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Wenig Gäste, denn es ist Nachmittag. Ein\nrundes Marmortischchen umsitzen, halbleeres Ge-\nschirr vor sich, Franz und Guido. Beide schwer\nbestimmbaren Alters, vielleicht neunzehn, viel-\nleicht sechsunddreißig; ziemlich gut angezogen.\nFranzens Kopf mehr energisch und verzeichnet,\nGuidos blonder und blasser; dafür trägt Guido einen\nKneifer und ein (sehr schmales) goldenes Armband.\nSie rauchen und unterhalten sich.\nFranz: Also wahrhaftig, ich freue mich wie\nein Kind auf den zwölften Januar. Alle Amüse-\nments des Krieges — bloß ohne Blut — und alle\nAmüsements des Zirkus — bloß ohne attisch-\nkatholischen Gebärden-Schwindel — vereinigen\nsich und bedonnern uns; ein grandioses, enervie-\nrendes, fiebererzeugendes Schauspiel! Wie maß-\nlos phantastisch und doch wie wirklich; wie\nfabelhaft wirklich; bedenke, daß wir\nselber mitspielen, alle; daß wir zugleich Zuschauer\nsind, irn Paroxysmus der Neugierde . . und daß\ndennoch unsere Haut es ist, um die es geht. Be-\nwundernswerte Theatralik des Wirklichen!\nGuido: Ich begreife dich nicht. Was geht\nuns dieser Rummel an? Was haben wi r zu\nschaffen mit diesen Entrüstungen, Begeisterungen,\nKatzbalgereien der Spießbürger? Das taumelt\ndoch an uns vorüber, sehr fern, in einer fremden\nLuftschicht.\nFranz: Wirklich so fern? Ich glaubte es\nauch einmal. Neuerdings bin ich aber hintenherum\nauf den absurden Gedanken gekommen, daß unter\ngewisser Perspektive die Bürger, wir Bürger, doch\nalle gleich seien . . .\nGuido: Nanu?\nFranz: Unter der Perspektive der körper-\nlichen Bedürfnisse; jener Bedürfnisse, die zwar\ngewiß die „niederen\", aber immerhin die wich-\ntigsten, die sozusagen condicio-sine-qua-nonsten\nsind. Denk nur an das starke Bedürfnis, lebendig\nzu bleiben: wie eng ist es mit der Staatsidee ver-\nknüpft! Aber auch an viele nachgeordnete: des\nHungers, der die Parlamente bisher fast aus-\nschließlich interessiert hat, und der Liebe, um die\nsie sich noch wenig kümmerten. Es gibt schon Ge-\nsetzmäßigkeiten der Physiologie, die auf sämtliche\nMenschen zutreffen; ähnlich wie morphologische\nRegeln für alle, auch für uns, gelten; daher ist\nes garnicht so unangebracht, sich mit den Mit-\nbürgern ziels gemeinsamer Regelung der körper-\nlichen Angelegenheiten zu assoziieren. Die Partei\naber entsteht, wenn . . .\n.Guido: Ich weiß, wie Parteien entstehen;\nand auch die Platitüden über persönliche Sicher-\nheit, Schutz des Eigentums, Lebensmittelpreise,\nStraßenreinigung und Tuberkeln, die du — ich\nwette — jetzt plantest, kenne ich zur Genüge.\nEs liegt kein Anlaß vor, sie mir an den Schädel\nzu schleudern. Behandle mich doch, bitte, nicht wie\nden stereotypen Anarchisten der Diskutierklubs,\ndessen edier Optimismus durchaus nicht begreifen\nkann, daß die Methoden, die er vorschlägt, auf\neinem psychologischen Schnitzer beruhen. Ich\nweiß: der entfesselte Mensch wird Bestie sein,\nnicht Göttersohn; und mein sittlicher Ernst zwingt\nmick zu dem Witz, ohne jede ironische Unter-\nströmung zu erklären: „Ich bejahe den Staat4'.\nAber, bester Franz, ich bejahe schließlich auch die\nUntergrundbahn — ohne daß diese Einrichtung\ndarum mit meinem Erleben in einem inbrünstige-\nren Zusammenhang stünde. Der Staat ist eine\nsehr zweckmäßige Maschinerie; aber nichts als\neine Maschinerie und nichts als zweckmäßig; da-\nrum bin ich erstaunt, Reparaturen an ihm dich\nseelisch erschüttern zu sehen.\nFranz: Erschüttern! Du willst mich vor-\nbeikapieren. Du traust mir Bezirksvereins-Idea-\nlismen zu. Es gibt Paradoxien, über die man\nhinauskommen muß. Der Qestus, Politik für eine\nganz besonders gleichgültige Sache zu halten, ist\neine dieser Paradoxien; es ist der Qestus von\nneulichmal. Du ignorierst das charakterologische\nGesetz der Spirale, das schon Goethe, glaube ich,\naufgestellt hat. Du scheinst zu glauben, ich stünde\nnoch auf der Stelle, die du stolz bist eben über-\nwunden zu haben. Du irrst: ich bin nicht noch\nPolitik-Enthusiast, ich bin es wieder.\nGuido: Das sind Bekenntnisse und Edikte;\nArgumente sind das nicht.\nFranz: O, auch Argumente stehn mir zur\nVerfügung; metaphysischere als du ahnst. Vor-\nläufig werde ich dich aber nur erinnern, wie\nfuribund du, neulich auf dem Heimweg, über die\ndeutsche Sexualordnung herzogst, die erwachse-\nnen Haussöhnen bei Zuchthausstrafe der Eitern\nverbiete, in der elterlichen Wohnung die bürger-\nlichsten Orgien zu absolvieren. Mit Recht be-\nhauptetest du damals, dieses Verbot schädige deine\npekuniären und deine sanitären Interessen; es\nzwinge einen armen Literaten zu Kosten, die der\nSache nach nicht notwendig wären, und einen\nFanatiker der Reinlichkeit zum Aufgeben eines\nTeils seiner peniblen Gewohnheiten. Nun bedenke,\ndaß der neue Reichstag die Möglichkeit haben\nwird, diese sinnlosen Kuppelei-Nummern zu revi-\ndieren und sie in einer Weise umzugestalten, daß\nsie deinen Finanzen und deinen hygienischen\nGrundsätzen mehr entgegenkommen würden. Be-\ndenke, wieviele Menschen unseres Alters und\ngerade unseres Niveaus unter diesen und ver-\nwandten Bestimmungen leiden; wie sehr solche\nKalamitäten ins Geistige hineingreifen, zum Bei-\nspiel das Schaffen lähmen; wie hartnäckig sich\ndie agrarisch-klerikale Clique gegen eine verstän-\ndige, das asketische Gift heraustreibende, naiv-\ngeniale Reform dieser Regelungen sträubt —: und\nbestreite noch, daß wir, gerade wir, ein starkes\nInteresse an einer freiheitlichen, intellektuellen, ra-\ndikalen Zusammensetzung des Parlaments haben.\nDenk auch an die Abschaffung des Krieges —\neiner Einrichtung, die imstande ist, tausende von\ngesunden, produktiven, lebensfreudigen jungen\nMännern zu zwingen, sich für nichts und wieder\nnichts (nämlich für Gott und Vaterland) wegen\neines Stückchens Balkan oder wegen eines Stück-\nchens Sahara von einer Granate zerschmettern zu\nlassen.\nGuido: Lieber Junge, du neigtest von jeher\nzu demokratischen Allüren. Hast du immer noch\nnicht eingesehen, daß links die Vernageltheit eben-\nso würdig vertreten ist wie rechts? Glaubst du\nimmer noch an das Dogma deiner Vorväter, wo-\nnach sämtliche Tugenden des Geistes und des Ge-\nmütes sich bei den „Fortschrittlichen\" finden,\nwährend der „Reaktionär\" eo ipso ein Trottel und\nein Halunke sein muß? Der linkische linke Leit-\nartikel; die brüllende Ungeistigkeit der Reden\naller Oppositionshäuptlinge; die prüde Stumpfheit,\nder gerade die dringendsten Probleme sozialer\nReform, die sexuellen, bei der Demokratie be-\ngegnen; die bornierte Gehässigkeit, die in jenen\n„entschieden liberalen4' Tageszeitungen, von deren\nJudikatur sich das kaufkräftige Publikum beherr-\nschen läßt, allem Neuen, Revolutionären, Enormen\nin Künsten und Philosophie dargebracht wird -—:\ndas hätte dich doch allmählich erkennen lassen\nsollen, dal Freisinn und Schwachsinn zwei Be-\ngriffe sind, die einander keineswegs ausschliefe«.\nFranz: Ich kenne die Engel, die das Tat*\ndes volksparteilichen Literaturparadieses be-\nwachen; sie heißen mal Eduard, mal Fritz; &r\nSchwert ist Stahl; und sie lassen, wofern Gott\nder Herr sie nicht kitzelt, immer bloß ihresgleicke*\nherein. Ich kenne die Engel und bedarf deine«\nHinweises nicht. Meine Imaginationskraft ver-\nmag ich sogar bis zu dem Grade anzuspanne*,\ndaß ich deutlich die Grimasse sehe, die jeder be-\nliebige Stadtrat, Wohltäter, Handelskammerjäger\nvor einem Gedicht von Rilke oder vor öioer\nLandschaft Schmidt-Rottluffs zu veranstalten ge-\nnötigt sein wird. Weiß der Deibel, ich hasse die\nBande nicht weniger innig als du. Aber die Kre-\ntins zur Linken widerlegen nicht das Vorhanden-\nsein der Kretins zur Rechten; und daß wir über\ndie zur Rechten bloß lachen, aber über die zur\nLinken uns aufregen, beweist, daß wir mit unser*\nInstinkten links stehen. Jeder anständige Menscfc\nist für den Umsturz; wobei sich gleich bleibt, was\numgestürzt werden soll; Revolution als formale«\nPrinzip hat recht. Das eine will ich gern zugebe«:\ndaß der Kampf gegen die Konservativst keines-\nfalls die Fronde gegen rückständigen Progressis-\nmus hemmen darf. Unsereiner „vergibt\" sich bei\nderlei Fronde nichts. Noch vor wenigen Tagen\nhatte ich über dieses Thema eine Auseinander-\nsetzung mit dem phantastischen Schriftsteller le-\nrobeam Üe; der warf mir protzig vor, man kämpfe\nnicht mit einem Haustier, folglich auch nicht mit\neinem Engel; das sei unter der Würde eines bes-\nseren Anthropen. Ich parierte den Hieb mit der\nBazillentheorie.\nGuido: ? ? ! !\nFranz: Du kennst meine Bazillentheorie\nnicht? Ich sagte: Der Arzt, der Typhusgeschöpf-\nchen, Schlafkrankheitserreger, anderweitige Kok-\nken mit aller Energie auszurotten sucht, strengt\nsich nicht deshalb so an, weil sie geistig über-\nlegene Persönlichkeiten seien mit Prinzipien, die\nihn ärgern; sondern deshalb, weil ihr Dasein, die\nbrüte, ungeistige Tatsache ihres Daseins, gewat-\ntigen Schaden stiftet. Aehnlich unintellektual ist -\nauch das Vernichten von Feuilletonbazillen; es\nist kein literarischer, sondern ein medizinischer\nAkt; nicht gegen ihre Seelenstruktur, sondern ge-\ngen ihre Wirkungen zieht man los; man kämpft\nnicht m i t ihnen, man kämpft gegen sie.\nGuido: Und dennoch stimme ich dem Jero-\nbeam Üe zu. Was hat die ganze Kämpferei für\neinen Sinn? Wahrheiten, gesetzt, daß es welche\ngibt, zerfallen in . . .\nFranz: Du willst sicher bemerken: in be-\nlanglose und noch belanglosere. Ich kenne diese\nheruntergezogenen Mundwinkel.\nGuido: Nein, ich werde einen dir näheren\nStandpunkt beziehen und werde sagen: in belang-\nlose und wichtige. Auch du wirst dann das Kämp-\nfen für die belanglosen gewiß freudig dem Affen-\ntum überlassen. Und für die wichtigen Wahr-\nheiten zu kämpfen —: ach die sind ewig, die wis-\nsen die Weisen seit Anbeginn. Sie zu verkünde»,\nnützt keinen Pfifferling; denn wem verkündet\nman sie? Die Dummen begreifen sie nicht; die\nVerlogenen wollen sie nicht wahrhaben; und der\nElite sind sie bekannt. Wozu also kämpfen, pro-\npagieren, geistige Aktionen managen? Total über-\nflüssig, in allen Fällen!\n- Franz: Nimm doch Strichnin!\nGuido: Das wäre gar nicht so undiskutabei.\nIm übrigen gesteh ich dir gern: Hörte ich eine«\nWeltmann mit Lebensformen, einen abgeklärte*\ndeutschen Dandy, einen blasierten Antipolemiker\nmeine Reflexionen äußern, ich wäre zu Ohrfeige»\nbereit. Aber was soll ich tun? Mensch, täglich\ndeutlicher wird mir der Mumpitzcharakter unserer\nganzen vermaledeiten Beweglichkeit; man lebt,\nman stirbt, — was ändert sich dazwischen? Und\nselbst, wenn sich etwas änderte: wen erfreut es?\nMensch, lastet nicht die erbarmungslose Futurität"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "741", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9525, "texte": "des Todes, in ihrer Unausgesetztheit, tödlich auf\n**serm Sein?\nFranz: Die Erkenntnis, sterben zu müssen,\nist allerdings die absolut entsetzliche; aber sie\nbraucht nicht unfroh zu inachen. Im Gegenteil:\nsi# befiehlt dem Menschen, sich umso brünstiger\nas das Leben zu klammern; an die tausend Ver-\nfügungen; an diesen Hügel Buntheit zwischen\njwei schwarzen Wüsten . . . Zum Neuen Hedo-\nlismus führen deine Perspektiven; sie sind nicht\ntödlich; es lebe der Kampf!\nQui d o: Dinge machen einem nur so lange\nSpaß, als man nicht ahnt, daß man sie um des\nSpaßes willen treibt. Und in dem Augenblick, wo\n»an erkennt, daß das Leben der Güter höchstes\nist, verliert es jeden Wert. Ich bedauere diese\nTatsache, ich suche auch gar nicht sie zu erklären,\naber ich kann nicht umhin, sie festzustellen . . .\nStrichnin? Ja, wenn ich darüber nachdenke, wes-\ntealb ich mich nicht schon längst getötet habe, so\nwerde icil wohl zu d~m Ergebnis gelangen, daß\ndies deshalb nicht geschah, weil der zerrüttende\nZustand extremer Bewußtheit wie auf Geheiß\neiner dunklen physiologischen Macht häufig aus-\ngesetzt hat, für längere Perioden. Du darfst mich\nder Inkonsequenz beschuldigen; aber du darfst es\nmir nicht verargen, wenn ich während der lich-\nten Intervalle meist unglaublich darüber erstaunt\nbin, daß es zu allen Zeiten Leute gab, die, ohne\nden Tod zu kennen, behaupteten, das Leben sei\nschön.\nFranz: So geh in ein Kloster, Ophelia.\nMeine Katholisierung wird, bis auf weiteres, von\njener „dunklen physiologischen Macht\" hintange-\nfealten, die, wie du sagst, deine „lichten Intervalle\"\nkürzt Mir sind nihilistische Seelenzustände nicht\nböhmisch; und falls ich mir ein Dutzend lieber\nGedankengänge vergegenwärtige, nicht zuletzt das\nFiasko der kritischen Ethik; so kann ich dir mit\ngutem Gewissen einräumen, daß alles Rationale\nzugunsten solcher Seelenzustände spricht. Aber\nwas schiert mich, wenn ich platze vor Wollungen,\ndas Rationale? — Gut, neue Wahrheiten mögen\nsich nicht mehr entdecken lassen: dann bleibt als\n•inzige menschenwürdige Aufgabe die übrig, alte\nIrrtümer zu verwüsten. Es lebe der Kampf!\nGuido: Mich amüsiert, wie du deine theore-\ntische Skepsis notzüchtigst, auf daß sie den prak-\ntischen Optimismus dir gebäre. Mich amüsiert das\nso, daß ich gegen dein flammendes Ethentum, o\ndeutscher Jüngling, nichts mehr unternehmen will;\n•s wäre im übrigen doch zwecklos. Aber dir\ndas Kämpfen gestatten, heißt nicht dir gestatten,\ndaß die Objekte deines Kampfes ungeistige und\ngemeine seien. Du sprichst von einer somatischen\nSolidarität zwischen den Menschen. Interessen,\ndie der Pöbel mit uns teilt, mag der Pöbel für uns\nvertreten. Ich bestreite ja nicht, daß sie vorhan-\nden sind. Aber man kann die Notwendigkeit einer\nOrganisierung anerkennen und doch für seine Per-\nson Apolitiker bleiben. So, wie man Individualist\nsein und dabei die politische Bohemerei sehr ver-\ndammen und die feste Handhabung der Gesetze\nals ein vorzügliches Mittel begrüßen kann, die Hö-\nheren vor den Minderen zu schützen.\nFranz: Es gibt kaum jemanden, der sich\n»icht für vom Pöbel unterschieden hielte. Wenn\naHe so dächten wie du, würde Befreiendes über-\nhaupt nicht mehr geschehen; und das, was Kerr\ndie „Aufbesserung der Gesamtlage44 genannt hat,\nwürde niemals eintreten. Deine Tendenz, es den\nAndern zu überlassen, gleicht sehr der verfluch-\nten Tendenz der historischen Schule, die es der\n„Entwicklung\" zu überlassen geruht. Wenn wäh-\nlend der ganzen Weltgeschichte immer nur Ent-\nwickleriche oder immer nur Aristokratiker deines\nGenres tonangebend gewesen wären, würden wir\nktute noch struppig, dreckig und dumpf als Tro-\ngfodyten unter der Erde krabbeln.\nGuido: Ich weiß nicht, ob wir dann weni-\nger glücklich wären. Du glaubst noch an den\nFortschritt. Gesetzt, er ließe sich feststellen —\nwo liegt dann eigentlich sein Ziel? Wohin „schrei-\nten44 wir denn „fort44? Nimm doch mal an, alle\njene Körperlichkeiten, die mit den deutschen\nWählern gemein zu haben du ohne die angemes-\nsene Resignation konstatiertest, seien nun bereits\nin einer endgültigen Weise geregelt; die Gesamt-\niage sei ideal heraufgebessert —: was wäre dann\nzu tun? Wäre damit etwa eine universale Selig-\\\nkeit erreicht? Kann es der Sinn des Lebens sein,\nachtbare Bürger vor Einbrüchen, gesunde vor\nKrankheiten, reiche vor Armut, arme vor Elend\nzu bewahren? Kann es der Sinn des Lebens sein,\nMenschenkräfte durch Maschinen zu ersetzen, den\nKrieg abzuschaffen, Distanzen zu überwinden, la-\ntente Talente der Natur der Erdbewohnerschaft\ndienstbar zu machen? Dienstbar zu welchem\nEnde? Nimm an, alles ist erreicht, es gibt keinen\nKerker mehr, keinen Krieg mehr, keine Krankheit\nmehr; zu sämtlichen Planeten, Monden und Son-\nnen stehen uns die Wege offen; selbst der Tod\nist besiegt —: kann das der Sinn des Lebens\nsein? Blökt uns dann nicht das große Wozu nur\nnoch grausiger an? Wie ärmliche Vordergrundsan-\ngelegenheiten sind diese „Zwecke der Zivilisation44;\nwelchem Endziel zuliebe sollen wir nach ihnen\ntrachten? „ Was frommt das alles uns und diese\nSpiele?44\nFranz: Ein Zustand, der Neuerungen und\nUmstürze überflüssig macht, wird niemals eintre-\nten. Sowas ist eine Idee von größtmöglicher\nIrrealität. Aber ich will sie einmal akzeptieren.\nGut, alle Zwecke der Zivilisation seien erreicht;\nwas ist dann zu erstreben? — Hier, Guido, kann\nnichts als mein Temperament sprechen. Nun, der\ngroße giganteske Genußtaumel ist zu erstreben;\ngolden loderndes Tohuwabohu der Leiber und\nGeister. Namenlos lebendige Landschaften, ge-\nwebt aus allen Brokaten aller Kunst . . . Dio-\nnysische Tage und Nächte sind zu erstreben, und\nwährend der Tristitien: Apollohs sanfte oder doch\nleis nur stachelnde Ergötzungen ... In fahler\nFormel: Sinn der Zivilisation ist die Kultur!\nGuido: Du Glücklicher! Von was für Ein-\nbildungen du lebst! Ich — ich begreife auch nicht\nmehr, was schön daran sei, sich an einem Körper\nzu entladen, oder begehrenswert daran, ein Ge-\ndicht zu baun. Die Kunst scheint mir Humbug\nwie alle Beweglichkeit. Was hat der Maler da-\nvon, wenn er ein Stück Phänomenalität, selbst in\neiner sehr vollendeten und sehr entwirklichend-\npersönlichen Art, mit Farben deskribiert? Der\n„Rausch der Konzeption44, das „Glück des Schaf-\nfens44 —: Phrasen, Phrasen. Dem Citoyen natür-\nlich muß eingeredet werden, die Kunst sei etwas\nBesonderes und Heiliges; sonst würde er den\nKünstler ja verhungern lassen — auf noch kor-\nrektere Methode, als er's ohnehin tut. Aber\nbrauchen wir uns was vorzumachen? Die Hehr-\nheit der Kunst ist nichts weiter als eine Suggestion,\ndie arbeitsunlustige, kluge und geschmackvolle\nPersonen einer misera plebs eingeben müssen,\nwelche niemanden am Leben dulden würde, der\nnicht, wie sie, Tag für Tag schwitzend sich ab-\nrackert. Weil es wahr ist, daß Arbeit schändet,\nlügen die Künstler, Kunst adle. Kunst ist die\ngenialste Ausrede genialer Faulpelze, im übrigen\nein Spielzeug, ein Zeitvertreib. Ich werde mich\nja hüten, sie an den Pöbel zu verraten; aber dir,\nFranz, muß ich es sagen: Kunst ist Quatsch,\ngeradezu ein Symbol des Quatsches;\nich begreife nicht, wie du sie noch ernstnehmen\nkannst\nFranz: Du bist morsch, durch und durch;\nentsaftet, entfeuert; kein Fünkchen Wille glimmt\nmehr in deiner Schale.\nGuido: Man widerlegt unbequeme Ansich-\nten nicht damit, daß man, auf eine pathetische Art,\nsie krank schilt.\nFranz: Wenn der Begriff der Krankheit\neinen Sinn hat, dann hat er den: einen Zustand\nzu bezeichnen, der den Menschen vom Leben ab-\nlenkt.\nGuido: Der Begriff der Krankheit hat\nkeinen Sinn. Hat vielleicht das Leben einen?\nFranz: Nein, ich bin ganz deiner Meinung,\nes hat keinen; man muß ihm erst einen geben.\nUnd das tue ich.\nGuido: Ich bin gespannt, welchen.\nFranz: Herrgott, meinetwegen den: daß\nich Großkaiser von Europa werde! Spielerei, was?\nJawohl Spielerei! Mir frommt diese Spielerei!\nGroßkaiser von Europa — ob's das politische,\nob's das literarische ist, oder beide zusammen gar:\ndas ist mir schnuppe. Man muß zwei Eisen im\nFeuer haben! . . . Großkaiser von Europa, du\nphilosophischer Schlappschwanz, will ich werden,\nund deshalb schwärme ich für die Demokratie.\nBeruhige dich nur; dieses rote Wort braucht dich\nnicht zu erschrecken; es gi b t ja keine Demokra-\ntie! Merkst du denn das der Vokabel nicht schon\nan? Wie kann ein Ganzes ein Ganzes beherrschen?!\nAber nur auf dem Weg über diese soge-\nnannte Demokratie läßt die famose, ersehnte,\nheitere Republik sich erreichen, die jedem Kerl von\nGeist und Schneid, wirklich jedem, ermöglicht, Mi-\nnister, Kanzler, Präsident zu werden. Die graue\nHoffnungslosigkeit unseres monarchischen Unter-\ntanentums behebt dieser „Demokratismus44; er\nzeigt uns in seinem Zauberspiegel alle Wunder der\nMacht; er gestaltet leere zu glücklicheren Men-\nschen. Gleiche Rechte: das ist gemein;\ngleiche Möglichkeiten: dafür muß man\nkämpfen. Auch in jener Republik werden die We-\nnigen regieren, nicht die Masse, aber es werden\nandere Wenige sein als die, welche heute das\nlangweilige Deutschland noch langweiliger machen.\nMensch, Guido, du, ich, unseresgleichen\nwerden zu den neuen Wenigen gehören; und was\nuns jetzt zu menschenfresserischer Prosa zwingt,\nkann dann im Lenken von Schicksalen sich aus-\ntoben ... Du lachst? Lache nur. Daß in dir\naas Feuer erloschen ist, bändigt meine Flamme\nnicht. Ich gehe noch heute ins sozialdemokratische\nParteibureau und melde meine Dienste für den\nWahltag an.\nGuido: Ein Problematiker geht zu den So-\nzialisten! Pfui; du befleckst die heiligen Zweifel\ndeiner Jugend.\nBeide zahlen, werfen sich in ihre Mäntel und\nverlassen das Cafdhaus nach verschiedenen Him-\nmelsrichtungen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "741", "page_fin": "742", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.4", "titre_corps": "Zwischen Weihnachten und Neujahr", "titre_sommaire": "Zwischen Weihnachten und Neujahr", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "741", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.3", "debut_caractere": 9527, "fin_caractere_exclue": 10433, "texte": "Zwischen Weihnachten\nund Neujahr\nAchtung!\nDie Berliner Tageszeitungen „hören44 folgen-\ndes: Otto (Otto) Ernst ist mit einer\nKritik der Nie t z sch esc h e n Philoso-\nphie beschäftigt. Außer an diesem\nphilosophi sehen - Unternehmen ar-\nbeitet er....\nHerr Otto Ernst soll es sich sehr überlegen,\nob er nicht doch das Unternehmen mit seinem\nGeist aufgeben will. Man kann nämlich auch Leh-\nrer überlegen.\nDie letzte literarische Sendung\nDer breslauer Universitätsprofessor Felix\nDahn ist gestorben. Er hat im Nebenberuf viele\nBücher geschrieben, die zwar keinen Eingang in die\nLiteratur und ihn deshalb in das Publikum fanden.\nDie Leser dieser Zeitschrift interessieren sich nicht\nnicht für Marktware, es wird ihnen aber interessant\nsein, den letzten Dahnensang kennen zu lernen, den\nder Musenalmanach des Presseballes veröffentlichen\nwird; bekanntlich der letzten Stätte, wo häusliche\nMusen sich niederlassen:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "742", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4853, "texte": "Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk,\nDoch dieses Volk ist formlos, rechtlos,\nschutzlos\nDem Feind, dem Nachbar hilflos preisgegeben:\nDem Volk Gestalt und Schutz gibt erst der\nStaat,\nDrum ist das höchste Gut des Volks sein Staat.\nIm Bilde\nHerr Norbert Falk, der Strindberg scheußlich\nfindet, lobt seinen Kollegen Rudolf Schanzer als\nVerfasser einer Sylvesterposse. Herr Schanzer,\nder nach eigener Angabe „teils per Vers, teils per\nProsa dichtet\", schrieb ©in Stück „Große Rosinen\",\nfür das laut Falk „die große Heiterkeit, die treffen-\nden Situationswitze und die gut pointierten Kuplets\nsprechen.\" Herr Falk verrät einiges. „Damit sind\nnatürlich nicht alle großen Rosinen aus dem noch\nviel größeren Kuchen herausgezupft; der Kuchen\nselbst, um im Bilde zu bleiben, dürfte\nsogar für die folgenden Aufführungen ein wenig\nknapper zugeschnitten werden — ein paar\nkräftige Striche und die Rosinen werden üm so\nkräftiger beieinander sitzen.\" Mancher kommt\nnie von der Konfektion los. Er schneidet sogar\nden Kuchen zu (um »im Bilde zu bleiben) und setzt\ndie Rosinen durch ein paar kräftige Striche enger\nbeieinander. Und das alles, um im Bilde zu bleiben.\nVortragsreihe 33\nBin Schriftsteller spricht in der Freien Hoch-\nschule, zu deren Ehrenrat unter anderen sogar die\nHerren Karl Hauptmann, Otto Sommerstorff und\ndie Damen Emma Vely und Teresina Geßner ge-\nhören, über die deutsche Literatur der Gegenwart.\nEr veröffentlicht im Programm dieses Instituts\nseine Disposition. Der Schriftsteller „findet, daß der\nGebildete in der oft so widerspruchvollen Fülle\nder literarischen Erscheinungen eines Fingerzeiges\nund Leitfadens bedarf, um sich in dieser für den\nLaien nicht immer übersichtlichen Welt zurecht-\nzufinden.\" Er wird mit dem Finger auf die füh-\nrenden Lyriker zeigen, auf Liliencron,\nDehmel, Falke, George, Rilke. Der Schrift-\nsteller leitet den Laien am Faden „zu den bahn-\nbrechenden Dramatikern, zu denen Di ch t e r\nwie Wildenbruch, Sudermann, Halbe,\nHirsch fei d, Hartleben, Fulda gehören.\"\nDieser Schriftsteller hat die bahnbrechenden Dra-\nmatiker sogar am Schnürchen. In dieser über-\nsichtlichen <Welt wird sich der Laie schon mit\neinem Fingerzeig zurechtfinden. Man belege die\n\"Vortragsreihe 33.\nDas Kulturwerk mit dem kernigen Programm\n„Der Gedanke, durch Vorlesungen bedeutender\nGelehrter und Dichter einen ununterbrochenen Kul-\nturaustausch zwischen Deutschland und den Ver-\neinigten Staaten von Amerika im Fluß zu er-\nhalten, findet in den besten Schichten beider Völ-\nker eine stetig wachsende Würdigung.'1 Für die\nB. Z. am Mittag ist alles möglich. Sie hält sogar\nden Kulturaustausch im Fluß, und wenn es der at-\nlantische Ozean wäre (Spaß), und läßt ihn in den\nbesten Schichten stetig wachsen. Der Gedanke\nkönnte seiner Großzügigkeit nach durchaus von der\nB. Z. am Mittag herrühren. „Aber die Germanisti-\nsche Gesellschaft von New-York ist es, die sich der\nDurchführung dieses verdienstvollen Ge-\ndankens i n erster Linie widmet, in dem\nsie Jahr für Jahr erste deutsche Autoren zu einer\namerikanischen Rundtour einlädt.\" Man muß die\nGastlichkeit der Germanistischen Gesellschaft in\nerster Linie anerkennen. Sie sollte unsere bedeu-\ntenden Dichter nicht nur im Fluß erhalten, son-\ndern sie gleich stetig bei sich wachsen lassen.\nHingegen muß man die Germanistische Gesellschaft\nbedauern, daß sie in zweiter Linie die seetüch-\ntigen Flußfische über Literatur reden läßt. Sie sind\nsämtlich in Deutschland schon erheblich angeräu-\nchert worden, man ahnt in Amerika offenbar nichts\nvon den Gefahren einer literarischen Botulismus-\nepidemie. Kaum haben die Fische in Hamburg\ndas Land verlassen, so werden sie redselig und\nschreien vom Bord herab der B. Z. am Mittag zu,\nworauf ihr „dichterisches Streben gerichtet\" ist.\nZur Zeit der frischen Heringe lud man Herrn Rudolf\nHerzog ein, also noch im ungesalzenen Zustand.\nHerr Rudolf Herzog will „wieder Kraft und Ge-\nsundheit und Freude am Leben in die deutsche\nLiteratur bringen, der durch den Materialismus ein\ngewisser femininer Zug anhaftet.\" Herrn Herzog\nvertreibt die Literatur gratis, der Mann begnügt\nsich nun einmal mit der Lebensfreude. „Es ist be-\ngreiflich, daß dieses kernige Programm gerade\nauf das Amerikaner tum sympathisch wirken\nmußte.\" Daß die Amerikaner gegen das Geldver-\ndienen sind, ist natürlich auch der B. Z. am Mittag\nbekannt. Man erfährt noch zu seiner Beruhigung,\ndaß „die Amerikaner die Eigenart dieses\ndurch und durch deutschen Dichters rasch er-\nfaßten.\" Herr Rudolf Herzog hat sogar in San\nFranzisko aus Dankbarkeit für das durch und\ndurchdringende Verständnis seiner Eigenart „mit\nfreigebiger Hand Goldkörner aus dem Schatz\nseines reichen Innenlebens ausgestreut\". Di e Ge-\ngend sollte eigentlich falsches Gold nicht in Zah-\nlung nehmen. Herr Rudolf Herzog zieht es vor in\nAmerika eine schöne Laiche zu geben, statt in\nDeutschland eine schöne Leiche zu sein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "742", "page_fin": "743", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.5", "titre_corps": "Die weisen Jungfrauen", "titre_sommaire": "Die weisen Jungfrauen", "signature_source": "Fjodor Ssollogub", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "742", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.4", "debut_caractere": 4855, "fin_caractere_exclue": 9830, "texte": "Die weisen Jungfrauen\nVon Fjodor Ssollogub\nIn dem mit Blumen und hellen Geweben ge-\nschmückten Gemach erwarteten die Jungfrauen\nden Bräutigam. Sie waren zehn an der Zahl\njung und wunderschön, und unter ihnen befanden\nsich weise Jungfrauen und unvernünftige.\nDie Flammen des Abendrots waren erloschen,\nwie jeden Abend am Himmel. Der Hauch der\ndunkelblauen Kälte hatte sich über die Erde ge-\nbreitet, und die fernen, ewigen Sterne begannen\nihren langsamen Reigen. Die. Jungfrauen hatten\nalles bereitet zum hochzeitlichen Mahl, und sie\nsetzten sich an den Tisch. Ein Platz in ihrer\nMitte war leer, — das war der Platz für den Bräu-\ntigam, der erwartet wurde. Zehn Lampen leuch-\nteten vor den Jungfrauen. Auf dem weißen Tisch-\ntuch standen Gefäße mit Wein und Broden.\nLeise klangen die Stimmen der Jungfrauen.\nDie schwarze Nacht lag schweigend hinter den\nFenstern der geschmückten hochzeitlichen Halle,\nvon fern jedoch ertönten die Klänge fröhlicher\nLieder, Lachen, Musik, lärmende Stimmen. Dort,\nunweit vom Haus, wo die Jungfrauen den Bräu-\ntigam erwarteten, jubelten und tafelten junge\nFrauen und müßige junge Männer, — und sie alle\nkümmerten sich nicht um den Bräutigam, der im\nDunkel und Geheimen erscheint, nicht um die\nBraut, die geheimnisvoll die große Fackel anzündet.\nSie, die Sorglosen tanzten und sangen und lach-\nten und priesen die Zauber des zügellosen, wilden\nLebens. Ihre Lieder sagen davon, daß jedem das\nLeben nur einmal gewährt ist, daß die Jugend\nschnell dahinfließt, und daß man eilen muß, seine\nZauber und Genüsse auszukosten, solange noch\ndie große Kraft wild in den Adern tobt.\nLeise sprachen die Jungfrauen:\n„Jetzt wird wohl balde der Bräutigam kom-\nmen.\"\n„Ja, balde wird er bei uns sein.\"\n„Wie sie da drüben lärmen!\n„Wie toll sind ihre Gesänge\n„Wie froh klingt durch die nächtliche Stille\nihr lautes Gelächter.\n„Den Bräutigam wird dieser Lärm stören.\n„Der Bräutigam ist gut, — er wird nicht ver-\ndammen.\n„Er wird schon balde kommen.\n„Ist er nicht soeben in den Garten getreten?\n„Steht er nicht an der Schwelle?\n„Hat er nicht in unser Fenster hineingeschaut?\n„Sollen wir ihm nicht entgegen gehen?\n„Nein, im Saal ist es leer und still.\n„Es ist niemand an der Tür.\n„Nur die dunkle Nacht starrt in unsere Fens-\nter herein.\"\nLange währte die Nacht. Die Jungfrauen\nharrten. Sie sprachen leise. Immer lauter und\nlustiger wurden die Stimmen der Tafelnden. Der\n\\\nBräutigam kam nicht.\n„Er ist noch immer nicht da,\" sagten voll Trauer\ndie Jungfrauen.\n„Er wird um Mitternacht kommen,\" sagten sie\nsich selbst zum Trost.\n„Wir werden harren!\n„Wie lange!\n„Wie langweilig!\n„Man muß nicht auf den Bräutigam schelten.\n„Er wird kommen.\n„Man muß warten, er wird uns Trost bringen.\n„Wrie lange das dauert! Schon ist die Mitter-\nnachtsstunde vorüber.\"\nDie unvernünftigen Jungfrauen begannen zu\nmurren:\n„Wir sitzen hier und warten, er aber hat uns\nvergessen.\n„Vielleicht wird er gar nicht kommen?\n„Vielleicht sitzt er und tafelt mit den andern?\n„Weshalb warten wir Dummen denn auf ihn?\n„Wie lustig ist es dort!\n„Ist es nicht lächerlich, daß wir am gedeckten\nTisch sitzen und s'elbst nicht essen, nicht trinken\nund uns nicht freuen, und den Bräutigam erwarten,\nder nicht kommt, trotzdem die verabredeten Stun-\nden schon vorüber sind!\n„Sollen wir nicht vielleicht auch dahin gehen,\nwo es so lustig hergeht?\"\n„Wartet\", sprachen die weisen Jungfrauen.\n„Der Bräutigam wird kommen.\n„Er wird an die Tür klopfen, auf der Schwelle\nerscheinen, Euch mit Heil verkündenden Augen an-\nsehen — und dann wird eine solche Freude für\nEuch anheben, die lichter und schöner ist, als die,\num die Ihr beneidet.\"\nAber die unvernünftigen Jungfrauen wollten\nnicht mehr länger warten:\n„Wir werden dahin gehen, wo es lustig ist.\nKommt auch Ihr mit uns. Wenn der Bräutigam\nnicht zur Zeit gekommen ist, so kann er auch zu\nuns dorthin kommen, wo wir sein werden. Man\nkann ihm einen Zettel auf dem Tisch zurücklassen.\"\nUnd die unvernünftigen Jungfrauen nahmen\nihre Fackeln und gingen fort — sechs unver-\nnünftige Jungfrauen. Es blieben vier weise Jung-\nfrauen zurück. Sie setzten sich dicht, eine neben\ndie andere, und sprachen leise über den Bräutigam\nund über das Geheimnis, und warteten.\nAber der Bräutigam kam nicht. Die Stille\nund die Frauen schmachteten in dem geschmück-\nten hochzeitlichen Gemach, in dem die weisen\nJungfrauen, die vor dem Tisch mit den abbren-\nnenden Fackeln, vor dem nicht benützten Wein\nund Brot dasaßen, leise Tränen vergossen. Hin\nund wieder schlössen sich schläfrige Augen, und\nim Traume erblickten die weisen Jungfrauen den\nBräutigam auf der Schwelle. Freudig erhoben sie\nsich dann von ihren Plätzen und streckten die\nArme aus, — aber der Bräutigam war nicht bei\nihnen, und niemand stand auf der Schwelle.\nDie Fackeln waren niedergebrannt, weiß\nschien das Licht durch die Fenster, der in Morgen\ngetauchte Garten lachte unter den Klängen\nder zwitschernden Vögel — und die weisen Jung-\nfrauen begriffen, daß der Bräutigam nicht kom-\nmen würde. Sie beugten sich über den Tisch und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "743", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5297, "texte": "weinten lange. Je leuchtender d Morgenrot\nstrahlte desto blasser wurden ihre Aangen.\nDa sprach die weiseste aus de Mitte der Jung-\nfrauen:\n„Schwestern, Schwestern jetzt werden wir\nnach Hause gehen, und dam dieser Nacht geden-\nken. Und woran werden - r uns erinnern? Wir\nhaben lange gewartet, - und der Bräutigam ist\nnicht gekommen. Abe* Schwestern, würden nicht\ndie unvernünftigen Jungfrauen, wenn sie mit uns\ngewesen wären, ruch dieselbe Erinnerung behalten\nhaben?\n„Wozu brauchen wir dann unsere Weisheit?\n„Ist der Bräutigam jetzt nicht mit uns, —\nweil er nicht zu uns gekommen ist, oder deshalb,\nweil er genügend Zeit mit uns zugebracht hat und\nvon uns fortgegangen ist.\"\nDie weisen Jungfrauen wurden freudig und\nhörten auf zu weinen. Sie füllten ihre Becher mit\nWein und schnitten die Brode auf, und sie aßen,\nund sie tranken, und sie freuten sich. Und sie\nsprachen:\n„Der Bräutigam hat uns früh verlassen.\n„Kurze Stunden war der Bräutigam mit uns, —\naber unsere Seelen sind mit Trost erfüllt durch die\nkurze Zeit, die er mit uns zusammen war.\"\n„Der Bräutigam ist fortgegangen, aber er ist —\nunser geliebter Bräutigam.\n„Er liebt uns.\n„Er hat uns goldene Kronen auf den Häuptern\nzurückgelassen.\"\nNachdem die weisen Jungfrauen ihr freudiges\nMahl beendet hatten, standen sie vom Tisch auf.\nAn der Schwelle des hochzeitlichen Gemaches blie-\nben sie alle vier stehen, umarmten einander und\nsandten dem verlassenden Bräutigam mit den\nHänden winkend einen Abschiedsgruß nach. In\nihren Augen standen Thränen, ihre Gesichter über-\nzog eine tiefe Blässe, und traurig lächelten ihre\nLippen.\nUm die Zeit hatte das lärmende Festmahl ein\nEnde genommen, und die sechs unvernünftigen\nJungfrauen kehrten nach Hause zurück. Die unver-\nnünftigen Jungfrauen blieben an der Schwelle, wo\ndie weisen Jungfrauen weilten, stehen, neckten die\nweisen:\n„Ist der Bräutigam endlich gekommen?\n„War Euer Festmahl mit dem Bräutigam lustig?\n„Weshalb seid Ihr denn jetzt allein, und der\nBräutigam ist nicht zu sehen?\"\nKurz war die Antwort der weisen Jungfrauen:\n„Der Bräutigam ist fortgegangen.\n„Wir haben ihn begleitet.\n„Da, jetzt schimmerte noch zum letzten Mal\nseine weiße Tunika durch die Bäume hindurch und\nist nicht mehr zu sehen.\n„Der Bräutigam ist nach der Seite hin fortge-\ngangen, wo die Sonne aufgeht.\"\nDie unvernünftigen Jungfrauen glaubten ihnen\nnicht, sie lachten laut und sprachen:\n„Ihr schämt Euch zu bekennen, daß der Bräu-\ntigam nicht zu Euch gekommen ist.\n„ Wie werdet Ihr es beweisen, daß er mit Euch\nzusammen war?\n„Zeigt uns seine Geschenke.\"\nDie weisen Jungfrauen antworteten:\n„Er hat uns goldene Kronen geschenkt.\n„Er hat sie selbst auf unsere Häupter gelegt.\n„Seht Ihr denn nicht, wie das Gold unserer\nKronen über unseren Häuptern glänzt?\nDie unvernünftigen Jungfrauen — fünf von\nihnen — lachten und sprachen:\n„Es sind gar keine Kronen auf Euren Häuptern.\n„Ihr verratet Euch selbst durch Eure Erfindung.\n„Ihr habt wahrscheinlich im Traum den Bräu-\ntigam zu Euch kommen sehen.\n„Vergebens habt Ihr die ganze Nacht in langer\nWeile zugebracht, — lieber wäret Ihr auch mit uns\ngekommen.\"\nUnd die unvernünftigen fünf Jungfrauen ver-\nließen die Schwelle, sie lachten und beschimpften\ndie weisen Jungfrauen auf jede Art. Die eine aber\nvon ihnen blieb an der Schwelle zurück. Sie warf\nsich zu Füßen der weisen Jungfrauen, küßte ihre\nvom Morgentau bedeckten Füße, und sie weinte\nsehr und sprach:\n„Glückliche, glückliche weise Jungfrauen! Wie\nbeneidenswert ist Euer hehres Los! Mit Euch hat\nder Bräutigam zur Tafel gesessen, den meine Augen\nund die Augen meiner tollen Freundinnen nicht ge-\nschaut haben. Auf Eure weisen Häupter hat er mit\nseinen Händen goldene Kronen gelegt, die wie vier\nprächtige Sonnen hell leuchten. Auf Euren Händen\nlebt das Heiligtum seiner Berührung, auf Euren Lip-\npen — der bezaubernde Duft seiner Küsse. O, ich\nUnvernünftige! O, ich Unglückliche! Ich möchte\nzu Euren Füßen sterben und die Stufen mit Küssen\nüberschütten, auf denen der Bräutigam zu Euch\nemporstieg!\"\nDie weisen Jungfrauen hoben ihre um diese\nfrühe Stunde zur Weisheit gelangte Schwester em-\npor und küßten sie, und sie trösteten sie voller\nZartheit:\n„Liebe Schwester, du hast auf unseren Häup-\ntern Kronen gesehen, die die unvernünftigen Jung-\nfrauen nicht sehen konnten.\n„Der Bräutigam ließ dir Weisheit und Einsicht\nin das Geheimnis zu teil werden.\n„Die Krone, die der -Bräutigam auf seinem\nHaupte trug, ließ er uns für die zurück, die von der\nUnvernunft zur Weisheit käme.\"\nMit zarten Fingern berührten die weisen Jung-\nfrauen ihr Haupt und nahmen von ihr die welken\nBlumen der tollen Freudenorgie hinweg. Sie\nsprachen:\n„Jetzt haben wir dir, liebe Schwester, die\ngoldene Krone aufgesetzt.\n„Wrie leuchtend glänzt deine Krone in den\nStrahlen der aufgehenden Sonne!\n„Der geliebte Bräutigam, der dir diese Krone\ngeschenkt hat, wird auch selbst zu dir kommen,\nwenn die Zeit dazu da ist.\"\nEine nach der anderen wandelten die fünf\nweisen Jungfrauen mit den goldenen Kronen, die\nwie große Sterne leuchteten, auf der Treppe der\nHochzeitshalle und auf den Wegen des Gartens, und\ntraten auf die Stellen, die der Bräutigam\nmit seinen Füßen berührt hatte. Die Augen voller\nThränen, im Herzen die Flamme des Trauers und\ndes Entzückens, gingen sie, der Welt die Weisheit\nund das Geheimnis zu verkünden.\nDeutsch von Eugenie Chmielnitzky"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "743", "page_fin": "744", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.6", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "743", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.5", "debut_caractere": 5299, "fin_caractere_exclue": 9629, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nLieber Herwarth und liebes Kurtchen, meine\nreligiöse Stimmung muß also einen Grund haben.\nIhr meint wohl, mich plagt die Reue? Die Sünde\nist mir erschienen, meint Ihr wohl, mit dem Fege-\nfeuer in der Hand, oder die Schlange hat doch\nendlich Einfluß über mich gewonnen. Pfui Teufel,\nIhr traut mir zu, daß ich eine religiöse Stimmung\nauf Pfählen baue, irgendwo in die Sinthflut hinein.\nIch habe Vertrauen zu meinen guten und bösen\nHandlungen. Ich kenne keine Sünde, mag sein,\ndaß ich sie oft von außen her mit Süßigkeiten\nmir greife, ich hab noch nie etwas davon\ngemerkt. Lebe das Leben ja tableau-\nmäßig, ich bin immer im Bilde. Manchmal werde\nich unvorteilhaft hingehängt, oder es verschiebt\nsich etwas in meinem Milieu, auch bin ich nicht\nmit der Einrahmung zufrieden. Einrahmungen sind\nEinengungen, Unkunst, Grenzen, die sich kein Gott,\naber ein Gottdilettant zieht. Die runden Rahmen\nhaben noch etwas Kreisendes, aber die viereckigen,\nneumodischen, sind so ganz menschlich aus dem\nKosmos getreten. Ich sehe also aus dem Bilde das\nLeben an; was nehm ich ernster von beiden?\nBeides. Ich sterbe am Leben und atme im Bilde\nwieder auf.\n1 Hurrah!\nLiebe Nordländer. Ich fühle mich ergraut, wie\nder Tag plötzlich, bald 'ist es Nacht; soll ich wachen\noder schlafen. Lohnt es sich zu leben oder zu ver-\nsäumen. Alles sollte sich lohnen, auch das Nicht-\nvorhandene. Ich weiß, irgendwo sehnt sich ein\nHadrian oder ein Pharao nach mir. Ist das nun\nwahr oder ist das nicht wahr? Aber ich finde so\nein Gedanke lohnt sich. Allerdings, der Bürger\nverliert nie etwas, mich kostet vielleicht so einen\nGedanken zu haben das Leben. Meint Ihr mein\nLeben ist zu ersetzen? Lohnt es sich, mein Leben\nzu ersetzen? Ich will diesen Gedanken von Euch\nbeantwortet haben. Aber ich sprach vom Hadrian,\nich sprach vom egyptischen König, der eine Pyra-\nmide als Krone trägt, wir ziehen .zusammen in den\nKrieg auf Dromedaren. Ich sitze hinter ihm, au\nseinem Rücken gelehnt, und meine Pfeile fliegen an\nseinem Herzen vorbei in die Leiber der Feinde.\nNachts schminkt er meine Lippen mit seinen\nKüssen.\nHerwarth, Karl Kraus, der Dalai Lama, weilt\n.in Wien, aber unten in Deinem Arbeitszimmer hängt\nseine Hand in Marmor. Ich stand wieder vor dem\nschwarzen Brett, darauf sie gespannt abwärts\ngreift, sie bewegte sich, als ob sie mir etwas er-\nklären wollte. Diese Hand, eine sichere Minister-\nhand, eine gütige Diplomatenhand, eine züngelnde\nHand, sie kann ein Stadt anstecken. Meine Augen\ntanzen um ihre Randung — Polka. Lieber noch\nringe ich mit dieser Hand zum Zeitvertreib. Sollte\ndieser vornehmste Kampf unterlassen bleiben!\nIch träume oft in der Nacht von den Kriegen un-\nserer Hände und staune, daß Du die seine noch\nimmer in der Frühe erhalten am Brett hangend vor-\nfindest. Sie lächelt sogar seit kurzem. Des Mi-\nnisters Hand, eine ernste, mongolische Dolde, eine\nHand, jeder seiner Pfade endet. Was er wohl von\nmeiner ziellosen Hand aus Spiel und Blut denkt?\nLieber Herwarth, was ist das Leben\ndoch für ein eitler Wettbewerb gegen das\nAufschweben zur Ewigkeit. Ich bin erregt, ich\nhatte schon einige Male heute das Gefühl, ich muß\nsterben. Wenn ich auch im Bilde lebe, Bild bin,\naber meine Eindunklung Dir gegenüber macht mir\nschon lange Schmerzen. Wir können uns beide kaum\nmehr sehen, Herwarth; alle die Leute, die uns wie-\nder zusammenbringen wollen, sind nichts weiter als\nOelschmierer oder Terpentinwäscher, uns auf-\nfrischen wollen sie; über die echten Farben un-\nechte, gezwungene schmieren. Fälschung! Ver-\nkitschte Auferstehung! Man sollte Heber die Men-\nschen, über die die Nacht kam, einbalsamieren. Es\nklopft heute schon einigemale an meiner Tür, es\ngeschieht etwas Schreckliches in der Welt, lauter\nFälschung, dafür geben die Leute ihr Geld aus.\nDas sag ich Dir, ich wollte, ich besäße eine\nBrücke, es müßte mir Jeder — Zoll bezahlen —\nBrückenzoll. Da ich doch tot bin, hab ich mir we-\nnigstens vorgenommen, reich zu werden.\nHerwarth, vorher schick ich dir noch ein Ge-\ndicht für den Sturm. Ich bin rasend verliebt in\nJemand, aber Näheres sag ich nicht mehr. So\nkann es immer an Dich gerichtet sein.\nDu bist alles was aus Gold ist\nIn der großen Welt.\nIch suche deine Sterne\nUnd will nicht schlafen.\nWir wollen uns hinter Hecken legen\nUns niemehr aufrichten.\nAus unseren Händen\nSüße Träumerei küssen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "744", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4581, "texte": "Mein Herz holt sich\nVon deinem Munde Rosen.\nMeine Augen lieben dich an,\nDu haschst nach ihren Faltern.\nWas soll ich tun,\nWenn du nicht da bist.\nVon meinen Lidern\nTropft schwarzer Schnee;\nWenn ich tot bin,\nSpiele du mit meiner Seele.\nLudwig Ullmann habe ich das Gedicht An Je-\nmand für sein Flugbatt geschickt:\nLieber Ludwig Ullmann. Es war Nacht, als\nIhr Brief kam, ich hate mich gerade aufgehängt,\nkonnte nur morgens den Baum nicht wiederfinden.\nOb das ein Glück für Ihr Flugblatt ist, kann ich\nnicht beurteilen. Denn ich bin noch sehr angegriffen\nvon der Aufhängerei und von allem Drum und\nDran. Machen Sie die gute Stimmung für mich,\nmir fehlt jede. Auch ist Berlin so langweilig, es ist\nweder interessant zu leben, noch zu sterben, was\nich nun beides beurteilen kann. Ihre Karte war\nmir eine Labung, so frisch geschrieben; wie Quell-\nwasser sind Ihre Buchstaben, nicht etwa verwäs-\nsert Sie müssen immer von Wäldern dichten, das\nwäre charakteristisch für Sie. Jedenfalls begleiten\nSie mich in den Prater, wenn ich nach Wien\nkomme. Ihre E. L. Sch.\nLiebe Jungens, ich habe vor, regierender Prinz\nzu werden. Müßten mir nicht alle Menschen Tribut\nzahlen? Ich habe gestern Dr. Ernst R. W. Frank\ngeschrieben: Sire. Sie haben ganz recht empfun-\nden, ich bin der Prinz von Theben. Sie wollen mir\neine Klinge zum Geschenk überbringen lassen. Ich\nbitte Sie mir zweihundert Silberlinge, das sind auf\nDeutsch zweihundert Mark, beizulegen, damit ich\nihrem Diener den ihm zukommenden Lohn entrich-\nten kann. Kann ich seinen Herrn höher schätzen?\nich traue diesem Doktor zu, daß er meinen Brief mit\nallem Respekt erfüllen wird, er ist Nierenarzt, er\nhat den Zug eines Bohemiens in sich, er behandelt\nmit Vorliebe Wandernieren.\nSoeben kam eine Dame aus Prag, ich soll in\nihrem Verein sprechen. Wo ich soviel umsonst\nschreibe, muß ich doppelt so viel für mein Sprechen\nbeanspruchen. Willy Haas hat sie aus Prag zu mir\nins Haus gesandt. Ich habe tausend Mark verlangt;\nfür meine Liebesgedichte zweihundert Mark beson-\nders. Die Dame war ergriffen, aber sie will mit\nihrem Verein über meine Forderung sprechen. Auch\nwar ich äußerst pathetisch, zog meinen Königs-\nmantel einige Male über die Schultern in Falten, in\nwilde Falten. Ich spreche überhaupt nicht mehr\nohne Bezahlung, nur Bindewörter; könnt ich doch\neins finden, das mich binden würde.\nHerwarth, Ludwig Kainer will meine Kalifen-\ngeschichte illustrieren, aber hier können wir uns\nnicht besprechen, ob ich ihm vom Angesicht meines\nVaters Mohamed Pascha oder von Ached Bey\ndem Kalifen, oder vom Fakir erzähle, immer kommt\nein anderes Gesicht dazwischen; so viel Bekannte\nhaben wir nun in Berlin. Und bei mir kann ich\nkeinen Menschen mehr empfangen, überall liegen\nfußhoch norwegische Briefe an Euch. Aber mein\nerlauchter Illustrator geht nach München, wir rei-\nsen dann auch dorthin, einige Tage; übrigens hat\nmir mein Freund Antoni aus München geschrieben,\nder Prinz von Polen, mein Geist wär gestern im\nCafe Bauer in Galla allen erschienen. Ich war schon\nimmer neugierig, meinen Geist kennen zu lernen,\nmeinen Astralleib, er soll reich sein, ich werde\nihn anpumpen.\nPrinz von Theben, schrieb mir der Maler\nSchmidt-Rottluff: Ich will Sie malen mit ihrem\nschwarzen Diener Ossmann. Ich wollte, er\nmalte mich im Hintergrund seiner Handschrift,\nmitten hinein. Lauter Schlangengrotten, Ur-\nwaldgewächse, Kokospalmen, menschengroße\nAffenkörper. Man kann nicht durch seine\nHandschrift in die Ferne blicken, man er-\nstickt in dieser Handschrift. Er und Richard Deh-\nme! trinken aus denselben dunklen Quellen. Ich\nwerde ihm Geschichten aus meinem Leben er-\nzählen. Ihr wißt doch , mein hinterurwäld-\nlicher Urahn war Häuptling; seine Enkel\nzogen dann gen Egypten und manche avancierten\nzu Pharaonen. Dieser hinterurwäldliche Ahne ist\nder einzige Mensch, der nicht von Affen sta-nmt.\nIch habe noch unseren Stammbaum in Blüte. Ihr\nwollt es nicht glauben, aber der Maler mit ler un-\ngeheuren Handschrift wird mir glauben, daß ich\nvon der Ananas stamme. O, dieser berauschende,\nwilde Fruchtkopf mit dem Häuptlingsblattschmucß!\nIch habe noch nie davon probiert, nicht einmal ge-\nnascht, aus Pietät, und dabei könnt ich meine\npflanzliche Abkunft auffressen, wie ein Menschen-\nfresser.\nHerwarth, weißt du, daß Lukas Cranach schon\ndie Venus von Siam als Kete Parsenow gemalt hat.\nAlso nicht ich alleine weiß, daß Kete Parsenow die\nVenus ist, die wirkliche Venus. Ich sah die Venus\nlächeln, ich spiegelte mich in den Thränen der Ve-\n%\nnus, ich sah die Venus tanzen, ich sah die Venus\nsterben. 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Ja das sind so Sachen,\nGenau beseh'n: dumm, dreckig, frech und roh,\nAls deutsche Brüder, mein' ich, nicht zum\nLachen\nUnd Bildung? ein erbärmliches Niveau.\nSie schreiben nicht und lesen keine Bücher,\nIhr einz'ges Kleid: ein dürft'ger Blätterschurz,\nSie leben nicht viel besser wie die Viehcher —\nDoch was tut Gott? sie leben ziemlich kurz,\nDieweil die Gier nach leck'ren Delikatessen\nSie treibt sich gegenseitig aufzufressen.\nSie schreiben nicht und lesen keine Bücher. Aber\nhierzulande gibt es Literatureingeborene, die sogar\nBücher schreiben. Und das ist auch grauenvoll.\nDenn die Bücher sind, genau besehn: dumm,\ndreckig, roh und frech. Und das Publikum\ntreibt es, in der Gier nach Delikatessen, sie aufzu-\nfressen. Auf hohem Niveau. Doch was tut Gott?\nDie Bücher leben ziemlich kurz. Ihre Lektüre\nwirkt schließlich auch auf das dickhäutigste Ge-\nmüt wie der Stich der Tsetsefliege. Aber sie kre-\npieren an ihren Opfern.\nUnstimmigkeit im Hause Ullstein\n„Den schwerblütigen Ernst zu verbannen und\nuns dafür die Wohltat herrlichen Lachens zu\nschenken, hat Norbert Falk aus den Literatur«»\nder Völker des Abend- und des Morgenlandes\ngleichsam einen Extrakt von Fröhlichkeit heraus-\nüesülliert\". Den Umschlag des lustigen Buches\nziert ein übermütiges Bild.\n„Ein derb fröhlich grinsender Narr mit der\nSchellenkappe betrachtet durch eine Lupe\nallerlei sich höchst wichtig gebärdendes Volk,\ndas in eingebildeter Würde vor ihm einher-\nstolziert. Selbst der König mit Krone und\nSzepter fehit nicht. Aber die Abzeichen des\nKönigtums helfen tihm nichts — winzig klein\nwird er unter der Lupe des großen Gleich-\nmachers Humor — winzig k 1 e i n.\"\nUnter einem Vergrößerungglas.\nAber so leicht läßt sich der schwerblütig«,\nwiderstandsfähige Ernst nicht verbannen. Je mehr\ndie beliebten Nur-Humoristen sich mühen, ihn zum\nbettelarmen Eckensteher des Lebens herabzu-\ndrücken, desto befreiender und wohltätiger\nwirkt er.\nIm „Buch des Lachens\" sind die Seichtesten\naufgboten, d;es Lebens Tiefstes zu überbrücken.\n„Wir treffen da eiinen engeren Landsmann, den Ber-\nliner Adolf Glaßbrenner, dessen Humor mit Spree-\nwasser gemischt ist, aber dadurch nicht nüchter-\nnerwurde; im Gegenteil!44\nve r wässer t e r\n„Rosegger und Ganghof er, die alpenländischen\nHumoristen, haben sich eingefunden, der ge-\nmütliche Johannes Trojan und, Eduard Pfttzl,\nder Wiener Lokalhumorist, über den ma r*\nsich totlachen kann. Und von den\nNeueren und Neuesten kommen alle zu Wart,\ndie Witz und Laune mitbringen, Ernst von\nWolzogen, Fritz von Ostini, Georg Hermann\n(mit einem ulkigen Kapitel aus seinem „Ku-\nbinke44), Hans Brennert, Roda Roda, Karl\nSchönherr, der diesmal garnicht tragisck\nauftritt, Ludwig Fulda, Rideamus, der lustig«\nFrechling44 —\nNur drei Wochen vor dieser „Würdigung\" hat\nHerrn Rideamus eön anderer Kritiker Ullsteins a®\nderselben Stelle eine Schelle unter die Kapp«\ngeschlagen.\n„Der vorausgegangene Akt von Rideamus, wenn\nich recht berichtet bin, schon früher ander-\nwärts gespielt, wäre nicht der Rede wert,\nwenn er nicht in der faustdicken, klobigen Ero-\ntik dieses Schriftstellers, der heute unbegreif-\nlich viele Leser hat, so unsympathisch wäre,\ndaß man ihn zurückweisen müßte.44\nWas ist mir Rideamus? 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Sie ist durch die Buchhandlungen, Kiosk#\nund direkt durch den Verlag „Der Sturm\" zu be«*\nziehen.\nDer Originalholzschnitt von Max Pech-\nstein in dieser Nummer ist vom Künstler drei-\nfarbig handaquareliiert und signiert worden. 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Mester Leipzig\nouter Mitwirkang 12 hervorragender Fachleate der Theorie and Praxis (staatllch\ngeprafte Lehrer, Akademiker oder auch Kaafleate in fahrender Stellang). Grandliche\nEinfiihrang in die verschiedenen Branchen des kaafminnischen Berates, rationelles\nStudium der Handels- and verwandten Wissenschaften als Ersatz fir ein mehr-\njShriges Hochschulstudium. Master-Uebangs-Kontor.\nDas Stadiam ist ffir Anfanger (Damen and Herren) die fflr Stenographic,\ndeatsche and fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Bachfahrangs- mad BiUnz-\nTechnik, Baro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl far jange Leate, die nar eine Volks-, Real- oder Shnliche Schnle ab-\nsolviert haben, wie far\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnlssen, Elnilhrte-\nFreiwillige, Abitarienten,\nfar kaafleate reiferen Alters, die bereits praktisch tStfg waren and den\nForderangen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieare, Chemiker, Braner, Jaristen, Nationaldkonomen,\nOffiziere, die far Verwaltnng wirtschaftlicher Unternehmangen oder Verbinde,\nAktien- oder ihnlicher Gesettschaften sich vorbereiten wollen. Daoer der Kmtm\n6—12 Monate — je nach Vorbildang und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, johannisplatz 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c022", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "745", "page_fin": "745", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "745", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.7", "debut_caractere": 4222, "fin_caractere_exclue": 4264, "texte": "&«*2&\nm\nm\n§9®\n$\nm\nm\ns\n5S\n*\nKleii'te iks\nMM"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c023", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "745", "page_fin": "745", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "745", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.7", "debut_caractere": 4266, "fin_caractere_exclue": 4452, "texte": "Herwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFflr Gesanf u.Klavier / 52Seiten\nDBEI MARK\nDurch allc Bueh- and Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER. 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Januar\nabends 8 Uhr\nS\n:: Architektenhaus\n[I Wilhelmstrasse 92/93\nI\nELSE LfIJKER-\nKHOLER\nu\n!\nj VORLESUNG\n| aus eigenen Dich-\ntungen\nKartell M. 5, 3, 2, 1 bei\nA. 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HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModerne Herrenbekleidung\nferfig unci nacii Mail\nReklameangebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen igemusterten Cheviots limit iKrmelaufschlagen 32®® H\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 4550 h\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n32®° 45 H\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5°/0 Rabatt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c032", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "746", "page_fin": "746", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "746", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.8", "debut_caractere": 563, "fin_caractere_exclue": 751, "texte": "Les Norses\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nverSffentlichte das franzo-\nsische Original der T age-\nbiicher Flauberts, deren\nTJebertragung in Deutschland\nverboten wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c033", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "746", "page_fin": "746", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "746", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.8", "debut_caractere": 753, "fin_caractere_exclue": 779, "texte": "Buchhandlunsen\nm\n'921\nM\nr«"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c034", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "746", "page_fin": "746", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "746", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.8", "debut_caractere": 781, "fin_caractere_exclue": 891, "texte": "Edmund JVltyer\nBuchhanaier u. flnficiuar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprccher Amt VI 5850\n■I"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-01-13-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-01-13_01#c035", "volume": "bmtnabg_1912-01-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "746", "page_fin": "746", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.2.35", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "746", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.8", "debut_caractere": 893, "fin_caractere_exclue": 1014, "texte": "Reuss & Pollack\nBaeithandlang u. 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Januar 1912 ab erscheint DER STURM noch\nin einer SONDERAUSGABE auf schwerem, dauer-\nhaften Papier. Die Sonderausgabe wird nur vom\nVerlag Der Sturm dijekt und ungebrochen ver-\nsandt. 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Igß^yagg\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin-Halensee, Katharinenstrasse 5\nFernsprecher Amt Pfalzburg 3524 / Anzeigen-Annahme\ndurch den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahrsbezug 1,50 Mark / Halbjahresbezug 3,— Mark /\nJahresbezug 6,— Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1912\nBERLIN JANUAR 1912\nNUMMER 93\n\nInhalt:\nKURT HILLER: Der Sinn des Lebens und die Reichstagswahl / TRUST: Zwischen Weihnachten und Neuj hr / FJODOR SSOLLOGUB:\nDie weisen Jungfrauen / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / J. A.; Humoristen / MAX PECHSTEIN; Erlegung des\nFestbratens / Originalholzschnitt,\n\nMax Pechstein: Eriegungades Festbrafens / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "740", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.2", "texte": "Der Sinn des Lebens\nund die Reichstagswahl\nEin sachliches Gespräch zwischen zwei Freunden\nVon Kurt Hiller\nSchauplatz: Ein westliches Cafe; un-\nschöne Architektur, ältliche Sessel, rote Plüsch-\nrondells; an den Wänden verwaschene, fade Go-\nbelins und ein Oelbild voll Charakterköpfen; schräg\ndurch das Stuhldickicht schlurfen müde einige slo-\nvakische Kellner; ihre Gesichter: Zitronen, mit\nKohle beschmiert; nicht weit von der Theke steht\nein bärtiger Bulldogg da, in der Pose eines Wir-\ntes. Wenig Gäste, denn es ist Nachmittag. Ein\nrundes Marmortischchen umsitzen, halbleeres Ge-\nschirr vor sich, Franz und Guido. Beide schwer\nbestimmbaren Alters, vielleicht neunzehn, viel-\nleicht sechsunddreißig; ziemlich gut angezogen.\nFranzens Kopf mehr energisch und verzeichnet,\nGuidos blonder und blasser; dafür trägt Guido einen\nKneifer und ein (sehr schmales) goldenes Armband.\nSie rauchen und unterhalten sich.\nFranz: Also wahrhaftig, ich freue mich wie\nein Kind auf den zwölften Januar. Alle Amüse-\nments des Krieges — bloß ohne Blut — und alle\nAmüsements des Zirkus — bloß ohne attisch-\nkatholischen Gebärden-Schwindel — vereinigen\nsich und bedonnern uns; ein grandioses, enervie-\nrendes, fiebererzeugendes Schauspiel! Wie maß-\nlos phantastisch und doch wie wirklich; wie\nfabelhaft wirklich; bedenke, daß wir\nselber mitspielen, alle; daß wir zugleich Zuschauer\nsind, irn Paroxysmus der Neugierde . . und daß\ndennoch unsere Haut es ist, um die es geht. Be-\nwundernswerte Theatralik des Wirklichen!\nGuido: Ich begreife dich nicht. Was geht\nuns dieser Rummel an? Was haben wi r zu\nschaffen mit diesen Entrüstungen, Begeisterungen,\nKatzbalgereien der Spießbürger? Das taumelt\ndoch an uns vorüber, sehr fern, in einer fremden\nLuftschicht.\nFranz: Wirklich so fern? Ich glaubte es\nauch einmal. Neuerdings bin ich aber hintenherum\nauf den absurden Gedanken gekommen, daß unter\ngewisser Perspektive die Bürger, wir Bürger, doch\nalle gleich seien . . .\nGuido: Nanu?\nFranz: Unter der Perspektive der körper-\nlichen Bedürfnisse; jener Bedürfnisse, die zwar\ngewiß die „niederen\", aber immerhin die wich-\ntigsten, die sozusagen condicio-sine-qua-nonsten\nsind. Denk nur an das starke Bedürfnis, lebendig\nzu bleiben: wie eng ist es mit der Staatsidee ver-\nknüpft! Aber auch an viele nachgeordnete: des\nHungers, der die Parlamente bisher fast aus-\nschließlich interessiert hat, und der Liebe, um die\nsie sich noch wenig kümmerten. Es gibt schon Ge-\nsetzmäßigkeiten der Physiologie, die auf sämtliche\nMenschen zutreffen; ähnlich wie morphologische\nRegeln für alle, auch für uns, gelten; daher ist\nes garnicht so unangebracht, sich mit den Mit-\nbürgern ziels gemeinsamer Regelung der körper-\nlichen Angelegenheiten zu assoziieren. Die Partei\naber entsteht, wenn . . .\n.Guido: Ich weiß, wie Parteien entstehen;\nand auch die Platitüden über persönliche Sicher-\nheit, Schutz des Eigentums, Lebensmittelpreise,\nStraßenreinigung und Tuberkeln, die du — ich\nwette — jetzt plantest, kenne ich zur Genüge.\nEs liegt kein Anlaß vor, sie mir an den Schädel\nzu schleudern. Behandle mich doch, bitte, nicht wie\nden stereotypen Anarchisten der Diskutierklubs,\ndessen edier Optimismus durchaus nicht begreifen\nkann, daß die Methoden, die er vorschlägt, auf\neinem psychologischen Schnitzer beruhen. Ich\nweiß: der entfesselte Mensch wird Bestie sein,\nnicht Göttersohn; und mein sittlicher Ernst zwingt\nmick zu dem Witz, ohne jede ironische Unter-\nströmung zu erklären: „Ich bejahe den Staat4'.\nAber, bester Franz, ich bejahe schließlich auch die\nUntergrundbahn — ohne daß diese Einrichtung\ndarum mit meinem Erleben in einem inbrünstige-\nren Zusammenhang stünde. Der Staat ist eine\nsehr zweckmäßige Maschinerie; aber nichts als\neine Maschinerie und nichts als zweckmäßig; da-\nrum bin ich erstaunt, Reparaturen an ihm dich\nseelisch erschüttern zu sehen.\nFranz: Erschüttern! Du willst mich vor-\nbeikapieren. Du traust mir Bezirksvereins-Idea-\nlismen zu. Es gibt Paradoxien, über die man\nhinauskommen muß. Der Qestus, Politik für eine\nganz besonders gleichgültige Sache zu halten, ist\neine dieser Paradoxien; es ist der Qestus von\nneulichmal. Du ignorierst das charakterologische\nGesetz der Spirale, das schon Goethe, glaube ich,\naufgestellt hat. Du scheinst zu glauben, ich stünde\nnoch auf der Stelle, die du stolz bist eben über-\nwunden zu haben. Du irrst: ich bin nicht noch\nPolitik-Enthusiast, ich bin es wieder.\nGuido: Das sind Bekenntnisse und Edikte;\nArgumente sind das nicht.\nFranz: O, auch Argumente stehn mir zur\nVerfügung; metaphysischere als du ahnst. Vor-\nläufig werde ich dich aber nur erinnern, wie\nfuribund du, neulich auf dem Heimweg, über die\ndeutsche Sexualordnung herzogst, die erwachse-\nnen Haussöhnen bei Zuchthausstrafe der Eitern\nverbiete, in der elterlichen Wohnung die bürger-\nlichsten Orgien zu absolvieren. Mit Recht be-\nhauptetest du damals, dieses Verbot schädige deine\npekuniären und deine sanitären Interessen; es\nzwinge einen armen Literaten zu Kosten, die der\nSache nach nicht notwendig wären, und einen\nFanatiker der Reinlichkeit zum Aufgeben eines\nTeils seiner peniblen Gewohnheiten. Nun bedenke,\ndaß der neue Reichstag die Möglichkeit haben\nwird, diese sinnlosen Kuppelei-Nummern zu revi-\ndieren und sie in einer Weise umzugestalten, daß\nsie deinen Finanzen und deinen hygienischen\nGrundsätzen mehr entgegenkommen würden. Be-\ndenke, wieviele Menschen unseres Alters und\ngerade unseres Niveaus unter diesen und ver-\nwandten Bestimmungen leiden; wie sehr solche\nKalamitäten ins Geistige hineingreifen, zum Bei-\nspiel das Schaffen lähmen; wie hartnäckig sich\ndie agrarisch-klerikale Clique gegen eine verstän-\ndige, das asketische Gift heraustreibende, naiv-\ngeniale Reform dieser Regelungen sträubt —: und\nbestreite noch, daß wir, gerade wir, ein starkes\nInteresse an einer freiheitlichen, intellektuellen, ra-\ndikalen Zusammensetzung des Parlaments haben.\nDenk auch an die Abschaffung des Krieges —\neiner Einrichtung, die imstande ist, tausende von\ngesunden, produktiven, lebensfreudigen jungen\nMännern zu zwingen, sich für nichts und wieder\nnichts (nämlich für Gott und Vaterland) wegen\neines Stückchens Balkan oder wegen eines Stück-\nchens Sahara von einer Granate zerschmettern zu\nlassen.\nGuido: Lieber Junge, du neigtest von jeher\nzu demokratischen Allüren. Hast du immer noch\nnicht eingesehen, daß links die Vernageltheit eben-\nso würdig vertreten ist wie rechts? Glaubst du\nimmer noch an das Dogma deiner Vorväter, wo-\nnach sämtliche Tugenden des Geistes und des Ge-\nmütes sich bei den „Fortschrittlichen\" finden,\nwährend der „Reaktionär\" eo ipso ein Trottel und\nein Halunke sein muß? Der linkische linke Leit-\nartikel; die brüllende Ungeistigkeit der Reden\naller Oppositionshäuptlinge; die prüde Stumpfheit,\nder gerade die dringendsten Probleme sozialer\nReform, die sexuellen, bei der Demokratie be-\ngegnen; die bornierte Gehässigkeit, die in jenen\n„entschieden liberalen4' Tageszeitungen, von deren\nJudikatur sich das kaufkräftige Publikum beherr-\nschen läßt, allem Neuen, Revolutionären, Enormen\nin Künsten und Philosophie dargebracht wird -—:\ndas hätte dich doch allmählich erkennen lassen\nsollen, dal Freisinn und Schwachsinn zwei Be-\ngriffe sind, die einander keineswegs ausschliefe«.\nFranz: Ich kenne die Engel, die das Tat*\ndes volksparteilichen Literaturparadieses be-\nwachen; sie heißen mal Eduard, mal Fritz; &r\nSchwert ist Stahl; und sie lassen, wofern Gott\nder Herr sie nicht kitzelt, immer bloß ihresgleicke*\nherein. Ich kenne die Engel und bedarf deine«\nHinweises nicht. Meine Imaginationskraft ver-\nmag ich sogar bis zu dem Grade anzuspanne*,\ndaß ich deutlich die Grimasse sehe, die jeder be-\nliebige Stadtrat, Wohltäter, Handelskammerjäger\nvor einem Gedicht von Rilke oder vor öioer\nLandschaft Schmidt-Rottluffs zu veranstalten ge-\nnötigt sein wird. Weiß der Deibel, ich hasse die\nBande nicht weniger innig als du. Aber die Kre-\ntins zur Linken widerlegen nicht das Vorhanden-\nsein der Kretins zur Rechten; und daß wir über\ndie zur Rechten bloß lachen, aber über die zur\nLinken uns aufregen, beweist, daß wir mit unser*\nInstinkten links stehen. Jeder anständige Menscfc\nist für den Umsturz; wobei sich gleich bleibt, was\numgestürzt werden soll; Revolution als formale«\nPrinzip hat recht. Das eine will ich gern zugebe«:\ndaß der Kampf gegen die Konservativst keines-\nfalls die Fronde gegen rückständigen Progressis-\nmus hemmen darf. Unsereiner „vergibt\" sich bei\nderlei Fronde nichts. Noch vor wenigen Tagen\nhatte ich über dieses Thema eine Auseinander-\nsetzung mit dem phantastischen Schriftsteller le-\nrobeam Üe; der warf mir protzig vor, man kämpfe\nnicht mit einem Haustier, folglich auch nicht mit\neinem Engel; das sei unter der Würde eines bes-\nseren Anthropen. Ich parierte den Hieb mit der\nBazillentheorie.\nGuido: ? ? ! !\nFranz: Du kennst meine Bazillentheorie\nnicht? Ich sagte: Der Arzt, der Typhusgeschöpf-\nchen, Schlafkrankheitserreger, anderweitige Kok-\nken mit aller Energie auszurotten sucht, strengt\nsich nicht deshalb so an, weil sie geistig über-\nlegene Persönlichkeiten seien mit Prinzipien, die\nihn ärgern; sondern deshalb, weil ihr Dasein, die\nbrüte, ungeistige Tatsache ihres Daseins, gewat-\ntigen Schaden stiftet. Aehnlich unintellektual ist -\nauch das Vernichten von Feuilletonbazillen; es\nist kein literarischer, sondern ein medizinischer\nAkt; nicht gegen ihre Seelenstruktur, sondern ge-\ngen ihre Wirkungen zieht man los; man kämpft\nnicht m i t ihnen, man kämpft gegen sie.\nGuido: Und dennoch stimme ich dem Jero-\nbeam Üe zu. Was hat die ganze Kämpferei für\neinen Sinn? Wahrheiten, gesetzt, daß es welche\ngibt, zerfallen in . . .\nFranz: Du willst sicher bemerken: in be-\nlanglose und noch belanglosere. Ich kenne diese\nheruntergezogenen Mundwinkel.\nGuido: Nein, ich werde einen dir näheren\nStandpunkt beziehen und werde sagen: in belang-\nlose und wichtige. Auch du wirst dann das Kämp-\nfen für die belanglosen gewiß freudig dem Affen-\ntum überlassen. Und für die wichtigen Wahr-\nheiten zu kämpfen —: ach die sind ewig, die wis-\nsen die Weisen seit Anbeginn. Sie zu verkünde»,\nnützt keinen Pfifferling; denn wem verkündet\nman sie? Die Dummen begreifen sie nicht; die\nVerlogenen wollen sie nicht wahrhaben; und der\nElite sind sie bekannt. Wozu also kämpfen, pro-\npagieren, geistige Aktionen managen? Total über-\nflüssig, in allen Fällen!\n- Franz: Nimm doch Strichnin!\nGuido: Das wäre gar nicht so undiskutabei.\nIm übrigen gesteh ich dir gern: Hörte ich eine«\nWeltmann mit Lebensformen, einen abgeklärte*\ndeutschen Dandy, einen blasierten Antipolemiker\nmeine Reflexionen äußern, ich wäre zu Ohrfeige»\nbereit. Aber was soll ich tun? Mensch, täglich\ndeutlicher wird mir der Mumpitzcharakter unserer\nganzen vermaledeiten Beweglichkeit; man lebt,\nman stirbt, — was ändert sich dazwischen? Und\nselbst, wenn sich etwas änderte: wen erfreut es?\nMensch, lastet nicht die erbarmungslose Futurität"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "741", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.3", "texte": "des Todes, in ihrer Unausgesetztheit, tödlich auf\n**serm Sein?\nFranz: Die Erkenntnis, sterben zu müssen,\nist allerdings die absolut entsetzliche; aber sie\nbraucht nicht unfroh zu inachen. Im Gegenteil:\nsi# befiehlt dem Menschen, sich umso brünstiger\nas das Leben zu klammern; an die tausend Ver-\nfügungen; an diesen Hügel Buntheit zwischen\njwei schwarzen Wüsten . . . Zum Neuen Hedo-\nlismus führen deine Perspektiven; sie sind nicht\ntödlich; es lebe der Kampf!\nQui d o: Dinge machen einem nur so lange\nSpaß, als man nicht ahnt, daß man sie um des\nSpaßes willen treibt. Und in dem Augenblick, wo\n»an erkennt, daß das Leben der Güter höchstes\nist, verliert es jeden Wert. Ich bedauere diese\nTatsache, ich suche auch gar nicht sie zu erklären,\naber ich kann nicht umhin, sie festzustellen . . .\nStrichnin? Ja, wenn ich darüber nachdenke, wes-\ntealb ich mich nicht schon längst getötet habe, so\nwerde icil wohl zu d~m Ergebnis gelangen, daß\ndies deshalb nicht geschah, weil der zerrüttende\nZustand extremer Bewußtheit wie auf Geheiß\neiner dunklen physiologischen Macht häufig aus-\ngesetzt hat, für längere Perioden. Du darfst mich\nder Inkonsequenz beschuldigen; aber du darfst es\nmir nicht verargen, wenn ich während der lich-\nten Intervalle meist unglaublich darüber erstaunt\nbin, daß es zu allen Zeiten Leute gab, die, ohne\nden Tod zu kennen, behaupteten, das Leben sei\nschön.\nFranz: So geh in ein Kloster, Ophelia.\nMeine Katholisierung wird, bis auf weiteres, von\njener „dunklen physiologischen Macht\" hintange-\nfealten, die, wie du sagst, deine „lichten Intervalle\"\nkürzt Mir sind nihilistische Seelenzustände nicht\nböhmisch; und falls ich mir ein Dutzend lieber\nGedankengänge vergegenwärtige, nicht zuletzt das\nFiasko der kritischen Ethik; so kann ich dir mit\ngutem Gewissen einräumen, daß alles Rationale\nzugunsten solcher Seelenzustände spricht. Aber\nwas schiert mich, wenn ich platze vor Wollungen,\ndas Rationale? — Gut, neue Wahrheiten mögen\nsich nicht mehr entdecken lassen: dann bleibt als\n•inzige menschenwürdige Aufgabe die übrig, alte\nIrrtümer zu verwüsten. Es lebe der Kampf!\nGuido: Mich amüsiert, wie du deine theore-\ntische Skepsis notzüchtigst, auf daß sie den prak-\ntischen Optimismus dir gebäre. Mich amüsiert das\nso, daß ich gegen dein flammendes Ethentum, o\ndeutscher Jüngling, nichts mehr unternehmen will;\n•s wäre im übrigen doch zwecklos. Aber dir\ndas Kämpfen gestatten, heißt nicht dir gestatten,\ndaß die Objekte deines Kampfes ungeistige und\ngemeine seien. Du sprichst von einer somatischen\nSolidarität zwischen den Menschen. Interessen,\ndie der Pöbel mit uns teilt, mag der Pöbel für uns\nvertreten. Ich bestreite ja nicht, daß sie vorhan-\nden sind. Aber man kann die Notwendigkeit einer\nOrganisierung anerkennen und doch für seine Per-\nson Apolitiker bleiben. So, wie man Individualist\nsein und dabei die politische Bohemerei sehr ver-\ndammen und die feste Handhabung der Gesetze\nals ein vorzügliches Mittel begrüßen kann, die Hö-\nheren vor den Minderen zu schützen.\nFranz: Es gibt kaum jemanden, der sich\n»icht für vom Pöbel unterschieden hielte. Wenn\naHe so dächten wie du, würde Befreiendes über-\nhaupt nicht mehr geschehen; und das, was Kerr\ndie „Aufbesserung der Gesamtlage44 genannt hat,\nwürde niemals eintreten. Deine Tendenz, es den\nAndern zu überlassen, gleicht sehr der verfluch-\nten Tendenz der historischen Schule, die es der\n„Entwicklung\" zu überlassen geruht. Wenn wäh-\nlend der ganzen Weltgeschichte immer nur Ent-\nwickleriche oder immer nur Aristokratiker deines\nGenres tonangebend gewesen wären, würden wir\nktute noch struppig, dreckig und dumpf als Tro-\ngfodyten unter der Erde krabbeln.\nGuido: Ich weiß nicht, ob wir dann weni-\nger glücklich wären. Du glaubst noch an den\nFortschritt. Gesetzt, er ließe sich feststellen —\nwo liegt dann eigentlich sein Ziel? Wohin „schrei-\nten44 wir denn „fort44? Nimm doch mal an, alle\njene Körperlichkeiten, die mit den deutschen\nWählern gemein zu haben du ohne die angemes-\nsene Resignation konstatiertest, seien nun bereits\nin einer endgültigen Weise geregelt; die Gesamt-\niage sei ideal heraufgebessert —: was wäre dann\nzu tun? Wäre damit etwa eine universale Selig-\\\nkeit erreicht? Kann es der Sinn des Lebens sein,\nachtbare Bürger vor Einbrüchen, gesunde vor\nKrankheiten, reiche vor Armut, arme vor Elend\nzu bewahren? Kann es der Sinn des Lebens sein,\nMenschenkräfte durch Maschinen zu ersetzen, den\nKrieg abzuschaffen, Distanzen zu überwinden, la-\ntente Talente der Natur der Erdbewohnerschaft\ndienstbar zu machen? Dienstbar zu welchem\nEnde? Nimm an, alles ist erreicht, es gibt keinen\nKerker mehr, keinen Krieg mehr, keine Krankheit\nmehr; zu sämtlichen Planeten, Monden und Son-\nnen stehen uns die Wege offen; selbst der Tod\nist besiegt —: kann das der Sinn des Lebens\nsein? Blökt uns dann nicht das große Wozu nur\nnoch grausiger an? Wie ärmliche Vordergrundsan-\ngelegenheiten sind diese „Zwecke der Zivilisation44;\nwelchem Endziel zuliebe sollen wir nach ihnen\ntrachten? „ Was frommt das alles uns und diese\nSpiele?44\nFranz: Ein Zustand, der Neuerungen und\nUmstürze überflüssig macht, wird niemals eintre-\nten. Sowas ist eine Idee von größtmöglicher\nIrrealität. Aber ich will sie einmal akzeptieren.\nGut, alle Zwecke der Zivilisation seien erreicht;\nwas ist dann zu erstreben? — Hier, Guido, kann\nnichts als mein Temperament sprechen. Nun, der\ngroße giganteske Genußtaumel ist zu erstreben;\ngolden loderndes Tohuwabohu der Leiber und\nGeister. Namenlos lebendige Landschaften, ge-\nwebt aus allen Brokaten aller Kunst . . . Dio-\nnysische Tage und Nächte sind zu erstreben, und\nwährend der Tristitien: Apollohs sanfte oder doch\nleis nur stachelnde Ergötzungen ... In fahler\nFormel: Sinn der Zivilisation ist die Kultur!\nGuido: Du Glücklicher! Von was für Ein-\nbildungen du lebst! Ich — ich begreife auch nicht\nmehr, was schön daran sei, sich an einem Körper\nzu entladen, oder begehrenswert daran, ein Ge-\ndicht zu baun. Die Kunst scheint mir Humbug\nwie alle Beweglichkeit. Was hat der Maler da-\nvon, wenn er ein Stück Phänomenalität, selbst in\neiner sehr vollendeten und sehr entwirklichend-\npersönlichen Art, mit Farben deskribiert? Der\n„Rausch der Konzeption44, das „Glück des Schaf-\nfens44 —: Phrasen, Phrasen. Dem Citoyen natür-\nlich muß eingeredet werden, die Kunst sei etwas\nBesonderes und Heiliges; sonst würde er den\nKünstler ja verhungern lassen — auf noch kor-\nrektere Methode, als er's ohnehin tut. Aber\nbrauchen wir uns was vorzumachen? Die Hehr-\nheit der Kunst ist nichts weiter als eine Suggestion,\ndie arbeitsunlustige, kluge und geschmackvolle\nPersonen einer misera plebs eingeben müssen,\nwelche niemanden am Leben dulden würde, der\nnicht, wie sie, Tag für Tag schwitzend sich ab-\nrackert. Weil es wahr ist, daß Arbeit schändet,\nlügen die Künstler, Kunst adle. Kunst ist die\ngenialste Ausrede genialer Faulpelze, im übrigen\nein Spielzeug, ein Zeitvertreib. Ich werde mich\nja hüten, sie an den Pöbel zu verraten; aber dir,\nFranz, muß ich es sagen: Kunst ist Quatsch,\ngeradezu ein Symbol des Quatsches;\nich begreife nicht, wie du sie noch ernstnehmen\nkannst\nFranz: Du bist morsch, durch und durch;\nentsaftet, entfeuert; kein Fünkchen Wille glimmt\nmehr in deiner Schale.\nGuido: Man widerlegt unbequeme Ansich-\nten nicht damit, daß man, auf eine pathetische Art,\nsie krank schilt.\nFranz: Wenn der Begriff der Krankheit\neinen Sinn hat, dann hat er den: einen Zustand\nzu bezeichnen, der den Menschen vom Leben ab-\nlenkt.\nGuido: Der Begriff der Krankheit hat\nkeinen Sinn. Hat vielleicht das Leben einen?\nFranz: Nein, ich bin ganz deiner Meinung,\nes hat keinen; man muß ihm erst einen geben.\nUnd das tue ich.\nGuido: Ich bin gespannt, welchen.\nFranz: Herrgott, meinetwegen den: daß\nich Großkaiser von Europa werde! Spielerei, was?\nJawohl Spielerei! Mir frommt diese Spielerei!\nGroßkaiser von Europa — ob's das politische,\nob's das literarische ist, oder beide zusammen gar:\ndas ist mir schnuppe. Man muß zwei Eisen im\nFeuer haben! . . . Großkaiser von Europa, du\nphilosophischer Schlappschwanz, will ich werden,\nund deshalb schwärme ich für die Demokratie.\nBeruhige dich nur; dieses rote Wort braucht dich\nnicht zu erschrecken; es gi b t ja keine Demokra-\ntie! Merkst du denn das der Vokabel nicht schon\nan? Wie kann ein Ganzes ein Ganzes beherrschen?!\nAber nur auf dem Weg über diese soge-\nnannte Demokratie läßt die famose, ersehnte,\nheitere Republik sich erreichen, die jedem Kerl von\nGeist und Schneid, wirklich jedem, ermöglicht, Mi-\nnister, Kanzler, Präsident zu werden. Die graue\nHoffnungslosigkeit unseres monarchischen Unter-\ntanentums behebt dieser „Demokratismus44; er\nzeigt uns in seinem Zauberspiegel alle Wunder der\nMacht; er gestaltet leere zu glücklicheren Men-\nschen. Gleiche Rechte: das ist gemein;\ngleiche Möglichkeiten: dafür muß man\nkämpfen. Auch in jener Republik werden die We-\nnigen regieren, nicht die Masse, aber es werden\nandere Wenige sein als die, welche heute das\nlangweilige Deutschland noch langweiliger machen.\nMensch, Guido, du, ich, unseresgleichen\nwerden zu den neuen Wenigen gehören; und was\nuns jetzt zu menschenfresserischer Prosa zwingt,\nkann dann im Lenken von Schicksalen sich aus-\ntoben ... Du lachst? Lache nur. Daß in dir\naas Feuer erloschen ist, bändigt meine Flamme\nnicht. Ich gehe noch heute ins sozialdemokratische\nParteibureau und melde meine Dienste für den\nWahltag an.\nGuido: Ein Problematiker geht zu den So-\nzialisten! Pfui; du befleckst die heiligen Zweifel\ndeiner Jugend.\nBeide zahlen, werfen sich in ihre Mäntel und\nverlassen das Cafdhaus nach verschiedenen Him-\nmelsrichtungen.\n\nZwischen Weihnachten\nund Neujahr\nAchtung!\nDie Berliner Tageszeitungen „hören44 folgen-\ndes: Otto (Otto) Ernst ist mit einer\nKritik der Nie t z sch esc h e n Philoso-\nphie beschäftigt. Außer an diesem\nphilosophi sehen - Unternehmen ar-\nbeitet er....\nHerr Otto Ernst soll es sich sehr überlegen,\nob er nicht doch das Unternehmen mit seinem\nGeist aufgeben will. Man kann nämlich auch Leh-\nrer überlegen.\nDie letzte literarische Sendung\nDer breslauer Universitätsprofessor Felix\nDahn ist gestorben. Er hat im Nebenberuf viele\nBücher geschrieben, die zwar keinen Eingang in die\nLiteratur und ihn deshalb in das Publikum fanden.\nDie Leser dieser Zeitschrift interessieren sich nicht\nnicht für Marktware, es wird ihnen aber interessant\nsein, den letzten Dahnensang kennen zu lernen, den\nder Musenalmanach des Presseballes veröffentlichen\nwird; bekanntlich der letzten Stätte, wo häusliche\nMusen sich niederlassen:"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "742", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.4", "texte": "Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk,\nDoch dieses Volk ist formlos, rechtlos,\nschutzlos\nDem Feind, dem Nachbar hilflos preisgegeben:\nDem Volk Gestalt und Schutz gibt erst der\nStaat,\nDrum ist das höchste Gut des Volks sein Staat.\nIm Bilde\nHerr Norbert Falk, der Strindberg scheußlich\nfindet, lobt seinen Kollegen Rudolf Schanzer als\nVerfasser einer Sylvesterposse. Herr Schanzer,\nder nach eigener Angabe „teils per Vers, teils per\nProsa dichtet\", schrieb ©in Stück „Große Rosinen\",\nfür das laut Falk „die große Heiterkeit, die treffen-\nden Situationswitze und die gut pointierten Kuplets\nsprechen.\" Herr Falk verrät einiges. „Damit sind\nnatürlich nicht alle großen Rosinen aus dem noch\nviel größeren Kuchen herausgezupft; der Kuchen\nselbst, um im Bilde zu bleiben, dürfte\nsogar für die folgenden Aufführungen ein wenig\nknapper zugeschnitten werden — ein paar\nkräftige Striche und die Rosinen werden üm so\nkräftiger beieinander sitzen.\" Mancher kommt\nnie von der Konfektion los. Er schneidet sogar\nden Kuchen zu (um »im Bilde zu bleiben) und setzt\ndie Rosinen durch ein paar kräftige Striche enger\nbeieinander. Und das alles, um im Bilde zu bleiben.\nVortragsreihe 33\nBin Schriftsteller spricht in der Freien Hoch-\nschule, zu deren Ehrenrat unter anderen sogar die\nHerren Karl Hauptmann, Otto Sommerstorff und\ndie Damen Emma Vely und Teresina Geßner ge-\nhören, über die deutsche Literatur der Gegenwart.\nEr veröffentlicht im Programm dieses Instituts\nseine Disposition. Der Schriftsteller „findet, daß der\nGebildete in der oft so widerspruchvollen Fülle\nder literarischen Erscheinungen eines Fingerzeiges\nund Leitfadens bedarf, um sich in dieser für den\nLaien nicht immer übersichtlichen Welt zurecht-\nzufinden.\" Er wird mit dem Finger auf die füh-\nrenden Lyriker zeigen, auf Liliencron,\nDehmel, Falke, George, Rilke. Der Schrift-\nsteller leitet den Laien am Faden „zu den bahn-\nbrechenden Dramatikern, zu denen Di ch t e r\nwie Wildenbruch, Sudermann, Halbe,\nHirsch fei d, Hartleben, Fulda gehören.\"\nDieser Schriftsteller hat die bahnbrechenden Dra-\nmatiker sogar am Schnürchen. In dieser über-\nsichtlichen <Welt wird sich der Laie schon mit\neinem Fingerzeig zurechtfinden. Man belege die\n\"Vortragsreihe 33.\nDas Kulturwerk mit dem kernigen Programm\n„Der Gedanke, durch Vorlesungen bedeutender\nGelehrter und Dichter einen ununterbrochenen Kul-\nturaustausch zwischen Deutschland und den Ver-\neinigten Staaten von Amerika im Fluß zu er-\nhalten, findet in den besten Schichten beider Völ-\nker eine stetig wachsende Würdigung.'1 Für die\nB. Z. am Mittag ist alles möglich. Sie hält sogar\nden Kulturaustausch im Fluß, und wenn es der at-\nlantische Ozean wäre (Spaß), und läßt ihn in den\nbesten Schichten stetig wachsen. Der Gedanke\nkönnte seiner Großzügigkeit nach durchaus von der\nB. Z. am Mittag herrühren. „Aber die Germanisti-\nsche Gesellschaft von New-York ist es, die sich der\nDurchführung dieses verdienstvollen Ge-\ndankens i n erster Linie widmet, in dem\nsie Jahr für Jahr erste deutsche Autoren zu einer\namerikanischen Rundtour einlädt.\" Man muß die\nGastlichkeit der Germanistischen Gesellschaft in\nerster Linie anerkennen. Sie sollte unsere bedeu-\ntenden Dichter nicht nur im Fluß erhalten, son-\ndern sie gleich stetig bei sich wachsen lassen.\nHingegen muß man die Germanistische Gesellschaft\nbedauern, daß sie in zweiter Linie die seetüch-\ntigen Flußfische über Literatur reden läßt. Sie sind\nsämtlich in Deutschland schon erheblich angeräu-\nchert worden, man ahnt in Amerika offenbar nichts\nvon den Gefahren einer literarischen Botulismus-\nepidemie. Kaum haben die Fische in Hamburg\ndas Land verlassen, so werden sie redselig und\nschreien vom Bord herab der B. Z. am Mittag zu,\nworauf ihr „dichterisches Streben gerichtet\" ist.\nZur Zeit der frischen Heringe lud man Herrn Rudolf\nHerzog ein, also noch im ungesalzenen Zustand.\nHerr Rudolf Herzog will „wieder Kraft und Ge-\nsundheit und Freude am Leben in die deutsche\nLiteratur bringen, der durch den Materialismus ein\ngewisser femininer Zug anhaftet.\" Herrn Herzog\nvertreibt die Literatur gratis, der Mann begnügt\nsich nun einmal mit der Lebensfreude. „Es ist be-\ngreiflich, daß dieses kernige Programm gerade\nauf das Amerikaner tum sympathisch wirken\nmußte.\" Daß die Amerikaner gegen das Geldver-\ndienen sind, ist natürlich auch der B. Z. am Mittag\nbekannt. Man erfährt noch zu seiner Beruhigung,\ndaß „die Amerikaner die Eigenart dieses\ndurch und durch deutschen Dichters rasch er-\nfaßten.\" Herr Rudolf Herzog hat sogar in San\nFranzisko aus Dankbarkeit für das durch und\ndurchdringende Verständnis seiner Eigenart „mit\nfreigebiger Hand Goldkörner aus dem Schatz\nseines reichen Innenlebens ausgestreut\". Di e Ge-\ngend sollte eigentlich falsches Gold nicht in Zah-\nlung nehmen. Herr Rudolf Herzog zieht es vor in\nAmerika eine schöne Laiche zu geben, statt in\nDeutschland eine schöne Leiche zu sein.\n\nDie weisen Jungfrauen\nVon Fjodor Ssollogub\nIn dem mit Blumen und hellen Geweben ge-\nschmückten Gemach erwarteten die Jungfrauen\nden Bräutigam. Sie waren zehn an der Zahl\njung und wunderschön, und unter ihnen befanden\nsich weise Jungfrauen und unvernünftige.\nDie Flammen des Abendrots waren erloschen,\nwie jeden Abend am Himmel. Der Hauch der\ndunkelblauen Kälte hatte sich über die Erde ge-\nbreitet, und die fernen, ewigen Sterne begannen\nihren langsamen Reigen. Die. Jungfrauen hatten\nalles bereitet zum hochzeitlichen Mahl, und sie\nsetzten sich an den Tisch. Ein Platz in ihrer\nMitte war leer, — das war der Platz für den Bräu-\ntigam, der erwartet wurde. Zehn Lampen leuch-\nteten vor den Jungfrauen. Auf dem weißen Tisch-\ntuch standen Gefäße mit Wein und Broden.\nLeise klangen die Stimmen der Jungfrauen.\nDie schwarze Nacht lag schweigend hinter den\nFenstern der geschmückten hochzeitlichen Halle,\nvon fern jedoch ertönten die Klänge fröhlicher\nLieder, Lachen, Musik, lärmende Stimmen. Dort,\nunweit vom Haus, wo die Jungfrauen den Bräu-\ntigam erwarteten, jubelten und tafelten junge\nFrauen und müßige junge Männer, — und sie alle\nkümmerten sich nicht um den Bräutigam, der im\nDunkel und Geheimen erscheint, nicht um die\nBraut, die geheimnisvoll die große Fackel anzündet.\nSie, die Sorglosen tanzten und sangen und lach-\nten und priesen die Zauber des zügellosen, wilden\nLebens. Ihre Lieder sagen davon, daß jedem das\nLeben nur einmal gewährt ist, daß die Jugend\nschnell dahinfließt, und daß man eilen muß, seine\nZauber und Genüsse auszukosten, solange noch\ndie große Kraft wild in den Adern tobt.\nLeise sprachen die Jungfrauen:\n„Jetzt wird wohl balde der Bräutigam kom-\nmen.\"\n„Ja, balde wird er bei uns sein.\"\n„Wie sie da drüben lärmen!\n„Wie toll sind ihre Gesänge\n„Wie froh klingt durch die nächtliche Stille\nihr lautes Gelächter.\n„Den Bräutigam wird dieser Lärm stören.\n„Der Bräutigam ist gut, — er wird nicht ver-\ndammen.\n„Er wird schon balde kommen.\n„Ist er nicht soeben in den Garten getreten?\n„Steht er nicht an der Schwelle?\n„Hat er nicht in unser Fenster hineingeschaut?\n„Sollen wir ihm nicht entgegen gehen?\n„Nein, im Saal ist es leer und still.\n„Es ist niemand an der Tür.\n„Nur die dunkle Nacht starrt in unsere Fens-\nter herein.\"\nLange währte die Nacht. Die Jungfrauen\nharrten. Sie sprachen leise. Immer lauter und\nlustiger wurden die Stimmen der Tafelnden. Der\n\\\nBräutigam kam nicht.\n„Er ist noch immer nicht da,\" sagten voll Trauer\ndie Jungfrauen.\n„Er wird um Mitternacht kommen,\" sagten sie\nsich selbst zum Trost.\n„Wir werden harren!\n„Wie lange!\n„Wie langweilig!\n„Man muß nicht auf den Bräutigam schelten.\n„Er wird kommen.\n„Man muß warten, er wird uns Trost bringen.\n„Wrie lange das dauert! Schon ist die Mitter-\nnachtsstunde vorüber.\"\nDie unvernünftigen Jungfrauen begannen zu\nmurren:\n„Wir sitzen hier und warten, er aber hat uns\nvergessen.\n„Vielleicht wird er gar nicht kommen?\n„Vielleicht sitzt er und tafelt mit den andern?\n„Weshalb warten wir Dummen denn auf ihn?\n„Wie lustig ist es dort!\n„Ist es nicht lächerlich, daß wir am gedeckten\nTisch sitzen und s'elbst nicht essen, nicht trinken\nund uns nicht freuen, und den Bräutigam erwarten,\nder nicht kommt, trotzdem die verabredeten Stun-\nden schon vorüber sind!\n„Sollen wir nicht vielleicht auch dahin gehen,\nwo es so lustig hergeht?\"\n„Wartet\", sprachen die weisen Jungfrauen.\n„Der Bräutigam wird kommen.\n„Er wird an die Tür klopfen, auf der Schwelle\nerscheinen, Euch mit Heil verkündenden Augen an-\nsehen — und dann wird eine solche Freude für\nEuch anheben, die lichter und schöner ist, als die,\num die Ihr beneidet.\"\nAber die unvernünftigen Jungfrauen wollten\nnicht mehr länger warten:\n„Wir werden dahin gehen, wo es lustig ist.\nKommt auch Ihr mit uns. Wenn der Bräutigam\nnicht zur Zeit gekommen ist, so kann er auch zu\nuns dorthin kommen, wo wir sein werden. Man\nkann ihm einen Zettel auf dem Tisch zurücklassen.\"\nUnd die unvernünftigen Jungfrauen nahmen\nihre Fackeln und gingen fort — sechs unver-\nnünftige Jungfrauen. Es blieben vier weise Jung-\nfrauen zurück. Sie setzten sich dicht, eine neben\ndie andere, und sprachen leise über den Bräutigam\nund über das Geheimnis, und warteten.\nAber der Bräutigam kam nicht. Die Stille\nund die Frauen schmachteten in dem geschmück-\nten hochzeitlichen Gemach, in dem die weisen\nJungfrauen, die vor dem Tisch mit den abbren-\nnenden Fackeln, vor dem nicht benützten Wein\nund Brot dasaßen, leise Tränen vergossen. Hin\nund wieder schlössen sich schläfrige Augen, und\nim Traume erblickten die weisen Jungfrauen den\nBräutigam auf der Schwelle. Freudig erhoben sie\nsich dann von ihren Plätzen und streckten die\nArme aus, — aber der Bräutigam war nicht bei\nihnen, und niemand stand auf der Schwelle.\nDie Fackeln waren niedergebrannt, weiß\nschien das Licht durch die Fenster, der in Morgen\ngetauchte Garten lachte unter den Klängen\nder zwitschernden Vögel — und die weisen Jung-\nfrauen begriffen, daß der Bräutigam nicht kom-\nmen würde. Sie beugten sich über den Tisch und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "743", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.5", "texte": "weinten lange. Je leuchtender d Morgenrot\nstrahlte desto blasser wurden ihre Aangen.\nDa sprach die weiseste aus de Mitte der Jung-\nfrauen:\n„Schwestern, Schwestern jetzt werden wir\nnach Hause gehen, und dam dieser Nacht geden-\nken. Und woran werden - r uns erinnern? Wir\nhaben lange gewartet, - und der Bräutigam ist\nnicht gekommen. Abe* Schwestern, würden nicht\ndie unvernünftigen Jungfrauen, wenn sie mit uns\ngewesen wären, ruch dieselbe Erinnerung behalten\nhaben?\n„Wozu brauchen wir dann unsere Weisheit?\n„Ist der Bräutigam jetzt nicht mit uns, —\nweil er nicht zu uns gekommen ist, oder deshalb,\nweil er genügend Zeit mit uns zugebracht hat und\nvon uns fortgegangen ist.\"\nDie weisen Jungfrauen wurden freudig und\nhörten auf zu weinen. Sie füllten ihre Becher mit\nWein und schnitten die Brode auf, und sie aßen,\nund sie tranken, und sie freuten sich. Und sie\nsprachen:\n„Der Bräutigam hat uns früh verlassen.\n„Kurze Stunden war der Bräutigam mit uns, —\naber unsere Seelen sind mit Trost erfüllt durch die\nkurze Zeit, die er mit uns zusammen war.\"\n„Der Bräutigam ist fortgegangen, aber er ist —\nunser geliebter Bräutigam.\n„Er liebt uns.\n„Er hat uns goldene Kronen auf den Häuptern\nzurückgelassen.\"\nNachdem die weisen Jungfrauen ihr freudiges\nMahl beendet hatten, standen sie vom Tisch auf.\nAn der Schwelle des hochzeitlichen Gemaches blie-\nben sie alle vier stehen, umarmten einander und\nsandten dem verlassenden Bräutigam mit den\nHänden winkend einen Abschiedsgruß nach. In\nihren Augen standen Thränen, ihre Gesichter über-\nzog eine tiefe Blässe, und traurig lächelten ihre\nLippen.\nUm die Zeit hatte das lärmende Festmahl ein\nEnde genommen, und die sechs unvernünftigen\nJungfrauen kehrten nach Hause zurück. Die unver-\nnünftigen Jungfrauen blieben an der Schwelle, wo\ndie weisen Jungfrauen weilten, stehen, neckten die\nweisen:\n„Ist der Bräutigam endlich gekommen?\n„War Euer Festmahl mit dem Bräutigam lustig?\n„Weshalb seid Ihr denn jetzt allein, und der\nBräutigam ist nicht zu sehen?\"\nKurz war die Antwort der weisen Jungfrauen:\n„Der Bräutigam ist fortgegangen.\n„Wir haben ihn begleitet.\n„Da, jetzt schimmerte noch zum letzten Mal\nseine weiße Tunika durch die Bäume hindurch und\nist nicht mehr zu sehen.\n„Der Bräutigam ist nach der Seite hin fortge-\ngangen, wo die Sonne aufgeht.\"\nDie unvernünftigen Jungfrauen glaubten ihnen\nnicht, sie lachten laut und sprachen:\n„Ihr schämt Euch zu bekennen, daß der Bräu-\ntigam nicht zu Euch gekommen ist.\n„ Wie werdet Ihr es beweisen, daß er mit Euch\nzusammen war?\n„Zeigt uns seine Geschenke.\"\nDie weisen Jungfrauen antworteten:\n„Er hat uns goldene Kronen geschenkt.\n„Er hat sie selbst auf unsere Häupter gelegt.\n„Seht Ihr denn nicht, wie das Gold unserer\nKronen über unseren Häuptern glänzt?\nDie unvernünftigen Jungfrauen — fünf von\nihnen — lachten und sprachen:\n„Es sind gar keine Kronen auf Euren Häuptern.\n„Ihr verratet Euch selbst durch Eure Erfindung.\n„Ihr habt wahrscheinlich im Traum den Bräu-\ntigam zu Euch kommen sehen.\n„Vergebens habt Ihr die ganze Nacht in langer\nWeile zugebracht, — lieber wäret Ihr auch mit uns\ngekommen.\"\nUnd die unvernünftigen fünf Jungfrauen ver-\nließen die Schwelle, sie lachten und beschimpften\ndie weisen Jungfrauen auf jede Art. Die eine aber\nvon ihnen blieb an der Schwelle zurück. Sie warf\nsich zu Füßen der weisen Jungfrauen, küßte ihre\nvom Morgentau bedeckten Füße, und sie weinte\nsehr und sprach:\n„Glückliche, glückliche weise Jungfrauen! Wie\nbeneidenswert ist Euer hehres Los! Mit Euch hat\nder Bräutigam zur Tafel gesessen, den meine Augen\nund die Augen meiner tollen Freundinnen nicht ge-\nschaut haben. Auf Eure weisen Häupter hat er mit\nseinen Händen goldene Kronen gelegt, die wie vier\nprächtige Sonnen hell leuchten. Auf Euren Händen\nlebt das Heiligtum seiner Berührung, auf Euren Lip-\npen — der bezaubernde Duft seiner Küsse. O, ich\nUnvernünftige! O, ich Unglückliche! Ich möchte\nzu Euren Füßen sterben und die Stufen mit Küssen\nüberschütten, auf denen der Bräutigam zu Euch\nemporstieg!\"\nDie weisen Jungfrauen hoben ihre um diese\nfrühe Stunde zur Weisheit gelangte Schwester em-\npor und küßten sie, und sie trösteten sie voller\nZartheit:\n„Liebe Schwester, du hast auf unseren Häup-\ntern Kronen gesehen, die die unvernünftigen Jung-\nfrauen nicht sehen konnten.\n„Der Bräutigam ließ dir Weisheit und Einsicht\nin das Geheimnis zu teil werden.\n„Die Krone, die der -Bräutigam auf seinem\nHaupte trug, ließ er uns für die zurück, die von der\nUnvernunft zur Weisheit käme.\"\nMit zarten Fingern berührten die weisen Jung-\nfrauen ihr Haupt und nahmen von ihr die welken\nBlumen der tollen Freudenorgie hinweg. Sie\nsprachen:\n„Jetzt haben wir dir, liebe Schwester, die\ngoldene Krone aufgesetzt.\n„Wrie leuchtend glänzt deine Krone in den\nStrahlen der aufgehenden Sonne!\n„Der geliebte Bräutigam, der dir diese Krone\ngeschenkt hat, wird auch selbst zu dir kommen,\nwenn die Zeit dazu da ist.\"\nEine nach der anderen wandelten die fünf\nweisen Jungfrauen mit den goldenen Kronen, die\nwie große Sterne leuchteten, auf der Treppe der\nHochzeitshalle und auf den Wegen des Gartens, und\ntraten auf die Stellen, die der Bräutigam\nmit seinen Füßen berührt hatte. Die Augen voller\nThränen, im Herzen die Flamme des Trauers und\ndes Entzückens, gingen sie, der Welt die Weisheit\nund das Geheimnis zu verkünden.\nDeutsch von Eugenie Chmielnitzky\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nLieber Herwarth und liebes Kurtchen, meine\nreligiöse Stimmung muß also einen Grund haben.\nIhr meint wohl, mich plagt die Reue? Die Sünde\nist mir erschienen, meint Ihr wohl, mit dem Fege-\nfeuer in der Hand, oder die Schlange hat doch\nendlich Einfluß über mich gewonnen. Pfui Teufel,\nIhr traut mir zu, daß ich eine religiöse Stimmung\nauf Pfählen baue, irgendwo in die Sinthflut hinein.\nIch habe Vertrauen zu meinen guten und bösen\nHandlungen. Ich kenne keine Sünde, mag sein,\ndaß ich sie oft von außen her mit Süßigkeiten\nmir greife, ich hab noch nie etwas davon\ngemerkt. Lebe das Leben ja tableau-\nmäßig, ich bin immer im Bilde. Manchmal werde\nich unvorteilhaft hingehängt, oder es verschiebt\nsich etwas in meinem Milieu, auch bin ich nicht\nmit der Einrahmung zufrieden. Einrahmungen sind\nEinengungen, Unkunst, Grenzen, die sich kein Gott,\naber ein Gottdilettant zieht. Die runden Rahmen\nhaben noch etwas Kreisendes, aber die viereckigen,\nneumodischen, sind so ganz menschlich aus dem\nKosmos getreten. Ich sehe also aus dem Bilde das\nLeben an; was nehm ich ernster von beiden?\nBeides. Ich sterbe am Leben und atme im Bilde\nwieder auf.\n1 Hurrah!\nLiebe Nordländer. Ich fühle mich ergraut, wie\nder Tag plötzlich, bald 'ist es Nacht; soll ich wachen\noder schlafen. Lohnt es sich zu leben oder zu ver-\nsäumen. Alles sollte sich lohnen, auch das Nicht-\nvorhandene. Ich weiß, irgendwo sehnt sich ein\nHadrian oder ein Pharao nach mir. Ist das nun\nwahr oder ist das nicht wahr? Aber ich finde so\nein Gedanke lohnt sich. Allerdings, der Bürger\nverliert nie etwas, mich kostet vielleicht so einen\nGedanken zu haben das Leben. Meint Ihr mein\nLeben ist zu ersetzen? Lohnt es sich, mein Leben\nzu ersetzen? Ich will diesen Gedanken von Euch\nbeantwortet haben. Aber ich sprach vom Hadrian,\nich sprach vom egyptischen König, der eine Pyra-\nmide als Krone trägt, wir ziehen .zusammen in den\nKrieg auf Dromedaren. Ich sitze hinter ihm, au\nseinem Rücken gelehnt, und meine Pfeile fliegen an\nseinem Herzen vorbei in die Leiber der Feinde.\nNachts schminkt er meine Lippen mit seinen\nKüssen.\nHerwarth, Karl Kraus, der Dalai Lama, weilt\n.in Wien, aber unten in Deinem Arbeitszimmer hängt\nseine Hand in Marmor. Ich stand wieder vor dem\nschwarzen Brett, darauf sie gespannt abwärts\ngreift, sie bewegte sich, als ob sie mir etwas er-\nklären wollte. Diese Hand, eine sichere Minister-\nhand, eine gütige Diplomatenhand, eine züngelnde\nHand, sie kann ein Stadt anstecken. Meine Augen\ntanzen um ihre Randung — Polka. Lieber noch\nringe ich mit dieser Hand zum Zeitvertreib. Sollte\ndieser vornehmste Kampf unterlassen bleiben!\nIch träume oft in der Nacht von den Kriegen un-\nserer Hände und staune, daß Du die seine noch\nimmer in der Frühe erhalten am Brett hangend vor-\nfindest. Sie lächelt sogar seit kurzem. Des Mi-\nnisters Hand, eine ernste, mongolische Dolde, eine\nHand, jeder seiner Pfade endet. Was er wohl von\nmeiner ziellosen Hand aus Spiel und Blut denkt?\nLieber Herwarth, was ist das Leben\ndoch für ein eitler Wettbewerb gegen das\nAufschweben zur Ewigkeit. Ich bin erregt, ich\nhatte schon einige Male heute das Gefühl, ich muß\nsterben. Wenn ich auch im Bilde lebe, Bild bin,\naber meine Eindunklung Dir gegenüber macht mir\nschon lange Schmerzen. Wir können uns beide kaum\nmehr sehen, Herwarth; alle die Leute, die uns wie-\nder zusammenbringen wollen, sind nichts weiter als\nOelschmierer oder Terpentinwäscher, uns auf-\nfrischen wollen sie; über die echten Farben un-\nechte, gezwungene schmieren. Fälschung! Ver-\nkitschte Auferstehung! Man sollte Heber die Men-\nschen, über die die Nacht kam, einbalsamieren. Es\nklopft heute schon einigemale an meiner Tür, es\ngeschieht etwas Schreckliches in der Welt, lauter\nFälschung, dafür geben die Leute ihr Geld aus.\nDas sag ich Dir, ich wollte, ich besäße eine\nBrücke, es müßte mir Jeder — Zoll bezahlen —\nBrückenzoll. Da ich doch tot bin, hab ich mir we-\nnigstens vorgenommen, reich zu werden.\nHerwarth, vorher schick ich dir noch ein Ge-\ndicht für den Sturm. Ich bin rasend verliebt in\nJemand, aber Näheres sag ich nicht mehr. So\nkann es immer an Dich gerichtet sein.\nDu bist alles was aus Gold ist\nIn der großen Welt.\nIch suche deine Sterne\nUnd will nicht schlafen.\nWir wollen uns hinter Hecken legen\nUns niemehr aufrichten.\nAus unseren Händen\nSüße Träumerei küssen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "744", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.6", "texte": "Mein Herz holt sich\nVon deinem Munde Rosen.\nMeine Augen lieben dich an,\nDu haschst nach ihren Faltern.\nWas soll ich tun,\nWenn du nicht da bist.\nVon meinen Lidern\nTropft schwarzer Schnee;\nWenn ich tot bin,\nSpiele du mit meiner Seele.\nLudwig Ullmann habe ich das Gedicht An Je-\nmand für sein Flugbatt geschickt:\nLieber Ludwig Ullmann. Es war Nacht, als\nIhr Brief kam, ich hate mich gerade aufgehängt,\nkonnte nur morgens den Baum nicht wiederfinden.\nOb das ein Glück für Ihr Flugblatt ist, kann ich\nnicht beurteilen. Denn ich bin noch sehr angegriffen\nvon der Aufhängerei und von allem Drum und\nDran. Machen Sie die gute Stimmung für mich,\nmir fehlt jede. Auch ist Berlin so langweilig, es ist\nweder interessant zu leben, noch zu sterben, was\nich nun beides beurteilen kann. Ihre Karte war\nmir eine Labung, so frisch geschrieben; wie Quell-\nwasser sind Ihre Buchstaben, nicht etwa verwäs-\nsert Sie müssen immer von Wäldern dichten, das\nwäre charakteristisch für Sie. Jedenfalls begleiten\nSie mich in den Prater, wenn ich nach Wien\nkomme. Ihre E. L. Sch.\nLiebe Jungens, ich habe vor, regierender Prinz\nzu werden. Müßten mir nicht alle Menschen Tribut\nzahlen? Ich habe gestern Dr. Ernst R. W. Frank\ngeschrieben: Sire. Sie haben ganz recht empfun-\nden, ich bin der Prinz von Theben. Sie wollen mir\neine Klinge zum Geschenk überbringen lassen. Ich\nbitte Sie mir zweihundert Silberlinge, das sind auf\nDeutsch zweihundert Mark, beizulegen, damit ich\nihrem Diener den ihm zukommenden Lohn entrich-\nten kann. Kann ich seinen Herrn höher schätzen?\nich traue diesem Doktor zu, daß er meinen Brief mit\nallem Respekt erfüllen wird, er ist Nierenarzt, er\nhat den Zug eines Bohemiens in sich, er behandelt\nmit Vorliebe Wandernieren.\nSoeben kam eine Dame aus Prag, ich soll in\nihrem Verein sprechen. Wo ich soviel umsonst\nschreibe, muß ich doppelt so viel für mein Sprechen\nbeanspruchen. Willy Haas hat sie aus Prag zu mir\nins Haus gesandt. Ich habe tausend Mark verlangt;\nfür meine Liebesgedichte zweihundert Mark beson-\nders. Die Dame war ergriffen, aber sie will mit\nihrem Verein über meine Forderung sprechen. Auch\nwar ich äußerst pathetisch, zog meinen Königs-\nmantel einige Male über die Schultern in Falten, in\nwilde Falten. Ich spreche überhaupt nicht mehr\nohne Bezahlung, nur Bindewörter; könnt ich doch\neins finden, das mich binden würde.\nHerwarth, Ludwig Kainer will meine Kalifen-\ngeschichte illustrieren, aber hier können wir uns\nnicht besprechen, ob ich ihm vom Angesicht meines\nVaters Mohamed Pascha oder von Ached Bey\ndem Kalifen, oder vom Fakir erzähle, immer kommt\nein anderes Gesicht dazwischen; so viel Bekannte\nhaben wir nun in Berlin. Und bei mir kann ich\nkeinen Menschen mehr empfangen, überall liegen\nfußhoch norwegische Briefe an Euch. Aber mein\nerlauchter Illustrator geht nach München, wir rei-\nsen dann auch dorthin, einige Tage; übrigens hat\nmir mein Freund Antoni aus München geschrieben,\nder Prinz von Polen, mein Geist wär gestern im\nCafe Bauer in Galla allen erschienen. Ich war schon\nimmer neugierig, meinen Geist kennen zu lernen,\nmeinen Astralleib, er soll reich sein, ich werde\nihn anpumpen.\nPrinz von Theben, schrieb mir der Maler\nSchmidt-Rottluff: Ich will Sie malen mit ihrem\nschwarzen Diener Ossmann. Ich wollte, er\nmalte mich im Hintergrund seiner Handschrift,\nmitten hinein. Lauter Schlangengrotten, Ur-\nwaldgewächse, Kokospalmen, menschengroße\nAffenkörper. Man kann nicht durch seine\nHandschrift in die Ferne blicken, man er-\nstickt in dieser Handschrift. Er und Richard Deh-\nme! trinken aus denselben dunklen Quellen. Ich\nwerde ihm Geschichten aus meinem Leben er-\nzählen. Ihr wißt doch , mein hinterurwäld-\nlicher Urahn war Häuptling; seine Enkel\nzogen dann gen Egypten und manche avancierten\nzu Pharaonen. Dieser hinterurwäldliche Ahne ist\nder einzige Mensch, der nicht von Affen sta-nmt.\nIch habe noch unseren Stammbaum in Blüte. Ihr\nwollt es nicht glauben, aber der Maler mit ler un-\ngeheuren Handschrift wird mir glauben, daß ich\nvon der Ananas stamme. O, dieser berauschende,\nwilde Fruchtkopf mit dem Häuptlingsblattschmucß!\nIch habe noch nie davon probiert, nicht einmal ge-\nnascht, aus Pietät, und dabei könnt ich meine\npflanzliche Abkunft auffressen, wie ein Menschen-\nfresser.\nHerwarth, weißt du, daß Lukas Cranach schon\ndie Venus von Siam als Kete Parsenow gemalt hat.\nAlso nicht ich alleine weiß, daß Kete Parsenow die\nVenus ist, die wirkliche Venus. Ich sah die Venus\nlächeln, ich spiegelte mich in den Thränen der Ve-\n%\nnus, ich sah die Venus tanzen, ich sah die Venus\nsterben. Ich, ach, ich, ich kann mich kaum mehr\nberühren vor Ehrfurcht.\n\nHumoristen\nJ. A.\nJa das sind so Sachen\nAuch Mirza Spiral, der Diogenes aus Frank-\nfurt, warf m<it seiner Laterne „humoristische\nSchlaglichter\" auf das Marokkoabkommen. Dieser\nNeuklassiker, dem die deutsche Muse im\nHaushalt der „Lustigen Blätter\" als Mädchen für\nAlles dient, verabscheut den Kongoneger, der in\nder Not mit Vorliebe seinen Nächsten auffrißt. Das\nsoll grausam sein. Und überhaupt liegen — nach\nder Mitteilung eines Missionars — die Verhältnisse\nin der neuen Kolonie so, daß einem deutschen Dich-\nter darüber die Haare zu Berge stehn müssen.\nDie Eingeborenen? Ja das sind so Sachen,\nGenau beseh'n: dumm, dreckig, frech und roh,\nAls deutsche Brüder, mein' ich, nicht zum\nLachen\nUnd Bildung? ein erbärmliches Niveau.\nSie schreiben nicht und lesen keine Bücher,\nIhr einz'ges Kleid: ein dürft'ger Blätterschurz,\nSie leben nicht viel besser wie die Viehcher —\nDoch was tut Gott? sie leben ziemlich kurz,\nDieweil die Gier nach leck'ren Delikatessen\nSie treibt sich gegenseitig aufzufressen.\nSie schreiben nicht und lesen keine Bücher. Aber\nhierzulande gibt es Literatureingeborene, die sogar\nBücher schreiben. Und das ist auch grauenvoll.\nDenn die Bücher sind, genau besehn: dumm,\ndreckig, roh und frech. Und das Publikum\ntreibt es, in der Gier nach Delikatessen, sie aufzu-\nfressen. Auf hohem Niveau. Doch was tut Gott?\nDie Bücher leben ziemlich kurz. Ihre Lektüre\nwirkt schließlich auch auf das dickhäutigste Ge-\nmüt wie der Stich der Tsetsefliege. Aber sie kre-\npieren an ihren Opfern.\nUnstimmigkeit im Hause Ullstein\n„Den schwerblütigen Ernst zu verbannen und\nuns dafür die Wohltat herrlichen Lachens zu\nschenken, hat Norbert Falk aus den Literatur«»\nder Völker des Abend- und des Morgenlandes\ngleichsam einen Extrakt von Fröhlichkeit heraus-\nüesülliert\". Den Umschlag des lustigen Buches\nziert ein übermütiges Bild.\n„Ein derb fröhlich grinsender Narr mit der\nSchellenkappe betrachtet durch eine Lupe\nallerlei sich höchst wichtig gebärdendes Volk,\ndas in eingebildeter Würde vor ihm einher-\nstolziert. Selbst der König mit Krone und\nSzepter fehit nicht. Aber die Abzeichen des\nKönigtums helfen tihm nichts — winzig klein\nwird er unter der Lupe des großen Gleich-\nmachers Humor — winzig k 1 e i n.\"\nUnter einem Vergrößerungglas.\nAber so leicht läßt sich der schwerblütig«,\nwiderstandsfähige Ernst nicht verbannen. Je mehr\ndie beliebten Nur-Humoristen sich mühen, ihn zum\nbettelarmen Eckensteher des Lebens herabzu-\ndrücken, desto befreiender und wohltätiger\nwirkt er.\nIm „Buch des Lachens\" sind die Seichtesten\naufgboten, d;es Lebens Tiefstes zu überbrücken.\n„Wir treffen da eiinen engeren Landsmann, den Ber-\nliner Adolf Glaßbrenner, dessen Humor mit Spree-\nwasser gemischt ist, aber dadurch nicht nüchter-\nnerwurde; im Gegenteil!44\nve r wässer t e r\n„Rosegger und Ganghof er, die alpenländischen\nHumoristen, haben sich eingefunden, der ge-\nmütliche Johannes Trojan und, Eduard Pfttzl,\nder Wiener Lokalhumorist, über den ma r*\nsich totlachen kann. Und von den\nNeueren und Neuesten kommen alle zu Wart,\ndie Witz und Laune mitbringen, Ernst von\nWolzogen, Fritz von Ostini, Georg Hermann\n(mit einem ulkigen Kapitel aus seinem „Ku-\nbinke44), Hans Brennert, Roda Roda, Karl\nSchönherr, der diesmal garnicht tragisck\nauftritt, Ludwig Fulda, Rideamus, der lustig«\nFrechling44 —\nNur drei Wochen vor dieser „Würdigung\" hat\nHerrn Rideamus eön anderer Kritiker Ullsteins a®\nderselben Stelle eine Schelle unter die Kapp«\ngeschlagen.\n„Der vorausgegangene Akt von Rideamus, wenn\nich recht berichtet bin, schon früher ander-\nwärts gespielt, wäre nicht der Rede wert,\nwenn er nicht in der faustdicken, klobigen Ero-\ntik dieses Schriftstellers, der heute unbegreif-\nlich viele Leser hat, so unsympathisch wäre,\ndaß man ihn zurückweisen müßte.44\nWas ist mir Rideamus? Ich will nur lieber\nhundert Jahre in Trauer und Schwermut leben, als\nmich an einer Skizze Pötzls tot-\nlachen.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nNotizen\nDie Nummer 92 der Zeitschrift „Der Sturm\"\nwurde auf den Bahnhöfen wegen der A k t z e i c h -\nn u n g von Ludwig Kainer nicht zum Verkauf\ngestellt. Sie ist durch die Buchhandlungen, Kiosk#\nund direkt durch den Verlag „Der Sturm\" zu be«*\nziehen.\nDer Originalholzschnitt von Max Pech-\nstein in dieser Nummer ist vom Künstler drei-\nfarbig handaquareliiert und signiert worden. Di«\nnumerierte Auflage (einhundert Exemplare) auf\nschwerem Papier ist zum Preis Ton drei Marli\nfür das Exemplar nur durch den Verlag „Der\nSturm\" zu beziehen.\nVertat Der Sturm"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "745", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Halensee / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund liäner\n\nAussteliungen, Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEmtrftt §0 Pf. 19 Potsdamerstr. vis-d-vis Eichhornstr.\nWiater-GeaiaMe-Ausatentiag: Serie I\nJ.\nW. B4e£er\nJ. Block\nF. Chartest\nJ C&os\nV. Fr en den* ana\nW, Gallkof\nKoHektione* m\nP. Grulich\nLeo Rautk\nH. Herrmann\nP, Hey\nL. Koiilx;\nB. Kui\nM. Lieberman*\nRene Reialcke\nWerke roat\nA. MGller, Cassel\nA. ▼. Spreckelseai\nM. Thedy\nC. L. Vomt\nCv Walter u. a.\n\nAtelier Hanni Schwarz\nlakafcerianen: Marie Laise Schmidt and Hanoi Schwarz\nt Berlin W 30 Hohenstautenstrasse 44 111 :\nFerasprech-Aaschlufi: Arat Lfitzow, 9115 :: Fahretuhl\nQefiffaett Wocheotags von VN6, Sonntag-s rou 10-1 Uhr\nPhoiographische Arbeiten jeder Art in\n■ kiinstlerischer Ausfiihrung ■\n:: Aufnahmen in natiirlichen Farben ::\nSpezialitat: Kinderaafinahmen und Aufnahmen\nim eigcnea Heioi Kurse fur Amateure\n\nEftlfV fftllftC BERLIN W3S\nllt 1I L wIULcV Ocnthiner Strafje 42\nGegrfcadet an Jakre 1878 *. Fernsprecher Amt Vi 752\nFabrik fur Gemalderahmen\nia alien histortschen und neueren Stilarten\nKopien Tim Rahmen nach alten Meistern in Originai-Goldtdnungen\nSMmtUehe Vergolderwaren\n■■■ ■■■ Kunst-Einrahmungen\nReparatarea and Neuvergoldungen aller Gegenst&nd _% Auf-\narbeiten all. Art. Antiken, Reinigen von Gemalden a. Stichea\n\nFRITZ MERKER Charlotte^rg,;s8^illerstr:94\nI\" 111 I Mini II Mil TTTnmTTWIFTrn IBWHWIIM- I ■■■111 lIHIHW I ■■mm |i!■■■! ■!■■■! ■■!■!—!■ lIJMII I— UI|JLLIILUiIuaMMILUII.I_J_U —\nPASSEPARTOUTFABRIK:: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nAOFZIEHEW VON ZEICHNUNGEN :: MODERNE BUCHEINBANDE\n\nKOnstuer - mnGAziH\nFRITZ BERGOQfIJ^fI\nSteglitz a Schiitzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Stej liti 482\n. . Architektnr-Bachbinderei\nElektrlsohe Lichtpansanstalt mit Motorbetrleb\nPassepartout-Fabrication BOderelnrahmnng\n\nBitte bei EinkMeri sicb auf den „STURM\" zu bezishen.\n£5\n2*\nto\ngjgl\n4\n\n-V:- / / ~;\n5?\nGeorg Anton Berlin SV\nFricttlrichsftra&e 49a\nVielfach prS.raiiert Gegrundet 1876\nIllustrierter Preis-Katalog franko\nP erucken 112. Theater\nand S trass e sowie\nsimtlicher iiaarar-\nbeiten in naturge-\ntreae* Ausfuhrung\n. wj-.\" _Y-.r\n'■, -c^rrrxj&ixES!\nV/\nV.jif*\n,JF\nif-\n■&/\na?**'\nWRt\n-v~;\n*s*'Emfag,\n3SS. i.l\n:.;a:\nX2E3SOCXS\n1;*■*. I**. '£* > .\n\nTheaterbDhnen\nliefert und verleiht\nHinuthb.H.\nBerlin 26, IV 4612\nOranienstraB6 6\n\nLehranstalten a Kurse\n*\nm\nS3S\nis\nasaa\nMai- und Zeichenschule\nStilleben — — Portr&t\nOtto Beyer am Kurffi^tendamra\nMan Prospekte\n\nHoizachnitzen, Modellieren, Zeichnen\nT&glich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModelliereu tfir Architekten t&glich von 6—7 oder 7—9 Uhr\nAbendakt tSglich 7-9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfiirstendamm 243 parterre dem Zoo\nBildhauer Harders Berlin-Charlottenburg\n\nnslnful'\n<\nMIIIM-IHSTITUT\nLeiter: M. PECHSTEIN\nE. L.KIRCHNER\nWILMERSDORF\nDurlacher Strafic 14\nMODERHER UHTERRICHT\nII HALEREI ::\nGRAPHIK, PLASTIK\nTEPPICH-, GLAS- U.\n: MET ALL-ARBEIT :\nMALEREI IN VERBINDUNR\nMIT ARCHITEKTUR\n\n' Friedr. Mester Leipzig\nouter Mitwirkang 12 hervorragender Fachleate der Theorie and Praxis (staatllch\ngeprafte Lehrer, Akademiker oder auch Kaafleate in fahrender Stellang). Grandliche\nEinfiihrang in die verschiedenen Branchen des kaafminnischen Berates, rationelles\nStudium der Handels- and verwandten Wissenschaften als Ersatz fir ein mehr-\njShriges Hochschulstudium. Master-Uebangs-Kontor.\nDas Stadiam ist ffir Anfanger (Damen and Herren) die fflr Stenographic,\ndeatsche and fremdsprachliche Korrespondenz, Kasse-, Bachfahrangs- mad BiUnz-\nTechnik, Baro-Praxis sich vorbereiten wollen —\nsowohl far jange Leate, die nar eine Volks-, Real- oder Shnliche Schnle ab-\nsolviert haben, wie far\nHerren mit besseren praktischen oder theoretischen Vorkenntnlssen, Elnilhrte-\nFreiwillige, Abitarienten,\nfar kaafleate reiferen Alters, die bereits praktisch tStfg waren and den\nForderangen der Gegenwart entsprechend ihre Fachkenntnisse erweitern oder\nvertiefen wollen oder\nfiir Bankbeamte, Ingenieare, Chemiker, Braner, Jaristen, Nationaldkonomen,\nOffiziere, die far Verwaltnng wirtschaftlicher Unternehmangen oder Verbinde,\nAktien- oder ihnlicher Gesettschaften sich vorbereiten wollen. Daoer der Kmtm\n6—12 Monate — je nach Vorbildang und Ziel.\nProspekte gratis durch die Direktion, johannisplatz 5\n\n&«*2&\nm\nm\n§9®\n$\nm\nm\ns\n5S\n*\nKleii'te iks\nMM\n\nHerwarth Walden\nDAFNISLIEDER\nFflr Gesanf u.Klavier / 52Seiten\nDBEI MARK\nDurch allc Bueh- and Musi-\nkalienhandlungen oder direkt\ndurch den Verlag DER. STURM\nHalensee / Katharinenstrafie 5\n\nAutoren\nwelchc ein belletristisches oder\nwissenschaftliches Buch ge-\nschrieben haben und einen\nVerleger daffir suchen, der es\nnach modernen drucktechni-\nschen Prinzipien ausstattet und\nruhrig vertreibt, helieben ihre\nAdressen (evt. Mannskript) ein-\nzusenden.\nHansa-Verlag\nfur moderne Literatur\nund Zeitschriften\nW. 35 Flottwellstr. 6\n\nLa Nouvelle\nRevue Franpaise\nMonatsschrift fur\nLiteratur uiad Kritik\nJahresb«f.u£ ffir daw Ausland\n18 Francs\nVerlag Marcel Riviere und Cie\nParis / 31 rue Jacob\n\nVerlag\nmit eigener Druckerei fibernimmt\nsorgfiUtige Drucklegung von belle-\ntristischen Werken und von Bro-\nschiiren jeder Art, sowie Verlag\nund Vertrieb der hergestellten\nWerke mtt individueller Propa-\nganda I Anfragen erbeten unter\nP R Expedilion Der Sturm Halen-\nsee-Berlin / RQckporto ist beizu-\nfflgen,\n\nNoch nie dagewe-\nsener Lach-Erfolgl\nDos Kind\nder Firma\nmit Anto a und Donat Herrn-\nfeld in den Hauptrollen\nVorher:\nSchmerzlose\nBehandlung\nAnf. 8 Uhr Vorverk. 11 —2 Uhr\n\nWintergarten\nAm Bahahof\nFriedrichstraße\nNenes Program\nOiga Desmond\nZwolf Debuts\n\nI VereinnirKunst\nS Aehtes Jahr\n1 Funfter Abend |\n' MittwoEb, den 17. Januar\nabends 8 Uhr\nS\n:: Architektenhaus\n[I Wilhelmstrasse 92/93\nI\nELSE LfIJKER-\nKHOLER\nu\n!\nj VORLESUNG\n| aus eigenen Dich-\ntungen\nKartell M. 5, 3, 2, 1 bei\nA. Werthelm, Konzertkasse\nund bet Reuss und Pollack\nlr=Jr=Jn=Ti\n11\n\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheiat in zwangloser\nNummer 339/340\nPreis 50 Pfennig\nOberall erhaltlich\nauch auf den Bahnhsfen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\nFolge\nsoeben erschienen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "746", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120113-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hause» Berlin SO. 26 Mariatmenpiate 23\n\nFR. HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModerne Herrenbekleidung\nferfig unci nacii Mail\nReklameangebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen igemusterten Cheviots limit iKrmelaufschlagen 32®® H\naus den modernsten Flauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 4550 h\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n32®° 45 H\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5°/0 Rabatt\n\nLes Norses\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nverSffentlichte das franzo-\nsische Original der T age-\nbiicher Flauberts, deren\nTJebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\n\nBuchhandlunsen\nm\n'921\nM\nr«\n\nEdmund JVltyer\nBuchhanaier u. flnficiuar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprccher Amt VI 5850\n■I\n\nReuss & Pollack\nBaeithandlang u. Antiquariat\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 118 c\nTcrnspr.t Hwt VI (£tt#ow)2BS9\nv J\n\nUTERHRIKHCf\n(RBRREI\nVAtTM fVOiW\nVierter Abend\nMontag, 15. Januar 1912,9 Uhr\nCafe Austria, Potsdamerstr. 28\nHerwarth Walden:\nCegen die Muslß\nWarnung mit Musik\nFerner wird gelesen aus Schrif-\nten von Baudelaire, Blass.\nHardekopf, Hiller, Hdlderlin,\nSteiner, Werfel\nKarten zu einer Mark: Buchhdlg.\nEdmund Meyer und Abendkasse\n\nVerlag Der Sturm\nDer Preis fur den ersten Jahrgang der Wochenschrift\nDER STURM (Nummer 1 — 56) wurde auf\n' Zwanzig Mark ==\nerhoht und wird nur an bisherige oder neue Bezieher\ndes laufenden Jahrgangs direkt vom Verlag abgegeben.\nEs sind nur eine geringe Anzahl Exemplare vorhanden\nDie Holzschnitte wurdea vom Originalstock gedrackt\nVom 1. Januar 1912 ab erscheint DER STURM noch\nin einer SONDERAUSGABE auf schwerem, dauer-\nhaften Papier. Die Sonderausgabe wird nur vom\nVerlag Der Sturm dijekt und ungebrochen ver-\nsandt. Bezug dieser Ausgabe fur das Vierteljahr:\nDrei Mark\n\nli'Effoft\nHal bmo n atssch rift\nfur moderne Kultur u. fran-\nzosische Sezession in den\nKiinsten und in der Literatur\nHerausgeber nd Schriftleiter\nJEAN RICHARD BLOCK\nJahresbezug fur das\nAusland: Mark 6.—\nPOITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\nVegetarisches Gastta\nFR EYA\n■ Charlottenburg ■\nS Bismarckatrasse 9 S\n■ ■\nShsbihb Knic hw>hB\n0 E3\n□\nAngenehmer Aufenthaft\nfur Kunster find Studenten\nZahlreiche Zeitungen unci\nZeitschriften / Bis rehn\nUhr abends gcdffaet\n\nCafe-Restaur aivt\nOdeoiv\nBar\nCkailottenbur^\nBtsm arckste-EcKeNeue <o rolmanstr\nTaglich Nachmittag- und Abend konzert\nvon 4—7 Uhr von 81/2 — 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nGutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT :: .■&\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nNEU EROFFNETf"}]}