{"numero_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_sha256": "16538ad40fd10db6ec18b1e8d1536a7b0926cf8686291c661e43f75b877af260", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1911/11/11_01/bmtnabg_1911-11-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1911/11/11_01/bmtnabg_1911-11-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c001", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "675", "page_fin": "675", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "675", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.1", "debut_caractere": 526, "fin_caractere_exclue": 1109, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Die Wehen der Frau Wertheim / ALFRED DÖBLIN: Ritter Blaubart / PAUL ZECH: Zwischen Ruß und Rauch / EISE LASKER-\nSCHULER: Briefe nach Norwegen / ALFRED WALTER HEYMEL: Eine Sehnsucht aus der Zeit / ALFRED LICHTENSTEIN- Der Freund\nKURT HILLER: Der Selbstmord der Leonie Hallmann / TRUST: Meine Woche: Die Erbärmlichkeil der Kunst / Michels Reinfall / Graphisches\nKabinett / Der Dichter Stettenheim / Mobilmachung der Arbeiterbataillone / Richard Strauß und Siegfried Wagner / Richard Strauß und Kochbuch-\nUrban / FERDINAND HODLER: Älpler mit Sense aut der Alp / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c002", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "675", "page_fin": "676", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.2", "titre_corps": "Die Wehen der Frau Wertheim", "titre_sommaire": "Die Wehen der Frau Wertheim", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "675", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.1", "debut_caractere": 1111, "fin_caractere_exclue": 7943, "texte": "Die Wehen der Frau Wertheim\nDer Entrüstungssturm über Frau Gertrud\nWertheim will sich nicht legen. Alle Blätter rau-\nschen. Sogar solche, die schon verwelkt am Bo-\nden lagen, fangen ganz naturwidrig an zu grünen\nund fliegen an ihren Stamm zurück. Der Doktor\nLeipziger, der jetzt den Roland von Berlin posiert,\nwird sehr bereuen, den schon stark verdorrten Baum\nseiner 'Kenntnis der Berliner Gesellschaft aufgege-\nben zu haben. Es war allerdings eine gehörige\nFuhre Mist nötig, um das Kleine Journal wieder\naufblühen zu lassen. Wenn auch nur als Theater-\nrequisit. Es genügte immerhin der Frau Wertheim\nzur Scene ihrer Enthüllung. Man war allgemein\nvon der Schaustellung befriedigt und glaubte un-\nerhörten Sensationen beigewohnt zu haben. Es gibt\nkeine der bekannten schlechten menschlichen\nEigenschaften, die Frau Wertheim nicht ihr eigen\nnennen durfte. Die Teufelin der idealen und natio-\nnalen Dichter ist vorhanden. Alles rückt von ihr\nab, die Gesellschaft und die Presse.\nIch sehe die Angelegenheit wesentlich anders.\nDer Fall der Frau Wertheim ist tragisch. Sie ist\neine Persönlichkeit, der versagt blieb, sich zu\näußern, im Schreiben und im Leben. Ihre Beur-\nteiler verstehen es freilich auch nicht. Aber sie\nhaben nie den Willen gehabt, zu leben. Sie\nschreiben zwar nicht, aber reden in Zitaten und\ndenken in Vorstellungen, die sie nie sich sinnfällig\nvorgestellt haben. Die Begriffe beherrschen die\nMenschen. So weit, daß sie überall Tatsachen\nsehen, die es überhaupt nicht gibt. Alles ist Tat-\nsache, die Religion, die Sittlichkeit, die Liebe, das\nVaterland, die Kunst, der Geist, die Existenz. Um\nsich selbst diese Tatsache zu beweisen, betätigt\nman sich körperlich. Man geht in die Kirche und\nhat die Religion, man schimpft auf den Alkohol\nund die Dirne und hat die Sittlichkeit, man nimmt\nsich eine Frau und hat die Liebe, man dient sein\nJahr ab und hat das Vaterland, man liest das Buch\nder Woche und hat die Kunst, man hört Profes-\nsoren und hat den Geist, man ißt und trinkt und hat\ndie Existenz. Durch Ausübung einer Sinnestätigketi\noder Benutzung eines Organs läßt sich alles be-\nweisen. Nur sind Sinne und Organe nicht geübt,\nzu nehmen und zu geben. Der ehrlichste Ausdruck\ndes Durchschnittsmenschen für diesen Mangel ist\nder Besuch der Varietes und das Lesen der Zei-\ntungen. In Varietes sieht er Menschen, die über\nihren Körper herrschen. In den Zeitungen hört er\nMenschen, die seinen Geist beherrschen. Der Geist\nder Durchschnittsmenschen hat den Willen, die Be-\ngriffe, die er kennt, durch den Druck bestätigt zu\nfinden. Könnte es Begriffe geben, wenn man be-\ngreifen würde? Alle fühlen die Erde unter ihren\nFüßen sich drehen, sie wollen stehen und klammern\nsich an Worte, die sie nicht fassen können. Der\nDurchschnittsmensch kennt nicht den Wert des\nWortes, er benutzt es nicht in seiner sinnlichen\nBedeutung. Die Wörter kleben durch die jahr-\nzehntelange Benutzung fest aneinander, sie legen\nsich auf das Gehirn. Man muß sie einzeln begrei-\nfen, um sich von ihrem Schleim zu befreien. Wie\nwenige Menschen besitzen diese Erkenntnis und wie\nviele Schriftsteller gibt es, die mit diesem Material\narbeiten, ohne es zu besitzen.\nIst es nun gerecht oder richtig, nach Briefen\noder Redewendungen über Menschen zu urteilen?\nFrau Wertheim hat einmal ihre Tochter Judenjöhre\ngenannt, die ganze „gebildete Welt\" gerät in Auf-\nregung. Sollte das Wort in diesem Fall eine Cha-\nrakteristik der Tochter bedeuten? Tut das das\nWort überhaupt? Oder ist es in diesem Fall ein\nTemperamentsausbruch, der sich eines Begriffes\nbedient? Kann man aus der Benutzung dieses\nWortes Rückschlüsse auf den Charakter der Frau\nWertheim machen? Gibt es überhaupt ein Schimpf-\nwort? Werden nicht Wörter, die allgemein und\nauch juristisch als formale Beleidigungen gelten, oft\nzur Bezeichnung intimen Verkehrs und freund-\nschaftlicher Beziehungen gebraucht? Wer hat nicht\nseinen Freund schon Ochse oder Idiot genannt, ohne\ndadurch eine Charakteristik geben zu wollen. Man\nkennt eben den Wert der Wörter nicht.\nNicht so sehr die Moral der Gesellschaft ist\ndurch die Anwendung von Schimpfwörtern einer\nMutter der Tochter gegenüber beleidigt, als die Bil-\ndung des Philistertums. Die Gesellschaft hält sich\nfür sehr gebildet, wenn sie Schimpfwörter vermei-\ndet. Wenigstens im Verkehr der pekuniär gleich-\ngestellten Personen. Nur auf diesen Kreis be-\nschränkt sich diese Art der Bildung. Im Verkehr\nder Herren der Gesellschaft unter einander in den\nBeziehungen zu ihren Angestellten, im Verhältnis\nzu ihren Verhältnissen oder im intimsten Eheleben\nversagt die Feinheit der Erziehung. Die Bildung\nder Gesellschaft reicht eben nur bis zu den Gesell-\nschaften.\nAber Frau Wertheim hat nicht nur geschimpft,\nsie hat ..sich auch über ihre erste Ehe ausgelassen.\nIch weiß nicht, wie weit ihre Vorwürfe gegen den\nverstorbenen Mann auf Wahrheit beruhen. Sie\nwurden nirgends bestritten. Wer aber die Berliner\nGesellschaft nur etwas kennt, weiß, daß dort der\nwertvolle Gegenstand wertvoller ist, als das psy-\nchische Leben und Erlebnis. Man hat eben dort zu\nMenschen und Möbeln nur ein dekoratives Verhält-\nnis. Und seitdem in der aufgeklärten Zeit auch die\nMöbel im unverhüllten Zustand das ihre beitragen\nsollen, müssen eben die Menschlichkeiten zu deren\nSchonung verhüllt werden. Auch bei diesen An-\nklagen der Frau Wertheim handelt es sich um die\nBildung. Man spricht über solche Dinge nicht. Nur\nvergißt die Presse, daß die Verteidigung des Herrn\nMetternich zuerst „davon\" und nicht gerade mit\nEngelszungen geredet hat. Um die Einkäufe des\nHerrn Metternich zu motivieren, stellt der Vertei-\ndiger die Ernährung der Frau Wertheim während\nihrer Schwangerschaft zur Diskussion. Sie soll so-\ngar Cognac getrunken haben! Und Frau Wert-\nheim, in ihrer Unfähigkeit, sich zu äußern, erwidert\ndem Verteidiger nicht, daß das Cognactrinken vor,\nwährend oder nach der Schwangerschaft die Ange-\nlegenheit ihres eigenen Magens sei, sondern sie mo-\ntiviert ihm physiologisch, warum sie Cognac trin-\nken mußte. Allgemeine Empörung. Warum wird\ndas große Schweigen gebrochen? Warum werden\ndie Wehen einer Frau zu einer öffentlichen Ange-\nlegenheit gemacht. Die Frauen schreien entsetzt\nauf, weil die Gräber ihrer Leiden geöffnet werden,\ndie Männer, weil sie fürchten, daß ihr tadelloser\nRuf verklingt. Die Leiden der Sexualität und die\nLeiden an der Sexualität sind die tiefsten und ver-\nschwiegensten des Jahrhunderts. Es ist eine Heu-\nchelei, die eine Frau für die Menschheit büßen zu\nlassen.\nFrau Wertheim gehört zu der großen Menge\nder Stummen, die leiden müssen, ohne klagen zu\nkönne n. In ihrem Drang, sich zu offenbaren,\nkommen ihr wieder nur Stumme in den Weg, die\nsie für Wortkünstler hält. Wie sie sich auch zu\ndem Dr. juris Artur Landsberger stellen mag: sie\nist auf ihn reingefallen. Sie gab ihm hohe Geld-\npreise für die Zeitschrift Morgen, die der Herr da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "676", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4196, "texte": "nials herausgab, und die der Herr dem Dichter-\nTrebitsch zuerkannte. Sie ließ sich von ihm lite-\nrarisch fördern, und der Doktor Landsberger „er-\nlöste\" dafür ihre Tochter. Man wird mir niemals\neinreden können, daß sich ein reiches, schönes, jun-\nges Mädchen aus dem Fenster stürzt, nur aus Hy-\nsterie. Auch die Hysterie muß erst erworben wer-\nden. Vielleicht hatte sie der Doktor Landsberger\nzu gut erlöst. Immerhin brachte ihm die Rolle sieb-\nzigtausend Mark bar, die er sich von den Schwie-\ngereltern dafür bezahlen ließ, um die gespielte „Er-\nlösung\" nicht noch literarisch verwerten zu müssen.\nOder wie er sagt, um seine Kosten zu decken. Er\nverwandte deshalb nach Erhalt dieser Summe die\nAngelegenheit „literarisch\". Vermutlich waren die\nKosten noch immer nicht gedeckt. Skandalöser\naber als diese absolut talentlosen und belanglosen\nRomane des Landsberger bleibt die Tatsache, daß\ndie Herren Frank Wedekind und Georg Brandes\nsie rühmen. Dem Dichter Karl Hauptmann mag\nes gestattet sein. Niemand kümmert sich um seine\nMeinung und er mußte sich revanchieren. Der Dok-\ntor Landsberger führte ihn — man erinnert sich —\nals den „Dichter Hauptmann aus Schreiberhau\" in\nBerlin ein. Bedenklicher wird die Sache bei den\nandern beiden Kritikern. Herr Frank Wedekind er-\nzählt zwar jedem, der es hören will, daß er grund-\nsätzlich niemals Bücher liest, über die er sich kri-\ntisch äußern soll. Er würde sie sonst vielleicht\nnicht loben können. Er hat nun eben ein gutes Herz.\nAber ich würde es für eine Pflicht des Herrn Wede-\nkind halten, der fortgesetzt und mit Recht gegen\ndie Vergewaltigung seiner eigenen Kunst prote-\nstiert, daß er dem Publikum bei der Veröffentlichung\neiner lobenden Kritik gleichzeitig mitteilt, wie sein\nMund übergeht, weil sein Herz so gut ist. Herr\nGeorg Brandes hat es zu einem beträchtlichen kri-\ntischen Namen in Deutschland gebracht: Haupt-\nsächlich deshalb, weil er zuerst journalistisch auf\nNietzsche und Ibsen aufmerksam machte. Er hat\nauch „zuerst\" auf den Kritiker Paul Goldmann „auf-\nmerksam\" gemacht. Aus .dieser Tatsache allein\ndürfte sich seine Qualifikation zur literarischen Kri-\ntik ergeben. Die Herren haben sich hoffentlich nicht\numsonst bemüht. Das Gute über das Schlechte\nbelohnt sich immer.\nDie Deutsche Montagszeitung, an der der Dok-\ntor juris Artur Landsberger in jeder Hinsicht sehr\nstark interessiert ist (er soll mir keine Berichtigung\nschicken, daß er „zurzeit\" kein Geld in dieser Zei-\ntung stecken hat), die Deutsche Montagszeitung\nwollte von ihm Aufklärungen über seinen Fall. Dok-\ntor Landsbergerist so erschüttert, so empört, daß\ner es vorzieht, sich selbst in seinem Blatt nicht\nzu äußern. Er schickt vielmehr seinen großen\nFreund vor, den satanistischen Dichter. Der schrieb\nihm einen Brief, „von dem er jeden beliebigen Ge-\nbrauch machen kann\". In diesem Brief rät ihm der\nSatanist, nicht etwa gegen Frau Wertheim wegen\nBeleidigung zu klagen, weil ihr der Paragraph 51\nsicher sei. Aber, sagt der Satanist, der Doktor\nLandsberger soll nicht den Mut verlieren, denn „die\nbesten Köpfe Deutschlands\" ständen zu ihm. Sie\nwerden noch kopfstehen, diese Besten!\nDas sind die Beziehungen der Frau Wertheim\nzur Literatur. Und ihre übrigen Enthüllungen? Sie\nbehauptet von unzähligen Personen wahre und\nvielleicht auch unwahre Tatsachen. Sie kompro-\nmittiert, weil man sie kompromittiert hat. Ich sehe\nden Unterschied nicht Was gibt es an dem Herrn\nvon Fetter zu verteidigen, der sich Tausende schen-\nken läßt, um nicht zu „beleidigen\". Was an ihrer\nMutter, die die Tochter wegen der guten Partie ver-\nschachert? Was an den Damen der Volkskunst-\nausstellung, die sich von Wertheims fünf zehntau-\nsend Mark schenken lassen, die sie selber haben,\num sich bei der Kaiserin billig beliebt zu machen?\nFrau Wertheim ist sicher verbildet und ge-\nschmacklos. A.ber ihre Umgebung nicht weniger.\nDie Differenz zwischen Willen und Befähigung\nwurde ihr zum Verhängnis. Durch das Ve r -\nhäng n i s hebt sie sich heraus. Sie hat in den\nletzten Monaten die schwersten Wehen erlebt und\nblieb unfruchtbar. Darum sollte ihr die Oeffent-\nlichkeit endlich die äußere Ruhe lassen, die jeder\nselbst für sich in Anspruch nimmt. Der Presse\nwird man den Mund stopfen.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "676", "page_fin": "677", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.3", "titre_corps": "Der Ritter Blaubart", "titre_sommaire": "Der Ritter Blaubart", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "676", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.2", "debut_caractere": 4198, "fin_caractere_exclue": 10869, "texte": "Der Ritter Blaubart\nVon Alfred Döblin\nHinter der dünnen Birkenreihe, weiche die\nStadt von Norden her umsäumt, zog eine wellige\nEbene nach dem Meere zu, wenig mit niedrigen\nKiefern und Strauchwerk besetzt. Kein einziger\nWeg führte aus dem Durchbruch der Stadtmauer\nnach dem Strand, der kaum zwei Stunden ent-\nfernt ist; eine Kleinbahn fuhr in weitem Bogen\num die Einöde herum an das Wasser. In vielen\nSenkungen der Ebene stand der Sumpf, schwarz\nund steif wie Leim; Ratten und Sumpftiere haus-\nten hier; öfter stieß ein Häher durch die dicke\nLuft und schlug ein Weichtier an.\nWo sich die Hügelreihe am stärksten erhob,\nragten quadratische und unförmige Steinblöcke\nscharf auf, Reste verwitterter Klippen. Das Meer\nhatte sich früher über das Land gestreckt; jetzt lag\ndie Ebene verstört und frostig da; Meer und Erde\nwandten sich von ihr ab.\nDiese Fläche war vor langen Jahren auf eine\nsonderbare Weise in den Besitz eines Barons\nPaolo di Selvi gekommen. Er wrar von einer\nWeltreise durch den Sund in diese See gesteuert,\num in der Stadt den Vater seines ersten Boots-\nmannes zu besuchen, der unter dem Aequator\ndem Schwarzwasserfieber erlegen war. Er stieg\nans Land, sprühend von Laune, träumerisch, er-\noberungssicher. Breitschulterig ging er mit den\nleicht gebogenen Beinen des Reiters über die An-\nlegebretter. Der Wind pfiff scharf an dem Mor-\ngen, und warf ihm die schiefsitzende Kapitänsmütze\nmit einem glatten Schlag ins Wasser, so daß er\nbarhäuptig und lachend unter seinen Leuten stand,\ndie das böse Omen entsetzte. Seine Augen waren\netwas schräg gestellt, dicht an der Nase, die klein\nund stumpf war und mit ihrer Wurzel tief einsetzte.\nDie klaren hellgrauen Augen stimmten schlecht zu\ndem Munde von mädchenhafter Weiche, zu der\nSanftheit seiner Stimme. Er ritt auf einem\nschwarzen Hengst hinter einem Maultiergespann\nden weiten Umweg nach der Stadt; zwei Truhen\nschleppte man zu dem alten Manne, den er suchte,\neine mit Andenken und allem Nachlaß des Boots-\nmannes, die andere mit japanischer Seide, indi-\nschen Perlen und Juwelen, mit sibirischem Pelz-\nwerk. Kaum zwei Stunden blieb er in der Stadt,\ndann trabte er pfeifend und lachend allein zurück,\nunbekannt der Gegend, den kurzen Weg durch\ndie Ebene. Es ist nichts bekannt über die Ge-\nschehnisse in der Ebene an dem Mittag. Der\nBaron muß schon am Eingang des Gebietes vom\nPferd abgesessen sein und sich allein durch den\nSand und Morast gemacht haben. Beim nächsten\nMorgengrauen' fand man den Vermißten besin-\nnungslos auf der Klippe liegen, lang auf den\nRucken ausgestreckt, zwar über und über mit\nTang und Lehm bedeckt, aber das Gesicht eigen-\ntümlich geschwollen, glühend, mit Bläschen, wie\nverbrannt, auch an der rechten Hand und dem\nVorderarm löste sich die Haut in Fetzen ab. Man\nlagerte den ohnmächtigen Mann auf eine Bahre,\ntrug ihn schräg über das Brachland auf die\nnächste Chaussee, wo man einen Heuwagen re-\nquirierte und in die Stadt fuhr. Die Wundflächen\nheilten in einer Woche. Der Baron wußte nicht,\nwas ihm geschehen war. Nur die Krankenschwes-\ntern berichteten, daß seine Augen gegen Abend\neinen leidenden entsetzten Ausdruck annahmen,\ndaß er den rechten Arm zur Abwehr in die Höhe\nhebe und trostlos wimmere. Als er völlig genesen\nwar, schenkte er die Yacht seinem ersten Steuer-\nmann, entließ seine Leute und zog in die Stadt.\nZuerst bewohnte er ein Haus im Süden der\nStadt, ganz im Freien liegend; viele Singvögel um-\ngaben ihn; er pflog mit keinem Menschen Ver-\nkehr. Nach einigen Monaten zog er an die Stadt-\nmauer in eine ganz alte Wohnung, die einen wei-\nten Blick auf die dunstige Heide gewährte. Auf\nder Stadtmauer spazierte und saß der völlig ver-\nänderte unzugängliche Mann oder ritt die Chaussee\nlangsam nach dem Meere zu. Bis er nach fast\nJahresfrist frühmorgens durch die Straßen der\nStadt ging, auf dem Marktplatz nach einem Bau-\nmeister fragte, und diesen mit leiser Stimme be-\nauftragte, ihm in der Heide auf der höchsten An-\nhöhe um die Klippe herum ein Wohnhaus zu\nbauen. Der Baumeister brauche sich nicht zu be-\neilen, sagte er, indem er die Arme verschränkte;\nes solle ein Schloß werden, heimlich und weit-\nläufig, mit vielem festlichen Schmuck; denn er\nwolle in sechs Monaten seine Gemahlin heim-\nführen.\nSo zogen die Wegebauer in die Heide, stampf-\nten von der Chaussee einen sicheren Nebenweg\nnach der Klippe. Die Maurer fuhren lärmend an;\nsie planten den Hügel ab, gruben die Pfeiler ein\nund umbauten den Felsen, der sich bis zum ersten\nStock des Hauses erhob und frei in die Zimmer\nragte, — ein weites gedehntes Gebäude aus\ngrauem Kalkstein, mit bunten Kirchenfenstern,\nzierlichen Türmen. Mitten in der Einöde erhob\nsich das Schloß, ein Gelächter der Bauleute, ein\nKopfschütteln der Städter.\nKnapp einen Monat, nachdem die Wände,\nZimmer mit Kostbarkeiten erfüllt waren, führte der\nBaron eine fremde, junge Frau in sein Schloß. Sie\nerschien einmal im Theater der Stadt, die Portu-\ngiesin, ein braunes kindliches Wesen, das nicht vom\nArme des Mannes wich; der lachte wieder wie\nfrüher und bezauberte alle. Sie tanzten an dem\nAbend im Bürgersaal. Der Baron spitzte seinen\nMund und pfiff im Tanz; er strich den braunen\nVollbart und zeigte spottend die Brandnarben auf\nseiner rechten Hand. Das zweite Mal, daß man\nvon der Portugiesin hörte, war eine Woche später,\nals ein reitender Bote nachts vom Schloß her\njagte, dem Arzt die Türe einschlug, ihn nach der\nHeide schleppte an die Leiche der jungen Frau.\nSie lag mit blaurotem Gesicht im Nachtkleide auf\ndem dunklen Korridor vor ihrem Zimmer. Neben\nihr brannte noch die Kerze, mit der sie wohl aus\nder Türe gestürzt wrar. Der Baron folgte dem\nArzt mit starren Augen; »keine Frage beantwortete\ner, keine Miene verzog er. Aus den Worten einer\nschluchzenden Zofe hörte der Arzt von dem alten\nHerzleiden der fremden Frau; er knöpfte seinen\nPelz zu; sie war einer Lungenemboline erlegen.\nNach drei Wochen erschien der Baron wieder\nin der Stadt; man lud ihn zu den Gesellschaften\nein. Oft und öfter ritt er in die Stadt, er fuhr\nzur Jagd, beteiligte sich an Kampfspielen und Ren-\nnen, saß abends beim Wein und erzählte von\nseinen Fahrten und Abenteuern. Lange Zeit sah\nman ihn lustig, schwärmend und träumerisch, mit\nden Soldaten und Seeleuten der Stadt, er fuhr\neines Märztages mit zweien von ihnen wieder in\nSee. Es kam nach einem halben Jahr etwa ein\nBrief von ihm an bei dem Verwalter seines\nSchlosses, daß die Wohngemächer grün auszu-\nschlagen und grüne Läufer zu legen seien, und\ndaß im Damenzimmer Orchideen gesetzt werden\nsollten.\nRund acht Monate nach seiner Abfahrt kehrte\ner zurück. Wieder führte er eine junge fremde\nFrau auf sein Schloß. Diese hat kein Städter ge-\nsehen. Eines Morgens lag sie in schwarzem Reit-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "677", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2018, "texte": "Kleid, den Schleier vor dem stolzen weißen Ge-\nsicht, eine Gerte in der Hand, tot auf dem Hof\ndes Schlosses.\nIm Volk, bei den Schiffern und Vorstadtar-\nbeitern munkelte man, wenn der finstere Baron in\nseinem schwarzen Ledermantel vorüberritt; die\nKinder schrieen vor ihm auf, warfen kleine Stein-\nchen nach ihm, schössen mit dem Katapult auf\nseinen Hengst.\nDie Tochter eines Ratsherrn, ein schmächtiges\nhellblondes Mädchen, sah ihm vom Fenster aus\nnach. Ihr traten Tränen in die taubengrauen\nAugen, wenn die Männer ingrimmig von dem Ge-\nschick des schwarzen Ritters 'sprachen; sie weinte\nin ihrem Zimmer um ihn und war eines Tages auf\nseinem Schlosse und wurde seine Frau. Alle angst-\nvollen Beschwörungen der Verwandten konnten\ndies nicht verhindern. Scharen von tobenden Men-\nschen wälzten sich über den dunklen Weg nach\ndem Schloß, noch ehe ein Monat verstrichen war,\nals man die Leiche des süßen Geschöpfes eines\nAbends an dem Mauerdurchbruch fand. Die Po-\nlizei umringte das Schloß zum Schutz, der Baron\nwurde in Haft genommen. Das Gericht verfügte\ndie Exhumierung der beiden ersten Frauen, die\ngenaue chemische Analyse der drei Leichen auf\nGiftstoffe. Die Untersuchung blieb ergebnislos.\nDer Baron wurde auf freien Fuß gesetzt, das\nVolk streckte ohnmächtig die Hände nach ihm aus\nund wollte ihn zerreißen, als er seinen Revol-\nver in der rechten Hand, langsam, höhnisch\nlachend, nach der Heide hinausritt.\nVon nun an mied er die Stadt völlig. Er\nhauste allein in der Heide; nur sein Reichtum\nhielt die Dienerschaft im Schloß zurück.\nDa landete eines Tages eine kleine Yacht vor\nder Stadt. Ein silbernes Horn blies über die\nHeide; Miß Ilsebill kutschierte ein Schimmelge-\nspann durch die glatte Chaussee nach der Stadt.\nIn dem Gasthof am Markt logierte sie sich ein.\nSie fragte den Wirt nach dem Baron Paolo und\nseinem verrufenen Schloß; sie fragte zum zweiten,\nob jetzt noch eine Frau bei ihm wäre; sie fragte\nzum dritten, wo sie ihn sehen könne. Bei den\nRennen, die morgen in Stirming, dem Vororte,\nstattfänden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "677", "page_fin": "677", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.4", "titre_corps": "Zwischen Russ und Rauch", "titre_sommaire": "Zwischen Russ und Rauch", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "677", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.3", "debut_caractere": 2034, "fin_caractere_exclue": 3901, "texte": "Zwischen Russ und\nRauch\nVon Paul Zech\nDie Einfahrt\nDas eichne Tor, mit Stacheln schroff bezackt,\nFährt widerwillig aus den Eisenkappen.\nSchwer über schwarze Pflastersteine klappen\nViel Nägelschuhe mörderischen Takt.\nWie eine blöde Hammelherde drängt\nDer Trupp sich in das Fröstellicht der Lampen\nund stolpert schläfrig über rund gewölbte Rampen\nbis ihn der Dunst der Halle schwül empfängt.\nDer Steiger prüft die aufmarschierte Fracht\nUnd liest mechanisch und kommandolaut\ndie aufnotierten Namen aus der Liste.\nDann knirscht der Dampfstrom über die Gelüste\nund zehn zu zehn in Käfige verstaut,\nschnellt sie das Seil hinunter in den Schacht.\nDer Hauer\nDen breiten Nacken rittlings hingestemmt,\nso führt er Schlag für Schlag die Eisenpflöcke\nin das Gestein bis aus dem Sprung der Blöcke\nStaub sprudelt und den Kriechgang überschwemmt.\nIm Flackern des verrußten Grubenlichts\nblinkt der halbnackte Körper wie metallen.\nSchweißtropfen stürzen, perlenrund im Fallen,\naus den weit offnen Poren des Gesichts.\nEr summt ein dummes Straßenlied zum Takt\nder Hämmer und dem Spiel der Eisen\nund stockt nur wie von Jähem Schreck gepackt,\nwenn hinten weit im abgeteuften Stollen\nSprengschüsse dumpf wie Donnerschläge rollen\nund stockt und läßt die Lampe dreimal kreisen.\nIm Dämmer\nIm schwarzen Spiegel der Kanäle zuckt\ndie bunte Lichterkette der Fabriken.\nDie niedren Straßen sind bis zum Ersticken\nmit Rauch geschwängert, den ein Windstoß\nniederduckt.\nEin Menschentrupp, vom Frohndienst abgehärmt,\nschwankt schweigsam in die ärmlichen Kabinen;\nindes sich in den qualmigen Kantinen\ndie tolle Jugend fuselselig lärmt.\nNocheinmal wirft der Drahtseilzug mit Kreischen\nden Schlackenschutt hinunter in die flachen\nGelände, drin der Schwefelsumpf erlischt.\nFern aber gähnen schon, von Dampf umzischt,\ndes Walzwerks zwiegespaitne Feuerrachen —\nund harrn des Winks den Himmel zu zerfleischen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "677", "page_fin": "677", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.5", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Sehüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "677", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.3", "debut_caractere": 3903, "fin_caractere_exclue": 7879, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Sehüler\nLieber Herwarth, ich habe dem Dalai-Lama in\nWien für die Fackel ein Manuskript geschickt. Hier\ndie Abschrift.\nWertester Dalai-Lama, sehr geehrter Minister,\nich möchte ihnen etwas vom Himmel erzählen,\nden ich meiner Mutter widme.\nVom Himmel\nIn sich muß man ihn suchen, er blüht am lieb-\nsten im Menschen. Und wer ihn gefunden hat, ganz\nzart noch, ein blaues Verwundern, ein seliges Auf-\nblicken, der sollte seine Blüte Himmel pflegen. Von\nihr gehen Wunder aus; unzählige Wunder ergeben\nJenseits. Könnte ich nur immer um mich sein, der\nhimmlischen Beete möchte ich ziehen. Wie man\nversöhnt mit sich sein kann, und Eigenes sein Ewi-\nges küßt. Hätte ich je einen Menschen so unum-\nstößlich erlebt, wie ich mich! Zweitönig Pochen,\nvertrautes Willkomm. Rundeilen meine Gedanken\num mich, um alles Leben — das ist die große\nReise um aller Herzen Schellengeläute und Geflü-\nster, über Wälle, die Jubel aufwarf, über Gründe\nder Versunkenheit; und falle in Höhlen, die der\nSchreck grub — und immer wieder seine Herz-\ntapfen wiederfinden, seinen Blutton, bis man den\nersten Flügelschlag in sich vernimmt, sein Engel-\nwerden — und auf sich herabblickt — süße Mystik.\nUnd irrig ist, den Himmelbegnadeten einen Träumer\nzu nennen, weil er durch Ewigkeit wandelt und dem\nMensch entkam, aber mit Gott lächelt: St. Peter\nHille. — Was wissen die Armen, denen nie ein\nBlau aufging am Ziel ihres Herzens oder am Weg\nihres Traums in der Nacht. Oder die Enthimmelten,\ndie Frühblauberaubten. Es kann der Himmel in\nihnen kein Licht mehr zum blühen finden. Aber\nBlässe verbreitet der Zweifler, die Zucht des Him-\nmels bedingt Kraft. Ich denke an den Nazarener,\ner sprach erfüllt vom Himmel und prangte schwel-\ngend blau, daß sein Kommen schon ein Wunder war.\ner wandelte immerblau über die Plätze der Lande.\nUnd Buddha, der indische Königssohn, trug die\nBlume Himmel in sich in blauerlei Mannichfaltig\nkeit Erfüllungen. Und Goethe und Nietzsche (Kunst\nist reden mit Gott) und alle Aufblickende sind\nHimmelbegnadete und gerade Heine überzeugt\nmich, Himmel hing noch über ihn hinaus und\ndarum riß er fahrläßig an den blauen Gottesran-\nken, wie ein Kind wild die Locken seiner Mutter\nzerrt. Hauptmanns Angesicht und auch Ihres,\nDalai-Lama, wirken blau. Den Himmel kann sich\nniemand künstlich verdienen, aber mancher pflückt\ndie noch nicht befestigte, junghimmlische Blüte\nim Menschen ab. Das sind die Teufel. Ihr\nLeben ist ohne Ausblick, ihr Herz ohne Ferne.\nDer Nazarener am Kreuz wollte dem Teufel neben\nsich noch eine sanfte Wolke, einen Tropfen Tau\nseines Himmels schenken. Doch eher ist ein Taub-\nstummer zu überzeugen, als ein Glaubdummer.\nDer ist ein Selbstverbrecher.\nMan kann nicht in den Himmel kommen, hat man\nihn nicht in sich, nur Ewiges drängt\" zur Ewig-\nkeit. Es öffnet sich dem Himmelblühenden nicht\nwegen seiner guten Taten der Himmel, verdammen\nihn auch nicht seine schlechten Handlungen zum\nStaube. Der Himmel belohnt und verdammt nicht.\nAber Wertewiges bedingt den Himmel. Der spie-\ngelt sich gerne im Menschen, unbegreiflich, wie Gott\nselbst. Reich und besonnen ist der himmlische\nTräger. Die Wunder der Propheten, die Werke der\nKünstler und alle Erleuchtungen, auch die unbere-\nchenbare Spiellust im Auge steigen aus der Ewig-\nkeit, der bleibenden Bläue des Herzens. Manch-\nmal überkommt mich eine schmerzliche Verantwor-\ntung, aber man kann nicht tief genug in sich\nschauen und zum Himmel aufblicken.\nDie Gottheit Himmel ist nicht zu greifen, sie\nwäre bald vergriffen — die Ewigkeit ist nicht ein-\nmal zu verkürzen. Die Gottheit Himmel im Men-\nschen ist Genie.\nLeben Sie wohl, sehr verehrter Minister, mein\nHimmel macht mich nicht glücklich im irdischen\nSinne, ich kann ihn nicht teilen. Wunderbar aber\nspielen sich die tiefsten Erinnerungen meines Blu-\ntes in dem Glänze meines Blaus wieder. Fata-\nMorgana. Spätes Verwundern, seliges Aufblicken,\n— Tragen Sie den Saphir meiner blauen Abend-\nstunden zum Andenken an Ihrer grübelnden Hand."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "677", "page_fin": "677", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.6", "titre_corps": "Eine Sehnsucht aus der Zeit", "titre_sommaire": "Eine Sehnsucht aus der Zeit", "signature_source": "Alfred Walter Heymel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "677", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.3", "debut_caractere": 7881, "fin_caractere_exclue": 8640, "texte": "Eine Sehnsucht aus der Zeit\nAlfred Walter Heymel\nAus sanfter Schwermut und der Liebe Trauer\nErmann ich mich; versuch mich zu ermannen,\nUnd kann doch Tod und Untergang nicht bannen\nWohin ich flüchten will, ragt Mauer auf an Mauer.\nGrüb ich den Acker um, ein guter Bauer,\nUnd dient im Schweiße, wüßte ich von wannen\nDies alles kommt und wüßte wie von dannen\nIch kam aus Schmach und Schande, Scham und\nSchauer.\nEs fehlt uns allen Dienst und Ziel und Zwang,\nDie allen nottun und die keine wollen,\nSo schmachten wir in Freiheit sonder Siege.\nIm Friedensreichtum wird uns tödlich bang.\nWir kennen Müssen nicht noch Können oder Sollen\nUnd sehnen uns und schreien nach dem Kriege.\nDieses Gedicht wird noch einmal veröffentlicht, da es\ndurch Druckfehler entstellt war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "678", "page_fin": "678", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.7", "titre_corps": "Der Freund", "titre_sommaire": "Der Freund", "signature_source": "Alfred Lichtenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "678", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3061, "texte": "Der Freund\nVon Alfred Lichtenstein\nich liebe die toten l äge. Die haben kein Leuch-\nten, sie sind ganz sehnsüchtig. Die Häuser stehen\nwie Kulissen vor der grauen Wolke, die Menschen\ngehen wie in dem Lichtspie!: wenn der Abend wird,\nnicht anders ais sie in der Frühe gingen. Alle\nDinge sind wuchtiger. Und meine Kammer sieht\naus, wie wenn eben einer darin gestorben wäre.\nSo oft diese Tage sind, wächst in mir unwill-\nkürlich eine sinnlose Lust an der Arbeit. Ich tue\ndie alltäglichen Verrichtungen, als wäre Gottes-\ndienst, was ich tue. Und ich verliere mich dabei.\nFast wie die Träumenden sich verloren haben. Aber\neinmal merke ich, daß ich reglos geworden bin und\nnach innen starre.\nIch werde sehr wach davon und ich kann mich\nnicht mehr hingeben. Ich gehe zu dem Fenster,\nda sind wunderliche Gedanken. Die waren sonst\nnur in Nächten.\nIch fühle mich fremd bei allen Dingen. Sie\ndrängen auf mich ein, als kennten sie mich nicht: die\nStraße und die Menschen und die Türen in den\nHäusern und die tausend Bewegungen. Wo ich\nhinschaue, werde ich verwirrt.\nMein kleiner Tod quält mich, es war doch\nschon viel Sterben und größeres. Und daß ich ein-\nsam bin. Und daß überall ein Unbegreifliches droht.\nUnd daß ich mich nicht zurechtfinde. Und alle die\nübrigen Traurigkeiten, für die kein Arzt ist, und\ndie man nicht mitteilen soll. Jeder muß ihnen al-\niein unterliegen und auf seine Weise. In der Rede\nsind sie lächerlich, aber mancher geht an ihnen zu-\ngrunde. Ich habe Grauen, daß ich so fremd mit mir\nbin und so ohnmächtig. Bis Erinnerungen kommen.\nUngerufen. Aber lieb. Irgendwoher. Sie betäuben\nmich.\nIch lächle, wenn ich das Weinen des Kindes\nfinde oder den Tod der Mutter, der gräßlich war\nund nicht zu sagen ist, oder die anderen blutigen\nKöstlichkeiten. Ich lächle, wenn die Augen meines\nFreundes plötzlich leben werden und in den seidi-\ngen Schatten sind, daß sie wie aus Schleiern glänzen\nund ihr Geheimstes preisgeben. Niemand hat es\nmir gesagt, und ihr werdet mich einen Narren nen-\nnen . . aber ich weiß, daß sein Tod schon immer\nin den Augen gewesen ist wie der eines andern in\nden Lungen oder in dem Rückenmark . . .\n*\nSeine Augen waren elend und vergangen und\nheillos schmerzlich, daß die Leute lachten, wenn\ner zu ihnen sah. Er schämte sich seiner Augen, als\nverrieten sie von sündsamen Abenteuern und ver-\nbarg sie viel hinter den vergilbten Lidern. Aber\ner fühlte, wie man hinstarrte, wenn er eintrat, wo\ner unerwartet kam. Oder sich setzte, wo er nicht\nselbstverständlich war. Er schaute übertrieben wie\nein Suchender. Hüstelte und hielt die Hand vor\nden Mund, zog die Backen nach innen oder wölbte\ndie eine mit der Zunge. War verlegen. Unglücklich.\nWäre gern allein gewesen . . in dem Dunkel.\nKinder neigten den Kopf, wenn sein Blick auf\nihre Augen kam. Und wurden rot. Und grinsten\nscheu und dumm. Frauen kicherten, sie schauten\nwie harmlos hin und klatschten einander auf die\nSchenkel oder auf die nackten Schultern und küß-\nten ihre verwüsteten Männer. In der Nacht lagen\nsie wach und sannen sich heiß. Aber die jungen\nMädchen wichen ihm aus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "678", "page_fin": "678", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.8", "titre_corps": "Der Selbstmord der Leonie Hallmann", "titre_sommaire": "Der Selbstmord der Leonie Hallmann", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "678", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.4", "debut_caractere": 3063, "fin_caractere_exclue": 5882, "texte": "Der Selbstmord der\nLeonie Hallmann\nKurt Hiller\nDa Heinrich Mann in Deutschland der vereh-\nrungswürdigste Erzähler ist, möchte ich ohne Nör-\ngelung, auch ohne den Vorsatz, eine Paraphrase zu\nlegen, sachlich und wie privatim mich erkundigen,\nweshalb seine Schauspielerin das Gift nehmen\nmußte. Sie pendelt zwischen dem milden, noblen\nAdonis und dem Bluthund, der ihre Masochismen\naufstochert. Zu Adonis zieht sie Inbrunst, Men-\nschentum, Weibtum; süße Sehnsucht, auf Lebens-\ndauer eingestellt; auch Kühleres, Verstandhaftes;\nvielleicht noch Mütterlichkeiten, im untersten\nschlummernde. Zum Bluthund reißen sie Wildnisse\nvon Augenblicken; zum Bluthund 1 iertum, das,\nausgezuckt, sie in immer neuen Selbsthaß schleu-\ndert. Nun besteht der Bluthund nichtmal die Probe;\nermangelt der Stärke, um die sie ihn anlechzt; wagt\nnicht, ihr den tödlichen Trunk zu reichen. Warum\nbeendet sie da nicht die Verwicklungen einfach mit\neinem Fußtritt? WAarum — zumal sie doch auch,\nmittelst Meldung bei der Polizei, das Duell verhin-\ndert — schmeißt sie den Fiund, den gemeinen, nicht\nheraus und zeigt ihn, sofern er dabei verharrt, sie\nim Heiratsfall töten zu wollen, der Staats-*\nanwaltschaft telegraphisch wegen Bedrohung\nan (§ 240 St.G.B.), mit Ersuchen um sofor-\ntige Verhaftung? Daß sie sich ihm nach\neiner heiligen Zwiesprache mit Adonis, und\ntrotz der, nächtens unterworfen hat, wäre als\nAkt der Angst, als letztes Hysterikon auslegbar;\nund exkulpabel — da Adonis sie so liebt, da seine\nMutter eine so vernünftige, eingeherische Dame ist;\nWas nützt der Tod, und löst er das Opfer etwa aus\nder Geschehnisse Umkrallungen? Ist das Nichts\ndenn nicht unerbittlicher als ein trübstes Minimum\nvon Möglichkeiten? „Wir wollen doch leben, le-\nben!\" so ähnlich ruft sogar Leonie selbst ötters,\nmystagogische Sterbebrunst-Heroismen denkhell\nfür Blague erachtend. -— Ich begreife den letalen\nAusgang wohl; aber auch andere begriff ich, und\nsie wären mir weniger fremd. Das Gefühl von\nKausalität genügt nicht; man muß das einer Not-\nwendigkeit haben; einer mehr als kausalen. Hier\ngeht mir unaufhörlich durch den Kopf: Mit Psy-\nchologie läßt sich Alles machen! — Dieser letale\nAusgang dient dazu, junge Finsterlinge, die, unter\nLästerung unserer analytischen Herrlichkeiten, die\nBlümlein des heiligen Franziskus im Urtext lesen\n[aber zwischen den Ganglien Schwimmhäute\nhaben!], zu veranlassen, einen Rationalismus,\ndessen Lebefanatik die Tumulte noch der destiu-\nierenderen Leidenschaften überloht, als .flach zu\nverhöhnen. Es ärgert mich, daß Prediger emei\nverlognen Askese und einer verlognen Klassizi-\ntät, mit einem Schein von Berechtigung, Heinr-ch\nMann für sich in Anspruch nehmen können. Ich\ngönne ihn dieser Sippe nicht.\nBei Gelegenheit der Uraufführung des Dramas\n„Schauspielerin-' von Heinrieh Mann im Theater in der\nKöniggrätzerstraße"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "678", "page_fin": "680", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.9", "titre_corps": "Meine Woche", "titre_sommaire": "Meine Woche", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "678", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.4", "debut_caractere": 5884, "fin_caractere_exclue": 10503, "texte": "Meine Woche\nDie Erbärmlichkeit der Kunst\nDer lyrische Feuilletonist Victor Auburtin hat\nsich sehr rasch zu einem tiefsinnigen politischen\nLeitartikler entwickelt. In dieser gehobenen Stel-\nlung über dem Strich sieht er naturgemäß erhaben\nauf die Kunst unter dem Strich herab. Man hat in\nNummer 78 dieser Zeitschrift gelesen, welche Qua-\nlen für den Leser der Raub der Mona Lisa durch\nHerrn Auburtin heraufbeschwor. Er konnte sich\ndamals „das Entsetzliche nicht ausdenken\". Aber\nder Mensch gewöhnt sich an alles. Herr Auburtin\nkann nicht nur ohne Mona Lisa weiterleben, als Po-\nlitiker treiben ihn andere Sorgen. Wird Herr Cail-\nlaux Frankreich weiter regieren dürfen? Auburtin\nist verhältnismäßig guten Mutes, denn Herr Caillaux\nhat eine „leidlich gute Presse\". Auch das Gemüt,\ndas Herrn Auburtin geradezu auszeichnet, sein Ge-\nrnüt spricht für Caillaux: „Er hat sich soeben ver-\nheiratet, und hat sicherlich inmitten der zärtlichen\nPflichten der Flitterwochenzeit kam Verlangen nach\nAufregungen und Sorgen.\" Aber, meint Herr Aubur-\ntin, alles hängt ja von der Stimmung einer Stunde\nab. Und nun fällt ihm das Entsetzliche ein, was\nnicht auszudenken ist, „die Gattin des Francesco\nGiocondo\". Einen Gedanken kann er nämlich\njetzt fassen, den, daß es furchtbar wäre, wenn durch\ndiese Dame die zärtlichsten Pflichten der Flitter-\nwochenzeit einen Aufschub erlitten: „Wer weiß,\nvielleicht stürzt das Ministerium über einer Er-\nbärmlichkeit, über der Mona Lisa des kunst-\nreichen Leonardo da Vinci.\" Ueber einer Erbärm-\nlichkeit. Endlich pfeift Herr Auburtin auf die Kunst,\ndie er totgesagt und die ihn solange ausgepfiffen\nhat. Hoffentlich ist diese Resignation nicht nur die\nStimmung einer Stunde.\nMichels Reinfall\nIch habe das Buch dieses Herrn Wilhelm Mi-\nchel gelesen. Und muß zunächst dem Verleger,\nHerrn Georg Müller, eine Abbitte leisten. Ich\ndachte, der imposante Prospekt sei seiner Phantasie\nentsprossen. Die Blüten stammen aber von dem\nAutor selbst. Auch das hochgezüchtete Gehirn.\nDas „splendid ausgestattete\" Buch über diesen\nHerrn Max Oppenheimer enthält zahlreiche Bilder,\ndurch die für jeden Kenner das geradezu überwäl-\ntigende Kopiertalent des Oppenheimer einwandsfrei\nbewiesen ist. Er hat Oskar Kokoschka und\nGre c o auf der Palette. Herr Michel kennt wahr-\nscheinlich diese Maler nicht. Im übrigen hat er\nüber seinen Oppenheinier einen so fabelhaft lyri-\nschen Kitschquatsch geschrieben, daß man aus dem\nJubel gar nicht herauskommt. „Jedes mutige und\nselbständig organisierten Sensorium vollbringt noch\nin unsern Tagen eine neue Weltschöpfung und ver-\nmehrt so gewissermaßen durch das Wunder\neiner Selbstzeugung das Inventar der Welt.\" Op-\npenheimer etabliert gewissermaßen einen In-\nventarausverkauf. „Die Götter hätten auch wahr-\nlich keinen Grund zu ihrer ererbten Vorliebe für\ndie Künstler, wenn sie an diesen nicht berufsmäßige\nHelfer hätten in ihren ewigen Mühen, dem Chaos\nneue Formen zu entreißen.\" Auch Oppenheimer hat\neine ererbte Vorliebe für die Künstler, dier er ko-\npiert, um sie zu besitzen. Die Stofie, nach denen\nlaut Michel ein Gemälde entsteht, sind folgende:\n„Die sinnliche Erscheinung der Wrklichkeit an sich,\ndas allgemeine Weltanschauliche des Subjektes, die\nkonkreten Erregungen, die das bestimmte Objekt\nin eben diesem Subjekt hervorruft, die formalen\nElemente, wozu ich auch das Gesetzmäßige und ge-\nwisser maßen animalische Sichausleben der\nFarbe rechne.\" Das sieht man so einem Gemälde\ngar nicht an. Die Farbe lebt sich gewisser-\nmaßen animalisch aus und die konkreten Erre-\ngungen,, die das bestimmte Objekt Kokoschka in\neben diesem Subjekt Oppenheimer hervorruft, spre-\nchen sicher für das allgemein Weltanschauliche des\nSubjektes. Auch Michel ist dieser Ansicht: „Einen\nhöchst einprägsamer Geschmack übermittelt diese\nMalerei von der Person ihres Urhebers.\"\nEtwas Weltanschauung: „Abneigung gegen\nstarke Intervalle in der Farbe, deutet im allgemei-\nnen ganz sicher auf zivilisierte Dämpfung des Sin-\nnenlebens, auf Geist und Beweglichkeit der Auffas-\nsung, wie der Hand.\" Die Beweglichkeit wird\nnicht bestritten. Aber die Signatur m. opp. bedeu-\ntet noch viel mehr. „Die durchgehend dunkle\nTonalität deutet auf ein Lebensgefühl von düstrer\nPrägung.\" „. . . präzis wollüstige Polyphonie des\nAusdruckes, die die Oberfläche jeder Oppenheimer-\nschen Tafel zu einer ungemein unterhaltsamen\nSache macht.\" Die Oberfläche wird nicht bestrit-\nten. Der Michel fühlt „die Hände des Künstlers\ndrüber gleiten,\" die sind unter anderem „fein und\nbeschwörerisch, klug und diszipliniert\". Resümee.\n„So ergibt sich das Bild eines hochgezüch-\nteten grüblerischen Verstandes und eines Gefühls,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "679", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.5", "debut_caractere": 112, "fin_caractere_exclue": 5943, "texte": "das von dunkel gefärbter Religiosität nicht weit\nentfernt ist.\" Die Dunkelheit läßt sich sehen. Nun\nsucht der gute Michel nach Analogien, kommt auf\nRembrandt und das Gute liegt viel näher. Aber\nm. opp. nennt selbst Rembrandt seinen vorzüglich-\nsten Lehrer. Analogien aus der Vergangenheit\nmachen sich stets dunkler. „In dem Kampf zwi-\nschen Objekt und Subjekt in der Malerei ist das\nSubjekt vorläufig Sieger geblieben.\" Vorläufig.\nBis auf diese Nummer des Sturms. „Auch Oppen-\nheimers fanatische Geistigkeit verleugnet ihre Sie-\ngerfreude nicht.\" Jetzt wird er hoffentlich sich\nbald selbst verleugnen lassen. „Man ist entweder\nAbstraktionskünstler und betätigt sich dann als Mo-\nnumentalbaumeister, als Reliefplastiker, als Kunst-\ngewerbe, oder man ist Maler, und gibt dann, den\nWillen der Materialien folgend, der Lust und\nFreude an dem Verwandt-Lebendigen ihr Recht.\"\nMan nehme sich das Verwandt-Lebendige und man\nist Maler, man sei Kunstgewerbler und man ist Ab-\nstraktionskünstler. Oder auch Monumentalbau-\nmeister, wie man will. Der Michel wird immer auf-\ngeregter: „Oppenheimer, obschon seine souveräne\nGeistigkeit auf die Nachbildung des Objektes\nverzichtet, ist dennoch von Grund aus Maler ge-\nblieben.\" Auf die Nachbildung des Objektes ver-\nzichtet? Wozu hat man seine souveräne Geistig-\nkeit?\n„In den Bildnissen kommt die subjektiv-dich-\nterische Art seiner Ausdeutung der Wirklichkeit\nzu klarstem Ausdruck.\" Kein Wunder bei einem\nhochgezüchteten Gehirn. Aber auch landschaftern\nkann m. opp., direkt nach Kokoschka. „Die Seele\nder Landschaft liegt eben wirklich in der Herzlich-\nkeit des Momentes. Was hier die Farbe, den\nWortschatz des Künstlers quellen macht,\nist durchaus' das Gegenständliche und Gegenwär-\ntige.\" Der gequollene Schatz dürfte aus Papier ge-\nwesen sein. Daß m. opp. einem Dämon nachgeht,\nwird man nach diesen Ausdeutungen seiner Malerei\nnicht bezweifeln. „Seiner ganzen Veranlagung nach\ngehört Oppenheimer zu den Geistern, denen die\nWelt mehr nach herzkräftiger Bitternis, als nach\nSüße schmeckt.\" Also auch sein Geist nimmt et-\nwas zu sich. „Zum Weltschrecken, zu einer Re-\nligiosität satanischer Prägung besitzt Oppenheimer\nein sehr nahes und heute noch nicht klar dokumen-\ntiertes Verhältnis.\" Das Verhältnis dürfte zu seinem\nSchrecken nun schon etwas klarer dokumentiert\nsein. „Oppenheimer hatte ja den Vorzug, in Wien\ngeboren zu sein, und vielfach durchgorenes, aus-\ngelebtes Blut in sich zu tragen.\" Man hat seine\nVorzüge, wenn man in Wien geboren ist und seinen\nMaler kennt. „Die gebärdenreiche Auseinander-\nsetzung mit der Welt ist ihm erspart geblieben.\"\nDazu dürfte es jetzt noch kommen. Etwas über den\nKünstler selbst. „Das Mischblut betreibt die Ma-\nlerei gelassen und überlegen, hat eine Art vorneh-\nmes Laster, die Zigarette im Mund, im Promenade-\nanzug mit Pinsel, Wischlappen und den Streichhöl-\nzern hantierend.\" Das Laster mit der Zigarette\nund dem Promenadenanzug bleibt sein persönlich-\nstes Gut, den Wischlappen und die Streichhölzer\nhat er auch dem Kokoschka abgeguckt. Die Maler,\nsagt Herr Michel, werfen der auftauchenden Gei-\nstigkeit des Oppenheimer Literatur vor, und nur\nSchriftsteller vermochten ihm auf seinem Wege zu\nfolgen. Schriftstellern kann man leicht etwas über\nMalerei vorwerfen, die Literatur des Michels taucht\ndafür geistig auf. Der Michel gibt ihm noch schnell\n„selbst das Wort\" zu einer Biographie, m. opp.\nerklärt, daß seine Lehrer mit Ausnahme des Rem-\nbrandt von aufreizender Talentlosigkeit waren.\nSehr charakteristisch für ihn. Schlechte Dichter\nberufen sich auf Goethe und schlechte Maler auf\nRembrandt. m. opp. schreibt weiter: „mein Umgang\nmit höchst zweifelhaften Leuten brachte mich in\nden Ruf eines anrüchigen Individuums, dessen An-\nschauungen verwerflich und dessen Verkehr zu ver-\nmeiden sei.\" Nun hat er seinen Ruf bei Michel dem\nUmgang mit „höchst zweifelhaften\" Leuten zu ver-\ndanken, die sich allerdings den Verkehr mit ihm\nverbaten. „Nach geraumer Zeit fühlt man sich frei\nund stark genug, der Konvention das übliche Kom-\npliment zu versagen, und alsbald geht man mühelos\nund leicht höheren Erkenntnissen entgegen.\" Mü-\nhelos und leicht hat er sich seine Erkenntnis ge-\nmacht. Weniger wahr bleibt, daß er sich „einen\nStil aus seiner Zeit geschöpft hat.\" Warum drückt\nsich das malerische Subjekt so objektiv aus? Was\nist Zei t, wenn man in Wien lebt? „Man ist immer\nagil.\" Das heißt, man versteht das Geschäft. „Die\nFreiheit macht mutig und kühn, sie festigt den Ein-\nsamen.\" Einsam ist er auch, der arme Kerl. „Man\ntreibt rastlos neuen Ereignissen, unbekannten Him-\nmeln entgegen.\" Nur, daß die Ereignisse nicht so\nneu, und die Himmel nicht so unbekannt sind, m.\nopp.!\nDas wäre der „in Tiefen getauchte Sohn der\nZeit\" mit dem hochgezüchteten Gehirn. Der Michel\nfällt immer rein.\nGraphisches Kabinett\nEine kleine außerordentlich feine Ausstellung\ngraphischer Werke zeigt eine neue Kunsthandlung\nGraphisches Kabinett am Kurfürstendamm. Ich\nhabe selten eine solche künstlerische Auslese gefun-\nden. Für zeitgenössische Graphik bedeutet dieses\nInstitut überhaupt ein Novum. Ich mache beson-\nders auf die tiefen und gewaltigen Radierungen von\nE d w a r d M u n c h aufmerksam. (Der Tag danach,\nZwei Menschen, Proträt des Dr. Asch, Mädchen\nim Hemd am Fenster.) Man findet ferner sehr\nschöne Blätter von Bohle und Liebermann, zwei\nbedeutende Lithographien des Grafen Kalckreuth\n(Mädchenporträt, Arbeit) und zahlreiche sehr ta-\nlentvolle Arbeiten jüngerer Künstler. Ich nenne be-\nsonders Walter Klemm und Georg Gelbke, die auch\nauf der Berliner Sezession vertreten sind. Und an\nganz neuen Namen die Radierer Otto Moeller, Ru-\ndolf Moeller und Hans Freese. Willi Geiger hat\ndas Thema Susanna im Bade endlich einmal origi-\nnell behandelt. Am meisten zu rühmen bleibt, daß\nsich nicht ein einziges unkünstlerisches Blatt in\ndieser Ausstellung befindet."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "680", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10668, "texte": "Der Dichter Stettenheim\nEndlich haben wir nun auch seinen achtzigsten\nGeburtstag überstanden. Man kam bei dieser\nFeier nicht aus dem Humor heraus, der dem Dich-\nter Stettenheim sein ganzes Leben versagt blieb.\nDas Schönste bot der Hofrat Paul Schienther, der\ndicke Schienther, sozusagen eine „literarische Wür-\ndigung\". Er erzählt von „zeitweiligen Menschen-\nanläufen, die sich um einen unsichtbaren Mittel-\npunkt immer enger zusammendrängen. Man be-\nfürchtet zunächst einen Unfall,\" aber Herr Schlen-\nther stellt fest, daß es sich nur um einen Witz des\nHerrn Stettenheim handelt. Der Unfall wird poe-\ntisch beschrieben: „Und nun entsteht eine Art von\nTumult, die gesammelte Kraft der Menge stiebt\nauseinander, der Stille folgt ein Sturm, ein Krei-\nschen, ein Quietschen, ein Seitenstechen. Männer\nund Frauen taumeln gegeneinander. Schnappend\nringt man nach Atem, man hat keine Worte. Man\nerinnert sich nicht mehr, seit Horner so gelacht\nzu haben.\" Vielleicht meint der dicke Schienther\nBlumenthal, aber bei einem Festtaumel kann man\nauch homerisch lachen. Endlich also wird nun\n„der Que 11 dieser ungeheuren Heiterkeit sichtbar.\nE s ist ein kleiner, feiner, bildsauberer Herr\" (der\nQuell). Der Quell „hat mitgekichert und sich sogar\nein halbes Tränchen unter dem Kneifer wegge-\nwischt.\" So ein humoriger Quell. Aber schon\nstecken alle wieder die Köpfe zusammen, „und der\nkleine Freudenquell ist wieder verschwunden. Nur\ndie helle hohe Stimme klingt ein ganz klein wenig\nkrähend durch.\" Dieser krähende Quell ist wirk-\nlich zum totlachen. Noch etwas Merkwürdiges er-\neignet sich bei den zeitweiligen Menschenanläufen.\nImmer nämlich „gehen zwei mißmutige Männer in\neiniger Entfernung vorbei. Die beiden Herren sind\nzwei deutsche Humoristen, die noch nie einen Witz\ngemacht haben.\" Ebenso gut hätte dem dicken\nSchienther auffallen können, daß Herr Stettenheim\nviele Witze gemacht hat, aber nie ein deutscher\nHumorist gewesen ist. Nun wird Stettenheim qua-\nlifiziert. „Bismarck und Moltke, Menzel und Momm-\nseri und sogar die Frauen konnten über ihn lachen.\"\nWenn sogar so ernste Männer gelacht haben!\nDer dicke Schienther hat schon als Student über\ndie Figur Stettenheims, über Wippchen, gelacht. Er\nwar ihm sogar überaus sympathisch. „Hatte er\ndoch stets einen gefüllten Bierkrug neben sich.\"\nNach dieser Sympathieerklärung beschließt man,\ndaß die Literaturgeschichte nach dem Vorschlag\nvon Karl Kraus für den witzigen Kritiker die Be-\nzeichnung Löwenbräuschlenther einführt. Wichtig\nfür sie ist auch das Bekenntnis des Löwenbräu-\nschienthers, daß „Stettenheim ungemein erziehe-\nrisch auf ihn gewirkt hat.\"\nAuch über die Kunst zu Schreiben, des Mei-\nsters und des Schülers, erfährt man einiges. Ihnen\n„ist die Sprache ein Instrument und da er ein durch-\ntriebener Schalk ist, so spielt er auf verdrehten,\nverknüpften, verstellten Saiten und wird so ein be-\nwußter Schrift ve r steller.\" Diese Katzenmusik\nbetreibt der Dichter Stettenheim nun schon seit\nachtzig Jahren und der Löwenbräuschlenther ist\nsein Schüler. Nicht er allein. Auch die Herren\nBlumenthal, Bltithgen, Harden, Heyse, Lindau, Ri-\nchard Voß und Fedor von Zobeltitz „unsere nam-\nhaftesten Schriftsteller,\" scharen sich mit gereim-\nten Glückwünschen zu seinen Füßen. Der feinsin-\nnige Ludwig Fulda kann sich unter vielen folgenden\nVers nicht verkneifen:\nUm als Nestor aufzutreten,\nHat, zu jedem Kniff bereit,\nEr sich offenbar erbeten,\nEinen Vorschuß von der Zeit\nDer philosophische Alexander Moszkowski:\nDer Schüler selbst spürt schon die Schwere\nDes Alters seit geraumer Zeit,\nEr selbst hat Schüler in der Lehre,\nUnd du wirst achtzig Jahre heut.\nSo baue weiter auf Parzellen\nVon guter Prosa, gutem Reim,\nDen Witzideen, die dir entquellen\nHeinistätten, lieber Stettenheim.\nStettenheim ist nicht nur selbst ein Quell, er\nsoll auch den Quellen noch Heimstätten bauen, und\nMoszkowski sorgt dafür, daß die Stettenheimer\nnicht aussterben.\nSiegmund Feldmann, ständiger Mitarbeiter der\nNeuen Rundschau, des „vornehmsten literarischen\nOrgans der Gegenwart\", schließt seine Hymne:\nMach auch du die Summe rund\nBleibe uns in weißen Haaren\nJung, bevorschußt und gesund\nBis zu hundert Jahren.\nEin Mensch, der sich diese Kretinismen sagen\nlassen m u ß, wird als „Erscheinung\" gefeiert.\nWir aber, können u n s e r n Stettenheim nicht\nbesser feiern, als den Schlußzeilen seines Dankge-\ndichtes „das erlösende Wort\" an dieser Stelle Raum\nzu gewähren:\n„Aus naheliegenden Gründen\nKönnt ich den Satz nicht finden —\nDa fragt ich meine Marie,\nUnd flink antwortete sie:\nGratulier den Gratulanten,\nDen Freunden und Bekannten,\nDaß sie — und sie lachte dazu —\nNoch lange nicht so alt sind, wie du.\"\nAber so trostlose Knittelreime und Hochzeits-\ncarmenwitze wie der Dichter Stettenheim können\ndie Gratulanten alle schon machen. Das Blühen will\nnicht enden. Man weiß nicht, was noch werden\nmag. Sie schaffen an allen Enden.\nMobilmachung der Arbeiterbataillone\nDie Kollegen, die in Berlin nicht genügend An-\nerkennung finden, gehen mit ihren Dichtungen in\ndie Provinz. Die literarischen Gesellschaften der\nStädte sind von einer rührenden Kritiklosigkeit.\nIhnen scheint die Tatsache, daß sich jemand Dichter\nnennt, schon zu genügen. Jeder Berliner Journalist\nist ihnen zum Vortrag seiner „Dichtungen\" will-\nkommen. Die Provinzpresse will gute Beziehungen\nmit Berlin unterhalten oder anknüpfen und sorgt für\nStimmung vor und nach dem Vortrag. Besonders,\nwenn der Dichter ein Sohn der Heimatstadt ist.\nHerr Walter Bloem aus Elberfeld, der sich in Berlin\nbei den Kollegen einen Namen gemacht hat, hatte\nPech. Zunächst wurde er in Köln ausgeschwefelt,\nweil ihm in seinein letzten Roman Das eiserne Jahr\nerhebliche Plagiate nachgewiesen wurden. In El-\nberfeld sollte er durch einen Vortrag seiner Dich-\ntungen in der Literarischen Gesellschaft reinge-\nwaschen werden. Der Generalanzeiger der Stadt\ntrat für ihn ein: „In der Regel äst das Publikum von\neinem Dichterabend enttäuscht, da es sich einen\nandern Begriff von Dichtung und Dichter gemacht\nhat.\" Man gibt dem Publikum in dem aktuellen\nFall recht. „Der Vortragsabend von Walter Bloem\nläßt eine solche Enttäuschung nicht befürchten, Ist\ndoch unser Landsmann . . Der Landsmann kam\nund der Generalanzeiger wurde enttäuscht, „Wal-\nter Bloem, der auf einer Vortragsreise auch seine\nHeimatstadt berührte, wollte die Gelegenheit, sich\nhier seiner Gemeinde vorzustellen, nicht versäu-\nmen.\" Er hätte an seiner Heimatstadt lieber nicht\nrühren sollen. Seine „Gemeinde\" versäumte, sich\nihm vorzustellen. Ueberall hatte er ausverkaufte\nHäuser, klagt der Generalanzeiger, aber „die Kreise,\ndie M. 1,50 für einen Vortrag aufzuwenden in der\nLage sind, hatten meist vorgezogen, nicht zu er-\nscheinen, zu dem Vortrage des gefeierten\nSchriftstellers, der vor Jahresfrist ihre Vaterstadt\nin wahrhaft glänzender Weise verherrlicht\nhatte.\" Die Verherrlichung hat ihm die Stadt El-\nberfeld mit eintausend Mark bar glänzend über-\nzahlt. Und man gewinnt den Eindruck, daß das\nPublikum Elberfelds mit Ausnahme der Mitglieder\nder Literarischen Gesellschaft den vom Generalan-\nzeiger gefeierten Schriftsteller erkannt hat. Aber\nder Generalanzeiger gibt die Hoffnung nicht auf:\n„Wohl aber ist uns bekannt, daß Tausende von\nkleinen Bürgern und Arbeitern zu dem Vortrag her-\nbeigeströmt wären, wenn man den Eintrittspreis\nweniger hoch bemessen hätte. Das Lokal hätte na-\ntürlich von entsprechendem Umfang sein müssen.\"\nAlso eine wirkliche Lokalfrage. Der Generalan-\nzeiger ist falsch „informiert\". Die sozialdemokra-\ntische Presse, die von den Tausenden gelesen wird,\npflegt die Feuilletondichter der Generalanzeiger-\nPresse nicht zu unterstützen. Dafür ist aber sie\n„vorzüglich auf ihre Rechnung gekommen\". Für\nMark 1,50. „Und wenn er wiederkommt, wird er\nun s herzlich willkommen sein.\" De r Referent\nist ihm sicher.\nRichard Strauss und Siegfried Wanger\nFast die gesamte Provinzpresse behauptet, daß\ndas Interview mit Siegfried Wagner über Richard\nStrauß im Sturm gestanden hat. Es liegt natürlich\neine Namensverwechslung vor. Es würde mir\ntrotz meiner ablehnenden Haltung gegen Richard\nStrauß nicht einfallen, die Ansichten des Herrn\nSiegfried Wagner über ihn zu veröffentlichen. Die\nDichtungen und Tondichtungen des Herrn Siegfried\nWagner sind aufreizend dilettantisch und barbarisch\ntaFentlos. Seine kritischen Ansichten daher völlig\nüberflüssig und ohne Interesse. Das Berliner Tage-\nblatt, das erst seinen Richard Strauß in Schutz\nnahm, kann es sich natürlich nicht versagen, die\nRechtfertigung des Herrn Wagner abzudrucken.\nDas Wesentliche dieser Rechtfertigung besteht\ndarin, daß Herr Wagner seine „Meinung\" aufrecht\nerhält und nur bereut, sie ausgesprochen zu haben.\nEr kennt die Opern von Richard Strauß nicht, die\nSalome nicht, weil ihm „das Sujet widerwärtig ist\",\nElektra nicht, weil ihm „Sophokles noch genügt\".\nUnd am Rosenkavalier ging er vorüber, weil ihm\n„die Reklamewirtschaft von Richard Strauß nicht\npaßt\". Alles Argumente, die die Mitwelt unbedingt\nkennen lernen muß. Herr Wagner ist viel genüg-\nsamer: „Ich bin froh, wenn ich hier und da mein\nOellämpchen anzünden darf und bei dem beschei-\ndenen Licht der kleinen Schar derer, die Freude an\nVolkssagen und deutschem Wesen haben, meine\nOpern vorführen darf. Es ist eine Art Katakomben-\nexistenz.\" Leider nur noch zu bemerkbar. Er\nsollte auch das Oellämpchen auslöschen. Aber noch\njeder schlechte Dichter und Tondichter hat sich\nauf die Freude an Volkssagen und deutschem We-\nsen berufen, die er sich bereitet.\nRichard Strauss und Kochbuch-Urban\nDagegen hat der Kochbuchurban, der Musik-\nkritiker der B. Z. am Mittag indirekt eine Freude\nan Richard Strauß gehabt. Er lobt ein Buch über\nihn von Max Steinitzer und resümiert: „Steinitzers\nBuch ist mit dem schönen Ernst geschrieben, den\ner selbst bei Strauß zu beweisen sucht. Und mit\neiner unglaublichen Beherrschung des Materials.\nZwei verschollene Aufsätze von m i r, die mir ganz\nfremd waren, hat dieser peinlich genaue For-\nscher aufgestöbert.\" Ich gedenke mir die Freund-\nschaft des Herrn Erich Urban zu gewinnen, indem\nich bei jeder Gelegenheit auf verschollene Rezepte\nseines Kochbuches hinweisen werde. Wenn sie ihm\nvielleicht auch ganz fremd sind, so werden sie\ni h m vielleicht doch bekommen.\nBerliner Sezession\nDer Schluß der Besprechung in Nummer 84 ist\ndurch den Ausfall einiger Zeilen nicht verständlich.\nEr sei daher noch einmal richtig wiedergegeben:\nDie jüngere Generation vermeidet jetzt den Um-\nweg über Liebermann und Genossen. Es sind ver-\nschiedene interessante neue Zeichner zu sehen. Ich\nnenne Axel Gallen-Kalela, Walter\nKlemm, Ernst Matthe s, Karl F. Zäh-\nringer, Hedwig Weiß und Hanns Bolz\n(den ich schon bei der Besprechung der juryfreien\nKunstschau erwähnte).\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "679", "page_fin": "679", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.10", "titre_corps": "Ferdinand Hodler: Älpler mit Sense auf der Alp Getuschte Bleistiftzeichnung / Studie zu den Banknotenentwürfen", "titre_sommaire": "Ferdinand Hodler: Älpler mit Sense auf der Alp Getuschte Bleistiftzeichnung / Studie zu den Banknotenentwürfen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "679", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 110, "texte": "Ferdinand Hodler: Älpler mit Sense auf der Alp\nGetuschte Bleistiftzeichnung / Studie zu den Banknotenentwürfen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "681", "page_fin": "681", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "681", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.7", "debut_caractere": 75, "fin_caractere_exclue": 707, "texte": "VereiurKnt\nj i—'r:—'/—')—>r=zii Jf\nI'r^r\nAchtes Jahr\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM. 3.— zu, sowie der\nkostenlose Jahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. 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Else Lasker-Schuler\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Biitten gebunden\nDrei Mark\nDreiiilien-Verlag Karlsruhe und Leipzig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c015", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "681", "page_fin": "681", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "681", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.7", "debut_caractere": 1660, "fin_caractere_exclue": 1993, "texte": "HHr Theaterlieferanten J®\nKfeTs\n»<cwaV\nAnton\nDie best en derWelfc\nGeott Antra Berlin SCO\nFriedriehstr. 49 a\nVielfach pr&miiert Gegrundet 1876\nIlustrierter Preis - Katalog franko\nPerucken fur Theater und\nSirasse sowie samtlicher\nflaararbeiten in naturgetreuer Ausfiihrung\nrsss.\nwV>\njjjjgSM a IS ®®ta liefert und verleiht\nTheaterbuhnen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c016", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "681", "page_fin": "681", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "681", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.7", "debut_caractere": 1995, "fin_caractere_exclue": 2042, "texte": "Ausstellungen, Salons\n& Kunsthandlungen etc. J|"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c017", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "681", "page_fin": "681", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "681", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.7", "debut_caractere": 2044, "fin_caractere_exclue": 2491, "texte": "CASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennige :: Potsdamer Strasse 19\nNeu ausgestellte GemSlde:\nA. Allard Forain W. Leistikow\nH. Cassiers V. Gilsoul M. Liebermann\nL. Corinth H. Herrmann A. von Menzel\nF. Charlet J. B. Jongkind Bern, de Monvel\nH. Daumier Le Goud-Gerard Monticelli\nSkulpturen von Max Kruse, M Buchanan,\nGrosste Auswahl mod. Graphik fur dekor. u. Sammelzwecke\nCoutts Michi\nC. Pissarro\nF. Skarbina\nJ. Smits\nF. Thaulow u. a.\nL. 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Kunsthandlung, Antiquarian Verlag\ng :: BERLIN Wl5,\nQ\nfi Standige Ausstellung\n| moderner Qraphik\nU EINTRITT FREI\n'A :\nKurfurstendamm 33 ::\nIm Eckhanse, gegenuber der Se-\nzession, Eingang Grolmannstraße\nIllustriert. Katalog u. 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Kurse von rOBBr. ffIBMBI Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorle und Praxis (staatlich\ngepriifte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute In fiihrender Stellung). Grundliche\nEinfiihrung in die verschiedenen Branchen des kaufmannischen Berufes, rationelles\nStudium der Handels- und verwandten Wissenschaften ais Ersatz fur eln raehr-\njahriges Hochschulstudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium Ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnlssen, Einjihrfg-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatlg waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend Ihre Fachkenntnlsse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nxixr Bankbeamte, Ingenieure, Cbemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesefischaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannlsplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c022", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "681", "page_fin": "681", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "681", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.7", "debut_caractere": 4734, "fin_caractere_exclue": 4754, "texte": "Anzeigen\nMi\n&\n8M\n<SS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c023", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "681", "page_fin": "681", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegFundet 1825\nModeme Herrenbekleidimg\ntertig und nach Hail\nReklameacgebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mil WrmelaufschlSgen 3250 m\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 45s0 m\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n32s® 45 H\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studeaten und Miigiiedern von Kunsivereinigungen gegen Vorzeigung von Legilimationskarten s°/0 Rabatt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-11-11-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-11-11_01#c031", "volume": "bmtnabg_1911-11-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "682", "page_fin": "682", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "682", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.8", "debut_caractere": 555, "fin_caractere_exclue": 1120, "texte": "SCHIEDMAYER\nPIANOFORTE FABRIK\nBERLIN W.. 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Alle Blätter rau-\nschen. Sogar solche, die schon verwelkt am Bo-\nden lagen, fangen ganz naturwidrig an zu grünen\nund fliegen an ihren Stamm zurück. Der Doktor\nLeipziger, der jetzt den Roland von Berlin posiert,\nwird sehr bereuen, den schon stark verdorrten Baum\nseiner 'Kenntnis der Berliner Gesellschaft aufgege-\nben zu haben. Es war allerdings eine gehörige\nFuhre Mist nötig, um das Kleine Journal wieder\naufblühen zu lassen. Wenn auch nur als Theater-\nrequisit. Es genügte immerhin der Frau Wertheim\nzur Scene ihrer Enthüllung. Man war allgemein\nvon der Schaustellung befriedigt und glaubte un-\nerhörten Sensationen beigewohnt zu haben. Es gibt\nkeine der bekannten schlechten menschlichen\nEigenschaften, die Frau Wertheim nicht ihr eigen\nnennen durfte. Die Teufelin der idealen und natio-\nnalen Dichter ist vorhanden. Alles rückt von ihr\nab, die Gesellschaft und die Presse.\nIch sehe die Angelegenheit wesentlich anders.\nDer Fall der Frau Wertheim ist tragisch. Sie ist\neine Persönlichkeit, der versagt blieb, sich zu\näußern, im Schreiben und im Leben. Ihre Beur-\nteiler verstehen es freilich auch nicht. Aber sie\nhaben nie den Willen gehabt, zu leben. Sie\nschreiben zwar nicht, aber reden in Zitaten und\ndenken in Vorstellungen, die sie nie sich sinnfällig\nvorgestellt haben. Die Begriffe beherrschen die\nMenschen. So weit, daß sie überall Tatsachen\nsehen, die es überhaupt nicht gibt. Alles ist Tat-\nsache, die Religion, die Sittlichkeit, die Liebe, das\nVaterland, die Kunst, der Geist, die Existenz. Um\nsich selbst diese Tatsache zu beweisen, betätigt\nman sich körperlich. Man geht in die Kirche und\nhat die Religion, man schimpft auf den Alkohol\nund die Dirne und hat die Sittlichkeit, man nimmt\nsich eine Frau und hat die Liebe, man dient sein\nJahr ab und hat das Vaterland, man liest das Buch\nder Woche und hat die Kunst, man hört Profes-\nsoren und hat den Geist, man ißt und trinkt und hat\ndie Existenz. Durch Ausübung einer Sinnestätigketi\noder Benutzung eines Organs läßt sich alles be-\nweisen. Nur sind Sinne und Organe nicht geübt,\nzu nehmen und zu geben. Der ehrlichste Ausdruck\ndes Durchschnittsmenschen für diesen Mangel ist\nder Besuch der Varietes und das Lesen der Zei-\ntungen. In Varietes sieht er Menschen, die über\nihren Körper herrschen. In den Zeitungen hört er\nMenschen, die seinen Geist beherrschen. Der Geist\nder Durchschnittsmenschen hat den Willen, die Be-\ngriffe, die er kennt, durch den Druck bestätigt zu\nfinden. Könnte es Begriffe geben, wenn man be-\ngreifen würde? Alle fühlen die Erde unter ihren\nFüßen sich drehen, sie wollen stehen und klammern\nsich an Worte, die sie nicht fassen können. Der\nDurchschnittsmensch kennt nicht den Wert des\nWortes, er benutzt es nicht in seiner sinnlichen\nBedeutung. Die Wörter kleben durch die jahr-\nzehntelange Benutzung fest aneinander, sie legen\nsich auf das Gehirn. Man muß sie einzeln begrei-\nfen, um sich von ihrem Schleim zu befreien. Wie\nwenige Menschen besitzen diese Erkenntnis und wie\nviele Schriftsteller gibt es, die mit diesem Material\narbeiten, ohne es zu besitzen.\nIst es nun gerecht oder richtig, nach Briefen\noder Redewendungen über Menschen zu urteilen?\nFrau Wertheim hat einmal ihre Tochter Judenjöhre\ngenannt, die ganze „gebildete Welt\" gerät in Auf-\nregung. Sollte das Wort in diesem Fall eine Cha-\nrakteristik der Tochter bedeuten? Tut das das\nWort überhaupt? Oder ist es in diesem Fall ein\nTemperamentsausbruch, der sich eines Begriffes\nbedient? Kann man aus der Benutzung dieses\nWortes Rückschlüsse auf den Charakter der Frau\nWertheim machen? Gibt es überhaupt ein Schimpf-\nwort? Werden nicht Wörter, die allgemein und\nauch juristisch als formale Beleidigungen gelten, oft\nzur Bezeichnung intimen Verkehrs und freund-\nschaftlicher Beziehungen gebraucht? Wer hat nicht\nseinen Freund schon Ochse oder Idiot genannt, ohne\ndadurch eine Charakteristik geben zu wollen. Man\nkennt eben den Wert der Wörter nicht.\nNicht so sehr die Moral der Gesellschaft ist\ndurch die Anwendung von Schimpfwörtern einer\nMutter der Tochter gegenüber beleidigt, als die Bil-\ndung des Philistertums. Die Gesellschaft hält sich\nfür sehr gebildet, wenn sie Schimpfwörter vermei-\ndet. Wenigstens im Verkehr der pekuniär gleich-\ngestellten Personen. Nur auf diesen Kreis be-\nschränkt sich diese Art der Bildung. Im Verkehr\nder Herren der Gesellschaft unter einander in den\nBeziehungen zu ihren Angestellten, im Verhältnis\nzu ihren Verhältnissen oder im intimsten Eheleben\nversagt die Feinheit der Erziehung. Die Bildung\nder Gesellschaft reicht eben nur bis zu den Gesell-\nschaften.\nAber Frau Wertheim hat nicht nur geschimpft,\nsie hat ..sich auch über ihre erste Ehe ausgelassen.\nIch weiß nicht, wie weit ihre Vorwürfe gegen den\nverstorbenen Mann auf Wahrheit beruhen. Sie\nwurden nirgends bestritten. Wer aber die Berliner\nGesellschaft nur etwas kennt, weiß, daß dort der\nwertvolle Gegenstand wertvoller ist, als das psy-\nchische Leben und Erlebnis. Man hat eben dort zu\nMenschen und Möbeln nur ein dekoratives Verhält-\nnis. Und seitdem in der aufgeklärten Zeit auch die\nMöbel im unverhüllten Zustand das ihre beitragen\nsollen, müssen eben die Menschlichkeiten zu deren\nSchonung verhüllt werden. Auch bei diesen An-\nklagen der Frau Wertheim handelt es sich um die\nBildung. Man spricht über solche Dinge nicht. Nur\nvergißt die Presse, daß die Verteidigung des Herrn\nMetternich zuerst „davon\" und nicht gerade mit\nEngelszungen geredet hat. Um die Einkäufe des\nHerrn Metternich zu motivieren, stellt der Vertei-\ndiger die Ernährung der Frau Wertheim während\nihrer Schwangerschaft zur Diskussion. Sie soll so-\ngar Cognac getrunken haben! Und Frau Wert-\nheim, in ihrer Unfähigkeit, sich zu äußern, erwidert\ndem Verteidiger nicht, daß das Cognactrinken vor,\nwährend oder nach der Schwangerschaft die Ange-\nlegenheit ihres eigenen Magens sei, sondern sie mo-\ntiviert ihm physiologisch, warum sie Cognac trin-\nken mußte. Allgemeine Empörung. Warum wird\ndas große Schweigen gebrochen? Warum werden\ndie Wehen einer Frau zu einer öffentlichen Ange-\nlegenheit gemacht. Die Frauen schreien entsetzt\nauf, weil die Gräber ihrer Leiden geöffnet werden,\ndie Männer, weil sie fürchten, daß ihr tadelloser\nRuf verklingt. Die Leiden der Sexualität und die\nLeiden an der Sexualität sind die tiefsten und ver-\nschwiegensten des Jahrhunderts. Es ist eine Heu-\nchelei, die eine Frau für die Menschheit büßen zu\nlassen.\nFrau Wertheim gehört zu der großen Menge\nder Stummen, die leiden müssen, ohne klagen zu\nkönne n. In ihrem Drang, sich zu offenbaren,\nkommen ihr wieder nur Stumme in den Weg, die\nsie für Wortkünstler hält. Wie sie sich auch zu\ndem Dr. juris Artur Landsberger stellen mag: sie\nist auf ihn reingefallen. Sie gab ihm hohe Geld-\npreise für die Zeitschrift Morgen, die der Herr da-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "676", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.2", "texte": "nials herausgab, und die der Herr dem Dichter-\nTrebitsch zuerkannte. Sie ließ sich von ihm lite-\nrarisch fördern, und der Doktor Landsberger „er-\nlöste\" dafür ihre Tochter. Man wird mir niemals\neinreden können, daß sich ein reiches, schönes, jun-\nges Mädchen aus dem Fenster stürzt, nur aus Hy-\nsterie. Auch die Hysterie muß erst erworben wer-\nden. Vielleicht hatte sie der Doktor Landsberger\nzu gut erlöst. Immerhin brachte ihm die Rolle sieb-\nzigtausend Mark bar, die er sich von den Schwie-\ngereltern dafür bezahlen ließ, um die gespielte „Er-\nlösung\" nicht noch literarisch verwerten zu müssen.\nOder wie er sagt, um seine Kosten zu decken. Er\nverwandte deshalb nach Erhalt dieser Summe die\nAngelegenheit „literarisch\". Vermutlich waren die\nKosten noch immer nicht gedeckt. Skandalöser\naber als diese absolut talentlosen und belanglosen\nRomane des Landsberger bleibt die Tatsache, daß\ndie Herren Frank Wedekind und Georg Brandes\nsie rühmen. Dem Dichter Karl Hauptmann mag\nes gestattet sein. Niemand kümmert sich um seine\nMeinung und er mußte sich revanchieren. Der Dok-\ntor Landsberger führte ihn — man erinnert sich —\nals den „Dichter Hauptmann aus Schreiberhau\" in\nBerlin ein. Bedenklicher wird die Sache bei den\nandern beiden Kritikern. Herr Frank Wedekind er-\nzählt zwar jedem, der es hören will, daß er grund-\nsätzlich niemals Bücher liest, über die er sich kri-\ntisch äußern soll. Er würde sie sonst vielleicht\nnicht loben können. Er hat nun eben ein gutes Herz.\nAber ich würde es für eine Pflicht des Herrn Wede-\nkind halten, der fortgesetzt und mit Recht gegen\ndie Vergewaltigung seiner eigenen Kunst prote-\nstiert, daß er dem Publikum bei der Veröffentlichung\neiner lobenden Kritik gleichzeitig mitteilt, wie sein\nMund übergeht, weil sein Herz so gut ist. Herr\nGeorg Brandes hat es zu einem beträchtlichen kri-\ntischen Namen in Deutschland gebracht: Haupt-\nsächlich deshalb, weil er zuerst journalistisch auf\nNietzsche und Ibsen aufmerksam machte. Er hat\nauch „zuerst\" auf den Kritiker Paul Goldmann „auf-\nmerksam\" gemacht. Aus .dieser Tatsache allein\ndürfte sich seine Qualifikation zur literarischen Kri-\ntik ergeben. Die Herren haben sich hoffentlich nicht\numsonst bemüht. Das Gute über das Schlechte\nbelohnt sich immer.\nDie Deutsche Montagszeitung, an der der Dok-\ntor juris Artur Landsberger in jeder Hinsicht sehr\nstark interessiert ist (er soll mir keine Berichtigung\nschicken, daß er „zurzeit\" kein Geld in dieser Zei-\ntung stecken hat), die Deutsche Montagszeitung\nwollte von ihm Aufklärungen über seinen Fall. Dok-\ntor Landsbergerist so erschüttert, so empört, daß\ner es vorzieht, sich selbst in seinem Blatt nicht\nzu äußern. Er schickt vielmehr seinen großen\nFreund vor, den satanistischen Dichter. Der schrieb\nihm einen Brief, „von dem er jeden beliebigen Ge-\nbrauch machen kann\". In diesem Brief rät ihm der\nSatanist, nicht etwa gegen Frau Wertheim wegen\nBeleidigung zu klagen, weil ihr der Paragraph 51\nsicher sei. Aber, sagt der Satanist, der Doktor\nLandsberger soll nicht den Mut verlieren, denn „die\nbesten Köpfe Deutschlands\" ständen zu ihm. Sie\nwerden noch kopfstehen, diese Besten!\nDas sind die Beziehungen der Frau Wertheim\nzur Literatur. Und ihre übrigen Enthüllungen? Sie\nbehauptet von unzähligen Personen wahre und\nvielleicht auch unwahre Tatsachen. Sie kompro-\nmittiert, weil man sie kompromittiert hat. Ich sehe\nden Unterschied nicht Was gibt es an dem Herrn\nvon Fetter zu verteidigen, der sich Tausende schen-\nken läßt, um nicht zu „beleidigen\". Was an ihrer\nMutter, die die Tochter wegen der guten Partie ver-\nschachert? Was an den Damen der Volkskunst-\nausstellung, die sich von Wertheims fünf zehntau-\nsend Mark schenken lassen, die sie selber haben,\num sich bei der Kaiserin billig beliebt zu machen?\nFrau Wertheim ist sicher verbildet und ge-\nschmacklos. A.ber ihre Umgebung nicht weniger.\nDie Differenz zwischen Willen und Befähigung\nwurde ihr zum Verhängnis. Durch das Ve r -\nhäng n i s hebt sie sich heraus. Sie hat in den\nletzten Monaten die schwersten Wehen erlebt und\nblieb unfruchtbar. Darum sollte ihr die Oeffent-\nlichkeit endlich die äußere Ruhe lassen, die jeder\nselbst für sich in Anspruch nimmt. Der Presse\nwird man den Mund stopfen.\nTrust\n\nDer Ritter Blaubart\nVon Alfred Döblin\nHinter der dünnen Birkenreihe, weiche die\nStadt von Norden her umsäumt, zog eine wellige\nEbene nach dem Meere zu, wenig mit niedrigen\nKiefern und Strauchwerk besetzt. Kein einziger\nWeg führte aus dem Durchbruch der Stadtmauer\nnach dem Strand, der kaum zwei Stunden ent-\nfernt ist; eine Kleinbahn fuhr in weitem Bogen\num die Einöde herum an das Wasser. In vielen\nSenkungen der Ebene stand der Sumpf, schwarz\nund steif wie Leim; Ratten und Sumpftiere haus-\nten hier; öfter stieß ein Häher durch die dicke\nLuft und schlug ein Weichtier an.\nWo sich die Hügelreihe am stärksten erhob,\nragten quadratische und unförmige Steinblöcke\nscharf auf, Reste verwitterter Klippen. Das Meer\nhatte sich früher über das Land gestreckt; jetzt lag\ndie Ebene verstört und frostig da; Meer und Erde\nwandten sich von ihr ab.\nDiese Fläche war vor langen Jahren auf eine\nsonderbare Weise in den Besitz eines Barons\nPaolo di Selvi gekommen. Er wrar von einer\nWeltreise durch den Sund in diese See gesteuert,\num in der Stadt den Vater seines ersten Boots-\nmannes zu besuchen, der unter dem Aequator\ndem Schwarzwasserfieber erlegen war. Er stieg\nans Land, sprühend von Laune, träumerisch, er-\noberungssicher. Breitschulterig ging er mit den\nleicht gebogenen Beinen des Reiters über die An-\nlegebretter. Der Wind pfiff scharf an dem Mor-\ngen, und warf ihm die schiefsitzende Kapitänsmütze\nmit einem glatten Schlag ins Wasser, so daß er\nbarhäuptig und lachend unter seinen Leuten stand,\ndie das böse Omen entsetzte. Seine Augen waren\netwas schräg gestellt, dicht an der Nase, die klein\nund stumpf war und mit ihrer Wurzel tief einsetzte.\nDie klaren hellgrauen Augen stimmten schlecht zu\ndem Munde von mädchenhafter Weiche, zu der\nSanftheit seiner Stimme. Er ritt auf einem\nschwarzen Hengst hinter einem Maultiergespann\nden weiten Umweg nach der Stadt; zwei Truhen\nschleppte man zu dem alten Manne, den er suchte,\neine mit Andenken und allem Nachlaß des Boots-\nmannes, die andere mit japanischer Seide, indi-\nschen Perlen und Juwelen, mit sibirischem Pelz-\nwerk. Kaum zwei Stunden blieb er in der Stadt,\ndann trabte er pfeifend und lachend allein zurück,\nunbekannt der Gegend, den kurzen Weg durch\ndie Ebene. Es ist nichts bekannt über die Ge-\nschehnisse in der Ebene an dem Mittag. Der\nBaron muß schon am Eingang des Gebietes vom\nPferd abgesessen sein und sich allein durch den\nSand und Morast gemacht haben. Beim nächsten\nMorgengrauen' fand man den Vermißten besin-\nnungslos auf der Klippe liegen, lang auf den\nRucken ausgestreckt, zwar über und über mit\nTang und Lehm bedeckt, aber das Gesicht eigen-\ntümlich geschwollen, glühend, mit Bläschen, wie\nverbrannt, auch an der rechten Hand und dem\nVorderarm löste sich die Haut in Fetzen ab. Man\nlagerte den ohnmächtigen Mann auf eine Bahre,\ntrug ihn schräg über das Brachland auf die\nnächste Chaussee, wo man einen Heuwagen re-\nquirierte und in die Stadt fuhr. Die Wundflächen\nheilten in einer Woche. Der Baron wußte nicht,\nwas ihm geschehen war. Nur die Krankenschwes-\ntern berichteten, daß seine Augen gegen Abend\neinen leidenden entsetzten Ausdruck annahmen,\ndaß er den rechten Arm zur Abwehr in die Höhe\nhebe und trostlos wimmere. Als er völlig genesen\nwar, schenkte er die Yacht seinem ersten Steuer-\nmann, entließ seine Leute und zog in die Stadt.\nZuerst bewohnte er ein Haus im Süden der\nStadt, ganz im Freien liegend; viele Singvögel um-\ngaben ihn; er pflog mit keinem Menschen Ver-\nkehr. Nach einigen Monaten zog er an die Stadt-\nmauer in eine ganz alte Wohnung, die einen wei-\nten Blick auf die dunstige Heide gewährte. Auf\nder Stadtmauer spazierte und saß der völlig ver-\nänderte unzugängliche Mann oder ritt die Chaussee\nlangsam nach dem Meere zu. Bis er nach fast\nJahresfrist frühmorgens durch die Straßen der\nStadt ging, auf dem Marktplatz nach einem Bau-\nmeister fragte, und diesen mit leiser Stimme be-\nauftragte, ihm in der Heide auf der höchsten An-\nhöhe um die Klippe herum ein Wohnhaus zu\nbauen. Der Baumeister brauche sich nicht zu be-\neilen, sagte er, indem er die Arme verschränkte;\nes solle ein Schloß werden, heimlich und weit-\nläufig, mit vielem festlichen Schmuck; denn er\nwolle in sechs Monaten seine Gemahlin heim-\nführen.\nSo zogen die Wegebauer in die Heide, stampf-\nten von der Chaussee einen sicheren Nebenweg\nnach der Klippe. Die Maurer fuhren lärmend an;\nsie planten den Hügel ab, gruben die Pfeiler ein\nund umbauten den Felsen, der sich bis zum ersten\nStock des Hauses erhob und frei in die Zimmer\nragte, — ein weites gedehntes Gebäude aus\ngrauem Kalkstein, mit bunten Kirchenfenstern,\nzierlichen Türmen. Mitten in der Einöde erhob\nsich das Schloß, ein Gelächter der Bauleute, ein\nKopfschütteln der Städter.\nKnapp einen Monat, nachdem die Wände,\nZimmer mit Kostbarkeiten erfüllt waren, führte der\nBaron eine fremde, junge Frau in sein Schloß. Sie\nerschien einmal im Theater der Stadt, die Portu-\ngiesin, ein braunes kindliches Wesen, das nicht vom\nArme des Mannes wich; der lachte wieder wie\nfrüher und bezauberte alle. Sie tanzten an dem\nAbend im Bürgersaal. Der Baron spitzte seinen\nMund und pfiff im Tanz; er strich den braunen\nVollbart und zeigte spottend die Brandnarben auf\nseiner rechten Hand. Das zweite Mal, daß man\nvon der Portugiesin hörte, war eine Woche später,\nals ein reitender Bote nachts vom Schloß her\njagte, dem Arzt die Türe einschlug, ihn nach der\nHeide schleppte an die Leiche der jungen Frau.\nSie lag mit blaurotem Gesicht im Nachtkleide auf\ndem dunklen Korridor vor ihrem Zimmer. Neben\nihr brannte noch die Kerze, mit der sie wohl aus\nder Türe gestürzt wrar. Der Baron folgte dem\nArzt mit starren Augen; »keine Frage beantwortete\ner, keine Miene verzog er. Aus den Worten einer\nschluchzenden Zofe hörte der Arzt von dem alten\nHerzleiden der fremden Frau; er knöpfte seinen\nPelz zu; sie war einer Lungenemboline erlegen.\nNach drei Wochen erschien der Baron wieder\nin der Stadt; man lud ihn zu den Gesellschaften\nein. Oft und öfter ritt er in die Stadt, er fuhr\nzur Jagd, beteiligte sich an Kampfspielen und Ren-\nnen, saß abends beim Wein und erzählte von\nseinen Fahrten und Abenteuern. Lange Zeit sah\nman ihn lustig, schwärmend und träumerisch, mit\nden Soldaten und Seeleuten der Stadt, er fuhr\neines Märztages mit zweien von ihnen wieder in\nSee. Es kam nach einem halben Jahr etwa ein\nBrief von ihm an bei dem Verwalter seines\nSchlosses, daß die Wohngemächer grün auszu-\nschlagen und grüne Läufer zu legen seien, und\ndaß im Damenzimmer Orchideen gesetzt werden\nsollten.\nRund acht Monate nach seiner Abfahrt kehrte\ner zurück. Wieder führte er eine junge fremde\nFrau auf sein Schloß. Diese hat kein Städter ge-\nsehen. Eines Morgens lag sie in schwarzem Reit-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "677", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.3", "texte": "Kleid, den Schleier vor dem stolzen weißen Ge-\nsicht, eine Gerte in der Hand, tot auf dem Hof\ndes Schlosses.\nIm Volk, bei den Schiffern und Vorstadtar-\nbeitern munkelte man, wenn der finstere Baron in\nseinem schwarzen Ledermantel vorüberritt; die\nKinder schrieen vor ihm auf, warfen kleine Stein-\nchen nach ihm, schössen mit dem Katapult auf\nseinen Hengst.\nDie Tochter eines Ratsherrn, ein schmächtiges\nhellblondes Mädchen, sah ihm vom Fenster aus\nnach. Ihr traten Tränen in die taubengrauen\nAugen, wenn die Männer ingrimmig von dem Ge-\nschick des schwarzen Ritters 'sprachen; sie weinte\nin ihrem Zimmer um ihn und war eines Tages auf\nseinem Schlosse und wurde seine Frau. Alle angst-\nvollen Beschwörungen der Verwandten konnten\ndies nicht verhindern. Scharen von tobenden Men-\nschen wälzten sich über den dunklen Weg nach\ndem Schloß, noch ehe ein Monat verstrichen war,\nals man die Leiche des süßen Geschöpfes eines\nAbends an dem Mauerdurchbruch fand. Die Po-\nlizei umringte das Schloß zum Schutz, der Baron\nwurde in Haft genommen. Das Gericht verfügte\ndie Exhumierung der beiden ersten Frauen, die\ngenaue chemische Analyse der drei Leichen auf\nGiftstoffe. Die Untersuchung blieb ergebnislos.\nDer Baron wurde auf freien Fuß gesetzt, das\nVolk streckte ohnmächtig die Hände nach ihm aus\nund wollte ihn zerreißen, als er seinen Revol-\nver in der rechten Hand, langsam, höhnisch\nlachend, nach der Heide hinausritt.\nVon nun an mied er die Stadt völlig. Er\nhauste allein in der Heide; nur sein Reichtum\nhielt die Dienerschaft im Schloß zurück.\nDa landete eines Tages eine kleine Yacht vor\nder Stadt. Ein silbernes Horn blies über die\nHeide; Miß Ilsebill kutschierte ein Schimmelge-\nspann durch die glatte Chaussee nach der Stadt.\nIn dem Gasthof am Markt logierte sie sich ein.\nSie fragte den Wirt nach dem Baron Paolo und\nseinem verrufenen Schloß; sie fragte zum zweiten,\nob jetzt noch eine Frau bei ihm wäre; sie fragte\nzum dritten, wo sie ihn sehen könne. Bei den\nRennen, die morgen in Stirming, dem Vororte,\nstattfänden.\n\nSchluß folgt\n\nZwischen Russ und\nRauch\nVon Paul Zech\nDie Einfahrt\nDas eichne Tor, mit Stacheln schroff bezackt,\nFährt widerwillig aus den Eisenkappen.\nSchwer über schwarze Pflastersteine klappen\nViel Nägelschuhe mörderischen Takt.\nWie eine blöde Hammelherde drängt\nDer Trupp sich in das Fröstellicht der Lampen\nund stolpert schläfrig über rund gewölbte Rampen\nbis ihn der Dunst der Halle schwül empfängt.\nDer Steiger prüft die aufmarschierte Fracht\nUnd liest mechanisch und kommandolaut\ndie aufnotierten Namen aus der Liste.\nDann knirscht der Dampfstrom über die Gelüste\nund zehn zu zehn in Käfige verstaut,\nschnellt sie das Seil hinunter in den Schacht.\nDer Hauer\nDen breiten Nacken rittlings hingestemmt,\nso führt er Schlag für Schlag die Eisenpflöcke\nin das Gestein bis aus dem Sprung der Blöcke\nStaub sprudelt und den Kriechgang überschwemmt.\nIm Flackern des verrußten Grubenlichts\nblinkt der halbnackte Körper wie metallen.\nSchweißtropfen stürzen, perlenrund im Fallen,\naus den weit offnen Poren des Gesichts.\nEr summt ein dummes Straßenlied zum Takt\nder Hämmer und dem Spiel der Eisen\nund stockt nur wie von Jähem Schreck gepackt,\nwenn hinten weit im abgeteuften Stollen\nSprengschüsse dumpf wie Donnerschläge rollen\nund stockt und läßt die Lampe dreimal kreisen.\nIm Dämmer\nIm schwarzen Spiegel der Kanäle zuckt\ndie bunte Lichterkette der Fabriken.\nDie niedren Straßen sind bis zum Ersticken\nmit Rauch geschwängert, den ein Windstoß\nniederduckt.\nEin Menschentrupp, vom Frohndienst abgehärmt,\nschwankt schweigsam in die ärmlichen Kabinen;\nindes sich in den qualmigen Kantinen\ndie tolle Jugend fuselselig lärmt.\nNocheinmal wirft der Drahtseilzug mit Kreischen\nden Schlackenschutt hinunter in die flachen\nGelände, drin der Schwefelsumpf erlischt.\nFern aber gähnen schon, von Dampf umzischt,\ndes Walzwerks zwiegespaitne Feuerrachen —\nund harrn des Winks den Himmel zu zerfleischen.\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Sehüler\nLieber Herwarth, ich habe dem Dalai-Lama in\nWien für die Fackel ein Manuskript geschickt. Hier\ndie Abschrift.\nWertester Dalai-Lama, sehr geehrter Minister,\nich möchte ihnen etwas vom Himmel erzählen,\nden ich meiner Mutter widme.\nVom Himmel\nIn sich muß man ihn suchen, er blüht am lieb-\nsten im Menschen. Und wer ihn gefunden hat, ganz\nzart noch, ein blaues Verwundern, ein seliges Auf-\nblicken, der sollte seine Blüte Himmel pflegen. Von\nihr gehen Wunder aus; unzählige Wunder ergeben\nJenseits. Könnte ich nur immer um mich sein, der\nhimmlischen Beete möchte ich ziehen. Wie man\nversöhnt mit sich sein kann, und Eigenes sein Ewi-\nges küßt. Hätte ich je einen Menschen so unum-\nstößlich erlebt, wie ich mich! Zweitönig Pochen,\nvertrautes Willkomm. Rundeilen meine Gedanken\num mich, um alles Leben — das ist die große\nReise um aller Herzen Schellengeläute und Geflü-\nster, über Wälle, die Jubel aufwarf, über Gründe\nder Versunkenheit; und falle in Höhlen, die der\nSchreck grub — und immer wieder seine Herz-\ntapfen wiederfinden, seinen Blutton, bis man den\nersten Flügelschlag in sich vernimmt, sein Engel-\nwerden — und auf sich herabblickt — süße Mystik.\nUnd irrig ist, den Himmelbegnadeten einen Träumer\nzu nennen, weil er durch Ewigkeit wandelt und dem\nMensch entkam, aber mit Gott lächelt: St. Peter\nHille. — Was wissen die Armen, denen nie ein\nBlau aufging am Ziel ihres Herzens oder am Weg\nihres Traums in der Nacht. Oder die Enthimmelten,\ndie Frühblauberaubten. Es kann der Himmel in\nihnen kein Licht mehr zum blühen finden. Aber\nBlässe verbreitet der Zweifler, die Zucht des Him-\nmels bedingt Kraft. Ich denke an den Nazarener,\ner sprach erfüllt vom Himmel und prangte schwel-\ngend blau, daß sein Kommen schon ein Wunder war.\ner wandelte immerblau über die Plätze der Lande.\nUnd Buddha, der indische Königssohn, trug die\nBlume Himmel in sich in blauerlei Mannichfaltig\nkeit Erfüllungen. Und Goethe und Nietzsche (Kunst\nist reden mit Gott) und alle Aufblickende sind\nHimmelbegnadete und gerade Heine überzeugt\nmich, Himmel hing noch über ihn hinaus und\ndarum riß er fahrläßig an den blauen Gottesran-\nken, wie ein Kind wild die Locken seiner Mutter\nzerrt. Hauptmanns Angesicht und auch Ihres,\nDalai-Lama, wirken blau. Den Himmel kann sich\nniemand künstlich verdienen, aber mancher pflückt\ndie noch nicht befestigte, junghimmlische Blüte\nim Menschen ab. Das sind die Teufel. Ihr\nLeben ist ohne Ausblick, ihr Herz ohne Ferne.\nDer Nazarener am Kreuz wollte dem Teufel neben\nsich noch eine sanfte Wolke, einen Tropfen Tau\nseines Himmels schenken. Doch eher ist ein Taub-\nstummer zu überzeugen, als ein Glaubdummer.\nDer ist ein Selbstverbrecher.\nMan kann nicht in den Himmel kommen, hat man\nihn nicht in sich, nur Ewiges drängt\" zur Ewig-\nkeit. Es öffnet sich dem Himmelblühenden nicht\nwegen seiner guten Taten der Himmel, verdammen\nihn auch nicht seine schlechten Handlungen zum\nStaube. Der Himmel belohnt und verdammt nicht.\nAber Wertewiges bedingt den Himmel. Der spie-\ngelt sich gerne im Menschen, unbegreiflich, wie Gott\nselbst. Reich und besonnen ist der himmlische\nTräger. Die Wunder der Propheten, die Werke der\nKünstler und alle Erleuchtungen, auch die unbere-\nchenbare Spiellust im Auge steigen aus der Ewig-\nkeit, der bleibenden Bläue des Herzens. Manch-\nmal überkommt mich eine schmerzliche Verantwor-\ntung, aber man kann nicht tief genug in sich\nschauen und zum Himmel aufblicken.\nDie Gottheit Himmel ist nicht zu greifen, sie\nwäre bald vergriffen — die Ewigkeit ist nicht ein-\nmal zu verkürzen. Die Gottheit Himmel im Men-\nschen ist Genie.\nLeben Sie wohl, sehr verehrter Minister, mein\nHimmel macht mich nicht glücklich im irdischen\nSinne, ich kann ihn nicht teilen. Wunderbar aber\nspielen sich die tiefsten Erinnerungen meines Blu-\ntes in dem Glänze meines Blaus wieder. Fata-\nMorgana. Spätes Verwundern, seliges Aufblicken,\n— Tragen Sie den Saphir meiner blauen Abend-\nstunden zum Andenken an Ihrer grübelnden Hand.\n\nEine Sehnsucht aus der Zeit\nAlfred Walter Heymel\nAus sanfter Schwermut und der Liebe Trauer\nErmann ich mich; versuch mich zu ermannen,\nUnd kann doch Tod und Untergang nicht bannen\nWohin ich flüchten will, ragt Mauer auf an Mauer.\nGrüb ich den Acker um, ein guter Bauer,\nUnd dient im Schweiße, wüßte ich von wannen\nDies alles kommt und wüßte wie von dannen\nIch kam aus Schmach und Schande, Scham und\nSchauer.\nEs fehlt uns allen Dienst und Ziel und Zwang,\nDie allen nottun und die keine wollen,\nSo schmachten wir in Freiheit sonder Siege.\nIm Friedensreichtum wird uns tödlich bang.\nWir kennen Müssen nicht noch Können oder Sollen\nUnd sehnen uns und schreien nach dem Kriege.\nDieses Gedicht wird noch einmal veröffentlicht, da es\ndurch Druckfehler entstellt war."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "678", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.4", "texte": "Der Freund\nVon Alfred Lichtenstein\nich liebe die toten l äge. Die haben kein Leuch-\nten, sie sind ganz sehnsüchtig. Die Häuser stehen\nwie Kulissen vor der grauen Wolke, die Menschen\ngehen wie in dem Lichtspie!: wenn der Abend wird,\nnicht anders ais sie in der Frühe gingen. Alle\nDinge sind wuchtiger. Und meine Kammer sieht\naus, wie wenn eben einer darin gestorben wäre.\nSo oft diese Tage sind, wächst in mir unwill-\nkürlich eine sinnlose Lust an der Arbeit. Ich tue\ndie alltäglichen Verrichtungen, als wäre Gottes-\ndienst, was ich tue. Und ich verliere mich dabei.\nFast wie die Träumenden sich verloren haben. Aber\neinmal merke ich, daß ich reglos geworden bin und\nnach innen starre.\nIch werde sehr wach davon und ich kann mich\nnicht mehr hingeben. Ich gehe zu dem Fenster,\nda sind wunderliche Gedanken. Die waren sonst\nnur in Nächten.\nIch fühle mich fremd bei allen Dingen. Sie\ndrängen auf mich ein, als kennten sie mich nicht: die\nStraße und die Menschen und die Türen in den\nHäusern und die tausend Bewegungen. Wo ich\nhinschaue, werde ich verwirrt.\nMein kleiner Tod quält mich, es war doch\nschon viel Sterben und größeres. Und daß ich ein-\nsam bin. Und daß überall ein Unbegreifliches droht.\nUnd daß ich mich nicht zurechtfinde. Und alle die\nübrigen Traurigkeiten, für die kein Arzt ist, und\ndie man nicht mitteilen soll. Jeder muß ihnen al-\niein unterliegen und auf seine Weise. In der Rede\nsind sie lächerlich, aber mancher geht an ihnen zu-\ngrunde. Ich habe Grauen, daß ich so fremd mit mir\nbin und so ohnmächtig. Bis Erinnerungen kommen.\nUngerufen. Aber lieb. Irgendwoher. Sie betäuben\nmich.\nIch lächle, wenn ich das Weinen des Kindes\nfinde oder den Tod der Mutter, der gräßlich war\nund nicht zu sagen ist, oder die anderen blutigen\nKöstlichkeiten. Ich lächle, wenn die Augen meines\nFreundes plötzlich leben werden und in den seidi-\ngen Schatten sind, daß sie wie aus Schleiern glänzen\nund ihr Geheimstes preisgeben. Niemand hat es\nmir gesagt, und ihr werdet mich einen Narren nen-\nnen . . aber ich weiß, daß sein Tod schon immer\nin den Augen gewesen ist wie der eines andern in\nden Lungen oder in dem Rückenmark . . .\n*\nSeine Augen waren elend und vergangen und\nheillos schmerzlich, daß die Leute lachten, wenn\ner zu ihnen sah. Er schämte sich seiner Augen, als\nverrieten sie von sündsamen Abenteuern und ver-\nbarg sie viel hinter den vergilbten Lidern. Aber\ner fühlte, wie man hinstarrte, wenn er eintrat, wo\ner unerwartet kam. Oder sich setzte, wo er nicht\nselbstverständlich war. Er schaute übertrieben wie\nein Suchender. Hüstelte und hielt die Hand vor\nden Mund, zog die Backen nach innen oder wölbte\ndie eine mit der Zunge. War verlegen. Unglücklich.\nWäre gern allein gewesen . . in dem Dunkel.\nKinder neigten den Kopf, wenn sein Blick auf\nihre Augen kam. Und wurden rot. Und grinsten\nscheu und dumm. Frauen kicherten, sie schauten\nwie harmlos hin und klatschten einander auf die\nSchenkel oder auf die nackten Schultern und küß-\nten ihre verwüsteten Männer. In der Nacht lagen\nsie wach und sannen sich heiß. Aber die jungen\nMädchen wichen ihm aus.\n\nDer Selbstmord der\nLeonie Hallmann\nKurt Hiller\nDa Heinrich Mann in Deutschland der vereh-\nrungswürdigste Erzähler ist, möchte ich ohne Nör-\ngelung, auch ohne den Vorsatz, eine Paraphrase zu\nlegen, sachlich und wie privatim mich erkundigen,\nweshalb seine Schauspielerin das Gift nehmen\nmußte. Sie pendelt zwischen dem milden, noblen\nAdonis und dem Bluthund, der ihre Masochismen\naufstochert. Zu Adonis zieht sie Inbrunst, Men-\nschentum, Weibtum; süße Sehnsucht, auf Lebens-\ndauer eingestellt; auch Kühleres, Verstandhaftes;\nvielleicht noch Mütterlichkeiten, im untersten\nschlummernde. Zum Bluthund reißen sie Wildnisse\nvon Augenblicken; zum Bluthund 1 iertum, das,\nausgezuckt, sie in immer neuen Selbsthaß schleu-\ndert. Nun besteht der Bluthund nichtmal die Probe;\nermangelt der Stärke, um die sie ihn anlechzt; wagt\nnicht, ihr den tödlichen Trunk zu reichen. Warum\nbeendet sie da nicht die Verwicklungen einfach mit\neinem Fußtritt? WAarum — zumal sie doch auch,\nmittelst Meldung bei der Polizei, das Duell verhin-\ndert — schmeißt sie den Fiund, den gemeinen, nicht\nheraus und zeigt ihn, sofern er dabei verharrt, sie\nim Heiratsfall töten zu wollen, der Staats-*\nanwaltschaft telegraphisch wegen Bedrohung\nan (§ 240 St.G.B.), mit Ersuchen um sofor-\ntige Verhaftung? Daß sie sich ihm nach\neiner heiligen Zwiesprache mit Adonis, und\ntrotz der, nächtens unterworfen hat, wäre als\nAkt der Angst, als letztes Hysterikon auslegbar;\nund exkulpabel — da Adonis sie so liebt, da seine\nMutter eine so vernünftige, eingeherische Dame ist;\nWas nützt der Tod, und löst er das Opfer etwa aus\nder Geschehnisse Umkrallungen? Ist das Nichts\ndenn nicht unerbittlicher als ein trübstes Minimum\nvon Möglichkeiten? „Wir wollen doch leben, le-\nben!\" so ähnlich ruft sogar Leonie selbst ötters,\nmystagogische Sterbebrunst-Heroismen denkhell\nfür Blague erachtend. -— Ich begreife den letalen\nAusgang wohl; aber auch andere begriff ich, und\nsie wären mir weniger fremd. Das Gefühl von\nKausalität genügt nicht; man muß das einer Not-\nwendigkeit haben; einer mehr als kausalen. Hier\ngeht mir unaufhörlich durch den Kopf: Mit Psy-\nchologie läßt sich Alles machen! — Dieser letale\nAusgang dient dazu, junge Finsterlinge, die, unter\nLästerung unserer analytischen Herrlichkeiten, die\nBlümlein des heiligen Franziskus im Urtext lesen\n[aber zwischen den Ganglien Schwimmhäute\nhaben!], zu veranlassen, einen Rationalismus,\ndessen Lebefanatik die Tumulte noch der destiu-\nierenderen Leidenschaften überloht, als .flach zu\nverhöhnen. Es ärgert mich, daß Prediger emei\nverlognen Askese und einer verlognen Klassizi-\ntät, mit einem Schein von Berechtigung, Heinr-ch\nMann für sich in Anspruch nehmen können. Ich\ngönne ihn dieser Sippe nicht.\nBei Gelegenheit der Uraufführung des Dramas\n„Schauspielerin-' von Heinrieh Mann im Theater in der\nKöniggrätzerstraße\n\nMeine Woche\nDie Erbärmlichkeit der Kunst\nDer lyrische Feuilletonist Victor Auburtin hat\nsich sehr rasch zu einem tiefsinnigen politischen\nLeitartikler entwickelt. In dieser gehobenen Stel-\nlung über dem Strich sieht er naturgemäß erhaben\nauf die Kunst unter dem Strich herab. Man hat in\nNummer 78 dieser Zeitschrift gelesen, welche Qua-\nlen für den Leser der Raub der Mona Lisa durch\nHerrn Auburtin heraufbeschwor. Er konnte sich\ndamals „das Entsetzliche nicht ausdenken\". Aber\nder Mensch gewöhnt sich an alles. Herr Auburtin\nkann nicht nur ohne Mona Lisa weiterleben, als Po-\nlitiker treiben ihn andere Sorgen. Wird Herr Cail-\nlaux Frankreich weiter regieren dürfen? Auburtin\nist verhältnismäßig guten Mutes, denn Herr Caillaux\nhat eine „leidlich gute Presse\". Auch das Gemüt,\ndas Herrn Auburtin geradezu auszeichnet, sein Ge-\nrnüt spricht für Caillaux: „Er hat sich soeben ver-\nheiratet, und hat sicherlich inmitten der zärtlichen\nPflichten der Flitterwochenzeit kam Verlangen nach\nAufregungen und Sorgen.\" Aber, meint Herr Aubur-\ntin, alles hängt ja von der Stimmung einer Stunde\nab. Und nun fällt ihm das Entsetzliche ein, was\nnicht auszudenken ist, „die Gattin des Francesco\nGiocondo\". Einen Gedanken kann er nämlich\njetzt fassen, den, daß es furchtbar wäre, wenn durch\ndiese Dame die zärtlichsten Pflichten der Flitter-\nwochenzeit einen Aufschub erlitten: „Wer weiß,\nvielleicht stürzt das Ministerium über einer Er-\nbärmlichkeit, über der Mona Lisa des kunst-\nreichen Leonardo da Vinci.\" Ueber einer Erbärm-\nlichkeit. Endlich pfeift Herr Auburtin auf die Kunst,\ndie er totgesagt und die ihn solange ausgepfiffen\nhat. Hoffentlich ist diese Resignation nicht nur die\nStimmung einer Stunde.\nMichels Reinfall\nIch habe das Buch dieses Herrn Wilhelm Mi-\nchel gelesen. Und muß zunächst dem Verleger,\nHerrn Georg Müller, eine Abbitte leisten. Ich\ndachte, der imposante Prospekt sei seiner Phantasie\nentsprossen. Die Blüten stammen aber von dem\nAutor selbst. Auch das hochgezüchtete Gehirn.\nDas „splendid ausgestattete\" Buch über diesen\nHerrn Max Oppenheimer enthält zahlreiche Bilder,\ndurch die für jeden Kenner das geradezu überwäl-\ntigende Kopiertalent des Oppenheimer einwandsfrei\nbewiesen ist. Er hat Oskar Kokoschka und\nGre c o auf der Palette. Herr Michel kennt wahr-\nscheinlich diese Maler nicht. Im übrigen hat er\nüber seinen Oppenheinier einen so fabelhaft lyri-\nschen Kitschquatsch geschrieben, daß man aus dem\nJubel gar nicht herauskommt. „Jedes mutige und\nselbständig organisierten Sensorium vollbringt noch\nin unsern Tagen eine neue Weltschöpfung und ver-\nmehrt so gewissermaßen durch das Wunder\neiner Selbstzeugung das Inventar der Welt.\" Op-\npenheimer etabliert gewissermaßen einen In-\nventarausverkauf. „Die Götter hätten auch wahr-\nlich keinen Grund zu ihrer ererbten Vorliebe für\ndie Künstler, wenn sie an diesen nicht berufsmäßige\nHelfer hätten in ihren ewigen Mühen, dem Chaos\nneue Formen zu entreißen.\" Auch Oppenheimer hat\neine ererbte Vorliebe für die Künstler, dier er ko-\npiert, um sie zu besitzen. Die Stofie, nach denen\nlaut Michel ein Gemälde entsteht, sind folgende:\n„Die sinnliche Erscheinung der Wrklichkeit an sich,\ndas allgemeine Weltanschauliche des Subjektes, die\nkonkreten Erregungen, die das bestimmte Objekt\nin eben diesem Subjekt hervorruft, die formalen\nElemente, wozu ich auch das Gesetzmäßige und ge-\nwisser maßen animalische Sichausleben der\nFarbe rechne.\" Das sieht man so einem Gemälde\ngar nicht an. Die Farbe lebt sich gewisser-\nmaßen animalisch aus und die konkreten Erre-\ngungen,, die das bestimmte Objekt Kokoschka in\neben diesem Subjekt Oppenheimer hervorruft, spre-\nchen sicher für das allgemein Weltanschauliche des\nSubjektes. Auch Michel ist dieser Ansicht: „Einen\nhöchst einprägsamer Geschmack übermittelt diese\nMalerei von der Person ihres Urhebers.\"\nEtwas Weltanschauung: „Abneigung gegen\nstarke Intervalle in der Farbe, deutet im allgemei-\nnen ganz sicher auf zivilisierte Dämpfung des Sin-\nnenlebens, auf Geist und Beweglichkeit der Auffas-\nsung, wie der Hand.\" Die Beweglichkeit wird\nnicht bestritten. Aber die Signatur m. opp. bedeu-\ntet noch viel mehr. „Die durchgehend dunkle\nTonalität deutet auf ein Lebensgefühl von düstrer\nPrägung.\" „. . . präzis wollüstige Polyphonie des\nAusdruckes, die die Oberfläche jeder Oppenheimer-\nschen Tafel zu einer ungemein unterhaltsamen\nSache macht.\" Die Oberfläche wird nicht bestrit-\nten. Der Michel fühlt „die Hände des Künstlers\ndrüber gleiten,\" die sind unter anderem „fein und\nbeschwörerisch, klug und diszipliniert\". Resümee.\n„So ergibt sich das Bild eines hochgezüch-\nteten grüblerischen Verstandes und eines Gefühls,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "679", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.5", "texte": "Ferdinand Hodler: Älpler mit Sense auf der Alp\nGetuschte Bleistiftzeichnung / Studie zu den Banknotenentwürfen\n\ndas von dunkel gefärbter Religiosität nicht weit\nentfernt ist.\" Die Dunkelheit läßt sich sehen. Nun\nsucht der gute Michel nach Analogien, kommt auf\nRembrandt und das Gute liegt viel näher. Aber\nm. opp. nennt selbst Rembrandt seinen vorzüglich-\nsten Lehrer. Analogien aus der Vergangenheit\nmachen sich stets dunkler. „In dem Kampf zwi-\nschen Objekt und Subjekt in der Malerei ist das\nSubjekt vorläufig Sieger geblieben.\" Vorläufig.\nBis auf diese Nummer des Sturms. „Auch Oppen-\nheimers fanatische Geistigkeit verleugnet ihre Sie-\ngerfreude nicht.\" Jetzt wird er hoffentlich sich\nbald selbst verleugnen lassen. „Man ist entweder\nAbstraktionskünstler und betätigt sich dann als Mo-\nnumentalbaumeister, als Reliefplastiker, als Kunst-\ngewerbe, oder man ist Maler, und gibt dann, den\nWillen der Materialien folgend, der Lust und\nFreude an dem Verwandt-Lebendigen ihr Recht.\"\nMan nehme sich das Verwandt-Lebendige und man\nist Maler, man sei Kunstgewerbler und man ist Ab-\nstraktionskünstler. Oder auch Monumentalbau-\nmeister, wie man will. Der Michel wird immer auf-\ngeregter: „Oppenheimer, obschon seine souveräne\nGeistigkeit auf die Nachbildung des Objektes\nverzichtet, ist dennoch von Grund aus Maler ge-\nblieben.\" Auf die Nachbildung des Objektes ver-\nzichtet? Wozu hat man seine souveräne Geistig-\nkeit?\n„In den Bildnissen kommt die subjektiv-dich-\nterische Art seiner Ausdeutung der Wirklichkeit\nzu klarstem Ausdruck.\" Kein Wunder bei einem\nhochgezüchteten Gehirn. Aber auch landschaftern\nkann m. opp., direkt nach Kokoschka. „Die Seele\nder Landschaft liegt eben wirklich in der Herzlich-\nkeit des Momentes. Was hier die Farbe, den\nWortschatz des Künstlers quellen macht,\nist durchaus' das Gegenständliche und Gegenwär-\ntige.\" Der gequollene Schatz dürfte aus Papier ge-\nwesen sein. Daß m. opp. einem Dämon nachgeht,\nwird man nach diesen Ausdeutungen seiner Malerei\nnicht bezweifeln. „Seiner ganzen Veranlagung nach\ngehört Oppenheimer zu den Geistern, denen die\nWelt mehr nach herzkräftiger Bitternis, als nach\nSüße schmeckt.\" Also auch sein Geist nimmt et-\nwas zu sich. „Zum Weltschrecken, zu einer Re-\nligiosität satanischer Prägung besitzt Oppenheimer\nein sehr nahes und heute noch nicht klar dokumen-\ntiertes Verhältnis.\" Das Verhältnis dürfte zu seinem\nSchrecken nun schon etwas klarer dokumentiert\nsein. „Oppenheimer hatte ja den Vorzug, in Wien\ngeboren zu sein, und vielfach durchgorenes, aus-\ngelebtes Blut in sich zu tragen.\" Man hat seine\nVorzüge, wenn man in Wien geboren ist und seinen\nMaler kennt. „Die gebärdenreiche Auseinander-\nsetzung mit der Welt ist ihm erspart geblieben.\"\nDazu dürfte es jetzt noch kommen. Etwas über den\nKünstler selbst. „Das Mischblut betreibt die Ma-\nlerei gelassen und überlegen, hat eine Art vorneh-\nmes Laster, die Zigarette im Mund, im Promenade-\nanzug mit Pinsel, Wischlappen und den Streichhöl-\nzern hantierend.\" Das Laster mit der Zigarette\nund dem Promenadenanzug bleibt sein persönlich-\nstes Gut, den Wischlappen und die Streichhölzer\nhat er auch dem Kokoschka abgeguckt. Die Maler,\nsagt Herr Michel, werfen der auftauchenden Gei-\nstigkeit des Oppenheimer Literatur vor, und nur\nSchriftsteller vermochten ihm auf seinem Wege zu\nfolgen. Schriftstellern kann man leicht etwas über\nMalerei vorwerfen, die Literatur des Michels taucht\ndafür geistig auf. Der Michel gibt ihm noch schnell\n„selbst das Wort\" zu einer Biographie, m. opp.\nerklärt, daß seine Lehrer mit Ausnahme des Rem-\nbrandt von aufreizender Talentlosigkeit waren.\nSehr charakteristisch für ihn. Schlechte Dichter\nberufen sich auf Goethe und schlechte Maler auf\nRembrandt. m. opp. schreibt weiter: „mein Umgang\nmit höchst zweifelhaften Leuten brachte mich in\nden Ruf eines anrüchigen Individuums, dessen An-\nschauungen verwerflich und dessen Verkehr zu ver-\nmeiden sei.\" Nun hat er seinen Ruf bei Michel dem\nUmgang mit „höchst zweifelhaften\" Leuten zu ver-\ndanken, die sich allerdings den Verkehr mit ihm\nverbaten. „Nach geraumer Zeit fühlt man sich frei\nund stark genug, der Konvention das übliche Kom-\npliment zu versagen, und alsbald geht man mühelos\nund leicht höheren Erkenntnissen entgegen.\" Mü-\nhelos und leicht hat er sich seine Erkenntnis ge-\nmacht. Weniger wahr bleibt, daß er sich „einen\nStil aus seiner Zeit geschöpft hat.\" Warum drückt\nsich das malerische Subjekt so objektiv aus? Was\nist Zei t, wenn man in Wien lebt? „Man ist immer\nagil.\" Das heißt, man versteht das Geschäft. „Die\nFreiheit macht mutig und kühn, sie festigt den Ein-\nsamen.\" Einsam ist er auch, der arme Kerl. „Man\ntreibt rastlos neuen Ereignissen, unbekannten Him-\nmeln entgegen.\" Nur, daß die Ereignisse nicht so\nneu, und die Himmel nicht so unbekannt sind, m.\nopp.!\nDas wäre der „in Tiefen getauchte Sohn der\nZeit\" mit dem hochgezüchteten Gehirn. Der Michel\nfällt immer rein.\nGraphisches Kabinett\nEine kleine außerordentlich feine Ausstellung\ngraphischer Werke zeigt eine neue Kunsthandlung\nGraphisches Kabinett am Kurfürstendamm. Ich\nhabe selten eine solche künstlerische Auslese gefun-\nden. Für zeitgenössische Graphik bedeutet dieses\nInstitut überhaupt ein Novum. Ich mache beson-\nders auf die tiefen und gewaltigen Radierungen von\nE d w a r d M u n c h aufmerksam. (Der Tag danach,\nZwei Menschen, Proträt des Dr. Asch, Mädchen\nim Hemd am Fenster.) Man findet ferner sehr\nschöne Blätter von Bohle und Liebermann, zwei\nbedeutende Lithographien des Grafen Kalckreuth\n(Mädchenporträt, Arbeit) und zahlreiche sehr ta-\nlentvolle Arbeiten jüngerer Künstler. Ich nenne be-\nsonders Walter Klemm und Georg Gelbke, die auch\nauf der Berliner Sezession vertreten sind. Und an\nganz neuen Namen die Radierer Otto Moeller, Ru-\ndolf Moeller und Hans Freese. Willi Geiger hat\ndas Thema Susanna im Bade endlich einmal origi-\nnell behandelt. Am meisten zu rühmen bleibt, daß\nsich nicht ein einziges unkünstlerisches Blatt in\ndieser Ausstellung befindet."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "680", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.6", "texte": "Der Dichter Stettenheim\nEndlich haben wir nun auch seinen achtzigsten\nGeburtstag überstanden. Man kam bei dieser\nFeier nicht aus dem Humor heraus, der dem Dich-\nter Stettenheim sein ganzes Leben versagt blieb.\nDas Schönste bot der Hofrat Paul Schienther, der\ndicke Schienther, sozusagen eine „literarische Wür-\ndigung\". Er erzählt von „zeitweiligen Menschen-\nanläufen, die sich um einen unsichtbaren Mittel-\npunkt immer enger zusammendrängen. Man be-\nfürchtet zunächst einen Unfall,\" aber Herr Schlen-\nther stellt fest, daß es sich nur um einen Witz des\nHerrn Stettenheim handelt. Der Unfall wird poe-\ntisch beschrieben: „Und nun entsteht eine Art von\nTumult, die gesammelte Kraft der Menge stiebt\nauseinander, der Stille folgt ein Sturm, ein Krei-\nschen, ein Quietschen, ein Seitenstechen. Männer\nund Frauen taumeln gegeneinander. Schnappend\nringt man nach Atem, man hat keine Worte. Man\nerinnert sich nicht mehr, seit Horner so gelacht\nzu haben.\" Vielleicht meint der dicke Schienther\nBlumenthal, aber bei einem Festtaumel kann man\nauch homerisch lachen. Endlich also wird nun\n„der Que 11 dieser ungeheuren Heiterkeit sichtbar.\nE s ist ein kleiner, feiner, bildsauberer Herr\" (der\nQuell). Der Quell „hat mitgekichert und sich sogar\nein halbes Tränchen unter dem Kneifer wegge-\nwischt.\" So ein humoriger Quell. Aber schon\nstecken alle wieder die Köpfe zusammen, „und der\nkleine Freudenquell ist wieder verschwunden. Nur\ndie helle hohe Stimme klingt ein ganz klein wenig\nkrähend durch.\" Dieser krähende Quell ist wirk-\nlich zum totlachen. Noch etwas Merkwürdiges er-\neignet sich bei den zeitweiligen Menschenanläufen.\nImmer nämlich „gehen zwei mißmutige Männer in\neiniger Entfernung vorbei. Die beiden Herren sind\nzwei deutsche Humoristen, die noch nie einen Witz\ngemacht haben.\" Ebenso gut hätte dem dicken\nSchienther auffallen können, daß Herr Stettenheim\nviele Witze gemacht hat, aber nie ein deutscher\nHumorist gewesen ist. Nun wird Stettenheim qua-\nlifiziert. „Bismarck und Moltke, Menzel und Momm-\nseri und sogar die Frauen konnten über ihn lachen.\"\nWenn sogar so ernste Männer gelacht haben!\nDer dicke Schienther hat schon als Student über\ndie Figur Stettenheims, über Wippchen, gelacht. Er\nwar ihm sogar überaus sympathisch. „Hatte er\ndoch stets einen gefüllten Bierkrug neben sich.\"\nNach dieser Sympathieerklärung beschließt man,\ndaß die Literaturgeschichte nach dem Vorschlag\nvon Karl Kraus für den witzigen Kritiker die Be-\nzeichnung Löwenbräuschlenther einführt. Wichtig\nfür sie ist auch das Bekenntnis des Löwenbräu-\nschienthers, daß „Stettenheim ungemein erziehe-\nrisch auf ihn gewirkt hat.\"\nAuch über die Kunst zu Schreiben, des Mei-\nsters und des Schülers, erfährt man einiges. Ihnen\n„ist die Sprache ein Instrument und da er ein durch-\ntriebener Schalk ist, so spielt er auf verdrehten,\nverknüpften, verstellten Saiten und wird so ein be-\nwußter Schrift ve r steller.\" Diese Katzenmusik\nbetreibt der Dichter Stettenheim nun schon seit\nachtzig Jahren und der Löwenbräuschlenther ist\nsein Schüler. Nicht er allein. Auch die Herren\nBlumenthal, Bltithgen, Harden, Heyse, Lindau, Ri-\nchard Voß und Fedor von Zobeltitz „unsere nam-\nhaftesten Schriftsteller,\" scharen sich mit gereim-\nten Glückwünschen zu seinen Füßen. Der feinsin-\nnige Ludwig Fulda kann sich unter vielen folgenden\nVers nicht verkneifen:\nUm als Nestor aufzutreten,\nHat, zu jedem Kniff bereit,\nEr sich offenbar erbeten,\nEinen Vorschuß von der Zeit\nDer philosophische Alexander Moszkowski:\nDer Schüler selbst spürt schon die Schwere\nDes Alters seit geraumer Zeit,\nEr selbst hat Schüler in der Lehre,\nUnd du wirst achtzig Jahre heut.\nSo baue weiter auf Parzellen\nVon guter Prosa, gutem Reim,\nDen Witzideen, die dir entquellen\nHeinistätten, lieber Stettenheim.\nStettenheim ist nicht nur selbst ein Quell, er\nsoll auch den Quellen noch Heimstätten bauen, und\nMoszkowski sorgt dafür, daß die Stettenheimer\nnicht aussterben.\nSiegmund Feldmann, ständiger Mitarbeiter der\nNeuen Rundschau, des „vornehmsten literarischen\nOrgans der Gegenwart\", schließt seine Hymne:\nMach auch du die Summe rund\nBleibe uns in weißen Haaren\nJung, bevorschußt und gesund\nBis zu hundert Jahren.\nEin Mensch, der sich diese Kretinismen sagen\nlassen m u ß, wird als „Erscheinung\" gefeiert.\nWir aber, können u n s e r n Stettenheim nicht\nbesser feiern, als den Schlußzeilen seines Dankge-\ndichtes „das erlösende Wort\" an dieser Stelle Raum\nzu gewähren:\n„Aus naheliegenden Gründen\nKönnt ich den Satz nicht finden —\nDa fragt ich meine Marie,\nUnd flink antwortete sie:\nGratulier den Gratulanten,\nDen Freunden und Bekannten,\nDaß sie — und sie lachte dazu —\nNoch lange nicht so alt sind, wie du.\"\nAber so trostlose Knittelreime und Hochzeits-\ncarmenwitze wie der Dichter Stettenheim können\ndie Gratulanten alle schon machen. Das Blühen will\nnicht enden. Man weiß nicht, was noch werden\nmag. Sie schaffen an allen Enden.\nMobilmachung der Arbeiterbataillone\nDie Kollegen, die in Berlin nicht genügend An-\nerkennung finden, gehen mit ihren Dichtungen in\ndie Provinz. Die literarischen Gesellschaften der\nStädte sind von einer rührenden Kritiklosigkeit.\nIhnen scheint die Tatsache, daß sich jemand Dichter\nnennt, schon zu genügen. Jeder Berliner Journalist\nist ihnen zum Vortrag seiner „Dichtungen\" will-\nkommen. Die Provinzpresse will gute Beziehungen\nmit Berlin unterhalten oder anknüpfen und sorgt für\nStimmung vor und nach dem Vortrag. Besonders,\nwenn der Dichter ein Sohn der Heimatstadt ist.\nHerr Walter Bloem aus Elberfeld, der sich in Berlin\nbei den Kollegen einen Namen gemacht hat, hatte\nPech. Zunächst wurde er in Köln ausgeschwefelt,\nweil ihm in seinein letzten Roman Das eiserne Jahr\nerhebliche Plagiate nachgewiesen wurden. In El-\nberfeld sollte er durch einen Vortrag seiner Dich-\ntungen in der Literarischen Gesellschaft reinge-\nwaschen werden. Der Generalanzeiger der Stadt\ntrat für ihn ein: „In der Regel äst das Publikum von\neinem Dichterabend enttäuscht, da es sich einen\nandern Begriff von Dichtung und Dichter gemacht\nhat.\" Man gibt dem Publikum in dem aktuellen\nFall recht. „Der Vortragsabend von Walter Bloem\nläßt eine solche Enttäuschung nicht befürchten, Ist\ndoch unser Landsmann . . Der Landsmann kam\nund der Generalanzeiger wurde enttäuscht, „Wal-\nter Bloem, der auf einer Vortragsreise auch seine\nHeimatstadt berührte, wollte die Gelegenheit, sich\nhier seiner Gemeinde vorzustellen, nicht versäu-\nmen.\" Er hätte an seiner Heimatstadt lieber nicht\nrühren sollen. Seine „Gemeinde\" versäumte, sich\nihm vorzustellen. Ueberall hatte er ausverkaufte\nHäuser, klagt der Generalanzeiger, aber „die Kreise,\ndie M. 1,50 für einen Vortrag aufzuwenden in der\nLage sind, hatten meist vorgezogen, nicht zu er-\nscheinen, zu dem Vortrage des gefeierten\nSchriftstellers, der vor Jahresfrist ihre Vaterstadt\nin wahrhaft glänzender Weise verherrlicht\nhatte.\" Die Verherrlichung hat ihm die Stadt El-\nberfeld mit eintausend Mark bar glänzend über-\nzahlt. Und man gewinnt den Eindruck, daß das\nPublikum Elberfelds mit Ausnahme der Mitglieder\nder Literarischen Gesellschaft den vom Generalan-\nzeiger gefeierten Schriftsteller erkannt hat. Aber\nder Generalanzeiger gibt die Hoffnung nicht auf:\n„Wohl aber ist uns bekannt, daß Tausende von\nkleinen Bürgern und Arbeitern zu dem Vortrag her-\nbeigeströmt wären, wenn man den Eintrittspreis\nweniger hoch bemessen hätte. Das Lokal hätte na-\ntürlich von entsprechendem Umfang sein müssen.\"\nAlso eine wirkliche Lokalfrage. Der Generalan-\nzeiger ist falsch „informiert\". Die sozialdemokra-\ntische Presse, die von den Tausenden gelesen wird,\npflegt die Feuilletondichter der Generalanzeiger-\nPresse nicht zu unterstützen. Dafür ist aber sie\n„vorzüglich auf ihre Rechnung gekommen\". Für\nMark 1,50. „Und wenn er wiederkommt, wird er\nun s herzlich willkommen sein.\" De r Referent\nist ihm sicher.\nRichard Strauss und Siegfried Wanger\nFast die gesamte Provinzpresse behauptet, daß\ndas Interview mit Siegfried Wagner über Richard\nStrauß im Sturm gestanden hat. Es liegt natürlich\neine Namensverwechslung vor. Es würde mir\ntrotz meiner ablehnenden Haltung gegen Richard\nStrauß nicht einfallen, die Ansichten des Herrn\nSiegfried Wagner über ihn zu veröffentlichen. Die\nDichtungen und Tondichtungen des Herrn Siegfried\nWagner sind aufreizend dilettantisch und barbarisch\ntaFentlos. Seine kritischen Ansichten daher völlig\nüberflüssig und ohne Interesse. Das Berliner Tage-\nblatt, das erst seinen Richard Strauß in Schutz\nnahm, kann es sich natürlich nicht versagen, die\nRechtfertigung des Herrn Wagner abzudrucken.\nDas Wesentliche dieser Rechtfertigung besteht\ndarin, daß Herr Wagner seine „Meinung\" aufrecht\nerhält und nur bereut, sie ausgesprochen zu haben.\nEr kennt die Opern von Richard Strauß nicht, die\nSalome nicht, weil ihm „das Sujet widerwärtig ist\",\nElektra nicht, weil ihm „Sophokles noch genügt\".\nUnd am Rosenkavalier ging er vorüber, weil ihm\n„die Reklamewirtschaft von Richard Strauß nicht\npaßt\". Alles Argumente, die die Mitwelt unbedingt\nkennen lernen muß. Herr Wagner ist viel genüg-\nsamer: „Ich bin froh, wenn ich hier und da mein\nOellämpchen anzünden darf und bei dem beschei-\ndenen Licht der kleinen Schar derer, die Freude an\nVolkssagen und deutschem Wesen haben, meine\nOpern vorführen darf. Es ist eine Art Katakomben-\nexistenz.\" Leider nur noch zu bemerkbar. Er\nsollte auch das Oellämpchen auslöschen. Aber noch\njeder schlechte Dichter und Tondichter hat sich\nauf die Freude an Volkssagen und deutschem We-\nsen berufen, die er sich bereitet.\nRichard Strauss und Kochbuch-Urban\nDagegen hat der Kochbuchurban, der Musik-\nkritiker der B. Z. am Mittag indirekt eine Freude\nan Richard Strauß gehabt. Er lobt ein Buch über\nihn von Max Steinitzer und resümiert: „Steinitzers\nBuch ist mit dem schönen Ernst geschrieben, den\ner selbst bei Strauß zu beweisen sucht. Und mit\neiner unglaublichen Beherrschung des Materials.\nZwei verschollene Aufsätze von m i r, die mir ganz\nfremd waren, hat dieser peinlich genaue For-\nscher aufgestöbert.\" Ich gedenke mir die Freund-\nschaft des Herrn Erich Urban zu gewinnen, indem\nich bei jeder Gelegenheit auf verschollene Rezepte\nseines Kochbuches hinweisen werde. Wenn sie ihm\nvielleicht auch ganz fremd sind, so werden sie\ni h m vielleicht doch bekommen.\nBerliner Sezession\nDer Schluß der Besprechung in Nummer 84 ist\ndurch den Ausfall einiger Zeilen nicht verständlich.\nEr sei daher noch einmal richtig wiedergegeben:\nDie jüngere Generation vermeidet jetzt den Um-\nweg über Liebermann und Genossen. Es sind ver-\nschiedene interessante neue Zeichner zu sehen. Ich\nnenne Axel Gallen-Kalela, Walter\nKlemm, Ernst Matthe s, Karl F. Zäh-\nringer, Hedwig Weiß und Hanns Bolz\n(den ich schon bei der Besprechung der juryfreien\nKunstschau erwähnte).\nTrust\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHER WARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "681", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Halensee / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nVereiurKnt\nj i—'r:—'/—')—>r=zii Jf\nI'r^r\nAchtes Jahr\nAutoren-Abende\nMitgliederbeitrag 15 Mark\nDen Mitgliedern steht\nder Besuch von sechs\nAbenden auf Platzen\nzum Kassenpreis von\nM. 3.— zu, sowie der\nkostenlose Jahresbezug\nder Wochenschrift Der\nSturm. Fur alle wei-\nteren Abende zahlen\ndie Mitglieder halbe\nKassenpreise\nGeschaftssteHe des V. 112. K.\nHALENSEE, Katharinen - Strasse 5\nDritter Abend\nSonnaHend 25. November\nabends 8 Uhr\nArchitektenhaus ::\nWi'lhelmstrasse 92/93\nAdolf Loos\nVORTRAG:\nVom Gehen, Stehen,\nSitzen,Liegen, Schlafen\nEssen, Trinken\nKarten IVI. 5, 3, 2, 1 bei\nWerthelm, Konzertkasse und\nbei Reuss und Pollack\n3r=J'r\n\nEMI\nUTERHRIKHCS\nINBHRET\nVAtTU)> VKra&'r\nZweiter Abend\nDonnerstag, 23. November 9 Uhr\nCafe Austria, Potsdamerstr. 28\nErnst Blass: Heinrich Mann's\n~Schauspielerin\". Eine unbe-\nkannte Novelle von Jakob\nWassermann / Max Brod: Ge-\nspr&ch in groflen Sprungen\nVerse von Franz Werfel,\nArthur Drey, Kurt Hiller\nMeiningen; Parodie\nKarten zu einer Mark bei\nEdmund Meyer, Potsdamer-\nstrafie 27 Bund Abendkasse\n\nDer Neue Club / Neopatlietisehes Cabaret\nSiebenter Abend: Donnerstag, den 16. November p. 8 Uhr\n. • Cafe Kutschera 112 Kurfurstendamm 208/9\nLudwig Hardt / Ferdinand Hardekopf / Mynona EudoJ!\nBlummer / Krakauer / Goio Gang! / W, S. Giiattnian / Georg\nHeym / Jakob van Hoddis / Robert Jentzsch / Erich Unger\nZurri eisten Mai: Sansara das liebliche Schatventiieater\nKarten M 1 — itn Cafe Kutschera uud an der Abendkasse\n\n? Else Lasker-Schuler\nMeine Wunder\nGedichte\nPreis in van Geldern-Biitten gebunden\nDrei Mark\nDreiiilien-Verlag Karlsruhe und Leipzig.\n\nHHr Theaterlieferanten J®\nKfeTs\n»<cwaV\nAnton\nDie best en derWelfc\nGeott Antra Berlin SCO\nFriedriehstr. 49 a\nVielfach pr&miiert Gegrundet 1876\nIlustrierter Preis - Katalog franko\nPerucken fur Theater und\nSirasse sowie samtlicher\nflaararbeiten in naturgetreuer Ausfiihrung\nrsss.\nwV>\njjjjgSM a IS ®®ta liefert und verleiht\nTheaterbuhnen\n\nAusstellungen, Salons\n& Kunsthandlungen etc. J|\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennige :: Potsdamer Strasse 19\nNeu ausgestellte GemSlde:\nA. Allard Forain W. Leistikow\nH. Cassiers V. Gilsoul M. Liebermann\nL. Corinth H. Herrmann A. von Menzel\nF. Charlet J. B. Jongkind Bern, de Monvel\nH. 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Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium Ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fur Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfuhrungs- und Bilanz-\nTechnik, Biiro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder Shnliche Schule ab-\nsolviert haben, wie fiir\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnlssen, Einjihrfg-\nFreiwillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute reiferen Alters, die bereits praktisch tatlg waren und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend Ihre Fachkenntnlsse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nxixr Bankbeamte, Ingenieure, Cbemiker, Brauer, Juristen, Nationalokonomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmungen oder Verbande,\nAktien- oder ahnlicher Gesefischaften sich vorbereiten wollen. Dauer der Kurse\n6—12 Monate — je nach Vorbildung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, Johannlsplatz 5\n\nAnzeigen\nMi\n&\n8M\n<SS\n\nA utoren\nwelchc ein belletristisches oder\nwissenscbaftliches Buch ge-\nschrieben haben und einen\nVerleger dafur suchen, der es\nuach modernen drucktechni-\nschen Prinzipien ausstattet und\nruhrig vertreibt, helieben ihre\nAdressen (evt, Mannskript) ein-\nzusenden.\nHansa-Verlag\nfur moderne Literatur\nund Zeitschriften\nW. 35 Flottwellstr. 6\n\nBeziehen Sie sich bei Be-\nstellungen und Anfragen\nbitte auf den »STURM«\n\nli'Effoft\nHalbmonatsschrift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKunsten und in der Literatur\nHerausgeber und\n:: Schriftleiter ::\nJEAN RICHARD BLOCH\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 6.—\nDritter Jahrgang\nVerlag und RedaktionJ\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\nHsnwrt\nNoch nie dagewe- |\nsener Lach-Erfolg! I\nDas Kind\nder Firmo\nmit Anton und Don at Herrn- «\nfeld in den Hauptrollen 8\nVorher: 1\nSehmerzlose\nBehandlung i\nAnf. 8 Uhr Vorverk. 11—2 Uhr |\n\nE Buchhnndlunsen\nReuss&PollacK\nBnebbandlnngn.Antiqaariat\n:: BERLIN W. 36 ::\nPotsdamer Strasse 118 c\nTenispr.i HmtVl (£iisow)2B29\nAnkauf einzelner Biicher\nund ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfur Bibliophilen\n\nlf=\nEdmund Mayer\nSuc'nhanQler u. flnfiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nAnkauf einzelner Biicher\nsowie ganzer Bibliotheken\nVerzeichnis von Biichern\nfur Bibliophilen / Angabe\nvon Desideraten erbeten\nXatalog XXVIII (Varia) ersehienen\n\nDie Fockel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nNummer 334-335\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nCtberall erhaltlich\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Facke!\n50 Pfennig"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "682", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111111-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hause, Berlin SO. 26 Mariannenplatz 23\n\nFR. HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegFundet 1825\nModeme Herrenbekleidimg\ntertig und nach Hail\nReklameacgebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mil WrmelaufschlSgen 3250 m\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 45s0 m\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n32s® 45 H\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studeaten und Miigiiedern von Kunsivereinigungen gegen Vorzeigung von Legilimationskarten s°/0 Rabatt\n\nSCHIEDMAYER\nPIANOFORTE FABRIK\nBERLIN W.. POTSDAMERSTR. 27b\nflOgel\nPIANINOS\nHARMONIUMS\nBALTHASAR SCHIEDMAYER, Ururgroßvater des jetzigen Chefs der Firma\nbaute im Jahre 1735 sein erstes Instrument.\nGrand Prix: Turin 1911 — Paris 1990 — St.\nLouis 1904 — Roubaix 1911\n16 Hoflieferaotentitel. 54 Ehrendiplome und Medaiilen. Preis-\nrichter aut 14 Ausstellungent Grofie goldene Medaille fur\nKunst und Wissenschaft. Große goldene Medaille fur Handel\nund Gewerbe. Ueber 45 (XX) Instrumente geliefert.\nInstrumente nach stilgerechten Ent-\nwiirfen in kiinsterischer Ausfilhrtmg\n\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFur Gesangu. Klavier / 52Seiten\nDREI MARK\nDurch alle Buch- und Musi-\nk a lien hand lung CD oder direkt\ndurch den Vcrlajr DER STURM\nHalensee / Katharinenstrafie 6\n\nVegetarisehes Oasthaus\nFR EYA\nS Charlottenburg jj\n5 Bismarckstrasse 9 g\nSsHsais Am Knie qbhibS\nAngenehmer Aufenthalt\nfur Kunster unci Studenten\nZahlreiche Zeitungen und\nZeitschriften / Bis zehn\nUhr abends geoffnet\n\nPrels 1 Mark\nS\nPreis 1 Mark\nSicheres Miitei gegen akute Katarrhe der Atmungs-\norgane / ermogiicht Sciiauspielern und Sangera\nsofortigen Gebrauch der erkrankten Organe\n»»».«« ZAHLREICHE ANERKENNUNGEN »M>>\nZu haben in aiicn Apothekea and Drogeriea / AHefaige Fabrikaatin\n..Pharmacia\" / Fabrik fSr pbanaaceatiachea Bedarf / Berlin-Haicasee\nW ohlac&meckand\nSidber wirkend\n\nTHRICHOPHIL\ni RM.3,00 F1.M.3,00 g\n118 iiiniiiimiH same our oelm Fabrikanten: =*=« |\n§ Otto Teutscher/Friseur |\nB I. Geschaft: 106aPotsdamerstr.,Eing,.63Stejjlitzerstr.,Tel.VI,6735 J\n| 11. Geschaft: Charlottenburg, 100 Kaiserdamm, Tel. AmtCh.,63B7 j\nHBiaddeeeeeadiiaia"}]}