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Sie äusserte ihre Ansicht\nhierüber „einem anwesenden Mitarbeiter des Bu-\nkarester Tageblatts\". Der Mitarbeiter war so ent-\nzückt, dass er die Königin bat, einen Aufsatz\nüber „Todesfälle infolge Hitze\" zu schreiben. Die\nKönigin von Rumänien, die als Carmen Sylva\ndurch ihre Dichtungen schon manches Buka-\nrester und Berliner Herz entzückte, gab diesem\nAnsinnen nach und schon ist die B. Z. am\nMittag „in der Lage\", einen königlichen Beitrag\nzu veröffentlichen. Die Königin empfiehlt, bei\nder Hitze von Obst und Wasser zu leben und\nvor allem keinen Alkohol zu trinken. Sie\nschliesst ihre „bemerkenswerten\" Ausführungen\nalso:\n„Kaffee ohne Zucker ist i,auch sehr gut, mit\nEis darin und ganz schwach. Auf Wohl-\ngeschmack nach deutschen Begriffen muss man\nin solcher Zeit verzichten, und man wird ge-\nsund bleiben und durchaus nicht sterben. Kal-\nter Kaffee ist ein grosses Gut bei der Hitze,\nnur nicht stark, sondern mit irgendeinem\nsprudelnden Gewässer und Eis verdünnt. Bit-\nte, beachtet, was ich sage. Denn ich spreche\naus vierzigjähriger Erfahrung und habe\neinen Band Rheinweinlieder ge-\nschrieben, woraus man ersehen kann,\ndass ich meine deutschen Gefühle\nnicht verloren oder vergessen, sondern nur\nbeobachtet und studiert und Schlüsse ge-\nzogen habe. In allen Ausschankstätten soll-\nte man kalten Kaffee und kalten Tee servie-\nren, aber beileibe nicht kalte Milch. Die\nkann augenblicklich Tod herbei-\nführen,was ich auch erlebt habe.\"\nDer letale Ausgang ist hoffentlich nur ein\nUebersetzungsfehler. Ich ziehe Eiskaffee auch\ndem Rheinwein vor. Aber lieber Rheinwein fass-\nweise, als Rheinwein-Lieder bandweise. Die sind\nbei keiner Temperatur zu vertragen.\n\nDer Sänger mit dem Kronprinz\nHerr Regierungsrat Zache hat ein Buch er-\nscheinen lassen: Mit dem Kronprinzen durch In-\ndien. Ich habe es nicht gelesen, werde es auch\nnicht tun. Was aber der Hauptmann Dannhauer\nvom Lokal-Anzeiger darüber zu berichten weiss,\ndas muss man gelesen haben. Umsomehr, als\nausgiebig „eingestreute\" Zitate aus dem Buch\ndes Sängers Zache das Werk selbst entbehrlich\nmachen.\n„In geistvollem Feuilletonstil bringt er das,\nwas er während der Kronprinzenreise gesehen\nund miterlebt hat, zu Papier; dabei weiss er\nauch die oft nicht zu umgehenden Ret semiseren\nmit köstlichem Humor in eine amüsante Be-\nleuchtung ztf rücken. .\" Der Regierungsrat\nZache, sagt der Hauptmann Dannhauer, ist ein\nMann von vielseitiger Bildung und verfügt über\neinen reichen Schatz allerdings nur wertvoller\nErfahrungen. Man braucht sich daher nicht zu\nwundern, dass Herr Sänger Zache „zu den Pro-\nblemen verschiedenster Art mit treffenden eigenen\nUrteilen Stellung nimmt. Andererseits \"\nAndererseits verfügt der Autor über eine schöne\nSprache. Er benutzt sie nach Mitteilung des\nHerrn Dannhauer dazu, „Schilderungen beim An-\nblick zuvor noch nie gesehener Herrlichkeiten\nim Wunderlande Indien bis zu stimmungsvoller\nPoesie zu steigern. Mit männlicher Kraft greift\nda der Dichter in die Seiten. So bei dem zau-\nberhaften Anblick des Sonnenaufgangs im sagen-\numwobenen Himalaja. . .\" Indien hat dem Re-\ngierungsrat die harten Töne beigebracht. Der\nSonnenaufgang wird sogar schon in der sagen-\numwobenen Mark Brandenburg stimmungsvoll\nempfunden. Wie zauberhaft muss da erst die\nPoesie im Himalaja ausfallen. Aber „noch stär-\nker begeistert\" wurde Herr Zache, als er den\nherrlichen Grabtempel aus blendend, wirklich\nblendend weissem Marmor des grossen Mogul-\nkaisers Djihan erblickte. Dieser Grabtempel, man\nsollte es nicht für möglich halten, erhebt sich\nin einem friedenatmenden immergrünen Park.\nDer Friede wurde zwar durch zahlreiche Pilger\nhäufig gestört.\n„Doch gelang es unseres Wissens bisher\nnoch niemand, die hier gewonnenen\nEindrücke zu bringen, wie das der Verfasser\nin den seinem Buche einverleibten\nstimmungsvollen Versen tat, die er in\nnachstehender Schlussstrophe ausklingen lässt:\n„Schlaf deinen Schlaf in der Zypressen\nFrieden !\nIm Rosen dufte finde deine Ruh!\nTräum deinen Marmortraum! Kein Weib\nhieni e d e n ,\nMumtas Mahall, ward je geliebt wie du.\"\nWen diese Eindrücke nicht für Indien ge-\nwinnen, soll sich dort gleich begraben lassen.\nDer Zache dichtet, und der Marmor schweigt.\nDer Herr Wovon man spricht\nEr meldet Neues aus Paris, wovon man\nspricht. Pariser Künstler wollen Damenschneider\nwerden. Der Herr vom Lokal-Anzeiger emp-\nfiehlt den Firmen Paquin und Worth sich ihrer-\nseits der Malerei und Bildhauerei zu widmen.\n„Auch sie empfinden ihrerseits diese Kün-\nste als reformbedürftig.\n„Sie sind mit den Erzeugnissen der „Ex-\npressionisten\", wie man sie zeitweilig ja auch\nin Berlin zu sehen bekommt, vom ästheti-\nschen Standpunkt unzufrieden und haben sich\nvorgenommen, eine bildende Kunst zu schaf-\nfen, in der man die dargestellten Gegenstände\nwenigstens halbwegs erkennen kann. Man kann\ngespannt sein, was die Kunstschneider und die\nSchneiderkünstler der staunenden Mitwelt be-\nscheren werden.\"\nWenn diese witzigen Bemerkungen den Ex-\npressionisten nichts schaden, v/erden sie sogar\ndie Kunstkritiken des Lokal-Anzeigers überleben.\n\nUm Verbreitung wird gebeten\nSehr ernste Warnung!\nEntleiben Sie sich niemals, unter keinen Um-\nständen! Nur der Dummkopf glaubt, dass er\nnach dem scheinbaren Erschiessen, Hängen usw.\ntot sei.\nDer Aufgeklärte, Kluge, Vorsichtige weiss\nlängst, dass man sich überhaupt nicht tot ma-\nchen kann. Nur die Hülle ist tot. Dies gilt\nauch für die, weiche im Kriege fallen; sie sind\nnicht tot, und können es nicht sein, weil ein\nTod den Naturgesetzen zuwider ist. Was in-\nwendig steckt, der Geist, der Dirigent, der\nBefehlshaber, der Herr und Bewohner des Ge-\nhäuses, muss bewusst (ganz real) weiter leben.\nEr nimmt alle guten und bösen Eigenschaften,\ndie er sich im Erdenleben erworben hat, und\nalle Erinnerungen von Jugend auf mit hinüber\nins ewige Leben. Dort wird er gefragt, was\ner ge t a n , was er gelernt, wie er sein Erden-\nleben genützt hat.\nWer seine Hülle, sein Gehäuse selbst tötet,\nmuss für seine schlimme und feige Tat so-\nfort eine angst - und qualvolle Jen-\nseitsleidenszeit antreten, die das Erden-\nPeid tausendfach verschärft, und die Hunderte\nvon Jahren dauern kann.\nEin Menschenfreund\nDiese äusserst ernste Warnung wird in Bad\nSchandau durch Tausende von Zetteln mit der\nBitte um Verbreitung verbreitet. Man hat das\nlängst gewusst: Menschenfreunde sind überhaupt\nnicht tot zu machen.\n\nBezw\n„Ein Freund unseres Blattes\" beklagt sich in\nder B. Z. am Mittag über die Berliner Fried-\nhofsverhältnisse, die dringend „Abhilfe erhei-\nschen\". Nur der Kirchhof in der Bergstrasse\nentwickelt sich. „Inmitten herrlicher parkähnlicher\nAnlagen mit altem Baumbestand sind die Be-\ngräbnisstätten belegen, in lauschigen Gebüschen\nstehen Vogelschutzhäuschen, in den Alleen laden\ngediegene, weisse Ruhebänke ein, über das\nvergängliche Diesseits nachzudenken. Ueberall\nideale und praktische Zwecke miteinander ver-\nbunden.\" Das Ideale sind die Ruhebänke und\ndas Praktische das Nachdenken über das ver-\ngängliche Diesseits. Aber der Freund unseres\nBlattes ist mit den praktischen Zwecken ohne\nden idealen, wie man will, noch nicht ganz ein-\nverstanden. „Ein besonders wunder Punkt\nist die Anlegung bezw. Nichtanlegung von Toi-\nletten auf den Friedhöfen. Meistens sind\nsie garnicht vorhanden. Auchindieser Be-\nziehung ist der Sophienkirchhof mustergültig.\nEr wird es aber noch mehr werden, wenn das\nalte baufällige Verwaltungsgebäude durch ein\nneues ersetzt und der angrenzende Eingang\nmit einem dem herrlichen Garten entsprechen-\nden Portal versehen sein wird.\" Soweit\nman verstehen kann, wird der bezw. Nicht-\nanlegung von Toiletten, soweit sie garnicht vor-\nhanden sind, durch ein entsprechendes Portal\n\nDer Saalbesitzer als Erzieher\nIn den öffentlichen Tanzlokalen Berlins wird\nzu unschön und zu unanständig getanzt. Der\nVere'n der Berliner Saalbesitzer ist dagegen und\ntut das einzig richtige: er ruft eine Protestver-\nsammlung ein. Die Saalbesitzer sind durchaus\nentrüstet. Besonders über das „schöne Geschlecht,\ndas in Sommerlokalen durch Beugen und Schie-\nben nicht nur hässlich und ungraziös, sondern\nauch im höchsten Grade unanständig wirkt\". Da\nder Verein sich durch „Selbsthilfe\" nicht mehr\nzu helfen weiss, wendet er sich in seiner Not\nverzweiflungsvoll an die Polizei. Die Polizei\nsoll das Beugen und Schieben verbieten. Schliess-\nlich will der Saalbesitzer doch für das Geld\nseines Publikums wenigstens etwas anständiges\nund graziöses zu sehen bekommen. Man ist\ndoch schliesslich nicht zum Verdienen Saalbe-\nsitzer. Das „schöne Geschlecht\" könnte doch\nallmählich auch wissen, dass die Kunst kein\nVergnügen ist. Welch Glück, das die „Män-\nnerwelt\" das Beugen und Schieben nicht auch\nnoch auf den Tanz ausdehnt. Vielleicht, weil\nsonst schon genug gebeugt und geschoben\nwird. Die Polizei wird den Saalbesitzern bei-\nspringen, die „zulässigen Bewegungen fest-\nlegen.\" Bei Widerstand wird einfach geschos-\nsen. 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Sie äusserte ihre Ansicht\nhierüber „einem anwesenden Mitarbeiter des Bu-\nkarester Tageblatts\". Der Mitarbeiter war so ent-\nzückt, dass er die Königin bat, einen Aufsatz\nüber „Todesfälle infolge Hitze\" zu schreiben. Die\nKönigin von Rumänien, die als Carmen Sylva\ndurch ihre Dichtungen schon manches Buka-\nrester und Berliner Herz entzückte, gab diesem\nAnsinnen nach und schon ist die B. Z. am\nMittag „in der Lage\", einen königlichen Beitrag\nzu veröffentlichen. Die Königin empfiehlt, bei\nder Hitze von Obst und Wasser zu leben und\nvor allem keinen Alkohol zu trinken. Sie\nschliesst ihre „bemerkenswerten\" Ausführungen\nalso:\n„Kaffee ohne Zucker ist i,auch sehr gut, mit\nEis darin und ganz schwach. Auf Wohl-\ngeschmack nach deutschen Begriffen muss man\nin solcher Zeit verzichten, und man wird ge-\nsund bleiben und durchaus nicht sterben. Kal-\nter Kaffee ist ein grosses Gut bei der Hitze,\nnur nicht stark, sondern mit irgendeinem\nsprudelnden Gewässer und Eis verdünnt. 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Z. am Mittag über die Berliner Fried-\nhofsverhältnisse, die dringend „Abhilfe erhei-\nschen\". Nur der Kirchhof in der Bergstrasse\nentwickelt sich. „Inmitten herrlicher parkähnlicher\nAnlagen mit altem Baumbestand sind die Be-\ngräbnisstätten belegen, in lauschigen Gebüschen\nstehen Vogelschutzhäuschen, in den Alleen laden\ngediegene, weisse Ruhebänke ein, über das\nvergängliche Diesseits nachzudenken. Ueberall\nideale und praktische Zwecke miteinander ver-\nbunden.\" Das Ideale sind die Ruhebänke und\ndas Praktische das Nachdenken über das ver-\ngängliche Diesseits. Aber der Freund unseres\nBlattes ist mit den praktischen Zwecken ohne\nden idealen, wie man will, noch nicht ganz ein-\nverstanden. „Ein besonders wunder Punkt\nist die Anlegung bezw. Nichtanlegung von Toi-\nletten auf den Friedhöfen. Meistens sind\nsie garnicht vorhanden. Auchindieser Be-\nziehung ist der Sophienkirchhof mustergültig.\nEr wird es aber noch mehr werden, wenn das\nalte baufällige Verwaltungsgebäude durch ein\nneues ersetzt und der angrenzende Eingang\nmit einem dem herrlichen Garten entsprechen-\nden Portal versehen sein wird.\" Soweit\nman verstehen kann, wird der bezw. Nicht-\nanlegung von Toiletten, soweit sie garnicht vor-\nhanden sind, durch ein entsprechendes Portal"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "589", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 462, "texte": "aufgeholfen werden, sodass der wunde Punkt\nwenigstens durch den angrenzenden Eingang\nmustergültig wird. Der Freund fordert die an-\nderen Gemeinden auf, sich von dieser bezw. 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So macht\nsie aus einem sparsamen Prinzip der Entwick-\nlung eine undurchdringliche Laune, um zwei\nMenschen von unmöglichen Lasten zu befreien.\nDas Weiblichste hatte in seiner unausgespro-\nchenen Tiefe die Unbewusstheit vornehmer\nMacht. Die Frauenbewegung, die darauf aus-\nging, ihm die treulose Oeffentlichkeit zu erzwin-\ngen, war der normalste Unverstand, der je dem\nKlassenhass der Männer nachgeahmt sein mag.\nGegen den Trieb der Massen sind Anstands-\nrücksichten nicht angebracht. Die organische\nWelt bewahrt das Seltne in der Minderheit. Wenn\nFrauenköpfe die Geistlosigkeit der Männer noch\nvermehren, müssen unter der preziösen Fachsim-\npelei die Lebenskräfte leiden.\nEs wird für die Männer selbst nötig sein,\nden Begriff des Geistes von ihrer eignen Ge-\nschlechtsvorstellung zu trennen und mit mehr Be-\nscheidenheit von den Tatsachen unserer Lebens-\nregel Kenntnis zu nehmen.\nDie Frau, deren Leibesschmuck der Mann\nempfängt, ist von Anfang bis Ende die Einge-\nweihte, nicht nur als Versprecherin unseres\nGlückes, sondern auch als erste Ursache aller\nEmpfindungen für und gegen sie. Denn die\nFrau erregt zu unserem oft ungenutzten Vorteil\nbeständig Liebe und Eifersucht nicht anders als\nAbneigung und Verachtung in uns.\nDer Mann besitzt selten die Frau, die er\ninnig liebt. Die Frau braucht den Mann ganz,\naber er ist ihr gleichgültiger.\nDarum wird der Mann eher ohne Frau sein\nals die Frau ohne Mann.\nDie Frau unterliegt ohne Schmerzen: die\nüberlegne Bildung ihrer Glieder kommt lächelnd\nihrem Dank zu Hilfe.\nDer Mann wird mitunter seinen Standpunkt\nhaben müssen, aber die Frau ist immer in ihrer\nnatürlichsten Lage, so vielmal sich ihr Schön-\nheitsort verlegen kann.\nDas Rätsel der Frau ist die Erscheinung\neiner Seele in einem unbewussten Körper, und\ndie veränderte Seele der Frau ist das neue Le-\nben ihres Körpers.\nDie Frau geniesst das grössere Mysterium.\nWenn der Mann am Ende seiner Kraft ist,\nahnt erst die Frau die Möglichkeit ihres Ge-\nnusses.\nDer Mann, der die Frau geniesst, erfährt\nsein Glück nur durch das ihrige.\nWir glaubten, dass Wollust das Ziel der\nMännlichkeit wäre, aber sie gehört sogar in\nhöherem Grade zum Eigentum der Frau als ihr\nGenuss des Partners.\nEs gibt auch für den Mann eine Stufe der\nEntwicklung, wenn er einsehen lernt, dass er\nauf die Geschlechtsfreiheit der Frau eifersüch-\ntiger bedacht sein muss als auf die seinige.\nDass die Frau in der Umarmung des Man-\nnes die Naturgegensätze unmittelbar geniesst, ist\nderselbe Vorzug, der auch ihren schnelleren Ver-\nstand und ihr reizbares Gewissen entwickelt hat.\nDer Mann glaubt die Frau zu überraschen, aber\nder Weg des Mannes ist schon körperlich in\nder Frau.\nDie Aufnahmefähigkeit der Frau, welche drin-\ngender als die Hingebungskraft des Mannes\nist, lässt sie nahezu ungehemmt den Mann rei-\nzen, während dessen körperliche und geistige\nKräfte organisch begrenzt sind.\nDas Geschlecht ist die Genialität des Weibes.\nDie Artistik bildete den Glauben aus, dass\ndieses geniale Geschlecht keine inneren Hinder-\nnisse zu besiegen habe. Aber das Originalweib\nhat nicht nur die Unfähigkeit des Mannes, son-\ndern auch dessen höchste Fähigkeiten zu über-\nwinden.\nSein Trieb begehrt den Mann, um sich selbst\nzu geniessen. Das Bedürfnis des Mannes wäre\nallein unzureichend, die Frau zu befriedigen.\nDer Mann muss, um das reife Weib zu erken-\nnen, sich selbst schon überwunden haben.\nDas Weib ist das Wesen, das in äusserer\nBeziehung von jüngster Jugend an frei und\nglücklich zu nennen ist.\nDas männliche Genie, das von gleicher Ur-\nsprünglichkeit und unbegrenzter Wirkung zu\nsein scheint, ist nicht inneren, sondern ledig-\nlich äusseren Widerständen ausgesetzt. Der Cha-\nrakter des Geistes ist freie Innerlichkeit und Ab-\ngeschlossenheit gegen sein eignes Geschlecht. Der\nStil ist die Einsamkeit des Mannes und des\nMannes einzige Schönheit.\nGeistlose Unbedingtheit braucht die Täu-\nschung des in seinen Trieben gebundenen Wei-\nbes. Der an den Geist gebundene Mann schafft\ndas Ideal der Vollkommenheit des Weibes.\nDer Mann trägt allein die Verantwortung\nfür die Nachkommenschaft.\nDass sich die Frau bei jedem Geburtsakt für\nbeide Geschlechter opfert, sieht die Zahl der den-\nkenden Männer nicht als das Wesen des Erden-\nglückes an.\nMan muss sich vor allen kulturschädlichen\nUebertreibungen hüten. Der Mann bezahlt nicht\neinmal, sondern tausendmal für die Erhaltung\ndes physischen Lebens.\nWenn das Geschlecht durch gesetzlichen Kauf\nzwischen zwei Menschen verschleudert wird, zeigt\nsich die Lebensenttäuschung zweimal deutlich im\nGesicht.\nDer unmodernen Ehe fehlen die elastischen\nGrenzen, die sich hochentwickelte Wesen in ero-\ntischer Zucht der Liebe angewöhnen.\nIn jeder Ehe rächt sich, was vor ihr ver-\nheimlicht wurde. Der sichere Besitz, dies ängst-\nliche Gefühl verratner Natur, erfüllt die Phan-\ntasie mit Misstrauen. Wer aber immer seine\nPosition im Auge zu behalten hat, verliert den\nAnreiz zu neuen Rechten der Lust.\nDie abwechslungslose Ehe fällt wie eine\nKrankheit auf Mann und Frau. v Durch die Un-\nVollkommenheit, die in aller unbezweifelten Herr-\nschaft liegt, wird sie ins Unorganische hinunter-\ngezogen.\nDie Entbehrung sonniger Macht entblättert\nauch die freie Ehe.\nSie wird unter der Sitte bürgerlich, ja sie\nverbietet, dass sich eins von ihnen in Abhän-\ngigkeit bringe.\nDamit ist wieder ein seltner Fall spiele-\nrisch verdorben.\nEs wäre natürlicher, wenn statt des freien\nKindes des Lebens der ewige Mann der Beschä-\nmung ausgesetzt würde.\nWenn die Hetäre ein achtbares Besitzrecht\nam Mann übte, würde sie ein Interesse am\nMann haben und die Eigenart und den Takt\ndes Mannes nicht entbehren müssen, die in sei-\nnem aufrichtigen Gehorsam münden und die so\nentschieden zum Genussrecht der Frau gehören.\nImmer verhindert des Mannes schuftiges Ge-\nschäft seine innere Erhebung, dies Zweimal-Ge-\nschaffene eines Wesens, das seine Freuden aus\neinem originaleren Leben schöpft.\nSolange die Alleinbesitzende die Privatwirt-\nschaft war, bestand ein Recht des Mannes auf\ndie Frau und die Frau befand sich zu ihm\nim Verhältnis der glücklichen Sklavin. Sie war\ndas Weib der Erzväter. Sobald wir in Zeiten\nsozialer Irrungen uns Massenbetrieben nähern,\nist der Mann im Joch und die Frau ohne Mann.\nDie Frau ist jetzt entweder als Grossarbei-\nterin abhängiger als vorher oder sie ist als Gut\ndes Kapitalisten freizügig. In keinem Fall be-\nsteht eine Gewähr, dass männliche Moral sie\nnicht für vogelfrei erklären könnte.\nDie Bewegung der Kultur vermöchte nicht\nmittelmässiger fehlzugehn, als wenn auf die Hälf-\nte Sklaverei und die Hälfte Menschenfreiheit nun\nder ganze Fluch gegenseitiger Abhängigkeit folgte.\nDiese Gefahr ist aber durch die glückliche\nUngleichheit der Geschlechter von vornherein aus-\ngeschlossen.\nTatsächlich gelangt die Frau durch den Lie-\nbesgenuss zur sittlichen Freiheit und der Mann\ndurch denselben Naturweg zur sittlichen Gebun-\ndenheit.\nDie Welt der Frau braucht nur den Ge-\nschlechtsverkehr, um Rasse zu bekommen. Die\nUnpersönlichsten erzielen diese wesentliche Wir-\nkung tadellos, indem sie den Mann die Stim-\nmung für sie machen lassen.\nDer Mann von heute will wohl der Lie-\nbesuntertan der Frau, aber kein ehrlicher Gei-\nstesuntertan sein. In Wahrheit müsste er sich\nauch an Geist der Frau unterlegen fühlen.\nDenn die Frau lernte in der Zeit ihrer Ge-\nschichte reichliche Gründe, um die Liebe zu ei-\nner Angriffswaffe zu schleifen.\nEs war ein interessanter Gedanke, der in\nder alten Welt auftauchte, dass alle Frauen ein-\nmal geschlechtlicher Freiheit opfern sollten.\nDiese Zeremonie hat sich in Europa rasch\nverweltlicht. Unsere Damen, von Illusionen we-\nniger abhängig als von ihnen gewünscht wird,\nkönnen sich bereits besser beherrschen als un-\nsere Herren.\nBei der von Natur Begabten kann deshalb\nnicht von Preisgebung gesprochen werden, weil\nsie sich hingibt, um anzuziehen oder abzu-\nstossen. Dagegen kann die Alltägliche, wenn sie\nden Mann geschenkt bekommt, was der häufig-\nste Fall ist, für ihre höhere Entsagung füglich\nForderungen erheben.\nTrotzdem ist jeder Mann prostituiert, der\nbezahlt hat, ohne den lebendigen Wert des Wei-\nbes zu empfinden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "590", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2979, "texte": "Der Mann lebt von dem Wort der Frau\nund wer nicht einwilligt, sein Geheimnis von\nihr anzunehmen, weicht dem Sinn der Träume\nund der Sterne aus. Erst wenn das Leben des\nWeibes in allen Folgen gerechtfertigt ist, kann\nder Mann vor höchsten, unverkäuflichen Vorzü-\ngen Respekt bekommen und das übrigbleibende\nKleinleben politisch beherrschen.\nDie Frau kann das Phantasiebedürfnis eines\nschlichten Mannes, der im Geschlecht sein Glück\nsucht, leichter befriedigen als dieser die Reize\nder einfachsten Frau. Die einfachste Frau ist\nnoch kompliziert, weil sie dem Leben zu Liebe\nauch unpersönlichen Gründen gehorcht. Sie\nglaubt schwerer, die einzige Erlösung gefunden\nzu haben, als er. Ihm unterscheidet es sich\nnicht oft so fein notwendig, glücklich zu sein.\nEs genügt daher, wenn er später als die Frau\nglücklich ist. — Sein Reden bei der Arbeit ist\ntödlich wie ihr Gekicher. — Solange eine Frau\nin der Erscheinung ist, kann der Mann einmal\nalle Eitelkeit ausschalten.\nIhre Liebe suchen, das tut schon die Frau\nmit Erfolg. Aber dass sie ihren Geliebten als\neinen Mann fand, das hat der Mann durch die\nVorstellung gestört, dass er wählen müsse und\nnicht gewählt werden dürfe. Also nur aus Vor-\nsicht glaubt er ein Charakter sein zu müssen,\neine volksmässige Willkür!\nDie Stimmung des Mannes ist gegenüber\nder Leistung der Frau Nebensache.\nGewissheit zu bekommen über die Liebe der\nFrau, ist sogar für beide ein Interesse zweiten\nRanges.\nAber was kein Mann ohne geistige Läu-\nterung erfährt, ist das Erlebnis der originalen\nFrau aus erster Nähe. Diese Erkennung kann\ndem Mann als Beweis der körperlichen Genug-\ntuung dienen.\nWenn der iMann den Irrsinn des Lebens mit\ndem bitteren geistigen Geschmack auf der Zunge\nfühlt — nur ein Weib mit seinen leichten Sehr t-\nten kann diesen Abstand der Gedanken gegen\ndie Welt einholen.\nWer also hat mehr Liebe und wer braucht\nmehr Liebe?\nDer Leidenschaft, die ein Wagnis ist, folgt\ndie Frau. Denn tiefe Ursprünglichkeit ist unbe-\nwusst.\nDie Liebe ist eine Konvention, denn sie ist\nkeine besondere persönliche Begabung, aber sie\nist vielleicht die individuellste Lebensform der\nVerwandtschaft.\nWenn sie am Ende als das Erlebnis selbst\ndarstellt, war sie auch für den Anfang voraus-\nzusetzen.\nWenn aber nicht der Ursinn des Weibes,\nsondern mitleidige Neugier eine Frau nach dem\nGeist des Mannes treibt, bewahre er sie vor\nUnglück und Beschämung. Der Geist des Man-\nnes war ihr von Männern als etwas Lustiges\nvorgespiegelt und die Kälte des Mannes war von\nihr mit Geist verwechselt worden.\nDer Mann sollte noch durch persönliche\nUeberzeugungen ein Lebensschicksal auf sich neh-\nmen. Das echte Weib hat schon sein Schicksal;\ndie instinktive Lust.\nWas aber auch die Mehrzahl der Männer\ndurch ihre kitschige Geschlechtsfreiheit an Ver-\narmung beider Geschlechter verschulden, dieje-\nnigen verbreiten durch die Frau Ströme der\nEnergie des Glücks, welche in der Beziehung\nder Geschlechter aus sinnvoller Phantasie einem\nstarken individuellen Zwang folgen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "590", "page_fin": "590", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.2.5", "titre_corps": "Friedrich von Schennis", "titre_sommaire": "Friedrich von Schennis", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "590", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.4", "debut_caractere": 2981, "fin_caractere_exclue": 5811, "texte": "Friedrich von\nSchennis\nElse Lasker-Schüler\nDer Baron ist eine Schöpfung aus Genie;\ner ist bereitet aus Himmel und Satan, aus Fege-\nfeuernuancen und gottblau. Mein Bruder nannte\nihn den Marquis; ich dachte immer, könnte ich\nden Marquis sehn. Eines Tages sah ich den\nMarquis in gepuderter Perücke, in blauem\nSammtrock, die Rokokohände zwischen feinen\nSpitzen, lustwandeln über die Wege von Sanssouci\nauf seinem Biid in der Nationalgalerie. So\nüberall im Rahmen atmet er mit seinen Farben\nvermischt; zwischen ocker und bleu liegt er auf\nseiner Palette. Und aus den Rosen des Parkes\nsteigt sein Duft und die Stirn des Schlosses be-\nscheint seine Andacht. Friedrich von Schennis\nist ein Andächtiger. Noch zwischen losen Frau-\nenlippen und seinem wilden Zynismus lauscht er\nnach Gott. Sein Zynismus schluchzt. Der Ba-\nron ist schön, sein Angesicht ist feierlich, im-\nmer liegt ein Schleier auf seiner feinen Haut. Die\nfältet sich schmerzlich dann, wenn sein Auge\ndie Wirklichkeit erblickt, die Wirklichkeit ohne\nZeremonie. Ich wundere mich nicht, dass er den\nPhilister hasst, den Sonntags- und Alltagsphili-\nster, noch eindringlicher aber empfinde ich seine\nVerachtung gegen den freigewordenen Bürger-\nsohn, den Studenten der Kunst. „Die Kunst kann\nman nicht erlernen, nicht wahr, Herr Baron,\nHerr Marquis, König aller Könige?\" Ich sitze\nneben ihm und bin der Prinz von Theben. Und\nzu seiner Linken versteht ein Arzt des Rau-\nsches die unbekümmerten Launen des Barons zu\nbeschwichtigen. Aber der Baron liebt das Gau-\nkelspiel des Herzens. Wir müssen mit ihm Cham-\npagner trinken, er will Begleiter zur Vergessen-\nheit haben. Aber ich weiss, der Baron kann\nnicht vergessen, er kann wohl trunken, doch nicht\nbetrunken werden. Ich vergiesse den schäumen-\nden Luxus, der herrliche Mundschenk zersplit-\ntert, mich zu ehren, meinen gläsernen Kelch. Das\nhätte Friedrich der Grosse auch in seiner Flö-\ntenlaune getan; der Baron stammt aus der Zeit\nder Flötenkonzerte. Er hat kein Alter, er ist\nwandelbar wie die Zeit, die einmal Lenz und\neinmal Herbst zum Zeitvertreib ist. Trägt der\nMarquis nicht seine Perücke wie auf der\nSchlosslandschaft in der Galerie, so ist sein\nHaar aschblond, sein Auge ist aus Merveil-\nlieuxseide, und seine Hand bewegt sich immer\nwie zum Holen einer Schönen zum Menuett.\nSeine Freude und seine Schwermut sind Jüng-\nlinge, und darum hasst er den Tod und möchte\nihn vergessen im Wein. Sein Esprit erinnert an\nVoltaire, lauter Blitze, die treffen und Brände\nwerden. Wenn der Mond gegangen ist über den\nGarten, dann werden wir auch nach Hause gehn,\nich will noch über Friedrich von Schennis ei-\nnen Essay dichten. Seine Bilder sind adlig und\nblaublütig. Liszt, der Musikpapst, Wagner und\nder Grossherzog von Weimar sind seine stol-\nzesten Werke und die vielen Liebeslandschaften\nhängen in Nischen minniglicher Schlösser."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "590", "page_fin": "591", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.2.6", "titre_corps": "Die Inscenierung", "titre_sommaire": "Die Inscenierung", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "590", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.4", "debut_caractere": 5813, "fin_caractere_exclue": 9127, "texte": "Die Inscenierung\nVon William Wauer\nDie Darstellung eines Dramas ist eine Aus-\nlegung, eine Interpretation, eine Vergewaltigung,\nwie jede Interpretation und Uebersetzung.\njedes Kunstwerk ist einfach, einheitlich: so\nmuss es auch das Bühnenkunstwerk, eine „Dar-\nstellung\" sein. Und unsere heutigen Theaterauf-\nführungen?\nEine künstlerische Darstellung, in der nicht\nalles innere Notwendigkeit ist, verliert ihre\nzwingende suggestive Kraft: sie hat die ihr zu-\ngehörende organische Form nicht erreicht.\nGeht die Darstellung nicht von rein dar-\nstellerischen Gesichtspunkten aus, so muss\nder Wert der Darstellung unter den literarischen\ndes Wortdramas, das aus rein d i-c hte r i -\nsehen Gesichtspunkten entstanden ist, herab-\nsinken.\nHeute sinkt jedes Dichtwerk bei seiner Auffüh-\nrung tief unter seinen literarischen Wert in der\nForm herab.\nWorte sollen in der Darstellung nicht „sa-\ngen\" sondern klingen.\nNur der Ausdruck eines Wortes, einer\nGebärde, einer Miene spricht unmittelbar zu uns.\nWorte können nur bedeutungsvoll\nsein, ausdrucksvoll ist nur der Tonfall,\nder Klang, das Mienenspiel, die Gebärde —\nkurz alles das, was als Form und Inhalt iden-\ntisch ist, wenn es vollendet erscheint. Soweit\nnun die Darstellung Ausdruck ist, sind die\nWorte (Sinnträger) nur Mittel zum Zweck. Des-\nhalb sind die Worte nicht die Hauptsache an\neiner dramatischen Darstellung, solange sie eine\nkünstlerisch-theatralische und nicht eine literari-\nsche sein will. Das Darstellen ist in der Dar-\nstellung das Notwendige — der Text ist nur\nWegweiser.\nFür die Darstellung ist das dramatische\nKunstwerk das „Motiv\", nicht der „Endzweck\".\nDenn ihr Endzweck ist kein dichterischer, son-\ndern ein darstellerischer.\nDen Sinn eines Dramas im Einzelnen und\nim Ganzen sinnfällig zu machen, die logische\nForm des- Dichters in eine sinnen wirksame auf-\nzulösen: das ist die Aufgabe der Bühnen-\nkunst.\nEs ist möglich\", Schillers Teil (wie jedes\nDrama) aufzuführen, ohne ein Wort der Schil-\nlerschen Diktion zu bringen: so wenig hat eine\nDarstellung mit dem rein Literarischen (der\nWortgestaltung) zu tun.\nDa die Vorstellung also mit dem literari-\nschen Problem nichts zu tun hat, so kann in\nihr auch das Wort als Sinnträger nicht die\nHauptsache sein, denn das Wort ist der Trä-\nger des literarischen Problems. Das Leben im\nTonfall, der Klang der Worte gestaltet Affekte,\nStimmungen und ist deshalb viel wichtiger als\ndas Wort (der Wortsinn) selbst.\nEine Darstellung muss das Dichtwerk so\nbringen, als existiere es noch nicht, als ent-\nstünde es eben. Schon deshalb darf eine Auf-\nfassung einer Rolle nicht hervortreten, oder das\nWort herrschen. Denn die Auffassung bezieht\nsich auf Vorhandenes zurück und das Wort\nerscheint in jeder Hervorhebung gewollt und\nkünstlich — beides wendet sich an das Ver-\nständnis. Das künstlerische Inslebentreten wen-\ndet sich an unsere teilnehmenden Sinne.\nDas Dichtwerk ist ein Stück durch die Dar-\nstellung wiedergegebenes Leben für den Theater-\nkünstler. Die Darstellung ist die scenische Be-\nwältigung eines Lebensausschnittes, wie ein Bild\neine malerische Bewältigung eines Naturaus-\nschnittes ist. Wird man deshalb behaupten: die\nMalerei sei eine reproduzierende Kunst? Wa-\nrum also die Theaterkunst? Denn es kann kei-\nnen Unterschied ausmachen, ob das „Motiv\"\nschon Kunst ist oder nicht — sonst dürfte der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "591", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4783, "texte": "Maler zum Beispiel auch keine plastische Kunst\nseinerseits „malerisch\" wiedergeben.\nDas Anekdotische hat für die Darstellung\nkeinen anderen Wert als den eines vorgeschrie-\nbenen Weges.\nNur der künstlerische Ausdruck des Lebens\ndarf auf der Bühne herrschen. Von dieser Grund-\nforderung aus ist alles zu beurteilen und zu\nverurteilen, zuzulassen und auszuscheiden, an-\nzuordnen und zu verbieten.\nEin befriedigendes Verhältnis zwischen In-\nhalt, Mitteln und Darstellung der Dichtung zu\nschaffen — eine Wesensgleichheit zwischen dich-\nterischem Gehalt sowie schauspielerischer und\nscenischer Verlebendigung herzustellen, das ist\nAlles.\nWas nicht sinnvoll (also organisch notwen-\ndig für das Ganze) auf der Bühne vorhanden\nist, darf überhaupt nicht vorhanden sein.\nAuch Zeit und Raum müssen in der Dar-\nstellung in einem überzeugenden Zusammenhang\ngebracht werden. Die Zeit (auch das Zeitkunst-\nwerk) ist illusorisch. Der Raum tatsächlich. Die\nDarstellung überträgt das Illusorische ins Räum-\nliche.\nDie Dichtung zerfällt in der Darstellung in\ntausend Einzelheiten. Deshalb ist die Darstel-\nlung ohne einen zweiten Dichter, der das Ganze\nnochmals in sich organisch als Ganzes zusam-\nmenfasst, unmöglich. Dieser zweite Dichter ist\nder Regisseur.\nEine dramatische Konzeption bedingt durch\nihr Zeitmass bereits auch die räumliche Insce-\nnierung.\nDie tausend Nichtigkeiten, durch die das\nvielgestaltige Schaustück: Milieu (Scene) bestimmt\nwird, haben keine Berechtigung, sich der Dar-\nstellung aufzuzwingen, etwa um durch sie in\nErscheinung zu treten. Die Darstellung kann sie\nzulassen oder übergehen. Die Darstellung herrscht\nallein, auf der Bühne und gibt keinem Dar-\nstellungsmittel irgend ein selbstständiges Daseins-\nrecht.\nFür die einzelnen Inscenierungselemente gibt\nes ausserhalb ihres gemeinsamen Lebens kein\nExperimentieren, kein Entfalten irgendwelcher\nVirtuosität oder Wirkung um dieser selbst willen.\nDer Inhalt eines dramatischen Kunstwerks\nmuss bis in seine tiefsten Tiefen hinein durch\ndie Darstellung, das heisst darstellend „heraus-\ngeholt\" werden, Form erhalten. Alles muss auf\ndie Oberfläche des Erscheinens — im Darstel-\nlungsmittel. Alles muss ausgedrückt, „Ausdruck\",\nalles muss anschaulich und anhörlich werden.\nIn der Aufführung darf nie und nirgends\ndie Geschicklichkeit des Theatermeisters: das\nMechanisch - Technische in Erscheinung treten.\nMan soll lieber Effekte schwächen oder ganz\nmeiden, wenn sie geeignet sind, Mechanisches\nzu verraten oder auch nur ahnen zu lassen.\nJede Scenerie muss innerlich einfach und\nselbstverständlich sein, damit sie die Bescheiden-\nheit der Natur erreicht, das ist: die Selbstver-\nständlichkeit.\nJede Form muss Ausdruck haben, als Form\nausdrucksvoll sein. Auch die realistische Wieder-\ngabe von plastischen Felsen zum Beispiel, die\nnichts als echt erscheinen, ist eine darstellerische\nSinnlosigkeit, ein störendes Nichts, gehört also\nnicht in eine künstlerische Formung, da in ihr\nBedeutungsloses nicht vorhanden sein darf.\nDas Ziel bei Herstellung plastischer, szeni-\nscher Versatzstücke ist nicht die naturalistische\nTäuschung, oder Vortäuschung irgend eines Din-\nges, sondern eine bedeutungsvolle Formung, die\nbedeutsame Form zu erreichen.\nAuch die Farbe darf keine andere Absicht\nmehr haben als charakteristisch, das heisst aus-\ndrucksvoll zu färben, farbig zu sein. Sie darf\nweder Licht noch Schatten sein oder nachah-\nmen wollen, noch nach gegenständlicher Wir-\nkung (etwa als Baum) streben.\nEine organische Verbindung zwischen realen\nund nur gemalten Dingen ist unmöglich — des-\nhalb sind nur gemalte Dinge überhaupt unmög-\nlich.\nNiemals kann die Einheitlichkeit der Dar-\nstellung dem Publikum gegenüber durch eine\nnur illustrierte Ausgestaltung, die „verstanden\"\nwerden will, aufrecht erhalten werden. Das\nbleiben lauter Einzelheiten mit nur logischem\nZusammenhang. Allein die organische Ausge-\nstaltung, das Heraustreiben und Formen von\nInnen nach dem Prinzip des Ausdrucks kann\neinheitlich und überzeugend wirken als eine un-\nunterbrochene Kette physischer Vorgänge, die\ndurch den Wechsel in der Erscheinung und In-\ntensität der Ausdrucksformen gemacht wird.\nJe intensiver der Ausdruck sein soll, desto\nmehr muss ihm geopfert werden: alles ihm nicht\ndirekt Dienende schwächt ihn.\nEine moderne Inszenierung muss die Ent-\nwicklung des Auges und Ohres des heutigen\nMenschen berücksichtigen.\nWürde man den Inhalt eines Dramas durch\neine charakteristische Linie ausdrücken können,\nso muss eine ebenso charakteristische Linie für\ndie Darstellung die erste wiedererkennen lassen.\nMehr ist nicht nötig.\nEine Inszenierung, die die Phantasie des\nPublikums ausschaltet, (indem sie sie völlig be-\nfriedigt) ist doktrinär. Nur eine Inszenierung,\ndie die Phantasie möglichst in Anspruch nimmt\n(indem sie nur „anregt\") ist künstlerisch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "591", "page_fin": "592", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.2.7", "titre_corps": "Zur Physiologie der Frivolität", "titre_sommaire": "Zur Physiologie der Frivolität", "signature_source": "Heinrich Pudor", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "591", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.5", "debut_caractere": 4785, "fin_caractere_exclue": 9743, "texte": "Zur Physiologie der\nFrivolität\nVon Dr. Heinrich Pudor\nKindlichkeit und Frivolität scheinen einander\nauszuschiliessen; im Knaben- und Mädchenalter\nist Frivolität fasst gar nicht vorhanden, schon\ndeshalb, weil sie geschlechtliche Be-\nwusstheit voraussetzt. Sie kann erst\nmit der Mannbarkeit eintreten. Nun können\nwir aber beobachten, dass sie desto stärker auf-\ntritt, je schneller sich die Mannbarkeit e r -\nschöpft. Das Wachstum der Frivolität hält\ngleichen Schritt mit der zunehmenden Betätigung\ndes Geschlechtstriebes. Die Frivolität ist etwas\ndurchaus sekundäres: die Aeusserung des Ge-\nschlechtstriebes a posteriori. Schwerlich wird\nein Aiann vor der Betätigung des sexuellen\nTriebes im Zustande seiner Vollkraft frivol sein.\nFrivolität ist dem Kindhaften, der absoluten\nKeuschheit kontradiktorisch entgegengesetzt, ins-\nbesondere auch der relativen Keuschheit. Mit\nanderen Worten: die Frivolität nimmt umsomehr\nzu, je mehr sich der Mensch dem physischen\nUnvermögen nähert. Sie ist das Katzenjammer-\nspiel des Geschlechtstriebes. Ihre Aeusserun-\ngen entstehen aus dem Bewusst werden\ndes beginnenden Unvermögens. Dies trifft we-\nnigstens bei jener Frivolität, die als orginale\nund logische Aeusserung des menschlichen Or-\nganismus zu nehmen ist, zu, allerdings wird\nsie heute ebenso häufig vorgeschauspielert.\nFrivolität setzt demnach eine Gefühlslauheit\nund Empfindungsabnahme voraus, zum minde-\nsten in geschlechtlicher Beziehung. Eine andere\nFrage ist es, ob diese geschwächte Gefühls-\nwärme bloss das geschlechtliche Gebiet angeht,\noder ob sie absolut ist; mit anderen Worten:\nob die Minderung oder Vernichtung der sexu-\nellen Kräfte auch Gefühls-Impotenz voraussetzt.\nDiese Frage muss bejaht werden; Menschen, die\nihre geschlechtliche Kraft verwüsten, nützen not-\nwendig auch ihr gesamtes Empfindungsleben,\nihre Empfindungsfähigkeit ab: Herz, Lunge, Ge-\nhirn, Blut, Nerven werden gleichmässig abge-\nbraucht — allerdings spielen Anlage und Ver-\nerbung auch hier eine entscheidende Rolle. Noch\ncharakteristischer aber als die Empfindungslau-\nheit des frivolen Menschen ist seine vollkomme-\nne Bewusstheit des geschlechtlichen Zustandes.\nIst die Ebbe der geschlechtlichen Empfänglich-\nkeit eingetreten, dann wird das Bewusstsein des\nGeschlechtstriebes wach: wa& an instinktivem\nGefühl verloren geht, gewinnt der rüde Ver-\nstand: die rein äusserlichen Verstandeskräfte su-\nchen den Mangel an Empfänglichkeit, an Ge-\nfühlswärme, Keuschheit, Triebkraft zu ersetzen.\nSo entsteht ein raffiniertes Geschlechtsbewusstsein.\nOder physiologisch ausgedrückt: Im Zustande der\nKeuschheit sind alle die tausend Gefässe des\nGehirns mit Blut gesättigt. Wird der Geschlechts-\ntrieb wach, dann beginnt das Blut im Gehirn\nsich zu erhitzen, zu gähren und zieht sich nach\nden Körperteilen hin, die in Tätigkeit treten.\nWird nun der Geschlechtstrieb nicht übermässig\nausgeübt, so verbleibt immer noch eine genü-\ngende Blutmenge im Gehirn: das Bewusstsein\nbleibt umdämmert. Dieser Zustand ist für den\nGeschlechtsakt der günstigste, da alsdann die\nUmnachtung des höheren Bewusstseins den gan-\nzen Menschen in ihm aufgehen lässt. Ist da-\ngegen die Vollkraft, die Empfänglichkeit schon\nerschöpft, der Geschlechtstrieb schon sehr stark\nbetätigt worden, so ist der Blutreichtum des Ge-\nhirns sehr stark angegriffen; bei jedem neuen\nGeschlechtsakt wird dem Gehini aufs Neue Blut\nentzogen. Indessen nun das Blut nach den tie-\nfer liegenden Teilen des Körpers drängt, tritt\neine relative Blut leere im Gehirn ein. Abso-\nlute Blutleere würde den Stillstand des Lebens\nbedeuten. Dem aber beugt das Leben selbst vor:\ndas Gehirn, das nur noch soviel Blut bewahrt,\nals zur Erhaltung des Lebens nötig ist, gibt\nkeines mehr ab: so entsteht das sexuelle Un-\nvermögen. Kann dagegen noch genügende Säfte-\nabfuhr stattfinden, ohne dass das Gehirn sonder-\nlich gefährdet wird, so findet der Geschlechts-\nakt bei relativ wachem Bewusstsein statt; an die\nStelle der Natürlichkeit tritt geschlechtliche Raf-\nfiniertheit. Diesem Zustand entspringen in gei-\nstiger und seelischer Hinsicht Frivolität und Cy-\nnismus,\nWir können aber feststellen, dass Frivolität\nund Cynismus Folge-Erscheinungen einer über-\nmässigen Betätigung des Geschlechtstriebes sind,\ndass sie nur bei zurückgehender Fähigkeit zu\naktiver Geschlechtlichkeit möglich erscheinen, dass\nsie in ihrer Entwickelung Schritt halten mit der\nrelativen Blutarmut im Gehirn, dass sie also\nnicht etwa Anzeichen eines Blütezustandes einer\nsublimierten Kultur sind, sondern auf Verfall,\nNiedergang, Auflösung weisen, mag man das\nnun Dekadenz, Degeneration nennen oder sonst-\nwie. Ich setze die Kenntnis voraus, dass der\nmenschliche Zeugungsstoff aus dem menschlichen\nBlute bereitet wird und dass das Reservoir für\ndie Bereitung dieses Stoffes im Gehirn liegt. Je-\nder, der auf sich selber achtet, kann beobachten,\ndass der Zustand geschlechtlicher Empfänglich-\nkeit im Kopf, im Gehirn seinen Ausgang hat.\nDas sexuelle Fieber beginnt im Gehirn: der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "592", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2560, "texte": "Gährungszustand im Gehirn erzeugt das ge-\nschlechtliche Vermögen. Daher zeigen bei vielen\nMenschen der Kopf und das Gesicht weit eher\nVerfalls-Spuren als der übrige Körper. So er-\nklärt sich die Verwüstung des menschlichen Ant-\nlitzes bei geschlechtlich ausschweifendem Leben.\nIm Leben der Menschheit hat der Ge-\nschlechtstrieb, soweit uns bekannt ist, stets als\netwas Begehrenswertes, Wünschenswertes, sogar\nAnerkennenswertes gegolten. Und da seine Be-\ntätigung einen Genusswert darstellt, war man\nvon jeher bemüht, die Ausübungsfähigkeit die-\nses Triebes für eine möglichst lange Zeit des\nLebens zu erhalten. Die Genussbegierde, stets\naufs Neue angestachelt, fand in der physischen\nErmattung keine Grenze und wurde über die\nErschlaffung der Sinne hinaus rege erhalten. Das,\nwas vordem genügt hatte, geschlechtsbereit zu\nmachen, konnte nur noch einen — Witz her-\nvorlocken. So entstand das, was man Frivoli-\ntät nennt. Je intensiver sich die Geschlechts-\nmüdig k e i t hervordrängt, desto reichlicher\nist Grund zur Frivolität gegeben. Als Ergeb-\nnis einer sexuellen Abgespanntheit ist sie also\netwas durchaus Logisches: das folgerichtige Pro-\ndukt und die Begleit-Erscheinung jener geschlecht-\nlichen Ernüchterung, die sich auf zerebrale Aus-\ntrocknung zurückführen lässt: Frivolität ist we-\nniger eine geistige als eine physische Blamage,\nsie verkündet eine geschlechtliche Verarmung und\nUnfruchtbarkeit. Man kann beobachten, dass\nMenschen, die zur Frivolität neigen, an Frische\nund Reichtum des Intellekts und des Gemütes\nebensoviel zu wünschen übrig lassen, wie an\ngeschlechtlicher Empfänglichkeit und sinnlicher\nKapacität. Der Frivole ist unter Umständen\nnoch genussfähig, aber die gewöhnlichen Reize\nvermögen ihn nur zu einem „Bonmont\" anzu-\nregen: er wird cynisch. (Das Wort „cynisch\"\nwill das gemein Tierische, „Hündische\" eines sol-\nchen Zustandes bezeichnen, obwohl solche Zu-\nstände unter Tieren weit seltener zu finden sind\nals unter den Menschen.) Die Erinnerung an\ndie Freuden des Geschlechtsaktes, die Tradition\nund Konvention, die sogar hier eine Rolle spie-\nlen, erwecken in ihm stets wieder den Drang\nnach neuen Genüssen. Nun setzt aber der ge-\nschlechtliche Genuss überströmendes Gefühl, Emp-\nfänglichkeit, Erregbarkeit voraus. Der Frivole\ndagegen ist im Grunde stets ernüchtert, kühl,\ngleichgiltig: er muss daher nach einer künst-\nlichen Aufstachelung des Gefühlslebens verlangen,\nso oft er sich Befriedigung holen will; der Ge-\nschlechtsakt kann nicht mehr auf natürlichem\nWege betätigt werden: die Fähigkeit wird also\ngewaltsam erzwungen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c013", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "592", "page_fin": "592", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.2.8", "titre_corps": "Schon wieder der Meyer", "titre_sommaire": "Schon wieder der Meyer", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "592", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.6", "debut_caractere": 2720, "fin_caractere_exclue": 7140, "texte": "Schon wieder der\nMeyer\nJoseph Adler\nDie Franzosen werden tiefer,\nUnd die Deutschen — täglich flacher\nNietzsche\nSolange nicht ein einheitliches „Klassen-\nbewusstsein\" die freien Berufsstände gegen die\n„Festbesoldeten\" eint; solange der Dienst bei\nden Idealen der Wahrheit und Schönheit nicht\nvon seinen Pflegern selbst jeder Tätigkeit in\n„des Königs Rock\" gleichberechtigt erachtet\nwird — so lange kann man es den Man-\ndarinen nicht verdenken, wenn sie ihre Wert-\nurteile lieber nach der Zahl der Pfauenfedern\nbemessen als nach der Kraft des Kopfes, der\nsie trägt — oder nicht trägt'\nZu guter Letzt platzt noch dieser Satz wie\neine Granate in die verwirrten Gedankenreihen.\nEs ist das Wort gefallen: Von dem Dienst\nbei den Idealen der Wahrheit und Schönheit.\nLiteraturwilderer schiessen zum Besten ihrer Beu-\nte. Unter dem Strich des Tageblattes kämpft\nder Professor Meyer auf Vorposten für\ndas „Klassenbewusstsein\" der freien Berufsstände.\nEs muss immer etwas gehoben werden. Un-\nzählige verharren beständig in gebückter Stel-\nlung, um nur, ob sie auch mit einem geisti-\ngen Leistenbruch behaftet sind, zuzufassen und\nzu „h e b e n\". Und die Hebung auch der of-\nfiziellen Geltung unserer sonst glücklicher Weise\nin der ganzen Welt mehr als manche Exzellenz\ngeschätzten Forscher, Künstler und Dichter muss\nvon ihnen selbst ausgehn\". Denn:\nAuch unter den deutschen Gelehrten gilt\nder „Professor\" unbesehen mehr als der „Pri-\nvatgelehrte\" und hiesse er Charles Darwin,\nder in Amt und Würden stehende Schriftsteller\nmehr als der „freie\", und wäre es ein Vol-\ntaire.\nWie heissen die in Amt und Würden ste-\nhenden Schriftsteller, die bei uns mehr gel-\nten als die „freien\"? Auburtin und Rudolf\nLothar? Oder Moszkowsky und Rudolf Pres-\nber? Allerdings stehen sie in Amt und Wür-\nden, aber sie gelten „bei uns\" nicht mehr als\ndie freien Max Dreyer, Rudolf Stratz, Rosegger\nu a. m. Dass sie im Auslande „glücklicher\nWeise\" mehr geschätzt werden als manche Ex-\nzellenz, spricht nur für die Lakaiendienste, die\nsie und die Presse sich gegenseitig erweisen.\nDie freien. Einen Dichter, der auch Exzellenz\nwar, hatte Deutschland schon. Und der Pro-\nfessor Meyer behält recht. Die französische Re-\ngierung hat vor geraumer Zeit dem „freie n\"\nSchwankautor Kurt Kraatz die Palmen der Aka-\ndemie verliehen.\nWie sollten da nicht hierzulande periodisch\nAnregungen zur Schaffung einer Akademie auf-\ntauchen, einer offiziellen Vertretung innerhalb der\n„Schriftstellerwelt\" selbst:\nAber eine Akademie, die in Berlin oder\nMünchen oder Weimar ohne Marie v. Ebner\nund Enrica v. Handel-Mazzetti, ohne Stefan\nGeorge und Hofmannsthal, ohne Richard Deh-\nme! und Paul Heyse begründet würde, schweb-\nte von Anfang an in der Luft.\nNicht weniger als das, wenn sie nicht die\ndiversen aufgepumpten Literaturgrössen bis zum\nPlatzen füllen könnten. Die Möglichkeit, dass\nRichard Dehmel die Ehre fliehen könnte, Ruhm\nder Unsterblichkeit an der Seite der Handel-\nMazetti zu dulden, zieht der Herr Professor\ngar nicht in Frage. Sein kitschiger Traum von\nder „ideale n\" Mitgliederliste einer deutschen\nAkademie wird schon gar manchen „Waffen-\nbruder\" nicht schlafen lassen.\nEs ist nicht genug, dass Presse und Pro-\nfessoren ephemere Erscheinungen in der Lite-\nraturwelt zu Typen von Dauer und Bedeutung\nfestlegen. Es soll auch noch eine Akademie die-\nsen ewigen Rekruten im „Dienste bei den\nIdealen der Wahrheit und Schön-\nheit\" den hohen Rang der Unsterblichkeit ver-\nleihn. Nicht eine einzige Exzellenz soll um sol-\nchen faulen Zauber hingegeben werden. Nicht\neine Pfauenfeder um ein vereinigtes — ein or-\nganisiertes Radschlagen der Kollegen. Und\nnur ein Professor, namentlich wenn er Meyer\nheisst, kann pathetisch fragen: ob man glaubt,\n„dass unsere Geburts- und Berufsaristokratie je\nden Ehrgeiz hegen würde, einen Platz zu ha-\nben in einer vielseitigen Vertretung\naller Richtungen durch alle Talente, einem\nHause, darin neben Clara Viebig und Gerhart\nHauptmann Erich Schmidt und Wilamowitz, ne-\nben Dryander und Naumann Maximilian Har-\nden und Alfred Kerr sässen.\"\nGoethes Wort: die Unsterblichkeit ist nicht\njedermanns Sache, nachtrauernd, würde Erich\nSchmidt an Clara Viebigs Seite resigniert\nder „U nsterbli c h k e i t\" leben. Und schon\ngar nicht fragwürdig bleibt es, dass ein deut-\nscher Fürst oder Graf — und es muss gar kein\nbestimmter sein — der Frohmühe nicht denken\nwird, Platz sich zu küren im Edelkreis geist-\nstarker Hochfrauen und Tatmänner."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c014", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "592", "page_fin": "592", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "592", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.6", "debut_caractere": 7142, "fin_caractere_exclue": 7358, "texte": "a m\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nlummer 326/327/328\nist erschienen\nPreis 75 Pfennig\n80 Seiten\nMit einer Illustration:\nDer Sieger\nURERALL ERHALTUCH\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\n■ayaagßHassaa"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "592", "page_fin": "592", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Schriftkiter\nHENRY BURIOT\ni a Binßa\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. 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Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "594", "page_fin": "594", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "594", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.8", "debut_caractere": 1025, "fin_caractere_exclue": 1166, "texte": "is\n„ —\nElse Lasker-Schiiler\nMeine Wunder\nGecHch te\nPreis in van Geldern-Bi'itten gebunden\nDrei IVlark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-08-26-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-08-26_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-08-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "594", "page_fin": "594", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Kurse von riiClil. lliC&lCi Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz ftir ein mehr-\njihriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur AnfSnger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Biianz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tStig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Geseflschaften sich vorbereiten wollen. 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Sie äusserte ihre Ansicht\nhierüber „einem anwesenden Mitarbeiter des Bu-\nkarester Tageblatts\". Der Mitarbeiter war so ent-\nzückt, dass er die Königin bat, einen Aufsatz\nüber „Todesfälle infolge Hitze\" zu schreiben. Die\nKönigin von Rumänien, die als Carmen Sylva\ndurch ihre Dichtungen schon manches Buka-\nrester und Berliner Herz entzückte, gab diesem\nAnsinnen nach und schon ist die B. Z. am\nMittag „in der Lage\", einen königlichen Beitrag\nzu veröffentlichen. Die Königin empfiehlt, bei\nder Hitze von Obst und Wasser zu leben und\nvor allem keinen Alkohol zu trinken. Sie\nschliesst ihre „bemerkenswerten\" Ausführungen\nalso:\n„Kaffee ohne Zucker ist i,auch sehr gut, mit\nEis darin und ganz schwach. Auf Wohl-\ngeschmack nach deutschen Begriffen muss man\nin solcher Zeit verzichten, und man wird ge-\nsund bleiben und durchaus nicht sterben. Kal-\nter Kaffee ist ein grosses Gut bei der Hitze,\nnur nicht stark, sondern mit irgendeinem\nsprudelnden Gewässer und Eis verdünnt. Bit-\nte, beachtet, was ich sage. Denn ich spreche\naus vierzigjähriger Erfahrung und habe\neinen Band Rheinweinlieder ge-\nschrieben, woraus man ersehen kann,\ndass ich meine deutschen Gefühle\nnicht verloren oder vergessen, sondern nur\nbeobachtet und studiert und Schlüsse ge-\nzogen habe. In allen Ausschankstätten soll-\nte man kalten Kaffee und kalten Tee servie-\nren, aber beileibe nicht kalte Milch. Die\nkann augenblicklich Tod herbei-\nführen,was ich auch erlebt habe.\"\nDer letale Ausgang ist hoffentlich nur ein\nUebersetzungsfehler. Ich ziehe Eiskaffee auch\ndem Rheinwein vor. Aber lieber Rheinwein fass-\nweise, als Rheinwein-Lieder bandweise. Die sind\nbei keiner Temperatur zu vertragen.\n\nDer Sänger mit dem Kronprinz\nHerr Regierungsrat Zache hat ein Buch er-\nscheinen lassen: Mit dem Kronprinzen durch In-\ndien. Ich habe es nicht gelesen, werde es auch\nnicht tun. Was aber der Hauptmann Dannhauer\nvom Lokal-Anzeiger darüber zu berichten weiss,\ndas muss man gelesen haben. Umsomehr, als\nausgiebig „eingestreute\" Zitate aus dem Buch\ndes Sängers Zache das Werk selbst entbehrlich\nmachen.\n„In geistvollem Feuilletonstil bringt er das,\nwas er während der Kronprinzenreise gesehen\nund miterlebt hat, zu Papier; dabei weiss er\nauch die oft nicht zu umgehenden Ret semiseren\nmit köstlichem Humor in eine amüsante Be-\nleuchtung ztf rücken. .\" Der Regierungsrat\nZache, sagt der Hauptmann Dannhauer, ist ein\nMann von vielseitiger Bildung und verfügt über\neinen reichen Schatz allerdings nur wertvoller\nErfahrungen. Man braucht sich daher nicht zu\nwundern, dass Herr Sänger Zache „zu den Pro-\nblemen verschiedenster Art mit treffenden eigenen\nUrteilen Stellung nimmt. Andererseits \"\nAndererseits verfügt der Autor über eine schöne\nSprache. Er benutzt sie nach Mitteilung des\nHerrn Dannhauer dazu, „Schilderungen beim An-\nblick zuvor noch nie gesehener Herrlichkeiten\nim Wunderlande Indien bis zu stimmungsvoller\nPoesie zu steigern. Mit männlicher Kraft greift\nda der Dichter in die Seiten. So bei dem zau-\nberhaften Anblick des Sonnenaufgangs im sagen-\numwobenen Himalaja. . .\" Indien hat dem Re-\ngierungsrat die harten Töne beigebracht. Der\nSonnenaufgang wird sogar schon in der sagen-\numwobenen Mark Brandenburg stimmungsvoll\nempfunden. Wie zauberhaft muss da erst die\nPoesie im Himalaja ausfallen. Aber „noch stär-\nker begeistert\" wurde Herr Zache, als er den\nherrlichen Grabtempel aus blendend, wirklich\nblendend weissem Marmor des grossen Mogul-\nkaisers Djihan erblickte. Dieser Grabtempel, man\nsollte es nicht für möglich halten, erhebt sich\nin einem friedenatmenden immergrünen Park.\nDer Friede wurde zwar durch zahlreiche Pilger\nhäufig gestört.\n„Doch gelang es unseres Wissens bisher\nnoch niemand, die hier gewonnenen\nEindrücke zu bringen, wie das der Verfasser\nin den seinem Buche einverleibten\nstimmungsvollen Versen tat, die er in\nnachstehender Schlussstrophe ausklingen lässt:\n„Schlaf deinen Schlaf in der Zypressen\nFrieden !\nIm Rosen dufte finde deine Ruh!\nTräum deinen Marmortraum! Kein Weib\nhieni e d e n ,\nMumtas Mahall, ward je geliebt wie du.\"\nWen diese Eindrücke nicht für Indien ge-\nwinnen, soll sich dort gleich begraben lassen.\nDer Zache dichtet, und der Marmor schweigt.\nDer Herr Wovon man spricht\nEr meldet Neues aus Paris, wovon man\nspricht. Pariser Künstler wollen Damenschneider\nwerden. Der Herr vom Lokal-Anzeiger emp-\nfiehlt den Firmen Paquin und Worth sich ihrer-\nseits der Malerei und Bildhauerei zu widmen.\n„Auch sie empfinden ihrerseits diese Kün-\nste als reformbedürftig.\n„Sie sind mit den Erzeugnissen der „Ex-\npressionisten\", wie man sie zeitweilig ja auch\nin Berlin zu sehen bekommt, vom ästheti-\nschen Standpunkt unzufrieden und haben sich\nvorgenommen, eine bildende Kunst zu schaf-\nfen, in der man die dargestellten Gegenstände\nwenigstens halbwegs erkennen kann. Man kann\ngespannt sein, was die Kunstschneider und die\nSchneiderkünstler der staunenden Mitwelt be-\nscheren werden.\"\nWenn diese witzigen Bemerkungen den Ex-\npressionisten nichts schaden, v/erden sie sogar\ndie Kunstkritiken des Lokal-Anzeigers überleben.\n\nUm Verbreitung wird gebeten\nSehr ernste Warnung!\nEntleiben Sie sich niemals, unter keinen Um-\nständen! Nur der Dummkopf glaubt, dass er\nnach dem scheinbaren Erschiessen, Hängen usw.\ntot sei.\nDer Aufgeklärte, Kluge, Vorsichtige weiss\nlängst, dass man sich überhaupt nicht tot ma-\nchen kann. Nur die Hülle ist tot. Dies gilt\nauch für die, weiche im Kriege fallen; sie sind\nnicht tot, und können es nicht sein, weil ein\nTod den Naturgesetzen zuwider ist. Was in-\nwendig steckt, der Geist, der Dirigent, der\nBefehlshaber, der Herr und Bewohner des Ge-\nhäuses, muss bewusst (ganz real) weiter leben.\nEr nimmt alle guten und bösen Eigenschaften,\ndie er sich im Erdenleben erworben hat, und\nalle Erinnerungen von Jugend auf mit hinüber\nins ewige Leben. Dort wird er gefragt, was\ner ge t a n , was er gelernt, wie er sein Erden-\nleben genützt hat.\nWer seine Hülle, sein Gehäuse selbst tötet,\nmuss für seine schlimme und feige Tat so-\nfort eine angst - und qualvolle Jen-\nseitsleidenszeit antreten, die das Erden-\nPeid tausendfach verschärft, und die Hunderte\nvon Jahren dauern kann.\nEin Menschenfreund\nDiese äusserst ernste Warnung wird in Bad\nSchandau durch Tausende von Zetteln mit der\nBitte um Verbreitung verbreitet. Man hat das\nlängst gewusst: Menschenfreunde sind überhaupt\nnicht tot zu machen.\n\nBezw\n„Ein Freund unseres Blattes\" beklagt sich in\nder B. Z. am Mittag über die Berliner Fried-\nhofsverhältnisse, die dringend „Abhilfe erhei-\nschen\". Nur der Kirchhof in der Bergstrasse\nentwickelt sich. „Inmitten herrlicher parkähnlicher\nAnlagen mit altem Baumbestand sind die Be-\ngräbnisstätten belegen, in lauschigen Gebüschen\nstehen Vogelschutzhäuschen, in den Alleen laden\ngediegene, weisse Ruhebänke ein, über das\nvergängliche Diesseits nachzudenken. Ueberall\nideale und praktische Zwecke miteinander ver-\nbunden.\" Das Ideale sind die Ruhebänke und\ndas Praktische das Nachdenken über das ver-\ngängliche Diesseits. Aber der Freund unseres\nBlattes ist mit den praktischen Zwecken ohne\nden idealen, wie man will, noch nicht ganz ein-\nverstanden. „Ein besonders wunder Punkt\nist die Anlegung bezw. Nichtanlegung von Toi-\nletten auf den Friedhöfen. Meistens sind\nsie garnicht vorhanden. Auchindieser Be-\nziehung ist der Sophienkirchhof mustergültig.\nEr wird es aber noch mehr werden, wenn das\nalte baufällige Verwaltungsgebäude durch ein\nneues ersetzt und der angrenzende Eingang\nmit einem dem herrlichen Garten entsprechen-\nden Portal versehen sein wird.\" Soweit\nman verstehen kann, wird der bezw. Nicht-\nanlegung von Toiletten, soweit sie garnicht vor-\nhanden sind, durch ein entsprechendes Portal\n\nDer Saalbesitzer als Erzieher\nIn den öffentlichen Tanzlokalen Berlins wird\nzu unschön und zu unanständig getanzt. Der\nVere'n der Berliner Saalbesitzer ist dagegen und\ntut das einzig richtige: er ruft eine Protestver-\nsammlung ein. Die Saalbesitzer sind durchaus\nentrüstet. Besonders über das „schöne Geschlecht,\ndas in Sommerlokalen durch Beugen und Schie-\nben nicht nur hässlich und ungraziös, sondern\nauch im höchsten Grade unanständig wirkt\". Da\nder Verein sich durch „Selbsthilfe\" nicht mehr\nzu helfen weiss, wendet er sich in seiner Not\nverzweiflungsvoll an die Polizei. Die Polizei\nsoll das Beugen und Schieben verbieten. Schliess-\nlich will der Saalbesitzer doch für das Geld\nseines Publikums wenigstens etwas anständiges\nund graziöses zu sehen bekommen. Man ist\ndoch schliesslich nicht zum Verdienen Saalbe-\nsitzer. Das „schöne Geschlecht\" könnte doch\nallmählich auch wissen, dass die Kunst kein\nVergnügen ist. Welch Glück, das die „Män-\nnerwelt\" das Beugen und Schieben nicht auch\nnoch auf den Tanz ausdehnt. Vielleicht, weil\nsonst schon genug gebeugt und geschoben\nwird. Die Polizei wird den Saalbesitzern bei-\nspringen, die „zulässigen Bewegungen fest-\nlegen.\" Bei Widerstand wird einfach geschos-\nsen. Für Trommeln und Pfeifen sorgen die\nHerrm Saalbesitzer und der heilige Krieg für\ndie Sittlichkeit kann mit allen Apparaten losgehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "589", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.3", "texte": "aufgeholfen werden, sodass der wunde Punkt\nwenigstens durch den angrenzenden Eingang\nmustergültig wird. Der Freund fordert die an-\nderen Gemeinden auf, sich von dieser bezw. An-\ngelegenheit einmal durch Massenbesuch zu über-\nzeugen „und sie werden erkennen, wie wohl-\ntuend es ist, wenn auf diesen Stätten der Ru-\nh e seitens der Verwaltung gehörig gear b e i-\nbet wird.\" So könnte wieder einmal seitens\neiner Verwaltung die Bedürfnisfrage gelöst wer-\nden.\nTrust\n\nDie Lehrprobe des\nMannes\nVon Richard Fuchs\nDas Scheinvolle der Frau ist noch vor der\nSchönheit ihres Körpers die Seele des Geschlechts.\nAls kleinste Wesen gehen wir zuerst den\nintimen Weg des Weibes, als Knaben möch-\nten wir die Ehre gern verleugnen, während wir\nMänner wieder die Gelegenheit allein benutzen\nwollen.\nEs liegt der Kultur daran, die Verlegen-\nheiten der Menschen zu vermindern. So macht\nsie aus einem sparsamen Prinzip der Entwick-\nlung eine undurchdringliche Laune, um zwei\nMenschen von unmöglichen Lasten zu befreien.\nDas Weiblichste hatte in seiner unausgespro-\nchenen Tiefe die Unbewusstheit vornehmer\nMacht. Die Frauenbewegung, die darauf aus-\nging, ihm die treulose Oeffentlichkeit zu erzwin-\ngen, war der normalste Unverstand, der je dem\nKlassenhass der Männer nachgeahmt sein mag.\nGegen den Trieb der Massen sind Anstands-\nrücksichten nicht angebracht. Die organische\nWelt bewahrt das Seltne in der Minderheit. Wenn\nFrauenköpfe die Geistlosigkeit der Männer noch\nvermehren, müssen unter der preziösen Fachsim-\npelei die Lebenskräfte leiden.\nEs wird für die Männer selbst nötig sein,\nden Begriff des Geistes von ihrer eignen Ge-\nschlechtsvorstellung zu trennen und mit mehr Be-\nscheidenheit von den Tatsachen unserer Lebens-\nregel Kenntnis zu nehmen.\nDie Frau, deren Leibesschmuck der Mann\nempfängt, ist von Anfang bis Ende die Einge-\nweihte, nicht nur als Versprecherin unseres\nGlückes, sondern auch als erste Ursache aller\nEmpfindungen für und gegen sie. Denn die\nFrau erregt zu unserem oft ungenutzten Vorteil\nbeständig Liebe und Eifersucht nicht anders als\nAbneigung und Verachtung in uns.\nDer Mann besitzt selten die Frau, die er\ninnig liebt. Die Frau braucht den Mann ganz,\naber er ist ihr gleichgültiger.\nDarum wird der Mann eher ohne Frau sein\nals die Frau ohne Mann.\nDie Frau unterliegt ohne Schmerzen: die\nüberlegne Bildung ihrer Glieder kommt lächelnd\nihrem Dank zu Hilfe.\nDer Mann wird mitunter seinen Standpunkt\nhaben müssen, aber die Frau ist immer in ihrer\nnatürlichsten Lage, so vielmal sich ihr Schön-\nheitsort verlegen kann.\nDas Rätsel der Frau ist die Erscheinung\neiner Seele in einem unbewussten Körper, und\ndie veränderte Seele der Frau ist das neue Le-\nben ihres Körpers.\nDie Frau geniesst das grössere Mysterium.\nWenn der Mann am Ende seiner Kraft ist,\nahnt erst die Frau die Möglichkeit ihres Ge-\nnusses.\nDer Mann, der die Frau geniesst, erfährt\nsein Glück nur durch das ihrige.\nWir glaubten, dass Wollust das Ziel der\nMännlichkeit wäre, aber sie gehört sogar in\nhöherem Grade zum Eigentum der Frau als ihr\nGenuss des Partners.\nEs gibt auch für den Mann eine Stufe der\nEntwicklung, wenn er einsehen lernt, dass er\nauf die Geschlechtsfreiheit der Frau eifersüch-\ntiger bedacht sein muss als auf die seinige.\nDass die Frau in der Umarmung des Man-\nnes die Naturgegensätze unmittelbar geniesst, ist\nderselbe Vorzug, der auch ihren schnelleren Ver-\nstand und ihr reizbares Gewissen entwickelt hat.\nDer Mann glaubt die Frau zu überraschen, aber\nder Weg des Mannes ist schon körperlich in\nder Frau.\nDie Aufnahmefähigkeit der Frau, welche drin-\ngender als die Hingebungskraft des Mannes\nist, lässt sie nahezu ungehemmt den Mann rei-\nzen, während dessen körperliche und geistige\nKräfte organisch begrenzt sind.\nDas Geschlecht ist die Genialität des Weibes.\nDie Artistik bildete den Glauben aus, dass\ndieses geniale Geschlecht keine inneren Hinder-\nnisse zu besiegen habe. Aber das Originalweib\nhat nicht nur die Unfähigkeit des Mannes, son-\ndern auch dessen höchste Fähigkeiten zu über-\nwinden.\nSein Trieb begehrt den Mann, um sich selbst\nzu geniessen. Das Bedürfnis des Mannes wäre\nallein unzureichend, die Frau zu befriedigen.\nDer Mann muss, um das reife Weib zu erken-\nnen, sich selbst schon überwunden haben.\nDas Weib ist das Wesen, das in äusserer\nBeziehung von jüngster Jugend an frei und\nglücklich zu nennen ist.\nDas männliche Genie, das von gleicher Ur-\nsprünglichkeit und unbegrenzter Wirkung zu\nsein scheint, ist nicht inneren, sondern ledig-\nlich äusseren Widerständen ausgesetzt. Der Cha-\nrakter des Geistes ist freie Innerlichkeit und Ab-\ngeschlossenheit gegen sein eignes Geschlecht. Der\nStil ist die Einsamkeit des Mannes und des\nMannes einzige Schönheit.\nGeistlose Unbedingtheit braucht die Täu-\nschung des in seinen Trieben gebundenen Wei-\nbes. Der an den Geist gebundene Mann schafft\ndas Ideal der Vollkommenheit des Weibes.\nDer Mann trägt allein die Verantwortung\nfür die Nachkommenschaft.\nDass sich die Frau bei jedem Geburtsakt für\nbeide Geschlechter opfert, sieht die Zahl der den-\nkenden Männer nicht als das Wesen des Erden-\nglückes an.\nMan muss sich vor allen kulturschädlichen\nUebertreibungen hüten. Der Mann bezahlt nicht\neinmal, sondern tausendmal für die Erhaltung\ndes physischen Lebens.\nWenn das Geschlecht durch gesetzlichen Kauf\nzwischen zwei Menschen verschleudert wird, zeigt\nsich die Lebensenttäuschung zweimal deutlich im\nGesicht.\nDer unmodernen Ehe fehlen die elastischen\nGrenzen, die sich hochentwickelte Wesen in ero-\ntischer Zucht der Liebe angewöhnen.\nIn jeder Ehe rächt sich, was vor ihr ver-\nheimlicht wurde. Der sichere Besitz, dies ängst-\nliche Gefühl verratner Natur, erfüllt die Phan-\ntasie mit Misstrauen. Wer aber immer seine\nPosition im Auge zu behalten hat, verliert den\nAnreiz zu neuen Rechten der Lust.\nDie abwechslungslose Ehe fällt wie eine\nKrankheit auf Mann und Frau. v Durch die Un-\nVollkommenheit, die in aller unbezweifelten Herr-\nschaft liegt, wird sie ins Unorganische hinunter-\ngezogen.\nDie Entbehrung sonniger Macht entblättert\nauch die freie Ehe.\nSie wird unter der Sitte bürgerlich, ja sie\nverbietet, dass sich eins von ihnen in Abhän-\ngigkeit bringe.\nDamit ist wieder ein seltner Fall spiele-\nrisch verdorben.\nEs wäre natürlicher, wenn statt des freien\nKindes des Lebens der ewige Mann der Beschä-\nmung ausgesetzt würde.\nWenn die Hetäre ein achtbares Besitzrecht\nam Mann übte, würde sie ein Interesse am\nMann haben und die Eigenart und den Takt\ndes Mannes nicht entbehren müssen, die in sei-\nnem aufrichtigen Gehorsam münden und die so\nentschieden zum Genussrecht der Frau gehören.\nImmer verhindert des Mannes schuftiges Ge-\nschäft seine innere Erhebung, dies Zweimal-Ge-\nschaffene eines Wesens, das seine Freuden aus\neinem originaleren Leben schöpft.\nSolange die Alleinbesitzende die Privatwirt-\nschaft war, bestand ein Recht des Mannes auf\ndie Frau und die Frau befand sich zu ihm\nim Verhältnis der glücklichen Sklavin. Sie war\ndas Weib der Erzväter. Sobald wir in Zeiten\nsozialer Irrungen uns Massenbetrieben nähern,\nist der Mann im Joch und die Frau ohne Mann.\nDie Frau ist jetzt entweder als Grossarbei-\nterin abhängiger als vorher oder sie ist als Gut\ndes Kapitalisten freizügig. In keinem Fall be-\nsteht eine Gewähr, dass männliche Moral sie\nnicht für vogelfrei erklären könnte.\nDie Bewegung der Kultur vermöchte nicht\nmittelmässiger fehlzugehn, als wenn auf die Hälf-\nte Sklaverei und die Hälfte Menschenfreiheit nun\nder ganze Fluch gegenseitiger Abhängigkeit folgte.\nDiese Gefahr ist aber durch die glückliche\nUngleichheit der Geschlechter von vornherein aus-\ngeschlossen.\nTatsächlich gelangt die Frau durch den Lie-\nbesgenuss zur sittlichen Freiheit und der Mann\ndurch denselben Naturweg zur sittlichen Gebun-\ndenheit.\nDie Welt der Frau braucht nur den Ge-\nschlechtsverkehr, um Rasse zu bekommen. Die\nUnpersönlichsten erzielen diese wesentliche Wir-\nkung tadellos, indem sie den Mann die Stim-\nmung für sie machen lassen.\nDer Mann von heute will wohl der Lie-\nbesuntertan der Frau, aber kein ehrlicher Gei-\nstesuntertan sein. In Wahrheit müsste er sich\nauch an Geist der Frau unterlegen fühlen.\nDenn die Frau lernte in der Zeit ihrer Ge-\nschichte reichliche Gründe, um die Liebe zu ei-\nner Angriffswaffe zu schleifen.\nEs war ein interessanter Gedanke, der in\nder alten Welt auftauchte, dass alle Frauen ein-\nmal geschlechtlicher Freiheit opfern sollten.\nDiese Zeremonie hat sich in Europa rasch\nverweltlicht. Unsere Damen, von Illusionen we-\nniger abhängig als von ihnen gewünscht wird,\nkönnen sich bereits besser beherrschen als un-\nsere Herren.\nBei der von Natur Begabten kann deshalb\nnicht von Preisgebung gesprochen werden, weil\nsie sich hingibt, um anzuziehen oder abzu-\nstossen. Dagegen kann die Alltägliche, wenn sie\nden Mann geschenkt bekommt, was der häufig-\nste Fall ist, für ihre höhere Entsagung füglich\nForderungen erheben.\nTrotzdem ist jeder Mann prostituiert, der\nbezahlt hat, ohne den lebendigen Wert des Wei-\nbes zu empfinden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "590", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.4", "texte": "Der Mann lebt von dem Wort der Frau\nund wer nicht einwilligt, sein Geheimnis von\nihr anzunehmen, weicht dem Sinn der Träume\nund der Sterne aus. Erst wenn das Leben des\nWeibes in allen Folgen gerechtfertigt ist, kann\nder Mann vor höchsten, unverkäuflichen Vorzü-\ngen Respekt bekommen und das übrigbleibende\nKleinleben politisch beherrschen.\nDie Frau kann das Phantasiebedürfnis eines\nschlichten Mannes, der im Geschlecht sein Glück\nsucht, leichter befriedigen als dieser die Reize\nder einfachsten Frau. Die einfachste Frau ist\nnoch kompliziert, weil sie dem Leben zu Liebe\nauch unpersönlichen Gründen gehorcht. Sie\nglaubt schwerer, die einzige Erlösung gefunden\nzu haben, als er. Ihm unterscheidet es sich\nnicht oft so fein notwendig, glücklich zu sein.\nEs genügt daher, wenn er später als die Frau\nglücklich ist. — Sein Reden bei der Arbeit ist\ntödlich wie ihr Gekicher. — Solange eine Frau\nin der Erscheinung ist, kann der Mann einmal\nalle Eitelkeit ausschalten.\nIhre Liebe suchen, das tut schon die Frau\nmit Erfolg. Aber dass sie ihren Geliebten als\neinen Mann fand, das hat der Mann durch die\nVorstellung gestört, dass er wählen müsse und\nnicht gewählt werden dürfe. Also nur aus Vor-\nsicht glaubt er ein Charakter sein zu müssen,\neine volksmässige Willkür!\nDie Stimmung des Mannes ist gegenüber\nder Leistung der Frau Nebensache.\nGewissheit zu bekommen über die Liebe der\nFrau, ist sogar für beide ein Interesse zweiten\nRanges.\nAber was kein Mann ohne geistige Läu-\nterung erfährt, ist das Erlebnis der originalen\nFrau aus erster Nähe. Diese Erkennung kann\ndem Mann als Beweis der körperlichen Genug-\ntuung dienen.\nWenn der iMann den Irrsinn des Lebens mit\ndem bitteren geistigen Geschmack auf der Zunge\nfühlt — nur ein Weib mit seinen leichten Sehr t-\nten kann diesen Abstand der Gedanken gegen\ndie Welt einholen.\nWer also hat mehr Liebe und wer braucht\nmehr Liebe?\nDer Leidenschaft, die ein Wagnis ist, folgt\ndie Frau. Denn tiefe Ursprünglichkeit ist unbe-\nwusst.\nDie Liebe ist eine Konvention, denn sie ist\nkeine besondere persönliche Begabung, aber sie\nist vielleicht die individuellste Lebensform der\nVerwandtschaft.\nWenn sie am Ende als das Erlebnis selbst\ndarstellt, war sie auch für den Anfang voraus-\nzusetzen.\nWenn aber nicht der Ursinn des Weibes,\nsondern mitleidige Neugier eine Frau nach dem\nGeist des Mannes treibt, bewahre er sie vor\nUnglück und Beschämung. Der Geist des Man-\nnes war ihr von Männern als etwas Lustiges\nvorgespiegelt und die Kälte des Mannes war von\nihr mit Geist verwechselt worden.\nDer Mann sollte noch durch persönliche\nUeberzeugungen ein Lebensschicksal auf sich neh-\nmen. Das echte Weib hat schon sein Schicksal;\ndie instinktive Lust.\nWas aber auch die Mehrzahl der Männer\ndurch ihre kitschige Geschlechtsfreiheit an Ver-\narmung beider Geschlechter verschulden, dieje-\nnigen verbreiten durch die Frau Ströme der\nEnergie des Glücks, welche in der Beziehung\nder Geschlechter aus sinnvoller Phantasie einem\nstarken individuellen Zwang folgen.\n\nFriedrich von\nSchennis\nElse Lasker-Schüler\nDer Baron ist eine Schöpfung aus Genie;\ner ist bereitet aus Himmel und Satan, aus Fege-\nfeuernuancen und gottblau. Mein Bruder nannte\nihn den Marquis; ich dachte immer, könnte ich\nden Marquis sehn. Eines Tages sah ich den\nMarquis in gepuderter Perücke, in blauem\nSammtrock, die Rokokohände zwischen feinen\nSpitzen, lustwandeln über die Wege von Sanssouci\nauf seinem Biid in der Nationalgalerie. So\nüberall im Rahmen atmet er mit seinen Farben\nvermischt; zwischen ocker und bleu liegt er auf\nseiner Palette. Und aus den Rosen des Parkes\nsteigt sein Duft und die Stirn des Schlosses be-\nscheint seine Andacht. Friedrich von Schennis\nist ein Andächtiger. Noch zwischen losen Frau-\nenlippen und seinem wilden Zynismus lauscht er\nnach Gott. Sein Zynismus schluchzt. Der Ba-\nron ist schön, sein Angesicht ist feierlich, im-\nmer liegt ein Schleier auf seiner feinen Haut. Die\nfältet sich schmerzlich dann, wenn sein Auge\ndie Wirklichkeit erblickt, die Wirklichkeit ohne\nZeremonie. Ich wundere mich nicht, dass er den\nPhilister hasst, den Sonntags- und Alltagsphili-\nster, noch eindringlicher aber empfinde ich seine\nVerachtung gegen den freigewordenen Bürger-\nsohn, den Studenten der Kunst. „Die Kunst kann\nman nicht erlernen, nicht wahr, Herr Baron,\nHerr Marquis, König aller Könige?\" Ich sitze\nneben ihm und bin der Prinz von Theben. Und\nzu seiner Linken versteht ein Arzt des Rau-\nsches die unbekümmerten Launen des Barons zu\nbeschwichtigen. Aber der Baron liebt das Gau-\nkelspiel des Herzens. Wir müssen mit ihm Cham-\npagner trinken, er will Begleiter zur Vergessen-\nheit haben. Aber ich weiss, der Baron kann\nnicht vergessen, er kann wohl trunken, doch nicht\nbetrunken werden. Ich vergiesse den schäumen-\nden Luxus, der herrliche Mundschenk zersplit-\ntert, mich zu ehren, meinen gläsernen Kelch. Das\nhätte Friedrich der Grosse auch in seiner Flö-\ntenlaune getan; der Baron stammt aus der Zeit\nder Flötenkonzerte. Er hat kein Alter, er ist\nwandelbar wie die Zeit, die einmal Lenz und\neinmal Herbst zum Zeitvertreib ist. Trägt der\nMarquis nicht seine Perücke wie auf der\nSchlosslandschaft in der Galerie, so ist sein\nHaar aschblond, sein Auge ist aus Merveil-\nlieuxseide, und seine Hand bewegt sich immer\nwie zum Holen einer Schönen zum Menuett.\nSeine Freude und seine Schwermut sind Jüng-\nlinge, und darum hasst er den Tod und möchte\nihn vergessen im Wein. Sein Esprit erinnert an\nVoltaire, lauter Blitze, die treffen und Brände\nwerden. Wenn der Mond gegangen ist über den\nGarten, dann werden wir auch nach Hause gehn,\nich will noch über Friedrich von Schennis ei-\nnen Essay dichten. Seine Bilder sind adlig und\nblaublütig. Liszt, der Musikpapst, Wagner und\nder Grossherzog von Weimar sind seine stol-\nzesten Werke und die vielen Liebeslandschaften\nhängen in Nischen minniglicher Schlösser.\n\nDie Inscenierung\nVon William Wauer\nDie Darstellung eines Dramas ist eine Aus-\nlegung, eine Interpretation, eine Vergewaltigung,\nwie jede Interpretation und Uebersetzung.\njedes Kunstwerk ist einfach, einheitlich: so\nmuss es auch das Bühnenkunstwerk, eine „Dar-\nstellung\" sein. Und unsere heutigen Theaterauf-\nführungen?\nEine künstlerische Darstellung, in der nicht\nalles innere Notwendigkeit ist, verliert ihre\nzwingende suggestive Kraft: sie hat die ihr zu-\ngehörende organische Form nicht erreicht.\nGeht die Darstellung nicht von rein dar-\nstellerischen Gesichtspunkten aus, so muss\nder Wert der Darstellung unter den literarischen\ndes Wortdramas, das aus rein d i-c hte r i -\nsehen Gesichtspunkten entstanden ist, herab-\nsinken.\nHeute sinkt jedes Dichtwerk bei seiner Auffüh-\nrung tief unter seinen literarischen Wert in der\nForm herab.\nWorte sollen in der Darstellung nicht „sa-\ngen\" sondern klingen.\nNur der Ausdruck eines Wortes, einer\nGebärde, einer Miene spricht unmittelbar zu uns.\nWorte können nur bedeutungsvoll\nsein, ausdrucksvoll ist nur der Tonfall,\nder Klang, das Mienenspiel, die Gebärde —\nkurz alles das, was als Form und Inhalt iden-\ntisch ist, wenn es vollendet erscheint. Soweit\nnun die Darstellung Ausdruck ist, sind die\nWorte (Sinnträger) nur Mittel zum Zweck. Des-\nhalb sind die Worte nicht die Hauptsache an\neiner dramatischen Darstellung, solange sie eine\nkünstlerisch-theatralische und nicht eine literari-\nsche sein will. Das Darstellen ist in der Dar-\nstellung das Notwendige — der Text ist nur\nWegweiser.\nFür die Darstellung ist das dramatische\nKunstwerk das „Motiv\", nicht der „Endzweck\".\nDenn ihr Endzweck ist kein dichterischer, son-\ndern ein darstellerischer.\nDen Sinn eines Dramas im Einzelnen und\nim Ganzen sinnfällig zu machen, die logische\nForm des- Dichters in eine sinnen wirksame auf-\nzulösen: das ist die Aufgabe der Bühnen-\nkunst.\nEs ist möglich\", Schillers Teil (wie jedes\nDrama) aufzuführen, ohne ein Wort der Schil-\nlerschen Diktion zu bringen: so wenig hat eine\nDarstellung mit dem rein Literarischen (der\nWortgestaltung) zu tun.\nDa die Vorstellung also mit dem literari-\nschen Problem nichts zu tun hat, so kann in\nihr auch das Wort als Sinnträger nicht die\nHauptsache sein, denn das Wort ist der Trä-\nger des literarischen Problems. Das Leben im\nTonfall, der Klang der Worte gestaltet Affekte,\nStimmungen und ist deshalb viel wichtiger als\ndas Wort (der Wortsinn) selbst.\nEine Darstellung muss das Dichtwerk so\nbringen, als existiere es noch nicht, als ent-\nstünde es eben. Schon deshalb darf eine Auf-\nfassung einer Rolle nicht hervortreten, oder das\nWort herrschen. Denn die Auffassung bezieht\nsich auf Vorhandenes zurück und das Wort\nerscheint in jeder Hervorhebung gewollt und\nkünstlich — beides wendet sich an das Ver-\nständnis. Das künstlerische Inslebentreten wen-\ndet sich an unsere teilnehmenden Sinne.\nDas Dichtwerk ist ein Stück durch die Dar-\nstellung wiedergegebenes Leben für den Theater-\nkünstler. Die Darstellung ist die scenische Be-\nwältigung eines Lebensausschnittes, wie ein Bild\neine malerische Bewältigung eines Naturaus-\nschnittes ist. Wird man deshalb behaupten: die\nMalerei sei eine reproduzierende Kunst? Wa-\nrum also die Theaterkunst? Denn es kann kei-\nnen Unterschied ausmachen, ob das „Motiv\"\nschon Kunst ist oder nicht — sonst dürfte der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "591", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.5", "texte": "Maler zum Beispiel auch keine plastische Kunst\nseinerseits „malerisch\" wiedergeben.\nDas Anekdotische hat für die Darstellung\nkeinen anderen Wert als den eines vorgeschrie-\nbenen Weges.\nNur der künstlerische Ausdruck des Lebens\ndarf auf der Bühne herrschen. Von dieser Grund-\nforderung aus ist alles zu beurteilen und zu\nverurteilen, zuzulassen und auszuscheiden, an-\nzuordnen und zu verbieten.\nEin befriedigendes Verhältnis zwischen In-\nhalt, Mitteln und Darstellung der Dichtung zu\nschaffen — eine Wesensgleichheit zwischen dich-\nterischem Gehalt sowie schauspielerischer und\nscenischer Verlebendigung herzustellen, das ist\nAlles.\nWas nicht sinnvoll (also organisch notwen-\ndig für das Ganze) auf der Bühne vorhanden\nist, darf überhaupt nicht vorhanden sein.\nAuch Zeit und Raum müssen in der Dar-\nstellung in einem überzeugenden Zusammenhang\ngebracht werden. Die Zeit (auch das Zeitkunst-\nwerk) ist illusorisch. Der Raum tatsächlich. Die\nDarstellung überträgt das Illusorische ins Räum-\nliche.\nDie Dichtung zerfällt in der Darstellung in\ntausend Einzelheiten. Deshalb ist die Darstel-\nlung ohne einen zweiten Dichter, der das Ganze\nnochmals in sich organisch als Ganzes zusam-\nmenfasst, unmöglich. Dieser zweite Dichter ist\nder Regisseur.\nEine dramatische Konzeption bedingt durch\nihr Zeitmass bereits auch die räumliche Insce-\nnierung.\nDie tausend Nichtigkeiten, durch die das\nvielgestaltige Schaustück: Milieu (Scene) bestimmt\nwird, haben keine Berechtigung, sich der Dar-\nstellung aufzuzwingen, etwa um durch sie in\nErscheinung zu treten. Die Darstellung kann sie\nzulassen oder übergehen. Die Darstellung herrscht\nallein, auf der Bühne und gibt keinem Dar-\nstellungsmittel irgend ein selbstständiges Daseins-\nrecht.\nFür die einzelnen Inscenierungselemente gibt\nes ausserhalb ihres gemeinsamen Lebens kein\nExperimentieren, kein Entfalten irgendwelcher\nVirtuosität oder Wirkung um dieser selbst willen.\nDer Inhalt eines dramatischen Kunstwerks\nmuss bis in seine tiefsten Tiefen hinein durch\ndie Darstellung, das heisst darstellend „heraus-\ngeholt\" werden, Form erhalten. Alles muss auf\ndie Oberfläche des Erscheinens — im Darstel-\nlungsmittel. Alles muss ausgedrückt, „Ausdruck\",\nalles muss anschaulich und anhörlich werden.\nIn der Aufführung darf nie und nirgends\ndie Geschicklichkeit des Theatermeisters: das\nMechanisch - Technische in Erscheinung treten.\nMan soll lieber Effekte schwächen oder ganz\nmeiden, wenn sie geeignet sind, Mechanisches\nzu verraten oder auch nur ahnen zu lassen.\nJede Scenerie muss innerlich einfach und\nselbstverständlich sein, damit sie die Bescheiden-\nheit der Natur erreicht, das ist: die Selbstver-\nständlichkeit.\nJede Form muss Ausdruck haben, als Form\nausdrucksvoll sein. Auch die realistische Wieder-\ngabe von plastischen Felsen zum Beispiel, die\nnichts als echt erscheinen, ist eine darstellerische\nSinnlosigkeit, ein störendes Nichts, gehört also\nnicht in eine künstlerische Formung, da in ihr\nBedeutungsloses nicht vorhanden sein darf.\nDas Ziel bei Herstellung plastischer, szeni-\nscher Versatzstücke ist nicht die naturalistische\nTäuschung, oder Vortäuschung irgend eines Din-\nges, sondern eine bedeutungsvolle Formung, die\nbedeutsame Form zu erreichen.\nAuch die Farbe darf keine andere Absicht\nmehr haben als charakteristisch, das heisst aus-\ndrucksvoll zu färben, farbig zu sein. Sie darf\nweder Licht noch Schatten sein oder nachah-\nmen wollen, noch nach gegenständlicher Wir-\nkung (etwa als Baum) streben.\nEine organische Verbindung zwischen realen\nund nur gemalten Dingen ist unmöglich — des-\nhalb sind nur gemalte Dinge überhaupt unmög-\nlich.\nNiemals kann die Einheitlichkeit der Dar-\nstellung dem Publikum gegenüber durch eine\nnur illustrierte Ausgestaltung, die „verstanden\"\nwerden will, aufrecht erhalten werden. Das\nbleiben lauter Einzelheiten mit nur logischem\nZusammenhang. Allein die organische Ausge-\nstaltung, das Heraustreiben und Formen von\nInnen nach dem Prinzip des Ausdrucks kann\neinheitlich und überzeugend wirken als eine un-\nunterbrochene Kette physischer Vorgänge, die\ndurch den Wechsel in der Erscheinung und In-\ntensität der Ausdrucksformen gemacht wird.\nJe intensiver der Ausdruck sein soll, desto\nmehr muss ihm geopfert werden: alles ihm nicht\ndirekt Dienende schwächt ihn.\nEine moderne Inszenierung muss die Ent-\nwicklung des Auges und Ohres des heutigen\nMenschen berücksichtigen.\nWürde man den Inhalt eines Dramas durch\neine charakteristische Linie ausdrücken können,\nso muss eine ebenso charakteristische Linie für\ndie Darstellung die erste wiedererkennen lassen.\nMehr ist nicht nötig.\nEine Inszenierung, die die Phantasie des\nPublikums ausschaltet, (indem sie sie völlig be-\nfriedigt) ist doktrinär. Nur eine Inszenierung,\ndie die Phantasie möglichst in Anspruch nimmt\n(indem sie nur „anregt\") ist künstlerisch.\n\nZur Physiologie der\nFrivolität\nVon Dr. Heinrich Pudor\nKindlichkeit und Frivolität scheinen einander\nauszuschiliessen; im Knaben- und Mädchenalter\nist Frivolität fasst gar nicht vorhanden, schon\ndeshalb, weil sie geschlechtliche Be-\nwusstheit voraussetzt. Sie kann erst\nmit der Mannbarkeit eintreten. Nun können\nwir aber beobachten, dass sie desto stärker auf-\ntritt, je schneller sich die Mannbarkeit e r -\nschöpft. Das Wachstum der Frivolität hält\ngleichen Schritt mit der zunehmenden Betätigung\ndes Geschlechtstriebes. Die Frivolität ist etwas\ndurchaus sekundäres: die Aeusserung des Ge-\nschlechtstriebes a posteriori. Schwerlich wird\nein Aiann vor der Betätigung des sexuellen\nTriebes im Zustande seiner Vollkraft frivol sein.\nFrivolität ist dem Kindhaften, der absoluten\nKeuschheit kontradiktorisch entgegengesetzt, ins-\nbesondere auch der relativen Keuschheit. Mit\nanderen Worten: die Frivolität nimmt umsomehr\nzu, je mehr sich der Mensch dem physischen\nUnvermögen nähert. Sie ist das Katzenjammer-\nspiel des Geschlechtstriebes. Ihre Aeusserun-\ngen entstehen aus dem Bewusst werden\ndes beginnenden Unvermögens. Dies trifft we-\nnigstens bei jener Frivolität, die als orginale\nund logische Aeusserung des menschlichen Or-\nganismus zu nehmen ist, zu, allerdings wird\nsie heute ebenso häufig vorgeschauspielert.\nFrivolität setzt demnach eine Gefühlslauheit\nund Empfindungsabnahme voraus, zum minde-\nsten in geschlechtlicher Beziehung. Eine andere\nFrage ist es, ob diese geschwächte Gefühls-\nwärme bloss das geschlechtliche Gebiet angeht,\noder ob sie absolut ist; mit anderen Worten:\nob die Minderung oder Vernichtung der sexu-\nellen Kräfte auch Gefühls-Impotenz voraussetzt.\nDiese Frage muss bejaht werden; Menschen, die\nihre geschlechtliche Kraft verwüsten, nützen not-\nwendig auch ihr gesamtes Empfindungsleben,\nihre Empfindungsfähigkeit ab: Herz, Lunge, Ge-\nhirn, Blut, Nerven werden gleichmässig abge-\nbraucht — allerdings spielen Anlage und Ver-\nerbung auch hier eine entscheidende Rolle. Noch\ncharakteristischer aber als die Empfindungslau-\nheit des frivolen Menschen ist seine vollkomme-\nne Bewusstheit des geschlechtlichen Zustandes.\nIst die Ebbe der geschlechtlichen Empfänglich-\nkeit eingetreten, dann wird das Bewusstsein des\nGeschlechtstriebes wach: wa& an instinktivem\nGefühl verloren geht, gewinnt der rüde Ver-\nstand: die rein äusserlichen Verstandeskräfte su-\nchen den Mangel an Empfänglichkeit, an Ge-\nfühlswärme, Keuschheit, Triebkraft zu ersetzen.\nSo entsteht ein raffiniertes Geschlechtsbewusstsein.\nOder physiologisch ausgedrückt: Im Zustande der\nKeuschheit sind alle die tausend Gefässe des\nGehirns mit Blut gesättigt. Wird der Geschlechts-\ntrieb wach, dann beginnt das Blut im Gehirn\nsich zu erhitzen, zu gähren und zieht sich nach\nden Körperteilen hin, die in Tätigkeit treten.\nWird nun der Geschlechtstrieb nicht übermässig\nausgeübt, so verbleibt immer noch eine genü-\ngende Blutmenge im Gehirn: das Bewusstsein\nbleibt umdämmert. Dieser Zustand ist für den\nGeschlechtsakt der günstigste, da alsdann die\nUmnachtung des höheren Bewusstseins den gan-\nzen Menschen in ihm aufgehen lässt. Ist da-\ngegen die Vollkraft, die Empfänglichkeit schon\nerschöpft, der Geschlechtstrieb schon sehr stark\nbetätigt worden, so ist der Blutreichtum des Ge-\nhirns sehr stark angegriffen; bei jedem neuen\nGeschlechtsakt wird dem Gehini aufs Neue Blut\nentzogen. Indessen nun das Blut nach den tie-\nfer liegenden Teilen des Körpers drängt, tritt\neine relative Blut leere im Gehirn ein. Abso-\nlute Blutleere würde den Stillstand des Lebens\nbedeuten. Dem aber beugt das Leben selbst vor:\ndas Gehirn, das nur noch soviel Blut bewahrt,\nals zur Erhaltung des Lebens nötig ist, gibt\nkeines mehr ab: so entsteht das sexuelle Un-\nvermögen. Kann dagegen noch genügende Säfte-\nabfuhr stattfinden, ohne dass das Gehirn sonder-\nlich gefährdet wird, so findet der Geschlechts-\nakt bei relativ wachem Bewusstsein statt; an die\nStelle der Natürlichkeit tritt geschlechtliche Raf-\nfiniertheit. Diesem Zustand entspringen in gei-\nstiger und seelischer Hinsicht Frivolität und Cy-\nnismus,\nWir können aber feststellen, dass Frivolität\nund Cynismus Folge-Erscheinungen einer über-\nmässigen Betätigung des Geschlechtstriebes sind,\ndass sie nur bei zurückgehender Fähigkeit zu\naktiver Geschlechtlichkeit möglich erscheinen, dass\nsie in ihrer Entwickelung Schritt halten mit der\nrelativen Blutarmut im Gehirn, dass sie also\nnicht etwa Anzeichen eines Blütezustandes einer\nsublimierten Kultur sind, sondern auf Verfall,\nNiedergang, Auflösung weisen, mag man das\nnun Dekadenz, Degeneration nennen oder sonst-\nwie. Ich setze die Kenntnis voraus, dass der\nmenschliche Zeugungsstoff aus dem menschlichen\nBlute bereitet wird und dass das Reservoir für\ndie Bereitung dieses Stoffes im Gehirn liegt. Je-\nder, der auf sich selber achtet, kann beobachten,\ndass der Zustand geschlechtlicher Empfänglich-\nkeit im Kopf, im Gehirn seinen Ausgang hat.\nDas sexuelle Fieber beginnt im Gehirn: der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "592", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.6", "texte": "Gährungszustand im Gehirn erzeugt das ge-\nschlechtliche Vermögen. Daher zeigen bei vielen\nMenschen der Kopf und das Gesicht weit eher\nVerfalls-Spuren als der übrige Körper. So er-\nklärt sich die Verwüstung des menschlichen Ant-\nlitzes bei geschlechtlich ausschweifendem Leben.\nIm Leben der Menschheit hat der Ge-\nschlechtstrieb, soweit uns bekannt ist, stets als\netwas Begehrenswertes, Wünschenswertes, sogar\nAnerkennenswertes gegolten. Und da seine Be-\ntätigung einen Genusswert darstellt, war man\nvon jeher bemüht, die Ausübungsfähigkeit die-\nses Triebes für eine möglichst lange Zeit des\nLebens zu erhalten. Die Genussbegierde, stets\naufs Neue angestachelt, fand in der physischen\nErmattung keine Grenze und wurde über die\nErschlaffung der Sinne hinaus rege erhalten. Das,\nwas vordem genügt hatte, geschlechtsbereit zu\nmachen, konnte nur noch einen — Witz her-\nvorlocken. So entstand das, was man Frivoli-\ntät nennt. Je intensiver sich die Geschlechts-\nmüdig k e i t hervordrängt, desto reichlicher\nist Grund zur Frivolität gegeben. Als Ergeb-\nnis einer sexuellen Abgespanntheit ist sie also\netwas durchaus Logisches: das folgerichtige Pro-\ndukt und die Begleit-Erscheinung jener geschlecht-\nlichen Ernüchterung, die sich auf zerebrale Aus-\ntrocknung zurückführen lässt: Frivolität ist we-\nniger eine geistige als eine physische Blamage,\nsie verkündet eine geschlechtliche Verarmung und\nUnfruchtbarkeit. Man kann beobachten, dass\nMenschen, die zur Frivolität neigen, an Frische\nund Reichtum des Intellekts und des Gemütes\nebensoviel zu wünschen übrig lassen, wie an\ngeschlechtlicher Empfänglichkeit und sinnlicher\nKapacität. Der Frivole ist unter Umständen\nnoch genussfähig, aber die gewöhnlichen Reize\nvermögen ihn nur zu einem „Bonmont\" anzu-\nregen: er wird cynisch. (Das Wort „cynisch\"\nwill das gemein Tierische, „Hündische\" eines sol-\nchen Zustandes bezeichnen, obwohl solche Zu-\nstände unter Tieren weit seltener zu finden sind\nals unter den Menschen.) Die Erinnerung an\ndie Freuden des Geschlechtsaktes, die Tradition\nund Konvention, die sogar hier eine Rolle spie-\nlen, erwecken in ihm stets wieder den Drang\nnach neuen Genüssen. Nun setzt aber der ge-\nschlechtliche Genuss überströmendes Gefühl, Emp-\nfänglichkeit, Erregbarkeit voraus. Der Frivole\ndagegen ist im Grunde stets ernüchtert, kühl,\ngleichgiltig: er muss daher nach einer künst-\nlichen Aufstachelung des Gefühlslebens verlangen,\nso oft er sich Befriedigung holen will; der Ge-\nschlechtsakt kann nicht mehr auf natürlichem\nWege betätigt werden: die Fähigkeit wird also\ngewaltsam erzwungen.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich\nUngarn / I. V.: Oskar Kokoschka\n\nSchon wieder der\nMeyer\nJoseph Adler\nDie Franzosen werden tiefer,\nUnd die Deutschen — täglich flacher\nNietzsche\nSolange nicht ein einheitliches „Klassen-\nbewusstsein\" die freien Berufsstände gegen die\n„Festbesoldeten\" eint; solange der Dienst bei\nden Idealen der Wahrheit und Schönheit nicht\nvon seinen Pflegern selbst jeder Tätigkeit in\n„des Königs Rock\" gleichberechtigt erachtet\nwird — so lange kann man es den Man-\ndarinen nicht verdenken, wenn sie ihre Wert-\nurteile lieber nach der Zahl der Pfauenfedern\nbemessen als nach der Kraft des Kopfes, der\nsie trägt — oder nicht trägt'\nZu guter Letzt platzt noch dieser Satz wie\neine Granate in die verwirrten Gedankenreihen.\nEs ist das Wort gefallen: Von dem Dienst\nbei den Idealen der Wahrheit und Schönheit.\nLiteraturwilderer schiessen zum Besten ihrer Beu-\nte. Unter dem Strich des Tageblattes kämpft\nder Professor Meyer auf Vorposten für\ndas „Klassenbewusstsein\" der freien Berufsstände.\nEs muss immer etwas gehoben werden. Un-\nzählige verharren beständig in gebückter Stel-\nlung, um nur, ob sie auch mit einem geisti-\ngen Leistenbruch behaftet sind, zuzufassen und\nzu „h e b e n\". Und die Hebung auch der of-\nfiziellen Geltung unserer sonst glücklicher Weise\nin der ganzen Welt mehr als manche Exzellenz\ngeschätzten Forscher, Künstler und Dichter muss\nvon ihnen selbst ausgehn\". Denn:\nAuch unter den deutschen Gelehrten gilt\nder „Professor\" unbesehen mehr als der „Pri-\nvatgelehrte\" und hiesse er Charles Darwin,\nder in Amt und Würden stehende Schriftsteller\nmehr als der „freie\", und wäre es ein Vol-\ntaire.\nWie heissen die in Amt und Würden ste-\nhenden Schriftsteller, die bei uns mehr gel-\nten als die „freien\"? Auburtin und Rudolf\nLothar? Oder Moszkowsky und Rudolf Pres-\nber? Allerdings stehen sie in Amt und Wür-\nden, aber sie gelten „bei uns\" nicht mehr als\ndie freien Max Dreyer, Rudolf Stratz, Rosegger\nu a. m. Dass sie im Auslande „glücklicher\nWeise\" mehr geschätzt werden als manche Ex-\nzellenz, spricht nur für die Lakaiendienste, die\nsie und die Presse sich gegenseitig erweisen.\nDie freien. Einen Dichter, der auch Exzellenz\nwar, hatte Deutschland schon. Und der Pro-\nfessor Meyer behält recht. Die französische Re-\ngierung hat vor geraumer Zeit dem „freie n\"\nSchwankautor Kurt Kraatz die Palmen der Aka-\ndemie verliehen.\nWie sollten da nicht hierzulande periodisch\nAnregungen zur Schaffung einer Akademie auf-\ntauchen, einer offiziellen Vertretung innerhalb der\n„Schriftstellerwelt\" selbst:\nAber eine Akademie, die in Berlin oder\nMünchen oder Weimar ohne Marie v. Ebner\nund Enrica v. Handel-Mazzetti, ohne Stefan\nGeorge und Hofmannsthal, ohne Richard Deh-\nme! und Paul Heyse begründet würde, schweb-\nte von Anfang an in der Luft.\nNicht weniger als das, wenn sie nicht die\ndiversen aufgepumpten Literaturgrössen bis zum\nPlatzen füllen könnten. Die Möglichkeit, dass\nRichard Dehmel die Ehre fliehen könnte, Ruhm\nder Unsterblichkeit an der Seite der Handel-\nMazetti zu dulden, zieht der Herr Professor\ngar nicht in Frage. Sein kitschiger Traum von\nder „ideale n\" Mitgliederliste einer deutschen\nAkademie wird schon gar manchen „Waffen-\nbruder\" nicht schlafen lassen.\nEs ist nicht genug, dass Presse und Pro-\nfessoren ephemere Erscheinungen in der Lite-\nraturwelt zu Typen von Dauer und Bedeutung\nfestlegen. Es soll auch noch eine Akademie die-\nsen ewigen Rekruten im „Dienste bei den\nIdealen der Wahrheit und Schön-\nheit\" den hohen Rang der Unsterblichkeit ver-\nleihn. Nicht eine einzige Exzellenz soll um sol-\nchen faulen Zauber hingegeben werden. Nicht\neine Pfauenfeder um ein vereinigtes — ein or-\nganisiertes Radschlagen der Kollegen. Und\nnur ein Professor, namentlich wenn er Meyer\nheisst, kann pathetisch fragen: ob man glaubt,\n„dass unsere Geburts- und Berufsaristokratie je\nden Ehrgeiz hegen würde, einen Platz zu ha-\nben in einer vielseitigen Vertretung\naller Richtungen durch alle Talente, einem\nHause, darin neben Clara Viebig und Gerhart\nHauptmann Erich Schmidt und Wilamowitz, ne-\nben Dryander und Naumann Maximilian Har-\nden und Alfred Kerr sässen.\"\nGoethes Wort: die Unsterblichkeit ist nicht\njedermanns Sache, nachtrauernd, würde Erich\nSchmidt an Clara Viebigs Seite resigniert\nder „U nsterbli c h k e i t\" leben. Und schon\ngar nicht fragwürdig bleibt es, dass ein deut-\nscher Fürst oder Graf — und es muss gar kein\nbestimmter sein — der Frohmühe nicht denken\nwird, Platz sich zu küren im Edelkreis geist-\nstarker Hochfrauen und Tatmänner.\n\na m\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nlummer 326/327/328\nist erschienen\nPreis 75 Pfennig\n80 Seiten\nMit einer Illustration:\nDer Sieger\nURERALL ERHALTUCH\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\n■ayaagßHassaa\n\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Yienne)\nFrankreich\n\nI'—- -ii\nVerlag „Der Sturm\"\ne %\nHerwarth Walden\nDAFNISUEDER\nFiirGesangu.Klavier/52Seiten\nDREI MARK\nDurch alie Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oderdirekt\ndurch denVerlag DER STURM\nHalensee/Katharinenstrasse 5\n\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbticher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\nloiaaaaai\n\n\\\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftkiter\nHENRY BURIOT\ni a Binßa\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier)Frankreich"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "593", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.7", "texte": "Maximilian Macht\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gedachtnis-Kirctie\n' . - ■ ■ ' : :\n-\n'\nJoornaS-Lesezirke!\nAusstellungen der Neuen Sezession\nVeriag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "594", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110826-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C/ 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nDie Abonnenten\nunserer\nWochenscMt\nwerden hoflichst um\nEinsendung des falli-\ngen Betrages gebeten.\nEr vvird andernfalls un-\nter Nachnahme mit Zu-\nschlagder Einziehungs-\nkosten behobenwerden.\nSamtliche Postamter\nnehmen Bestellungen\nauf unsere Wochen-\nschriftentgegen. Probe-\nnummern werden an\njedeangegebene Adres-\nse versa ndt.\nYerlag „Der Sturm\"\n\nDie Wasserkraft\nZentralblatt fflr Industrie,\nIngenieur= und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=-\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriken\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in derWasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht\n\nis\n„ —\nElse Lasker-Schiiler\nMeine Wunder\nGecHch te\nPreis in van Geldern-Bi'itten gebunden\nDrei IVlark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig\n\nLE\nCOURRIER DE LA PRESSE\nBUREAU de C0UPURE8 de JOURNAUXgl\nFrangais et*Etr angers\nFonde en 1889\n21, Boulevard Montmartre PARIS 2s\nGALLOIS & DEMOGEOT\nAdresse Telegr.: COUPURES PARIS — T£l£pHONE:101.50\nLe COURRIER de la PRESSE: Re?oit, lit et decoupe tous les\nJournaux et Revues et en fournit les extraits sur tous sujets\net personnalites.\nService special d'Informations partiques pour$ Industriels\net Commez$ants.\nTARIF: 0 fr. 30 par Coupure\nTarif reduit, paie= ) Par 100 Coupures, 25 francs\nment d'avance, sans \\ „ 250 „ 55 „\nf>eriode de temps li- i „ 500 „ 105 „\nmite. ) „ 1000 „ 200 „\nOn traite a forfait pour 3 mois, 6 mois, un an\n\n*; s^tcftsewfJ\nVerlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\ns Halbjahr „ 3,—\nJahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer 1 bis 56 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei\n\nPressreSationslHirean Bansa\nBerlin NW 23 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nachrichten liber\nKnnst, Literatnr, WissenscUaft\nin jeder Hinsicht unbedJngt zuverlassig.\n:: Akademisch und literariseh gebildete Lectoren ::\nvorziigliche Organisation\nFernsprecher Berlin II 6121\n\nHandelswissen- pViaflp Madfil) T . .\nschaftl. Kurse von riiClil. lliC&lCi Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz ftir ein mehr-\njihriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur AnfSnger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Biianz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tStig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Geseflschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\n\nmil I ■■■—— imi mi [■■■■■■■■■■■n ißiMiHißMii—mwrm\nVegetarisches Oasthaus\nFREYA\n■ Charlottenburg »\n2 Bismarckstrasse 9 «\n!, Am Knie BIBB'S ■■\nAngenehmer Aufenthalt\n112 iir Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nEDMUND MEYER\nBuchhandler und Antiquar\nBERLIN W 35 3§3§§g\n• =====\nAnkauf einzelner \"Werke\nund ganzer Bibliotheken\nSoeben erschien: Katalog XVIIL Llteratnr\nGeschichte, Kunstgeschichte, illustrierte\nWerke in deutscher, engllscher, fran-\nzos. Sprache zu besonders bllligen Prdsea\nDemnachsterscheint: Katalog XXI / Kunst-\nblatter; Portrats, Stadteansichten, Berliner\nBlatter, Karrikaturen, Flugblatter, ttenere\nund altere Genrebilder, Blatter von\nMenzel, Beardsley, Rops, Stammbucher\nSilhouetten, Japanblatter etc. etc.\nKatalog-e / gratis und franko /\nbitte direkt zu verlang'en\n\nCafe Continental STE\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachtsr\nGrosses Kunstler - Konzert\nAll© bedeutenden Zeitungen und Zeitschriftea\n\nTHRICHOPHIL\n■ Fl.M.3,00 F1.M. 3,00 ■\n| ■■■■■■■■■■■■■■■ == nur belm Fabrlkmten: == ■■■■■bbmbbbbm Jj\n| Otto Teutscher/Friseur Jj\nI. Geschaft: 106a Potsdamerstr., Einjf. 63 Steglitzerstr.,Tel.VI, 6735 I\n| II. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,6387\n■iiiieaaeeeeeaiiiii\n\nDr. Rudolf Blumner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrera.d.Schauspielerschuled.Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstrasse 75 Sprechstunde: 5-6 Uhr\n\nPreii 1 Mark\nPreis 1 Mark\nIZ-\nSicheres Mlttel gegen akuteKatarrheder Atmung'S- * *\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangem\nsoforiigen Gebrauch der erkrankten Organe\nZAHLRE1CHE ANERKENNUNGEN\nZu haben In alien Ape the ken und Drogcrien / Alleinlge Fabrikantin\n„PhartnaeIa\" / Fabrlk ffir pharmaceutischea Bedarf / Berlin-Halensee\nW ohlodimeckend\nSicher wlrkend\n■ B"}]}