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Wenn ein Romantiker eine Ve-\nnus malt, so reizt ihn nicht der Typus, das\nIndividuell-Göttliche, wie es den Schöpfer der\nVenus von Milo oder Tizian gereizt haben mag.\nDie Göttin wird dem Romantiker einfach nur\nzum Vorwand irgend einer Stimmung: wenn\nBöcklin eine schaumgeborene Venus malt, denkt\ner an das Meer, nur an das Meei, an die\nZeugungskraft des Feuchten, die in primitiven\nPhilosophien eine so grosse Rolle spielt und an\ndie auch Goethe manchmal geglaubt zu haben\nscheint. Tizian ist die Göttin Selbstzweck, Böck-\nlin nur Symbol der Meeresstimmung — da\nhaben wir den Unterschied zwischen individu\nalisierender und romantischer Kunst. Freilich\numweht auch die Venus des Tizian oder die\nVenus von Milo Stimmung. Aber die göttliche\nGestalt wird davon nur im Umrists schattiert\nund hebt sich scharf ab, wie ein leuchtender\nKörper von seinem Hintergrund. Das Lyrische\nist hier nicht die Hauptsache, sondern nur eine\nleise mitschwingender Oberton. So war bis da-\nhin, wenigstens für die Aesthetik und Kritik,\ndas allgemeine Kunstideal beschaffen gewesen:\nmöglichst plastische Gestaltung eines Einzelfalles\nmit einem mehr oder minder starken Hintergrund\nlyrischer Stimmung. Dieses Ideal überwog so-\ngar noch in der spezifischen Lyrik. Die Balla-\nde, Romanze und als äusserste Grenze das knapp\numrissene Volkslied wurden weit vor der sym-\nbolischen Lyrik bevorzugt — vor unbestimmten\nund verschwebenden Akkorden und Allgemein-\ngefühlen. Hier haben erst die Romantiker die\nAesthetik ergänzt, indem sie eine neue Poesie\nproklamierten, nämlich die Stimmung als Selbst-\nzweck.\nStimmung ist Traum, ein Wogen in einem\nunendlichen Element. Das Leben aber in Zeit\nund Raum wirft harte Schranken und Grenzen\nauf und zerschneidet wie ein Gebirge den him-\nmelblauen Horizont. Daran stösst sich der\nschwärmerische Träumer auf Schritt und Tritt,\nund manchmal zerschellt er daran. Jedenfalls\nmuss sich ihm die Ueberzeugung in die Seele\ngraben, dass dieses Leben ein feindliches Prin-\nzip wäre, der absolute Gegensatz zu jeder Stim-\nmungspoesie. Aus dieser Empfindung ist es zu\nerklären, dass noch jeder Romantiker mit einer\nWeltflucht begonnen hat und von dem tiefen Zwie-\nspalt, der zwischen Kunst und Leben Klüfte auf-\nzureissen scheint, bis zur Verzweiflung gemar-\ntert wurde. Aus einer solchen Marter erwuchs\naber fast immer die Sehnsucht, den Dualismus\num jeden Preis zu überwinden und sich in den\nAbgrund zu stürzen, um den Abgrund zu\nschliessen.\nDer Romantiker trat also mit Widerwillen\nan Welt und Leben heran und entdeckte mit Er-\nstaunen, dass dieses verhasste Leben in allen\nseinen Erscheinungen jene eigentümliche Dunst-\nschicht ausströmte, die gerade ihm als eigent-\nliche Poesie galt Stimmung! Es gibt nichts\nauf der Welt, dem nicht Stimmung abzugewin-\nnen wäre. Man vergegenwärtige sich zum lehr-\nreichen Exempel etwas sehr Widerwärtiges: eine\nGrossstadtdestille. Auch diesem Schmutz und\nElend und diesem greulichen Fuselgeruch lässt\nsich ein starker Stimmungsreiz nicht absprechen.\nDie Schenke wird ein unheimliches Ungeheuer,\neine Zauberhöhie des Verderbens, ein Vampyr\n— man sehe, was Emil Zola in „Germinal\" dar-\naus gestaltet hat. Ebenso konnten die Philister\nund trockenen Durchschnittsnaturen, diese gebo-\nrenen Todfeinde des Stimmungsmenschen, zu bos-\nhaften Kobolden oder gespenstischen Dämonen\nher abgedrückt oder heraufgehoben werden, wie\nes Theodor Amandeus Hoffmann getan hat. Diese\nMetamorphose ist nicht einmal nötig: es gibt so\nmanches moderne Buch, das den gespenstigen\nAlbdruck des Philisteriums oder der Alltäglich-\nkeit ohne jede Hexerei heraufbeschworen hat: ich\nerinnere an Friedrich Huchs „Peter Michel'* oder\nan die feinere Weise des Norwegers Herman\nBang. Die graue Oede und Langweil kann zu\neinem gewaltigen Stimmungsmoment gesteigert\nwerden, wenn eine arme Menschenseele ihre nie-\nderziehende Wucht zu ahnen beginnt und ver-\nzweifelt Stimmung ist eben das erste Verhältnis\neiner Seele zu ihrem Gegenstand, und in dieses\nerste Verhältnis kann die Seele zu allem und\njedem treten. In der Grossstadt ist sogar eine\nandere Beziehung zu den meisten Dingen der\nAussenwelt ganz undenkbar. In diesen Wirbel\nund in diesen dahinrasenden Strpm lässt sich\nnicht hineingreifen, um eine isolierte Welle her-\nauszuholen und episch zu kristallisieren. Den\nmöchte ich sehen, der imstande wäre, den epi-\nschen Typus der Leipziger Strasse in Berlin end-\ngültig festzulegen, so wie Homer oder Gottfried\nKeller die Lokalität ihrer Erzählung festzulegen\nvermochten. Das ginge über Menschenkraft. Die\nBilder wechseln in rasender Eile und in einem\ntollen Veitstanz der Farben; es bleibt nichts in der\nErinnerung, nur eben eine machtvolle und auf-\nregende Stimmung, eine unfassbare Ahnung von\nder Gewalt des sozialen Lebens. So schärft sich\ngerade in der Grossstadt die Empfänglichkeit für\nStimmungen und die eigentümliche Begabung,\nauf die kleinsten Reize intensiv zu erwidern.\nMan hat die Naturschwärmerei des Kulturmen-\nschen aus seiner Nervenübermüdung erklärt, aus\neinem hygienischen Instinkt, der ihn aus den\nGassen der Grossstadt in die frische Landluft\nhinaustreibt. Ich meine, das ist eine sehr un-\nvollständige Erklärung. Der Grossstädter will\neinfach seinem ästhetischen Vermögen immer neue\nProvinzen unterwerfen und seinem rastlosen Stim-\nmungshunger immer mehr zu brechen und zu\nbeissen geben. Nachdem er im Menschengewühl\nden Rausch der Stimmung kennen gelernt hat,\nsucht er ihn im Gewühl der Gräser und des\nunendlich Kleinen oder in Horizonten und Son-\nnenbränden, im unendlich Grossen der Natur.\nDer wirkliche Landbebauer kennt nur in selte-\nnen Ausnahmefällen eine intime Naturpoesie —\naus ländisch-sozialen Naturzuständen pflegt fast\nimmer nur eine rein epische Dichtung heraus-\nzuwachsen. Der Romantiker aber erobert die Na-\ntur, wie er die Grossstadt und wie er sich\nschliesslich alles erobert hat. Denn in allem ist\nStimmung freilich auch manches andere, das aber\nder Romantiker verwirft. Er umarmt das Le-\nben und stösst es zurück. Romantik ist in ei-\nnem aussondernden Sinn Poesie und doch zu-\ngleich Universalpoesie — Romantik ist Stimmung.\nAuf geistigem Gebiet, in der Form- und\nWesensfrage, offenbart sich in ganz ähnlicher\nWeise dieser Gegensatz, der durch die höhere\nEinheit der Stimmung überwunden wird: Ro-\nmantik ist Wissenschaft und wieder auch' Kunst.\nAber sie ist beides erst im Keim und nicht in\nder Vollendung. Es gibt eine Zeit, wo sich die\nWissenschaft von allem Stimmungsgemässen him-\nmelweit entfernt hat und in harter und nüch-\nterner Prüfung die Methoden ihrer Darstellung\nrein verstandesgemäss ausbildet. Aber eine sehr\nmächtige Art der Stimmung kennt die Wissen-\nschaft so gut wie die Kunst: den Schauer der\nKonzeption! Wenn der Forscher in heisser Er-\nregung neue Gedanken zu ahnen beginnt, so\ndass ihm ist, als hätte ein aufzuckender Blitz-\nstrahl unendliche Gefilde urplötzlich erleuchtet:\ndann, in einem solchen Augenblick, empfindet\nder Mann der Wissenschaft wie der Künstler\noder wie der Prophet empfindet, wenn sie vom\nSchauer ihrer Visionen überfallen werden. Die\nRomantik sucht also die Wissenschaft in ihrem\nKeimzustand auf, wenn sie noch Konzeption\nist, Embryo. Und mit Folgerichtigkeit wird eine\nDarstellungsform verlangt, die nicht nur das Ge-\ndankenresuitat getreulich wiedergibt, sonder auch\ndie Wonnen und Stimmungen, als dieser Gedan-\nke zum ersten Mal empfangen wurde. Es gibt\neine Unmenge von Zwischenformen und Kunst-\ngattungen, die diesem Verlangen entgegenkom-\nmen. der Aphorismus, der poetisch-didaktische\nWeisheitsspruch, die Skizze, die ironisch-phan-\ntastischen Formen, der Essay. Das alles war\nwohl früher schon in der Vereinzelung vorhan-\nden, ist aber erst durch die romantische The-\norie und Praxis einheitlich zusammengefasst und\nauf eine höhere Stufe gehoben worden. Darum\nwerden auch nicht, wie die Legende will, in\nFrankreich die besten Essays geschrieben, son-\ndern im Heimatland der Romantik und der po-\netischen Zwischenformen, in Deutschland.\nAber es gibt noch eine zweite Verbindung\nzwischen Kunst und Wissenschaft, einen Kon-\nzeptionsschauer, der noch zu ganz anderen Din-\ngen hinführt als zu Essays. Der Philosoph, der\nbis zur Verzweiflung mit den letzten Dingen\nkämpft, rechnet sich nicht nur rein wissenschaft-\nlich die Elemente der Welt zusammen, er\nschaut und dichtet sie auch zusammen. Es gibt\nauf diesem Gebiet höchstens nur eine Annähe-\nrung an Resultate, und alles andere muss durch\nden Willkürakt einer grossen Persönlichkeit hin-\nzugewonnen, hinzugedichtet werden. Alle Welt-\nanschauung bleibt eigentlich fortwährend im Sta-\ndium der Konzeption, im Stadium der Ahnung.\nUnd auch hier gibt es eine ästhetische Zwi-\nschenform — die Bibel. Das soll heissen, ein\nWeltanschauungsbuch, das zugleich Lehre und\nVision enthält, Embryonenfragmente aus aller\nWissenschaft und Symbol und Lyrik in einem\nal fresco-Stil. In diesem rein ästhetischen Sinn\nist auch die divina commedia eine Bibel oder\nNietzsches Zarathustra, und wir den Zwie-\nspalt und die Einheit von Prophet und Dichter\nGestalter und Redner (Prediger), die in einer\nurgewaltigen Grundstimmung zusammenwachsen.\nDie romantische Dichterseele, die in dieser\nWeise die ganze Tonleiter der Stimmungen spie-\nlen lernte, wurde freilich zum Lohn dafür von\ndiesen Stimmungen oft genug arg getrübt und\nbis zur Unheimlichkeit geschädigt. Sie verfiel\ndann einer Willenlosigkeit, Sklaverei und Gespen-\nsterangst, die sich von den Tollheiten des gröb-\nsten Aberglaubens kaum noch unterschied. Aber\nes gibt nicht nur düstere, krankhafte und\nbundene, sondern auch ätherische Stimmungen.\nAuch die helle Geistigkeit und der energische\nSonnenschein der Intelligenz löst Stimmungen\naus, die wie übermütige Adler über alle Him-\nmel fliegen. Dieser oft frevelhafte Uebermut wur-\nde übrigens durch die romantische Theorie und\nKunstübung reichlich gefördert und geradezu her-\nvorgerufen. Denn die Romantik, wie wir sahen,\nverweilte bei den Keimformen, beim Moment der\nKonzeption, wenn die Dinge empfangen und\nnicht, wenn sie geboren wurden. Es fehlte also\neigentlich der harte Zwang der Entbindung und\ndie einengende Realität der Einzelfälle. Der Mann"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "605", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3390, "texte": "der Wissenschaft brauchte sich von seinem Ver-\nstand noch nicht ganz und gar aussaugen und\naustrocknen zu lassen, und der Dichter hatte\nnoch nicht im linteresse einer poetischen Idee je-\nde Laune und persönliche Einmischung streng\nzurückzuhalten. Vielmehr seine Laune, seine\nStimmung, war gerade sein Gott, und es galt\nals Verdienst, wenn er sie in allen Farben schil-\nlern liess. Für gewisse unter sich antipodische\nNaturen, für die Virtuosen und philosophischen\nHerrschergeister, könnte aber die jeweilige Ein-\nzelstimmung niemals zu allmächtig werden. Die\nStimmung gehorcht eben jeder starken oder auch\nnur beweglichen Natur, während die Sachlich-\nkeit unerbittlich ihre Rechte geltend macht. Und\nso war in der Romantik ein Bereich der Frei-\nheit, in dem jene eigentümliche Ironie von hin-\nreissend poetischen Qualitäten gedeihen konnte,\ndie sich von der Ironie eines Voltaire oder So-\nkrates so gründlich unterschied. Aber dicht ne-\nben dieser verwegenen Geistigkeit lauerte der Ab-\ngrund und der Wahnsinn — Zacharias Werner.\nAuch hier also ein merkwürdiger Zwiespalt in-\nnerhalb der höheren Einheit der Stimmung.\nDie höchsten Werke der romantischen Kunst\nscheinen freilich von dieser Antithese, die sich\nsonst so deutlich verfolgen lässt, völlig frei zu\nsein. Wenn sich die Romantik zu höchster sym-\nbolischer und mythenschöpferischer Gestaltung\nerhebt, wie bei Nietzsche, dann mag es sich\nwie müssige Neugierde ausnehmen, in einem\nsolchen geschlossenen Kunstwerk noch irgend\neinen Zwiespalt auszuspähen. Dagegdn dürfte\nallgemein zugestanden werden, dass auch diese\nhöchsten Produkte der Romantik lediglich auf\neiner Grundstimmung beruhen und nicht auf\neiner Einzelheit. Die divina commedia interes-\nsier- lediglich als Pandämonium und Zarathu-\nstras äusseres Schicksal ist das Gleichgültigste\nam ganzen Zarathustra. Die romantische Grund-\nstimmung ist also voll gewahrt und auch der\nDualismus ist nicht verschwunden, sondern in\ntiefere Gründe hinabgetrieben. Es ist durchaus\nder Gegensatz von poetisch und alltäglich, der\nsich auftut und durch die Stimmungsfülle über-\nwunden wird. Von Zarathustra braucht man\nnur zu sprechen und jeder fühlt sofort, wie alle\ndiese Kennzeichen hier zutreffen. Dieses Werk\nist hervorgewachsen aus der Sehnsucht einer\nheroischen Seele, die an der Alltäglichkeit er-\nstickte. Während ein klassischer oder realisti-\nscher Dichter einen solchen Konflikt in humo-\nristischer oder tragischer Manier an einem Ein-\nzelschicksal abzuwandeln pflegt» spricht dagegen\nder Romantiker nur in der Form von allgemei-\nnen Stimmungen.\nAlso die Romantik ist Stimmungskunst, ganz\nund gar nur Stimmungskunst. Sie scheint das\nganze Leben zu umklammern, aber sie umwallt\nes nur wie etwas, das man leicht wieder ab-\nheben kann. Poesie und Leben scheinen in ein-\nander verwachsen zu sein und verspüren doch\nvielleicht niemals schmerzlicher ihren tiefinner-\nlichen Gegensatz. Nie erscheint der Menschen-\ngeis: übermütiger und verzweifelter als im Tau-\nmelrausch romantischer Stimmungen. Schwache\nund suchende Geister zerschellten noch stets an\ndieser Poesie der Kontraste. Aber bewegliche\nNaturen pflückten von dieser Wiese manchen\nreizvollen Strauss, und tiefblickende Philosophen-\nnaturen, die auf eine endgültige Ueberwindung\ndes W'eltdualismus verzichteten, fanden die ge-\nwaltigsten Symbole für ihren Endlichkeitsschmerz\nund ihre Ewigkeitssehnsucht im Lande der Ro-\nmantik."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "605", "page_fin": "605", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.4", "titre_corps": "Die Theaterkunst", "titre_sommaire": "Die Theaterkunst", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "605", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.3", "debut_caractere": 3392, "fin_caractere_exclue": 8332, "texte": "Die Theaterkunst\nVon William Wauer\nAlle „Sage\"- und „Spiel\"-Künste (Poesie,\nTanz, Musik, Schauspielkunst) setzen inneres Le-\nben in äusseres um, in einzelne charakteristi-\nsche Erscheinungen, die ihre Kunst gerade her-\nausstellt. Die „bildenden\" Künste geben einen\nMoment dieses Lebens als Anschein des Gan-\nzen, ein erstarrtes „Bild\". Die Theaterkunst gibt\nLebenserscheinungen in der Form aller Künste.\nWir müssen uns endlich daran gewöhnen,\nauch die Theaterkunst formal artistisch zu ge-\nmessen und zu beurteilen.\nDie Darstellungskunst irn Theater darf nichts\nwollen als die vollendete Formung ihrer Mit-\ntel, sie darf nichts wollen als ausdrucksvolle\nGebärden, Töne, Farben, Linien, Gruppierungen,\nHelligkeiten und Dunkelheiten.\nDie Bühnenkunst ist eine Kunst für sich,\nIhr Künstler ist der Regisseur. Das Bühnen-\nkunstwerk ist etwas anderes als das geschriebe-\nne dramatische Kunstwerk.\nDie dramatische Dichtung ist ein selbstän-\ndiges Kunstwerk. Seine Art ist völlig verschie-\nden von dem aufgeführten Drama, in sich ge-\nschlossen ohne Aufführung, und nur ohne Auf-\nführung: ein Zeitkunstwerk in logischer Form.\nDie Aufführung ist ein Raumkunstwerk in op-\ntisch-akustischer Form.\nDie Bühnenkunst setzt die logische Form\ndes Dichters in eine optisch-akustische um — die\nindirekt wirkende in eine direkt wirkende.\nDie Bühnenkunst hat es mit Formproblemen\nzu tun, wie jede Kunst: mit optischen und aku-\nstischen. Literarische Probleme kennt sie nicht.\nDie Darstellungskunst wendet sich nicht\nwie die Wortkunst des Dichters mittelbar, son-\ndern unmittelbar an unsere Sinne. Alles soll\ngefühlt: miterlebt werden.\nDas heutige Theater zeigt uns das Dicht-\nwerk als Gaukelspiel. — Wann wird uns eine\nBühnenkunst lehren das Dichtwerk zu erleben?\nHeute will die Theaterkunst in ihrer letzten\nAbsicht noch das dramatische Dichtwerk (als\nob dieses in ihr das Tatsächliche wäre!) Das\nist gerade so, als ob die Bildhauerkunst in letz-\nter Absicht den Menschen, und die Landschafts-\nmalerei in letzter Absicht die Landschaft wollte.\nDas Sujet (der Vorwurf, das Motiv) ist nie\ndas Tatsächliche in der Kunst, denn es bleibt\nstets unwirklich, „Anschein\".\nIn der Malerei ist cler Baum „anscheinend\"\ndurch die koloristische Tatsache (die Wirklich-\nkeit der Farben) vorhanden — in der Bildhaue-\nrei der Mensch „anscheinend\" in der Tatsache\ndes geformten Steins (in der Formwirklichkeit);\nin der Dichtkunst wird das Ereignis, der Vor-\ngang, der Zustand „scheinbar\" in der Tatsache\nder Worte (der Wirklichkeit der Schilderung)\nlebendig, in der Musik werden Stimmungen und\nAffekte „scheinbar\" in der Tatsache der Ton-\nwellen (in der Klangwirklichkeit) laut, und in\nder Theaterkunst wird das dramatische Dichtwerk\n„scheinbar\" vorgehen in der Tatsache der The-\naterkunstmittel (in der Wirklichkeit des „Spiels\").\nDie Tatsächlichkeit liegt also in jeder Kunst\nin der ihr eigenen Form, im geformten Materi-\nal. In der Formung „erkennt\" man das Sujet,\nweil es „scheinbar\" wird. Alle Kunst schafft\nnur „Andeutungen\" (Symbole) und es genügt\nzum Genuss und Verständnis, wenn wir sie er-\nkennen, wieder erkennen (selbst in uns frem-\ndester, ja befremdenster Form!)\nWir haben nur Macht über Tatsächliches,\nWirkliches. Auch als Künstler. Also hat auch\nnur ein künstlerisches Streben Sinn, das Tat-\nsachen und Wirklichkeiten formen will und formt.\nEs hat also keinen Sinn, einer naturalistischen\nScheinbarkeit des Motivs nachzujagen.\nDie Bühne ist das Schaufenster für die Tat-\nsächlichkeiten und Wirklichkeiten des Lebens und\nErlebens.\nEs ist ein begreiflicher Wunsch, dass wir\nauf der Bünne immer neue und immer bestech-\nlichere Dinge vorgeführt haben wollen. Wir wol-\nlen unser Leben in seinen Reizen bereichern\nund erhöhen.\nEin inneres Gewitter zur Entladung zu brin-\ngen, grosse innere Spannungen zu schaffen und\nauszulösen, das ist die Aufgabe der Theater-\nkunst insbesondere. Das wussten schon die alten\nGriechen. Nimmt man dem Theater diese Auf-\ngabe, verliert es Ernst und Achtbarkeit.\nUnsere Abneigung gegen „Feierlichkeit\", ge-\ngen Pathos und Pose machte uns naturalistisch.\nDarum aber jeder Feier abhold werden, heisst\ndas Wesentliche unüberlegt dem Unwesentlichen\naufopfern.\nJedes Kunstwerk muss so weit naturalitisch\nsein, — und ist es — als es organisch ist: er-\nzeugt nach dem Lebensgesetz des Wachsens,\nnicht konstruiert oder komponiert nach techni-\nschen Prinzipien.\nSinnvoll zusammengestellte Instrumente, sinn-\nvoll geleitet zu einem gemeinsamen künstlerischen\nZweck, nennt man ein Orchester, ein Ensemble\nvon Schauspielern verbunden zu einem Darstel-\nlungszweck ist nicht das Gleiche?\nDer grosse Aussenschein ist nie das Ziel\nder Kunst.\nLeben und Bewegung ist in der Kunst das-\nselbe.\nDie Handlung ist das Rückgrat des Dramas\n— die latente Stimmung die Seele. Das klingen-\nde Wort das Fleisch. Der Dialog der Geist.\nSeelenlose, geistlose Gesellen sind immerhin er-\ntragbar, rückgratlose aber stets Krüppel. Was\nsoll mit ihnen eine Darstellungs kunst?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "605", "page_fin": "606", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.5", "titre_corps": "Kapitän Junker auf der Insel Tamuso", "titre_sommaire": "Kapitän Junker auf der Insel Tamuso", "signature_source": "Eine Seemannsgeschichte von Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "605", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.3", "debut_caractere": 8334, "fin_caractere_exclue": 9498, "texte": "Kapitän Junker auf\nder Insel Tamuso\nEine Seemannsgeschichte von Paul Scheerbart\nDer Kapitän Junker aus Bremen besuchte\nmich neulich. Pünktlich um zehn Uhr vormit-\ntags kam er an; er hatte mir eine Karte ge-\nschrieben, auf der er mir mitteilte, dass er zu\neiner andern Zeit nicht kommen könnte. Der\nKapitän ist sehr gross, hat langen weissen Voll-\nbart ohne Schnurrbart, Ohrringe und furchtbar\ngrosse braune Hände. Sehr breit ist dieser Mi-\nster Junker, stark, schwer — einfach massiv.\nEr hört es gern, wenn man ihn Mister Junker\nnennt. Er macht keineswegs einen geistig reg-\nsamen Eindruck. Und das erhöht die Glaub-\nwürdigkeit seiner schier unglaublichen Erzählung\nungemein. Nach meiner festen Ueberzeugung ist\ndas, was er mir mitteilte, nicht in seinem Kopfe\nentstanden; er hat das alles tatsächlich erlebt.\nEine etwas umständliche Einleitung.\nAber ich werde jetzt gleich das Wesentliche\nvorbringen. Ich bat den Kapitän, mir sein\nAbenteuer so kurz wie möglich zu erzählen,\nund er sagte langsam — in seiner etwas schwer-\nfälligen Art.\n„Ich fuhr im vorigen Jahre durch die Süd-\nsee. Meine Leute machten, wie das da unten\nimmer noch sehr häufig vorkommt, Rebellion,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "606", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8097, "texte": "setzten mich in ein kleines Boot und überHessen\nmich meinem Schicksal. Ich ruderte und segelte\ndrei Tage und drei Nächte — geradeaus. In\nder dritten Nacht sah ich in der Ferne ein hel-\nles Licht — es wechselte die Farbe, und Schein-\nwerfer schössen aus dem Lichte heraus. Ei,\ndachte ich, das ist ja wohl ein Leuchtturm. Wie\nkommt der denn hier in die Südsee? Nun kann\nich mich aber sehr schwer kurz fassen.\"\n„Dann,\" sagte ich neugierig, „fassen Siesich\nlänger. Der Leuchtturm in der Südsee ist ja\nsehr seltsam.\"\n„Hm,\" meinte er lächelnd, „es war aber gar\nkein Leuchtturm.\"\n„Was denn?\" fragte ich hastig.\n„Das wird Ihnen ja,\" versetzte er langsam\n„so ganz allmählich schon klar werden.\"\n„So erzählen Sie weiter!\" rief ich unruhig.\nUnd Kapitän Junker sprach:\n„Ich fuhr natürlich auf das seltsame Licht\nzu. Und da merkte ich bald, dass da nicht nur\nei n Licht war. Es waren deren mehrere — und\nes wurden immer mehr, je näher ich kam. Ich\nnäherte mich, um es kurz zu sagen, auf meinem\nBoot einer kleiner — Lichtstadt. Lichtstadt! Sie\nahnen wohl, was das heisst.\"\n„Wie soll ich das ahnen!\" rief ich heftig.\n„Stellen Sie sich lauter Gewächshäuser vor,\"\nsagte er, „alle aus Glas — sehr gross. Und\nall das Glas bunt — wie die Fenster des Doms\nzu Köln. Und setzen Sie Glastürme — auch\nganz bunte — zwischen diese Glashäuser. Und\nstellen Sie sich diese Glashäuser ganz hoch vor\n— auf Hügeln und Bergen. Und die Türme\nsind durch quergehende Brücken mit einander\nverbunden — durch bunte Glasbrücken. Und\ndann einen südlichen Sternhimmel darüber —\nmit dem Kreuz des Südens. So ungefähr ist\nes gewesen. Diese Lichtinsel sah ich und fuhr\ndarauf zu. Von den Turmspitzen gingen Schein-\nwerfer aus — einer traf mein Boot. Ich war\nentdeckt. Was darauf folgte, spottet jeder Be-\nschreibung. Die Scheinwerfer drehten sich wie\nKreisel. Ich sah den Strand dicht vor mir und\nhörte ein dumpfes Orgelbrausen. Und mit ei-\nnem Schlage war alles Licht weg. Stockraben-\nfinstere Nacht überall. Nur die Sterne oben\nleuchteten. Ich betrat den Strand.\"\nEr atmete tief auf, wischte sich den Schweiss\nvon der Stirn und blickte mit begeisterten Au-\ngen zu meinem Fenster hinaus auf die weiten\nWiesen von Gross-Lichterfelde.\nUns waren die Zigarren ausgegangen. Wir\nsteckten sie uns wieder an. Nun wollte ich\nnatürlich wissen, was weiter geschah. Aber er\nschwieg noch eine gute Weile.\nEndlich fuhr er fort:\n„Ich setzte mich auf den Dünensand. Da\nwar ich plötzlich von einem dunkelgrünen Schein-\nwerfer ganz dunkelgrün beleuchtet. Das Licht\nverschwand, so rasch es gekommen war. In der\nFerne hörte ich etwas rascheln. Ich schrie: Hier\nist ein Schiffbrüchiger! Ich erzählte ganz laut\nvon der Rebellion auf meinem Schiff. Aber al-\nles blieb ganz still. Ein paar Glaskanten blitz-\nten im Sternenlicht auf. Ich war sehr müde\nund legte mich auf den Dünensand. Ich hatte\nsehr kräftig gerudert und schlief gleich ein.\"\nAbermals machte der Kapitän Junker eine\nlängere Pause. Ich brachte ihm ein Glas Grog.\nDa schmunzelte er so recht vergnügt.\nAls er den Grog langsam und bedächtig\nausgetrunken hatte, sprach er also:\n„Als ich nun aufwachte, da stand die Sonne\nschon ganz tief. Ich sprang auf — und sah,\nDass da überall mächtige Glasgebäude standen\nDie funkelten gar bunt und prächtig in der\nAbendsonne. Wenn ich das beschreiben könn-\nte! Das kann ich aber nicht beschreiben. Ich\nbin ein einfacher Mann und froh, wenn ich im\ngewöhnlichen Leben Worte finde. Ich schweige\nsehr viel, höre am liebsten zu, wenn andere\nreden.\"\n„Weiter! Weiter!\" rief ich heftig und schob\ndem Herrn Kapitän die Zigarren zu, „erzählen\nSie nur, so gut Sie können. Waren die Glas-\npaläste rund, eckig — in geschweiften Formen?\nWie waren die Türme? Jonisch — dorisch?\nOder — waren sie ganz im allerfeinsten Ge-\nschmack? Hatten sie kuppelartige oder schalen-\nartige Ausbuchtungen?\"\n„Da fragen Sie mich,\" sagte er langsam,\n„einfach zu viel. Ich war einfach geblendet.\nAber jetzt kommt das Schönste! Ein kleiner Wa-\ngen stand da vor mir. Und in dem Wagen\nwar ein Tisch gar sauber gedeckt mit den besten\nDelikatessen darauf: Hummern, Schildkröten, Au-\nstern und tausend Fischsorten, fürstliches Obst\nund Konfekt und Roquefort — Burgunder und\nChampagner dazu. Ich stieg in den Wagen,\nsetzte mich recht bequem hin, die Sonne ging\nim Meere dunkelrot unter. Ich wollte nun zu-\nlangen da — setzt sich der Wagen in Be-\nwegung und fährt ganz langsam auf prächtigem\nMosaikboden in schönen Kurven dahin. Ich\nstaune, denn ich weiss nicht, wer mich fährt.\nIch denke: da werde ich wohl drahtlos diri-\ngiert werden. Ich trinke auf das Wohl der Gast-\ngeber und esse und fahre und trinke und fahre\n— immerzu zwischen all den Glaspalästen hin-\ndurch. Oft wird mein Wagen von unsichtbaren\nKräften höhergehoben — dann fahre ich auf ei-\nner höheren Terrasse. Ich lasse mir's gut\nschmecken. Plötzlich, als es draussen dunkel ge-\nworden ist, werden alle Paläste mit einem Schla-\nge wieder hell — in buntesten Farben strahlen\ndie Scheinwerfer, die Wände der Paläste sind\nalle von buntem, leuchtendem Glas. Oh — viele\nFormen! Viel Mosaikartiges. Viel Geschweiftes.\nAber lichtdurchlassend ist alles. Mir kommt die\nSache so vor, als wenn ich träume. Ich lasse\nmir's aber gut schmecken und fahre immerzu.\"\n„Na,\" sagte ich, „hören Sie mal, das hört\nsich aber wirklich so an, als wenn Sie in der\nTat ganz herrlich und wunderbar geträumt hät-\nten. Wie lange fuhren Sie denn?\"\n„Ja,\" versetzte er lächelnd, „darum habe\nich mich bei den guten Weinen und den herr-\nlichen Delikatessen nicht viel gekümmert. Ich\nfand auch ein paar Zigarren, steckte mir eine\nan, wunderte mich über die ausserordentlich\nfeine Qualität. Da kommt aber ein eiserner Arm\nvon hinten herum — und an dem hängen neue,\ngute, trockene Kleider. Ich ziehe mich gleich\num und . . . .\"\n„Ein herrlicher Traum!\" rief ich lachend.\n„War aber keiner!\" sagte Kapitän Junker\nlächelnd, „das wird Ihnen nachher schon ganz\nklar werden.\"\n„Wenn Sie mir,\" sagte ich da, „nur mehr\nvon diesen Glaspalästen erzählen könnten. Ka-\nmen Sie nun ins Innere? Kamen die Gastge-\nber zum Vorschein? Im Innern der Paläste\nmuss es ja noch herrlicher gewesen sein — so\nganz von Lichtwänden und Lichtkuppeln um-\ngeben. Welche Fülle von elektrischem Licht muss\nauf dieser Insel verbraucht werden. Natürlich\nmüssen überall doppelte Glaswände sein — für\nLicht, Kühlung und Erwärmung. Das wirkt ja\nalles wie ein Farbenrausch. Der Weinrausch\nscheint mir ziemlich überflüssig dabei.\"\n„Im Innern,\" sprach Mister Junker langsam,\n„bin ich nicht gewesen. Der Weinrausch war\njedenfalls nicht so böse. Aber zuletzt kam aus\neiner Luke vorn — ein Glas heissen Grog!\"\n„Das,\" rief ich, „hätte ich nach allen diesen\nGenüssen nicht getrunken.\"\n„Ich aber,\" sagte der alte Herr wehmütig,\n„war nicht so schlau; ich trank es doch. Und\nnach meiner Meinung war ein Schlafmittel in\ndem Grog.\"\n„Oh!\" rief ich traurig.\n„Ja,\" fuhr er fort, „als ich aufwachte, war\nich auf einem französischen Kriegsschiff. Man\nsagte mir, ich sei von einigen Herren abgelie-\nfert — des Schiffsarztes wegen — der sollte mich\naufwecken. Das war ihm denn auch nach vie-\nlen vergeblichen Bemühungen gelungen. Ich er-\nzählte, was mir passiert sei. Aber niemand\nglaubte mir. Vierzehn Tage später bemerke ich\nim Roten Meer, dass auf dem Rücken meines\nfunkelnagelneuen Anzuges etwas knistert. Ich\nfühle hin und bemerke Papier, schneide das Fut-\nter auf und sehe ein Kuvert, auf dem steht: Du\nwarst auf der Insel Tamuso. Ich glaube, dass\ndas Wort Tamuso auf der vorletzten Silbe be-\ntont wird. Drei echte deutsche Tausendmark-\nscheine waren in dem Kuvert. Glauben Sie jetzt\nnoch, dass ich geträumt habe?\"\n„Nein,\" rief ich, „aber da müsste man doch\neine Expedition ausrüsten und nachsehen, ob da\nMissionare oder Seeräuber hausen.\"\nMister Junker erhob sich langsam und reich-\nte mir die Hand, schüttelte sie kräftig und sagte:\n„Sie werden schon veranlassen, dass die Ex-\npedition ausgerüstet wird. Aber — ich fahre\nmit, damit ich den freundlichen Gastgebern die\ndrei Tausendmarkscheine zurückgeben und den\nSchreiber jenes Zettels zur Rede stellen kann —\nweil er Mister Junker geduzt hat.\"\nWir schüttelten uns nochmals die Hände."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "606", "page_fin": "607", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.6", "titre_corps": "„Mutter\" Natur", "titre_sommaire": "„Mutter\" Natur", "signature_source": "Moriz König", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "606", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.4", "debut_caractere": 8099, "fin_caractere_exclue": 9089, "texte": "„Mutter\" Natur\nVon Moriz König\n„Wer hat dich, du schöner Wald\nAufgebaut so hoch da droben? '\nAlso, da wären wir. Ich schnaufe vor Ver-\ngnügen. Ein paar Hügel strecken die runden\ngrünen Köpfe herauf. Wir stehen auf einem\nsteinigen Wege. Heuduft. Buchenwald in Front.\nDer Traum der Stadt-Woche — erfüllt. Ah —\nah!\n„Aber das ist doch schön, das ist doch\nprachtvoll!\" rufe ich verzweiflungsvoll meiner Be-\ngleiterin zu.\nDie gute, brave Seele ist entzückt. Sie fin-\ndet es wirklich so. Aber ich schäme mich im\nerschreckenddeutlichen Gefühl, dass ich sie be-\ntrüge. Mit der Natur. Ich denke gerade her-\naus. Ich kann die Fiktion der herrlichen Natur\nnicht länger aufrechterhalten.\nIch blicke mich um. Die Landschaft hat\nsich seit zwanzig Jahren nicht im Geringsten\nverändert. Da liegt sie, unverkauft, wie ein\nschlechtes Bild. Kein Pinselstrich geändert. Noch\nimmer bereit, Oberschullehrern Themen für die\nSchüler zu geben, denen auf Ausflügen die Exi-\nstenz der „Natur\" bewiesen werden soll. „So"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "607", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5172, "texte": "seht Ihr, das ist das herrliche Oestreich! Leo-\npold der Glorreiche baute dort die Burg, die\nIhr dort droben sehen könnt. Dort im Jahre\n11.. verlor die Herzogin ihren Schleier, der\nihr der Wind entführte\" .... und so weiter.\nBier, Butterbrot, Radieschen, Ziehharmonika,\nDunkelheit, die Erotik der leichten Gelegenheit,\ndie Romantik der ahnungslos vorausgehenden El-\ntern. Der Landschaftstag, das Geniessen der Na-\ntur ist zu Ende.\nVielleicht bin ich gereizt. Aber ich bin\nobjektiv. Ich bin weit entfernt, zu sagen: Die\nNatur ist keusch, unberührt, die Menschen versäuen\nsie unästhetisch. Keine Spur davon. Die Natur\nselbst provoziert dazu. So wie manche Leute\nein warmes Badebassin „für alle\" als verschäm-\ntes Klosett benutzen, so lassen sich die Meisten\nseelisch in der Natur freien Spielraum. Man\nkann sicher sein, dass man auf dem Waldpfade\nkritisch betrachtet wird. Geht man mit einem\nMädchen, beobachten sie uns und berechnen ge-\nnau den Platz, wo wir uns zu frevlerischem\nTun niederlassen werden. Dazu sind wir ja\nherausgekommen. Auf Schritt und Tritt Be-\nsoffene. Rudel von fünf, sechs Burschen treten\nVeilchen und Primeln nieder, die sich heuchle-\nrisch auch in die Ivanhoe-Träume eines Lyce-\numsmädels gefügt hätten. Dazu wird fortwäh-\nrend gesungen, Alles durcheinander, Mädchen\nund fremde Ehegattinnen werden unter dem Vor-\nwande, ihnen über steilen Stellen hinwegzuhel-\nfen, geknutscht, und Strolche suchen sich' die\neinträglichsten Stellen für die Anhaltung später\nWanderer aus.\nJahre lang schämte ich mich, weil mich in-\nmitten der Natur ein wohlbekanntes aber schnö-\nde verleugnetes Gefühl erdrückte: eine geradezu\nabstossende Langweile. Jetzt bin ich ehrlicher.\nDie Bauern sind klug. Sie geben auf die Na-\ntur nichts, von der ich zu berichten vergass,\ndass sie von einer Menge ekelhaft geformter Kä-\nfer erfüllt ist und uns lediglich an Geschichten\nerinnert, in denen „Mutter Natur\" vorkam. Man\nhat kein Vis-ä-vis in der Natur, man kann laut\ndeklamieren, milbige Burschenlieder singen, sich\naus- und anziehen, in unmöglichen Kostümen\nherumrennen, hinter einem aufgespannten Son-\nnenschirm den Kopf auf einen gastlich schwit-\nzenden Busen legen und sich' überhaupt wie\nein Schwein benehmen. Diesen Umständen\nverdankt die Natur ihr Renommee. Die Stupi-\ndität schiesst üppig auf. Man sieht alte Gras-\naffen, die im Wahne, wieder jung geworden zu\nsein, Pferdchen spielen und Weiber, die das in\nder Stadt bei Lynchgefahr nicht mehr wagen\ndürften, vertrocknete dürre Waden in dicken,\nblauen Winterstrümpfen weit von sich strecken.\nUnd all dies redet sich samt hinter dem Busch\nlustig liquidierenden Kindern auf die Mutter\nNatur aus.\nIn der Stadt kaufe ich mir für zwei drei\nKronen eine stille Lokal-Ecke, in der ich allein\nsein kann und berechtigt bin, jeden Eindringen-\nden entweder zu beleidigen, zu ohrfeigen, oder,\nwenn er sehr stark und gross ist, verwundert\nund etwas pikiert anzusehen. Auf dem Lande\ngibts das nicht. Wenigstens nicht in der Nähe\ngrosser Städte. Da wird am Rande des schön-\nsten Plätzchens sofort ein Kopf auftauchen, des-\nsen dazu gehöriger Hundsfott mich längere Zeit\nversteckt beobachten wird. Ist das Plätzchen\nsehr schön, setzt er sich, um die Gleichberech-\ntigung in der Natur zu dozieren, in meine Nähe.\nSehr gnädig von ihm, wenn er nicht Stiefel und\nSocken auszieht.\nDie in der Natur vorhandenen Mädchen\nhaben meist jemand mit und sind gegen Freun-\nde sehr misstrauisch. Dasselbe Stück Weibsbild,\ndas ich in der Stadt mit dem Aufgebote eines\nTramwagens und eines Stückes Mandel'orte vom\ngeraden Wege der Tugend mit Leichtigkeit ab-\nbringe, macht sich hier draussen zur schwer\nzugänglichen Lady. Hinter Gartengittern einer\nmässigen Villa gehen A jour-Strümpfe, die hoch-\nfrisiert sind, auf und ab. Ein paar Schritte\nweiter prägt sich die Natur in elendem Bier,\nalten Grammophonen, Hundshüttengestank und\nKröpfen, sowie einem maulkorblos herumlaufen-\nden wilden Köter aus. Nicht die armen, ehrlichen\nDorfbewohner sind schuld, es ist die Natur\nselbst, die das grosszieht. Und das höchste Ziel\nder guten Städler ist es, in so einem eingezäun-\nten Stück Erde mit Kröten und grünen Baum-\nhölzern den Rest ihrer Tage zu verbringen.\nIch will davon schweigen, mit welch auf-\ngeblasener Wichtigkeit sich Amtspersonen, Gen-\ndarmen, Schulzen, Forstadjunkten, Grundstück-\nwächter, Weinhüter und Gutsherren in der Na-\ntur geben. Man ist in ihre Hand geliefert und\nes dauert eine hübsche Zeit, bis sie ihre Nase\ntelegraphisch von der Regierung aus der Haupt-\nschnitt erhalten oder bis ihre Dekrete einfach\nim Rekurswege aufgehoben werden, ihnen be-\nwiesen wird, dass sie nicht viel gelten. Aber\nich gerate schon mehr in die „Provinz\" hinein,\ndie so Natur und Stadt vereint, wie der nackte\nKongonegerkönig, der einen Zylinderhut aufsetzt.\nAlso ich bin fertig mit der Mutter Natur.\nSchade um sie, sie hat mich Jahrzehnte lang\ngefoppt. Die angeblich vorkommenden Nachti-\ngallen hört man nie und ich könnte auch kei-\nner „Philomele\" lauschen, ohne an eine bestellte\nReklame der alten, platten, grünen Mutter Na-\ntur zu denken, die — wenn man so einen\nSonntag abend beobachtet — mit dem Fortpflan-\nzungstrieb im Kompagnieverhältnis zu stehen\nscheint."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "607", "page_fin": "607", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.7", "titre_corps": "Proteus", "titre_sommaire": "Proteus", "signature_source": "Fritz Kreuzig", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "607", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.5", "debut_caractere": 7939, "fin_caractere_exclue": 8560, "texte": "Proteus\nFritz Kreuzig\n(Nach einem Karl Kraus-Abend)\nVom Neunten Tonblut seine Worte glühten,\nsie waren Flammen, Sternentanz. 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Aber es ist eine\ngeistige Erstarrung, es sind geronnene Ge-\nsichtszüge.\"\nDie Steifhüte kommen dem Müller „wie Bla-\nsen vor, die aus dem Gehirn gestiegen und in\neinem gegebenen Moment erstarrt sind.\" Bläs-\nchen eines Feuilletonistengehirns.\nJa, „früher war jeder Hutmacher ein hal-\nber Künstler, ein Mann von Geschmack. Heute\nsteht der Hutmacher an Künstlerqualität tief\nunter jedem Krawattenmacher. Ich kenne ei-\nnen alten Hutmacher. Er hat noch die Zeit\nder weichen Hüte miterlebt. Seine weichen Hü-\nte waren schöpferisch.\nFrüher waren die Hutmacher Künstler. Heu-\nte müssen die Künstler vor den Gefahren der\nmodernen Kopfbedeckung, die fabrikmässig her-\ngestellt wird, auf der Hut sein.\nEin Künstler, der ein Jahr lang einen\nZylinder trägt, ist in Gefahr, die Künstler-\nschaft dranzugehen und sich in der Richtung\nnach dem Geheimrat zu entwickeln.\nWarum nicht in der Richtung nach ciem\nLeichenträger? Künstlertum, das schon unter\neinem Steifhut schlapp und weich wird!\nIn philiströs\nDie hiesigen Blätter brachten vor kurzem —\nwie auf Kommando — diese Notiz, „die ei-\nnes pikanten Reizes nicht ent-\nbehrt.\"\nEtwas kostspielige Abenteuer hatten vor\neinigen Tagen zwei hiesige Künstler, de-\nren Frauen die Sommerfrische gemessen. Die\nbeiden Strohwitwer trafen sich zufällig und\nbeschlossen, die Freiheit einmal gründlich zu\nbegiessen.\nNicht mehr recht willensfähig, folgten sie\nendlich den Verlockungen zweier Damen, die\nihnen auf ihrer ausgedehnten Reise in später\nNacht in die Quere kamen. Am andern Mor-\ngen fanden sie sich an verschiede-\nnen Stellen allein wieder, beide\nohne ihre goldene Uhr und Kette. Der Kri-\nminalpolizei, der die Bestohlenen ihr Leid\nklagten, gelang es . . .\nAm andern Morgen fanden sie sich an\nverschiedenen Stellen allein wieder.\nDer eine auf einer Bank im Tiergarten, der an-\ndere in einem Hotel am Schlesischen Bahnhof.\nDiese Zauberkünstler! Sie wollten einmal die\nFreiheit gründlich begiessen. Die Luft des „freien\nKünstlertums\" im Bierrausch und am Busen ei-\nnes „kleinen Mädchens\" trinken. Die Künstler\nsetzen sich — als „Strohwitwer\" — in jene\ndike der Madame Aventiure, in der sich jeder\nSpiesser und Kommis als „Künstler\" fühlt und\nspreizt. Sie werden bestohlen, und sie rufen die\nHilfe der Behörde an. Das sind sie."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "608", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.6", "debut_caractere": 159, "fin_caractere_exclue": 5680, "texte": "J. A.\n\nFeuerzauber\nEs war eine Not. Wochenlang „brütet e\"\ndas Himmelhuhn Sonne Wärme. Tropische Wär-\nme. In den Redaktionstuben waren die letzten\nWasser der Nüchternheit ausgetrocknet. Ueber-\nhitzte Phantasie und oelbildreiche Sprache wüte-\nten schirokkoartig.\nVom „sausenden Webstuhl der Zeit\" fielen\nnur noch Stoffe für unsere Reporter ab. Ta-\ngesberichte wurden gedichtet. Allerorten,\ntäglich gab es Waldbrände. Man glaubte\nnicht mehr an sie. Bis eines Tages in unserer\nNähe in einem Walde Feuer ausbrach. Das\nBild festzuhalten, entsandte die Morgen-\npost einen Redakteur an die Brandstätte.\nEntstanden war der Brand durch das bekann-\nte „achtlos hingeworfene Streich-\nh o 1 z\".\n„Es liess das dürre Gras in Knisterflämm-\nchen emporlodern, dann schoss die Feuer-\nschlange weiter, ringelte und züngelte am Bo-\nden hin, kroch verdorrte Stauden empor.\nVon zwei Seiten wird der Waldbrand an-\ngegriffen, und beide Kolonnen treiben das\nFeuer nach der Mitte zusammen. Aber das\ntückische Element gehorscht nicht der verein-\nten Löschtaktik, wie eine feurige Katze schiesst\nes am Waldboden hin, und ehe der Wasser-\nstrahl die flüchtige Flamme erreichen kann,\nprasselt sie an einem dürren Strauch empor,\nzuckt grell auf und beleuchtet wie mit Zau-\nberschlag die nächste Umgebung. Noch stehen\ndie Kiefern schwarz und unberührt, wenn\nauch die kühne Feuerkatze hie und da einen\nSprung am Stamm hinauf versuchte, sie hat\nnicht weit kommen können. Ein wohlgezielter\nWasserstrahl machte ihrem Höllenleben ein jä-\nhes Ende.\nAm Waldessaum, fern von der Stätte, wo\ndie Johannisthaler Braven mit den Flammen\nkämpfen, hält der Trompeter, ein Kasten Bier\nsteht unter seiner Obhut, und von Zeit zu Zeit\nkommen einer und ein anderer aus dem kni-\nsternden, qualmenden Waldbrodem heraus, um\nTageshitze und Feuersglut mit einem kühlen\nTrunk abzulöschen, gespensterhaftes Ab- und\nZugehen, wie am Rande von Dantes Hölle.\nUnd man wird wohl kaum vor Nacht abzie-\nhen können, die gelbe Katze hat ein zähes Leben.\nOb zwar schon ein „wohlgezielter Wasser-\nstrahl ihrem Höllenleben\" ein Ende bereitet hatte.\nUnd dieweil sich die Braven von Johan-\nnisthal redlich mühten, des „Feuers Herr zu\nwerden\", verübte man — fingerfertig — einen\nEinbruch in die Literatur.\nAuf feines Spüren\nZeitungsredakteure und Feuilletonisten ma-\nchen keine Ferien. Sie verreisen, aber sie ra-\nsten nicht. Der falsche Prophet und Feuille-\ntonregenerator lag zur Erholung an der Nord-\nsee, musste aber doch jede Woche zwei Cause-\nriebarken vom Stapel lassen. Er lag auf „wei-\nssen Sanden, die Unsterblichkeiten in Heines Wer-\nken wiederzufinden. Doch „es geschah\", dass\ner sein Reklamheftchen Heine verlor.\nAm Strande verloren, und dort liegt der\nSänger nun irgendwo herum, zwischen zertre-\ntenen Muscheln und Seesternen und all der\nsterbenden Kreatur der See.\nIch ging zum Buchhändler, um ein neues\nExemplar zu kaufen. „Bitte geben Sie mir\nHeines Nordsee, sagte Herr Anburtin zu dem\nManne im Laden. Und dieser — „durch-\nschauend lächelnd\" — gab ihm Grie-\nbens Führer durch die Nordseebäder.\nSo putzige Geschichten überlässt man kei-\nneswegs dem „U 1 k\". Für ihn hat Engel an\nder See gedichtet, Lyrik. In der bewährten\nArt des Sängers, der dort nun irgendwo her-\numliegt, zwischen zertretenen Muscheln und\nSeesternen und all der sterbenden Kreatur der\nSee.\nEngels hatten Fischlein gefangen\nUnd mit heissen Wangen\nEinander mit Sand bestreut.\nWir nahmen ein Buch zu Händen\nUnd lasen es nicht.\nWir lagen in Mittagsbränden\nUnd Hessen das Auge uns blenden\nVom wogenden, wabernden Licht.\nDas Buch war sicher nicht Heines Nordsee.\nWurden wir nicht gesunder\nIm Duft des Tangs?\nLieblich schmeckte der Flunder,\nUnd noch dazu das Wunder\nDes Sonnenuntergangs.\nHier versagt ein Komma. Es taucht kichernd\nunter, und diese Strophe drängt hinauf:\nO, in das Meer ohne Brücken\nFuhr man hinaus.\nStiegen die Wellenrücken,\nBrach man in lautes Entzücken,\nAch, wie brach man da aus!\nMan brach aus!\nDer überzählige Plural\nEin mit Oclerwasser getauftes Frankfurter\nKind, das seine ersten Lebenswochen gellend\ndurchschrie und sich schon damals prophezeien\nlassen musste: Aus der wird mal was, die\nmacht schon jetzt von sich reden! Das bin\nich. Und was ward aus ihr?\nEin deutsche Dichterin\nOtto von Leixner, Eugen Trowitzsch, Ru-\ndolf Presber haben mich dann zu mei\nnen kleinen Liedern ermuntert, und ihnen dan-\nke ich, dass ich jetzt in den besten Blättern\nDeutschlands Eingang gefunden habe.\nOtto von Leixner hat nicht nur eine Lite-\nraturgeschichte und schlechte Romans verfasst\nEr hat auch anderes Unheil angerichtet.\nDie Sonntags Zeitung für das Deutsche\nHaus, eines „von den besten Blättern\nDeutschland s\", bringt die kleinen Lieder\ndes Frankfurter Kindes dutzendweise zum Ab-\ndruck. Ein Blatt, das einen „Onkel\" in der\nRedaktion zu sitzen hat, der im Briefkasten die\nEinsendungen der Nichten und Neffen, die in\nder geliebten Verskunst Dilettantieren, keck be-\nspöttelt und ablehnt.\nNicht alle, Viele werden angenommen. Und\ndarum schicken so viele Jungfrauen und Jüng-\nlinge ihre „Musenkinder\" an ein Familienblati\nzur Prüfung. Sie tun es in der Ueberzeugung,\ndass ihre Verse nicht schlechter sind als die\nkleinen Lieder der Dichterinnen, die von sich\nreden machen.\nAlle deutschen Familienblätter — und wenn\nsie sich Woche für Woche mit Gedichten der\nFrieda Schanz, Josefa Merz, Clara Schelper,\nAdelheid Stier und anderen Reimtanfen bis\nzum Brechen füllten, werden dem Plura 1 i s:\nDichterinen keine Geltung verschaffen kön\nnen.\nGibt es doch in Deutschland nur eine Dich-\nterin: Else Lasker-Schiiler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "608", "page_fin": "608", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "608", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.6", "debut_caractere": 5682, "fin_caractere_exclue": 5949, "texte": "L Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezei-sion in deu\nKunsten und in der Liieratur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nYerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "608", "page_fin": "608", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographie, jj\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- una Bilanz- 5\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab- 1\nsoiviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, EinjShrig- Jj\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktfsch tltig waren und den 112\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbslnde,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. 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Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ\nWilmersdorferstrasse 75 Sprechstunde: 5-6 Uhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "610", "page_fin": "610", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "610", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.8", "debut_caractere": 2579, "fin_caractere_exclue": 2950, "texte": "Press 1 Mark Preis 1 Mark\nenthol-Malz-Drage\nSicheresMittel ;egen akuteKatarrheder Atmung's-\norgane / ermogiicht Schauspielern und Saogern\nsofortagen Gebrauch der erkrankten Organe\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZu haben in alien Apotheken und Drogerien / Allelnige Fabrikantin\n„ Pharmacia\" / Fabrik ffir pbaraiaceatiscfacn Bcdarf / Berlln-Halcnsee\nWohlschmeckend Sicher wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "610", "page_fin": "610", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "610", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.8", "debut_caractere": 2952, "fin_caractere_exclue": 3038, "texte": "Karl Krauj\nHeine und die Folgen\nEssay\n80 Pfennig\nB ■ ■\nV\nVerlag Albert Langen\nMiinchen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c024", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "610", "page_fin": "610", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "610", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.8", "debut_caractere": 3040, "fin_caractere_exclue": 3674, "texte": "Die Wasserkraft ■\nZentralblatt ffir Industrie, ®\nIngenieur- und Bauwesen, ®\nMotorbetrieb, Elektro-\nHI\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel- a\nund westdeutscher Wasser- a\nkraftbesitzer, des Verbandes j\ndeutscher Holzmehlfabriken m\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in der Wasser- |\nkraft weiteste Verbreitung. — j\nGeschaftsstelle und Verlag —\nDuderstadt a. Harz. Vier- J\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier '\nZustellung. — Die Herren ®\nVerleger werden um Ein- ■\nsendung ihrer Neuerschei- ■\nnungen zur Besprechung a\ngebeten. g\nProbenummern umsonst und ■\npostfrei durch die Geschafts- a\nstelle.\nVertreter gesucht ■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "610", "page_fin": "610", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "610", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.8", "debut_caractere": 3676, "fin_caractere_exclue": 4294, "texte": "LE\nCOURRIER DE LA PRESSE\nBUREAU de COUPURES de 10URNAUX\nFrangais et Etrangers\nFonde en 1889\n21, Boulevard Montmartre PARIS 2®\nGALLOIS & DEMOGEOT\nAdresse Telegr.: COUPURES PARIS — TELEPHONE 101.50\nLe COURRIER de la PRESSE: Regoit, lit et decoupe tousles\nJournaux et Revues et en fournit les extraits sur tous sujets\net personnalites.\nService special d'lnformations partiques pour Industriels\net Commexpants.\nTARIF: 0 fr. 80 par Coupure\nTarif reduit, paie= Par 100 Coupures, 25 francs\nment d'avance, sans „ 250 „ 55 „\nperiode de temps li- „ 500 „ 105 „\nmite. „ 1000 „ 200 „\nOn traite a forfait pour 3 mois, 6 mois, un an"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-09-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-09_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-09-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "610", "page_fin": "610", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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A.: Künstler / John Jack Vrieslander / Zeichnung\n\nZeichnung von John Jack Vrieslander"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "604", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.2", "texte": "Schluss\n\nRomantik und\nStimmung\nVon Samuel Lublinski\nDer romantischen Kunst ist die Stimmung\nein Selbstzweck. Wenn ein Romantiker eine Ve-\nnus malt, so reizt ihn nicht der Typus, das\nIndividuell-Göttliche, wie es den Schöpfer der\nVenus von Milo oder Tizian gereizt haben mag.\nDie Göttin wird dem Romantiker einfach nur\nzum Vorwand irgend einer Stimmung: wenn\nBöcklin eine schaumgeborene Venus malt, denkt\ner an das Meer, nur an das Meei, an die\nZeugungskraft des Feuchten, die in primitiven\nPhilosophien eine so grosse Rolle spielt und an\ndie auch Goethe manchmal geglaubt zu haben\nscheint. Tizian ist die Göttin Selbstzweck, Böck-\nlin nur Symbol der Meeresstimmung — da\nhaben wir den Unterschied zwischen individu\nalisierender und romantischer Kunst. Freilich\numweht auch die Venus des Tizian oder die\nVenus von Milo Stimmung. Aber die göttliche\nGestalt wird davon nur im Umrists schattiert\nund hebt sich scharf ab, wie ein leuchtender\nKörper von seinem Hintergrund. Das Lyrische\nist hier nicht die Hauptsache, sondern nur eine\nleise mitschwingender Oberton. So war bis da-\nhin, wenigstens für die Aesthetik und Kritik,\ndas allgemeine Kunstideal beschaffen gewesen:\nmöglichst plastische Gestaltung eines Einzelfalles\nmit einem mehr oder minder starken Hintergrund\nlyrischer Stimmung. Dieses Ideal überwog so-\ngar noch in der spezifischen Lyrik. Die Balla-\nde, Romanze und als äusserste Grenze das knapp\numrissene Volkslied wurden weit vor der sym-\nbolischen Lyrik bevorzugt — vor unbestimmten\nund verschwebenden Akkorden und Allgemein-\ngefühlen. Hier haben erst die Romantiker die\nAesthetik ergänzt, indem sie eine neue Poesie\nproklamierten, nämlich die Stimmung als Selbst-\nzweck.\nStimmung ist Traum, ein Wogen in einem\nunendlichen Element. Das Leben aber in Zeit\nund Raum wirft harte Schranken und Grenzen\nauf und zerschneidet wie ein Gebirge den him-\nmelblauen Horizont. Daran stösst sich der\nschwärmerische Träumer auf Schritt und Tritt,\nund manchmal zerschellt er daran. Jedenfalls\nmuss sich ihm die Ueberzeugung in die Seele\ngraben, dass dieses Leben ein feindliches Prin-\nzip wäre, der absolute Gegensatz zu jeder Stim-\nmungspoesie. Aus dieser Empfindung ist es zu\nerklären, dass noch jeder Romantiker mit einer\nWeltflucht begonnen hat und von dem tiefen Zwie-\nspalt, der zwischen Kunst und Leben Klüfte auf-\nzureissen scheint, bis zur Verzweiflung gemar-\ntert wurde. Aus einer solchen Marter erwuchs\naber fast immer die Sehnsucht, den Dualismus\num jeden Preis zu überwinden und sich in den\nAbgrund zu stürzen, um den Abgrund zu\nschliessen.\nDer Romantiker trat also mit Widerwillen\nan Welt und Leben heran und entdeckte mit Er-\nstaunen, dass dieses verhasste Leben in allen\nseinen Erscheinungen jene eigentümliche Dunst-\nschicht ausströmte, die gerade ihm als eigent-\nliche Poesie galt Stimmung! Es gibt nichts\nauf der Welt, dem nicht Stimmung abzugewin-\nnen wäre. Man vergegenwärtige sich zum lehr-\nreichen Exempel etwas sehr Widerwärtiges: eine\nGrossstadtdestille. Auch diesem Schmutz und\nElend und diesem greulichen Fuselgeruch lässt\nsich ein starker Stimmungsreiz nicht absprechen.\nDie Schenke wird ein unheimliches Ungeheuer,\neine Zauberhöhie des Verderbens, ein Vampyr\n— man sehe, was Emil Zola in „Germinal\" dar-\naus gestaltet hat. Ebenso konnten die Philister\nund trockenen Durchschnittsnaturen, diese gebo-\nrenen Todfeinde des Stimmungsmenschen, zu bos-\nhaften Kobolden oder gespenstischen Dämonen\nher abgedrückt oder heraufgehoben werden, wie\nes Theodor Amandeus Hoffmann getan hat. Diese\nMetamorphose ist nicht einmal nötig: es gibt so\nmanches moderne Buch, das den gespenstigen\nAlbdruck des Philisteriums oder der Alltäglich-\nkeit ohne jede Hexerei heraufbeschworen hat: ich\nerinnere an Friedrich Huchs „Peter Michel'* oder\nan die feinere Weise des Norwegers Herman\nBang. Die graue Oede und Langweil kann zu\neinem gewaltigen Stimmungsmoment gesteigert\nwerden, wenn eine arme Menschenseele ihre nie-\nderziehende Wucht zu ahnen beginnt und ver-\nzweifelt Stimmung ist eben das erste Verhältnis\neiner Seele zu ihrem Gegenstand, und in dieses\nerste Verhältnis kann die Seele zu allem und\njedem treten. In der Grossstadt ist sogar eine\nandere Beziehung zu den meisten Dingen der\nAussenwelt ganz undenkbar. In diesen Wirbel\nund in diesen dahinrasenden Strpm lässt sich\nnicht hineingreifen, um eine isolierte Welle her-\nauszuholen und episch zu kristallisieren. Den\nmöchte ich sehen, der imstande wäre, den epi-\nschen Typus der Leipziger Strasse in Berlin end-\ngültig festzulegen, so wie Homer oder Gottfried\nKeller die Lokalität ihrer Erzählung festzulegen\nvermochten. Das ginge über Menschenkraft. Die\nBilder wechseln in rasender Eile und in einem\ntollen Veitstanz der Farben; es bleibt nichts in der\nErinnerung, nur eben eine machtvolle und auf-\nregende Stimmung, eine unfassbare Ahnung von\nder Gewalt des sozialen Lebens. So schärft sich\ngerade in der Grossstadt die Empfänglichkeit für\nStimmungen und die eigentümliche Begabung,\nauf die kleinsten Reize intensiv zu erwidern.\nMan hat die Naturschwärmerei des Kulturmen-\nschen aus seiner Nervenübermüdung erklärt, aus\neinem hygienischen Instinkt, der ihn aus den\nGassen der Grossstadt in die frische Landluft\nhinaustreibt. Ich meine, das ist eine sehr un-\nvollständige Erklärung. Der Grossstädter will\neinfach seinem ästhetischen Vermögen immer neue\nProvinzen unterwerfen und seinem rastlosen Stim-\nmungshunger immer mehr zu brechen und zu\nbeissen geben. Nachdem er im Menschengewühl\nden Rausch der Stimmung kennen gelernt hat,\nsucht er ihn im Gewühl der Gräser und des\nunendlich Kleinen oder in Horizonten und Son-\nnenbränden, im unendlich Grossen der Natur.\nDer wirkliche Landbebauer kennt nur in selte-\nnen Ausnahmefällen eine intime Naturpoesie —\naus ländisch-sozialen Naturzuständen pflegt fast\nimmer nur eine rein epische Dichtung heraus-\nzuwachsen. Der Romantiker aber erobert die Na-\ntur, wie er die Grossstadt und wie er sich\nschliesslich alles erobert hat. Denn in allem ist\nStimmung freilich auch manches andere, das aber\nder Romantiker verwirft. Er umarmt das Le-\nben und stösst es zurück. Romantik ist in ei-\nnem aussondernden Sinn Poesie und doch zu-\ngleich Universalpoesie — Romantik ist Stimmung.\nAuf geistigem Gebiet, in der Form- und\nWesensfrage, offenbart sich in ganz ähnlicher\nWeise dieser Gegensatz, der durch die höhere\nEinheit der Stimmung überwunden wird: Ro-\nmantik ist Wissenschaft und wieder auch' Kunst.\nAber sie ist beides erst im Keim und nicht in\nder Vollendung. Es gibt eine Zeit, wo sich die\nWissenschaft von allem Stimmungsgemässen him-\nmelweit entfernt hat und in harter und nüch-\nterner Prüfung die Methoden ihrer Darstellung\nrein verstandesgemäss ausbildet. Aber eine sehr\nmächtige Art der Stimmung kennt die Wissen-\nschaft so gut wie die Kunst: den Schauer der\nKonzeption! Wenn der Forscher in heisser Er-\nregung neue Gedanken zu ahnen beginnt, so\ndass ihm ist, als hätte ein aufzuckender Blitz-\nstrahl unendliche Gefilde urplötzlich erleuchtet:\ndann, in einem solchen Augenblick, empfindet\nder Mann der Wissenschaft wie der Künstler\noder wie der Prophet empfindet, wenn sie vom\nSchauer ihrer Visionen überfallen werden. Die\nRomantik sucht also die Wissenschaft in ihrem\nKeimzustand auf, wenn sie noch Konzeption\nist, Embryo. Und mit Folgerichtigkeit wird eine\nDarstellungsform verlangt, die nicht nur das Ge-\ndankenresuitat getreulich wiedergibt, sonder auch\ndie Wonnen und Stimmungen, als dieser Gedan-\nke zum ersten Mal empfangen wurde. Es gibt\neine Unmenge von Zwischenformen und Kunst-\ngattungen, die diesem Verlangen entgegenkom-\nmen. der Aphorismus, der poetisch-didaktische\nWeisheitsspruch, die Skizze, die ironisch-phan-\ntastischen Formen, der Essay. Das alles war\nwohl früher schon in der Vereinzelung vorhan-\nden, ist aber erst durch die romantische The-\norie und Praxis einheitlich zusammengefasst und\nauf eine höhere Stufe gehoben worden. Darum\nwerden auch nicht, wie die Legende will, in\nFrankreich die besten Essays geschrieben, son-\ndern im Heimatland der Romantik und der po-\netischen Zwischenformen, in Deutschland.\nAber es gibt noch eine zweite Verbindung\nzwischen Kunst und Wissenschaft, einen Kon-\nzeptionsschauer, der noch zu ganz anderen Din-\ngen hinführt als zu Essays. Der Philosoph, der\nbis zur Verzweiflung mit den letzten Dingen\nkämpft, rechnet sich nicht nur rein wissenschaft-\nlich die Elemente der Welt zusammen, er\nschaut und dichtet sie auch zusammen. Es gibt\nauf diesem Gebiet höchstens nur eine Annähe-\nrung an Resultate, und alles andere muss durch\nden Willkürakt einer grossen Persönlichkeit hin-\nzugewonnen, hinzugedichtet werden. Alle Welt-\nanschauung bleibt eigentlich fortwährend im Sta-\ndium der Konzeption, im Stadium der Ahnung.\nUnd auch hier gibt es eine ästhetische Zwi-\nschenform — die Bibel. Das soll heissen, ein\nWeltanschauungsbuch, das zugleich Lehre und\nVision enthält, Embryonenfragmente aus aller\nWissenschaft und Symbol und Lyrik in einem\nal fresco-Stil. In diesem rein ästhetischen Sinn\nist auch die divina commedia eine Bibel oder\nNietzsches Zarathustra, und wir den Zwie-\nspalt und die Einheit von Prophet und Dichter\nGestalter und Redner (Prediger), die in einer\nurgewaltigen Grundstimmung zusammenwachsen.\nDie romantische Dichterseele, die in dieser\nWeise die ganze Tonleiter der Stimmungen spie-\nlen lernte, wurde freilich zum Lohn dafür von\ndiesen Stimmungen oft genug arg getrübt und\nbis zur Unheimlichkeit geschädigt. Sie verfiel\ndann einer Willenlosigkeit, Sklaverei und Gespen-\nsterangst, die sich von den Tollheiten des gröb-\nsten Aberglaubens kaum noch unterschied. Aber\nes gibt nicht nur düstere, krankhafte und\nbundene, sondern auch ätherische Stimmungen.\nAuch die helle Geistigkeit und der energische\nSonnenschein der Intelligenz löst Stimmungen\naus, die wie übermütige Adler über alle Him-\nmel fliegen. Dieser oft frevelhafte Uebermut wur-\nde übrigens durch die romantische Theorie und\nKunstübung reichlich gefördert und geradezu her-\nvorgerufen. Denn die Romantik, wie wir sahen,\nverweilte bei den Keimformen, beim Moment der\nKonzeption, wenn die Dinge empfangen und\nnicht, wenn sie geboren wurden. Es fehlte also\neigentlich der harte Zwang der Entbindung und\ndie einengende Realität der Einzelfälle. Der Mann"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "605", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.3", "texte": "der Wissenschaft brauchte sich von seinem Ver-\nstand noch nicht ganz und gar aussaugen und\naustrocknen zu lassen, und der Dichter hatte\nnoch nicht im linteresse einer poetischen Idee je-\nde Laune und persönliche Einmischung streng\nzurückzuhalten. Vielmehr seine Laune, seine\nStimmung, war gerade sein Gott, und es galt\nals Verdienst, wenn er sie in allen Farben schil-\nlern liess. Für gewisse unter sich antipodische\nNaturen, für die Virtuosen und philosophischen\nHerrschergeister, könnte aber die jeweilige Ein-\nzelstimmung niemals zu allmächtig werden. Die\nStimmung gehorcht eben jeder starken oder auch\nnur beweglichen Natur, während die Sachlich-\nkeit unerbittlich ihre Rechte geltend macht. Und\nso war in der Romantik ein Bereich der Frei-\nheit, in dem jene eigentümliche Ironie von hin-\nreissend poetischen Qualitäten gedeihen konnte,\ndie sich von der Ironie eines Voltaire oder So-\nkrates so gründlich unterschied. Aber dicht ne-\nben dieser verwegenen Geistigkeit lauerte der Ab-\ngrund und der Wahnsinn — Zacharias Werner.\nAuch hier also ein merkwürdiger Zwiespalt in-\nnerhalb der höheren Einheit der Stimmung.\nDie höchsten Werke der romantischen Kunst\nscheinen freilich von dieser Antithese, die sich\nsonst so deutlich verfolgen lässt, völlig frei zu\nsein. Wenn sich die Romantik zu höchster sym-\nbolischer und mythenschöpferischer Gestaltung\nerhebt, wie bei Nietzsche, dann mag es sich\nwie müssige Neugierde ausnehmen, in einem\nsolchen geschlossenen Kunstwerk noch irgend\neinen Zwiespalt auszuspähen. Dagegdn dürfte\nallgemein zugestanden werden, dass auch diese\nhöchsten Produkte der Romantik lediglich auf\neiner Grundstimmung beruhen und nicht auf\neiner Einzelheit. Die divina commedia interes-\nsier- lediglich als Pandämonium und Zarathu-\nstras äusseres Schicksal ist das Gleichgültigste\nam ganzen Zarathustra. Die romantische Grund-\nstimmung ist also voll gewahrt und auch der\nDualismus ist nicht verschwunden, sondern in\ntiefere Gründe hinabgetrieben. Es ist durchaus\nder Gegensatz von poetisch und alltäglich, der\nsich auftut und durch die Stimmungsfülle über-\nwunden wird. Von Zarathustra braucht man\nnur zu sprechen und jeder fühlt sofort, wie alle\ndiese Kennzeichen hier zutreffen. Dieses Werk\nist hervorgewachsen aus der Sehnsucht einer\nheroischen Seele, die an der Alltäglichkeit er-\nstickte. Während ein klassischer oder realisti-\nscher Dichter einen solchen Konflikt in humo-\nristischer oder tragischer Manier an einem Ein-\nzelschicksal abzuwandeln pflegt» spricht dagegen\nder Romantiker nur in der Form von allgemei-\nnen Stimmungen.\nAlso die Romantik ist Stimmungskunst, ganz\nund gar nur Stimmungskunst. Sie scheint das\nganze Leben zu umklammern, aber sie umwallt\nes nur wie etwas, das man leicht wieder ab-\nheben kann. Poesie und Leben scheinen in ein-\nander verwachsen zu sein und verspüren doch\nvielleicht niemals schmerzlicher ihren tiefinner-\nlichen Gegensatz. Nie erscheint der Menschen-\ngeis: übermütiger und verzweifelter als im Tau-\nmelrausch romantischer Stimmungen. Schwache\nund suchende Geister zerschellten noch stets an\ndieser Poesie der Kontraste. Aber bewegliche\nNaturen pflückten von dieser Wiese manchen\nreizvollen Strauss, und tiefblickende Philosophen-\nnaturen, die auf eine endgültige Ueberwindung\ndes W'eltdualismus verzichteten, fanden die ge-\nwaltigsten Symbole für ihren Endlichkeitsschmerz\nund ihre Ewigkeitssehnsucht im Lande der Ro-\nmantik.\n\nDie Theaterkunst\nVon William Wauer\nAlle „Sage\"- und „Spiel\"-Künste (Poesie,\nTanz, Musik, Schauspielkunst) setzen inneres Le-\nben in äusseres um, in einzelne charakteristi-\nsche Erscheinungen, die ihre Kunst gerade her-\nausstellt. Die „bildenden\" Künste geben einen\nMoment dieses Lebens als Anschein des Gan-\nzen, ein erstarrtes „Bild\". Die Theaterkunst gibt\nLebenserscheinungen in der Form aller Künste.\nWir müssen uns endlich daran gewöhnen,\nauch die Theaterkunst formal artistisch zu ge-\nmessen und zu beurteilen.\nDie Darstellungskunst irn Theater darf nichts\nwollen als die vollendete Formung ihrer Mit-\ntel, sie darf nichts wollen als ausdrucksvolle\nGebärden, Töne, Farben, Linien, Gruppierungen,\nHelligkeiten und Dunkelheiten.\nDie Bühnenkunst ist eine Kunst für sich,\nIhr Künstler ist der Regisseur. Das Bühnen-\nkunstwerk ist etwas anderes als das geschriebe-\nne dramatische Kunstwerk.\nDie dramatische Dichtung ist ein selbstän-\ndiges Kunstwerk. Seine Art ist völlig verschie-\nden von dem aufgeführten Drama, in sich ge-\nschlossen ohne Aufführung, und nur ohne Auf-\nführung: ein Zeitkunstwerk in logischer Form.\nDie Aufführung ist ein Raumkunstwerk in op-\ntisch-akustischer Form.\nDie Bühnenkunst setzt die logische Form\ndes Dichters in eine optisch-akustische um — die\nindirekt wirkende in eine direkt wirkende.\nDie Bühnenkunst hat es mit Formproblemen\nzu tun, wie jede Kunst: mit optischen und aku-\nstischen. Literarische Probleme kennt sie nicht.\nDie Darstellungskunst wendet sich nicht\nwie die Wortkunst des Dichters mittelbar, son-\ndern unmittelbar an unsere Sinne. Alles soll\ngefühlt: miterlebt werden.\nDas heutige Theater zeigt uns das Dicht-\nwerk als Gaukelspiel. — Wann wird uns eine\nBühnenkunst lehren das Dichtwerk zu erleben?\nHeute will die Theaterkunst in ihrer letzten\nAbsicht noch das dramatische Dichtwerk (als\nob dieses in ihr das Tatsächliche wäre!) Das\nist gerade so, als ob die Bildhauerkunst in letz-\nter Absicht den Menschen, und die Landschafts-\nmalerei in letzter Absicht die Landschaft wollte.\nDas Sujet (der Vorwurf, das Motiv) ist nie\ndas Tatsächliche in der Kunst, denn es bleibt\nstets unwirklich, „Anschein\".\nIn der Malerei ist cler Baum „anscheinend\"\ndurch die koloristische Tatsache (die Wirklich-\nkeit der Farben) vorhanden — in der Bildhaue-\nrei der Mensch „anscheinend\" in der Tatsache\ndes geformten Steins (in der Formwirklichkeit);\nin der Dichtkunst wird das Ereignis, der Vor-\ngang, der Zustand „scheinbar\" in der Tatsache\nder Worte (der Wirklichkeit der Schilderung)\nlebendig, in der Musik werden Stimmungen und\nAffekte „scheinbar\" in der Tatsache der Ton-\nwellen (in der Klangwirklichkeit) laut, und in\nder Theaterkunst wird das dramatische Dichtwerk\n„scheinbar\" vorgehen in der Tatsache der The-\naterkunstmittel (in der Wirklichkeit des „Spiels\").\nDie Tatsächlichkeit liegt also in jeder Kunst\nin der ihr eigenen Form, im geformten Materi-\nal. In der Formung „erkennt\" man das Sujet,\nweil es „scheinbar\" wird. Alle Kunst schafft\nnur „Andeutungen\" (Symbole) und es genügt\nzum Genuss und Verständnis, wenn wir sie er-\nkennen, wieder erkennen (selbst in uns frem-\ndester, ja befremdenster Form!)\nWir haben nur Macht über Tatsächliches,\nWirkliches. Auch als Künstler. Also hat auch\nnur ein künstlerisches Streben Sinn, das Tat-\nsachen und Wirklichkeiten formen will und formt.\nEs hat also keinen Sinn, einer naturalistischen\nScheinbarkeit des Motivs nachzujagen.\nDie Bühne ist das Schaufenster für die Tat-\nsächlichkeiten und Wirklichkeiten des Lebens und\nErlebens.\nEs ist ein begreiflicher Wunsch, dass wir\nauf der Bünne immer neue und immer bestech-\nlichere Dinge vorgeführt haben wollen. Wir wol-\nlen unser Leben in seinen Reizen bereichern\nund erhöhen.\nEin inneres Gewitter zur Entladung zu brin-\ngen, grosse innere Spannungen zu schaffen und\nauszulösen, das ist die Aufgabe der Theater-\nkunst insbesondere. Das wussten schon die alten\nGriechen. Nimmt man dem Theater diese Auf-\ngabe, verliert es Ernst und Achtbarkeit.\nUnsere Abneigung gegen „Feierlichkeit\", ge-\ngen Pathos und Pose machte uns naturalistisch.\nDarum aber jeder Feier abhold werden, heisst\ndas Wesentliche unüberlegt dem Unwesentlichen\naufopfern.\nJedes Kunstwerk muss so weit naturalitisch\nsein, — und ist es — als es organisch ist: er-\nzeugt nach dem Lebensgesetz des Wachsens,\nnicht konstruiert oder komponiert nach techni-\nschen Prinzipien.\nSinnvoll zusammengestellte Instrumente, sinn-\nvoll geleitet zu einem gemeinsamen künstlerischen\nZweck, nennt man ein Orchester, ein Ensemble\nvon Schauspielern verbunden zu einem Darstel-\nlungszweck ist nicht das Gleiche?\nDer grosse Aussenschein ist nie das Ziel\nder Kunst.\nLeben und Bewegung ist in der Kunst das-\nselbe.\nDie Handlung ist das Rückgrat des Dramas\n— die latente Stimmung die Seele. Das klingen-\nde Wort das Fleisch. Der Dialog der Geist.\nSeelenlose, geistlose Gesellen sind immerhin er-\ntragbar, rückgratlose aber stets Krüppel. Was\nsoll mit ihnen eine Darstellungs kunst?\n\nKapitän Junker auf\nder Insel Tamuso\nEine Seemannsgeschichte von Paul Scheerbart\nDer Kapitän Junker aus Bremen besuchte\nmich neulich. Pünktlich um zehn Uhr vormit-\ntags kam er an; er hatte mir eine Karte ge-\nschrieben, auf der er mir mitteilte, dass er zu\neiner andern Zeit nicht kommen könnte. Der\nKapitän ist sehr gross, hat langen weissen Voll-\nbart ohne Schnurrbart, Ohrringe und furchtbar\ngrosse braune Hände. Sehr breit ist dieser Mi-\nster Junker, stark, schwer — einfach massiv.\nEr hört es gern, wenn man ihn Mister Junker\nnennt. Er macht keineswegs einen geistig reg-\nsamen Eindruck. Und das erhöht die Glaub-\nwürdigkeit seiner schier unglaublichen Erzählung\nungemein. Nach meiner festen Ueberzeugung ist\ndas, was er mir mitteilte, nicht in seinem Kopfe\nentstanden; er hat das alles tatsächlich erlebt.\nEine etwas umständliche Einleitung.\nAber ich werde jetzt gleich das Wesentliche\nvorbringen. Ich bat den Kapitän, mir sein\nAbenteuer so kurz wie möglich zu erzählen,\nund er sagte langsam — in seiner etwas schwer-\nfälligen Art.\n„Ich fuhr im vorigen Jahre durch die Süd-\nsee. Meine Leute machten, wie das da unten\nimmer noch sehr häufig vorkommt, Rebellion,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "606", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.4", "texte": "setzten mich in ein kleines Boot und überHessen\nmich meinem Schicksal. Ich ruderte und segelte\ndrei Tage und drei Nächte — geradeaus. In\nder dritten Nacht sah ich in der Ferne ein hel-\nles Licht — es wechselte die Farbe, und Schein-\nwerfer schössen aus dem Lichte heraus. Ei,\ndachte ich, das ist ja wohl ein Leuchtturm. Wie\nkommt der denn hier in die Südsee? Nun kann\nich mich aber sehr schwer kurz fassen.\"\n„Dann,\" sagte ich neugierig, „fassen Siesich\nlänger. Der Leuchtturm in der Südsee ist ja\nsehr seltsam.\"\n„Hm,\" meinte er lächelnd, „es war aber gar\nkein Leuchtturm.\"\n„Was denn?\" fragte ich hastig.\n„Das wird Ihnen ja,\" versetzte er langsam\n„so ganz allmählich schon klar werden.\"\n„So erzählen Sie weiter!\" rief ich unruhig.\nUnd Kapitän Junker sprach:\n„Ich fuhr natürlich auf das seltsame Licht\nzu. Und da merkte ich bald, dass da nicht nur\nei n Licht war. Es waren deren mehrere — und\nes wurden immer mehr, je näher ich kam. Ich\nnäherte mich, um es kurz zu sagen, auf meinem\nBoot einer kleiner — Lichtstadt. Lichtstadt! Sie\nahnen wohl, was das heisst.\"\n„Wie soll ich das ahnen!\" rief ich heftig.\n„Stellen Sie sich lauter Gewächshäuser vor,\"\nsagte er, „alle aus Glas — sehr gross. Und\nall das Glas bunt — wie die Fenster des Doms\nzu Köln. Und setzen Sie Glastürme — auch\nganz bunte — zwischen diese Glashäuser. Und\nstellen Sie sich diese Glashäuser ganz hoch vor\n— auf Hügeln und Bergen. Und die Türme\nsind durch quergehende Brücken mit einander\nverbunden — durch bunte Glasbrücken. Und\ndann einen südlichen Sternhimmel darüber —\nmit dem Kreuz des Südens. So ungefähr ist\nes gewesen. Diese Lichtinsel sah ich und fuhr\ndarauf zu. Von den Turmspitzen gingen Schein-\nwerfer aus — einer traf mein Boot. Ich war\nentdeckt. Was darauf folgte, spottet jeder Be-\nschreibung. Die Scheinwerfer drehten sich wie\nKreisel. Ich sah den Strand dicht vor mir und\nhörte ein dumpfes Orgelbrausen. Und mit ei-\nnem Schlage war alles Licht weg. Stockraben-\nfinstere Nacht überall. Nur die Sterne oben\nleuchteten. Ich betrat den Strand.\"\nEr atmete tief auf, wischte sich den Schweiss\nvon der Stirn und blickte mit begeisterten Au-\ngen zu meinem Fenster hinaus auf die weiten\nWiesen von Gross-Lichterfelde.\nUns waren die Zigarren ausgegangen. Wir\nsteckten sie uns wieder an. Nun wollte ich\nnatürlich wissen, was weiter geschah. Aber er\nschwieg noch eine gute Weile.\nEndlich fuhr er fort:\n„Ich setzte mich auf den Dünensand. Da\nwar ich plötzlich von einem dunkelgrünen Schein-\nwerfer ganz dunkelgrün beleuchtet. Das Licht\nverschwand, so rasch es gekommen war. In der\nFerne hörte ich etwas rascheln. Ich schrie: Hier\nist ein Schiffbrüchiger! Ich erzählte ganz laut\nvon der Rebellion auf meinem Schiff. Aber al-\nles blieb ganz still. Ein paar Glaskanten blitz-\nten im Sternenlicht auf. Ich war sehr müde\nund legte mich auf den Dünensand. Ich hatte\nsehr kräftig gerudert und schlief gleich ein.\"\nAbermals machte der Kapitän Junker eine\nlängere Pause. Ich brachte ihm ein Glas Grog.\nDa schmunzelte er so recht vergnügt.\nAls er den Grog langsam und bedächtig\nausgetrunken hatte, sprach er also:\n„Als ich nun aufwachte, da stand die Sonne\nschon ganz tief. Ich sprang auf — und sah,\nDass da überall mächtige Glasgebäude standen\nDie funkelten gar bunt und prächtig in der\nAbendsonne. Wenn ich das beschreiben könn-\nte! Das kann ich aber nicht beschreiben. Ich\nbin ein einfacher Mann und froh, wenn ich im\ngewöhnlichen Leben Worte finde. Ich schweige\nsehr viel, höre am liebsten zu, wenn andere\nreden.\"\n„Weiter! Weiter!\" rief ich heftig und schob\ndem Herrn Kapitän die Zigarren zu, „erzählen\nSie nur, so gut Sie können. Waren die Glas-\npaläste rund, eckig — in geschweiften Formen?\nWie waren die Türme? Jonisch — dorisch?\nOder — waren sie ganz im allerfeinsten Ge-\nschmack? Hatten sie kuppelartige oder schalen-\nartige Ausbuchtungen?\"\n„Da fragen Sie mich,\" sagte er langsam,\n„einfach zu viel. Ich war einfach geblendet.\nAber jetzt kommt das Schönste! Ein kleiner Wa-\ngen stand da vor mir. Und in dem Wagen\nwar ein Tisch gar sauber gedeckt mit den besten\nDelikatessen darauf: Hummern, Schildkröten, Au-\nstern und tausend Fischsorten, fürstliches Obst\nund Konfekt und Roquefort — Burgunder und\nChampagner dazu. Ich stieg in den Wagen,\nsetzte mich recht bequem hin, die Sonne ging\nim Meere dunkelrot unter. Ich wollte nun zu-\nlangen da — setzt sich der Wagen in Be-\nwegung und fährt ganz langsam auf prächtigem\nMosaikboden in schönen Kurven dahin. Ich\nstaune, denn ich weiss nicht, wer mich fährt.\nIch denke: da werde ich wohl drahtlos diri-\ngiert werden. Ich trinke auf das Wohl der Gast-\ngeber und esse und fahre und trinke und fahre\n— immerzu zwischen all den Glaspalästen hin-\ndurch. Oft wird mein Wagen von unsichtbaren\nKräften höhergehoben — dann fahre ich auf ei-\nner höheren Terrasse. Ich lasse mir's gut\nschmecken. Plötzlich, als es draussen dunkel ge-\nworden ist, werden alle Paläste mit einem Schla-\nge wieder hell — in buntesten Farben strahlen\ndie Scheinwerfer, die Wände der Paläste sind\nalle von buntem, leuchtendem Glas. Oh — viele\nFormen! Viel Mosaikartiges. Viel Geschweiftes.\nAber lichtdurchlassend ist alles. Mir kommt die\nSache so vor, als wenn ich träume. Ich lasse\nmir's aber gut schmecken und fahre immerzu.\"\n„Na,\" sagte ich, „hören Sie mal, das hört\nsich aber wirklich so an, als wenn Sie in der\nTat ganz herrlich und wunderbar geträumt hät-\nten. Wie lange fuhren Sie denn?\"\n„Ja,\" versetzte er lächelnd, „darum habe\nich mich bei den guten Weinen und den herr-\nlichen Delikatessen nicht viel gekümmert. Ich\nfand auch ein paar Zigarren, steckte mir eine\nan, wunderte mich über die ausserordentlich\nfeine Qualität. Da kommt aber ein eiserner Arm\nvon hinten herum — und an dem hängen neue,\ngute, trockene Kleider. Ich ziehe mich gleich\num und . . . .\"\n„Ein herrlicher Traum!\" rief ich lachend.\n„War aber keiner!\" sagte Kapitän Junker\nlächelnd, „das wird Ihnen nachher schon ganz\nklar werden.\"\n„Wenn Sie mir,\" sagte ich da, „nur mehr\nvon diesen Glaspalästen erzählen könnten. Ka-\nmen Sie nun ins Innere? Kamen die Gastge-\nber zum Vorschein? Im Innern der Paläste\nmuss es ja noch herrlicher gewesen sein — so\nganz von Lichtwänden und Lichtkuppeln um-\ngeben. Welche Fülle von elektrischem Licht muss\nauf dieser Insel verbraucht werden. Natürlich\nmüssen überall doppelte Glaswände sein — für\nLicht, Kühlung und Erwärmung. Das wirkt ja\nalles wie ein Farbenrausch. Der Weinrausch\nscheint mir ziemlich überflüssig dabei.\"\n„Im Innern,\" sprach Mister Junker langsam,\n„bin ich nicht gewesen. Der Weinrausch war\njedenfalls nicht so böse. Aber zuletzt kam aus\neiner Luke vorn — ein Glas heissen Grog!\"\n„Das,\" rief ich, „hätte ich nach allen diesen\nGenüssen nicht getrunken.\"\n„Ich aber,\" sagte der alte Herr wehmütig,\n„war nicht so schlau; ich trank es doch. Und\nnach meiner Meinung war ein Schlafmittel in\ndem Grog.\"\n„Oh!\" rief ich traurig.\n„Ja,\" fuhr er fort, „als ich aufwachte, war\nich auf einem französischen Kriegsschiff. Man\nsagte mir, ich sei von einigen Herren abgelie-\nfert — des Schiffsarztes wegen — der sollte mich\naufwecken. Das war ihm denn auch nach vie-\nlen vergeblichen Bemühungen gelungen. Ich er-\nzählte, was mir passiert sei. Aber niemand\nglaubte mir. Vierzehn Tage später bemerke ich\nim Roten Meer, dass auf dem Rücken meines\nfunkelnagelneuen Anzuges etwas knistert. Ich\nfühle hin und bemerke Papier, schneide das Fut-\nter auf und sehe ein Kuvert, auf dem steht: Du\nwarst auf der Insel Tamuso. Ich glaube, dass\ndas Wort Tamuso auf der vorletzten Silbe be-\ntont wird. Drei echte deutsche Tausendmark-\nscheine waren in dem Kuvert. Glauben Sie jetzt\nnoch, dass ich geträumt habe?\"\n„Nein,\" rief ich, „aber da müsste man doch\neine Expedition ausrüsten und nachsehen, ob da\nMissionare oder Seeräuber hausen.\"\nMister Junker erhob sich langsam und reich-\nte mir die Hand, schüttelte sie kräftig und sagte:\n„Sie werden schon veranlassen, dass die Ex-\npedition ausgerüstet wird. Aber — ich fahre\nmit, damit ich den freundlichen Gastgebern die\ndrei Tausendmarkscheine zurückgeben und den\nSchreiber jenes Zettels zur Rede stellen kann —\nweil er Mister Junker geduzt hat.\"\nWir schüttelten uns nochmals die Hände.\n\n„Mutter\" Natur\nVon Moriz König\n„Wer hat dich, du schöner Wald\nAufgebaut so hoch da droben? '\nAlso, da wären wir. Ich schnaufe vor Ver-\ngnügen. Ein paar Hügel strecken die runden\ngrünen Köpfe herauf. Wir stehen auf einem\nsteinigen Wege. Heuduft. Buchenwald in Front.\nDer Traum der Stadt-Woche — erfüllt. Ah —\nah!\n„Aber das ist doch schön, das ist doch\nprachtvoll!\" rufe ich verzweiflungsvoll meiner Be-\ngleiterin zu.\nDie gute, brave Seele ist entzückt. Sie fin-\ndet es wirklich so. Aber ich schäme mich im\nerschreckenddeutlichen Gefühl, dass ich sie be-\ntrüge. Mit der Natur. Ich denke gerade her-\naus. Ich kann die Fiktion der herrlichen Natur\nnicht länger aufrechterhalten.\nIch blicke mich um. Die Landschaft hat\nsich seit zwanzig Jahren nicht im Geringsten\nverändert. Da liegt sie, unverkauft, wie ein\nschlechtes Bild. Kein Pinselstrich geändert. Noch\nimmer bereit, Oberschullehrern Themen für die\nSchüler zu geben, denen auf Ausflügen die Exi-\nstenz der „Natur\" bewiesen werden soll. „So"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "607", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.5", "texte": "seht Ihr, das ist das herrliche Oestreich! Leo-\npold der Glorreiche baute dort die Burg, die\nIhr dort droben sehen könnt. Dort im Jahre\n11.. verlor die Herzogin ihren Schleier, der\nihr der Wind entführte\" .... und so weiter.\nBier, Butterbrot, Radieschen, Ziehharmonika,\nDunkelheit, die Erotik der leichten Gelegenheit,\ndie Romantik der ahnungslos vorausgehenden El-\ntern. Der Landschaftstag, das Geniessen der Na-\ntur ist zu Ende.\nVielleicht bin ich gereizt. Aber ich bin\nobjektiv. Ich bin weit entfernt, zu sagen: Die\nNatur ist keusch, unberührt, die Menschen versäuen\nsie unästhetisch. Keine Spur davon. Die Natur\nselbst provoziert dazu. So wie manche Leute\nein warmes Badebassin „für alle\" als verschäm-\ntes Klosett benutzen, so lassen sich die Meisten\nseelisch in der Natur freien Spielraum. Man\nkann sicher sein, dass man auf dem Waldpfade\nkritisch betrachtet wird. Geht man mit einem\nMädchen, beobachten sie uns und berechnen ge-\nnau den Platz, wo wir uns zu frevlerischem\nTun niederlassen werden. Dazu sind wir ja\nherausgekommen. Auf Schritt und Tritt Be-\nsoffene. Rudel von fünf, sechs Burschen treten\nVeilchen und Primeln nieder, die sich heuchle-\nrisch auch in die Ivanhoe-Träume eines Lyce-\numsmädels gefügt hätten. Dazu wird fortwäh-\nrend gesungen, Alles durcheinander, Mädchen\nund fremde Ehegattinnen werden unter dem Vor-\nwande, ihnen über steilen Stellen hinwegzuhel-\nfen, geknutscht, und Strolche suchen sich' die\neinträglichsten Stellen für die Anhaltung später\nWanderer aus.\nJahre lang schämte ich mich, weil mich in-\nmitten der Natur ein wohlbekanntes aber schnö-\nde verleugnetes Gefühl erdrückte: eine geradezu\nabstossende Langweile. Jetzt bin ich ehrlicher.\nDie Bauern sind klug. Sie geben auf die Na-\ntur nichts, von der ich zu berichten vergass,\ndass sie von einer Menge ekelhaft geformter Kä-\nfer erfüllt ist und uns lediglich an Geschichten\nerinnert, in denen „Mutter Natur\" vorkam. Man\nhat kein Vis-ä-vis in der Natur, man kann laut\ndeklamieren, milbige Burschenlieder singen, sich\naus- und anziehen, in unmöglichen Kostümen\nherumrennen, hinter einem aufgespannten Son-\nnenschirm den Kopf auf einen gastlich schwit-\nzenden Busen legen und sich' überhaupt wie\nein Schwein benehmen. Diesen Umständen\nverdankt die Natur ihr Renommee. Die Stupi-\ndität schiesst üppig auf. Man sieht alte Gras-\naffen, die im Wahne, wieder jung geworden zu\nsein, Pferdchen spielen und Weiber, die das in\nder Stadt bei Lynchgefahr nicht mehr wagen\ndürften, vertrocknete dürre Waden in dicken,\nblauen Winterstrümpfen weit von sich strecken.\nUnd all dies redet sich samt hinter dem Busch\nlustig liquidierenden Kindern auf die Mutter\nNatur aus.\nIn der Stadt kaufe ich mir für zwei drei\nKronen eine stille Lokal-Ecke, in der ich allein\nsein kann und berechtigt bin, jeden Eindringen-\nden entweder zu beleidigen, zu ohrfeigen, oder,\nwenn er sehr stark und gross ist, verwundert\nund etwas pikiert anzusehen. Auf dem Lande\ngibts das nicht. Wenigstens nicht in der Nähe\ngrosser Städte. Da wird am Rande des schön-\nsten Plätzchens sofort ein Kopf auftauchen, des-\nsen dazu gehöriger Hundsfott mich längere Zeit\nversteckt beobachten wird. Ist das Plätzchen\nsehr schön, setzt er sich, um die Gleichberech-\ntigung in der Natur zu dozieren, in meine Nähe.\nSehr gnädig von ihm, wenn er nicht Stiefel und\nSocken auszieht.\nDie in der Natur vorhandenen Mädchen\nhaben meist jemand mit und sind gegen Freun-\nde sehr misstrauisch. Dasselbe Stück Weibsbild,\ndas ich in der Stadt mit dem Aufgebote eines\nTramwagens und eines Stückes Mandel'orte vom\ngeraden Wege der Tugend mit Leichtigkeit ab-\nbringe, macht sich hier draussen zur schwer\nzugänglichen Lady. Hinter Gartengittern einer\nmässigen Villa gehen A jour-Strümpfe, die hoch-\nfrisiert sind, auf und ab. Ein paar Schritte\nweiter prägt sich die Natur in elendem Bier,\nalten Grammophonen, Hundshüttengestank und\nKröpfen, sowie einem maulkorblos herumlaufen-\nden wilden Köter aus. Nicht die armen, ehrlichen\nDorfbewohner sind schuld, es ist die Natur\nselbst, die das grosszieht. Und das höchste Ziel\nder guten Städler ist es, in so einem eingezäun-\nten Stück Erde mit Kröten und grünen Baum-\nhölzern den Rest ihrer Tage zu verbringen.\nIch will davon schweigen, mit welch auf-\ngeblasener Wichtigkeit sich Amtspersonen, Gen-\ndarmen, Schulzen, Forstadjunkten, Grundstück-\nwächter, Weinhüter und Gutsherren in der Na-\ntur geben. Man ist in ihre Hand geliefert und\nes dauert eine hübsche Zeit, bis sie ihre Nase\ntelegraphisch von der Regierung aus der Haupt-\nschnitt erhalten oder bis ihre Dekrete einfach\nim Rekurswege aufgehoben werden, ihnen be-\nwiesen wird, dass sie nicht viel gelten. Aber\nich gerate schon mehr in die „Provinz\" hinein,\ndie so Natur und Stadt vereint, wie der nackte\nKongonegerkönig, der einen Zylinderhut aufsetzt.\nAlso ich bin fertig mit der Mutter Natur.\nSchade um sie, sie hat mich Jahrzehnte lang\ngefoppt. Die angeblich vorkommenden Nachti-\ngallen hört man nie und ich könnte auch kei-\nner „Philomele\" lauschen, ohne an eine bestellte\nReklame der alten, platten, grünen Mutter Na-\ntur zu denken, die — wenn man so einen\nSonntag abend beobachtet — mit dem Fortpflan-\nzungstrieb im Kompagnieverhältnis zu stehen\nscheint.\n\n„Künstler\"\n\nWarnung an solche\nFritze Müller, Zürich, hat im Tageblatt den\nVorrang verbeult, der der steife Hut vor dem\nWeichen geniesst. Eigentlich hat „heute in den\nfriedlichen Strassen, wo kein Schwertstreich fällt\n(o rasch vergess'nes Moabit) der Hut fast gar\nkeine Rolle mehr.\" Und darum soll er weich\nsein.\n„Der starre Rundhut, der auf allen Gassen\nund auf allen Plätzen herrscht, modelt die\nGesichter der Männer langsam um. Starr wer-\nden sie, starr wie der Hut. Korrekt und di-\nstinguiert nennen's manche. Aber es ist eine\ngeistige Erstarrung, es sind geronnene Ge-\nsichtszüge.\"\nDie Steifhüte kommen dem Müller „wie Bla-\nsen vor, die aus dem Gehirn gestiegen und in\neinem gegebenen Moment erstarrt sind.\" Bläs-\nchen eines Feuilletonistengehirns.\nJa, „früher war jeder Hutmacher ein hal-\nber Künstler, ein Mann von Geschmack. Heute\nsteht der Hutmacher an Künstlerqualität tief\nunter jedem Krawattenmacher. Ich kenne ei-\nnen alten Hutmacher. Er hat noch die Zeit\nder weichen Hüte miterlebt. Seine weichen Hü-\nte waren schöpferisch.\nFrüher waren die Hutmacher Künstler. Heu-\nte müssen die Künstler vor den Gefahren der\nmodernen Kopfbedeckung, die fabrikmässig her-\ngestellt wird, auf der Hut sein.\nEin Künstler, der ein Jahr lang einen\nZylinder trägt, ist in Gefahr, die Künstler-\nschaft dranzugehen und sich in der Richtung\nnach dem Geheimrat zu entwickeln.\nWarum nicht in der Richtung nach ciem\nLeichenträger? Künstlertum, das schon unter\neinem Steifhut schlapp und weich wird!\nIn philiströs\nDie hiesigen Blätter brachten vor kurzem —\nwie auf Kommando — diese Notiz, „die ei-\nnes pikanten Reizes nicht ent-\nbehrt.\"\nEtwas kostspielige Abenteuer hatten vor\neinigen Tagen zwei hiesige Künstler, de-\nren Frauen die Sommerfrische gemessen. Die\nbeiden Strohwitwer trafen sich zufällig und\nbeschlossen, die Freiheit einmal gründlich zu\nbegiessen.\nNicht mehr recht willensfähig, folgten sie\nendlich den Verlockungen zweier Damen, die\nihnen auf ihrer ausgedehnten Reise in später\nNacht in die Quere kamen. Am andern Mor-\ngen fanden sie sich an verschiede-\nnen Stellen allein wieder, beide\nohne ihre goldene Uhr und Kette. Der Kri-\nminalpolizei, der die Bestohlenen ihr Leid\nklagten, gelang es . . .\nAm andern Morgen fanden sie sich an\nverschiedenen Stellen allein wieder.\nDer eine auf einer Bank im Tiergarten, der an-\ndere in einem Hotel am Schlesischen Bahnhof.\nDiese Zauberkünstler! Sie wollten einmal die\nFreiheit gründlich begiessen. Die Luft des „freien\nKünstlertums\" im Bierrausch und am Busen ei-\nnes „kleinen Mädchens\" trinken. Die Künstler\nsetzen sich — als „Strohwitwer\" — in jene\ndike der Madame Aventiure, in der sich jeder\nSpiesser und Kommis als „Künstler\" fühlt und\nspreizt. Sie werden bestohlen, und sie rufen die\nHilfe der Behörde an. Das sind sie.\n\nProteus\nFritz Kreuzig\n(Nach einem Karl Kraus-Abend)\nVom Neunten Tonblut seine Worte glühten,\nsie waren Flammen, Sternentanz. Es werde!\nrief ihre Lust in dunkles Schöpferbrüten\nund warfen Glut in die Gedankenherde.\nVon Gott und Wollust trunken, sie zersprühten\nKains Fäuste schlugen hart sie in die Erde.\nDie Welt der Seele tiefer Sehermythen\nerschuf erst im Marmor der Gebärde.\nAus Seelenwunden riss den Schrei ein Falk.\nEin tiefes Meer von Sturm, Korallen, Sand\nschlug hohe Wellen purpurschwer ins Ohr.\nEr spie sein Blut, ein lachenstoller Schalk,\nund legte eine weiche Frauenhand\nan Träume, die des Lebens Nacht verlor."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "608", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.6", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\nVerantwortlich für die Schriftleitung in Oesterreich-\nUngarn / I. V.: Oskar Kokoschka\n\nJ. A.\n\nFeuerzauber\nEs war eine Not. Wochenlang „brütet e\"\ndas Himmelhuhn Sonne Wärme. Tropische Wär-\nme. In den Redaktionstuben waren die letzten\nWasser der Nüchternheit ausgetrocknet. Ueber-\nhitzte Phantasie und oelbildreiche Sprache wüte-\nten schirokkoartig.\nVom „sausenden Webstuhl der Zeit\" fielen\nnur noch Stoffe für unsere Reporter ab. Ta-\ngesberichte wurden gedichtet. Allerorten,\ntäglich gab es Waldbrände. Man glaubte\nnicht mehr an sie. Bis eines Tages in unserer\nNähe in einem Walde Feuer ausbrach. Das\nBild festzuhalten, entsandte die Morgen-\npost einen Redakteur an die Brandstätte.\nEntstanden war der Brand durch das bekann-\nte „achtlos hingeworfene Streich-\nh o 1 z\".\n„Es liess das dürre Gras in Knisterflämm-\nchen emporlodern, dann schoss die Feuer-\nschlange weiter, ringelte und züngelte am Bo-\nden hin, kroch verdorrte Stauden empor.\nVon zwei Seiten wird der Waldbrand an-\ngegriffen, und beide Kolonnen treiben das\nFeuer nach der Mitte zusammen. Aber das\ntückische Element gehorscht nicht der verein-\nten Löschtaktik, wie eine feurige Katze schiesst\nes am Waldboden hin, und ehe der Wasser-\nstrahl die flüchtige Flamme erreichen kann,\nprasselt sie an einem dürren Strauch empor,\nzuckt grell auf und beleuchtet wie mit Zau-\nberschlag die nächste Umgebung. Noch stehen\ndie Kiefern schwarz und unberührt, wenn\nauch die kühne Feuerkatze hie und da einen\nSprung am Stamm hinauf versuchte, sie hat\nnicht weit kommen können. Ein wohlgezielter\nWasserstrahl machte ihrem Höllenleben ein jä-\nhes Ende.\nAm Waldessaum, fern von der Stätte, wo\ndie Johannisthaler Braven mit den Flammen\nkämpfen, hält der Trompeter, ein Kasten Bier\nsteht unter seiner Obhut, und von Zeit zu Zeit\nkommen einer und ein anderer aus dem kni-\nsternden, qualmenden Waldbrodem heraus, um\nTageshitze und Feuersglut mit einem kühlen\nTrunk abzulöschen, gespensterhaftes Ab- und\nZugehen, wie am Rande von Dantes Hölle.\nUnd man wird wohl kaum vor Nacht abzie-\nhen können, die gelbe Katze hat ein zähes Leben.\nOb zwar schon ein „wohlgezielter Wasser-\nstrahl ihrem Höllenleben\" ein Ende bereitet hatte.\nUnd dieweil sich die Braven von Johan-\nnisthal redlich mühten, des „Feuers Herr zu\nwerden\", verübte man — fingerfertig — einen\nEinbruch in die Literatur.\nAuf feines Spüren\nZeitungsredakteure und Feuilletonisten ma-\nchen keine Ferien. Sie verreisen, aber sie ra-\nsten nicht. Der falsche Prophet und Feuille-\ntonregenerator lag zur Erholung an der Nord-\nsee, musste aber doch jede Woche zwei Cause-\nriebarken vom Stapel lassen. Er lag auf „wei-\nssen Sanden, die Unsterblichkeiten in Heines Wer-\nken wiederzufinden. Doch „es geschah\", dass\ner sein Reklamheftchen Heine verlor.\nAm Strande verloren, und dort liegt der\nSänger nun irgendwo herum, zwischen zertre-\ntenen Muscheln und Seesternen und all der\nsterbenden Kreatur der See.\nIch ging zum Buchhändler, um ein neues\nExemplar zu kaufen. „Bitte geben Sie mir\nHeines Nordsee, sagte Herr Anburtin zu dem\nManne im Laden. Und dieser — „durch-\nschauend lächelnd\" — gab ihm Grie-\nbens Führer durch die Nordseebäder.\nSo putzige Geschichten überlässt man kei-\nneswegs dem „U 1 k\". Für ihn hat Engel an\nder See gedichtet, Lyrik. In der bewährten\nArt des Sängers, der dort nun irgendwo her-\numliegt, zwischen zertretenen Muscheln und\nSeesternen und all der sterbenden Kreatur der\nSee.\nEngels hatten Fischlein gefangen\nUnd mit heissen Wangen\nEinander mit Sand bestreut.\nWir nahmen ein Buch zu Händen\nUnd lasen es nicht.\nWir lagen in Mittagsbränden\nUnd Hessen das Auge uns blenden\nVom wogenden, wabernden Licht.\nDas Buch war sicher nicht Heines Nordsee.\nWurden wir nicht gesunder\nIm Duft des Tangs?\nLieblich schmeckte der Flunder,\nUnd noch dazu das Wunder\nDes Sonnenuntergangs.\nHier versagt ein Komma. Es taucht kichernd\nunter, und diese Strophe drängt hinauf:\nO, in das Meer ohne Brücken\nFuhr man hinaus.\nStiegen die Wellenrücken,\nBrach man in lautes Entzücken,\nAch, wie brach man da aus!\nMan brach aus!\nDer überzählige Plural\nEin mit Oclerwasser getauftes Frankfurter\nKind, das seine ersten Lebenswochen gellend\ndurchschrie und sich schon damals prophezeien\nlassen musste: Aus der wird mal was, die\nmacht schon jetzt von sich reden! Das bin\nich. Und was ward aus ihr?\nEin deutsche Dichterin\nOtto von Leixner, Eugen Trowitzsch, Ru-\ndolf Presber haben mich dann zu mei\nnen kleinen Liedern ermuntert, und ihnen dan-\nke ich, dass ich jetzt in den besten Blättern\nDeutschlands Eingang gefunden habe.\nOtto von Leixner hat nicht nur eine Lite-\nraturgeschichte und schlechte Romans verfasst\nEr hat auch anderes Unheil angerichtet.\nDie Sonntags Zeitung für das Deutsche\nHaus, eines „von den besten Blättern\nDeutschland s\", bringt die kleinen Lieder\ndes Frankfurter Kindes dutzendweise zum Ab-\ndruck. Ein Blatt, das einen „Onkel\" in der\nRedaktion zu sitzen hat, der im Briefkasten die\nEinsendungen der Nichten und Neffen, die in\nder geliebten Verskunst Dilettantieren, keck be-\nspöttelt und ablehnt.\nNicht alle, Viele werden angenommen. Und\ndarum schicken so viele Jungfrauen und Jüng-\nlinge ihre „Musenkinder\" an ein Familienblati\nzur Prüfung. Sie tun es in der Ueberzeugung,\ndass ihre Verse nicht schlechter sind als die\nkleinen Lieder der Dichterinnen, die von sich\nreden machen.\nAlle deutschen Familienblätter — und wenn\nsie sich Woche für Woche mit Gedichten der\nFrieda Schanz, Josefa Merz, Clara Schelper,\nAdelheid Stier und anderen Reimtanfen bis\nzum Brechen füllten, werden dem Plura 1 i s:\nDichterinen keine Geltung verschaffen kön\nnen.\nGibt es doch in Deutschland nur eine Dich-\nterin: Else Lasker-Schiiler.\n\nL Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezei-sion in deu\nKunsten und in der Liieratur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nYerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\n\nHBBMIBHIsaaBHII\nDie F\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nSummer 326/327/328\nist erschienen\nPreis 75 Pfennig\n80 Seiten\nMit einer Illustration:\nDer Sieger\nÜBERALL ERHALTUCH\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\n\nLesCahiers do Centre\nMonatsschrift fiir Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier)Frankreich\n\nVerlag „Der Sturm\"\n(t \\\nHerwarth Waiden\nOAFNISLIEDER\nFiirGesang u.Klavier/52Seiten\n%\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oderdirekt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee/Katharinenstrasses"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "609", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.7", "texte": "Maximilian Machi\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gedachtnis-Kirche\nJournal-Lesezirkei\nAusstellungen der Neuen Sezissiots\nVeriag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "610", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110909-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nEdmund leyer\nBuchhandleru.Antiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Bucher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Buchern\nfur Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog XXVIII (Varia) erschienen\n\nVegetarisehes Gasthaus\nFREYA\n■ Charlottenburg ;\n| Bismarckstrasse 9 ■\nAm Knie\n□ EI\n□\nAngenehmer Aufenthalt\n112 iir Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nTHRICHOPHIL\nm Fi.M.3,00 FLM.3,00 gj\n|v ■■■■aeaaßßiiaaoß = nur belm Fabrikanten: == asßsa&sessussoßa ||j£\n| Otto Tentscher/Friseur |\n■ I. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Ein£.63Steglitzerstr.,Tel.VI,6735 ggj\njg 11. Geschaft: Charlottenburjj, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,63B7 gg\niiimoooooooodißHßH\n\nHandel,swissen- Vnififil* Mocifilf t •\nschaftl. Kurse von rriClll. MCMCI Leipzig\nanter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationclics\nStudium der Handels- and verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr- I\nj2hriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographie, jj\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- una Bilanz- 5\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab- 1\nsoiviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, EinjShrig- Jj\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktfsch tltig waren und den 112\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbslnde,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannisplatz 5\n\n»r*n; Cafe Continental\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachtsx\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll© bedeutenden Zeiiungen und Zeitschriftea\n\nDr. Rudolf Bliimner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a.d. Schauspielerschule d.Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. 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Vier- J\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier '\nZustellung. — Die Herren ®\nVerleger werden um Ein- ■\nsendung ihrer Neuerschei- ■\nnungen zur Besprechung a\ngebeten. g\nProbenummern umsonst und ■\npostfrei durch die Geschafts- a\nstelle.\nVertreter gesucht ■\n\nLE\nCOURRIER DE LA PRESSE\nBUREAU de COUPURES de 10URNAUX\nFrangais et Etrangers\nFonde en 1889\n21, Boulevard Montmartre PARIS 2®\nGALLOIS & DEMOGEOT\nAdresse Telegr.: COUPURES PARIS — TELEPHONE 101.50\nLe COURRIER de la PRESSE: Regoit, lit et decoupe tousles\nJournaux et Revues et en fournit les extraits sur tous sujets\net personnalites.\nService special d'lnformations partiques pour Industriels\net Commexpants.\nTARIF: 0 fr. 80 par Coupure\nTarif reduit, paie= Par 100 Coupures, 25 francs\nment d'avance, sans „ 250 „ 55 „\nperiode de temps li- „ 500 „ 105 „\nmite. „ 1000 „ 200 „\nOn traite a forfait pour 3 mois, 6 mois, un an\n\nElse Lasker-Schiiler \\j|\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Butten gebunden\nDrei Mark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig\n\nVerlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVferteljahr M 1,50\nHalbjahr „ 3,—\nJahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer I bis 56 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei\n\nPressrelationsburean Hansa\nBerlin NW 23 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nachrichten liber\nKuost, Literatnr, VVissenscliaft,\nin jeder Hinsicht unbedingt zuverlassig.\n:: Akademisch und literarisch gebildete Lectoren ::\nvorziigliche Organisation\n| Fernsprecher Berlin II 6121"}]}