{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_sha256": "4890e9dddb69e35ba410c75b93f946e566b87a7e08deffe7e0f71c191afa4329", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/09/23_01/bmtnabg_1911-09-23_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/09/23_01/bmtnabg_1911-09-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "619", "page_fin": "619", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "619", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.1", "debut_caractere": 508, "fin_caractere_exclue": 869, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Zeitgeschichten: Bestempfohlene Philosophie / Der nationale Schwank / MAX ZERBST: Bewegung! Grundlage einer neuen Welt-\nanschauung / ALFRED DÖBLIN: Der Dritte / ELSE LASKER SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / VIKTOR v. DIRSZTAY: Wahrnehmungen /\nJ. A.: Rückblicke: Ruhe für einen Lyriker / Nun lächle, Mona Lisa / Zweifel / E. L. KIRCHNER: Holzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "619", "page_fin": "619", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.2", "titre_corps": "Aus der Presse", "titre_sommaire": "Aus der Presse", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "619", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.1", "debut_caractere": 871, "fin_caractere_exclue": 6534, "texte": "Aus der Presse\n\nBestempfohlene Philosophie\nHerr Friedrich Dernburg äussert sich im\nBerliner Tageblatt über den ehemaligen Kolle-\ngen Fritz Mauthner. Herr Dernburg fürchtet,\ndass „das Publikum der grossen Bildungswelt\nin Mauthners Wörterbuch der Philosophie kei-\nnen erstklassigen Lesestoff, keinen Mauthner ver-\nmutet\". Man weiss durch diese Sorge endlich,\nwas erstklassiger Lesestoff ist, und wer ihn lie-\nfert Was ist das Wörterbuch der Philosophie\nnun in Wirklichkeit?\n„In Wirklichkeit ist das Wörterbuch der\nPhilosophie eine Sammlung von Essays, in\nder sich die Kunst der Form mit der\nTiefe und dem blendenden Geist des In-\nhalts um den Preis streiten. Der anspruchs-\nvolle Leser wird Stoff genug zum Nach-\ndenken erhalten, aber auch der leichtge-\nschürzte Leser, der von altersher ge-\nwohnt ist, in Fritz Mauthner einen geist-\nvollen Causeur zu suchen, wird fin-\nden, dass die Vertiefung seiner Geistesarbeit\nihm nichts von ihrem Glanz und prickeln-\nden Reiz genommen hat. Und hier kommt\ndie Form eines Wörterbuches dem welt-\nmännischen Leser entgegen, der nur\nin Mussestunden zu einer solchen Lek-\ntüre greifen kann. Er schlage auf, wo er will,\nüberall wird sein Blick auf einem fesselnden\nGedankengang, auf einer überraschenden Wen-\ndung haften bleiben. Er wird vorwärts\nund rückwärts lesen und sich freuen,\nmit welcher Anmut, in die sich fast unmerk-\nlich eine leise Ironie mischt, er belehrt, mit\nwelcher Selbstverständlichkeit er von den Er-\ngebnissen einer genialen Durchdringung eines\nriesenhaften Stoffes verständigt wird. Denn das\nunermessliche, unerschöpfliche Erntefeld, auf\ndem Fritz Mauthner arbeitet, ist bekanntlich\ndie Sprache.\"\nDer anspruchsvolle, der leichtgeschürzte und\nder weltmännische Leser, sagt Herr Dernburg,\nkommen auf ihre Kosten. Ein leichtgeschürzter\nLeser hat zweifellos Stoff besonders nötig. Und\nStoff von Mauthner, da nimmt man schon einen\nprickelnden Reiz mit in den Kauf. Selbst wenn\n„wunde Punkte\" entstehen: man will doch sei-\nnen geistvollen Poseur bei rückwärts gelesener\nPhilosophie nicht vermissen. Umso weniger, als\n„man\" nur in Mussestunden zu einer solchen\nLektüre greift. Man erfährt näheres über Mauth-\nner: „in seinen feuilletonistischen und Thea+erzel-\nten spielt er mit Worten wie mit goldenen Bäl-\nlen, in einer Jugendsünde, die er nun durch das\nLeben fortschleppen muss, zeigte er selbst die\nTechnik des Sprachjongleurs.\" Aber die Jugend-\nsünden schleppt man durch das ganze Leben\nmit sich, und wer mit Worten „spielt\", ist sicher\nkein Schriftsteller. Aber Mauthner, sagt Herr\nDernburg, hat bei der weiten und breiten Bil-\ndungswelt sein anschwellendes Publikum. Man\nsieht, auch der Kollege Dernburg spielt mit\nWTorten. Auch was Sprache ist, teilt er mit:\n„Die Sprache ist ja das Sammelbecken, in dem\nsich die Geistesarbeit der sich ablösenden Men-\nschengenerationen zusammenfindet.\" Also der\nAuswurf des angeschwollenen Publikums. Aber\nHerr Dernburg ist vorsichtig: „Bei diesem Bild\nkann man allerdings nicht bleiben\", ohne dass\nUebelkeit erregt wird. Und weiter: „Jedes Wort\nist ein Individuum mit eigenem Leben, sich mit\nunzähligen anderen Leben verschlingend, We -\ngezeichen auf dem Marsch der Menschheit.\"\nDas ist bereits komplizierte Philosophie. Indi-\nviduen als Wegezeichen. Der Kollege Dernburg\nbeginnt zu spielen. Aber Mauthner hat es noch\nbesser gesagt: „Sprachgeschichte ist Kulturge-\nschichte.\nSo wie die Wogen und Wellenkreuzungen\ndes Meeres zu überschauen sind, die nie aus\nsich selbst entstehen, immer von irgendwoher\nkommen, sich verstärken und abschwächen und\nzusammen das Meer heissen, ebensowenig kann\nein Mensch die zahllosen Wogen und Wellen-\nkreuzungen der Entlehnung überschauen, die\nzusammen die Kultur heissen.\"\nDas ist unübertrefflich. Wer dieses Bild vom\nMeer, noch mehr, vom Meer der Entlehnung\nfinden konnte, der darf im Tageblatt nicht nur\nals Philosoph, nein, auch als Poet gepriesen\nwerden. Dernburg gerät nun auch ganz ausser\nsich: „So zeichnet sich die hohe Weltwarte ab,\nvon der aus Mauthner die Fluktuationen der\nSprache der Menschen betrachtet. Ursprache,\nUrvolk und Urheimat, Urkultur und Armytolo-\ngie entweichen vor seinem prüfenden Blick in\ndas Schemenhafte. Sie machen dem Nachweis\nPlatz, wie uns, die zahllosen Wellenkreuzungen\nder Nachahmung und Entlehnung tragen.\" Auch\nDernburg ist ein Poet. Mauthner blickt von\nder Weltwarte herab, die Ur-Sachen machen\nschleunigst dem Nachweis Platz, und der Nach-\nweis taucht als Meer auf, das uns in zahllosen\nKreuzungen der Entlehnung trägt. „Das ge-\nschieht in Fritz Mauthners Wörterbuch in der\nGeschichte einer Anzahl wichtiger oder wert\ngeschätzter Wörter.\" Der leichtgeschürzte Leser\nschwimme nach. Denn „es ist das Charakteri-\nstische bei Fritz Mauthner, dass er den grossen\nuniversellen Blick gewonnen, und doch aus sei-\nnem Journalismus den Blicjc für die kleine All-\ntagswelt herübergerettethat.\" Noch besser: er hat\naus der kleinen Alltagswelt den Journalismus\nfür den universellen Blick herübergerettet.\n\nDer nationale Schwank\nHerr Doktor Alfred Freiherr von Berger,\nDirektor des Wiener Burgtheaters, hat einen ma-\nssigen ungarischen Schriftsteller und zwei gute\nfranzösische Schwanklieferanten aufgefordert, ihm\nfür sein Theater Lustspiele zu schreiben. Die\nZeitungen sind sehr empört, dass die Aufträge\nnicht im Lande vergeben werden. Da die Herren\nKollegen von der Presse nun aber nur „nach\ndem Französischen\" dichten, schaltet Herr\nvon Berger mit dem Recht des Grossisten den\nZwischenhandel aus. Und schliesslich kann man\nkeinem Oesterreicher verwehren, seinen Bedarf\nin Ungarn zu decken. Man muss doch nicht\nalles aus Galizien, der Heimat der deutschen\nPresse, und den übrigen Kronenländern beziehen.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "619", "page_fin": "619", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.2.1", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "619", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.1", "debut_caractere": 887, "fin_caractere_exclue": 5826, "texte": "Bestempfohlene Philosophie\nHerr Friedrich Dernburg äussert sich im\nBerliner Tageblatt über den ehemaligen Kolle-\ngen Fritz Mauthner. 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Er schlage auf, wo er will,\nüberall wird sein Blick auf einem fesselnden\nGedankengang, auf einer überraschenden Wen-\ndung haften bleiben. Er wird vorwärts\nund rückwärts lesen und sich freuen,\nmit welcher Anmut, in die sich fast unmerk-\nlich eine leise Ironie mischt, er belehrt, mit\nwelcher Selbstverständlichkeit er von den Er-\ngebnissen einer genialen Durchdringung eines\nriesenhaften Stoffes verständigt wird. Denn das\nunermessliche, unerschöpfliche Erntefeld, auf\ndem Fritz Mauthner arbeitet, ist bekanntlich\ndie Sprache.\"\nDer anspruchsvolle, der leichtgeschürzte und\nder weltmännische Leser, sagt Herr Dernburg,\nkommen auf ihre Kosten. Ein leichtgeschürzter\nLeser hat zweifellos Stoff besonders nötig. Und\nStoff von Mauthner, da nimmt man schon einen\nprickelnden Reiz mit in den Kauf. Selbst wenn\n„wunde Punkte\" entstehen: man will doch sei-\nnen geistvollen Poseur bei rückwärts gelesener\nPhilosophie nicht vermissen. 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Dieses kleinste punktuelle wiederum\nnur durch Bewegung erzeugte Bewegungsmo-\nment ist der Keim oder der Keimvorgang, ist\ndas Element aller Wahrnehmungstatsächlichkeit\nund Wahrnehmungsmöglichkeit überhaupt. Die\nBewegung konstatiert da gleichsam durch ihren\nScheingegensatz, dass heisst durch scheinbare\nNichtbewegung sich selbst und zugleich diesen\nScheingegensatz. — Es ist dies die Möglichkeits-\nform, in der die Bewegung sich gleichsam ihrer\nselbst bewusst wird, das heisst zur Form des\nBewusstseins gelangt. Diese kleinste Wahrneh-\nmungstatsache, dieses Wahrnehmungselement be-\nsteht, wenn man schärfer prüft, in Wirklichkeit\naus zwei Elementen, nämlich aus einem Ele-\nmente, das in unsere Vorstellung als „Einheit\"\ngewertet wird und aus einem anderen Elemente,\nvon dem wir wahrnehmen, dass es die Tendenz\nund Wesensrichtung hat, die „Einheit\" zu ver-\nnichten, das heisst aus einem Elemente, das\nwir als die Tatsache der Bewegung selbst per-\nzipieren und werten.\nDieses die „Einheit\" wieder zerstörende Ele-\nment der reinen Bewegung behält bei tieferer\nPrüfung schliesslich recht und zeigt uns jeden-\nfalls, verglichen und gemessen mit dem Einheits-\nelement, die Richtung, in der Das zu suchen ist,\nwas wir Wirklichkeit oder Realität nennen.\nDiese Doppelnatur des kleinsten Wahrneh-\nmungsmomentes, wie es auf allen Sinnesgebieten\nfestgestellt werden kann, giebt zwei grosse Grund-\nrichtungslinien der Erkenntnis überhaupt. Die\neine dieser beiden grossen Grundrichtungsbah-\nnen der Erkenntnis führt in die Scheinwelt al-\nler als Nichtbewegung oder „Nicht-Nur-Bewe-\ngung\" bekannten Dinge und Wahrnehmungstat-\nsachen (Substanz, Kraft etcetera), die andere in\ndie Wirklichkeitswelt der Bewegung selbst.\nDie ganze Welt des „Seins,\" die sich auf\nder Wahrnehmungstatsache der „Einheit\" auf-\nbaut — die „Vielheit\" ist kein Grundgegensatz\nzur „Einheit\", denn sie setzt diese als Element\nvoraus —, wird demnach zu einer Wirklichkeits-\nWelt zweiten Grades, der die „Bewegung\" als\nWirklichkeitswelt ersten Grades zu Grunde liegt.\nDas auf der kleinsten punktuellen Einheits-\nempfindung und Einheitsvorstellung basierende\nSystem unserer gesamten Wahrnehmungs- und\nErkenntnismöglichkeit, dieser ganze aus Bewe-\ngungstatsachen sich zusammensetzende „Seeden-\natomismus\" (Empfindungsatomismus) wurde dann\ngleichsam in die Natur objektiv hinein verlegt,\nin die Wirklichkeitswelt der „Bewegung\" selbst\nprojiziert. So wandelte sich durch eine unge-\nheure Urtäuschung der doch selbst nur schein-\nbare „Seelenatomismus\" in einen für „objektiv-\nreal\" geltenden „Substanzatomismus\" um, so ent-\nstand infolge grund-irrtümiicher Auslegung und\nDeutung von Wahrnehmungs- und Erkenntnis-\nvorgängen die ganze Scheinwelt der „Substanz\"\ndes „Seins\", des „Seienden\" und „Beharrlichen\"\nim Gegensatze zur Welt des „Werdens\" und\nder „Bewegung\", und wurde im Vergleich mit\ndieser als Welt höheren Realitätsgrades und grö-\nsseren Wirk!ichkeitswertes empfunden.\n\nIII\nAus der kleinsten nachweisbaren Wahrneh-\nmungstatsache, aus dem Element der kleinsten\npunktuellen Einheitsvorstellung lassen sich, wenn\nwir von der Bewegung als von der Grundwirk-\nlichkeitstatsache ausgehen, ohne Schwierigkeiten\nsämtliche Grundformen unserer menschlichen Er-\nkenntniswelt entwickeln.\nDas denkbar minimalste und schwächste\nMoment menschlicher Wahrnehmung, die aller-\nkleinste Einheits-Bewusstseinsform, sagen wir\nmeinetwegen einmal der „Empfindungspunkt\", das\n„Bewusstseinsatom\", die punktuellste Perzeption\neines „Sein\" oder eines „Seienden\" in jeder Form\nunserer Sinnestätigkeit, auf jedem Gebiet un-\nseres sinnlichen Wahnehmungsvermögens, be-\nsteht, wie wir feststellten, im Grunde aus zwei\nWahrnehmungselementen oder entsteht, besser ge-\nsagt, erst durch diese zwei Wahrnehmungsele-\nmente. Das eine dieser Elemente ist die Erzeu-\ngung des punktuellen Eindruckes, der funda-\nmentalsten und embryonalsten Empfindungs- und\nVorstellungstatsache, die von uns als „Einheit\"\nobjektiviert und gewertet wird und gleichsam die\nKeimform alles dessen, was wir überhaupt\n„Sein\" nennen, — bezeichnet. Das andere Element\nhat eine der Einheitsform entgegengesetzte Ten-\ndenz, einen der Einheit feindlichen Charakter,\nindem es uns von der „kleinsten Einheit\" zur\n„Vielheit\" und zu grösseren und höheren „Ein-\nheitsformen\" führt und auch diese wiederum ver-\nnichtet. Dieses Element ist uns bekannt als die\nTatsache die wir „Bewegung\" nennen. Taufen wir\ndas eine Element „Einheitselement\", das andere\n„Bewegungselement\". Beide sind für unsere\nmenschlichen Wahrnehmungsweise von einander\nuntrennbar, weil eben eines erst durch das an-\ndere für uns vorstellbar wird.\nDurch „Bewegung\" entsteht das „Einheits-\nelement\", das für uns die Grundlage, das Fun-\ndament unserer ganzen Erkenntnis- und Bewusst-\nseiriswelt bedeutet. Durch das Einheitselement\nnehmen wir überhaupt erst die „Bewegung selbst\"\nals solche wahr und „ahnen\", im Gegensatze zu\nihm, das Urwesen der „Bewegung\".\nDurch diese elementare Erkenntnisfunktion\ndes Einheitselementes kommt es, dass es uns\nvon grösserem Wirklichkeitswert und von hö-\nherer Wirklichkeitsbedeutung erscheint als das\nBewegungselement. Erst die tiefere Einsicht er-\nkennt in dem Bewegungselement die Urwirklich-\nkeit\nDie kleinste punktuelle Wahrnehmungstat-\nsache, das heisst also, wie wir bemerkten, das\n„Einheitselement\", verbunden mit dem „Bewe-\ngungselement\", ist nun der Keimpunkt, aus dem\nsich wiederum durch „Bewegung\", durch ge-\nwisse in dem Bewegungselemente enthaltene\nGrundrichtungspotenzen, Gestaltungs- und Grup-\npierungs-Tendenzen die grossen Urformen unse-\nrer gesamten Erkenntniswelt entwickeln.\nJe nachdem die Bewegungsvorgänge unserer\nWahrnehmungstätigkeit sich im Sinne und in der\nRichtung des Einheitselementes als solchen voll-\nziehen, soweit es uns nämlich als Gegen-\nsatz zur Bewegung, als Nichtbewegung, als\npunktuelle und beharrliche Grösse erscheint, oder\nim Sinne und in der Richtung des Bewegungs-\nelementes verlaufen, soweit es uns durch Ein-\nheitselement, das durch Summierung von klein-\nsten Einheitstatsachen, als „Bewegung selbst\",\nals „Bewegung an sich\" zum Bewusstsein\ngebracht wird, — je nachdem entstehen zwei\nHauptformen, zwei »Hauptgruppen oder, bes-\nser gesagt, Hauptgruppierungstendenzen unserer\nErkenntnis. Bezeichnen wir das Charakteristi-\nsche der einen Gruppe als „das Prinzip der\n(scheinbaren) Nichtbewegung\", oder kürzer als\n„das Prinzip der Substanz\", das der anderen\nGruppe als „das Prinzip der Bewegung selbst.\"\nInnerhalb der beiden grossen Erkenntnisge-\nbiete, wie sie durch diese beiden „Prinzipe\" cha-\nrakterisiert sind, gibt es wieder je zwei Haupt-\nund Grundformen der Wahrnehmung, die durch\ngewisse Grundrichtungsqualitäten und Richtungs-\nbeziehungen, sowie durch gewisse Geschwindig-\nkeitsverhältnisse und Geschwindigkeitsgrade ver-\nursacht werden. Diese je zwei Haupt- und\nGrundformen aller Wahrnehmung, diese je zwei\ngrossen Bewegungstatsachen und Bewegungs-\nbildungen resultieren aus zwei Hauptrichtungs-\nund Geschwindigfetsqualitäten, die wir als\n„Prinzip der Intensität\" und „Prinzip der Ex-\ntensität\" bezeichnen wollen.\nDas „Prinzip der Intensität\" ist im wesent-\nlichen bedingt durch ein gewisses konzentrato-\nrisches Grundrichtungselement, sowie durch eine\ngewisse Bewegungsgrösse (Geschwindigkeit), das\n„Prinzip der Extensität\" im wesentlichen durch\nein gewisses exzentratorisches „Grundrichtungs-\nelement\".\nHieraus ergeben sich vier Grundformen un-\nserer Erkenntnis.\n1 Das „Prinzip der Substanz\" (das heisst\ndas Prinzip der scheinbaren Nichtbewegung, das\n„Prinzip des Seins\") verbunden mit dem „Prin-\nzip der Intensität\" führt uns zur Wahrneh-\nmungstatsache: — Stoff (Dichtigkeit).\n2 Das „Prinzip der Substanz\" verbunden\nmit dem „Prinzip der Extensität\" (Ausdehnung)\nführt uns zu der Wahrnehmungstatsache: —\nRaum (Räumlichkeit).\n3 Das „Prinzip der Bewegung selbst\" (das\nheisst das „Prinzip der als Bewegung\" wahrgenom-\nmenen Bewegung, Prinzip des „Werden\") ver-\nbunden mit dem „Prinzip der Intensität\" führt\nuns zu der Wahrnehmungstatsache: — Kraft\n(Stärke).\n4 Das „Prinzip der Bewegung selbst\", ver-\nbunden mit dem Prinzip der Extensität\" führt\nuns zu der Wahrnehmungstatsache: — Zeit\n(Flucht).\n„Stoff\" und „Kraft\", sowie „Raum\" und\n„Zeit\" sind also je zwei nach den Prinzipen der\n„Intensität\" und „Extensität\" korrespondierende\nW ahrnehmungs werte.\nFür dieses Schema unserer vier Grunder-\nkennnisformen beanspruche ich nicht den Glau-\nben unbestreitbarer Richtigkeit. 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Unter „Ursache\" ver-\nsteht man in erster Linie die „bedingende oder\nerzeugende Vortatsache einer Bewegung\", den\ninneren Zusammenhang zwischen zwei aufein-\nanderfolgenden Wahrnehmungen mit Betonung\nder Funktion der zeitlich vorhergehenden Wahr-\nnehmung oder Tatsache. Weiss man einmal,\ndass „Bewegung\" das Wirklichkeitselement an\nsich, die Urtatsache, die Tatsache aller Tatsachen\nist, dann hat man nicht mehr nötig, nach „Ur-\nsachen\" und „Gründen\" zu forschen. Sondern\nnur nach „Zusammenhängen\" und „Beziehungen\",\nvon denen alle Elemente aus der ungeheuren\nPerspektive der grossen „Bewegungserkenntnis\"\nbetrachtet, gleichwertig sind in ihren Abhängig-\nkeitsgraden, ihrem „Bedingen\" und ihrem „Be-\ndingtsein\"."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "621", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.3", "debut_caractere": 7306, "fin_caractere_exclue": 9815, "texte": "IV\nDer gewöhnliche Verstand sieht das Wesen\nder Bewegung in der Ortsveränderung und zieht\ndaraus den Schluss, dass die Vorstellung der\nBewegung, die Vorstellung des Raumes voraus-\nsetzt. Abgesehen nun davon, dass der Begriff\nOrts Veränderung schon eine Bewegungsvorstel-\nlung enthält, nämlich die Vorstellung der Ver-\nänderung — jede Veränderung ist ein Bewe-\ngungsvorgang — müssen wir uns darüber\nvollständig klar werden, dass die Ortsverände-\nrung rein als solche überhaupt erst durch Be-\nwegungsvorgänge konstatiert und uns zu Be-\nwusstsein gebracht wird, sei es, dass wir die\nBewegung selbst objektiv wahrnehmen, als Auf-\nlösungs- und Verbindungstatsache von Einheits-\nwerten, sei es, dass die Örtsveränderung, das\nheisst in weiterem Sinne jede räumliche Diffe-\nrenz, jede räumliche Differenzierung, nur durch\nBewegungsvorgänge unserer Vorstellungstätigkeit\nfestgestellt wird und gleichsam also erst durch\n„Bewegung\" für unser Bewusstsein entsteht.\nZweitens aber erkennen wir die „Bewegung\"\nin reinen Zeitvorstellungen, in der Form der\nZeit, wo wir sie wahrnehmen, ohne dazu der\ngeringsten Raumvorstellung, der geringsten räum-\nlichen Vorstellungsweise überhaupt zu bedürfen,\nohne irgend welche Ortsveränderung vorauszu-\nsetzen.\nWenn man beweisen will, dass „Zeit\" ohne\n„Bewegung\" denkbar ist, und zur poetischen\nVeranschaulichung der Sache das Märchen von\n„Dornröschen\" anführt, wenn man sich ausmalt,\ndass plötzlich mit einmal alle Bewegung auf-\nhört und sich der Dornröschenschlaf auf die\nganze Welt erstreckt, wenn man dann behauptet,\ndass dieser Zustand vollständiger Bewegungs-\nlosigkeit, vollkommener Ruhe als beliebige Zeit\nlang andauernd vorstellbar ist, dass also jeder\nbeliebige Zeitraum mit gänzlicher Uebergehung\nder Bewegungstatsache gedacht und gemessen\nwerden kann, so vergisst man dabei nur eins,\n— nämlich, dass diese scheinbar bewegungs-\nlose Zeit erst durch unsere Vorstellungstätigkeit,\nfolglich durch „Bewegung\" erzeugt wird. Dass\nwir diesen Zeitraum scheinbarer Welterstarrung\njedenfalls in Gedanken durchlaufen, durchlaufen\nmüssen, damit er überhaupt Bewusstseinstatsache\nwird, dass wir ihn demnach gleichsam mit den\nsubjektiven Bewegungsformen \"unseres Vorstel-\nlungsganges ausfüllen und ausmessen, das heisst\ndurch Vorstellungsbewegung überhaupt erst schaf-\nfen. —\nAus allen diesen Betrachtungen folgt, dass\nwir jedenfalls ein Bewegungsgefühl, ein Wissen\num Bewegung besitzen, das von der Tatsache\nder Ortsveränderung, von jeder räumlichen Vor-\nstellung überhaupt unabhängig ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "620", "page_fin": "620", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.3.1", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "620", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.2", "debut_caractere": 75, "fin_caractere_exclue": 335, "texte": "Zweites Buch\nI\nAlte Welt\nFrage: Was bewegt sich?\nAntwort: Eine „Substanz\".\nNeue Welt\nFrage: Was bewegt sich?\nAntwort: „Bewegung\".\nAlte Welt\nFrage: Was ist „Bewegung\"?\nAntwort: Ein „Zustand\" der „Substanz\".\nNeue Welt\nFrage: Was ist „Bewegung\"?\nAntwort: „Alles.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "620", "page_fin": "620", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.3.2", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "620", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.2", "debut_caractere": 337, "fin_caractere_exclue": 3724, "texte": "II\nDie Tatsache der Bewegung kommt uns nur\ndurch deren scheinbaren Gegensatz, das heisst\ndurch scheinbare Nichtbewegung — das ist Be-\nwegung mit der Geschwindigkeit = o = Ruhe\n— zum Bewusstsein.\nDie Bewegungsvorgänge — denn um solche\nhandelt es sich selbstverständlich auch hier wie-\nder — nehmen sich im Schema unserer mensch-\nlichen Vorstellungsweise so aus:\nEs gibt eine kleinste Wahrnehmungstatsache,\ndie uns als Vorstellungswert der „Einheit\" be-\nkannt ist. Dieses kleinste punktuelle wiederum\nnur durch Bewegung erzeugte Bewegungsmo-\nment ist der Keim oder der Keimvorgang, ist\ndas Element aller Wahrnehmungstatsächlichkeit\nund Wahrnehmungsmöglichkeit überhaupt. Die\nBewegung konstatiert da gleichsam durch ihren\nScheingegensatz, dass heisst durch scheinbare\nNichtbewegung sich selbst und zugleich diesen\nScheingegensatz. — Es ist dies die Möglichkeits-\nform, in der die Bewegung sich gleichsam ihrer\nselbst bewusst wird, das heisst zur Form des\nBewusstseins gelangt. Diese kleinste Wahrneh-\nmungstatsache, dieses Wahrnehmungselement be-\nsteht, wenn man schärfer prüft, in Wirklichkeit\naus zwei Elementen, nämlich aus einem Ele-\nmente, das in unsere Vorstellung als „Einheit\"\ngewertet wird und aus einem anderen Elemente,\nvon dem wir wahrnehmen, dass es die Tendenz\nund Wesensrichtung hat, die „Einheit\" zu ver-\nnichten, das heisst aus einem Elemente, das\nwir als die Tatsache der Bewegung selbst per-\nzipieren und werten.\nDieses die „Einheit\" wieder zerstörende Ele-\nment der reinen Bewegung behält bei tieferer\nPrüfung schliesslich recht und zeigt uns jeden-\nfalls, verglichen und gemessen mit dem Einheits-\nelement, die Richtung, in der Das zu suchen ist,\nwas wir Wirklichkeit oder Realität nennen.\nDiese Doppelnatur des kleinsten Wahrneh-\nmungsmomentes, wie es auf allen Sinnesgebieten\nfestgestellt werden kann, giebt zwei grosse Grund-\nrichtungslinien der Erkenntnis überhaupt. Die\neine dieser beiden grossen Grundrichtungsbah-\nnen der Erkenntnis führt in die Scheinwelt al-\nler als Nichtbewegung oder „Nicht-Nur-Bewe-\ngung\" bekannten Dinge und Wahrnehmungstat-\nsachen (Substanz, Kraft etcetera), die andere in\ndie Wirklichkeitswelt der Bewegung selbst.\nDie ganze Welt des „Seins,\" die sich auf\nder Wahrnehmungstatsache der „Einheit\" auf-\nbaut — die „Vielheit\" ist kein Grundgegensatz\nzur „Einheit\", denn sie setzt diese als Element\nvoraus —, wird demnach zu einer Wirklichkeits-\nWelt zweiten Grades, der die „Bewegung\" als\nWirklichkeitswelt ersten Grades zu Grunde liegt.\nDas auf der kleinsten punktuellen Einheits-\nempfindung und Einheitsvorstellung basierende\nSystem unserer gesamten Wahrnehmungs- und\nErkenntnismöglichkeit, dieser ganze aus Bewe-\ngungstatsachen sich zusammensetzende „Seeden-\natomismus\" (Empfindungsatomismus) wurde dann\ngleichsam in die Natur objektiv hinein verlegt,\nin die Wirklichkeitswelt der „Bewegung\" selbst\nprojiziert. So wandelte sich durch eine unge-\nheure Urtäuschung der doch selbst nur schein-\nbare „Seelenatomismus\" in einen für „objektiv-\nreal\" geltenden „Substanzatomismus\" um, so ent-\nstand infolge grund-irrtümiicher Auslegung und\nDeutung von Wahrnehmungs- und Erkenntnis-\nvorgängen die ganze Scheinwelt der „Substanz\"\ndes „Seins\", des „Seienden\" und „Beharrlichen\"\nim Gegensatze zur Welt des „Werdens\" und\nder „Bewegung\", und wurde im Vergleich mit\ndieser als Welt höheren Realitätsgrades und grö-\nsseren Wirk!ichkeitswertes empfunden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "620", "page_fin": "621", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.3.3", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "620", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.2", "debut_caractere": 3726, "fin_caractere_exclue": 9346, "texte": "III\nAus der kleinsten nachweisbaren Wahrneh-\nmungstatsache, aus dem Element der kleinsten\npunktuellen Einheitsvorstellung lassen sich, wenn\nwir von der Bewegung als von der Grundwirk-\nlichkeitstatsache ausgehen, ohne Schwierigkeiten\nsämtliche Grundformen unserer menschlichen Er-\nkenntniswelt entwickeln.\nDas denkbar minimalste und schwächste\nMoment menschlicher Wahrnehmung, die aller-\nkleinste Einheits-Bewusstseinsform, sagen wir\nmeinetwegen einmal der „Empfindungspunkt\", das\n„Bewusstseinsatom\", die punktuellste Perzeption\neines „Sein\" oder eines „Seienden\" in jeder Form\nunserer Sinnestätigkeit, auf jedem Gebiet un-\nseres sinnlichen Wahnehmungsvermögens, be-\nsteht, wie wir feststellten, im Grunde aus zwei\nWahrnehmungselementen oder entsteht, besser ge-\nsagt, erst durch diese zwei Wahrnehmungsele-\nmente. Das eine dieser Elemente ist die Erzeu-\ngung des punktuellen Eindruckes, der funda-\nmentalsten und embryonalsten Empfindungs- und\nVorstellungstatsache, die von uns als „Einheit\"\nobjektiviert und gewertet wird und gleichsam die\nKeimform alles dessen, was wir überhaupt\n„Sein\" nennen, — bezeichnet. Das andere Element\nhat eine der Einheitsform entgegengesetzte Ten-\ndenz, einen der Einheit feindlichen Charakter,\nindem es uns von der „kleinsten Einheit\" zur\n„Vielheit\" und zu grösseren und höheren „Ein-\nheitsformen\" führt und auch diese wiederum ver-\nnichtet. Dieses Element ist uns bekannt als die\nTatsache die wir „Bewegung\" nennen. Taufen wir\ndas eine Element „Einheitselement\", das andere\n„Bewegungselement\". Beide sind für unsere\nmenschlichen Wahrnehmungsweise von einander\nuntrennbar, weil eben eines erst durch das an-\ndere für uns vorstellbar wird.\nDurch „Bewegung\" entsteht das „Einheits-\nelement\", das für uns die Grundlage, das Fun-\ndament unserer ganzen Erkenntnis- und Bewusst-\nseiriswelt bedeutet. Durch das Einheitselement\nnehmen wir überhaupt erst die „Bewegung selbst\"\nals solche wahr und „ahnen\", im Gegensatze zu\nihm, das Urwesen der „Bewegung\".\nDurch diese elementare Erkenntnisfunktion\ndes Einheitselementes kommt es, dass es uns\nvon grösserem Wirklichkeitswert und von hö-\nherer Wirklichkeitsbedeutung erscheint als das\nBewegungselement. Erst die tiefere Einsicht er-\nkennt in dem Bewegungselement die Urwirklich-\nkeit\nDie kleinste punktuelle Wahrnehmungstat-\nsache, das heisst also, wie wir bemerkten, das\n„Einheitselement\", verbunden mit dem „Bewe-\ngungselement\", ist nun der Keimpunkt, aus dem\nsich wiederum durch „Bewegung\", durch ge-\nwisse in dem Bewegungselemente enthaltene\nGrundrichtungspotenzen, Gestaltungs- und Grup-\npierungs-Tendenzen die grossen Urformen unse-\nrer gesamten Erkenntniswelt entwickeln.\nJe nachdem die Bewegungsvorgänge unserer\nWahrnehmungstätigkeit sich im Sinne und in der\nRichtung des Einheitselementes als solchen voll-\nziehen, soweit es uns nämlich als Gegen-\nsatz zur Bewegung, als Nichtbewegung, als\npunktuelle und beharrliche Grösse erscheint, oder\nim Sinne und in der Richtung des Bewegungs-\nelementes verlaufen, soweit es uns durch Ein-\nheitselement, das durch Summierung von klein-\nsten Einheitstatsachen, als „Bewegung selbst\",\nals „Bewegung an sich\" zum Bewusstsein\ngebracht wird, — je nachdem entstehen zwei\nHauptformen, zwei »Hauptgruppen oder, bes-\nser gesagt, Hauptgruppierungstendenzen unserer\nErkenntnis. Bezeichnen wir das Charakteristi-\nsche der einen Gruppe als „das Prinzip der\n(scheinbaren) Nichtbewegung\", oder kürzer als\n„das Prinzip der Substanz\", das der anderen\nGruppe als „das Prinzip der Bewegung selbst.\"\nInnerhalb der beiden grossen Erkenntnisge-\nbiete, wie sie durch diese beiden „Prinzipe\" cha-\nrakterisiert sind, gibt es wieder je zwei Haupt-\nund Grundformen der Wahrnehmung, die durch\ngewisse Grundrichtungsqualitäten und Richtungs-\nbeziehungen, sowie durch gewisse Geschwindig-\nkeitsverhältnisse und Geschwindigkeitsgrade ver-\nursacht werden. Diese je zwei Haupt- und\nGrundformen aller Wahrnehmung, diese je zwei\ngrossen Bewegungstatsachen und Bewegungs-\nbildungen resultieren aus zwei Hauptrichtungs-\nund Geschwindigfetsqualitäten, die wir als\n„Prinzip der Intensität\" und „Prinzip der Ex-\ntensität\" bezeichnen wollen.\nDas „Prinzip der Intensität\" ist im wesent-\nlichen bedingt durch ein gewisses konzentrato-\nrisches Grundrichtungselement, sowie durch eine\ngewisse Bewegungsgrösse (Geschwindigkeit), das\n„Prinzip der Extensität\" im wesentlichen durch\nein gewisses exzentratorisches „Grundrichtungs-\nelement\".\nHieraus ergeben sich vier Grundformen un-\nserer Erkenntnis.\n1 Das „Prinzip der Substanz\" (das heisst\ndas Prinzip der scheinbaren Nichtbewegung, das\n„Prinzip des Seins\") verbunden mit dem „Prin-\nzip der Intensität\" führt uns zur Wahrneh-\nmungstatsache: — Stoff (Dichtigkeit).\n2 Das „Prinzip der Substanz\" verbunden\nmit dem „Prinzip der Extensität\" (Ausdehnung)\nführt uns zu der Wahrnehmungstatsache: —\nRaum (Räumlichkeit).\n3 Das „Prinzip der Bewegung selbst\" (das\nheisst das „Prinzip der als Bewegung\" wahrgenom-\nmenen Bewegung, Prinzip des „Werden\") ver-\nbunden mit dem „Prinzip der Intensität\" führt\nuns zu der Wahrnehmungstatsache: — Kraft\n(Stärke).\n4 Das „Prinzip der Bewegung selbst\", ver-\nbunden mit dem Prinzip der Extensität\" führt\nuns zu der Wahrnehmungstatsache: — Zeit\n(Flucht).\n„Stoff\" und „Kraft\", sowie „Raum\" und\n„Zeit\" sind also je zwei nach den Prinzipen der\n„Intensität\" und „Extensität\" korrespondierende\nW ahrnehmungs werte.\nFür dieses Schema unserer vier Grunder-\nkennnisformen beanspruche ich nicht den Glau-\nben unbestreitbarer Richtigkeit. 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Da hörte sie eines Mor-\ngens, als sie sich zum Tennisspiel ankleidete,\neinen furchtbaren Schrei aus dem Nebenzimmer.\nConverdon stand in blossen Hemdsärmeln auf-\nrecht mitten im Zimmer, in der rechten Hand\neinen zerknitterten Brief. Er streckte die Arme\nnach der Decke, schrie gell Merys Namen, stürz-\nte auf den Teppich nieder. Sie hob seinen hei-\nssen Kopf, er stammelte: „Es ist aus mit mir\".\nDann, als er sich beruhigt hatte, sagte er, sie\nmöchte ihn allein lassen, er hätte einen Nerven-\nanfall gehabt. In dem zerkniiterten Brief stand:\n„Sehr geehrter Herr Doktor, Ihre Frau ist sehr\nschön. Ich werde mich um sie bemühen. Es\nist Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, ebenso\nsicher wie mir selbst, dass ich ihre Frau ge-\nwinnen werde. Es wird mir schwierig ja un-\nmöglich sein, meine Bemühungen um Ihre Frau\ndurchzuführen, ohne dass Sie es merkten. Ich\nbitte Sie daher, erstens Kenntnis von meinem\nPlan zu nehmen; zweitens, angesichts des zwei-\nfellosen Resultats, keine Schwierigkeiten zu ma-\nchen. Ihnen selbst, sehr geehrter Herr Doktor,\nempfehle ich, gedrängt von einem grossen Wohl-\nwollen für Sie, sich am fünfundzwanzigsten die-\nses Monats im Charlespark mit genauer An-\ngabe der Motive umzubringen. D. S. Ich be-\nsitze ein Automobil und stelle Ihnen den Wagen\nzur Benutzung bei der Regelung Ihrer Ange-\nlegenheiten zur Verfügung.\nPaul Wheatstren,\nParterregymnastiker.\"\nDr. Converdon antwortete nach einer knap-\npen Stunde Herrn Paul Wheatstren, Parterre-\ngymnastiker. Er bestätigte den Empfang des\nfreundlichen Briefes vom heutigen, dankte für\ndie gütige Festsetzung des Todes, bat um um-\ngehende Zusendung des Automobils, das er sach-\ngemäss in Stand halten werde.\nDie erste Fahrt, die Dr. Converdon mit dem\nWagen machte, war hinaus auf die Landvilla\ndes Akrobaten, um mit ihm zu verabreden, dass\nvon den kommenden Geschehnissen nichts zu\nOhren Merrys gelange. Wheatstren empfing ihn,\nein untersetzter breitschultriger Mann mit vier-\neckigem gerottetem Gesicht, Ende dreissig, ge-\nwöhnliche Züge, aber klare ruhige Augen. Er\nschüttelte dem Doktor lachend die Hand, er-\nklärte ihm, wie er sich freue, seine schöne Frau\nkennen gelernt zu haben, und ihren ehrenwerten\nGarten.\nEr hoffe mit Frau Mery glückliche Stun-\nden zu verleben. Sie setzen sich nun bei einem Glas\nWein hin. Wheatstren versäumte nicht nachdem\nersten Glase schonend zu bemerken, dass an dem\nbaldigen Ableben seines Gastes die Dame nicht\nschuld sei, und er auch nicht; vielmehr ergäbe\nsich das Ableben von selbst bei der Sachlage,\nund so wäre es auch vernünftig, den Selbst-\nmord am fünfundzwanzigsten in voller Oeffent-\nlichkeit, wie jede andere schickliche Handlung\nzu vollziehen. Dr. Converdon trat bei dem zwei-\nten Glase mit gezogenem Revoler auf seinen er-\nstaunten Wirt zu und besprach mit ihm die\nMöglichkeit, ihm selbst eine Kugel in das rechte\nAuge zu schiessen und zwar jetzt gleich; dies\nsei vorteilhaft darum, weil jener keine Waffe\ntrüge und er auf seinen Browning gut einge-\nschossen sei. Der andere bestätigte ohne Ueber-\nlegung die Möglichkeit eines solchen Verlaufs,\nfügte aber mit überlegenem Lächeln hinzu, ohne\nsich auf seinem Sessel zu rühren, dass an der\nSachlage dadurch nichts geändert wurde. Es\nwürde dann im nächsten Monat ein anderer\nMann Frau Mery schön finden und Herrn Dr.\nConverdon davon benachrichtigen. Mit einem,\nvorwurfsvollen Blick ging Herr Wheatstren auf\nden Arzt zu, der beschämt den Revolver sinken\nliess. Er hätte Herrn Converdon geschrieben,\nweil er ihn für einen vernünftigen Mann hielte;\nes sei doch wirklich nicht ihre Sache, den Ein-\ntritt notwendiger Ereignisse zu verzögern. Er\nnahm gutmütig lachend dem Arzt den Revolver\nab, klopfte ihm auf die Schulter; sie tranken\nnachdenklich weiter.\nZu Hause warf sich Herr Dr. Converdon in\nFrack, setzte einen Cylinder auf und fuhr in die\nKirche. Er hörte aufmerksam die Predigten an,\nliess sich am Schluss des Gottesdienstes beim\nPfarrer anmelden. Diesem erklärte er den Sach-\nverhalt, indem er sich auf einen Stuhl an der\nTüre setzte, stellte ihm die Frage: ob er als\nSeelenkenner glaube, dass sich das Motiv des\nam fünfundzwanzigsten statthabenden Selbstmor-\ndes beheben lasse. Er sei Frauenarzt und da-\nher mit Psychologie nicht vertraut. Der Pfar-\nrer, ein junger, tiefernster Mann mit einem Je-\nsuitengesicht durchsprach mit ihm aufmerksam\ndie Angelegenheit. Er explizierte am Schluss:\nEs sei, wie man wenigstens seitens der Psycho-\nlogie sagen könne, ein gewisses Dunkel und eine\nBorniertheit in dem Arzt vorhanden, diese, eine\nangeborene Eigenschaft, durch Erziehung und\nLebensweise gepflegt, sei kaum mehr zu beheben.\nDie Situation sei erfreulich für die Frau Mery;\nihn könne man nur trösten mit dem Hinweis\nauf die Belanglosigkeit seiner Existenz.\nDamit war der beliebte Frauenarzt ganz ins\nKlare gekommen. Er hatte noch zwei Wochen zu\nleben. In diesen folgenden Tagen kam nun, als\ner sich die Situation klar überlegte, eine\nvöllig unbekannte Ruhe über ihn. Er ging mit\neinem Gefühl der Freude einher, dass jedem der\nGlanz seiner Augen auffiel. Mit einer tiefen\nDankbarkeit behandelte er insbesondere seine jun-\nge Frau, fuhr in dem Automobil mit ihr spa-\nzieren ins Grüne, war ihr wirklich innig zu-\ngetan in dieser Zeit. Sie hatte ihm diese schö-\nnen hoffnungsvollen Tage beschert; über ein\npaar Tage war er wieder allein. Wie ein-\nfach sich alle seelischen Lächerlichkeiten lö-\nsen lassen durch eine mechanische Bewegung,\ngemäss, den guten Rat dieses Parterregymnasti-\nkers Paul Wheatstren. Täglich besuchte er mit\nFrau Mery die Varietevorstellungen, in denen der\ntreffliche Mann auftrat, wurde nicht müde, seine\nGelenkigkeit zu loben, kaufte sich sein Bild und\nstellte es in seinem Schlafzimmer an sein Bett.\nZwei Tage vor seinem Ableben besuchte er noch\nalle Bekannte der nächsten Umgebung und teil-\nte ihnen seinen Plan mit, er ging in den Kauf-\nmannsladen, in den Gemüsekeller, in die Bu-\ndike. Er setzte hinzu, dass er angesichts das\nVergnügens, sie zu verlassen, ihnen Legate in\nForm von je tausend Dollars aussetze; er wer-\nde ihnen auch eine Stunde vor seinem Verschei-\nden Telegramme mit den besten Segenswünschen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "622", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2904, "texte": "schicken. Er beobachtete, dass diese Erklärung\nallseitig beifälliges Erstaunen hervorrief und dass\nman ihm dankbar die Hände küsste.\nAm vierundzwanzigsten dekretierte er schrift-\nlich, dass man ihn sorgfältig sezieren möchte.\nAm fünfundzwanzigsten morgens trennte er sich\nvon seiner schönen Frau in unbändiger Freu-\nde; der ernste kahlköpfige Arzt tanzte im Frack\num sie herum, küsste sie und fand kein Ende\nmit ihr zu lachen. Gegen zehn Uhr setzte er\nsich in das Automobil, gab die Telegramme auf,\nfuhr nach dem Charlespark, liess den Wagen am\nEingang des Parkes warten, nachdem er einen\nZettel hinterlassen hatte mit der Nachricht seines\num halb elf stattfindenden Todes. Mitten im Ge-\nbüsch stehend bemerkte er, dass er in seiner\nFreude den Revolver zu Hause gelassen hatte\nund hängte sich daher nicht ohne Schwierigkeit\nan seinem Schlips auf.\nDie Autopsie des Verstorbenen war völlig\nergebnislos.\nAm Abend der am sechsundzwanzigsten\nvorgenommenen Leichenschau besuchte Herr\nWheatstren die Wittwe, teilte ihr mit, dass\ner, wie sie wisse, ein Freund des Verblichenen\nsei. Er wolle keine grossen Reden führen, son-\ndern ihr nur mitteilen, dass er einige glückliche\nStunden mit ihr zu verleben gedenke. Er bitte\nsie, das Gedächtnis des Verblichenen zu ehren,\ndenn nur in Rücksicht auf ihr gemeinsames\nGlück habe er sich am fünfundzwanzigsten an\nseinem Schlips aufgehängt. Die gebrochene blon-\nde Frau vergoss reichlich Tränen, sagte sie er-\nkenne Dr. Converdon daran; er sei immer so\ngütig gegen sie gewesen. Es käme ihr zwar al-\nles so rasch, aber das Leben sei wohl so. Sie\nfuhr mit ihm in dem Automobil in seine Land-\nvilla und verlebte ihrerseits mit ihm glückliche\nStunden. Er seinerseits fühlte sich bald abgesto-\nßen durch die Routine der sanften blauäugigen\nDame in den Vergnügungen des Genusses; er\nhatte gehofft, ihr selbst diese beizubringen. So\nübernahm er dann nach einer Woche die Ver-\nwaltung ihres Vermögens, fluchte aui die Heim-\ntücke des Dr. Converdon und fragte sie nach\nihrer Herkunft. Als der Parterregvmnastiker er-\nfuhr, dass sie zuerst als Sekretärin bei Dr. Con-\nverdon beschäftigt war, bemerkte er, dass er\nkeine Sekretärin brauche, — er wisse als Akro-\nbat wenigstens nicht, wozu. — Er werde ihr\nVermögen weiter gewissenhaft verwalten, ihr ei-\nnen ausreichenden Zinsgemäss gewähren, aber\nsie scheine ihrer ganzen Anlage nach nicht für\neinen einzelnen Mann, wie ihn, geschaffen, auch\nwiesen die bezeigten Talente darauf hin. Und so\nempfahl er ihr dringend, ihre Begabung zu ver-\nwerten; auch das grösste Kapital würde schliess-\nlich aufgezehrt. Sie verschloss sich seiner Dar-\nlegungen nicht. Und Herr Wheatstren führte die\njunge blonde Dame, die er auch heiratete, bald\naus, auf die Rennplätze, in die Theater; behan-\ndelte sie roh und mit Berechnung. Sie aber\npries ihn auf Schritt und Tritt, weil er ihr das\nHöchste bot was es auf Erden gäbe, nämlich\nerhebliche Abwechslung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "622", "page_fin": "622", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.5", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen : Liebe Jungens", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen : Liebe Jungens", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "622", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.4", "debut_caractere": 2906, "fin_caractere_exclue": 9479, "texte": "Briefe nach Norwegen\nLiebe Jungens\nVon Else Lasker-Schüler\nRat nur, die beiden waren gar nicht mehr\nda, als ich um zwölf Uhr lebendig ins Cafe\nkam, aber Dein Freund der Doktor sass und\nsang für sich, manchmal so laut, er vergass schier\nden Ort. Seine Stimme ist mythenhaft, olym-\npisch, auch Krater raucht darin und dröhnen\nkann sie wie Zeuswort. Dass wir beide uns\nböse sind, ist direkt unkünstlerisch.\nWisst Ihr, wer heute in aller Früh ange-\nklingelt hat — Fridolin Guhlke. Er habe sich\nverliebt, er habe seine erste Liebe getroffen; da-\nmals sei sie dreizehn gewesen vor drei Jahren.\nUnd er zeche nicht mehr, seine Flamme trüge\neinen Heiligenschein um den Kopf. Auch ins\nCafe käme er nicht mehr, ich sollt ihm dieselbe\nAskese versprechen. Heimlich halten wir alle\ndas Cafe für den Teufel, aber ohne den Teufel\nist doch nun mal nichts. Ich bin neugierig,\nwie lange der Guhlke es ohne Teufel aushält.\nManchmal gehts ja dort auch etwas zu heiss\nher, wenn einen so eine aufgetakelte Plebejerin\nanranzt, man soll ihr aus dem Weg gehn, ihr\nVollmond könnt nicht vorbei mit dem Spitzen-\nüberwurf. Ich wollt ihr eine Backpfeife geben,\nals sie auch schon oben aus dem Billardraum\nihren Mann holte, der in Begleitung von gali-\nzischen Saduzäern und Chaldäern sich mir nä-\nherte. Aber ich verhielt mich stumm; hasse es,\nmich mit lauten schreienden Weibern einzu-\nlassen. Nach einiger Zeit, kamen dann zwei\nPolizisten, mich zu vernehmen. Aber Richard\nversteckte mich zwischen den Zeitungen, das\nbleibt jetzt mein Fach. Dann kam unser\nDirektor W., er hätte gerne die Scene gesehn.\nIch entschädigte ihn. Er kannte wirklich\nnoch nicht die Schauspieler im egyptischen\nLunapark. Gerade trabte das Dromedar am\ngrossen Fenster des Cafes vorbei, es kam\nvom Tierarzt, es leidet an seinen Mägen. Ich\nsehne mich nach Hassan, er war es nicht, der\nHochzeit hatte. Was mir noch einfällt, Kurt-\nchen, Herwarth hat seine Taschentücher ver-\ngessen, leihe ihm von Deinen. Du kriegst sie\ngewaschen zurück. Es ist vier Uhr, es ist\nnoch ganz hell. Direktor W. fährt in einem\nWagen unserer kleinen Karawane voraus.\nLieber Herwarth und liebes Kurtchen, bleibt\nnoch so lange wie es Euch gefällt, ich freue\nmich ja so, dass Ihr Euch schon erholt habt,\nauch über Eure schönen, interessanten Ansichts-\npostkarten. Wie vornehm ist Ibsens Grabmal\ngehalten, eine Säule in der Sprache der Hiero-\nglyphen, eine nordische Pyramide. Gestern zeig-\nte mir der Erzbischof auch mein Denkmal. Der\nindische Turm des Lunaparks müsste einmal\nauf meinem Leibe stehn. Es überkam mich ein\nGrauen, aber zu gleicher Zeit senkte ich erha-\nben den Kopf vor der mir angetanenen Ehre.\nDer Bischof ist der Gärtner des Worts, er spricht\nmit einer gleichmässigen Ruhe, die mir wohltut.\nEr behauptet zwar, er spräche nur mit mir so\ngleichmässig und vorsichtig, und ich weiss nicht,\nob er mich für eine zarte Pflanzenart oder für\neinen Tiger hält. Als wir am Abend den Sla-\nwen begegneten, ging er an uns vorbei; er spielt\naltmodisch den Erhabenen, er ist eben ältlich\nim jugendlichen Alter. Wenn man ältlich ist,\nkann man keine Jahreszeit des Herzens erleben,\nselbst den Winter nicht, ebenso wie der kindi-\nsche nichts vom Frühling weiss. O, und alles\nbedeutet der Wandel im Menschen; der Bischof\nund ich, wir spielen augenblicklich Lenz. Peter\nBaum giebt mir auch vollständig recht, er sei\nnur zu faul zum Wandel. Er lässt Euch grü-\nssen, sein Roman aus der Rokokozeit sei fast\nfertig, vor einem halben Jahr war er beinah\nfertig. Lebt wohl, liebe Kameraden.\nCajus-Majus, der Cäsar, setzte sich geheim-\nnisvoll an meinen Tisch, als sich Peter Baum\nfür einen Augenblick entfernte, Cajus möchte\nmich etwas fragen. Ich möchte Sie etwas fra-\ngen, Else Lasker-Schüler, passen Sie mal auf!1\nEs handelt sich um meine literarische, wie um\nmeine materielle Zukunft. Würde es mir Herr\nWaiden übel nehmen, falls ich bei Capuletti in\nFlorenz in den Verlag einträte? Kraus ist ja\nerhaben über dergleichen, aber Waiden hat zur\nZeit Herrn D. schon einmal bei einer solchen\nGelegenheit die Alternative gestellt. Ich habe ihm\ngeantwortet, Herwarth, dass er meine Stellung\nzu Dir überschätze. Ich wäre noch nicht mal\nals Laufbursche unten im Bureau\nich bewürbe mich aber um den Sekretariatspo-\nsten und würde seine Angelegenheit zur Sprache\nbringen. Bin ich nun so dumm? Offen gestan-\nden, ich mag Cajus-Majus schrecklich gern lei-\nden, er ist ein drolliger, erwachsener Pausbak-\nkenengel, ein frommgewordener Bacchant im\nBacchantenzug; sein Humor hat sich frisch er-\nhalten, aber statt der Trauben trägt er einen\nweissen Kragen um den Hals. Was sich doch\ndie Menschen verändern, was die Literatur aus\neinem Menschen macht. Aber allen Ernstes,\nHerwarth, wirst Du es ihm übel nehmen? Eins\nwill ich Dir sagen, druckst Du nichts mehr von\nihm, schreib ich nicht eine Bohne mehr. Die\neinzigen Sachen, die mir Vergnügen machen,\nsind Cajus-Majus Sachen. Als Peter Baum\nwieder an unseren Tisch trat, kamen durch\ndie Cafehaustüre die Signorina Marie und\ndie Margret. Ich sagte, die Margret sieht heu-\nte aus wie ein Glühwürmchen, und Peter Baum\nschnappte danach. Aber Cajus-Majus schwamm\nweiter durch die literarische Seligkeit wie ein\nWallfisch. Aus seinem Kopf floss über Kreuz\nein Springbrunn. Wir gingen zeitig nach Haus,\nHerwarth, auf Ehrenwort! Wieder ist ein Brief\nvom Dalai Lama aus Wien gekommen, ich habe\nihn zu den anderen Briefen und Karten und\nDrucksachen in deine fife o clock Hose gesteckt.\nLieber Cook und lieber Peary, ich muss\nEuch ein Geheimnis anvertrauen: Gestern in der\nNacht, der Himmel war eine Mischung von tau-\nbenblau und stern, gingen der Bischof und ich\nin eine kleine Kneipe in die Mommsenstrasse.\nAber ich hatte kein Geld mehr bei mir, als ge-\nrade noch für ein Glass Wasser, das Trinkgeld\nkostet. Der Bischof verträgt aber wahnsinnig\nviel Alkohol; er wollte durchaus Burgunder\ntrinken, weissen Burgunder. Er beteuerte mir,\ndass durch sein Herz weisser Burgunder strö-\nme, er wollte mich, durch die Blume des Weins,\nvon seiner reinen Liebe verständigen. Aber ich\nsagte ihm, ich hätte kein Geld. Und er war\nsehr niedergeschlagen, dass ich von ihm\nnichts annehmen wollte. Meint Ihr, ich hätte\nmit ihm den Burgunder trinken sollen?\nOder Goldwasser? Ich will Euch offen sa-\ngen, wir haben Goldwasser getrunken; ich ha-\nbe mich zum ersten Mal von einem Menschen\nfreihalten lassen; es lag eine Zärtlichkeit in sei-\nnem Geben, manchmal reichte er das kleinge-\nschliffene Glas bis an meine Lippen, wie mans\nbei einem Kind tut. Ich liebe seitdem den Bi-\nschof und ich habe ihm erlaubt, meine Haare\nzu küssen, er sagt sie duften nach Lavendel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c012", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "623", "page_fin": "623", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.6", "titre_corps": "Holzschnitt von E. L. 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Besonders\njede Verlobung in der „haute volee\" gilt ihnen\nals ihr intimes Familienfest. Sollte jedoch gar\neine Hochzeit in der Gesellschaft zu Stande\nkommen, kennt ihre Freude keine Grenzen. Da\nlöst sich manches Wackeren Zunge im trauten\nFamilienkreise. Da erst wird es klar, mit welch\ninniger Sorgfalt sie jede zarte Regung der Lie-\nbenden von jeher verfolgt und dass sie dem\nfreudigen Ausgang stets hoffnungsfroh entgegen-\ngesehen hatten. Und in neckischen Worten er-\nörtern sie die schelmischen Ränke der Lieben-\nden.\nDie unermässliche Schäbigkeit dieser seeli-\nschen Parasiten erschöpft sich jedoch hauptsäch-\nlich in der Innigkeit und verständnisvollen Zärt-\nlichkeit, mit der sie die Neuvermählten deshigh-\nlife durch alle Möglichkeiten ihres Honigmon-\ndes begleiten. — Und bei dieser so anregenden\nLebensweise sollen sich diese ausgesperrten Git-\nterbewohner relativ recht wohl fühlen.\nSfc *\n*\nJene Schmöcke und Naturburschen, deren\nSeele an saftiger Falschheit mit jedem Tiefland\nwetteifert, deren plätschernder Redefluss stets in\nschlammigen Deltas verläuft, und die durch das\nFlattern ihres schmieriggenialen Schlapphutes die\nöffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken\nbestrebt sind, pflegen den sie beherrschenden\nGefühlen ihres innigen Zusammenhangeis mit\ndem Weltganzen gewöhnlich durch den Ausruf:\n„Natur und ich sind Eines!\" Ausdruck zu\nverleihen. — Die Natur ist bekanntlich wehrlos\ngegen Intimitätskundgebungen.\nIch habe eine ausgesprochene Scheu vor\njedem Gedanken austausch. Ich mache dabei\nimmer schlechte Geschäfte.\n* . *\n*\nEs ist sehr lehrreich die grundverschiedene\nArt des Trinkgeldgebens eindringlich zu studie-\nren Während der Eine dem Kellner seinen\nGroschen mit väterlicher Milde in die Hand\ndrückt, der Andere wieder mit einer fein nuan-\nzierten Gebärde seinen Sechser diskret unter die\nServiette plaziert, der Dritte es vorzieht, sich\nvorerst mit dem Kellner in einen lebhaften Mei-\nnungsaustausch zu verwickeln und ihn nach sei-\nner Fähigkeit Konversation zu machen hono-\nrier, überreicht der vierte sein Trinkgeld mit\neinem strengen, bitterbösen Blick, der in das\ntiefste Kellnerinnere dringt und doch nur die\nangeborene Weichherzigkeit und Zartheit dieses\nGastes durch ein Zuschautragen rauher Aeusser-\nlichkeiten verschleiern soll. 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A.\n\nRuhe für einen Lyriker\nUnter den deutschen „Verskünstlern\" gibt es\nmanchen Namen, der wie das Pseudonym einer\nMusentochter klingt. Und in der Regel ist auch\ndas „Können\" seines Trägers der Sterilität\nder Dichterinnen kongenial. Solange die deut-\nsche Sprache Worte hat, die sich reimen, wird\nes, diese aneinander zu pappen, Talente geben.\nDie zeitgenössischen haben es in dieser Kunst\nzu einer Fertigkeit gebracht, die neben den glän-\nzendsten Errungenschaften der modernen Tech-\nnik bestehen kann. Doch einer ist unter ihnen,\nder dichtet mit zäher Lust in Weltschmerz,\nmeint aber die Welt am Montag. Dieße\ngibt ihm immer gerne Raum, zu sagen, was er\nleidet. So erst vor kurzem wieder, und der Dich-\nter bat:\nLass mich schlafen, 1a s s mich schlafen,\nLass mich schlafen und vergessen\nAlle Leiden, die mich trafen,\nAlles Glück, das ich besessen.\nIn der zweiten Strophe wird die Bitte schon\nan mehrere gerichtet.\n„Glücklos, leidlos las s t mich schlafen,\nWie in jenem dunkeln Hafen,\nDem mein Kahn entgegenfährt.\nEs geht uns alle an.\nUnd doch möchte man lieber Lärm schla-\ngen, um eine bessere Welt zu der Erkenntnis\nzu erwecken, dass uns ein nationales Uebelmehr\naus der Romantiker Unbedachtsamkeit erwuchs.\n— Sie haben es versäumt, ihre Verse vor Nach-\nahmungen für alle Zeiten gesetzlich zu schützen.\nImmer sind wir die Enkel.\n\nZweifel\n„Wie die Blätter melden, sind Passanante\nund Acuirito, die am 23. April 1897 ein At-\ntentat auf König Humbert verübten, in dem Ir-\nrenhaus bei Castel Lorent schwer erkrankt. Pas-\nsanante ist grössenwahnsinnig geworden und\nhält sich für den Sohn Humberts I. und der\nKönigin Marghareta. Acuirito ist nahe daran,\nzu erblinden. Täglich hält er Reden gegen die\nFrauenbewegung, denen zahlreiche andere Ge-\nfangene und Gefängniswärter zuhören müssen.\"\nDer Mann wird doch nicht verrückt sein?\n\nNun lächle, Mona Lisa!\nDie Nachricht von dem Diebstahl der Mona\nLisa „traf\" Victor Auburtin in Marienbad\nAls er vor einem Teller „herrlicher, mit Semmel-\nbröseln bestreuter, Marillenkhödel\" sass. Einer\nwar ihm im Halse stecken geblieben; so sehr\nhatte ihn die Nachricht erschreckt. Er bezahlte\nrasch und stürzte fort. In seinem Hotel warf\ner sich an den Schreibtisch, um das Entsetzliche\nnicht ausdenken zu können. Doch\nals Mann, der für die Küche ein schönes\nInteresse an den Tag und das Tageblatt Jegt,\nund der das Thema: Die Kunst, Spa r -\ngel zu essen in unvergessli ii humoristischtr\nWeise angeschnitten hatte, würzte er die Qual des\nNichtausdenkbaren vorerst mit kaustischem Witz\nEs sollte den Leser gleich wie eine herabfallende\n„kalte Platte\" treffen.\n„Man muss sich ausdenken, was alles\nmöglich ist in solchem Falle. Während wir\nhier so sitzen, zerhackt vielleicht jemand • das\nHolz des Mona-Lisa-Bildes in kleine Stücke,\nwirft es in den Ofen und brät sich seine Brat-\nkartoffeln darüber. Oder wärmt sich mit den\nResten der Herrlichen das Wasser zum Fuss-\nbade.\"\nWährend wir hier so sitzen. Und uns ist\nes nicht einmal, als müssten wir aufspringen\nund mit den Händen zugreifen, um das Bild zu\nretten. Wozu auch? Jetzt ist es doch endlich\ngeborgen. Im Louvre konnte es doch nur ge-\nstohlen werden. Aber des Nichtausdenkbaren ist\nkein Ende. Vielleicht war der Dieb ein Maler.\n„Maler füllten an dem kritischen Tage\nden viereckigen Saal — ein wahnwitziger Ma-\nler, der zu Hause die Farben des grössten\nMeisters überpinselt, abkratzt und nun mit sa-\ntanischem Behagen das Porträt seiner Vorstadt-\ndirne darüber schmiert. Diese verdämmernden\nlombardischen Farben, die köstlich waren wie\nrömisches Elfenbein oder wie uralter, verlo-\nschener Perlmutt.\"\nEin holdes Verbrechen, an der Tatsache ge-\nmessen, dass heute Menschen vom Diebstahl\nder da Vinkischen Giokonda spre-\nchen, die garnicht wussten, dass es in Paris\nein Museum, Louvre genannt, gibt.\nMan möchte empört aufspringen, aber nun\nist es Auburtins Ewersphantasie, die uns nie-\nderdrückt.\n„Sadismus? Daran denkt man zuerst,\nwenn man von einer so wahnwitzigen Tat\nhört.\"\nUnd doch hat er zuerst an Bratkartoffeln\ngedacht. Und dann an ein Fussbad. Aber:\nWir sind in Paris, in Pariser Kunstwelt und\nda sind Baudelairestimmungen um uns. 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Kurse von rilclll. Leipzig\nunter Miiwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute In fuhrender Stellung). Orundlichc\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\nJShriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographie,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- una Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nselviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjlhrig-\nFreiwiliige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre rachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wolien oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Cbemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbinde,\nAktien- oder Shnlicher Oesellschaften sich vorbereiten wollen. 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ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN -»».\nZu habcn In alien Apotheken und DrogerJen / Alleinige Fabrikantin\n„PharmacSa\" / Fabrik fflr pbarmacentlschea Bcdarf / Berlin-Haieniee\nWoklschmeckend Sicker wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c031", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "626", "page_fin": "626", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "626", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.8", "debut_caractere": 3231, "fin_caractere_exclue": 3544, "texte": "Verlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\nHalbjahr „ 3,—\nJahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer I bis 56 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c032", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "626", "page_fin": "626", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "626", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.8", "debut_caractere": 3546, "fin_caractere_exclue": 3673, "texte": "Cafe Continental SSTSI\nJeden Abend von 9—4 Uhr Nachts:\nGrosses Kiinstler - Konzert\nAll® bedeutcnden Zeitungen und Zeitschriftea"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c033", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "626", "page_fin": "626", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "626", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.8", "debut_caractere": 3675, "fin_caractere_exclue": 3810, "texte": "pp\nY{i Else Lasker-Schuler\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Butten gebunden\nDrei Mark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c034", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "626", "page_fin": "626", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "626", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.8", "debut_caractere": 3812, "fin_caractere_exclue": 4016, "texte": "Vegetarisclies Oastlians\nFREYA\nCharlottenburg\nBismarckstrasse 9\n...... 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Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht\n>aiiiiiami mm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-23-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-23_01#c037", "volume": "bmtnabg_1911-09-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "626", "page_fin": "626", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "626", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.8", "debut_caractere": 4888, "fin_caractere_exclue": 5041, "texte": "Karl Krnuj\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer ::\nEssays\nDurch alle Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMiinchen"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "619", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 15 Pfennig\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Pfalzburg 3524 / Anzeigen-Annahme\ndurch den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,25 Mark / Halbjahresbezug 2,50 Mark /\nJahresbezug 5,— Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN SEPTEMBER 1911\nNUMMER 78\n\nInhalt:\nTRUST: Zeitgeschichten: Bestempfohlene Philosophie / Der nationale Schwank / MAX ZERBST: Bewegung! Grundlage einer neuen Welt-\nanschauung / ALFRED DÖBLIN: Der Dritte / ELSE LASKER SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / VIKTOR v. DIRSZTAY: Wahrnehmungen /\nJ. A.: Rückblicke: Ruhe für einen Lyriker / Nun lächle, Mona Lisa / Zweifel / E. L. KIRCHNER: Holzschnitt\n\nAus der Presse\n\nBestempfohlene Philosophie\nHerr Friedrich Dernburg äussert sich im\nBerliner Tageblatt über den ehemaligen Kolle-\ngen Fritz Mauthner. Herr Dernburg fürchtet,\ndass „das Publikum der grossen Bildungswelt\nin Mauthners Wörterbuch der Philosophie kei-\nnen erstklassigen Lesestoff, keinen Mauthner ver-\nmutet\". Man weiss durch diese Sorge endlich,\nwas erstklassiger Lesestoff ist, und wer ihn lie-\nfert Was ist das Wörterbuch der Philosophie\nnun in Wirklichkeit?\n„In Wirklichkeit ist das Wörterbuch der\nPhilosophie eine Sammlung von Essays, in\nder sich die Kunst der Form mit der\nTiefe und dem blendenden Geist des In-\nhalts um den Preis streiten. Der anspruchs-\nvolle Leser wird Stoff genug zum Nach-\ndenken erhalten, aber auch der leichtge-\nschürzte Leser, der von altersher ge-\nwohnt ist, in Fritz Mauthner einen geist-\nvollen Causeur zu suchen, wird fin-\nden, dass die Vertiefung seiner Geistesarbeit\nihm nichts von ihrem Glanz und prickeln-\nden Reiz genommen hat. Und hier kommt\ndie Form eines Wörterbuches dem welt-\nmännischen Leser entgegen, der nur\nin Mussestunden zu einer solchen Lek-\ntüre greifen kann. Er schlage auf, wo er will,\nüberall wird sein Blick auf einem fesselnden\nGedankengang, auf einer überraschenden Wen-\ndung haften bleiben. Er wird vorwärts\nund rückwärts lesen und sich freuen,\nmit welcher Anmut, in die sich fast unmerk-\nlich eine leise Ironie mischt, er belehrt, mit\nwelcher Selbstverständlichkeit er von den Er-\ngebnissen einer genialen Durchdringung eines\nriesenhaften Stoffes verständigt wird. Denn das\nunermessliche, unerschöpfliche Erntefeld, auf\ndem Fritz Mauthner arbeitet, ist bekanntlich\ndie Sprache.\"\nDer anspruchsvolle, der leichtgeschürzte und\nder weltmännische Leser, sagt Herr Dernburg,\nkommen auf ihre Kosten. Ein leichtgeschürzter\nLeser hat zweifellos Stoff besonders nötig. Und\nStoff von Mauthner, da nimmt man schon einen\nprickelnden Reiz mit in den Kauf. Selbst wenn\n„wunde Punkte\" entstehen: man will doch sei-\nnen geistvollen Poseur bei rückwärts gelesener\nPhilosophie nicht vermissen. Umso weniger, als\n„man\" nur in Mussestunden zu einer solchen\nLektüre greift. Man erfährt näheres über Mauth-\nner: „in seinen feuilletonistischen und Thea+erzel-\nten spielt er mit Worten wie mit goldenen Bäl-\nlen, in einer Jugendsünde, die er nun durch das\nLeben fortschleppen muss, zeigte er selbst die\nTechnik des Sprachjongleurs.\" Aber die Jugend-\nsünden schleppt man durch das ganze Leben\nmit sich, und wer mit Worten „spielt\", ist sicher\nkein Schriftsteller. Aber Mauthner, sagt Herr\nDernburg, hat bei der weiten und breiten Bil-\ndungswelt sein anschwellendes Publikum. Man\nsieht, auch der Kollege Dernburg spielt mit\nWTorten. Auch was Sprache ist, teilt er mit:\n„Die Sprache ist ja das Sammelbecken, in dem\nsich die Geistesarbeit der sich ablösenden Men-\nschengenerationen zusammenfindet.\" Also der\nAuswurf des angeschwollenen Publikums. Aber\nHerr Dernburg ist vorsichtig: „Bei diesem Bild\nkann man allerdings nicht bleiben\", ohne dass\nUebelkeit erregt wird. Und weiter: „Jedes Wort\nist ein Individuum mit eigenem Leben, sich mit\nunzähligen anderen Leben verschlingend, We -\ngezeichen auf dem Marsch der Menschheit.\"\nDas ist bereits komplizierte Philosophie. Indi-\nviduen als Wegezeichen. Der Kollege Dernburg\nbeginnt zu spielen. Aber Mauthner hat es noch\nbesser gesagt: „Sprachgeschichte ist Kulturge-\nschichte.\nSo wie die Wogen und Wellenkreuzungen\ndes Meeres zu überschauen sind, die nie aus\nsich selbst entstehen, immer von irgendwoher\nkommen, sich verstärken und abschwächen und\nzusammen das Meer heissen, ebensowenig kann\nein Mensch die zahllosen Wogen und Wellen-\nkreuzungen der Entlehnung überschauen, die\nzusammen die Kultur heissen.\"\nDas ist unübertrefflich. Wer dieses Bild vom\nMeer, noch mehr, vom Meer der Entlehnung\nfinden konnte, der darf im Tageblatt nicht nur\nals Philosoph, nein, auch als Poet gepriesen\nwerden. Dernburg gerät nun auch ganz ausser\nsich: „So zeichnet sich die hohe Weltwarte ab,\nvon der aus Mauthner die Fluktuationen der\nSprache der Menschen betrachtet. Ursprache,\nUrvolk und Urheimat, Urkultur und Armytolo-\ngie entweichen vor seinem prüfenden Blick in\ndas Schemenhafte. Sie machen dem Nachweis\nPlatz, wie uns, die zahllosen Wellenkreuzungen\nder Nachahmung und Entlehnung tragen.\" Auch\nDernburg ist ein Poet. Mauthner blickt von\nder Weltwarte herab, die Ur-Sachen machen\nschleunigst dem Nachweis Platz, und der Nach-\nweis taucht als Meer auf, das uns in zahllosen\nKreuzungen der Entlehnung trägt. „Das ge-\nschieht in Fritz Mauthners Wörterbuch in der\nGeschichte einer Anzahl wichtiger oder wert\ngeschätzter Wörter.\" Der leichtgeschürzte Leser\nschwimme nach. Denn „es ist das Charakteri-\nstische bei Fritz Mauthner, dass er den grossen\nuniversellen Blick gewonnen, und doch aus sei-\nnem Journalismus den Blicjc für die kleine All-\ntagswelt herübergerettethat.\" Noch besser: er hat\naus der kleinen Alltagswelt den Journalismus\nfür den universellen Blick herübergerettet.\n\nDer nationale Schwank\nHerr Doktor Alfred Freiherr von Berger,\nDirektor des Wiener Burgtheaters, hat einen ma-\nssigen ungarischen Schriftsteller und zwei gute\nfranzösische Schwanklieferanten aufgefordert, ihm\nfür sein Theater Lustspiele zu schreiben. Die\nZeitungen sind sehr empört, dass die Aufträge\nnicht im Lande vergeben werden. Da die Herren\nKollegen von der Presse nun aber nur „nach\ndem Französischen\" dichten, schaltet Herr\nvon Berger mit dem Recht des Grossisten den\nZwischenhandel aus. Und schliesslich kann man\nkeinem Oesterreicher verwehren, seinen Bedarf\nin Ungarn zu decken. Man muss doch nicht\nalles aus Galizien, der Heimat der deutschen\nPresse, und den übrigen Kronenländern beziehen.\nTrust"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "620", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.2", "texte": "Fortsetzung\n\nBewegung\nGrundlage einer neuen Weltanschauung\nVon Max Zerbst\n\nZweites Buch\nI\nAlte Welt\nFrage: Was bewegt sich?\nAntwort: Eine „Substanz\".\nNeue Welt\nFrage: Was bewegt sich?\nAntwort: „Bewegung\".\nAlte Welt\nFrage: Was ist „Bewegung\"?\nAntwort: Ein „Zustand\" der „Substanz\".\nNeue Welt\nFrage: Was ist „Bewegung\"?\nAntwort: „Alles.\"\n\nII\nDie Tatsache der Bewegung kommt uns nur\ndurch deren scheinbaren Gegensatz, das heisst\ndurch scheinbare Nichtbewegung — das ist Be-\nwegung mit der Geschwindigkeit = o = Ruhe\n— zum Bewusstsein.\nDie Bewegungsvorgänge — denn um solche\nhandelt es sich selbstverständlich auch hier wie-\nder — nehmen sich im Schema unserer mensch-\nlichen Vorstellungsweise so aus:\nEs gibt eine kleinste Wahrnehmungstatsache,\ndie uns als Vorstellungswert der „Einheit\" be-\nkannt ist. Dieses kleinste punktuelle wiederum\nnur durch Bewegung erzeugte Bewegungsmo-\nment ist der Keim oder der Keimvorgang, ist\ndas Element aller Wahrnehmungstatsächlichkeit\nund Wahrnehmungsmöglichkeit überhaupt. Die\nBewegung konstatiert da gleichsam durch ihren\nScheingegensatz, dass heisst durch scheinbare\nNichtbewegung sich selbst und zugleich diesen\nScheingegensatz. — Es ist dies die Möglichkeits-\nform, in der die Bewegung sich gleichsam ihrer\nselbst bewusst wird, das heisst zur Form des\nBewusstseins gelangt. Diese kleinste Wahrneh-\nmungstatsache, dieses Wahrnehmungselement be-\nsteht, wenn man schärfer prüft, in Wirklichkeit\naus zwei Elementen, nämlich aus einem Ele-\nmente, das in unsere Vorstellung als „Einheit\"\ngewertet wird und aus einem anderen Elemente,\nvon dem wir wahrnehmen, dass es die Tendenz\nund Wesensrichtung hat, die „Einheit\" zu ver-\nnichten, das heisst aus einem Elemente, das\nwir als die Tatsache der Bewegung selbst per-\nzipieren und werten.\nDieses die „Einheit\" wieder zerstörende Ele-\nment der reinen Bewegung behält bei tieferer\nPrüfung schliesslich recht und zeigt uns jeden-\nfalls, verglichen und gemessen mit dem Einheits-\nelement, die Richtung, in der Das zu suchen ist,\nwas wir Wirklichkeit oder Realität nennen.\nDiese Doppelnatur des kleinsten Wahrneh-\nmungsmomentes, wie es auf allen Sinnesgebieten\nfestgestellt werden kann, giebt zwei grosse Grund-\nrichtungslinien der Erkenntnis überhaupt. Die\neine dieser beiden grossen Grundrichtungsbah-\nnen der Erkenntnis führt in die Scheinwelt al-\nler als Nichtbewegung oder „Nicht-Nur-Bewe-\ngung\" bekannten Dinge und Wahrnehmungstat-\nsachen (Substanz, Kraft etcetera), die andere in\ndie Wirklichkeitswelt der Bewegung selbst.\nDie ganze Welt des „Seins,\" die sich auf\nder Wahrnehmungstatsache der „Einheit\" auf-\nbaut — die „Vielheit\" ist kein Grundgegensatz\nzur „Einheit\", denn sie setzt diese als Element\nvoraus —, wird demnach zu einer Wirklichkeits-\nWelt zweiten Grades, der die „Bewegung\" als\nWirklichkeitswelt ersten Grades zu Grunde liegt.\nDas auf der kleinsten punktuellen Einheits-\nempfindung und Einheitsvorstellung basierende\nSystem unserer gesamten Wahrnehmungs- und\nErkenntnismöglichkeit, dieser ganze aus Bewe-\ngungstatsachen sich zusammensetzende „Seeden-\natomismus\" (Empfindungsatomismus) wurde dann\ngleichsam in die Natur objektiv hinein verlegt,\nin die Wirklichkeitswelt der „Bewegung\" selbst\nprojiziert. So wandelte sich durch eine unge-\nheure Urtäuschung der doch selbst nur schein-\nbare „Seelenatomismus\" in einen für „objektiv-\nreal\" geltenden „Substanzatomismus\" um, so ent-\nstand infolge grund-irrtümiicher Auslegung und\nDeutung von Wahrnehmungs- und Erkenntnis-\nvorgängen die ganze Scheinwelt der „Substanz\"\ndes „Seins\", des „Seienden\" und „Beharrlichen\"\nim Gegensatze zur Welt des „Werdens\" und\nder „Bewegung\", und wurde im Vergleich mit\ndieser als Welt höheren Realitätsgrades und grö-\nsseren Wirk!ichkeitswertes empfunden.\n\nIII\nAus der kleinsten nachweisbaren Wahrneh-\nmungstatsache, aus dem Element der kleinsten\npunktuellen Einheitsvorstellung lassen sich, wenn\nwir von der Bewegung als von der Grundwirk-\nlichkeitstatsache ausgehen, ohne Schwierigkeiten\nsämtliche Grundformen unserer menschlichen Er-\nkenntniswelt entwickeln.\nDas denkbar minimalste und schwächste\nMoment menschlicher Wahrnehmung, die aller-\nkleinste Einheits-Bewusstseinsform, sagen wir\nmeinetwegen einmal der „Empfindungspunkt\", das\n„Bewusstseinsatom\", die punktuellste Perzeption\neines „Sein\" oder eines „Seienden\" in jeder Form\nunserer Sinnestätigkeit, auf jedem Gebiet un-\nseres sinnlichen Wahnehmungsvermögens, be-\nsteht, wie wir feststellten, im Grunde aus zwei\nWahrnehmungselementen oder entsteht, besser ge-\nsagt, erst durch diese zwei Wahrnehmungsele-\nmente. Das eine dieser Elemente ist die Erzeu-\ngung des punktuellen Eindruckes, der funda-\nmentalsten und embryonalsten Empfindungs- und\nVorstellungstatsache, die von uns als „Einheit\"\nobjektiviert und gewertet wird und gleichsam die\nKeimform alles dessen, was wir überhaupt\n„Sein\" nennen, — bezeichnet. Das andere Element\nhat eine der Einheitsform entgegengesetzte Ten-\ndenz, einen der Einheit feindlichen Charakter,\nindem es uns von der „kleinsten Einheit\" zur\n„Vielheit\" und zu grösseren und höheren „Ein-\nheitsformen\" führt und auch diese wiederum ver-\nnichtet. Dieses Element ist uns bekannt als die\nTatsache die wir „Bewegung\" nennen. Taufen wir\ndas eine Element „Einheitselement\", das andere\n„Bewegungselement\". Beide sind für unsere\nmenschlichen Wahrnehmungsweise von einander\nuntrennbar, weil eben eines erst durch das an-\ndere für uns vorstellbar wird.\nDurch „Bewegung\" entsteht das „Einheits-\nelement\", das für uns die Grundlage, das Fun-\ndament unserer ganzen Erkenntnis- und Bewusst-\nseiriswelt bedeutet. Durch das Einheitselement\nnehmen wir überhaupt erst die „Bewegung selbst\"\nals solche wahr und „ahnen\", im Gegensatze zu\nihm, das Urwesen der „Bewegung\".\nDurch diese elementare Erkenntnisfunktion\ndes Einheitselementes kommt es, dass es uns\nvon grösserem Wirklichkeitswert und von hö-\nherer Wirklichkeitsbedeutung erscheint als das\nBewegungselement. Erst die tiefere Einsicht er-\nkennt in dem Bewegungselement die Urwirklich-\nkeit\nDie kleinste punktuelle Wahrnehmungstat-\nsache, das heisst also, wie wir bemerkten, das\n„Einheitselement\", verbunden mit dem „Bewe-\ngungselement\", ist nun der Keimpunkt, aus dem\nsich wiederum durch „Bewegung\", durch ge-\nwisse in dem Bewegungselemente enthaltene\nGrundrichtungspotenzen, Gestaltungs- und Grup-\npierungs-Tendenzen die grossen Urformen unse-\nrer gesamten Erkenntniswelt entwickeln.\nJe nachdem die Bewegungsvorgänge unserer\nWahrnehmungstätigkeit sich im Sinne und in der\nRichtung des Einheitselementes als solchen voll-\nziehen, soweit es uns nämlich als Gegen-\nsatz zur Bewegung, als Nichtbewegung, als\npunktuelle und beharrliche Grösse erscheint, oder\nim Sinne und in der Richtung des Bewegungs-\nelementes verlaufen, soweit es uns durch Ein-\nheitselement, das durch Summierung von klein-\nsten Einheitstatsachen, als „Bewegung selbst\",\nals „Bewegung an sich\" zum Bewusstsein\ngebracht wird, — je nachdem entstehen zwei\nHauptformen, zwei »Hauptgruppen oder, bes-\nser gesagt, Hauptgruppierungstendenzen unserer\nErkenntnis. Bezeichnen wir das Charakteristi-\nsche der einen Gruppe als „das Prinzip der\n(scheinbaren) Nichtbewegung\", oder kürzer als\n„das Prinzip der Substanz\", das der anderen\nGruppe als „das Prinzip der Bewegung selbst.\"\nInnerhalb der beiden grossen Erkenntnisge-\nbiete, wie sie durch diese beiden „Prinzipe\" cha-\nrakterisiert sind, gibt es wieder je zwei Haupt-\nund Grundformen der Wahrnehmung, die durch\ngewisse Grundrichtungsqualitäten und Richtungs-\nbeziehungen, sowie durch gewisse Geschwindig-\nkeitsverhältnisse und Geschwindigkeitsgrade ver-\nursacht werden. Diese je zwei Haupt- und\nGrundformen aller Wahrnehmung, diese je zwei\ngrossen Bewegungstatsachen und Bewegungs-\nbildungen resultieren aus zwei Hauptrichtungs-\nund Geschwindigfetsqualitäten, die wir als\n„Prinzip der Intensität\" und „Prinzip der Ex-\ntensität\" bezeichnen wollen.\nDas „Prinzip der Intensität\" ist im wesent-\nlichen bedingt durch ein gewisses konzentrato-\nrisches Grundrichtungselement, sowie durch eine\ngewisse Bewegungsgrösse (Geschwindigkeit), das\n„Prinzip der Extensität\" im wesentlichen durch\nein gewisses exzentratorisches „Grundrichtungs-\nelement\".\nHieraus ergeben sich vier Grundformen un-\nserer Erkenntnis.\n1 Das „Prinzip der Substanz\" (das heisst\ndas Prinzip der scheinbaren Nichtbewegung, das\n„Prinzip des Seins\") verbunden mit dem „Prin-\nzip der Intensität\" führt uns zur Wahrneh-\nmungstatsache: — Stoff (Dichtigkeit).\n2 Das „Prinzip der Substanz\" verbunden\nmit dem „Prinzip der Extensität\" (Ausdehnung)\nführt uns zu der Wahrnehmungstatsache: —\nRaum (Räumlichkeit).\n3 Das „Prinzip der Bewegung selbst\" (das\nheisst das „Prinzip der als Bewegung\" wahrgenom-\nmenen Bewegung, Prinzip des „Werden\") ver-\nbunden mit dem „Prinzip der Intensität\" führt\nuns zu der Wahrnehmungstatsache: — Kraft\n(Stärke).\n4 Das „Prinzip der Bewegung selbst\", ver-\nbunden mit dem Prinzip der Extensität\" führt\nuns zu der Wahrnehmungstatsache: — Zeit\n(Flucht).\n„Stoff\" und „Kraft\", sowie „Raum\" und\n„Zeit\" sind also je zwei nach den Prinzipen der\n„Intensität\" und „Extensität\" korrespondierende\nW ahrnehmungs werte.\nFür dieses Schema unserer vier Grunder-\nkennnisformen beanspruche ich nicht den Glau-\nben unbestreitbarer Richtigkeit. Es ist denkbar,\ndass unsere Erkenntnis- und Wahrnehmungsele-\nmente auf andere Bewegungstatsachen und Be-\nwegungsmöglichkeiten zurückzuführen sind."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "621", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.3", "texte": "Beachtenswert ist es aber sicher, dass zwei-\nmal je zwei der genannten vier Erkenntnisele-\nmente auf eine gemeinsame Grundbewegungser-\nfahiung hinweisen, so „Kraft\" und „Stoff\" auf\ndie Bewegungserfahrung der „Intensität\", „Zeit\"\nund „Raum\" auf die der „Extensität\".\nDas wichtige Problem der „Kausalität\", der\n„Ursächlichkeit\" fällt in der neuen Bewegungs-\nlehre von selbst hinweg. Unter „Ursache\" ver-\nsteht man in erster Linie die „bedingende oder\nerzeugende Vortatsache einer Bewegung\", den\ninneren Zusammenhang zwischen zwei aufein-\nanderfolgenden Wahrnehmungen mit Betonung\nder Funktion der zeitlich vorhergehenden Wahr-\nnehmung oder Tatsache. Weiss man einmal,\ndass „Bewegung\" das Wirklichkeitselement an\nsich, die Urtatsache, die Tatsache aller Tatsachen\nist, dann hat man nicht mehr nötig, nach „Ur-\nsachen\" und „Gründen\" zu forschen. Sondern\nnur nach „Zusammenhängen\" und „Beziehungen\",\nvon denen alle Elemente aus der ungeheuren\nPerspektive der grossen „Bewegungserkenntnis\"\nbetrachtet, gleichwertig sind in ihren Abhängig-\nkeitsgraden, ihrem „Bedingen\" und ihrem „Be-\ndingtsein\".\n\nSchluss folgt\nSchluss\n\nDer Dritte\nVon Alfred Döblin\nSie hatten wenige glückliche Wochen in ei-\nnem Seebade verlebt. Da hörte sie eines Mor-\ngens, als sie sich zum Tennisspiel ankleidete,\neinen furchtbaren Schrei aus dem Nebenzimmer.\nConverdon stand in blossen Hemdsärmeln auf-\nrecht mitten im Zimmer, in der rechten Hand\neinen zerknitterten Brief. Er streckte die Arme\nnach der Decke, schrie gell Merys Namen, stürz-\nte auf den Teppich nieder. Sie hob seinen hei-\nssen Kopf, er stammelte: „Es ist aus mit mir\".\nDann, als er sich beruhigt hatte, sagte er, sie\nmöchte ihn allein lassen, er hätte einen Nerven-\nanfall gehabt. In dem zerkniiterten Brief stand:\n„Sehr geehrter Herr Doktor, Ihre Frau ist sehr\nschön. Ich werde mich um sie bemühen. Es\nist Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, ebenso\nsicher wie mir selbst, dass ich ihre Frau ge-\nwinnen werde. Es wird mir schwierig ja un-\nmöglich sein, meine Bemühungen um Ihre Frau\ndurchzuführen, ohne dass Sie es merkten. Ich\nbitte Sie daher, erstens Kenntnis von meinem\nPlan zu nehmen; zweitens, angesichts des zwei-\nfellosen Resultats, keine Schwierigkeiten zu ma-\nchen. Ihnen selbst, sehr geehrter Herr Doktor,\nempfehle ich, gedrängt von einem grossen Wohl-\nwollen für Sie, sich am fünfundzwanzigsten die-\nses Monats im Charlespark mit genauer An-\ngabe der Motive umzubringen. D. S. Ich be-\nsitze ein Automobil und stelle Ihnen den Wagen\nzur Benutzung bei der Regelung Ihrer Ange-\nlegenheiten zur Verfügung.\nPaul Wheatstren,\nParterregymnastiker.\"\nDr. Converdon antwortete nach einer knap-\npen Stunde Herrn Paul Wheatstren, Parterre-\ngymnastiker. Er bestätigte den Empfang des\nfreundlichen Briefes vom heutigen, dankte für\ndie gütige Festsetzung des Todes, bat um um-\ngehende Zusendung des Automobils, das er sach-\ngemäss in Stand halten werde.\nDie erste Fahrt, die Dr. Converdon mit dem\nWagen machte, war hinaus auf die Landvilla\ndes Akrobaten, um mit ihm zu verabreden, dass\nvon den kommenden Geschehnissen nichts zu\nOhren Merrys gelange. Wheatstren empfing ihn,\nein untersetzter breitschultriger Mann mit vier-\neckigem gerottetem Gesicht, Ende dreissig, ge-\nwöhnliche Züge, aber klare ruhige Augen. Er\nschüttelte dem Doktor lachend die Hand, er-\nklärte ihm, wie er sich freue, seine schöne Frau\nkennen gelernt zu haben, und ihren ehrenwerten\nGarten.\nEr hoffe mit Frau Mery glückliche Stun-\nden zu verleben. Sie setzen sich nun bei einem Glas\nWein hin. Wheatstren versäumte nicht nachdem\nersten Glase schonend zu bemerken, dass an dem\nbaldigen Ableben seines Gastes die Dame nicht\nschuld sei, und er auch nicht; vielmehr ergäbe\nsich das Ableben von selbst bei der Sachlage,\nund so wäre es auch vernünftig, den Selbst-\nmord am fünfundzwanzigsten in voller Oeffent-\nlichkeit, wie jede andere schickliche Handlung\nzu vollziehen. Dr. Converdon trat bei dem zwei-\nten Glase mit gezogenem Revoler auf seinen er-\nstaunten Wirt zu und besprach mit ihm die\nMöglichkeit, ihm selbst eine Kugel in das rechte\nAuge zu schiessen und zwar jetzt gleich; dies\nsei vorteilhaft darum, weil jener keine Waffe\ntrüge und er auf seinen Browning gut einge-\nschossen sei. Der andere bestätigte ohne Ueber-\nlegung die Möglichkeit eines solchen Verlaufs,\nfügte aber mit überlegenem Lächeln hinzu, ohne\nsich auf seinem Sessel zu rühren, dass an der\nSachlage dadurch nichts geändert wurde. Es\nwürde dann im nächsten Monat ein anderer\nMann Frau Mery schön finden und Herrn Dr.\nConverdon davon benachrichtigen. Mit einem,\nvorwurfsvollen Blick ging Herr Wheatstren auf\nden Arzt zu, der beschämt den Revolver sinken\nliess. Er hätte Herrn Converdon geschrieben,\nweil er ihn für einen vernünftigen Mann hielte;\nes sei doch wirklich nicht ihre Sache, den Ein-\ntritt notwendiger Ereignisse zu verzögern. Er\nnahm gutmütig lachend dem Arzt den Revolver\nab, klopfte ihm auf die Schulter; sie tranken\nnachdenklich weiter.\nZu Hause warf sich Herr Dr. Converdon in\nFrack, setzte einen Cylinder auf und fuhr in die\nKirche. Er hörte aufmerksam die Predigten an,\nliess sich am Schluss des Gottesdienstes beim\nPfarrer anmelden. Diesem erklärte er den Sach-\nverhalt, indem er sich auf einen Stuhl an der\nTüre setzte, stellte ihm die Frage: ob er als\nSeelenkenner glaube, dass sich das Motiv des\nam fünfundzwanzigsten statthabenden Selbstmor-\ndes beheben lasse. Er sei Frauenarzt und da-\nher mit Psychologie nicht vertraut. Der Pfar-\nrer, ein junger, tiefernster Mann mit einem Je-\nsuitengesicht durchsprach mit ihm aufmerksam\ndie Angelegenheit. Er explizierte am Schluss:\nEs sei, wie man wenigstens seitens der Psycho-\nlogie sagen könne, ein gewisses Dunkel und eine\nBorniertheit in dem Arzt vorhanden, diese, eine\nangeborene Eigenschaft, durch Erziehung und\nLebensweise gepflegt, sei kaum mehr zu beheben.\nDie Situation sei erfreulich für die Frau Mery;\nihn könne man nur trösten mit dem Hinweis\nauf die Belanglosigkeit seiner Existenz.\nDamit war der beliebte Frauenarzt ganz ins\nKlare gekommen. Er hatte noch zwei Wochen zu\nleben. In diesen folgenden Tagen kam nun, als\ner sich die Situation klar überlegte, eine\nvöllig unbekannte Ruhe über ihn. Er ging mit\neinem Gefühl der Freude einher, dass jedem der\nGlanz seiner Augen auffiel. Mit einer tiefen\nDankbarkeit behandelte er insbesondere seine jun-\nge Frau, fuhr in dem Automobil mit ihr spa-\nzieren ins Grüne, war ihr wirklich innig zu-\ngetan in dieser Zeit. Sie hatte ihm diese schö-\nnen hoffnungsvollen Tage beschert; über ein\npaar Tage war er wieder allein. Wie ein-\nfach sich alle seelischen Lächerlichkeiten lö-\nsen lassen durch eine mechanische Bewegung,\ngemäss, den guten Rat dieses Parterregymnasti-\nkers Paul Wheatstren. Täglich besuchte er mit\nFrau Mery die Varietevorstellungen, in denen der\ntreffliche Mann auftrat, wurde nicht müde, seine\nGelenkigkeit zu loben, kaufte sich sein Bild und\nstellte es in seinem Schlafzimmer an sein Bett.\nZwei Tage vor seinem Ableben besuchte er noch\nalle Bekannte der nächsten Umgebung und teil-\nte ihnen seinen Plan mit, er ging in den Kauf-\nmannsladen, in den Gemüsekeller, in die Bu-\ndike. Er setzte hinzu, dass er angesichts das\nVergnügens, sie zu verlassen, ihnen Legate in\nForm von je tausend Dollars aussetze; er wer-\nde ihnen auch eine Stunde vor seinem Verschei-\nden Telegramme mit den besten Segenswünschen\n\nIV\nDer gewöhnliche Verstand sieht das Wesen\nder Bewegung in der Ortsveränderung und zieht\ndaraus den Schluss, dass die Vorstellung der\nBewegung, die Vorstellung des Raumes voraus-\nsetzt. Abgesehen nun davon, dass der Begriff\nOrts Veränderung schon eine Bewegungsvorstel-\nlung enthält, nämlich die Vorstellung der Ver-\nänderung — jede Veränderung ist ein Bewe-\ngungsvorgang — müssen wir uns darüber\nvollständig klar werden, dass die Ortsverände-\nrung rein als solche überhaupt erst durch Be-\nwegungsvorgänge konstatiert und uns zu Be-\nwusstsein gebracht wird, sei es, dass wir die\nBewegung selbst objektiv wahrnehmen, als Auf-\nlösungs- und Verbindungstatsache von Einheits-\nwerten, sei es, dass die Örtsveränderung, das\nheisst in weiterem Sinne jede räumliche Diffe-\nrenz, jede räumliche Differenzierung, nur durch\nBewegungsvorgänge unserer Vorstellungstätigkeit\nfestgestellt wird und gleichsam also erst durch\n„Bewegung\" für unser Bewusstsein entsteht.\nZweitens aber erkennen wir die „Bewegung\"\nin reinen Zeitvorstellungen, in der Form der\nZeit, wo wir sie wahrnehmen, ohne dazu der\ngeringsten Raumvorstellung, der geringsten räum-\nlichen Vorstellungsweise überhaupt zu bedürfen,\nohne irgend welche Ortsveränderung vorauszu-\nsetzen.\nWenn man beweisen will, dass „Zeit\" ohne\n„Bewegung\" denkbar ist, und zur poetischen\nVeranschaulichung der Sache das Märchen von\n„Dornröschen\" anführt, wenn man sich ausmalt,\ndass plötzlich mit einmal alle Bewegung auf-\nhört und sich der Dornröschenschlaf auf die\nganze Welt erstreckt, wenn man dann behauptet,\ndass dieser Zustand vollständiger Bewegungs-\nlosigkeit, vollkommener Ruhe als beliebige Zeit\nlang andauernd vorstellbar ist, dass also jeder\nbeliebige Zeitraum mit gänzlicher Uebergehung\nder Bewegungstatsache gedacht und gemessen\nwerden kann, so vergisst man dabei nur eins,\n— nämlich, dass diese scheinbar bewegungs-\nlose Zeit erst durch unsere Vorstellungstätigkeit,\nfolglich durch „Bewegung\" erzeugt wird. Dass\nwir diesen Zeitraum scheinbarer Welterstarrung\njedenfalls in Gedanken durchlaufen, durchlaufen\nmüssen, damit er überhaupt Bewusstseinstatsache\nwird, dass wir ihn demnach gleichsam mit den\nsubjektiven Bewegungsformen \"unseres Vorstel-\nlungsganges ausfüllen und ausmessen, das heisst\ndurch Vorstellungsbewegung überhaupt erst schaf-\nfen. —\nAus allen diesen Betrachtungen folgt, dass\nwir jedenfalls ein Bewegungsgefühl, ein Wissen\num Bewegung besitzen, das von der Tatsache\nder Ortsveränderung, von jeder räumlichen Vor-\nstellung überhaupt unabhängig ist."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "622", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.4", "texte": "schicken. Er beobachtete, dass diese Erklärung\nallseitig beifälliges Erstaunen hervorrief und dass\nman ihm dankbar die Hände küsste.\nAm vierundzwanzigsten dekretierte er schrift-\nlich, dass man ihn sorgfältig sezieren möchte.\nAm fünfundzwanzigsten morgens trennte er sich\nvon seiner schönen Frau in unbändiger Freu-\nde; der ernste kahlköpfige Arzt tanzte im Frack\num sie herum, küsste sie und fand kein Ende\nmit ihr zu lachen. Gegen zehn Uhr setzte er\nsich in das Automobil, gab die Telegramme auf,\nfuhr nach dem Charlespark, liess den Wagen am\nEingang des Parkes warten, nachdem er einen\nZettel hinterlassen hatte mit der Nachricht seines\num halb elf stattfindenden Todes. Mitten im Ge-\nbüsch stehend bemerkte er, dass er in seiner\nFreude den Revolver zu Hause gelassen hatte\nund hängte sich daher nicht ohne Schwierigkeit\nan seinem Schlips auf.\nDie Autopsie des Verstorbenen war völlig\nergebnislos.\nAm Abend der am sechsundzwanzigsten\nvorgenommenen Leichenschau besuchte Herr\nWheatstren die Wittwe, teilte ihr mit, dass\ner, wie sie wisse, ein Freund des Verblichenen\nsei. Er wolle keine grossen Reden führen, son-\ndern ihr nur mitteilen, dass er einige glückliche\nStunden mit ihr zu verleben gedenke. Er bitte\nsie, das Gedächtnis des Verblichenen zu ehren,\ndenn nur in Rücksicht auf ihr gemeinsames\nGlück habe er sich am fünfundzwanzigsten an\nseinem Schlips aufgehängt. Die gebrochene blon-\nde Frau vergoss reichlich Tränen, sagte sie er-\nkenne Dr. Converdon daran; er sei immer so\ngütig gegen sie gewesen. Es käme ihr zwar al-\nles so rasch, aber das Leben sei wohl so. Sie\nfuhr mit ihm in dem Automobil in seine Land-\nvilla und verlebte ihrerseits mit ihm glückliche\nStunden. Er seinerseits fühlte sich bald abgesto-\nßen durch die Routine der sanften blauäugigen\nDame in den Vergnügungen des Genusses; er\nhatte gehofft, ihr selbst diese beizubringen. So\nübernahm er dann nach einer Woche die Ver-\nwaltung ihres Vermögens, fluchte aui die Heim-\ntücke des Dr. Converdon und fragte sie nach\nihrer Herkunft. Als der Parterregvmnastiker er-\nfuhr, dass sie zuerst als Sekretärin bei Dr. Con-\nverdon beschäftigt war, bemerkte er, dass er\nkeine Sekretärin brauche, — er wisse als Akro-\nbat wenigstens nicht, wozu. — Er werde ihr\nVermögen weiter gewissenhaft verwalten, ihr ei-\nnen ausreichenden Zinsgemäss gewähren, aber\nsie scheine ihrer ganzen Anlage nach nicht für\neinen einzelnen Mann, wie ihn, geschaffen, auch\nwiesen die bezeigten Talente darauf hin. Und so\nempfahl er ihr dringend, ihre Begabung zu ver-\nwerten; auch das grösste Kapital würde schliess-\nlich aufgezehrt. Sie verschloss sich seiner Dar-\nlegungen nicht. Und Herr Wheatstren führte die\njunge blonde Dame, die er auch heiratete, bald\naus, auf die Rennplätze, in die Theater; behan-\ndelte sie roh und mit Berechnung. Sie aber\npries ihn auf Schritt und Tritt, weil er ihr das\nHöchste bot was es auf Erden gäbe, nämlich\nerhebliche Abwechslung.\n\nBriefe nach Norwegen\nLiebe Jungens\nVon Else Lasker-Schüler\nRat nur, die beiden waren gar nicht mehr\nda, als ich um zwölf Uhr lebendig ins Cafe\nkam, aber Dein Freund der Doktor sass und\nsang für sich, manchmal so laut, er vergass schier\nden Ort. Seine Stimme ist mythenhaft, olym-\npisch, auch Krater raucht darin und dröhnen\nkann sie wie Zeuswort. Dass wir beide uns\nböse sind, ist direkt unkünstlerisch.\nWisst Ihr, wer heute in aller Früh ange-\nklingelt hat — Fridolin Guhlke. Er habe sich\nverliebt, er habe seine erste Liebe getroffen; da-\nmals sei sie dreizehn gewesen vor drei Jahren.\nUnd er zeche nicht mehr, seine Flamme trüge\neinen Heiligenschein um den Kopf. Auch ins\nCafe käme er nicht mehr, ich sollt ihm dieselbe\nAskese versprechen. Heimlich halten wir alle\ndas Cafe für den Teufel, aber ohne den Teufel\nist doch nun mal nichts. Ich bin neugierig,\nwie lange der Guhlke es ohne Teufel aushält.\nManchmal gehts ja dort auch etwas zu heiss\nher, wenn einen so eine aufgetakelte Plebejerin\nanranzt, man soll ihr aus dem Weg gehn, ihr\nVollmond könnt nicht vorbei mit dem Spitzen-\nüberwurf. Ich wollt ihr eine Backpfeife geben,\nals sie auch schon oben aus dem Billardraum\nihren Mann holte, der in Begleitung von gali-\nzischen Saduzäern und Chaldäern sich mir nä-\nherte. Aber ich verhielt mich stumm; hasse es,\nmich mit lauten schreienden Weibern einzu-\nlassen. Nach einiger Zeit, kamen dann zwei\nPolizisten, mich zu vernehmen. Aber Richard\nversteckte mich zwischen den Zeitungen, das\nbleibt jetzt mein Fach. Dann kam unser\nDirektor W., er hätte gerne die Scene gesehn.\nIch entschädigte ihn. Er kannte wirklich\nnoch nicht die Schauspieler im egyptischen\nLunapark. Gerade trabte das Dromedar am\ngrossen Fenster des Cafes vorbei, es kam\nvom Tierarzt, es leidet an seinen Mägen. Ich\nsehne mich nach Hassan, er war es nicht, der\nHochzeit hatte. Was mir noch einfällt, Kurt-\nchen, Herwarth hat seine Taschentücher ver-\ngessen, leihe ihm von Deinen. Du kriegst sie\ngewaschen zurück. Es ist vier Uhr, es ist\nnoch ganz hell. Direktor W. fährt in einem\nWagen unserer kleinen Karawane voraus.\nLieber Herwarth und liebes Kurtchen, bleibt\nnoch so lange wie es Euch gefällt, ich freue\nmich ja so, dass Ihr Euch schon erholt habt,\nauch über Eure schönen, interessanten Ansichts-\npostkarten. Wie vornehm ist Ibsens Grabmal\ngehalten, eine Säule in der Sprache der Hiero-\nglyphen, eine nordische Pyramide. Gestern zeig-\nte mir der Erzbischof auch mein Denkmal. Der\nindische Turm des Lunaparks müsste einmal\nauf meinem Leibe stehn. Es überkam mich ein\nGrauen, aber zu gleicher Zeit senkte ich erha-\nben den Kopf vor der mir angetanenen Ehre.\nDer Bischof ist der Gärtner des Worts, er spricht\nmit einer gleichmässigen Ruhe, die mir wohltut.\nEr behauptet zwar, er spräche nur mit mir so\ngleichmässig und vorsichtig, und ich weiss nicht,\nob er mich für eine zarte Pflanzenart oder für\neinen Tiger hält. Als wir am Abend den Sla-\nwen begegneten, ging er an uns vorbei; er spielt\naltmodisch den Erhabenen, er ist eben ältlich\nim jugendlichen Alter. Wenn man ältlich ist,\nkann man keine Jahreszeit des Herzens erleben,\nselbst den Winter nicht, ebenso wie der kindi-\nsche nichts vom Frühling weiss. O, und alles\nbedeutet der Wandel im Menschen; der Bischof\nund ich, wir spielen augenblicklich Lenz. Peter\nBaum giebt mir auch vollständig recht, er sei\nnur zu faul zum Wandel. Er lässt Euch grü-\nssen, sein Roman aus der Rokokozeit sei fast\nfertig, vor einem halben Jahr war er beinah\nfertig. Lebt wohl, liebe Kameraden.\nCajus-Majus, der Cäsar, setzte sich geheim-\nnisvoll an meinen Tisch, als sich Peter Baum\nfür einen Augenblick entfernte, Cajus möchte\nmich etwas fragen. Ich möchte Sie etwas fra-\ngen, Else Lasker-Schüler, passen Sie mal auf!1\nEs handelt sich um meine literarische, wie um\nmeine materielle Zukunft. Würde es mir Herr\nWaiden übel nehmen, falls ich bei Capuletti in\nFlorenz in den Verlag einträte? Kraus ist ja\nerhaben über dergleichen, aber Waiden hat zur\nZeit Herrn D. schon einmal bei einer solchen\nGelegenheit die Alternative gestellt. Ich habe ihm\ngeantwortet, Herwarth, dass er meine Stellung\nzu Dir überschätze. Ich wäre noch nicht mal\nals Laufbursche unten im Bureau\nich bewürbe mich aber um den Sekretariatspo-\nsten und würde seine Angelegenheit zur Sprache\nbringen. Bin ich nun so dumm? Offen gestan-\nden, ich mag Cajus-Majus schrecklich gern lei-\nden, er ist ein drolliger, erwachsener Pausbak-\nkenengel, ein frommgewordener Bacchant im\nBacchantenzug; sein Humor hat sich frisch er-\nhalten, aber statt der Trauben trägt er einen\nweissen Kragen um den Hals. Was sich doch\ndie Menschen verändern, was die Literatur aus\neinem Menschen macht. Aber allen Ernstes,\nHerwarth, wirst Du es ihm übel nehmen? Eins\nwill ich Dir sagen, druckst Du nichts mehr von\nihm, schreib ich nicht eine Bohne mehr. Die\neinzigen Sachen, die mir Vergnügen machen,\nsind Cajus-Majus Sachen. Als Peter Baum\nwieder an unseren Tisch trat, kamen durch\ndie Cafehaustüre die Signorina Marie und\ndie Margret. Ich sagte, die Margret sieht heu-\nte aus wie ein Glühwürmchen, und Peter Baum\nschnappte danach. Aber Cajus-Majus schwamm\nweiter durch die literarische Seligkeit wie ein\nWallfisch. Aus seinem Kopf floss über Kreuz\nein Springbrunn. Wir gingen zeitig nach Haus,\nHerwarth, auf Ehrenwort! Wieder ist ein Brief\nvom Dalai Lama aus Wien gekommen, ich habe\nihn zu den anderen Briefen und Karten und\nDrucksachen in deine fife o clock Hose gesteckt.\nLieber Cook und lieber Peary, ich muss\nEuch ein Geheimnis anvertrauen: Gestern in der\nNacht, der Himmel war eine Mischung von tau-\nbenblau und stern, gingen der Bischof und ich\nin eine kleine Kneipe in die Mommsenstrasse.\nAber ich hatte kein Geld mehr bei mir, als ge-\nrade noch für ein Glass Wasser, das Trinkgeld\nkostet. Der Bischof verträgt aber wahnsinnig\nviel Alkohol; er wollte durchaus Burgunder\ntrinken, weissen Burgunder. Er beteuerte mir,\ndass durch sein Herz weisser Burgunder strö-\nme, er wollte mich, durch die Blume des Weins,\nvon seiner reinen Liebe verständigen. Aber ich\nsagte ihm, ich hätte kein Geld. Und er war\nsehr niedergeschlagen, dass ich von ihm\nnichts annehmen wollte. Meint Ihr, ich hätte\nmit ihm den Burgunder trinken sollen?\nOder Goldwasser? Ich will Euch offen sa-\ngen, wir haben Goldwasser getrunken; ich ha-\nbe mich zum ersten Mal von einem Menschen\nfreihalten lassen; es lag eine Zärtlichkeit in sei-\nnem Geben, manchmal reichte er das kleinge-\nschliffene Glas bis an meine Lippen, wie mans\nbei einem Kind tut. Ich liebe seitdem den Bi-\nschof und ich habe ihm erlaubt, meine Haare\nzu küssen, er sagt sie duften nach Lavendel.\n\nSchluss folgt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "623", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.5", "texte": "Es ist eine Eigentümlichkeit der untersten\nZehntausend, dass es diese inklusiven Kreise als\nihre höchste Wonne betrachten, wenn die Exklu-\nsiven Feste feiern. Niemand weiss da über das\ngeringste Detail so gut Bescheid, wie sie. Das\nblosse Aussprechen ihrer Namen bedeutet für\nsie eine Delikatesse, die man mit schmatzendem\nBehagen langsam auf der Zunge zergehen lässt.\nUnd über jede Gemeinheit und Dummheit die-\nser Menschen sprechen sie mit einer infamen\nNachsicht und honigsüssen Milde, aus der die\nMelodie ihres „Tout comprendre, c'est tout\npardonner\" choralartig hervortönt. Besonders\njede Verlobung in der „haute volee\" gilt ihnen\nals ihr intimes Familienfest. Sollte jedoch gar\neine Hochzeit in der Gesellschaft zu Stande\nkommen, kennt ihre Freude keine Grenzen. Da\nlöst sich manches Wackeren Zunge im trauten\nFamilienkreise. Da erst wird es klar, mit welch\ninniger Sorgfalt sie jede zarte Regung der Lie-\nbenden von jeher verfolgt und dass sie dem\nfreudigen Ausgang stets hoffnungsfroh entgegen-\ngesehen hatten. Und in neckischen Worten er-\nörtern sie die schelmischen Ränke der Lieben-\nden.\nDie unermässliche Schäbigkeit dieser seeli-\nschen Parasiten erschöpft sich jedoch hauptsäch-\nlich in der Innigkeit und verständnisvollen Zärt-\nlichkeit, mit der sie die Neuvermählten deshigh-\nlife durch alle Möglichkeiten ihres Honigmon-\ndes begleiten. — Und bei dieser so anregenden\nLebensweise sollen sich diese ausgesperrten Git-\nterbewohner relativ recht wohl fühlen.\nSfc *\n*\nJene Schmöcke und Naturburschen, deren\nSeele an saftiger Falschheit mit jedem Tiefland\nwetteifert, deren plätschernder Redefluss stets in\nschlammigen Deltas verläuft, und die durch das\nFlattern ihres schmieriggenialen Schlapphutes die\nöffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken\nbestrebt sind, pflegen den sie beherrschenden\nGefühlen ihres innigen Zusammenhangeis mit\ndem Weltganzen gewöhnlich durch den Ausruf:\n„Natur und ich sind Eines!\" Ausdruck zu\nverleihen. — Die Natur ist bekanntlich wehrlos\ngegen Intimitätskundgebungen.\nIch habe eine ausgesprochene Scheu vor\njedem Gedanken austausch. Ich mache dabei\nimmer schlechte Geschäfte.\n* . *\n*\nEs ist sehr lehrreich die grundverschiedene\nArt des Trinkgeldgebens eindringlich zu studie-\nren Während der Eine dem Kellner seinen\nGroschen mit väterlicher Milde in die Hand\ndrückt, der Andere wieder mit einer fein nuan-\nzierten Gebärde seinen Sechser diskret unter die\nServiette plaziert, der Dritte es vorzieht, sich\nvorerst mit dem Kellner in einen lebhaften Mei-\nnungsaustausch zu verwickeln und ihn nach sei-\nner Fähigkeit Konversation zu machen hono-\nrier, überreicht der vierte sein Trinkgeld mit\neinem strengen, bitterbösen Blick, der in das\ntiefste Kellnerinnere dringt und doch nur die\nangeborene Weichherzigkeit und Zartheit dieses\nGastes durch ein Zuschautragen rauher Aeusser-\nlichkeiten verschleiern soll. Aber immer noch\nbesser, als die Aufdringlichkeit, mit der ein je-\nder Niemand den Stempel seiner wässerigen\nPersönlichkeit diesem Beschenkungsakt aufdrückt,\nist die Art des Trinkgeldgebens, keins zu ge-\nben. Denn nichts ist schäbiger als die Anma-\n\nWahrnehmungen\n\nHolzschnitt von E. L. Kirchner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "624", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.6", "texte": "ssung, die nicht ruht, bis sie die erlittene mate-\nrielle Einbusse durch eine der gespendeten Sum-\nme entsprechende moralische Ueberhebung völlig\nwettgemacht hat.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nViktor v. Dirsztay\n\nRückblicke\nJ. A.\n\nRuhe für einen Lyriker\nUnter den deutschen „Verskünstlern\" gibt es\nmanchen Namen, der wie das Pseudonym einer\nMusentochter klingt. Und in der Regel ist auch\ndas „Können\" seines Trägers der Sterilität\nder Dichterinnen kongenial. Solange die deut-\nsche Sprache Worte hat, die sich reimen, wird\nes, diese aneinander zu pappen, Talente geben.\nDie zeitgenössischen haben es in dieser Kunst\nzu einer Fertigkeit gebracht, die neben den glän-\nzendsten Errungenschaften der modernen Tech-\nnik bestehen kann. Doch einer ist unter ihnen,\nder dichtet mit zäher Lust in Weltschmerz,\nmeint aber die Welt am Montag. Dieße\ngibt ihm immer gerne Raum, zu sagen, was er\nleidet. So erst vor kurzem wieder, und der Dich-\nter bat:\nLass mich schlafen, 1a s s mich schlafen,\nLass mich schlafen und vergessen\nAlle Leiden, die mich trafen,\nAlles Glück, das ich besessen.\nIn der zweiten Strophe wird die Bitte schon\nan mehrere gerichtet.\n„Glücklos, leidlos las s t mich schlafen,\nWie in jenem dunkeln Hafen,\nDem mein Kahn entgegenfährt.\nEs geht uns alle an.\nUnd doch möchte man lieber Lärm schla-\ngen, um eine bessere Welt zu der Erkenntnis\nzu erwecken, dass uns ein nationales Uebelmehr\naus der Romantiker Unbedachtsamkeit erwuchs.\n— Sie haben es versäumt, ihre Verse vor Nach-\nahmungen für alle Zeiten gesetzlich zu schützen.\nImmer sind wir die Enkel.\n\nZweifel\n„Wie die Blätter melden, sind Passanante\nund Acuirito, die am 23. April 1897 ein At-\ntentat auf König Humbert verübten, in dem Ir-\nrenhaus bei Castel Lorent schwer erkrankt. Pas-\nsanante ist grössenwahnsinnig geworden und\nhält sich für den Sohn Humberts I. und der\nKönigin Marghareta. Acuirito ist nahe daran,\nzu erblinden. Täglich hält er Reden gegen die\nFrauenbewegung, denen zahlreiche andere Ge-\nfangene und Gefängniswärter zuhören müssen.\"\nDer Mann wird doch nicht verrückt sein?\n\nNun lächle, Mona Lisa!\nDie Nachricht von dem Diebstahl der Mona\nLisa „traf\" Victor Auburtin in Marienbad\nAls er vor einem Teller „herrlicher, mit Semmel-\nbröseln bestreuter, Marillenkhödel\" sass. Einer\nwar ihm im Halse stecken geblieben; so sehr\nhatte ihn die Nachricht erschreckt. Er bezahlte\nrasch und stürzte fort. In seinem Hotel warf\ner sich an den Schreibtisch, um das Entsetzliche\nnicht ausdenken zu können. Doch\nals Mann, der für die Küche ein schönes\nInteresse an den Tag und das Tageblatt Jegt,\nund der das Thema: Die Kunst, Spa r -\ngel zu essen in unvergessli ii humoristischtr\nWeise angeschnitten hatte, würzte er die Qual des\nNichtausdenkbaren vorerst mit kaustischem Witz\nEs sollte den Leser gleich wie eine herabfallende\n„kalte Platte\" treffen.\n„Man muss sich ausdenken, was alles\nmöglich ist in solchem Falle. Während wir\nhier so sitzen, zerhackt vielleicht jemand • das\nHolz des Mona-Lisa-Bildes in kleine Stücke,\nwirft es in den Ofen und brät sich seine Brat-\nkartoffeln darüber. Oder wärmt sich mit den\nResten der Herrlichen das Wasser zum Fuss-\nbade.\"\nWährend wir hier so sitzen. Und uns ist\nes nicht einmal, als müssten wir aufspringen\nund mit den Händen zugreifen, um das Bild zu\nretten. Wozu auch? Jetzt ist es doch endlich\ngeborgen. Im Louvre konnte es doch nur ge-\nstohlen werden. Aber des Nichtausdenkbaren ist\nkein Ende. Vielleicht war der Dieb ein Maler.\n„Maler füllten an dem kritischen Tage\nden viereckigen Saal — ein wahnwitziger Ma-\nler, der zu Hause die Farben des grössten\nMeisters überpinselt, abkratzt und nun mit sa-\ntanischem Behagen das Porträt seiner Vorstadt-\ndirne darüber schmiert. Diese verdämmernden\nlombardischen Farben, die köstlich waren wie\nrömisches Elfenbein oder wie uralter, verlo-\nschener Perlmutt.\"\nEin holdes Verbrechen, an der Tatsache ge-\nmessen, dass heute Menschen vom Diebstahl\nder da Vinkischen Giokonda spre-\nchen, die garnicht wussten, dass es in Paris\nein Museum, Louvre genannt, gibt.\nMan möchte empört aufspringen, aber nun\nist es Auburtins Ewersphantasie, die uns nie-\nderdrückt.\n„Sadismus? Daran denkt man zuerst,\nwenn man von einer so wahnwitzigen Tat\nhört.\"\nUnd doch hat er zuerst an Bratkartoffeln\ngedacht. Und dann an ein Fussbad. Aber:\nWir sind in Paris, in Pariser Kunstwelt und\nda sind Baudelairestimmungen um uns. Ein\nVerkannter, ein aus dem Gleis geworfener, ein\nGenie vielleicht, das sich nicht durchzusetzen\nvermochte, verhöhnt, übersehen, verhungernd ..\nund fasst nun mit herostratischer Attitüde nach\ndem Glänzendsten, um an ihm zu Hause sei-\nnen Hass zu sättigen. Ein verkannter Lump,\nder in seinem Zimmer das grösste Kunstwerk\nzerschneidet und zersticht ... ich möchte\ndiese Szene von Oskar Wilde geschildert le-\nsen. Ja, ich möchte sie auf der Bühne sehen,\nin einem nächtlich phantastischen Sketch von\neinem grossen Mimen gespielt; mit einer recht\nguten Kopie, damit wir jeden Messerstich wie\nim eigenen Fleisch wühlend spüren.\nAber wer der Dieb nun auch war, ein\nWahnsinniger, ein Zeitungsreporter, ein ent-\nlassener, rachsüchtiger Beamter . . . einen\neisernen Mut muss der Mann haben, der sich\ndie Gattin des Francesco Giocondo heimlich\nin sein Haus mitnahm. Ich wenigstens wage\nzu sagen: ich stehle lieber eine Leiche und\ntrage sie in mein Kämmerchen, als dass ich\neine Nacht mit dieser Frau allein zusammen\nverbrächte, so im dunklen Zimmer, so unter\nvier Augen.\"\nEs war eine Tat, „die Gattin des Francesco\nGiocondo\" zu rauben. Sie steht hoch über den\nAuburtinschen Versuchen, die alte Jungfer Feuille-\ntonismus ehrlich und begehrenswerter zu ma-\nchen\n\n1\nVerlag „Der Sturm\"\nft \\\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiirGesang u.Klavier/52Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch denVerlag DER STURM\nHalensee/Katharinenstrasses\nvv\n\nL' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\nLes Nor\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\n\nLes Cahiers du Centre ~\nMonatsschrift iiir Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich\n\nDie Fnckel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nSummer 329/330\nsoeben erschienen^\nPreis 50 Pfennig\nDiese Nummer enthalt den\nEssay von Karl Kraus:\nHeine und die Folgen\nÜBERALL ERHALTUCH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "625", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.7", "texte": "Maximilian Macht\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gedachtnis-Kirche\nJournal-Lesezirkel\nAussteilungen der Neuen Sezession\nVerlag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "626", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110923-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nTHRICHOPHIL\n■ F1.M.3,00 F1.M.3,00 |\nHj ■■■■■■■■■■■■■■■ =a® nur oelm Fabrlkanten: ===== aHiaaasaiaßaM gg|\n2 Otto Teutscher/Friseur £\nH I. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Eing.63Steglitzerstr.,Tel.VI,6735 I\n11. Geschift: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,63B7 j\niiiiiaeeeooeooiiui\n\nLE\nCOURRIER DE LA PRESSE\nBUREAU de COUPURES de JOURNAUX\nFrangais et Etrangers]\nFonde en 1889\n21, Boulevard Montmartre PARSS 2e\nGALLOfs & DEMOGEOT\nAdresse Telegr.: COUPURES jPARIS — T6I£pHONE 101.50\nLe COURRIER de la PRESSE: Revolt, lit et decoupe tousles\nJournaux et Revues et en fournit les extraits sur tous sujets\net personnalites.\nService special d'lnformations partiques pour Industriels\net Commexpants.\nTARIF: 0 fr. BO par Coupure\nTarif reduit, pale- Par 100 Coupures, 25 francs\nment d'avance, sans „ 250 „ 55 „\nperiode de temps li- „ 500 „ 105 „\nmite'. „ 1000 „ 200 „\nOn traite a forfait pour B mois, 6 mols112 un an\n\nDr. Rudolf Bliimner\nSchauspieler und Regisseur am Deutschen Theater\nLehrer a.d. Schauspielerschule d.Deutschen Theaters\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ Sprechstunde: 5-6 Uhr\nWilmersdorferstrasse 75\n\nHandelswissen- CVififll* Mocffill t •\nschaftl. Kurse von rilclll. Leipzig\nunter Miiwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute In fuhrender Stellung). Orundlichc\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\nJShriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographie,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- una Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nselviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjlhrig-\nFreiwiliige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre rachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wolien oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieure, Cbemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbinde,\nAktien- oder Shnlicher Oesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johaanisplatz 5\n\nPrwrelatioasbarean llansa\nBerlin NW 28 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nachrichten iiber\nKnast, Literatar, Wisseascliaft\nin jeder Hinsicht unbetiingt zuverlassig.\n:: Akademisch und literarisdi gebildete Lectoren ::\nvorzugliche Organisation\nFernsprecher Berlin II 6121 I\n\nPreis 1. Mark\nPreis 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheresMittel gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsoforfcigen Gebrauch der erkrankten Organe\n...... 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Am Knie\n□ □\n□\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nEdmund Meyer\nBuchMndler u.Antiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Btichern\nfiir Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog XXVIII (Varia)erschienen\n\nDie Wasserkraft\nZentralblatt fiir Industrie,\nIngenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=>\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriken\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in der Wasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht\n>aiiiiiami mm\n\nKarl Krnuj\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer ::\nEssays\nDurch alle Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMiinchen"}]}