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Vielleicht aus\ndem Gefühl heraus, dass es sich nur um be-\ngriffe handelt. Nun sind Strafgesetzbücher of-\nfenbar zu dem Zweck gedichtet worden, nach\nihnen zu bestrafen. Die Formulierungen lassen\nan Impressionabilität nichts zu wünschen übrig,\nsie müssen also in der Rechtsprechung eine tat-\nsächliche und wie man das so nennt objektive\nErklärung finden. Sie wird allerdings nicht ge-\nfunden. Das Schwurgericht, der Staatsanwalt,\nder Verteidiger und der Angeklagte können sich\nin den allermeisten Fällen nicht auf eine Formel\neinigen. Diese Divergenz ergibt sich ohne wei-\nteres aus dem Charakter der freiwillig oder un-\nfreiwillig beteiligten Institutionen. Der Staatsan-\nwalt mit seinem Hang zur Monumentalität schreit\nMord, während der Angeklagte sich nur einer\nKörperverletzung mit tötlichem Ausgang bewusst\nist. Der Angeklagte empfindet stets lyrisch. Das\nSchwurgericht, das aus deutschen Männern be-\nsteht, will natürlich nichts von Lyrik wissen,\nkann aber eben deswegen eine gewisse philoso-\nphische Sentimentalität — so ist das Leben —\nnicht unterdrücken. Natürlich muss der Mensch\nbestraft werden, aber nicht zu sehr: das Schwur-\ngericht ist also für Totschlag. Der Verteidiger\nsucht im Strafverfahren die Rechtspflege zu hem-\nmen. Man kann nämlich nie wissen, wie sich\nalles ändert. Die zweite Tätigkeit des Verteidi-\ngers, das Beschleunigen der Rechtspflege, übt er\nnur im Zivilverfahren als Vertreler des Klägers.\nSolange es sich um so einfache Dinge wie Mord\nund Totschlag handelt, läsSt sich immer Her Aus-\nweg mit der Körperverletzung finden. Kompli-\nziert wird die Angelegenheit, wenn man, natür-\nlich mit aller Vorsicht, das Gebiet der Unzucht\nbeschreitet. Die sexuelle Frage erhält keine Ant-\nwort, sie darf sogar, wie etwa die soziale Frage,\nnicht einmal besprochen werden. Zwar ist kein\nMensch sich darüber im Unklaren, dass die Se-\nxualität existiert. Man ist von ihrer Existenz-\nberechtigung durchaus nicht überzeugt;\nda sie sich aber offenbar nicht beseitigen\nlässt, so ist man stillschweigend übereingekom-\nmen, sie stillschweigend zu dulden. Vor allem\nstillschweigend. Nur die Wissenschaft, die über-\nall ihre Hände selbst im Spiel' haben muss,\nnur die Wissenschaft hat gewisse sprechende\nRechte. Sie darf sich aber nur mit den Abarten\nder Sexualität beschäftigen. Die Hns\nheisst die am meisten verbreitete Art der Erotik\nversteht sich von selbst. Trotzdem gibt sie zu\nvielen Missverständnissen Anlass. Der Gesetzge-\nber hat es gut. Er schreibt einfach Unzucht und\nüberlässt es den Leuten, die zufällig nicht Ge-\nsetzgeber sind, sich gewerbsmässig mit der Er-\nklärung dieses Begriffs zu befassen. Ich bin\nüberzeugt, dass dies unter gewerbsmässige Un-\nzucht zu verstehen ist. Die Gelegenheit zur Wis-\nsenschaft über Unzucht ist nicht häufig. Die\nGerichte pflegen nach dem schon erwähnten\nUebereinkommen unzüchtige Handlungen hinter\nverschlossenen Türen zu besprechen. Umsogrö-\nsser müsste die Freude der nach Wissen Dür-\nstenden sein, als sie endlich einmal wieder an\nder Quelle schlürfen konnten. In Mainz wurden\ndie unzüchtigsten Dinge öffentlich verhandelt.\nDas erste Gefühl ist, das Angesicht zu verhüllen\nund sich mit Grausen von dem Entsetzlichen zu\nwenden. Man begreift, warum der Gesetzgeber\nschamhaft nur das schlichte Wort Unzucht nie-\nderschrieb. Denn: hätte er das alles drucken\nlassen, was unter diesem harmlosen Begriff sich\nin Mainz ereignet hat, dann wäre ihm die Straf-\nverfolgung durch den Staatsanwalt nicht erspart\ngeblieben. Man freut sich über die eigene Men-\nschenkenntnis. Man hat stets ein leises Grauen\nvor der Einrichtung der jungen Mädchen gehabt.\nAuch die Leutnants scheinen ihr Leben nicht ganz\nmit Kriegswissenschaften ausfüllen zu können.\nMan schweift in die Ferne nach einem Begriff,\nund sieh, die Unzucht liegt so nah. Besonders\nin Mainz. Man sollte einer deutschen Kleinstadt\ngarnicht so viel Verworfenheit zutrauen. Der Va-\nter Staat kann vergnügt sein, dass er ohne Ge-\nfängnis, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte\nund Zulässigkeit von Polizeiaufsicht wegen Kup-\npelei davonkommt. Denn er hat zweifellos ge-\nwohnheitsmässig durch Gewährung und Ver-\nschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub\ngeleistet. ( § 180 St. G. B.) Warum muss er in\nMainz eine Garnison errichten, wo doch das\nWesen der Leutnants ihm aus allen schlechten\nund von ihm gelesenen Romanen der Gegenwart\nmehr als „sattsam\" bekannt sein müsste. Eine\nbedauerliche Stellung nimmt in dieser unzüchti-\ngen Welt die Polizei ein. Der Gesetzgeber be-\ndroht Unzucht mif Haft und die Polizei\nmuss ihr von Amtswegen eigentlich Vorschub\nleisten. Sie muss auf alle Weise bestrebt sein,\ndie Unzucht festzustellen, und sei es mit Hilfe\nvon Polizeiassistentinnen, darf sie aber nicht dem\nRichter ausliefern. Sie muss vielmehr die Weibs-\nperson, wie der Gesetzgeber etwas unhöflich die\nDame nennt, gesund erhalten und geradezu für-\nsorglich beaufsichtigen. Andere Menschen wun-\ndern sich darüber, dass es dabei gelegentlich et-\nwas grob zugeht. Aber die Prügelpädagogen\nsind nicht aus der Welt zu schaffen. Schon der\nliebevolle Name Fürsorgezögling zeigt, welches\nInteresse man allseits am Wohlergehen der Un-\nzucht nimmt. Doch in Mainz handelte es sich\num etwas ganz anderes. Nämlich um junge\nMädchen, die sich energisch gegen die mütter-\nliche polizeiliche Fürsorge sträubten. Frau Doktor\nSchapiro schien zwar selbst den Schutzmännern nicht\nweiblich genug vorzugehen. Die Sentimentalität\nist nun einmal eine Eigenschaft deutscher\nMänner. Vor Gericht ergab sich ausserdem,\nmit welchen Geschöpfen die Frau Doktor sich\neinlassen musste, nur zu dem edlen Zweck, diese\nDamen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit\nund zur Vermeidung öffentlichen Aergernisses\nunter staatlichen Schutz zu stellen. Den jungen\nMädchen hätte es schlimm gehen können, wenn\nder Polizei nicht nur die vermittelnde Tätigkeit\nzugedacht wäre, zu kontrollieren, ohne Strafan-\nzeige zu machen denn: „Mit Haft wird bestraft,\neine Weibsperson, welche wegen gewerbs-\nmässiger Unzucht einer polizeilichen Aufsicht\nunterstellt ist, wenn sie in den in dieser\nHinsicht zur Sicherung der Gesundheit, der\nöffentlichen Ordnung und des öffentlichen\nAnstandes erlassenen polizeilichen Vorschriften\nzuwiderhandelt, oder welche, ohne einer solchen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "628", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8711, "texte": "Aufsicht unterstellt zu sein, gewerbsmässig Un-\nzucht treibt. (§ 361. 6 St. G. B.) Und noch\nschlimmer: Mit Haft wird bestraft, wer, nach-\ndem er unter Polizeiaufsicht gestellt worden\nist, den infolge derselben ihm auferleg-\nten Beschränkungen zuwiderhandelt (§361. 1.\nSt. G. B.) Um dieses Deutsch zu verstehen muss\nman sich schon gewerbsmässig mit ihm beschäf-\ntigen. Bleibt die grosse Frage: Was ist Un-\nzucht.\nVorsitzender: Haben Sie Beziehun-\ngen zu Offizieren?\nZeugin : (laut Gerichtsbericht ein reso-\nlutes Mädchen von zwanzig Jahren bekundet\n„unter allgemeiner Spannung\"): Nein.\nVorsitzender: Es sind verschiedene\nOffiziere da, die Auskunft über Sie geben sollen,\nZeugin: Ich kann nur wiederholen, dass\nman mir die Herren gegenüberstellen möchte,\ndamit ich sie erkenne. Selbstverständlich habe\nich bei Tanzreunions Otfiziere kennen gelernt,\naber nie etwas mit ihnen zu tun gehabt.\nVorsitzender: Sie sollen einen\nOffizier auch auf seinem Zimmer\nbesucht haben.\nZeugin : Ja, aber zu welchem Zweck?\nVorsitzender: Ja, das weiss ich\nnicht.\n(Man hört das Rauschen der Unzucht.)\nZeugin: Ich kenne den Leutnant K.,\nbei dem bin ich einmal auf dem Zimmer gewe-\nsen, aber es handelte sich einfach um eine Ein-\nladung, Bücher abzuholen.\nVorsitzender: Sie wollen die\nGrenzen des Schicklichen nicht\nii berschr i st t e ii haben?\nStärkeres Rauschen. Die Grenze des Schick-\nlichen nimmt offenbar an der Schwelle der Of-\nfizierstür ihren Anfang. Jetzt werden wir den\nBegriff Unzucht gleich haben.\nZeugin: Wie meinen Sie das?\n(Goethe würde hier sagen lassen: „Du ah-\nnungsvoller Engel du!\")\nVorsitzender : Nun, wenn ein jun-\nges Mädchen auf das Zimmer eines Offiziers\ngehtj so ist das doch hoch st verdäch-\ntig.\nZeugin : Als anständiges Mädchen kann\nich hingehen, wohin ich will, darin kann ich1\nnichts Anstössiges erblicken. Ausserdem war ich\nkaum ein paar Minuten oben.\nVorsitzender: Na, man kann im\nZweifel sein, ob das ein anständiges Mädchen\nohne weiteres tun darf.\n(Nun weiss man wenigstens, woran man\nein anständiges Mädchen erkennen kann.)\nZeugin: Auf jeden Fall habe ich der\nPolizeiassistentin angegeben (das ist die mütter-\nliche Dame), dass ich unschuldig sei. Und so\nunschuldig wie ich damals war, bin ich noch\nheute, ich sage das unter meinem Eid. Wenn\njedes Mädchen so anständig wäre, dann stände\nes gut um die Sittlichkeit in Mainz.\n(Man atmet auf, dass es um die Sittlichkeit\nin Mainz so gut stehen könnte, weiss aber\nnun wieder nicht, was ein anständiges Mädchen\nist. Denn sie war doch ein paar Minuten\n„o b e n\").\nJetzt kann sich der Rechts a n w a 11 nicht\nmehr halten: Aber der Verkehr mit ihren Freun-\ndinnen ist doch verdächtig?\nZeugin: Die Verantwortung für meinen\nVerkehr trage ich allein, wenn die andern Mäd-\nchen nicht anständig sind, so ist das ihre\nSache.\nEin resolutes Mädchen. Sie stellt die An-\nständigkeit ihren Freundinnen „anheim\". Sie war\noben und ist anständig, die andern waren unten\nund geben zu Bedenken Anlass, wenigstens dem\nAnwalt. Die Sache kompliziert sich, trotzdem\nes ihre Sache ist. Noch merkt man nichts von\nder Unzucht. Aber da tritt als rettender Engel\nFräulein Sch. ein. Sie erklärt, sie sei von einem\nPolizeiaspiranten (der sicher zu schönen Hoff-\nnungen berechtigt), auf Veranlassung der Poli-\nzeiassistentin auf der Strasse festgehalten wor-\nden. Er sagte zu ihr, sie möge sich in Acht\nnehmen. Wenn sie noch einmal mit diese n\nMädchen zusammen gesehen werde, würde er\nStrafantrag gegen sie wegen gewerbsmäs-\nsiger Unzucht stellen. Sie habe sofort er-\nwidert, dass der Herr Aspirant zur Stellung eines\nsolchen Strafantrages nicht berechtigt sei, sie sei\nein unschuldiges Mädchen. Hierauf habe der\nHerr Aspirant erwidert, sie solle sich vorse-\nhen, sonst würde sie auf der Stelle durch\neinen Schutzmann verhaftet.\nMan\" ist sprachlos. Also: Gewerbsmässige\nUnzucht ist, wenn man mit diesen Mädchen\nverkehrt. Diese Mädchen sind nun Bürger-\ntöchter, die der gewerbsmässigen Un-\nzucht verdächtigt werden, weil sie „oben\"\nwaren. Die gewerbsmässige Unzucht selbst ist\noffenbar nicht zu fassen, denn sie offenbart sich\nnur dadurch, dass man, wenn man, mit die-\nsen.\nVorsitzender: Wussten Sie, dass\nihre Freundinnen der gewerbsmässigen Unzucht\nverdächtigt wurden?\nZeugin : Nein, nur dass sie mit Offi-\nzieren verkehrten; aber dieser Verkehr beschränkte\nsich auf Cafehausbesuche und Spaziergänge.\nJunge Mädchen! Geht nicht mit Offizieren\nspazieren. Holt euch keine Bücher aus ihren\nZimmern. Die gewerbsmässige Unzucht steht\nbei solchen Gelegenheiten verdächtig in der Nähe.\nMan erfährt, dass die Dame Schapiro sich\nzu den Eltern des Fräulein Sch. begab, um dort\nangeblich ein Zimmer für ein Mädchen zu mie-\nten. Die Dame Schapiro war von dem Wunsch\nbeseelt, der Unzucht auf den Grund zu kom-\nmen, Die Eltern des Fräulein Sch. beanstande-\nten zwar das mitgebrachte Mädchen als nicht\neinwandsfrei, und so war es wieder einmal mit\nder Unzucht Essig. Als linderndes Oel wird\ndem Mädchen von einem Schutzmann ein gün-\nstiges Sittenzeugnis ausgestellt. Man beruhigt\nsich allgemein und der Stiefvater des Fräulein\nSch. bekundet sogar, dass seine Tochter durch-\naus „anständig\" sei.\nVorsitzender: Wissen Sie denn, dass\nsie in die Kaserne zu den Offizieren auf\ndie Zimmer geht?\nZeuge (der Stiefvater): So schlimm wird\ndas nicht gewesen sein. Wenn sie nur eine\nTasse Kaffee oben trank, kann ich mir nichts\narges dabei denken. Man muss da nicht gleich\nsagen, dass das Mädchen schlecht sei, und ihr\nmit der Sitte drohen.\nSehr peinlich, dass der Vater gegen die\nSitte ist. Er erlaubt seiner Tochter sogar das\nKaffeetrinken im Zimmer eines Offiziers, trotz-\ndem das doch noch höchst verdächtiger ist.\nZahlreiche Mädchen beschwören, dass ihnen\nnichts Nachteiliges über das resolute Mädchen,\ndie erste Zeugin, bekannt ist. Doch der Herr\nPolizeiaspirant, der auf der Stelle verhaftet, wenn\nman sich nicht vorsieht, tritt für ihre Sittenlo-\nsigkeit ein: Ich war berechtigt, in die\nUnbescholtenheit der Zeugin Zweifel zu setzen,\nweil ich im Gespräche mitOffizieren\nihren Namen hatte nennen hören (Bewegung).\nBewegung, jetzt wird die Unzucht hörbar.\nAlso: Gewerbsmässige Unzucht ist, wenn man\nin Gesprächen mit Offizieren den Namen hört.\nVorsitzender: War denn dabei da-\nvon gesprochen worden, dass sie mit den Offi-\nzieren Unsittlichkeiten treibt?\nZeuge: Nein. (Erneute Bewegung).\nEndlich die Definition der gewerbsmässigen\nUnzucht.\nV orsitzender : Und wie kamen Sie\nan das Mädchen heran?\nZeuge : Die Polizeiassistentin gab mir\naui, mich ihr zu nähern und zu sehen, was mit\nihr los sei.\nImmerhin: Otfiziere haben im Gespräch\nihren Namen genannt. Und das kann in Mainz\nim Jahre 1911 geschehen!\nDer Herr Aspirant scheint überhaupt die\nUnzucht in Mainz gepachtet zu haben. Die Zeu-\ngin S. bekundet, dass sie in einem Kinemato-\ngraphentheater gewesen sei und sich nach\nSchluss ruhig und anständig entfernt habe. Trotz-\ndem sei der Aspirant an sie herangetreten und\nhabe sie zur Polizeiassistentin bestellt.\nMan sieht, auch im harmlosen Kientopp\nlauert drohend die gewerbsmässige Unzucht.\nNun wird eine von diesen Mädchen ver-\nnommen. Sie beschwört, dass sie niemals An-\nlass zu polizeilichen Einschreitungen gegeben\nhabe und bestreitet insbesondere jeden Verkehr\nmit Offizieren. Sie gibt aber zu, dass diese und\njene ihrer Freundinnen Beziehungen zu Offizie-\nren gehabt haben, ohne dass sie jedoch sagen\nkönne, ob dabei die Grenzen des Zulässigen\nüberschritten worden Seien. Die Freundinnen\nwerden wohl auch nur die Schwelle überschrit-\nten haben. Es stellt sich nebenbei heraus, dass\ndiese Dame — Erzieherin ist.\nDer Leutnant K. wird vernommen. Und die\nGerichtsverhandlung erhebt sich zur Höhe der\nTragödie. Der Leutnant bekundet, dass er die\nerste Zeugin, das resolute Mädchen, auf der\nStrasse angesprochen habe. Erst später habe er\nsie begleiten dürfen, zu einem näheren Verkehr\nsei es nie gekommen. Sie haben miteinander nur\nGespräche geführt und Spaziergänge gemacht.\nVorsitzender: Verfolgten Sie keinen\nw e i ter e n Zweck?\nZeuge: Nein.\nVorsitzender: Waren Sie nicht im\nBesitz eines Bildes der Meta G.?\nZeuge: Ich habe ihr eins weggenommen.\nVorsitzender: Sie soll ja zu Ihnen\nin die Kaserne gekommen sein, angeblich,\num ihr Bild zu holen.\nZeuge: Das ist auch richtig.\nVorsitzender: Ist sie auf Bestellung\nzu Ihnen gekommen?\nZeuge: Nein. Sie kam und blieb etwa\nfünf Minuten.\nVorsitzender: Ist' es zu keinen Ver-\ntraulichkeiten gekommen? Hat sie Ihnen nicht\ngezeigt, dass sie sich gern von Ihnen puesieren\nlassen wollte?\nZeuge: Nein.\nVorsitzender: Waren Sie dazu\nbereit?\nZeuge : Nein.\nJetzt kann sich der Staatsanwalt nicht mehr\nhalten :\nSie haben früher ausgesagt, Herr Leutnant,\ndass es in Ihrem Kasernenzimmer zu kleinen\nVertraulichkeiten gekommen sei.\nZeuge : Das kann ich heute nicht mehr\nsagen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "629", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3135, "texte": "Staatsanwalt: Haben Sie sie ange-\ngriffen oder gekfisst? Diese Frage ist doch\nvon Interesse für diesen Prozess.\nZeuge: Es ist möglich, dass es zu einem\nK u s s gekommen ist.\nStaatsanwalt: Haben Sie mehr von\nihr verlangt.\nZeuge: Nein.\nDer Verteidiger: Das ist doch eine ganz\nharmlose Sache.\nSollte Kuss und gewerbsmässige Unzucht\nidentisch sein? Da er doch von Interesse für\ndiesen Prozess ist?\nZeuge: Sie hat mir sofort gesagt, Sie\nsei ein armes Mädchen und wisse, dass ein\nLeutnant sie nicht heiraten könne. Schon des-\nhalb würde sie sich nie mit mir einlassen.\nEin türkischer Leutnant wird vernom-\nmen.\nDer türkische Leutnant erzählt unter ande-\nrem, dass er ein Mädchen auf der Strasse an-\ngesprochen habe und dann mit ihr gegangen\nsei.\nVorsitzender: Ist es bei Ihnen in\nder Türkei üblich, dass man einfach ein\nMädchen auf der Strasse anspricht,\num Verkehr zu bekommen?\nZeuge: Ich war schon einmal in Deutsch-\nland, und zwar in Berlin, da wird es auch\nso gemacht.\nVorsitzender: Haben Sie ihr etwas\nzugemutet?\nZeuge: Ja aber es war nichts zu machen.\nNun stellt der Verteidiger fest, dass es sich\nbei den schlimmen zur Verhandlung ste-\nhenden Fällen um sogenannte Verhältnisse han-\ndelt Der Angeklagte, nicht etwa der Herr As-\npirant oder die Polizeiassistentin, sondern der\nRedakteur Hirsch, der diese Mainzer Angelegen-\nheit besprach, erklärt, dass es Verhältnisse geben\nwürde, so lange es Leutnants und junge Mäd-\nchen gibt. Man erfährt manches aus solchen\nProzessen. Aber der Angeklagte findet es un-\ngeheuerlich, „aus solchen Vorkommnissen ge-\nwerbsmässige Unzucht herzuleiten\".\nVorsitzender: Sie hören doch, dass\nder Herr Leutnant wiederholt die Zeche be-\nzahlt hat.\nAngeklagter: Sollte vielleicht das\nMädchen für den Herrn Leutnant die Zeche\nbezahlen?\nSie hätte es lieber tun sollen, sie hätte man-\nches andere gespart.\nDer Prozess ist zu Ende. Der Angeklagte\nwird sicher verurteilt werden, denn er hat im-\nmerhin Dinge behauptet, die er nicht beweisen\nkonnte. Zeugen fallen immer um, das hätte sich\nder Redakteur sagen müssen. Sie erinnern sich\nnicht. Aber er hätte auch bedenken müssen, wie\ngefährlich es ist, sich gewerbsmässig mit Un-\nzucht zu befassen. Wenn man es auch nur als\nPublizist tut, so kann man doch der polizeilichen\nFürsorge unterstellt werden, ohne dass auf die\nErhaltung der Gesundheit aber irgend welche\nRücksicht genommen wird. Man steht vor einem\nRätsel, aber hat folgendes gelernt: Küssen ist\ndoch eine Sünde. Man lasse junge Mädchen\nihren Kaffee selber zahlen. Man nenne in Ge-\nsprächen mit Offizieren nie ihren Namen, und\nwenn man sie ansprechen will, tue man es in\nder Türkei, oder am besten garnicht. Man leide\nlieber an der Sexualität, statt sie zu dulden. Man\ndulde lieber die Unzucht, als sie der Fürsorge\nzu übergeben. Man übergebe die Fürsorge lie-\nber den Männern, weil die Damen der Polizei\nso unsentimental sind. Man dichte lieber Senti-\nmentalitäteil, als sentimental über das Strafge-\nsetzbuch zu werden. Man lese das Strafgesetz-\nbuch lieber nicht, weil man das Deutsch doch\nnicht versteht. 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Die „Geschwindigkeit\" bezeichnet in ge-\nwissem Sinne die „Grösse\" der Bewegung, die\n„Richtung\" die „Form\" der Bewegung.\nWir können uns daher allgemein die „Ge-\nschwindigkeit\" als das quantitative Moment, die\n„Richtung\" als das qualitative Moment der Be-\nwegung vorstellen.\nVII\nDas Problem der „Richtung\" führt in die\nunterste und geheimnisvollste Region der gros-\nsen Bewegungswelt.\nUnsere ganze Raumvorstellung setzt sich\naus drei Richtungselementen, den drei Dimensi-\nonen, zusammen. Durch den Bewegungsprozess\ndieser drei Grundrichtungswerte entsteht über-\nhaupt erst das, was wir „Raum\" nennen. Eben-\nso basiert unser Zeitbewusstsein auf drei Grund-\nrichtungswerten, Grundrichtungsbeziehungen: Ge-\ngenwart, Vergangenheit, Zukunft. Die Tatsache,\ndass man die Terminologie der Raumbegriffs-\nSphäre ohne weiteres in die Zeitbegritfssphäre\nübertragen kann — man spricht bekanntlich von\neinem Zeit punkt, einer Zeit strecke, einem\nZeit räum und so weiter — bewusst, dass „Zeit\"\nund „Raum\" auf einen gemeinsamen Grunder-\nkenntniswert hinzeigen. Dieser Grunderkennt-\nniswert ist die Bewegung und von der Bewe-\ngung wiederum diejenige Elementareigenschaft, die\nwir „Richtung\" nennen.\nMit dem kleinsten Teile der Kreislinie ist\ndas Gesamtrichtungsbild des vollendeten Kreises\nschon gegeben, der kleinste Bewegungspunkt einer\nkreisförmigen Bewegung enthält gleichsam als\nKeim den Gesamtrichtungswert, das Gesamtrich-\ntungssystem des geschlossenen Kreisganzen.\nDie verschiedenartigsten Richtungswerte und\nRichtungsmöglichkeiten können in ungeheurer\nKonzentration in der winzigsten Bewegungsgrö-\nsse, im verschwindensten Bewegungsatom —-\nAtom hier selbstverständlich als reiner Grössen-\nwert gedacht ohne den geringsten substanziellen\nBeigeschmack — sich befinden und erst im Ver-\nlauf der Bewegung zur vollen Entwicklung und\nEntfaltung gelangen. Man denke zum Beispiel\nan den geschleuderten Bumerang, an die Billard-\nkugel, et cetera.\nSo wird die ganze wunderbare Tatsache der\nBefruchtung und Geburt verständlich, wenn wir sie\nauffassen als Ueberiragung eines Konzentrations-\nwertes kompliziertester und differenziertester Rich-\ntungskeime und selbstverständlich auch Geschwind\ndigkeitsqualitäten, die wiederum durch Bewegungs-\neinflüsse zu voller Entfaltung kommen.\nMan vergegenwärtige sich das Problem des\nrechten und linken Handschuhes, die bekanntlich\nbeide trotz ihrer scheinbar bis ins Einzelne und\nKleinste übereinstimmenden Grössen- und For-\nmengleichheit ohne weiteres nicht zu vollständi-\nger Deckung gebracht werden können. Unter-\nnimmt man die Lösung dieses Problems unter\nVoraussetzung der allgemein herrschenden star-\nren Raum- und Subsfanzvorstellung, so stösst\nman unfehlbar auf einen nicht zu beseitigenden\nRest von Geheimnisvollem und Unaufgeklärtem.\nHöchst bedeutsam und interessant ist es aber,\ndass die bisherigen Lösungsversuche zur Annah-\nme einer vierten Dimension, also einer neuen,\nnoch unbekannten Richtungsinstanz, geführt haben.\nWenn wir das Problem vom Standpunkte\nder reinen „Bewegung\", speziell der einen Grund-\nbewegungseigenschaft, der „Richtung\" aus be-\ntrachten, kommt sofort Licht in das Dunkel.\nWir stellen uns jeden der beiden Handschuhe,\nden rechten und den linken — wie überhaupt\njedes körperliche Gebilde — vor als ein Bewe-\ngungsprodukt, als ein Bewegungsresultat, als\neinen Bewegungskomplex und ein Richtungssys-\ntem; als eine Summe von Bewegungs- und Rich-\ntungsqualitäten. Bringen wir die beiden Hand-\nschuhe an einem ihrer korrespondierenden Ober-\nflächenpunkte — etwa an der Spitze der beiden\nDaumen — mit einander in Berührung, so ha-\nben wir es, von diesem Berührungspunkte aus\ngerechnet, mit zwei Bewegungssummen, mit zwei\nRichtungssummen zu tun — soweit wir die bei-\nden Körpergebilde mit unserer Wahrnehmung\ngleichsam ausmessen, — die sich zwar in der\nGruppierung der einzelnen Teilrichtungen inner-\nhalb jeder Richtungssumme, in der Reihenfolge\nder einzelnen Richtungssummanden und in ihren\nVerhältnissen zu einander vollkommen gleichen,\nsich aber durch eine grosse Gesamtrichtungs-\ndifferenz von einander unterscheiden, wenn wir\njede der beiden Bewegungssummen, das heisst\njeden Handschuh von dem Berührungspunkte\nder Daumen mit unserer Wahrnehmungs- und\nVergleichungstätigkeit ausgehend, — als Bewe-\ngungsganzes als Bewegungskomplex überschauen.\nDiese Gesamtgrundrichtungsdifferenz strahlt aus\nbis in die kleinsten Teile, bis in die kleinsten\nund entferntesten Richtungsbeziehungen und Rich-\ntungsverhältnisse der beiden Handschuhe, sie\nwächst, sie vermehrt und vervielfältigt sich in\ndem Masse, in dem wir während des Verlaufes\nunserer Wahrnehmungsausmessung zu immer kom-\nplizierteren und verzweigteren Richtungskonstel-\nlationen und Richtungszusammenhängen gelangen.\nEine Ausgleichung und Aufhebung der Grund-\nrichtungsdifferenz kann nur durch eine Grund-\ngesammtrichtungsänderung erreicht werden, nur\ndadurch, dass die ganze Bahn der Grundgesamt-\nrichtung wieder rückläufig durchmessen, gleich-\nsam wieder durch alle Ausstrahlungen, Verzwei-\ngungen und Vervielfältigungen rückwärts verfolgt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "630", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9947, "texte": "vermittelst komplizierter und intimer Be-\nwegungsvorgänge .\nDer Handschuh muss gewendet werden.\nAuch hier begegnen wir der Tatsache einer\ngrossen Gesamt- und Hauptrichtung, die durch\ndie zahlreichsten und verschiedenartigsten Rich-\ntungsvariationen, Differenzen und Abweichungen\nim einzelnen, ihren Hauptrichtungscharakter, ihre\nKeim- und Entwicklungstendenz nicht verliert,\nsondern unerbittlich beibehält und einen ganzen\nBewegungskomplex ihrer Wirkungslinie nach be-\nstimmt. Eine jede solche Grundgesamtrichtung\nkönnen wir uns, mit Rücksicht auf einen noch\ngrösseren, uns vielleicht nur verborgenen, Be-\nwegungszusammenhang, wiederum ihrerseits als\nEinzelrichtung und Einzelvariation innerhalb\neiner anderen, noch grösseren, tiefer und weiter\nwirksamen Grund- und Hauptrichtung vorstellen\n— und so fort in majorem et in minorem par-\ntem unserer ganzen Wahrnehmungsweit. Je grö-\nssere Bewegungszusammenhänge wir zu über-\nschauen und zu durchschauen vermögen, um so\ngrössere und mannigfaltigere Richtungsformen,\nRichtungsbeziehungen und Richtungsmöglichkeiten\nwerden wir erkennen. Jede Erscheinung der Be-\nwegungswelt wird uns deshalb um so klarer\nund verständlicher werden, je mehr wir alle ihre\ninnewohnenden und in ihr wirksamen Richtungs-\nqualitäten und Richtungspotenzen erforschen, je\ntiefei wir in die verborgenen Untergründe und\nGeheimnisse ihrer „Richtungswelt\" eindringen.\nEs gibt sicher noch eine Fülle von Rich-\ntungstatsachen und Richtungsmöglichkeiten, die\nfür unsere ganze Natur- und Lebenserkenntnis\nvon allergrösster Wichtigkeit und Bedeutung\nsind, die wir aber noch nicht entdeckt haben,\nweil unsere gesamte Welt- und Wirklichkeitser-\nforschung sich bisher in der grundfalschen Bahn\nder Einheits- und Substanzvorstellung vollzogen\nhat; die wir aber in Zukunft finden und für die\nErkenntnis nutzbar machen werden, wenn uns\ndie Ueberzeugung in Fleisch und Blut überge-\ngangen ist, dass das Reich der „Wirklichkeit\"\nnur im Reiche der „Bewegung\" gesucht werden\nmuss.\nDer Bildungs- und Entwicklungsgang des\nmenschlichen Gehirns, rein physiologisch aufge-\nfasst, zeigt uns, wie durch neue Richtungsmög-\nlichkeiten für unsere Wahrnehmung neue Raum-\nmöglichkeiten entstehen können. Die Genesis un-\nseres Gehirnorganes, die Entwicklungsgeschichte\nseiner stofflichen Natur lehrt uns, wie beliebige Ver-\nmehrung von Substanz und substanziellen Qua-\nlitäten ohne Vermehrung von Volumen möglich\nist. Sie lässt uns durch spiralförmige und\nandere kunstvolle Einschachtelungsvorgänge et\ncetera immer wachsende Raum- und Substanzzu-\nnahme wahrnehmen, die nur aus Richtungszunahme,\ndas heisst aus neuen Richtungsbildungen, aus\nBewegungstatsachen heraus verständlich wird, die\nwir mit Hilfe unserer bisherigen starren Raum-\nund Substanzvorstellung aber uns nicht zu e-\nklären vermögen.\n„Neue Richtung\" schafft und erzeugt neuen\n„Raum\".\nKurz, wohin wir auch blicken mögen, über-\nall stossen wir auf die Elementartatsache der\n„Richtung\" und die „Richtungswirksamkeit\".\nIn dem Masse, in dem die grosse Bewe-\ngungserkenntnis fortschreitet, in dem Masse wird\nsich die grosse Elementarwissenschaft der Zu-\nkunft, die „Richtungslehre\" ausbilden und ver-\ntiefen.\nVIII\nDie zweite von uns wahrgenommene Grund-\neigenschaft der Bewegung ist die „Geschwindig-\nkeit\".\nDie moderne Naturwissenschaft hat bereits\nwenigstens bis zu einem gewissen Grade erkannt,\nwelche Bedeutung Geschwindigkeitswerte und\nGeschwindigkeitsmasse für die Erklärung der\nNaturerscheinungen besitzen. So hat man be-\nkanntlich festgestellt, dass den Erscheinungen des\nLichtes und des Schalles gewisse Geschwindig-\nkeitsgrössen und Geschwindigkeitsdifferenzen zu\nGrunde liegen.\nDabei hat man beobachtet, dass eine Zu-\nnahme der Geschwindigkeit (unter gewissen\nGrundrichtungsvoraussetzungen) einer Zunahme\nderjenigen Wahrnehmungserfahrung entspricht, die\nwir „Intensität'4 nennen.\nWir wissen, dass alle Licht- und Farben-\nqualitäten, sowie alle Tonarten und Tonformen\nin erster Linie auf Geschwindigkeitsqualitäten\nund Geschwindigkeitsformen zurückzuführen sind.\nAuf diesen Sinnesgebieten ist die ganze Wahr-\nnehmungsfähigkeit überhaupt erst durch eine ge-\nwisse Minimalgeschwindigkeitsgrösse bedingt.\nDas Geschwindigkeitsmoment, in Verbindung\nmit der früher erwähnten grossen konzentrato-\nrischen Urrichtungstendenz, die zu den Elementar-\nerkenntniswerten „Stoff\" und Kraft führte, ist wahr-\nscheinlich ausschlaggebend <für die Wahrnehmungs-\nform, die wir kurz und grob einmal als „Prin-\nzip der Dichtigkei \" bezeichnen wollen. Vollzieht\nsich der „Verdichtungsprozess\" der Bewegung\ninnerhalb eines geschlossenen Richtungssystems\nin der Elementarrichtung der „Einheitsvorstel-\nlung\" als solcher, der Vorstellung des „Seins\",\nder (scheinbaren) „Nichtbewegung\", auf Grund\ngewisser Geschwindigkeitspotenzen und nach\nMassgabe dieser Gesehwindigkeitspotenzen, SO'\nentsteht vermutlich die Wahrnehmungstatsache\ndes „Stoffes\" der „Stofflichkeit\", der „Körperlich-\nkeit\" schlechthin. Vollzieht sich der „Verdich-\ntungsprozess\" der Bewegung innerhalb eines ge-\nschlossenen Richtungssystems dagegen in der\nElementarrichtung der „reinen Bewegungsvor-\nstellung\", der Vorstellung des: „Werden\", das\nheisst der Vorstellung der Bewegung als solcher,\nsoweit wir sie unmittelbar und als Gegensatz\nzur (scheinbaren) „Nichtbewegung\" wahrneh-\nmen, auf Grund gewisser Geschwindigkeitspo-\ntenzen und nach Massgabe dieser Geschwindig-\nkeitspotenzen, so entsteht vermutlich die Wahr-\nnehmungstatsache der „Kraft\", deren „Dichtig-\nkeitsgrade\" als „Stärkegrade\" figurieren.\nEs würde demnach der Grad der „Dich-\ntigkeit\" der „Materie\" direkt durch den Grad\nder „Geschwindigkeit\" der Bewegung, die der\nMaterie zu Grunde liegt, bedingt sein.\nWir können uns die Welt der „Körper\"\nvorstellen als „Bewegungskomplexe\" von so im-\nmensen Geschwindigkeitsgraden innerhalb eines\nBewegungskomplexes, dass sie sich, — wenig-\nstens bis jetzt — unserer Wahrnehmung entzie-\nhen, wenigstens vorläufig von uns nicht gemes-\nsen werden können.\nDie Erscheinungen der „Elektrizität\" und des\n„Magnetismus\" geben uns einen überraschenden\nWink dahin, dass sich gerade in der „dichtesten\"\nMaterie, in der scheinbar „bewegungsfeindlich-\nsten\" „Substanz\" die ungeheuersten Bewegungs-\nvorgänge abspielen, die fabelhaftesten Geschwin-\ndigkeitsgrade wirksam sind.\nWahrscheinlich ist auch in der Welt der Ge-\nschwindigkeit noch eine ungeahnte Fülle neuer\nund verborgener Formen, Beziehungen und Mög-\nlichkeiten zu entdecken.\nIn dem Masse, in dem die grosse Bewe-\ngungserkenntnis fortschreitet, in dem Masse wird\nsich die andere grosse Elementarwissenschaft der\nZukunft die „Geschwindigkeitslehre\" ausbilden\nund vertiefen.\nIX\nWie man bei „Licht\" und „Schall\", die man\nals gewisse Uebergangsformen, als Mittelformen\nzwischen „Bewegung\" und „Substanz\" (schein-\nbare Nichtbewegung) betrachten kann, die unter\ndem substanziellen Bilde verborgenen Bewegungs-\ntatsachen wenigstens bis zu einem gewissen Gra-\nge nachgewiesen hat, so wird es künftig vielleicht\neinmal gelingen, alle substanziellen Qualitäten\nüberhaupt, alle stofflichen Eigenschaften und Un-\nterschiede, alle Wahrnehmungstatsachen der „Ma-\nterie\" auf „reine Bewegung\", auf reine Rich-\ntungs- und Geschwindigkeitsqualitäten zurückzu-\nführen und alle „Substanz\"-Werte in „Bewe-\ngungs\"-Werte zu übersetzen.\nDas ist die grosse Aufgabe der Wissenschaft\nder Zukunft, alle „Substanz1' restlos in Bewe-\ngung\" aufzulösen für unsere Erkenntnis hinter\nallem Schein „Sein\" die Wirklichkeit „Werden\"\nzu entdecken und zu messen.\nDie Wissenschaft wird soweit in der Er-\nforschung und Erkenntnis der Wirklichkeit vor-\nwärts schreiten, als es ihr glückt, „Bewegung\"\nfestzustellen. Dazu muss sie freilich von Grund\nauf umlernen, sie muss lernen, in diametral-ent-\ngegengesetzter Richtung zu forschen und zu prü-\nfen wie bisher, sie muss ganz andere neue Me-\nthoden der Wirklichkeitserforschung finden und\nerfinden.\nUm den grossen Gegensatz zwischen der\nheutigen Wissenschaft und der von mir geahn-\nten Wissenschaft der Zukunft an einem bestimm-\nten Beispiele darzutun, will ich den Fall setzen,\nman früge einen Chemiker der Gegenwart und\neinen Naturforscher, wie ich ihn mir in Zukunft\nvorstelle, nach einem gewissen „Stoffe\", etwa\nnach „Glas\". Der Chemiker von heute würde\nmir auf diese Frage eine Formel nennen, die\ngenau angibt, aus welchen Substanzelementen\n„Glas\" besteht, die mir die stofflichen Verbin-\ndungsverhältnisse des Glases qualitativ und quan-\ntitativanzeigt, — mein Naturforscher der Zukunft aber\nwürde imstande sein, mir als Antwort auf meine\neine Formel zu entwickeln, die den Eingeweihten\nin Zahlen und Zeichen bis aufs kleinste und\nfeinste genau verkündet, aus welchen reinen Be-\nwegungstatsachen, aus welchen Richtungs- und\nGeschwindigkeitsformenwerten und Verhältnis-\nsen die Substanztatsache sich zusammensetzt,\ndas stoffliche Wahrnehmungsbild entsteht, das\nwir „Glas\" nennen.\nVielleicht gelingt es sogar noch einmal, auf\nmikroskopischem Wege die den festen, starren\nSubstanzbildern zu Grunde liegenden Bewegungs-\nbilder sichtbar zu machen. Um das zu errei-\nchen, darf man auch an den kleinsten und schein-\nbar unbedeutendsten Bewegungswahrnehmungen\nnicht mehr achtlos vorübergehen; man muss\nauch die winzigste und verschwommenste Flim-\nmererscheinung ausserordentlich wichtig nehmen\nund sie für fähig halten, entscheidende Realitäts-\naufschlüsse zu geben, weil man eben nicht mehr\nnach „Substanz\" forscht, sondern nur nach „Be-\nwegung\".\nWelchen überraschenden und neuen Einblick\ngewinnen wir durch die grosse Bewegungser-\nkenntnis, durch die reine Bewegungslehre in die\nTiefen des ganzen Naturgeschehens, in alle bis-\nher kaum halb aufgeklärten Erscheinungen, Dinge\nund Vorgänge der Welt und des Lebens! —in\nwelchem neuen Lichte, in welcher wunderbaren\nKlarheit und Verständlichkeit erscheinen uns jetzt\nProbleme wie die der „Schwerkraft\", der „Er-\nhaltung der Kraft\", der „Wärme\", des „Magne-\ntismus\" und der „Elektrizität\", und andererseits\nwieder der „Zeugung\", der „Ernährung\" etce-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "631", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2947, "texte": "tera, die man bis jetzt nicht genügend von Grund\naus erklären konnte, weil man in alle Erklärungs-\nversuche noch das alte Substanzvorurteil hinein-\ntrug. weil man den letzten Rest der Substanz-\nlüge, das „Atom\", nicht los wurde, sondern aut\nallen Wegen und Gängen der Forschung als\nBallast und Hindernis der Erkenntnis mitschlep-\npen musste! — Wie verständlich wird alles,\nwenn wir wissen, dass es sich im Grunde im-\nmer nur um „Bewegung\" handelt, um Bewe-\ngungsformen und Bewegungsbeziehungen! —\nDie vollständige Ueberwindung des uralten Sub-\nstanzvorurteiles, die grosse Einsicht in die Wirk-\nlichkeit der Bewegung bedeutet eine ungeheure\nBefreiung der Erkenntnis, bedeutet die Befreiung\nder Erkenntnis!\nUnd welchen unberechenbaren Einfluss wird\nder grosse Bewegungsgedanke erst haben auf\ndie Dinge und Vorgänge unserer inneren Sinn-\nlichkeit, die wir „Geist\" oder „Seele\" nennen,\nwelche Bedeutung für die Beurteilung und Wer-\ntung ihrer Wirksamkeit!\nSind doch hier bisher alle mächtigen Grund-\nwerte auf den Glauben an die „Substanz\", an\n„Beharrliches\" und „Unveränderliches\",auf den Abe-\nrglauben der „Einheit\" getauft und geweiht worden:\n„Gott\", „Ursache\", „Willensfreiheit\", „Ewigkeit\"\net cetera! Sind doch hier unerklärliche und\ngeheimnisvolle vermeintliche Elementarformen der\nErkenntnis entstanden, wie: „Endlichkeit\" und\n„Unendlichkeit\", „Raum\", die nur irrtümlichen\nund falschen Auslegungen und Beziehungen von\n„Einheits\"- und „Substanz\"-Vorstellungen ihr\nSchein-Dasein verdanken.\nBegnügen wir uns vorläufig damit, über die\nHauptsache klar zu werden, dass die neue gro-\nsse Bewegungsumwertung die gewaltigste Revo-\nlution zur Folge haben wird, die je im Geistes-\nleben der Menschheit stattgefunden hat.\nX\nBewegung ist die erste und unmittelbarste\nTatsache, die uns gegeben. Unsere erste Er-\nfahrung, unser erstes Wirklichkeitsmoment über-\nhaupt, sobald wir geboren sind, ist ein dunkles\nBewegungsgefühl, ein Gefühl von Bewegung,\naus dem heraus dann, wiederum durch Bewe-\ngung, durch Bewegungszunahme, sich allmäh-\nlich unsere ganze Bewusstseinswelt entwickelt.\nDie höchste und eigenste Tatsache unserer\nErfahrungswelt, die wir „Leben\" nennen, ist\nihrem Wesen nach: Bewegung.\nWas sich nicht mehr bewegt — nicht mehr\nzu bewegen scheint — ist tot.\nJe tiefer wir auf dem Wege des Erkennen-\nWollens in das Reich der „Substanz\" einzudrin-\ngen versuchen, um so stummer und dunkler wird\nes um uns her; je mehr wir dagegen von der\nwunderbaren Welt der „Bewegung\" entdecken\nund erforschen, um so lichter und lebendiger wird\nrings die Landschaft, um so deutlicher und un-\nmittelbarer spricht zu uns — die Wirklichkeit.\nXI\nDieses Buch soll nichts anderes sein als eine\nSkizze, eine Anregung. Es enthält im wesent-\nlichen nur Andeutungen.\nEin einziger grosser Grundgedanke ist in\nihm niedergelegt, der der denkbar reichsten Ent-\nwicklung und Vertiefung fähig ist.\nDieses Buch ist der Keim zu einer neuen\nWelt.\nMöge die neue Welt aus ihm hervorgehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "631", "page_fin": "631", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.4", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen : Liebe Jungens", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen : Liebe Jungens", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "631", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.5", "debut_caractere": 2949, "fin_caractere_exclue": 8163, "texte": "Briefe nach Norwegen\nLiebe Jungens\nVon Else Lasker-Schüler\nIch habe hier nun keinen Menschen, dem\nich das alles erzählen kann, kommt bald wie-\nder' Der Peter Baum ist ein Schaf, er grast\nimmer auf der Wiese bei seiner Mutter und\nimmer kann er nicht loskommen von Hans oder\nvon einem anderen Cousin des Wuppertals. Oder\nseine Schwester lässt ihn nicht fort, oder Maja,\nsein Weib, ist zurückgekehrt von der Reise. Ohne\nPeter Baum kann ich nicht leben. Er rügt mich\nnie, er findet, alles passt zu mir, was ich tu.\nAber vor Dir hab ich Angst, lieber Herwarth,\neine Backpfeife wäre mir lieber als dein stren-\nges Gesicht. Den Geschmack habe ich noch von\nder Schule her. Und ich werde lieber in Dei-\nner Abwesenheit diese Briefe an Dich und\nKurtchen an deine Druckerei schicken. Du\nsagst ja doch, es geht nicht, aber es geht alles,\nwas man will. Peter Baum findet auch nichts\ndabei. Den ganzen Tag hab ich gestern auf ihn\ngewartet, ich schrieb dreimal denselben Brief an\nihn, einen sandte ich an seine erste Wohnung,\nden zweiten an seine neue Wohnung und den\nletzten an seine Mutterwohnung nach Friedenau.\nAuf Wupperthaler Platt. „Lewer Pitter Boom,\ndat letzte Mol, dat eck Deck schriewen tu:\nkomm oder komm nich, ollet Mensch. Eck han\nDeck so voll tu verzählen, eck wees jo nich,\nwat eck met all die Liewe donn soll. Eck\nweess nich, wän eck von de dree Arbeeter liewe,\nden Frederech oder den Willem oder den Ost-\nPrösen. Du sollst meck helpen tu sinnen, dom-\nmet Rendveeh. För wat böss De denn geborn?\nOn leih meck een Kastemännecken, eck han ver-\ndeck keene Kartoffel mähr em Hus, on necks tu\nfreien. Eck gew et Deck weher, so wie ming\nGelägenheetstrauerspeel, Pastor Kraatz, opge-\nföhrt wörd. Der Derektör han et meck ver-\nsproocken optuföhren; wenn meck ens nur der\nolle Grossvatter em erschten Akt vorher nich\nsterben dut; hä leid on die Luft. Det weest\nDe jo. On de Doktor Rodolf Blömner vom düt-\nschen Triater soll emm speelen, ewwer wat soll\neck anfangen, wenn hä sinne spassegen Opern\nmakt, on eck kann nich henkicken, weel wir bös\nsinn. Du gönnst et meck wohl nich, fiser Peias.\nKömmst De nu, oder nich? Komm ens wacker!\nDing Amanda\".\nDenkt mal, er ist abgereist mit seiner Schwe-\nster Julie nach Hiddensee, am Hohenzollerndamm\nwohnt seine Frau, die Matja, mit ihrer Freundin\nJenni, in der alten Ringbahnstrasse hat Peter Baum\nseinen Roman liegen lassen. Die Tapezierer haben\ndie Hälfte Blätter schon mit Kleister beschmiert, um\nsie unter die neue Tapete zu kleben. Aber was\ngeht das uns an. Hast Du Dir den Brief von\nder Post in Kristiania abgeholt, lieber Herwarth?\nWas sagst Du dazu, dass Deine Pantomime in\nganz Luxemburg angenommen worden ist? Ich\nsinge immer seitdem, ich bin der Graf von Lu-\nxemburg und hab mein Geld verjuxt, verjuxt.\nLieber Kinder, ich habe Euch schnell was\nfurchtbar schmerzliches zu sagen, der Marroka-\nner ist entführt worden von einer Undame.\nHerwarth, gestern war ein Monstrum im\nCafe mit orangeblonden, angesteckten Locken,\nund wartete scheints bis Mitternacht auf Dich,\nHerwarth. Leugne nur nicht, Du kennst sie; sie\nsprach genau so im Tonfall wie Du, überhaupt\nganz in Deiner Ausdrucks weise. Nachher ging\nsie in die Telephonzelle; ich und Zeugen hörten\nsie unsere Nummer rufen, aber Deine Sekretärin\nmusste wohl schon gegangen sein, denn das\nMonstrum stampfte so wütend mit dem Fuss,\ndass die gläserne Tür des kleinen Kabinetts\nklirrte. Und so stampfen nur Verhältnisse,\nwäre doch eine Gemeinheit von Dir, wenn\nmir untreu wärst. Jemand hat hier im Cafe\nsehn, wie sie Dir unter dem Tisch eine i\nkünstlichen orangefarbenen Locken schenkte. 1\nwas wollt ich noch sagen, heute Morgen\nMinn bei mir in der Wohnung, auf seiner\nzen Schulter trug er einen grossen Reisek\nmich darin sofort einzupacken nach Tanger,\nwill es mir noch überlegen mit dem Bise\nnatürlich wenn der mich wirklich liebt, k\nich ja nicht weg. Aber eins, Niemand schws\nso für Deine Pantomime wie der Erzbischof;\nder Slawe. Also bleibe noch ruhig am Nord}\nDu und Kurtchen.\nLieber Herwarth, zum Wohlsein Kurtchen,\ngestern sind meine Grete und ich fast überfallen\nworden! ! Sie flickte mir gerade meinen Rock.\nIhr Willy war es, der doch so ungefährlich aus-\nsieht Sie hat ihm in der letzten Zeit dieselben\nBriefe geschrieben, die ich ihr an Dich und\nKurtchen vorlas. Was wir so alles durchmachen,\nauch geht es mir materiell schlecht. Im Cafe\nhabe ich grosse Schulden, beim Ober vom Mit-\ntag: ein Paradeishuhn mit Reis und Apfelkom-\npott; beim Ober von Mitternacht: ein Schnitzel\nmit Bratkartoffeln und Preisseibeeren und ein\nVanilleneis, ein ganzes zu fünfzig Pfennig. Mar-\ntha Hellmuth, die Zauberin Hellmüthe in mei-\nnem St. Peter-Hille-Buch, lieh mir einen Gro-\nschen fürs Nachhausekommen, sonst hätte ich\nDir wieder mein Wort nicht halten können.\nUnd nachher kam Rechtsanwalt Caro, er ist di-\nrekt ein gentleman, er gab mir für dich zehn\nMark; er sei Dir das schuldig. Als ich dann\nLachs mit Buttersauce gegessen hatte, fiel mir\nein, es war eine elegante Ausrede von ihm. Was\nman doch an Keingeld zu Grunde geht, zwar\nKleingeld vertrag ich noch weniger, ich bin\nvon Hause nicht en miniature gewöhnt. Macht\nEuch keine Sorgen um mich, so lang ich noch,\nim Fall einer Mobilmachung, was zu versetzen\nhab — Euer Krösus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "631", "page_fin": "632", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.5", "titre_corps": "Der kommende Mann : Eine Vision", "titre_sommaire": "Der kommende Mann : Eine Vision", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "631", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.5", "debut_caractere": 8165, "fin_caractere_exclue": 9041, "texte": "Der kommende Mann\nEine Vision\nVon Mynona\nZibulke aus der Osteroder Chaussee sagte:\n„Haben Alexander gehabt. Wir haben Muchler,\nden General Wunk, riaben Napoleon, den Affen\nKonsul, den Musiker Thoendling, den Theater-\ndirektor Turl gehabt, sowie den Grafen Durak,\nden Schiffskommandanten Goethe, den Steuer-\nmann Schiller, den Bureauchef Kohn XXI, ta-\ndellos grossen Mannsen, die Dame Schpela,\nden Zirkusdirektor Nietzsche, den genialen Bör-\nsianer Buddah, den Dynamitarden Muhamed,\nProfessor Roda-Roda, vor allem den grandiosen\nKammerjäger Shakespeare — eh bien! voila!\nHailoh! En avant! Ziehen wir das Fazit: wie\nwird der kommende Mann aussehen?\"\nZibulke holte ein Büchlein aus der Tasche,\ndessen Rückseite die Gesichtszüge aller genann-\nten grossen Menschen reklamemässig zierten;\nein Büchlein aus dem Verlag Schneemann. Er\nschnitt sich die Bilderchen heraus, und setzte sie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "632", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1812, "texte": "in ein kleines kinetoskopisches Rad, und nun\ndrehte er los, und es wirbelte! Die Gesichts-\nzüge der verschiedenen Genies durchdrangen ein-\nander, und vor den entsetzten Augen Zibulkes\nerschien die grinsendste Fratze, die jemals in\neine Phantasie kommen kann: ein Kaliban,\nein Gorilla; wie man sich etwa den Urmenschen\no-ero vorstellen mag, wenn man verbohrt, ver-\neint, vernagelt und verhäckelt ist. Zibulke\n, die Kurbel fahren und sagte, leichenblass\nGesicht: „Scheusslich.\" Es gebrach Zihul-\nan der logischen Kraft, bündige Schlüsse\nziehen. Er hatte das Vorurteil, das Durch-\nüttsgesicht der Allergrössten müsste ausfal-\nals das des Allerallergrössten. Guter, ver-\ntrauensseliger Zibulke: der Durchschnitt fällt\nplatt aus und zwar, wenn das Niveau hochge-\nnommen wird, eben abgründig platt. Zibulke\nhatte die Gesichtszüge des grossen Menschen\nunfreiwillig karikiert. Und sollte man's glau-\nben? Zibulke ging an diesem Erlebnis glatt zu\nGrunde! Las nämlich irgendwo bei H.H.Ewers,\ndas Ziel der Menschheit läge in ihren höchsten\nExemplaren und wurde natürlich rettungslos\nschwermütig; ein zweiter Jüngling zu Sais in\nAegypten. —\nDamit ist nicht das geringste gegen die\nbildhafte Erschliessbarkeit kommender Männer\nentschieden und gar nichts gegen die Verwend-\nbarkeit der Kinetoskopie zu allerhand visionä-\nRen Erschliessungen. Man muss nur methodi-\nscher verfahren! Zibulke est mort, vive Zibulke!\nDie komponierten Gesichter von Papa und Ma-\nma könnten sehr wohl epigonisch resultieren.\nAlso nicht wahllos wie Zibulke durcheinander-\nwirbeln — sondern mit wählerischem Blick für\ndie Antagonismen: Zum Beispiel der bekannte\nKriegsfürst Huldrich Fernkäse könnte, mit Ber-\ntha Suttner gemischt, ein prachtvoll zwingendes\nResultat ergeben: Heross und Idylle! Das ist,\nweil es Methode hat, immer noch kein Wahn-\nsinn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "632", "page_fin": "632", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.6", "titre_corps": "weiter Jahrgang", "titre_sommaire": "weiter Jahrgang", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "632", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.6", "debut_caractere": 1887, "fin_caractere_exclue": 6909, "texte": "weiter Jahrgang\n>tes Halbjahr\nDie römischen Ziffern bezeichnen die Nummern,\ndie arabischen die Seitenzahlen der Zeitschrift.\nBeiträge\nJoseph Adler\nAlles aus Liebe zur Kunst LVII 456\nDeutsche Phraseure LXIV 511\nDie vier Toten der Fiametta LXVI 524\nSchon wieder der Meyer LXXIV 592\nFriedrich Kurt Benndorf\nDie Tat LXIX 551\nVom Gedichtelesen LX 479\nEduard Bernstein\nMehr Kinder LVIII 460\nErnst Blas's\nArmin Wassermann LXVII 535\nDas Behagen LXX 558\nMax Br o d\nDie Volksversammlung LXI 485\nLXII 494\nVersuch einer neuen Metrik LVIII 462\nViktor von Dirsztay\nPubertät LXIX 551\nWahrnehmungen ' LXXVIII 623\nAlfred Doeblin\nDer Dritte LXXVII 613 LXXVIII 621\nDie Helferin LXII 493\nDie Segelfahrt LXIX 549\nDie Verwandlung LXXIII 581\nMehr Kinder LVII 452 LIX 468\nPantomime LXVII 531\nZwei Liederabende LVII 455\nQuintus Fixlein\nVon Leutchen, die ich lieb gewann LXII 496\nWarum? LIX 472\nRichard Fuchs\nDer Rang der Geschlechter LXX 557\nDie Lehrprobe des Mannes LXXIV 589\nDie neue Kunstanschauung LXIII 502\nGo 1 o Gan g i\nDr. S. Friedlaender: Friedrich Nietzsche LXVIII 544\nPer Hallstroem\nAdonia LVIII 460 LIX 471 LX 477\nKarl Haman\nLiterarhistorik und Journalismus LXIV 509\nWalter Heymann\nBerliner Sezession 1911 LXIII 503 LXV 519\nLXVII 534 LXVIII 543\nKurt Hi 11 e r\nDer antinomische Leu LXXV 600\nDer Relativismus in der Rechtsphilosophie\nund seine Ueberwindung durch die Resti-\ntution des Willens LIX 469\nLX 476 LXI 486\nPrivatdozentisches LXXII 575\nZur Auswahl LXIX 551\nJakob van Hoddis\nDer Oberlehrer LXIV 510\nHermann Koch\nBiosphor LXVIII 544\nV|V e Nx = 2 = Nz\nY/x Ex = DJ LXVI 525\nMoritz König\nMutter Natur LXXVI 606\nFritz Kreuzig\nProteus LXXVI 607\nArthur Kronfeld\nBekannte LXI 488\nFrühling LXV 520\nElse Lasker-Schüler\nAbel LXXII 574\nAntinous LXIX 549\nBriefe nach Norwegen LXXVII 615\nLXXVIII 622 LXXIX 631\nDem Barbaren LXIV 508 LXVII 534\nDem Prinzen von Marokko LXXIII 581\nFriedrich von Schennis LXXIV 590\nGedichte LVIII 461\nUnser Liebeslied LXIII 502\nWauer via München, weiter und so weiter LXXII 575\nSamuel Lublinski\nRomantik und Stimmung LXXV 598 LXXVI 604\nJoseph August Lux\nDer Ingenieur LXVI 526\nMinimax\nVermischtes LXIV 512\nOctave Mirbeau\nMarie-Claire LVII 454\nMy n o n a\nAuf den begrabenen Dieb August S.,\ngenannt „Dummer August\" LVII 455\nFabelhaftes LXIV 507\nDer kommende Mann LXXIX 631\nSar Peladan\nDie höchste Tugend LXV 517\nLXVII 533 LXVIII 540\nGedanken LIX 468\nHeinrich Pudor\nZur Physiologie der Frivolität LXXIV 591\nDr. Anselm Sabberer\nDas Mensch als Kunstwerk LXXV 600\nPaul Scheerbart\nDer brennende Harem LXXII 573\nDer Kaiser von Utopia LVII 453 LVIII 461\nLIX 470 LX 478 LXI 487\nKapitän Junker auf der Insel Tamuso LXXVI 605\nLiteraturgeschichte LXX 560\nLufthafen und Schwiegermama LXIII 501\nWir leben nicht im Zeitalter der Qualität LXVII 535\nOlga Schneider\nTraum LXI 488\nA. R. Schönlank\nDie neue Malerei LVIII 463\nHjalmar Soederberg\nAus der Vergessenheit LXX 559 LXXI 566\nOtto Stoessl\nBalzac LXII 494\nDer Skeptiker LXXI 564\nAugust Strindberg\nDie Drangsale des Lotsen LVII 452\nTrust\nAn die Herren Vorsitzenden der Deutschen\nHeimatspiele LX 479\nAus der Presse LXXVIII 619\nBerliner Leben LXIII 504\nDie Kunst in Kneipe und Heim LXXI 564\nDie Kunst stirbt LXXIII 583\nDie Vinnen gegen den Erbfeind LXXV 596\nEinsichten LXXII 572\nFurchtbar dräut der Erbfeind LXIII 500\nFür Freunde der Poesie LXVI 528\nGelesenes und Erlebtes LIX 472\nGewerbsmässige Unzucht LXXIX 627\nLiteratur, Wissenschaft und Kunst LXIX 548\nSchalmeienklänge LXV 516\nSchönheit! Schönheit! LXX 556\nVon Dichtern LXXIII 580\nWieder eine Woche LXIV 508\nZeitgeschichte LXI 484\nZeitgeschichten LXII 492 LXVIII 540\nLXXIV 588 LXXVII 615\nErich Unger\nNachts LVII 452\nWilliam Wauer\nDer Regisseur LXVIII 542\nDer Schauspieler LXXII 574\nDie Theaterkunst LXXVI 605\nTheatertechnisches LXX 558\nJohn Wolfs\nDer gothische Dom LXV 519\nDie Wahrheit LX 479\nKunsthistorismus LXIV 510\nWilhelm Worringer\nZur Entwicklungsgeschichte der modernen\nMalerei LXXV 597\nPaul Zech\nMittagsschwüle LXXIII 583\nNovemberabend LXXVII 614\nMax Zerbst\nBewegung LXXVII 612\nLXXVI II 620 LXXIX 629\nJ. A.\nAus jüngster Zeit LXIX 551\nKünstler LXXVI 607\nLokale Begebenheiten LX 480\nModernes Theater LXVII 535\nRückblicke LXXVIII 624\nVom Tage LXXI 567\nK. M.\nDymow LXII 495\nH. W.\nDie vier Toten der Fiametta LXVI 523\nOffener Brief LIX 472\nPantomime LXVII 532\nZeitgeschichten LXVIII 539\nZeichnungen\nE. H e c k e 1\nDas schwarze Tuch LXIII 499\nL. K a i n e r\nDer schwarze Mann LVII 451\nDie Dame LVIII 459\nLebensfreude LXXII 571\nTwostep LVIII 459\nE. L. Kirchner\nBall / Holzschnitt LXIX 547\nHolzschnitt LXXVIII 623\nPanamagirls LXI 483\nRuhe / Holzschnitt LXXV 595\nSommer / Holzschnitt LXXI 567\nTänzerinnen / Holzschnitt LXXVII 611\nVariete / Holzschnitt LXXI 563\nOskar Kokoschka\nYvette Guilbert LXX 555\nM. M e 1 z e r\nZeichnung LXIV 507\nEmil N o 1 d e\nChantant LXXIV 587\nSchmidt-Rotluff\nMädchen LXXIII 579\nLudwig Sege barth\nVersinnlichte Presse LXIV 511\nAlex Seon\nSar Peladan / Zeichnung LXV 517\nJohn Jack Vrieslander\nDer Säugling LX 475\nLa belle poule LIX 467\nMutter und Kind LXII 491\nSchlafendes Mädchen LXV 515\nZeichnung LXX 603"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "633", "page_fin": "633", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.7", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "633", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 201, "texte": "Maximilian Macht\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gecfachtnis-Kirche\nJournal-Lesezirkel\nAusslellungen der Neuen Sezession\nVerlag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "634", "page_fin": "634", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "634", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.8", "debut_caractere": 85, "fin_caractere_exclue": 617, "texte": "Vereininrliinst\nAchtes Jahr\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM3— zu, sowie der\nkostenlosejahresbezug\nder Woehenschrift Der\nSturm. Fur alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nGeschaftsstelle des V. 112. K.\nHALENSEE, Katharinen - Strasse No. 5\nZweiter Abend\nSoiiiiataid den 28, (Mote\nabends 8 Uhr\n:: Architektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nGERTRUDE\nBARRISON\n\"T 31\n! anze\nKailen iVS 5, 3, 2, \\ bei\nWertbeim, Konzertkasse"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "634", "page_fin": "634", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "634", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.8", "debut_caractere": 619, "fin_caractere_exclue": 895, "texte": "THRICHOPHIL\n1 R M. 3,00 F1.M.3,00 g\n■aaaaeaaaasaaaa == nur beim Fabrikanten: =»• saeaassoaasaaffla\n| Otto Teutscher/Friseur g\n■ I. 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Mester uiPzig\nunter Mitwlrkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute In fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationales\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njihriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur elne Volks-, Real- oder Ihnliche Schule ab-\nsolvlert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnlssen, Einjihrig-\nFreiwilllge, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre rachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Cbemiker, Brauer, Jurlsten, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. 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ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ■■■■■■\nZu haben in allca Apothcken and Drogerien / Allelnige Fabrikaatin\n„Pharmacia\" / Fabrfk fflr pharmacentischea Bedarf / Berlin-Halensee\nWohlscfameckond Sicker wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "634", "page_fin": "634", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "634", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.8", "debut_caractere": 3458, "fin_caractere_exclue": 3686, "texte": "Verlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\nHalbjahr „ 3,—\njahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "634", "page_fin": "634", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "634", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.8", "debut_caractere": 3688, "fin_caractere_exclue": 3772, "texte": "Vollstandiger erster jahrgang\nNummer 1 bis 58 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-09-30-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-09-30_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-09-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "634", "page_fin": "634", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "634", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.8", "debut_caractere": 3774, "fin_caractere_exclue": 4042, "texte": "Klindworth-Seharwenka-Saal\nFreitag den 29. 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Vielleicht aus\ndem Gefühl heraus, dass es sich nur um be-\ngriffe handelt. Nun sind Strafgesetzbücher of-\nfenbar zu dem Zweck gedichtet worden, nach\nihnen zu bestrafen. Die Formulierungen lassen\nan Impressionabilität nichts zu wünschen übrig,\nsie müssen also in der Rechtsprechung eine tat-\nsächliche und wie man das so nennt objektive\nErklärung finden. Sie wird allerdings nicht ge-\nfunden. Das Schwurgericht, der Staatsanwalt,\nder Verteidiger und der Angeklagte können sich\nin den allermeisten Fällen nicht auf eine Formel\neinigen. Diese Divergenz ergibt sich ohne wei-\nteres aus dem Charakter der freiwillig oder un-\nfreiwillig beteiligten Institutionen. Der Staatsan-\nwalt mit seinem Hang zur Monumentalität schreit\nMord, während der Angeklagte sich nur einer\nKörperverletzung mit tötlichem Ausgang bewusst\nist. Der Angeklagte empfindet stets lyrisch. Das\nSchwurgericht, das aus deutschen Männern be-\nsteht, will natürlich nichts von Lyrik wissen,\nkann aber eben deswegen eine gewisse philoso-\nphische Sentimentalität — so ist das Leben —\nnicht unterdrücken. Natürlich muss der Mensch\nbestraft werden, aber nicht zu sehr: das Schwur-\ngericht ist also für Totschlag. Der Verteidiger\nsucht im Strafverfahren die Rechtspflege zu hem-\nmen. Man kann nämlich nie wissen, wie sich\nalles ändert. Die zweite Tätigkeit des Verteidi-\ngers, das Beschleunigen der Rechtspflege, übt er\nnur im Zivilverfahren als Vertreler des Klägers.\nSolange es sich um so einfache Dinge wie Mord\nund Totschlag handelt, läsSt sich immer Her Aus-\nweg mit der Körperverletzung finden. Kompli-\nziert wird die Angelegenheit, wenn man, natür-\nlich mit aller Vorsicht, das Gebiet der Unzucht\nbeschreitet. Die sexuelle Frage erhält keine Ant-\nwort, sie darf sogar, wie etwa die soziale Frage,\nnicht einmal besprochen werden. Zwar ist kein\nMensch sich darüber im Unklaren, dass die Se-\nxualität existiert. Man ist von ihrer Existenz-\nberechtigung durchaus nicht überzeugt;\nda sie sich aber offenbar nicht beseitigen\nlässt, so ist man stillschweigend übereingekom-\nmen, sie stillschweigend zu dulden. Vor allem\nstillschweigend. Nur die Wissenschaft, die über-\nall ihre Hände selbst im Spiel' haben muss,\nnur die Wissenschaft hat gewisse sprechende\nRechte. Sie darf sich aber nur mit den Abarten\nder Sexualität beschäftigen. Die Hns\nheisst die am meisten verbreitete Art der Erotik\nversteht sich von selbst. Trotzdem gibt sie zu\nvielen Missverständnissen Anlass. Der Gesetzge-\nber hat es gut. Er schreibt einfach Unzucht und\nüberlässt es den Leuten, die zufällig nicht Ge-\nsetzgeber sind, sich gewerbsmässig mit der Er-\nklärung dieses Begriffs zu befassen. Ich bin\nüberzeugt, dass dies unter gewerbsmässige Un-\nzucht zu verstehen ist. Die Gelegenheit zur Wis-\nsenschaft über Unzucht ist nicht häufig. Die\nGerichte pflegen nach dem schon erwähnten\nUebereinkommen unzüchtige Handlungen hinter\nverschlossenen Türen zu besprechen. Umsogrö-\nsser müsste die Freude der nach Wissen Dür-\nstenden sein, als sie endlich einmal wieder an\nder Quelle schlürfen konnten. In Mainz wurden\ndie unzüchtigsten Dinge öffentlich verhandelt.\nDas erste Gefühl ist, das Angesicht zu verhüllen\nund sich mit Grausen von dem Entsetzlichen zu\nwenden. Man begreift, warum der Gesetzgeber\nschamhaft nur das schlichte Wort Unzucht nie-\nderschrieb. Denn: hätte er das alles drucken\nlassen, was unter diesem harmlosen Begriff sich\nin Mainz ereignet hat, dann wäre ihm die Straf-\nverfolgung durch den Staatsanwalt nicht erspart\ngeblieben. Man freut sich über die eigene Men-\nschenkenntnis. Man hat stets ein leises Grauen\nvor der Einrichtung der jungen Mädchen gehabt.\nAuch die Leutnants scheinen ihr Leben nicht ganz\nmit Kriegswissenschaften ausfüllen zu können.\nMan schweift in die Ferne nach einem Begriff,\nund sieh, die Unzucht liegt so nah. Besonders\nin Mainz. Man sollte einer deutschen Kleinstadt\ngarnicht so viel Verworfenheit zutrauen. Der Va-\nter Staat kann vergnügt sein, dass er ohne Ge-\nfängnis, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte\nund Zulässigkeit von Polizeiaufsicht wegen Kup-\npelei davonkommt. Denn er hat zweifellos ge-\nwohnheitsmässig durch Gewährung und Ver-\nschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub\ngeleistet. ( § 180 St. G. B.) Warum muss er in\nMainz eine Garnison errichten, wo doch das\nWesen der Leutnants ihm aus allen schlechten\nund von ihm gelesenen Romanen der Gegenwart\nmehr als „sattsam\" bekannt sein müsste. Eine\nbedauerliche Stellung nimmt in dieser unzüchti-\ngen Welt die Polizei ein. Der Gesetzgeber be-\ndroht Unzucht mif Haft und die Polizei\nmuss ihr von Amtswegen eigentlich Vorschub\nleisten. Sie muss auf alle Weise bestrebt sein,\ndie Unzucht festzustellen, und sei es mit Hilfe\nvon Polizeiassistentinnen, darf sie aber nicht dem\nRichter ausliefern. Sie muss vielmehr die Weibs-\nperson, wie der Gesetzgeber etwas unhöflich die\nDame nennt, gesund erhalten und geradezu für-\nsorglich beaufsichtigen. Andere Menschen wun-\ndern sich darüber, dass es dabei gelegentlich et-\nwas grob zugeht. Aber die Prügelpädagogen\nsind nicht aus der Welt zu schaffen. Schon der\nliebevolle Name Fürsorgezögling zeigt, welches\nInteresse man allseits am Wohlergehen der Un-\nzucht nimmt. Doch in Mainz handelte es sich\num etwas ganz anderes. Nämlich um junge\nMädchen, die sich energisch gegen die mütter-\nliche polizeiliche Fürsorge sträubten. Frau Doktor\nSchapiro schien zwar selbst den Schutzmännern nicht\nweiblich genug vorzugehen. Die Sentimentalität\nist nun einmal eine Eigenschaft deutscher\nMänner. Vor Gericht ergab sich ausserdem,\nmit welchen Geschöpfen die Frau Doktor sich\neinlassen musste, nur zu dem edlen Zweck, diese\nDamen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit\nund zur Vermeidung öffentlichen Aergernisses\nunter staatlichen Schutz zu stellen. Den jungen\nMädchen hätte es schlimm gehen können, wenn\nder Polizei nicht nur die vermittelnde Tätigkeit\nzugedacht wäre, zu kontrollieren, ohne Strafan-\nzeige zu machen denn: „Mit Haft wird bestraft,\neine Weibsperson, welche wegen gewerbs-\nmässiger Unzucht einer polizeilichen Aufsicht\nunterstellt ist, wenn sie in den in dieser\nHinsicht zur Sicherung der Gesundheit, der\nöffentlichen Ordnung und des öffentlichen\nAnstandes erlassenen polizeilichen Vorschriften\nzuwiderhandelt, oder welche, ohne einer solchen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "628", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.2", "texte": "Aufsicht unterstellt zu sein, gewerbsmässig Un-\nzucht treibt. (§ 361. 6 St. G. B.) Und noch\nschlimmer: Mit Haft wird bestraft, wer, nach-\ndem er unter Polizeiaufsicht gestellt worden\nist, den infolge derselben ihm auferleg-\nten Beschränkungen zuwiderhandelt (§361. 1.\nSt. G. B.) Um dieses Deutsch zu verstehen muss\nman sich schon gewerbsmässig mit ihm beschäf-\ntigen. Bleibt die grosse Frage: Was ist Un-\nzucht.\nVorsitzender: Haben Sie Beziehun-\ngen zu Offizieren?\nZeugin : (laut Gerichtsbericht ein reso-\nlutes Mädchen von zwanzig Jahren bekundet\n„unter allgemeiner Spannung\"): Nein.\nVorsitzender: Es sind verschiedene\nOffiziere da, die Auskunft über Sie geben sollen,\nZeugin: Ich kann nur wiederholen, dass\nman mir die Herren gegenüberstellen möchte,\ndamit ich sie erkenne. Selbstverständlich habe\nich bei Tanzreunions Otfiziere kennen gelernt,\naber nie etwas mit ihnen zu tun gehabt.\nVorsitzender: Sie sollen einen\nOffizier auch auf seinem Zimmer\nbesucht haben.\nZeugin : Ja, aber zu welchem Zweck?\nVorsitzender: Ja, das weiss ich\nnicht.\n(Man hört das Rauschen der Unzucht.)\nZeugin: Ich kenne den Leutnant K.,\nbei dem bin ich einmal auf dem Zimmer gewe-\nsen, aber es handelte sich einfach um eine Ein-\nladung, Bücher abzuholen.\nVorsitzender: Sie wollen die\nGrenzen des Schicklichen nicht\nii berschr i st t e ii haben?\nStärkeres Rauschen. Die Grenze des Schick-\nlichen nimmt offenbar an der Schwelle der Of-\nfizierstür ihren Anfang. Jetzt werden wir den\nBegriff Unzucht gleich haben.\nZeugin: Wie meinen Sie das?\n(Goethe würde hier sagen lassen: „Du ah-\nnungsvoller Engel du!\")\nVorsitzender : Nun, wenn ein jun-\nges Mädchen auf das Zimmer eines Offiziers\ngehtj so ist das doch hoch st verdäch-\ntig.\nZeugin : Als anständiges Mädchen kann\nich hingehen, wohin ich will, darin kann ich1\nnichts Anstössiges erblicken. Ausserdem war ich\nkaum ein paar Minuten oben.\nVorsitzender: Na, man kann im\nZweifel sein, ob das ein anständiges Mädchen\nohne weiteres tun darf.\n(Nun weiss man wenigstens, woran man\nein anständiges Mädchen erkennen kann.)\nZeugin: Auf jeden Fall habe ich der\nPolizeiassistentin angegeben (das ist die mütter-\nliche Dame), dass ich unschuldig sei. Und so\nunschuldig wie ich damals war, bin ich noch\nheute, ich sage das unter meinem Eid. Wenn\njedes Mädchen so anständig wäre, dann stände\nes gut um die Sittlichkeit in Mainz.\n(Man atmet auf, dass es um die Sittlichkeit\nin Mainz so gut stehen könnte, weiss aber\nnun wieder nicht, was ein anständiges Mädchen\nist. Denn sie war doch ein paar Minuten\n„o b e n\").\nJetzt kann sich der Rechts a n w a 11 nicht\nmehr halten: Aber der Verkehr mit ihren Freun-\ndinnen ist doch verdächtig?\nZeugin: Die Verantwortung für meinen\nVerkehr trage ich allein, wenn die andern Mäd-\nchen nicht anständig sind, so ist das ihre\nSache.\nEin resolutes Mädchen. Sie stellt die An-\nständigkeit ihren Freundinnen „anheim\". Sie war\noben und ist anständig, die andern waren unten\nund geben zu Bedenken Anlass, wenigstens dem\nAnwalt. Die Sache kompliziert sich, trotzdem\nes ihre Sache ist. Noch merkt man nichts von\nder Unzucht. Aber da tritt als rettender Engel\nFräulein Sch. ein. Sie erklärt, sie sei von einem\nPolizeiaspiranten (der sicher zu schönen Hoff-\nnungen berechtigt), auf Veranlassung der Poli-\nzeiassistentin auf der Strasse festgehalten wor-\nden. Er sagte zu ihr, sie möge sich in Acht\nnehmen. Wenn sie noch einmal mit diese n\nMädchen zusammen gesehen werde, würde er\nStrafantrag gegen sie wegen gewerbsmäs-\nsiger Unzucht stellen. Sie habe sofort er-\nwidert, dass der Herr Aspirant zur Stellung eines\nsolchen Strafantrages nicht berechtigt sei, sie sei\nein unschuldiges Mädchen. Hierauf habe der\nHerr Aspirant erwidert, sie solle sich vorse-\nhen, sonst würde sie auf der Stelle durch\neinen Schutzmann verhaftet.\nMan\" ist sprachlos. Also: Gewerbsmässige\nUnzucht ist, wenn man mit diesen Mädchen\nverkehrt. Diese Mädchen sind nun Bürger-\ntöchter, die der gewerbsmässigen Un-\nzucht verdächtigt werden, weil sie „oben\"\nwaren. Die gewerbsmässige Unzucht selbst ist\noffenbar nicht zu fassen, denn sie offenbart sich\nnur dadurch, dass man, wenn man, mit die-\nsen.\nVorsitzender: Wussten Sie, dass\nihre Freundinnen der gewerbsmässigen Unzucht\nverdächtigt wurden?\nZeugin : Nein, nur dass sie mit Offi-\nzieren verkehrten; aber dieser Verkehr beschränkte\nsich auf Cafehausbesuche und Spaziergänge.\nJunge Mädchen! Geht nicht mit Offizieren\nspazieren. Holt euch keine Bücher aus ihren\nZimmern. Die gewerbsmässige Unzucht steht\nbei solchen Gelegenheiten verdächtig in der Nähe.\nMan erfährt, dass die Dame Schapiro sich\nzu den Eltern des Fräulein Sch. begab, um dort\nangeblich ein Zimmer für ein Mädchen zu mie-\nten. Die Dame Schapiro war von dem Wunsch\nbeseelt, der Unzucht auf den Grund zu kom-\nmen, Die Eltern des Fräulein Sch. beanstande-\nten zwar das mitgebrachte Mädchen als nicht\neinwandsfrei, und so war es wieder einmal mit\nder Unzucht Essig. Als linderndes Oel wird\ndem Mädchen von einem Schutzmann ein gün-\nstiges Sittenzeugnis ausgestellt. Man beruhigt\nsich allgemein und der Stiefvater des Fräulein\nSch. bekundet sogar, dass seine Tochter durch-\naus „anständig\" sei.\nVorsitzender: Wissen Sie denn, dass\nsie in die Kaserne zu den Offizieren auf\ndie Zimmer geht?\nZeuge (der Stiefvater): So schlimm wird\ndas nicht gewesen sein. Wenn sie nur eine\nTasse Kaffee oben trank, kann ich mir nichts\narges dabei denken. Man muss da nicht gleich\nsagen, dass das Mädchen schlecht sei, und ihr\nmit der Sitte drohen.\nSehr peinlich, dass der Vater gegen die\nSitte ist. Er erlaubt seiner Tochter sogar das\nKaffeetrinken im Zimmer eines Offiziers, trotz-\ndem das doch noch höchst verdächtiger ist.\nZahlreiche Mädchen beschwören, dass ihnen\nnichts Nachteiliges über das resolute Mädchen,\ndie erste Zeugin, bekannt ist. Doch der Herr\nPolizeiaspirant, der auf der Stelle verhaftet, wenn\nman sich nicht vorsieht, tritt für ihre Sittenlo-\nsigkeit ein: Ich war berechtigt, in die\nUnbescholtenheit der Zeugin Zweifel zu setzen,\nweil ich im Gespräche mitOffizieren\nihren Namen hatte nennen hören (Bewegung).\nBewegung, jetzt wird die Unzucht hörbar.\nAlso: Gewerbsmässige Unzucht ist, wenn man\nin Gesprächen mit Offizieren den Namen hört.\nVorsitzender: War denn dabei da-\nvon gesprochen worden, dass sie mit den Offi-\nzieren Unsittlichkeiten treibt?\nZeuge: Nein. (Erneute Bewegung).\nEndlich die Definition der gewerbsmässigen\nUnzucht.\nV orsitzender : Und wie kamen Sie\nan das Mädchen heran?\nZeuge : Die Polizeiassistentin gab mir\naui, mich ihr zu nähern und zu sehen, was mit\nihr los sei.\nImmerhin: Otfiziere haben im Gespräch\nihren Namen genannt. Und das kann in Mainz\nim Jahre 1911 geschehen!\nDer Herr Aspirant scheint überhaupt die\nUnzucht in Mainz gepachtet zu haben. Die Zeu-\ngin S. bekundet, dass sie in einem Kinemato-\ngraphentheater gewesen sei und sich nach\nSchluss ruhig und anständig entfernt habe. Trotz-\ndem sei der Aspirant an sie herangetreten und\nhabe sie zur Polizeiassistentin bestellt.\nMan sieht, auch im harmlosen Kientopp\nlauert drohend die gewerbsmässige Unzucht.\nNun wird eine von diesen Mädchen ver-\nnommen. Sie beschwört, dass sie niemals An-\nlass zu polizeilichen Einschreitungen gegeben\nhabe und bestreitet insbesondere jeden Verkehr\nmit Offizieren. Sie gibt aber zu, dass diese und\njene ihrer Freundinnen Beziehungen zu Offizie-\nren gehabt haben, ohne dass sie jedoch sagen\nkönne, ob dabei die Grenzen des Zulässigen\nüberschritten worden Seien. Die Freundinnen\nwerden wohl auch nur die Schwelle überschrit-\nten haben. Es stellt sich nebenbei heraus, dass\ndiese Dame — Erzieherin ist.\nDer Leutnant K. wird vernommen. Und die\nGerichtsverhandlung erhebt sich zur Höhe der\nTragödie. Der Leutnant bekundet, dass er die\nerste Zeugin, das resolute Mädchen, auf der\nStrasse angesprochen habe. Erst später habe er\nsie begleiten dürfen, zu einem näheren Verkehr\nsei es nie gekommen. Sie haben miteinander nur\nGespräche geführt und Spaziergänge gemacht.\nVorsitzender: Verfolgten Sie keinen\nw e i ter e n Zweck?\nZeuge: Nein.\nVorsitzender: Waren Sie nicht im\nBesitz eines Bildes der Meta G.?\nZeuge: Ich habe ihr eins weggenommen.\nVorsitzender: Sie soll ja zu Ihnen\nin die Kaserne gekommen sein, angeblich,\num ihr Bild zu holen.\nZeuge: Das ist auch richtig.\nVorsitzender: Ist sie auf Bestellung\nzu Ihnen gekommen?\nZeuge: Nein. Sie kam und blieb etwa\nfünf Minuten.\nVorsitzender: Ist' es zu keinen Ver-\ntraulichkeiten gekommen? Hat sie Ihnen nicht\ngezeigt, dass sie sich gern von Ihnen puesieren\nlassen wollte?\nZeuge: Nein.\nVorsitzender: Waren Sie dazu\nbereit?\nZeuge : Nein.\nJetzt kann sich der Staatsanwalt nicht mehr\nhalten :\nSie haben früher ausgesagt, Herr Leutnant,\ndass es in Ihrem Kasernenzimmer zu kleinen\nVertraulichkeiten gekommen sei.\nZeuge : Das kann ich heute nicht mehr\nsagen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "629", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.3", "texte": "Staatsanwalt: Haben Sie sie ange-\ngriffen oder gekfisst? Diese Frage ist doch\nvon Interesse für diesen Prozess.\nZeuge: Es ist möglich, dass es zu einem\nK u s s gekommen ist.\nStaatsanwalt: Haben Sie mehr von\nihr verlangt.\nZeuge: Nein.\nDer Verteidiger: Das ist doch eine ganz\nharmlose Sache.\nSollte Kuss und gewerbsmässige Unzucht\nidentisch sein? Da er doch von Interesse für\ndiesen Prozess ist?\nZeuge: Sie hat mir sofort gesagt, Sie\nsei ein armes Mädchen und wisse, dass ein\nLeutnant sie nicht heiraten könne. Schon des-\nhalb würde sie sich nie mit mir einlassen.\nEin türkischer Leutnant wird vernom-\nmen.\nDer türkische Leutnant erzählt unter ande-\nrem, dass er ein Mädchen auf der Strasse an-\ngesprochen habe und dann mit ihr gegangen\nsei.\nVorsitzender: Ist es bei Ihnen in\nder Türkei üblich, dass man einfach ein\nMädchen auf der Strasse anspricht,\num Verkehr zu bekommen?\nZeuge: Ich war schon einmal in Deutsch-\nland, und zwar in Berlin, da wird es auch\nso gemacht.\nVorsitzender: Haben Sie ihr etwas\nzugemutet?\nZeuge: Ja aber es war nichts zu machen.\nNun stellt der Verteidiger fest, dass es sich\nbei den schlimmen zur Verhandlung ste-\nhenden Fällen um sogenannte Verhältnisse han-\ndelt Der Angeklagte, nicht etwa der Herr As-\npirant oder die Polizeiassistentin, sondern der\nRedakteur Hirsch, der diese Mainzer Angelegen-\nheit besprach, erklärt, dass es Verhältnisse geben\nwürde, so lange es Leutnants und junge Mäd-\nchen gibt. Man erfährt manches aus solchen\nProzessen. Aber der Angeklagte findet es un-\ngeheuerlich, „aus solchen Vorkommnissen ge-\nwerbsmässige Unzucht herzuleiten\".\nVorsitzender: Sie hören doch, dass\nder Herr Leutnant wiederholt die Zeche be-\nzahlt hat.\nAngeklagter: Sollte vielleicht das\nMädchen für den Herrn Leutnant die Zeche\nbezahlen?\nSie hätte es lieber tun sollen, sie hätte man-\nches andere gespart.\nDer Prozess ist zu Ende. Der Angeklagte\nwird sicher verurteilt werden, denn er hat im-\nmerhin Dinge behauptet, die er nicht beweisen\nkonnte. Zeugen fallen immer um, das hätte sich\nder Redakteur sagen müssen. Sie erinnern sich\nnicht. Aber er hätte auch bedenken müssen, wie\ngefährlich es ist, sich gewerbsmässig mit Un-\nzucht zu befassen. Wenn man es auch nur als\nPublizist tut, so kann man doch der polizeilichen\nFürsorge unterstellt werden, ohne dass auf die\nErhaltung der Gesundheit aber irgend welche\nRücksicht genommen wird. Man steht vor einem\nRätsel, aber hat folgendes gelernt: Küssen ist\ndoch eine Sünde. Man lasse junge Mädchen\nihren Kaffee selber zahlen. Man nenne in Ge-\nsprächen mit Offizieren nie ihren Namen, und\nwenn man sie ansprechen will, tue man es in\nder Türkei, oder am besten garnicht. Man leide\nlieber an der Sexualität, statt sie zu dulden. Man\ndulde lieber die Unzucht, als sie der Fürsorge\nzu übergeben. Man übergebe die Fürsorge lie-\nber den Männern, weil die Damen der Polizei\nso unsentimental sind. Man dichte lieber Senti-\nmentalitäteil, als sentimental über das Strafge-\nsetzbuch zu werden. Man lese das Strafgesetz-\nbuch lieber nicht, weil man das Deutsch doch\nnicht versteht. Und man verstehe das Deutsch\nnicht, weil man sich sonst schämen muss, ein\nDeutscher zu sein.\nTrust\n\nBewegung\nGrundlage einer neuen Weltanschauung\nVon Max Zerbst\nV\nUnsere ganze Gefühls- und Vorstellungswelt\nist natürlich selbst nichts Anderes als ein Bewe-\nwegungssystem, als ein Komplex von Bewegungs-\nformen und Bewegungsverhältnissen, der mit an-\nderen Bewegungskomplexen und Bewegunggar-\nten in engerem oder loserem Zusammenhang, in\nden verschiedensten Bewegungsbeziehungen steht,\nworaus die gesamte Empfindungs- und Erkennt-\nniswirklichkeit hervorgeht.\nDie prinzipielle Trennung von „Geist\" und\n„Körper\" wird demnach von selbst hinfällig;\nbeide sind nur Bewegungszustände, beide gehen\nzurück auf die eine Urtatsache: „Bewegung\".\nVI\nWir kennen zwei Grundeigenschaften der\n„Bewegung\": „Richtung\" und „Geschwindig-\nkeit\".\n„Richtung\" und „Geschwindigkeit\" sind —\nwenigstens in Beziehung zu unserer „Wahrneh-\nmung\" — integrierende Bestandteile der Bewe-\ngung. Die „Geschwindigkeit\" bezeichnet in ge-\nwissem Sinne die „Grösse\" der Bewegung, die\n„Richtung\" die „Form\" der Bewegung.\nWir können uns daher allgemein die „Ge-\nschwindigkeit\" als das quantitative Moment, die\n„Richtung\" als das qualitative Moment der Be-\nwegung vorstellen.\nVII\nDas Problem der „Richtung\" führt in die\nunterste und geheimnisvollste Region der gros-\nsen Bewegungswelt.\nUnsere ganze Raumvorstellung setzt sich\naus drei Richtungselementen, den drei Dimensi-\nonen, zusammen. Durch den Bewegungsprozess\ndieser drei Grundrichtungswerte entsteht über-\nhaupt erst das, was wir „Raum\" nennen. Eben-\nso basiert unser Zeitbewusstsein auf drei Grund-\nrichtungswerten, Grundrichtungsbeziehungen: Ge-\ngenwart, Vergangenheit, Zukunft. Die Tatsache,\ndass man die Terminologie der Raumbegriffs-\nSphäre ohne weiteres in die Zeitbegritfssphäre\nübertragen kann — man spricht bekanntlich von\neinem Zeit punkt, einer Zeit strecke, einem\nZeit räum und so weiter — bewusst, dass „Zeit\"\nund „Raum\" auf einen gemeinsamen Grunder-\nkenntniswert hinzeigen. Dieser Grunderkennt-\nniswert ist die Bewegung und von der Bewe-\ngung wiederum diejenige Elementareigenschaft, die\nwir „Richtung\" nennen.\nMit dem kleinsten Teile der Kreislinie ist\ndas Gesamtrichtungsbild des vollendeten Kreises\nschon gegeben, der kleinste Bewegungspunkt einer\nkreisförmigen Bewegung enthält gleichsam als\nKeim den Gesamtrichtungswert, das Gesamtrich-\ntungssystem des geschlossenen Kreisganzen.\nDie verschiedenartigsten Richtungswerte und\nRichtungsmöglichkeiten können in ungeheurer\nKonzentration in der winzigsten Bewegungsgrö-\nsse, im verschwindensten Bewegungsatom —-\nAtom hier selbstverständlich als reiner Grössen-\nwert gedacht ohne den geringsten substanziellen\nBeigeschmack — sich befinden und erst im Ver-\nlauf der Bewegung zur vollen Entwicklung und\nEntfaltung gelangen. Man denke zum Beispiel\nan den geschleuderten Bumerang, an die Billard-\nkugel, et cetera.\nSo wird die ganze wunderbare Tatsache der\nBefruchtung und Geburt verständlich, wenn wir sie\nauffassen als Ueberiragung eines Konzentrations-\nwertes kompliziertester und differenziertester Rich-\ntungskeime und selbstverständlich auch Geschwind\ndigkeitsqualitäten, die wiederum durch Bewegungs-\neinflüsse zu voller Entfaltung kommen.\nMan vergegenwärtige sich das Problem des\nrechten und linken Handschuhes, die bekanntlich\nbeide trotz ihrer scheinbar bis ins Einzelne und\nKleinste übereinstimmenden Grössen- und For-\nmengleichheit ohne weiteres nicht zu vollständi-\nger Deckung gebracht werden können. Unter-\nnimmt man die Lösung dieses Problems unter\nVoraussetzung der allgemein herrschenden star-\nren Raum- und Subsfanzvorstellung, so stösst\nman unfehlbar auf einen nicht zu beseitigenden\nRest von Geheimnisvollem und Unaufgeklärtem.\nHöchst bedeutsam und interessant ist es aber,\ndass die bisherigen Lösungsversuche zur Annah-\nme einer vierten Dimension, also einer neuen,\nnoch unbekannten Richtungsinstanz, geführt haben.\nWenn wir das Problem vom Standpunkte\nder reinen „Bewegung\", speziell der einen Grund-\nbewegungseigenschaft, der „Richtung\" aus be-\ntrachten, kommt sofort Licht in das Dunkel.\nWir stellen uns jeden der beiden Handschuhe,\nden rechten und den linken — wie überhaupt\njedes körperliche Gebilde — vor als ein Bewe-\ngungsprodukt, als ein Bewegungsresultat, als\neinen Bewegungskomplex und ein Richtungssys-\ntem; als eine Summe von Bewegungs- und Rich-\ntungsqualitäten. Bringen wir die beiden Hand-\nschuhe an einem ihrer korrespondierenden Ober-\nflächenpunkte — etwa an der Spitze der beiden\nDaumen — mit einander in Berührung, so ha-\nben wir es, von diesem Berührungspunkte aus\ngerechnet, mit zwei Bewegungssummen, mit zwei\nRichtungssummen zu tun — soweit wir die bei-\nden Körpergebilde mit unserer Wahrnehmung\ngleichsam ausmessen, — die sich zwar in der\nGruppierung der einzelnen Teilrichtungen inner-\nhalb jeder Richtungssumme, in der Reihenfolge\nder einzelnen Richtungssummanden und in ihren\nVerhältnissen zu einander vollkommen gleichen,\nsich aber durch eine grosse Gesamtrichtungs-\ndifferenz von einander unterscheiden, wenn wir\njede der beiden Bewegungssummen, das heisst\njeden Handschuh von dem Berührungspunkte\nder Daumen mit unserer Wahrnehmungs- und\nVergleichungstätigkeit ausgehend, — als Bewe-\ngungsganzes als Bewegungskomplex überschauen.\nDiese Gesamtgrundrichtungsdifferenz strahlt aus\nbis in die kleinsten Teile, bis in die kleinsten\nund entferntesten Richtungsbeziehungen und Rich-\ntungsverhältnisse der beiden Handschuhe, sie\nwächst, sie vermehrt und vervielfältigt sich in\ndem Masse, in dem wir während des Verlaufes\nunserer Wahrnehmungsausmessung zu immer kom-\nplizierteren und verzweigteren Richtungskonstel-\nlationen und Richtungszusammenhängen gelangen.\nEine Ausgleichung und Aufhebung der Grund-\nrichtungsdifferenz kann nur durch eine Grund-\ngesammtrichtungsänderung erreicht werden, nur\ndadurch, dass die ganze Bahn der Grundgesamt-\nrichtung wieder rückläufig durchmessen, gleich-\nsam wieder durch alle Ausstrahlungen, Verzwei-\ngungen und Vervielfältigungen rückwärts verfolgt\n\nSchluss"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "630", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.4", "texte": "vermittelst komplizierter und intimer Be-\nwegungsvorgänge .\nDer Handschuh muss gewendet werden.\nAuch hier begegnen wir der Tatsache einer\ngrossen Gesamt- und Hauptrichtung, die durch\ndie zahlreichsten und verschiedenartigsten Rich-\ntungsvariationen, Differenzen und Abweichungen\nim einzelnen, ihren Hauptrichtungscharakter, ihre\nKeim- und Entwicklungstendenz nicht verliert,\nsondern unerbittlich beibehält und einen ganzen\nBewegungskomplex ihrer Wirkungslinie nach be-\nstimmt. Eine jede solche Grundgesamtrichtung\nkönnen wir uns, mit Rücksicht auf einen noch\ngrösseren, uns vielleicht nur verborgenen, Be-\nwegungszusammenhang, wiederum ihrerseits als\nEinzelrichtung und Einzelvariation innerhalb\neiner anderen, noch grösseren, tiefer und weiter\nwirksamen Grund- und Hauptrichtung vorstellen\n— und so fort in majorem et in minorem par-\ntem unserer ganzen Wahrnehmungsweit. Je grö-\nssere Bewegungszusammenhänge wir zu über-\nschauen und zu durchschauen vermögen, um so\ngrössere und mannigfaltigere Richtungsformen,\nRichtungsbeziehungen und Richtungsmöglichkeiten\nwerden wir erkennen. Jede Erscheinung der Be-\nwegungswelt wird uns deshalb um so klarer\nund verständlicher werden, je mehr wir alle ihre\ninnewohnenden und in ihr wirksamen Richtungs-\nqualitäten und Richtungspotenzen erforschen, je\ntiefei wir in die verborgenen Untergründe und\nGeheimnisse ihrer „Richtungswelt\" eindringen.\nEs gibt sicher noch eine Fülle von Rich-\ntungstatsachen und Richtungsmöglichkeiten, die\nfür unsere ganze Natur- und Lebenserkenntnis\nvon allergrösster Wichtigkeit und Bedeutung\nsind, die wir aber noch nicht entdeckt haben,\nweil unsere gesamte Welt- und Wirklichkeitser-\nforschung sich bisher in der grundfalschen Bahn\nder Einheits- und Substanzvorstellung vollzogen\nhat; die wir aber in Zukunft finden und für die\nErkenntnis nutzbar machen werden, wenn uns\ndie Ueberzeugung in Fleisch und Blut überge-\ngangen ist, dass das Reich der „Wirklichkeit\"\nnur im Reiche der „Bewegung\" gesucht werden\nmuss.\nDer Bildungs- und Entwicklungsgang des\nmenschlichen Gehirns, rein physiologisch aufge-\nfasst, zeigt uns, wie durch neue Richtungsmög-\nlichkeiten für unsere Wahrnehmung neue Raum-\nmöglichkeiten entstehen können. Die Genesis un-\nseres Gehirnorganes, die Entwicklungsgeschichte\nseiner stofflichen Natur lehrt uns, wie beliebige Ver-\nmehrung von Substanz und substanziellen Qua-\nlitäten ohne Vermehrung von Volumen möglich\nist. Sie lässt uns durch spiralförmige und\nandere kunstvolle Einschachtelungsvorgänge et\ncetera immer wachsende Raum- und Substanzzu-\nnahme wahrnehmen, die nur aus Richtungszunahme,\ndas heisst aus neuen Richtungsbildungen, aus\nBewegungstatsachen heraus verständlich wird, die\nwir mit Hilfe unserer bisherigen starren Raum-\nund Substanzvorstellung aber uns nicht zu e-\nklären vermögen.\n„Neue Richtung\" schafft und erzeugt neuen\n„Raum\".\nKurz, wohin wir auch blicken mögen, über-\nall stossen wir auf die Elementartatsache der\n„Richtung\" und die „Richtungswirksamkeit\".\nIn dem Masse, in dem die grosse Bewe-\ngungserkenntnis fortschreitet, in dem Masse wird\nsich die grosse Elementarwissenschaft der Zu-\nkunft, die „Richtungslehre\" ausbilden und ver-\ntiefen.\nVIII\nDie zweite von uns wahrgenommene Grund-\neigenschaft der Bewegung ist die „Geschwindig-\nkeit\".\nDie moderne Naturwissenschaft hat bereits\nwenigstens bis zu einem gewissen Grade erkannt,\nwelche Bedeutung Geschwindigkeitswerte und\nGeschwindigkeitsmasse für die Erklärung der\nNaturerscheinungen besitzen. So hat man be-\nkanntlich festgestellt, dass den Erscheinungen des\nLichtes und des Schalles gewisse Geschwindig-\nkeitsgrössen und Geschwindigkeitsdifferenzen zu\nGrunde liegen.\nDabei hat man beobachtet, dass eine Zu-\nnahme der Geschwindigkeit (unter gewissen\nGrundrichtungsvoraussetzungen) einer Zunahme\nderjenigen Wahrnehmungserfahrung entspricht, die\nwir „Intensität'4 nennen.\nWir wissen, dass alle Licht- und Farben-\nqualitäten, sowie alle Tonarten und Tonformen\nin erster Linie auf Geschwindigkeitsqualitäten\nund Geschwindigkeitsformen zurückzuführen sind.\nAuf diesen Sinnesgebieten ist die ganze Wahr-\nnehmungsfähigkeit überhaupt erst durch eine ge-\nwisse Minimalgeschwindigkeitsgrösse bedingt.\nDas Geschwindigkeitsmoment, in Verbindung\nmit der früher erwähnten grossen konzentrato-\nrischen Urrichtungstendenz, die zu den Elementar-\nerkenntniswerten „Stoff\" und Kraft führte, ist wahr-\nscheinlich ausschlaggebend <für die Wahrnehmungs-\nform, die wir kurz und grob einmal als „Prin-\nzip der Dichtigkei \" bezeichnen wollen. Vollzieht\nsich der „Verdichtungsprozess\" der Bewegung\ninnerhalb eines geschlossenen Richtungssystems\nin der Elementarrichtung der „Einheitsvorstel-\nlung\" als solcher, der Vorstellung des „Seins\",\nder (scheinbaren) „Nichtbewegung\", auf Grund\ngewisser Geschwindigkeitspotenzen und nach\nMassgabe dieser Gesehwindigkeitspotenzen, SO'\nentsteht vermutlich die Wahrnehmungstatsache\ndes „Stoffes\" der „Stofflichkeit\", der „Körperlich-\nkeit\" schlechthin. Vollzieht sich der „Verdich-\ntungsprozess\" der Bewegung innerhalb eines ge-\nschlossenen Richtungssystems dagegen in der\nElementarrichtung der „reinen Bewegungsvor-\nstellung\", der Vorstellung des: „Werden\", das\nheisst der Vorstellung der Bewegung als solcher,\nsoweit wir sie unmittelbar und als Gegensatz\nzur (scheinbaren) „Nichtbewegung\" wahrneh-\nmen, auf Grund gewisser Geschwindigkeitspo-\ntenzen und nach Massgabe dieser Geschwindig-\nkeitspotenzen, so entsteht vermutlich die Wahr-\nnehmungstatsache der „Kraft\", deren „Dichtig-\nkeitsgrade\" als „Stärkegrade\" figurieren.\nEs würde demnach der Grad der „Dich-\ntigkeit\" der „Materie\" direkt durch den Grad\nder „Geschwindigkeit\" der Bewegung, die der\nMaterie zu Grunde liegt, bedingt sein.\nWir können uns die Welt der „Körper\"\nvorstellen als „Bewegungskomplexe\" von so im-\nmensen Geschwindigkeitsgraden innerhalb eines\nBewegungskomplexes, dass sie sich, — wenig-\nstens bis jetzt — unserer Wahrnehmung entzie-\nhen, wenigstens vorläufig von uns nicht gemes-\nsen werden können.\nDie Erscheinungen der „Elektrizität\" und des\n„Magnetismus\" geben uns einen überraschenden\nWink dahin, dass sich gerade in der „dichtesten\"\nMaterie, in der scheinbar „bewegungsfeindlich-\nsten\" „Substanz\" die ungeheuersten Bewegungs-\nvorgänge abspielen, die fabelhaftesten Geschwin-\ndigkeitsgrade wirksam sind.\nWahrscheinlich ist auch in der Welt der Ge-\nschwindigkeit noch eine ungeahnte Fülle neuer\nund verborgener Formen, Beziehungen und Mög-\nlichkeiten zu entdecken.\nIn dem Masse, in dem die grosse Bewe-\ngungserkenntnis fortschreitet, in dem Masse wird\nsich die andere grosse Elementarwissenschaft der\nZukunft die „Geschwindigkeitslehre\" ausbilden\nund vertiefen.\nIX\nWie man bei „Licht\" und „Schall\", die man\nals gewisse Uebergangsformen, als Mittelformen\nzwischen „Bewegung\" und „Substanz\" (schein-\nbare Nichtbewegung) betrachten kann, die unter\ndem substanziellen Bilde verborgenen Bewegungs-\ntatsachen wenigstens bis zu einem gewissen Gra-\nge nachgewiesen hat, so wird es künftig vielleicht\neinmal gelingen, alle substanziellen Qualitäten\nüberhaupt, alle stofflichen Eigenschaften und Un-\nterschiede, alle Wahrnehmungstatsachen der „Ma-\nterie\" auf „reine Bewegung\", auf reine Rich-\ntungs- und Geschwindigkeitsqualitäten zurückzu-\nführen und alle „Substanz\"-Werte in „Bewe-\ngungs\"-Werte zu übersetzen.\nDas ist die grosse Aufgabe der Wissenschaft\nder Zukunft, alle „Substanz1' restlos in Bewe-\ngung\" aufzulösen für unsere Erkenntnis hinter\nallem Schein „Sein\" die Wirklichkeit „Werden\"\nzu entdecken und zu messen.\nDie Wissenschaft wird soweit in der Er-\nforschung und Erkenntnis der Wirklichkeit vor-\nwärts schreiten, als es ihr glückt, „Bewegung\"\nfestzustellen. Dazu muss sie freilich von Grund\nauf umlernen, sie muss lernen, in diametral-ent-\ngegengesetzter Richtung zu forschen und zu prü-\nfen wie bisher, sie muss ganz andere neue Me-\nthoden der Wirklichkeitserforschung finden und\nerfinden.\nUm den grossen Gegensatz zwischen der\nheutigen Wissenschaft und der von mir geahn-\nten Wissenschaft der Zukunft an einem bestimm-\nten Beispiele darzutun, will ich den Fall setzen,\nman früge einen Chemiker der Gegenwart und\neinen Naturforscher, wie ich ihn mir in Zukunft\nvorstelle, nach einem gewissen „Stoffe\", etwa\nnach „Glas\". Der Chemiker von heute würde\nmir auf diese Frage eine Formel nennen, die\ngenau angibt, aus welchen Substanzelementen\n„Glas\" besteht, die mir die stofflichen Verbin-\ndungsverhältnisse des Glases qualitativ und quan-\ntitativanzeigt, — mein Naturforscher der Zukunft aber\nwürde imstande sein, mir als Antwort auf meine\neine Formel zu entwickeln, die den Eingeweihten\nin Zahlen und Zeichen bis aufs kleinste und\nfeinste genau verkündet, aus welchen reinen Be-\nwegungstatsachen, aus welchen Richtungs- und\nGeschwindigkeitsformenwerten und Verhältnis-\nsen die Substanztatsache sich zusammensetzt,\ndas stoffliche Wahrnehmungsbild entsteht, das\nwir „Glas\" nennen.\nVielleicht gelingt es sogar noch einmal, auf\nmikroskopischem Wege die den festen, starren\nSubstanzbildern zu Grunde liegenden Bewegungs-\nbilder sichtbar zu machen. Um das zu errei-\nchen, darf man auch an den kleinsten und schein-\nbar unbedeutendsten Bewegungswahrnehmungen\nnicht mehr achtlos vorübergehen; man muss\nauch die winzigste und verschwommenste Flim-\nmererscheinung ausserordentlich wichtig nehmen\nund sie für fähig halten, entscheidende Realitäts-\naufschlüsse zu geben, weil man eben nicht mehr\nnach „Substanz\" forscht, sondern nur nach „Be-\nwegung\".\nWelchen überraschenden und neuen Einblick\ngewinnen wir durch die grosse Bewegungser-\nkenntnis, durch die reine Bewegungslehre in die\nTiefen des ganzen Naturgeschehens, in alle bis-\nher kaum halb aufgeklärten Erscheinungen, Dinge\nund Vorgänge der Welt und des Lebens! —in\nwelchem neuen Lichte, in welcher wunderbaren\nKlarheit und Verständlichkeit erscheinen uns jetzt\nProbleme wie die der „Schwerkraft\", der „Er-\nhaltung der Kraft\", der „Wärme\", des „Magne-\ntismus\" und der „Elektrizität\", und andererseits\nwieder der „Zeugung\", der „Ernährung\" etce-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "631", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.5", "texte": "tera, die man bis jetzt nicht genügend von Grund\naus erklären konnte, weil man in alle Erklärungs-\nversuche noch das alte Substanzvorurteil hinein-\ntrug. weil man den letzten Rest der Substanz-\nlüge, das „Atom\", nicht los wurde, sondern aut\nallen Wegen und Gängen der Forschung als\nBallast und Hindernis der Erkenntnis mitschlep-\npen musste! — Wie verständlich wird alles,\nwenn wir wissen, dass es sich im Grunde im-\nmer nur um „Bewegung\" handelt, um Bewe-\ngungsformen und Bewegungsbeziehungen! —\nDie vollständige Ueberwindung des uralten Sub-\nstanzvorurteiles, die grosse Einsicht in die Wirk-\nlichkeit der Bewegung bedeutet eine ungeheure\nBefreiung der Erkenntnis, bedeutet die Befreiung\nder Erkenntnis!\nUnd welchen unberechenbaren Einfluss wird\nder grosse Bewegungsgedanke erst haben auf\ndie Dinge und Vorgänge unserer inneren Sinn-\nlichkeit, die wir „Geist\" oder „Seele\" nennen,\nwelche Bedeutung für die Beurteilung und Wer-\ntung ihrer Wirksamkeit!\nSind doch hier bisher alle mächtigen Grund-\nwerte auf den Glauben an die „Substanz\", an\n„Beharrliches\" und „Unveränderliches\",auf den Abe-\nrglauben der „Einheit\" getauft und geweiht worden:\n„Gott\", „Ursache\", „Willensfreiheit\", „Ewigkeit\"\net cetera! Sind doch hier unerklärliche und\ngeheimnisvolle vermeintliche Elementarformen der\nErkenntnis entstanden, wie: „Endlichkeit\" und\n„Unendlichkeit\", „Raum\", die nur irrtümlichen\nund falschen Auslegungen und Beziehungen von\n„Einheits\"- und „Substanz\"-Vorstellungen ihr\nSchein-Dasein verdanken.\nBegnügen wir uns vorläufig damit, über die\nHauptsache klar zu werden, dass die neue gro-\nsse Bewegungsumwertung die gewaltigste Revo-\nlution zur Folge haben wird, die je im Geistes-\nleben der Menschheit stattgefunden hat.\nX\nBewegung ist die erste und unmittelbarste\nTatsache, die uns gegeben. Unsere erste Er-\nfahrung, unser erstes Wirklichkeitsmoment über-\nhaupt, sobald wir geboren sind, ist ein dunkles\nBewegungsgefühl, ein Gefühl von Bewegung,\naus dem heraus dann, wiederum durch Bewe-\ngung, durch Bewegungszunahme, sich allmäh-\nlich unsere ganze Bewusstseinswelt entwickelt.\nDie höchste und eigenste Tatsache unserer\nErfahrungswelt, die wir „Leben\" nennen, ist\nihrem Wesen nach: Bewegung.\nWas sich nicht mehr bewegt — nicht mehr\nzu bewegen scheint — ist tot.\nJe tiefer wir auf dem Wege des Erkennen-\nWollens in das Reich der „Substanz\" einzudrin-\ngen versuchen, um so stummer und dunkler wird\nes um uns her; je mehr wir dagegen von der\nwunderbaren Welt der „Bewegung\" entdecken\nund erforschen, um so lichter und lebendiger wird\nrings die Landschaft, um so deutlicher und un-\nmittelbarer spricht zu uns — die Wirklichkeit.\nXI\nDieses Buch soll nichts anderes sein als eine\nSkizze, eine Anregung. Es enthält im wesent-\nlichen nur Andeutungen.\nEin einziger grosser Grundgedanke ist in\nihm niedergelegt, der der denkbar reichsten Ent-\nwicklung und Vertiefung fähig ist.\nDieses Buch ist der Keim zu einer neuen\nWelt.\nMöge die neue Welt aus ihm hervorgehen.\n\nBriefe nach Norwegen\nLiebe Jungens\nVon Else Lasker-Schüler\nIch habe hier nun keinen Menschen, dem\nich das alles erzählen kann, kommt bald wie-\nder' Der Peter Baum ist ein Schaf, er grast\nimmer auf der Wiese bei seiner Mutter und\nimmer kann er nicht loskommen von Hans oder\nvon einem anderen Cousin des Wuppertals. Oder\nseine Schwester lässt ihn nicht fort, oder Maja,\nsein Weib, ist zurückgekehrt von der Reise. Ohne\nPeter Baum kann ich nicht leben. Er rügt mich\nnie, er findet, alles passt zu mir, was ich tu.\nAber vor Dir hab ich Angst, lieber Herwarth,\neine Backpfeife wäre mir lieber als dein stren-\nges Gesicht. Den Geschmack habe ich noch von\nder Schule her. Und ich werde lieber in Dei-\nner Abwesenheit diese Briefe an Dich und\nKurtchen an deine Druckerei schicken. Du\nsagst ja doch, es geht nicht, aber es geht alles,\nwas man will. Peter Baum findet auch nichts\ndabei. Den ganzen Tag hab ich gestern auf ihn\ngewartet, ich schrieb dreimal denselben Brief an\nihn, einen sandte ich an seine erste Wohnung,\nden zweiten an seine neue Wohnung und den\nletzten an seine Mutterwohnung nach Friedenau.\nAuf Wupperthaler Platt. „Lewer Pitter Boom,\ndat letzte Mol, dat eck Deck schriewen tu:\nkomm oder komm nich, ollet Mensch. Eck han\nDeck so voll tu verzählen, eck wees jo nich,\nwat eck met all die Liewe donn soll. Eck\nweess nich, wän eck von de dree Arbeeter liewe,\nden Frederech oder den Willem oder den Ost-\nPrösen. Du sollst meck helpen tu sinnen, dom-\nmet Rendveeh. För wat böss De denn geborn?\nOn leih meck een Kastemännecken, eck han ver-\ndeck keene Kartoffel mähr em Hus, on necks tu\nfreien. Eck gew et Deck weher, so wie ming\nGelägenheetstrauerspeel, Pastor Kraatz, opge-\nföhrt wörd. Der Derektör han et meck ver-\nsproocken optuföhren; wenn meck ens nur der\nolle Grossvatter em erschten Akt vorher nich\nsterben dut; hä leid on die Luft. Det weest\nDe jo. On de Doktor Rodolf Blömner vom düt-\nschen Triater soll emm speelen, ewwer wat soll\neck anfangen, wenn hä sinne spassegen Opern\nmakt, on eck kann nich henkicken, weel wir bös\nsinn. Du gönnst et meck wohl nich, fiser Peias.\nKömmst De nu, oder nich? Komm ens wacker!\nDing Amanda\".\nDenkt mal, er ist abgereist mit seiner Schwe-\nster Julie nach Hiddensee, am Hohenzollerndamm\nwohnt seine Frau, die Matja, mit ihrer Freundin\nJenni, in der alten Ringbahnstrasse hat Peter Baum\nseinen Roman liegen lassen. Die Tapezierer haben\ndie Hälfte Blätter schon mit Kleister beschmiert, um\nsie unter die neue Tapete zu kleben. Aber was\ngeht das uns an. Hast Du Dir den Brief von\nder Post in Kristiania abgeholt, lieber Herwarth?\nWas sagst Du dazu, dass Deine Pantomime in\nganz Luxemburg angenommen worden ist? Ich\nsinge immer seitdem, ich bin der Graf von Lu-\nxemburg und hab mein Geld verjuxt, verjuxt.\nLieber Kinder, ich habe Euch schnell was\nfurchtbar schmerzliches zu sagen, der Marroka-\nner ist entführt worden von einer Undame.\nHerwarth, gestern war ein Monstrum im\nCafe mit orangeblonden, angesteckten Locken,\nund wartete scheints bis Mitternacht auf Dich,\nHerwarth. Leugne nur nicht, Du kennst sie; sie\nsprach genau so im Tonfall wie Du, überhaupt\nganz in Deiner Ausdrucks weise. Nachher ging\nsie in die Telephonzelle; ich und Zeugen hörten\nsie unsere Nummer rufen, aber Deine Sekretärin\nmusste wohl schon gegangen sein, denn das\nMonstrum stampfte so wütend mit dem Fuss,\ndass die gläserne Tür des kleinen Kabinetts\nklirrte. Und so stampfen nur Verhältnisse,\nwäre doch eine Gemeinheit von Dir, wenn\nmir untreu wärst. Jemand hat hier im Cafe\nsehn, wie sie Dir unter dem Tisch eine i\nkünstlichen orangefarbenen Locken schenkte. 1\nwas wollt ich noch sagen, heute Morgen\nMinn bei mir in der Wohnung, auf seiner\nzen Schulter trug er einen grossen Reisek\nmich darin sofort einzupacken nach Tanger,\nwill es mir noch überlegen mit dem Bise\nnatürlich wenn der mich wirklich liebt, k\nich ja nicht weg. Aber eins, Niemand schws\nso für Deine Pantomime wie der Erzbischof;\nder Slawe. Also bleibe noch ruhig am Nord}\nDu und Kurtchen.\nLieber Herwarth, zum Wohlsein Kurtchen,\ngestern sind meine Grete und ich fast überfallen\nworden! ! Sie flickte mir gerade meinen Rock.\nIhr Willy war es, der doch so ungefährlich aus-\nsieht Sie hat ihm in der letzten Zeit dieselben\nBriefe geschrieben, die ich ihr an Dich und\nKurtchen vorlas. Was wir so alles durchmachen,\nauch geht es mir materiell schlecht. Im Cafe\nhabe ich grosse Schulden, beim Ober vom Mit-\ntag: ein Paradeishuhn mit Reis und Apfelkom-\npott; beim Ober von Mitternacht: ein Schnitzel\nmit Bratkartoffeln und Preisseibeeren und ein\nVanilleneis, ein ganzes zu fünfzig Pfennig. Mar-\ntha Hellmuth, die Zauberin Hellmüthe in mei-\nnem St. Peter-Hille-Buch, lieh mir einen Gro-\nschen fürs Nachhausekommen, sonst hätte ich\nDir wieder mein Wort nicht halten können.\nUnd nachher kam Rechtsanwalt Caro, er ist di-\nrekt ein gentleman, er gab mir für dich zehn\nMark; er sei Dir das schuldig. Als ich dann\nLachs mit Buttersauce gegessen hatte, fiel mir\nein, es war eine elegante Ausrede von ihm. Was\nman doch an Keingeld zu Grunde geht, zwar\nKleingeld vertrag ich noch weniger, ich bin\nvon Hause nicht en miniature gewöhnt. Macht\nEuch keine Sorgen um mich, so lang ich noch,\nim Fall einer Mobilmachung, was zu versetzen\nhab — Euer Krösus.\n\nDer kommende Mann\nEine Vision\nVon Mynona\nZibulke aus der Osteroder Chaussee sagte:\n„Haben Alexander gehabt. Wir haben Muchler,\nden General Wunk, riaben Napoleon, den Affen\nKonsul, den Musiker Thoendling, den Theater-\ndirektor Turl gehabt, sowie den Grafen Durak,\nden Schiffskommandanten Goethe, den Steuer-\nmann Schiller, den Bureauchef Kohn XXI, ta-\ndellos grossen Mannsen, die Dame Schpela,\nden Zirkusdirektor Nietzsche, den genialen Bör-\nsianer Buddah, den Dynamitarden Muhamed,\nProfessor Roda-Roda, vor allem den grandiosen\nKammerjäger Shakespeare — eh bien! voila!\nHailoh! En avant! Ziehen wir das Fazit: wie\nwird der kommende Mann aussehen?\"\nZibulke holte ein Büchlein aus der Tasche,\ndessen Rückseite die Gesichtszüge aller genann-\nten grossen Menschen reklamemässig zierten;\nein Büchlein aus dem Verlag Schneemann. Er\nschnitt sich die Bilderchen heraus, und setzte sie\n\nSchluss folgt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "632", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.6", "texte": "in ein kleines kinetoskopisches Rad, und nun\ndrehte er los, und es wirbelte! Die Gesichts-\nzüge der verschiedenen Genies durchdrangen ein-\nander, und vor den entsetzten Augen Zibulkes\nerschien die grinsendste Fratze, die jemals in\neine Phantasie kommen kann: ein Kaliban,\nein Gorilla; wie man sich etwa den Urmenschen\no-ero vorstellen mag, wenn man verbohrt, ver-\neint, vernagelt und verhäckelt ist. Zibulke\n, die Kurbel fahren und sagte, leichenblass\nGesicht: „Scheusslich.\" Es gebrach Zihul-\nan der logischen Kraft, bündige Schlüsse\nziehen. Er hatte das Vorurteil, das Durch-\nüttsgesicht der Allergrössten müsste ausfal-\nals das des Allerallergrössten. Guter, ver-\ntrauensseliger Zibulke: der Durchschnitt fällt\nplatt aus und zwar, wenn das Niveau hochge-\nnommen wird, eben abgründig platt. Zibulke\nhatte die Gesichtszüge des grossen Menschen\nunfreiwillig karikiert. Und sollte man's glau-\nben? Zibulke ging an diesem Erlebnis glatt zu\nGrunde! Las nämlich irgendwo bei H.H.Ewers,\ndas Ziel der Menschheit läge in ihren höchsten\nExemplaren und wurde natürlich rettungslos\nschwermütig; ein zweiter Jüngling zu Sais in\nAegypten. —\nDamit ist nicht das geringste gegen die\nbildhafte Erschliessbarkeit kommender Männer\nentschieden und gar nichts gegen die Verwend-\nbarkeit der Kinetoskopie zu allerhand visionä-\nRen Erschliessungen. Man muss nur methodi-\nscher verfahren! Zibulke est mort, vive Zibulke!\nDie komponierten Gesichter von Papa und Ma-\nma könnten sehr wohl epigonisch resultieren.\nAlso nicht wahllos wie Zibulke durcheinander-\nwirbeln — sondern mit wählerischem Blick für\ndie Antagonismen: Zum Beispiel der bekannte\nKriegsfürst Huldrich Fernkäse könnte, mit Ber-\ntha Suttner gemischt, ein prachtvoll zwingendes\nResultat ergeben: Heross und Idylle! Das ist,\nweil es Methode hat, immer noch kein Wahn-\nsinn.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nweiter Jahrgang\n>tes Halbjahr\nDie römischen Ziffern bezeichnen die Nummern,\ndie arabischen die Seitenzahlen der Zeitschrift.\nBeiträge\nJoseph Adler\nAlles aus Liebe zur Kunst LVII 456\nDeutsche Phraseure LXIV 511\nDie vier Toten der Fiametta LXVI 524\nSchon wieder der Meyer LXXIV 592\nFriedrich Kurt Benndorf\nDie Tat LXIX 551\nVom Gedichtelesen LX 479\nEduard Bernstein\nMehr Kinder LVIII 460\nErnst Blas's\nArmin Wassermann LXVII 535\nDas Behagen LXX 558\nMax Br o d\nDie Volksversammlung LXI 485\nLXII 494\nVersuch einer neuen Metrik LVIII 462\nViktor von Dirsztay\nPubertät LXIX 551\nWahrnehmungen ' LXXVIII 623\nAlfred Doeblin\nDer Dritte LXXVII 613 LXXVIII 621\nDie Helferin LXII 493\nDie Segelfahrt LXIX 549\nDie Verwandlung LXXIII 581\nMehr Kinder LVII 452 LIX 468\nPantomime LXVII 531\nZwei Liederabende LVII 455\nQuintus Fixlein\nVon Leutchen, die ich lieb gewann LXII 496\nWarum? LIX 472\nRichard Fuchs\nDer Rang der Geschlechter LXX 557\nDie Lehrprobe des Mannes LXXIV 589\nDie neue Kunstanschauung LXIII 502\nGo 1 o Gan g i\nDr. S. Friedlaender: Friedrich Nietzsche LXVIII 544\nPer Hallstroem\nAdonia LVIII 460 LIX 471 LX 477\nKarl Haman\nLiterarhistorik und Journalismus LXIV 509\nWalter Heymann\nBerliner Sezession 1911 LXIII 503 LXV 519\nLXVII 534 LXVIII 543\nKurt Hi 11 e r\nDer antinomische Leu LXXV 600\nDer Relativismus in der Rechtsphilosophie\nund seine Ueberwindung durch die Resti-\ntution des Willens LIX 469\nLX 476 LXI 486\nPrivatdozentisches LXXII 575\nZur Auswahl LXIX 551\nJakob van Hoddis\nDer Oberlehrer LXIV 510\nHermann Koch\nBiosphor LXVIII 544\nV|V e Nx = 2 = Nz\nY/x Ex = DJ LXVI 525\nMoritz König\nMutter Natur LXXVI 606\nFritz Kreuzig\nProteus LXXVI 607\nArthur Kronfeld\nBekannte LXI 488\nFrühling LXV 520\nElse Lasker-Schüler\nAbel LXXII 574\nAntinous LXIX 549\nBriefe nach Norwegen LXXVII 615\nLXXVIII 622 LXXIX 631\nDem Barbaren LXIV 508 LXVII 534\nDem Prinzen von Marokko LXXIII 581\nFriedrich von Schennis LXXIV 590\nGedichte LVIII 461\nUnser Liebeslied LXIII 502\nWauer via München, weiter und so weiter LXXII 575\nSamuel Lublinski\nRomantik und Stimmung LXXV 598 LXXVI 604\nJoseph August Lux\nDer Ingenieur LXVI 526\nMinimax\nVermischtes LXIV 512\nOctave Mirbeau\nMarie-Claire LVII 454\nMy n o n a\nAuf den begrabenen Dieb August S.,\ngenannt „Dummer August\" LVII 455\nFabelhaftes LXIV 507\nDer kommende Mann LXXIX 631\nSar Peladan\nDie höchste Tugend LXV 517\nLXVII 533 LXVIII 540\nGedanken LIX 468\nHeinrich Pudor\nZur Physiologie der Frivolität LXXIV 591\nDr. Anselm Sabberer\nDas Mensch als Kunstwerk LXXV 600\nPaul Scheerbart\nDer brennende Harem LXXII 573\nDer Kaiser von Utopia LVII 453 LVIII 461\nLIX 470 LX 478 LXI 487\nKapitän Junker auf der Insel Tamuso LXXVI 605\nLiteraturgeschichte LXX 560\nLufthafen und Schwiegermama LXIII 501\nWir leben nicht im Zeitalter der Qualität LXVII 535\nOlga Schneider\nTraum LXI 488\nA. R. Schönlank\nDie neue Malerei LVIII 463\nHjalmar Soederberg\nAus der Vergessenheit LXX 559 LXXI 566\nOtto Stoessl\nBalzac LXII 494\nDer Skeptiker LXXI 564\nAugust Strindberg\nDie Drangsale des Lotsen LVII 452\nTrust\nAn die Herren Vorsitzenden der Deutschen\nHeimatspiele LX 479\nAus der Presse LXXVIII 619\nBerliner Leben LXIII 504\nDie Kunst in Kneipe und Heim LXXI 564\nDie Kunst stirbt LXXIII 583\nDie Vinnen gegen den Erbfeind LXXV 596\nEinsichten LXXII 572\nFurchtbar dräut der Erbfeind LXIII 500\nFür Freunde der Poesie LXVI 528\nGelesenes und Erlebtes LIX 472\nGewerbsmässige Unzucht LXXIX 627\nLiteratur, Wissenschaft und Kunst LXIX 548\nSchalmeienklänge LXV 516\nSchönheit! Schönheit! LXX 556\nVon Dichtern LXXIII 580\nWieder eine Woche LXIV 508\nZeitgeschichte LXI 484\nZeitgeschichten LXII 492 LXVIII 540\nLXXIV 588 LXXVII 615\nErich Unger\nNachts LVII 452\nWilliam Wauer\nDer Regisseur LXVIII 542\nDer Schauspieler LXXII 574\nDie Theaterkunst LXXVI 605\nTheatertechnisches LXX 558\nJohn Wolfs\nDer gothische Dom LXV 519\nDie Wahrheit LX 479\nKunsthistorismus LXIV 510\nWilhelm Worringer\nZur Entwicklungsgeschichte der modernen\nMalerei LXXV 597\nPaul Zech\nMittagsschwüle LXXIII 583\nNovemberabend LXXVII 614\nMax Zerbst\nBewegung LXXVII 612\nLXXVI II 620 LXXIX 629\nJ. A.\nAus jüngster Zeit LXIX 551\nKünstler LXXVI 607\nLokale Begebenheiten LX 480\nModernes Theater LXVII 535\nRückblicke LXXVIII 624\nVom Tage LXXI 567\nK. M.\nDymow LXII 495\nH. W.\nDie vier Toten der Fiametta LXVI 523\nOffener Brief LIX 472\nPantomime LXVII 532\nZeitgeschichten LXVIII 539\nZeichnungen\nE. H e c k e 1\nDas schwarze Tuch LXIII 499\nL. K a i n e r\nDer schwarze Mann LVII 451\nDie Dame LVIII 459\nLebensfreude LXXII 571\nTwostep LVIII 459\nE. L. Kirchner\nBall / Holzschnitt LXIX 547\nHolzschnitt LXXVIII 623\nPanamagirls LXI 483\nRuhe / Holzschnitt LXXV 595\nSommer / Holzschnitt LXXI 567\nTänzerinnen / Holzschnitt LXXVII 611\nVariete / Holzschnitt LXXI 563\nOskar Kokoschka\nYvette Guilbert LXX 555\nM. M e 1 z e r\nZeichnung LXIV 507\nEmil N o 1 d e\nChantant LXXIV 587\nSchmidt-Rotluff\nMädchen LXXIII 579\nLudwig Sege barth\nVersinnlichte Presse LXIV 511\nAlex Seon\nSar Peladan / Zeichnung LXV 517\nJohn Jack Vrieslander\nDer Säugling LX 475\nLa belle poule LIX 467\nMutter und Kind LXII 491\nSchlafendes Mädchen LXV 515\nZeichnung LXX 603"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "633", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.7", "texte": "Maximilian Macht\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gecfachtnis-Kirche\nJournal-Lesezirkel\nAusslellungen der Neuen Sezession\nVerlag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "634", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19110930-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nVereininrliinst\nAchtes Jahr\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM3— zu, sowie der\nkostenlosejahresbezug\nder Woehenschrift Der\nSturm. Fur alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nGeschaftsstelle des V. 112. K.\nHALENSEE, Katharinen - Strasse No. 5\nZweiter Abend\nSoiiiiataid den 28, (Mote\nabends 8 Uhr\n:: Architektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nGERTRUDE\nBARRISON\n\"T 31\n! anze\nKailen iVS 5, 3, 2, \\ bei\nWertbeim, Konzertkasse\n\nTHRICHOPHIL\n1 R M. 3,00 F1.M.3,00 g\n■aaaaeaaaasaaaa == nur beim Fabrikanten: =»• saeaassoaasaaffla\n| Otto Teutscher/Friseur g\n■ I. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Eing.63Steglitzerstr.,Tel.VI,6735 11\n11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, lei. AmtCh.,63B/\niiiaiaooooeoooimi\n\nAm i. Oktober erscheint Heft i;\nDer Sprecher\nFaehschrift fur Vortragskunst\nund das gesamte\n— Vortragswesen 5111=\nOrgan fiir die deutsche Rednerschaft und die Vereine\nmit Hterarischen, wissenschaftlichen oder\nkilnstlerischen Bestrebungen\nErscheint am 1. und 15. jeden Monats\nAbonnement vierteljahrlich Mk. 1 20\nEinzeines Heft (auch als Probenummer) 25 Pfennig\nVerlag „Der Sprecher\" Charlottenb. 1, Spielhagenstr.7a\n\nDr. Rudolf Bliimner\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. Rolienstudium\nCHARLOTTENBURO Sprechstunde: 5-6 Uhr\nWilmersdorferstrasse 75\n\nFriedr. Mester uiPzig\nunter Mitwlrkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute In fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationales\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njihriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur elne Volks-, Real- oder Ihnliche Schule ab-\nsolvlert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnlssen, Einjihrig-\nFreiwilllge, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre rachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Cbemiker, Brauer, Jurlsten, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesellschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannlsplatz 5\n\n11 'I illHlMfll IKef llllh I lIIIIHIRVI wsisnaamM^SSß^mWrSStESS^\nPressrelationskreau Hansa\nBerlin NW 28 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nachrichten iiber\nKnast, Literatur, VVissensciiaft\nin jeder Hinsicht unbedlngt zuverlassig.\n:: Akademisch and literarisch gebildete lectoren ::\nvorziigliche Organisation\nI Fernsprecher Berlin II 6121\n\nPraia 1 Mark Preis 1 Mark\nenthol-Malz-Dragees\nSicheresMittel gegen akuteKatarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangern\nsofortlgea Gebrauch der erkrankten Organe\n...... ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ■■■■■■\nZu haben in allca Apothcken and Drogerien / Allelnige Fabrikaatin\n„Pharmacia\" / Fabrfk fflr pharmacentischea Bedarf / Berlin-Halensee\nWohlscfameckond Sicker wirkend\n\nVerlag Der Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\nHalbjahr „ 3,—\njahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\n\nVollstandiger erster jahrgang\nNummer 1 bis 58 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei\n\nKlindworth-Seharwenka-Saal\nFreitag den 29. September 1911 atats 8 Uiir\nKlavierabesid\nvon\nOlga Wainstein-Muslina\nBach I Schumann / Liszt\nKarten zu 4, 3, 2, 1 Mark bei Bote und Bock, in der Schlesingerschen Musik-\nhandlung, im Kaufhaus des Westens und an der Abendkasse.\n\nElse Lasker-Schiiler \\J|\nMeine Wunder\nGedichte\nPieis in van Geldern-Butten gebunden\nDrei Mark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig\nJA\n\ns Charlottenburg\n■ Bismarckstrasse 9\nAm Knie\n□ El\n0\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\n112\nEdmund iey@r\nBuchMudleru.Antipar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 27 b\nFernspreehei* Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Bucher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nftir Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKaialoy XXVIII (Varia)6rschienen I\nJ\n\nHIBHIIIIIIBSI\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nHummer 329/330\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nDiese Nummer enthalt den\nEssay von Karl Kraus:\nHeine und die Folgen\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\n\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer ::\nEssays\nDurch alle Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMtinchen"}]}