{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_sha256": "5ec82ce86a3e43e5420a916731fc72abae0640d04c622f0dceabf98903e585dc", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/02/10_01/bmtnabg_1912-02-10_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/02/10_01/bmtnabg_1912-02-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.1", "debut_caractere": 519, "fin_caractere_exclue": 964, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Die Woche / Neues vom Tage / Lyrik des Tages / ARTHUR RIMBAUD: Ein unveröffentlichter Brief / RUDOLF BLÜMNER:\nErinnerung an Herman Bang / GÜNTHER MÜRR: Hamburg / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen / GEDICHT NACH\nDEM ARABISCHEN: D*r Verführer / RICHARs) FUCHS: Wien / SIURLAI: Russisches Ballett / J. 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Z. am Mittag\nKarl Rößler, der Autor der Fünf Frankfurter,\nerzählte einem Interviewer der W. T. 8., daß Ba-\nron Henry von Rothschild, der selbst\nschriftstellerisch tätig ist, nach dem\nBesuch der berliner Aufführung des Stückes, ge-\näußert habe, dieser Rößler ist der erste Mensch,\nder mit meiner Familie ein Geschäft ge-\nmacht hat, wobei er allein verdient.\nAus der B. Z. am Mittag\nKunstchronik. Der Landschaftsmaler\nAre n z in Düsseldorf feiert morgen seinen acht-\nzigsten Geburtstag. Er ist Schüler von Oswald\nAchenbach.\nAus dem Berliner Tageblatt\nGerhart Hauptmann über August Strindberg:\nQerhart Hauptmann hat auf eine Frage der Stock-\nholmer Abendzeitung seine Ansicht über August\nStrindberg ausgesprochen. „Der Dichter schreibt\nüber den großen Schweden: August Strindberg ist\nfür mich eine der markantesten Persönlichkeiten\nunserer Epoche . . . das germanische Geistes-\nleben wird stets mit ihm rechnen.\"\nLyrik des Tages\n„Heinrich Schüler, einer der trefflichsten Ken-\nner Brasiliens, der ein viertel Jahrhundert lang\nseine Erfahrungen in diesem Lande selbst gesam-\nmelt hat, tritt nun mit einem gediegenen Werk\nvor uns hin.\" Der brasilianische Gesandte in\nBrüssel hat dem Buch „ein warmes Geleitwort ge-\nwidmet\". Dem Buchkritiker der B. Z. am Mittag\nwird es sofort infolgedessen ganz warm und echt\nums Herz: „Ja, bei der Schilderung des Mate oder\nParnatees weht uns die eigene Poesie der Campos\naus einem echt brasilianischen Liebesliede an, das\nfolgendermaßen lautet:\n„Dort, hinter jener Serra,\nIst 'ne höhere Serra noch,\nDort, da weilet ja mein Liebchen,\nDort, da weilet ja mein Schatz,\nChamarita, gut getanzet,\nSo ein Bursch mit einem Mädel,\nSchön'res gibt es überhaupt nicht,\nSag' die Welt auch, was sie wolle!\"\nAuch Brasilien scheint sich schon eine eigen-\nartige Lyrik zu leisten.\nEin Herr Wolff rühmt in der B. Z. am Mittag\ndie Uebertragung der Ballade aus dem Biwak von\nKipling. Sie stammt „von einem unserer form-\ngewandtesten Poeten, Marx Möller\". Man erfährt\nfolgendes über das Buch: Der englische Dichter\nzeigt sich in diesen Balladen von einem warmen,\nechten Patriotismus . . . das ganze ist getragen von\neinem prächtigen Rhythmus und einer eigenartigen\nKlangmelodie .... eine Poesie sui generis ist es\nja allerdings .... recht brutal zuweilen, voll Ver-\nlangen nach den grobsinnlichsten Genüssen des Le-\nbens, ohne aber doch ganz lyrischer Zartheit ent-\nkleidet zu werden. (Wenn die Leute bei Kipling\nwenigstens die Lyrik anbehalten, werden die grob-\nsinnlichsten Genüsse nicht zu brutal vor sich gehen.)\n.... Auch ein natürlich wenig diskreter Humor\nkommt in den Balladen zur Geltung.\nWie ein Dichter des Tags sich den Sturm\ndenkt:\nSturm, umbrause mein Haus!\nTreibe die Träume hinaus.\nDie Träume, die träge machen,\nIch will ihrer lachen!\nSturm, du duldest sie nicht,\nMachst alles klar und licht!\nIch brauche wohl nicht ausdrücklich zu erklä-\nren, daß diese Zeitschrift mit diesem Gedicht nichts\ngemein hat.\nKlara Blüthgen pflegt, wie sie mitteilt, folgendes\nzu antworten, wenn man sie um den Vortrag eines\nihrer „herrlichen Gedichte\" bittet: Ihre Gedichte\nseien sehr ernst und würden wohl schwerlich in\ndie Stimmung hineinpassen. „Aber man widerlegt\nmich liebenswürdig, daß eben diesen Gedichten eine\nsolche Wucht innewohne, daß sie die Stimmung\nschafften, der man sich — ach nur zu gern! — an-\npasse.\" Solche Bitten „schlagen der Dichterin im\nprivaten Kreise nach einem wunderbaren Diner\naus der behaglichen Naclitisclistimmung heraus, an\nihr Ohr.\" Dann ist es aber aus mit der Behaglich-\nkeit. Trust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "772", "page_fin": "772", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.4", "titre_corps": "Arthur Rimbaud : Ein unveröffentlicher Brief", "titre_sommaire": "Arthur Rimbaud : Ein unveröffentlicher Brief", "signature_source": "Übergang aus dem Französischen von Jean Jacques", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "772", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.2", "debut_caractere": 3726, "fin_caractere_exclue": 8543, "texte": "Arthur Rimbaud:\nEin unveröffentlicher Brief\nÜbergang aus dem Französischen von Jean Jacques\nCharleville, den 25. August 1870\nSehr geehrter Herr,\nSie sind glücklich, denn Sie wohnen nicht in\nCharleville!\nMeine Vaterstadt ist die idiotischste unter den\nkleinen Provinzstädten. Deswegen, sehen Sie,\nhabe ich keine Illusionen mehr. Weil sie neben\nMezi£res liegt, — einem Städtchen, das man nicht\nfindet — weil in ihren Straßen zwei- oder drei-\nhundert Infanteristen umherlaufen, gestikuliert\ndiese glückliche, philiströse Bevölkerung wie Rauf-\nbolde, ganz anders als die Belagerten von Metz\nund Straßburg! Sie sind schrecklich, diese pen-\nsionierten Grünkramhändler in Uniform. Es ist\ngroßartig, wie das Schneid hat, die Notare, die\nGlaser, die Steuereinnehmer, die Tischler und wie\nall diese Schmerbäuche vor den Toren Mezieres\nihren Senf dazugeben; mein Vaterland erhebt sich!\n. . . Lieber wäre mir, es bliebe sitzen; nur nicht\naufregen! Das ist mein Grundsatz.\nIch bin heimatlos, krank, wütend, dumm, vor\nden Kopf gestoßen. Ich träumte von Sonnen-\nbädern, von endlosen Spaziergängen, von Rahe,\nvon Reisen, von Bohemeleben, kurz: ich hoffte\nauf Zeitungen, auf Bücher .. . Nichts! Nichts!\nDie Buchhändler bekommen gar keine Bücher zu-\ngeschickt, Paris spottet schon recht über uns: kern\neinziges neues Buch! Das ist der Tod! So muß\nich imich, was Zeitungen anbetrifft, an den\n„Courner des Ardennes\" halten, dessen Besitzer,\nHerausgeber, Direktor, Chefredakteur und ein ein-\nziger Redakteur A. Pouillard ist! Diese Zeitung\nfaßt die Ziele, die Wünsche und die Ansichten der\nBevölkerung zusammen. Das ist eine eigene Note!\n. . . Nicht wahr? . . . Man ist verbannt in sei-\nnem Vaterland!!!\nGlücklicherweise habe ich ihr Zimmer — Sie\nerinnern sich doch der Erlaubnis, die Sie mir ge-\ngeben haben —. Ich habe die Hälfte Ihrer Bü-\ncher mitgenommen. Ich habe mir den Diable ä\nParis genommen. Sagen Sie mal: hat es jemals\netwas idiotischeres gegeben als Grandvilles Zeich-\nnungen? — Ich habe bostal Findien und Robe des\nNessus, zwei interessante Romane. Was soll ich\nIhnen sonst mitteilen? ... Ich habe alle Ihre\nBücher gelesen, alle. .Vor drei Tagen begann ich\nmit den Eprenols, dann mit den Glaueuses, — ja,\nich habe diesen Band noch einmal gelesen — das\nwar alles! . . . Mehr nicht; ihre Bibliothek,\nmeine letzte Rettung, war erschöpft! . . . Dann\nerwischte ich den Don Quichotte; gestern sah\nich mir zwei Stunden lang die Wälder Dore's an:\njetzt habe ich nichts mehr! — Ich sende Ihnen\nVerse; lesen Sie sie, morgens, bei Sonnenschein,\nwie ich es getan habe: Sie sind nicht mehr Leh-\nrer jetzt, hoffe ich! . . . —-\n.... [Dieser Teil ist zerrissen] .... Louis*\nSilfert kennen lernen wollte, als ich Ihnen ihre\nletzten Verse lieh; ich habe mir soeben Auszüge\naus ihrem ersten Gedichtband, Rayons perdus?\nvierte Auflage, verschafft. Ich habe da ein sehr\nschönes Gedicht; Marguerite:\nMoi j'etais ä Tecart, tenant sur mes genoux\nMa petite cousine aux grands yeux bleus si doux:\nC'est une ravissante enfant que Marguerite\nAvec ses cheveux blonds, si bouche si petite\nEt son teint transparent . . .\n©••«•••••*\nMarguerite est trop jeune. Oh! si c|etait ma filte,\nSi j'avais une enfant tete blonde et gentille,\nFragile creature en qui je revivrais,\nRose et candide avec de grands yeux indiscrets!\nDes larmes sourdent presque au bord\nde mes paupiere\nQuand je pense ä l'enfant qui me rendrait\nsi fiere,\nEt que je n'aurai pas, que je n'aurai jamais;\nCar ravenir, cruel en celui que j'aimais,\nDe cette enfant aussi vent que je desespere\n• •••«•* + * •\nJamais on ne dira de moi: c'est une\nEt jamais un enfant ne me dira: maman!\nC'en est fini pour moi du Celeste roman\nQue toute jeune ä mon äge imagine.\n• ••••••• * •\n— Ma vie ä dix-huit ans compte tout un passe.\n-— Das ist ebenso schön wie die Klagen der\nAntigone avvLMp}/ des Sophokles. — Ich habe die\nFetes galantes von Paul Verlaine. Es ist recht\nbizarr, recht possierlich; aber wirklich anbetungs-\nwürdig. Manchmal nimmt er sich große Frei-\nheiten, zum Beispiel:\nEt la tigresse epou / vantable d'Hycranie\nist ein Vers aus diesem Band. — Kaufen Sie sich,\nich rate es Ihnen, Bonne Chanson, einen kleinem\nGedichtband desselben Dichters: er ist soeben bei\nLemerre erschienen; ich habe ihn nicht gelesen;\nhier kommt nichts her; aber viele Zeitungen be-\nurteilen es sehr gut.\nAuf Wiedersehen, schicken Sie mir eine«\nfünfundzwanzig Seiten langen Brief — post-\nlagernd! — Recht bald!\nA. Rimbaud\nP. S. Bald Andeutungen über das Leben, das®\nich zh führen gedenke nach . . . den Ferien . . .\n[Adresse:]\nMonsieur G. Izambard\n29, rue de l'Abbaye des Pr6s\nDouai (Nord)\nIn Eile\n* * *\nVeröffentlicht mit Erlaubnis von Paterne Berri-\nchon und der Nouvelle Revue frangaise. 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Weil Herman Bang\nam 28. November 1907, abends zwischen acht und\nzehn Uhr in Herwarth Waldens Verein für Kunst\nWer die Heimatkunst so gar nicht fördert) eine\nneue Kunst schuf, die sich nicht gleich so ins Fach\nstellen ließ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "773", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2436, "texte": "Ich glaube, Barden und Rhapsoden konnten\nweniger. Denn dieser Herman Bang spielte vor\nMieinen Augen und Ohren einen Roman . . . Ver-\nzeihung, ich habe nicht recht gehört (wende ich\nmich zu einem Zünftigen neben mir), Sie sagten, er\nposiert? — Hm, wenn er posiert . . . wenn er\n.posiert . . . was heißt das, und was kümmert's\nmich? Hier wird eine Kunst für eine Kunst ent-\nfaltet. Haben Sie denn schon so erzählen hören?\nErst ein tastendes Konferieren mit dem kleinen\nUngeheuer auf den Sesseln da unten, einem klu-\ngen Ungeheuer, von dem nichts zu fürchten ist.\nDann erzählt der Dichter von dem Meister Claude\nZoret, der aus einer Bauernfamilie stammte und\nder erste war, der Genie bekam. Und der Dichter\nhat die Achtung vor dem Genie, daß er sich hoch\nvom Sessel erhebt: und so, die Arme erhoben, den\nBlick seitwärts, wie in hohe Weite gewandt, ju-\nbelt er vom Genie. Erst da die Ruhe wieder über\nihn gleitet, greift er zu den Armsesseln und, sich\nruhig niederlassend, erzählt er weiter vom großen\nMeister — (o, er muß ihn gut, sehr gut gekannt\nhaben, dieser Claude Zoret, das sehe ich immer\nwnd immer aus den Aufblitzen seines Auges, dem\nGreifen dieser unruhigen Hände) — erzählt die\nSzene in Prag, da Mikael sich zum ersten Mal\nClaude Zoret naht, er spielt abwechselnd den\nMeister und den Jünger — (ohne: ,sagte er', ohne:\n.sagte darauf der andere4). Ihm genügt ein Schritt\nzur Seite, eine schroffe Wendung nach hinten, ein\nDrehen des Kopfes, ein Zucken der Schulter. Und\nwieder reißt es ihn vom Sessel auf, da er von\nMikaeis Liebe zur Fürstin Zamikof .spricht . . .\nSuche das nicht im Roman nachzulesen: da fin-\ndest du es nicht. Es war ein Impromptu des Tem-\nperaments, oder meinetwegen auch des Artisten\n— gleichviel!\nit.K\nUnd endlich stellt Herman Bang Claude Zorets\nLeiden und Sterben dar und zwingt zur Bewun-\nderung sans phrase. Ich habe sie alle leibhaftig\ngesehen, die Aerzte und Diener, die Reporter und\nFreunde, die um des Meisters Sterbelager waren,\nich habe das marternde Klingeln des Telephons\ngehört und. den erlöschenden Blick des Meisters\nam Zeiger der Uhr gesehen, ich habe gehört, wie\nsein ,Lucia, Lucia, Lucia' in die Nacht des\nLouvre gerufen, und ich werde Charles Switts\nStimme nie vergessen, ein Steinwurf gegen die\ngeschlossenen Fenster: „Herr Mikael, der Meister\nist tot \"\nWir reden und schreiben, wir schreiben und\nreden . . .\nAber die Kunst bleibt voraussetzungslos.\nHerman Bang starb am ersten Februar 1912"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "773", "page_fin": "773", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.6", "titre_corps": "Hamburg : Feenteich", "titre_sommaire": "Hamburg : Feenteich", "signature_source": "Günther Mürr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "773", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.3", "debut_caractere": 2438, "fin_caractere_exclue": 4674, "texte": "Hamburg\nFeenteich\nVon Günther Mürr\nBlaue, frische, herbstbesonnte Tage.\nDas gute Wetter kommt also doch.\nAller Regen klingt uns jetzt wie Sage.\nDas Barometer steigt immer noch.\nDoppelt schön nach grauer Sommerplage.\nFreudig löse ich den braunen Nachen\nund treib ihn voll Träumen langsamen Schlags\ndurch des Wassers laues, leises Lachen,\ndie zitternde Luft des schönen Tags.\nWie die ganze Erde träumt im Wachen!\nGlühendes Blei, geschmolzene Bronze fließt\nunter den langen Wogenschatten,\nund das Blau, das der Himmel niedergießt,\nmuß in des Wassers Stumpfglanz ermatten.\nAlles ist ganz bläulich, was du siehst.\nUnter schattigem Steinb Jckenbogen\ngleitet mein Boot in ef len Teich.\nRings von dichtbebaun fen Gärten umzogen\nliegt er lautlos, ein Feenreich.\nAller Menschenlärm ist fortgezogen.\nNur die Blätter rascheln hier manchmal.\nDas Wasser liegt glatt, wie in Oel getaucht.\nSplitter von einem Sonnenstrahl\nhat atmend die Luft drüber hingehaucht\nVoll von Licht die Farben überall.\nDunkelgrüne Bilder hoher Bäume\nwiegen sich auf der blanken Flut,\nschleichen meinem Kahne nach wie Träume,\nfliehn, will ich fliehen in ihre Hut\nlautlos gleitend an des Ufers Säume.\nUnd das Wasser ist ganz bräunlich blau.\nEintönig klingt das Platschen und Tropfen\nunterm Ruderziehen. Jetzt wie Tau\nein einsamer Vogelruf. Scharfes Klopfen\nvon raschem Pullen. Ein junger Schwan,\nnoch grau.\nAus einem Kanal, der im Schatten vergeht,\nkommt ein schmales, braunrotes Indianerboot\nmit leisem Plätschern ins Helle geweht.\nDrei blonde Mädchenköpfe, auf denen die\nSonne lacht.\nJede Gekrönte auf einer Bank,\nam Bug, in der Mitte, am Steuerplatz.\nAn die Vorderste lehnt sich lang\nihr dunkellockiger Schatz.\nSie treiben langsam auf meinen Nachen zu,\ndurch der Bäume leise schwankende Grüne.\nMädchen- und Männerlachen schwimmt\ndurch die Ruh,\nund plötzlich singt eine: „Bon soir, ma-\ndame la lune.\"\nDas schmale Boot biegt in das Dunkel wieder\nund trägt mit fort des Lebens klares Lachen.\nVon neuem sinkt die blaue Stille nieder.\nVerzaubert dräng ich heimwärts meinen Nachen.\nHalb tönt noch in meinem Ohr das Singen.\nIch lasse mechanisch die Ruder gleiten.\nWie sie glitschernd durch den Spiegel\nziehen sie ganz fein zu beiden Seiten\nStreifen, drüber Sonnenstrahlen springen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "773", "page_fin": "774", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.7", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Schüler ; Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "773", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.3", "debut_caractere": 4707, "fin_caractere_exclue": 8801, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\n\nLieber Herwarth. Es hilft Dir nichts, ich sende\nDir diesen Brief solange, bis Du ihn im Sturm ver-\nöffentlichst. Ich glaube Dir schon, daß es Dir oft\nweh tut, Zeilen meines Herzens prägen zu lassen,\naber da ich mich nicht zu beherrschen gelernt habe,\nverlange ich es von anderen. Dir wurde es gewiß\nnicht leicht, Deine Löwen zu bändigen, Pudelhunde\ngehorchen eher; ich sagte Dir schon einmal, die\nwüsten Temperamente bellen oder jammern nur,\nmanche kläffen auch.\nMotto: Die Sonne bringt es an den Tag.\nBei mir, Herwarth, richtet die Sonne weniger\naus, aber in Kunstdingen kann ich nicht lügen.\nMeine Kunst bringt es an den Tag. Ich war nämlich\nin Jedermann oder heißt es Allerlei? Ich glaube,\nes heißt Allerlei für Jedermann oder Jedermann für\nAllerlei: Herein meine Herrschaften ins Riesenkas-\nperle, ins Berliner Hännesken! Ein evangelisch\nStück wird gespielt für die „getauften\" Juden, na-\nmentlich, sehr anschauend und erbaulich. Alle\ngetauften Juden waren in der evangelischen\nVorstellung - Schaustellung gewesen und waren\nerbaut namentlich von dem blonden\nGermaniaengel in Blau und Doppelkinn. Ich\ndachte sofort, nun ist Moissis - Jedermann ge-\nrettet!? Rechts ein Fleckchen, links ein\nFleckchen Mensch oder Engel an des Kasperle-\nwand und wie das Gewissen an zu heulen anfing:\nJedermann, hier Jedermann, dort Jedermann. Wo\nkam das her — ich denke aus den Ställen, Her-\nwarth. Nein, da wollen wir lieber auf die Kirmes\ngehen in Cöln am Rhein und ein Cölner Heinerken-\ntheater aufsuchen, von dort sollte Dichter Reinhard\ndie Naivität herholen, nicht sich welche anfertigen\nlassen von dem Hoffmannsthaler in Wiener Styl\noder übertünchen lassen, ein britisch-evangelisches\nMysterium, charakteristisches Gähnen mit noch ent-\nsetzlicheren, gelangweiltenP unechten Reimereien\neines „Verbesserers\". Denk mal an, wenn er\nsich auf Bildhauerei verlegt hätte, an der Skulp-\ntur geflickt hätte, und der Venus von Milo die\nbeiden Aermel angesetzt hätte!\nWas grub er doch alles Litterarische aus: Zu-\nerst den Oedipus von Sophokles und nährte ihn\nmit Wiener Blut; d!ie Elektra machte er zur dä~\nmonischen „Lehrerin\". Ihm gebrichts an Phan-\ntasie. Immer sagen dann die Leute, Herwarth,\nweiil sie stutzig werden: Ja, haben Sie denn noch\nnicht das Gedicht von ihm gelesen: Kinder mit\ngroßen Augen? — Ich habe sogar Tor und Tod\nund den Tod des Tizian von ihm gelesen; glän-\nzende Dichtungen allerdings aber in Granit\nGoethes oder Georges gehauen. Wenn Jeder-\nmann wüßte, was Jedermann wär usw\neine Blasphemie, eine Verhöhnung einer alten\nPietät, einer religiösen Verfassung. Das Leben\nund der Tod, die Sünde und die Strafe, Himmel\nund Hölle, alles wird zur Schaustellung herab-\ngewürdigt, wie die Elephanten und Araberpferde\nmit Bändern und Kinkerlitzchen geschmückt aller-\ndings nicht einmal wie hier den Kindern zur\nFreude, dem reichen sensationslustigen Publikum\nzur Erbauung, pfui Teufel, daß der Sekt besser\nmundet.\nEin paar Tage vor Weihnachten forderte Di-\nrektor Reinhardt mein Schauspiel die Wupper ein.\nSie liegt noch nicht zwei Monate in seinem Haus;\nmein Schauspiel hat Leben, meine Geschöpfe\nmöchten weiter leben. Nun wird metin Schau-\nspiel eine Geisel sein in Reinhardts Händen, er\nwird meine Dichtung ins Feuer werfen oder sie mir\nmit ein paar Phrasen seiner Sekretäre wiedersen-\nden lassen. Gleichviel, ich will keine Rührung\nnoch Sentimentalität aufkommen lassen, Her-\nwarth, ich muß meine Dichtung opfern der Wahr-\nheit, dem Ehrgeiz zum Trotz. Denke, der Prinz\nvon Theben wirft die letzte Fessel von sich.\nIch kann mich nur wieder erreichen, wenn ich seinem\nHerrn Direktor Reinhard die Wahrheit hier sage:\nDie Aufführung des Jedermann ist eine unkünstle-\nrische Tat, eine schmähliche — von ihm zumal;\ner gilt im Publikum für künstlerisch unfehlbar.\nWenn Dichter Reinhard Geld nötig hat, sollen seine\nSekretäre es rauben, die Kassenschränke kann\nman nicht unterbilden, aber Unkunst für Kunst den\nZuhörern einflößen, solche Geschenke sind Dieb-\nstähle.\nDraußen tobten die Sozialdemokraten, es war\nam Tag der Wahl — in mir stürmte eine stärkere"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "774", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 300, "texte": "Revolution, es fiel am Abend meine letzte Hoff-\nnung, die Aufführung meines Schauspiels unter der\nkünstlerischen Regie Reinhardts, die ich in so vie-\nlen Aufführungen bewunderte. Ich fordere mit\ndiesem Buch meine Nummer ein. Hat er sie schon\ngelesen? 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Und wenn dann\nDas Kind in seiner Angst zu weinen anhub,\nSo wendete die junge Mutter sich\ni\nMit ihres schönen Körpers oberer Hälfte\nWohl na.ch ihm hin. 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Ich erwache aus einer\nNacht voll Aufregungen. Steigende Talnebel ver-\nschleiern ein neues Land. Wir hatten Böhmen\numfahren und bewegten uns auf Wien zu. Mais,\nTabak und Weinfelder ziehen sich im Bogen.\nWeiche Laubwälder, satte frische, streifen fast un-\nsere Hand. Wir sind überrascht, daß wir schon\nhalten. Durch die Sonntagsstille folgen wir zum\nGottesdienst in den Dom.\ni\n/\nWelches Altertum von innerer Kirche! Das\nGrabesschweigen der Schönheit. Der Du, im Dun-\nkeln tastend, plötzlich erhellt wirst, — das Wort\nplötzlich ist Deiner falschen Seele zum Irrlicht ge-\nworden. Sinnliche Mittel sind auch die Anzeichen\nder Religion. Der aufklärende Gegensatz, der in\nsie hineingelegt wird, ist das Zersetzende für die\nKirche und den Staat. Es ist wohlfeil, sich gegen\ndas göttliche Dunkel zu wehren, um die moderne\nrationalistische Gotik einzuschmuggeln. Wenn so\nEiner in den Baustücken des siebzehnten und acht-\nzehnten Jahrhunderts die italienische Barockkunst\nsieht, so hat er gehört, daß sie technisch als guter\nStil gilt. Aber das Wissen um den Stil hebt\nschon das Original auf. Als das Gegenteil jeder\nAnsicht, wäre die Sache beinahe wahr. Die wahre\nKunstbegründung ist die Aufhebung jeder unsinn-\nlichen Begründung.\n>\nWien hat noch einige ältere Traditionen.\nPhysiognomie haben jene namenlosen Handels-\nhäuser, die wie eine gesittete Front von Bürger-\nwehren stehen. Des Abends erhöht sich noch\ndiese etwas hagestolze Düsternis klangloser\nReihen, wie die schmucklose Zeit, die, in Geschäft\nund in Geschmack geschlossen, ohne Außenkunst\nlebte. Sobald man Vergnügungssucht heucheln\nmußte, kamen die schlechten Zeiten. Im Interesse\nder Erhaltung ihres Vermögens mußten sich die\nStände vom Geschäft zurückziehen. Jetzt wohnen\ndie Fremden in Palästen, Nicht Zweckformen, son-\ndern Stilzwang sind die neuen offiziellen Gebäude.\nDadurch sind öffentliche Bauten überall ein Ver-\nkehrshindernis. Wann wird man uns in den Bei-\nblättern für Privatpersonen ihre Aufzählung er-\nsparen?\nGesetzt, daß die Seele Wiens, wie man sagt,\nin seinen verschwiegenen Gassen mit Balken,\nGängen und Brückchen läge, ist sie damit dieses\nledige Fachwerk? Auch hier gehen innere SBege\nbis zu mir. Diese Hütten, die, ehe sie die Bela-\ngerung der Anderen einschloß, auch einmal die\nSonne sahen, ernährt Paris mit seinem ungeheuren\nLeben noch viel mehr. Daß wir heute ihre Aerm-\nlichkeit bewundern, läßt uns falsches arrogantes\nMitleid hineinlegen. Da ist ein empfindliches\nGenie aus scheinbar kleiner Geburt. Aber in ihm\nkommt wieder einmal eine alte selbsttätige Fa-\nmilie zum Vorschein. Das Bescheidene ist also\nnicht seine Genialität, sondern es ist der Scherz\nAuswärtiger. Die angeborene Natur wurde einst\nim Glück begonnen und wird heute mit häuslicher\nSorge vollendet. Aus den diskreten Verhältnissen\nunserer Ueberlebender hat lärmende Unbedeutung\nromantische Idyllen gedichtet, die die Sensation\nder Banausie erregen. Sie pflanzen in den Zei-\ntungen den Aufschwung fort. Sie verwechseln\nGeistesmacht mit Geldimacht und wenden sich ab,\nwo sie Geist spüren.\ni\nDie ganze Stadt war früher so klein wie jetzt\nmancher Platz, den keine Verkehrsnotwendigkeit\ngeschaffen hat. Der Ring umschloß sie. Wo also\nheute die moderne Stadt beginnt, hörte die alte\nschon auf.\nFast jeder Reisende macht Wien lächerlich,\naber er hat das Wien des Reisenden erst in Mode\ngebracht. Dieses Vorbild spricht von Wiens an-\nbetenden Weibern, die den Mann verhätscheln,\nträumt noch im Bett von der kleinen Welt von\nMann und Frau, duzt aus gewohntem Wunsch\nnach der Aufwartung die Fesche, bei der das\nFleisch Kind geworden ist, dies ganz reale Wesen,\ndas halbe Manier geworden ist, und das dem\nglücklichen Mann ewig die Pubertätserscheinungen\nvormacht. Die wahre Welt des Weibes ist etwas\nImaginäres. Ein tüchtiges Weib, Deutsche oder\nsonstwoher, glaubt nicht mehr an die Männer,\nsondern behält die Freuden der Sinne für sich.\nDa es von neuem mit Regen droht, machen\nwir nur einen Ausflug auf den Kahlenberg. Unter-\nhalb alle literarischen Erfordernisse ewiger Ostern.\nBald verteilen sich die gemütlichen Paare. Oben\nschwebt die wasserdunstige Ebene der Stadt in\neinem Spiegel von Farben.\nWien liegt zu schön für eine Weltstadt.\nV\nDem einen wird in Wien zu viel, dem andern\nzu wenig gelebt. Nur der Handlungsreisende\nschien glücklich. Aber daß ein Notstand erst\ndurch Quacksalber erzeugt wird, zeigt Hermann\nBahr, wie eine Tarnung vor jeder Kultur. Recht\nkleinstädtisch ist dieser Typus, der durchaus etwas\ntun oder tun sehn will, damit in Oesterreich,\nBöhmen oder Deutschland etwas geschehe.\nAuf diese Art gehen die Menschheitsereignisse,\ndie nicht mit Taten berufener Männer zusammen-\nfallen, ihrer singulären Pracht verlustig. Der Haß\ngegen das Talent soll wienerisch sein. In der\nganzen Welt ist die Verbrüderung der Talente\naugenfällig und der Haß gegen das Genie. Karl\nKraus hat in Wien Naturgeschaffnes mit Gewis-\nsenskraft gestaltet. Als Jüngster, was beinah noch\nschwerer ist, vertritt er mit dem Aeltesten in Wien\nzugleich den Ruhm des Menschen, auf dem kein\neinziger intellektueller Flecken liegt. Und dieser,\nJosef Popper, hat die Theorie der Ethik für alle\nZeiten begründet.\nIn diesem Augenblick fühle ich, wie das leben-\ndige Wort eines großen Menschen mich in früher\nJugend gehoben hätte. Lange habe ich meine\nmoralische Probe nur durch die Schönheit der\nstummen Künste belastet. Ohne einen Laut habe\nich den Großen fremder Kunst mein geistiges Be-\nwußtsein gegeben. Seit meinem jungen Buche\n„Der Rhythmus des Lebens und der Kunst'4 ,(1904)\nhabe ich nicht mehr in dionysischer Musik, son-\ndern nur noch in den mit dem Stoff ringenden\nKünstlern die Tragik der Welterschaffung und ihre\nAuflösung genossen. Das Alter der Malerei, das\nich bis in das schwingendste Atom des Lebens\nmit Ehre fühlte, war mir Bürge, um vor jedem\nschwachen Inhalt zu erröten. Aber nach dieser\nfangen Reife strebt mein Wissen instinktiv nach\nden geistigen Schöpfungen der Kunst zurück.\nFrüher hätte ich mein Inneres nicht zäher als\ngegen den Satz verteidigt, daß durch die bilden-\nden Künste kein Fortschritt der Menschheit kotrnme\nUnd doch haben kluge Köpfe damit in der Tat\neben das logisch gedacht, was ich nach den my-\nthischen Erfahrungen in meiner Zeit beweisen\nmöchte. Mein Irrtum klärt sich mir in der Galerie\nCzernin auf, vor dem Bilde Vermeers, genannt\n„das Atelier\". Nur ein äußerer Umstand hält\nmich hier, während jetzt Professor Pi in Baden\nbei Wien Herrn Popper besucht. Das kleine Ge-\nfängnis wird zum inneren Dom und Schlangen\nkriechen aus naiver Schönheit. Es gibt Gewis-\nsensqualen, die nicht neun Monate, sondern drei\nJahre -martern. Jede Selbstlosigkeit in uns rächt\nsich an Körper und Geist. Für eine vollendete\nAnschauung des Auges kann dies Werk genügen\nund muß genügen. Heute würde es mir wieder\nleichter, aus den Farben Vermeers. ohne eine iden-\ntische Phrase, die Geschichte der Kunst zu schrei-\nben. Doch muß ich diesen Traum vergessen, wenn\nich die Täuschung der Oeffentlichkeit nicht mittun\nwill. (Eduard Plietzsch hat eben die Entwicklung\nVermeers untersucht.)\nIm Hofitnuseum und im Schönbrunner Schloß-\ngarten habe ich meine tiefsten Wurzeln. Dieser\nPark ist hochaufgewachsen und doch nicht über-\nwachsen wie das kleine Goethische Belvedere, das\nseine entzückende Aussicht auf Wien verliert.\nDiese Welt ist ganz geblieben, ja erst heute ge-\nnießen wir ihre künstlerische Idee als Natur.\nDenn das Original war anders* flach und kalt.\nZur Erklärung denke ich an die Vehemenz, mit\nder die Sprache des Racine, im Theater der Sara\nBernhard gespielt wurde, eine Rapidität, die alles,\nwas das alte Rom oder der Absolutismus sah,\nüberwältigte. Da verstand ich das Altertum in\nder Leidenschaft. Nie trat ich entfremdeter in die\nPariser Straßen und spürte in ihnen dasselbe\nzweitausendjährige Leben. Die strengste Gebun-\ndenheit ist selbst noch die Bedingung der ge-\nschwindesten Bewegung.\nEs gibt in Europa vielleicht drei Meister des\nPositivismus. Aber anders als sie glaubten, be-\nginnt für mich die Kunst in ihrem Thron der Zeit\nherabzusinken; sie gleitet zurück, sie rückt in\nmich.\nMitunter kann die Kultur einer Stadt am An-\nstand »männlicher Jugend gemessen werden. Im\nWandelhof der Universität sehe ich Studenten,\ndie nicht posieren, aber sie sind arm gekleidet,\nschwarze und graue Männer. Wenn die Reichen\nnicht studieren, so ist noch zu fragen, ob heute die\nArmen in der Minderheit sind. Lange Geistes-\nzucht ist nur dann, wenn sie im Interesse der Aus-\nnahmen gehandhabt wird, eine hohe Schule.\nIch bin nun nicht dazu gekommen, den Zyklus\ndes Bauernbreughel, der mein erster hiesiger Ein-\ndruck war, nochmals zu sehen. Aber ich habe in\nder Galerie das stärkste Publikum Wiens gesehen,\nhalbwüchsige Schulmädel. Ohne Kunde von der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "776", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3674, "texte": "Malerei, aber mit dem Instinkt des Leibes prüften\nsie sich vor den Alten, scheuten keinen Vergleich,\nforderten das Leben heraus. Sie wissen nicht,\ndaß Bilder gemalt werden. Ihnen genügt, daß das\nwie sie selbst, also von Männern, gernalt wird.\nDurch diese Gleichgültigkeit gegen alle Bildung\nzüchten sie Verehrungswürdigeres in sich und uns.\nSie sind der Geschmack, sie brauchen keinen ge-\nmalten. Man wird die andere Art Weiber immer\nin modernen Gdlerien finden. Diese müßten, als\nStaatsunternehmungen, also abgeschafft werden.\nUm Kunst und Genie durch Konventionen zu\nersetzen, gibt es jetzt in allen Ländern europä-\nischer Religion eine militärische und eine zivile\nForm. Daß der Kurfürstendamm am Berliner Hof\nnicht fähig, ist ein Zufall, nicht ein Verdienst. Der\nImpressionismus war der befriedigendste Wieder-\nanschluß an die alte Kunst, nicht an die Natur.\nFür die Kunst wie die Unkunst ist der Stoff nur\nAnlaß. Aber die Unkunst ist selbst nichts weiter.\nAls der Impressionismus wieder das Mittel aller\nKunst im Besitz hatte, suchte er gedankenlos und\nübereilt den Anschluß an die Zeit. Wer fähig ge-\nworden ist, alles darzustellen, muß aber an eine\nnoch frühere Kunst anknüpfen, dort wo noch keine\nBeziehung zu sozialen Ordnungen besteht. Nicht\ndie Gegenstandsbedeutung wird durch den Künst-\nler vernichtet, sondern die gesellschaftlich gültige\nBedeutung des Gegenstandes. Der Gegenstand\nmuß nun mit Steigerung ein immer einfacherer\nwerden. Keine Furcht vor dem Primitiven! Wir\nkommen nicht gleich zu dieser Grundunschuld.\nDer Bestand der Kunst beruht in der Qual der\newigen Schöpfung. Also die Karikaturen Wilder?\nWarum nicht! Ich fand, daß Emil Nolde in\nBerlin noch sehr „zivilisiert\" ist. Eher blind\nschaffen, als Abgekartetes. Zurück oder voraus-\nschaffen! Die Kunst muß das Wissen vernichten.\nDas Können bleibt dann auf gleicher Höhe.\nDer Geschmack einer einzelnen ganzen Stadt\nwird meistens überschätzt. Das Unnachahmliche\ndes ersten Volks wird von ihr doch nicht erreicht\nund begehrt. Warum schämt man sich so bald\nder von Tausenden getroffenen höheren Kultur?\nWeil sie kein leibliches und geistiges Bedürfnis\nwar. Die Berliner Sezession ist keine ehrfürchtige\nTrägerin der Kultur,daher verblaßt auch das be-\nrühmte Kunstgewerbe des jungen Wien. Ich sehe\nim Geiste in dieser „Kunstschau\" (der Journalname\nist nicht von mir erfunden) den ganzen Jahres-\nmarkt der Traditionslosen wieder, in eine Ausstel-\nlung der Baukunst, des Innenraums, der Kleidung,\ndes Plakats, des Theaters den falschen Trödel-\norient hineingestopft, wo auch die Malerei redet,\nwenn auch bleich ornamentiert. Eine Oase winkt\nm einem einfachen Brunnenhof. „Schönheit ist das\nWeglassen des Ueberflüssigen.\" Die Brücke zur\nVernunft? Denn die Erziehung zur Kunst ist\nselbst das Ueberflüssige. Aber glaube nicht an\nden Heroismus der Selbstverspottung.\nUeberall scheint mir in Wien mit der Hebung\n(das heißt der systematischen Vernichtung) des\nKunstgewerbes das Volk zweiten Ranges, beson-\nders die Frauen, wieder Mittler der Kultur gewor-\nden zu sein, und dieser grobe Flegel Nutzen, über-\nall, außer in der Kunst, Geschäft genannt. Nutz-\nkunst, das heißt Ausstellungskunst, Dinge, die nie\nbenutzt werden können. Das Kleisterpapier hat\nschon Häuser, ja Städte aufgebaut. In den Gassen\nund im Grünen stoßen wir auf die protzigen Lili-\nputaner.\nDie Kunstgewerbebewegung gehört in die\nJournalistik und die Journalistik ist eine Lebens-\nlüge, nicht etwa eine Kunstlüge. Die Verblödung\ndes Volkes ist nur der Vorwand. Das Ziel ist die\nFesselung des Geistes. ;Man darf vor keiner\nKunstwendung auf die Männlichkeit seines Geistes\nverzichten. 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Oh, die im Abend, von senti-\nmentalischen Lichtern umdampft, jedem Zweck selig\nentrannt steil sich verbiegen. „Wozu hier Musik?\nsagte er nachher, „man gewöhne sich, die Stille\nrhythmisch zu hören.\" Aber das Publikum, da\ndies Tanzen sinnlos ist, bedarf auch des Unsinns\nder Texte. (Man wird jener Dame zwar nicht\nglauben, daß sie eigentlich Prinzessin und tags-\nüber in einen Schwan verwandelt ist, aber man\nwird ihr nun immerhin gestatten, zu tanzen.) Dem\nBallett entspräche, daß böser Geist, Prinz, Braut\nund treulos Verlassene zusammen Menuett tanzten.\nJedoch das Parkett, von Ungewißheit gepeitscht,\nentbrennt dem Tode und allen gut sichtbaren Ka-\ntastrophen. So erstarrt Nijinsky; und nur die\nKarsavina lächelt noch über jedem Untergang.\nSie — als zwischen vergifteten Farben die Erotik\nin Choreographie unterging — umflackt den\nSultan Ueberrascher, der zur Welt hauptsächlich\nanführte, daß die Appartements seiner Damen nur\nihm geöffnet seien. 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Die zündendsten\nS ä t z e in der Bachschen „Suite\" waren daher die\nspringende „Gavotte\" und die wirbelnde „Figur\".\nEs war auch hier wieder ein glänzender Sieg\nauf allen Linien. Das Publikum gab sich gefangen,\nund es dankte dem „geborenen Kommandeur\" und\nseinen wackeren Mannen mit dem Donner vieler\nApplaussalven. H u rra !\nEin Hanswurst\nAm Schwanzende des vergangenen Jahres\nhuldigte das große Intelligenzblatt jenen Köpfen, die,\nbis auf einige wenige, dem Henker des Geschmacks\nvon gestern schon verfallen sind. In der Galgen-\nfrist, die ihnen gewährt ist, lüften sie die schäbige\nNimbusgardine: den neugierigen Zeitungsleser den\nseltenen Blick in die - „A r t des dichterische n\nSchaffens\" gewinnen zu lassen. Sie sind mit\nihrem Los zufrieden. Der Hans B r e 11 n e r t feilt\nsogar vergnügt an einem Libretto, dessen einzelne\nBlätter ihm Jean Gilbert aus der Hand „rupft\".\nDas Werk hatte ursprünglich eine satirische Grund-\nidee. Aber der „Schriftsteller\" hat sie mit Walzer-\ntexten verschütten müssen. Die Leute vom Bau,\ndie wahren Freunde der Operette, nötigten ihn\ndazu. Nehmt es ernst: Hier ist ein Humorist, der\neiner satirischen Grundidee nachtrauert, die unter\nWalzertexten begraben liegt — ein Opfer der guten\nFreunde der Operette, obgleich ihr bester Freund\nHans Brennert selbst ist. Nach einem „Ball auf\nEis\" schmolz err in Versen zum Ruhme jene\" ge-\nliebten Operettenkomponisten, die einer modernen\nRedoute eben dem „Ball auf Eis\", im Admirals-\npalast „die künstlerische Patina gaben\". Schäkert\nSchach, der auch ein Brett vor dem Kopf hat.\nDoch Hans Brennert in allen Gossen dichtet:\nRaffen aller Schleppgewänder —\nTrommelwirbel! — Alles schweige! —\nOben am Musikgeländer\nPaule L i n c k e mit der Geige.\nUnd er geigt das Lied vom Mädel,\nDas da rollschuht auf der Straße!\nAnstecklocken, kahle Schädel\nWiegen sich in Walzermaße.\nSpäter grüßt mit neuem Tusche\nDie Trompete reich versilbert!\nSeiner neuen Walzerdusche\nHähne öffnet nun Jean G i 1 b e r t.\nHa! ein Rebell?\nJohannes der Doebber erzählt, daß die vier-\naktige Oper „Otello\", des italienischen Meisters\nletztes Werk, wieder einmal im Spielplan des könig-\nlichen Opernhauses „erschienen\" ist. Der „Otello\"*\neines\nvon den Werken, die nur vorübergehend zur Auf-\nführung kommen, um nach einigen Abenden in der\nBibliothek z verschwinden. Die Gunst des großen\nPublikums ist dem Otello nicht besonders zuge-\ntan, und das mit einigem Recht. Die Oper ge-\nhört nicht zu den glücklichsten I n s p i r ä\ntionen des Altmeisters Verdi; der schwan-\nkende Stil zwischen alter Opernschabione\nund fortschrittlichem, von Richard Wag-\nners Prinzipien beeinflußtem Geiste wird heute\nselbst dem unbefangensten Hörer fühlbar. Und\nso ist der Otello nur mit einem illustren Gast in\nder Titelrolle wirklich genießbar.\nDieser Johannes erleidet nicht Kunst. Er will\nsie genießen. Den Str a u ß verschlingt er mit\nHaut und Federn; den alten Verdi frißt er nicht. Da\nfahre doch gleich ein Hauptmann a. D., Le-\nwinskys Vorgesetzter, drein:\nDieser „Otello\" ist eine prachtvolle Oper,\nBeeinflußt von Wagner, von dem neuen musika-\nlisch-deklamatorischen Stil, den der Bayreuther\nMeister geschaffen, hat Verdi als Vierundsiebzig-\njähriger ein Werk ersonnen, das seine eigene\nNote mit den modernen Ausdrucksmitteln der\ndramatischen Musik so eigenartig und auch so\nglücklich verbindet. Hier der Verdi, der mit sei-\nnem italienischen Ohr hört und der geschlunge-\nnen melodischen Linie sich zuneigt, und dann der\nMusiker, an dem die neue Zeit nicht ohne tiefen\nEindruck vorüberrauschte. Hier die kantable Ton-\nsprache, und an anderen Stellen das Streben,\ndurch vertiefte, durch scharf geprägte Charakte-\nrisierung zu wirken. Alles in glühenden\nOrchesterglanz getaucht, — schillernde Farben,\nstrahlendes Licht, kapriziöse Effekte, ein Schwel-\ngen in meisterlichem Können, eine sinnberückende\nHerrschaft über alle Mittel der musikalischen\nKunst, fast spielerisch sicher und dabei soviel\nechtes Gold!\nEtlichen Leuten das Tragen von Waffen der\nKritik verbieten? Sie richten mit ihnen Unheil und\nVerwirrung an.\nUnd die Kunst?\nDie lächelt, unverwundbar, hinter dem\nWall der Dummheit ihrer zudringlichsten Nabel-\nbeschauer, den Söldnern der „Großmacht Presse\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c013", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "777", "page_fin": "777", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "777", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.7", "debut_caractere": 75, "fin_caractere_exclue": 573, "texte": "mn\n%\nFR\nHAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegrundet 1825\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Nail\nEeklameangebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit Krmelaufschlagen 3250\naus den modernsten Flauschstofffen mit aufgesteppten Taschen 4550\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n3250 45 M\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabat!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c014", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "777", "page_fin": "777", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "777", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.7", "debut_caractere": 575, "fin_caractere_exclue": 762, "texte": "Les Nor\n5 rue Chapfal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nverdffentlichte das franzo-\nsische Original der T age-\nfa ucher Flaubert s, deren\nTJebertragung in Deutschland\nverboten wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c015", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "777", "page_fin": "777", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "777", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.7", "debut_caractere": 764, "fin_caractere_exclue": 946, "texte": "\\ % Luna Pari # &\n&i3 25. 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Uhland 595\nSpedheur des Vereins fur Kunst"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-10-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-10_01#c037", "volume": "bmtnabg_1912-02-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "778", "page_fin": "778", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.2.36", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "778", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.8", "debut_caractere": 4070, "fin_caractere_exclue": 4246, "texte": "usasMi\nPremiere\nWie man\nManner bessert\nKomodie in zwei Akten\nvon Anton und Donat\nHerrnfeld\nDer Hanstenfel\nSchwank in einem Akt\nvon Pohlmann\nAnf. 8 Uhr Vorverk. 11—2 Uhr\n1.1. 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A.: Aus der Musik„welttt / ARTÜR SEGAL\nLebensfreude / Originalhol/schnitt / MORIZ MELZER: Grablegung / Originalholzschnitt.\n\nArtur Segal: Lebensfreude / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "772", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.2", "texte": "Die Woche\nZeues vom Tage\nGeheimrat Lautenburg, der bekanntlich\nzu den eifrigsten Hörern des Herrn Pro-\nfessors Max Dessoir gehört, benutzt die\nUniversitätsferien zu einer Reise nach\nSpanien.\nAus der B. Z. am Mittag\nKarl Rößler, der Autor der Fünf Frankfurter,\nerzählte einem Interviewer der W. T. 8., daß Ba-\nron Henry von Rothschild, der selbst\nschriftstellerisch tätig ist, nach dem\nBesuch der berliner Aufführung des Stückes, ge-\näußert habe, dieser Rößler ist der erste Mensch,\nder mit meiner Familie ein Geschäft ge-\nmacht hat, wobei er allein verdient.\nAus der B. Z. am Mittag\nKunstchronik. Der Landschaftsmaler\nAre n z in Düsseldorf feiert morgen seinen acht-\nzigsten Geburtstag. Er ist Schüler von Oswald\nAchenbach.\nAus dem Berliner Tageblatt\nGerhart Hauptmann über August Strindberg:\nQerhart Hauptmann hat auf eine Frage der Stock-\nholmer Abendzeitung seine Ansicht über August\nStrindberg ausgesprochen. „Der Dichter schreibt\nüber den großen Schweden: August Strindberg ist\nfür mich eine der markantesten Persönlichkeiten\nunserer Epoche . . . das germanische Geistes-\nleben wird stets mit ihm rechnen.\"\nLyrik des Tages\n„Heinrich Schüler, einer der trefflichsten Ken-\nner Brasiliens, der ein viertel Jahrhundert lang\nseine Erfahrungen in diesem Lande selbst gesam-\nmelt hat, tritt nun mit einem gediegenen Werk\nvor uns hin.\" Der brasilianische Gesandte in\nBrüssel hat dem Buch „ein warmes Geleitwort ge-\nwidmet\". Dem Buchkritiker der B. Z. am Mittag\nwird es sofort infolgedessen ganz warm und echt\nums Herz: „Ja, bei der Schilderung des Mate oder\nParnatees weht uns die eigene Poesie der Campos\naus einem echt brasilianischen Liebesliede an, das\nfolgendermaßen lautet:\n„Dort, hinter jener Serra,\nIst 'ne höhere Serra noch,\nDort, da weilet ja mein Liebchen,\nDort, da weilet ja mein Schatz,\nChamarita, gut getanzet,\nSo ein Bursch mit einem Mädel,\nSchön'res gibt es überhaupt nicht,\nSag' die Welt auch, was sie wolle!\"\nAuch Brasilien scheint sich schon eine eigen-\nartige Lyrik zu leisten.\nEin Herr Wolff rühmt in der B. Z. am Mittag\ndie Uebertragung der Ballade aus dem Biwak von\nKipling. Sie stammt „von einem unserer form-\ngewandtesten Poeten, Marx Möller\". Man erfährt\nfolgendes über das Buch: Der englische Dichter\nzeigt sich in diesen Balladen von einem warmen,\nechten Patriotismus . . . das ganze ist getragen von\neinem prächtigen Rhythmus und einer eigenartigen\nKlangmelodie .... eine Poesie sui generis ist es\nja allerdings .... recht brutal zuweilen, voll Ver-\nlangen nach den grobsinnlichsten Genüssen des Le-\nbens, ohne aber doch ganz lyrischer Zartheit ent-\nkleidet zu werden. (Wenn die Leute bei Kipling\nwenigstens die Lyrik anbehalten, werden die grob-\nsinnlichsten Genüsse nicht zu brutal vor sich gehen.)\n.... Auch ein natürlich wenig diskreter Humor\nkommt in den Balladen zur Geltung.\nWie ein Dichter des Tags sich den Sturm\ndenkt:\nSturm, umbrause mein Haus!\nTreibe die Träume hinaus.\nDie Träume, die träge machen,\nIch will ihrer lachen!\nSturm, du duldest sie nicht,\nMachst alles klar und licht!\nIch brauche wohl nicht ausdrücklich zu erklä-\nren, daß diese Zeitschrift mit diesem Gedicht nichts\ngemein hat.\nKlara Blüthgen pflegt, wie sie mitteilt, folgendes\nzu antworten, wenn man sie um den Vortrag eines\nihrer „herrlichen Gedichte\" bittet: Ihre Gedichte\nseien sehr ernst und würden wohl schwerlich in\ndie Stimmung hineinpassen. „Aber man widerlegt\nmich liebenswürdig, daß eben diesen Gedichten eine\nsolche Wucht innewohne, daß sie die Stimmung\nschafften, der man sich — ach nur zu gern! — an-\npasse.\" Solche Bitten „schlagen der Dichterin im\nprivaten Kreise nach einem wunderbaren Diner\naus der behaglichen Naclitisclistimmung heraus, an\nihr Ohr.\" Dann ist es aber aus mit der Behaglich-\nkeit. Trust\n\nArthur Rimbaud:\nEin unveröffentlicher Brief\nÜbergang aus dem Französischen von Jean Jacques\nCharleville, den 25. August 1870\nSehr geehrter Herr,\nSie sind glücklich, denn Sie wohnen nicht in\nCharleville!\nMeine Vaterstadt ist die idiotischste unter den\nkleinen Provinzstädten. Deswegen, sehen Sie,\nhabe ich keine Illusionen mehr. Weil sie neben\nMezi£res liegt, — einem Städtchen, das man nicht\nfindet — weil in ihren Straßen zwei- oder drei-\nhundert Infanteristen umherlaufen, gestikuliert\ndiese glückliche, philiströse Bevölkerung wie Rauf-\nbolde, ganz anders als die Belagerten von Metz\nund Straßburg! Sie sind schrecklich, diese pen-\nsionierten Grünkramhändler in Uniform. Es ist\ngroßartig, wie das Schneid hat, die Notare, die\nGlaser, die Steuereinnehmer, die Tischler und wie\nall diese Schmerbäuche vor den Toren Mezieres\nihren Senf dazugeben; mein Vaterland erhebt sich!\n. . . Lieber wäre mir, es bliebe sitzen; nur nicht\naufregen! Das ist mein Grundsatz.\nIch bin heimatlos, krank, wütend, dumm, vor\nden Kopf gestoßen. Ich träumte von Sonnen-\nbädern, von endlosen Spaziergängen, von Rahe,\nvon Reisen, von Bohemeleben, kurz: ich hoffte\nauf Zeitungen, auf Bücher .. . Nichts! Nichts!\nDie Buchhändler bekommen gar keine Bücher zu-\ngeschickt, Paris spottet schon recht über uns: kern\neinziges neues Buch! Das ist der Tod! So muß\nich imich, was Zeitungen anbetrifft, an den\n„Courner des Ardennes\" halten, dessen Besitzer,\nHerausgeber, Direktor, Chefredakteur und ein ein-\nziger Redakteur A. Pouillard ist! Diese Zeitung\nfaßt die Ziele, die Wünsche und die Ansichten der\nBevölkerung zusammen. Das ist eine eigene Note!\n. . . Nicht wahr? . . . Man ist verbannt in sei-\nnem Vaterland!!!\nGlücklicherweise habe ich ihr Zimmer — Sie\nerinnern sich doch der Erlaubnis, die Sie mir ge-\ngeben haben —. Ich habe die Hälfte Ihrer Bü-\ncher mitgenommen. Ich habe mir den Diable ä\nParis genommen. Sagen Sie mal: hat es jemals\netwas idiotischeres gegeben als Grandvilles Zeich-\nnungen? — Ich habe bostal Findien und Robe des\nNessus, zwei interessante Romane. Was soll ich\nIhnen sonst mitteilen? ... Ich habe alle Ihre\nBücher gelesen, alle. .Vor drei Tagen begann ich\nmit den Eprenols, dann mit den Glaueuses, — ja,\nich habe diesen Band noch einmal gelesen — das\nwar alles! . . . Mehr nicht; ihre Bibliothek,\nmeine letzte Rettung, war erschöpft! . . . Dann\nerwischte ich den Don Quichotte; gestern sah\nich mir zwei Stunden lang die Wälder Dore's an:\njetzt habe ich nichts mehr! — Ich sende Ihnen\nVerse; lesen Sie sie, morgens, bei Sonnenschein,\nwie ich es getan habe: Sie sind nicht mehr Leh-\nrer jetzt, hoffe ich! . . . —-\n.... [Dieser Teil ist zerrissen] .... Louis*\nSilfert kennen lernen wollte, als ich Ihnen ihre\nletzten Verse lieh; ich habe mir soeben Auszüge\naus ihrem ersten Gedichtband, Rayons perdus?\nvierte Auflage, verschafft. Ich habe da ein sehr\nschönes Gedicht; Marguerite:\nMoi j'etais ä Tecart, tenant sur mes genoux\nMa petite cousine aux grands yeux bleus si doux:\nC'est une ravissante enfant que Marguerite\nAvec ses cheveux blonds, si bouche si petite\nEt son teint transparent . . .\n©••«•••••*\nMarguerite est trop jeune. Oh! si c|etait ma filte,\nSi j'avais une enfant tete blonde et gentille,\nFragile creature en qui je revivrais,\nRose et candide avec de grands yeux indiscrets!\nDes larmes sourdent presque au bord\nde mes paupiere\nQuand je pense ä l'enfant qui me rendrait\nsi fiere,\nEt que je n'aurai pas, que je n'aurai jamais;\nCar ravenir, cruel en celui que j'aimais,\nDe cette enfant aussi vent que je desespere\n• •••«•* + * •\nJamais on ne dira de moi: c'est une\nEt jamais un enfant ne me dira: maman!\nC'en est fini pour moi du Celeste roman\nQue toute jeune ä mon äge imagine.\n• ••••••• * •\n— Ma vie ä dix-huit ans compte tout un passe.\n-— Das ist ebenso schön wie die Klagen der\nAntigone avvLMp}/ des Sophokles. — Ich habe die\nFetes galantes von Paul Verlaine. Es ist recht\nbizarr, recht possierlich; aber wirklich anbetungs-\nwürdig. Manchmal nimmt er sich große Frei-\nheiten, zum Beispiel:\nEt la tigresse epou / vantable d'Hycranie\nist ein Vers aus diesem Band. — Kaufen Sie sich,\nich rate es Ihnen, Bonne Chanson, einen kleinem\nGedichtband desselben Dichters: er ist soeben bei\nLemerre erschienen; ich habe ihn nicht gelesen;\nhier kommt nichts her; aber viele Zeitungen be-\nurteilen es sehr gut.\nAuf Wiedersehen, schicken Sie mir eine«\nfünfundzwanzig Seiten langen Brief — post-\nlagernd! — Recht bald!\nA. Rimbaud\nP. S. Bald Andeutungen über das Leben, das®\nich zh führen gedenke nach . . . den Ferien . . .\n[Adresse:]\nMonsieur G. Izambard\n29, rue de l'Abbaye des Pr6s\nDouai (Nord)\nIn Eile\n* * *\nVeröffentlicht mit Erlaubnis von Paterne Berri-\nchon und der Nouvelle Revue frangaise. Der\nDichter schrieb diesen Brief 1870, im Alter vom\nfünfzehn Jahren, dreizehn Monate vor Beginn sei-\nner Beziehungen zu Verlaine.\n\nErinnerung\nan Herman Bang\nVon Rudolf Blümner\nDen Zünftigen graute. Weil Herman Bang\nam 28. November 1907, abends zwischen acht und\nzehn Uhr in Herwarth Waldens Verein für Kunst\nWer die Heimatkunst so gar nicht fördert) eine\nneue Kunst schuf, die sich nicht gleich so ins Fach\nstellen ließ."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "773", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.3", "texte": "Ich glaube, Barden und Rhapsoden konnten\nweniger. Denn dieser Herman Bang spielte vor\nMieinen Augen und Ohren einen Roman . . . Ver-\nzeihung, ich habe nicht recht gehört (wende ich\nmich zu einem Zünftigen neben mir), Sie sagten, er\nposiert? — Hm, wenn er posiert . . . wenn er\n.posiert . . . was heißt das, und was kümmert's\nmich? Hier wird eine Kunst für eine Kunst ent-\nfaltet. Haben Sie denn schon so erzählen hören?\nErst ein tastendes Konferieren mit dem kleinen\nUngeheuer auf den Sesseln da unten, einem klu-\ngen Ungeheuer, von dem nichts zu fürchten ist.\nDann erzählt der Dichter von dem Meister Claude\nZoret, der aus einer Bauernfamilie stammte und\nder erste war, der Genie bekam. Und der Dichter\nhat die Achtung vor dem Genie, daß er sich hoch\nvom Sessel erhebt: und so, die Arme erhoben, den\nBlick seitwärts, wie in hohe Weite gewandt, ju-\nbelt er vom Genie. Erst da die Ruhe wieder über\nihn gleitet, greift er zu den Armsesseln und, sich\nruhig niederlassend, erzählt er weiter vom großen\nMeister — (o, er muß ihn gut, sehr gut gekannt\nhaben, dieser Claude Zoret, das sehe ich immer\nwnd immer aus den Aufblitzen seines Auges, dem\nGreifen dieser unruhigen Hände) — erzählt die\nSzene in Prag, da Mikael sich zum ersten Mal\nClaude Zoret naht, er spielt abwechselnd den\nMeister und den Jünger — (ohne: ,sagte er', ohne:\n.sagte darauf der andere4). Ihm genügt ein Schritt\nzur Seite, eine schroffe Wendung nach hinten, ein\nDrehen des Kopfes, ein Zucken der Schulter. Und\nwieder reißt es ihn vom Sessel auf, da er von\nMikaeis Liebe zur Fürstin Zamikof .spricht . . .\nSuche das nicht im Roman nachzulesen: da fin-\ndest du es nicht. Es war ein Impromptu des Tem-\nperaments, oder meinetwegen auch des Artisten\n— gleichviel!\nit.K\nUnd endlich stellt Herman Bang Claude Zorets\nLeiden und Sterben dar und zwingt zur Bewun-\nderung sans phrase. Ich habe sie alle leibhaftig\ngesehen, die Aerzte und Diener, die Reporter und\nFreunde, die um des Meisters Sterbelager waren,\nich habe das marternde Klingeln des Telephons\ngehört und. den erlöschenden Blick des Meisters\nam Zeiger der Uhr gesehen, ich habe gehört, wie\nsein ,Lucia, Lucia, Lucia' in die Nacht des\nLouvre gerufen, und ich werde Charles Switts\nStimme nie vergessen, ein Steinwurf gegen die\ngeschlossenen Fenster: „Herr Mikael, der Meister\nist tot \"\nWir reden und schreiben, wir schreiben und\nreden . . .\nAber die Kunst bleibt voraussetzungslos.\nHerman Bang starb am ersten Februar 1912\n\nHamburg\nFeenteich\nVon Günther Mürr\nBlaue, frische, herbstbesonnte Tage.\nDas gute Wetter kommt also doch.\nAller Regen klingt uns jetzt wie Sage.\nDas Barometer steigt immer noch.\nDoppelt schön nach grauer Sommerplage.\nFreudig löse ich den braunen Nachen\nund treib ihn voll Träumen langsamen Schlags\ndurch des Wassers laues, leises Lachen,\ndie zitternde Luft des schönen Tags.\nWie die ganze Erde träumt im Wachen!\nGlühendes Blei, geschmolzene Bronze fließt\nunter den langen Wogenschatten,\nund das Blau, das der Himmel niedergießt,\nmuß in des Wassers Stumpfglanz ermatten.\nAlles ist ganz bläulich, was du siehst.\nUnter schattigem Steinb Jckenbogen\ngleitet mein Boot in ef len Teich.\nRings von dichtbebaun fen Gärten umzogen\nliegt er lautlos, ein Feenreich.\nAller Menschenlärm ist fortgezogen.\nNur die Blätter rascheln hier manchmal.\nDas Wasser liegt glatt, wie in Oel getaucht.\nSplitter von einem Sonnenstrahl\nhat atmend die Luft drüber hingehaucht\nVoll von Licht die Farben überall.\nDunkelgrüne Bilder hoher Bäume\nwiegen sich auf der blanken Flut,\nschleichen meinem Kahne nach wie Träume,\nfliehn, will ich fliehen in ihre Hut\nlautlos gleitend an des Ufers Säume.\nUnd das Wasser ist ganz bräunlich blau.\nEintönig klingt das Platschen und Tropfen\nunterm Ruderziehen. Jetzt wie Tau\nein einsamer Vogelruf. Scharfes Klopfen\nvon raschem Pullen. Ein junger Schwan,\nnoch grau.\nAus einem Kanal, der im Schatten vergeht,\nkommt ein schmales, braunrotes Indianerboot\nmit leisem Plätschern ins Helle geweht.\nDrei blonde Mädchenköpfe, auf denen die\nSonne lacht.\nJede Gekrönte auf einer Bank,\nam Bug, in der Mitte, am Steuerplatz.\nAn die Vorderste lehnt sich lang\nihr dunkellockiger Schatz.\nSie treiben langsam auf meinen Nachen zu,\ndurch der Bäume leise schwankende Grüne.\nMädchen- und Männerlachen schwimmt\ndurch die Ruh,\nund plötzlich singt eine: „Bon soir, ma-\ndame la lune.\"\nDas schmale Boot biegt in das Dunkel wieder\nund trägt mit fort des Lebens klares Lachen.\nVon neuem sinkt die blaue Stille nieder.\nVerzaubert dräng ich heimwärts meinen Nachen.\nHalb tönt noch in meinem Ohr das Singen.\nIch lasse mechanisch die Ruder gleiten.\nWie sie glitschernd durch den Spiegel\nziehen sie ganz fein zu beiden Seiten\nStreifen, drüber Sonnenstrahlen springen.\n\nFortsetzung folgt\nFortsetzung\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\n\nLieber Herwarth. Es hilft Dir nichts, ich sende\nDir diesen Brief solange, bis Du ihn im Sturm ver-\nöffentlichst. Ich glaube Dir schon, daß es Dir oft\nweh tut, Zeilen meines Herzens prägen zu lassen,\naber da ich mich nicht zu beherrschen gelernt habe,\nverlange ich es von anderen. Dir wurde es gewiß\nnicht leicht, Deine Löwen zu bändigen, Pudelhunde\ngehorchen eher; ich sagte Dir schon einmal, die\nwüsten Temperamente bellen oder jammern nur,\nmanche kläffen auch.\nMotto: Die Sonne bringt es an den Tag.\nBei mir, Herwarth, richtet die Sonne weniger\naus, aber in Kunstdingen kann ich nicht lügen.\nMeine Kunst bringt es an den Tag. Ich war nämlich\nin Jedermann oder heißt es Allerlei? Ich glaube,\nes heißt Allerlei für Jedermann oder Jedermann für\nAllerlei: Herein meine Herrschaften ins Riesenkas-\nperle, ins Berliner Hännesken! Ein evangelisch\nStück wird gespielt für die „getauften\" Juden, na-\nmentlich, sehr anschauend und erbaulich. Alle\ngetauften Juden waren in der evangelischen\nVorstellung - Schaustellung gewesen und waren\nerbaut namentlich von dem blonden\nGermaniaengel in Blau und Doppelkinn. Ich\ndachte sofort, nun ist Moissis - Jedermann ge-\nrettet!? Rechts ein Fleckchen, links ein\nFleckchen Mensch oder Engel an des Kasperle-\nwand und wie das Gewissen an zu heulen anfing:\nJedermann, hier Jedermann, dort Jedermann. Wo\nkam das her — ich denke aus den Ställen, Her-\nwarth. Nein, da wollen wir lieber auf die Kirmes\ngehen in Cöln am Rhein und ein Cölner Heinerken-\ntheater aufsuchen, von dort sollte Dichter Reinhard\ndie Naivität herholen, nicht sich welche anfertigen\nlassen von dem Hoffmannsthaler in Wiener Styl\noder übertünchen lassen, ein britisch-evangelisches\nMysterium, charakteristisches Gähnen mit noch ent-\nsetzlicheren, gelangweiltenP unechten Reimereien\neines „Verbesserers\". Denk mal an, wenn er\nsich auf Bildhauerei verlegt hätte, an der Skulp-\ntur geflickt hätte, und der Venus von Milo die\nbeiden Aermel angesetzt hätte!\nWas grub er doch alles Litterarische aus: Zu-\nerst den Oedipus von Sophokles und nährte ihn\nmit Wiener Blut; d!ie Elektra machte er zur dä~\nmonischen „Lehrerin\". Ihm gebrichts an Phan-\ntasie. Immer sagen dann die Leute, Herwarth,\nweiil sie stutzig werden: Ja, haben Sie denn noch\nnicht das Gedicht von ihm gelesen: Kinder mit\ngroßen Augen? — Ich habe sogar Tor und Tod\nund den Tod des Tizian von ihm gelesen; glän-\nzende Dichtungen allerdings aber in Granit\nGoethes oder Georges gehauen. Wenn Jeder-\nmann wüßte, was Jedermann wär usw\neine Blasphemie, eine Verhöhnung einer alten\nPietät, einer religiösen Verfassung. Das Leben\nund der Tod, die Sünde und die Strafe, Himmel\nund Hölle, alles wird zur Schaustellung herab-\ngewürdigt, wie die Elephanten und Araberpferde\nmit Bändern und Kinkerlitzchen geschmückt aller-\ndings nicht einmal wie hier den Kindern zur\nFreude, dem reichen sensationslustigen Publikum\nzur Erbauung, pfui Teufel, daß der Sekt besser\nmundet.\nEin paar Tage vor Weihnachten forderte Di-\nrektor Reinhardt mein Schauspiel die Wupper ein.\nSie liegt noch nicht zwei Monate in seinem Haus;\nmein Schauspiel hat Leben, meine Geschöpfe\nmöchten weiter leben. Nun wird metin Schau-\nspiel eine Geisel sein in Reinhardts Händen, er\nwird meine Dichtung ins Feuer werfen oder sie mir\nmit ein paar Phrasen seiner Sekretäre wiedersen-\nden lassen. Gleichviel, ich will keine Rührung\nnoch Sentimentalität aufkommen lassen, Her-\nwarth, ich muß meine Dichtung opfern der Wahr-\nheit, dem Ehrgeiz zum Trotz. Denke, der Prinz\nvon Theben wirft die letzte Fessel von sich.\nIch kann mich nur wieder erreichen, wenn ich seinem\nHerrn Direktor Reinhard die Wahrheit hier sage:\nDie Aufführung des Jedermann ist eine unkünstle-\nrische Tat, eine schmähliche — von ihm zumal;\ner gilt im Publikum für künstlerisch unfehlbar.\nWenn Dichter Reinhard Geld nötig hat, sollen seine\nSekretäre es rauben, die Kassenschränke kann\nman nicht unterbilden, aber Unkunst für Kunst den\nZuhörern einflößen, solche Geschenke sind Dieb-\nstähle.\nDraußen tobten die Sozialdemokraten, es war\nam Tag der Wahl — in mir stürmte eine stärkere"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "774", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.4", "texte": "Revolution, es fiel am Abend meine letzte Hoff-\nnung, die Aufführung meines Schauspiels unter der\nkünstlerischen Regie Reinhardts, die ich in so vie-\nlen Aufführungen bewunderte. Ich fordere mit\ndiesem Buch meine Nummer ein. Hat er sie schon\ngelesen? Sie muß ihn imponiert haben.\n\nElse Lasker-Schüler\n\nDer Verführer\nNach dem Arabischen von Hans Bethge\nWie viele Frauen habe ich verführt!\nZweilen waren säugende darunter\nUnd solche, die ein Kind erwarteten.\n' ' .* i;\nUnd wieder andere, die bedenkenlos\nIhr Kindchen, das ein Jahr alt war, alleine\nSich überließen, um an meinem Halse\nBerauschten Sinnes zu hängen. Und wenn dann\nDas Kind in seiner Angst zu weinen anhub,\nSo wendete die junge Mutter sich\ni\nMit ihres schönen Körpers oberer Hälfte\nWohl na.ch ihm hin. Das andre ihres Körpers\nBlieb bei mir, bei mir, ohne sich zu rühren!\n\nWien\nVon Richard Fuchs\n\nVon Dresden ab war es mit der Ruhe des\ngroßen Verkehrs vorbei! Ich erwache aus einer\nNacht voll Aufregungen. Steigende Talnebel ver-\nschleiern ein neues Land. Wir hatten Böhmen\numfahren und bewegten uns auf Wien zu. Mais,\nTabak und Weinfelder ziehen sich im Bogen.\nWeiche Laubwälder, satte frische, streifen fast un-\nsere Hand. Wir sind überrascht, daß wir schon\nhalten. Durch die Sonntagsstille folgen wir zum\nGottesdienst in den Dom.\ni\n/\nWelches Altertum von innerer Kirche! Das\nGrabesschweigen der Schönheit. Der Du, im Dun-\nkeln tastend, plötzlich erhellt wirst, — das Wort\nplötzlich ist Deiner falschen Seele zum Irrlicht ge-\nworden. Sinnliche Mittel sind auch die Anzeichen\nder Religion. Der aufklärende Gegensatz, der in\nsie hineingelegt wird, ist das Zersetzende für die\nKirche und den Staat. Es ist wohlfeil, sich gegen\ndas göttliche Dunkel zu wehren, um die moderne\nrationalistische Gotik einzuschmuggeln. Wenn so\nEiner in den Baustücken des siebzehnten und acht-\nzehnten Jahrhunderts die italienische Barockkunst\nsieht, so hat er gehört, daß sie technisch als guter\nStil gilt. Aber das Wissen um den Stil hebt\nschon das Original auf. Als das Gegenteil jeder\nAnsicht, wäre die Sache beinahe wahr. Die wahre\nKunstbegründung ist die Aufhebung jeder unsinn-\nlichen Begründung.\n>\nWien hat noch einige ältere Traditionen.\nPhysiognomie haben jene namenlosen Handels-\nhäuser, die wie eine gesittete Front von Bürger-\nwehren stehen. Des Abends erhöht sich noch\ndiese etwas hagestolze Düsternis klangloser\nReihen, wie die schmucklose Zeit, die, in Geschäft\nund in Geschmack geschlossen, ohne Außenkunst\nlebte. Sobald man Vergnügungssucht heucheln\nmußte, kamen die schlechten Zeiten. Im Interesse\nder Erhaltung ihres Vermögens mußten sich die\nStände vom Geschäft zurückziehen. Jetzt wohnen\ndie Fremden in Palästen, Nicht Zweckformen, son-\ndern Stilzwang sind die neuen offiziellen Gebäude.\nDadurch sind öffentliche Bauten überall ein Ver-\nkehrshindernis. Wann wird man uns in den Bei-\nblättern für Privatpersonen ihre Aufzählung er-\nsparen?\nGesetzt, daß die Seele Wiens, wie man sagt,\nin seinen verschwiegenen Gassen mit Balken,\nGängen und Brückchen läge, ist sie damit dieses\nledige Fachwerk? Auch hier gehen innere SBege\nbis zu mir. Diese Hütten, die, ehe sie die Bela-\ngerung der Anderen einschloß, auch einmal die\nSonne sahen, ernährt Paris mit seinem ungeheuren\nLeben noch viel mehr. Daß wir heute ihre Aerm-\nlichkeit bewundern, läßt uns falsches arrogantes\nMitleid hineinlegen. Da ist ein empfindliches\nGenie aus scheinbar kleiner Geburt. Aber in ihm\nkommt wieder einmal eine alte selbsttätige Fa-\nmilie zum Vorschein. Das Bescheidene ist also\nnicht seine Genialität, sondern es ist der Scherz\nAuswärtiger. Die angeborene Natur wurde einst\nim Glück begonnen und wird heute mit häuslicher\nSorge vollendet. Aus den diskreten Verhältnissen\nunserer Ueberlebender hat lärmende Unbedeutung\nromantische Idyllen gedichtet, die die Sensation\nder Banausie erregen. Sie pflanzen in den Zei-\ntungen den Aufschwung fort. Sie verwechseln\nGeistesmacht mit Geldimacht und wenden sich ab,\nwo sie Geist spüren.\ni\nDie ganze Stadt war früher so klein wie jetzt\nmancher Platz, den keine Verkehrsnotwendigkeit\ngeschaffen hat. Der Ring umschloß sie. Wo also\nheute die moderne Stadt beginnt, hörte die alte\nschon auf.\nFast jeder Reisende macht Wien lächerlich,\naber er hat das Wien des Reisenden erst in Mode\ngebracht. Dieses Vorbild spricht von Wiens an-\nbetenden Weibern, die den Mann verhätscheln,\nträumt noch im Bett von der kleinen Welt von\nMann und Frau, duzt aus gewohntem Wunsch\nnach der Aufwartung die Fesche, bei der das\nFleisch Kind geworden ist, dies ganz reale Wesen,\ndas halbe Manier geworden ist, und das dem\nglücklichen Mann ewig die Pubertätserscheinungen\nvormacht. Die wahre Welt des Weibes ist etwas\nImaginäres. Ein tüchtiges Weib, Deutsche oder\nsonstwoher, glaubt nicht mehr an die Männer,\nsondern behält die Freuden der Sinne für sich.\nDa es von neuem mit Regen droht, machen\nwir nur einen Ausflug auf den Kahlenberg. Unter-\nhalb alle literarischen Erfordernisse ewiger Ostern.\nBald verteilen sich die gemütlichen Paare. Oben\nschwebt die wasserdunstige Ebene der Stadt in\neinem Spiegel von Farben.\nWien liegt zu schön für eine Weltstadt.\nV\nDem einen wird in Wien zu viel, dem andern\nzu wenig gelebt. Nur der Handlungsreisende\nschien glücklich. Aber daß ein Notstand erst\ndurch Quacksalber erzeugt wird, zeigt Hermann\nBahr, wie eine Tarnung vor jeder Kultur. Recht\nkleinstädtisch ist dieser Typus, der durchaus etwas\ntun oder tun sehn will, damit in Oesterreich,\nBöhmen oder Deutschland etwas geschehe.\nAuf diese Art gehen die Menschheitsereignisse,\ndie nicht mit Taten berufener Männer zusammen-\nfallen, ihrer singulären Pracht verlustig. Der Haß\ngegen das Talent soll wienerisch sein. In der\nganzen Welt ist die Verbrüderung der Talente\naugenfällig und der Haß gegen das Genie. Karl\nKraus hat in Wien Naturgeschaffnes mit Gewis-\nsenskraft gestaltet. Als Jüngster, was beinah noch\nschwerer ist, vertritt er mit dem Aeltesten in Wien\nzugleich den Ruhm des Menschen, auf dem kein\neinziger intellektueller Flecken liegt. Und dieser,\nJosef Popper, hat die Theorie der Ethik für alle\nZeiten begründet.\nIn diesem Augenblick fühle ich, wie das leben-\ndige Wort eines großen Menschen mich in früher\nJugend gehoben hätte. Lange habe ich meine\nmoralische Probe nur durch die Schönheit der\nstummen Künste belastet. Ohne einen Laut habe\nich den Großen fremder Kunst mein geistiges Be-\nwußtsein gegeben. Seit meinem jungen Buche\n„Der Rhythmus des Lebens und der Kunst'4 ,(1904)\nhabe ich nicht mehr in dionysischer Musik, son-\ndern nur noch in den mit dem Stoff ringenden\nKünstlern die Tragik der Welterschaffung und ihre\nAuflösung genossen. Das Alter der Malerei, das\nich bis in das schwingendste Atom des Lebens\nmit Ehre fühlte, war mir Bürge, um vor jedem\nschwachen Inhalt zu erröten. Aber nach dieser\nfangen Reife strebt mein Wissen instinktiv nach\nden geistigen Schöpfungen der Kunst zurück.\nFrüher hätte ich mein Inneres nicht zäher als\ngegen den Satz verteidigt, daß durch die bilden-\nden Künste kein Fortschritt der Menschheit kotrnme\nUnd doch haben kluge Köpfe damit in der Tat\neben das logisch gedacht, was ich nach den my-\nthischen Erfahrungen in meiner Zeit beweisen\nmöchte. Mein Irrtum klärt sich mir in der Galerie\nCzernin auf, vor dem Bilde Vermeers, genannt\n„das Atelier\". Nur ein äußerer Umstand hält\nmich hier, während jetzt Professor Pi in Baden\nbei Wien Herrn Popper besucht. Das kleine Ge-\nfängnis wird zum inneren Dom und Schlangen\nkriechen aus naiver Schönheit. Es gibt Gewis-\nsensqualen, die nicht neun Monate, sondern drei\nJahre -martern. Jede Selbstlosigkeit in uns rächt\nsich an Körper und Geist. Für eine vollendete\nAnschauung des Auges kann dies Werk genügen\nund muß genügen. Heute würde es mir wieder\nleichter, aus den Farben Vermeers. ohne eine iden-\ntische Phrase, die Geschichte der Kunst zu schrei-\nben. Doch muß ich diesen Traum vergessen, wenn\nich die Täuschung der Oeffentlichkeit nicht mittun\nwill. (Eduard Plietzsch hat eben die Entwicklung\nVermeers untersucht.)\nIm Hofitnuseum und im Schönbrunner Schloß-\ngarten habe ich meine tiefsten Wurzeln. Dieser\nPark ist hochaufgewachsen und doch nicht über-\nwachsen wie das kleine Goethische Belvedere, das\nseine entzückende Aussicht auf Wien verliert.\nDiese Welt ist ganz geblieben, ja erst heute ge-\nnießen wir ihre künstlerische Idee als Natur.\nDenn das Original war anders* flach und kalt.\nZur Erklärung denke ich an die Vehemenz, mit\nder die Sprache des Racine, im Theater der Sara\nBernhard gespielt wurde, eine Rapidität, die alles,\nwas das alte Rom oder der Absolutismus sah,\nüberwältigte. Da verstand ich das Altertum in\nder Leidenschaft. Nie trat ich entfremdeter in die\nPariser Straßen und spürte in ihnen dasselbe\nzweitausendjährige Leben. Die strengste Gebun-\ndenheit ist selbst noch die Bedingung der ge-\nschwindesten Bewegung.\nEs gibt in Europa vielleicht drei Meister des\nPositivismus. Aber anders als sie glaubten, be-\nginnt für mich die Kunst in ihrem Thron der Zeit\nherabzusinken; sie gleitet zurück, sie rückt in\nmich.\nMitunter kann die Kultur einer Stadt am An-\nstand »männlicher Jugend gemessen werden. Im\nWandelhof der Universität sehe ich Studenten,\ndie nicht posieren, aber sie sind arm gekleidet,\nschwarze und graue Männer. Wenn die Reichen\nnicht studieren, so ist noch zu fragen, ob heute die\nArmen in der Minderheit sind. Lange Geistes-\nzucht ist nur dann, wenn sie im Interesse der Aus-\nnahmen gehandhabt wird, eine hohe Schule.\nIch bin nun nicht dazu gekommen, den Zyklus\ndes Bauernbreughel, der mein erster hiesiger Ein-\ndruck war, nochmals zu sehen. Aber ich habe in\nder Galerie das stärkste Publikum Wiens gesehen,\nhalbwüchsige Schulmädel. Ohne Kunde von der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "775", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.5", "texte": "Moriz Melzer: Grablegung / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "776", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.6", "texte": "Malerei, aber mit dem Instinkt des Leibes prüften\nsie sich vor den Alten, scheuten keinen Vergleich,\nforderten das Leben heraus. Sie wissen nicht,\ndaß Bilder gemalt werden. Ihnen genügt, daß das\nwie sie selbst, also von Männern, gernalt wird.\nDurch diese Gleichgültigkeit gegen alle Bildung\nzüchten sie Verehrungswürdigeres in sich und uns.\nSie sind der Geschmack, sie brauchen keinen ge-\nmalten. Man wird die andere Art Weiber immer\nin modernen Gdlerien finden. Diese müßten, als\nStaatsunternehmungen, also abgeschafft werden.\nUm Kunst und Genie durch Konventionen zu\nersetzen, gibt es jetzt in allen Ländern europä-\nischer Religion eine militärische und eine zivile\nForm. Daß der Kurfürstendamm am Berliner Hof\nnicht fähig, ist ein Zufall, nicht ein Verdienst. Der\nImpressionismus war der befriedigendste Wieder-\nanschluß an die alte Kunst, nicht an die Natur.\nFür die Kunst wie die Unkunst ist der Stoff nur\nAnlaß. Aber die Unkunst ist selbst nichts weiter.\nAls der Impressionismus wieder das Mittel aller\nKunst im Besitz hatte, suchte er gedankenlos und\nübereilt den Anschluß an die Zeit. Wer fähig ge-\nworden ist, alles darzustellen, muß aber an eine\nnoch frühere Kunst anknüpfen, dort wo noch keine\nBeziehung zu sozialen Ordnungen besteht. Nicht\ndie Gegenstandsbedeutung wird durch den Künst-\nler vernichtet, sondern die gesellschaftlich gültige\nBedeutung des Gegenstandes. Der Gegenstand\nmuß nun mit Steigerung ein immer einfacherer\nwerden. Keine Furcht vor dem Primitiven! Wir\nkommen nicht gleich zu dieser Grundunschuld.\nDer Bestand der Kunst beruht in der Qual der\newigen Schöpfung. Also die Karikaturen Wilder?\nWarum nicht! Ich fand, daß Emil Nolde in\nBerlin noch sehr „zivilisiert\" ist. Eher blind\nschaffen, als Abgekartetes. Zurück oder voraus-\nschaffen! Die Kunst muß das Wissen vernichten.\nDas Können bleibt dann auf gleicher Höhe.\nDer Geschmack einer einzelnen ganzen Stadt\nwird meistens überschätzt. Das Unnachahmliche\ndes ersten Volks wird von ihr doch nicht erreicht\nund begehrt. Warum schämt man sich so bald\nder von Tausenden getroffenen höheren Kultur?\nWeil sie kein leibliches und geistiges Bedürfnis\nwar. Die Berliner Sezession ist keine ehrfürchtige\nTrägerin der Kultur,daher verblaßt auch das be-\nrühmte Kunstgewerbe des jungen Wien. Ich sehe\nim Geiste in dieser „Kunstschau\" (der Journalname\nist nicht von mir erfunden) den ganzen Jahres-\nmarkt der Traditionslosen wieder, in eine Ausstel-\nlung der Baukunst, des Innenraums, der Kleidung,\ndes Plakats, des Theaters den falschen Trödel-\norient hineingestopft, wo auch die Malerei redet,\nwenn auch bleich ornamentiert. Eine Oase winkt\nm einem einfachen Brunnenhof. „Schönheit ist das\nWeglassen des Ueberflüssigen.\" Die Brücke zur\nVernunft? Denn die Erziehung zur Kunst ist\nselbst das Ueberflüssige. Aber glaube nicht an\nden Heroismus der Selbstverspottung.\nUeberall scheint mir in Wien mit der Hebung\n(das heißt der systematischen Vernichtung) des\nKunstgewerbes das Volk zweiten Ranges, beson-\nders die Frauen, wieder Mittler der Kultur gewor-\nden zu sein, und dieser grobe Flegel Nutzen, über-\nall, außer in der Kunst, Geschäft genannt. Nutz-\nkunst, das heißt Ausstellungskunst, Dinge, die nie\nbenutzt werden können. Das Kleisterpapier hat\nschon Häuser, ja Städte aufgebaut. In den Gassen\nund im Grünen stoßen wir auf die protzigen Lili-\nputaner.\nDie Kunstgewerbebewegung gehört in die\nJournalistik und die Journalistik ist eine Lebens-\nlüge, nicht etwa eine Kunstlüge. Die Verblödung\ndes Volkes ist nur der Vorwand. Das Ziel ist die\nFesselung des Geistes. ;Man darf vor keiner\nKunstwendung auf die Männlichkeit seines Geistes\nverzichten. Man muß die Nüancierung in ihrer\nabstrakten Spitze greifen.\n\nSchluss folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nRussisches Ballet\nSiurlai\nWo der Mangel an Tradition vor jeder Re-\nvolution schützt: man füttere das Gefühl für\nUeberlieferung mit den garnierten Beinen rus-\nsischer Tänzerinnen. Oh, die im Abend, von senti-\nmentalischen Lichtern umdampft, jedem Zweck selig\nentrannt steil sich verbiegen. „Wozu hier Musik?\nsagte er nachher, „man gewöhne sich, die Stille\nrhythmisch zu hören.\" Aber das Publikum, da\ndies Tanzen sinnlos ist, bedarf auch des Unsinns\nder Texte. (Man wird jener Dame zwar nicht\nglauben, daß sie eigentlich Prinzessin und tags-\nüber in einen Schwan verwandelt ist, aber man\nwird ihr nun immerhin gestatten, zu tanzen.) Dem\nBallett entspräche, daß böser Geist, Prinz, Braut\nund treulos Verlassene zusammen Menuett tanzten.\nJedoch das Parkett, von Ungewißheit gepeitscht,\nentbrennt dem Tode und allen gut sichtbaren Ka-\ntastrophen. So erstarrt Nijinsky; und nur die\nKarsavina lächelt noch über jedem Untergang.\nSie — als zwischen vergifteten Farben die Erotik\nin Choreographie unterging — umflackt den\nSultan Ueberrascher, der zur Welt hauptsächlich\nanführte, daß die Appartements seiner Damen nur\nihm geöffnet seien. Aber der Sultan ist nach dem\nHerzen des Parketts . . . W. Gh. schreibt eine\nKomödie, in der alle umkommen, weil die Welt\nnicht untergeht.\n\nAus der Musik„welt”\nJ. A.\nDrauf und dran\nDer Veteran unter den Berliner Musikkritikern,\nJosef Lewinsky, ist — äh — ein jrader Geist. Seine\nJedanken haben Richtng. Sind diszipliniert. Er\nschreibt mit militärischer Schneid. Einfach phäno-\nmenal kernig, Kollege.\nMan hatte ihn abkommandiert: Bericht über\nein Steinbach-Konzert zu erstatten. Und er mel-\ndete gehorsam:\nDas lebhafte Naturell Steinbachs kommt be-\nsonders in bewegten Tonstücken zu s i e g h a 112 -\nte r Entfaltung. Er ist der geborene Ko m -\nm an d e u r des Orchesters; in seinem Element\nist er so recht, wenn er seine Mannen ins\nFeu e r fii hren kan n. Die zündendsten\nS ä t z e in der Bachschen „Suite\" waren daher die\nspringende „Gavotte\" und die wirbelnde „Figur\".\nEs war auch hier wieder ein glänzender Sieg\nauf allen Linien. Das Publikum gab sich gefangen,\nund es dankte dem „geborenen Kommandeur\" und\nseinen wackeren Mannen mit dem Donner vieler\nApplaussalven. H u rra !\nEin Hanswurst\nAm Schwanzende des vergangenen Jahres\nhuldigte das große Intelligenzblatt jenen Köpfen, die,\nbis auf einige wenige, dem Henker des Geschmacks\nvon gestern schon verfallen sind. In der Galgen-\nfrist, die ihnen gewährt ist, lüften sie die schäbige\nNimbusgardine: den neugierigen Zeitungsleser den\nseltenen Blick in die - „A r t des dichterische n\nSchaffens\" gewinnen zu lassen. Sie sind mit\nihrem Los zufrieden. Der Hans B r e 11 n e r t feilt\nsogar vergnügt an einem Libretto, dessen einzelne\nBlätter ihm Jean Gilbert aus der Hand „rupft\".\nDas Werk hatte ursprünglich eine satirische Grund-\nidee. Aber der „Schriftsteller\" hat sie mit Walzer-\ntexten verschütten müssen. Die Leute vom Bau,\ndie wahren Freunde der Operette, nötigten ihn\ndazu. Nehmt es ernst: Hier ist ein Humorist, der\neiner satirischen Grundidee nachtrauert, die unter\nWalzertexten begraben liegt — ein Opfer der guten\nFreunde der Operette, obgleich ihr bester Freund\nHans Brennert selbst ist. Nach einem „Ball auf\nEis\" schmolz err in Versen zum Ruhme jene\" ge-\nliebten Operettenkomponisten, die einer modernen\nRedoute eben dem „Ball auf Eis\", im Admirals-\npalast „die künstlerische Patina gaben\". Schäkert\nSchach, der auch ein Brett vor dem Kopf hat.\nDoch Hans Brennert in allen Gossen dichtet:\nRaffen aller Schleppgewänder —\nTrommelwirbel! — Alles schweige! —\nOben am Musikgeländer\nPaule L i n c k e mit der Geige.\nUnd er geigt das Lied vom Mädel,\nDas da rollschuht auf der Straße!\nAnstecklocken, kahle Schädel\nWiegen sich in Walzermaße.\nSpäter grüßt mit neuem Tusche\nDie Trompete reich versilbert!\nSeiner neuen Walzerdusche\nHähne öffnet nun Jean G i 1 b e r t.\nHa! ein Rebell?\nJohannes der Doebber erzählt, daß die vier-\naktige Oper „Otello\", des italienischen Meisters\nletztes Werk, wieder einmal im Spielplan des könig-\nlichen Opernhauses „erschienen\" ist. Der „Otello\"*\neines\nvon den Werken, die nur vorübergehend zur Auf-\nführung kommen, um nach einigen Abenden in der\nBibliothek z verschwinden. Die Gunst des großen\nPublikums ist dem Otello nicht besonders zuge-\ntan, und das mit einigem Recht. Die Oper ge-\nhört nicht zu den glücklichsten I n s p i r ä\ntionen des Altmeisters Verdi; der schwan-\nkende Stil zwischen alter Opernschabione\nund fortschrittlichem, von Richard Wag-\nners Prinzipien beeinflußtem Geiste wird heute\nselbst dem unbefangensten Hörer fühlbar. Und\nso ist der Otello nur mit einem illustren Gast in\nder Titelrolle wirklich genießbar.\nDieser Johannes erleidet nicht Kunst. Er will\nsie genießen. Den Str a u ß verschlingt er mit\nHaut und Federn; den alten Verdi frißt er nicht. Da\nfahre doch gleich ein Hauptmann a. D., Le-\nwinskys Vorgesetzter, drein:\nDieser „Otello\" ist eine prachtvolle Oper,\nBeeinflußt von Wagner, von dem neuen musika-\nlisch-deklamatorischen Stil, den der Bayreuther\nMeister geschaffen, hat Verdi als Vierundsiebzig-\njähriger ein Werk ersonnen, das seine eigene\nNote mit den modernen Ausdrucksmitteln der\ndramatischen Musik so eigenartig und auch so\nglücklich verbindet. Hier der Verdi, der mit sei-\nnem italienischen Ohr hört und der geschlunge-\nnen melodischen Linie sich zuneigt, und dann der\nMusiker, an dem die neue Zeit nicht ohne tiefen\nEindruck vorüberrauschte. Hier die kantable Ton-\nsprache, und an anderen Stellen das Streben,\ndurch vertiefte, durch scharf geprägte Charakte-\nrisierung zu wirken. Alles in glühenden\nOrchesterglanz getaucht, — schillernde Farben,\nstrahlendes Licht, kapriziöse Effekte, ein Schwel-\ngen in meisterlichem Können, eine sinnberückende\nHerrschaft über alle Mittel der musikalischen\nKunst, fast spielerisch sicher und dabei soviel\nechtes Gold!\nEtlichen Leuten das Tragen von Waffen der\nKritik verbieten? Sie richten mit ihnen Unheil und\nVerwirrung an.\nUnd die Kunst?\nDie lächelt, unverwundbar, hinter dem\nWall der Dummheit ihrer zudringlichsten Nabel-\nbeschauer, den Söldnern der „Großmacht Presse\"."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "777", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Halensee / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nmn\n%\nFR\nHAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegrundet 1825\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Nail\nEeklameangebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit Krmelaufschlagen 3250\naus den modernsten Flauschstofffen mit aufgesteppten Taschen 4550\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n3250 45 M\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabat!\n\nLes Nor\n5 rue Chapfal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nverdffentlichte das franzo-\nsische Original der T age-\nfa ucher Flaubert s, deren\nTJebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\n\n\\ % Luna Pari # &\n&i3 25. Januar: A-.isschank von\nTr iumpiiaf or \"a J sßaerge\" Brahuener\nUWintinportfest\"\nSr» Berchtesgaden\nVo'ksbelustigungen,' sonstige Attrationen\nSrei Rapellen m.\n\nn\nliefert und verleiht\nMieiuth b.~ n.\nBerlin 26, IV 4612\nQranienstraB6 6\n\nKUNSTLERiSCHE Ri&UME\n£\n<3\nHUOjO\n1912\nALBERT KOBLINSKX\nBERUNBRUCKENALLEE6\n\nCafe-Restaurant\nOdeoiv\nBar\nCkarlottenbur\nBtsm arcksteEcKe Heue (j rolmanstr\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr von 8l/2- 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nGutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nNEU EROFFNETI"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "778", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120210-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hause. Berlin SO. 26 Mariannenplatz 23\n\nAusstellungen\nKunsthandlungen\nSalons\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennig. Potsdamerstrasse 19.\nNeu ausgestellte Gemalde:\nAd. Bock\nP. Hoeniger\nH. Licht\nM. Liebermann\nE. Liebermann\nA. Liedtke\nA. Moller\nR. Poescbmann\nJ. F. Raffaelll\nE. Seelos\nF. Thau!ox\nAlice Trubner\nM Uth\nMoritz Veit\nu,\nCoUectionea von H. de Marandat-Paris\nund Hughes Stanton-LondQ!)\n\n|GR APHISCHBS K A BIN BTT |\n| Buch- u. Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag S\n| :: BERLIN Wl5, Kurfiirstendamm 33 :: |\n| Standige Ausstellung STXTSIiS: I\nS3 moderner Graphik Illustriert. Katalog u. Prospekte gratis\nw &\nW •• .. .. .. ♦. 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Theater\nund Strasse sowie\nsamtlicher fiaarar-\nbeitetl in naturge-\ntreuer Ausfuhrung\n\"Ign <\n\"NA\n\\ *s\n>\nW\n\\\n-v\n/\n$\n$33ESZSSaxZT^\"\"\n-M ;\n112\nJjm\n■ ® v\nyf 1\n\\ IM /£\nit Ijr\nj\nV.v._, 112/ ,\n„^s—\n\nLehranstalten » Kurse\n■■djajMLfiiaSS\nMai- und Zeichenschule\nStilleben — Landschaft — Portrat\nO jOTTQiT3 Hektorstrafie 17\n® \"1 am KurfurstenHamm\nMMBHBMHHnBMBmiBHBi Man verlaiige Prospekte \"*\n\nHolzschnitzen, Modellieren, Zeichnen\nTaglich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModellieien fur Architekten tag-lich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbendakt tagliclj 7 9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfurstendaiiim 248 parterre gegenuber dem Zoo\nBildhauer Harders Berlin-Charlottenburg\n—-JModelUeren und Zeicbnen—\nDorbereitung fiir 6ie Hka&emie\nKarl Deynen-Dumont\n(Efyatlottenburg .*♦ £eibni3-Str. 32, Htelier\ntTTSfttge\nII 1\n\n>7\nras spiral*\n*\n• •\n• •\n%\nMHIM-IHSTITIIT\nLeiter: M. PECHSTEIN\nE. L. KIRCHNER\nWILMERSDORF\nDurlacher Straße 14\nMODERNER UNTERRICHT\nIN MALEREI\n• •\n• •\nGRAPHIK, PLASTIK\nTEPPICH-, GLAS- U.\n: METALL-ARBEIT :\nMALEREI IN VERBINDUNR\nMIT ARCHITEKTUR\n\nSill' Buchhandiungen\n•9'M\n<•\nm\nm\nmi\nm\n\n(r\nEdmund Meyer\nBurtihanoler u Rntiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\n\n* hT\nBuililimidluugii.Aiitiqua'iat\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdame? 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