{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_sha256": "a17e50e369cba7d560aeb9eb89d593cf407263cb8ad22b307729245f4aeaf070", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/04/15_01/bmtnabg_1911-04-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/04/15_01/bmtnabg_1911-04-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.1", "debut_caractere": 560, "fin_caractere_exclue": 992, "texte": "Inhalt:\nDR. MED. ALFRED DÖBLIN: Mehr Kinder / Entgegnung auf die Antwort von Eduard Bernstein / SAR PELADAN: Gedanken / KURT \"HILLER: Der Rela-\ntivismus in der Rechtsphilosophie und seine Ueberwindung durch die Restitution des Willens / PAUL SCHEERBART: Der Kaiser von Utopia / PER HALLSTRÖM : Adonia\nTRUST: Gelesenes und Erlebtes / H. W.: Offener Brief / QUINTUS FIXLEIN: Warum ? / JOHN JACK VRIESLANDER: La belle poule / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.2", "titre_corps": "La belle poule / Zeichnung von John Jack Vrieslander.", "titre_sommaire": "La belle poule / Zeichnung von John Jack Vrieslander.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.1", "debut_caractere": 994, "fin_caractere_exclue": 1047, "texte": "La belle poule / Zeichnung von John Jack Vrieslander."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "468", "page_fin": "468", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.3", "titre_corps": "Mehr Kinder : Entgegnung auf die Antwort von Eduard Bernstein", "titre_sommaire": "Mehr Kinder : Entgegnung auf die Antwort von Eduard Bernstein", "signature_source": "med. Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "468", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3455, "texte": "Mehr Kinder\nEntgegnung auf die Antwort von\nEduard Bernstein\nVon Dr. med. Alfred Döblin\nLieber Waiden! Sie müssen mich meinen Ärger\nüber diesen Bernstein expektorieren lassen. Was dieser\nMann in Ihrer letzten Nummer produzierte, ist einer-\nseits so instinktlos und andrerseits mit solcher pro-\nfessoralen Arroganz vorgetragen, dass ich ihm seinen\nKlaps auf die Finger mit einem herzlichen Hieb unter\ndas Kinn und vergnüglichen Stoss gegen den Magen\nbeantworten muss. Muss, muss; Sie werden mich nicht\nin Hemmung und Verschleimung verrecken lassen\nEduard Bernstein lispelt, er könne in § 6\nund § 8 „nichts entdecken, was als Ermächtigung zum\nErlass eines Verbots jeder Konzeptionsverhütung aus-\ngelegt werden kann\". Ne, ne, wie sollte man auch\nsowas entdecken! Die Paragraphen sind ja ausdrück-\nlich zum Schutz der Gummihändler verfasst. Die Para-\ngraphen wollen ja ausdrücklich in ihren Motiven dem\ngrässlichen Ueberfluss an Geburten steuern und tun\ndas so gut, dass jede andere Auffassung nur eine un-\nberechtigte Verdächtigung eines in seiner Grundidee\ndurchaus zu billigenden Gesetzentwurfes bedeutet. Herr\nBernstein, Sie müssten sich einmal in das Haus Kröcher\nwählen lassen. Wenn der Mann Ihnen auf den Fuss\ntritt, werden Sie ihn um Verzeihung bitten, wenn er\nSie eine traurige Jungfer nennt und hinaussetzt, werden\nSie seine Sanftmut bewundern, und wenn ich Ihnen\njetzt empfehle, sich Ihr Schulgeld wiedergeben zu lassen,\nwerden Sie sicher staunen, wie sehr ich mich be-\nherrsche.\nDiese männliche Gouvernante, lieber Waiden, will\nuns belehren, dass das Recht der Konzeptionsverhinde-\nrung nicht bestritten wird, nur um „die Frage der\nFreigabe des Verkaufs\" handle es sich. Mache er uns\ndas vor! Wie sieht das aus: — man kann die Kon-\nzeption verhindern aus dem „Recht der Persönlichkeit\",\naber man kriegt die Mittel aus dem Recht der § 6\nund § 8 nicht zu kaufen ? Geben Sie einem Frosch\ndie Erlaubnis, Luft ungehindert zu schnappen, und\nsetzen Sie ihn ins Vakuum! Geben Sie, Sie Volks-\nvertreter, Sie Vertreter der ärmsten Bevölkerung, ihren\nWählern freiestes Recht auf Luft und Brot, und ver-\nteuern Sie das Brot bis in die Puppen, dass die Bäcker\nnur so aufgehen wie ein Kuchenteig: lassen Sie sich\nmal dann von Ihren bedauernswerten Wählern das to-\nbende Kapitel lesen von der überfeinen Logik des\nTüftlers und dem Hunger im Magen, der alle Logik\nübertönt!\nWas dieser Herr blind ist, wie er offenbar jeder\neigenen Erfahrung über die Dinge in den niederen, von\nihm selbstvertretenen Kreisen entbehrt! Wie er die\nBanalität vorbringen kann, dass „wenige Kinder ge-\nbären noch nicht schlechthin heisst, lebenskräftigere\ngebären\"; wie er ganz nebenbei sagt, dass „die Frage\nder Beschränkung der Kinderzahl im wesentlichen unter\ndem Gesichtspunkte der möglichen Fürsorge für die je-\nweilig schon geborenen Kinder zu werten\" sei, und\ndann dicht hintereinander stottert, dass die meisten\nEltern nicht die Qualität des Nachwuchses haben wollen,\nsondern dass sie ihn nur standesgemäss aufziehen\nwollen: — als ob das für unsere Frage nicht völlig\nidentisch wäre! Ihm ist aber nicht zu helfen, dem\nHerrn Bernstein, dem Eiertänzer, dem Pseudologiker\nund Sophisten. Er ist gar kein Logiker; er ist ein\nunklarer Kopf.\nDie einfachste Logik, die über allen intellektuellen\nFunktionen steht, hätte ihm sagen müssen: erst die\nTaktik, dann die Spiegelfechterei. Erst helfen, sich\nwehren und fechten, dann spintisieren und Vor-\nwürfe.\nHerzlichen Gruss, lieber Waiden 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "468", "page_fin": "468", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.4", "titre_corps": "Gedanken", "titre_sommaire": "Gedanken", "signature_source": "Sar Peladan ; Deutsch von Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "468", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.2", "debut_caractere": 3457, "fin_caractere_exclue": 6404, "texte": "Gedanken\nVon Sar Peladan\nDeutsch von Adolf Knoblauch\nEinst war die Religion ein Gebiet, wo alle das\nheilige Abendmahl nahmen. Heute gibt es keine Ge-\nsamtheits-Sittlichkeit. Die Nachmittagsgottesdienste sind\nKurse ä pari, und das Einanderdurchdringen der Rassen\ndurch den ungeheuer erleichterten Verkehr führt eine\nniederschmetternde Einförmigkeit herauf. Ausser dem\nHaupt der Kurden und dem Fez ähnelt die Strasse\nvon Pera einer von Paris, ein wohlhabender mischt\nsich mit einem Bourgeois des Pariser „Marais\". Die\nabendländische Seele, vom Bosporus bis Kap Finisterre,\nvon den Fjorden zu den Balearen teilt sich nicht mehr\ndurch Rasse sondern durch Kultur. Es gibt die, die\nihre „Menschheit\" schufen und die — Anderen.\nDer schwere, langsame, fleissige Humanist am\nUfer der Spree, der oberflächlich glänzende am Arno,\nder rein lebhafte jenseits der Pyrenäen, der Individua-\nlist in London, haben den gleichen Boden des Stu-\ndiums und der Prinzipien Die Leute zu Pferd, zu\nRad stellen sich überall als die gleichen dar Die\nethnischen Unterschiede verschwinden, man kann die\nWesen nur einteilen nach ihrem Instinkt und ihrer\nsittlichen Lebensart. Marschall Mac - Mahon und Abt\nLacuria sind Zeitgenossen von gleicher Sprache, De-\nlacroix und Herr von Neuville vom gleichen Handwerk,\nund doch unterscheiden sich diese Männer von ein-\nander mehr, als Iberer vom Eskimo, der Irone vom\nFeuerländer. Es gibt keine Rassen mehr, aber es gibt\nKasten. Die Nationalitäten sind zu Ende, die Brüder-\nschaften nach Tüchtigkeit ersetzen sie.\n* *\n*\nAuf dieser Höhe, wohin ich steige, wo sich der\nHorizont des Christen panoramisch entschleiert, werdet\nihr das Gemälde des Menschheits - Dramas selbst auf-\ndecken. Mit den Wogen des Staubes stagniert ein\nOzean des Vergessens. Aus den Vaterländern, von den\nVaterlandsfremden Kriegswagen und Fortschritts - Ma-\ndie mehr Nichts als die Atome aus Nichts\nsind, mehr Nichts als Staub im Vergessen. Die heilige\nRose allein erblühte lebendig, sie schliesst ungeheuer\nmit den frommen Kelchwindungen inne und küsst das\nErlöser-Kreuz.\n* *\n*\nO, du Anderer den ich schon beobachtete\nder du Magier sein wirst, heil, heil teure Seele\ndie du pochtest beim Schwung der gebenedeiten\nGlocken\nSeele der Süssigkeit, der Kraft\nSeele des Heiligen, des Künstlers\nZukünftig Allerheiligstes der göttlichen Barmherzig-\nkeit\ndu, den die Leidenschaften auf immer verlassen\nwerden\nheil heil edler Geist, der du das anbetungswerte\nLichtweiss des Ideals durch meine bleiche Sprache\naufstrahlen erkanntest,\nGeist der Zartheit, des Friedens\nGeist des Ruhms, verliebten Geheimnisses\nZukünftiger Scheinwerfer des Absoluten,\ndu, der bald den goldenen Kreis krönen wird\nmit der vollkommenen Wahrheit, heil\nheil, zu den Prüfungen, zu den Werken, zur nosis\nnun öffnete ich dir den Tempel gleich Gurnemanz\nich kann nichts mehr.\nDereinst, nach dem Leiden, dem Weinen, dem\nSchreien\nwirst du tragen das schwarz — und weisse Kreuz\ndas die heilige Rose gestirnt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "468", "page_fin": "470", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.5", "titre_corps": "Der Relativismus in der Rechtsphilosophie und seine Überwindung durch die Restitution des Willens", "titre_sommaire": "Der Relativismus in der Rechtsphilosophie und seine Überwindung durch die Restitution des Willens", "signature_source": "Kurt Hiller ; K. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "468", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.2", "debut_caractere": 6406, "fin_caractere_exclue": 11075, "texte": "Der Relativismus in der\nRechtsphilosophie und\nseine Überwindung durch\ndie Restitution des Willens\nVon Kurt Hiller\nK. H.\nGeleit-Wort:\nMan macht sich bei den Fachzöpfen unbeliebt,\nwenn man ihre vorgeschriebenen Fragestellungen be-\nanstandet; wenn man Verknüpfungen herstellt zwischen\nihrer Spezialproblematik und dem, was erlebnishaft\ndurch den Geist geistiger Menschen zieht; wenn man\nin deutscher Sprache redet.\nMan macht sich bei den Chaotikern unbeliebt, wenn\nman, unter Ausschaltung jeglicher Mystagogie, Denk-\nprobleme analytisch, logisch, pedantisch anfasst und\ndurchaus dem Verstände gibt, was des Verstandes ist.\nMan macht sich bei den Aestheten unbeliebt, wenn\nman kundtut, dass man noch andere Phänomene auf\ndieser Kugel sichtet als die Kunst, und wenn man es\nwagt, sich zur Welt gelegentlich nicht wie zur einer\nGeschmackssache zu stellen.\nMan macht sich bei den Gründlichen unbeliebt,\nwenn man eine Frage in einigen Seiten, statt in einigen\nSchinken, erledigt; und bei den Dandys, wenn man sich\nüberhaupt auf Fragen einlässt. Kurzum: man wird\nimmer auf zwei Fronten bekämpft: von den Kaffern\nals Dilettant, von den Dilettanten als Kaffer ver-\nschrieen. So setze ich mich denn getrost zwischen\nzwei Stühle und harre der Giftknirpse, die da kommen\nwerden.\nRechtsphilosophie, sofern wir alles empirische For-\nschen und alle auf gelieferten Dogmen sich aufbauende\nErkenntnis aus dem Begriff der Philosophie ausschalten,\nkann keine andere Aufgabe haben als die: gegebenes\nRecht zu bewerten. Rechtsphilosophie ist weiter\nnichts als materiale Rechtskritik, samt allen\nformalen Vorfragen. Der Gemeinplatz, Rechts-\nphilosophie zerfalle in zwei grosse Gebiete, Rechts-\nwesenslehre und Rechts wertlehre, erweist sich, wie\ndie Mehrzahl seinesgleichen, als irrig; denn über das\n„Wesen\" des Rechts kann man sich lediglich durch\ngeschichtliche und vergleichende Studien, also empirico\nmodo, unterrichten; es sei denn, dass man sich auf\nmystische Spekulationen von nur privater Giltigkeit ein-\nzulassen beliebt. Kenntnis vom „Wesen\" des Rechts\ngewinnt man, auf abstraktive Methode, in der Wissen-\nschaft „allgemeine Rechtslehre\"1), und wenn man nicht\nin den Fehler des (sonst sehr ehrwürdigen) Naturrechts\nverfallen will, dann hat man bei diesem Geschäft das\nPhilosophieren hübsch beiseite zu lassen Der hohe\nMisskredit, dessen sich rechtsphilosophische Bestrebungen\nin unserem technologisch-ökonomisch interessierten Zeit-\nalter gemeinhin erfreuen, rührt sicherlich zum grossen-\nTeil her von jener trotz Savigny bis heute nicht aus-\ngerotteten Unart, über Dinge, denen nur eine nüchterne\nTatsachenforschung angemessen ist, trübe Fluten tief-\nsinnigen Geredes zu ergiessen und das Ganze dann,\nmit dem Gestus der Importanz, als Philosophie auszu-\ngeben. Gerade wer es, aus Liebe zur Philosophie und\nund zur Politik, zur geistigen und zur staatlichen Be-\nweglichkeit, für unumgänglich erforderlich hält, gegen\nkeine Schule mit so wütender Wucht und Dialektik\nzu kämpfen wie gegen die historische, gerade der wird\ngut daran tun, die Fehler sorgsam zu vermeiden, die\nvom Rationalismus des Settecento begangen worden\nsind, und wird der historischen Schule mit Nachdruck\nda Recht geben müssen, wo sie nun einmal Recht hat.\nDie Philosophie mithin ist, innerhalb der gesamten\njuridischen Problematik, nur bei der Wertung am\nPlatze Hier freilich wird sie nicht bloss geduldet etwa,\nsondern gefordert; und kann zeigen, wie sehr sie\n— trotz den Vorurteilen eines Maschinen- und Banausen-\nzeitalters — mit den Bedürfnissen des pulsierenden\nLebens verknüpft ist. Freilich zählt sie zu ihren Adepten\nmanchen, der stolz ist auf die Mängel, die ihre Feinde\nihr vorwerfen, und der, gebläht von esoterischem Hoch-\nmut, ihr das Hineingreifen ins Konkrete und in die\nflirrende Buntheit des Tages durchaus untersagen will:\nes ist eine ebenso fashionable wie unbegründete An-\nsicht, dass die Philosophie sich nicht mit aktuellen\nFragen der Legislative befassen solle. Diese Mode-\nmeinung, ein rechtes Decadence-Symptom, nämlich die\nPose missmutig gewordener Begriffsspalter, ist\neminent lebensfeindlich und imgrunde auch antiphilo-\nsophisch; denn begibt sich die Philosophie ihres uni-\nversalen, überfachlichen Charakters, ihres Papsttums über\nalle Geistigkeiten, macht sie sich selber zur „Dis-\nziplin\", so kann sie nicht mehr verlangen, von anderen\nDisziplinen gehört zu werden; versagt sie sich den\nZwecken des Lebens, so verdient sie überhaupt nicht,\ndass man sie ernstnehme — am allerwenigsten so-\nlange sie sich selber sehr ernst nimmt, solange\n\nl) Vergleichen Sie: Kurt Hiller: „Experimentaljuris-\nprudenz\" (H. Gross' Archiv für Kriminalanthropologie\nund Kriminalistik, Band 37), Seite 310"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "469", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 13509, "texte": "sie sich hoch erhaben vorkommt über den „Lärm des\nTages\" und die „Genieschwünge der Utopisten\", so-\nlange sie das beschauliche Dasein eines bebrillten\nSnob führt und vor Würde behutsam ganz fett wird. . .\nWenn Piaton in seiner Politeia den Ammen anempfiehlt,\nmit den Babys nie stille zu stehen, sie vielmehr dauernd\nauf den Armen zu schaukeln, und wenn sich G. W. F.\nHegel deswegen über Piaton lustig macht, so bin ich\nkeinen Augenblick darüber im Zweifel, wer von den\nbeiden der bessere Philosoph sei.\nDarin allerdings muss man den Verfechtern der\nVornehmheit in der Philosophie vollauf beistimmen,\ndass ein willkürliches Zensurenerteilen und Herum-\nkritteln an den rechtlich-politischen Gegebenheiten (wie\nes in der Tagespresse und in den Parlamenten meist\ngeübt wird) zunächst noch bei weitem keine Philosophie\nist. Erst dadurch in der Tat wird Kritisieren von\nRechtsbestimmungen zur „Rechtskritik\" (das heisst zur\nPhilosophie), dass die spezielle Beurteilung sich auf-\nbaut auf generellen Prinzipien. Damit dies aber mög-\nlich werde, muss erst die Vorfrage gelöst sein, welches\njene generellen Prinzipien sind und auf welchem Wege\nman sie findet. Es ist beschränkt, in der Diskussion\ndieser Vorfrage die alleinige Aufgabe der Rechts-\nkritik zu erblicken (wie gerade die klügsten Köpfe in\nder jungen kritischen Schule es leider vielfach tun); aber\ndie erste Aufgabe der Rechtskritik ist die Methodo-\nlogie allerdings.\nHier nun begegnen dem Forschenden sogleich un-\nüberwindliche Schwierigkeiten. Es ist bisher noch\nkeinem lebenden Wesen gelungen, oberste Wertprin-\nzipien, Soll-Sätze, Kriterien des Richtigen zu finden,\nderen Notwendigkeit und Allgemeingiltigkeit nachweis-\nbar wäre. Alle Versuche, dieses Kardinalproblem\n(übrigens nicht bloss der kritischen Jurisprudenz, son-\ndern auch der Ethik) zu bewältigen, sind fehlgeschlagen.\nDa ist zunächst der von allerhand gedankenlosen\nVielwissern täglich verübte, durch Franz von Liszt's\ngeistreiche, aber unglückliche Theorie gestützte\nPositivismus, der das Seinsollende aus dem Seien-\nden glaubt ableiten zu können und, als „Synthese aus\nWert- und Wirklichkeitsbetrachtung\" *), vermittelst cau-\nsaler Untersuchung der Gegenwart Prognosen für die\nZukunft aufstellt, denen er normativen Charakter vin-\ndiziert. Hierbei wird der logische Schnitzer begangen:\ndie wahrscheinliche Entwicklung unter allen Um-\nständen mit der wünschenswerten Entwicklung zu\nidentifizieren; die simple Veränderung, kraft einer\nvöllig unbegründbaren Teleologik, durch geographische\nQuantität zum Fortschritt werden zu lassen; in den\nempirischen Teig überempirische Rosinen einzu-\nschmuggeln. Dieser Schnitzer ist weit ärger als der\nOptimismus, mit dem man sich einredet, aus dem be-\nängstigenden Wirrwarr der gegenwärtigen Kultur, aus\ndem irritierenden Bellum omnium contra omnes, das,\nauf dem Welttheater von heute, Philosophien, Religionen,\npolitische Systeme vor den Augen aller Geistigen auf-\nführen, überhaupt wissenschaftlich sichere Prophezei-\nungen treffen zu können. Diesen Optimismus mag\nman noch hingehn lassen; schärfste Zurückweisung\njedoch, seitens aller derer die denken können, verdient\ndas Beginnen, Wert und Wirklichkeit „synthetisch\" mit-\neinander zu vermengen — zwei Kategorien, welche, nach\nSimmel 2), einander so fremd sind wie bei Spinoza das\nDenken und die Ausdehnung, die sich nirgends berühren,\n„weil sie die Begriffe der Ding enach völlig Verschie-\ndenem fragen\".B)\nEs ist erstaunlich, dass eine Richtung, deren\nVerkehrtheit so auf der Hand liegt, derartig viele An-\nhänger zählt. Seine neuesten Triumphe feiert der\nPositivismus ja in den wissenschaftlichen Präliminar-\narbeiten zum Vorentwurf für ein Deutsches Strafgesetz-\nbuch. Diese Arbeiten bestehen bekanntlich in einer\nzahllose Bände umfassenden „Vergleichenden Darstellung\ndes deutschen und ausländischen Strafrechts\". Ich\nbin Ketzer genug, die Ströme Schweisses, die sitzsame\nGelehrte bei dieser Gelegenheit vergossen haben, für\nannähernd umsonst vergossen zu halten. Denn über\ndie Richtigkeit der von einem idealen Strafrecht anzu-\nstrebenden Zwecke kann die Vergleichung nicht das\nmindeste lehren; ob Fruchtabtreibung beispielsweise\nstrafwürdig sei, geht nicht daraus hervor, dass sie in\nOesterreich, Luxemburg, Siam oder Venezuela tatsäch-\nlich bestraft wird. Ueber die Tauglichkeit der Mitte\naber zu (unproblematisierten) Zwecken kann man sich\ndoch nur ein Urteil bilden, wenn man die Erfolge\nder in den verschiedenen Staaten angewandten Mittel\nmiteinander vergleicht (Kriminalstatistik), aber nicht\ndurch brüten Vergleich der die Mittel angebenden\nNormen. Von Kriminalstatistik jedoch bemerkt man\nin dem Werke wenig. Somit ist sein einziger Wert\nder: dass eine Reihe von Fachleuten sich zu den wichtig-\nsten de lege ferenda-Problemen ausgesprochen haben. Dies\naber war durchaus auch ohne den „vergleichenden\"\nApparat möglich. Der Positivismus ist zeitraubend;\nweiter nichts; sowohl für die, die ihn ausüben, als\nauch für die, die seine Produkte lesen müssen Er\nvermehrt (überflüssigerweise) die Kenntnisse, und be-\nreichert nicht die Erkenntnis. Es wird Zeit, dass ein\nhomerisches Gelächter ihn hinwegfegt.\nUnzureichend für die Beantwortung der Wert-Frage\nist auch der Utilitarismus. Auf die Zweck-\nhaftigkeit alles Rechts hinzuweisen, war vielleicht zu\nIherings Zeiten verdienstvoll; heute ist das selbstver-\nständlich und platt (in keinem Punkte hat Joseph\nKohler mehr Recht als in diesem) — wiewohl nicht\ngeleugnet werden soll, dass es auch gegenwärtig noch\nEsel gibt, die bestreiten, dass das Recht einen Zweck\nhabe, und offenbar meinen, es sei zum Vergnügen\noder aus Mystik da. Jedenfalls bedeutet „nützlich\"\nüberall „nützlich irgendwozu\"; und wenn uns\nder Utilitarismus schon allenfalls die richtigen Mittel\nzu vorausgesetzten Zwecken anzugeben vermag, so\nlässt er uns doch im Stich, sobald wir ihn nach der\nRichtigkeit der Zwecke fragen; es sei denn, dass\ner diese Zwecke wiederum als Mittel zu höheren\nZwecken nachweist; dann aber bleibt der Wert dieser\nhöheren Zwecke eben problematisch! Der Utilitaris-\nmus eröffnet uns lediglich, dass überall das Nützliche\ngeschehen soll; was aber nützlich sei — das ver-\nschweigt er. Er ist keine falsche Werttheorie, in-\ndessen eine unzulängliche.\nVöllig verfehlt sind die Versuche der Material-\nEthiker, Begriffe wie Glück, Lust, Freiheit,\nMacht, Kultur in die Formel des obersten\nWertes einzusetzen. Das Recht ist eine soziologische\nErscheinung; diese Begriffe aber sind aufs Soziolo-\ngische garnicht anzuwenden, denn sie sagen nichts aus\nüber den typischen Fall des Rechts, den der Kol-\nlision. Im übrigen bezeichnet jeder dieser Be-\ngriffe individuell verschiedene Zustände (Meier fühlt\nsich unter anderen Bedingungen „glücklich\" als Müller;\ndie „Freiheit\", die ich meine, ist nicht die Freiheit, die\nd u meinst), und selbst über die formale Bedeu-\ntung der Begriffe ist man sich keineswegs einig:\nLorenz Brütt zum Beispiel, welcher die „Kultur\" in\ndas Zentrum seiner politischen Philosophie gestellt\nhat, hat gewiss etwas ganz anderes darunter ver-\nstanden, als Simmel oder Breysig darunter verstehen.1)\nVor allen Dingen jedoch sind diese Werte unbe-\ngründbar; so wenig ein Kenner der menschlichen\nSeele ihre tatsächliche Wirksamkeit in\nden Subjekten leugnen wird, so wenig wird der\nKritizist ihre Legitimiertheit zugestehen\nkönnen, als welche nur dann vorhanden wäre, wenn\nsie sich aus jeweils übergeordneten, allgemeineren, dem\nBegriff nach umfangreicheren Werten ableiten Hessen,\nDiese bedürften dann wieder der Legitimation aus\nnoch höheren: und der Regressus verliefe in infinitum.\nSimmel, in seiner prachtvollen „Einleitung in die Moral-\nwissenschaft\", schreibt:2)\n„Immer nur ein Inhalt des Sollens kann auf einen\nandern zurückgeführt werden, aber an irgend einem\nbleibt es schliesslich als an dem ursprünglichen haften,\nvon ihm entlehnen alle andern die Würde des Sollens,\nohne dass er selbst sie von einer andern Instanz her-\nleitete. Identifizieren wir das Sollen mit irgend einem\nInhalt und sei es selbst nur der des kategorischen\nImperativs, so nimmt dieser an der ganzen Unbegründ-\nbarkeit teil, die dem Sollen selbst eigen ist. Wenn\nder Metaphysiker eine letzte Substanz aufgefunden hat,\naus deren Wesen sich alle Erscheinungen des Kosmos\nfolgern lassen; wenn wir eine ursprünglichste Summe\nder Kraft entdeckt haben, die die Quelle für alle auf-\nzeigbaren Kraftwirkungen im Weltgeschehen bildet: so\nkönnen wir weder fragen, woraus sich das Wesen\njener Substanz erklären lässt, noch was die Ursache\ndieser Kraft sei, ohne unsere eben gewonnene Er-\nkenntnis selbst wieder in Frage zu stellen. Und ganz\nebenso können wir nicht fragen, woher der letzte\ngesollte Inhalt, auf den wir kommen, sein Sollen be-\ngründen könne. Auch operiert alle Zurückführung der\nsittlichen Mannigfaltigkeit auf ein letztes Prinzip nicht\neigentlich mit dem Sollen; sie schiebt es vielmehr von\neinem Inhalt auf den andern, indem sie nachweist,\ndass die einzelne Pflicht ihr Sollen nicht in sich, son-\ndern von jenem tiefsten zu Lehen trägt, zu dem sie\n!m Verhältnis des Mittels steht. Nicht dass irgend\neine bestimmte Handlung, zum Beispiel Fürsorge für\ndie Familie, an sich Pflicht sei, beweist der monis-\ntische Ethiker, zum Beispiel der Utilitarier; sondern\nnur dies, dass jene Handlung das Glück der Gesamt-\nheit steigern helfe und sein soll, weil diese Glücks-\nsteigerung sein soll; das Gesolltwerden dieser aber\nlässt sich nirgendwoher leiten, sondern nur als Tat-\nsache oder als Dogma aussprechen. Das Sollen be-\ngleitet die ganze Reihe von Ursachen und Wirkungen,\ndie etwa von dem Geldverdienst für die Familie bis\nzur Glückssteigerung für die Allgemeinheit oder zur\nErfüllung der kantischen Formel oder zur Realisierung\neiner Herbartschen Idee führt, ohne in ihr selbst eine\nErklärung zu finden Jedes Glied vielmehr erklärt\nsein Sollen aus dem Gesolltwerden des folgenden, und\nwo wir an dasjenige kommen, welches das Sollen\nnicht wieder von sich abwälzen, seine Dignität nicht\nmehr von einem andern herleiten kann, da bricht, die\nReihe ab und lässt es an diesem genau so unerklärt,\nwie es an dem ersten war: das Letzte, das wir er-\nklären können, ist das Vorletzte Die Hauptfrage,\nweshalb denn die einzelne Tat gesollt wird, ist auf\ndiese Weise nicht gelöst, sondern nur zurückgeschoben.\nSo schiebt jeder höhere mathematische Satz die For-\nderung, seine Wahrheit zu beweisen, auf einen vorher-\ngehenden einfacheren, und dieser wieder weiter bis\nzurück zu den Axiomen, von denen alle andern ihre\nWahrheit borgen und mit deren unbeweisbarer Gültig-\nkeit sie stehen und fallen. So kann auch das Recht\nden Beweis für die Gerechtigkeit seiner höheren Be-\nstimmungen nur so führen, dass es dieselben als\nlogische Folge gewisser letzter Prinzipien aufzeigt, die\neinfach als Recht hingenommen, aber nicht bewiesen\nwerden können.\" *)\nAn dieser peinlichen Situation des normativen Nach-\ndenkens bewährt sich die erkenntnispsychologische Regel,\ndass nicht bloss jede causale (genetische), sondern auch\njede teleologische (systematische) Betrachtung zu einem\nunendlichen Regress führt. Für unsere Vernunft, wie\nsie nun einmal organisiert ist, besteht nicht nur keine\n„letzte Ursache\", sondern auch kein „letzter Grund\".\nSo wie jede Ursache nur als Wirkung einer früheren\nUrsache angesehen werden kann, also auch eine „letzte\"\nnur als die Wirkung einer sozusagen „hinterletzten\",\ngerade so kann auch jeder Grund nur als die Folge\neines logisch übergeordneten Grundes erscheinen. Wie\nman der Behauptung von der „letzten\" Ursache\neines Seienden entgegentreten müsste mit der\nskeptischen Frage: Wovon ist diese Ursache die\nWirkung? — entsprechend muss man jedweder Be-\nhauptung vom „letzten\" Grunde eines Sein-\nsollenden begegnen mit der Frage: Woraus ist\ndieser Grund die Folgerung?\n\n*) Vergleichen Sie: v. Liszt: Strafrechtliche Auf-\nsätze und Vorträge 11, 422; Zeitschrift für die gesamte\nStrafrechtswissenschaft XXVI, 553; Vergleichende Dar-\nstellung des deutschen und ausländischen Strafrechts,\nbesonderer Teil, Band V, Seite 4- 6\n2) Philosophie des Geldes, Seite 7\n3) Vergleichen Sie gegen den Positivismus (oder\nPseudo-Empirismus) :\nRadbruch, Aschaffenburgs Monatsschrift für\nKriminalpsychologie und Strafrechtsreform\n11, 423\nKantorowicz, Aschaffenburgs Monatsschrift\nIV, 92 ff\nR. Wassermann, „Begriff und Grenzen\nder Kriminalstatistik\", 1909, § 2\nSom 1 ö , Archiv für Rechts- und Wirtschafts-\nphilosophie 111, 510 ff\nHill e r, Aschaffenburgs Monatsschrift VI,\n624 ff\n*) lieber den Begriff der „Kultur\" vergleichen Sie: Hil-\nler, in der Wochenschrift „Der Sturm\", 1910, Num-\nmern 24—26. — Gemeint ist übrigens Brütts Werk „Die\nKunst der Rechtsanwendung\", 1907, darin besonders §8.\n2) 1892, Band I, Seite 13—15\n*) Man gestatte mir bei dieser Gelegenheit eine\npersönliche Bemerkung. Ich muss gegen den Vorwurf\nprotestieren, dass ich es liebte, längere Stellen aus\nAutoren wörtlich zu übernehmen. Freilich liebe ich\ndas, und zwar aus gutem Grunde. Wozu veröffent-\nlichen die grossen Denker ihre Wahrheiten, wenn nicht\nder, der sie findet und begreift, sie weiterträgt? Und\nin welcher Form kann man einen wertvollen Gedanken\nwohl besser weitertragen als in der, die sein Vater ihm\ngegeben hat? Nur Skribifaxe, die aller Originalität\nbar sind, fühlen sich verpflichtet, um ja die Maske der\nOriginalität zu wahren, anstelle ehrlicher Zitate selbständig\nverballhornte „Darstellungen\" oder schiefe „Extrakte\" zu\nliefern. Ich für mein Teil muss es ablehnen, eine\nIdee Simmeis oder Nietzsches besser formulieren zu\nwollen als Simmel oder Nietzsche es getan haben."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "470", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2798, "texte": "In dieser erkenntnispsychologischen Eigentümlichkeit\n(die übrigens jedermann mittelst introspektiver Analysis\nals Tatsache bei sich feststellen kann) gleichen sich\ndie sonst so ungleichartigen Grössen Physik und Ethik;\nein oberstes Erklä r u n g s prinzip will erklärt, ein\noberstes Rechtfertigungs prinzip will gerecht-\nfertigt sein! So wenig wie eine causa sui passt\neine ratio sui in den menschlichen Denkapparat\nhinein. (Dies ist eine Beute, die dem Skeptizismus\nfür alle Ewigkeit nicht mehr wird entrissen werden\nkönnen.)\nDas Wissen um die Unbegründbarkeit oder Dog-\nmatizität jedes materialen Sollens hat nun den scharf-\nsinnigen Kant dazu verführt, ein formales Sollprinzip\naufzusuchen. „Handle so, dass die Maxime deines\nWillens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen\nGesetzgebung gelten könne.\"1) Nun ist zunächst dieses\nPrinzip doch nicht ganz so formal wie es ausschaut;\nes gibt doch eine Tugend-Anweisung von ganz be-\nstimmtem (sozialen) Inhalt. Es ist keineswegs selbst-\nverständlich, dass wir so handeln sollen, dass das\nPrinzip unseres Willens geeignet ist, zugleich das einer\nfür Alle geltenden Gesetzgebung zu sein. Der kritische\nGeist hat hier durchaus weiter zu fragen, welches denn\nder ethische Grund dieser Forderung der Allgemein-\ngültigkeit von Handlungsmotiven sei. Aber sehen wir\nselbst hiervon ab und nehmen tatsächlich reine For-\nmalität des kategorischen Imperativs an (wobei dann\ndie Forderung der Allgemeingültigkeit, als mit dem Sollen\nidentisch, das Sollen nur analytisch ausdrückte),\nso enthält der Imperativ eben nur das allgemeine\nTugendgebot: „handle so, wie du handeln sollst\"; —\nwie ich nun aber handeln soll, sagt mir die formale\nFormel mit nichten! Kenne ich die Maxime, die\njederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetz-\ngebung gelten kann, dann brauche ich, sofern ich nur\nüberhaupt tugendsam, das heisst ein Mensch von „gutem\nWillen\" bin, garkeinen Imperativ, weder einen in\nkantischer noch einen in deutscher Sprache; denn der\nFall des inneren Konflikts ist dann ausgeschlossen;\nkomme ich aber ins Dilemma, kenne ich die zur Ge-\nsetzmässigkeit taugende Maxime nicht (und dies ist\ndoch wohl eigentlich die psychische Situation, für die\nes der Ethik bedarf und auf die jede Ethik abgestellt\nsein muss), dann nützt mir der formale Imperativ\nnicht ein Pfifferling Er enthüllt sich dann\nals eine recht stroherne Erfindung, als — Tautologie.\nEr äussert: ich solle so handeln, wie ich handeln soll.\nWenn ich aber um des Himmels Willen nur wüsste,\nwie ich handeln soll! — 3)\n\nx) Kritik der praktischen Vernunft, I. Teil, I Buch,\n1 Hauptstück, § 7\n2) Vergleichen Sie hierzu auch den klugen Essay\n„Politik als Wissenschaft und Philosophie\" von Kurt\nPeschke, im „Archiv für systematische Philosophie\"\nXVI, Seite 332 \"ff., insbesondere Seite 338."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "470", "page_fin": "471", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.6", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "470", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.4", "debut_caractere": 2819, "fin_caractere_exclue": 10111, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nLXXXVI\nDer Mantel und der Käseberg\nAls der Herr Sebastian als Doppelgänger des Kaisers\nauf dem Markte von Schiida erschien, da hatten die\nSchildbürger gerade eine halbe Stunde vorher die Nach-\nricht bekommen, dass der Kaiser in Ulaleipu bereits\nvier Tage anwesend und dort krank geworden sei;\ndie explodierenden Leichen hatten alle Telegraphen-\nHnien so in Anspruch genommen, dass nicht einmal\nder Tod des Moritz Wiedewitt früher bekannt ge-\nworden war.\nWährend nun nachher die Schildbürger auf ihrem\nMarkte standen und warteten, trafen weitere Nach-\nrichten ein — auch die vom Tode des alten Ober-\nbürgermeisters Wiedewitt Und das alles steigerte noch\ndie Verwirrung, so dass die Schildbürger erst bei\nMorgengrauen wagten, in den goldenen Löwen zu\ndringen, und dort die Türen zu den kaiserlichen Ge-\nmächer aufzubrechen.\nUnd da fand man nun alles in schönster Ordnung;\nder rote Mantel lag auf einem Divan und auf dem\nroten Mantel lag die rot und weiss gestreifte Kappe\ndes Oberbürgermeisters.\nDie Fenster waren fest verschlossen; das hatte\nder Herr Sebastian von aussen mit der Strick-\nleiter bewirkt, an der sich ein sinnreicher Mechanismus\nbefand.\nDie Sache war allen unbegreiflich.\nSchliesslich redete der Regierungssekretär Käseberg\nzu den Schildbürgern folgendes:\n„Meine Herren! Wir wissen vom menschlichen\nLeben nicht viel Genaues. Wir wissen, dass das Kaiser-\nreich Utopia östlich von Kallekutta liegt — und da-\nmit ist bekanntlich nicht viel gesagt. Wir wissen, dass\nder Kaiser Philander sechs Monate hindurch unser\nOberbürgermeister war. Aber das wissen wir auch\nnicht sehr genau. Ich glaube, wir tun gut, wenn wir\nannehmen, dass ein Doppelgänger des Kaisers unser\nOberbürgermeister war. Und da ein Doppelgänger\nein Geist ist, so dürfen wir uns nicht. wundern, wenn\ndieser Geist jetzt unsichtbar ist. Ich schlage deshalb\nvor: legen wir Mantel und Kappe im Rathaus nieder\nund lassen wir den Geist auch fürderhin Oberbürger-\nmeister von Schiida sein — auch wenn er unsichtbar\nbleiben sollte. Vielleicht wird er uns nochmals sicht-\nbar. Wählen wir aber keinen neuen Oberbürgermeister\n— wir haben zwei in einer Nacht verloren.\"\nUnd man tat, wie Herr Käseberg vorgeschlagen hatte.\nLXXXVII\nDer Kaiser Philander im Hintergrunde\nDiejenigen, die noch an der bunten Krankheit\ndarnieder lagen, wurden jetzt sämtlich gesund —\nund die Leichen derer, die an der bunten Krankheit\ngestorben waren, explodierten in den nächsten\ndrei Wochen allesamt, so dass die furchtbare\nKrankheit plötzlich von der Bildfläche verschwand\nund den anderen Lebensinteressen wieder Spielraum\nliess.\nDa kam nun gleich die kräftige Agitation der\nPriester in den Vordergrund, und der verschwundene\nHerr Bartmann wurde täglich berühmter\nIn der Literaturzentrale erschienen verschiedene\nSchriften, in denen das Benehmen das Kaisers Philander\nscharf getadelt wurde; gerade in der schwersten Zeit\nder Verwirrung hatte sich der Kaiser in Schiida\naufgehalten — und über die Doppelgängergeschichte\nkonnte der Kaiser auch nichts aufklärendes sagen.\nKurzum: Der Kaiser kam in den Hintergrund, und\nder Bartmann wurde immer höher gestellt, und man\nschätzte es durchaus nicht, dass der Kaiser für den\nBartmann eintrat - das erschien allen ganz selbst-\nverständlich.\nDer Kaiser lachte sehr oft, wenn er allein war.\n„Fehlt nur noch,\" sagte er, „dass sie den ver-\nschwundenen Bartmann zum Kaiser machen wollen!\nJawohl — es ist nicht so leicht, Gedankenkaiser zu\nwerden — besonders dann nicht, wenn man verpflichtet\nist, eine sichtbare goldene Krone zu tragen.\"\nAber etwas verstimmt sah der Kaiser bald aus.\nLXXXVIII\nDie Umgewandelten\nDie Erfolge der priesterlichen Agitation waren in\nkurzer Zeit ganz grossartige; überall regte sich ein\ngrosses Interesse an dem innerlichen Leben des\nMenschen.\nJetzt erst kam es allen zum Bewusstsein, dass\nriele Tausende in den letzten Monaten starben; man\nzählte ungefähr siebzigtausend Tote. Und die Trauer im\nLande machte alle anders, so dass man nur noch ernste\nGesichter sah.\nUnd so war es nun natürlich, dass die Priester\nüberall aufmerksames Gehör fanden. Alle einfachen\nVergnügungen mied man; die Utopianer kamen sich\nselber ganz umgewandelt vor.\nLange Wochen hindurch wars so, als könne man\nsich immer noch nicht zurechtfinden; die Naturereignisse\nwirkten nach.\nLXXXIX.\nDie Kaiserin\nDer Kaiser Philander zeigte auch nur noch ei«\nernstes und sorgenvolles Gesicht.\nUnd die Kaiserin Cäcilie deutete dieses Gesicht\nihres Gemahls ganz anders, als die andern.\n„Es ist Dir\", sagte sie, „doch nicht so ganz recht\ndass der Herr Bartmann so die Utopianer beschäf-\ntigt, nicht wahr? Weisst Du, was ich immer geglaubt\nhabe?\"\n„Nun?\" fragte der Kaiser.\n„Ich glaubte,\" versetzte die Kaiserin, „Du selbst\nseist der Bartmann gewesen.\"\nDer Kaiser erschrack und sah seine Gemahlin lange\nan und wusste nicht recht, ob er ihr trauen sollte,\nund grübelte immerzu darüber und sah sie immerzu\ngross an.\nDa sprang die Frau Cäcilie auf und lachte und\nsagte:\n„Jetzt weiss ich, dass das stimmt.\"\nDa fiel der Herr Philander darauf hinein und gak\nalles zu.\nAber da wurde die Frau Cäcilie sehr unruhig und\nfragte leise:\n„Wer weiss es denn noch?\"\n„Es wissen das,\" versetzte der Herr Philander, „nur\nnoch die Herren Haberland und Sebastian.\"\n„Werden die,\" fragte Frau Cäcilie, „auch schweigen?6\n„Wenn Du nur schweigst!\" antwortete darauf ihr\nGemahl.\n„Ich schweige,\" sagte Frau Cäcilie.\nUnd dann erzählte der Philander seiner Frau alle\nseine Abenteuer ganz genau.\nUnd die Kaiserin musste oft so lachen, dass ihr\ndie Tränen über die Backen rollten.\nXC\nDer Orkan an der Sturmküste\nDer Meeressumpf an der Sturmküste war noch\nimmer nicht zur Ruhe gekommen, die Schlammassen\nwälzten sich und rumorten ohne Unterlass — nur die\nIrrlichter zeigten sich nicht mehr.\nDa brach abermals ein furchtbarer Orkan über\ndem Meeressumpf los, und aus dem Sumpfe schlugen\nplötzlich abermals ganz hohe Flammen heraus und\nlösten sich von der Erde los und wirbelten hoch\nin die Lüfte hinauf.\nEs sah schrecklich aus.\nDie Gelehrten vergassen bei diesem neuen Aus-\nbruch des unterseeischen Vulkans die photographischen\nApparate und starrten wie abwesend das neue Wunder\nan und fürchteten, dass jetzt abermals jene entsetzliche\nbunte Krankheit kommen würde.\nDann aber gabs einen ohrenzerreissenden Lärm, und\nder ganze Meeressumpf sank in die Tiefe, so dass ein\nmeilengrosses Loch entstand, in das nun die Meeres-\nmassen polternd hineinstürzten.\nDass die Granitfelsen der Sturmküste bei diesen\nErschütterungen stehen blieben, kam allen als das\ngrösste Wunder vor.\nUnd von dem tiefen Loch wurden soviele Meeres-\nmassen aufgesogen, dass das Meer an allen Küsten\nzurücktrat und sich viele neue Inseln bildeten.\nXCI\nDie Geisterscharen\nDie Flammen aber, die zum Himmel hinaufloderten,\nstiegen immer höher in den Weltenraum empor -\nund sahen oben wie grosse Geisterscharen aus.\nUnd die Gelehrten erklärten plötzlich einstimmt\ndas sind Geister der Tiefe, die da oben im Raum lebefl\n— das sind gar keine Flammen.\nGanz Utopia starrte nachts den Himmel an undr\nsah, wie sich oben die Flammen veränderten und, wie\nes allen vorkam, sich zu körperlich wirkenden Gestalten\numbildeten.\nDieses Naturereignis wirkte so mächtig, dass w5\nalle Utopianer volle acht Tage hindurch nicht einen\nAugenblick schlafen konnten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "471", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1184, "texte": "XCII\nDie Sternwarte des Herrn Haberland\nAls sich die erste Aufregung ein wenig gelegt hatte,\nund die Ermüdung eintrat, da bat der Herr Haberland\nden Kaiser, die Erlaubnis zu geben, dass sofort auf\nden höchsten Bergen des Landes ein Dutzend neue\nriesige Teleskope aufgestellt würden.\nUnd der Kaiser erfüllte natürlich den Wunsch des\nHerr Haberland; der Staatsrat bewilligte sehr grosse\nSummen.\nUnd dann wurden die Geisterscharen mit den alten\nTeleskopen fortwährend beobachet, und die zwölf neuen\nTeleskope wurden so schnell wie möglich fertiggestellt,\num die Beobachtungen in umfangreicherem Masse fort-\nzusetzen.\nUnd diesen Beobachtungen gegenüber traten alle\nanderen Interessen des Landes für mehrere Wochen in\nden Hintergrund.\nUnd dann gab es eine Flut von Büchern, die das\nWesen der neuen Geisterscharen festhalten wollten;\nleider veränderten sich die Flammengebilde so häufig\nund oft so schnell, dass man an ihre Geisternatur\nschliesslich nicht mehr glauben wollte.\nSehr viele Gelehrten hielten aber doch daran fest,\ndass die Flammen nicht einfache Flammen sein könnten.\nDas Leben im Innern der Erde beschäftigte die\nUtopianer bald mehr als das Leben auf der Oberfläche\nder Erde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "471", "page_fin": "471", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.7", "titre_corps": "Adonia", "titre_sommaire": "Adonia", "signature_source": "Per Hallström", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "471", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.5", "debut_caractere": 1241, "fin_caractere_exclue": 10037, "texte": "Adonia\nVon Per Hallström\nSie zogen des Morgens hin, als die Sonne ihnen\nvon den Bergen entgegensprang, rot und bebend wie\n«in blutiges und lebendes Herz, sie jauchzten im Lichte,\nand die Harnische brannten, und die Gewänder flammten\nin Pracht gegen die langen Schatten des Morgengrauens.\nAb Jathar, der Priester, wusch sich im Brunnen Rogel\nund legte seine Kleider an; er leuchtete in Gelb und\nRosenrot, und die Steine des Schildes blitzten, dann\nzog er den Hügel hinan, ihm nach die wogende Schar.\nZwei Diener führten einen Stier an tiefgebeugten Hörnern,\nder zum Boden schnaubte und unruhig stampfte.\nNun beugten sie seinen Kopf rückwärts, so dass\nder Hals sich spannte, und Ab Jathar ergriff das Messer\nund schnitt. In kräftigem Strahl schoss das Blut mit\nsüsslich warmen Duft hervor, und ein Priester fing es\nin einer Bronzeschüssel auf, wo es, quirlender Purpur,\nbis zum Rande stieg; wie ein Turm fällt, wenn der\nGrund untergraben wird, so sank das Tier auf seine\nkraftlosen Knie, und die Erde seufzte unter seiner\nLast.\nAb Jathar nahm das Blut und goss es in die\nGrube des Steines, und alle sahen an der leise wir-\nbelnden Bewegung der Luft, wie ein Dampf emporge-\nzogen ward und hoch aufstieg, als würde er von\nkräftigen Atemzügen eingesogen. Das war Jehovah,\nder Adonias Opfer prüfte und es gut fand, und Adonia\nzuckte freudig zusammen.\nAb Jathar tauchte seinen entblössten Arm hinab\nin den aufgerissenen Bauch des Stiers und ergriff diefHäute\ndes Magens mit ihrem gelben Fett, legte Kuchen von Honig\nund Mehl darauf und hob seine blutige Bürde zum\nHimmel. Seine Augen spannten sich mit zusammen-\ngezogenen Pupillen, seine Mundwinkel zitterten, die\nStirne zitterte, aber der rote Arm war unbeweglich,\nund er sprach, und seine Stimme war laut und singend\nwie der Klang von Posaunen.\n„Adonia, Davids Sohn, Adonia, des Königs Sohn\nbringt das Opfer dar!\"\nAuf den Stein hatten die Diener einen Stapel von\nkurzgeschnittenem Holz gelegt; nun breitete Ab Jathar\nsein Opfer darüber und entzündete den Scheiterhaufen\nmit einem Feuerbrand. Eine lange hungrige Flamme\nstieg sogleich gelb und rauchend aus dem harzigen\nHolze auf, züngelte an dem Blute entlang und wies\ngerade empor, wie ein Finger in die stumme Luft\nEin Gemurmel des Jubels verbreitete sich rings-\numher, denn das kündete Gutes, und Adonia blickte\nsiegesgewiss nach den Hügeln der Stadt hinüber. Neue\nOpfertiere wurden herangeführt. Stiere, die vor dem\nBlutgeruch bebten, Hammel, die blutgesprenkelte Aug-\näpfel nach aussen drehten. Ihre Kehlen röchelten\nund gluckssten unter dem Todesstreich. Ihre roten\nKörper wurden kunstfertig zerstückelt, dass das Blut\nin der Haut zurückblieb und kein Tropfen zur Erde\nfiel, der Scheiterhaufen zischte von dem feuchten\nFleische, und aus den dunklen Flammen fiel schwarzer\nblanker Russ Die Luft war lau von Blut, salzig von\nBlut, sie Hess die Nüstern sich weiten, von dem fetten\nSteine schoss das Opfer wie eine Riesenblume aus\nBlut und Flammen, im Rauch stand die Sonne blut-\nrot, ohne Strahlen. Aller Hirne wurden von einem\nTaumel ergriffen, die Luft wogte und wirbelte, die\nAugen glänzten vor Verzückung, die Lippen lachten\nvor Grausamkeit und von dem Jubel der Stunde ward\nAdonias Zukunft wie ein Banner getragen, das vom\nWinde geblaeht wird. Aber noch einmal zitterte\nAdonia in Unruhe, als er sein letztes Opfer brachte,\nzwei Tauben. Die anderen begriffen nicht, warum er\nsie opferte; es geschah für Abisag und ihn, damit sie\nsein würde.\nAls die Hälse der Vögel abgedreht und die blau-\ngrauen Flügel geknickt waren und sie in den Scheiter-\nhaufen geworfen wurden, flatterten sie in dem starken\nZugwind und wurden fast brennend emporgehoben,\nverzehrt und verschwanden. Es dünkte Adonia, dass\nJehovah sie in Gnaden angenommen habe, und er ver-\nmochte seine Freude kaum zu tragen. Nun war sie\nsein, nun war alles sein.\nAls der Scheiterhaufen niedergebrannt war, ver-\nsammelte man sich unterhalb des Hügels, wo das\nFleisch der Opfertiere zubereitet wurde, man ass und\ntrank, und der wilde Triumph der Opferung wandelte\nsich in lärmende Freude.\nMan nannte Salomos Namen und höhnte ihn unter\nLachen und Schimpfworten, man rechnete die Anzahl\nder Opfer zusammen — nie hatte er so viele gebracht.\nMit wohllautenden und schönen Worten suchte er\nseinen Gott zu gewinnen, mit reinen Kleidern und\nWaschungen; wie würden seine kargen Lippen erstaunt\nsein, wenn er so viel Blut gesehen hätte! Behutsam\nwie eine Arche des Herrn schritt er dahin, eine Stein-\ntafel hatte er in der Brust an Stelle des Herzens.\nEr sollte hier sein, Salomo, und sehen, ob er es\nwagte, der König von Kriegern zu werden, er, der\nMetze Bath Sebas Sohn — sie sollte hier sein, die\nHündin! Bei ihren Haaren würde man sie ergreifen,\nsie, Adonias Feindin, und ihr Gesicht in die blutigen\nHäute drücken, sie, Urias blutige Witwe, und ihre ge-\nmalten Nägel würden sich in die Erde einkrallen vor\nScham.\nSie waren berauscht vom Triumph und übersatt\nan Nahrung, sie drohten mit den Waffen gegen Edom\nund Syrien, gegen Ammon und Tyrus und schworen\nbei Adonias Namen. Joab trat vor und rief ihn zum\nKönig aus, und aus weitoffenen Lippen riefen alle mit.\nEin Wirbel von Stimmen, die emporgeschleudert wurden\nund zusammenstiessen und hinaushallten, eine Säule\nvon Jubel und Triumph, die den Himmel trug, und\nder Sonne schmelzendes, blendendes Feuer leuchtete\nzu Adonias Ehre.\nEr nahm die Huldigung mit gelassenem Blick ent-\ngegen. Jetzt, da er das Begehrte sicher und zum\nGreifen nahe hatte, bebten seine Hände nicht länger\nvor Verlangen; Wie Feuer mit Feuer vereinte sein\nWesen sich mit der Macht. Nur der Gedanke an\nAbisag schnürte seine Kehle in ungestümen Begehren\nzusammen und liess vor seinem Blick lockende Fahnen\nflattern.\nEin Schrei stieg über die Höhen wie eine Antwort,\nund ein paar schrille Töne aus Pfeifen schwangen\nsich hoch auf und tanzten in Freude Frauenstimmen,\nMännerstimmen, tausende von Stimmen. Es musste\ndie ganze Stadt sein, die aus wiederhallenden Mauern\nihren Triumph hinaussandte. War das Gerücht schon\ndorthin gedrungen.\nDas Murmeln und Rauschen sang und stieg wieder,\nund näher kam es mit dem trillernden Zwitschern der\nPfeifen, und aus dem Schrei drang ein Wort, ward\nhalb erhoben und sang wieder unter, brach einmal\nums andere vor, bis man es ahnend verstand und\nerbleichende Lippen „Salomo\" und „König\" flüsterten.\nEs kamen Gerüchte, verwirrtes Flüstern, wider-\nsprechende Rufe. Von einem Felsen glaubten einige\nzu unterscheiden, wie das Feld in der Ferne von\nwehenden Tüchern und ausgestreckten Armen wogte,\nda nahte eine Bote: „Salomo ist König. Zu David ist\nsie gegangen, Bath Seba, und hat ihn an ein Ver-\nsprechen erinnert. Bei Gihon ist Salomo gekrönt, mit\nOel aus dem Tabernakel; er hat auf Davids Stuhl\ngesessen und David hat ihn gesegnet; das Lärmen,\ndas ihr hörtet, das waren die Freudenschreie des\nVolkes.\"\nDa zerstreuten sich schnell Adonias Freunde vor\nder Gewissheit, dass alles vergeblich war. Und Adonia\nfürchtete für sein Leben und ging, eine Freistatt zu\nsuchen in des Herrn Tabernakel.\nEin schwerer blauer Rauch lag dort drinnen, und\nder Schein der Armleuchter drang nicht bis zu dem\nCherubim der Tapeten. Die Luft war drohend un-\ngewiss — man sah nicht wie gross der Raum war —\nund erfüllt vom Duft des Räucherwerks. Aber vom\nBrandopferaltar draussen drang ein ekler Duft von\nverbranntem Fett herein.\nDie Bundeslade stand unter den beschwingten\nGestalten des Gnadenstuhls, davor glänzte der Rauch-\nopferalter. Adonia umklammerte ihn mit den Händen,\nsein Leben zu schützen; er klebte vom Versöhnungs-\nblut und entglitt schlüpfrig seinem Griff. Dort ver-\nweilte er, indess ein Bote Salomo seine Unterwerfung\nkündete.\nAls seine Augen sich an die dichte Luft gewöhnt\nhatten, sah er rings um sich alles, bis hinein in die\nEcken. Die Wände waren dunkel vom Rauch, und\nhier und dort sickerte ein schwarzer Blutstropfen.\nDie seltsamen, länglichen Augen des Cherubim starrten\ngrausam und kalt an ihm vorbei. Die Engel an dem\nGnadenstuhl blickten sich starr in die goldenen Ge-\nsichter; er erbebte und erwartete seinen Tod. Der\nschwere Duft des Räucherwerks machte seine Gedanken\nstocken. Er wusste nicht, wie lange er starr dort\nstand und das blutige Gold kalt unter seiner Hand\nfühlte, seine Augen hefteten sich immer fester an die\nstarrenden Kugeln der Engelsköpfe und voll Entsetzen\ngrübelte er, was ihr Blick wohl bergen möge.\nEr sah ihre Häupter sich beugen und der Rauch\nunter ihren Flügeln verdichtete sich und ward von\neinem trocken glühenden Schein durchleuchtet. Und\nin dem Scheine brannte ein Licht, ein blendendes\nzackiges Licht von drohender, schreckensvoller Gestalt\nAdonia glaubte, Jehovah zu sehen. Den Gott der\nHeerscharen, der Mauern bricht und eherne Spiesse\nzertritt wie Rohr, den Gott der Wüsten, dessen Macht\nsich spiegelt in dem brennenden roten Sande, den\nGott der Gesetze."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "471", "page_fin": "472", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.8", "titre_corps": "Gelesenes und Erlebtes", "titre_sommaire": "Gelesenes und Erlebtes", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "471", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.5", "debut_caractere": 10039, "fin_caractere_exclue": 11472, "texte": "Gelesenes und Erlebtes\nGlaube und Heimat\nDer Wert dieser „Tragödie eines Volkes\" entspricht\nseinem Titel. Schiller ins Oesterreichische übertragen.\nZum Schluss allgemeine Rührung. Der Reiter, der nur\nimmer so im Blute schwimmt, in lutherischem natürlich,\nbricht zusammen, als er den Boden des Glaubens be-\ntritt. Er „tritt sogar sein Schwert mit wildem Tritt\nentzwei.\" Das Zusammenbrechen geschieht neben den\nBrunnenpfeiler. Mehr kann man nicht verlangen. Im\nUebrigen charakterisiert Schönherr, der Autor, durch\nszenische Bemerkungen. Fast jede handelnde Person\nspricht einmal „gewaltig.\" Sie meint es aber nicht so\nschlimm. Die Weiber „erschauern\" meistens „in Ehr-\nfurcht.\" Auch brechende Augen und gezogene\nPallasche sind reichlich vorhanden. Der Hauptheld\nhat zum Beispiel während fünf Sätze folgendes zu\nleisten: „Es arbeitet mächtig in seinem Innern,\" „als\nwäre er zu einem festen Entschluss gelangt,\" „innerlich\nflammend,\" „bemüht sich umsonst,\" „zitternd vor in-\nnerer Erregung,\" „der Toten gut zuredend wie einem\nstörrischen Kind,\" „immer eindringlicher und gewaltiger,\"\n(ha!) „seinem innern Entschlüsse Worte leihend\". Un-\nmittelbar darauf glüht er noch von innen heraus und\nschreit auf. Sonst denkt man beim Lesen des\nStückes an Anzengruber und Gerhart Hauptmann und\nist beglückt, dass das deutsche Volk und das oester-\nreichische vom ersten Diener des Staates bis zum\nletzten Sklaven wieder mal einen Dichter gefunden hat"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "472", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4550, "texte": "Der Verleger Schönherrs legt einen Prospekt über\neinen nur druch den Bauernfeldpreis ausgezeichneten\nRoman „Die Glocken der Heimat\" bei, dem Natürlich-\nkeit, Gradheit, Klarheit und eine bedeutsame Erweiterung\ndes Begriffs Heimatkunst nachgerühmt wird und der\nbrausende Erotik und deutsche Choräle in sich ver-\neinigt. Ich werde das Buch nicht lesen, weil Peter\nRosegger behauptet, es sei ein ragendes Zeichen der\nZeit und mehr als ein Buch. Ich begnüge mich mit\nBüchern. Nur keine Zeichen der Zeit!\nZeichen der Zeit\nDie ganze Presse ist ausser sich vor Vergnügen\nüber das in Nummer 55 dieser Wochenschrift veröffent-\nlichte Gedicht „Dämmerung\" von Alfred Lichtenstein.\nDie meisten begnügen sich, es mit dem esprithaften\nZusatz: „Wirklich dämmerhaft, nicht?\" wörtlich abzu-\ndrucken. Was dem Autor reichliche Honorare bringen\nwird Wie man dichten muss, zeigt der Generalan-\nzeiger für Elberfeld-Barmen. Er veröffentlicht sozu-\nsagen als Gegenbeispiel ein überaus herziges Gedicht,\ndessen erste Strophe die Leser des Sturms durch seine\nMorgenstimmung für die Dämmerung entschädigen mag.\nEs sprang der Frühling ins Land herein\nEs sprang der Frühling ins Land herein\nMit lautem Juchhei! und Frohlocken,\nUnd durch den Jubel zitterten fein\nSchneeglöckchens silberne Glocken.\nDie schäumenden Bäche rauschten zu Tal;\nHerr Starmatz war guter Dinge.\nUnd in dem funkelnden Sonnenstrahl\nTanzten die Schmetterlinge!\nSchon sah man im leuchtenden Spitzenkleid\nDen Kirschbaum im Wiesengrund prangen\nDu sonnige, wonnige Frühlingszeit:\nIn deiner strahlenden Herrlichkeit\nKommt singend das Glück gegangen —\nKommt singend das Glück gegangen!\nDer Erfurter Allgemeine Anzeiger stellt fest, dass\nHerr Alfred Lichtenstein höllisch ernst genommen werden\nwill. Ich weiss nicht, ob sein Ehrgeiz sich auch auf\nErfurt erstreckt. Endlich sei zu diesem Kapitel noch\nbemerkt, dass die Frankfurter Zeitung den oben zittierten\nesprithaften Zusatz der „Wahrheit\" des Herrn Bruhn\nnachdruckt.\nDie literarische „Wahrheit”\nMan sollte Herrn Jacobsohn zusammen mit Herrn\nBruhn blau schlagen. Herr Jacobsohn gibt in Berlin\nein kleines Theaterblättchen heraus, das sich mit der\n„Verwissenschaftlichung des Tinterltums beschäftigt und\ndessen Notizenteil eine gute Handhabe bietet, sich je-\nweils über den Stand des psychologischen Schmocktums\nin Deutschland zu informieren.\" So charakterisiert\nKarl Kraus einfach und würdig die Tätigkeit des\nHerrn Jacobsohn. Kein Wunder, dass dieser\nGrieche sich herostratisch fühlt, vor der Tat aber\nzurückschreckt und Herrn Wittels aus Wien als\nstarken Mann vorschickt. Die Arbeiten des Herrn\nWittels sind, so weit sie nicht wörtlich denen des Karl\nKraus entnommen sind (Knockabout) so trostlos, dass\njeder Witz versagen muss. Der Arzt Wittels kann nur\nnoch medizinisch behandelt werden. Um der\n„Wahrheit\" die Ehre zu geben, lässt sich ferner Herr\nJacobsohn von einem gewissen Harry Kahn eine\nSchmähschrift über Alfred Kerr schreiben. Der Herr\nKahn bildet sich ein, den Kerrschen Stil zu treffen, in-\ndem er dem eigenen breiigen Quatsch willkürlich zahl-\nlose Interpunktionen hinzutut. Es wäre unbillig, den\nSturm gegen einen Kahn loszulassen. Wer so steuer-\nlos ist, geht selbstätig unter. Nur das bekannte\ndeutsche Montagsblättchen ist entzückt. Es versucht\nden Untergang des Kahns aufzuhalten, in dem es aus\nseiner Pfütze munter gegen Kerr spritzt. „Wir machen\nin folgendem unsere Leser mit Herrn Alfred Kerr be-\nkannt. Herr Kerr ist seit Jahren bemüht, als berliner\nTheaterkritiker durch seine Stilverrenkungen Aufsehn\nzu erregen. Was diese bisher nicht vermochten, hat\nnun der grosse Bluff zu Stande gebracht.\" Diese\nLüge wagt das Montagsblättchen drucken zu lassen.\nAnonym natürlich. So dreißt diese Sätze zu unter-\nschreiben, ist niemand. Herr Jacobsohn ist auch der\nTheaterkritiker des Montagsspektakels. Die Wahrheit\nfärbt ab. Auch die „Grosse Glocke\" hat ihre „litera-\nrische\" Nachahmung gefunden\nDer Prozess\nHerr Justizrat Hoffstaedt, Schwager und Rechtsbei-\nstand des Inhabers der Firma Egon Fleischel & Co.,\nfühlte sich durch den Beitrag Der Klüngel in\nNummer 37 dieser Wochenschrift beleidigt. Ich nannte\nihn dort einen dreisten Juristen und wurde deshalb\nvor Gericht freigesprochen. Zu einer Geldstrafe von\nzwanzig Mark wurde ich wegen eines Briefes an den-\nselben Mann verurteilt, in dem ich ihm vorwarf, etwas\nwider besseres Wissen behauptet zu haben. Das Ge-\nricht sah in diesen Worten eine form a 1 e Beleidigung.\nGegen die Verurteilung habe ich Berufung einge-\nlegt. Nach ihrer Erledigung werde ich mich über den\nFall selbst äussern.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "472", "page_fin": "472", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.9", "titre_corps": "Offener Brief : Sehr geehrter Herr Schmied !", "titre_sommaire": "Offener Brief : Sehr geehrter Herr Schmied !", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "472", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.6", "debut_caractere": 4552, "fin_caractere_exclue": 7389, "texte": "Offener Brief\nSehr geehrter Herr Schmied !\nH. W.\nSie wünschen meine Ansicht über Ihre Bücher\nkennen zu lernen. Sie „hassen\" mich seit Jahren, wie\nSie mir versichern, weil ich ihre Kinder gemordet habe.\nWeil ich den Knaben Carlos und Nikolas, den Helden\nIhrer Bücher lieblos gegenüberstehe. Ich habe Ihr\nerstes Buch „Carlos und Nikolas Kinderjahre in Argen-\ntinien\" ein zweites Mal jetzt gelesen, ich habe Ihr\nBuch „Carlos und Nikolas auf dem Meere\" ein erstes\nund zweites Mal gelesen und — so leid es mir tut —\nich kann mich nicht zu Ihren Büchern bekennen. Wohl\naber zu Ihnen. Wir haben uns ausgesprochen, wie\nman das so nennt. Und ich gewann den festen Ein-\ndruck, dass Sie eine Persönlichkeit sind, das\nheisst ein Mensch, der aus sich und in sich gegründet\nist. Aber Sie haben nicht Wurzel fassen können in\nIhren Büchern Sie haben mir Episoden Ihres zweiten\nBuches erzählt, die mir imponierten und die zweifel-\nlos in Ihrer Erzählung einen künstlerischen Wert be-\nsassen. Ich suchte sie mit Spannung in Ihrem zweiten\nBuch, Sie schrieben sie nicht auf. Oder besser ge-\nsagt: sie sind nur stofflich, embryonal vorhanden.\nDas Wichtige, Entscheidende: das Künstlerische fehlt.\nWas Sie in der Erzählung mit geradezu grandioser\nPlastik und dichterischer Kraft gaben, ist spurlos ver-\nschwunden. Wenn ich will, kann ich mir natürlich\nIhr Gewolltes rekonstruieren. Als Künstler sind Sie\ngezwungen, den Leser zu sich zu zwingen. Was ist\ndas für eine Kunst, die auf den guten Willen des\nLesers angewiesen bleibt, was ist das für ein Leser,\nder zu einer Wirkung auf ihn selbst Sie erst persön-\nlich bemühen muss. Sie sind ein vornehmer Mensch.\nSie hassen das „Offenbaren\", Sie wollen nicht unter-\nstreichen, sagen Sie. Aber Kunst bleibt nun einmal\neine Sache des Unterstreichens, des Betonens, der\nProstitution der Persönlichkeit. Hier gibt es nur eine\nMethode der Vornehmheit: nichts zu veröffentlichen.\nDas Künstlerische liegt nicht nur im sogenannten\nProduzieren, es liegt nicht im Werk, wenn es nicht im\nMenschen ist. Da Sie aber, wie die Bücher beweisen,\ndas Bedürfnis zur Offenbaruug fühlen, so habe ich das\nRecht, in Ihren Werken das zu suchen und zu finden,\nwas Sie als Mensch geben. Ihre anderen Freunde\nsind in Kunstdingen offenbar loyaler als ich. Ich habe\nmich nie, weder für mich noch für andere, mit dem\nWillen begnügt. Kunst muss gekonnt sein.\nDennoch: Sie sind ein Mensch, von dem ich\nKünstlerisches erwarte. Die Knaben Carlos und Nikolas\nwerden älter, vielleicht kann ich den Männern Carlos\nund Nikolas die künstlerische Anerkennung ent-\ngegenbringen, die ich als kunstwahrer Mensch den\nKnaben versagen muss. Ich hoffe es, und Sie können\nversichert sein, dass es mich herzlich freuen würde.\nIhr\nRudolf Johannes Schmied: Carlos und Nikolas Kinderjahre in\nArgentinien/Carlos und Nikolas auf dem Meere. Verlag Erich Reiss\nBerlin W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "472", "page_fin": "472", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.10", "titre_corps": "Warum?", "titre_sommaire": "Warum?", "signature_source": "Quintus Fixlein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "472", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.6", "debut_caractere": 7391, "fin_caractere_exclue": 10312, "texte": "Warum?\nVon Quintus Fixlein\nIch bin in ihren Augen ein Nichtstuer, der sich\ndas Recht, sich frei bewegen zu dürfen, ohne Berech-\ntigung angemasst hat. Gott mag wissen, ob sie ein\nRecht haben, mich so hart zu verurteilen und den\nSaft ihres Kautabaks so verächtlich hinter mir herzu-\nspritzen, wenn ich bescheiden an der Baustelle vor-\nübergehe, auf der sie zuweilen gewiss recht hart ar-\nbeiten müssen.\nAber sie sollten es sich doch nicht so heftig an-\nkommen lassen.\nDa ist zum Beispiel der baumstarke Maurer mit\neinem Gesicht, das prall und rot wie ein Winterapfel\nleuchtet. Er spukt nicht aus, wenn ich vorübergehe.\nNein, so weit geht er nicht. Aber ich sehe seine»\nherausfordernden Augen mit den hochgezogenen Brauen\nan, dass er mit mir fertig ist. Und um den Mund\nhat er einen Zug, der mir beweist, dass er mich nicht\neigentlich nur verachtet. Dass er mich eher fast be-\nmitleidet.\nUnd ich gehe mit zusammengezogenen Schultern\nan ihnen vorbei Eine heisse Röte kriecht um meine\nSchläfen. Immer erfüllt mich nur dieser eine Gedanke:\nwie ich ihnen helfen könnte — ich, der schwächliche\nMensch mit den schlaffen Muskeln und dem blutleeren\nGesicht, diesen Riesen mit den prallen Gesichtern, die\nwie Winteräpfel glänzen.\nOb sie es ahnen und mich aus diesem Grunde\nverhöhnen? Das wäre doch ein Grund, um dessen\nwillen man zu ihnen treten und sie mit diesen Worten\nansprechen möchte: „Recht so, meine Brüder! Ihr\nseid Männer mit Muskeln und Fäusten — ich aber\nbin ein Narr und hochmütiger Tropf, nicht wert, dass\nihr mit euren schweren Holzpantinen nach mir werft.\nNicht wert eures harten herausfordernden Gelächters.\"\nAber das ist es nicht, ich fühle es. Warum hassen\nsie mich also?\nEinmal, es war an einem klaren hellen Vormittag,\ndessen ich mich noch heute wie eines warmen Frauen-\nlächelns erinnere, stand der Riese mit dem Apfelgesicht\nrauchend vor der Bauhütte, als ich vorüberging.\nIch ging in Gedanken und achtete nicht auf den\nWeg. Ich hatte etwas Schönes geträumt und als ich\nerwacht war, hatte sich die Sonne in einer breiten\nleuchtenden Staubsäule durch den Spalt des halbge-\nöffneten Fensters auf meine Bettdecke ergossen. Das\nhatte mich so froh gemacht, das ich, um nun auch\ngleich ein freudiges Gesicht zu sehen, dem Briefträger\nmeine letzte Mark schenken musste. Und dann war\nich schnell fortgegangen, immer dieses helle Bild in\nmeiner Seele und ein feines Klingen in allen meinen\nAdern und Nerven. So glücklich hatte mich die Sonne\ngemacht.\nAls ich an der Baustelle vorüber kam, hustete\njemand so laut, dass ich zusammenschrak und empor\nsah. Der Riese mit dem Apfelgesicht sah mich mit\neinem Blick an, der meine Freude zu Eis erstarrte.\nIch errötete und blieb einen Augenblick hilflos stehen.\nIm Weitergehen hörte ich sein kurzes trockenes\nGelächter hinter mir.\nIch fühlte eine schwere Traurigkeit und ich grübelte;\nWas habe ich getan ? Welche Geheimnisse birgt dieses\nLeben! Warum hassen mich diese Menschen?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "472", "page_fin": "472", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.11", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "472", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.6", "debut_caractere": 10314, "fin_caractere_exclue": 10591, "texte": "Notiz\nDie Nummer 58 der Wochenschrift DER STURM\nwurde wfeder einmal auf den Berliner Bahnhöfen nicht\nzum Verkauf gestellt: wegen des „nicht geeigneten\"\nBildes, wie uns mitgeteilt wurde. Die Nummer ist\ndurch die Kioske und direkt durch den Verlag zu be-\nziehen.\nVerlag DER STURM"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "473", "page_fin": "473", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "473", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 108, "texte": "Neue Sezession\nDritte Ausstellung\nJ\nBerlin B. ffianke*strasse 1\nan der Kaiser ftifyelm Gedacfttnls - Klrclie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 175, "fin_caractere_exclue": 406, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. SchauspieJschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 408, "fin_caractere_exclue": 863, "texte": "Sammler-Berichte Jou™'vder\nInternationaleKorrespondenz-Vereinigung\nfur ideale Korrespondenz, Sammelwesen, Tausch, Verkauf, Geschaft,\nVertretungen und sonstigen Absatz, Erwerb, Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmarken, zuadressierten Post-\nkarten, Biichern usw.\nJahresbeitrag fur I K V mit „Sammler-Berichte\" nur 4 Mk.\n(5 Franks). Eintritt jederzeit.\nAusfiihrliche Probenummer und Satzungen gratis durch\nErnst Marre Verlag, Leipzig (Revier 176)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 865, "fin_caractere_exclue": 1517, "texte": "Der Biihnen-Roland\nDas freie Wort des deutschen\nSchauspielers\n— Des Biihnen-Boten zwBlfter Jahrgang —\nDer Buhnen-Roland bringt Aufsatze der bekanntesten Fachleute\niiber samtliche Gebiete der Theaterkultur und verfolgt die modernen\nKtterarischen und kiinstlerischen Bewegungen. Die Soziale Beilage\ntritt flir die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-! nserate die Zeile 10 Pf., fiir Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einen\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktion: Berlin N 37 Lottumstrasse 14"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 1519, "fin_caractere_exclue": 1648, "texte": "OOOQQOOOQQQOOOOOQOQOOOOOOOOOOOOQO\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\nOQQQaoooooaoQOoooaooooooooooooooo"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 1650, "fin_caractere_exclue": 2262, "texte": "Inkeinem Hause solltefehlen:\nFelke-Zeitung\nZeitschrift fur naturgemasse\nLebens- und Meilweise und\nHomoopathie nach der von\nPastor Felke in Repelen be-\n: gegriindeten Heilmethode :\nSle erscheint allmonatlicfi\nunter Mitwirkung mehrerer Aerzte\nund hervorragender Sacfiverstan-\ndiger. Sie bringt ausfiihrliche A uf-\nsatze ilber die verschiedensten\nKrankheiten und deren Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomoopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementspreis jMhrlich\n===== 3 Mark ==\nAbonnements nehmen die Brieftra-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 2264, "fin_caractere_exclue": 2363, "texte": "Verlag Paul Reinike\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFiir Gesang und Klavier\nMk. 1,50"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c019", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 2365, "fin_caractere_exclue": 2744, "texte": "Lernt durch\nSelbstunterricht\ndie leicht erlernbare\nWelt-Sprache\n„Esperanto\"\nSchon drei bis fiinf Milli-\nonen Anhanger und iiber\n1650 Vereine in alien Erd-\nteilen. Schon von vielen\nSchulen gelehrt und von\nvielen Behorden, Firmen\nu.s. w. verwendet. Espe-\nranto - Lehrbuch mit Pro-\nspekten und Zeitung „La\nEsperantisto\" versendet\ngegen 15 Pf. in Briefmarken\nRed.FritzStephan,Leipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c020", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 2746, "fin_caractere_exclue": 3022, "texte": "Der schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegenuber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 - ■ Telephon I 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 3024, "fin_caractere_exclue": 4344, "texte": "scSeKsseevon Friedr. Mester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) Griind-\nliche Einfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir AnfSnger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schuie\nabsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,National6konom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5.\nuiiuuijijll m"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 4346, "fin_caractere_exclue": 4923, "texte": "Kurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 4925, "fin_caractere_exclue": 5198, "texte": "raj)\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultur und\nfranzosische Sezession in\nden Kiinsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter :\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\nI"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 5200, "fin_caractere_exclue": 5349, "texte": "Max Giesswein\nKgl. SSchs. und Kgl. WQrttembg.\nHofopernsanger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nVia 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr _"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 5351, "fin_caractere_exclue": 5504, "texte": "Soeben ersdiien:\nELSE LASKER-SCHULER\nMEINE\nWUNDER\nGEDICHTE\nPreis in van Geldern^\nBiitten gebunden\nDrei Mark\nI DREILILIEN-VERLAG\n| KARLSRUHE UND LEIPZIG\nt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 5506, "fin_caractere_exclue": 5677, "texte": "BBBBBBBBBBBBf&gSBB&IBE\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nNummer 319/320\nsoeben ersthienen\nPrefs 50 Pfg. <\nÜBERALL ERHALTLICH\nBBBBBBBBBBBBBBBBESBBB\nBBBBBBBB@BBSiS]BBI3BBBBI"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-15-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-15_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "474", "page_fin": "474", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "debut_caractere": 5679, "fin_caractere_exclue": 6063, "texte": "Les Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzdsi-\nsche Original der Tage-\nbucher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsendung\nvon sechs Francs direkt zu\nbeziehen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEtnzeibezug 10 Pfennig\nDer Sturm\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme\nHannover Artilleriestr 15 und Berlin YV 35 Potsdamerstr. 111\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünf gespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN/SONNABEND DEN 15. APRIL 1911/ HANNOVER\nNUMMER 59\n\nInhalt:\nDR. MED. ALFRED DÖBLIN: Mehr Kinder / Entgegnung auf die Antwort von Eduard Bernstein / SAR PELADAN: Gedanken / KURT \"HILLER: Der Rela-\ntivismus in der Rechtsphilosophie und seine Ueberwindung durch die Restitution des Willens / PAUL SCHEERBART: Der Kaiser von Utopia / PER HALLSTRÖM : Adonia\nTRUST: Gelesenes und Erlebtes / H. W.: Offener Brief / QUINTUS FIXLEIN: Warum ? / JOHN JACK VRIESLANDER: La belle poule / Zeichnung\n\nLa belle poule / Zeichnung von John Jack Vrieslander."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "468", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.2", "texte": "Mehr Kinder\nEntgegnung auf die Antwort von\nEduard Bernstein\nVon Dr. med. Alfred Döblin\nLieber Waiden! Sie müssen mich meinen Ärger\nüber diesen Bernstein expektorieren lassen. Was dieser\nMann in Ihrer letzten Nummer produzierte, ist einer-\nseits so instinktlos und andrerseits mit solcher pro-\nfessoralen Arroganz vorgetragen, dass ich ihm seinen\nKlaps auf die Finger mit einem herzlichen Hieb unter\ndas Kinn und vergnüglichen Stoss gegen den Magen\nbeantworten muss. Muss, muss; Sie werden mich nicht\nin Hemmung und Verschleimung verrecken lassen\nEduard Bernstein lispelt, er könne in § 6\nund § 8 „nichts entdecken, was als Ermächtigung zum\nErlass eines Verbots jeder Konzeptionsverhütung aus-\ngelegt werden kann\". Ne, ne, wie sollte man auch\nsowas entdecken! Die Paragraphen sind ja ausdrück-\nlich zum Schutz der Gummihändler verfasst. Die Para-\ngraphen wollen ja ausdrücklich in ihren Motiven dem\ngrässlichen Ueberfluss an Geburten steuern und tun\ndas so gut, dass jede andere Auffassung nur eine un-\nberechtigte Verdächtigung eines in seiner Grundidee\ndurchaus zu billigenden Gesetzentwurfes bedeutet. Herr\nBernstein, Sie müssten sich einmal in das Haus Kröcher\nwählen lassen. Wenn der Mann Ihnen auf den Fuss\ntritt, werden Sie ihn um Verzeihung bitten, wenn er\nSie eine traurige Jungfer nennt und hinaussetzt, werden\nSie seine Sanftmut bewundern, und wenn ich Ihnen\njetzt empfehle, sich Ihr Schulgeld wiedergeben zu lassen,\nwerden Sie sicher staunen, wie sehr ich mich be-\nherrsche.\nDiese männliche Gouvernante, lieber Waiden, will\nuns belehren, dass das Recht der Konzeptionsverhinde-\nrung nicht bestritten wird, nur um „die Frage der\nFreigabe des Verkaufs\" handle es sich. Mache er uns\ndas vor! Wie sieht das aus: — man kann die Kon-\nzeption verhindern aus dem „Recht der Persönlichkeit\",\naber man kriegt die Mittel aus dem Recht der § 6\nund § 8 nicht zu kaufen ? Geben Sie einem Frosch\ndie Erlaubnis, Luft ungehindert zu schnappen, und\nsetzen Sie ihn ins Vakuum! Geben Sie, Sie Volks-\nvertreter, Sie Vertreter der ärmsten Bevölkerung, ihren\nWählern freiestes Recht auf Luft und Brot, und ver-\nteuern Sie das Brot bis in die Puppen, dass die Bäcker\nnur so aufgehen wie ein Kuchenteig: lassen Sie sich\nmal dann von Ihren bedauernswerten Wählern das to-\nbende Kapitel lesen von der überfeinen Logik des\nTüftlers und dem Hunger im Magen, der alle Logik\nübertönt!\nWas dieser Herr blind ist, wie er offenbar jeder\neigenen Erfahrung über die Dinge in den niederen, von\nihm selbstvertretenen Kreisen entbehrt! Wie er die\nBanalität vorbringen kann, dass „wenige Kinder ge-\nbären noch nicht schlechthin heisst, lebenskräftigere\ngebären\"; wie er ganz nebenbei sagt, dass „die Frage\nder Beschränkung der Kinderzahl im wesentlichen unter\ndem Gesichtspunkte der möglichen Fürsorge für die je-\nweilig schon geborenen Kinder zu werten\" sei, und\ndann dicht hintereinander stottert, dass die meisten\nEltern nicht die Qualität des Nachwuchses haben wollen,\nsondern dass sie ihn nur standesgemäss aufziehen\nwollen: — als ob das für unsere Frage nicht völlig\nidentisch wäre! Ihm ist aber nicht zu helfen, dem\nHerrn Bernstein, dem Eiertänzer, dem Pseudologiker\nund Sophisten. Er ist gar kein Logiker; er ist ein\nunklarer Kopf.\nDie einfachste Logik, die über allen intellektuellen\nFunktionen steht, hätte ihm sagen müssen: erst die\nTaktik, dann die Spiegelfechterei. Erst helfen, sich\nwehren und fechten, dann spintisieren und Vor-\nwürfe.\nHerzlichen Gruss, lieber Waiden 1\n\nGedanken\nVon Sar Peladan\nDeutsch von Adolf Knoblauch\nEinst war die Religion ein Gebiet, wo alle das\nheilige Abendmahl nahmen. Heute gibt es keine Ge-\nsamtheits-Sittlichkeit. Die Nachmittagsgottesdienste sind\nKurse ä pari, und das Einanderdurchdringen der Rassen\ndurch den ungeheuer erleichterten Verkehr führt eine\nniederschmetternde Einförmigkeit herauf. Ausser dem\nHaupt der Kurden und dem Fez ähnelt die Strasse\nvon Pera einer von Paris, ein wohlhabender mischt\nsich mit einem Bourgeois des Pariser „Marais\". Die\nabendländische Seele, vom Bosporus bis Kap Finisterre,\nvon den Fjorden zu den Balearen teilt sich nicht mehr\ndurch Rasse sondern durch Kultur. Es gibt die, die\nihre „Menschheit\" schufen und die — Anderen.\nDer schwere, langsame, fleissige Humanist am\nUfer der Spree, der oberflächlich glänzende am Arno,\nder rein lebhafte jenseits der Pyrenäen, der Individua-\nlist in London, haben den gleichen Boden des Stu-\ndiums und der Prinzipien Die Leute zu Pferd, zu\nRad stellen sich überall als die gleichen dar Die\nethnischen Unterschiede verschwinden, man kann die\nWesen nur einteilen nach ihrem Instinkt und ihrer\nsittlichen Lebensart. Marschall Mac - Mahon und Abt\nLacuria sind Zeitgenossen von gleicher Sprache, De-\nlacroix und Herr von Neuville vom gleichen Handwerk,\nund doch unterscheiden sich diese Männer von ein-\nander mehr, als Iberer vom Eskimo, der Irone vom\nFeuerländer. Es gibt keine Rassen mehr, aber es gibt\nKasten. Die Nationalitäten sind zu Ende, die Brüder-\nschaften nach Tüchtigkeit ersetzen sie.\n* *\n*\nAuf dieser Höhe, wohin ich steige, wo sich der\nHorizont des Christen panoramisch entschleiert, werdet\nihr das Gemälde des Menschheits - Dramas selbst auf-\ndecken. Mit den Wogen des Staubes stagniert ein\nOzean des Vergessens. Aus den Vaterländern, von den\nVaterlandsfremden Kriegswagen und Fortschritts - Ma-\ndie mehr Nichts als die Atome aus Nichts\nsind, mehr Nichts als Staub im Vergessen. Die heilige\nRose allein erblühte lebendig, sie schliesst ungeheuer\nmit den frommen Kelchwindungen inne und küsst das\nErlöser-Kreuz.\n* *\n*\nO, du Anderer den ich schon beobachtete\nder du Magier sein wirst, heil, heil teure Seele\ndie du pochtest beim Schwung der gebenedeiten\nGlocken\nSeele der Süssigkeit, der Kraft\nSeele des Heiligen, des Künstlers\nZukünftig Allerheiligstes der göttlichen Barmherzig-\nkeit\ndu, den die Leidenschaften auf immer verlassen\nwerden\nheil heil edler Geist, der du das anbetungswerte\nLichtweiss des Ideals durch meine bleiche Sprache\naufstrahlen erkanntest,\nGeist der Zartheit, des Friedens\nGeist des Ruhms, verliebten Geheimnisses\nZukünftiger Scheinwerfer des Absoluten,\ndu, der bald den goldenen Kreis krönen wird\nmit der vollkommenen Wahrheit, heil\nheil, zu den Prüfungen, zu den Werken, zur nosis\nnun öffnete ich dir den Tempel gleich Gurnemanz\nich kann nichts mehr.\nDereinst, nach dem Leiden, dem Weinen, dem\nSchreien\nwirst du tragen das schwarz — und weisse Kreuz\ndas die heilige Rose gestirnt.\n\nDer Relativismus in der\nRechtsphilosophie und\nseine Überwindung durch\ndie Restitution des Willens\nVon Kurt Hiller\nK. H.\nGeleit-Wort:\nMan macht sich bei den Fachzöpfen unbeliebt,\nwenn man ihre vorgeschriebenen Fragestellungen be-\nanstandet; wenn man Verknüpfungen herstellt zwischen\nihrer Spezialproblematik und dem, was erlebnishaft\ndurch den Geist geistiger Menschen zieht; wenn man\nin deutscher Sprache redet.\nMan macht sich bei den Chaotikern unbeliebt, wenn\nman, unter Ausschaltung jeglicher Mystagogie, Denk-\nprobleme analytisch, logisch, pedantisch anfasst und\ndurchaus dem Verstände gibt, was des Verstandes ist.\nMan macht sich bei den Aestheten unbeliebt, wenn\nman kundtut, dass man noch andere Phänomene auf\ndieser Kugel sichtet als die Kunst, und wenn man es\nwagt, sich zur Welt gelegentlich nicht wie zur einer\nGeschmackssache zu stellen.\nMan macht sich bei den Gründlichen unbeliebt,\nwenn man eine Frage in einigen Seiten, statt in einigen\nSchinken, erledigt; und bei den Dandys, wenn man sich\nüberhaupt auf Fragen einlässt. Kurzum: man wird\nimmer auf zwei Fronten bekämpft: von den Kaffern\nals Dilettant, von den Dilettanten als Kaffer ver-\nschrieen. So setze ich mich denn getrost zwischen\nzwei Stühle und harre der Giftknirpse, die da kommen\nwerden.\nRechtsphilosophie, sofern wir alles empirische For-\nschen und alle auf gelieferten Dogmen sich aufbauende\nErkenntnis aus dem Begriff der Philosophie ausschalten,\nkann keine andere Aufgabe haben als die: gegebenes\nRecht zu bewerten. Rechtsphilosophie ist weiter\nnichts als materiale Rechtskritik, samt allen\nformalen Vorfragen. Der Gemeinplatz, Rechts-\nphilosophie zerfalle in zwei grosse Gebiete, Rechts-\nwesenslehre und Rechts wertlehre, erweist sich, wie\ndie Mehrzahl seinesgleichen, als irrig; denn über das\n„Wesen\" des Rechts kann man sich lediglich durch\ngeschichtliche und vergleichende Studien, also empirico\nmodo, unterrichten; es sei denn, dass man sich auf\nmystische Spekulationen von nur privater Giltigkeit ein-\nzulassen beliebt. Kenntnis vom „Wesen\" des Rechts\ngewinnt man, auf abstraktive Methode, in der Wissen-\nschaft „allgemeine Rechtslehre\"1), und wenn man nicht\nin den Fehler des (sonst sehr ehrwürdigen) Naturrechts\nverfallen will, dann hat man bei diesem Geschäft das\nPhilosophieren hübsch beiseite zu lassen Der hohe\nMisskredit, dessen sich rechtsphilosophische Bestrebungen\nin unserem technologisch-ökonomisch interessierten Zeit-\nalter gemeinhin erfreuen, rührt sicherlich zum grossen-\nTeil her von jener trotz Savigny bis heute nicht aus-\ngerotteten Unart, über Dinge, denen nur eine nüchterne\nTatsachenforschung angemessen ist, trübe Fluten tief-\nsinnigen Geredes zu ergiessen und das Ganze dann,\nmit dem Gestus der Importanz, als Philosophie auszu-\ngeben. Gerade wer es, aus Liebe zur Philosophie und\nund zur Politik, zur geistigen und zur staatlichen Be-\nweglichkeit, für unumgänglich erforderlich hält, gegen\nkeine Schule mit so wütender Wucht und Dialektik\nzu kämpfen wie gegen die historische, gerade der wird\ngut daran tun, die Fehler sorgsam zu vermeiden, die\nvom Rationalismus des Settecento begangen worden\nsind, und wird der historischen Schule mit Nachdruck\nda Recht geben müssen, wo sie nun einmal Recht hat.\nDie Philosophie mithin ist, innerhalb der gesamten\njuridischen Problematik, nur bei der Wertung am\nPlatze Hier freilich wird sie nicht bloss geduldet etwa,\nsondern gefordert; und kann zeigen, wie sehr sie\n— trotz den Vorurteilen eines Maschinen- und Banausen-\nzeitalters — mit den Bedürfnissen des pulsierenden\nLebens verknüpft ist. Freilich zählt sie zu ihren Adepten\nmanchen, der stolz ist auf die Mängel, die ihre Feinde\nihr vorwerfen, und der, gebläht von esoterischem Hoch-\nmut, ihr das Hineingreifen ins Konkrete und in die\nflirrende Buntheit des Tages durchaus untersagen will:\nes ist eine ebenso fashionable wie unbegründete An-\nsicht, dass die Philosophie sich nicht mit aktuellen\nFragen der Legislative befassen solle. Diese Mode-\nmeinung, ein rechtes Decadence-Symptom, nämlich die\nPose missmutig gewordener Begriffsspalter, ist\neminent lebensfeindlich und imgrunde auch antiphilo-\nsophisch; denn begibt sich die Philosophie ihres uni-\nversalen, überfachlichen Charakters, ihres Papsttums über\nalle Geistigkeiten, macht sie sich selber zur „Dis-\nziplin\", so kann sie nicht mehr verlangen, von anderen\nDisziplinen gehört zu werden; versagt sie sich den\nZwecken des Lebens, so verdient sie überhaupt nicht,\ndass man sie ernstnehme — am allerwenigsten so-\nlange sie sich selber sehr ernst nimmt, solange\n\nl) Vergleichen Sie: Kurt Hiller: „Experimentaljuris-\nprudenz\" (H. Gross' Archiv für Kriminalanthropologie\nund Kriminalistik, Band 37), Seite 310"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "469", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.3", "texte": "sie sich hoch erhaben vorkommt über den „Lärm des\nTages\" und die „Genieschwünge der Utopisten\", so-\nlange sie das beschauliche Dasein eines bebrillten\nSnob führt und vor Würde behutsam ganz fett wird. . .\nWenn Piaton in seiner Politeia den Ammen anempfiehlt,\nmit den Babys nie stille zu stehen, sie vielmehr dauernd\nauf den Armen zu schaukeln, und wenn sich G. W. F.\nHegel deswegen über Piaton lustig macht, so bin ich\nkeinen Augenblick darüber im Zweifel, wer von den\nbeiden der bessere Philosoph sei.\nDarin allerdings muss man den Verfechtern der\nVornehmheit in der Philosophie vollauf beistimmen,\ndass ein willkürliches Zensurenerteilen und Herum-\nkritteln an den rechtlich-politischen Gegebenheiten (wie\nes in der Tagespresse und in den Parlamenten meist\ngeübt wird) zunächst noch bei weitem keine Philosophie\nist. Erst dadurch in der Tat wird Kritisieren von\nRechtsbestimmungen zur „Rechtskritik\" (das heisst zur\nPhilosophie), dass die spezielle Beurteilung sich auf-\nbaut auf generellen Prinzipien. Damit dies aber mög-\nlich werde, muss erst die Vorfrage gelöst sein, welches\njene generellen Prinzipien sind und auf welchem Wege\nman sie findet. Es ist beschränkt, in der Diskussion\ndieser Vorfrage die alleinige Aufgabe der Rechts-\nkritik zu erblicken (wie gerade die klügsten Köpfe in\nder jungen kritischen Schule es leider vielfach tun); aber\ndie erste Aufgabe der Rechtskritik ist die Methodo-\nlogie allerdings.\nHier nun begegnen dem Forschenden sogleich un-\nüberwindliche Schwierigkeiten. Es ist bisher noch\nkeinem lebenden Wesen gelungen, oberste Wertprin-\nzipien, Soll-Sätze, Kriterien des Richtigen zu finden,\nderen Notwendigkeit und Allgemeingiltigkeit nachweis-\nbar wäre. Alle Versuche, dieses Kardinalproblem\n(übrigens nicht bloss der kritischen Jurisprudenz, son-\ndern auch der Ethik) zu bewältigen, sind fehlgeschlagen.\nDa ist zunächst der von allerhand gedankenlosen\nVielwissern täglich verübte, durch Franz von Liszt's\ngeistreiche, aber unglückliche Theorie gestützte\nPositivismus, der das Seinsollende aus dem Seien-\nden glaubt ableiten zu können und, als „Synthese aus\nWert- und Wirklichkeitsbetrachtung\" *), vermittelst cau-\nsaler Untersuchung der Gegenwart Prognosen für die\nZukunft aufstellt, denen er normativen Charakter vin-\ndiziert. Hierbei wird der logische Schnitzer begangen:\ndie wahrscheinliche Entwicklung unter allen Um-\nständen mit der wünschenswerten Entwicklung zu\nidentifizieren; die simple Veränderung, kraft einer\nvöllig unbegründbaren Teleologik, durch geographische\nQuantität zum Fortschritt werden zu lassen; in den\nempirischen Teig überempirische Rosinen einzu-\nschmuggeln. Dieser Schnitzer ist weit ärger als der\nOptimismus, mit dem man sich einredet, aus dem be-\nängstigenden Wirrwarr der gegenwärtigen Kultur, aus\ndem irritierenden Bellum omnium contra omnes, das,\nauf dem Welttheater von heute, Philosophien, Religionen,\npolitische Systeme vor den Augen aller Geistigen auf-\nführen, überhaupt wissenschaftlich sichere Prophezei-\nungen treffen zu können. Diesen Optimismus mag\nman noch hingehn lassen; schärfste Zurückweisung\njedoch, seitens aller derer die denken können, verdient\ndas Beginnen, Wert und Wirklichkeit „synthetisch\" mit-\neinander zu vermengen — zwei Kategorien, welche, nach\nSimmel 2), einander so fremd sind wie bei Spinoza das\nDenken und die Ausdehnung, die sich nirgends berühren,\n„weil sie die Begriffe der Ding enach völlig Verschie-\ndenem fragen\".B)\nEs ist erstaunlich, dass eine Richtung, deren\nVerkehrtheit so auf der Hand liegt, derartig viele An-\nhänger zählt. Seine neuesten Triumphe feiert der\nPositivismus ja in den wissenschaftlichen Präliminar-\narbeiten zum Vorentwurf für ein Deutsches Strafgesetz-\nbuch. Diese Arbeiten bestehen bekanntlich in einer\nzahllose Bände umfassenden „Vergleichenden Darstellung\ndes deutschen und ausländischen Strafrechts\". Ich\nbin Ketzer genug, die Ströme Schweisses, die sitzsame\nGelehrte bei dieser Gelegenheit vergossen haben, für\nannähernd umsonst vergossen zu halten. Denn über\ndie Richtigkeit der von einem idealen Strafrecht anzu-\nstrebenden Zwecke kann die Vergleichung nicht das\nmindeste lehren; ob Fruchtabtreibung beispielsweise\nstrafwürdig sei, geht nicht daraus hervor, dass sie in\nOesterreich, Luxemburg, Siam oder Venezuela tatsäch-\nlich bestraft wird. Ueber die Tauglichkeit der Mitte\naber zu (unproblematisierten) Zwecken kann man sich\ndoch nur ein Urteil bilden, wenn man die Erfolge\nder in den verschiedenen Staaten angewandten Mittel\nmiteinander vergleicht (Kriminalstatistik), aber nicht\ndurch brüten Vergleich der die Mittel angebenden\nNormen. Von Kriminalstatistik jedoch bemerkt man\nin dem Werke wenig. Somit ist sein einziger Wert\nder: dass eine Reihe von Fachleuten sich zu den wichtig-\nsten de lege ferenda-Problemen ausgesprochen haben. Dies\naber war durchaus auch ohne den „vergleichenden\"\nApparat möglich. Der Positivismus ist zeitraubend;\nweiter nichts; sowohl für die, die ihn ausüben, als\nauch für die, die seine Produkte lesen müssen Er\nvermehrt (überflüssigerweise) die Kenntnisse, und be-\nreichert nicht die Erkenntnis. Es wird Zeit, dass ein\nhomerisches Gelächter ihn hinwegfegt.\nUnzureichend für die Beantwortung der Wert-Frage\nist auch der Utilitarismus. Auf die Zweck-\nhaftigkeit alles Rechts hinzuweisen, war vielleicht zu\nIherings Zeiten verdienstvoll; heute ist das selbstver-\nständlich und platt (in keinem Punkte hat Joseph\nKohler mehr Recht als in diesem) — wiewohl nicht\ngeleugnet werden soll, dass es auch gegenwärtig noch\nEsel gibt, die bestreiten, dass das Recht einen Zweck\nhabe, und offenbar meinen, es sei zum Vergnügen\noder aus Mystik da. Jedenfalls bedeutet „nützlich\"\nüberall „nützlich irgendwozu\"; und wenn uns\nder Utilitarismus schon allenfalls die richtigen Mittel\nzu vorausgesetzten Zwecken anzugeben vermag, so\nlässt er uns doch im Stich, sobald wir ihn nach der\nRichtigkeit der Zwecke fragen; es sei denn, dass\ner diese Zwecke wiederum als Mittel zu höheren\nZwecken nachweist; dann aber bleibt der Wert dieser\nhöheren Zwecke eben problematisch! Der Utilitaris-\nmus eröffnet uns lediglich, dass überall das Nützliche\ngeschehen soll; was aber nützlich sei — das ver-\nschweigt er. Er ist keine falsche Werttheorie, in-\ndessen eine unzulängliche.\nVöllig verfehlt sind die Versuche der Material-\nEthiker, Begriffe wie Glück, Lust, Freiheit,\nMacht, Kultur in die Formel des obersten\nWertes einzusetzen. Das Recht ist eine soziologische\nErscheinung; diese Begriffe aber sind aufs Soziolo-\ngische garnicht anzuwenden, denn sie sagen nichts aus\nüber den typischen Fall des Rechts, den der Kol-\nlision. Im übrigen bezeichnet jeder dieser Be-\ngriffe individuell verschiedene Zustände (Meier fühlt\nsich unter anderen Bedingungen „glücklich\" als Müller;\ndie „Freiheit\", die ich meine, ist nicht die Freiheit, die\nd u meinst), und selbst über die formale Bedeu-\ntung der Begriffe ist man sich keineswegs einig:\nLorenz Brütt zum Beispiel, welcher die „Kultur\" in\ndas Zentrum seiner politischen Philosophie gestellt\nhat, hat gewiss etwas ganz anderes darunter ver-\nstanden, als Simmel oder Breysig darunter verstehen.1)\nVor allen Dingen jedoch sind diese Werte unbe-\ngründbar; so wenig ein Kenner der menschlichen\nSeele ihre tatsächliche Wirksamkeit in\nden Subjekten leugnen wird, so wenig wird der\nKritizist ihre Legitimiertheit zugestehen\nkönnen, als welche nur dann vorhanden wäre, wenn\nsie sich aus jeweils übergeordneten, allgemeineren, dem\nBegriff nach umfangreicheren Werten ableiten Hessen,\nDiese bedürften dann wieder der Legitimation aus\nnoch höheren: und der Regressus verliefe in infinitum.\nSimmel, in seiner prachtvollen „Einleitung in die Moral-\nwissenschaft\", schreibt:2)\n„Immer nur ein Inhalt des Sollens kann auf einen\nandern zurückgeführt werden, aber an irgend einem\nbleibt es schliesslich als an dem ursprünglichen haften,\nvon ihm entlehnen alle andern die Würde des Sollens,\nohne dass er selbst sie von einer andern Instanz her-\nleitete. Identifizieren wir das Sollen mit irgend einem\nInhalt und sei es selbst nur der des kategorischen\nImperativs, so nimmt dieser an der ganzen Unbegründ-\nbarkeit teil, die dem Sollen selbst eigen ist. Wenn\nder Metaphysiker eine letzte Substanz aufgefunden hat,\naus deren Wesen sich alle Erscheinungen des Kosmos\nfolgern lassen; wenn wir eine ursprünglichste Summe\nder Kraft entdeckt haben, die die Quelle für alle auf-\nzeigbaren Kraftwirkungen im Weltgeschehen bildet: so\nkönnen wir weder fragen, woraus sich das Wesen\njener Substanz erklären lässt, noch was die Ursache\ndieser Kraft sei, ohne unsere eben gewonnene Er-\nkenntnis selbst wieder in Frage zu stellen. Und ganz\nebenso können wir nicht fragen, woher der letzte\ngesollte Inhalt, auf den wir kommen, sein Sollen be-\ngründen könne. Auch operiert alle Zurückführung der\nsittlichen Mannigfaltigkeit auf ein letztes Prinzip nicht\neigentlich mit dem Sollen; sie schiebt es vielmehr von\neinem Inhalt auf den andern, indem sie nachweist,\ndass die einzelne Pflicht ihr Sollen nicht in sich, son-\ndern von jenem tiefsten zu Lehen trägt, zu dem sie\n!m Verhältnis des Mittels steht. Nicht dass irgend\neine bestimmte Handlung, zum Beispiel Fürsorge für\ndie Familie, an sich Pflicht sei, beweist der monis-\ntische Ethiker, zum Beispiel der Utilitarier; sondern\nnur dies, dass jene Handlung das Glück der Gesamt-\nheit steigern helfe und sein soll, weil diese Glücks-\nsteigerung sein soll; das Gesolltwerden dieser aber\nlässt sich nirgendwoher leiten, sondern nur als Tat-\nsache oder als Dogma aussprechen. Das Sollen be-\ngleitet die ganze Reihe von Ursachen und Wirkungen,\ndie etwa von dem Geldverdienst für die Familie bis\nzur Glückssteigerung für die Allgemeinheit oder zur\nErfüllung der kantischen Formel oder zur Realisierung\neiner Herbartschen Idee führt, ohne in ihr selbst eine\nErklärung zu finden Jedes Glied vielmehr erklärt\nsein Sollen aus dem Gesolltwerden des folgenden, und\nwo wir an dasjenige kommen, welches das Sollen\nnicht wieder von sich abwälzen, seine Dignität nicht\nmehr von einem andern herleiten kann, da bricht, die\nReihe ab und lässt es an diesem genau so unerklärt,\nwie es an dem ersten war: das Letzte, das wir er-\nklären können, ist das Vorletzte Die Hauptfrage,\nweshalb denn die einzelne Tat gesollt wird, ist auf\ndiese Weise nicht gelöst, sondern nur zurückgeschoben.\nSo schiebt jeder höhere mathematische Satz die For-\nderung, seine Wahrheit zu beweisen, auf einen vorher-\ngehenden einfacheren, und dieser wieder weiter bis\nzurück zu den Axiomen, von denen alle andern ihre\nWahrheit borgen und mit deren unbeweisbarer Gültig-\nkeit sie stehen und fallen. So kann auch das Recht\nden Beweis für die Gerechtigkeit seiner höheren Be-\nstimmungen nur so führen, dass es dieselben als\nlogische Folge gewisser letzter Prinzipien aufzeigt, die\neinfach als Recht hingenommen, aber nicht bewiesen\nwerden können.\" *)\nAn dieser peinlichen Situation des normativen Nach-\ndenkens bewährt sich die erkenntnispsychologische Regel,\ndass nicht bloss jede causale (genetische), sondern auch\njede teleologische (systematische) Betrachtung zu einem\nunendlichen Regress führt. Für unsere Vernunft, wie\nsie nun einmal organisiert ist, besteht nicht nur keine\n„letzte Ursache\", sondern auch kein „letzter Grund\".\nSo wie jede Ursache nur als Wirkung einer früheren\nUrsache angesehen werden kann, also auch eine „letzte\"\nnur als die Wirkung einer sozusagen „hinterletzten\",\ngerade so kann auch jeder Grund nur als die Folge\neines logisch übergeordneten Grundes erscheinen. Wie\nman der Behauptung von der „letzten\" Ursache\neines Seienden entgegentreten müsste mit der\nskeptischen Frage: Wovon ist diese Ursache die\nWirkung? — entsprechend muss man jedweder Be-\nhauptung vom „letzten\" Grunde eines Sein-\nsollenden begegnen mit der Frage: Woraus ist\ndieser Grund die Folgerung?\n\n*) Vergleichen Sie: v. Liszt: Strafrechtliche Auf-\nsätze und Vorträge 11, 422; Zeitschrift für die gesamte\nStrafrechtswissenschaft XXVI, 553; Vergleichende Dar-\nstellung des deutschen und ausländischen Strafrechts,\nbesonderer Teil, Band V, Seite 4- 6\n2) Philosophie des Geldes, Seite 7\n3) Vergleichen Sie gegen den Positivismus (oder\nPseudo-Empirismus) :\nRadbruch, Aschaffenburgs Monatsschrift für\nKriminalpsychologie und Strafrechtsreform\n11, 423\nKantorowicz, Aschaffenburgs Monatsschrift\nIV, 92 ff\nR. Wassermann, „Begriff und Grenzen\nder Kriminalstatistik\", 1909, § 2\nSom 1 ö , Archiv für Rechts- und Wirtschafts-\nphilosophie 111, 510 ff\nHill e r, Aschaffenburgs Monatsschrift VI,\n624 ff\n*) lieber den Begriff der „Kultur\" vergleichen Sie: Hil-\nler, in der Wochenschrift „Der Sturm\", 1910, Num-\nmern 24—26. — Gemeint ist übrigens Brütts Werk „Die\nKunst der Rechtsanwendung\", 1907, darin besonders §8.\n2) 1892, Band I, Seite 13—15\n*) Man gestatte mir bei dieser Gelegenheit eine\npersönliche Bemerkung. Ich muss gegen den Vorwurf\nprotestieren, dass ich es liebte, längere Stellen aus\nAutoren wörtlich zu übernehmen. Freilich liebe ich\ndas, und zwar aus gutem Grunde. Wozu veröffent-\nlichen die grossen Denker ihre Wahrheiten, wenn nicht\nder, der sie findet und begreift, sie weiterträgt? Und\nin welcher Form kann man einen wertvollen Gedanken\nwohl besser weitertragen als in der, die sein Vater ihm\ngegeben hat? Nur Skribifaxe, die aller Originalität\nbar sind, fühlen sich verpflichtet, um ja die Maske der\nOriginalität zu wahren, anstelle ehrlicher Zitate selbständig\nverballhornte „Darstellungen\" oder schiefe „Extrakte\" zu\nliefern. Ich für mein Teil muss es ablehnen, eine\nIdee Simmeis oder Nietzsches besser formulieren zu\nwollen als Simmel oder Nietzsche es getan haben."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "470", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.4", "texte": "In dieser erkenntnispsychologischen Eigentümlichkeit\n(die übrigens jedermann mittelst introspektiver Analysis\nals Tatsache bei sich feststellen kann) gleichen sich\ndie sonst so ungleichartigen Grössen Physik und Ethik;\nein oberstes Erklä r u n g s prinzip will erklärt, ein\noberstes Rechtfertigungs prinzip will gerecht-\nfertigt sein! So wenig wie eine causa sui passt\neine ratio sui in den menschlichen Denkapparat\nhinein. (Dies ist eine Beute, die dem Skeptizismus\nfür alle Ewigkeit nicht mehr wird entrissen werden\nkönnen.)\nDas Wissen um die Unbegründbarkeit oder Dog-\nmatizität jedes materialen Sollens hat nun den scharf-\nsinnigen Kant dazu verführt, ein formales Sollprinzip\naufzusuchen. „Handle so, dass die Maxime deines\nWillens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen\nGesetzgebung gelten könne.\"1) Nun ist zunächst dieses\nPrinzip doch nicht ganz so formal wie es ausschaut;\nes gibt doch eine Tugend-Anweisung von ganz be-\nstimmtem (sozialen) Inhalt. Es ist keineswegs selbst-\nverständlich, dass wir so handeln sollen, dass das\nPrinzip unseres Willens geeignet ist, zugleich das einer\nfür Alle geltenden Gesetzgebung zu sein. Der kritische\nGeist hat hier durchaus weiter zu fragen, welches denn\nder ethische Grund dieser Forderung der Allgemein-\ngültigkeit von Handlungsmotiven sei. Aber sehen wir\nselbst hiervon ab und nehmen tatsächlich reine For-\nmalität des kategorischen Imperativs an (wobei dann\ndie Forderung der Allgemeingültigkeit, als mit dem Sollen\nidentisch, das Sollen nur analytisch ausdrückte),\nso enthält der Imperativ eben nur das allgemeine\nTugendgebot: „handle so, wie du handeln sollst\"; —\nwie ich nun aber handeln soll, sagt mir die formale\nFormel mit nichten! Kenne ich die Maxime, die\njederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetz-\ngebung gelten kann, dann brauche ich, sofern ich nur\nüberhaupt tugendsam, das heisst ein Mensch von „gutem\nWillen\" bin, garkeinen Imperativ, weder einen in\nkantischer noch einen in deutscher Sprache; denn der\nFall des inneren Konflikts ist dann ausgeschlossen;\nkomme ich aber ins Dilemma, kenne ich die zur Ge-\nsetzmässigkeit taugende Maxime nicht (und dies ist\ndoch wohl eigentlich die psychische Situation, für die\nes der Ethik bedarf und auf die jede Ethik abgestellt\nsein muss), dann nützt mir der formale Imperativ\nnicht ein Pfifferling Er enthüllt sich dann\nals eine recht stroherne Erfindung, als — Tautologie.\nEr äussert: ich solle so handeln, wie ich handeln soll.\nWenn ich aber um des Himmels Willen nur wüsste,\nwie ich handeln soll! — 3)\n\nx) Kritik der praktischen Vernunft, I. Teil, I Buch,\n1 Hauptstück, § 7\n2) Vergleichen Sie hierzu auch den klugen Essay\n„Politik als Wissenschaft und Philosophie\" von Kurt\nPeschke, im „Archiv für systematische Philosophie\"\nXVI, Seite 332 \"ff., insbesondere Seite 338.\n\nFortsetzung folgt\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nLXXXVI\nDer Mantel und der Käseberg\nAls der Herr Sebastian als Doppelgänger des Kaisers\nauf dem Markte von Schiida erschien, da hatten die\nSchildbürger gerade eine halbe Stunde vorher die Nach-\nricht bekommen, dass der Kaiser in Ulaleipu bereits\nvier Tage anwesend und dort krank geworden sei;\ndie explodierenden Leichen hatten alle Telegraphen-\nHnien so in Anspruch genommen, dass nicht einmal\nder Tod des Moritz Wiedewitt früher bekannt ge-\nworden war.\nWährend nun nachher die Schildbürger auf ihrem\nMarkte standen und warteten, trafen weitere Nach-\nrichten ein — auch die vom Tode des alten Ober-\nbürgermeisters Wiedewitt Und das alles steigerte noch\ndie Verwirrung, so dass die Schildbürger erst bei\nMorgengrauen wagten, in den goldenen Löwen zu\ndringen, und dort die Türen zu den kaiserlichen Ge-\nmächer aufzubrechen.\nUnd da fand man nun alles in schönster Ordnung;\nder rote Mantel lag auf einem Divan und auf dem\nroten Mantel lag die rot und weiss gestreifte Kappe\ndes Oberbürgermeisters.\nDie Fenster waren fest verschlossen; das hatte\nder Herr Sebastian von aussen mit der Strick-\nleiter bewirkt, an der sich ein sinnreicher Mechanismus\nbefand.\nDie Sache war allen unbegreiflich.\nSchliesslich redete der Regierungssekretär Käseberg\nzu den Schildbürgern folgendes:\n„Meine Herren! Wir wissen vom menschlichen\nLeben nicht viel Genaues. Wir wissen, dass das Kaiser-\nreich Utopia östlich von Kallekutta liegt — und da-\nmit ist bekanntlich nicht viel gesagt. Wir wissen, dass\nder Kaiser Philander sechs Monate hindurch unser\nOberbürgermeister war. Aber das wissen wir auch\nnicht sehr genau. Ich glaube, wir tun gut, wenn wir\nannehmen, dass ein Doppelgänger des Kaisers unser\nOberbürgermeister war. Und da ein Doppelgänger\nein Geist ist, so dürfen wir uns nicht. wundern, wenn\ndieser Geist jetzt unsichtbar ist. Ich schlage deshalb\nvor: legen wir Mantel und Kappe im Rathaus nieder\nund lassen wir den Geist auch fürderhin Oberbürger-\nmeister von Schiida sein — auch wenn er unsichtbar\nbleiben sollte. Vielleicht wird er uns nochmals sicht-\nbar. Wählen wir aber keinen neuen Oberbürgermeister\n— wir haben zwei in einer Nacht verloren.\"\nUnd man tat, wie Herr Käseberg vorgeschlagen hatte.\nLXXXVII\nDer Kaiser Philander im Hintergrunde\nDiejenigen, die noch an der bunten Krankheit\ndarnieder lagen, wurden jetzt sämtlich gesund —\nund die Leichen derer, die an der bunten Krankheit\ngestorben waren, explodierten in den nächsten\ndrei Wochen allesamt, so dass die furchtbare\nKrankheit plötzlich von der Bildfläche verschwand\nund den anderen Lebensinteressen wieder Spielraum\nliess.\nDa kam nun gleich die kräftige Agitation der\nPriester in den Vordergrund, und der verschwundene\nHerr Bartmann wurde täglich berühmter\nIn der Literaturzentrale erschienen verschiedene\nSchriften, in denen das Benehmen das Kaisers Philander\nscharf getadelt wurde; gerade in der schwersten Zeit\nder Verwirrung hatte sich der Kaiser in Schiida\naufgehalten — und über die Doppelgängergeschichte\nkonnte der Kaiser auch nichts aufklärendes sagen.\nKurzum: Der Kaiser kam in den Hintergrund, und\nder Bartmann wurde immer höher gestellt, und man\nschätzte es durchaus nicht, dass der Kaiser für den\nBartmann eintrat - das erschien allen ganz selbst-\nverständlich.\nDer Kaiser lachte sehr oft, wenn er allein war.\n„Fehlt nur noch,\" sagte er, „dass sie den ver-\nschwundenen Bartmann zum Kaiser machen wollen!\nJawohl — es ist nicht so leicht, Gedankenkaiser zu\nwerden — besonders dann nicht, wenn man verpflichtet\nist, eine sichtbare goldene Krone zu tragen.\"\nAber etwas verstimmt sah der Kaiser bald aus.\nLXXXVIII\nDie Umgewandelten\nDie Erfolge der priesterlichen Agitation waren in\nkurzer Zeit ganz grossartige; überall regte sich ein\ngrosses Interesse an dem innerlichen Leben des\nMenschen.\nJetzt erst kam es allen zum Bewusstsein, dass\nriele Tausende in den letzten Monaten starben; man\nzählte ungefähr siebzigtausend Tote. Und die Trauer im\nLande machte alle anders, so dass man nur noch ernste\nGesichter sah.\nUnd so war es nun natürlich, dass die Priester\nüberall aufmerksames Gehör fanden. Alle einfachen\nVergnügungen mied man; die Utopianer kamen sich\nselber ganz umgewandelt vor.\nLange Wochen hindurch wars so, als könne man\nsich immer noch nicht zurechtfinden; die Naturereignisse\nwirkten nach.\nLXXXIX.\nDie Kaiserin\nDer Kaiser Philander zeigte auch nur noch ei«\nernstes und sorgenvolles Gesicht.\nUnd die Kaiserin Cäcilie deutete dieses Gesicht\nihres Gemahls ganz anders, als die andern.\n„Es ist Dir\", sagte sie, „doch nicht so ganz recht\ndass der Herr Bartmann so die Utopianer beschäf-\ntigt, nicht wahr? Weisst Du, was ich immer geglaubt\nhabe?\"\n„Nun?\" fragte der Kaiser.\n„Ich glaubte,\" versetzte die Kaiserin, „Du selbst\nseist der Bartmann gewesen.\"\nDer Kaiser erschrack und sah seine Gemahlin lange\nan und wusste nicht recht, ob er ihr trauen sollte,\nund grübelte immerzu darüber und sah sie immerzu\ngross an.\nDa sprang die Frau Cäcilie auf und lachte und\nsagte:\n„Jetzt weiss ich, dass das stimmt.\"\nDa fiel der Herr Philander darauf hinein und gak\nalles zu.\nAber da wurde die Frau Cäcilie sehr unruhig und\nfragte leise:\n„Wer weiss es denn noch?\"\n„Es wissen das,\" versetzte der Herr Philander, „nur\nnoch die Herren Haberland und Sebastian.\"\n„Werden die,\" fragte Frau Cäcilie, „auch schweigen?6\n„Wenn Du nur schweigst!\" antwortete darauf ihr\nGemahl.\n„Ich schweige,\" sagte Frau Cäcilie.\nUnd dann erzählte der Philander seiner Frau alle\nseine Abenteuer ganz genau.\nUnd die Kaiserin musste oft so lachen, dass ihr\ndie Tränen über die Backen rollten.\nXC\nDer Orkan an der Sturmküste\nDer Meeressumpf an der Sturmküste war noch\nimmer nicht zur Ruhe gekommen, die Schlammassen\nwälzten sich und rumorten ohne Unterlass — nur die\nIrrlichter zeigten sich nicht mehr.\nDa brach abermals ein furchtbarer Orkan über\ndem Meeressumpf los, und aus dem Sumpfe schlugen\nplötzlich abermals ganz hohe Flammen heraus und\nlösten sich von der Erde los und wirbelten hoch\nin die Lüfte hinauf.\nEs sah schrecklich aus.\nDie Gelehrten vergassen bei diesem neuen Aus-\nbruch des unterseeischen Vulkans die photographischen\nApparate und starrten wie abwesend das neue Wunder\nan und fürchteten, dass jetzt abermals jene entsetzliche\nbunte Krankheit kommen würde.\nDann aber gabs einen ohrenzerreissenden Lärm, und\nder ganze Meeressumpf sank in die Tiefe, so dass ein\nmeilengrosses Loch entstand, in das nun die Meeres-\nmassen polternd hineinstürzten.\nDass die Granitfelsen der Sturmküste bei diesen\nErschütterungen stehen blieben, kam allen als das\ngrösste Wunder vor.\nUnd von dem tiefen Loch wurden soviele Meeres-\nmassen aufgesogen, dass das Meer an allen Küsten\nzurücktrat und sich viele neue Inseln bildeten.\nXCI\nDie Geisterscharen\nDie Flammen aber, die zum Himmel hinaufloderten,\nstiegen immer höher in den Weltenraum empor -\nund sahen oben wie grosse Geisterscharen aus.\nUnd die Gelehrten erklärten plötzlich einstimmt\ndas sind Geister der Tiefe, die da oben im Raum lebefl\n— das sind gar keine Flammen.\nGanz Utopia starrte nachts den Himmel an undr\nsah, wie sich oben die Flammen veränderten und, wie\nes allen vorkam, sich zu körperlich wirkenden Gestalten\numbildeten.\nDieses Naturereignis wirkte so mächtig, dass w5\nalle Utopianer volle acht Tage hindurch nicht einen\nAugenblick schlafen konnten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "471", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.5", "texte": "XCII\nDie Sternwarte des Herrn Haberland\nAls sich die erste Aufregung ein wenig gelegt hatte,\nund die Ermüdung eintrat, da bat der Herr Haberland\nden Kaiser, die Erlaubnis zu geben, dass sofort auf\nden höchsten Bergen des Landes ein Dutzend neue\nriesige Teleskope aufgestellt würden.\nUnd der Kaiser erfüllte natürlich den Wunsch des\nHerr Haberland; der Staatsrat bewilligte sehr grosse\nSummen.\nUnd dann wurden die Geisterscharen mit den alten\nTeleskopen fortwährend beobachet, und die zwölf neuen\nTeleskope wurden so schnell wie möglich fertiggestellt,\num die Beobachtungen in umfangreicherem Masse fort-\nzusetzen.\nUnd diesen Beobachtungen gegenüber traten alle\nanderen Interessen des Landes für mehrere Wochen in\nden Hintergrund.\nUnd dann gab es eine Flut von Büchern, die das\nWesen der neuen Geisterscharen festhalten wollten;\nleider veränderten sich die Flammengebilde so häufig\nund oft so schnell, dass man an ihre Geisternatur\nschliesslich nicht mehr glauben wollte.\nSehr viele Gelehrten hielten aber doch daran fest,\ndass die Flammen nicht einfache Flammen sein könnten.\nDas Leben im Innern der Erde beschäftigte die\nUtopianer bald mehr als das Leben auf der Oberfläche\nder Erde.\n\nSchluss folgt\nFortsetzung statt Schluss\nSchiuss folgt\n\nAdonia\nVon Per Hallström\nSie zogen des Morgens hin, als die Sonne ihnen\nvon den Bergen entgegensprang, rot und bebend wie\n«in blutiges und lebendes Herz, sie jauchzten im Lichte,\nand die Harnische brannten, und die Gewänder flammten\nin Pracht gegen die langen Schatten des Morgengrauens.\nAb Jathar, der Priester, wusch sich im Brunnen Rogel\nund legte seine Kleider an; er leuchtete in Gelb und\nRosenrot, und die Steine des Schildes blitzten, dann\nzog er den Hügel hinan, ihm nach die wogende Schar.\nZwei Diener führten einen Stier an tiefgebeugten Hörnern,\nder zum Boden schnaubte und unruhig stampfte.\nNun beugten sie seinen Kopf rückwärts, so dass\nder Hals sich spannte, und Ab Jathar ergriff das Messer\nund schnitt. In kräftigem Strahl schoss das Blut mit\nsüsslich warmen Duft hervor, und ein Priester fing es\nin einer Bronzeschüssel auf, wo es, quirlender Purpur,\nbis zum Rande stieg; wie ein Turm fällt, wenn der\nGrund untergraben wird, so sank das Tier auf seine\nkraftlosen Knie, und die Erde seufzte unter seiner\nLast.\nAb Jathar nahm das Blut und goss es in die\nGrube des Steines, und alle sahen an der leise wir-\nbelnden Bewegung der Luft, wie ein Dampf emporge-\nzogen ward und hoch aufstieg, als würde er von\nkräftigen Atemzügen eingesogen. Das war Jehovah,\nder Adonias Opfer prüfte und es gut fand, und Adonia\nzuckte freudig zusammen.\nAb Jathar tauchte seinen entblössten Arm hinab\nin den aufgerissenen Bauch des Stiers und ergriff diefHäute\ndes Magens mit ihrem gelben Fett, legte Kuchen von Honig\nund Mehl darauf und hob seine blutige Bürde zum\nHimmel. Seine Augen spannten sich mit zusammen-\ngezogenen Pupillen, seine Mundwinkel zitterten, die\nStirne zitterte, aber der rote Arm war unbeweglich,\nund er sprach, und seine Stimme war laut und singend\nwie der Klang von Posaunen.\n„Adonia, Davids Sohn, Adonia, des Königs Sohn\nbringt das Opfer dar!\"\nAuf den Stein hatten die Diener einen Stapel von\nkurzgeschnittenem Holz gelegt; nun breitete Ab Jathar\nsein Opfer darüber und entzündete den Scheiterhaufen\nmit einem Feuerbrand. Eine lange hungrige Flamme\nstieg sogleich gelb und rauchend aus dem harzigen\nHolze auf, züngelte an dem Blute entlang und wies\ngerade empor, wie ein Finger in die stumme Luft\nEin Gemurmel des Jubels verbreitete sich rings-\numher, denn das kündete Gutes, und Adonia blickte\nsiegesgewiss nach den Hügeln der Stadt hinüber. Neue\nOpfertiere wurden herangeführt. Stiere, die vor dem\nBlutgeruch bebten, Hammel, die blutgesprenkelte Aug-\näpfel nach aussen drehten. Ihre Kehlen röchelten\nund gluckssten unter dem Todesstreich. Ihre roten\nKörper wurden kunstfertig zerstückelt, dass das Blut\nin der Haut zurückblieb und kein Tropfen zur Erde\nfiel, der Scheiterhaufen zischte von dem feuchten\nFleische, und aus den dunklen Flammen fiel schwarzer\nblanker Russ Die Luft war lau von Blut, salzig von\nBlut, sie Hess die Nüstern sich weiten, von dem fetten\nSteine schoss das Opfer wie eine Riesenblume aus\nBlut und Flammen, im Rauch stand die Sonne blut-\nrot, ohne Strahlen. Aller Hirne wurden von einem\nTaumel ergriffen, die Luft wogte und wirbelte, die\nAugen glänzten vor Verzückung, die Lippen lachten\nvor Grausamkeit und von dem Jubel der Stunde ward\nAdonias Zukunft wie ein Banner getragen, das vom\nWinde geblaeht wird. Aber noch einmal zitterte\nAdonia in Unruhe, als er sein letztes Opfer brachte,\nzwei Tauben. Die anderen begriffen nicht, warum er\nsie opferte; es geschah für Abisag und ihn, damit sie\nsein würde.\nAls die Hälse der Vögel abgedreht und die blau-\ngrauen Flügel geknickt waren und sie in den Scheiter-\nhaufen geworfen wurden, flatterten sie in dem starken\nZugwind und wurden fast brennend emporgehoben,\nverzehrt und verschwanden. Es dünkte Adonia, dass\nJehovah sie in Gnaden angenommen habe, und er ver-\nmochte seine Freude kaum zu tragen. Nun war sie\nsein, nun war alles sein.\nAls der Scheiterhaufen niedergebrannt war, ver-\nsammelte man sich unterhalb des Hügels, wo das\nFleisch der Opfertiere zubereitet wurde, man ass und\ntrank, und der wilde Triumph der Opferung wandelte\nsich in lärmende Freude.\nMan nannte Salomos Namen und höhnte ihn unter\nLachen und Schimpfworten, man rechnete die Anzahl\nder Opfer zusammen — nie hatte er so viele gebracht.\nMit wohllautenden und schönen Worten suchte er\nseinen Gott zu gewinnen, mit reinen Kleidern und\nWaschungen; wie würden seine kargen Lippen erstaunt\nsein, wenn er so viel Blut gesehen hätte! Behutsam\nwie eine Arche des Herrn schritt er dahin, eine Stein-\ntafel hatte er in der Brust an Stelle des Herzens.\nEr sollte hier sein, Salomo, und sehen, ob er es\nwagte, der König von Kriegern zu werden, er, der\nMetze Bath Sebas Sohn — sie sollte hier sein, die\nHündin! Bei ihren Haaren würde man sie ergreifen,\nsie, Adonias Feindin, und ihr Gesicht in die blutigen\nHäute drücken, sie, Urias blutige Witwe, und ihre ge-\nmalten Nägel würden sich in die Erde einkrallen vor\nScham.\nSie waren berauscht vom Triumph und übersatt\nan Nahrung, sie drohten mit den Waffen gegen Edom\nund Syrien, gegen Ammon und Tyrus und schworen\nbei Adonias Namen. Joab trat vor und rief ihn zum\nKönig aus, und aus weitoffenen Lippen riefen alle mit.\nEin Wirbel von Stimmen, die emporgeschleudert wurden\nund zusammenstiessen und hinaushallten, eine Säule\nvon Jubel und Triumph, die den Himmel trug, und\nder Sonne schmelzendes, blendendes Feuer leuchtete\nzu Adonias Ehre.\nEr nahm die Huldigung mit gelassenem Blick ent-\ngegen. Jetzt, da er das Begehrte sicher und zum\nGreifen nahe hatte, bebten seine Hände nicht länger\nvor Verlangen; Wie Feuer mit Feuer vereinte sein\nWesen sich mit der Macht. Nur der Gedanke an\nAbisag schnürte seine Kehle in ungestümen Begehren\nzusammen und liess vor seinem Blick lockende Fahnen\nflattern.\nEin Schrei stieg über die Höhen wie eine Antwort,\nund ein paar schrille Töne aus Pfeifen schwangen\nsich hoch auf und tanzten in Freude Frauenstimmen,\nMännerstimmen, tausende von Stimmen. Es musste\ndie ganze Stadt sein, die aus wiederhallenden Mauern\nihren Triumph hinaussandte. War das Gerücht schon\ndorthin gedrungen.\nDas Murmeln und Rauschen sang und stieg wieder,\nund näher kam es mit dem trillernden Zwitschern der\nPfeifen, und aus dem Schrei drang ein Wort, ward\nhalb erhoben und sang wieder unter, brach einmal\nums andere vor, bis man es ahnend verstand und\nerbleichende Lippen „Salomo\" und „König\" flüsterten.\nEs kamen Gerüchte, verwirrtes Flüstern, wider-\nsprechende Rufe. Von einem Felsen glaubten einige\nzu unterscheiden, wie das Feld in der Ferne von\nwehenden Tüchern und ausgestreckten Armen wogte,\nda nahte eine Bote: „Salomo ist König. Zu David ist\nsie gegangen, Bath Seba, und hat ihn an ein Ver-\nsprechen erinnert. Bei Gihon ist Salomo gekrönt, mit\nOel aus dem Tabernakel; er hat auf Davids Stuhl\ngesessen und David hat ihn gesegnet; das Lärmen,\ndas ihr hörtet, das waren die Freudenschreie des\nVolkes.\"\nDa zerstreuten sich schnell Adonias Freunde vor\nder Gewissheit, dass alles vergeblich war. Und Adonia\nfürchtete für sein Leben und ging, eine Freistatt zu\nsuchen in des Herrn Tabernakel.\nEin schwerer blauer Rauch lag dort drinnen, und\nder Schein der Armleuchter drang nicht bis zu dem\nCherubim der Tapeten. Die Luft war drohend un-\ngewiss — man sah nicht wie gross der Raum war —\nund erfüllt vom Duft des Räucherwerks. Aber vom\nBrandopferaltar draussen drang ein ekler Duft von\nverbranntem Fett herein.\nDie Bundeslade stand unter den beschwingten\nGestalten des Gnadenstuhls, davor glänzte der Rauch-\nopferalter. Adonia umklammerte ihn mit den Händen,\nsein Leben zu schützen; er klebte vom Versöhnungs-\nblut und entglitt schlüpfrig seinem Griff. Dort ver-\nweilte er, indess ein Bote Salomo seine Unterwerfung\nkündete.\nAls seine Augen sich an die dichte Luft gewöhnt\nhatten, sah er rings um sich alles, bis hinein in die\nEcken. Die Wände waren dunkel vom Rauch, und\nhier und dort sickerte ein schwarzer Blutstropfen.\nDie seltsamen, länglichen Augen des Cherubim starrten\ngrausam und kalt an ihm vorbei. Die Engel an dem\nGnadenstuhl blickten sich starr in die goldenen Ge-\nsichter; er erbebte und erwartete seinen Tod. Der\nschwere Duft des Räucherwerks machte seine Gedanken\nstocken. Er wusste nicht, wie lange er starr dort\nstand und das blutige Gold kalt unter seiner Hand\nfühlte, seine Augen hefteten sich immer fester an die\nstarrenden Kugeln der Engelsköpfe und voll Entsetzen\ngrübelte er, was ihr Blick wohl bergen möge.\nEr sah ihre Häupter sich beugen und der Rauch\nunter ihren Flügeln verdichtete sich und ward von\neinem trocken glühenden Schein durchleuchtet. Und\nin dem Scheine brannte ein Licht, ein blendendes\nzackiges Licht von drohender, schreckensvoller Gestalt\nAdonia glaubte, Jehovah zu sehen. Den Gott der\nHeerscharen, der Mauern bricht und eherne Spiesse\nzertritt wie Rohr, den Gott der Wüsten, dessen Macht\nsich spiegelt in dem brennenden roten Sande, den\nGott der Gesetze.\n\nGelesenes und Erlebtes\nGlaube und Heimat\nDer Wert dieser „Tragödie eines Volkes\" entspricht\nseinem Titel. Schiller ins Oesterreichische übertragen.\nZum Schluss allgemeine Rührung. Der Reiter, der nur\nimmer so im Blute schwimmt, in lutherischem natürlich,\nbricht zusammen, als er den Boden des Glaubens be-\ntritt. Er „tritt sogar sein Schwert mit wildem Tritt\nentzwei.\" Das Zusammenbrechen geschieht neben den\nBrunnenpfeiler. Mehr kann man nicht verlangen. Im\nUebrigen charakterisiert Schönherr, der Autor, durch\nszenische Bemerkungen. Fast jede handelnde Person\nspricht einmal „gewaltig.\" Sie meint es aber nicht so\nschlimm. Die Weiber „erschauern\" meistens „in Ehr-\nfurcht.\" Auch brechende Augen und gezogene\nPallasche sind reichlich vorhanden. Der Hauptheld\nhat zum Beispiel während fünf Sätze folgendes zu\nleisten: „Es arbeitet mächtig in seinem Innern,\" „als\nwäre er zu einem festen Entschluss gelangt,\" „innerlich\nflammend,\" „bemüht sich umsonst,\" „zitternd vor in-\nnerer Erregung,\" „der Toten gut zuredend wie einem\nstörrischen Kind,\" „immer eindringlicher und gewaltiger,\"\n(ha!) „seinem innern Entschlüsse Worte leihend\". Un-\nmittelbar darauf glüht er noch von innen heraus und\nschreit auf. Sonst denkt man beim Lesen des\nStückes an Anzengruber und Gerhart Hauptmann und\nist beglückt, dass das deutsche Volk und das oester-\nreichische vom ersten Diener des Staates bis zum\nletzten Sklaven wieder mal einen Dichter gefunden hat"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "472", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.6", "texte": "Der Verleger Schönherrs legt einen Prospekt über\neinen nur druch den Bauernfeldpreis ausgezeichneten\nRoman „Die Glocken der Heimat\" bei, dem Natürlich-\nkeit, Gradheit, Klarheit und eine bedeutsame Erweiterung\ndes Begriffs Heimatkunst nachgerühmt wird und der\nbrausende Erotik und deutsche Choräle in sich ver-\neinigt. Ich werde das Buch nicht lesen, weil Peter\nRosegger behauptet, es sei ein ragendes Zeichen der\nZeit und mehr als ein Buch. Ich begnüge mich mit\nBüchern. Nur keine Zeichen der Zeit!\nZeichen der Zeit\nDie ganze Presse ist ausser sich vor Vergnügen\nüber das in Nummer 55 dieser Wochenschrift veröffent-\nlichte Gedicht „Dämmerung\" von Alfred Lichtenstein.\nDie meisten begnügen sich, es mit dem esprithaften\nZusatz: „Wirklich dämmerhaft, nicht?\" wörtlich abzu-\ndrucken. Was dem Autor reichliche Honorare bringen\nwird Wie man dichten muss, zeigt der Generalan-\nzeiger für Elberfeld-Barmen. Er veröffentlicht sozu-\nsagen als Gegenbeispiel ein überaus herziges Gedicht,\ndessen erste Strophe die Leser des Sturms durch seine\nMorgenstimmung für die Dämmerung entschädigen mag.\nEs sprang der Frühling ins Land herein\nEs sprang der Frühling ins Land herein\nMit lautem Juchhei! und Frohlocken,\nUnd durch den Jubel zitterten fein\nSchneeglöckchens silberne Glocken.\nDie schäumenden Bäche rauschten zu Tal;\nHerr Starmatz war guter Dinge.\nUnd in dem funkelnden Sonnenstrahl\nTanzten die Schmetterlinge!\nSchon sah man im leuchtenden Spitzenkleid\nDen Kirschbaum im Wiesengrund prangen\nDu sonnige, wonnige Frühlingszeit:\nIn deiner strahlenden Herrlichkeit\nKommt singend das Glück gegangen —\nKommt singend das Glück gegangen!\nDer Erfurter Allgemeine Anzeiger stellt fest, dass\nHerr Alfred Lichtenstein höllisch ernst genommen werden\nwill. Ich weiss nicht, ob sein Ehrgeiz sich auch auf\nErfurt erstreckt. Endlich sei zu diesem Kapitel noch\nbemerkt, dass die Frankfurter Zeitung den oben zittierten\nesprithaften Zusatz der „Wahrheit\" des Herrn Bruhn\nnachdruckt.\nDie literarische „Wahrheit”\nMan sollte Herrn Jacobsohn zusammen mit Herrn\nBruhn blau schlagen. Herr Jacobsohn gibt in Berlin\nein kleines Theaterblättchen heraus, das sich mit der\n„Verwissenschaftlichung des Tinterltums beschäftigt und\ndessen Notizenteil eine gute Handhabe bietet, sich je-\nweils über den Stand des psychologischen Schmocktums\nin Deutschland zu informieren.\" So charakterisiert\nKarl Kraus einfach und würdig die Tätigkeit des\nHerrn Jacobsohn. Kein Wunder, dass dieser\nGrieche sich herostratisch fühlt, vor der Tat aber\nzurückschreckt und Herrn Wittels aus Wien als\nstarken Mann vorschickt. Die Arbeiten des Herrn\nWittels sind, so weit sie nicht wörtlich denen des Karl\nKraus entnommen sind (Knockabout) so trostlos, dass\njeder Witz versagen muss. Der Arzt Wittels kann nur\nnoch medizinisch behandelt werden. Um der\n„Wahrheit\" die Ehre zu geben, lässt sich ferner Herr\nJacobsohn von einem gewissen Harry Kahn eine\nSchmähschrift über Alfred Kerr schreiben. Der Herr\nKahn bildet sich ein, den Kerrschen Stil zu treffen, in-\ndem er dem eigenen breiigen Quatsch willkürlich zahl-\nlose Interpunktionen hinzutut. Es wäre unbillig, den\nSturm gegen einen Kahn loszulassen. Wer so steuer-\nlos ist, geht selbstätig unter. Nur das bekannte\ndeutsche Montagsblättchen ist entzückt. Es versucht\nden Untergang des Kahns aufzuhalten, in dem es aus\nseiner Pfütze munter gegen Kerr spritzt. „Wir machen\nin folgendem unsere Leser mit Herrn Alfred Kerr be-\nkannt. Herr Kerr ist seit Jahren bemüht, als berliner\nTheaterkritiker durch seine Stilverrenkungen Aufsehn\nzu erregen. Was diese bisher nicht vermochten, hat\nnun der grosse Bluff zu Stande gebracht.\" Diese\nLüge wagt das Montagsblättchen drucken zu lassen.\nAnonym natürlich. So dreißt diese Sätze zu unter-\nschreiben, ist niemand. Herr Jacobsohn ist auch der\nTheaterkritiker des Montagsspektakels. Die Wahrheit\nfärbt ab. Auch die „Grosse Glocke\" hat ihre „litera-\nrische\" Nachahmung gefunden\nDer Prozess\nHerr Justizrat Hoffstaedt, Schwager und Rechtsbei-\nstand des Inhabers der Firma Egon Fleischel & Co.,\nfühlte sich durch den Beitrag Der Klüngel in\nNummer 37 dieser Wochenschrift beleidigt. Ich nannte\nihn dort einen dreisten Juristen und wurde deshalb\nvor Gericht freigesprochen. Zu einer Geldstrafe von\nzwanzig Mark wurde ich wegen eines Briefes an den-\nselben Mann verurteilt, in dem ich ihm vorwarf, etwas\nwider besseres Wissen behauptet zu haben. Das Ge-\nricht sah in diesen Worten eine form a 1 e Beleidigung.\nGegen die Verurteilung habe ich Berufung einge-\nlegt. Nach ihrer Erledigung werde ich mich über den\nFall selbst äussern.\nTrust\n\nOffener Brief\nSehr geehrter Herr Schmied !\nH. W.\nSie wünschen meine Ansicht über Ihre Bücher\nkennen zu lernen. Sie „hassen\" mich seit Jahren, wie\nSie mir versichern, weil ich ihre Kinder gemordet habe.\nWeil ich den Knaben Carlos und Nikolas, den Helden\nIhrer Bücher lieblos gegenüberstehe. Ich habe Ihr\nerstes Buch „Carlos und Nikolas Kinderjahre in Argen-\ntinien\" ein zweites Mal jetzt gelesen, ich habe Ihr\nBuch „Carlos und Nikolas auf dem Meere\" ein erstes\nund zweites Mal gelesen und — so leid es mir tut —\nich kann mich nicht zu Ihren Büchern bekennen. Wohl\naber zu Ihnen. Wir haben uns ausgesprochen, wie\nman das so nennt. Und ich gewann den festen Ein-\ndruck, dass Sie eine Persönlichkeit sind, das\nheisst ein Mensch, der aus sich und in sich gegründet\nist. Aber Sie haben nicht Wurzel fassen können in\nIhren Büchern Sie haben mir Episoden Ihres zweiten\nBuches erzählt, die mir imponierten und die zweifel-\nlos in Ihrer Erzählung einen künstlerischen Wert be-\nsassen. Ich suchte sie mit Spannung in Ihrem zweiten\nBuch, Sie schrieben sie nicht auf. Oder besser ge-\nsagt: sie sind nur stofflich, embryonal vorhanden.\nDas Wichtige, Entscheidende: das Künstlerische fehlt.\nWas Sie in der Erzählung mit geradezu grandioser\nPlastik und dichterischer Kraft gaben, ist spurlos ver-\nschwunden. Wenn ich will, kann ich mir natürlich\nIhr Gewolltes rekonstruieren. Als Künstler sind Sie\ngezwungen, den Leser zu sich zu zwingen. Was ist\ndas für eine Kunst, die auf den guten Willen des\nLesers angewiesen bleibt, was ist das für ein Leser,\nder zu einer Wirkung auf ihn selbst Sie erst persön-\nlich bemühen muss. Sie sind ein vornehmer Mensch.\nSie hassen das „Offenbaren\", Sie wollen nicht unter-\nstreichen, sagen Sie. Aber Kunst bleibt nun einmal\neine Sache des Unterstreichens, des Betonens, der\nProstitution der Persönlichkeit. Hier gibt es nur eine\nMethode der Vornehmheit: nichts zu veröffentlichen.\nDas Künstlerische liegt nicht nur im sogenannten\nProduzieren, es liegt nicht im Werk, wenn es nicht im\nMenschen ist. Da Sie aber, wie die Bücher beweisen,\ndas Bedürfnis zur Offenbaruug fühlen, so habe ich das\nRecht, in Ihren Werken das zu suchen und zu finden,\nwas Sie als Mensch geben. Ihre anderen Freunde\nsind in Kunstdingen offenbar loyaler als ich. Ich habe\nmich nie, weder für mich noch für andere, mit dem\nWillen begnügt. Kunst muss gekonnt sein.\nDennoch: Sie sind ein Mensch, von dem ich\nKünstlerisches erwarte. Die Knaben Carlos und Nikolas\nwerden älter, vielleicht kann ich den Männern Carlos\nund Nikolas die künstlerische Anerkennung ent-\ngegenbringen, die ich als kunstwahrer Mensch den\nKnaben versagen muss. Ich hoffe es, und Sie können\nversichert sein, dass es mich herzlich freuen würde.\nIhr\nRudolf Johannes Schmied: Carlos und Nikolas Kinderjahre in\nArgentinien/Carlos und Nikolas auf dem Meere. Verlag Erich Reiss\nBerlin W.\n\nWarum?\nVon Quintus Fixlein\nIch bin in ihren Augen ein Nichtstuer, der sich\ndas Recht, sich frei bewegen zu dürfen, ohne Berech-\ntigung angemasst hat. Gott mag wissen, ob sie ein\nRecht haben, mich so hart zu verurteilen und den\nSaft ihres Kautabaks so verächtlich hinter mir herzu-\nspritzen, wenn ich bescheiden an der Baustelle vor-\nübergehe, auf der sie zuweilen gewiss recht hart ar-\nbeiten müssen.\nAber sie sollten es sich doch nicht so heftig an-\nkommen lassen.\nDa ist zum Beispiel der baumstarke Maurer mit\neinem Gesicht, das prall und rot wie ein Winterapfel\nleuchtet. Er spukt nicht aus, wenn ich vorübergehe.\nNein, so weit geht er nicht. Aber ich sehe seine»\nherausfordernden Augen mit den hochgezogenen Brauen\nan, dass er mit mir fertig ist. Und um den Mund\nhat er einen Zug, der mir beweist, dass er mich nicht\neigentlich nur verachtet. Dass er mich eher fast be-\nmitleidet.\nUnd ich gehe mit zusammengezogenen Schultern\nan ihnen vorbei Eine heisse Röte kriecht um meine\nSchläfen. Immer erfüllt mich nur dieser eine Gedanke:\nwie ich ihnen helfen könnte — ich, der schwächliche\nMensch mit den schlaffen Muskeln und dem blutleeren\nGesicht, diesen Riesen mit den prallen Gesichtern, die\nwie Winteräpfel glänzen.\nOb sie es ahnen und mich aus diesem Grunde\nverhöhnen? Das wäre doch ein Grund, um dessen\nwillen man zu ihnen treten und sie mit diesen Worten\nansprechen möchte: „Recht so, meine Brüder! Ihr\nseid Männer mit Muskeln und Fäusten — ich aber\nbin ein Narr und hochmütiger Tropf, nicht wert, dass\nihr mit euren schweren Holzpantinen nach mir werft.\nNicht wert eures harten herausfordernden Gelächters.\"\nAber das ist es nicht, ich fühle es. Warum hassen\nsie mich also?\nEinmal, es war an einem klaren hellen Vormittag,\ndessen ich mich noch heute wie eines warmen Frauen-\nlächelns erinnere, stand der Riese mit dem Apfelgesicht\nrauchend vor der Bauhütte, als ich vorüberging.\nIch ging in Gedanken und achtete nicht auf den\nWeg. Ich hatte etwas Schönes geträumt und als ich\nerwacht war, hatte sich die Sonne in einer breiten\nleuchtenden Staubsäule durch den Spalt des halbge-\nöffneten Fensters auf meine Bettdecke ergossen. Das\nhatte mich so froh gemacht, das ich, um nun auch\ngleich ein freudiges Gesicht zu sehen, dem Briefträger\nmeine letzte Mark schenken musste. Und dann war\nich schnell fortgegangen, immer dieses helle Bild in\nmeiner Seele und ein feines Klingen in allen meinen\nAdern und Nerven. So glücklich hatte mich die Sonne\ngemacht.\nAls ich an der Baustelle vorüber kam, hustete\njemand so laut, dass ich zusammenschrak und empor\nsah. Der Riese mit dem Apfelgesicht sah mich mit\neinem Blick an, der meine Freude zu Eis erstarrte.\nIch errötete und blieb einen Augenblick hilflos stehen.\nIm Weitergehen hörte ich sein kurzes trockenes\nGelächter hinter mir.\nIch fühlte eine schwere Traurigkeit und ich grübelte;\nWas habe ich getan ? Welche Geheimnisse birgt dieses\nLeben! Warum hassen mich diese Menschen?\n\nNotiz\nDie Nummer 58 der Wochenschrift DER STURM\nwurde wfeder einmal auf den Berliner Bahnhöfen nicht\nzum Verkauf gestellt: wegen des „nicht geeigneten\"\nBildes, wie uns mitgeteilt wurde. Die Nummer ist\ndurch die Kioske und direkt durch den Verlag zu be-\nziehen.\nVerlag DER STURM\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarn\nV. I.: Oskar Kokoschka"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "473", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.7", "texte": "Neue Sezession\nDritte Ausstellung\nJ\nBerlin B. ffianke*strasse 1\nan der Kaiser ftifyelm Gedacfttnls - Klrclie"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "474", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110415-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle»^Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, für Berlin,; Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Expeditionen Druck ▼. Carl Schüssler-Hannore\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. SchauspieJschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nSammler-Berichte Jou™'vder\nInternationaleKorrespondenz-Vereinigung\nfur ideale Korrespondenz, Sammelwesen, Tausch, Verkauf, Geschaft,\nVertretungen und sonstigen Absatz, Erwerb, Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmarken, zuadressierten Post-\nkarten, Biichern usw.\nJahresbeitrag fur I K V mit „Sammler-Berichte\" nur 4 Mk.\n(5 Franks). Eintritt jederzeit.\nAusfiihrliche Probenummer und Satzungen gratis durch\nErnst Marre Verlag, Leipzig (Revier 176).\n\nDer Biihnen-Roland\nDas freie Wort des deutschen\nSchauspielers\n— Des Biihnen-Boten zwBlfter Jahrgang —\nDer Buhnen-Roland bringt Aufsatze der bekanntesten Fachleute\niiber samtliche Gebiete der Theaterkultur und verfolgt die modernen\nKtterarischen und kiinstlerischen Bewegungen. Die Soziale Beilage\ntritt flir die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-! nserate die Zeile 10 Pf., fiir Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einen\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktion: Berlin N 37 Lottumstrasse 14\n\nOOOQQOOOQQQOOOOOQOQOOOOOOOOOOOOQO\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\nOQQQaoooooaoQOoooaooooooooooooooo\n\nInkeinem Hause solltefehlen:\nFelke-Zeitung\nZeitschrift fur naturgemasse\nLebens- und Meilweise und\nHomoopathie nach der von\nPastor Felke in Repelen be-\n: gegriindeten Heilmethode :\nSle erscheint allmonatlicfi\nunter Mitwirkung mehrerer Aerzte\nund hervorragender Sacfiverstan-\ndiger. Sie bringt ausfiihrliche A uf-\nsatze ilber die verschiedensten\nKrankheiten und deren Behand-\nlung. ferner iiber Naturheilkunde\nHomoopathie, Licht-, Luft- und\nSonnenbader usw.\nAbonnementspreis jMhrlich\n===== 3 Mark ==\nAbonnements nehmen die Brieftra-\nger und jede Postanstalt entgegen.\nVerlag der „Felke-Zeitung\"\nKrefeld (Rheinland)\n\nVerlag Paul Reinike\nWilmersdorf\nHERWARTH WALDEN:\nBruder Liederlich\nFiir Gesang und Klavier\nMk. 1,50\n\nLernt durch\nSelbstunterricht\ndie leicht erlernbare\nWelt-Sprache\n„Esperanto\"\nSchon drei bis fiinf Milli-\nonen Anhanger und iiber\n1650 Vereine in alien Erd-\nteilen. Schon von vielen\nSchulen gelehrt und von\nvielen Behorden, Firmen\nu.s. w. verwendet. Espe-\nranto - Lehrbuch mit Pro-\nspekten und Zeitung „La\nEsperantisto\" versendet\ngegen 15 Pf. in Briefmarken\nRed.FritzStephan,Leipzig\n\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegenuber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 - ■ Telephon I 7497\n\nscSeKsseevon Friedr. Mester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) Griind-\nliche Einfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir AnfSnger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schuie\nabsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,National6konom.,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5.\nuiiuuijijll m\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters\n\nraj)\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultur und\nfranzosische Sezession in\nden Kiinsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter :\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\nI\n\nMax Giesswein\nKgl. SSchs. und Kgl. WQrttembg.\nHofopernsanger\nBERLIN W. 50\nCulmbacherstr. 6\nVia 18926\nERTEILT\nGESANG-UNTERRICHT\nSprechstunde 3—4 Uhr _\n\nSoeben ersdiien:\nELSE LASKER-SCHULER\nMEINE\nWUNDER\nGEDICHTE\nPreis in van Geldern^\nBiitten gebunden\nDrei Mark\nI DREILILIEN-VERLAG\n| KARLSRUHE UND LEIPZIG\nt\n\nBBBBBBBBBBBBf&gSBB&IBE\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nNummer 319/320\nsoeben ersthienen\nPrefs 50 Pfg. <\nÜBERALL ERHALTLICH\nBBBBBBBBBBBBBBBBESBBB\nBBBBBBBB@BBSiS]BBI3BBBBI\n\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzdsi-\nsche Original der Tage-\nbucher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsendung\nvon sechs Francs direkt zu\nbeziehen."}]}