{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_sha256": "230aafdbc823123b94bce2861486d31ed0d1385e06a1269c3fb581aeb6b3f5e9", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/10/07_01/bmtnabg_1911-10-07_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/10/07_01/bmtnabg_1911-10-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.1", "debut_caractere": 515, "fin_caractere_exclue": 889, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Aus der Heimat: Der Türke in Berlin / Durchdringung mit Volksgeist / Gemäldeausstellungen / Konzerte / War Goethe musikalisch /\nNochmals der Doktor Sabberer / K. H.: Spielereien einer Kaiserin / PAUL ZECH: Gedichte / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen /\nALBERT EHRENSTEIN: Passion / KURT HILLER: Offener Brief an den Herausgeber / Beachtenswerte Bücher"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "637", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.2", "titre_corps": "Aus der Heimat", "titre_sommaire": "Aus der Heimat", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.1", "debut_caractere": 891, "fin_caractere_exclue": 7115, "texte": "Aus der Heimat\nDer Türke in Berlin\nDer türkische Thronfolger hatte die Güte,\nmit einem Herrn vom Lokal-Anzeiger über die\nEindrücke seiner Reise durch Deutschland zu\nplaudern. Man sollte nicht glauben, was einem\ntürkischen Thronfolger auffallen kann, fast so\nviel wie einem Herrn vom Lokal-Anzeiger. Dem\nfällt vor allem die ausgezeichnete Stimmung auf,\nin der er den Thronfolger antrifft. Der hätte\nsehr viel darum gegeben, den Manövern beizu-\nwohnen, „deren hochinteressanten Verlauf er nur\naus der Ferne an der Hand der Berichte habe\nverfolgen können.\" So kann selbst der Lokal-\nAnzeiger für einen Türken zur hochinteressanten\nLektüre werden. Der Thronfolger gibt seinen\nEmpfindungen „beredten Ausdruck\": „Wie macht-\nvoll pulsiert das Leben durch ihr grosses\nschönes Berlin, wie glücklich und genuss-\nfroh scheint diese Bevölkerung zu sein, bei der\nRiesenarbeit, welche die staunens-\nwertesten Fortschritte ge z e i t i g t hat, wie\nprächtig straff ist die Disziplin. Während da,\nwo die Natur sparsam war, wie in der Mark,\nder Charakter des Soldatenvolkes schärfer her-\nvortritt, das in zäher Disziplin entgegen-\nstehende Schwierigkeiten besiegte, imponiert\nan dem herrlichen Rhein und in den\ngesegneten Regionen des Südens die\npraktische Regsamkeit, welche alle Möglich-\nkeiten ausnutzte, und beispielsweise aus Frank-\nfurt eine so glänzende Handelsmetro-\nPole machte.\" Ich bin überzeugt, dass nicht\nder Herr vom Lokal-Anzeiger clen Thronfolger,\nsondern der Thronfolger den Herrn vom Lokal-\nAnzeiger über seine berliner Eindrücke befragt\nhat. Wie, um Gottes willen, soll der Thronfol-\nger etwas vom pulsierenden Leben, von der ge-\nnussfrohen Bevölkerung, von den gezeitigten Fort-\nschritten, von der sparsamen Natur, von dem\nherrlichen Rhein, von clen gesegneten Regionen,\nvon der so glänzenden Handelsmetropole am Bos-\nporus gesprochen haben. Oder klang ihm\ndieses Deutsch türkisch. Spanisch bleibt\njedenfalls seine Bemerkung, dass er sich\nin einer Aufnahme der „Woche\" in einer „gut\ngetroffenen Aufnahme\", die eben hier eingetrof-\nfen war, wiedererkannte, ohne sich durch diese\nhandgreifliche Reklame getroffen zu füh-\nlen. Dem betroffenen Leser wird noch von der\nunübertroffenen grossen Freude berichtet, die der\nThronfolger dabei hatte, jede Persönlichkeit der\nGruppenaufnahme „mit Vergnügen\" zu erkennen.\nDiese Kunststücke soll ihm mal erst einer in\nDeutschland nachmachen. Was die Bevölkerung\numso lieber tun wird, als der Thronfolger ihr\ndurch den Herrn vom Lokal-Anzeiger mitteilen\nlässt, dass er ihrer stets in herzlicher Dankbar-\nkeit gedenken werde. Der Thron in seinem Her-\nzen ist uns also sicher.\nDurchdringung mit Volksgeist\nBerlin wird nun eine juryfreie Kunstschau\nerleben. Die Vereinigung versendet einen Pro-\nspekt, mit der Mitteilung, dass sie mit dieser\nVeranstaltung der Kunst dienen und den Künst-\nlern helfen will. Aber nicht damit genug: „Die\nVereinigung will durch die juryfreie Kunstschau\nund über dieselbe hinaus eine notwendige\nAnnäherung zwischen Künstler und Publikum\nschaffen, da hierdurch allein unserem gesamten\nKunstleben neue Kraft und Frische zugeführt\nwerden kann. „Die notwendige Annäherung zwi-\nschen Künstler und Publikum wird allseits er-\nstrebt. Der Herr Künstler fühlt sich verlassen\nund alleine auf dem in früheren Zeiten beliebten\nPiedestal. Er will nicht immer abseits stehen,\ner rückt dem Publikum auf clen Leib, klopft ihm\nauf die Schulter und das Publikum, erfreut,\nüber solche Vertraulichkeit, rückt gleichfalls her-\nan. Wir gehen schönen Zeiten entgegen. Man\nbedauert fast, nicht Künstler zu sein. Leib an\nLeib fordert Künstler und Publikum das Jahr-\nhundert in die Schranken des Zirkus. Denn, wie\nsagt Herr Artiiur Kahane, Dramaturg des Deut-\nschen Theaters zu Berlin, Verfasser des Buches\nLIEDER: Auf einem uns vorgeschriebenen\nWege suchten wir den Rahmen des heutigen\nTheaters zu erweitern, seine Wirkungen zu stei-\ngern, cl e n K o n ta k t mit dem Publikum enger\nzu machen. So war es kein Zufall, wenn wir\nvom kleinen Theater in clie Arena stiegen. Auf\ndiesem Wege werden wir weiter gehen, vielleicht\nvertrauen wir nicht ohne Grund, dass dem, der\nuns folgt, neue Fernsichten und Ausblicke\nsich öffnen werden.\" Der Künstler wird also\nimmer weiter auf diesem Weg gehen, die Vorstel-\nlungen werden zwar nicht besser, aber die Vor-\nstellung schwierig, wie bei dem fortgesetzten Auf-\ndenleibrücken, sich neue Ausblicke auf Fernsich-\nten öffnen werden. Auch wenn die Wirkungen\ndes Rahmens so gesteigert werden, dass er aus-\neinanderplatzt, wird diese denkbar grösste Er-\nweiterung keinen Konktakt mit dem Publikum\nherstellen, dem man ohne Elektrizität nur auf\ndie Füsse tritt. Diese geographischen Erörterun-\ngen las man in den Blättern des Deutschen The*\naters, die an Zerstreutheit alles zu wün-\nschen übrig lassen. Diese Politik der Annäherung\nsetzen nun die sehr gebildeten bildenden Künst-\nler der juryfreien Kunstschau fort. Sie gehen\ndenselben Weg. Sie sind sogar Idealisten. Sie\ngewähren den fördernden Mitgliedern freien Ein-\ntritt in das Kaiser Friedrich-Museum und be-\ndeutende Vergünstigungen bei noch vorgesehenen\nVeranstaltungen der Vereinigung, zum Beispiel\nbei einem grossen Künstlerfest, und sie „glau-\nben und vertrauen, dass dieselben neben den\nstarken ideellen Grundgedanken (nämlich dem\nNäherrücken), auf den die Vereinigung aufge-\nbaut ist (also auf schwankendem Grund sozu-\nsagen), unserer grossgedachten und grossangeleg-\nten Sache sehr viele Nichtkünstler zu fördernden\nMitgliedern werben werden, ja, den Nichtkünst-\nlern wird noch viel mehr zugemutet. Sie ar-\nbeiten durch Ausnutzung der erwähnten Vergün-\nstigungen „mit an der Verjüngung und Gesun-\ndung unseres deutschen Kunstlebens und helfen\nder Künstlerschaft in einem schweren, aber aus-\nsichtsvollen Kampf um die Neubelebung der er-\nloschenen Teilnahme an der bildenden Kunst.\"\nFür acht Mark fuscht jeder gern mal an der Ge-\nsundung der deutschen Kunst mit. Fragt sich\nnur, ob ihr diese Pferdekur bekommen wird.\nNamentlich, da sich alle Kreise der Bevölkerung\nan der Behandlung beteiligen sollen. Und nun\ndas grösste Geschenk. Während Herr Kahane\ndem Billetkäufer nur neue Aussichten verheisst,\nfür die man sich nichts kaufen kann, verheisst\ndie juryfreie Kunstschau dem Bildkäufer ausser"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "636", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10287, "texte": "dem Bild, das man nicht verkaufen kann, das\nRecht, über Kunst zu urteilen.\n„Das Publikum allein, der Kunstfreund, der\nKäufer soll Juror sein, seinem individuellen Ge-\nschmack allein bleibt die Wahl überlassen. So\nund nur so werden wir eine Gesundung unse-\nres Kunstlebens aus dem Volke heraus erleben,\nfür die Durchdringung unserer Kunst mit deut-\nschem* Volksgeist der einzigmögliche Weg.\"\nJa, wir gehen schönen Zeiten entgegen. Bei\ndieser Lauferei auf dem einzig möglichen Weg\nwird zwar der deutsche Volksgeist total zertram-\npelt werden. Bei seiner Auflösung wird sich\njedenfalls sehen lassen, dass er seine einzelnen\nBestandteile nie besass: Deutschtum, Volk und\nGeist Möge man sich allerseits von ihm durch-\ndrungen fühlen.\nGemäldeausstellungen\nDie Institute, die sich des schönen Namens\n„Kunstsalon\" bedienen, können nichts dafür. Die\ngrossen Maler produzieren für ihre Bedürfnisse\nnicht genug, die guten Maler fallen niemandem\nauf, die schlechten Maler sind auf der grossen\nKunstausstellung und im Verein Berliner Künst-\nler so zahlreich vertreten, dass Sonderausstel-\nlungen von ihnen nicht ziehen wurden. Das\nPublikum liebt es auch, schlechte und daher ihm\ngefallende Bilder in Massen anzusehen, damit es\nnicht erdrückt wird. Denn nur das einzelne Bild\nkann für den Seelenzustand der Masse gefähr-\nlich werden. Es gibt nur sehr wenige fähige\nKunstkritiker, die malen aber nicht. Es gibt\naber sehr viele unfähige Kunstkritiker, die zum\nTeil auch malen. Oder mindestens zeichnen und\nHolzschneiden, trotzdem sie besser täten, Steine\nzu klopfen. Aber man will doch sehen, wie so\nein beliebter Kunstkritiker sich die Kunst eigent-\nlich denkt. Der Salon Gurlitt kam auf die Idee\nund hat die Sensation. Er wandte sich an den\nbisher leider nur unseeligen Herrn Professor\nLudwig Pietsch, der nichts Eiligeres zu tun hat-\nte, als seine Zeichnungen, Lithographien und\nHolzschnitte auszustellen, die er in den Jahren\n1840 bis 1871 verfertigt hat. Herr Pietsch ist\nder Mann, der Van. Gogh für wahnsinnig, Hod-\nler für idiotisch und Cezanne für verrückt hält.\nEr behauptet natürlich auch, dass diese Künst-\nler und einige andere, wie Gauguin, Matisse\nund Kokoschka weder malen noch zeichnen kön-\nnen. Herr Pietsch ist der Mann, der seit fünf-\nzig Jahren alle offiziellen Diners und Soupers\nmitgegessen hat, und der seinen erstaunten Le-\nsern immer wieder verrät, dass zum Schluss\n„wohlgefüllte Zigarrenkisten und verschiedene\nSorten erlesenen Liqueurs herumgereicht wurden.\"\nHerr Pietsch ist der Mann, der stets und überall\neinen „erlesenen Damenflor\" um sich sieht, ein\nFrauenlob, den jede, aber auch jede nackte Schul-\nter in Flammen setzt, und der sie in so schlechtem\nDeutsch „besingt\", dass sie eine Gänsehaut be-\nkommt. Mit ihren Besitzerinnen pflegt Herr\nPietsch sich über Bilder zu unterhalten. Man\nkann sich denken, dass es einem Professor nicht\nschwer fällt Gänse mit gänsigen Urteilen zu in-\nfizieren. Herr Pietsch ist also der Mann, der\nausstellt. Ganz Berlin wird sich die geradezu\nentzückenden Dinge ansehen, ganz Berlin wird\nmit Entzücken feststellen können, bei welchen\ngrossen Gelegenheiten Herr Pietsch überall „an-\nwesend gewesen ist.\" Er wohnte der Eröffnung\ndes Suezkanals bei, er drängte sich bei Turge-\nnieff ein, er kannte die überlebensgrosse Mada-\nme Viardot, er sah sich die Eroberung von Se-\ndan an und er proklamierte 1871 das Deutsche\nReich. Bismarck war sogar zugegen. Er weilte\nin Griechenland und Baden-Baden, in Aegypten\nund Nizza, er sah Burgen stürzen und Häuser\nbauen und er überlebte alles und überzeichnete\nalles. Seine Begabung ist etwa die des Fritze\nWolff vom Berliner Lokal-Anzeiger. Das ist der\nHerr, der alle aktuellen Personen und Dinge\nätzt, wodurch es den Objekten auch nicht besser\nzu Mute wird. Doch der Herr Wolff ist durch\ndie Umgebung leise angesäuert, zu Weihnachten\nund Pfingsten wird er unter dem Eindruck der\nhohen Feste impressionistisch. Anders Herr\nPietsch. Seitdem der Impressionismus und die\nübrigen Teufeleien, „erfunden\" worden sind, gab\ner das Zeichnen einfach auf. Solcher Welt muss-\nte er seine. Kunst versagen. Herr Pietsch hat in\nder guten alten Zeit, in der man noch etwas\nvon Kunst verstand, mit Liebe gezeichnet. Es\nfehlt auch nicht ein Strich, den man vermissen\nmüsste. Der schlichte Soldat besitzt ebensoviel\nRecht auf zwei Augen, zwei Ohren, Nase und\nMund, wie Bismarck. Gleiche Gesichter für alle.\nNicht nur, dass keinem Gottesgeschöpf die Glied-\nmassen verrenkt werden, nein, nicht eine Schuh-\nschnalle wird irgend einem Lebewesen unter-\nschlagen. Man freut sich, dass alles da ist und\ngeht beruhigt zu Keller und Reiner. Man be-\nfindet sich in einem guten Möbelgeschäft und\nsucht Bilder. Das was im Oberlichtsaal an\nfarbiger Leinewand hängt, soll die Ausstellung\nsein. Man wendet sich freundlich ab und ent-\ndeckt beim Herausgehen im dunklen Vorraum\nplötzlich Bilder. Die Ausstellungsleitung hat sie\noffenbar aus Furcht vor perfekt zeichnenden Kri-\ntikern versteckt. Es sind Bilder von Moritz\nMelz e r , Wirklich gemalte Bilder, ohne die\nAbsicht, Natur zu imitieren oder vorzutäuschen.\nMelzer gehört zu der Vereinigung Neue Sezes-\nsion, die als Gesamtheit wenigstens weiss, was\nunter Malerei zu verstehen ist. Ihre Mitglieder\nsind unter einander noch ziemlich abhängig.\nMelzer und mehr noch Pechstein und Kirchner\nscheinen mir die zu sein, die am ersten Far-\nbe bekennen werden. Denken ist ja unter\nUmständen eine ganz hübsche Sache. Aber Ma-\nler, die denken und dichten, und Erinnerungen\nschildern, sind Pinsel. Und das ist gerade\nder Teil des Handwerkzeugs, den der Maler am\nleichtesten entbehren kann. Und lieber mit Far-\nbe schmieren, als sie abzulecken.\nKonzerte\nDie Gesellschaft der Musikfreunde zu Ber-\nlin veranstaltete eine Gustav Mahler-Gedächnis-\nfeier. Oskar Fried dirigierte die zweite Sympho-\nnie des Komponisten. Mahler ist zweifellos der\nKünstler, der mit seinen Werken an Gehalt und\nEwigkeitswert sich den neueren Meistern Liszt,\nWagner und Bruckner anschliesst. Ich begreife\nnicht, dass musikalische Menschen von Mahler\nund Richard Strauss sprechen können. Bei\nMahler ist alles Erlebnis, bei Strauss alles Bluff.\nBei Mahler Erfindung, bei Strauss Mache. Bei\nMahler sorgfältig beschränkte Gestaltung, bei\nStrauss sorgfältiges, beschränktes Geleier. Strauss\nsucht Natur vorzutäuschen, er setzt sein Heim,\nseine Frau, sein Kind, seinen Nachttopf unter\nMusik, Mahler musiziert. Nicht frei von ba-\nrocken Einfällen. Aber es braucht ja nicht alles\nRenaissance zu sein. Aus dem Gefühl des Ba-\nrocks heraus verwendet Mahler im Orchester\nInstrumente oder vielmehr Gegenstände, die cha-\nrakteristische Geräusche verursachen. Ich halte\ndas nicht für künstlerisch, aber die Anwendung\nist für Mahler organisch, erfühlt aus seiner Per-\nsönlichkeit. Strauss wendet Windmaschinen an,\ndamit man die Winde heulen hört. Strauss\nmacht Geräusche, um sich von seiner Existenz\nzu überzeugen, um echt zu sein. Denn dje\nNatur ist voller Geräusche. Das etwa ist die\nTiefe und Philosophie von Herrn Strauss. Er\nnennt eine Symphonie „Also sprach Zarathustra\"\nund wer nicht hinhört, kann so ohne weiteres\nan Nietzsche denken. Nur dass es für die Musik\nnicht darauf ankommt, zu denken, sondern das\nGefühlsmässige unterhalb der Worte durch Töne\nzu geben. Nur dass es nicht darauf ankommt,\ndie Bilder des Dichters tonmalerisch (derselbe\nBlödsinn wie die Plastik' mit echten Haaren)\nwiederzugeben, sondern das Gefühlsmässige, zu\ndessen Darstellung der Dichter die Bilder brauefit\nin Tönen zu gestalten. Deshalb ist Mahler ge.\ngen Programmmusik, wie jeder gute Musiker,\nund schreibt Symphonien. Oskar Fried brachte\nOrchester und Chor zu künstlerischem Leben.\nDas bedeutet viel und alles. Was so ein richti-\nger oller ehrlicher Musiker ist, der fidelt und\ntutet und singt drauf los. Der wird nie begrei-\nfen, dass seine Musiktätigkeit keine Kunst ist,\nEr wendet sich mit ebensolchem Grausen vor\njeder starken Persönlichkeit ab, er fällt ebenso\nsicher auf jeden klangvoll aufgemachten Kitsch\nrein, wie der Musikkritiker. Die Herren von der\nTagespresse sind wegen Mahler in grossen Sor-\ngen. Der eine behauptet, dass erst die nächste\nGeneration wird feststellen können, ob Mahler\nein guter Komponist war, oder er ein ratloser\nKritiker. Der andere, Herr Erich Urban, Ver-\nfasser des bestbekannten Kochbuchs, herausgege-\nben von Ullstein, ist über die Zweifel des Herrn\nKollegen empört. Er beteuert im stolzesten Kü-\nchenlatein, dass Mahler pervers, krankhaft, ta-\nlentlos, und unmusikalisch sei. „Die Tragik des\nNichtkönners mit titanischem Wollen.\" Nun,\nHerr Urban hat zwar das Kochbuch geschrie-\nben, die Köchinnen sind verschiedener Meinung,\naber ein Gourmet scheint er nicht zu sein. Um\nes seinem Leserkreis begreiflien zu machen:\nHerr Urban ist im Stande, Austern für pervers,\nKaviar für krankhaft und Krebse für talentlos\nzu halten. Er tritt unbeirrt für die gute Fleisch-\nbrühe ein, die durchaus nicht so nahrhaft ist,\nwie er glaubt, aber mit fettigen Augen auf ihren\nDichter blickt. Aus ihr bezieht Herr Urban sei-\nne Kraft über Musik zu schreiben. Ein deut-\nsches Beefsteak — und sein Salat ist fertig. Ich\nhoffe, dass die Leser des Herrn Urban nun seinen\nGeschmack verstanden haben, und ihn nicht tei-\nlen. Aber es wird schon werden. Bis jetzt hat\nHerr Urban sich mit dem Essen durch ein Buch\nauseinandersetzen müssen. Ich werde versuchen\nihm recht oft die Ohren zu öffnen. Das\nsind die Kritiker mit der „Ueberzeugung\". Alle\nübrigen helfen sich mit Weltanschauung. Der\nVerfasser des Programmbuches hat die merk-\nwürdigsten Dinge aus der Cmoll-Symphonie von\nMahler herausgehört. Zum Beispiel: „Gegenden\nSchluss hin kommt es zu einer gewaltigen Stei-\ngerung, einem „Ausbruch\" der Verzweiflung,\nder den Schlüssel zum Verständnis des gan-\nzen Satzes gibt — ein gewaltsames Abschütteln\ndes geschäftigen Treibens. Oder: „Das Kolorit\nwechselt häufig, schon mitten in den tiefdunklen\nSchattierungen erscheint in den Geigen eine ganz\nhelle zartleuchtende Episode, um gleich darauf\nvon den unheimlichen Bassfiguren überrannt 211 j\nwerden.\" Warum wechselt die Episode ihr Ko-\nlorit auch so häufig. Oder: „Lange schwelg\ndas Orchester in den zartesten Klängen, dann\nsetzt unmerklich eine verwickelte Durchführung\nein \" Das ist zu schwierig, dann empfehle ich\nden Konzertbesuchern, die durchaus\nder Musik etwas lesen müssen, lieber Urban5"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "637", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3922, "texte": "Kochbuch. Für die Einführung hat es denselben\nWert, wie diese Programmschrift.\nEine persönliche Bekanntschaft veranlasste\nmich, seit mehreren Jahren wieder einmal ein\nKlavierkonzert zu besuchen. Es ist alles noch\ngenau so, wie vor tausend Jahren. Der Saal\nerstrahlt immer noch im „Glanz der Lüster\", auf dem\nPodium stehen immer noch zahlreiche Stühle auf-\ngestapelt, die die Konzertdirektion gelegentlich\neinmal wieder braucht, dieselben Musikkritiker\nsitzen immer noch auf denselben Plätzen und\nachten auf das Pedal und die Konzertierenden\nspielen immer noch dasselbe Programm.\nFrau Olga Wainstein-Muslina hat sich zwei-\nfellos für das Konzert gut vorbereitet. Ihre\nTechnik ist konzertfähig. Zwar fühlt sie die Mu-\nsik, die sie spielt, aber sie kann ihr Gefühl noch\nnicht gestalten. Um dem Hörer ein Kunstwerk\ndurch das Klavier zu übermitteln, muss der Spie-\nler unbedingt bewusst das Erlebnis des Kom-\nponisten begriffen haben. Er muss ihm in die\nentferntesten Winkel nachgegangen sein. Wenn\nder Spieler in der Musik ertrinkt, kann er na-\ntürlich nicht schwimmen. Er muss die Wasser\ngenau so teilen, wie es der Komponist tat. Das\neben ist die Schwierigkeit. Kaum ist die Furche\ngezogen, schon wird sie überschäumt. Nie-\nmand kann den Weg durch das rote Meer zei-\ngen, man muss ihn wissen.\nWar Goethe musikalisch?\nWilhelm Bode hat über dieses Thema sechs-\nhundertundfünfzig Seiten geschrieben und da-\ndurch den zweiten Musikkritiker der B. Z. am\nMittag, einen Hauptmann a. D. (der erste ist\nbekanntlich der Verfasser des Kochbuchs) end-\ngültig überzeugt, dass Goethe musikalisch war.\nIch werde das Buch nicht lesen und bin trotz\nder allgemein herrschenden gegenteiligen An-\nsicht überzeugt, dass Goethe vielmehr von Mu-\nsik verstanden hat, als sämtliche Musikkritiker\nvon Berlin zusammengenommen. Es ist einfach\nausgeschlossen, dass ein Kün s 11 e r zur Mu-\nsik kein Verhältnis hat. Kunst in ihren höch-\nsten Aeusserungen ist für jeden künstlerischen\nMenschen verständlich. Es bleibt ganz gleich-\ngültig, durch welchen Sinn Erlebnisse von künst-\nlerischen Persönlichkeiten vermittelt werden. Nur\ndurch den Magen geht es nicht.\nNochmals der Doktor Sabberer\nHerr Doktor Anselm Sabberer fühlt sich ver-\npflichtet, triumphierend in dem einzigen ihm zur\nVerfügung stehenden Blättchen festzustellen, dass\nder Essay von Karl Kraus „Heine und die Fol-\ngen\" nicht „gegangen\" ist und deshalb von Kraus\nin seine Zeitschrift Die Fackel aufgenommen\nwurde. Zwar hat Karl Kraus diese „Feststel-\nlung\" schon selbst vorgenommen. Die ganze\nArt des Doktors ist so unverschämt ahnungs-\nlos, ist so niederträchtig verlogen und wider\nbesseres Wissen, dass man es sich ein für alle\nMal versagen muss, ihn abzuweisen. Es gehört\nder Mut demokratischer Gleichmacherei dazu, einen\nAutor als Phänomen zu preisen, und ihn als\nWitzbold von Witzlingen in Stil Oskar Blumen-\nthals witzlos behandeln zu lassen, wenn der Au-\ntor den Nachdruck seiner Schriften nicht mehr\ngestattet. Es gehört der Mut der Verleumdung\ndazu, wenn ein Mensch, der sich angeblich mit\nliterarischen Dingen befasst, und allerdings im\nNebenamt, und sei es aus Existenzgründen, in\nallen möglichen Provinz- und Familienblättern\nherumschmiert, was er freilich in seiner „litera-\nrischen\" Tätigkeit auch tut; wenn ein solcher\nMensch, der genau weiss, dass man von ernst-\nhaften künstlerischen Bestrebungen nicht leben\nkann, mir unterstellt, dass ich aus „geschäftli-\nchen\" Gründen für dieses Phänomen Karl Kraus\neintrete. Mit solchen Leuten diskutiert man nicht.\nHerr Doktor Sabberer „findet kein Künstlertum\nin Karl Kraus.\" Ich will das seinige entdecken,\nnenne seinen Namen: Anselm Ruest und setze die\nerste Strophe eines von ihm selbst verfassten Ge-\ndichtes hin:\nNach glühem Tag\nEin leiser Rauch\nQualmend aus allen Dingen . .\nIn dünnen Säulen\nAufschwelend — wie Seelen\nEntfärbter Bilder,\nVerwallter Träume — —\nEine feine Asche\nDen Abendwinden.\nVerqualmt. Entfärbt. Verwallt.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "637", "page_fin": "637", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.3", "titre_corps": "Die Spielereien einer Kaiserin", "titre_sommaire": "Die Spielereien einer Kaiserin", "signature_source": "K. 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Immhin ergreife\nich Dauthendeys Partei; denn Kurioses und Furi-\nbundes geht hier vor sich, Schmutz und Pracht\nwerden entfaltet, Menschen handeln menschlich.\nMein Eindruck war — wofern diese Metapher\nmich nicht schädigt — ein Zopfgeflecht dreier\nVorstellungsreihen. Die erste: Stürme der Lie-\nbe; die zweite: Kino, Melo, Staatsaktion; die\ndritte: Zerrbilder, Freudiana, Wunscherfüllungen.\nKatharina, das Dragonerweib, wird, durch Schön-\nheit, heisses Blut , Listen, Geliebte des Feldmar-\nschalls; nach mancherlei psychologischem Zick-\nzack dann Gattin des Zaren; schliesslich, von\nMachtlust immer strotzender, Russlands regieren-\nde Kaiserin. Wie im Märchen; von Stufe zu\nStufe — aber aufwärts. (Warum hat Danthen-\ndey seinen herrlichen knabenhaften Tagtraum auf\nein Weib übertragen? Auch den Schriftsteller,\nder, in der Absicht, Künstlers Erdenwallen zu\nschildern, als Romanhelden statt eines Dichters\neinen Maler wählt, finde ich weniger sympa-\nthisch.) Komisch-schaurig, grotesk, traumhaft ist:\nwie Katharina, als der Zar sie nackt am Fen-\nster ihrer Kemenate stehen sieht, ihm, statt ent-\nsetzt zu sein, die Zunge zeigt; wie sie dann\nwährend seiner bewegten Liebesfragen (ihr han-\ndelt sich's um eine Krone) Aepfel frisst; wie,\nim Höhepunkt des Machtrausches — der Zar\nist tot, man rief sie zur Kaiserin aus, der Ge-\nliebte hält sie in seinen Armen —, neben dem\numschlungnen Paar eine grosse Schiefertafel auf-\nragt, mit dem ungeschlacht hingehauenen Krei-\ndejambus: „Ich lieb dich heut wie immer, Men-\nschikoff. — Katharina I.\" Die Akt-Ueberschrif-\nten („Das Taschentuch\", „Die Witwenhaube\",\n„Am Kaiserinnenbett\" und so) erinnern an We-\ndekinds „Musik\"; gewollter Revolver, beabsich-\ntigte Hintertreppe. Auch: Selbstironie — als Ro-\nmantismus politisch zu billigen, auf dass die\n„harmonischen\" Schauten platzen. . . Sogar eine\nAllegorje bewandelt die Bretter, die aber (für\nFeinschmecker!) sich nachher als Automat her-\nausstellt: der Tod, ein hagrer Pierrot in schwar-\nzer Maske. . . Dazu eine Hofnärrin, ein Mohr,\nein Mord; Goldgeschirr, Faustschläge, Türken-\ngefahr; Popen, Wodka, Zar Peters übertriebne\nNase — in buntem Tempo umtaumelt das alles\ndie zart-wilde Katharina, die hinreissend empor-\nsteigt.\nDie Schauspielerin Tilla Durieux, berückend\nund feurig, mit kupfergelben Haarflechten, samt-\nnen Raubtieraugen, purpurnen Nasenlöchern, be-\nzwang mich. Herr Hartau, der Zar, verdient ei-\nne Eins. Herr Emil Lindner, mit dem Mienen-\nspiel der Verhaltenheit, erinnerte mich an Herrn\nKayssler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "637", "page_fin": "637", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte : Der blinde Bettler im Gewitter", "titre_sommaire": "Gedichte : Der blinde Bettler im Gewitter", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "637", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.3", "debut_caractere": 6966, "fin_caractere_exclue": 7855, "texte": "Gedichte\nDer blinde Bettler im Gewitter\nVon Paul Zech\nDie Gärtner warfen ihre Grabgeräte\nErschrocken in das krause Zittergras\nAls ein Gewitterzug das kühle Nass\nIn jähem Schwung breit auf die Erde säte.\nWie Schluchzerbäche wühlten sich die Fluten\nTief in das kurzgeschorene Rondell.\nUnd die uralten Bäume schrieen hell\nUnter des Sturmes blank gezognen Ruten.\nAm Springbrunnenbecken aber, das schneeweiss\nSich abhub von dem Schwarz der Taxuswände,\nSchritt angstverstört ein blinder Bettelgreis.\nUnd suchte fingernd die verlorene Spur,\nBis ihm in die emporgereckten Hände\nMit voller Wucht ein dünner Blitzstrahl fuhr.\nRegenisnpression\nSchwarze Wolkenberge ragen\nScharfgezackt am Horizont.\nAn der Häuser Fensterfront\nHör ich schon den Regen schlagen.\nAlle Welt rauscht wie ein Meer.\nUnd mein Herz schwimmt stumpf daher\nBis es ganz in Nacht gebogen\nAufschluchzt wie die windgeschnellten Wogen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "637", "page_fin": "639", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.5", "titre_corps": "Briefenach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefenach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "637", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.3", "debut_caractere": 7857, "fin_caractere_exclue": 8530, "texte": "Briefenach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nLiebe Jungens\nHöxter ahnt was von meiner Schwärmerei\nzu Hassan, er hat mir zwei Ansichtspostkarten\nder egyptischen Lunaausstellung mitgebracht. Auf\ndem Kamel der einen Palmenlandschaft sitzt\nmein Sultan. Wo ihn die Diebin wohl hinge-\nschleppt hat? Hast Du übrigens von der\nZeichnung, die Höxter von mir gemacht hat,\nein Gliche anfertigen lassen, Herwarth? Sie\nkommt doch in den Sturm? Ich bin darauf\nwirklich der kriegerische Prinz von Theben, da-\nfür ist die Sphinx im Vordergrund ein richtiges\nWeib. (Ich schreib sonst kein Wort mehr für\nden Sturm). Höxter und ich sitzen heut ganz\nallein im Vorgarten des Cafes, wir knobeln in"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "638", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9833, "texte": "der Sonne aus, dass wir beide von Beduinen\nstammen, er sitzt immer wie ich auf einem ed-\nlem Araberpferd, darum können wir nie ganz\nverkommen. Wir sind vom Stamm der Melechs\nund ziehen in Gedanken immer gegen andere\nRassen. Ich bin Höxter dankbar, er erzählte mir\nein Wunder, seine Schwester heisse Schlöme.\nWisst Ihr, wer gestern bei mir war, die\nExkaiserin Eugenie. Ich öffnete mit Zagen die\nKorridortüre wegen des Gerichtsvollziehers. Ihre\nMajestät versprach mir, an meine Tante zu\nschreiben, die ist Zwillingsmillionärin.\nLieber Herwarth, edles Kurtchen, ich habe\nmir seit einigen Tagen vorgenommen, Karl\nKraus, der Dalai-Lama in Wien, soll Minister\nwerden. Ich sehe ihn überhaupt nicht mehr an-\nders, als auf einem mächtigen Stuhl sitzen. Wie\nlangweilig und langsam alle Menschen sind, er\nwäre schon längst Minister. Ob ich wohl Hof-\ndichterin werden würde mit einer Apanage?\nAber daran denke ich erst in zweiter Linie. Ich\nhätte die Angelegenheit Dalai-Lamas längst zur\nSprache gebracht, aber die Leute wie gesagt\nlächeln immer langwierig, wenn ich was sage,\nauch verstehen sie nicht meinen gaukelnden Wor-\nten ein Seil zu spannen. Nur der Minister freut\nsich meiner Sprünge, er ist ernst genug.\nDer kleine Jakobsohn hat dreiundzwanzig\nNummern der Fackel bestellt, ich habe Dir so-\nfort gesagt, Herwarth, er ist gar nicht so\nschlimm, es wird ihn auch noch der Sturm um-\nreissen. Seid vergnügt, beide, macht Euch keine\nSorge wegen meines Mitbruchs, ich hab Diaman-\nten und Perlen und — ein Heer Verse — auf\nDich gedichtet.\nIch kann Euch heute nur eine Postkarte\nschreiben, der Bischof telephoniert eben, ob wir\ngleich etwas in Sibirien spazieren gehen wol-\nlen? Wir nennen nämlich die Gegend am Lüt-\nzowerplatz in Charlottenburg Sibirien. Wir ha-\nben überhaupt viel gleiche Empfindungen beim\nAnschaun der Welt. Auch sehen wir dieselben\nTiere im Menschgesicht. Die Katzen liebt er,\nich nicht. Ich werde ihn heute fragen, ob er\ndie Katzen mehr liebe wie mich. Solche Fra-\ngen berühren ihn glücklich. Ich frage ihn vie-\nles Verhängnisvolle auf französisch, als wäre er\nmein Gouverneur. Es ist so aufatmend, wenn einem\nauf einmal alle die verantwortlichen Gedanken\nund eingenisteten Gefühle von der Schulter glei-\nten und man eine Marionette ist, am feinen Sei-\ndenfaden geleitet. Aber manchmal bin ich sein\ngoldener Ball, den er liebevoll in Kinderhände\nwirft. Oder ich schlummere vom Rausch seiner\nWorte, er hat etwas Rebenartiges. Ich lehne,\nseitdem ich ihn kenne, oft an schwarzangestri-\nchenen Wänden der Häuser und werde süss.\nWenn er nicht mit mir spielen würde; ich\nmüsste verdorren in der Nüchternheit von Ber-\nlin. Unter Asphalt ist sogar hier die Erde be-\ngraben; einen grossen Baldachin wie des Win-\ntergartens dumpfer Sternenhimmel wollen sie\njetzt über die Hauptstadt bauen; wo soll man\nhin dann blau sehn. Der Westen unserer Stadt\nist mir am verhasstesten, die Arbeitergegenden\nhaben wenigstens etwas kriegerisches. Kürzlich\nstanden wir auf der Brücke, die zur Siemens-Fa-\nbrik führt, in der Nacht. Wir hätten uns fast\ngeküsst, aber ich entschwand seinen Lippen ohne\nes zu wollen, wir sind auch beide zu weiss,\nwenn wir erröteten im Küssen, wäre wie Blut,\nvielleicht wie Mord. Ich muss Euch das alles\nsagen, liebet mich dafür.\nLiebe Jungens, als ich heute ins Cafe kam,\nsassen der Slawe und der Bischof wo ver-\nsteckt.. Der Slawe findet es scheints politi-\nscher in Deiner Abwesenheit, Herwarth, sich\nnicht mit mir zu befassen, er spielt den Ehren-\nmann, Auf die Idee, dass er sich aus mir nichts\nmacht, bin ich noch nicht gekommen, aber ich\nhabe ihn satt, er ist auch gar nicht so schön,\nwie ich ihn zuerst sah, er hat ein enges Mie-\nUnd er freut sich immer, wenn je-\nmand Verlust der Phantasie erleidet, da er kei-\nne besitzt. Ich habe Hassan verloren, alle marok-\nkanischen Träume und den tätowierten Halb-\nmond an seinem vibrierenden Nasenflügel. Der\nBischof sah mich von Ferne weinen, er küsste\nschon dreiundzwanzig Mal mitleidig seiner klei-\nnen, heiligen Katze den Kopf.\nHeute stellte ich dem Bischof eine Sängerin\nvor, weil sie der Talismanphotographie ähnlich\nsieht, die er in seinem Portefeuille trägt. Nun\nsoll er in Wirklichkeit seinen Typus Angesicht\nvor Angesicht sehn. Ich glaube zwar, er är-\ngert mich nur mit ihm, aber ich will mich lu-\nstig rächen. Felicitas summt immer meine Me-\nlodien auf berliner Jargon, die ich aus dem\nMorgenland weiss, sie ist mein verwässerter Nil\nabwechselnd mit einer Schüssel Tigriswasser,\ndarin sie ihre Strümpfe wäscht. Aber sie trägt\nseidene Strümpfe; mit Wohlgefallen bemerkte das\nder Erzbischof, auch stellte er Vergleiche an\nzwischen mir und ihr. Das nehme ich ihm übel,\nich glaube, ich mag ihn nicht mehr jleiden.\nMeine ganze Psyche ist eine Weile eingekracht.\nEine feine ganz goldene Stadt ist meine Seele,\nlauter Wandelgänge von Palast zu Palast. Und\nihre Landschaften übersteigen die Schönheiten\naller Länder. Ich soll wieder erkrankt sein, aber\nwo? Es ist kein Mosaik mehr da, und mich\nbehandelt man auf Backsteine. Ich gab dem\nBischof lächelnd die Hand zum Abschied, le-\nben Sie wohl, Herr Erzbischof, Sie behaupteten,\ndie Kultur der Egypter über alles zu lieben und\nvergassen, dass man eine pharaonische Prinzes-\nsin nicht (wenn auch in Gedanken) neben ei-\nnem deutschen Pozellangänschen stellen darf. So\nsagte ich ihm.\nHerwarth, heute gabs wieder Aufschnitt bei\nmir, dabei esse ich so gern Ente mit Mirabel-\nlen. Ich hatte geradezu Sehnsucht nach Kempins-\nki, trotz der gierigen Philister an den Neben-\ntischen. Warum sind wir beide dort so un-\nverheiratet? Bin weder in dem Lokal Deine\nVerehrerin, noch Deine Kameradin, noch\nDeine Angetraute. Du hist dort mein Lieb-\nhaber, erster Liebhaber, und ich fühlte wohl in\nden beiden Malen, wo wir dort sassen, dass\nauch in Dir verborgen wie in allen Männern\ndas Talent zum Bonvivant steckt; aber ich auch\nnicht alleine die Dichterin und clie Tino von\nBagdad bin, nicht nur der Prinz von Theben,\nzu guterletzt nicht nur als Jussuf der Egypter\nexistiert habe, sondern ich auch ein ganz kleines\nMädchen sein kann, das zum ersten Mal von\neinem Herrn zu Kempinski zum Abendbrot mit-\ngenommen wird und Geschmack an Kaviar urtd\nEnte mit Mirabellen findet, sich aber noch schüt-\ntelt entsetzt vor der Schnecke in der geöffneten\nMuschel. Weisst Du noch unsere Angst, dass\nJemand uns von Bekannten sehen würde, — unser\nVerhältnis. Ich trank aus Deinem Glas, Rot-\nwein, und Du machtest mir Komplimente mei-\nner schmalen Fussgelenke wegen. Und ver-\nsprachst mir seidene Strümpfe zu kaufen und\neine weisse Feder für meinen grossen Strohhut.\nDu hast so emsig süss zu mir gesprochen, na-\nmentlich wie ich mich genierte, noch etwas von\nder Auswahl der Konfitüren zu wählen. Und\nich vergass wirklich, dass ich Deine Frau war\nund machte mich über Deinen Drachen lustig\nüber ihre finstere Stirn. Aber ich werde nie\nDein stutziges Gesicht vergessen; dawusste ich\ndass Du schon öfters mit kleinen Mädchen\nbei Kempinski soupiert hattest, die Deine Frau\nIhrer fanatischen Galiläerstirn wegen verspotteten.\nDas hatte Dich immer wieder von den Lecker-\nmäulern abgebracht, denn Du wurdest barsch\nund unmutig zu mir, weil ich Deine „Frau\"\nbeleidigt hatte. Und wie ich erfahren habe, bist\nDu erst neulich in einer kleiner Gesellschaft\ndort gewesen, dein Freund, der Doktor brachte\nseine lachende Kleine mit. Warum hast Du\nnicht Kurtchen veranlasst, den Doktor auch zu\nder Reise nach Norwegen einzuladen? Er sieht\nabgearbeitet und verärgert aus. Es giebt keinen\nMenschen, der aufmerksamere Liebe nötiger hat,\nals der Doktor, als „unser\" Doktor, sind er\nund ich auch schuss für ewig. Ich habe jahre-\nlang Jünglingen, die ihm ähnlich sahen, Blu-\nmen gesandt.\nLiebe Nordpolforscher, Direktor Wauer hat\nheute Morgen ein Telegramm aus Elberfeld be-\nkommen. Die Stadt Elberfeld hat ihn verstän-\ndigt, dass der Wupperthalergesangverein ihm\nein Ständchen bringen wird, weil er ming Stöcks-\nken aufführen tät. Was mich meine Einwohner\ndoch gut leiden mögen! Und eine Deputation\nFärwer, Knoppmaker on Suttaschdreher on zwei-\nhundert Weberslüte werden unserm Direktor ein\nAlbum mit bergischen Photographien überrei-\nchen. Ich schwärme wahnsinnig für Direktor\nWauer.\nLiebe Beide. Wieso weiss Richard Weiss\nvon der Aufführung meines Schauspiels? Er\nschickte mir heute Rosen. Ich möchte ihn ein-\nmal sehen. In seiner Schrift dehnt er sich und\ngeht wieder ein; in seiner Schrift stehen alle\nseine Gedichte gemalt, manche sind gebeugte\nBäume, aber auch herrliche Kuppelbauten erhe-\nben sich an Ufern. Ja, seine Schrift hat Ufer\nund Flüsse, heilige Wellen, die nach Gebeten\nduften. Seine Schrift duftet. Es hat mir Jemand\nverraten, dass er schlank ist, dass er braune\nHaare habe und schmerzlich der Blick seiner\nAugen sei, und dass er den Scheitel an der\nSeite, wie ich, trüge. Ich denke an ihn immer\nsehr bewegt: ich wollte, ich wäre ein Spassma-\neher und er eine Schlange, ich würde ihm das\nTanzen beibringen.\nLieber Herwarth und lieber Kurt, ach, ich\nhab diese Nacht so sonderbar geträumt! Ich\nlag auf einer Bahre mitten auf einem Platz. Ich\nlag gehüllt in einem weiten, stillen Tuch, wie\nin einem Meer — und war tot. Manchmal\ntratst Du zu mir, Herwarth, und hobjst das\nMeer von meinem Angesicht und wiesest auf\nmeine Stirn. Und es verhöhnten sie so viele ;\nMenschen, wie ich Tage gelebt hatte. Ich be-\ngann mich schon wegen Deiner Arglosigkeit zu\närgern, denn ich habe immer den neugierigen,\ndreisten Tag gehasst. Aber als die Nacht kam, j\nbat ich Dich, drei Prinzessinnen meiner Liebe\nzu beschenken. Du versprachst mir feierlich, der\nVenus von Siam das Armband zu senden, das \\\nich beim Aufschreiben meiner Gedichte trug.\nDu wiederholtest mir mit reiner Stimme, meinen\nRing mit dem eingefassten Abendrot, Ruth der -\nFrau des gentlen Rechtsanwalt, der immer votf\nMai singt, zu reichen. Du schworst mir treu,\ndass Du Nora von Indien, dem weissen Panther, j"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "639", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1194, "texte": "meinem treuen Absalon, meinem frommen Spiel-\ngefährten, mein Rubinherz selbst um den Nacken\nlegen würdest. Ich weinte, ich weinte so wild,\nich hörte das Meer um mich aufstehn. Und\nich fürchtete Dein Finger würde erfasst werden,\nder über den Platz wuchs, auf dem ich gebettet\nlag, der klare Wegweiser, der auf meine Stirn\nwies. Es wurde immer auf etwas gewartet —\nZeuxis Kokoschka schlenderte hinter dem Dalai-\nLama; und Loos der Gorillaarchitekt, trug auf\nseinen Händen, mein Gewölbe, wie es sich für\nmich geziemt, aus weissem Libanonholz, schlicht,\naber zu reich für den eitlen Geschmack der Leu-\nte. Und es brach ein Kampf um das Haus mei-\nnes Leibes aus; Stuckvolants und Einsätze setz-\nten säe an meines Tempels Fassade. Aber ich\nkonnte nicht mehr streiten, ich hatte mich schon\naller Täglichkeit abgewandt und spielte mit der\nrunden Zeit. Des Dalai-Lamas Augen, blaue,\nmilde Myrrhen balsamierten mich ein, Zeuxis\nmalte mich endlich im Tode. Und Du, Her-\nwarth, küsstest meine Stirn, eine Orgelsymphonie\nstieg zu mir empor; ich bin nie mit anderen\nMenschen zu messen gewesen; ich konnte nur\nimmer so sein, wie man zu mir heraufblickte,\ndenn meine Stirne war der Nachthimmel. Du\nwusstest es."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "639", "page_fin": "639", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.6", "titre_corps": "Offner Brief an den Herausgeber : Sehr verehrter Herr Walden!", "titre_sommaire": "Offner Brief an den Herausgeber : Sehr verehrter Herr Walden!", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "639", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.5", "debut_caractere": 1196, "fin_caractere_exclue": 5880, "texte": "Offner Brief an den\nHerausgeber\nSehr verehrter Herr Walden!\nKurt Hiller\nSie wissen, dass ich den „Sturm\" respek-\ntiere als eines der wenigen Blätter in Deutsch-\nland, die von den Zeitungen unabhängig sind, und\nals das einzige, das sich auch um die schlech-\nten Instinkte der Leser nicht kümmert. Weil Sie\ndiese meine Gesinnung kennen, werden Sie mir\ngewiss gestatten, einmal Opposition zu machen.\nIch bin nämlich uneinverstanden mit der Be-\nhandlung, die eine der bösesten Institutionen\nNorddeutschlands, das Feuilleton des Berliner\nTageblatts, in Ihrer Zeitschrift erfährt. Ihr gutes\nHerz, verehrter Herr Waiden, Ihre Loyalität, Ur-\nbanität, Humanität haben bisher es für ausrei-\nchend erachtet, die Missetäter mit Scherzen zu\nkitzeln und sie zu streicheln mit charmanten Ver-\nhohnepiepelungen. Aber eine Landplage wie die-\nse erfordert Flammen und Axt. Ich wenigstens\nkann nicht mehr lachen, wenn ein Unternehmen,\ndas sich „entschieden liberal\" nennt und ohne\nUnterlass die Kulturfortschrittsphrase flattern lässt,\nsystematisch Bewegungen, Erscheinungen, Men-\nschen, die wirklich Neues, Zukunfthaftes, Kul-\nturfrohes bringen, totschweigt oder lächerlich\nmacht. Flachköpfe wie Haeckel, wie Ostwald,\nwie Kohler, werden in dieser Zeitung buckelnd\nfetiert; gegen Sigmund Freud, der auch nach\nAnsicht seiner Gegner unser scharfsinnigster und\nkühnster Psycholog ist, wird ein weitschweifig\nmeckernder, witzlos wiehernder Müller aus Zü-\nrich losgelassen. Die Werke der Neusezessionisten\nund jener enormen Franzosen, die uns der Kur-\nfürstendamm diesmal zeigte, werden als „Per-\nsönlichkeitsfexerei\" abgetan, dagegen deitscjie\nSüsslinge wie Thoma, christlichsoziale Kitschiers\nwie Uhde, ahnungslose Sabbergreise wie Pietsch\nüber den (wie Stahl schreiben würde) grünen\nKlee gelobt. An dem „Illustrator\" Pietsch, wel-\ncher als Rezensent bekanntlich schon vor einem\nJahrhundert den äussersten Pol der Borniertheit\nerreicht hatte, wird (am 2. Oktober) bei Gott\n„die grosse Treue\", „die geschmeidige Hand\",\n„das feine Gemütsverhältnis\" gerühmt; und das\nLand und die Leute hat er mit einer so „ehr-\nlichen und zurückhaltenden Wärme\" abgeschil-\ndert, dass Fritze sich nicht enthalten kann, in\nden Jubelruf auszubrechen: „So sah es, so\nsahen sie wirklich aus!\" In einem'\nBlatt, das fortgesetzt über Rückständigkeit schimpft\nund an der Spitze der Zivilisation zu marschie-\nren vorgibt, Aehnlichkeit als Vorzug\nvon Bildern vermerkt: Herr Waiden, das\nist Schweinerei; glattweg! . . Und sehen Sie\nsich an, wie man mit den Schauspielern umgeht.\nHerrn Christians billigt Fritz Engel zu, dass er\nein „oft imposanter\" Othello sei; dem Fräulein\nWachner: „eine Desdemona von edlem Format\";\naber über Rudolf Blümer, diesen Echten und\nGeistigen, den man nur ungern in der Gesell-\nschaft jener königlichen Kinstler sieht, weiss er\nnichts zu berichten als „Armer Jago!\". Doch\nin derselben Nummer versichert dann ein Ano-\nnymus emphatisch, „dass es die verfluchte Pflicht\nund Schuldigkeit der Kritik ist, zum Schutz der\nguten Kunst die schlechte schlecht zu behandeln\".\nHerr Waiden, da muss man zu scherzen auf-\nhören: diese Heuchelei stinkt. . . Und in der\nLiteratur? Kein Presber, kein Bartsch, kein\nLandsberger bleibt hier ohne Lorbeer: dem Hein-\nrich Mann wirft man „Impotenz\" vor. Der wi-\nderwärtige Spiessbürger Eduard Engel darf sich\nkraft seines durch Stenographie und Stumpfsinn\nerworbenen Professortitels, alle Nase lang aus-\nlaichen: ein Vertreter der Jugend kam nie zum\nWort. Das jämmerlichste lyrische Geklingel füllt\nallwöchentlich die Lücken des Zeitgeistes: und\nErnst Blass pöbelt der Ulk an. Wenn zugun-\nsten des schwerkranken Peter Altenberg Gertru-\nde Barrison aus dessen Dichtungen liest, schweigt\ndieses Blatt auf eine entschieden liberale Weise:\naber dass Frau Edison in Hamburg über den\nvielen Schmutz klagte, wird voll Behagen mitge-\nteilt. Die Auburtins und die Schienther, die\nPoritzkys und Kappsteine, die Wendriner und\nLorenze regieren; und wenn es hoch kommt,\nkrähr mal der karge Lissauer. Alles in der Li-\nteratur, was unfähig, blicklos, missgünstig ist,\nversammelt sich hier zu schleimigen Bacchanalen.\nMan tanzt um die Bildsäule des bürgerlichen\nKretinismus und nimmt schmatzend Rache an\nden überlegenen Geistern. Der Chef, Herr The-\nodor Wolff, ein besserer Mensch, scheint sich\num den „Kultur\"-Teil seiner Zeitung nicht zu\nkümmern; folglich muss die Hilfe von aussen\nkommen. Dieses unsaubre Nest, dessen Düfte in\ndie Nasen Hunderttausender steigen, muss er-\nbarmungslos ausgeräuchert werden. — Eine\nFackel, Herr Waiden, muss angezündet wer-\nden. Ich halte den Gestank nicht mehr aus. 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Es ist doch kein sonderliches Ver-\ngnügen, ich wenigstens möchte es nicht unter\ndie Freuden des Paradieses rechnen: jenes pein-\nvolle Stehen hinter dem bekannten Pfeiler, dieses\nHarren und Warten auf ein Wunder, das noch\nim letzten Augenblick mein Leben wende, mich\nrette.\nEs ist geschehen, nichts ist dazwischen ge-\ntreten, ich habe es gesehen, mit eigenen Augen\ngesehen, wie das Mädchen, das ich liebte, liebe!\neinem fremden Manne zu Eigen gegeben ward.\nIch habe es über mich gebracht und bin\nhingegangen. Nicht etwa, um mich an meinem\nUnglück zu weiden, unter den Sturzbächen des\nLeids zu erschauern, keineswegs! Ich war eitel\ngenug, anzunehmen, zu träumen, zu wähnen, zu\nhoffen, irgend etwas würde sich ereignen, es\nwürde all dem Fürchterlichen ein für mich se-\nliges Ende bereitet werden. Nein! Nichts kam,\nnichts geschah. Nach einer von rhetorischen\nSchönheiten gewiss strotzenden Rede ging die\nDame meines Herzens in den Besitz eines Spen-\nnadelfabrikanten über . . .\nUnd ich war unter den Gratulierenden.\nAber den schäumenden Rossen, die sie davon-\ntrugen, dürfte sie mehr Gefühl entgegengebracht\nhaben, als mir, dem sie die Hand drückte.\nWann und wie ich nach Hause fand, das\nweiss ich nicht. Vielleicht war der junge Mann,\nder, als die Strassenbahn plötzlich stehen blieb,\ngedankenlos ausstieg und, seine Glacehandschuhe\nnicht achtend, Seite an Seite mit einem Konduk-\nteur und einem Schusterbuben durch kräftiges\nAnstemmen den Wagen in Bewegung zu setzen\nversuchte, vielleicht war das ich. Weiss Gott,\nüber welche Hemmung ich mir damit hinweg-\nhelfen wollte . . . Vielleicht — ach was! viel-\nleicht? Wahrhaftig: ich möchte nicht „ich\" blei-\nben\nEs scheinen einige Tage vorübergegangen\nzu sein. Wenigstens entsinne ich mich, wieder-\nholt mich aus dem Bette erhoben zu haben,\nKleider wurden von mir angelegt, die Haus-\nmeisterin hat mir auf der Stiege des öfteren „Gu-\nten Morgen\" gesagt, etwas später werden die\nKaiffeehauskellner denselben Wunsch geäussert\nhaben . . . Auch sonst dürfte meine Zeit pro-\ngrammgemäss verlaufen sein — ich meine da-\nmit nicht mein Programm, sondern die ehernen\nAufstellungen unbegreiflicher Mächte, die da über\nmeinem Haupte die Sonne steigen und fallen\nlassen, wie die Kinder einen Drachen ... Ich\nselbst habe kein Programm, keine Zukunft und\nwill keine, im Gegenteil: ich möchte mich zur\nWehr setzen gegen dieses grauenvolle Weiter-\nhasten, wenn ich nur wüsste wo? ich legte Pro-\ntest ein gegen das empörende Vorwärtsschreiten\nder Zeit und beantragte meine Rückversetzung\nin die Tage der Kindheit . . .\nUnd doch, selbst wenn dies höhernorts ver-\nanlasst würde, ich weiss, es wäre nicht anders\ngekommen.\nWie oft habe ich sie gesehen? Das erste-\nmal, als ich in dem Haus, wo sie wohnte, bei\nFreunden Domino spielte und sie errötend und\nmit einem kleinen Knicks zu uns ins Zimmer\ntrat und fragte, ob wir nicht wüssten, wo ihr\nkleiner Bruder sei. Ich war damals im Unter-\ngymnasium, sie in der Bürgerschule — wir\nstanden im gleichen Alter, das war das Tra-\ngische.\nSeit jenem ersten Male konnte ich sie nie\nsehen, ohne zu erröten. Darüber wieder är-\ngerte ich mich stets in diesen tiefen Knaben-\ntrotz, ich grüsste sie nicht, obwohl sich unsere\nEltern kannten, ja ich konnte ihr nicht begeg-\nnen, ohne den Versuch zu machen, ihr irgend\netwas anzutun. Holte ich die Freunde zur\nSchule ab — mein Herz klopfte vor freudiger\nFurcht, das Mädchen zu sehen, traf ich sie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "640", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5340, "texte": "aber einmal auf der engen Stiege, dann wich\nich ihr nicht aus und warf ihr so böse Blicke\nzu, dass ich mich noch heute wundere, wieso\ndas leicht geschreckte Kind darüber nie in Ohn-\nmacht fiel . . .\nSo blieb es. Spielte sie in ihrem Hof mit\nanderen Mädchen und kam ich vorbei, stets wa-\nren Steinchen oder Schneeballen zur Hand, die\nihr auf nicht eben zarte Weise meine Liebe,\nmeinen Hass, wie ich damals meinte, sinnfällig\nausdrückten. Später ward, es nicht besser. Ich\nward älter und progressiv gescheiter — ihr ge-\ngenüber schwand mir die Besinnung. Kam sie\nmir auf der Strasse entgegen: in ihrem Gang\nwar mehr Musik, als die Mappe, die sie in der\nHand trug und auf der dieses Wort geschrieben\nstand, beim besten Willen sämtlicher Kompo-\nnisten der Welt enthalten könnte. Sah ich sie\nvon weitem, so war ich stets von den trefflich-\nsten Vorsätzen erfüllt, es war ausgemacht, ich\nwürde mit einer artigen Gebärde den Hut lüf-\nten, das nächste Mal dieser Bewegung eine klei-\nne Verbeugung hinzufügen, sozusagen als Re-\nvanche für ihren Knicks vor Jahren ... da-\nmals, als ich sie zum erstenmal sah und dessen\nsie sich hoffentlich erinnerte . . . wie gesagt,\nich würde öfters höflich grüssen, worauf einer\nallmählichen Anbahnung beglückend näheren Ver-\nkehres nichts im Wege stünde. Dies war der\nSchlachtplan. Kam sie aber näher, sah ich, was\nnicht zu schildern ist, die klaren, blauen Au-\ngen — nein, ich will nicht daran denken, will\nmir nicht ihre Frohgestalt zurückrufen, das Haar\n. . . die unbeschreiblich feinen Hände nicht\nvor mir sehen, ich weiss es zu wohl, ich wür-\nde mich dann schuldlos fühlen, denn es konnte\ngar nicht anders sein: man musste wehrlos wer-\nden, wenn man sie sah und wenn nur meinen\ngrussbereiten Arm Lähmung befiel und nie die\nanderen ähnlich verzaubert wurden, so kam dies\ndaher, dass die andern vermutlich sie nicht lieb-\nten, sondern — und das konnte ich nicht fassen\n— das Mädchen in ihnen Sensationen natürliche-\nrer Art hervorrief.\nEin einziges Mal setzte ich es durch, sie\nzu grüssen. Sie dankte mir. „Guten Tag,\" sag\nte sie. Man findet diese Antwort banal und\nnicht des Merkens würdig? Es war das erste\nund letzte Wort, das sie an mich richtete, das\neinzige, das mir allein gehörte. Ich habe es\nmir aufgehoben . . . Denn einige Zeit nachher,\nwie klug und berechnend ich auch meine Schrit-\nte an ihrem Hause vorüberlenkte, ich konnte sie\nnie treffen, und bald darauf hiess es, sie sei et-\nwas kränklich und da habe man sie nach Aegyp-\nten geschickt, wo ihr Onkel Arzt war . . . wie\nbei mir sofort feststand: Leibarzt eines Paschas\nvon neun Rossschweifen — unter sieben hätte\nich es bei einem Onkel meiner Angebeteten ent-\nschieden nicht getan . . . Tatsache ist, dass ich,\nder damals an der Matura würgte, der einzige\nin der Klasse war, der eine Ahnung besass,\nwo Teil el Amarna liegt. Mein Interesse für\nDinge ägyptischer Herkunft war in jenen Mona-\nten sehr gross, ausgeschlossen von dieser An-\nteilnahme waren lediglich memphitische Zigaret-\nten und die ägyptische Augenkrankheit. Ich hät-\nte es nicht über mich gebracht, meine Sehn-\nsucht nach Marianne durch Surrogate zu stillen,\nzu entweihen, die aus dem Lande ihres Weilens\nstammten.\nDiese Liebhaberei ist erst später gekommen\n. . . sozusagen als Abfindung . . . Der ebenso\nvorübergehende als verhängnisvolle Aufenthalt\nMariannens hat mich — und nicht nur was\nZigaretten anlangt — zum Äegyptologen ge-\nmacht. Lächerlicherweise! . . . Denn gerade\nin diesem Erdstriche spielten sich die Vorgänge\nab, die mich seelisch arm und einsam machten,\nmich von jeder menschlichen Beziehung los-\nlösten.\nIch bezweifle sehr, dass Herr Engelbert Ko-\nkoschnigg, seines Zeichens Cafehausgast, viel von\njener sonderbaren Lähmung des Armes zu spü-\nren hatte, der ich zum Opfer gefallen bin. Von\nSchneeballen ganz abgesehen, welche Marter-\nwerkzeuge in Heluan übrigens kaum zu haben\ngewesen sein dürften: seine Art Liebe dürfte\nnie so intensiv gewesen sein, dass er sie mit\nHass verwechseln oder gar durch sinnfällige\nAnwendung von Steinchen hätte zum Ausdruck\nbringen können. Sondern vielmehr: durch ehrer-\nbietigste Entblössung einer schallenden Glatze\nwie auch durch biedermännische Bemerkungen\nüber die wechselreiche Beschaffenheit der Witte-\nrung gewann er ihr Herz in einem Grade, der\ndie gemeinsame und durch verschiedene Zeremo-\nnien einigermassen hinausgezogene Anwesenheit\nin einem Gottelhause als im beiderseitigen In-\nteresse gelegen erscheinen liess. Ich sah sie nur\neinmal noch vorher. Als ich eines Tages beim\nFenster stand und sie unten vorüberging, da er-\nschauerte sie plötzlich, nicht so sehr unter der\nübergrossen Glut meines Blickes, wie ich an-\nfänglich wähnte — ein Haftel ihres Kleides war\naufgegangen und ihr Bräutigam legte seine Hand\nauf ihre Schulter und richtete den Schaden. Da-\nmals, in dem Augenblick dieser rohen Berüh-\nrung, zu der ich wenigstens nie den Mut be-\nsessen hätte, war ich nahe daran, mich zu ent-\nfernen.\nWas mich vor dem Selbstmord bewahrte,\nweiss ich nicht. Vielleicht jene kindliche Hoff-\nnung auf ein Wunder. Ich bin mit wenigem\nzufrieden. Nicht um Schmerzen zu erdulden,\nging ich zur Trauung. Als ich ihr gratulierte,\nstand ich ihr nahe. Als ich ihr gratulierte, hielt\nich das einzige Mal ihre Hand in meiner. So\nein Wüstling bin ich. 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Fur alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nGeschaftsstelle des V. 112. 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Allard Forain . W. Leistikow Coutts Michie\nH. Cassiers V. Gilsoul M. Liebermann C. Pissarro\nL. Corinth H. Herrmann A. von Menzel F. Skarbina\nF. Charlet J. B. jongkind Bern, de Monvel J. Smits\nH. Daumier Le Gout-Gerard Monticelli F. Thaulow u. a.\nSkulpturen von Max Kruse, M. Buchanan, L. Mascre u. a.\nGrosste Auswahl mod. Graphik fur dekor. u. 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Oktober erschien Heft i:\nDer Sprecher\nFaehsehrift fur Vortragskunst\nund das gesamte\nV ortr agswesen =====\nOrgan fflr die deutsche Rednerschaft und die Vereine\nmit literarischen, wissenschaftlichen oder\nkfinstlerischen Bestrebungen\nErscheint am 1. und 15. jeden Monats\nAbonnement vierteljahrlich Mk. 1.20\nEinzelnes Heft (auch als Probenummer) 25 Pfennig\n| Verlag „Der Sprecher\" Charlottenb. 1, Spielhagenstr. 7a"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "642", "page_fin": "642", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "642", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.8", "debut_caractere": 2631, "fin_caractere_exclue": 2758, "texte": "Dr. Rudolf Bliimner\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. 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Mester Leipz>g\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ncepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundhche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmSnnischen Berufes, rationales\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein niehr-\niahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl far junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir r:.; .\nHerren mit besseren praktischen oder theoretlschen Vorkenntnlssen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die berelts praktisch tSHg waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Geseiischaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johaanlsplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "642", "page_fin": "642", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "642", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.8", "debut_caractere": 4068, "fin_caractere_exclue": 4659, "texte": "Die Wasserkraft\nZentralblatt fiir Industrie,\nIngenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriker.\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in derWasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Marz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "642", "page_fin": "642", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "642", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.8", "debut_caractere": 4661, "fin_caractere_exclue": 4805, "texte": "I\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer ::\nEssays\nDurch al^e Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMiinchen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "642", "page_fin": "642", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "642", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.8", "debut_caractere": 4807, "fin_caractere_exclue": 5072, "texte": "112 1\nEdmund Meyer\nBuchMndleriLAntiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotadamerstrasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfiir Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog XXVIII (Varia)erschienen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-07-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-07_01#c028", "volume": "bmtnabg_1911-10-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "642", "page_fin": "642", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "642", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.8", "debut_caractere": 5074, "fin_caractere_exclue": 5280, "texte": "Vegetariselies Gastliaus\nFREYA\nI Charlottenburg j\n5 Bismarckstrasse 9 ■\nAm Knie\n□ □\nEl\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 15 Pfennig\nDER STURM\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Pfalzburg 3524 / Anzeigen-Annahme\ndurch den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahresbezug 1,50 Mark / Halbjahresbezug 3,— Mark /\nJahresbezug 6,— Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN OKTOBER 1911\nNUMMER 80\n\nInhalt:\nTRUST: Aus der Heimat: Der Türke in Berlin / Durchdringung mit Volksgeist / Gemäldeausstellungen / Konzerte / War Goethe musikalisch /\nNochmals der Doktor Sabberer / K. H.: Spielereien einer Kaiserin / PAUL ZECH: Gedichte / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen /\nALBERT EHRENSTEIN: Passion / KURT HILLER: Offener Brief an den Herausgeber / Beachtenswerte Bücher\n\nAus der Heimat\nDer Türke in Berlin\nDer türkische Thronfolger hatte die Güte,\nmit einem Herrn vom Lokal-Anzeiger über die\nEindrücke seiner Reise durch Deutschland zu\nplaudern. Man sollte nicht glauben, was einem\ntürkischen Thronfolger auffallen kann, fast so\nviel wie einem Herrn vom Lokal-Anzeiger. Dem\nfällt vor allem die ausgezeichnete Stimmung auf,\nin der er den Thronfolger antrifft. Der hätte\nsehr viel darum gegeben, den Manövern beizu-\nwohnen, „deren hochinteressanten Verlauf er nur\naus der Ferne an der Hand der Berichte habe\nverfolgen können.\" So kann selbst der Lokal-\nAnzeiger für einen Türken zur hochinteressanten\nLektüre werden. Der Thronfolger gibt seinen\nEmpfindungen „beredten Ausdruck\": „Wie macht-\nvoll pulsiert das Leben durch ihr grosses\nschönes Berlin, wie glücklich und genuss-\nfroh scheint diese Bevölkerung zu sein, bei der\nRiesenarbeit, welche die staunens-\nwertesten Fortschritte ge z e i t i g t hat, wie\nprächtig straff ist die Disziplin. Während da,\nwo die Natur sparsam war, wie in der Mark,\nder Charakter des Soldatenvolkes schärfer her-\nvortritt, das in zäher Disziplin entgegen-\nstehende Schwierigkeiten besiegte, imponiert\nan dem herrlichen Rhein und in den\ngesegneten Regionen des Südens die\npraktische Regsamkeit, welche alle Möglich-\nkeiten ausnutzte, und beispielsweise aus Frank-\nfurt eine so glänzende Handelsmetro-\nPole machte.\" Ich bin überzeugt, dass nicht\nder Herr vom Lokal-Anzeiger clen Thronfolger,\nsondern der Thronfolger den Herrn vom Lokal-\nAnzeiger über seine berliner Eindrücke befragt\nhat. Wie, um Gottes willen, soll der Thronfol-\nger etwas vom pulsierenden Leben, von der ge-\nnussfrohen Bevölkerung, von den gezeitigten Fort-\nschritten, von der sparsamen Natur, von dem\nherrlichen Rhein, von clen gesegneten Regionen,\nvon der so glänzenden Handelsmetropole am Bos-\nporus gesprochen haben. Oder klang ihm\ndieses Deutsch türkisch. Spanisch bleibt\njedenfalls seine Bemerkung, dass er sich\nin einer Aufnahme der „Woche\" in einer „gut\ngetroffenen Aufnahme\", die eben hier eingetrof-\nfen war, wiedererkannte, ohne sich durch diese\nhandgreifliche Reklame getroffen zu füh-\nlen. Dem betroffenen Leser wird noch von der\nunübertroffenen grossen Freude berichtet, die der\nThronfolger dabei hatte, jede Persönlichkeit der\nGruppenaufnahme „mit Vergnügen\" zu erkennen.\nDiese Kunststücke soll ihm mal erst einer in\nDeutschland nachmachen. Was die Bevölkerung\numso lieber tun wird, als der Thronfolger ihr\ndurch den Herrn vom Lokal-Anzeiger mitteilen\nlässt, dass er ihrer stets in herzlicher Dankbar-\nkeit gedenken werde. Der Thron in seinem Her-\nzen ist uns also sicher.\nDurchdringung mit Volksgeist\nBerlin wird nun eine juryfreie Kunstschau\nerleben. Die Vereinigung versendet einen Pro-\nspekt, mit der Mitteilung, dass sie mit dieser\nVeranstaltung der Kunst dienen und den Künst-\nlern helfen will. Aber nicht damit genug: „Die\nVereinigung will durch die juryfreie Kunstschau\nund über dieselbe hinaus eine notwendige\nAnnäherung zwischen Künstler und Publikum\nschaffen, da hierdurch allein unserem gesamten\nKunstleben neue Kraft und Frische zugeführt\nwerden kann. „Die notwendige Annäherung zwi-\nschen Künstler und Publikum wird allseits er-\nstrebt. Der Herr Künstler fühlt sich verlassen\nund alleine auf dem in früheren Zeiten beliebten\nPiedestal. Er will nicht immer abseits stehen,\ner rückt dem Publikum auf clen Leib, klopft ihm\nauf die Schulter und das Publikum, erfreut,\nüber solche Vertraulichkeit, rückt gleichfalls her-\nan. Wir gehen schönen Zeiten entgegen. Man\nbedauert fast, nicht Künstler zu sein. Leib an\nLeib fordert Künstler und Publikum das Jahr-\nhundert in die Schranken des Zirkus. Denn, wie\nsagt Herr Artiiur Kahane, Dramaturg des Deut-\nschen Theaters zu Berlin, Verfasser des Buches\nLIEDER: Auf einem uns vorgeschriebenen\nWege suchten wir den Rahmen des heutigen\nTheaters zu erweitern, seine Wirkungen zu stei-\ngern, cl e n K o n ta k t mit dem Publikum enger\nzu machen. So war es kein Zufall, wenn wir\nvom kleinen Theater in clie Arena stiegen. Auf\ndiesem Wege werden wir weiter gehen, vielleicht\nvertrauen wir nicht ohne Grund, dass dem, der\nuns folgt, neue Fernsichten und Ausblicke\nsich öffnen werden.\" Der Künstler wird also\nimmer weiter auf diesem Weg gehen, die Vorstel-\nlungen werden zwar nicht besser, aber die Vor-\nstellung schwierig, wie bei dem fortgesetzten Auf-\ndenleibrücken, sich neue Ausblicke auf Fernsich-\nten öffnen werden. Auch wenn die Wirkungen\ndes Rahmens so gesteigert werden, dass er aus-\neinanderplatzt, wird diese denkbar grösste Er-\nweiterung keinen Konktakt mit dem Publikum\nherstellen, dem man ohne Elektrizität nur auf\ndie Füsse tritt. Diese geographischen Erörterun-\ngen las man in den Blättern des Deutschen The*\naters, die an Zerstreutheit alles zu wün-\nschen übrig lassen. Diese Politik der Annäherung\nsetzen nun die sehr gebildeten bildenden Künst-\nler der juryfreien Kunstschau fort. Sie gehen\ndenselben Weg. Sie sind sogar Idealisten. Sie\ngewähren den fördernden Mitgliedern freien Ein-\ntritt in das Kaiser Friedrich-Museum und be-\ndeutende Vergünstigungen bei noch vorgesehenen\nVeranstaltungen der Vereinigung, zum Beispiel\nbei einem grossen Künstlerfest, und sie „glau-\nben und vertrauen, dass dieselben neben den\nstarken ideellen Grundgedanken (nämlich dem\nNäherrücken), auf den die Vereinigung aufge-\nbaut ist (also auf schwankendem Grund sozu-\nsagen), unserer grossgedachten und grossangeleg-\nten Sache sehr viele Nichtkünstler zu fördernden\nMitgliedern werben werden, ja, den Nichtkünst-\nlern wird noch viel mehr zugemutet. Sie ar-\nbeiten durch Ausnutzung der erwähnten Vergün-\nstigungen „mit an der Verjüngung und Gesun-\ndung unseres deutschen Kunstlebens und helfen\nder Künstlerschaft in einem schweren, aber aus-\nsichtsvollen Kampf um die Neubelebung der er-\nloschenen Teilnahme an der bildenden Kunst.\"\nFür acht Mark fuscht jeder gern mal an der Ge-\nsundung der deutschen Kunst mit. Fragt sich\nnur, ob ihr diese Pferdekur bekommen wird.\nNamentlich, da sich alle Kreise der Bevölkerung\nan der Behandlung beteiligen sollen. Und nun\ndas grösste Geschenk. Während Herr Kahane\ndem Billetkäufer nur neue Aussichten verheisst,\nfür die man sich nichts kaufen kann, verheisst\ndie juryfreie Kunstschau dem Bildkäufer ausser"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "636", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.2", "texte": "dem Bild, das man nicht verkaufen kann, das\nRecht, über Kunst zu urteilen.\n„Das Publikum allein, der Kunstfreund, der\nKäufer soll Juror sein, seinem individuellen Ge-\nschmack allein bleibt die Wahl überlassen. So\nund nur so werden wir eine Gesundung unse-\nres Kunstlebens aus dem Volke heraus erleben,\nfür die Durchdringung unserer Kunst mit deut-\nschem* Volksgeist der einzigmögliche Weg.\"\nJa, wir gehen schönen Zeiten entgegen. Bei\ndieser Lauferei auf dem einzig möglichen Weg\nwird zwar der deutsche Volksgeist total zertram-\npelt werden. Bei seiner Auflösung wird sich\njedenfalls sehen lassen, dass er seine einzelnen\nBestandteile nie besass: Deutschtum, Volk und\nGeist Möge man sich allerseits von ihm durch-\ndrungen fühlen.\nGemäldeausstellungen\nDie Institute, die sich des schönen Namens\n„Kunstsalon\" bedienen, können nichts dafür. Die\ngrossen Maler produzieren für ihre Bedürfnisse\nnicht genug, die guten Maler fallen niemandem\nauf, die schlechten Maler sind auf der grossen\nKunstausstellung und im Verein Berliner Künst-\nler so zahlreich vertreten, dass Sonderausstel-\nlungen von ihnen nicht ziehen wurden. Das\nPublikum liebt es auch, schlechte und daher ihm\ngefallende Bilder in Massen anzusehen, damit es\nnicht erdrückt wird. Denn nur das einzelne Bild\nkann für den Seelenzustand der Masse gefähr-\nlich werden. Es gibt nur sehr wenige fähige\nKunstkritiker, die malen aber nicht. Es gibt\naber sehr viele unfähige Kunstkritiker, die zum\nTeil auch malen. Oder mindestens zeichnen und\nHolzschneiden, trotzdem sie besser täten, Steine\nzu klopfen. Aber man will doch sehen, wie so\nein beliebter Kunstkritiker sich die Kunst eigent-\nlich denkt. Der Salon Gurlitt kam auf die Idee\nund hat die Sensation. Er wandte sich an den\nbisher leider nur unseeligen Herrn Professor\nLudwig Pietsch, der nichts Eiligeres zu tun hat-\nte, als seine Zeichnungen, Lithographien und\nHolzschnitte auszustellen, die er in den Jahren\n1840 bis 1871 verfertigt hat. Herr Pietsch ist\nder Mann, der Van. Gogh für wahnsinnig, Hod-\nler für idiotisch und Cezanne für verrückt hält.\nEr behauptet natürlich auch, dass diese Künst-\nler und einige andere, wie Gauguin, Matisse\nund Kokoschka weder malen noch zeichnen kön-\nnen. Herr Pietsch ist der Mann, der seit fünf-\nzig Jahren alle offiziellen Diners und Soupers\nmitgegessen hat, und der seinen erstaunten Le-\nsern immer wieder verrät, dass zum Schluss\n„wohlgefüllte Zigarrenkisten und verschiedene\nSorten erlesenen Liqueurs herumgereicht wurden.\"\nHerr Pietsch ist der Mann, der stets und überall\neinen „erlesenen Damenflor\" um sich sieht, ein\nFrauenlob, den jede, aber auch jede nackte Schul-\nter in Flammen setzt, und der sie in so schlechtem\nDeutsch „besingt\", dass sie eine Gänsehaut be-\nkommt. Mit ihren Besitzerinnen pflegt Herr\nPietsch sich über Bilder zu unterhalten. Man\nkann sich denken, dass es einem Professor nicht\nschwer fällt Gänse mit gänsigen Urteilen zu in-\nfizieren. Herr Pietsch ist also der Mann, der\nausstellt. Ganz Berlin wird sich die geradezu\nentzückenden Dinge ansehen, ganz Berlin wird\nmit Entzücken feststellen können, bei welchen\ngrossen Gelegenheiten Herr Pietsch überall „an-\nwesend gewesen ist.\" Er wohnte der Eröffnung\ndes Suezkanals bei, er drängte sich bei Turge-\nnieff ein, er kannte die überlebensgrosse Mada-\nme Viardot, er sah sich die Eroberung von Se-\ndan an und er proklamierte 1871 das Deutsche\nReich. Bismarck war sogar zugegen. Er weilte\nin Griechenland und Baden-Baden, in Aegypten\nund Nizza, er sah Burgen stürzen und Häuser\nbauen und er überlebte alles und überzeichnete\nalles. Seine Begabung ist etwa die des Fritze\nWolff vom Berliner Lokal-Anzeiger. Das ist der\nHerr, der alle aktuellen Personen und Dinge\nätzt, wodurch es den Objekten auch nicht besser\nzu Mute wird. Doch der Herr Wolff ist durch\ndie Umgebung leise angesäuert, zu Weihnachten\nund Pfingsten wird er unter dem Eindruck der\nhohen Feste impressionistisch. Anders Herr\nPietsch. Seitdem der Impressionismus und die\nübrigen Teufeleien, „erfunden\" worden sind, gab\ner das Zeichnen einfach auf. Solcher Welt muss-\nte er seine. Kunst versagen. Herr Pietsch hat in\nder guten alten Zeit, in der man noch etwas\nvon Kunst verstand, mit Liebe gezeichnet. Es\nfehlt auch nicht ein Strich, den man vermissen\nmüsste. Der schlichte Soldat besitzt ebensoviel\nRecht auf zwei Augen, zwei Ohren, Nase und\nMund, wie Bismarck. Gleiche Gesichter für alle.\nNicht nur, dass keinem Gottesgeschöpf die Glied-\nmassen verrenkt werden, nein, nicht eine Schuh-\nschnalle wird irgend einem Lebewesen unter-\nschlagen. Man freut sich, dass alles da ist und\ngeht beruhigt zu Keller und Reiner. Man be-\nfindet sich in einem guten Möbelgeschäft und\nsucht Bilder. Das was im Oberlichtsaal an\nfarbiger Leinewand hängt, soll die Ausstellung\nsein. Man wendet sich freundlich ab und ent-\ndeckt beim Herausgehen im dunklen Vorraum\nplötzlich Bilder. Die Ausstellungsleitung hat sie\noffenbar aus Furcht vor perfekt zeichnenden Kri-\ntikern versteckt. Es sind Bilder von Moritz\nMelz e r , Wirklich gemalte Bilder, ohne die\nAbsicht, Natur zu imitieren oder vorzutäuschen.\nMelzer gehört zu der Vereinigung Neue Sezes-\nsion, die als Gesamtheit wenigstens weiss, was\nunter Malerei zu verstehen ist. Ihre Mitglieder\nsind unter einander noch ziemlich abhängig.\nMelzer und mehr noch Pechstein und Kirchner\nscheinen mir die zu sein, die am ersten Far-\nbe bekennen werden. Denken ist ja unter\nUmständen eine ganz hübsche Sache. Aber Ma-\nler, die denken und dichten, und Erinnerungen\nschildern, sind Pinsel. Und das ist gerade\nder Teil des Handwerkzeugs, den der Maler am\nleichtesten entbehren kann. Und lieber mit Far-\nbe schmieren, als sie abzulecken.\nKonzerte\nDie Gesellschaft der Musikfreunde zu Ber-\nlin veranstaltete eine Gustav Mahler-Gedächnis-\nfeier. Oskar Fried dirigierte die zweite Sympho-\nnie des Komponisten. Mahler ist zweifellos der\nKünstler, der mit seinen Werken an Gehalt und\nEwigkeitswert sich den neueren Meistern Liszt,\nWagner und Bruckner anschliesst. Ich begreife\nnicht, dass musikalische Menschen von Mahler\nund Richard Strauss sprechen können. Bei\nMahler ist alles Erlebnis, bei Strauss alles Bluff.\nBei Mahler Erfindung, bei Strauss Mache. Bei\nMahler sorgfältig beschränkte Gestaltung, bei\nStrauss sorgfältiges, beschränktes Geleier. Strauss\nsucht Natur vorzutäuschen, er setzt sein Heim,\nseine Frau, sein Kind, seinen Nachttopf unter\nMusik, Mahler musiziert. Nicht frei von ba-\nrocken Einfällen. Aber es braucht ja nicht alles\nRenaissance zu sein. Aus dem Gefühl des Ba-\nrocks heraus verwendet Mahler im Orchester\nInstrumente oder vielmehr Gegenstände, die cha-\nrakteristische Geräusche verursachen. Ich halte\ndas nicht für künstlerisch, aber die Anwendung\nist für Mahler organisch, erfühlt aus seiner Per-\nsönlichkeit. Strauss wendet Windmaschinen an,\ndamit man die Winde heulen hört. Strauss\nmacht Geräusche, um sich von seiner Existenz\nzu überzeugen, um echt zu sein. Denn dje\nNatur ist voller Geräusche. Das etwa ist die\nTiefe und Philosophie von Herrn Strauss. Er\nnennt eine Symphonie „Also sprach Zarathustra\"\nund wer nicht hinhört, kann so ohne weiteres\nan Nietzsche denken. Nur dass es für die Musik\nnicht darauf ankommt, zu denken, sondern das\nGefühlsmässige unterhalb der Worte durch Töne\nzu geben. Nur dass es nicht darauf ankommt,\ndie Bilder des Dichters tonmalerisch (derselbe\nBlödsinn wie die Plastik' mit echten Haaren)\nwiederzugeben, sondern das Gefühlsmässige, zu\ndessen Darstellung der Dichter die Bilder brauefit\nin Tönen zu gestalten. Deshalb ist Mahler ge.\ngen Programmmusik, wie jeder gute Musiker,\nund schreibt Symphonien. Oskar Fried brachte\nOrchester und Chor zu künstlerischem Leben.\nDas bedeutet viel und alles. Was so ein richti-\nger oller ehrlicher Musiker ist, der fidelt und\ntutet und singt drauf los. Der wird nie begrei-\nfen, dass seine Musiktätigkeit keine Kunst ist,\nEr wendet sich mit ebensolchem Grausen vor\njeder starken Persönlichkeit ab, er fällt ebenso\nsicher auf jeden klangvoll aufgemachten Kitsch\nrein, wie der Musikkritiker. Die Herren von der\nTagespresse sind wegen Mahler in grossen Sor-\ngen. Der eine behauptet, dass erst die nächste\nGeneration wird feststellen können, ob Mahler\nein guter Komponist war, oder er ein ratloser\nKritiker. Der andere, Herr Erich Urban, Ver-\nfasser des bestbekannten Kochbuchs, herausgege-\nben von Ullstein, ist über die Zweifel des Herrn\nKollegen empört. Er beteuert im stolzesten Kü-\nchenlatein, dass Mahler pervers, krankhaft, ta-\nlentlos, und unmusikalisch sei. „Die Tragik des\nNichtkönners mit titanischem Wollen.\" Nun,\nHerr Urban hat zwar das Kochbuch geschrie-\nben, die Köchinnen sind verschiedener Meinung,\naber ein Gourmet scheint er nicht zu sein. Um\nes seinem Leserkreis begreiflien zu machen:\nHerr Urban ist im Stande, Austern für pervers,\nKaviar für krankhaft und Krebse für talentlos\nzu halten. Er tritt unbeirrt für die gute Fleisch-\nbrühe ein, die durchaus nicht so nahrhaft ist,\nwie er glaubt, aber mit fettigen Augen auf ihren\nDichter blickt. Aus ihr bezieht Herr Urban sei-\nne Kraft über Musik zu schreiben. Ein deut-\nsches Beefsteak — und sein Salat ist fertig. Ich\nhoffe, dass die Leser des Herrn Urban nun seinen\nGeschmack verstanden haben, und ihn nicht tei-\nlen. Aber es wird schon werden. Bis jetzt hat\nHerr Urban sich mit dem Essen durch ein Buch\nauseinandersetzen müssen. Ich werde versuchen\nihm recht oft die Ohren zu öffnen. Das\nsind die Kritiker mit der „Ueberzeugung\". Alle\nübrigen helfen sich mit Weltanschauung. Der\nVerfasser des Programmbuches hat die merk-\nwürdigsten Dinge aus der Cmoll-Symphonie von\nMahler herausgehört. Zum Beispiel: „Gegenden\nSchluss hin kommt es zu einer gewaltigen Stei-\ngerung, einem „Ausbruch\" der Verzweiflung,\nder den Schlüssel zum Verständnis des gan-\nzen Satzes gibt — ein gewaltsames Abschütteln\ndes geschäftigen Treibens. Oder: „Das Kolorit\nwechselt häufig, schon mitten in den tiefdunklen\nSchattierungen erscheint in den Geigen eine ganz\nhelle zartleuchtende Episode, um gleich darauf\nvon den unheimlichen Bassfiguren überrannt 211 j\nwerden.\" Warum wechselt die Episode ihr Ko-\nlorit auch so häufig. Oder: „Lange schwelg\ndas Orchester in den zartesten Klängen, dann\nsetzt unmerklich eine verwickelte Durchführung\nein \" Das ist zu schwierig, dann empfehle ich\nden Konzertbesuchern, die durchaus\nder Musik etwas lesen müssen, lieber Urban5"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "637", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.3", "texte": "Kochbuch. Für die Einführung hat es denselben\nWert, wie diese Programmschrift.\nEine persönliche Bekanntschaft veranlasste\nmich, seit mehreren Jahren wieder einmal ein\nKlavierkonzert zu besuchen. Es ist alles noch\ngenau so, wie vor tausend Jahren. Der Saal\nerstrahlt immer noch im „Glanz der Lüster\", auf dem\nPodium stehen immer noch zahlreiche Stühle auf-\ngestapelt, die die Konzertdirektion gelegentlich\neinmal wieder braucht, dieselben Musikkritiker\nsitzen immer noch auf denselben Plätzen und\nachten auf das Pedal und die Konzertierenden\nspielen immer noch dasselbe Programm.\nFrau Olga Wainstein-Muslina hat sich zwei-\nfellos für das Konzert gut vorbereitet. Ihre\nTechnik ist konzertfähig. Zwar fühlt sie die Mu-\nsik, die sie spielt, aber sie kann ihr Gefühl noch\nnicht gestalten. Um dem Hörer ein Kunstwerk\ndurch das Klavier zu übermitteln, muss der Spie-\nler unbedingt bewusst das Erlebnis des Kom-\nponisten begriffen haben. Er muss ihm in die\nentferntesten Winkel nachgegangen sein. Wenn\nder Spieler in der Musik ertrinkt, kann er na-\ntürlich nicht schwimmen. Er muss die Wasser\ngenau so teilen, wie es der Komponist tat. Das\neben ist die Schwierigkeit. Kaum ist die Furche\ngezogen, schon wird sie überschäumt. Nie-\nmand kann den Weg durch das rote Meer zei-\ngen, man muss ihn wissen.\nWar Goethe musikalisch?\nWilhelm Bode hat über dieses Thema sechs-\nhundertundfünfzig Seiten geschrieben und da-\ndurch den zweiten Musikkritiker der B. Z. am\nMittag, einen Hauptmann a. D. (der erste ist\nbekanntlich der Verfasser des Kochbuchs) end-\ngültig überzeugt, dass Goethe musikalisch war.\nIch werde das Buch nicht lesen und bin trotz\nder allgemein herrschenden gegenteiligen An-\nsicht überzeugt, dass Goethe vielmehr von Mu-\nsik verstanden hat, als sämtliche Musikkritiker\nvon Berlin zusammengenommen. Es ist einfach\nausgeschlossen, dass ein Kün s 11 e r zur Mu-\nsik kein Verhältnis hat. Kunst in ihren höch-\nsten Aeusserungen ist für jeden künstlerischen\nMenschen verständlich. Es bleibt ganz gleich-\ngültig, durch welchen Sinn Erlebnisse von künst-\nlerischen Persönlichkeiten vermittelt werden. Nur\ndurch den Magen geht es nicht.\nNochmals der Doktor Sabberer\nHerr Doktor Anselm Sabberer fühlt sich ver-\npflichtet, triumphierend in dem einzigen ihm zur\nVerfügung stehenden Blättchen festzustellen, dass\nder Essay von Karl Kraus „Heine und die Fol-\ngen\" nicht „gegangen\" ist und deshalb von Kraus\nin seine Zeitschrift Die Fackel aufgenommen\nwurde. Zwar hat Karl Kraus diese „Feststel-\nlung\" schon selbst vorgenommen. Die ganze\nArt des Doktors ist so unverschämt ahnungs-\nlos, ist so niederträchtig verlogen und wider\nbesseres Wissen, dass man es sich ein für alle\nMal versagen muss, ihn abzuweisen. Es gehört\nder Mut demokratischer Gleichmacherei dazu, einen\nAutor als Phänomen zu preisen, und ihn als\nWitzbold von Witzlingen in Stil Oskar Blumen-\nthals witzlos behandeln zu lassen, wenn der Au-\ntor den Nachdruck seiner Schriften nicht mehr\ngestattet. Es gehört der Mut der Verleumdung\ndazu, wenn ein Mensch, der sich angeblich mit\nliterarischen Dingen befasst, und allerdings im\nNebenamt, und sei es aus Existenzgründen, in\nallen möglichen Provinz- und Familienblättern\nherumschmiert, was er freilich in seiner „litera-\nrischen\" Tätigkeit auch tut; wenn ein solcher\nMensch, der genau weiss, dass man von ernst-\nhaften künstlerischen Bestrebungen nicht leben\nkann, mir unterstellt, dass ich aus „geschäftli-\nchen\" Gründen für dieses Phänomen Karl Kraus\neintrete. Mit solchen Leuten diskutiert man nicht.\nHerr Doktor Sabberer „findet kein Künstlertum\nin Karl Kraus.\" Ich will das seinige entdecken,\nnenne seinen Namen: Anselm Ruest und setze die\nerste Strophe eines von ihm selbst verfassten Ge-\ndichtes hin:\nNach glühem Tag\nEin leiser Rauch\nQualmend aus allen Dingen . .\nIn dünnen Säulen\nAufschwelend — wie Seelen\nEntfärbter Bilder,\nVerwallter Träume — —\nEine feine Asche\nDen Abendwinden.\nVerqualmt. Entfärbt. Verwallt.\nTrust\n\nDie Spielereien einer\nKaiserin\nK. H.\nMax Dauthendey, den wir lieben, dessen\nName uns einfällt, sooft von neuer Gedichtschrei-\nbung geredet wird, hat den Fuss aufs Theater ge-\nsetzt. Schwerlich mit Glück. Undramatik ist nicht\ndadurch entschuldigt, dass ein Stück statt „Drama\"\n„Fünf Akte und ein Epilog\" heisst. Ich vermisse\ndie Idee, den Probiemknoten, das Epigramm.\nAlles ist Aufzählung von Fakten, Aneinanderreihung\nvon Bildern ohne rechte Organisierung. Den\nNeuklassischen, so hier ein „Gebild\" vermissen,\nwird man mal bestimmen dürfen. Immhin ergreife\nich Dauthendeys Partei; denn Kurioses und Furi-\nbundes geht hier vor sich, Schmutz und Pracht\nwerden entfaltet, Menschen handeln menschlich.\nMein Eindruck war — wofern diese Metapher\nmich nicht schädigt — ein Zopfgeflecht dreier\nVorstellungsreihen. Die erste: Stürme der Lie-\nbe; die zweite: Kino, Melo, Staatsaktion; die\ndritte: Zerrbilder, Freudiana, Wunscherfüllungen.\nKatharina, das Dragonerweib, wird, durch Schön-\nheit, heisses Blut , Listen, Geliebte des Feldmar-\nschalls; nach mancherlei psychologischem Zick-\nzack dann Gattin des Zaren; schliesslich, von\nMachtlust immer strotzender, Russlands regieren-\nde Kaiserin. Wie im Märchen; von Stufe zu\nStufe — aber aufwärts. (Warum hat Danthen-\ndey seinen herrlichen knabenhaften Tagtraum auf\nein Weib übertragen? Auch den Schriftsteller,\nder, in der Absicht, Künstlers Erdenwallen zu\nschildern, als Romanhelden statt eines Dichters\neinen Maler wählt, finde ich weniger sympa-\nthisch.) Komisch-schaurig, grotesk, traumhaft ist:\nwie Katharina, als der Zar sie nackt am Fen-\nster ihrer Kemenate stehen sieht, ihm, statt ent-\nsetzt zu sein, die Zunge zeigt; wie sie dann\nwährend seiner bewegten Liebesfragen (ihr han-\ndelt sich's um eine Krone) Aepfel frisst; wie,\nim Höhepunkt des Machtrausches — der Zar\nist tot, man rief sie zur Kaiserin aus, der Ge-\nliebte hält sie in seinen Armen —, neben dem\numschlungnen Paar eine grosse Schiefertafel auf-\nragt, mit dem ungeschlacht hingehauenen Krei-\ndejambus: „Ich lieb dich heut wie immer, Men-\nschikoff. — Katharina I.\" Die Akt-Ueberschrif-\nten („Das Taschentuch\", „Die Witwenhaube\",\n„Am Kaiserinnenbett\" und so) erinnern an We-\ndekinds „Musik\"; gewollter Revolver, beabsich-\ntigte Hintertreppe. Auch: Selbstironie — als Ro-\nmantismus politisch zu billigen, auf dass die\n„harmonischen\" Schauten platzen. . . Sogar eine\nAllegorje bewandelt die Bretter, die aber (für\nFeinschmecker!) sich nachher als Automat her-\nausstellt: der Tod, ein hagrer Pierrot in schwar-\nzer Maske. . . Dazu eine Hofnärrin, ein Mohr,\nein Mord; Goldgeschirr, Faustschläge, Türken-\ngefahr; Popen, Wodka, Zar Peters übertriebne\nNase — in buntem Tempo umtaumelt das alles\ndie zart-wilde Katharina, die hinreissend empor-\nsteigt.\nDie Schauspielerin Tilla Durieux, berückend\nund feurig, mit kupfergelben Haarflechten, samt-\nnen Raubtieraugen, purpurnen Nasenlöchern, be-\nzwang mich. Herr Hartau, der Zar, verdient ei-\nne Eins. Herr Emil Lindner, mit dem Mienen-\nspiel der Verhaltenheit, erinnerte mich an Herrn\nKayssler.\n\nGedichte\nDer blinde Bettler im Gewitter\nVon Paul Zech\nDie Gärtner warfen ihre Grabgeräte\nErschrocken in das krause Zittergras\nAls ein Gewitterzug das kühle Nass\nIn jähem Schwung breit auf die Erde säte.\nWie Schluchzerbäche wühlten sich die Fluten\nTief in das kurzgeschorene Rondell.\nUnd die uralten Bäume schrieen hell\nUnter des Sturmes blank gezognen Ruten.\nAm Springbrunnenbecken aber, das schneeweiss\nSich abhub von dem Schwarz der Taxuswände,\nSchritt angstverstört ein blinder Bettelgreis.\nUnd suchte fingernd die verlorene Spur,\nBis ihm in die emporgereckten Hände\nMit voller Wucht ein dünner Blitzstrahl fuhr.\nRegenisnpression\nSchwarze Wolkenberge ragen\nScharfgezackt am Horizont.\nAn der Häuser Fensterfront\nHör ich schon den Regen schlagen.\nAlle Welt rauscht wie ein Meer.\nUnd mein Herz schwimmt stumpf daher\nBis es ganz in Nacht gebogen\nAufschluchzt wie die windgeschnellten Wogen.\n\nBriefenach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nLiebe Jungens\nHöxter ahnt was von meiner Schwärmerei\nzu Hassan, er hat mir zwei Ansichtspostkarten\nder egyptischen Lunaausstellung mitgebracht. Auf\ndem Kamel der einen Palmenlandschaft sitzt\nmein Sultan. Wo ihn die Diebin wohl hinge-\nschleppt hat? Hast Du übrigens von der\nZeichnung, die Höxter von mir gemacht hat,\nein Gliche anfertigen lassen, Herwarth? Sie\nkommt doch in den Sturm? Ich bin darauf\nwirklich der kriegerische Prinz von Theben, da-\nfür ist die Sphinx im Vordergrund ein richtiges\nWeib. (Ich schreib sonst kein Wort mehr für\nden Sturm). Höxter und ich sitzen heut ganz\nallein im Vorgarten des Cafes, wir knobeln in\n\nSchluss"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "638", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.4", "texte": "der Sonne aus, dass wir beide von Beduinen\nstammen, er sitzt immer wie ich auf einem ed-\nlem Araberpferd, darum können wir nie ganz\nverkommen. Wir sind vom Stamm der Melechs\nund ziehen in Gedanken immer gegen andere\nRassen. Ich bin Höxter dankbar, er erzählte mir\nein Wunder, seine Schwester heisse Schlöme.\nWisst Ihr, wer gestern bei mir war, die\nExkaiserin Eugenie. Ich öffnete mit Zagen die\nKorridortüre wegen des Gerichtsvollziehers. Ihre\nMajestät versprach mir, an meine Tante zu\nschreiben, die ist Zwillingsmillionärin.\nLieber Herwarth, edles Kurtchen, ich habe\nmir seit einigen Tagen vorgenommen, Karl\nKraus, der Dalai-Lama in Wien, soll Minister\nwerden. Ich sehe ihn überhaupt nicht mehr an-\nders, als auf einem mächtigen Stuhl sitzen. Wie\nlangweilig und langsam alle Menschen sind, er\nwäre schon längst Minister. Ob ich wohl Hof-\ndichterin werden würde mit einer Apanage?\nAber daran denke ich erst in zweiter Linie. Ich\nhätte die Angelegenheit Dalai-Lamas längst zur\nSprache gebracht, aber die Leute wie gesagt\nlächeln immer langwierig, wenn ich was sage,\nauch verstehen sie nicht meinen gaukelnden Wor-\nten ein Seil zu spannen. Nur der Minister freut\nsich meiner Sprünge, er ist ernst genug.\nDer kleine Jakobsohn hat dreiundzwanzig\nNummern der Fackel bestellt, ich habe Dir so-\nfort gesagt, Herwarth, er ist gar nicht so\nschlimm, es wird ihn auch noch der Sturm um-\nreissen. Seid vergnügt, beide, macht Euch keine\nSorge wegen meines Mitbruchs, ich hab Diaman-\nten und Perlen und — ein Heer Verse — auf\nDich gedichtet.\nIch kann Euch heute nur eine Postkarte\nschreiben, der Bischof telephoniert eben, ob wir\ngleich etwas in Sibirien spazieren gehen wol-\nlen? Wir nennen nämlich die Gegend am Lüt-\nzowerplatz in Charlottenburg Sibirien. Wir ha-\nben überhaupt viel gleiche Empfindungen beim\nAnschaun der Welt. Auch sehen wir dieselben\nTiere im Menschgesicht. Die Katzen liebt er,\nich nicht. Ich werde ihn heute fragen, ob er\ndie Katzen mehr liebe wie mich. Solche Fra-\ngen berühren ihn glücklich. Ich frage ihn vie-\nles Verhängnisvolle auf französisch, als wäre er\nmein Gouverneur. Es ist so aufatmend, wenn einem\nauf einmal alle die verantwortlichen Gedanken\nund eingenisteten Gefühle von der Schulter glei-\nten und man eine Marionette ist, am feinen Sei-\ndenfaden geleitet. Aber manchmal bin ich sein\ngoldener Ball, den er liebevoll in Kinderhände\nwirft. Oder ich schlummere vom Rausch seiner\nWorte, er hat etwas Rebenartiges. Ich lehne,\nseitdem ich ihn kenne, oft an schwarzangestri-\nchenen Wänden der Häuser und werde süss.\nWenn er nicht mit mir spielen würde; ich\nmüsste verdorren in der Nüchternheit von Ber-\nlin. Unter Asphalt ist sogar hier die Erde be-\ngraben; einen grossen Baldachin wie des Win-\ntergartens dumpfer Sternenhimmel wollen sie\njetzt über die Hauptstadt bauen; wo soll man\nhin dann blau sehn. Der Westen unserer Stadt\nist mir am verhasstesten, die Arbeitergegenden\nhaben wenigstens etwas kriegerisches. Kürzlich\nstanden wir auf der Brücke, die zur Siemens-Fa-\nbrik führt, in der Nacht. Wir hätten uns fast\ngeküsst, aber ich entschwand seinen Lippen ohne\nes zu wollen, wir sind auch beide zu weiss,\nwenn wir erröteten im Küssen, wäre wie Blut,\nvielleicht wie Mord. Ich muss Euch das alles\nsagen, liebet mich dafür.\nLiebe Jungens, als ich heute ins Cafe kam,\nsassen der Slawe und der Bischof wo ver-\nsteckt.. Der Slawe findet es scheints politi-\nscher in Deiner Abwesenheit, Herwarth, sich\nnicht mit mir zu befassen, er spielt den Ehren-\nmann, Auf die Idee, dass er sich aus mir nichts\nmacht, bin ich noch nicht gekommen, aber ich\nhabe ihn satt, er ist auch gar nicht so schön,\nwie ich ihn zuerst sah, er hat ein enges Mie-\nUnd er freut sich immer, wenn je-\nmand Verlust der Phantasie erleidet, da er kei-\nne besitzt. Ich habe Hassan verloren, alle marok-\nkanischen Träume und den tätowierten Halb-\nmond an seinem vibrierenden Nasenflügel. Der\nBischof sah mich von Ferne weinen, er küsste\nschon dreiundzwanzig Mal mitleidig seiner klei-\nnen, heiligen Katze den Kopf.\nHeute stellte ich dem Bischof eine Sängerin\nvor, weil sie der Talismanphotographie ähnlich\nsieht, die er in seinem Portefeuille trägt. Nun\nsoll er in Wirklichkeit seinen Typus Angesicht\nvor Angesicht sehn. Ich glaube zwar, er är-\ngert mich nur mit ihm, aber ich will mich lu-\nstig rächen. Felicitas summt immer meine Me-\nlodien auf berliner Jargon, die ich aus dem\nMorgenland weiss, sie ist mein verwässerter Nil\nabwechselnd mit einer Schüssel Tigriswasser,\ndarin sie ihre Strümpfe wäscht. Aber sie trägt\nseidene Strümpfe; mit Wohlgefallen bemerkte das\nder Erzbischof, auch stellte er Vergleiche an\nzwischen mir und ihr. Das nehme ich ihm übel,\nich glaube, ich mag ihn nicht mehr jleiden.\nMeine ganze Psyche ist eine Weile eingekracht.\nEine feine ganz goldene Stadt ist meine Seele,\nlauter Wandelgänge von Palast zu Palast. Und\nihre Landschaften übersteigen die Schönheiten\naller Länder. Ich soll wieder erkrankt sein, aber\nwo? Es ist kein Mosaik mehr da, und mich\nbehandelt man auf Backsteine. Ich gab dem\nBischof lächelnd die Hand zum Abschied, le-\nben Sie wohl, Herr Erzbischof, Sie behaupteten,\ndie Kultur der Egypter über alles zu lieben und\nvergassen, dass man eine pharaonische Prinzes-\nsin nicht (wenn auch in Gedanken) neben ei-\nnem deutschen Pozellangänschen stellen darf. So\nsagte ich ihm.\nHerwarth, heute gabs wieder Aufschnitt bei\nmir, dabei esse ich so gern Ente mit Mirabel-\nlen. Ich hatte geradezu Sehnsucht nach Kempins-\nki, trotz der gierigen Philister an den Neben-\ntischen. Warum sind wir beide dort so un-\nverheiratet? Bin weder in dem Lokal Deine\nVerehrerin, noch Deine Kameradin, noch\nDeine Angetraute. Du hist dort mein Lieb-\nhaber, erster Liebhaber, und ich fühlte wohl in\nden beiden Malen, wo wir dort sassen, dass\nauch in Dir verborgen wie in allen Männern\ndas Talent zum Bonvivant steckt; aber ich auch\nnicht alleine die Dichterin und clie Tino von\nBagdad bin, nicht nur der Prinz von Theben,\nzu guterletzt nicht nur als Jussuf der Egypter\nexistiert habe, sondern ich auch ein ganz kleines\nMädchen sein kann, das zum ersten Mal von\neinem Herrn zu Kempinski zum Abendbrot mit-\ngenommen wird und Geschmack an Kaviar urtd\nEnte mit Mirabellen findet, sich aber noch schüt-\ntelt entsetzt vor der Schnecke in der geöffneten\nMuschel. Weisst Du noch unsere Angst, dass\nJemand uns von Bekannten sehen würde, — unser\nVerhältnis. Ich trank aus Deinem Glas, Rot-\nwein, und Du machtest mir Komplimente mei-\nner schmalen Fussgelenke wegen. Und ver-\nsprachst mir seidene Strümpfe zu kaufen und\neine weisse Feder für meinen grossen Strohhut.\nDu hast so emsig süss zu mir gesprochen, na-\nmentlich wie ich mich genierte, noch etwas von\nder Auswahl der Konfitüren zu wählen. Und\nich vergass wirklich, dass ich Deine Frau war\nund machte mich über Deinen Drachen lustig\nüber ihre finstere Stirn. Aber ich werde nie\nDein stutziges Gesicht vergessen; dawusste ich\ndass Du schon öfters mit kleinen Mädchen\nbei Kempinski soupiert hattest, die Deine Frau\nIhrer fanatischen Galiläerstirn wegen verspotteten.\nDas hatte Dich immer wieder von den Lecker-\nmäulern abgebracht, denn Du wurdest barsch\nund unmutig zu mir, weil ich Deine „Frau\"\nbeleidigt hatte. Und wie ich erfahren habe, bist\nDu erst neulich in einer kleiner Gesellschaft\ndort gewesen, dein Freund, der Doktor brachte\nseine lachende Kleine mit. Warum hast Du\nnicht Kurtchen veranlasst, den Doktor auch zu\nder Reise nach Norwegen einzuladen? Er sieht\nabgearbeitet und verärgert aus. Es giebt keinen\nMenschen, der aufmerksamere Liebe nötiger hat,\nals der Doktor, als „unser\" Doktor, sind er\nund ich auch schuss für ewig. Ich habe jahre-\nlang Jünglingen, die ihm ähnlich sahen, Blu-\nmen gesandt.\nLiebe Nordpolforscher, Direktor Wauer hat\nheute Morgen ein Telegramm aus Elberfeld be-\nkommen. Die Stadt Elberfeld hat ihn verstän-\ndigt, dass der Wupperthalergesangverein ihm\nein Ständchen bringen wird, weil er ming Stöcks-\nken aufführen tät. Was mich meine Einwohner\ndoch gut leiden mögen! Und eine Deputation\nFärwer, Knoppmaker on Suttaschdreher on zwei-\nhundert Weberslüte werden unserm Direktor ein\nAlbum mit bergischen Photographien überrei-\nchen. Ich schwärme wahnsinnig für Direktor\nWauer.\nLiebe Beide. Wieso weiss Richard Weiss\nvon der Aufführung meines Schauspiels? Er\nschickte mir heute Rosen. Ich möchte ihn ein-\nmal sehen. In seiner Schrift dehnt er sich und\ngeht wieder ein; in seiner Schrift stehen alle\nseine Gedichte gemalt, manche sind gebeugte\nBäume, aber auch herrliche Kuppelbauten erhe-\nben sich an Ufern. Ja, seine Schrift hat Ufer\nund Flüsse, heilige Wellen, die nach Gebeten\nduften. Seine Schrift duftet. Es hat mir Jemand\nverraten, dass er schlank ist, dass er braune\nHaare habe und schmerzlich der Blick seiner\nAugen sei, und dass er den Scheitel an der\nSeite, wie ich, trüge. Ich denke an ihn immer\nsehr bewegt: ich wollte, ich wäre ein Spassma-\neher und er eine Schlange, ich würde ihm das\nTanzen beibringen.\nLieber Herwarth und lieber Kurt, ach, ich\nhab diese Nacht so sonderbar geträumt! Ich\nlag auf einer Bahre mitten auf einem Platz. Ich\nlag gehüllt in einem weiten, stillen Tuch, wie\nin einem Meer — und war tot. Manchmal\ntratst Du zu mir, Herwarth, und hobjst das\nMeer von meinem Angesicht und wiesest auf\nmeine Stirn. Und es verhöhnten sie so viele ;\nMenschen, wie ich Tage gelebt hatte. Ich be-\ngann mich schon wegen Deiner Arglosigkeit zu\närgern, denn ich habe immer den neugierigen,\ndreisten Tag gehasst. Aber als die Nacht kam, j\nbat ich Dich, drei Prinzessinnen meiner Liebe\nzu beschenken. Du versprachst mir feierlich, der\nVenus von Siam das Armband zu senden, das \\\nich beim Aufschreiben meiner Gedichte trug.\nDu wiederholtest mir mit reiner Stimme, meinen\nRing mit dem eingefassten Abendrot, Ruth der -\nFrau des gentlen Rechtsanwalt, der immer votf\nMai singt, zu reichen. Du schworst mir treu,\ndass Du Nora von Indien, dem weissen Panther, j"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "639", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.5", "texte": "meinem treuen Absalon, meinem frommen Spiel-\ngefährten, mein Rubinherz selbst um den Nacken\nlegen würdest. Ich weinte, ich weinte so wild,\nich hörte das Meer um mich aufstehn. Und\nich fürchtete Dein Finger würde erfasst werden,\nder über den Platz wuchs, auf dem ich gebettet\nlag, der klare Wegweiser, der auf meine Stirn\nwies. Es wurde immer auf etwas gewartet —\nZeuxis Kokoschka schlenderte hinter dem Dalai-\nLama; und Loos der Gorillaarchitekt, trug auf\nseinen Händen, mein Gewölbe, wie es sich für\nmich geziemt, aus weissem Libanonholz, schlicht,\naber zu reich für den eitlen Geschmack der Leu-\nte. Und es brach ein Kampf um das Haus mei-\nnes Leibes aus; Stuckvolants und Einsätze setz-\nten säe an meines Tempels Fassade. Aber ich\nkonnte nicht mehr streiten, ich hatte mich schon\naller Täglichkeit abgewandt und spielte mit der\nrunden Zeit. Des Dalai-Lamas Augen, blaue,\nmilde Myrrhen balsamierten mich ein, Zeuxis\nmalte mich endlich im Tode. Und Du, Her-\nwarth, küsstest meine Stirn, eine Orgelsymphonie\nstieg zu mir empor; ich bin nie mit anderen\nMenschen zu messen gewesen; ich konnte nur\nimmer so sein, wie man zu mir heraufblickte,\ndenn meine Stirne war der Nachthimmel. Du\nwusstest es.\n\nOffner Brief an den\nHerausgeber\nSehr verehrter Herr Walden!\nKurt Hiller\nSie wissen, dass ich den „Sturm\" respek-\ntiere als eines der wenigen Blätter in Deutsch-\nland, die von den Zeitungen unabhängig sind, und\nals das einzige, das sich auch um die schlech-\nten Instinkte der Leser nicht kümmert. Weil Sie\ndiese meine Gesinnung kennen, werden Sie mir\ngewiss gestatten, einmal Opposition zu machen.\nIch bin nämlich uneinverstanden mit der Be-\nhandlung, die eine der bösesten Institutionen\nNorddeutschlands, das Feuilleton des Berliner\nTageblatts, in Ihrer Zeitschrift erfährt. Ihr gutes\nHerz, verehrter Herr Waiden, Ihre Loyalität, Ur-\nbanität, Humanität haben bisher es für ausrei-\nchend erachtet, die Missetäter mit Scherzen zu\nkitzeln und sie zu streicheln mit charmanten Ver-\nhohnepiepelungen. Aber eine Landplage wie die-\nse erfordert Flammen und Axt. Ich wenigstens\nkann nicht mehr lachen, wenn ein Unternehmen,\ndas sich „entschieden liberal\" nennt und ohne\nUnterlass die Kulturfortschrittsphrase flattern lässt,\nsystematisch Bewegungen, Erscheinungen, Men-\nschen, die wirklich Neues, Zukunfthaftes, Kul-\nturfrohes bringen, totschweigt oder lächerlich\nmacht. Flachköpfe wie Haeckel, wie Ostwald,\nwie Kohler, werden in dieser Zeitung buckelnd\nfetiert; gegen Sigmund Freud, der auch nach\nAnsicht seiner Gegner unser scharfsinnigster und\nkühnster Psycholog ist, wird ein weitschweifig\nmeckernder, witzlos wiehernder Müller aus Zü-\nrich losgelassen. Die Werke der Neusezessionisten\nund jener enormen Franzosen, die uns der Kur-\nfürstendamm diesmal zeigte, werden als „Per-\nsönlichkeitsfexerei\" abgetan, dagegen deitscjie\nSüsslinge wie Thoma, christlichsoziale Kitschiers\nwie Uhde, ahnungslose Sabbergreise wie Pietsch\nüber den (wie Stahl schreiben würde) grünen\nKlee gelobt. An dem „Illustrator\" Pietsch, wel-\ncher als Rezensent bekanntlich schon vor einem\nJahrhundert den äussersten Pol der Borniertheit\nerreicht hatte, wird (am 2. Oktober) bei Gott\n„die grosse Treue\", „die geschmeidige Hand\",\n„das feine Gemütsverhältnis\" gerühmt; und das\nLand und die Leute hat er mit einer so „ehr-\nlichen und zurückhaltenden Wärme\" abgeschil-\ndert, dass Fritze sich nicht enthalten kann, in\nden Jubelruf auszubrechen: „So sah es, so\nsahen sie wirklich aus!\" In einem'\nBlatt, das fortgesetzt über Rückständigkeit schimpft\nund an der Spitze der Zivilisation zu marschie-\nren vorgibt, Aehnlichkeit als Vorzug\nvon Bildern vermerkt: Herr Waiden, das\nist Schweinerei; glattweg! . . Und sehen Sie\nsich an, wie man mit den Schauspielern umgeht.\nHerrn Christians billigt Fritz Engel zu, dass er\nein „oft imposanter\" Othello sei; dem Fräulein\nWachner: „eine Desdemona von edlem Format\";\naber über Rudolf Blümer, diesen Echten und\nGeistigen, den man nur ungern in der Gesell-\nschaft jener königlichen Kinstler sieht, weiss er\nnichts zu berichten als „Armer Jago!\". Doch\nin derselben Nummer versichert dann ein Ano-\nnymus emphatisch, „dass es die verfluchte Pflicht\nund Schuldigkeit der Kritik ist, zum Schutz der\nguten Kunst die schlechte schlecht zu behandeln\".\nHerr Waiden, da muss man zu scherzen auf-\nhören: diese Heuchelei stinkt. . . Und in der\nLiteratur? Kein Presber, kein Bartsch, kein\nLandsberger bleibt hier ohne Lorbeer: dem Hein-\nrich Mann wirft man „Impotenz\" vor. Der wi-\nderwärtige Spiessbürger Eduard Engel darf sich\nkraft seines durch Stenographie und Stumpfsinn\nerworbenen Professortitels, alle Nase lang aus-\nlaichen: ein Vertreter der Jugend kam nie zum\nWort. Das jämmerlichste lyrische Geklingel füllt\nallwöchentlich die Lücken des Zeitgeistes: und\nErnst Blass pöbelt der Ulk an. Wenn zugun-\nsten des schwerkranken Peter Altenberg Gertru-\nde Barrison aus dessen Dichtungen liest, schweigt\ndieses Blatt auf eine entschieden liberale Weise:\naber dass Frau Edison in Hamburg über den\nvielen Schmutz klagte, wird voll Behagen mitge-\nteilt. Die Auburtins und die Schienther, die\nPoritzkys und Kappsteine, die Wendriner und\nLorenze regieren; und wenn es hoch kommt,\nkrähr mal der karge Lissauer. Alles in der Li-\nteratur, was unfähig, blicklos, missgünstig ist,\nversammelt sich hier zu schleimigen Bacchanalen.\nMan tanzt um die Bildsäule des bürgerlichen\nKretinismus und nimmt schmatzend Rache an\nden überlegenen Geistern. Der Chef, Herr The-\nodor Wolff, ein besserer Mensch, scheint sich\num den „Kultur\"-Teil seiner Zeitung nicht zu\nkümmern; folglich muss die Hilfe von aussen\nkommen. Dieses unsaubre Nest, dessen Düfte in\ndie Nasen Hunderttausender steigen, muss er-\nbarmungslos ausgeräuchert werden. — Eine\nFackel, Herr Waiden, muss angezündet wer-\nden. Ich halte den Gestank nicht mehr aus. Sie\nauch nicht; kein anständiger Mensch in dieser\nGegend. — Flammen, Herr Waiden, und eine\nAxt!\n\nPassion\nVon Albert Ehrenstein\nIch habe es bis jetzt nicht geglaubt, nicht\ngeahnt, es für eine betrügerische Fiktion der\nHerren Poeten gehalten — jetzt aber weiss ich\nes gründlich. Es ist doch kein sonderliches Ver-\ngnügen, ich wenigstens möchte es nicht unter\ndie Freuden des Paradieses rechnen: jenes pein-\nvolle Stehen hinter dem bekannten Pfeiler, dieses\nHarren und Warten auf ein Wunder, das noch\nim letzten Augenblick mein Leben wende, mich\nrette.\nEs ist geschehen, nichts ist dazwischen ge-\ntreten, ich habe es gesehen, mit eigenen Augen\ngesehen, wie das Mädchen, das ich liebte, liebe!\neinem fremden Manne zu Eigen gegeben ward.\nIch habe es über mich gebracht und bin\nhingegangen. Nicht etwa, um mich an meinem\nUnglück zu weiden, unter den Sturzbächen des\nLeids zu erschauern, keineswegs! Ich war eitel\ngenug, anzunehmen, zu träumen, zu wähnen, zu\nhoffen, irgend etwas würde sich ereignen, es\nwürde all dem Fürchterlichen ein für mich se-\nliges Ende bereitet werden. Nein! Nichts kam,\nnichts geschah. Nach einer von rhetorischen\nSchönheiten gewiss strotzenden Rede ging die\nDame meines Herzens in den Besitz eines Spen-\nnadelfabrikanten über . . .\nUnd ich war unter den Gratulierenden.\nAber den schäumenden Rossen, die sie davon-\ntrugen, dürfte sie mehr Gefühl entgegengebracht\nhaben, als mir, dem sie die Hand drückte.\nWann und wie ich nach Hause fand, das\nweiss ich nicht. Vielleicht war der junge Mann,\nder, als die Strassenbahn plötzlich stehen blieb,\ngedankenlos ausstieg und, seine Glacehandschuhe\nnicht achtend, Seite an Seite mit einem Konduk-\nteur und einem Schusterbuben durch kräftiges\nAnstemmen den Wagen in Bewegung zu setzen\nversuchte, vielleicht war das ich. Weiss Gott,\nüber welche Hemmung ich mir damit hinweg-\nhelfen wollte . . . Vielleicht — ach was! viel-\nleicht? Wahrhaftig: ich möchte nicht „ich\" blei-\nben\nEs scheinen einige Tage vorübergegangen\nzu sein. Wenigstens entsinne ich mich, wieder-\nholt mich aus dem Bette erhoben zu haben,\nKleider wurden von mir angelegt, die Haus-\nmeisterin hat mir auf der Stiege des öfteren „Gu-\nten Morgen\" gesagt, etwas später werden die\nKaiffeehauskellner denselben Wunsch geäussert\nhaben . . . Auch sonst dürfte meine Zeit pro-\ngrammgemäss verlaufen sein — ich meine da-\nmit nicht mein Programm, sondern die ehernen\nAufstellungen unbegreiflicher Mächte, die da über\nmeinem Haupte die Sonne steigen und fallen\nlassen, wie die Kinder einen Drachen ... Ich\nselbst habe kein Programm, keine Zukunft und\nwill keine, im Gegenteil: ich möchte mich zur\nWehr setzen gegen dieses grauenvolle Weiter-\nhasten, wenn ich nur wüsste wo? ich legte Pro-\ntest ein gegen das empörende Vorwärtsschreiten\nder Zeit und beantragte meine Rückversetzung\nin die Tage der Kindheit . . .\nUnd doch, selbst wenn dies höhernorts ver-\nanlasst würde, ich weiss, es wäre nicht anders\ngekommen.\nWie oft habe ich sie gesehen? Das erste-\nmal, als ich in dem Haus, wo sie wohnte, bei\nFreunden Domino spielte und sie errötend und\nmit einem kleinen Knicks zu uns ins Zimmer\ntrat und fragte, ob wir nicht wüssten, wo ihr\nkleiner Bruder sei. Ich war damals im Unter-\ngymnasium, sie in der Bürgerschule — wir\nstanden im gleichen Alter, das war das Tra-\ngische.\nSeit jenem ersten Male konnte ich sie nie\nsehen, ohne zu erröten. Darüber wieder är-\ngerte ich mich stets in diesen tiefen Knaben-\ntrotz, ich grüsste sie nicht, obwohl sich unsere\nEltern kannten, ja ich konnte ihr nicht begeg-\nnen, ohne den Versuch zu machen, ihr irgend\netwas anzutun. Holte ich die Freunde zur\nSchule ab — mein Herz klopfte vor freudiger\nFurcht, das Mädchen zu sehen, traf ich sie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "640", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.6", "texte": "aber einmal auf der engen Stiege, dann wich\nich ihr nicht aus und warf ihr so böse Blicke\nzu, dass ich mich noch heute wundere, wieso\ndas leicht geschreckte Kind darüber nie in Ohn-\nmacht fiel . . .\nSo blieb es. Spielte sie in ihrem Hof mit\nanderen Mädchen und kam ich vorbei, stets wa-\nren Steinchen oder Schneeballen zur Hand, die\nihr auf nicht eben zarte Weise meine Liebe,\nmeinen Hass, wie ich damals meinte, sinnfällig\nausdrückten. Später ward, es nicht besser. Ich\nward älter und progressiv gescheiter — ihr ge-\ngenüber schwand mir die Besinnung. Kam sie\nmir auf der Strasse entgegen: in ihrem Gang\nwar mehr Musik, als die Mappe, die sie in der\nHand trug und auf der dieses Wort geschrieben\nstand, beim besten Willen sämtlicher Kompo-\nnisten der Welt enthalten könnte. Sah ich sie\nvon weitem, so war ich stets von den trefflich-\nsten Vorsätzen erfüllt, es war ausgemacht, ich\nwürde mit einer artigen Gebärde den Hut lüf-\nten, das nächste Mal dieser Bewegung eine klei-\nne Verbeugung hinzufügen, sozusagen als Re-\nvanche für ihren Knicks vor Jahren ... da-\nmals, als ich sie zum erstenmal sah und dessen\nsie sich hoffentlich erinnerte . . . wie gesagt,\nich würde öfters höflich grüssen, worauf einer\nallmählichen Anbahnung beglückend näheren Ver-\nkehres nichts im Wege stünde. Dies war der\nSchlachtplan. Kam sie aber näher, sah ich, was\nnicht zu schildern ist, die klaren, blauen Au-\ngen — nein, ich will nicht daran denken, will\nmir nicht ihre Frohgestalt zurückrufen, das Haar\n. . . die unbeschreiblich feinen Hände nicht\nvor mir sehen, ich weiss es zu wohl, ich wür-\nde mich dann schuldlos fühlen, denn es konnte\ngar nicht anders sein: man musste wehrlos wer-\nden, wenn man sie sah und wenn nur meinen\ngrussbereiten Arm Lähmung befiel und nie die\nanderen ähnlich verzaubert wurden, so kam dies\ndaher, dass die andern vermutlich sie nicht lieb-\nten, sondern — und das konnte ich nicht fassen\n— das Mädchen in ihnen Sensationen natürliche-\nrer Art hervorrief.\nEin einziges Mal setzte ich es durch, sie\nzu grüssen. Sie dankte mir. „Guten Tag,\" sag\nte sie. Man findet diese Antwort banal und\nnicht des Merkens würdig? Es war das erste\nund letzte Wort, das sie an mich richtete, das\neinzige, das mir allein gehörte. Ich habe es\nmir aufgehoben . . . Denn einige Zeit nachher,\nwie klug und berechnend ich auch meine Schrit-\nte an ihrem Hause vorüberlenkte, ich konnte sie\nnie treffen, und bald darauf hiess es, sie sei et-\nwas kränklich und da habe man sie nach Aegyp-\nten geschickt, wo ihr Onkel Arzt war . . . wie\nbei mir sofort feststand: Leibarzt eines Paschas\nvon neun Rossschweifen — unter sieben hätte\nich es bei einem Onkel meiner Angebeteten ent-\nschieden nicht getan . . . Tatsache ist, dass ich,\nder damals an der Matura würgte, der einzige\nin der Klasse war, der eine Ahnung besass,\nwo Teil el Amarna liegt. Mein Interesse für\nDinge ägyptischer Herkunft war in jenen Mona-\nten sehr gross, ausgeschlossen von dieser An-\nteilnahme waren lediglich memphitische Zigaret-\nten und die ägyptische Augenkrankheit. Ich hät-\nte es nicht über mich gebracht, meine Sehn-\nsucht nach Marianne durch Surrogate zu stillen,\nzu entweihen, die aus dem Lande ihres Weilens\nstammten.\nDiese Liebhaberei ist erst später gekommen\n. . . sozusagen als Abfindung . . . Der ebenso\nvorübergehende als verhängnisvolle Aufenthalt\nMariannens hat mich — und nicht nur was\nZigaretten anlangt — zum Äegyptologen ge-\nmacht. Lächerlicherweise! . . . Denn gerade\nin diesem Erdstriche spielten sich die Vorgänge\nab, die mich seelisch arm und einsam machten,\nmich von jeder menschlichen Beziehung los-\nlösten.\nIch bezweifle sehr, dass Herr Engelbert Ko-\nkoschnigg, seines Zeichens Cafehausgast, viel von\njener sonderbaren Lähmung des Armes zu spü-\nren hatte, der ich zum Opfer gefallen bin. Von\nSchneeballen ganz abgesehen, welche Marter-\nwerkzeuge in Heluan übrigens kaum zu haben\ngewesen sein dürften: seine Art Liebe dürfte\nnie so intensiv gewesen sein, dass er sie mit\nHass verwechseln oder gar durch sinnfällige\nAnwendung von Steinchen hätte zum Ausdruck\nbringen können. Sondern vielmehr: durch ehrer-\nbietigste Entblössung einer schallenden Glatze\nwie auch durch biedermännische Bemerkungen\nüber die wechselreiche Beschaffenheit der Witte-\nrung gewann er ihr Herz in einem Grade, der\ndie gemeinsame und durch verschiedene Zeremo-\nnien einigermassen hinausgezogene Anwesenheit\nin einem Gottelhause als im beiderseitigen In-\nteresse gelegen erscheinen liess. Ich sah sie nur\neinmal noch vorher. Als ich eines Tages beim\nFenster stand und sie unten vorüberging, da er-\nschauerte sie plötzlich, nicht so sehr unter der\nübergrossen Glut meines Blickes, wie ich an-\nfänglich wähnte — ein Haftel ihres Kleides war\naufgegangen und ihr Bräutigam legte seine Hand\nauf ihre Schulter und richtete den Schaden. Da-\nmals, in dem Augenblick dieser rohen Berüh-\nrung, zu der ich wenigstens nie den Mut be-\nsessen hätte, war ich nahe daran, mich zu ent-\nfernen.\nWas mich vor dem Selbstmord bewahrte,\nweiss ich nicht. Vielleicht jene kindliche Hoff-\nnung auf ein Wunder. Ich bin mit wenigem\nzufrieden. Nicht um Schmerzen zu erdulden,\nging ich zur Trauung. Als ich ihr gratulierte,\nstand ich ihr nahe. Als ich ihr gratulierte, hielt\nich das einzige Mal ihre Hand in meiner. So\nein Wüstling bin ich. Wenn das Mädchen, das\nich liebe, sich in Aegypten verlobt, werde ich\nAegyptologe.\n\nBeachtenswerte\nBücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt.\nDr. MAX ZERBST\nDie vierte Dimension / Skizze einer Theorie\nMünchen / Verlag Max Steinebach\nDr. MAX ALSBERG\nDer Fall Bayros und Dr. Semeram\nBerlin / Verlag Alfred Pulvermacher und Co.\nFRIEDRICH HÖLDERLIN\nAusgewählte Briefe\nJena / Verlag Eugen Diederichs\nWALTER HEYMANN\nNehrungsbilder / Gedichte\nDeutschherrenverlag / Königsberg i. P.\nJOHN KEATS\nGedichte / Englische Dichter Band I\nIn Übertragung von Alexander von Bernus\nKarlsruhe / Dreililienverlag\nEDUARD PLIETZSCH\nVermeer van Delft / Mit fünfunddreissig Tafeln\nLeipzig I Verlag Karl W. Hiersemann\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nBBBBBBBBBBBRB\nIfcj\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nSummer 331/332\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\nBBBBBBBBffiHHBfI\n\n\\k\nVerlag „Der Sturm\"\nt \\\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiirGesang u.Klavier/52Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee/Katharinenstrasses\n\nLesCahiers da Centre\nMonatsschrift fiir Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u. Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nBBBHMBBBMHHfcaaBBgeaBKBHBaaBBBBBWWaSr\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier)Frankreich\n\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag und Redaktion :\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\nBBBBBBOBSBa\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die iibrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "641", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.7", "texte": "Maximilian Macht\nBuch- und Kunsthandlung\nBerlin W. 50 Ranke-Strasse I\nan der Kaiser Wilhelm Gedachtnis-Kirche\nJournal-Lesezirkel\nAussteilungen der Neuen Sezession\nVerlag Zeitschriften\nKataloge umsonst"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "642", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111007-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nElse Lasker-Schiiler^J\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Butten gebunden\nDrei Mark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig\n\"\n\nPreia 1 Hark Preta 1 Mark\nMenthol-Malz-Dragees\nSicheres Mittel gegen akuteKatarrhe der Atmungs-\norgane / ermoglicht Schauspielera und Sangera\nsofortigera Gebrauch der erkrankten Organe\niHiu ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN\nZa haben In allea Apotheken and Drogerien / Alleinlge Fabrlkaatln\n..Pharmacia\" / Fabrik ffir pharmaceatischeo Bedarf / Berlln-Halentee\nWohlschmeckemd Sicher wirkend\n■ m\n\nVerlag Der Sturm\nDie Abonnenten unserer Wochen-\nschrift werden hoflichst um Einsendung\ndes ialligen Betrages gebeten. Er\nBestellungen auf den Sturm an\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer 1 bis 56 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei\n\nPressrelationsbnrean flansa\nBerlin NW 28 Holsteiner lifer 7\nliefert alle Nachrichten iiber\nKnnst, Literatnr, Wissensehaft\nin jeder Hinsicht imbediiigt zuverlassig.\n:: Akademisch und literariseh gebildete Lectoren ::\nTorziigliche Organisation\nI Fernsprecher Berlin II 6121\n\nViolinspieler (Dilettant)\nsucht Musikliebhaber (Klavierspieler)\nzur Begleitung\nOfferten unter E. H. an die Redaktion des „Sturm\"\n\nZweiter Abend\nSonnaM den 28, OMote\nabends 8 Uhr\n:: Architektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nGERTRUDE\nBARRISON\nVereinrarKunst\nAcMes Jahr\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM3— zu, sowie der\nkostenlosejahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. Fur alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nGeschaftsstelle des V. 112. K.\nHALENSEE, Katharinen - Strasse No. 5\nKarteri M 5, 3, 2, I bei\nWertheim, Konzertkasse\nMr\n3®\n\nCASPER'S Knnst-Salon\nEintritt 50 Pfennige Potsdamer Strasse 19\nNeu ausgestellte Gemalde:\nA. Allard Forain . W. Leistikow Coutts Michie\nH. Cassiers V. Gilsoul M. Liebermann C. Pissarro\nL. Corinth H. Herrmann A. von Menzel F. Skarbina\nF. Charlet J. B. jongkind Bern, de Monvel J. Smits\nH. Daumier Le Gout-Gerard Monticelli F. Thaulow u. a.\nSkulpturen von Max Kruse, M. Buchanan, L. Mascre u. a.\nGrosste Auswahl mod. Graphik fur dekor. u. Sammelzweke\n\nAm i. Oktober erschien Heft i:\nDer Sprecher\nFaehsehrift fur Vortragskunst\nund das gesamte\nV ortr agswesen =====\nOrgan fflr die deutsche Rednerschaft und die Vereine\nmit literarischen, wissenschaftlichen oder\nkfinstlerischen Bestrebungen\nErscheint am 1. und 15. jeden Monats\nAbonnement vierteljahrlich Mk. 1.20\nEinzelnes Heft (auch als Probenummer) 25 Pfennig\n| Verlag „Der Sprecher\" Charlottenb. 1, Spielhagenstr. 7a\n\nDr. Rudolf Bliimner\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. Rolienstudium\nCHARLOT lENBURG Sprechstunde: 5—6 Uhr\nRoscherstrasse 3\n\n.£s\"Kn» Friedr. Mester Leipz>g\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ncepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundhche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmSnnischen Berufes, rationales\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein niehr-\niahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl far junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir r:.; .\nHerren mit besseren praktischen oder theoretlschen Vorkenntnlssen, Einjahrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die berelts praktisch tSHg waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Geseiischaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johaanlsplatz 5\n\nDie Wasserkraft\nZentralblatt fiir Industrie,\nIngenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro=\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriker.\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in derWasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Marz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht\n\nI\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer ::\nEssays\nDurch al^e Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMiinchen\n\n112 1\nEdmund Meyer\nBuchMndleriLAntiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotadamerstrasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfiir Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog XXVIII (Varia)erschienen\n\nVegetariselies Gastliaus\nFREYA\nI Charlottenburg j\n5 Bismarckstrasse 9 ■\nAm Knie\n□ □\nEl\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet"}]}