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Die\nsplitterweise Entfernung gibt aber noch lange\nkeinen Gedanken. Auch wenn die Splitter ins\nGehirn dringen. Nur Menschen mit unversehr-\nten, starken Gehirnen haben das Recht, Apho-\nrismen zu schreiben. Ein Künstler wie Karl\nKraus hat es. Reinhold Begas nicht.\nDie gesamte Tagespresse und die schlechten\nZeitschriften überbieten sich im Abdruck der\nAphorismen von Reinhold Begas. Man ist wehr-\nlos. Man wird erschlagen. Zwölf auf ein Dut-\nzend. Sechzig auf ein Schock. Das Gespräch\nder Woche: haben Sie nicht den neusten Apho-\nrismus. . . ich bin überzeugt, die illustrierten\nZeitungen werden in der nächsten Nummer eine\nschematische Darstellung bringen, dass sie ne-\nbeneinandergesetzt den Erdball dreimal umschlie-\nssen oder dass man auf dieselbe Weise mit ihnen\nden Weg bis zur Hölle pflastern kann. Selbst zu\nseinem Hausarzt sprach Begas angeblich nur in\nAphorismen. Aber tausend Splitter geben noch\nkeinen Balken und tausend Einfälle kein Haus,\nund tausend Nippes kein Monument, wenn nicht\nvon unserer Zeiten Schande, die solche Dinge\nein Kunstwerk nennt. Begas meint selber: „Apho-\nristische Bemerkungen eines bedeutenden Künst-\nlers über die Kunst verhalten sich, wenn sie\nauch noch so geistvoll sind, zu seinen Werken\nwie die Melasse zum raffinierten Zucker.\" Ja,\nwie Melasse: ein brauner, sehr dickflüssiger,\nübelriechender Sirup, enthält viel Zucker, der\ndurch schleimige Substanzen am Kristallisieren\ngehindert wird; dient als Viehfutter (Auskunft\ndes grossen Meyer). Und die Assoziation\nzwischen der Kunst eines bedeutenden Künst-\nlers und dem raffinierten Zucker bedeutet\ngedanklich zwar nichts, sollte aber bedenk-\nlich machen. Weiter: „Die Frauen sind wie\nHimmelsspeisen, es kommt aber doch darauf an,\nwie sie serviert werden.!\" Diese Vorstellung aus\nder Küche geht selbst über das Bedenkliche hin-\naus. Wer diesen Satz von den vornehm servier-\nten Frauen als Himmelsspeisen sehen konnte,\nwar nie ein Plastiker. Denn Werke aus raffi-\nniertem Zuckerguss hat noch niemand bis heute\nfür Kunst gehalten. Wer diesen Satz da erle-\nben und niederschreiben konnte, ist nie ein\nKünstler gewesen. Dieser Aphorismus allein\nmüsste denen, die vor der Technik bildhaueri-\nscher Arbeit schon erstaunen, beweisen, wer\nBegas war. Aber weiter. Begas besuchte mit\nseinem Hausarzt den Louvre: der Hausarzt be-\nmerkt: „Seine Scheinwerferaugen gaben den Din-\ngen mit seinen Worten erst einen vollen auf-\nleuchtenden Glanz. Nach langen anbetungsglei-\nchen Worten sprach er, vor- der Venus von Milo\nstehend, ganz einfach vor sich hin: „Echte Kunst-\nwerke sind wie alte Geigen, sie werden immer\nbesser, immer seltener, immer einsamer!\" Diese\nWorte sprach Begas ganz einfach vor sich hin.\nVor der Venus von Milo. Bei „echten\" Kunst-\nwerken dachte er an alte Geigen, die immer ein-\nsamer werden. Die Assoziation eines Künstlers.\nVölker Europas, glaubt nicht, dass deutsche\nKünstlermenschen den Verfasser dieser Apho-\nrismen für den grössten Bildhauer, für den deut-\nschen Michel Angelo halten. Man muss pathetisch\nwerden, denn die Blamage, die man uns antut, ist\nnicht zu ertragen. Maximilian Harden aber fin-\ndet, dass solche Aphorismen „für eine an Scho-\npenhauer geschulte Intellektualkraft zeugen\". Noch\nein Beispiel: „Der Hang zur Einsamkeit ist im-\nmer ein Zeichen inneren Lebens und der Bega-\nbung; wer die Einsamkeit meidet, gibt zu ver-\nstehen, dass er im Verkehr mit sich selbst in\nschlechter Gesellschaft ist.\" An Schopenhauer\ngeschult. „Das bloss Moderne ist das Mo-\nder n d e\". Melasse, aber an Schopenhauer ge-\nschult. „Der Löwe nimmt kein Heu an. Er\nkostet's erst gar nicht; er weiss es, dass es ihm\nnicht schmeckt.\" Intellektualkraft. „Bei den mei-\nsten Menschen geht's wie beim Bandwurm:\nes hapert mit dem Kopf.\" Melasse, Me-\nlasse. Sie soll zu einem Buch zusammen\ngeklebt werden. Melasse soll sein Name\nsein. Maximilian Harden entwirft das Bild\ndes Bildhauers: „Der schlanke, dem schönsten\nHelden eines Künstlerromans gleichende Mann,\nhat alle Tränke, die langes Erleben ihm bot, aus\nvollen Bechern geschlürft und die Schaumperlen\nmit lässiger Hand aus dem fast kokett gepfleg-\nten Wallbart gewischt.\" Der Künstler der Zu-\nkunft. Keine Tränke ohne Erleben. Kein Wall-\nbart ohne Schaumperlen. Maximilian Harden\nentwirft das Bild der „Ehegefährtin\": „Nichtnur\neine schöne Frau. . . sondern auch ein stets,\nbis ins Alter, zu Liebe und Hass reizendes Weib-\nchen. Und diese Frau. . . hinderte ihren Rein-\nhold-Rami niemals, sich, wo ihms behagte, die\nSinne zu kühlen.\" Familienidyll.\nAber es wird noch tirolerischer: „Zu einem\nGebirg häuften sich ihm die Freuden und oben\nthronte er, das Tirolerhütchen keck auf dem Ohr.\"\nDer schönste Held mit schaumperlendem Wall-\nbart und dem kecken Tirolerhütchen auf dem\nOhr. Und an Schopenhauer geschult. „Die sta-\ntuarische Würde schwand erst, wenn er ins\nSchimpfen kam.\" Da erst hätte er beweisen kön-\nnen, dass er statuarische Würde besitzt. Sha-\nkespeare war der Lieblingsdichter von Begas.\nNur einmal, teilt das Berliner Tageblatt mit, hat\ner seinen Abgott verleugnet und zwar, als er den\nSherlock Holmes des Herrn Ferdinand Bonn im\nBerliner Theater sah. Begas bemerkte: „Wenn\nkein Mensch mehr Shakespeare spielt, wird das\nStück noch gespielt werden.\" So sehr, bemerkt\ndas Berliner Tageblatt konnte ihn für Augen-\nblicke ein voller Eindruck beherrschen. Auch\nder Eindruck des Augenblicks ist der Ausdruck\neiner Person. Wie tief muss die an Schopen-\nhauer geschulte Intellektualkraft Shakespeare er-\nfasst haben, wenn sie Sherlock Holmes ergriff.\nPersönlichkeit ist Einheit. Kunstwerk ist\nEinheit. Der Künstler kann vom Menschen nicht\ngetrennt werden. Man is t Künstler aber man\nwird es nicht. Wer Kunst nur als Beruf aus-\nübt, ist ein Dilettant. Begas war einer. Daran\nkann auch sein Tod nichts ändern.\n\nDas neue Dichterterzett\nDas Berliner Tageblatt schreitet andauernd\nfort. Bis vor kurzer Zeit hielt man dort für\nd i e Dichter Hauptmann, Sudermann und Fulda.\nSudermann und Fulda sind abgesetzt und das\nneue Terzett heisst Hauptmann, Dehmel und\nSchönherr. Der Fortschritt ist unverkennbar.\nFrüher wurde aus Versehen ein wirklicher Dich-\nter zum Dichter ernannt, diesmal sind schon\nzwei vorhanden. Schönherr wird es allerdings\nnicht solange aushalten wie Fulda. Aber den\ndritten Mann wird das Berliner Tageblatt nie\nfinden.\n\nDer Musikkritiker\nDas Berliner Tageblatt hält es für nötig,\nseinen Lesern von einem Interview Kenntnis\nzu geben. Aus zwei Gründen. Zunächst, um\nfür das widerliche Börsenblatt des Herrn Leip-\nziger Reklame zu machen, dann, um das Pub-\nlikum von den Plänen eines Lieblings zu unter-\nrichten. Ein Reporter, der einen nützlichen\nStand mit seinen lyrisch-feuilletonistischen Ma-\nnieren heruntermacht und deshalb im Nebenamt\nMusikkritiken schreibt, begab sich im Auftrag\nseiner Firma zu der königlichen Hof opernsän-\ngerin Emmy Destinn. Fräulein Destinn erzähl-\nte dem aufhorchenden hiesigen Vertreter, dass sie\ndas „hier pulsierende Kunstleben, die Fülle der\nEindrücke ungeheuer reize\". Sie lässt ferner auf\ndiesem recht gewöhnlichen Wege der General-\nintendanz mitteilen, dass sie in der nächsten\nSaison noch einige Wochen frei habe und ihre\nGage wohl zu erschwingen sein würde. „Das\nist meine Stellung zu Berlin.\" Nämlich die feh-\nlende. Das Berliner Tageblatt findet auch „be-\nsonders interessant, was die Künstlerin ihrem\nBesucher (womit der hiesige Vertreter gemeint\nist) über ihre schriftstellerische Tätigkeit sagt.\nSie sucht nämlich einen Komponisten für ein\nvon ihr geschriebenes Libretto, an das sie bald\n„die letzte Hand anlegen wird\". „Das schlimm-\nste kommt aber jetzt und ich sehe Sie schon\nironisch lächeln: auch Gedichte, und zwar ly-\nrische Gerichte, habe ich wieder geschrieben\n. . . aber diese Gedichte behalte ich, nach den\nErfahrungen, die ich früher gemacht habe, wohl\nbesser für mich.\" Das ist sicher besonders in-\nteressant. Sie schreibt Gedichte, und zwar ly-\nrische Gedichte, und schon sieht sie Jenen iro-\nnisch lächeln. 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Das Berliner Tageblatt findet auch „be-\nsonders interessant, was die Künstlerin ihrem\nBesucher (womit der hiesige Vertreter gemeint\nist) über ihre schriftstellerische Tätigkeit sagt.\nSie sucht nämlich einen Komponisten für ein\nvon ihr geschriebenes Libretto, an das sie bald\n„die letzte Hand anlegen wird\". „Das schlimm-\nste kommt aber jetzt und ich sehe Sie schon\nironisch lächeln: auch Gedichte, und zwar ly-\nrische Gerichte, habe ich wieder geschrieben\n. . . aber diese Gedichte behalte ich, nach den\nErfahrungen, die ich früher gemacht habe, wohl\nbesser für mich.\" Das ist sicher besonders in-\nteressant. Sie schreibt Gedichte, und zwar ly-\nrische Gedichte, und schon sieht sie Jenen iro-\nnisch lächeln. 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Als aber das Kind, der Thronerbe, in\ndem alten Schlosse schrie, öffneten sich die\neisernen Torflügel des Seitenportals; auf den\nSteinen des Schlosshofes stand die schlanke blas-\nse Königin, sie schwang sich in den Sattel,\njagte, von einer kleinen Kavalkade gefolgt, auf\ndem Schimmel durch die winkligen Strassen,\nzwischen den gebückten Häusern, über den\nMarktplatz auf die gelben Wälder. Nun spreng-\nte die wilde Königin wieder durch die verschlun-\ngenen Waldungen, auf den Nachbardörfern\nfanden Picknicks statt, Maskerade und Mum-\nmenscherz in Dorfsälen, bei denen stets ein re-\nserviertes Nebenzimmer voll war von den glü-\nhenden Wangen ihrer königlichen Majestät, von\ndem Zittern ihres frechen Leibes wie der pru-\nstenden Laune ihres Mundes, von der verhüllten\nSüsse ihrer abgehackten Stimme, prunkvolle Fe-\nste, bei denen ein leiser kranker Kavalier ihr\nFlieder reichte, das Gesicht in ihre Brust ver-\ngrub und wieder an ihrem Hals weinte, vor\nGlück, Angst und Selbstverachtung. Auch der\nPrinzgemahl zog wieder einsam seines Wegs\nwie ein Mönch1. Mit traurig gekräuselten Lip-\npen sah man die dicke Gestalt durch die Säle\nschlendern, ihn, bald zutunlich wie ein Kätz-\nchen, bald träge und faul, fliessend von Ironien\nund Selbstspötteleien. Er war wortkarg; man\nhörte aufbrausende Worte aus seinem Munde.\nAbends schlich er ohne Diener in den Damen-\nflügel, legte seinen wunden Kopf in den Schoss\neines schmächtigen, schwarzen Hoffräuleins mit\nstrahlenden Augen. Jetzt sah man nicht mehr die\nRöcke der Königin schief sitzen; keine Haar-\nnadeln, die sie verloren hatte, lagen auf den\nKorridoren; die Treppen fühlten nicht mehr ihre\nmüden verzagten Füsse; lachend gingen diese\nbeiden, Königin und Prinzgemahl, durch die\ndunklen Säle nebeneinander. Sie trug eine blaue\nSchleife aus Seide über dem rechten Ohr; aus\ndem Haar hing sie herab; ihr Geliebter hatte\nsie gebunden. Im Knopf loche des Prinzen steck-\nte die Purpurnelke, daran flatterten offen zwei\nschwarze Frauenhaare.\nEs war eines Mittags, dass nach fröhli-\nchem Plaudern erst die Königin, dann der Prinz\nverstummte, dass die Königin langsam aufstand,\ndurch die Reihe der Lakaien wortlos hindurch\naus dem Speisesaal ging, dass der Prinz mit\neinem versunkenen Blick auf seine linke Hand,\nsitzen blieb, die neben ihrer rechten gelegen hat-\nte, sein Besteck zusammenschob, wortlos auf sein\nZimmer ging. Die Adjutanten und Damen des\nGefolges speisten rasch ab. Die Gemächer der\nKönigin waren geschlossen; die Königin, hiess\nes, stände seit ihrer Rückkehr am Fenster, sei\ngarnicht erregt; sie würde ihr Zimmer bald öff-\nnen. Der rote Hofrat, ein massiver riesenstarker\nJurist, mit strohblondem Vollbart, gütigen Au-\ngen brummte, es werde doch einmal zu einem\noffenen Eklat kommen. Das gelbe Knochengesicht\nneben ihm mit pechschwarzen Augen und Haa-\nren, vorgeschobener Unterlippe, ein Männlein\nmit einer Hakennase, der Hofarzt, zerknautschte\nsich zu einem hoffnungsvollen Lächeln.\nAn der Abendtafel sassen sie ernst beiein-\nander. Es war ihnen nichts abzumerken; nicht\nbei den Gesellschaften der nächsten Tage. Sie\nberührten sich nicht, sie rückten mit den Stüh-\nlen von einander ab, sie sprachen freundlich mit\nabgewandtem Gesicht zu ihrer Umgebung; kaum\nein Wort wechselten sie mit einander. Beider\nStimmen klangen höher, und es schien, als ob\neiner zu dem andern hinüberlauschte.\nEs war ein furchtbarer Moment, als sie sich\nam dritten Tage auf dem Gang zu den Gemä-\nchern der Königin trafen, stehenblieben und sich\ndie Hände gaben, eines Morgens, eines grauen\nMorgens. Der Prinz hielt sie an der Schulter;\nminutenlang sahen sie sich und sahen immer\nwieder zur Seite. Jedes zitterte; das taten sie\nsonst nur bei geschlossenen Augen. „Geh, geh,\"\nbettelte sie, huschte den schmalen Korridor zu-\nrück.\nEr sass auf seinem Zimmer. Der dicke Prinz\nnahm einen Schemel und setzte sich vor seinen\nKostümschrank. Als er seufzte und sich reckte,\nstiess er einen Blumenständer mit einer unge-\nheuren Vase um. Das Wasser spritzte an seine\nStiefel; er rückte weg, schüttelte gedankenlos den\nKopf, setzte sich dicht an den geöffneten Schrank,\nwühlte in den Sachen.\n„Geh, geh\"; das klang wie „komm, komm\".\nEine blonde Perrücke hielt er in den Händen\nund drehte sie. Sie ist gut, dachte er, recht\ngut; eine gute Perrücke. Sie störte ihn garnicht,\ndas wunderte ihn, machte ihn eigentümlich ru-\nhig. Er setzte sie sich auf. Er liess sein Ge-\nfühl ganz strömen in die Kopfhaut, an die Per-\nrücke, um sie wohlig auszukosten. Was noch?\nMokka trinken. Kein Mokka, nichts trinken,\nnichts. Er lief auf den Zehenspitzen zur Tür,\nschloss auf, versperrte den ganzen Korridor,\nstellte cie Klingel ab, hielt den Pendel der ho-\nhen Wanduhr an. Sah sich dann wieder in sei-\nnem Zimmer um, summte durch die Zähne. Er\nsass tiefsinnig auf dem Taburett. Stück um\nStück der Gewänder zog er zu sich heran, taste-\nte sie ab. Ein Wams gefiel ihm, das legte er\nsich über das Gesicht; es roch nach Flie-\nder. Er legte es sich an, band sich einen dün-\nnen Kavalierdegen um, strich vor dem Spiegel\nan seinen Kleidern herunter. „Komm, komm\".\nEr schauerte zusammen, schloss leise die Tür\nauf und schlich, immer durch die Zähne sum-\nmend, den Korridor entlang. In der Mitte blieb\ner plötzlich stehen, lief auf sein Zimmer zurück,\nsuchte am Boden einen Büschel roter Purpur-\nnelken aus den Scherben auf, legte ihn behutsam\nüber den linken Arm. Er ging über die Schwel-\nle; als sich eine Klinke am Ende des Ganges\nrührte. Die Tür schloss leise auf; ein helles Ta-\ngeslicht fiel schräg aus dem Gemach der Köni-\ngin auf den engen Gang; leichte rauschende\nSchritte näherten sich, das schmale, herrische Ge-\nsicht der Königin. Sie trug eine schwarze Per-\nrücke, deren störrische Locken ihr über die tot-\nblassen Wangen fielen; eng lag ihr ein hö-\nfisches schwarzes Seidenkleid an. Sie gingen\nArm in Arm, sie gingen spazieren durch die\nleeren Gemächer, sie gingen stumm die spiegel-\nglatten Empfangssäle, die Speisesäle; sie gingen\ndurch die dunklen Bildersäle. Wie frei er sie\nführte, wie gut ihre Schritte Takt hielten. Sie\nhatte das Gesicht von ihm abgewandt, die\nwilde Königin. Nur als sich ihre Arme an\nder Türe der Königin lösten, wurden ihre\nWangen glühend, ihr Atem flog. Er legte be-\nhutsam auf ihre Schwelle den Nelkenbusch nie-\nder; die wilde Königin nahm seine warme Hand,\nführte ihn über die roten Blumen hinweg in ihr\nZimmer; vor einem Haufen von Briefen, Blättern\nund Bändern standen sie mit gesenkten Köpfen,\nhielten sie sich an den Schultern, berührten sich\nihre Stirnen.\nDie Tür schloss sich hinter ihm; er sass\nauf dem Taburett vor seinem Spiegel, strich an\nseinen Kleidern herunter. Er wollte sie ablegen;\nes widerstrebte ihm irgendetwas; die Aermel\nschienen festzukleben. Er erschrak vor seinem\nkurzgeschorenen blonden Haar; als er seine ei-\ngene Uniform angelegt hatte, fuhr er liebkosend\nüber die fremden Gewände, die er auf dem Tep-\npich ausgebreitet hatte. Heimlich stiess er von\nhinten mit dem Hacken in den Spiegel, schlug\nNägel in das blosse Holz, hing das fremde Ko-\nstüm offen auf.\nSie sassen bei der Mittagstafel beisammen;\njetzt lenkten sie ihre Blicke zusammen. Erfuhr\nmanchmal mit der Hand über sein Gesicht, sei-\nnen Kopf, riss an seinem hohen Uniformkra-\ngen, suchte die Arme unter den Tisch zu ver-\nstecken; kam sich maskiert vor. Die herrische\nKönigin spöttelte mit ihm; mit einmal legte sie\nihr Besteck hin; die Tränen stürzten ihr aus\nden Augen; sie knirschte mit den Zähnen. Man\nlief ihr nach, als sie sich jede Frage verbat.\nSie lag nach einer Stunde ruhig lesend im Bett\nund bemerkte nur, dass sie aas Geschrei ihres\nKindes störe; man solle das Kind in einem an-\ndern Teil des Schlosses unterbringen. Sie wür-\nde morgen den Hofarzt fragen, ob nicht viel-\nleicht der Meeresaufenthalt für das schwächliche\nKind besser sei als die Schlossluft. Die alte\nHofdame, die auf einem Stuhle bekümmert ne-\nben ihr sass, wollte erschreckt etwas erwidern,\naber die Königin wiederholte, sehr bestimmt sie\nanblickend, ihre Frage, ob sie nicht auch die\nMeeresluft für das Kind besser halte als das\nGebirge. Worauf die alte Dame auf ihrem Stuh-\nle rückte, an ihrer langen Goldkette nestelte und\nmit beherrschter Stimme beipflichtete.\nEntsetzt aber stand sie am Abend auf, —\nes mochte bald zehn Uhr sein, — als die jun-\nge Königin, die sich an den Flügel ge-\nsetzt hatte, sich nach einigen klimpernden Tö-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "582", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10278, "texte": "nen von ihrem Sessel erhob und sagte, man\nmöchte den Grafen Hagen, den Dichter, auf der\nStelle zu ihr befehlen. Sofort und ohne Ver-\nzug wolle sie ihn auf ihrem Zimmer empfangen,\nund zwar allein, ohne Zeugen. Die junge Ma-\njestät schrie, indem sie krachend den Flügel-\ndeckel; herunterwarf, sie werde die alte Hofda-\nme ohrfeigen, wenn sie überhaupt noch einmal\nden ledernen Mund aufzumachen wage, und sie\nauf den Gänsehof jagen, auf den sie gehöre.\nSie werde allein den Kavalier empfangen, auf\nihrem dunklen Zimmer, nachdem sie sich zu\nBett gelegt habe, und sie könne den Minister-\nrat und alle Gichtiker des Landes davon be-\nnachrichtigen, sofort, telephonisch, heute, mor-\ngen, übermorgen, wann sie wolle. Sie blieben\nschweigend in dem hellerleuchteten Musikzim-\nmer sitzen; die Königin hob den schwarzen\nFlügeldeckel auf, spielte eine hastige Mazurka,\ndie alte Hofdame hielt sich das Spitzentuch vor\nden Augen. Um halb zwölf Uhr meldete man\nden Grafen Hagen. Die Königin hatte ihn schon\neinmal in diesem Zimmer empfangen, zwei Tage\nvor ihrer Hochzeit war es, in einer späten Nacht.\nDer bleiche Kavalier war gebeugt in das fin-\nstere Zimmer getreten, in dem nur eine matte\nFlügelkerze brannte; die Königin lag versunken\nin ihrem weichen Lehnstuhl. Auf dem Teppich\nstanden viele Hochzeitsgeschenke herum, Vasen,\nBilder, Truhen. Er sah nichts als die Königin;\nkein Wort schenkte er ihr, die seinen heissen\nKopf im Schöss hielt, als: „Mich ekelts vor dir,\nmich ekelts vor dir.\" Dabei schauerte er immer\nund konnte den Blick nicht von ihren tiefliegen-\nden Augen reissen. Auch sie schaute auf nichts\nals auf den Dichter; und was sie ihm sagte,\nunter Küssen auf Hände, Finger, Mund, Wan-\nge, Haar, unter Liebkosen und Wiegen, war\neines: „Lebewohl\". — Jetzt schlug der Graf cie\nPortiere zurück; die erschrockene alte Dame\nwollte, als er sich tief verneigte, mit einem ver-\nzweifelten Händeringen ins Nebenzimmer gehen;\ndie Königin aber fixierte sie starr, sagte nach\neiner Weile: dies sei nicht nötig. Sie liess den\nblonden Kavalier unter dem blitzenden Kron-\nleuchter stehen, fragte ihn nach den Ergebnissen\nder letzten Jagd, die sie zusammen gemacht\nhatten, ob er sich schon wegen seines Avance-\nments im Regiment umgesehen hätte. Dann er-\nhob sie sich, dankte für seinen Besuch, wünschte\nihm gute Nacht. Fragte die alte Dame lachend,\ndie Hände in die Hüften gestemmt, wie lange\nsie hier noch sitzen wolle, wann sie denn die\nDepeschen abzuschicken gedenke. Die schüttelte\nden Kopf.\nIn dem alten Schloss blieb es stille, bis zu\ndem Morgen, an dem der Graf trotz ihres Ver-\nbots in ihr Zimmer drang; er weinte vor ihr\nam Boden liegend, sie schlug ihn mit der Gerte\nins Gesicht. Mit Aufglühen und Erbleichen,\nknirschenden Zähnen und Zittern hört sie ihn\nan in ihrem Lehnstuhle, als er sie bei aller ver-\nflossenen Süsse und Zärtlichkeit beschwor; er\ntaumelte mit einer blutigen Strieme im Gesicht\naus dem Zimmer; reiste am Mittag ab. Schon\nüber eine Woche sah man den Graf nicht; da\nmeldete der Hofmarschall der Königin sein Ver-\nschwinden; sie lachte höhnisch; die Dienstboten\nmüsste man noch öfter wechseln. Ob er noch\nlebe; als der Marschall bejahte, brach sie in\nein ganz wildes Gelächter aus: „Sie sehen, Mar-\nschall, wie richtig Schiller singt: Oh Königin,\ndas Leben ist doch schön.\"\nDas schmächtige schwarze Hoffräulein ver-\nliess ihr Zimmer nicht mehr. Der gelbe Hof-\narzt behandelte sie wegen einer plötzlichen Geistes-\nverwirrtheit und liess sie bewachen. Sie hatte\neinen Brand auf ihrem Zimmer verursach!, als\nsie in einer Nacht ihre gesamten schwarzen Klei-\nder mitten auf dem Boden aufhäufte und mit\nBriefen anzündete. Der Qualm war bis in die\nGemächer der Königin gedrungen. Nach eini-\ngen Wochen wurde sie klarer, war zum Skelett\nabgemagert, trug der Königin einen Wunsch\nauf Heimatsurlaub vor. Zwei Tage später fand\nman sie ertränkt in dem Teiche ihres väterlichen\nGutes.\nAber die wilde Königin und der dicke\nPrinz gingen stundenlang in dem weiten Park\nhinter dem Schloss spazieren; der Diener, der\nihnen folgte, berichtete nur, dass sie selten mit\neinander Worte wechselten. Sie nahm jeden Ruf\nund jede Hoffnung von seinen müden Augen,\nseinen Mienen ab, sie prägte sich selbst ihm\nein mit unverwandten Blicken, senkte ihn vor\nsich hin zu demütiger Zärtlichkeit. Kein Ge-\nbüsch war so still, dass die Wandelnden das\nRauschen nicht störte, wenn sie zueinander hin-\nüberlauschten. Als sie eines Abends vom Gar-\nten hinauf in das Musikzimmer gingen, schlepp-\nte ein langes Geraune über die Korridore vor\nihnen her. Wie in Decken gehüllt glitten sie\nüber die Gänge. Vor einem kleinen Kreis drin\nöffneten sich die Flügeltüren, und herein traten\nüber das spiegelnde Parkett Königin und Prinz-\ngemahl, ohne Masken, wie Gespenster, ähnelnd\nden entschwundenen beiden, Grafen und Kom-\ntess. Aus den Augen der strengen Königin\nleuchtete die schwarze Wildheit der Toten, über\nder schwermütigen Ruhe des Prinzen lag ein\ngebeugtes Leiden. Der glattrasierte Hofprediger\nseufzte: die beiden trügen offenbar schwer an\nihrer Vergangenheit; spitz formte der mongo-\nlische Mischling, der Hofarzt, den Mund, legte\ndas Kinn auf das weisse Vorhemd, indem er\ndie beiden fixierte; ihn chokiere weniger die merk-\nwürdige Art, wie das Vergangene an ihnen ar-\nbeite, als wie sie die Gegenwart, die augenblick-\nlich Gegenwart vergässen. Dies chokiere ihn ernst-\nlich um das Leben dieser beiden willen. — Die\nbeiden hatten unablässig nebeneinander zu sit-\nzen, unablässig miteinander zu flüstern. Die Kö-\nnigin zog sich von den notwendigen Regie-\nrungsgeschäften zurück; sie übertrug wichtige\nFunktionen den alten Männern ihres Staatsra-\ntes; sie sagte die öffentlichen Empfänge ab, sie\nerschien nicht bei den Hoftafeln. Eines Morgens\nstürzte sie in schneeigem Kleid den engen\nGang zu seinem Zimmer hin; die schwarze\nGlut in ihren Augen war verblichen, sie riss\nmit fahrigen Händen die Türen seines Kostüm-\nschrankes auf, wühlte, wühlte am Boden liegend,\nwährend er sie tröstete, in den Sachen. Mör-\nderische Griffe ihrer Finger zerfetzten die blon-\nde Perrücke, zerknäulten, zerklumpten das flie-\nderduftige Wams. Auf ihren linken Oberarm\nhatte sie eine alte tiefe Bisswunde. Sie stand\nauf, nahm einen blanken Perserdolch von seinem\nTisch, schnitt die Narbe aus ihrem Fleisch her-\naus, stiess das Leinen zurück, mit dem er das\nspritzende Blut stillen wollte. Sie warf sich in\nKrämpfen auf den Boden hin, schlug mit den\nFäusten gegen ihren Mund, gegen ihre Brust,\nbettelte: „Du musst hingehen; du musst das\nKind umbringen. Es ist nicht meines, es ist\neine lebendige Lüge. Wenn du es gut mit mir\nmeinst, musst du das Kind umbringen. Ich\nkann es nicht.\" Dann fuhren sie verzweifelt\nauf, suchten in den Mienen, tasteten die Gesich-\nter ab. Sein Kopf hing über ihre Schulter, sie\nweinte ein trostloses: „Du, du.\"\nIn langen Tagen flössen ihre Tränen ab.\nAls sie wieder den weiten Park hinter dem\nSchloss gingen, war unvermerkt der bunte Herbst\ngekommen. Ueber die Gesichter dieser beiden,\nder wilden Königin und des, schwermütigen Prin-\nzen, hatte sich ein dichter Schleier gelegt. Eine\ntiefe unnahbare Ruhe schritt wie ein gepanzer-\nter Wächter um sie herum. Sie zogen auf die\nJagd, sie schössen die klagenden Rebhühner auf\nden struppigen Feldern; in Lachen und Glut\nritten sie nebeneinander zurück. Aber wer sie im\nDunkeln heimreiten sah, erkannte, dass die glei-\nche Verschlossenheit über ihren Gesichtern\nhing, wie das glitzernde, spinnwebdünne Ge-\nwand, das über die Meerfrauen fliesst und\nmit Anbruch der Nacht phosphoresziert. Zum\nErstaunen des Hofes trennten sich die beiden\neines Tages. Der Prinzgemahl verschwand, ohne\ndass jemand wusste wohin. Als er nach drei\nTagen zurückkehrte, erklärte er gelassen, dass\ner eine geheime Sendung der Königin ausge-\nführt hatte?; in den internen Kreisen war man\nüber die Massen bestürzt und beunruhigt. Ein\nGerede erhob sich im Lande.\nBis eines Tages beide völlig des Landes\nverschwunden waren. Indessen in der Haupt-\nstadt das Militär in den Kasernen blieb, die\nPolizei fieberhaft arbeitete, der Ministerrat zusam-\nmentrat, stiess von der Küste ein Dampfer ab,\nder seit einer Woche dort geankert hatte. Nur\neine kleine Mannschaft grüsste ehrfurchtsvoll die\nfremde Königin und den Prinzen, die in wei-\nsse Mäntel gehüllt sich auf dem Deck ergingen.\nDas Schiff fuhr über den Ozean fünf Tage;\ndann ankerte es vor einer kleinen Insel; ein\nBoot setzte die fremde Königin und den Prin-\nzen an Land.\nEs war eine Insel, an dessen Strand nur\narme Fischer wohnten; meilenweit entfernt an\nder anderen Küste lag ein kleines Dorf. Was\nsich damals zwischen der jungen Königin und\ndem schwermütigen Prinzen begab, bei den\nFischersleuten auf der kleinen Insel im blauen\nOzean, ist schwer mit Worten zu erzählen; dass\nsie am Fuss der weissen Kalkfelsen sassen, oder\nweiter zurück unter den hohen Palmbäumen,\ndass sie sich kaum minutenlang aus den Augen\nverloren; dass die Königin, blasser und blasser,\nnur selten schluchzend den Kopf auf ihre Brust\nfallen liess, und der Prinz die Hand vor seine\nStirn hielt. Die Blicke der Frau wanderten hin\nund her zwischen dem Meer und seinem An-\ngesicht; wenn er das blaue Wasser nicht sah,\nwüsste er nicht, ob er in ihre Augen oder in\nsich schaute. So fest sie sich umschlangen, so\ntief sie sich küssten, die Schwermut der beiden,\nihre Angst zu einander, kannte kein Ende.\nDie Abendröte lohte über dem glatten Meer.\nSie sassen tagelang in ihren weissen Mänteln\nunter den Felsen. Nur die Hände streichelten\nsie sich manchmal. Ihre Blicke hingen an dem\nglitzernden grenzenlosen Wasser. Ihre stillen\nGesichter hellten sich auf. Eine unermessliche\nRuhe atmete das Meer, die dehnte sich über die\nUfer, nahm den Strand, die Kiesel, Muscheln,\nFelsen in sich hinein, rührte an die Stirne der\nbeiden.\nBis morgens die gelbe Sonne über den klei-\nnen Strand schien. Da Taschelten die Kiesel,\nklangen die feinen Steinchen. Ueber den Sand\nschleppte der Purpurmantel der wilden Königin.\nDie ging einsam, in voller Pracht, langsam nach\ndem blauen Meere zu. Auf dem blonden Haar\ntrug sie die goldene Krone. Von den strengen\nSchultern fiel der Purpurmantel mit breitem Bro-\nkat. Ihr schmales Gesicht war glatt und süss,\nSo ging die junge Königin allein über den dün-\nnen Sand in der flimmernden Luft nach dem\nblauen Meere zu. Zwei graue Seemöven wat-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "583", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 722, "texte": "schelten im Sand hinter ihr; sie folgten der Kö-\nnigin auf Schritt und Tritt.\nVon einer weissen Klippe stieg der schwer-\nmütige Prinz herab, mit blossem Haupt, in ei-\nnem blauen Samtmantel; seine schwarzen Knie-\nhosen waren aus blankem Atlas, silberweiss wa-\nren die Schnallen seiner Schuhe. Er trug einen\nrunden hohen Stab in der rechten Hand.\nKaum eine Welle warf der blitzernde Oze-\nan, als von der Insel heranschritten die blasse\njunge Königin und der stille Prinz. Die Wel-\nlen schaukelten; mit flachem Handteller strich\nder Wind über (las glückliche Meer. Dicht\nschössen die Möven über die kühl hauchende\nFläche.\nOben auf dem flinkernden Wasser schwam-\nmen nebeneinander ein runder Stab und eine\ngoldene Königskrone."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "583", "page_fin": "583", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.6", "titre_corps": "Mittagschwüle : Unfern Essen", "titre_sommaire": "Mittagschwüle : Unfern Essen", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "583", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.5", "debut_caractere": 724, "fin_caractere_exclue": 1457, "texte": "Mittagschwüle\nUnfern Essen\nPaul Zech\nKreisrunder Spiegel ist der Turmuhr Zifferfläche\nDarinnen schattendünn der schwarze Zeigersteht.\nDie Schieferdächer flimmern. Und kein Wind\nverweht\nDas schwere Rauchgewölbe über der Kohlen-\nzeche.\nUnd ein geheimnisvoller Bann hält alle Dinge\n— Die Luft ist düftelos und weiss und weit —\nWie Perlen auf gespannter Silberschnur gereiht,\nDass kaum ein Baum sich regt, noch eines\nVogels Schwinge.\nUnd schwer und schmerzlich ist es schon das\nHaupt zu heben.\nWorte falln stumm zurück wie in ein offenes\nTor.\nUnd dunkel, wie aus einer Muschel, summt das\nLeben.\nNur Spinnen ziehen flink die seltsam feinen\nGezwirne übern Weg. 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Und zwar in einem\nBuch', das den Namen Die Kunst stirbt führt\nund mit einem lateinischen Motto geziert ist. Herr\nAuburtin ist bekanntlich der einzige Lateiner,\nden wir noch auf deutscher Erde besitzen. In\nNummer 69 dieser Wochenschrift wurde ihm das\nausdrücklich bestätigt. Herr Auburtin hat of-\nfenbar mit grossem Nutzen die Fackel und sämt-\nliche Schriften von Karl Kraus gelesen. Er po-\npularisiert sie, indem er sich heftig gegen die\nPopularisierung der Kunst wendet.\nDie Kunst stirbt an der Masse und an der\nNützlichkeit. Das glaubt Herr Auburtin, Und\nführt das des weiteren aus. Wie soll, fragt er,\nder Mensch dichten, wenn es eine geregelte Ka-\nnalisation gibt und an der Loreley sich ein Ha-\nfen für Mörtelkähne befindet. Der Rhein ist\ndurch solche Dinge für die wahre Poesie erle-\ndigt. In Westfalen wird die wahre Poesie durch\nZündschnurfabriken und Leimkochereien gestört.\nIn den kleinen Städten durch Warenhäuser. In\nRom durch eine Gasanstalt. In Eleusis durch\nSeife und Zement. Im Orient durch die be-\nqueme Möglichkeit, ihn zu erreichen. In Eng-\nland durch Kammgarnanzüge. In Berlin durch\ndie Operette. Man sieht, die Kunst wird so\nziemlich überall verhindert. Was soll nun wer-\nden? Vor allem mit der Produktion des Herrn\nAuburtin? Man wird den Hafen für Mörtel-\nkähne an der Loreley beseitigen müssen, die\nWarenhäuser niederreissen, die Kanalisation ab-\nschaffen müssen, auf dass Herrn Auburtin die\nMöglichkeit zum Dichten gegeben werde. Zwar\nist Schiller nie in der Schweiz gewesen und hat\nsie, wenigstens nach Ansicht philologischer Krei-\nse, „treffend\" geschildert. Zwar ist Goethe in Ita-\nlien gewesen und hat infolgedessen Iphigenie\ngeschrieben. Zwar ist Herr Auburtin in Herings-\ndorf gewesen und konnte trotz der dort sicher\nvorhandenen äusseren Unruhe ein Feuilleton für\ndas Berliner Tageblatt schreiben. Zwar weiss\nman nicht, ob es Kunst war. Denn, sagt Herr\nAuburtin, was Kunst ist, weiss kein Mensch.\nAber es war Lyrik, denn das „ist die Fähigkeit,\noder der Trieb, die Stimmung einer Stunde zu\nfassen\". Aber Herr Auburtin ist wirklich ernst-\nhaft betrübt. Denn die Kunst, die vielleicht nur\neine „von den Griechen übernommene Krank-\nheit\" sein mag, ist um 1850 definitiv gestorben.\nUm dieses Jahr setzte nämlich die Demokratisie-\nrung der Gesellschaft, die Eroberung gewaltiger\nNaturkräfte und die Zurückdrängung der Per-\nsönlichkeiten in den Hintergrund ein. Sollte\nman es glauben, dass selbst Herrn Auburtin\nschon der Fortschritt stört. Warum benutzt er\nauch den Speisewagen des Schnellzuges, wenn\ner durch die Rheingegend fahren muss, statt auf\nSchusters Rappen, wie Herr Auburtin vor dem sech-\nzehnten Juli sich noch ausgedrückt hätte, seine bo-\ntanischen Kenntnisse zum Zweck der wahren\nPoesie zu vermehren. Vielleicht hätte er doch\nnoch Teile des Rheins gefunden, die nicht wie\nrussige Kanäle aussehen. So freilich findet es\nHerr Auburtin schwerlich denkbar, dass je noch\nein Dichter ein Lied auf diese Verkehrsstrasse\nsingen würde. „Und tut es einer doch, so ist er\nein Quatschkopf, der sich und uns eine Stim-\nmung vorredet, die nicht mehr da ist.\" Die\nnicht mehr da ist. Nun haben wir den Quatsch-\nkopf. Und zugleich die Definition für die Dich-\ntung: Dajewesensein. Wie hatte es Herr Hein-\nrich Heine gut, der noch die Loreley bei der\nFrisur überraschen konnte. Für Herrn Aubur-\ntin blieben nur noch Mörtelkähne übrig, die\nihn allerdings überrascht haben. Denn das hät-\nte er doch nicht geglaubt, dass Herr Heinrich\nHeine ihm eine Stimmung vorreden wollte, die\ngarnicht da war. Hoffentlich hat aber Heine ir-\ngendwie die Existenz dieser Dame aktenmässig\nnachgewiesen, sonst wäre er ja ein Quatsch-\nkopf gewesen. Der Fortschritt entfernte nach\n1850 die singende Dame als nachweisbares Ver-\nkehrshindernis für Mörtelkähne und unvorsich-\ntige Schiffer. Ohne Rücksicht auf die Notwen-\ndigkeiten der wahren Poesie. Wenn nun Herr\nAuburtin durchaus den Rhein immer wieder\nbesingen will, warum muss er sich gerade die\nStelle aussuchen, an der ein Ueberkollege schon\ngearbeitet hat. Besässe er den Mut seiner Ueber-\nzeugung, nämlich des Dajewesenseins, so würde\ner verschiedene Teile des Rheins entdeckt haben,\ndie noch nicht vom „Russ angeschwärzt sind.\"\nWelch herrliche Dichtung ist der Nachwelt viel-\nleicht auf diese Weise verloren gegangen. Wenn\nman schon Ueberzeugungen hat, soll man nach\nihnen nicht nur bei Langen, sondern auch mit\nMosse handeln. Es ist nicht auszudenken, wel-\nches Unglück entstanden wäre, wenn Herr Au-\nburtin den Rhein statt im Buch im Berliner Ta-\ngeblatt angeschwärzt hätte. Herr Mosse lässt\nmit Tatsachen nur in der wahren Poesie spassen.\nWeil sie nämlich dort nicht hingehören. So\ndurchwandert Herr Auburtin alle Provinzen. In\nseiner Jugend lebten in Westfalen noch die Sach-\nsengeister und die Zwerge mit der Zauberrute\n(wie wahrhaft poetisch), jetzt sind sie unter den\nKlamottindustrien erstickt. In den kleinen Städ-\nten sind die kuriosen Apotheker verstorben. Dass\nHerr Auburtin jetzt sein Buch in den dort ent-\nstandenen Warenhäusern von Tietz kaufen kann,\nist sicher nicht poetisch.\nZwischen Deutschland und Rom wird Herr\nAuburtin nachdenklich. Er fürchtet, „dass spiri-\ntualistisehen Gemütern die Art der Vorrechne-\nrei, wie er sie betreibt, etlichermassen naiv vor-\nkommen dürfte.\" Aber er beruhigt sich schnell,\ndenn „die Kunst ist eine Realität in diesem Le-\nben und kann als Wirklichkeit und Ding ihre\nganz bestimmte Masse beanspruchen.\" Ich fin-\nde wieder die reelle Kunst „etlichermassen\".\nSchon Herr Winckelmann war dagegen, dass\nin Rom die göttliche Anarchie aufhöre. Auch\nBöcklin und Ludwig Richter waren dagegen.\nSie alle hatten Angst, dass sonst kein Platz für\ndie Schatten bleibe, „deren einer mehr wert ist,\nals dies ganze Geschlecht.\" Die Schatten sind\ngegangen, sagt Herr Auburtin, aber er ist ge-\nkommen und hat Platz gefunden.\n„Eine Welt ohne Rhein, eine Welt ohne Rom,\ndenke dies durch, Freund Leser, und du fühlst,\nwie es Nacht wird. Die grosse eine Nacht, der\nwir alle entgegengehen.\" Schattenpoesie, Freund\nAuburtin. Auf lateinisch omnes una manet nox.\nAuburtins Motto aus jener Zeit. Aber lieber\nfahrt ich nach Athen, als mit ihm einer Nacht\nentgegenzugehen.\nEleusis, jammert Herr Auburtin, Eleusis\nproduziert Seife und Zement. „Diese Stätte, die\neinst Demeter und den jungen Bacchus gab.\"\nMan kann sie von dort nicht mehr beziehen,\nund die Poesie muss ohne diese Götter aus-\nkommen. Es ist nicht auszudenken.\nAber damit noch nicht genug: Auch die\nfernste Gegend liefert keine Poesieklischees mehr.\nFrüher gab es dort noch Feen und Riesen und\nAmazonen und Spinnräder und Moguls. Herr\nAuburtin ist überall dagewesen und hat nichts\nvorgefunden. „Die Welt sieht aus wie Warne-\nmünde.\" Das ist die erste poetische Uebertrei-\nbung, denn Herr Auburtin war in Heringsdorf.\nWie kann man in der Kunst von Dingen reden,\ndie nur vor 1850 vorhanden waren. Die Kunst\nstirbt. Denn heute kann man jedem Dichter\ndurch eine Reise im Speisewagen nachweisen,\ndass er bewusste Unwahrheiten verbreitet. Pa-\nragraph 185 des Strafgesetzbuches.\n„Die wahre Poesie flieht die Helligkeit, sie\nwispert um die verlornen Kronen kranker Kaiser,\num das Gräul Blutopfer im Walde, um den er-\nmordeten König.\" Also an der Beleuchtung\nliegt es. Die Sache wird immer klarer. König\nManuel wird bei hellem Tage vertrieben, die\nLustmorde gehen jetzt nachmittags vor sich und\nwerden von Herrn Auburtin unter Umständen\nglossiert, und König Alexander von Serbien\nwird am Vormittag ermordet. Alle diese wahr-\nhaft poetischen Ereignisse um einige Stunden\nverschoben und die wahre Poesie wäre nicht\ndavongeloffen. Die Dichter haben wirklich Russ.\nDas ist der eine Grund. „Die Kunst stirbt,\nweil ihr ringsherum die Welt und der Stoff"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "584", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6392, "texte": "zerstört wurden. Es wäre zu ertragen, wenn\nwir nur in unserem Herzen noch das Fabelland\ngewahrt hätten. Aber auch unsere Herzen gin-\ngen der Kunst verloren, wurden verödet, und\ndas ist es nun, warum ich meine, dass die Her-\nzenssache Kunst in Gefahr geriet.\" Er ist ein\nGemüt, der Herr Victor Auburtin. Und ein\nPoet. Nachdem er sich unerhört über den Aus-\nverkauf von Stoffen erregt hat, entdeckt er als\nKonjunktur das Fabelland im Herzen. Jetzt\ngeht es überhaupt der Kunst besser, der Freund\nLeser atmet beruhigter auf — das Herz be-\nfindet sich vorläufig nur in Gefahr. Herr Au-\nburtin hat sich bereits in Behandlung begeben,\ndenn er teilt mit, dass „die dunklen Schächte der\nLeidenschaft und des Wahnes verschüttet, und\ndie rauschenden Ströme unserer Pulse reguliert\nund in zweckmässige Bahnen gelenkt wurden.\"\nHätte der Fortschritt die Aerzte nicht erfunden\n(nach 1850), so wäre die Krankheit Kunst un-\nserm Auburtin erhalten geblieben.\n„Es wird Nacht. Das wichtigste, was ich zu\nsagen und als Argument in meine Sache zu\nstellen habe, ist dieses, dass die Leidenschaft\nstirbt, und dass deshalb eben auch die Kunst\nsterben muss, die eine Sache der Leidenschaft\nist.\" Wieder eine Tote. Herr Auburtin weint,\ndass einem anständigen Menschen von heute\nLeidenschaft, Zorn, Sehnsucht und Träumerei\nlächerlich und verächtlich erscheine. „Wie sol-\nlen wir da die Sprache der Musen noch ver-\nstehen?\" Nicht möglich, auch die Musen sind,\nalle neune, bereits verstorben. Eine Gasanstalt\nhat sie aufgenommen, nur Herr Auburtin führt\nsie noch im Munde.\nUnd so weiter. Der Prophet verhüllt sein\nHaupt. Die städtischen Menschen schwindeln\nsich im Theater Begeisterung vor. Die Leute\ngähnen. Die Kunst stirbt.\n„Die Kunst ist Enthusiasmus. So sagten\ndie Griechen, da sie ja die Kunst so gewisser-\nmassen erfunden hatten.\" Die Griechen haben so-\ngar „gemeint, dass dem Künstler ein Gott im\nBusen wohnen müsse\". Der Götterbusen ist al-\nso gewissermassen eine griechische Krank-\nheit und Kunst ist Enthusiasmus oder Realität\nim Leben, oder kein Mensch weiss, was Kunst\nist. Die Angelegenheit kompliziert sich.\nSie kompliziert sich. Die Kunst stirbt und\n„die Litebe ist im bebten Begriff eine Krlsüs\ndurchzumachen.\" Am Ende geht sie wirklich\ndrauf. Das reine Krankenhaus. „Der grosse\nEros ist diskreditiert worden.\" Er macht also\nauch keine Geschäfte mehr. „Wer liebt denn\nnoch, oder wer, wenn er liebt, wagt sich zu\ndieser Liebe klar und mutig zu bekennen. Wer\nkönnte heute noch schaudern und heiliger Flam-\nme voll unter dem Balkon der Liebsten stehen?\n(Dreiviertel aller Kunst kam aus dieser Situation\nher).\" Die Liebe unter dem Balkon hat offen-\nbar zu viel Schattenseiten. Wenn Herr Aubur-\ntin für seine Kunst durchaus die Situationsko-\nmik braucht, soll er sich mal ruhig mit seiner\nMandoline zur Liebsten begeben. Am Kurfür-\nstendamm steht nie ein Schutzmann, er kann\ndie heilige Flamme zum Schaudern leuchten las-\nsen. Kunst ist Realität im Leben.\n„Was jetzt an Liebesgedichten angefertigt wird,\ndas dürfte zum grössten Teil Schwindel sein. . .\nUnd über die Fabrikation von Celluloidkämmen\nlässt sich ebensowenig ein Gedicht schreiben,\nwie der Fortbildungsschulunterricht der Hinter-\ngrund eines neuen Hermann und Dorothea sein\nkönnte.\" So stirbt die Kunst an Celluloidkämmen.\nHerr Auburtin wird sich doch wohl unter ihren\nBalkon begeben müssen.\n„Aus mit Heine, aus mit des Meeres und\nder Liebe Wellen.\" Wie gut, dass die Loreley\nnoch keinen Celluloidkamm verwenden konnte.\nWie gut, dass die Balkone schon von Hero und\nLeander erfunden waren.\n„Und die Kunst stirbt, weil die Liebe ge-\nstorben ist.\" Krisis mit letalem Ausgang. Wie-\nder eine Tote.\n„Der uniforme Sport, die Beschäftigung mit\nder Politik, der tägliche Genuss desselben\nZeitungsgemüses, das plättet alle\nindividuellen Unterschiede und Widerborstigkei-\nten hinweg.\" Der Mensch soll nicht wiederkäuen,\nsonst plättet er sich mit seinem eigenen Zei-\ntungsgemüse die ganze Individualität fort. Ja, der\nHerr Auburtin. Gewaschen, gebleicht, gerollt,\nund mit Zeitungsgemüse geplättet, da soll der\nKunst nicht schlecht werden.\n„Der Krieg scheint so allmählich aus der\nMode gekommen zu sein, und alle Seifensieder\natmen freier. Aber erwogen darf doch werden,\ndass aus diesem abgeschafften Kriegsgräuel das\nkräftigste wuchs, was die Poesie sagte.\" Viel-\nleicht hilft sich Herrr Auburtin mit dem rus-\nsisch-japanischen Krieg und den marokkanischen\nWirren. Das kann noch ganz hübsche „Früch-\nte zeitigen.\"\n„Die Kunst stirbt, weil das Abenteuer\nstirbt.\" Eine wahre Epidemie.\n„Die Zukunft wird keine Persönlichkeit dul-\nden und ertragen. Sie wird also auch keine\nKunst haben, da die Kunst die Tat der Per-\nsönlichkeit ist.\" „So wie die Welt jetzt werden\nsoll, war sie nie. Sie hat noch nie die Industrie\ngehabt, die sie jetzt hat. . . Sie hat noch nie\nso wie jetzt jede Regung des Ingeniums knebeln\nund niederzwingen lassen durch eine unerhörte,\ndie Weltumspannende soziale Organisation.\"\nAlso die Celluloidkämme vernichten das Inge-\nnium und die Persönlichkeit. Die gute alte Zeit.\nDie hatte nur Sklaverei, Despotismus, Kirchen-\nzucht, Folterkammern. Das war zwar nicht\nschön, aber poetisch. Das bischen Gefängnis\nvon Cervantes, das bischen Scheiterhaufen von\nGiordano Bruno, das bischen Verhungern von\nMozart, das bischen Karlsschule von Schiller,\ndas bischen Verbannung von Richard Wagner,\nwas bedeutet das alles gegen Celluloidkämme und\nMörtelkähne? Nein, Herr Auburtin, wenn die\nKunst stirbt, so stirbt sie nur an übermässigem\nGenuss von Zeitungsgemüse, das Sie und Ihre\nKollegen ihr in den Mund stopfen. Sie plätten\nihr mit Ihrer Geistigkeit den Busen aus und\nweinen dann nach solcher inneren und äusseren\nBehandlung über ihr Aussehen. Und alles das,\num sie der Industrie gefällig zu gestalten. Hal-\nten sie die Industrie, die sogar die Celluloid-\nkämme erfunden hat, für so dämlich, dass sie\nan dieser Jammergestalt noch Vergnügen haben\nsoll? Vielleicht ist die Industrie so dämlich.\nAber die Kunst stirbt nie an Missachtung, eher\nschon wenn man ihr den Brustkasten einzudrük-\nken versucht. Das soll nicht geschehen. Der\nSturm wird die falschen Diagnostiker so ausein-\nanderreissen, dass sie bei ihren Eisenbartkuren\n> >\nselbst letal abgehen. Sie können sich immerhin\nfreuen, dass die Kunst, der der Stoff ausgeht,\nsich noch mit Stoffeln begnügt.\nKein Mensch weiss, was Kunst ist. 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Verlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\nHalbjahr „ 3,—\nJahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer 1 bis 56 mil Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c020", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "586", "page_fin": "586", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "debut_caractere": 1167, "fin_caractere_exclue": 1432, "texte": "Pressrelationsbui'eaii Hansa\nBerlin NW 23 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nackrichten iiber\ntat, Literatnr, Wissenschaft\nin jeder Hinsicht nnbedingt zuverlassig.\n:: Akademisch and literarisch gebildete Lectoren ::\nvorzugliche Organisation\nFernsprecher Berlin II 6121"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "586", "page_fin": "586", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "debut_caractere": 1434, "fin_caractere_exclue": 1723, "texte": "THRICHOPHIL\n1 F1.M.3,00 F1.M.3,00 g\n|g| ■■■■■■■■■■■■■&■ == nur belra Fabrikanten: = «•■»■»■■■■■■■■■ g||\n| Otto Tentscher / Frisetir 2\nKI. 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ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ——\nZa habcn In allee Apotbekca nod Drogerlea / Alletaige Fabrtkantin\ns,Pharmacia\" / Fabrlk Mr pfaarmaceotiscben Bedarf / Berlia-Haleasee\nWohlsdimeckend Sicker wirkend\n. ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "586", "page_fin": "586", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "debut_caractere": 2356, "fin_caractere_exclue": 2490, "texte": "L#r.ta.Tn Cafe Continental £££%\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler-Konzert\nAll® bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "586", "page_fin": "586", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "debut_caractere": 2492, "fin_caractere_exclue": 3843, "texte": "Handelswissen- EVififlp Hffuctoi9 ¥ •\nschaftl. Kurse von rllCltl- iVICdICI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Orundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- una Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tStig waren und den\nForderungen der Oegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftiicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. 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Geschaftsstelle und Verlag\nH Duderstadt a. Harz. Vier-\njjj teljahrspreis M. 1,25 bei freier\n® Zustellung. — Die Herren\n■ Verleger werden um Ein-\nB sendung ihrer Neuerschei-\nB nungen zur Besprechung\ng gebeten.\nB Probenummern umsonst und\ng postfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nHI Vertreter gesucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c028", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "586", "page_fin": "586", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "debut_caractere": 4567, "fin_caractere_exclue": 4782, "texte": "Vegetariselies Gastliaus\nFREYA\n■ Charlottenburg\njjj Bismarckstrasse 9\nAm Knie ■■■■■■■\n□ □\n□\nAngenehmer Aufenthalt\n112 iir Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-19-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-19_01#c029", "volume": "bmtnabg_1911-08-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "586", "page_fin": "586", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "debut_caractere": 4784, "fin_caractere_exclue": 5354, "texte": "EDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\nSBSggg BERLIN W 35 gg§g§g\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzcr Bibliotheken\nSoeben erschien: Kataloe XVIII: Llteratur\nGeschichte, Kunstgeschlchte, Ulustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. 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Der Tod eines Menschen, der\nder Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, befreit\nden Geist. Er wird über die Menschheit aus-\ngegossen, gefasst in Erinnerungen und Aphoris-\nmen.\nWelches Interesse hat die Oeffentlichkeit, Ge-\ndanken und Meinungen über Gott, Welt, Kunst,\nLeben, Gewohnheiten und die übrigen üblichen\nGebiete zu erfahren, die Maler, Bildhauer, Mu-\nsiker, Schauspieler ausgesprochen oder niederge-\nschrieben haben. Soweit diese Personen eine\nKunst ausübten, war ihnen reichlich Gelegenheit\ngegeben, sich in ihr zu offenbaren und sich\ndurch sie auszudrücken. Ging ihnen diese Fä-\nhigkeit ab, so ist nicht einzusehen, warum sie\nalle durchaus die Wortkunst als Gemeingut be-\ntrachten, in dem sie ihre Gemeinplätze anlegen.\nAuch Eigentumsvergehen werden nicht gescheut.\nEs gibt genug Leute, die alles drucken, sobald\nes ihnen verständlich erscheint. Und der\ngeistige Eigentümer ist stets so reich, dass er\nden Armen das Stückchen Brot gönnt. Je un-\ngeniessbarer, desto verständlicher. Der Verstand\nhat einen schlechten Magen. Es muss ihm alles\nvorgekaut und zu Brei gekocht werden. Dann\nverträgt er aber jede Sudelei.\nDie Frechheit, mit der Publikum und Presse\nüber Literatur urteilen, kann nur aus der Nai-\nvität erklärt werden, die Schreiben für Schrift-\nstellern und Meinungen für Gedanken hält. Die\nWortkunst ist wie jede Kunst Ausdruck einer\nkünstlerischen Persönlichkeit, erfordert also In-\ntensität des Erlebnisses und seine Gestaltung.\nIn ihr regiert der Dilettantismus am ungenier-\ntesten, weil er ihr Material, das Wort, zu be-\nherrschen glaubt. Darum treiben alle Künst-\nler im Nebenberuf das Schriftstellern. Die An-\neinanderreihung von Sätzen und Meinungen\nscheint für die Mehrheit schon etwas Bewunderns-\nwertes zu sein.\nDie beliebteste Form der Dilettanten für li-\nterarische Aeusserungen ist der Aphorismus. Mit\nVorliebe auch Gedankensplitter genannt. Diese\nLeute haben stets einen Balken im Auge. Die\nsplitterweise Entfernung gibt aber noch lange\nkeinen Gedanken. Auch wenn die Splitter ins\nGehirn dringen. Nur Menschen mit unversehr-\nten, starken Gehirnen haben das Recht, Apho-\nrismen zu schreiben. Ein Künstler wie Karl\nKraus hat es. Reinhold Begas nicht.\nDie gesamte Tagespresse und die schlechten\nZeitschriften überbieten sich im Abdruck der\nAphorismen von Reinhold Begas. Man ist wehr-\nlos. Man wird erschlagen. Zwölf auf ein Dut-\nzend. Sechzig auf ein Schock. Das Gespräch\nder Woche: haben Sie nicht den neusten Apho-\nrismus. . . ich bin überzeugt, die illustrierten\nZeitungen werden in der nächsten Nummer eine\nschematische Darstellung bringen, dass sie ne-\nbeneinandergesetzt den Erdball dreimal umschlie-\nssen oder dass man auf dieselbe Weise mit ihnen\nden Weg bis zur Hölle pflastern kann. Selbst zu\nseinem Hausarzt sprach Begas angeblich nur in\nAphorismen. Aber tausend Splitter geben noch\nkeinen Balken und tausend Einfälle kein Haus,\nund tausend Nippes kein Monument, wenn nicht\nvon unserer Zeiten Schande, die solche Dinge\nein Kunstwerk nennt. Begas meint selber: „Apho-\nristische Bemerkungen eines bedeutenden Künst-\nlers über die Kunst verhalten sich, wenn sie\nauch noch so geistvoll sind, zu seinen Werken\nwie die Melasse zum raffinierten Zucker.\" Ja,\nwie Melasse: ein brauner, sehr dickflüssiger,\nübelriechender Sirup, enthält viel Zucker, der\ndurch schleimige Substanzen am Kristallisieren\ngehindert wird; dient als Viehfutter (Auskunft\ndes grossen Meyer). Und die Assoziation\nzwischen der Kunst eines bedeutenden Künst-\nlers und dem raffinierten Zucker bedeutet\ngedanklich zwar nichts, sollte aber bedenk-\nlich machen. Weiter: „Die Frauen sind wie\nHimmelsspeisen, es kommt aber doch darauf an,\nwie sie serviert werden.!\" Diese Vorstellung aus\nder Küche geht selbst über das Bedenkliche hin-\naus. Wer diesen Satz von den vornehm servier-\nten Frauen als Himmelsspeisen sehen konnte,\nwar nie ein Plastiker. Denn Werke aus raffi-\nniertem Zuckerguss hat noch niemand bis heute\nfür Kunst gehalten. Wer diesen Satz da erle-\nben und niederschreiben konnte, ist nie ein\nKünstler gewesen. Dieser Aphorismus allein\nmüsste denen, die vor der Technik bildhaueri-\nscher Arbeit schon erstaunen, beweisen, wer\nBegas war. Aber weiter. Begas besuchte mit\nseinem Hausarzt den Louvre: der Hausarzt be-\nmerkt: „Seine Scheinwerferaugen gaben den Din-\ngen mit seinen Worten erst einen vollen auf-\nleuchtenden Glanz. Nach langen anbetungsglei-\nchen Worten sprach er, vor- der Venus von Milo\nstehend, ganz einfach vor sich hin: „Echte Kunst-\nwerke sind wie alte Geigen, sie werden immer\nbesser, immer seltener, immer einsamer!\" Diese\nWorte sprach Begas ganz einfach vor sich hin.\nVor der Venus von Milo. Bei „echten\" Kunst-\nwerken dachte er an alte Geigen, die immer ein-\nsamer werden. Die Assoziation eines Künstlers.\nVölker Europas, glaubt nicht, dass deutsche\nKünstlermenschen den Verfasser dieser Apho-\nrismen für den grössten Bildhauer, für den deut-\nschen Michel Angelo halten. Man muss pathetisch\nwerden, denn die Blamage, die man uns antut, ist\nnicht zu ertragen. Maximilian Harden aber fin-\ndet, dass solche Aphorismen „für eine an Scho-\npenhauer geschulte Intellektualkraft zeugen\". Noch\nein Beispiel: „Der Hang zur Einsamkeit ist im-\nmer ein Zeichen inneren Lebens und der Bega-\nbung; wer die Einsamkeit meidet, gibt zu ver-\nstehen, dass er im Verkehr mit sich selbst in\nschlechter Gesellschaft ist.\" An Schopenhauer\ngeschult. „Das bloss Moderne ist das Mo-\nder n d e\". Melasse, aber an Schopenhauer ge-\nschult. „Der Löwe nimmt kein Heu an. Er\nkostet's erst gar nicht; er weiss es, dass es ihm\nnicht schmeckt.\" Intellektualkraft. „Bei den mei-\nsten Menschen geht's wie beim Bandwurm:\nes hapert mit dem Kopf.\" Melasse, Me-\nlasse. Sie soll zu einem Buch zusammen\ngeklebt werden. Melasse soll sein Name\nsein. Maximilian Harden entwirft das Bild\ndes Bildhauers: „Der schlanke, dem schönsten\nHelden eines Künstlerromans gleichende Mann,\nhat alle Tränke, die langes Erleben ihm bot, aus\nvollen Bechern geschlürft und die Schaumperlen\nmit lässiger Hand aus dem fast kokett gepfleg-\nten Wallbart gewischt.\" Der Künstler der Zu-\nkunft. Keine Tränke ohne Erleben. Kein Wall-\nbart ohne Schaumperlen. Maximilian Harden\nentwirft das Bild der „Ehegefährtin\": „Nichtnur\neine schöne Frau. . . sondern auch ein stets,\nbis ins Alter, zu Liebe und Hass reizendes Weib-\nchen. Und diese Frau. . . hinderte ihren Rein-\nhold-Rami niemals, sich, wo ihms behagte, die\nSinne zu kühlen.\" Familienidyll.\nAber es wird noch tirolerischer: „Zu einem\nGebirg häuften sich ihm die Freuden und oben\nthronte er, das Tirolerhütchen keck auf dem Ohr.\"\nDer schönste Held mit schaumperlendem Wall-\nbart und dem kecken Tirolerhütchen auf dem\nOhr. Und an Schopenhauer geschult. „Die sta-\ntuarische Würde schwand erst, wenn er ins\nSchimpfen kam.\" Da erst hätte er beweisen kön-\nnen, dass er statuarische Würde besitzt. Sha-\nkespeare war der Lieblingsdichter von Begas.\nNur einmal, teilt das Berliner Tageblatt mit, hat\ner seinen Abgott verleugnet und zwar, als er den\nSherlock Holmes des Herrn Ferdinand Bonn im\nBerliner Theater sah. Begas bemerkte: „Wenn\nkein Mensch mehr Shakespeare spielt, wird das\nStück noch gespielt werden.\" So sehr, bemerkt\ndas Berliner Tageblatt konnte ihn für Augen-\nblicke ein voller Eindruck beherrschen. Auch\nder Eindruck des Augenblicks ist der Ausdruck\neiner Person. Wie tief muss die an Schopen-\nhauer geschulte Intellektualkraft Shakespeare er-\nfasst haben, wenn sie Sherlock Holmes ergriff.\nPersönlichkeit ist Einheit. Kunstwerk ist\nEinheit. Der Künstler kann vom Menschen nicht\ngetrennt werden. Man is t Künstler aber man\nwird es nicht. Wer Kunst nur als Beruf aus-\nübt, ist ein Dilettant. Begas war einer. Daran\nkann auch sein Tod nichts ändern.\n\nDas neue Dichterterzett\nDas Berliner Tageblatt schreitet andauernd\nfort. Bis vor kurzer Zeit hielt man dort für\nd i e Dichter Hauptmann, Sudermann und Fulda.\nSudermann und Fulda sind abgesetzt und das\nneue Terzett heisst Hauptmann, Dehmel und\nSchönherr. Der Fortschritt ist unverkennbar.\nFrüher wurde aus Versehen ein wirklicher Dich-\nter zum Dichter ernannt, diesmal sind schon\nzwei vorhanden. Schönherr wird es allerdings\nnicht solange aushalten wie Fulda. Aber den\ndritten Mann wird das Berliner Tageblatt nie\nfinden.\n\nDer Musikkritiker\nDas Berliner Tageblatt hält es für nötig,\nseinen Lesern von einem Interview Kenntnis\nzu geben. Aus zwei Gründen. Zunächst, um\nfür das widerliche Börsenblatt des Herrn Leip-\nziger Reklame zu machen, dann, um das Pub-\nlikum von den Plänen eines Lieblings zu unter-\nrichten. Ein Reporter, der einen nützlichen\nStand mit seinen lyrisch-feuilletonistischen Ma-\nnieren heruntermacht und deshalb im Nebenamt\nMusikkritiken schreibt, begab sich im Auftrag\nseiner Firma zu der königlichen Hof opernsän-\ngerin Emmy Destinn. Fräulein Destinn erzähl-\nte dem aufhorchenden hiesigen Vertreter, dass sie\ndas „hier pulsierende Kunstleben, die Fülle der\nEindrücke ungeheuer reize\". Sie lässt ferner auf\ndiesem recht gewöhnlichen Wege der General-\nintendanz mitteilen, dass sie in der nächsten\nSaison noch einige Wochen frei habe und ihre\nGage wohl zu erschwingen sein würde. „Das\nist meine Stellung zu Berlin.\" Nämlich die feh-\nlende. Das Berliner Tageblatt findet auch „be-\nsonders interessant, was die Künstlerin ihrem\nBesucher (womit der hiesige Vertreter gemeint\nist) über ihre schriftstellerische Tätigkeit sagt.\nSie sucht nämlich einen Komponisten für ein\nvon ihr geschriebenes Libretto, an das sie bald\n„die letzte Hand anlegen wird\". „Das schlimm-\nste kommt aber jetzt und ich sehe Sie schon\nironisch lächeln: auch Gedichte, und zwar ly-\nrische Gerichte, habe ich wieder geschrieben\n. . . aber diese Gedichte behalte ich, nach den\nErfahrungen, die ich früher gemacht habe, wohl\nbesser für mich.\" Das ist sicher besonders in-\nteressant. Sie schreibt Gedichte, und zwar ly-\nrische Gedichte, und schon sieht sie Jenen iro-\nnisch lächeln. Der Interviewer sieht ironisch auf"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "581", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.3", "texte": "Lyrik herab, die nicht einmal zeilenweise bezahlt\nwird. Kein Geschäft zu machen. Aber ich wet-\nte: die Lyrik der Dest i n n wird er sogar be-\nsprechen. Zeile zwanzig Pfennig.\nTrust\n\nDem Prinzen von\nMarokko\nElse Lasker-Schüler\n0, du Siissgeliebter, dein Angesicht ist mein\nPalmengarten,\nDeine Augen sind schimmernde Nile\nLässig um meinen Tanz.\nIn deinem Angesicht sind verzaubert\nAlle die Bilder meines Blutes,\nAlle die Nächte, die sich in mir gespiegelt haben.\nWenn deine Lippen sich öffnen\nVerraten sie meine Seligkeiten.\nImmer dieses Pochen nach dir —\nUnd hatte schon geopfert meine Seele.\nDu musst mich inbrünstig küssen,\nSüsserlei Herzspiel;\nWir wollen uns im Himmel verstecken,\nO, du Süssgeliebter.\n\nDie Verwandlung\nErna Reiss gewidmet\nVon Alfred Döblin\nDie ersten Jahre der Ehe dieser beiden, der\nKönigin und des Prinzgemahls, waren friedlos ver-\nlaufen. Als aber das Kind, der Thronerbe, in\ndem alten Schlosse schrie, öffneten sich die\neisernen Torflügel des Seitenportals; auf den\nSteinen des Schlosshofes stand die schlanke blas-\nse Königin, sie schwang sich in den Sattel,\njagte, von einer kleinen Kavalkade gefolgt, auf\ndem Schimmel durch die winkligen Strassen,\nzwischen den gebückten Häusern, über den\nMarktplatz auf die gelben Wälder. Nun spreng-\nte die wilde Königin wieder durch die verschlun-\ngenen Waldungen, auf den Nachbardörfern\nfanden Picknicks statt, Maskerade und Mum-\nmenscherz in Dorfsälen, bei denen stets ein re-\nserviertes Nebenzimmer voll war von den glü-\nhenden Wangen ihrer königlichen Majestät, von\ndem Zittern ihres frechen Leibes wie der pru-\nstenden Laune ihres Mundes, von der verhüllten\nSüsse ihrer abgehackten Stimme, prunkvolle Fe-\nste, bei denen ein leiser kranker Kavalier ihr\nFlieder reichte, das Gesicht in ihre Brust ver-\ngrub und wieder an ihrem Hals weinte, vor\nGlück, Angst und Selbstverachtung. Auch der\nPrinzgemahl zog wieder einsam seines Wegs\nwie ein Mönch1. Mit traurig gekräuselten Lip-\npen sah man die dicke Gestalt durch die Säle\nschlendern, ihn, bald zutunlich wie ein Kätz-\nchen, bald träge und faul, fliessend von Ironien\nund Selbstspötteleien. Er war wortkarg; man\nhörte aufbrausende Worte aus seinem Munde.\nAbends schlich er ohne Diener in den Damen-\nflügel, legte seinen wunden Kopf in den Schoss\neines schmächtigen, schwarzen Hoffräuleins mit\nstrahlenden Augen. Jetzt sah man nicht mehr die\nRöcke der Königin schief sitzen; keine Haar-\nnadeln, die sie verloren hatte, lagen auf den\nKorridoren; die Treppen fühlten nicht mehr ihre\nmüden verzagten Füsse; lachend gingen diese\nbeiden, Königin und Prinzgemahl, durch die\ndunklen Säle nebeneinander. Sie trug eine blaue\nSchleife aus Seide über dem rechten Ohr; aus\ndem Haar hing sie herab; ihr Geliebter hatte\nsie gebunden. Im Knopf loche des Prinzen steck-\nte die Purpurnelke, daran flatterten offen zwei\nschwarze Frauenhaare.\nEs war eines Mittags, dass nach fröhli-\nchem Plaudern erst die Königin, dann der Prinz\nverstummte, dass die Königin langsam aufstand,\ndurch die Reihe der Lakaien wortlos hindurch\naus dem Speisesaal ging, dass der Prinz mit\neinem versunkenen Blick auf seine linke Hand,\nsitzen blieb, die neben ihrer rechten gelegen hat-\nte, sein Besteck zusammenschob, wortlos auf sein\nZimmer ging. Die Adjutanten und Damen des\nGefolges speisten rasch ab. Die Gemächer der\nKönigin waren geschlossen; die Königin, hiess\nes, stände seit ihrer Rückkehr am Fenster, sei\ngarnicht erregt; sie würde ihr Zimmer bald öff-\nnen. Der rote Hofrat, ein massiver riesenstarker\nJurist, mit strohblondem Vollbart, gütigen Au-\ngen brummte, es werde doch einmal zu einem\noffenen Eklat kommen. Das gelbe Knochengesicht\nneben ihm mit pechschwarzen Augen und Haa-\nren, vorgeschobener Unterlippe, ein Männlein\nmit einer Hakennase, der Hofarzt, zerknautschte\nsich zu einem hoffnungsvollen Lächeln.\nAn der Abendtafel sassen sie ernst beiein-\nander. Es war ihnen nichts abzumerken; nicht\nbei den Gesellschaften der nächsten Tage. Sie\nberührten sich nicht, sie rückten mit den Stüh-\nlen von einander ab, sie sprachen freundlich mit\nabgewandtem Gesicht zu ihrer Umgebung; kaum\nein Wort wechselten sie mit einander. Beider\nStimmen klangen höher, und es schien, als ob\neiner zu dem andern hinüberlauschte.\nEs war ein furchtbarer Moment, als sie sich\nam dritten Tage auf dem Gang zu den Gemä-\nchern der Königin trafen, stehenblieben und sich\ndie Hände gaben, eines Morgens, eines grauen\nMorgens. Der Prinz hielt sie an der Schulter;\nminutenlang sahen sie sich und sahen immer\nwieder zur Seite. Jedes zitterte; das taten sie\nsonst nur bei geschlossenen Augen. „Geh, geh,\"\nbettelte sie, huschte den schmalen Korridor zu-\nrück.\nEr sass auf seinem Zimmer. Der dicke Prinz\nnahm einen Schemel und setzte sich vor seinen\nKostümschrank. Als er seufzte und sich reckte,\nstiess er einen Blumenständer mit einer unge-\nheuren Vase um. Das Wasser spritzte an seine\nStiefel; er rückte weg, schüttelte gedankenlos den\nKopf, setzte sich dicht an den geöffneten Schrank,\nwühlte in den Sachen.\n„Geh, geh\"; das klang wie „komm, komm\".\nEine blonde Perrücke hielt er in den Händen\nund drehte sie. Sie ist gut, dachte er, recht\ngut; eine gute Perrücke. Sie störte ihn garnicht,\ndas wunderte ihn, machte ihn eigentümlich ru-\nhig. Er setzte sie sich auf. Er liess sein Ge-\nfühl ganz strömen in die Kopfhaut, an die Per-\nrücke, um sie wohlig auszukosten. Was noch?\nMokka trinken. Kein Mokka, nichts trinken,\nnichts. Er lief auf den Zehenspitzen zur Tür,\nschloss auf, versperrte den ganzen Korridor,\nstellte cie Klingel ab, hielt den Pendel der ho-\nhen Wanduhr an. Sah sich dann wieder in sei-\nnem Zimmer um, summte durch die Zähne. Er\nsass tiefsinnig auf dem Taburett. Stück um\nStück der Gewänder zog er zu sich heran, taste-\nte sie ab. Ein Wams gefiel ihm, das legte er\nsich über das Gesicht; es roch nach Flie-\nder. Er legte es sich an, band sich einen dün-\nnen Kavalierdegen um, strich vor dem Spiegel\nan seinen Kleidern herunter. „Komm, komm\".\nEr schauerte zusammen, schloss leise die Tür\nauf und schlich, immer durch die Zähne sum-\nmend, den Korridor entlang. In der Mitte blieb\ner plötzlich stehen, lief auf sein Zimmer zurück,\nsuchte am Boden einen Büschel roter Purpur-\nnelken aus den Scherben auf, legte ihn behutsam\nüber den linken Arm. Er ging über die Schwel-\nle; als sich eine Klinke am Ende des Ganges\nrührte. Die Tür schloss leise auf; ein helles Ta-\ngeslicht fiel schräg aus dem Gemach der Köni-\ngin auf den engen Gang; leichte rauschende\nSchritte näherten sich, das schmale, herrische Ge-\nsicht der Königin. Sie trug eine schwarze Per-\nrücke, deren störrische Locken ihr über die tot-\nblassen Wangen fielen; eng lag ihr ein hö-\nfisches schwarzes Seidenkleid an. Sie gingen\nArm in Arm, sie gingen spazieren durch die\nleeren Gemächer, sie gingen stumm die spiegel-\nglatten Empfangssäle, die Speisesäle; sie gingen\ndurch die dunklen Bildersäle. Wie frei er sie\nführte, wie gut ihre Schritte Takt hielten. Sie\nhatte das Gesicht von ihm abgewandt, die\nwilde Königin. Nur als sich ihre Arme an\nder Türe der Königin lösten, wurden ihre\nWangen glühend, ihr Atem flog. Er legte be-\nhutsam auf ihre Schwelle den Nelkenbusch nie-\nder; die wilde Königin nahm seine warme Hand,\nführte ihn über die roten Blumen hinweg in ihr\nZimmer; vor einem Haufen von Briefen, Blättern\nund Bändern standen sie mit gesenkten Köpfen,\nhielten sie sich an den Schultern, berührten sich\nihre Stirnen.\nDie Tür schloss sich hinter ihm; er sass\nauf dem Taburett vor seinem Spiegel, strich an\nseinen Kleidern herunter. Er wollte sie ablegen;\nes widerstrebte ihm irgendetwas; die Aermel\nschienen festzukleben. Er erschrak vor seinem\nkurzgeschorenen blonden Haar; als er seine ei-\ngene Uniform angelegt hatte, fuhr er liebkosend\nüber die fremden Gewände, die er auf dem Tep-\npich ausgebreitet hatte. Heimlich stiess er von\nhinten mit dem Hacken in den Spiegel, schlug\nNägel in das blosse Holz, hing das fremde Ko-\nstüm offen auf.\nSie sassen bei der Mittagstafel beisammen;\njetzt lenkten sie ihre Blicke zusammen. Erfuhr\nmanchmal mit der Hand über sein Gesicht, sei-\nnen Kopf, riss an seinem hohen Uniformkra-\ngen, suchte die Arme unter den Tisch zu ver-\nstecken; kam sich maskiert vor. Die herrische\nKönigin spöttelte mit ihm; mit einmal legte sie\nihr Besteck hin; die Tränen stürzten ihr aus\nden Augen; sie knirschte mit den Zähnen. Man\nlief ihr nach, als sie sich jede Frage verbat.\nSie lag nach einer Stunde ruhig lesend im Bett\nund bemerkte nur, dass sie aas Geschrei ihres\nKindes störe; man solle das Kind in einem an-\ndern Teil des Schlosses unterbringen. Sie wür-\nde morgen den Hofarzt fragen, ob nicht viel-\nleicht der Meeresaufenthalt für das schwächliche\nKind besser sei als die Schlossluft. Die alte\nHofdame, die auf einem Stuhle bekümmert ne-\nben ihr sass, wollte erschreckt etwas erwidern,\naber die Königin wiederholte, sehr bestimmt sie\nanblickend, ihre Frage, ob sie nicht auch die\nMeeresluft für das Kind besser halte als das\nGebirge. Worauf die alte Dame auf ihrem Stuh-\nle rückte, an ihrer langen Goldkette nestelte und\nmit beherrschter Stimme beipflichtete.\nEntsetzt aber stand sie am Abend auf, —\nes mochte bald zehn Uhr sein, — als die jun-\nge Königin, die sich an den Flügel ge-\nsetzt hatte, sich nach einigen klimpernden Tö-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "582", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.4", "texte": "nen von ihrem Sessel erhob und sagte, man\nmöchte den Grafen Hagen, den Dichter, auf der\nStelle zu ihr befehlen. Sofort und ohne Ver-\nzug wolle sie ihn auf ihrem Zimmer empfangen,\nund zwar allein, ohne Zeugen. Die junge Ma-\njestät schrie, indem sie krachend den Flügel-\ndeckel; herunterwarf, sie werde die alte Hofda-\nme ohrfeigen, wenn sie überhaupt noch einmal\nden ledernen Mund aufzumachen wage, und sie\nauf den Gänsehof jagen, auf den sie gehöre.\nSie werde allein den Kavalier empfangen, auf\nihrem dunklen Zimmer, nachdem sie sich zu\nBett gelegt habe, und sie könne den Minister-\nrat und alle Gichtiker des Landes davon be-\nnachrichtigen, sofort, telephonisch, heute, mor-\ngen, übermorgen, wann sie wolle. Sie blieben\nschweigend in dem hellerleuchteten Musikzim-\nmer sitzen; die Königin hob den schwarzen\nFlügeldeckel auf, spielte eine hastige Mazurka,\ndie alte Hofdame hielt sich das Spitzentuch vor\nden Augen. Um halb zwölf Uhr meldete man\nden Grafen Hagen. Die Königin hatte ihn schon\neinmal in diesem Zimmer empfangen, zwei Tage\nvor ihrer Hochzeit war es, in einer späten Nacht.\nDer bleiche Kavalier war gebeugt in das fin-\nstere Zimmer getreten, in dem nur eine matte\nFlügelkerze brannte; die Königin lag versunken\nin ihrem weichen Lehnstuhl. Auf dem Teppich\nstanden viele Hochzeitsgeschenke herum, Vasen,\nBilder, Truhen. Er sah nichts als die Königin;\nkein Wort schenkte er ihr, die seinen heissen\nKopf im Schöss hielt, als: „Mich ekelts vor dir,\nmich ekelts vor dir.\" Dabei schauerte er immer\nund konnte den Blick nicht von ihren tiefliegen-\nden Augen reissen. Auch sie schaute auf nichts\nals auf den Dichter; und was sie ihm sagte,\nunter Küssen auf Hände, Finger, Mund, Wan-\nge, Haar, unter Liebkosen und Wiegen, war\neines: „Lebewohl\". — Jetzt schlug der Graf cie\nPortiere zurück; die erschrockene alte Dame\nwollte, als er sich tief verneigte, mit einem ver-\nzweifelten Händeringen ins Nebenzimmer gehen;\ndie Königin aber fixierte sie starr, sagte nach\neiner Weile: dies sei nicht nötig. Sie liess den\nblonden Kavalier unter dem blitzenden Kron-\nleuchter stehen, fragte ihn nach den Ergebnissen\nder letzten Jagd, die sie zusammen gemacht\nhatten, ob er sich schon wegen seines Avance-\nments im Regiment umgesehen hätte. Dann er-\nhob sie sich, dankte für seinen Besuch, wünschte\nihm gute Nacht. Fragte die alte Dame lachend,\ndie Hände in die Hüften gestemmt, wie lange\nsie hier noch sitzen wolle, wann sie denn die\nDepeschen abzuschicken gedenke. Die schüttelte\nden Kopf.\nIn dem alten Schloss blieb es stille, bis zu\ndem Morgen, an dem der Graf trotz ihres Ver-\nbots in ihr Zimmer drang; er weinte vor ihr\nam Boden liegend, sie schlug ihn mit der Gerte\nins Gesicht. Mit Aufglühen und Erbleichen,\nknirschenden Zähnen und Zittern hört sie ihn\nan in ihrem Lehnstuhle, als er sie bei aller ver-\nflossenen Süsse und Zärtlichkeit beschwor; er\ntaumelte mit einer blutigen Strieme im Gesicht\naus dem Zimmer; reiste am Mittag ab. Schon\nüber eine Woche sah man den Graf nicht; da\nmeldete der Hofmarschall der Königin sein Ver-\nschwinden; sie lachte höhnisch; die Dienstboten\nmüsste man noch öfter wechseln. Ob er noch\nlebe; als der Marschall bejahte, brach sie in\nein ganz wildes Gelächter aus: „Sie sehen, Mar-\nschall, wie richtig Schiller singt: Oh Königin,\ndas Leben ist doch schön.\"\nDas schmächtige schwarze Hoffräulein ver-\nliess ihr Zimmer nicht mehr. Der gelbe Hof-\narzt behandelte sie wegen einer plötzlichen Geistes-\nverwirrtheit und liess sie bewachen. Sie hatte\neinen Brand auf ihrem Zimmer verursach!, als\nsie in einer Nacht ihre gesamten schwarzen Klei-\nder mitten auf dem Boden aufhäufte und mit\nBriefen anzündete. Der Qualm war bis in die\nGemächer der Königin gedrungen. Nach eini-\ngen Wochen wurde sie klarer, war zum Skelett\nabgemagert, trug der Königin einen Wunsch\nauf Heimatsurlaub vor. Zwei Tage später fand\nman sie ertränkt in dem Teiche ihres väterlichen\nGutes.\nAber die wilde Königin und der dicke\nPrinz gingen stundenlang in dem weiten Park\nhinter dem Schloss spazieren; der Diener, der\nihnen folgte, berichtete nur, dass sie selten mit\neinander Worte wechselten. Sie nahm jeden Ruf\nund jede Hoffnung von seinen müden Augen,\nseinen Mienen ab, sie prägte sich selbst ihm\nein mit unverwandten Blicken, senkte ihn vor\nsich hin zu demütiger Zärtlichkeit. Kein Ge-\nbüsch war so still, dass die Wandelnden das\nRauschen nicht störte, wenn sie zueinander hin-\nüberlauschten. Als sie eines Abends vom Gar-\nten hinauf in das Musikzimmer gingen, schlepp-\nte ein langes Geraune über die Korridore vor\nihnen her. Wie in Decken gehüllt glitten sie\nüber die Gänge. Vor einem kleinen Kreis drin\nöffneten sich die Flügeltüren, und herein traten\nüber das spiegelnde Parkett Königin und Prinz-\ngemahl, ohne Masken, wie Gespenster, ähnelnd\nden entschwundenen beiden, Grafen und Kom-\ntess. Aus den Augen der strengen Königin\nleuchtete die schwarze Wildheit der Toten, über\nder schwermütigen Ruhe des Prinzen lag ein\ngebeugtes Leiden. Der glattrasierte Hofprediger\nseufzte: die beiden trügen offenbar schwer an\nihrer Vergangenheit; spitz formte der mongo-\nlische Mischling, der Hofarzt, den Mund, legte\ndas Kinn auf das weisse Vorhemd, indem er\ndie beiden fixierte; ihn chokiere weniger die merk-\nwürdige Art, wie das Vergangene an ihnen ar-\nbeite, als wie sie die Gegenwart, die augenblick-\nlich Gegenwart vergässen. Dies chokiere ihn ernst-\nlich um das Leben dieser beiden willen. — Die\nbeiden hatten unablässig nebeneinander zu sit-\nzen, unablässig miteinander zu flüstern. Die Kö-\nnigin zog sich von den notwendigen Regie-\nrungsgeschäften zurück; sie übertrug wichtige\nFunktionen den alten Männern ihres Staatsra-\ntes; sie sagte die öffentlichen Empfänge ab, sie\nerschien nicht bei den Hoftafeln. Eines Morgens\nstürzte sie in schneeigem Kleid den engen\nGang zu seinem Zimmer hin; die schwarze\nGlut in ihren Augen war verblichen, sie riss\nmit fahrigen Händen die Türen seines Kostüm-\nschrankes auf, wühlte, wühlte am Boden liegend,\nwährend er sie tröstete, in den Sachen. Mör-\nderische Griffe ihrer Finger zerfetzten die blon-\nde Perrücke, zerknäulten, zerklumpten das flie-\nderduftige Wams. Auf ihren linken Oberarm\nhatte sie eine alte tiefe Bisswunde. Sie stand\nauf, nahm einen blanken Perserdolch von seinem\nTisch, schnitt die Narbe aus ihrem Fleisch her-\naus, stiess das Leinen zurück, mit dem er das\nspritzende Blut stillen wollte. Sie warf sich in\nKrämpfen auf den Boden hin, schlug mit den\nFäusten gegen ihren Mund, gegen ihre Brust,\nbettelte: „Du musst hingehen; du musst das\nKind umbringen. Es ist nicht meines, es ist\neine lebendige Lüge. Wenn du es gut mit mir\nmeinst, musst du das Kind umbringen. Ich\nkann es nicht.\" Dann fuhren sie verzweifelt\nauf, suchten in den Mienen, tasteten die Gesich-\nter ab. Sein Kopf hing über ihre Schulter, sie\nweinte ein trostloses: „Du, du.\"\nIn langen Tagen flössen ihre Tränen ab.\nAls sie wieder den weiten Park hinter dem\nSchloss gingen, war unvermerkt der bunte Herbst\ngekommen. Ueber die Gesichter dieser beiden,\nder wilden Königin und des, schwermütigen Prin-\nzen, hatte sich ein dichter Schleier gelegt. Eine\ntiefe unnahbare Ruhe schritt wie ein gepanzer-\nter Wächter um sie herum. Sie zogen auf die\nJagd, sie schössen die klagenden Rebhühner auf\nden struppigen Feldern; in Lachen und Glut\nritten sie nebeneinander zurück. Aber wer sie im\nDunkeln heimreiten sah, erkannte, dass die glei-\nche Verschlossenheit über ihren Gesichtern\nhing, wie das glitzernde, spinnwebdünne Ge-\nwand, das über die Meerfrauen fliesst und\nmit Anbruch der Nacht phosphoresziert. Zum\nErstaunen des Hofes trennten sich die beiden\neines Tages. Der Prinzgemahl verschwand, ohne\ndass jemand wusste wohin. Als er nach drei\nTagen zurückkehrte, erklärte er gelassen, dass\ner eine geheime Sendung der Königin ausge-\nführt hatte?; in den internen Kreisen war man\nüber die Massen bestürzt und beunruhigt. Ein\nGerede erhob sich im Lande.\nBis eines Tages beide völlig des Landes\nverschwunden waren. Indessen in der Haupt-\nstadt das Militär in den Kasernen blieb, die\nPolizei fieberhaft arbeitete, der Ministerrat zusam-\nmentrat, stiess von der Küste ein Dampfer ab,\nder seit einer Woche dort geankert hatte. Nur\neine kleine Mannschaft grüsste ehrfurchtsvoll die\nfremde Königin und den Prinzen, die in wei-\nsse Mäntel gehüllt sich auf dem Deck ergingen.\nDas Schiff fuhr über den Ozean fünf Tage;\ndann ankerte es vor einer kleinen Insel; ein\nBoot setzte die fremde Königin und den Prin-\nzen an Land.\nEs war eine Insel, an dessen Strand nur\narme Fischer wohnten; meilenweit entfernt an\nder anderen Küste lag ein kleines Dorf. Was\nsich damals zwischen der jungen Königin und\ndem schwermütigen Prinzen begab, bei den\nFischersleuten auf der kleinen Insel im blauen\nOzean, ist schwer mit Worten zu erzählen; dass\nsie am Fuss der weissen Kalkfelsen sassen, oder\nweiter zurück unter den hohen Palmbäumen,\ndass sie sich kaum minutenlang aus den Augen\nverloren; dass die Königin, blasser und blasser,\nnur selten schluchzend den Kopf auf ihre Brust\nfallen liess, und der Prinz die Hand vor seine\nStirn hielt. Die Blicke der Frau wanderten hin\nund her zwischen dem Meer und seinem An-\ngesicht; wenn er das blaue Wasser nicht sah,\nwüsste er nicht, ob er in ihre Augen oder in\nsich schaute. So fest sie sich umschlangen, so\ntief sie sich küssten, die Schwermut der beiden,\nihre Angst zu einander, kannte kein Ende.\nDie Abendröte lohte über dem glatten Meer.\nSie sassen tagelang in ihren weissen Mänteln\nunter den Felsen. Nur die Hände streichelten\nsie sich manchmal. Ihre Blicke hingen an dem\nglitzernden grenzenlosen Wasser. Ihre stillen\nGesichter hellten sich auf. Eine unermessliche\nRuhe atmete das Meer, die dehnte sich über die\nUfer, nahm den Strand, die Kiesel, Muscheln,\nFelsen in sich hinein, rührte an die Stirne der\nbeiden.\nBis morgens die gelbe Sonne über den klei-\nnen Strand schien. Da Taschelten die Kiesel,\nklangen die feinen Steinchen. Ueber den Sand\nschleppte der Purpurmantel der wilden Königin.\nDie ging einsam, in voller Pracht, langsam nach\ndem blauen Meere zu. Auf dem blonden Haar\ntrug sie die goldene Krone. Von den strengen\nSchultern fiel der Purpurmantel mit breitem Bro-\nkat. Ihr schmales Gesicht war glatt und süss,\nSo ging die junge Königin allein über den dün-\nnen Sand in der flimmernden Luft nach dem\nblauen Meere zu. Zwei graue Seemöven wat-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "583", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.5", "texte": "schelten im Sand hinter ihr; sie folgten der Kö-\nnigin auf Schritt und Tritt.\nVon einer weissen Klippe stieg der schwer-\nmütige Prinz herab, mit blossem Haupt, in ei-\nnem blauen Samtmantel; seine schwarzen Knie-\nhosen waren aus blankem Atlas, silberweiss wa-\nren die Schnallen seiner Schuhe. Er trug einen\nrunden hohen Stab in der rechten Hand.\nKaum eine Welle warf der blitzernde Oze-\nan, als von der Insel heranschritten die blasse\njunge Königin und der stille Prinz. Die Wel-\nlen schaukelten; mit flachem Handteller strich\nder Wind über (las glückliche Meer. Dicht\nschössen die Möven über die kühl hauchende\nFläche.\nOben auf dem flinkernden Wasser schwam-\nmen nebeneinander ein runder Stab und eine\ngoldene Königskrone.\n\nMittagschwüle\nUnfern Essen\nPaul Zech\nKreisrunder Spiegel ist der Turmuhr Zifferfläche\nDarinnen schattendünn der schwarze Zeigersteht.\nDie Schieferdächer flimmern. Und kein Wind\nverweht\nDas schwere Rauchgewölbe über der Kohlen-\nzeche.\nUnd ein geheimnisvoller Bann hält alle Dinge\n— Die Luft ist düftelos und weiss und weit —\nWie Perlen auf gespannter Silberschnur gereiht,\nDass kaum ein Baum sich regt, noch eines\nVogels Schwinge.\nUnd schwer und schmerzlich ist es schon das\nHaupt zu heben.\nWorte falln stumm zurück wie in ein offenes\nTor.\nUnd dunkel, wie aus einer Muschel, summt das\nLeben.\nNur Spinnen ziehen flink die seltsam feinen\nGezwirne übern Weg. Ein Hahn schreckt jah\nempor.\nUnd zwecklos fangen ein paar Kinder an zu\nweinen.\n\nDie Kunst stirbt\nEr ist ein Gemüt, der Herr Viktor Auburtin.\nBei Mosse plaudert er, bei Langen philosophiert\ner gegen die Plauderer. Und zwar in einem\nBuch', das den Namen Die Kunst stirbt führt\nund mit einem lateinischen Motto geziert ist. Herr\nAuburtin ist bekanntlich der einzige Lateiner,\nden wir noch auf deutscher Erde besitzen. In\nNummer 69 dieser Wochenschrift wurde ihm das\nausdrücklich bestätigt. Herr Auburtin hat of-\nfenbar mit grossem Nutzen die Fackel und sämt-\nliche Schriften von Karl Kraus gelesen. Er po-\npularisiert sie, indem er sich heftig gegen die\nPopularisierung der Kunst wendet.\nDie Kunst stirbt an der Masse und an der\nNützlichkeit. Das glaubt Herr Auburtin, Und\nführt das des weiteren aus. Wie soll, fragt er,\nder Mensch dichten, wenn es eine geregelte Ka-\nnalisation gibt und an der Loreley sich ein Ha-\nfen für Mörtelkähne befindet. Der Rhein ist\ndurch solche Dinge für die wahre Poesie erle-\ndigt. In Westfalen wird die wahre Poesie durch\nZündschnurfabriken und Leimkochereien gestört.\nIn den kleinen Städten durch Warenhäuser. In\nRom durch eine Gasanstalt. In Eleusis durch\nSeife und Zement. Im Orient durch die be-\nqueme Möglichkeit, ihn zu erreichen. In Eng-\nland durch Kammgarnanzüge. In Berlin durch\ndie Operette. Man sieht, die Kunst wird so\nziemlich überall verhindert. Was soll nun wer-\nden? Vor allem mit der Produktion des Herrn\nAuburtin? Man wird den Hafen für Mörtel-\nkähne an der Loreley beseitigen müssen, die\nWarenhäuser niederreissen, die Kanalisation ab-\nschaffen müssen, auf dass Herrn Auburtin die\nMöglichkeit zum Dichten gegeben werde. Zwar\nist Schiller nie in der Schweiz gewesen und hat\nsie, wenigstens nach Ansicht philologischer Krei-\nse, „treffend\" geschildert. Zwar ist Goethe in Ita-\nlien gewesen und hat infolgedessen Iphigenie\ngeschrieben. Zwar ist Herr Auburtin in Herings-\ndorf gewesen und konnte trotz der dort sicher\nvorhandenen äusseren Unruhe ein Feuilleton für\ndas Berliner Tageblatt schreiben. Zwar weiss\nman nicht, ob es Kunst war. Denn, sagt Herr\nAuburtin, was Kunst ist, weiss kein Mensch.\nAber es war Lyrik, denn das „ist die Fähigkeit,\noder der Trieb, die Stimmung einer Stunde zu\nfassen\". Aber Herr Auburtin ist wirklich ernst-\nhaft betrübt. Denn die Kunst, die vielleicht nur\neine „von den Griechen übernommene Krank-\nheit\" sein mag, ist um 1850 definitiv gestorben.\nUm dieses Jahr setzte nämlich die Demokratisie-\nrung der Gesellschaft, die Eroberung gewaltiger\nNaturkräfte und die Zurückdrängung der Per-\nsönlichkeiten in den Hintergrund ein. Sollte\nman es glauben, dass selbst Herrn Auburtin\nschon der Fortschritt stört. Warum benutzt er\nauch den Speisewagen des Schnellzuges, wenn\ner durch die Rheingegend fahren muss, statt auf\nSchusters Rappen, wie Herr Auburtin vor dem sech-\nzehnten Juli sich noch ausgedrückt hätte, seine bo-\ntanischen Kenntnisse zum Zweck der wahren\nPoesie zu vermehren. Vielleicht hätte er doch\nnoch Teile des Rheins gefunden, die nicht wie\nrussige Kanäle aussehen. So freilich findet es\nHerr Auburtin schwerlich denkbar, dass je noch\nein Dichter ein Lied auf diese Verkehrsstrasse\nsingen würde. „Und tut es einer doch, so ist er\nein Quatschkopf, der sich und uns eine Stim-\nmung vorredet, die nicht mehr da ist.\" Die\nnicht mehr da ist. Nun haben wir den Quatsch-\nkopf. Und zugleich die Definition für die Dich-\ntung: Dajewesensein. Wie hatte es Herr Hein-\nrich Heine gut, der noch die Loreley bei der\nFrisur überraschen konnte. Für Herrn Aubur-\ntin blieben nur noch Mörtelkähne übrig, die\nihn allerdings überrascht haben. Denn das hät-\nte er doch nicht geglaubt, dass Herr Heinrich\nHeine ihm eine Stimmung vorreden wollte, die\ngarnicht da war. Hoffentlich hat aber Heine ir-\ngendwie die Existenz dieser Dame aktenmässig\nnachgewiesen, sonst wäre er ja ein Quatsch-\nkopf gewesen. Der Fortschritt entfernte nach\n1850 die singende Dame als nachweisbares Ver-\nkehrshindernis für Mörtelkähne und unvorsich-\ntige Schiffer. Ohne Rücksicht auf die Notwen-\ndigkeiten der wahren Poesie. Wenn nun Herr\nAuburtin durchaus den Rhein immer wieder\nbesingen will, warum muss er sich gerade die\nStelle aussuchen, an der ein Ueberkollege schon\ngearbeitet hat. Besässe er den Mut seiner Ueber-\nzeugung, nämlich des Dajewesenseins, so würde\ner verschiedene Teile des Rheins entdeckt haben,\ndie noch nicht vom „Russ angeschwärzt sind.\"\nWelch herrliche Dichtung ist der Nachwelt viel-\nleicht auf diese Weise verloren gegangen. Wenn\nman schon Ueberzeugungen hat, soll man nach\nihnen nicht nur bei Langen, sondern auch mit\nMosse handeln. Es ist nicht auszudenken, wel-\nches Unglück entstanden wäre, wenn Herr Au-\nburtin den Rhein statt im Buch im Berliner Ta-\ngeblatt angeschwärzt hätte. Herr Mosse lässt\nmit Tatsachen nur in der wahren Poesie spassen.\nWeil sie nämlich dort nicht hingehören. So\ndurchwandert Herr Auburtin alle Provinzen. In\nseiner Jugend lebten in Westfalen noch die Sach-\nsengeister und die Zwerge mit der Zauberrute\n(wie wahrhaft poetisch), jetzt sind sie unter den\nKlamottindustrien erstickt. In den kleinen Städ-\nten sind die kuriosen Apotheker verstorben. Dass\nHerr Auburtin jetzt sein Buch in den dort ent-\nstandenen Warenhäusern von Tietz kaufen kann,\nist sicher nicht poetisch.\nZwischen Deutschland und Rom wird Herr\nAuburtin nachdenklich. Er fürchtet, „dass spiri-\ntualistisehen Gemütern die Art der Vorrechne-\nrei, wie er sie betreibt, etlichermassen naiv vor-\nkommen dürfte.\" Aber er beruhigt sich schnell,\ndenn „die Kunst ist eine Realität in diesem Le-\nben und kann als Wirklichkeit und Ding ihre\nganz bestimmte Masse beanspruchen.\" Ich fin-\nde wieder die reelle Kunst „etlichermassen\".\nSchon Herr Winckelmann war dagegen, dass\nin Rom die göttliche Anarchie aufhöre. Auch\nBöcklin und Ludwig Richter waren dagegen.\nSie alle hatten Angst, dass sonst kein Platz für\ndie Schatten bleibe, „deren einer mehr wert ist,\nals dies ganze Geschlecht.\" Die Schatten sind\ngegangen, sagt Herr Auburtin, aber er ist ge-\nkommen und hat Platz gefunden.\n„Eine Welt ohne Rhein, eine Welt ohne Rom,\ndenke dies durch, Freund Leser, und du fühlst,\nwie es Nacht wird. Die grosse eine Nacht, der\nwir alle entgegengehen.\" Schattenpoesie, Freund\nAuburtin. Auf lateinisch omnes una manet nox.\nAuburtins Motto aus jener Zeit. Aber lieber\nfahrt ich nach Athen, als mit ihm einer Nacht\nentgegenzugehen.\nEleusis, jammert Herr Auburtin, Eleusis\nproduziert Seife und Zement. „Diese Stätte, die\neinst Demeter und den jungen Bacchus gab.\"\nMan kann sie von dort nicht mehr beziehen,\nund die Poesie muss ohne diese Götter aus-\nkommen. Es ist nicht auszudenken.\nAber damit noch nicht genug: Auch die\nfernste Gegend liefert keine Poesieklischees mehr.\nFrüher gab es dort noch Feen und Riesen und\nAmazonen und Spinnräder und Moguls. Herr\nAuburtin ist überall dagewesen und hat nichts\nvorgefunden. „Die Welt sieht aus wie Warne-\nmünde.\" Das ist die erste poetische Uebertrei-\nbung, denn Herr Auburtin war in Heringsdorf.\nWie kann man in der Kunst von Dingen reden,\ndie nur vor 1850 vorhanden waren. Die Kunst\nstirbt. Denn heute kann man jedem Dichter\ndurch eine Reise im Speisewagen nachweisen,\ndass er bewusste Unwahrheiten verbreitet. Pa-\nragraph 185 des Strafgesetzbuches.\n„Die wahre Poesie flieht die Helligkeit, sie\nwispert um die verlornen Kronen kranker Kaiser,\num das Gräul Blutopfer im Walde, um den er-\nmordeten König.\" Also an der Beleuchtung\nliegt es. Die Sache wird immer klarer. König\nManuel wird bei hellem Tage vertrieben, die\nLustmorde gehen jetzt nachmittags vor sich und\nwerden von Herrn Auburtin unter Umständen\nglossiert, und König Alexander von Serbien\nwird am Vormittag ermordet. Alle diese wahr-\nhaft poetischen Ereignisse um einige Stunden\nverschoben und die wahre Poesie wäre nicht\ndavongeloffen. Die Dichter haben wirklich Russ.\nDas ist der eine Grund. „Die Kunst stirbt,\nweil ihr ringsherum die Welt und der Stoff"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "584", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.6", "texte": "zerstört wurden. Es wäre zu ertragen, wenn\nwir nur in unserem Herzen noch das Fabelland\ngewahrt hätten. Aber auch unsere Herzen gin-\ngen der Kunst verloren, wurden verödet, und\ndas ist es nun, warum ich meine, dass die Her-\nzenssache Kunst in Gefahr geriet.\" Er ist ein\nGemüt, der Herr Victor Auburtin. Und ein\nPoet. Nachdem er sich unerhört über den Aus-\nverkauf von Stoffen erregt hat, entdeckt er als\nKonjunktur das Fabelland im Herzen. Jetzt\ngeht es überhaupt der Kunst besser, der Freund\nLeser atmet beruhigter auf — das Herz be-\nfindet sich vorläufig nur in Gefahr. Herr Au-\nburtin hat sich bereits in Behandlung begeben,\ndenn er teilt mit, dass „die dunklen Schächte der\nLeidenschaft und des Wahnes verschüttet, und\ndie rauschenden Ströme unserer Pulse reguliert\nund in zweckmässige Bahnen gelenkt wurden.\"\nHätte der Fortschritt die Aerzte nicht erfunden\n(nach 1850), so wäre die Krankheit Kunst un-\nserm Auburtin erhalten geblieben.\n„Es wird Nacht. Das wichtigste, was ich zu\nsagen und als Argument in meine Sache zu\nstellen habe, ist dieses, dass die Leidenschaft\nstirbt, und dass deshalb eben auch die Kunst\nsterben muss, die eine Sache der Leidenschaft\nist.\" Wieder eine Tote. Herr Auburtin weint,\ndass einem anständigen Menschen von heute\nLeidenschaft, Zorn, Sehnsucht und Träumerei\nlächerlich und verächtlich erscheine. „Wie sol-\nlen wir da die Sprache der Musen noch ver-\nstehen?\" Nicht möglich, auch die Musen sind,\nalle neune, bereits verstorben. Eine Gasanstalt\nhat sie aufgenommen, nur Herr Auburtin führt\nsie noch im Munde.\nUnd so weiter. Der Prophet verhüllt sein\nHaupt. Die städtischen Menschen schwindeln\nsich im Theater Begeisterung vor. Die Leute\ngähnen. Die Kunst stirbt.\n„Die Kunst ist Enthusiasmus. So sagten\ndie Griechen, da sie ja die Kunst so gewisser-\nmassen erfunden hatten.\" Die Griechen haben so-\ngar „gemeint, dass dem Künstler ein Gott im\nBusen wohnen müsse\". Der Götterbusen ist al-\nso gewissermassen eine griechische Krank-\nheit und Kunst ist Enthusiasmus oder Realität\nim Leben, oder kein Mensch weiss, was Kunst\nist. Die Angelegenheit kompliziert sich.\nSie kompliziert sich. Die Kunst stirbt und\n„die Litebe ist im bebten Begriff eine Krlsüs\ndurchzumachen.\" Am Ende geht sie wirklich\ndrauf. Das reine Krankenhaus. „Der grosse\nEros ist diskreditiert worden.\" Er macht also\nauch keine Geschäfte mehr. „Wer liebt denn\nnoch, oder wer, wenn er liebt, wagt sich zu\ndieser Liebe klar und mutig zu bekennen. Wer\nkönnte heute noch schaudern und heiliger Flam-\nme voll unter dem Balkon der Liebsten stehen?\n(Dreiviertel aller Kunst kam aus dieser Situation\nher).\" Die Liebe unter dem Balkon hat offen-\nbar zu viel Schattenseiten. Wenn Herr Aubur-\ntin für seine Kunst durchaus die Situationsko-\nmik braucht, soll er sich mal ruhig mit seiner\nMandoline zur Liebsten begeben. Am Kurfür-\nstendamm steht nie ein Schutzmann, er kann\ndie heilige Flamme zum Schaudern leuchten las-\nsen. Kunst ist Realität im Leben.\n„Was jetzt an Liebesgedichten angefertigt wird,\ndas dürfte zum grössten Teil Schwindel sein. . .\nUnd über die Fabrikation von Celluloidkämmen\nlässt sich ebensowenig ein Gedicht schreiben,\nwie der Fortbildungsschulunterricht der Hinter-\ngrund eines neuen Hermann und Dorothea sein\nkönnte.\" So stirbt die Kunst an Celluloidkämmen.\nHerr Auburtin wird sich doch wohl unter ihren\nBalkon begeben müssen.\n„Aus mit Heine, aus mit des Meeres und\nder Liebe Wellen.\" Wie gut, dass die Loreley\nnoch keinen Celluloidkamm verwenden konnte.\nWie gut, dass die Balkone schon von Hero und\nLeander erfunden waren.\n„Und die Kunst stirbt, weil die Liebe ge-\nstorben ist.\" Krisis mit letalem Ausgang. Wie-\nder eine Tote.\n„Der uniforme Sport, die Beschäftigung mit\nder Politik, der tägliche Genuss desselben\nZeitungsgemüses, das plättet alle\nindividuellen Unterschiede und Widerborstigkei-\nten hinweg.\" Der Mensch soll nicht wiederkäuen,\nsonst plättet er sich mit seinem eigenen Zei-\ntungsgemüse die ganze Individualität fort. Ja, der\nHerr Auburtin. Gewaschen, gebleicht, gerollt,\nund mit Zeitungsgemüse geplättet, da soll der\nKunst nicht schlecht werden.\n„Der Krieg scheint so allmählich aus der\nMode gekommen zu sein, und alle Seifensieder\natmen freier. Aber erwogen darf doch werden,\ndass aus diesem abgeschafften Kriegsgräuel das\nkräftigste wuchs, was die Poesie sagte.\" Viel-\nleicht hilft sich Herrr Auburtin mit dem rus-\nsisch-japanischen Krieg und den marokkanischen\nWirren. Das kann noch ganz hübsche „Früch-\nte zeitigen.\"\n„Die Kunst stirbt, weil das Abenteuer\nstirbt.\" Eine wahre Epidemie.\n„Die Zukunft wird keine Persönlichkeit dul-\nden und ertragen. Sie wird also auch keine\nKunst haben, da die Kunst die Tat der Per-\nsönlichkeit ist.\" „So wie die Welt jetzt werden\nsoll, war sie nie. Sie hat noch nie die Industrie\ngehabt, die sie jetzt hat. . . Sie hat noch nie\nso wie jetzt jede Regung des Ingeniums knebeln\nund niederzwingen lassen durch eine unerhörte,\ndie Weltumspannende soziale Organisation.\"\nAlso die Celluloidkämme vernichten das Inge-\nnium und die Persönlichkeit. Die gute alte Zeit.\nDie hatte nur Sklaverei, Despotismus, Kirchen-\nzucht, Folterkammern. Das war zwar nicht\nschön, aber poetisch. Das bischen Gefängnis\nvon Cervantes, das bischen Scheiterhaufen von\nGiordano Bruno, das bischen Verhungern von\nMozart, das bischen Karlsschule von Schiller,\ndas bischen Verbannung von Richard Wagner,\nwas bedeutet das alles gegen Celluloidkämme und\nMörtelkähne? Nein, Herr Auburtin, wenn die\nKunst stirbt, so stirbt sie nur an übermässigem\nGenuss von Zeitungsgemüse, das Sie und Ihre\nKollegen ihr in den Mund stopfen. Sie plätten\nihr mit Ihrer Geistigkeit den Busen aus und\nweinen dann nach solcher inneren und äusseren\nBehandlung über ihr Aussehen. Und alles das,\num sie der Industrie gefällig zu gestalten. Hal-\nten sie die Industrie, die sogar die Celluloid-\nkämme erfunden hat, für so dämlich, dass sie\nan dieser Jammergestalt noch Vergnügen haben\nsoll? Vielleicht ist die Industrie so dämlich.\nAber die Kunst stirbt nie an Missachtung, eher\nschon wenn man ihr den Brustkasten einzudrük-\nken versucht. Das soll nicht geschehen. Der\nSturm wird die falschen Diagnostiker so ausein-\nanderreissen, dass sie bei ihren Eisenbartkuren\n> >\nselbst letal abgehen. Sie können sich immerhin\nfreuen, dass die Kunst, der der Stoff ausgeht,\nsich noch mit Stoffeln begnügt.\nKein Mensch weiss, was Kunst ist. Des-\nhalb rnusste Herr Auburtin ein Buch darüber\nschreiben.\nT rust\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich\nUngarn / I. V.: Oskar Kokoschka\n\nLes Cahiers du Centre\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe , Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJanresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich\n\nMarges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\n\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur rnoderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nYerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Yienne)\nFrankreich\n\nfa id\nYerlag ~Der Sturm\"\nt\nHerwarth Walden\nDAFNISUEDER\nFiirGesang u.Klavier/52Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee/Katharinenstrasse 5\nJ1\n\nIBI■ I ■ I\nFCC\n■ HERAUSGEBER\n■\nH Karl Kraus\n■\n■\n■ Erscheint in zwangloser\n■ Folge\nj lummer 326/327/328\nist erschienen\na\nPreis 75 Pfennig\na 80 Seiten\nMit einer Illustration:\nH Der Sieger\n\" OBERALL ERHALTLICH\n■\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "585", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.7", "texte": "Maximilian Macht\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gedachtnis-Kirche\nJournal-Lesezirkei\nAusstellungen der Neuen Sezession\nVerlag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "586", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110819-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nE=L\n[jf Else Lasker-Schiiler\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Butten gebunden\nDrei Mark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig\n—\n\nLE\nCOURRIER de LA PRESSE\nBUREAU de COUPURES de JOURNAUX\nFrangais et Etrangers\nFonde en 1889\n21, Boulevard Montmartre PARIS 2e\nGALLOIS & DEMOGEOT\nAdresse Telegr.: COUPURES PARIS — TfiLEJPHONE 101.50\nLe COURRIER de la PRESSE: Re<?oit, lit et decoupe tousles\nJournaux et Revues et en fournit les extraits sur tous sujets\net personnalites.\nService special d'lnformations partiques pour Industriels\net CommexQants.\nTARIF: 0 fr. 80 par Coupure\nTarif reduit, paie- Par 100 Coupures, 25 francs\nment d'avance, sans „ 250 „ 55 „\nptfriode de temps li- „ 500 „ 105 „\nmite. „ 1000 „ 200 „\nOn traite h forfait pour 3 mois, 6 mois, un an\n\n! Verlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\nHalbjahr „ 3,—\nJahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer 1 bis 56 mil Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei\n\nPressrelationsbui'eaii Hansa\nBerlin NW 23 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nackrichten iiber\ntat, Literatnr, Wissenschaft\nin jeder Hinsicht nnbedingt zuverlassig.\n:: Akademisch and literarisch gebildete Lectoren ::\nvorzugliche Organisation\nFernsprecher Berlin II 6121\n\nTHRICHOPHIL\n1 F1.M.3,00 F1.M.3,00 g\n|g| ■■■■■■■■■■■■■&■ == nur belra Fabrikanten: = «•■»■»■■■■■■■■■ g||\n| Otto Tentscher / Frisetir 2\nKI. Geschaft: 106 a Potsdamerstr., Eing. 63 Stejlitzerstr.,Tel.Vl, 6735 M\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,63B7\nIBiiiOOOOOOeOOHIIB\n\nDr. Rudolf Bliimner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a.d. Schauspielerschule d.Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. Rollenstudium\nCHARLOTTENBURG Sprechstunde: 5-6 Uhr\nWilmersdorferstrasse 75\n\nFrets 1 Hark Preia 1 Hark\nMenthol-Malz-Dragees\na .\n• ■\nSicheresMittel gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsofortigen Gebrauch der erkrankten Organe\n...... ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ——\nZa habcn In allee Apotbekca nod Drogerlea / Alletaige Fabrtkantin\ns,Pharmacia\" / Fabrlk Mr pfaarmaceotiscben Bedarf / Berlia-Haleasee\nWohlsdimeckend Sicker wirkend\n. .\n\nL#r.ta.Tn Cafe Continental £££%\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler-Konzert\nAll® bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften\n\nHandelswissen- EVififlp Hffuctoi9 ¥ •\nschaftl. Kurse von rllCltl- iVICdICI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Orundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- una Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tStig waren und den\nForderungen der Oegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftiicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\n\nHeine und die Folgen\nEssay\n80 Pfennig\nVerlag Albert Langen\nMiinchen\n\n■ HBiißßsaaim\nI Die Wasserkraft\nZentralblatt ftir Industrie,\nn\nj\" Ingenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=\ntechnik etc.\nfi Organ des Verbandes mittel-\nBund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\n. deutscher Holzmehlfabriken\n. und elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nft Inserate finden in der Wasser-\ngl kraft weiteste Verbreitung. —\n. Geschaftsstelle und Verlag\nH Duderstadt a. Harz. Vier-\njjj teljahrspreis M. 1,25 bei freier\n® Zustellung. — Die Herren\n■ Verleger werden um Ein-\nB sendung ihrer Neuerschei-\nB nungen zur Besprechung\ng gebeten.\nB Probenummern umsonst und\ng postfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nHI Vertreter gesucht\n\nVegetariselies Gastliaus\nFREYA\n■ Charlottenburg\njjj Bismarckstrasse 9\nAm Knie ■■■■■■■\n□ □\n□\nAngenehmer Aufenthalt\n112 iir Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nEDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\nSBSggg BERLIN W 35 gg§g§g\nAnkauf einzelner Werke\nund ganzcr Bibliotheken\nSoeben erschien: Kataloe XVIII: Llteratur\nGeschichte, Kunstgeschlchte, Ulustrierte\nWerke in deutscher, englischer, fran-\nzos. Sprache zu besonders billigen Prdstn\nDemn&chst erschelnt: Katalog XXI / Kunst-\nbiatter: Portrsts, StSdteansicnten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugblatter, nenere\nund jlltere Oenrebilder, Blatter voh\nMenzel, Beardsley, Rods, Stanuabucher\nSilhouetten, Japanbutter etc. etc.\nKataloge / gratis und franko /\nbitte direkt zu yerlangea\n\nDie Abonnenten\nnnserer\nWochensctrift\nwerden hoflichst um\nEinsendung des falli-\ngen Betrages gebeten.\nEr wird andernfalls un-\nter Nachnahme mit Zu-\nschlagder Einziehungs-\nkosten behobenwerden.\nSamtliche Postamter\nnehmen Bestellungen\nauf unsere Wochen-\nschriftentgegen. Probe-\nnummern werden an\njedeangegebene Adres-\nse versandt.\nTerlag „Der Sturm\""}]}