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Mit Recht nennt J. F. Fries\ndas „ein leeres Prinzip der Ordnungsliebe, von dem\nsich nicht begreifen Hesse, wie die Vernunft darin den\nhöchsten Wert setzen sollte\"1); und wundervoll höhnt\nSchopenhauer: Kants Reich der Zwecke sei bevölkert\nvon lauter vernünftigen Wesen in abstracto, die samt\nund sonders beständig wollen, ohne irgend etwas zu\nwollen — nur dieses Eine wollen sie: dass Alle stets\nnach einer Maxime wollen . . .2)\nRudolf Stammler's in ihrem polemischen Teil so\nüberaus glänzende und als eine weitgeschichtliche Tat\nanzusprechende Rechtsphilosophie ist hinsichtlich ihrer\npositiven Ergebnisse abzulehnen; und zwar aus\nkeinem andern Grunde als deshalb, weil sie die\nKantische Hexerei mit dem Formalprinzip leider wieder-\nholt. Wie wenig d*mit anzufangen ist, zeigt sich bei\nStammler allerdings noch deutlicher; da er, im Gegen-\nsatz zu Kant, eifrig bemüht ist, sein „formales\" Krite-\nrium auf die Materien des Rechts anzuwenden. Diese\nBemühungen sind völlig fruchtlos; denn alle jene „Grund-\nsätze des richtigen Rechts\", des „Achtens\" und „Teil-\nnehmens\", so sehr sie (stilistisch) auf formal, generell,\nabstrakt, unanschaulich frisiert sind, folgen keineswegs\nmit logischer Notwendigkeit aus der Form des Sollens\n(aus der lässt sich überhaupt nichts ableiten), sondern\nsind ganz biedere materiale Pflichtgebote, willkürlich\naufgestellt, von problematischem Wert, unbegründbar,\nDogmen. Es ist der christliche Sittenkodex, vorge-\ntragen im schmerzhaften Jargon der Kant-Epigonen.B)\nSo ist es auch dem Rationalismus nicht gelungen,\nobjektive Wertmassstäbe zu finden. Und a priori\nkann es ihm nicht gelingen; denn man kann nun\neinmal aus formalen Bestimmtheiten nicht zu konkreten\nMaterien herabsteigen. Wenn Beling, in der von\nv. Liszt angeregten berühmten Diskussion über den\nSinn der Rechtsvergleichung, sagt: „Aus der Empirie\nführt kein Steig hinüber in das Reich des Imperativs\"4),\nso dürfen wir auch umgekehrt sagen, dass aus dem\nImperativ — wenigstens dem formalen des Kantianis-\nmus — kein Steig hinüberführt in das Reich der\nEmpirie . . .\nDieser Bankerott des Objektivismus in der Rechts-\nphilosophie bedeutet nun aber nicht etwa sofort einen\nSieg des Subjektivismus; denn falls es objektive\nKriterien der Richtigkeit oder Falschheit einer (empi-\nrischen oder hypothetischen) Norm nicht gibt, gibt es\nüberhaupt keine Kriterien dafür; sintemalen\n„richtig\" und „falsch\" gar keinen Sinn hat, wenn es\nnicht objektiv-richtig und objektiv-falsch bedeutet.\nSubjektiv -richtig und -falsch sagt garnichts. Es ist\nzwar lächerlich, gegen den Subjektivismus Batterien\nsittlicher Entrüstung aufzufahren (wie das gewisse ge-\nlahrte Undenker so gern tun), — aber darüber muss\nman sich im klaren sein, dass er eine Lösung des\nWertproblems nicht gibt, sondern bloss die Formel\nfür die Erkenntnis seiner Unlösbarkeit.\nEiner der kultiviertesten unter den jüngeren Rechts-\nphüosophen, Hermann U. Kantorowicz — einer, der\nmehr als die Meisten von Stammler gelernt hat und\ndeshalb sein gefährlichster Gegner geworden ist —\nhat sich mit dieser Situation der rechtsphilosophischen\nMethodologie unzufrieden gefühlt und hat es unter-\nnommen, nach so vielen scharfsinnigen Köpfen, aufs\nneue den Stein der Weisen suchen zu gehn. Und in\nder Tat: er hat ein kurioses Stück Mineral gefunden;\nob es der Stein der Weisen sei, ist freilich eine an-\ndere Frage. Er selbst jedenfalls glaubt es und nennt\ndas Ding „Relativismus\". In dem Aufsatz „Probleme\nder Rechtsvergleichung\"l) schreibt er: „Weder der Ukas\ndes herrschsüchtigen Objektivisten, der alle noch so\nverschiedenen Geister vor seinen Wagen spannen will,\nnoch der Monolog des resignierten Subjektivisten, der\ndie Früchte seiner Selbsterkenntnis schön geordnet als\n„Mein System\" an die Oeffentlichkeit tragen zu sollen\nglaubt — können das letzte Wort der Wissenschaft\nsein. Es gibt eine goldene Mittelstrasse (Mittelstrassen-\ntheorien sind stets verdächtig! [Anmerkung des Zita-\ntors]), das Verfahren des Relativisten, ein Ver-\nfahren, gleich wichtig für die Zweifel der Exegese, wie\nfür die Probleme der Legislative. Es besteht darin,\ndie verschiedenen möglichen, als gleichberechtigt anzu-\nerkennenden Standpunkte, wie sie Interesse, Charakter,\nWeltanschauung einzunehmen heisst, aufzusuchen und\nin ein System zu bringen, und nun die verschiedenen\nmöglichen Regelungen in ihrem relativen Werte, d.\nh. in ihrer Tauglichkeit als Mittel zur Befriedigung\nder genannten verschiedenen Anschauungen aufzuweisen.\nDas ist eine theoretische, also echt wissenschaftliche\nAufgabe — die Wahl der verschiedenen Standpunkte aber\nkann die Wissenschaft niemandem abnehmen.\" — Kan-\ntorowicz schiebt also die Wahl des „Standpunktes\",\neben des gesuchten obersten Sollprinzips, des Wert-\nmassstabes, dem Privatmann zu; die Wissenschaft\nwill er damit nicht behelligen. Hierbei über-\nsieht er, dass der Privatmann nicht notwendiger-\nweise stets „Interessen\" - Politiker ist, dass sein\n„Charakter\" und seine „Weltanschauung\" (welch schwam-\nmiger Terminus!) ihm keineswegs immer einen be-\nstimmten Standpunkt einzunehmen heissen, dass er\nvielfach bloss wissenschaftlicher Forscher, Fahnder nach\nKriterien, Zweifler, „Zelot der Wahrheit\" ist. Hat Kan-\ntorowicz nie etwas von Skepsis gehört? Glaubt er,\ndass jedermann einen Standpunkt schon hat? Igno-\nriert er jenes Phänomen, welches Nietzsche „das in-\ntellektuale Gewissen\" nennt? — Das, was Kantorowicz\nda als „Standpunkte\" bezeichnet — die er mit billiger\nToleranz als „gleichberechtigt\" „anerkennt\" —, das\nsind doch weiter nichts als: Vorurteile. Diese duld-\nsam zu stützen, kann nicht als Aufgabe der Rechts-\nphilosophie gelten. Das Problem lautet vielmehr: aus\nder Fülle der verschiedenen möglichen zu dem\neinen notwendigen Urteil zu gelangen. Wenn das\nnicht geht, nun gut, dann eben geht es nicht, und\nman soil die Courage haben, einzugestehen, dass es\nnicht geht. Es ist jämmerlich, um jeden Preis das\n„Fach\" retten zu wollen. Macht die Kritik der prak-\ntischen Vernunft Fiasko, so melde man seelenvergnügt\nden Konkurs an (selbst auf die Gefahr hin, dass einige\nDutzend Universitätsphilosophen dadurch brotlos würden),\nmute uns aber nicht zu, unser System nun auf dem\nFundament eines beliebigen Vorurteils zu errichten,\noder gar: auf den Fundamenten aller möglichen\nVorurteile alle möglichen Systeme nebeneinander\naufzubauen, eines immer das andere Lügen strafend.\nWer uns dergleichen Spielerei als „Wissenschaft\" auf-\nschwatzen möchte, ist, im günstigsten Falle, ein Charlatan\nmalgre lui . . .\nWenn anders „Decadence\" einen Verfall der indi-\nvidualen Energien, ein Erlahmen der Auswirkungspoten-\nzen, einen Schwächezustand des Willens bedeutet, so\nstatuiert Kantorowicz mit diesem „Relativismus\" ein\nEthos der Decadence. Dieser Relativismus braucht\nzwar nicht, wie Hegler behauptet, selber eine „Er-\nmüdungserscheinung\" zu sein, aber er macht unter den\num rechtsphilosophische Problematik bemühten Intel-\nlektuellen Propaganda für Müdigkeit. Zu mass-\nloser Toleranz auffordernd, lähmt er die Willenskraft.\nEr ist ganz gefährlich und das letzte, böseste Gift, das\nder Kritizismus verspritzt. Organismen, die von ihm\ninfiziert sind, bedürfen zu ihrer Heilung anderer Gegen-\ngifte, als wie sie der treffliche Hegler2) verabreicht.\nDieser, ein philosophisch ahnungsloser Herr in Tübingen,\nleistet es sich zum Beispiel, als Erkenntnisgrund der\nRichtigkeit eines Werturteils den consensus gentium\nanzuführen, beruft sich fortgesetzt mit Begeisterung auf\neinen Theologen Reischle und gelangt zu seiner An-\nsicht über den Relativismus („sozusagen eine geistige\nErmüdungserscheinung\") darum, weil diese Theorie auf\nden „unauslöschlichen Trieb\" nach einem „Festen, Ob-\njektiven und Gemeingültigen\" keine Rücksicht nehme.\nIch wage es, Hegler, obzwar er der Komparativ von\nHegel ist, zu widersprechen. Man darf, meine ich,\nwenn erbarmungslos - konsequentes Nachdenken zu\npeinlichen Ergebnissen führt, nicht nach der Polizei\nrufen. Es gibt keine dümmeren Einwände gegen\nSkeptizismen als — moralische. Wenn wirklich\nein Trieb nach „Festem, Objektivem, Gemeingültigem\"\nin uns existiert (und das glaube ich schon; ist doch\nder Mensch ein animal metaphysicum I), so wäre eine\nTheorie noch lange nicht deshalb falsch, weil sie\ndiesen Trieb unbefriedigt lässt. Es lebt in uns auch\nein Trieb nach persönlicher Unsterblichkeit (jeder hasst\nden Tod); ist darum eine Naturphilosophie, welche die\nUnsterblichkeit leugnet, falsch?\nSolche Einwände können die kantorowiczianische\nLehre nicht erschüttern. Der Relativismus ist über-\nhaupt nicht „falsch\" 1 Er ka n n garnicht falsch sein,\ndenn er ist ja keineswegs die Lösung eines Pro-\nblems, sondern die Flucht vor einem Problem,\nEr sagt ganz richtig, objektive Massstäbe gebe es nicht\nund subjektive seien bedeutungslos; ajper er zieht da-\nraus den Schluss, man müsse das Messen nun über-\nhaupt unterlassen und lieber dafür — Messungen\nanderer sammeln. Oder genauer: Auf die Frage, mit\nwelchem der verschiedenen möglichen Massstäbe man\nmessen soll, gibt er die ausweichende Antwort: mit\nallen! — Der Relativismus ist die Flucht vor einem\nProblem. „Durch ihn wird\", wie sein Impresario auf\nSeite 103, mit syntaktischer Nonchalance, sich aus-\ndrückt, „der unlösbare Streit um letzte Werturteile aus-\ngeschieden, um dem allein würdigen um Tatsachen und\nBeziehungen Platz zu machen.\" (Hierbei berührt es\neigentümlich, wie jemand mit demselben Atemzug, mit\ndem er den Streit um letzte Werturteile auszuscheiden\nvorgibt, in einer gegen die normativ gerichteten Geister\nscharf polemischen Weise das Werturteil fällt, der\nStreit um Tatsachen und Beziehungen sei der „allein\nwürdige\"! — Das ist ein etwas zirkulöses Ver-,\nfahren!)\nMit diesem gegen das Werten gerichteten Wert-\nurteil macht der Relativismus Propaganda für Müdig-\nkeit. Man kann diese Propaganda verstehen, als\nReaktion auf die Ergebnislosigkeit des jahrhunderte-\nlangen Kämpfens (in der Philosophie der Werte); aber\neine Sache verstehen heisst nicht: sie billigen und sich\nbei ihr beruhigen.\nVervollkommnung der von Menschen für Menschen\nerfundenen Einrichtungen (zumal des Staates, dieser\nfabelhaftesten aller menschlichen Erfindungen) ist das\nununterdrückbare Bedürfnis derer, die sich ihres Sonder-\nwertes als Persönlichkeiten, als lediglich von den ewigen\nNaturgesetzen abhängiger Vernunftwesen, durchaus be-\nwusst sind und die es ablehnen müssen, sich als\nblosse Objekte der Ordnungen, als stumm-resignierende\nOpfer des einmal Vorhandenen, zu betrachten. Dieses\npraktische Bedüifnis selbstbewusster Menschen ist\nmindestens ebenso stark wie das theoretische nach\ndem „Festen, Objektiven, Gemeingültigen\", und es hat\nvor diesem den Vorzug, das leichter erfüllbare zu\nsein . . . Wer vermag einzusehen, weshalb man, weil\nnun einmal jedes inhaltliche Sollen unbegründbar ist,\nauf das Proklamieren von Sollsätzen verzichten müsse?\nDie apriori notwendige Dogmatizität jeder Norm des\nVerhaltens, also ein seltsamer Irrationalismus, sozu-\nsagen ein Strukturfehler unseres Verstandes, soll uns\nhindern, das zu tun, wozu es uns alle treibt? Wjr\nmüs s e n kritisieren, verbessern, normieren: so will\nes unser Wille; und wenn es dem Intellekt nicht ge-\nlingt, den Willen zu beherrschen, so ist es eigentlich7\neine ganz lächerliche Anmassung dieses unzulänglichen\nIntellektes, dem Willen das Dasein zu verbieten. Es\nist der Despotismus eines Schwachen, die Asketen-\nmoral eines Impotenten, der Schöpfungstadel eines, der\nselber nichts schaffen kann. Hat eine Normation nur\ndann wissenschaftliche Bedeutung, wenn sie nachweis-\nbar allgemeingültig ist, und entdeckt man durch kriti-\nzistische Methoden, dass eine nachweisbar allgemein\ngültige Normation ein Ding der Unmöglichkeit sei, sc\nmöge man daraus, bitte, nicht die Forderung ableite\"'\ndass nun nicht mehr normiert werde, sondern ehe'\ndie Forderung: auf „wissenschaftliche Bedeutung\" zjj\npfeifen. Erkennen, dass es normative Wissenscha'\nnicht geben kann, verlangt keineswegs, wie der sP'e\n\n*) „Neue oder anthropologische Kritik der Ver-\nnunft\", 1831, III, Seite 151\ns) „Die Grundlage der Moral\", Reclam, Seite 547\n) Aehnliche Auffassung Stammler's — bei gleich\ns*Ar^er ..Verehrung — neuerdings: Felix Somlö,\npMassstäbe zur Bewertung des Rechtes\", Archiv für\nRechts- und Wirtschaftsphilosophie III, Seite 514; ferner\nKurt Pesch ke, an der erwähnten Stelle\n4) Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissen-\nschaft, XXVI, Seite 694 (innerhalb eines vorzüglichen\nAufsatzes „Strafrechtsreform und richtiges Recht\")\n*) Aschaffenburgs Monatsschrift für Kriminal-Psycho-\nlogie und Strafreclitsreform IV, Seite 65 ff., insbeson-\ndere Seite 102. — Vergleichen Sie auch desselben\nAutors Stammler-Widerlegung („Zur Lehre vom Richtigen\nRecht\"), Archiv für Rechts- und Wirtschaftsphilosophie,\n11, Seite 42 ff., besonders Seite 73\n2) Aschaffenburgs Monatsschrift IV, Seite 337 ff"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "477", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6847, "texte": "selige Relativist meint, nun eine (müssige) „Wissen-\nschaft vom Normativen\" zu etablieren, sondern viel-\nmehr: mit Pauken und Posaunen ins Lager der un -\nwissenschaftlichen Normation einzu-\nrücken. Was ist denn das für ein Wortaberglaube,\nder da gebietet, alles, was der Mensch vermöge\nseiner Vernunft tut, müsse „wissenschaftlichen\" Cha-\nrakters sein!\nDie Unbegründbarkeit der Normen braucht ebenso-\nwenig zum Verzicht aufs Normieren zu führen, wie die\nUnauffindbarkeit einer Endursache zum Verzicht auf\ndie Erklärung der Naturerscheinungen führt. Nun sagt\nfreilich Stammler *): zwischen der causalen und der\nteleologischen Betrachtung bestehe der Unterschied, dass\ndas Causalitätsgesetz — in seiner „allein berechtigten\" (!)\nFunktion, wissenschaftliche Erfahrung möglich zu\nmachen — die Idee einer unbedingten Ursache an\nund für sich nicht braucht, während bei dem Verhält-\nnisse von Mittel und Zweck der (in der Naturerkennt-\nnis unbefugten) Frage nach einem letzten Darum\ngarnicht ausgewichen werden kann. Hier scheint mir\nStammler doch eine Kleinigkeit übersehen zu haben.\nNur für die Praxis nämlich ist in der Causalbe-\ntrachtung die Kenntnis einer Endursache überflüssig\n(zur Ermöglichung wissenschaftlicher Erfahrung über-\nhaupt); für die Theorie indessen, das heisst zur\nrestlosen Erklärung der Erscheinungswelt, bedarf\nman solcher Kenntnis durchaus; und eben der Mangel\ndieser Kenntnis hat ja den tragischen Zustand zur\nFolge, dass der Mensch nichts in der Weit sich „er-\nklären\" kann, sondern immerdar nur darauf ange-\nwiesen ist, ein Rätsel durch ein anderes Rätsel zu er-\nsetzen, und dass die Naturwissenschaft nicht mehr\nleisten kann als: die Anz a h 1 dieser Rätsel auf ein\nMinimum zu reduzieren, durch Zurückführung vieler\nspezieller Tatbestände auf wenige generelle; glücklich-\nstenfalls auf einen einzigen; der dann aber — wie\nSpinoza's „Substanz\", Schopenhauer's „Wille\", Ost-\nwald's „Energie\" — als Universalrätsel und Kardinal-\nunerklärlichkeit eben übrig bleibt . . . Theore-\ntisch nun freilich kann auch in der Teieologie der\nFrage nach einem letzten „D aru m\" nicht ausge-\nwichen werden, praktisch aber sehr wohl,\ngerade wie in der Causalbetrachtung. Denn, wie\nStammler selber hervorhebt (Seite 353), handelt es\nsich, im Gegensatz zum causalen Denken, beim tele-\nologischen nicht darum, dass „Gegenstände wissen-\nschaftlich erkannt, sondern dass sie be-\nwirkt werden sollen\". Bewirkt werden aber kann etwas\ndurchaus, ohne dass es wissenschaftlich begründet,\nohne dass es kritizistisch legitimiert ist als Mittel zu\nzu einem objektiven, einem notwendigen und allge-\nmeingültigen Zweck.\nDer unglückselige Methoden-Monismus, der die\nGegenstände der praktischen Vernunft nach demselben\nSchema behandelt wissen will wie die der theoretischen;\nder dort, wo es sich ums Bewirken handelt,\nkoste es was es wolle, erkennen möchte; der die\nIdee der „Gesetzmässigkeit\" von der causalen auf\ndie teleologische Spekulation überträgt (Kant tut das\nimplicite, Stammler tut es ausdrücklich) —: dieser un-\nglückselige Monismus dürfte sich vielleicht endlich als\ndas Dogma der „kritischen\" Philosophie und als\nein welthistorisches Vorurteil entpuppen;\nals Paradigma für die Regel, dass, noch in den vor-\nsichtigsten Denksystemen, gerade das als selbstver-\nständlich vorausgesetzt wird, was imgrunde das Aller-\nproblematischste ist.\nNichts ist, just unter dem Gesichtspunkt kan-\nonischer Strenge, weniger begründet als das Verfahren,\nebenso wie das Erkennen auch das Wollen auf die\nFolterbank der Kategorie „Richtig-Falsch\" zu spannen.\nEs ist eines der grandiosesten Vorurteile in der Ge-\nschichte des menschlichen Denkens. Die ganze Qual\nund Unerquicklichkeit des Oeuvre Rudolf Stammler's\nleitet sich ab aus diesem Vorurteil. Ich wage es aus-\nzusprechen: dass die Philosophie des Rechts (Heil\nihrer neuen Geburt!), jung wie sie ist wieder wird\nsterben müssen, wenn sie nicht schleunigst und mit\nElan sich von diesem Vorurteil loslöst. Genau so, wie\nim theoretischen Denken die Erkenntnis nicht\nnur Aufgabe, sondern auch Grundlage ist, bildet im\npraktischen Denken der Wille nicht nur den Ge-\ngenstand, sondern auch die Wurzel. Zu Er-\nkennendes muss erkannt, zu Bewirkendes gewollt werden.\nDas ist eigentlich selbstverständlich; noch nie hat je-\nmand gefordert, dass zu Erkennendes bewirkt werden\nmüsse; — aber die Kantiker verlangen immerwährend,\nman solle zu Bewirkendes erkennen! Vielleicht\nist die Zeit reif, den Irrtum endlich einzusehen und in\nder Philosophie der Werte den Voluntarismus\nzu statuieren.\nSchon Schopenhauer vergleicht (im § 6 seiner\n„Grundlage der Moral\") Kanten mit einem Arzt, der\nein Mittel mit glänzendem Erfolge angewandt hat und\nes fortan in fast allen Krankheiten gibt. So habe er\n„die Methode, welche er mit so vielem Glück in der\ntheoretischen Philosophie angewandt hatte, auf die\npraktische übertragen\". „Aber\", fährt Schopenhauer fort,\n„wie himmelweit ist der Unterschied zwischen jenen\ntheoretischen Erkenntnissen a priori, welche darauf\nberuhen, dass sie die blossen Formen, d. h. Funktionen,\nunseres Intellekts ausdrücken, mittelst deren allein wir\neine objektive Welt aufzufassen fähig sind, in denen\ndiese sich also darstellen muss, daher eben für die-\nselbe jene Formen absolut gesetzgebend sind, so dass\nalle Erfahrung jedesmal ihnen genau entsprechen muss,\nwie Alles, was ich durch ein blaues Glas sehe, sich\nblau darstellen muss, — und jenem angeblichen Moral-\ngesetz a priori, dem die Erfahrung bei jedem Schritte\nHohn spricht, ja, nach Kanten selbst, es zweifelhaft\nlässt, ob sie sich auch nur ein einziges Mal wirklich\nnach demselben gerichtet habe.\" Dieser Hinweis auf\ndie Unabhängigkeit des Seinsollenden von der Em-\npirie bedeutet zwar nicht — wie blinde Neukantianer\ndem gewaltigen Arthur so gern imputieren — einen\nEinwand gegen das Dasein von Moralgesetzen; denn\nes ist nun einmal das Wesen der Moral, Gesetze auf-\nzustellen „von dem was geschehen soll, ob es gleich\nniemals geschieht\" (Kant) . . . wohl aber einen Ein-\nwand gegen die Art der Ableitung von Moralgesetzen.\nSchopenhauer, hier wie überall vom Wundt-Lipps'schen\nEmpirismus meilenweit entfernt (Tränen würde der\nFrankfurter gelacht haben über den Satz Wundt's\netwa [„Ethik\", Seite 16] : „Der nächste Weg zur Auf-\nfindung der ethischen Prinzipien ist derjenige der\nanthropologischen Untersuchung\"!) . . Schopenhauer\nlegt hier dar, dass nicht der mindeste Grund besteht,\npraktisch nach derselben Methode zu philosophieren\nwie theoretisch.\nEs ist schwer, in diesen Dingen radikal umzulernen.\nAber es ist vonnöten. Es ist dann vonnöten, wenn\nman auf Beurteilung und Verbesserung der irdischen\nEinrichtungen nicht zu verzichten gewillt ist, aber sich\nklargemacht hat, dass den Postulaten der Erkenntnis-\nkritik mit solcher Beurteilung oder Verbesserung (a priori)\nnie genügt werden kann.\n\nl) «Wirtschaft und Recht\", 2. Auflage, Seite 355"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "477", "page_fin": "478", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.4", "titre_corps": "Adonia : Und Adonia vernahm seine Stimme.", "titre_sommaire": "Adonia : Und Adonia vernahm seine Stimme.", "signature_source": "Per Hallström", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "477", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.3", "debut_caractere": 6864, "fin_caractere_exclue": 12254, "texte": "Adonia\nUnd Adonia vernahm seine Stimme.\nVon Per Hallström\nSie klang stark und furchtbar, sie kam aus keinen\nLippen, aus keiner Brust, sie war da, war über allem,\nsie klang hart und hohnvoll, zürnend. Adonia war\nwie eine Saite, die vor Klang zu springen droht\n„Wer bist du, dass du König sein willst, wer bist\ndu, dass du meine Verheissung zu tragen glaubst?\nDein Sinn ist weich, deine Hände tasten, in törichter\nLust zu brennen, zu schmachten und zu weinen, und\nvom Griff der Leidenschaft um deine Brust geschüttelt\nzu werden, dazu bist du geschaffen. Im Winde zu\nleuchten und zu flattern, wie ein Purpurgewand, dazu\nbist du geschaffen — brauche ich Purpurgewänder? —\nZerrissen und zerstampft zu werden wie ein Purpur-\ngewand, dazu bist du geschaffen!\"\nDie Stimme verstummte in Verachtung, und Adonia\nwollte sein Haupt senken vor Jehovahs Antlitz, aber\nsein Nacken blieb steif, seine Augenlieder gehorchten\nnicht, gefesselt stand er, brennend öffneten sich seine\nAugen vor Entsetzen, er wusste, dass Gott sein Feind\nwar, und dass er vernichtet werden würde.\nEs kam ein Bote von Salomo und rief vor dem\nZelt und verkündigte des Königs Gnade und sein\nMisstrauen. Barmherzigkeit brachte er Adonia für das,\nwas er gegen Salomo verbrochen hatte. Drohung für\njegliche Gebärde, die feindlich gegen den König Salomo\ngedeutet werden könnte.\nAber Adonia fürchtete sich nicht. Wenn er nur\nder schreckensvollen Nähe des Gottes entfliehen konnte.\nEr schlich sich rücklings hinaus, die Hände starr, die\nGedanken starr. Als er herauskam, floh er die Sonne\nund verschloss sich in die dunkelste Kammer, um\nSchmach und Schmerz zu verbergen.\nBald erlosch David. Aber Adonia wusste es kaum\nund verbrachte Tage und Nächte in Betäubung und\nQram.\nUnd Abisag von Sunem war frei von ihrer Dienstes-\npflicht und verschwand im Haufen der Jungfrauen.\nUnd fühlte den Tag schwerer und die Berge ferner\nund betrauerte die Bürde, die sie verloren hatte.\nDa blitzte es jäh in Adonia auf, dass Abisag nun\nsein werden könnte. Er hatte auch sie schon unter\ndenn Trümmern seines eingestürzten Glückes begraben.\nIn seiner Erinnerung schwebte dumpf ihr Name. Nun\nglänzte sie wieder vor ihm in all ihrer Schöne und\nihrem aufreizendem Jubel, sie zog in mit sich in die\nSonne, sie wob wieder Goldglanz um ihn. Das Be-\ngehren versengte seine Seele.\nEr sprang gelenkig vom Bett auf und atmete wieder\nmit den kurzen Zügen der Leidenschaft die Luft; sie\nwar abendkühl und trug schweren, süssen Duft von\nweissen Blumen. Er hatte sich wie ein Bräutigam\nkleiden wollen, in helle, goldgestickte Gewänder, dann\nbesann er sich, dass es zuerst galt, in Demut des\nKönigs Gabe zu gewinnen Sein Antlitz nahm ge-\nschmeidig die Miene an, die es tragen musste seine\nGedanken suchten bittende und huldigende Worte, es\nwar ihm eine Wollust, im Staub zu kriechen und sich\nAbisag zu erbetteln\nEr legte einen abgetragendsten Kittel von schwarz-\nrotem Zeug an, aber unter der Armut leuchtete seine\nFreude und Hoffnung, und seine Füsse tanzten über\nden Boden\nEs suchte Bad Seba auf, ihre Fürbitte zu erreichen,\nund er ging der gehassten Feindin mit lächelnder\nWürde entgegen und mit schmeichelnden, gleissenden\nBlicken.\nSie betrachtete ihn misstrauisch: „Kommst du mit\nFrieden?\"\nAdonia neigte sich vor der Verabscheuten: „In\nFrieden komme ich. Mit einer Bitte.\"\nUnd über ihn brach all sein Schmerz herein, alles\nwas er verloren hatte, seine Kränkung und Machtlosig-\nkeit und seine Sehnsucht nach Abisag; seine Hände\nerhoben sich, um Mantel und Haar zu zerreissen, sein\nAntlitz fschwamm in Tränen, seine Stimme i schrie\nund winselte. Er sank herab zu ihren Knieen und\ntastete nach Stütze.\n„Sieh,\" klagte er, „das Reich war mein, ich war\nder Aeltere, und ich hielt es in meiner Hand, aller\nHerzen schlugen mir entgegen. Ich wäre ein grosser\nKönig geworden. Ich opferte am Steine Soheleth, und\nJehovah nahm mein Opfer an, und die Sonne stand\nstille über den Rauch. Dein Sohn wurde König, und\nalles sein, Jehovah wollte es.\" Mein Blut wurde\nSchmerz und Entbehrung, und die Luft bitter, meine\nBrust brannte, und nachts löste sich mein Leben auf.\nAlles habt ihr mir genommen, mein Gedanke fand\nkeine Ruhe. Gebet mir Abisag von Sunem zum Weibe,\nund ich werde alles vergessen. Schüttle nicht das\nHaupt, sage nichts, höre mich! Abisag ist Vergessen-\nheit für alles. Das Glück und das Lachen ist sie, sie\nhat des abends Glanz über ihrer Haut, sie hat den\nWind unter ihren Füssen, sie spielt, wie ein Reh. Du\nhast sie nie gesehen. Sie neigt ihren Hals, und\nder Schatten glimmt wie Gold, ihre Augen sind Träume.\nGebt mir Abisag, und ich werde vergessen, dass das\nReich mein war, und ich werde euch beide segnen,\nWenn ich König geworden wäre, wie hätte ich da\nstets bei Abisag bleiben können. Sie ist goldbraun,\nund ihre Augen leuchten im Dunkel\n„O, Bath Seba, du hast sie gesehen, und du\nweist, dass ich nicht ohne sie leben kann!\"\nEr sah auf und fand in Bath Sebas Blick Ver-\nwunderung und Verachtung und zögernde Unschlüssig-\nkeit. Er küsste ihre Füsse und netzte sie mit Tränen\nund flehte:\n„Du, au hast geliebt!\"\nEr konnte nicht mehr sagen, nicht an ihren\nblutigen Ruf rühren, den er so oft gehöhnet und ver-\nflucht hatte. Nun dünkte es ihm, als hätte sie nur\ngehandelt, wie man handeln musste, denn sie hatte\ngeliebt, und war es nicht ihre Hand, die Abisag geben\nsollte?\n„Ich wünsche nichts als Abisag. Was ist das\nandere für mich? Alles macht mich müde, und meine"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "478", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2954, "texte": "Sehnsucht macht mich müde; ich löse mich in Tränen\nauf. Aber ein Wort von dir belebt mich wieder, ein\nWort von dir, und alles wird Tanz und Spiel und\nJubel.\"\nBath Seba betrachtete ihn und blickte in ihr\nInneres, und ihre Verachtung wurde zu Neid. Sie er-\nwog und versprach sie: „Ich will den König bitten.\"\nUnd sie ging\nAdonia sprang auf. Die Gewissheit der Freude\nüber sich. Er konnte nicht stehen bleiben, er ging\nauf und nieder, bereit wie ein gefangener Vogel gegen\ndie Mauern zu stossen in erwartungsvollem Jubel.\nUnd Bath Seba kam zu Salomos Thron.\n„Ich bringe eine kleine Bitte, du wollest mein\nAngesicht nicht beschämen.!\" Und Salomo empfing\nsie ehrfurchtsvoll und versprach es ihr.\nSie brachte Adonias Botschaft vor: „Gib ihm\nAbisag,\" schloss sie.\nSchon bei Adonias Namen flammte der König in\nErregung auf, denn er fürchtete seinen Nebenbuhler\nnoch und hasste ihn Bei der Nennung Abisags\nblitzten seine schmalen Augen vor Freude, seine Ge-\ndanken suchten rasch, während die Züge seines Ant-\nlitzes die Erstarrung des Zornes annahmen. Als er\nseinen Arm mit den schweren langen Falten des Ge-\nwandes erhob und sprach, war in seiner Stimme nur\nEntsetzen über die Sünde und des Herrschers\nstrafende Strenge.\n„Abisag von Sunem,\" rief er. „Abisag begehrt\nAdonia 1 So möge Gott den verderben, der seines\nVaters Scham kränken will. Dies hat Adonia zu\nseinem eignen Urteil gesprochen, gegen das Gesetz\ndes Herrn hat er\nSeine schmalen Augen standen gerade nach vorn-\nwärts gerichtet und senkten sich in geheucheltem\nKummer, denn er wollte niemandes Blick begegnen.\nEr wusste, dass es Lüge war, was er gesagt hatte,\nund dass Abisag nur Davids Dienerin gewesen war.\nEr schloss in einem Tone, in dem die kalte besiegelte\nGewissheit lag: „Möge der Herr mich vernichten,\nwenn er dieses nicht gegen sein Leben gesprochen\nhat. So gewiss der Herr lebt, am heutigen Tage soll\nAdonia sterben.\"\nIndes ging Benaja der Kriegsoberste hin, er zog\ndas Schwert, noch bevor er Adonia erreichte, und die\nFinger tasteten um den Knauf nach einem festen\nGriff: „Du sollst sterben.\"\nAdonia fuhr aus seiner Erwartung auf, ging ihm\nentgegen, das Lächeln seliger Erwartung noch um die\nLippen, und ohne Benajas Worte zu verstehen. Da\nerstarrte sein Antlitz in Entsetzen und undeutlich\nstammelte er eine Frage. Es kam keine Antwort.\nBenaja stiess ihm das Schwert tief in den Hals, dass\ner im Falle mitgerissen wurde.\nSo starb Adonia, der sich nahe dem Königtum\ngewähnt hatte, und nahe Abisag und nahe dem Glück.\nAbisag von Sunem erfuhr nie, dass sie geliebt\nworden war, und sie hörte nichts von Adonias Tod.\nSie trauerte, doch nicht um den, der um ihretwillen\ngestorben war. Sie wusste, dass sie nie ihre Berge\nwiedersehen würde, und sie träumte immer matter,\nimmer seltener von ihnen und von Zuar. Es kam\nwie ein Nebel über alles, was sie fühlte und sah. Und\nsie begriff, dass sie verurteilt war, zu altern und zu\nerkalten, ein Stein zu werden vor der Gruft des\nköniglichen Greises."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "478", "page_fin": "479", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.5", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "478", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.4", "debut_caractere": 2965, "fin_caractere_exclue": 10934, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXCIII\nDer Herr Citronenthal\nDer Kaiser Philander war in Utopia wohl der\neinzige Mensch, der ganz ruhig blieb, doch diese Ruhe\nführte man allgemein auf die überstandene Krankheit\nzurück.\nPhilander pflegte jetzt häufiger mit seiner Frau zu-\nsammen zu sein und sprach viel zu ihr über seine\nRuhe; er sagte, dass er so fest von einem grossartigen\nGeisterleben, das hinter allen irdischen Erscheinungen\ntätig ist, überzeugt sei — dass ihm die Bestätigung\nseines Glaubens eben nur eine Befriedigung und nicht\neine Aufregung verursache.\nUnd als nun die Zeiten etwas ruhiger wurden, da\nliess sich eines Tages der Herr Citronenthal melden\nmit der Behauptung, dass er Wichtiges vom Herrn\nBartmann zu melden habe.\nNun - der Kaiser sah seine Gemahlin bedeutungs-\nvoll an und bat sie, im Nebenzimmer zu horchen.\nDa kam der Herr Citronenthal und erzählte alles das,\nwas er mit dem Herrn Bartmann erlebt hatte — von\ndem Abendbrot in der Familie des Altertumsverehrers,\nvon dessen Schnupftabaksdose und von der Rede im\nBierpalast.\nDer Kaiser hörte das alles und bat den Herrn\nbesonders, die Schnupftabaksdose zu schildern.\nUnd das tat dann der' Herr Citronenthal so um-\nständlich, dass man die Dose hätte danach herstellen\nkönnen; der Kaiser sprach dabei mit seinem Stimm-\nverstärker und bat seinen Gast, recht laut zu sprechen,\nda er etwas schwerhörig sei, sodass die Frau Caecilie\nim Nebenzimmer Alles deutlich hören konnte.\nUnd dann entliess der Kaiser den Herrn Citronenthal\nmit grossem Danke und verehrte ihm noch zum An-\ndenken eine sehr alte silberne Kette mit Emailmalerei.\nDas Geschenk machte den Herrn Citronenthal aber\nso gesprächig, dass er noch was sagen wollte.\nUnd er sagte es:\n„Der Herr Bartmannn\", flüsterte er —\n„Sprechen Sie laut!\" rief der Kaiser.\n„Der Herr Bartmann\", also sprach nun laut der Herr\nCitonenthal, hat damals im Hause meines alten Freun-\ndes dessen älteste Tochter so lange und so innig an-\ngesehen, dass ich fest davon überzeugt bin, der Herr\nBartmann verliebte sich damals in die älteste Tochter\nmeines alten Freundes. Und diese Dame ist auch ver-\nschwunden. Und somit nehme ich an, dass diese Beiden\nzusammen ins Ausland gegangen sind.\n„Ach!\" rief der Kaiser, „das ist interessant! Nehmen\nSie diesen Ring zum Angedenken.\"\nUnd er gab dem Herrn Citronenthal noch einen\nalten silbernen Ring mit aufgelegter Goldplastik.\nDer Herr Citronenthal konnte sich vor Freude kaum\nfassen, und der Kaiser versprach, im Auslande weiter\nnach dem Herrn Bartmann suchen zu lassen.\nKaum war der Herr Citronenthal fort, so kam die\nFrau Caecilie wieder zum Vorschein — mit ganz rotem\nKopf.\nDer Kaiser sah sie an — und musste plötzlich\nfurchtbar lachen und rief:\n„Ich glaube du bist eifersüchtig!\"\nDa musste die Kaiserin ebenfalls lachen und fiel\nihrem Gemahl ganz stürmisch um den Hals und küsste\nihn.\nPhilander hob den Zeigefinger der rechten Hand in\ndie Höhe und sprach ernst:\n„Wie kann eine Kaiserin einen falschen Bart küssen?\nIst das nicht eine Geschmacklosigkeit?\"\nDa lachte das kaiserliche Ehepaar so übermütig\nwie es schon lange nicht gelacht hatte.\nUnd der Kaiser zeigte die bewusste Schnupftabaks-\ndose, und die Kaiserin sagte:\n„Nun hab ich den Beweis.\"\nDann aber legte der Kaiser seinen Stimmverstärker\nfort und sprach leise:\n„Du, Caecilie, solchen Witz reiss ich aber nicht\nnoch einmal. Mir ist bei all diesem Bartmannsspass\nschon mehr als einmal recht plümerant geworden.\nBedenke bloss, wenn man davon was erfährt! Dann\nwürde man mir plötzlich alle ernsthaften Absichten,\ndie ich doch sonst habe, garnicht mehr glauben. Und\nmeine ernsten Geschichten sind mir doch wahrhaftig so\nwertvoll, dass ich beinahe aus der Fassung komme,\nwenn ich denke, dass man schliesslich auch hinter\nmeinen ernsten Geschichten blos lustige Spässe wittern\nkönnte\".\n„Ach Philander\", flüsterte da die Caecilie, „ich\nschweige ja, und der Sebastian und der Haberland —\ndie schweigen doch auch\".\n„Nun wollen wir wieder\", sagte leise der Philander,\n„ganz ernst sein.\"\nDa lachte die Kaiserin ihren Kaiser aus — und\nsagte — immerzu lachend:\n„Du Philander, jetzt musst Du immer tun, was\nich will — sonst erzähle ich die Bartmannsgeschichte\naller Welt.\"\n„Aber Caecilie!\" rief der Kaiser entsetzt.\nDa sah die Caecilie ihren Philander lange an\nund sprach traurig:\n„Du traust mir so was zu ?\"\nDa bat der Kaiser sehr demütig um Entschuldigung.\nAber dann musste die Caecilie abermals lachen —\nund der Philander ebenfalls.\nUnd er flüsterte dann:\n„Wie ist es blos möglich, dass ich so furchtbar ernst\nsein kann, während ich ein solches Vergnügen am\nSpasse finde! Kannst Du das begreifen?\".\nDie Kaiserin schüttelte den Kopf und dann ging\nsie mit ihrem Gatten auf den nächsten Balkon, allwo sie\nzusammen eine Flasche Wein tranken und Zigaretten\ndazu rauchten\nDer schwarze See lag in der Tiefe — ganz still.\nXCIV\nDer Lebenstempel\nUnd eines Abends sass der Kaiser Philander in\nseinem Perlmutterzimmer am Fenster und blickte hinauf\nzu den goldenen Rändern der roten Berggipfel und\nseufzte\nVor dem Kaiser auf dem Tisch mit der Platte\naus Lapis lazuli lagen Berichte der Priesterschaft, die\nsämtlich nur Erfreuliches enthielten und immer wieder\nbetonten, dass die Utopianer nach der Schreckenszeit\nvollkommen umgewandelt seien. — Ueberall lebte ein\nstraffer und innerlicher Zug, und von Schlaffheit bemerkte\nman nichts mehr.\n„Wie wenig,\" flüsterte der Kaiser wehmütig, „habe\nich dazu beigetragen! Wären die allgewaltigen Natur-\nereignisse nicht vorgekommen, so wäre in Utopia\nAlles im alten Schlendrian weitergegangen. Wie wenig\nkann der einzelne Mensch hervorbringen! Wir müssen\nmehr Intensität in uns erzeugen. Im Meeressumpf\nstak Intensität — in den explodierenden Leichen\nlebte auch eine störrische Kraft. Jetzt solls aber\nfestgehalten werden Und darum will ich einen\nLebenstempel erbauen -- der auch für die Folgezeit\nmächtige prickelnde Lebenskraft ausströmen soll\" *wj\nUnd als des Kaisers Onkel, der Oberpriester\nSchamawi sich anmelden liess, da setzte ihm der\nPhilander in raschen Worten auseinander, wie er sich\nden Lebenstempel dachte.\n„Sieh mal, lieber Oheim,\" sagte er hastig, „der\nTempel müsste schon so gross wie ein paar kräftige\nStädte sein — und sämtliche Photographieen vom\nMeeressumpf, von den Irrlichtern, von den neuen\nKometen, von den Leichen und von den Geisterflammen,\n— das Alles müsste in imposanten Hallen zur Auf-\nstellung gelangen.\nUnd dann müssten die sogenannten Bartmann-\nbücher uns Alles was dazu gehört besonders auch\ndie wissenschaftlichen Erörterungen vom Denken mit\nNase, Zunge und Gefühl — ebenfalls in dem Tempel\nuntergebracht werden. Und für Erweiterung der\nStudien nach dieser Richtung hin müsste auch gesorgt\nwerden. Eine ganze Galerie neuer Lehrinstitute müsste\nin dem Lebenstempel entstehen Alles, was das un-\ngeheuerliche Leben der Natur lebhaft zur Anschauung\nbringt, müsste künstlerisch dargestellt werden. Und\nschliesslich — nicht zu vergessen! — das, was über\nunsere materielle Sphäre hinausgeht — von dem wir\nschon so viel in den neuen Kometen und Geister-\nflammen zu schmecken bekamen, — das müsste auch\nda eine Stelle finden, Na, lieber Oheim, ich glaube,\nwir verstehen uns.\"\n„Vollkommen!\" versetzte der Oberpriester, und er\nging mit einer Leidenschaft auf den Plan des Kaisers\nein, dass dieser schliesslich sagte:\n„Wenn ich empfinde, wie Ihr alle das tut, was\nich möchte, so kommt es mir oft so vor, als hätte\nich Euch garnicht meine Ideen — sondern Eure Ideen\nzur Ausführung empfohlen.\"\n„Vergiss\", erwiderte lächelnd der Oheim, „den ver-\nschwundenen Bartmann nicht! Andrerseits ist Deine\nEmpfindung ganz echt; ich habe auch immer das\nGefühl, dass ich als Bevollmächtigter unsres erhabenen\nVolksgeistes tätig bin — und Du musst mir schon\nverzeihen, wenn ich manchmal nicht so lebhaft mehr\nunterscheide zwischen dem Geiste der uns Alle führt\nund nicht materiell für uns bemerkbar ist, und dem\nGeiste, der in allen Utopianern materiell bemerkbar\nist. — Der gewöhnliche Volksgeist und der erhabene"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "479", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 405, "texte": "Geist unseres Volkes, der hinter unserer Erscheinungs-\nwelt lebt diese Beiden scheinen mir zusammenzu-\ngehen — und wir Alle scheinen in ihm unterzugehen.\nDas Letztere wolltest Du im letzten Frühling nicht.\"\n„Heute,\" sagte der Kaiser, „will ichs schon, da\ndas Volk ein Andres geworden ist.\"\nEs wurde ganz dunkel im Perlmutterzimmer, aber\ndie Beiden sprachen immer weiter, ohne die Dunkel-\nheit zu bemerken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "479", "page_fin": "479", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.6", "titre_corps": "Vom Gedichtelesen", "titre_sommaire": "Vom Gedichtelesen", "signature_source": "Friedrich Kurt Benndorf ; Alfred Mombert", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "479", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.5", "debut_caractere": 423, "fin_caractere_exclue": 1789, "texte": "Vom Gedichtelesen\nVon Friedrich Kurt Benndorf\nAlfred Mombert\nMag uns ein Gedicht beim ersten Lesen nicht\nbereit finden, seinen seelischen Blitzschlag zu empfangen\n— die Erfahrung flüstert uns zu: trage das Buch,\nworin es steht, mit dir herum, lies immer wieder darin,\nes kommt Verstehen über Verstehen, wie bei einer\nLandschaft oder einer Stadt, in die du dich einlebst.\nWieviel Poesie würden wir heute als unverlierbaren\nSchatz besitzen, wenn wir vor Jahren ihr schon ent-\ngegengekommen wären, mit Geduld gegen Fremdartiges\nund in Gewärtigung künftigen Lohns! Auf einmal er-\nscheint die Stunde, wo wir gerade auf dieses Gleich-\nnis, diesen Stimmungsgehalt vorbereitet sind, — wo\ndie Tür in unserm Innern aufspringt, durch welche die\nKunstgestalt in ihrer vollen Schönheit eingehn kann!\nAuf einmai sind wir befähigt, uns bei der Perzeption\neines Gedichtes so synthetisch zu verhalten wie der\nDichter bei der Konzeption. Auf einmal überlaufen uns\nSchauer, wenn „der Glühende\" singt:\nWer hat uns tief gemacht!\nWir sind zu tief für uns!\nUns graut vor uns!\nDie Krankheit kommt, es kommt das Alter.\nHerb mein Antlitz, das Auge wälzt willekrank\nin schwarzen Gedankenkissen.\nDoch fühl ich jetzt: Das ist nur Ueberflor.\nSelig, selig, du mein urtiefes Herz!\nAm Heimatstrom des Lebens in seliger Ruh,\nblutend rauschest du Grundmelodien empor —\nSelig, selig in deiner Tiefe du!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "479", "page_fin": "479", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.7", "titre_corps": "Die Wahrheit : Ein logische Deduktion", "titre_sommaire": "Die Wahrheit : Ein logische Deduktion", "signature_source": "John Wolfs", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "479", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.5", "debut_caractere": 1791, "fin_caractere_exclue": 2919, "texte": "Die Wahrheit\nEin logische Deduktion\nVon John Wolfs\nIch setze das Ethos: Wir sollen Wissenschaft treiben\num der Lust willen, die sie uns gewährt.\nDas Befriedigen des Erkenntnistriebs löst, wie das\nBefriedigen jedes Triebs ein Lustgefühl aus. (Das ist\n• allgemein bekannt)\nErgo:\nDie Skeptizität des Seienden ist die Voraussetzung\nfär die Erforschung des Seienden.\nDas Wissen der absoluten Wahrheit würde die\nWissenschaft vernichten Es gäbe kein Objekt der\nForschung mehr.\nWissenschaft ist also nicht, wie man gemeiniglich\nglaubt, Erforschung der Wahrheit, — — — sondern\nErforschung der Wahrheit.\nDie Wahrheit ist in Wahrheit der Todfeind der\nWissenschaft.\nJe mehr Lebenskraft, desto weniger Wahrheit hat\ndie Wissenschaft.\nVoraussetzung wissenschaftlichen Strebens, des\nStrebens zur Wahrheit zu kommen, ist die Unmöglich-\nkeit zur Wahrheit zu kommen.\nDiejenige Denkmethode, die den grössten Grad\nvon Wahrheit erreicht, ist die unwissenschaftlichste aller\nDenkmethoden\n* *\n*\nDass alle diese Ergebnisse paradox sind, spricht\nnicht gegen ihre Richtigkeit. 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Eine Aufführung von Axel Delmars\nHeimatspiel auf den Tag von Kunersdorf, die ff. Ge-\ntränke und div. Speisen der bestrenommierten Brauerei\nvon Adeiung und Hoffmann sowie des Restaurants\nWackermanns Höhe werden nicht verfehlen, die deut-\nsche Jugend die Zeit der Not der Mark Brandenburg\nund den „alten Fritz\" lieben zu lehren. Was wäre ge-\neigneter, die Hurrah-Fähigkeit der preussischen Lunge\nzu gedeihlicher Entwicklung zu bringen, als ein Preussen-\nDrama aus der bewährten Feder des Herrn Axel Del-\nmar? Wie gut tut derselbe, dasselbe im Freien, („unter\nGottes freiem Himmel\" wie sie mit Recht sagen) auf-\nsuchen zu lassen und werde ich nicht verfehlen, bis\nzur Aufführung inbrünstig zu beten, dass dieselbe nicht\nverregnet werden möge. Denn Gottes freier Himmel\nkann in Preussen recht eklig sein.\nImmer und immer wieder muss der deutschen Ju-\ngend die Liebe zu den angestammten Kiefern und Re-\nstaurants eingepflanzt werden, damit dieselbe nicht ent-\narte. Wie gelangen wir wieder zu einer gesunden Kunst?\nWenn Volk und Künstler erkennen, dass nur die Kunst\nwahr, gut, schön und preiswert ist, die patriotische\nStoffe behandelt und spreche ich Ihnen zu Ihrem guten\nGriff meinen Glückwunsch aus.\nDie grosse Zahl namhafter Ehrenbeiräte bürgt da-\nfür, dass nur ff. Patriotismus verabreicht wird. Lauter\nMänner zudem, die durch ihre intimen Beziehungen\nzur Deutschen Kunst Herrn Axel Delmar und dem\nPotsdamer Fremdenverkehr gute Dienste leisten werden.\nKann die deutsche Dichtung besser vertreten werden\nals durch die Herren Max Dreyer und Rudolf Herzog?\nUnd wenn auch Herr Ferdinand Gregori mitmacht,\nhabe ich die sichere Gewähr, dass es eine erstrebens-\nwerte Sache ist. Ganz abgesehen davon, dass die Be-\nteiligung vom Präsidium und Central - Ausschuss der\nDeutschen Bühnengenossenschaft dafür bürgen, dass an\ndie Auffassungsfähigkeiten der Zuhörer keine modern\nüberspannten Anforderungen gestellt werden sowie dass\nbei der Gelegenheit auch für die Hebung des Standes-\nbewusstseins unter den deutschen Schauspielern etwas\nabfällt.\nWie sagen Sie doch in Ihrem Prospekt:\n„Lassen Sie unter Gottes freiem Himmel Heimat-\nkunst auf sich wirken!\"\nWenn alle Deutschen Heimatkünstler von Frenssen\nbis Rosegger, von der Etsch bis an den Belt, von\nAxel Delmar bis Schönherr, von Curt Zahn bis zur Clara\nViebig und zum Kunstwart zu diesem Satze gefeilt\nhätten, eine prägnantere Fassung hätte er nicht finden\nkönnen.\nWenn Wildenbruch das noch hätte erleben dürfen!\nIndem ich Sie bitte für unsere Mitarbeiter und Abo-\nnennten eine Sondervorstellung zu! reservieren bin\nich Ihr\nergebener\nTrust\nPS. Warum haben Sie sich unter den Ehrenbeiräten\nHenry Thode entgehen lassen ?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "479", "page_fin": "480", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.9", "titre_corps": "Lokale Begebenheiten", "titre_sommaire": "Lokale Begebenheiten", "signature_source": "Heineverehrung ; J. 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Aber der „unentwege\" Klassikerverehrer\nleidet unter einer Umdichtung, wo nur gegenwärtige\nSterilität an überliefertem Unvermögen sich reibt. (Man\nlese über dieses Thema: Karl Kraus: Heine und\ndie Folgen.)\nAn der Leine\nUnd Edmund Edel schwärmt noch immer von\nPleuresen. Der Verfasser .des „männlichen Gegen-\nstückes\" zum Roman „das gefährliche Alter\" hat von\nJupe-cullotte noch immer nicht geplaudert; selbst\nbei Gelegenheit einer Würdigung des „Hippodrom\nNoblesse\" im Citypark schwang er sich nicht auf die\nhohe Causeuse der liebenswürdigen Spötter: um von\nihr herab auch etwas über die letzte Mode zu\nsagen. Diesmal nimmt er es mit einem ernsten Unter-\nton auf, er will originell sein, und das ist auch amü-\nsant.\nIn der Manege ein Dutzend Pferde, die\nbessere Tage gesehen haben, und denen mit\nder Zeit alles egal geworden ist An einer\nlangen, virtuos klatschenden Peitsche hängt\nein sehr nobler Stallmeister. Er sieht aus\nwie Cyrano de Bergerac, ist aber besser ge-\nkleidet. Die Weste ist rot, der Sammetrock\ndunkel, der Zylinder schwarz und das Ganze\nglänzt fettig.\nNur eine Redewendung mag noch so viel bessere\nTage gesehen haben, es wird sich immer noch ein\nSchmock finden: „Staat mit ihr zu machen\".\nEs gibt ein Hippodrom der Literatur, darin auf\nden Rosinanten der Schriftsprache Attacken gegen die\nKunst und die Wahrheit geritten werden. Edel ergeht\nes dabei vielleicht wie dem Tertianer: „der hinter einer\nPleuresendame reitet\".\nEr hat grosse Mühe, nicht herunter-\nzufallen, und das nicht sehr zart besaitete\nFriedrichstrassenpublikum lacht über ihn. Aber\nder Tertianer merkt es nicht. Er reitet stolz\ndurch die unwahrscheinlich grünen Auen, die\nan der inneren Zeltwand ringsum aufgemalt\nsind. Ein Traum 1 Dreimal herum in der\nManege — dreimal durch traumgrüne Auen,\ndurch ein romantisches Leben, durch eine"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "480", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5476, "texte": "heldenhafte Zukunft. Der Tertianer reitet die\nAttacke von Mars-la-Tour, er reitet mit\nerhobenem Speer durch das Tournierfeld.\nDas Publikum des Literatur-Hippodroms ist aller-\ndings sehr zart besaitet, und es findet Ge-\nschmack und Freude an jedem Schmock, so schief er\nauch im Sattel der Schindmähre sitzt, die schon „ein\nAhne\" lahm geritten hat.\nAber eine soziale Bedeutung hat das Hippodrom,\n*las im Cityp a r k.\nEr stellt der Friedrichstrassenmenschheit\ngegen geringes Entgelt Rosinanten zur Ver-\nfügung. Und siehe da: ein geschmiertes Wand-\nbild wird zum frühlingsfrischen Feld und Don\nQuixote trabt dreimal um die Manege. Und\ndas sei dem Hippodrom gedankt. Eine Stätte,\nwo arme Pflastertreter ein bischen reiten\ndürfen und Alltagsfrohner ein bischen träumen,\nmacht sich um das Gemeinwesen verdient\nDer Mann in der roten Weste hat eine grosse\nsoziale Bedeutung: arme Menschen dürfen sich\nfür zwei Groschen fünf Minuten lang ein-\nbilden, dass er der Knappe ihres Rittertums\nist. Und dann hinaus in den kotigen Hof,\nhinaus auf die traurige und gefährliche\nStrasse.\nEs ist zum sich Aufbäumen und zum Wiehern.\nLos des Daidalos\nEinen Spezialerfolg bei der gestrigen Auf-\nführung von Kysers »Medusa\" im\nModernen Theater hatte der Schauspieler\nHans H. Dietzsch, der Amateur-Bild-\nhauer ist und die Statuen modelliert hatte.\nDie riesigen Tonmodelle, von denen manche\n4 Zentner schwer waren, machten einen durch-\naus künstlerischen Eindruck. In den Ton\nwaren an einzelnen Stellen kleine Steinstücke\ngeschickt eingefügt, die den Meissel des Bild-\nhauers Daidalos bei der Arbeit knirschen\niiessen. Sehr hübsch war die Statue der\nMedusa modelliert, die sehr leicht für die\nIllusion hätte gefährlich werden können und\nin der Ausführung des talentierten Herrn\nDietzsch verblüffend glaubhaft wirkte\nDie Tonmodelle, von denen manche vier Zentner\nschwer waren, und das will schon etwas sagen,\nmachten einen durchaus künstlerischen Eindruck, aber\ndie Statue der Medusa, die sehr hübsch model-\nliert war, wirkte in der Ausführung des talentierten\nHerrn Dietzsch verblüffend glaubhaft.\nDaidalos, der Held des Kyserschen Dramas, muss\nsterben, weil er ein Bildwerk vollenden will, darauf\nder Fluch eines rachegierigen Fürsten liegt.\nDie Seelenerschütterung, die das Drama hervor-\nrufen will, erleidet einen tötlichen Stoss an dem\nNebenberuf eines Schauspielers, das erdichtete Genie\nbleibt gleich einem grotesken Schatten hinter dem\nwirklichen, dem lebenden Amateur liegen, der im Lichte\nder Reklame fast das Ganze eines halben Er-\nfolges für sich in Anspruch raubt.\nUnd selbst noch an der Würdigung der Presse\nhatte er etwas richtig zu stellen.\nZu unserer gestrigen Mitteilung über den\nschönen Erfolg, den der Schauspieler Hans\nHubert Dietzsch in der „MedusaM-Aufführung\nals Bildhauer erzielte, ersucht uns der Künst-\nler, um Missverständnissen vorzubeugen, um\ndie Feststellung, dass er nicht Amateur-Bild-\nhauer ist, sondern, bevor er die Bühnen-\nkarriere einschlug, die Kgl Kunstakademie in\nKassel absolviert hat und Meisterschüler von\nKarl Begas war.\nSo wie die letzten zwei Akte der „Medusa\": „den:\nWechsel auf ihres Verfassers Zukunft akzeptieren\",\nso wird einem Schauspieler auf Konto Kunst gut-\ngeschrieben, dass er sich als Bildhauer um die In-\nszenierung eines Bühnenwerkes in dem Masse verdient\ngemacht hat.\nj. A.\nVon einem andern Geschäft\nEin Ullsteinblatt schrieb über die Erstaufführung des\n„Oedipus\":\nDas Sophokles -Gastspiel des Deutschen\nTheaters im Zirkus Schumann, das\ngestern unter carusohaftem Andrang vor sich\nging, endete mit dem lauten und bewundern-\nden Beifall für das geniale Werk einer Regie-\nkunst, die gewiss nicht in jedem Stück ins\nSchwarze traf, aber in ihrem imposanten Reich-\ntum szenischer Phantasie wiederum die\nschöpferische Kraft offenbarte, altererbten un\nvergänglichen Besitz zu neuem Wert zu\nsteigern, verschlossene Tore zu sprengen, auf\nferne Zukunftsmögiichkeiten theatralischer\nKünste hinzudeuten Man mag darüber ge-\nlächelt haben, dass Reinhardt sich einen Zirkus\nzum Schauplatz dieses dramatischen Festes\nauswählte. Doch der Zirkus steht dem antiken\nTheater näher als jedes andere moderne\nBühnenhaus, und es zeigte sich, dass die ge-\nwaltigen Erschütterungen der Masse, nach denen\ndie Griechen strebten, an solcher Stelle viel-\nleicht unmittelbarer zu erreichen sind als\nirgend sonst.\nDrei Monate später war in demselben Blatt unter\n„Theater, Kunst und Wissenschaft4\ndieser Bilanzbericht zu lesen:\nWas am Zirkus - „Oedipus1\nverdient wurde Nächsten Montag\nbeendet Max Reinhardt seine erfolgreiche\nOedipus-Saison im Zirkus Schumann in Berlin.\nDreissigmal ist O e d i p u s in diesem Winter\ngegeben worden. Diese 30 Vorstellungen\nwaren für den Leiter des Deutschen Theaters\nein sehr einträgliches Geschäft. Sie haben\nihm, wie der Confectionär mitteilt, eine E i n-\nnahme von 435000 Mark gebracht,\nReinhardt hat für jeden Abend, den er im\nZirkus spielte, Direktor Schumann 5500 Mark\nbezahlt Seine Einnahmen betrugen — der\nZirkus fasst 4500 Personen — durchschnittlich\npro Abend, da er immer ausverkaufte Häuser\nerzielte, 14 500 Mark, so dass ihm also ein\nIJeberschuss von 9000 Mark pro\nAbend, für die 30 Vorstellungen demnach\n270 000 Mark verblieb Demgegenüber sind\ndie Ausgaben verhältnismässig gering. Bei\nden Kostümen und dem Szenenaufbau handelte\nes sich um eine einmalige Ausgabe, der Chor,\nder aus Studenten gebildet wurde, erhält keine\nBezahlung, sondern bekommt als Bezahlung\nFreibilletts zum Deutschen Theater und zu den\nKammerspielen.\n\nJ. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "480", "page_fin": "480", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "480", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.6", "debut_caractere": 5643, "fin_caractere_exclue": 6094, "texte": "m\n\"\"i 13 i\" A, *c i '\nV '• s\" ':f'J r\n'v- .--v - ■■>. - : '■>\"■\nWenn bos von Itynen bister gebrotccfyte (Dtmbwaffer 311\n€nse tfi, fo empfetyten wir R>nen, an beffen Btelle einen\nVerjud) mit Ko&mln ju madden. Sie werden fraber.,\nbafe Sie biefes m 90113 befonberem GTafje beiriebtgt, benr.\nlioamSw bat ftberaus ctfrifdjenben Wol>(gefd>mach,\nkonfcrviert bie 55l>nc trnb kraftigf bos 3ol>nfleifd)\n§ia?d>e CT>k. t«5O, k&nge ausreid)erab, fiberatl Wkifftcb."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "480", "page_fin": "480", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "480", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.6", "debut_caractere": 6096, "fin_caractere_exclue": 6466, "texte": "■ffl «■\nDie Abonnenten unserer Wochenschrift\nwerden hoflichst um Einsendung des falligen Betrages\ngebeten. 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Ihr\nVerbandsblatt (wdas intimste Blatt\nder deutschen Pressed setzt sich\nfast ausschliesslich aus Briefen,\nSkizzen, Meinungsausserungen,\nSchilderungen von Erlebnissen usw.\nder Mitglieder zusammen und bie-\ntet Gelegenheit zu schriftstel-\nlerischer Betatigung. Jeder\nBeitragwird honoriertl Jahres-\nsteuer Mk. 5,50. Prospekt durch\ndie Geschaftsstelle der Deut-\nschen Briefgesellschaft, Naun-\nhof-Leipzig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "482", "page_fin": "482", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "debut_caractere": 1943, "fin_caractere_exclue": 2520, "texte": "Kurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nIn Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Lebenu kommen vom Besitzer u. 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Blester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie imd Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in ftihrender Steliung) Griind-\nnche Einfiihtung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersat* fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fUr Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfunrungs- una\nBiianz-Technik, Bliro-Praxis sich vorbereiten woilen — C/.Hlllo\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsoiviert haben, wie fiir . , . ~ . 4\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEiniahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatlg waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntmsse erweitern\noder vertiefen woilen oder . A.\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,Nationalokonom,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder Shniicher Gesellschaften sich vorbereiten woilen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate —je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c020", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "482", "page_fin": "482", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "debut_caractere": 3848, "fin_caractere_exclue": 4126, "texte": "©\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. 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Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 •• Telephon I 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "482", "page_fin": "482", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "debut_caractere": 4128, "fin_caractere_exclue": 4677, "texte": "iMMfflim\nMonatsschrift fiir Soziologie,\nGeschichte, Kunst :::\n::: und Literatur\nGegrund. von PAUL CORNU\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nHENRI BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles - Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRoliand, AndrS Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymond Darsiles u. a m.\nJahresbezug furs 1 Ausland :\n4,80 Mk. (Luxusausg. 9,60 Mk.)\nProbeheft gegen Einsendung\n::: von 50 Pfennig :::\nVerlag und Redaktion:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "482", "page_fin": "482", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "debut_caractere": 4679, "fin_caractere_exclue": 5007, "texte": "MMg\nrti\nIL' Effor .\n| Halbmonatsschrift |\nW fiir moderne Kultur und #\nfranzosische Sezession in\nW den Kunsten und in der\n... 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Die Soziale Bellage\ntritt fur die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-1 nserate die Zeile 10 Pf., fur Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einen\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktlon: Berlin N 37 Lottumstrasse 14"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "482", "page_fin": "482", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "debut_caractere": 5662, "fin_caractere_exclue": 5704, "texte": "KAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-22-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-22_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "482", "page_fin": "482", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "debut_caractere": 5706, "fin_caractere_exclue": 5937, "texte": "Dr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. 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Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmarken, zuadressierten Post-\nkarten, Biichern usw.\nJahresbeitrag fur I K V mit wSammler-Berichtea nur 4 Mk*\n(5 Franks). Eintritt jederzeit.\nAusfiihrliche Probenummer und Satzungen gratis durch\nErnst WSarre Verlag, Leipzig (Rev»er 178). _"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEtnzelbezug 10 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Wilmersdorf 3524 / Anzeigen-Annahme\nHannover Artilleriestr 15 und Berlin W 35 Potsdamerstr. 111\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHER WARTH WALD EN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,00 Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN/SONNABEND DEN 22. APRIL 1911/ HANNOVER\nNUMMER 60\n\nInhalt:\nKURT HILLER: Der Relativismus in der Rechtsphilosophie und seine Ueberwindung durch die Restitation des Willens / PER HALLSTROEM: Adonia / PAUL\nSCHEERBART: Der Kaiser von Utopia / FRIEDRICH KURT BENNDORF: Vom Gedichtelesen / JOHN WOLFS: Kunsthistorismus / TRUST: An die Herren Vorsitzenden\nder Heimatspiele / JA: Lokales / JOHN JACK VRIESLANDER: Der Säugling / Zeichnung.\n\nDer Säugling / Zeichnung von John Jack Vrieslander"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "476", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.2", "texte": "Der Relativismus in der\nRechtsphilosophie und\nseine Überwindung durch\ndieRestitution desWillens\nII\nVon Kurt Hiller\nAuf die wie das Schwert des Damokles gefährlich\nüber aller Ethik (und schliesslich über aller Philosophie)\nhangende Frage: „Wie lautet der allgemeingiltige Wert?\"\nantwortet Kant: „Allgemeingiltigkeit!\", spottet seiner\nselbst und weiss nicht wie. Mit Recht nennt J. F. Fries\ndas „ein leeres Prinzip der Ordnungsliebe, von dem\nsich nicht begreifen Hesse, wie die Vernunft darin den\nhöchsten Wert setzen sollte\"1); und wundervoll höhnt\nSchopenhauer: Kants Reich der Zwecke sei bevölkert\nvon lauter vernünftigen Wesen in abstracto, die samt\nund sonders beständig wollen, ohne irgend etwas zu\nwollen — nur dieses Eine wollen sie: dass Alle stets\nnach einer Maxime wollen . . .2)\nRudolf Stammler's in ihrem polemischen Teil so\nüberaus glänzende und als eine weitgeschichtliche Tat\nanzusprechende Rechtsphilosophie ist hinsichtlich ihrer\npositiven Ergebnisse abzulehnen; und zwar aus\nkeinem andern Grunde als deshalb, weil sie die\nKantische Hexerei mit dem Formalprinzip leider wieder-\nholt. Wie wenig d*mit anzufangen ist, zeigt sich bei\nStammler allerdings noch deutlicher; da er, im Gegen-\nsatz zu Kant, eifrig bemüht ist, sein „formales\" Krite-\nrium auf die Materien des Rechts anzuwenden. Diese\nBemühungen sind völlig fruchtlos; denn alle jene „Grund-\nsätze des richtigen Rechts\", des „Achtens\" und „Teil-\nnehmens\", so sehr sie (stilistisch) auf formal, generell,\nabstrakt, unanschaulich frisiert sind, folgen keineswegs\nmit logischer Notwendigkeit aus der Form des Sollens\n(aus der lässt sich überhaupt nichts ableiten), sondern\nsind ganz biedere materiale Pflichtgebote, willkürlich\naufgestellt, von problematischem Wert, unbegründbar,\nDogmen. Es ist der christliche Sittenkodex, vorge-\ntragen im schmerzhaften Jargon der Kant-Epigonen.B)\nSo ist es auch dem Rationalismus nicht gelungen,\nobjektive Wertmassstäbe zu finden. Und a priori\nkann es ihm nicht gelingen; denn man kann nun\neinmal aus formalen Bestimmtheiten nicht zu konkreten\nMaterien herabsteigen. Wenn Beling, in der von\nv. Liszt angeregten berühmten Diskussion über den\nSinn der Rechtsvergleichung, sagt: „Aus der Empirie\nführt kein Steig hinüber in das Reich des Imperativs\"4),\nso dürfen wir auch umgekehrt sagen, dass aus dem\nImperativ — wenigstens dem formalen des Kantianis-\nmus — kein Steig hinüberführt in das Reich der\nEmpirie . . .\nDieser Bankerott des Objektivismus in der Rechts-\nphilosophie bedeutet nun aber nicht etwa sofort einen\nSieg des Subjektivismus; denn falls es objektive\nKriterien der Richtigkeit oder Falschheit einer (empi-\nrischen oder hypothetischen) Norm nicht gibt, gibt es\nüberhaupt keine Kriterien dafür; sintemalen\n„richtig\" und „falsch\" gar keinen Sinn hat, wenn es\nnicht objektiv-richtig und objektiv-falsch bedeutet.\nSubjektiv -richtig und -falsch sagt garnichts. Es ist\nzwar lächerlich, gegen den Subjektivismus Batterien\nsittlicher Entrüstung aufzufahren (wie das gewisse ge-\nlahrte Undenker so gern tun), — aber darüber muss\nman sich im klaren sein, dass er eine Lösung des\nWertproblems nicht gibt, sondern bloss die Formel\nfür die Erkenntnis seiner Unlösbarkeit.\nEiner der kultiviertesten unter den jüngeren Rechts-\nphüosophen, Hermann U. Kantorowicz — einer, der\nmehr als die Meisten von Stammler gelernt hat und\ndeshalb sein gefährlichster Gegner geworden ist —\nhat sich mit dieser Situation der rechtsphilosophischen\nMethodologie unzufrieden gefühlt und hat es unter-\nnommen, nach so vielen scharfsinnigen Köpfen, aufs\nneue den Stein der Weisen suchen zu gehn. Und in\nder Tat: er hat ein kurioses Stück Mineral gefunden;\nob es der Stein der Weisen sei, ist freilich eine an-\ndere Frage. Er selbst jedenfalls glaubt es und nennt\ndas Ding „Relativismus\". In dem Aufsatz „Probleme\nder Rechtsvergleichung\"l) schreibt er: „Weder der Ukas\ndes herrschsüchtigen Objektivisten, der alle noch so\nverschiedenen Geister vor seinen Wagen spannen will,\nnoch der Monolog des resignierten Subjektivisten, der\ndie Früchte seiner Selbsterkenntnis schön geordnet als\n„Mein System\" an die Oeffentlichkeit tragen zu sollen\nglaubt — können das letzte Wort der Wissenschaft\nsein. Es gibt eine goldene Mittelstrasse (Mittelstrassen-\ntheorien sind stets verdächtig! [Anmerkung des Zita-\ntors]), das Verfahren des Relativisten, ein Ver-\nfahren, gleich wichtig für die Zweifel der Exegese, wie\nfür die Probleme der Legislative. Es besteht darin,\ndie verschiedenen möglichen, als gleichberechtigt anzu-\nerkennenden Standpunkte, wie sie Interesse, Charakter,\nWeltanschauung einzunehmen heisst, aufzusuchen und\nin ein System zu bringen, und nun die verschiedenen\nmöglichen Regelungen in ihrem relativen Werte, d.\nh. in ihrer Tauglichkeit als Mittel zur Befriedigung\nder genannten verschiedenen Anschauungen aufzuweisen.\nDas ist eine theoretische, also echt wissenschaftliche\nAufgabe — die Wahl der verschiedenen Standpunkte aber\nkann die Wissenschaft niemandem abnehmen.\" — Kan-\ntorowicz schiebt also die Wahl des „Standpunktes\",\neben des gesuchten obersten Sollprinzips, des Wert-\nmassstabes, dem Privatmann zu; die Wissenschaft\nwill er damit nicht behelligen. Hierbei über-\nsieht er, dass der Privatmann nicht notwendiger-\nweise stets „Interessen\" - Politiker ist, dass sein\n„Charakter\" und seine „Weltanschauung\" (welch schwam-\nmiger Terminus!) ihm keineswegs immer einen be-\nstimmten Standpunkt einzunehmen heissen, dass er\nvielfach bloss wissenschaftlicher Forscher, Fahnder nach\nKriterien, Zweifler, „Zelot der Wahrheit\" ist. Hat Kan-\ntorowicz nie etwas von Skepsis gehört? Glaubt er,\ndass jedermann einen Standpunkt schon hat? Igno-\nriert er jenes Phänomen, welches Nietzsche „das in-\ntellektuale Gewissen\" nennt? — Das, was Kantorowicz\nda als „Standpunkte\" bezeichnet — die er mit billiger\nToleranz als „gleichberechtigt\" „anerkennt\" —, das\nsind doch weiter nichts als: Vorurteile. Diese duld-\nsam zu stützen, kann nicht als Aufgabe der Rechts-\nphilosophie gelten. Das Problem lautet vielmehr: aus\nder Fülle der verschiedenen möglichen zu dem\neinen notwendigen Urteil zu gelangen. Wenn das\nnicht geht, nun gut, dann eben geht es nicht, und\nman soil die Courage haben, einzugestehen, dass es\nnicht geht. Es ist jämmerlich, um jeden Preis das\n„Fach\" retten zu wollen. Macht die Kritik der prak-\ntischen Vernunft Fiasko, so melde man seelenvergnügt\nden Konkurs an (selbst auf die Gefahr hin, dass einige\nDutzend Universitätsphilosophen dadurch brotlos würden),\nmute uns aber nicht zu, unser System nun auf dem\nFundament eines beliebigen Vorurteils zu errichten,\noder gar: auf den Fundamenten aller möglichen\nVorurteile alle möglichen Systeme nebeneinander\naufzubauen, eines immer das andere Lügen strafend.\nWer uns dergleichen Spielerei als „Wissenschaft\" auf-\nschwatzen möchte, ist, im günstigsten Falle, ein Charlatan\nmalgre lui . . .\nWenn anders „Decadence\" einen Verfall der indi-\nvidualen Energien, ein Erlahmen der Auswirkungspoten-\nzen, einen Schwächezustand des Willens bedeutet, so\nstatuiert Kantorowicz mit diesem „Relativismus\" ein\nEthos der Decadence. Dieser Relativismus braucht\nzwar nicht, wie Hegler behauptet, selber eine „Er-\nmüdungserscheinung\" zu sein, aber er macht unter den\num rechtsphilosophische Problematik bemühten Intel-\nlektuellen Propaganda für Müdigkeit. Zu mass-\nloser Toleranz auffordernd, lähmt er die Willenskraft.\nEr ist ganz gefährlich und das letzte, böseste Gift, das\nder Kritizismus verspritzt. Organismen, die von ihm\ninfiziert sind, bedürfen zu ihrer Heilung anderer Gegen-\ngifte, als wie sie der treffliche Hegler2) verabreicht.\nDieser, ein philosophisch ahnungsloser Herr in Tübingen,\nleistet es sich zum Beispiel, als Erkenntnisgrund der\nRichtigkeit eines Werturteils den consensus gentium\nanzuführen, beruft sich fortgesetzt mit Begeisterung auf\neinen Theologen Reischle und gelangt zu seiner An-\nsicht über den Relativismus („sozusagen eine geistige\nErmüdungserscheinung\") darum, weil diese Theorie auf\nden „unauslöschlichen Trieb\" nach einem „Festen, Ob-\njektiven und Gemeingültigen\" keine Rücksicht nehme.\nIch wage es, Hegler, obzwar er der Komparativ von\nHegel ist, zu widersprechen. Man darf, meine ich,\nwenn erbarmungslos - konsequentes Nachdenken zu\npeinlichen Ergebnissen führt, nicht nach der Polizei\nrufen. Es gibt keine dümmeren Einwände gegen\nSkeptizismen als — moralische. Wenn wirklich\nein Trieb nach „Festem, Objektivem, Gemeingültigem\"\nin uns existiert (und das glaube ich schon; ist doch\nder Mensch ein animal metaphysicum I), so wäre eine\nTheorie noch lange nicht deshalb falsch, weil sie\ndiesen Trieb unbefriedigt lässt. Es lebt in uns auch\nein Trieb nach persönlicher Unsterblichkeit (jeder hasst\nden Tod); ist darum eine Naturphilosophie, welche die\nUnsterblichkeit leugnet, falsch?\nSolche Einwände können die kantorowiczianische\nLehre nicht erschüttern. Der Relativismus ist über-\nhaupt nicht „falsch\" 1 Er ka n n garnicht falsch sein,\ndenn er ist ja keineswegs die Lösung eines Pro-\nblems, sondern die Flucht vor einem Problem,\nEr sagt ganz richtig, objektive Massstäbe gebe es nicht\nund subjektive seien bedeutungslos; ajper er zieht da-\nraus den Schluss, man müsse das Messen nun über-\nhaupt unterlassen und lieber dafür — Messungen\nanderer sammeln. Oder genauer: Auf die Frage, mit\nwelchem der verschiedenen möglichen Massstäbe man\nmessen soll, gibt er die ausweichende Antwort: mit\nallen! — Der Relativismus ist die Flucht vor einem\nProblem. „Durch ihn wird\", wie sein Impresario auf\nSeite 103, mit syntaktischer Nonchalance, sich aus-\ndrückt, „der unlösbare Streit um letzte Werturteile aus-\ngeschieden, um dem allein würdigen um Tatsachen und\nBeziehungen Platz zu machen.\" (Hierbei berührt es\neigentümlich, wie jemand mit demselben Atemzug, mit\ndem er den Streit um letzte Werturteile auszuscheiden\nvorgibt, in einer gegen die normativ gerichteten Geister\nscharf polemischen Weise das Werturteil fällt, der\nStreit um Tatsachen und Beziehungen sei der „allein\nwürdige\"! — Das ist ein etwas zirkulöses Ver-,\nfahren!)\nMit diesem gegen das Werten gerichteten Wert-\nurteil macht der Relativismus Propaganda für Müdig-\nkeit. Man kann diese Propaganda verstehen, als\nReaktion auf die Ergebnislosigkeit des jahrhunderte-\nlangen Kämpfens (in der Philosophie der Werte); aber\neine Sache verstehen heisst nicht: sie billigen und sich\nbei ihr beruhigen.\nVervollkommnung der von Menschen für Menschen\nerfundenen Einrichtungen (zumal des Staates, dieser\nfabelhaftesten aller menschlichen Erfindungen) ist das\nununterdrückbare Bedürfnis derer, die sich ihres Sonder-\nwertes als Persönlichkeiten, als lediglich von den ewigen\nNaturgesetzen abhängiger Vernunftwesen, durchaus be-\nwusst sind und die es ablehnen müssen, sich als\nblosse Objekte der Ordnungen, als stumm-resignierende\nOpfer des einmal Vorhandenen, zu betrachten. Dieses\npraktische Bedüifnis selbstbewusster Menschen ist\nmindestens ebenso stark wie das theoretische nach\ndem „Festen, Objektiven, Gemeingültigen\", und es hat\nvor diesem den Vorzug, das leichter erfüllbare zu\nsein . . . Wer vermag einzusehen, weshalb man, weil\nnun einmal jedes inhaltliche Sollen unbegründbar ist,\nauf das Proklamieren von Sollsätzen verzichten müsse?\nDie apriori notwendige Dogmatizität jeder Norm des\nVerhaltens, also ein seltsamer Irrationalismus, sozu-\nsagen ein Strukturfehler unseres Verstandes, soll uns\nhindern, das zu tun, wozu es uns alle treibt? Wjr\nmüs s e n kritisieren, verbessern, normieren: so will\nes unser Wille; und wenn es dem Intellekt nicht ge-\nlingt, den Willen zu beherrschen, so ist es eigentlich7\neine ganz lächerliche Anmassung dieses unzulänglichen\nIntellektes, dem Willen das Dasein zu verbieten. Es\nist der Despotismus eines Schwachen, die Asketen-\nmoral eines Impotenten, der Schöpfungstadel eines, der\nselber nichts schaffen kann. Hat eine Normation nur\ndann wissenschaftliche Bedeutung, wenn sie nachweis-\nbar allgemeingültig ist, und entdeckt man durch kriti-\nzistische Methoden, dass eine nachweisbar allgemein\ngültige Normation ein Ding der Unmöglichkeit sei, sc\nmöge man daraus, bitte, nicht die Forderung ableite\"'\ndass nun nicht mehr normiert werde, sondern ehe'\ndie Forderung: auf „wissenschaftliche Bedeutung\" zjj\npfeifen. Erkennen, dass es normative Wissenscha'\nnicht geben kann, verlangt keineswegs, wie der sP'e\n\n*) „Neue oder anthropologische Kritik der Ver-\nnunft\", 1831, III, Seite 151\ns) „Die Grundlage der Moral\", Reclam, Seite 547\n) Aehnliche Auffassung Stammler's — bei gleich\ns*Ar^er ..Verehrung — neuerdings: Felix Somlö,\npMassstäbe zur Bewertung des Rechtes\", Archiv für\nRechts- und Wirtschaftsphilosophie III, Seite 514; ferner\nKurt Pesch ke, an der erwähnten Stelle\n4) Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissen-\nschaft, XXVI, Seite 694 (innerhalb eines vorzüglichen\nAufsatzes „Strafrechtsreform und richtiges Recht\")\n*) Aschaffenburgs Monatsschrift für Kriminal-Psycho-\nlogie und Strafreclitsreform IV, Seite 65 ff., insbeson-\ndere Seite 102. — Vergleichen Sie auch desselben\nAutors Stammler-Widerlegung („Zur Lehre vom Richtigen\nRecht\"), Archiv für Rechts- und Wirtschaftsphilosophie,\n11, Seite 42 ff., besonders Seite 73\n2) Aschaffenburgs Monatsschrift IV, Seite 337 ff"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "477", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.3", "texte": "selige Relativist meint, nun eine (müssige) „Wissen-\nschaft vom Normativen\" zu etablieren, sondern viel-\nmehr: mit Pauken und Posaunen ins Lager der un -\nwissenschaftlichen Normation einzu-\nrücken. Was ist denn das für ein Wortaberglaube,\nder da gebietet, alles, was der Mensch vermöge\nseiner Vernunft tut, müsse „wissenschaftlichen\" Cha-\nrakters sein!\nDie Unbegründbarkeit der Normen braucht ebenso-\nwenig zum Verzicht aufs Normieren zu führen, wie die\nUnauffindbarkeit einer Endursache zum Verzicht auf\ndie Erklärung der Naturerscheinungen führt. Nun sagt\nfreilich Stammler *): zwischen der causalen und der\nteleologischen Betrachtung bestehe der Unterschied, dass\ndas Causalitätsgesetz — in seiner „allein berechtigten\" (!)\nFunktion, wissenschaftliche Erfahrung möglich zu\nmachen — die Idee einer unbedingten Ursache an\nund für sich nicht braucht, während bei dem Verhält-\nnisse von Mittel und Zweck der (in der Naturerkennt-\nnis unbefugten) Frage nach einem letzten Darum\ngarnicht ausgewichen werden kann. Hier scheint mir\nStammler doch eine Kleinigkeit übersehen zu haben.\nNur für die Praxis nämlich ist in der Causalbe-\ntrachtung die Kenntnis einer Endursache überflüssig\n(zur Ermöglichung wissenschaftlicher Erfahrung über-\nhaupt); für die Theorie indessen, das heisst zur\nrestlosen Erklärung der Erscheinungswelt, bedarf\nman solcher Kenntnis durchaus; und eben der Mangel\ndieser Kenntnis hat ja den tragischen Zustand zur\nFolge, dass der Mensch nichts in der Weit sich „er-\nklären\" kann, sondern immerdar nur darauf ange-\nwiesen ist, ein Rätsel durch ein anderes Rätsel zu er-\nsetzen, und dass die Naturwissenschaft nicht mehr\nleisten kann als: die Anz a h 1 dieser Rätsel auf ein\nMinimum zu reduzieren, durch Zurückführung vieler\nspezieller Tatbestände auf wenige generelle; glücklich-\nstenfalls auf einen einzigen; der dann aber — wie\nSpinoza's „Substanz\", Schopenhauer's „Wille\", Ost-\nwald's „Energie\" — als Universalrätsel und Kardinal-\nunerklärlichkeit eben übrig bleibt . . . Theore-\ntisch nun freilich kann auch in der Teieologie der\nFrage nach einem letzten „D aru m\" nicht ausge-\nwichen werden, praktisch aber sehr wohl,\ngerade wie in der Causalbetrachtung. Denn, wie\nStammler selber hervorhebt (Seite 353), handelt es\nsich, im Gegensatz zum causalen Denken, beim tele-\nologischen nicht darum, dass „Gegenstände wissen-\nschaftlich erkannt, sondern dass sie be-\nwirkt werden sollen\". Bewirkt werden aber kann etwas\ndurchaus, ohne dass es wissenschaftlich begründet,\nohne dass es kritizistisch legitimiert ist als Mittel zu\nzu einem objektiven, einem notwendigen und allge-\nmeingültigen Zweck.\nDer unglückselige Methoden-Monismus, der die\nGegenstände der praktischen Vernunft nach demselben\nSchema behandelt wissen will wie die der theoretischen;\nder dort, wo es sich ums Bewirken handelt,\nkoste es was es wolle, erkennen möchte; der die\nIdee der „Gesetzmässigkeit\" von der causalen auf\ndie teleologische Spekulation überträgt (Kant tut das\nimplicite, Stammler tut es ausdrücklich) —: dieser un-\nglückselige Monismus dürfte sich vielleicht endlich als\ndas Dogma der „kritischen\" Philosophie und als\nein welthistorisches Vorurteil entpuppen;\nals Paradigma für die Regel, dass, noch in den vor-\nsichtigsten Denksystemen, gerade das als selbstver-\nständlich vorausgesetzt wird, was imgrunde das Aller-\nproblematischste ist.\nNichts ist, just unter dem Gesichtspunkt kan-\nonischer Strenge, weniger begründet als das Verfahren,\nebenso wie das Erkennen auch das Wollen auf die\nFolterbank der Kategorie „Richtig-Falsch\" zu spannen.\nEs ist eines der grandiosesten Vorurteile in der Ge-\nschichte des menschlichen Denkens. Die ganze Qual\nund Unerquicklichkeit des Oeuvre Rudolf Stammler's\nleitet sich ab aus diesem Vorurteil. Ich wage es aus-\nzusprechen: dass die Philosophie des Rechts (Heil\nihrer neuen Geburt!), jung wie sie ist wieder wird\nsterben müssen, wenn sie nicht schleunigst und mit\nElan sich von diesem Vorurteil loslöst. Genau so, wie\nim theoretischen Denken die Erkenntnis nicht\nnur Aufgabe, sondern auch Grundlage ist, bildet im\npraktischen Denken der Wille nicht nur den Ge-\ngenstand, sondern auch die Wurzel. Zu Er-\nkennendes muss erkannt, zu Bewirkendes gewollt werden.\nDas ist eigentlich selbstverständlich; noch nie hat je-\nmand gefordert, dass zu Erkennendes bewirkt werden\nmüsse; — aber die Kantiker verlangen immerwährend,\nman solle zu Bewirkendes erkennen! Vielleicht\nist die Zeit reif, den Irrtum endlich einzusehen und in\nder Philosophie der Werte den Voluntarismus\nzu statuieren.\nSchon Schopenhauer vergleicht (im § 6 seiner\n„Grundlage der Moral\") Kanten mit einem Arzt, der\nein Mittel mit glänzendem Erfolge angewandt hat und\nes fortan in fast allen Krankheiten gibt. So habe er\n„die Methode, welche er mit so vielem Glück in der\ntheoretischen Philosophie angewandt hatte, auf die\npraktische übertragen\". „Aber\", fährt Schopenhauer fort,\n„wie himmelweit ist der Unterschied zwischen jenen\ntheoretischen Erkenntnissen a priori, welche darauf\nberuhen, dass sie die blossen Formen, d. h. Funktionen,\nunseres Intellekts ausdrücken, mittelst deren allein wir\neine objektive Welt aufzufassen fähig sind, in denen\ndiese sich also darstellen muss, daher eben für die-\nselbe jene Formen absolut gesetzgebend sind, so dass\nalle Erfahrung jedesmal ihnen genau entsprechen muss,\nwie Alles, was ich durch ein blaues Glas sehe, sich\nblau darstellen muss, — und jenem angeblichen Moral-\ngesetz a priori, dem die Erfahrung bei jedem Schritte\nHohn spricht, ja, nach Kanten selbst, es zweifelhaft\nlässt, ob sie sich auch nur ein einziges Mal wirklich\nnach demselben gerichtet habe.\" Dieser Hinweis auf\ndie Unabhängigkeit des Seinsollenden von der Em-\npirie bedeutet zwar nicht — wie blinde Neukantianer\ndem gewaltigen Arthur so gern imputieren — einen\nEinwand gegen das Dasein von Moralgesetzen; denn\nes ist nun einmal das Wesen der Moral, Gesetze auf-\nzustellen „von dem was geschehen soll, ob es gleich\nniemals geschieht\" (Kant) . . . wohl aber einen Ein-\nwand gegen die Art der Ableitung von Moralgesetzen.\nSchopenhauer, hier wie überall vom Wundt-Lipps'schen\nEmpirismus meilenweit entfernt (Tränen würde der\nFrankfurter gelacht haben über den Satz Wundt's\netwa [„Ethik\", Seite 16] : „Der nächste Weg zur Auf-\nfindung der ethischen Prinzipien ist derjenige der\nanthropologischen Untersuchung\"!) . . Schopenhauer\nlegt hier dar, dass nicht der mindeste Grund besteht,\npraktisch nach derselben Methode zu philosophieren\nwie theoretisch.\nEs ist schwer, in diesen Dingen radikal umzulernen.\nAber es ist vonnöten. Es ist dann vonnöten, wenn\nman auf Beurteilung und Verbesserung der irdischen\nEinrichtungen nicht zu verzichten gewillt ist, aber sich\nklargemacht hat, dass den Postulaten der Erkenntnis-\nkritik mit solcher Beurteilung oder Verbesserung (a priori)\nnie genügt werden kann.\n\nl) «Wirtschaft und Recht\", 2. Auflage, Seite 355\n\nSchluss folgt\n\nAdonia\nUnd Adonia vernahm seine Stimme.\nVon Per Hallström\nSie klang stark und furchtbar, sie kam aus keinen\nLippen, aus keiner Brust, sie war da, war über allem,\nsie klang hart und hohnvoll, zürnend. Adonia war\nwie eine Saite, die vor Klang zu springen droht\n„Wer bist du, dass du König sein willst, wer bist\ndu, dass du meine Verheissung zu tragen glaubst?\nDein Sinn ist weich, deine Hände tasten, in törichter\nLust zu brennen, zu schmachten und zu weinen, und\nvom Griff der Leidenschaft um deine Brust geschüttelt\nzu werden, dazu bist du geschaffen. Im Winde zu\nleuchten und zu flattern, wie ein Purpurgewand, dazu\nbist du geschaffen — brauche ich Purpurgewänder? —\nZerrissen und zerstampft zu werden wie ein Purpur-\ngewand, dazu bist du geschaffen!\"\nDie Stimme verstummte in Verachtung, und Adonia\nwollte sein Haupt senken vor Jehovahs Antlitz, aber\nsein Nacken blieb steif, seine Augenlieder gehorchten\nnicht, gefesselt stand er, brennend öffneten sich seine\nAugen vor Entsetzen, er wusste, dass Gott sein Feind\nwar, und dass er vernichtet werden würde.\nEs kam ein Bote von Salomo und rief vor dem\nZelt und verkündigte des Königs Gnade und sein\nMisstrauen. Barmherzigkeit brachte er Adonia für das,\nwas er gegen Salomo verbrochen hatte. Drohung für\njegliche Gebärde, die feindlich gegen den König Salomo\ngedeutet werden könnte.\nAber Adonia fürchtete sich nicht. Wenn er nur\nder schreckensvollen Nähe des Gottes entfliehen konnte.\nEr schlich sich rücklings hinaus, die Hände starr, die\nGedanken starr. Als er herauskam, floh er die Sonne\nund verschloss sich in die dunkelste Kammer, um\nSchmach und Schmerz zu verbergen.\nBald erlosch David. Aber Adonia wusste es kaum\nund verbrachte Tage und Nächte in Betäubung und\nQram.\nUnd Abisag von Sunem war frei von ihrer Dienstes-\npflicht und verschwand im Haufen der Jungfrauen.\nUnd fühlte den Tag schwerer und die Berge ferner\nund betrauerte die Bürde, die sie verloren hatte.\nDa blitzte es jäh in Adonia auf, dass Abisag nun\nsein werden könnte. Er hatte auch sie schon unter\ndenn Trümmern seines eingestürzten Glückes begraben.\nIn seiner Erinnerung schwebte dumpf ihr Name. Nun\nglänzte sie wieder vor ihm in all ihrer Schöne und\nihrem aufreizendem Jubel, sie zog in mit sich in die\nSonne, sie wob wieder Goldglanz um ihn. Das Be-\ngehren versengte seine Seele.\nEr sprang gelenkig vom Bett auf und atmete wieder\nmit den kurzen Zügen der Leidenschaft die Luft; sie\nwar abendkühl und trug schweren, süssen Duft von\nweissen Blumen. Er hatte sich wie ein Bräutigam\nkleiden wollen, in helle, goldgestickte Gewänder, dann\nbesann er sich, dass es zuerst galt, in Demut des\nKönigs Gabe zu gewinnen Sein Antlitz nahm ge-\nschmeidig die Miene an, die es tragen musste seine\nGedanken suchten bittende und huldigende Worte, es\nwar ihm eine Wollust, im Staub zu kriechen und sich\nAbisag zu erbetteln\nEr legte einen abgetragendsten Kittel von schwarz-\nrotem Zeug an, aber unter der Armut leuchtete seine\nFreude und Hoffnung, und seine Füsse tanzten über\nden Boden\nEs suchte Bad Seba auf, ihre Fürbitte zu erreichen,\nund er ging der gehassten Feindin mit lächelnder\nWürde entgegen und mit schmeichelnden, gleissenden\nBlicken.\nSie betrachtete ihn misstrauisch: „Kommst du mit\nFrieden?\"\nAdonia neigte sich vor der Verabscheuten: „In\nFrieden komme ich. Mit einer Bitte.\"\nUnd über ihn brach all sein Schmerz herein, alles\nwas er verloren hatte, seine Kränkung und Machtlosig-\nkeit und seine Sehnsucht nach Abisag; seine Hände\nerhoben sich, um Mantel und Haar zu zerreissen, sein\nAntlitz fschwamm in Tränen, seine Stimme i schrie\nund winselte. Er sank herab zu ihren Knieen und\ntastete nach Stütze.\n„Sieh,\" klagte er, „das Reich war mein, ich war\nder Aeltere, und ich hielt es in meiner Hand, aller\nHerzen schlugen mir entgegen. Ich wäre ein grosser\nKönig geworden. Ich opferte am Steine Soheleth, und\nJehovah nahm mein Opfer an, und die Sonne stand\nstille über den Rauch. Dein Sohn wurde König, und\nalles sein, Jehovah wollte es.\" Mein Blut wurde\nSchmerz und Entbehrung, und die Luft bitter, meine\nBrust brannte, und nachts löste sich mein Leben auf.\nAlles habt ihr mir genommen, mein Gedanke fand\nkeine Ruhe. Gebet mir Abisag von Sunem zum Weibe,\nund ich werde alles vergessen. Schüttle nicht das\nHaupt, sage nichts, höre mich! Abisag ist Vergessen-\nheit für alles. Das Glück und das Lachen ist sie, sie\nhat des abends Glanz über ihrer Haut, sie hat den\nWind unter ihren Füssen, sie spielt, wie ein Reh. Du\nhast sie nie gesehen. Sie neigt ihren Hals, und\nder Schatten glimmt wie Gold, ihre Augen sind Träume.\nGebt mir Abisag, und ich werde vergessen, dass das\nReich mein war, und ich werde euch beide segnen,\nWenn ich König geworden wäre, wie hätte ich da\nstets bei Abisag bleiben können. Sie ist goldbraun,\nund ihre Augen leuchten im Dunkel\n„O, Bath Seba, du hast sie gesehen, und du\nweist, dass ich nicht ohne sie leben kann!\"\nEr sah auf und fand in Bath Sebas Blick Ver-\nwunderung und Verachtung und zögernde Unschlüssig-\nkeit. Er küsste ihre Füsse und netzte sie mit Tränen\nund flehte:\n„Du, au hast geliebt!\"\nEr konnte nicht mehr sagen, nicht an ihren\nblutigen Ruf rühren, den er so oft gehöhnet und ver-\nflucht hatte. Nun dünkte es ihm, als hätte sie nur\ngehandelt, wie man handeln musste, denn sie hatte\ngeliebt, und war es nicht ihre Hand, die Abisag geben\nsollte?\n„Ich wünsche nichts als Abisag. Was ist das\nandere für mich? Alles macht mich müde, und meine"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "478", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.4", "texte": "Sehnsucht macht mich müde; ich löse mich in Tränen\nauf. Aber ein Wort von dir belebt mich wieder, ein\nWort von dir, und alles wird Tanz und Spiel und\nJubel.\"\nBath Seba betrachtete ihn und blickte in ihr\nInneres, und ihre Verachtung wurde zu Neid. Sie er-\nwog und versprach sie: „Ich will den König bitten.\"\nUnd sie ging\nAdonia sprang auf. Die Gewissheit der Freude\nüber sich. Er konnte nicht stehen bleiben, er ging\nauf und nieder, bereit wie ein gefangener Vogel gegen\ndie Mauern zu stossen in erwartungsvollem Jubel.\nUnd Bath Seba kam zu Salomos Thron.\n„Ich bringe eine kleine Bitte, du wollest mein\nAngesicht nicht beschämen.!\" Und Salomo empfing\nsie ehrfurchtsvoll und versprach es ihr.\nSie brachte Adonias Botschaft vor: „Gib ihm\nAbisag,\" schloss sie.\nSchon bei Adonias Namen flammte der König in\nErregung auf, denn er fürchtete seinen Nebenbuhler\nnoch und hasste ihn Bei der Nennung Abisags\nblitzten seine schmalen Augen vor Freude, seine Ge-\ndanken suchten rasch, während die Züge seines Ant-\nlitzes die Erstarrung des Zornes annahmen. Als er\nseinen Arm mit den schweren langen Falten des Ge-\nwandes erhob und sprach, war in seiner Stimme nur\nEntsetzen über die Sünde und des Herrschers\nstrafende Strenge.\n„Abisag von Sunem,\" rief er. „Abisag begehrt\nAdonia 1 So möge Gott den verderben, der seines\nVaters Scham kränken will. Dies hat Adonia zu\nseinem eignen Urteil gesprochen, gegen das Gesetz\ndes Herrn hat er\nSeine schmalen Augen standen gerade nach vorn-\nwärts gerichtet und senkten sich in geheucheltem\nKummer, denn er wollte niemandes Blick begegnen.\nEr wusste, dass es Lüge war, was er gesagt hatte,\nund dass Abisag nur Davids Dienerin gewesen war.\nEr schloss in einem Tone, in dem die kalte besiegelte\nGewissheit lag: „Möge der Herr mich vernichten,\nwenn er dieses nicht gegen sein Leben gesprochen\nhat. So gewiss der Herr lebt, am heutigen Tage soll\nAdonia sterben.\"\nIndes ging Benaja der Kriegsoberste hin, er zog\ndas Schwert, noch bevor er Adonia erreichte, und die\nFinger tasteten um den Knauf nach einem festen\nGriff: „Du sollst sterben.\"\nAdonia fuhr aus seiner Erwartung auf, ging ihm\nentgegen, das Lächeln seliger Erwartung noch um die\nLippen, und ohne Benajas Worte zu verstehen. Da\nerstarrte sein Antlitz in Entsetzen und undeutlich\nstammelte er eine Frage. Es kam keine Antwort.\nBenaja stiess ihm das Schwert tief in den Hals, dass\ner im Falle mitgerissen wurde.\nSo starb Adonia, der sich nahe dem Königtum\ngewähnt hatte, und nahe Abisag und nahe dem Glück.\nAbisag von Sunem erfuhr nie, dass sie geliebt\nworden war, und sie hörte nichts von Adonias Tod.\nSie trauerte, doch nicht um den, der um ihretwillen\ngestorben war. Sie wusste, dass sie nie ihre Berge\nwiedersehen würde, und sie träumte immer matter,\nimmer seltener von ihnen und von Zuar. Es kam\nwie ein Nebel über alles, was sie fühlte und sah. Und\nsie begriff, dass sie verurteilt war, zu altern und zu\nerkalten, ein Stein zu werden vor der Gruft des\nköniglichen Greises.\n\nSchluss\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXCIII\nDer Herr Citronenthal\nDer Kaiser Philander war in Utopia wohl der\neinzige Mensch, der ganz ruhig blieb, doch diese Ruhe\nführte man allgemein auf die überstandene Krankheit\nzurück.\nPhilander pflegte jetzt häufiger mit seiner Frau zu-\nsammen zu sein und sprach viel zu ihr über seine\nRuhe; er sagte, dass er so fest von einem grossartigen\nGeisterleben, das hinter allen irdischen Erscheinungen\ntätig ist, überzeugt sei — dass ihm die Bestätigung\nseines Glaubens eben nur eine Befriedigung und nicht\neine Aufregung verursache.\nUnd als nun die Zeiten etwas ruhiger wurden, da\nliess sich eines Tages der Herr Citronenthal melden\nmit der Behauptung, dass er Wichtiges vom Herrn\nBartmann zu melden habe.\nNun - der Kaiser sah seine Gemahlin bedeutungs-\nvoll an und bat sie, im Nebenzimmer zu horchen.\nDa kam der Herr Citronenthal und erzählte alles das,\nwas er mit dem Herrn Bartmann erlebt hatte — von\ndem Abendbrot in der Familie des Altertumsverehrers,\nvon dessen Schnupftabaksdose und von der Rede im\nBierpalast.\nDer Kaiser hörte das alles und bat den Herrn\nbesonders, die Schnupftabaksdose zu schildern.\nUnd das tat dann der' Herr Citronenthal so um-\nständlich, dass man die Dose hätte danach herstellen\nkönnen; der Kaiser sprach dabei mit seinem Stimm-\nverstärker und bat seinen Gast, recht laut zu sprechen,\nda er etwas schwerhörig sei, sodass die Frau Caecilie\nim Nebenzimmer Alles deutlich hören konnte.\nUnd dann entliess der Kaiser den Herrn Citronenthal\nmit grossem Danke und verehrte ihm noch zum An-\ndenken eine sehr alte silberne Kette mit Emailmalerei.\nDas Geschenk machte den Herrn Citronenthal aber\nso gesprächig, dass er noch was sagen wollte.\nUnd er sagte es:\n„Der Herr Bartmannn\", flüsterte er —\n„Sprechen Sie laut!\" rief der Kaiser.\n„Der Herr Bartmann\", also sprach nun laut der Herr\nCitonenthal, hat damals im Hause meines alten Freun-\ndes dessen älteste Tochter so lange und so innig an-\ngesehen, dass ich fest davon überzeugt bin, der Herr\nBartmann verliebte sich damals in die älteste Tochter\nmeines alten Freundes. Und diese Dame ist auch ver-\nschwunden. Und somit nehme ich an, dass diese Beiden\nzusammen ins Ausland gegangen sind.\n„Ach!\" rief der Kaiser, „das ist interessant! Nehmen\nSie diesen Ring zum Angedenken.\"\nUnd er gab dem Herrn Citronenthal noch einen\nalten silbernen Ring mit aufgelegter Goldplastik.\nDer Herr Citronenthal konnte sich vor Freude kaum\nfassen, und der Kaiser versprach, im Auslande weiter\nnach dem Herrn Bartmann suchen zu lassen.\nKaum war der Herr Citronenthal fort, so kam die\nFrau Caecilie wieder zum Vorschein — mit ganz rotem\nKopf.\nDer Kaiser sah sie an — und musste plötzlich\nfurchtbar lachen und rief:\n„Ich glaube du bist eifersüchtig!\"\nDa musste die Kaiserin ebenfalls lachen und fiel\nihrem Gemahl ganz stürmisch um den Hals und küsste\nihn.\nPhilander hob den Zeigefinger der rechten Hand in\ndie Höhe und sprach ernst:\n„Wie kann eine Kaiserin einen falschen Bart küssen?\nIst das nicht eine Geschmacklosigkeit?\"\nDa lachte das kaiserliche Ehepaar so übermütig\nwie es schon lange nicht gelacht hatte.\nUnd der Kaiser zeigte die bewusste Schnupftabaks-\ndose, und die Kaiserin sagte:\n„Nun hab ich den Beweis.\"\nDann aber legte der Kaiser seinen Stimmverstärker\nfort und sprach leise:\n„Du, Caecilie, solchen Witz reiss ich aber nicht\nnoch einmal. Mir ist bei all diesem Bartmannsspass\nschon mehr als einmal recht plümerant geworden.\nBedenke bloss, wenn man davon was erfährt! Dann\nwürde man mir plötzlich alle ernsthaften Absichten,\ndie ich doch sonst habe, garnicht mehr glauben. Und\nmeine ernsten Geschichten sind mir doch wahrhaftig so\nwertvoll, dass ich beinahe aus der Fassung komme,\nwenn ich denke, dass man schliesslich auch hinter\nmeinen ernsten Geschichten blos lustige Spässe wittern\nkönnte\".\n„Ach Philander\", flüsterte da die Caecilie, „ich\nschweige ja, und der Sebastian und der Haberland —\ndie schweigen doch auch\".\n„Nun wollen wir wieder\", sagte leise der Philander,\n„ganz ernst sein.\"\nDa lachte die Kaiserin ihren Kaiser aus — und\nsagte — immerzu lachend:\n„Du Philander, jetzt musst Du immer tun, was\nich will — sonst erzähle ich die Bartmannsgeschichte\naller Welt.\"\n„Aber Caecilie!\" rief der Kaiser entsetzt.\nDa sah die Caecilie ihren Philander lange an\nund sprach traurig:\n„Du traust mir so was zu ?\"\nDa bat der Kaiser sehr demütig um Entschuldigung.\nAber dann musste die Caecilie abermals lachen —\nund der Philander ebenfalls.\nUnd er flüsterte dann:\n„Wie ist es blos möglich, dass ich so furchtbar ernst\nsein kann, während ich ein solches Vergnügen am\nSpasse finde! Kannst Du das begreifen?\".\nDie Kaiserin schüttelte den Kopf und dann ging\nsie mit ihrem Gatten auf den nächsten Balkon, allwo sie\nzusammen eine Flasche Wein tranken und Zigaretten\ndazu rauchten\nDer schwarze See lag in der Tiefe — ganz still.\nXCIV\nDer Lebenstempel\nUnd eines Abends sass der Kaiser Philander in\nseinem Perlmutterzimmer am Fenster und blickte hinauf\nzu den goldenen Rändern der roten Berggipfel und\nseufzte\nVor dem Kaiser auf dem Tisch mit der Platte\naus Lapis lazuli lagen Berichte der Priesterschaft, die\nsämtlich nur Erfreuliches enthielten und immer wieder\nbetonten, dass die Utopianer nach der Schreckenszeit\nvollkommen umgewandelt seien. — Ueberall lebte ein\nstraffer und innerlicher Zug, und von Schlaffheit bemerkte\nman nichts mehr.\n„Wie wenig,\" flüsterte der Kaiser wehmütig, „habe\nich dazu beigetragen! Wären die allgewaltigen Natur-\nereignisse nicht vorgekommen, so wäre in Utopia\nAlles im alten Schlendrian weitergegangen. Wie wenig\nkann der einzelne Mensch hervorbringen! Wir müssen\nmehr Intensität in uns erzeugen. Im Meeressumpf\nstak Intensität — in den explodierenden Leichen\nlebte auch eine störrische Kraft. Jetzt solls aber\nfestgehalten werden Und darum will ich einen\nLebenstempel erbauen -- der auch für die Folgezeit\nmächtige prickelnde Lebenskraft ausströmen soll\" *wj\nUnd als des Kaisers Onkel, der Oberpriester\nSchamawi sich anmelden liess, da setzte ihm der\nPhilander in raschen Worten auseinander, wie er sich\nden Lebenstempel dachte.\n„Sieh mal, lieber Oheim,\" sagte er hastig, „der\nTempel müsste schon so gross wie ein paar kräftige\nStädte sein — und sämtliche Photographieen vom\nMeeressumpf, von den Irrlichtern, von den neuen\nKometen, von den Leichen und von den Geisterflammen,\n— das Alles müsste in imposanten Hallen zur Auf-\nstellung gelangen.\nUnd dann müssten die sogenannten Bartmann-\nbücher uns Alles was dazu gehört besonders auch\ndie wissenschaftlichen Erörterungen vom Denken mit\nNase, Zunge und Gefühl — ebenfalls in dem Tempel\nuntergebracht werden. Und für Erweiterung der\nStudien nach dieser Richtung hin müsste auch gesorgt\nwerden. Eine ganze Galerie neuer Lehrinstitute müsste\nin dem Lebenstempel entstehen Alles, was das un-\ngeheuerliche Leben der Natur lebhaft zur Anschauung\nbringt, müsste künstlerisch dargestellt werden. Und\nschliesslich — nicht zu vergessen! — das, was über\nunsere materielle Sphäre hinausgeht — von dem wir\nschon so viel in den neuen Kometen und Geister-\nflammen zu schmecken bekamen, — das müsste auch\nda eine Stelle finden, Na, lieber Oheim, ich glaube,\nwir verstehen uns.\"\n„Vollkommen!\" versetzte der Oberpriester, und er\nging mit einer Leidenschaft auf den Plan des Kaisers\nein, dass dieser schliesslich sagte:\n„Wenn ich empfinde, wie Ihr alle das tut, was\nich möchte, so kommt es mir oft so vor, als hätte\nich Euch garnicht meine Ideen — sondern Eure Ideen\nzur Ausführung empfohlen.\"\n„Vergiss\", erwiderte lächelnd der Oheim, „den ver-\nschwundenen Bartmann nicht! Andrerseits ist Deine\nEmpfindung ganz echt; ich habe auch immer das\nGefühl, dass ich als Bevollmächtigter unsres erhabenen\nVolksgeistes tätig bin — und Du musst mir schon\nverzeihen, wenn ich manchmal nicht so lebhaft mehr\nunterscheide zwischen dem Geiste der uns Alle führt\nund nicht materiell für uns bemerkbar ist, und dem\nGeiste, der in allen Utopianern materiell bemerkbar\nist. — Der gewöhnliche Volksgeist und der erhabene"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "479", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.5", "texte": "Geist unseres Volkes, der hinter unserer Erscheinungs-\nwelt lebt diese Beiden scheinen mir zusammenzu-\ngehen — und wir Alle scheinen in ihm unterzugehen.\nDas Letztere wolltest Du im letzten Frühling nicht.\"\n„Heute,\" sagte der Kaiser, „will ichs schon, da\ndas Volk ein Andres geworden ist.\"\nEs wurde ganz dunkel im Perlmutterzimmer, aber\ndie Beiden sprachen immer weiter, ohne die Dunkel-\nheit zu bemerken.\n\nScftktss folgt\n\nVom Gedichtelesen\nVon Friedrich Kurt Benndorf\nAlfred Mombert\nMag uns ein Gedicht beim ersten Lesen nicht\nbereit finden, seinen seelischen Blitzschlag zu empfangen\n— die Erfahrung flüstert uns zu: trage das Buch,\nworin es steht, mit dir herum, lies immer wieder darin,\nes kommt Verstehen über Verstehen, wie bei einer\nLandschaft oder einer Stadt, in die du dich einlebst.\nWieviel Poesie würden wir heute als unverlierbaren\nSchatz besitzen, wenn wir vor Jahren ihr schon ent-\ngegengekommen wären, mit Geduld gegen Fremdartiges\nund in Gewärtigung künftigen Lohns! Auf einmal er-\nscheint die Stunde, wo wir gerade auf dieses Gleich-\nnis, diesen Stimmungsgehalt vorbereitet sind, — wo\ndie Tür in unserm Innern aufspringt, durch welche die\nKunstgestalt in ihrer vollen Schönheit eingehn kann!\nAuf einmai sind wir befähigt, uns bei der Perzeption\neines Gedichtes so synthetisch zu verhalten wie der\nDichter bei der Konzeption. Auf einmal überlaufen uns\nSchauer, wenn „der Glühende\" singt:\nWer hat uns tief gemacht!\nWir sind zu tief für uns!\nUns graut vor uns!\nDie Krankheit kommt, es kommt das Alter.\nHerb mein Antlitz, das Auge wälzt willekrank\nin schwarzen Gedankenkissen.\nDoch fühl ich jetzt: Das ist nur Ueberflor.\nSelig, selig, du mein urtiefes Herz!\nAm Heimatstrom des Lebens in seliger Ruh,\nblutend rauschest du Grundmelodien empor —\nSelig, selig in deiner Tiefe du!\n\nDie Wahrheit\nEin logische Deduktion\nVon John Wolfs\nIch setze das Ethos: Wir sollen Wissenschaft treiben\num der Lust willen, die sie uns gewährt.\nDas Befriedigen des Erkenntnistriebs löst, wie das\nBefriedigen jedes Triebs ein Lustgefühl aus. (Das ist\n• allgemein bekannt)\nErgo:\nDie Skeptizität des Seienden ist die Voraussetzung\nfär die Erforschung des Seienden.\nDas Wissen der absoluten Wahrheit würde die\nWissenschaft vernichten Es gäbe kein Objekt der\nForschung mehr.\nWissenschaft ist also nicht, wie man gemeiniglich\nglaubt, Erforschung der Wahrheit, — — — sondern\nErforschung der Wahrheit.\nDie Wahrheit ist in Wahrheit der Todfeind der\nWissenschaft.\nJe mehr Lebenskraft, desto weniger Wahrheit hat\ndie Wissenschaft.\nVoraussetzung wissenschaftlichen Strebens, des\nStrebens zur Wahrheit zu kommen, ist die Unmöglich-\nkeit zur Wahrheit zu kommen.\nDiejenige Denkmethode, die den grössten Grad\nvon Wahrheit erreicht, ist die unwissenschaftlichste aller\nDenkmethoden\n* *\n*\nDass alle diese Ergebnisse paradox sind, spricht\nnicht gegen ihre Richtigkeit. Sie zeigen lediglich die\nParadoxität wissenschaftlicher For-\nschung überhaupt.\n\nAn die Herren Vor-\nsitzenden der Deutschen\nHeimatspiele\nHochwohlgeboren\nin\nPotsdam, Rathaus.\nEuer Hochwohlgeboren Aufforderung, durch rege\nAnteilnahme die Deutschen Heimatspiele zu\nhabe ich zur Kenntnis genommen und beehre ich mich,\nauf dieselbe Folgendes zu erwidern :\nIch begrüsse mit Freuden die Bestrebung, dem\nPatriotismus, der unter der derzeitigen Entartung der\nKunst, vornehmlich des Theaters, so schwer gelitten\nhat, wieder auf die Beine zu helfen, auch mir will\nscheinen, dass derselbe, insbesondere die Liebe zu\nGottes freiem Herrscherhause und der angestammten\nNatur nicht besser gefördert werden könne als durch\neinen Besuch der Stadt Potsdam mit ihren herrlichen\nSchlössern und Parks, mit ihren reichen historischen\nErinnerungen an Friedrich den Grossen und durch\neinen Nachmittag im Walde und bei den Deutschen\nHeimatspielen. Eine Aufführung von Axel Delmars\nHeimatspiel auf den Tag von Kunersdorf, die ff. Ge-\ntränke und div. Speisen der bestrenommierten Brauerei\nvon Adeiung und Hoffmann sowie des Restaurants\nWackermanns Höhe werden nicht verfehlen, die deut-\nsche Jugend die Zeit der Not der Mark Brandenburg\nund den „alten Fritz\" lieben zu lehren. Was wäre ge-\neigneter, die Hurrah-Fähigkeit der preussischen Lunge\nzu gedeihlicher Entwicklung zu bringen, als ein Preussen-\nDrama aus der bewährten Feder des Herrn Axel Del-\nmar? Wie gut tut derselbe, dasselbe im Freien, („unter\nGottes freiem Himmel\" wie sie mit Recht sagen) auf-\nsuchen zu lassen und werde ich nicht verfehlen, bis\nzur Aufführung inbrünstig zu beten, dass dieselbe nicht\nverregnet werden möge. Denn Gottes freier Himmel\nkann in Preussen recht eklig sein.\nImmer und immer wieder muss der deutschen Ju-\ngend die Liebe zu den angestammten Kiefern und Re-\nstaurants eingepflanzt werden, damit dieselbe nicht ent-\narte. Wie gelangen wir wieder zu einer gesunden Kunst?\nWenn Volk und Künstler erkennen, dass nur die Kunst\nwahr, gut, schön und preiswert ist, die patriotische\nStoffe behandelt und spreche ich Ihnen zu Ihrem guten\nGriff meinen Glückwunsch aus.\nDie grosse Zahl namhafter Ehrenbeiräte bürgt da-\nfür, dass nur ff. Patriotismus verabreicht wird. Lauter\nMänner zudem, die durch ihre intimen Beziehungen\nzur Deutschen Kunst Herrn Axel Delmar und dem\nPotsdamer Fremdenverkehr gute Dienste leisten werden.\nKann die deutsche Dichtung besser vertreten werden\nals durch die Herren Max Dreyer und Rudolf Herzog?\nUnd wenn auch Herr Ferdinand Gregori mitmacht,\nhabe ich die sichere Gewähr, dass es eine erstrebens-\nwerte Sache ist. Ganz abgesehen davon, dass die Be-\nteiligung vom Präsidium und Central - Ausschuss der\nDeutschen Bühnengenossenschaft dafür bürgen, dass an\ndie Auffassungsfähigkeiten der Zuhörer keine modern\nüberspannten Anforderungen gestellt werden sowie dass\nbei der Gelegenheit auch für die Hebung des Standes-\nbewusstseins unter den deutschen Schauspielern etwas\nabfällt.\nWie sagen Sie doch in Ihrem Prospekt:\n„Lassen Sie unter Gottes freiem Himmel Heimat-\nkunst auf sich wirken!\"\nWenn alle Deutschen Heimatkünstler von Frenssen\nbis Rosegger, von der Etsch bis an den Belt, von\nAxel Delmar bis Schönherr, von Curt Zahn bis zur Clara\nViebig und zum Kunstwart zu diesem Satze gefeilt\nhätten, eine prägnantere Fassung hätte er nicht finden\nkönnen.\nWenn Wildenbruch das noch hätte erleben dürfen!\nIndem ich Sie bitte für unsere Mitarbeiter und Abo-\nnennten eine Sondervorstellung zu! reservieren bin\nich Ihr\nergebener\nTrust\nPS. Warum haben Sie sich unter den Ehrenbeiräten\nHenry Thode entgehen lassen ?\n\nLokale Begebenheiten\nHeineverehrung\n\nEine Berliner Tageszeitung schreibt:\n»Ob es wahrscheinlich ist, dass Heine, wenn\ner heute lebte, sein berühmtes Frühlingslied\nalso umgedichtet hätte:\nKling' hinaus bis an das Haus,\nWo die Veilchen spriessen. —\nWenn Du eine Hose schaust,\nSag, ich lass sie grüssen!?\nDie Konferenciere des gestrigen grossen\nModen-Meetings im Warenhaus Tietz beschloss\nihren Vortrag über die Mode im allgemeinen\nund den Hosenrock im besonderen mit dieser\nein wenig kühnen Vermutung.\"\nEin Durchschnittsgehirn kann so bescheiden sein,\ndem berühmten Lyriker ein witz- und geschmackloses\nAnalogen, das es selbst produziert hat, zuzumuten.\nDie Heinesche Lyrik ist streckenweise so glatt, dass\nsich eine Zeitgenossin beherzt auf sie herablassen\nkann, sie wird sich an ihr kein Loch der besseren\nErkenntnis in den eigenen Geistesstoff reissen.\nEs kann in dem berühmten Frühlingsliede eine\nRose geknickt und an ihre Stelle eine Hose gehängt\nwerden: das Lied verliert nicht dadurch, lebt es doch\nnur von Worten, die eine sangbare Weise locker zu-\nsammenhält. Aber der „unentwege\" Klassikerverehrer\nleidet unter einer Umdichtung, wo nur gegenwärtige\nSterilität an überliefertem Unvermögen sich reibt. (Man\nlese über dieses Thema: Karl Kraus: Heine und\ndie Folgen.)\nAn der Leine\nUnd Edmund Edel schwärmt noch immer von\nPleuresen. Der Verfasser .des „männlichen Gegen-\nstückes\" zum Roman „das gefährliche Alter\" hat von\nJupe-cullotte noch immer nicht geplaudert; selbst\nbei Gelegenheit einer Würdigung des „Hippodrom\nNoblesse\" im Citypark schwang er sich nicht auf die\nhohe Causeuse der liebenswürdigen Spötter: um von\nihr herab auch etwas über die letzte Mode zu\nsagen. Diesmal nimmt er es mit einem ernsten Unter-\nton auf, er will originell sein, und das ist auch amü-\nsant.\nIn der Manege ein Dutzend Pferde, die\nbessere Tage gesehen haben, und denen mit\nder Zeit alles egal geworden ist An einer\nlangen, virtuos klatschenden Peitsche hängt\nein sehr nobler Stallmeister. Er sieht aus\nwie Cyrano de Bergerac, ist aber besser ge-\nkleidet. Die Weste ist rot, der Sammetrock\ndunkel, der Zylinder schwarz und das Ganze\nglänzt fettig.\nNur eine Redewendung mag noch so viel bessere\nTage gesehen haben, es wird sich immer noch ein\nSchmock finden: „Staat mit ihr zu machen\".\nEs gibt ein Hippodrom der Literatur, darin auf\nden Rosinanten der Schriftsprache Attacken gegen die\nKunst und die Wahrheit geritten werden. Edel ergeht\nes dabei vielleicht wie dem Tertianer: „der hinter einer\nPleuresendame reitet\".\nEr hat grosse Mühe, nicht herunter-\nzufallen, und das nicht sehr zart besaitete\nFriedrichstrassenpublikum lacht über ihn. Aber\nder Tertianer merkt es nicht. Er reitet stolz\ndurch die unwahrscheinlich grünen Auen, die\nan der inneren Zeltwand ringsum aufgemalt\nsind. Ein Traum 1 Dreimal herum in der\nManege — dreimal durch traumgrüne Auen,\ndurch ein romantisches Leben, durch eine"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "480", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.6", "texte": "heldenhafte Zukunft. Der Tertianer reitet die\nAttacke von Mars-la-Tour, er reitet mit\nerhobenem Speer durch das Tournierfeld.\nDas Publikum des Literatur-Hippodroms ist aller-\ndings sehr zart besaitet, und es findet Ge-\nschmack und Freude an jedem Schmock, so schief er\nauch im Sattel der Schindmähre sitzt, die schon „ein\nAhne\" lahm geritten hat.\nAber eine soziale Bedeutung hat das Hippodrom,\n*las im Cityp a r k.\nEr stellt der Friedrichstrassenmenschheit\ngegen geringes Entgelt Rosinanten zur Ver-\nfügung. Und siehe da: ein geschmiertes Wand-\nbild wird zum frühlingsfrischen Feld und Don\nQuixote trabt dreimal um die Manege. Und\ndas sei dem Hippodrom gedankt. Eine Stätte,\nwo arme Pflastertreter ein bischen reiten\ndürfen und Alltagsfrohner ein bischen träumen,\nmacht sich um das Gemeinwesen verdient\nDer Mann in der roten Weste hat eine grosse\nsoziale Bedeutung: arme Menschen dürfen sich\nfür zwei Groschen fünf Minuten lang ein-\nbilden, dass er der Knappe ihres Rittertums\nist. Und dann hinaus in den kotigen Hof,\nhinaus auf die traurige und gefährliche\nStrasse.\nEs ist zum sich Aufbäumen und zum Wiehern.\nLos des Daidalos\nEinen Spezialerfolg bei der gestrigen Auf-\nführung von Kysers »Medusa\" im\nModernen Theater hatte der Schauspieler\nHans H. Dietzsch, der Amateur-Bild-\nhauer ist und die Statuen modelliert hatte.\nDie riesigen Tonmodelle, von denen manche\n4 Zentner schwer waren, machten einen durch-\naus künstlerischen Eindruck. In den Ton\nwaren an einzelnen Stellen kleine Steinstücke\ngeschickt eingefügt, die den Meissel des Bild-\nhauers Daidalos bei der Arbeit knirschen\niiessen. Sehr hübsch war die Statue der\nMedusa modelliert, die sehr leicht für die\nIllusion hätte gefährlich werden können und\nin der Ausführung des talentierten Herrn\nDietzsch verblüffend glaubhaft wirkte\nDie Tonmodelle, von denen manche vier Zentner\nschwer waren, und das will schon etwas sagen,\nmachten einen durchaus künstlerischen Eindruck, aber\ndie Statue der Medusa, die sehr hübsch model-\nliert war, wirkte in der Ausführung des talentierten\nHerrn Dietzsch verblüffend glaubhaft.\nDaidalos, der Held des Kyserschen Dramas, muss\nsterben, weil er ein Bildwerk vollenden will, darauf\nder Fluch eines rachegierigen Fürsten liegt.\nDie Seelenerschütterung, die das Drama hervor-\nrufen will, erleidet einen tötlichen Stoss an dem\nNebenberuf eines Schauspielers, das erdichtete Genie\nbleibt gleich einem grotesken Schatten hinter dem\nwirklichen, dem lebenden Amateur liegen, der im Lichte\nder Reklame fast das Ganze eines halben Er-\nfolges für sich in Anspruch raubt.\nUnd selbst noch an der Würdigung der Presse\nhatte er etwas richtig zu stellen.\nZu unserer gestrigen Mitteilung über den\nschönen Erfolg, den der Schauspieler Hans\nHubert Dietzsch in der „MedusaM-Aufführung\nals Bildhauer erzielte, ersucht uns der Künst-\nler, um Missverständnissen vorzubeugen, um\ndie Feststellung, dass er nicht Amateur-Bild-\nhauer ist, sondern, bevor er die Bühnen-\nkarriere einschlug, die Kgl Kunstakademie in\nKassel absolviert hat und Meisterschüler von\nKarl Begas war.\nSo wie die letzten zwei Akte der „Medusa\": „den:\nWechsel auf ihres Verfassers Zukunft akzeptieren\",\nso wird einem Schauspieler auf Konto Kunst gut-\ngeschrieben, dass er sich als Bildhauer um die In-\nszenierung eines Bühnenwerkes in dem Masse verdient\ngemacht hat.\nj. A.\nVon einem andern Geschäft\nEin Ullsteinblatt schrieb über die Erstaufführung des\n„Oedipus\":\nDas Sophokles -Gastspiel des Deutschen\nTheaters im Zirkus Schumann, das\ngestern unter carusohaftem Andrang vor sich\nging, endete mit dem lauten und bewundern-\nden Beifall für das geniale Werk einer Regie-\nkunst, die gewiss nicht in jedem Stück ins\nSchwarze traf, aber in ihrem imposanten Reich-\ntum szenischer Phantasie wiederum die\nschöpferische Kraft offenbarte, altererbten un\nvergänglichen Besitz zu neuem Wert zu\nsteigern, verschlossene Tore zu sprengen, auf\nferne Zukunftsmögiichkeiten theatralischer\nKünste hinzudeuten Man mag darüber ge-\nlächelt haben, dass Reinhardt sich einen Zirkus\nzum Schauplatz dieses dramatischen Festes\nauswählte. Doch der Zirkus steht dem antiken\nTheater näher als jedes andere moderne\nBühnenhaus, und es zeigte sich, dass die ge-\nwaltigen Erschütterungen der Masse, nach denen\ndie Griechen strebten, an solcher Stelle viel-\nleicht unmittelbarer zu erreichen sind als\nirgend sonst.\nDrei Monate später war in demselben Blatt unter\n„Theater, Kunst und Wissenschaft4\ndieser Bilanzbericht zu lesen:\nWas am Zirkus - „Oedipus1\nverdient wurde Nächsten Montag\nbeendet Max Reinhardt seine erfolgreiche\nOedipus-Saison im Zirkus Schumann in Berlin.\nDreissigmal ist O e d i p u s in diesem Winter\ngegeben worden. Diese 30 Vorstellungen\nwaren für den Leiter des Deutschen Theaters\nein sehr einträgliches Geschäft. Sie haben\nihm, wie der Confectionär mitteilt, eine E i n-\nnahme von 435000 Mark gebracht,\nReinhardt hat für jeden Abend, den er im\nZirkus spielte, Direktor Schumann 5500 Mark\nbezahlt Seine Einnahmen betrugen — der\nZirkus fasst 4500 Personen — durchschnittlich\npro Abend, da er immer ausverkaufte Häuser\nerzielte, 14 500 Mark, so dass ihm also ein\nIJeberschuss von 9000 Mark pro\nAbend, für die 30 Vorstellungen demnach\n270 000 Mark verblieb Demgegenüber sind\ndie Ausgaben verhältnismässig gering. Bei\nden Kostümen und dem Szenenaufbau handelte\nes sich um eine einmalige Ausgabe, der Chor,\nder aus Studenten gebildet wurde, erhält keine\nBezahlung, sondern bekommt als Bezahlung\nFreibilletts zum Deutschen Theater und zu den\nKammerspielen.\n\nJ. A.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-Ungarw\nIn Vertretung : Oskar Kokoschka\n\nm\n\"\"i 13 i\" A, *c i '\nV '• s\" ':f'J r\n'v- .--v - ■■>. - : '■>\"■\nWenn bos von Itynen bister gebrotccfyte (Dtmbwaffer 311\n€nse tfi, fo empfetyten wir R>nen, an beffen Btelle einen\nVerjud) mit Ko&mln ju madden. Sie werden fraber.,\nbafe Sie biefes m 90113 befonberem GTafje beiriebtgt, benr.\nlioamSw bat ftberaus ctfrifdjenben Wol>(gefd>mach,\nkonfcrviert bie 55l>nc trnb kraftigf bos 3ol>nfleifd)\n§ia?d>e CT>k. t«5O, k&nge ausreid)erab, fiberatl Wkifftcb.\n\n■ffl «■\nDie Abonnenten unserer Wochenschrift\nwerden hoflichst um Einsendung des falligen Betrages\ngebeten. Er wird andernfalls am 20. April unter Nach-\nnahme mit Zuschlag der Einziehungskosten behoben\nwerden. :: Samtliche Postamter nehmen\nBestellungen auf unsere Wochenschrift entgegen. :\nProbenummern werden an jede angegebene Adresse\n. versandt. :\nnil Verlag DER STURM\n\nPreis 1 Mar!. Preis 1 Mark\nMenthol-Maiz-Dragees\nSicheres Mittel gegen akute Kalarrhe der Atmungsorgane\nermoglicht Schauspieiern und Sangern sofortigen\nGebrauch der erkrankten Organe\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Alleinige\nFabrikantin „PharmaciaM / Fabrik fur pharmaceutischen\nBedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "481", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.7", "texte": "ssion\nDritte Ausstellung\nasasasas aßsasas stese agagas xacacag agasaffas\nI I ▼ I U \" | ~ ™ B la ™ VP W JM 'mm' j mrW w\" ■ ™ I ~ ™ | a w\" | ~\ni/kij VWWMAHMI VVHANAMAI\nGalcrie IHaximilian fiiacl)t\nagasasag agagagag agagag asagag «g3gag yygns\nvWlnAi ml^mmAimmJtvuim&mm\nBerlin 0. Rankc-Strassc 1\nan der Kaiser Gedacfttnls «Klrcle\n¥ *\n*X*\nM"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "482", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110422-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Geschäftsstelle» Der Sturm\" Hannover, Artilleriestr. 15, für Berlin, Potsdamerstr. 111, sowie sämtl. Annoncen-Expeditionen Druck v. Carl Schüssler-Hannover\n\n=■\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzosi-\nsche Original der Tage-\nbiicherFlauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegenEinsendung\nvon sechs Francs direkt zu\nbeziehen.\n\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nNummer 319/320\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nOBERALL ERHALTLICH\n\nl£>\nSoeben erschien:\nELSE LASKER-SCHQLER\nMEINE\nWUNDER\nGEDICHTB\nPreis in van Geldern**\nButten gebunden\nDrei Mark\nDREILILIEN-VERLAG\nKARLSRUHE UND LEIPZIG\n\nDie Dcntsehe Brielpellseiult\n(gegr. 1905, Vors.: General A'.r en t ,'Exz.)\ndie Angehorige in alien funf Erd-\nteilen besitzt, bezweckt nicht et-\nwar nur die Anbahnung brieflichen\nVerkehrs unter ihren Mitgliedern —\nsie ist im Gegenteil eine der viel-\nseitigsten Institutionen der Welt:\nsie fiihrt mit interessanten Menschen\nzusammen, sie schafft Verbindungen\nzwischen Nord und Slid, Heimat\nund Uebersee, sie sorgt fiir per-\nsonlichen Anschluss auf Reisen,\nsie hilft Material fiir Studienzwecke\nund Enqueten zusammentragen, sie\nbefordert den Sammlerverkehr, sie\nist fur geschaftliche Interessen zu\nbenutzen, sie vermittelt Auskunfte\nund Gefalligkeiten, sie stellt sich\nin 'den Dienst von Reformbewe-\ngungen aller Art usw. usw. Ihr\nVerbandsblatt (wdas intimste Blatt\nder deutschen Pressed setzt sich\nfast ausschliesslich aus Briefen,\nSkizzen, Meinungsausserungen,\nSchilderungen von Erlebnissen usw.\nder Mitglieder zusammen und bie-\ntet Gelegenheit zu schriftstel-\nlerischer Betatigung. Jeder\nBeitragwird honoriertl Jahres-\nsteuer Mk. 5,50. Prospekt durch\ndie Geschaftsstelle der Deut-\nschen Briefgesellschaft, Naun-\nhof-Leipzig.\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nIn Berlin-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. Alexanderpl.)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, große,\nhelle dimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Lebenu kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters\n\n•SSfESTS. Frisdr. Blester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie imd Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in ftihrender Steliung) Griind-\nnche Einfiihtung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersat* fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fUr Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfunrungs- una\nBiianz-Technik, Bliro-Praxis sich vorbereiten woilen — C/.Hlllo\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsoiviert haben, wie fiir . , . ~ . 4\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEiniahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatlg waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntmsse erweitern\noder vertiefen woilen oder . A.\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen,Nationalokonom,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder Shniicher Gesellschaften sich vorbereiten woilen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate —je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5.\n\n©\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist Pichelsdorf an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegeniiber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—88 •• Telephon I 7497\n\niMMfflim\nMonatsschrift fiir Soziologie,\nGeschichte, Kunst :::\n::: und Literatur\nGegrund. von PAUL CORNU\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nHENRI BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles - Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRoliand, AndrS Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymond Darsiles u. a m.\nJahresbezug furs 1 Ausland :\n4,80 Mk. (Luxusausg. 9,60 Mk.)\nProbeheft gegen Einsendung\n::: von 50 Pfennig :::\nVerlag und Redaktion:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich\n\nMMg\nrti\nIL' Effor .\n| Halbmonatsschrift |\nW fiir moderne Kultur und #\nfranzosische Sezession in\nW den Kunsten und in der\n... Literatur ... w\n]| Herausgeber und &\nw : Schriftleiter :\n% JEAN RICHARD |\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50 ||\nZweiter Jahrgang\nw\nVerlag und Redaktion:\n9 POITIERS (Vienne) J\n|j ... Frankreich ... g\n\nDer Biihnen-Roland\nDas freie Wort des deutschen\nSchauspielers\n— Des Biihnen-Boten zwolfter Jahrgang —\nDer Buhnen-Roland bringt Aufsatze der bekanntesten Fach'eute\nfiber samtliche Gebiete der Theaterkultur und verfolgt die modernen\nlitterarischen und kiinstlerischen Bewegungen. Die Soziale Bellage\ntritt fur die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-1 nserate die Zeile 10 Pf., fur Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einen\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktlon: Berlin N 37 Lottumstrasse 14\n\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURO\nWilmersdorferstr. 75 Sprechstunde: 5—6 Uhr\n\nSammler-Beriehte jTk«\"\nInternationaleKorrespondenz-Vereinigung\nfur ideale Korrespondenz, Sammelwesen, Tausch, Verkauf, Geschaft,\nVertretungen und sonstigen Absatz, Erwerb. Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmarken, zuadressierten Post-\nkarten, Biichern usw.\nJahresbeitrag fur I K V mit wSammler-Berichtea nur 4 Mk*\n(5 Franks). Eintritt jederzeit.\nAusfiihrliche Probenummer und Satzungen gratis durch\nErnst WSarre Verlag, Leipzig (Rev»er 178). _"}]}