{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_sha256": "fb163d7721d5fd73b2068faff41ee7cf3552939d69437dafb1b6dc5a4738e2ec", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/06/01_01/bmtnabg_1911-06-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/06/01_01/bmtnabg_1911-06-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.1", "debut_caractere": 510, "fin_caractere_exclue": 853, "texte": "Inhalt:\nMYNONA: Fabelhaftes / ELSE LASKER-SCHÜLER: Dem Barbaren / TRUST: Wieder eine Woche / Dr. KARL HAMAN: Literarhistorik\nund Journalismus / JOHN WOLFS: Kunst-Historismus / JAKOB van HODDIS: Der Oberlehrer / JOSEPH ADLER: Deutsche Phraseure / MINIMAX:\nVermischtes / LUDWIG SEGEBARTH: Versinnlichte Presse / Zeichnung- / M. 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Er verkleidete\nsich in einen Sauhirten, gestand ihm seine Liebe,\nund es gab sich ihm zu eigen. Der Sauhirt über-\nhäufte sie mit Geschenken als: Pomade, Honig-\nkuchen, drei Paar Loden-etcetra, Visitenkarten,\nTalglichte, Halstücher. Sie freute sich des und\nhalste ihn um. Da gestand er ihr, er sei der König.\nSie erschrak, nahm nichts von Allem und ging,\nihre Gänse hüten. Sie war nicht mehr zu be-\nwegen, sich dem Könige zu nähern. Hochbetagt\nstarb sie, und ihre letzten Worte lauteten: „Wehe\ndem Sauhirten, den die Liebe nicht zwingt, König-\ntümer zu verschweigen.\"\n* *\n*\nJohann Wolfgang von G. beichtete einem sehr\nmilden Priester:\n„Ich habe ein Dorf in Brand gesteckt und\neinen lebenden Mops noch extra in die Flammen\ngeschleudert.\" „So hast du (näselte der Priester)\nwohl Verbrechen begangen — doch (und hier\nlächelte er kränklich) doch der Mops rettet dich;\ndenn der Seelenkenner gewahrt die bittre Reue»\ndie nach Möpsen greift wie nach einer Art sitt-\nlicher Feuerspritze. Oh 1 mein Sohn, wie oft\nmacht man das Entsetzliche mit dem Entsetzlicheren\nrückgängig! Zeuch hin in Unschuld,\"\n# &\n*\nDem Magazinverwalter Walter WaMherr Hei\nein Kronleuchter so geschickt auf die Scheitelbeine»\ndaß er mit der Spitze tief in den Schädel drang\nund dort aufrecht stecken blieb. Waldherr, von\nvier Untergebenen gehalten während fünf sich\nabquälten, das Ding wieder herauszuziehen, stam-\nmelte sterbend: „Achachachachachachrrrrrrrrnr\"*\nDoktor Berghuhn sagte: „Das Sprechzentrum\nfunktioniert noch rudimendär; mir ist ein großes\nLicht aufgesteckt.\" „Nein, ihm\", schrieen die\nUnterbeamten; sie meinten den Kronleuchter. —\nSo gehört denn zu Erkenntnis und Witz eine\ngroße Mitleidlosigkeit. Und instinktiv rückt der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "508", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4416, "texte": "Mensch den Leidenden in eine solche Distanz,\ndaß er Lehren und Heiterkeit aus ihm ziehen\nkönne. Freut euch des Sterbens! Lernt lachen\nüber das Leiden!\nEin junger Militär wurde standrechtlich er-\nschossen. Die Leiche zuckte noch eine Weile,\nbevor sie sich in den guten Leichenbrauch fügte.\nAber Major von Bullrauch kommandierte ihr: „Tot\nliegen; keine Allotria.\" War das nun nötig? —-\nWas zu viel ist, ist zu viel! Wo es obendrein\npure Reflexbewegungen waren. Trotzdem ist die\nGeste einer Befehlshaberei auch dem leibhaften\nTode gegenüber imponierend. So könnte man\nsich auch militärische Geburtshelfer sehr wohl\nGeburten kommandierend vorstellen. Soll doch\ndie gesamte Schöpfung auf ein Generalkommando\nin einer Woche entstanden sein. Alle spätere\nKommandiererei ist also nur eine Nachwirkung,\nso daß immerhin auch Leichen einen geringen\nRest Gehorsam in ihren Gliedern zu verspüren\nhaben.\nEs fiel einmal von ohngefähr ein Salm ins\nWeihwasser. Der Prälat Ohmke suchte seiner\nGemeinde das als einen göttlichen Wink aus-\nzulegen. So sagte er, rege sich im Tiere, im\nFischlein der Wunsch nach Einweihung in die\nMysterien des Glaubens. Die armen Seelen alle\nseien solche Salme, und nicht jeder werde wie\ndiesem das Glück bescheert, des Segens teilhaft\nzu werden. „Ich hab'n ja 'neig'worfe\", sagte\nder Schüler Peter Meckerle. „Du warst, ohne\nes zu wissen — ja vielleicht in frevler Absicht\nein williges Werkzeug der göttlichen Lenkung\",\nerwiderte der Prälat. — Solange Gott solche\nAdvokaten hat, existiert er zweifellos.\nEin Fräulein von schmächtigem Liebreiz hatte\ndas Unglück, einem Manne zu gefallen, den die\nNatur mit allem Möglichem begabt hatte, bloß\nnicht mit dem Einen, was hier so besonders not\ntat. „Größer Gott\" sagte die Aermste, als ihr\nendlich der triste Tatbestand nicht länger Ver-\nheimlicht werden konnte, „wie haben Sie sich das\neigentlich gedacht? Schließlich ist doch das\nGründen einer Familie an gewisse .... Vorbe-\ndingungen geknüpft \" „Nun — was das\nanlangt\", versetzte der Brave und verdrehte ein\nwenig die Augen — „was das anlangt, so\nglaube ich, daß wir Beide das reine hohe\nMenschsein, die bedingungslos ideale Zusammen-\ngehörigkeit, das sternartige Einsamkeitsgelüst\n.... hier fiel die Dame in Ohnmacht.\nIn einer Waldschenke schlug der Blitz als\nkalter Schlag. Alle Bauern ernüchterten sich und\nließen das Trinken. Nur auf Einen, der ge-\nwöhnlich nüchtern und mürrischer Sorte war,\nwirkte der Schlag animierend. Er sagte später,\ner habe es als eine wahre Aufforderung\nvon der Traurigkeit zu lassen — so als ob der\nganze liebe Himmel „Juchhe!\" gerufen hätte. —-\nDas artigste Beispiel für alle Ausleger der Natur-\nereignisse! Nicht bloß ist des Einen Eule des\nAndern Nachtigall — sondern dies ist das Aller-\nmerkwürdigte : Des Einen Nachtigall sagt plötzlich\n„uhuhu\"; während des Anderen Eule auf ein mal\n„tiotiatiotinx\" und „tandaradei\" macht!!\nEs fand ein Einbruch bei einer alten Dame\nstatt. Sie raubten ihr alles und wollten ihr\nschließlich noch das Leben nehmen. Vergebens\nflehte und wimmerte das greise Weib, sie rückten\nihr so lange zu Leibe, bis sie tot umfiel. Die\nEinbrecher zerhackten den Körper und warfen\ndie Stücke ins Feuer. — In der folgenden Nacht\nhatte jeder von der Bande den gleichen Traum:\nDas Weiblein wurde vom Feuer wieder ausgespien,\ndie Stücke setzten sich zusammen, sie lebte auf\nund, anstatt sich zu rächen, küßte sie jedem Mörder\ndemütig die Hand und bestätigte ihn ausdrücklich\nim rechtmäßigen Besitz des Raubes. — Die\nRäuber erwachten windelweich, in Tränen ge-\nbadet und stellten sich der Polizei: Daraus folgt:\nOhne die Fähigkeit zu traumlosem Schlaf ist\nMord und Raub der sentimentalsten Gefühlsduselei\ngleichzuachten.\nDer gewandte Ehebrecher BertholdNelke machte\nsich anheischig, binnen vierundzwanzig Stunden\njedes Familienidyll zu verheeren. Ein Eheherr beging\ndie Kühnheit, sich in eine Wette mit ihm\nzulassen, er machte ihn selbst mit seiner Gattin\nbekannt und überließ beide ihrem Schicksal.\nNelke, nicht faul, eroberte sofort das gesamte\nTerrain und begab sich feierlich mit allen nötigen\nGarantien seines Sieges zu seinem Wetthalter.\nDer blickte ihn lange verwundert an, darauf sprach\ner: „Sie haben die Wette verloren, Sie haben\nkein Idyll zerstört, Sie haben eine längst ge*\nplante Ehescheidung herbeiführen helfen.\" —\nLeichte Siege sind stets verdächtig, schmecken\neher nach Niederlagen. 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Ich brauche nicht eine Gelegenheit, um\nmich über bedeutende zeitgenössische Erscheinun-\ngen zu „äussern\". Denn mein ganzes Streben\ngeht darauf, die Zeitgenossen vernehmlich auf\ndie zu weisen, die ewig sind Die Tagespresse\nbraucht diese Gelegenheiten zu Aeusserungen.\nSie ist den Grossen gegenüber „kritisch\" und\nbraucht ihren Raum für die Verherrlichung der\nKollegen. Das ist ebenso recht wie billig. Und\nich würde der Presse aus diesem Verhalten gar\nkeinen Vorwurf machen, wenn sie nicht die NeU\ngung zur ernsthaften Kritik der wenigen wirk-\nlichen Künstler besässe. Die B. Z. am Mittag\nwar vom Tode Mahlers besonders ergriffen. Und\nsie fragte schleunigst „hervorragende Künstler-\npersönlichkeiten\" an, was sie von Mahler ge-\nhalten hätten. Unter ihnen versteht sie Opern-\nsänger und Theaterdirektoren. Mahler war ja\nvon Beruf Theaterdirektor, was liegt näher, als\nseine Kollegen über ihn zu befragen. Diese her-\nvorragenden Persönlichkeiten können nun leider\nalle nicht schreiben, wozu sie auch keine Ver-\npflichtungen haben. Denn Schreiben ist eine\nKunst für sich, was die B. Z. am Mittag sicher\nnicht glauben wird. Man könnte fast vermuten,\ndaß die Presse besonders gern Schauspieler und\nSänger als Objekt ihrer Tücke benutzt. Die\nHerrschaften, über die man so ungebührlich viel\nschreibt, sollen nun auch einmal merken, daß\ndas Schreiben gar keine Kunst ist. Aber die\nB Z. ist über Mahlers Tod besonders gerührt:\n„Denn sein künslerisches Leben war trotz aller\näußeren Erfolge hauptsächlich doch Kampf.\"\nGegen die Presse, die ihn bei seinen Lebzeiten\nverhöhnte. „Es ist bekännt, daß Mahler als\nKomponist auch in der letzten Zeit noch nicht\njene volle Würdigung erfahren hat, die ihm eine\nspätere Zeit vielleich rückhaltlos zuerkennen\nwird.\" Vielleicht rückhaltlos. Jedenfalls hat die\nBerliner Presse bei seinem Tod den ersten Anfang\ngemacht. Es bleibt das Unbegreifliche, warum\ndie Herren erst bei einem Todesfall unehrlich\nwerden.\nDie Hoffnung in der Büchse\nHerr R. Sch. ist mit der Büchse der Pandora\nvon Frank Wedekind nicht zufrieden. Er meint:\nWenn der Eindruck trotzdem — abgesehen von der in\ndem Stoffe liegenden Anhäufung- von Gemeinheiten, Verbrechen\nund Perversitäten mit ihrer magenumdrehenden Wirkung\n— nur ein gerirger war, so liegt es eben daran, daß die\ndichterische Kraft Wedekinds in allen sieben Akten seinen\nbeiden Lulu - Dramen bei weitem nicht an sein dichterisches\nWollen heranreicht, mit dem er im „Erdgeist\" und in der\n„Büchse der Pandora\" Leben und Sterben seiner vernichtung-\nsäenden Urdirne in eine symbolische Form gießen wollte, die\nihm unter seinen unbekümmerten Händen zerbrach.\nHerr R. Sch. ist der Mann, der jeden Tag\ndie schönen Gedichte für die B. Z. am Mittag\nschreibt, die heitere Lyrik. Auch bei Wedekind\nverschanzt er sich vorsichtigerweise wieder hinter\nseine Knüppelreime. Er findet, „daß sich der\nInhalt besser per Vers als per Prosa sagen läßt/\nWedekmd sollte diese dichterische Kraft per\nultimo in die Büchse der Pandora einschließen,\ndamit wenigstens seine symbolische Form für\ndie Nachwelt konserviert bleibt. WTer auf gute\nVerdauung etwas gibt, sollte sich aber nicht an\ndie Büchse heranmachen. So wäre R. Sch. aber gut\naufgehoben und die Mitwelt um eine Hoffnung\närmer. Denn die läßt Pandora bekanntlich nicht\nheraus."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "509", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2817, "texte": "Wovon man spricht\nNatürlich vom Naturtheater. Denn der Mai\nist gekommen und die Kritiker schlagen aus.\nMein geliebter Keller vom Lokal Anzeiger be-\nkommt Sonne und er, der literarische Kritiker,\nmeint gesperrt: „Der Teufel hole die\nganze Literatur.\" Also nicht einmal\ndie Sonne kann ihn erleuchten, oder der Mai\nbekommt ihm nicht.\nDie Festspiele auf der Freilichtbühne wollen nicht lite-\nrarisch bewertet sein, aber es geht von ihnen vielleicht\ndie leise Mahnung aus: Wir bringen das Theater in die\nNatur, sorgt ihr andern dafür, daß in euer Theater etwas\nmehr Natur kommt.\nHoffen wir das Beste. Ist die Botanisierung\ndes Theaters geglückt, wird sich Herr Keller\neinen Ast in den Bauch lachen.\nEr bellt\nDer schon mehrfach hier verprügelte Herr\nPfemfert aus Wilmersdorf Nassauischestraße 17\nbellt jetzt natürlich. Der Mann ist zu belanglos,\num eine andere Tätigkeit an ihm vorzunehmen.\nIch erkläre hier nur, daß alle sachlichen Be-\nhauptungen, die er sich über Karl Kraus zu\nschreiben erfrecht, völlig erlogen sind. Seine An-\nsichten soll er ruhig verkaufen, wenn er Ab-\nnehmer findet.\nVia Lappland\n„Er ging schon lange mit dem Plan um, all seine Ge-\ndanken zu Papier zu bringen, aber die Anforderungen des\ntäglichen Lebens ließen ihm keine Muße zum Dichten. So\nkam er nie zur Ausführung seiner großen Pläne und wurde\nvon seinen Angehörigen wegen seiner unklaren Schwärmereien\nverlacht, ganz wie es in zivilisierteren Gegenden auch ge-\nschehen soll.*4\nSo äußert sich die B. Z. am Mittag über\neinen — lappländischen Dichter. Am 17. Mai.\nAm 22. Mai schrieb Herr R. Sch. per Vers die\noben mitgeteilte Ansicht über Wedekind. Nun\nverstehe ich nicht, warum dieselbe Zeitung\nschreibt, wie es in zivilisierteren Gegenden auch\ngeschehen soll. Sie braucht doch nicht bis\nLappland zu reisen, um sich hierüber zu\norientieren. Mehr Redaktion, Kollegen! Keine\nunklaren Schwärmereien, sondern sie heraus-\nredigieren!\nDer verrenkte Fluss\nIch muß einen sinnzerstörenden Druckfehler\nberichtigen. Die vorige Nummer dieser Zeit-\nschrift enthält in der Glosse über Eduard Engel\nfolgende Stelle:\nUeber Else Lasker-Schüler: „Um sie ist es schade, denn\nmit ihrem zitternd heissen Seelenleben, dem brennenden Durst\nnach Dichtung wäre sie eine unserer starken Sängerinnen\ngeworden, wenn ihr das Lied nicht zu abgedroschen erschien.\nSie könnte die bezauberndsten rhythmischen Wirkungen er-\nzeugen, aber absichtlich unterbricht sie den F1 u s s ihres\nGesanges durch stolpernde hinkende Verrenkungen. Ach,\nwelch ein edler Geist ward hier zerstört!\" Herr Engel hat\nsich bei dieser Gelegenheit sogar den Fuss verrenkt.\nDer offenbar nicht poetisch veranlagte Setzer\nphantasiert von einer Fußverrenkung. Dem-\ngegenüber fühle ich mich verpflichtet, die Freunde\ndes Herrn Professor Engel zu beruhigen: er hat\nsich natürlich nur den Fluss verrenkt.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "509", "page_fin": "510", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.6", "titre_corps": "Literarhistorik und Journalismus : Beiträge zur Kenntnis Eduard Engels", "titre_sommaire": "Literarhistorik und Journalismus : Beiträge zur Kenntnis Eduard Engels", "signature_source": "Karl Haman", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "509", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.3", "debut_caractere": 2819, "fin_caractere_exclue": 9769, "texte": "Literarhistorik und\nJournalismus\nBeiträge zur Kenntnis Eduard Engels\nVon Dr. Karl Haman\nI.\nVom Popularisieren\nJournalisten, die eine schwache Erinnerung\nan ihre akademischen Lehrjahre haben, schreiben\npopuläre Bücher. Volkstümlich, allgemeinver-\nständlich und unter andauernder Liebkosung des\nLesers. Es erfordert weniger Talent als Zeit. Hat\ndoch der geliebte, gebildete Leser aus dem Volk\nkeine Ahnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen\ndie ihm durch ihre Darstellungsart unzugänglich\nsind. Nun kommt der Popularisator ... sie\nverstehen, und aller Dank fällt auf sein mild ab-\nwehrendes Haupt. Jede straffgesagte Banalität,\ndie der ehrsame Nationslehrer aus irgend einem\nKolleg behalten, wirkt als originelle Entdeckung.\nUnd da die lieben Leser ihn als Born aller\nausgesprochenen Weisheit betrachten, jubeln sie\nihm in erfreulicher Begeisterung zu: ist er doch\nder wahre Erzieher des Volks, der das Leben\naus den staubübersponnenen Schweinslederbänden\n(ein beliebtes und volkstümliches Symbol für die\nWissenschaft) gerettet hat. Und Journalisten\nniederster Klasse, die tatsächlich ihr Deutsch, nach\nvollbrachtem Achtstundentag, im düstern Kämmer-\nlein erschwitzt haben, brechen in Hymnen aus\nauf das „bei aller Wissenschaftlichkeit populäre\nWerk\"; — wobei sie nicht undeutlich durch das\nGefühl geleitet werden: vielleicht . .\nvielleicht schreibst du selbst einmal etwas\nähnliches ....\nEs gibt auch eine andere Art der Populari-\nsierung, die lediglich das Schwerflüssige der\nTerminologie in konkrete Bilder auflöst. Doch\ndiese setzt eine vollkommene Vertrautheit mit\nder Wissenschaft voraus und erfordert außerdem\nein durchaus künstlerisches Temperament.\nII.\nDie Methode\nDer Literarhistoriker ist in demselben Maß\nHistoriker, als er Aesthetiker ist. Sonst bleibt\ner ein Chroniqueur, der die Ereignisse und ihren\nNiederschlag in den Kunstwerken nebeneinander-\nfügt, sinnlos und von nur empirischen Motiven\ngeleitet. Wir müssen die langsame Entwicklung\nder Kunst als ein Geschlossenes vor uns sehen,\n— oder die Literaturgeschichte ist eine Sammlung\nvon Feuilletons, nach einem traditionellen Schema\ngeordnet. Man wird solchen Historikern — zu-\nmal wenn sie zu alt sind, um sie ins Seminar\nzu schicken — den Rat geben, ihre Zeit mit\nnützlicheren Dingen zu verbringen. Eduard\nEngel zum Beispiel, wäre, bei der eminenten\nAusdauer ein prachtvoller Altphilologe geworden\nwobei ich an jene Schulmeister erinnern möchte,\ndie ihr ganzes Leben an die wahrscheinlichere\nInterpretation irgend eines aristotelischen Satzes\nsetzen.\nSprechen wir so volkstümlich und liebevoll,\nwie wirs nach der Lektüre des Engeischen Werkes\ngelernt haben. Also: der Literaturhistoriker muß\neine Ahnung haben, wie die Dichtungen entstehen.\nKunstwerke haben nämlich nicht die Eigentüm-\nlichkeit, vom Himmel in eines Meisters Herz zu\nfallen und frisch und frei wieder herauszusprudeln;\nsondern sind seltsamerweise durch die geistige\nBeschaffenheit des Dichters durchaus bestimmt,\nder wieder durch die geistige Atmosphäre seiner\nZeit, durch ihre ökonomische Struktur in über-\nraschender Weise bedingt ist. Man verlangt von\nihm sogar soviel Psychologie, daß er das Plus,\ndas den Dichter über das notwendige Milieupro-\ndukt erhebt, herauszulesen und in seinen Werken\nwiederzufinden weiß. Eduard Engel hat zwar\nhiervon keine Ahnung, schreibt aber sehr schön\nLiteraturgeschichte für die Gebildeten im Deutschen\nVolk.\nEs gibt in unserer Zeit Luxusmenschen, die\nan den Literarhistoriker das unerhörte Verlangen\nstellen, daß er auch etwas von Literatur verstehen\nmüsse. Nun, diese Unverschämten sind durch\nHerrn Eduard Engel schlagend widerlegt. Nichts\nmuß er verstehen: aber gesund muß er sein!\nWie darf man von ihm verlangen, daß er ein\nKunstwerk über seinen gleichsam bedingten\nGehalt auf seine persönliche Bedeutung unter-\nsuche ! Dazu gehört nämlich, daß man philosophische\nBildung besitzt, um die Einheitlichkeit des ästhe-\ntischen Urteils zu verbürgen. Man muß sich über\nseinen künstlerischen Instinkt, über seine Urteils-\nprinzipien klar geworden sein; muß sie, aus dem\nNebel einer nur gefühlten Geltung, zur intellektuellen\nAnschauung bringen, um im historischen Sinn\nKritiker zu sein. Anderseits muß die künstlerische\nKultur die Seele so fein organisiert haben, daß\nsie diese Maßstäbe nicht zu absoluten prägt und\nin jedem Einzelfall noch soviel frei bewegliches\nGefühl übrig hat, um das ganz Besondere,\npsychologisch Vereinzelte in einem Kunstwerk zu\nerkennen. Aber: Eduard Engel schreibt ja nur\nfür „Gebildte\". Da begnügt er sich mit Referaten\nund sogenannten Analysen, die lebhaft an Se-\nkundaneraufsätze erinnern.\nEs gibt nämlich eine literarhistorische Methode.\nSie hat ihre höchst persönlichen Eigenschaften.\nMit bewundernswertem Freimut pfeift Engel auf\ndie unverständliche Wissenschaft — und schafft\nsich eine eigne Methode, die sich behaglich in dem\nwirren Schwall nichtssagender Werturteile wältzt.\nEs wäre unangemessen, zu sagen, daß Eduard\nEngel etn schlechter Journalist sei: man kann\nsogar behaupten, daß sein Talent für die ge-\nwisse gerührte Reportage nur von Böswilligen\nverkannt werden kann.\nIII.\nDie Darstellung\nVon unserm Objekt angeregt, bleiben wir\ngeistreich und variieren: Kritik ist Kunst, gesehen\ndurch ein Temperament. Kunstgeschichte ist\nKritik, mit Ausschaltung der aktuellen Beziehung\nund Einordnung unter einem Begriff. Eduard\nEngel schaltet nicht den aktuellen, aber den\nkünstlerischen Moment aus. Daher ist seine\nDarstellung überhäuft mit aktuellen Anspielungen\n— eine Art, die wahrscheinlich die Beziehung zum\nLeben markieren soll, und die noch jeder unfähige\nJournalist zur Rettung seines „historischen Stand-\npunktes\" ausgenutzt hat. Wertlos wie sein Urteil\nist seine Anordnung: jeder kulturell bedeutsame\nMensch ist auch literarisch selbstverständlich ein ganz\nGroßer und wert eines Porträts. Das ist die\nnatürliche Folge dieser flachen Art, sich über\nLiteraturgeschichte zu äußern; indem man vor-\ngibt, den Leser in das Gebiet einführen zu wollen,\nverleiht man sich diktatorische Gewalt und fröhnt\nseinen besondern Liebhabereien, die den Lesern\nals notwendig aufgeschwatzt werden, da das Buch\nja erziehen will. Indem der sogenannte Literar-\nhistoriker (in besondrer Beziehung auf Eduard\nEngel) seinen Gegenstand mit dem der Kultur-\ngeschichte identifiziert, verliert er die individuelle\nEmpfindung des Stoffs: — und die Folge sind solche\nwertlosen und wässrigen Schmöker, die die Lite-\nrutur zum Mittelpunkt machen und dann aus\neiner Empfindung der Vollständigkeit und aus\nder eben geschilderten Vermischung der Stoff-\ngefühle eine Charakteristik der wissenschaftlichen\nLiteratur anhängen, die nur den Unwert einer\nbelanglosen Namensaufzählung besitzt und in\nkeiner organischen Beziehung zur schönen Literatur\ngebracht ist. Betrübend ist nur die Selbstver-\nblendung dieser Autoren, die sich völlig unklar\nüber ihr charakterloses Gewäsch — nicht etwa\nim moralischen Sinn — sind. Und so spreizt sich\nEduard Engel als Causeur, plauscht über alle"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "510", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3492, "texte": "und alles, und immer in der vollendeten Attitüde\neines altern Herrn, der mit beneidenswertem\nSelbstgefallen über die Zeilen hinweggelesen hat\nund das oberflächlich Gefühlte in unzulänglicher,\ndurch keine Disziplin geschärfter Sprache wieder-\ngibt. In einer Einleitung über das Wesen der\ndeutschen Literatur schreibt er vom Thema nichts:\nes sei denn, daß er einige altbekannte Schlag-\nworte in einen dünnflüssigen Brei hineinwirft und\nsie armselig und verlassen, herumtreiben läßt.\nWiederholt spricht er von der Ueberlegenheit\ndeutschen Volkstums. Man fühlt: er spricht auf\ndem Markt. Du liebes deutsches Vaterland, dir\nweih* ich mich mit Herz und Hand . . . (möchte\nman sagen.) Selbst seine Fehler sind nur ver-\nkappte Vorzüge. „Fremdgierigkeit und Nach-\nahmung sind die Fehler herrlicher Vorzüge der\ndeutschen Literatur.\" Tief ist er von dem Wert\nseiner Aufgabe durchdrungen, — und nur ein\nganz Ueberlegener findet Ewigkeitsworte von so\nüberwältigender Neuheit. „Ein unverkennbarer\nZug geht durch die jetzt mehr als tausend Jahre\ndeutsche Dichtung: der zum Idealen!!—\" Die\ndeutsche Literatur hat das Pech gehabt, einem\nheimlichen Dichter in die Hände zu fallen! Die\nFeder geht mit dem Mann durch: — und es ent-\nsteht eine spannende Erzählung, nicht ungeeignet\nfür den belehrenden Teil illustrierter Familien-\nblätter.\nIV.\nAls Beschlub\nDieser unbändige Wälzer hat viei Ergötz-\nliches an sich, dessen komische Kraft durch seine\nAbsichtslosigkeit durchaus nicht gemindert wird.\nEin Spaßvogel ist er, der Eduard Engel, — ein\nDichter und Deutschverderber. Aber wir wollen\nhiermit jeden billig denkenden warnen, dieses\nBuch zu erstehen und sich belehren zu lassen.\nDa muß man schon zu andern Werken greifen.\nDieser rückgratslose, miserable Journalist, der\nniemals einen Schimmer philosophischer Arbeit —\ndenn als solche stellt sich, letzten Grundes, jede\ntiefere wissenschaftliche Arbeit heraus, spürte, hat\neinfach ins Blaue hineingeplaudert, ohne Gefühl\nfür die Besonderheit des Stoffs, und ohne jede\nEhrfurcht vor der Geistigkeit dichterischen\nSchaffens. Ich appelliere an das Schamgefühl\nerwachsener Menschen und zeige auf seine Urteile,\ndie, mit platten Spaßen, das Heiligste der Dichter\nbeschmutzen. Wohl ist es des Historikers Pflicht,\nzu urteilen: und Spott und Hohn sind ehrliche\nWaffen, — aber man muß die Erbitterung fühlen,\ndie hinter ihnen steht, sonst werden sie einfach\nGewürz für die Darstellung. Und dieser Mangel\njedes tiefern Gefühls verrät die wahre Absicht\ndieses jovialen Plauderers: die deutsche Literatur-\ngeschichte in ein Album voll bunter Ereignisse\naufzulösen und sie mit dem muffigen Pathos seiner\nPhantasie luftdicht zu umspinnen. Das war ein\ngrosser Dichter und Der ein Narr.. . erinnert es\nnicht an Bänkelsänger, die mit ihren Mordtaten\nherumziehen? Kein Wunder, dass der weitaus\ngrösste Teil der deutschen Presse auf ihn hinein-\ngefallen ist und eine für Jahrzehnte vorbildliche\nBlamage erlitten hat.\n... Wir aber, die wir im Lärm des hastvollen,\nbunten Lebens stehen und seine Mächte zu er-\nfühlen suchen, leise abwehrend mit mühsam ge-\nschliffenen Waffen, — wir wollen zu tieferen Quellen\neilen, und edlere Worte suchen, als sie in diesem\nGeschwulst bildnerischer Impotenz zu finden sind\nWir wollen eine edlere Sprache, als sie dieser\nHausvater zu schreiben vermag — unter fortwäh-\nrendem Auf —die — Schulter—klopfen und über-\nmassigem Händedruck. 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Sie haben\nvon der Kunst eine Theorie und aus der Theorie\neine Anschauung. Aber Theorieen haben aus\nder Anschauung zu fließen.\nHeinrichWölfflin, der grosse Elemen-\ntarlehrer der Berliner Universität hat es deutlich\ngesagt: Das Ziel seiner Forschung ist nicht der\neinzelne Künstler und sein einzelnes Werk, es\nist die Einheit aller einzelnen Gestaltungen, die\ngrossen Zusammenhänge und ihre Gesetzmässig-\nkeit.\nHabe ich etwas gegen diese Kunsthistorie?\nMan kann manches zu ihrem Lobe anführen und\nunter den Wissenschaften ihr einen hohen Rang\ngeben. Aber man darf sie nicht ernstlich propa-\ngieren. Denn der Historiker lernt Kunst, er-\nlebt sie nicht.\nIn der Kunst (nicht in der Kunsthistorie) ist\nder Einzige das wesentliche. Jedes bedeutende\nKunstwerk ist die Objektivierung eines einzigen\nErlebens, in ihm offenbart sich eine s e e 1 i ch e\nZuständlichkeit, ein Temperament. Das\nTemperament ist nicht etwa eine dargestellte\n„Stimmung\": der Abendfriede, oder das deutsche\nGemüt, oder das Romantische oder der Jubel.\nSondern alle Werke eines Schöpfers offenbaren\ndie Einheit eines Charakters. Diese Einheit ist\nnicht der „Stil\". Der gehört zum Technischen am\nKunstwerk. Das Technische ist der sichtbare\nAusdruck, die sinnfältige Formung des G egen-\nstand e s. Das Temperament ist nicht Werk,\n(Rilke - Botticelii) sondern Gabe. Ein Tempera-\nment kann sich in verschiedenen Stilen, ein Stil\nkann verschiedene Temperamente offenbaren (Quat-\ntrocentisten - Botticelii). Der Stil mag in einer\nEntwicklung und unter ihren Gesetzen stehen.\nFür das Temperament ist er zufällig. Es ist nicht\njn die Entwicklung der Formen einzuzwängen.\nDie Entwicklungslehre der Kunstgeschichte\nweiß von den Kleineren, deren Verdienst nur die\nVollendung der Technik ist (der Vollkommenste\nunter ihnen ist Raffael). Sie muß das Temperament,\nalso den großen Künstler ignorieren.\nIch gebe irgend ein Beispiel. Van Gogh\nwar ein Zögling Mauves und der Holländer. Er\nfolgte Pissaro, er malte neoimpressionistisch,\nzuletzt zeigte sich, daß er van Gogh war. Er\nmußte nur die Stilformen zerbrechen, die ihm\nvon außen als Fesseln angelegt waren. Man\nkonnte vor einiger Zeit in Berlin die „Schlucht\"\nsehen, das Bild, wo die Formen in Flammen auf-\ngehen, das Feuer die Abhänge hinabflutet und\nunten im Tal kochend und brodelnd gegen den\nBeschauer strudelt. Man sage: wo war das\nVorbild, wo ist die Entwicklung, in der van Gogh\nsteht? Gewiß, er hat von den Franzosen gelernt.\nAber er lernte, um es anders zu machen. Was\nhat van Gogh also mit den Franzosen gemein?\nNichts als daß er die Franzosen überwand. Was\nrechtfertigt, ihn in eine Entwicklung zu stellen?\nDaß er sich über die Entwicklung hinwegsetze.\nDas sind die Grenzen der Kunstgeschichte.\nNur wer sie überschreitet, kann sich dem Odium\ndes Kunsthistoriums entziehen.\nEin paar Typen. Historisten, die das Stadium\nder Gegenwart mit dem Stadium der Ver-\ngangenheit konfundieren. Sie sehen im Neuen\nimmer Altes. Karl Scheffler, ein Kunstskribent\nmit weiter Perspektive auf metaphysische Ver-\nschwafelung, schreibt wörtlich: „zuerst ist der\nArchitekt Handwerker; denn (!) aus dem Stande\nder Handwerker ist er hervorgegangen\". Wie\nder Fabrikant dieses Schlusses schließe ich:\n„Zuerst ist Karl Scheffler ein Göhr. Denn aus\ndem Stande der Göhren ist er hervorgegangen.\"\nSogar Meier-Gräfe, der die besten Bücher\nüber Kunst geschrieben hat, sagt: Nur auf dem\nWege geschichtlicher Forschung könne man „das\nWesen des Kunstwerks vertiefen und den lebenden\nKünstlern Hinweise zu ihrer persönlichen Be-\nlehrung geben\". Man kann aber vom Sein —\nnur das Sein ist Objekt geschichtlicher Forschung\n— nicht auf das Sollen schließen. Historie und\nWertung haben nichts miteinander zu schaffen.\nDie Historistenherde wittert überall verruchte\nRevolutionen. Sie erschleicht sich von Autoritäten\nMaßstäbe und wertet damit blindlings ins Blaue\nhinein. Die neue Kunst ist ja nicht einzuordnen,\nnicht einzukategorisieren in das System, das man\nsich schon glücklich für die Meister der älteren\nKunst zurechtfabriziert hatte. Man weiß ja so\nviel, nur grade über die neue Erscheinung weiß\nman nichts. Der Historientreue muß aber eine\nBeziehung zwischen sich und seiner Gelehrsamkeit\nfinden. Und da das nicht möglich ist, und da\ner über die neue Erscheinung nichts weiß, und\nda er dies sich und anderen verbergen muß,\nwirft er ganz einfach seine Ignoranz der neuen\nKunst vor.\nEs handelt sich darum, das Erlebnis der\nKunst, nicht ein Wissen um die Kunst zu ver-\nmitteln."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "510", "page_fin": "510", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.8", "titre_corps": "Der Oberlehrer", "titre_sommaire": "Der Oberlehrer", "signature_source": "Jakob van Hoddis", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "510", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.4", "debut_caractere": 8298, "fin_caractere_exclue": 8993, "texte": "Der Oberlehrer\nJakob van Hoddis\nGewaltig hockt er auf dem Tisch und spricht\nVon Theben und Athen, heut nachmittag.\nEin grauer Schnurrbart starrt durch sein Gesicht\nEr riecht nach saurem Brot und nach Tobak.\nSein kahles Haupt umwettert der Gedanke\nVon Theben heiliger Schaar, von Pindar spricht er\nDer Primus reibt sich an der alten Bänke\nDie meisten machen willige Gesichter.\nEr spricht von Theben heute nachmittag\nEinige heben ihre kleinen Hände,\nEinige kitzeln leise sich am Sack\nUnd gucken schläfrig auf die leeren Wände.\n„Wer hat soeben auf den Tisch gehauen?\"\nDurch die betrübten Fenster schimmern Wolken.\nDie Jungen sitzen staunend und verdauen. —\nDer Lehrer wird jetzt in der Nase polken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "511", "page_fin": "511", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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A V 4-\nei en a im uns , en\n»»besten Männern Deutschlands , begegnen\nwir auch der Ida Boy-Ed, der C 1 a ra Vi e b i g,\nFedor V. Zobeltitz, Eberlein, Maximilian Harden,\nLudwig Fulda, Paul Hevse, Richard Voß und der\nChefredakteure der größten deutschen Zeitungen.\nSie alle haben die flüchtige Gelegenheit „er-\ngriffen\", den Italienern, die von dem Unter-\nLi •l 3 112 • • 1 i • * i •• i_ + j\ner Kaiserreise scnmerzhch berühr wurden,\nzu sagen, wie „groß und aufrichtig in allen\nSchichten der deutschen Nation die Sympathien\nfür Italien sind.\"\nDer Deutsche, der einzelne, krankt zuweilen\nan der ererbten Italiensehnsucht, aber das Volk\nselbst empfindet für die Jubelfeste Italiens gar-\nnichts. Das will ich behaupten, ob ich auch mit\nder Geistesgeschichte der Deutschen weniger gut\nvertraut bin - als ein Redakteur desTageblattes-\n«Jas Volk liest von den Jubelfesten, ohne ihnen\n»»Verständnis entgegenzubringen\",\nur seine Dichter, sofern sie weniger deutsch\nempfinden als das Volk, sind ganz erfüllt von\ndem Glück Italiens. Heyse. Alle höhnischen Ant-\nworten, die ihm vor garnicht langer Zeit die\nitalienische Presse auf seine blöde Erniedrigung\nbedeutenden Dichters Itai;ens gab> sind um\neiner Umfrage willen vergessen worden, und der\nSüßinsüßkolorist, unter „den glühenden\nVerehrern Welschlands der berufenste\",\nbrannte darauf dem Giornale d'ltalia dieses zu\nschreiben *\n'\n. „Em alter deutscher DiAter, der es, sich sea mehr ah,\neinem halben Jahrhundert zur Ehre rechnet, sich einen\n„ganzen Italiener im Herzen\" - nennen zu hören, sendet,\nwährend Italien sich zur festlichen Begehung des Jubiläums\nder ruhmreichen Einigung rüstet, über die Alpen hinüber\nseine wärmsten Grüße und Wünsche für die beständige Wohl-\nfahrt seines Stiebten zweiten Vaterlandes.\"\nDer „ganze Italiener im Herzen\" ist nur ein\nhalber deutscher Dichter, und er ist nicht allein\nalt, er war stets veraltet.\nAus allen Ecken einer Rundfrage kriecht die\nbreite Phrase, und selbst Künstler, die in ihren\nWerken maccaroninüchtern und polentatrodken\nsind, reden Worte, die im Öl des Schwulstes\nauf dem rascJ,en Feuer der Begeisterung ge-\nbraten wurden- So gedenkt Reinhold Begas „in\nschwärmerischerErinnerungdesklassischenLandes\".\ngöttliches Rom, wo bist du? Als ich jung war,\nLodern\"3 Ih gCbte einer dir'erst! zu\"sein!'dt\nscheiden müßte, und nun bin ich der letzte. Böcklin, Feuerbach,\nLenbach, Passini (!!) sind vorausgegangen und haben midi\nAk alte knorrige Eiche stehen lassen, im hohen Norden.\nUm 3 bunte und »rüne SPedlte topfen und hacken an dem\nStamm,\nIch dachte an Rom, und der Traum war verschwunden.\"\nHeyse nennt sich einen alten deutschen Dichter,\naber Begas will nur eine alte knorrige Eiche sein,\ndje ™ hohen Norden steht und träumt. Welche\nplastische Anlehnung an die richte des „Stamm-\nvaters aller Journalisten\". Oder: Begas träumt\nniir» er e*ne solange er an Rom\nnicht denkt; erinnert er sich an die ewige Stadt,\nJeben Len- und Feuerbach, Böcklin undPassini\n; j j c~lKct Icf L-«.' ET* t 1, i-\nWieder, und ei seibs.. ist keine Liehe mehr, die\nvon bunten und grünen Spechten behackt wird.\nv, , i. 0., , . r> i. **• i i\nKlarer. als dleser Blid«er, der Berliner Michel\nAngelo, gibt „seiner glühenden Verehrung für\nItalien der glänzende Schilderer der Campagna\nAusdruck .\n»An Italien, dem einzigen, herrlichen, geliebten. Der\newigen Schönheit Italiens habe ich mein Di cht er leben\ngeweiht wie ein Liebender sein Leben der Geliebten, ein\nPriester der Gottheit weiht. Italien zu lieben, zu preisen,\nzu verklären - so viel mir gegeben ward — gehört zu\nmeinen höchsten Errungenschaften, meinem schönsten Glück.\nMSfe «J«peinige Italien in seiner zweiten Renaissance blühen\nund3ede.hen. Dieser Wunsch .st em Gebet an Italiens Gemus.\nFreilich behauptet Manzoni, der sein Dichter-\n,eben nur seiner eigenen Heimat geweiht hatte,\ndaß die Leiden und die Freuden einer Nation im\nInnersten nur ein ihr Angehöriger wird nach-\nempfinden können, und daß es einem Dichter,\nwenn nicht a u ß e rg e w öhnlich e-Umstände\nvorwalten, niemals möglich sein wird, aus"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1674, "texte": "fremdländischen Lebensgeschichten die wahren und\ntiefgreifenden Anregungen für seine Kunst zu\ngewinnen.\nOb diese, „außergewöhnlichen Umstände\"\nbei Voß vorwalten? Sein ganzes Dichterleben\nhat er der ewigen und klassischen Schönheit\nItaliens doch nur zum Heile einiger Dutzend\nBlaasgesichter geweiht, die er ins deutsche\nSchrifttum übertragen hat.\nLudwig Fulda „traf\" der Wunsch des Gi-\nornale d'ltalia in Rom. „Auch ich verdanke, er-\nklärte er, Unendliches der unvergleichlichen Stadt.\"\nUnendliches. Wie groß müßte ein Dummkopf\nsein, der eine Spanne davon in Maestro Ludwigs\nWerken entdecken könnte.\nUnd wie die Presse selbst Küns t e r zum\nReden von Plattheiten nötigt, stellt die Antwort\nLiebermanns außer Frage. Sie lautet:\n„Ueber Italiens landschaftliche Schönheit oder über\ndessen Kunst noch etwas zu sagen, hieße Eulen nach Athen\ntragen. Ganze Bibliotheken könnte man mit den Büchern\nfüllen, die über Italien geschrieben sind. Aber neben den\nlandschaftlichen und künstlerischen Genüssen, die Italien\nbietet, sollte man die leiblichen Genüsse, die den Fremden\ndort erwarten, nicht vergessen. Auch die Küche\nItaliens ist klassisch.\"\nAllen Endes kann man jeden Unsinn, der\nin Deutschland zum Lobe Italiens schon gesagt\nund gedruckt wurde, klassisch nennen. Ich aber\ndenke des Lobes, das Burckhardt einem feuille-\ntonistischen Libretto (budapester Genres) des\nHerrn Saiten gespendet hat. Die „Gedanken-\ntafel der Prinzessin Anna\" sei würdig, „neben\ndie besten Renaissancenovellen ge-\nstellt zu werden.\nSo etwas vergißt man nicht, und es ist\nwahrlich kein Trost, daß das Giornale d'ltalia nicht\nauch eine Umfrage an die besten Männer\nOesterreichs gerichtet hat\n\nJoseph Adler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "512", "page_fin": "512", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.11", "titre_corps": "Vermischtes : Ein neuer Beruf", "titre_sommaire": "Vermischtes : Ein neuer Beruf", "signature_source": "Minimax", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "debut_caractere": 1676, "fin_caractere_exclue": 4204, "texte": "Vermischtes\nEin neuer Beruf\nMinimax\nSeit einigen Wochen ist in Berlin eine neuer\nBeruf aufgekommen, zu dem sich bereits ein er-\nheblicher Andrang geltend macht. Es handelt\nsich um den Beruf der Adventisten. Diese waren\nbisher eine ganz gewöhnliche brotlose Sekte, welche\nihre religiöse Mission darin sah, daß sie den\nblauen Montag auf den Sonnabend verlegten. Im\nzivilen Leben war es natürlich damit Essig, obwohl\ndie Adventisten hervorhoben, daß man sfch am\nblauen Sonnabend erst recht auf die Sonntagsruhe\nvorbereiten könne und damit einigen Zulauf\nhatten. Jetzt haben sich die Militärbehörden der\netwas verfahrenen Sache angenommen. Wer\nSonnabend nicht arbeitet, erhält — bei jeglicher\nVorbildung, — ohne Weiteres Berechtigung zum\neinjährig-freiwilligen Dienst in derselben Weise.\nBewerber müssen sich nur verpflichten, Sonnabends\nvierundzwanzig Stunden lang intensiv zu feiern;\nsie werden bei konsequenter Durchführung dieses\nreligiösen Prinzips dauernd prolongiert, auf\nStaatskosten pensioniert und beerdigt.\nUeber Details orientiert: Franz Schlaumann,\nalias Neumeyer, Adventist; Vertreter der Sofa-\nfirma „Ruhe sanft und hartnäckig.\"\nDer Diebstahl Salomonischer Heiligtümer\nDie Engländer sollen aus der Moschee Omar\nHatap in Jerusalem, die auf der Stelle des Salo-\nmonischen Tempels steht, zehn große Kisten voll\nKostbarkeiten, Reliquien, gestohlen haben. Der\nDiebstahl geschah unter den Augen der\nGensdarmen; man ist völlig im Unklaren über\nden Verbleib des gestohlenen Gutes. — Wir be-\nmerken, daß diese Zeitungsnachrichten auf nicht gutea\nInformationen beruhen. Es waren tatsächlich keine\nEngländer, sondern es waren nur untergeschobene\nEngländer, das sind Engländer, welche zwar zu\nschieben glaubten, aber von Deutschen vorgeschoben\nwurden. Die fraglichen Reliquien sind bereits in\nBerlin eingetroffen, ihre Verteilung hat gestern\nbegonnen; ein unbekannter Wohltäter hat wie\nfolgt über die Geschenkgaben verfügt:\n1) Das Linsengericht, Reste des Mahlsr\num welches Jacob seine Erstgeburt\nals Empfangsdiner des Bundes gegen die Erb-\nschaftssteuer.\n2) Ein Knochen des Kamels, auf welchem\nHagar, die schwangere, in die Wüste ritt, als\nBeitrag zum Propagandafond des Bundes für\nMutterschutz.\n3) Das goldene Kalb, in acht Teile geteilt, an\ndie deutschen Parteien, zur Anspornung ihres\nalthergebrachten Idealismus. Die nationalliberale\nPartei zerfällt dabei in acht weitere Untergruppen!;\njede erhält von dem geschmolzenen Kalb eise\nBrosche mit der Widmung: „Der Starke ist am\nmächtigsten allein\" oder „Mit vereinten Kräften\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "512", "page_fin": "512", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "debut_caractere": 4367, "fin_caractere_exclue": 4499, "texte": "S; Cafe Continental ESS!\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeitungen ttnd ZeStschriften\n."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "512", "page_fin": "512", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "debut_caractere": 4501, "fin_caractere_exclue": 5130, "texte": "r\nPrivatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer FamHie\ndurch Anschluss a a den zar Vertretung der wirtschaftfichen, so*\n2ialen und rechtficfaen Interessen der PHvat-Beamten gegrundeten,\ndurch landesherri. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nDEeTSeiBN rSITIMEIHTEI-TBiEli Zi SUHEIHt\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwerivolle Wohlfahrtseinrichtungen x\nQesamtvermogen: Ueber 16 Milliooen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Mao verl. 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Harz. Vierteljahrspreis\nM. 1,25 bei freier Zustellung. — Die Herren Verleger werden um\nEinsendung ihrer Neuerscheinungen zur Besprechung gebeten.\nProbenummern umsonst und Postfrei durch die Geschaftsstelle\n.1 11 Vertreter gesucbt ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "512", "page_fin": "512", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "debut_caractere": 5748, "fin_caractere_exclue": 6281, "texte": "H\nLssCahiersdu Centre\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. 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Kurse von £ I 16111 • IIICMCI Leipzig\nunler Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatli h\ngepruxte Lehrer, A ademi er oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Oriindiiche\ntinfiihrune in die Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStadium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebunos-Kontor.\nDas Stiidium ist fur AnfSnger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-5 Real- oder SJmliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besscren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfiir Kaufleuie reiferen Alters, die bereits praktisch tatig vvaren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeanite, Ingenieure, Cheniiker, Brauer, Juristen, Naticnalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschafilicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesrllschaften sich vorbereiten wollen. 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R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daß Sie dieselhen wie ein Tuch zusAmmen-\ndrucken konnen, ohne daß der Korper darunter leidet. Hartalin-Gluhkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50%. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Kg. od. verlangen Sic den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nenhefiten\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "512", "page_fin": "512", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "debut_caractere": 8706, "fin_caractere_exclue": 8875, "texte": "Shfv\n(<rn /M :«\nVBf] if\nSfelK\nnach Entwiirfen erster\nKiinstler durch den :\nExlibris -Verlag\nBerlin W. 30, Freisinger Straße 7\nm »i»s«sssseseeimee©esse#@e#@#sessee®ss®#e*"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "513", "page_fin": "513", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "513", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 148, "texte": "Neue Sezession\nDritfe Aussfellung\naif\nGalerle Maximilian Macht\n?8»«» mmmm»*Ss.\nK5\nBerlin VJ. 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Daher empfehle ich es 2\nJedem, der von Zahnschmerzen 2\ngneplagt Ist. Mit herzlichem 2\nDank beschelnigt dies Helene 2\nKleemann, Roiennrten, 2\nn Frankfurt an der Oder xt 2\n2 n Frankfu\n•MMNMMMI"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "514", "page_fin": "514", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "514", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.8", "debut_caractere": 1112, "fin_caractere_exclue": 1188, "texte": ":: Probenummem ::\numsonst und portofrei durch die\nOcKhlftsstelle „DER STURM\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "514", "page_fin": "514", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "514", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.8", "debut_caractere": 1190, "fin_caractere_exclue": 1619, "texte": "«Spielend» lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's AUTOD1DAKT\nSelbstunterrichtsmethode\nmil Hulfe des Grammophons\nOMNE TU3JT\nPUHKTUM\nBisher erschienen:\nA. Italienisch\nB. Franzosisch\nJeder Lehrer, jede Lehrerin,\nJedermann muss Dr. Rebajoli's\nAutodidakt gebrauchen, um\nleieht und griindlich Fremd-\nsprachen zu lemen.\nJede Sprache in 33 Lektionen.\nQUI MISCU1T\nUTILE DULCl\nEpochemachende Neuheit\nVertag F. HARN1SCH &. 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Sprache zu besonders billigen Preisen\nDemnachsterscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblStter: PortrSts, Stadteansichten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen. FlugblStter, neuere\nund Sltere Oenrebilder, Blotter von\nMenzel, Beardsley, Rops, Stammbficher\nSilhouetten, Japanbiatter etc. etc.\nKatalogc / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlaagen\nAngabe von DesjcJcraten erbeten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c031", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "514", "page_fin": "514", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "514", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.8", "debut_caractere": 2473, "fin_caractere_exclue": 2730, "texte": "FERNSPRECHER:\nAMT YD, No. 10041\nINDIVIDUELLE\nBEDIENUN G\nRENNER, LIEBE & Co.\nGESELLSCHAFT MIT BESCHRANKTER HAFTUNG J\nREKLAME UND AUSSTATTUNGEN\nGRAPHISCHE ANSTALTEN J\nBUCHDRUCKEREI S\nBERLIN NO. ■\nNEUE KQNIGSTR. 17 \"\n■\n■Biiaaiiißißiißiiiiiiiiiaiiiiiißaaißiiiiß"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c032", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "514", "page_fin": "514", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "514", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.8", "debut_caractere": 2732, "fin_caractere_exclue": 3111, "texte": "Preis 1 Mark Prels 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheresMittel gegen akuteKatarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsofortigesi Gebrauch der erkrankten Organe\n■■■«■ ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken and Dregcricn / AEleinige Faferfkaatin\n„Pharmacia\" / Fabrik ffir pharmaceutischen Bcdarf / Berlin-Halensec\nWohlfiduneckend SidMr wirkuid"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-06-01-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-06-01_01#c033", "volume": "bmtnabg_1911-06-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "514", "page_fin": "514", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "514", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.8", "debut_caractere": 3113, "fin_caractere_exclue": 3380, "texte": "«0\n-v\n-c\n<*/\nV,\n/J\n<?\n£\n<7;\n©\na\nProf. Dr. Backb&agmilcli, alt be-\nfrfihrta Kindermiich. — Triokfertige Por-\ntioaflaßehan fnr Tarochiadana Altarstafen.\nllal to nana, bastar Zasatz zur Belbst-\nlerstaliung andarer Milchmischu&gan.\nPXnnd-Doaa IK.KX la Apotb. a. 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JUNI 1911\nNUMMER 64\n\nInhalt:\nMYNONA: Fabelhaftes / ELSE LASKER-SCHÜLER: Dem Barbaren / TRUST: Wieder eine Woche / Dr. KARL HAMAN: Literarhistorik\nund Journalismus / JOHN WOLFS: Kunst-Historismus / JAKOB van HODDIS: Der Oberlehrer / JOSEPH ADLER: Deutsche Phraseure / MINIMAX:\nVermischtes / LUDWIG SEGEBARTH: Versinnlichte Presse / Zeichnung- / M. MELZER: Zeichnung\n\nFabelhaftes\nVon Mynona\nEin König von sehr gebildetem Aussehen\nverliebte sich in ein recht hübsches, aber dumm\ndreinschauendes Gänsemädchen. Er verkleidete\nsich in einen Sauhirten, gestand ihm seine Liebe,\nund es gab sich ihm zu eigen. Der Sauhirt über-\nhäufte sie mit Geschenken als: Pomade, Honig-\nkuchen, drei Paar Loden-etcetra, Visitenkarten,\nTalglichte, Halstücher. Sie freute sich des und\nhalste ihn um. Da gestand er ihr, er sei der König.\nSie erschrak, nahm nichts von Allem und ging,\nihre Gänse hüten. Sie war nicht mehr zu be-\nwegen, sich dem Könige zu nähern. Hochbetagt\nstarb sie, und ihre letzten Worte lauteten: „Wehe\ndem Sauhirten, den die Liebe nicht zwingt, König-\ntümer zu verschweigen.\"\n* *\n*\nJohann Wolfgang von G. beichtete einem sehr\nmilden Priester:\n„Ich habe ein Dorf in Brand gesteckt und\neinen lebenden Mops noch extra in die Flammen\ngeschleudert.\" „So hast du (näselte der Priester)\nwohl Verbrechen begangen — doch (und hier\nlächelte er kränklich) doch der Mops rettet dich;\ndenn der Seelenkenner gewahrt die bittre Reue»\ndie nach Möpsen greift wie nach einer Art sitt-\nlicher Feuerspritze. Oh 1 mein Sohn, wie oft\nmacht man das Entsetzliche mit dem Entsetzlicheren\nrückgängig! Zeuch hin in Unschuld,\"\n# &\n*\nDem Magazinverwalter Walter WaMherr Hei\nein Kronleuchter so geschickt auf die Scheitelbeine»\ndaß er mit der Spitze tief in den Schädel drang\nund dort aufrecht stecken blieb. Waldherr, von\nvier Untergebenen gehalten während fünf sich\nabquälten, das Ding wieder herauszuziehen, stam-\nmelte sterbend: „Achachachachachachrrrrrrrrnr\"*\nDoktor Berghuhn sagte: „Das Sprechzentrum\nfunktioniert noch rudimendär; mir ist ein großes\nLicht aufgesteckt.\" „Nein, ihm\", schrieen die\nUnterbeamten; sie meinten den Kronleuchter. —\nSo gehört denn zu Erkenntnis und Witz eine\ngroße Mitleidlosigkeit. Und instinktiv rückt der\n\nZeichnung von M. Melzer"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "508", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.2", "texte": "Mensch den Leidenden in eine solche Distanz,\ndaß er Lehren und Heiterkeit aus ihm ziehen\nkönne. Freut euch des Sterbens! Lernt lachen\nüber das Leiden!\nEin junger Militär wurde standrechtlich er-\nschossen. Die Leiche zuckte noch eine Weile,\nbevor sie sich in den guten Leichenbrauch fügte.\nAber Major von Bullrauch kommandierte ihr: „Tot\nliegen; keine Allotria.\" War das nun nötig? —-\nWas zu viel ist, ist zu viel! Wo es obendrein\npure Reflexbewegungen waren. Trotzdem ist die\nGeste einer Befehlshaberei auch dem leibhaften\nTode gegenüber imponierend. So könnte man\nsich auch militärische Geburtshelfer sehr wohl\nGeburten kommandierend vorstellen. Soll doch\ndie gesamte Schöpfung auf ein Generalkommando\nin einer Woche entstanden sein. Alle spätere\nKommandiererei ist also nur eine Nachwirkung,\nso daß immerhin auch Leichen einen geringen\nRest Gehorsam in ihren Gliedern zu verspüren\nhaben.\nEs fiel einmal von ohngefähr ein Salm ins\nWeihwasser. Der Prälat Ohmke suchte seiner\nGemeinde das als einen göttlichen Wink aus-\nzulegen. So sagte er, rege sich im Tiere, im\nFischlein der Wunsch nach Einweihung in die\nMysterien des Glaubens. Die armen Seelen alle\nseien solche Salme, und nicht jeder werde wie\ndiesem das Glück bescheert, des Segens teilhaft\nzu werden. „Ich hab'n ja 'neig'worfe\", sagte\nder Schüler Peter Meckerle. „Du warst, ohne\nes zu wissen — ja vielleicht in frevler Absicht\nein williges Werkzeug der göttlichen Lenkung\",\nerwiderte der Prälat. — Solange Gott solche\nAdvokaten hat, existiert er zweifellos.\nEin Fräulein von schmächtigem Liebreiz hatte\ndas Unglück, einem Manne zu gefallen, den die\nNatur mit allem Möglichem begabt hatte, bloß\nnicht mit dem Einen, was hier so besonders not\ntat. „Größer Gott\" sagte die Aermste, als ihr\nendlich der triste Tatbestand nicht länger Ver-\nheimlicht werden konnte, „wie haben Sie sich das\neigentlich gedacht? Schließlich ist doch das\nGründen einer Familie an gewisse .... Vorbe-\ndingungen geknüpft \" „Nun — was das\nanlangt\", versetzte der Brave und verdrehte ein\nwenig die Augen — „was das anlangt, so\nglaube ich, daß wir Beide das reine hohe\nMenschsein, die bedingungslos ideale Zusammen-\ngehörigkeit, das sternartige Einsamkeitsgelüst\n.... hier fiel die Dame in Ohnmacht.\nIn einer Waldschenke schlug der Blitz als\nkalter Schlag. Alle Bauern ernüchterten sich und\nließen das Trinken. Nur auf Einen, der ge-\nwöhnlich nüchtern und mürrischer Sorte war,\nwirkte der Schlag animierend. Er sagte später,\ner habe es als eine wahre Aufforderung\nvon der Traurigkeit zu lassen — so als ob der\nganze liebe Himmel „Juchhe!\" gerufen hätte. —-\nDas artigste Beispiel für alle Ausleger der Natur-\nereignisse! Nicht bloß ist des Einen Eule des\nAndern Nachtigall — sondern dies ist das Aller-\nmerkwürdigte : Des Einen Nachtigall sagt plötzlich\n„uhuhu\"; während des Anderen Eule auf ein mal\n„tiotiatiotinx\" und „tandaradei\" macht!!\nEs fand ein Einbruch bei einer alten Dame\nstatt. Sie raubten ihr alles und wollten ihr\nschließlich noch das Leben nehmen. Vergebens\nflehte und wimmerte das greise Weib, sie rückten\nihr so lange zu Leibe, bis sie tot umfiel. Die\nEinbrecher zerhackten den Körper und warfen\ndie Stücke ins Feuer. — In der folgenden Nacht\nhatte jeder von der Bande den gleichen Traum:\nDas Weiblein wurde vom Feuer wieder ausgespien,\ndie Stücke setzten sich zusammen, sie lebte auf\nund, anstatt sich zu rächen, küßte sie jedem Mörder\ndemütig die Hand und bestätigte ihn ausdrücklich\nim rechtmäßigen Besitz des Raubes. — Die\nRäuber erwachten windelweich, in Tränen ge-\nbadet und stellten sich der Polizei: Daraus folgt:\nOhne die Fähigkeit zu traumlosem Schlaf ist\nMord und Raub der sentimentalsten Gefühlsduselei\ngleichzuachten.\nDer gewandte Ehebrecher BertholdNelke machte\nsich anheischig, binnen vierundzwanzig Stunden\njedes Familienidyll zu verheeren. Ein Eheherr beging\ndie Kühnheit, sich in eine Wette mit ihm\nzulassen, er machte ihn selbst mit seiner Gattin\nbekannt und überließ beide ihrem Schicksal.\nNelke, nicht faul, eroberte sofort das gesamte\nTerrain und begab sich feierlich mit allen nötigen\nGarantien seines Sieges zu seinem Wetthalter.\nDer blickte ihn lange verwundert an, darauf sprach\ner: „Sie haben die Wette verloren, Sie haben\nkein Idyll zerstört, Sie haben eine längst ge*\nplante Ehescheidung herbeiführen helfen.\" —\nLeichte Siege sind stets verdächtig, schmecken\neher nach Niederlagen. Was nennt sich nicht\naller mit so stolzem Namen „Ehebrecher\" I\n\nDem Barbaren\nElse Lasker - Schüler\nDeine rauhen Blutstropfen\nSüßen auf meiner Haut.\nNenne meine Augen nicht Verräterinnen\nDa sie deine Himmel umschweben;\nIch lehne lächelnd an deiner Nacht\nUnd lehre deine Sterne spielen.\nUnd trete singend durch das rostige Tor\nDeiner Seligkeit.\nIch liebe dich und nahe weiß\nUnd verklärt auf Wallfahrtzehen.\nTrage dein hochmütiges Herz,\nDen reinen Kelch den Engeln entgegen.\nIch liebe dich wie nach dem Tode\nUnd meine Seele liegt über dich gebreitet—\nMeine Seele fing alle Leiden auf,\nDich erschüttern ihre schmerzlichen Bilder.\nAber so viele Rosen blühen\nDie ich dir schenken will;\n0, ich möchte dir alle Gärten bringen\nIn einem Kranz.\nImmer denke ich an dich\nBis die Wolken sinken;\nWir wollen uns küssen —\nNicht?\n\nWieder eine Woche\nGustav Mahler\nDer größte Tondichter unserer Zeit ist ge-\nstorben. Ich brauche nicht eine Gelegenheit, um\nmich über bedeutende zeitgenössische Erscheinun-\ngen zu „äussern\". Denn mein ganzes Streben\ngeht darauf, die Zeitgenossen vernehmlich auf\ndie zu weisen, die ewig sind Die Tagespresse\nbraucht diese Gelegenheiten zu Aeusserungen.\nSie ist den Grossen gegenüber „kritisch\" und\nbraucht ihren Raum für die Verherrlichung der\nKollegen. Das ist ebenso recht wie billig. Und\nich würde der Presse aus diesem Verhalten gar\nkeinen Vorwurf machen, wenn sie nicht die NeU\ngung zur ernsthaften Kritik der wenigen wirk-\nlichen Künstler besässe. Die B. Z. am Mittag\nwar vom Tode Mahlers besonders ergriffen. Und\nsie fragte schleunigst „hervorragende Künstler-\npersönlichkeiten\" an, was sie von Mahler ge-\nhalten hätten. Unter ihnen versteht sie Opern-\nsänger und Theaterdirektoren. Mahler war ja\nvon Beruf Theaterdirektor, was liegt näher, als\nseine Kollegen über ihn zu befragen. Diese her-\nvorragenden Persönlichkeiten können nun leider\nalle nicht schreiben, wozu sie auch keine Ver-\npflichtungen haben. Denn Schreiben ist eine\nKunst für sich, was die B. Z. am Mittag sicher\nnicht glauben wird. Man könnte fast vermuten,\ndaß die Presse besonders gern Schauspieler und\nSänger als Objekt ihrer Tücke benutzt. Die\nHerrschaften, über die man so ungebührlich viel\nschreibt, sollen nun auch einmal merken, daß\ndas Schreiben gar keine Kunst ist. Aber die\nB Z. ist über Mahlers Tod besonders gerührt:\n„Denn sein künslerisches Leben war trotz aller\näußeren Erfolge hauptsächlich doch Kampf.\"\nGegen die Presse, die ihn bei seinen Lebzeiten\nverhöhnte. „Es ist bekännt, daß Mahler als\nKomponist auch in der letzten Zeit noch nicht\njene volle Würdigung erfahren hat, die ihm eine\nspätere Zeit vielleich rückhaltlos zuerkennen\nwird.\" Vielleicht rückhaltlos. Jedenfalls hat die\nBerliner Presse bei seinem Tod den ersten Anfang\ngemacht. Es bleibt das Unbegreifliche, warum\ndie Herren erst bei einem Todesfall unehrlich\nwerden.\nDie Hoffnung in der Büchse\nHerr R. Sch. ist mit der Büchse der Pandora\nvon Frank Wedekind nicht zufrieden. Er meint:\nWenn der Eindruck trotzdem — abgesehen von der in\ndem Stoffe liegenden Anhäufung- von Gemeinheiten, Verbrechen\nund Perversitäten mit ihrer magenumdrehenden Wirkung\n— nur ein gerirger war, so liegt es eben daran, daß die\ndichterische Kraft Wedekinds in allen sieben Akten seinen\nbeiden Lulu - Dramen bei weitem nicht an sein dichterisches\nWollen heranreicht, mit dem er im „Erdgeist\" und in der\n„Büchse der Pandora\" Leben und Sterben seiner vernichtung-\nsäenden Urdirne in eine symbolische Form gießen wollte, die\nihm unter seinen unbekümmerten Händen zerbrach.\nHerr R. Sch. ist der Mann, der jeden Tag\ndie schönen Gedichte für die B. Z. am Mittag\nschreibt, die heitere Lyrik. Auch bei Wedekind\nverschanzt er sich vorsichtigerweise wieder hinter\nseine Knüppelreime. Er findet, „daß sich der\nInhalt besser per Vers als per Prosa sagen läßt/\nWedekmd sollte diese dichterische Kraft per\nultimo in die Büchse der Pandora einschließen,\ndamit wenigstens seine symbolische Form für\ndie Nachwelt konserviert bleibt. WTer auf gute\nVerdauung etwas gibt, sollte sich aber nicht an\ndie Büchse heranmachen. So wäre R. Sch. aber gut\naufgehoben und die Mitwelt um eine Hoffnung\närmer. Denn die läßt Pandora bekanntlich nicht\nheraus."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "509", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.3", "texte": "Wovon man spricht\nNatürlich vom Naturtheater. Denn der Mai\nist gekommen und die Kritiker schlagen aus.\nMein geliebter Keller vom Lokal Anzeiger be-\nkommt Sonne und er, der literarische Kritiker,\nmeint gesperrt: „Der Teufel hole die\nganze Literatur.\" Also nicht einmal\ndie Sonne kann ihn erleuchten, oder der Mai\nbekommt ihm nicht.\nDie Festspiele auf der Freilichtbühne wollen nicht lite-\nrarisch bewertet sein, aber es geht von ihnen vielleicht\ndie leise Mahnung aus: Wir bringen das Theater in die\nNatur, sorgt ihr andern dafür, daß in euer Theater etwas\nmehr Natur kommt.\nHoffen wir das Beste. Ist die Botanisierung\ndes Theaters geglückt, wird sich Herr Keller\neinen Ast in den Bauch lachen.\nEr bellt\nDer schon mehrfach hier verprügelte Herr\nPfemfert aus Wilmersdorf Nassauischestraße 17\nbellt jetzt natürlich. Der Mann ist zu belanglos,\num eine andere Tätigkeit an ihm vorzunehmen.\nIch erkläre hier nur, daß alle sachlichen Be-\nhauptungen, die er sich über Karl Kraus zu\nschreiben erfrecht, völlig erlogen sind. Seine An-\nsichten soll er ruhig verkaufen, wenn er Ab-\nnehmer findet.\nVia Lappland\n„Er ging schon lange mit dem Plan um, all seine Ge-\ndanken zu Papier zu bringen, aber die Anforderungen des\ntäglichen Lebens ließen ihm keine Muße zum Dichten. So\nkam er nie zur Ausführung seiner großen Pläne und wurde\nvon seinen Angehörigen wegen seiner unklaren Schwärmereien\nverlacht, ganz wie es in zivilisierteren Gegenden auch ge-\nschehen soll.*4\nSo äußert sich die B. Z. am Mittag über\neinen — lappländischen Dichter. Am 17. Mai.\nAm 22. Mai schrieb Herr R. Sch. per Vers die\noben mitgeteilte Ansicht über Wedekind. Nun\nverstehe ich nicht, warum dieselbe Zeitung\nschreibt, wie es in zivilisierteren Gegenden auch\ngeschehen soll. Sie braucht doch nicht bis\nLappland zu reisen, um sich hierüber zu\norientieren. Mehr Redaktion, Kollegen! Keine\nunklaren Schwärmereien, sondern sie heraus-\nredigieren!\nDer verrenkte Fluss\nIch muß einen sinnzerstörenden Druckfehler\nberichtigen. Die vorige Nummer dieser Zeit-\nschrift enthält in der Glosse über Eduard Engel\nfolgende Stelle:\nUeber Else Lasker-Schüler: „Um sie ist es schade, denn\nmit ihrem zitternd heissen Seelenleben, dem brennenden Durst\nnach Dichtung wäre sie eine unserer starken Sängerinnen\ngeworden, wenn ihr das Lied nicht zu abgedroschen erschien.\nSie könnte die bezauberndsten rhythmischen Wirkungen er-\nzeugen, aber absichtlich unterbricht sie den F1 u s s ihres\nGesanges durch stolpernde hinkende Verrenkungen. Ach,\nwelch ein edler Geist ward hier zerstört!\" Herr Engel hat\nsich bei dieser Gelegenheit sogar den Fuss verrenkt.\nDer offenbar nicht poetisch veranlagte Setzer\nphantasiert von einer Fußverrenkung. Dem-\ngegenüber fühle ich mich verpflichtet, die Freunde\ndes Herrn Professor Engel zu beruhigen: er hat\nsich natürlich nur den Fluss verrenkt.\nTrust\n\nLiterarhistorik und\nJournalismus\nBeiträge zur Kenntnis Eduard Engels\nVon Dr. Karl Haman\nI.\nVom Popularisieren\nJournalisten, die eine schwache Erinnerung\nan ihre akademischen Lehrjahre haben, schreiben\npopuläre Bücher. Volkstümlich, allgemeinver-\nständlich und unter andauernder Liebkosung des\nLesers. Es erfordert weniger Talent als Zeit. Hat\ndoch der geliebte, gebildete Leser aus dem Volk\nkeine Ahnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen\ndie ihm durch ihre Darstellungsart unzugänglich\nsind. Nun kommt der Popularisator ... sie\nverstehen, und aller Dank fällt auf sein mild ab-\nwehrendes Haupt. Jede straffgesagte Banalität,\ndie der ehrsame Nationslehrer aus irgend einem\nKolleg behalten, wirkt als originelle Entdeckung.\nUnd da die lieben Leser ihn als Born aller\nausgesprochenen Weisheit betrachten, jubeln sie\nihm in erfreulicher Begeisterung zu: ist er doch\nder wahre Erzieher des Volks, der das Leben\naus den staubübersponnenen Schweinslederbänden\n(ein beliebtes und volkstümliches Symbol für die\nWissenschaft) gerettet hat. Und Journalisten\nniederster Klasse, die tatsächlich ihr Deutsch, nach\nvollbrachtem Achtstundentag, im düstern Kämmer-\nlein erschwitzt haben, brechen in Hymnen aus\nauf das „bei aller Wissenschaftlichkeit populäre\nWerk\"; — wobei sie nicht undeutlich durch das\nGefühl geleitet werden: vielleicht . .\nvielleicht schreibst du selbst einmal etwas\nähnliches ....\nEs gibt auch eine andere Art der Populari-\nsierung, die lediglich das Schwerflüssige der\nTerminologie in konkrete Bilder auflöst. Doch\ndiese setzt eine vollkommene Vertrautheit mit\nder Wissenschaft voraus und erfordert außerdem\nein durchaus künstlerisches Temperament.\nII.\nDie Methode\nDer Literarhistoriker ist in demselben Maß\nHistoriker, als er Aesthetiker ist. Sonst bleibt\ner ein Chroniqueur, der die Ereignisse und ihren\nNiederschlag in den Kunstwerken nebeneinander-\nfügt, sinnlos und von nur empirischen Motiven\ngeleitet. Wir müssen die langsame Entwicklung\nder Kunst als ein Geschlossenes vor uns sehen,\n— oder die Literaturgeschichte ist eine Sammlung\nvon Feuilletons, nach einem traditionellen Schema\ngeordnet. Man wird solchen Historikern — zu-\nmal wenn sie zu alt sind, um sie ins Seminar\nzu schicken — den Rat geben, ihre Zeit mit\nnützlicheren Dingen zu verbringen. Eduard\nEngel zum Beispiel, wäre, bei der eminenten\nAusdauer ein prachtvoller Altphilologe geworden\nwobei ich an jene Schulmeister erinnern möchte,\ndie ihr ganzes Leben an die wahrscheinlichere\nInterpretation irgend eines aristotelischen Satzes\nsetzen.\nSprechen wir so volkstümlich und liebevoll,\nwie wirs nach der Lektüre des Engeischen Werkes\ngelernt haben. Also: der Literaturhistoriker muß\neine Ahnung haben, wie die Dichtungen entstehen.\nKunstwerke haben nämlich nicht die Eigentüm-\nlichkeit, vom Himmel in eines Meisters Herz zu\nfallen und frisch und frei wieder herauszusprudeln;\nsondern sind seltsamerweise durch die geistige\nBeschaffenheit des Dichters durchaus bestimmt,\nder wieder durch die geistige Atmosphäre seiner\nZeit, durch ihre ökonomische Struktur in über-\nraschender Weise bedingt ist. Man verlangt von\nihm sogar soviel Psychologie, daß er das Plus,\ndas den Dichter über das notwendige Milieupro-\ndukt erhebt, herauszulesen und in seinen Werken\nwiederzufinden weiß. Eduard Engel hat zwar\nhiervon keine Ahnung, schreibt aber sehr schön\nLiteraturgeschichte für die Gebildeten im Deutschen\nVolk.\nEs gibt in unserer Zeit Luxusmenschen, die\nan den Literarhistoriker das unerhörte Verlangen\nstellen, daß er auch etwas von Literatur verstehen\nmüsse. Nun, diese Unverschämten sind durch\nHerrn Eduard Engel schlagend widerlegt. Nichts\nmuß er verstehen: aber gesund muß er sein!\nWie darf man von ihm verlangen, daß er ein\nKunstwerk über seinen gleichsam bedingten\nGehalt auf seine persönliche Bedeutung unter-\nsuche ! Dazu gehört nämlich, daß man philosophische\nBildung besitzt, um die Einheitlichkeit des ästhe-\ntischen Urteils zu verbürgen. Man muß sich über\nseinen künstlerischen Instinkt, über seine Urteils-\nprinzipien klar geworden sein; muß sie, aus dem\nNebel einer nur gefühlten Geltung, zur intellektuellen\nAnschauung bringen, um im historischen Sinn\nKritiker zu sein. Anderseits muß die künstlerische\nKultur die Seele so fein organisiert haben, daß\nsie diese Maßstäbe nicht zu absoluten prägt und\nin jedem Einzelfall noch soviel frei bewegliches\nGefühl übrig hat, um das ganz Besondere,\npsychologisch Vereinzelte in einem Kunstwerk zu\nerkennen. Aber: Eduard Engel schreibt ja nur\nfür „Gebildte\". Da begnügt er sich mit Referaten\nund sogenannten Analysen, die lebhaft an Se-\nkundaneraufsätze erinnern.\nEs gibt nämlich eine literarhistorische Methode.\nSie hat ihre höchst persönlichen Eigenschaften.\nMit bewundernswertem Freimut pfeift Engel auf\ndie unverständliche Wissenschaft — und schafft\nsich eine eigne Methode, die sich behaglich in dem\nwirren Schwall nichtssagender Werturteile wältzt.\nEs wäre unangemessen, zu sagen, daß Eduard\nEngel etn schlechter Journalist sei: man kann\nsogar behaupten, daß sein Talent für die ge-\nwisse gerührte Reportage nur von Böswilligen\nverkannt werden kann.\nIII.\nDie Darstellung\nVon unserm Objekt angeregt, bleiben wir\ngeistreich und variieren: Kritik ist Kunst, gesehen\ndurch ein Temperament. Kunstgeschichte ist\nKritik, mit Ausschaltung der aktuellen Beziehung\nund Einordnung unter einem Begriff. Eduard\nEngel schaltet nicht den aktuellen, aber den\nkünstlerischen Moment aus. Daher ist seine\nDarstellung überhäuft mit aktuellen Anspielungen\n— eine Art, die wahrscheinlich die Beziehung zum\nLeben markieren soll, und die noch jeder unfähige\nJournalist zur Rettung seines „historischen Stand-\npunktes\" ausgenutzt hat. Wertlos wie sein Urteil\nist seine Anordnung: jeder kulturell bedeutsame\nMensch ist auch literarisch selbstverständlich ein ganz\nGroßer und wert eines Porträts. Das ist die\nnatürliche Folge dieser flachen Art, sich über\nLiteraturgeschichte zu äußern; indem man vor-\ngibt, den Leser in das Gebiet einführen zu wollen,\nverleiht man sich diktatorische Gewalt und fröhnt\nseinen besondern Liebhabereien, die den Lesern\nals notwendig aufgeschwatzt werden, da das Buch\nja erziehen will. Indem der sogenannte Literar-\nhistoriker (in besondrer Beziehung auf Eduard\nEngel) seinen Gegenstand mit dem der Kultur-\ngeschichte identifiziert, verliert er die individuelle\nEmpfindung des Stoffs: — und die Folge sind solche\nwertlosen und wässrigen Schmöker, die die Lite-\nrutur zum Mittelpunkt machen und dann aus\neiner Empfindung der Vollständigkeit und aus\nder eben geschilderten Vermischung der Stoff-\ngefühle eine Charakteristik der wissenschaftlichen\nLiteratur anhängen, die nur den Unwert einer\nbelanglosen Namensaufzählung besitzt und in\nkeiner organischen Beziehung zur schönen Literatur\ngebracht ist. Betrübend ist nur die Selbstver-\nblendung dieser Autoren, die sich völlig unklar\nüber ihr charakterloses Gewäsch — nicht etwa\nim moralischen Sinn — sind. Und so spreizt sich\nEduard Engel als Causeur, plauscht über alle"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "510", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.4", "texte": "und alles, und immer in der vollendeten Attitüde\neines altern Herrn, der mit beneidenswertem\nSelbstgefallen über die Zeilen hinweggelesen hat\nund das oberflächlich Gefühlte in unzulänglicher,\ndurch keine Disziplin geschärfter Sprache wieder-\ngibt. In einer Einleitung über das Wesen der\ndeutschen Literatur schreibt er vom Thema nichts:\nes sei denn, daß er einige altbekannte Schlag-\nworte in einen dünnflüssigen Brei hineinwirft und\nsie armselig und verlassen, herumtreiben läßt.\nWiederholt spricht er von der Ueberlegenheit\ndeutschen Volkstums. Man fühlt: er spricht auf\ndem Markt. Du liebes deutsches Vaterland, dir\nweih* ich mich mit Herz und Hand . . . (möchte\nman sagen.) Selbst seine Fehler sind nur ver-\nkappte Vorzüge. „Fremdgierigkeit und Nach-\nahmung sind die Fehler herrlicher Vorzüge der\ndeutschen Literatur.\" Tief ist er von dem Wert\nseiner Aufgabe durchdrungen, — und nur ein\nganz Ueberlegener findet Ewigkeitsworte von so\nüberwältigender Neuheit. „Ein unverkennbarer\nZug geht durch die jetzt mehr als tausend Jahre\ndeutsche Dichtung: der zum Idealen!!—\" Die\ndeutsche Literatur hat das Pech gehabt, einem\nheimlichen Dichter in die Hände zu fallen! Die\nFeder geht mit dem Mann durch: — und es ent-\nsteht eine spannende Erzählung, nicht ungeeignet\nfür den belehrenden Teil illustrierter Familien-\nblätter.\nIV.\nAls Beschlub\nDieser unbändige Wälzer hat viei Ergötz-\nliches an sich, dessen komische Kraft durch seine\nAbsichtslosigkeit durchaus nicht gemindert wird.\nEin Spaßvogel ist er, der Eduard Engel, — ein\nDichter und Deutschverderber. Aber wir wollen\nhiermit jeden billig denkenden warnen, dieses\nBuch zu erstehen und sich belehren zu lassen.\nDa muß man schon zu andern Werken greifen.\nDieser rückgratslose, miserable Journalist, der\nniemals einen Schimmer philosophischer Arbeit —\ndenn als solche stellt sich, letzten Grundes, jede\ntiefere wissenschaftliche Arbeit heraus, spürte, hat\neinfach ins Blaue hineingeplaudert, ohne Gefühl\nfür die Besonderheit des Stoffs, und ohne jede\nEhrfurcht vor der Geistigkeit dichterischen\nSchaffens. Ich appelliere an das Schamgefühl\nerwachsener Menschen und zeige auf seine Urteile,\ndie, mit platten Spaßen, das Heiligste der Dichter\nbeschmutzen. Wohl ist es des Historikers Pflicht,\nzu urteilen: und Spott und Hohn sind ehrliche\nWaffen, — aber man muß die Erbitterung fühlen,\ndie hinter ihnen steht, sonst werden sie einfach\nGewürz für die Darstellung. Und dieser Mangel\njedes tiefern Gefühls verrät die wahre Absicht\ndieses jovialen Plauderers: die deutsche Literatur-\ngeschichte in ein Album voll bunter Ereignisse\naufzulösen und sie mit dem muffigen Pathos seiner\nPhantasie luftdicht zu umspinnen. Das war ein\ngrosser Dichter und Der ein Narr.. . erinnert es\nnicht an Bänkelsänger, die mit ihren Mordtaten\nherumziehen? Kein Wunder, dass der weitaus\ngrösste Teil der deutschen Presse auf ihn hinein-\ngefallen ist und eine für Jahrzehnte vorbildliche\nBlamage erlitten hat.\n... Wir aber, die wir im Lärm des hastvollen,\nbunten Lebens stehen und seine Mächte zu er-\nfühlen suchen, leise abwehrend mit mühsam ge-\nschliffenen Waffen, — wir wollen zu tieferen Quellen\neilen, und edlere Worte suchen, als sie in diesem\nGeschwulst bildnerischer Impotenz zu finden sind\nWir wollen eine edlere Sprache, als sie dieser\nHausvater zu schreiben vermag — unter fortwäh-\nrendem Auf —die — Schulter—klopfen und über-\nmassigem Händedruck. Doch das sind ja gerade\ndie Tugenden, die der gebildete Teil Deutschlands\nan seinem lieben Eduard Engel schätzt...\n\nKunst-Historismus\nVon John Wolfs\nHorden Kunsthistoriker pflegen der Meinung\nzu sein, dass nur geschichtliche Forschung\ndie Probleme der Kunst zu meistern vermag,\ndie Probleme der Erkenntnis und die der Wertung.\nHistoristen ist die Kunst Objekt der Forschung,\nnicht Quelle der Lust (Quelle der Lust ist ihnen-\nmitunter die Kunstf o r s c h u n g). Sie haben\nvon der Kunst eine Theorie und aus der Theorie\neine Anschauung. Aber Theorieen haben aus\nder Anschauung zu fließen.\nHeinrichWölfflin, der grosse Elemen-\ntarlehrer der Berliner Universität hat es deutlich\ngesagt: Das Ziel seiner Forschung ist nicht der\neinzelne Künstler und sein einzelnes Werk, es\nist die Einheit aller einzelnen Gestaltungen, die\ngrossen Zusammenhänge und ihre Gesetzmässig-\nkeit.\nHabe ich etwas gegen diese Kunsthistorie?\nMan kann manches zu ihrem Lobe anführen und\nunter den Wissenschaften ihr einen hohen Rang\ngeben. Aber man darf sie nicht ernstlich propa-\ngieren. Denn der Historiker lernt Kunst, er-\nlebt sie nicht.\nIn der Kunst (nicht in der Kunsthistorie) ist\nder Einzige das wesentliche. Jedes bedeutende\nKunstwerk ist die Objektivierung eines einzigen\nErlebens, in ihm offenbart sich eine s e e 1 i ch e\nZuständlichkeit, ein Temperament. Das\nTemperament ist nicht etwa eine dargestellte\n„Stimmung\": der Abendfriede, oder das deutsche\nGemüt, oder das Romantische oder der Jubel.\nSondern alle Werke eines Schöpfers offenbaren\ndie Einheit eines Charakters. Diese Einheit ist\nnicht der „Stil\". Der gehört zum Technischen am\nKunstwerk. Das Technische ist der sichtbare\nAusdruck, die sinnfältige Formung des G egen-\nstand e s. Das Temperament ist nicht Werk,\n(Rilke - Botticelii) sondern Gabe. Ein Tempera-\nment kann sich in verschiedenen Stilen, ein Stil\nkann verschiedene Temperamente offenbaren (Quat-\ntrocentisten - Botticelii). Der Stil mag in einer\nEntwicklung und unter ihren Gesetzen stehen.\nFür das Temperament ist er zufällig. Es ist nicht\njn die Entwicklung der Formen einzuzwängen.\nDie Entwicklungslehre der Kunstgeschichte\nweiß von den Kleineren, deren Verdienst nur die\nVollendung der Technik ist (der Vollkommenste\nunter ihnen ist Raffael). Sie muß das Temperament,\nalso den großen Künstler ignorieren.\nIch gebe irgend ein Beispiel. Van Gogh\nwar ein Zögling Mauves und der Holländer. Er\nfolgte Pissaro, er malte neoimpressionistisch,\nzuletzt zeigte sich, daß er van Gogh war. Er\nmußte nur die Stilformen zerbrechen, die ihm\nvon außen als Fesseln angelegt waren. Man\nkonnte vor einiger Zeit in Berlin die „Schlucht\"\nsehen, das Bild, wo die Formen in Flammen auf-\ngehen, das Feuer die Abhänge hinabflutet und\nunten im Tal kochend und brodelnd gegen den\nBeschauer strudelt. Man sage: wo war das\nVorbild, wo ist die Entwicklung, in der van Gogh\nsteht? Gewiß, er hat von den Franzosen gelernt.\nAber er lernte, um es anders zu machen. Was\nhat van Gogh also mit den Franzosen gemein?\nNichts als daß er die Franzosen überwand. Was\nrechtfertigt, ihn in eine Entwicklung zu stellen?\nDaß er sich über die Entwicklung hinwegsetze.\nDas sind die Grenzen der Kunstgeschichte.\nNur wer sie überschreitet, kann sich dem Odium\ndes Kunsthistoriums entziehen.\nEin paar Typen. Historisten, die das Stadium\nder Gegenwart mit dem Stadium der Ver-\ngangenheit konfundieren. Sie sehen im Neuen\nimmer Altes. Karl Scheffler, ein Kunstskribent\nmit weiter Perspektive auf metaphysische Ver-\nschwafelung, schreibt wörtlich: „zuerst ist der\nArchitekt Handwerker; denn (!) aus dem Stande\nder Handwerker ist er hervorgegangen\". Wie\nder Fabrikant dieses Schlusses schließe ich:\n„Zuerst ist Karl Scheffler ein Göhr. Denn aus\ndem Stande der Göhren ist er hervorgegangen.\"\nSogar Meier-Gräfe, der die besten Bücher\nüber Kunst geschrieben hat, sagt: Nur auf dem\nWege geschichtlicher Forschung könne man „das\nWesen des Kunstwerks vertiefen und den lebenden\nKünstlern Hinweise zu ihrer persönlichen Be-\nlehrung geben\". Man kann aber vom Sein —\nnur das Sein ist Objekt geschichtlicher Forschung\n— nicht auf das Sollen schließen. Historie und\nWertung haben nichts miteinander zu schaffen.\nDie Historistenherde wittert überall verruchte\nRevolutionen. Sie erschleicht sich von Autoritäten\nMaßstäbe und wertet damit blindlings ins Blaue\nhinein. Die neue Kunst ist ja nicht einzuordnen,\nnicht einzukategorisieren in das System, das man\nsich schon glücklich für die Meister der älteren\nKunst zurechtfabriziert hatte. Man weiß ja so\nviel, nur grade über die neue Erscheinung weiß\nman nichts. Der Historientreue muß aber eine\nBeziehung zwischen sich und seiner Gelehrsamkeit\nfinden. Und da das nicht möglich ist, und da\ner über die neue Erscheinung nichts weiß, und\nda er dies sich und anderen verbergen muß,\nwirft er ganz einfach seine Ignoranz der neuen\nKunst vor.\nEs handelt sich darum, das Erlebnis der\nKunst, nicht ein Wissen um die Kunst zu ver-\nmitteln.\n\nDer Oberlehrer\nJakob van Hoddis\nGewaltig hockt er auf dem Tisch und spricht\nVon Theben und Athen, heut nachmittag.\nEin grauer Schnurrbart starrt durch sein Gesicht\nEr riecht nach saurem Brot und nach Tobak.\nSein kahles Haupt umwettert der Gedanke\nVon Theben heiliger Schaar, von Pindar spricht er\nDer Primus reibt sich an der alten Bänke\nDie meisten machen willige Gesichter.\nEr spricht von Theben heute nachmittag\nEinige heben ihre kleinen Hände,\nEinige kitzeln leise sich am Sack\nUnd gucken schläfrig auf die leeren Wände.\n„Wer hat soeben auf den Tisch gehauen?\"\nDurch die betrübten Fenster schimmern Wolken.\nDie Jungen sitzen staunend und verdauen. —\nDer Lehrer wird jetzt in der Nase polken."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "511", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.5", "texte": "Idealistische und realistische Richtung\n\nDas Feuilleton\n\nDer Kolportageroman\n\nHeitere Lyrik\nVersinnlichte Presse / Zeichnungen von Ludwig Segebarth\n\nDeutsche Phraseure\n\nJeder, der mit der Geistesgeschichte der Deutschen\nvertraut ist, begreift, daß kein Volk Europas, über\nalle Stellungnahme der Regierenden und jede offizielle Ver-\ntretung hinaus, an den italienischen Jubelfesten so sehr mit\nAnzahl 112 üh r e\"ndlr\"p\"rSY n 1 fc h ke Ue'n Deutechllndl\nin Politik und Wirtschaft, in Wissenschaft und Kunst haben\nlern die Gelegenheit ergriffen, dies aufs neue in zum\nTeil sehr eindrucksvollen Kundgebungen darzutun, mit denen\nsie auf eine vom Berliner Korrespondenten des „Giornale\nd'ltalia\", veranstaltete Umfrage geantwortet haben.\nUnter den „führenden Persönlich-\ns. • . u . , , . A V 4-\nei en a im uns , en\n»»besten Männern Deutschlands , begegnen\nwir auch der Ida Boy-Ed, der C 1 a ra Vi e b i g,\nFedor V. Zobeltitz, Eberlein, Maximilian Harden,\nLudwig Fulda, Paul Hevse, Richard Voß und der\nChefredakteure der größten deutschen Zeitungen.\nSie alle haben die flüchtige Gelegenheit „er-\ngriffen\", den Italienern, die von dem Unter-\nLi •l 3 112 • • 1 i • * i •• i_ + j\ner Kaiserreise scnmerzhch berühr wurden,\nzu sagen, wie „groß und aufrichtig in allen\nSchichten der deutschen Nation die Sympathien\nfür Italien sind.\"\nDer Deutsche, der einzelne, krankt zuweilen\nan der ererbten Italiensehnsucht, aber das Volk\nselbst empfindet für die Jubelfeste Italiens gar-\nnichts. Das will ich behaupten, ob ich auch mit\nder Geistesgeschichte der Deutschen weniger gut\nvertraut bin - als ein Redakteur desTageblattes-\n«Jas Volk liest von den Jubelfesten, ohne ihnen\n»»Verständnis entgegenzubringen\",\nur seine Dichter, sofern sie weniger deutsch\nempfinden als das Volk, sind ganz erfüllt von\ndem Glück Italiens. Heyse. Alle höhnischen Ant-\nworten, die ihm vor garnicht langer Zeit die\nitalienische Presse auf seine blöde Erniedrigung\nbedeutenden Dichters Itai;ens gab> sind um\neiner Umfrage willen vergessen worden, und der\nSüßinsüßkolorist, unter „den glühenden\nVerehrern Welschlands der berufenste\",\nbrannte darauf dem Giornale d'ltalia dieses zu\nschreiben *\n'\n. „Em alter deutscher DiAter, der es, sich sea mehr ah,\neinem halben Jahrhundert zur Ehre rechnet, sich einen\n„ganzen Italiener im Herzen\" - nennen zu hören, sendet,\nwährend Italien sich zur festlichen Begehung des Jubiläums\nder ruhmreichen Einigung rüstet, über die Alpen hinüber\nseine wärmsten Grüße und Wünsche für die beständige Wohl-\nfahrt seines Stiebten zweiten Vaterlandes.\"\nDer „ganze Italiener im Herzen\" ist nur ein\nhalber deutscher Dichter, und er ist nicht allein\nalt, er war stets veraltet.\nAus allen Ecken einer Rundfrage kriecht die\nbreite Phrase, und selbst Künstler, die in ihren\nWerken maccaroninüchtern und polentatrodken\nsind, reden Worte, die im Öl des Schwulstes\nauf dem rascJ,en Feuer der Begeisterung ge-\nbraten wurden- So gedenkt Reinhold Begas „in\nschwärmerischerErinnerungdesklassischenLandes\".\ngöttliches Rom, wo bist du? Als ich jung war,\nLodern\"3 Ih gCbte einer dir'erst! zu\"sein!'dt\nscheiden müßte, und nun bin ich der letzte. Böcklin, Feuerbach,\nLenbach, Passini (!!) sind vorausgegangen und haben midi\nAk alte knorrige Eiche stehen lassen, im hohen Norden.\nUm 3 bunte und »rüne SPedlte topfen und hacken an dem\nStamm,\nIch dachte an Rom, und der Traum war verschwunden.\"\nHeyse nennt sich einen alten deutschen Dichter,\naber Begas will nur eine alte knorrige Eiche sein,\ndje ™ hohen Norden steht und träumt. Welche\nplastische Anlehnung an die richte des „Stamm-\nvaters aller Journalisten\". Oder: Begas träumt\nniir» er e*ne solange er an Rom\nnicht denkt; erinnert er sich an die ewige Stadt,\nJeben Len- und Feuerbach, Böcklin undPassini\n; j j c~lKct Icf L-«.' ET* t 1, i-\nWieder, und ei seibs.. ist keine Liehe mehr, die\nvon bunten und grünen Spechten behackt wird.\nv, , i. 0., , . r> i. **• i i\nKlarer. als dleser Blid«er, der Berliner Michel\nAngelo, gibt „seiner glühenden Verehrung für\nItalien der glänzende Schilderer der Campagna\nAusdruck .\n»An Italien, dem einzigen, herrlichen, geliebten. Der\newigen Schönheit Italiens habe ich mein Di cht er leben\ngeweiht wie ein Liebender sein Leben der Geliebten, ein\nPriester der Gottheit weiht. Italien zu lieben, zu preisen,\nzu verklären - so viel mir gegeben ward — gehört zu\nmeinen höchsten Errungenschaften, meinem schönsten Glück.\nMSfe «J«peinige Italien in seiner zweiten Renaissance blühen\nund3ede.hen. Dieser Wunsch .st em Gebet an Italiens Gemus.\nFreilich behauptet Manzoni, der sein Dichter-\n,eben nur seiner eigenen Heimat geweiht hatte,\ndaß die Leiden und die Freuden einer Nation im\nInnersten nur ein ihr Angehöriger wird nach-\nempfinden können, und daß es einem Dichter,\nwenn nicht a u ß e rg e w öhnlich e-Umstände\nvorwalten, niemals möglich sein wird, aus"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "512", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110601-01.1.6", "texte": "fremdländischen Lebensgeschichten die wahren und\ntiefgreifenden Anregungen für seine Kunst zu\ngewinnen.\nOb diese, „außergewöhnlichen Umstände\"\nbei Voß vorwalten? Sein ganzes Dichterleben\nhat er der ewigen und klassischen Schönheit\nItaliens doch nur zum Heile einiger Dutzend\nBlaasgesichter geweiht, die er ins deutsche\nSchrifttum übertragen hat.\nLudwig Fulda „traf\" der Wunsch des Gi-\nornale d'ltalia in Rom. „Auch ich verdanke, er-\nklärte er, Unendliches der unvergleichlichen Stadt.\"\nUnendliches. Wie groß müßte ein Dummkopf\nsein, der eine Spanne davon in Maestro Ludwigs\nWerken entdecken könnte.\nUnd wie die Presse selbst Küns t e r zum\nReden von Plattheiten nötigt, stellt die Antwort\nLiebermanns außer Frage. Sie lautet:\n„Ueber Italiens landschaftliche Schönheit oder über\ndessen Kunst noch etwas zu sagen, hieße Eulen nach Athen\ntragen. Ganze Bibliotheken könnte man mit den Büchern\nfüllen, die über Italien geschrieben sind. Aber neben den\nlandschaftlichen und künstlerischen Genüssen, die Italien\nbietet, sollte man die leiblichen Genüsse, die den Fremden\ndort erwarten, nicht vergessen. Auch die Küche\nItaliens ist klassisch.\"\nAllen Endes kann man jeden Unsinn, der\nin Deutschland zum Lobe Italiens schon gesagt\nund gedruckt wurde, klassisch nennen. Ich aber\ndenke des Lobes, das Burckhardt einem feuille-\ntonistischen Libretto (budapester Genres) des\nHerrn Saiten gespendet hat. Die „Gedanken-\ntafel der Prinzessin Anna\" sei würdig, „neben\ndie besten Renaissancenovellen ge-\nstellt zu werden.\nSo etwas vergißt man nicht, und es ist\nwahrlich kein Trost, daß das Giornale d'ltalia nicht\nauch eine Umfrage an die besten Männer\nOesterreichs gerichtet hat\n\nJoseph Adler\n\nVermischtes\nEin neuer Beruf\nMinimax\nSeit einigen Wochen ist in Berlin eine neuer\nBeruf aufgekommen, zu dem sich bereits ein er-\nheblicher Andrang geltend macht. Es handelt\nsich um den Beruf der Adventisten. Diese waren\nbisher eine ganz gewöhnliche brotlose Sekte, welche\nihre religiöse Mission darin sah, daß sie den\nblauen Montag auf den Sonnabend verlegten. Im\nzivilen Leben war es natürlich damit Essig, obwohl\ndie Adventisten hervorhoben, daß man sfch am\nblauen Sonnabend erst recht auf die Sonntagsruhe\nvorbereiten könne und damit einigen Zulauf\nhatten. Jetzt haben sich die Militärbehörden der\netwas verfahrenen Sache angenommen. Wer\nSonnabend nicht arbeitet, erhält — bei jeglicher\nVorbildung, — ohne Weiteres Berechtigung zum\neinjährig-freiwilligen Dienst in derselben Weise.\nBewerber müssen sich nur verpflichten, Sonnabends\nvierundzwanzig Stunden lang intensiv zu feiern;\nsie werden bei konsequenter Durchführung dieses\nreligiösen Prinzips dauernd prolongiert, auf\nStaatskosten pensioniert und beerdigt.\nUeber Details orientiert: Franz Schlaumann,\nalias Neumeyer, Adventist; Vertreter der Sofa-\nfirma „Ruhe sanft und hartnäckig.\"\nDer Diebstahl Salomonischer Heiligtümer\nDie Engländer sollen aus der Moschee Omar\nHatap in Jerusalem, die auf der Stelle des Salo-\nmonischen Tempels steht, zehn große Kisten voll\nKostbarkeiten, Reliquien, gestohlen haben. Der\nDiebstahl geschah unter den Augen der\nGensdarmen; man ist völlig im Unklaren über\nden Verbleib des gestohlenen Gutes. — Wir be-\nmerken, daß diese Zeitungsnachrichten auf nicht gutea\nInformationen beruhen. Es waren tatsächlich keine\nEngländer, sondern es waren nur untergeschobene\nEngländer, das sind Engländer, welche zwar zu\nschieben glaubten, aber von Deutschen vorgeschoben\nwurden. Die fraglichen Reliquien sind bereits in\nBerlin eingetroffen, ihre Verteilung hat gestern\nbegonnen; ein unbekannter Wohltäter hat wie\nfolgt über die Geschenkgaben verfügt:\n1) Das Linsengericht, Reste des Mahlsr\num welches Jacob seine Erstgeburt\nals Empfangsdiner des Bundes gegen die Erb-\nschaftssteuer.\n2) Ein Knochen des Kamels, auf welchem\nHagar, die schwangere, in die Wüste ritt, als\nBeitrag zum Propagandafond des Bundes für\nMutterschutz.\n3) Das goldene Kalb, in acht Teile geteilt, an\ndie deutschen Parteien, zur Anspornung ihres\nalthergebrachten Idealismus. Die nationalliberale\nPartei zerfällt dabei in acht weitere Untergruppen!;\njede erhält von dem geschmolzenen Kalb eise\nBrosche mit der Widmung: „Der Starke ist am\nmächtigsten allein\" oder „Mit vereinten Kräften\".\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung-\nHERWARTH WALDEN / BERLIN - HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich - Ungarn\nI. V.: Oskar Kokoschka\n\nS; Cafe Continental ESS!\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeitungen ttnd ZeStschriften\n.\n\nr\nPrivatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer FamHie\ndurch Anschluss a a den zar Vertretung der wirtschaftfichen, so*\n2ialen und rechtficfaen Interessen der PHvat-Beamten gegrundeten,\ndurch landesherri. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nDEeTSeiBN rSITIMEIHTEI-TBiEli Zi SUHEIHt\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwerivolle Wohlfahrtseinrichtungen x\nQesamtvermogen: Ueber 16 Milliooen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Mao verl. Prospekt.\n\nIBBHlfBBBBREiBBBB&BfiSBNBBBBBBBBBBBaa\nDie Wasserkraft\nZentralolatt fiir Industrie, Ingenieur- und Bauwesen>\nMotorbetrieb, Elektrotechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel- und westdeutscher Wasserkraft-\nbesitzer, des Verbandes deutscher Holzraehlfabriken und elektrischer\nWasserkraftzentraien.\nfinden in der Wasserkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Veriag Duderstadt a. Harz. Vierteljahrspreis\nM. 1,25 bei freier Zustellung. — Die Herren Verleger werden um\nEinsendung ihrer Neuerscheinungen zur Besprechung gebeten.\nProbenummern umsonst und Postfrei durch die Geschaftsstelle\n.1 11 Vertreter gesucbt .\n\nH\nLssCahiersdu Centre\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Remain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymond Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung- von 50 Pfg-.\nVERLAG u. \" EDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier)Frankreich\n\nL'Efforf 1\nHalbmonatsschrift\nfiir moderae Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\njahresbezug- fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgangf\nVerlag- und Redaktion:\nPOITIERS (yienne)\nFrankreich\n\nHandelsv/issen- tfoiofll* Mga&fglf* t •\nschaftl. Kurse von £ I 16111 • IIICMCI Leipzig\nunler Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatli h\ngepruxte Lehrer, A ademi er oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). 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H., Berlin NO. 45\n\nCes fftarges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzosische\nOriginal der Tagebiicher\nFlaubcrts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland ver-\nboten wurde.\nDie Hefte, die die Tagebiicher\nFlauberts enthalten, sowie die\nübrigen seitdem erschienenen\nNummern sind vom Verlag der\nZeitschrift Les Marges gegen\nEinsendung von sechs Francs\ndirekt zu beziehen.\n\nKeine Zahnschtnerzen ;\nKein Zabnziehen mehr :\n-\nAuf Anfrage gebe |\nich Jedermann Aus-\nkunft iiber ein Mittel\ngegen schwarze,hohle\nuna lockere Zahne S\n1\nErfolg fpftrantiert\nO.Berger, Berlin W35 1\nPotsdamer Strasse 111 5\nAbschrift: Sehr geehrter Herr! *\nVon vielen Zahnschmerzen bin S\nid> nun ?Inzlidt befreit durch die 2\nAnwenaung Ihres preiswerten |\nMittels. Daher empfehle ich es 2\nJedem, der von Zahnschmerzen 2\ngneplagt Ist. Mit herzlichem 2\nDank beschelnigt dies Helene 2\nKleemann, Roiennrten, 2\nn Frankfurt an der Oder xt 2\n2 n Frankfu\n•MMNMMMI\n\n:: Probenummem ::\numsonst und portofrei durch die\nOcKhlftsstelle „DER STURM\"\n\n«Spielend» lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's AUTOD1DAKT\nSelbstunterrichtsmethode\nmil Hulfe des Grammophons\nOMNE TU3JT\nPUHKTUM\nBisher erschienen:\nA. Italienisch\nB. Franzosisch\nJeder Lehrer, jede Lehrerin,\nJedermann muss Dr. Rebajoli's\nAutodidakt gebrauchen, um\nleieht und griindlich Fremd-\nsprachen zu lemen.\nJede Sprache in 33 Lektionen.\nQUI MISCU1T\nUTILE DULCl\nEpochemachende Neuheit\nVertag F. HARN1SCH &. Co., Berlin W57.\n\nDie Jacket\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nMummer 323\nsoeben erschienen\nPreis 30 Pfg.\nOberall erhAltlich\n\nDIE TAT\nWEGE ZU FREIEM\nMENSCHENTUM\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEJNE MONATSSCHRIFT\nHERAUSGEGEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. 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