfnis sehr wohl empfunden und\nbefriedigen wollen. Leider war in ihm das Dionysische\nzum Schaden des Apollinischen mächtig, so dass er\nuns den klaren Erweis schuldig gebieben ist. So wie\nbei ihm gewahren wir auch bei Goethe, ohne auf den\nGrund zu kommen, eine Lösung des Rätsels der\nGrenzenlosigkeit in dem Sinne, dass sie sich selbst\nbegrenze nach dem einen Weltgesetz der Kompensation,\nder sich selber indifferenzierenden Weltpolarität.\nDarin besteht das wahre Vermächtnis Kants, dass\nwir seinen Apriorismus um ein erstes und letztes er-\ngänzen, dass wir das Bindeglied zwischen Kantischer\nResignation und Schopenhauerschem Allmachtsgelüst\nentdecken. Wir sind weder allmächtig noch allwissend,\nweder ohnmächtig noch unwissend. Wir sind Mittel-\nwesen in jeglichem Betracht. Und wagen wir uns\nan das Weltproblem, so sollen wir weder verzagen\nnoch tolldreist werden, sondern uns einen gewissen\nlebendigen Indifferentismus aneignen, der sich\nweder begrenzt fühlt noch Grenzen überschreitet, sondern\neben auf der Grenze seinen Weg der Vermittlung\ngeht. Wir besitzen weder nichts noch alles, wir er-\nwerben, erlernen etwas — und wer wollte hier tote\nSchranken setzen; sie seien lebendig! Hoffen wir,\ndass bald einmal prinzipiell dieses mittlere Verhalten als\ndas wahre erwiesen werde!\n\nVerfasst 1900\n\nDie Dämmerung\nAlfred Lichtenstein\nEin dicker Junge spielt mit einem Teich.\nDer Wind hat sich in einem Baum gefangen.\nDer Himmel sieht verbummelt aus und bleich,\nAls wäre ihm die Schminke ausgegangen.\nAuf lange Krücken schief .herabgebückt\nUnd schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.\nEin blonder Dichter wird vielleicht verrückt.\nEin Pferdchen stolpert über eine Dame.\nAn einem Fenster klebt ein fetter Mann.\nEin Jüngling will ein weiches Weib besuchen.\nEin grauer Clown zieht sich die Stiefel an.\nEin Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.\n\nWas bin Ich?\nVon Mynona\nWas ich bin? Welche Frage! Ich bin ja der\ngrösste Antinumismatiker. Neulich sagte mir jemand:\n„Exzellenz! pst!\" Ich war nicht beleidigt. Als er aber\nhinzufügte: „Das geht auf Sie, das ist auf Sie ge-\nmünzt\" — da gab ich ihm eins aufs Trittbrett, dass\ner sich noch heut um seine Achse dreht.\nUebrigens war ich nicht immer so. Das wäre ne\nselige Illussion, als ich es mit dem Antiphilatelismus\nversuchte. Ich danke schön, da hätte man viel zu tun.\nSo liess ich sie denn ihre kleinen bunten Papierchen\nweiter sammeln. Ein Paar Hefte so en passant, de\ngaiete de coeur zu verbrennen — immer losl Da bin\nich nicht gegen. Aber schliesslich soll ne gesunde\nOpposition doch mehr einbringen als Asche. Der Anti-\nphilatelimus ist nichts für konsequente -Utilitarier. So\nlasst sie man sammeln!\nDagegen die Numismatik — eine Erbfeindin, Anti-\npodin aller menschlichen Verwertbarkeit: alles Unnützen\nQuintessenz — ich laufe rot an, wenn ich nur an diese\nLudrians denke.\nWie? Geprägtes Metall, Gold, Geld — sammeln?\nHülfe! Ich werde verrückt, ich muss mir die Weste\naufknöpfen. Es ist ja das krasseste desaveu, die\nsystematischste Negation des Geldes, des deutlichsten\nInbegriffs aller menschlichen Wertschätzungen. Ich\nmuss mir den Kragen abknöpfen und mich kalt über-\nduschen. Warum nicht gleich Menschen sammeln?\nKönige sammeln? (deren Profile ja der Numismatiker\nnicht verschmäht!) Briefträger sammeln? Sammeln\nsammeln sammeln — ich gerate ausser mir, ich kann\nmich nicht erholen, ich komme um! Im Sammeln allein\nliegt schon so viel Idiotie: aber Münzen sammeln ist die\nKonzentration dieses Irrsinns. Was folgt? Seid ge-\nwarnt! Propaganda der Tat! Bartholomäushochzeit\nfür die gesamte Numismatik in ihren Hauptvertretern.\nEs ist nicht „harmlos\", wenn man das Geld, statt\nes auf Zins zu legen oder schlicht auszugeben —\n„sammelt\". Ich koche. Ich habe die Antisammelwut.\nIch möchte platzen.\nAn diesem Symptom eben verrät sich die enorme\nLebensgefährlichkeit der Aesthetisierung\ndes Nützlichen. Pfui! Geld soll nicht „schön\"\n— äh! — sein, sondern kulant, kurrent. Schönheit\nist überhaupt — ater ich schweige, ich habe Brech-\nreiz, wenn allerhand Fritzen vom Gelde Schönheit\nwollen — für Geld . . . ä la bonheur! Das Nütz-\nliche soll gebraucht, verwendet werden; es soll so\nHässlich sein, dass es jeden dieser Sammler geradezu\nabschreckt und „Tod allen Sammlern\" soll darauf ein-\ngerändelt stehen! Oder: „haut sie\"! Oder: „Wer\nmich sammelt, sei verdammelt\"; oder so ähnlich\nMit einem Wort: es muss aufhören! Wo ich noch\neinen Numismatiker entdecke, werde ich ihn kon-\nfiszieren und mir so nach und nach eine lachhafte\nSammlung dieser Sammler anlegen, bis sie der Teufel\nholt. Am allergeeignetsten zur Vertilgung dieser Land-\nplage wäre ein grosses numismatisches Irrenhaus. Mir\nscheint nämlich, dass vom Prinzip der Numismatik aller\nübrige Irrsinn derivirt ist. Geld, also kondensierte\nVernunft, kondensierte Menschheit, statt sie zu be-\ntätigen, zu sammeln??? Mir steht der Schweiss auf\nder Stirn, ich kann nicht mehr. Confessus sum.\n\nNeues vom Tage\n\nWiderspiel\nHolzbock nennt ihn „Meister\". Bis 1914 ist er\nans Thalia-Theater verpflichtet. Drei Jahre wird er\nals Hauskomponist seine Tätigkeit entfalten. Dagegen\nlassen sich selbst Titanenkämpfe nicht führen Auf\nBerliner Boden wächst die Dürre der Gesangsposse\nüber die Bliithezeit der Wiener Neuoperette hinaus,\nehe noch das vielseitige Verlangen nach einem Lehar\nmit künstlerischen Qualitäten ein groteskes Echo fand.\nMan hat es in Berlin nicht mehr nötig, Musik aus\nWien zu beziehen, man kann das kunstliebende Pub-\nlikum an den Markt der einheimischen Ware gut ver-\nkaufen. Und es jubelt noch dazu. Hören wir einen\nVerständigen von der Morgenpost darüber.\nDie lustige Gesangsposse „Polnische Wirt-\nschaft\" wurde bei der gestrigen 200 Auffüh-\nrung vom Publikum stürmisch bejubelt. Die\nreizende Musik, vor allem die Schlager . . .\n„Mann, hak mir mal die Taille zu\", mussten\nmehrmals wiederholt werden. Nach Schluss\nder Vorstellung wollte der Beifall gar nicht\nenden und der Vorhang musste mindestens\nzwanzigmal in die Höhe gehen.\nDiesem ernsten Referat war ein ulkiger Bericht\nüber die dritte Ausstellung der Neuen Sezession vor-\naufgedruckt. Er sollte nur fünf Zeilen länger sein als\ndas Referat. Aber es steckt Librettistenwitz in ihm.\nDie Galerie Macht ist: der Kunstsalon „Zum\nwilden Mann.\"\nBei der zweihundertsten Aufführung einer erbärm-\nlichen Gesangsposse gebärdet sich das Publikum ganz\nwild, doch\n„von den Werken einiger Mitglieder abge-\nsehen, die am besten in zwei gesonderten\nRäumen unter der Aufschrift Schreckens-\nkammer und Lachkabinett untergebracht worden\nwären, enthält die neue Sezession auch mehrere\nrecht gute Bilder.\"\nHier sind es nur vereinzelte Talente, die etwas\nwild einsetzen, dort jedoch schafft ein Meister, der\nseine Erfolge dem „Geschmak\" der Presse und des\nTheaterpublikums verdankt In einem Fall handelt es\nsich nur um die Kunst, in dem andern aber ums\nTheater. Jean, noch eine Gesangsposse 1\nAuch ein Bühnenerfolg Schnitzlers\nDie Zeitungen berichten:\nDer Dichter als Arzt. Bei der General-\nprobe im Wiener Burgtheater am Sonntag\nkonnte Artur Schnitzler in seiner bürgerlichen\nTätigkeit als Arzt fungieren. Wie unser\nWiener Korrespondent meldet, hatte sich der\nSchauspieler Reimers während der Probe auf\nder Bühne der Fuss verstaucht. Arthur\nSchnitzler, der gerade im Zuschauerraum sass,\nkam auf die Bühne und leistete dem Dar-\nsteller erste Hilfe.\nAuf der Generalprobe! Und wo war der Theater-\narzt? Vielleicht beim Dichter?\nDie beiden Walter\nSchätze ich Shaw schon seit Jahren als einen\nJournalisten, der nicht den Mut verliert, seine Feuille-\ntons und Leitartikel „über Bretter\" hinwegschreiten zu\nlassen, damit mir an einem Montag Turszinski die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "440", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.6", "texte": "Enttäuschung bereitet: „dass unserer Zeitepoche die Emp-\nfindungen des Antiferos Shaw in Fleisch und Blut\nübergegangen sind.\" Mit anderen Worten: der Geist\nunserer Zeitepoche nagt an den Knochen der Empfin-\ndungen, mit denen ein etwas spleeniger Kostgänger\nder Literatur posiert.\nDa war es schon not, dass Walter Bloem mit\neinem neuen Roman erscheine, „die alten hel-\ndischen Hochgefühle aufleben zu lassen.\"\nEr machte den „Ritt ins Romantische\" Fast jeder\nSchriftsteller reitet einmal dorthin. Das gehört schon\nso zum Beruf. Aber „Waiter Bioems Ritt ins\nRomantische vollzog sich auch durchaus auf der Bahn\neines romantischen Konfliktes, oder besser mehrerer\nKonflikte.\"\nDass muss kein leichtes Kunststück sein, auf der Bahn\nmehrerer romantischen Konflikte einen Ritt ins Kriegs-\nromantische zu tun. Walter Bloem vollführt es. Er\nlässt seinen, wenn Walter Turszinski so sagen darf,\n„privat-inhaltlich\" heiss bewegten Romankom-\nplex mit dem pastoralen Auftakt von Ems einsetzen,\n„er siegt, was bei alledem von vornherein festzustellen\nist, als Schlachtenmaler, und er ist an der Hand\nvon Ueberlieferungen und Ortsstudien in die alte Zeit\nzurückgestiegen und hat sich in sie hineingebettet, als\nwäre es die seine\".\nDas konnte nicht ohne Folgen bleiben. Walter\nBloem „bietet Ui.vergessliches im Neugeboren-\nwerdenlassen einer grossen Zeit - im Heraus-\narbeiten von — man verzeihe die Bühnensprache\n— Ensemble- und Detailwirkungen.\" Und so lässt er\ndie kühne Buchbesprechung ausklingen: „Da sind Ro-\nmanstücke von wahrhaft gigantischer Form,\nRomanstücke, die den Namen Walter Bloem glatt\nneben den Namen Emile Zola setzen.\"\nMan verzeihe ihm ein letztes Mal, diesem —\nSchwankdichter.\n\nJ. A.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nMARGUERITE AUDOUX\nMarie-Claire / Roman\nEine kurze Besprechung dieses Romans (von\nRene Schickele) erschien in Nummer 46 dieser\nZeitschrift\nBerlin / Deutsches Verlagshaus Bong und Co.\nARTHUR RIMBAUD\nLeben und Dichtung\nLeipzig / Inselverlag\nSAR PELADAN\nDas allmächtige Gold / Roman\nVerdeutscht von Emil Schering / Mit einem\nVorwort von August Strindberg und einem\nPortät Peladans\nMünchen / Verlag Georg Müller\nHENRI DE REQNIER\nIn doppelten Banden / Roman\nDeutsche Verlagsanstalt Stuttgart\nELSE LASKER-SCHÜLER\nMeine Wunder / Gedichte\nKarlsruhe / Dreililien -Verlag\nMICHAIL KUSMIN\nTaten des Grossen Alexander\nMünchen / Verlag Hans von Weber\n\nBerichtigung\nIn dem Beitrag Mehr Kinder (Num-\nmer 54) ist der Name eines Autors Pro-\nfessor A. Forel durch einen Druck-\nfehler entstellt worden. Wir bitten das\nVersehen mit einem Krankheitsfall ent-\nschuldigen zu wollen.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\nV. I.: Oskar Kokoschka\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Lehen\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters\n\nPreis 1 Mark Preis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheres Mittel gegen akute Katarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspielern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe =\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „Pharmacia\" / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Siclier wirkend 3\n\n•*\nVerlag„Der Sturm\"\n••\nWir iibernahmen in unsern\nVerlag\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiir Gesang u. 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Sie werben finben,\nSafe Sie biefes in 90113 befonberero (Pafee befriebigt, berm\nKosmln Iyat fiberatts erfrifd>enben Wobtgefsmadt,\nhonferviert die 3SAjm tmb krSftigt das Safcitfleifd).\n(Ok. 150, long* ausreid>en&, ftberaß Hkufltet)."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "441", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.7", "texte": "Dritte Ausstellung\n/\n>■\nV / y\n3BBBS 3BBBS 3QS 3BBS 3BBBS 3BBBS\nGalerie Ifiaximilian lflacl)t\n3MBM£ V9SX %MK2S3S 3M2£BM£\n■AMAMAmMI 'b 'KULJL iXnAanXii iMiHMHWi BMIMHHXMXI allMXMAiHlla\nBerlin SI. Ranke-Strasse 1\nan der Kaiser Bfilbelm Gedacbtnls* Klrcbe"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "442", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110318-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle,, Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, für Berlin, Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Expeditionen Druck v. Carl Schüssler-Hannover\n\n„Der Forscher\"\nIllustriertes Zentralblatt fQr deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher,Hannover, unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfiiistl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJShrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ~Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, ftirdernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, Dezw.\nK. 7,20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. 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Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5.\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—% Uhr\n\nDer Biihnen-Roland\nDas freie Wort des deutschen\nSchauspielers\n— Des Biihnen-Boten zwolfter Jahrgang —\nDer Biihnen-Roland bringt Aufsatze der bekanntesten Fach'eute\niiber samtliche Gebiete der Theaterkultur und verfolgt die modernen\nlitterarischen und kiinstlerischen Bewegungen. Die Soziale Beilage\ntritt fur die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-Inserate die Zeile 10 Pf., fur Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einen\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktlon: Berlin N 37 Lottumstrasse 14\n\nCafe Continental ££SI\nJeden Abend Jvon 9—4 Uhr Nachts:\nGROSSES KONSTLER-KONZERT\nAlle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften ::\n\nSammler-Beriehte JOTnKvder\nInternationaleKorrespondenz-Vereinigung\nfur ideale Korrespondenz, Sammelwesen, Tausch, Verkauf, Geschaft,\nVertretungen und sonstigen Absatz, Erwerb, Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmdrken, zuadressierten Post-\nkarten, Biichern usw\nJahresbeitrag fur I K V mit „Sammler-Berichte\" nur 4 Mk.\n(5 Franks). Eintritt jederzeit\nAusfiihrliche Probenummer und Satzungen gratis durch\nErn t Marre Ver!ag, Leipzig (Rev er 176).\n\nGegeniiber\nPichelswerder in Pichelsdorf\nGrundstiicke an der Havel idyllisch gelegen\nneben dem Schlosspark, nahe der Doberitzer Heerstrasse\n(Kaiserdamm), preiswert verkauflich. Naheres durch die\nBodengesellschaft des Westens\nmit beschrankter Haftung\nBERLIN W 66, MAUERSTRASSE 86—88\n□ Fernsprecher Amt I, Nr. 7497 □\n9 BE\n\nMax Oiesswein\nKgl. SSchs. und Kgl. WGrttembg.\nHofopernsSnger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nFernspr.: Via 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr\n\nVerlag Paul Reinike\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFur Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n\n\\ W ViV VaVV^/V|^\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultur und\nfranzosische Sezession in\nden Kiinsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter :\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich ...\nVgv VjV V|V\nr'V\n\nHOHENZOLLERN\nKunstgewerbehaus\nFriedmann & Weber\nHOFLLEFERANT THRF/R MAJESTAT\nDER KAISERIN UND KONIG-IN\nWB-BERLIN-W 8\nLeipzigerstrasse 13\nWOHNUNGrSEINRICHTUNG-EN\ni i KUNSTGEWERBE I I\nANTIQUITATEN UND STOFFE\n\nBund fur Gesundes Leben (B. 112. Q. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n„Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B 112. G. L.M und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand.\nViele andere Vergunstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich.\nJahresbeitrag Mk. 5, . Ausfuhrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fur Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig."}]}