{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_sha256": "927ded03fab2738c3d1a32437316f810db6bea14193c4266f3334da321e35e7e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/07/22_01/bmtnabg_1911-07-22_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/07/22_01/bmtnabg_1911-07-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.1", "debut_caractere": 514, "fin_caractere_exclue": 1091, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Literatur, Wissenschaft und Kunst: Fortschritt / Was sind Artisten / Schon wieder Fortschritt / Höhenstunden des Lebens / Der\nDichter Baedeker / Die Entstehung des Menschen / Das geliebte Deutsch / Der Altmeister / ELSE LASKER-SCHUELER: Antinous / ALFRED DOEBLIN:\nDie Segelfahrt / FRIEDRICH KURT BENNDORF: Die Tat / VIKTOR v. DIRSZTAG: Pubertät / KURT HILLER: Zur Auswahl / J. A.: Aus jüngster Zeit:\nWenn Karpeles das erlebt hätte / Weniger Mehring, weniger Mehring / Was er weise verschweigt, zeigt nur der Meister des Stils / E. L. KIRCHNER:\nBall / Holzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.2", "titre_corps": "Ball / Holzschnitt von E. L. Kirchner", "titre_sommaire": "Ball / Holzschnitt von E. L. 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Die Ueberschrift Literarische Rund-\nschau (die Rubrik, die bekanntlich hinter Hypo-\nthekenmarkt und Rasensport steht) hat jetzt ein\nneues Cliche in zehnfacher Vergrösserung erhal-\nten. Die Cliches des Textes, der sogenannten\nKritik, sind natürlich von dieser Neuerung vor-\nläufig nicht betroffen worden. Maschinelle Ver-\nänderungen sind ja auch wesentlich leichter zu\ntreffen, als geistige. Aber so unglaublich es\nklingt: Das Berliner Tageblatt wendet sich\nmit einer hellen „Fanfare\" gegen die Wortcli-\nches Am ersten Pfingstfeieftag konnte man sich\nnoch freuen, dass Herr V. A. tiefsinnig und tief-\ninnig vom „Bühnenvölkchen\" berichtete. Am\nzehnte Juni stellte ich das „Bühnenvölkchen\" im\nSturm. Und kaum sechs Wochen später, das\nhistorische Datum ist der vierzehnte Juli, schreibt\ndas Berliner Tageblatt:\n„Altes Vorurteil sieht in den Artisten noch\nheute die „fahrenden Leute\" und geschmackvolle\nMenschen bezeichnen sie noch immer als „Völk-\nchen\".\"\nAlso die Völckchen werden im Berliner Ta-\ngeblatt ausgerottet. Es lebe der Fortschritt!\nWas sind Artisten?\n„Zielbewusst stramm organisierte Erwerbs-\nmenschen, die ihre Interessen nicht weniger kräf-\ntig zu wahren wissen, als die Angehörigen vie-\nler anderer Berufe.\"\nAuskunft des Berliner Tageblatts über die-\nsen Beruf.\nSchon wieder Fortschritt\nJetzt hat Herr V. A. selbst auch den Sturm\ngelesen. Der Kampf gegen die Cliches wird fort-\ngesetzt und zwar bereits am sechzehnten Juli. Wenn\ndas Berliner Tageblatt alle zwei Tage drei Cliches\nzum alten Blei wirft, wird es in einigen Jahren\nnicht mehr erscheinen können. Denn so schnell\nerhalten neue Cliches nicht Marktwert. Und da\ndas Schreiben für unsere lieben Tagesschriftstel-\nler nur aus einem Aneinanderreihen alter Cli-\nches besteht, muss bei einem so beschleu-\nnigten Ausverkauf dieser Ware das Geschäft völ-\nlig geschlossen werden. Vor einigen Wochen\nnoch hätte Herr V. A. meine Befürchtung eine\ncura posterior genannt. Heute kann ihm das\nnicht mehr passieren. Denn er schreibt:\n„Bei uns laufen zwei oder drei ekelhaft ab-\ngegriffene Zitate um — quousque tandem oder\nfestina lente — sonst aber gilt wissenschaftliche\nBildung für unmännlich und macht in manchen\nKreisen gesellschaftlich unmöglich.\"\nMan beachte den Fortschritt. Deutsche Cliches\nsind am vierzehnten Juli nur geschmacklos, lateini-\nsche am sechzehnten Juli bereits ekelhaft. Das Blü-\nhen will nicht enden. Gespannt bin ich nur, wie die\nLeitartikler ohne die trefflichen Aussprüche non olet\nund videant consules auskommen werden. Ich\ndenke mir das so, dass man einfach die Leitar-\ntikel aufgibt. Ein Ende des Schreckens.\nHöhenstunden des Lebens\n„Und jene Höhenstunden des Lebens, wenn\ndu auf den Seinekais der Stadt Paris einen alten\nFranzband kauftest, die Poesien Voltaires, und\nnun mitten im französischen Strassenlärm den\nSchatz aufblättertest, hochzeitliche Wonnen im\nHerzen.\"\nDer Schatzauf blätterer ist Herr V. A., der\nSchreiber deutscher und Feind lateinischer Cli-\nches, Aber er ist doch ein Poet mit hochzeit-\nlichen Wonnen im Herzen.\nDer Dichter Baedeker\n„Wenn uns ein grosser Dichter eine Wald-\nwiese schildert, über die der Gebirgsbach zu\nTal rauscht, so strahlt uns diese beschriebene\nWiese in kräftigeren Farben, als wirs je auf ir-\ngend einer Reise beobachten konnten. Bei der\nheimatlichen Lektüre des Baedeker scheint uns\nItalien schöner, als wirs in Wirklichkeit zwi-\nchen lärmenden Droschkenkutschern und\ngenden Postkartenverkäufern sehen werden . . .\nWoher das kommt, woher diese verstärkende\nMacht der Buchstaben stammt, ist schwer zu\nsagen. Vielleicht daher, dass die dichterische\nSchilderung alles akzessorisch Störende ausmerzt,\nvielleicht, dass die Sehnsucht hinzukommt, die\nalles Ferne schöner erscheinen lässt ...\"\nHerr Baedeker ist sicher ein Dichter, dass\nakzessorisch Störende wird ohne weiteres aus-\ngemerzt, wenn man seinen drei Sternen traut.\nAuch über die Behandlung der Droschkenkut-\nscher und Postkartenverkäufer orientiert der Dich-\nter Baedeker. Herr V. A. hat ihn neu bewertet.\nWelcher Dichter aber mag ihm die Waldwiese\nbeschrieben haben?\nDie Entstehung des Menschen\nAuch diese Frage ist von V. A. gelöst:\n„Vielmehr wollen wir schlankweg darauf auf-\nmerksam machen, dass nur der lesende und\nschreibende Mensch Mensch ist. Erst seitdem\ngeschrieben und gelesen wird, ist der homo sa-\npiens da und erst damit begann die Menschheits-\ngeschichte.\"\nEins steht fest, der homo sapiens gehört\nnicht zu den ekelhaften abgegriffenen Zitaten, er\nschreibt sie höchstens.\nDas geliebte Deutsch\n„Auch in der Prähistorie gab es Reiche,\nGrosskönigtümer, Kanzler, Päpste(!), Bauten,\nKriege . . . aber wir wissen davon nichts, es\nist eine fremde Welt, weil die schwarzen Lettern\nuns nicht mit ihr verbanden. Unmöglich in sol-\nchem Zusammenhang diese horazische Strophe\nzu umgehen.\nVixere fortes ante Agamemnona\nMulti, sed omnes illacrimabiles\nUrgentur ignotique longa\nNocte, carent puia vate sacro.\nWas ich, weil eben kein Mensch mehr la-\nteinisch versteht, folgendermassen in mein\ngeliebtes Deutsch übersetzen muss: Es lebten\nHelden schon vor Agamemnon, aber unbeweint\nund unbekannt wrerden sie bedeckt von ewiger\nNacht, weil sie keinen Sänger fanden.\"\nDer homo sapiens V. A. stand den Helden\nvor Agamemnon noch nicht als Sänger zur Ver-\nfügung. Wohl ihnen, sie wären sonst auch in\nsein geliebtes Deutsch übersetzt, von ihm be-\nweint und durch schwarze Lettern mit ihm ver-\nbunden worden.\nWas aber, frage ich, wird mit der lateini-\nschen Sprache? Der einzige Mensch, der noch\nlateinisch versteht, und es „folgendermassen\" in\nsein geliebtes Deutsch übersetzt, Herr V. A., ist\nvon der deutschen Sprache schon so aufgegeben\nworden, dass er sich beruhigt als Lateinlehrer\nniederlassen kann.\nDer Altmeister\nHerr Professor Begas, der bekannte Verfer-\ntiger monumentaler Nippes, ist achtzig Jahre\nalt geworden. Der Kaiser hat ihn zum Wirkli-\nchen Geheimen Rat ernannt, Herr Stassen ihm\neine Adresse mit „Rosen und Lorbeeren\" ge-\nschmückt und der Verein Berliner Künstler „er-\nhebt ehrfurchtsvoll und bewundernd den Blick\nzu einem Lebenswerk voll reich quellender\nSchönheit und ehrt den grossen Künstler, der\nuns des Tages grauen Alltag mit den Strahlen\nolympischer Heiterkeit veredelte und der das Be-\nsitztum seiner Volksgenossen an froher Schön-\nheitserkenntnis mehrte.\" Dagegen wäre nichts\neinzuwenden, man stimmt in das olympische\nGelächter ein und bedauert nur, dass zur Verbrei-\ntung der Schönheitserkenntnis Stein und Mar-\nmor benutzt worden ist. „Die Stadt Berlin be-\ntont in dem sehr herzlich gehaltenen Glück-\nwunschschreiben, dass Begas der Schöpfer des\nSchillerdenkmals, des Brunnens auf dem Schloss-\nplatz und des Nationaldenkmals ist.\" Das hätte\ndie Stadt Berlin lieber nicht betonen sollen. Fritz\nStahl ist schon kritischer. Er betont, dass Herrn\nGeheimrat Begas „die Verantwortung für den\nschlimmen neu-preussischen Denkmalstil schwer\nbelastet. Man darf es auch heute nicht verschwei-\ngen, er trug die volle Schuld daran, er war sich\nselbst untreu geworden.\" Zwar hat Fritz Stahl\neinen früheren Begas entdeckt, einen „sozusagen\nfleichlicheren\". Es werden verschiedene „leben-\nsprühende\" Büsten aufgezählt, worauf Herr\nStahl resigniert bemerkt: „Mit diesen Werken ist\ndann die eigentliche Entwicklung des Künstlers\nabgeschlossen. Kamen die Forderungen des\nneuen Kursus nach immer lauteren Formen, nach\nimmer barockeren Häufungen, nach immer\nschnellerer Arbeit seinen Wünschen entgegen,\noder hatte er nur nicht den Charakter, so be-\nqueme Gelegenheiten abzuweisen. Er hat an die\nwichtigsten Stellen statt ernster Monumente üble\nund flüchtige Dekorationen gestellt.\" Die Stadt\nBerlin betont diese Stellen. Wenn Fritz Stahl\nschon diese üblen und flüchtigen Dekorationen\n(ich halte sie für Nippes) sieht, was sorgt er\nsich? Der Charakter ist Begas ja jetzt als Wirk-\nlicher Geheimer Rat verliehen worden. Der neue\nKurs kam nicht seinen Wünschen entgegen, son-\ndern seine Wünsche pflasterten den neuen Kurs,\nsoweit das Auge dessen reichte, der ihm den\nverloren gegangenen Charakter wieder verleihen\nkonnte. Wer sich Konzessionen geben lässt, dem\nwird ein Charakter verliehen. Wer aber als\nKünstler einen Charakter besitzt, kann ihm nicht\nnach der „ersten Epoche\" konzedieren. Auch\nwenn er bekennt, Gegenwert erhalten zu haben.\nOder um mit Fritz Stahl zu sprechen. „Die Bi-\nlanz schliesst mit einem mächtigen Verlust. Die\nunzweifelhaften Aktiva sind rar.\"\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "549", "page_fin": "549", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.4", "titre_corps": "Antinous : Adi André-Douglas", "titre_sommaire": "Antinous : Adi André-Douglas", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "549", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 435, "texte": "Antinous\nAdi André-Douglas\nElse Lasker-Schüler\nDer kleine Süsskönig\nMuss mit goldenen Bällen spielen.\nIn bunten Brunnen\nBlaugeträufel, honiggold,\nSeine Spielehände kühlen.\nAntinous,\nWildfang, Güldklang,\nKuchenkorn mahlen alle Mühlen.\nAntinous,\nDu kleiner Spielkönig\nIn den Himmel fährt es schön auf Schaukelstühlen.\nO, wie lustige Falter seine Augen sind\nUnd die Schelme all in seiner Wange\nUnd sein Herzchen beisst will mans befühlen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "549", "page_fin": "550", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.5", "titre_corps": "Die Segelfahrt", "titre_sommaire": "Die Segelfahrt", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "549", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.3", "debut_caractere": 437, "fin_caractere_exclue": 9497, "texte": "Die Segelfahrt\nVon Alfred Döblin\nDie Digue von Ostende lag in dem blitzen-\nden Mittagslicht. Die geschmückten Menschen\nauf der breiten Meerespromenade lachten und\ngingen an einander vorüber. Unter dem Wider-\nschein des unermesslichen Wassers funkelten die\nFenster der Strandhäuser zärtlich auf. Das un-\nablässige Brausen des Meeres rollte von den Stein-\ndämmen zurück, schwoll wieder an, schwoll\nimmer wieder ab.\nDer schwere Brasilianer ging mit offenem\nMunde unter den geschmückten Menschen. Er\nging dicht am Meeresgitter der Promenade. Er\nhielt den Kopf gesenkt wie überrieselt vom Ba-\ndewasser; seine vollen Lippen waren feucht. Die\nschwarzen weissdurchzogenen Haarsträhnen fie-\nlen über seine Öhren. Er bog den Kopf mit dem\nKalabreser nach rechts und links, um dem An-\nprall des scharfen Windes zu begegnen. Er\nstreifte ab und zu mit einem freudigen Blick das\ngraugrüne Wasser. Sein gelbbraunes schwammi-\nges Gesicht zuckte, die Augen, die in grauen\nHöhlen lagen, schimmerten; er spürte den feinen\nLuftwirbeln nach, die um seinen blossen Hals\nfuhren, das graue Schläfenhaar anhoben und\ngegen seine Wange mit feinen Stiletten anschwirr-\nten. Er fror leise; blickte an seinem weissen\nVorhemd entlang, über das weisser Sonnenschein\nfloss, und einen Augenblick beunruhigte ihn der\nGedanke, dass sein Blick vielleicht Schatten wer-\nfe. Er seufzte, drängte sich tiefer zwischen die\nMenschen. Das Schüttern des Eisenbahnzuges\nschwang noch in ihm nach, der ihn gestern von\nParis an die See getragen hatte.\nFluchtartig hatte er Paris verlassen, flucht-\nartig war er auf seiner Jacht aus der Heimat\nüber den Ozean gefahren, aus einem hoffnungs-\nlosen Glück; plötzlich seiner achtundvierzig Jahr\ngedenk. In Paris hatte er vier Monate lang die\nSchwelgereien der Kunst der glatten Säle, die\nbestialischen Tänze ertragen; dann warf ihn eine\nschwere Lungenentzündung hin; er lag aufge-\ngeben wochenlang im Hospital. Als er am Sonn-\ntag das Haus verliess mit schwachen Knieen,\nschlug er den Kragen seines Loden-Capes hoch,\nbestieg eine Droschke, fuhr auf die Bahn. Einen\nTag schlich er gebeugt durch das tote Brügge.\nDann raffte er sich, jagte in der Julihitze nach\nOstende.\nEr hob den Blick von dem dünnen Sande,\nder unter seinen Füssen wegzog.\nSie glitt zum zweiten Male an ihm vorüber;\nrostfarbenes Haar unter breitrandigem weissen\nHut. Ein grauer Blick aus einem klugen nicht\njungen Gesicht wich vor ihm zurück. Sie war\nvielleicht Mitte dreissig. Er hörte noch hinter\nsich eine hohe gesangvolle Stimme.\nBei dem Klang dieser Stimme wandte sich\nCopetta um. In dem Augenblick hörte der\nWind auf mit Messern zu werfen. Sie sprach\nmit einer alten Dame, die sie stützte. Der Bra-\nsilianer schob den Hut in den Nacken; eben als\ner über ihre schmalen Schultern blickte, schwar-\nzer Ueberwurf auf dunkelblauer Seide, verlor er\nsie. Der weisse Hut wippte über der Menschen-\nmenge, verschwand um eine Ecke.\nCopetta schlenderte in ein Cafe, löffelte eine\nSchokolade. Das Meer rollte unablässig gegen die\nSteindämme; leises Scharren der Sandkörnchen;\nder Wind warf mit dünnen Stiletten.\nNachmittags um die Zeit des Kurkonzertes\nging der schwarze Brasilianer in einem langen\ngrauen Gehrock über die Digue. Leicht und\nfrech wehte die Musik. Als er mit seinem dicken\ngelben Stock vor dem Kurhaus Schritt um Schritt\nden Boden stampfte, wich ein grauer Blick wie-\nder von ihm zurück. Die alte Dame sprach auf\nsie ein. Ihr Gesicht war schmal, die Backen-\nknochen traten scharf hervor; die kleinen Augen\nunter den dünnen roten Brauen blickten bestimmt\nund nüchtern, über der Nasenwurzel hatte sie\nSommersprossen, von den Augenwinkeln zogen\nsich schon Fältchen. Ihr Gang schwebte.\nDer Brasilianer strich sich über die Augen,\nblieb unwillig stehen, schlenderte schon weiter.\nGegen Abend sass er auf der Veranda sei-\nnes Hotels. Als er die Weinkarte in die Hand\nnahm, fiel ihm ein, dass er heute dreimal eine\nFrau gesehen hatte, rostfarbenes Haar unter einem\nwippenden Hut; dreimal eine Frau, schwarzer\nUeberwurf auf dunkelblauer Seide; ein grauer\nBlick. Still schob er seinen Stuhl zurück, mit\nSeufzen, Lächeln, und Versichhinstarren zog er\nseine Brieftasche heraus, trug seine breite Visi-\ntenkarte in die Villa, in die er sie hatte ver-\nschwinden sehen, gab sie einem Mädchen ab.\nAls er wieder die Meerluft an seinem Hals fühl-\nte, fragte er sich, wozu das eigentlich gewesen\nwar. Dröhnend schlug er seine Zimmertür hitt-\nter sich zu, warf sich im finstern Zimmer auf\neinen Schreibsessel, zerriss die Bilder seiner bei-\nden Kinder, nahm eine Nagelschere, zog seinen\nedelsteinbesetzten Trauring ab, hing ihn über\ndie Schere, hielt den Ring über die brennende\nKerze. Die Steine verkohlten; die Schere wurde\nheiss; er liess sie fallen. Wühlte mit beiden Ar-\nmen in zwei grossen Eimern mit Meersand, die\ner sich auf sein Zimmer hatte bringen lassen,\nstand ächzend auf, bestreut den Boden und Tep-\npich blind mit Sand, fluchte leise auf die Hunde,\ndie Hausdiener, die zu wenig Sand gebracht\nhatten. Schlief auf seinem Sessel ein.\nWie er am Mittag eben auf der Veranda,\nin einem Stuhle liegend, tief die scharfe Luft\neinatmete und schwindlig die Augen schloss,\nStand vor ihm das Bild der gehenden Frau, sehr\nschmales verwelktes Gesicht, ein klarer bestimm-\nter Blick, der sich fest auf ihn richtete. Sie hatte\nihn bitten lassen, nicht Mittags sie zu besuchen.\nEr warf die dünne Decke von seinen Füssen,\nstülpte den Hut über das zerwühlte Haar, schritt\nschwerfällig, die Arme auf der Brust verschränkt,\ndie Stufen herunter, über die leere sonnige Pro-\nmenade, auf ihre Villa zu, einem einstöckigen\nHaus mit schmalen, geschlossenen Fenstern. Er\nschob sich durch einen dunklen Korridor, klopf-\nte leise an die Tür, an der ihr Name auf einer\nVisitenkarte stand. Nichts verlautete. Er riss\ndie Türe auf. Sie lag halb im Bett; hatte, um\nherauszuspringen, die blaue Decke nach der\nWand zu geworfen. Zwei volle frauenhafte\nBeine berührten mit feinen Zehen eben den Bo-\nden, ein sehr schmächtiger strenger Körper rich-\ntete sich auf in einfachem, bandlosen Hemd, ein\nernstes schmales Gesicht unter dem aufgelösten\nHaar. Erschüttert blieb der schwarze Brasili-\naner an der Türe stehen. Sie lächelte, deckte\nsich zu, bat ihn, in einer Viertelstunde wieder-\nzukommen. Totenblass, ohne ein Wort zu spre-\nchen hob er seinen Stock vom Boden auf. Das\nalte Mädchen gab ihm die Hand; er sah in kld-\nne nüchterne Augen. Am Abend kam ein Bote\naus seinem Hotel zu ihr; er lud sie zu einer\nSegelfahrt für den nächsten Morgen ein; nicht\neinmal seinen Namen hatte er auf der Karte un-\nterschrieben. Sie drehte den mächtigen Briefbo-\ngen in der Hand hin und her; halb unwillkür-\nlich nahm sie einen Bleistift, schrieb auf dasselbe\nBlatt, er möchte kommen, er möchte recht früh\nkommen; sie machte unter ihren Namensbuch-\nstaben L. noch einen wunderlichen Schnörkel,\nden sie fast eine Minute malte.\nBei grauendem Morgen lief sie ihm vor der\nTür in dünner Bastseide entgegen; sie sprangen\neilig die schmale Steintreppe zu dem murmelnden\nStrand herunter; sie warf mit Muscheln nach\nihm zurück und fand, als sie sich nach ihm um-\nwandte, dass es in seinen Mienen scharf arbei-\ntete Ganz weisses Leinen trug er; er ging mit\nblossem Kopf; die linke Hand trug er im Ge-\nlenk verbunden; er sagte, er hätte sich gestern\nAbend beim Fall über Glas an der Ader ge-\nschnitten. Mit einem Ruck stiess er ein kleines\nRuderboot in das Wasser, hob die Aufschreiende\nauf den Sitz, sprang nach, ruderte gemächlich\nauf ein Segelboot zu, das vor der Holzbrücke\nam Herrenbad schaukelte. Sie sprangen in den\nSegler; Copetta zog schon den Anker; ihre blo-\nssen Arme hielten sich an der Steuerbank fest;\nleise klangen die hölzernen Mastringe an, nach\neinem Zug blähte sich das Grosssegel; das Boot\nging in See.\nSie fuhren durch die Strandgischt in das\ngraugrüne Meer hinein. Ueber die scharfe Ho-\nrizontlinie kam ein weisser Schein, der sich von\nAugenblick zu Augenblick verstärkte und höher\nrückte. An dem starken Morgenwinde flogen\nsie gleichmässig hin. Nun hockte der Brasili-\naner neben dem Grossbaum auf den Planken,\nlegte die Takelung fest. Wild lachend richteteer\nsich auf, schwang breitbeinig ein dünnes Tau\nwie ein Lasso um seinen Kopf und warf es ge-\ngen sie; sie schüttelte sich umschnürt, löste sich\nmit einem Ruck, schleuderte das Seil geballt mit\neinem mädchenhaften Kichern gegen seine Brust.\nRasch hatte sie das Ruder angebunden an sich;\nsich über Bord gebückt, überschüttet ihr kaltes\nGesicht mit Meerwasser, warf einen Fuss auf\nder Ruderbank, bis über die Aermel triefend,\nzwei volle Hände gegen ihn. Er fing das Salz-\nwasser schlürfend mit offenem Munde auf, schluckte.\nIn dem böig aufblasenden Wind liessen sie das\nBoot laufen, das anfing wie ein unruhiges Tier\nzu zittern. Sie jagten sich über die Planken.\nJohlend sprang die Schmächtige auf die Ruder-\nbank und schlug mit den Fäusten gegen die Ta-\nkelung. Sie riss sich ihre dünne Jacke ab, pfiff\nund drehte sich um sich selbst. Ihr Mund mit\nden dünnen Lippen öffnete sich oft zu einem\nkurzen, kindlichen Lachen. Der breitschultrige\nBrasilianer sass zusammengesunken auf dem"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "550", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10232, "texte": "Bordrand; erschüttert hörte er ihr Lachen, mit\nbebenden Lippen, hochgezogener Stirn hielt er\nihren Kopf, als sie sich über seine Knieen legte\nund ihn neugierig betrachtete. Seine steinharten\nHände stemmten ihre aufstrebenden Schultern ab;\ner wiegte den Kopf verneinend hin und her. Die\nWellen krochen über Bord, sie schlüpften wie\nkleine Hunde sacht an ihr herunter auf die Plan-\nken. Der Wind nahm an Stärke zu. Das Boot\nlegte sich stark über, das Kleid des Grosssegels\nfing an zu flattern, sie schössen in den Wind.\nDie schwarzen fast glasigen Augen des Brasi-\nlianers sahen über ihr triefendes Haar weg, das\nalte Mädchen suchte mit rückgebogenem Kopf\nnach seinem Munde, seinen Hals, sie tastete sich\nan seiner Bruist hin. Sein schwammiges zerfal-\ntetes Gesicht war gelöst, als ginge immer ein\nfeierliches glückerfülltes Wort um ihn herum. Das\nBoot schwankte steuerlos, Welle auf Welle rollten»\nan. Copetta sass auf dem Bootsrand. Als eine\nhohe Wand gegen das Boot ging, hob er weit\ndie Arme auf, legte sich wie auf ein Kissen mit\ndem Rücken gegen die Welle. Das Polster glitt\nzurück. Sie hörte, wie er etwas murmelte; sie\nsah nach dem berauschten, verschlossenen Blick,\nmit dem er verschwand. — Ein Stoss des Boo-\ntes warf sie gegen den Mast. Sie fühlte keinen\nSchmerz in ihrem blutigen Arm. Sie schrie nach\nder Stelle hin gellend gellend Hilfe, lange Rufe\nstiess sie aus. Man fand sie bald in dem trei-\nbenden Boot liegen. An Land erwartete man\nsie. Man wusste alles; Copetta hatte Telegramm\nan die Behörde geschickt.\nSie blieb noch eine Woche bei der alten\nDame in der einstöckigen Villa. Dann sagte\nman ihr, dass sie mehrmals mittags im Speise-\nzimmer sich auf die Dielen geworfen habe vor\nden andern und mit den Händen in die Luft ta\nste. Dass das Hausmädchen von aussen beob-\nachtet hätte, wie sie am hellen Morgen mitten\nin ihrem Zimmer stillstand und sich um sich\ndrehte. Am Nachmittag des Tages, an dem man\nihr dies sagte, packte sie mit dem Hausdiener\nihre Koffer, legte ein schwarzes Kleid an, ver-\nliess ihre Mutter, fuhr nach Paris. — Sie nahm\nein kleines Zimmer und ging auf die Strasse.\nSie trug ihr rotes Haar aufgetürmt; Wangen und\nLippen geschminkt. Sie kam tagelang nicht nach\nHause. Sie versagte sich niemandem. Es war\nihr eine Lust, sich jedem Rolijungen, Viehtrei-\nber in die Arme zu werfen. Sie machte sich\nmit gleichgültigem Lachen und Kopfschütteln zur\nBeute jeglicher Krankheit, die auf sie sprang\nund trug sie mit Küssen, mit Gähnen und In-\nbrunst weiter. Sie schlich nach einigen Monaten\nin schwarzen Seidenkleidern in die strahlenden\nBallsäle. Ihr Gesicht war voller geworden; die\nkleinen Augen glänzten unter dem Atropin. Die\njungen Männer sagten von ihr, man nannte sie:\ndie Hyäne. Sie trug in die Ballsäle eine sonder-\nbare Bewegungsweise. Der Tanz war ersichtlich\naus einer eigentümlichen Ungeschicklichkeit der\nTänzerin entstanden, die sich schon bei ihren\nersten Schritten auf dem Parkett zeigte. Sie stiess\njede berührende Hand zurück, wiegte sich in\nden Hüften vor ihrem Partner nach rechts und\nlinks, nur langsam wie ein Schiffer von einem\nBein taumelnd auf das andere. Dann umging\nsie mit plumpen Füssen ihren Partner und jetzt\nwiegten sie sich gemeinsam, Hüfte an Hüfte ge-\nfasst, aber er sprang vor ihren aufgehobenen\nArmen zurück, sie suchte ihn, sank über ihn\nhin und schliesslich walzte sie nicht, sondern\nHess sich von ihrem Partner halb tragen, wobei\nihre Füsse kaum über den Boden schleiften und\nsie die Augen schloss. — Sie Hess ein Jahr über\nsich ergehen. Als eines Abends der Postbote\nzu einem riesigen Blumenstrauss einen Brief\nbrachte, drehte sie lange den mächtigen Bogen\nin ihren gepflegten Händen hin und her. Sie\nwarf die Blumen in den Papierkorb, schlug den\ncitronengelben Kimono über die Brust zusam-\nmen, setzte sich an den Schreibtisch und spielte\nmit dem stark parfümierten Bogen. Der Bote\nstand noch an der Tür, seine Uniformmütze\nsetzte er schon auf, als sie sich erhob und ihn\nbat, eine Depesche zu besorgen. Sie schien wie\nerleuchtet; sie nahm ein befehlerisches Wesen an.\nSie telegraphierte nach Ostende: „Herrn Copet-\nta, Ostende Hotel Estrada, erwarten Sie mich\nmorgen Mittag. Bitte Drahtantwort. —\" Eine\nStunde stand sie zitternd auf der Treppe, ob die\nAntwort bald käme. Sie packte den Handkof-\nfer. Nach drei Stunden schickte sie um einen\nWagen; zog einen dünnen Anzug aus gelber\nBastseide an, fuhr auf die Bahn. Der Zug rann-\nte lange Stunden der Nacht, rannte über Brüssel,\nGent, Brügge; schliesslich Ostende frühmorgens.\nSie rasselte durch die engen bekannten Strassen\nder Stadt. Mit einmal leuchtete zwischen den\nHäusern das Meer auf, das graugrüne Meer.\nSie stand aufgerichtet in der rasselnden Droschke,\nals der böige Wind sie mit einem Hagel von\nStiletten überschüttete. Sie schrie aufgerichtet im\nWagen vor Heimweh und Seligkeit, hob ihren\nSonnenschirm auf und winkte dem graugrünen\nMeere zu. Sie betrat ihr altes Zimmer wieder,\nhörte halb, dass ihre Mutter schon seit langen\nMonaten in diesem Hause gestorben sei. Ihr\nGesicht war still; aber als die Pensions-Dame\nsie entsetzt fragte, warum sie hier sitze und so\nlache, antwortete sie: „doch vor Glück, liebe\nFrau, wovor denn als vor Glück. Was erzählen\nSie?\"\nUnd dann nahm sie, die sich sonst wie eine\nschöne junge Frau bewegte, ihren weissen Son-\nnenschirm und ging an das Meer. Die Digue\nlag in dem blitzenden Mittagslicht. Unter dem\nWiderschein des unermesslichen Wassers funkel-\nten die Fenster der Strandhäuser zärtlich auf.\nUnabläissig brüllte das Meer, warf sich gegen\ndie Steindämme und legte sich platt hin. Sie\ndrängte sich gewandt durch die geschmückte\nMenge, schlüpfte in das Vestibül des Hotels.\nDer Portier gab ihr das Telegramm; er erzählte,\nder Herr sei vor einem Jahr etwa verunglückt\nauf einer Segelpartie. Sie fasste sich an die\nBrust: „Auf diesem Meer?\" Und dann drückte\nsie ihm ein Geldstück in die Hand, warf ein\npaar Zeilen auf ein Blatt Papier mit seiner Adresse,\nflüsterte ihm ins Ohr, er möchte doch dies Blatt\nan sich nehmen; wenn der verunglückte Herr\nheut Abend käme, möchte er es ihm sofort ge-\nben. Sie ging an dem Verblüfften lächelnd vor-\nbei auf die Promenade, nahm einen jungen Herrn>\nder ihr folgte, an, hörte mit ihm nachmittags an\nder Kapelle eine Chokolade trinkend mit strah-\nlendem Gesicht die freche leichte Musik des Kur-\nkonzerts.\nDer Abend kam herauf. Der Vollmond hing\nschlohweiss über dem ungeheuren Wasser.\nSie stand an ihrem Fenster und wartete.\nEs wurde Nacht; sie hatte schon ungeduldig\nauf das rostrote Haar den wippenden weissen\nHut gesetzt. Sie lief auf den Zehen durch den\ndunklen Korridor, sah die lange Strandprome-\nnade herunter, die im blendendweissen Mond-\nlicht lag. Dann lief sie die lange Promenade\nhin und her, hielt ihren Hut fest, den der Sturm\nabhob, spielte mit ihrem Schatten, der schwarz\nvor ihr herfiel, tanzte ihm pfeifend auf offenem\nWeg etwas vor, machte ihm lange Nasen. Sie\nlugte nach dem Hotel, ob sein Fenster noch\nnScht hell wurde. Um 12 Uhr schlief sie auf\nihrem Bett sitzend ein; gegen vier fuhr sie ent-\nsetzt zusammen; es war schon ganz hell. „Er\nist voraus\". Sie huschte die Tür hinaus, warf\ndraussen johlend die Arme in die Luft, rief ih-\nren Namen, tutete dazu. Im Nu war sie die\nschmale Steintreppe herunter. Sie suchte die\nAbfahrtstelle, lief zu den Badehäusern. Da la-\ngen kleine und grosse Ruderboote. Keine fri-\nschen Männerschritte im Sand! Sie zog die\nSchuhe und Strümpfe aus, warf ihren Hut an\nden Strand, schürzte ihren Rock, zog keuchend\nan dem BootsseÜl. Jetzt sprang sie ein, zog die\nRuder. Nur wenig wurde sie von der Brandung\nzurückgeworfen, dann fuhr sie sicher aus. Scharf\nbliess der Wind über das offene Wasser; dicke\nRegentropfen fielen; weit und breit kein Segel,\nkein Boot. Ueber die hohen gebogenen Wellen-\nwände kroch ihr Boot, stürzte metertief, kroch\nunverdrossen weiter. Sie suchte nach allen Sei-\nten; die Angst überkam sie. Sie schrie auf den\nKnieen kriechend, von jeder Wellenhöhe seinen\nNamen kreischend über das brodelnde Wasser,\naber jetzt schlüpften nicht zahme Hündchen über\nden Bord; wie der Steinschlag fielen die Wellen\nauf die Brust der atemlosen, die sich die Augen\nwischte. Eben legte sie, schon erlahmend, die\nRuder hin, brach in ein wütendes Schluchzen\naus, schlug sich verzweifelt mit den Fäusten ge-\ngen die Brust, als eine dunkle Gestalt sich ne-\nben dem Boot aus dem Wasser aufrichtete. Auf\ndem Kamm einer Welle schwang sich die dunk-\nle Gestalt ins Boot! Der Brasilianer sass stumm\nauf dem Bootsrand und liess die Beine auf die\nRuderbank hängen. Er war nur unförmig ge-\nschwollen; seinen weissen Anzug trug er prall\nauf dem Körper. Die weissgrauen Haare waren\ndick inkrustiert mit Salz; schwarzgrüner Tang\nhing in Büscheln über sein triefendes gelbbraun\nnes Gesicht, dessen Mund bebte. Dünner wei-\nsser Sand und Muscheln rieselten von seinen brei-\nten Schultern, floss aus seinen Aermeln. Er bliess\nlaut die Luft von sich, dann atmete er stiller.\nLangsam hob er den rechten Arm und wehrte\ndie Frau ab, die sich jubilierend von dem Bo-\nden erhob. Seine tiefen schwarzen Augen sahen\nsie fragend an, ihr volles frauenhaftes Gesicht,\nihre Lippen, die reif waren, ihre kleinen leben-\ndigen Augen unter den roten Brauen, die jetzt\nbeseelt und süchtig strahlten. Dann blickte er\nan ihr vorbei. Sie stürzten unter peitschendem\nRegen zwischen Wellenbergen hinunter; sie hör-\nte ihr eigenes entsetztes Rufen nicht unter dem\nSingen und Flöten des Sturmes. Er senkte sei-\nnen Arm, legte sich wie auf ein Kissen mit dem\nRücken gegen die Welle. Das Polster glitt zu-\nrück. Sie sah wie er langsam den Kopf ihr\nzuwandte, sah den berauschten, aufgeschlos-\nsenen Blick auf sich gerichtet, sprang ihm\nnach, und nun umschlangen sie die wul-\nstig dicken Arme; jetzt lachte sie gurgelnd\nund drückte ihren Kopf an seinen gedunsenen.\nUnd wie sie zusammen die nassen Wellen be-\nrührten, wurde sein Gesicht jung; ihr Gesicht\nwurde jung und jugendlich. Ihre Münder He-\nssen nicht von einander; ihre Augen sahen sich\nunter verhängten Lidern an. Eine Wassermasse,\nstark wie Eisen, schickte das unermesslich grau-\ngrüne Meer heran. Die trug sie, mit der Hand-\nbewegung eines Riesen an die jagenden Wolken\nherauf. Die purpurne Finsternis schlug über sie.\nSie wirbelten hinunter in das lebende Meer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "551", "page_fin": "551", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.6", "titre_corps": "Die Tat", "titre_sommaire": "Die Tat", "signature_source": "Friedrich Kurt Benndorf", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "551", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 711, "texte": "Die Tat\nFriedrich Kurt Benndorf\nIn der Schummerstunde, wenn die Leute im\nDorf zu Rocken gehn und sich erzählen beim\nFederschieissen, und einer in der Ofen-Ecke, ver-\nloren in sich, die Harmonika spielt,\nund draussen das Land beseelt vom Abend-\natem, ahnungstill, und darüber der Sternenhim-\nmel, unausdenklich tief, und das grosse allse-\nhende Auge des Mondes —,\n— in der Schummerstunde, da der Knecht\neine Kuh im Stall unruhig stampfen hört und\nzur Magd sich wendet: — „was „dämmert44 das\nVieh?\"\n— drüben am Wiesenweiher, wo die alten\nPappeln so unerfahren ins Weite blicken, und\ndie Kröten hocken, trag und taub, und blind\nist Gras, Busch und Gestein, — dort! — in\ndieser Stunde:\nMorgen wird man es entdecken!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "551", "page_fin": "551", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.7", "titre_corps": "Pubertät", "titre_sommaire": "Pubertät", "signature_source": "Viktor v. 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Erst wenn er, im\nWiderspruch mit sich selber, bissig wird gegen\nuns Aufgeregte, wenn er das Pathos nieder-\nzischt und wutschnaubt über die Satire,\niebe ich ihn. Denn eine Real-Unlogik ergötzt\nmich als Kuriosum; eine pathologische Erscheinung\nvermag ich als blosses Phänomen aufzufassen,\njenseits aller Wertung, anethisch, „indifferent\".\nSchwache Dialektik rührt häufig her von einer\nGleichgültigkeit gegen das Rechtbehalten. Aber\nhäufiger geschieht es, dass Pedanten, selbst herrsch-\nsüchtigste, gegen das Rechtbehalten gleichgültig\nwerden, weil sie nur schwache Dialektiker sind.\nDie Paradoxie ist gewiss oft bloss die Furcht\nvor dem Gemeinplatz. Ich schliesse mich in diesen\nFällen jener Verachtung, die von den klassizistischen\nEspritfeinden proklamiert wird, vollauf an. Dass\naber die Gemeinplätze dieser Espritfeinde aus der\nFurcht vor der Paradoxie stammen — das werde\nich ihnen niemals glauben.\nAlle Sprichwörter lügen. Auch dieses.\nDas Sprichwort „Quod licet Jovi, non licet\nbovi\" ist die Kundgebung einer feigen Plebejer-\nUnterwürfigkeit. Wer stolz und von Adel ist,\nwird erklären: Quod licet bovi, non licet Jovi;\ndenn Zeus, in seiner Glorie, hat Verpflichtungen.\nIch möchte wissen, inwiefern es sentimental\nsei, wenn ein Atheist Menschen Götter nennt.\nDemokratie ist ein Widerspruch in sich selbst:\nwegen der zweiten Hälfte des Wortes.\nDie Philologen belästigen mich nur selten,\nund ich lasse sie daher gern ungeschoren. Bloss\neines an ihnen empört mich immer von neuem;\ndas ist ihr N a m e. Warum mussten sie eine\nBezeichnung für sich wählen, die ausgerechnet\nauf ihre Antipoden passt? Auf die Freunde der\nVernunft und auf die Enthusiasten des Wortes?\nTief und ernstlich denkende Menschen haben\ngegen das Publikum einen bösen Stand. — Sie\nfinden den Satz trivial? Ich nicht. Auch Goethe\nnicht. Denn sonst hätte er ihn schwerlich in seine\ngesammelten Werke aufgenommen.\nNeuerdings wird mit „Intuition\" wieder Unfug\ngetrieben; in Jahrbüchern für geistige Bewegungs-\nlosigkeit. Diese gepresst-ekstatischen Gouvernanten,\ndiese altitaliänisch-hochnäsigen Antibegrifflinge,\ndiese steifgebeinten Misspathetiker — ich meine:\ndie Stiefsöhne Georges — fordern in ihren fad-\nfinsterbrauigen Sätzen: das echte Kunstwerk müsse\nnicht „gemacht\", sondern „gewachsen\" sein . . .\nBlech! Bluff! Sittlichkeiten! Da gerad' oberste\nGötter äusserst kneten; gerade die; da sie kneten,\nkneten, kneten, bis das Gebilde strahlend dasteht.\nSchmierer nämlich hauen hin; bei Sudlern\n„wächst\" es.\nKants „kategorischer Imperativ\" schreibt vor,\nso zu handeln, dass die Maxime als allgemeines\nPrinzip gelten könne. Wenn der sittliche Mensch\nin einen Konflikt gerät, so bedeutet das: er ist\nim Zweifel, welche unter mehreren möglichen\nMaximen prinzipielle Gültigkeit habe. Und nur\nder Mensch, der in einen Konflikt gerät, bedarf\neines kategorischen Imperativs. Gerade dem\naber kann er nichts nützen; denn wer sich\nden Kopf darüber zerbricht, welche von mehreren\nMöglichkeiten die richtige sei, dem ist wenig gedient\nmit der Aufforderung, die richtige zu wählen.\nDer „kategorische Imperativ\" gibt also nicht dem\nZweifelnden an, wie er sich verhalten soll; sondern\ngibt dem Psychologen an, wie ein Zweifelnder\nsich verhält. Man täte daher gut, ihn fortab\n„kategorischen Indikativ\" zu nennen.\nDas stärkste Gefühl von Unsittlichkeit hatte\nich stets da, wo jemand Grössen, die einander\nausschlössen, unbedenklich kopulierte: etwa „Kant\nund Nietzsche\".\nDie „wissenschaftliche\" Philosophie ver-\nwechselt bekanntlich Tiefe mit Scharfsinn. Hält\nman ihr das vor, pflegt sie mit Siegerlächeln zu\nverlangen, dass man Tiefe ihr — definiere.\nQuatsch ist besonders dann beliebt, wenn\ner sich wissenschaftlich gibt.\nDie Behauptung, mittelst Sitzfleisches könne\nsich jeder Hundskopfaffe in Deutschland den Doktor-\ntitel erwerben, ist eine ganz perfide Verleumdung.\nIn Wahrheit gehören noch drei- bis fünfhundert\nMark dazu.\nIn welch gefährlicher Barbarei wir leben, und\nwie namenlose Idioten unsre berühmtesten Irren-\närzte sind (nämlich die „modernen\", „freigeistigen\",\n„monistischen44), zeigt klar der Vorschlag des\nProfessors F., den er den Angehörigen eines\nbedeutenden Litteraten gemacht hat, welcher infolge\neiner „konstitutionellen Seelenabnormität44 an-\ndauernd Urkunden fälschte. Professor F. schlägt\nvor, die Angelegenheiten dieses Mannes entweder\ndurch eine zuverlässige Person verwalten zu lassen,\n„damit seine litterarische Tätigkeit ihm endlich\neinen Lebensunterhalt gibt44, oder, falls das nicht\nhilft: „d an n wird man ihn in eine Heil-\nanstalt bringen müssen, wo er das\nRecht haben wird zu produzieren,\nohne die Möglichkeit zu haben,\nneue Torheiten zu begehen\".\nDieselbe Zelebrität bewertet, in einem anderen\nFall, als „pathologische Symptome44, was folgt\nWachsende Unhöflichkeit des Briefstils; Wortspiele;\nsich der Presse bedienen, „um von sich reden\nzu machen44; beleidigende Epigramme gegen\nKollegen und Behörden; den Spaziergang in der\nAnstalt benutzen, um einer Kranken „galante\nAnerbietungen44 zu machen; „das Ich, das mit\nallen anderen im Gegensatz steht44; „der Eigen-\nsinn, Recht gegen alles und alle zu haben\"; „die\nVerachtung der anderen44; und so weiter in\nununterbrochener Mediokrität .. . Wenn man\ndergleichen liest, erschauert man; und weiss, dass\nder ärgste Fluch, der sich gegen einen genialen\nMenschen ausstossen lässt, also lautet: Der\nPsychiater komme über dich!\nAls ich einen Irrenarzt fragte, woher er denn\nwisse, dass er der Gesunde sei und seine Patienten\ndie Kranken, bekam er einen maniakalischen Anfall."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "551", "page_fin": "552", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.9", "titre_corps": "Aus jüngster Zeit : Wenn Karpeles das erlebt hätte", "titre_sommaire": "Aus jüngster Zeit : Wenn Karpeles das erlebt hätte", "signature_source": "J. 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Aber in\neiner Ecke des Inseratenchaos lässt sie der Unan>-\ntastbaren von einer Korsettfirma Gewalt antun,\ndass selbst jene, die in der Heineschen Puber-\ntätslyrik den Samen der Genialität nicht entdecken\nkönnen, mit Entsetzen sehen müssen, wie ein\nletztes Hemd der beschönigenden Verhüllung von\nden Blossen des Hinfälligen gerissen wird.\nAuf einem Felsblock, der den Preis von\n1050 trägt, sitzt die Loreley, mit einem Hemd\nbekleidet und in ein Korsett geschnürt. Sie kämmt\nzwar nicht ihr goldenes Haar, aber sie greift\nwenigstens in eine Leyer, und unten, in einem\nschwankenden Segelboot, in die „schwindelnde\nHöh\" emporblickend, singt der Schiffer, vielleicht\nein commis voyageur, der die Rheinprovinz be-\nreist:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "552", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5938, "texte": "Jetzt weiss ich, was soll es bedeuten,\nDass ich so traurig bin,\nWeil bei den meisten Leuten\nEs mangelt an Schönheitssinn.\nSie kaufen Corsets nicht passend,\nUnd zahlen sehr hoch den Preis,\nSich auf sich selbst verlassend,\nStatt auf des Fachmanns Qeheiss.\nDen Sitz, der so wichtig für Alle,\nErstklassig das Material,\nDies bringt in jedem Falle\nDas „ . . . -Corset\" erstensmal.\nUnd zweitens, unsere Nymphe,\nWie deutlich ein jeder kann seh'n,\nBeim Ausspielen unserer Trümpfe,\nIst es um sie gescheh'n.\nGlückstrahlend ist ihr Gesichtchen,\nSie ist des Lobes voll,\nUnd die Moral vom Geschichtchen\nIst, — wo man Corsets kaufen soll!\nDie Zeichnung stammt von Naton. Natron\nwäre besser. Redaktion und Inseratenabteilung\neiner „anständigen\" Zeitung sind einander be-\nkanntlich fremd. Und doch könnte ein Annon-\ncenchef einen Feuilletonredakteur lehren, wozu\ndie schlechten Klassiker gut sind.\nWeniger Mehring, weniger Mehring\n„1820 reiste er nach Neapel, denn der Fort-\nschritt seiner Krankheit zwang ihn, ein wärme-\nres Klima aufzusuchen. Dort wurde ihm zwar\ndie beste Pflege durch den Arzt Dr. Clark zu-\nteil, aber er erlebte den kommenden Frühling\nnicht mehr. Er starb am vierundzwanzigsten\nFebruar 1821 in Rom und wurde auf dem pro-\ntestantischen Friedhof an der Cestiuspyramide\nbeerdigt.\"\nSo schreibt ein simpler Gelehrter in einer\nEnglischen Literaturgeschichte vom Tode Keats.\nEin Feuilletonist, der Sigmar Mehring,\nschildert uns das Sterben des jungen Poeten,\nder „das Maiglöckchen und die Nachtigall lieb-\nte\", schwungvoller, zeitgemässer, in rhyth-\nmischer Aufwärtsbewegung.\nEines Schneiders Sohn, der bis ins späte\nJünglingsalter mit der Hände Arbeit seinen\nUnterhalt schaffen musste, schwang sich John\nKeats urplötzlich und selbstsicher in die blen-\ndende Höhe sonnennaher Poesie; leider nur\nauf zu kurze Zeit, denn schon mit sechsund-\nzwanzig Jahren büsste er den hohen Flug\nmit dem Leben.\nSolches acht Tage vor dem Start zum B.\nZ.-Preis der Lüfte. Die literarisierenden Krie-\ncher in Ullsteins Diensten mussten von kühnen\nFliegern schwärmen, aber Mehring hatte es doch\nnicht nötig, von Keats oder Swinburne wie von\nAviatikern zu sprechen. Weil eine Neubearbei-\ntung der Gedichte dieser beiden gerade in der\nZeit der Vorbereitungen zum Deutschen Rund-\nflug erschienen ist? Darum auch von Swinburne\nzu sagen:\ner schwebte wie Keats in den höchsten Regi-\nonen einer verfeinerten Kunst, aber er hat die\nweltbewegenden Kämpfe der Erdenringer nie\naus den Augen verloren.\nDoch während die fremdländischen Dichter\nnur in den höheren Regionen schweben, bleiben\nihre Uebersetzer am Erdboden kleben.\nDer Bienenfleiss deutscher Uebersetzer\nsammelt auf allen Auen die verborgensten\nSüssigkeiten fremder Poesie, um sie für den\nheimischen Genuss herzurichten.\nMehring sagt auch das so schön.\nNa, bon appetit.\n„Was er weise verschweigt, zeigt nur der\nMeister des Stils\"\nIn Köln stehen sich\n„die Vorkämpfer von Deutschland und Oester-\nreich, Dr. Tarrasch und Schlechter, die seit\nzwanzig Jahren in Turnieren Rivalen gewe-\nsen sind, in einem Matsch gegenüber\".\nDer grosse Dr. Lasker hat einen Prolog da-\nzu geschrieben. Er schwang sich auf das für\nalle Feuilletonlisten zugerittene Rössel „Esprit\"\nund pflanzte, ein Mitläufer des Schmocktums,\nzum Entzücken aller Bauern des guten Ge-\nschmacks ein Fähnchen auf den schiefen Turm\ndes Zeitungsdeutsches.\nUnd so hat er angezogen:\nDr. Siegbert Tarrasch, Arzt zu Nürnberg,\nist der verwöhnte Liebling der Schachfreunde.\nEs ist ihm unvergessen geblieben, das(s er, ein\nSchüler Anderssens, sein Nachfolger wurde,\nals in den internationalen Kämpfen der acht-\nziger Jahre die deutsche Fahne keinen Träger\nfand. Da kam der Student der Medizin, nahm\nsie aus dem Staube, liess sie lustig im Winde\nwehen und hielt sie hoch, viele Jahre lang.\nDas war aber eine Tat. Die Fahne aus dem\nStaub zu heben, sie im Winde wehen zu lassen\nund überdies noch hoch zu halten, viele Jahre\nlang.\nDoch\nSchlechter vertritt die Deutschen Oester-\nreichs. Mit dem Ungarn Maroczy, dem Böh-\nmen Duras und dem Siebenbürger Vidmar ge-\nhört er zu dem Kontingent der Vorkämpfer\nder Doppel-Monarchie.\nDie Doppel-Monarchie hat Vorkämpfer.\nSchau, schau. Und weiter:\nMan sagt: „Le style est l'homme\". Die\nEigenart eines Menschen prägt allem seinem\nTun den Stempel auf. Der Satz trifft insbe-\nsondere für das künstlerische Schaffen zu, in-\nsofern es mit vollster Hingabe an die Auf-\ngabe geschehen muss.\nSolche Witze machen auch die Schachspieler\nim Cafe Royal. Und nochmals zurück zu Dr.\nTarrasch, „der ein universell gebildeter Mensch\nist\". . ;\nEr verehrt zwei Herren: Napoleon und\nWagner. Er liebt die Musik leidenschaftlich,\nund* er hat einen eisernen Willen. Damit steht\nsein Schachspiel durchaus im Einklang. Er\nrichtet sich im Schach nach allgemeinen Ge-\nsetzen, sein Bildungszwang hat ihm deren\nMacht gelehrt. Er ist also Theoretiker. Er\nliebt die tiefen Pläne, die wohl zu fühlen, aber\nnicht zu definieren sind. Das ist das Musi-\nkalische in ihm. Er tut unerschrocken und\nenergisch seine Arbeit, denn ein mächtiger\nWille zum Sieg drängt ihn.\nSchlechter hingegen liebt die Natur:\nVermutlich waren seine Vorfahren Bauern,\ndie auf einem kargen Boden lebten. Seine\nPhantasie ist die eines Naturmenschen, sie er-\nkennt die Schönheit in einfachen Dingen, und\nseine Schachzüge haben eine einfache, aber\nwirkungsvolle Schönheit. Er wird nicht leicht\naggressiv, aber einem unmotivierten Angriffe\ndes Gegners gegenüber gerät er, man möchte\nsagen, in Zorn.\nUnd schliesslich setzt sich der Schachmeister\nstilistisch derart matt:\nWill man das Match in eine kurze For-\nmel fassen, so könnte man sagen, dass der\nTheoretiker dem die gegebenen Umstände Nut-\nzenden gegenübersteht. Das Ergebnis, wie es\nauch sein wird, wird uns, die Zuschauer,\nvieles lehren und vieles sagen.\n— wird uns, die Zuschauer, vieles sagen.\n• Man nennt im Royal, Herr Doktor, einen\nMenschen, der am Schachbrett ihrem geschrie-\nbenen Unsinn Aehnliches leistet, einen: Stern-\nper.\n\nJ. 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Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\nPostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nH\na\nVertreter gesucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "552", "page_fin": "552", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "552", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.6", "debut_caractere": 7608, "fin_caractere_exclue": 8148, "texte": "Les Cahiers da Centre ~\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. 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Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfsinger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ihnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur ... ... ... ,\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjlhrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Oegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbinde,\nAktien- oder ahnlicher Geseflschaften sich vorbereiten wollen. 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ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ......\nZu habcn in alien Apotheken und Drogerien / Allelnlge Fabrlkantin\n/ Fabrik ffir pharmaceutischen Bedarf / Berlin-Halensee\nWohlschmeckend Sicher wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "554", "page_fin": "554", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "554", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.8", "debut_caractere": 3126, "fin_caractere_exclue": 3559, "texte": "«Spielend» lernt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's AUTODIDAKT\nSelbstunterrichtsmethode\nmit Hulfe des Grammophons\nOMNE TULIT\nPUNKTUM\nBisher erschienen:\nA. Italienisch\nB. Franzosisch\nJcder Lehrer, jede Lehrerin,\nJedermann muss Dr. Rebajoli's\nAutodidakt gebrauchen, um\nleicht und griindlich Fremd-*\nsprachen zu lernen.\nJede Sprache in 33 Lektionen.\nQUI MISCUIT\nUTILE DULCI\nEpochemachende Neuheit\nVerlag F. HARNISCH &. 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R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daB Sie dieselhen wle ein Tuch zusammen-\ndriicken konnen, ohne daB der Korper darunter leidet. Kartalin-Glfihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50°/(1. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Ffir die StraBenbeleuchtung Berlins\nbereiis fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesenaung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertretcrs\nVersandhaus Chem. und Techn. Neiihelfen\nBERLIN SW. 68 KochstraBe 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-07-22-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-07-22_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-07-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "554", "page_fin": "554", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "554", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.8", "debut_caractere": 4964, "fin_caractere_exclue": 5455, "texte": "Keine Zahnschmerzen\nKein Zahnziehen mehr\nAuf Anfrage gebe\nich Jedermann Aus-\nkunft über ein Mittel\ngegen schwarze,hohle\nund lockere Zahne\nErfolg garantiert\n0. Berger, BerlinW3s\nPots darner Strasse 111\nAbschrift: Sehr geehrter Herr!\nVon vielen Zahnschmerzen bin\nich nun ganzlich befreit durch die\nAnwendung Ihres preiswerten\nMittels. Daher empfehle ich es\nJedem, der von Zahnschmerzen\ngeplagt ist. 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DIRSZTAG: Pubertät / KURT HILLER: Zur Auswahl / J. A.: Aus jüngster Zeit:\nWenn Karpeles das erlebt hätte / Weniger Mehring, weniger Mehring / Was er weise verschweigt, zeigt nur der Meister des Stils / E. L. KIRCHNER:\nBall / Holzschnitt\n\nBall / Holzschnitt von E. L. Kirchner"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "548", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.2", "texte": "Literatur, Wissen-\nschaft und Kunst\nFortschritt\nDas Berliner Tageblatt liest den Sturm nicht\nohne Nutzen. Die Ueberschrift Literarische Rund-\nschau (die Rubrik, die bekanntlich hinter Hypo-\nthekenmarkt und Rasensport steht) hat jetzt ein\nneues Cliche in zehnfacher Vergrösserung erhal-\nten. Die Cliches des Textes, der sogenannten\nKritik, sind natürlich von dieser Neuerung vor-\nläufig nicht betroffen worden. Maschinelle Ver-\nänderungen sind ja auch wesentlich leichter zu\ntreffen, als geistige. Aber so unglaublich es\nklingt: Das Berliner Tageblatt wendet sich\nmit einer hellen „Fanfare\" gegen die Wortcli-\nches Am ersten Pfingstfeieftag konnte man sich\nnoch freuen, dass Herr V. A. tiefsinnig und tief-\ninnig vom „Bühnenvölkchen\" berichtete. Am\nzehnte Juni stellte ich das „Bühnenvölkchen\" im\nSturm. Und kaum sechs Wochen später, das\nhistorische Datum ist der vierzehnte Juli, schreibt\ndas Berliner Tageblatt:\n„Altes Vorurteil sieht in den Artisten noch\nheute die „fahrenden Leute\" und geschmackvolle\nMenschen bezeichnen sie noch immer als „Völk-\nchen\".\"\nAlso die Völckchen werden im Berliner Ta-\ngeblatt ausgerottet. Es lebe der Fortschritt!\nWas sind Artisten?\n„Zielbewusst stramm organisierte Erwerbs-\nmenschen, die ihre Interessen nicht weniger kräf-\ntig zu wahren wissen, als die Angehörigen vie-\nler anderer Berufe.\"\nAuskunft des Berliner Tageblatts über die-\nsen Beruf.\nSchon wieder Fortschritt\nJetzt hat Herr V. A. selbst auch den Sturm\ngelesen. Der Kampf gegen die Cliches wird fort-\ngesetzt und zwar bereits am sechzehnten Juli. Wenn\ndas Berliner Tageblatt alle zwei Tage drei Cliches\nzum alten Blei wirft, wird es in einigen Jahren\nnicht mehr erscheinen können. Denn so schnell\nerhalten neue Cliches nicht Marktwert. Und da\ndas Schreiben für unsere lieben Tagesschriftstel-\nler nur aus einem Aneinanderreihen alter Cli-\nches besteht, muss bei einem so beschleu-\nnigten Ausverkauf dieser Ware das Geschäft völ-\nlig geschlossen werden. Vor einigen Wochen\nnoch hätte Herr V. A. meine Befürchtung eine\ncura posterior genannt. Heute kann ihm das\nnicht mehr passieren. Denn er schreibt:\n„Bei uns laufen zwei oder drei ekelhaft ab-\ngegriffene Zitate um — quousque tandem oder\nfestina lente — sonst aber gilt wissenschaftliche\nBildung für unmännlich und macht in manchen\nKreisen gesellschaftlich unmöglich.\"\nMan beachte den Fortschritt. Deutsche Cliches\nsind am vierzehnten Juli nur geschmacklos, lateini-\nsche am sechzehnten Juli bereits ekelhaft. Das Blü-\nhen will nicht enden. Gespannt bin ich nur, wie die\nLeitartikler ohne die trefflichen Aussprüche non olet\nund videant consules auskommen werden. Ich\ndenke mir das so, dass man einfach die Leitar-\ntikel aufgibt. Ein Ende des Schreckens.\nHöhenstunden des Lebens\n„Und jene Höhenstunden des Lebens, wenn\ndu auf den Seinekais der Stadt Paris einen alten\nFranzband kauftest, die Poesien Voltaires, und\nnun mitten im französischen Strassenlärm den\nSchatz aufblättertest, hochzeitliche Wonnen im\nHerzen.\"\nDer Schatzauf blätterer ist Herr V. A., der\nSchreiber deutscher und Feind lateinischer Cli-\nches, Aber er ist doch ein Poet mit hochzeit-\nlichen Wonnen im Herzen.\nDer Dichter Baedeker\n„Wenn uns ein grosser Dichter eine Wald-\nwiese schildert, über die der Gebirgsbach zu\nTal rauscht, so strahlt uns diese beschriebene\nWiese in kräftigeren Farben, als wirs je auf ir-\ngend einer Reise beobachten konnten. Bei der\nheimatlichen Lektüre des Baedeker scheint uns\nItalien schöner, als wirs in Wirklichkeit zwi-\nchen lärmenden Droschkenkutschern und\ngenden Postkartenverkäufern sehen werden . . .\nWoher das kommt, woher diese verstärkende\nMacht der Buchstaben stammt, ist schwer zu\nsagen. Vielleicht daher, dass die dichterische\nSchilderung alles akzessorisch Störende ausmerzt,\nvielleicht, dass die Sehnsucht hinzukommt, die\nalles Ferne schöner erscheinen lässt ...\"\nHerr Baedeker ist sicher ein Dichter, dass\nakzessorisch Störende wird ohne weiteres aus-\ngemerzt, wenn man seinen drei Sternen traut.\nAuch über die Behandlung der Droschkenkut-\nscher und Postkartenverkäufer orientiert der Dich-\nter Baedeker. Herr V. A. hat ihn neu bewertet.\nWelcher Dichter aber mag ihm die Waldwiese\nbeschrieben haben?\nDie Entstehung des Menschen\nAuch diese Frage ist von V. A. gelöst:\n„Vielmehr wollen wir schlankweg darauf auf-\nmerksam machen, dass nur der lesende und\nschreibende Mensch Mensch ist. Erst seitdem\ngeschrieben und gelesen wird, ist der homo sa-\npiens da und erst damit begann die Menschheits-\ngeschichte.\"\nEins steht fest, der homo sapiens gehört\nnicht zu den ekelhaften abgegriffenen Zitaten, er\nschreibt sie höchstens.\nDas geliebte Deutsch\n„Auch in der Prähistorie gab es Reiche,\nGrosskönigtümer, Kanzler, Päpste(!), Bauten,\nKriege . . . aber wir wissen davon nichts, es\nist eine fremde Welt, weil die schwarzen Lettern\nuns nicht mit ihr verbanden. Unmöglich in sol-\nchem Zusammenhang diese horazische Strophe\nzu umgehen.\nVixere fortes ante Agamemnona\nMulti, sed omnes illacrimabiles\nUrgentur ignotique longa\nNocte, carent puia vate sacro.\nWas ich, weil eben kein Mensch mehr la-\nteinisch versteht, folgendermassen in mein\ngeliebtes Deutsch übersetzen muss: Es lebten\nHelden schon vor Agamemnon, aber unbeweint\nund unbekannt wrerden sie bedeckt von ewiger\nNacht, weil sie keinen Sänger fanden.\"\nDer homo sapiens V. A. stand den Helden\nvor Agamemnon noch nicht als Sänger zur Ver-\nfügung. Wohl ihnen, sie wären sonst auch in\nsein geliebtes Deutsch übersetzt, von ihm be-\nweint und durch schwarze Lettern mit ihm ver-\nbunden worden.\nWas aber, frage ich, wird mit der lateini-\nschen Sprache? Der einzige Mensch, der noch\nlateinisch versteht, und es „folgendermassen\" in\nsein geliebtes Deutsch übersetzt, Herr V. A., ist\nvon der deutschen Sprache schon so aufgegeben\nworden, dass er sich beruhigt als Lateinlehrer\nniederlassen kann.\nDer Altmeister\nHerr Professor Begas, der bekannte Verfer-\ntiger monumentaler Nippes, ist achtzig Jahre\nalt geworden. Der Kaiser hat ihn zum Wirkli-\nchen Geheimen Rat ernannt, Herr Stassen ihm\neine Adresse mit „Rosen und Lorbeeren\" ge-\nschmückt und der Verein Berliner Künstler „er-\nhebt ehrfurchtsvoll und bewundernd den Blick\nzu einem Lebenswerk voll reich quellender\nSchönheit und ehrt den grossen Künstler, der\nuns des Tages grauen Alltag mit den Strahlen\nolympischer Heiterkeit veredelte und der das Be-\nsitztum seiner Volksgenossen an froher Schön-\nheitserkenntnis mehrte.\" Dagegen wäre nichts\neinzuwenden, man stimmt in das olympische\nGelächter ein und bedauert nur, dass zur Verbrei-\ntung der Schönheitserkenntnis Stein und Mar-\nmor benutzt worden ist. „Die Stadt Berlin be-\ntont in dem sehr herzlich gehaltenen Glück-\nwunschschreiben, dass Begas der Schöpfer des\nSchillerdenkmals, des Brunnens auf dem Schloss-\nplatz und des Nationaldenkmals ist.\" Das hätte\ndie Stadt Berlin lieber nicht betonen sollen. Fritz\nStahl ist schon kritischer. Er betont, dass Herrn\nGeheimrat Begas „die Verantwortung für den\nschlimmen neu-preussischen Denkmalstil schwer\nbelastet. Man darf es auch heute nicht verschwei-\ngen, er trug die volle Schuld daran, er war sich\nselbst untreu geworden.\" Zwar hat Fritz Stahl\neinen früheren Begas entdeckt, einen „sozusagen\nfleichlicheren\". Es werden verschiedene „leben-\nsprühende\" Büsten aufgezählt, worauf Herr\nStahl resigniert bemerkt: „Mit diesen Werken ist\ndann die eigentliche Entwicklung des Künstlers\nabgeschlossen. Kamen die Forderungen des\nneuen Kursus nach immer lauteren Formen, nach\nimmer barockeren Häufungen, nach immer\nschnellerer Arbeit seinen Wünschen entgegen,\noder hatte er nur nicht den Charakter, so be-\nqueme Gelegenheiten abzuweisen. Er hat an die\nwichtigsten Stellen statt ernster Monumente üble\nund flüchtige Dekorationen gestellt.\" Die Stadt\nBerlin betont diese Stellen. Wenn Fritz Stahl\nschon diese üblen und flüchtigen Dekorationen\n(ich halte sie für Nippes) sieht, was sorgt er\nsich? Der Charakter ist Begas ja jetzt als Wirk-\nlicher Geheimer Rat verliehen worden. Der neue\nKurs kam nicht seinen Wünschen entgegen, son-\ndern seine Wünsche pflasterten den neuen Kurs,\nsoweit das Auge dessen reichte, der ihm den\nverloren gegangenen Charakter wieder verleihen\nkonnte. Wer sich Konzessionen geben lässt, dem\nwird ein Charakter verliehen. Wer aber als\nKünstler einen Charakter besitzt, kann ihm nicht\nnach der „ersten Epoche\" konzedieren. Auch\nwenn er bekennt, Gegenwert erhalten zu haben.\nOder um mit Fritz Stahl zu sprechen. „Die Bi-\nlanz schliesst mit einem mächtigen Verlust. Die\nunzweifelhaften Aktiva sind rar.\"\nTrust"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "549", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.3", "texte": "Antinous\nAdi André-Douglas\nElse Lasker-Schüler\nDer kleine Süsskönig\nMuss mit goldenen Bällen spielen.\nIn bunten Brunnen\nBlaugeträufel, honiggold,\nSeine Spielehände kühlen.\nAntinous,\nWildfang, Güldklang,\nKuchenkorn mahlen alle Mühlen.\nAntinous,\nDu kleiner Spielkönig\nIn den Himmel fährt es schön auf Schaukelstühlen.\nO, wie lustige Falter seine Augen sind\nUnd die Schelme all in seiner Wange\nUnd sein Herzchen beisst will mans befühlen.\n\nDie Segelfahrt\nVon Alfred Döblin\nDie Digue von Ostende lag in dem blitzen-\nden Mittagslicht. Die geschmückten Menschen\nauf der breiten Meerespromenade lachten und\ngingen an einander vorüber. Unter dem Wider-\nschein des unermesslichen Wassers funkelten die\nFenster der Strandhäuser zärtlich auf. Das un-\nablässige Brausen des Meeres rollte von den Stein-\ndämmen zurück, schwoll wieder an, schwoll\nimmer wieder ab.\nDer schwere Brasilianer ging mit offenem\nMunde unter den geschmückten Menschen. Er\nging dicht am Meeresgitter der Promenade. Er\nhielt den Kopf gesenkt wie überrieselt vom Ba-\ndewasser; seine vollen Lippen waren feucht. Die\nschwarzen weissdurchzogenen Haarsträhnen fie-\nlen über seine Öhren. Er bog den Kopf mit dem\nKalabreser nach rechts und links, um dem An-\nprall des scharfen Windes zu begegnen. Er\nstreifte ab und zu mit einem freudigen Blick das\ngraugrüne Wasser. Sein gelbbraunes schwammi-\nges Gesicht zuckte, die Augen, die in grauen\nHöhlen lagen, schimmerten; er spürte den feinen\nLuftwirbeln nach, die um seinen blossen Hals\nfuhren, das graue Schläfenhaar anhoben und\ngegen seine Wange mit feinen Stiletten anschwirr-\nten. Er fror leise; blickte an seinem weissen\nVorhemd entlang, über das weisser Sonnenschein\nfloss, und einen Augenblick beunruhigte ihn der\nGedanke, dass sein Blick vielleicht Schatten wer-\nfe. Er seufzte, drängte sich tiefer zwischen die\nMenschen. Das Schüttern des Eisenbahnzuges\nschwang noch in ihm nach, der ihn gestern von\nParis an die See getragen hatte.\nFluchtartig hatte er Paris verlassen, flucht-\nartig war er auf seiner Jacht aus der Heimat\nüber den Ozean gefahren, aus einem hoffnungs-\nlosen Glück; plötzlich seiner achtundvierzig Jahr\ngedenk. In Paris hatte er vier Monate lang die\nSchwelgereien der Kunst der glatten Säle, die\nbestialischen Tänze ertragen; dann warf ihn eine\nschwere Lungenentzündung hin; er lag aufge-\ngeben wochenlang im Hospital. Als er am Sonn-\ntag das Haus verliess mit schwachen Knieen,\nschlug er den Kragen seines Loden-Capes hoch,\nbestieg eine Droschke, fuhr auf die Bahn. Einen\nTag schlich er gebeugt durch das tote Brügge.\nDann raffte er sich, jagte in der Julihitze nach\nOstende.\nEr hob den Blick von dem dünnen Sande,\nder unter seinen Füssen wegzog.\nSie glitt zum zweiten Male an ihm vorüber;\nrostfarbenes Haar unter breitrandigem weissen\nHut. Ein grauer Blick aus einem klugen nicht\njungen Gesicht wich vor ihm zurück. Sie war\nvielleicht Mitte dreissig. Er hörte noch hinter\nsich eine hohe gesangvolle Stimme.\nBei dem Klang dieser Stimme wandte sich\nCopetta um. In dem Augenblick hörte der\nWind auf mit Messern zu werfen. Sie sprach\nmit einer alten Dame, die sie stützte. Der Bra-\nsilianer schob den Hut in den Nacken; eben als\ner über ihre schmalen Schultern blickte, schwar-\nzer Ueberwurf auf dunkelblauer Seide, verlor er\nsie. Der weisse Hut wippte über der Menschen-\nmenge, verschwand um eine Ecke.\nCopetta schlenderte in ein Cafe, löffelte eine\nSchokolade. Das Meer rollte unablässig gegen die\nSteindämme; leises Scharren der Sandkörnchen;\nder Wind warf mit dünnen Stiletten.\nNachmittags um die Zeit des Kurkonzertes\nging der schwarze Brasilianer in einem langen\ngrauen Gehrock über die Digue. Leicht und\nfrech wehte die Musik. Als er mit seinem dicken\ngelben Stock vor dem Kurhaus Schritt um Schritt\nden Boden stampfte, wich ein grauer Blick wie-\nder von ihm zurück. Die alte Dame sprach auf\nsie ein. Ihr Gesicht war schmal, die Backen-\nknochen traten scharf hervor; die kleinen Augen\nunter den dünnen roten Brauen blickten bestimmt\nund nüchtern, über der Nasenwurzel hatte sie\nSommersprossen, von den Augenwinkeln zogen\nsich schon Fältchen. Ihr Gang schwebte.\nDer Brasilianer strich sich über die Augen,\nblieb unwillig stehen, schlenderte schon weiter.\nGegen Abend sass er auf der Veranda sei-\nnes Hotels. Als er die Weinkarte in die Hand\nnahm, fiel ihm ein, dass er heute dreimal eine\nFrau gesehen hatte, rostfarbenes Haar unter einem\nwippenden Hut; dreimal eine Frau, schwarzer\nUeberwurf auf dunkelblauer Seide; ein grauer\nBlick. Still schob er seinen Stuhl zurück, mit\nSeufzen, Lächeln, und Versichhinstarren zog er\nseine Brieftasche heraus, trug seine breite Visi-\ntenkarte in die Villa, in die er sie hatte ver-\nschwinden sehen, gab sie einem Mädchen ab.\nAls er wieder die Meerluft an seinem Hals fühl-\nte, fragte er sich, wozu das eigentlich gewesen\nwar. Dröhnend schlug er seine Zimmertür hitt-\nter sich zu, warf sich im finstern Zimmer auf\neinen Schreibsessel, zerriss die Bilder seiner bei-\nden Kinder, nahm eine Nagelschere, zog seinen\nedelsteinbesetzten Trauring ab, hing ihn über\ndie Schere, hielt den Ring über die brennende\nKerze. Die Steine verkohlten; die Schere wurde\nheiss; er liess sie fallen. Wühlte mit beiden Ar-\nmen in zwei grossen Eimern mit Meersand, die\ner sich auf sein Zimmer hatte bringen lassen,\nstand ächzend auf, bestreut den Boden und Tep-\npich blind mit Sand, fluchte leise auf die Hunde,\ndie Hausdiener, die zu wenig Sand gebracht\nhatten. Schlief auf seinem Sessel ein.\nWie er am Mittag eben auf der Veranda,\nin einem Stuhle liegend, tief die scharfe Luft\neinatmete und schwindlig die Augen schloss,\nStand vor ihm das Bild der gehenden Frau, sehr\nschmales verwelktes Gesicht, ein klarer bestimm-\nter Blick, der sich fest auf ihn richtete. Sie hatte\nihn bitten lassen, nicht Mittags sie zu besuchen.\nEr warf die dünne Decke von seinen Füssen,\nstülpte den Hut über das zerwühlte Haar, schritt\nschwerfällig, die Arme auf der Brust verschränkt,\ndie Stufen herunter, über die leere sonnige Pro-\nmenade, auf ihre Villa zu, einem einstöckigen\nHaus mit schmalen, geschlossenen Fenstern. Er\nschob sich durch einen dunklen Korridor, klopf-\nte leise an die Tür, an der ihr Name auf einer\nVisitenkarte stand. Nichts verlautete. Er riss\ndie Türe auf. Sie lag halb im Bett; hatte, um\nherauszuspringen, die blaue Decke nach der\nWand zu geworfen. Zwei volle frauenhafte\nBeine berührten mit feinen Zehen eben den Bo-\nden, ein sehr schmächtiger strenger Körper rich-\ntete sich auf in einfachem, bandlosen Hemd, ein\nernstes schmales Gesicht unter dem aufgelösten\nHaar. Erschüttert blieb der schwarze Brasili-\naner an der Türe stehen. Sie lächelte, deckte\nsich zu, bat ihn, in einer Viertelstunde wieder-\nzukommen. Totenblass, ohne ein Wort zu spre-\nchen hob er seinen Stock vom Boden auf. Das\nalte Mädchen gab ihm die Hand; er sah in kld-\nne nüchterne Augen. Am Abend kam ein Bote\naus seinem Hotel zu ihr; er lud sie zu einer\nSegelfahrt für den nächsten Morgen ein; nicht\neinmal seinen Namen hatte er auf der Karte un-\nterschrieben. Sie drehte den mächtigen Briefbo-\ngen in der Hand hin und her; halb unwillkür-\nlich nahm sie einen Bleistift, schrieb auf dasselbe\nBlatt, er möchte kommen, er möchte recht früh\nkommen; sie machte unter ihren Namensbuch-\nstaben L. noch einen wunderlichen Schnörkel,\nden sie fast eine Minute malte.\nBei grauendem Morgen lief sie ihm vor der\nTür in dünner Bastseide entgegen; sie sprangen\neilig die schmale Steintreppe zu dem murmelnden\nStrand herunter; sie warf mit Muscheln nach\nihm zurück und fand, als sie sich nach ihm um-\nwandte, dass es in seinen Mienen scharf arbei-\ntete Ganz weisses Leinen trug er; er ging mit\nblossem Kopf; die linke Hand trug er im Ge-\nlenk verbunden; er sagte, er hätte sich gestern\nAbend beim Fall über Glas an der Ader ge-\nschnitten. Mit einem Ruck stiess er ein kleines\nRuderboot in das Wasser, hob die Aufschreiende\nauf den Sitz, sprang nach, ruderte gemächlich\nauf ein Segelboot zu, das vor der Holzbrücke\nam Herrenbad schaukelte. Sie sprangen in den\nSegler; Copetta zog schon den Anker; ihre blo-\nssen Arme hielten sich an der Steuerbank fest;\nleise klangen die hölzernen Mastringe an, nach\neinem Zug blähte sich das Grosssegel; das Boot\nging in See.\nSie fuhren durch die Strandgischt in das\ngraugrüne Meer hinein. Ueber die scharfe Ho-\nrizontlinie kam ein weisser Schein, der sich von\nAugenblick zu Augenblick verstärkte und höher\nrückte. An dem starken Morgenwinde flogen\nsie gleichmässig hin. Nun hockte der Brasili-\naner neben dem Grossbaum auf den Planken,\nlegte die Takelung fest. Wild lachend richteteer\nsich auf, schwang breitbeinig ein dünnes Tau\nwie ein Lasso um seinen Kopf und warf es ge-\ngen sie; sie schüttelte sich umschnürt, löste sich\nmit einem Ruck, schleuderte das Seil geballt mit\neinem mädchenhaften Kichern gegen seine Brust.\nRasch hatte sie das Ruder angebunden an sich;\nsich über Bord gebückt, überschüttet ihr kaltes\nGesicht mit Meerwasser, warf einen Fuss auf\nder Ruderbank, bis über die Aermel triefend,\nzwei volle Hände gegen ihn. Er fing das Salz-\nwasser schlürfend mit offenem Munde auf, schluckte.\nIn dem böig aufblasenden Wind liessen sie das\nBoot laufen, das anfing wie ein unruhiges Tier\nzu zittern. Sie jagten sich über die Planken.\nJohlend sprang die Schmächtige auf die Ruder-\nbank und schlug mit den Fäusten gegen die Ta-\nkelung. Sie riss sich ihre dünne Jacke ab, pfiff\nund drehte sich um sich selbst. Ihr Mund mit\nden dünnen Lippen öffnete sich oft zu einem\nkurzen, kindlichen Lachen. Der breitschultrige\nBrasilianer sass zusammengesunken auf dem"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "550", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.4", "texte": "Bordrand; erschüttert hörte er ihr Lachen, mit\nbebenden Lippen, hochgezogener Stirn hielt er\nihren Kopf, als sie sich über seine Knieen legte\nund ihn neugierig betrachtete. Seine steinharten\nHände stemmten ihre aufstrebenden Schultern ab;\ner wiegte den Kopf verneinend hin und her. Die\nWellen krochen über Bord, sie schlüpften wie\nkleine Hunde sacht an ihr herunter auf die Plan-\nken. Der Wind nahm an Stärke zu. Das Boot\nlegte sich stark über, das Kleid des Grosssegels\nfing an zu flattern, sie schössen in den Wind.\nDie schwarzen fast glasigen Augen des Brasi-\nlianers sahen über ihr triefendes Haar weg, das\nalte Mädchen suchte mit rückgebogenem Kopf\nnach seinem Munde, seinen Hals, sie tastete sich\nan seiner Bruist hin. Sein schwammiges zerfal-\ntetes Gesicht war gelöst, als ginge immer ein\nfeierliches glückerfülltes Wort um ihn herum. Das\nBoot schwankte steuerlos, Welle auf Welle rollten»\nan. Copetta sass auf dem Bootsrand. Als eine\nhohe Wand gegen das Boot ging, hob er weit\ndie Arme auf, legte sich wie auf ein Kissen mit\ndem Rücken gegen die Welle. Das Polster glitt\nzurück. Sie hörte, wie er etwas murmelte; sie\nsah nach dem berauschten, verschlossenen Blick,\nmit dem er verschwand. — Ein Stoss des Boo-\ntes warf sie gegen den Mast. Sie fühlte keinen\nSchmerz in ihrem blutigen Arm. Sie schrie nach\nder Stelle hin gellend gellend Hilfe, lange Rufe\nstiess sie aus. Man fand sie bald in dem trei-\nbenden Boot liegen. An Land erwartete man\nsie. Man wusste alles; Copetta hatte Telegramm\nan die Behörde geschickt.\nSie blieb noch eine Woche bei der alten\nDame in der einstöckigen Villa. Dann sagte\nman ihr, dass sie mehrmals mittags im Speise-\nzimmer sich auf die Dielen geworfen habe vor\nden andern und mit den Händen in die Luft ta\nste. Dass das Hausmädchen von aussen beob-\nachtet hätte, wie sie am hellen Morgen mitten\nin ihrem Zimmer stillstand und sich um sich\ndrehte. Am Nachmittag des Tages, an dem man\nihr dies sagte, packte sie mit dem Hausdiener\nihre Koffer, legte ein schwarzes Kleid an, ver-\nliess ihre Mutter, fuhr nach Paris. — Sie nahm\nein kleines Zimmer und ging auf die Strasse.\nSie trug ihr rotes Haar aufgetürmt; Wangen und\nLippen geschminkt. Sie kam tagelang nicht nach\nHause. Sie versagte sich niemandem. Es war\nihr eine Lust, sich jedem Rolijungen, Viehtrei-\nber in die Arme zu werfen. Sie machte sich\nmit gleichgültigem Lachen und Kopfschütteln zur\nBeute jeglicher Krankheit, die auf sie sprang\nund trug sie mit Küssen, mit Gähnen und In-\nbrunst weiter. Sie schlich nach einigen Monaten\nin schwarzen Seidenkleidern in die strahlenden\nBallsäle. Ihr Gesicht war voller geworden; die\nkleinen Augen glänzten unter dem Atropin. Die\njungen Männer sagten von ihr, man nannte sie:\ndie Hyäne. Sie trug in die Ballsäle eine sonder-\nbare Bewegungsweise. Der Tanz war ersichtlich\naus einer eigentümlichen Ungeschicklichkeit der\nTänzerin entstanden, die sich schon bei ihren\nersten Schritten auf dem Parkett zeigte. Sie stiess\njede berührende Hand zurück, wiegte sich in\nden Hüften vor ihrem Partner nach rechts und\nlinks, nur langsam wie ein Schiffer von einem\nBein taumelnd auf das andere. Dann umging\nsie mit plumpen Füssen ihren Partner und jetzt\nwiegten sie sich gemeinsam, Hüfte an Hüfte ge-\nfasst, aber er sprang vor ihren aufgehobenen\nArmen zurück, sie suchte ihn, sank über ihn\nhin und schliesslich walzte sie nicht, sondern\nHess sich von ihrem Partner halb tragen, wobei\nihre Füsse kaum über den Boden schleiften und\nsie die Augen schloss. — Sie Hess ein Jahr über\nsich ergehen. Als eines Abends der Postbote\nzu einem riesigen Blumenstrauss einen Brief\nbrachte, drehte sie lange den mächtigen Bogen\nin ihren gepflegten Händen hin und her. Sie\nwarf die Blumen in den Papierkorb, schlug den\ncitronengelben Kimono über die Brust zusam-\nmen, setzte sich an den Schreibtisch und spielte\nmit dem stark parfümierten Bogen. Der Bote\nstand noch an der Tür, seine Uniformmütze\nsetzte er schon auf, als sie sich erhob und ihn\nbat, eine Depesche zu besorgen. Sie schien wie\nerleuchtet; sie nahm ein befehlerisches Wesen an.\nSie telegraphierte nach Ostende: „Herrn Copet-\nta, Ostende Hotel Estrada, erwarten Sie mich\nmorgen Mittag. Bitte Drahtantwort. —\" Eine\nStunde stand sie zitternd auf der Treppe, ob die\nAntwort bald käme. Sie packte den Handkof-\nfer. Nach drei Stunden schickte sie um einen\nWagen; zog einen dünnen Anzug aus gelber\nBastseide an, fuhr auf die Bahn. Der Zug rann-\nte lange Stunden der Nacht, rannte über Brüssel,\nGent, Brügge; schliesslich Ostende frühmorgens.\nSie rasselte durch die engen bekannten Strassen\nder Stadt. Mit einmal leuchtete zwischen den\nHäusern das Meer auf, das graugrüne Meer.\nSie stand aufgerichtet in der rasselnden Droschke,\nals der böige Wind sie mit einem Hagel von\nStiletten überschüttete. Sie schrie aufgerichtet im\nWagen vor Heimweh und Seligkeit, hob ihren\nSonnenschirm auf und winkte dem graugrünen\nMeere zu. Sie betrat ihr altes Zimmer wieder,\nhörte halb, dass ihre Mutter schon seit langen\nMonaten in diesem Hause gestorben sei. Ihr\nGesicht war still; aber als die Pensions-Dame\nsie entsetzt fragte, warum sie hier sitze und so\nlache, antwortete sie: „doch vor Glück, liebe\nFrau, wovor denn als vor Glück. Was erzählen\nSie?\"\nUnd dann nahm sie, die sich sonst wie eine\nschöne junge Frau bewegte, ihren weissen Son-\nnenschirm und ging an das Meer. Die Digue\nlag in dem blitzenden Mittagslicht. Unter dem\nWiderschein des unermesslichen Wassers funkel-\nten die Fenster der Strandhäuser zärtlich auf.\nUnabläissig brüllte das Meer, warf sich gegen\ndie Steindämme und legte sich platt hin. Sie\ndrängte sich gewandt durch die geschmückte\nMenge, schlüpfte in das Vestibül des Hotels.\nDer Portier gab ihr das Telegramm; er erzählte,\nder Herr sei vor einem Jahr etwa verunglückt\nauf einer Segelpartie. Sie fasste sich an die\nBrust: „Auf diesem Meer?\" Und dann drückte\nsie ihm ein Geldstück in die Hand, warf ein\npaar Zeilen auf ein Blatt Papier mit seiner Adresse,\nflüsterte ihm ins Ohr, er möchte doch dies Blatt\nan sich nehmen; wenn der verunglückte Herr\nheut Abend käme, möchte er es ihm sofort ge-\nben. Sie ging an dem Verblüfften lächelnd vor-\nbei auf die Promenade, nahm einen jungen Herrn>\nder ihr folgte, an, hörte mit ihm nachmittags an\nder Kapelle eine Chokolade trinkend mit strah-\nlendem Gesicht die freche leichte Musik des Kur-\nkonzerts.\nDer Abend kam herauf. Der Vollmond hing\nschlohweiss über dem ungeheuren Wasser.\nSie stand an ihrem Fenster und wartete.\nEs wurde Nacht; sie hatte schon ungeduldig\nauf das rostrote Haar den wippenden weissen\nHut gesetzt. Sie lief auf den Zehen durch den\ndunklen Korridor, sah die lange Strandprome-\nnade herunter, die im blendendweissen Mond-\nlicht lag. Dann lief sie die lange Promenade\nhin und her, hielt ihren Hut fest, den der Sturm\nabhob, spielte mit ihrem Schatten, der schwarz\nvor ihr herfiel, tanzte ihm pfeifend auf offenem\nWeg etwas vor, machte ihm lange Nasen. Sie\nlugte nach dem Hotel, ob sein Fenster noch\nnScht hell wurde. Um 12 Uhr schlief sie auf\nihrem Bett sitzend ein; gegen vier fuhr sie ent-\nsetzt zusammen; es war schon ganz hell. „Er\nist voraus\". Sie huschte die Tür hinaus, warf\ndraussen johlend die Arme in die Luft, rief ih-\nren Namen, tutete dazu. Im Nu war sie die\nschmale Steintreppe herunter. Sie suchte die\nAbfahrtstelle, lief zu den Badehäusern. Da la-\ngen kleine und grosse Ruderboote. Keine fri-\nschen Männerschritte im Sand! Sie zog die\nSchuhe und Strümpfe aus, warf ihren Hut an\nden Strand, schürzte ihren Rock, zog keuchend\nan dem BootsseÜl. Jetzt sprang sie ein, zog die\nRuder. Nur wenig wurde sie von der Brandung\nzurückgeworfen, dann fuhr sie sicher aus. Scharf\nbliess der Wind über das offene Wasser; dicke\nRegentropfen fielen; weit und breit kein Segel,\nkein Boot. Ueber die hohen gebogenen Wellen-\nwände kroch ihr Boot, stürzte metertief, kroch\nunverdrossen weiter. Sie suchte nach allen Sei-\nten; die Angst überkam sie. Sie schrie auf den\nKnieen kriechend, von jeder Wellenhöhe seinen\nNamen kreischend über das brodelnde Wasser,\naber jetzt schlüpften nicht zahme Hündchen über\nden Bord; wie der Steinschlag fielen die Wellen\nauf die Brust der atemlosen, die sich die Augen\nwischte. Eben legte sie, schon erlahmend, die\nRuder hin, brach in ein wütendes Schluchzen\naus, schlug sich verzweifelt mit den Fäusten ge-\ngen die Brust, als eine dunkle Gestalt sich ne-\nben dem Boot aus dem Wasser aufrichtete. Auf\ndem Kamm einer Welle schwang sich die dunk-\nle Gestalt ins Boot! Der Brasilianer sass stumm\nauf dem Bootsrand und liess die Beine auf die\nRuderbank hängen. Er war nur unförmig ge-\nschwollen; seinen weissen Anzug trug er prall\nauf dem Körper. Die weissgrauen Haare waren\ndick inkrustiert mit Salz; schwarzgrüner Tang\nhing in Büscheln über sein triefendes gelbbraun\nnes Gesicht, dessen Mund bebte. Dünner wei-\nsser Sand und Muscheln rieselten von seinen brei-\nten Schultern, floss aus seinen Aermeln. Er bliess\nlaut die Luft von sich, dann atmete er stiller.\nLangsam hob er den rechten Arm und wehrte\ndie Frau ab, die sich jubilierend von dem Bo-\nden erhob. Seine tiefen schwarzen Augen sahen\nsie fragend an, ihr volles frauenhaftes Gesicht,\nihre Lippen, die reif waren, ihre kleinen leben-\ndigen Augen unter den roten Brauen, die jetzt\nbeseelt und süchtig strahlten. Dann blickte er\nan ihr vorbei. Sie stürzten unter peitschendem\nRegen zwischen Wellenbergen hinunter; sie hör-\nte ihr eigenes entsetztes Rufen nicht unter dem\nSingen und Flöten des Sturmes. Er senkte sei-\nnen Arm, legte sich wie auf ein Kissen mit dem\nRücken gegen die Welle. Das Polster glitt zu-\nrück. Sie sah wie er langsam den Kopf ihr\nzuwandte, sah den berauschten, aufgeschlos-\nsenen Blick auf sich gerichtet, sprang ihm\nnach, und nun umschlangen sie die wul-\nstig dicken Arme; jetzt lachte sie gurgelnd\nund drückte ihren Kopf an seinen gedunsenen.\nUnd wie sie zusammen die nassen Wellen be-\nrührten, wurde sein Gesicht jung; ihr Gesicht\nwurde jung und jugendlich. Ihre Münder He-\nssen nicht von einander; ihre Augen sahen sich\nunter verhängten Lidern an. Eine Wassermasse,\nstark wie Eisen, schickte das unermesslich grau-\ngrüne Meer heran. Die trug sie, mit der Hand-\nbewegung eines Riesen an die jagenden Wolken\nherauf. Die purpurne Finsternis schlug über sie.\nSie wirbelten hinunter in das lebende Meer."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "551", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.5", "texte": "Die Tat\nFriedrich Kurt Benndorf\nIn der Schummerstunde, wenn die Leute im\nDorf zu Rocken gehn und sich erzählen beim\nFederschieissen, und einer in der Ofen-Ecke, ver-\nloren in sich, die Harmonika spielt,\nund draussen das Land beseelt vom Abend-\natem, ahnungstill, und darüber der Sternenhim-\nmel, unausdenklich tief, und das grosse allse-\nhende Auge des Mondes —,\n— in der Schummerstunde, da der Knecht\neine Kuh im Stall unruhig stampfen hört und\nzur Magd sich wendet: — „was „dämmert44 das\nVieh?\"\n— drüben am Wiesenweiher, wo die alten\nPappeln so unerfahren ins Weite blicken, und\ndie Kröten hocken, trag und taub, und blind\nist Gras, Busch und Gestein, — dort! — in\ndieser Stunde:\nMorgen wird man es entdecken!\n\nPubertät\nViktor v. Dirsztag\nDie Kerze erlischt, an der mein Stern licht flammt\nDas Auge wird hell, der Himmel blauer Samt\nPlagende, balgende Wolkengestalten\nZwingen mich die Augen offen zu halten\nDunkel rings —\nAus tausend umsonst geweinten Tränen\nEntsteigst D u plötzlich meinem Sehnen.\nEin Kreuzweg hinab über die Himmelsleiter\nAlle Sprossen sind Dornen. Ich komme nicht\nweiter,\nIch falle. Da blüht mir ein Arm entgegen\nIch kenne Dich. Dich sah ich in urseligen Zeiten\nWie alt bist Du? wie jung? — O glücklich\nGleiten\nNun fassen wir Fuss.\nSchon schwanken heran Wald, Flur und Feld\nEin Sonntag rings die ganze Welt. —\n\nZur Auswahl\nVon Kurt Hiller\nDer „Indifferentismus\", solange er konsequen*\nbleibt, ist mir ein Greuel. Erst wenn er, im\nWiderspruch mit sich selber, bissig wird gegen\nuns Aufgeregte, wenn er das Pathos nieder-\nzischt und wutschnaubt über die Satire,\niebe ich ihn. Denn eine Real-Unlogik ergötzt\nmich als Kuriosum; eine pathologische Erscheinung\nvermag ich als blosses Phänomen aufzufassen,\njenseits aller Wertung, anethisch, „indifferent\".\nSchwache Dialektik rührt häufig her von einer\nGleichgültigkeit gegen das Rechtbehalten. Aber\nhäufiger geschieht es, dass Pedanten, selbst herrsch-\nsüchtigste, gegen das Rechtbehalten gleichgültig\nwerden, weil sie nur schwache Dialektiker sind.\nDie Paradoxie ist gewiss oft bloss die Furcht\nvor dem Gemeinplatz. Ich schliesse mich in diesen\nFällen jener Verachtung, die von den klassizistischen\nEspritfeinden proklamiert wird, vollauf an. Dass\naber die Gemeinplätze dieser Espritfeinde aus der\nFurcht vor der Paradoxie stammen — das werde\nich ihnen niemals glauben.\nAlle Sprichwörter lügen. Auch dieses.\nDas Sprichwort „Quod licet Jovi, non licet\nbovi\" ist die Kundgebung einer feigen Plebejer-\nUnterwürfigkeit. Wer stolz und von Adel ist,\nwird erklären: Quod licet bovi, non licet Jovi;\ndenn Zeus, in seiner Glorie, hat Verpflichtungen.\nIch möchte wissen, inwiefern es sentimental\nsei, wenn ein Atheist Menschen Götter nennt.\nDemokratie ist ein Widerspruch in sich selbst:\nwegen der zweiten Hälfte des Wortes.\nDie Philologen belästigen mich nur selten,\nund ich lasse sie daher gern ungeschoren. Bloss\neines an ihnen empört mich immer von neuem;\ndas ist ihr N a m e. Warum mussten sie eine\nBezeichnung für sich wählen, die ausgerechnet\nauf ihre Antipoden passt? Auf die Freunde der\nVernunft und auf die Enthusiasten des Wortes?\nTief und ernstlich denkende Menschen haben\ngegen das Publikum einen bösen Stand. — Sie\nfinden den Satz trivial? Ich nicht. Auch Goethe\nnicht. Denn sonst hätte er ihn schwerlich in seine\ngesammelten Werke aufgenommen.\nNeuerdings wird mit „Intuition\" wieder Unfug\ngetrieben; in Jahrbüchern für geistige Bewegungs-\nlosigkeit. Diese gepresst-ekstatischen Gouvernanten,\ndiese altitaliänisch-hochnäsigen Antibegrifflinge,\ndiese steifgebeinten Misspathetiker — ich meine:\ndie Stiefsöhne Georges — fordern in ihren fad-\nfinsterbrauigen Sätzen: das echte Kunstwerk müsse\nnicht „gemacht\", sondern „gewachsen\" sein . . .\nBlech! Bluff! Sittlichkeiten! Da gerad' oberste\nGötter äusserst kneten; gerade die; da sie kneten,\nkneten, kneten, bis das Gebilde strahlend dasteht.\nSchmierer nämlich hauen hin; bei Sudlern\n„wächst\" es.\nKants „kategorischer Imperativ\" schreibt vor,\nso zu handeln, dass die Maxime als allgemeines\nPrinzip gelten könne. Wenn der sittliche Mensch\nin einen Konflikt gerät, so bedeutet das: er ist\nim Zweifel, welche unter mehreren möglichen\nMaximen prinzipielle Gültigkeit habe. Und nur\nder Mensch, der in einen Konflikt gerät, bedarf\neines kategorischen Imperativs. Gerade dem\naber kann er nichts nützen; denn wer sich\nden Kopf darüber zerbricht, welche von mehreren\nMöglichkeiten die richtige sei, dem ist wenig gedient\nmit der Aufforderung, die richtige zu wählen.\nDer „kategorische Imperativ\" gibt also nicht dem\nZweifelnden an, wie er sich verhalten soll; sondern\ngibt dem Psychologen an, wie ein Zweifelnder\nsich verhält. Man täte daher gut, ihn fortab\n„kategorischen Indikativ\" zu nennen.\nDas stärkste Gefühl von Unsittlichkeit hatte\nich stets da, wo jemand Grössen, die einander\nausschlössen, unbedenklich kopulierte: etwa „Kant\nund Nietzsche\".\nDie „wissenschaftliche\" Philosophie ver-\nwechselt bekanntlich Tiefe mit Scharfsinn. Hält\nman ihr das vor, pflegt sie mit Siegerlächeln zu\nverlangen, dass man Tiefe ihr — definiere.\nQuatsch ist besonders dann beliebt, wenn\ner sich wissenschaftlich gibt.\nDie Behauptung, mittelst Sitzfleisches könne\nsich jeder Hundskopfaffe in Deutschland den Doktor-\ntitel erwerben, ist eine ganz perfide Verleumdung.\nIn Wahrheit gehören noch drei- bis fünfhundert\nMark dazu.\nIn welch gefährlicher Barbarei wir leben, und\nwie namenlose Idioten unsre berühmtesten Irren-\närzte sind (nämlich die „modernen\", „freigeistigen\",\n„monistischen44), zeigt klar der Vorschlag des\nProfessors F., den er den Angehörigen eines\nbedeutenden Litteraten gemacht hat, welcher infolge\neiner „konstitutionellen Seelenabnormität44 an-\ndauernd Urkunden fälschte. Professor F. schlägt\nvor, die Angelegenheiten dieses Mannes entweder\ndurch eine zuverlässige Person verwalten zu lassen,\n„damit seine litterarische Tätigkeit ihm endlich\neinen Lebensunterhalt gibt44, oder, falls das nicht\nhilft: „d an n wird man ihn in eine Heil-\nanstalt bringen müssen, wo er das\nRecht haben wird zu produzieren,\nohne die Möglichkeit zu haben,\nneue Torheiten zu begehen\".\nDieselbe Zelebrität bewertet, in einem anderen\nFall, als „pathologische Symptome44, was folgt\nWachsende Unhöflichkeit des Briefstils; Wortspiele;\nsich der Presse bedienen, „um von sich reden\nzu machen44; beleidigende Epigramme gegen\nKollegen und Behörden; den Spaziergang in der\nAnstalt benutzen, um einer Kranken „galante\nAnerbietungen44 zu machen; „das Ich, das mit\nallen anderen im Gegensatz steht44; „der Eigen-\nsinn, Recht gegen alles und alle zu haben\"; „die\nVerachtung der anderen44; und so weiter in\nununterbrochener Mediokrität .. . Wenn man\ndergleichen liest, erschauert man; und weiss, dass\nder ärgste Fluch, der sich gegen einen genialen\nMenschen ausstossen lässt, also lautet: Der\nPsychiater komme über dich!\nAls ich einen Irrenarzt fragte, woher er denn\nwisse, dass er der Gesunde sei und seine Patienten\ndie Kranken, bekam er einen maniakalischen Anfall.\n\nAus jüngster Zeit\nWenn Karpeles das erlebt hätte\n\nOft genug hat das Tageblatt seine Spalten\ndem Karpeles „geöffnet\". Es leckt noch andern\nRuhm, dass es in der glücklichen Lage war, die\nletzte Banalität des süssen Literaten abzudrucken.\n„Heine in der Konditorei\".\nKarpeles lebt nicht mehr, und ob auch für\ndie Presse Pietät ein Knochen ist, daran kein\nFleisch sitzt, so möchte das Tageblatt einer zar-\nten Demaskierung der Heineschen Muse unter\ndem Strich „keinen Raum\" gewähren. Aber in\neiner Ecke des Inseratenchaos lässt sie der Unan>-\ntastbaren von einer Korsettfirma Gewalt antun,\ndass selbst jene, die in der Heineschen Puber-\ntätslyrik den Samen der Genialität nicht entdecken\nkönnen, mit Entsetzen sehen müssen, wie ein\nletztes Hemd der beschönigenden Verhüllung von\nden Blossen des Hinfälligen gerissen wird.\nAuf einem Felsblock, der den Preis von\n1050 trägt, sitzt die Loreley, mit einem Hemd\nbekleidet und in ein Korsett geschnürt. Sie kämmt\nzwar nicht ihr goldenes Haar, aber sie greift\nwenigstens in eine Leyer, und unten, in einem\nschwankenden Segelboot, in die „schwindelnde\nHöh\" emporblickend, singt der Schiffer, vielleicht\nein commis voyageur, der die Rheinprovinz be-\nreist:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "552", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.6", "texte": "Jetzt weiss ich, was soll es bedeuten,\nDass ich so traurig bin,\nWeil bei den meisten Leuten\nEs mangelt an Schönheitssinn.\nSie kaufen Corsets nicht passend,\nUnd zahlen sehr hoch den Preis,\nSich auf sich selbst verlassend,\nStatt auf des Fachmanns Qeheiss.\nDen Sitz, der so wichtig für Alle,\nErstklassig das Material,\nDies bringt in jedem Falle\nDas „ . . . -Corset\" erstensmal.\nUnd zweitens, unsere Nymphe,\nWie deutlich ein jeder kann seh'n,\nBeim Ausspielen unserer Trümpfe,\nIst es um sie gescheh'n.\nGlückstrahlend ist ihr Gesichtchen,\nSie ist des Lobes voll,\nUnd die Moral vom Geschichtchen\nIst, — wo man Corsets kaufen soll!\nDie Zeichnung stammt von Naton. Natron\nwäre besser. Redaktion und Inseratenabteilung\neiner „anständigen\" Zeitung sind einander be-\nkanntlich fremd. Und doch könnte ein Annon-\ncenchef einen Feuilletonredakteur lehren, wozu\ndie schlechten Klassiker gut sind.\nWeniger Mehring, weniger Mehring\n„1820 reiste er nach Neapel, denn der Fort-\nschritt seiner Krankheit zwang ihn, ein wärme-\nres Klima aufzusuchen. Dort wurde ihm zwar\ndie beste Pflege durch den Arzt Dr. Clark zu-\nteil, aber er erlebte den kommenden Frühling\nnicht mehr. Er starb am vierundzwanzigsten\nFebruar 1821 in Rom und wurde auf dem pro-\ntestantischen Friedhof an der Cestiuspyramide\nbeerdigt.\"\nSo schreibt ein simpler Gelehrter in einer\nEnglischen Literaturgeschichte vom Tode Keats.\nEin Feuilletonist, der Sigmar Mehring,\nschildert uns das Sterben des jungen Poeten,\nder „das Maiglöckchen und die Nachtigall lieb-\nte\", schwungvoller, zeitgemässer, in rhyth-\nmischer Aufwärtsbewegung.\nEines Schneiders Sohn, der bis ins späte\nJünglingsalter mit der Hände Arbeit seinen\nUnterhalt schaffen musste, schwang sich John\nKeats urplötzlich und selbstsicher in die blen-\ndende Höhe sonnennaher Poesie; leider nur\nauf zu kurze Zeit, denn schon mit sechsund-\nzwanzig Jahren büsste er den hohen Flug\nmit dem Leben.\nSolches acht Tage vor dem Start zum B.\nZ.-Preis der Lüfte. Die literarisierenden Krie-\ncher in Ullsteins Diensten mussten von kühnen\nFliegern schwärmen, aber Mehring hatte es doch\nnicht nötig, von Keats oder Swinburne wie von\nAviatikern zu sprechen. Weil eine Neubearbei-\ntung der Gedichte dieser beiden gerade in der\nZeit der Vorbereitungen zum Deutschen Rund-\nflug erschienen ist? Darum auch von Swinburne\nzu sagen:\ner schwebte wie Keats in den höchsten Regi-\nonen einer verfeinerten Kunst, aber er hat die\nweltbewegenden Kämpfe der Erdenringer nie\naus den Augen verloren.\nDoch während die fremdländischen Dichter\nnur in den höheren Regionen schweben, bleiben\nihre Uebersetzer am Erdboden kleben.\nDer Bienenfleiss deutscher Uebersetzer\nsammelt auf allen Auen die verborgensten\nSüssigkeiten fremder Poesie, um sie für den\nheimischen Genuss herzurichten.\nMehring sagt auch das so schön.\nNa, bon appetit.\n„Was er weise verschweigt, zeigt nur der\nMeister des Stils\"\nIn Köln stehen sich\n„die Vorkämpfer von Deutschland und Oester-\nreich, Dr. Tarrasch und Schlechter, die seit\nzwanzig Jahren in Turnieren Rivalen gewe-\nsen sind, in einem Matsch gegenüber\".\nDer grosse Dr. Lasker hat einen Prolog da-\nzu geschrieben. Er schwang sich auf das für\nalle Feuilletonlisten zugerittene Rössel „Esprit\"\nund pflanzte, ein Mitläufer des Schmocktums,\nzum Entzücken aller Bauern des guten Ge-\nschmacks ein Fähnchen auf den schiefen Turm\ndes Zeitungsdeutsches.\nUnd so hat er angezogen:\nDr. Siegbert Tarrasch, Arzt zu Nürnberg,\nist der verwöhnte Liebling der Schachfreunde.\nEs ist ihm unvergessen geblieben, das(s er, ein\nSchüler Anderssens, sein Nachfolger wurde,\nals in den internationalen Kämpfen der acht-\nziger Jahre die deutsche Fahne keinen Träger\nfand. Da kam der Student der Medizin, nahm\nsie aus dem Staube, liess sie lustig im Winde\nwehen und hielt sie hoch, viele Jahre lang.\nDas war aber eine Tat. Die Fahne aus dem\nStaub zu heben, sie im Winde wehen zu lassen\nund überdies noch hoch zu halten, viele Jahre\nlang.\nDoch\nSchlechter vertritt die Deutschen Oester-\nreichs. Mit dem Ungarn Maroczy, dem Böh-\nmen Duras und dem Siebenbürger Vidmar ge-\nhört er zu dem Kontingent der Vorkämpfer\nder Doppel-Monarchie.\nDie Doppel-Monarchie hat Vorkämpfer.\nSchau, schau. Und weiter:\nMan sagt: „Le style est l'homme\". Die\nEigenart eines Menschen prägt allem seinem\nTun den Stempel auf. Der Satz trifft insbe-\nsondere für das künstlerische Schaffen zu, in-\nsofern es mit vollster Hingabe an die Auf-\ngabe geschehen muss.\nSolche Witze machen auch die Schachspieler\nim Cafe Royal. Und nochmals zurück zu Dr.\nTarrasch, „der ein universell gebildeter Mensch\nist\". . ;\nEr verehrt zwei Herren: Napoleon und\nWagner. Er liebt die Musik leidenschaftlich,\nund* er hat einen eisernen Willen. Damit steht\nsein Schachspiel durchaus im Einklang. Er\nrichtet sich im Schach nach allgemeinen Ge-\nsetzen, sein Bildungszwang hat ihm deren\nMacht gelehrt. Er ist also Theoretiker. Er\nliebt die tiefen Pläne, die wohl zu fühlen, aber\nnicht zu definieren sind. Das ist das Musi-\nkalische in ihm. Er tut unerschrocken und\nenergisch seine Arbeit, denn ein mächtiger\nWille zum Sieg drängt ihn.\nSchlechter hingegen liebt die Natur:\nVermutlich waren seine Vorfahren Bauern,\ndie auf einem kargen Boden lebten. Seine\nPhantasie ist die eines Naturmenschen, sie er-\nkennt die Schönheit in einfachen Dingen, und\nseine Schachzüge haben eine einfache, aber\nwirkungsvolle Schönheit. Er wird nicht leicht\naggressiv, aber einem unmotivierten Angriffe\ndes Gegners gegenüber gerät er, man möchte\nsagen, in Zorn.\nUnd schliesslich setzt sich der Schachmeister\nstilistisch derart matt:\nWill man das Match in eine kurze For-\nmel fassen, so könnte man sagen, dass der\nTheoretiker dem die gegebenen Umstände Nut-\nzenden gegenübersteht. Das Ergebnis, wie es\nauch sein wird, wird uns, die Zuschauer,\nvieles lehren und vieles sagen.\n— wird uns, die Zuschauer, vieles sagen.\n• Man nennt im Royal, Herr Doktor, einen\nMenschen, der am Schachbrett ihrem geschrie-\nbenen Unsinn Aehnliches leistet, einen: Stern-\nper.\n\nJ. A.\n\nVerantw ortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich\nUngarn / I. V.: Oskar Kokoschka\n\na e a\naoa s 9 ■\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser ■\nFolge ■\nSummer 326/327/328 ■\nsoeben erschienen\n■\nPreis 75 Pfennig g\n80 Seiten\nMit einer Illustration:\nDer Sieger B\nOberall erhaltlich ■\nWerbeband der Packel\n50 Pfennig\n\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\n\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nYerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreick\n\nI Die Wasserkraft\n® Zentralblatt fiir Industrie,\nHI\nI Ingenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=\ntechnik etc.\n3 Organ des Verbandes mittel-\ngg und westdeutscher Wasser-\ngl kraftbesitzer, des Verbandes\nH deutscher Holzmehlfabriken\n„ und elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\n§ Inserate finden in derWasser-\ngl kraft weiteste Verbreitung. —\nII Geschaftsstelle und Verlag\n„ Duderstadt a. Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\nPostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nH\na\nVertreter gesucht\n\nLes Cahiers da Centre ~\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Sc!. riftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules !J\nRenard, Charles-Louis Phi- |\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug fiirs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "553", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.7", "texte": "Neue Sezession\nGalerie Maximilian Itiacbt\nDritte Ausstellung\nBerlin 51. IRanUc-Strassc 1\nan der Kaiser RHlfyelm Gedacl)tnls-Klrcl>e"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "554", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110722-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9.\n\nJS'K\"™ Friedr. Mesler i^g\nunter Mitwlrkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker odcr auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Orflndliche\nEinfuhrung in die verschiedencn Branchen des kaufmSnnischen Berutes, rationales\nStudium der Handels- und yerwandten Wissenschaften ais Ersatz fur ein raehr-\nj&hriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfsinger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ihnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur ... ... ... ,\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjlhrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Oegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbinde,\nAktien- oder ahnlicher Geseflschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\n\nDIE TAT\nWEGE ZU PREIEM\nMENSCHENTUM\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE MONATSSCHRIFT\nHERAUSOEOEBEN VON\nERNST HORNEFFER\nVERL. DIE TAT Q.m.b.H., LEIPZIO\n\nEDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\n§63883 BERLIN W 35 §g§e§§\nAnkauf einzelner Wcrke\nund ganzer Bibliotheken\nSoeben erschlen: Katalog XVIII: Llteratur\nOeschichte, Kunstgeschichte, illustrlerte\nWerke ia deutscher, englischer, fran-\nzos. Sprache zu besonders billigen Preisen\nDemn2chst erscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblatter: PortrSts, Stadteansicnten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugblatter, neuere\nund aitere Oenrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rops, Stammbucher\nSilhouetten, Japanbutter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlangen\n\n~ Cafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler-Konzert\nAllc bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nDr. Rudolf Bluemner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a.d. Schauspielerschule d.Deutschen Theaters\nerteilt (Jnterricht in\nSprachtechnik u. Rollenstudium\nCHARLOTTENBURO\nWllmersdorferstrasse 75 Sprechslunde: 5-6 Uhr\n\nTHRICBOPHII\n| RM.3,00 F1.M.3,00 g\np| ■■■■■■»■»■■■■■■ = nur belm Fabrlkanten: -— ■■■csßaaaßiaiM |||\n| Otto Teutscher / Friseur\nI. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Eing.63Steglitzerstr.,Tel.VI,6735\nj 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. 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Co., Berlin W57.\n*\n\nPrivatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Yertretung der wirtschaftlichen, so-\nmien und rechtlicheu Interessen der Privat-Beamteo gegrflndetea,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ansgestattet.\nSBDTSCBBI rBlIiMEIlTil-TllEII 21 lllDBIIlt\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zwelg-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen.\nNebcn Pensionskasse, Witwenkasie, Walsen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle Wohlfahrtseinrichtungen !■:\nGesamtvermogen: Ueber 16 Millionea Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M. :: Man verl. Prospekt.\n\nDie sparsame Hausfrau\nsich aus, was Sie im Jahre fur den Bedarf an Gliihkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daB der Korper schon beim Abbrennen entzwei-\n— — Nehmen Sie einen guten Rat an und verwenden Sie nur\nD. R. P. 203467\nDiese Korper besitzen den Vorteil, daB Sie dieselhen wle ein Tuch zusammen-\ndriicken konnen, ohne daB der Korper darunter leidet. Kartalin-Glfihkorper\nhaben eine Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzielen damit eine Gasersparnis von\n50°/(1. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Ffir die StraBenbeleuchtung Berlins\nbereiis fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sie es mit einer Probesenaung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Pfg. od. verlangen Sie den Besuch unseres Vertretcrs\nVersandhaus Chem. und Techn. Neiihelfen\nBERLIN SW. 68 KochstraBe 72\n\nKeine Zahnschmerzen\nKein Zahnziehen mehr\nAuf Anfrage gebe\nich Jedermann Aus-\nkunft über ein Mittel\ngegen schwarze,hohle\nund lockere Zahne\nErfolg garantiert\n0. Berger, BerlinW3s\nPots darner Strasse 111\nAbschrift: Sehr geehrter Herr!\nVon vielen Zahnschmerzen bin\nich nun ganzlich befreit durch die\nAnwendung Ihres preiswerten\nMittels. Daher empfehle ich es\nJedem, der von Zahnschmerzen\ngeplagt ist. Mit herzlichem\nDank bescheinigt dies Helene\nKleemann, Rosengarten,\n:: Frankfurt an der Oder ::"}]}