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Es\nliegt noch genug Papier auf meinem Tische, so daß\nich in Eile alle Erinnerungen meines Lebens und\nalle Umstände aufzeichnen kann, die diese dumme\nund logische Verkettung von Tagen und Nächten,\nvon Tränen und Lachen beeinflußt haben, die man\ndie Existenz eines Menschen zu nennen pflegt.\nMein Zimmer ist niedrig und eng, meine Fen-\nster sind fest geschlossen; ich habe das Schlüssel-\nloch sorgfältig mit Brotkrume verstopft; die Kohle\nentzündet sich jetzt; der Tod wird also kommen;\nich kann ihn gefaßt und ruhig erwarten, während\nich all die Zeit über meinen Blick auf das Leben\nrichte, das entschwindet, und auf die Ewigkeit,\ndie naht.\nI\nMan pflegt einen Menschen glücklich zu nen-\nnen, der fünfundzwanzigtausend Franken Einkom-\nmen hat, der schön, groß, gutgewachsen ist, im\nSchöße seiner Familie lebt, alle Abende ins Theater\ngeht, lacht, trinkt, schläft, ißt, und gut verdaut.\nDie Ansicht ist alt, aber deshalb nicht weniger\nfalsch.\nWas mich betrifft, so habe ich mehr als fünf-\nundzwanzigtausend Frank Einkommen gehabt,\nmeine Familie war gut gegen mich; ich habe fast\nalle Theater Europas gesehen; ich habe getrunken,\nich habe geschlafen, ich habe von der Geburt an\nniemals das geringste Unwohlsein gekannt; ich bin\nweder einäugig, noch hinke ich, noch habe ich einen\nBuckel . . . Und ich bin so glücklich, daß ich mir\nheute, mit neunzehn Jahren, das Leben nehme.\nII\nEines Tages — ich war, wie ich mich erinnere,\ndamals zehn Jahre alt — umarmte meine Mutter\nmich weinend und sagte mir, ich solle unter die\nKastanien spielen gehen, die den Rasen des Schlos-\nses säumen . . . (O, wie müssen sie seit der Zeit\ngewachsen sein!) Ich ging hin, aber da meine Lelia\nmich dort nicht aufsuchte, fürchtete ich, sie sei\nkrank, und ging ins Haus zurück. Alles war ver-\nlassen; eine große schwarze Draperie war über\ndas Eingangsgitter gespannt; ich stieg in das Zim-\nmer meiner Schwester; da fiel mir ein, daß sie seit\nmehr als acht Tagen nicht zum Spielen gekommen\nWar.\nIch stieg also in ihr Zimmer. Dort traf ich zwei\nFrauen, die häufig an dem Tor des Schlosses um\nmilde Gaben gebeten hatten; sie hielten etwas Leb-\nloses in ihren Armen, das s>ie in ein weißes Laken\nhüllten . . . Das war sie!\nMan hat mich seither oft gefragt, warum ich\ntraurig sei.\nIII\nDas war sie! Meine Schwester! Tot! Ohne\nLebensatem!\nBald kam die Nacht; o, wie lang und bitter\nwar sie!\nDie beiden schwarzgekleideten Frauen legten\nden Körper in das Bett meiner Schwester; sie\nstreuten Blumen darüber und besprengten ihn mit\nWeihwasser; als dann die Sonne ihren letzten röt-\nlichen Schimmer in das Gemach geworfen hatte,\nder glanzlos war wie das Auge eines Leichnams,\nals der Tag an den Scheiben erloschen war, zün-\ndeten sie zwei kleine Kerzen an, die auf dem Nacht-\ntisch standen, knieten nieder und hießen mich gleich\nihnen beten.\nIch betete; o, sehr innig, so innig wie ich\nkonnte! Aber nichts geschah . . . Lelia regte sich\nnicht!\nSo kniete ich lange, den Kopf auf den feuchten,\nkalten Laken des Bettes; ich weinte, jedoch leise\nund ohne Ängste. Ich glaubte, wenn ich nachsänne,\nwenn ich weinte, wenn ich mir die Seele mit Ge-\nbeten und Gelöbnissen zerrisse, so würde mir ein\nHauch, ein Blick, eine Bewegung dieses Körpers\nvon undeutlicher Form werden, von dem man nur\nhier eine Rundung unterschied, die die Kopf sein\nmußte und weiter unten eine Erhöhung, die die\nFüße zu sein schienen. Ich armes, gläubiges Kind\nvertraute darauf, daß das Gebet einen Leichnam\ndem Leben wiedererwecken könnte,N so viel Glau-\nben und Arglosigkeit besaß ich!\nO, man kann nicht aussprechen, wie viel Bit-\nteres und Düsteres eine so verbrachte Nacht hat,\neine Nacht, die damit hingeht, bei einem Leichnam\nzu beten, zu weinen, das Nichts wieder zum Leben\nerwecken zu wollen! Man weiß nicht, was eine\nNacht voll Tränen und Schluchzen alles an Fürch-\nterlichem und Schrecklichem birgt, eine Nacht beim\nScheine zweier Totenkerzen, in Gesellschaft zweier\nFrauen mit monotonem Singsang, feilen Tränen\nund grotesker Psalmodiererei! Man weiß nicht,\nwas eine solche Nacht der Verzweiflung und Trauer\nalles ins Herz drückt: dem Kinde von Trauer und\nKummer; dem jungen Mann von Zweifelsucht; dem\nGreise von Verzweiflung!\nDer Tag nahte!\nAber als es licht wurde, als auch die beiden\nTotenkerzen erlöschen wollten, da verließen die\nbeiden Frauen das Zimmer, und ich blieb allein\nzurück. Ich lief hinter ihnen her, hing mich an ihre\nSchürze und faßte krampfhaft nach ihren Kleidern:\n„Meine Schwester!\" fragte ich sie, „ja, meine\nSchwester Lelia! Wo ist sie?\"\nSie blickten mich verwundert an.\n„Meine Schwester! Ihr habt mich beten ge-\nheißen, ich habe gebetet, damit sie wiederkomme,\nIhr habt mich genarrt!\"\n„Das war doch für ihre Seele!\"\nIhre Seele? Was bedeutete das? Man hatte mir\noft von Gott gesprochen, niemals von der Seele.\nGott, das verstand ich wenigstens; denn hätte\nman mich gefragt, was das sei, nun, so hätte ich\nLelias Hänfling genommen, ihm mit den Händen\nden' Kopf eingedrückt, und gesagt: „Auch ich bin\nGott!\" Aber die Seele? Die Seele? Was ist das/\nIch war kühn genug, sie danach zu fragen, aber\nsie gingen ohne Antwort fort.\nIhre Seele! Nun, sie haben mich getäuscht,\ndiese Frauen. Was ich aber wollte, war Lelia,\nLelia, die mit mir auf dem Rasen und im Walde\nspielte, die auf dem Moos lag, Blumen pflückte und\nsie dann in den Wind warf. Lelia, meine hübsche\nkleine Schwester mit den großen blauen Augen,\nLelia, die mich abends umarmte, wenn sie mit ihrer\nPuppe, ihrem teuren Lämmchen und ihrem Hänf-\nling gespielt hatte. Arme Schwester! Dich ver-\nlangte ich lautweinend zurück, und diese barbari-\nschen Leute antworteten mir: „Nein, du wirst sie\nnie wiedersehen, du hast nicht für sie gebetet, son-\ndern für ihre Seele! Für etwas Unbekanntes, das\nunbestimmt ist wie das Wort einer fremden\nSprache: du hast für einen Hauch, für ein Wort,\nfür das Nichts, kurz für ihre Seele gebetet!\"\nihre Seele, ihre Seele, ich verachte sie, ihre\nSeele, ich bedaure sie, ich will nicht mehr daran\ndenken. Was soll ich mit ihrer Seele? Wißt Ihr.\nwas das ist, ihre Seele? Ihr Leib ist es, den ich\nwill; ihren Blick, ihr Leben, kurz, sie! Und Ihr\nhabt mir nichts von all dem zurückgegeben.\nDiese Frauen haben mich getäuscht; gut, ich\nhabe sie verflucht.\nDieser Fluch ist auf mich zurückgefallen, den\ntörichten Philosophen, der nicht ein Wort begreift,\nohne es zu buchstabieren, an keine Seele glaubt,\nohne sie zu fühlen und keinen Gott fürchtet, dessen\nSchlägen er gleich dem Prometheus des Aschylos\ndie Stirn bietet und den er zu sehr verachtet, um\nihn zu lästern.\nIV\nOft sagte ich mir, wenn ich die Sonne er-\nblickte: „Warum bescheinst du jeden Tag so viel\nJammer, ziehst so viel Schmerzen ans Licht und\nhast so viel törichtes Elend im Gefolge?\"\nOft sagte ich zu mir selbst, wenn ich mich be-\ntrachte: „Wozu bist du da? Warum trocknest du\nnicht, da du weinst, deine Tränen durch einen ein-\nzigen, sichern und unfehlbaren Schuß, dessen ver-\nhängnisvolle Folgen nicht einmal Gott abwenden\nkönnte?\"\nOft sagte ich mir, wenn ich all die Leute be-\ntrachtete, die eilen, einem Namen nachjagen,\neinem Tron, einem Tugendideal; — alles Dinge,\ndie mehr oder weniger hohl und sinnlos sind —\nwenn ich diesen Wirbel sah, diese glühende Lava,\ndieses unreine Chaos von Freude, Laster, Taten,\nGefühlen, Stoff und Leidenschaften: „Wohin zieht\nalles dies? Worauf wird dieser übelriechende\nStaub niederfallen? Und da ihn stets der Wind\ntortträgt, in das Grab von welchem Nichts wird\ner ihn einschließen?\"\nOefter noch sagte ich mir beim Anblick der\nWälder, der viel gepriesenen Natur, dieser schönen\nSonne, die jeden Abend untergeht, sich jeden Mor-\ngen hebt, die an einem tränenreichen Tage gerade\nso glänzt wie an einem glücklichen, beim Anblick\nder Bäume, des Meeres, des von Sternen glän-\nzenden Himmels; wie oft habe ich mir da in bitte-\nrer Verzweiflung gesagt: „Wozu ist alles dies da?\"\nV\nEin Gedanke ist mir gekommen, und das ist\nder einzige Gewissensbiß, der mich je gequält hat;\ndenn ich habe nie Gewissensbisse gehabt, da ich\nglaube, daß die Menschen weder gut noch schlecht,\nweder schuldig noch unschuldig sind; ich weiß, daß\nich nicht aus meinem Willen, sondern aus dem.\nTrieb heraus handle, aus einer allgemeinen Ge-\nwalt, einem Verhängnis, das stärker ist als ich! —\nIch werde nie über die Dummheiten trauern, die\nmein Feind begehen könnte. — Ich finde also, ich\nhätte leben müssen, wie ich sterbe, froh und ruhig;\nanstatt zu weinen und Gott zu verfluchen, hätte\nich über ihn lachen und ihm Trotz bieten sollen;\nich hätte meine Tränen in Lachen ersticken, die\nWirklichkeit vergessen sollen, und da ich keiae\nLiebe finden konnte, hätte ich mich an die Wollust\nhalten sollen.\nDiese unvollendete Erzählung schrieb Flaubert Januar\n1837 im Alter von fünfzehn Jahren. Autorisierte Ueber-\nsetzung von E. W. FISCHER\nNachdruck verboten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c004", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "724", "page_fin": "725", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.4", "titre_corps": "Die Perseïden und die Leoniden", "titre_sommaire": "Die Perseïden und die Leoniden", "signature_source": "Eine kulturhistorische Novellette von Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "724", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.2", "debut_caractere": 8958, "fin_caractere_exclue": 9930, "texte": "Die Perseïden und die\nLeoniden\nEine kulturhistorische Novellette von\nPaul Scheerbart\nEs sind nun dreizehn Jahre her.\nIn Genf wars — im Juni des Jahres 1898.\nDort hatte Mademoiselle Dorothee Klumpke den\nAstronomen Caspar vom Pariser Observatorium\nkennen gelernt. Sie saßen eines Abends im Hotel\nde la Paix gegenüber dem Montblanc und sprachen\nvon wissenschaftlichen Ballonfahrten.\n„Die Wissenschaft,\" sagte Mister Caspar, „hat\nsich noch lange nicht eng genug mit dem Luftballon\nverbunden. Sie ahnen ja garnicht, Mistress Klump-\nke, welche große Serie von Problemen mit den\nBallons noch zu lösen wäre. Der Astronom hat\nalle Veranlassung, sich zunächst mit den Dingen zu\nbefassen, die in unserer Atmosphäre sind. Ich meine\nnicht, daß er nur meteorologische Studien treiben\nsoll. Aber — sehen Sie — hier in unserer Atmo-\nsphäre gibt es Millionen Dinge, die wir noch gar\nnicht näher kennen gelernt haben — und die doch\naugenscheinlich gar nicht zu unserer großen Erde\ngehören.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "725", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7712, "texte": "„Wollen Sie sich,\" erwiderte Mistress Doro-\nthee, „ein wenig deutlicher ausdrücken? Meinen\nSie das Zodiakallicht? Das soll ja wohl eine Art\nSaturnring in unserer Atmosphäre sein.\"\n„Das,\" erwiderte Mister Caspar, „liegt ein\nwenig zu weit. Zu diesem Zodiakalringe werden\nwir wohl schwerlich mit dem Ballon hinaufkom-\nmen. Aber — wir haben täglich zehn Millionen\nSternschnuppen in unserer Atmosphäre. Die könn-\nten wir doch wohl vom Ballon aus näher kennen\nlernen. Bedenken Sie nur: täglich immer wieder\nganz neue zehn Millionen Weltkörper, die nicht von\ndieser Erde sind — immer wieder neue — täg-\nlich!\" —\n„Das ist ja kollossal!\" rief die Dame und blickte\nmit der Lorgnette zur Spitze des Montblancs, die\nallmählich rot wurde.\nDie Lampions wurden auf der Terrasse ange-\nsteckt. Auf dem Genfer See wurden die großen\nBergschatten dunkler.\nMister Caspar fuhr fort:\n„Am zehnten August haben wir wieder den\nPerseideh-Schwarm zu erwarten. Das sind die\nbekannten Tränen des heiligen Laurentius. Die vom\nLuftballon aus beobachten!\"\n„Das wäre,\" rief Mistress Dorothee ganz\nlaut, „einfach entzückend. Was gäbe ich darum,\nwenn ich dabei sein könnte!\"\n„Damen,\" bemerkte Mister Caspar, „haben\nwissenschaftliche Ballonfahrten noch nicht mitge-\nmacht. Sie, Mistress Klumpke, wären die erste.\nDas würde Ihren Namen sehr berühmt machen.\"\nDa lachte Mistress Klumpke und sagte:\n„Machen Sie keine Scherze! Mein Name ist\nwirklich so ungeheuerlich ungraziös, daß die Men-\nschen ihn nicht behalten werden.\"\n„Grade solche Namen,\" fuhr Mister Caspar\ndazwischen, „lassen sich am leichtesten berühmt\nmachen. Namen wie der meine sind nicht auffällig\ngenug. Aufs Auffällige kommts aber an. Klumpke!\nias ist ein Name, der schon tüchtig auffällt.\"\nBeide lachten.\nUnd Mistress Dorothee sagte:\n„Lassen wir die Scherze! Das Plumpe gefällt\nMir nicht, wenns auch tüchtig auffällt. Indessen —\nkann ich nicht dabei sein? Können wir nicht zu-\nsammen am zehnten August eine Ballonfahrt unter-\nuehmen?\"\n„Ja,\" meinte Mister Caspar, „wenn Sie den\nLuftschiffer interessieren könnten!\"\n„Ach,\" erwiderte Mistress Dorothee, „das\nkönnten Sie lieber selber arrangieren. Vielleicht\nbekommen wir den Luftschiffer, wenn wir uns beide\nan ihn wenden. Ich kenne einen entfernten Ver-\nwandten, Monsieur Blanchard. Der ist Luftschiffer,\nimmer in Geldverlegenheiten. Den könnten wir be-\nkommen. Sie interessieren gleichzeitig das Pariser\nObversatorium, und ich steure etwas zu der Sache\nbei.\"\n,Abgemacht!\" rief sehr erfreut der Astronom,\n„ich gestehe Ihnen, daß ich diese Wendung des Ge-\nsprächs grade gewollt habe. Ich wäre sehr für diese\nwissenschaftliche Exkursion. Sie glauben ja gar\nnicht, was alles in den Persei'den da oben möglich\nsein könnte.\"\n„Jetzt machen Sie,\" sagte Mistress Dorothee,\n„mich aber neugierig. Der PerseTdenschwarm\nwird doch neuerdings mit einem Kometen zusam-\nmengebracht. Kometentrümmer sollens ja wohl\nsein, nicht wahr?\"\n„Trümmer?\" rief Mister Caspar.\n„Ja, ich denke doch!\" meinte die I>ame.\nAber der Astronom runzelte die Stirn und\nsagte sehr hart:\n„Die Menschen sind immer bereit, zu meinen,\ndaß es im Kosmos ebenso kläglich hergehe wie in\nder irdischen Politik, in der auch immer wieder\nvon Zertrümmerung die Rede ist. Wir kennen\naber im Weltall noch nicht eine einzige Zerstö-\nrung. Kein Stern ist bisher vor unsern Augen zu-\ngrunde gegangen — so wie irdische Menschen und\nKönigreiche zugrunde gingen.\"\n„Aber,\" rief die Dame heftig, „Meteore sind\ndoch geplatzt.\"\n„Wann?\" fragte kalt der Astronom.\n„Sie scherzen!\" erwiederte wieder die Dame.\nAber der Astronom sagte:\n„Kein Mensch kann behaupten, daß die paar\nSteine, die zu uns hinunter kamen, ganze Meteore\ngewesen sind. Diese tauchen gewöhnlich vier bis\nfünf deutsche Meilen über der Erdoberfläche auf.\nWenn sie in dieser Höhe noch zu sehen sind, so\nmüssen sie mindestens fünfzigmal so groß sein als\nein Luftballon.\"\n„Allerdings!\" rief Mistress Klumpke mit gefal-\nteten Händen. „Sie überzeugen mich. Dadurch\nwerden aber die Sternschnuppen rasend inter-\nessant. Und jetzt kann ich kaum noch den\nzehnten August erwarten. O, wie freue ich mich, daß\nwir fahren! Ich telegraphiere morgen in aller\nFrühe an diesen Blanchard. Er ist mir noch etwas\nschuldig. Die Sache wird gemacht. Indessen —\nkommen wir rasch zu den Persei'den zurück. Sie\nmeinen, Mister Caspar, daß diese Perseiden Trüm-\nmer von Kometen in keinem Falle sind, nicht\nwahr? Wofür halten Sie denn diese Perseiden?\"\n„Ja,\" meinte der Astronom lächelnd, „Sie kön-\nnen nur Hypothesen von mir erwarten. Aber\ndarum wollen wir ja die Ballonfahrt unternehmen,\num die Wahrscheinlichkeit dieser Hypothesen fest-\nzustellen.\"\n„Sie spannen mich auf die Folter,\" sagte wieder\ndie Dame, „ich bitte Sie: sagen Sie mir rasch,\nwofür Sie die Perseiden halten. Ich kann s kaum\nnoch erwarten.\"\nMister Caspar sprach leise:\n„Wer sagt uns, daß wir in den Kometen ge-\nschlossene Körper wie die Planeten zu erblicken\nhaben? Wer sagt uns das? Der Komet Biela\nteilte sich bekanntlich im Jahre 1845 — man sagte\ndamals, er bekäme ein Junges. Ziemlich respekt-\nlos! Wär's nicht natürlicher, wenn man den Ko-\nmeten gleichsam als Vogelschwarm auffaßte —\nvon dem sich eine jüngere Generation losmacht?\nDas wäre doch die natürlichste Erklärung für die\nhöchst phänomenale Teilung des Bielaschen Ko-\nmeten. Nehmen wir das aber an, so ist auch der\nkometarische Ring, den die Perseiden bilden sol-\nlen — nicht ein Trümmer-Ring — sondern ein le-\nbendiger Ring von dislozierten Kometenmitglie-\ndern.\"\n„Dann,\" rief Mistress Dorothee aufspringend,\n„hätten wir also lebendige Wesen in den Perse-\niden zu erblicken? O! Himmlisch! Ihre Logik\nist zwingend. Ich glaube daran. Ich telegraphiere\nsofort an diesen Blanchard! Herr Oberkellner!\nDie Dame gab das Telegramm auf, und Mister\nCaspar bestellte alten Rheinwein und Importen und\nZigaretten. Dabei blickte er zum Montblanc\nempor, der ganz dunkel war.\n„Schade,\" rief er, „daß wir bei diesem Ge-\nspräch das Alpenglühen gar nicht beachtet haben.\nDoch gerade in diesem Jahre sollte wieder der\nBielasche Komet da sein. Die Perseiden sind, wie\nallgemein angenommen wird, der Bielasche Ko-\nmet.\"\nMademoiselle Klumpke trank ein ganzes Glas\nRheinwein auf einen Zug aus. Die Stimmung\nwurde immer heftiger. Mister Caspar erzählte,\ndaß nach seiner Meinung alle Kometen aus großen\nSchwärmen von elektrisch leuchtenden Lebewesen\nbeständen.\nDie Beiden fuhren am nächsten Tage zusam-\nmen nach Paris. Und alles wurde für den Aufstieg\nam zehnten August vorbereitet.\nLeider brach an diesem Tage ein Orkan los,\nder mehrere Tage wütete. Und Monsieur Blan-\nchard stieg nicht auf, obschon ihm von Mistress\nKlumpke die größten Summen zu Füßen gelegt\nwurden.\nDafür wollte man dann im November des Jah-\nres 1898 die Leoniden beobachten.\nMister Caspar sagte:\n„Trösten wir uns! Die Leoniden sind eben-\nfalls höchstwahrscheinlich ein aus Kometenmitglie-\ndern gebildeter Ring. Vielleicht sind die Leoniden\nnoch interessanter als die Persei'den. Es wäre\nnicht unmöglich daß wir im November endlich\nhinter das Kometengeheimnis kommen. Die Ko-\nmeten sind komplizierter, als wir dachten. Ihre\nleichte Auflösbarkeit, in mehrere Kerne, ihre große\nVeränderlichkeit, besonders in der Sonnennähe, ihr\nSchweif und andere Dinge — alles dieses spricht\ndafür, daß wir es in jedem Kometen mit einem\nVolke zu tun haben — einem Volke, das zusam-\nmen abenteuernd — mit phantastischen Glied-\nmaßen — durch den Kosmos dahinsaust — und\nlebendig bleibt — auch wenn der Komet scheinbar\nauseinandergeht.\"\nDer Aufstieg im November 1898 brachte aber\nleider keine Resultate. Dagegen soll jetzt in Paris\nein Tagebuch von Mademoiselle Dorothee Klumpke\nerscheinen. Ob da etwas enthalten ist, das wis-\nsenschaftlichen Wert beanspruchen darf, das wis-\nsen natürlich nur die Herausgeber."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c005", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "725", "page_fin": "726", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.5", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "725", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.3", "debut_caractere": 7714, "fin_caractere_exclue": 9931, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nLieber Herwarth, liebes Kurtchen, sollte ich\nwirklich die Briefe vorgestern verwechselt —\nden an Euch Peter Baum, den Brief an Peter Baum\nEuch etwa geschickt haben? Oder sollte sich die\nPost den Streich geleistet haben, der Postbeamte\nmit dem Ziegenbart guckt mich so faunisch\nimmer an.\nPitter, wenn De dän Breef bekommen häst, han\nech meck ermordet, Du bruchst ewwer nich nach-\nkicken. Pitter, eck han meck dötmal werklech ver-\nknallt! Rot ens en wäm! Du glöbst meck nich mähr,\nPitter, ewwer et is werklech war, on eck kannich\nmähr op Arbeet gon en die Fabrik. Pitter Boom,\nen die Fröh han meck der Prinzipal geköndegt, weil\neck ömmer wie eene Taube op däm Taubenschlag\nen die Loft kicke, .on die Knöppe op die verkehrte\nSiet öwerspannen tu. On freten kann eck ook\nnich mähr, on eck berg ömmer minne Liebes-\nschmerzen em Herzen en ming kariertes Koppkis«\nsen; oder die Konterfeis on die Wände kick eck on,\nusse Beld, wo wir eingesegnet worn sind met die\nriecken Kender tusammen. Weeßt Du et noch?\nWie häst De Deck verändert, Pitter, on eck erseht,\newwer wir sinn uss trö gebliewen en Friid on Leed,\non Du weeßt ganz genau, dat eck wacker ömmer\ntu Deck gekommen bön, on Deck allet gebeechtet\nhan. „Arbeet macht dat Lewen sös\" hat Deck\ndann der Pastor Krummacher en Ding Poesie-\nalböm geschriewen. on meck hätt hä eene empfend-\nleche Rede gehalten, weel eck ömmer gelacht ham,\nen der Konfermantenstonde onter ming Polt. Ewwer\ndat es allet vorbee, nur lach eck nech mähr, eck\nmodd (immer hülen, van wegen öhmm. Kennst\nDe „öhmm\"? Du kennst öhmm! Rot ens „öhmm\".\nOn klatsch et nich Herwarth weher, Pitter, on sei\ngegrößt\nvan Dinne Fronden Amanda\nUnglücklicher Herwarth, der Pitter hat mir\nhier auch den Brief, den ich an Dich schrieb, zurück-\ngesandt: Lieber guter Herwarth, bleib nur noch\nruhig und wohlgemut im Eis. Du kommst desto\nfrischer nach Haus. Du kennst mich doch,\nDu kannst ganz ruhig sein, ich bin über-\nhaupt den ganzen Tag über zu Haus und mache\nWeihnachtsbaum und abends zünd ich schon\ndie Kerzen an und singe Lieder, himmelhoch-\njauchzend zu Tode betrübt. Ich bin wahnsinnig\nglücklich, Du siehst daraus, wie treu ich Dir bin.\nGrüße Kurtchen, unsern Engel.\nElse"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "726", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2034, "texte": "Herwarth, wo Dus nun mal weißt, ich bin heut\nzur Ruth-Elfriede gerannt — wie ein Primaner.\nEiner „Frau\" wollte ich mein Herz ausschütten.\nAber sie glaubt mir nicht mehr, erst wenn ich in\nvier Wochen zu ihr käme mit dem gleichen Ge-\nfühl für „ihn\". Merk Dir und Kurtchen bitte den\nTag, es war gestern, den neunzehnten Dezember.\nIch bin ja fest überzeugt, daß mein Herz mich nicht\nbetrügt, ich kann im Grunde bauen auf mein Herz,\naber, wenn mich das hier im Stich läßt, dann werde\nich oberflächlich.\nIch habe an Tristan geschrieben: Süßer Tri-\nstan, nachts versammeln sich alle meine Vorfahren\nin meinem Zelt, Kalifen und Derwische und Pa-\nschas in hohen Turbanen. Und auch ein Häuptling,\nder mir das Tanzen beibrachte über die Leiber der\nUngläubigen, droht mir nun mit Allahs Zorn. Tri-\nstan, du bist ein Ungläubiger. Aber ich liebe dich,\nTristan, und mit dem Golde deiner Locken blende ich\ndas Auge des Gesetzes im Koran. Und meine Pa-\nläste und meine Dromedarherden schenke ich dir,\ndie werden vor dir niederknien, zottige Sklaven,\nwenn du sie besteigen willst. Und die Schnüre\nmeiner wilden, blauen Perlen sollst du um deinen\nNacken tragen und meinen Ring nimm mit der\nSinthflutperle. Und ich schenke dir mein Herz,\ndas kannst Du in die Hand nehmen und damit\ngaukeln. In ihm spiegelt sich der brennende Dor-\nnenstrauch des heiligen Berges und die Nacht und\nihre unsäglichen Sterne. Ich liebe dich, Tristan.\nTino von Bagdad\nLieber Herwarth und liebes Kurtchen, daß eine\nKarte ironisch lächeln kann, hat mir Eure bewiesen,\nauch eine gewisse zuschauende Väterlichkeit geht\nvon den abgeklärten, temperamentlosen Buchsta-\nben aus, lauter Greisenhaare. Ihr habt sie wohl\nzusammen angefertigt? Abgeklärtheit muß kolos-\nsal schwer sein, mir wenigstens. Dein Hand-\nschriftsbild, Herwarth, ist doch sonst ein Sympho-\nniekonzert öder eine Pantomime und Kurtchen\npräsentiert sein Selbstporträt, jeder Haarstrich\nseiner Zeilen ist er. Vor allen Dingen ist es\neine Frechheit von Euch beiden, Euch so erhaben\nüber mein Geständnis zu benehmen.\nElse"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c006", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "726", "page_fin": "727", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.6", "titre_corps": "Lothar und Gertrud", "titre_sommaire": "Lothar und Gertrud", "signature_source": "Kunowski ; Paul Mahlberg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "726", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.4", "debut_caractere": 2036, "fin_caractere_exclue": 11105, "texte": "Lothar und Gertrud\nvon Kunowski\n\nIn einigen Bänden seines großen Werkes\n~Durch Kunst zum Leben\" begleitete Lothar\n\"von Kunowski schon mehrfach mit dem Wort\nseinen Kunstunterrieht, über dessen Anfang und\n•Fortführung, Grundlagen und Gesetze jetzt ein\ngroßes Buch mit vielen Abbildungen unter dem\nTitel „Unsere Kunstschule von Lothar\nund Gertrud von Kunowski1' (Verlag für National-\nstenographie) vorliegt. Man findet hier den klassi-\nschen Fall der Frau als Trägerin der Idee des Man-\nnes. Dieser, aus der Erfahrung mit der Griffel er-\ntasteten Idee: es besteht eine rhythmische Korre-\nspondenz zwischen den Dingen. Ein Rhythmus der\nMaße und der Helligkeit. Alles ist im Verhältnis.\nDies auf die Entstehung des Bildes transponiert,\nergibt beim Zeichnen das Verfahren: Kontur an-\nzeigender Formstrich, Halten des Auges und\nder Hand, von da Visieren und Erreichen korre-\nspondierender Punkte mit rhythmischen Sprüngen.\nGewiß wird gemessen, aber nicht schematisch mit\ndem Lineal von Punkt zu Punkt, räumliche Kraft-\nlinienbündel der Form zerschneidend, sondern tän-\nzerisch im Rhythmus den Raum abschreitend von\noptischer Assoziation zu Assoziation. Das Licht ist\n\"Wegweiser zu den korrspondierenden Punkten, 'und\n•die Fingerzeige des Lichts von Punkt zu Punkt, von\nKante zu Kante führen zu den „Brennpunkten der\nForm\", darin die Oberflächenwerte eingehängt sind.\nDie sind nach Form und Valeur bestimmt durch\njene Visierlinien des Lichts, von denen keine ab-\nstrakt ist. Kunowski hat die Erscheinung der\n„schwebenden Tonflächen\" begrifflich festgelegt.\nJene interessante Erscheinung, daß jeder Strich auf\ndem Papier Wirkungen hervorruft, die weit über\nseine lineare Ausdehnung hinauswallen, die\nFlächenteile in verschiedenen Helligkeitsgraden\nerscheinen lassen. (Aehnlich, wie wenn man im\nDunkel eine Fläche mit einem Phosphorhölzchen\nbestreicht.) Meister wie Schongauer stellten diese\ngeheime Kraft in ihren Dienst. Auf einem papier-\nweißen Himmel vermochten sie mit ihrer Hilfe und\neinem Strich den Heiligen eine noch hellere Glo-\nriole zu geben. Van Gogh bringt eine Sonne da-\ndurch fertig, daß er von einem Zentrum Radial-\nstriche ausgehen läßt, und so bekommt die Hellig-\nkeit im Zentrum eine Brisanz, daß die Augen flim-\nmern. Kunowskis Verdienst ist es, diese gleichsam\nesoterische Eigenschaft der Linie in den eben ange-\nführten Begriff geprägt zu haben, so daß der Leh-\nrer damit operieren kann. Denn da der Begriff aus\ndem künstlerischen Schaffen hergeleitet ist, wird\nsich ein künstlerisches Schauen leicht wieder da-\nran knüpfen. So entwickeln die Gerüstlinien aus\nder Papierhelligkeit die Oberfläche der Körper, frei\nund leicht entsteht sie als Widerschein aus der\nDynamik der inneren Form, wird nicht mit Semmel\nund Knetgummi einer Schicht Kohle oder Graphit\nunorganisch eingetupft.\nAuf diese Art vom Schüler hervorgebrachte\nAkte werden schon früh in Zusammenhang mit\nDingen der Umwelt gebracht. Dadurch entsteht jene\nTotalität, die von Goethe für das literarische Kunst-\nwerk verlangt wurde und intellektuell-ästhetisch\ngemeint war, bei Kunowski zu einer bildhaften\nTotalität wird, die hier bedeutsamer ist, als in\nden Bezirken des psychischen Lebens. Sie ist\nstreng an dem Rhythmus des Helden orientiert, ja,\nsogar nach ihm organisiert. Denn „Schatten und\nLicht sind nicht nur abhängig von der Stellung der\nLichtquelle und von der Richtung ihrer Strahlen,\nsondern von dem freien, selbständigen Vermögen\nder Geschöpfe, so zu wachsen, daß von konstru-\nierbaren Schatten und ,Lichtflächen überhaupt die\nRede sein kann. Es ist eine Leistung der Gegen-\nstände selbst, daß man an ihrer Oberfläche Ab-\nstufungen von Schatten, Halbschatten, Tiefen,\nLichtflächen und Glanzlichtern in deutlicher Tren-.\nnung sieht. Sie selbst schaffen der Sonne die Mög-\nlichkeit, Gesetze von Schatten und Licht ablesbar\nin klarem, anschaulichem Organismus darzustellen.\n— Von innen her durch das rhythmische Raumge-\nfühl wird der Organismus von Schatten und Licht\ngenau so bestimmt wie von außen durch die Licht-\nquelle. Denn jedes Geschöpf edler Art trachtet,\nseine Oberfläche so zu bilden, daß sie durch die\nSonnenstrahlen nicht nur überhaupt gedeutet Wer-\nden kann, sondern daß sie alle Reichtümer des In-\nnern enthüllt und ausbreitet. Eine Auswahl der\nSonnenstrahlen ist unentbehrlich zum Aufbau und\nWachstum der Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine.\nDie Auswahl geschieht durch die Farben der Ober-\nfläche, welche einen Teil des Lichts zurückweisen,\neinen Teil ins Innere aufnehmen. Aus den Energien\nselbstgewählter Strahlen baut jedes Wesen seinen\nLeib und gibt physische Lichtkräfte wieder als\ngeistige Organisation seiner Oberfläche, als an-\nschaulichen Ausdruck seiner Seele. Dieses Streben\naller Wesen nenne ich den Drang der Natur nach\nSichtbarkeit.\" Als Ei genschaft der Dinge und\ndes Kunstwerks möchte ich das den „Stil\" nennen.\nStilisieren hieße dann: den Rhythmus im Extrakt\ngeben.\nKunowski ist kein Pauker auf sein System, er\norganisiert das Gewächs einer sich frei entwickeln-\nden Veranlagung. Nicht bedeutungslos für den Auf-\nbau seiner Schule ist der Satz von den Aegyp-\ntern als den größten Erscheinungsarchitekten,\nda sie ein ganzes Land nach dem Rhythmus ihrer\nMetaphysik organisiert hätten. Nichts anderes ist es\nübrigens, woraus sich Kunowskis System kristal-\nlisiert. Jedes Ding bestimmt seine Physiognomie\naus sich; wie er eben bewies. Die Perspektive aber\nist abhängig von der Optik unseres Auges. Ku-\nnowskis Bestreben geht nun darauf aus, die Auto-\nnomie des Objekts mit der durch die wissenschaft-\nlichen Gesetze geregelten subjektiven Auffassung\nzu einer bildhaften Erkenntnis zu verbinden Dabei\nist leider wenig von der Farbe die Rede Nicht um-\nsonst sagt Kunowski am Schluß, daß außer der\nNatur noch Leonardo da Vinci und Goethe seine\nLehrmeister gewesen seien Also der Konstrukteur,\ndas Genie des künstlerischen Systems und der aus-\ngesprochene Linearist, der der Farbe nur wissen-\nschaftlich näher trat und den Koloristen Jean Paul\nnicht verstehen konnte. Kunowski ist auch ein\nItaliener in diesem Sinne. Die Figur muß\nbis aufs äußerste artikuliert sein. Stets ist\nbei der Besprechung der vierundzwanzig Ab-\nbildungen der „Kunstschule\" viel die Rede\nvon den funktionellen Spannungen innerhalb\nder Bildfläche, aber es wird wenig gehandelt\nvon den Entspannungen der Farbe und den koloris-\ntischen Belastungen. Kunowskis Auffassung von\nder Aufgabe der Farbe ist gefährlich und kann zum\nVirtuosentumm verleiten ohne das „faustiche Stre-\nben nach Erkenntnis\". Den Van Eyck führt er auch\nfür sich an, während er doch das Andere hätte von\nihm lernen können: das Holländische, das auf die\nMaterie abstrahieren, bei einem Gelenk zeigen, daß\nes mehr ist als ein Scharnier, das zu klappen hat,\nnämlich etwas aus Knochen und Haut von anderer\nStruktur als sonstwo am menschlichen Körper; und\nüberhaupt das mit dem Griffel an die Leinwand\nschlagen und psychische Ströme hervorfluten\nlassen.\nMan hat dem Unterricht Kunowskis den Vor-\nwurf gemacht, er sei zu stark in die Abhängigkeit\ndes Begriffs gekommen. Mit Schuld daran mögen\nnebst anderm seine Erklärungen zu einem Stilleben\nsein, das eine Glasurne, Eichenblätter, eine Ranke,\ndas Haupt Napoleons und ein von einem Stein be-\nschwertes Buch zeigt. Kunowski spricht dabei\nvom Sinn der Bewegungskurve, die vom Stein zum\nBuch läuft, von ihrem Zusammenhang mit Raum und\nZeit. Es scheint mir in solchem Falle ein logischer\nDenkfehler des Kritikers vorzuliegen: er verwech-\nselt den Inhalt mit dem Charakter der Darstellung,\nspricht von einer ideologischen Darstellung, statt\nvon der Darstellung des Ideologischen. Wie der\nStaatsanwalt über eine unsittliche Darstellung in\nder bildenden Kunst in Wallung gerät, während es\nsich in Wirklichkeit um die sittliche Darstellung von\netwas Unsittlichem handelt. Gewiß kann man von\ndiesem Buche sagen „Im Anfang war das Wort\",\naber die künstlerische Tat war dann vorher. Daraus\nresultiert nur ein neus Verdienst Kunowskis, das\nich bereits an einem Falle exemplifizierte, nämlich\ndas Prägen von anschaulichen Begriffen für Er-\nscheinungen der ätherischen Oberfläche, die un-\nserer an der Substanz entstandenen Sprache nicht\nleicht fallen. Optische Erscheinungen sind schwer\nzu fassen, und unser Auge kann ja nicht einmal\neinmal in dem herrlichen plötzlichen Braun der\nAugen der Geliebten baden, denn ehe der Blick\nnoch ganz hineinstieg, ist die Farbe eine andere.\nHier haben wir den Mann, der die Beschattung\ndurch eine Linie festhält und als „schwebende Ton-\nfläche\" einsteckt, der eindringlich spürend den\n„Brennpunkt der Form\" aufsuchte. Das sind\nschlagende Bezeichnungen, leider aber für die\nLeute Schlagworte, und da man ihnen etwas vom\nRhythmus gesagt hat, sind sie nun gleich damit bei\nder Hand. Aber mit Worten allein läßt sich da nichts\ntun. Es gibt keine andere Befreiung innerhalb die-\nses Systems, denn diese, es als Funktion frei in der\nHand zu haben. Dazu aber ist Arbeit nötig.\nZu Anfang des Werkes sagt Kunowski: „Je\nstärker Talent und Individualität, desto größer ist\ndas Verlangen nach methodischer Ausbildung.\"\nMan ist seit den Tagen der großen Franzosen, die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "727", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3428, "texte": "es ohne Akademien geworden seien und nur von\nder Natur gelernt hätten, dem Dilettantismus ent-\ngegengekommen und hat gesagt, Schule sei un-\nnötig. Dabei vergaß man, daß Courbet solange\nVelasquez studierte, bis er ihn auswendig konnte,\nund daß Manet in Coutures Atelier lernte. Dann aber\ngingen beide hin und riefen „Nur nach der Natur\".\nDadurch kam dann die künstlerische Anarchie in\ndie Welt statt der im edelsten pythagoreischen\nSinne gemeinten Aristokratie. Heute sind wir so\nweit, daß ein Schriftsteller nichts gilt, wenn er\nnicht die Vokabel für jede Geste des Gehirns, für\njede Gebärde der Seele bereit hat, daß aber der\nbildende Künstler die einfachsten Naturformen\nnicht darstellen kann. Da setzen Kunowskis metho-\ndische Sinnesübungen vor der Natur ein. Die Natur\nwird aufs genauste durchstudiert und aufgezeich-\nnet; mit Recht nennt der Lehrer diese sorgsamen\nUntersuchungen und Uebungen das Sprungbrett zu\neinem freien begeisterten Schaffen. Wer die For-\nmen der Erscheinungen in der Hand hat, braucht\nnur mehr den Anstoß in sich, um den beseligenden\nSchwung einer Linie, die Ekstase eines Druckes\nauf dem Papier auszugeben. Ohne die dilettan-\ntische Ungeduld des Effekts hat der Schüler die\noptische Erscheinung durchzutasten, bis er die Phy-\nsiognomien ihrer Elemente erfaßt hat und sie wie-\nderzugeben vermag. Der menschliche Körper\ndrückt seine Seele nicht nur aus im Antlitz, aus\njedem Muskel blickt sie uns an, und das Mienen-\nspiel eines Rückens ist stets und immer frei von\ntaktischen Ueberlegungen. Dabei hat vor dem\nTypischen und Individuellen das Einzelne keine Be-\nrechtigung. Denn es ist weiter nichts als das All-\ngemeine; das Besondere aber sind Millionen Fälle\ndes Alls. Ein Muskel kann an pflanzliche oder tie-\nrische Motive erinnern, und der Schüler hat der As-\nsoziation nachzugehen, wie er die Buglinie eines\nerhobenen Unterarmes nachdrücklich auf sich wir-\nken lassen muß und von einem Nasenflügel das\nfreie Geschnörkel wie von einer Weinrebe. Wir\nhaben die Welt in uns. Die Linie unserer Augen\nMdet das Zeichen oo , (das Symbol der Unendlich-\nkeit) und zugleich mit den Pupillen als Brenn-\npunkten die Ciparellische Kurve, in der im Raum\nPlaneten sich bewegen.\nBei einem Urteil über die Arbeiten der Ger-\ntrud von Kunowski wäre eine Betrachtung über die\nFrau als Künstlerin auf Grund ihrer Stellung zum\nRaum, ihrer Metaphysik, ihrer Rolle in der Kultur\nnotwendig. Hier will ich mich nur an die hervor-\ngebrachten Erscheinungen halten. Wenn auch die\ndem Buche „Unsere Kunstschule\" beigegebenen\nAbbildungen lobenswert sind, so konnte man sich\numso mehr freuen, die Originale zu sehen. Sie\nwaren im Kunstgewerbemuseum zu Berlin ausoe-\nstellt und verschafften einen besonderen Ein-\ndruck. Kleine Farbenskizzen von außeror-\ndentlich starkem Ausdruck der Bewegung fie-\nlen auf; Bilder von prachtvoller dynamischer Or-\nnamentik; Menschen, diese wunderbaren Gewächse\nin organischen Kristallen, waren da. Ein Körper,\nmit wenigen Farben hingeschmiegt, ein Mann im\nStein, Blumen, wie Mimosen und Disteln in merk-\nwürdig kristallinisch erfüllter Form zusammen mit\nKörpern, einzig in eine farbige Helligkeit gehüllt.\nStets ist die Farbe ein Ausdruck der Funktion, ein\nFleckchen kann zuweilen alles beibringen.\nEine Ausstellung der Seminararbeiten aus Düs-\nseldorf zeigte, was alles sich in Kunowskis Kunst-\nschule erreichen läßt. Hier hatte man die Probe\naufs Exempel. Sie ist gut ausgefallen.\n\nPaul Mahlberg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c007", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "727", "page_fin": "727", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.7", "titre_corps": "Lob der Zeit", "titre_sommaire": "Lob der Zeit", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "727", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.5", "debut_caractere": 3430, "fin_caractere_exclue": 5666, "texte": "Lob der Zeit\nKurt Hiller\nDaß es auf Kultivierung mehr ankommt als auf\nZivilisation, können natürlich zuletzt die begreifen,\ndenen vom Auseinander beider Begriffe überhaupt\nnichts schwant. Einer von ihnen ist Vollmoeller,\nder Georgiast mit Sportzügen; ein Weltmann, der\nvon jenen, so Breviere schreiben, durch einen sym-\npathischen Mangel an Zurückhaltung, durch Schil-\nlerjuchhei, kurz kraft des Fakts, daß dem Smoking\nimmer noch der Sweater vorzuziehen ist, freund-\nlich sich abhebt. Dieser Vollmöeller hat, für den\nInselalmanach, ein „Lob der Zeit\" gedichtet; Lob\nder Zeit — von wegen der Aeroplane. Darinnen\n„braust\" „die Schraube\", „die straffen Drähte\nsingen\", und „Stahls\" reimt sich auf „Lilienthals\".\nSogar „Palos\" und „Karavellen\" müssen herhalten,\nziels Gehobenmachung der Sprache; und „Eiriks\nDrache\" ist weit davon entfernt, unherbeigezogen\nzu bleiben. Der „Urweltmorgen\", da „der stille\nWerkmann einer blonden Horde, nicht wissend\nwas er tat, den ersten Stamm gehöhlt\", wird als\nBeginn der Geschichte des Menschengeists ange-\nsetzt; und als ihr glorreicher Abschluß: Bleriots\nKanalflug. Nein, was ein Denker, dieser Voll-\nmoeller; nein, was ein tiefer Problematiker! Wenn\nnun die Zeppeline gar noch den Nordpol küßt . . .!\n(Daß die Geschichte des Menschengeists nun direkt\nsich überschlagen habe, umgekippt sei, werden wir\ndann wohl zu hören bekommen) . . . „Fanfare\".\n„Jagdruf\", „kriegerisches Erz\" —: als ob fünfzehn-\nhundert Millionen Erdbekrabbler gar keine Sorgen\nhätten und die fünfzehnhundert besten Europäer\nkeine Gehirne voll Antinomien. Denn die Logik\ndes „volare necesse est, vivere non necesse\" ist\nnicht für jederman so zwingend; es dürfte Per-\nsonen geben, die sich zu der Behauptung verstei-\ngen werden: Wenn es überflüssig ist, zu leben,\ndann gewiß doch auch, luftzuschiffen; wenigstens\nsolange nicht beobachtet ward, daß Leichen ein\nFlugzeug erklettern . . . Indes jene feschen Neu-\nkatholiken, taumelnd zwischen Muskelpflege und\nEntsagung, Benzin und Weihrauch, meinen „tief\"\nzu sein und „Ueberwinder\" des „Rationalismus\",\nwenn sie den Zustand der Lebendigkeit (diesen\nherrlichen, unvergleichbaren und in allen Debatten\nvoraussetzungsweise zu postulierenden Zustand)\nunter Phrasengetut verächtlich machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c008", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "727", "page_fin": "728", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.8", "titre_corps": "Theater", "titre_sommaire": "Theater", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "727", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.5", "debut_caractere": 5668, "fin_caractere_exclue": 10122, "texte": "Theater\nStrindberg\nIm nächsten Winter soll Berlin eine neue\nBühne, das Künstlerische Theater, unter der Lei-\ntung von Adolf Lantz erhalten. Vorläufig werden\neinzelne Abende in anderen Theatern veranstaltet.\nMan begann im Lessingtheater mit einem unaufge-\nftihrten Drama von August Strindberg:\nDer Scheiterhaufen. Strindberg selbst hat\nsein Drama richtiger und künstlerischer Der Pe-\nlikan genannt. Der Grund der Namensänderung\ndurch den Uebersetzer ist nicht einzusehen. Nur\ngrobe Sinne können das Drama naturalistisch ver-\nstehen. Es wird sehr viel von Ernährung, Erzie-\nhung, Erwerb gesprochen. Naive Kritiker\nglauben, dieser Dichter wolle etwa päda-\ngogische Ansichten verbreiten. — Die Handlung:\nEine Mutter (der „Pelikan\") hat Mann und Kinder\nschlecht ernährt und schlecht behandelt, ihren\nLiebhaber mit der Tochter verheiratet und sich\nselbst alle Genüsse gegönnt, die sie ihrer Familie\nversagte. Nach dem Tod des Mannes erfahren\ndie benachteiligten Mitglieder auf sehr primitive\nWeise durch einen Brief des Verstorbenen, die Art\nund die Gesinnung der Frau. Der Gatte ist zu\nGrunde gegangen, er nahm die Frau schweigend als\nSchicksal hin. Die Kinder und der ehemalige Lieb-\nhaber, der jetzige Gatte der Tochter, empören sich\nund wollen diese Frau durch rohe Gewalt zu den\nHandlungen bringen, die ihnen für sie selbst gut\nund nützlich scheinen. Sie können es nicht er-\nzwingen. Der Liebhaber verläßt das Haus, der\nSohn legt Feuer an, um mit der Schwester gemein-\nsam das unerträgliche Leben zu beenden. Die\nMutter stürzt sich zum Fenster hinaus, um wenig-\nstens dem Tod durch das Feuer zu entgehen. Alle\nPersonen des Dramas leben und sterben ihrer An-\nlage gemäß. Das Drama ist nicht roh und gemein,\nwie die Zeitungen schreiben, sondern von einer\nübergroßen Liebe und einem verzweifelten Mitleid\nerfüllt. Strindberg beschuldigt nicht, er entschul-\ndigt. Strindberg richtet nicht, aber er „erlöst\" auch\nnicht. Das beweist die Echtheit seines Dichtertums.\nIst es nicht traumhaft, daß man noch heute das\nGenie Strindbergs verteidigen muß! Daß sein un-\ngeheures Lebenswerk nicht jeden vor Ehrfurcht\nin die Knie beugt. Gibt es etwas Gewaltigeres, als\ndie Aussprache zwischen Mutter und Sohn. Mit\ndiesem Gipfel:\nDie Mutter: Geh nicht.\nDer Sohn: Erwachst du?\nDie Mutter: Wie aus einem langen Schlaf.\nEs ist schrecklich. Warum weckte man mich nicht\nfrüher?\nDer Sohn: Was niemand konnte, war un-\nmöglich. Und deshalb bist du vielleicht nicht so\nschuldig.\nDie Mutter: Sag es noch einmal.\nDer Sohn: Du konntest wohl nicht an-\nders sein.\nDie Mutter: (küßt ihm die Hand) Sag noch\netwas.\nDer Sohn: Arme Mama!\nDie Mutter: Hast du Mitleid mit mir?\nDer Sohn: Wie oft hab ich nicht von dir\ngesagt: Sie ist so böse, daß es schade um sie ist.\nDie Mu 11 er: Ich danke dir.\nDer Sohn: Ist es nicht zu heilen?\nDie Mutter: Nein.\nDer Sohn: (geht).\nDer Stil des Dramas ist von einer pantomimen-\nhaften Sachlichkeit. Von zeichnerischer Linien-\nführung und daher ohne Farben. Eine homophone\nMusik, die ein Kontrapunktiker schrieb. Aber das\nPublikum und die Kritik meint noch immer, daß\nnur Geflügel und Blümchen dichterische Eigen-\nschaften besitzen. Und daß eine Milchflasche und\nrote Grütze „unpoetisch\" ist. Wer sich von der\nBotanik nicht trennen kann, soll auf die Kunst ver-\nzichten. — Ich weiß nicht, welche Absichten Adolf\nLantz mit seinem künstlerischen Theater verfolgt.\nVorläufig muß man ihm auf jeden Fall danken, daß\ner den Mut hatte — es gehört noch Mut dazu —\nStrindberg zu spielen. Ueber seine Begabung als\nRegisseur läßt sich nur sagen, daß er nicht gegen\nden Sinn des Dramas verstieß. Mehr kann kein\nRegisseur mit Schauspielern erreichen, die zu einem\nbesonderen Zweck zusammengeholt werden.\nRosaßertens stellte die Mutter dar, etwas zu\nalt in der Erscheinung, aber mit sinnlicher Kraft.\nSie gehört zu den wenigen Persönlichkeiten, über\ndie deutsche Bühnen verfügen. Vielleicht ist auch\nHelene Ritcher eine Persönlichkeit. Vor-\nläufig arbeitet sie noch auf bewußte Theaterwiri\nkungen, statt bewußt zu gestalten. Herr Alfred Abel\nist nocn immer talentlos und ein Herr Theodor\nLoos kopierte Bassermann.\nKarl May vor Gericht und Presse\nKarl May hat endlich sein Recht vor Gericht\nbekommen. Sein Gegner, der sehr anrüchige Heri\nLebiiis, ist zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung\ndes Herrn May verurteilt worden. Herr Lebius\nhat mit Detektivenergie das siebzigjährige Leben\nvon Karl May durchforscht und dabei die berühm-\nten „dunklen Punkte\" gefunden. Aber zugleich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "728", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2170, "texte": "endlich einmal eine Strafkammer, die vom Schaffen\nmehr versteht, als er und sein Verteidiger. Herr\nLebius machte zum Beispiel Karl May den Vor-\nwurf, „daß er in seinen Schriften erdichtete Sa-\nchen als eigene Erlebnisse hinstellte, daß er die Län-\nder, die er ausführlich beschrieb, niemals mit Augen\ngesehen habe, daß er behaupte, alle möglichen Spra-\nchen zu beherrschen, daß er einem Verleger ge-\nschrieben habe, seine Bücher seien nicht Phanta-\nsiegebilde, sondern eigene Erlebnisse. Vorsitzender\nLandgerichtsdirektor Ehrecke: Da wird wohl\nder Einwand der inneren Erlebnisse gemacht wer-\nden können. Der Rechtsanwalt: Der Pri-\nvatkläger hat sich in dem Kostüm eines amerika-\nnischen Trappers photographieren lassen. May:\nJeder Schauspieler läßt sich photographieren, wie\nes ihm beliebt, warum soll sich nicht ein Schrift-\nsteller, der über amerikanische Dinge schreibt, als\nTrapper abbilden lassen. Der Rechtsanwalt:\nAlles das wird nur angeregt, um die pathologische\nLügenhaftigkeit -des Privatklägers zu illustrieren.\nVorsitzendjer: Ein Verbrechen wären doch\nsolche phantastischen Dinge bei einem Dichter\nnicht, und ich halte Herrn May für einen Dichter.\nDer Herr Rechtsanwalt sagt offenbar die Wahr-\nheit, aber er kennt sie nicht. Er ist sicher auch für\nSchiller; und dessen pathologische Lügenhaftigkeit\nin seinem Wilhelm Teil muß als schulnotorisch be-\nzeichnet werden. Dieser Rechtsanwalt glaubt\nebensosehr an die Wahrheit der Tatsachen, wie\nan die Tatsachen der Wahrheit. Man kann sich\nin beiden Fällen aber sehr blamieren. Er wurde von\ndem Richter abgeführt, aber der Dichter des Ber-\nliner Tageblatts tritt ihm zur Seite. Eine Gelegen-*\nheit zum Blamieren läßt man nicht gerne vorüber*\ngehen. Der Herr est vom Tageblatt ist sittlich ent-\nrüstet. Was hat die ganze Dichterei für einen\nZweck, wenn die Mittel zu tatsächlichen Erlebnis-\nsen nicht ausreichten: „Sollte Karl May also doch\nnicht Selbsterlebtes in seinen Abenteuergeschichten\nerzählt haben, und nur für das sächsische Erzge-\nbirge die weiten Prärien Amerikas zum Schauplatz\nseiner Erzählungen fingiert haben?\" Sollte er\nden Schauplatz fingiert haben? Es wäre für Herrn\nest nicht auszudichten.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c009", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "728", "page_fin": "728", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.9", "titre_corps": "Talent und Halbtalent", "titre_sommaire": "Talent und Halbtalent", "signature_source": "André Beaunier", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "728", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.6", "debut_caractere": 2172, "fin_caractere_exclue": 8934, "texte": "Talent und Halbtalent\nVon André Beaunier\nDie Pedanten sind nicht immer langweilig. Sie\nwerden es leicht; aber man muß sie in kleinen\nDosen nehmen.\nDoktor Max Nordau hat in der „Revue\"\neinen Artikel veröffentlicht, das komischste, das man\nseit langem hat lesen können. Er beschäftigt sich\nmit der Frage der „Halbtalente\", und seine» Betrach-\ntungen, die langweilig wären, sind es nicht, weil sie\ndie unfreiwilligste Heiterkeit auslösen.\nDer Autor ist Gelehrter, man weiß es. Er hat\nsehr dicke „ernste\" Bücher geschrieben. Mit äußer-\nster Strenge ist er gegen viele unserer Schriftsteller\nvorgegangen und hat mehr als einmal gezeigt, daß\ner sie nicht gerade verstand. Daraus schloß er, daß\ndiese Schriftsteller unverständlich seien. Nach\nder Feststellung umgibt er sein Mißfallen mit im-\nposanter Philosophie, mit anmaßender Soziologie,\nmit schwieriger Dialektik, wie es paßt.\nSein gewöhnliches Verfahren besteht darin, ein\nsehr einfaches Thema schwer wissenschaftlich zu\nbeladen. Er bekleidet sein Thema: er wird es doch\nnicht ganz nackt zeigen! Das arme nackte Thema\ntäte ihm doch leid. Er bekleidet es mit Worten,\ndie er der universellen Wisenschaft entlehnt Dann\nstößt er es in die Welt. Herr Nordau hat übrigens\nLebensart: und seine Gedanken sind, sozusagen\nkeine Aschenbrödel.\nDie „Halbtalente\". Die kostümierte Idee: ein\n(rHalbtalent\" ist, wenn es seinen Besitzer nur zer-\nstreuen soll, ganz nett; aber man muß nicht seinen\nLebensunterhalt damit verdienen wollen. Voilä.\nElegant fängt Doktor Max Nordau an:\nWenn die guten Feen . . .\nDie guten Feen? . . . Ein Gelehrter? .. .\nDer Gelehrte schäkert.\nWenn die guten Feen einem Menschenkinde\nwohlwollen ....\nDer Gelehrte weiß, daß alle Kinder Menschen-\nkinder sind, aber er bemüht sich, seine Sprache zu\n„schmücken\". Was tun die guten Feen? . . .\n.... legen sie bei seiner Geburt ein angeneh-\nmes Talent als Geschenk in seine Wiege. Es ist\neines der kostbarsten Geschenke, 'das sie ihrem\nLiebling machen können. Es ist ein sichererer Talis-\nman für sein Lebensglück als der Reichtum.\nDer Gelehrte schäkert: er spielt Idealismus:\nEs verschönt den Anblick der Welt mehr als\nAdel oder vornehme Abstammung. Es macht die\nbanalen Eindrücke der Wirklichkeit zu Vergnügun-\ngen. Es erweiten und vertieft das Bewußtsein des\n„Ich\" . .\nDer Gelehrte vergißt für einen Augenblick, daß\nes kein anderes Bewußtsein gibt, als das „Ich\".\nDieses Talent, sagt er, bestärkt das Vertrauen\nzur treibenden Kraft der eigenen Persönlichkeit.\nDie eigene Persönlichkeit: des Wort-\nschwalls! ...\nDann verzeichnet der Doktor, daß in Paris „die\nDamen der Gesellschaft'\" ihren jährlichen Salon\nhaben; und im Almanach hat er „alle Namen aus\ndem Gotha gelesen\". Das gibt ihm Gelegenheit,\nEsprit und Geschmack zu zeigen:\n„Die Herzöge, Marquisen und Grafen drängen\nsich entzückt vor den Werken ihrer Gemahlinnen\nund gewinnen aus dieser Betrachtung die beruhi-\ngende Gewißheit, daß während der Stunden, in\ndenen die weißen Hände die Palette halten, kein\nbedauernswerter Neoplasmus ihrer Stirn die ge-\nschlossene oder die Blumenkrone streitig machen\nwird.\"\nSo erneuert ein Doktor Nordau „wissenschaft-\nliche\" Scherze, die sonst nur die Manillespieler im\n„Cafe du Commerce\" beschäftigen.\nEr hat den ersten Teil seiner These auf-\ngestellt: ein Halbtalent ist eine „Segnung, wenn\nman es um seiner selbst willen und zu seiner eige-\nnen Genugtuung pflegt\".\nAber, zweitens ... Zweitens:\nWenn eine böse Fee ....\nSchon wieder! . . .\n.... das anmutige Geschenk ihrer Schwestern\nin einen Fluch verwandeln will, so fügt sie etwas\nhinzu: den Ehrgeiz.\nMan füge den Ehrgeiz hinzu, und das Halbtalent\nwird „die schlimste Heimsuchung, die einem Men-\nschen widerfahren kann.\"\nWer mit dem Halbtalent den Ehrgeiz vereinigt,\nsetzt sich ein Ziel, das seine Waffe nicht erreichen\nkann.\nDoch dabei bleibt Doktor Nordau nicht:\nUnd er ist unwiderruflich dazu verdammt, daß\nSeine Schläge fehlschlagen.\nGut gesagt!\nPlötzlich bemerkt Doktor Nordau, daß er viel-\nleicht ein wenig erklären müßte, was das Talent sei,\nda er ja gerade das Halbtalent behandelt. In seine?\n„Psychologie des Genies und des Talents\" hat er\ndas Talent so definiert:\nDas Talent ist ein Wesen . . .\nAlso? . . .\n.... ein Wesen, das allgemein oder häufig\nzur Anwendung gebrachte Aktivitäten erfüllt und\nzwar besser als all die, die dieselbe Fähigkeit zu\nerlangen suchten.\nAch! Da s ist ein Talent? Und ein Halbtalent\nhöchstwahrscheinlich die Hälfte davon.\n„Der Grundbestandteil\" des Talents ist die\nNachahmung.\nEr schließt dann nach und nach ungefähr so:\nDas Talent bürgt, wenn es Milchkuh sein solL\nebenso wenig für die Nahrung wie für die Befriedi-\ngung der Eitelkeit. Und daher kommen, neben der\nmateriellen Not des Proletariats der Talente, die\nherzergreifenden Tragödien der gemarterten und\nzerstörten Eigenliebe.\nGut! . . . Aber das brauchte nur gleich gesagt\nzu werden. Oder, man brauchte es überhaupt nicht\nsagen.\nDoktor Nordau rät seinem Leser, in „den Vor-\nzimmern der Inspektion für die schönen Künste\"\noder der „städtischen Kommission für den Ankauf\nvon Bildern\" sich was anzusehen? „Die bejammerns-\nwerte Gruppe zerlumpter hungriger Gestalten, die\nauf einen Brocken einiger elender Francs des Bud-\ngets lauern. „Wir werden nicht hingehen. Aber\nhat Nordau das gesehen? Nordau schreibt auf aile\nFälle:\nTrügen nficht alle diese Unglücklichen ihrem\nKopf viel höher, wenn sie Schuhflicker wären .\nNein, dann hätten sie ihren Kopf über ihre\nArbeit gebeugt, wie Max Nordau, wenn er\nschreibt! . . .\n. . . Der Kellner, anstatt überzeugt zu sein,,\nsie seien berufene und auserwählte Talente? . .\nNordau schreibt schwer. Aber er „denkt\"\nmit Leichtigkeit.\nEr sagt noch, daß die „fünf oder zehn Neuig-\nkeiten\", die Jedes Jahr ein glänzendes Schicksal\nhaben, deswegen nicht besser sind als „die er-\nschreckliche Menge derer, die im Dunkeln bleiben\".\nWarum hat denn eine „Neuigkeit\" mehr Erfolg als\neine andere? . . . Glückssache! . . .\nDoch warum will der Doktor nicht die Halb-\ntalente mit den Talenten konkurrieren lassen? Er\nsagt ihnen vorher, sie werden in diesem Kampfe,\nfür den sie keine ausreichenden Waffen habe«,\nbesiegt werden. Nein, Herr Doktor: sie werde*\nnicht besiegt werden; es ist alles ja doch nur\nGlüchssache, wie Sie selbst sagen, und gewöhnlich\nbehandelt der Zufall das Mittelmäßige nicht\nschlecht. Warum entmutigen sie die Leute . . .\nDoch lassen wir ihn. Man sieht, Nordau hat\nkein Halbtalent.\nEr schließt:\nWem man wohl will, dem soll man lieber\ndas völlige Fehlen eines Talents als ein schwaches,\nmit Ehrgeiz gepartes Talent wünschen . . .\nWas soll man Nordau wünschen? . . .\nÜbertragung aus dem Französischen von Jean-Jacques\nDiese Uebersetzung eines Beitrags im F i g a r o\nwird veröffentlicht, um zu zeigen, wie man im „un-\ngeistigen\" Frankreich deutsche FeuilletongräSeu\neinschätzt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c010", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "728", "page_fin": "728", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.10", "titre_corps": "Der Verlebte", "titre_sommaire": "Der Verlebte", "signature_source": "Arthur Drey", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "728", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.6", "debut_caractere": 8936, "fin_caractere_exclue": 9318, "texte": "Der Verlebte\nArthur Drey\nDas hat die Nacht getan, die Marmor tötet:\nSie machte mir die Hände zu Ruinen,\nUnd meinen Blick hat sie mir zugelötet . . .\nSchon rosten meine Knochen, leere Schienen.\nDer Himmel zieht die Haut vergrämt in Falten\nUnd zeigt den Mond, den letzten Zahn im Schlünde.\nIch kann mich nicht mehr auf der Erde halten,\nSie wird zu dick und schiebt mich aus der Runde~"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c011", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "729", "page_fin": "729", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "729", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.7", "debut_caractere": 75, "fin_caractere_exclue": 423, "texte": "Verlag Der Sturm\nDer Preis fur den ersten Jahrgang der Wochetischrift\nDER STURM (Nutnmer 1-56) wird vom 15. 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Kunsthandiung, Antiquariat; Verlag\nBERLIN W 15, Kurfurstendamm 33\nStandige Ausstellung\ntnoderner Graphik\ni3\nIm Eckhanse, gegetiiiber der Se- fete\nzession,\nEingang Grolmannstraße\nIllustriert. Katalog u. 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Kurse von Friedr. Hester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie tind Praxis (staailich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Steliung). Orfindliche\nEixriuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmknmschen Berufes, ration dies\nStudium der Handels- und verwaridtert Wissenschaften als Ersatz fur cis Btchr-\njihriges Hochschuistudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- Bad Bilsuaz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ihnliche Schole ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjihrig-\n| Frefcvillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute re if er en Alters, die bereits praktisch tStig wares und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitera oder\nvertiefen wollen oder\nrue Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Natioftalokisjsjomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternchsnungen oder VerhSnde,\nAktien- oder Shulicher Gesefischaften sich vorbereiten wollen, Daaer dor Kurse\n6—12 Monate — je itach Vorbiidung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktiou, Joh&anisplatz 5\nmm\nI€i@!it3\nAnzeigen jggg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c020", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "729", "page_fin": "729", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "729", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.7", "debut_caractere": 4127, "fin_caractere_exclue": 4312, "texte": "(c\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nPiirGesangu.Klavier / 52Seiten\ndrbi mark\nDurch alle Buch- and Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / KatharinenstraSe 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1911-12-23-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1911-12-23_01#c021", "volume": "bmtnabg_1911-12-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "729", "page_fin": "729", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "729", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.7", "debut_caractere": 4314, "fin_caractere_exclue": 4647, "texte": "Autoren\nwelche ein belletristisches oder\nwissenschaftliches Buch ge-\nschriebea haben und einen\nVerleger dafur suchen, der es\nnach modernen drticktechni-\nschen Prinzipien ausstattet und\nruhrig vertreibt, helieben ihre\nAdressen (evt. 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W. FISCHER\nETUDES SUR\nFLAUBERT INEDIT\nBrosch. 2M 50 geb. 4— M\nLuxasausgabe M 10 ■\nFLAUBERT\nERINNERUNGEN EINSS\nNARREN\nGeb. M4 — Luxusausg. 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Es\nliegt noch genug Papier auf meinem Tische, so daß\nich in Eile alle Erinnerungen meines Lebens und\nalle Umstände aufzeichnen kann, die diese dumme\nund logische Verkettung von Tagen und Nächten,\nvon Tränen und Lachen beeinflußt haben, die man\ndie Existenz eines Menschen zu nennen pflegt.\nMein Zimmer ist niedrig und eng, meine Fen-\nster sind fest geschlossen; ich habe das Schlüssel-\nloch sorgfältig mit Brotkrume verstopft; die Kohle\nentzündet sich jetzt; der Tod wird also kommen;\nich kann ihn gefaßt und ruhig erwarten, während\nich all die Zeit über meinen Blick auf das Leben\nrichte, das entschwindet, und auf die Ewigkeit,\ndie naht.\nI\nMan pflegt einen Menschen glücklich zu nen-\nnen, der fünfundzwanzigtausend Franken Einkom-\nmen hat, der schön, groß, gutgewachsen ist, im\nSchöße seiner Familie lebt, alle Abende ins Theater\ngeht, lacht, trinkt, schläft, ißt, und gut verdaut.\nDie Ansicht ist alt, aber deshalb nicht weniger\nfalsch.\nWas mich betrifft, so habe ich mehr als fünf-\nundzwanzigtausend Frank Einkommen gehabt,\nmeine Familie war gut gegen mich; ich habe fast\nalle Theater Europas gesehen; ich habe getrunken,\nich habe geschlafen, ich habe von der Geburt an\nniemals das geringste Unwohlsein gekannt; ich bin\nweder einäugig, noch hinke ich, noch habe ich einen\nBuckel . . . Und ich bin so glücklich, daß ich mir\nheute, mit neunzehn Jahren, das Leben nehme.\nII\nEines Tages — ich war, wie ich mich erinnere,\ndamals zehn Jahre alt — umarmte meine Mutter\nmich weinend und sagte mir, ich solle unter die\nKastanien spielen gehen, die den Rasen des Schlos-\nses säumen . . . (O, wie müssen sie seit der Zeit\ngewachsen sein!) Ich ging hin, aber da meine Lelia\nmich dort nicht aufsuchte, fürchtete ich, sie sei\nkrank, und ging ins Haus zurück. Alles war ver-\nlassen; eine große schwarze Draperie war über\ndas Eingangsgitter gespannt; ich stieg in das Zim-\nmer meiner Schwester; da fiel mir ein, daß sie seit\nmehr als acht Tagen nicht zum Spielen gekommen\nWar.\nIch stieg also in ihr Zimmer. Dort traf ich zwei\nFrauen, die häufig an dem Tor des Schlosses um\nmilde Gaben gebeten hatten; sie hielten etwas Leb-\nloses in ihren Armen, das s>ie in ein weißes Laken\nhüllten . . . Das war sie!\nMan hat mich seither oft gefragt, warum ich\ntraurig sei.\nIII\nDas war sie! Meine Schwester! Tot! Ohne\nLebensatem!\nBald kam die Nacht; o, wie lang und bitter\nwar sie!\nDie beiden schwarzgekleideten Frauen legten\nden Körper in das Bett meiner Schwester; sie\nstreuten Blumen darüber und besprengten ihn mit\nWeihwasser; als dann die Sonne ihren letzten röt-\nlichen Schimmer in das Gemach geworfen hatte,\nder glanzlos war wie das Auge eines Leichnams,\nals der Tag an den Scheiben erloschen war, zün-\ndeten sie zwei kleine Kerzen an, die auf dem Nacht-\ntisch standen, knieten nieder und hießen mich gleich\nihnen beten.\nIch betete; o, sehr innig, so innig wie ich\nkonnte! Aber nichts geschah . . . Lelia regte sich\nnicht!\nSo kniete ich lange, den Kopf auf den feuchten,\nkalten Laken des Bettes; ich weinte, jedoch leise\nund ohne Ängste. Ich glaubte, wenn ich nachsänne,\nwenn ich weinte, wenn ich mir die Seele mit Ge-\nbeten und Gelöbnissen zerrisse, so würde mir ein\nHauch, ein Blick, eine Bewegung dieses Körpers\nvon undeutlicher Form werden, von dem man nur\nhier eine Rundung unterschied, die die Kopf sein\nmußte und weiter unten eine Erhöhung, die die\nFüße zu sein schienen. Ich armes, gläubiges Kind\nvertraute darauf, daß das Gebet einen Leichnam\ndem Leben wiedererwecken könnte,N so viel Glau-\nben und Arglosigkeit besaß ich!\nO, man kann nicht aussprechen, wie viel Bit-\nteres und Düsteres eine so verbrachte Nacht hat,\neine Nacht, die damit hingeht, bei einem Leichnam\nzu beten, zu weinen, das Nichts wieder zum Leben\nerwecken zu wollen! Man weiß nicht, was eine\nNacht voll Tränen und Schluchzen alles an Fürch-\nterlichem und Schrecklichem birgt, eine Nacht beim\nScheine zweier Totenkerzen, in Gesellschaft zweier\nFrauen mit monotonem Singsang, feilen Tränen\nund grotesker Psalmodiererei! Man weiß nicht,\nwas eine solche Nacht der Verzweiflung und Trauer\nalles ins Herz drückt: dem Kinde von Trauer und\nKummer; dem jungen Mann von Zweifelsucht; dem\nGreise von Verzweiflung!\nDer Tag nahte!\nAber als es licht wurde, als auch die beiden\nTotenkerzen erlöschen wollten, da verließen die\nbeiden Frauen das Zimmer, und ich blieb allein\nzurück. Ich lief hinter ihnen her, hing mich an ihre\nSchürze und faßte krampfhaft nach ihren Kleidern:\n„Meine Schwester!\" fragte ich sie, „ja, meine\nSchwester Lelia! Wo ist sie?\"\nSie blickten mich verwundert an.\n„Meine Schwester! Ihr habt mich beten ge-\nheißen, ich habe gebetet, damit sie wiederkomme,\nIhr habt mich genarrt!\"\n„Das war doch für ihre Seele!\"\nIhre Seele? Was bedeutete das? Man hatte mir\noft von Gott gesprochen, niemals von der Seele.\nGott, das verstand ich wenigstens; denn hätte\nman mich gefragt, was das sei, nun, so hätte ich\nLelias Hänfling genommen, ihm mit den Händen\nden' Kopf eingedrückt, und gesagt: „Auch ich bin\nGott!\" Aber die Seele? Die Seele? Was ist das/\nIch war kühn genug, sie danach zu fragen, aber\nsie gingen ohne Antwort fort.\nIhre Seele! Nun, sie haben mich getäuscht,\ndiese Frauen. Was ich aber wollte, war Lelia,\nLelia, die mit mir auf dem Rasen und im Walde\nspielte, die auf dem Moos lag, Blumen pflückte und\nsie dann in den Wind warf. Lelia, meine hübsche\nkleine Schwester mit den großen blauen Augen,\nLelia, die mich abends umarmte, wenn sie mit ihrer\nPuppe, ihrem teuren Lämmchen und ihrem Hänf-\nling gespielt hatte. Arme Schwester! Dich ver-\nlangte ich lautweinend zurück, und diese barbari-\nschen Leute antworteten mir: „Nein, du wirst sie\nnie wiedersehen, du hast nicht für sie gebetet, son-\ndern für ihre Seele! Für etwas Unbekanntes, das\nunbestimmt ist wie das Wort einer fremden\nSprache: du hast für einen Hauch, für ein Wort,\nfür das Nichts, kurz für ihre Seele gebetet!\"\nihre Seele, ihre Seele, ich verachte sie, ihre\nSeele, ich bedaure sie, ich will nicht mehr daran\ndenken. Was soll ich mit ihrer Seele? Wißt Ihr.\nwas das ist, ihre Seele? Ihr Leib ist es, den ich\nwill; ihren Blick, ihr Leben, kurz, sie! Und Ihr\nhabt mir nichts von all dem zurückgegeben.\nDiese Frauen haben mich getäuscht; gut, ich\nhabe sie verflucht.\nDieser Fluch ist auf mich zurückgefallen, den\ntörichten Philosophen, der nicht ein Wort begreift,\nohne es zu buchstabieren, an keine Seele glaubt,\nohne sie zu fühlen und keinen Gott fürchtet, dessen\nSchlägen er gleich dem Prometheus des Aschylos\ndie Stirn bietet und den er zu sehr verachtet, um\nihn zu lästern.\nIV\nOft sagte ich mir, wenn ich die Sonne er-\nblickte: „Warum bescheinst du jeden Tag so viel\nJammer, ziehst so viel Schmerzen ans Licht und\nhast so viel törichtes Elend im Gefolge?\"\nOft sagte ich zu mir selbst, wenn ich mich be-\ntrachte: „Wozu bist du da? Warum trocknest du\nnicht, da du weinst, deine Tränen durch einen ein-\nzigen, sichern und unfehlbaren Schuß, dessen ver-\nhängnisvolle Folgen nicht einmal Gott abwenden\nkönnte?\"\nOft sagte ich mir, wenn ich all die Leute be-\ntrachtete, die eilen, einem Namen nachjagen,\neinem Tron, einem Tugendideal; — alles Dinge,\ndie mehr oder weniger hohl und sinnlos sind —\nwenn ich diesen Wirbel sah, diese glühende Lava,\ndieses unreine Chaos von Freude, Laster, Taten,\nGefühlen, Stoff und Leidenschaften: „Wohin zieht\nalles dies? Worauf wird dieser übelriechende\nStaub niederfallen? Und da ihn stets der Wind\ntortträgt, in das Grab von welchem Nichts wird\ner ihn einschließen?\"\nOefter noch sagte ich mir beim Anblick der\nWälder, der viel gepriesenen Natur, dieser schönen\nSonne, die jeden Abend untergeht, sich jeden Mor-\ngen hebt, die an einem tränenreichen Tage gerade\nso glänzt wie an einem glücklichen, beim Anblick\nder Bäume, des Meeres, des von Sternen glän-\nzenden Himmels; wie oft habe ich mir da in bitte-\nrer Verzweiflung gesagt: „Wozu ist alles dies da?\"\nV\nEin Gedanke ist mir gekommen, und das ist\nder einzige Gewissensbiß, der mich je gequält hat;\ndenn ich habe nie Gewissensbisse gehabt, da ich\nglaube, daß die Menschen weder gut noch schlecht,\nweder schuldig noch unschuldig sind; ich weiß, daß\nich nicht aus meinem Willen, sondern aus dem.\nTrieb heraus handle, aus einer allgemeinen Ge-\nwalt, einem Verhängnis, das stärker ist als ich! —\nIch werde nie über die Dummheiten trauern, die\nmein Feind begehen könnte. — Ich finde also, ich\nhätte leben müssen, wie ich sterbe, froh und ruhig;\nanstatt zu weinen und Gott zu verfluchen, hätte\nich über ihn lachen und ihm Trotz bieten sollen;\nich hätte meine Tränen in Lachen ersticken, die\nWirklichkeit vergessen sollen, und da ich keiae\nLiebe finden konnte, hätte ich mich an die Wollust\nhalten sollen.\nDiese unvollendete Erzählung schrieb Flaubert Januar\n1837 im Alter von fünfzehn Jahren. Autorisierte Ueber-\nsetzung von E. W. FISCHER\nNachdruck verboten\n\nDie Perseïden und die\nLeoniden\nEine kulturhistorische Novellette von\nPaul Scheerbart\nEs sind nun dreizehn Jahre her.\nIn Genf wars — im Juni des Jahres 1898.\nDort hatte Mademoiselle Dorothee Klumpke den\nAstronomen Caspar vom Pariser Observatorium\nkennen gelernt. Sie saßen eines Abends im Hotel\nde la Paix gegenüber dem Montblanc und sprachen\nvon wissenschaftlichen Ballonfahrten.\n„Die Wissenschaft,\" sagte Mister Caspar, „hat\nsich noch lange nicht eng genug mit dem Luftballon\nverbunden. Sie ahnen ja garnicht, Mistress Klump-\nke, welche große Serie von Problemen mit den\nBallons noch zu lösen wäre. Der Astronom hat\nalle Veranlassung, sich zunächst mit den Dingen zu\nbefassen, die in unserer Atmosphäre sind. Ich meine\nnicht, daß er nur meteorologische Studien treiben\nsoll. Aber — sehen Sie — hier in unserer Atmo-\nsphäre gibt es Millionen Dinge, die wir noch gar\nnicht näher kennen gelernt haben — und die doch\naugenscheinlich gar nicht zu unserer großen Erde\ngehören.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "725", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.3", "texte": "„Wollen Sie sich,\" erwiderte Mistress Doro-\nthee, „ein wenig deutlicher ausdrücken? Meinen\nSie das Zodiakallicht? Das soll ja wohl eine Art\nSaturnring in unserer Atmosphäre sein.\"\n„Das,\" erwiderte Mister Caspar, „liegt ein\nwenig zu weit. Zu diesem Zodiakalringe werden\nwir wohl schwerlich mit dem Ballon hinaufkom-\nmen. Aber — wir haben täglich zehn Millionen\nSternschnuppen in unserer Atmosphäre. Die könn-\nten wir doch wohl vom Ballon aus näher kennen\nlernen. Bedenken Sie nur: täglich immer wieder\nganz neue zehn Millionen Weltkörper, die nicht von\ndieser Erde sind — immer wieder neue — täg-\nlich!\" —\n„Das ist ja kollossal!\" rief die Dame und blickte\nmit der Lorgnette zur Spitze des Montblancs, die\nallmählich rot wurde.\nDie Lampions wurden auf der Terrasse ange-\nsteckt. Auf dem Genfer See wurden die großen\nBergschatten dunkler.\nMister Caspar fuhr fort:\n„Am zehnten August haben wir wieder den\nPerseideh-Schwarm zu erwarten. Das sind die\nbekannten Tränen des heiligen Laurentius. Die vom\nLuftballon aus beobachten!\"\n„Das wäre,\" rief Mistress Dorothee ganz\nlaut, „einfach entzückend. Was gäbe ich darum,\nwenn ich dabei sein könnte!\"\n„Damen,\" bemerkte Mister Caspar, „haben\nwissenschaftliche Ballonfahrten noch nicht mitge-\nmacht. Sie, Mistress Klumpke, wären die erste.\nDas würde Ihren Namen sehr berühmt machen.\"\nDa lachte Mistress Klumpke und sagte:\n„Machen Sie keine Scherze! Mein Name ist\nwirklich so ungeheuerlich ungraziös, daß die Men-\nschen ihn nicht behalten werden.\"\n„Grade solche Namen,\" fuhr Mister Caspar\ndazwischen, „lassen sich am leichtesten berühmt\nmachen. Namen wie der meine sind nicht auffällig\ngenug. Aufs Auffällige kommts aber an. Klumpke!\nias ist ein Name, der schon tüchtig auffällt.\"\nBeide lachten.\nUnd Mistress Dorothee sagte:\n„Lassen wir die Scherze! Das Plumpe gefällt\nMir nicht, wenns auch tüchtig auffällt. Indessen —\nkann ich nicht dabei sein? Können wir nicht zu-\nsammen am zehnten August eine Ballonfahrt unter-\nuehmen?\"\n„Ja,\" meinte Mister Caspar, „wenn Sie den\nLuftschiffer interessieren könnten!\"\n„Ach,\" erwiderte Mistress Dorothee, „das\nkönnten Sie lieber selber arrangieren. Vielleicht\nbekommen wir den Luftschiffer, wenn wir uns beide\nan ihn wenden. Ich kenne einen entfernten Ver-\nwandten, Monsieur Blanchard. Der ist Luftschiffer,\nimmer in Geldverlegenheiten. Den könnten wir be-\nkommen. Sie interessieren gleichzeitig das Pariser\nObversatorium, und ich steure etwas zu der Sache\nbei.\"\n,Abgemacht!\" rief sehr erfreut der Astronom,\n„ich gestehe Ihnen, daß ich diese Wendung des Ge-\nsprächs grade gewollt habe. Ich wäre sehr für diese\nwissenschaftliche Exkursion. Sie glauben ja gar\nnicht, was alles in den Persei'den da oben möglich\nsein könnte.\"\n„Jetzt machen Sie,\" sagte Mistress Dorothee,\n„mich aber neugierig. Der PerseTdenschwarm\nwird doch neuerdings mit einem Kometen zusam-\nmengebracht. Kometentrümmer sollens ja wohl\nsein, nicht wahr?\"\n„Trümmer?\" rief Mister Caspar.\n„Ja, ich denke doch!\" meinte die I>ame.\nAber der Astronom runzelte die Stirn und\nsagte sehr hart:\n„Die Menschen sind immer bereit, zu meinen,\ndaß es im Kosmos ebenso kläglich hergehe wie in\nder irdischen Politik, in der auch immer wieder\nvon Zertrümmerung die Rede ist. Wir kennen\naber im Weltall noch nicht eine einzige Zerstö-\nrung. Kein Stern ist bisher vor unsern Augen zu-\ngrunde gegangen — so wie irdische Menschen und\nKönigreiche zugrunde gingen.\"\n„Aber,\" rief die Dame heftig, „Meteore sind\ndoch geplatzt.\"\n„Wann?\" fragte kalt der Astronom.\n„Sie scherzen!\" erwiederte wieder die Dame.\nAber der Astronom sagte:\n„Kein Mensch kann behaupten, daß die paar\nSteine, die zu uns hinunter kamen, ganze Meteore\ngewesen sind. Diese tauchen gewöhnlich vier bis\nfünf deutsche Meilen über der Erdoberfläche auf.\nWenn sie in dieser Höhe noch zu sehen sind, so\nmüssen sie mindestens fünfzigmal so groß sein als\nein Luftballon.\"\n„Allerdings!\" rief Mistress Klumpke mit gefal-\nteten Händen. „Sie überzeugen mich. Dadurch\nwerden aber die Sternschnuppen rasend inter-\nessant. Und jetzt kann ich kaum noch den\nzehnten August erwarten. O, wie freue ich mich, daß\nwir fahren! Ich telegraphiere morgen in aller\nFrühe an diesen Blanchard. Er ist mir noch etwas\nschuldig. Die Sache wird gemacht. Indessen —\nkommen wir rasch zu den Persei'den zurück. Sie\nmeinen, Mister Caspar, daß diese Perseiden Trüm-\nmer von Kometen in keinem Falle sind, nicht\nwahr? Wofür halten Sie denn diese Perseiden?\"\n„Ja,\" meinte der Astronom lächelnd, „Sie kön-\nnen nur Hypothesen von mir erwarten. Aber\ndarum wollen wir ja die Ballonfahrt unternehmen,\num die Wahrscheinlichkeit dieser Hypothesen fest-\nzustellen.\"\n„Sie spannen mich auf die Folter,\" sagte wieder\ndie Dame, „ich bitte Sie: sagen Sie mir rasch,\nwofür Sie die Perseiden halten. Ich kann s kaum\nnoch erwarten.\"\nMister Caspar sprach leise:\n„Wer sagt uns, daß wir in den Kometen ge-\nschlossene Körper wie die Planeten zu erblicken\nhaben? Wer sagt uns das? Der Komet Biela\nteilte sich bekanntlich im Jahre 1845 — man sagte\ndamals, er bekäme ein Junges. Ziemlich respekt-\nlos! Wär's nicht natürlicher, wenn man den Ko-\nmeten gleichsam als Vogelschwarm auffaßte —\nvon dem sich eine jüngere Generation losmacht?\nDas wäre doch die natürlichste Erklärung für die\nhöchst phänomenale Teilung des Bielaschen Ko-\nmeten. Nehmen wir das aber an, so ist auch der\nkometarische Ring, den die Perseiden bilden sol-\nlen — nicht ein Trümmer-Ring — sondern ein le-\nbendiger Ring von dislozierten Kometenmitglie-\ndern.\"\n„Dann,\" rief Mistress Dorothee aufspringend,\n„hätten wir also lebendige Wesen in den Perse-\niden zu erblicken? O! Himmlisch! Ihre Logik\nist zwingend. Ich glaube daran. Ich telegraphiere\nsofort an diesen Blanchard! Herr Oberkellner!\nDie Dame gab das Telegramm auf, und Mister\nCaspar bestellte alten Rheinwein und Importen und\nZigaretten. Dabei blickte er zum Montblanc\nempor, der ganz dunkel war.\n„Schade,\" rief er, „daß wir bei diesem Ge-\nspräch das Alpenglühen gar nicht beachtet haben.\nDoch gerade in diesem Jahre sollte wieder der\nBielasche Komet da sein. Die Perseiden sind, wie\nallgemein angenommen wird, der Bielasche Ko-\nmet.\"\nMademoiselle Klumpke trank ein ganzes Glas\nRheinwein auf einen Zug aus. Die Stimmung\nwurde immer heftiger. Mister Caspar erzählte,\ndaß nach seiner Meinung alle Kometen aus großen\nSchwärmen von elektrisch leuchtenden Lebewesen\nbeständen.\nDie Beiden fuhren am nächsten Tage zusam-\nmen nach Paris. Und alles wurde für den Aufstieg\nam zehnten August vorbereitet.\nLeider brach an diesem Tage ein Orkan los,\nder mehrere Tage wütete. Und Monsieur Blan-\nchard stieg nicht auf, obschon ihm von Mistress\nKlumpke die größten Summen zu Füßen gelegt\nwurden.\nDafür wollte man dann im November des Jah-\nres 1898 die Leoniden beobachten.\nMister Caspar sagte:\n„Trösten wir uns! Die Leoniden sind eben-\nfalls höchstwahrscheinlich ein aus Kometenmitglie-\ndern gebildeter Ring. Vielleicht sind die Leoniden\nnoch interessanter als die Persei'den. Es wäre\nnicht unmöglich daß wir im November endlich\nhinter das Kometengeheimnis kommen. Die Ko-\nmeten sind komplizierter, als wir dachten. Ihre\nleichte Auflösbarkeit, in mehrere Kerne, ihre große\nVeränderlichkeit, besonders in der Sonnennähe, ihr\nSchweif und andere Dinge — alles dieses spricht\ndafür, daß wir es in jedem Kometen mit einem\nVolke zu tun haben — einem Volke, das zusam-\nmen abenteuernd — mit phantastischen Glied-\nmaßen — durch den Kosmos dahinsaust — und\nlebendig bleibt — auch wenn der Komet scheinbar\nauseinandergeht.\"\nDer Aufstieg im November 1898 brachte aber\nleider keine Resultate. Dagegen soll jetzt in Paris\nein Tagebuch von Mademoiselle Dorothee Klumpke\nerscheinen. Ob da etwas enthalten ist, das wis-\nsenschaftlichen Wert beanspruchen darf, das wis-\nsen natürlich nur die Herausgeber.\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nLieber Herwarth, liebes Kurtchen, sollte ich\nwirklich die Briefe vorgestern verwechselt —\nden an Euch Peter Baum, den Brief an Peter Baum\nEuch etwa geschickt haben? Oder sollte sich die\nPost den Streich geleistet haben, der Postbeamte\nmit dem Ziegenbart guckt mich so faunisch\nimmer an.\nPitter, wenn De dän Breef bekommen häst, han\nech meck ermordet, Du bruchst ewwer nich nach-\nkicken. Pitter, eck han meck dötmal werklech ver-\nknallt! Rot ens en wäm! Du glöbst meck nich mähr,\nPitter, ewwer et is werklech war, on eck kannich\nmähr op Arbeet gon en die Fabrik. Pitter Boom,\nen die Fröh han meck der Prinzipal geköndegt, weil\neck ömmer wie eene Taube op däm Taubenschlag\nen die Loft kicke, .on die Knöppe op die verkehrte\nSiet öwerspannen tu. On freten kann eck ook\nnich mähr, on eck berg ömmer minne Liebes-\nschmerzen em Herzen en ming kariertes Koppkis«\nsen; oder die Konterfeis on die Wände kick eck on,\nusse Beld, wo wir eingesegnet worn sind met die\nriecken Kender tusammen. Weeßt Du et noch?\nWie häst De Deck verändert, Pitter, on eck erseht,\newwer wir sinn uss trö gebliewen en Friid on Leed,\non Du weeßt ganz genau, dat eck wacker ömmer\ntu Deck gekommen bön, on Deck allet gebeechtet\nhan. „Arbeet macht dat Lewen sös\" hat Deck\ndann der Pastor Krummacher en Ding Poesie-\nalböm geschriewen. on meck hätt hä eene empfend-\nleche Rede gehalten, weel eck ömmer gelacht ham,\nen der Konfermantenstonde onter ming Polt. Ewwer\ndat es allet vorbee, nur lach eck nech mähr, eck\nmodd (immer hülen, van wegen öhmm. Kennst\nDe „öhmm\"? Du kennst öhmm! Rot ens „öhmm\".\nOn klatsch et nich Herwarth weher, Pitter, on sei\ngegrößt\nvan Dinne Fronden Amanda\nUnglücklicher Herwarth, der Pitter hat mir\nhier auch den Brief, den ich an Dich schrieb, zurück-\ngesandt: Lieber guter Herwarth, bleib nur noch\nruhig und wohlgemut im Eis. Du kommst desto\nfrischer nach Haus. Du kennst mich doch,\nDu kannst ganz ruhig sein, ich bin über-\nhaupt den ganzen Tag über zu Haus und mache\nWeihnachtsbaum und abends zünd ich schon\ndie Kerzen an und singe Lieder, himmelhoch-\njauchzend zu Tode betrübt. Ich bin wahnsinnig\nglücklich, Du siehst daraus, wie treu ich Dir bin.\nGrüße Kurtchen, unsern Engel.\nElse"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "726", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.4", "texte": "Herwarth, wo Dus nun mal weißt, ich bin heut\nzur Ruth-Elfriede gerannt — wie ein Primaner.\nEiner „Frau\" wollte ich mein Herz ausschütten.\nAber sie glaubt mir nicht mehr, erst wenn ich in\nvier Wochen zu ihr käme mit dem gleichen Ge-\nfühl für „ihn\". Merk Dir und Kurtchen bitte den\nTag, es war gestern, den neunzehnten Dezember.\nIch bin ja fest überzeugt, daß mein Herz mich nicht\nbetrügt, ich kann im Grunde bauen auf mein Herz,\naber, wenn mich das hier im Stich läßt, dann werde\nich oberflächlich.\nIch habe an Tristan geschrieben: Süßer Tri-\nstan, nachts versammeln sich alle meine Vorfahren\nin meinem Zelt, Kalifen und Derwische und Pa-\nschas in hohen Turbanen. Und auch ein Häuptling,\nder mir das Tanzen beibrachte über die Leiber der\nUngläubigen, droht mir nun mit Allahs Zorn. Tri-\nstan, du bist ein Ungläubiger. Aber ich liebe dich,\nTristan, und mit dem Golde deiner Locken blende ich\ndas Auge des Gesetzes im Koran. Und meine Pa-\nläste und meine Dromedarherden schenke ich dir,\ndie werden vor dir niederknien, zottige Sklaven,\nwenn du sie besteigen willst. Und die Schnüre\nmeiner wilden, blauen Perlen sollst du um deinen\nNacken tragen und meinen Ring nimm mit der\nSinthflutperle. Und ich schenke dir mein Herz,\ndas kannst Du in die Hand nehmen und damit\ngaukeln. In ihm spiegelt sich der brennende Dor-\nnenstrauch des heiligen Berges und die Nacht und\nihre unsäglichen Sterne. Ich liebe dich, Tristan.\nTino von Bagdad\nLieber Herwarth und liebes Kurtchen, daß eine\nKarte ironisch lächeln kann, hat mir Eure bewiesen,\nauch eine gewisse zuschauende Väterlichkeit geht\nvon den abgeklärten, temperamentlosen Buchsta-\nben aus, lauter Greisenhaare. Ihr habt sie wohl\nzusammen angefertigt? Abgeklärtheit muß kolos-\nsal schwer sein, mir wenigstens. Dein Hand-\nschriftsbild, Herwarth, ist doch sonst ein Sympho-\nniekonzert öder eine Pantomime und Kurtchen\npräsentiert sein Selbstporträt, jeder Haarstrich\nseiner Zeilen ist er. Vor allen Dingen ist es\neine Frechheit von Euch beiden, Euch so erhaben\nüber mein Geständnis zu benehmen.\nElse\n\nLothar und Gertrud\nvon Kunowski\n\nIn einigen Bänden seines großen Werkes\n~Durch Kunst zum Leben\" begleitete Lothar\n\"von Kunowski schon mehrfach mit dem Wort\nseinen Kunstunterrieht, über dessen Anfang und\n•Fortführung, Grundlagen und Gesetze jetzt ein\ngroßes Buch mit vielen Abbildungen unter dem\nTitel „Unsere Kunstschule von Lothar\nund Gertrud von Kunowski1' (Verlag für National-\nstenographie) vorliegt. Man findet hier den klassi-\nschen Fall der Frau als Trägerin der Idee des Man-\nnes. Dieser, aus der Erfahrung mit der Griffel er-\ntasteten Idee: es besteht eine rhythmische Korre-\nspondenz zwischen den Dingen. Ein Rhythmus der\nMaße und der Helligkeit. Alles ist im Verhältnis.\nDies auf die Entstehung des Bildes transponiert,\nergibt beim Zeichnen das Verfahren: Kontur an-\nzeigender Formstrich, Halten des Auges und\nder Hand, von da Visieren und Erreichen korre-\nspondierender Punkte mit rhythmischen Sprüngen.\nGewiß wird gemessen, aber nicht schematisch mit\ndem Lineal von Punkt zu Punkt, räumliche Kraft-\nlinienbündel der Form zerschneidend, sondern tän-\nzerisch im Rhythmus den Raum abschreitend von\noptischer Assoziation zu Assoziation. Das Licht ist\n\"Wegweiser zu den korrspondierenden Punkten, 'und\n•die Fingerzeige des Lichts von Punkt zu Punkt, von\nKante zu Kante führen zu den „Brennpunkten der\nForm\", darin die Oberflächenwerte eingehängt sind.\nDie sind nach Form und Valeur bestimmt durch\njene Visierlinien des Lichts, von denen keine ab-\nstrakt ist. Kunowski hat die Erscheinung der\n„schwebenden Tonflächen\" begrifflich festgelegt.\nJene interessante Erscheinung, daß jeder Strich auf\ndem Papier Wirkungen hervorruft, die weit über\nseine lineare Ausdehnung hinauswallen, die\nFlächenteile in verschiedenen Helligkeitsgraden\nerscheinen lassen. (Aehnlich, wie wenn man im\nDunkel eine Fläche mit einem Phosphorhölzchen\nbestreicht.) Meister wie Schongauer stellten diese\ngeheime Kraft in ihren Dienst. Auf einem papier-\nweißen Himmel vermochten sie mit ihrer Hilfe und\neinem Strich den Heiligen eine noch hellere Glo-\nriole zu geben. Van Gogh bringt eine Sonne da-\ndurch fertig, daß er von einem Zentrum Radial-\nstriche ausgehen läßt, und so bekommt die Hellig-\nkeit im Zentrum eine Brisanz, daß die Augen flim-\nmern. Kunowskis Verdienst ist es, diese gleichsam\nesoterische Eigenschaft der Linie in den eben ange-\nführten Begriff geprägt zu haben, so daß der Leh-\nrer damit operieren kann. Denn da der Begriff aus\ndem künstlerischen Schaffen hergeleitet ist, wird\nsich ein künstlerisches Schauen leicht wieder da-\nran knüpfen. So entwickeln die Gerüstlinien aus\nder Papierhelligkeit die Oberfläche der Körper, frei\nund leicht entsteht sie als Widerschein aus der\nDynamik der inneren Form, wird nicht mit Semmel\nund Knetgummi einer Schicht Kohle oder Graphit\nunorganisch eingetupft.\nAuf diese Art vom Schüler hervorgebrachte\nAkte werden schon früh in Zusammenhang mit\nDingen der Umwelt gebracht. Dadurch entsteht jene\nTotalität, die von Goethe für das literarische Kunst-\nwerk verlangt wurde und intellektuell-ästhetisch\ngemeint war, bei Kunowski zu einer bildhaften\nTotalität wird, die hier bedeutsamer ist, als in\nden Bezirken des psychischen Lebens. Sie ist\nstreng an dem Rhythmus des Helden orientiert, ja,\nsogar nach ihm organisiert. Denn „Schatten und\nLicht sind nicht nur abhängig von der Stellung der\nLichtquelle und von der Richtung ihrer Strahlen,\nsondern von dem freien, selbständigen Vermögen\nder Geschöpfe, so zu wachsen, daß von konstru-\nierbaren Schatten und ,Lichtflächen überhaupt die\nRede sein kann. Es ist eine Leistung der Gegen-\nstände selbst, daß man an ihrer Oberfläche Ab-\nstufungen von Schatten, Halbschatten, Tiefen,\nLichtflächen und Glanzlichtern in deutlicher Tren-.\nnung sieht. Sie selbst schaffen der Sonne die Mög-\nlichkeit, Gesetze von Schatten und Licht ablesbar\nin klarem, anschaulichem Organismus darzustellen.\n— Von innen her durch das rhythmische Raumge-\nfühl wird der Organismus von Schatten und Licht\ngenau so bestimmt wie von außen durch die Licht-\nquelle. Denn jedes Geschöpf edler Art trachtet,\nseine Oberfläche so zu bilden, daß sie durch die\nSonnenstrahlen nicht nur überhaupt gedeutet Wer-\nden kann, sondern daß sie alle Reichtümer des In-\nnern enthüllt und ausbreitet. Eine Auswahl der\nSonnenstrahlen ist unentbehrlich zum Aufbau und\nWachstum der Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine.\nDie Auswahl geschieht durch die Farben der Ober-\nfläche, welche einen Teil des Lichts zurückweisen,\neinen Teil ins Innere aufnehmen. Aus den Energien\nselbstgewählter Strahlen baut jedes Wesen seinen\nLeib und gibt physische Lichtkräfte wieder als\ngeistige Organisation seiner Oberfläche, als an-\nschaulichen Ausdruck seiner Seele. Dieses Streben\naller Wesen nenne ich den Drang der Natur nach\nSichtbarkeit.\" Als Ei genschaft der Dinge und\ndes Kunstwerks möchte ich das den „Stil\" nennen.\nStilisieren hieße dann: den Rhythmus im Extrakt\ngeben.\nKunowski ist kein Pauker auf sein System, er\norganisiert das Gewächs einer sich frei entwickeln-\nden Veranlagung. Nicht bedeutungslos für den Auf-\nbau seiner Schule ist der Satz von den Aegyp-\ntern als den größten Erscheinungsarchitekten,\nda sie ein ganzes Land nach dem Rhythmus ihrer\nMetaphysik organisiert hätten. Nichts anderes ist es\nübrigens, woraus sich Kunowskis System kristal-\nlisiert. Jedes Ding bestimmt seine Physiognomie\naus sich; wie er eben bewies. Die Perspektive aber\nist abhängig von der Optik unseres Auges. Ku-\nnowskis Bestreben geht nun darauf aus, die Auto-\nnomie des Objekts mit der durch die wissenschaft-\nlichen Gesetze geregelten subjektiven Auffassung\nzu einer bildhaften Erkenntnis zu verbinden Dabei\nist leider wenig von der Farbe die Rede Nicht um-\nsonst sagt Kunowski am Schluß, daß außer der\nNatur noch Leonardo da Vinci und Goethe seine\nLehrmeister gewesen seien Also der Konstrukteur,\ndas Genie des künstlerischen Systems und der aus-\ngesprochene Linearist, der der Farbe nur wissen-\nschaftlich näher trat und den Koloristen Jean Paul\nnicht verstehen konnte. Kunowski ist auch ein\nItaliener in diesem Sinne. Die Figur muß\nbis aufs äußerste artikuliert sein. Stets ist\nbei der Besprechung der vierundzwanzig Ab-\nbildungen der „Kunstschule\" viel die Rede\nvon den funktionellen Spannungen innerhalb\nder Bildfläche, aber es wird wenig gehandelt\nvon den Entspannungen der Farbe und den koloris-\ntischen Belastungen. Kunowskis Auffassung von\nder Aufgabe der Farbe ist gefährlich und kann zum\nVirtuosentumm verleiten ohne das „faustiche Stre-\nben nach Erkenntnis\". Den Van Eyck führt er auch\nfür sich an, während er doch das Andere hätte von\nihm lernen können: das Holländische, das auf die\nMaterie abstrahieren, bei einem Gelenk zeigen, daß\nes mehr ist als ein Scharnier, das zu klappen hat,\nnämlich etwas aus Knochen und Haut von anderer\nStruktur als sonstwo am menschlichen Körper; und\nüberhaupt das mit dem Griffel an die Leinwand\nschlagen und psychische Ströme hervorfluten\nlassen.\nMan hat dem Unterricht Kunowskis den Vor-\nwurf gemacht, er sei zu stark in die Abhängigkeit\ndes Begriffs gekommen. Mit Schuld daran mögen\nnebst anderm seine Erklärungen zu einem Stilleben\nsein, das eine Glasurne, Eichenblätter, eine Ranke,\ndas Haupt Napoleons und ein von einem Stein be-\nschwertes Buch zeigt. Kunowski spricht dabei\nvom Sinn der Bewegungskurve, die vom Stein zum\nBuch läuft, von ihrem Zusammenhang mit Raum und\nZeit. Es scheint mir in solchem Falle ein logischer\nDenkfehler des Kritikers vorzuliegen: er verwech-\nselt den Inhalt mit dem Charakter der Darstellung,\nspricht von einer ideologischen Darstellung, statt\nvon der Darstellung des Ideologischen. Wie der\nStaatsanwalt über eine unsittliche Darstellung in\nder bildenden Kunst in Wallung gerät, während es\nsich in Wirklichkeit um die sittliche Darstellung von\netwas Unsittlichem handelt. Gewiß kann man von\ndiesem Buche sagen „Im Anfang war das Wort\",\naber die künstlerische Tat war dann vorher. Daraus\nresultiert nur ein neus Verdienst Kunowskis, das\nich bereits an einem Falle exemplifizierte, nämlich\ndas Prägen von anschaulichen Begriffen für Er-\nscheinungen der ätherischen Oberfläche, die un-\nserer an der Substanz entstandenen Sprache nicht\nleicht fallen. Optische Erscheinungen sind schwer\nzu fassen, und unser Auge kann ja nicht einmal\neinmal in dem herrlichen plötzlichen Braun der\nAugen der Geliebten baden, denn ehe der Blick\nnoch ganz hineinstieg, ist die Farbe eine andere.\nHier haben wir den Mann, der die Beschattung\ndurch eine Linie festhält und als „schwebende Ton-\nfläche\" einsteckt, der eindringlich spürend den\n„Brennpunkt der Form\" aufsuchte. Das sind\nschlagende Bezeichnungen, leider aber für die\nLeute Schlagworte, und da man ihnen etwas vom\nRhythmus gesagt hat, sind sie nun gleich damit bei\nder Hand. Aber mit Worten allein läßt sich da nichts\ntun. Es gibt keine andere Befreiung innerhalb die-\nses Systems, denn diese, es als Funktion frei in der\nHand zu haben. Dazu aber ist Arbeit nötig.\nZu Anfang des Werkes sagt Kunowski: „Je\nstärker Talent und Individualität, desto größer ist\ndas Verlangen nach methodischer Ausbildung.\"\nMan ist seit den Tagen der großen Franzosen, die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "727", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.5", "texte": "es ohne Akademien geworden seien und nur von\nder Natur gelernt hätten, dem Dilettantismus ent-\ngegengekommen und hat gesagt, Schule sei un-\nnötig. Dabei vergaß man, daß Courbet solange\nVelasquez studierte, bis er ihn auswendig konnte,\nund daß Manet in Coutures Atelier lernte. Dann aber\ngingen beide hin und riefen „Nur nach der Natur\".\nDadurch kam dann die künstlerische Anarchie in\ndie Welt statt der im edelsten pythagoreischen\nSinne gemeinten Aristokratie. Heute sind wir so\nweit, daß ein Schriftsteller nichts gilt, wenn er\nnicht die Vokabel für jede Geste des Gehirns, für\njede Gebärde der Seele bereit hat, daß aber der\nbildende Künstler die einfachsten Naturformen\nnicht darstellen kann. Da setzen Kunowskis metho-\ndische Sinnesübungen vor der Natur ein. Die Natur\nwird aufs genauste durchstudiert und aufgezeich-\nnet; mit Recht nennt der Lehrer diese sorgsamen\nUntersuchungen und Uebungen das Sprungbrett zu\neinem freien begeisterten Schaffen. Wer die For-\nmen der Erscheinungen in der Hand hat, braucht\nnur mehr den Anstoß in sich, um den beseligenden\nSchwung einer Linie, die Ekstase eines Druckes\nauf dem Papier auszugeben. Ohne die dilettan-\ntische Ungeduld des Effekts hat der Schüler die\noptische Erscheinung durchzutasten, bis er die Phy-\nsiognomien ihrer Elemente erfaßt hat und sie wie-\nderzugeben vermag. Der menschliche Körper\ndrückt seine Seele nicht nur aus im Antlitz, aus\njedem Muskel blickt sie uns an, und das Mienen-\nspiel eines Rückens ist stets und immer frei von\ntaktischen Ueberlegungen. Dabei hat vor dem\nTypischen und Individuellen das Einzelne keine Be-\nrechtigung. Denn es ist weiter nichts als das All-\ngemeine; das Besondere aber sind Millionen Fälle\ndes Alls. Ein Muskel kann an pflanzliche oder tie-\nrische Motive erinnern, und der Schüler hat der As-\nsoziation nachzugehen, wie er die Buglinie eines\nerhobenen Unterarmes nachdrücklich auf sich wir-\nken lassen muß und von einem Nasenflügel das\nfreie Geschnörkel wie von einer Weinrebe. Wir\nhaben die Welt in uns. Die Linie unserer Augen\nMdet das Zeichen oo , (das Symbol der Unendlich-\nkeit) und zugleich mit den Pupillen als Brenn-\npunkten die Ciparellische Kurve, in der im Raum\nPlaneten sich bewegen.\nBei einem Urteil über die Arbeiten der Ger-\ntrud von Kunowski wäre eine Betrachtung über die\nFrau als Künstlerin auf Grund ihrer Stellung zum\nRaum, ihrer Metaphysik, ihrer Rolle in der Kultur\nnotwendig. Hier will ich mich nur an die hervor-\ngebrachten Erscheinungen halten. Wenn auch die\ndem Buche „Unsere Kunstschule\" beigegebenen\nAbbildungen lobenswert sind, so konnte man sich\numso mehr freuen, die Originale zu sehen. Sie\nwaren im Kunstgewerbemuseum zu Berlin ausoe-\nstellt und verschafften einen besonderen Ein-\ndruck. Kleine Farbenskizzen von außeror-\ndentlich starkem Ausdruck der Bewegung fie-\nlen auf; Bilder von prachtvoller dynamischer Or-\nnamentik; Menschen, diese wunderbaren Gewächse\nin organischen Kristallen, waren da. Ein Körper,\nmit wenigen Farben hingeschmiegt, ein Mann im\nStein, Blumen, wie Mimosen und Disteln in merk-\nwürdig kristallinisch erfüllter Form zusammen mit\nKörpern, einzig in eine farbige Helligkeit gehüllt.\nStets ist die Farbe ein Ausdruck der Funktion, ein\nFleckchen kann zuweilen alles beibringen.\nEine Ausstellung der Seminararbeiten aus Düs-\nseldorf zeigte, was alles sich in Kunowskis Kunst-\nschule erreichen läßt. Hier hatte man die Probe\naufs Exempel. Sie ist gut ausgefallen.\n\nPaul Mahlberg\n\nLob der Zeit\nKurt Hiller\nDaß es auf Kultivierung mehr ankommt als auf\nZivilisation, können natürlich zuletzt die begreifen,\ndenen vom Auseinander beider Begriffe überhaupt\nnichts schwant. Einer von ihnen ist Vollmoeller,\nder Georgiast mit Sportzügen; ein Weltmann, der\nvon jenen, so Breviere schreiben, durch einen sym-\npathischen Mangel an Zurückhaltung, durch Schil-\nlerjuchhei, kurz kraft des Fakts, daß dem Smoking\nimmer noch der Sweater vorzuziehen ist, freund-\nlich sich abhebt. Dieser Vollmöeller hat, für den\nInselalmanach, ein „Lob der Zeit\" gedichtet; Lob\nder Zeit — von wegen der Aeroplane. Darinnen\n„braust\" „die Schraube\", „die straffen Drähte\nsingen\", und „Stahls\" reimt sich auf „Lilienthals\".\nSogar „Palos\" und „Karavellen\" müssen herhalten,\nziels Gehobenmachung der Sprache; und „Eiriks\nDrache\" ist weit davon entfernt, unherbeigezogen\nzu bleiben. Der „Urweltmorgen\", da „der stille\nWerkmann einer blonden Horde, nicht wissend\nwas er tat, den ersten Stamm gehöhlt\", wird als\nBeginn der Geschichte des Menschengeists ange-\nsetzt; und als ihr glorreicher Abschluß: Bleriots\nKanalflug. Nein, was ein Denker, dieser Voll-\nmoeller; nein, was ein tiefer Problematiker! Wenn\nnun die Zeppeline gar noch den Nordpol küßt . . .!\n(Daß die Geschichte des Menschengeists nun direkt\nsich überschlagen habe, umgekippt sei, werden wir\ndann wohl zu hören bekommen) . . . „Fanfare\".\n„Jagdruf\", „kriegerisches Erz\" —: als ob fünfzehn-\nhundert Millionen Erdbekrabbler gar keine Sorgen\nhätten und die fünfzehnhundert besten Europäer\nkeine Gehirne voll Antinomien. Denn die Logik\ndes „volare necesse est, vivere non necesse\" ist\nnicht für jederman so zwingend; es dürfte Per-\nsonen geben, die sich zu der Behauptung verstei-\ngen werden: Wenn es überflüssig ist, zu leben,\ndann gewiß doch auch, luftzuschiffen; wenigstens\nsolange nicht beobachtet ward, daß Leichen ein\nFlugzeug erklettern . . . Indes jene feschen Neu-\nkatholiken, taumelnd zwischen Muskelpflege und\nEntsagung, Benzin und Weihrauch, meinen „tief\"\nzu sein und „Ueberwinder\" des „Rationalismus\",\nwenn sie den Zustand der Lebendigkeit (diesen\nherrlichen, unvergleichbaren und in allen Debatten\nvoraussetzungsweise zu postulierenden Zustand)\nunter Phrasengetut verächtlich machen.\n\nTheater\nStrindberg\nIm nächsten Winter soll Berlin eine neue\nBühne, das Künstlerische Theater, unter der Lei-\ntung von Adolf Lantz erhalten. Vorläufig werden\neinzelne Abende in anderen Theatern veranstaltet.\nMan begann im Lessingtheater mit einem unaufge-\nftihrten Drama von August Strindberg:\nDer Scheiterhaufen. Strindberg selbst hat\nsein Drama richtiger und künstlerischer Der Pe-\nlikan genannt. Der Grund der Namensänderung\ndurch den Uebersetzer ist nicht einzusehen. Nur\ngrobe Sinne können das Drama naturalistisch ver-\nstehen. Es wird sehr viel von Ernährung, Erzie-\nhung, Erwerb gesprochen. Naive Kritiker\nglauben, dieser Dichter wolle etwa päda-\ngogische Ansichten verbreiten. — Die Handlung:\nEine Mutter (der „Pelikan\") hat Mann und Kinder\nschlecht ernährt und schlecht behandelt, ihren\nLiebhaber mit der Tochter verheiratet und sich\nselbst alle Genüsse gegönnt, die sie ihrer Familie\nversagte. Nach dem Tod des Mannes erfahren\ndie benachteiligten Mitglieder auf sehr primitive\nWeise durch einen Brief des Verstorbenen, die Art\nund die Gesinnung der Frau. Der Gatte ist zu\nGrunde gegangen, er nahm die Frau schweigend als\nSchicksal hin. Die Kinder und der ehemalige Lieb-\nhaber, der jetzige Gatte der Tochter, empören sich\nund wollen diese Frau durch rohe Gewalt zu den\nHandlungen bringen, die ihnen für sie selbst gut\nund nützlich scheinen. Sie können es nicht er-\nzwingen. Der Liebhaber verläßt das Haus, der\nSohn legt Feuer an, um mit der Schwester gemein-\nsam das unerträgliche Leben zu beenden. Die\nMutter stürzt sich zum Fenster hinaus, um wenig-\nstens dem Tod durch das Feuer zu entgehen. Alle\nPersonen des Dramas leben und sterben ihrer An-\nlage gemäß. Das Drama ist nicht roh und gemein,\nwie die Zeitungen schreiben, sondern von einer\nübergroßen Liebe und einem verzweifelten Mitleid\nerfüllt. Strindberg beschuldigt nicht, er entschul-\ndigt. Strindberg richtet nicht, aber er „erlöst\" auch\nnicht. Das beweist die Echtheit seines Dichtertums.\nIst es nicht traumhaft, daß man noch heute das\nGenie Strindbergs verteidigen muß! Daß sein un-\ngeheures Lebenswerk nicht jeden vor Ehrfurcht\nin die Knie beugt. Gibt es etwas Gewaltigeres, als\ndie Aussprache zwischen Mutter und Sohn. Mit\ndiesem Gipfel:\nDie Mutter: Geh nicht.\nDer Sohn: Erwachst du?\nDie Mutter: Wie aus einem langen Schlaf.\nEs ist schrecklich. Warum weckte man mich nicht\nfrüher?\nDer Sohn: Was niemand konnte, war un-\nmöglich. Und deshalb bist du vielleicht nicht so\nschuldig.\nDie Mutter: Sag es noch einmal.\nDer Sohn: Du konntest wohl nicht an-\nders sein.\nDie Mutter: (küßt ihm die Hand) Sag noch\netwas.\nDer Sohn: Arme Mama!\nDie Mutter: Hast du Mitleid mit mir?\nDer Sohn: Wie oft hab ich nicht von dir\ngesagt: Sie ist so böse, daß es schade um sie ist.\nDie Mu 11 er: Ich danke dir.\nDer Sohn: Ist es nicht zu heilen?\nDie Mutter: Nein.\nDer Sohn: (geht).\nDer Stil des Dramas ist von einer pantomimen-\nhaften Sachlichkeit. Von zeichnerischer Linien-\nführung und daher ohne Farben. Eine homophone\nMusik, die ein Kontrapunktiker schrieb. Aber das\nPublikum und die Kritik meint noch immer, daß\nnur Geflügel und Blümchen dichterische Eigen-\nschaften besitzen. Und daß eine Milchflasche und\nrote Grütze „unpoetisch\" ist. Wer sich von der\nBotanik nicht trennen kann, soll auf die Kunst ver-\nzichten. — Ich weiß nicht, welche Absichten Adolf\nLantz mit seinem künstlerischen Theater verfolgt.\nVorläufig muß man ihm auf jeden Fall danken, daß\ner den Mut hatte — es gehört noch Mut dazu —\nStrindberg zu spielen. Ueber seine Begabung als\nRegisseur läßt sich nur sagen, daß er nicht gegen\nden Sinn des Dramas verstieß. Mehr kann kein\nRegisseur mit Schauspielern erreichen, die zu einem\nbesonderen Zweck zusammengeholt werden.\nRosaßertens stellte die Mutter dar, etwas zu\nalt in der Erscheinung, aber mit sinnlicher Kraft.\nSie gehört zu den wenigen Persönlichkeiten, über\ndie deutsche Bühnen verfügen. Vielleicht ist auch\nHelene Ritcher eine Persönlichkeit. Vor-\nläufig arbeitet sie noch auf bewußte Theaterwiri\nkungen, statt bewußt zu gestalten. Herr Alfred Abel\nist nocn immer talentlos und ein Herr Theodor\nLoos kopierte Bassermann.\nKarl May vor Gericht und Presse\nKarl May hat endlich sein Recht vor Gericht\nbekommen. Sein Gegner, der sehr anrüchige Heri\nLebiiis, ist zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung\ndes Herrn May verurteilt worden. Herr Lebius\nhat mit Detektivenergie das siebzigjährige Leben\nvon Karl May durchforscht und dabei die berühm-\nten „dunklen Punkte\" gefunden. Aber zugleich"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "728", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.6", "texte": "endlich einmal eine Strafkammer, die vom Schaffen\nmehr versteht, als er und sein Verteidiger. Herr\nLebius machte zum Beispiel Karl May den Vor-\nwurf, „daß er in seinen Schriften erdichtete Sa-\nchen als eigene Erlebnisse hinstellte, daß er die Län-\nder, die er ausführlich beschrieb, niemals mit Augen\ngesehen habe, daß er behaupte, alle möglichen Spra-\nchen zu beherrschen, daß er einem Verleger ge-\nschrieben habe, seine Bücher seien nicht Phanta-\nsiegebilde, sondern eigene Erlebnisse. Vorsitzender\nLandgerichtsdirektor Ehrecke: Da wird wohl\nder Einwand der inneren Erlebnisse gemacht wer-\nden können. Der Rechtsanwalt: Der Pri-\nvatkläger hat sich in dem Kostüm eines amerika-\nnischen Trappers photographieren lassen. May:\nJeder Schauspieler läßt sich photographieren, wie\nes ihm beliebt, warum soll sich nicht ein Schrift-\nsteller, der über amerikanische Dinge schreibt, als\nTrapper abbilden lassen. Der Rechtsanwalt:\nAlles das wird nur angeregt, um die pathologische\nLügenhaftigkeit -des Privatklägers zu illustrieren.\nVorsitzendjer: Ein Verbrechen wären doch\nsolche phantastischen Dinge bei einem Dichter\nnicht, und ich halte Herrn May für einen Dichter.\nDer Herr Rechtsanwalt sagt offenbar die Wahr-\nheit, aber er kennt sie nicht. Er ist sicher auch für\nSchiller; und dessen pathologische Lügenhaftigkeit\nin seinem Wilhelm Teil muß als schulnotorisch be-\nzeichnet werden. Dieser Rechtsanwalt glaubt\nebensosehr an die Wahrheit der Tatsachen, wie\nan die Tatsachen der Wahrheit. Man kann sich\nin beiden Fällen aber sehr blamieren. Er wurde von\ndem Richter abgeführt, aber der Dichter des Ber-\nliner Tageblatts tritt ihm zur Seite. Eine Gelegen-*\nheit zum Blamieren läßt man nicht gerne vorüber*\ngehen. Der Herr est vom Tageblatt ist sittlich ent-\nrüstet. Was hat die ganze Dichterei für einen\nZweck, wenn die Mittel zu tatsächlichen Erlebnis-\nsen nicht ausreichten: „Sollte Karl May also doch\nnicht Selbsterlebtes in seinen Abenteuergeschichten\nerzählt haben, und nur für das sächsische Erzge-\nbirge die weiten Prärien Amerikas zum Schauplatz\nseiner Erzählungen fingiert haben?\" Sollte er\nden Schauplatz fingiert haben? Es wäre für Herrn\nest nicht auszudichten.\nTrust\n\nTalent und Halbtalent\nVon André Beaunier\nDie Pedanten sind nicht immer langweilig. Sie\nwerden es leicht; aber man muß sie in kleinen\nDosen nehmen.\nDoktor Max Nordau hat in der „Revue\"\neinen Artikel veröffentlicht, das komischste, das man\nseit langem hat lesen können. Er beschäftigt sich\nmit der Frage der „Halbtalente\", und seine» Betrach-\ntungen, die langweilig wären, sind es nicht, weil sie\ndie unfreiwilligste Heiterkeit auslösen.\nDer Autor ist Gelehrter, man weiß es. Er hat\nsehr dicke „ernste\" Bücher geschrieben. Mit äußer-\nster Strenge ist er gegen viele unserer Schriftsteller\nvorgegangen und hat mehr als einmal gezeigt, daß\ner sie nicht gerade verstand. Daraus schloß er, daß\ndiese Schriftsteller unverständlich seien. Nach\nder Feststellung umgibt er sein Mißfallen mit im-\nposanter Philosophie, mit anmaßender Soziologie,\nmit schwieriger Dialektik, wie es paßt.\nSein gewöhnliches Verfahren besteht darin, ein\nsehr einfaches Thema schwer wissenschaftlich zu\nbeladen. Er bekleidet sein Thema: er wird es doch\nnicht ganz nackt zeigen! Das arme nackte Thema\ntäte ihm doch leid. Er bekleidet es mit Worten,\ndie er der universellen Wisenschaft entlehnt Dann\nstößt er es in die Welt. Herr Nordau hat übrigens\nLebensart: und seine Gedanken sind, sozusagen\nkeine Aschenbrödel.\nDie „Halbtalente\". Die kostümierte Idee: ein\n(rHalbtalent\" ist, wenn es seinen Besitzer nur zer-\nstreuen soll, ganz nett; aber man muß nicht seinen\nLebensunterhalt damit verdienen wollen. Voilä.\nElegant fängt Doktor Max Nordau an:\nWenn die guten Feen . . .\nDie guten Feen? . . . Ein Gelehrter? .. .\nDer Gelehrte schäkert.\nWenn die guten Feen einem Menschenkinde\nwohlwollen ....\nDer Gelehrte weiß, daß alle Kinder Menschen-\nkinder sind, aber er bemüht sich, seine Sprache zu\n„schmücken\". Was tun die guten Feen? . . .\n.... legen sie bei seiner Geburt ein angeneh-\nmes Talent als Geschenk in seine Wiege. Es ist\neines der kostbarsten Geschenke, 'das sie ihrem\nLiebling machen können. Es ist ein sichererer Talis-\nman für sein Lebensglück als der Reichtum.\nDer Gelehrte schäkert: er spielt Idealismus:\nEs verschönt den Anblick der Welt mehr als\nAdel oder vornehme Abstammung. Es macht die\nbanalen Eindrücke der Wirklichkeit zu Vergnügun-\ngen. Es erweiten und vertieft das Bewußtsein des\n„Ich\" . .\nDer Gelehrte vergißt für einen Augenblick, daß\nes kein anderes Bewußtsein gibt, als das „Ich\".\nDieses Talent, sagt er, bestärkt das Vertrauen\nzur treibenden Kraft der eigenen Persönlichkeit.\nDie eigene Persönlichkeit: des Wort-\nschwalls! ...\nDann verzeichnet der Doktor, daß in Paris „die\nDamen der Gesellschaft'\" ihren jährlichen Salon\nhaben; und im Almanach hat er „alle Namen aus\ndem Gotha gelesen\". Das gibt ihm Gelegenheit,\nEsprit und Geschmack zu zeigen:\n„Die Herzöge, Marquisen und Grafen drängen\nsich entzückt vor den Werken ihrer Gemahlinnen\nund gewinnen aus dieser Betrachtung die beruhi-\ngende Gewißheit, daß während der Stunden, in\ndenen die weißen Hände die Palette halten, kein\nbedauernswerter Neoplasmus ihrer Stirn die ge-\nschlossene oder die Blumenkrone streitig machen\nwird.\"\nSo erneuert ein Doktor Nordau „wissenschaft-\nliche\" Scherze, die sonst nur die Manillespieler im\n„Cafe du Commerce\" beschäftigen.\nEr hat den ersten Teil seiner These auf-\ngestellt: ein Halbtalent ist eine „Segnung, wenn\nman es um seiner selbst willen und zu seiner eige-\nnen Genugtuung pflegt\".\nAber, zweitens ... Zweitens:\nWenn eine böse Fee ....\nSchon wieder! . . .\n.... das anmutige Geschenk ihrer Schwestern\nin einen Fluch verwandeln will, so fügt sie etwas\nhinzu: den Ehrgeiz.\nMan füge den Ehrgeiz hinzu, und das Halbtalent\nwird „die schlimste Heimsuchung, die einem Men-\nschen widerfahren kann.\"\nWer mit dem Halbtalent den Ehrgeiz vereinigt,\nsetzt sich ein Ziel, das seine Waffe nicht erreichen\nkann.\nDoch dabei bleibt Doktor Nordau nicht:\nUnd er ist unwiderruflich dazu verdammt, daß\nSeine Schläge fehlschlagen.\nGut gesagt!\nPlötzlich bemerkt Doktor Nordau, daß er viel-\nleicht ein wenig erklären müßte, was das Talent sei,\nda er ja gerade das Halbtalent behandelt. In seine?\n„Psychologie des Genies und des Talents\" hat er\ndas Talent so definiert:\nDas Talent ist ein Wesen . . .\nAlso? . . .\n.... ein Wesen, das allgemein oder häufig\nzur Anwendung gebrachte Aktivitäten erfüllt und\nzwar besser als all die, die dieselbe Fähigkeit zu\nerlangen suchten.\nAch! Da s ist ein Talent? Und ein Halbtalent\nhöchstwahrscheinlich die Hälfte davon.\n„Der Grundbestandteil\" des Talents ist die\nNachahmung.\nEr schließt dann nach und nach ungefähr so:\nDas Talent bürgt, wenn es Milchkuh sein solL\nebenso wenig für die Nahrung wie für die Befriedi-\ngung der Eitelkeit. Und daher kommen, neben der\nmateriellen Not des Proletariats der Talente, die\nherzergreifenden Tragödien der gemarterten und\nzerstörten Eigenliebe.\nGut! . . . Aber das brauchte nur gleich gesagt\nzu werden. Oder, man brauchte es überhaupt nicht\nsagen.\nDoktor Nordau rät seinem Leser, in „den Vor-\nzimmern der Inspektion für die schönen Künste\"\noder der „städtischen Kommission für den Ankauf\nvon Bildern\" sich was anzusehen? „Die bejammerns-\nwerte Gruppe zerlumpter hungriger Gestalten, die\nauf einen Brocken einiger elender Francs des Bud-\ngets lauern. „Wir werden nicht hingehen. Aber\nhat Nordau das gesehen? Nordau schreibt auf aile\nFälle:\nTrügen nficht alle diese Unglücklichen ihrem\nKopf viel höher, wenn sie Schuhflicker wären .\nNein, dann hätten sie ihren Kopf über ihre\nArbeit gebeugt, wie Max Nordau, wenn er\nschreibt! . . .\n. . . Der Kellner, anstatt überzeugt zu sein,,\nsie seien berufene und auserwählte Talente? . .\nNordau schreibt schwer. Aber er „denkt\"\nmit Leichtigkeit.\nEr sagt noch, daß die „fünf oder zehn Neuig-\nkeiten\", die Jedes Jahr ein glänzendes Schicksal\nhaben, deswegen nicht besser sind als „die er-\nschreckliche Menge derer, die im Dunkeln bleiben\".\nWarum hat denn eine „Neuigkeit\" mehr Erfolg als\neine andere? . . . Glückssache! . . .\nDoch warum will der Doktor nicht die Halb-\ntalente mit den Talenten konkurrieren lassen? Er\nsagt ihnen vorher, sie werden in diesem Kampfe,\nfür den sie keine ausreichenden Waffen habe«,\nbesiegt werden. Nein, Herr Doktor: sie werde*\nnicht besiegt werden; es ist alles ja doch nur\nGlüchssache, wie Sie selbst sagen, und gewöhnlich\nbehandelt der Zufall das Mittelmäßige nicht\nschlecht. Warum entmutigen sie die Leute . . .\nDoch lassen wir ihn. Man sieht, Nordau hat\nkein Halbtalent.\nEr schließt:\nWem man wohl will, dem soll man lieber\ndas völlige Fehlen eines Talents als ein schwaches,\nmit Ehrgeiz gepartes Talent wünschen . . .\nWas soll man Nordau wünschen? . . .\nÜbertragung aus dem Französischen von Jean-Jacques\nDiese Uebersetzung eines Beitrags im F i g a r o\nwird veröffentlicht, um zu zeigen, wie man im „un-\ngeistigen\" Frankreich deutsche FeuilletongräSeu\neinschätzt.\n\nDer Verlebte\nArthur Drey\nDas hat die Nacht getan, die Marmor tötet:\nSie machte mir die Hände zu Ruinen,\nUnd meinen Blick hat sie mir zugelötet . . .\nSchon rosten meine Knochen, leere Schienen.\nDer Himmel zieht die Haut vergrämt in Falten\nUnd zeigt den Mond, den letzten Zahn im Schlünde.\nIch kann mich nicht mehr auf der Erde halten,\nSie wird zu dick und schiebt mich aus der Runde~\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "729", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Haiensee I Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nVerlag Der Sturm\nDer Preis fur den ersten Jahrgang der Wochetischrift\nDER STURM (Nutnmer 1-56) wird vom 15. De-\ncember ab auf\nZwanzig Hark -\nerhoht und nur noch ao bisherige oder neue Bezieher\ndes laufenden Jahrgangs direkt vom Verlag abgegeben.\nEs sind nur eine geringe Anzahl Exemplare rorhanden\nDie Holzschnitte wurden vom Originalstock gedruckt\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pf. 19 Potsdamerstr, vis-a-vis Eichhornstr.\nWinter-Gems.lde-Ausstelluag Serie I\nKollektionen von\nJ. Bergmann\nM. Bieler\nJ. Block\nF. Charlet\nj Ce!os\nV. Freudemartn\nW. Gallhof\nP. Grulich\nLeo Rauth\nH. Herrmann\nP. Hey\nL. Kolitz\nE. Kux\nM. Liebei'mann\nRene Reinicke\nWerke von:\nA. Muller, Cassel\nA. v. Sprecketsen\nM. Thedy\nC. L. Voss\nC. Walter u. a.\n\n\"GRAPHISCHES KABINETT|\nn\nBuch- u. Kunsthandiung, Antiquariat; Verlag\nBERLIN W 15, Kurfurstendamm 33\nStandige Ausstellung\ntnoderner Graphik\ni3\nIm Eckhanse, gegetiiiber der Se- fete\nzession,\nEingang Grolmannstraße\nIllustriert. Katalog u. Prospekte gratis\nAnkauf guter Graphik\nu. tllustrierter Bucher\nEINTRITT FR E [\n\nPMTf fTftlllfP BERLIN W35\n£ikl & is ®fi U iat. --a dentfriner Strafe 42\nGegrundet im Jahre 1878 Fernsprecher Amt VI 752\nFabrik fur Gem a Id era hmen\nla alien historiscben und neueren Siilarten\nKopien von Rahmen nach alten Meistern in Original-Goldtonungen\nSlmlliehe Yergolderwaren Mobel n, Innen - Architekturen us v.\nKunst-Einrahrnimgen\nReparaturen und Neuvergoldungen aller GegenstSnd?, Auf-\narbeite> all. Art. Aniilteo, Reinigen von Gemalden u, Stichen\n..lit\n\nFRITZ MERKER\n.... .• Ami Ch. 8397' .■ . .\nPASSEPARTOUTFABRIK:: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nAUFZIEHEN VON ZEICHNUNGEN :: MODEKNE BUCHEINBANDE\n\nm\nBaS*\nM§m\n/I\n>»\ntfWjL\n«r?\n13*\n_Georg Anton Berlin SW | ,1\nFriedrichstraße 49a Jj& v*\nVielfach pr&miiert Gegrundet 1876\nm\n. ~<\n.fift s\n\\ YSJ\nt If\nfh\n'UP#?**\n•vvrsgsasasTT n««aO\nIllustrierter Preis-KataiogIfran ko\np eriicken i. Theater\nund Strasse sowie\nsamtlicher fiaarar-\nbeiten in naturge- ../\ntreuer Ausfuhrung j\n•-mT.7-.-aHETSS^r-\nTheateMnen\nliefert und verleiht\nMinuthS:\"\nBerlin 26, IV 4612\nOranienstraß€ 6\n\nLahranstalten » Kun\nMai- und Zeichenschule\nStiileben — Land-chaft — Portrat\nOtto Beyer\nHek t orstrafie 17\nam Kurfilrstendamm\nMan verlange Prospekte\nHolzschnitzen, Modeliieren, Zeichnen\nTaglich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModellieren iiir Architekten taglich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbendakt taglich 7 9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfiirstendamm 243 parterre gegeaiiber dem Zoo\nBildhauer Harders Berlin-Charlottenburg\n\nn\nsruir\nMDIM-msTim\nLeiter: M. PECHSTEIN\nE. L.KIRCHNER\nWILMERSDORF\nDurlacher Strafie 14\nMODERNER UMTERRICET\n:: li MALEREI ::\nGRAPHfK, PLASTIK\nTEPPICH-, GLAS- U.\n: MET ALL-ARBEIT :\nMALEREI IN VERBINDUNR\nMIT ARCHITEKTUR\n\nj schaftl. Kurse von Friedr. Hester Leipzig\nunter Mitwirkung 12 hervorragender Fachleute der Theorie tind Praxis (staailich\ngeprufte Lehrer, Akademiker oder auch Kaufleute in fuhrender Steliung). Orfindliche\nEixriuhrung in die verschiedenen Branchen des kaufmknmschen Berufes, ration dies\nStudium der Handels- und verwaridtert Wissenschaften als Ersatz fur cis Btchr-\njihriges Hochschuistudium. Muster-Uebungs-Kontor.\nDas Studium ist fur Anfanger (Damen und Herren) die fiir Stenographic,\ndeutsche und fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Buchfiihrungs- Bad Bilsuaz-\nTechnik, Buro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl fur junge Leute, die nur eine Volks-, Real- oder ihnliche Schole ab-\nsolviert haben, wie fur\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnissen, Einjihrig-\n| Frefcvillige, Abiturienten,\nfur Kaufleute re if er en Alters, die bereits praktisch tStig wares und den\nForderungen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitera oder\nvertiefen wollen oder\nrue Bankbeamte, Ingenieure, Chemiker, Brauer, Juristen, Natioftalokisjsjomen,\nOffiziere, die fiir Verwaltung wirtschaftlicher Unternchsnungen oder VerhSnde,\nAktien- oder Shulicher Gesefischaften sich vorbereiten wollen, Daaer dor Kurse\n6—12 Monate — je itach Vorbiidung und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktiou, Joh&anisplatz 5\nmm\nI€i@!it3\nAnzeigen jggg\n\n(c\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nPiirGesangu.Klavier / 52Seiten\ndrbi mark\nDurch alle Buch- and Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER STURM\nHalensee / KatharinenstraSe 5\n\nAutoren\nwelche ein belletristisches oder\nwissenschaftliches Buch ge-\nschriebea haben und einen\nVerleger dafur suchen, der es\nnach modernen drticktechni-\nschen Prinzipien ausstattet und\nruhrig vertreibt, helieben ihre\nAdressen (evt. 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Wertheim, Konzerikasse\nund bei Reuss und Pollack\n\nFuckel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraos\nErscheint in zwangloser\nFolge\nHummer 338\nsoeben erschienen\nPreis 30 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel\n. ► 50 Pfennig"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "730", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19111223-01.1.8", "texte": "Druck ▼on Carl Haasts Berlin SO. 26 Mariannenplatz 23\n\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der T age-\nfa uch e r Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\n\nFR HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModeme Herrenbekleidurig\nf@rtig und nach Maß\nReklameaDgebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit XrmelaufschlSgen 3250 m\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 4550 m\nIVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n__ 3250 45 H\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten s®/0 Rabatt\n\nAlbert Koblinshy\nnil) Briifhen-nilee 6\nx KUnsflerische\nx Innen-einrldifung x\n\nReuss & Pollack\nBnehhandlong u.Antiquariat\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasae 118 c\nTcmspr.t H»t VI (Efi#ow)2B29\n\nm\ns«\nBuchhandlungen\nWWi\nmi\n\nEdmund Meyer\nSucfihflnfller u. Flnfiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\n\nK>\n. . '\n17\nIVfl\nmn\na\ni\nM\n?tMI\n/\nCafe-Restaurant\nOdeoiv\nBar\ny$\n«m§«\nButtl arcks t&EcKe Ne ue (jrolmmstr fe.\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr von 81/,- 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nGutgepflegte Biere und Weine\n:: ANOENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nNEU EROFFNET!"}]}