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Der von Fritz Engel entdeckte Dich-\nter Hans Kyser hat bekanntlich mit ihm und einigen\nanderen literarisch unmöglichen Leuten eine Kleist-\nstiftung „ins Leben gerufen.\" Während die Schil-\nlerstiftung solchen Schriftstellern helfen soll, die\n„bereits für die Nationalliteratur verdienstlich ge-\nwirkt haben\", soll die Kleiststiftung der Jugend „die\ngraue Farbe des Hungers auf Gesichtern, die blühen\nsollten, und die Falten des Kummers auf Stirnen,\ndie noch nicht gefurcht sein durften\", entfernen\nHerr Kyser untersuchte die Geschichte der deut-\nschen Schillerstiftung, um nachzuforschen, welche\nSchriftsteller für die Nationalliteratur bereits ver-,\ndienstlich gewirkt hatten, und denen infolgedessen\ngeholfen werden konnte. Zur Ueberraschung des\nPublikums stellte sich heraus, daß im wesentlichen\nnur sehr alten Tanten männlichen Geschlechts\nStiftungsgelder bewilligt worden waren. Herr\nOskar Blumenthal, Herr Julius Rodenberg und\nHerr Anton Bettelheim protestierten. Sie fanden\ndie Tanten durchaus einer materiellen Beschen-\nkung würdig. Was diese drei Herren für ver-\ndienstliche Nationalliteratur halten, braucht nicht\ndiskutiert zu werden. Sie werden bestimmt glau-\nben, auch ein Recht auf Preise der Schillerstiftung\nzu haben, wenn sie es nötig hätten. Sie hatten es\nzum Glück für die Schillerstiftung nicht nötig. So\nblieb ihr wenigstens diese Blamage erspart\nSonst aber schmiß sie vergnügt und ahnungslos\nmit den Geldern herum. Ein Dichter wie Peter\nHille konnte noch im vorigen Jahrzehnt zu Berlin\nverhungern, ein Dichter wie Paul Scheerbart\nmußte in derselben Zeit die schwersten Existenz-\nkämpfe führen. Von Anderen garnicht zu reden\nHerr Oskar Blumenthal wird die Genannten nicht\nfür Dichter halten. Was nützen die Millionen, wenn\ndas verwaltende und beratende Komitee stets aus\nahnungslosen Dilettanten zusammengesetzt wird.\nSogar Herr Fritz Engel protestiert „gegen die\nUnterstützung öder Reimer\". Mit welchem Recht?\nHerr Fritz Engel wird sicher zu dem Hauptkomitee\nder Kleiststiftung gehören, die der Jugend so liebe-\nvoll die Falten aus der sorgenvollen Stirn streichen\nwill. Herr Fritz Engel hält die Herren Ludwig\nFulda, Hermann Sudermann, Felix Philippi noch\nheute für Dichter. Herr Fritz Engel „begrüßt\"\nnoch heute in Albert Traeger den „Altmeister\ndeutscher Reimkunst\", Herr Fritz Engel verspottet\nin seiner bekannten witzlosen Weise in dem ebenso\nwitzlosen Ulk junge Lyriker von Begabung. Und\nderselbe Herr Fritz Engel protestiert gegen öde\nReimer, veröffentlicht in dem gleichfalls unterstell-\nten Zeitgeist öde Reimereien und wird zugleich\ndurch die Kleiststiftung die Jugend „fördern\". Alle\nWelt will sich jetzt modernisieren. Also auch\nHerr Fritz Engel. Er tritt deshalb für den von ihm\nentdeckten und von ihm maßlos überschätzten\nHerrn Kyser ein, nicht zu sehr, man hat doch seine\ntraditionellen Beziehungen, und Herr Fritz Engel\nfindet, „daß man den bittern Kern der Wahrheit\nhinter der rauhen Schale empfinden muß, mit der\nKyser sie umkleidet.\" Da möchte ich auch dabei\ngewesen sein, wie Herr Kyser die rauhe Schale\nmit den bittern Kern der Wahrheit umkleidet hat.\nSchließlich will's die Sache, daß mant poetisch\nwird. Die Jugend, sagt Herr Fritz Engel, hat wie-\nder einmal mit ungestümer Gebärde an das epheu-\numsponnene Haus der Aelteren gepocht. Das Altef\ndarf ihr ruhig auftun, sagt Herr Fritz Engel, ohne\nsich etwas zu vergeben. Wenn aber die pochende\nJugend, die gefördert werden soll, auch nichts\nkann, so ist es wirklich höchst gleichgültig, ob die\nAlmosen den alten oder den jungen Dilettanten\nzuerteilt werden. Was ist das für ein Quatsch,\nden sich Herr Fritz Engel und seine Stiftungs-\nBrüder unter „moderner\" Kunst vorstellen? Es\ngibt Kunst oder keine. Der Dreck, von heute ist\nnicht besser als der von vorgestern. Vielleicht\nriecht er mehr, sodaß ihn selbst ältere geruchs-\ngeschwächte Personen empfinden. Solange Leute\nkritisieren, redigieren und verwalten, die zur\nKunst nicht das geringste innere Verhältnis tiaben,\nkönnen die alten und jungen Tanten beruhigt sein\nDie Schäfchen werden sich schon ins Trockene\nbringen. Dichter und Künstler werden weiter\nschaffen und unter Umständen sachlich verhungern,\nohne Schiller und mit Kleist. Nur die Nekrologe\nund den Dank des deutschen Volkes, insbesondere\ndie Anerkennung des Herrn Fritz Engel, verbitten\nsie sich entschieden, auch wenn sie schon vor\nhundert Jahren den Zeitgeist nicht gesegnet hätten,\nDie Kunststadt München\nMünchen hat durch seine Biere bei allen Al-\nkoholikern einen Weltruf erlangt. Die Stadt be-\nsitzt außerdem fünf Automobile, viele Straßen ohne\nMenschen und eine größere Anzahl Tauben, wo-\ndurch sich die Münchner ohne große Anstrengung\nnach Venedig versetzt glauben können. Außer-\ndem gibt es in München noch einige Kunst-\nsammlungen, die Hugo von Tschudi zum Ruhm der\nKunst zu beseitigen begann. Die Zeitungen sind\nim Generalanzeigerstil gehalten, und die Jugend\nwird durch Herrn Georg Hirth repräsentiert. Max\nHalbe, auch ein Dichter der Jugend, schiebt Ke-\ngeln, Franz Ritter von Stuck wohnt in einem\nPalais, und der Simplizissimus freut sich von\nNummer zu Nummer sanfter über alle diese guten\nDinge. In neuester Zeit werden auch Zeitschrif-\nten in München herausgegeben, die teils in Edel-\nanarchismus, teils in Literatur, Kultur und Kritik\nmachen. Ein derartiges Blatt nennt man in Mün-\nchen zum Beispiel Janus. Da: werden „Verse un-\nserer Jungen\" abgedruckt. Womit nicht die Kin-\nder der Kegelschieber, sondern die Primanerge-\ndichte münchener Studenten gemeint sind, Da\nwird jemand von dem Herausgeber der Zeitschrift\ngefeiert, „der schlicht und einfach redet. Und er\nfindet für das, was er erlebt hat, seinen persön-\nlichen Ausdruck. Hier ist einer, der nicht nur\neigen ist, sondern auch durch und durch gesund.\"\nSo schreibt man in München Kunstkritik. Eine\nProbe der durch und durch gesunden Verse mit\nErlebnis und persönlichem Ausdruck:\nSo jung und stark zu sein und niemals müd\nHei! wie das Blut mir in den Adern glüht\nWie mir die Brust sich spannt und\nhat nicht Raum\nIch bin wie im Wald ein junger saft-\nstrotzender Baum\nHei! wie gesund. Aber der Dichter kann noch\nviel mehr.\n„Auch dunklen Stimmungen vermag er Aus-\ndruck zu geben. Stunden, wo ihm sein gan z e 9\nSchaffen vergebens dünkt und ihn eine\ngroße Sehnsucht nach dem All erfaßt, sodaß er in\neiner Blume auferstehen möchte.\" Also nicht ein-\nmal mit dem saftstrotzenden Baum begnügt sich\nsein Allgefühl. Wenn er dunklen Stimmungen\nAusdruck gibt, wird er wie eine Blume, so hold,\nso schön, so rein. „Wagner ist lyrisches Voll-\nblut\", vergallopiert sich der Herausgeber des\nJanus:\n„Da wirst du weiter wandern mit Schrit-\nten leicht und frei,\nAls ob deiner Seele eine schwere Last\ngenommen sei.\"\nZ u gesund. Der Herr vom Janus findet,\ndie beiden (auch hier) angeführten Gedichte zei-\ngen, wie gut der Dichter die Form beherrscht\n„Bewahrt er sich seine gefühlstiefe Schlichtheit\nund geht er dem Artistentum aus dem Weg, dann\nwerden wir in wenigen Jahren ihn zu unseres\nbesten Lyrikern zählen könne1!,5' Schon beute!\nIch ernenne ihn zum Neumeister der edlen Reit-\nkunst. Möge ihm seine Gesundheit erhalten blei-\nben. Dann lobt der Herr vom Janus noch eine»\n„feinen Formkünstler4' und gibt „als Probe ffcr\nseine eigentliche Lyrik4' ein Gedicht. liier vier\nZeilen:\nFern am Strand der Vergessenheit\nLiegen die Boote eng gereiht.\nModern im Sande leck und leer,\nKeines fährt zurück übers Meer.\nEin feiner Formkünstler. Ja, in München\nhat man die Sache mit der Kunst raus. Und des-\nhalb veröffentlicht der Herr vom Janus einen\nWeckruf: Der Fall Hodler. „Ein Weck-\nruf an den künstlerischen Geschmack unserer\nZeit.\" Der künstlerische Geschmack unserer Zeit\nbraucht nicht erst gegen Ferdinand Hodler „ge-\nweckt\" zu werden. Daß der Pöbel über Hodler\nlacht, ist ebenso selbstverständlich, wie die Tat-\nsache, daß eine münchener Halbmonatsschrift fftr\nLiteratur, Kunst und Kritik von der Kunst Hod-\nlers in Anführungszeichen spricht. Der Herr vom\nJanus vernichtet nun Hodler „analytisch\". In de»\nFrühwerken Hodlers vermißt er die Seele, die\nFertigkeit in der Materialbehandlung und die\nFähigkeit zur Perspektive und zur tieferen Psy-\nchologie. Im Jahre 1884 „hat Hodler Fortschritte\ngemacht in der Psychologie. Er schwelgt in be-\nwußter Perspektivelosigkeit und bekommt seiac\nersten grotesken Ausbrüche.\" „Die neunziger\nJahre gestalten de n Hodler, den die Welt vor\nallem kennt, den wenige bejubeln und viele be-\nlächeln.\" Der Weinbauer aus dem Jahre 1890»\nsagt der Herr vom Janus, zeigt Psychologie,\nwenn auch keine Perspektive. Ein Glück, daß\nHodler im Jahre 1890 wenigstens die Psychologie\nerfaßt hatte. Perspektive kann man ja noch in\nMünchen lernen. Aber es ist zu spät. Im Jahre\n1897 bekommt Hodler den Knax. „Bis 1897, wo\nder Teil entsteht, ist diese Neigung fürs Dekora-\ntive bereits ins Pathologische und Perverse hinein\nentwickelt. Bezeichnend dafür ist das Gesicht des\nTeil und die Gummiknoten auf der Stirn. Oder\nhat ihn auf dem See eine Fliege gestochen?\"\nMan sollte den* Herrn vom Janus in ein Faß Hof-\nbräu stecken und ihn dort ersaufen lassen. Nicht\netwa, weil er Hodler nicht versteht, und Malerei\nunter der Perspektive der Psychologie sieht, son-\ndern weil ein solches Mensch die Frechheit be-\nsitzt, über Malerei zu schreiben. Und nicht nur\nzu schreiben, einen solchen Blödsinn zu schreiben,\nden ihm die Münchner Neuesten Nachrichten gern\ngegen sehr angemessenes Honorar abdrucken.\nNein, er muß eigens noch eine Zeitschrift heraus-\ngeben. Den Münchnern ist es doch schon so wie\nso viehisch wohl zu Mute, wenn mit Maßkrügea\ngegen die Kunst gebockt wird. Der Herr vom\nJanus sollte doch wenigstens sein ehrliches Bier-\njungentum bekennen und sich nicht jesuitisch als\nKunstredaktöhr maskieren. „Hat Herr Hodler\nschon jemals in seinem Leben einen hilflosen Kör-\nper schleppen sehen?\" Wenn Hodler es noch\nnicht gesehen hat, sollte er nach München zu dem\nHerrn vom Janus gehen, denn etwas Geistloseres\nist nicht wieder aufzutreiben. Und nun resümiert\ndas Mensch: Hodler leide am künstlerischen Irr-\nsinn. „Schauderhafte Körper mit eckigen Beines\nund sechszehigen Füßen. Es ist möglich, daS\nHodler durch die verschnürten, fast rippenlosea\nOberkörper gegen das enge Tragen der Korsetts\nprotestieren will ... Und dann die Farben. Aus\nwelchen Mißtönen der Palette dies alles geschaf-\n... - ■ ' \" • • . * .-*\nTen Wird,' fet erstaunlich\". Die Körper, werden tot\nund grün gegeben, was dann die patina- und\norangefarbenen Brüste und Schenkel ermöglicht.\"\nSoll man sich mit solch einer Bierseele ernsthaft\neinlassen? Sollte man ihm den Körper nicht rot"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "765", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1286, "texte": "und grün schlagen und ihm orangefarbene Schen-\nkel „ermöglichen44? Auf daß dieses Mensch ein-\nsehe, daß Natur keine Kunst und Kunst keine\nNatur ist? Ohne die geringste Ahnung vom\nWesen der Kunst überhaupt zu besitzen, wagt\ndieses Mensch nicht nur, ein Phänomen wie Hod-\nier mit seinem üblen Bieratem anzublasen. Er\nbesitzt auch noch die Frechheit zu behaupten, daß\n„Leute, die geflissentlich Hodler als einen Großen\npreisen, selbst Betrogene oder kulturelle Betrüger\nsind.\" Er besitzt ferner sogar die Frechheit, sich\nauf den Berner Bundesrichter als Zeugen zu be-\nrufen, dessen blöde dilettantische Ausführungen ich\nbereits im Sturm zurückwies. Und nun zum\nSchluJß wird das Mensch noch pathetisch: „W i r\nprotestieren gegen ihn aus unserem guten Ge-\nschmack heraus, protestieren im Namen der künst-\n»\nlerischen Vernunft. Wi r verzichten auf soge-\nnannte künstlerische Befruchtungen (gleich In-\nfektionen) von perversen, weil impotenten, mit\nanderen Worten also kranken Geistern.\" Dieser\nHerr vom Janas hat nur ei n Gesicht. Man sollte\nihm Ricinus geben, was gut gegen Verstopfung ist.\nMan muß endlich einmal die Vornehmheit gegen\nProleten aufgeben. Und selbst die Kleinstadt\nMünchen liegt nicht weit genug entfernt, um\nHunde nicht zu treten, wenn sie auch nur Re-\nzensenten sind.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-03_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-02-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "765", "page_fin": "765", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.2.4", "titre_corps": "Arbeiterkolonie", "titre_sommaire": "Arbeiterkolonie", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "765", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.3", "debut_caractere": 1288, "fin_caractere_exclue": 1799, "texte": "Arbeiterkolonie\nPaul Zech\nWie eine Insel ganz an der Küste\nschwimmt die kleine Kolonie.\nNahe der äußeren Peripherie\ndröhn dunkel die Schachtgerüste.\nSchmale Straßen blinken silbermetallen\nund die Häuser, kalk über graut,\nsind alle nach einem Plan gebaut\nund aneinandergereiht wie Korallen.\nWie etwas Weithergeschwemmtes ruht\nDer Gartenklecks vor den Fensterfronten\nmit den Rosen, den blaß versonnten.\nUnd wie ein Reicher, der viele Vermögen vertut,\nreißen die dünnen Fontänen\ndas arme Wasser in tausend Strähnen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-03_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-02-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "765", "page_fin": "765", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.2.5", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lask er-Sehüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "765", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.3", "debut_caractere": 1801, "fin_caractere_exclue": 4599, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lask er-Sehüler\n* Lieber Herwarth, liebes Kurtchen, ich habe\nteieine beiden Ringe verschenkt; es tut mir so leid,\naber ich habe mir einen großen, braunen Käfer aus\nQlas in Messing fassen lassen; er sitzt auf meinem\nMittelfinger wie auf einem kahien Herbstast und\nsehnt sich nach Sommer und Sonne, nach Blüten\nund Silberblättern und wahrscheinlich nach einem\nGlühwürmchen.\nHerwarth, wir sind nur auf dem Wege, das\nLeben ist nur Weg, hat keine Ankunft, denn es\nkommt nicht woher. Wohin soll man da? Immer\nin sich Zuflucht nehmen! Darum sind ja die Men-\nschen so arm, ihre Herzen sind Asyle, sie fühlen\nsich sicher in ihren geselligen Heimstätten. Wohin\nsoll man da? Mein Herz ist zerfallen; o, diese\nEinsamkeit zwischen gebrochenen Säulen!\nDa ein luxuriöses Herz — und wenn es aus Mar-\nmor ist?\nMeine Lieben, ich bin sehr neugierig geworden;\nich beginne mich zu fragen, ob ich intellektuell bin\noder stumpf? * Manchmal denk ich was, das geht\nüber meine Grenzen; über Eure Horizonte habe ich\nwohl lange schon gedacht. Aber wo komme ich\nhin, wenn ich über meinen Mauern und Zäunen\nhänge, wo sich noch nicht Land vom Meer ge-\ntrennt hat? Wer wird mir Schöpfer sein!! Werde\nich meinen Schöpfer lieben oder ihn anbeten in\nEhrfurcht?\nWenn ich ernstlich krank bin, dann hole ich\nkeinen Arzt, Herwarth, aber einen Astronomen, je-\ndenfalls einen Sterndeuter oder einen Fakir, meinet-\nwegen einen Gaukler. Eher stellt „der\" fest, wie\nweit mein Sternbild Corpus von dem Sternbild\nPsyche entfernt ist, als der anerkannteste Pro-\nfessor.\nHerwarth, ich habe meine medizinische Arbeit\ngedichtet (nicht geschrieben), ;darum werde (ich\nwohl den Doktorhut bekommen, aber ihn nur Car-s\nneval aufsetzen dürfen.\nLieber Herwarth, ich habe im Berliner Tage-\nblatt einen Ruf nach dem Simplizissimusmaler Lud-\nwig Kainer und seiner Frau, der Malerin, ergehen\nlassen. Beide sind plötzlich verschwunden. Ich»\nhänge aber eingeschlossen einigemale in ihrer Wohl\nnung. Wie es mir gehn mag, meinen verschieden\naufgefaßten Ichs?\nKurtchen, steht Gefängnis auf Schweinehund?\nOder Geldstrafe? Oder verjährt nach zwei Jahren\nein Schimpfwort, wie zum Beispiel Sch.weinehund?\nIch habe vor zwei Jahren mal jemand so genannt;\nich möchte endlich von der Kette los.\nIch muß manchmal an die Schwärmerin denken\nvom Sylvester im Caf6 des Westens. 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Braune Bärenfelle bedeckten den Diwan.\nAus hellblau glasierten Ziegeln bestand der Fuß-\nboden. Und purpurrot gefärbte Leinwand hing in\nvielen Falten an den Wänden. Auf großen Holz-\ntischen standen viele kleine Baumodelle mit Ter-\nrassenanlagen und Türmen, Gartenhäusern und\nT reppenarrangements.\nAn den Wänden vor den Purpurfalten standen\ndie Baumeister des Königs, den die Griechen Ne-\nbukadnezar nannten. In seiniem großen Palaste\nzu Babylon wurde der schlanke König immer kurz-\nweg Nabukudu genannt.\nNabukudu trug hellbraunen Kaftan, aber der\nwar mit hellblauen, breiten Streifen kreuz und\nquer besetzt. Goldene Armspangen mit Smarag-\nden saßen an Handgelenken und am Oberarm,\ndreifache Halskette mit zierlich gearbeiteten Rin-\ngen, kleinen Löwen und geflügelten Sonnen und\nmit vielen schwarzen und hellroten Perlen, die\nsehr unregelmäßig geformt waren, hing auf der\nBrust, — dazu Sandalen aus rotem Leder — und\nhellbraune Haut — und langen Vollbart, der spitz\nzuging — mit spiralig gekräuselten Schnecken —\ndie auch im Haupthaar waren — besonders an den\nSeiten — über den Ohren.\nUnd blitzende, pechschwarze Augen hatte der\nKönig und eine ganz feine, schmale Nase — leicht\ngekrümmt Die Nasenflügel bebten sehr oft, denn\nder König war sehr leicht erregbar — und voll\nhastiger, rascher Bewegungen, so daß der Kaftan\noft hin- und herflog. Dazu blitzten die Augen\nimmer wieder nach andrer Seite und setzten jetzt\nauch die Baumeister in Erregung.\nAuf sprang plötzlich der König und rannte zum\ngrößten Holztisch und zeigte mit dem filbernen Zir-\nkel auf Terrassenanlagen und sagte dazu hastig:\n„Hier am Ufer des Euphrat will ich, daß das\nTerrain in Terrassen heruntersteigt. Auf den Ter-\nrassen spiegelglatte glasierte Ziegel — farbige.\nIn der Mitte, wo die Terrassen höher sind, hell-\ngrüne Ziegel — so wie Chrysolith müssen sie aus-\nsehen — ich will Proben sehen. Geflügelte\nSphynxe in Hellbraun und Weiß an den Seiten.\nKein Baum und kein Straucfi und auch keine Blu-\nmen -— nur Architektur. Mein Palast soll vom\nWasser aus prächtig wirken. Alabasterstufen na-\ntürlich tiberall. Auf den dicht am Wasser liegen-\nden Terrassen will ich ganz bunte Muster haben\n— bunt glasierte Ziegel auch da. Schafft Zeich-\nnungen dazu auf Papyrus. Die Balustraden der\nTerrassen ganz niedrig, damit von jeder Barke\naus mehrere Terrassen zu überschauen sind. Hier\nauf diesem Hiigel will ich ein kleines Gartenhaus\nhaben aus Miskau- und Tapranholz. Nach außen\nzu lauter Fenster mit geschnitzten Schlangen —\ndahinter dichtes Drahtgitter. Auf dem Dach die\ngeflügelte Sonne groß und breit in Gold. Die\nFlügel roter und grüner Glasschmelz. Model! an-\nfertigen. Unten am Hügel neben der Treppe alt-\nbabylonische Flügelsphinxe in Lapislazuli. Dieser\nkann in Stücken verwandt werden -— über einem\nEisengestell — oder auch über einem Tonmodell.\nGenau nach den Vorlagen, die wir von dem Pa-\nlaste des Königs Assuruasirabal haben — mit fünf\nFüßen, damit Vorder- und Seitenansicht da ist.\nAuf dem Hügel zwischen geschorenem Rasen\nStreifen von roten Tulpen, die oben schmaler, wie\nStrahlen nach oben gehen. Ihr habt mich wohl\nverstanden? Jetzt geht und bringt mir bald die\nModelle. Ich bin sehr ungeduldig. Ich will jetzt\nins Freie.\"\nEr winkte mit der Hand und rief ganz laut:\n„Sänfte!\"\nDie Baumeister in schwarzem Kaftan, auf dem\nhellgrüne Tuchstreifen aufgenäht waren, warfen\nsich auf den Boden und berührten mit der Stirn\ndie hellblau glasierten Fliesen.\nZehn Eunuchen kamen mit der Sänfte, der\nKönig warf seinen silbernen Zirkel auf seinen\nBärenpelz-Diwan und sprang in die Sänfte. Und\ndie Eunuchen trugen die Sänfte mit raschen\nSchritten hinaus. Und draußen ging's treppauf\nund treppab über viele Terrassen und Dachgärten\nhinweg — dem großen Strome zu.\nUnd als der Euphrat breit und groß sichtbar\nwurde, rief der König:\n„Ah! Ah! Halt!\"\nUnd er sprang aus der Sänfte raus und sprang\nmit hastigen Schritten einem Säulengange zu* der\nganz hoch in einer Ebene grade zum Strome hin-\nführte.\nAm Ende des Säulenganges war eine breite\nBalustrade, vor der warf sich der König nieder\nund berührte dreimal mit der Stirn den Alabaster-\nboden, Dann hob er die Hände hoch empor,\nblickte lange in das große, breite, blaue Wasser»\nin dem sich der blaue Himmel spiegelte, und\nflüsterte dann:\n„Marduk, Gewaltiger! Ninip, Lichtgott! Ich\ndanke Euch, daß Ihr mir die Kraft gabt, Euch\nTempel zu bauen. Damit hat doch mein L#ben"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "766", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4464, "texte": "einen Zweck. Feh bin doch nur König von Baby-\nkm, um Euch Tempel zu bauen und mir Paläste.\nPaläste und Tempel — Tempel uncU Paläste — die\nfüllen mein Leben aus, und niemals soll es anders\nwerden. Ich danke Euch, Götterl Ich danke auch\nden anderen Göttern. Gebt mir lange noch die\nKraft, zu bauen — und abermals zu bauen — und\nEure Tempel zu schmücken mit den herrlichsten\nKleinodien der Welt — mit Gold und Silber, Pur-\npur und Edelsteinen — mit Alabasterstufen und\nfarbigen glasierten Ziegeln — mit Götterbildern\ntmd Weihrauchbecken — mit köstlichen bunten\nLampen und auch mit weisen Priestern, die mehr\nvom großen Leben begriffen haben als die blinde\nMenge.\"\nEr lag noch lange auf den Knien — der grofe\nKönig Nabukudurusur, den die Griechen den grö-\nlen Nebukadnezar nannten. Er regierte erst drei\nJahre über Babylon und das große Königreich.\nAls der Nabukudu langsam durch den Säulen-\ngang zurückging, kam ein alter Sklave, der erste\nHausdiener des Königs, warf sich auch auf den\nBoden und berührte dreimal mit der Stirn die\nAlabasterfliesen und sagte sehen:\n„Die Feldherren, die Siegreichen, sind aus Sy-\nrien gekommen und wollen von ihren Siegen be-\nrichten.\"\n„Laß sie,\" sagte der König mit gerunzelter\nStirn, „auf Tontafeln ihre Berichte einkritzeln.\nDie Tontafeln können dann meiner Bibliothek ein-\nverleibt werden — dürfen aber nur in der Lap-\nfalienkammer aufgestellt werden.\"\nDer Diener berührte wieder dreimal mit der\nStirn die Alabasterfiiesen und ging rasch ab.\nDer König ließ sich darauf in seiner Sänfte\ni» seinen großen Modellpalast tragen, allwo auck\nalle Bauzylinder und die Tontafeln gebrannt wur-\nden. Immer stieg qualmender Rauch aus den\nbreiten Schornsteintüren des Brennofens, der Sick\niicht über dem Dache des Palastes befand.\nIm großen Perlmuttersaal sprang oer\nwieder aus seiner Sänfte und rief hastig:\n„Was gibt's neues?\"\n„Ein Bauzylinder,\" sagte ein Sklave, „ist für\nifen Tempel von Ezida bei Borsippa — soeben\nfertig geschrieben worden. Der Ton ist noch\nwarrn.\"\n„Was steht darauf?\" fragte Nabukudu.\nDa las der Sklave, was darauf stand.\nEs stand auf dem Bauzylinder, der wie ei«\nkleines Tönnchen aussah, das der erhabene Nabu-\nkudurusur die Syrier in zwanzig Schlachten über-\nwunden, ihre Frauen, Kinder und Sklaven, Pferde\nund Kamele fortgeschleppt, ihre Städte einge-\näschert und ihre Felder verwüstet habe.\nDer König hörte den Text ganz ruhig bis zu\nEnde; Baumeister arbeiteten an den Holztische»\nmit Zirkeln und Winkelmaß. Aber es war ganz\nstill im großen Perlmuttersaal.\nDa sagte der König:\n„Gib mir mal den Quark her.\"\nDer Sklave reichte den Bauzylinder auf den\nKnieen.\nDer König nahm den Bauzylinder, srpang auf\nund warf das Stück Ton mit solcher Heftigkeit\ngegen die eine Perlmutterwand, daß Perlmutter-\nStücke und Tonstücke durch den ganzen Saal\nSprangen.\nDie Baumeister hielten erschrocken in ihrer\nArbeit inne.\nDer König aber rief mit rasender Wut-\nstimme :\n„Totpeitschen sollte man Euch! Was ist das!\nIhr wagt es, von meinen Siegen zu sprechen?\nIhr Hunde! Ihr wagt es, mir eine Tätigkeit anzu-\ndichten, die meiner gar nicht würdig ist? Habt\nIhr keine Vorstellung von dem, was eine Majestät\nist? Glaubt ihr, die wäre dazu da, Syrer zu be-\nsiegen? Ihr Hunde! Nein! Und abermals nein!\nIch verbitte mir diese Siegesberichte — sie sind\nbeleidigend für mich. Bei Todesstrafe verbiete ich\neuch für die Folge jedes Wort über Kriegslappa-\nIfen. Von meinen Tempeln und Palästen habt ftr\nin allen Bauzytindern und auf den Denkmäler« zu\nsprechen — aber nie mehr ein Wort über Kriegs-\nlappalien! Glaubt ihr, ich bin König nur, um euch\nzu regieren und für euch durch Kriegstaten z»\nsorgen? Nein — was ich tue — tue ich für die\nhehren Götter — für die Tempel und Paläste. Dfe\nentstünden ia nie, wenn ich nicht König wäre.\nIhr arbeitet doch nur freiwillig, wenn ihr Hunger\nund Durst habt — oder wenn ihr Weiber haben\nwollt. Aus meinen Augen, du Hund! Ich bi« nur\nKönig, um Tempel und Paläste bauen zu können\n— zu etwas anderem bin ich wahrlich zu groß. \"\nDer Sklave, der den Bauzylinder überreicht\nhatte, schritt eiligst rückwärts tretend* zur Tür,\ndie Baumeister warfen sich auf den Fußboden?.\nUnd Nabukudu ließ sich in seiner Sänfte hinauf-\ntragen — ganz dicht am Ufer des Euphrat setzte\nsich der König auf eine Holzbank. Die Sonne\nging unter, in buntesten Farben flackerte der\nEuphrat.\n„Man hat mich,\" flüsterte Nabukudu, „belei-\ndigt. Klägliche Hunde haben mich beleidigt fefe\naber will's vergessen. Wenn nur die G&tter gwi\nm mir sind.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-03-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-03_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-02-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "766", "page_fin": "768", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.2.7", "titre_corps": "Hamburg : Grossstadtabend", "titre_sommaire": "Hamburg : Grossstadtabend", "signature_source": "Günther Mürr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "766", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.4", "debut_caractere": 4466, "fin_caractere_exclue": 4506, "texte": "Hamburg\nGrossstadtabend\nVon Günther Mürr"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "766", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.4", "debut_caractere": 4521, "fin_caractere_exclue": 8730, "texte": "Nicht\nalte Zeiten zurück sich sehnen,\nZukunftsseligkeiten sich träume»,\nFahren in Postkutschen schöner wähae»,\nals Hinsausen im Automobil\nLeben nur ist des Lebens Ziel.\nDenen läßt's» die vor Schwäche gähne«.\nDoch ihr, denen Kraft beglänzt das Gesicht,\ndie sich strahlend im Heute dehnen,\ndie sich im Kampf vor Freude bäume«,\ndenen Wirklichkeit ist Lebenslicht:\nDie Faust dem Leben ins Gesicht,\ngibt's euch sich nicht gutwillig.\nDas Heute hat auch seinen seltsame» Glanz.\nOft schließt seine Helle unsere staunenden Augea\nSeine Tage reißen im Reigeir\ndes Gesterns stille, schöne Natur\nund unsre rasche und laute Kultur.\nReichtum bringt unsern Sinnen der Ymz,\nbadet sie neu in neuen Langem\nJunges Atmen kann er uns zeigen,\ndamit wir uns voll von Leben saugen,\nvoll Leben, das Heute und Gestern vereint.\nSieh das Dunkel vom hellen Himmel steige«,\nso wie vor vielen Jahren,\nals Pechfackeln die Nacht verneinte*.\nZaghaft steigt es vom Silbermond herab,\nwill in der Straßen enger Schnur\nauf das Asphakpflaster sich neige«.\nDoch es kommt bis zu den Dächern nur,\nund es weint\nstillen Nebel herab.\nLichtflüsse brechen aus den glatte«\nFensterscheiben der Läden und\nLichtflüsse von den elektrischen Bogenlampe«.\nAuf der Straße der Lichtstrom\nwölbt droben das Dunkel zu matten Bogen.\nWelch ein Dom\nmit Fliesen, Säulen, Wänden um! Rampen\naus Licht, und die Wölbung aus Dunkelheit.\nWas sind da die Tempel aus frühere* Zeit?\nUnserm Leib paßt nur unser Kleid.\nVor Leben zitternd\nschreiten die Gläubigen.\nBreit stehen die Lichtstrahlen.\nSie malen Boden und Menschen und Luit\nrff seltsamen Tdn^a;\nsie sangen Farbe ans dein» was sie seiötft uralte u.\nWeichen grauroten Drift,\nseil lagen erbarmungslos die hefte«*\nweißgelbeu Siräimen, deren Glanz mit Höhnen\nm den Pfützen prahlt\nWie ein iatres Bad,\natmen zarte, grüne Strahlen.\nRote Bänder wollen sich ihnen geseßen.\nDazwischen spieH alles in wirren, schönen\nTänzen, lila and blau und weiß,\nerika, braun, schwarz and grau.\nUnd durch die wagende Farbensebau\ndringt der Tonweilen Mallen.\nSchurren, Klappen und Trippeln von allen Ft&e«,\nTrappen der schnellen\nPferde und Automobrlgesumm,\nRattern der Räder, Dampfergrüßeo,\nSchlagen von Türen, Klippen von Stöcke«,\nder elektrischen Bahnen Singen und Gebrumm.\nUnd die Menschenstimme muß alles zusammen-\nschließen.\nEin Reden und Ratschen,\nMurmeln, Tuscheln, Seufzen und Hallen,\nLispeln und Rufen, Blöken,\nlautes Tadeln und leise« Klatschen,\nLachen, Zischeln und Stöhne«\nIn den Spielen und Küssen.\nUnd tber den Klang heben sich\nBahngeklingel und Peitschenknallen,\nAtJtöhnpen und Vorsichtrufe.\nIi dem Glanz- und Tonmeer gehn,\ntfie das Leben sind,\nDame und Dirne, Greis und Kind,\nMann und Mädei, Reich und Arm,\nSie alle erst machen den Schwärm,\nser neues Leben aus dem hellen\nLicht- und Klangstrom schöpft, sich badet in\nseine» Well»»\nDort aus den hohen, klaren Scheiben\nlacht das Licht ganz weiß,\nh* Laden dahinter Arbeit und Verdienen.\nIm Schaufenster entzückende Sachen zum\nSchreibe»,\nZartes und rauhes, weites und rosa Briefpapier *\nKünstlerpostkarten, Federhalter. Hier\nspielt vorm Fenster ein lustiges Treiben.\nVergessen des Lebens gramvolle Mienen.\nAlle wünschen hier etwas, laut oder iei&\nDie weißen und roten und lila Blusen,\nSchlipse in blau und grün und rosa,\nMäntel mit dunkeln und hellen Streife».\nManchmal ein bunter Offizier.\nSamtene Pelze über vollen Busen.\nfei dem weinroten Schein,\nder vor der Konfektion Hegt im Kreis,\nDamen und Kinder und Mädchen.\nEin Treffen und Trennen auf den Wegen,\nein von sich Weisen, ein Werben,\nWerden und Wachsen, Vergehen und Sterben,\nkühnes Ergreifen, zages Sinnen,\nVerzweifeln und Hoffen, ein Beten leis.\nAufwärtsrichten, Verderben,\nsich Finden und sich Entrinnen,\nvon sich Treiben und Pflegen,\nsich Stoßen, Berühren und Ausweichet*,\nsich Hassen oder die Hände reiche»,\nsich Sehnen, sich spüren,\nUnser Leben, du bist in dem Treiben\nvor den hohen, klaren Scheiben.\nVor der Straße der Fluß liegt schweigend.\nDie Lichtstreifen ruhen auf seinem Dunkel,\nschmiegen sich an jeden Atemzug.\nStill hört er jeden Ton aus dem Lärm, der mk\nvon ihm wächst in der Lichter GefunkeL\nSchweigend trinkt er, all was er schaut\nfoi seinen Tiefen.\nVon allen, die ihn riefen,\nmch so laut,\nfreinem Antwort je geschah»"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "767", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.5", "debut_caractere": 34, "fin_caractere_exclue": 2919, "texte": "ktrinem Klage je geschah\nJeder spürt nur und hört seinen Atemzug.\nWie mancher Verzweifelte trug\nseinen Kummer in die stillen Wasser.\nDas Dunkel wird drum nicht blasser.\nDoch rasche Dampfboote tragen\nLicht und Menschen und engen Ton,\nReden und Stampfen und Rufen und Rauschen\nüber ihn hin. Bald hört das Lauschen\nnur Stille. Alles ist entflohn.\nUnd ob das Lärmen der Strassen nah,\nDer Fluß liegt dunkel, voll Wissen, voll\nSchweigen da.\n. -»'4 V.- .\n. Äl'\nDer wogende Strom der Strassen,\nschwingend vor Leben und Licht und Klang,\nhört nicht des weichen Flusses dunkle Stille\nEr hört nur sich selber und seinen eigenen Gang.\nImmer wieder klingt in seinem Gesang\nder Ton von roter Liebe und von der blassen,\nvom Mann zum Weib der Wille,\nder die Jugend nie hat verlassen.\nDie Liebe, aus der fast alles\nStreben und Hoffen und Hassen\nempor sich rang.\nFlucht ihr nicht, sonst wird sie sich rächen.\nMächtig ist jeder, der ihr schwört.\nDer Streit, der eine Wonne stört,\ndie ganze Macht kann er nicht brechen.\nDem kniet in den Augen das Leben,\nder eines Mädchens Leib darf umfassen,\nder ihres Körpers seliges Beben\nspürt. Das schönste Glück darf er zechen.\nWarten und Finden und sich Grüßen\ndie Hand nur lassen, die Finger küssen,\neinen neben sich gehen wissen,\nden man durch seine Kraft sich errang,\noder der sich noch sträubt, sein Alles zu geben.\nZwei fremde Augenpaare\ntreffen sich und ein jedes spürt\nden Wunsch des andern. Ein Augenblick,\nin dem beide stocken wollen. Nur die Augen\nsind die Hülle\nfür alle Sinne. Sie springen beinah.\nIn dem Moment ist nichts Anderes da.\nSie geht weiter, er bleibt etwas zurück\nund prüft sie wie eine Ware,\nihre Linien, ihre Fülle.\n„Erlauben Sie, Fräulein?4' Sie blickt ihn be-\niahend an\nund kommt ihm mit ihrem Körper nah.\nMit den Augen umfaßt er sie.\nSie reden Worte und denken doch nur\nan ihren Leib. Sie treten in ein Caf6.\nUnd wer von den Andern sie sah,\nvergißt sie bald fiber eigner Lust und eignem Weh.\nDiese Welle, die urnschwillt\nvon fragendem Begehren\nzur verzehrenden Qier, zum Jubel im roten Blut,\nWenn alle andern Wünsche nur spaßen,\nsie ist die Wahrheit im wogenden Strom der\nStraßen.\nDort zerschneiden die Bänder lichtspeiender\nFenster\nSkr\nrechts und links Tore, die ins Dunkel klaffen.\nDie asphaltene Straße brückt über ein Fleet.\nGierig springen die Strahlen gegen die Nacht\nüberfallen sie wie Gespenster,\nwollen das Dunkel ganze an sich raffen.\nDoch fern der Straße ist all ihre Macht\nin zage, dünne Streifen verweht.\nZwischen grauen Wolken steht\nder Mond und webt auf dem Grau\nsich einen Schleier von zartem Blau.\nGanz lang über das Fleetwasser geht\nsein blauweißer Schein. Er streift\ndie Schuten, die wirr aneinander gedrängt schlafen.\nEr bleibt auch in dem verlorenen Licht,\ndas von der Brücke ins Dunkle bricht.\nEr stirbt erst im Drängen und Schaffen\nder Straße. Ihn töten die Gespenster\nder leben schenkenden, lichtspeienden Fenster."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "768", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 921, "texte": "Leben und Tod auch in dem Drängen,\nStoßen und Warten und Zur-Seite-Springen.\nHart bei einander Weinen und Singen.\nVerzagen und Kettensprengen,\nFrei-sein und Herrschen und Dienen.\nGlauben, Zweifeln, Fluchen, Beten,\nErfrieren und andre Versengen.\nVorwärts Stürmen, am Alten hängen,\nDie Schwangre neben einer, die ihr totes Kind\nbewein t.\nKaufleute, die von Geschäften reden,\nund Verliebte, die sich ihre Liebe sagen.\nMänner, die sich Unglück säten,\nKinder mit lachenden Mienen.\nGreise, die kühn es noch einmal wagen,\nüber den Rossen des Glücks die Geißel zu\nschwingen.\nKinder, die überall sich Unheil erspähten.\nAugen voll Lachen und Augen voll Verzagen.\nNeues Unglück und seliges Erinnern.\nSeliges Hoffen und alte Verzweiflung.\nStirnen, die wenig Liebe und großes Hassen tragen.\nSehnen nach Ruhe, nach Leben rohe Gier.\nUnd wer auch, an andere denkt in Haß, in Liebe\nfühlt nur für sich und meint\nsich und sich, sich selbst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-03-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-03_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-02-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "767", "page_fin": "767", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.2.7.1", "titre_corps": "Ludwig Kainer: Dekorative Studie", "titre_sommaire": "Ludwig Kainer: Dekorative Studie", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "767", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "Ludwig Kainer: Dekorative Studie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-03-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-03_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-02-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "768", "page_fin": "768", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.2.8", "titre_corps": "Die Literatur Karl Mays", "titre_sommaire": "Die Literatur Karl Mays", "signature_source": "Otto Soyka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "768", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.6", "debut_caractere": 1015, "fin_caractere_exclue": 8604, "texte": "Die Literatur Karl Mays\nVon Otto Soyka\nIn gewaltiger Menge bereitet Karl May die\nLiebfingskost seiner Leser, über deren Nährwert\ndie Ansichten geteilt sind. Der Karl May-Rornan\nist, mit dem Verstand und nicht mit den Nerven\naufgenommen, ein sehr einfaches Ding. Held ist\nder Schriftsteller selber. Er personifiziert die Ge-\nrechtigkeit, das Deutschtum und das Christentum,\nUmgeben ist er von einem kleinen Stab ebenso\nguter Menschen, deren Aufgabe darin besteht,\nDummheiten zu begehen, durch die der Held in\nkritische Situationen gerät. Ohne diese Situationen\nkönnte er seine Ueberlegenheit nicht in das rechte\nLicht setzen; auch der Abwechslung halber sind\nsie gut Der Held verfolgt nun durch zweitausend\nbis zehntausend Seiten die Spur eines Verbrechens\nentsetzlicher Art. Eingestandene Hilfsmittel sind\nihm dabei seine eminenten Verstandesgaben und\neine sportliche Tüchtigkeit im Reiten, Schwimmen,\nSchießen, die ihm ein respektables Einkommen\nsichern würde, wenn er sie europäischen Wett-\nkämpfen spielen ließe. Uneingestandene Hilfsmittel\nsind die unerklärlichen, besonderen Sympathien\nder Naturkräfte für seine Angelegenheiten. Er\nmerkt es nicht; aber Sonne, Erde und Ströme sind\nmit ihm im Bunde, richten ihre Funktionen nach\nseinen Bedürfnissen ein. Wüßte er es, so könnte\ner sich viel Mühe sparen, denn im schlimmsten\nFalle würden diese Bundesgenossen doch alles\nallein besorgen. Kein Hahn geht los, kein Stein-\nchen fällt, kein Zweig bricht, wenn seine Aktion\ndadurch gefährdet würde. Aber alle Elemente\nsind gegen seine Widersacher verschworen. Die\nSonne blendet sie, die Flußströmung hält sie auf.\nihre Waffen sind wertlos, und ihr Verstand unheil-\nbar schwach. Das könnte dem Helden fast ge-\nfährlich werden. Denn diese Leute haben auch\ndie Aufgabe, ihn vor allen drohenden Gefahren\nzu warnen. Sie müssen fortwährend von ihren\nMord- und Raubabsichten sprechen, damit er es\nrechtzeitig erlauschen kann. Wehe ihm, wenn sie\neinen Umstand vergessen, einen Weg falsch be-\nschreiben, einen Mordanschlag verschweigen. Er\nwäre rettungslos verloren. Aber diese wackeren\nBösewichte vergessen nichts. Der schriftstel-\nlernde Held braucht sich nur in der Laubkrone\neines Baumes zu verstecken, und kann sicher sein,\ndai die Gesuchten kommen werden, um dem\nDarüberstehenden ahnungslos alles zu erzählen,\nwas ihn interessiert Die Exaktheit ihrer Ge-\nspräche vergißt keine Personsbeschreibung eines\nMitschuldigen, kein eigenes oder fremdes Ge-\nheimnis. Der Bedrohte kann ruhig schlafen.\nEs sind im Durchschnitt zehn Hauptver-\nbrecher, die er verfolgt. Sie werden stückweise\nausgerottet und nach je zweihundert Seiten stirbt\neiner. Nach der letzten Seite hat richtig auch der\nletzte seine Strafe weg. Die Schwierigkeit liegt\nin der Konservierung dieses Hauptschurken bis\nzum Schluß. Bei seiner Mißliebigkeit im Natur-\nbereich, die ihn dem Hunger, der Ertrinkungs-\ngefahr, dem Ersticken aussetzt, bedarf es einer\neisernen Konstitution, um solange auszuhalten\nFerner ist es der Ueberlegenheit des Helden ganz\nunmöglich, nicht in jedem Kapitel einmal die ge-\nfährlichsten aller Feinde auf Gnade oder Ungnade\nin die Hand zu bekommen. Ihre ungeheuerlichen\nTaten und Pläne schreien nach Rache. Nichts\nkönnte ihr für die Erhaltung der Spannung so\nkostbares Leben retten, wenn nicht der Schrift-\nsteller im Christentum, wie er es versteht, ein\nWundermittel entdeckt hätte. Diese merkwürdige\nWeltanschauung, die sich hier mit viel Getön und\nsehr mit Unrecht christlich nennt, erlaubt es nur,\nden Gefangenen zu insultieren und ihm mehr oder\nweniger schwere Körperverletzungen zuzufügen.\nDann gibt man ihn seiner Schurkenlaufbahn zu-\nrück. Die Hinrichtungen werden zum Schluß von\nder braven Natur vollzogen. Felsblöcke, reißende\nFlüsse, scheuende Pferde, wilde Tiere besorgen sie\nprompt und kostenlos. Der Verbrauch an diesen\nist kolossal. Der Held befleckt seine Hände nicht.\nEr verschont den Feind. Die Schale seines Zor-\nnes ist als Tropfenfläschchen konstruiert, in dem\nein Begriff von Nächstenliebe und Güte als Ver-\nschluß fungiert. Du sollst einen Hauptbösewicht\nin deinem Roman nicht töten . . .\nGesichert ist das Leben des Helden durch\nmanch rührenden Zug seiner Gegner. So besitzen\nalle die Leutchen, ob gelb, ob rot, ob weiß (si§\nvariieren nur in der äußeren Farbe, nicht in der\nSchwärze ihrer Seelen), eine naive Lust und\nFreude an phantastischen Todesarten, Qualen und\nKämpfen, zu denen sie ihre Gefangenen heran-\nziehen. Denn dank der eigenen Güte und frem-\nder Dummheit gerät auch der Held in Gefangen-\nschaft, und die sieht bei den moralischen Quali-\ntäten der Gegenseite meist recht bedrohlich aus.\nHier erkennt man, wie der Schein trügt. Bei aller\nNiedertracht dieser Herren Verbrecher kommen\nihre Gefangenen immer viel besser weg, als jene\nArmen, die das Unglück haben, in die Hände der\nGerechten zu fallen. Sie, die Bösen, schimpfen\nhöchstens, schlagen nicht einmal, beschränken\nsich überhaupt auf ein Minimum ehrenrühriger oder\nschmerzlicher Handlungen, während es auf der\nSeite der Güte an Roheitsakten nie fehlt. Die\nSchurken drohen nur. Nach der dritten Wieder-\nholung solcher Gefangennahmen weiß man aber,\nwas man davon zu halten hat, glaubt ihnen nicht\n■\nmehr und ist von ihrer Menschenfreundlichkeit\ninnerlich fest überzeugt. Sie töten nur Neben-\npersonen. Für anteilnehmende Leute ist ihr Vor-\ngehen geradezu aufreizend. Wie oft möchte man\ndie Drohungen der Bösewichte unterbrechen: „So\nbringt den Kerl doch endlich um! Nach fünf Seiten\nist er frei und belästigt euch in seiner zudringlichen\nWeise weiter!\" Es wäre vergeblich. Sie lernen\ndas nicht nach fünfzig Romanen von vielen tau-\nsend Seiten.\nWas bedeutet aber eine solche Erzählung für\nden Leser, der willig auf Verstandskritik verzich-\ntet hat? Ein Spaziergang in der besten der Wei-\nten, ein Aufenthalt im Schlaraffenland befriedigter\nGefühle und Gefühlchen. Die gute Sache siegt\ndie Sympathie wird befriedigt, das Mütchen ge-\nkühlt. Zahllose angenehme Empfindungen drängen\neinander, überstürzen sich, machen sich den Rang\nstreitig. Es wäre wirklich unbescheiden, mehr zt}\nfordern. Das bißchen Wahrscheinlichkeitskredit,\ndas der Leser freiwillig eingeräumt hat, trägt ihm\nreichlich Zinsen. Störend bleibt vielleicht allein\ndie Selbstgefälligkeit des Autors, das Wohlbe-\nhagen, mit dem er sich in seiner Prachtrolle be-\nspiegelt. Dafür ist das auch jene Rolle, in die\nsich der Leser hineinzudenken hat; die einzige\nihm anpaßbare Rolle, die eines europäisch gebilde-\nten, christlich denkenden, deutschen Mannes. Sie\nist das einladende, bequeme Lager, auf dem man\nsich nur niederzulassen braucht, um sich den\nopiumartigen Genüssen der Spannungslektüre hin-\nzugeben. Je besser die Rolle, desto höflicher ist\ndiese Zumutung an den Leser.\nSoll man einen modernen Kreuzzug etwa in\nder Form der Antialkoholbewegung gegen diese\nArt Literatur predigen? Der Schriftsteller er-\nzielte mit ganz geringen Mitteln den stärksten Er-\nfolg. Er hat, was von wenigen Größen der Lite-\nratur widerspruchslos zugegeben werden kann,\ndie Summe angenehmer Empfindungen bei seinen\nZeitgenossen wirklich und fühlbar vergrößert.\nEiner widerstandsfähigen geistigen Konstitution ist\ndabei kaum ein merkbarer Schaden zugefügt wor-\nden. Nur allzu bildsame und unkritische Geister\nlaufen Gefahr, einer Literaturvergiftung zu unter-\nliegen, deren Krankheitsbild sich in Vergrößerung\nvon Geschmack und Urteil zeigt. Das Gift ist\nmit Maß genossen unschädlich und für viele sehr\nschmackhaft. 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Potsdamerstrasse 19.\nNeu auegesteilte Gem&lde:\nAd. Bock\nP. Hoeniger\nH. Licht\nM. Liebermaan\nE. Liebermann\nA. Liedtke\nA. Moller\nR. Poeschmann\nJ, F. Raffaelli\nB. Seelos\nF. Thau'oi\nAlice Trubaer\nM Uth\nMoritz Veit\nu. a.\nCoilectionen von H, de Marandat-Paris\nund Hughes Stanton-Loadon\nII\nasgssifi&igssas\nQRAPHISCHES KABINBTT|\nBuch- u. Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN Wl5, Kurfurstendamm 33 ::\nStandige Ausstellung\nmoderner Oraphik\nIm Eckhanse, gegeniber der Se-\ncession, Elngang Grolmannatraße\nEINTRITT FREI\nlllnstricrt. Katalog u. 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L. KIRCHNER: Holzschnitt / LUDWIG KAINER: Dekorative Studie\n\nE L Kirchner: originalnoisschnits"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "764", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.2", "texte": "Die guten Freunde der\nKunst\nDie Schillerstiftuag\nMan regt sich jetzt allerseits über die Schiller-\nstiftung auf. Der von Fritz Engel entdeckte Dich-\nter Hans Kyser hat bekanntlich mit ihm und einigen\nanderen literarisch unmöglichen Leuten eine Kleist-\nstiftung „ins Leben gerufen.\" Während die Schil-\nlerstiftung solchen Schriftstellern helfen soll, die\n„bereits für die Nationalliteratur verdienstlich ge-\nwirkt haben\", soll die Kleiststiftung der Jugend „die\ngraue Farbe des Hungers auf Gesichtern, die blühen\nsollten, und die Falten des Kummers auf Stirnen,\ndie noch nicht gefurcht sein durften\", entfernen\nHerr Kyser untersuchte die Geschichte der deut-\nschen Schillerstiftung, um nachzuforschen, welche\nSchriftsteller für die Nationalliteratur bereits ver-,\ndienstlich gewirkt hatten, und denen infolgedessen\ngeholfen werden konnte. Zur Ueberraschung des\nPublikums stellte sich heraus, daß im wesentlichen\nnur sehr alten Tanten männlichen Geschlechts\nStiftungsgelder bewilligt worden waren. Herr\nOskar Blumenthal, Herr Julius Rodenberg und\nHerr Anton Bettelheim protestierten. Sie fanden\ndie Tanten durchaus einer materiellen Beschen-\nkung würdig. Was diese drei Herren für ver-\ndienstliche Nationalliteratur halten, braucht nicht\ndiskutiert zu werden. Sie werden bestimmt glau-\nben, auch ein Recht auf Preise der Schillerstiftung\nzu haben, wenn sie es nötig hätten. Sie hatten es\nzum Glück für die Schillerstiftung nicht nötig. So\nblieb ihr wenigstens diese Blamage erspart\nSonst aber schmiß sie vergnügt und ahnungslos\nmit den Geldern herum. Ein Dichter wie Peter\nHille konnte noch im vorigen Jahrzehnt zu Berlin\nverhungern, ein Dichter wie Paul Scheerbart\nmußte in derselben Zeit die schwersten Existenz-\nkämpfe führen. Von Anderen garnicht zu reden\nHerr Oskar Blumenthal wird die Genannten nicht\nfür Dichter halten. Was nützen die Millionen, wenn\ndas verwaltende und beratende Komitee stets aus\nahnungslosen Dilettanten zusammengesetzt wird.\nSogar Herr Fritz Engel protestiert „gegen die\nUnterstützung öder Reimer\". Mit welchem Recht?\nHerr Fritz Engel wird sicher zu dem Hauptkomitee\nder Kleiststiftung gehören, die der Jugend so liebe-\nvoll die Falten aus der sorgenvollen Stirn streichen\nwill. Herr Fritz Engel hält die Herren Ludwig\nFulda, Hermann Sudermann, Felix Philippi noch\nheute für Dichter. Herr Fritz Engel „begrüßt\"\nnoch heute in Albert Traeger den „Altmeister\ndeutscher Reimkunst\", Herr Fritz Engel verspottet\nin seiner bekannten witzlosen Weise in dem ebenso\nwitzlosen Ulk junge Lyriker von Begabung. Und\nderselbe Herr Fritz Engel protestiert gegen öde\nReimer, veröffentlicht in dem gleichfalls unterstell-\nten Zeitgeist öde Reimereien und wird zugleich\ndurch die Kleiststiftung die Jugend „fördern\". Alle\nWelt will sich jetzt modernisieren. Also auch\nHerr Fritz Engel. Er tritt deshalb für den von ihm\nentdeckten und von ihm maßlos überschätzten\nHerrn Kyser ein, nicht zu sehr, man hat doch seine\ntraditionellen Beziehungen, und Herr Fritz Engel\nfindet, „daß man den bittern Kern der Wahrheit\nhinter der rauhen Schale empfinden muß, mit der\nKyser sie umkleidet.\" Da möchte ich auch dabei\ngewesen sein, wie Herr Kyser die rauhe Schale\nmit den bittern Kern der Wahrheit umkleidet hat.\nSchließlich will's die Sache, daß mant poetisch\nwird. Die Jugend, sagt Herr Fritz Engel, hat wie-\nder einmal mit ungestümer Gebärde an das epheu-\numsponnene Haus der Aelteren gepocht. Das Altef\ndarf ihr ruhig auftun, sagt Herr Fritz Engel, ohne\nsich etwas zu vergeben. Wenn aber die pochende\nJugend, die gefördert werden soll, auch nichts\nkann, so ist es wirklich höchst gleichgültig, ob die\nAlmosen den alten oder den jungen Dilettanten\nzuerteilt werden. Was ist das für ein Quatsch,\nden sich Herr Fritz Engel und seine Stiftungs-\nBrüder unter „moderner\" Kunst vorstellen? Es\ngibt Kunst oder keine. Der Dreck, von heute ist\nnicht besser als der von vorgestern. Vielleicht\nriecht er mehr, sodaß ihn selbst ältere geruchs-\ngeschwächte Personen empfinden. Solange Leute\nkritisieren, redigieren und verwalten, die zur\nKunst nicht das geringste innere Verhältnis tiaben,\nkönnen die alten und jungen Tanten beruhigt sein\nDie Schäfchen werden sich schon ins Trockene\nbringen. Dichter und Künstler werden weiter\nschaffen und unter Umständen sachlich verhungern,\nohne Schiller und mit Kleist. Nur die Nekrologe\nund den Dank des deutschen Volkes, insbesondere\ndie Anerkennung des Herrn Fritz Engel, verbitten\nsie sich entschieden, auch wenn sie schon vor\nhundert Jahren den Zeitgeist nicht gesegnet hätten,\nDie Kunststadt München\nMünchen hat durch seine Biere bei allen Al-\nkoholikern einen Weltruf erlangt. Die Stadt be-\nsitzt außerdem fünf Automobile, viele Straßen ohne\nMenschen und eine größere Anzahl Tauben, wo-\ndurch sich die Münchner ohne große Anstrengung\nnach Venedig versetzt glauben können. Außer-\ndem gibt es in München noch einige Kunst-\nsammlungen, die Hugo von Tschudi zum Ruhm der\nKunst zu beseitigen begann. Die Zeitungen sind\nim Generalanzeigerstil gehalten, und die Jugend\nwird durch Herrn Georg Hirth repräsentiert. Max\nHalbe, auch ein Dichter der Jugend, schiebt Ke-\ngeln, Franz Ritter von Stuck wohnt in einem\nPalais, und der Simplizissimus freut sich von\nNummer zu Nummer sanfter über alle diese guten\nDinge. In neuester Zeit werden auch Zeitschrif-\nten in München herausgegeben, die teils in Edel-\nanarchismus, teils in Literatur, Kultur und Kritik\nmachen. Ein derartiges Blatt nennt man in Mün-\nchen zum Beispiel Janus. Da: werden „Verse un-\nserer Jungen\" abgedruckt. Womit nicht die Kin-\nder der Kegelschieber, sondern die Primanerge-\ndichte münchener Studenten gemeint sind, Da\nwird jemand von dem Herausgeber der Zeitschrift\ngefeiert, „der schlicht und einfach redet. Und er\nfindet für das, was er erlebt hat, seinen persön-\nlichen Ausdruck. Hier ist einer, der nicht nur\neigen ist, sondern auch durch und durch gesund.\"\nSo schreibt man in München Kunstkritik. Eine\nProbe der durch und durch gesunden Verse mit\nErlebnis und persönlichem Ausdruck:\nSo jung und stark zu sein und niemals müd\nHei! wie das Blut mir in den Adern glüht\nWie mir die Brust sich spannt und\nhat nicht Raum\nIch bin wie im Wald ein junger saft-\nstrotzender Baum\nHei! wie gesund. Aber der Dichter kann noch\nviel mehr.\n„Auch dunklen Stimmungen vermag er Aus-\ndruck zu geben. Stunden, wo ihm sein gan z e 9\nSchaffen vergebens dünkt und ihn eine\ngroße Sehnsucht nach dem All erfaßt, sodaß er in\neiner Blume auferstehen möchte.\" Also nicht ein-\nmal mit dem saftstrotzenden Baum begnügt sich\nsein Allgefühl. Wenn er dunklen Stimmungen\nAusdruck gibt, wird er wie eine Blume, so hold,\nso schön, so rein. „Wagner ist lyrisches Voll-\nblut\", vergallopiert sich der Herausgeber des\nJanus:\n„Da wirst du weiter wandern mit Schrit-\nten leicht und frei,\nAls ob deiner Seele eine schwere Last\ngenommen sei.\"\nZ u gesund. Der Herr vom Janus findet,\ndie beiden (auch hier) angeführten Gedichte zei-\ngen, wie gut der Dichter die Form beherrscht\n„Bewahrt er sich seine gefühlstiefe Schlichtheit\nund geht er dem Artistentum aus dem Weg, dann\nwerden wir in wenigen Jahren ihn zu unseres\nbesten Lyrikern zählen könne1!,5' Schon beute!\nIch ernenne ihn zum Neumeister der edlen Reit-\nkunst. Möge ihm seine Gesundheit erhalten blei-\nben. Dann lobt der Herr vom Janus noch eine»\n„feinen Formkünstler4' und gibt „als Probe ffcr\nseine eigentliche Lyrik4' ein Gedicht. liier vier\nZeilen:\nFern am Strand der Vergessenheit\nLiegen die Boote eng gereiht.\nModern im Sande leck und leer,\nKeines fährt zurück übers Meer.\nEin feiner Formkünstler. Ja, in München\nhat man die Sache mit der Kunst raus. Und des-\nhalb veröffentlicht der Herr vom Janus einen\nWeckruf: Der Fall Hodler. „Ein Weck-\nruf an den künstlerischen Geschmack unserer\nZeit.\" Der künstlerische Geschmack unserer Zeit\nbraucht nicht erst gegen Ferdinand Hodler „ge-\nweckt\" zu werden. Daß der Pöbel über Hodler\nlacht, ist ebenso selbstverständlich, wie die Tat-\nsache, daß eine münchener Halbmonatsschrift fftr\nLiteratur, Kunst und Kritik von der Kunst Hod-\nlers in Anführungszeichen spricht. Der Herr vom\nJanus vernichtet nun Hodler „analytisch\". In de»\nFrühwerken Hodlers vermißt er die Seele, die\nFertigkeit in der Materialbehandlung und die\nFähigkeit zur Perspektive und zur tieferen Psy-\nchologie. Im Jahre 1884 „hat Hodler Fortschritte\ngemacht in der Psychologie. Er schwelgt in be-\nwußter Perspektivelosigkeit und bekommt seiac\nersten grotesken Ausbrüche.\" „Die neunziger\nJahre gestalten de n Hodler, den die Welt vor\nallem kennt, den wenige bejubeln und viele be-\nlächeln.\" Der Weinbauer aus dem Jahre 1890»\nsagt der Herr vom Janus, zeigt Psychologie,\nwenn auch keine Perspektive. Ein Glück, daß\nHodler im Jahre 1890 wenigstens die Psychologie\nerfaßt hatte. Perspektive kann man ja noch in\nMünchen lernen. Aber es ist zu spät. Im Jahre\n1897 bekommt Hodler den Knax. „Bis 1897, wo\nder Teil entsteht, ist diese Neigung fürs Dekora-\ntive bereits ins Pathologische und Perverse hinein\nentwickelt. Bezeichnend dafür ist das Gesicht des\nTeil und die Gummiknoten auf der Stirn. Oder\nhat ihn auf dem See eine Fliege gestochen?\"\nMan sollte den* Herrn vom Janus in ein Faß Hof-\nbräu stecken und ihn dort ersaufen lassen. Nicht\netwa, weil er Hodler nicht versteht, und Malerei\nunter der Perspektive der Psychologie sieht, son-\ndern weil ein solches Mensch die Frechheit be-\nsitzt, über Malerei zu schreiben. Und nicht nur\nzu schreiben, einen solchen Blödsinn zu schreiben,\nden ihm die Münchner Neuesten Nachrichten gern\ngegen sehr angemessenes Honorar abdrucken.\nNein, er muß eigens noch eine Zeitschrift heraus-\ngeben. Den Münchnern ist es doch schon so wie\nso viehisch wohl zu Mute, wenn mit Maßkrügea\ngegen die Kunst gebockt wird. Der Herr vom\nJanus sollte doch wenigstens sein ehrliches Bier-\njungentum bekennen und sich nicht jesuitisch als\nKunstredaktöhr maskieren. „Hat Herr Hodler\nschon jemals in seinem Leben einen hilflosen Kör-\nper schleppen sehen?\" Wenn Hodler es noch\nnicht gesehen hat, sollte er nach München zu dem\nHerrn vom Janus gehen, denn etwas Geistloseres\nist nicht wieder aufzutreiben. Und nun resümiert\ndas Mensch: Hodler leide am künstlerischen Irr-\nsinn. „Schauderhafte Körper mit eckigen Beines\nund sechszehigen Füßen. Es ist möglich, daS\nHodler durch die verschnürten, fast rippenlosea\nOberkörper gegen das enge Tragen der Korsetts\nprotestieren will ... Und dann die Farben. Aus\nwelchen Mißtönen der Palette dies alles geschaf-\n... - ■ ' \" • • . * .-*\nTen Wird,' fet erstaunlich\". Die Körper, werden tot\nund grün gegeben, was dann die patina- und\norangefarbenen Brüste und Schenkel ermöglicht.\"\nSoll man sich mit solch einer Bierseele ernsthaft\neinlassen? Sollte man ihm den Körper nicht rot"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "765", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.3", "texte": "und grün schlagen und ihm orangefarbene Schen-\nkel „ermöglichen44? Auf daß dieses Mensch ein-\nsehe, daß Natur keine Kunst und Kunst keine\nNatur ist? Ohne die geringste Ahnung vom\nWesen der Kunst überhaupt zu besitzen, wagt\ndieses Mensch nicht nur, ein Phänomen wie Hod-\nier mit seinem üblen Bieratem anzublasen. Er\nbesitzt auch noch die Frechheit zu behaupten, daß\n„Leute, die geflissentlich Hodler als einen Großen\npreisen, selbst Betrogene oder kulturelle Betrüger\nsind.\" Er besitzt ferner sogar die Frechheit, sich\nauf den Berner Bundesrichter als Zeugen zu be-\nrufen, dessen blöde dilettantische Ausführungen ich\nbereits im Sturm zurückwies. Und nun zum\nSchluJß wird das Mensch noch pathetisch: „W i r\nprotestieren gegen ihn aus unserem guten Ge-\nschmack heraus, protestieren im Namen der künst-\n»\nlerischen Vernunft. Wi r verzichten auf soge-\nnannte künstlerische Befruchtungen (gleich In-\nfektionen) von perversen, weil impotenten, mit\nanderen Worten also kranken Geistern.\" Dieser\nHerr vom Janas hat nur ei n Gesicht. Man sollte\nihm Ricinus geben, was gut gegen Verstopfung ist.\nMan muß endlich einmal die Vornehmheit gegen\nProleten aufgeben. Und selbst die Kleinstadt\nMünchen liegt nicht weit genug entfernt, um\nHunde nicht zu treten, wenn sie auch nur Re-\nzensenten sind.\nTrust\n\nArbeiterkolonie\nPaul Zech\nWie eine Insel ganz an der Küste\nschwimmt die kleine Kolonie.\nNahe der äußeren Peripherie\ndröhn dunkel die Schachtgerüste.\nSchmale Straßen blinken silbermetallen\nund die Häuser, kalk über graut,\nsind alle nach einem Plan gebaut\nund aneinandergereiht wie Korallen.\nWie etwas Weithergeschwemmtes ruht\nDer Gartenklecks vor den Fensterfronten\nmit den Rosen, den blaß versonnten.\nUnd wie ein Reicher, der viele Vermögen vertut,\nreißen die dünnen Fontänen\ndas arme Wasser in tausend Strähnen\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lask er-Sehüler\n* Lieber Herwarth, liebes Kurtchen, ich habe\nteieine beiden Ringe verschenkt; es tut mir so leid,\naber ich habe mir einen großen, braunen Käfer aus\nQlas in Messing fassen lassen; er sitzt auf meinem\nMittelfinger wie auf einem kahien Herbstast und\nsehnt sich nach Sommer und Sonne, nach Blüten\nund Silberblättern und wahrscheinlich nach einem\nGlühwürmchen.\nHerwarth, wir sind nur auf dem Wege, das\nLeben ist nur Weg, hat keine Ankunft, denn es\nkommt nicht woher. Wohin soll man da? Immer\nin sich Zuflucht nehmen! Darum sind ja die Men-\nschen so arm, ihre Herzen sind Asyle, sie fühlen\nsich sicher in ihren geselligen Heimstätten. Wohin\nsoll man da? Mein Herz ist zerfallen; o, diese\nEinsamkeit zwischen gebrochenen Säulen!\nDa ein luxuriöses Herz — und wenn es aus Mar-\nmor ist?\nMeine Lieben, ich bin sehr neugierig geworden;\nich beginne mich zu fragen, ob ich intellektuell bin\noder stumpf? * Manchmal denk ich was, das geht\nüber meine Grenzen; über Eure Horizonte habe ich\nwohl lange schon gedacht. Aber wo komme ich\nhin, wenn ich über meinen Mauern und Zäunen\nhänge, wo sich noch nicht Land vom Meer ge-\ntrennt hat? Wer wird mir Schöpfer sein!! Werde\nich meinen Schöpfer lieben oder ihn anbeten in\nEhrfurcht?\nWenn ich ernstlich krank bin, dann hole ich\nkeinen Arzt, Herwarth, aber einen Astronomen, je-\ndenfalls einen Sterndeuter oder einen Fakir, meinet-\nwegen einen Gaukler. Eher stellt „der\" fest, wie\nweit mein Sternbild Corpus von dem Sternbild\nPsyche entfernt ist, als der anerkannteste Pro-\nfessor.\nHerwarth, ich habe meine medizinische Arbeit\ngedichtet (nicht geschrieben), ;darum werde (ich\nwohl den Doktorhut bekommen, aber ihn nur Car-s\nneval aufsetzen dürfen.\nLieber Herwarth, ich habe im Berliner Tage-\nblatt einen Ruf nach dem Simplizissimusmaler Lud-\nwig Kainer und seiner Frau, der Malerin, ergehen\nlassen. Beide sind plötzlich verschwunden. Ich»\nhänge aber eingeschlossen einigemale in ihrer Wohl\nnung. Wie es mir gehn mag, meinen verschieden\naufgefaßten Ichs?\nKurtchen, steht Gefängnis auf Schweinehund?\nOder Geldstrafe? Oder verjährt nach zwei Jahren\nein Schimpfwort, wie zum Beispiel Sch.weinehund?\nIch habe vor zwei Jahren mal jemand so genannt;\nich möchte endlich von der Kette los.\nIch muß manchmal an die Schwärmerin denken\nvom Sylvester im Caf6 des Westens. Sie kniete\nvor mir (eine mir höchst unsympathische StellungX\naber sie kniete im Blut, denn der Wein inselte\nunseren Tisch. Ich trug mein Kriegsgewand und\nalle meine Dolche, und nie war ich so vornehm\nder Prinz von Theben, wie an der Grenze zwischen\nAlt und Neujahr. Ich habe der Schwärmerin\nversprochen, nicht mehr Platt zu sprechen in mei-\nner norwegischen Korrespondenz; liegt auch im\nGrunde nur Brüderschaft in der ollen Omgangs-\nsprake twischen Pitter Boom on mek.\n\nTempel und Paläste\nBabylonische Hofnovellette\nvon Paul Scheerbart\nin seinein Purpursaal saß der König Nabuku-\ndurussur auf einem breiten Diwan und hielt nach-\ndenklich einen silbernen Zirkel in der rechten\nHand. Braune Bärenfelle bedeckten den Diwan.\nAus hellblau glasierten Ziegeln bestand der Fuß-\nboden. Und purpurrot gefärbte Leinwand hing in\nvielen Falten an den Wänden. Auf großen Holz-\ntischen standen viele kleine Baumodelle mit Ter-\nrassenanlagen und Türmen, Gartenhäusern und\nT reppenarrangements.\nAn den Wänden vor den Purpurfalten standen\ndie Baumeister des Königs, den die Griechen Ne-\nbukadnezar nannten. In seiniem großen Palaste\nzu Babylon wurde der schlanke König immer kurz-\nweg Nabukudu genannt.\nNabukudu trug hellbraunen Kaftan, aber der\nwar mit hellblauen, breiten Streifen kreuz und\nquer besetzt. Goldene Armspangen mit Smarag-\nden saßen an Handgelenken und am Oberarm,\ndreifache Halskette mit zierlich gearbeiteten Rin-\ngen, kleinen Löwen und geflügelten Sonnen und\nmit vielen schwarzen und hellroten Perlen, die\nsehr unregelmäßig geformt waren, hing auf der\nBrust, — dazu Sandalen aus rotem Leder — und\nhellbraune Haut — und langen Vollbart, der spitz\nzuging — mit spiralig gekräuselten Schnecken —\ndie auch im Haupthaar waren — besonders an den\nSeiten — über den Ohren.\nUnd blitzende, pechschwarze Augen hatte der\nKönig und eine ganz feine, schmale Nase — leicht\ngekrümmt Die Nasenflügel bebten sehr oft, denn\nder König war sehr leicht erregbar — und voll\nhastiger, rascher Bewegungen, so daß der Kaftan\noft hin- und herflog. Dazu blitzten die Augen\nimmer wieder nach andrer Seite und setzten jetzt\nauch die Baumeister in Erregung.\nAuf sprang plötzlich der König und rannte zum\ngrößten Holztisch und zeigte mit dem filbernen Zir-\nkel auf Terrassenanlagen und sagte dazu hastig:\n„Hier am Ufer des Euphrat will ich, daß das\nTerrain in Terrassen heruntersteigt. Auf den Ter-\nrassen spiegelglatte glasierte Ziegel — farbige.\nIn der Mitte, wo die Terrassen höher sind, hell-\ngrüne Ziegel — so wie Chrysolith müssen sie aus-\nsehen — ich will Proben sehen. Geflügelte\nSphynxe in Hellbraun und Weiß an den Seiten.\nKein Baum und kein Straucfi und auch keine Blu-\nmen -— nur Architektur. Mein Palast soll vom\nWasser aus prächtig wirken. Alabasterstufen na-\ntürlich tiberall. Auf den dicht am Wasser liegen-\nden Terrassen will ich ganz bunte Muster haben\n— bunt glasierte Ziegel auch da. Schafft Zeich-\nnungen dazu auf Papyrus. Die Balustraden der\nTerrassen ganz niedrig, damit von jeder Barke\naus mehrere Terrassen zu überschauen sind. Hier\nauf diesem Hiigel will ich ein kleines Gartenhaus\nhaben aus Miskau- und Tapranholz. Nach außen\nzu lauter Fenster mit geschnitzten Schlangen —\ndahinter dichtes Drahtgitter. Auf dem Dach die\ngeflügelte Sonne groß und breit in Gold. Die\nFlügel roter und grüner Glasschmelz. Model! an-\nfertigen. Unten am Hügel neben der Treppe alt-\nbabylonische Flügelsphinxe in Lapislazuli. Dieser\nkann in Stücken verwandt werden -— über einem\nEisengestell — oder auch über einem Tonmodell.\nGenau nach den Vorlagen, die wir von dem Pa-\nlaste des Königs Assuruasirabal haben — mit fünf\nFüßen, damit Vorder- und Seitenansicht da ist.\nAuf dem Hügel zwischen geschorenem Rasen\nStreifen von roten Tulpen, die oben schmaler, wie\nStrahlen nach oben gehen. Ihr habt mich wohl\nverstanden? Jetzt geht und bringt mir bald die\nModelle. Ich bin sehr ungeduldig. Ich will jetzt\nins Freie.\"\nEr winkte mit der Hand und rief ganz laut:\n„Sänfte!\"\nDie Baumeister in schwarzem Kaftan, auf dem\nhellgrüne Tuchstreifen aufgenäht waren, warfen\nsich auf den Boden und berührten mit der Stirn\ndie hellblau glasierten Fliesen.\nZehn Eunuchen kamen mit der Sänfte, der\nKönig warf seinen silbernen Zirkel auf seinen\nBärenpelz-Diwan und sprang in die Sänfte. Und\ndie Eunuchen trugen die Sänfte mit raschen\nSchritten hinaus. Und draußen ging's treppauf\nund treppab über viele Terrassen und Dachgärten\nhinweg — dem großen Strome zu.\nUnd als der Euphrat breit und groß sichtbar\nwurde, rief der König:\n„Ah! Ah! Halt!\"\nUnd er sprang aus der Sänfte raus und sprang\nmit hastigen Schritten einem Säulengange zu* der\nganz hoch in einer Ebene grade zum Strome hin-\nführte.\nAm Ende des Säulenganges war eine breite\nBalustrade, vor der warf sich der König nieder\nund berührte dreimal mit der Stirn den Alabaster-\nboden, Dann hob er die Hände hoch empor,\nblickte lange in das große, breite, blaue Wasser»\nin dem sich der blaue Himmel spiegelte, und\nflüsterte dann:\n„Marduk, Gewaltiger! Ninip, Lichtgott! Ich\ndanke Euch, daß Ihr mir die Kraft gabt, Euch\nTempel zu bauen. Damit hat doch mein L#ben"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "766", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.4", "texte": "einen Zweck. Feh bin doch nur König von Baby-\nkm, um Euch Tempel zu bauen und mir Paläste.\nPaläste und Tempel — Tempel uncU Paläste — die\nfüllen mein Leben aus, und niemals soll es anders\nwerden. Ich danke Euch, Götterl Ich danke auch\nden anderen Göttern. Gebt mir lange noch die\nKraft, zu bauen — und abermals zu bauen — und\nEure Tempel zu schmücken mit den herrlichsten\nKleinodien der Welt — mit Gold und Silber, Pur-\npur und Edelsteinen — mit Alabasterstufen und\nfarbigen glasierten Ziegeln — mit Götterbildern\ntmd Weihrauchbecken — mit köstlichen bunten\nLampen und auch mit weisen Priestern, die mehr\nvom großen Leben begriffen haben als die blinde\nMenge.\"\nEr lag noch lange auf den Knien — der grofe\nKönig Nabukudurusur, den die Griechen den grö-\nlen Nebukadnezar nannten. Er regierte erst drei\nJahre über Babylon und das große Königreich.\nAls der Nabukudu langsam durch den Säulen-\ngang zurückging, kam ein alter Sklave, der erste\nHausdiener des Königs, warf sich auch auf den\nBoden und berührte dreimal mit der Stirn die\nAlabasterfliesen und sagte sehen:\n„Die Feldherren, die Siegreichen, sind aus Sy-\nrien gekommen und wollen von ihren Siegen be-\nrichten.\"\n„Laß sie,\" sagte der König mit gerunzelter\nStirn, „auf Tontafeln ihre Berichte einkritzeln.\nDie Tontafeln können dann meiner Bibliothek ein-\nverleibt werden — dürfen aber nur in der Lap-\nfalienkammer aufgestellt werden.\"\nDer Diener berührte wieder dreimal mit der\nStirn die Alabasterfiiesen und ging rasch ab.\nDer König ließ sich darauf in seiner Sänfte\ni» seinen großen Modellpalast tragen, allwo auck\nalle Bauzylinder und die Tontafeln gebrannt wur-\nden. Immer stieg qualmender Rauch aus den\nbreiten Schornsteintüren des Brennofens, der Sick\niicht über dem Dache des Palastes befand.\nIm großen Perlmuttersaal sprang oer\nwieder aus seiner Sänfte und rief hastig:\n„Was gibt's neues?\"\n„Ein Bauzylinder,\" sagte ein Sklave, „ist für\nifen Tempel von Ezida bei Borsippa — soeben\nfertig geschrieben worden. Der Ton ist noch\nwarrn.\"\n„Was steht darauf?\" fragte Nabukudu.\nDa las der Sklave, was darauf stand.\nEs stand auf dem Bauzylinder, der wie ei«\nkleines Tönnchen aussah, das der erhabene Nabu-\nkudurusur die Syrier in zwanzig Schlachten über-\nwunden, ihre Frauen, Kinder und Sklaven, Pferde\nund Kamele fortgeschleppt, ihre Städte einge-\näschert und ihre Felder verwüstet habe.\nDer König hörte den Text ganz ruhig bis zu\nEnde; Baumeister arbeiteten an den Holztische»\nmit Zirkeln und Winkelmaß. Aber es war ganz\nstill im großen Perlmuttersaal.\nDa sagte der König:\n„Gib mir mal den Quark her.\"\nDer Sklave reichte den Bauzylinder auf den\nKnieen.\nDer König nahm den Bauzylinder, srpang auf\nund warf das Stück Ton mit solcher Heftigkeit\ngegen die eine Perlmutterwand, daß Perlmutter-\nStücke und Tonstücke durch den ganzen Saal\nSprangen.\nDie Baumeister hielten erschrocken in ihrer\nArbeit inne.\nDer König aber rief mit rasender Wut-\nstimme :\n„Totpeitschen sollte man Euch! Was ist das!\nIhr wagt es, von meinen Siegen zu sprechen?\nIhr Hunde! Ihr wagt es, mir eine Tätigkeit anzu-\ndichten, die meiner gar nicht würdig ist? Habt\nIhr keine Vorstellung von dem, was eine Majestät\nist? Glaubt ihr, die wäre dazu da, Syrer zu be-\nsiegen? Ihr Hunde! Nein! Und abermals nein!\nIch verbitte mir diese Siegesberichte — sie sind\nbeleidigend für mich. Bei Todesstrafe verbiete ich\neuch für die Folge jedes Wort über Kriegslappa-\nIfen. Von meinen Tempeln und Palästen habt ftr\nin allen Bauzytindern und auf den Denkmäler« zu\nsprechen — aber nie mehr ein Wort über Kriegs-\nlappalien! Glaubt ihr, ich bin König nur, um euch\nzu regieren und für euch durch Kriegstaten z»\nsorgen? Nein — was ich tue — tue ich für die\nhehren Götter — für die Tempel und Paläste. Dfe\nentstünden ia nie, wenn ich nicht König wäre.\nIhr arbeitet doch nur freiwillig, wenn ihr Hunger\nund Durst habt — oder wenn ihr Weiber haben\nwollt. Aus meinen Augen, du Hund! Ich bi« nur\nKönig, um Tempel und Paläste bauen zu können\n— zu etwas anderem bin ich wahrlich zu groß. \"\nDer Sklave, der den Bauzylinder überreicht\nhatte, schritt eiligst rückwärts tretend* zur Tür,\ndie Baumeister warfen sich auf den Fußboden?.\nUnd Nabukudu ließ sich in seiner Sänfte hinauf-\ntragen — ganz dicht am Ufer des Euphrat setzte\nsich der König auf eine Holzbank. Die Sonne\nging unter, in buntesten Farben flackerte der\nEuphrat.\n„Man hat mich,\" flüsterte Nabukudu, „belei-\ndigt. Klägliche Hunde haben mich beleidigt fefe\naber will's vergessen. Wenn nur die G&tter gwi\nm mir sind.\"\n\nHamburg\nGrossstadtabend\nVon Günther Mürr\n\nFarteetznag\n\nNicht\nalte Zeiten zurück sich sehnen,\nZukunftsseligkeiten sich träume»,\nFahren in Postkutschen schöner wähae»,\nals Hinsausen im Automobil\nLeben nur ist des Lebens Ziel.\nDenen läßt's» die vor Schwäche gähne«.\nDoch ihr, denen Kraft beglänzt das Gesicht,\ndie sich strahlend im Heute dehnen,\ndie sich im Kampf vor Freude bäume«,\ndenen Wirklichkeit ist Lebenslicht:\nDie Faust dem Leben ins Gesicht,\ngibt's euch sich nicht gutwillig.\nDas Heute hat auch seinen seltsame» Glanz.\nOft schließt seine Helle unsere staunenden Augea\nSeine Tage reißen im Reigeir\ndes Gesterns stille, schöne Natur\nund unsre rasche und laute Kultur.\nReichtum bringt unsern Sinnen der Ymz,\nbadet sie neu in neuen Langem\nJunges Atmen kann er uns zeigen,\ndamit wir uns voll von Leben saugen,\nvoll Leben, das Heute und Gestern vereint.\nSieh das Dunkel vom hellen Himmel steige«,\nso wie vor vielen Jahren,\nals Pechfackeln die Nacht verneinte*.\nZaghaft steigt es vom Silbermond herab,\nwill in der Straßen enger Schnur\nauf das Asphakpflaster sich neige«.\nDoch es kommt bis zu den Dächern nur,\nund es weint\nstillen Nebel herab.\nLichtflüsse brechen aus den glatte«\nFensterscheiben der Läden und\nLichtflüsse von den elektrischen Bogenlampe«.\nAuf der Straße der Lichtstrom\nwölbt droben das Dunkel zu matten Bogen.\nWelch ein Dom\nmit Fliesen, Säulen, Wänden um! Rampen\naus Licht, und die Wölbung aus Dunkelheit.\nWas sind da die Tempel aus frühere* Zeit?\nUnserm Leib paßt nur unser Kleid.\nVor Leben zitternd\nschreiten die Gläubigen.\nBreit stehen die Lichtstrahlen.\nSie malen Boden und Menschen und Luit\nrff seltsamen Tdn^a;\nsie sangen Farbe ans dein» was sie seiötft uralte u.\nWeichen grauroten Drift,\nseil lagen erbarmungslos die hefte«*\nweißgelbeu Siräimen, deren Glanz mit Höhnen\nm den Pfützen prahlt\nWie ein iatres Bad,\natmen zarte, grüne Strahlen.\nRote Bänder wollen sich ihnen geseßen.\nDazwischen spieH alles in wirren, schönen\nTänzen, lila and blau und weiß,\nerika, braun, schwarz and grau.\nUnd durch die wagende Farbensebau\ndringt der Tonweilen Mallen.\nSchurren, Klappen und Trippeln von allen Ft&e«,\nTrappen der schnellen\nPferde und Automobrlgesumm,\nRattern der Räder, Dampfergrüßeo,\nSchlagen von Türen, Klippen von Stöcke«,\nder elektrischen Bahnen Singen und Gebrumm.\nUnd die Menschenstimme muß alles zusammen-\nschließen.\nEin Reden und Ratschen,\nMurmeln, Tuscheln, Seufzen und Hallen,\nLispeln und Rufen, Blöken,\nlautes Tadeln und leise« Klatschen,\nLachen, Zischeln und Stöhne«\nIn den Spielen und Küssen.\nUnd tber den Klang heben sich\nBahngeklingel und Peitschenknallen,\nAtJtöhnpen und Vorsichtrufe.\nIi dem Glanz- und Tonmeer gehn,\ntfie das Leben sind,\nDame und Dirne, Greis und Kind,\nMann und Mädei, Reich und Arm,\nSie alle erst machen den Schwärm,\nser neues Leben aus dem hellen\nLicht- und Klangstrom schöpft, sich badet in\nseine» Well»»\nDort aus den hohen, klaren Scheiben\nlacht das Licht ganz weiß,\nh* Laden dahinter Arbeit und Verdienen.\nIm Schaufenster entzückende Sachen zum\nSchreibe»,\nZartes und rauhes, weites und rosa Briefpapier *\nKünstlerpostkarten, Federhalter. Hier\nspielt vorm Fenster ein lustiges Treiben.\nVergessen des Lebens gramvolle Mienen.\nAlle wünschen hier etwas, laut oder iei&\nDie weißen und roten und lila Blusen,\nSchlipse in blau und grün und rosa,\nMäntel mit dunkeln und hellen Streife».\nManchmal ein bunter Offizier.\nSamtene Pelze über vollen Busen.\nfei dem weinroten Schein,\nder vor der Konfektion Hegt im Kreis,\nDamen und Kinder und Mädchen.\nEin Treffen und Trennen auf den Wegen,\nein von sich Weisen, ein Werben,\nWerden und Wachsen, Vergehen und Sterben,\nkühnes Ergreifen, zages Sinnen,\nVerzweifeln und Hoffen, ein Beten leis.\nAufwärtsrichten, Verderben,\nsich Finden und sich Entrinnen,\nvon sich Treiben und Pflegen,\nsich Stoßen, Berühren und Ausweichet*,\nsich Hassen oder die Hände reiche»,\nsich Sehnen, sich spüren,\nUnser Leben, du bist in dem Treiben\nvor den hohen, klaren Scheiben.\nVor der Straße der Fluß liegt schweigend.\nDie Lichtstreifen ruhen auf seinem Dunkel,\nschmiegen sich an jeden Atemzug.\nStill hört er jeden Ton aus dem Lärm, der mk\nvon ihm wächst in der Lichter GefunkeL\nSchweigend trinkt er, all was er schaut\nfoi seinen Tiefen.\nVon allen, die ihn riefen,\nmch so laut,\nfreinem Antwort je geschah»"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "767", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.5", "texte": "Ludwig Kainer: Dekorative Studie\n\nktrinem Klage je geschah\nJeder spürt nur und hört seinen Atemzug.\nWie mancher Verzweifelte trug\nseinen Kummer in die stillen Wasser.\nDas Dunkel wird drum nicht blasser.\nDoch rasche Dampfboote tragen\nLicht und Menschen und engen Ton,\nReden und Stampfen und Rufen und Rauschen\nüber ihn hin. Bald hört das Lauschen\nnur Stille. Alles ist entflohn.\nUnd ob das Lärmen der Strassen nah,\nDer Fluß liegt dunkel, voll Wissen, voll\nSchweigen da.\n. -»'4 V.- .\n. Äl'\nDer wogende Strom der Strassen,\nschwingend vor Leben und Licht und Klang,\nhört nicht des weichen Flusses dunkle Stille\nEr hört nur sich selber und seinen eigenen Gang.\nImmer wieder klingt in seinem Gesang\nder Ton von roter Liebe und von der blassen,\nvom Mann zum Weib der Wille,\nder die Jugend nie hat verlassen.\nDie Liebe, aus der fast alles\nStreben und Hoffen und Hassen\nempor sich rang.\nFlucht ihr nicht, sonst wird sie sich rächen.\nMächtig ist jeder, der ihr schwört.\nDer Streit, der eine Wonne stört,\ndie ganze Macht kann er nicht brechen.\nDem kniet in den Augen das Leben,\nder eines Mädchens Leib darf umfassen,\nder ihres Körpers seliges Beben\nspürt. Das schönste Glück darf er zechen.\nWarten und Finden und sich Grüßen\ndie Hand nur lassen, die Finger küssen,\neinen neben sich gehen wissen,\nden man durch seine Kraft sich errang,\noder der sich noch sträubt, sein Alles zu geben.\nZwei fremde Augenpaare\ntreffen sich und ein jedes spürt\nden Wunsch des andern. Ein Augenblick,\nin dem beide stocken wollen. Nur die Augen\nsind die Hülle\nfür alle Sinne. Sie springen beinah.\nIn dem Moment ist nichts Anderes da.\nSie geht weiter, er bleibt etwas zurück\nund prüft sie wie eine Ware,\nihre Linien, ihre Fülle.\n„Erlauben Sie, Fräulein?4' Sie blickt ihn be-\niahend an\nund kommt ihm mit ihrem Körper nah.\nMit den Augen umfaßt er sie.\nSie reden Worte und denken doch nur\nan ihren Leib. Sie treten in ein Caf6.\nUnd wer von den Andern sie sah,\nvergißt sie bald fiber eigner Lust und eignem Weh.\nDiese Welle, die urnschwillt\nvon fragendem Begehren\nzur verzehrenden Qier, zum Jubel im roten Blut,\nWenn alle andern Wünsche nur spaßen,\nsie ist die Wahrheit im wogenden Strom der\nStraßen.\nDort zerschneiden die Bänder lichtspeiender\nFenster\nSkr\nrechts und links Tore, die ins Dunkel klaffen.\nDie asphaltene Straße brückt über ein Fleet.\nGierig springen die Strahlen gegen die Nacht\nüberfallen sie wie Gespenster,\nwollen das Dunkel ganze an sich raffen.\nDoch fern der Straße ist all ihre Macht\nin zage, dünne Streifen verweht.\nZwischen grauen Wolken steht\nder Mond und webt auf dem Grau\nsich einen Schleier von zartem Blau.\nGanz lang über das Fleetwasser geht\nsein blauweißer Schein. Er streift\ndie Schuten, die wirr aneinander gedrängt schlafen.\nEr bleibt auch in dem verlorenen Licht,\ndas von der Brücke ins Dunkle bricht.\nEr stirbt erst im Drängen und Schaffen\nder Straße. Ihn töten die Gespenster\nder leben schenkenden, lichtspeienden Fenster."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "768", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.6", "texte": "Leben und Tod auch in dem Drängen,\nStoßen und Warten und Zur-Seite-Springen.\nHart bei einander Weinen und Singen.\nVerzagen und Kettensprengen,\nFrei-sein und Herrschen und Dienen.\nGlauben, Zweifeln, Fluchen, Beten,\nErfrieren und andre Versengen.\nVorwärts Stürmen, am Alten hängen,\nDie Schwangre neben einer, die ihr totes Kind\nbewein t.\nKaufleute, die von Geschäften reden,\nund Verliebte, die sich ihre Liebe sagen.\nMänner, die sich Unglück säten,\nKinder mit lachenden Mienen.\nGreise, die kühn es noch einmal wagen,\nüber den Rossen des Glücks die Geißel zu\nschwingen.\nKinder, die überall sich Unheil erspähten.\nAugen voll Lachen und Augen voll Verzagen.\nNeues Unglück und seliges Erinnern.\nSeliges Hoffen und alte Verzweiflung.\nStirnen, die wenig Liebe und großes Hassen tragen.\nSehnen nach Ruhe, nach Leben rohe Gier.\nUnd wer auch, an andere denkt in Haß, in Liebe\nfühlt nur für sich und meint\nsich und sich, sich selbst.\n\nFortsetzung folgt.\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nDie Literatur Karl Mays\nVon Otto Soyka\nIn gewaltiger Menge bereitet Karl May die\nLiebfingskost seiner Leser, über deren Nährwert\ndie Ansichten geteilt sind. Der Karl May-Rornan\nist, mit dem Verstand und nicht mit den Nerven\naufgenommen, ein sehr einfaches Ding. Held ist\nder Schriftsteller selber. Er personifiziert die Ge-\nrechtigkeit, das Deutschtum und das Christentum,\nUmgeben ist er von einem kleinen Stab ebenso\nguter Menschen, deren Aufgabe darin besteht,\nDummheiten zu begehen, durch die der Held in\nkritische Situationen gerät. Ohne diese Situationen\nkönnte er seine Ueberlegenheit nicht in das rechte\nLicht setzen; auch der Abwechslung halber sind\nsie gut Der Held verfolgt nun durch zweitausend\nbis zehntausend Seiten die Spur eines Verbrechens\nentsetzlicher Art. Eingestandene Hilfsmittel sind\nihm dabei seine eminenten Verstandesgaben und\neine sportliche Tüchtigkeit im Reiten, Schwimmen,\nSchießen, die ihm ein respektables Einkommen\nsichern würde, wenn er sie europäischen Wett-\nkämpfen spielen ließe. Uneingestandene Hilfsmittel\nsind die unerklärlichen, besonderen Sympathien\nder Naturkräfte für seine Angelegenheiten. Er\nmerkt es nicht; aber Sonne, Erde und Ströme sind\nmit ihm im Bunde, richten ihre Funktionen nach\nseinen Bedürfnissen ein. Wüßte er es, so könnte\ner sich viel Mühe sparen, denn im schlimmsten\nFalle würden diese Bundesgenossen doch alles\nallein besorgen. Kein Hahn geht los, kein Stein-\nchen fällt, kein Zweig bricht, wenn seine Aktion\ndadurch gefährdet würde. Aber alle Elemente\nsind gegen seine Widersacher verschworen. Die\nSonne blendet sie, die Flußströmung hält sie auf.\nihre Waffen sind wertlos, und ihr Verstand unheil-\nbar schwach. Das könnte dem Helden fast ge-\nfährlich werden. Denn diese Leute haben auch\ndie Aufgabe, ihn vor allen drohenden Gefahren\nzu warnen. Sie müssen fortwährend von ihren\nMord- und Raubabsichten sprechen, damit er es\nrechtzeitig erlauschen kann. Wehe ihm, wenn sie\neinen Umstand vergessen, einen Weg falsch be-\nschreiben, einen Mordanschlag verschweigen. Er\nwäre rettungslos verloren. Aber diese wackeren\nBösewichte vergessen nichts. Der schriftstel-\nlernde Held braucht sich nur in der Laubkrone\neines Baumes zu verstecken, und kann sicher sein,\ndai die Gesuchten kommen werden, um dem\nDarüberstehenden ahnungslos alles zu erzählen,\nwas ihn interessiert Die Exaktheit ihrer Ge-\nspräche vergißt keine Personsbeschreibung eines\nMitschuldigen, kein eigenes oder fremdes Ge-\nheimnis. Der Bedrohte kann ruhig schlafen.\nEs sind im Durchschnitt zehn Hauptver-\nbrecher, die er verfolgt. Sie werden stückweise\nausgerottet und nach je zweihundert Seiten stirbt\neiner. Nach der letzten Seite hat richtig auch der\nletzte seine Strafe weg. Die Schwierigkeit liegt\nin der Konservierung dieses Hauptschurken bis\nzum Schluß. Bei seiner Mißliebigkeit im Natur-\nbereich, die ihn dem Hunger, der Ertrinkungs-\ngefahr, dem Ersticken aussetzt, bedarf es einer\neisernen Konstitution, um solange auszuhalten\nFerner ist es der Ueberlegenheit des Helden ganz\nunmöglich, nicht in jedem Kapitel einmal die ge-\nfährlichsten aller Feinde auf Gnade oder Ungnade\nin die Hand zu bekommen. Ihre ungeheuerlichen\nTaten und Pläne schreien nach Rache. Nichts\nkönnte ihr für die Erhaltung der Spannung so\nkostbares Leben retten, wenn nicht der Schrift-\nsteller im Christentum, wie er es versteht, ein\nWundermittel entdeckt hätte. Diese merkwürdige\nWeltanschauung, die sich hier mit viel Getön und\nsehr mit Unrecht christlich nennt, erlaubt es nur,\nden Gefangenen zu insultieren und ihm mehr oder\nweniger schwere Körperverletzungen zuzufügen.\nDann gibt man ihn seiner Schurkenlaufbahn zu-\nrück. Die Hinrichtungen werden zum Schluß von\nder braven Natur vollzogen. Felsblöcke, reißende\nFlüsse, scheuende Pferde, wilde Tiere besorgen sie\nprompt und kostenlos. Der Verbrauch an diesen\nist kolossal. Der Held befleckt seine Hände nicht.\nEr verschont den Feind. Die Schale seines Zor-\nnes ist als Tropfenfläschchen konstruiert, in dem\nein Begriff von Nächstenliebe und Güte als Ver-\nschluß fungiert. Du sollst einen Hauptbösewicht\nin deinem Roman nicht töten . . .\nGesichert ist das Leben des Helden durch\nmanch rührenden Zug seiner Gegner. So besitzen\nalle die Leutchen, ob gelb, ob rot, ob weiß (si§\nvariieren nur in der äußeren Farbe, nicht in der\nSchwärze ihrer Seelen), eine naive Lust und\nFreude an phantastischen Todesarten, Qualen und\nKämpfen, zu denen sie ihre Gefangenen heran-\nziehen. Denn dank der eigenen Güte und frem-\nder Dummheit gerät auch der Held in Gefangen-\nschaft, und die sieht bei den moralischen Quali-\ntäten der Gegenseite meist recht bedrohlich aus.\nHier erkennt man, wie der Schein trügt. Bei aller\nNiedertracht dieser Herren Verbrecher kommen\nihre Gefangenen immer viel besser weg, als jene\nArmen, die das Unglück haben, in die Hände der\nGerechten zu fallen. Sie, die Bösen, schimpfen\nhöchstens, schlagen nicht einmal, beschränken\nsich überhaupt auf ein Minimum ehrenrühriger oder\nschmerzlicher Handlungen, während es auf der\nSeite der Güte an Roheitsakten nie fehlt. Die\nSchurken drohen nur. Nach der dritten Wieder-\nholung solcher Gefangennahmen weiß man aber,\nwas man davon zu halten hat, glaubt ihnen nicht\n■\nmehr und ist von ihrer Menschenfreundlichkeit\ninnerlich fest überzeugt. Sie töten nur Neben-\npersonen. Für anteilnehmende Leute ist ihr Vor-\ngehen geradezu aufreizend. Wie oft möchte man\ndie Drohungen der Bösewichte unterbrechen: „So\nbringt den Kerl doch endlich um! Nach fünf Seiten\nist er frei und belästigt euch in seiner zudringlichen\nWeise weiter!\" Es wäre vergeblich. Sie lernen\ndas nicht nach fünfzig Romanen von vielen tau-\nsend Seiten.\nWas bedeutet aber eine solche Erzählung für\nden Leser, der willig auf Verstandskritik verzich-\ntet hat? Ein Spaziergang in der besten der Wei-\nten, ein Aufenthalt im Schlaraffenland befriedigter\nGefühle und Gefühlchen. Die gute Sache siegt\ndie Sympathie wird befriedigt, das Mütchen ge-\nkühlt. Zahllose angenehme Empfindungen drängen\neinander, überstürzen sich, machen sich den Rang\nstreitig. Es wäre wirklich unbescheiden, mehr zt}\nfordern. Das bißchen Wahrscheinlichkeitskredit,\ndas der Leser freiwillig eingeräumt hat, trägt ihm\nreichlich Zinsen. Störend bleibt vielleicht allein\ndie Selbstgefälligkeit des Autors, das Wohlbe-\nhagen, mit dem er sich in seiner Prachtrolle be-\nspiegelt. Dafür ist das auch jene Rolle, in die\nsich der Leser hineinzudenken hat; die einzige\nihm anpaßbare Rolle, die eines europäisch gebilde-\nten, christlich denkenden, deutschen Mannes. Sie\nist das einladende, bequeme Lager, auf dem man\nsich nur niederzulassen braucht, um sich den\nopiumartigen Genüssen der Spannungslektüre hin-\nzugeben. Je besser die Rolle, desto höflicher ist\ndiese Zumutung an den Leser.\nSoll man einen modernen Kreuzzug etwa in\nder Form der Antialkoholbewegung gegen diese\nArt Literatur predigen? Der Schriftsteller er-\nzielte mit ganz geringen Mitteln den stärksten Er-\nfolg. Er hat, was von wenigen Größen der Lite-\nratur widerspruchslos zugegeben werden kann,\ndie Summe angenehmer Empfindungen bei seinen\nZeitgenossen wirklich und fühlbar vergrößert.\nEiner widerstandsfähigen geistigen Konstitution ist\ndabei kaum ein merkbarer Schaden zugefügt wor-\nden. Nur allzu bildsame und unkritische Geister\nlaufen Gefahr, einer Literaturvergiftung zu unter-\nliegen, deren Krankheitsbild sich in Vergrößerung\nvon Geschmack und Urteil zeigt. Das Gift ist\nmit Maß genossen unschädlich und für viele sehr\nschmackhaft. Das Gute überwiegt also bei wei-\ntem. Der Schriftsteller verdient Dank, nicht als\nKünstler oder Erzieher, sondern als Schöpfer\neines eigenartigen Mittels zum Genuß.\n\nPreisrätsel\nMan hat auf verschiedene Dichter geraten. Die\nmeisten vermuteten, daß die zitierten Verse von\ndem alten Herrn Traeger im vollen Besitz seiner\njugendfrische geschrieben seien. Andere rieten\nauf Stettenheim in altersschwacher Stunde. An-\ndere auf den bewährten Rudolf Presber. Auch Lud-\nwig Fulda wurde viel genannt. Je eine Stimme er-\nhielten: Hugo von Hofmansthal (Jedermann), der\nTurnvater Jahn, eine hochgestellte Persönlichkeit,\nFürst Bülow, Theodor Körner (Aus dem Nachlaß),\nWilhelm Jensen, Hugo Salus, Theodor Suse, Mar-\ntin Greif, Generalmajor Keim.\nNiemand hat richtig geraten. Alle diese ge-\nnannten Dichter und verschiedene ungenannte ha-\nben einen neuen Kollegen erhalten. Der Verfasser\nder Verse heißt Hartkopf und ist Vorsitzender des\nKegelklub „Glück auf!\". Das Gedicht steht\nin der Vereinszeitung Nummer 4, Jahrgang 1912.\n\nNotiz\nWir verlegen am 1. Februar dieses Jahres Re-\ndaktion und Verlag der Wochenschrift Der Sturm\nvon Halensee nach Berlin W 9, Potsdamer Straöe\n18, eine Treppe. Fernsprech-Anschluß Amt Lüttow.\nWir bitten, von dieser Adressenänderung Kenntnis\nzu nefanefl.\nVerlag Der Sturm"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "769", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Haiensee / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nHIP I Mill sek 'W\" '*mr \"W\nFR« HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegrundet 1825\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Nail\n-• :rrrv xzt&mjrrTaßmmKaaamßßZXsmimr d\nReklameaogebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gevnusterten Cheviots mift 'Arm aiaufschlSaen 3250 Mi\ni IT .. WSMI^P\naus den modernsten Flauschstoffen mit Taschen 4550 M\nIVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, engUsch gemusterter Cheviot]\n32s® 45 Hi\nF.-ra _ ...\ntvm\nSchicke Passformen i BestelVerarbeitung i |\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstverelnigungen gegen Vorzeigung vonTLegHiraationskarten s%]Rabati\n\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzo-\nsische Original der T age-\nbiicher Flaubert s, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\n\n\\ \\ lima Park &\nAb 25. Januar: von\n..TrEumphaier\" a%^?Xluencr\n„Wintersportfest\"\nin Bee-chtesgaden\nVolksbelustfgungen, sonstige Attratlonen\nOrel Kapeilen n .\nmprsaa\nSKBSmZ&MBSB&Y.' I— 'HUM 11 ■ 111 11 li II\n\nIKUNSTLERISCHE RAUME\nT\nmmm\nif\nv\nMUGiO\n!912\nALBERT KOBLIN3KX\nBERUN-BRUCKENALLEE6\n\nk\nSn\nK\ntilL\nI\nW\nCafe-Restaurant\nOdeoiv\nBar\nCharlottenbur\nBism arcksteEcteNeue <j rolmmstr\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr von 8l/2- 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\n.7 Gutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nEROFFNET!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "770", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120203-01.1.8", "texte": "Drwtk v#« Carl Vtmm Be-rfla Sd, Z& Mvrtm23\n\nAusstellungen, Salons\nKunsthandlungen etc\n&\na\ni\nWM\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennig. Potsdamerstrasse 19.\nNeu auegesteilte Gem&lde:\nAd. Bock\nP. Hoeniger\nH. Licht\nM. Liebermaan\nE. Liebermann\nA. Liedtke\nA. Moller\nR. Poeschmann\nJ, F. Raffaelli\nB. Seelos\nF. Thau'oi\nAlice Trubaer\nM Uth\nMoritz Veit\nu. a.\nCoilectionen von H, de Marandat-Paris\nund Hughes Stanton-Loadon\nII\nasgssifi&igssas\nQRAPHISCHES KABINBTT|\nBuch- u. Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN Wl5, Kurfurstendamm 33 ::\nStandige Ausstellung\nmoderner Oraphik\nIm Eckhanse, gegeniber der Se-\ncession, Elngang Grolmannatraße\nEINTRITT FREI\nlllnstricrt. Katalog u. Proapckte gratis\nAnkauf gater Graphik\nu. illustrierter Bficker\nAtelier Hanni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Lulae Schmidt mid Haani Schwar*\n■ Berlin W 30 Hohenstaufenstrasse 44 111\nFernsprech-AnschluS: Amt LGtzow, 9110 Fahrstukl\nGedffnet: Wocbentags von £-6, Sonntags von 10-1 Ukr\nPhotographische Arbeiten jeder Art in\n- kiinstlerischer Ausfiihrung =====\n:: Aufnahmen in natiirlichen Farben ::\nSpezialit&t: Kinderaufnahmen und Aufnahmen\nim eigenen Heim .% Kurse fiir Ama^eure\nBAIT 7 fffllßP BERLIN W35\nIKI llt iIULrV Senthiner Sfrafje 42\nGegrflndet im Jahre 1878 Fernsprechet Amt VI 752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilartea\nKopicu von Rafamen nach alten Meistern in Original-Goldt6nunge«\nSimtliebe lergolderwaren Mobe 1 n , Innen - ArchiaktererT*lusv,\nKunst-Binrahsrmngen .\\ /.\nReparatureu und Neuvergoldungen aller Gegenstlnd?% Auf-\narbeitec all. Art. Antiken, Reinigenvon Gem§lden u, Stichen\nFRITZ MERKER «\njLMmin) hi —iui»»iwimia »i mi —hmwwiw iimmii inni I ——————»™— \"*\"* \" «!■■■—hi\nPASSEPARTOUTFABRIK:: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nAL L ZIEHEN VON ZEICHNUNGEN :: MODERNE BUCHEINBANDE\n- mRGAZIH\nFRITZ BERGmANr*\nSteglitz a Schutzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\n.. AreMtektar-Bucbbinderel\nBieMrisohe Liobtpams&Jißtalt mit Motorbetrleb\nPassapartont-Fabrlkation .. Bildereinrabmungr\nN\nGeorg Afltou.Berliii\nMiifkiistraftc\nVlelfach pr&miiert Gegr&ndet 1876\nlUsstfterter Preds-Katalag franko\nj? eritekea 112. Theater\nBA4 Stttttse sowie\nstatttcher\nMUa ta aatttrg-c-\n-mm\n\nLehranstalfen a Kurse\nMai- und Zeichenschule\nStilleben — Landschaft — PortrSt\nHek t orstrafie 17\nI am KurfurstenHamm\nMan Yerlsnge Pro&pekte ■~..\ni«-«^py^K«»^v^\"T,ffnfVßß»rTnrvr'r:*~\" —■—\nHoizsehnitzen, Modeilieren, Zeichnen\nTagiich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModellieien fair Architekten t&glich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbend&kt laglich 7 9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfurstendarnm 243 parterre gegenfiber dem Zoo\nBildhauer Harders Berhn-Charlottenburg\nJModelUeren und Zeicbnen\nDcrbereitung fur 6ic Hkabemie\nKarl Reynen-Dumont\nCbcrlottenburg\ntncifjige fjanoratf\n£cibni3-str. 3? Htelier\n$\nm\nHDIH-insTiTif\nLeiter: M. PECHSTEIN\nE. L. 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I\n\nVerlag\nmit elgeoer Druckerei Qberaifflmt\nsorgf&ltige Drucklegung voa belle-\ntristischen Work en and voa Bro-\nschuren jeder Art, sowie Verlag\nunci Vertrieb der hergeetelltea\nWerke mit iadividtieHer Props*\ngaada I Anfr&gea erbeteo uater\nP R Bxpedilioa Dex Sturm Halea*\nse«-Berlin / R&c&porto Ist Uefevi-\nffigea.\n\nHEsrail\nNoch nie dagewe-\nsener Lach«Erfolg!\nDos Kind\nder Flrma\nmit Anton und Donat Herrn-\nfeld in den Hauptrollen\nVorher:\nSelimerzlose\nBehandlnng\nAnf. 8 Uhr Vnrverk. 11—2 Uht\n:1\n\nWintergarten\nAm Bahahof\nFriedrichstrafie\nNenes Programm\no>ga Desmond\nZw6lf Debuts\n\ni\nVereliimr\nAchtes Jahr\nSiebenter Abend\nMitte Februiff\nabends 8 Uhr\n;; A r chit ektenhaus\nWilhelmstrasse 92/91\nKarten M. S, 3, 2, 1 be!\nA. Werthelm, Konzertkatse\nund feci Reuse vnd Pollack\n=3dL\nlag\ni(3s\n\nDie Facke\nHBRAUSGRBER\nKarl Kraut\nBtscheiot in «waog!#sef\nFolgfe\nNummer 341/342\nsoeb«n erscfeiencß\nPreis 30 Pfennig\nObbrall erhAltlich\naach auf den Sahs&d&a\nWerfe«&«a4 to fMNI\nat n*mis"}]}