{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_sha256": "1c7d65ea4426a70c9847ce57f589ebe8ce5a23e4031342e70e396ba67f7e2cb9", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/10/14_01/bmtnabg_1911-10-14_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/10/14_01/bmtnabg_1911-10-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.1", "debut_caractere": 508, "fin_caractere_exclue": 1001, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Aus der Zeit für die Zeiten: Stuttgart endgültig entdeckt / Ist der Bohemien wirklich lustig / Zur gefl» Auswahl® / Was Bismarck\nnicht beabsichtigte / Der Oberlehrer und die jungen Geister / Der Dramaturg / Edison / Die Zeugen / PAUL SCHEERBART: Die Schlachtpomade /\nELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / ALFRED DÖBLIN: Gertrude Barrison / WALTER HEYMANN: Glasmalerei / VIKTOR v. 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Kurt Aram hat den\nVogel, der in den Zweigen singt. Mit ihm be-\nhaftet ist es ihm gelungen, Stuttgart endgültig\nzu entdecken. Nach einigen historischen Aus-\nführungen und statistischen Anmerkungen weckt\ner das Interesse des Lesers für die geologischen\nVerhältnisse. Man erfährt zu seiner Beruhigung,\ndass Stuttgart über eine „würdige\" Wasserversor-\ngung verfügt, hingegen leider die Fäkalien durch\ndas sogenannte pneumatische Abfuhrsystem be-\nseitigt werden. Es ist aber Hoffnung vorhanden,\ndass auch in Stuttgart das längst gebräuchliche\nSchwemmsystem durchgeführt werden wird. Al-\nlerdings ist „die Entwicklung der Stadt der\nEntwicklung ihrer Kanalisation längst über den\nKopf gewachsen.\" Trotz erheblicher Opfer.\n„Nicht wenige tüchtige Männer in der Stadtver-\nwaltung haben ihre besten Kräfte aufgerieben,\num in Dingen wie Kanalisation und dergleichen\nschneller voranzukommen.\" Die tüchtigen Män-\nner haben offenbar die Dimensionen verwechselt.\nAber schön denke ich es mir auch nicht gerade,\nwenn einem die Kanalisation über den Kopf\nwächst. Selbst Kurt Aram wird hierüber philo-\nsophisch: „Der Apparat selbst ist stärker als\neinzelne Menschen. Er kommt der demokrati-\nschen Auffassung und der schwäbischen Debat-\ntierlust entgegen.\" Was könnte man den Stutt-\ngartern und ihrer schönen Stadt wünschen? „Dass\nes nicht weitere vierzig Jahre dauert, his die\nSchwemmkanalisation glücklich durchgeführt ist.\nNach dieser ziemlich schmierigen Geschichte stellt\nHerr Aram mit Begeisterung fest, was alles in\nStuttgart „blüht\". Rings um die Altstadt blüht\ndie Industrie, Kleinmaschinenfabriken, Webereien,\nKorsettfabriken, Motorwerke. Auch heute noch\nblühen an den Hügeln die Reben. Ferner blü-\nhen die vortrefflichen Mädchenschulen, die\ntüchtigen Baumeister, die Bildung, die Kunst\nund die Literatur. „Kein Mensch wundert\nsich, dass hier so manche Dichter das Licht\nder Welt erblickten.\" Sogar Jean Paul liess\nsich zu einem Ausspruch hinreissen: „Stuttgart\nwurde mir je länger je lieber.\" Das klingt bei-\nnah so, als ob Jean Paul Aramischen Geblütes\nwar. Selbst Goethe ist in Stuttgart nicht wieder-\nzuerkennen. An einen Stuttgarter Bildhauer\nschrieb er nach Aram: „Nun habe ich Tage ver-\nlebt, wie ich sie in Rom lebte.\" Der Geist des\nLokal-Anzeigers scheint rückwirkende Kraft zu\nhaben. Besonders rührend sorgt Stuttgart für seine\nBürger: „In den Volksschulen sind für alle Schüler\nLehrmittel frei. Die Stadt kommt dafür auf und\nglaubt damit ihren Bürgern eine besonders wert-\nvolle Gabe in die Wiege ihrer Kinder zu\nlegen.\" Die Stadtverwaltung sollte noch ein\nübriges tun und den Säuglingen ausser den Lehr-\nmitteln als geistiges Nährmittel, auf kaiserlich\nJapan-Papier gedruckt und in Leder gebunden\nden Singsang von Kurt Aram über das Blühen\nStuttgarts in die Wiege legen. Die Säuglinge\nwissen, wie man mit solchen Dingen umgeht.\nAber ich wette: Stuttgart bekommt doch noch\nseine Schwemmkanalisation.\nIst der Bohmémien wirklich lustig?\nKein geringerer als unser Otto Ernst be-\nschäftigt sich mit dieser „Frage\". Zu ihrer Lö-\nsung hat er eigenhändig ein Drama verfasst,\nnein, sogar ein „Tragikomödie aus der Boheme.\"\nMit dem durchaus poetischen Titel: Die Liebe\nhöret nimmer auf. Otto Ernst will mit seiner\nTragikomödie nichts anderes beweisen, als dass\ndie Worte, der lustige Bohemien ein Cli-\nchee sind. Otto Ernst behauptet kühn, dass die\nClichees „der edle Räuber, der grossmütige Lö-\nwe, die hochherzige Kameliendame viel wah-\nrer und glaubhafter sind.\" Aus ist es\nmit dem lustigen Bohemien. Merkwürdig bleibt,\ndass dem Dichter Otto Ernst (auch ein unglaub-\nhaftes Clichee) aus der grossen deutschen Fa-\nbrik gerade der lustige Bohemien auf das Ge-\nhirn gefallen ist. Ihm will er durchaus die Lu-\nstigkeit nehmen. Und wenn er eine bitterbös ge-\nmeinte Tragikomödie darüber schreiben müsste.\nDie Handlung wird in Zeitungsberichten dem\nDichter zum Trotz in feuerfesten Clichees illu-\nstriert: Ein Mädchen aus guter Familie (1) ver-\nliebt sich rettungslos in einen mit grossen Vor-\nzügen des Leibes und der Seele (2) nur nicht mit\nWillenskraft und Beständigkeit ausgestatteten (3)\nKünstler und Bohemien (4), den feucht-fröhli-\nchen (5) Bruno (6) Sie glaubt wie er an alle\nschönen Worte (7) der Zigeunerphilosophie (8)\nund muss den bittern Kelch (9) ihres Irrtums\nund seiner Folgen bis zum tiefsten Grunde lee-\nren (10). Und das ohne Murren (11), da sie\nihr Schicksal mit sehenden Augen (12) gewählt\nhat (13). Ihre Liebe aber, die sie elend ge-\nmacht hat (14) und die doch nicht aufhören kann\n(15, die Liebe höret nimmer auf, vaschteste)\nreisst sie mit Allgewalt wieder empor (16) und\nmit ihr den Geliebten, der zu ehrlich gegen die\nWelt und gegen sich selbst ist (17 18), um die\nfeucht-fröhliche (19) Lüge seines Lebens (20)\nnicht wenigstens zu erkennen und zu bekennen.\n(21) Ein gut assortiertes Lager. Otto Ernst sieht\nvor Clichees ein Clichee. Das Mädchen aus gu-\nter Familie hat es sich so schön gedacht mit der\nZigeunerphilosophie. Immerhin bleibt es für sie\nerfreulich, dass sie nur den bittern Kelch sei-\nner Folgen leeren muss. Der nicht mit Bestän-\ndigkeit ausgestattete Künstler und Bohemien hat\njedenfalls gelernt, dass die feucht-fröhliche Lüge\nseines Lebens die Folgen einer Tragikomödie\nvon Otto Ernst haben kann. Dass er sich nicht\nmehr der lustige Bohemien nennen darf, sich\naber dafür an den grossen Vorzügen seines Lei-\nbes und seiner Seele erfreuen kann, und dass er\nder Weisheit letzten Schluss gefunden hat: Die\nLiebe höret nimmer auf.\nZur gefl Auswahl\nOtto Ernst hat ein Clichee entdeckt. Um\nihm und allen gleichwertigen deutschen Dichtern\nMaterial für zahllose weitere Dramen zukommen\nzu lassen, eröffne ich hier ein Detailgeschäft in\n„erstklassigen\" Clichees zur gefl© Auswahl. Da\ndie Eigentümer meistens verstorben sind, trägt\ndas Geschäft den Charakter eines Gratis-Ausver-\nkaufes. Der Erfrischungsraum befindet sich au-\nsserhalb dieses Raumes. Das Schaufenster wird"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "644", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9228, "texte": "durch zwei dicke Punkte ausdrücklich in Wett-\nbewerb gestellt. Das erste Lager habe ich mir\ndurch Herrn Reinhold Cronheim beschafft. Er\nbewirft Hardens Köpfe mit Clichees, die sie auch\nwirklich verdient haben: Starker Eindruck. Na-\nturgemäss. Begreifliche Spannung. Trefflich aus-\ngestattet. Allgemeine Wirkung. Grosszügige\nKünstlerschaft. Minutiöser Kleinmaler. Sorg-\nsame Filigranarbeit. Packend und überraschend\nhingeworfene grosse Silhouette. Der Denker und\nnicht zuletzt der Dichter. Die physische Kraft,\ndie in seinem Stil liegt. Die Fülle des verarbei-\nteten Tatsachenmaterials. Die Kühnheit der Bil-\nder. Die Treffsicherheit und Eleganz des Aus-\ndrucks. Eine schwer definierbare Wirkung. Der\nhingerissene Leser. Der Zenit des Lebens über-\nschritten. Die meisterliche Darstellung. Das dra-\nmatisch belebte Bild. Der innere Trieb der Hand-\nlungen. Das Bild hat im Laufe der Jahrzehnte\nnichts von seiner Frische eingebüsst. Das be-\nrechtigte Selbstbewusstsein des Verfassers. Har-\nden zeigt sich in seiner ganzen Eigenart. Der\nfeine Psychologe. Der ausgesprochene Partei-\nmann. Die herrlichste Verteidigung. Seit jenen\nereignisreichen Tagen. Das Meer der Ewigkeit.\nDer eiserne Kanzler. Die grösste Meisterschaft.\nDie gesponnenen Intriguen. Mit feinen Händen\nden Knäul lösen. Der rückhaltlose Bewunderer.\nDas Genie, das Bismarck zu eigen ist. Der Leit-\nstern seiner beispiellosen Erfolge. Des alten Kai-\nsers ehrwürdige Gestalt und schlichte Anspruchs-\nlosigkeit. Trefflich gelungen. Das heisse agres-\nsive Temperament. Der klare Einblick in die ver-\nwickeisten Verhältnisse. Das vielseitige Wissen.\nDie abgeklärte hinreissende Diktion. (Hier be-\nmerkt mein Lieferant Cronheim: Nun andere\nBilder! aber er meint es nicht so schlimm): Das\ntreffliche Bild. Die wahre mutige Politik. Das\ninstruktive Feuilleton. Der eiserne Kanzler. Der\nwirkliche Poet. Die hingeworfene Skizze. Ein\ntiefer ernstpolitischer Kern. Eine gewisse Elegie.\nDer stattliche Band. Der echt Hardensche Geist,\nder in seiner Wucht und in seiner Charme er-\ngreift und prickelt. Ein interessierender Kämp-\nfer, der mit den Schätzen seines gei-\nstigen Rüstzeuges packt und hinreisst.\nDer eigenartige Mannl. Das Kaleidoskop des\nErlebten. Ein aussergewöhnlicher Mensch.\nZur gefl. Auswahl! Zur gefl. Auswahl!\nWas Bismarck nicht beabsichtigte\nBerliner Lokal-An zeiger;\n„Eines aber ist Harden trefflich gelungen —\nund das ist der Nachweis, dass es Bismarck\nniemals in den Sinn gekommen ist, neben oder\nüber der Dynastie Hohenzollern „eine Dy-\nnastie Bismarck zu etablieren.\" Das\nEtablissement war vollständig vermietet. Dafür\nhat aber Harden Bismarcks Zukunft begründet.\nDer Oberlehrer und die jungen Geister\nDass die Oberlehrer die Kunst „fördern\"\nhat man nie erwartet oder verlangt. Aber die\nOberlehrer begnügen sich nicht damit, Sie sind\nim Stande, der „reiferen Jugend\" ihren Unsinn\nfür Kunst auszugeben. Man, schickt mir eine\n„Monatsschrift für die geistige Fortbildung und\nBetätigung der reiferen Jugend,\" mit dem sym-\npathetischen Titel „Junge Geister\" zu. Herausge-\ngeben von einem Oberlehrer und seiner Ehefrau.\nDie reifere Jugend wird belehrt, dass Glaube\nund Heimat, der bekannte Kitsch von Schön-\nherr, „in jeder Hinsicht ein gewaltiges Werk\nist. Und es ist ein gutes Zeichen für den Ge-\nschmack unserer Zeit, dass die Qualität des Wer-\nkes im richtigen Verhältnis zum Erfolg steht.\"\nDer Oberlehrer hat das Empfinden, dass un -\nse r e Sorgen und Leiden doch recht geringe\nfügig sind, im Vergleich zu diesen Gewissens-\nnöten und Kämpfen. Der Oberlehrer hat das\nEmpfinden, dass die Ueberkultur unsere sittli-\nchen Kräfte aufgezehrt hat, dass wir keinen rech-\nten Glauben, keine rechte Heimat mehr haben,\nDer Oberlehrer hat das Empfinden, dass uns\nüber diese Tatsachen keine grossen Worte von\nAufklärung und Freiheit vom Weltbürgertum und\ndergl@ hinweghelfen. „Andererseits ist der Ober-\nlehrer glücklich, dass die Kunst durch Schön-\nherr endlich „ihrem Sonderdasein entrissen und\nins Leben hineingetragen wird.\" So wird die\nreifere Jugend über Kunst aufgeklärt. Wie\nder Oberlehrer sich die Kunst denkt, zeigt die\nkleine Skizze, die er für junge Geister in seiner\nZeitschrift veröffentlicht:\nDie Königin\nIm Park rauschten tausendjährige\nEichen und irgendwo sang eine Nachtigall ihr\nsehnsuchtsvolles schwermütiges,\nLleb e s 1 i ed. —\nAn der Marmorsäule lehnte die Königin.\nAuf ihrem goldenen gleissenden Haar\nspielte und tanzte der Mondschein und balgte\nsich mit der klaren kühlen Nachtluft. —\nEr ist doch schöner, wie du und — un-\nvergänglich. Die Königin blickte zum Nacht-\nhimmel auf, ihrer sieghaften Schön-\nheit sich voll bewusst. Der Mond lä-\nchelte kalt und boshaft und beugte sich vor ihr.\nSchönste Königin!\nAuch er, — ein stolzer Zug legte sich um\nihren vollen Mund — mein Sklave. Sie lachte\nspöttisch und beugte sich über die Brüstung.\nWo bleibst du, Geliebter! Die süsse Nacht warL\ntet nicht. —\nEin Schatten trat hinter einer Säule hervor.\nFiebernde Augen sahen nach der Königin. —\nWie unvergleichlich schön sie ist.\nDoch sie muss —!\nWaren das nicht Schritte? —\nScharf blickte sie in die Nacht hinaus.\nGeliebter! — Ihre Brust hob sich in\nseliger Erregung. — Er kommt, kommt\nin meine Arme!\nDirne, hier ist er! Ein kalter Stahl\nblitzte auf. Die Königin brach zusammen. Ihr\nletzter Blick traf den boshaft lächelnden Mond. r—\nIm Tode am schönsten! —\nHastig entfernte sich ein dunkler Schatten. —\nIm Park rauschten tausendjährige\nEichen und irgendwo sang eine Nachtigall ihr\nschwermütiges sehnsuchtsvolles\nLiebeslied.\nSoll sich die reifere Jugend durch diese No-\nvelle zur Fortbildung oder Betätigung angeregt\nfühlen? Doch sie muss! —\nDer Dramaturg\n„Unsere theatralischen Gelehrten zerbrechen\nsich seit langem den Kopf darüber, welche Auf-\ngaben und Pflichten ein Dramaturg hat.\" Den\nGelehrten und dem Lokal-Anzeiger kann gehol-\nfen werden. Aufgaben und Pflichten des Dra-\nmaturgen sind, den Direktor zu verleugnen und\nzu telefonieren.\nEdison\n„Man sieht rasch, dass Edison auf Aeusser-\nlichkeiten sehr wenig Wert legt, denn er trägt\neinen Anzug von so grosser Einfachheit, dass\nman Farbe und Schnitt überhaupt nicht bemerkt.\nUnd doch fühlt man leicht, dass dieser Mann\neine Persönlichkeit ist.\" Menschenkenntnis. Edi-\nson trotz einem einfachen Anzug für eine Per-\nsönlichkeit zu halten, der Interviewer verstehts.\nAber blicken kann der Edison. „Sein ernster\nBlick fügt hinzu: ihr seid eine grosse industri-\nelle Macht; ich habe Hochachtung vor eurem\ngewerblichen Schaffen.\" Hochachtung vor sol-\nchem Blick. Hochachtung auch vor seiner Stirn.\n„Hinter dieser Stirn ist Raum für einen umfang-\nreichen Denkapparat und Edison, der sich ja\nauf Apparate versteht, hat auch diesen ihm von\nder Natur geschenkten wohl zu benutzen ver-\nstanden.\" Der sich ja. Ja. Ja. So ein Denkap-\nparat imponiert dem Berliner Tageblatt. Aber\nmit der gütigen Natur sind keine Geschäfte zu\nmachen. Sie verschenkt ihre Ware nach Ermes-\nsen. Und wem sie versagt wird, der kann sich\nwenigstens dank Edison ein Grammophon für\ndrei Mark und fünfzig kaufen. Soviel bringt ein\nInterview mit Hochachtung noch immer ein.\nDie Zeugen\nDer Zeuge Edmund Edel versuchte in dem\nMetternich-Prozess vor Gericht als Humorist auf-\nzutreten, Er bekundete unter Eid, dass das Essen\nbei Wolf Wertheim schlecht sei. Das Gericht\nhatte glücklicherweise keinen Sinn für Humor\nund Herr Edel wurde energisch angeranzt. Der\ngrosse Dichter Edel, der in der B. Z. am Mit-\ntag über Kravatten schreibt und zwar für die\nFirma Edmund Wünsch. Geradezu kosmisch\nschreibt er über die Kravatte: „Der gewaltige Auf-\nschwung der Grossstädte, das allgemeine Nivel-\nlierungsystem unserer Tage hat den Surrogaten\nauf allen Gebieten günstigen Boden geschaffen.\nDie Cravattenindustrie nährt diesen Boden lei-\nder in ganz besonderem Masse. Der\nelegante Mann verzichtet auf die Billigkeit und\nwählt die Cravatte guter Qualität und guter\nMarke.\" Herr Wünsch scheint nicht den Boden,\nsondern Herrn Edel leider in ganz besonderem\nMasse zu nähren. Oder spricht der Dichter so\nmit dem Recht der Ueberzeugung? So gut kann\nman garnicht nur für Ueberzeugung dichten.\nDen Kravattendichter Edel hat offenbar sein Kol-\nlege Herr Doktor juris Artur Landsberger, in\ndas Haus Wolf Wertheim eingeführt. Herr Dok-\ntor Landsbergerist bekanntlich über Hilde Si-\nmon, Gott, Teufel und Moral entrüstet. Herr\nDoktor Landsbergerist im Metternich-Prozess\nnicht als Zeuge erschienen. Krankheitshalber. Er\nhat vielmehr dem Gericht einen Brief geschrie-\nben, dass er auf keinen Fall etwas gegen\nseine frühere Frau Dolly aussagen würde und\nsich im übrigen auf Herrn Harden berufen. Sein\nSekretär beschwor dagegen, dass Herr Harden\nvon der ganzen Geschichte nichts wisse. Herr\nDoktor Landsberger will „chevaleresk\" wirken,\nund „literarisch\". Literarisch dadurch, dass er\nsich auf Herrn Harden beruft und auf den Kra-\nvattendichter Edel, chevaleresk dadurch, dass er\nauf keinen Fall etwas gegen Frau Dolly\nLandsberger aussagen will. Vielleicht könnte\nFrau Dolly Landsberger, die übrigens besser und\nganz anders ist, als ihr Ruf bei diesen Dich-\ntern und Kravattenschiebern gegen den Doktor\nArtur Bände zwar nicht schreiben, aber aussa-\ngen Nur nicht chevaleresk tun, meine Herren,\nnur nicht literarisch sein, meine Herren. Nicht\njeder Zeuge wird krank. 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Und flugs sagte Ziru-\ntu zu seinen Getreuen:\n„Lassen wir die Feinde für eine Weile in\nRuhe. Die werden ja doch geschlagen. Auf!\nEilen wir den Löwen nach. Wir wollen sie alle\nlebendig fangen und dem König nachher beim\nAbendschmaus zu Füssen legen. Das wird dem\nKönig ein viel grösseres Vergnügen bereiten als\ntausend frisch abgehauene Aegypterköpfe.\"\nUnd wie Zirutu gesagt, so geschah's; er\ntrennte sich von der Schlachtlinie mit seinen be-\nsten Freunden und jagte den Löwen nach und\nfing tatsächlich fünf Stück lebendig.\nDie Freude des Königs Asarhaddon*) beim\nAbendschmause nach geschlagener Schlacht war\nausserordentlich.\nZirutu bekam ein Ehrenkleid und dreissig\nPfund reines Gold. Und danach dachte dieser\nkühne Feldherr nur noch daran, die sehr aparten\nLaunen seines königlichen Onkels zu befriedi-\ngen Der Onkel war ein grosser Weltmann und\nin Ninive zeit seines Lebens tonangebend in al-\nlen Modeangelegenheiten.\nUnd beim achten Becher sagte der Neffe\nleutselig zu seinem königlichen Oheim:\n„Onkel, deine Tapferkeit in allen Ehren —\ndu schlägst dich wie ein Löwe. Den Aegyptern\nwird ungemütlich zumute. Das schlimmste ist\nnur, dass sie uns noch öfters auskneifen werden.\nUnd wir müssen sie verfolgen. Das gibt noch\neine Reihe von Schlachttagen — es können noch\ndrei oder vier sein. Hast du nun auch, lieber\nOnkel, die nötige Schlachtpomade mitgenommen?\nDenn — bei dem Verfolgen der Feinde werden\nwir noch manchen Schweisstropfen vergiessen.\nUnd die Spuren davon müssen verwischt wer-\nden durch unsere neue Schlachtpomade, die wir\nin Ninive erfunden haben. Sie ist mächtig teuer\n— diese stark duftende Pomade. Hast du noch\ngenug davon, lieber Asarhaddon?\"\nDa erwiederte der König mit gerümpfter\nNase und runtergezogenen Mundwinkeln:\n„Lieber Zirutu, teuer ist ja unsere Schlacht-\npomade in Ninive. Aber sie gefällt mir nicht\nmehr. Dieser schlechte Geruch auf den Schlacht-\nfeldern muss durch andere Wohlgerüche über-\ntäubt werden. Diese Pomade ist in Ninive, aber\nnicht auf einem Schlachtfelde erprobt worden.\"\nDas letzte hatte der Feldherr Nergal gehört;\ner stand wartend hinter dem König und sagte\nals der ausgeredet hatte:\n„Erhabener Herrscher! König der Heerscha-\nren! Mein starker König, vor dem die Feinde\nfliehen. Die Feinde sind vor dir geflohen. Aber\nsie sammelten sich im nächsten Dorfe und be-\nreiten einen Nachtangriff auf unser Lager vor.\"\n„Zu den Streitwagen!\" brüllte der König,\n„wir wollen den Aegyptern zeigen, welche Män-\nner die Mächtigen auf dieser Erde sind.\"\nAlle Feldherren und Offiziere sprangen auf,\nfuhren mit den Händen durch die gekräuselten\nHaare, schmissen die goldenen Trinkbecher den\nSklaven zu und griffen nach Schwert und Lanze,\nHelm und Schild und sprangen bald draussen\nauf ihre Schlacht wagen.\n*) Regierte 681—668 vor Christo\nUnd bald dachte kein Mensch mehr in der\ndunklen Nacht an die Schlachtpomade des Kö-\nnigs. Die Fackeln flackerten, und man stiess in\nder Dunkelheit abermals auf den Feind. Das\nergab ein wüstes Schlachtgetümmel. Die Fackeln\nmussten sehr bald gelöscht werden, denn die\nPfeile der Aegypter trafen viele der assyrischen\nKrieger und auch zwei Feldherren. Selbst der Kö-\nni:g erhielt einen Streifschuss am linken Oberarm\nneben der Goldspange. Die Wunde wurde\nschnell verbunden.\nAber — das Schlachtgewühl in der Dunkel-\nheit war ganz entsetzlich.\nAls der Morgen graute, wandte sich der\nFeind abermals zur Flucht.\nUnd unzählige grauenhaft verstümmelte Lei-\nchen bedeckten das Schlachtfeld.\nDer König hielt sich die Nase zu, sprang\nwieder auf seinen Streitwagen und raste davon\nin das nächste Dorf, wo gleich ein Lager auf-\ngeschlagen wurde.\nDer Feldherr Nergal hatte gesehen, dass der\nKönig sich die Nase zugehalten hatte. Er rief\nim Lager seine Sklavin Kidimuti zu sich und\nerzählte ihr von der Schlachtpomade und fragte\nsie, ob sie nicht eine bessere, stärker duftende\nPomade hätte, die imstande sei, in Wahrheit die\nüblen Gerüche eines Schlachtfeldes zu übertäuben.\nKidimuti, eine braune, sehr schlanke Schön-\nheit aus dem Innern Arabiens, sagte in ihrer ge-\nbrochenen Sprache:\n„Hab' viel gehört von Pomade — bei uns\nzu Hause. Weiss wohl, wo beste Pomade zu\nfinden. Dort — hinter Bergen — wo Sonne\naufgeht. Da auf grossem, stillem Wasser — in\nBarke — bei Mondenschein — wenn Flöte zu\nhören — da kennt man Salben und Pomade und\ngutes Räucherwerk. Hier nicht. Hierzuviel Wild-\nnis. Werde dir sagen, wenn's so weit ist. Still\n— auf grossem Wasser — in Barke — bei Mon-\ndenschein.\"\nUnd dabei sah sie träumerisch in die heiss\nbrennende Sonne. Und Nergal ebenfalls.\nDer aber wusste nicht, was Kidimuti mein-\nte; während sie sprach, wurde ihm alles unklar,\nund er legte sich auf einen Haufen Stroh und\nwollte einschlafen.\n„Kräusle mir die Haare!\" sagte er noch —\ndann war er weg und schlief und träumte von\nwiehernden Rossen, von klirrenden Schwertern,\nsurrenden Pfeilen und krachenden Lanzen.\nKidimuti aber kräuselte ihrem Herrn Bart-\nund Haupthaare und sang dazu ein altes ara-\nbisches Beduinenlied, das von den Schlachten in\nder finsteren Wüste handelt — in jener Wüste,\nin der die Sterne nachts so hell funkeln, dass\nman sich deutlich sehen kann, auch wenn der\nMond nicht scheint.\nUnd Nergal schnarchte.\nNun gab's aber für das Heer des Königs\nAsarhaddon nicht drei oder vier Schlachttage,\nsondern vierzehn Schlachttage hintereinander. Bis\nvor die Tore von Memphis trieb der König die\nimmer wieder fliehenden Aegypter. Das war ein\nLaufen und ein Schlagen — ohne Rast — im-\nmerzu. Fünfmal verwundete Asarhaddon den\nPharao Tarku. Und der war froh, als die Tore\nvon Memphis hinter ihm zugeschlossen wurden.\nBei Memphis sah die Kidimuti den grossen\nNil, und sie sagte gleich geheimnisvoll zu ihrem\nFeldherrn:\n„Hier Wasser still. Und hier auch duften-\ndes Wasser — sehr viel. Frauen werden flie-\nhen auf dem Wasser. Jetzt sei du Wasserjäger.\nLass Frauen in Ruh. Lass sie dir nur Salben\nund Schlachtpomade geben. Sei zufrieden da-\nmit. Kehr' um. Gib an König. Dann macht\ner dich zum Statthalter in Aegypterland. Und\nich bin dein ganz grosses Frau.\"\njetzt verstand Nergal.\nUnd er handelte, wie die Kidimuti gesagt\nhatte.\nNachts, als der Mond schien, streifte er in\nKähnen auf den Wassern des Nils umher und\nfand eine Barke — mit Frauen.\nDie waren froh, als er nur ihre Salben und\nPomaden wollte, gaben ihm gleich Nachricht,\ndass noch fünf andere Barken kommen würden,\nin denen noch mehr Salben und Pomaden seien.\nKurzum: Nergal brauchte noch zehn andere\nKähne, um all die ägyptischen Büchsen und Do-\nsen unterzubringen.\nUnd als Asarhaddon sich am nächsten Ta-\nge frisieren liess — von zwanzig Sklaven, da\nkam der Feldherr Nergal — mit seiner Schlacht-\npomaden-Karawane und sagte nur:\n„Hier, Herr, das Bessere, das du wünschest.\"\nDa wurden alle die Elfenbeintuben und die\nHornfässerchen und die Säckchen aus der Haut\ndes Krokodils, und die Alabasterdosen, und die\nbunten Glasflaschen von kundiger Hand geöffnet\nund der Geruch geprüft.\nUnd man fand bald so köstliche Kostbar-\nkeiten, dass der König immer heiterer wurde und\nseinem Feldherrn Nergal immer mehr Gold und\nEdelsteine und andere im Krieg erbeutete Sachen\nschenkte.\nUnd schliesslich bekam Nergal die Stelle ei-\nnes ägyptischen Statthalters mit Königsgewalt.\nUnd Kidimuti sagte im Mondenschein:\n„Alles das wusste die Kidimuti. Sie ist die\nFrau, die kann schauen in Zukunft. Geheimnis-\nvoll ist Kidimuti wie die Sphinx, die drüben da-\nliegt im Mondenschein zwischen den vielen Py-\nramiden.\"\nZirutu wurde ganz grün vor Neid.\nMemphis wurde vierzehn Tage später im\nSturm genommen von den Heerscharen des Kö-\nnigs Asarhaddon. Der Pharao Tarku geriet in\nGefangenschaft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "645", "page_fin": "646", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.4", "titre_corps": "Briefenach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefenach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker=Schüler ; Euer Pechvogel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "645", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.3", "debut_caractere": 7909, "fin_caractere_exclue": 9090, "texte": "Briefenach Norwegen\nVon Else Lasker=Schüler\n\nLiebe Renntiere. Ich freu mich so auf\nEuer Geweih! Aber ich dachte mir gleich, dass\nIhr so leicht nicht von der Schlittengegend fort-\nkämet. Und habe also zu früh Schluss mit mei-\nnen Briefen an Euch gemacht. Uebrigens emp-\nfing ich schon viele bedauernde Anfragen des-\nwegen. also bleibt noch, friert ein ein bischen.\nGanz recht, ich werde anfangen, meine Briefe\nan Euch zu sammeln und sie später unter dem\nTitel „Herzensbriefe, alleinseligmachender Liebes-\nbriefsteller, Gesetzl. Gesch. herausgeben. Vorwort:\nAlle bis dahin vorhandenen Stellen hinterlassen\nUebelkeit und Magendruck. Und den Deckel\nmuss mir ein Porzellanfabrikant zeichnen, ein\nPärchen zwischen bunten Zwiebelmustern. Oester-\nheld und Cohn sagen, dass ist meine erste ver-\nnünftige Idee, nur ihr Lektor Knoblauch war\nempört darüber. Der Verlag hat sich aber noch\nnicht erholt von dem Reinfall in meine Wup-\nper: Und was meint Ihr — Müller Mahle\nMühle hat mir mein Manuskript Essays aus\nMünchen wiedergesandt, „sie seien ja sehr\nhübsch, aber das Publikum interessiere sich nicht\nfür die Namen.\" Ich meine doch, Julius Lieban,\nEmmy Destinn, Tilla Durieux, William Wauer,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "646", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3722, "texte": "Peter Baum, St. Peter Hille, Karl Kraus, Adolf\nLoos, Oskar Kokoschka, Dr. Alfred Kerr, Mau-\npassant etcetera sind nicht zu unbekannte Leute.\nAusserdem erschienen alle meine Essays in den\nersten Zeitschriften und Zeitungen, das müsste\nHerrn Müller doch massgebend gewesen sein.\nMahle Mühle Müller.\nHerwarth und Kurt! Ich muss Euch heute\nNacht noch etwas ganz Seltenes erzählen, Stefan\nGeorge ist mir in der Dunkelheit eben begegnet.\nEr trug einen schwarzen Samtrock, liess die\nSchulter hängen, wie müde von der Last des\nFlügeis. Ich schrie ganz laut. Ich bin einem\nErzengel begegnet, wie er gemalt ist auf den\nBildern Dürers.\nLieber Herwarth und guter Kurt, ich habe\ndas Cafe satt, aber damit will ich nicht behaup-\nten, dass ich ihm Lebewohl für Ewig sage, oder\nfahre dahin Zigeunerkarren. Im Gegenteil, ich\nwerde noch oft dort verweilen. Gestern ging es\nTür auf, Tür zu, wie in einem Bazar; nicht\nalles dort ist echte Ware: Imitierte Dichter, fal-\nsches Wortgeschmeide, unmoti-\nvierter Zigarettendampf. Der Rechtsanwalt kommt\nschon lange nicht mehr hin. Warum es einen\nso ins Cafe zieht! Eine Leiche wird jeden Abend\ndort in die oberen Räume geführt; sie kann\nnicht ruhen. Warum man überhaupt in Berlin\nwohnen bleibt? In dieser kalten unerquicklichen\nStadt. Eine unumstössliche Uhr ist Berlin, sie\nwacht mit der Zeit, wir wissen, wieviel Uhr\nKunst es immer ist. Und ich möchte die Zeit\nso gern verschlafen.\nKinder, ich langweile mich furchtbar, die\nganzen Geliebten sind mir untreu geworden. Ich\nkomme mir vor wie eine Ausgestossene, trete\nich in den Vorhof unseres Cafes. Den Slaven\nkann ich ja nicht mehr ausstehen. Und der\nBischof ist mir zu wertvoll zum Spiel; wenn er\ndas Spiel ertragen könnte! Wer verträgt aber\nden Kopf- und Herzsprung! Minnist herabge-\nkommen durch die Undamen, ich weiss garnicht\nmehr, ob er hier in Berlin ist. Ich .bin inwen-\ndig wie ein Keller, wie Sibirien ohne Duft. Ich\nbin so allein, wäre ich wenigstens einsam, dann\nkönnte ich davon dichten. Ich bin die letzte\nNuance von Verlassenheit, es kommt nichts mehr\ndanach. Wenn mir doch jemand was Süsses\nsagte! Wäre ich doch eine Biene und könnte\nmir Honig machen. Was nützen mir Deine lie-\nben Briefe und lieben Postkarten. Ich kenn Dich\nund Du kennst mich, wir können uns nicht\nmehr überraschen, und ich kann nur leben von\nWundern. Denk Dir ein Wunder aus, bitte.\nGestern Abend war ich im Wintergarten mit\ndem Maler Gangolf. Ich gehe so gern mit ihm\ngerade in die Varietes. Er spöttelt nicht, er kann\ngrossgucken wie ein Kind. Manchmal über-\nkommt uns auch Romantik — dann schielt er leise\nnach der Nelke oder Rose oder Georgine, mit\nder meine Hand spielt. Ich schiebe sie dann\nganz grundlos auf seinen Schoss. Am besten\ngefielen uns die beiden musikalischen Clowns,\nder eine in der weissgetünchten Maske Kubeiks,\ndem Spiel nach war er selbst darunter versteckt.\nDer zweite, verkleidet als Rubinstein, spielte, wie\nder gespielt haben muss. Ja ja, man muss Clown\nwerden, um sich mit dem Publikum zu verstän-\ndigen, und — damit man dran kommt. Ich ha-\nbe Dir schon lange gesagt, Herwarth, ich trete\nauf als Aujuste und spreche so mit dem Gänse-\nschnabel meinen Fakir und meinen Ached-Bey\nund meine Gedichte. Gangolf war bewegt dar-\nüber — er zeigte mir am Abend noch zur Zer-\nstreuung sein Puppentheater. Er hat eine Stadt\nvoll von Miniaturmenschen geschaffen. Auch sei-\nne Gemälde sind wirklich geformt vom bunten\nBlut der Farben. Leid tat mir, dass er sein her-\nvorragendes Selbstbildnis zerstört hat, den Mann\nhinter dem Fenster, der über die Türme der Stadt\nblickt. Sie hat ihn verloren und er die Stadt.\nWir wollen jetzt öfters zusammen wieder in die\nVarietes gehen. Du hast doch nichts dagegen,\nHerwarth. Ich grüsse Dich!\n\nEuer Pechvogel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "646", "page_fin": "646", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.5", "titre_corps": "Gertrude Barrison", "titre_sommaire": "Gertrude Barrison", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "646", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.4", "debut_caractere": 3724, "fin_caractere_exclue": 5150, "texte": "Gertrude Barrison\nAlfred Döblin\nVor ein, zwei Wochen las Miss Gertrude Bar-\nrison wieder vor. Ich habe sie vor einigen Jah-\nren mehrfach gehört; auch sah ich sie einmal\ntanzen. „Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich\nein\": ich meine die Verwandlung, nicht Verän-\nderung, die sie inzwischen erfahren hat. Sie las\nfrüher zagend mit einem deutlichen Klagteton,\nmit dem Schmelz einer frühen Sentimentalität.\nAls sie sich neulich neben das kleine Podium-\ntischchen setzte — wir waren nicht mehr im\nSalon Cassirer, die feierlichen, ernsten Kerzen\nleuchteten nicht, wir waren in einem kleinen\nSaale des Architektenhauses, kein Exil, meine\nHerren, ein schöner Ort, da nämlich der Verein\nfür Kunst tagte — als Miss Gertrude vorlas,\ndrängte sich mir das Wort „Reife\" auf die Lip-\npen, Sie sprach volltönend, alle Register aufge-\nzogen: hart, wild, zart, mit Leidenschaft und\nFülle, sie las: das Weib. Sie erzählte von Alten-\nberg ohne jede Hemmung. Und ihn selbst den\nP. A. fand ich nachdem er mir lange aus den\nAugen entschwunden war sonderbar und gut\nverwandelt; es trat jener Umschwung hervor,\nder aus dem Strengen, Lyrischen, Theoretischen,\nAbrupten in die Masse der Empirie, in den\nReichtum der Erlebnisse, der Sturz in das aus-\ngebreitete Leben. Auch hier: Reife, — ich will\ndas Vorangegangene damit nicht Unreife genannt\nhaben. 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Reiner, Be-\nrlin, waren vom Künstlerbund für Glasmalerei\nund Glasmosaik Arbeiten seiner Mitglieder aus-\ngestellt. Was hier gezeigt wird, spricht vernehm-\nlich für die gute Tradition und die weiterwach-\nsende Jugendkraft unseres Kunstgewerbes.\nSeit die byzantinische Kunst das Mosaik zu\nSchmuck und Gestaltung des Raumes feierlich\nverwendet hat, kennt man die grossen Wirkungen\ndieser mit zusammengesetzten Stein- und Glas-\nstücken arbeitenden Kunst, die sich in fast see-\nlisch verinnerlichtem Anschluss an die Architek-\ntur und einer nahezu klingenden Begleitung der\nWohlräumigkeit gezeigt haben. Südeuropa ist\nheute noch reich an altchristlichen Basiliken,\nvoller Steinteppichen des Cosmatenmosaiks, das\naus den vielfarbigen Marmorstücken altheidni-\nscher Tempelsäulen zusammengesetzt wurde. Im\nNorden erglühten in den Lichtöffnungen him-\nmelan züngelnder, gothischer Dome luftiger und\nleuchtender die bunten Glasfenster, deren Far-\nben Grade der Inbrunst bedeuteten. Heute ist\ndiese Glaskunst weltlicher geworden, und wird,\nnachdem sie künstlerisch und gewerblich Zeiter,\nder Entartung erlebt hat, in den letzten Jahr-\nzehnten erst wieder ernsthaft reformiert. Man\nweiss heute, dass sie jedes Zimmer schmücken\nkann. Immer aber muss sie eine Steigerung be-\ndeuten, festlich sein oder feierlich. Und\nwenn ein buntes Erzeugnis der ungenauer Glas-\nmalerei genannten Glasmosaikkunst genau dem\nRaum entsprechend am Fenster angebracht ist,\nsteigert es seine Schönheit.\nUrsprünglich wurde ein solches Glasbild\neinfach aus ein paar zurechtgeschnittenen, ver-\nschiedenfarbigen Stücken bunten Glases zusam-\nmengefügt. Man erfand dann ein malendes Trü-\nbungsmittel, das Schwarzlot, das zur Ab-\ndämpfung der Farbigkeit wie zur Steigerung der\nFarblosigkeit, also „zur Unterstützung der ma-\nlerischen Vorstellung des Künstlers\" dienen konn-\nte. Später entdeckte man das Silber g e 1 b.\nAuf Glas geschmolzenes Silber gab ihm die\nschönsten, durchsichtigen Gelbtöne. Schliesslich\ngelangte man zur Möglichkeit der Farbmischung\ndurch das Ueberfa n g g 1 a s. Es ist dies ein\nGlas aus zwei Schichten, deren eine farbig ist.\nDiese konnte man teilweise wegätzen, die stehen-\nbleibende Farbschicht mit Schwarzlot und Sil-\nbergelb trüben und gemischt färben; dadurch\nerhielt man gesteigerte Farbenmöglichkeiten auf\ndem einzelnen Glasstück. Immer noch aber\nüberwiegt die Mosaikwirkung die malerische.\nSchwarzlot, Silbergelb und Ueberfang leisten\nnur Unterstützung der Arbeit, für deren far-\nbigen Aufbau das Passende aus fünfhundert Glä-\nsern ausgewählt werden kann.\nJede Glasmalerei muss auf bildmässige Wir-\nkung ausgehen, wie die Wandmalerei. Die Blei-\nstreifen, die ihre Gläser zusammenfügen, wirken\nzugleich zeichnerisch, indem sie die Konturen\nverstärken und wie ein Netzwerk, das sie zur\nGliederung des Raumes in Beziehung setzt. Die-\nse Verbindung mit der Architektur scheint mir\nnicht stark genug gegen den wundervollen Li-\nnienfluss der „Verkündigung\" von H. Voge-\nler-Worpswede aufzukommen. Ein Glas-\ngemälde, das ans Oelgemälde erinnert. Im Rund-\ngemälde „Anbetung\" bietet Becker-Tem pel-\nburg ein schönes Beispiel für die Wirkungen\ndes Silbergelb in dem Heiligenschein der Maria.\nSeine weiblichen Figuren sind gelungen, schön\nseine Tiermosaiken, mit denen das Peter Beh-\nrenssche Goldmosaik und Ung e r s Pallas\nAthene und Romulus und Remus in wuchtiger\nAusdruckskraft wetteifern. Die wunderbarsten\nWirkungen, die man in alten Domen für uner-\nreichbar halten möchte, leben in der prachtvol-\nlen Farbenglut Max Pech st eins wieder\nauf. Leichtfertigen Tadlern dieses Modernen, die\nihm Unkenntnis des Akademischen vorwerfen\nzu dürfen glaubten, sollte die klingende Stren-\nge seines „Architekten\" zu denken geben.\nBeneidenswert wäre jeder deutsche Architekten-\nverein, der sein Haus mit diesem kostbaren und\nbilligen Kunstwerk weihen würde. Auch seine\nexotischen Frauenfiguren in leuchtender Blüten-\npracht beweisen den tiefen Ernst dieses leiden-\nschaftlichen Künstlers. Es ist lehrreich, wie er\nden Akt, dessen blosse Fläche in der Glasmale-\nrei leicht matt wirkt, durch Konturierung der\nGlieder zu steigern weiss. Harold Ben-\ngens wohlgelungene Komposition ist in der\nFarbigkeit der beiden Körper noch nicht end-\ngültig, Looschens „indische Göttin\" zu un-\nbestimmt im Ausdruck. Viel Aehnlichkeit mit\nPechstein, gleichfalls reiche Farbigkeit hat die viel-\nseitige Kunst von Cesar Klein. Seine bun-\nten Putten-Blumen-Figurenstücke, seine farbigen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "647", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.5", "debut_caractere": 39, "fin_caractere_exclue": 1953, "texte": "Ritter, Biedermeyerbildchen und Alt-Berliner An-\nsichten können sich den verschiedensten Woh-\nnungseinrichtungen anpassen. Ungerahmte und\nungegitterte Bildausschnitte wie die „Figur in\ngrün\" wirken aber wenig künstlerisch. Allen\nBedürfnissen vermag die heutige Glasmalerei in\nihren Grenzen zu genügen, vor das Kinder-\nfenster kleine Spielereien zu hängen, sich mit\nbescheidenem Geschmack dem Treppenauf-\nstieg anzupassen, im Musiksalon ihre Farben-\nspiele schwingen zu lassen. Sehr fremdartig be-\nrührt die hochkultivierte Mosaikkunst der We-\nner Forstner, Rössler, Wagner, wäh-\nrend Bernhard Jäger durch stille Kleinig-\nkeiten ins schlichte norddeutsche Zimmer ver-\nsetzt Bellings „Fische\" und „Weiden\" füh\nren uns zum Ernst des Gelehrtenraumes. Der\nfrische und vielseitige Lehmann-Steglitz\nhat einen lustigen „Jungsiegfried\" und allerhand\nfrische Blumenstücke und Mosaiken. Ung e r s\ngepanzerter Ritter ist grosszüg'g genug, um in\neinem alten Schloss die Lichtwacht halten zu\nkönnen, sein Panzer spiegelt in gelbem Glas\nden metallischen Schimmer des Stahles. Wer\naber das neue Pathos sucht, der gehe von\nPechsteins Farben zu dem Bahnhofsfenster\nvon Thorn-Prikker, das ist von gewalti-\nger, rhythmischer Monumentalität. Ein Bild heu-\ntiger Industrie, dargestellt in Vertretern verschie-\ndener Gewerke, soll es in dem Bahnhof in Ha-\ngen der Wucht, die sich in seinen kräftigsten\nGestalten abkämpft und auslebt, ein Denkmal\nsein. In seinen Farbtönen lebt das Licht einer\nBahnhofshalle. Jede der starken Konturen, die\nin Diagonalen und Ueberschneidungen angeord-\nnet sind, gehört zu ihrer Fläche, wie die Schie-\nnen zum Bahndamm. Die Muskulatur ist ge-\nspannt, der Ausdruck verinnerlicht. Toorops\nMystik, Hodlers Freskenkraft und eine gewaltige\nAusnutzung a ler Möglichkeiten der Glasmalerei\nsind hier in einem Meisterwerk vereinigt, dem\ndie künstlerische Ausführung nichts schuldig ge-\nblieben ist.\n\nWalther Heymann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "647", "page_fin": "647", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.6.1", "titre_corps": "Siesta Holzschnitt von E. L. Kirchner", "titre_sommaire": "Siesta Holzschnitt von E. L. 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IX. 1911\nEs ist eine allgemein auffällige Tatsache,\ndass wir unter den zahlreichen Portraits der\nhervorragenden Gestalten unseres öffentlichen Le-\nbens, die wir stets gern in unseren populären\nZeitschriften begrüssen, sehr selten, ja eigentlich\nniemals einer nur halbwegs zuverlässigen Ab-\nbildung des ersten Gottes begegnen. Es muss\nuns daher Wunder nehmen, dass, einige Ver-\nsuche etlicher gesellschaftlich, wie moralisch so\nminderwertigen Individuen, wie Raffael, Michel\nAngelo ecetera — um nicht alle Gestalten der Bo-\nheme anzuführen, — abgesehen, uns gar kein\nBildnis des ersten Gottes überliefert worden ist,\ndem nicht baldigst von authentischer Seite ein\nentschiedenes Dementi entgegengesetzt worden\nwäre. In wohlinformierten Kreisen nun bringt\nman die Tatsache, dass wir noch immer nicht\nim Besitze einer solchen äusserst wertvollen\nPhotografie sind, mit dem Namen eines unserer\nbekanntesten Hofphotografen in Verbindung, der\nsich als Hof- und Kammerphotograf eines mit\nunserer Monarchie befreundeten baIkanischen\nK einstaates einen klingenden Namen erworben\nhat. Dieser unser Gewährsmann wurde nun\nvon uns mit dem Auftrag bedacht, für unser\nSonntagsblatt ein gelungenes Konterfei des er-\nsten Gottes zu besorgen. Der besagte Herr Hof-\nphotograf erklärte sich nach kurzem Bedenken"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "648", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5921, "texte": "dazu bereit. Von seiner Mission zurückgekehrt,\nteilte er unserem m-Korrespondenten in liebens-\nwürdiger Weise die Einzelheiten dieser interes-\nsanten Sitzung mit. Wir erteilen ihm hiermit\ndas Wort:\n„Sie können sich vorstellen\", begann der\nHerr Hofphotograf, „dass ich mich ob der\nschmeichelhaften, doch recht schwierigen Mis-\nsion, mit der ich Ihrerseits betraut wurde, et-\nwas befangen fühlte. Ich wollte hauptsächlich\num keinen Preis zudringlich erscheinen, — Sie\nwissen ja, man wird bei einer solchen Gelegen-\nheit oft falsch verstanden —, und ich schmeichle\nmir, dass mir dies auch keineswegs misslang.\n(Dieser Passus blieb uns unklar. Anm. d. Red.)\nNun hören Sie also: Vorerst begab ich mich,\nnatürlich im Frack und mit dem Abzeichen der\nLegion d'Odeur, die mir in so sinniger Weise\nvom pontevedrinischen Grossfürsten verliehen\nwurde, auf kürzestem Weg in den Himmel. Dem\nPförtner, der die Kontrolle hier sehr rigoros\nhandhabt, stellte ich mich mit den schlichten\nWorten: „Von der Presse\" vor, worauf er na-\ntürlich die obligaten drei Schüsse von sich gab,\nund mich sofort vorliess. Wie strenge die Kon-\ntrolle hier gehandhabt wird, ersah ich daraus,\ndass eine Deputation, der mit den ihnen immer\nnoch zu niedrigen Diskonto diskontenten Dis-\nkontanten, ebenso aber auch die mit den teue-\nren Mehl-Conto 'mal contenten, 'mal aber auch\nnicht contenten Malcontenten unbarmherzig ab-\ngewiesen wurde, trotzdem die Herren mit auf-\ngehobenen Hemden (Sollte da nicht ein Druck-\nfehler vorliegen? Anm. d. Red.) um Einlass fleh-\nten. Der hohe Herr, der über mein Kommen\ninformiert und noch im Schlafrock war, emp-\nfing mich mit gewohnter Liebenswürdigkeit, was\nwohl nicht in letzter Linie auf die ausgezeich-\nneten Verbindungen Ihres w. Blattes, die sie an\nhöchster und allerhöchster Stelle unterhalten, zu-\nrück zu führen sein wird. Nachdem ich mich\nvorgestellt, mindestens eine Sekunde geschwiegen\nhatte und mich der hohe Herr durch eine An-\nsprache auszuzeichnen noch nicht geruht hatte,\nerlaubte ich mir nun an ihn die ganz ergeben-\nste Frage zu richten, ob er wohl geruht habe?\n„Na\" lautete die kurze, aber äusserst liebenswür-\ndige Antwort. Hierauf begann ich die Sitzung.\nBei dieser Gelegenheit erlaubte ich mir nun zu\nbemerken, dass durch das überaus stark blen-\ndende Licht, das von dem hohen Haupte ausging,\nmeine erste Platte leider verdorben worden sei\nund dass ich daher eine zweite einstellen müsste.\nHier unterbrach mich ein sinniger Einfall des\nhohen Herrn. In aller Ruhe griff er nämlich\nnach seinem Hauskäppchen und setzte es auf. So-\nfort erlosch der störende Lichteffekt.\nHier muss ich nun gestehen, dass die äu-\nsserst ungünstige Beleuchtung im Himmel eine\nrichtige Fixierung mir wesentlich erschwerte.\nDurch geraume Zeit quälte ich mich mit der\nEinstellung des Objektivs, als auf einmal mein\nhoher Klient liebenswürdiger Weise also zu mir\nsprach: „Aber lieber Herr Hofphotograf, bemü-\nhen Sie sich nicht so sehr! Schon lange wollte\nich der Beleuchtungsmisere, die sich auch mir\ndurch allseitige Klagen der Bevölkerung kund-\ngibt, abhelfen. Ihnen kann ich es ja sagen, dass\nmir seinerzeit — hier ein kleiner Rechenfehler un-\nterlaufen ist.\" Sie können sich vorstellen, wie\ngrenzenlos schmeichelhaft die nun folgende Mit-\nteilung über die Intimitäten aus der Schöpfungs-\ngeschichte mich berührte, die Ihrem w. Blatte auch\ndie angenehme Gelegenheit verschaffen soll, na-\ntürlich bei diskreter Nichtnennung meines Na-\nmens, einen sensationellen Artikel zu veröffent-\nliehen, warum es auf unserer Erde, besonders\nim Winter so dunkel ist. „Ich weiss dies wie\ngesagt recht wohl,\" fuhr der erste Gott nun fort,\n„und nur durch die gegenteiligen Vorstellungen\nder Vereinigten Petroleum-, Gas- und Auer-Licht\nActien-Gesellschaft, deren Actionäre bei der jet-\nzigen miserablen Beleuchtung sehr viel (25) ver-\ndienen (hier sind wahrscheinlich Prozente zu*\nverstehen, Anm. d. Red.) und darum stets treu\nzu mir halten, liess ich mich von einer tief-\ngreifenden Reform des Beleuchtungswesens auf\nder Erde abhalten. Nun stampfte der erste Gott\nmit grosser Gewalt gegen den Boden und ich\nmuss gestehen, dass es entschieden heller\nwurde. Ich muss hier bemerken, dass trotzdem\nich ganz in Bewunderung versunken war über\ndieses seltene, von höchster Stelle vollbrachte\nWunder, das zu sehen ich das grosse Glück\nhatte, mir die Tatsache doch keineswegs entging,\ndass der Fusstritt, der dieses Wunder hervorrief,\nleider gerade jene Stelle des Himmelsbodens traf,\nwo sich derzeit mein Fuss sammt den dazuge-\nhörigen Zehen gerade befand, und mir besagter\nTritt einen ganz erheblichen Schmerz bereitete.\nIch rief: „Au! Das tut weh!\", doch gab kei-\nnen Ton von mir. Hier nun kann ich einen\nganz reizenden Zug der Allgüte des hohen Herrn\nauführen, der mich geradezu rührte. Als er\nnämlich mein leidendurchwühltes Gesicht sah, —\nich bin nämlich sehr empfindlich, — sagte er\nin neckischem Tone zu mir: „Der kleine Tritt\nschmerzt wohl, mein Gutester?!\" und blickte\nmich recht gütig an. Diese rosige Stimmung\nhielt nun der hohe Herr auch fürderhin bei,\nwas meine Aufgabe nicht unwesentlich erleich-\nterte. Bevor ich daran ging, die richtige Pose\nzu stellen, geruhte sich der hohe Herr danach\nzu erkundigen, wer zu Hause von Notabilitäten\ndenn gesessen sei, — er meinte natürlich, wer\nmi r gesessen sei, — und ob ich auch Frauen-\nportraits ausführte. Ich bejahte dies und bemerk-\nte hieran anschliessend, dass namentlich was un-\nsere Frauen betrifft, an Schönheit und Liebreiz,\nmit dem ihrer guten Gestalt wegen so berühm-\nten Engeln es getrost aufnehmen könnten. Da\nder hohe Herr bei diesem Thema eine Sach- und\nPersonenkenntnis verriet — er war nämlich über\ndie Verhältnisse unserer schönen Frauen in ei-\nner sogar das Durchschnittsmass seines All-\nwissens übertreffenden Weise orientiert, — kann\nch über diesen Punkt seiner Ausführungen nichts\nberichten, ohne meiner bekannten Verschwiegen-\nheit etwas zu vergeben.\n\nViktor von Dirsztay"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "648", "page_fin": "648", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.8", "titre_corps": "Von Sedan bis Budapest : Nur nicht wieder einen Krieg", "titre_sommaire": "Von Sedan bis Budapest : Nur nicht wieder einen Krieg", "signature_source": "J. 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Und gerade auf dem Schlacht-\nfeld von Sedan, dem furchtbaren Erntetag des\nTodes, wurde in ihm, dem Richard Voss,\nder Schriftsteller geboren.\nWie die Entbindung vor sich ging, erzählt\ner in anschauerlicher Weise:\n„Eines Oktobernachmittagis ging ich zum\nletztenmal über einen Teil des Schlachtfeldes, es\nwar tiefe Herbststimmung: welke, lautlos von\nden Zweigen herabsinkende Blätter; welke, vom\nFrost braun gebrannte Blätter; Nebeigeriesel und\ndie Sonne bereits machtlos, den dichten Dunst\nzu durchbrechen. Der Abend brach herein —\nein unaussprechlich schwermütiger, dunkler, stern-\nloser Abend, an dem die Welt alle Hoffnung\nauf Licht hinter sich zu lassen schien. Ich ging\ndurch das zerstörte Bazeilles und dann über die\nWiesen der Maas zu. Ich dac h t e an das Er-\nlebte; und wie ich über alles so recht nach-\ndachte, ward ich mir plötzlich bewusst, dass\nich mich nicht mehr jung fühlte, dass ich in\ndiesen Herbstwochen ein anderer Mensch gewor-\nden war, ein sehr ernster, sehr trauriger Mensch.\nWas ich in jener Nacht gedacht habe, ge-\nstaltete sich später zu einem Büchlein, welches\nich ,Nachtgedanken auf dem Schlachtfeld von Se-\ndan' nannte.\nNiemals zuvor hatte ich mir träumen lassen,\nin mir könnte ein Schriftsteller stecken — auf\nden Schlachtfeldern von Sedan wurde er in mir\ngeweckt.\"\nWie sagt doch schon Schiller so treffend?\n„Der Krieg hat kein Erbarmen\".\nT anz der Kritik um die Wiesenthal\nDer Walter Turzsinsky:\nIm ,Theater in der Königgrätzerstrasse', das\nsich den Herren Meinhard und Bernauer, Direk-\ntoren des Berliner Theaters, unterstellt hat,\ntanzt Grete Wiesenthal in einer neuen Pantomi-\nme von Hugo von Hofmannsthal: ,Das fremde\nMädchen', eine Mischung von Eugene Sue und\nEdgar Allan Poe.\nViele Zeitungsschreiber verlieren sieh jetzt\nimmer tiefer in „Mystik\". Ihr Erinnerungsver-\nmögen schrumpft zu ein paar Notpfennigen der\nPhrase zusammen. Turzsinsky erklärt das „frem-\nde Mädchen\" als eine Mischung von Sue und\nPoe, ein anderer sieht darin „ein tristes\nDing im Balzacstil,\" das der Wiesenthal\nkein* Gelegenheit gibt, ihre Kunst zu „entfal-\nten\". Nach Turzsinsky wäre in dem Nachtstück,\ndem „fremden Mädchen\", durch die Unklarheit\nseiner Absichten ein Hohlraum geblieben, wenn\nGrete Wiesenthal nicht in der Lage wäre, alle\nLücken des Inhalts und der Form mit den\nSchätzen ihrer Kunst zu füllen.\nSo sind sie sich auch über die — doch augen-\nfällige — Kunst der Wiesenthal nicht mehr im\nKlaren, und man dichtet ihr Fähigkeiten an, die\nschon die Grenze des Akrobatischen um mehr\nals einen Zoll überschreiten.\nDie Künstlerin tanzte Liszt's zweite Rap-\nsodie. „Dieses weitausholende Tongemälde, das\nwie ein heisser, sonnendurchleuchteter Wind über\nUngarns Pussta weht. Die Wiesenthal nimmt\nnun dieses brausende Tongefüge in ihre schlan-\nken Arme und hebt es auf wie einen glitzernden\nSmaragd, tanzt über die breiten Wogen der Me-\nlodie mit kleinen, festen Schritten und fühlt sich\nschön und stark im Schreiten.\" Mit dem brau-\nsenden Tongefüge in den Armen, tanzt sie über\ndie breiten Wogen der Melodie. 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Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nlIIfUIIIFIIIIMUIIU-NIIII Zl HiSDISIES\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen,\n\"\nNeben Pensiooskasse, Witwenkasae, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle WoMfahrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueher 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man verl. 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Italienisch\nB. Franzosisch\nJeder Lehrer, jede Lehrerin,\nJedennann muss Dr. Rebajoli's\nAutodidakt gebmuchen, um\nleicht und griindlich Fremd-\nsprachen zu lernen.\nJede Sprache in 33 Lektionen.\nQUI MISCUIT\nUTILE DULCI\nEpochemachende Neuheit\nVerlag F. 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Kurse von Friedr. Mesler Leipzig\nanter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrcr, Akadcmiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufm&nnischen Berufes, rationelles\nStudium der Handcls- and verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njihriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- una Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder fthnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretfschen Vorkenntnissen, Einjihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitem oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, NaHonalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaitung wirtschaftlicher Unternehmungen oder VerbSnde,\nAktien- oder shnlicher Gesefischaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johaanisplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "650", "page_fin": "650", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "650", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.8", "debut_caractere": 2676, "fin_caractere_exclue": 3203, "texte": "VereinrorKanst\nAchtes Jalir\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM3 — zu, sowie der\nkostenlosejahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. Ftir alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nZweiter Abend\nSonnalenfl flen 28. Ofctote\nabends 8 Uhr\n:: Architektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nGERTRUDE\nBARRISON\nTanze\nKarten M 5, 3, 2. I bei\nWertheim. Konzertkasse\nGeschaftsstelle des V. 112. 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Allard Forain W. Leistikow Coutts Michie\nH. Cassiers V. Gilsoul M. Liebermann C. Pissarro\nL, Corinth H. Herrmann A. von Menzel F. Skarbina\nF. Charlet J. B. Jongkind Bern, de Monvel J. Smits\nH. Daumier Le Gout-Gerard Monticelli F. Thaulow u. a.\nSkulpturen von Max Kruse, M. Buchanan, L. Mascre u. a.\nGr6ssteAuswahlmod.? Graphik fUr dekor. u. 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Oktober erscheint Heft 11;\nDer Sprecher\nFachsehrift fur Vortragskunst\nund das gesamte\nV ortrags wesen\nOrgan ffir die deutsche Rednerschaft und die Vereine\nmit literarischen, wissenschaftlichen oder\nkQnstlerischen Bestrebungen\nErscheint am 1. und 15. jeden Monats\nAbonnement vierteljahrlich Mk. 1.20\nEinzelnes Heft (auch als Probenummer) 25 Pfennig\nVerlag „Der Sprecher\" Charlottenb. 1, Spielhagenstr. 7a"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c030", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "650", "page_fin": "650", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "650", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.8", "debut_caractere": 4064, "fin_caractere_exclue": 4202, "texte": "Dr. Rudolf Bliimner\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. 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Bismarckstrasse 9 :\nAm Knie\n■■■■■■■■\n□ □\n□\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschrifteiv / Bis zehn\nUhr abends geoffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c032", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "650", "page_fin": "650", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "650", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.8", "debut_caractere": 4419, "fin_caractere_exclue": 5030, "texte": "SflQlßßßflailßll\nB\n; Die Wasserkraft\nZentralblatt fGr Industrie,\nIngenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro-\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriken\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in der Wasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c033", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "650", "page_fin": "650", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "650", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.8", "debut_caractere": 5032, "fin_caractere_exclue": 5187, "texte": "Karl Kraus\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer :c\nEssays\nDurch al'e Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMilnchen\n8"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-14-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-14_01#c034", "volume": "bmtnabg_1911-10-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "650", "page_fin": "650", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "650", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.8", "debut_caractere": 5189, "fin_caractere_exclue": 5450, "texte": "Edmund Meyer\nBuchMn<lleru.A]itiquai\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfur Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog XXVIII (Varia) erschlenen"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 15\nDER STURM\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Pfalzburg 3524 / Anzeigen-Annahme\ndurch den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHFRWARTH WAT DFN\nVierteljahresbezug 1,50 Mark / Halbjahresbezug 3,- Mark /\nJahresbezug 6,— Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1911\nBERLIN OKTOBER 1911\nNUMMER 81\n\nInhalt:\nTRUST: Aus der Zeit für die Zeiten: Stuttgart endgültig entdeckt / Ist der Bohemien wirklich lustig / Zur gefl» Auswahl® / Was Bismarck\nnicht beabsichtigte / Der Oberlehrer und die jungen Geister / Der Dramaturg / Edison / Die Zeugen / PAUL SCHEERBART: Die Schlachtpomade /\nELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / ALFRED DÖBLIN: Gertrude Barrison / WALTER HEYMANN: Glasmalerei / VIKTOR v. DIRSZTAY:\nUnser Photo / J. A.: Von Sedan bis Budapest / E. L. KIRCHNER: Siesta / Holzschnitt\n\nAus der Zeit für die\nZeiten\nStuttgart endgültig entdeckt\nDas neue Blühen in deutschen Landen will\nnoch immer nicht enden. Kurt Aram hat den\nVogel, der in den Zweigen singt. Mit ihm be-\nhaftet ist es ihm gelungen, Stuttgart endgültig\nzu entdecken. Nach einigen historischen Aus-\nführungen und statistischen Anmerkungen weckt\ner das Interesse des Lesers für die geologischen\nVerhältnisse. Man erfährt zu seiner Beruhigung,\ndass Stuttgart über eine „würdige\" Wasserversor-\ngung verfügt, hingegen leider die Fäkalien durch\ndas sogenannte pneumatische Abfuhrsystem be-\nseitigt werden. Es ist aber Hoffnung vorhanden,\ndass auch in Stuttgart das längst gebräuchliche\nSchwemmsystem durchgeführt werden wird. Al-\nlerdings ist „die Entwicklung der Stadt der\nEntwicklung ihrer Kanalisation längst über den\nKopf gewachsen.\" Trotz erheblicher Opfer.\n„Nicht wenige tüchtige Männer in der Stadtver-\nwaltung haben ihre besten Kräfte aufgerieben,\num in Dingen wie Kanalisation und dergleichen\nschneller voranzukommen.\" Die tüchtigen Män-\nner haben offenbar die Dimensionen verwechselt.\nAber schön denke ich es mir auch nicht gerade,\nwenn einem die Kanalisation über den Kopf\nwächst. Selbst Kurt Aram wird hierüber philo-\nsophisch: „Der Apparat selbst ist stärker als\neinzelne Menschen. Er kommt der demokrati-\nschen Auffassung und der schwäbischen Debat-\ntierlust entgegen.\" Was könnte man den Stutt-\ngartern und ihrer schönen Stadt wünschen? „Dass\nes nicht weitere vierzig Jahre dauert, his die\nSchwemmkanalisation glücklich durchgeführt ist.\nNach dieser ziemlich schmierigen Geschichte stellt\nHerr Aram mit Begeisterung fest, was alles in\nStuttgart „blüht\". Rings um die Altstadt blüht\ndie Industrie, Kleinmaschinenfabriken, Webereien,\nKorsettfabriken, Motorwerke. Auch heute noch\nblühen an den Hügeln die Reben. Ferner blü-\nhen die vortrefflichen Mädchenschulen, die\ntüchtigen Baumeister, die Bildung, die Kunst\nund die Literatur. „Kein Mensch wundert\nsich, dass hier so manche Dichter das Licht\nder Welt erblickten.\" Sogar Jean Paul liess\nsich zu einem Ausspruch hinreissen: „Stuttgart\nwurde mir je länger je lieber.\" Das klingt bei-\nnah so, als ob Jean Paul Aramischen Geblütes\nwar. Selbst Goethe ist in Stuttgart nicht wieder-\nzuerkennen. An einen Stuttgarter Bildhauer\nschrieb er nach Aram: „Nun habe ich Tage ver-\nlebt, wie ich sie in Rom lebte.\" Der Geist des\nLokal-Anzeigers scheint rückwirkende Kraft zu\nhaben. Besonders rührend sorgt Stuttgart für seine\nBürger: „In den Volksschulen sind für alle Schüler\nLehrmittel frei. Die Stadt kommt dafür auf und\nglaubt damit ihren Bürgern eine besonders wert-\nvolle Gabe in die Wiege ihrer Kinder zu\nlegen.\" Die Stadtverwaltung sollte noch ein\nübriges tun und den Säuglingen ausser den Lehr-\nmitteln als geistiges Nährmittel, auf kaiserlich\nJapan-Papier gedruckt und in Leder gebunden\nden Singsang von Kurt Aram über das Blühen\nStuttgarts in die Wiege legen. Die Säuglinge\nwissen, wie man mit solchen Dingen umgeht.\nAber ich wette: Stuttgart bekommt doch noch\nseine Schwemmkanalisation.\nIst der Bohmémien wirklich lustig?\nKein geringerer als unser Otto Ernst be-\nschäftigt sich mit dieser „Frage\". Zu ihrer Lö-\nsung hat er eigenhändig ein Drama verfasst,\nnein, sogar ein „Tragikomödie aus der Boheme.\"\nMit dem durchaus poetischen Titel: Die Liebe\nhöret nimmer auf. Otto Ernst will mit seiner\nTragikomödie nichts anderes beweisen, als dass\ndie Worte, der lustige Bohemien ein Cli-\nchee sind. Otto Ernst behauptet kühn, dass die\nClichees „der edle Räuber, der grossmütige Lö-\nwe, die hochherzige Kameliendame viel wah-\nrer und glaubhafter sind.\" Aus ist es\nmit dem lustigen Bohemien. Merkwürdig bleibt,\ndass dem Dichter Otto Ernst (auch ein unglaub-\nhaftes Clichee) aus der grossen deutschen Fa-\nbrik gerade der lustige Bohemien auf das Ge-\nhirn gefallen ist. Ihm will er durchaus die Lu-\nstigkeit nehmen. Und wenn er eine bitterbös ge-\nmeinte Tragikomödie darüber schreiben müsste.\nDie Handlung wird in Zeitungsberichten dem\nDichter zum Trotz in feuerfesten Clichees illu-\nstriert: Ein Mädchen aus guter Familie (1) ver-\nliebt sich rettungslos in einen mit grossen Vor-\nzügen des Leibes und der Seele (2) nur nicht mit\nWillenskraft und Beständigkeit ausgestatteten (3)\nKünstler und Bohemien (4), den feucht-fröhli-\nchen (5) Bruno (6) Sie glaubt wie er an alle\nschönen Worte (7) der Zigeunerphilosophie (8)\nund muss den bittern Kelch (9) ihres Irrtums\nund seiner Folgen bis zum tiefsten Grunde lee-\nren (10). Und das ohne Murren (11), da sie\nihr Schicksal mit sehenden Augen (12) gewählt\nhat (13). Ihre Liebe aber, die sie elend ge-\nmacht hat (14) und die doch nicht aufhören kann\n(15, die Liebe höret nimmer auf, vaschteste)\nreisst sie mit Allgewalt wieder empor (16) und\nmit ihr den Geliebten, der zu ehrlich gegen die\nWelt und gegen sich selbst ist (17 18), um die\nfeucht-fröhliche (19) Lüge seines Lebens (20)\nnicht wenigstens zu erkennen und zu bekennen.\n(21) Ein gut assortiertes Lager. Otto Ernst sieht\nvor Clichees ein Clichee. Das Mädchen aus gu-\nter Familie hat es sich so schön gedacht mit der\nZigeunerphilosophie. Immerhin bleibt es für sie\nerfreulich, dass sie nur den bittern Kelch sei-\nner Folgen leeren muss. Der nicht mit Bestän-\ndigkeit ausgestattete Künstler und Bohemien hat\njedenfalls gelernt, dass die feucht-fröhliche Lüge\nseines Lebens die Folgen einer Tragikomödie\nvon Otto Ernst haben kann. Dass er sich nicht\nmehr der lustige Bohemien nennen darf, sich\naber dafür an den grossen Vorzügen seines Lei-\nbes und seiner Seele erfreuen kann, und dass er\nder Weisheit letzten Schluss gefunden hat: Die\nLiebe höret nimmer auf.\nZur gefl Auswahl\nOtto Ernst hat ein Clichee entdeckt. Um\nihm und allen gleichwertigen deutschen Dichtern\nMaterial für zahllose weitere Dramen zukommen\nzu lassen, eröffne ich hier ein Detailgeschäft in\n„erstklassigen\" Clichees zur gefl© Auswahl. Da\ndie Eigentümer meistens verstorben sind, trägt\ndas Geschäft den Charakter eines Gratis-Ausver-\nkaufes. Der Erfrischungsraum befindet sich au-\nsserhalb dieses Raumes. Das Schaufenster wird"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "644", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.2", "texte": "durch zwei dicke Punkte ausdrücklich in Wett-\nbewerb gestellt. Das erste Lager habe ich mir\ndurch Herrn Reinhold Cronheim beschafft. Er\nbewirft Hardens Köpfe mit Clichees, die sie auch\nwirklich verdient haben: Starker Eindruck. Na-\nturgemäss. Begreifliche Spannung. Trefflich aus-\ngestattet. Allgemeine Wirkung. Grosszügige\nKünstlerschaft. Minutiöser Kleinmaler. Sorg-\nsame Filigranarbeit. Packend und überraschend\nhingeworfene grosse Silhouette. Der Denker und\nnicht zuletzt der Dichter. Die physische Kraft,\ndie in seinem Stil liegt. Die Fülle des verarbei-\nteten Tatsachenmaterials. Die Kühnheit der Bil-\nder. Die Treffsicherheit und Eleganz des Aus-\ndrucks. Eine schwer definierbare Wirkung. Der\nhingerissene Leser. Der Zenit des Lebens über-\nschritten. Die meisterliche Darstellung. Das dra-\nmatisch belebte Bild. Der innere Trieb der Hand-\nlungen. Das Bild hat im Laufe der Jahrzehnte\nnichts von seiner Frische eingebüsst. Das be-\nrechtigte Selbstbewusstsein des Verfassers. Har-\nden zeigt sich in seiner ganzen Eigenart. Der\nfeine Psychologe. Der ausgesprochene Partei-\nmann. Die herrlichste Verteidigung. Seit jenen\nereignisreichen Tagen. Das Meer der Ewigkeit.\nDer eiserne Kanzler. Die grösste Meisterschaft.\nDie gesponnenen Intriguen. Mit feinen Händen\nden Knäul lösen. Der rückhaltlose Bewunderer.\nDas Genie, das Bismarck zu eigen ist. Der Leit-\nstern seiner beispiellosen Erfolge. Des alten Kai-\nsers ehrwürdige Gestalt und schlichte Anspruchs-\nlosigkeit. Trefflich gelungen. Das heisse agres-\nsive Temperament. Der klare Einblick in die ver-\nwickeisten Verhältnisse. Das vielseitige Wissen.\nDie abgeklärte hinreissende Diktion. (Hier be-\nmerkt mein Lieferant Cronheim: Nun andere\nBilder! aber er meint es nicht so schlimm): Das\ntreffliche Bild. Die wahre mutige Politik. Das\ninstruktive Feuilleton. Der eiserne Kanzler. Der\nwirkliche Poet. Die hingeworfene Skizze. Ein\ntiefer ernstpolitischer Kern. Eine gewisse Elegie.\nDer stattliche Band. Der echt Hardensche Geist,\nder in seiner Wucht und in seiner Charme er-\ngreift und prickelt. Ein interessierender Kämp-\nfer, der mit den Schätzen seines gei-\nstigen Rüstzeuges packt und hinreisst.\nDer eigenartige Mannl. Das Kaleidoskop des\nErlebten. Ein aussergewöhnlicher Mensch.\nZur gefl. Auswahl! Zur gefl. Auswahl!\nWas Bismarck nicht beabsichtigte\nBerliner Lokal-An zeiger;\n„Eines aber ist Harden trefflich gelungen —\nund das ist der Nachweis, dass es Bismarck\nniemals in den Sinn gekommen ist, neben oder\nüber der Dynastie Hohenzollern „eine Dy-\nnastie Bismarck zu etablieren.\" Das\nEtablissement war vollständig vermietet. Dafür\nhat aber Harden Bismarcks Zukunft begründet.\nDer Oberlehrer und die jungen Geister\nDass die Oberlehrer die Kunst „fördern\"\nhat man nie erwartet oder verlangt. Aber die\nOberlehrer begnügen sich nicht damit, Sie sind\nim Stande, der „reiferen Jugend\" ihren Unsinn\nfür Kunst auszugeben. Man, schickt mir eine\n„Monatsschrift für die geistige Fortbildung und\nBetätigung der reiferen Jugend,\" mit dem sym-\npathetischen Titel „Junge Geister\" zu. Herausge-\ngeben von einem Oberlehrer und seiner Ehefrau.\nDie reifere Jugend wird belehrt, dass Glaube\nund Heimat, der bekannte Kitsch von Schön-\nherr, „in jeder Hinsicht ein gewaltiges Werk\nist. Und es ist ein gutes Zeichen für den Ge-\nschmack unserer Zeit, dass die Qualität des Wer-\nkes im richtigen Verhältnis zum Erfolg steht.\"\nDer Oberlehrer hat das Empfinden, dass un -\nse r e Sorgen und Leiden doch recht geringe\nfügig sind, im Vergleich zu diesen Gewissens-\nnöten und Kämpfen. Der Oberlehrer hat das\nEmpfinden, dass die Ueberkultur unsere sittli-\nchen Kräfte aufgezehrt hat, dass wir keinen rech-\nten Glauben, keine rechte Heimat mehr haben,\nDer Oberlehrer hat das Empfinden, dass uns\nüber diese Tatsachen keine grossen Worte von\nAufklärung und Freiheit vom Weltbürgertum und\ndergl@ hinweghelfen. „Andererseits ist der Ober-\nlehrer glücklich, dass die Kunst durch Schön-\nherr endlich „ihrem Sonderdasein entrissen und\nins Leben hineingetragen wird.\" So wird die\nreifere Jugend über Kunst aufgeklärt. Wie\nder Oberlehrer sich die Kunst denkt, zeigt die\nkleine Skizze, die er für junge Geister in seiner\nZeitschrift veröffentlicht:\nDie Königin\nIm Park rauschten tausendjährige\nEichen und irgendwo sang eine Nachtigall ihr\nsehnsuchtsvolles schwermütiges,\nLleb e s 1 i ed. —\nAn der Marmorsäule lehnte die Königin.\nAuf ihrem goldenen gleissenden Haar\nspielte und tanzte der Mondschein und balgte\nsich mit der klaren kühlen Nachtluft. —\nEr ist doch schöner, wie du und — un-\nvergänglich. Die Königin blickte zum Nacht-\nhimmel auf, ihrer sieghaften Schön-\nheit sich voll bewusst. Der Mond lä-\nchelte kalt und boshaft und beugte sich vor ihr.\nSchönste Königin!\nAuch er, — ein stolzer Zug legte sich um\nihren vollen Mund — mein Sklave. Sie lachte\nspöttisch und beugte sich über die Brüstung.\nWo bleibst du, Geliebter! Die süsse Nacht warL\ntet nicht. —\nEin Schatten trat hinter einer Säule hervor.\nFiebernde Augen sahen nach der Königin. —\nWie unvergleichlich schön sie ist.\nDoch sie muss —!\nWaren das nicht Schritte? —\nScharf blickte sie in die Nacht hinaus.\nGeliebter! — Ihre Brust hob sich in\nseliger Erregung. — Er kommt, kommt\nin meine Arme!\nDirne, hier ist er! Ein kalter Stahl\nblitzte auf. Die Königin brach zusammen. Ihr\nletzter Blick traf den boshaft lächelnden Mond. r—\nIm Tode am schönsten! —\nHastig entfernte sich ein dunkler Schatten. —\nIm Park rauschten tausendjährige\nEichen und irgendwo sang eine Nachtigall ihr\nschwermütiges sehnsuchtsvolles\nLiebeslied.\nSoll sich die reifere Jugend durch diese No-\nvelle zur Fortbildung oder Betätigung angeregt\nfühlen? Doch sie muss! —\nDer Dramaturg\n„Unsere theatralischen Gelehrten zerbrechen\nsich seit langem den Kopf darüber, welche Auf-\ngaben und Pflichten ein Dramaturg hat.\" Den\nGelehrten und dem Lokal-Anzeiger kann gehol-\nfen werden. Aufgaben und Pflichten des Dra-\nmaturgen sind, den Direktor zu verleugnen und\nzu telefonieren.\nEdison\n„Man sieht rasch, dass Edison auf Aeusser-\nlichkeiten sehr wenig Wert legt, denn er trägt\neinen Anzug von so grosser Einfachheit, dass\nman Farbe und Schnitt überhaupt nicht bemerkt.\nUnd doch fühlt man leicht, dass dieser Mann\neine Persönlichkeit ist.\" Menschenkenntnis. Edi-\nson trotz einem einfachen Anzug für eine Per-\nsönlichkeit zu halten, der Interviewer verstehts.\nAber blicken kann der Edison. „Sein ernster\nBlick fügt hinzu: ihr seid eine grosse industri-\nelle Macht; ich habe Hochachtung vor eurem\ngewerblichen Schaffen.\" Hochachtung vor sol-\nchem Blick. Hochachtung auch vor seiner Stirn.\n„Hinter dieser Stirn ist Raum für einen umfang-\nreichen Denkapparat und Edison, der sich ja\nauf Apparate versteht, hat auch diesen ihm von\nder Natur geschenkten wohl zu benutzen ver-\nstanden.\" Der sich ja. Ja. Ja. So ein Denkap-\nparat imponiert dem Berliner Tageblatt. Aber\nmit der gütigen Natur sind keine Geschäfte zu\nmachen. Sie verschenkt ihre Ware nach Ermes-\nsen. Und wem sie versagt wird, der kann sich\nwenigstens dank Edison ein Grammophon für\ndrei Mark und fünfzig kaufen. Soviel bringt ein\nInterview mit Hochachtung noch immer ein.\nDie Zeugen\nDer Zeuge Edmund Edel versuchte in dem\nMetternich-Prozess vor Gericht als Humorist auf-\nzutreten, Er bekundete unter Eid, dass das Essen\nbei Wolf Wertheim schlecht sei. Das Gericht\nhatte glücklicherweise keinen Sinn für Humor\nund Herr Edel wurde energisch angeranzt. Der\ngrosse Dichter Edel, der in der B. Z. am Mit-\ntag über Kravatten schreibt und zwar für die\nFirma Edmund Wünsch. Geradezu kosmisch\nschreibt er über die Kravatte: „Der gewaltige Auf-\nschwung der Grossstädte, das allgemeine Nivel-\nlierungsystem unserer Tage hat den Surrogaten\nauf allen Gebieten günstigen Boden geschaffen.\nDie Cravattenindustrie nährt diesen Boden lei-\nder in ganz besonderem Masse. Der\nelegante Mann verzichtet auf die Billigkeit und\nwählt die Cravatte guter Qualität und guter\nMarke.\" Herr Wünsch scheint nicht den Boden,\nsondern Herrn Edel leider in ganz besonderem\nMasse zu nähren. Oder spricht der Dichter so\nmit dem Recht der Ueberzeugung? So gut kann\nman garnicht nur für Ueberzeugung dichten.\nDen Kravattendichter Edel hat offenbar sein Kol-\nlege Herr Doktor juris Artur Landsberger, in\ndas Haus Wolf Wertheim eingeführt. Herr Dok-\ntor Landsbergerist bekanntlich über Hilde Si-\nmon, Gott, Teufel und Moral entrüstet. Herr\nDoktor Landsbergerist im Metternich-Prozess\nnicht als Zeuge erschienen. Krankheitshalber. Er\nhat vielmehr dem Gericht einen Brief geschrie-\nben, dass er auf keinen Fall etwas gegen\nseine frühere Frau Dolly aussagen würde und\nsich im übrigen auf Herrn Harden berufen. Sein\nSekretär beschwor dagegen, dass Herr Harden\nvon der ganzen Geschichte nichts wisse. Herr\nDoktor Landsberger will „chevaleresk\" wirken,\nund „literarisch\". Literarisch dadurch, dass er\nsich auf Herrn Harden beruft und auf den Kra-\nvattendichter Edel, chevaleresk dadurch, dass er\nauf keinen Fall etwas gegen Frau Dolly\nLandsberger aussagen will. Vielleicht könnte\nFrau Dolly Landsberger, die übrigens besser und\nganz anders ist, als ihr Ruf bei diesen Dich-\ntern und Kravattenschiebern gegen den Doktor\nArtur Bände zwar nicht schreiben, aber aussa-\ngen Nur nicht chevaleresk tun, meine Herren,\nnur nicht literarisch sein, meine Herren. Nicht\njeder Zeuge wird krank. Trust"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "645", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.3", "texte": "Die Schlachtpomade\nAssyrische Feldherrn=Novellette\nVon Paul Scheerbart\nDer Feldherr Zirutu war ein Neffe des Kö-\nnigs und der gewandteste Gauner der ganzen\nassyrischen Armee.\nAls die Assyrer bei Is-chupri sehr siegreich\ngegen die Aegypter kämpften, da sah der Feld-\nherr Zirutu auf seinen Streitwegen ein paar jun-\nge Löwen in der Nähe. Und flugs sagte Ziru-\ntu zu seinen Getreuen:\n„Lassen wir die Feinde für eine Weile in\nRuhe. Die werden ja doch geschlagen. Auf!\nEilen wir den Löwen nach. Wir wollen sie alle\nlebendig fangen und dem König nachher beim\nAbendschmaus zu Füssen legen. Das wird dem\nKönig ein viel grösseres Vergnügen bereiten als\ntausend frisch abgehauene Aegypterköpfe.\"\nUnd wie Zirutu gesagt, so geschah's; er\ntrennte sich von der Schlachtlinie mit seinen be-\nsten Freunden und jagte den Löwen nach und\nfing tatsächlich fünf Stück lebendig.\nDie Freude des Königs Asarhaddon*) beim\nAbendschmause nach geschlagener Schlacht war\nausserordentlich.\nZirutu bekam ein Ehrenkleid und dreissig\nPfund reines Gold. Und danach dachte dieser\nkühne Feldherr nur noch daran, die sehr aparten\nLaunen seines königlichen Onkels zu befriedi-\ngen Der Onkel war ein grosser Weltmann und\nin Ninive zeit seines Lebens tonangebend in al-\nlen Modeangelegenheiten.\nUnd beim achten Becher sagte der Neffe\nleutselig zu seinem königlichen Oheim:\n„Onkel, deine Tapferkeit in allen Ehren —\ndu schlägst dich wie ein Löwe. Den Aegyptern\nwird ungemütlich zumute. Das schlimmste ist\nnur, dass sie uns noch öfters auskneifen werden.\nUnd wir müssen sie verfolgen. Das gibt noch\neine Reihe von Schlachttagen — es können noch\ndrei oder vier sein. Hast du nun auch, lieber\nOnkel, die nötige Schlachtpomade mitgenommen?\nDenn — bei dem Verfolgen der Feinde werden\nwir noch manchen Schweisstropfen vergiessen.\nUnd die Spuren davon müssen verwischt wer-\nden durch unsere neue Schlachtpomade, die wir\nin Ninive erfunden haben. Sie ist mächtig teuer\n— diese stark duftende Pomade. Hast du noch\ngenug davon, lieber Asarhaddon?\"\nDa erwiederte der König mit gerümpfter\nNase und runtergezogenen Mundwinkeln:\n„Lieber Zirutu, teuer ist ja unsere Schlacht-\npomade in Ninive. Aber sie gefällt mir nicht\nmehr. Dieser schlechte Geruch auf den Schlacht-\nfeldern muss durch andere Wohlgerüche über-\ntäubt werden. Diese Pomade ist in Ninive, aber\nnicht auf einem Schlachtfelde erprobt worden.\"\nDas letzte hatte der Feldherr Nergal gehört;\ner stand wartend hinter dem König und sagte\nals der ausgeredet hatte:\n„Erhabener Herrscher! König der Heerscha-\nren! Mein starker König, vor dem die Feinde\nfliehen. Die Feinde sind vor dir geflohen. Aber\nsie sammelten sich im nächsten Dorfe und be-\nreiten einen Nachtangriff auf unser Lager vor.\"\n„Zu den Streitwagen!\" brüllte der König,\n„wir wollen den Aegyptern zeigen, welche Män-\nner die Mächtigen auf dieser Erde sind.\"\nAlle Feldherren und Offiziere sprangen auf,\nfuhren mit den Händen durch die gekräuselten\nHaare, schmissen die goldenen Trinkbecher den\nSklaven zu und griffen nach Schwert und Lanze,\nHelm und Schild und sprangen bald draussen\nauf ihre Schlacht wagen.\n*) Regierte 681—668 vor Christo\nUnd bald dachte kein Mensch mehr in der\ndunklen Nacht an die Schlachtpomade des Kö-\nnigs. Die Fackeln flackerten, und man stiess in\nder Dunkelheit abermals auf den Feind. Das\nergab ein wüstes Schlachtgetümmel. Die Fackeln\nmussten sehr bald gelöscht werden, denn die\nPfeile der Aegypter trafen viele der assyrischen\nKrieger und auch zwei Feldherren. Selbst der Kö-\nni:g erhielt einen Streifschuss am linken Oberarm\nneben der Goldspange. Die Wunde wurde\nschnell verbunden.\nAber — das Schlachtgewühl in der Dunkel-\nheit war ganz entsetzlich.\nAls der Morgen graute, wandte sich der\nFeind abermals zur Flucht.\nUnd unzählige grauenhaft verstümmelte Lei-\nchen bedeckten das Schlachtfeld.\nDer König hielt sich die Nase zu, sprang\nwieder auf seinen Streitwagen und raste davon\nin das nächste Dorf, wo gleich ein Lager auf-\ngeschlagen wurde.\nDer Feldherr Nergal hatte gesehen, dass der\nKönig sich die Nase zugehalten hatte. Er rief\nim Lager seine Sklavin Kidimuti zu sich und\nerzählte ihr von der Schlachtpomade und fragte\nsie, ob sie nicht eine bessere, stärker duftende\nPomade hätte, die imstande sei, in Wahrheit die\nüblen Gerüche eines Schlachtfeldes zu übertäuben.\nKidimuti, eine braune, sehr schlanke Schön-\nheit aus dem Innern Arabiens, sagte in ihrer ge-\nbrochenen Sprache:\n„Hab' viel gehört von Pomade — bei uns\nzu Hause. Weiss wohl, wo beste Pomade zu\nfinden. Dort — hinter Bergen — wo Sonne\naufgeht. Da auf grossem, stillem Wasser — in\nBarke — bei Mondenschein — wenn Flöte zu\nhören — da kennt man Salben und Pomade und\ngutes Räucherwerk. Hier nicht. Hierzuviel Wild-\nnis. Werde dir sagen, wenn's so weit ist. Still\n— auf grossem Wasser — in Barke — bei Mon-\ndenschein.\"\nUnd dabei sah sie träumerisch in die heiss\nbrennende Sonne. Und Nergal ebenfalls.\nDer aber wusste nicht, was Kidimuti mein-\nte; während sie sprach, wurde ihm alles unklar,\nund er legte sich auf einen Haufen Stroh und\nwollte einschlafen.\n„Kräusle mir die Haare!\" sagte er noch —\ndann war er weg und schlief und träumte von\nwiehernden Rossen, von klirrenden Schwertern,\nsurrenden Pfeilen und krachenden Lanzen.\nKidimuti aber kräuselte ihrem Herrn Bart-\nund Haupthaare und sang dazu ein altes ara-\nbisches Beduinenlied, das von den Schlachten in\nder finsteren Wüste handelt — in jener Wüste,\nin der die Sterne nachts so hell funkeln, dass\nman sich deutlich sehen kann, auch wenn der\nMond nicht scheint.\nUnd Nergal schnarchte.\nNun gab's aber für das Heer des Königs\nAsarhaddon nicht drei oder vier Schlachttage,\nsondern vierzehn Schlachttage hintereinander. Bis\nvor die Tore von Memphis trieb der König die\nimmer wieder fliehenden Aegypter. Das war ein\nLaufen und ein Schlagen — ohne Rast — im-\nmerzu. Fünfmal verwundete Asarhaddon den\nPharao Tarku. Und der war froh, als die Tore\nvon Memphis hinter ihm zugeschlossen wurden.\nBei Memphis sah die Kidimuti den grossen\nNil, und sie sagte gleich geheimnisvoll zu ihrem\nFeldherrn:\n„Hier Wasser still. Und hier auch duften-\ndes Wasser — sehr viel. Frauen werden flie-\nhen auf dem Wasser. Jetzt sei du Wasserjäger.\nLass Frauen in Ruh. Lass sie dir nur Salben\nund Schlachtpomade geben. Sei zufrieden da-\nmit. Kehr' um. Gib an König. Dann macht\ner dich zum Statthalter in Aegypterland. Und\nich bin dein ganz grosses Frau.\"\njetzt verstand Nergal.\nUnd er handelte, wie die Kidimuti gesagt\nhatte.\nNachts, als der Mond schien, streifte er in\nKähnen auf den Wassern des Nils umher und\nfand eine Barke — mit Frauen.\nDie waren froh, als er nur ihre Salben und\nPomaden wollte, gaben ihm gleich Nachricht,\ndass noch fünf andere Barken kommen würden,\nin denen noch mehr Salben und Pomaden seien.\nKurzum: Nergal brauchte noch zehn andere\nKähne, um all die ägyptischen Büchsen und Do-\nsen unterzubringen.\nUnd als Asarhaddon sich am nächsten Ta-\nge frisieren liess — von zwanzig Sklaven, da\nkam der Feldherr Nergal — mit seiner Schlacht-\npomaden-Karawane und sagte nur:\n„Hier, Herr, das Bessere, das du wünschest.\"\nDa wurden alle die Elfenbeintuben und die\nHornfässerchen und die Säckchen aus der Haut\ndes Krokodils, und die Alabasterdosen, und die\nbunten Glasflaschen von kundiger Hand geöffnet\nund der Geruch geprüft.\nUnd man fand bald so köstliche Kostbar-\nkeiten, dass der König immer heiterer wurde und\nseinem Feldherrn Nergal immer mehr Gold und\nEdelsteine und andere im Krieg erbeutete Sachen\nschenkte.\nUnd schliesslich bekam Nergal die Stelle ei-\nnes ägyptischen Statthalters mit Königsgewalt.\nUnd Kidimuti sagte im Mondenschein:\n„Alles das wusste die Kidimuti. Sie ist die\nFrau, die kann schauen in Zukunft. Geheimnis-\nvoll ist Kidimuti wie die Sphinx, die drüben da-\nliegt im Mondenschein zwischen den vielen Py-\nramiden.\"\nZirutu wurde ganz grün vor Neid.\nMemphis wurde vierzehn Tage später im\nSturm genommen von den Heerscharen des Kö-\nnigs Asarhaddon. Der Pharao Tarku geriet in\nGefangenschaft.\n\nBriefenach Norwegen\nVon Else Lasker=Schüler\n\nLiebe Renntiere. Ich freu mich so auf\nEuer Geweih! Aber ich dachte mir gleich, dass\nIhr so leicht nicht von der Schlittengegend fort-\nkämet. Und habe also zu früh Schluss mit mei-\nnen Briefen an Euch gemacht. Uebrigens emp-\nfing ich schon viele bedauernde Anfragen des-\nwegen. also bleibt noch, friert ein ein bischen.\nGanz recht, ich werde anfangen, meine Briefe\nan Euch zu sammeln und sie später unter dem\nTitel „Herzensbriefe, alleinseligmachender Liebes-\nbriefsteller, Gesetzl. Gesch. herausgeben. Vorwort:\nAlle bis dahin vorhandenen Stellen hinterlassen\nUebelkeit und Magendruck. Und den Deckel\nmuss mir ein Porzellanfabrikant zeichnen, ein\nPärchen zwischen bunten Zwiebelmustern. Oester-\nheld und Cohn sagen, dass ist meine erste ver-\nnünftige Idee, nur ihr Lektor Knoblauch war\nempört darüber. Der Verlag hat sich aber noch\nnicht erholt von dem Reinfall in meine Wup-\nper: Und was meint Ihr — Müller Mahle\nMühle hat mir mein Manuskript Essays aus\nMünchen wiedergesandt, „sie seien ja sehr\nhübsch, aber das Publikum interessiere sich nicht\nfür die Namen.\" Ich meine doch, Julius Lieban,\nEmmy Destinn, Tilla Durieux, William Wauer,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "646", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.4", "texte": "Peter Baum, St. Peter Hille, Karl Kraus, Adolf\nLoos, Oskar Kokoschka, Dr. Alfred Kerr, Mau-\npassant etcetera sind nicht zu unbekannte Leute.\nAusserdem erschienen alle meine Essays in den\nersten Zeitschriften und Zeitungen, das müsste\nHerrn Müller doch massgebend gewesen sein.\nMahle Mühle Müller.\nHerwarth und Kurt! Ich muss Euch heute\nNacht noch etwas ganz Seltenes erzählen, Stefan\nGeorge ist mir in der Dunkelheit eben begegnet.\nEr trug einen schwarzen Samtrock, liess die\nSchulter hängen, wie müde von der Last des\nFlügeis. Ich schrie ganz laut. Ich bin einem\nErzengel begegnet, wie er gemalt ist auf den\nBildern Dürers.\nLieber Herwarth und guter Kurt, ich habe\ndas Cafe satt, aber damit will ich nicht behaup-\nten, dass ich ihm Lebewohl für Ewig sage, oder\nfahre dahin Zigeunerkarren. Im Gegenteil, ich\nwerde noch oft dort verweilen. Gestern ging es\nTür auf, Tür zu, wie in einem Bazar; nicht\nalles dort ist echte Ware: Imitierte Dichter, fal-\nsches Wortgeschmeide, unmoti-\nvierter Zigarettendampf. Der Rechtsanwalt kommt\nschon lange nicht mehr hin. Warum es einen\nso ins Cafe zieht! Eine Leiche wird jeden Abend\ndort in die oberen Räume geführt; sie kann\nnicht ruhen. Warum man überhaupt in Berlin\nwohnen bleibt? In dieser kalten unerquicklichen\nStadt. Eine unumstössliche Uhr ist Berlin, sie\nwacht mit der Zeit, wir wissen, wieviel Uhr\nKunst es immer ist. Und ich möchte die Zeit\nso gern verschlafen.\nKinder, ich langweile mich furchtbar, die\nganzen Geliebten sind mir untreu geworden. Ich\nkomme mir vor wie eine Ausgestossene, trete\nich in den Vorhof unseres Cafes. Den Slaven\nkann ich ja nicht mehr ausstehen. Und der\nBischof ist mir zu wertvoll zum Spiel; wenn er\ndas Spiel ertragen könnte! Wer verträgt aber\nden Kopf- und Herzsprung! Minnist herabge-\nkommen durch die Undamen, ich weiss garnicht\nmehr, ob er hier in Berlin ist. Ich .bin inwen-\ndig wie ein Keller, wie Sibirien ohne Duft. Ich\nbin so allein, wäre ich wenigstens einsam, dann\nkönnte ich davon dichten. Ich bin die letzte\nNuance von Verlassenheit, es kommt nichts mehr\ndanach. Wenn mir doch jemand was Süsses\nsagte! Wäre ich doch eine Biene und könnte\nmir Honig machen. Was nützen mir Deine lie-\nben Briefe und lieben Postkarten. Ich kenn Dich\nund Du kennst mich, wir können uns nicht\nmehr überraschen, und ich kann nur leben von\nWundern. Denk Dir ein Wunder aus, bitte.\nGestern Abend war ich im Wintergarten mit\ndem Maler Gangolf. Ich gehe so gern mit ihm\ngerade in die Varietes. Er spöttelt nicht, er kann\ngrossgucken wie ein Kind. Manchmal über-\nkommt uns auch Romantik — dann schielt er leise\nnach der Nelke oder Rose oder Georgine, mit\nder meine Hand spielt. Ich schiebe sie dann\nganz grundlos auf seinen Schoss. Am besten\ngefielen uns die beiden musikalischen Clowns,\nder eine in der weissgetünchten Maske Kubeiks,\ndem Spiel nach war er selbst darunter versteckt.\nDer zweite, verkleidet als Rubinstein, spielte, wie\nder gespielt haben muss. Ja ja, man muss Clown\nwerden, um sich mit dem Publikum zu verstän-\ndigen, und — damit man dran kommt. Ich ha-\nbe Dir schon lange gesagt, Herwarth, ich trete\nauf als Aujuste und spreche so mit dem Gänse-\nschnabel meinen Fakir und meinen Ached-Bey\nund meine Gedichte. Gangolf war bewegt dar-\nüber — er zeigte mir am Abend noch zur Zer-\nstreuung sein Puppentheater. Er hat eine Stadt\nvoll von Miniaturmenschen geschaffen. Auch sei-\nne Gemälde sind wirklich geformt vom bunten\nBlut der Farben. Leid tat mir, dass er sein her-\nvorragendes Selbstbildnis zerstört hat, den Mann\nhinter dem Fenster, der über die Türme der Stadt\nblickt. Sie hat ihn verloren und er die Stadt.\nWir wollen jetzt öfters zusammen wieder in die\nVarietes gehen. Du hast doch nichts dagegen,\nHerwarth. Ich grüsse Dich!\n\nEuer Pechvogel\n\nGertrude Barrison\nAlfred Döblin\nVor ein, zwei Wochen las Miss Gertrude Bar-\nrison wieder vor. Ich habe sie vor einigen Jah-\nren mehrfach gehört; auch sah ich sie einmal\ntanzen. „Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich\nein\": ich meine die Verwandlung, nicht Verän-\nderung, die sie inzwischen erfahren hat. Sie las\nfrüher zagend mit einem deutlichen Klagteton,\nmit dem Schmelz einer frühen Sentimentalität.\nAls sie sich neulich neben das kleine Podium-\ntischchen setzte — wir waren nicht mehr im\nSalon Cassirer, die feierlichen, ernsten Kerzen\nleuchteten nicht, wir waren in einem kleinen\nSaale des Architektenhauses, kein Exil, meine\nHerren, ein schöner Ort, da nämlich der Verein\nfür Kunst tagte — als Miss Gertrude vorlas,\ndrängte sich mir das Wort „Reife\" auf die Lip-\npen, Sie sprach volltönend, alle Register aufge-\nzogen: hart, wild, zart, mit Leidenschaft und\nFülle, sie las: das Weib. Sie erzählte von Alten-\nberg ohne jede Hemmung. Und ihn selbst den\nP. A. fand ich nachdem er mir lange aus den\nAugen entschwunden war sonderbar und gut\nverwandelt; es trat jener Umschwung hervor,\nder aus dem Strengen, Lyrischen, Theoretischen,\nAbrupten in die Masse der Empirie, in den\nReichtum der Erlebnisse, der Sturz in das aus-\ngebreitete Leben. Auch hier: Reife, — ich will\ndas Vorangegangene damit nicht Unreife genannt\nhaben. Es waren nicht sechs Kerzen wie früher\nin dem Saal, aber diese beiden Kerzen leuchte-\nten hell genug.\n\nGlasmalerei\n\nIm Kunstsalon Keller u. Reiner, Be-\nrlin, waren vom Künstlerbund für Glasmalerei\nund Glasmosaik Arbeiten seiner Mitglieder aus-\ngestellt. Was hier gezeigt wird, spricht vernehm-\nlich für die gute Tradition und die weiterwach-\nsende Jugendkraft unseres Kunstgewerbes.\nSeit die byzantinische Kunst das Mosaik zu\nSchmuck und Gestaltung des Raumes feierlich\nverwendet hat, kennt man die grossen Wirkungen\ndieser mit zusammengesetzten Stein- und Glas-\nstücken arbeitenden Kunst, die sich in fast see-\nlisch verinnerlichtem Anschluss an die Architek-\ntur und einer nahezu klingenden Begleitung der\nWohlräumigkeit gezeigt haben. Südeuropa ist\nheute noch reich an altchristlichen Basiliken,\nvoller Steinteppichen des Cosmatenmosaiks, das\naus den vielfarbigen Marmorstücken altheidni-\nscher Tempelsäulen zusammengesetzt wurde. Im\nNorden erglühten in den Lichtöffnungen him-\nmelan züngelnder, gothischer Dome luftiger und\nleuchtender die bunten Glasfenster, deren Far-\nben Grade der Inbrunst bedeuteten. Heute ist\ndiese Glaskunst weltlicher geworden, und wird,\nnachdem sie künstlerisch und gewerblich Zeiter,\nder Entartung erlebt hat, in den letzten Jahr-\nzehnten erst wieder ernsthaft reformiert. Man\nweiss heute, dass sie jedes Zimmer schmücken\nkann. Immer aber muss sie eine Steigerung be-\ndeuten, festlich sein oder feierlich. Und\nwenn ein buntes Erzeugnis der ungenauer Glas-\nmalerei genannten Glasmosaikkunst genau dem\nRaum entsprechend am Fenster angebracht ist,\nsteigert es seine Schönheit.\nUrsprünglich wurde ein solches Glasbild\neinfach aus ein paar zurechtgeschnittenen, ver-\nschiedenfarbigen Stücken bunten Glases zusam-\nmengefügt. Man erfand dann ein malendes Trü-\nbungsmittel, das Schwarzlot, das zur Ab-\ndämpfung der Farbigkeit wie zur Steigerung der\nFarblosigkeit, also „zur Unterstützung der ma-\nlerischen Vorstellung des Künstlers\" dienen konn-\nte. Später entdeckte man das Silber g e 1 b.\nAuf Glas geschmolzenes Silber gab ihm die\nschönsten, durchsichtigen Gelbtöne. Schliesslich\ngelangte man zur Möglichkeit der Farbmischung\ndurch das Ueberfa n g g 1 a s. Es ist dies ein\nGlas aus zwei Schichten, deren eine farbig ist.\nDiese konnte man teilweise wegätzen, die stehen-\nbleibende Farbschicht mit Schwarzlot und Sil-\nbergelb trüben und gemischt färben; dadurch\nerhielt man gesteigerte Farbenmöglichkeiten auf\ndem einzelnen Glasstück. Immer noch aber\nüberwiegt die Mosaikwirkung die malerische.\nSchwarzlot, Silbergelb und Ueberfang leisten\nnur Unterstützung der Arbeit, für deren far-\nbigen Aufbau das Passende aus fünfhundert Glä-\nsern ausgewählt werden kann.\nJede Glasmalerei muss auf bildmässige Wir-\nkung ausgehen, wie die Wandmalerei. Die Blei-\nstreifen, die ihre Gläser zusammenfügen, wirken\nzugleich zeichnerisch, indem sie die Konturen\nverstärken und wie ein Netzwerk, das sie zur\nGliederung des Raumes in Beziehung setzt. Die-\nse Verbindung mit der Architektur scheint mir\nnicht stark genug gegen den wundervollen Li-\nnienfluss der „Verkündigung\" von H. Voge-\nler-Worpswede aufzukommen. Ein Glas-\ngemälde, das ans Oelgemälde erinnert. Im Rund-\ngemälde „Anbetung\" bietet Becker-Tem pel-\nburg ein schönes Beispiel für die Wirkungen\ndes Silbergelb in dem Heiligenschein der Maria.\nSeine weiblichen Figuren sind gelungen, schön\nseine Tiermosaiken, mit denen das Peter Beh-\nrenssche Goldmosaik und Ung e r s Pallas\nAthene und Romulus und Remus in wuchtiger\nAusdruckskraft wetteifern. Die wunderbarsten\nWirkungen, die man in alten Domen für uner-\nreichbar halten möchte, leben in der prachtvol-\nlen Farbenglut Max Pech st eins wieder\nauf. Leichtfertigen Tadlern dieses Modernen, die\nihm Unkenntnis des Akademischen vorwerfen\nzu dürfen glaubten, sollte die klingende Stren-\nge seines „Architekten\" zu denken geben.\nBeneidenswert wäre jeder deutsche Architekten-\nverein, der sein Haus mit diesem kostbaren und\nbilligen Kunstwerk weihen würde. Auch seine\nexotischen Frauenfiguren in leuchtender Blüten-\npracht beweisen den tiefen Ernst dieses leiden-\nschaftlichen Künstlers. Es ist lehrreich, wie er\nden Akt, dessen blosse Fläche in der Glasmale-\nrei leicht matt wirkt, durch Konturierung der\nGlieder zu steigern weiss. Harold Ben-\ngens wohlgelungene Komposition ist in der\nFarbigkeit der beiden Körper noch nicht end-\ngültig, Looschens „indische Göttin\" zu un-\nbestimmt im Ausdruck. Viel Aehnlichkeit mit\nPechstein, gleichfalls reiche Farbigkeit hat die viel-\nseitige Kunst von Cesar Klein. Seine bun-\nten Putten-Blumen-Figurenstücke, seine farbigen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "647", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.5", "texte": "Siesta Holzschnitt von E. L. Kirchner\n\nRitter, Biedermeyerbildchen und Alt-Berliner An-\nsichten können sich den verschiedensten Woh-\nnungseinrichtungen anpassen. Ungerahmte und\nungegitterte Bildausschnitte wie die „Figur in\ngrün\" wirken aber wenig künstlerisch. Allen\nBedürfnissen vermag die heutige Glasmalerei in\nihren Grenzen zu genügen, vor das Kinder-\nfenster kleine Spielereien zu hängen, sich mit\nbescheidenem Geschmack dem Treppenauf-\nstieg anzupassen, im Musiksalon ihre Farben-\nspiele schwingen zu lassen. Sehr fremdartig be-\nrührt die hochkultivierte Mosaikkunst der We-\nner Forstner, Rössler, Wagner, wäh-\nrend Bernhard Jäger durch stille Kleinig-\nkeiten ins schlichte norddeutsche Zimmer ver-\nsetzt Bellings „Fische\" und „Weiden\" füh\nren uns zum Ernst des Gelehrtenraumes. Der\nfrische und vielseitige Lehmann-Steglitz\nhat einen lustigen „Jungsiegfried\" und allerhand\nfrische Blumenstücke und Mosaiken. Ung e r s\ngepanzerter Ritter ist grosszüg'g genug, um in\neinem alten Schloss die Lichtwacht halten zu\nkönnen, sein Panzer spiegelt in gelbem Glas\nden metallischen Schimmer des Stahles. Wer\naber das neue Pathos sucht, der gehe von\nPechsteins Farben zu dem Bahnhofsfenster\nvon Thorn-Prikker, das ist von gewalti-\nger, rhythmischer Monumentalität. Ein Bild heu-\ntiger Industrie, dargestellt in Vertretern verschie-\ndener Gewerke, soll es in dem Bahnhof in Ha-\ngen der Wucht, die sich in seinen kräftigsten\nGestalten abkämpft und auslebt, ein Denkmal\nsein. In seinen Farbtönen lebt das Licht einer\nBahnhofshalle. Jede der starken Konturen, die\nin Diagonalen und Ueberschneidungen angeord-\nnet sind, gehört zu ihrer Fläche, wie die Schie-\nnen zum Bahndamm. Die Muskulatur ist ge-\nspannt, der Ausdruck verinnerlicht. Toorops\nMystik, Hodlers Freskenkraft und eine gewaltige\nAusnutzung a ler Möglichkeiten der Glasmalerei\nsind hier in einem Meisterwerk vereinigt, dem\ndie künstlerische Ausführung nichts schuldig ge-\nblieben ist.\n\nWalther Heymann\n\nUnser Photo\n\nOriginalbericht der Freien Neuen Presse\nWien, am 30. IX. 1911\nEs ist eine allgemein auffällige Tatsache,\ndass wir unter den zahlreichen Portraits der\nhervorragenden Gestalten unseres öffentlichen Le-\nbens, die wir stets gern in unseren populären\nZeitschriften begrüssen, sehr selten, ja eigentlich\nniemals einer nur halbwegs zuverlässigen Ab-\nbildung des ersten Gottes begegnen. Es muss\nuns daher Wunder nehmen, dass, einige Ver-\nsuche etlicher gesellschaftlich, wie moralisch so\nminderwertigen Individuen, wie Raffael, Michel\nAngelo ecetera — um nicht alle Gestalten der Bo-\nheme anzuführen, — abgesehen, uns gar kein\nBildnis des ersten Gottes überliefert worden ist,\ndem nicht baldigst von authentischer Seite ein\nentschiedenes Dementi entgegengesetzt worden\nwäre. In wohlinformierten Kreisen nun bringt\nman die Tatsache, dass wir noch immer nicht\nim Besitze einer solchen äusserst wertvollen\nPhotografie sind, mit dem Namen eines unserer\nbekanntesten Hofphotografen in Verbindung, der\nsich als Hof- und Kammerphotograf eines mit\nunserer Monarchie befreundeten baIkanischen\nK einstaates einen klingenden Namen erworben\nhat. Dieser unser Gewährsmann wurde nun\nvon uns mit dem Auftrag bedacht, für unser\nSonntagsblatt ein gelungenes Konterfei des er-\nsten Gottes zu besorgen. Der besagte Herr Hof-\nphotograf erklärte sich nach kurzem Bedenken"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "648", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.6", "texte": "dazu bereit. Von seiner Mission zurückgekehrt,\nteilte er unserem m-Korrespondenten in liebens-\nwürdiger Weise die Einzelheiten dieser interes-\nsanten Sitzung mit. Wir erteilen ihm hiermit\ndas Wort:\n„Sie können sich vorstellen\", begann der\nHerr Hofphotograf, „dass ich mich ob der\nschmeichelhaften, doch recht schwierigen Mis-\nsion, mit der ich Ihrerseits betraut wurde, et-\nwas befangen fühlte. Ich wollte hauptsächlich\num keinen Preis zudringlich erscheinen, — Sie\nwissen ja, man wird bei einer solchen Gelegen-\nheit oft falsch verstanden —, und ich schmeichle\nmir, dass mir dies auch keineswegs misslang.\n(Dieser Passus blieb uns unklar. Anm. d. Red.)\nNun hören Sie also: Vorerst begab ich mich,\nnatürlich im Frack und mit dem Abzeichen der\nLegion d'Odeur, die mir in so sinniger Weise\nvom pontevedrinischen Grossfürsten verliehen\nwurde, auf kürzestem Weg in den Himmel. Dem\nPförtner, der die Kontrolle hier sehr rigoros\nhandhabt, stellte ich mich mit den schlichten\nWorten: „Von der Presse\" vor, worauf er na-\ntürlich die obligaten drei Schüsse von sich gab,\nund mich sofort vorliess. Wie strenge die Kon-\ntrolle hier gehandhabt wird, ersah ich daraus,\ndass eine Deputation, der mit den ihnen immer\nnoch zu niedrigen Diskonto diskontenten Dis-\nkontanten, ebenso aber auch die mit den teue-\nren Mehl-Conto 'mal contenten, 'mal aber auch\nnicht contenten Malcontenten unbarmherzig ab-\ngewiesen wurde, trotzdem die Herren mit auf-\ngehobenen Hemden (Sollte da nicht ein Druck-\nfehler vorliegen? Anm. d. Red.) um Einlass fleh-\nten. Der hohe Herr, der über mein Kommen\ninformiert und noch im Schlafrock war, emp-\nfing mich mit gewohnter Liebenswürdigkeit, was\nwohl nicht in letzter Linie auf die ausgezeich-\nneten Verbindungen Ihres w. Blattes, die sie an\nhöchster und allerhöchster Stelle unterhalten, zu-\nrück zu führen sein wird. Nachdem ich mich\nvorgestellt, mindestens eine Sekunde geschwiegen\nhatte und mich der hohe Herr durch eine An-\nsprache auszuzeichnen noch nicht geruht hatte,\nerlaubte ich mir nun an ihn die ganz ergeben-\nste Frage zu richten, ob er wohl geruht habe?\n„Na\" lautete die kurze, aber äusserst liebenswür-\ndige Antwort. Hierauf begann ich die Sitzung.\nBei dieser Gelegenheit erlaubte ich mir nun zu\nbemerken, dass durch das überaus stark blen-\ndende Licht, das von dem hohen Haupte ausging,\nmeine erste Platte leider verdorben worden sei\nund dass ich daher eine zweite einstellen müsste.\nHier unterbrach mich ein sinniger Einfall des\nhohen Herrn. In aller Ruhe griff er nämlich\nnach seinem Hauskäppchen und setzte es auf. So-\nfort erlosch der störende Lichteffekt.\nHier muss ich nun gestehen, dass die äu-\nsserst ungünstige Beleuchtung im Himmel eine\nrichtige Fixierung mir wesentlich erschwerte.\nDurch geraume Zeit quälte ich mich mit der\nEinstellung des Objektivs, als auf einmal mein\nhoher Klient liebenswürdiger Weise also zu mir\nsprach: „Aber lieber Herr Hofphotograf, bemü-\nhen Sie sich nicht so sehr! Schon lange wollte\nich der Beleuchtungsmisere, die sich auch mir\ndurch allseitige Klagen der Bevölkerung kund-\ngibt, abhelfen. Ihnen kann ich es ja sagen, dass\nmir seinerzeit — hier ein kleiner Rechenfehler un-\nterlaufen ist.\" Sie können sich vorstellen, wie\ngrenzenlos schmeichelhaft die nun folgende Mit-\nteilung über die Intimitäten aus der Schöpfungs-\ngeschichte mich berührte, die Ihrem w. Blatte auch\ndie angenehme Gelegenheit verschaffen soll, na-\ntürlich bei diskreter Nichtnennung meines Na-\nmens, einen sensationellen Artikel zu veröffent-\nliehen, warum es auf unserer Erde, besonders\nim Winter so dunkel ist. „Ich weiss dies wie\ngesagt recht wohl,\" fuhr der erste Gott nun fort,\n„und nur durch die gegenteiligen Vorstellungen\nder Vereinigten Petroleum-, Gas- und Auer-Licht\nActien-Gesellschaft, deren Actionäre bei der jet-\nzigen miserablen Beleuchtung sehr viel (25) ver-\ndienen (hier sind wahrscheinlich Prozente zu*\nverstehen, Anm. d. Red.) und darum stets treu\nzu mir halten, liess ich mich von einer tief-\ngreifenden Reform des Beleuchtungswesens auf\nder Erde abhalten. Nun stampfte der erste Gott\nmit grosser Gewalt gegen den Boden und ich\nmuss gestehen, dass es entschieden heller\nwurde. Ich muss hier bemerken, dass trotzdem\nich ganz in Bewunderung versunken war über\ndieses seltene, von höchster Stelle vollbrachte\nWunder, das zu sehen ich das grosse Glück\nhatte, mir die Tatsache doch keineswegs entging,\ndass der Fusstritt, der dieses Wunder hervorrief,\nleider gerade jene Stelle des Himmelsbodens traf,\nwo sich derzeit mein Fuss sammt den dazuge-\nhörigen Zehen gerade befand, und mir besagter\nTritt einen ganz erheblichen Schmerz bereitete.\nIch rief: „Au! Das tut weh!\", doch gab kei-\nnen Ton von mir. Hier nun kann ich einen\nganz reizenden Zug der Allgüte des hohen Herrn\nauführen, der mich geradezu rührte. Als er\nnämlich mein leidendurchwühltes Gesicht sah, —\nich bin nämlich sehr empfindlich, — sagte er\nin neckischem Tone zu mir: „Der kleine Tritt\nschmerzt wohl, mein Gutester?!\" und blickte\nmich recht gütig an. Diese rosige Stimmung\nhielt nun der hohe Herr auch fürderhin bei,\nwas meine Aufgabe nicht unwesentlich erleich-\nterte. Bevor ich daran ging, die richtige Pose\nzu stellen, geruhte sich der hohe Herr danach\nzu erkundigen, wer zu Hause von Notabilitäten\ndenn gesessen sei, — er meinte natürlich, wer\nmi r gesessen sei, — und ob ich auch Frauen-\nportraits ausführte. Ich bejahte dies und bemerk-\nte hieran anschliessend, dass namentlich was un-\nsere Frauen betrifft, an Schönheit und Liebreiz,\nmit dem ihrer guten Gestalt wegen so berühm-\nten Engeln es getrost aufnehmen könnten. Da\nder hohe Herr bei diesem Thema eine Sach- und\nPersonenkenntnis verriet — er war nämlich über\ndie Verhältnisse unserer schönen Frauen in ei-\nner sogar das Durchschnittsmass seines All-\nwissens übertreffenden Weise orientiert, — kann\nch über diesen Punkt seiner Ausführungen nichts\nberichten, ohne meiner bekannten Verschwiegen-\nheit etwas zu vergeben.\n\nViktor von Dirsztay\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nVon Sedan bis\nBudapest\nNur nicht wieder einen Krieg\nJ. A.\nWir hätten, wäre die Schlacht von Sedan\nnicht geschlagen worden, einen Grossen weniger\nin den Reihen der besten Dichter unserer Zeit.\nEinen jener, dessen meisterhafte Romane und No-\nvellen in „langer Kette\" folgten, „mit ihrer glut-\nvollen Leidenschaft, der Kraft ihrer Sprache und\nder oft hinreissenden, düsteren Gewalt der Stim-\nmung.\"\nSchmöcke und Literaturmakler bliesen dem\nSchmied der langen Kette meisterhafter Romane\nund Novellen, schmachtend unter ihrer hinrei-\nssenclen Gewalt, zum 2. September, seinem 60.\nGeburtstag, ein Freudenfeuer an, dass allens nur\nman so rochte. Und gerade auf dem Schlacht-\nfeld von Sedan, dem furchtbaren Erntetag des\nTodes, wurde in ihm, dem Richard Voss,\nder Schriftsteller geboren.\nWie die Entbindung vor sich ging, erzählt\ner in anschauerlicher Weise:\n„Eines Oktobernachmittagis ging ich zum\nletztenmal über einen Teil des Schlachtfeldes, es\nwar tiefe Herbststimmung: welke, lautlos von\nden Zweigen herabsinkende Blätter; welke, vom\nFrost braun gebrannte Blätter; Nebeigeriesel und\ndie Sonne bereits machtlos, den dichten Dunst\nzu durchbrechen. Der Abend brach herein —\nein unaussprechlich schwermütiger, dunkler, stern-\nloser Abend, an dem die Welt alle Hoffnung\nauf Licht hinter sich zu lassen schien. Ich ging\ndurch das zerstörte Bazeilles und dann über die\nWiesen der Maas zu. Ich dac h t e an das Er-\nlebte; und wie ich über alles so recht nach-\ndachte, ward ich mir plötzlich bewusst, dass\nich mich nicht mehr jung fühlte, dass ich in\ndiesen Herbstwochen ein anderer Mensch gewor-\nden war, ein sehr ernster, sehr trauriger Mensch.\nWas ich in jener Nacht gedacht habe, ge-\nstaltete sich später zu einem Büchlein, welches\nich ,Nachtgedanken auf dem Schlachtfeld von Se-\ndan' nannte.\nNiemals zuvor hatte ich mir träumen lassen,\nin mir könnte ein Schriftsteller stecken — auf\nden Schlachtfeldern von Sedan wurde er in mir\ngeweckt.\"\nWie sagt doch schon Schiller so treffend?\n„Der Krieg hat kein Erbarmen\".\nT anz der Kritik um die Wiesenthal\nDer Walter Turzsinsky:\nIm ,Theater in der Königgrätzerstrasse', das\nsich den Herren Meinhard und Bernauer, Direk-\ntoren des Berliner Theaters, unterstellt hat,\ntanzt Grete Wiesenthal in einer neuen Pantomi-\nme von Hugo von Hofmannsthal: ,Das fremde\nMädchen', eine Mischung von Eugene Sue und\nEdgar Allan Poe.\nViele Zeitungsschreiber verlieren sieh jetzt\nimmer tiefer in „Mystik\". Ihr Erinnerungsver-\nmögen schrumpft zu ein paar Notpfennigen der\nPhrase zusammen. Turzsinsky erklärt das „frem-\nde Mädchen\" als eine Mischung von Sue und\nPoe, ein anderer sieht darin „ein tristes\nDing im Balzacstil,\" das der Wiesenthal\nkein* Gelegenheit gibt, ihre Kunst zu „entfal-\nten\". Nach Turzsinsky wäre in dem Nachtstück,\ndem „fremden Mädchen\", durch die Unklarheit\nseiner Absichten ein Hohlraum geblieben, wenn\nGrete Wiesenthal nicht in der Lage wäre, alle\nLücken des Inhalts und der Form mit den\nSchätzen ihrer Kunst zu füllen.\nSo sind sie sich auch über die — doch augen-\nfällige — Kunst der Wiesenthal nicht mehr im\nKlaren, und man dichtet ihr Fähigkeiten an, die\nschon die Grenze des Akrobatischen um mehr\nals einen Zoll überschreiten.\nDie Künstlerin tanzte Liszt's zweite Rap-\nsodie. „Dieses weitausholende Tongemälde, das\nwie ein heisser, sonnendurchleuchteter Wind über\nUngarns Pussta weht. Die Wiesenthal nimmt\nnun dieses brausende Tongefüge in ihre schlan-\nken Arme und hebt es auf wie einen glitzernden\nSmaragd, tanzt über die breiten Wogen der Me-\nlodie mit kleinen, festen Schritten und fühlt sich\nschön und stark im Schreiten.\" Mit dem brau-\nsenden Tongefüge in den Armen, tanzt sie über\ndie breiten Wogen der Melodie. Also."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "649", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.7", "texte": "■\\\nRensss Pollack\nBuchhandlungu.Antiqiiariat\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstr. 118 c\nFernspr.: Amt VI (Lutzow) 2829\nAnkauf einzelner Biicher\nund ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Blichern\nfur Bibliophilen\n\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nlummer 331/332\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Packet\n50 Pfennig\n\nDIE TAT\nWEOE ZU FREIEM\nMENSCHENTUM\nVIERTELjAHRL.M.2 HEFT M.0,80\nEINE MONATSSCHRIFT\nHERAUSGEGEBEN VON\nERiNST HORNEFFER\nVERL. DIE TAT G.m.b.H., LEIPZIG\n\n/erlag „Der Sturm\"\nf- \\\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFiirGesangu.Klavier/52Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch denVerlag DER STURM\nHalensee/Katharinenstrasse5\n\nPrivatbeamte und Ange-\nhorige der freien Berufe!\nSorget fur Eure Zukunft und die Eurer Familie\ndurch Anschluss an den zur Vertretung der wirtschaftlichen, so-\nzialen und recHitlichen Interessen der Prfvat-Beamten gegrSndeten,\ndurch landesherrl. Verleihung m. Korporationsrecht. ausgestattet.\nlIIfUIIIFIIIIMUIIU-NIIII Zl HiSDISIES\nZirka 28 000 Mitglieder in zirka 500 Zweig-\nvereinen, Verwaltungsgruppen u. Zahlstellen,\n\"\nNeben Pensiooskasse, Witwenkasae, Waisen-\nkasse, Begrabniskasse und Krankenkasse sehr\nwertvolle WoMfahrtseinrichtungen\nGesamtvermogen: Ueher 16 Millionen Mark\nHalbjahrl. Beitr. 3 M.:: Man verl. Prospekf.\n\nTHRICHOPHIL\n| F1.M.3,00 F1.M.3,00 |\nfjgj ■■aaaaaaaanasesa = nur oeim Fabrlkanten: =x= ■aaaaaaaaaaaaas Ibbl\n§j Otto Teutscher/Friseur g\nH| 1. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Eing.63Steg-litzerstr.,Tel.Vl,673s\nj 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,63B7\nlIIIIOOOOOOOOOHIII\n\n1. Eine hervorragende Neuerscheinung auf dem Gebiete der MSdclien-\nbildung ist das Buch\nwir noch T'dcliterpensionate ?\"\nvon Prof. D. Dr. Friedrich Zimmer. Preis Mk. 2—\nWichtig fur Eltern lieranwachsemSer Tochter, Padagogen, Pensionats-\nY orsteherinnen.\n2. „I>ie Knabenpenslonate, deren dinrlchtaiisr, ihr imaeres\nund ausseres lieben.\" Yon L. Daniel. Ein Ratseber fiir Eltern\nund Pensionatsinhaber. Mk. I,B€>.\n3. „I>as TSeliterpensiomat\" ist die einzige Zeitschrift, die die In-\nterressen der Vorsisfierinnen vertritt. 7. Jahrgang. Reichhaltiger Inhalt.\nAus der Praxis fiir die Praxis. Pro Halbjahr Mk. 2,5M. .?\nDurch samtUche Buchhdlg. Oder direkt vom Yerlag Dr. Paul Abe!, Leipzig 10 112\n11—i ■ ■ iiiiwim mm, urn ■ larri,fl,, — i,\n\nI LesCahiersdu Centre1\nMonatsschrift fur Soziologie\nGeschichte, Kunst\nund Literatur\nGegriindet von Paul Cornu\nHerausgeber u, Schriftleiter\nHENRY BURIOT\nIn den Cahiers du Centre\nerschienen Werke von Jules\nRenard, Charles-Louis Phi-\nlippe, Marguerite Audoux,\nEmile Guillaumin, Romain\nRolland, Andre Spire, Henri\nBachelin, Valery Larbaud,\nRaymon Darsiles u. a. m.\nJahresbezug furs Ausland:\n4,80 M. (Luxusausg. 9,60 M.)\nProbeheft gegen Ein-\nsendung von 50 Pfg.\nVERLAG u. REDAKTION:\n16, Boulevard Chambonnet,\nMOULINS (Allier) Frankreich\n\nL Effort\nHalbmonatsschrift\nfar moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKunsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD\nJahresbezug fiir das\nAusland: Mark 4.50\nZweiter Jahrgang\nVerlag nnd Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\nLes Horses\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die übrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Francs direkt\nzu beziehen.\n\nra\n«Spielend» lemt man Sprachen durch\nDr. Rebajoli's AUTODIDAKT\nSelbstunterrichtsmethode\nmit Hulfe des Grammophons\nOMNE TULIT\nPUNKTUM\nBisher erschienen:\nA. Italienisch\nB. Franzosisch\nJeder Lehrer, jede Lehrerin,\nJedennann muss Dr. Rebajoli's\nAutodidakt gebmuchen, um\nleicht und griindlich Fremd-\nsprachen zu lernen.\nJede Sprache in 33 Lektionen.\nQUI MISCUIT\nUTILE DULCI\nEpochemachende Neuheit\nVerlag F. HARHISCH & Co., Berlin W57."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "650", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111014-01.1.8", "texte": "Druck von Hermann Blanke's Buchdruckerei, Berlin C. 54, Kleine Rosenthalerstrasse 9\n\nVerlag Der Sturm 1\nDie Abonnenten unserer Wochen-\nschrift werden hoflichst um Einsendung\ndes falligen Betrages gebeten. Er\nwird anderrifalls unter Nachnahme mit\nZuschlag der Einziehungskosten be-\nhoben werden\nSamtliche Postamter nehmen\nBestellungen auf den Sturm an\nVollstandiger erster Jahrgang\nNummer 1 bis 56 mit Inhaltsverzeichnis\nM 5,20 postfrei\n\nPressrelationskreau Hansa\nBerlin NW 28 Holsteiner Ufer 7\nliefert alle Nachrichten tiber\nbust, Literatnr, Wissenschaft\nin jeder Hinsicht nnbedingt zuverlassig.\n:: Akademiscb und literarisch gebildete Lectoren ::\nvorziigliche Organisation\nFernsprecher Berlin II 6121\n\n[ggJJEI £i\nLasker-Schiiler^j\nMeine Wurider\nGedichte\nPreis in van Geldern-Butten gebunden\nDrei Mark\nLU Dreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig llj\nJa\n\nViolinspieler (Dilettant)\nsucM Musikliebhaber (Klavierspieler)\nzur Begleitung\nOfferten unter E. H. an die Redaktion des ..Sturm\"\n*\n\nPraia 1 Mark PreU 1 Hark\nMenthol-Malz-Dragees\nSichercsMittel yegen akuteKatarrheder Atmungfs- ■■!\norgane / ermoglicht Schauspielern und Sangero®\"\nsofortigen Gebrauch der erkrankten Organe\nZAHLREICHE ANERKENNUNGEN um.\nZa babes la aiten Apothekeo and DrogerieH / Alklnige Fabrlicantlc\n„ Pharmacia\" / Pabrik fflr pbarmaceatUcbca Bcdarf / Beiiia-Hftknaec\nWohbduneekand Sicker wirkend\n\nschaftl. Kurse von Friedr. Mesler Leipzig\nanter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngeprufte Lehrcr, Akadcmiker oder auch Kaufleute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufm&nnischen Berufes, rationelles\nStudium der Handcls- and verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njihriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- una Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder fthnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretfschen Vorkenntnissen, Einjihrig-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatig waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitem oder\nvertiefen wollen oder\nfur Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, NaHonalokonomen,\nOffiziere, die fur Verwaitung wirtschaftlicher Unternehmungen oder VerbSnde,\nAktien- oder shnlicher Gesefischaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johaanisplatz 5\n\nVereinrorKanst\nAchtes Jalir\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM3 — zu, sowie der\nkostenlosejahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. Ftir alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nZweiter Abend\nSonnalenfl flen 28. Ofctote\nabends 8 Uhr\n:: Architektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nGERTRUDE\nBARRISON\nTanze\nKarten M 5, 3, 2. I bei\nWertheim. Konzertkasse\nGeschaftsstelle des V. 112. K.\nHALENSEE, Katharinen - Strasse No. 5\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennige Potsdamer Strasse 19\nNeu ausgestellte Gemalde:\nA. Allard Forain W. Leistikow Coutts Michie\nH. Cassiers V. Gilsoul M. Liebermann C. Pissarro\nL, Corinth H. Herrmann A. von Menzel F. Skarbina\nF. Charlet J. B. Jongkind Bern, de Monvel J. Smits\nH. Daumier Le Gout-Gerard Monticelli F. Thaulow u. a.\nSkulpturen von Max Kruse, M. Buchanan, L. Mascre u. a.\nGr6ssteAuswahlmod.? Graphik fUr dekor. u. Sammelzwecke\n\nAm 15. Oktober erscheint Heft 11;\nDer Sprecher\nFachsehrift fur Vortragskunst\nund das gesamte\nV ortrags wesen\nOrgan ffir die deutsche Rednerschaft und die Vereine\nmit literarischen, wissenschaftlichen oder\nkQnstlerischen Bestrebungen\nErscheint am 1. und 15. jeden Monats\nAbonnement vierteljahrlich Mk. 1.20\nEinzelnes Heft (auch als Probenummer) 25 Pfennig\nVerlag „Der Sprecher\" Charlottenb. 1, Spielhagenstr. 7a\n\nDr. Rudolf Bliimner\nerteilt Unterricht in\nSprachtechnik u. Rollenstudium\nCHARLOTTENBURQ . . . , . .\nRoscherstrasse 3 Sprechstunde: 5-6 Uhr\n\nVegetarisches Gasthaos\nFREYA\n■ Charlottenburg ■\n! Bismarckstrasse 9 :\nAm Knie\n■■■■■■■■\n□ □\n□\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kiinstler und Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschrifteiv / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nSflQlßßßflailßll\nB\n; Die Wasserkraft\nZentralblatt fGr Industrie,\nIngenieur- und Bauwesen,\nMotorbetrieb, Elektro-\ntechnik etc.\nOrgan des Verbandes mittel-\nund westdeutscher Wasser-\nkraftbesitzer, des Verbandes\ndeutscher Holzmehlfabriken\nund elektrischer Wasserkraft-\nzentralen.\nInserate finden in der Wasser-\nkraft weiteste Verbreitung. —\nGeschaftsstelle und Verlag\nDuderstadt a. Harz. Vier-\nteljahrspreis M. 1,25 bei freier\nZustellung. — Die Herren\nVerleger werden um Ein-\nsendung ihrer Neuerschei-\nnungen zur Besprechung\ngebeten.\nProbenummern umsonst und\npostfrei durch die Geschafts-\nstelle.\nVertreter gesucht\n\nKarl Kraus\nSpriiche und\nWiderspriiche\nAphorismen\nDie chinesische\n:: Mauer :c\nEssays\nDurch al'e Buch-\nhandlungen zu beziehen\nVerlag Albert Langen\nMilnchen\n8\n\nEdmund Meyer\nBuchMn<lleru.A]itiquai\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfur Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog XXVIII (Varia) erschlenen"}]}