{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_sha256": "b6222bc8ea6492e8373cda5642c24af71daa18c02ae0b99d2401adb0cf99395e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/04/29_01/bmtnabg_1911-04-29_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/04/29_01/bmtnabg_1911-04-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.1", "debut_caractere": 551, "fin_caractere_exclue": 970, "texte": "Inhalt:\nTRUST : Zeitgeschichte: Die Kunst am Montag / Der geopferte Gott / Der Posener Dürerbündier / Szession / H. 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Herr Matthias verbreitet sich\nauf der ersten Seite über Schülerselbstmorde, beklagt,\ndass die „deutschen Jungens nicht mehr in der Lage\nsind, Quantitäten Bieres zu vertilgen und aus gesund-\nheitswidrigen Pfeifen energisch rauchen zu können.\"\nIhnen fehlt die Dickfelligkeit. Der Autor bittet für\ndieses Wort höflichst um Entschuldigung, das heisst der\nHerr Matthias. Ja, sagt er, die Schule ist reich an\nverweichlichten Schwächlingen. „Und diese Schwäch-\nlinge werden noch obendrein von ungesunder Lektüre\npessimistischer Art so ungünstig beeinflusst, dass ihnen\nder Wille zum Leben, zum geistig-gesunden Leben,\nund die Kraft, sentimentale und melancholische Regungen\nniederzukämpfen allmählich gänzlich verloren geht\"\nFreilicn, wenn die Schüler das Berliner Tageblatt lesen,\nwerden sie kaum noch die Kraft aufbringen, sentimentale\nund melancholische Regungen niederzukämpfen. Aber\ndas geistig-gesunde Leben schäumt nur so unter dem\nDoppelstrich. Da finden sie gleich auf der ersten Seite\neine Satire des Herrn Karl Ettlinger zu München.\nHerr Ettlinger ist kolossal witzig, fast noch witziger\nals der Bruder Joseph, der aus der Literatur wieder\nso herausschallt wie niemand hineingerufen hat. Herr\nKarl Ettlinger, der Satiriker, verspottet die v/estlichen\nDamen, die auf dem östlichen Diwan Romane nur\noberflächlich lesen. Diese Damen sollen nach Herrn\nEttlinger über Bücher sprechen, von denen sie nur den\nAnfang, das Ende und einige Seiten aus der Mitte\ngelesen haben. Die Seite eins eines Romans beginnt\nso : „Ein herrlicher Frühlingstag lag über dem kleinen\nGärtchen. Die ersten Veilchen blühten und sandten\nihren feinen Duft\" Der Roman schliesst: „Richard\naber schlang seinen nervigen Arm um Agathens schlanke\nTaille . . .\" Der Herr Ettlinger tut den Damen un-\nrecht Wie glücklich wäre man, wenn sie solche\nRomane tatsächlich nicht lesen würden. Aber wenn\nsie so anfangen und so enden, Herrn Ettlinger, werden\nsie verschlungen. Geschieht es nicht, so sollte man\nsie zur Belohnung für ewige Zeiten von der Verpflich-\ntung entbinden, die Gedichte Karlchens und das\nliterarische Echo des Bruder Josefs zu lesen und\nSatiren über sich zu dulden.\nAuf der zweiten Seite dieser Feiernummer geht es\nauch recht lebhaff zu. Herr Dr. Graf Franz Matuschka\nbricht über dem Strich die bewährte Lanze für Karl\nSchönherrs Glaube und Heimat. Die bewährte Lanze\nrennt er dem „Antikulturriesen, dem ultramontanen\nKlerikalismus\" in den Bauch Schönherr soll ihm als\nKämpe helfen „Licht zu verbreiten und die Gemüter\naufzurütteln.\" Wenn der Graf mit dem Dichter geht,\nwerden ihn die beiden schon zwingen. Und unter\ndem Strich tritt der Goethebund (bekanntlich der Herr\nSudermann) mannhaft für gute Literatur ein. Jede\ndeutsche Volksbücherei sollte sich schämen, nicht die\nWerke von Sudermann, Dreyer, Herzog und Presber\nzu besitzen. Auch die „Nationalbühne\" steht wieder\neinmal in Aussicht\nAuf der nächsten Spalte wird die melodramatische\nBearbeitung des Uhlandschen Gedichtes Das Schloss\nam Meer von Richard Strauss angezeigt Herr 1s findet\ndie Gattung zwar anfechtbar, aber sieht doch die\n„Faktur des Meisters in jedem Takt\". Man sollte von\neiner Klaue nicht immer auf einen Löwen schliessen.\nUnd endlich, endlich, offenbart sich der Geist der\nZeit, nein, offenbart der Zeitgeist vertreten durch\nFritz Engel einen neuen Dichter. Herr Engel muss\nauch mal was entdecken. Herr Engel hat einen Brief\nbekommen aus einem Dorf im Kreise Neustettin. Von\neinem Dorfschneider. Und dieser Dorfschneider ist ein\nDichter. Zwar weiss Herr Engel, dass „selbst aus\nkarger Ackerkrume seltene Blumen erwachsen können.\"\nBerliner Redakteure sollten sich nicht auf die Botanik\nverlegen. Mir haben Kenner bestätigt, dass die Natur\nnicht so ohne weiteres Orchideen aus unserer pommer-\nsehen Erde spriessen lässt, aber in Berlin treibt sie\nBlüten, dass man seine gute Mark garnicht wiederer-\nkennt. Bei Herrn Engel offenbaren sich sogar auf dem\nFelde Geheimnisse, und Quellen dringen hervor,\ndie Herr Engel sicher mit der Wünschelrute ge-\nfunden hat. Aber dieser Naturdorfschneider ist ein\nPhänomen, nicht etwa eine „Naturbegabung\" wie\nman aus der Ackerkrume schliessen könnte, sondern\neine „literarische Begabung.\" So erklärt Herr Engel\nEr lässt sich den Dorfschneider nach Berlin kommen.\nDer Mann erscheint auf der Redaktion, „ein wenig\nerregt\" (Berliner Tageblatt,; Redaktion, Presse, vastehste!).\nDer Mann verrät nicht nur ein Streben nach Eleganz,\ner hat „sogar einen flotten Schnurrbart\" und fühlt den\nWunsch, sich „gebildet auszudrücken\". Er kann sich\nHerrn Engel gegenüber doch keine Blosse geben 1\nHerr Engel „erlebt die merkwürdige Stunde seines\nLebens\". Der Schneider offenbar nicht. Herr Engel findet\neine Erklärung dieser literarischen Schneiderbegabung\nin der Tatsache, „vielleicht\" in der Tatsache, dass Herr\nWittstock, so heisst das neuste Genie, „früher nicht\nganz taktfest auf der Brust war.\" Herr Engel wird\nnicht seine seine Kameliendame kennen. Der Schneider\nhat Wilhelm Teil, die Heimat und sämtliche Werke von\nFrenssen gelesen. Sonst nichts. (In Pommern\nbraucht sich also der Goethebund nicht mehr bemühen).\nAber Herrn Engel geht noch immer nicht das Licht\nüber die literarische Begabung auf. Das ist auch\nnicht so einfach, wenn man einem eleganten Pommern\nin traulicher Dämmerstunde gegenübersitzt. Aber der\nSchneider kennt Heinrich Heine nicht. Furchtbarer\nGedanke. Herr Engel hat daher sofort die Empfindung,\ndass der Dichter heute noch „halbblind und halbtaub ist.\nAber stumm, oder nur halbstumm ist er nicht.\" Auch\nHerr Engel kann den Mund noch nicht halten, redet\nnoch von der Wüste und den Fruchtgefilden und dem Lenz\nund den kahlen Aesten und den jungen grünen\nBlättern und den lebenshunyrigen Blüten, kurz nur von\nBotanik. Und das Allerschlimmste, sozusagen das\nHalbblinde: Herr Wittstock weiss nicht einmal, was das\nWort Metrik bedeutet! Und trotzdem kann er dichten.\nJa, die Natur ist unerschöpflich. Sie treibt Orchideen\nin Pommern und Fruchtgefilde in Berlin, Quellen\nspringen aus der Jerusalemer Strasse, Herr Engel kennt\nHeinrich Heine und das Wort Metrik, und der Herr\nWittstock, die unnatürliche Literaturbegabung dichtet also:\nIn nebelgrauen weiten Fernen\nsucht brennenden Auges ich das Glück.\nIm Staub des Weltalls, auf den Sternen,\nin drängender Nähe im Augenblick.\nIch sucht es immer — allerorten — — —\nIch fand vom Glück nur Widerschein,\nder flimmernd durch die Friedhofspforten\nherüberzittert vom Leichenstein!\nIch lebe noch!\nUnd auch so:\nFühl' noch des Herzens Pochen,\nspür' in den Adern pulsen noch das Blut.\nSchwer drückt das Joch\nund tausendfach zerstochen\nvom Missgeschick, flaggt ab der Mut.\nUnd auch so :\nTraumdunkle Dämmerstunde\nlegt sich wie Schmerz auf die Glieder.\nWühlt in vernarbten Wunden,\nwecket das Schlummernde wieder.\nLängst entschwundene Freuden.\nIch verpfichte mich, Herrn Wittstock sämtliche\nWerke, von Heinrich Heine kostenlos zu übersenden.\nHerr Engel aber hat bis Pfingsten Zeit, einen Schuster\nzu finden, der hoffentlich bei seinen Leisten bleibt.\nAuch Herr Wfalter Turszinsky ist der Ansicht, dass\nnur die Dichter dichten und die Schauseier Komödie\nspielen sollen. Man wird es vielleicht in nicht all-\nzuferner Zeit erleben, Herrn Turszinsky leibhaftig auf\nder Bühne zu sehen Er ist „überzeugt, dass mancher\nDramatiker für den Beruf des Schauspielers viel mehr\nbefähigt ist\" Man wird sich seine Stücke in Zukunft\nversagen müssen, denn nur die Dichter sollen dichten.\nHerr Turszinsky wird vorsichtiger. Man hat ihn über-\nzeugt — wir haben das unsrige getan — dass er ein\nKaufmannsdeutsch schreibt. Aber „ich gebrauche hier\nmit Absicht Worte aus dem kaufmännischen Vokabularium.\"\nEr gibt die Absicht zu, und man ist doch verstimmt. Ja,\ndie bösen Literaten gönnen dem armen Kaufmann\nnicht sein Stückchen Brot, mit dem er womöglich\nnoch Weib und Kin.er ernähren muss. Er findet es\n„unsozial, dass der Professor, der Reichtagsabgeordnete,\nder Börsianer, der Grosskaufmann in ihren Mussestunden\nmit denselben Dingen ein Spiel treiben, mit denen die\nandern ihr Leben machen müssen.\" Gewiss Herr\nTurszinsky hat Recht, das Leben ist schwer. Aber\nwarum soll dem Kleinkaufmann gestattet sein, sein\nLeben mit Dingen zu machen, die dem Künstler das\nSpiel bedeuten. Geschäft ist Geschäft. Man muss\nleben Aber warum hat denn Herr Turszinsky, wie er\nsagt, die Kunst als Lebensaufgabe oder sogar als\nBeruf gewählt? Das ist eben sein Ruin. Dea\nBeruf kann man sich in jeder Branche wählen, aber\nzum Künstler, Herr Turszinsky, muss man berufen sein.\nDer geopferte Gott\nSeit einigen Wochen hat sich eine kleine demo-\nkratische Wochenschrift in zwei Teile gespalten. System\nZauberlehrling. Der eine ist gänzlich literaturrein ge-\nworden, was einen Vorteil für die Demokratie und die\nLiteratur bedeutet. Dafür ist der zweite Teil desto\n„literarischer\". Der He-irausgeber hält Eulenberg, einen\nnicht geschmacklosen Hebbelepigonen, für ein Genie,\npropagiert mässige Lyrik, schwärmt für alles Zeitge-\nnössische und findet es auf jeden Fall bedeutend, wenn\nes nach neunzehnhundert verfasst ist. In Deutschland\nbildet sich immer mehr die Methode heraus, eine Zeit-\nschrift herauszugeben, um sich selber als „Persönlich-\nkeit\" zu fühlen. Solange diese Herrchen für die «n-\n-veräusserlichen Volks- und Menschenrechte eintreten,\nkann man ihnen ihr Vergnügen gönnen Wenn sie aber\neine Aktion für die Literatur unternehmen, bricht der\ngrosse, der panische Schrecken aus. Karl Kraus hat\nes mit dem Demokraten verdorben. Der Herausgeber\nder anderen Hälfte der Wochenschrift geht einfach\nnicht mehr mit. Er erklärt ausdrücklich, dass der Karl\nKraus, den er verehrte, für ihn tot ist. Er hat Karl\nKraus für ein nationales Ereignis erklärt, es ist ihm so\noffenbart er, in relativ kurzer Zeit gelungen, sich zu\neiner Revakation seiner Meinung zu zwingen. Karl\nKraus erkennt die Götter des Demokraten nicht mehr\nan Und nach dem berühmten konfessionellen Muster\nerklärt der halbe Demokrat nun seinen einstigen Gott für\neinen Götzen Wenn er wüsste, wie wohl es den\nGöttern ist, sobald ihnen schlechte Opfergerüche er-\nspart bleiben. Die Götter sorgen selbst für ihre Opfer\nmit starker Hand. Sie sind nicht auf demokratische\nGnade angewiesen. Sie wünschen keine Gemeinde,\nSie danken für eine Aktion. Man lebt noch nicht,\nwenn man totsagt und eine „Meinung\" hat\nDer Posener Dürerbündler\n„Was will das Gedicht sagen? Was will es be-\ndeuten ? Tag und Nacht verfolgt mich der brennende\nGedanke, lässt mir die unablässige ruhelose Frage\nkeine Ruhe\". Sein Herz ist schwer. Was will es be-\ndeuten, dass er so traurig ist ? Ein Gedicht aus dem\nSturm kommt ihm nicht aus den Sinn. „Auf ver-\nschiedenen Redaktionen habe ich schon um Auskunft\ngebeten, aber niemand kann mich belehren\". Wie kann\nder Mann auch so naiv sein, sich bei Redaktionen\nüber Lyrik informieren zu wollen. Ich möchte dem\nDürerbündler, der der Poseiaer Zeitung seinen Schmerz\nklagt, gern seine Nachtruhe wiedergeben. Er wende\nsich vertrauensvoll an mich. Vielleicht kann dem Mann\ngeholfen werden.\nSezession\nVorbericht\nAuch über die Sezession wird noch immer von\nder „grossen\" Presse geschimpft. Ein gutes Zeichen,\nwenn soetwas noch bei der zweiundzwanzigsten Aus-\nstellung geschieht Die meiste Aufregung erzielten die\nExpressionisten. Herr Donath hat folgendes über sie\nzu sagen:\nIch möchte nur kurz noch den jüngsten\nfranzösischen Import erwähnen: die Ex-\npressionisten Henry Manguin, Jean Puy\nund Konsorten. Was jene mit ihrem rohen»\nGeklexe wollen, das mögen ja die „neusten\nZiele französischer Malerei sein; was sie aber\nausdrücken, ist nichts weiter als Unfähigkeit-\nIch brauche den Leser des Sturms wohl nicht zu-\nversichern, dass diese Behauptung Blödsinn ist. Maas\nkann den Berliner Kunstkritikern nicht ausreden —\nsie zu überzeugen bleibt ganz unmöglich — dass die\nMaler nicht die Verpflichtung haben, von den Herren\ngesehene Bilder nochmals zu malen. Für diese Zwecke\nsorgt ja übrigens die grosse Berliner Kunstausstellung\nusgibig. Ueber die Expressionisten wird hier noch"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "485", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1065, "texte": "ausführlich gesprochen werden. Es seien vorläufig die\nNamen Henri Manguin, Pablo Picasso, Othon Friesz\nund Kees van Dongen genannt. Von Honore Daumier,\nJulius Pascin und Ferdinand Hodler sind wundervolle\nBilder ausgestellt. Die eigentliche Sezessionisten halten\nihr übliches Niveau. Der langweilige Oberländer wird\ndiesmal sehr amüsant durch Emil Pottner (Badende\nEnten) und Adolf Eduard Herstein (Ziegenstall) ersetzt.\nDie stärkste Individualität unter den den Bildhauern ist\nErnst Barlach\nTrust\nMaterialtäuschung\nVVie die Zeitungen berichten, ist auf der Grossen\nBerliner Kunstaustellung 1911 eine grosse Austeilung\nfür monumentale Malerei in Vorbereitung. Es\nwird geplant, die Kartons und grossen Entwürfe nicht\nwie früher in Rahmungen an die Wand zu' hängen,\nsondern es soll „in eigenartiger Weise dafür gesorgt\nwerden\", dass die Täuschung hervorgerufen wird, als\nob diese direkt auf die Wand gemalt seien. Also\nein Wiederaufleben der monumentalen Malerei im Zeichen\ndes unlauteren Wettbewerbes. Zugleich ein Beispiel für\ndie Fälschung der Arbeitstechnik\n\nH. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "485", "page_fin": "486", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.4", "titre_corps": "Die Volksversammlung", "titre_sommaire": "Die Volksversammlung", "signature_source": "Max Brod", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "485", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.3", "debut_caractere": 1067, "fin_caractere_exclue": 12573, "texte": "Die Volksversammlung\nVon Max Brod\nElftes Kapitel des Romans „Jüdinnen\", der demnächst\nim Verlag Axel Juncker erscheint\nDie Versammlung fand in Schönau statt, zwei\nTage ehe Hugo abreiste. Nussbaum hatte das Thema,\nnach vielen Beratungen mit Irene geändert, und sprach\nüber „Nationale und konfessionelle Duldsamkeit\". An-\nschliessend sollte sein Freund Pitroff über „Russische\nZustände\" referieren. Ais Einberufer zeichneten ein\nVolksbüdungsverein und ein freisinniger Arbeiterverein . . .\nLange vor Beginn war der Saal gedrängt voll, Zigaren-\nrauch stieg die grünen Wände empor, man speiste an\nden fischen, zwischen denen Kellnerinnen mit weissen\nSchürzen, an der Seite grosse Ledertaschen, herum-\nliefen, jede eine Traube zahlloser Bierkrüge an der\nHand. Bald kamen neue Leute, verstellten die Türen\nund die Gänge zwischen den Tischen, mussten jeden\nAugenblick ersucht werden zur Seite zu treten, und\nströmten nun wie auf einem Korso hin und her. Nur\nein fisch in der ersten Reihe war für das Komitee\nfrei geblieben. Und es erregte allgemeines Aufsehen,\nals Irene am Arm Nussbaums, hinter ihnen Kamilla\nKapper mit Pitroff, in auffallenden Kleidern herein-\nrauschten und von den beiden Vortragenden galant an\nden reservierten Tisch geleitet wurden. Es wurde ein\nMoment fast ruhig, nur ein Summen blieb statt\ndes lauten Geschreis. Hugo glaubte, sein Herz bleibe\nstille stehn.\nEr hatte mit Alfred unter einer seitlichen Galerie\nFuss gefasst, von wo aus man wohl hören, aber wenig\nsehen konnte. Zwischen Köpfen und Rücken durch\nbot sich ein wechselnder, immer wieder anders be-\ngrenzter Anblick auf das Podium, wo an einem Tisch\nmehrere Herren Platz genommen hatten und in die\nVersammlung schauten. Wollte man einen bestimmten\nins Auge fassen, so musste man beständig mit dem\nKopfe hin und herrücken, je nachdem sich in den\nVorderreihn irgend eine Gestalt bewegte; und es\nmachte auf Hugo den Eindruck, dass durch diese\nmühevolle Arbeit erst die schwüle Hitze entstehe, die\nim Saale lagerte. Denn er sah alle Köpfe hin und\nherwackeln, einen vom anderen behindert, und alle\nNacken schwitzten schon in diesem beständigen Pendeln,\nalle Taschentücher fuhren schon an die Nacken und\nan die Glatzen . . .\nAuf dem Podiumtisch hatte der Regierungsbeamte\nseine Kappe gelegt, steil und streng wie diese lag,\nsass er selbst da, der einzige Mensch im Saal ohne\ninnere Regung. Die Ausschussmitglieder neben ihm\nbeachteten ihn nicht . . . Endlich trat Nussbaum auf.\nIrgendwo vorn gab maa des Zeichen zum Applaus.\nIrene? . . . Nussbaum dankte schon. Da erst ap-\nplaudierten mehrere ... Er ergriff einen Sessel,\nstützte sich auf ihn, zog ihn an sich, so dass nur die\nbeiden Hinterbeine standen, und hinter dieser Ver-\nschanzung, die er bald hob, bald senkte je nachdem\ner den Zuhörern sich nähern oder entfernen wollte,\nbegann er eindringlich leise zu sprechen. Hugo musste\ndas geschickt finden. Doch konnte er es nicht über\nsich bringen zuzuhören ... Er sah im Saal umher,\nnur um Irenens Gegenwart zu vergessen. Auf weissen\nPilastern, die die grüne Wand gegenüber teilten,\nstanden hoch oben und nur infolge ihrer bekannten\ncharakteristischen Gestalt kenntlich zwei Büsten: Der\nKaiser und die Kaiserin. Von je drei Gaslampions,\ndie in ein Bündel vereinigt hingen, war nur einer an-\ngezündet; Offenbar war der Saal ein Tanzsaal, seinem\nganzen Aussehn nach, und offenbar zählte er auch\nTanzfeste eher zu seinen Ruhmestagen als diese Ver-\nsammlung. Auf dem Podium in der Nische spielte\nwohl sonst das Orchester . . . Ein Schrei weckte\nHugo. Neben ihm, in der leeren Gaierie, trampelte\narglos ein kleines dickes Mäderl, das Töchterlein des\nWirts vielleicht. Erschreckte Kellner stürzten darauf\nlos, beförderten es hinaus. Einige Frauen sahn wohl-\nwollend auf das gesunde Kind, alles andere vergessend.\nDie Menge war über die Störung entrüstet Man\nhörte „Pst\" und „Ruhe\" Hugo selbst entdeckte ein\nböses Gefühl in sich: Mochte es auch nur ein wenig\ngestört haben, es freute ihn, gewiss war Nussbaum\num eine Pointe gekommen .. . Der aber liess sich\nnicht entmutigen, am wenigsten durch so einen lächer-\nlich kleinen Zwischenfall. Jetzt war er in Feuer ge-\nkommen. Er baute parallele Sätze, die minutenlang\nhintereinander mit: „Sie haben — Sie haben — Sie\nhaben\" anfingen, einer den anderen überbietend. Hugo\nfand ihn eintönig, auf den Sinn konnte er seine Auf-\nmerksamkeit gar nicht einstellen. Und was machte\nIrene indessen ? Bei jedem Lächeln, das Nussbaum\ngefällig die Rinne seines Bartes hinab ins Publikum\nschickte, glaubte Hugo, es gelte speziell dem reser-\nvierten Tisch vor ihm und namentlich dieser Irene,\ndieser . . . Und ihr Bruder stand neben ihm. Was\nsollte man da machen? Ihn erschlagen? Freundlich\nzu ihm reden? Etwas musste geschehn und Hugo\nempfand es segensreich, das wenigstens dieser Bruder\nda war, das Blut dieser Frau, die ihn heute mehr er-\nregte als jemals. Ja in einem Moment, da er sich\nvorstellte, auch dieser Bruder sei nicht neben, ihm man\nhabe ihn also ganz allein ' gelassen, war er einem\nSchwindelanfalle nahe . . indessen wurde Nussbaum\nvon Beifallssalven unterbrochen Was hatte er gesagt?\nLnmöglich, das zu erforschen, unmöglich, zuzuhören\nüberhaupt, so wenig interessierte es ihn. Nur der\nBeifall lenkte ihn von Zeit zur Zeit aus seinen wüten-\nden Gedanken auf die Rede Und Alfred hörte zu.\nWarum hörte er zu? . . Der Redner sagte: „Ich\nkomme zum Schuss.\" Alles atmet, horcht ge-\nspannter auf, auch Hugo konnte sich der all-\ngemeinen Wallung nicht entziehn, wenn er auch nicht\nhinhorchte, wandte er sich doch wenigstens genauer\nin die Richtung, woher die Stimme kam. Doch war\ndas nur ein Trick gewesen, um die Zuhörer zu er-\nmuntern. Unvermindert redete Nussbaum weiter, ja er\ngebrauchte sogar diesen Trick noch einmal, und wieder\nwurde alles mäuschenstill. Wahrscheinlich ist das ein\ngebräuchlicher Trick aller Volksredner, dachte Hugo . .\nManchmal wieder steigerte Hugo seine Stimme, schrie\nso, dass man ihn im Finale glaubte, gab rückhaltslos\nalles her, was noch in ihm war. Ein Beifallssturm\nwar der Lohn. Er benützte ihn, um auszuruhn, und\nder Pause, wenn der Lärm abflaute, setzte er mit ganz\nleiser Stimme wieder ein, sparend bis zum nächsten\nHöhepunkt ... Er hatte klug die wirkungsvollen\nStellen zerteilt, er erzählte Anekdoten, er wusste Ernst\nund Humor abzuwechseln. Das Publikum folgte ihm\ngespannt, ging auf jede Wendung ein. Man unter-\nbrach ihn mit Zwischenrufen der Zustimmung, gruppen-\nweise. Das fiel wenig auf, das schien so im gewöhn-\nlichen Lauf der Dinge zu liegen. Manchmal aber war\nein einzelner so weit hingerissen, das er eine rehto-\nrische Frage beantwortete. „Wollen sie etwa . .\nfragte Nussbaum, angstvoll und voll Entrüstung, und\neilte schon weiter. „Nein,\" rief jemand entschlossen.\nMan kicherte, aber doch nur, um im nächsten Moment\nden Redner um so stärker zu bewundern. Jetzt\napostrophierte er die Studenten: „Nur deshalb ge-\nmessen Sie ja eine ausgezeichnete Stellung in der\nBevölkerung, damit Sie die Schätze der Kultur em-\npfangen und weiter verteilen . ..\" „Bravo\" schrie\nein besonders Bildungsbedürftiger, laut und schmerz-\nlich . . .\n„Nun, fühlen Sie sich geehrt, als Student?\" wandte\nsich Hugo an Alfred.\n„Ich höre gar nicht zu. Ich denke an etwas\nganz anderes.\"\n„Sie auch . . . Was denn?\"\n„Wann spricht eigentlich dieser Pitroff?\" Alfred\nlugte im Saal umher, jetzt erst bemerkte Hugo, wie\naufgeregt er war.\n„Ich weiss nicht ... So eine Versammlung ist\ndoch schrecklich langweilig .. . Das einzig hübsche\nhier sind doch noch die Damen.\"\n„So so\" überlegen-schalkhaft drohte Alfred mit\ndem Finger. „Mir scheint, Sie sind ein kleiner Frauen-\nliebhaber, was . . .\"\n„Ja, ich liebe die Frauen\" sagte Hugo und wandte\nder Versammlung den Rücken Hier in der Galerie\nkonnten sie ungestört reden und Hugo hatte das\nheftigste Bedürfniss seine innere Spannung durch\nirgend eine Gemütserregung auszulösen. Also be-\nkannte er gleich alles und brannte darauf, zu reden\nund im Reden sich selbst zu erkennen: „Ja, ja, ich\ngestehe es, ohne Frauen könnte ich nicht leben. Das\nLeben erschiene mir wertlos und iichtlos ohne sie . ..\nSchauen Sie, — schauen Sie, Herr Popper • ich bin\nnicht sinnlich. Aber ich will Liebe, ich will ein Herz\nfür mich haben, eine Frau, die mit mir fühlt, die an\nmich denkt wie an ihren Freund und Bruder, ein\nIdeal der Frau mit einem Wort. Sehn Sie, ich liebe\ndie Frauen. Ich achte die Frau, ich bin, kurz und\ngut, froh und glücklich, dass es Frauen auf der Welt\ngibt. Bas ist das Ganze. Nützen mir die Frauen?\nIch weiss es nicht, darauf kommt es aach gar nicht\nan. Ich bin gar nicht geneigt, diese Frage zu unter-\nsuchen. ich sage nur das eine: Schon dass sie helle\nKleider tragen, dafür bin ich ihnen dankbar . . .\nLachen sie nicht .. . Stellen sie sich doch einmal\nvor, es gebe keine Frauen auf der Weit, wie langweilig\nzum Krepieren wäre das . . . Ich bin glücklich, dass\nes Frauen gibt, das sie mich anschauen und mit mir\nsprechen, das sie anderer Meinung sind als ich und\ngerade in so weiblicher Art und anderer Meinung als\nich. In jeder Beziehung sind Frauen besser und voll-\nkommener als die Männer, das weiss ich und nichts\nweiss ich so fest wie dieses. Das ist die Wurzel\nmeines Lebens. Können sie das so ganz und gar\nnicht begreifen? Ja, ja, Sie haben Recht, ich habe\nso eine Frau, wie ich mir sie denke, noch nie kennen\ngelernt, das gebe ich ohne weiteres zu. Aber ich be-\nhaupte ferner, dass das ganz egal ist, ein durchaus\ngleichgiltiger Umstand . . .\"\nLauter Beifallsjubel erhob sich nebenan, in den\nNussbaum noch das Wort „Fortschritt\" mit höchst-\nerhobener Stimme hinein schrie. Er machte eine\nPause.\nHugo gleichfalls, bis ruhig geworden war.\nDann fuhr er fort: „Mein Ideal lebt so fest in\nmir, diese sanfte gutartige wohltätige Frau, dass es im\nLeben vielleicht garnicht erscheinen kann. Ich halte\nes gleichsam in meinem Innern fest. Vielleicht ist es\nüberdies nur eine Folge meiner geringen Lebens-\nerfahrung, das ich noch nie ein derartiges Mädchen\ngetroffen habe Auch das ist möglich. Aber woher\nnährt es sich den eigentlich, wenn nicht aus dem\nLeben, sage ich mir, dieses Ideal. Ich bin durchaus\nnicht so eingebildet, es für meine Erfindung zu halten,\nmeine Dichtung. Nein, die Sache verhält sich vielmehr\nso: Ich verkehre gern mit Frauen, ich verehre sie und\nimmerfort bemerke ich auch kleine verehrungswürdige\nZüge an ihnen, einmal die hellen lustigen Kleider zum\nBeispiel, einmal eine reizende Bemerkung, eine stille\nGüte. Gut und diese kleinen Züge sickern, fast un-\nbemerkt, in mich hinein und bauen sich zu meinem\nIdeal auf. Wem schulde ich also dieses Ideal? Den\nFrauen. Ich schulde es ihnen, nicht sie mir, wohl-\ngemerkt. Deshalb ziemt es mir auch, demütig mit\nihnen zu reden, nicht zuviel zu verlangen, garnichts\nvielmehr, ihnen zu danken, und gut ist es Und so\ngern tu ich das und so gern bin ich bei ihne«, sehr gern.\nDie Luft schon in ihrer Nähe tut mir wohl. Und ganz\ndunkel wird es mir um den Kopf, wenn ich nur eine\nWeile unter Männern stehe, Kopfschmerzen bekomme\nich . . .\"\n„Jetzt spricht er wirklich nicht schlecht,\" unter-\nbrach ihn Alfred, der sich von dem letzten Applaus a*\nnur noch mit Nussbaum beschäftigt hatte.\nIn diesem Moment erhoben sich alle und schwenkten\ndie Gläser. Von drei Männern wurde Nussbaum im\nTriumph vom Podium geholt. Er war zu Ende.\nMan tonte. Der Tribun lehnte sich mit Würde an\nseine Begleiter, die ihn die Stufen herab mehr trugen\nals führten. Ernst und gefasst blickte er in den\nTumult, ohne auch nur für einen Moment durch ein\nbescheidenes Lächeln die Begeisterung und den Beifall"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "486", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1055, "texte": "zu schwächen .. . Auch Irene hatte sich erhoben,\nsie breitete die Arme weit aus und führte dann lang-\nsam die Hände zusammen, sodass es weithin sichtbar,\nwenn auch vielleicht überhaupt nicht hörbar war.\nHugo drängte sich durch das Gewühle vor. Reichte\nsie dem Kerl nicht einen Lorbeerkranz? Ach nein,\ndas war nur eine Blume. Nur? . . . Schrecklich,\nin diesem Saal mit ihr beisammen zu sein, zwischen\nvier Wänden, und doch ohne den mindesten Zusammen-\nhang. Er schaute an die Wände: Diese Wände also\numfassten sie und ihn, und es nützte nichts . . .\nEndlich stand er, längs der Säulenreihe fortgeschoben,\nihr gegenüber. Er grüsste sie, jetzt erst an diesem\nAbend. Sie dankte durch ein Nicken, kalt und zer-\nstreut. Er fühlte den Boden unter seinen Füssen\nsinken.\nAlfred war ihm nachgefolgt: „Jetzt spricht Pitroff,\nnicht wahr?\"\nEr antwortet nicht, eine leichte Herzschwäche ver-\nspürend.\n„Wo bleibt nun die Bande?\" Unstet sah sich\nAlfred im Saale um, auch er schien etwas zu suchen, zu\nvermissen. „Eine Hetz wird das, wie noch nie! 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Deshalb ist es grundsätzlich\nverkehrt, die Frage nach der „Richtigkeit\" eines\nWillensinhaltes aufzuwerfen. Nur dort, wo Vorstel-\nlungen von dem Gefühl des Seins begleitet sind, ist\ndie Frage nach der „Richtigkeit\" ihrer angebracht,\nnicht aber dort, wo sie von dem Gefühl des Sollens\nbegleitet sind. *)\n. . Die Kontroverse zwischen Intellektualismus und\nVoluntarismus ist aus der Psychologie her bekannt;\nda freilich trägt sie das Stigma der Scholastizität:\ndenn welches der „psychologische Grund\", die „eigent-\nliche Quelle\", das „ursprüngliche Prinzip\", die „letzte\nUrsache\" des seelischen Lebens sei, ob die Vorstellung\noder der Wille, — das ist eine Frage, die nicht nur\nunlösbar, sondern bereits mit hervorragendem Unge-\nschick gestellt zu sein scheint; so dass es keiner be-\nsonderen hellseherischen oder hellhörerischen Gabe be-\ndarf, um schon heute das herzliche Gelächter zu ver-\nnehmen, das spätere, pragmatischere Jahrhunderte\nüber diese gleichgiltige Problematik erheben werden.\nAber so belanglos die Antithese für die Psychologie\nsein mag, so wesentlich ist sie für die Ethik.\nUnter den rechtsphilosophischen Schriftstellern\nscheinen mir Radbruch und besonders Somlö Witterung\nhierfür zu haben. Radbruch, in seinem Meisterwerk\n„Einführung in die Rechtswissenschaft\",2) reduziert alle\nStreitfragen de legibus ferendis auf den einen Gegen-\nsatz zwischen individualistischer und überindividualis-\ntischer Staatsauffassung und erklärt sofort, in strah-\nlender Eindeutigkeit: „Dieser Gegensatz der staats-\nphilosophischen Auffassungen heischt von uns nicht\neine Entscheidung, sondern eine Stellungnahme:\nder Verstand und die Wissenschaft muss vor ihm ver-\nstummen, allgemeingiltige Wahrheit gibt es hier nicht,\nnur der durch Selbstbesinnung aus der Tiefe der Per-\nsönlichkeit geschöpfte Wille kann, verschieden von\n1) Vergleichen Sie: Simmel: „Einleitung in die\nMoralwissenschaft\" I, 11\n2) In der Sammlung „Wissenschaft und Bildung\",\nLeipzig 1910\nMensch zu Mensch, die Wahl treffen\".1) Und, das\nKapitel über das Strafrecht einleitend, polemisiert er\ngegen die übliche Fragestellung, welchen Zweck die\nStrafe habe: „Wie von der Welt im ganzen, wie von\nallem, was nicht Menschen zweckbewusst geschaffen\nhaben, so gilt auch von der Strafe, dass sie, für die\nmannigfachsten Zweckbestimmungen empfänglich, doch\neinen bestimmten Zweck nicht habe, es sei\ndenn den, den man ihr setzt. Weichen Zweck\nwollen wir der Strafe setzen? - so also lautet\nunsere Frage, die mithin nicht von unserem forschen-\nden Verstände, sondern von unserem zwecksetzenden\nWillen beantwortet werden will.\"2)\nUnd Somlö3) äussert: „Die Massstäbe zur Be-\nwertung des Rechts werden nicht von der Rechts-\nphilosophie gedankenmässig produziert, sie sind be-\nreits vor aller Rechtsphilosophie gefühls-\nmässig da und wollen auch seitens einer Rechts-\nphilosophie nur angewendet werden.\"\nSomlö's geistvoller Versuch nun, dem Relativismus\nzu entrinnen, verlangt eine besondere Besprechung.\nNach trefflicher Widerlegung des Positivismus und\ndes kanonischen Objektivismus stellt Somlö fest, kraft\nsympathischen Funktionierens seines intellektualen Ge-\nwissens, dass wir zu der prinzipiellen Möglichkeit so\nvieler verschiedener Inhalte von Richtigkeitsgefühlen\ngelangen müssen, als es Menschen gibt. „Denn die\netwaigen tatsächlichen Uebereinstimmungen der be-\nzüglichen Inhalte müssten von diesem Gesichtspunkte\naus immer als etwas rein Zufälliges, prinzipiell nicht\nin Betracht Kommendes angesehen werden ... Es\nliesse sich demnach keine einzige sittliche Norm\ndenken, welche zu leugnen nicht jedermann, ausser\ndem Urheber der Norm, das gute Recht hätte.\" 4) Aus-\ngezeichnet bisher! Nun ist aber Somlö immer noch\ndarauf aus, an das Seinsollende „Massstäbe der Rich-\ntigkeit\" anzulegen; er vermag der kritizistischen Folter-\nbank nicht zu entsagen. So lässt er denn die Resul-\ntate seines erbarmungslos-konsequenten Nachdenkens\nschnöde im Stich, als blosse Ergebnisse einer „Analyse\nder Bewertungen im Individualbewusstsein\", und be-\nhauptet, dass es dergleichen Bewertungen „in der prin-\nzipiellen individuellen Isoliertheit\", wie er sie „vor-\nläufig angenommen\" habe, garnicht gebe; vielmehr\ndrücke die Tatsache eines individuellen Sollensge-\nfühles immer zugleich die Tatsache einer sozialen\nWertung aus. Das individuelle Sollensgefühl\nsei „der Index\" oder „das Segment\" einer überindi-\nviduellen Wertung. Es sei ein Fehlschuss, dass es\nprinzipiell soviel verschiedene Inhalte des Sittlichen\ngeben könne, als es Menschen gibt. „Im Gegenteil\nbezeugt jedes besondere individuelle Sittlichkeitsgefühl\nbereits durch seine Existenz die inhaltliche Ueberein-\nstimmung solcher Gefühle seitens einer Vielheit .. .\nFolglich kann es nicht so viele verschiedene Inhalte\ndes Sittlichen geben, als es Menschen gibt, sondern\nes kann nicht mehr verschiedene Inhalte des Sitt-\nlichen geben, als es solche übereinstimmende Viel-\nheiten gibt.\"\nSoweit diese Auseinandersetzungen phänomenolo-\ngisch sind, sind sie gewiss richtig; es gibt tatsächlich\nnicht so viele Sittlichkeiten, als es Menschen gibt; das\nheisst: es gibt nicht so viele Sittlichkeiten, als es\na priori geben könnte. [Ein neues Beispiel für die\n„Duplizität der Ereignisse\", auch der philosophischen\nEreignisse: dass zu annähernd derselben Zeit, als\nSomlö dies veröffentlicht, Georg Simmel — in seinem\nneuen Buche — eine Lehre vorträgt, nach der es\nausser der individuellen Subjektivität und dem all-\ngemein überzeugenden, logisch-objektiven Denken noch\nein Drittes gibt, nämlich „die Schicht der typischen\nGeistigkeit in uns\" ; es äusserten sich in uns „geistige\nEnergien, deren Betätigungsinhalte nicht subjektiv-indi-\nviduellen Wesens sind, ohne darum doch die Nach-\nzeichnung eines Objektiven, das dem Subjekt gegen-\nüberstünde, zu sein.\"s)] Aber so wahr der Somlö'-\nsche Gedanke als phänomenologisches Apercu ist, so\ngering ist seine normative Bedeutung. Mag immerhin\n„jedes besondere individuelle Sittlichkeitsgefühl bereits\ndurch seine Existenz die inhaltliche Uebereinstimmung\nsolcher Gefühle seitens einer Vielheit bezeugen\", so\nist darum doch keineswegs ein individuelles Sittlichkeits-\ngefühl deshalb richtig, weil es zugleich das Sittlichkeits-\nx) Seite 16\n2) Seite 49\n8) „Massstäbe . . Seite 521\n4) Seite 517/518\n5) Simmel, „Hauptprobleme der Philosophie\",\nSammlung Göschen, 1910, Seite 25/26\ngefühl einer Vielheit ist, und keineswegs dann falsch\nwenn es, was doch denkbar ist, von anderen\ndividuen nicht geteilt wird. Wenn also Somlö, seine\nphänomenologische Bemerkung ins Normative hinüber-\nleitend, definiert: „Sittlich ist, was einer Norm des\nHandelns entspricht, die ich (in Uebereinstimmung mit\neiner Vielheit) als unbedingt richtig fühle\" — so muss\nman doch Protest erheben. Entweder nämlich ist die\n„Uebereinstimmung mit einer Vielheit\" eine mit der\nals unbedingt richtig gefühlten Norm notwendig ver-\nknüpfte Erscheinung (wie Somlö ja behauptet); dann\nist es überflüssig, diese „Uebereinstimmung\" in die De-\nfinition des Sittlichen hineinzunehmen, da es ja Fälle,\nwo Normen ohne diese „Uebereinstimmung\" als unbe-\ndingt richtig gefühlt werden, hiernach nicht gibt! Oder\naber: es gibt solche Fälle; dann ist die „Ueberein-\nstimmung\", wenn sie da ist, keineswegs ein Kriterium\nder Richtigkeit, — und die fehlende keineswegs ein\nBeweis der Falschheit. Vielmehr kann sittlich, das\nheisst seinsollend, durchaus auch das sein, was einer\nNorm des Handelns entspricht, die ich im Gegen-\nsatz zur ganzen Welt als unbedingt richtig\nfühle. (Dass solche Gegensätzlichkeit zur ganzen Welt\nwahrscheinlich nie vorkommt, ist psychologisch sehr\ninteressant, ethisch recht gleichgültig.)\nDiese Auffassung des Wertes als der Geltung bei\neiner Vielheit ist der Sterbeseufzer des Kritizismus; ist\nder letzte (unglückliche) Versuch, etwas jenseits von\nRichtig und Falsch Liegendes „begründen\" zu wollen ...\nSonst steht Somlö hier ganz auf voluntaristischem\nBoden; und sein Aufsatz dürfte daher, wenn nicht das\nScharfsinnigste und Subtilste, so doch das Wichtig-\nste sein, was seit Stammler's Büchern in der Rechts-\nphilosophie geleistet worden ist. „Es gibt keine\nandre Sittlichkeit als irgend eine positive Moral\" :\nwenn ein Denker, der alle vorschriftsmässigen Skepti-\nzismen durchgemacht hat (und das ist bei Somlö er-\nsichtlich), dergleichen äussert, so ist das unzweifelhaft\nneu, imposant, monumental, und scheint mir die end-\ngültige Befreiung ethisch-politischer Spekulation von\nSankt Immanuels Methoden zu gewährleisten.\n„Es gibt keine andre Sittlichkeit als irgend eine\npositive Moral\": freilich muss hier, um der Törichten\nwillen, besondrer Nachdruck gelegt werden auf „irgend\neine\"; damit nicht wer glaubt, die positive Moral\n— etwa die überkommene, kirchlich - staatlich - gesell-\nschaftlich abgestempelte — sei identisch mit Sittlich-\nkeit . . .\nWährend also der Relativist ein legislatives Problem\nunter Zugrundelegung von tausend Moralen tausend-\nfältig „löst\", löst es der Voluntarist eindeutig, unter\nZugrundelegung seiner eigenen. Wem diese fehlt, das\nheisst: wer (wie ich gegen den „Standpunkte\"-Stand-\npunkt von Kantorowicz anführte) lediglich Forscher,\nZweifler, Gewissenhafter des Geistes ist, — der\nmuss völlig Abstand nehmen von der Problematik\ndessen, was sein soll; der muss als Passiver, als\nTheoretiker, als Bloss-Verstehender den Turnieren der\nWollenden zuschauen. Wer aber ein Wollender ist,\neine eigene Moral hat, über Werttafeln verfügt, der\nbaut, wenn er politisch philosophiert, keineswegs seine\nSysteme auf „Vorurteilen\" auf, wie der Relativist; denn\nseine Fundamente sind ja garnicht Urteile, sondern\nW o 11 u n g e n . Der Relativist verlangt, dass man\ndogmatisch angesetzte Werte, die einander wider-\nsprechen, als gleichberechtigt anerkenne; der Volunta-\nrist fragt garnicht danach, ob die Werte (nämlich\nseine Werte) „berechtigt\" seien oder nicht —: er\nsetzt sie einfach an. Daher kann er auch\nnie dogmatisch sein; er behauptet ja nicht, dass seine\nWertungen „richtig\" wären; er — wertet vielmehr!\n(Von Dogmatismus kann man überall nur dort reden,\nwo ein Satz vorgibt, Erkenntnis zu sein; nie dort, wo\ner einen Willen ausspricht.) Der Voluntarist ist nicht\ndarauf aus, zu erkennen, sondern: zu bewirken. Er will\nnicht begründen, sondern er — will!\nDabei vermag er der Intellektualität sogar einen\nviel grösseren Platz einzuräumen als der Subjektivist.\nDiesem sind die Fragen de lege ferenda immer nur\n„Sache der undiskutierbaren persönlichen Ueberzeugung\";1)\nder Voluntarist dagegen sieht ein, dass er mit seinen\nWertgefühlen nicht alleinsteht, dass er sich mit seinen\n„Parteigenossen\" zusammentun kann, und dass nun\naufgrund der gemeinsamen Wertgefühle als eines un-\nproblematisierten Kodex, einer ehernen Moses-Tafel,\neiner „Hierarchie der Masstäbe\" (Ausdruck Somlö's)\n*) Radbruch, in dem erwähnten Aufsatz, Aschaffen*\nburgs Monatsschrift II"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "487", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7087, "texte": "eine vollkommen rationale Diskussion von Einzelfragen\nmöglich ist. So eindringlich immer wieder der Anspruch\ndes nach letzten Gründen fahndenden Intellekts auf\nkritische Fundamentierung von Sollensinhalten zurück-\ngewiesen und die Möglichkeit kategorisch „richtiger\"\nund kategorisch „falscher\" Wollungen verneint werden\nmuss, so sehr muss man sich davor hüten, den Logos\naus den Spielen der praktischen Vernunft gänzlich\nauszuschalten. Hypothetisch „richtige\" und\nhypothetisch „falsche\" Wollungen sind durchaus\nmöglich. Die logische Struktur der Ueber- und Unter-\nordnung, das Verhältnis von Obersatz zu Untersatz,\nbesteht auch im Bezirk des Teleologischen. Es kann\neine Wollung sehr wohl im Widerspruch stehen\nzu einer anderen, die ihr, ihrem Inhalt nach, logisch\nsuperordiniert ist; dann ist jene Wollung inbezug auf\ndiese „falsch\". Das ist ein seiner Relation nach hypo-\nthetisches Urteil: ein Inhalt wird als „falsch\" prädiziert\nunterderVoraussetzung, dass die Prädizierung eines\nanderen Inhalts als eines „richtigen\" bestehen bleibt. Jeder-\nzeit existiert bei dieser Situation die logische und psycho-\nlogische Möglichkeit,diese letztere Prädizierung aufzuheben.\nMan muss sich entweder dazu bequemen, in Rücksicht\nauf das Prinzip im Spezialfall anders zu wollen, als\nman zunächst wollte — oder aber sich dazu ent-\nschliessen, das Prinzip fallen zu lassen. Man muss\nentweder die Unterwollung der Oberwollung oder die\nOberwollung der Unterwollung opfern; drittenfalls gerät\nman in Widersprüche.\nAufgrund der voluntaristischen Wertphilosophie sind\nalso Diskussionen und teleologische Einigungen sehr\nmöglich. Tatsächlich wird ja auf diese Art auch von\njeher Politik getrieben. In der Praxis ist die Methode\nbeileibe nichts Neues; aber es galt hier, dieser prak-\ntischen Methode ihre Theorie beizugeben, die Methode\nals die einzig unanfechtbare zu legitimieren. Es galt,\ndie alte Koalition zwischen praktischer Philosophie und\ntheoretischer Philosophie zu sprengen und eine neue\nKoalition zwischen praktischer Philosophie und praktischer\nPolitik herzustellen. Es galt den-Willen der de facto wirk-\nsam ist, nun auch als de iure wirksam zu restituieren. Ist\ndies einmal geschehen, dann braucht der Rechtsphilo-\nsoph sich nicht mehr, aus bleicher Furcht vor Dogma-\ntismus, darauf zu beschränken, als normenloser Kon-\nstruktor möglicher Systeme, als impotenter Anglotzer\nvon Tatbeständen, das überflüssige Dasein des Rela-\ntivisten zu fristen; sondern er darf, vif und in Aus-\nwirkung seiner Temperamente, Gegenwart und Zukunft\nbeeinflussen; in voller Einsicht dessen, dass es Streitig-\nkeiten gibt, worin „wir immer nur Partei, niemals Richter\nsein können\" (Radbruch); dennoch den seichteren Agi-\ntatoren sehr überlegen durch die Fähigkeit, Einzel-\nmaterien den gewollten Prinzipien mit logisch-wissen-\nschaftlicher Unanfechtbarkeit zu subsumieren und in\nDebatten stets darüber Klarheit zu schaffen, „ob es sich\num eigentliche Bewertungsfragen oder um Zweckmässig-\nkeitsfragen bezüglich der. anzuwendenden Mittel han-\ndelt\". i)\n. . Man muss in diesen Dingen nicht den Ehrgeiz\nder Originalität haben. Es handelt sich nicht um\nkünstlerisches Schaffen; nicht einmal um Erkennen; es\nhandelt sich letzten Endes um Verbesserung mensch-\nlicher Zustände. (Um Verbesserung menschlicher Zu-\nstände von einer Platform geklärtester Geistigkeit aus.)\nEs mag sein, dass die Ueberwindung des Relativismus\ni* der Rechtsphilosophie durch die Restitution des\nWillens in keinem Punkte neu ist, vielleicht nichtmal\nihrer prinzipiellen Idee nach: dennoch vindiziere ich\ndiesen Erörterungen prolegomenale Bedeutung für jede\nkünftige Philosophie des Rechts; für jede philosophische\nPolitik; für jede soziale Ethik. Und der einzige Ein-\nwand, der sich erheben kann — der sich allerdings\n*) S o m 1ö , „Massstäbe\" Seite 521. —■ Auf die not-\nwendige strenge Trennung zwischen Mittel- und Zweck-\nErörterung — in der Strafrechtskritik: zwischen „Kri-\nminalpolitik\" und „Timoretik\" (Strafwürdigkeitslehre) —\nhabe ich bereits in dem Aufsatz „Strafrechtskritik und\nEthik\" (Aschaffenburg VI, Seite 627) hingewiesen. —\nDie voluntaristische Rechtsphilosophie, gerade mit ihrem\nlogizistischen Ueberbau, findet sich in nuce übrigens\nbei Simm e 1, „Philosophie des Geldes\", Seite 456,\nwo es heisst: „So wenig also der Wille . . . von sich\naus irgend einen bestimmten Inhalt erkürt, so wenig\ngeht aus dem blossen Bewusstsein der Weltinhalte,\nalso aus der Intellektualität, irgend eine Zwecksetzung\nhervor. Vielmehr, zu der völligen Indifferenz derselben\nund aus ihr selbst nicht berechenbar tritt an irgend\neinem Punkte die Betonung des Willens auf. Ist dies\nerst einmal geschehen, so findet freilich rein logisch\nund durch die theoretische Sachlichkeit bestimmt, die\nUeberleitung des Willens auf andere, mit jenem ersten\nkausal verbundne Vorstellungen statt, die nun als „Mittel\"\nzu jenem Endzweck gelten.\"\nauch immer wieder und wieder erheben wird — ist kein\nEinwand. Ob die hier als Wurzel aller Soll-Spekulation\nstabilierte positive Moral, diese Hierarchie der Werte\nintellektuell begründet werden könne, ob sich ihr In-\nhalt der „Notwendigkeit\" und „Allgemeingültigkeit\" er-\nfreue, ob sie „objektiv\" und „richtig\" sei : das\nist eine falsche Fragestellung! Unser Denken\nfreilich ist kritizistisch so sehr verseucht, dass uns das\nUmlernen schwerfallen wird. Selbst denen wird es\nschwerfallen, die die voluntaristische Idee in sich er-\nlebt haben und intuitiv erkannt haben, von wie unge-\nheurer psychohygienischer Wichtigkeit sie ist.\nAber umgelernt werden muss! Nur durch ein radikale\nBefreiung von der Tyrannis jener intellektualistischen\nAuffassung, die im Philosophen — auch im praktischen\nPhilosophen — immer nur den grossen Begründe-\nrich sieht, werden wir der müde, matt und rela-\ntivistisch gewordenen Rechtsphilosophie wieder auf die\nBeine helfen können; auf dass sie sich aus der Sack-\ngasse bewege, in welche Kant und Kantorowicz sie\ngelockt.\nGegen Positivisten, Genetiker, Psychologisten und\nsonstige Empiriebolde bleibt der Kritizismus nach wie\nvor im Recht, als Abwehr von allerhand Flachköpfig-\nkeiten; in der Offensive jedoch, in der wirklichen\nWertung, im Sturm auf die Zukunft, hat er abgewirt-\nschaftet. Der kommenden Ethik und politischen Philo-\nsophie wird das 972. Aphorisma im „Willen zur Macht\"\nals Motto dienen müssen1), darin es heisst:\n„ . . . . erkannte ich endlich, dass es zwei unter-\nschiedliche Arten von Philosophen gibt:\n1. solche, welche irgend einen grossen Tatbestand\nvon Wertschätzungen (logisch oder moralisch) fest-\nstellen wollen;\n2. solche, welche Gesetzgeber solcher Wert-\nschätzungen sind.\nDie Ersten suchen sich der vorhandenen oder ver-\ngangenen Welt zu bemächtigen, indem sie das mannig-\nfach Geschehende durch Zeichen zusammenfassen und\nabkürzen: ihnen liegt daran, das bisherige Geschehen\nübersichtlich, überdenkbar, fassbar, handlich zu\nmachen. . . .\nDie Zweiten aber sind Befehlende; sie sagen:\n„So soll es sein!\" Sie bestimmen erst das „Wohin\"\nund „Wozu\", den Nutzen, was Nutzen der Menschen\nist.\"\nEnde\n*) Vergleichen Sie auch Nietzsche: „Götzendämme-\nrung\" Aphorisma 211"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "487", "page_fin": "488", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.6", "titre_corps": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "titre_sommaire": "Der Kaiser von Utopia : Ein Volksroman", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "487", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.5", "debut_caractere": 7089, "fin_caractere_exclue": 11946, "texte": "Der Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXCV\nLotte Wiedewitt\nDie Lotte Wiedewitt hatte sich nach dem Tode\nihres Gatten sehr verändert; sie war immer sehr ernst\nund zuweilen sehr zerstreut — sie dachte soviel über\ndas Weiterleben nach dem Tode nach.\nUnd die Frau Lotte verkehrte mit der Frau\nCäcilie fast täglich, und es kam auch mal vor, dass\nder Kaiser mit den beiden Frauen zusammen war. Da\nsagte der denn mal so nebenbei:\n„Der Lebenstempel soll grösser als eine ganze\nStadt werden — wo bauen wir den nur hin ?\"\n„In Schiida 1\" meinte da die Lotte ganz ernst.\nDa musste der Kaiser lachen und sagte, dass das\ngar kein übler Platz sei — dicht am Meere — auf\nhohem Strande — auf historischem Boden — auf\neinem Boden, auf dem der Kaiser mal\nOberbürgermeister von Schiida war ....\nDiese Erörterungen brachten aber die Lotte\nWiedewitt so unvermittelt in die Vergangenheit zurück,\ndass sie plötzlich laut zu weinen anfing.\nDie Frau Cäcilie wollte sie trösten, aber sie\nweinte immerzu und sagte dann schluchzend:\n„Es kann doch nicht zu Ende seinl Es kann\ndoch nicht zu Ende sein!\"\nDa sprach der Kaiser, während ihm auch ein paar\nTränen in den falschen Bart rieselten:\n„Es ist auch nicht zu Ende, Frau Lotte. Der\nKaiser Moritz lebt — er lebt nur anders jetzt als die\nFrau Lotte.\"\nDa wollte die Lotte mehr hören, und dabei sagte\nsie, dass doch darüber eigentlich nur ganz alte Herren\nmit langen weissen Bärten sprechen könnten.\nAls nun der Kaiser wieder mal das Lob seines\nweissen Bartes hörte, da war er nahe daran, ihn vor\nder Lotte abzunehmen — doch er besann sich noch\nzur rechten Zeit — und Hess die Frauen sehr bald\nallein.\nUnd da sprachen denn die beiden Frauen weiter\nüber das Leben und über das Sterben — und die\nLotte entwickelte zuweilen so drollige Ansichten, dass\ndie Cäcilie öfters lachen musste. #5\nDabei lernte die Kaiserin Cäcilie das Leben in\nSchiida sehr genau kennen, die Lotte konnte garnicht\ngenug von Schiida erzählen — aber sie musste doch\nsehr viel weinen dabei ihr wurde die alte Zeit so\nschwer, obgleich es doch auch eine recht böse Zeit\nwar.\nXCVI\nDie Maschinen des Herrn Sebastian\nDer Herr Sebastian hatte sich sehr bald nach\nseiner Flucht dem Kaiser vorgestellt, und dieser hatte\ngleich alle seine Unternehmungen mit reichlichen Geld-\nmitteln unterstützt.\nUnter den neuen Maschinen, die der Herr Sebastian in\nSchiida erfunden hatte, befanden sich aber drei Maschinen,\ndie für den Häuserbau sehr wertvoll waren; durch die\nneuen Sebastianischen Baumaschinen Hessen sich ganz\ngrosse Häuser fast ohne Handtätigkeit herstellen —\nund so schnell arbeiteten die Maschinen, dass es leicht\nmöglich gemacht werden konnte, in vierzehn Tagen\neine ganze Stadt zu erbauen.\nDa wars sehr natürlich, dass der Herr Sebastian\nvom Bau des Lebenstempels in Schiida sehr bald das\nNähere zu hören bekam — und alle nötigen Bau-\nmaterialien nach Schiida schaffte, um in gegebenen\nMoment so schnell bauen zu können, wie keiner zuvor.\nAls ihm der Kaiser zu seinen neuen Erfindungen\nGlück wünschte, da sagte der Herr Sebastian leise:\n„Wär alles nicht gekommen, wenn ich nicht Ober-\nbürgermeister von Schiida ein halbes Jahr hindurch\ngewesen wäre. Den Schaffenden ist das Ein-\ngesperrtwerden zuweilen sehr dienlich.\"\n„Ja\", erwiderte der Kaiser, „das werde ich mir\nmerken, Herr Sebastian.\"\nBei einem Glase Bier sprachen die beiden Herren\nweiter über das Eingesperrtwerden — und ganz ernst —\nnur so zwischenein mussten sie mal auflachen.\nDer Herr Schlackenborg, der Obermaschinist des\nSebastianischen Luftschiffes, sprach dann noch mit\ndem Kaiser und erzählte auch vom Herrn Bartmann.\nDa hielts der Kaiser nicht mehr aus, er stürmte\nwild davon und rief in seinem Perlmutterzimmer:\n„Den Spass mach ich wirklich nicht noch mal.\"\nHerr Schlackenborg aber wunderte sich sehr über\ndes Kaisers hastiges Davonstürmen.\nXCVII\nSchildas Ende\nDa durch die siebzigtausend Toten ein grosser\nMangel an Beamten entstanden war, so ging es leicht\nan, sämtlichen Bewohnern von Schiida vortreffliche\nStellungen anzubieten, und die Schildbürger nahmen\ndie Stellungen an, da sie der Kaiser in einem sehr\nhöflichen Schreiben also gebeten hatte:\n„Ich bin Euer Oberbürgermeister gewesen, und\nIhr glaubtet, richtig zu handeln, indem Ihr später noch\neinen meiner Doppelgänger zum Oberbürgermeister\nwähltet Deswegen tut aber auch, was ich euch sage:\ndie Zeiten sind zu ernst geworden — wendet Euch\nnicht mehr von dem Geiste des Volkes ab — dieser\nGeist des Volkes ist ja durch die letzten furchtbaren\nNaturereignisse ganz anders geworden — so ganz\nanders geworden, dass ich mich auch mit ihm ver-\nsöhnen konnte. Also tut, was ich auch getan habe.\nIch werde ausserdem dafür sorgen, dass selbst denen,\ndie sich vom Volksgeiste auch fernerhin emanzipieren\nwollen, kein wirtschaftlicher Schaden entsieht; die\nGeistlichkeit ist mit der Schonung der emanzipierten\ndurchaus einverstanden.\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "488", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4147, "texte": "Da klopften sich die Schildbürger, als sie das ge-\nlesen hatten, vergnügt auf die Schultern und lachten\nsich so lustig an — wie sie es lange nicht getan\nhatten.\nUnd sie erklärten einstimmig:\n„Dann hst ja alle Not für uns ein Ende.\"\nDanach dankten sie den Kaiser in lustigster Form,\nschickten ihm den roten Mantel und die Ober-\nbürgermeisterkappe zu, Hessen alle ihre wertvolleren\nSachen, die einen historischen Wert beanspruchten, in\nein Altertums-Museum bringen — und zerstreuten sich\nüber das ganze Land.\nHierauf wurde Schiida abgebrochen mit Se-\nbasfianischen Abbruchsmaschinen in acht Tagen.\nUnd vier Wochen später stand das Aeussere des\ngrossen Lebenstempels fix und fertig dort — wo\neinstmals Schiida stand.\nXCVIII\nDie Asketea\nDas straffe Regiment der Priester hatte nun aus\nden Utopianern im Handumdreheen ein ausserordentlich\nernstes Volk gemacht, sodass die Schildbürger nicht\nüberall sehr freundlich aufgenommen wurden.\nDa liess der Kaiser ein grosses Rundschreiben\nanfertigen, in dem zum Schluss zu lesen stand:\n»Die Askese ist nur zur Erzeugung der grösseren\nLebensfreude da, die nicht identisch ist, mit dem, was\nwir sonst Lebensgenußs nennen. Diese grössere Lebens-\nfreude können wir Menschen aber vorläufig noch nicht\nin einem fort vertragen, sodass es gut scheint, den\nharmlosen Spass nicht zu heftig zu verdammen, wenn\ner nur eine kleine Erholung sein will. Die Schild-\nbürger sind in Utopia auch nur eine kleine Erholung.\"\n„Aber Herr Kaiser,\" rief da die ganze Literatur-\nzentrale, „was verstehn Sie denn unter einer kleinen\nErholung?\"\nDer Kaiser ärgerte sich über diese kühne An-\nrempelung und beschloss, sich dafür zu rächen.\nEr liess feierlich sagen:\n„Eine kleine Erholung ist es zum Beispiel, wenn\ndas Frühlingsfest in diesem Jahre ganz still ohne\nFestlichkeit gefeiert wird und zwar so, dass jeder\nUtopianer drei Tage nicht seine Wohnung verlässt.\nDie Priesterschaft ist einverstanden.\"\nDa safte die Literaturzentrale:\n„Der Kaiser bekommt einen bösartigen Humor\nWir wollen zu den Schildbürgern liebenswürdig sein.\"\nUnd man wars.\nXCIX\nPhilanders Testament\nAm dritten Tage des Frühlingsfestes liess der\nKaiser Philander seine Priester kommen und sprach\n*u ihnen:\n„Zur Erinnerung an dieses stille Frühlingsfest\nmöchte ich einen geheimen Orden gründen — den\nOrden der Bartmänner! In ihn sollen die Oberpriester\nnur diejenigen Herren aufnehmen, die sich durch\ngrosse diplomatische Geschicklichkeit auszeichnen —\nund diese Geschicklichkeit sollen sie dazu gebrauchen,\ndie Schaffenden — als da sind: Erfinder, Dichter,\nKünstler, Gelehrte undsoweiter — gelegentlich durch kleine\nNadelstiche empfindlich zu reizen — damit mir die Ge-\nsellschaft nicht wieder schlapp wird. Ich vermache\ndem Orden neun Zehntel meines Vermögens; meine\nFrau ist damit einverstanden.\"\nMan war etwas verblüfft — aber die Sache wurde\nnatürlich von Schamawi ganz ernstlich in die Wege\ngeleitet.\n„Hm,\" sagte nachher der Kaiser, als er mit\nSchamawi allein war, „vor dreitausend Jahren, als\ndie Kultur des wilden Westens noch dominierte, da\nbrauchte man den Orden der Bartmänner noch\nnicht — da wurden dem Schaffenden ganz von selbst\nso wiele Unannehmlichkeiten in den Weg geworfen,\ndass er für Anregung nicht weiter zu sorgen hatte.\nAber heute gehts uns zu gut; die Gerechtigkeits-\nund die Bequemlichkeitsliebe sind bei uns so weit aus-\ngebildet, dass der Natur die natürlichen Sporen fehlen\ndie müssen wir ersetzen; der Lebenstempel muss die\nBartmännner ganz besonders raffiniert ausbilden.\"\n„Das werden wir schon besorgen!\" erklärte der\nOberpriester Schamawi.\nDa zog der Kaiser die Schnupftabaksdose, die der\nHerr Citronenthal so genau beschrieben hatte, aus\nder Westentasche heraus und bot seinem Oheim, dem\nOberpriester Schamawi, eine Prise Schnupftabak an\nund nahm selber ebenfalls eine.\nDa musste jeder der beiden Herren drei Mal niesen.\nIn ganz Utopia war es aber so still, wie in einer\nKirche.\nDer Kaiser lächelte.\nAuch der schwarze See lag in der Tiefe ganz still.\n„Wir wollen zu meiner Frau gehen!\" sagte der\nKaiser.\nUnd sie gingen zur Frau Cäcilie, während der\nKaiser in Gedanken immer noch seine alte Schnupf-\ntabaksdose m der linke Hand hielt\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "488", "page_fin": "488", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.7", "titre_corps": "Traum", "titre_sommaire": "Traum", "signature_source": "Olga Schneider", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "488", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.6", "debut_caractere": 4149, "fin_caractere_exclue": 6702, "texte": "Traum\nVon Olga Schneider\nIch bin zum Tode verurteilt. Weshalb\nund durch wen, weiss ich nicht. Am Dienstag soll\nich sterben. Da sagt der Papa, ich soll eine Rede\nverfassen, und diesen oder jenen Punkt zur Milderung\nmeiner Handlungsweise anführen, dann wird mich der\nKaiser begnadigen. Und ich setz mich und schreib\nund schreib und rede zu mir in lauter juristisch-latei-\nnischen Ausdrücken und mit einem Mal steh ich in\neinem Hörsaal oben auf der Kanzel, habe eine\nschwarze Kutte an und halte einen Vortrag über höhere\nMathematik und entwickle eine Beredsamkeit, ein Können\nund Wissen auf diesem Gebiet, dazu spreche ich in\neiner mir völlig fremden Sprache so fliessend und\nüberzeugend, dass alle Leute mir zujubeln, wie toll\napplaudieren, mit den Füssen strampein und ich mich\nimmer wieder verbeugen muss. Und der Papa sagt:\n„So, ich hab bewirkt, dass Du noch eine Woche\nBedenkzeit bekommst.\" — Und ich sitze in der\nelektrischen Strassenbahn, da steht ein Herr mir\ngegenüber auf, verbeugt sich und fordert mich zum\nTanzen auf, und wir tanzen im engen Raum der\nElektrischen, die Leute pfeifen einen Walzer dazu, geben\nmit den Füssen den Takt und der Kondukteur ärgert\nsich und sagt immer: „Das Spucken und Rauchen ist\nhier verboten —\". Plötzlich geht die Türe auf, wir\ntanzen auf die vordere Plattform hinaus, stehen auf\neinmal oben auf den Drähten der elektrischen Leitung\n— die Funken sprühen grün und blau in unsere Kör-\nper über — ich will immer nach den Drähten fassen\n— und sause mit dem Freilauf einen Berg hinunter —\nverliere das Pedal — und der Freilauf saust, dass der\nStaub in Wolken auffliegt, mich einhüllt, ich nichts sehe,\nnichts, nichts — und da fällt mir ein, ich muss dem\nOtto einen Brief schreiben und zur Maria-Antoinette\ngehen, damit sie mich begnadigt — und fahre die\nsteile Strasse zur Maria-Plainanhöhe in Salzburg hin-\nauf — es ist furchtbar heiss — ich schwitze und\nschwitze — ärgere mich furchtbar, dass man sich mit\nfrischgewaschenen Haaren absolut keine anständige\nFrisur machen kann und nehme das Rad auf die\nSchultern, trag es den steilen Berg hinauf bis zum\nGipfel und da steht ein Säulentempel, wie die Akro-\npolis herrlich, ich setze mich auf einen Stein, lehne\nmich an eine Säule — und da sind meine Bergschuhe\nvoll Schnee und so schwer, als hätte ich Eisen drin —\nund schaue mir die Aussicht an, es ist aber nicht\nSalzburg, das vor mir liegt, ich sehe mit einmal nichts\nals so schmutziggelbe, braunrot abgegriffene Steine,\nwie in einem Baukasten und denke mir: „Wieder ein\nverschwendeter Tag, aber im Freien verlebt!\"\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "488", "page_fin": "488", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.8", "titre_corps": "Bekannte", "titre_sommaire": "Bekannte", "signature_source": "Arthur Kronfeld", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "488", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.6", "debut_caractere": 6704, "fin_caractere_exclue": 7323, "texte": "Bekannte\nArthur Kronfeld\nDer fettig Lächelnde aus Oesterreich\nReicht zu jovialem Grusse mir die Hand.\nFranziska lehnt zerrissen an der Wand ;\nHassblitzend mustert sie und geil und bleich\nMich und den fettigen Herrn aus Oesterreich.\nEr stellt uns beide vor, und formgewandt\nVerzieht er sich. Ich bin korrekt-galant,\nSie fassungslos. Ich werde plötzlich weich\nUnd sage leise: Zartes junges Tier,\nHast Du denn Angst ? und Ekel ? Zieht Dich\nnicht\nUnter der Schwelle rassig fahle Gier\nDennoch hinüber in das heisse Licht?\nDu schriebst mir . . . und doch Ekel? und\nvor mir ?\n—- Sie senkt die Lider. 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Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ..Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fordernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7,20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. 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Ankenbrand-\nViele andere Vergiinstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich-\nJahresbeitrag Mk. 5, Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fiir Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "489", "page_fin": "489", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "489", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 189, "texte": "Neue Sezession\nDritte Ausstellung\naaaas aaaas sbs aaaslßS\nGalerie Maximilian IRacb!\n3BBBS SS3BSS 3BBS 3BBS SSBS 38881 38BS§\nBerlin SI. 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Ihr\nVerbandsblatt („das intimste Blatt\nder deutschen Pressed setzt sich\nfast ausschliesslich aus Briefen,\nSkizzen, Meinungsausserungen.\nSchilderungen von Erlebnissen usw.\nder Mitglieder zusammen und bie-\ntet Gelegenheit zu sc hriftstel-\nlerischer Betatigung. Jeder\nBeitrag wird honoriert! Jahres-\nsteuer Mk. 5,50. Prospekt durch\ndie Geschaftsstelle der Deut-\nschen Briefgesellschaft, Naun-\nhof-Leipzig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 1906, "fin_caractere_exclue": 2483, "texte": "Kurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlln-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. AlexanderpL)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, grofie,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 2485, "fin_caractere_exclue": 3761, "texte": "•SSfESt. Friadr. Blester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) Grund-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebtings-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c019", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 3763, "fin_caractere_exclue": 4029, "texte": "m\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist an der\nHeeresstrasse. 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Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—68 . • Telephon I 7497"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c020", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 4031, "fin_caractere_exclue": 4581, "texte": "WABIIIMim\nMonatsschrift fiir Soziologie,\nGeschichte, Kunst :::\n::: und Literatur\nGegriind. von PAUL CORNU\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nHENRI BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles - Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymond Darsiles u. a m.\nJahresbezug fiirs Ausland :\n4,80 Mk. (Luxusausg. 9,60 Mk.)\nProbeheft gegen Einsendung\n::: von 50 Pfennig :::\nVerlag und Redaktion:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 4583, "fin_caractere_exclue": 4848, "texte": "L' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur und\nfranzosische Sezession in\nden Kunsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter :\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich w"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 4850, "fin_caractere_exclue": 5508, "texte": "Der Buhnen-Roland\nDas freie Wort des deutschen\nSchauspielers\n— Des BUhnen-Boten zwSlfter Jahrgang —\nDer Buhnen-Roland bringt Aufsatze der bekanntesten Fach'ieute\nfiber samtliche Gebiete der Theaterkultur und verfolgt die modernen\nlitterarischen und kiinstlerischen Bewegungen. Die Soziale Beilage\ntritt fur die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-Inserate die Zeile 10 Pf., fiir Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einer\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktion: Berlin N 37 Lottumstrasse 14 iij ' i"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 5510, "fin_caractere_exclue": 5571, "texte": "Weinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-04-29-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-04-29_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-04-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "490", "page_fin": "490", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "debut_caractere": 5573, "fin_caractere_exclue": 5807, "texte": "■ I\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. 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P.: Materialtäuschung / MAX BROD: Die\nVolksversammlung / KURT HILLER: Der Relativismus in der Rechtsphilosophie und seine Ueberwindung durch die Restitation des Willens / PAUL SCHEERBART: Der\nKaiser von Utopia / OLGA SCHNEIDER: Traum / ARTHUR KRONFELD: Bekannte / E. L. KIRCHNER: Panamagirls / Zeichnung\n\nPanamagirls / Zeichnung von E. L. Kirchner"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "484", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.2", "texte": "Zeitgeschichte\n\nDie Kunst am Montag\nDer Mensch fröhnt am Sonntag der Lust des Leibes.\nNichts ist natürlicher, ais dass am Montag das schwache\nFleisch den willigsten Geist findet, sich künstlerisch aus-\nzuleben. Zu diesem Zweck sind unter anderem die\nMontagszeitungen erfunden worden. Sie erscheinen\nnach den allerhöchsten Feiertagen Dienstags und\nnehmen als Organ des Publikums auf den verdoppelten\nSchwächezustand Rücksicht. Am Dienstag nach Ostern\nsind tatsächlich alle bösen Geister auferstanden. Das\nBerliner Tageblatt mit seinen englischen Heerscharen\ngeriet total ausser sich. Herr Matthias verbreitet sich\nauf der ersten Seite über Schülerselbstmorde, beklagt,\ndass die „deutschen Jungens nicht mehr in der Lage\nsind, Quantitäten Bieres zu vertilgen und aus gesund-\nheitswidrigen Pfeifen energisch rauchen zu können.\"\nIhnen fehlt die Dickfelligkeit. Der Autor bittet für\ndieses Wort höflichst um Entschuldigung, das heisst der\nHerr Matthias. Ja, sagt er, die Schule ist reich an\nverweichlichten Schwächlingen. „Und diese Schwäch-\nlinge werden noch obendrein von ungesunder Lektüre\npessimistischer Art so ungünstig beeinflusst, dass ihnen\nder Wille zum Leben, zum geistig-gesunden Leben,\nund die Kraft, sentimentale und melancholische Regungen\nniederzukämpfen allmählich gänzlich verloren geht\"\nFreilicn, wenn die Schüler das Berliner Tageblatt lesen,\nwerden sie kaum noch die Kraft aufbringen, sentimentale\nund melancholische Regungen niederzukämpfen. Aber\ndas geistig-gesunde Leben schäumt nur so unter dem\nDoppelstrich. Da finden sie gleich auf der ersten Seite\neine Satire des Herrn Karl Ettlinger zu München.\nHerr Ettlinger ist kolossal witzig, fast noch witziger\nals der Bruder Joseph, der aus der Literatur wieder\nso herausschallt wie niemand hineingerufen hat. Herr\nKarl Ettlinger, der Satiriker, verspottet die v/estlichen\nDamen, die auf dem östlichen Diwan Romane nur\noberflächlich lesen. Diese Damen sollen nach Herrn\nEttlinger über Bücher sprechen, von denen sie nur den\nAnfang, das Ende und einige Seiten aus der Mitte\ngelesen haben. Die Seite eins eines Romans beginnt\nso : „Ein herrlicher Frühlingstag lag über dem kleinen\nGärtchen. Die ersten Veilchen blühten und sandten\nihren feinen Duft\" Der Roman schliesst: „Richard\naber schlang seinen nervigen Arm um Agathens schlanke\nTaille . . .\" Der Herr Ettlinger tut den Damen un-\nrecht Wie glücklich wäre man, wenn sie solche\nRomane tatsächlich nicht lesen würden. Aber wenn\nsie so anfangen und so enden, Herrn Ettlinger, werden\nsie verschlungen. Geschieht es nicht, so sollte man\nsie zur Belohnung für ewige Zeiten von der Verpflich-\ntung entbinden, die Gedichte Karlchens und das\nliterarische Echo des Bruder Josefs zu lesen und\nSatiren über sich zu dulden.\nAuf der zweiten Seite dieser Feiernummer geht es\nauch recht lebhaff zu. Herr Dr. Graf Franz Matuschka\nbricht über dem Strich die bewährte Lanze für Karl\nSchönherrs Glaube und Heimat. Die bewährte Lanze\nrennt er dem „Antikulturriesen, dem ultramontanen\nKlerikalismus\" in den Bauch Schönherr soll ihm als\nKämpe helfen „Licht zu verbreiten und die Gemüter\naufzurütteln.\" Wenn der Graf mit dem Dichter geht,\nwerden ihn die beiden schon zwingen. Und unter\ndem Strich tritt der Goethebund (bekanntlich der Herr\nSudermann) mannhaft für gute Literatur ein. Jede\ndeutsche Volksbücherei sollte sich schämen, nicht die\nWerke von Sudermann, Dreyer, Herzog und Presber\nzu besitzen. Auch die „Nationalbühne\" steht wieder\neinmal in Aussicht\nAuf der nächsten Spalte wird die melodramatische\nBearbeitung des Uhlandschen Gedichtes Das Schloss\nam Meer von Richard Strauss angezeigt Herr 1s findet\ndie Gattung zwar anfechtbar, aber sieht doch die\n„Faktur des Meisters in jedem Takt\". Man sollte von\neiner Klaue nicht immer auf einen Löwen schliessen.\nUnd endlich, endlich, offenbart sich der Geist der\nZeit, nein, offenbart der Zeitgeist vertreten durch\nFritz Engel einen neuen Dichter. Herr Engel muss\nauch mal was entdecken. Herr Engel hat einen Brief\nbekommen aus einem Dorf im Kreise Neustettin. Von\neinem Dorfschneider. Und dieser Dorfschneider ist ein\nDichter. Zwar weiss Herr Engel, dass „selbst aus\nkarger Ackerkrume seltene Blumen erwachsen können.\"\nBerliner Redakteure sollten sich nicht auf die Botanik\nverlegen. Mir haben Kenner bestätigt, dass die Natur\nnicht so ohne weiteres Orchideen aus unserer pommer-\nsehen Erde spriessen lässt, aber in Berlin treibt sie\nBlüten, dass man seine gute Mark garnicht wiederer-\nkennt. Bei Herrn Engel offenbaren sich sogar auf dem\nFelde Geheimnisse, und Quellen dringen hervor,\ndie Herr Engel sicher mit der Wünschelrute ge-\nfunden hat. Aber dieser Naturdorfschneider ist ein\nPhänomen, nicht etwa eine „Naturbegabung\" wie\nman aus der Ackerkrume schliessen könnte, sondern\neine „literarische Begabung.\" So erklärt Herr Engel\nEr lässt sich den Dorfschneider nach Berlin kommen.\nDer Mann erscheint auf der Redaktion, „ein wenig\nerregt\" (Berliner Tageblatt,; Redaktion, Presse, vastehste!).\nDer Mann verrät nicht nur ein Streben nach Eleganz,\ner hat „sogar einen flotten Schnurrbart\" und fühlt den\nWunsch, sich „gebildet auszudrücken\". Er kann sich\nHerrn Engel gegenüber doch keine Blosse geben 1\nHerr Engel „erlebt die merkwürdige Stunde seines\nLebens\". Der Schneider offenbar nicht. Herr Engel findet\neine Erklärung dieser literarischen Schneiderbegabung\nin der Tatsache, „vielleicht\" in der Tatsache, dass Herr\nWittstock, so heisst das neuste Genie, „früher nicht\nganz taktfest auf der Brust war.\" Herr Engel wird\nnicht seine seine Kameliendame kennen. Der Schneider\nhat Wilhelm Teil, die Heimat und sämtliche Werke von\nFrenssen gelesen. Sonst nichts. (In Pommern\nbraucht sich also der Goethebund nicht mehr bemühen).\nAber Herrn Engel geht noch immer nicht das Licht\nüber die literarische Begabung auf. Das ist auch\nnicht so einfach, wenn man einem eleganten Pommern\nin traulicher Dämmerstunde gegenübersitzt. Aber der\nSchneider kennt Heinrich Heine nicht. Furchtbarer\nGedanke. Herr Engel hat daher sofort die Empfindung,\ndass der Dichter heute noch „halbblind und halbtaub ist.\nAber stumm, oder nur halbstumm ist er nicht.\" Auch\nHerr Engel kann den Mund noch nicht halten, redet\nnoch von der Wüste und den Fruchtgefilden und dem Lenz\nund den kahlen Aesten und den jungen grünen\nBlättern und den lebenshunyrigen Blüten, kurz nur von\nBotanik. Und das Allerschlimmste, sozusagen das\nHalbblinde: Herr Wittstock weiss nicht einmal, was das\nWort Metrik bedeutet! Und trotzdem kann er dichten.\nJa, die Natur ist unerschöpflich. Sie treibt Orchideen\nin Pommern und Fruchtgefilde in Berlin, Quellen\nspringen aus der Jerusalemer Strasse, Herr Engel kennt\nHeinrich Heine und das Wort Metrik, und der Herr\nWittstock, die unnatürliche Literaturbegabung dichtet also:\nIn nebelgrauen weiten Fernen\nsucht brennenden Auges ich das Glück.\nIm Staub des Weltalls, auf den Sternen,\nin drängender Nähe im Augenblick.\nIch sucht es immer — allerorten — — —\nIch fand vom Glück nur Widerschein,\nder flimmernd durch die Friedhofspforten\nherüberzittert vom Leichenstein!\nIch lebe noch!\nUnd auch so:\nFühl' noch des Herzens Pochen,\nspür' in den Adern pulsen noch das Blut.\nSchwer drückt das Joch\nund tausendfach zerstochen\nvom Missgeschick, flaggt ab der Mut.\nUnd auch so :\nTraumdunkle Dämmerstunde\nlegt sich wie Schmerz auf die Glieder.\nWühlt in vernarbten Wunden,\nwecket das Schlummernde wieder.\nLängst entschwundene Freuden.\nIch verpfichte mich, Herrn Wittstock sämtliche\nWerke, von Heinrich Heine kostenlos zu übersenden.\nHerr Engel aber hat bis Pfingsten Zeit, einen Schuster\nzu finden, der hoffentlich bei seinen Leisten bleibt.\nAuch Herr Wfalter Turszinsky ist der Ansicht, dass\nnur die Dichter dichten und die Schauseier Komödie\nspielen sollen. Man wird es vielleicht in nicht all-\nzuferner Zeit erleben, Herrn Turszinsky leibhaftig auf\nder Bühne zu sehen Er ist „überzeugt, dass mancher\nDramatiker für den Beruf des Schauspielers viel mehr\nbefähigt ist\" Man wird sich seine Stücke in Zukunft\nversagen müssen, denn nur die Dichter sollen dichten.\nHerr Turszinsky wird vorsichtiger. Man hat ihn über-\nzeugt — wir haben das unsrige getan — dass er ein\nKaufmannsdeutsch schreibt. Aber „ich gebrauche hier\nmit Absicht Worte aus dem kaufmännischen Vokabularium.\"\nEr gibt die Absicht zu, und man ist doch verstimmt. Ja,\ndie bösen Literaten gönnen dem armen Kaufmann\nnicht sein Stückchen Brot, mit dem er womöglich\nnoch Weib und Kin.er ernähren muss. Er findet es\n„unsozial, dass der Professor, der Reichtagsabgeordnete,\nder Börsianer, der Grosskaufmann in ihren Mussestunden\nmit denselben Dingen ein Spiel treiben, mit denen die\nandern ihr Leben machen müssen.\" Gewiss Herr\nTurszinsky hat Recht, das Leben ist schwer. Aber\nwarum soll dem Kleinkaufmann gestattet sein, sein\nLeben mit Dingen zu machen, die dem Künstler das\nSpiel bedeuten. Geschäft ist Geschäft. Man muss\nleben Aber warum hat denn Herr Turszinsky, wie er\nsagt, die Kunst als Lebensaufgabe oder sogar als\nBeruf gewählt? Das ist eben sein Ruin. Dea\nBeruf kann man sich in jeder Branche wählen, aber\nzum Künstler, Herr Turszinsky, muss man berufen sein.\nDer geopferte Gott\nSeit einigen Wochen hat sich eine kleine demo-\nkratische Wochenschrift in zwei Teile gespalten. System\nZauberlehrling. Der eine ist gänzlich literaturrein ge-\nworden, was einen Vorteil für die Demokratie und die\nLiteratur bedeutet. Dafür ist der zweite Teil desto\n„literarischer\". Der He-irausgeber hält Eulenberg, einen\nnicht geschmacklosen Hebbelepigonen, für ein Genie,\npropagiert mässige Lyrik, schwärmt für alles Zeitge-\nnössische und findet es auf jeden Fall bedeutend, wenn\nes nach neunzehnhundert verfasst ist. In Deutschland\nbildet sich immer mehr die Methode heraus, eine Zeit-\nschrift herauszugeben, um sich selber als „Persönlich-\nkeit\" zu fühlen. Solange diese Herrchen für die «n-\n-veräusserlichen Volks- und Menschenrechte eintreten,\nkann man ihnen ihr Vergnügen gönnen Wenn sie aber\neine Aktion für die Literatur unternehmen, bricht der\ngrosse, der panische Schrecken aus. Karl Kraus hat\nes mit dem Demokraten verdorben. Der Herausgeber\nder anderen Hälfte der Wochenschrift geht einfach\nnicht mehr mit. Er erklärt ausdrücklich, dass der Karl\nKraus, den er verehrte, für ihn tot ist. Er hat Karl\nKraus für ein nationales Ereignis erklärt, es ist ihm so\noffenbart er, in relativ kurzer Zeit gelungen, sich zu\neiner Revakation seiner Meinung zu zwingen. Karl\nKraus erkennt die Götter des Demokraten nicht mehr\nan Und nach dem berühmten konfessionellen Muster\nerklärt der halbe Demokrat nun seinen einstigen Gott für\neinen Götzen Wenn er wüsste, wie wohl es den\nGöttern ist, sobald ihnen schlechte Opfergerüche er-\nspart bleiben. Die Götter sorgen selbst für ihre Opfer\nmit starker Hand. Sie sind nicht auf demokratische\nGnade angewiesen. Sie wünschen keine Gemeinde,\nSie danken für eine Aktion. Man lebt noch nicht,\nwenn man totsagt und eine „Meinung\" hat\nDer Posener Dürerbündler\n„Was will das Gedicht sagen? Was will es be-\ndeuten ? Tag und Nacht verfolgt mich der brennende\nGedanke, lässt mir die unablässige ruhelose Frage\nkeine Ruhe\". Sein Herz ist schwer. Was will es be-\ndeuten, dass er so traurig ist ? Ein Gedicht aus dem\nSturm kommt ihm nicht aus den Sinn. „Auf ver-\nschiedenen Redaktionen habe ich schon um Auskunft\ngebeten, aber niemand kann mich belehren\". Wie kann\nder Mann auch so naiv sein, sich bei Redaktionen\nüber Lyrik informieren zu wollen. Ich möchte dem\nDürerbündler, der der Poseiaer Zeitung seinen Schmerz\nklagt, gern seine Nachtruhe wiedergeben. Er wende\nsich vertrauensvoll an mich. Vielleicht kann dem Mann\ngeholfen werden.\nSezession\nVorbericht\nAuch über die Sezession wird noch immer von\nder „grossen\" Presse geschimpft. Ein gutes Zeichen,\nwenn soetwas noch bei der zweiundzwanzigsten Aus-\nstellung geschieht Die meiste Aufregung erzielten die\nExpressionisten. Herr Donath hat folgendes über sie\nzu sagen:\nIch möchte nur kurz noch den jüngsten\nfranzösischen Import erwähnen: die Ex-\npressionisten Henry Manguin, Jean Puy\nund Konsorten. Was jene mit ihrem rohen»\nGeklexe wollen, das mögen ja die „neusten\nZiele französischer Malerei sein; was sie aber\nausdrücken, ist nichts weiter als Unfähigkeit-\nIch brauche den Leser des Sturms wohl nicht zu-\nversichern, dass diese Behauptung Blödsinn ist. Maas\nkann den Berliner Kunstkritikern nicht ausreden —\nsie zu überzeugen bleibt ganz unmöglich — dass die\nMaler nicht die Verpflichtung haben, von den Herren\ngesehene Bilder nochmals zu malen. Für diese Zwecke\nsorgt ja übrigens die grosse Berliner Kunstausstellung\nusgibig. Ueber die Expressionisten wird hier noch"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "485", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.3", "texte": "ausführlich gesprochen werden. Es seien vorläufig die\nNamen Henri Manguin, Pablo Picasso, Othon Friesz\nund Kees van Dongen genannt. Von Honore Daumier,\nJulius Pascin und Ferdinand Hodler sind wundervolle\nBilder ausgestellt. Die eigentliche Sezessionisten halten\nihr übliches Niveau. Der langweilige Oberländer wird\ndiesmal sehr amüsant durch Emil Pottner (Badende\nEnten) und Adolf Eduard Herstein (Ziegenstall) ersetzt.\nDie stärkste Individualität unter den den Bildhauern ist\nErnst Barlach\nTrust\nMaterialtäuschung\nVVie die Zeitungen berichten, ist auf der Grossen\nBerliner Kunstaustellung 1911 eine grosse Austeilung\nfür monumentale Malerei in Vorbereitung. Es\nwird geplant, die Kartons und grossen Entwürfe nicht\nwie früher in Rahmungen an die Wand zu' hängen,\nsondern es soll „in eigenartiger Weise dafür gesorgt\nwerden\", dass die Täuschung hervorgerufen wird, als\nob diese direkt auf die Wand gemalt seien. Also\nein Wiederaufleben der monumentalen Malerei im Zeichen\ndes unlauteren Wettbewerbes. Zugleich ein Beispiel für\ndie Fälschung der Arbeitstechnik\n\nH. P.\n\nDie Volksversammlung\nVon Max Brod\nElftes Kapitel des Romans „Jüdinnen\", der demnächst\nim Verlag Axel Juncker erscheint\nDie Versammlung fand in Schönau statt, zwei\nTage ehe Hugo abreiste. Nussbaum hatte das Thema,\nnach vielen Beratungen mit Irene geändert, und sprach\nüber „Nationale und konfessionelle Duldsamkeit\". An-\nschliessend sollte sein Freund Pitroff über „Russische\nZustände\" referieren. Ais Einberufer zeichneten ein\nVolksbüdungsverein und ein freisinniger Arbeiterverein . . .\nLange vor Beginn war der Saal gedrängt voll, Zigaren-\nrauch stieg die grünen Wände empor, man speiste an\nden fischen, zwischen denen Kellnerinnen mit weissen\nSchürzen, an der Seite grosse Ledertaschen, herum-\nliefen, jede eine Traube zahlloser Bierkrüge an der\nHand. Bald kamen neue Leute, verstellten die Türen\nund die Gänge zwischen den Tischen, mussten jeden\nAugenblick ersucht werden zur Seite zu treten, und\nströmten nun wie auf einem Korso hin und her. Nur\nein fisch in der ersten Reihe war für das Komitee\nfrei geblieben. Und es erregte allgemeines Aufsehen,\nals Irene am Arm Nussbaums, hinter ihnen Kamilla\nKapper mit Pitroff, in auffallenden Kleidern herein-\nrauschten und von den beiden Vortragenden galant an\nden reservierten Tisch geleitet wurden. Es wurde ein\nMoment fast ruhig, nur ein Summen blieb statt\ndes lauten Geschreis. Hugo glaubte, sein Herz bleibe\nstille stehn.\nEr hatte mit Alfred unter einer seitlichen Galerie\nFuss gefasst, von wo aus man wohl hören, aber wenig\nsehen konnte. Zwischen Köpfen und Rücken durch\nbot sich ein wechselnder, immer wieder anders be-\ngrenzter Anblick auf das Podium, wo an einem Tisch\nmehrere Herren Platz genommen hatten und in die\nVersammlung schauten. Wollte man einen bestimmten\nins Auge fassen, so musste man beständig mit dem\nKopfe hin und herrücken, je nachdem sich in den\nVorderreihn irgend eine Gestalt bewegte; und es\nmachte auf Hugo den Eindruck, dass durch diese\nmühevolle Arbeit erst die schwüle Hitze entstehe, die\nim Saale lagerte. Denn er sah alle Köpfe hin und\nherwackeln, einen vom anderen behindert, und alle\nNacken schwitzten schon in diesem beständigen Pendeln,\nalle Taschentücher fuhren schon an die Nacken und\nan die Glatzen . . .\nAuf dem Podiumtisch hatte der Regierungsbeamte\nseine Kappe gelegt, steil und streng wie diese lag,\nsass er selbst da, der einzige Mensch im Saal ohne\ninnere Regung. Die Ausschussmitglieder neben ihm\nbeachteten ihn nicht . . . Endlich trat Nussbaum auf.\nIrgendwo vorn gab maa des Zeichen zum Applaus.\nIrene? . . . Nussbaum dankte schon. Da erst ap-\nplaudierten mehrere ... Er ergriff einen Sessel,\nstützte sich auf ihn, zog ihn an sich, so dass nur die\nbeiden Hinterbeine standen, und hinter dieser Ver-\nschanzung, die er bald hob, bald senkte je nachdem\ner den Zuhörern sich nähern oder entfernen wollte,\nbegann er eindringlich leise zu sprechen. Hugo musste\ndas geschickt finden. Doch konnte er es nicht über\nsich bringen zuzuhören ... Er sah im Saal umher,\nnur um Irenens Gegenwart zu vergessen. Auf weissen\nPilastern, die die grüne Wand gegenüber teilten,\nstanden hoch oben und nur infolge ihrer bekannten\ncharakteristischen Gestalt kenntlich zwei Büsten: Der\nKaiser und die Kaiserin. Von je drei Gaslampions,\ndie in ein Bündel vereinigt hingen, war nur einer an-\ngezündet; Offenbar war der Saal ein Tanzsaal, seinem\nganzen Aussehn nach, und offenbar zählte er auch\nTanzfeste eher zu seinen Ruhmestagen als diese Ver-\nsammlung. Auf dem Podium in der Nische spielte\nwohl sonst das Orchester . . . Ein Schrei weckte\nHugo. Neben ihm, in der leeren Gaierie, trampelte\narglos ein kleines dickes Mäderl, das Töchterlein des\nWirts vielleicht. Erschreckte Kellner stürzten darauf\nlos, beförderten es hinaus. Einige Frauen sahn wohl-\nwollend auf das gesunde Kind, alles andere vergessend.\nDie Menge war über die Störung entrüstet Man\nhörte „Pst\" und „Ruhe\" Hugo selbst entdeckte ein\nböses Gefühl in sich: Mochte es auch nur ein wenig\ngestört haben, es freute ihn, gewiss war Nussbaum\num eine Pointe gekommen .. . Der aber liess sich\nnicht entmutigen, am wenigsten durch so einen lächer-\nlich kleinen Zwischenfall. Jetzt war er in Feuer ge-\nkommen. Er baute parallele Sätze, die minutenlang\nhintereinander mit: „Sie haben — Sie haben — Sie\nhaben\" anfingen, einer den anderen überbietend. Hugo\nfand ihn eintönig, auf den Sinn konnte er seine Auf-\nmerksamkeit gar nicht einstellen. Und was machte\nIrene indessen ? Bei jedem Lächeln, das Nussbaum\ngefällig die Rinne seines Bartes hinab ins Publikum\nschickte, glaubte Hugo, es gelte speziell dem reser-\nvierten Tisch vor ihm und namentlich dieser Irene,\ndieser . . . Und ihr Bruder stand neben ihm. Was\nsollte man da machen? Ihn erschlagen? Freundlich\nzu ihm reden? Etwas musste geschehn und Hugo\nempfand es segensreich, das wenigstens dieser Bruder\nda war, das Blut dieser Frau, die ihn heute mehr er-\nregte als jemals. Ja in einem Moment, da er sich\nvorstellte, auch dieser Bruder sei nicht neben, ihm man\nhabe ihn also ganz allein ' gelassen, war er einem\nSchwindelanfalle nahe . . indessen wurde Nussbaum\nvon Beifallssalven unterbrochen Was hatte er gesagt?\nLnmöglich, das zu erforschen, unmöglich, zuzuhören\nüberhaupt, so wenig interessierte es ihn. Nur der\nBeifall lenkte ihn von Zeit zur Zeit aus seinen wüten-\nden Gedanken auf die Rede Und Alfred hörte zu.\nWarum hörte er zu? . . Der Redner sagte: „Ich\nkomme zum Schuss.\" Alles atmet, horcht ge-\nspannter auf, auch Hugo konnte sich der all-\ngemeinen Wallung nicht entziehn, wenn er auch nicht\nhinhorchte, wandte er sich doch wenigstens genauer\nin die Richtung, woher die Stimme kam. Doch war\ndas nur ein Trick gewesen, um die Zuhörer zu er-\nmuntern. Unvermindert redete Nussbaum weiter, ja er\ngebrauchte sogar diesen Trick noch einmal, und wieder\nwurde alles mäuschenstill. Wahrscheinlich ist das ein\ngebräuchlicher Trick aller Volksredner, dachte Hugo . .\nManchmal wieder steigerte Hugo seine Stimme, schrie\nso, dass man ihn im Finale glaubte, gab rückhaltslos\nalles her, was noch in ihm war. Ein Beifallssturm\nwar der Lohn. Er benützte ihn, um auszuruhn, und\nder Pause, wenn der Lärm abflaute, setzte er mit ganz\nleiser Stimme wieder ein, sparend bis zum nächsten\nHöhepunkt ... Er hatte klug die wirkungsvollen\nStellen zerteilt, er erzählte Anekdoten, er wusste Ernst\nund Humor abzuwechseln. Das Publikum folgte ihm\ngespannt, ging auf jede Wendung ein. Man unter-\nbrach ihn mit Zwischenrufen der Zustimmung, gruppen-\nweise. Das fiel wenig auf, das schien so im gewöhn-\nlichen Lauf der Dinge zu liegen. Manchmal aber war\nein einzelner so weit hingerissen, das er eine rehto-\nrische Frage beantwortete. „Wollen sie etwa . .\nfragte Nussbaum, angstvoll und voll Entrüstung, und\neilte schon weiter. „Nein,\" rief jemand entschlossen.\nMan kicherte, aber doch nur, um im nächsten Moment\nden Redner um so stärker zu bewundern. Jetzt\napostrophierte er die Studenten: „Nur deshalb ge-\nmessen Sie ja eine ausgezeichnete Stellung in der\nBevölkerung, damit Sie die Schätze der Kultur em-\npfangen und weiter verteilen . ..\" „Bravo\" schrie\nein besonders Bildungsbedürftiger, laut und schmerz-\nlich . . .\n„Nun, fühlen Sie sich geehrt, als Student?\" wandte\nsich Hugo an Alfred.\n„Ich höre gar nicht zu. Ich denke an etwas\nganz anderes.\"\n„Sie auch . . . Was denn?\"\n„Wann spricht eigentlich dieser Pitroff?\" Alfred\nlugte im Saal umher, jetzt erst bemerkte Hugo, wie\naufgeregt er war.\n„Ich weiss nicht ... So eine Versammlung ist\ndoch schrecklich langweilig .. . Das einzig hübsche\nhier sind doch noch die Damen.\"\n„So so\" überlegen-schalkhaft drohte Alfred mit\ndem Finger. „Mir scheint, Sie sind ein kleiner Frauen-\nliebhaber, was . . .\"\n„Ja, ich liebe die Frauen\" sagte Hugo und wandte\nder Versammlung den Rücken Hier in der Galerie\nkonnten sie ungestört reden und Hugo hatte das\nheftigste Bedürfniss seine innere Spannung durch\nirgend eine Gemütserregung auszulösen. Also be-\nkannte er gleich alles und brannte darauf, zu reden\nund im Reden sich selbst zu erkennen: „Ja, ja, ich\ngestehe es, ohne Frauen könnte ich nicht leben. Das\nLeben erschiene mir wertlos und iichtlos ohne sie . ..\nSchauen Sie, — schauen Sie, Herr Popper • ich bin\nnicht sinnlich. Aber ich will Liebe, ich will ein Herz\nfür mich haben, eine Frau, die mit mir fühlt, die an\nmich denkt wie an ihren Freund und Bruder, ein\nIdeal der Frau mit einem Wort. Sehn Sie, ich liebe\ndie Frauen. Ich achte die Frau, ich bin, kurz und\ngut, froh und glücklich, dass es Frauen auf der Welt\ngibt. Bas ist das Ganze. Nützen mir die Frauen?\nIch weiss es nicht, darauf kommt es aach gar nicht\nan. Ich bin gar nicht geneigt, diese Frage zu unter-\nsuchen. ich sage nur das eine: Schon dass sie helle\nKleider tragen, dafür bin ich ihnen dankbar . . .\nLachen sie nicht .. . Stellen sie sich doch einmal\nvor, es gebe keine Frauen auf der Weit, wie langweilig\nzum Krepieren wäre das . . . Ich bin glücklich, dass\nes Frauen gibt, das sie mich anschauen und mit mir\nsprechen, das sie anderer Meinung sind als ich und\ngerade in so weiblicher Art und anderer Meinung als\nich. In jeder Beziehung sind Frauen besser und voll-\nkommener als die Männer, das weiss ich und nichts\nweiss ich so fest wie dieses. Das ist die Wurzel\nmeines Lebens. Können sie das so ganz und gar\nnicht begreifen? Ja, ja, Sie haben Recht, ich habe\nso eine Frau, wie ich mir sie denke, noch nie kennen\ngelernt, das gebe ich ohne weiteres zu. Aber ich be-\nhaupte ferner, dass das ganz egal ist, ein durchaus\ngleichgiltiger Umstand . . .\"\nLauter Beifallsjubel erhob sich nebenan, in den\nNussbaum noch das Wort „Fortschritt\" mit höchst-\nerhobener Stimme hinein schrie. Er machte eine\nPause.\nHugo gleichfalls, bis ruhig geworden war.\nDann fuhr er fort: „Mein Ideal lebt so fest in\nmir, diese sanfte gutartige wohltätige Frau, dass es im\nLeben vielleicht garnicht erscheinen kann. Ich halte\nes gleichsam in meinem Innern fest. Vielleicht ist es\nüberdies nur eine Folge meiner geringen Lebens-\nerfahrung, das ich noch nie ein derartiges Mädchen\ngetroffen habe Auch das ist möglich. Aber woher\nnährt es sich den eigentlich, wenn nicht aus dem\nLeben, sage ich mir, dieses Ideal. Ich bin durchaus\nnicht so eingebildet, es für meine Erfindung zu halten,\nmeine Dichtung. Nein, die Sache verhält sich vielmehr\nso: Ich verkehre gern mit Frauen, ich verehre sie und\nimmerfort bemerke ich auch kleine verehrungswürdige\nZüge an ihnen, einmal die hellen lustigen Kleider zum\nBeispiel, einmal eine reizende Bemerkung, eine stille\nGüte. Gut und diese kleinen Züge sickern, fast un-\nbemerkt, in mich hinein und bauen sich zu meinem\nIdeal auf. Wem schulde ich also dieses Ideal? Den\nFrauen. Ich schulde es ihnen, nicht sie mir, wohl-\ngemerkt. Deshalb ziemt es mir auch, demütig mit\nihnen zu reden, nicht zuviel zu verlangen, garnichts\nvielmehr, ihnen zu danken, und gut ist es Und so\ngern tu ich das und so gern bin ich bei ihne«, sehr gern.\nDie Luft schon in ihrer Nähe tut mir wohl. Und ganz\ndunkel wird es mir um den Kopf, wenn ich nur eine\nWeile unter Männern stehe, Kopfschmerzen bekomme\nich . . .\"\n„Jetzt spricht er wirklich nicht schlecht,\" unter-\nbrach ihn Alfred, der sich von dem letzten Applaus a*\nnur noch mit Nussbaum beschäftigt hatte.\nIn diesem Moment erhoben sich alle und schwenkten\ndie Gläser. Von drei Männern wurde Nussbaum im\nTriumph vom Podium geholt. Er war zu Ende.\nMan tonte. Der Tribun lehnte sich mit Würde an\nseine Begleiter, die ihn die Stufen herab mehr trugen\nals führten. Ernst und gefasst blickte er in den\nTumult, ohne auch nur für einen Moment durch ein\nbescheidenes Lächeln die Begeisterung und den Beifall"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "486", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.4", "texte": "zu schwächen .. . Auch Irene hatte sich erhoben,\nsie breitete die Arme weit aus und führte dann lang-\nsam die Hände zusammen, sodass es weithin sichtbar,\nwenn auch vielleicht überhaupt nicht hörbar war.\nHugo drängte sich durch das Gewühle vor. Reichte\nsie dem Kerl nicht einen Lorbeerkranz? Ach nein,\ndas war nur eine Blume. Nur? . . . Schrecklich,\nin diesem Saal mit ihr beisammen zu sein, zwischen\nvier Wänden, und doch ohne den mindesten Zusammen-\nhang. Er schaute an die Wände: Diese Wände also\numfassten sie und ihn, und es nützte nichts . . .\nEndlich stand er, längs der Säulenreihe fortgeschoben,\nihr gegenüber. Er grüsste sie, jetzt erst an diesem\nAbend. Sie dankte durch ein Nicken, kalt und zer-\nstreut. Er fühlte den Boden unter seinen Füssen\nsinken.\nAlfred war ihm nachgefolgt: „Jetzt spricht Pitroff,\nnicht wahr?\"\nEr antwortet nicht, eine leichte Herzschwäche ver-\nspürend.\n„Wo bleibt nun die Bande?\" Unstet sah sich\nAlfred im Saale um, auch er schien etwas zu suchen, zu\nvermissen. „Eine Hetz wird das, wie noch nie! Wenns\nnur gelingt . . .\"\n\nSchluss folgt\n\nDer Relativismus in der\nRechtsphilosophie und\nseine Überwindung durch\ndie Restitution des Willens\nIII\nVon Kurt Hiller\n| Die Rolle des Kriteriums spielt in der praktischen\nPhilosophie der Wille. Deshalb ist es grundsätzlich\nverkehrt, die Frage nach der „Richtigkeit\" eines\nWillensinhaltes aufzuwerfen. Nur dort, wo Vorstel-\nlungen von dem Gefühl des Seins begleitet sind, ist\ndie Frage nach der „Richtigkeit\" ihrer angebracht,\nnicht aber dort, wo sie von dem Gefühl des Sollens\nbegleitet sind. *)\n. . Die Kontroverse zwischen Intellektualismus und\nVoluntarismus ist aus der Psychologie her bekannt;\nda freilich trägt sie das Stigma der Scholastizität:\ndenn welches der „psychologische Grund\", die „eigent-\nliche Quelle\", das „ursprüngliche Prinzip\", die „letzte\nUrsache\" des seelischen Lebens sei, ob die Vorstellung\noder der Wille, — das ist eine Frage, die nicht nur\nunlösbar, sondern bereits mit hervorragendem Unge-\nschick gestellt zu sein scheint; so dass es keiner be-\nsonderen hellseherischen oder hellhörerischen Gabe be-\ndarf, um schon heute das herzliche Gelächter zu ver-\nnehmen, das spätere, pragmatischere Jahrhunderte\nüber diese gleichgiltige Problematik erheben werden.\nAber so belanglos die Antithese für die Psychologie\nsein mag, so wesentlich ist sie für die Ethik.\nUnter den rechtsphilosophischen Schriftstellern\nscheinen mir Radbruch und besonders Somlö Witterung\nhierfür zu haben. Radbruch, in seinem Meisterwerk\n„Einführung in die Rechtswissenschaft\",2) reduziert alle\nStreitfragen de legibus ferendis auf den einen Gegen-\nsatz zwischen individualistischer und überindividualis-\ntischer Staatsauffassung und erklärt sofort, in strah-\nlender Eindeutigkeit: „Dieser Gegensatz der staats-\nphilosophischen Auffassungen heischt von uns nicht\neine Entscheidung, sondern eine Stellungnahme:\nder Verstand und die Wissenschaft muss vor ihm ver-\nstummen, allgemeingiltige Wahrheit gibt es hier nicht,\nnur der durch Selbstbesinnung aus der Tiefe der Per-\nsönlichkeit geschöpfte Wille kann, verschieden von\n1) Vergleichen Sie: Simmel: „Einleitung in die\nMoralwissenschaft\" I, 11\n2) In der Sammlung „Wissenschaft und Bildung\",\nLeipzig 1910\nMensch zu Mensch, die Wahl treffen\".1) Und, das\nKapitel über das Strafrecht einleitend, polemisiert er\ngegen die übliche Fragestellung, welchen Zweck die\nStrafe habe: „Wie von der Welt im ganzen, wie von\nallem, was nicht Menschen zweckbewusst geschaffen\nhaben, so gilt auch von der Strafe, dass sie, für die\nmannigfachsten Zweckbestimmungen empfänglich, doch\neinen bestimmten Zweck nicht habe, es sei\ndenn den, den man ihr setzt. Weichen Zweck\nwollen wir der Strafe setzen? - so also lautet\nunsere Frage, die mithin nicht von unserem forschen-\nden Verstände, sondern von unserem zwecksetzenden\nWillen beantwortet werden will.\"2)\nUnd Somlö3) äussert: „Die Massstäbe zur Be-\nwertung des Rechts werden nicht von der Rechts-\nphilosophie gedankenmässig produziert, sie sind be-\nreits vor aller Rechtsphilosophie gefühls-\nmässig da und wollen auch seitens einer Rechts-\nphilosophie nur angewendet werden.\"\nSomlö's geistvoller Versuch nun, dem Relativismus\nzu entrinnen, verlangt eine besondere Besprechung.\nNach trefflicher Widerlegung des Positivismus und\ndes kanonischen Objektivismus stellt Somlö fest, kraft\nsympathischen Funktionierens seines intellektualen Ge-\nwissens, dass wir zu der prinzipiellen Möglichkeit so\nvieler verschiedener Inhalte von Richtigkeitsgefühlen\ngelangen müssen, als es Menschen gibt. „Denn die\netwaigen tatsächlichen Uebereinstimmungen der be-\nzüglichen Inhalte müssten von diesem Gesichtspunkte\naus immer als etwas rein Zufälliges, prinzipiell nicht\nin Betracht Kommendes angesehen werden ... Es\nliesse sich demnach keine einzige sittliche Norm\ndenken, welche zu leugnen nicht jedermann, ausser\ndem Urheber der Norm, das gute Recht hätte.\" 4) Aus-\ngezeichnet bisher! Nun ist aber Somlö immer noch\ndarauf aus, an das Seinsollende „Massstäbe der Rich-\ntigkeit\" anzulegen; er vermag der kritizistischen Folter-\nbank nicht zu entsagen. So lässt er denn die Resul-\ntate seines erbarmungslos-konsequenten Nachdenkens\nschnöde im Stich, als blosse Ergebnisse einer „Analyse\nder Bewertungen im Individualbewusstsein\", und be-\nhauptet, dass es dergleichen Bewertungen „in der prin-\nzipiellen individuellen Isoliertheit\", wie er sie „vor-\nläufig angenommen\" habe, garnicht gebe; vielmehr\ndrücke die Tatsache eines individuellen Sollensge-\nfühles immer zugleich die Tatsache einer sozialen\nWertung aus. Das individuelle Sollensgefühl\nsei „der Index\" oder „das Segment\" einer überindi-\nviduellen Wertung. Es sei ein Fehlschuss, dass es\nprinzipiell soviel verschiedene Inhalte des Sittlichen\ngeben könne, als es Menschen gibt. „Im Gegenteil\nbezeugt jedes besondere individuelle Sittlichkeitsgefühl\nbereits durch seine Existenz die inhaltliche Ueberein-\nstimmung solcher Gefühle seitens einer Vielheit .. .\nFolglich kann es nicht so viele verschiedene Inhalte\ndes Sittlichen geben, als es Menschen gibt, sondern\nes kann nicht mehr verschiedene Inhalte des Sitt-\nlichen geben, als es solche übereinstimmende Viel-\nheiten gibt.\"\nSoweit diese Auseinandersetzungen phänomenolo-\ngisch sind, sind sie gewiss richtig; es gibt tatsächlich\nnicht so viele Sittlichkeiten, als es Menschen gibt; das\nheisst: es gibt nicht so viele Sittlichkeiten, als es\na priori geben könnte. [Ein neues Beispiel für die\n„Duplizität der Ereignisse\", auch der philosophischen\nEreignisse: dass zu annähernd derselben Zeit, als\nSomlö dies veröffentlicht, Georg Simmel — in seinem\nneuen Buche — eine Lehre vorträgt, nach der es\nausser der individuellen Subjektivität und dem all-\ngemein überzeugenden, logisch-objektiven Denken noch\nein Drittes gibt, nämlich „die Schicht der typischen\nGeistigkeit in uns\" ; es äusserten sich in uns „geistige\nEnergien, deren Betätigungsinhalte nicht subjektiv-indi-\nviduellen Wesens sind, ohne darum doch die Nach-\nzeichnung eines Objektiven, das dem Subjekt gegen-\nüberstünde, zu sein.\"s)] Aber so wahr der Somlö'-\nsche Gedanke als phänomenologisches Apercu ist, so\ngering ist seine normative Bedeutung. Mag immerhin\n„jedes besondere individuelle Sittlichkeitsgefühl bereits\ndurch seine Existenz die inhaltliche Uebereinstimmung\nsolcher Gefühle seitens einer Vielheit bezeugen\", so\nist darum doch keineswegs ein individuelles Sittlichkeits-\ngefühl deshalb richtig, weil es zugleich das Sittlichkeits-\nx) Seite 16\n2) Seite 49\n8) „Massstäbe . . Seite 521\n4) Seite 517/518\n5) Simmel, „Hauptprobleme der Philosophie\",\nSammlung Göschen, 1910, Seite 25/26\ngefühl einer Vielheit ist, und keineswegs dann falsch\nwenn es, was doch denkbar ist, von anderen\ndividuen nicht geteilt wird. Wenn also Somlö, seine\nphänomenologische Bemerkung ins Normative hinüber-\nleitend, definiert: „Sittlich ist, was einer Norm des\nHandelns entspricht, die ich (in Uebereinstimmung mit\neiner Vielheit) als unbedingt richtig fühle\" — so muss\nman doch Protest erheben. Entweder nämlich ist die\n„Uebereinstimmung mit einer Vielheit\" eine mit der\nals unbedingt richtig gefühlten Norm notwendig ver-\nknüpfte Erscheinung (wie Somlö ja behauptet); dann\nist es überflüssig, diese „Uebereinstimmung\" in die De-\nfinition des Sittlichen hineinzunehmen, da es ja Fälle,\nwo Normen ohne diese „Uebereinstimmung\" als unbe-\ndingt richtig gefühlt werden, hiernach nicht gibt! Oder\naber: es gibt solche Fälle; dann ist die „Ueberein-\nstimmung\", wenn sie da ist, keineswegs ein Kriterium\nder Richtigkeit, — und die fehlende keineswegs ein\nBeweis der Falschheit. Vielmehr kann sittlich, das\nheisst seinsollend, durchaus auch das sein, was einer\nNorm des Handelns entspricht, die ich im Gegen-\nsatz zur ganzen Welt als unbedingt richtig\nfühle. (Dass solche Gegensätzlichkeit zur ganzen Welt\nwahrscheinlich nie vorkommt, ist psychologisch sehr\ninteressant, ethisch recht gleichgültig.)\nDiese Auffassung des Wertes als der Geltung bei\neiner Vielheit ist der Sterbeseufzer des Kritizismus; ist\nder letzte (unglückliche) Versuch, etwas jenseits von\nRichtig und Falsch Liegendes „begründen\" zu wollen ...\nSonst steht Somlö hier ganz auf voluntaristischem\nBoden; und sein Aufsatz dürfte daher, wenn nicht das\nScharfsinnigste und Subtilste, so doch das Wichtig-\nste sein, was seit Stammler's Büchern in der Rechts-\nphilosophie geleistet worden ist. „Es gibt keine\nandre Sittlichkeit als irgend eine positive Moral\" :\nwenn ein Denker, der alle vorschriftsmässigen Skepti-\nzismen durchgemacht hat (und das ist bei Somlö er-\nsichtlich), dergleichen äussert, so ist das unzweifelhaft\nneu, imposant, monumental, und scheint mir die end-\ngültige Befreiung ethisch-politischer Spekulation von\nSankt Immanuels Methoden zu gewährleisten.\n„Es gibt keine andre Sittlichkeit als irgend eine\npositive Moral\": freilich muss hier, um der Törichten\nwillen, besondrer Nachdruck gelegt werden auf „irgend\neine\"; damit nicht wer glaubt, die positive Moral\n— etwa die überkommene, kirchlich - staatlich - gesell-\nschaftlich abgestempelte — sei identisch mit Sittlich-\nkeit . . .\nWährend also der Relativist ein legislatives Problem\nunter Zugrundelegung von tausend Moralen tausend-\nfältig „löst\", löst es der Voluntarist eindeutig, unter\nZugrundelegung seiner eigenen. Wem diese fehlt, das\nheisst: wer (wie ich gegen den „Standpunkte\"-Stand-\npunkt von Kantorowicz anführte) lediglich Forscher,\nZweifler, Gewissenhafter des Geistes ist, — der\nmuss völlig Abstand nehmen von der Problematik\ndessen, was sein soll; der muss als Passiver, als\nTheoretiker, als Bloss-Verstehender den Turnieren der\nWollenden zuschauen. Wer aber ein Wollender ist,\neine eigene Moral hat, über Werttafeln verfügt, der\nbaut, wenn er politisch philosophiert, keineswegs seine\nSysteme auf „Vorurteilen\" auf, wie der Relativist; denn\nseine Fundamente sind ja garnicht Urteile, sondern\nW o 11 u n g e n . Der Relativist verlangt, dass man\ndogmatisch angesetzte Werte, die einander wider-\nsprechen, als gleichberechtigt anerkenne; der Volunta-\nrist fragt garnicht danach, ob die Werte (nämlich\nseine Werte) „berechtigt\" seien oder nicht —: er\nsetzt sie einfach an. Daher kann er auch\nnie dogmatisch sein; er behauptet ja nicht, dass seine\nWertungen „richtig\" wären; er — wertet vielmehr!\n(Von Dogmatismus kann man überall nur dort reden,\nwo ein Satz vorgibt, Erkenntnis zu sein; nie dort, wo\ner einen Willen ausspricht.) Der Voluntarist ist nicht\ndarauf aus, zu erkennen, sondern: zu bewirken. Er will\nnicht begründen, sondern er — will!\nDabei vermag er der Intellektualität sogar einen\nviel grösseren Platz einzuräumen als der Subjektivist.\nDiesem sind die Fragen de lege ferenda immer nur\n„Sache der undiskutierbaren persönlichen Ueberzeugung\";1)\nder Voluntarist dagegen sieht ein, dass er mit seinen\nWertgefühlen nicht alleinsteht, dass er sich mit seinen\n„Parteigenossen\" zusammentun kann, und dass nun\naufgrund der gemeinsamen Wertgefühle als eines un-\nproblematisierten Kodex, einer ehernen Moses-Tafel,\neiner „Hierarchie der Masstäbe\" (Ausdruck Somlö's)\n*) Radbruch, in dem erwähnten Aufsatz, Aschaffen*\nburgs Monatsschrift II"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "487", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.5", "texte": "eine vollkommen rationale Diskussion von Einzelfragen\nmöglich ist. So eindringlich immer wieder der Anspruch\ndes nach letzten Gründen fahndenden Intellekts auf\nkritische Fundamentierung von Sollensinhalten zurück-\ngewiesen und die Möglichkeit kategorisch „richtiger\"\nund kategorisch „falscher\" Wollungen verneint werden\nmuss, so sehr muss man sich davor hüten, den Logos\naus den Spielen der praktischen Vernunft gänzlich\nauszuschalten. Hypothetisch „richtige\" und\nhypothetisch „falsche\" Wollungen sind durchaus\nmöglich. Die logische Struktur der Ueber- und Unter-\nordnung, das Verhältnis von Obersatz zu Untersatz,\nbesteht auch im Bezirk des Teleologischen. Es kann\neine Wollung sehr wohl im Widerspruch stehen\nzu einer anderen, die ihr, ihrem Inhalt nach, logisch\nsuperordiniert ist; dann ist jene Wollung inbezug auf\ndiese „falsch\". Das ist ein seiner Relation nach hypo-\nthetisches Urteil: ein Inhalt wird als „falsch\" prädiziert\nunterderVoraussetzung, dass die Prädizierung eines\nanderen Inhalts als eines „richtigen\" bestehen bleibt. Jeder-\nzeit existiert bei dieser Situation die logische und psycho-\nlogische Möglichkeit,diese letztere Prädizierung aufzuheben.\nMan muss sich entweder dazu bequemen, in Rücksicht\nauf das Prinzip im Spezialfall anders zu wollen, als\nman zunächst wollte — oder aber sich dazu ent-\nschliessen, das Prinzip fallen zu lassen. Man muss\nentweder die Unterwollung der Oberwollung oder die\nOberwollung der Unterwollung opfern; drittenfalls gerät\nman in Widersprüche.\nAufgrund der voluntaristischen Wertphilosophie sind\nalso Diskussionen und teleologische Einigungen sehr\nmöglich. Tatsächlich wird ja auf diese Art auch von\njeher Politik getrieben. In der Praxis ist die Methode\nbeileibe nichts Neues; aber es galt hier, dieser prak-\ntischen Methode ihre Theorie beizugeben, die Methode\nals die einzig unanfechtbare zu legitimieren. Es galt,\ndie alte Koalition zwischen praktischer Philosophie und\ntheoretischer Philosophie zu sprengen und eine neue\nKoalition zwischen praktischer Philosophie und praktischer\nPolitik herzustellen. Es galt den-Willen der de facto wirk-\nsam ist, nun auch als de iure wirksam zu restituieren. Ist\ndies einmal geschehen, dann braucht der Rechtsphilo-\nsoph sich nicht mehr, aus bleicher Furcht vor Dogma-\ntismus, darauf zu beschränken, als normenloser Kon-\nstruktor möglicher Systeme, als impotenter Anglotzer\nvon Tatbeständen, das überflüssige Dasein des Rela-\ntivisten zu fristen; sondern er darf, vif und in Aus-\nwirkung seiner Temperamente, Gegenwart und Zukunft\nbeeinflussen; in voller Einsicht dessen, dass es Streitig-\nkeiten gibt, worin „wir immer nur Partei, niemals Richter\nsein können\" (Radbruch); dennoch den seichteren Agi-\ntatoren sehr überlegen durch die Fähigkeit, Einzel-\nmaterien den gewollten Prinzipien mit logisch-wissen-\nschaftlicher Unanfechtbarkeit zu subsumieren und in\nDebatten stets darüber Klarheit zu schaffen, „ob es sich\num eigentliche Bewertungsfragen oder um Zweckmässig-\nkeitsfragen bezüglich der. anzuwendenden Mittel han-\ndelt\". i)\n. . Man muss in diesen Dingen nicht den Ehrgeiz\nder Originalität haben. Es handelt sich nicht um\nkünstlerisches Schaffen; nicht einmal um Erkennen; es\nhandelt sich letzten Endes um Verbesserung mensch-\nlicher Zustände. (Um Verbesserung menschlicher Zu-\nstände von einer Platform geklärtester Geistigkeit aus.)\nEs mag sein, dass die Ueberwindung des Relativismus\ni* der Rechtsphilosophie durch die Restitution des\nWillens in keinem Punkte neu ist, vielleicht nichtmal\nihrer prinzipiellen Idee nach: dennoch vindiziere ich\ndiesen Erörterungen prolegomenale Bedeutung für jede\nkünftige Philosophie des Rechts; für jede philosophische\nPolitik; für jede soziale Ethik. Und der einzige Ein-\nwand, der sich erheben kann — der sich allerdings\n*) S o m 1ö , „Massstäbe\" Seite 521. —■ Auf die not-\nwendige strenge Trennung zwischen Mittel- und Zweck-\nErörterung — in der Strafrechtskritik: zwischen „Kri-\nminalpolitik\" und „Timoretik\" (Strafwürdigkeitslehre) —\nhabe ich bereits in dem Aufsatz „Strafrechtskritik und\nEthik\" (Aschaffenburg VI, Seite 627) hingewiesen. —\nDie voluntaristische Rechtsphilosophie, gerade mit ihrem\nlogizistischen Ueberbau, findet sich in nuce übrigens\nbei Simm e 1, „Philosophie des Geldes\", Seite 456,\nwo es heisst: „So wenig also der Wille . . . von sich\naus irgend einen bestimmten Inhalt erkürt, so wenig\ngeht aus dem blossen Bewusstsein der Weltinhalte,\nalso aus der Intellektualität, irgend eine Zwecksetzung\nhervor. Vielmehr, zu der völligen Indifferenz derselben\nund aus ihr selbst nicht berechenbar tritt an irgend\neinem Punkte die Betonung des Willens auf. Ist dies\nerst einmal geschehen, so findet freilich rein logisch\nund durch die theoretische Sachlichkeit bestimmt, die\nUeberleitung des Willens auf andere, mit jenem ersten\nkausal verbundne Vorstellungen statt, die nun als „Mittel\"\nzu jenem Endzweck gelten.\"\nauch immer wieder und wieder erheben wird — ist kein\nEinwand. Ob die hier als Wurzel aller Soll-Spekulation\nstabilierte positive Moral, diese Hierarchie der Werte\nintellektuell begründet werden könne, ob sich ihr In-\nhalt der „Notwendigkeit\" und „Allgemeingültigkeit\" er-\nfreue, ob sie „objektiv\" und „richtig\" sei : das\nist eine falsche Fragestellung! Unser Denken\nfreilich ist kritizistisch so sehr verseucht, dass uns das\nUmlernen schwerfallen wird. Selbst denen wird es\nschwerfallen, die die voluntaristische Idee in sich er-\nlebt haben und intuitiv erkannt haben, von wie unge-\nheurer psychohygienischer Wichtigkeit sie ist.\nAber umgelernt werden muss! Nur durch ein radikale\nBefreiung von der Tyrannis jener intellektualistischen\nAuffassung, die im Philosophen — auch im praktischen\nPhilosophen — immer nur den grossen Begründe-\nrich sieht, werden wir der müde, matt und rela-\ntivistisch gewordenen Rechtsphilosophie wieder auf die\nBeine helfen können; auf dass sie sich aus der Sack-\ngasse bewege, in welche Kant und Kantorowicz sie\ngelockt.\nGegen Positivisten, Genetiker, Psychologisten und\nsonstige Empiriebolde bleibt der Kritizismus nach wie\nvor im Recht, als Abwehr von allerhand Flachköpfig-\nkeiten; in der Offensive jedoch, in der wirklichen\nWertung, im Sturm auf die Zukunft, hat er abgewirt-\nschaftet. Der kommenden Ethik und politischen Philo-\nsophie wird das 972. Aphorisma im „Willen zur Macht\"\nals Motto dienen müssen1), darin es heisst:\n„ . . . . erkannte ich endlich, dass es zwei unter-\nschiedliche Arten von Philosophen gibt:\n1. solche, welche irgend einen grossen Tatbestand\nvon Wertschätzungen (logisch oder moralisch) fest-\nstellen wollen;\n2. solche, welche Gesetzgeber solcher Wert-\nschätzungen sind.\nDie Ersten suchen sich der vorhandenen oder ver-\ngangenen Welt zu bemächtigen, indem sie das mannig-\nfach Geschehende durch Zeichen zusammenfassen und\nabkürzen: ihnen liegt daran, das bisherige Geschehen\nübersichtlich, überdenkbar, fassbar, handlich zu\nmachen. . . .\nDie Zweiten aber sind Befehlende; sie sagen:\n„So soll es sein!\" Sie bestimmen erst das „Wohin\"\nund „Wozu\", den Nutzen, was Nutzen der Menschen\nist.\"\nEnde\n*) Vergleichen Sie auch Nietzsche: „Götzendämme-\nrung\" Aphorisma 211\n\nDer Kaiser von Utopia\nEin Volksroman\nVon Paul Scheerbart\nXCV\nLotte Wiedewitt\nDie Lotte Wiedewitt hatte sich nach dem Tode\nihres Gatten sehr verändert; sie war immer sehr ernst\nund zuweilen sehr zerstreut — sie dachte soviel über\ndas Weiterleben nach dem Tode nach.\nUnd die Frau Lotte verkehrte mit der Frau\nCäcilie fast täglich, und es kam auch mal vor, dass\nder Kaiser mit den beiden Frauen zusammen war. Da\nsagte der denn mal so nebenbei:\n„Der Lebenstempel soll grösser als eine ganze\nStadt werden — wo bauen wir den nur hin ?\"\n„In Schiida 1\" meinte da die Lotte ganz ernst.\nDa musste der Kaiser lachen und sagte, dass das\ngar kein übler Platz sei — dicht am Meere — auf\nhohem Strande — auf historischem Boden — auf\neinem Boden, auf dem der Kaiser mal\nOberbürgermeister von Schiida war ....\nDiese Erörterungen brachten aber die Lotte\nWiedewitt so unvermittelt in die Vergangenheit zurück,\ndass sie plötzlich laut zu weinen anfing.\nDie Frau Cäcilie wollte sie trösten, aber sie\nweinte immerzu und sagte dann schluchzend:\n„Es kann doch nicht zu Ende seinl Es kann\ndoch nicht zu Ende sein!\"\nDa sprach der Kaiser, während ihm auch ein paar\nTränen in den falschen Bart rieselten:\n„Es ist auch nicht zu Ende, Frau Lotte. Der\nKaiser Moritz lebt — er lebt nur anders jetzt als die\nFrau Lotte.\"\nDa wollte die Lotte mehr hören, und dabei sagte\nsie, dass doch darüber eigentlich nur ganz alte Herren\nmit langen weissen Bärten sprechen könnten.\nAls nun der Kaiser wieder mal das Lob seines\nweissen Bartes hörte, da war er nahe daran, ihn vor\nder Lotte abzunehmen — doch er besann sich noch\nzur rechten Zeit — und Hess die Frauen sehr bald\nallein.\nUnd da sprachen denn die beiden Frauen weiter\nüber das Leben und über das Sterben — und die\nLotte entwickelte zuweilen so drollige Ansichten, dass\ndie Cäcilie öfters lachen musste. #5\nDabei lernte die Kaiserin Cäcilie das Leben in\nSchiida sehr genau kennen, die Lotte konnte garnicht\ngenug von Schiida erzählen — aber sie musste doch\nsehr viel weinen dabei ihr wurde die alte Zeit so\nschwer, obgleich es doch auch eine recht böse Zeit\nwar.\nXCVI\nDie Maschinen des Herrn Sebastian\nDer Herr Sebastian hatte sich sehr bald nach\nseiner Flucht dem Kaiser vorgestellt, und dieser hatte\ngleich alle seine Unternehmungen mit reichlichen Geld-\nmitteln unterstützt.\nUnter den neuen Maschinen, die der Herr Sebastian in\nSchiida erfunden hatte, befanden sich aber drei Maschinen,\ndie für den Häuserbau sehr wertvoll waren; durch die\nneuen Sebastianischen Baumaschinen Hessen sich ganz\ngrosse Häuser fast ohne Handtätigkeit herstellen —\nund so schnell arbeiteten die Maschinen, dass es leicht\nmöglich gemacht werden konnte, in vierzehn Tagen\neine ganze Stadt zu erbauen.\nDa wars sehr natürlich, dass der Herr Sebastian\nvom Bau des Lebenstempels in Schiida sehr bald das\nNähere zu hören bekam — und alle nötigen Bau-\nmaterialien nach Schiida schaffte, um in gegebenen\nMoment so schnell bauen zu können, wie keiner zuvor.\nAls ihm der Kaiser zu seinen neuen Erfindungen\nGlück wünschte, da sagte der Herr Sebastian leise:\n„Wär alles nicht gekommen, wenn ich nicht Ober-\nbürgermeister von Schiida ein halbes Jahr hindurch\ngewesen wäre. Den Schaffenden ist das Ein-\ngesperrtwerden zuweilen sehr dienlich.\"\n„Ja\", erwiderte der Kaiser, „das werde ich mir\nmerken, Herr Sebastian.\"\nBei einem Glase Bier sprachen die beiden Herren\nweiter über das Eingesperrtwerden — und ganz ernst —\nnur so zwischenein mussten sie mal auflachen.\nDer Herr Schlackenborg, der Obermaschinist des\nSebastianischen Luftschiffes, sprach dann noch mit\ndem Kaiser und erzählte auch vom Herrn Bartmann.\nDa hielts der Kaiser nicht mehr aus, er stürmte\nwild davon und rief in seinem Perlmutterzimmer:\n„Den Spass mach ich wirklich nicht noch mal.\"\nHerr Schlackenborg aber wunderte sich sehr über\ndes Kaisers hastiges Davonstürmen.\nXCVII\nSchildas Ende\nDa durch die siebzigtausend Toten ein grosser\nMangel an Beamten entstanden war, so ging es leicht\nan, sämtlichen Bewohnern von Schiida vortreffliche\nStellungen anzubieten, und die Schildbürger nahmen\ndie Stellungen an, da sie der Kaiser in einem sehr\nhöflichen Schreiben also gebeten hatte:\n„Ich bin Euer Oberbürgermeister gewesen, und\nIhr glaubtet, richtig zu handeln, indem Ihr später noch\neinen meiner Doppelgänger zum Oberbürgermeister\nwähltet Deswegen tut aber auch, was ich euch sage:\ndie Zeiten sind zu ernst geworden — wendet Euch\nnicht mehr von dem Geiste des Volkes ab — dieser\nGeist des Volkes ist ja durch die letzten furchtbaren\nNaturereignisse ganz anders geworden — so ganz\nanders geworden, dass ich mich auch mit ihm ver-\nsöhnen konnte. Also tut, was ich auch getan habe.\nIch werde ausserdem dafür sorgen, dass selbst denen,\ndie sich vom Volksgeiste auch fernerhin emanzipieren\nwollen, kein wirtschaftlicher Schaden entsieht; die\nGeistlichkeit ist mit der Schonung der emanzipierten\ndurchaus einverstanden.\""}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "488", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.6", "texte": "Da klopften sich die Schildbürger, als sie das ge-\nlesen hatten, vergnügt auf die Schultern und lachten\nsich so lustig an — wie sie es lange nicht getan\nhatten.\nUnd sie erklärten einstimmig:\n„Dann hst ja alle Not für uns ein Ende.\"\nDanach dankten sie den Kaiser in lustigster Form,\nschickten ihm den roten Mantel und die Ober-\nbürgermeisterkappe zu, Hessen alle ihre wertvolleren\nSachen, die einen historischen Wert beanspruchten, in\nein Altertums-Museum bringen — und zerstreuten sich\nüber das ganze Land.\nHierauf wurde Schiida abgebrochen mit Se-\nbasfianischen Abbruchsmaschinen in acht Tagen.\nUnd vier Wochen später stand das Aeussere des\ngrossen Lebenstempels fix und fertig dort — wo\neinstmals Schiida stand.\nXCVIII\nDie Asketea\nDas straffe Regiment der Priester hatte nun aus\nden Utopianern im Handumdreheen ein ausserordentlich\nernstes Volk gemacht, sodass die Schildbürger nicht\nüberall sehr freundlich aufgenommen wurden.\nDa liess der Kaiser ein grosses Rundschreiben\nanfertigen, in dem zum Schluss zu lesen stand:\n»Die Askese ist nur zur Erzeugung der grösseren\nLebensfreude da, die nicht identisch ist, mit dem, was\nwir sonst Lebensgenußs nennen. Diese grössere Lebens-\nfreude können wir Menschen aber vorläufig noch nicht\nin einem fort vertragen, sodass es gut scheint, den\nharmlosen Spass nicht zu heftig zu verdammen, wenn\ner nur eine kleine Erholung sein will. Die Schild-\nbürger sind in Utopia auch nur eine kleine Erholung.\"\n„Aber Herr Kaiser,\" rief da die ganze Literatur-\nzentrale, „was verstehn Sie denn unter einer kleinen\nErholung?\"\nDer Kaiser ärgerte sich über diese kühne An-\nrempelung und beschloss, sich dafür zu rächen.\nEr liess feierlich sagen:\n„Eine kleine Erholung ist es zum Beispiel, wenn\ndas Frühlingsfest in diesem Jahre ganz still ohne\nFestlichkeit gefeiert wird und zwar so, dass jeder\nUtopianer drei Tage nicht seine Wohnung verlässt.\nDie Priesterschaft ist einverstanden.\"\nDa safte die Literaturzentrale:\n„Der Kaiser bekommt einen bösartigen Humor\nWir wollen zu den Schildbürgern liebenswürdig sein.\"\nUnd man wars.\nXCIX\nPhilanders Testament\nAm dritten Tage des Frühlingsfestes liess der\nKaiser Philander seine Priester kommen und sprach\n*u ihnen:\n„Zur Erinnerung an dieses stille Frühlingsfest\nmöchte ich einen geheimen Orden gründen — den\nOrden der Bartmänner! In ihn sollen die Oberpriester\nnur diejenigen Herren aufnehmen, die sich durch\ngrosse diplomatische Geschicklichkeit auszeichnen —\nund diese Geschicklichkeit sollen sie dazu gebrauchen,\ndie Schaffenden — als da sind: Erfinder, Dichter,\nKünstler, Gelehrte undsoweiter — gelegentlich durch kleine\nNadelstiche empfindlich zu reizen — damit mir die Ge-\nsellschaft nicht wieder schlapp wird. Ich vermache\ndem Orden neun Zehntel meines Vermögens; meine\nFrau ist damit einverstanden.\"\nMan war etwas verblüfft — aber die Sache wurde\nnatürlich von Schamawi ganz ernstlich in die Wege\ngeleitet.\n„Hm,\" sagte nachher der Kaiser, als er mit\nSchamawi allein war, „vor dreitausend Jahren, als\ndie Kultur des wilden Westens noch dominierte, da\nbrauchte man den Orden der Bartmänner noch\nnicht — da wurden dem Schaffenden ganz von selbst\nso wiele Unannehmlichkeiten in den Weg geworfen,\ndass er für Anregung nicht weiter zu sorgen hatte.\nAber heute gehts uns zu gut; die Gerechtigkeits-\nund die Bequemlichkeitsliebe sind bei uns so weit aus-\ngebildet, dass der Natur die natürlichen Sporen fehlen\ndie müssen wir ersetzen; der Lebenstempel muss die\nBartmännner ganz besonders raffiniert ausbilden.\"\n„Das werden wir schon besorgen!\" erklärte der\nOberpriester Schamawi.\nDa zog der Kaiser die Schnupftabaksdose, die der\nHerr Citronenthal so genau beschrieben hatte, aus\nder Westentasche heraus und bot seinem Oheim, dem\nOberpriester Schamawi, eine Prise Schnupftabak an\nund nahm selber ebenfalls eine.\nDa musste jeder der beiden Herren drei Mal niesen.\nIn ganz Utopia war es aber so still, wie in einer\nKirche.\nDer Kaiser lächelte.\nAuch der schwarze See lag in der Tiefe ganz still.\n„Wir wollen zu meiner Frau gehen!\" sagte der\nKaiser.\nUnd sie gingen zur Frau Cäcilie, während der\nKaiser in Gedanken immer noch seine alte Schnupf-\ntabaksdose m der linke Hand hielt\nEnde\n\nTraum\nVon Olga Schneider\nIch bin zum Tode verurteilt. Weshalb\nund durch wen, weiss ich nicht. Am Dienstag soll\nich sterben. Da sagt der Papa, ich soll eine Rede\nverfassen, und diesen oder jenen Punkt zur Milderung\nmeiner Handlungsweise anführen, dann wird mich der\nKaiser begnadigen. Und ich setz mich und schreib\nund schreib und rede zu mir in lauter juristisch-latei-\nnischen Ausdrücken und mit einem Mal steh ich in\neinem Hörsaal oben auf der Kanzel, habe eine\nschwarze Kutte an und halte einen Vortrag über höhere\nMathematik und entwickle eine Beredsamkeit, ein Können\nund Wissen auf diesem Gebiet, dazu spreche ich in\neiner mir völlig fremden Sprache so fliessend und\nüberzeugend, dass alle Leute mir zujubeln, wie toll\napplaudieren, mit den Füssen strampein und ich mich\nimmer wieder verbeugen muss. Und der Papa sagt:\n„So, ich hab bewirkt, dass Du noch eine Woche\nBedenkzeit bekommst.\" — Und ich sitze in der\nelektrischen Strassenbahn, da steht ein Herr mir\ngegenüber auf, verbeugt sich und fordert mich zum\nTanzen auf, und wir tanzen im engen Raum der\nElektrischen, die Leute pfeifen einen Walzer dazu, geben\nmit den Füssen den Takt und der Kondukteur ärgert\nsich und sagt immer: „Das Spucken und Rauchen ist\nhier verboten —\". Plötzlich geht die Türe auf, wir\ntanzen auf die vordere Plattform hinaus, stehen auf\neinmal oben auf den Drähten der elektrischen Leitung\n— die Funken sprühen grün und blau in unsere Kör-\nper über — ich will immer nach den Drähten fassen\n— und sause mit dem Freilauf einen Berg hinunter —\nverliere das Pedal — und der Freilauf saust, dass der\nStaub in Wolken auffliegt, mich einhüllt, ich nichts sehe,\nnichts, nichts — und da fällt mir ein, ich muss dem\nOtto einen Brief schreiben und zur Maria-Antoinette\ngehen, damit sie mich begnadigt — und fahre die\nsteile Strasse zur Maria-Plainanhöhe in Salzburg hin-\nauf — es ist furchtbar heiss — ich schwitze und\nschwitze — ärgere mich furchtbar, dass man sich mit\nfrischgewaschenen Haaren absolut keine anständige\nFrisur machen kann und nehme das Rad auf die\nSchultern, trag es den steilen Berg hinauf bis zum\nGipfel und da steht ein Säulentempel, wie die Akro-\npolis herrlich, ich setze mich auf einen Stein, lehne\nmich an eine Säule — und da sind meine Bergschuhe\nvoll Schnee und so schwer, als hätte ich Eisen drin —\nund schaue mir die Aussicht an, es ist aber nicht\nSalzburg, das vor mir liegt, ich sehe mit einmal nichts\nals so schmutziggelbe, braunrot abgegriffene Steine,\nwie in einem Baukasten und denke mir: „Wieder ein\nverschwendeter Tag, aber im Freien verlebt!\"\"\n\nBekannte\nArthur Kronfeld\nDer fettig Lächelnde aus Oesterreich\nReicht zu jovialem Grusse mir die Hand.\nFranziska lehnt zerrissen an der Wand ;\nHassblitzend mustert sie und geil und bleich\nMich und den fettigen Herrn aus Oesterreich.\nEr stellt uns beide vor, und formgewandt\nVerzieht er sich. Ich bin korrekt-galant,\nSie fassungslos. Ich werde plötzlich weich\nUnd sage leise: Zartes junges Tier,\nHast Du denn Angst ? und Ekel ? Zieht Dich\nnicht\nUnter der Schwelle rassig fahle Gier\nDennoch hinüber in das heisse Licht?\nDu schriebst mir . . . und doch Ekel? und\nvor mir ?\n—- Sie senkt die Lider. Und ich schweige schlicht.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung ki Oesterreich-Ungar«\nIn Vertretung : Oskar Kokoschka\n\nHanse Herrmann\nKiinstlerische Lichtbilder\n::: Heimaufnahmen :::\nBERLIN W. / Potsdamerstrasse 134 a\nNahe Potsdamerplatz\nFernsprecher: Amt VI, 14967\n\n„Der Forscher\"\nIllustriertes Zentralblatt fiir deutsche\nForschung\nHerausgeber: Bund deutscher\nForscher, Hannover, unter hoher\nEhrenprasidentschaft Sr. hoch-\nfui stl. Durchlaucht des Prinzen\nBernhard zur Lippe, Redaktion:\nGeorg August Grote, Hannover\nJahrlich zwolf starke Hefte mit Bei-\ntragen beriihmter Autoren. Ordent-\nliche Mitglieder des Bundes deutscher\nForscher erhalten den ..Forscher\"\nunentgeltlich und portofrei gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 5.—, bezw.\nK. 6.—, fordernde Mitglieder gegen\nden Jahresbeitrag von Mk. 6.—, bezw.\nK. 7,20. Jahresabonnement Mk. 5,50,\nbezw. K. 6.— inklusive Porto\nProbenummer gratis und franko\nInserate finden im „Forscher\"\nwirksamste Verbreitung /.\nInsertionspreis: Die dreimal\ngespaltene Petitzeile 30 Pfg.\n— Geschaftsstelle: —\nForscher - Verlag, Hannover\n\nBund fiir Gesundes Leben (B. 112. G. L.)\n(Sitz Leipzig.)\nAls Synthese aller Reformbestrebungen modernen Lebens und\nzur Pflege gesunder Lebensanschauungen und Lebensziele und zur\nForderung hygienischer Kultur dient unsere Monatsschrift\n„Gesundes Leben\"\ndie gleichzeitig das Organ des „B- 1- G. L.\" und vieler Reform-\nvereine ist. Beilagen: Der Kinderarzt; Der Haushalt; Durch Heimat\nund Fremde; Aus der Natur. Schriftleitung: L. u. L. Ankenbrand-\nViele andere Vergiinstigungen sind aus den Satzungen ersichtlich-\nJahresbeitrag Mk. 5, Ausfiihrliche Prospekte und Probenummern\numsonst und postfrei durch den Verlag:\nZentrale fiir Reformliteratur Dr. Hugo Vollrath, Leipzig."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "489", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.7", "texte": "Neue Sezession\nDritte Ausstellung\naaaas aaaas sbs aaaslßS\nGalerie Maximilian IRacb!\n3BBBS SS3BSS 3BBS 3BBS SSBS 38881 38BS§\nBerlin SI. Rankc-Strasse 1\nan dcr Raiser Welti GedSctynls-Klrcfte"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "490", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110429-01.1.8", "texte": "Inseratenannahme: Sturm* Hannover, ArtüJeriesir. 15, für Beriin, Potsdamerstr. 111, sowie simtL Annoncen-Expeditionen Druck t. Carl Schu&sler-Haßßorer\n\nSoeben erscfiien:\nELSE LASKER-SCHQLER\nMEINE\nWUNDER\nGEDICHTE\nPreis in van Geldern^\nButten gebunden\nDrei Mark\nDREILILIEN -VERLAG\nKARLSRUHE UND LEIPZIG\n\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzosi-\nsche Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsendung\nvon sechs Francs direkt zu\nbeziehen.\n\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nNammer 319/320\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfg.\nÜBERALL ERHALTLICH\n\nMe Dentsehe BrielpseiWait\n(gegr. 1905, Vors.: General Are n tExz)\ndie Angehorige in alien fiinf Er<j.\nteilen besitzt, bezweckt nicht et-\nwar nur die Anbahnung brieflichen\nVerkehrs unter ihren Mitgliedern —\nsie ist im Gegenteil eine der viel-\nseitigsten Institutionen der WeiT\nsie fuhrt mit interessanten Menschen\nzusammen, sie schafft Verbindungen\nzwischen Nord und Slid, Heimat\nund Uebersee, sie sorgt fur per-\nsonlichen Anschluss auf Reisen,\nsie hilft Material fiir Studienzwecke\nund Enqueten zusammentragen, sie\nbefordert den Sammlerverkehr,\nist fiir geschaftliche Interessen zu\nbenutzen, sie vermittelt Auskiinfte\nund Gefalligkeiter., sie stellt sich\nin den Dienst von Reformbewe-\ngungen aller Art usw. usw. Ihr\nVerbandsblatt („das intimste Blatt\nder deutschen Pressed setzt sich\nfast ausschliesslich aus Briefen,\nSkizzen, Meinungsausserungen.\nSchilderungen von Erlebnissen usw.\nder Mitglieder zusammen und bie-\ntet Gelegenheit zu sc hriftstel-\nlerischer Betatigung. Jeder\nBeitrag wird honoriert! Jahres-\nsteuer Mk. 5,50. Prospekt durch\ndie Geschaftsstelle der Deut-\nschen Briefgesellschaft, Naun-\nhof-Leipzig.\n\nKurhaus und Erholungsheim\nSchloss Neuenhagen\nin Berlln-Neuenhagen (32 Min. Fahrzeit v. AlexanderpL)\nHauptgebaude mit Zentralheizung u. elektr. Licht, grofie,\nhelle Zimmer, mitten im Garten gelegen. 20200 Quadrat-\nmeter grosser, herrlicher Park, grosser Obstreichtum,\nLauben, grosser Teich usw. Das ganze Jahr geoffnet.\nDen Besuchern Berlins als herrlicher Aufenthaltsort\nempfohlen. Fern von dem Larm und dem Staub der\nStadt. Bequemste Verbindung mit Berlin durch stiind-\nlichen Bahnortsverkehr. — Lassen Sie sich die Broschiire\n„Leben\" kommen vom Besitzer u. Leiter Emil Peters\n\n•SSfESt. Friadr. Blester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker Oder auch Kaufleute in fiihrender Stellung) Grund-\nliche Einfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes,\nrationelles Studium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur\nein mehrjahriges Hochschulstudium. Muster-Uebtings-Kontor.\nDas Studium ist fiir Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und\nBilanz-Technik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule\nabsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen,\nEinjahrig-Freiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und\nden Forderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern\noder vertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der\nKurse 6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz S.\n\nm\nDer schonste Punkt\nin der Umgebung Berlins ist an der\nHeeresstrasse. Die letzten Wasservillenbaustellen\nan der Havel, gegenuber Pichelswerder sollen sofort\npreiswert verkauft werden. Naheres die\nBodengesellschaft des Westens,\nMauerstrasse 86—68 . • Telephon I 7497\n\nWABIIIMim\nMonatsschrift fiir Soziologie,\nGeschichte, Kunst :::\n::: und Literatur\nGegriind. von PAUL CORNU\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nHENRI BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles - Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymond Darsiles u. a m.\nJahresbezug fiirs Ausland :\n4,80 Mk. (Luxusausg. 9,60 Mk.)\nProbeheft gegen Einsendung\n::: von 50 Pfennig :::\nVerlag und Redaktion:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich\n\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur und\nfranzosische Sezession in\nden Kunsten und in der\nLiteratur\nHerausgeber und\n: Schriftleiter :\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich w\n\nDer Buhnen-Roland\nDas freie Wort des deutschen\nSchauspielers\n— Des BUhnen-Boten zwSlfter Jahrgang —\nDer Buhnen-Roland bringt Aufsatze der bekanntesten Fach'ieute\nfiber samtliche Gebiete der Theaterkultur und verfolgt die modernen\nlitterarischen und kiinstlerischen Bewegungen. Die Soziale Beilage\ntritt fur die Interessen des gesamten Schauspielerstandes ein und\ngewahrt grundsatzlich jeder berechtigen Meinung Raum. En-\ngagements-Inserate die Zeile 10 Pf., fiir Bezieher 8 Zeilen frei\nBezugspreis vierteljahrlich 3 Mark. Probeabonnement auf einer\nMonat kostenlos vom Verlag C. Clauder in Griina-Chemnitz.\nHauptredaktion: Berlin N 37 Lottumstrasse 14 iij ' i\n\nWeinhaus Rheingold\nKAISER-SAAL\nTagiich: Translateur - Konzert\n\n■ I\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a. d. Schauspielschule d. Deutschen Theaters\nerteDt Unterricht in\nSprachtechnik und Rollenstudium\nCHARLOTTENBURO\nWilmersdorferstr. 75 Sprechatunde: 5—6 Uhr\n\nSammler-Berichte -Try*\nInternationaleKorrespondenz-Vereinigung\nfur ideale Korrespondenz, Sammelwesen, Tausch, Verkauf, Geschaft,\nVertretungen und sonstigen Absatz, Erwerb, Auskunft usw.\nMonatliche Gratisgaben in Briefmarken, zuadressierten Post-\nkarten, Buchern usw.\nJahresbeitrag fur I K V mit .Sammler-Berichte\" nur 4 Mfc\n(5 Franks). Eintritt jederzeit.\nAusfuhrliche Probenummer and Satzungen gratis durch\nErw»t Vertagg Ltipiig (Rewier I76)«"}]}