{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_sha256": "65154c61d009d3ccb6b2ffabfb91e4e97a11d6b8191fa048b4b0165e3ec6a5e1", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/02/17_01/bmtnabg_1912-02-17_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/02/17_01/bmtnabg_1912-02-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.1", "debut_caractere": 522, "fin_caractere_exclue": 899, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Die Woche: Vortrag von William Wauer / Die anonyme Zeitschrift / Die zweite juryfreie Kunstschau / ALFRED DÖBLIN: Der\nschwarz« Vorhang / Roman / HANS EHRENBAUM DEGELE: Gedicht / ELSE LASKER-SCHULER: Briefe nach Norwegen / RICHARD\nPUCHS: Wien / GUNTHER MÜRR: Hamburg / CESAR KLEIN: Originalholzschnitt / JOHN JACK VRIESLANDER: Pariser Cafe-Concerta /\nZeichnung es"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.2", "titre_corps": "John Jack Vrieslander: Pariser Café-Concerts / Zeichnungen", "titre_sommaire": "John Jack Vrieslander: Pariser Café-Concerts / Zeichnungen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.1", "debut_caractere": 901, "fin_caractere_exclue": 959, "texte": "John Jack Vrieslander: Pariser Café-Concerts / Zeichnungen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "780", "page_fin": "780", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.3", "titre_corps": "Die Woche", "titre_sommaire": "Die Woche", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "780", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7946, "texte": "Die Woche\nVortrag von William Wauer\nDer Herr Rinckleben, sonst ein guter alter\nMann, der alle Rezitatoren im Lokal-Anzeiger mit\nWohlwollen überschüttet, ist außer sich. Er be-\nginnt deshalb seinen Bericht mit einer Unwahrheit,\nindem er behauptet, daß nach dem zweiten Qedicht\nein Teil des Pubilkums fluchtartig den Saal ver-\nlassen habe. Es floh aber nur Herr Rinckleben mit\nseinem Begleiter. Weshalb floh Herr Rinckleben\nmit seinem Begleiter? William Wauer sprach un-\nsichtbar hinter einem Vorhang und hatte den Saal\nverdunkelt, Gegen solche „Auswüchse der Moder-\nne44 ist Herr Rinckleben nun einmal. Auch wünscht\ner, „daß die Kunst gefällig sei\". Die Prostitution\nder Kunst geht heute überhaupt schon weiter, als\ndie Prostitution der Liebe. Während man sich hier\nmit der Gefälligkeit begnügt, verlangt man dort\nauch noch Verständlichkeit. Dem \\ ertrockneten\nOrganismus hilft aber keine Gefälligkeit, und dem\nverkalkten Gehirn wird jede Kunstäußerung unver-\nständlich bleiben. Kunst ist ein Instinkt, wie die\nLiebe. (Erotik nur eine physische Lebensäußerung\nwie Hunger.) Menschen ohne Instinkte können\nweder Kunst schaffen, noch genießen. Es ist sinn-\nlos, Kunst verbreiten zu wollen. Es ist schamlos,\nder Menge Kunst zu geben. Man gibt auch seine\nLiebe nicht der Menge, ob sie nun aus Weibern\noder Männern sich zusammensetzt. Man ist zwar\nnoch so brutal, sich zum Zwecke des Essens oder\nTrinkens zusammenzutun. Körperliche Angelegen-\nheiten erfordern keine gemeinschaftliche Tätigkeit.\nKunstinstinkte befriedige man in sich. Für-Liebes-\ninstinkte ist die Zweisamkeit erfreulich, wenn auch\nentbehrlich. Kunsterlebnisse körperlich vorzufüh-\nren scheint mir daher die stärkste Ueberwindung\nseelischer Hemmungen zu sein. Daher sind auch\ndie großen Schauspieler und die großen Vortrags-\nkünstler selten. Die meisten sind nur Medien, Ob-\njekte eines Künstlers, dessen Erlebnis sie wieder-\ngeben. Rezitation kann überhaupt nur als Kunst\ngelten, wenn sie das dichterische Erlebnis durch\nden Tonfall offenbart. Die Person, auch die Per-\nsönlichkeit, verhindert den optischen Eindruck. Die\nPhantasie bedarf des leeren Raumes, um Akusti-\nsches optisch zu versinnlichen. Die Gestaltung,\nalso die Kunst, liegt in der Stimme. Sie bedient\nsich wie die Dichtung malerischer Mittel: sie gibt\nBilder. Auch hier zeigt sich die nicht genug zu be-\ntonende Trennung der Künste. Ein schlechtes Ge-\ndicht kann durch die Stimme ein Kunstwerk wer-\nden. Ja, je besser, je konzentrierter das Gedicht\nist, desto weniger wird es sich zum Vortrag eig-\nnen. Wohl kann man Material gestalten. Aber ge-\nstaltetes Material zu gestalten, bleibt ein Unsinn in\nsich. William Wauer besitzt die Fähigkeit, Kunst-\nwerke der Stimme zu schaffen. Ich habe natürlich\nauch, wie der Kollege Rinckleben, seinen sächsi-\nschen Dialekt gehört. Aber Vortragen heißt nicht,\nkeinen sächsischen Dialekt haben. Sonst fiel mir\nauf: je schlechter das Gedicht war und je stärker\ndas Temperament, der impetus des Verfassers in ihm\nlebte, desto stärker wirkte der Vortrag. Die guten\nGedichte ergaben im Vortrag eine karikaturenhafte\nUebertreibung. Mit sicherer Erkenntnis wählte\nWilliam Wauer meistens schlechte Gedichte. —\nDas war eine Literatur zwischen Kleist und Lilien-\ncron. Man versteht, warum die Herren Apollon\nund die Musen so oft angerufen haben. Namentlich\ndie Dichter, nach denen die Straßen in Berlin be-\nnannt sind, gehören sicher auf die Straße. Um\nUhland streiten sich sogar Charlottenburg, Wil-\nmersdorf und Berlin W. 15. Charlottenburg war\nwenigstens so vorsichtig, unter dem Straßenschild\nzu vermerken: Uhlandstraße, Ludwig UÜland,\nDichter. Sonst könnte man es sicher nicht wissen.\nAuch die Herren Lenau und Chamisso sind des\nMitleids würdig.\nIch träume als Kind mich zurücke\nUnd schüttle mein greises Haupt.\nWie sucht ihr mich heim ihr Bilder,\nDie längst ich vergessen geglaubt.\nNur suchen ihn die Bilder nicht heim. Bitte, man\nvergesse selige Schulerinnerungen und lese sich\nnur diese vier Zeilen wieder einmal durch und die\nfolgenden:\nDu siehst geschäftig bei den Linnen\nDie Alte dort im weißen Haar\nDie rüstigste der Wäscherinnen\nIm sechsundsiebenzigsten Lebensjahr.\nMan sieht sie eben nicht, sondern erfährt\nnur, daß die Dame ihr Alter ohne Fonriialitäten\ndurch den Dichter gestehen läßt. Oder der Dichter\nLenau:\nLieblich war die Maiennacht, Silberwölklein flogen,\nDurch die laue Frühlingsnacht freudig hingezogen.\nKein Erlebnis, keine Gestaltung, keine Bilder, kein\nRhytmus, also ein Dichter. Diese Herren, ebenso\nwie Freiligrath, Mörike, Eichendorff, Grillparzer,\nbleiben durchaus verständlich. Man kann sich bei\nihnen alles denken. Dabei reimen sie nicht einmal\ngut, aber sie sind vom deutschenVolk anerkannt.\nDas deutsche Volk hält alles für Kunst, wobei es\nsich etwas denken kann. Sinnfälligkeit wird durch\nBildung ersetzt. Kunst durch „Gemüt\". Liebe\ndurch Lebensfreude. Bewunderung verdient das\ndeutsche Volk nur für die Treue zu seinen aner-\nkannten Liebiipgen. Liebling des Volks zu sein ver-\nbürgt wenigstens die Kenntnis des Namens. Ein\nTrost bleibt es aber, daß die schlechten Dichter\nebensowenig gelesen werden, wie die guten. Nur\ndie Schulweisheit läßt von ihnen träumen. — Ich\nlasse mir diese Art der Träume höchstens durch\ndie Stimme von William Wauer gefallen.\nDie anonyme Zeitschrift\nEine ganz kleine Gruppe von Schriftstellern,\ndie mit der Anonymität ihrer Beiträge die Sach-\nlichkeit betonen möchte gegenüber der heute so\nbeliebten Betonung des Persönlichen, schreibt\ndiese Monatschrift „Der lose Vogel\", in der viel-\nleicht nicht ganz aussichtslosen Hoffnung, dazu\nzu helfen, daß dieser sogenannte moderne\nMensch auf sein Epitheton verzichten lerne und\nein Mensch werde, bestimmt durch seine Art und\nBegabung, aus der, und sei sie noch so gering\nund eng, zu wirken, ihm und damit dem Ganzen\ndes Lebens von größerem Nutzen und besserem\nGlücke sein wird, als wenn er sich in eine immer\nnur oberflächliche Vielseitigkeit und falsche gei-\nstige Geschäftigkeit verliert, die ihn zum Toren\nmacht und keinem dient.\nSolchen Satz schreibt eine Gruppe von unpersön-\nlichen Schriftstellern, die Menschen werden\nwollen, bestimmt durch ihre Art und Begabung.\nBetonte Sachlichkeit. So siehste aus.\nDie zweite juryfreie Kunstschau\nDas Neue der zweiten juryfreien Kunstschau\n(Potsdamerstraße 39) liegt in dem offenen Bekennen\nder Bilderpreise. Das Publikum kauft tatsächlich\nhäufig Reproduktionen und Drucke, weil es den\nPreis für ein Originalgemälde unerschwinglich hält.\nDie Künstler und vor allem die Kunsthändler und\nAusstellungsveranstalter lieben es außerdem, mög-\nlichst hohe Verkaufspreise zu normieren, an deren\nErzielung sie selbst nicht im geringsten glauben.\nNun kann selbstverständlich eine Reproduktion,\neine Lithographie, ein Holzschnitt künstlerisch\nwertvoller sein, als irgend ein „Originalgemälde\".\nMit Schaudern denkt man daran, wie die Leute\nwohl aussehen mögen, die sich für je einhundert\nMark in den Besitz von etwa sechshundertfünfzig\nder ausgestellten siebenhundert und vierundfünfzig\nBilder setzen werden. Die „schönen Damen\" wer-\nden sicher für diesen wohlfeilen Preis zuerst ihren\nLiebhaber finden. Ich spekuliere auf die Dame, die\nvor Temperament ganz rot geworden ist Auch\nRosen blühen in allen Farben. Die guten Maler auf\ndieser Ausstellung sind schon bekannt. Sie sind\nMitglieder der Neuen Sezession. Die andern sind\nwieder, wie bei der ersten Ausstellung, Frauen. Ich\nverstehe nicht, warum sie nicht in die bestehenden\nKünstlervereinigungen aufgenommen werden, da-\nmit man ihre Bilder gesondert von dem Kitsch be-\ntrachten kann. Die wertvollsten Arbeiten auf die-\nser Ausstellung sind von Rosenkranz, von Hans\nDornbach und von Emmy Wollner. (Von ihr sei\nbesonders eine Oelzkizze, Stilleben, erwähnt).\nWilhelm Morgner stellt sehr schöne Holzschnitte\naus, Artur Segal und Moriz Melzer sind mit guten\nArbeiten vertreten. Einen neuen Namen will ich\nnoch nennen, Emmy Conrad-Gotzmann. Eine Luft»\nStudie beweist starke künstlerische Qualitäten.\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "780", "page_fin": "781", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.4", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang : Roman", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang : Roman", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "780", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.2", "debut_caractere": 7948, "fin_caractere_exclue": 10322, "texte": "Der schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nWie im ersten Träumen, wenn der Leib Kissen\nund Decke nicht empfindet, das Seelchen anhebt,\nsich sacht um einen Pfahl zu schwingen, rascher,\nrascher, hollah, hurra husch, und die Besinnung\nan einem Wollfaden gebunden folgt, sich verrennt,\nverstrickt, taumelt, fällt, einschläft, ja einschläft, —\nalso verstricke ich mich nunmehr in mein Gleich-\nnis. Was bei solcher wahrhaft homerischen Breite\nnicht weiter verwundert. Wehmütig erinnert es\nmich an einen Mann, der lange Monate Ziegel-\nsteine kaufte, so viele, schöne blanke Ziegel-\nsteine, daß er über dem Anhäufen, Verschuppen\nund Bewachen seinen Häuserbau vergaß, immer\nwieder nachsann über etwas Vergessenes, schließ-\nlich wahnsinnig wurde.\nEs war aber ein plumper, breitschultriger\nMensch mit eingesunkenem Rücken, * dessen Seele\nsich so verwirrend schnell erregte, — ein braun-\nhaariger, sehr junger Mensch in einem großen\nZimmer. Das schien so leer und weit in dem gelb-\nlich weißen Licht der Lampe vor Johannes' Sitz;\ndenn die Schatten reckten sich lang und wollten\nsich schier körperlich, stark und schwer von/\nTischen, Stühlen, Spinden abstoßen ins Leere.\nDie Geräte und Gegenstände standen an den\nWänden, in Zimmermitten unbewegt und in sich\ngezogen da und duldeten das leichte Licht und die\nSchatten.\n„Hier genoß er seines Geistes und seiner Ein-\nsamkeit und wurde dessen zehn Jahre nicht\nmüde'1: Mit zusammengebissenen Zähnen las,\nwürgte, kaute, schluckte er an dem Worte. Sein\nGrimm kletterte an dem Satze hinauf, kauzte oben\nauf der Stange und machte Männchen; und alles\nwar unten geblieben und sah hinauf. Leise zogen\nsich seine Muskeln zusammen, um das ansteigende\nV/eh zu zerdrücken und zu übertönen.\nEs wäre eine gar leichte Fortführung, wenn\ndie Spannung auch auf seine Finger überstrahlte,\nwenn der unglückselige junge Mann nun nach dem\nBuch, dem Unheilerreger krarnpfte und ihn mit\nwiegenden Händen, — etwa während sich die\nLippen mit einem Zucken öffnen, — in das Zimmer\nund die Schatten schleuderte. Dieser Mann ist ja\nnur erdacht, und für erträumte Dinge gelten keine\nNaturgesetze, die so fremdartig putzen würden,\nwie eine graue Perrücke den Kindskopf eines Dirn-\nchens.\nNoch ist die Seele keine Mondfinsternis und\nließe sich berechnen. Wenn ich gelaunt bin, fallen\nalle Steine nach oben, singen alle meine kleinen\nHexchen: fair is foul and foul is fair."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "781", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9419, "texte": "Aber Johannes liebte dieses Buch all zu sehr,\nweil es einen braunmarmorierten Deckel und wun-\nderschönes gelbes Papier hatte und über die gelbe\nEbene sich ein schwarzes Buchstabenheer wälzte,\nbald in dicht geschlossenen Zügen, bald einzeln\nund in Abteilungen, frech wie Jäger ausschwär-\nmend. Und jetzt in dem scharfen Licht trug\njeder Buchstabe am Rande rasch aufhuschende\nPurpurfarben, als ob sich der gebannte Geist der\n. Worte befreien und dem Schwesterlicht anver-\ntrauen wollte.\nSondern der Krampf dehnte und zog sich ganz\nauf das Zwerchfell; Johannes breitete die Arme\nmit den losen Aermeln über das offene Buch und\nfing, indem er den Kopf in das Dreieck der ver-\nschränkten Arme legte, auf die hergebrachte Art\nzu schluchzen an. Das war ein immer erneutes\nGlucksen, Schnaufen und Zusammenfahren. Die\nTränen, fielen auf das Buch und das Wasser floß\naus den Augen, rann durch den Tränenkanal, die\nNasengänge in den Rachen, daß Johannes schluckte\nund das Salz schmeckte. Die Spannung erschöpfte\nund löste sich allmählich. Er stützte bald den\nKopf auf die linke, leidend, wischte das Buch ab\nund schob es schluchzend zurück. Eine Kühle, eine\ngedämpfte Bitterkeit überzog ihn, während die Er-\nschütterungen abflössen, nachließen und ganz ver-\nklangen; ihm war, als ob er einen Angriff abge-\nschlagen hätte, der ihm mit Gewalt ein Unrecht\nantun wollte. Lange saß er so und beruhigte sich.\nDann schneuzte er sich noch einmal, griff, noch\nimmer schluchzend, nach einem Bleistift und\nschrieb, trotzig, in Holzhackerschrift:\n„Ein König liebte — den weißen Wein. Aber\nes wuchs keiner in seinem Reiche, weder im Osten,\nwo das Gebirge fruchtbare Abhänge bot, noch im\nWesten, wo sein Land sich zu einer hügeligen\nEbene flachte, und aus den Flüssen schädliche\nDünste stiegen. Ueber seinem Kopfe ging immer\nwieder die Sonne hinweg, aber seine Hoffnung\n_ mußte erblassen wie der bleiche Liebling seines\nHerzens.\nDie Höflinge feierten ihre Feste; die Augen\naller träumten lieblich, und alle schauten sich mit\nNeigung in die bekränzten Gesichter; zwischen\nihnen ging der stille Herrscher und gähnte, und\ndie Sucht bohrte und schüttelte den suchenden,\nals wieder das verfluchte Sonnenrot auf seinen\nWeg fiel und darüber wie ein Hohn hin-\nschwebte.\" —\nAls Johannes dies hinschrieb, fühlte er selbst\netwas höhnisches in sich auflachen; er starrte\nvor sich hin und verbarg das Gesicht in den\nHänden.\n„Alle Seligkeiten liegen über meinem Reiche;\nich mag sie nicht, verachte sie. Nur dies einzige,\nwas ich begehren muß, dieses winzige, diesen —\nlumpigen — weißen —\"\nEs zerrte und stieß hinterlistig an seinen Blei-\nstift und wollte ihn rückwärts stoßen, um einen\nqueren, dicken Strich über das Papier zu ziehen,\nvergleichlich dem Wege eines Pudels, dem man\ndie Schwanztrottel in Tinte getaucht hat, und der\nnun mit Geheul fortläuft. Die Hand sank zu-\nsammen und lag wie ein weißer Tierleichnam\nflach auf dem Tisch.\nSie schrieb nicht weiter, und war alles ganz\nstill. Ja, es lächelte sogar mit gesenktem Kopf,\nder eben so bitterlich geweint hatte. —\nVielleicht fallen hier und da noch Worte,\ngenug, um alle Farben aufzuhelfen, welche im\nWeinen und Lächeln Johannes' sich mischten.\nIch werfe Bröckchen auf den Weg und kleine\nKiesel, wie es die Schwester im Märchen tat, dem\ndas Brüderchen im Wald verloren war.\nAber die Brosamen pickten die Stieglitze und\nHänflinge, und die Kiesel verwehte der wilde\nWind in der Nacht „Wo mag doch mein klein\nBrüderchen sein, lieber Stieglitz, lieber Hänfling,\ndu loses Windchen?\"\nEin Wurm, der an Johannes Seele fraß, war,\ndaß so wenig Vogelgeschrei über seinen Weg ge-\nhallt hatte. Er beneidete manchmal heimlich\neinen Verbrecher und spottete nicht, wenn von der\nVergangenheit einer Frau die Rede ging.\nUeber sein verschlossenes Gesicht legte sich\ndann ein Schmelz von Ehrfurcht; etwas warm\nschwärmerisches quoll in ihm auf, so daß, die um\nihn waren, scherzten über ihn, dessen Herz nach\nTaten schmachtete, nach absonderlichen Taten.\nSchon hatte in ihm die Lust zu kostbaren Ge-\nfühlsmischungen dunkel präludierend angeschla-\ngen, verlieh seiner Einsamkeit ein kopfhänge-\nrisches, schwermütiges Erhobensein und gab sei-\nnem Selbstbewußtsein die komischen Flügel einer\nGans.\nNur daß Vater und Mutter fern vor ihm in der\nHeimat gestorben waren, während er selbst sich\nkrank durch sein letztes Schuljahr wälzte, war,\nwas er von sich wußte: eine herrische stark-\nknochige Mutter mit kühlem Blick, ein fügsamer\ngedrückter Vater, der nicht klagte, stillstilles Al-\nräunchen, das langsam vertrocknete und einging.\nUnd er hauste bei einer fetten, glotzäugigen,\nkropfhälsigen Frau aus seiner Sippe, deren Toch-\nter verdorben und deren Sohn verschollen war;\nund die nun in dem engen Bezirk weniger Stra-\nßen ihr behäbiges, dickwamstiges Dasein führte\nmit leichter Atemnot.\nUeber Johannes Appetit, Schnupfen, zerrissene\nSocken und schmutzige Hemden herrschte sie\njunonisch und mit einer herzlichen Teilnahme, die\ner oft ungeduldig und seufzend abwehrte. In\nihrem schwarzseidenen Kleide gedieh sie, als eine\nRose von übergroßer Pracht, die sich über ein\nkartoffelblasses Pflänzchen beugte.\nWenn er hingesehen und sich erinnert hätte,\nso hätte er zugegeben, daß stumme Dinge mit\nvieler Seltsamkeit und Kraft über seine Wege ge-\nschlüpft waren all die früheren Jahre.\nWährend täglich Wasser und Nahrung von\nPflanzen und Tieren durch seinen Körper strömte,\nvon denen Verwandtes in ihm verblieb und Blut,\nKnochen, Schleim erneuerten, Tags und Nachts,\nwar unbemerkt schweres in Krankheiten und Ge-\nsundheiten durch ihn geschlichen, wie geduckte\nEidechsen im Grün und hatte Spuren hinterlassen.\nWenn auch das Gebrüll der Schmerzen und Ent-\nzückungen bald verklang, so hallte ihr Stöhnen\nund Röcheln noch lange dumpf nach.\nDa riefen sie seine Gedanken ganz heimlich\nan; und er lag platt auf dem Bauch über sich\nselbst, beschnüffelte und warf sich unruhig. In\ndem schweren Körper begann das Leben mit\nRaschheit und Heftigkeit zu arbeiten. Keine Mut-\nter hatte Johannes zart sprechen gelehrt, keine\nSchwester seine Sprunggelenke im Tanz ge-\nlockert und seinen Sinn an süße, feine Nichtse ge-\nkettet. Wenn seine dumpfe Stimme sprach,\nstarrte man auf ihn und gab ungern Antwort.\nEr staunte, erriet nichts, zog sich unsicher in\nsich zurück, immer mehr; er trieb ins Sinnieren\nund Träumen hinein, in die Notauswege des auf-\ngestauten Lebens; bald verlernten Muskeln,\nSinne und Wünsche djas unbedenkliche schnelle\nZucken und Antworten, schlössen sich zarten, in-\nneren Gewalten enger an und wurden ein Spiel in\nihrer Hand. Halb gelöst von allem Wirklichen sog\nder selbstfrohe oft den Rauch ein, der zu ihm wie\naus dem Nichts aufstieg, und jenes glückliche\nLächeln schwamm um seine Lippen, das später\nwie ein Leidenszug in dem schlaffen Gesicht des\nVereinsamten erschien.\nAber der schmale Theaterraum, in dem sel-\ntenes vorging, die Fülle der fremden weltmänni-\nschen Gesichter, Seideflirren und flüchtiger Duft,\nLächeln, Winken, Verbindlichkeit, darüber die\nWucht des blitzenden Kronleuchters und warmes\nLicht an allen Enden: das bewegte, berauschte\nihn leise.\nWenn das Tamtam erdröhnte und das Wispern\ndn dem Halbdunkel hinsank, dann waren sie sein,\ndiese Menschen alle — da erwachte er; seine\nMienen verzerrten sich, — die Nachbarn zur rech-\nten und linken merkten nichts —, und er flüsterte\nihnen seine Grüße, seine Grüße und Zukunftshoff-\nnungen zu, über ihre Köpfe hinweg. „Ihr süßen,\nwie ich euch liebe.\" Oben auf der Bühne moch-\nten sie auch in dem hellen Lichte zwischen papa-\ngeibunten Säulen und gemalten Altarfeuern zu ein-\nander sprechen und scheinbar alle Seelen bezwin-\ngen: er beherrschte sie doch wahrhaftig und be-\nsprach sie; er hielt die Zügel ihrer Seelen in der\nHand und spannte seinen ganzen Willen an, um\nsie zu lenken. Mit vollen Armen schüttete er Blü-\nten, Narzissen, Nelken, Thymian, goß er seinen\nWein über sie ins Dunkel aus, sang alles entfes-\nselt in ihm: „Seht ihr, seht ihr —!\" Jetzt hatte\ner sie. ;\nIm Dunkel der gesunkenen Augen stieg tiefrot\nseine Königskerze auf, genoß er alle Seligkeiten.\nUnd wenn sie tränenschwer in den Pausen hinab-\nstiegen und sich zwischen Palmenwedeln und\nruhigen Springbrunnen ergingen, so war ihr Fieber\nsein Werk, wenn sie ihn auch nicht sahen und be-\nden braunhaarigen mit der bäurisch gro-\nben Gestalt und den starken Backenknochen, der\njetzt seine Lorbeeren still und scheu einsammeln\nging. Was Bescheidenheit sei, fühlte er; er ging\nr '\nbei Seite und hielt den Kopf fast tief bis auf die\nBrust, damit ja niemand ihm -in die verzückten Au-\ngen sähe und sein Geheimnis erriete. Nur sein Herz\nbebte vor Glück.\nJa, es wäre ihm nicht staunenswert erschienen\nbei dieser so sichtbaren Offenbarung seiner Macht,\nwenn die Säulen des Theaters sich auf seinen Wink\nbewegt und die Decke sich gesenkt hätte. — Und\nmanchmal zuckte er mit dem kleinen Finger leise\nversuchend und den Blick auf die Säule gerichtet:\naber dann fuhr er lachend zusammen und drohte\nsich schalkhaft wegen seiner unergründlichen Bos-\nheit und ließ es sein.\nSein Mitleid siegte; er wollte doch lieber kein\nUnheil anrichten und den Eltern, die ihre Kinder\nam Theater wußten, ihr ein und alles in einer Laune\nrauben. Und die schlanke blonde Dame da sollte\nnoch mit einem blauen Auge davonkommen. Aber\nsie wußte nicht, welch edler Mensch so unfern von\nihr saß. Und er wollte auch keinen Dank, denn er\nselbst mußte sich vor der Macht beugen, die zu-\nfällig eine blinde Natur gerade ihm verliehen hatte.-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "781", "page_fin": "781", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.5", "titre_corps": "Gedicht", "titre_sommaire": "Gedicht", "signature_source": "Hans Ehrenbaum Degele", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "781", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.3", "debut_caractere": 9440, "fin_caractere_exclue": 9988, "texte": "Gedicht\nHans Ehrenbaum Degele\nWie ein Wald, der sich ins Dämmern webt,\nWar :ich zwischen Tag und Traum gefangen\nUnd von Sitbernebel matt belebt.\nImmer aber trieb mich ein Verlangen\nUnd ein Durst nach Licht und Kostbarkeit.\nAuf der Straße Sehnsucht bin ich weit\nVon Gespiel und Heimat fortgegangen.\nBannte mich ein Wunder in die Welt:\nSonne küßte alle meine Stunden,\nRosen wurden alle meine Wunden\nUnd dem Flüsterspiel des Winds gesellt.\nWill sich Abend auf die Weite senken,\nWird mein Herz ein süßes Blütenfeld,\nAllen Sternen Träumerei zu schenken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "782", "page_fin": "782", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.6", "titre_corps": "Briefe nach Norwegen", "titre_sommaire": "Briefe nach Norwegen", "signature_source": "Else Lasker-Scbüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "782", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7777, "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Scbüler\nLiebe Beide. Als ich heute Morgen aufstand,\nkroch eine kleine Sonne auf meinen Fuß und\nspielte mit ihm wie eine bunte Eidechse Ringel-\nrangel. Ich bin sehr glücklich heute, mein Zim-\nmer ist süß, die kalte Luft die durchs Fenster\ndringt, schmeckt süß und mein Schrank enthält\nlauter süße Feierkleider: ein goldenes, ein palmen-\nfarbenes und ein Kleid aus Kristallseide, es klingt,\nUnd meine Kriegsgewänder sind friedlich, die\nweite schwarzseidene Hose schmücken süße Per-\nknbordeit. und aus den Muscheln meines Gürtels\nbegegnen sich Schnecken und strecken ihre klei-\nnen Korallenhörnch-en entgegen: Allah machäh —\nEs sind alles Muscheln, die ich am Strand des\nNils auflas. Und in der Kriegstasche aus wilden\nSchalen harter Früchte, finde ich verzuckerte\nRosen, die süß zu essen sind. Ich bin verliebt —\nHerwarth, Kurtchen, er sagt, er hätte breite\nHände. Ich finde seine Hände wundervoll und\nriillrend, kleine Kinderhände, aber durch die Lupe\ngesehn, als ob sie durchaus groß sein wollten. Ich\nspiele den ganzen Tag mit seinen Händen; jedem\nFinger habe ich einen Ring aufgesetzt, jeder\nträgt einen anderen, seltenen Stein. Der an sei-\nnem kleinen Finger erzählt die Geschichte meines\nUrgroßvaters, des Scheiks, des obersten Priesters\naller Moscheen. Am Goldfinger sitzt ihm die Sage\ndes Fakirs, des Bruders der Gemahlin des Emirs\nvon Afghanistan, der war der Vetter meiner Mut-\nter. Am Daumen droht ihm der blutigste Krieg,\nein rissiger, tiefer Stein mit dem Bilde Konstantins\ndes Kreuzritters, dem ich den Kopf abschlug in\nder Schlacht bei Jerusalem. „Er\" ist selbst ein\nKreuzritter, ich befinde mich in verliebter Ver-\nzweiflung.\nWollt Ihr mir beide telegraphisch mitteilen, ob\nes stillos ist, daß ich mich in einen Ritter verliebt\nhabe? Tino von Bagdad.\ni\nStatt mir telegraphisch zu antworten, fragt\nBir mich, wer „er\" ist. Aber ich hab schon\neinmal betont, ich sag nichts genaueres mehr. Er\nIst groß und schlank und wenn seine Augen sich\nglücklich auftun, blühen sie wie ein Kornblumen-\nfdd. Ich habe ihm gesagt, jedes Mal wenn er\nseine Augen lächelnd öffnet, schenke ich ihm einen\nPalast, oder einen goldenen Palmenbaum, oder\neine Hand voll schwarzer Perlen oder ganz\nAsien. Ich muß Euch noch etwas merkwürdiges\nerzählen: er bat mich, er drängte mich, nicht\nmehr ins Cafe zu gehen. Es war mir so zärtlich\nzu gehorchen, ich ging am selben Abend nicht\nmehr ins Cafe. Am anderen Abend war ich wie-\nder dort; er war sehr traurig, als er da sagte,\ner hätte eine Schlacht verloren. Mich beküm-\nmerts, er sollte alle Schlachten gewinnen, und\nwenn ich ihm helfen sollte, mir den Kopf abzu-\nschlagen. Oder meint Ihr, ich ginge auch ohne\nKopf ins Caf6? Nur mit dem Rumpf, dumpf\nstumpf in den objektiven Sumpf! O, wie pathe-\ntisch, nicht? Aber, es gibt ja nichts objektiveres,\nwie das Cafe, nachdem man in seiner Literatur\nam Schreibtisch zu Haus die Hauptrolle gespielt\nhat. Entzückend, sich abzuschütteln, seine inten-\nsiveste Last. Sagt, Ihr beide, kann mir das Cafe\nschaden oder nicht schaden? Herwarth, Du be-\nhauptest ja immer, ich bin ein Genie, das ist\nDeine Privatsache. Soll ich mich nun von ihm\ntrennen und ins Cafe zurückkehren oder \"soll ich\nbei ihm bleiben? „Kehre zurück, alles vergeben!\"\nPfui! ... Er hat das schönste Profil, das ich je ge-\nsehen habe, wem soll ich es anvertrauen — Dir,\nHerwarth: Er ist der Konradin, den ich tötete in\nJerusalem, den ich haßte in Jerusalem und alle\nseine Kreuzchristen in Jerusalem. Wem soll ich\nes anvertrauen wie Dir, Herwarth; die andern\nsi»d ja alle Philister. Wir sind ganz lila, wenn\nwir uns lieben, wir sind Gladiolen, wenn wir uns\nküssen, er geleitet mich in die Himmel Asiens.\nWir sind keine Menschen mehr. Du erzählst mir\nnie etwas, Herwarth, oder laß ich dich nicht zu\nWorte kommen, oder hast du noch immer nicht\nvergessen, daß wir verheiratet sind?\nIch habe nun nur ihn. Aber ich bin so be-\ngierig, wie es meiner Bleibe und meiner Sterbe\ngeht, dem Cafe des Westens? Es ist genau so,\nals ob ich einen Ohrring verloren hab, ich beginne,\nmich nicht mehr zu fühlen. Ein Säufer muß in\nseine Kneipe, ein Spieler in seine Hölle, nur ich bin\nabnorm. Aber er meint es ja gut er sagt\nLeute verstehen mich nicht Aber das Cafe ist\ndas einzige Geheimnis zwischen uns; (selbst Dich\nkennt er, Herwarth,) das Caf6 liegt wie eine Küste\nzwischen uns. Gibt es nun einen Ort auf dem so\neine Bazarbuntheit ist, wie in unserem Caf£? Und\neine nettere, liebenswürdigere Circe wie unsere\nFrau Wirtin? Euer Odysseus\nLieber Herwarth, Kurt, wißt Ihr das Neueste?\nCajus-Majus ist verschollen, er darf nicht mehr\nins Caf6 kommen, er soll sich das Leben genom-\nmen haben, teilweise wenigstens. Ich habe es\nselbst gehört im Caf6, ich war verkleidet als Poet,\nnur der Kokoschkasammler, Herr Staub, erkannte\nmich, er ist ein Eigener; es war gestern am ersten\nFebruarlenztag, der Schnee lag bescheiden auf dem\nHag ... Ich bin Poetin!! Aber lauter Leute\nkamen ins Caf£ mit lauter seltsamen Tiergesich-\ntern, ich wollte, ich hätt manchmal so eins zum\nBangemachen. Ich hätte gern mit dem Kokoschka-\nsammler gesprochen; einmal lachte er auch, aber\nich wollte, ich hätte zum Teufel — wenn ich\nwüßte, was ich wollte.\nHerwarth, ich muß viel denken, ich hab auch\nwieder viel Angst. Und mein Herz spür ich\nimmer so komisch, ich kann nachts nicht schlafen\nund träume mit offenen Augen Wirklichkeiten. Es\ngibt einen Menschen in Berlin, der hat dasselbe\nHerz, wie ich eins habe, dein Freund der Doktor.\nSein Herz ist kariert: gelb und orangefarben mit\ngrünen Punkten. Gallienhumor! Und manchmal\nist es schwermütig, dann spiegelt sich der Kirch-\nhof in seinem Puls. Das muß man erleben! Aber\nmeins ist manchmal doppelt vergrößert, oder es\nist purpurblau. Wenn er wenigstens Schwärmerei\ndes Herzens kennen würde; aber die Unruhe fühlt\ner manchmal. Ich erlebe alle Arten des Herzens\nnur den Bürger nicht. O, die Herzangst, wenn das\nHerz versinkt in einen Wassertrichter oder zwi-\nschen Erde und Himmel schwebt in den Zähnen\ndes Mondes oder es einsinkt — o, der Au«e»Wicjc,\nwem meine Stadt Theben—Bagdad einsinkt.\nSieh Dir die Bilder an, Herwarth, wie klar äte\nDinge und Undinge des Herzens gezeichnet sftMl.\nSollte man nicht an die Wirklichkeit glaube», ist\ndie zu verwerfen? Ist dieser kleine Abschnitt der\nHerzstimmungen meiner medizinischen Dichtung\nwertlos?\nLeb wohl, i-ch will noch an den Dalai-Lama\nschreiben..\nIch werde so lange an das rote Tor\nIhrer Fackel rütteln, bis Sie mir öffnen. Ich\nhabe ein neues Gedicht, ein neues Gedicht habt\nich gedichtet Ich habe es mir in den Kopf gesetzt,\nes muß in Ihre Fackel herein, es hilft mir kein\nHimmel, es muß in Ihrer Zeitschrift gedruckt wei -\nden. Ob Sie die Jetzt alleine schreiben oder nicht/\nich lasse mich darauf nicht ein, — es nuiß sein.\nIhre Fackel ist mein roter Garten, Ihre Fackel\ntrug ich ats Rose über meinem Herzen, Ihre\nFackel ist meine rosenrote Aussicht, mein roter\nBroterwerb. Sie haben nicht das Recht, allein dUe\nFacke! z» schreiben, wie soll tnich weiter rot\nernährt n\nIch habe bald mchts mehr zu sagen, Her-\nwarth und Kurt. Uebrigens seid Ihr ja so lange\nwieder in Berlin schon, und meine norwegischen\nBriefe neigen sich dem Ende zu. Ich habe bald\nüberhaupt nichts mehr zu sagen, dünkt mich; wer\nwird ferner meine Gedichte sprechen? Nur der\nPrinz Antoni von Polen kann sie sprechen, seine\nMondscheinstimme ist durchsichtig und alle Ge-\nsichte, die horchen, werden sich in meinen Gedick-\nten spiegeln. Ich kann bald nicht mehr leben\nunter den Menschen, ich langweile mich so über-\naus, über alle hinaus und hin, ich seh kein Ende\nmehr und weiß nicht wo es aufhört sich zu lang-\nweilen und traurig zu sein. Er, der Prinz, spricht\nmeine Gedichte, daß sie über alle Wege scheinen,\nimmer allen Gestalten, die da wandeln, ins Blaue\noder ins Ungewisse voraus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c010", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "783", "page_fin": "783", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.7", "titre_corps": "César Klein: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "César Klein: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "783", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "César Klein: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c011", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "783", "page_fin": "784", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.8", "titre_corps": "Wien", "titre_sommaire": "Wien", "signature_source": "Richard Fuchs", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "783", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.5", "debut_caractere": 34, "fin_caractere_exclue": 1495, "texte": "Wien\nVon Richard Fuchs\nLieber Otto! Unsere Kindesseele hat die\nSorge nicht gekannt Heute wissen wir um die\nBeschränktheit menschlichen Wesens. Andere\nglauben nicht, daß das Leben in der Sittlichkeit\nWurzeln und Grenzen hat, sondern glauben, die\nSchönheit erst durch die Kunst schaffen zu müs-\nsen. So haben sie denn eine Lebenskunst erfun-\nden. Ach, das Leben wird uns erst im Leiden\nbewußt! Dies Trotzen und Leiden ausschalten\n— es bleibt nichts. Ist die Kunst ein Lebensbe-\ndürfnis? Es gibt keinen, der weniger als ich zum\nKünstler geschaffen bin, aber für mich hat die\nSchöpfung des Künstlers existiert. Erweist sich\ndie Kunst nur in ihrem eigenen Werk? Die Kunst\nist keine Sache des Faches. Was erhält den Men-\nschen und das Leben? Das Geschlecht? Der\nGeist? Aus reinem Geschlechtsinteresse wächst\nauch Kunst und Kultur. Mag auch der Mensch\nnur an seinen Notwendigkeiten sterben, der große\nMetisch lebt nicht über sich hinaus; aber etwas\nlebt über ihn, das ihn vielleicht vernichtet Dte\nWeh ist weit und die Lust groß. Im Genie lebt\nauch die Lust nach Untergang und Auslöschung.\nAlles in ihm lehnt sich gegen die Sitte auf, aber\nalles um ihn schweigt, alles gehorcht ihm schwei-\ngend. Der geniale Mensch findet nur Sklaven im\nLeben. Genie ist Jedoch gleich zweimal, dreimal\nda. Es geht immer aus Familien hervor, die der\nMenschenfamilie total entgegengesetzt waren.\nDurch die Kunst für Alle haben sich die Men-\nschen zum letzten Male gegen das Genie sichern"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "784", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4573, "texte": "wollen. Nicht* daß die Menschheit keine Kunst\nnötig hat; daß die Kunst ein ausnahmsweises In-\nteresse einiger Verrückter ist, nicht das war für\nuns daraus zu lernen; sondern eine falsche Rang-\nordnung war wieder einmal am Werke, die das\nLeben in seiner Wurzel zu treffen suchte. Die\ndeutschen Genies, die einst Malerei und Skulptur\nverwarfen, um nicht mehr das Ihrige zu schaffen,\nsondern um fremdem Nutzen zu dienen, diese\nstarben jung. Aber die Zeit behielt die Lehre und\ndie Prätension. Die Mona Lisa war längst ent-\nbehrlich, ehe sie von der Presse der Großmächte\ngeholt wurde. Gleichheit der Arbeit! Damit de-\nnunzierte sie die Wärter des Louvre des Schlum-\nmers. Nur Zeitungen folgern, daß das Stehlen\nerlaubt ist, wenn die Wächter schlafen. (Ein\nFrüherer hätte gesagt: Laßt ihn ruhen, er ist Soldat\ngewesen !) Aber nach ihrem Willen leben wir, ohne\nihren Willen dürfen wir nicht sterben. Niemand\nhatte vorher ein Interesse, den Frieden alter\nKunsträume zu stören. Das Volk wußte, daß ein\nWerk nur für einige Wenige ist, ja wußte es nicht\nund hat es respektiert. Der Raum war Kirche,\nwo man sich vor dem Regen trocknete und zum\nSpaziergang sammelte. Die Uneigennützigkeit des\nGlaubens, die Sicherheit der Wohnungen, die\nTreue des Verkehrs ist dahin!\nDer Handel mit der Kunst muß un-\nterdrückt werden. Die Käuflichkeit der\nKunst, der Verkauf des Künstlers sind beschä-\nmend. Künstler sein ist eine Ehre. Das Werk ist\neine Gnade. Der Glaube an einen Wert der\nKunst, der außerhalb des inneren Menschen läge,\nhat das soziale Leben gestört, den einzelnen Man-\nschen ausgehöhlt, die Vertauschung aller privaten\nund öffentlichen Funktionen bewirkt und den Mit-\ntelstand, ja das arme Volk in nicht wieder einzu-\nbringende Unkosten gestürzt. Die Verteuerung\ndes Lebens des Volkes ist gar nicht wieder gut zu\nmachen. Das ist das teure Brot!\nDaß ein Attentat gegen das Leben\nselbst unternommen worden ist, wird noch gar\nnicht stark genug empfunden. Das künstlerische\nWoi|t war der älteste Wert, ja der Sinn des\nManschen. Den Satz von der Unvollkommenheit\nder Sprache, den sich nur der allererste Sprach-\nkünstler erlauben durfte, hat die Zeit seinem un-\nendlich zarten Gewissen gestohlen und draußen\nverbreitet, vervielfältigt, vertausendfacht. Der\nMensch kann, was er ist. Wer mehr kann, lügt\nDer Mensch kommt nicht über sich hinaus. Aber\nviele kommen nicht bis zu sich. Darum ist die\nTreue des Geistes die höchste Kunst. Doch eben\ndiesen geraden Geist hat man gebrochen. Wäh-\nrend der fleißige Künstler in seinem Innern schuf,\nhat man draußen den Glauben an die Schöpfung\nzerstört, die man nicht kannte, nicht las,\nWas bedeutet das alles? Der Grundirrtum\ndes Intellekts ist die Legende vom Vorrang der\nbildenden Kunst. Die bildende Kunst kann nicht\nFührerin sein! Daß man nicht Kunst schrei-\nben könne, wurde das Axiom der Bildung. Die\nschlechteste Schrift war gestattet, wenn sie im\nDienst der höheren, universalen Fachkunst stand.\nNun gibt es keine andere Literatur mehr als Be-\nrichtwesen und Beschreibung bildender Kunst; ja\nes gibt auch keine bildende Kunst mehr, denn sie\nwirkt nur stumm als eine Kunst. Mit hieratischer\nStirn wird der Geist getadelt, der diesem Betriebe\nEingeweihter fernsteht und noch mit minderwer-\ntigem Stoffe Wirkung versucht, nämlich den Stoff\naus sich selbst nimmt. Daß man nicht hört, daß\nman nicht versteht — o man hört, aber mitleids-\nvoll. Es gibt nur Eins: die Tadellosigkeit der bil-\ndenden Kunst Aus ihrem Auge las ich, daß wir\nNarren gewesen sind. Schändliches Schweigen!\nDie Tiere haben grauenhafte Worte unter einan-\nder. Das Menschenweib schweigt aus Natur-\nzwang. Was aber schweigt in diesen Männern?\nDer Gehorsam gegen die Frau, der Gehorsam des\nKindes gegen die Mutter. Denn geniale Mütter\nsind selten.\nDie Künste sind, jede für sich, originär, aber\nsie haben in den geistigen Funktionen einen un-\nverrückbaren Platz. Die Feststellung ihres Auf-\nbaues ist die alleinige Aufgabe der Kunstge-\nschichte. Ein Werk der bildenden Kunst ist ein\nreicher Besitz. Aber die Sprachkunst ist das Herz\nder Menschheit. Ich glaube nicht an die Unver-\nwerflichkeit der bildenden Kunst. Sie erweckt\nnur den Eindruck der Einfachheit. Ich sage auch\nnicht, die Musik oder die Sprache, sondern die\nSchrift ist das Erste, sie ist die unmittelbarste\nKunst und der Einklang von Stoff und Form. Daß\ndie Literatur zweiten, dritten Ranges sei, ist ein\nschwerer Irrtum unserer Zeit. 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Der nickt fragenden\nGruß.\nUnsre Blicke haken sich fest ineinander,\nund ihre schön geschlitzten, braunen Augen\nglänzen und fragen:\n„Treffe ich dich hier?\"\nIch möchte den braunen Glanz küssen und\nschweige.\nIch hatte mit ihr als Kind gespielt.\nEinen Augenblick verläßt mich alles Denken.\nMein Blick fällt auf ihren Fuß,\ndiesen kleinen Fuß,\nden sie geschickt unterm Kleid sehen läßt.\nUm mich höre ich ein Raunen,\nund dann: „Befehlen gnädige Frau?\"\nund: „Bitte\", „Danke sehr\", „Gestatten\".\nIch sehe, daß sie mich anblickt,\nspreche mit anderen und sehe doch nur mit\nGenuß,\ntwie ein schneeweißer Scheitel ihr dunkles Haar\nin zwei Wellen teilt. Ich muß sie fragen.\n„Pardon, eine Minute.\" Und dann zu ihr:\n„Gnädiges Fräulein,, wissen Sie noch . . . .?\"\nich höre mit Staunen\nin meiner Stimme einen vollen, satten Ton.\nUnd sie besinnt sich und nickt\nIhre Augen, braun und blank und klar,\nund ihr Lachen mit wunderschönen Zähnen.\nWir fassen unsre Hände\nund reden von gleichgültigen Dingen und Tagen.\nIch spüre nur, wie ihre kleine Hand mich preßt\nund sich, dann von mir befreit.\nIhre weiche, dunkle Haut ist von matten\nGlänzen.\nIhr Hals ist nackt.\nUnd die weingeschwängerte Luft\nund leichter Zigarettenduft,\nLachen und Reden. Allen Plagen\nist hier das Weilen versagt.\nWir beide treten in den Schatten des Zimmers.\nIch setze mich ans Klavier.\nSie singt mit einer Stimme vol Sehnen,\nvoll jungglühender Sinnlichkeit.\nIch sehe, daß sich ihr Kleid\neng an ihren Körper schließt.\nPlaudern und Lachen. Die gelbe Sonne schickt\nheitere Wärme\nund streichelt die Herbstzeit\nWir enden die Musik, die unsre Leidenschaft\nruft»\nenden die blähenden Lieder.\nWir trennen uns und reden zu andern\nmit heimlichem Gähnen\nund lassen die andern und finden uns wieder\nin den gradlinigen Gartenanlagen.\nNebeneinander gehen wir über den glatten Rasen.\nDa packen uns lachende Launen.\nFragend blicken wir noch aneinander nieder.\nDann tollen wir wie in alten Tagen.\nAlle sonnentrunkenen Herbstrosen plündern wir\nund fühlen nicht ihr duftendes Leid\nund hören nicht ihre leisen Klagen.\nWir rauben ihnen alles, was sie hatten,\nund schleudern zum Schluß\nunsere Beute weit ins Wasser.\nMan bittet zum Diner.\nUnsere Hände sind von Blumenblut beschmutzt,.\nAm Tisch nur unsere Stühle noch leer.\nAlle Blicke fliegen auf uns her,\nwie wir durchs Zimmer eilen.\nSchon Gläserklingen und Redensummen.\nDie Tür schlägt zu. Wir beide in der Garderobe,,\nWir zwei allein.\nDas helle Wasser sprudelt ins Becken hinein.\nUnsre leuchtenden Augen dehnen\nsich in des andern Augenschein.\nDas Wasser sprudelt nicht mehr.\nWir beugen uns beide drüber und lehnen\naneinander. Wie ich sie an mir fühle,\nglüht mein Blut, roter Wein.\nIch umschlinge sie und presse sie an mich.\nIhre weiche, runde Brust nimmt meinem Kopf\ndie letzte Kühle.\nDie Lippen, die schweren, roten Lippen! Rohe\nKüsse..\nAuf ihren Augen stirbt der leuchtende Glaiiz.\nTot alle Sinne, es lebt das Fühlen.\n(Ein Drängen, daß wir unsre Glieder spüren.\nIch reiße die Bluse auf\nund beiße sie in die weiche, bebende Schulter\nund wühle\nmeinen Mund in ihren Nacken. Ein seliges\nStöhnen,\nein tierisches Sichberühren,\nein wahnsinniges Zittern. Erdenferne.\nKlatschend, we gellendes Höhnen\nschrillt ein elektrischer Glockenruf\nauf gierig aneinander gedrängte Glieder.\nAuseinander taumeln wir langsam,\ntauchen Gesicht und Hände in das kristallne\nWasser.\nIch schließe ihre Bluse. Wir glätten das Haar.\nWir setzen uns an den Tisch, wo uns alles\nprüfend anblickt.\nIn ihren Augen leiser Verdruß.\nDie andern denken bald wieder an sich, ihre\nFreunde, ihre Hasser*\nund ob sie den Hummer mehr oder weniger\ngerne essen.\nDie Luft riecht schon nach Speisen.\nIch schenke dem glühenden Mädchen goldnen\nWein\nund rühre zufällig an ihren Fuß.\nWir stoßen an. Der Klang klingt ganz klein.\nUnsre Blicke tauschen heißen Kuß.\nIhre Schlitzaugen blinken wieder so rein.\nDer nächste Gang wird rasch aufgetragen.\nWir sitzen in all dem Schwatzen allein\nund reden doch, wie die andern, fremde Worte,\nfremd gleich dem Rauschen, das aufsteigt vom\nFluß"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-17-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-17_01#c013", "volume": "bmtnabg_1912-02-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "777", "page_fin": "777", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "777", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.7", "debut_caractere": 77, "fin_caractere_exclue": 575, "texte": "FR. 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Er be-\nginnt deshalb seinen Bericht mit einer Unwahrheit,\nindem er behauptet, daß nach dem zweiten Qedicht\nein Teil des Pubilkums fluchtartig den Saal ver-\nlassen habe. Es floh aber nur Herr Rinckleben mit\nseinem Begleiter. Weshalb floh Herr Rinckleben\nmit seinem Begleiter? William Wauer sprach un-\nsichtbar hinter einem Vorhang und hatte den Saal\nverdunkelt, Gegen solche „Auswüchse der Moder-\nne44 ist Herr Rinckleben nun einmal. Auch wünscht\ner, „daß die Kunst gefällig sei\". Die Prostitution\nder Kunst geht heute überhaupt schon weiter, als\ndie Prostitution der Liebe. Während man sich hier\nmit der Gefälligkeit begnügt, verlangt man dort\nauch noch Verständlichkeit. Dem \\ ertrockneten\nOrganismus hilft aber keine Gefälligkeit, und dem\nverkalkten Gehirn wird jede Kunstäußerung unver-\nständlich bleiben. Kunst ist ein Instinkt, wie die\nLiebe. (Erotik nur eine physische Lebensäußerung\nwie Hunger.) Menschen ohne Instinkte können\nweder Kunst schaffen, noch genießen. Es ist sinn-\nlos, Kunst verbreiten zu wollen. Es ist schamlos,\nder Menge Kunst zu geben. Man gibt auch seine\nLiebe nicht der Menge, ob sie nun aus Weibern\noder Männern sich zusammensetzt. Man ist zwar\nnoch so brutal, sich zum Zwecke des Essens oder\nTrinkens zusammenzutun. Körperliche Angelegen-\nheiten erfordern keine gemeinschaftliche Tätigkeit.\nKunstinstinkte befriedige man in sich. Für-Liebes-\ninstinkte ist die Zweisamkeit erfreulich, wenn auch\nentbehrlich. Kunsterlebnisse körperlich vorzufüh-\nren scheint mir daher die stärkste Ueberwindung\nseelischer Hemmungen zu sein. Daher sind auch\ndie großen Schauspieler und die großen Vortrags-\nkünstler selten. Die meisten sind nur Medien, Ob-\njekte eines Künstlers, dessen Erlebnis sie wieder-\ngeben. Rezitation kann überhaupt nur als Kunst\ngelten, wenn sie das dichterische Erlebnis durch\nden Tonfall offenbart. Die Person, auch die Per-\nsönlichkeit, verhindert den optischen Eindruck. Die\nPhantasie bedarf des leeren Raumes, um Akusti-\nsches optisch zu versinnlichen. Die Gestaltung,\nalso die Kunst, liegt in der Stimme. Sie bedient\nsich wie die Dichtung malerischer Mittel: sie gibt\nBilder. Auch hier zeigt sich die nicht genug zu be-\ntonende Trennung der Künste. Ein schlechtes Ge-\ndicht kann durch die Stimme ein Kunstwerk wer-\nden. Ja, je besser, je konzentrierter das Gedicht\nist, desto weniger wird es sich zum Vortrag eig-\nnen. Wohl kann man Material gestalten. Aber ge-\nstaltetes Material zu gestalten, bleibt ein Unsinn in\nsich. William Wauer besitzt die Fähigkeit, Kunst-\nwerke der Stimme zu schaffen. Ich habe natürlich\nauch, wie der Kollege Rinckleben, seinen sächsi-\nschen Dialekt gehört. Aber Vortragen heißt nicht,\nkeinen sächsischen Dialekt haben. Sonst fiel mir\nauf: je schlechter das Gedicht war und je stärker\ndas Temperament, der impetus des Verfassers in ihm\nlebte, desto stärker wirkte der Vortrag. Die guten\nGedichte ergaben im Vortrag eine karikaturenhafte\nUebertreibung. Mit sicherer Erkenntnis wählte\nWilliam Wauer meistens schlechte Gedichte. —\nDas war eine Literatur zwischen Kleist und Lilien-\ncron. Man versteht, warum die Herren Apollon\nund die Musen so oft angerufen haben. Namentlich\ndie Dichter, nach denen die Straßen in Berlin be-\nnannt sind, gehören sicher auf die Straße. Um\nUhland streiten sich sogar Charlottenburg, Wil-\nmersdorf und Berlin W. 15. Charlottenburg war\nwenigstens so vorsichtig, unter dem Straßenschild\nzu vermerken: Uhlandstraße, Ludwig UÜland,\nDichter. Sonst könnte man es sicher nicht wissen.\nAuch die Herren Lenau und Chamisso sind des\nMitleids würdig.\nIch träume als Kind mich zurücke\nUnd schüttle mein greises Haupt.\nWie sucht ihr mich heim ihr Bilder,\nDie längst ich vergessen geglaubt.\nNur suchen ihn die Bilder nicht heim. Bitte, man\nvergesse selige Schulerinnerungen und lese sich\nnur diese vier Zeilen wieder einmal durch und die\nfolgenden:\nDu siehst geschäftig bei den Linnen\nDie Alte dort im weißen Haar\nDie rüstigste der Wäscherinnen\nIm sechsundsiebenzigsten Lebensjahr.\nMan sieht sie eben nicht, sondern erfährt\nnur, daß die Dame ihr Alter ohne Fonriialitäten\ndurch den Dichter gestehen läßt. Oder der Dichter\nLenau:\nLieblich war die Maiennacht, Silberwölklein flogen,\nDurch die laue Frühlingsnacht freudig hingezogen.\nKein Erlebnis, keine Gestaltung, keine Bilder, kein\nRhytmus, also ein Dichter. Diese Herren, ebenso\nwie Freiligrath, Mörike, Eichendorff, Grillparzer,\nbleiben durchaus verständlich. Man kann sich bei\nihnen alles denken. Dabei reimen sie nicht einmal\ngut, aber sie sind vom deutschenVolk anerkannt.\nDas deutsche Volk hält alles für Kunst, wobei es\nsich etwas denken kann. Sinnfälligkeit wird durch\nBildung ersetzt. Kunst durch „Gemüt\". Liebe\ndurch Lebensfreude. Bewunderung verdient das\ndeutsche Volk nur für die Treue zu seinen aner-\nkannten Liebiipgen. Liebling des Volks zu sein ver-\nbürgt wenigstens die Kenntnis des Namens. Ein\nTrost bleibt es aber, daß die schlechten Dichter\nebensowenig gelesen werden, wie die guten. Nur\ndie Schulweisheit läßt von ihnen träumen. — Ich\nlasse mir diese Art der Träume höchstens durch\ndie Stimme von William Wauer gefallen.\nDie anonyme Zeitschrift\nEine ganz kleine Gruppe von Schriftstellern,\ndie mit der Anonymität ihrer Beiträge die Sach-\nlichkeit betonen möchte gegenüber der heute so\nbeliebten Betonung des Persönlichen, schreibt\ndiese Monatschrift „Der lose Vogel\", in der viel-\nleicht nicht ganz aussichtslosen Hoffnung, dazu\nzu helfen, daß dieser sogenannte moderne\nMensch auf sein Epitheton verzichten lerne und\nein Mensch werde, bestimmt durch seine Art und\nBegabung, aus der, und sei sie noch so gering\nund eng, zu wirken, ihm und damit dem Ganzen\ndes Lebens von größerem Nutzen und besserem\nGlücke sein wird, als wenn er sich in eine immer\nnur oberflächliche Vielseitigkeit und falsche gei-\nstige Geschäftigkeit verliert, die ihn zum Toren\nmacht und keinem dient.\nSolchen Satz schreibt eine Gruppe von unpersön-\nlichen Schriftstellern, die Menschen werden\nwollen, bestimmt durch ihre Art und Begabung.\nBetonte Sachlichkeit. So siehste aus.\nDie zweite juryfreie Kunstschau\nDas Neue der zweiten juryfreien Kunstschau\n(Potsdamerstraße 39) liegt in dem offenen Bekennen\nder Bilderpreise. Das Publikum kauft tatsächlich\nhäufig Reproduktionen und Drucke, weil es den\nPreis für ein Originalgemälde unerschwinglich hält.\nDie Künstler und vor allem die Kunsthändler und\nAusstellungsveranstalter lieben es außerdem, mög-\nlichst hohe Verkaufspreise zu normieren, an deren\nErzielung sie selbst nicht im geringsten glauben.\nNun kann selbstverständlich eine Reproduktion,\neine Lithographie, ein Holzschnitt künstlerisch\nwertvoller sein, als irgend ein „Originalgemälde\".\nMit Schaudern denkt man daran, wie die Leute\nwohl aussehen mögen, die sich für je einhundert\nMark in den Besitz von etwa sechshundertfünfzig\nder ausgestellten siebenhundert und vierundfünfzig\nBilder setzen werden. Die „schönen Damen\" wer-\nden sicher für diesen wohlfeilen Preis zuerst ihren\nLiebhaber finden. Ich spekuliere auf die Dame, die\nvor Temperament ganz rot geworden ist Auch\nRosen blühen in allen Farben. Die guten Maler auf\ndieser Ausstellung sind schon bekannt. Sie sind\nMitglieder der Neuen Sezession. Die andern sind\nwieder, wie bei der ersten Ausstellung, Frauen. Ich\nverstehe nicht, warum sie nicht in die bestehenden\nKünstlervereinigungen aufgenommen werden, da-\nmit man ihre Bilder gesondert von dem Kitsch be-\ntrachten kann. Die wertvollsten Arbeiten auf die-\nser Ausstellung sind von Rosenkranz, von Hans\nDornbach und von Emmy Wollner. (Von ihr sei\nbesonders eine Oelzkizze, Stilleben, erwähnt).\nWilhelm Morgner stellt sehr schöne Holzschnitte\naus, Artur Segal und Moriz Melzer sind mit guten\nArbeiten vertreten. Einen neuen Namen will ich\nnoch nennen, Emmy Conrad-Gotzmann. Eine Luft»\nStudie beweist starke künstlerische Qualitäten.\nTrust\n\nDer schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nWie im ersten Träumen, wenn der Leib Kissen\nund Decke nicht empfindet, das Seelchen anhebt,\nsich sacht um einen Pfahl zu schwingen, rascher,\nrascher, hollah, hurra husch, und die Besinnung\nan einem Wollfaden gebunden folgt, sich verrennt,\nverstrickt, taumelt, fällt, einschläft, ja einschläft, —\nalso verstricke ich mich nunmehr in mein Gleich-\nnis. Was bei solcher wahrhaft homerischen Breite\nnicht weiter verwundert. Wehmütig erinnert es\nmich an einen Mann, der lange Monate Ziegel-\nsteine kaufte, so viele, schöne blanke Ziegel-\nsteine, daß er über dem Anhäufen, Verschuppen\nund Bewachen seinen Häuserbau vergaß, immer\nwieder nachsann über etwas Vergessenes, schließ-\nlich wahnsinnig wurde.\nEs war aber ein plumper, breitschultriger\nMensch mit eingesunkenem Rücken, * dessen Seele\nsich so verwirrend schnell erregte, — ein braun-\nhaariger, sehr junger Mensch in einem großen\nZimmer. Das schien so leer und weit in dem gelb-\nlich weißen Licht der Lampe vor Johannes' Sitz;\ndenn die Schatten reckten sich lang und wollten\nsich schier körperlich, stark und schwer von/\nTischen, Stühlen, Spinden abstoßen ins Leere.\nDie Geräte und Gegenstände standen an den\nWänden, in Zimmermitten unbewegt und in sich\ngezogen da und duldeten das leichte Licht und die\nSchatten.\n„Hier genoß er seines Geistes und seiner Ein-\nsamkeit und wurde dessen zehn Jahre nicht\nmüde'1: Mit zusammengebissenen Zähnen las,\nwürgte, kaute, schluckte er an dem Worte. Sein\nGrimm kletterte an dem Satze hinauf, kauzte oben\nauf der Stange und machte Männchen; und alles\nwar unten geblieben und sah hinauf. Leise zogen\nsich seine Muskeln zusammen, um das ansteigende\nV/eh zu zerdrücken und zu übertönen.\nEs wäre eine gar leichte Fortführung, wenn\ndie Spannung auch auf seine Finger überstrahlte,\nwenn der unglückselige junge Mann nun nach dem\nBuch, dem Unheilerreger krarnpfte und ihn mit\nwiegenden Händen, — etwa während sich die\nLippen mit einem Zucken öffnen, — in das Zimmer\nund die Schatten schleuderte. Dieser Mann ist ja\nnur erdacht, und für erträumte Dinge gelten keine\nNaturgesetze, die so fremdartig putzen würden,\nwie eine graue Perrücke den Kindskopf eines Dirn-\nchens.\nNoch ist die Seele keine Mondfinsternis und\nließe sich berechnen. Wenn ich gelaunt bin, fallen\nalle Steine nach oben, singen alle meine kleinen\nHexchen: fair is foul and foul is fair."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "781", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.3", "texte": "Aber Johannes liebte dieses Buch all zu sehr,\nweil es einen braunmarmorierten Deckel und wun-\nderschönes gelbes Papier hatte und über die gelbe\nEbene sich ein schwarzes Buchstabenheer wälzte,\nbald in dicht geschlossenen Zügen, bald einzeln\nund in Abteilungen, frech wie Jäger ausschwär-\nmend. Und jetzt in dem scharfen Licht trug\njeder Buchstabe am Rande rasch aufhuschende\nPurpurfarben, als ob sich der gebannte Geist der\n. Worte befreien und dem Schwesterlicht anver-\ntrauen wollte.\nSondern der Krampf dehnte und zog sich ganz\nauf das Zwerchfell; Johannes breitete die Arme\nmit den losen Aermeln über das offene Buch und\nfing, indem er den Kopf in das Dreieck der ver-\nschränkten Arme legte, auf die hergebrachte Art\nzu schluchzen an. Das war ein immer erneutes\nGlucksen, Schnaufen und Zusammenfahren. Die\nTränen, fielen auf das Buch und das Wasser floß\naus den Augen, rann durch den Tränenkanal, die\nNasengänge in den Rachen, daß Johannes schluckte\nund das Salz schmeckte. Die Spannung erschöpfte\nund löste sich allmählich. Er stützte bald den\nKopf auf die linke, leidend, wischte das Buch ab\nund schob es schluchzend zurück. Eine Kühle, eine\ngedämpfte Bitterkeit überzog ihn, während die Er-\nschütterungen abflössen, nachließen und ganz ver-\nklangen; ihm war, als ob er einen Angriff abge-\nschlagen hätte, der ihm mit Gewalt ein Unrecht\nantun wollte. Lange saß er so und beruhigte sich.\nDann schneuzte er sich noch einmal, griff, noch\nimmer schluchzend, nach einem Bleistift und\nschrieb, trotzig, in Holzhackerschrift:\n„Ein König liebte — den weißen Wein. Aber\nes wuchs keiner in seinem Reiche, weder im Osten,\nwo das Gebirge fruchtbare Abhänge bot, noch im\nWesten, wo sein Land sich zu einer hügeligen\nEbene flachte, und aus den Flüssen schädliche\nDünste stiegen. Ueber seinem Kopfe ging immer\nwieder die Sonne hinweg, aber seine Hoffnung\n_ mußte erblassen wie der bleiche Liebling seines\nHerzens.\nDie Höflinge feierten ihre Feste; die Augen\naller träumten lieblich, und alle schauten sich mit\nNeigung in die bekränzten Gesichter; zwischen\nihnen ging der stille Herrscher und gähnte, und\ndie Sucht bohrte und schüttelte den suchenden,\nals wieder das verfluchte Sonnenrot auf seinen\nWeg fiel und darüber wie ein Hohn hin-\nschwebte.\" —\nAls Johannes dies hinschrieb, fühlte er selbst\netwas höhnisches in sich auflachen; er starrte\nvor sich hin und verbarg das Gesicht in den\nHänden.\n„Alle Seligkeiten liegen über meinem Reiche;\nich mag sie nicht, verachte sie. Nur dies einzige,\nwas ich begehren muß, dieses winzige, diesen —\nlumpigen — weißen —\"\nEs zerrte und stieß hinterlistig an seinen Blei-\nstift und wollte ihn rückwärts stoßen, um einen\nqueren, dicken Strich über das Papier zu ziehen,\nvergleichlich dem Wege eines Pudels, dem man\ndie Schwanztrottel in Tinte getaucht hat, und der\nnun mit Geheul fortläuft. Die Hand sank zu-\nsammen und lag wie ein weißer Tierleichnam\nflach auf dem Tisch.\nSie schrieb nicht weiter, und war alles ganz\nstill. Ja, es lächelte sogar mit gesenktem Kopf,\nder eben so bitterlich geweint hatte. —\nVielleicht fallen hier und da noch Worte,\ngenug, um alle Farben aufzuhelfen, welche im\nWeinen und Lächeln Johannes' sich mischten.\nIch werfe Bröckchen auf den Weg und kleine\nKiesel, wie es die Schwester im Märchen tat, dem\ndas Brüderchen im Wald verloren war.\nAber die Brosamen pickten die Stieglitze und\nHänflinge, und die Kiesel verwehte der wilde\nWind in der Nacht „Wo mag doch mein klein\nBrüderchen sein, lieber Stieglitz, lieber Hänfling,\ndu loses Windchen?\"\nEin Wurm, der an Johannes Seele fraß, war,\ndaß so wenig Vogelgeschrei über seinen Weg ge-\nhallt hatte. Er beneidete manchmal heimlich\neinen Verbrecher und spottete nicht, wenn von der\nVergangenheit einer Frau die Rede ging.\nUeber sein verschlossenes Gesicht legte sich\ndann ein Schmelz von Ehrfurcht; etwas warm\nschwärmerisches quoll in ihm auf, so daß, die um\nihn waren, scherzten über ihn, dessen Herz nach\nTaten schmachtete, nach absonderlichen Taten.\nSchon hatte in ihm die Lust zu kostbaren Ge-\nfühlsmischungen dunkel präludierend angeschla-\ngen, verlieh seiner Einsamkeit ein kopfhänge-\nrisches, schwermütiges Erhobensein und gab sei-\nnem Selbstbewußtsein die komischen Flügel einer\nGans.\nNur daß Vater und Mutter fern vor ihm in der\nHeimat gestorben waren, während er selbst sich\nkrank durch sein letztes Schuljahr wälzte, war,\nwas er von sich wußte: eine herrische stark-\nknochige Mutter mit kühlem Blick, ein fügsamer\ngedrückter Vater, der nicht klagte, stillstilles Al-\nräunchen, das langsam vertrocknete und einging.\nUnd er hauste bei einer fetten, glotzäugigen,\nkropfhälsigen Frau aus seiner Sippe, deren Toch-\nter verdorben und deren Sohn verschollen war;\nund die nun in dem engen Bezirk weniger Stra-\nßen ihr behäbiges, dickwamstiges Dasein führte\nmit leichter Atemnot.\nUeber Johannes Appetit, Schnupfen, zerrissene\nSocken und schmutzige Hemden herrschte sie\njunonisch und mit einer herzlichen Teilnahme, die\ner oft ungeduldig und seufzend abwehrte. In\nihrem schwarzseidenen Kleide gedieh sie, als eine\nRose von übergroßer Pracht, die sich über ein\nkartoffelblasses Pflänzchen beugte.\nWenn er hingesehen und sich erinnert hätte,\nso hätte er zugegeben, daß stumme Dinge mit\nvieler Seltsamkeit und Kraft über seine Wege ge-\nschlüpft waren all die früheren Jahre.\nWährend täglich Wasser und Nahrung von\nPflanzen und Tieren durch seinen Körper strömte,\nvon denen Verwandtes in ihm verblieb und Blut,\nKnochen, Schleim erneuerten, Tags und Nachts,\nwar unbemerkt schweres in Krankheiten und Ge-\nsundheiten durch ihn geschlichen, wie geduckte\nEidechsen im Grün und hatte Spuren hinterlassen.\nWenn auch das Gebrüll der Schmerzen und Ent-\nzückungen bald verklang, so hallte ihr Stöhnen\nund Röcheln noch lange dumpf nach.\nDa riefen sie seine Gedanken ganz heimlich\nan; und er lag platt auf dem Bauch über sich\nselbst, beschnüffelte und warf sich unruhig. In\ndem schweren Körper begann das Leben mit\nRaschheit und Heftigkeit zu arbeiten. Keine Mut-\nter hatte Johannes zart sprechen gelehrt, keine\nSchwester seine Sprunggelenke im Tanz ge-\nlockert und seinen Sinn an süße, feine Nichtse ge-\nkettet. Wenn seine dumpfe Stimme sprach,\nstarrte man auf ihn und gab ungern Antwort.\nEr staunte, erriet nichts, zog sich unsicher in\nsich zurück, immer mehr; er trieb ins Sinnieren\nund Träumen hinein, in die Notauswege des auf-\ngestauten Lebens; bald verlernten Muskeln,\nSinne und Wünsche djas unbedenkliche schnelle\nZucken und Antworten, schlössen sich zarten, in-\nneren Gewalten enger an und wurden ein Spiel in\nihrer Hand. Halb gelöst von allem Wirklichen sog\nder selbstfrohe oft den Rauch ein, der zu ihm wie\naus dem Nichts aufstieg, und jenes glückliche\nLächeln schwamm um seine Lippen, das später\nwie ein Leidenszug in dem schlaffen Gesicht des\nVereinsamten erschien.\nAber der schmale Theaterraum, in dem sel-\ntenes vorging, die Fülle der fremden weltmänni-\nschen Gesichter, Seideflirren und flüchtiger Duft,\nLächeln, Winken, Verbindlichkeit, darüber die\nWucht des blitzenden Kronleuchters und warmes\nLicht an allen Enden: das bewegte, berauschte\nihn leise.\nWenn das Tamtam erdröhnte und das Wispern\ndn dem Halbdunkel hinsank, dann waren sie sein,\ndiese Menschen alle — da erwachte er; seine\nMienen verzerrten sich, — die Nachbarn zur rech-\nten und linken merkten nichts —, und er flüsterte\nihnen seine Grüße, seine Grüße und Zukunftshoff-\nnungen zu, über ihre Köpfe hinweg. „Ihr süßen,\nwie ich euch liebe.\" Oben auf der Bühne moch-\nten sie auch in dem hellen Lichte zwischen papa-\ngeibunten Säulen und gemalten Altarfeuern zu ein-\nander sprechen und scheinbar alle Seelen bezwin-\ngen: er beherrschte sie doch wahrhaftig und be-\nsprach sie; er hielt die Zügel ihrer Seelen in der\nHand und spannte seinen ganzen Willen an, um\nsie zu lenken. Mit vollen Armen schüttete er Blü-\nten, Narzissen, Nelken, Thymian, goß er seinen\nWein über sie ins Dunkel aus, sang alles entfes-\nselt in ihm: „Seht ihr, seht ihr —!\" Jetzt hatte\ner sie. ;\nIm Dunkel der gesunkenen Augen stieg tiefrot\nseine Königskerze auf, genoß er alle Seligkeiten.\nUnd wenn sie tränenschwer in den Pausen hinab-\nstiegen und sich zwischen Palmenwedeln und\nruhigen Springbrunnen ergingen, so war ihr Fieber\nsein Werk, wenn sie ihn auch nicht sahen und be-\nden braunhaarigen mit der bäurisch gro-\nben Gestalt und den starken Backenknochen, der\njetzt seine Lorbeeren still und scheu einsammeln\nging. Was Bescheidenheit sei, fühlte er; er ging\nr '\nbei Seite und hielt den Kopf fast tief bis auf die\nBrust, damit ja niemand ihm -in die verzückten Au-\ngen sähe und sein Geheimnis erriete. Nur sein Herz\nbebte vor Glück.\nJa, es wäre ihm nicht staunenswert erschienen\nbei dieser so sichtbaren Offenbarung seiner Macht,\nwenn die Säulen des Theaters sich auf seinen Wink\nbewegt und die Decke sich gesenkt hätte. — Und\nmanchmal zuckte er mit dem kleinen Finger leise\nversuchend und den Blick auf die Säule gerichtet:\naber dann fuhr er lachend zusammen und drohte\nsich schalkhaft wegen seiner unergründlichen Bos-\nheit und ließ es sein.\nSein Mitleid siegte; er wollte doch lieber kein\nUnheil anrichten und den Eltern, die ihre Kinder\nam Theater wußten, ihr ein und alles in einer Laune\nrauben. Und die schlanke blonde Dame da sollte\nnoch mit einem blauen Auge davonkommen. Aber\nsie wußte nicht, welch edler Mensch so unfern von\nihr saß. Und er wollte auch keinen Dank, denn er\nselbst mußte sich vor der Macht beugen, die zu-\nfällig eine blinde Natur gerade ihm verliehen hatte.-\n\nFortsetzung folgt\n\nGedicht\nHans Ehrenbaum Degele\nWie ein Wald, der sich ins Dämmern webt,\nWar :ich zwischen Tag und Traum gefangen\nUnd von Sitbernebel matt belebt.\nImmer aber trieb mich ein Verlangen\nUnd ein Durst nach Licht und Kostbarkeit.\nAuf der Straße Sehnsucht bin ich weit\nVon Gespiel und Heimat fortgegangen.\nBannte mich ein Wunder in die Welt:\nSonne küßte alle meine Stunden,\nRosen wurden alle meine Wunden\nUnd dem Flüsterspiel des Winds gesellt.\nWill sich Abend auf die Weite senken,\nWird mein Herz ein süßes Blütenfeld,\nAllen Sternen Träumerei zu schenken."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "782", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.4", "texte": "Briefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Scbüler\nLiebe Beide. Als ich heute Morgen aufstand,\nkroch eine kleine Sonne auf meinen Fuß und\nspielte mit ihm wie eine bunte Eidechse Ringel-\nrangel. Ich bin sehr glücklich heute, mein Zim-\nmer ist süß, die kalte Luft die durchs Fenster\ndringt, schmeckt süß und mein Schrank enthält\nlauter süße Feierkleider: ein goldenes, ein palmen-\nfarbenes und ein Kleid aus Kristallseide, es klingt,\nUnd meine Kriegsgewänder sind friedlich, die\nweite schwarzseidene Hose schmücken süße Per-\nknbordeit. und aus den Muscheln meines Gürtels\nbegegnen sich Schnecken und strecken ihre klei-\nnen Korallenhörnch-en entgegen: Allah machäh —\nEs sind alles Muscheln, die ich am Strand des\nNils auflas. Und in der Kriegstasche aus wilden\nSchalen harter Früchte, finde ich verzuckerte\nRosen, die süß zu essen sind. Ich bin verliebt —\nHerwarth, Kurtchen, er sagt, er hätte breite\nHände. Ich finde seine Hände wundervoll und\nriillrend, kleine Kinderhände, aber durch die Lupe\ngesehn, als ob sie durchaus groß sein wollten. Ich\nspiele den ganzen Tag mit seinen Händen; jedem\nFinger habe ich einen Ring aufgesetzt, jeder\nträgt einen anderen, seltenen Stein. Der an sei-\nnem kleinen Finger erzählt die Geschichte meines\nUrgroßvaters, des Scheiks, des obersten Priesters\naller Moscheen. Am Goldfinger sitzt ihm die Sage\ndes Fakirs, des Bruders der Gemahlin des Emirs\nvon Afghanistan, der war der Vetter meiner Mut-\nter. Am Daumen droht ihm der blutigste Krieg,\nein rissiger, tiefer Stein mit dem Bilde Konstantins\ndes Kreuzritters, dem ich den Kopf abschlug in\nder Schlacht bei Jerusalem. „Er\" ist selbst ein\nKreuzritter, ich befinde mich in verliebter Ver-\nzweiflung.\nWollt Ihr mir beide telegraphisch mitteilen, ob\nes stillos ist, daß ich mich in einen Ritter verliebt\nhabe? Tino von Bagdad.\ni\nStatt mir telegraphisch zu antworten, fragt\nBir mich, wer „er\" ist. Aber ich hab schon\neinmal betont, ich sag nichts genaueres mehr. Er\nIst groß und schlank und wenn seine Augen sich\nglücklich auftun, blühen sie wie ein Kornblumen-\nfdd. Ich habe ihm gesagt, jedes Mal wenn er\nseine Augen lächelnd öffnet, schenke ich ihm einen\nPalast, oder einen goldenen Palmenbaum, oder\neine Hand voll schwarzer Perlen oder ganz\nAsien. Ich muß Euch noch etwas merkwürdiges\nerzählen: er bat mich, er drängte mich, nicht\nmehr ins Cafe zu gehen. Es war mir so zärtlich\nzu gehorchen, ich ging am selben Abend nicht\nmehr ins Cafe. Am anderen Abend war ich wie-\nder dort; er war sehr traurig, als er da sagte,\ner hätte eine Schlacht verloren. Mich beküm-\nmerts, er sollte alle Schlachten gewinnen, und\nwenn ich ihm helfen sollte, mir den Kopf abzu-\nschlagen. Oder meint Ihr, ich ginge auch ohne\nKopf ins Caf6? Nur mit dem Rumpf, dumpf\nstumpf in den objektiven Sumpf! O, wie pathe-\ntisch, nicht? Aber, es gibt ja nichts objektiveres,\nwie das Cafe, nachdem man in seiner Literatur\nam Schreibtisch zu Haus die Hauptrolle gespielt\nhat. Entzückend, sich abzuschütteln, seine inten-\nsiveste Last. Sagt, Ihr beide, kann mir das Cafe\nschaden oder nicht schaden? Herwarth, Du be-\nhauptest ja immer, ich bin ein Genie, das ist\nDeine Privatsache. Soll ich mich nun von ihm\ntrennen und ins Cafe zurückkehren oder \"soll ich\nbei ihm bleiben? „Kehre zurück, alles vergeben!\"\nPfui! ... Er hat das schönste Profil, das ich je ge-\nsehen habe, wem soll ich es anvertrauen — Dir,\nHerwarth: Er ist der Konradin, den ich tötete in\nJerusalem, den ich haßte in Jerusalem und alle\nseine Kreuzchristen in Jerusalem. Wem soll ich\nes anvertrauen wie Dir, Herwarth; die andern\nsi»d ja alle Philister. Wir sind ganz lila, wenn\nwir uns lieben, wir sind Gladiolen, wenn wir uns\nküssen, er geleitet mich in die Himmel Asiens.\nWir sind keine Menschen mehr. Du erzählst mir\nnie etwas, Herwarth, oder laß ich dich nicht zu\nWorte kommen, oder hast du noch immer nicht\nvergessen, daß wir verheiratet sind?\nIch habe nun nur ihn. Aber ich bin so be-\ngierig, wie es meiner Bleibe und meiner Sterbe\ngeht, dem Cafe des Westens? Es ist genau so,\nals ob ich einen Ohrring verloren hab, ich beginne,\nmich nicht mehr zu fühlen. Ein Säufer muß in\nseine Kneipe, ein Spieler in seine Hölle, nur ich bin\nabnorm. Aber er meint es ja gut er sagt\nLeute verstehen mich nicht Aber das Cafe ist\ndas einzige Geheimnis zwischen uns; (selbst Dich\nkennt er, Herwarth,) das Caf6 liegt wie eine Küste\nzwischen uns. Gibt es nun einen Ort auf dem so\neine Bazarbuntheit ist, wie in unserem Caf£? Und\neine nettere, liebenswürdigere Circe wie unsere\nFrau Wirtin? Euer Odysseus\nLieber Herwarth, Kurt, wißt Ihr das Neueste?\nCajus-Majus ist verschollen, er darf nicht mehr\nins Caf6 kommen, er soll sich das Leben genom-\nmen haben, teilweise wenigstens. Ich habe es\nselbst gehört im Caf6, ich war verkleidet als Poet,\nnur der Kokoschkasammler, Herr Staub, erkannte\nmich, er ist ein Eigener; es war gestern am ersten\nFebruarlenztag, der Schnee lag bescheiden auf dem\nHag ... Ich bin Poetin!! Aber lauter Leute\nkamen ins Caf£ mit lauter seltsamen Tiergesich-\ntern, ich wollte, ich hätt manchmal so eins zum\nBangemachen. Ich hätte gern mit dem Kokoschka-\nsammler gesprochen; einmal lachte er auch, aber\nich wollte, ich hätte zum Teufel — wenn ich\nwüßte, was ich wollte.\nHerwarth, ich muß viel denken, ich hab auch\nwieder viel Angst. Und mein Herz spür ich\nimmer so komisch, ich kann nachts nicht schlafen\nund träume mit offenen Augen Wirklichkeiten. Es\ngibt einen Menschen in Berlin, der hat dasselbe\nHerz, wie ich eins habe, dein Freund der Doktor.\nSein Herz ist kariert: gelb und orangefarben mit\ngrünen Punkten. Gallienhumor! Und manchmal\nist es schwermütig, dann spiegelt sich der Kirch-\nhof in seinem Puls. Das muß man erleben! Aber\nmeins ist manchmal doppelt vergrößert, oder es\nist purpurblau. Wenn er wenigstens Schwärmerei\ndes Herzens kennen würde; aber die Unruhe fühlt\ner manchmal. Ich erlebe alle Arten des Herzens\nnur den Bürger nicht. O, die Herzangst, wenn das\nHerz versinkt in einen Wassertrichter oder zwi-\nschen Erde und Himmel schwebt in den Zähnen\ndes Mondes oder es einsinkt — o, der Au«e»Wicjc,\nwem meine Stadt Theben—Bagdad einsinkt.\nSieh Dir die Bilder an, Herwarth, wie klar äte\nDinge und Undinge des Herzens gezeichnet sftMl.\nSollte man nicht an die Wirklichkeit glaube», ist\ndie zu verwerfen? Ist dieser kleine Abschnitt der\nHerzstimmungen meiner medizinischen Dichtung\nwertlos?\nLeb wohl, i-ch will noch an den Dalai-Lama\nschreiben..\nIch werde so lange an das rote Tor\nIhrer Fackel rütteln, bis Sie mir öffnen. Ich\nhabe ein neues Gedicht, ein neues Gedicht habt\nich gedichtet Ich habe es mir in den Kopf gesetzt,\nes muß in Ihre Fackel herein, es hilft mir kein\nHimmel, es muß in Ihrer Zeitschrift gedruckt wei -\nden. Ob Sie die Jetzt alleine schreiben oder nicht/\nich lasse mich darauf nicht ein, — es nuiß sein.\nIhre Fackel ist mein roter Garten, Ihre Fackel\ntrug ich ats Rose über meinem Herzen, Ihre\nFackel ist meine rosenrote Aussicht, mein roter\nBroterwerb. Sie haben nicht das Recht, allein dUe\nFacke! z» schreiben, wie soll tnich weiter rot\nernährt n\nIch habe bald mchts mehr zu sagen, Her-\nwarth und Kurt. Uebrigens seid Ihr ja so lange\nwieder in Berlin schon, und meine norwegischen\nBriefe neigen sich dem Ende zu. Ich habe bald\nüberhaupt nichts mehr zu sagen, dünkt mich; wer\nwird ferner meine Gedichte sprechen? Nur der\nPrinz Antoni von Polen kann sie sprechen, seine\nMondscheinstimme ist durchsichtig und alle Ge-\nsichte, die horchen, werden sich in meinen Gedick-\nten spiegeln. Ich kann bald nicht mehr leben\nunter den Menschen, ich langweile mich so über-\naus, über alle hinaus und hin, ich seh kein Ende\nmehr und weiß nicht wo es aufhört sich zu lang-\nweilen und traurig zu sein. Er, der Prinz, spricht\nmeine Gedichte, daß sie über alle Wege scheinen,\nimmer allen Gestalten, die da wandeln, ins Blaue\noder ins Ungewisse voraus."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "783", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.5", "texte": "César Klein: Originalholzschnitt\n\nWien\nVon Richard Fuchs\nLieber Otto! Unsere Kindesseele hat die\nSorge nicht gekannt Heute wissen wir um die\nBeschränktheit menschlichen Wesens. Andere\nglauben nicht, daß das Leben in der Sittlichkeit\nWurzeln und Grenzen hat, sondern glauben, die\nSchönheit erst durch die Kunst schaffen zu müs-\nsen. So haben sie denn eine Lebenskunst erfun-\nden. Ach, das Leben wird uns erst im Leiden\nbewußt! Dies Trotzen und Leiden ausschalten\n— es bleibt nichts. Ist die Kunst ein Lebensbe-\ndürfnis? Es gibt keinen, der weniger als ich zum\nKünstler geschaffen bin, aber für mich hat die\nSchöpfung des Künstlers existiert. Erweist sich\ndie Kunst nur in ihrem eigenen Werk? Die Kunst\nist keine Sache des Faches. Was erhält den Men-\nschen und das Leben? Das Geschlecht? Der\nGeist? Aus reinem Geschlechtsinteresse wächst\nauch Kunst und Kultur. Mag auch der Mensch\nnur an seinen Notwendigkeiten sterben, der große\nMetisch lebt nicht über sich hinaus; aber etwas\nlebt über ihn, das ihn vielleicht vernichtet Dte\nWeh ist weit und die Lust groß. Im Genie lebt\nauch die Lust nach Untergang und Auslöschung.\nAlles in ihm lehnt sich gegen die Sitte auf, aber\nalles um ihn schweigt, alles gehorcht ihm schwei-\ngend. Der geniale Mensch findet nur Sklaven im\nLeben. Genie ist Jedoch gleich zweimal, dreimal\nda. Es geht immer aus Familien hervor, die der\nMenschenfamilie total entgegengesetzt waren.\nDurch die Kunst für Alle haben sich die Men-\nschen zum letzten Male gegen das Genie sichern"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "784", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.6", "texte": "wollen. Nicht* daß die Menschheit keine Kunst\nnötig hat; daß die Kunst ein ausnahmsweises In-\nteresse einiger Verrückter ist, nicht das war für\nuns daraus zu lernen; sondern eine falsche Rang-\nordnung war wieder einmal am Werke, die das\nLeben in seiner Wurzel zu treffen suchte. Die\ndeutschen Genies, die einst Malerei und Skulptur\nverwarfen, um nicht mehr das Ihrige zu schaffen,\nsondern um fremdem Nutzen zu dienen, diese\nstarben jung. Aber die Zeit behielt die Lehre und\ndie Prätension. Die Mona Lisa war längst ent-\nbehrlich, ehe sie von der Presse der Großmächte\ngeholt wurde. Gleichheit der Arbeit! Damit de-\nnunzierte sie die Wärter des Louvre des Schlum-\nmers. Nur Zeitungen folgern, daß das Stehlen\nerlaubt ist, wenn die Wächter schlafen. (Ein\nFrüherer hätte gesagt: Laßt ihn ruhen, er ist Soldat\ngewesen !) Aber nach ihrem Willen leben wir, ohne\nihren Willen dürfen wir nicht sterben. Niemand\nhatte vorher ein Interesse, den Frieden alter\nKunsträume zu stören. Das Volk wußte, daß ein\nWerk nur für einige Wenige ist, ja wußte es nicht\nund hat es respektiert. Der Raum war Kirche,\nwo man sich vor dem Regen trocknete und zum\nSpaziergang sammelte. Die Uneigennützigkeit des\nGlaubens, die Sicherheit der Wohnungen, die\nTreue des Verkehrs ist dahin!\nDer Handel mit der Kunst muß un-\nterdrückt werden. Die Käuflichkeit der\nKunst, der Verkauf des Künstlers sind beschä-\nmend. Künstler sein ist eine Ehre. Das Werk ist\neine Gnade. Der Glaube an einen Wert der\nKunst, der außerhalb des inneren Menschen läge,\nhat das soziale Leben gestört, den einzelnen Man-\nschen ausgehöhlt, die Vertauschung aller privaten\nund öffentlichen Funktionen bewirkt und den Mit-\ntelstand, ja das arme Volk in nicht wieder einzu-\nbringende Unkosten gestürzt. Die Verteuerung\ndes Lebens des Volkes ist gar nicht wieder gut zu\nmachen. Das ist das teure Brot!\nDaß ein Attentat gegen das Leben\nselbst unternommen worden ist, wird noch gar\nnicht stark genug empfunden. Das künstlerische\nWoi|t war der älteste Wert, ja der Sinn des\nManschen. Den Satz von der Unvollkommenheit\nder Sprache, den sich nur der allererste Sprach-\nkünstler erlauben durfte, hat die Zeit seinem un-\nendlich zarten Gewissen gestohlen und draußen\nverbreitet, vervielfältigt, vertausendfacht. Der\nMensch kann, was er ist. Wer mehr kann, lügt\nDer Mensch kommt nicht über sich hinaus. Aber\nviele kommen nicht bis zu sich. Darum ist die\nTreue des Geistes die höchste Kunst. Doch eben\ndiesen geraden Geist hat man gebrochen. Wäh-\nrend der fleißige Künstler in seinem Innern schuf,\nhat man draußen den Glauben an die Schöpfung\nzerstört, die man nicht kannte, nicht las,\nWas bedeutet das alles? Der Grundirrtum\ndes Intellekts ist die Legende vom Vorrang der\nbildenden Kunst. Die bildende Kunst kann nicht\nFührerin sein! Daß man nicht Kunst schrei-\nben könne, wurde das Axiom der Bildung. Die\nschlechteste Schrift war gestattet, wenn sie im\nDienst der höheren, universalen Fachkunst stand.\nNun gibt es keine andere Literatur mehr als Be-\nrichtwesen und Beschreibung bildender Kunst; ja\nes gibt auch keine bildende Kunst mehr, denn sie\nwirkt nur stumm als eine Kunst. Mit hieratischer\nStirn wird der Geist getadelt, der diesem Betriebe\nEingeweihter fernsteht und noch mit minderwer-\ntigem Stoffe Wirkung versucht, nämlich den Stoff\naus sich selbst nimmt. Daß man nicht hört, daß\nman nicht versteht — o man hört, aber mitleids-\nvoll. Es gibt nur Eins: die Tadellosigkeit der bil-\ndenden Kunst Aus ihrem Auge las ich, daß wir\nNarren gewesen sind. Schändliches Schweigen!\nDie Tiere haben grauenhafte Worte unter einan-\nder. Das Menschenweib schweigt aus Natur-\nzwang. Was aber schweigt in diesen Männern?\nDer Gehorsam gegen die Frau, der Gehorsam des\nKindes gegen die Mutter. Denn geniale Mütter\nsind selten.\nDie Künste sind, jede für sich, originär, aber\nsie haben in den geistigen Funktionen einen un-\nverrückbaren Platz. Die Feststellung ihres Auf-\nbaues ist die alleinige Aufgabe der Kunstge-\nschichte. Ein Werk der bildenden Kunst ist ein\nreicher Besitz. Aber die Sprachkunst ist das Herz\nder Menschheit. Ich glaube nicht an die Unver-\nwerflichkeit der bildenden Kunst. Sie erweckt\nnur den Eindruck der Einfachheit. Ich sage auch\nnicht, die Musik oder die Sprache, sondern die\nSchrift ist das Erste, sie ist die unmittelbarste\nKunst und der Einklang von Stoff und Form. Daß\ndie Literatur zweiten, dritten Ranges sei, ist ein\nschwerer Irrtum unserer Zeit. Die Aesthetik, daß\nder höhere Geschmack auf das Wort verzichte,\nhat die Gleichgültigkeit und Dürftigkeit in der\npoetischen, die Unfähigkeit in der prosaischen\nKunst verschuldet.\n\nHamburg\nAus einer Gesellschaft\nVon Günther Mürr\nIch trete auf die Terrasse überm Fluß.\nWie ich mich verneige,\nseh ich ein lustiges Durcheinander vor mir\nvon bunten Blusen und weißen Kragen\nund einem Mädchenkopf. Der nickt fragenden\nGruß.\nUnsre Blicke haken sich fest ineinander,\nund ihre schön geschlitzten, braunen Augen\nglänzen und fragen:\n„Treffe ich dich hier?\"\nIch möchte den braunen Glanz küssen und\nschweige.\nIch hatte mit ihr als Kind gespielt.\nEinen Augenblick verläßt mich alles Denken.\nMein Blick fällt auf ihren Fuß,\ndiesen kleinen Fuß,\nden sie geschickt unterm Kleid sehen läßt.\nUm mich höre ich ein Raunen,\nund dann: „Befehlen gnädige Frau?\"\nund: „Bitte\", „Danke sehr\", „Gestatten\".\nIch sehe, daß sie mich anblickt,\nspreche mit anderen und sehe doch nur mit\nGenuß,\ntwie ein schneeweißer Scheitel ihr dunkles Haar\nin zwei Wellen teilt. Ich muß sie fragen.\n„Pardon, eine Minute.\" Und dann zu ihr:\n„Gnädiges Fräulein,, wissen Sie noch . . . .?\"\nich höre mit Staunen\nin meiner Stimme einen vollen, satten Ton.\nUnd sie besinnt sich und nickt\nIhre Augen, braun und blank und klar,\nund ihr Lachen mit wunderschönen Zähnen.\nWir fassen unsre Hände\nund reden von gleichgültigen Dingen und Tagen.\nIch spüre nur, wie ihre kleine Hand mich preßt\nund sich, dann von mir befreit.\nIhre weiche, dunkle Haut ist von matten\nGlänzen.\nIhr Hals ist nackt.\nUnd die weingeschwängerte Luft\nund leichter Zigarettenduft,\nLachen und Reden. Allen Plagen\nist hier das Weilen versagt.\nWir beide treten in den Schatten des Zimmers.\nIch setze mich ans Klavier.\nSie singt mit einer Stimme vol Sehnen,\nvoll jungglühender Sinnlichkeit.\nIch sehe, daß sich ihr Kleid\neng an ihren Körper schließt.\nPlaudern und Lachen. Die gelbe Sonne schickt\nheitere Wärme\nund streichelt die Herbstzeit\nWir enden die Musik, die unsre Leidenschaft\nruft»\nenden die blähenden Lieder.\nWir trennen uns und reden zu andern\nmit heimlichem Gähnen\nund lassen die andern und finden uns wieder\nin den gradlinigen Gartenanlagen.\nNebeneinander gehen wir über den glatten Rasen.\nDa packen uns lachende Launen.\nFragend blicken wir noch aneinander nieder.\nDann tollen wir wie in alten Tagen.\nAlle sonnentrunkenen Herbstrosen plündern wir\nund fühlen nicht ihr duftendes Leid\nund hören nicht ihre leisen Klagen.\nWir rauben ihnen alles, was sie hatten,\nund schleudern zum Schluß\nunsere Beute weit ins Wasser.\nMan bittet zum Diner.\nUnsere Hände sind von Blumenblut beschmutzt,.\nAm Tisch nur unsere Stühle noch leer.\nAlle Blicke fliegen auf uns her,\nwie wir durchs Zimmer eilen.\nSchon Gläserklingen und Redensummen.\nDie Tür schlägt zu. Wir beide in der Garderobe,,\nWir zwei allein.\nDas helle Wasser sprudelt ins Becken hinein.\nUnsre leuchtenden Augen dehnen\nsich in des andern Augenschein.\nDas Wasser sprudelt nicht mehr.\nWir beugen uns beide drüber und lehnen\naneinander. Wie ich sie an mir fühle,\nglüht mein Blut, roter Wein.\nIch umschlinge sie und presse sie an mich.\nIhre weiche, runde Brust nimmt meinem Kopf\ndie letzte Kühle.\nDie Lippen, die schweren, roten Lippen! Rohe\nKüsse..\nAuf ihren Augen stirbt der leuchtende Glaiiz.\nTot alle Sinne, es lebt das Fühlen.\n(Ein Drängen, daß wir unsre Glieder spüren.\nIch reiße die Bluse auf\nund beiße sie in die weiche, bebende Schulter\nund wühle\nmeinen Mund in ihren Nacken. Ein seliges\nStöhnen,\nein tierisches Sichberühren,\nein wahnsinniges Zittern. Erdenferne.\nKlatschend, we gellendes Höhnen\nschrillt ein elektrischer Glockenruf\nauf gierig aneinander gedrängte Glieder.\nAuseinander taumeln wir langsam,\ntauchen Gesicht und Hände in das kristallne\nWasser.\nIch schließe ihre Bluse. Wir glätten das Haar.\nWir setzen uns an den Tisch, wo uns alles\nprüfend anblickt.\nIn ihren Augen leiser Verdruß.\nDie andern denken bald wieder an sich, ihre\nFreunde, ihre Hasser*\nund ob sie den Hummer mehr oder weniger\ngerne essen.\nDie Luft riecht schon nach Speisen.\nIch schenke dem glühenden Mädchen goldnen\nWein\nund rühre zufällig an ihren Fuß.\nWir stoßen an. Der Klang klingt ganz klein.\nUnsre Blicke tauschen heißen Kuß.\nIhre Schlitzaugen blinken wieder so rein.\nDer nächste Gang wird rasch aufgetragen.\nWir sitzen in all dem Schwatzen allein\nund reden doch, wie die andern, fremde Worte,\nfremd gleich dem Rauschen, das aufsteigt vom\nFluß\n\nFortsetzung\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "777", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Berlin W 9 / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nFR. 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Januar: Au&schank von\n„Trlumphator\" \"usßo^W,,er\nf„Wintersportfest\"\n;in\nVolksbelustigungen,* sonstige Attrationen\n■Miiwimii Drci iCapellen ■\n\nliefert und verleiht\nl^snuthbH:\nBerlin 26, IV 4612\n'Oranlenstraß6 6\n\nKUNSTLERISCHE Ri&UME\nxmstm.\nALBERT K\nBEftBIN\"8*111 s# l#s\nNSKX!\nALLEE6\n\nI\nT* *\ny\n.. <112. *i %3 '\nfc#-«\n«Ss3 I**4\nSasi\n&?-£\n<V-\nIs\n£§s^\n%.\nL\n«®S29\n. >*v\nsir I-\n€\nV •<--*\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr .•. von 8l/2— 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nGutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nNEU"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "788", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120217-01.1.8", "texte": "Dm®k von Carl Haus* Berlin SO. 2§ 23\n\nAumstelliutgen, Salons\nKniHthandlufiseii etc. j\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintHtt SO Pfennig. PaUdamerstrasse 19.\nNcu ausgesteltte GcaeAide:\nAjL Recfe A. LMfke F. TVau!*x\nP. H4ea%«f A. Mditar Alice Trftfaser\nEL Ucfct R. Poescbaaam M. otb\nM Udb€HUa*n j. F. EaffaM Moritz Vet*\nE. Uefeerma** E. Sextos u. a.\nC*ftectio»e» von HL de &Cara»dai-Pftfis\nand Hughes Siaaton-Load^n\n\nGRAPHISCHES KABINBTT\nBuch- u. Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN W IS, Kurfurstendamm 33 ::\nStindige Ausstdlung\nmoderner Oraphik Ithisktert. {Catalog u. Prospekte gratia\n\"* * * *Aakauf guter Graphik\nEINTRITT FREI Mwttierter Bfeher\n\nAtelier Hanni Schwarz\nlubftbetiiisea: Marie Luise Schmidt nnd Hannl Schwarz\nt Berlin W 30 Rehemtauiesistra*** 44 HI n 'mn\nFcrospfecfe-Att&chJufl: Amt Lfiiiow, 9110 :: Fahrstahl\nGedfiaeti Wodbentags von 9-6, Sonntags von 10-1 Ufe*\nPhotographische Arbeiten jeder Art in\n. kiinstlerisdter Ausfiihmng =====\n:: Aufnahmen in nahirikhen Farben ::\nSpesiatttlU! 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