{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_sha256": "c9c61a8e784619cb24f4aa8d1e670cd06c7c58cb1ad59713d455a4dd6a944f0e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/07/15_01/bmtnabg_1911-07-15_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/07/15_01/bmtnabg_1911-07-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "539", "page_fin": "539", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "539", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.1", "debut_caractere": 523, "fin_caractere_exclue": 811, "texte": "Inhalt:\nH. W. und TRUST: Zeitgeschichten / Die Hilfe / Der Entwortete / Bubenstreiche / Der Kenner / SAR PELADAN: Die höchste Tugend /\nWILLIAM WAUER: Der Regisseur / WALTER HEYMANN: Berliner Sezession 1911 IV / GOLO GANGI: Dr. S. Friedlaender: Friedrich Nietzsche /\nHERMANN KOCH: Biosphor"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "539", "page_fin": "540", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.2", "titre_corps": "Zeitgeschichten", "titre_sommaire": "Zeitgeschichten", "signature_source": "H. 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W.\nDie Hilfe\nEin Herr Erich Köhrer springt mir bei.\nEinmal, indem er in der Zeitschrift Das Theater\nvöllig verschweigt, dass zu der Pantomime Die\nVier Toten der Fiametta eine Musik gehört.\nIch nehme an, dass er im höheren Auftrag sei-\nner Verleger, mit denen ich mich ja noch immer\nin munterer Prozessfehde befinde — das Reichs-\ngericht wird sich jetzt mit dieser Angelegen-\nheit beschäftigen — dass er also im höheren\nAuftrag der Herren Verleger geschwiegen hat.\nHingegen findet er in der Wochenschrift Zeit\nim Bild, dass meine Musik garnicht ganz\nso schlimm ist:\nSie artet zwar zum Schluss in ein wildes\nToben aus, aber in der ersten Hälfte ist sie\nnicht ohne Melodik und rhytmischen Schwung\nund beweist, dass Waiden vielleicht einmal\neine ganz brauchbare Tanzoperette schreiben\nkann. Er braucht hinter Fall, Lehar, Lincke\nund Holländer absolut nicht zurückstehen.\nBei Wauer wurde seine Musik ganz hervor-\nragend mimisch verkörpert von Rosa Valetti,\ndie eine sehr starke Könnerin ist, und vor\nallem von Wauer selbst, der sich als ein Pan-\ntomimist von ungewöhnlicher Gestaltungskraft\nund Ausdrucksfähigkeit erwies.\nIch bin sehr glücklich, dass ich nach An-\nsicht des Herrn Köhrer nicht einmal hinter so\nberühmten Kollegen von der anderen Fakultät\nzurückzustehen brauche. Auch zu einer brauch-\nbaren Tanzoperette will ich mich verstehen, nur\nmache ich die Bedingung, dass kein Herr von\nder Presse, und sei es selbst Lothar, mir das Li-\nbretto dazu schreibt. Sonst ist der Herr Köh-\nrer mit mir garnicht einverstanden. Er warnt\nWilliam Wauer väterlich, sich „in die Gesell-\nschaft jener Kaffeehausbesucher zu begeben, die\nman die Marodeure der Literatur nennen kann\nund die den Grössenwahn in Erbpacht genom-\nmen haben.\" Es ist ein wahres Unglück, wenn\nder Mensch den Kaffee dem Biere vorzieht. Viel-\nleicht versuchen es die Bierhausliteraten ein-\nmal mit einem nicht alkoholischen Getränk. Viel-\nleicht gibt es ihnen die Möglichkeit, die Läh-\nmung ihrer Gehirnfunktionen im Lauf der Jahr-\nzehnte zu beseitigen. Vielleicht nimmt es ihnen\nden Grössenwahn über Kunst zu schreiben, sich\nauf ein Gebiet zu begeben, auf dem sie höchstens\nals Marodeure niedergeschossen werden. Und\nin seinem Biernebel sah Herr Köhrer alle „jene\nErscheinungen im Zuschauerraum, die beim nor-\nmalen Menschen ein dringendes Bedürfnis nach\nSeife, Paquin und Zacherlin hervorrufen\". Rene\nSchickele bemerkte einmal über die Schreiber die-\nses uralten und blöden Journalistenwitzes, dass\ndiese Herren, die Seife selbst erst zu einer Zeit\nentdeckt haben, wo sie schon Krebse essen lern-\nten. Ich bin der Ueberzeugung, dass Herr\nKöhrer noch nicht beim Krebsessen angelangt\nist. Er möge es sich gesagt sein lassen, dass\nnichts gefährlicher ist, als mich anzuerkennen.\n„Die Musik hat Anlass zu Kritiken gegeben,\nwie sie in Berlin in dieser Schärfe noch nicht\nerlebt worden sind. Die liebenswürdigsten nann-\nten sie blutigsten Dilettantismus. Herr Waiden,\nder jeden Kritiker, der nicht Mitglied des Clubs\nder Grössenwahnsinnigen ist, Schmock nennt,\ndarf sich darüber nicht wundern\". Ich wunde-\nre mich auch nur über Herrn Köhrer Er verdirbt\nsich die Kollegen und ich verzichte auf ihn. Nichts\nist gefährlicher, als neutral zwischen den Partei-\nen zu leben. Die Liste des Clubs der Grössen-\nwahnsinnigen ist in Nummer 45 dieser Wochen-\nschrift (Beitrag Kunstverständnis) zu finden.\nDer Entwortete\nHerr Pordes Milo bangt um seinen Dich-\nterruhm. Er teilt den Zeitungen mit, dass er\nder Verfasser der Pantomime Die Vier Toten der\nFiametta sei. Das, was er an dieser Arbeit ge-\nleistet hat, die Worte, wurden für schlecht be-\nfunden. Deshalb druckt sie der kleine Jacob-\nsohn in seinem Theaterblättchen ab, wo sich\njeder davon überzeugen kann. Im Uebrigen be-\nnutzt Pordes Milo zu seinem Einakter eine uralte\nHandlung. Nicht etwa nur dem Inhalt nach, auch\ndie Reihenfolge der scenischen Vorgänge ent-\nspricht genau dem Original. Aber er verschweigt\nauch in dem erwähnten Abdruck kühn die Tat-\nsache. Er hält es in seinen Erklärungen für nö-\ntig, mich einen Komponisten in Anführungsstri-\nchen zu nennen. Er erklärte mir zwar Wieder-\nholt in Gegenwart von zahlreichen Personen,\ndass er meine Musik überaus schätze und dass\ner mir alle seine gesammelten und in Zukunft\nnoch abzuschreibenden Libretti stets zuerst zur\nKompositen anvertrauen würde. Nun, der Mensch\nkann sich irren. Die Presse hat ihn überzeugt,\nund ich werde seine Libretti nicht mehr verto-\nnen dürfen. Da ich ihm aber doch auf jeden\nFall hätte die Worte streichen müssen und in\nder alten Literatur ziemliche Kenntnisse besitze,\nwerde ich mich zu trösten wissen. Möge er in\nseinem zukünftigen Leben das goldene Beispiel\nder Pantomime befolgen: Schweigen.\nBubenstreiche\nDer Herr Pfemfert aus der Nassauischen\nStrasse 17 kann sich noch immer nicht darüber\nberuhigen, dass Karl Kraus ihm die Erlaubnis\nzum Nachdruck seiner Arbeiten entzogen hat.\nAls Ersatz für das fehlende Material bringt er\nin jeder Nummer seines Blättchens Angriffe ge-\ngen diesen grossten schriftstellerischen Künst-\nler unserer Zeit. Er veranlasst, gute und schlech-\nte unkritische Dichter und Schriftsteller zu kri-\ntischen Aeusserungen. Ein Doktor Anselm Ru-\nest „entlarvt\" Kraus als Feuilletonisten, und Max\nBrod sieht in ihm einen „mittelmässigen Kopf\".\nKarl Kraus hat es überhaupt mit dem gesam-\nten deutschen Schrifttum verdorben, seitdem er\nseine Broschüre „Heine und die Folgen\" er-\nscheinen liess. Es ist durchaus begreiflich, dass\nalle Heineepigonen entsetzt sind, wenn man ih-\nnen den Vater erschlägt. Heine aber dadurch\nzu verteidigen, dass man Kraus beschimpft,\nkann weder etwas für Heine und noch weniger\ngegen Kraus bedeuten. In meiner demnächst er-\nscheinenden Broschüre Goethe, Nietzsche, Kraus\nhabe ich den Fall Heine ausführlich behandelt.\nIch muss es mir an dieser Stelle versagen, weil\nich mit einer analytischen Abhandlung viele\nNummern des Sturms füllen müsste, was gegen\nden Sinn einer Zeitschrift wäre. Herr Ruest\nkann sich aber beruhigen: Gegen ihn polemi-\nsiere ich nicht. Seine Ausführungen sind wirk-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "540", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2312, "texte": "lieh zu kindisch und belanglos. Dasselbe muss\nich von Max Brod sagen. Er kann Karl Kraus\nnicht übersehen. Dafür kann er ih n doch nicht\nverantwortlich machen. Max Brod hat einige\ntalentvolle Novellen geschrieben, ganz miserable\nGedichte und viele feuilletonistische Essays, die\nzum Teil direkt Karl Kraus nachempfunden sind.\nIn diesen Fällen gab Brod das Feuilleto-\nnistische dazu. Das alles berechtigt ihn aber\nnoch nicht, Frechheiten gegen Kraus zu schrei-\nben. Man trägt kein Verlangen nach seinen kri-\ntischen Ansichten. Er sollte jedes Jahr seinen\nBand Novellen herausgeben und sich liebevoll\nin Details versenken. Da hebt er plötzlich den\nKopf und stösst gegen eine chinesische Mauer.\nDie Augen, die sich gewöhnt haben, im Dun-\nkeln zu suchen, sind vom Licht geblendet. Aber\nMax Brodist doch nicht mehr so jung, um\ndeshalb auf die Sonne zu schimpfen. Seine pä-\ndagogische Veranlagung sollte ihn vor solchen\nKleinkindergewohnheiten eigentlich bewahren.\nDie Sonne schönt und die chinesische Mauer\nsteht. Wer Maulwurfsaugen hat, arbeite im\nDunkeln.\nDer Kenner\nHerr Hofrat Paul Schienther ist ein vorsich-\ntiger Mann, er weist im Berliner Tageblatt auf\neine neue Ausgabe der Gesammelten Werke von\nBjörnson hin. „Von der geschmackvollst\ngekleideten Björnsonausgabe liegen bis jetzt drei\nBände vor. . . . Dem alten Pangermanen bliebe\nsein unerfüllter Herzenswunsch, diese deutsche\nAusgabe noch zu erleben. Er erwartete von ihr\nim deutschen Geiste mit Ibsen gleichgestellt zu\nwerden. Der gemeinsame Enkel sollte den einen\nGrossvater im Ausland nicht minder geschätzt\nfinden, als den andern. Wie weit das sein kann,\nwollen wir erst prüfen, wenn alle fünf Bände\nda sind.\" Die Rücksicht des Herrn Hofrats auf\nden gemeinsamen Enkel und sein Familiensinn\nin allen Ehren: Aber der deutsche Geist kann\nden Herzenswunsch nicht erfüllen, den andern\nGrossvater mit Ibsen gleichzustellen. Das be-\nhaupte ich, auch wenn bis jetzt erst drei ge-\nschmackvollst gekleidete Bände vorliegen. Soll-\nten die Leser des Sturms sich über Herrn Hof-\nrat Schienther genauer orientieren wollen, so\nempfehle ich ihnen den Beitrag von Karl Kraus\nin Nummer 324/25 der Fackel auf Seite 26 nach-\nzulesen. Sie können dort Näheres über die so\nüberaus sympathische Familiarität des braven\nHofrats erfahren. Wohl ihm, dass er ein On-\nkel ist!\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "540", "page_fin": "542", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.3", "titre_corps": "Die höchste Tugend", "titre_sommaire": "Die höchste Tugend", "signature_source": "Sar Peladan ; Deutsch von Adolf Knoblauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "540", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.2", "debut_caractere": 2314, "fin_caractere_exclue": 2348, "texte": "Die höchste Tugend\nVon Sar Peladan"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "540", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.2", "debut_caractere": 2359, "fin_caractere_exclue": 9727, "texte": "Endlich ging Merodack nach vorn, alle folg-\nten mit geheimem Bangen der Unterredung. Die\nBeichte war lang und erregt, die Stimme hob\nsich Augenblicke lang, Worte drangen zu den\nRittern. Die beiden Gewissen des Mönches und\ndes Magiers kämpften, und der Zwist schmerzte\ndie Versammlung tief. Welche furchtbare Frage\nerregte sie, die beiden ungeheuren Seelen, die\ndie heitere Majestät des Sakramentes brach?\nMerodack hielt mit gekreuzten Armen seinen Wil-\nlen aufrecht, den der Andere ändern wollte. Ei-\nnen Augenblick entfernte sich der Priester, als\nweigerte er die Absolution. Merodack sagte ru-\nhig ein Wort, das den Mönch besiegte. Der hob\ndie Hand, sprach die Absolution, aber sein An-\ngesicht drückte Trauer aus. Die Messe begann\nmit den Klängen der Ekstase des heiligen Frei-\ntag. Sie nahmen das Abendmahl mit hohem\nGlauben. Nach dem Evangelium Johannis, ihrem\nEvangelium bestieg Merodack die fünf Altar-\nstufen, indem Alta sie hinabschritt. Er sprach\nruhig, in sich gesammelt, erhaben:\n„Die vor uns in Jesu Namen sich versam-\nmelten, damit sein Reich komme, fanden um sich\nher Vorbilder und zauderten auf den Wegen kei-\nneswegs: Beschauung, Büssung, Predigt, Erzie-\nhung. Aus diesem vier-einigen Kreise der from-\nmen Ur-Werke traten die Männer Gottes, die\nstrenge Kloster-, Prediger- und Pädagogen-Mön-\nche waren, nicht hervor. Sie entsprechen dem\nmenschlichen Bedürfnis.\n„Es bedarf einer Anzahl, die sich der Be-\ntrachtung des Schöpfers widmen, damit die wirk-\nsame Beziehung des Himmels zur Erde erhalten\nund die Jakobsleiter entrollt werde, auf der die\nGebete im unaussprechlichen „Kommen und Ge-\nhen\" sich aufschwingen und hinaussteigen, und\ndie Gnaden herabsteigen und erleuchten.\"\n„Es bedarf einer Anzahl, die freiwilligem\nUnglück eingewilligtem Leiden sich hingeben,\ndamit durch sie das Mysterium des Schmerzes\nfortdaure, in dem alle anderen selbst das der Er-\nlösung eingehüllt sind, die Reinigungen eines\nganzen befleckten Volkes durch eine einzige Hei-\nligkeit, damit Herzen, die vor Barmherzigkeit\nbrennen, die glühenden Feuerherde seien, die die\nRassen vor der Pest der Leidenschaften erretten.\n„Es bedarf einer Anzahl, die reden, singen\nund erklären, weil Wort, Zauber und Vernunft\nin die Seelen den reinen Weizen des Glaubens\nsäen, das Saatkorn für die Garbe der Tugen-\nden und die Aehren des Werkes, oft einen ein-\nzigen Eindruck, der die Seele entschied, sie vom\nWeg des Jahrhunderts abkehrte und auf den der\nEwigkeit führte.\n„Es bedarf einer Anzahl, die reden, singen\nbilden, sie zum Ideal aufrichten. Erzieher fehl-\nten uns allen, wir mussten unsre eignen Meister\nwerden, zugleich den der lehrt und den Andren\nder hört, in einem werden, Schüler der eignen\nDenk-Anstrengung, Meister des persönlichen Jün-\ngertums aus Mangel an wertvollen Pädagogen.\n„Wer sind wir? Männer des Gebets, der\nEntsagung und Bekehrung oder der Lehre? Nein,\ndenn unser Gebet ist ein geistiger Wille, unsere\nbedingte Entsagung hat ein Ziel, wir suchen nur\nunsre Selbigen, wir können Niemanden beleh-\nren, weil uns keiner lehren könnte.\n„Gleichwohl, wir lieben Gott, wir glauben\nan das Heil, wir leisten dem Lichte Zeugnis,\nwir wechsein in der Sorge um den Nächsten ab\nmit dem Kult des Abstrakten.\n„Wer also ist dieser Glaube mit seinen dunk-\nlen, unschlüssigen Werken, wo die Glut der Em-\npörung gleicht, die Frömmigkeit der Ketzerei?\nWelche also ist jene. Hoffnung, die von der der\nHerde so verschieden ist, die so lebhaft, so un-\ngeduldig ist, dass ihre Kraft wie Ketzerei er-\nscheint? Welche also ist diese Barmherzigkeit,\ndie ihren Nächsten erwählt, die in beschränkten\nFällen liebt und auf unangebautem Grund sich\nopfert? Endlich, welches also ist dies Wort, in-\nspiriert durch das der Kirche, das ihm zu wi-\ndersprechen scheint, das Gemeinsamkeiten ver-\nwirft und verhindert, um sich solche stärker und\nschwerer aufzuerlegen, das sich allgemeinen Pflich-\nten verweigert, und seine Aufgabe anhebt unter\nden Wundern des Mystizismus bis in jene Zwi-\nschenweit hinauf zu suchen, wo die dem Men-\nschen nachbarlichen, jedoch von ihm getrennten\nEngel sich bewegen?\n„Lassen Sie uns in Gedanken das lange,\nwunderbare Leben des heiligen Johannis aus-\nstreichen, und nur sein Evangelium und seine\nApokalypse von ihm nehmen, siehe da, das ist\ner vollkommen.\nDie kaiserlichen, die päpstlichen Zwistigkei-\nten sind tot, und den Dante machten nicht seine\nRolle oder sein Schicksal zu unsrem Meister,\nsondern die Divina Comedia. Sokrates hätte um-\nsonst Schierling getrunken, wenn nicht Plato\ngöttlich seinen Gedanken formuliert hätte. Nicht\ndas Martyrium des heiligen Paulus, sondern\nsein Genius errichteten das Christentum. Als\nJohann Huss angesichts des Scheiterhaufens\nsagte: „beweist, dass ich unrecht habe\", sprach\ner gewiss ein starkes Wort. Es blieb nur eine\nhistorische Szene, das Buch fehlt, das sie zur\nWirkung gebracht hätte, und dann verliert sich\nder Sprecher in der Menge der Erzketzer.\n„Das Wort borgt alles von der Begeben-\nheit. Das ist beinahe das Pathetische des The-\naters. Was erhaben war, wird ausserhalb des\nUmstandes ungültig.\n„Dagegen die Schrift verlängert die Rede\nunendlich, das Abstraktum zieht Zukunft wie Ge-\ngenwart gleichsam in einen Globus zusammen;\ndas Evangelium, der absolute Urtypus des sinn-\nlichen Lichtes, kann und muss von jedem Men-\nschen, von welcher Rasse er auch sei, gepredigt\nund verstanden werden, wenn man nicht das\nzarte, überwirksame Wesen des göttlichen Her-\nzens durch örtlichen Kirchen-Gebrauch und eth-\nnischen Formelkram verfinstert. Wir sind die\ngeistigen Söhne unserer Betrachtungen, sie hän-\ngen von unserer Lektüre ab.\n„Diese unmögliche Definition nur hätte uns\nund unser dämonisches Werk bezeichnet, das\nheisst Vermittler zwischen dieser und der ande-\nren Welt zu sein. Was wir jemals taten, ward\nfehlgeboren; und weil der Zweifel nur an der\nGelegenheit liegen kann, schliessen wir, dass die\nStunde noch nicht kam, damit unsere Ideen von\nder Kraft zur Tat gelangten.\n„Saugen wir unsere Tätigkeit auf, ziehen\nwir sie in Macht zusammen, das heisst bereiten\nwir die Ereignisse, die wir nicht verkörpern\nwerden, vor. Wir glaubten Reformatoren zu sein,\nwir sind nur Vorläufer, bereiten wir denen, die\nkommen werden, die Wege, leisten wir ihnen\nZeugnis, damit man an sie glaube. Offenbaren\nwir geistig das gleiche Ideal, das wir verwirk-\nlichen wollten. Ich bin der am wenigsten Be-\nreitete auf solche neue Anstellung. Wenn ich\nsie zeige, so geschieht es, damit ich mich zwin-\nge, damit ich mir selbst gehorche.\n„Ich glaubte, dass wir als die verborgenen\nPersönlichkeiten einer Renaissance Geschichte\nschüfen, ich irrte mich, ich zog euch in meinen\nIrrtum nach mir. Heut weise ich die neue\nAufgabe, verführerischer als die andere, denn\nsie lässt Ehren-Lohn zu, Unsterblichkeit im An-\ngedenken der Menschen.\n„Wer von uns würde ein Schemen seiner\nselbst sein, ohne Buch, Denkmal, Statue und\nGemälde? Gleich tiefen Spiegeln behielten wir\ndie Ausstrahlungen des Meisterwerkes zurück,,\naber aus ihm kam uns das Licht. Werden wir\nlichtvoll. Arbeiten wir, dann möge unser Wil-\nle nicht das Ereignis zusammenpressen. Unser\nGeist erleuchte die Erwählten, die nächsten Wil-\nlen. Mit seinen Dichtern machte sich Israel die\nWelt zinspflichtig, und kein Heiliger begriff trotz\ndieses Beispiels künstlerischer Macht die Idee\neines Ordens von Genies.\n„Bei den geheimen Methoden, der wechsel-\nseitigen Hegung, die wir gegeneinander ausüben,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "541", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9195, "texte": "ist das Meisterwerk nichts mehr als eine Frage\ndes Fleisses. Wollt ihr diesen Weg beschreiten,\nTempelherren der Literatur, der Künste sein?\"\nEin begeistertes Amen brach aus, das die\nSchönheit des Entwurfes begrüsste, das auch die\nplötzliche Auflösung der sie seit langen Monden\nbedrückenden Angst aussprach. Wieder beruhigt,\nglücklich, entflammt erhoben sie sich, mit dem\nVerlangen, die Ideen und Pläne auszutauschen,\ndie die befruchtende Idee augenblicklich in ihnen\nerkeimen liess. Merodack hielt sie mit einer Ge-\nberde inne:\n„Brüder, die Stunde ist solche, dass eine\nandere ebenso feierliche seit Jahrhunderten nicht\nschlug, die der Hohen Wahl. Ich sprach erst\ndie Hälfte meines Gelübdes aus und ich zittere.\nSchlagt ihr meine erhabene Einladung aus, dan-\nke ich ab, dann werde ich euch gekränkt haben\nund nicht unter euch bleiben können.\n„Künstler der Gnosis und des Glaubens,\nMönche der Kunst, wollt ihr dem Werke die\nTugenden zufügen, dem Genie die Entsagung,\nFra Angelicos sein, Heilige und Künstler zu-\ngleich?\n„Die geschlechtliche Liebe gab euch, was\nsie enthält, verlasst sie um der alleinigen Liebe\nGottes willen, opfert eure Herzen der ganzen\nVollkommenheit unseres Ordens.\"\nEin furchtbares Schweigen empfing diese\nWorte, solches Schweigen, dass es eine Antwort\nwurde, und der Gross-Meister selbst erschrocken\nüber dies furchtbare obgleich nicht gesprochene\n„Nein\" innehielt.\nDer Mönch stand auf:\n— „Merodack, du gehst irre. Ich, der Mönch,\ndarf es sagen, du stehst davor, den gnostischen\nDegen zu zerbrechen, weil du ihn allzu glän-\nzend wolltest.\nEbenso erklärte Hon:\n— „Du fragtest nur den eignen Traum.\nHast du das Hecht, ihn uns aufzuerlegen? Ich,\nder durchaus nicht verdächtige Greis, ich sage\nes.\nNebo erklärte:\n„Nimm dich in acht, Bruder, noch können\nwir deine Worte vergessen, es ist notwendig, dass\nwir sie vergessen. Wie rein dein Wille auch ist,\nhier kreuzt er sich mit den unseren. Deinen\nTraum erlegst du unseren Träumen auf, dein\nGlück unserem Glück, du greifst das Wesen an,\ndas Bestandteil von uns selbst geworden ist.\nIch sage ohne vergebliche Worte ein einziges\nN e i n.\"\nDer Gross-Meister sehr bleich, mit verän-\nderter Stimme sagte darauf:\n— „ Ich bitte euch ergeben, dass Jeder vor\nmich komme, eure Hände in meine Hände lege\nund nein sage, wenn ihr wirklich Weg, Leben\nund Wahrheit ablehnt.\"\nDiese Forderung erbitterte sie, sie erblick-\nten in ihr eine Vergewaltigung, eine Hoffnung,\nsie zu betören, ihr Wille lehnte sich auf.\n— „Unnütze Zeremonie\" rief Adar.\n— „Mein letzter Wille ist es\" flehte Me-\nrodack. „Man gehorche ihm, damit ich vor\nmeiner Flucht das volle Bewusstsein meiner\nNiederlage habe. Ich hoffe nicht, euch zu beu-\ngen. Die Zeremonie dient nur der Erfüllung\nmeines Schicksals, denn ich bin im Begriff euch\nzu fliehen und wenn mein Herz eure sechzehn\nAblehnungen wie ebensoviel Schwerter durch-\nstechen, werde ich meiner heiligen Sendung ent-\nhoben und verbannt sein und die Strasse ins\nExil gehen. Erfasset diesen Ritus als den ein-\nzigen Abschied dessen, der euch so sehr liebte,\nder durch sein Gelübde verjagt, im Begriff ist\nzu scheiden.\"\nEine unsägliche Trauer schwebte in der Luft,\nund Dagon, der die Angst des Ordens ausdrück-\nte, liess die furchtbaren Bässe schallen, die Ti-\nturels feierliches Leichenbegängnis rytmisch dar-\nstellen, Musik des jüngsten Gerichts, wo mehr\nals eine Welt oder ein Olymp wie in der von\nSiegfried zusammenstürzen, wo die Hoffnung\ndes Menschen unter seiner Ohnmacht verscheidet.\nOurnah kam zuerst, um seine Hände Mero-\ndacks Händen hinzustrecken.\n— „Meine Tugend, sie heisst Belit\" sagte er,\n„ich würde auf mich selbst verzichten, indem ich\nihr entsage.\"\nEr ertrug den schmerzerfüllten Blick des Ma-\ngiers, aber Belits liebliche Vision behielt die\nOberhand.\nSin folgte und Franzesca Piccoliminis Bild\nbesiegte den Vorwurf des Gross-Meisters.\n— „Der Dichter, der der Liebe entsagte,\nwürde die in sich aufgesogene böse Begfierde in\nsein Werk legen. Im Namen meiner Kunst selbst\nlehne ich ab,\" sagte Samas.\nTammuz schritt nach vorn:\n— „Obgleich transzendent, war ich Liber-\ntin'. Die Liebe erlöste mich von einem falschen\nIdeal. Ich werde der Liebe treu sein.\"\n— „Eine Frau tröstete mich\" sprach Tran-\ncavel.\n— „Eine Frau befriedigte mich\" sprach\nNergal.\n— „Die Liebe ist ein Element des grossen\nWerkes\" rief Adar.\n— „Ich willige in dieses Wort,\" erklärte\nPoudil. Meister Baucens und Nebo lehnten,\nzu sehr erregt um reden zu können, mit einem\nlangsamen Zeichen des Kopfes ab, denn das\nMitleid mit diesem armen hohen Geiste, der ei-\nnen Schweiss des Todeskampfes schwitzte, über-\nkam sie.\n— „Ich habe nicht die Liebe gleich meinen\nBrüdern, aber ich ersehne sie,\" erklärte Isdubar.\nDr. Ulrik bestieg die Stufen:\n— „Ich wünsche auch das Glück, das mei-\nne Brüder haben, und ich werde auf die Hoff-\nnung nicht verzichten.\"\nZu Merodack's Erstaunen ging Pater Alta\nnach vorn:\n— „Bei dem gegenwärtigen Stande der\nKirche würde der Orden, den du schaffen willst,\ngegen die Priester-Ordnung in unaufhörlicher\nEmpörung sein.\"\nUnd Ilon:\n— „Die historische Erfahrung zeigt, dass\ndas Genie die Unabhängigkeit zum Instinkte hat.\nDen Begeisterten leistet man nicht Gehorsam.\"\nMerodack wankte und stützte sich mit der\nHand am Altare.\n— „Non nobis, non nobis. Domine, sed\nHominis tui gloriae soli.\"\nDann befahl er mit gebieterischer Geberde\nden Brüdern hinauszugehen. Sie gehorchten,\nder grosse Vertrag war gebrochen. Jedes Wort\nwäre kindisch gewesen. Ein Abgrund trennte\nden Magier von seinen Brüdern von jetzt ab.\nMit ausgestrecktem Arm, majestätisch wie\nsein ungewöhnliches Ideal selbst betrachtete er\nsie beim Hinausgehen. Allein zerriss er seinen\nMantel, setzte sich auf die Altarstufen, und er\nweinte lange, ohne Schluchzen mit gleichem dü-\nstrem, getragenem Weinen, wie dem der sech-\nzehnten Sonate. Er weinte über sich, den toll-\nkühnen Amfortas, der die Legion zerstreute,\nstatt sie zu führen. Er wurde durch die glück-\nliche Liebe besiegt, ein Frauenzauber nahm in\njedem Herzen über das Ideal Oberhand. Dies\nfürchterliche Lügenstrafen seines Glaubens zer-\nmalmte ihn. In wieviel Jahrhunderten würden\nnoch soviel Wissen, Genie, Magie und Schön-\nheit vereint sein! Er, ihr Meister, er hatte die\nguten Arbeiter des Herrn im Namen einer ab-\nsoluten Idee mit seinem gebieterischen und frü-\nhen Atemhauche zerstreut. Er hatte die höchste\nTugend verwirklichen wollen und unter dem\nleidenschaftlichen Hauche stürzte Monsalvat zu-\nsammen. Seine grenzenlose Herzensnot konnte\ndurch nichts getrqstet werden, denn er hatte\nseine irdischen Fesseln zerbrochen, durch den\nHimmel verdammt, richtete er sich, er, der Rei-\nne, der sich an der Tugend berauschte und von\nden Engeln verurteilt erwachte. Auserwählter,\ndessen Haupt hinweggerafft blieb in der Wolke.\nAusklang\nIst es die Nacht, die ihre Blässe wie ein\nErmatten über den Himmel wirft, oder der Tag,\nder zu erscheinen zaudert, der erste Morgen-\ndämmerstrahl, der selbst im Sommer kalt ist,\nselbst in Sonnenländern fahl. Die Untergänge\nsind voll grosser Taten, die ein Ende machen,\ndie Vesper hat stets den Mantel des Geheimnis-\nses. Die Morgenröte beginnt mit einem Schau-\ner, düstern Zügen, ungewissen und schmutzigen\nFarbentönen.\nSo war der Himmel, als Merodack von\nMontsegur fortging, in Leinenbluse, in der Hand\nden Stab. Er stieg, ohne Blick hinter sich die\nKloster-Rampe hinab, mit düstrem Ahasver-Gang,\nder weder Ziel noch Aufbruch hat. Mit seinem\nunbeschränkten Gedanken allein von jetzt ab,\nunter dem Gewicht des eignen Orakels zermalmt,\nging er, der Oediqus der Gnosis fort, der dem\nFrieden seiner Brüder und des mystischen The-\nben, dessen König, dessen Gründer er war,\nsich opferte.\nAm Fuss des Felsens hemmte seinen Blick\nein wilder Rosenstrauch, an dem eine einzige\nherrliche Blüte glänzte. Er machte die Geberde,\nsie zu pflücken, zog sie jedoch zurück und kniete\nvor ihr hin.\nSchaute er unter der Rosengestalt „die hei-\nlige Wehrkraft, die der Christus mit dem Blut\nzu seinem Gemahl machte\" und „zählte er Blatt\nfür Blatt\" die nach den Tronen kommen wer-\nden, oder Jene, „die beinahe die beiden Wur-\nzeln der Rose sind.\" Indes der letzte Gross-\nMeister des Tempels mit der heiligen Blüte\nsprach, erschien die Morgenröte und vom hohen\nKlosterturm sahen verzweifelnd sechzehn Män-\nner ihren Meister, der Anderen wie ein Toller\nerschien, aber den sie als edlen Meister\nkannten.\n„Er hielt Wort. Er verliess uns auf immer.\nIm Augenblick, wo der Form nach sein voller\nGedanke lebte, o, die Entsagung dieser Nacht!\"\n„Ja,\" sprach Alta, „dies Schwert deis Erz-\nengels, das eher sich selbst zerbrach, als die\nBrüder zu verletzen. Dieser Eifer, der sich ver-\ndammt uncl verschwindet. Dieser Stern, der aus\nErbarmen erlischt. Dies Wort, das Schweigen\nwird, da es zuviel Licht hervorbrachte. Das ist\nein furchtbares Schauspiel.\"\n„Ach, nur die Engel dürfen ihn trösten,\"\nrief Nebo.\n„So lang und stark den Willen des heiligen\nGeistes gewollt zu haben und sich selbst nieder-\nzuschlagen. Prometheus, der sich das Feuer aus\nden Händen reisst, es den Göttern wiedergibt,\ndas bedeutet letzte Tugend!\"\nDer Gross-Meister stand wieder auf und\nging stabgestützt von dannen.\nIlon sprach: „Finis Latinorum.\"\n„Wenn solcher Licht-Dämon durch die Zeit\nund den Ort besiegt wurde, was hoffen?\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "542", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 847, "texte": "Der Orientale wiederholte nach einundzwan-\nzig Jahren das Wort eines anderen Orientalen;\njenes einmal durch einen Rabbiner formulierte\nVerdikt sprach ein Brahmane von neuem aus:\n„Finis Latinorum\", sagte Ilon noch, als das\nSchattenbild Merodacks durch die Ferne kleiner\ngeworden, ungewiss, unentschieden.\n„Pater\" sagte Ounah zum Mönche, „gewäh-\nre uns ein Hoffnungswort.\"\n„Eine Verheissung\" flehte Dagon.\n„Ein Orakel\" forderte Nergal.\nIlon rief plötzlich erleuchtet:\n„Die Hoffnung bleibt, die Verheissung ist\nsicher, das Orakel gewiss. Ich schaue den Stern,\nich, Hoherpriester des Orients, Enkel der Magier,\ndie nach Betlehem kamen. Er zieht stets vor\nuns her. Er wird nie erlöschen.\"\nIn sich gesammelt hielt er inne, indem er\ndie lapidare Form seines Gedankens suchte und\nsagte einfach:\nDie Unendlichkeit des Christus.\n\nDeutsch von Adolf Knoblauch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "542", "page_fin": "543", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.4", "titre_corps": "Der Regisseur", "titre_sommaire": "Der Regisseur", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "542", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.4", "debut_caractere": 849, "fin_caractere_exclue": 9149, "texte": "Der Regisseur\nVon William Wauer\nDer Regisseur ist ein Raumkünstler.\nInnere Bewegung in äussere umdeuten, heisst\nRegie führen.\nDer Regisseur empfängt die Dichtung, wie\nein Prisma den Lichtstrahl in tausend Farben\nzerlegt, gibt er es weiter.\nWenn die Inscenierung als unerläßlicher\nBestandteil eines Dramas empfunden werden soll,\nbedarf sie eines ordnenden Prinzips, das aus\ndem ursprünglichen Schöpfungsgedanken hervor-\ngegangen, die Inscenierung nach jeder Richtung\nhin und in jeder Beziehung vorschreibt. Dieses\nPrinzip kann nirgends anders liegen als in der\nGestaltung des Dramas in Bühnenmitteln durch\nden Regisseur.\nOhne das Wiederaufleben des Wortkunst-\nwerkes in einer Phantasie, die bühnenmässig\ngestalten kann, ist eine Aufführung unmöglich,\ndenn diese ist ein neues Entstehen und ein\nneues Gestalten in einer neuen Kunst.\nDie Anordnungen des Regisseurs sind sämt-\nlich gestaltender, also formaler Natur. Er hat\naber auch alle Anordnungen formaler Natur zu\ntreffen, keine kann er und darf er einem Zufall,\nkeine einem Dritten überlassen. Zwei Kapell-\nmeister in einem Orchester sind ebenso undenk-\nbar wie Mitarbeiter beim Schaffen eines Kunst-\nwerkes.\nDie Auffassung und theatralische Gestaltung\nder Aufführung eines Dramas muss in einem\nGehirn entstehen. Die Führung, Leitung und\nAnordnung der Kunstbetätigung, die zu einer\ndramatischen Darstellung notwendig sind, kön-\nnen nicht gleichzeitig unter verschiedene Indivi-\nduen verteilt werden, da alle jene Betätigungen\naus dem gleichen ursprünglichen Schöpfungsge-\ndanken entstehen müssen. Eine dramatische Dar-\nstellung kann sich ihre künstlerische Gesamtwir-\nkung nur dann erhalten, wenn sie kein Element\nzulässt oder in sich schliesst, das nicht ganz un-\nmittelbar in der Gewalt ihres Regisseurs liegt.\nWas den Regisseur vom Schauspieler und\nseinen anderen Mitarbeitern unterscheidet, ist\ndas fortwährende Verknüpfen des technischen\nVerfahrens, das jene auch kennen, mit der Be-\nstimmung, der es jeweilig im Organismus des\nGanzen dient.\nDie Auffassung des Regisseurs von einem\nDrama bestimmt durch ihren individuellen Puls-\nschlag die Aufeinanderfolge und Schnelligkeit\nder Bewegungen, den Wechsel der Verhältnisse\ndes ganzen Organismus „Aufführung\". Durch\ndie kleinste Lücke kann sich die organi-\nsche Lebenskraft verflüchtigen, durch eine wun-\nde Stelle kann sich das ganze Kunstwerk ver-\nbluten.\nWiderstände, die der Regisseur findet und\nnicht überwinden kann, zwingen ihn, unorga-\nnische Konzessionen zu machen, wenn seine Ge-\nstaltung des Dramas eine künstlerisch-organische\nwar, wie sie es sein muss. Durch solche Kon-\nzessionen wird das Kunstwerk vernichtet.\nMan muss zu begreifen suchen, zu welchen\nunkünstlerischen Konflikten es führen muss, wenn\nder Regisseur bei seinen lebenden scenischen\nAusdrucksmitteln, bei seinen Darstellern, auf Wi-\nderstand trifft, da ihm die grösste Anpassungs-\nfähigkeit nur grade gut genug sein kann. Jene in\nihm latenten Masse und Verhältnisse, wie sie in\nseiner Auffassung, seiner Wiedergabe des Dicht-\nwerks enthalten sind, suchen sich sehnsüchtig\nzu verkörpern. Die Schauspieler aber dürften\ntaub bleiben für seine noch so beredte Sprache?\nSie dürften ihre literarische Auffassung des Dra-\nmas, einer Rolle höher schätzen als die ihnen\nnoch unbekannte Welt, die der Regisseur aus\nseiner Auffassung offenbaren möchte, höher\nschätzen, nur weil sie die ihre ist? Wie unver-\nnünftige Kinder wollen sie da Bedingungen dik-\ntieren, wo sie erst urteilen könnten, wenn sie\ngehorcht hätten, das heisst wenn das Resultat:\nGesamtaufführung (allein aus dem Geiste, aus\nder gestaltenden Kraft des Regisseurs heraus)\nerreicht worden wäre.\nDem Regisseur opponieren bedeutet sein\nKunstwerk kritisieren, ehe es da ist.\nWieviel Opfer an Details der Regisseur brin-\ngen muss, um das Wesentliche, das innere We-\nsen einer Dichtung zur Geltung zu bringen, dar-\nüber ist jede Verständigung mit dem Schauspie-\nler ausgeschlossen, zumal über die letzten Mo-\ntivierungen eines Kunstwirkens (die wichtigsten)\njede Erörterung unmöglich ist.\nDer musikalische Sinn bemerkt in jedem\nDinge vor allem, wieviel Rhythmus und Melos\nin ihm vorhanden ist. Diese im Drama zu ent-\ndecken und in der Aufführung zum Ausdruck\nzu bringen, ist die musikalische Aufgabe des\nRegisseurs.\nEin unmusikalischer Regisseur wird schon\ndie Tempi eines Dramas im Ganzen und in\nseinen Teilen nicht treffen können.\nDer Regisseur steht zum Dichter ungefähr\nim selben Verhältnis wie der Uebersetzer.\njede dramatische Konzeption muss, um le-\nbendig zu werden, zweimal gedichtet werden,\neinmal im Wort vom Dichter, das zweite Mal\nin scenischer Form (in sie den Schauspieler ein-\ngerechnet) vom Regisseur.\nWie der Traum kann auch die Vision einer\ndramatischen Darstellung nur aus einem Ge-\nhirn geboren werden.\nDer künstlerische Wille des Dichters, wie er\nim Drama sich offenbart, genügt nicht, die ein-\nzelnen Faktoren der Darstellung mit ihm eins\nwerden zu lassen. Der Regisseur besitzt allein\ndie Möglichkeit, seinen künstlerischen Willen,\nseine Interpretation in scenische Ausdrucksmittel\numzusetzen.\nDer Regisseur schafft die Voraussetzungen,\naus denen das Dichtwerk geboren wurde. Er\ndichtet das „Gesicht\" des Dichters, das dieser\nin Worte formte, nochmals in seiner Weise.\nSo scheint es dann auf der Bühne, als entstünde\ndas Werk aus dem Nichts, als erlebe man es\nals etwas, das nur einmal und eben so ist, wie\nman es erlebt. In solchen Momenten wird Auf-\nführung und Dichtung eins.\nDer Regisseur organisiert für den Spieler\ndas poetische Geschehen in Klang- und Bewe-\ngungsformen.\nDer Regisseur orchestriert das Drama.\nDie charakteristischen Merkmale in Bewe-\ngung und Klang für die Zustände und Ver-\nänderungen festzustellen, die während des Spre-\nchens der Dichtworte im Sprecher vorhanden\nsind oder vorgehen, das heisst für den Regis-\nseur das, was man beim Musiker „orchestrie-\nren\" nennt.\nDer Regisseur hat dieselben künstlerischen\nFreiheiten und Verantwortungen dem Dichtwerk\ngegenüber, wie etwa ein Maler gegenüber dem\nPorträt, oder ein Kapellmeister gegenüber der\nPartitur.\nDer Regisseur bestimmt für den Schauspie-\nler die Reihenfolge und das Tempo der Auto-\nsuggestion, die sich dieser geben muss. Diese\nBestimmungen bedeuten für die dramatische Auf-\nführung das, was die „Stimmen\" im Orchester\nfür die musikalische Aufführung bedeuten. Diese\nStimmen sind so von einander abhängig, so un-\nter einander bestimmt, dass jeder Eingriff sinn-\nlos ist.\nDie menschlichen Darstellungsmittel zerle-\ngen sich für den Regisseur in die rythmischen\nBewegungen des Körpers und die klingenden der\nStimme.\nAlle scenischen Mittel, den Darsteller inbe-\ngriffen, muss der Regisseur zu einem gemeinsa-\nmen organischen Leben verbinden. Der Regis-\nseur muss endlich die Darsteller aus den litera-\nrischen Fesseln wieder befreien, mit denen sie\nsich durch das selbstische Hervortreiben des\ndichterischen Wortes gebunden haben. Die sinn-\ntagenden Worte dürfen in den scenischen Aus-\ndrucksmitteln nicht mehr sein als wieder ein sol-\nches. Sie dürfen nicht herrschen, sie müssen\ndienen.\nDie Form der Darstellung ist beim wahren\nRegisseur nicht das Ziel, sondern das Ergebnis\nseiner Auffassung. Sie muss von innen gewach-\nsen, nicht von aussen zusammengesetzt sein.\nDer Regisseur ist weder der Anwalt noch\nder Diener des Dichters. Er steht den Dichter-\nwerken gegenüber wie der Maler der Natur,\nder Landschaft. Er benutzt sie als Motiv, als\nVorwand, seine Kunst zu produzieren.\nSuggerieren kann man nur, was augenblick-\nlich in einem selbst lebendig ist. Deshalb kann\nder Zuschauer nur dann unter den Einfluss ei-\nner Aufführung gebracht werden, wenn sie eine\nhöchst individuelle Ausdrucksform erreicht. Die-\nse höchste individuelle Ausdrucksform, der künst-\nlerische Wille des Regisseurs, muss einheitlich\nund ungehemmt seine Kraft gegen das Publi-\nkum wenden können; denn der Widerstand, den\nsie dort überwinden muss, ist stark.\nAllen Zuschauern die gleiche Art zu se-\nhen und zu empfinden aufzuzwingen, das ver-\nmag der künstlerische Wille des Regisseurs nur\ndort, wo er souverän herrscht.\nFür den Regisseur ist das Publikum nur\neine einzige Individualität — er fragt nicht nach\ndem Geschmack und Forderungen, sondern reisst\nsie mächtig hinein in seine Anschauungsweise,\ner zwingt den Zuschauern sein eigenes Erleben\ndes Dramas auf. Damit erfüllt er alle Ansprü-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "543", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 214, "texte": "che und Forderungen des Publikums, das sich\nvergessen will, um sich in eines Anderen Erle-\nben wiederzufinden.\nEs ist eine gleich ernste künstlerische Auf-\ngabe, ein tragisches oder ein komisches Werk\nzu gestalten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "543", "page_fin": "543", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.5", "titre_corps": "Berliner Sezession 1911 : IV", "titre_sommaire": "Berliner Sezession 1911 : IV", "signature_source": "Walter Heymann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "543", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.5", "debut_caractere": 216, "fin_caractere_exclue": 9808, "texte": "Berliner Sezession 1911\nIV\nVon Walter Heymann\nVielleicht nimmt gegenwärtig die Künstler-\nschaft keiner anderen Provinz in solcher Zahl\nund mit solchem Eifer an der Entwicklung der\nneueren Malerei Anteil, als die Ostpreussens.\nIch zähle neben Corinth, Ernst Bischoff-Kulm,\nBertha Schütz vor allem Theo von Brockhusen\nund Waldemar Rösler, weiter Hedwig Weiss,\nAnderson, Beyer, Max Neumann und Felix Me-\nseck. An Bischoffs Bildern ist nicht nur nach\nder impressionistischen Seite ein Fortschritt zu\nkonstatieren, auch die farbigere Anschauung der\nNeuesten hat ihm gut getan. Dies gilt auch von\nBerta Schütz. Brockhusen und Rösler sind ver-\nsprechende Talente, deren sich die Mark, ihre\nneue Heimat, freuen kann. Sie und Beyer haben\ndie stärksten Anregungen von Gogh erhalten.\nAber während Beyer noch an dessen ABC buch-\nstabiert, redet Brockhusen mit peinlicher Beto-\nnung in Goghs Sprache und spricht Rösler eine\nziemlich selbständige, eigene, aus der man nur\nvan Goghs Geist heraushört. Der tote van\nGogh ist neben Hodler Beherrscher des Feldes.\nMan möchte immer wieder Worte zitieren, die\ner in den schönsten Künstlerbriefen, die ich\nkenne, anwendet. (Vincent van Goghs Briefe bei\nBruno Cassirer). Oder an Meier-Gräfes vortreff-\nliche Studie erinnern. (Entwicklungsgeschichte\nder modernen Kunst bei Hoffmann, Stuttgart, mit\nreicherem Bildmaterial in den „Impressionisten\"\nund als Monographie bei R. Piper, München)\nDas Buch über Gogh ist übrigens noch zu\nschreiben. Dass gerade Nordländer auf Gogh\ngekommen sind, das heisst an ihm ihre Anlage\ngeklärt haben, ist bei dem Holländer mit goti-\nscher Inbrunst des Fühlens nicht verwunderlich.\nSeltsam nur, wie sich bei Brockhusen die kalte\nBedachtsamkeit an den temperamentvolleren Mit-\nteln um so stärker zeigt . Er hat herrliche Was-\nser- und Himmelsfarben, mischt aber nicht ge-\nnug, und seine grossen Flächen erstarren unter\nder Steifheit der Pinselstriche. Seine Abbrevia-\nturen wirken — zum Beispiel die Pferde im\nSchnee, das Laub in der Frühlingslandschaft —\nbrillant beobachtet und zu hölzern wiedergege-\nben. Die Farben wirken schon als festgeworden.\nDem hoffentlich vorübergehenden Stillstand ge-\ngenüber ein Fortschreiten Röslers, der diese Ge-\nfahren vermeidet — man sehe, wie er das Was-\nser des Teltowkanals beweglich erhält — und\nder im Landschaftlichen Goghs Rat befolgt: „An\nein Ding denken, die Umgebung dabei betrach-\nten und aus ihr heraus erstehen lassen\". Rös-\nler, ein Dichter in Farben, zeichnerisch und ma-\nlerisch sehr begabt, ist ein solch Verklärer, wie\nich sie herbeiwünsche; von seiner Jugendkraft\nerwarte ich sehr viel. Meseck kann Wesensmerk-\nmale erst in der Karikatur erkennen oder hält\ner sich schon für befugt, sie als Karikatur zu\nsehen? Manchmal möchte man den sehr talen-\ntierten Neumann ähnliches fragen, fühlt sich aber\ndurch die Plastik seiner bunten silhouettenhaften\nKörper, den vorzüglichen szenenhaften Aufbau,\ndie visionäre Sicherheit, kurz den tiefern Begriff\nvon Romantik, der auf Erhöhung des Wirkli-\nchen denkt, fast entwaffnet. Hedwig Weiss hat\nGefühl für den Zauber der dunkelroten Rose.\nUm Verklärung, Steigerung, Ausdruckskraft,\nExpression geht dies allgemeine Ringen. Eine\nfranzösisch-belgische Malverbindung nennt sich\ndie „Expressionisten\". Wäre das durchaus im\nGegensatz des Ziels, nicht des Weges zum Im-\npressionismus gemeint, so müsste man wider-\nsprechen. Wie viel „Expressionistisches\" ist etwa\nin Monet und Renoir zu finden. Ich denke, es\ngibt schliesslich Synthesen und ist gemeint im\nSinne von Goghs Wort: „Farbe sagt etwas\ndurch sich selbst, das darf man nicht übersehen\".\nDas Zimmer der Expressionisten ist während\ndieser Ausstellung ein Schauplatz des Elements\nunserer künstlerisch-kulturellen Zustände gewor-\nden. Alles Talente von gut durchschnittlicher\nBegabung, alle etwas durch Fanatismus der The-\norien verwildert. Kenner versicherten mir, es\ngäbe bedeutendere Kräfte dieser Bewegung im\nAuslande. Und warum lud man nicht lieber die\nbesten Einheimischen ein, einen Pechstein, einen\nMelzer. Da hatte die Jury wohl Hintergedan-\nken. Die meisten Herren von der Presse betrach-\nteten mit Scheuklappen und schrieben Wortwitze\nim Depressionszustande. Allgemein ärgerte man\nsich über die Wildenhaftigkeit dieser „Primiti-\nven\" — ich habe aber Leute in der Tracht ge-\nbildeter Menschen sich hier barbarischer beneh-\nmen sehen, als ich es den Zulus zutrauen wür-\nde. Man machte nicht einmal den Versuch zu\nbegreifen. Alride le Beau zum Beispiel wendet\nHettnersche Mittel weniger dogmatisch, klarer\nund eleganter an. Kees van Dongen gibt in\nweichen konturlosen Farben Dinge vorzüglich\n— man sehe diese Kristallkette der „Fatma\".\nAber so traumhaft er wirkt, seine Menschen\nwerden zu Masken. Bei ähnlichen Mitteln zeigt\nde Vlaminck, wie ein Bild, das wir als festes,\nruhiges, aufnehmen, im Kampf sich lösender\nFormenl und den verschiedenen Glutgraden der\nFarbe uns zwingen kann, Bewegung zu fühlen;\nWasser mit wundervoller Spiegelung. Derain,\nnüchterner, sieht jede Form mehr als gebannte\nBewegung, Doucet aber empfindet die Farbe, ja\ndie Nüance als so glühend, dass er sie Stück\nfür Stück hinlegt, ein Brand aus buntglühenden\nScheiten, ein Mosaik aus Edelsteinsplittern, die\nkonstruktiv, strukturhaft angewandt sind, sich\naber in Feinheit auflösen. Mit diesen Bildern\nist der Teppich, dessen Wollfäden nicht ausstrah-\nlen, sondern tot bleiben, überholt. Das Mosaik-\nhafte scheint fast im herbstlichen Vorwurf zu lie-\ngen. Bei Othon Friesz wird jede Farben Verän-\nderung vom festen Ding wie dessen Lokalkolo-\nrit behandelt und nur in Wassern und Wolken\nsieht man, dass sie der Sonne — Ursacherin\naller Veränderungen — näher sind. Braquet\nübersteigert das noch, ihm ist (Terrasse) die\nfärbende Kraft verschieden starker Beleuchtung\nhundertmal wichtiger als die Perspektive. Für\nPuy, der pikant, voll treffsicheren Denkens und\netwas müde ist, scheint die Sonne, um die trübe\nSchattigkeit der Dinge zu zeigen. Picasso sieht\nden Menschen als ein Stück feinster Materie; er\nstudiert an ihm Vasen und Bildhauermaterial,\ndie bezeichnenden und schönen Veränderungen.\nEr fängt erst an — und mit raffiniertem Ge-\nschmack. Manguins Bilder haben am deutlich-\nsten die verschiedene Leuchtkraft und Dichte\nseiner farbigen Gegenstände zur Raumvertiefung\nund zu Farbenspiel und Schönheit verwendet.\nSeine Art ist mir zu geschickt-süsslich.\nDie Plastik ist durchweg gut vertreten. Ein\ngewisser Neu-Berliner Stil unmotivierter Forsch-\nheit und strammer Turnerbewegungen kommt\nhier nicht zur Geltung und seine Nachwirkung,\nLeere, macht sich nirgends quälend bemerkbar.\nEtwas davon ist noch in der liegenden weibli-\nchen Figur von Hans Schmidt-Friede-\nnau zu finden, tritt aber gegenüber der Kühn-\nheit seines Vorwurfs zurück. Auch der Löwe\nvon Mareks ist mir deswegen nicht lieb, ob-\nwohl ich vor dem natürlichen Assyrertum die-\nses Tieres Hochachtung habe. Empfindlicher\nleidet darunter die vorzügliche Komposition der\njugendlichen Ballspieler von Nikolaus Frie-\ndrieh, die immerhin sich eines neuartigen Vor-\nwurfs echt plastischer Art so gut bemächtigt\nhat, dass man sie zur Aufstellung in einem\nSportpalast nur empfehlen kann. Für noch jung\nhalte ich Hans Krückeberg, dessen mo-\nnumentaler Esau das rührend Unbeholfene ernst-\nhaft zum Ausdruck bringt. Lang e r s Arbei-\nten sind geschmackvoll, noch ästhetisierend auf\nKosten der Klarheit. Alexander Oppler\nist ein geschickter Könner; K 1 ims c h wendet\nbei aller überlegenen Sicherheit seiner prachtvoll\ngearbeiteten Portraitbüsten etwas zu sehr den\nVerstand an, Kraus' Broncebüste wirkt leb-\nhaft und wahr, Max Kruse bleibt in den\nHolzbildnisbüsten ein Virtuos im guten wie im\nbeinah niedlich schlechten Sinne. Neben dem\nguten Kopf von Wild und dem tüchtigen\nCaue r s , der originellen Marmorarbeit Lan-\ngen-Goerings machen Fritz Behn9\nBronzen einen günstigen Eindruck. Voll lieb-\nlicher Anmut grüsst die Maske von Desbois,\nraffiniert ist das knieende Mädchen Kogans.\nGaul hat meisterhafte Leistungen, er darf von\nkeinem Museum übergangen werden, weil er\nheute als Tierplastiker die unumstrittene erste\nGrösse ist. Hermann Fritz „Bären\" sind\nlebhaft, Fryd a g s „Keulenschnitzer\" ist zö-\ngernd — und beide erfreuen. Bick-Zürich,\nHa 11 e r und Mi 11 y Ste g e r haben in ih-\nren Mädchenfiguren verschieden starke Quanten\nMaillol, Blick entzückt mich, Haller ist am leb-\nhaftesten beeinflusst und doch eine starke Po-\ntenz. Der Vergleich mit der sicheren und wie-\nder höchst gelungenen Mädchenfigur M. Stegers\nist lohnend und ich möchte mich zu ihren Gun-\nsten entscheiden. Kolbe — ich glaube nie-\nmandes Geschmack wurzelt hier so im Sinnli-\nchen, niemand verlangt so quälend viel von sei-\nnen Leistungen, diesmal sind sie eine Reihe von\nSiegen. Köstlich die Stellung der „Ueberrasch-\nten\", und die „Tanzende\" doch am schönsten.\nWir sind im grossen Reich der plastischen Jde-\nen. Barl a c h gibt durch seine breitnasigen,\nbreitmäuligen Holzfiguren unerhört deutliche\nEmpfindungen, schenkt dem plastischen Instinkt\nReichtümer, die vom primitiven Etruskertum ins\npsychologische und ethische Verstehen gegenwär-\ntigen Lebens reichen. George Minne hat die\nglanzvolle Entwicklung vom Zierlichen zum Ge-\nwaltigen genommen. Seine Bildnisbüste mit Wucht,\nErnst, Tatkraft und Schwermut gehört in die\nMaskenkammer des Schicksals. Und da sitzt,\ngross im Stein die das Werk von\nRichard Engelmann, Steglitz - Dahlem.\nSie ist das Schlummern. Kein Teil des\nLeibes, der nicht an deinem Schlummer mitlebt,\nEwige. Doch die Hand im schlafenden Haar\ndes zur Seite hin ruhenden Kopfes hat in ihrem\nGriff noch einmal alle Stille gefangen, die un-\nterbewusste Gebärde.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "544", "page_fin": "544", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.6", "titre_corps": "Dr. S. Friedlaender : Friedrich Nietzsche Eine intellektuale Biographie", "titre_sommaire": "Dr. S. 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Sie haben sich\nmit Nietzsche über Ihre Philosophie unterhal-\nten. Reciprok . . selbstverständlich und andeu-\ntungsweise. Und haben ihm, Buch für Buch,\ndargelegt, dass er um Ihr Mysterium weiss.\nNein, dass er ohne es zu wissen nur immer um\nIhr Mysterium gerungen hat.\nEr hätte Sie noch erleben sollen. Nach\neinem, der ihm reden helfen konnte, hat er sein\nganzes Leben sich die Augen wund gesehen.\nGerade Sie, ein metaphysisch Mündiger (denn\ner hat Metaphysik nur retrospektiv abgelehnt;\ndenn er bebte nach einer solchen Ueberwelt-Ru-\nhe und ungewaltsamen Göttlichkeit; alles in\nihm triumphierte und flimmerte danach) wenn\nSie in seine Einsamkeit gekommen wären, viel-\nleicht hätte er vor Freude geweint, — das4 un-\ngeheuer wunderbare Kind.\nAber immerhin: die Diskussion hat begon-\nnen. Und ich glaube, zum ersten Mal in der\nGeschichte der Philosophie hat ein Geist (wenn\nauch zu spät) einen andern getroffen, der ihn\nvorwärts-interpretierte, tiefer hinein, ihm eigne\nBegriffe und Flügel lieh und ihn dennoch nicht\npervertierte.\nSimmel, in seinem neuen Buch, den „Haupt-\nproblemen der Philosophie\", leistet Phaenome-\nnales im Nacherleben unterirdischer Concepti-\nonen. Aber schliesslich ist das nur Luxus, da.\nSein Blick ist nicht furchtbar genug, um solche\nWeiten bannen zu wollen wie Sie.\nSie haben Pathos. O wie müssen Sie heiter\nsein. Trotzdem Ihr Gehirn diese fiebernde Selbst-\naufrichtigkeit (bis zum Erfolg) hat. Man fühlt,\nSie sind durch blutigste Gräben gewatet. Grim-\nmig scheusslich, ohne Pardon. Man ahnt auch,\nSie haben sich mal verkracht auf Sandbänken rum-\ngerekelt und totgelacht. Und sind nun wieder\nda: Schlagender, flackernder, entsetzlicher als einst.\nRuheloser und dennoch beruhigter, voll Infa-\nmie des letzten Zugreifens, nicht minder skep-\ntisch, aber tausendmal lustiger, jagdgeiler als\neinst. Sie Mann vom zweiten Pathos.\nVielleicht werde ich später sagen: „Herr,\nIhre Präzisionen sind mir zu liederlich. Gebt\nuns grotesk Controllierbares, exakte Mystik, Si-\ncherheit, oder kein Wort mehr darüber. Wir\nsind sehr reizbar, Herr; es ist hohe Zeit. Nach-\ngerade!\" Aber bis dahin entzückt mich noch\nder unbändige Ueberfluss und der Mut Ihrer\nLogik.\nFür heute einen grossen Gruss!\nSie gehören sicherlich zu den immer-mal-\nwieder über die Erde gewürfelten zwölf, drei-\nzehn Menschen, die einen Schimmer haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "544", "page_fin": "544", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.7", "titre_corps": "Biosphor", "titre_sommaire": "Biosphor", "signature_source": "Hermann Koch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "544", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.6", "debut_caractere": 3079, "fin_caractere_exclue": 5803, "texte": "Biosphor\nVon Hermann Koch\nDie epochalen Zerebralexkremente des Lebens-\nforschers John Cecil Cevatch drangen erst in den\nKulturorganismus, als sie der Multibillionär Mr.\nJoe Boom in ordinary und preference shares ab-\nzog. Die Experimente auf Jkaamaui waren abge-\nschlossen. Infusorien, Ephemeren erreichten durch\neine subkutane Einspritzung Paradisier-Alter, hun-\ndertzwanzigjährige Maorigreise waren so unkon-\nventionell, ihr vierdimensionales Wesen nicht auf\ngeben zu wollen., selbst Infektionen und Zivili-\nsationsversuche Hessen sie warm.\nMr. Joe Booms Tätigkeit war eminent.\nGigantophone heulten: Biosphor, Flammen-\nschriften wanden sich um das Erdsphäroid: Bios-\nphor, Biosphor.\nHier setzte jene Polemik ein, in deren Ver-\nlaufe Prof. Krz bewies, dass die Erfindung a pri-\nori undenkbar, a posteriori ein Schwindel sei.\nMr. John Cecil Cevatch wies der Kulturwelt\nden tadellosen Meldezettel des nun hundertfünf-\nzigjährigen, ewigen Maorihäuptlings: da wurde es\nernst. Die Kalahariwüste und Przemysl horchten\nauf, ein Freudenkrampf befiel die Menschheit.\nBiosphor, Biosphor, Biosphor, ein Kubik,\nMikron 1 Pfund = 5 Dollar = 20 Mark = 24 Kronen.\nMinimalmenge ein Gramm.\n* *\n*\n„Genossen, das Kapital hat jetzt ein Mittel\nin der Hand, uns Proletarier auszurotten, wir aber\nlassen uns nicht ausrotten . . . Proletarier aller\nLänder \"\nDa begann jenes Gemurr, das sich der Mars\nnicht erklären konnte und für Sphärenharmonie\nhielt.\nAm fünften August dieses Jahres wurde in\nHaugkou die von Militär bewachte Biosphorver-\nschleissstelle gestürmt. Da die Anführer des\nExempels halber sofort gerichtet wurden, begann\nder Welt-Ausstand.\nIn der Schreckens-Stille, die plötzlich das\ngesammte Kulturleben absorbierte, krächzten bloss\ndie Gigantophone: Biosphor , . .\nDas Militär jedes Staates sollte die nötigsten\nLicht- und Verkehrsarbeiten übernehmen. Ein\nTeil wurde von den Streikenden erschlagen, der\nandere meuterte.\nAls man in der Schnelligkeit einige Meuterer\nfüsilierte, begannen die Proletarier von den Solda-\nten unterstüzt die öffentlichen Beleuchtigungskör-\nper mit Würdenträgern zu verunzieren. Durch\nHunger war bereits ein Dritteil der Bevölkerung\nvernichtet, von den Uebrigen wurde ein effekt-\nvoller Weltbürgerkrieg in Scene gesetzt, der vielen\nkannibalisches Wohlbefinden brachte.\nEntfesselte Epidemien, Städte-Sprengungen\nHessen ein weiteres Drittel Menschenseelen emig-\nrieren.\nDieses'letzte Drittel spaltete sich in zwei Sechs-\ntel, die sich allmählich auf Null ergänzten ....\n*\nAuf einen Trümmerhügel, dessen Monotonie\nselten genug durch einige steil emporgerichtete\nmenschliche Beine unterbrochen wurde, sass der\nletzte Mensch Europas und dachte angestrengt\nnach: wo er doch einmal das Wort Biosphor ge-\nhört hatte?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "544", "page_fin": "544", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "544", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.6", "debut_caractere": 5805, "fin_caractere_exclue": 6007, "texte": "HERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nSummer 326/327/328\nsoeben erschienen\nPreis 75 Pfennig\n80 Seiten\nMit einer Illustration:\nDer Sieger\nOBERALL ERHALTLICH\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "544", "page_fin": "544", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "544", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.6", "debut_caractere": 6009, "fin_caractere_exclue": 6277, "texte": "L' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultnr u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nYerlag uad Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "544", "page_fin": "544", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "544", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.6", "debut_caractere": 6279, "fin_caractere_exclue": 6809, "texte": "LesCahiersdu Centre\nMonatsschrift fiir Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen VVerke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Auaoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. 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Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger vverden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\nPostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "545", "page_fin": "545", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "545", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 45, "texte": "an der Kaiser &lill>eltti Gedacl)tnls-Klrcl)e"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "546", "page_fin": "546", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "546", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.8", "debut_caractere": 87, "fin_caractere_exclue": 714, "texte": "Privatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat-Beamten gegrundeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\n'DIITSCIlll riiTlMElHTEl-TElEII ZI IlMl!\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNeben Pensionskasse, Witwenkasse, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwert voile Wohlfahrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr, 3 M. :: Man verl. 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Rechnen Sie\nsich aus, was Sie im Jahre fiir den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daB der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\ngeht. — — Nehmen Sie eineii guten Rat an und verwenden Sie nur\nHsi*ialin-GS&ibfkl3r,p@r D. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, da8 Sie dieselhen wie ein Tuch zusaimnen-\ndrucken konnen, ohne daB der Korper darunter leidet. Hartalin-Glfihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50%. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fiir die Strafienbeleuchtung Berlins\nbereits fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertreters\nVersandhau3 Ghent, und Techn. Nenheiten\nRFC! IN SW fiS KnrhstraRe 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "546", "page_fin": "546", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "546", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.8", "debut_caractere": 1549, "fin_caractere_exclue": 2051, "texte": "■\n■\n•\nKeine Zahnschmerzen\nKein Zahnziehen mehr\nn\nAuf Anfrage gebe\nich Jedermann Aus-\nkunft uber ein Mittel\ngegen schwarze,hohle\n| und lockere Zahne\nErfoig garantiert\nj O.Berger, BerlinW35\n■ Potsdamer Strasse 111\nAbschrift: Sehr geehrter Herr!\nVon vielen Zahnschmerzen bin\nich nun ganzlich befreit durch die\nAnwendung Ihres preiswerten\nMittels. Daher empfehle ich es\nJedem, der von Zahnschmerzen\ngeplagt ist. Mit herzlichem\nDank bescheinigt dies Heiene\nKlecmann, Rosengarten,\n:: Frankfurt an der Oder ::"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "546", "page_fin": "546", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "546", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.8", "debut_caractere": 2053, "fin_caractere_exclue": 2181, "texte": "Cafe Continental SE2TEI\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAlle bedeutenden Zeitungen und Zeitschriftea"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "546", "page_fin": "546", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "546", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.8", "debut_caractere": 2183, "fin_caractere_exclue": 2486, "texte": "THRICHOPHIL\nB F1.M.3,00ISCz^&uunen„ds FI.M. 3,00 ■\n|g§j| ■■■■enaBBSBBBH == nur beim Fabrikanten: = asaausaaaaaaaaa j\n| Otto Teutscher/Friseur |\nIB I. 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Italienisch\nB. Franzosisch\nJeder Lehrer, jede Lehrerin,\nJedermann muss Dr. Rebajoli's\nAutodidakt gebrauchen, um\nleicht und griindlich Fremd-\nsprachen zu lemen.\nJede Sprache in 53 Lektionen.\nQUI MISCUIT\nUTILE DULCI\nI\nEpochemachende Neuheit\nVerlag F. 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Eine hervorragende Neuersohelnung aul dem Gebiete der M&dchen-\nbildungr ist das Buch\n~Brauclien wir noch Tochterpensionate?\"\nyon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. 2—\nWichtigT fiir Eltern heranwachsender Tochter, Padagogen, Pensionats-\nYorsteherinnen.\n2. „Die Knabenpensionate, deren Einrichtans, lbr inneres\nand Susseres I<eben.u Von L. Daniel. Ein Ratgeber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. 1,80.\n3. ~l>as Tdcliterpensionat\" ist die einzige Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsteherinnen vertritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fiir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. 2,50.\nDurch samtliche Buchhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10\n■ll—, -| , — ,|,M ] 11 11 » ■IHIIII—MIIW—IIMWWII"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "546", "page_fin": "546", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "546", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.8", "debut_caractere": 4001, "fin_caractere_exclue": 5409, "texte": "Handelswissen- ITwi ©112! \"W Moctoi* t •\nschaftl. Kurse von niClll. MCdlCl Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\nIgepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Griindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fiir ein raehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwiilige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre rachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder khnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. 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Sprache za besonders biliigen Preisen\nDemnSchst erscheint: XXI / Kunst-\nl>'atfer: Portrats, Stadteansicbten, Berliner\nBlatter, Karri!<aturen, FlugblStter, neuere\nund altere Oenrebilder, Blatter von\nMenze!, Beardsley, Rops, Stammbucher\nSilhouetten, Japanblatter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlangen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-15-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-15_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-07-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "547", "page_fin": "547", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "547", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2149, "texte": "Eni «\nefnen olrklkben\nunfl elne Bberroschends Rtal\nhat die\n..Copoiv - Santa! - Emulsion\"\nHer Chemlschen FiDrlh und HntfeisseeUsdiaft, Mom, Bnsfrie 5,\nmlf dem\nFuchswappen\naufzuweisen.\n&\nnr»\nlo\nE=JS\nEine der Geißeln unserer Zeit sind die Erkrankungen der Blase und\nder Harnwege.\nWer da beobachten kann, wie viele Manner und Frauen mit dem qualenden\nLeiden behaftet sind, wird tiefen Mitgefiihls mit ihnen sich nicht erwehren konnen.\nDie schiffahrttreibende Bevolkerung, Forster, Waldbewohner, Eisenbahn-\nbeamte und viele andere Berufsklassen, auch die in der Landwirtschaft ange-\nstrengt arbeitenden Madchen und Frauen, konnen oft den Arzt nicht aufsuchen,\nweil die Entfernung zu groß ist, und ihnen ihr Beruf es nicht gestattet, langere\nZeit von demselben abwesend zu sein.\nHier sollte „Copaiv-Santal-Emulsion\" in die Schranken treten und den\nKampf mit der bosen Krankheit aufnehmen.\nDie neuere arztliche Behandlung' der Gonorrhoe (Tripper) und der\nLeucorrhoe (weißer FluB) hat die Spritz- und Spiilmethode in den Hintergrund\ntreten lassen, weil sie oft erst die Krankheitsbringer mit dem eingespritzten\nFlussigkeitsstrome in die tiefer gelegenen Harnwege schleudert.\nVon „Innen nach Außen\", über Nieren und Blasen werden heute die\nHarnwege gespult und so die Infektion ausgetrieben, denn Harzole umkleben\ndie Mikroben und toten sie ab: „Santal und Copaiva\".\nVoll Vertrauen mogen daher die Kranken versuchen, auch die „chronisch\"\nBehafteten, Linderung und Heilung wird nicht ausbleiben!\nWer noch Genaueres wissen will, frage seinen Arzt nach der medizinischen\nWirkung, der die Copaiv-Santal-Emulsion enthaltenden Medikamente!\nQebrauchsanweisiing. Taglich 2 4mal I—2Tee!offel bei alteren und ernsten Fallen,\nbei schwacheren und neuen 3 mal taglich 1 Teeldffel. Vorher und nachher einige Pfefferminz-\nkugelchen oder etwas schwarzen Kaffee. Vor dem Gebrauch kraftig umschutteln.\nPreis der Flasche Mark 2,50.\n*\nZu beziehen durch die Apotheken. Wenn nicht am Ort zu haben, wende man sich direkt an die\nChemisclie Fin u. MelssesellscM, Potsdam, Braaerstr. 5.\n'.V-.\",: ...\nSpezialauskunfte und Gebrauchsanweisungen stehen kostenlos zur Verfiigung.\n* *J3S. 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Friedlaender: Friedrich Nietzsche /\nHERMANN KOCH: Biosphor\n\nZeitgeschichten\nH. W.\nDie Hilfe\nEin Herr Erich Köhrer springt mir bei.\nEinmal, indem er in der Zeitschrift Das Theater\nvöllig verschweigt, dass zu der Pantomime Die\nVier Toten der Fiametta eine Musik gehört.\nIch nehme an, dass er im höheren Auftrag sei-\nner Verleger, mit denen ich mich ja noch immer\nin munterer Prozessfehde befinde — das Reichs-\ngericht wird sich jetzt mit dieser Angelegen-\nheit beschäftigen — dass er also im höheren\nAuftrag der Herren Verleger geschwiegen hat.\nHingegen findet er in der Wochenschrift Zeit\nim Bild, dass meine Musik garnicht ganz\nso schlimm ist:\nSie artet zwar zum Schluss in ein wildes\nToben aus, aber in der ersten Hälfte ist sie\nnicht ohne Melodik und rhytmischen Schwung\nund beweist, dass Waiden vielleicht einmal\neine ganz brauchbare Tanzoperette schreiben\nkann. Er braucht hinter Fall, Lehar, Lincke\nund Holländer absolut nicht zurückstehen.\nBei Wauer wurde seine Musik ganz hervor-\nragend mimisch verkörpert von Rosa Valetti,\ndie eine sehr starke Könnerin ist, und vor\nallem von Wauer selbst, der sich als ein Pan-\ntomimist von ungewöhnlicher Gestaltungskraft\nund Ausdrucksfähigkeit erwies.\nIch bin sehr glücklich, dass ich nach An-\nsicht des Herrn Köhrer nicht einmal hinter so\nberühmten Kollegen von der anderen Fakultät\nzurückzustehen brauche. Auch zu einer brauch-\nbaren Tanzoperette will ich mich verstehen, nur\nmache ich die Bedingung, dass kein Herr von\nder Presse, und sei es selbst Lothar, mir das Li-\nbretto dazu schreibt. Sonst ist der Herr Köh-\nrer mit mir garnicht einverstanden. Er warnt\nWilliam Wauer väterlich, sich „in die Gesell-\nschaft jener Kaffeehausbesucher zu begeben, die\nman die Marodeure der Literatur nennen kann\nund die den Grössenwahn in Erbpacht genom-\nmen haben.\" Es ist ein wahres Unglück, wenn\nder Mensch den Kaffee dem Biere vorzieht. Viel-\nleicht versuchen es die Bierhausliteraten ein-\nmal mit einem nicht alkoholischen Getränk. Viel-\nleicht gibt es ihnen die Möglichkeit, die Läh-\nmung ihrer Gehirnfunktionen im Lauf der Jahr-\nzehnte zu beseitigen. Vielleicht nimmt es ihnen\nden Grössenwahn über Kunst zu schreiben, sich\nauf ein Gebiet zu begeben, auf dem sie höchstens\nals Marodeure niedergeschossen werden. Und\nin seinem Biernebel sah Herr Köhrer alle „jene\nErscheinungen im Zuschauerraum, die beim nor-\nmalen Menschen ein dringendes Bedürfnis nach\nSeife, Paquin und Zacherlin hervorrufen\". Rene\nSchickele bemerkte einmal über die Schreiber die-\nses uralten und blöden Journalistenwitzes, dass\ndiese Herren, die Seife selbst erst zu einer Zeit\nentdeckt haben, wo sie schon Krebse essen lern-\nten. Ich bin der Ueberzeugung, dass Herr\nKöhrer noch nicht beim Krebsessen angelangt\nist. Er möge es sich gesagt sein lassen, dass\nnichts gefährlicher ist, als mich anzuerkennen.\n„Die Musik hat Anlass zu Kritiken gegeben,\nwie sie in Berlin in dieser Schärfe noch nicht\nerlebt worden sind. Die liebenswürdigsten nann-\nten sie blutigsten Dilettantismus. Herr Waiden,\nder jeden Kritiker, der nicht Mitglied des Clubs\nder Grössenwahnsinnigen ist, Schmock nennt,\ndarf sich darüber nicht wundern\". Ich wunde-\nre mich auch nur über Herrn Köhrer Er verdirbt\nsich die Kollegen und ich verzichte auf ihn. Nichts\nist gefährlicher, als neutral zwischen den Partei-\nen zu leben. Die Liste des Clubs der Grössen-\nwahnsinnigen ist in Nummer 45 dieser Wochen-\nschrift (Beitrag Kunstverständnis) zu finden.\nDer Entwortete\nHerr Pordes Milo bangt um seinen Dich-\nterruhm. Er teilt den Zeitungen mit, dass er\nder Verfasser der Pantomime Die Vier Toten der\nFiametta sei. Das, was er an dieser Arbeit ge-\nleistet hat, die Worte, wurden für schlecht be-\nfunden. Deshalb druckt sie der kleine Jacob-\nsohn in seinem Theaterblättchen ab, wo sich\njeder davon überzeugen kann. Im Uebrigen be-\nnutzt Pordes Milo zu seinem Einakter eine uralte\nHandlung. Nicht etwa nur dem Inhalt nach, auch\ndie Reihenfolge der scenischen Vorgänge ent-\nspricht genau dem Original. Aber er verschweigt\nauch in dem erwähnten Abdruck kühn die Tat-\nsache. Er hält es in seinen Erklärungen für nö-\ntig, mich einen Komponisten in Anführungsstri-\nchen zu nennen. Er erklärte mir zwar Wieder-\nholt in Gegenwart von zahlreichen Personen,\ndass er meine Musik überaus schätze und dass\ner mir alle seine gesammelten und in Zukunft\nnoch abzuschreibenden Libretti stets zuerst zur\nKompositen anvertrauen würde. Nun, der Mensch\nkann sich irren. Die Presse hat ihn überzeugt,\nund ich werde seine Libretti nicht mehr verto-\nnen dürfen. Da ich ihm aber doch auf jeden\nFall hätte die Worte streichen müssen und in\nder alten Literatur ziemliche Kenntnisse besitze,\nwerde ich mich zu trösten wissen. Möge er in\nseinem zukünftigen Leben das goldene Beispiel\nder Pantomime befolgen: Schweigen.\nBubenstreiche\nDer Herr Pfemfert aus der Nassauischen\nStrasse 17 kann sich noch immer nicht darüber\nberuhigen, dass Karl Kraus ihm die Erlaubnis\nzum Nachdruck seiner Arbeiten entzogen hat.\nAls Ersatz für das fehlende Material bringt er\nin jeder Nummer seines Blättchens Angriffe ge-\ngen diesen grossten schriftstellerischen Künst-\nler unserer Zeit. Er veranlasst, gute und schlech-\nte unkritische Dichter und Schriftsteller zu kri-\ntischen Aeusserungen. Ein Doktor Anselm Ru-\nest „entlarvt\" Kraus als Feuilletonisten, und Max\nBrod sieht in ihm einen „mittelmässigen Kopf\".\nKarl Kraus hat es überhaupt mit dem gesam-\nten deutschen Schrifttum verdorben, seitdem er\nseine Broschüre „Heine und die Folgen\" er-\nscheinen liess. Es ist durchaus begreiflich, dass\nalle Heineepigonen entsetzt sind, wenn man ih-\nnen den Vater erschlägt. Heine aber dadurch\nzu verteidigen, dass man Kraus beschimpft,\nkann weder etwas für Heine und noch weniger\ngegen Kraus bedeuten. In meiner demnächst er-\nscheinenden Broschüre Goethe, Nietzsche, Kraus\nhabe ich den Fall Heine ausführlich behandelt.\nIch muss es mir an dieser Stelle versagen, weil\nich mit einer analytischen Abhandlung viele\nNummern des Sturms füllen müsste, was gegen\nden Sinn einer Zeitschrift wäre. Herr Ruest\nkann sich aber beruhigen: Gegen ihn polemi-\nsiere ich nicht. Seine Ausführungen sind wirk-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "540", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.2", "texte": "lieh zu kindisch und belanglos. Dasselbe muss\nich von Max Brod sagen. Er kann Karl Kraus\nnicht übersehen. Dafür kann er ih n doch nicht\nverantwortlich machen. Max Brod hat einige\ntalentvolle Novellen geschrieben, ganz miserable\nGedichte und viele feuilletonistische Essays, die\nzum Teil direkt Karl Kraus nachempfunden sind.\nIn diesen Fällen gab Brod das Feuilleto-\nnistische dazu. Das alles berechtigt ihn aber\nnoch nicht, Frechheiten gegen Kraus zu schrei-\nben. Man trägt kein Verlangen nach seinen kri-\ntischen Ansichten. Er sollte jedes Jahr seinen\nBand Novellen herausgeben und sich liebevoll\nin Details versenken. Da hebt er plötzlich den\nKopf und stösst gegen eine chinesische Mauer.\nDie Augen, die sich gewöhnt haben, im Dun-\nkeln zu suchen, sind vom Licht geblendet. Aber\nMax Brodist doch nicht mehr so jung, um\ndeshalb auf die Sonne zu schimpfen. Seine pä-\ndagogische Veranlagung sollte ihn vor solchen\nKleinkindergewohnheiten eigentlich bewahren.\nDie Sonne schönt und die chinesische Mauer\nsteht. Wer Maulwurfsaugen hat, arbeite im\nDunkeln.\nDer Kenner\nHerr Hofrat Paul Schienther ist ein vorsich-\ntiger Mann, er weist im Berliner Tageblatt auf\neine neue Ausgabe der Gesammelten Werke von\nBjörnson hin. „Von der geschmackvollst\ngekleideten Björnsonausgabe liegen bis jetzt drei\nBände vor. . . . Dem alten Pangermanen bliebe\nsein unerfüllter Herzenswunsch, diese deutsche\nAusgabe noch zu erleben. Er erwartete von ihr\nim deutschen Geiste mit Ibsen gleichgestellt zu\nwerden. Der gemeinsame Enkel sollte den einen\nGrossvater im Ausland nicht minder geschätzt\nfinden, als den andern. Wie weit das sein kann,\nwollen wir erst prüfen, wenn alle fünf Bände\nda sind.\" Die Rücksicht des Herrn Hofrats auf\nden gemeinsamen Enkel und sein Familiensinn\nin allen Ehren: Aber der deutsche Geist kann\nden Herzenswunsch nicht erfüllen, den andern\nGrossvater mit Ibsen gleichzustellen. Das be-\nhaupte ich, auch wenn bis jetzt erst drei ge-\nschmackvollst gekleidete Bände vorliegen. Soll-\nten die Leser des Sturms sich über Herrn Hof-\nrat Schienther genauer orientieren wollen, so\nempfehle ich ihnen den Beitrag von Karl Kraus\nin Nummer 324/25 der Fackel auf Seite 26 nach-\nzulesen. Sie können dort Näheres über die so\nüberaus sympathische Familiarität des braven\nHofrats erfahren. Wohl ihm, dass er ein On-\nkel ist!\nTrust\n\nDie höchste Tugend\nVon Sar Peladan\n\nSchluss\n\nEndlich ging Merodack nach vorn, alle folg-\nten mit geheimem Bangen der Unterredung. Die\nBeichte war lang und erregt, die Stimme hob\nsich Augenblicke lang, Worte drangen zu den\nRittern. Die beiden Gewissen des Mönches und\ndes Magiers kämpften, und der Zwist schmerzte\ndie Versammlung tief. Welche furchtbare Frage\nerregte sie, die beiden ungeheuren Seelen, die\ndie heitere Majestät des Sakramentes brach?\nMerodack hielt mit gekreuzten Armen seinen Wil-\nlen aufrecht, den der Andere ändern wollte. Ei-\nnen Augenblick entfernte sich der Priester, als\nweigerte er die Absolution. Merodack sagte ru-\nhig ein Wort, das den Mönch besiegte. Der hob\ndie Hand, sprach die Absolution, aber sein An-\ngesicht drückte Trauer aus. Die Messe begann\nmit den Klängen der Ekstase des heiligen Frei-\ntag. Sie nahmen das Abendmahl mit hohem\nGlauben. Nach dem Evangelium Johannis, ihrem\nEvangelium bestieg Merodack die fünf Altar-\nstufen, indem Alta sie hinabschritt. Er sprach\nruhig, in sich gesammelt, erhaben:\n„Die vor uns in Jesu Namen sich versam-\nmelten, damit sein Reich komme, fanden um sich\nher Vorbilder und zauderten auf den Wegen kei-\nneswegs: Beschauung, Büssung, Predigt, Erzie-\nhung. Aus diesem vier-einigen Kreise der from-\nmen Ur-Werke traten die Männer Gottes, die\nstrenge Kloster-, Prediger- und Pädagogen-Mön-\nche waren, nicht hervor. Sie entsprechen dem\nmenschlichen Bedürfnis.\n„Es bedarf einer Anzahl, die sich der Be-\ntrachtung des Schöpfers widmen, damit die wirk-\nsame Beziehung des Himmels zur Erde erhalten\nund die Jakobsleiter entrollt werde, auf der die\nGebete im unaussprechlichen „Kommen und Ge-\nhen\" sich aufschwingen und hinaussteigen, und\ndie Gnaden herabsteigen und erleuchten.\"\n„Es bedarf einer Anzahl, die freiwilligem\nUnglück eingewilligtem Leiden sich hingeben,\ndamit durch sie das Mysterium des Schmerzes\nfortdaure, in dem alle anderen selbst das der Er-\nlösung eingehüllt sind, die Reinigungen eines\nganzen befleckten Volkes durch eine einzige Hei-\nligkeit, damit Herzen, die vor Barmherzigkeit\nbrennen, die glühenden Feuerherde seien, die die\nRassen vor der Pest der Leidenschaften erretten.\n„Es bedarf einer Anzahl, die reden, singen\nund erklären, weil Wort, Zauber und Vernunft\nin die Seelen den reinen Weizen des Glaubens\nsäen, das Saatkorn für die Garbe der Tugen-\nden und die Aehren des Werkes, oft einen ein-\nzigen Eindruck, der die Seele entschied, sie vom\nWeg des Jahrhunderts abkehrte und auf den der\nEwigkeit führte.\n„Es bedarf einer Anzahl, die reden, singen\nbilden, sie zum Ideal aufrichten. Erzieher fehl-\nten uns allen, wir mussten unsre eignen Meister\nwerden, zugleich den der lehrt und den Andren\nder hört, in einem werden, Schüler der eignen\nDenk-Anstrengung, Meister des persönlichen Jün-\ngertums aus Mangel an wertvollen Pädagogen.\n„Wer sind wir? Männer des Gebets, der\nEntsagung und Bekehrung oder der Lehre? Nein,\ndenn unser Gebet ist ein geistiger Wille, unsere\nbedingte Entsagung hat ein Ziel, wir suchen nur\nunsre Selbigen, wir können Niemanden beleh-\nren, weil uns keiner lehren könnte.\n„Gleichwohl, wir lieben Gott, wir glauben\nan das Heil, wir leisten dem Lichte Zeugnis,\nwir wechsein in der Sorge um den Nächsten ab\nmit dem Kult des Abstrakten.\n„Wer also ist dieser Glaube mit seinen dunk-\nlen, unschlüssigen Werken, wo die Glut der Em-\npörung gleicht, die Frömmigkeit der Ketzerei?\nWelche also ist jene. Hoffnung, die von der der\nHerde so verschieden ist, die so lebhaft, so un-\ngeduldig ist, dass ihre Kraft wie Ketzerei er-\nscheint? Welche also ist diese Barmherzigkeit,\ndie ihren Nächsten erwählt, die in beschränkten\nFällen liebt und auf unangebautem Grund sich\nopfert? Endlich, welches also ist dies Wort, in-\nspiriert durch das der Kirche, das ihm zu wi-\ndersprechen scheint, das Gemeinsamkeiten ver-\nwirft und verhindert, um sich solche stärker und\nschwerer aufzuerlegen, das sich allgemeinen Pflich-\nten verweigert, und seine Aufgabe anhebt unter\nden Wundern des Mystizismus bis in jene Zwi-\nschenweit hinauf zu suchen, wo die dem Men-\nschen nachbarlichen, jedoch von ihm getrennten\nEngel sich bewegen?\n„Lassen Sie uns in Gedanken das lange,\nwunderbare Leben des heiligen Johannis aus-\nstreichen, und nur sein Evangelium und seine\nApokalypse von ihm nehmen, siehe da, das ist\ner vollkommen.\nDie kaiserlichen, die päpstlichen Zwistigkei-\nten sind tot, und den Dante machten nicht seine\nRolle oder sein Schicksal zu unsrem Meister,\nsondern die Divina Comedia. Sokrates hätte um-\nsonst Schierling getrunken, wenn nicht Plato\ngöttlich seinen Gedanken formuliert hätte. Nicht\ndas Martyrium des heiligen Paulus, sondern\nsein Genius errichteten das Christentum. Als\nJohann Huss angesichts des Scheiterhaufens\nsagte: „beweist, dass ich unrecht habe\", sprach\ner gewiss ein starkes Wort. Es blieb nur eine\nhistorische Szene, das Buch fehlt, das sie zur\nWirkung gebracht hätte, und dann verliert sich\nder Sprecher in der Menge der Erzketzer.\n„Das Wort borgt alles von der Begeben-\nheit. Das ist beinahe das Pathetische des The-\naters. Was erhaben war, wird ausserhalb des\nUmstandes ungültig.\n„Dagegen die Schrift verlängert die Rede\nunendlich, das Abstraktum zieht Zukunft wie Ge-\ngenwart gleichsam in einen Globus zusammen;\ndas Evangelium, der absolute Urtypus des sinn-\nlichen Lichtes, kann und muss von jedem Men-\nschen, von welcher Rasse er auch sei, gepredigt\nund verstanden werden, wenn man nicht das\nzarte, überwirksame Wesen des göttlichen Her-\nzens durch örtlichen Kirchen-Gebrauch und eth-\nnischen Formelkram verfinstert. Wir sind die\ngeistigen Söhne unserer Betrachtungen, sie hän-\ngen von unserer Lektüre ab.\n„Diese unmögliche Definition nur hätte uns\nund unser dämonisches Werk bezeichnet, das\nheisst Vermittler zwischen dieser und der ande-\nren Welt zu sein. Was wir jemals taten, ward\nfehlgeboren; und weil der Zweifel nur an der\nGelegenheit liegen kann, schliessen wir, dass die\nStunde noch nicht kam, damit unsere Ideen von\nder Kraft zur Tat gelangten.\n„Saugen wir unsere Tätigkeit auf, ziehen\nwir sie in Macht zusammen, das heisst bereiten\nwir die Ereignisse, die wir nicht verkörpern\nwerden, vor. Wir glaubten Reformatoren zu sein,\nwir sind nur Vorläufer, bereiten wir denen, die\nkommen werden, die Wege, leisten wir ihnen\nZeugnis, damit man an sie glaube. Offenbaren\nwir geistig das gleiche Ideal, das wir verwirk-\nlichen wollten. Ich bin der am wenigsten Be-\nreitete auf solche neue Anstellung. Wenn ich\nsie zeige, so geschieht es, damit ich mich zwin-\nge, damit ich mir selbst gehorche.\n„Ich glaubte, dass wir als die verborgenen\nPersönlichkeiten einer Renaissance Geschichte\nschüfen, ich irrte mich, ich zog euch in meinen\nIrrtum nach mir. Heut weise ich die neue\nAufgabe, verführerischer als die andere, denn\nsie lässt Ehren-Lohn zu, Unsterblichkeit im An-\ngedenken der Menschen.\n„Wer von uns würde ein Schemen seiner\nselbst sein, ohne Buch, Denkmal, Statue und\nGemälde? Gleich tiefen Spiegeln behielten wir\ndie Ausstrahlungen des Meisterwerkes zurück,,\naber aus ihm kam uns das Licht. Werden wir\nlichtvoll. Arbeiten wir, dann möge unser Wil-\nle nicht das Ereignis zusammenpressen. Unser\nGeist erleuchte die Erwählten, die nächsten Wil-\nlen. Mit seinen Dichtern machte sich Israel die\nWelt zinspflichtig, und kein Heiliger begriff trotz\ndieses Beispiels künstlerischer Macht die Idee\neines Ordens von Genies.\n„Bei den geheimen Methoden, der wechsel-\nseitigen Hegung, die wir gegeneinander ausüben,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "541", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.3", "texte": "ist das Meisterwerk nichts mehr als eine Frage\ndes Fleisses. Wollt ihr diesen Weg beschreiten,\nTempelherren der Literatur, der Künste sein?\"\nEin begeistertes Amen brach aus, das die\nSchönheit des Entwurfes begrüsste, das auch die\nplötzliche Auflösung der sie seit langen Monden\nbedrückenden Angst aussprach. Wieder beruhigt,\nglücklich, entflammt erhoben sie sich, mit dem\nVerlangen, die Ideen und Pläne auszutauschen,\ndie die befruchtende Idee augenblicklich in ihnen\nerkeimen liess. Merodack hielt sie mit einer Ge-\nberde inne:\n„Brüder, die Stunde ist solche, dass eine\nandere ebenso feierliche seit Jahrhunderten nicht\nschlug, die der Hohen Wahl. Ich sprach erst\ndie Hälfte meines Gelübdes aus und ich zittere.\nSchlagt ihr meine erhabene Einladung aus, dan-\nke ich ab, dann werde ich euch gekränkt haben\nund nicht unter euch bleiben können.\n„Künstler der Gnosis und des Glaubens,\nMönche der Kunst, wollt ihr dem Werke die\nTugenden zufügen, dem Genie die Entsagung,\nFra Angelicos sein, Heilige und Künstler zu-\ngleich?\n„Die geschlechtliche Liebe gab euch, was\nsie enthält, verlasst sie um der alleinigen Liebe\nGottes willen, opfert eure Herzen der ganzen\nVollkommenheit unseres Ordens.\"\nEin furchtbares Schweigen empfing diese\nWorte, solches Schweigen, dass es eine Antwort\nwurde, und der Gross-Meister selbst erschrocken\nüber dies furchtbare obgleich nicht gesprochene\n„Nein\" innehielt.\nDer Mönch stand auf:\n— „Merodack, du gehst irre. Ich, der Mönch,\ndarf es sagen, du stehst davor, den gnostischen\nDegen zu zerbrechen, weil du ihn allzu glän-\nzend wolltest.\nEbenso erklärte Hon:\n— „Du fragtest nur den eignen Traum.\nHast du das Hecht, ihn uns aufzuerlegen? Ich,\nder durchaus nicht verdächtige Greis, ich sage\nes.\nNebo erklärte:\n„Nimm dich in acht, Bruder, noch können\nwir deine Worte vergessen, es ist notwendig, dass\nwir sie vergessen. Wie rein dein Wille auch ist,\nhier kreuzt er sich mit den unseren. Deinen\nTraum erlegst du unseren Träumen auf, dein\nGlück unserem Glück, du greifst das Wesen an,\ndas Bestandteil von uns selbst geworden ist.\nIch sage ohne vergebliche Worte ein einziges\nN e i n.\"\nDer Gross-Meister sehr bleich, mit verän-\nderter Stimme sagte darauf:\n— „ Ich bitte euch ergeben, dass Jeder vor\nmich komme, eure Hände in meine Hände lege\nund nein sage, wenn ihr wirklich Weg, Leben\nund Wahrheit ablehnt.\"\nDiese Forderung erbitterte sie, sie erblick-\nten in ihr eine Vergewaltigung, eine Hoffnung,\nsie zu betören, ihr Wille lehnte sich auf.\n— „Unnütze Zeremonie\" rief Adar.\n— „Mein letzter Wille ist es\" flehte Me-\nrodack. „Man gehorche ihm, damit ich vor\nmeiner Flucht das volle Bewusstsein meiner\nNiederlage habe. Ich hoffe nicht, euch zu beu-\ngen. Die Zeremonie dient nur der Erfüllung\nmeines Schicksals, denn ich bin im Begriff euch\nzu fliehen und wenn mein Herz eure sechzehn\nAblehnungen wie ebensoviel Schwerter durch-\nstechen, werde ich meiner heiligen Sendung ent-\nhoben und verbannt sein und die Strasse ins\nExil gehen. Erfasset diesen Ritus als den ein-\nzigen Abschied dessen, der euch so sehr liebte,\nder durch sein Gelübde verjagt, im Begriff ist\nzu scheiden.\"\nEine unsägliche Trauer schwebte in der Luft,\nund Dagon, der die Angst des Ordens ausdrück-\nte, liess die furchtbaren Bässe schallen, die Ti-\nturels feierliches Leichenbegängnis rytmisch dar-\nstellen, Musik des jüngsten Gerichts, wo mehr\nals eine Welt oder ein Olymp wie in der von\nSiegfried zusammenstürzen, wo die Hoffnung\ndes Menschen unter seiner Ohnmacht verscheidet.\nOurnah kam zuerst, um seine Hände Mero-\ndacks Händen hinzustrecken.\n— „Meine Tugend, sie heisst Belit\" sagte er,\n„ich würde auf mich selbst verzichten, indem ich\nihr entsage.\"\nEr ertrug den schmerzerfüllten Blick des Ma-\ngiers, aber Belits liebliche Vision behielt die\nOberhand.\nSin folgte und Franzesca Piccoliminis Bild\nbesiegte den Vorwurf des Gross-Meisters.\n— „Der Dichter, der der Liebe entsagte,\nwürde die in sich aufgesogene böse Begfierde in\nsein Werk legen. Im Namen meiner Kunst selbst\nlehne ich ab,\" sagte Samas.\nTammuz schritt nach vorn:\n— „Obgleich transzendent, war ich Liber-\ntin'. Die Liebe erlöste mich von einem falschen\nIdeal. Ich werde der Liebe treu sein.\"\n— „Eine Frau tröstete mich\" sprach Tran-\ncavel.\n— „Eine Frau befriedigte mich\" sprach\nNergal.\n— „Die Liebe ist ein Element des grossen\nWerkes\" rief Adar.\n— „Ich willige in dieses Wort,\" erklärte\nPoudil. Meister Baucens und Nebo lehnten,\nzu sehr erregt um reden zu können, mit einem\nlangsamen Zeichen des Kopfes ab, denn das\nMitleid mit diesem armen hohen Geiste, der ei-\nnen Schweiss des Todeskampfes schwitzte, über-\nkam sie.\n— „Ich habe nicht die Liebe gleich meinen\nBrüdern, aber ich ersehne sie,\" erklärte Isdubar.\nDr. Ulrik bestieg die Stufen:\n— „Ich wünsche auch das Glück, das mei-\nne Brüder haben, und ich werde auf die Hoff-\nnung nicht verzichten.\"\nZu Merodack's Erstaunen ging Pater Alta\nnach vorn:\n— „Bei dem gegenwärtigen Stande der\nKirche würde der Orden, den du schaffen willst,\ngegen die Priester-Ordnung in unaufhörlicher\nEmpörung sein.\"\nUnd Ilon:\n— „Die historische Erfahrung zeigt, dass\ndas Genie die Unabhängigkeit zum Instinkte hat.\nDen Begeisterten leistet man nicht Gehorsam.\"\nMerodack wankte und stützte sich mit der\nHand am Altare.\n— „Non nobis, non nobis. Domine, sed\nHominis tui gloriae soli.\"\nDann befahl er mit gebieterischer Geberde\nden Brüdern hinauszugehen. Sie gehorchten,\nder grosse Vertrag war gebrochen. Jedes Wort\nwäre kindisch gewesen. Ein Abgrund trennte\nden Magier von seinen Brüdern von jetzt ab.\nMit ausgestrecktem Arm, majestätisch wie\nsein ungewöhnliches Ideal selbst betrachtete er\nsie beim Hinausgehen. Allein zerriss er seinen\nMantel, setzte sich auf die Altarstufen, und er\nweinte lange, ohne Schluchzen mit gleichem dü-\nstrem, getragenem Weinen, wie dem der sech-\nzehnten Sonate. Er weinte über sich, den toll-\nkühnen Amfortas, der die Legion zerstreute,\nstatt sie zu führen. Er wurde durch die glück-\nliche Liebe besiegt, ein Frauenzauber nahm in\njedem Herzen über das Ideal Oberhand. Dies\nfürchterliche Lügenstrafen seines Glaubens zer-\nmalmte ihn. In wieviel Jahrhunderten würden\nnoch soviel Wissen, Genie, Magie und Schön-\nheit vereint sein! Er, ihr Meister, er hatte die\nguten Arbeiter des Herrn im Namen einer ab-\nsoluten Idee mit seinem gebieterischen und frü-\nhen Atemhauche zerstreut. Er hatte die höchste\nTugend verwirklichen wollen und unter dem\nleidenschaftlichen Hauche stürzte Monsalvat zu-\nsammen. Seine grenzenlose Herzensnot konnte\ndurch nichts getrqstet werden, denn er hatte\nseine irdischen Fesseln zerbrochen, durch den\nHimmel verdammt, richtete er sich, er, der Rei-\nne, der sich an der Tugend berauschte und von\nden Engeln verurteilt erwachte. Auserwählter,\ndessen Haupt hinweggerafft blieb in der Wolke.\nAusklang\nIst es die Nacht, die ihre Blässe wie ein\nErmatten über den Himmel wirft, oder der Tag,\nder zu erscheinen zaudert, der erste Morgen-\ndämmerstrahl, der selbst im Sommer kalt ist,\nselbst in Sonnenländern fahl. Die Untergänge\nsind voll grosser Taten, die ein Ende machen,\ndie Vesper hat stets den Mantel des Geheimnis-\nses. Die Morgenröte beginnt mit einem Schau-\ner, düstern Zügen, ungewissen und schmutzigen\nFarbentönen.\nSo war der Himmel, als Merodack von\nMontsegur fortging, in Leinenbluse, in der Hand\nden Stab. Er stieg, ohne Blick hinter sich die\nKloster-Rampe hinab, mit düstrem Ahasver-Gang,\nder weder Ziel noch Aufbruch hat. Mit seinem\nunbeschränkten Gedanken allein von jetzt ab,\nunter dem Gewicht des eignen Orakels zermalmt,\nging er, der Oediqus der Gnosis fort, der dem\nFrieden seiner Brüder und des mystischen The-\nben, dessen König, dessen Gründer er war,\nsich opferte.\nAm Fuss des Felsens hemmte seinen Blick\nein wilder Rosenstrauch, an dem eine einzige\nherrliche Blüte glänzte. Er machte die Geberde,\nsie zu pflücken, zog sie jedoch zurück und kniete\nvor ihr hin.\nSchaute er unter der Rosengestalt „die hei-\nlige Wehrkraft, die der Christus mit dem Blut\nzu seinem Gemahl machte\" und „zählte er Blatt\nfür Blatt\" die nach den Tronen kommen wer-\nden, oder Jene, „die beinahe die beiden Wur-\nzeln der Rose sind.\" Indes der letzte Gross-\nMeister des Tempels mit der heiligen Blüte\nsprach, erschien die Morgenröte und vom hohen\nKlosterturm sahen verzweifelnd sechzehn Män-\nner ihren Meister, der Anderen wie ein Toller\nerschien, aber den sie als edlen Meister\nkannten.\n„Er hielt Wort. Er verliess uns auf immer.\nIm Augenblick, wo der Form nach sein voller\nGedanke lebte, o, die Entsagung dieser Nacht!\"\n„Ja,\" sprach Alta, „dies Schwert deis Erz-\nengels, das eher sich selbst zerbrach, als die\nBrüder zu verletzen. Dieser Eifer, der sich ver-\ndammt uncl verschwindet. Dieser Stern, der aus\nErbarmen erlischt. Dies Wort, das Schweigen\nwird, da es zuviel Licht hervorbrachte. Das ist\nein furchtbares Schauspiel.\"\n„Ach, nur die Engel dürfen ihn trösten,\"\nrief Nebo.\n„So lang und stark den Willen des heiligen\nGeistes gewollt zu haben und sich selbst nieder-\nzuschlagen. Prometheus, der sich das Feuer aus\nden Händen reisst, es den Göttern wiedergibt,\ndas bedeutet letzte Tugend!\"\nDer Gross-Meister stand wieder auf und\nging stabgestützt von dannen.\nIlon sprach: „Finis Latinorum.\"\n„Wenn solcher Licht-Dämon durch die Zeit\nund den Ort besiegt wurde, was hoffen?\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "542", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.4", "texte": "Der Orientale wiederholte nach einundzwan-\nzig Jahren das Wort eines anderen Orientalen;\njenes einmal durch einen Rabbiner formulierte\nVerdikt sprach ein Brahmane von neuem aus:\n„Finis Latinorum\", sagte Ilon noch, als das\nSchattenbild Merodacks durch die Ferne kleiner\ngeworden, ungewiss, unentschieden.\n„Pater\" sagte Ounah zum Mönche, „gewäh-\nre uns ein Hoffnungswort.\"\n„Eine Verheissung\" flehte Dagon.\n„Ein Orakel\" forderte Nergal.\nIlon rief plötzlich erleuchtet:\n„Die Hoffnung bleibt, die Verheissung ist\nsicher, das Orakel gewiss. Ich schaue den Stern,\nich, Hoherpriester des Orients, Enkel der Magier,\ndie nach Betlehem kamen. Er zieht stets vor\nuns her. Er wird nie erlöschen.\"\nIn sich gesammelt hielt er inne, indem er\ndie lapidare Form seines Gedankens suchte und\nsagte einfach:\nDie Unendlichkeit des Christus.\n\nDeutsch von Adolf Knoblauch\n\nDer Regisseur\nVon William Wauer\nDer Regisseur ist ein Raumkünstler.\nInnere Bewegung in äussere umdeuten, heisst\nRegie führen.\nDer Regisseur empfängt die Dichtung, wie\nein Prisma den Lichtstrahl in tausend Farben\nzerlegt, gibt er es weiter.\nWenn die Inscenierung als unerläßlicher\nBestandteil eines Dramas empfunden werden soll,\nbedarf sie eines ordnenden Prinzips, das aus\ndem ursprünglichen Schöpfungsgedanken hervor-\ngegangen, die Inscenierung nach jeder Richtung\nhin und in jeder Beziehung vorschreibt. Dieses\nPrinzip kann nirgends anders liegen als in der\nGestaltung des Dramas in Bühnenmitteln durch\nden Regisseur.\nOhne das Wiederaufleben des Wortkunst-\nwerkes in einer Phantasie, die bühnenmässig\ngestalten kann, ist eine Aufführung unmöglich,\ndenn diese ist ein neues Entstehen und ein\nneues Gestalten in einer neuen Kunst.\nDie Anordnungen des Regisseurs sind sämt-\nlich gestaltender, also formaler Natur. Er hat\naber auch alle Anordnungen formaler Natur zu\ntreffen, keine kann er und darf er einem Zufall,\nkeine einem Dritten überlassen. Zwei Kapell-\nmeister in einem Orchester sind ebenso undenk-\nbar wie Mitarbeiter beim Schaffen eines Kunst-\nwerkes.\nDie Auffassung und theatralische Gestaltung\nder Aufführung eines Dramas muss in einem\nGehirn entstehen. Die Führung, Leitung und\nAnordnung der Kunstbetätigung, die zu einer\ndramatischen Darstellung notwendig sind, kön-\nnen nicht gleichzeitig unter verschiedene Indivi-\nduen verteilt werden, da alle jene Betätigungen\naus dem gleichen ursprünglichen Schöpfungsge-\ndanken entstehen müssen. Eine dramatische Dar-\nstellung kann sich ihre künstlerische Gesamtwir-\nkung nur dann erhalten, wenn sie kein Element\nzulässt oder in sich schliesst, das nicht ganz un-\nmittelbar in der Gewalt ihres Regisseurs liegt.\nWas den Regisseur vom Schauspieler und\nseinen anderen Mitarbeitern unterscheidet, ist\ndas fortwährende Verknüpfen des technischen\nVerfahrens, das jene auch kennen, mit der Be-\nstimmung, der es jeweilig im Organismus des\nGanzen dient.\nDie Auffassung des Regisseurs von einem\nDrama bestimmt durch ihren individuellen Puls-\nschlag die Aufeinanderfolge und Schnelligkeit\nder Bewegungen, den Wechsel der Verhältnisse\ndes ganzen Organismus „Aufführung\". Durch\ndie kleinste Lücke kann sich die organi-\nsche Lebenskraft verflüchtigen, durch eine wun-\nde Stelle kann sich das ganze Kunstwerk ver-\nbluten.\nWiderstände, die der Regisseur findet und\nnicht überwinden kann, zwingen ihn, unorga-\nnische Konzessionen zu machen, wenn seine Ge-\nstaltung des Dramas eine künstlerisch-organische\nwar, wie sie es sein muss. Durch solche Kon-\nzessionen wird das Kunstwerk vernichtet.\nMan muss zu begreifen suchen, zu welchen\nunkünstlerischen Konflikten es führen muss, wenn\nder Regisseur bei seinen lebenden scenischen\nAusdrucksmitteln, bei seinen Darstellern, auf Wi-\nderstand trifft, da ihm die grösste Anpassungs-\nfähigkeit nur grade gut genug sein kann. Jene in\nihm latenten Masse und Verhältnisse, wie sie in\nseiner Auffassung, seiner Wiedergabe des Dicht-\nwerks enthalten sind, suchen sich sehnsüchtig\nzu verkörpern. Die Schauspieler aber dürften\ntaub bleiben für seine noch so beredte Sprache?\nSie dürften ihre literarische Auffassung des Dra-\nmas, einer Rolle höher schätzen als die ihnen\nnoch unbekannte Welt, die der Regisseur aus\nseiner Auffassung offenbaren möchte, höher\nschätzen, nur weil sie die ihre ist? Wie unver-\nnünftige Kinder wollen sie da Bedingungen dik-\ntieren, wo sie erst urteilen könnten, wenn sie\ngehorcht hätten, das heisst wenn das Resultat:\nGesamtaufführung (allein aus dem Geiste, aus\nder gestaltenden Kraft des Regisseurs heraus)\nerreicht worden wäre.\nDem Regisseur opponieren bedeutet sein\nKunstwerk kritisieren, ehe es da ist.\nWieviel Opfer an Details der Regisseur brin-\ngen muss, um das Wesentliche, das innere We-\nsen einer Dichtung zur Geltung zu bringen, dar-\nüber ist jede Verständigung mit dem Schauspie-\nler ausgeschlossen, zumal über die letzten Mo-\ntivierungen eines Kunstwirkens (die wichtigsten)\njede Erörterung unmöglich ist.\nDer musikalische Sinn bemerkt in jedem\nDinge vor allem, wieviel Rhythmus und Melos\nin ihm vorhanden ist. Diese im Drama zu ent-\ndecken und in der Aufführung zum Ausdruck\nzu bringen, ist die musikalische Aufgabe des\nRegisseurs.\nEin unmusikalischer Regisseur wird schon\ndie Tempi eines Dramas im Ganzen und in\nseinen Teilen nicht treffen können.\nDer Regisseur steht zum Dichter ungefähr\nim selben Verhältnis wie der Uebersetzer.\njede dramatische Konzeption muss, um le-\nbendig zu werden, zweimal gedichtet werden,\neinmal im Wort vom Dichter, das zweite Mal\nin scenischer Form (in sie den Schauspieler ein-\ngerechnet) vom Regisseur.\nWie der Traum kann auch die Vision einer\ndramatischen Darstellung nur aus einem Ge-\nhirn geboren werden.\nDer künstlerische Wille des Dichters, wie er\nim Drama sich offenbart, genügt nicht, die ein-\nzelnen Faktoren der Darstellung mit ihm eins\nwerden zu lassen. Der Regisseur besitzt allein\ndie Möglichkeit, seinen künstlerischen Willen,\nseine Interpretation in scenische Ausdrucksmittel\numzusetzen.\nDer Regisseur schafft die Voraussetzungen,\naus denen das Dichtwerk geboren wurde. Er\ndichtet das „Gesicht\" des Dichters, das dieser\nin Worte formte, nochmals in seiner Weise.\nSo scheint es dann auf der Bühne, als entstünde\ndas Werk aus dem Nichts, als erlebe man es\nals etwas, das nur einmal und eben so ist, wie\nman es erlebt. In solchen Momenten wird Auf-\nführung und Dichtung eins.\nDer Regisseur organisiert für den Spieler\ndas poetische Geschehen in Klang- und Bewe-\ngungsformen.\nDer Regisseur orchestriert das Drama.\nDie charakteristischen Merkmale in Bewe-\ngung und Klang für die Zustände und Ver-\nänderungen festzustellen, die während des Spre-\nchens der Dichtworte im Sprecher vorhanden\nsind oder vorgehen, das heisst für den Regis-\nseur das, was man beim Musiker „orchestrie-\nren\" nennt.\nDer Regisseur hat dieselben künstlerischen\nFreiheiten und Verantwortungen dem Dichtwerk\ngegenüber, wie etwa ein Maler gegenüber dem\nPorträt, oder ein Kapellmeister gegenüber der\nPartitur.\nDer Regisseur bestimmt für den Schauspie-\nler die Reihenfolge und das Tempo der Auto-\nsuggestion, die sich dieser geben muss. Diese\nBestimmungen bedeuten für die dramatische Auf-\nführung das, was die „Stimmen\" im Orchester\nfür die musikalische Aufführung bedeuten. Diese\nStimmen sind so von einander abhängig, so un-\nter einander bestimmt, dass jeder Eingriff sinn-\nlos ist.\nDie menschlichen Darstellungsmittel zerle-\ngen sich für den Regisseur in die rythmischen\nBewegungen des Körpers und die klingenden der\nStimme.\nAlle scenischen Mittel, den Darsteller inbe-\ngriffen, muss der Regisseur zu einem gemeinsa-\nmen organischen Leben verbinden. Der Regis-\nseur muss endlich die Darsteller aus den litera-\nrischen Fesseln wieder befreien, mit denen sie\nsich durch das selbstische Hervortreiben des\ndichterischen Wortes gebunden haben. Die sinn-\ntagenden Worte dürfen in den scenischen Aus-\ndrucksmitteln nicht mehr sein als wieder ein sol-\nches. Sie dürfen nicht herrschen, sie müssen\ndienen.\nDie Form der Darstellung ist beim wahren\nRegisseur nicht das Ziel, sondern das Ergebnis\nseiner Auffassung. Sie muss von innen gewach-\nsen, nicht von aussen zusammengesetzt sein.\nDer Regisseur ist weder der Anwalt noch\nder Diener des Dichters. Er steht den Dichter-\nwerken gegenüber wie der Maler der Natur,\nder Landschaft. Er benutzt sie als Motiv, als\nVorwand, seine Kunst zu produzieren.\nSuggerieren kann man nur, was augenblick-\nlich in einem selbst lebendig ist. Deshalb kann\nder Zuschauer nur dann unter den Einfluss ei-\nner Aufführung gebracht werden, wenn sie eine\nhöchst individuelle Ausdrucksform erreicht. Die-\nse höchste individuelle Ausdrucksform, der künst-\nlerische Wille des Regisseurs, muss einheitlich\nund ungehemmt seine Kraft gegen das Publi-\nkum wenden können; denn der Widerstand, den\nsie dort überwinden muss, ist stark.\nAllen Zuschauern die gleiche Art zu se-\nhen und zu empfinden aufzuzwingen, das ver-\nmag der künstlerische Wille des Regisseurs nur\ndort, wo er souverän herrscht.\nFür den Regisseur ist das Publikum nur\neine einzige Individualität — er fragt nicht nach\ndem Geschmack und Forderungen, sondern reisst\nsie mächtig hinein in seine Anschauungsweise,\ner zwingt den Zuschauern sein eigenes Erleben\ndes Dramas auf. Damit erfüllt er alle Ansprü-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "543", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.5", "texte": "che und Forderungen des Publikums, das sich\nvergessen will, um sich in eines Anderen Erle-\nben wiederzufinden.\nEs ist eine gleich ernste künstlerische Auf-\ngabe, ein tragisches oder ein komisches Werk\nzu gestalten.\n\nBerliner Sezession 1911\nIV\nVon Walter Heymann\nVielleicht nimmt gegenwärtig die Künstler-\nschaft keiner anderen Provinz in solcher Zahl\nund mit solchem Eifer an der Entwicklung der\nneueren Malerei Anteil, als die Ostpreussens.\nIch zähle neben Corinth, Ernst Bischoff-Kulm,\nBertha Schütz vor allem Theo von Brockhusen\nund Waldemar Rösler, weiter Hedwig Weiss,\nAnderson, Beyer, Max Neumann und Felix Me-\nseck. An Bischoffs Bildern ist nicht nur nach\nder impressionistischen Seite ein Fortschritt zu\nkonstatieren, auch die farbigere Anschauung der\nNeuesten hat ihm gut getan. Dies gilt auch von\nBerta Schütz. Brockhusen und Rösler sind ver-\nsprechende Talente, deren sich die Mark, ihre\nneue Heimat, freuen kann. Sie und Beyer haben\ndie stärksten Anregungen von Gogh erhalten.\nAber während Beyer noch an dessen ABC buch-\nstabiert, redet Brockhusen mit peinlicher Beto-\nnung in Goghs Sprache und spricht Rösler eine\nziemlich selbständige, eigene, aus der man nur\nvan Goghs Geist heraushört. Der tote van\nGogh ist neben Hodler Beherrscher des Feldes.\nMan möchte immer wieder Worte zitieren, die\ner in den schönsten Künstlerbriefen, die ich\nkenne, anwendet. (Vincent van Goghs Briefe bei\nBruno Cassirer). Oder an Meier-Gräfes vortreff-\nliche Studie erinnern. (Entwicklungsgeschichte\nder modernen Kunst bei Hoffmann, Stuttgart, mit\nreicherem Bildmaterial in den „Impressionisten\"\nund als Monographie bei R. Piper, München)\nDas Buch über Gogh ist übrigens noch zu\nschreiben. Dass gerade Nordländer auf Gogh\ngekommen sind, das heisst an ihm ihre Anlage\ngeklärt haben, ist bei dem Holländer mit goti-\nscher Inbrunst des Fühlens nicht verwunderlich.\nSeltsam nur, wie sich bei Brockhusen die kalte\nBedachtsamkeit an den temperamentvolleren Mit-\nteln um so stärker zeigt . Er hat herrliche Was-\nser- und Himmelsfarben, mischt aber nicht ge-\nnug, und seine grossen Flächen erstarren unter\nder Steifheit der Pinselstriche. Seine Abbrevia-\nturen wirken — zum Beispiel die Pferde im\nSchnee, das Laub in der Frühlingslandschaft —\nbrillant beobachtet und zu hölzern wiedergege-\nben. Die Farben wirken schon als festgeworden.\nDem hoffentlich vorübergehenden Stillstand ge-\ngenüber ein Fortschreiten Röslers, der diese Ge-\nfahren vermeidet — man sehe, wie er das Was-\nser des Teltowkanals beweglich erhält — und\nder im Landschaftlichen Goghs Rat befolgt: „An\nein Ding denken, die Umgebung dabei betrach-\nten und aus ihr heraus erstehen lassen\". Rös-\nler, ein Dichter in Farben, zeichnerisch und ma-\nlerisch sehr begabt, ist ein solch Verklärer, wie\nich sie herbeiwünsche; von seiner Jugendkraft\nerwarte ich sehr viel. Meseck kann Wesensmerk-\nmale erst in der Karikatur erkennen oder hält\ner sich schon für befugt, sie als Karikatur zu\nsehen? Manchmal möchte man den sehr talen-\ntierten Neumann ähnliches fragen, fühlt sich aber\ndurch die Plastik seiner bunten silhouettenhaften\nKörper, den vorzüglichen szenenhaften Aufbau,\ndie visionäre Sicherheit, kurz den tiefern Begriff\nvon Romantik, der auf Erhöhung des Wirkli-\nchen denkt, fast entwaffnet. Hedwig Weiss hat\nGefühl für den Zauber der dunkelroten Rose.\nUm Verklärung, Steigerung, Ausdruckskraft,\nExpression geht dies allgemeine Ringen. Eine\nfranzösisch-belgische Malverbindung nennt sich\ndie „Expressionisten\". Wäre das durchaus im\nGegensatz des Ziels, nicht des Weges zum Im-\npressionismus gemeint, so müsste man wider-\nsprechen. Wie viel „Expressionistisches\" ist etwa\nin Monet und Renoir zu finden. Ich denke, es\ngibt schliesslich Synthesen und ist gemeint im\nSinne von Goghs Wort: „Farbe sagt etwas\ndurch sich selbst, das darf man nicht übersehen\".\nDas Zimmer der Expressionisten ist während\ndieser Ausstellung ein Schauplatz des Elements\nunserer künstlerisch-kulturellen Zustände gewor-\nden. Alles Talente von gut durchschnittlicher\nBegabung, alle etwas durch Fanatismus der The-\norien verwildert. Kenner versicherten mir, es\ngäbe bedeutendere Kräfte dieser Bewegung im\nAuslande. Und warum lud man nicht lieber die\nbesten Einheimischen ein, einen Pechstein, einen\nMelzer. Da hatte die Jury wohl Hintergedan-\nken. Die meisten Herren von der Presse betrach-\nteten mit Scheuklappen und schrieben Wortwitze\nim Depressionszustande. Allgemein ärgerte man\nsich über die Wildenhaftigkeit dieser „Primiti-\nven\" — ich habe aber Leute in der Tracht ge-\nbildeter Menschen sich hier barbarischer beneh-\nmen sehen, als ich es den Zulus zutrauen wür-\nde. Man machte nicht einmal den Versuch zu\nbegreifen. Alride le Beau zum Beispiel wendet\nHettnersche Mittel weniger dogmatisch, klarer\nund eleganter an. Kees van Dongen gibt in\nweichen konturlosen Farben Dinge vorzüglich\n— man sehe diese Kristallkette der „Fatma\".\nAber so traumhaft er wirkt, seine Menschen\nwerden zu Masken. Bei ähnlichen Mitteln zeigt\nde Vlaminck, wie ein Bild, das wir als festes,\nruhiges, aufnehmen, im Kampf sich lösender\nFormenl und den verschiedenen Glutgraden der\nFarbe uns zwingen kann, Bewegung zu fühlen;\nWasser mit wundervoller Spiegelung. Derain,\nnüchterner, sieht jede Form mehr als gebannte\nBewegung, Doucet aber empfindet die Farbe, ja\ndie Nüance als so glühend, dass er sie Stück\nfür Stück hinlegt, ein Brand aus buntglühenden\nScheiten, ein Mosaik aus Edelsteinsplittern, die\nkonstruktiv, strukturhaft angewandt sind, sich\naber in Feinheit auflösen. Mit diesen Bildern\nist der Teppich, dessen Wollfäden nicht ausstrah-\nlen, sondern tot bleiben, überholt. Das Mosaik-\nhafte scheint fast im herbstlichen Vorwurf zu lie-\ngen. Bei Othon Friesz wird jede Farben Verän-\nderung vom festen Ding wie dessen Lokalkolo-\nrit behandelt und nur in Wassern und Wolken\nsieht man, dass sie der Sonne — Ursacherin\naller Veränderungen — näher sind. Braquet\nübersteigert das noch, ihm ist (Terrasse) die\nfärbende Kraft verschieden starker Beleuchtung\nhundertmal wichtiger als die Perspektive. Für\nPuy, der pikant, voll treffsicheren Denkens und\netwas müde ist, scheint die Sonne, um die trübe\nSchattigkeit der Dinge zu zeigen. Picasso sieht\nden Menschen als ein Stück feinster Materie; er\nstudiert an ihm Vasen und Bildhauermaterial,\ndie bezeichnenden und schönen Veränderungen.\nEr fängt erst an — und mit raffiniertem Ge-\nschmack. Manguins Bilder haben am deutlich-\nsten die verschiedene Leuchtkraft und Dichte\nseiner farbigen Gegenstände zur Raumvertiefung\nund zu Farbenspiel und Schönheit verwendet.\nSeine Art ist mir zu geschickt-süsslich.\nDie Plastik ist durchweg gut vertreten. Ein\ngewisser Neu-Berliner Stil unmotivierter Forsch-\nheit und strammer Turnerbewegungen kommt\nhier nicht zur Geltung und seine Nachwirkung,\nLeere, macht sich nirgends quälend bemerkbar.\nEtwas davon ist noch in der liegenden weibli-\nchen Figur von Hans Schmidt-Friede-\nnau zu finden, tritt aber gegenüber der Kühn-\nheit seines Vorwurfs zurück. Auch der Löwe\nvon Mareks ist mir deswegen nicht lieb, ob-\nwohl ich vor dem natürlichen Assyrertum die-\nses Tieres Hochachtung habe. Empfindlicher\nleidet darunter die vorzügliche Komposition der\njugendlichen Ballspieler von Nikolaus Frie-\ndrieh, die immerhin sich eines neuartigen Vor-\nwurfs echt plastischer Art so gut bemächtigt\nhat, dass man sie zur Aufstellung in einem\nSportpalast nur empfehlen kann. Für noch jung\nhalte ich Hans Krückeberg, dessen mo-\nnumentaler Esau das rührend Unbeholfene ernst-\nhaft zum Ausdruck bringt. Lang e r s Arbei-\nten sind geschmackvoll, noch ästhetisierend auf\nKosten der Klarheit. Alexander Oppler\nist ein geschickter Könner; K 1 ims c h wendet\nbei aller überlegenen Sicherheit seiner prachtvoll\ngearbeiteten Portraitbüsten etwas zu sehr den\nVerstand an, Kraus' Broncebüste wirkt leb-\nhaft und wahr, Max Kruse bleibt in den\nHolzbildnisbüsten ein Virtuos im guten wie im\nbeinah niedlich schlechten Sinne. Neben dem\nguten Kopf von Wild und dem tüchtigen\nCaue r s , der originellen Marmorarbeit Lan-\ngen-Goerings machen Fritz Behn9\nBronzen einen günstigen Eindruck. Voll lieb-\nlicher Anmut grüsst die Maske von Desbois,\nraffiniert ist das knieende Mädchen Kogans.\nGaul hat meisterhafte Leistungen, er darf von\nkeinem Museum übergangen werden, weil er\nheute als Tierplastiker die unumstrittene erste\nGrösse ist. Hermann Fritz „Bären\" sind\nlebhaft, Fryd a g s „Keulenschnitzer\" ist zö-\ngernd — und beide erfreuen. Bick-Zürich,\nHa 11 e r und Mi 11 y Ste g e r haben in ih-\nren Mädchenfiguren verschieden starke Quanten\nMaillol, Blick entzückt mich, Haller ist am leb-\nhaftesten beeinflusst und doch eine starke Po-\ntenz. Der Vergleich mit der sicheren und wie-\nder höchst gelungenen Mädchenfigur M. Stegers\nist lohnend und ich möchte mich zu ihren Gun-\nsten entscheiden. Kolbe — ich glaube nie-\nmandes Geschmack wurzelt hier so im Sinnli-\nchen, niemand verlangt so quälend viel von sei-\nnen Leistungen, diesmal sind sie eine Reihe von\nSiegen. Köstlich die Stellung der „Ueberrasch-\nten\", und die „Tanzende\" doch am schönsten.\nWir sind im grossen Reich der plastischen Jde-\nen. Barl a c h gibt durch seine breitnasigen,\nbreitmäuligen Holzfiguren unerhört deutliche\nEmpfindungen, schenkt dem plastischen Instinkt\nReichtümer, die vom primitiven Etruskertum ins\npsychologische und ethische Verstehen gegenwär-\ntigen Lebens reichen. George Minne hat die\nglanzvolle Entwicklung vom Zierlichen zum Ge-\nwaltigen genommen. Seine Bildnisbüste mit Wucht,\nErnst, Tatkraft und Schwermut gehört in die\nMaskenkammer des Schicksals. Und da sitzt,\ngross im Stein die das Werk von\nRichard Engelmann, Steglitz - Dahlem.\nSie ist das Schlummern. Kein Teil des\nLeibes, der nicht an deinem Schlummer mitlebt,\nEwige. Doch die Hand im schlafenden Haar\ndes zur Seite hin ruhenden Kopfes hat in ihrem\nGriff noch einmal alle Stille gefangen, die un-\nterbewusste Gebärde.\nEnde"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "544", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.6", "texte": "Dr. S. Friedlaender\nFriedrich Nietzsche\nEine intellektuale Biographie\nGolo Gangi\nFür heute nur einen Gruss. Ob ich gegen\nSie zu Felde rücken werde, oder zu Ihnen, weiss\nich noch nicht. Denn Ihr Buch ist ein grosses\nMonument — von dieser Welt und doch nicht\nvon dieser Welt — irgendwo fabelhaft hinge-\nstellt, wo man nicht jede Woche im Jahr Zu-\ntritt hat. Ich will es lange umpilgern.\nEs ist schön von Ihnen, dass Sie Ihr Werk\nFriedrich Nietzsche nennen. Nicht wegen Be-\nscheidenheit. — Aber weil Sie sichs leisten\nkönnen. Was Sie getan haben? Sie haben sich\nmit Nietzsche über Ihre Philosophie unterhal-\nten. Reciprok . . selbstverständlich und andeu-\ntungsweise. Und haben ihm, Buch für Buch,\ndargelegt, dass er um Ihr Mysterium weiss.\nNein, dass er ohne es zu wissen nur immer um\nIhr Mysterium gerungen hat.\nEr hätte Sie noch erleben sollen. Nach\neinem, der ihm reden helfen konnte, hat er sein\nganzes Leben sich die Augen wund gesehen.\nGerade Sie, ein metaphysisch Mündiger (denn\ner hat Metaphysik nur retrospektiv abgelehnt;\ndenn er bebte nach einer solchen Ueberwelt-Ru-\nhe und ungewaltsamen Göttlichkeit; alles in\nihm triumphierte und flimmerte danach) wenn\nSie in seine Einsamkeit gekommen wären, viel-\nleicht hätte er vor Freude geweint, — das4 un-\ngeheuer wunderbare Kind.\nAber immerhin: die Diskussion hat begon-\nnen. Und ich glaube, zum ersten Mal in der\nGeschichte der Philosophie hat ein Geist (wenn\nauch zu spät) einen andern getroffen, der ihn\nvorwärts-interpretierte, tiefer hinein, ihm eigne\nBegriffe und Flügel lieh und ihn dennoch nicht\npervertierte.\nSimmel, in seinem neuen Buch, den „Haupt-\nproblemen der Philosophie\", leistet Phaenome-\nnales im Nacherleben unterirdischer Concepti-\nonen. Aber schliesslich ist das nur Luxus, da.\nSein Blick ist nicht furchtbar genug, um solche\nWeiten bannen zu wollen wie Sie.\nSie haben Pathos. O wie müssen Sie heiter\nsein. Trotzdem Ihr Gehirn diese fiebernde Selbst-\naufrichtigkeit (bis zum Erfolg) hat. Man fühlt,\nSie sind durch blutigste Gräben gewatet. Grim-\nmig scheusslich, ohne Pardon. Man ahnt auch,\nSie haben sich mal verkracht auf Sandbänken rum-\ngerekelt und totgelacht. Und sind nun wieder\nda: Schlagender, flackernder, entsetzlicher als einst.\nRuheloser und dennoch beruhigter, voll Infa-\nmie des letzten Zugreifens, nicht minder skep-\ntisch, aber tausendmal lustiger, jagdgeiler als\neinst. Sie Mann vom zweiten Pathos.\nVielleicht werde ich später sagen: „Herr,\nIhre Präzisionen sind mir zu liederlich. Gebt\nuns grotesk Controllierbares, exakte Mystik, Si-\ncherheit, oder kein Wort mehr darüber. Wir\nsind sehr reizbar, Herr; es ist hohe Zeit. Nach-\ngerade!\" Aber bis dahin entzückt mich noch\nder unbändige Ueberfluss und der Mut Ihrer\nLogik.\nFür heute einen grossen Gruss!\nSie gehören sicherlich zu den immer-mal-\nwieder über die Erde gewürfelten zwölf, drei-\nzehn Menschen, die einen Schimmer haben.\n\nDas Buch erschien im Verlag Göschen/Leipzig 1911\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich\nUngarn / I. V.: Oskar Kokoschka\n\nBiosphor\nVon Hermann Koch\nDie epochalen Zerebralexkremente des Lebens-\nforschers John Cecil Cevatch drangen erst in den\nKulturorganismus, als sie der Multibillionär Mr.\nJoe Boom in ordinary und preference shares ab-\nzog. Die Experimente auf Jkaamaui waren abge-\nschlossen. Infusorien, Ephemeren erreichten durch\neine subkutane Einspritzung Paradisier-Alter, hun-\ndertzwanzigjährige Maorigreise waren so unkon-\nventionell, ihr vierdimensionales Wesen nicht auf\ngeben zu wollen., selbst Infektionen und Zivili-\nsationsversuche Hessen sie warm.\nMr. Joe Booms Tätigkeit war eminent.\nGigantophone heulten: Biosphor, Flammen-\nschriften wanden sich um das Erdsphäroid: Bios-\nphor, Biosphor.\nHier setzte jene Polemik ein, in deren Ver-\nlaufe Prof. Krz bewies, dass die Erfindung a pri-\nori undenkbar, a posteriori ein Schwindel sei.\nMr. John Cecil Cevatch wies der Kulturwelt\nden tadellosen Meldezettel des nun hundertfünf-\nzigjährigen, ewigen Maorihäuptlings: da wurde es\nernst. Die Kalahariwüste und Przemysl horchten\nauf, ein Freudenkrampf befiel die Menschheit.\nBiosphor, Biosphor, Biosphor, ein Kubik,\nMikron 1 Pfund = 5 Dollar = 20 Mark = 24 Kronen.\nMinimalmenge ein Gramm.\n* *\n*\n„Genossen, das Kapital hat jetzt ein Mittel\nin der Hand, uns Proletarier auszurotten, wir aber\nlassen uns nicht ausrotten . . . Proletarier aller\nLänder \"\nDa begann jenes Gemurr, das sich der Mars\nnicht erklären konnte und für Sphärenharmonie\nhielt.\nAm fünften August dieses Jahres wurde in\nHaugkou die von Militär bewachte Biosphorver-\nschleissstelle gestürmt. Da die Anführer des\nExempels halber sofort gerichtet wurden, begann\nder Welt-Ausstand.\nIn der Schreckens-Stille, die plötzlich das\ngesammte Kulturleben absorbierte, krächzten bloss\ndie Gigantophone: Biosphor , . .\nDas Militär jedes Staates sollte die nötigsten\nLicht- und Verkehrsarbeiten übernehmen. Ein\nTeil wurde von den Streikenden erschlagen, der\nandere meuterte.\nAls man in der Schnelligkeit einige Meuterer\nfüsilierte, begannen die Proletarier von den Solda-\nten unterstüzt die öffentlichen Beleuchtigungskör-\nper mit Würdenträgern zu verunzieren. Durch\nHunger war bereits ein Dritteil der Bevölkerung\nvernichtet, von den Uebrigen wurde ein effekt-\nvoller Weltbürgerkrieg in Scene gesetzt, der vielen\nkannibalisches Wohlbefinden brachte.\nEntfesselte Epidemien, Städte-Sprengungen\nHessen ein weiteres Drittel Menschenseelen emig-\nrieren.\nDieses'letzte Drittel spaltete sich in zwei Sechs-\ntel, die sich allmählich auf Null ergänzten ....\n*\nAuf einen Trümmerhügel, dessen Monotonie\nselten genug durch einige steil emporgerichtete\nmenschliche Beine unterbrochen wurde, sass der\nletzte Mensch Europas und dachte angestrengt\nnach: wo er doch einmal das Wort Biosphor ge-\nhört hatte?\n\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nSummer 326/327/328\nsoeben erschienen\nPreis 75 Pfennig\n80 Seiten\nMit einer Illustration:\nDer Sieger\nOBERALL ERHALTLICH\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\n\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfiir moderne Kultnr u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nYerlag uad Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\nLesCahiersdu Centre\nMonatsschrift fiir Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen VVerke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Auaoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich\n\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\n\nDie Wasserkraft\nZentralblatt fur Industrie,\nIngenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher YVasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriken\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in derWasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger vverden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\nPostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "545", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.7", "texte": "an der Kaiser &lill>eltti Gedacl)tnls-Klrcl)e"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "546", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54,\" Kleine Rosenthalerstrasse 9.\n\nPrivatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und rechtlichen Interessen der Privat-Beamten gegrundeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. 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Pro Halbjahr Mk. 2,50.\nDurch samtliche Buchhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abel, Leipzig 10\n■ll—, -| , — ,|,M ] 11 11 » ■IHIIII—MIIW—IIMWWII\n\nHandelswissen- ITwi ©112! \"W Moctoi* t •\nschaftl. Kurse von niClll. MCdlCl Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\nIgepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Griindliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fiir ein raehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjahrig-\nFreiwiilige, Abiturienten,\nfiir Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre rachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder khnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\nII II!■!■■ I I I Willi Hill lIIIH Bill 111 IMI\n\nWEGE ZU FREIEM\nMENSCHENTUM\nT\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE MONATSSCHRIFT\nHERAUSGEGEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. DIE TAT G.m.b.H., LEIPZIG\n\nEDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\nSB3S3S BERLIN W 35 §§§§§§\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzer Bibiiotheken\nSoeben erschien: Katalog XVIII: Literahii1\nGeschichte, Kunstgeschichte, illustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. Sprache za besonders biliigen Preisen\nDemnSchst erscheint: XXI / Kunst-\nl>'atfer: Portrats, Stadteansicbten, Berliner\nBlatter, Karri!<aturen, FlugblStter, neuere\nund altere Oenrebilder, Blatter von\nMenze!, Beardsley, Rops, Stammbucher\nSilhouetten, Japanblatter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlangen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "547", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110715-01.1.9", "texte": "Eni «\nefnen olrklkben\nunfl elne Bberroschends Rtal\nhat die\n..Copoiv - Santa! - Emulsion\"\nHer Chemlschen FiDrlh und HntfeisseeUsdiaft, Mom, Bnsfrie 5,\nmlf dem\nFuchswappen\naufzuweisen.\n&\nnr»\nlo\nE=JS\nEine der Geißeln unserer Zeit sind die Erkrankungen der Blase und\nder Harnwege.\nWer da beobachten kann, wie viele Manner und Frauen mit dem qualenden\nLeiden behaftet sind, wird tiefen Mitgefiihls mit ihnen sich nicht erwehren konnen.\nDie schiffahrttreibende Bevolkerung, Forster, Waldbewohner, Eisenbahn-\nbeamte und viele andere Berufsklassen, auch die in der Landwirtschaft ange-\nstrengt arbeitenden Madchen und Frauen, konnen oft den Arzt nicht aufsuchen,\nweil die Entfernung zu groß ist, und ihnen ihr Beruf es nicht gestattet, langere\nZeit von demselben abwesend zu sein.\nHier sollte „Copaiv-Santal-Emulsion\" in die Schranken treten und den\nKampf mit der bosen Krankheit aufnehmen.\nDie neuere arztliche Behandlung' der Gonorrhoe (Tripper) und der\nLeucorrhoe (weißer FluB) hat die Spritz- und Spiilmethode in den Hintergrund\ntreten lassen, weil sie oft erst die Krankheitsbringer mit dem eingespritzten\nFlussigkeitsstrome in die tiefer gelegenen Harnwege schleudert.\nVon „Innen nach Außen\", über Nieren und Blasen werden heute die\nHarnwege gespult und so die Infektion ausgetrieben, denn Harzole umkleben\ndie Mikroben und toten sie ab: „Santal und Copaiva\".\nVoll Vertrauen mogen daher die Kranken versuchen, auch die „chronisch\"\nBehafteten, Linderung und Heilung wird nicht ausbleiben!\nWer noch Genaueres wissen will, frage seinen Arzt nach der medizinischen\nWirkung, der die Copaiv-Santal-Emulsion enthaltenden Medikamente!\nQebrauchsanweisiing. Taglich 2 4mal I—2Tee!offel bei alteren und ernsten Fallen,\nbei schwacheren und neuen 3 mal taglich 1 Teeldffel. Vorher und nachher einige Pfefferminz-\nkugelchen oder etwas schwarzen Kaffee. Vor dem Gebrauch kraftig umschutteln.\nPreis der Flasche Mark 2,50.\n*\nZu beziehen durch die Apotheken. Wenn nicht am Ort zu haben, wende man sich direkt an die\nChemisclie Fin u. MelssesellscM, Potsdam, Braaerstr. 5.\n'.V-.\",: ...\nSpezialauskunfte und Gebrauchsanweisungen stehen kostenlos zur Verfiigung.\n* *J3S. Z"}]}