{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_sha256": "0738070c64e9dc07a67738acb63ff09fbf0b221f8d3cbc24c63e547d61ae3963", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/10/28_01/bmtnabg_1911-10-28_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/10/28_01/bmtnabg_1911-10-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "659", "page_fin": "659", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "659", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.1", "debut_caractere": 479, "fin_caractere_exclue": 763, "texte": "Inhalt:\nMAX STEINFR- Aphorismen / ARTUR WEESE: Ferdinand Hodler / FJODOR SSOLLOGUB: Der Knabe und die Birke / ALFRED\nWALTER HEYMEL: Sehnsucht aus der Zeit / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / Dr. FRIEDLANDER: Dr. Max\nZerbst: Die vierte DimensionJ/ FERDINAND HODLER: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "659", "page_fin": "659", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.2", "titre_corps": "Ferdinand Hodler / Der Aufbruch der preussisehen Lützow-Jäger im Jahre 1813 Skizze zu dem Universitätsbild in Jena", "titre_sommaire": "Ferdinand Hodler / Der Aufbruch der preussisehen Lützow-Jäger im Jahre 1813 Skizze zu dem Universitätsbild in Jena", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "659", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.1", "debut_caractere": 765, "fin_caractere_exclue": 879, "texte": "Ferdinand Hodler / Der Aufbruch der preussisehen Lützow-Jäger im Jahre 1813\nSkizze zu dem Universitätsbild in Jena"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "659", "page_fin": "660", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.3", "titre_corps": "Aphorismen", "titre_sommaire": "Aphorismen", "signature_source": "Max Steiner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "659", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.1", "debut_caractere": 881, "fin_caractere_exclue": 2491, "texte": "Aphorismen\nVon Max Steiner\nDie gewöhnliche Ansicht, die man übrigens\nselbst bei ungewöhnlichen Autoren lesen kann,\ngeht dahin, daß die Naturwissenschaft erst erfolg-\nreich wurde, als sie sich von Aristoteles und der\nScholastik losgesagt hatte. Nichts ist verkehrter\ndenn diese Ansicht. Die Naturwissenschaft hat\nnämlich nicht etwa die Methoden gewechselt und\nihr Ziel— das Ewig-Wahre — erreicht, sondern sie\nhat zwar das erste getan, das zweite aber aufge-\ngeben. Und die Scholastik unterscheidet sich viel\nweniger durch die Methode von der Naturwissen-\nschaft als durch die Probleme. Wenn man dem\nheiligen Thomas von Aquino ein modernes Hand-\nbuch der Physik in die Hand geben könnte, so\nwürde er sich vermutlich von den Antworten der\nneuen Forschung durchaus befriedigt zeigen. Lieber\ndie Fragen aber würde er lächeln. Er würde sa-\ngen, daß die Naturwissenschaft reinlich arbeite, gut\nmesse und redlich wäge, daß sie mit einem Worte\nein ehrsames Handwerk sei. Doch sehe er nicht\nein, inwiefern - sie ihn belehren wolle, da sie sich\nja um das, was er gesucht habe: um die W ahiheit,\ndas Wesen der Dinge, das große Warum, niemals\nkümmere. Qegen solche Anklagen ist der Natur-\nforscher, der mit uns die Erkenntnis des Rich-\ntigen, nicht die des Wahren, als die Aufgabe der\nWissenschaft betrachtet, sehr wohl gefeit. Denn\ndie Scholastiker haben das Wahre gesucht, aber\nnicht gefunden, während wir durch Erfahrung\ndreier Jahrtausende hinlänglich gewitzt sind, es\nnicht erst zu suchen. Den Naiven freilich, die noch\nheute glauben, die Wissenschaft wolle die Wahr-\nheit ergründen, kann der Scholastiker auf Schi itt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "660", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7920, "texte": "und Tritt nachweisen, daß die neue Methode zu\neinem so erhabenen Zwecke nicht besser geeignet\nist als die alte. Denn die Kirchhoffsche Behaup-\ntung, daß wir jeden Naturvorgang nur zu beschrei-\nben, nicht zu erklären vermögen, bestreitet nie-\nmand, der sie verstanden hat.\nKosmologische Metaphysik: jener Tiefsinn, der\nso alt wie der Ruhm des Thaies und so wohlfeil\nwie die Lagerstätte des Diogenes ist.\nDer Kritiker unserer Erkenntnis beweist, daß\nwir göttliche und transzendente Probleme nicht\nlösen können. Er lehrt also, unseren Geist ver-\nachten, der auf so erhabene Fragen keine Antwort\nzu geben vermag. Der Religiöse aber lehrt den\nGeist bewundern, der befähigt ist, solche Fragen\nauf zu werfen.\nDie Vernunft kann in transzendenten Fragen\nnicht entscheiden. Aber warum muten uns die\nTheologen zu, ihre Unvernunft für maßgebend zu\nhalten?\nDas Publikum liebt heutzutage auch Märchen\nin wissenschaftlichem Gewände. Wenn man von\n„ergastischen Molekülen\" redet, so scheint das un-\nendlich wissenschaftlicher als das simple „Gott er-\nschuf\". Und der Professor Hatschek unendlich\ngelehrter als der Prophet Moses. Daß sich Hat-\nschek bei seinen ergastischen. Molekülen gerad so\nviel denkt, wie sich Moses bei dem „Nichts\" dachte,\nleuchtet den „weitesten Kreisen\" nicht so bald ein.\nMan will Märchen und wünscht gelehrt zu sein.\nDie moderne Naturwissenschaft ist eine expe-\nrimentierende Bürokratie.\nDie Metaphysik hat sehr kühne und poetische\nGedanken in einer geschmacklosen Sprache dar-\nzustellen geliebt. Wie wäre es, wenn die Meta-\nphysik ihre dichterische Kraft nur der Stilistik wid-\nmete, anstatt der Spekulation? Man versuche es\nendlich, nüchtern und klar Begriffe in gutem Aus-\ndrucke zu verbreiten. So wird man zugleich der\nErkenntnis wie der Kunst dienen und sich dabei\nvor dem Eindringen schaler Köpfe in geheiligte\nGaue schützen. Denn Kühnheit der Spekulation\nist einem jeden gar leicht zu erreichen; er braucht\nnur die Absurdität um Hilfe anzuflehen. Aber ein\nknapper offener Stil, der für tiefsinnig anmutende\nPlattheiten unbrauchbar ist, erzwingt verstän-\ndige Rede oder wenigstens ein erträgliches\nSchweigen.\nDen philosophischen Köpfen fällt die Aufgabe\nzu, das Freidenkertum, das Frei-von-Gedankentum\naus seiner astronomischen Reserve zu vertreiben.\nEs gilt, die Prinzipien des Atheismus aus der Har-\nmonie der Sphären in die irdischen Niederungen\nzu geleiten. Hic Rhodus: hier soll euere Lehre den\nmoralischen Sprung wagen Und wenn einer von\neuch seine paar Dürftigkeiten mit allen Kleinodien\nder christlichen Ethik zu schmücken beliebt — so\ndarf er fürderhin um seiner Sittlichkeit willen nicht\ngelobt werden. Denn ob ein Forel die christliche\nMoral befolgt, ob nicht — was kann dies der christ-\nlichen Moral nützen oder schaden? Sie hat solche\nZustimmung wahrhaftig nicht nötig. Zweitausend-\njährige Kulturarbeit legitimiert sich von selbst.\nWer aber die Grundlagen zu dieser Kulturarbeit\n— den Gottesglauben — verwirft, dem müssen\nauch die köstlichen Früchte verweigert werden,\ndem muß man den Bettelstab aus der atheistischen\nWerkstätte in die Hand drücken. Jeder Philister\ndünkt sich Uebermensch, wenn er Gott lästert. Für\nden modernen Normalmenschen ist der Atheist die\nBrücke zur höheren Art. So ziehe man denn die\nletzten Folgerungen: man mache doch so einem\nForel klar, daß man „voraussetzungslos\" zu sein\nwünscht, daß man von Atheisten nicht moralische\nGemeinplätze, sondern bündige, exakte, logisch-\nmathematische Beweise erwartet.\nDie Wahl ist kurz: Entweder du kannst die\nRichtigkeit der altruistischen Ethik ohne metaphy-\nsische Annahmen beweisen, oder du mußt diese\nEthik aufgeben. Ein Drittes führt dich zur — Re-\nligion. Damit sind die moralischen Atheisten abge-\ntan. Und wer tiefer blickt, wer die Strömungen\nder Zeit, die humanitären Redensarten und Gleich-\nheitsideale kennt, wer das Wesen dieses ganzen\n„Fortschritts\" durchschaut hat, kann an dem Er-\nfolge der Alternative: „entweder Atheismus oder\nMoral\" nicht zweifeln. Die Foreis werden bald\nbekehrt sein.\nDer Darwinismus ist es nicht, was die moder-\nnen Freidenker so unsympathisch macht. Wrären\ndie Darwinisten nur konsequent, sie wären bald\ngeachtet. Aber die da an der alten Moral mäkeln,\nohne sie zu vernichten, die da nach einer neuen\nMoral schreien, ohne sie schaffen zu können —\ndas sind die Tiefstehenden, die — Allermodernsten.\nEine ganze Berufsklasse gehört zu ihnen: die Me-\ndiziner. Und zahllos sind die Literaten dieser Art.\nEin Mensch, der die bürgerlichen Sittlichkeitsbe-\ngriffe als widernatürlich verurteilt und nun die\nSinnlichkeit als eine — heilige Sache anbetet,\nwird nicht darüber belehrt, daß es in der Natur\nnichts Heiliges gibt. Nein, man bewundert noch\nsolche Viertel-Aufklärung und verehrt in einem\nFrenßen den großen Denker. Habt erst den Mut,\nder Hölle, deren Geister ihr gerufen, in den Schlund\nzu blicken. Werdet erst reif für die Gestirne des\nBösen.\nNicht eine Vereinfachung der Probleme, nur\neine Vereinfachung der Namen hat der Darwinis-\nmus gebracht.\nDie Rationalisten sind zu aufgeklärt, um blind-\nlings an die Dogmen zu glauben. Sie grübeln über\ndie kirchlichen Lehren und entdecken schließlich,\ndaß die Religion kein mathematisches Axiom ist.\nAber so revolutionär ist der Verstand eines frei-\nsinnigen Theologen niemals, auch die Moral anzu-\nzweifeln. Daher darf Harnack den Halbflüggen\ndie Ethik des Christentums als das Wesen des\nChristentums hinstellen, ohne daß er darum Wider-\nspruch statt der Bewunderung zu fürchten hätte.\nDenn dem Rationalisten gingen die Mysterien\nlängst wider den Strich; daß er nun als sittlicher\nMensch zugleich ein gläubiger Mensch werden\nkann, begrüßt er mit Jubel. Denn sein Harnack\nhat ihm nicht verraten (und hat es sich wohl selbst\nnoch nicht zugestanden), daß das Problem der\nEthik bis zu dieser Stunde nicht klarer ist als das\nder Dreifaltigkeit.\nDer Blitzableiter (siehe Bölsche!) wird jenen\nMenschen das Kreuz entbehrlich machen, denen\ngutbesohlte Schuhe ein Schubertsches Wanderlied\nersetzen: den Banausen. Aber auch nur diese\nkönnen sich mit einer Weltanschauung befreunden,\ndie aus einer technischen Vorrichtung Argumente\ngegen das Sinnbild der Welterlösung holt, die mit\nden Erfindungen menschlicher Notdurft die höch-\nsten Augenblicke des Geistes verbindet und die\nden Glauben zu befreien vorgibt, indem sie ihn\ntötet.\nEchte Kultur läßt das Kreuz ruhig neben dem\nBlitzableiter stehen. Echte Kultur vermag Sym-\nbole zu trennen. Sie erschöpft sich nicht in me-\nchanischen Instrumenten und baut aus Quadrat-\nwurzeln keine Religion. Sie wird einst den Tag\nherbeiführen, da man „Monismus\" mit „Einseitig-\nkeit\" übersetzen wird.\nDie Theologen haben sich stets bemüht, das\nDasein des Gottesglaubens bei allen Völkern der\nErde nachzuweisen. Die Moralisten wiederum\nzeigten bedächtig, daß auch in den armseligsten\nStämmen das allgemeine sittliche Bewußtsein der\nMenschheit lebt. Aus jener Tatsache schlössen\ndie Theologen auf das Wahrscheinliche des Gottes-\nglaubens, aus dieser leiteten die Moralisten die\nRechtfertigung unserer ethischen Werte ab. Hät-\nten Theologen und Moralisten ein überzeugendes\nArgument für die religiösen und moralischen Ideale\nvorbringen können, so hätten sie nicht gezögert,\nes herbeizuziehen. Sie besaßen jedoch keines, und\nes konnte ihnen deshalb zum Tröste dienen, daß\nes außer den europäischen Theologen und Mora-\nlisten noch so viele andere Leute gibt, die auch\nnicht wissen, was sie tun. Ein Trost mag das\nja nun vielleicht sein; eine Erkenntnis ist es nicht.\nWenn ich mich in einer Sache nicht zurechtfinde\nund trotzdem über sie urteile, so werde ich mög-\nlicherweise dadurch beruhigt werden, daß alle\nmeine Nachbarn ebenso handein. Aber diese Einig-\nkeit bedeutet keine Autklärung, und meine Vor-\nurteile werden nicht zu Erkenntnissen, sobald sie\nvon meinen Mitbürgern geteilt werden.\nMan kann unsinnige Gebräuche wohl damit\nerklären, daß sie in sozialen Instinkten wurzeln.\nAber man kann sie damit nicht rechtfertigen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "660", "page_fin": "661", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.4", "titre_corps": "Hodler und die Eurythmie", "titre_sommaire": "Hodler und die Eurythmie", "signature_source": "Artur Weese", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "660", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.2", "debut_caractere": 7922, "fin_caractere_exclue": 10190, "texte": "Hodler und die Eu-\nrythmie\nVon Artur Weese\nDie Linie dient Ferdinand H o d 1 e r nicht nur\nals Umriß des Körperlichen — sie ist auch das\neigentlich kompositionelie Grundelement.\nMag sie Einzelfiguren zu Gruppen zusammen-\nfassen oder Gruppen zueinander in Beziehung\nsetzen, die Linie ist es, die die Fläche gliedert,\ndas Figürliche ordnet und als ein System höherer\nOrdnung im Bilde waltet. Ott scheint es, als sei\ndiese lineare Komposition das Primäre auch bei\nder Entstehung gewesen; als wären diese großen,\nausdrucksvollen Kurven und Lineamente zuerst\nauf der Leinwand fixiert worden und dann erst\ndas Figürliche als ein Element zweiter Ordnung\nhinzugekommen. Der Takt und der Rhythmus\nscheint das Gegebene. Darm erst treten Melodie\nund Figurationen hinzu und erhalten im Figür-\nlichen Ausdruck. Es findet gleichsam eine Trans-\nponierung des Linearen in das Symbol mensch-\nlicher Formen und Gesten statt. Der Mensch,\nsonst Selbstzweck der künstlerischen Darstellung,\nwird nun zum Träger einer Empfindung oder\nrhythmischen Ordnung und dadurch zu einem Mit-\ntel stilistischer Absichten geprägt, deren letzte\nZiele ganz gewiß nicht die Verkörperung dieser\noder jener Individualität sind, noch weniger irgend\neiner naturalistischen oder impressionistischen Be-\nobachtung. Mittel solcher Art dienen allein der\nIdee. Lineare Konstruktionen, wie wir sie hier\nkennen lernen, wollen eine seelische Spannung\nhervorrufen, die nicht sinnliche Neugierde und\nfrohgemute Naturschwärmerei ist, sondern Wach-\nsamkeit der Verstandeskräfte. Sie wenden sich\nan das begriffliche Vermögen, das fähig ist, lange\nBeobachtungsreihen zusammenzufassen und die\nSumme als Einheit in abstrakto aufzunehmen. So\nsind denn die Titel zu Hodlers Bildern oft voa\neiner dunklen philosophischen Färbung oder in\neinem so lockeren Zusammenhange mit der Dar-\nstellung, daß sie Beunruhigung hervorrufen.\nAls kompositionelles Element und Grundkon-\nstruktion des Bildes hat aber die Linie noch einer\neigenartigen Ordnung sich fügen müssen.\nDas Wesen aller linearen Figuration ist die\nWiederholung der Linie in wohlgefälligen Ver-\nhältnissen oder Proportionen und in der Einheit\noder Mannigfaltigkeit der Richtungsmomente.\nIn dem Bilderkreis der Hodlerschen Werke\nnun ist unter vielen Möglichkeiten harmonischer"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "661", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5506, "texte": "Ordnung fast durchgängig der eine Fall der Eu-\nrhythmie befolgt.\nEurhythmie ist Geschlossenheit einer Ordnung\nauf eine Mitte hin. Sie ist Ergänzung der Sym-\nmetrie, sie begreift die Proportionalität in sich.\nAber vor allem ist sie Zentrierung der Beziehun-\ngen auf eine Mitte hin, so daß ein Einschluß der\nOrdnung nach innen und ihr Abschluß nach\naußen die Folge ist.\nDiese Beziehung zur Mitte ist von Hodler\ndurchgeführt, indem er die Figuren kreisförmig\num einen Mittelpunkt stellt; wo jedoch eine paral-\nlele Nebeneinanderstellung der Figuren vorge-\nzogen wurde, ist die mittelste entweder höher\noder tiefer gestellt oder durch größere Intervalle\nein wenig isoliert. Um eine gleichsam zahlenmä-\nßige, eurhythmische Ordnung zu. erhalten und im\nGrundriß schon die Geschlossenheit um eine Mitte\nzu fixieren, wählt er gern eine Fünfzahl von Fi-\nguren, so daß zwei Gruppen zu zwei beiderseitig\nneben eine einzelne zu stehen kommen.\nDie Eurhythmie wächst gleichsam von selbst\naus der linearen Struktur heraus, die die Figu-\nren beherrscht und in der kompositioneilen Plan-\ndisposition waltet.\nSie ist die harmonische Zusammenfassung der\ngleichartig wiederholten Einzelmotive in einer ge-\nordneten Gruppe. Sie ist eine Konsequenz des\nParallelismus. Sie dient der Idee, die dargestellt\nwird, indem durch diese rhythmische Ordnung\njedes Einzelglied nur durch seine Beziehung zum\nManzen seine Bedeutung erhält. Sie ist das Ge-\ngengewicht gegen die Willkür und die überragende\nWichtigkeit des Individualismus. Sie löst das\nInteresse für das Glück und das Elend persön-\nlichen Schicksales auf und lenkt den Sinn auf die\nMacht und Harmonie der Weltordnung. Sie mil-\ndert die Pein, die uns die Nähe und unmittelbare\nGegenwart der Tragik des Einzelnen erweckt, und\nflößt die beruhigende Erkenntnis ein, daß auch\n•las Weh und die Klage des tiefsten Schmerzes\nnur ein Ton ist in dem Schmerzenslied, das das\nAK durchzittert. Sie verstärkt die Grundtendenz\ndes Künstlers, nur den Gedanken, den Begriff,\ndas allgemeine Schicksal, die ewige Wiederkehr\ndes immer gleichen Einzelfalles darzustellen. Und\nwie er nicht das Erlebnis des Individuums be-\nachtet, sondern nur das Gesetz, die Ordnung der\nDinge, die Notwendigkeit des Geschehens, so ist\nauch seine Darstellung von diesen Notwendigkeits-\nwerten zu einem Ganzen zusammengeschlossen.\nDiese Geschlossenheit und Notwendigkeitsbe-\nziehung aller Teile zum Ganzen ist — die Eu-\nrhythmie.\nDieses Prinzip eurhythmischer Gliederung hat\nFerdinand Hodler den überraschenden Erfolg ein-\ngetragen, daß er ein historisches Gemälde, also\neine mit allen Bannflüchen der Kritik verstoßene\nBildgattung wieder zu Ehren bringen konnte. Er\nhat das erste historische Bild großen Stils ge-\nschaffen, daß im modernen Sinne eine vollkom-\nmene neue Lösung ist und künstlerische Quali-\ntäten besitzt, die es weit über den Stoff, ja sogar\nüber die Aufgabe hinausheben. Das Gemälde, das\nden Auszug der preußischen Freischaren in den\nBefreiungskrieg von 1813 darstellt, dem Platz\nnach, für den es bestimmt ist — für die Treppen-\nhalle in der Universität Jena — ein Wandbild\nüberlebensgroßen Formates, und dem stilistischen\nAnspruch der Darstellung nach ein Monumental-\ngemälde feierlicher Art und patriotischen Appel-\nles, wie jede Glorifikation, ist dem Motiv nach\nnichts als ein Episodenbild epischen Charakters.\nAber diese Episode steht da als eine Szene\nfür hunderte, die sich ebenso abgespielt haben.\n„Der Aufruf an sein Volk\" ist vom König von\nPreußen erlassen worden. Da leistet ihm alles\nkampfesfreudig und begeistert Folge. Voran die\nStudenten. Sie fahren eilig in die Waffenröcke,\nsie schwingen den Tornister auf den Rücken, sie\nsteigen in den Sattel, sie jauchzen und lassen die\nSäbel klirren, die unruhigen Rosse schäumen und\nsteigern die Kasernenunruhe vor dem Abmarsch.\nAber schon sind die Bataillone formiert. Sie sind\nim Marsch. Die Erde erdröhnt unter dem ehernen\nSchritt und Tritt dieser Heere, die auf Paris los-\nmarschieren und nicht aufzuhalten sein werden,\nbis sie unter dem Are de Triomphe in der Haupt-\nstadt des Erzfeindes einziehen. Welcher Rhyth-\nmus, welch gewaltiger Zug, welch ungeheure\nMasse, wenn auch das Auge nur einen Bruchteil\nder langgestreckten Kolonne erblickt. Alles ist\naus dem Geist der großen Zeit entstanden.\nUnd doch ist die Szene keine Episode. Denn\naller genreartigen Wahrscheinlichkeit entkleidet,\nist das Einzelbild ein Sinnbild für die große. all-\ngemeine Evokation, die das ganze Volk ergreift\nund zu den Waffen ruft. Jeder dieser Studenten tut\nseine Pflicht für sich und sein Volk; im Bilde wird\ner zum Helden als Person und als Typus, auch\nohne die heroische Pose und das theatralische Pa-\nthos, das solchen Bildern sonst vorbehalten ist.\nOb es nicht die stärkste Probe war, die Hodler\nbestand, als er den kriegerischen Ruhm eines\nfremden Volkes zu feiern unternahm? Eine Probe,\nbei der die Ausdruckskraft seiner Phantasie und\ndie objektive Treffsicherheit seiner künstlerischen\nGeschichtsauffassung sich zu bewähren hatten.\nHat nicht einer der großen italienischen Meister\ndasselbe Motiv für ein Bild historischen Stiles auch\nbenutzt, das Trompetensignal, das die badenden\nSoldaten zu den Waffen ruft? In der Hand des\nKünstlers wird auch das Kleine groß und bedeu-\ntend, weil er in ihm unzählige Strahlen des großen\nLichtes zusammenfaßt, das die Welt durchflutet.\nArtur Weese veröffentlichte ein Buch über Ferdinand\nHodler, das im Verlag von A. Francke, Bern erschienen\nist. Die Zeichnung von Hodler wird mit Erlaubnis des\nVerlags wiedergegeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "661", "page_fin": "662", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.5", "titre_corps": "Der Knabe und die Birke", "titre_sommaire": "Der Knabe und die Birke", "signature_source": "Fjodor Ssollogub", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "661", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.3", "debut_caractere": 5508, "fin_caractere_exclue": 10278, "texte": "Der Knabe und die Birke\nVon Fjodor Ssollogub\n„Mein liebes, weißes Birkchen,\" flüsterte\ner. Liebevoll sieht er die kleine Birke an. Er sitzt\nauf der Bank in seinem Garten, ein kleiner, mage-\nrer, blasser Junge in einer hellen Kattunbluse. Er\nsitzt ein wenig gebückt. Seine Hände, die etwas\nverbrannt sind, hält er auf den Knien. Dort schla-\nfen sie.\nGanz leise kommt sie von hinten heran und\nlacht plötzlich auf, hell und klingend. Das Lachen\nzieht sich über ihr purpurrotes Gesicht und spiegelt\nsich in ihren braunen Augen. Sie setzt sich auf\ndie Bank neben den Bruder.\n„Du liebkosest mit deinen Blicken die Birke\nund träumst von Liubotschka. Du bist dumm, Se-\nrescha; sie hat einen Bräutigam.\"\nUnsicher und verwirrt sieht Serescha die\nSchwester an, als ob er sie hörte, aber nicht ganz\nihre Worte versteht. Er seufzt gezogen:\n„Du hast auch Einfälle ! Was geht mich deine\nLiubka an! Die sollte mich gerade interessieren;\nsie ist ungefähr dreimal so schön wie der graziö-\nseste aller Sumpffrösche.\n„Pfui, Dummkopf,\" lacht das Mädchen, „darf\nman so von jungen Damen reden?\"\nSerescha sieht sie ruhig an: „So wenig du mich\nverstehst, so gut hast du das Schimpfen gelernt!\nWenn du noch einmal Dummkopf zu mir sagst,\ntauch ich die wieder ins Wasser.\"\n„Das wollen wir erst sehen, wer getaucht\nwird.\" Sina ist ärgerlich oder stellt sich doch so.\nSie steht auf, schleudert die Zöpfe zurück, wirft\nnachlässig über die Schulter: „Ich will mit dir über-\nhaupt nicht reden!\"\nKaum hört man noch das jammernde Knirschen\nder Sandkörner unter den kleinen Absätzen. Sere-\nscha schmiegt sich an die Birke und küßt ihre feine,\nweiße Rinde. Ein Zittern rieselt durch den schlan-\nken Stamm des Baumes; die fröhlichen, unschul-\ndigen Blätter umrauschen den Knaben mit süßem\nDuft. Leise streichelt der Knabe die Birke und\ndrängt seine Wange an ihre zarte Haut.\n0 Nacht des Nordens! Die jungen Damen\nsitzen im Garten und lachen. Das Klingen ihrer\nStimmen stört Serescha. Er geht auf seine Kam-\nmer, setzt sich ans Fenster und blickt in den selt-\nsam gefärbten Himmel, den er liebt. Er wartet,\ndie jungen Damen werden schon gehen.\nEndlich! Nun ist es still. Der Knabe eilt in\nden Garten zur Birke. Das Landhaus steht hoch am\nUfer. Unten rauscht der Fluß über Geröll. Un-\naufhörlich rauscht er.\nEin feines, birkenschlankes Nixchen steigt her-\nauf. Die zarte Birke erschauert leicht. Es flüstern\nihre süß duftenden Blätter. Hinter den Sträuchern\nsteigt die Nixe herauf: Komm doch her, mit mir ist\nes lustiger. Die da ist stumm; ich werde dir viele\nMärchen erzählen.\"\n„Geh fort,\" ärgerte sich Serescha, „deine Mär-\nchen können mich nicht locken.\"\n„Hast du schon Hauffs Märchen gelesen?\"\n„Nein!\"\n„Und Alfanaßjeu kennst du auch nicht?\"\n„Siehst du! Geh fort!\"\nUnd sie lacht hell, glasdünn. Im Uferschilf\nflüstert es. Kein Lachen und kein Weinen.\nDer Knabe kommt jeden Tag. Noch steht das\nGras grün und frisch. Aber schon eilt der heiße\nSommer herbei. Man muß etwas tun, ehe die\nBlätter alt werden.\nSerescha legt sich auf die Bank unter der\nBirke; sie neigt sich über ihn, sie flüstert im Winde\nund schaukelt sich freudig und schmachtend.\nHier findet ihn die Base Lisa. Sie ist sehr schön\nmit ihren schwarzen Augen und ihren schwarzen\nHaaren. Sie ist erst vor kurzem Witwe gewor-\nden, aber schon genau so lustig wie immer. Sie\nsetzt sich dicht neben Serescha. Sie riecht nach\nstarkem Parfüm und neckt Serescha. Das tut sie\ngern.\n„Sereschenka,\" schmeichelt sie liebevoll, dabei\nhat sie tückische Worte im Kopfe.\n„Nun, was willst du denn?\". Serescha ahnt\nschon ihre böse Absicht. Wann käme sie auch in\nguter?\n„Mein Lieber, du liegst da, kannst du nicht\naufstehen?\"\n„Was denn?\" antwortet Serescha gereizt.\n„Du liegst unter der Birke und träumst von\nLiubotka. Wirst du nicht zu ihr gehen?\"\n„Unsinn,\" brummt Serescha.\n„Vielleicht tut dir dein Leib weh?\" fragt Lisa\nund lacht leise.\nSerescha schweigt.\n„Du hast dir wohl an Liubotschkas Pomade\nden Magen verdorben?\" und zärtlich streicht sie\nsein Haar.\n„Was für Dummheiten!\" schimpft Serescha.\n„Liubotschka hat keine Pomade!\"\n„Woher weißt du denn das?\" lacht Lisa. „Hast\ndu in ihren Sachen gewühlt? Hast du dir ein Bänd-\nchen als Andenken mitgenommen? Wo ist es?\"\nSie steckt die Hand in Sereschas Tasche.\n„Trägst du es nicht bei dir?!\"\nSerescha springt auf und läuft fort. Er dreht\nsich um und ruft von weitem: „Eine sehr freche\nWitwe!\"\nLisa lacht und geht zu den Großen zurück, die\nebenso wie sie vergessen haben, daß sie als Kinder\nzarter empfanden. Lisa hat die kleine Zerstreu-\nung schon vergessen, aber Serescha muß den\nganzen Tag an Liubkas Pomade denken. Er\nfühlt einen schlechten Geschmack im Munde, wie\nwenn er sich wirklich mit der nicht vorhandenen\nPomade den Magen verdorben hat. Es ist wieder-\num Nacht. Alle Bäume im Garten sind still ge-\nworden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "662", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2539, "texte": "Nur die kleine Birke flüstert ihnen etwas zu.\nSie flüstert leise, dann schweigt sie auch.\nEin warmer Nebel zieht von den Feldern her-\nauf. So zu stehen, zu träumen, sich im Schweigen\nzu verlieren.\nLeise flüstert Serescha:\n„Ich liebe dich, weiße Birke. Nur dich allein\nliebe ich. Du bist wie der Frühling; du lachst\nnicht und neckst nicht. Du bist mir zur Freude\ngewachsen.\"\n„Nur zur Freude?\" beugt sie sich vor.\n„Ich weiß nicht,\" antwortet Serescha.\n„Du bist groß geworden, stehst und schweigst.\nOhne zu begehren begehrst du. Deine Zweige ha-\nben sich in die Breite gestreckt und mit Blättern\nbedeckt. Ganz weiß — ganz still bist du. Du\nwirst freundlich zu mir sein, du wirst mich küssen.\nDu bist meine Freude.\"\n„Freude, nicht Qual?\" beugt sie sich traurig\nzu ihm.\n„Und wenn auch Qual,\" flüstert Serescha. „So\nwerde ich mich an dich schmiegen, so werden du\nund ich süß und zart fühlen.\"\n„Süß und zart,\" haucht die Birke, „willst du\ndas, kennst du das?\"\nSerescha umarmt die schlanke Birke und preßt\nseinen Kopf an ihre zarte Rinde. Er bebt in süßem\nEntzücken.\nSchmerz und Traum liegen in seinem Begeh-\nren. Durchsichtig und zerbrechlich klingt das Wei-\nnen der eifersüchtigen Nixe mit dem grünen Schaum\nin den Flechten. Kalte Tränen rollen aus den\ngrünen Augen. Der Garten ist von den Nebeln der\nTrauer erfüllt. Kalte Seufzer der ohnmächtigen,\nnächtlichen Sehnsucht erklingen. Der kalte Nebel\nwogt und die Bäume des Gartens empfinden seine\nSehnsucht. Zwei Leben haben sich ineinander er-\ngossen und erbeben. Sie glühen in der Flamme der\nLiebe und des Entzückens — und sie empfinden\ndie Hoffnungslosigkeit der Liebesbewegungen.\nEbenso hoffnungslos, fern von einander, wie jede\nanderen zwei Seelen in ihrem Lebensbund — da\nhaben sie das Begehren und Ineinanderströmen\nvereinigt, alles einander gegeben, was sie besitzen.\nErmattet liegen sie da in ohnmächtime Erbeben\nzweier schlanker, erkaltender Körper. Die Nixe,\ndie ihr Antlitz niemals den Menschen zeigt, tritt\nnahe heran und rastet. Von ihr weht zu ihnen\njener Zauber herüber, der stärker ist. als alle Zau-\nber des Lebens.\nSie fragt:\n„Unvernünftiges Kind, was willst du denn?\"\nDen süßen Saft ausströmend, flüstert die Birke:\n„Nur einen Augenblick. Dunkel ist das Leben\nund schwer sind die Ketten des Daseins. Gib mir\nnur einen glühenden Augenblick!\"\nDa lief die Flamme des Entzückens durch den\nschlanken weißen Körper der Birke. Und mit einem\nAufschrei wahnsinnigen Glückes fielen zwei im\nGeben erkaltende Körper zu Boden.\nNach einer Übersetzung der Eugenie Chmieiustzky. Von\nKurt Hess."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "662", "page_fin": "662", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.6", "titre_corps": "Eure Sehnsucht aus der Zeit", "titre_sommaire": "Eure Sehnsucht aus der Zeit", "signature_source": "Alired Walter Heymel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "662", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.4", "debut_caractere": 2541, "fin_caractere_exclue": 3204, "texte": "Eure Sehnsucht aus der\nZeit\nAlired Walter Heymel\nAus sanfter Schwermut und der Liebe Trauer\nErmann ich mich; versuch mich zu ermannen,\nUnd kann doch Tod und Untergang nicht bannen\nWohin ich flüchten will, ragt Mauer auf an Mauer.\nGrüb ich den Acker um, ein guter Bauer,\nUnd dient im Schweiße, wüßte ich von wannen\nDies alles kommt und wüßte nie von dannen\nIch käm aus Schmach und Schande, Scham und\nEs fehlt uns allen Dienst und Ziel und Zwang,\nDie allen nottun und die keine wollen,\nSo schmachten wir in Freiheit sonder Siege.\nIm Friedensreichtum wird uns tödlich bang.\nWir kennen Müssen nicht noch Können oder Sollen\nUnd sehnen uns und schreien nach dem Kriege."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "662", "page_fin": "663", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.7", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Sehüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "662", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.4", "debut_caractere": 3216, "fin_caractere_exclue": 9858, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Sehüler\nHeute ist St. Peter Hilles Namenstag. Mich\nfragte ein Fremder, wie St. Peter Hille ausgesehn\nhabe? Der Frager war ein Astronom und machte\nsich den wahren, strahlenden Begriff von ihm.\nWarum ich nicht an seinen Feiertagen zu seinem\nGrabe pilgere — wenn ich Maria oder Magdalene\nwäre — aber zwischen uns war selbst nicht die\nIntimität der Träne. Ich warte ehrfürchtig bis der\nProphet mir erscheint. Ebenso, meinte der Astro-\nnom, wie ich dieser Himmelserscheinung harre, er-\nwarten sie den Kometen.\nAber daß St. Peter Hille einmal ein Engel be-\ngegnete auf dem Felde, das weißt Du wohl nicht,\nHerwarth? Wie er mir das sagte, waren seine\nbraunen Augen himmelblau und ein Blinder, der un-\nserm Gespräch lauschte, vertraute mir später ver-\nzückt, er habe sehen können, während der Pro-\nphet die Geschichte des Engels erzählte.\nIch möchte etwas darum geben, wenn er die\nMelodie, die du zu seinen Gedichten geschrieben\nhast, vernehmen würde; er konnte sich freuen; und\nmeine Bibel, das Peter Hille-Buch, hätte er immer\nin seiner großen Manteltasche getragen und immer\nnachgeschlagen, wenn er etwas über sich verges-\nsen konnte. Manchmal vergaß er wahrhaftig, daß\ner ein Prophet war. Wir müssen St. Peter Hille\neinen Tempel bauen, wer hätte so ein mächtiges\nHerz, ihn darin ganz zu gedenken. Deine Tem-\npelerbauerin. Grüße Kurtchen.\nDer Sezessionsmaler Hernstein glaubt wahr-\nhaftig, er ist der Bischof, Ich habe selbst schuld,\nnannte ich ihn doch stets den feinen, jüdischen Kar-\ndinal. Er findet außerdem, meine Korrespondenz\nschwäche ab, ich schreibe gar nichts mehr zum\nLachen. Nun weiß ich aber wieder was zum La-\nchen. Der „wirkliche Bischof\" fragte mich, ob er\nmir seine Freundin vorstellen dürfe? Als meine\nErkundigungen nach ihren Vermögensverhältnissen\nungünstig ausfielen, antwortete ich meinem Bischof,\ndaß ich mir diesen Luxus nicht erlauben könnte.\nIch bringe direkt ein Opfer, meine Freunde, denn\nseine blonde Lacherin dünkt mich eine Schel-\nmin, aber ich kann doch nicht alle Menschen in\nmeiner bösen, finanziellen Lage umsonst kennen\nlernen. Ist das nicht zum Lachen?\nRudolf Kurtz schrieb mir heute morgen einen\nBrief im Zeitstil Kleists. Aber ich las deutlich eine\nUnzufriedenheit aus seinen Zeilen deswegen auf\nUmwegen meiner Depesche, die ich Euch sandte\ndes Bündnisses Hiller Hoddis Kurtz etc., etc. wegen.\nUnd dabei war sie doch kurz gehalten, ganz in\nseiner enganliegenden Schreibweise. Sein letzter\nAufsatz (ich glaube in der Gegenwart) war direkt\ninhaltlich ein geistvolles Buch von zwei Seiten.\nAber destomehr hat die Versöhnungs-Depesche Max\nFröhlich gefallen, verehrte Pelzvermummte. Er\nmalt wie ich dichte. Ich liebe ihn dafür unaus-\nsprechlich, meine Liebe überträgt sich auch auf\nseine Frau, die ist Bildhauerin, das wißt Ihr doch?\nO, seine mannigfaltigen Buntheiten an den hellen\nWänden! Wer denkt da an Linie; ebensowenig.\nwie man der Sonnenflecke Umrisse nachspürt. Alle\ndie spielenden Farben wirrt die strahlende Phan-\ntasie seiner Kunst. Die Kete Parsenow, die Venu*\nvon Siam, liegt auf seidenem Grund, ein Kostbar-\nkeit im goldenen Etui des Rahmens!\nWißt Ihr, wer plötzlich in den Saal trat, als\nGertrude Barrison tanzte, Minn! Aber er verstellt\ndie Tänze des Abendlandes nicht, wie ich, nur bei\nGertrude mache ich eine Ausnahme. Die letzte\nSchöne der Tänzerinnen Barrison bewegt sich in-\nteressant und anmutig, und ihre Gewänder sind\nseidene Geheimnisse weißer Marquisperückenzef-\nten. Alle Schauenden waren entzückt.\nHeute traf ich den Bischof auf der Spreebrücke.\nIch war von seinem plötzlichen Erscheinen sehr\nbeglückt, ich hatte den ganzen Tag wieder die un-\nbegreifliche Angst, und mein Herz zuckte kaum\nmehr. Und ich sah schon Farben, die nicht vor-\nhanden waren. Freute mich, daß der Bischof keine\nlehrreiche Methode anwandte, mich zu beruhigen\noder zu beunruhigen. Er besitz einen sanften Wil-\nlen, den er ähnlich wie Du, Herwarth, auf mich zu\nübertragen vermag. Zwar begreift er nicht, daß\nzwischen vorsintflutliches, Mammujh eine flatternde\nTaube bangen kann. Wie kommt wirklich meine\nSeele zu der rührenden Hilflosigkeit. Ich habe\nnämlich bemerkt, daß selbst der roheste Mensch\nbewegt wird von meiner Angst. Nun spiel ich oft\ndie Angst, wenn ich mir zu schwer werde. Ich muß\ndoch etwas von den Stunden meiner Pein haben.\nUnd wir stiegen herauf in des Bischofs Einsiedler-\nklause. An den Wänden hängen düstere Gedan-\nken, schwermütige Gebilde. Ich setzte mich in\neinen großen Stuhl und versuchte, noch nicht ganz\nberuhigt zu sein, und betrachtete meinen Retter\nzwischen halbgeschlossenen Augen. Der Bischof\nhat Züge aus warmgetöntem Stein, seine Augen\nsind hartblau und manchmal stählern sich seine\nBrauen. Er begann meine Hand zu streicheln, er\nweis, ich liebe Zärtlichkeit, beantwortete ich sie\nauch mit verlegenen Rauhheiten. „Wo sind Sie\njetzt augenblich?\" fragte mich der Bischof. Ich\nsaß nämlich gerade am Ende einer rissigen Straße\nin Cairo — vier Jahre zähl ich — im zerrissenen\nKittel auf dem unfrisierten, geschorenen Kopf trage\nich einen verschossenen Fez und meine Augen sind\nverklebt von tausendabertausend winzigen Insek-\nten. Diese kleinen geplagten Kinder habe ich so\noft gesehen am Graben der Straßen sitzen und bet-\nteln; süßer Bischof, seitdem bin ich auch oft so ein\nverwahrlostes Eselstreibers-Kind. Er schenkte mir\neinen Piaster, es war in Wirklichkeit ein goldener\nPfennig, einen Glückspfennig, ich lies ihn tanzen\nauf der Innenfläche seiner Hand; da wurde er\nkleine glühende Erdkugel, bis sie zie zur Erde fiel.\nDa haben wir uns geküßt, Herwarth; findst Du das\nschlimm? Ich war dabei schrecklich traurig, dachte\nan die vielen pochenden Heimate, die ich schon im\nLeben verlassen hatte, die alle die Farbe meiner\nLiebe trugen. Ueberall ruft mich ein Tropfen mei-\nnes Bluts zurück. Nun aber hier in der kleinen\nEinsiedelei, im höchsten Stockwerk, komm ich wie-\nder zu mir, ich strahle zusammen unbeengt. Der\nBischof meint zwar, (er vergißt manchmal seine\nneue Würde), er sei strafbar, daß er mich küßt. Du\nkönntest ihn anzeigen und es stände Gefängnis dar-\nauf, betonte er energisch, da er wahrscheinlich\nmeine Offenheit fürchtet. Ich antwortete? Und\nwenn —! Und dachte dabei, Herwarth, diese ab-\nkühlende Antwort habe ich von dir.\nOb ich mir das nur einbilde — Dein Doktor\nmöchte mir eine Falle legen. Dabei kann ich\ndoch nicht offenherziger sein, als in den Briefen\nan Dich und Kurt. Aber schon einige Male\nsetzte sich ein Bekannter des Doktors in die\nnächste Nähe meines Tisches. Das wäre ja\nnoch kein Beweis meiner Vermutung, aber der\nBekannte sieht aus wie ein Hase und einer seiner\nLöffel ist schon abgenutzt vom Lauschen. Wie my-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "663", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1769, "texte": "stisch ist es doch, mit einem Menschen ehrfürchtig'\nböse zu sein. Es liegt eine tote Stelle zwischen\nuns, darauf nichts mehr blähen kann, aber wir brin-\ngen der Grabstätte unserer Feindschaft Pietät dar\n— manchmal in Form von bunten Immortellen.\nOb der Doktor auch schon mal etwas ähnliches\ngedacht haben mag Es bringt mir niemand von\nihm Kunde. So muß es nach dem Tode sein, wir\nsind uns im Leben schon gegenseitige Geister ge-\nworden. Er erscheint mir oft in Rollen, manch-\nmal als überlegener, höherer Geist, der verneint. Als\nSamiel erschreckte er mich neulich am Ufer der\nSpree, als ich heimlich auf den Bischof wartete.\nSchlank ist er, gemmenhaft sein Schatten, über-\nrascht er mich als einer der ermordeten Könige\nRichards im Traum. Habe ich Aehnlichkeit im\nWesen mit d-em Bluthund? Nun ist der Winter\nmeines Mißvergnügens — ich habe sogar die\nschlimmen Sommer auch alle durchgemacht. Euer\nShakespeare.\nLiebe Beide. In einem Restaurant der Fried-\nrichstraße saß unser Doktor, Herwarth. Ich wollte\ndort nur telephonieren, aber da ich ihn bemerkte,\nschlich ich auf die Gallerie und betrachtete ihn aus\nder Vogelperspektive. Er war allein, sonst nur\nabgedeckte Tische. Drum begann er wieder zu\nsummen und es war seine Stimme, die bald an den\nSäulen des Saals brandete. Ich begreife nicht,\nwas ihn noch von den Konzerten abhält? Er ist\nnatürlich kein Heimatsänger, wie die dekorierten\nVögel alle, zwitschernder, musizierender Blätter-\nWälder. Des Doktors Stimme ist stellenweise noch\nungeheftet, ich konnte manche von den schwarzen\nPerlen in die Hand nehmen. Wüllners Töne sind\nalle schon geordnet auf Golddrähten, die Meeres-\nstimme des Doktors wäre auf Taue zu reihen. Diese\nErkenntnis sollte sein Lehrer besitzen. 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Er will nicht finden, sondern suchen;\ner fingiert Hypothesen — und zwar kühne, sehr\ngewagte. Solche von der Art, wie sie sofort ent-\nstehen, wenn die kritische Grausamkeit des Gei-\nstes gegen sich selber nachläßt; wir hätten auch\nsagen können: des Vertrauens zu sich selber.\nMan muß durchaus nicht immer erst sterben, um\ndas Große Vielleicht suchen zu gehen. Herr Dr.\nZ. erwägt ein großes Vielleicht . . . vielleicht auch\nnicht!\nUnter der Vierten Dimension des Raumes will\nDr. Z. die materielle Körperwelt verstanden\nwissen. Bekanntlich hat der geometrische Kör-\nper bloß drei Dimensionen: diese vierte soll nun\ndadurch charakterisiert sein, daß sie sich, im Ge-\ngensatz zur Extensität der anderen, rauminnerlich\nin inteusum wende: zum Punkte hin wie die drei\nanderen vom Punkte fort. — Warum sollte sich\ndann nicht „die Perspektive eines Par a 11 eli s -\nm u s zwischen den drei Aggregativstän-\nden (Gas, Flüssigkeit, Fester Körper) der Materie,\nalso der Raumintensität, einerseits und zwi-\nschen den drei Dimensionen (Linie, Fläche,\nGeometrischer Körper) der Raumintensität an-\ndererseits\" auftun? Der Punkt (Atom, Ein-\nheit, Element) ist also sehr unontologisch vorzu-\nstellen, sehr variabel, absolut beweglich.\n— Die Raumintensität (Materie) hat, möglbher-\n*München 1909 Steinebach's Verlag\nweise, in den Strahlungs- und Schwingungserschei-\nnungen ihren vierten Aggregatzustand. — Und end-\nlich: derselbe extensive Raum kann intensiv zur\nselben Zeit unbegrenzt viele verschiedene mate-\nrielle Bildungen enthalten. —\nEs ist anzuerkennen und hervorzuheben, daß\ndie Gestik, mit der uns diese Wahrscheinlichkeiten\ndemonstriert werden, tüchtig und gemessen, fast\n— bei aller verhaltenen Schwärmerei — pedantisch\nausgefüllt. Es ist wirklich in dieser Methode, die\nzu so märchenhaften Resultaten führt, ein gescheu-\nter Zug. Dr. Z. rechnet dabei durchaus mit der\nEventualität, daß er sich irre, und behauptet mit\nrecht auch den Irrtum als ein Fordernis der Wahr-\nheit. Aber man darf die Kraft, selbst außerordent-\nlich geistreiche und verhängnisvolle Fragen auf-\nzuwerfen, die der vorliegende Versuch betätigt,\nkeineswegs überschätzen! limmerhin verrät sich\nhier ein sehr interessanter geistiger Habitus —\n„Absolute Bewegung\" als oberstes Prinzip •— ein\nüberlebendiges Erlebnis! Der Punkt als eine Art\nDoppelpunkt, von antagonistischen Richtungen be-\nstritten — ein polares, also äußerst echtes,\nsinnreiches Erlebnis, das danach angetan ist, jener\nUeberlebendigkeit eine maßvolle Form zu geben.\nAber Herr Dr. Z. selbst würde sich doch gegen\ngutmütige Zustimmung verwahren. Es muß ihm\nalso, Punkt um Punkt, scharf auf die Finger gepaßt\nwerden. Vor allem würde sich doch die Bewe-\ngung, sei sie nun absolut oder nicht, als Erleb-\nnis, als persönliches Elebnis kennzeichnen.\nDegleichen Raum, Zeit, Dimension, 'Materie, alles;\nauch der Punkt. Ohne dieses Ausgehen\nvom eigenen persönlichen Erlebnis\nhat man gut philosophieren! Man hat\ndas Hauptproblem umgangen, was\neinen überhaupt das ganze Zeug an-\ngehe. Zu Gunsten Dr. Z.'s läßt sich annehmen,\ner habe dieses Urproblem in seiner kleinen Spezial-\nschrift stillschweigen lassen. Dann müßte der Kri-\ntiker sich die entsprechende Zurückhaltung aufer-\nlegen — und wie soll dann, bei so gewichtigen Be-\nschluiissen, die Entscheidung strikt ausfallen? Viel-\nleicht erzwingen die anderen, mir einstweilen un-\nbekannten Werke Dr. Z.'s deren Stringenz.\nUm es sogleich zu sagen: Dr. Z., so nahe auf\nden Raumpunkt sein Augenmerk richtend, ver-\nkennt dennoch die Polarität des Raums, trotzdem\ner den um diesen Punkt entbrennenden Antagonis-\nmus des dimensionalen Richtungs-Unterschiedes\nso deutlich gewahrt. Es erhellt dies schon daraus,\ndaß er überall von Richtung anstatt vom Rich-\ntungsunterschiede spricht. Zarathustra mit seinem\n„Um jedes Hier rollt siech die Kugel dort\"; „Die\nMitte ist überall\", hätte diesen ehrlichen alten\nNietzschekenner doch aufmerksam machen sollen,\ndaß Extension polar zu verstehen sei! Der\nRaumpunkt polarisiert ganz evidentermaßen die\nRaumextensität. Im Punkte konzentriert sich die\nDifferenz, die polare Zerstreuung des Rau-\nmes. Extension ist also nichts vom Punkte fort,\nsondern polar vom Punkte aus Gerichtetes: re-\nflektiert also wesentlich bereits auf den Punkt.\nEntfernung ohne Wiederannäherung (ist eine\nfalsche Abstraktion, ein halber Blick. Der Ge-\ngensatz besteht also nicht zwischen\nExtension und Intension, sondern in\nder Extension selber, und „Intension\"\nist die Funktion des Punktes, der ihn ausgleicht.\nNähe z. B. indifferenziert (in irgend einer Figur,\neinem Symbol) die dia-bolische Ferne, ist also\nkein Gegensatz zu ihr, sondern die Versöhnung\nihrer Selbst-Opposition! Wie das Kind kein Ge-\ngensatz der Eltern, sondern das Symbol des\nAusgleichs ihrer Differenz ist (oder sein sollte!).\nDr. Z. beraubt sich also dadurch, daß er den echten\nKontrast in einen falschen verblickt, der wahren\nFruchtbarkeit seines gedankenreichen Beginnens.\nDas „V o m P u n k t e fort\" enthält den echten\nKontrast, Richtungs - Unterschied, welchen das\n„Zum Punkte hin\" in zahllosen Variationen\nharmonisiert: Um jeden Punkt streitet die (anti-\npodische Kugel Dort! Ferner lassen sich am Räu-\nme Ausmessungen vornehmen — aber der Raum i s f-\nkeine Ausmessung. Man konstatiert a n der soge-\nnannten „dritten\" Dimension, die das Wesen des\nRaumes ausmacht, Punkte, Linien, Flächen; Fi-\ngu r, Grenzen. Aber diese Grenzen und Figuren\nsind, ohne Tiefe vorgestellt, unmöglich. Es gibt\ngar keinen eindimensionalen Raum, gar keinen\nzweidimensionalen; oder soll auch vielleicht der\nPunkt ein nulldimensionaler sein? — Das ist ein\nschiefer Blick für das allein Konkrete des Rau-\nmes, seine „T ie 112 e\". Diese Tiefe hat Dimension\nund zwar polare, d. h. auf einen Richtungs-Un-\nterschied gehende. In welcher Weise diese Tiefe\ndes Raumes nach Art der Stereoskopie\nkomponierbar, flaßtibel, deklinabel werde, speziell\nzu verdeutlichen, geht hier nicht an; aber prinzi-\npiell muß gegen die saloppe, metageometrische Be-\ntrachtungsweise nachdrücklichst geltend gemacht\nwerden, daß sie zwar vielleicht Dimensionen\nder Tiefe berechnen, logisch erschließen könne;\naber nie und nimmer — welchen Aberwitz! —\nDimensionen, deren dritte die Tiefe wäre. Wie\noft wissen Rechner gar nicht, was sie berechnen!\nIn sich ist Mathematik agodiktisch; ange-\nwandt, kann sie bis zur Verrücktheit urteilslos\nund irrig werden und obendrein mit der Miene der\nUnfehlbarkeit — wie das Schicksal der Goethe-\nschen Farbenlehre tragisch beweist!\nHerr Dr. Z. läßt sich von seinem Widerwillen\ngegen Ontologie zur Hypothese des Prinzips der\n„absoluten Bewegung\" hinreißen und vergißt auch\nhier über der Richtung den Richtungs-Unterschied\nund dessen polaren Sinn; obgleich er, wie ein von\nihm aufgestelltes Schema zeigt, dann selbst auf\nPolarismus gerät. Es gibt nirgends Bewegung ohne\nGegenbewegung, und Dr. Z. sollte in der „Ruhe\"\nseinen „Sinn\", sein „Element\" wiedererkennen,\nExtension ist die Differenz des Punktes; Bewe-\ngung die Differenz der „Ruhe\", deren media-\nler Indifferenzzustand gar nicht le-\nbendig genug gedacht werden kann:\nabsolut lebendig — aber immer polari\nAlso einem Kontraste geltend und für ihn wirk-\nsam. Das Element müßte Herr Dr. Z. also\nnicht bloß variabel denken, sondern auch einsehetr\nlernen, daß diese Variabilität auf etwas Polares\ngerichtet ist.\nNach alledem werden wir die Materie nicht\nfür etwas der Extension entgegengesetztes Inten-\nsives, sondern für etwas aus der Differenz der Ex-\ntension resultierendes Intensiveres halten müssen,\nOder anders gesagt: Wirklichkeit ist medialer\nals geometrische Phantasie.\nUeberhaupt, so unfruchtbar die bloße „Rich-\ntung\" ist, so unendlich fruchbringend und steigernd\nwirkt die Grenze eines Richtungs-Unterschiedes.\nAus der Differenz wird (wie aus Eltern), je reicher,\nje spannender, je infinitesimal er, pdlarer\nsie ist, ein Resultat in immer gesteigerterer Form\nerblühen. Aber man muß den Blick für die Diffe-\nrenz haben! So gibt es keinen Raum, sondern\neine polare Raumdifferenz. Und von vorn her-\nein ist Unendlichkeit eine Polarität, keine Sim-\nplizität. Also das Absolute (Unendlichkeit) selbst\nist polar zu denken; folglich „absolute Be-\nwegung\" polare. Dr. Z. ist ja genötigt, in\nseine absolute Bewegung ein „Element\", wenn\nauch ein variables, einzusetzen! Variation (Pro-\nteität, Metamorphose) ist aber, präzis durch-\ndacht, polare Identität: Andersheit ist entzweite\nSelbigkeit — pardon dem raschen Kauderwälsch!\nEs ist in höchstem Grad erfreulich, daß man-\nendlich dem Mißverständnis des Simplen, Seienden,\nElementaren, der „Einheit\" (der Mon(oton)isten) ein\ngraziöses Ende bereitet; indem man die „selbe\"\nEinheit unendlich lebendig, also differenzierbar (d.\nh. polarisierbar) auffaßt —: aber eben mit beson-\nnenem Klarblick über ihren Charakter als denjeni-\ngen einer Mitte, einer Grenze, einer Balance"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "664", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3735, "texte": "zwischen ihren eigenen Ausschweifungen, Extre-\nmen, Polen. Dadurch enthüllt das ewig Ontolo-\ngische sein ganzes Geheimnis. Nur verfahre man\nrecht vorsichtig — sonst gerät man selbst ins Ex-\ntrem. Der Raum streitet um sein Hier, die Zeit\num ihr Jetzt, Bewegung um Ruh e, um . . .\n„Materie\": Das Unendliche streitet in diesen und\nzahlreichen anderen Sinnbildern um: ... Sinn, um\nseinen persönlichen Sinn für sich selbst.\nHerr Doktor Z. gibt (an anderem Orte) zu ver-\nstehen, daß der Kern und Keim aller Bewegung,\ndie Einheit, das „Atom\" — oder wie man es\nnenne — die Bedingung des persönli-\nchen Selbstbewußtseins der absolu-\nten Bewegung sei. Aber kaum hat er diese\neinzige Wichtigkeit des persönlichen Elemen-\ntes anerkannt, als er, in seiner furiosen Vorliebe für\nabsolute Bewegung, sofort wieder es explo-\ndieren läßt. Und hierin erblicken wir den Kardi-\nnalfehler seiner Denkweise und Weltanschauung,\nderen Kardinalvorzug eben in der Mobilisierung\ndes Atoms besteht Man darf diese nicht so vor-\nnehmen, daß darüber das Element gar zum Teufel\ngeht; sondern hat einzusehen, anzuschauen, daß\nallemal Bewegung ihre eigne (persönliche) Elernen-\ntarität (Einheit, Sein) differenziere — auf zahllose\nArten. Was bewegt sich? — Dr. Z. läßt die\nTradition antworten: „Substanz\"; und will revolu-\ntionieren, indem er kühnlich verbessert: „Bewe-\ngung\" — Bewegung sei alles. Aber genau ge-\nnommen, hat er die Substanz doch nur mobil ge-\nmacht, nicht vernichtet. Sobald es jemanden gibt,\nder absolute Bewegung konstatiert, enthält\nderen Absolutes das offenbare Geheimnis der Sub-\nstanz, der Identität, Einheit, des Elements. Also\nder aggressive, negierende, niederreißende Gestus\ngelingt Herrn Dr. Z. viel überzeugender als der\nponierende, der nur auf geistreiche, scharfsinnig\nausgeklügelte, willkürliche Mutmaßungen hinweist.\nEs .-ist schön, die Substanz aus ihrer faulen Ruhe\naufzurütteln: aber Bewegung ohne alle Ruhe, „ab-\nsolute\" Bewegung ist vom Scheine mindestens\nder Ruhe nie zu absolvieren. Wir erhalten abso-\nlute Bewegung mit variablen Elementen, immerhin\nmit einer Einschränkung also der Absolutität,\nwelche denn doch viel zu prinzipiell ist, um obenhin\nals „Schein\" so leicht erledigt werden zu dürfen.\nVielmehr würde, ohne diesen so wesentlichen\n„Schein\", Bewegung sich selber entrinnen, Man\ndarf also nicht behaupten: alles „Sein\" ist Schein,\nund nur das „Werden\" Wirklichkeit: — sondern\nmuß das Sein als das Integral der Differenz des\nWerdens verstehen. Bewegung hat wesentlich den\nCharakter einer Differenz, einer Polarität; Rich-\ntung und Geschwindigkeit sind polare Wesen-\nheiten. Folglich hat man einen Denkfehler be-\ngangen, wenn man Substanz, Element, Atom, Ein-\nheit, Identität für simpel hemogen hält: es liegt in\nihnen, also im „Sein\", eine ganz immense poten-\ntielle Energie in dem Maße, daß man sie überhaupt\nnur kinetisch wahrhaft erfassen kann; und zwar po-\nlar. Somit sind Sein und Schein, Sein und Werden\ngar keine Gegensätze; sondern das Werden ent-\nhält in sich selbst jenen Kontrast, welcher am\n„Sein\" rüttelt und die Materie schon in den Augen\nder Alten zum menclacium verax machte. —\nSchließlich ist man, wie man sich\nauch gebärde, Theolog! Der Gott ist die-\nses Mal die „Bewegung\". Wie nun, wenn man es\numkehrte, und an den Anfang den enormen K u 1 -\ntu s, diese evoici furori, die edel rasende Anbe-\ntung des Dr. Z. stellte, deren Ausgeburt erst seine\nGemüts- und sonstige Bewegung wäre? Oh, wel-\nche Verkennung des ewig göttlichen Mysteriums\nder Allmacht, der Urdivination, wenn sie zum spä-\nten Resultate dessen gemacht würde, das ihr Spiel-\nzeug, ihre Ausgelassenheit bloß bedeutet? der Be-\nwegung!! Oh, mehr Theologie, armseliger\nMensch ;* noch mehr Theologie!\nGemeint ist das Genus, also auch Rezensent."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "664", "page_fin": "664", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.9", "titre_corps": "Unser Photo", "titre_sommaire": "Unser Photo", "signature_source": "Viktor von Dirsztay", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "664", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.6", "debut_caractere": 3737, "fin_caractere_exclue": 11096, "texte": "Unser Photo\nViktor von Dirsztay\nTrotz der bekannten Popularität, die meine\nbescheidene Person in irdischen Kreisen so un-\nverdienterweise genießt, nahm mich dieser spon-\ntane Ausbruch der Liebenswürdigkeit und Hoch-\nachtung von Seiten des alten Herrn nicht wenig\nWunder. Um auch meinerseits in taktvoller Weise\nInteresse an seiner Person zu bekunden, trug ich\nihn, welches Ressort er denn in der Kabinetts-\nkanzlei innehabe und zu wem ich denn die Ehre\nhätte. „Das wissen Sie gor nix,\" antwortete der\nalte Herr lebhaft, \"ich bin doch der bekannte Lu-\ngensoger. Von mir hat noch nie einer e wahres\nWort gehört!\" Diese Aeußerung des berühmten\nDiplomaten, des Herrn Geheimrates Edlen von Lu-\ngensoger, schien mir in gewisser Hinsicht den\nWert seiner früheren schmeichelhaften Ausdrücke\netwas herabzusetzen, doch ersetzte mir die Be-\nkanntschaft mit diesem hochtalentierten und an-\nscheinend so viel beschäftigten Funktionär vollauf\ndiese kleine Enttäuschung. Indem ich der Hoffnung\nAusdruck verlieh, daß er auch fürderhin im vollen\nBesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte\nseinem hohen Berufe voll und ganz sich hin-\ngeben und sich nie bei der Wahrheit werde er-\ntappen lassen, empfahl ich mich mit warmem\nHändedruck von dem mir so schnell liebgewor-\ndenen alten Herrn. Im Abgehen rief er mir noch\nnach: „Auf baldiges Wiedersehen, Sie lieber netter\nHerrj\", doch wollte ich nach den vorangegangenen\nAufklärungen all dies Schöne und Schmeichelhafte\nlieber nicht auf mich bezogen wissen, und eilte\nschleunigst hinweg. Ich wollte diese Gelegenheit\nnicht verstreichen lassen, ohne ein Konterfei des\nhervorragendsten Engels für Ihr g. Blatt gratis\nanzufertigen. Bekanntlich hat ja vor nicht langer\nZeit Ihr Konkurrenzblatt die Abbildung der Ge-\nbrüder Engel (Baumwollen) gebracht, und ich be-\ntrachtete es somit als meine Ehrenpflicht, Ihnen\nnun das Bild eines wirklichen Engels aus den\nhöchsten Kreisen zu verschaffen. Als ich mich\ndaher nach einer besonders markanten Persönlich-\nkeit unter den himmlischen Engeln erkundigte,\nmachte man mich auf ein Original aufmerksam.\nBesagter Engel soll ein ebenso geistvoller Causeur,\nwie auch merkwürdiger Kauz sein, der stets in\nParadoxen spricht. Auch sein Aeußeres soll\nstark von dem bekannten Familientypus der Engel\nabweichen. So suchte ich ihn denn in seinen Ap-\npartements auf. Da mir aber trotz wiederholten\nAnklopfens niemand antwortete, öffnete ich end-\nlich die Tür, trat ein, stellte mich vor, und teilte\ndem jungen Mann in einer kleinen Rede mit, daß\nich ihn für Ihr Blatt zu photographieren gedenke.\nNachdem ich meinen Speech vollendet hatte und\ngespannt auf die Antwort wartete, erhielt ich als\nAntwort nur soviel: „Hhherein . . .!\" Ich wußte\nanfangs nicht, was dies bedeuten sollte, doch\nstellte es sich heraus, daß der bedauernswerte junge\nMann leider stottere und daher jetzt erst die Ant-\nwort auf mein früheres Anklopfen hervorgebracht\nhabe. Ich bemerkte auch, daß er momentan sehr\nunbeschäftigt und daher äußerst nervös sei. Ich\nversuchte nun mit den gar nicht wirschen, ja, ge-\nradezu unwirschen jungen Mann ein Gespräch\nanzuknüpfen. „Herr von Engel!\" sagte ich, —\n„Pardon!\", unterbrach er mich, „heiße bereits\nAngyal\" — „Herr von Angyal\" fuhr ich also fort,\nmich schnell verbessernd, „ich möchte, wie gesagt,\nein kleines Interview mit Ihnen haben. Was lesen\nSie da, wenn ich fragen darf?\" „Dda ich, wwie\nSie gehört haben werden, ein Ssalonpplauderer bin,\nwerde ich es Sie in einem Paradoxon raten lassen,\"\nwar die Antwort. „Der erste Teil ist ein großer\nVvogel, der zweite Teil eine 112 . . fürchterliche\nSchschießwaffe. Wwer ist das?\" Das konnte ich\nnatürlich selber nicht erraten. „Grillpanzer\"\nsagte er. „Wieso\", erlaubte ich mir einzuwenden,\n„ ist denn Panzer eine fürchterliche Schießwaffe?4'\n.vNu ist denn Ggrill ein großer Vogel?\", sagte Herr\nvon Angyal, indem er sich vor Lachen bog, und\ndaher noch undeutlicher stotterte, als gewöhnlich.\nAuch ich mußte über diesen komischen Einfall\nlachen, obgleich ich gestehen muß, daß ich etwas\nderatiges bereits einmal gehört zu haben glaubte.\nDoch hütete ich mich dies zu verraten. Jetzt erst\nhatte ich auch Gelegenheit, Herrn von Angyal voll\nzu sehen, da er mir bis dahin das eigentliche Ge-\nsicht noch nicht zugewendet hatte. Ich bemerkte\nnun, daß er ein auffallend mießer Engel war. Dies\nist umso merkwürdiger, als die Engeln alle sehr\nfein und gar nicht prononziert aussehen. Er trug\neinen etwas abgegriffenen schwarzen Gehrock, einen\nkeinesfalls tadel- aber ganz krempenlosen Zylin-\nder, Zwicker und war gar nicht rasiert, lauter\nDinge, die ich noch an keinen Engel bemerkt\nhatte. Auch hatte er einen Wasserkopf, der ihm\naber gar nicht gut stand. „Sie sind ja ganz an-\nders, wie die übrigen mir bekannten Mitglieder\nIhrer werten und so angesehenen Familie,\" sagte\nich, indem ich an die Gebrüder Engel von der\nBaumwollbranche dachte, deren Porträts, wie ich\nerwähnte, jüngst erschienen sind. „Natürlich bin\nich anders, denn ich bin ja längst vverschieden:\nim Himmel sind ja nur Vverschiedene\", war die\nAntwort, worauf er auf ziemlich taktlose Weise\nherzhaft über seinen eigenen Tod lachte. „Uebri-\ngens können Sie auch laut reden, denn schwerhörig\nbin ich auch,\" fügte er sich immer noch vor Lachen\nschüttelnd hinzu. Als ich dies hörte, konnte ich\nmir nicht verhehlen, daß der junge Mann, unleug-\nbar ein ganz hervorragend befähigter Engel, eine\nso schöne soziale Position wie hier, bei uns nicht\neinnehmen könnte. Angenehm berührte es mich\nhingegen, daß er den einmal angeschlagenen an-\ngenehmen und leichten Stotter-Ton konsequent\nfest hielt, was zwar etwas pedantisch, aber keines-\nwegs unsympatisch war. Ich machte ihm auch\nmein Kompliment, indem ich ihn versicherte, daß\nes mir ein großes Vergnügen bereite, mich mit\neinem so hochgebildeten jungen Engel nach Her-\nzenslust auszustottern, was ihn sichtlich schmei-\nchelte. Er bemerkte zu mir, daß er das Stottern\nsehr leicht gelernt habe und sich nie einer anderen\nAusdrucksweise zu bedienen pflege, da ihn das\nStottern, besonders das schnelle, — das sehr\nschwer sein soll — viel Freude bereite. Er übe\nsich auch täglich und hoffe, es in absehbarer Zeit\nso weit zu bringen, daß Niemand auch nur ein\nSterbenswörtchen von ihm werde verstehen kön-\nnen. Da konnte ich ihm nun mit ehrlicher Ueber-\nzeugung versichern, daß dieser Zeitpunkt keines-\nfalls lange auf sich warten lasse. Er erwähnte auch\nnoch, daß er eine unfehlbare Methode erfunden\nhabe, jedem, auch den Unbegabtesten, das Stot-\ntern binnen vierundzwanzig Stunden beizubringen\nund empfahl mir sein Buch: Wie stottere ich\nleicht und elegant? auf Allerwärmste. Da ich mich\nfür meine Person bestens bedankte, mich aber mit\nZeitmangel entschuldigte, mußte ich ihm wenigstens\nversprechen, für sein Werk zu Hause Propaganda\nzu machen, was ich auch recht gerne tue. Ich löse\nhiermit mein Wort ein und führe zu gleicher Zeit\ndie geradezu umwälzende Bedeutung der Stotter-\nsprache als internationaler Weltsprache an, da aus\nder allgemein gleichen Unverständlichkeit dieser\nSprache gleich ihre Allgemein-Verständlichkeit\nfolgt. Nicht mit Unrecht dachte ich nun, daß er\nsich durch das Erscheinen seines Bildnisses in Ihrer\ng. Zeitschrift sehr geschmeichelt fühlen würde,\nsagte daher: „Wenn es Ihnen recht ist, Herr\nvon Engel\" — „Angyal\" verbesserte er mich aber-\nmals — „Herr von Angyal, so würde ich jetzt eine-\ngute Aufnahme von Ihnen machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "665", "page_fin": "665", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "665", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.7", "debut_caractere": 76, "fin_caractere_exclue": 662, "texte": "Vereinmrtat\nDritter Abend\nMitte November\nabends 8 Uhr\nArchitektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nAchtes Jahr\nAutoren-Abende\nMitglieder beitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM. 3.— zu, sowie der\nkostenlose Jahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. 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Kurse von Fliet!!. Ifißdlßl Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufieute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damcn und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir jnnge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, vvie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjlhrig-\nFreiwillige, Abituricnten,\nfiir \"Kaufieute reiferen Alters, die bereits praktisch tatlg waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nIvertiefen wollen oder\nrur Bankbeamte, Ingenieure, Chcmiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Geseflschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nI Prospekte gratis durch die Direktfon, johannlsplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "665", "page_fin": "665", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "665", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.7", "debut_caractere": 3315, "fin_caractere_exclue": 4120, "texte": "Die-sparsame Hausfrau iSJptSSS.to\"'\nslch aus, was Sle im Jahre ffir den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beira Abbrennen entzwei-\ngeht, — — Nehmen Sle cine* guten Rat an und verwenden Sle nur\nHartalin-GlMikSrper D. R. P. 203467\nDlese Korper besltzen den Vorteil, daß Sle dleselhen wie ein Tuch zusanimen-\ndr&cken konnen, ohne daß der KSrper darunter leldet. Hartalln-Gluhkorper\nhaben elne Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzlelen damit eine Gasersparnis von\n50 °/0. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nberelts fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sle esmit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Wg. od. verlangen Sle den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nanlietton\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "665", "page_fin": "665", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "665", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.7", "debut_caractere": 4122, "fin_caractere_exclue": 4508, "texte": "Les Horses\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese iiterarische Zeitschrift\nversffentlichte das franzo-\nslsche Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die übrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Franks direkt\nzu beziehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c018", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "665", "page_fin": "665", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModeme Herrertbekleidurtg\nfertig ueid nach HaH\nRekiameangebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen semusterten Cheviots mit iffrmelaufschlagen 32s® m\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 45s® m\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug* ongiisch gemusterter Cheviot\n32s* 45 h\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Merren Studenten imd Mitglledern von Kunstvereimgungen gegen Vorzeigung von Legitimatlonskartsn 5% R&bait"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c025", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "666", "page_fin": "666", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "666", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.8", "debut_caractere": 558, "fin_caractere_exclue": 1123, "texte": "SCHIEDMAYER\nPIANOFORTEFABRIK\nBERLIN W., POTSDAMERSTR. 27b\nFLUGEL\nPIANINOS\nHARMONIUMS\nBALTHASAR SCHIEDMAYER, Ururgroftvater des jetzigen Chefs der Firma\nbaute im jahre 1735 sein erstes Instrument.\nGrand Prix: Turin 1911 — Paris 1990 — St.\nLouis 1904 — Roubaix 1911\n16 Hoflieferantentitel. 54 Ehrendiplome und Medaillen. Preis-\nrichter auf 14 Ausstellungeru GroBe goldene Medaille fur\nKunst und Wissenschaft. Grofie goldene Medaille fur Handel\nund Gewerbe. Ueber 45 000 Instrumente geliefert.\nInstrumente nach stilgereckten Ent-\nwiirfen in kiinsterischer Aitsfiihrung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c026", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "666", "page_fin": "666", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "666", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.8", "debut_caractere": 1125, "fin_caractere_exclue": 1481, "texte": "Parels I Mark\nSrrels 1\nSicheresMittel gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermcglicht Schauspielern und Sangern\nsoforligea Gebrauch der erkrankten Organe\n•«\"» ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ■■■■«\nZu haben in alien Apotheken and Drogcrieu / AHelnige Fabrlkantln\n~Pharmacia\" / Fabrik Mr pharmaceatischen Bedarf / Beriin-Halencee\nWohlsdbmeckend\nSicker wirkend"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c027", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "666", "page_fin": "666", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "666", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.8", "debut_caractere": 1483, "fin_caractere_exclue": 1491, "texte": "Bestellt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c028", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "666", "page_fin": "666", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "666", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.8", "debut_caractere": 1493, "fin_caractere_exclue": 1710, "texte": "Yegetarisehes Oasthaus\nFR EYA\n| Charlottenburg g\n5 Bismarckstrasse 9 g\nBsnaai Am Knie ■■■«■■\nS E\n0\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kunster unci Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriflen / Bis zehn\nUhr abends geoffnet"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-10-28-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-10-28_01#c029", "volume": "bmtnabg_1911-10-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "666", "page_fin": "666", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "666", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.8", "debut_caractere": 1712, "fin_caractere_exclue": 1997, "texte": "THRICHOPHIL\n| F1.M.3,00 F1.M.3,00 g\nWn Maaaii■■■■■■■■■ =as nur Helm Fabrlkanten: «b aaaeaaaaaaeaaaa g|\nS Otto Teutscher/Friseur £\nSM I. 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Nichts ist verkehrter\ndenn diese Ansicht. Die Naturwissenschaft hat\nnämlich nicht etwa die Methoden gewechselt und\nihr Ziel— das Ewig-Wahre — erreicht, sondern sie\nhat zwar das erste getan, das zweite aber aufge-\ngeben. Und die Scholastik unterscheidet sich viel\nweniger durch die Methode von der Naturwissen-\nschaft als durch die Probleme. Wenn man dem\nheiligen Thomas von Aquino ein modernes Hand-\nbuch der Physik in die Hand geben könnte, so\nwürde er sich vermutlich von den Antworten der\nneuen Forschung durchaus befriedigt zeigen. Lieber\ndie Fragen aber würde er lächeln. Er würde sa-\ngen, daß die Naturwissenschaft reinlich arbeite, gut\nmesse und redlich wäge, daß sie mit einem Worte\nein ehrsames Handwerk sei. Doch sehe er nicht\nein, inwiefern - sie ihn belehren wolle, da sie sich\nja um das, was er gesucht habe: um die W ahiheit,\ndas Wesen der Dinge, das große Warum, niemals\nkümmere. Qegen solche Anklagen ist der Natur-\nforscher, der mit uns die Erkenntnis des Rich-\ntigen, nicht die des Wahren, als die Aufgabe der\nWissenschaft betrachtet, sehr wohl gefeit. Denn\ndie Scholastiker haben das Wahre gesucht, aber\nnicht gefunden, während wir durch Erfahrung\ndreier Jahrtausende hinlänglich gewitzt sind, es\nnicht erst zu suchen. Den Naiven freilich, die noch\nheute glauben, die Wissenschaft wolle die Wahr-\nheit ergründen, kann der Scholastiker auf Schi itt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "660", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.2", "texte": "und Tritt nachweisen, daß die neue Methode zu\neinem so erhabenen Zwecke nicht besser geeignet\nist als die alte. Denn die Kirchhoffsche Behaup-\ntung, daß wir jeden Naturvorgang nur zu beschrei-\nben, nicht zu erklären vermögen, bestreitet nie-\nmand, der sie verstanden hat.\nKosmologische Metaphysik: jener Tiefsinn, der\nso alt wie der Ruhm des Thaies und so wohlfeil\nwie die Lagerstätte des Diogenes ist.\nDer Kritiker unserer Erkenntnis beweist, daß\nwir göttliche und transzendente Probleme nicht\nlösen können. Er lehrt also, unseren Geist ver-\nachten, der auf so erhabene Fragen keine Antwort\nzu geben vermag. Der Religiöse aber lehrt den\nGeist bewundern, der befähigt ist, solche Fragen\nauf zu werfen.\nDie Vernunft kann in transzendenten Fragen\nnicht entscheiden. Aber warum muten uns die\nTheologen zu, ihre Unvernunft für maßgebend zu\nhalten?\nDas Publikum liebt heutzutage auch Märchen\nin wissenschaftlichem Gewände. Wenn man von\n„ergastischen Molekülen\" redet, so scheint das un-\nendlich wissenschaftlicher als das simple „Gott er-\nschuf\". Und der Professor Hatschek unendlich\ngelehrter als der Prophet Moses. Daß sich Hat-\nschek bei seinen ergastischen. Molekülen gerad so\nviel denkt, wie sich Moses bei dem „Nichts\" dachte,\nleuchtet den „weitesten Kreisen\" nicht so bald ein.\nMan will Märchen und wünscht gelehrt zu sein.\nDie moderne Naturwissenschaft ist eine expe-\nrimentierende Bürokratie.\nDie Metaphysik hat sehr kühne und poetische\nGedanken in einer geschmacklosen Sprache dar-\nzustellen geliebt. Wie wäre es, wenn die Meta-\nphysik ihre dichterische Kraft nur der Stilistik wid-\nmete, anstatt der Spekulation? Man versuche es\nendlich, nüchtern und klar Begriffe in gutem Aus-\ndrucke zu verbreiten. So wird man zugleich der\nErkenntnis wie der Kunst dienen und sich dabei\nvor dem Eindringen schaler Köpfe in geheiligte\nGaue schützen. Denn Kühnheit der Spekulation\nist einem jeden gar leicht zu erreichen; er braucht\nnur die Absurdität um Hilfe anzuflehen. Aber ein\nknapper offener Stil, der für tiefsinnig anmutende\nPlattheiten unbrauchbar ist, erzwingt verstän-\ndige Rede oder wenigstens ein erträgliches\nSchweigen.\nDen philosophischen Köpfen fällt die Aufgabe\nzu, das Freidenkertum, das Frei-von-Gedankentum\naus seiner astronomischen Reserve zu vertreiben.\nEs gilt, die Prinzipien des Atheismus aus der Har-\nmonie der Sphären in die irdischen Niederungen\nzu geleiten. Hic Rhodus: hier soll euere Lehre den\nmoralischen Sprung wagen Und wenn einer von\neuch seine paar Dürftigkeiten mit allen Kleinodien\nder christlichen Ethik zu schmücken beliebt — so\ndarf er fürderhin um seiner Sittlichkeit willen nicht\ngelobt werden. Denn ob ein Forel die christliche\nMoral befolgt, ob nicht — was kann dies der christ-\nlichen Moral nützen oder schaden? Sie hat solche\nZustimmung wahrhaftig nicht nötig. Zweitausend-\njährige Kulturarbeit legitimiert sich von selbst.\nWer aber die Grundlagen zu dieser Kulturarbeit\n— den Gottesglauben — verwirft, dem müssen\nauch die köstlichen Früchte verweigert werden,\ndem muß man den Bettelstab aus der atheistischen\nWerkstätte in die Hand drücken. Jeder Philister\ndünkt sich Uebermensch, wenn er Gott lästert. Für\nden modernen Normalmenschen ist der Atheist die\nBrücke zur höheren Art. So ziehe man denn die\nletzten Folgerungen: man mache doch so einem\nForel klar, daß man „voraussetzungslos\" zu sein\nwünscht, daß man von Atheisten nicht moralische\nGemeinplätze, sondern bündige, exakte, logisch-\nmathematische Beweise erwartet.\nDie Wahl ist kurz: Entweder du kannst die\nRichtigkeit der altruistischen Ethik ohne metaphy-\nsische Annahmen beweisen, oder du mußt diese\nEthik aufgeben. Ein Drittes führt dich zur — Re-\nligion. Damit sind die moralischen Atheisten abge-\ntan. Und wer tiefer blickt, wer die Strömungen\nder Zeit, die humanitären Redensarten und Gleich-\nheitsideale kennt, wer das Wesen dieses ganzen\n„Fortschritts\" durchschaut hat, kann an dem Er-\nfolge der Alternative: „entweder Atheismus oder\nMoral\" nicht zweifeln. Die Foreis werden bald\nbekehrt sein.\nDer Darwinismus ist es nicht, was die moder-\nnen Freidenker so unsympathisch macht. Wrären\ndie Darwinisten nur konsequent, sie wären bald\ngeachtet. Aber die da an der alten Moral mäkeln,\nohne sie zu vernichten, die da nach einer neuen\nMoral schreien, ohne sie schaffen zu können —\ndas sind die Tiefstehenden, die — Allermodernsten.\nEine ganze Berufsklasse gehört zu ihnen: die Me-\ndiziner. Und zahllos sind die Literaten dieser Art.\nEin Mensch, der die bürgerlichen Sittlichkeitsbe-\ngriffe als widernatürlich verurteilt und nun die\nSinnlichkeit als eine — heilige Sache anbetet,\nwird nicht darüber belehrt, daß es in der Natur\nnichts Heiliges gibt. Nein, man bewundert noch\nsolche Viertel-Aufklärung und verehrt in einem\nFrenßen den großen Denker. Habt erst den Mut,\nder Hölle, deren Geister ihr gerufen, in den Schlund\nzu blicken. Werdet erst reif für die Gestirne des\nBösen.\nNicht eine Vereinfachung der Probleme, nur\neine Vereinfachung der Namen hat der Darwinis-\nmus gebracht.\nDie Rationalisten sind zu aufgeklärt, um blind-\nlings an die Dogmen zu glauben. Sie grübeln über\ndie kirchlichen Lehren und entdecken schließlich,\ndaß die Religion kein mathematisches Axiom ist.\nAber so revolutionär ist der Verstand eines frei-\nsinnigen Theologen niemals, auch die Moral anzu-\nzweifeln. Daher darf Harnack den Halbflüggen\ndie Ethik des Christentums als das Wesen des\nChristentums hinstellen, ohne daß er darum Wider-\nspruch statt der Bewunderung zu fürchten hätte.\nDenn dem Rationalisten gingen die Mysterien\nlängst wider den Strich; daß er nun als sittlicher\nMensch zugleich ein gläubiger Mensch werden\nkann, begrüßt er mit Jubel. Denn sein Harnack\nhat ihm nicht verraten (und hat es sich wohl selbst\nnoch nicht zugestanden), daß das Problem der\nEthik bis zu dieser Stunde nicht klarer ist als das\nder Dreifaltigkeit.\nDer Blitzableiter (siehe Bölsche!) wird jenen\nMenschen das Kreuz entbehrlich machen, denen\ngutbesohlte Schuhe ein Schubertsches Wanderlied\nersetzen: den Banausen. Aber auch nur diese\nkönnen sich mit einer Weltanschauung befreunden,\ndie aus einer technischen Vorrichtung Argumente\ngegen das Sinnbild der Welterlösung holt, die mit\nden Erfindungen menschlicher Notdurft die höch-\nsten Augenblicke des Geistes verbindet und die\nden Glauben zu befreien vorgibt, indem sie ihn\ntötet.\nEchte Kultur läßt das Kreuz ruhig neben dem\nBlitzableiter stehen. Echte Kultur vermag Sym-\nbole zu trennen. Sie erschöpft sich nicht in me-\nchanischen Instrumenten und baut aus Quadrat-\nwurzeln keine Religion. Sie wird einst den Tag\nherbeiführen, da man „Monismus\" mit „Einseitig-\nkeit\" übersetzen wird.\nDie Theologen haben sich stets bemüht, das\nDasein des Gottesglaubens bei allen Völkern der\nErde nachzuweisen. Die Moralisten wiederum\nzeigten bedächtig, daß auch in den armseligsten\nStämmen das allgemeine sittliche Bewußtsein der\nMenschheit lebt. Aus jener Tatsache schlössen\ndie Theologen auf das Wahrscheinliche des Gottes-\nglaubens, aus dieser leiteten die Moralisten die\nRechtfertigung unserer ethischen Werte ab. Hät-\nten Theologen und Moralisten ein überzeugendes\nArgument für die religiösen und moralischen Ideale\nvorbringen können, so hätten sie nicht gezögert,\nes herbeizuziehen. Sie besaßen jedoch keines, und\nes konnte ihnen deshalb zum Tröste dienen, daß\nes außer den europäischen Theologen und Mora-\nlisten noch so viele andere Leute gibt, die auch\nnicht wissen, was sie tun. Ein Trost mag das\nja nun vielleicht sein; eine Erkenntnis ist es nicht.\nWenn ich mich in einer Sache nicht zurechtfinde\nund trotzdem über sie urteile, so werde ich mög-\nlicherweise dadurch beruhigt werden, daß alle\nmeine Nachbarn ebenso handein. Aber diese Einig-\nkeit bedeutet keine Autklärung, und meine Vor-\nurteile werden nicht zu Erkenntnissen, sobald sie\nvon meinen Mitbürgern geteilt werden.\nMan kann unsinnige Gebräuche wohl damit\nerklären, daß sie in sozialen Instinkten wurzeln.\nAber man kann sie damit nicht rechtfertigen.\n\nHodler und die Eu-\nrythmie\nVon Artur Weese\nDie Linie dient Ferdinand H o d 1 e r nicht nur\nals Umriß des Körperlichen — sie ist auch das\neigentlich kompositionelie Grundelement.\nMag sie Einzelfiguren zu Gruppen zusammen-\nfassen oder Gruppen zueinander in Beziehung\nsetzen, die Linie ist es, die die Fläche gliedert,\ndas Figürliche ordnet und als ein System höherer\nOrdnung im Bilde waltet. Ott scheint es, als sei\ndiese lineare Komposition das Primäre auch bei\nder Entstehung gewesen; als wären diese großen,\nausdrucksvollen Kurven und Lineamente zuerst\nauf der Leinwand fixiert worden und dann erst\ndas Figürliche als ein Element zweiter Ordnung\nhinzugekommen. Der Takt und der Rhythmus\nscheint das Gegebene. Darm erst treten Melodie\nund Figurationen hinzu und erhalten im Figür-\nlichen Ausdruck. Es findet gleichsam eine Trans-\nponierung des Linearen in das Symbol mensch-\nlicher Formen und Gesten statt. Der Mensch,\nsonst Selbstzweck der künstlerischen Darstellung,\nwird nun zum Träger einer Empfindung oder\nrhythmischen Ordnung und dadurch zu einem Mit-\ntel stilistischer Absichten geprägt, deren letzte\nZiele ganz gewiß nicht die Verkörperung dieser\noder jener Individualität sind, noch weniger irgend\neiner naturalistischen oder impressionistischen Be-\nobachtung. Mittel solcher Art dienen allein der\nIdee. Lineare Konstruktionen, wie wir sie hier\nkennen lernen, wollen eine seelische Spannung\nhervorrufen, die nicht sinnliche Neugierde und\nfrohgemute Naturschwärmerei ist, sondern Wach-\nsamkeit der Verstandeskräfte. Sie wenden sich\nan das begriffliche Vermögen, das fähig ist, lange\nBeobachtungsreihen zusammenzufassen und die\nSumme als Einheit in abstrakto aufzunehmen. So\nsind denn die Titel zu Hodlers Bildern oft voa\neiner dunklen philosophischen Färbung oder in\neinem so lockeren Zusammenhange mit der Dar-\nstellung, daß sie Beunruhigung hervorrufen.\nAls kompositionelles Element und Grundkon-\nstruktion des Bildes hat aber die Linie noch einer\neigenartigen Ordnung sich fügen müssen.\nDas Wesen aller linearen Figuration ist die\nWiederholung der Linie in wohlgefälligen Ver-\nhältnissen oder Proportionen und in der Einheit\noder Mannigfaltigkeit der Richtungsmomente.\nIn dem Bilderkreis der Hodlerschen Werke\nnun ist unter vielen Möglichkeiten harmonischer"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "661", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.3", "texte": "Ordnung fast durchgängig der eine Fall der Eu-\nrhythmie befolgt.\nEurhythmie ist Geschlossenheit einer Ordnung\nauf eine Mitte hin. Sie ist Ergänzung der Sym-\nmetrie, sie begreift die Proportionalität in sich.\nAber vor allem ist sie Zentrierung der Beziehun-\ngen auf eine Mitte hin, so daß ein Einschluß der\nOrdnung nach innen und ihr Abschluß nach\naußen die Folge ist.\nDiese Beziehung zur Mitte ist von Hodler\ndurchgeführt, indem er die Figuren kreisförmig\num einen Mittelpunkt stellt; wo jedoch eine paral-\nlele Nebeneinanderstellung der Figuren vorge-\nzogen wurde, ist die mittelste entweder höher\noder tiefer gestellt oder durch größere Intervalle\nein wenig isoliert. Um eine gleichsam zahlenmä-\nßige, eurhythmische Ordnung zu. erhalten und im\nGrundriß schon die Geschlossenheit um eine Mitte\nzu fixieren, wählt er gern eine Fünfzahl von Fi-\nguren, so daß zwei Gruppen zu zwei beiderseitig\nneben eine einzelne zu stehen kommen.\nDie Eurhythmie wächst gleichsam von selbst\naus der linearen Struktur heraus, die die Figu-\nren beherrscht und in der kompositioneilen Plan-\ndisposition waltet.\nSie ist die harmonische Zusammenfassung der\ngleichartig wiederholten Einzelmotive in einer ge-\nordneten Gruppe. Sie ist eine Konsequenz des\nParallelismus. Sie dient der Idee, die dargestellt\nwird, indem durch diese rhythmische Ordnung\njedes Einzelglied nur durch seine Beziehung zum\nManzen seine Bedeutung erhält. Sie ist das Ge-\ngengewicht gegen die Willkür und die überragende\nWichtigkeit des Individualismus. Sie löst das\nInteresse für das Glück und das Elend persön-\nlichen Schicksales auf und lenkt den Sinn auf die\nMacht und Harmonie der Weltordnung. Sie mil-\ndert die Pein, die uns die Nähe und unmittelbare\nGegenwart der Tragik des Einzelnen erweckt, und\nflößt die beruhigende Erkenntnis ein, daß auch\n•las Weh und die Klage des tiefsten Schmerzes\nnur ein Ton ist in dem Schmerzenslied, das das\nAK durchzittert. Sie verstärkt die Grundtendenz\ndes Künstlers, nur den Gedanken, den Begriff,\ndas allgemeine Schicksal, die ewige Wiederkehr\ndes immer gleichen Einzelfalles darzustellen. Und\nwie er nicht das Erlebnis des Individuums be-\nachtet, sondern nur das Gesetz, die Ordnung der\nDinge, die Notwendigkeit des Geschehens, so ist\nauch seine Darstellung von diesen Notwendigkeits-\nwerten zu einem Ganzen zusammengeschlossen.\nDiese Geschlossenheit und Notwendigkeitsbe-\nziehung aller Teile zum Ganzen ist — die Eu-\nrhythmie.\nDieses Prinzip eurhythmischer Gliederung hat\nFerdinand Hodler den überraschenden Erfolg ein-\ngetragen, daß er ein historisches Gemälde, also\neine mit allen Bannflüchen der Kritik verstoßene\nBildgattung wieder zu Ehren bringen konnte. Er\nhat das erste historische Bild großen Stils ge-\nschaffen, daß im modernen Sinne eine vollkom-\nmene neue Lösung ist und künstlerische Quali-\ntäten besitzt, die es weit über den Stoff, ja sogar\nüber die Aufgabe hinausheben. Das Gemälde, das\nden Auszug der preußischen Freischaren in den\nBefreiungskrieg von 1813 darstellt, dem Platz\nnach, für den es bestimmt ist — für die Treppen-\nhalle in der Universität Jena — ein Wandbild\nüberlebensgroßen Formates, und dem stilistischen\nAnspruch der Darstellung nach ein Monumental-\ngemälde feierlicher Art und patriotischen Appel-\nles, wie jede Glorifikation, ist dem Motiv nach\nnichts als ein Episodenbild epischen Charakters.\nAber diese Episode steht da als eine Szene\nfür hunderte, die sich ebenso abgespielt haben.\n„Der Aufruf an sein Volk\" ist vom König von\nPreußen erlassen worden. Da leistet ihm alles\nkampfesfreudig und begeistert Folge. Voran die\nStudenten. Sie fahren eilig in die Waffenröcke,\nsie schwingen den Tornister auf den Rücken, sie\nsteigen in den Sattel, sie jauchzen und lassen die\nSäbel klirren, die unruhigen Rosse schäumen und\nsteigern die Kasernenunruhe vor dem Abmarsch.\nAber schon sind die Bataillone formiert. Sie sind\nim Marsch. Die Erde erdröhnt unter dem ehernen\nSchritt und Tritt dieser Heere, die auf Paris los-\nmarschieren und nicht aufzuhalten sein werden,\nbis sie unter dem Are de Triomphe in der Haupt-\nstadt des Erzfeindes einziehen. Welcher Rhyth-\nmus, welch gewaltiger Zug, welch ungeheure\nMasse, wenn auch das Auge nur einen Bruchteil\nder langgestreckten Kolonne erblickt. Alles ist\naus dem Geist der großen Zeit entstanden.\nUnd doch ist die Szene keine Episode. Denn\naller genreartigen Wahrscheinlichkeit entkleidet,\nist das Einzelbild ein Sinnbild für die große. all-\ngemeine Evokation, die das ganze Volk ergreift\nund zu den Waffen ruft. Jeder dieser Studenten tut\nseine Pflicht für sich und sein Volk; im Bilde wird\ner zum Helden als Person und als Typus, auch\nohne die heroische Pose und das theatralische Pa-\nthos, das solchen Bildern sonst vorbehalten ist.\nOb es nicht die stärkste Probe war, die Hodler\nbestand, als er den kriegerischen Ruhm eines\nfremden Volkes zu feiern unternahm? Eine Probe,\nbei der die Ausdruckskraft seiner Phantasie und\ndie objektive Treffsicherheit seiner künstlerischen\nGeschichtsauffassung sich zu bewähren hatten.\nHat nicht einer der großen italienischen Meister\ndasselbe Motiv für ein Bild historischen Stiles auch\nbenutzt, das Trompetensignal, das die badenden\nSoldaten zu den Waffen ruft? In der Hand des\nKünstlers wird auch das Kleine groß und bedeu-\ntend, weil er in ihm unzählige Strahlen des großen\nLichtes zusammenfaßt, das die Welt durchflutet.\nArtur Weese veröffentlichte ein Buch über Ferdinand\nHodler, das im Verlag von A. Francke, Bern erschienen\nist. Die Zeichnung von Hodler wird mit Erlaubnis des\nVerlags wiedergegeben.\n\nDer Knabe und die Birke\nVon Fjodor Ssollogub\n„Mein liebes, weißes Birkchen,\" flüsterte\ner. Liebevoll sieht er die kleine Birke an. Er sitzt\nauf der Bank in seinem Garten, ein kleiner, mage-\nrer, blasser Junge in einer hellen Kattunbluse. Er\nsitzt ein wenig gebückt. Seine Hände, die etwas\nverbrannt sind, hält er auf den Knien. Dort schla-\nfen sie.\nGanz leise kommt sie von hinten heran und\nlacht plötzlich auf, hell und klingend. Das Lachen\nzieht sich über ihr purpurrotes Gesicht und spiegelt\nsich in ihren braunen Augen. Sie setzt sich auf\ndie Bank neben den Bruder.\n„Du liebkosest mit deinen Blicken die Birke\nund träumst von Liubotschka. Du bist dumm, Se-\nrescha; sie hat einen Bräutigam.\"\nUnsicher und verwirrt sieht Serescha die\nSchwester an, als ob er sie hörte, aber nicht ganz\nihre Worte versteht. Er seufzt gezogen:\n„Du hast auch Einfälle ! Was geht mich deine\nLiubka an! Die sollte mich gerade interessieren;\nsie ist ungefähr dreimal so schön wie der graziö-\nseste aller Sumpffrösche.\n„Pfui, Dummkopf,\" lacht das Mädchen, „darf\nman so von jungen Damen reden?\"\nSerescha sieht sie ruhig an: „So wenig du mich\nverstehst, so gut hast du das Schimpfen gelernt!\nWenn du noch einmal Dummkopf zu mir sagst,\ntauch ich die wieder ins Wasser.\"\n„Das wollen wir erst sehen, wer getaucht\nwird.\" Sina ist ärgerlich oder stellt sich doch so.\nSie steht auf, schleudert die Zöpfe zurück, wirft\nnachlässig über die Schulter: „Ich will mit dir über-\nhaupt nicht reden!\"\nKaum hört man noch das jammernde Knirschen\nder Sandkörner unter den kleinen Absätzen. Sere-\nscha schmiegt sich an die Birke und küßt ihre feine,\nweiße Rinde. Ein Zittern rieselt durch den schlan-\nken Stamm des Baumes; die fröhlichen, unschul-\ndigen Blätter umrauschen den Knaben mit süßem\nDuft. Leise streichelt der Knabe die Birke und\ndrängt seine Wange an ihre zarte Haut.\n0 Nacht des Nordens! Die jungen Damen\nsitzen im Garten und lachen. Das Klingen ihrer\nStimmen stört Serescha. Er geht auf seine Kam-\nmer, setzt sich ans Fenster und blickt in den selt-\nsam gefärbten Himmel, den er liebt. Er wartet,\ndie jungen Damen werden schon gehen.\nEndlich! Nun ist es still. Der Knabe eilt in\nden Garten zur Birke. Das Landhaus steht hoch am\nUfer. Unten rauscht der Fluß über Geröll. Un-\naufhörlich rauscht er.\nEin feines, birkenschlankes Nixchen steigt her-\nauf. Die zarte Birke erschauert leicht. Es flüstern\nihre süß duftenden Blätter. Hinter den Sträuchern\nsteigt die Nixe herauf: Komm doch her, mit mir ist\nes lustiger. Die da ist stumm; ich werde dir viele\nMärchen erzählen.\"\n„Geh fort,\" ärgerte sich Serescha, „deine Mär-\nchen können mich nicht locken.\"\n„Hast du schon Hauffs Märchen gelesen?\"\n„Nein!\"\n„Und Alfanaßjeu kennst du auch nicht?\"\n„Siehst du! Geh fort!\"\nUnd sie lacht hell, glasdünn. Im Uferschilf\nflüstert es. Kein Lachen und kein Weinen.\nDer Knabe kommt jeden Tag. Noch steht das\nGras grün und frisch. Aber schon eilt der heiße\nSommer herbei. Man muß etwas tun, ehe die\nBlätter alt werden.\nSerescha legt sich auf die Bank unter der\nBirke; sie neigt sich über ihn, sie flüstert im Winde\nund schaukelt sich freudig und schmachtend.\nHier findet ihn die Base Lisa. Sie ist sehr schön\nmit ihren schwarzen Augen und ihren schwarzen\nHaaren. Sie ist erst vor kurzem Witwe gewor-\nden, aber schon genau so lustig wie immer. Sie\nsetzt sich dicht neben Serescha. Sie riecht nach\nstarkem Parfüm und neckt Serescha. Das tut sie\ngern.\n„Sereschenka,\" schmeichelt sie liebevoll, dabei\nhat sie tückische Worte im Kopfe.\n„Nun, was willst du denn?\". Serescha ahnt\nschon ihre böse Absicht. Wann käme sie auch in\nguter?\n„Mein Lieber, du liegst da, kannst du nicht\naufstehen?\"\n„Was denn?\" antwortet Serescha gereizt.\n„Du liegst unter der Birke und träumst von\nLiubotka. Wirst du nicht zu ihr gehen?\"\n„Unsinn,\" brummt Serescha.\n„Vielleicht tut dir dein Leib weh?\" fragt Lisa\nund lacht leise.\nSerescha schweigt.\n„Du hast dir wohl an Liubotschkas Pomade\nden Magen verdorben?\" und zärtlich streicht sie\nsein Haar.\n„Was für Dummheiten!\" schimpft Serescha.\n„Liubotschka hat keine Pomade!\"\n„Woher weißt du denn das?\" lacht Lisa. „Hast\ndu in ihren Sachen gewühlt? Hast du dir ein Bänd-\nchen als Andenken mitgenommen? Wo ist es?\"\nSie steckt die Hand in Sereschas Tasche.\n„Trägst du es nicht bei dir?!\"\nSerescha springt auf und läuft fort. Er dreht\nsich um und ruft von weitem: „Eine sehr freche\nWitwe!\"\nLisa lacht und geht zu den Großen zurück, die\nebenso wie sie vergessen haben, daß sie als Kinder\nzarter empfanden. Lisa hat die kleine Zerstreu-\nung schon vergessen, aber Serescha muß den\nganzen Tag an Liubkas Pomade denken. Er\nfühlt einen schlechten Geschmack im Munde, wie\nwenn er sich wirklich mit der nicht vorhandenen\nPomade den Magen verdorben hat. Es ist wieder-\num Nacht. Alle Bäume im Garten sind still ge-\nworden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "662", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.4", "texte": "Nur die kleine Birke flüstert ihnen etwas zu.\nSie flüstert leise, dann schweigt sie auch.\nEin warmer Nebel zieht von den Feldern her-\nauf. So zu stehen, zu träumen, sich im Schweigen\nzu verlieren.\nLeise flüstert Serescha:\n„Ich liebe dich, weiße Birke. Nur dich allein\nliebe ich. Du bist wie der Frühling; du lachst\nnicht und neckst nicht. Du bist mir zur Freude\ngewachsen.\"\n„Nur zur Freude?\" beugt sie sich vor.\n„Ich weiß nicht,\" antwortet Serescha.\n„Du bist groß geworden, stehst und schweigst.\nOhne zu begehren begehrst du. Deine Zweige ha-\nben sich in die Breite gestreckt und mit Blättern\nbedeckt. Ganz weiß — ganz still bist du. Du\nwirst freundlich zu mir sein, du wirst mich küssen.\nDu bist meine Freude.\"\n„Freude, nicht Qual?\" beugt sie sich traurig\nzu ihm.\n„Und wenn auch Qual,\" flüstert Serescha. „So\nwerde ich mich an dich schmiegen, so werden du\nund ich süß und zart fühlen.\"\n„Süß und zart,\" haucht die Birke, „willst du\ndas, kennst du das?\"\nSerescha umarmt die schlanke Birke und preßt\nseinen Kopf an ihre zarte Rinde. Er bebt in süßem\nEntzücken.\nSchmerz und Traum liegen in seinem Begeh-\nren. Durchsichtig und zerbrechlich klingt das Wei-\nnen der eifersüchtigen Nixe mit dem grünen Schaum\nin den Flechten. Kalte Tränen rollen aus den\ngrünen Augen. Der Garten ist von den Nebeln der\nTrauer erfüllt. Kalte Seufzer der ohnmächtigen,\nnächtlichen Sehnsucht erklingen. Der kalte Nebel\nwogt und die Bäume des Gartens empfinden seine\nSehnsucht. Zwei Leben haben sich ineinander er-\ngossen und erbeben. Sie glühen in der Flamme der\nLiebe und des Entzückens — und sie empfinden\ndie Hoffnungslosigkeit der Liebesbewegungen.\nEbenso hoffnungslos, fern von einander, wie jede\nanderen zwei Seelen in ihrem Lebensbund — da\nhaben sie das Begehren und Ineinanderströmen\nvereinigt, alles einander gegeben, was sie besitzen.\nErmattet liegen sie da in ohnmächtime Erbeben\nzweier schlanker, erkaltender Körper. Die Nixe,\ndie ihr Antlitz niemals den Menschen zeigt, tritt\nnahe heran und rastet. Von ihr weht zu ihnen\njener Zauber herüber, der stärker ist. als alle Zau-\nber des Lebens.\nSie fragt:\n„Unvernünftiges Kind, was willst du denn?\"\nDen süßen Saft ausströmend, flüstert die Birke:\n„Nur einen Augenblick. Dunkel ist das Leben\nund schwer sind die Ketten des Daseins. Gib mir\nnur einen glühenden Augenblick!\"\nDa lief die Flamme des Entzückens durch den\nschlanken weißen Körper der Birke. Und mit einem\nAufschrei wahnsinnigen Glückes fielen zwei im\nGeben erkaltende Körper zu Boden.\nNach einer Übersetzung der Eugenie Chmieiustzky. Von\nKurt Hess.\n\nEure Sehnsucht aus der\nZeit\nAlired Walter Heymel\nAus sanfter Schwermut und der Liebe Trauer\nErmann ich mich; versuch mich zu ermannen,\nUnd kann doch Tod und Untergang nicht bannen\nWohin ich flüchten will, ragt Mauer auf an Mauer.\nGrüb ich den Acker um, ein guter Bauer,\nUnd dient im Schweiße, wüßte ich von wannen\nDies alles kommt und wüßte nie von dannen\nIch käm aus Schmach und Schande, Scham und\nEs fehlt uns allen Dienst und Ziel und Zwang,\nDie allen nottun und die keine wollen,\nSo schmachten wir in Freiheit sonder Siege.\nIm Friedensreichtum wird uns tödlich bang.\nWir kennen Müssen nicht noch Können oder Sollen\nUnd sehnen uns und schreien nach dem Kriege.\n\nSchauer.\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Sehüler\nHeute ist St. Peter Hilles Namenstag. Mich\nfragte ein Fremder, wie St. Peter Hille ausgesehn\nhabe? Der Frager war ein Astronom und machte\nsich den wahren, strahlenden Begriff von ihm.\nWarum ich nicht an seinen Feiertagen zu seinem\nGrabe pilgere — wenn ich Maria oder Magdalene\nwäre — aber zwischen uns war selbst nicht die\nIntimität der Träne. Ich warte ehrfürchtig bis der\nProphet mir erscheint. Ebenso, meinte der Astro-\nnom, wie ich dieser Himmelserscheinung harre, er-\nwarten sie den Kometen.\nAber daß St. Peter Hille einmal ein Engel be-\ngegnete auf dem Felde, das weißt Du wohl nicht,\nHerwarth? Wie er mir das sagte, waren seine\nbraunen Augen himmelblau und ein Blinder, der un-\nserm Gespräch lauschte, vertraute mir später ver-\nzückt, er habe sehen können, während der Pro-\nphet die Geschichte des Engels erzählte.\nIch möchte etwas darum geben, wenn er die\nMelodie, die du zu seinen Gedichten geschrieben\nhast, vernehmen würde; er konnte sich freuen; und\nmeine Bibel, das Peter Hille-Buch, hätte er immer\nin seiner großen Manteltasche getragen und immer\nnachgeschlagen, wenn er etwas über sich verges-\nsen konnte. Manchmal vergaß er wahrhaftig, daß\ner ein Prophet war. Wir müssen St. Peter Hille\neinen Tempel bauen, wer hätte so ein mächtiges\nHerz, ihn darin ganz zu gedenken. Deine Tem-\npelerbauerin. Grüße Kurtchen.\nDer Sezessionsmaler Hernstein glaubt wahr-\nhaftig, er ist der Bischof, Ich habe selbst schuld,\nnannte ich ihn doch stets den feinen, jüdischen Kar-\ndinal. Er findet außerdem, meine Korrespondenz\nschwäche ab, ich schreibe gar nichts mehr zum\nLachen. Nun weiß ich aber wieder was zum La-\nchen. Der „wirkliche Bischof\" fragte mich, ob er\nmir seine Freundin vorstellen dürfe? Als meine\nErkundigungen nach ihren Vermögensverhältnissen\nungünstig ausfielen, antwortete ich meinem Bischof,\ndaß ich mir diesen Luxus nicht erlauben könnte.\nIch bringe direkt ein Opfer, meine Freunde, denn\nseine blonde Lacherin dünkt mich eine Schel-\nmin, aber ich kann doch nicht alle Menschen in\nmeiner bösen, finanziellen Lage umsonst kennen\nlernen. Ist das nicht zum Lachen?\nRudolf Kurtz schrieb mir heute morgen einen\nBrief im Zeitstil Kleists. Aber ich las deutlich eine\nUnzufriedenheit aus seinen Zeilen deswegen auf\nUmwegen meiner Depesche, die ich Euch sandte\ndes Bündnisses Hiller Hoddis Kurtz etc., etc. wegen.\nUnd dabei war sie doch kurz gehalten, ganz in\nseiner enganliegenden Schreibweise. Sein letzter\nAufsatz (ich glaube in der Gegenwart) war direkt\ninhaltlich ein geistvolles Buch von zwei Seiten.\nAber destomehr hat die Versöhnungs-Depesche Max\nFröhlich gefallen, verehrte Pelzvermummte. Er\nmalt wie ich dichte. Ich liebe ihn dafür unaus-\nsprechlich, meine Liebe überträgt sich auch auf\nseine Frau, die ist Bildhauerin, das wißt Ihr doch?\nO, seine mannigfaltigen Buntheiten an den hellen\nWänden! Wer denkt da an Linie; ebensowenig.\nwie man der Sonnenflecke Umrisse nachspürt. Alle\ndie spielenden Farben wirrt die strahlende Phan-\ntasie seiner Kunst. Die Kete Parsenow, die Venu*\nvon Siam, liegt auf seidenem Grund, ein Kostbar-\nkeit im goldenen Etui des Rahmens!\nWißt Ihr, wer plötzlich in den Saal trat, als\nGertrude Barrison tanzte, Minn! Aber er verstellt\ndie Tänze des Abendlandes nicht, wie ich, nur bei\nGertrude mache ich eine Ausnahme. Die letzte\nSchöne der Tänzerinnen Barrison bewegt sich in-\nteressant und anmutig, und ihre Gewänder sind\nseidene Geheimnisse weißer Marquisperückenzef-\nten. Alle Schauenden waren entzückt.\nHeute traf ich den Bischof auf der Spreebrücke.\nIch war von seinem plötzlichen Erscheinen sehr\nbeglückt, ich hatte den ganzen Tag wieder die un-\nbegreifliche Angst, und mein Herz zuckte kaum\nmehr. Und ich sah schon Farben, die nicht vor-\nhanden waren. Freute mich, daß der Bischof keine\nlehrreiche Methode anwandte, mich zu beruhigen\noder zu beunruhigen. Er besitz einen sanften Wil-\nlen, den er ähnlich wie Du, Herwarth, auf mich zu\nübertragen vermag. Zwar begreift er nicht, daß\nzwischen vorsintflutliches, Mammujh eine flatternde\nTaube bangen kann. Wie kommt wirklich meine\nSeele zu der rührenden Hilflosigkeit. Ich habe\nnämlich bemerkt, daß selbst der roheste Mensch\nbewegt wird von meiner Angst. Nun spiel ich oft\ndie Angst, wenn ich mir zu schwer werde. Ich muß\ndoch etwas von den Stunden meiner Pein haben.\nUnd wir stiegen herauf in des Bischofs Einsiedler-\nklause. An den Wänden hängen düstere Gedan-\nken, schwermütige Gebilde. Ich setzte mich in\neinen großen Stuhl und versuchte, noch nicht ganz\nberuhigt zu sein, und betrachtete meinen Retter\nzwischen halbgeschlossenen Augen. Der Bischof\nhat Züge aus warmgetöntem Stein, seine Augen\nsind hartblau und manchmal stählern sich seine\nBrauen. Er begann meine Hand zu streicheln, er\nweis, ich liebe Zärtlichkeit, beantwortete ich sie\nauch mit verlegenen Rauhheiten. „Wo sind Sie\njetzt augenblich?\" fragte mich der Bischof. Ich\nsaß nämlich gerade am Ende einer rissigen Straße\nin Cairo — vier Jahre zähl ich — im zerrissenen\nKittel auf dem unfrisierten, geschorenen Kopf trage\nich einen verschossenen Fez und meine Augen sind\nverklebt von tausendabertausend winzigen Insek-\nten. Diese kleinen geplagten Kinder habe ich so\noft gesehen am Graben der Straßen sitzen und bet-\nteln; süßer Bischof, seitdem bin ich auch oft so ein\nverwahrlostes Eselstreibers-Kind. Er schenkte mir\neinen Piaster, es war in Wirklichkeit ein goldener\nPfennig, einen Glückspfennig, ich lies ihn tanzen\nauf der Innenfläche seiner Hand; da wurde er\nkleine glühende Erdkugel, bis sie zie zur Erde fiel.\nDa haben wir uns geküßt, Herwarth; findst Du das\nschlimm? Ich war dabei schrecklich traurig, dachte\nan die vielen pochenden Heimate, die ich schon im\nLeben verlassen hatte, die alle die Farbe meiner\nLiebe trugen. Ueberall ruft mich ein Tropfen mei-\nnes Bluts zurück. Nun aber hier in der kleinen\nEinsiedelei, im höchsten Stockwerk, komm ich wie-\nder zu mir, ich strahle zusammen unbeengt. Der\nBischof meint zwar, (er vergißt manchmal seine\nneue Würde), er sei strafbar, daß er mich küßt. Du\nkönntest ihn anzeigen und es stände Gefängnis dar-\nauf, betonte er energisch, da er wahrscheinlich\nmeine Offenheit fürchtet. Ich antwortete? Und\nwenn —! Und dachte dabei, Herwarth, diese ab-\nkühlende Antwort habe ich von dir.\nOb ich mir das nur einbilde — Dein Doktor\nmöchte mir eine Falle legen. Dabei kann ich\ndoch nicht offenherziger sein, als in den Briefen\nan Dich und Kurt. Aber schon einige Male\nsetzte sich ein Bekannter des Doktors in die\nnächste Nähe meines Tisches. Das wäre ja\nnoch kein Beweis meiner Vermutung, aber der\nBekannte sieht aus wie ein Hase und einer seiner\nLöffel ist schon abgenutzt vom Lauschen. Wie my-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "663", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.5", "texte": "stisch ist es doch, mit einem Menschen ehrfürchtig'\nböse zu sein. Es liegt eine tote Stelle zwischen\nuns, darauf nichts mehr blähen kann, aber wir brin-\ngen der Grabstätte unserer Feindschaft Pietät dar\n— manchmal in Form von bunten Immortellen.\nOb der Doktor auch schon mal etwas ähnliches\ngedacht haben mag Es bringt mir niemand von\nihm Kunde. So muß es nach dem Tode sein, wir\nsind uns im Leben schon gegenseitige Geister ge-\nworden. Er erscheint mir oft in Rollen, manch-\nmal als überlegener, höherer Geist, der verneint. Als\nSamiel erschreckte er mich neulich am Ufer der\nSpree, als ich heimlich auf den Bischof wartete.\nSchlank ist er, gemmenhaft sein Schatten, über-\nrascht er mich als einer der ermordeten Könige\nRichards im Traum. Habe ich Aehnlichkeit im\nWesen mit d-em Bluthund? Nun ist der Winter\nmeines Mißvergnügens — ich habe sogar die\nschlimmen Sommer auch alle durchgemacht. Euer\nShakespeare.\nLiebe Beide. In einem Restaurant der Fried-\nrichstraße saß unser Doktor, Herwarth. Ich wollte\ndort nur telephonieren, aber da ich ihn bemerkte,\nschlich ich auf die Gallerie und betrachtete ihn aus\nder Vogelperspektive. Er war allein, sonst nur\nabgedeckte Tische. Drum begann er wieder zu\nsummen und es war seine Stimme, die bald an den\nSäulen des Saals brandete. Ich begreife nicht,\nwas ihn noch von den Konzerten abhält? Er ist\nnatürlich kein Heimatsänger, wie die dekorierten\nVögel alle, zwitschernder, musizierender Blätter-\nWälder. Des Doktors Stimme ist stellenweise noch\nungeheftet, ich konnte manche von den schwarzen\nPerlen in die Hand nehmen. Wüllners Töne sind\nalle schon geordnet auf Golddrähten, die Meeres-\nstimme des Doktors wäre auf Taue zu reihen. Diese\nErkenntnis sollte sein Lehrer besitzen. Du mußt\nihm die letzten Zweifel nehmen, Herwarth.\n\nDr. Max Zerbst: „die vierte\nDimension”*\nVon S- Friedlaender-Halensee\nDoktor Zerbst exponiert in dieser kleinen,\nsehr treuherzig abgefaßten Schrift einen Gedanken,\nder zur Lösung des Problems der Materie bei-\ntragen soll. Er will nicht finden, sondern suchen;\ner fingiert Hypothesen — und zwar kühne, sehr\ngewagte. Solche von der Art, wie sie sofort ent-\nstehen, wenn die kritische Grausamkeit des Gei-\nstes gegen sich selber nachläßt; wir hätten auch\nsagen können: des Vertrauens zu sich selber.\nMan muß durchaus nicht immer erst sterben, um\ndas Große Vielleicht suchen zu gehen. Herr Dr.\nZ. erwägt ein großes Vielleicht . . . vielleicht auch\nnicht!\nUnter der Vierten Dimension des Raumes will\nDr. Z. die materielle Körperwelt verstanden\nwissen. Bekanntlich hat der geometrische Kör-\nper bloß drei Dimensionen: diese vierte soll nun\ndadurch charakterisiert sein, daß sie sich, im Ge-\ngensatz zur Extensität der anderen, rauminnerlich\nin inteusum wende: zum Punkte hin wie die drei\nanderen vom Punkte fort. — Warum sollte sich\ndann nicht „die Perspektive eines Par a 11 eli s -\nm u s zwischen den drei Aggregativstän-\nden (Gas, Flüssigkeit, Fester Körper) der Materie,\nalso der Raumintensität, einerseits und zwi-\nschen den drei Dimensionen (Linie, Fläche,\nGeometrischer Körper) der Raumintensität an-\ndererseits\" auftun? Der Punkt (Atom, Ein-\nheit, Element) ist also sehr unontologisch vorzu-\nstellen, sehr variabel, absolut beweglich.\n— Die Raumintensität (Materie) hat, möglbher-\n*München 1909 Steinebach's Verlag\nweise, in den Strahlungs- und Schwingungserschei-\nnungen ihren vierten Aggregatzustand. — Und end-\nlich: derselbe extensive Raum kann intensiv zur\nselben Zeit unbegrenzt viele verschiedene mate-\nrielle Bildungen enthalten. —\nEs ist anzuerkennen und hervorzuheben, daß\ndie Gestik, mit der uns diese Wahrscheinlichkeiten\ndemonstriert werden, tüchtig und gemessen, fast\n— bei aller verhaltenen Schwärmerei — pedantisch\nausgefüllt. Es ist wirklich in dieser Methode, die\nzu so märchenhaften Resultaten führt, ein gescheu-\nter Zug. Dr. Z. rechnet dabei durchaus mit der\nEventualität, daß er sich irre, und behauptet mit\nrecht auch den Irrtum als ein Fordernis der Wahr-\nheit. Aber man darf die Kraft, selbst außerordent-\nlich geistreiche und verhängnisvolle Fragen auf-\nzuwerfen, die der vorliegende Versuch betätigt,\nkeineswegs überschätzen! limmerhin verrät sich\nhier ein sehr interessanter geistiger Habitus —\n„Absolute Bewegung\" als oberstes Prinzip •— ein\nüberlebendiges Erlebnis! Der Punkt als eine Art\nDoppelpunkt, von antagonistischen Richtungen be-\nstritten — ein polares, also äußerst echtes,\nsinnreiches Erlebnis, das danach angetan ist, jener\nUeberlebendigkeit eine maßvolle Form zu geben.\nAber Herr Dr. Z. selbst würde sich doch gegen\ngutmütige Zustimmung verwahren. Es muß ihm\nalso, Punkt um Punkt, scharf auf die Finger gepaßt\nwerden. Vor allem würde sich doch die Bewe-\ngung, sei sie nun absolut oder nicht, als Erleb-\nnis, als persönliches Elebnis kennzeichnen.\nDegleichen Raum, Zeit, Dimension, 'Materie, alles;\nauch der Punkt. Ohne dieses Ausgehen\nvom eigenen persönlichen Erlebnis\nhat man gut philosophieren! Man hat\ndas Hauptproblem umgangen, was\neinen überhaupt das ganze Zeug an-\ngehe. Zu Gunsten Dr. Z.'s läßt sich annehmen,\ner habe dieses Urproblem in seiner kleinen Spezial-\nschrift stillschweigen lassen. Dann müßte der Kri-\ntiker sich die entsprechende Zurückhaltung aufer-\nlegen — und wie soll dann, bei so gewichtigen Be-\nschluiissen, die Entscheidung strikt ausfallen? Viel-\nleicht erzwingen die anderen, mir einstweilen un-\nbekannten Werke Dr. Z.'s deren Stringenz.\nUm es sogleich zu sagen: Dr. Z., so nahe auf\nden Raumpunkt sein Augenmerk richtend, ver-\nkennt dennoch die Polarität des Raums, trotzdem\ner den um diesen Punkt entbrennenden Antagonis-\nmus des dimensionalen Richtungs-Unterschiedes\nso deutlich gewahrt. Es erhellt dies schon daraus,\ndaß er überall von Richtung anstatt vom Rich-\ntungsunterschiede spricht. Zarathustra mit seinem\n„Um jedes Hier rollt siech die Kugel dort\"; „Die\nMitte ist überall\", hätte diesen ehrlichen alten\nNietzschekenner doch aufmerksam machen sollen,\ndaß Extension polar zu verstehen sei! Der\nRaumpunkt polarisiert ganz evidentermaßen die\nRaumextensität. Im Punkte konzentriert sich die\nDifferenz, die polare Zerstreuung des Rau-\nmes. Extension ist also nichts vom Punkte fort,\nsondern polar vom Punkte aus Gerichtetes: re-\nflektiert also wesentlich bereits auf den Punkt.\nEntfernung ohne Wiederannäherung (ist eine\nfalsche Abstraktion, ein halber Blick. Der Ge-\ngensatz besteht also nicht zwischen\nExtension und Intension, sondern in\nder Extension selber, und „Intension\"\nist die Funktion des Punktes, der ihn ausgleicht.\nNähe z. B. indifferenziert (in irgend einer Figur,\neinem Symbol) die dia-bolische Ferne, ist also\nkein Gegensatz zu ihr, sondern die Versöhnung\nihrer Selbst-Opposition! Wie das Kind kein Ge-\ngensatz der Eltern, sondern das Symbol des\nAusgleichs ihrer Differenz ist (oder sein sollte!).\nDr. Z. beraubt sich also dadurch, daß er den echten\nKontrast in einen falschen verblickt, der wahren\nFruchtbarkeit seines gedankenreichen Beginnens.\nDas „V o m P u n k t e fort\" enthält den echten\nKontrast, Richtungs - Unterschied, welchen das\n„Zum Punkte hin\" in zahllosen Variationen\nharmonisiert: Um jeden Punkt streitet die (anti-\npodische Kugel Dort! Ferner lassen sich am Räu-\nme Ausmessungen vornehmen — aber der Raum i s f-\nkeine Ausmessung. Man konstatiert a n der soge-\nnannten „dritten\" Dimension, die das Wesen des\nRaumes ausmacht, Punkte, Linien, Flächen; Fi-\ngu r, Grenzen. Aber diese Grenzen und Figuren\nsind, ohne Tiefe vorgestellt, unmöglich. Es gibt\ngar keinen eindimensionalen Raum, gar keinen\nzweidimensionalen; oder soll auch vielleicht der\nPunkt ein nulldimensionaler sein? — Das ist ein\nschiefer Blick für das allein Konkrete des Rau-\nmes, seine „T ie 112 e\". Diese Tiefe hat Dimension\nund zwar polare, d. h. auf einen Richtungs-Un-\nterschied gehende. In welcher Weise diese Tiefe\ndes Raumes nach Art der Stereoskopie\nkomponierbar, flaßtibel, deklinabel werde, speziell\nzu verdeutlichen, geht hier nicht an; aber prinzi-\npiell muß gegen die saloppe, metageometrische Be-\ntrachtungsweise nachdrücklichst geltend gemacht\nwerden, daß sie zwar vielleicht Dimensionen\nder Tiefe berechnen, logisch erschließen könne;\naber nie und nimmer — welchen Aberwitz! —\nDimensionen, deren dritte die Tiefe wäre. Wie\noft wissen Rechner gar nicht, was sie berechnen!\nIn sich ist Mathematik agodiktisch; ange-\nwandt, kann sie bis zur Verrücktheit urteilslos\nund irrig werden und obendrein mit der Miene der\nUnfehlbarkeit — wie das Schicksal der Goethe-\nschen Farbenlehre tragisch beweist!\nHerr Dr. Z. läßt sich von seinem Widerwillen\ngegen Ontologie zur Hypothese des Prinzips der\n„absoluten Bewegung\" hinreißen und vergißt auch\nhier über der Richtung den Richtungs-Unterschied\nund dessen polaren Sinn; obgleich er, wie ein von\nihm aufgestelltes Schema zeigt, dann selbst auf\nPolarismus gerät. Es gibt nirgends Bewegung ohne\nGegenbewegung, und Dr. Z. sollte in der „Ruhe\"\nseinen „Sinn\", sein „Element\" wiedererkennen,\nExtension ist die Differenz des Punktes; Bewe-\ngung die Differenz der „Ruhe\", deren media-\nler Indifferenzzustand gar nicht le-\nbendig genug gedacht werden kann:\nabsolut lebendig — aber immer polari\nAlso einem Kontraste geltend und für ihn wirk-\nsam. Das Element müßte Herr Dr. Z. also\nnicht bloß variabel denken, sondern auch einsehetr\nlernen, daß diese Variabilität auf etwas Polares\ngerichtet ist.\nNach alledem werden wir die Materie nicht\nfür etwas der Extension entgegengesetztes Inten-\nsives, sondern für etwas aus der Differenz der Ex-\ntension resultierendes Intensiveres halten müssen,\nOder anders gesagt: Wirklichkeit ist medialer\nals geometrische Phantasie.\nUeberhaupt, so unfruchtbar die bloße „Rich-\ntung\" ist, so unendlich fruchbringend und steigernd\nwirkt die Grenze eines Richtungs-Unterschiedes.\nAus der Differenz wird (wie aus Eltern), je reicher,\nje spannender, je infinitesimal er, pdlarer\nsie ist, ein Resultat in immer gesteigerterer Form\nerblühen. Aber man muß den Blick für die Diffe-\nrenz haben! So gibt es keinen Raum, sondern\neine polare Raumdifferenz. Und von vorn her-\nein ist Unendlichkeit eine Polarität, keine Sim-\nplizität. Also das Absolute (Unendlichkeit) selbst\nist polar zu denken; folglich „absolute Be-\nwegung\" polare. Dr. Z. ist ja genötigt, in\nseine absolute Bewegung ein „Element\", wenn\nauch ein variables, einzusetzen! Variation (Pro-\nteität, Metamorphose) ist aber, präzis durch-\ndacht, polare Identität: Andersheit ist entzweite\nSelbigkeit — pardon dem raschen Kauderwälsch!\nEs ist in höchstem Grad erfreulich, daß man-\nendlich dem Mißverständnis des Simplen, Seienden,\nElementaren, der „Einheit\" (der Mon(oton)isten) ein\ngraziöses Ende bereitet; indem man die „selbe\"\nEinheit unendlich lebendig, also differenzierbar (d.\nh. polarisierbar) auffaßt —: aber eben mit beson-\nnenem Klarblick über ihren Charakter als denjeni-\ngen einer Mitte, einer Grenze, einer Balance"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "664", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.6", "texte": "zwischen ihren eigenen Ausschweifungen, Extre-\nmen, Polen. Dadurch enthüllt das ewig Ontolo-\ngische sein ganzes Geheimnis. Nur verfahre man\nrecht vorsichtig — sonst gerät man selbst ins Ex-\ntrem. Der Raum streitet um sein Hier, die Zeit\num ihr Jetzt, Bewegung um Ruh e, um . . .\n„Materie\": Das Unendliche streitet in diesen und\nzahlreichen anderen Sinnbildern um: ... Sinn, um\nseinen persönlichen Sinn für sich selbst.\nHerr Doktor Z. gibt (an anderem Orte) zu ver-\nstehen, daß der Kern und Keim aller Bewegung,\ndie Einheit, das „Atom\" — oder wie man es\nnenne — die Bedingung des persönli-\nchen Selbstbewußtseins der absolu-\nten Bewegung sei. Aber kaum hat er diese\neinzige Wichtigkeit des persönlichen Elemen-\ntes anerkannt, als er, in seiner furiosen Vorliebe für\nabsolute Bewegung, sofort wieder es explo-\ndieren läßt. Und hierin erblicken wir den Kardi-\nnalfehler seiner Denkweise und Weltanschauung,\nderen Kardinalvorzug eben in der Mobilisierung\ndes Atoms besteht Man darf diese nicht so vor-\nnehmen, daß darüber das Element gar zum Teufel\ngeht; sondern hat einzusehen, anzuschauen, daß\nallemal Bewegung ihre eigne (persönliche) Elernen-\ntarität (Einheit, Sein) differenziere — auf zahllose\nArten. Was bewegt sich? — Dr. Z. läßt die\nTradition antworten: „Substanz\"; und will revolu-\ntionieren, indem er kühnlich verbessert: „Bewe-\ngung\" — Bewegung sei alles. Aber genau ge-\nnommen, hat er die Substanz doch nur mobil ge-\nmacht, nicht vernichtet. Sobald es jemanden gibt,\nder absolute Bewegung konstatiert, enthält\nderen Absolutes das offenbare Geheimnis der Sub-\nstanz, der Identität, Einheit, des Elements. Also\nder aggressive, negierende, niederreißende Gestus\ngelingt Herrn Dr. Z. viel überzeugender als der\nponierende, der nur auf geistreiche, scharfsinnig\nausgeklügelte, willkürliche Mutmaßungen hinweist.\nEs .-ist schön, die Substanz aus ihrer faulen Ruhe\naufzurütteln: aber Bewegung ohne alle Ruhe, „ab-\nsolute\" Bewegung ist vom Scheine mindestens\nder Ruhe nie zu absolvieren. Wir erhalten abso-\nlute Bewegung mit variablen Elementen, immerhin\nmit einer Einschränkung also der Absolutität,\nwelche denn doch viel zu prinzipiell ist, um obenhin\nals „Schein\" so leicht erledigt werden zu dürfen.\nVielmehr würde, ohne diesen so wesentlichen\n„Schein\", Bewegung sich selber entrinnen, Man\ndarf also nicht behaupten: alles „Sein\" ist Schein,\nund nur das „Werden\" Wirklichkeit: — sondern\nmuß das Sein als das Integral der Differenz des\nWerdens verstehen. Bewegung hat wesentlich den\nCharakter einer Differenz, einer Polarität; Rich-\ntung und Geschwindigkeit sind polare Wesen-\nheiten. Folglich hat man einen Denkfehler be-\ngangen, wenn man Substanz, Element, Atom, Ein-\nheit, Identität für simpel hemogen hält: es liegt in\nihnen, also im „Sein\", eine ganz immense poten-\ntielle Energie in dem Maße, daß man sie überhaupt\nnur kinetisch wahrhaft erfassen kann; und zwar po-\nlar. Somit sind Sein und Schein, Sein und Werden\ngar keine Gegensätze; sondern das Werden ent-\nhält in sich selbst jenen Kontrast, welcher am\n„Sein\" rüttelt und die Materie schon in den Augen\nder Alten zum menclacium verax machte. —\nSchließlich ist man, wie man sich\nauch gebärde, Theolog! Der Gott ist die-\nses Mal die „Bewegung\". Wie nun, wenn man es\numkehrte, und an den Anfang den enormen K u 1 -\ntu s, diese evoici furori, die edel rasende Anbe-\ntung des Dr. Z. stellte, deren Ausgeburt erst seine\nGemüts- und sonstige Bewegung wäre? Oh, wel-\nche Verkennung des ewig göttlichen Mysteriums\nder Allmacht, der Urdivination, wenn sie zum spä-\nten Resultate dessen gemacht würde, das ihr Spiel-\nzeug, ihre Ausgelassenheit bloß bedeutet? der Be-\nwegung!! Oh, mehr Theologie, armseliger\nMensch ;* noch mehr Theologie!\nGemeint ist das Genus, also auch Rezensent.\n\nUnser Photo\nViktor von Dirsztay\nTrotz der bekannten Popularität, die meine\nbescheidene Person in irdischen Kreisen so un-\nverdienterweise genießt, nahm mich dieser spon-\ntane Ausbruch der Liebenswürdigkeit und Hoch-\nachtung von Seiten des alten Herrn nicht wenig\nWunder. Um auch meinerseits in taktvoller Weise\nInteresse an seiner Person zu bekunden, trug ich\nihn, welches Ressort er denn in der Kabinetts-\nkanzlei innehabe und zu wem ich denn die Ehre\nhätte. „Das wissen Sie gor nix,\" antwortete der\nalte Herr lebhaft, \"ich bin doch der bekannte Lu-\ngensoger. Von mir hat noch nie einer e wahres\nWort gehört!\" Diese Aeußerung des berühmten\nDiplomaten, des Herrn Geheimrates Edlen von Lu-\ngensoger, schien mir in gewisser Hinsicht den\nWert seiner früheren schmeichelhaften Ausdrücke\netwas herabzusetzen, doch ersetzte mir die Be-\nkanntschaft mit diesem hochtalentierten und an-\nscheinend so viel beschäftigten Funktionär vollauf\ndiese kleine Enttäuschung. Indem ich der Hoffnung\nAusdruck verlieh, daß er auch fürderhin im vollen\nBesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte\nseinem hohen Berufe voll und ganz sich hin-\ngeben und sich nie bei der Wahrheit werde er-\ntappen lassen, empfahl ich mich mit warmem\nHändedruck von dem mir so schnell liebgewor-\ndenen alten Herrn. Im Abgehen rief er mir noch\nnach: „Auf baldiges Wiedersehen, Sie lieber netter\nHerrj\", doch wollte ich nach den vorangegangenen\nAufklärungen all dies Schöne und Schmeichelhafte\nlieber nicht auf mich bezogen wissen, und eilte\nschleunigst hinweg. Ich wollte diese Gelegenheit\nnicht verstreichen lassen, ohne ein Konterfei des\nhervorragendsten Engels für Ihr g. Blatt gratis\nanzufertigen. Bekanntlich hat ja vor nicht langer\nZeit Ihr Konkurrenzblatt die Abbildung der Ge-\nbrüder Engel (Baumwollen) gebracht, und ich be-\ntrachtete es somit als meine Ehrenpflicht, Ihnen\nnun das Bild eines wirklichen Engels aus den\nhöchsten Kreisen zu verschaffen. Als ich mich\ndaher nach einer besonders markanten Persönlich-\nkeit unter den himmlischen Engeln erkundigte,\nmachte man mich auf ein Original aufmerksam.\nBesagter Engel soll ein ebenso geistvoller Causeur,\nwie auch merkwürdiger Kauz sein, der stets in\nParadoxen spricht. Auch sein Aeußeres soll\nstark von dem bekannten Familientypus der Engel\nabweichen. So suchte ich ihn denn in seinen Ap-\npartements auf. Da mir aber trotz wiederholten\nAnklopfens niemand antwortete, öffnete ich end-\nlich die Tür, trat ein, stellte mich vor, und teilte\ndem jungen Mann in einer kleinen Rede mit, daß\nich ihn für Ihr Blatt zu photographieren gedenke.\nNachdem ich meinen Speech vollendet hatte und\ngespannt auf die Antwort wartete, erhielt ich als\nAntwort nur soviel: „Hhherein . . .!\" Ich wußte\nanfangs nicht, was dies bedeuten sollte, doch\nstellte es sich heraus, daß der bedauernswerte junge\nMann leider stottere und daher jetzt erst die Ant-\nwort auf mein früheres Anklopfen hervorgebracht\nhabe. Ich bemerkte auch, daß er momentan sehr\nunbeschäftigt und daher äußerst nervös sei. Ich\nversuchte nun mit den gar nicht wirschen, ja, ge-\nradezu unwirschen jungen Mann ein Gespräch\nanzuknüpfen. „Herr von Engel!\" sagte ich, —\n„Pardon!\", unterbrach er mich, „heiße bereits\nAngyal\" — „Herr von Angyal\" fuhr ich also fort,\nmich schnell verbessernd, „ich möchte, wie gesagt,\nein kleines Interview mit Ihnen haben. Was lesen\nSie da, wenn ich fragen darf?\" „Dda ich, wwie\nSie gehört haben werden, ein Ssalonpplauderer bin,\nwerde ich es Sie in einem Paradoxon raten lassen,\"\nwar die Antwort. „Der erste Teil ist ein großer\nVvogel, der zweite Teil eine 112 . . fürchterliche\nSchschießwaffe. Wwer ist das?\" Das konnte ich\nnatürlich selber nicht erraten. „Grillpanzer\"\nsagte er. „Wieso\", erlaubte ich mir einzuwenden,\n„ ist denn Panzer eine fürchterliche Schießwaffe?4'\n.vNu ist denn Ggrill ein großer Vogel?\", sagte Herr\nvon Angyal, indem er sich vor Lachen bog, und\ndaher noch undeutlicher stotterte, als gewöhnlich.\nAuch ich mußte über diesen komischen Einfall\nlachen, obgleich ich gestehen muß, daß ich etwas\nderatiges bereits einmal gehört zu haben glaubte.\nDoch hütete ich mich dies zu verraten. Jetzt erst\nhatte ich auch Gelegenheit, Herrn von Angyal voll\nzu sehen, da er mir bis dahin das eigentliche Ge-\nsicht noch nicht zugewendet hatte. Ich bemerkte\nnun, daß er ein auffallend mießer Engel war. Dies\nist umso merkwürdiger, als die Engeln alle sehr\nfein und gar nicht prononziert aussehen. Er trug\neinen etwas abgegriffenen schwarzen Gehrock, einen\nkeinesfalls tadel- aber ganz krempenlosen Zylin-\nder, Zwicker und war gar nicht rasiert, lauter\nDinge, die ich noch an keinen Engel bemerkt\nhatte. Auch hatte er einen Wasserkopf, der ihm\naber gar nicht gut stand. „Sie sind ja ganz an-\nders, wie die übrigen mir bekannten Mitglieder\nIhrer werten und so angesehenen Familie,\" sagte\nich, indem ich an die Gebrüder Engel von der\nBaumwollbranche dachte, deren Porträts, wie ich\nerwähnte, jüngst erschienen sind. „Natürlich bin\nich anders, denn ich bin ja längst vverschieden:\nim Himmel sind ja nur Vverschiedene\", war die\nAntwort, worauf er auf ziemlich taktlose Weise\nherzhaft über seinen eigenen Tod lachte. „Uebri-\ngens können Sie auch laut reden, denn schwerhörig\nbin ich auch,\" fügte er sich immer noch vor Lachen\nschüttelnd hinzu. Als ich dies hörte, konnte ich\nmir nicht verhehlen, daß der junge Mann, unleug-\nbar ein ganz hervorragend befähigter Engel, eine\nso schöne soziale Position wie hier, bei uns nicht\neinnehmen könnte. Angenehm berührte es mich\nhingegen, daß er den einmal angeschlagenen an-\ngenehmen und leichten Stotter-Ton konsequent\nfest hielt, was zwar etwas pedantisch, aber keines-\nwegs unsympatisch war. Ich machte ihm auch\nmein Kompliment, indem ich ihn versicherte, daß\nes mir ein großes Vergnügen bereite, mich mit\neinem so hochgebildeten jungen Engel nach Her-\nzenslust auszustottern, was ihn sichtlich schmei-\nchelte. Er bemerkte zu mir, daß er das Stottern\nsehr leicht gelernt habe und sich nie einer anderen\nAusdrucksweise zu bedienen pflege, da ihn das\nStottern, besonders das schnelle, — das sehr\nschwer sein soll — viel Freude bereite. Er übe\nsich auch täglich und hoffe, es in absehbarer Zeit\nso weit zu bringen, daß Niemand auch nur ein\nSterbenswörtchen von ihm werde verstehen kön-\nnen. Da konnte ich ihm nun mit ehrlicher Ueber-\nzeugung versichern, daß dieser Zeitpunkt keines-\nfalls lange auf sich warten lasse. Er erwähnte auch\nnoch, daß er eine unfehlbare Methode erfunden\nhabe, jedem, auch den Unbegabtesten, das Stot-\ntern binnen vierundzwanzig Stunden beizubringen\nund empfahl mir sein Buch: Wie stottere ich\nleicht und elegant? auf Allerwärmste. Da ich mich\nfür meine Person bestens bedankte, mich aber mit\nZeitmangel entschuldigte, mußte ich ihm wenigstens\nversprechen, für sein Werk zu Hause Propaganda\nzu machen, was ich auch recht gerne tue. Ich löse\nhiermit mein Wort ein und führe zu gleicher Zeit\ndie geradezu umwälzende Bedeutung der Stotter-\nsprache als internationaler Weltsprache an, da aus\nder allgemein gleichen Unverständlichkeit dieser\nSprache gleich ihre Allgemein-Verständlichkeit\nfolgt. Nicht mit Unrecht dachte ich nun, daß er\nsich durch das Erscheinen seines Bildnisses in Ihrer\ng. Zeitschrift sehr geschmeichelt fühlen würde,\nsagte daher: „Wenn es Ihnen recht ist, Herr\nvon Engel\" — „Angyal\" verbesserte er mich aber-\nmals — „Herr von Angyal, so würde ich jetzt eine-\ngute Aufnahme von Ihnen machen.\n\nFortsetzung\nSchluß foLgt\nVerantwortlich für die Schriftleituiig\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "665", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Halensee / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner.\n\nVereinmrtat\nDritter Abend\nMitte November\nabends 8 Uhr\nArchitektenhaus ::\nWilhelmstrasse 92/93\nAchtes Jahr\nAutoren-Abende\nMitglieder beitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM. 3.— zu, sowie der\nkostenlose Jahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. Fur alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nGeschaftsstelle des V. 112. K.\nHALENSEE, Katharinen-Strasse 5\nAdolf Loos\nVORTRAG:\nVom Gehen, Stehen,\nSitzen, Liegen, Schlafen\nEssen, Trinken\nKarten M. 5, 3, 2, 1 bei\nWerthelm, Konzertkasse und\nbe! Reuas und Pollack\n\nr Sturm\nVom ersten Oktober ab erhoht sich\nder Bezugspreis unserer Wochenschrift:\nVierteljahr M 1,50\nHaibjahr „ 3,—\nJahr „ 6,—\nDer Preis der Einzelnummer betragt\nauch ferner wie seit dem ersten Juli\ndes Jahres 15 Pfennig\nVolUtandiger erster Jahrgang\nNumnier 1 bis 56 mit Inhaltsverzelchnis\nM 5,20 posifrei\n\nMTERMWUIEi\nIHBHRET\nWAtft*. rCi^r\nErster Abend\nDonneretoS, Z. November, 9 \\ pflnßtikh\nCafe Austria, Potsdamer Straße 28\nEs lesen Glossen und Verse:\nErnst Bless, Kurt Hilier, Armin Wassermnnn\nRudolf BlQmner liest aus seinem Grotesk-\nDrama »Homunculus«\nKarten zu Einer Mark bei Edmund Meyer,\nBuchhandlung, Potsdamer Straße 27 B, und\nan der Abendkasse\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennige :: Potsdamer Strasse 19\nNeu auagestellte Geraalde:\nA. Allard Forain W, Leistikow\nH. Cassiers V. Gilsoui M. Liebermann\nL. Corinth H. Herrmann A. von Menzel\nF. Charlet J. B. Jongkind Bern, de Monvel\nLe Goud-Gerard Monticelli\nH. Dauraier\nSkulpturen von Max Kruse, M Buchanan\nGrosste Auswahl mod. Graphik fur dekor. u. Sammelzwecke\nCoutts Micki\nC. Pissarro\nF. Skarbina\nJ. Smits\nF. Thaulow u. a.\nL. Mascre u. a.\n\n? Else Lasker-Sehuler\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Butten gebunden\n& Drei Mark\nDreililien-Verlag Karlsruhe und Leipzig.\nc/?\n\nBW ■ | »• f8 liefert unci verleiht\nTheaterbuhnen\nHandelswissen- fVieflp Mactfll* T •\nschaftl. Kurse von Fliet!!. Ifißdlßl Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufieute in fuhrender Stellung). Grundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften als Ersatz fur ein mehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damcn und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fiir jnnge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ahnliche Schule ab-\nsolviert haben, vvie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjlhrig-\nFreiwillige, Abituricnten,\nfiir \"Kaufieute reiferen Alters, die bereits praktisch tatlg waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nIvertiefen wollen oder\nrur Bankbeamte, Ingenieure, Chcmiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Geseflschaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nI Prospekte gratis durch die Direktfon, johannlsplatz 5\n\nDie-sparsame Hausfrau iSJptSSS.to\"'\nslch aus, was Sle im Jahre ffir den Bedarf an Gluhkorpern ausgeben. —\nWie oft kommt es vor, daß der Korper schon beira Abbrennen entzwei-\ngeht, — — Nehmen Sle cine* guten Rat an und verwenden Sle nur\nHartalin-GlMikSrper D. R. P. 203467\nDlese Korper besltzen den Vorteil, daß Sle dleselhen wie ein Tuch zusanimen-\ndr&cken konnen, ohne daß der KSrper darunter leldet. Hartalln-Gluhkorper\nhaben elne Leuchtkraft von 100 K. und Sie erzlelen damit eine Gasersparnis von\n50 °/0. Brenndauer gar. 1 Jahr. REFERENZ! Fur die Straßenbeleuchtung Berlins\nberelts fiber 200000 Stck. geliefert. Versuchen Sle esmit einer Probesendung von\n3 Stck., Preis p. Stck. 50 Wg. od. verlangen Sle den Besuch unseres Vertreters\nVersandhaus Chem. und Techn. Nanlietton\nBERLIN SW. 68 Kochstraße 72\n\nLes Horses\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese iiterarische Zeitschrift\nversffentlichte das franzo-\nslsche Original der Tage-\nbiicher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\nDie Hefte, die die Tage-\nbiicher Flauberts enthalten,\nsowie die übrigen seitdem\nerschienenen Nummern sind\nvom Verlag der Zeitschrift\nLes Marges gegen Einsen-\ndung von sechs Franks direkt\nzu beziehen.\n\nli' Effort\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nz6sisce Sezession in den\nKunsten and in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAH RICHARD BLOHH\nJahresbezug fir das\nAusland: Mark 6.—\nDritter Jahrgang\nVerlag und Redaktion:\nPOITIERS (Vienne)\nFrankrdch\n\nBiictihnnfllunsen\n\nReuss&Pollach\nBuchhandlango.Antiquaiiat\n:: BERLIN W. 35 ::\nPolsdamer Strasse 118 c\nferajpr.i HwtVl (tfi#ow)2B29\nAnkauf einzelner Biicher\nund ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfur Bibliophilen\n\nEdmund Meyer\nBuchhSnQler u. flrifiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfur Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nKatalog HYIII (Yaria) ersehienen\nL___:\n\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nNuramer 333\nsoeben erschienen\nPreis 30 Pfennig\ntJBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "666", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111028-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hause, Berlin SO. 26, Mariannenplatz 23\n\nFR. HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModeme Herrertbekleidurtg\nfertig ueid nach HaH\nRekiameangebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen semusterten Cheviots mit iffrmelaufschlagen 32s® m\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 45s® m\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug* ongiisch gemusterter Cheviot\n32s* 45 h\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Merren Studenten imd Mitglledern von Kunstvereimgungen gegen Vorzeigung von Legitimatlonskartsn 5% R&bait\n\nSCHIEDMAYER\nPIANOFORTEFABRIK\nBERLIN W., POTSDAMERSTR. 27b\nFLUGEL\nPIANINOS\nHARMONIUMS\nBALTHASAR SCHIEDMAYER, Ururgroftvater des jetzigen Chefs der Firma\nbaute im jahre 1735 sein erstes Instrument.\nGrand Prix: Turin 1911 — Paris 1990 — St.\nLouis 1904 — Roubaix 1911\n16 Hoflieferantentitel. 54 Ehrendiplome und Medaillen. Preis-\nrichter auf 14 Ausstellungeru GroBe goldene Medaille fur\nKunst und Wissenschaft. Grofie goldene Medaille fur Handel\nund Gewerbe. Ueber 45 000 Instrumente geliefert.\nInstrumente nach stilgereckten Ent-\nwiirfen in kiinsterischer Aitsfiihrung\n\nParels I Mark\nSrrels 1\nSicheresMittel gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermcglicht Schauspielern und Sangern\nsoforligea Gebrauch der erkrankten Organe\n•«\"» ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN ■■■■«\nZu haben in alien Apotheken and Drogcrieu / AHelnige Fabrlkantln\n~Pharmacia\" / Fabrik Mr pharmaceatischen Bedarf / Beriin-Halencee\nWohlsdbmeckend\nSicker wirkend\n\nBestellt\n\nYegetarisehes Oasthaus\nFR EYA\n| Charlottenburg g\n5 Bismarckstrasse 9 g\nBsnaai Am Knie ■■■«■■\nS E\n0\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kunster unci Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriflen / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nTHRICHOPHIL\n| F1.M.3,00 F1.M.3,00 g\nWn Maaaii■■■■■■■■■ =as nur Helm Fabrlkanten: «b aaaeaaaaaaeaaaa g|\nS Otto Teutscher/Friseur £\nSM I. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Eing\\63StegIitzerstr.,TeI.VI,6735 M\n| 11. Geschaft: Charlottenbury, 100 Kaiserdamm, Tel. 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