{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_sha256": "91d45694a0c3cef7ca0df48aee039bb84e73a3cebe06315cb065568f874bd98f", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/02/24_01/bmtnabg_1912-02-24_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/02/24_01/bmtnabg_1912-02-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "787", "page_fin": "787", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "787", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.1", "debut_caractere": 850, "fin_caractere_exclue": 1191, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Von der Kunst: Der Wert des Unmodernen / Die kranke dtutsche Kunst / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen /\nALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang / Roman / Fortsetzung / GÜNTHER MÜRR: Hamburg / PETER ALTENBERG: Replik /\nERNST BLASS: Gedichte / HERRMANN KOCH: Todesdelier / RICHTER-BERLIN: Die Brüstung / Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "787", "page_fin": "788", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.2", "titre_corps": "Von der Kunst", "titre_sommaire": "Von der Kunst", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "787", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.1", "debut_caractere": 1193, "fin_caractere_exclue": 7961, "texte": "Von der Kunst\nDer Wert des Unmodernen\nDem Doktor Leopold Schmidt wird es manch-\nmal in seinem Kritikeramt ängstlich zu Mute. Er\nhat es zwar von Rudolf Mosse bekommen und er\nbesitzt infolgedessen auch den Verstand. Manch-\nmal scheint er doch zu glauben, daß der Verstand\nder Verständigen zur Kunstwertung nicht aus-\nreicht. Er greift dann in die Saiten seiner Seele,\ndie dann recht verstimmt klingt. Soll der Mensch\nnun für oder gegen die Moderne sein. Diese Fiage\nwird am besten philosophisch beantwortet. Herr\nDoktor Schmidt meint, daß das Neue in der Musik\nsich nicht mehr beklagen kann, daß es nicht ge-\nnügend gehört und beachtet wird. Eher könnte\nman sogar von einer kritiklosen Ueberschätzung\nsprechen. Herr Doktor Schmidt meint ferner, daß\ndie Erfahrungen der letzten Jahrzehnte uns vor-\nsichtiger und weitherziger haben werden lassen.\n„Wie anders war das vor zwanzig, dreißig Jahren.\nTrotzdem glaubt Herr Schmidt, der das gute Neue\nnie erkannt und auf das schlechte Neue stets hin-\neingefallen ist, die Zeit gekommen, um vor der\nModerne zu warnen, und den Anschluß nach Rechts\nzu suchen. Er wünscht die „Fühlung\", um die ohne-\nhin so oft bedrohten reinen ungetrübten Freuden\naus unseren Konzertsälen nicht gänzlich auszu-\nschalten. „Nachdem durch die rühmenswerte\nEnergie von Theodor Wolff das Berliner Tage-\nblatt endlich den Anschluß nach Links gefunden\nhat, drängt Herr Schmidt mit national-liberaler\nAngst nach Rechts. Es ist schlimm, wenn die\nMusikkritiker zu politisieren anfangen. Noch\nschlimmer, wenn sie ihr politisches Mütchen an\nder Musik kühlen. Und am schlimmsten, wenn\nsie sich „am Abglanz längst vergangener Tage\nsonnen. Herr Schmidt fühlte sich nämlich im letz-\nten Mikischkonzert sehr heimisch, weil dort eine\nSymphonie von Robert Volkmann erklang. - Gerade\nsolche Werke, die keinen Gipfelpunkt bezeichnen»\nund doch vornehmste und meisterlichste Kunst\nsind, verfallen nur zu leicht ungerechter Verges-\nsenheit. Auf sie sollte man viel öfter zurück-\ngreifen, und dafür lieber soviel anderes, Minder-\nwertiges, das wir mit anhören müssen, beiseite\nlassen.\"\nEbenso heimisch fühlte sich Herr Schmidt,\n,:als Joachims Konzert in ungarischer Weise an\nunser Ohr schlug und die Erinnerung an unver-\ngeßliche Eindrücke erweckte. Wie oft habe ich\ndas Werk von dem Meister selber gehört, dessen\nschöpferische Potenz sich hier so glücklich offen-\nJÄ\nbart.\" Die schöpferische Potenz von Joachim\nmuß man sich schon um die Ohren schlagen lassen,\ndamit sie sich so glücklich offenbart. Und die\nmeisterlichste Kunst des Herrn Volkmann kann\nzwar als Abglanz längst vergangener Tage über-\nhaupt nicht erklingen, aber auch nicht gesehen\nwerden. Was verbleichen kann, hat nie Farbe\ngehabt. Was verklingen kann, hat nie Klang ge-\nhabt. Kunst ist. Ob Herr Schmidt den Anschluß\nnach Rechts sucht, oder nach Links mitgeht, die\nKunst wird ihn stets stehen lassen. Sie inter-\nessiert sich weder für schüchterne Liebhaber,\nnoch für verständige Lehrer.\nDie kranke deutsehe Kunst\nIch habe das Buch noch nicht gelesen, das\nBuch von der kranken deutschen Kunst, geschrie-\nben „auch von einem Deutschen\". Es kostet'zwar\nnur eine Mark, ist vorzüglich ausgestattet, acht-\nundsechzig Seiten broschiert stark und im Verlag\nvon H. A. Ludwig Degener, Leipzig, erschienen.\nZur Empfehlung des Buches versendet der Verlag\nein offizielles Schreiben der Königlichen akade-\nmischen Hochschule der bildenden Künste zu Ber-\nlin. Journalnummer 1388. Also eine amtliche\nKundgebung. Dieses interessante Buch erleich-\ntert der gesamten königlichen akademischen Hoch-\nschule für die bildenden Künste zu Berlin das Herz.\nDie unterzeichneten Mitglieder des Lehrer-\nKollegiums der Königlichen akademischen\nHochschule für die bildenden Künste zu Berlin\nhaben mit lebhaftem Interesse von dem In-\nhalt des in Ihrem Verlage erschienenen\nBuches:\n„Die kranke deutsche Kunst\"\nKenntnis genommen.\nWir, Unterzeichnete, möchten es uns als\nKünstler nicht versagen, Sie zu ersuchen, dem\nanonymen Autor den Ausdruck unserer Zu-\nstimmung freundlichst zu übermitteln. Es ist\nmit großer Befriedigung zu begrüßen, daß so\ntreffende, wohlüberlegte und wahre Aeußerun-\ngen über die lebende Kunst an die Oeffentlich-\nkeit treten und allen Zweiflern, die heute nicht\nmehr zu wissen scheinen, was im künstle-\nrischen Schaffen gut oder böse ist, das Herz\nerleichtern.\nIst es doch leider nur zu wahr, daß auch\nunser für die Kunst interessiertes Publikum\nin seiner von Natur ganz gesunden Empfindung\ndurch kenntnislose Herren der Feder sich oft\nin seiner Meinung irre machen läßt.\nMan sollte es kaum für möglich halten,\ndaß die deutsche Kunst, die das Glück hatte\nin Adolph Menzel einen Kunstheros zu be-\nsitzen, durch fremde fragwürdige Einflüsse in\nihrer gesunden Entwicklung gehemmt und\ndurch gewisse Ausartungen des heutigen\nKunsthandeis in abschüssige Bahnen gedrängt\nwerden konnte.\nAn\nHerrn H. A. Ludwig Degener,\nVerlagsbuchandlung.\nDer trefflichen Schrift können wir, auch um\nder darin bekundeten nationalen Gesinnung des\nAutors, nur eine großmöglichste Verbreitung\nwünschen.\nDie Unterzeichner, die sich in ihrer Entwick-\nlung durch fremde fragwürdige Einflüsse gehemmt\nfühlen und in Adolf Menzel gleich einen Kunst-\nheros besitzen, heißen: Professor Anton von Wer-\nner, Direktor, Paul Meyerheim, Oswald Kuhn,\nM. Schaefer, Georg Ludwig Meyn, Böse, Hans\nMeyer, Peter Breuer, Rrnst Hertel* und das ge-\nsamte übrige Lehrerkollegium. Nun weiß man\nendlich, warum alle diese Herren kein Talent\nhaben und nichts können. Sie sind durch frag-\nwürdige Einflüsse eben gehemmt worden. Sie\nkonnten sich nicht genug entwickeln. Sie wurden,\nskrofulös. Und sie machen die deutsche Kunst für\nihr Kranksein verantwortlich. Die treffliche\nSchrift des Autors mit der bekundeten nationalen\nGesinnung soll ihre Erkenntnis großmöglichst ver-\nbreiten. Endlich werden alle Zweifler erfahren,\nwas im künstlerischen Schaffen gut oder böse ist.\nEndlich wird die deutsche Kunst wieder moralisch\nuntersucht. Das für die Kunst interessierte Publi-\nkum mit seiner von Natur ganz gesunden Emp-\nfindung wird durch kenntnislose Herren der Feder\nnicht mehr in seiner Meinung irregemacht. Die\nHerren des Pinsels lassen sich von dem nationalen\nPinsel der Feder lakieren. Für ewige Zeiten.\nJournalnummer 1388. So kommt endlich einmal\nFarbe auf ihre Bilder. Ich freue mich unglaublich\nauf das Buch. Man denke: Die ganze königliche\nakademische Hochschule für die bildenden Künste\nzu Berlin schart sich um die achtundsechzig Sei-\nten. Ihr Eintreten wird in einem richtigen Jour-\nnal festgelegt. Endlich haben sie sich einmal fest-\ngelegt. Man wird das Buch lesen, von dem der\nVerleger so schön sagt: „Der Verfasser richtet\neine wohlmeinende Mahnung zur Umkehr vom fal-\nschen Weg an die moderne Künstlerschaft. Er\nverkennt nicht, daß sicherlich die neue Richtung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "788", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1837, "texte": "in der Malerei manches Gute zeitigte, aber weist\neindringlich auf ihre verheerende Wirkung, auf\nwahre echte Kunst hin!\" Die neue Richtung hat\nden ganzen wahren echten Werner und das ganze\nwahre echte Lehrerkollegium verheert. Aber\nnoch mehr: „Die heutige Architektur geht im Rau-\nfen um die Nützlichkeitsgestaltung\" geradezu unter.\nDie Freude an der Form, an reicher gediegener\nDurchbildung, der Zug nach oben ist fort.\" Die\nwahren echten Architekten bauen bekanntlich nur\nden Zug nach oben, und lassen das Fundament,\nden Grundriß, einfach fort. Daß der nationale\nAutor sogar für die wahre echte Architektur ein-\ntritt, dafür müßte er besonders belohnt werden.\nMan möge ihm ein künstlerisches Haus schenken,\nfrei von jeder Nützlichkeitsgestaltung, wo er sich\nmalerisch ausleben kann. Ich empfehle ihm Herrn\nGeheimrat Ihne oder die Herren Boswau und\nKnauer. Da findet er seine Leute. Die haben\nnoch Freude an der Form, an reicher gediegener\nDurchbildung, die Bestien springen nur so aus den\n•\nMauern heraus, die Weiber tragen nur so die Bai-\nkone, die Tugenden stehen nur so auf dem Dache,\ndie steinernen Guirlanden und Fahnen kleben nur\nso an den Wänden. Da ist der Zug nach oben\nnoch nicht fort. „W t e eine Erlösung wir-\nken diese Worte. Jeder Gebildete, jeder\nKünstler, Schriftsteller, Maler, Kunstgewerbe und\nArchitekt muß diese hochinteressante Schrift lesen.\nDer Verfasser ist einer der besten dieser Kreise.\"\nDie Erlösungsworte werden wir etwas leiden las-\nsen. Der Deutsche, der sich mit seinem Namen\nnicht heraustraut, soll herausgepaukt werden.\nSogar mit Trompeten und Posaunen. Welch ein\nGlück, daß es noch Kreise gibt, Kreise von Gebil-\ndeten, Künstlern, Schriftstellern, Malern, Kunstge-\nwerblern und Architekten, man wird auf einen der\nbesten dieser Kreise eine verheerende Wirkung\nausüben. 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Ich glaube Dir schon, daß es Dir weh\ntut, diese Zeilen meines Herzens prägen zu lassen,\naber da ich mich nicht zu beherrschen gelernt\nhabe, verlange ich es von Dir. In meinem Inter-\nesse würdest Du hier gerne Deine Löwen bändi-\ngen — Pudelhunde gehorchen eher; ich sagte Dir\nschon einmal, die meisten Temperamente bellen\noder jammern oder kläffen nur.\nIch war nämlich in Jedermann oder heißt es\nAllerlei? Ich glaube, es heißt Allerlei für Jedermann\noder Jedermann für Allerlei: Herein meine Herr-\nschaften ins Riesenkasperle, ins Berliner Hännes-\nken! Ein evangelisch Stück wird gespielt für die\n„getauften\" Juden, namentlich, sehr anschauend\nund erbaulich. Alle getauften Juden waren in der\nevangelischen Vorstellung-Schaustellung gewesen\nund waren erbaut namentlich von dem blon-\nden Germaniaengel in Blau und Doppelkinn.\nRechts ein Fleckchen, links ein Fleckchen Mensch\noder Engel an der Kasperle wand und wie das\nGewissen an zu heulen anfing: Jedermann, hier,\ndort Jedermann. Wo kam das her — ich denke\naus den Ställen, Herwarth. Nein, da wollen\nwir lieber auf die Kirmes gehen in Cöln am\nRhein und ein Cölner Hänneskentheater auf-\nsuchen, von dort sollte Direktor Reinhardt die\nNaivität herholen, nicht sich welche anfertigen\nlassen von dem Hofmannsthaler in Wiener Stil\noder übertünchen lassen, ein britisch-evangelisches\nMysterium, charakteristisches Oähnen mit noch\nentsetzlicheren, gelangweilten, unechten Reime-\nreien eines Verbesserers\". Denk mal an, wenn\ner sich auf Bildhauerei verlegt hätte, an der Skulp-\ntur geflickt hätte, und der Venus von Müo die\nbeiden Arme angesetzt hätte!\nWas grub er doch alles Literarische aus: Zu-\nerst den Oedipus von Sophokles und nährte ihn\nmit Wiener Blut; die Elektra machte er zur dä-\nmonischen „Lehrerin\". Ihm gebrichts an Phan-\ntasie. Immer sagen dann die Leute, Herwarth,\nweil sie stutzig werden: Ja, haben Sie denn noch\nnicht das Gedicht von ihm gelesen: Kinder mit\ngroßen Augen? — Ich habe sogar Tor und Tod\nund den Tod des Tizian von ihm gelesen; glän-\nzende Dichtungen allerdings, aber in Granit\nGoethes oder Georges gehauen. Wrenn Jeder-\nmann wüßte, was Jedermann wär usw. — eine\nBlasphemie, eine Verhöhnung einer alten Pietät,\neiner religiösen Verfassung. Das Leben und der\nTod. die Sünde und die Strafe, Himmel und\nHölle, alles wird zur Schaustellung herabgewür-\ndigt, wie die Elephanten und Araberpferde mit\nBändern und Kinkerlitzchen geschmückt, allerdings\nnicht einmal wie hier den Kindern zur Freude,\ndem reichen sensationslustigen Publikum zur Er-\nbauung, pfui Teufel, daß der Sekt besser mundet\nEin paar Tage vor Weihnachten forderte Di-\nrektor Reinhardt mein Schauspiel die Wupper ein.\nSie liegt noch nicht zwei Monate in seinem Haus;\nmein Schauspiel hat Leben, meine Geschöpfe\nmöchten weiter leben. Nun wird mein Schau-\nspiel eine Geisel sein in Reinhardts Händen, er\nwird meine Dichtung ins Feuer werfen oder sie mir\nmit ein paar Phrasen seiner Sekretäre widersen-\nden lassen. Gleichviel, ich will keine Rührung\nnoch Sentimentalität aufkommen lassen, Her-\nwarth, ich muß meine Dichtung opfern der Wahr-\nheit, dem „Ehrgeiz\" zum Trotz. Der Prinz von\nTheben wirft die letzte Fessel von sich.\nMit einer goldenen Schaufel will ich der Sage\nmeiner Stadt einen Weg ebnen oder sie begraben,\nindem ich Direktor Reinhardt die Wahrheit sage.\nDie Aufführung des Jedermann ist eine unkünst-\nlerische Tat, eine schmähliche — von ihm zumal,\nder im Publikum für unfehlbar gilt und in Wahr-\nheit mit Bewußtsein nicht fehl greifen kann. Wie\nsoll man sich diesen Zynismus erklären! Hat\nReinhardt Geld nötig? Warum rauben es nicht\nseine Leute für ihn: Sie sollen den Westen\nder Stadt plündern für ihren Kaiser!!\nKassenschränke sind nicht zu unterbilden, wohl\naber eine Zuhörerschaft (es sind talentvolle Zu-\nhörer darunter) wackelköpfig durch ein Irrspiel\nzu machen. Solche Geschenke darf sich Rein-\nhardt nicht erlauben. Draußen tobten die Sozial-\ndemokraten, es war am Tag der Wahl — in mir\nstürmte eine stärkere Revolution, es fiel am Abend\nmeine letzte Hoffnung, die Aufführung meines\nSchauspiels unter dem Können Reinhardt, das ich\nin so vielen Aufführungen bewunderte. Ich for-\ndere mit diesem Brief meine Arbeitersage, die\nWupper, ein. Hat er sie schon gelesen? Sie muß\nihm imponiert haben.\nUnglaublich, Herwarth, glaub ich endlich zu\nEnde zu sein, läßt mich der deutsche Dichter Hans\nEhrenbaum-Degele fordern zum Duell. Wegen\nder deutschen Sage und des hohen Lieds. Sein\nSekundant wird der Schauspieler Wilhelm Murnau\nsein und der Arzt van't Hoff kommt wegen der\nWunden mit. Aber mir zur Aufmunterung wird\nmein Neger Tecofi-Folifi Temanu seinen Menschen-\nknochentanz während des Kampfes tanzen.\nT elegra m tri:\nHerwarth Waiden, Halensee, Katharmenstraße 5.\nMeine rechte Iland vom Rapier lebenslänglich\ndurchbohrt!\nLieber Herwarth, ieh habe meiner Stadt The-\nben große Schmach angetan, für einen Krieger\nist es schon eine Schande krank zu sein, aber\neine nie wieder gutzumachende Schmach bedeu-\ntet es für mich, im Zelt verwundet zu liegen, ge-\ntroffen von einem abendländischen Sieger. Meine\nbeiden Neger heulen wie Weiber, schleichen im\nVollmond, listige Katzen um sein Haus; ich bin\nschlimm gelaunt.\nOestern schloß ich mich im Privatgemach\nmeines Palastes ein und betete. Ich habe die Ge-\nbete fast zu sprechen vergessen, die wie Harfen\neingeschnitten sind. Ich habe in Gedanken meiner\nMutter Füße geküßt; wie man fromm werden\nkann, ich war im Augenblick dieser goldenen De-\nmut sündlos. Du meinst, es gibt keine Sünde, aber\nich zweifle nun nicht mehr daran, da ich noch im\nGebet steh und vom frommen Kuß weiß bin. Soll\nich mein Herz öffnen?\nHerwarth, wie man sich nie findet! Das hat\nimmer indirekt einen kosmischem Grund. Ich\nwandle ruhelos von einem Stern zum andern;\nwenn ich nicht Luzifers Schwester war, so wär ich\nder ewige Engel. Dm stehst augenblicklich, ganz\ngenau nach der Sternwarte berechnet, im Wende-\nkreis des kämpfenden Sturmhahns. Bravo 1\nLieber Herwarth, ich habe Richard Dehme!\ngezeichnet, ich habe ihn blutrot gezeichnet als\norientalisches Stadtbild; nicht im Bratenrock, ii\ndem er zu verkehren pflegt mit der Außenwelt,\naber im altmodischen Stadtturban. Richard Deh-\nmels Gedichte fließen wie Blut, jedes ein Aderlaß\nund eine Transfusion zugleich. Er ist der Groß-\nkalif aller Dichtung."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "789", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6070, "texte": "ihr beiden Freumip, was ist das? Wart Ihr\nschon dort, Ecke Kurfürstendamm und Wilmers-\ndorferstraße, im Caf£ Kurfürstendamm? Ich bin\nzum Donnerwetter dem Caf6 des Westens untreu\ngeworden; wie einen Herzallerliebsten hab ich das\nCafehaus verlassen, dem ich ewige Treue ver-\nsprach. Das Cafe Kurfürstendamm ist eine Frau,\neine orientalische Tänzerin. Sie zerstreut mich,\nsie tröstet mich, sie entzückt mich durch die vie-\nlen süßerlei Farben ihres Gewands. Eine Bewe-\ngung ist in dem Cafe, es dreht sich geheimnisvoll\nwie der schimmernde Leib der Fatme. Verschlei-\nerte Herzen sind die sternenumhangenen, kleinen\nNischen der Galerien. O, was man da alles sagen\nund lauschen kann — leise singen Violinen, selige\nStimmungen. Das Cafe ist das lebendiggewor-\ndene Plakat Lucian Bernhards. Ich werde ihm\nefcien Mondsichelorden, der ihn zum thebanischen\nPascha ernennt, und meine huldvollste Bewunde-\nrung übermitteln lassen.\nHerwarth, Kurtchen, ich schreibe heute selbst\ndie „ungeschriebenen\" Zeilen an Sascha nach der\nZitadelle in Rußland. Lasse meinen flammenden\nMyrtenbrief nicht veröffentlichen.\nTelegramm.\nEben regierender Prinz in Theben geworden. Es\nlebe die Hauptstadt und mein Volk!!\nIch werde in meiner Stadt erwartet, kostbare\nTeppiche hängen von den Dächern bis auf die\nErdböden hernieder und rollen sich auf und wieder\nzusammen. Meine Neger liegen schon seit Son-\nnenaufgang vor mir auf den schwarzen Bäuchen\nund werden am Abend unter die Leute 'gehen, sie\ndas Wort „Hoheit\" lehren, bis\" das Wort tanzt in\nihren Mündern. Ich bin Hoheit. Merkt Euch das,\nbetont es Jedem, der Euch in den Weg läuft. Aber\nmich schmerzt diese Ehrung, denn ich kann nicht\nin meine Stadt zurück, ich habe kein Geld. Und\ndie Morgenländer lieben den Glanz; sie greifen\nSterne aus den Wolken, und ihre Herzen sind auf-\ngespeichert mit dem goldenen Weizen des Him-\nmels. Hier gibt es keine Sterne, kleine Streu-\nkörnchen glitzern zur Erde. O, wie arm diese\nAbendlande, hier wächst kein Paradies, kein Engel,\nkein Wunder.\nWie hat mich diese Armut so beschämt, Eure\nArmut; ich habe nicht einmal einen Damastmantel;\nmeine elenden Schuhe sind zerrissen — ich sehe\nselbst mit Verachtung auf meine eigene Hoheit\nherab. Aber die Neger sind feinfühlig, sie haben\nein Spiel erfunden, wir spielen zur Probe hier\nschon Volk und König. Sie stellen sich zu meinen\nbeiden Seiten scharenweise auf, hunderttausend-\nabermillionen Köpfe in Turbanen, die schreien und\nkreischen, Allah, machäh! Und trampeln mit den\nFüßen und klatschen in die Hände — ich lächle\nmit meiner Hand, werfe gnädige Küsse unter das\nVolk. Ich bin ganz in Gold gekleidet wie der\nallerleuchtendste Mond, meine Haare funkeln, die\nNägel meiner Finger sind Perlen; ich werde in\nden Palast getragen und gebe meinem teuren Volk\ndie Verfassung.\nIch hoffe, Dich haben meine Briefe nicht ge-\nlangweilt, oder hat Kurtchen oft gegähnt? Lies\nnoch einmal meinen Brief, Herwarth, der mit den\nWorten endet: ich bin das Leben. Wie stolz!\nNun bin ich wie ein durchsichtiges Meer ohne Bo-\nden, ich hab keinen Halt mehr. Du hättest nie\nwanken dürfen, Herwarth. Was helfen mir nun\ny * •\nDeine bereitwilligen Hände und die vielen anderen\nFinger, die mich bang umgittern, durch die meine\nSeele grenzenlos fließt. Bald ist alles zu Tode\nfiberschwemmt, alles ist in mir verschwommen,\nalle meine Gedanken und Empfindungen. Ich habe\n.mir nie ein System gemacht, wie es kluge Frauen\ntun, nie eine Weltanschauung mir irgendwo be-\nfestigt. wie es noch klügere Männer tun, nicht ein-\nmal eine Arche habe ich mir gezimmert. Ich bin\nungebunden, überall liegt ein Wort von mir, von\nüberall kam ein Wort zu mir, ich empfing und\nkehrte ein, so war ich ja immer der regierende\nPrinz von Theben. Wie alt bin ich, Herwarth?\nTausend und vierzehn. Ein Spießbürger wird nie\ntausend und vierzehn, aber manchmal hundert\nund vierzehn, wenn er es „gut\" meint. Herwarth,\nwarst Du mir treu? Ich möchte aus Geschmacks-\ngründen in Deinem Interesse, daß Du mir treu\nwarst. Nach mir durftest Du Dich nicht richten,\nich hab den Menschen nie anders empfunden wie-\neinen Rahmen, in den ich mich stellte; manchmal,\nehrlich gesagt, verlor ich mich in ihm, zwei waren\naus Gold, Herwarth, an dem einen blieb mein\nHerz hangen. Herrlich ist es, verliebt zu sein, so\nrauschend, so überwältigend, so unzurechnungs-\nfähig, immer taumelt das Herz; gestern noch stand\nich vor dem Bilde des stolzen Medici, er ist leben-\ndig geworden und wollte mich in der Nacht ent-\nführen. Wie bürgerlich ist gegen die Verliebtheit\ndie Liebe, oder Jemand müßte mich geliebt haben.\nHast Du mich geliebt, Herwarth? Wer hat mich\ngeliebt?\nIch würde mich im selben Augenblick zu sei-\nnen Füßen niederwerfen wie vor einem Eels, wie\nvor euiem kostbaren Altar, ich, der Prinz von lie-\nben. Ich würde den Liebenden mit mir tragen in\nden Tod wie die egyptischen Königsmenschen ihre\nKostbarkeit, ihren goldenen Krug mit sich ins\nGewölbe nahmen, und den letzten Rest aus ihm\ntranken, den sie verachteten. Ich flüchte in das\nDickicht, Herwarth, ich ertrage das Leben nicht\nmehr, ich habe mich begnadigt. Ich flüchte in das\nDickicht, Herwarth, ich habe immer das Haus ge-\nhaßt, selbst den Palast; wer auch nur ein Gemach\nsein Eigentum nennt, besitzt eine Häuslichkeit,\nIch hasse die Häuslichkeit, ich hasse drum auch\ndie letzte Enge, den Sarg. Ich gehe in den tiefsten\nWald, Herwarth; was ich tu, das ist wohlgetan,\nich zweifelte nie an mir. Kann man ein gläubi-\ngeres Wort aussprechen ohne ein Lächeln hervor-\nzurufen? Oder hüpft wo eine Heuschrecke? Ich\nlege mich unter die großen Bäume und strecke\nmich mit ihren Wurzeln, die sich immer umhalten,\nwie knorpliche Schlangen. Ich höre nicht mehr\ndas Schellengeläute in meinen Ohren; jeder Herz-\nschlag war ein Tanz. Ich kann nicht mehr tanzen,\nHerwarth; ich weine — Schnee fällt auf meine\nweinenden Augen. Grüße Theben, meine Stadt,\nvergiß wie ich nicht den Propheten Sankt Peter\nHille, er schrieb voraus; mir brach die Welt in\nSplitter. Ich richte mich noch einmal auf, stoße\nmeine wilden Dolche alle in die Erde, eine Kriegs-\nehrung zu meinem Haupte. Hier und nicht weiter!\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "789", "page_fin": "790", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.4", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang : Roman", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang : Roman", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "789", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.3", "debut_caractere": 6072, "fin_caractere_exclue": 10345, "texte": "Der schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nIn dem fahlen Mondlicht der Träumereien\nzwitscherten Vögel ungestört, und Johannes' Gar-\nten lag verzaubert in einem Märchen da.\nEr hatte die wirrsäligen Pfade erst zaghaft\nund stockend, mit dem Gefühle eines schmählichen\nSelbstbetruges, ja einer verbotenen Schuld und\nSünde, betreten; aber unter dieser Hemmung eben\nschliefen und stahlen sich die Triebe gepreßt im-\nmer wieder, immer weiter ein, mit niedergeschla-\ngenen grünen Augen, stießen sich vertraulich an,\nMit ein- und vielmaligem Gelingen und dem Genuß\nan der gerafften Beute verlor sich die Angst und\nwuchs die Begehrlichkeit; aus dem Versuchen.\nlasten, Rucken wurde ein heilig geschmeidiges\nSchlüpfen, wurde ein freches Stampfen, Schreiten\nund Gleiten, und dann ein Segeln mit breitentfalte-\nten Flügeln und hellem Rauschen und übermütiges\nWiegen, Kichern, Kreischen, Plätschern in allen\nLüften.\n*\nDie Verwöhnung durch so stolze, himmlische\nFreiheiten schufen langsam eine fein gesteigerte,\nmesserscharfe Empfindlichkeit; das Genüge, das er\nim Walten über sein Herrschergebiet fand, machte\nihn noch scheuer, und der stumme trollte sich\nallein seines Weges.\nOhne YViderhäkchen, glatt und rund gar, muß-\nten die Dinge sein, an die er sich schmiegen konnte,\nwie die jungen Wicken, die er vor seinem Fenster\nzog Über ihre weichen, hellen Kinderhärchen und\nRanken, Windungen, welche spürsam wie die\nSchritte eines Blinden sind, streichelte er oft lieb-\nkosend hin, ließ sie zart gegen seine Wangen spie-\nlen. Eine Unruhe dämmerte dann blau in ihm auf\nund opalisierte ins Grüne, Rote, Graue; schwrärmte\nschrnetterlingsweich auf.\nSein Blick löste sich lange Zeit nicht von\neinem jüngeren Kameraden, so oft sie gemeinsam\nnach Haus gingen. Er konnte sich nicht satt sehen\nan diesem vollen Gesicht, auf dessen gelblich blas-\nser Tönung ein feiner Bluthauch lag. Die großen\nschwarzen Augen schauten tief und offen, drehten\nsich langsam.\nVerklärt schien das stille Gesicht mit seinem\nsanften auf der Haut ruhenden Glänze. Von der\nSchule ermattet plauderte der Freund leicht und\nteilnahmsvoll, mit dem atmenden Glücksgefühl ei-\nnes Menschen, der langsam von einer Abspannung\nan die Oberfläche kommt. Er schmiegte sich müde\nan Johannes, tätschelte nach Kinderart dessen\nHände mit seiner weichen Hand, plauschte.\nEs war ein schöner warmer Wohllaut in seiner\nStimme. Er erzählte, daß er seine Lehrer lang-\nweilig finde, einen andern aber nett, wirklich sehr\nnett, ..ach ja\", daß Hans zwar nicht, wie die andern\nsagten, ein hochmütiger Mensch und etwas kopf-\nschwach, wohl aber \"sehr komisch sei.\nGanz traumlos, nüchtern sagte er sein Sprüch-\nlein her, und alles entzückte Johannes. Und dann\nwar er wieder Leben, Blut, kätzchenhaft wild,\nplötzlich, leuchtend mit großen Augen.\nJohannes schenkte ihm Konfekt und Bonbons,\nlitt dankbar, in einer mütterlichen Angst ihn zu\nverlieren, unter seinen Launen. Er unterwarf sich\ngern, weil er etwas wie Unschuld im Spiel mit dem\nFreunde über sich kommen fühlte. Sie saßen in\nJohannes Garten zusammen und legten aneinander\ngelehnt die Arme um die Schultern, worin Johan-\nnes ein eigentümliches, wohliges Vergnügen fand.\nEr suchte den Freund auf dem Schulhofe, auf der\nStraße; ihm fehlte etwas, wenn er ihn nicht fand.\nAls ein anderer seinem Freunde die weichen, schö-\nnen Wangen streichelte, sah er fort und biß sich auf\ndie Lippen.\nUnd doch sehnte er sich oft, wenn er die klare\nStirne erblickte, sie zu küssen, nein, die Lippen zu\nküssen, oft, sehr oft; und seine Lippen wurden\nfeucht bei dieser süßen Sehnsucht.\n*\nAber durch die unachtsame Bewegung eines\nPlatznachbars in der Schule war Johannes einmal\ndessen Bleistift auf den Schoß gefallen; Johannes\nsäh es nicht. Bei der Untersuchung durch den Leh-\nrer kam ein iibelbeleumdeter in den Verdacht, den\nBleistift gestohlen zu haben, und Johannes, der den\nFund zu spät bemerkte, wagte in seinem atemlosen\nSchreck nicht sich zu erheben. Denn durch das\nstörrische Leugnen des Beschuldigten gereizt, war\nder Lehrer, eine lange, hagere Gestalt mit raschen\nstechenden Augen, in eine Wut ausgebrochen, die\ndem stillen namenlos und unerhört war und hatte\nden scheinbaren Dieb furchtbar geschlagen. Die\nAngst, die der Augenblick in Johannes hineinpreß-\nte unter der Verschuldung, der Wut des Lehrers,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "790", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9504, "texte": "dem Keuchen des Kameraden, spitzte sich jählings\nzu einer seltsamlichen starren Lust, die den zu-\nsammengeduckten stumm und vornübergebeugt\njeden Stockschlag auf das weiche Fleisch verfolg\ngen, sein Ohr jedes Schmerzächzen einfangen lie-\nßen, und Zittern kam über ihn. Dieses zerreißen-\nde Gefühl zu vergessen, konnte er lange sein Herz\nnicht bezähmen.\nEr wurde im Garten einmal dabei betroffen,\nwie er seinem Hunde Petersilie aufdringen wollte,\nund ihn, als der sich sperrte und winselte, immer\nwieder an die würzigen Blätter heranriß; man\nnannte ihn daher Hans Petersilie.\nMeist hockte er zu Hause und brütete oder,\ner schloß sich in sein Zimmer ein, setzte sich in\neine Ecke und lockte seinen andern Freund, den\nHund an. Er fragte ihn heimlich dumme Dinge, sah\nihm in die großen, unvernünftigen Augen und hob\nlangsam die hinterlistigen, lüsternen Hände, legte\nsie um den braunhaarigen Hals und drückte mit\nflackerndem Atem fest, wenn das Tier sich sträubte\nund mit den Pfoten kratzte, drückte, bis es nicht\nmehr winselte, ihm die Augen aus den Höhlen tra-\nten und der schmale Körper sich bei Seite warf.\nLieß er den Hund los, der sich unter das Sofa\nschleppte, so kroch er ihm nach, legte sich auf die\nErde und horchte starr entzückt, wie auf das Äch-\nzen des Kameraden, auf das Winseln und hastige\nAtmen des Tieres.\nEtwas von der zügellosen Wildheit seines\nTräumens strömte in der Überstürzung, mit der\ner, stockend im Beginn, sein Werk steigerte und\nvollendete. Auf dem Flur hob er das Tier mit täu-\nschenden Schmeichelworten auf, wiegte es ruhig in\nden Armen, während die Erwartung in ihm zitter-\nte und mit jeder Sekunde stärker zitterte, schleu-\nderte es plötzlich die halbe Treppe hinunter, wo-\nrauf er mit halsbrecherischen Sprüngen nacheilte,\num zu sehen, ob das Tier noch lebe und seinen\nTrost auf den letzten dunklen Pfad mitnehmen\nkönne.\nUnd lachte und klatschte schon oben in die Hän-\nde, wenn der Hund sich mehrmals um sich selbst\ndrehte, ohne den Weg zum entlaufen zu finden, und\nküßte ihn mit herzlichem, dankbaren Mitleid.\nDer Hund starb im Winter, als Johannes ihn\nmorgens, während niemand auf dem Hofe war, aus\neinem Flurfenster in einen hohen Schneeberg warf,\nAm Abend dieses Tages begann das Tier zu\nschreien und sich mit heißer Nase zu winden; der\nHerr legte es in einen warmen Korb, hüllte es in\nseine eignen Decken und pflegte es mit Milch, so-\ngar des Nachts, aber es nahm nichts an.\nAus der Schule lief er tags darauf, so schnell\ner konnte heim, um den kranken Hund zu sehen,\nihm mit Bädern und Pillen zu helfen, und seine Ge-\ndanken waren nur bei dem Hunde. Aber am Mor-\ngen des dritten Tages lag das Tier starr in seinem\nKorb, selbst der Schwanz bog sich nicht.\nDa nahm Johannes es auf den Arm, schaufelte\nihm im Garten ein Grab unter einem Kirschbaume\nund legte die Leiche hinein, unter stillem Gebet.\nDann stampften seine Füße das Grab zu. Und ging\nan dem Tage im frohen Gefühle seiner Arbeit, zu-\ngleich in Andacht und wehmütigem Gedenken um-\nher.\n*\nWenn der an solche Einsamkeit gewohnte ne-\nben seinen Kameraden einherging und ihnen zuhör-\nte, wie sie sich von ihren Neigungen, Freundschaf-\nten und Feindschaften unterhielten, so klagte er\nsich an und erschauerte: Das ist das Leben, das\nechte Leben. Aber er entsetzte sich vor der gren-\nzenlosen Sicherheit, mit der sie über Menschen\nund Dinge sprachen; er hatte Furcht vor der uner-\nbittlichen Bestimmtheit der Worte, wo er stumm\nden Dingen lauschte und sich ihnen hingab.\nEr beobachtete mit schielen Augen diese\nfleischgewordenen Schicksale. Und doch schien es\nihm, als ob ihn etwas von weitem in diese starre\nsprechende tote Welt hineinrisse, und während sie\nhingingen, verlor sich sein Ohr von ihren Gesprä-\nchen ab, und er verstummte immer tiefer. Wenn\ner allein saß, die raschen Tritte seiner Kameraden\nan seinem Hause vorbeirannten und Unruhe in ihm\nflimmerte, trieb ihn plötzlich ein Wunsch, nichts zu\nhören, der mit Bitterkeit über ihn kam, hinten in\nden Garten.\nEr setzte sich auf das Grab des Hundes und\nstöhnte langgezogen, wie er es vor langen Jahren\nvon seiner Mutter gehört hatte, die sterbend von\nihm Abschied nahm. Und der Gedanke an Achilles,\nwie er seines liebsten Freundes, des Patroklus, bet\nraubt am lautaufrauschenden Meere saß und mit\nseinem hellen Stöhnen die silberfüßige Nereide\nlockte, übermannte ihn so, daß er immer wieder\n„Molly\" seinen Hund rief: „Moliychen, verzeih\nmir, wenn ich dir böses getan habe; ich habe dich\nimmer lieb gehabt, und oft hast du mich auch ge-\närgert. Warum hast du nur die Pillen nicht ge-\nnommen, — sie waren so gut. Oh, ich liebe dich\nso.\"\nUnd die braune Hundeseele stieg leise bellend\nauf, umschwebte ihn und besänftigte den bebenden.\n*\nWeder den Schulkameraden noch Hausgei\nnossen fiel mehr seine Verschlossenheit und gera«\ndes Vorsichhinsehauen auf. Es kam aber eine Zeit,\nwo er ganz zu versinken und sich zu halten schien,\nals ob ihn etwas Schweres betroffen hätte. Der\nsich selbst überlassene schien sich nicht mehr ein\nnoch aus zu kennen. Er begann erschreckt zusam-\nmen zu fahren, wenn die Tante ihn rief, Wenn sie\nihn fragte, schaute er auf, wehrte ihre Angst ab;\nseufzte und ging davon, um weiter zu brüten.\nNachdem er einige Zeitlang dahingeschlichen\nwar, blieb er, ganz verfallen, zu Hause. Ohne daß\ner über einen Schmerz klagte, kränkelte er sicht-\nlich. Er lag teilnamslos auf seinem Zimmer; ein\nstilles, versunkenes Feuer lockte auf dem Grunde\nseiner Augen; nur lächelte er manchmal ergeben\nEines Nachmittags legte er sich unruhiger auf sein\nSofa und schlief ein. Als er erwachte, scholl lauter\nGesang in sein Ohr; er war mit glühheißen Wangen,\nheftigem Herzschlagen, unter wollüstigen Krämp-\nfen erwacht. Eine furchtbare Angst lag auf seiner\nBrust und Kehle. Starr vor Entsetzen blieb er eine\nMinute liegen; dann lief er mit brennendem Kopfe,\nzitternd, fast fiebernd, ins Freie, — durch den Gar-\nten, über das Grab des Hundes, ohne zu wissen\nauf die Straße. Er trieb in Querstraßen, Winkeln\nund Sackgäßchen, über breite Gartenanlagen, auf\ndenen Kinder spielten und alte Männer auf Bänken\nsaßen; ohne von sich zu wissen, setzte er sich auf\neine Bank vor einer Kirche.\nIhn schwindelte, als er still saß; und erstaunte\nschließlich über den Ort, — so erinnerte er sich\nauch an seinen Garten, seine Wohnung, — und lief,\nlangsamer und unsicher, über die Straße. Er half\nauf einer Brücke einen Wagen, der nicht vom\nFlecke konnte, weil er überschwer mit Eisenschie-\nnen beladen war, fortschieben. Während er sich\nan den Rädern abmühte, daß ihm der Schweiß auf\nder Stirne perlte, rief er laut „hüh, hüh\" mit den\nanderen, zum Versuch, weil er fühlte, daß eine Art\nStummheit auf seinem Munde lag. Er wollte seine\nNachbarn, die fremden Arbeiter, zwischendurch in\ndemselben Tone etwas fragen, aber er wußte nicht\nwas.\nWeiter trabend fand er sich plötzlich dicht bei\nseiner Wohnung.\nWas ihm geschehen war: um diese Frage\nhaschten und spielten seine Gedanken, wenn sie\nsich nicht verloren in dem heiß dumpfigen\nGefühl, das immer noch über Kopf und Ohren,\nvon den Därmen und den Brusteingeweiden her-\naufschwälte und seine Kehle rasch berührte.\nEr wußte nicht, was über ihn hereingebrochen\nwar, und wen er fragen und um Hilfe bitten sollte.\nEr wünschte sehnlichst sprechen zu dürfen und ei-\nne Stimme zu hören. Sich selbst erzählte er in sei-\nnem Zimmer halblaut sein dunkles Erlebnis; aber\ngeduldlos legte er sich hin und winselte.\nTage und Wochen vergingen, bis der aufge-\nregte Schrecken sich gelegt hatte, während dessen\ndie Beklemmnis ihn so umfaßte, daß die Häuser an\nihm vorbei schwankten und er glaubte, irrsinnig\nzu werden. Dunkle Worte aus der Bibel und dem\nMunde des Religionslehrers fielen ihm ein: über\nheimliche Versuchungen, denen der Mensch, der\nsich selbst der böseste Feind sei, nicht erliegen\ndürfe, und über ebenso heimliche Strafen Gottes.\nEr suchte sich zu retten, sein Erlebnis irgend-\nwo einzureihen; das verschwiegene Schuldgefühl,\ndas oft unter seinen wilden Träumereien und sei-\nnen einsamen Spielen murmelte, tauchte auf und\nredete vernehmlicher in der verschüchterten See-\nle; die wilden süßen Erschütterungen hatten seinen\nwehrlosen Leib wie strafende Krallenhände ge-\npackt und gebogen. Er sann darüber nach, was\ner verbrochen hätte und fand genug, wohin er nur\nfaßte.\nDa glitt er nicht um seine Schuld herum, son-\ndern sammelte alles einzeln und stieß sich in\nschneidende Anklagen hinein, schleppte sich an sie\nwie seinen Hund heran.\nAls er aber eines Abends die Kleider ablegte,\nüberfiel ihn die sonderbare Frage, warum wohl alle\nMenschen Hosen trugen, zum Teil sogar lange\nKleider von den Hüften herab bis zu den Knöcheln;\nund er blieb sinnend und getröstet auf dem Bett-\nrand sitzen. Gewiß, das war es, sie hatten alle das-\nselbe erlebt, wie er und verdeckten sich nur so,\nweil die Bibel von der Sündenschuld redet und\nkeiner den andern von seiner Schuld wissen lassen\nwollte.\nBesser wäre es auch, offen zu leiden, als die\nFeigheit des Vergessens, Aber das Schämen war\nnur ein Vogelstraußspiel. Er merkte es doch, wen«\ner sich auch hüten wollte, es zu sagen. — Es wur-\nde ihm nun bald ein vergnüglicher Gedanke, sich\ndie Menschen, denen er auf der Straße begegnete,\nhinter den Kleiderwänden zu denken, gleichsam\nals eine unsichtbare Welt, die hier einher wandelte,\nwie die Welt der Gedanken hinter den starren\nWorten, !\nEr hätte den Menschen, auch seinem Lehrer,\nschmunzelnd auf die Schulter klopfen können:\n„Nicht wahr, wir kennen uns?\" Und er sonnte\nsich an seiner Überlegenheit, wenn er so in de**\nStraßen herum abenteuerte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "790", "page_fin": "792", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.5", "titre_corps": "Hamburg", "titre_sommaire": "Hamburg", "signature_source": "Günther Mürr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "790", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.4", "debut_caractere": 9537, "fin_caractere_exclue": 10260, "texte": "Hamburg\nVon Günther Mürr\nDämmerung in Harvestehude\nDie Allee dehnt sich ganz lang und grade,\nwie ein straffgespannter Faden.\nIn gleichen Abständen durchschneidet sie andre\nAlleen>\nDas Grau des Himmels so farblos fade.\nGradlinig ziehn sich hertistbelaubte Linden\nam Rand des farblos stumpfen Fußsteigs hin.\nNur wo die matte Sonne versinkt,\nliegt ein schwaches Scheingerinn.\nDie Häuser, die in einer Reihe nebeneinander\nstehn,\nblicken eintönig stumpf. Und sind doch Welten\ndrin\nvoll Sonne und Mond. Ein Leben Sän\nund Leben Ernten, Genießen und Schmerz\nverwinden.\nEinzelne Fenster färben sich gelb, aber keines\nblinkt.\nSie wagen nicht, Glanz in das Stumpf zu\nentsenden.\nDie hohen, schwarzen Laternen tragen schon\nihre Flammen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "791", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.5", "debut_caractere": 52, "fin_caractere_exclue": 1289, "texte": "Sie können Luft, Boden und Bäume nicht mit\nGlanz überziehn.\nNur einen runden Hof scheinen sie sich um die\nFüße.\nDie stumpfgrünen Bäume und Sträucher der\nVorgärten sehn\ntodahnend ihr eignes, regloses Sterben.\nNur manchmal ein zages Wehn.\nDer Wind hängt sich mit wiegenden Händen\nan schwanke Zweige, biegt die Blätter bang\nzusammen.\nUeber die knarschigen Steine gehn\nwenig Schritte. Man hört jeden Tritt.\nManchmal eine eilende Equipage,\nein einsamer Lastwagen, die Tiere mit müden\nLenden.\nUeberall lauschende Ruhe, strebloses Träumen»\nglanzloses, farbloses Warten,\nEin stiller Blätterrregen sinkt\nvon den herbstentlaubten Bäumen,\nund will den trüben Boden streicheln\nund bleibt wie ein zerfetzter Teppich liegen.\nDie müden Linden verschwenden\ngedankenlos ihren Schmuck.\nDas Einzige, was in dem Dämmern glänzt,\nsind diese saftlosen, verwesenden Blätter.\nEs schwebt in der Luft des Sterbens Druck.\nDie wenigen Menschen, die durch die fade\nTrübe rasqh oder langsam gehn, spüren in sich\ndes Todes Made,\nund tiefer ducken sie sich in des Lebens Lade.\nDoch fühllos liegt die Allee ganz lang und grade.\nSonnenblick auf der Alster\nDer Tag läßt seine grauen Schleier niedersinken\nbis au! die Füße.\nUeberdie braungrtingrauen Wellen tanzt ein\nBlinkem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "792", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 476, "texte": "Das trübe Wasser will die junge Bläue trinken.\nWie starke Grüße\ndrängen die schwarzen Böen drüber hin. 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Das kann ich nun nicht fin-\nden; es sind manche hübsche Sächelchen in mei-\nnen Büchern. Nur muß man sie aus dem Miste\nher auszuklauben verstehen. Herr Wehring hat\netwas gegen mich; er will mich für kein Genie\nhalten, heute, wo doch in jeder halbwegs annehm-\nbaren Familie drei sich befinden, sei es in Gesang,\nKlavier, Malerei oder Dichtkunst, oder selbst noch\nganz unausgesprochen, hinter denen ein gewisses\nEtwas schlummert, pst, nur nicht aufwecken!\nHerr Wehring behauptet, bei mir einen Satz über\ndas Wesen der Freundschaft gefunden zu haben,\nden auch Nietzsche ausgesprochen habe. Ja, was\nkann ich dafür, daß dieser Herr Nietzsche und ich\nüber das Wesen der Freundschaft ganz derselben\nAnsicht sind? Ich habe sie ihm nicht beigebracht,\nalso höchstens er mir. Aber auch das ist nicht\nmöglich, da ich von ihm niemals etwas gelesen\nhabe, was alle meine Freunde gern bestätigen wer-\nden, die von meiner krassen Unwissenheit über-\nzeugt sind. Gott, weshalb sollen zwei Genies nicht\n■auch einmal dieselben Gemeinplätze niederschrei-\nben?! Herr Wehring meint, ich sei etwas zu sehr\nmit einem gewissen Peter Altenberg beschäftigt.\nJa, dieser Mensch kam eben leider mit mir auf die\nWelt, verließ mich nicht eine Sekunde lang wäh-\nrend 52 Jahren. Da nimmt man freilich manche\nEigenheiten an, die man unter anderen Um-\nständen nicht besäße. Ich könnte Herrn Wehring\nfragen, weshalb meine Bücher ins Tschechische,\nRussische, Französische, Dänische, Ungarische, Pol-\nnische übersetzt seien?! Aber er könnte mir darauf\nerwidern, daß gerade Schundliteratur den größten\nAbsatz habe. Worauf ich replizieren könnte, daß\nmeine Bücher gar keinen Absatz haben. Worauf\ner sagen würde: „Das glaube ich Ihnen gerne.\"\nAber mit solchem geistigen Geplänkel kommt\nschließlich nichts heraus. Ich bitte Herrn Ludwig\nWehring daher ganz einfach inständigst, mir zu-\nliebe, mich dennoch für ein Genie zu erklären, und\nmich nicht gegen eine Menge anderer zurückzu-\nsetzen, denen es in jeder Beziehung viel besser\ngeht als mir. Ich habe mich mein ganzes Leben\nlang redlich geplagt, gar nichts zu leisten, und jetzt\nwill man mich nicht einmal für ein Genie halten,\ndas geht nicht, irgendetwas muß man doch vorstel-\nlen in einer geordneten Gesellschaft. 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Das Hemd flatterte um seinen gel-\nben, bebenden Körper, der sich mühsam und\nschwankend durch die welken Blätterhügel tappte.\nUnd die Blätter tanzten und brausten um ihn her,\nseine Haare klebten an der kalten Stirne — —\nSeine Augenlider fielen herab, die spitzen\nAeste rissen, und quälten ihn — und immer kälter\nund starrer wurde sein Körper. Er wollte sich zu\nBoden werfen und konnte es nicht, konnte nichts\nsprechen und wünschte doch noch einmal seine\nStimme zu hören. Nur stammeln konnte er: tot,\ntot, tot, tot . . . Als er gegen den Teich zu\ngehen wollte, trat er in Finsternis, irgend etwas\numflatterte ihn — — Seine Kniee bogen sich\nunter seinem Gigantenkopfe. Da zerriß einen\nAugenblick die Schwärze in kleine Wölkchen und\nzwischendurch sah er seine blaumarmornen Glie-\nder. Es ging vorüber.\nAls sein Auge an den wahnsinnigen, fie-\nbernden Aesten hing, sah er sie wachsen. Die\njungen Bäume schössen in die Höhe, die alten\nwurden fett und bauchig. Das, was ihm erst als\ngrüner Schimmer erschien, wurde zu Schleiern\nund zu fleischigem Grün, durch das sich das gelbe,\nbrennende Sonnenlicht in Kreisen und Ringen\nbrach. Und oben in den gelben Lüften sauste es\nund heulte, tausendstimmig. Kam es von den\nBaumkronen oder von den weißen Schlössern\nund Türmen? — — Aber er verstand es: IHM,\ndem Eroberer, IHM, Deneb, jubeKe es zu, ihin der\nnoch einmal sich die Erde unterjochte. All der\nJubel . . .\nFauler, welker Geruch weckte ihn und aus\nden gelben und roten Blättern, aus dem starren\nLaub hob er den Kopf — dann stand er beschämt\nauf und lief taumelnd weiter. Zum Teiche.\nEr wollte verschwinden —- das wäre, den\nMenschen verschwinden, ihnen den Triumph sei-\nnes Sterbens rauben. Dazu hatte er zuletzt seine\nDiener fortgeschickt, als er die Trostlosigkeit sei-\nnes Leibes erkannte . . .\nMitten durch die starren Strauchgerippe\nzwang er sich, den Weg zum Wildteiche zu ver-\nkürzen, es war schon grau — — Dann stand\ner blutend, mit krampfhaft-zitterndem Körper am\nWasser. An der Herme, die vor ihm wurzelte,\nbegann er zu stoßen, zu zerren — — Im tiefen\nDunkel schon, als nur zwischen W'olkenrissen\nschwaches Licht schimmerte, sah er die Büste im\nLaub. Dann band er die Streifen seines Hemdes\nzu Stricken und band den Faunenkopf an seinen\nFuß. — Ganz nahe dem Teiche sank er nieder —\nBeim Erwachen und Aufspringen fühlte er einen\nRiß am Fuße, hörte schwach und verschwommen\nein glucksendes Geräusch und mit einem Schreck-\ngefühle, das ihm den Kopf zu zertrümmern drohte,\nglatt sein Fuß in ein eisiges Wasser. Ueber sich\nhörte er mit einem Male wieder das Sausen des\nSturmes, ganz nah fühlte er den kalten Atem des\nWassers . . . Der Stein rollte immer weiter\nhinab, das Wasser berührte tötend seine Schen-\nkel, seinen Leib. Er griff mit den Händen hinauf,\nklammerte sich an einen morschen Ast, der ab-\nsprang — — In diesem Augenblick, als er mit\nhilflos verkrampften Händen in die Luft krallte,\nergriff ihn, stürzte er in ein niegeahntes Wohl-\ngefühl — ein zitternder Lichtschein umbrandete ihn,\nin seinen gezwungen-saugenden Mund floß etwas\nLau-Süßes — vor ihm schwrebt eine weiße Kugel,\nmit der er durch seinen Mund verkettet ist, und\nein wohliges Wiegen hüllt sein Denken in Nebel —\nund von da begann er noch einmal sein Leben.\nAlles war klar und scharf und doch fühlte er und\nerlebte alle Ereignisse in demselben Sekundenteil-\nchen Er steht vor einem Weltentore, schrei-\ntet mit seiner Mutter durch strahlend beleuchtete\nGänge und durch neue und neue — er trägt sie\nhinauf, keuchend und matt, sieht Orgin mit dem\nMesser, alles ist voll Blut, Blut und Feuer — die\nSchule flammt auf, er springt ins brandende Meer,\ner geht durch den Riesenpark mit den Blitz-\nleichen, sieht sich im gelben Lichte mit Amadäus\nAmadäus starb — und liegt in der Wüste,\nPalmen wuchern aus ihm und Millionen grüner\nSphinxe nicken mit den Köpfen und der Mond\ntanzt und will ihn mit seinem Penis töten — —\nEr will schreien, in seinem Munde gurrt Wasser,\nauf seinem Kopf drücken Berge, drücken ihn hinab\nin die tötende Kälte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c015", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "792", "page_fin": "792", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.10", "titre_corps": "Anzeige", "titre_sommaire": "Anzeige", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "792", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.6", "debut_caractere": 8601, "fin_caractere_exclue": 9131, "texte": "Anzeige\nDas literarische Cabaret Gn u veranstaltet\nseinen letzten Abend am Donnerstag, den 22. Fe-\nbruar 1912, abends 9 Uhr, im Cafe Austria, Pots-\ndamerstraße 28. Programm: Kurt Hiller: Ueber\nGeorg Heyin ,/ Gedichte von Heym, vorgetragen\nvon Werner Lötz / Gedenken von Alfred Kerr /\nHeinrich Eduard Jakob: Klassischer Impressionis-\nmus; E. B.: Entgegnung / Armin Wassermann:\nAus Wedekind / Ernst Blass: Gedichte / Kurt\nHiller: Ueber Lyrik / Epilog. Karten zu einer\nMark in der Buchhandlung von Edmund Meyer\nund an der Abendkasse."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c016", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "793", "page_fin": "793", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "793", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.7", "debut_caractere": 77, "fin_caractere_exclue": 613, "texte": "FR HAHN\nAlexanderplafz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModerrte Herrenbekleidung\nferfig und nach Hafi\nRekiameapgebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen semusterten Cheviots mit ffrmelaufschlagen 3250 h\n—aw 11JII —I ■ ■>——I liwnr »mur -- ■ -z* • .-> \"--\naus den mit aufgestepgten Taschen 4550 h\nVornehmer zweireihiaer Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n3250 45 h1\nSchicke Passformen\n• vi;v-\n.-p'r-'sw\nKgi\n9m\n»\na\nDen Herren Studenien und JVUtgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von LegHimationskarten |5% Rabat!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c017", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "793", "page_fin": "793", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "793", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.7", "debut_caractere": 615, "fin_caractere_exclue": 800, "texte": "Us Marges\n5 rue Chaptai / Paris\nDlese literarische Zeitschrift\nverdffentlichte das franz -\nsische Original der T age-\nbucher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-02-24-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-02-24_01#c018", "volume": "bmtnabg_1912-02-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "793", "page_fin": "793", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "793", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.7", "debut_caractere": 802, "fin_caractere_exclue": 1049, "texte": "im\n\\ \\ Lima Park # #\nAb 25. 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Potsdamerstra&se 19.\nNeu ausgestelite Gem&lde:\nAd. Bock A. Liedtke F. Thaulox\nP. Hoenigex A. Mdller Alice Trubner\nH. Licht R. Poescbmaaa M. Uth\nM. Liebermann J. F. Raffa£lli Moritz Veit\nE. 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SSSESHBk.\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin W. 9 / Potsdam erst rasse 18\nFernsprecher Amt Lützow 4443 / Anzeigen - Annahme\ndurch den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nVierteljahrsbezug 1,50 Mark / Halbjahresbezug 3,— Mark /\nJahresbezug 6,— Mark / bei freier Zustellung / Insertions-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nJAHRGANG 1912\nBERLIN FEBRUAR 1912\nNUMMER 99\n\nInhalt:\nTRUST: Von der Kunst: Der Wert des Unmodernen / Die kranke dtutsche Kunst / ELSE LASKER-SCHÜLER: Briefe nach Norwegen /\nALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang / Roman / Fortsetzung / GÜNTHER MÜRR: Hamburg / PETER ALTENBERG: Replik /\nERNST BLASS: Gedichte / HERRMANN KOCH: Todesdelier / RICHTER-BERLIN: Die Brüstung / Originalholzschnitt\n\nVon der Kunst\nDer Wert des Unmodernen\nDem Doktor Leopold Schmidt wird es manch-\nmal in seinem Kritikeramt ängstlich zu Mute. Er\nhat es zwar von Rudolf Mosse bekommen und er\nbesitzt infolgedessen auch den Verstand. Manch-\nmal scheint er doch zu glauben, daß der Verstand\nder Verständigen zur Kunstwertung nicht aus-\nreicht. Er greift dann in die Saiten seiner Seele,\ndie dann recht verstimmt klingt. Soll der Mensch\nnun für oder gegen die Moderne sein. Diese Fiage\nwird am besten philosophisch beantwortet. Herr\nDoktor Schmidt meint, daß das Neue in der Musik\nsich nicht mehr beklagen kann, daß es nicht ge-\nnügend gehört und beachtet wird. Eher könnte\nman sogar von einer kritiklosen Ueberschätzung\nsprechen. Herr Doktor Schmidt meint ferner, daß\ndie Erfahrungen der letzten Jahrzehnte uns vor-\nsichtiger und weitherziger haben werden lassen.\n„Wie anders war das vor zwanzig, dreißig Jahren.\nTrotzdem glaubt Herr Schmidt, der das gute Neue\nnie erkannt und auf das schlechte Neue stets hin-\neingefallen ist, die Zeit gekommen, um vor der\nModerne zu warnen, und den Anschluß nach Rechts\nzu suchen. Er wünscht die „Fühlung\", um die ohne-\nhin so oft bedrohten reinen ungetrübten Freuden\naus unseren Konzertsälen nicht gänzlich auszu-\nschalten. „Nachdem durch die rühmenswerte\nEnergie von Theodor Wolff das Berliner Tage-\nblatt endlich den Anschluß nach Links gefunden\nhat, drängt Herr Schmidt mit national-liberaler\nAngst nach Rechts. Es ist schlimm, wenn die\nMusikkritiker zu politisieren anfangen. Noch\nschlimmer, wenn sie ihr politisches Mütchen an\nder Musik kühlen. Und am schlimmsten, wenn\nsie sich „am Abglanz längst vergangener Tage\nsonnen. Herr Schmidt fühlte sich nämlich im letz-\nten Mikischkonzert sehr heimisch, weil dort eine\nSymphonie von Robert Volkmann erklang. - Gerade\nsolche Werke, die keinen Gipfelpunkt bezeichnen»\nund doch vornehmste und meisterlichste Kunst\nsind, verfallen nur zu leicht ungerechter Verges-\nsenheit. Auf sie sollte man viel öfter zurück-\ngreifen, und dafür lieber soviel anderes, Minder-\nwertiges, das wir mit anhören müssen, beiseite\nlassen.\"\nEbenso heimisch fühlte sich Herr Schmidt,\n,:als Joachims Konzert in ungarischer Weise an\nunser Ohr schlug und die Erinnerung an unver-\ngeßliche Eindrücke erweckte. Wie oft habe ich\ndas Werk von dem Meister selber gehört, dessen\nschöpferische Potenz sich hier so glücklich offen-\nJÄ\nbart.\" Die schöpferische Potenz von Joachim\nmuß man sich schon um die Ohren schlagen lassen,\ndamit sie sich so glücklich offenbart. Und die\nmeisterlichste Kunst des Herrn Volkmann kann\nzwar als Abglanz längst vergangener Tage über-\nhaupt nicht erklingen, aber auch nicht gesehen\nwerden. Was verbleichen kann, hat nie Farbe\ngehabt. Was verklingen kann, hat nie Klang ge-\nhabt. Kunst ist. Ob Herr Schmidt den Anschluß\nnach Rechts sucht, oder nach Links mitgeht, die\nKunst wird ihn stets stehen lassen. Sie inter-\nessiert sich weder für schüchterne Liebhaber,\nnoch für verständige Lehrer.\nDie kranke deutsehe Kunst\nIch habe das Buch noch nicht gelesen, das\nBuch von der kranken deutschen Kunst, geschrie-\nben „auch von einem Deutschen\". Es kostet'zwar\nnur eine Mark, ist vorzüglich ausgestattet, acht-\nundsechzig Seiten broschiert stark und im Verlag\nvon H. A. Ludwig Degener, Leipzig, erschienen.\nZur Empfehlung des Buches versendet der Verlag\nein offizielles Schreiben der Königlichen akade-\nmischen Hochschule der bildenden Künste zu Ber-\nlin. Journalnummer 1388. Also eine amtliche\nKundgebung. Dieses interessante Buch erleich-\ntert der gesamten königlichen akademischen Hoch-\nschule für die bildenden Künste zu Berlin das Herz.\nDie unterzeichneten Mitglieder des Lehrer-\nKollegiums der Königlichen akademischen\nHochschule für die bildenden Künste zu Berlin\nhaben mit lebhaftem Interesse von dem In-\nhalt des in Ihrem Verlage erschienenen\nBuches:\n„Die kranke deutsche Kunst\"\nKenntnis genommen.\nWir, Unterzeichnete, möchten es uns als\nKünstler nicht versagen, Sie zu ersuchen, dem\nanonymen Autor den Ausdruck unserer Zu-\nstimmung freundlichst zu übermitteln. Es ist\nmit großer Befriedigung zu begrüßen, daß so\ntreffende, wohlüberlegte und wahre Aeußerun-\ngen über die lebende Kunst an die Oeffentlich-\nkeit treten und allen Zweiflern, die heute nicht\nmehr zu wissen scheinen, was im künstle-\nrischen Schaffen gut oder böse ist, das Herz\nerleichtern.\nIst es doch leider nur zu wahr, daß auch\nunser für die Kunst interessiertes Publikum\nin seiner von Natur ganz gesunden Empfindung\ndurch kenntnislose Herren der Feder sich oft\nin seiner Meinung irre machen läßt.\nMan sollte es kaum für möglich halten,\ndaß die deutsche Kunst, die das Glück hatte\nin Adolph Menzel einen Kunstheros zu be-\nsitzen, durch fremde fragwürdige Einflüsse in\nihrer gesunden Entwicklung gehemmt und\ndurch gewisse Ausartungen des heutigen\nKunsthandeis in abschüssige Bahnen gedrängt\nwerden konnte.\nAn\nHerrn H. A. Ludwig Degener,\nVerlagsbuchandlung.\nDer trefflichen Schrift können wir, auch um\nder darin bekundeten nationalen Gesinnung des\nAutors, nur eine großmöglichste Verbreitung\nwünschen.\nDie Unterzeichner, die sich in ihrer Entwick-\nlung durch fremde fragwürdige Einflüsse gehemmt\nfühlen und in Adolf Menzel gleich einen Kunst-\nheros besitzen, heißen: Professor Anton von Wer-\nner, Direktor, Paul Meyerheim, Oswald Kuhn,\nM. Schaefer, Georg Ludwig Meyn, Böse, Hans\nMeyer, Peter Breuer, Rrnst Hertel* und das ge-\nsamte übrige Lehrerkollegium. Nun weiß man\nendlich, warum alle diese Herren kein Talent\nhaben und nichts können. Sie sind durch frag-\nwürdige Einflüsse eben gehemmt worden. Sie\nkonnten sich nicht genug entwickeln. Sie wurden,\nskrofulös. Und sie machen die deutsche Kunst für\nihr Kranksein verantwortlich. Die treffliche\nSchrift des Autors mit der bekundeten nationalen\nGesinnung soll ihre Erkenntnis großmöglichst ver-\nbreiten. Endlich werden alle Zweifler erfahren,\nwas im künstlerischen Schaffen gut oder böse ist.\nEndlich wird die deutsche Kunst wieder moralisch\nuntersucht. Das für die Kunst interessierte Publi-\nkum mit seiner von Natur ganz gesunden Emp-\nfindung wird durch kenntnislose Herren der Feder\nnicht mehr in seiner Meinung irregemacht. Die\nHerren des Pinsels lassen sich von dem nationalen\nPinsel der Feder lakieren. Für ewige Zeiten.\nJournalnummer 1388. So kommt endlich einmal\nFarbe auf ihre Bilder. Ich freue mich unglaublich\nauf das Buch. Man denke: Die ganze königliche\nakademische Hochschule für die bildenden Künste\nzu Berlin schart sich um die achtundsechzig Sei-\nten. Ihr Eintreten wird in einem richtigen Jour-\nnal festgelegt. Endlich haben sie sich einmal fest-\ngelegt. Man wird das Buch lesen, von dem der\nVerleger so schön sagt: „Der Verfasser richtet\neine wohlmeinende Mahnung zur Umkehr vom fal-\nschen Weg an die moderne Künstlerschaft. Er\nverkennt nicht, daß sicherlich die neue Richtung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "788", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.2", "texte": "in der Malerei manches Gute zeitigte, aber weist\neindringlich auf ihre verheerende Wirkung, auf\nwahre echte Kunst hin!\" Die neue Richtung hat\nden ganzen wahren echten Werner und das ganze\nwahre echte Lehrerkollegium verheert. Aber\nnoch mehr: „Die heutige Architektur geht im Rau-\nfen um die Nützlichkeitsgestaltung\" geradezu unter.\nDie Freude an der Form, an reicher gediegener\nDurchbildung, der Zug nach oben ist fort.\" Die\nwahren echten Architekten bauen bekanntlich nur\nden Zug nach oben, und lassen das Fundament,\nden Grundriß, einfach fort. Daß der nationale\nAutor sogar für die wahre echte Architektur ein-\ntritt, dafür müßte er besonders belohnt werden.\nMan möge ihm ein künstlerisches Haus schenken,\nfrei von jeder Nützlichkeitsgestaltung, wo er sich\nmalerisch ausleben kann. Ich empfehle ihm Herrn\nGeheimrat Ihne oder die Herren Boswau und\nKnauer. Da findet er seine Leute. Die haben\nnoch Freude an der Form, an reicher gediegener\nDurchbildung, die Bestien springen nur so aus den\n•\nMauern heraus, die Weiber tragen nur so die Bai-\nkone, die Tugenden stehen nur so auf dem Dache,\ndie steinernen Guirlanden und Fahnen kleben nur\nso an den Wänden. Da ist der Zug nach oben\nnoch nicht fort. „W t e eine Erlösung wir-\nken diese Worte. Jeder Gebildete, jeder\nKünstler, Schriftsteller, Maler, Kunstgewerbe und\nArchitekt muß diese hochinteressante Schrift lesen.\nDer Verfasser ist einer der besten dieser Kreise.\"\nDie Erlösungsworte werden wir etwas leiden las-\nsen. Der Deutsche, der sich mit seinem Namen\nnicht heraustraut, soll herausgepaukt werden.\nSogar mit Trompeten und Posaunen. Welch ein\nGlück, daß es noch Kreise gibt, Kreise von Gebil-\ndeten, Künstlern, Schriftstellern, Malern, Kunstge-\nwerblern und Architekten, man wird auf einen der\nbesten dieser Kreise eine verheerende Wirkung\nausüben. Es ist eine Lust zu leben.\nTrust\n\nBriefe nach Norwegen\nVon Else Lasker-Schüler\nDer Prinz.\nLieber Herwarth, es hilft Dir nichts, ich sende\nBir diesen Brief solange, bis Du ihn im Sturm ver-\nöffentlichst. Ich glaube Dir schon, daß es Dir weh\ntut, diese Zeilen meines Herzens prägen zu lassen,\naber da ich mich nicht zu beherrschen gelernt\nhabe, verlange ich es von Dir. In meinem Inter-\nesse würdest Du hier gerne Deine Löwen bändi-\ngen — Pudelhunde gehorchen eher; ich sagte Dir\nschon einmal, die meisten Temperamente bellen\noder jammern oder kläffen nur.\nIch war nämlich in Jedermann oder heißt es\nAllerlei? Ich glaube, es heißt Allerlei für Jedermann\noder Jedermann für Allerlei: Herein meine Herr-\nschaften ins Riesenkasperle, ins Berliner Hännes-\nken! Ein evangelisch Stück wird gespielt für die\n„getauften\" Juden, namentlich, sehr anschauend\nund erbaulich. Alle getauften Juden waren in der\nevangelischen Vorstellung-Schaustellung gewesen\nund waren erbaut namentlich von dem blon-\nden Germaniaengel in Blau und Doppelkinn.\nRechts ein Fleckchen, links ein Fleckchen Mensch\noder Engel an der Kasperle wand und wie das\nGewissen an zu heulen anfing: Jedermann, hier,\ndort Jedermann. Wo kam das her — ich denke\naus den Ställen, Herwarth. Nein, da wollen\nwir lieber auf die Kirmes gehen in Cöln am\nRhein und ein Cölner Hänneskentheater auf-\nsuchen, von dort sollte Direktor Reinhardt die\nNaivität herholen, nicht sich welche anfertigen\nlassen von dem Hofmannsthaler in Wiener Stil\noder übertünchen lassen, ein britisch-evangelisches\nMysterium, charakteristisches Oähnen mit noch\nentsetzlicheren, gelangweilten, unechten Reime-\nreien eines Verbesserers\". Denk mal an, wenn\ner sich auf Bildhauerei verlegt hätte, an der Skulp-\ntur geflickt hätte, und der Venus von Müo die\nbeiden Arme angesetzt hätte!\nWas grub er doch alles Literarische aus: Zu-\nerst den Oedipus von Sophokles und nährte ihn\nmit Wiener Blut; die Elektra machte er zur dä-\nmonischen „Lehrerin\". Ihm gebrichts an Phan-\ntasie. Immer sagen dann die Leute, Herwarth,\nweil sie stutzig werden: Ja, haben Sie denn noch\nnicht das Gedicht von ihm gelesen: Kinder mit\ngroßen Augen? — Ich habe sogar Tor und Tod\nund den Tod des Tizian von ihm gelesen; glän-\nzende Dichtungen allerdings, aber in Granit\nGoethes oder Georges gehauen. Wrenn Jeder-\nmann wüßte, was Jedermann wär usw. — eine\nBlasphemie, eine Verhöhnung einer alten Pietät,\neiner religiösen Verfassung. Das Leben und der\nTod. die Sünde und die Strafe, Himmel und\nHölle, alles wird zur Schaustellung herabgewür-\ndigt, wie die Elephanten und Araberpferde mit\nBändern und Kinkerlitzchen geschmückt, allerdings\nnicht einmal wie hier den Kindern zur Freude,\ndem reichen sensationslustigen Publikum zur Er-\nbauung, pfui Teufel, daß der Sekt besser mundet\nEin paar Tage vor Weihnachten forderte Di-\nrektor Reinhardt mein Schauspiel die Wupper ein.\nSie liegt noch nicht zwei Monate in seinem Haus;\nmein Schauspiel hat Leben, meine Geschöpfe\nmöchten weiter leben. Nun wird mein Schau-\nspiel eine Geisel sein in Reinhardts Händen, er\nwird meine Dichtung ins Feuer werfen oder sie mir\nmit ein paar Phrasen seiner Sekretäre widersen-\nden lassen. Gleichviel, ich will keine Rührung\nnoch Sentimentalität aufkommen lassen, Her-\nwarth, ich muß meine Dichtung opfern der Wahr-\nheit, dem „Ehrgeiz\" zum Trotz. Der Prinz von\nTheben wirft die letzte Fessel von sich.\nMit einer goldenen Schaufel will ich der Sage\nmeiner Stadt einen Weg ebnen oder sie begraben,\nindem ich Direktor Reinhardt die Wahrheit sage.\nDie Aufführung des Jedermann ist eine unkünst-\nlerische Tat, eine schmähliche — von ihm zumal,\nder im Publikum für unfehlbar gilt und in Wahr-\nheit mit Bewußtsein nicht fehl greifen kann. Wie\nsoll man sich diesen Zynismus erklären! Hat\nReinhardt Geld nötig? Warum rauben es nicht\nseine Leute für ihn: Sie sollen den Westen\nder Stadt plündern für ihren Kaiser!!\nKassenschränke sind nicht zu unterbilden, wohl\naber eine Zuhörerschaft (es sind talentvolle Zu-\nhörer darunter) wackelköpfig durch ein Irrspiel\nzu machen. Solche Geschenke darf sich Rein-\nhardt nicht erlauben. Draußen tobten die Sozial-\ndemokraten, es war am Tag der Wahl — in mir\nstürmte eine stärkere Revolution, es fiel am Abend\nmeine letzte Hoffnung, die Aufführung meines\nSchauspiels unter dem Können Reinhardt, das ich\nin so vielen Aufführungen bewunderte. Ich for-\ndere mit diesem Brief meine Arbeitersage, die\nWupper, ein. Hat er sie schon gelesen? Sie muß\nihm imponiert haben.\nUnglaublich, Herwarth, glaub ich endlich zu\nEnde zu sein, läßt mich der deutsche Dichter Hans\nEhrenbaum-Degele fordern zum Duell. Wegen\nder deutschen Sage und des hohen Lieds. Sein\nSekundant wird der Schauspieler Wilhelm Murnau\nsein und der Arzt van't Hoff kommt wegen der\nWunden mit. Aber mir zur Aufmunterung wird\nmein Neger Tecofi-Folifi Temanu seinen Menschen-\nknochentanz während des Kampfes tanzen.\nT elegra m tri:\nHerwarth Waiden, Halensee, Katharmenstraße 5.\nMeine rechte Iland vom Rapier lebenslänglich\ndurchbohrt!\nLieber Herwarth, ieh habe meiner Stadt The-\nben große Schmach angetan, für einen Krieger\nist es schon eine Schande krank zu sein, aber\neine nie wieder gutzumachende Schmach bedeu-\ntet es für mich, im Zelt verwundet zu liegen, ge-\ntroffen von einem abendländischen Sieger. Meine\nbeiden Neger heulen wie Weiber, schleichen im\nVollmond, listige Katzen um sein Haus; ich bin\nschlimm gelaunt.\nOestern schloß ich mich im Privatgemach\nmeines Palastes ein und betete. Ich habe die Ge-\nbete fast zu sprechen vergessen, die wie Harfen\neingeschnitten sind. Ich habe in Gedanken meiner\nMutter Füße geküßt; wie man fromm werden\nkann, ich war im Augenblick dieser goldenen De-\nmut sündlos. Du meinst, es gibt keine Sünde, aber\nich zweifle nun nicht mehr daran, da ich noch im\nGebet steh und vom frommen Kuß weiß bin. Soll\nich mein Herz öffnen?\nHerwarth, wie man sich nie findet! Das hat\nimmer indirekt einen kosmischem Grund. Ich\nwandle ruhelos von einem Stern zum andern;\nwenn ich nicht Luzifers Schwester war, so wär ich\nder ewige Engel. Dm stehst augenblicklich, ganz\ngenau nach der Sternwarte berechnet, im Wende-\nkreis des kämpfenden Sturmhahns. Bravo 1\nLieber Herwarth, ich habe Richard Dehme!\ngezeichnet, ich habe ihn blutrot gezeichnet als\norientalisches Stadtbild; nicht im Bratenrock, ii\ndem er zu verkehren pflegt mit der Außenwelt,\naber im altmodischen Stadtturban. Richard Deh-\nmels Gedichte fließen wie Blut, jedes ein Aderlaß\nund eine Transfusion zugleich. Er ist der Groß-\nkalif aller Dichtung."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "789", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.3", "texte": "ihr beiden Freumip, was ist das? Wart Ihr\nschon dort, Ecke Kurfürstendamm und Wilmers-\ndorferstraße, im Caf£ Kurfürstendamm? Ich bin\nzum Donnerwetter dem Caf6 des Westens untreu\ngeworden; wie einen Herzallerliebsten hab ich das\nCafehaus verlassen, dem ich ewige Treue ver-\nsprach. Das Cafe Kurfürstendamm ist eine Frau,\neine orientalische Tänzerin. Sie zerstreut mich,\nsie tröstet mich, sie entzückt mich durch die vie-\nlen süßerlei Farben ihres Gewands. Eine Bewe-\ngung ist in dem Cafe, es dreht sich geheimnisvoll\nwie der schimmernde Leib der Fatme. Verschlei-\nerte Herzen sind die sternenumhangenen, kleinen\nNischen der Galerien. O, was man da alles sagen\nund lauschen kann — leise singen Violinen, selige\nStimmungen. Das Cafe ist das lebendiggewor-\ndene Plakat Lucian Bernhards. Ich werde ihm\nefcien Mondsichelorden, der ihn zum thebanischen\nPascha ernennt, und meine huldvollste Bewunde-\nrung übermitteln lassen.\nHerwarth, Kurtchen, ich schreibe heute selbst\ndie „ungeschriebenen\" Zeilen an Sascha nach der\nZitadelle in Rußland. Lasse meinen flammenden\nMyrtenbrief nicht veröffentlichen.\nTelegramm.\nEben regierender Prinz in Theben geworden. Es\nlebe die Hauptstadt und mein Volk!!\nIch werde in meiner Stadt erwartet, kostbare\nTeppiche hängen von den Dächern bis auf die\nErdböden hernieder und rollen sich auf und wieder\nzusammen. Meine Neger liegen schon seit Son-\nnenaufgang vor mir auf den schwarzen Bäuchen\nund werden am Abend unter die Leute 'gehen, sie\ndas Wort „Hoheit\" lehren, bis\" das Wort tanzt in\nihren Mündern. Ich bin Hoheit. Merkt Euch das,\nbetont es Jedem, der Euch in den Weg läuft. Aber\nmich schmerzt diese Ehrung, denn ich kann nicht\nin meine Stadt zurück, ich habe kein Geld. Und\ndie Morgenländer lieben den Glanz; sie greifen\nSterne aus den Wolken, und ihre Herzen sind auf-\ngespeichert mit dem goldenen Weizen des Him-\nmels. Hier gibt es keine Sterne, kleine Streu-\nkörnchen glitzern zur Erde. O, wie arm diese\nAbendlande, hier wächst kein Paradies, kein Engel,\nkein Wunder.\nWie hat mich diese Armut so beschämt, Eure\nArmut; ich habe nicht einmal einen Damastmantel;\nmeine elenden Schuhe sind zerrissen — ich sehe\nselbst mit Verachtung auf meine eigene Hoheit\nherab. Aber die Neger sind feinfühlig, sie haben\nein Spiel erfunden, wir spielen zur Probe hier\nschon Volk und König. Sie stellen sich zu meinen\nbeiden Seiten scharenweise auf, hunderttausend-\nabermillionen Köpfe in Turbanen, die schreien und\nkreischen, Allah, machäh! Und trampeln mit den\nFüßen und klatschen in die Hände — ich lächle\nmit meiner Hand, werfe gnädige Küsse unter das\nVolk. Ich bin ganz in Gold gekleidet wie der\nallerleuchtendste Mond, meine Haare funkeln, die\nNägel meiner Finger sind Perlen; ich werde in\nden Palast getragen und gebe meinem teuren Volk\ndie Verfassung.\nIch hoffe, Dich haben meine Briefe nicht ge-\nlangweilt, oder hat Kurtchen oft gegähnt? Lies\nnoch einmal meinen Brief, Herwarth, der mit den\nWorten endet: ich bin das Leben. Wie stolz!\nNun bin ich wie ein durchsichtiges Meer ohne Bo-\nden, ich hab keinen Halt mehr. Du hättest nie\nwanken dürfen, Herwarth. Was helfen mir nun\ny * •\nDeine bereitwilligen Hände und die vielen anderen\nFinger, die mich bang umgittern, durch die meine\nSeele grenzenlos fließt. Bald ist alles zu Tode\nfiberschwemmt, alles ist in mir verschwommen,\nalle meine Gedanken und Empfindungen. Ich habe\n.mir nie ein System gemacht, wie es kluge Frauen\ntun, nie eine Weltanschauung mir irgendwo be-\nfestigt. wie es noch klügere Männer tun, nicht ein-\nmal eine Arche habe ich mir gezimmert. Ich bin\nungebunden, überall liegt ein Wort von mir, von\nüberall kam ein Wort zu mir, ich empfing und\nkehrte ein, so war ich ja immer der regierende\nPrinz von Theben. Wie alt bin ich, Herwarth?\nTausend und vierzehn. Ein Spießbürger wird nie\ntausend und vierzehn, aber manchmal hundert\nund vierzehn, wenn er es „gut\" meint. Herwarth,\nwarst Du mir treu? Ich möchte aus Geschmacks-\ngründen in Deinem Interesse, daß Du mir treu\nwarst. Nach mir durftest Du Dich nicht richten,\nich hab den Menschen nie anders empfunden wie-\neinen Rahmen, in den ich mich stellte; manchmal,\nehrlich gesagt, verlor ich mich in ihm, zwei waren\naus Gold, Herwarth, an dem einen blieb mein\nHerz hangen. Herrlich ist es, verliebt zu sein, so\nrauschend, so überwältigend, so unzurechnungs-\nfähig, immer taumelt das Herz; gestern noch stand\nich vor dem Bilde des stolzen Medici, er ist leben-\ndig geworden und wollte mich in der Nacht ent-\nführen. Wie bürgerlich ist gegen die Verliebtheit\ndie Liebe, oder Jemand müßte mich geliebt haben.\nHast Du mich geliebt, Herwarth? Wer hat mich\ngeliebt?\nIch würde mich im selben Augenblick zu sei-\nnen Füßen niederwerfen wie vor einem Eels, wie\nvor euiem kostbaren Altar, ich, der Prinz von lie-\nben. Ich würde den Liebenden mit mir tragen in\nden Tod wie die egyptischen Königsmenschen ihre\nKostbarkeit, ihren goldenen Krug mit sich ins\nGewölbe nahmen, und den letzten Rest aus ihm\ntranken, den sie verachteten. Ich flüchte in das\nDickicht, Herwarth, ich ertrage das Leben nicht\nmehr, ich habe mich begnadigt. Ich flüchte in das\nDickicht, Herwarth, ich habe immer das Haus ge-\nhaßt, selbst den Palast; wer auch nur ein Gemach\nsein Eigentum nennt, besitzt eine Häuslichkeit,\nIch hasse die Häuslichkeit, ich hasse drum auch\ndie letzte Enge, den Sarg. Ich gehe in den tiefsten\nWald, Herwarth; was ich tu, das ist wohlgetan,\nich zweifelte nie an mir. Kann man ein gläubi-\ngeres Wort aussprechen ohne ein Lächeln hervor-\nzurufen? Oder hüpft wo eine Heuschrecke? Ich\nlege mich unter die großen Bäume und strecke\nmich mit ihren Wurzeln, die sich immer umhalten,\nwie knorpliche Schlangen. Ich höre nicht mehr\ndas Schellengeläute in meinen Ohren; jeder Herz-\nschlag war ein Tanz. Ich kann nicht mehr tanzen,\nHerwarth; ich weine — Schnee fällt auf meine\nweinenden Augen. Grüße Theben, meine Stadt,\nvergiß wie ich nicht den Propheten Sankt Peter\nHille, er schrieb voraus; mir brach die Welt in\nSplitter. Ich richte mich noch einmal auf, stoße\nmeine wilden Dolche alle in die Erde, eine Kriegs-\nehrung zu meinem Haupte. Hier und nicht weiter!\nEnde\n\nDer schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nIn dem fahlen Mondlicht der Träumereien\nzwitscherten Vögel ungestört, und Johannes' Gar-\nten lag verzaubert in einem Märchen da.\nEr hatte die wirrsäligen Pfade erst zaghaft\nund stockend, mit dem Gefühle eines schmählichen\nSelbstbetruges, ja einer verbotenen Schuld und\nSünde, betreten; aber unter dieser Hemmung eben\nschliefen und stahlen sich die Triebe gepreßt im-\nmer wieder, immer weiter ein, mit niedergeschla-\ngenen grünen Augen, stießen sich vertraulich an,\nMit ein- und vielmaligem Gelingen und dem Genuß\nan der gerafften Beute verlor sich die Angst und\nwuchs die Begehrlichkeit; aus dem Versuchen.\nlasten, Rucken wurde ein heilig geschmeidiges\nSchlüpfen, wurde ein freches Stampfen, Schreiten\nund Gleiten, und dann ein Segeln mit breitentfalte-\nten Flügeln und hellem Rauschen und übermütiges\nWiegen, Kichern, Kreischen, Plätschern in allen\nLüften.\n*\nDie Verwöhnung durch so stolze, himmlische\nFreiheiten schufen langsam eine fein gesteigerte,\nmesserscharfe Empfindlichkeit; das Genüge, das er\nim Walten über sein Herrschergebiet fand, machte\nihn noch scheuer, und der stumme trollte sich\nallein seines Weges.\nOhne YViderhäkchen, glatt und rund gar, muß-\nten die Dinge sein, an die er sich schmiegen konnte,\nwie die jungen Wicken, die er vor seinem Fenster\nzog Über ihre weichen, hellen Kinderhärchen und\nRanken, Windungen, welche spürsam wie die\nSchritte eines Blinden sind, streichelte er oft lieb-\nkosend hin, ließ sie zart gegen seine Wangen spie-\nlen. Eine Unruhe dämmerte dann blau in ihm auf\nund opalisierte ins Grüne, Rote, Graue; schwrärmte\nschrnetterlingsweich auf.\nSein Blick löste sich lange Zeit nicht von\neinem jüngeren Kameraden, so oft sie gemeinsam\nnach Haus gingen. Er konnte sich nicht satt sehen\nan diesem vollen Gesicht, auf dessen gelblich blas-\nser Tönung ein feiner Bluthauch lag. Die großen\nschwarzen Augen schauten tief und offen, drehten\nsich langsam.\nVerklärt schien das stille Gesicht mit seinem\nsanften auf der Haut ruhenden Glänze. Von der\nSchule ermattet plauderte der Freund leicht und\nteilnahmsvoll, mit dem atmenden Glücksgefühl ei-\nnes Menschen, der langsam von einer Abspannung\nan die Oberfläche kommt. Er schmiegte sich müde\nan Johannes, tätschelte nach Kinderart dessen\nHände mit seiner weichen Hand, plauschte.\nEs war ein schöner warmer Wohllaut in seiner\nStimme. Er erzählte, daß er seine Lehrer lang-\nweilig finde, einen andern aber nett, wirklich sehr\nnett, ..ach ja\", daß Hans zwar nicht, wie die andern\nsagten, ein hochmütiger Mensch und etwas kopf-\nschwach, wohl aber \"sehr komisch sei.\nGanz traumlos, nüchtern sagte er sein Sprüch-\nlein her, und alles entzückte Johannes. Und dann\nwar er wieder Leben, Blut, kätzchenhaft wild,\nplötzlich, leuchtend mit großen Augen.\nJohannes schenkte ihm Konfekt und Bonbons,\nlitt dankbar, in einer mütterlichen Angst ihn zu\nverlieren, unter seinen Launen. Er unterwarf sich\ngern, weil er etwas wie Unschuld im Spiel mit dem\nFreunde über sich kommen fühlte. Sie saßen in\nJohannes Garten zusammen und legten aneinander\ngelehnt die Arme um die Schultern, worin Johan-\nnes ein eigentümliches, wohliges Vergnügen fand.\nEr suchte den Freund auf dem Schulhofe, auf der\nStraße; ihm fehlte etwas, wenn er ihn nicht fand.\nAls ein anderer seinem Freunde die weichen, schö-\nnen Wangen streichelte, sah er fort und biß sich auf\ndie Lippen.\nUnd doch sehnte er sich oft, wenn er die klare\nStirne erblickte, sie zu küssen, nein, die Lippen zu\nküssen, oft, sehr oft; und seine Lippen wurden\nfeucht bei dieser süßen Sehnsucht.\n*\nAber durch die unachtsame Bewegung eines\nPlatznachbars in der Schule war Johannes einmal\ndessen Bleistift auf den Schoß gefallen; Johannes\nsäh es nicht. Bei der Untersuchung durch den Leh-\nrer kam ein iibelbeleumdeter in den Verdacht, den\nBleistift gestohlen zu haben, und Johannes, der den\nFund zu spät bemerkte, wagte in seinem atemlosen\nSchreck nicht sich zu erheben. Denn durch das\nstörrische Leugnen des Beschuldigten gereizt, war\nder Lehrer, eine lange, hagere Gestalt mit raschen\nstechenden Augen, in eine Wut ausgebrochen, die\ndem stillen namenlos und unerhört war und hatte\nden scheinbaren Dieb furchtbar geschlagen. Die\nAngst, die der Augenblick in Johannes hineinpreß-\nte unter der Verschuldung, der Wut des Lehrers,\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "790", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.4", "texte": "dem Keuchen des Kameraden, spitzte sich jählings\nzu einer seltsamlichen starren Lust, die den zu-\nsammengeduckten stumm und vornübergebeugt\njeden Stockschlag auf das weiche Fleisch verfolg\ngen, sein Ohr jedes Schmerzächzen einfangen lie-\nßen, und Zittern kam über ihn. Dieses zerreißen-\nde Gefühl zu vergessen, konnte er lange sein Herz\nnicht bezähmen.\nEr wurde im Garten einmal dabei betroffen,\nwie er seinem Hunde Petersilie aufdringen wollte,\nund ihn, als der sich sperrte und winselte, immer\nwieder an die würzigen Blätter heranriß; man\nnannte ihn daher Hans Petersilie.\nMeist hockte er zu Hause und brütete oder,\ner schloß sich in sein Zimmer ein, setzte sich in\neine Ecke und lockte seinen andern Freund, den\nHund an. Er fragte ihn heimlich dumme Dinge, sah\nihm in die großen, unvernünftigen Augen und hob\nlangsam die hinterlistigen, lüsternen Hände, legte\nsie um den braunhaarigen Hals und drückte mit\nflackerndem Atem fest, wenn das Tier sich sträubte\nund mit den Pfoten kratzte, drückte, bis es nicht\nmehr winselte, ihm die Augen aus den Höhlen tra-\nten und der schmale Körper sich bei Seite warf.\nLieß er den Hund los, der sich unter das Sofa\nschleppte, so kroch er ihm nach, legte sich auf die\nErde und horchte starr entzückt, wie auf das Äch-\nzen des Kameraden, auf das Winseln und hastige\nAtmen des Tieres.\nEtwas von der zügellosen Wildheit seines\nTräumens strömte in der Überstürzung, mit der\ner, stockend im Beginn, sein Werk steigerte und\nvollendete. Auf dem Flur hob er das Tier mit täu-\nschenden Schmeichelworten auf, wiegte es ruhig in\nden Armen, während die Erwartung in ihm zitter-\nte und mit jeder Sekunde stärker zitterte, schleu-\nderte es plötzlich die halbe Treppe hinunter, wo-\nrauf er mit halsbrecherischen Sprüngen nacheilte,\num zu sehen, ob das Tier noch lebe und seinen\nTrost auf den letzten dunklen Pfad mitnehmen\nkönne.\nUnd lachte und klatschte schon oben in die Hän-\nde, wenn der Hund sich mehrmals um sich selbst\ndrehte, ohne den Weg zum entlaufen zu finden, und\nküßte ihn mit herzlichem, dankbaren Mitleid.\nDer Hund starb im Winter, als Johannes ihn\nmorgens, während niemand auf dem Hofe war, aus\neinem Flurfenster in einen hohen Schneeberg warf,\nAm Abend dieses Tages begann das Tier zu\nschreien und sich mit heißer Nase zu winden; der\nHerr legte es in einen warmen Korb, hüllte es in\nseine eignen Decken und pflegte es mit Milch, so-\ngar des Nachts, aber es nahm nichts an.\nAus der Schule lief er tags darauf, so schnell\ner konnte heim, um den kranken Hund zu sehen,\nihm mit Bädern und Pillen zu helfen, und seine Ge-\ndanken waren nur bei dem Hunde. Aber am Mor-\ngen des dritten Tages lag das Tier starr in seinem\nKorb, selbst der Schwanz bog sich nicht.\nDa nahm Johannes es auf den Arm, schaufelte\nihm im Garten ein Grab unter einem Kirschbaume\nund legte die Leiche hinein, unter stillem Gebet.\nDann stampften seine Füße das Grab zu. Und ging\nan dem Tage im frohen Gefühle seiner Arbeit, zu-\ngleich in Andacht und wehmütigem Gedenken um-\nher.\n*\nWenn der an solche Einsamkeit gewohnte ne-\nben seinen Kameraden einherging und ihnen zuhör-\nte, wie sie sich von ihren Neigungen, Freundschaf-\nten und Feindschaften unterhielten, so klagte er\nsich an und erschauerte: Das ist das Leben, das\nechte Leben. Aber er entsetzte sich vor der gren-\nzenlosen Sicherheit, mit der sie über Menschen\nund Dinge sprachen; er hatte Furcht vor der uner-\nbittlichen Bestimmtheit der Worte, wo er stumm\nden Dingen lauschte und sich ihnen hingab.\nEr beobachtete mit schielen Augen diese\nfleischgewordenen Schicksale. Und doch schien es\nihm, als ob ihn etwas von weitem in diese starre\nsprechende tote Welt hineinrisse, und während sie\nhingingen, verlor sich sein Ohr von ihren Gesprä-\nchen ab, und er verstummte immer tiefer. Wenn\ner allein saß, die raschen Tritte seiner Kameraden\nan seinem Hause vorbeirannten und Unruhe in ihm\nflimmerte, trieb ihn plötzlich ein Wunsch, nichts zu\nhören, der mit Bitterkeit über ihn kam, hinten in\nden Garten.\nEr setzte sich auf das Grab des Hundes und\nstöhnte langgezogen, wie er es vor langen Jahren\nvon seiner Mutter gehört hatte, die sterbend von\nihm Abschied nahm. Und der Gedanke an Achilles,\nwie er seines liebsten Freundes, des Patroklus, bet\nraubt am lautaufrauschenden Meere saß und mit\nseinem hellen Stöhnen die silberfüßige Nereide\nlockte, übermannte ihn so, daß er immer wieder\n„Molly\" seinen Hund rief: „Moliychen, verzeih\nmir, wenn ich dir böses getan habe; ich habe dich\nimmer lieb gehabt, und oft hast du mich auch ge-\närgert. Warum hast du nur die Pillen nicht ge-\nnommen, — sie waren so gut. Oh, ich liebe dich\nso.\"\nUnd die braune Hundeseele stieg leise bellend\nauf, umschwebte ihn und besänftigte den bebenden.\n*\nWeder den Schulkameraden noch Hausgei\nnossen fiel mehr seine Verschlossenheit und gera«\ndes Vorsichhinsehauen auf. Es kam aber eine Zeit,\nwo er ganz zu versinken und sich zu halten schien,\nals ob ihn etwas Schweres betroffen hätte. Der\nsich selbst überlassene schien sich nicht mehr ein\nnoch aus zu kennen. Er begann erschreckt zusam-\nmen zu fahren, wenn die Tante ihn rief, Wenn sie\nihn fragte, schaute er auf, wehrte ihre Angst ab;\nseufzte und ging davon, um weiter zu brüten.\nNachdem er einige Zeitlang dahingeschlichen\nwar, blieb er, ganz verfallen, zu Hause. Ohne daß\ner über einen Schmerz klagte, kränkelte er sicht-\nlich. Er lag teilnamslos auf seinem Zimmer; ein\nstilles, versunkenes Feuer lockte auf dem Grunde\nseiner Augen; nur lächelte er manchmal ergeben\nEines Nachmittags legte er sich unruhiger auf sein\nSofa und schlief ein. Als er erwachte, scholl lauter\nGesang in sein Ohr; er war mit glühheißen Wangen,\nheftigem Herzschlagen, unter wollüstigen Krämp-\nfen erwacht. Eine furchtbare Angst lag auf seiner\nBrust und Kehle. Starr vor Entsetzen blieb er eine\nMinute liegen; dann lief er mit brennendem Kopfe,\nzitternd, fast fiebernd, ins Freie, — durch den Gar-\nten, über das Grab des Hundes, ohne zu wissen\nauf die Straße. Er trieb in Querstraßen, Winkeln\nund Sackgäßchen, über breite Gartenanlagen, auf\ndenen Kinder spielten und alte Männer auf Bänken\nsaßen; ohne von sich zu wissen, setzte er sich auf\neine Bank vor einer Kirche.\nIhn schwindelte, als er still saß; und erstaunte\nschließlich über den Ort, — so erinnerte er sich\nauch an seinen Garten, seine Wohnung, — und lief,\nlangsamer und unsicher, über die Straße. Er half\nauf einer Brücke einen Wagen, der nicht vom\nFlecke konnte, weil er überschwer mit Eisenschie-\nnen beladen war, fortschieben. Während er sich\nan den Rädern abmühte, daß ihm der Schweiß auf\nder Stirne perlte, rief er laut „hüh, hüh\" mit den\nanderen, zum Versuch, weil er fühlte, daß eine Art\nStummheit auf seinem Munde lag. Er wollte seine\nNachbarn, die fremden Arbeiter, zwischendurch in\ndemselben Tone etwas fragen, aber er wußte nicht\nwas.\nWeiter trabend fand er sich plötzlich dicht bei\nseiner Wohnung.\nWas ihm geschehen war: um diese Frage\nhaschten und spielten seine Gedanken, wenn sie\nsich nicht verloren in dem heiß dumpfigen\nGefühl, das immer noch über Kopf und Ohren,\nvon den Därmen und den Brusteingeweiden her-\naufschwälte und seine Kehle rasch berührte.\nEr wußte nicht, was über ihn hereingebrochen\nwar, und wen er fragen und um Hilfe bitten sollte.\nEr wünschte sehnlichst sprechen zu dürfen und ei-\nne Stimme zu hören. Sich selbst erzählte er in sei-\nnem Zimmer halblaut sein dunkles Erlebnis; aber\ngeduldlos legte er sich hin und winselte.\nTage und Wochen vergingen, bis der aufge-\nregte Schrecken sich gelegt hatte, während dessen\ndie Beklemmnis ihn so umfaßte, daß die Häuser an\nihm vorbei schwankten und er glaubte, irrsinnig\nzu werden. Dunkle Worte aus der Bibel und dem\nMunde des Religionslehrers fielen ihm ein: über\nheimliche Versuchungen, denen der Mensch, der\nsich selbst der böseste Feind sei, nicht erliegen\ndürfe, und über ebenso heimliche Strafen Gottes.\nEr suchte sich zu retten, sein Erlebnis irgend-\nwo einzureihen; das verschwiegene Schuldgefühl,\ndas oft unter seinen wilden Träumereien und sei-\nnen einsamen Spielen murmelte, tauchte auf und\nredete vernehmlicher in der verschüchterten See-\nle; die wilden süßen Erschütterungen hatten seinen\nwehrlosen Leib wie strafende Krallenhände ge-\npackt und gebogen. Er sann darüber nach, was\ner verbrochen hätte und fand genug, wohin er nur\nfaßte.\nDa glitt er nicht um seine Schuld herum, son-\ndern sammelte alles einzeln und stieß sich in\nschneidende Anklagen hinein, schleppte sich an sie\nwie seinen Hund heran.\nAls er aber eines Abends die Kleider ablegte,\nüberfiel ihn die sonderbare Frage, warum wohl alle\nMenschen Hosen trugen, zum Teil sogar lange\nKleider von den Hüften herab bis zu den Knöcheln;\nund er blieb sinnend und getröstet auf dem Bett-\nrand sitzen. Gewiß, das war es, sie hatten alle das-\nselbe erlebt, wie er und verdeckten sich nur so,\nweil die Bibel von der Sündenschuld redet und\nkeiner den andern von seiner Schuld wissen lassen\nwollte.\nBesser wäre es auch, offen zu leiden, als die\nFeigheit des Vergessens, Aber das Schämen war\nnur ein Vogelstraußspiel. Er merkte es doch, wen«\ner sich auch hüten wollte, es zu sagen. — Es wur-\nde ihm nun bald ein vergnüglicher Gedanke, sich\ndie Menschen, denen er auf der Straße begegnete,\nhinter den Kleiderwänden zu denken, gleichsam\nals eine unsichtbare Welt, die hier einher wandelte,\nwie die Welt der Gedanken hinter den starren\nWorten, !\nEr hätte den Menschen, auch seinem Lehrer,\nschmunzelnd auf die Schulter klopfen können:\n„Nicht wahr, wir kennen uns?\" Und er sonnte\nsich an seiner Überlegenheit, wenn er so in de**\nStraßen herum abenteuerte.\n\nFortsetzung folgt\nFortsetzung\n\nHamburg\nVon Günther Mürr\nDämmerung in Harvestehude\nDie Allee dehnt sich ganz lang und grade,\nwie ein straffgespannter Faden.\nIn gleichen Abständen durchschneidet sie andre\nAlleen>\nDas Grau des Himmels so farblos fade.\nGradlinig ziehn sich hertistbelaubte Linden\nam Rand des farblos stumpfen Fußsteigs hin.\nNur wo die matte Sonne versinkt,\nliegt ein schwaches Scheingerinn.\nDie Häuser, die in einer Reihe nebeneinander\nstehn,\nblicken eintönig stumpf. Und sind doch Welten\ndrin\nvoll Sonne und Mond. Ein Leben Sän\nund Leben Ernten, Genießen und Schmerz\nverwinden.\nEinzelne Fenster färben sich gelb, aber keines\nblinkt.\nSie wagen nicht, Glanz in das Stumpf zu\nentsenden.\nDie hohen, schwarzen Laternen tragen schon\nihre Flammen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "791", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.5", "texte": "Richter-Berlin: Die Brüstung / Originalholzschnitt\n\nSie können Luft, Boden und Bäume nicht mit\nGlanz überziehn.\nNur einen runden Hof scheinen sie sich um die\nFüße.\nDie stumpfgrünen Bäume und Sträucher der\nVorgärten sehn\ntodahnend ihr eignes, regloses Sterben.\nNur manchmal ein zages Wehn.\nDer Wind hängt sich mit wiegenden Händen\nan schwanke Zweige, biegt die Blätter bang\nzusammen.\nUeber die knarschigen Steine gehn\nwenig Schritte. Man hört jeden Tritt.\nManchmal eine eilende Equipage,\nein einsamer Lastwagen, die Tiere mit müden\nLenden.\nUeberall lauschende Ruhe, strebloses Träumen»\nglanzloses, farbloses Warten,\nEin stiller Blätterrregen sinkt\nvon den herbstentlaubten Bäumen,\nund will den trüben Boden streicheln\nund bleibt wie ein zerfetzter Teppich liegen.\nDie müden Linden verschwenden\ngedankenlos ihren Schmuck.\nDas Einzige, was in dem Dämmern glänzt,\nsind diese saftlosen, verwesenden Blätter.\nEs schwebt in der Luft des Sterbens Druck.\nDie wenigen Menschen, die durch die fade\nTrübe rasqh oder langsam gehn, spüren in sich\ndes Todes Made,\nund tiefer ducken sie sich in des Lebens Lade.\nDoch fühllos liegt die Allee ganz lang und grade.\nSonnenblick auf der Alster\nDer Tag läßt seine grauen Schleier niedersinken\nbis au! die Füße.\nUeberdie braungrtingrauen Wellen tanzt ein\nBlinkem"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "792", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.6", "texte": "Das trübe Wasser will die junge Bläue trinken.\nWie starke Grüße\ndrängen die schwarzen Böen drüber hin. Ein\nWinken\nvon Fahnen in die Sonne. Hinten\nfcber die betürmte Stadt ist der Nebelschleier\nniedergerollt\nmalt ihren graurosanen Schein in matten Tinten.\nSein weicher Saum streift, ein Sonnenstrahl, der\nschmollt\nsehr flach den Wassersaum vor der Stadt.\nNur kurze Zeit. Der Tag hebt mit der Linken\ndes Schleiers süße Weichheit empor\nund läßt in sein stumpfes Grau sich sinken.\n\nReplik\nVon Peter Altenberg\nEin Herr Ludwig Wehring sprach mir im Un-\nterhaltungsblatt des „Berliner Lokal-Anzeiger\"\njegliches Talent ab. Das kann ich nun nicht fin-\nden; es sind manche hübsche Sächelchen in mei-\nnen Büchern. Nur muß man sie aus dem Miste\nher auszuklauben verstehen. Herr Wehring hat\netwas gegen mich; er will mich für kein Genie\nhalten, heute, wo doch in jeder halbwegs annehm-\nbaren Familie drei sich befinden, sei es in Gesang,\nKlavier, Malerei oder Dichtkunst, oder selbst noch\nganz unausgesprochen, hinter denen ein gewisses\nEtwas schlummert, pst, nur nicht aufwecken!\nHerr Wehring behauptet, bei mir einen Satz über\ndas Wesen der Freundschaft gefunden zu haben,\nden auch Nietzsche ausgesprochen habe. Ja, was\nkann ich dafür, daß dieser Herr Nietzsche und ich\nüber das Wesen der Freundschaft ganz derselben\nAnsicht sind? Ich habe sie ihm nicht beigebracht,\nalso höchstens er mir. Aber auch das ist nicht\nmöglich, da ich von ihm niemals etwas gelesen\nhabe, was alle meine Freunde gern bestätigen wer-\nden, die von meiner krassen Unwissenheit über-\nzeugt sind. Gott, weshalb sollen zwei Genies nicht\n■auch einmal dieselben Gemeinplätze niederschrei-\nben?! Herr Wehring meint, ich sei etwas zu sehr\nmit einem gewissen Peter Altenberg beschäftigt.\nJa, dieser Mensch kam eben leider mit mir auf die\nWelt, verließ mich nicht eine Sekunde lang wäh-\nrend 52 Jahren. Da nimmt man freilich manche\nEigenheiten an, die man unter anderen Um-\nständen nicht besäße. Ich könnte Herrn Wehring\nfragen, weshalb meine Bücher ins Tschechische,\nRussische, Französische, Dänische, Ungarische, Pol-\nnische übersetzt seien?! Aber er könnte mir darauf\nerwidern, daß gerade Schundliteratur den größten\nAbsatz habe. Worauf ich replizieren könnte, daß\nmeine Bücher gar keinen Absatz haben. Worauf\ner sagen würde: „Das glaube ich Ihnen gerne.\"\nAber mit solchem geistigen Geplänkel kommt\nschließlich nichts heraus. Ich bitte Herrn Ludwig\nWehring daher ganz einfach inständigst, mir zu-\nliebe, mich dennoch für ein Genie zu erklären, und\nmich nicht gegen eine Menge anderer zurückzu-\nsetzen, denen es in jeder Beziehung viel besser\ngeht als mir. Ich habe mich mein ganzes Leben\nlang redlich geplagt, gar nichts zu leisten, und jetzt\nwill man mich nicht einmal für ein Genie halten,\ndas geht nicht, irgendetwas muß man doch vorstel-\nlen in einer geordneten Gesellschaft. Also, Herr\nWehring Ludwig, überlegen Sie sich's, gehen Sie\nin sich, oder vielmehr, gehen Sie aus sich heraus!\n\nGedichte\nErnst Blab\n\nTrauermarsch\nDie Gartengänge hauchen dunkle Schatten,\nFeucht und beklemmend ist die Abendluft.\nMan räuspert sich und schlägt den Kragen hoch.\nSchon vor drei Jahren kamst du in die Gruft\nVon denen fort, die dich gekannt noch hatten.\nWir kannten uns als kleine Sekundaner.\nDer Duft des Winters ätzt und ist ein Mahner.\nIm Blick den Widerglanz des Sonnenstrahls\nSprachst du vom Tode. Längs des Spreekanals.\nUnd schwatztest angstlos schwere Träumerein,\nUnd dumpf und immer gütig im Gewähren . . .\nEin Fahrrad führten oft die Hände dein . . .\nMein Leben kann noch viele Stunden währen.\n\nLust\nJeder fällt sich um den Hals,\nZu der Zeit des Karnevals.\nUnd nach alten Münchner Bräuchen\nHörst du ihn vor Lust fast keuchen.\nBis zur Drau, bis zur Sau\nHörst du herzigen Radau.\nWo du deinen Blick hinschwenkst,\nQuietscht die Stute, bläst der Hengst.\nGanz nur Pfeife, ganz nur Tute\nLärmen sie durch die Redoute.\nMit Musik und blauem Dunst\nHerrscht a kreuzfidele Brunst.\nMenschensehnsucht?, dick verdeckt?\nAnne, in die Welt gereckt?\n(. . . Mit dem Hin- und Herwärts-Neigen\nJunger Körper gehn die Geigen.\n\nTodesdelir\nVon Hermann Koch\nAls sich die Konturen der schwarzen Möbel,\nder hellen Statuen im Grau des Raumes aufgelöst\nhatten, war er sich schon lange seiner Rettungs-\nunmöglichkeit bewußt, und woran er ging, war,\nseinen Kadaver zu retten . . .\nEr stand vom Bette auf, zog sich zur Türe\nund die Milchmarmortreppe hinab.\nSchon riß ihm der Wind die Glastüre aus der\nHand, und die kahlen Bäume des Parkes bogen\nsich ihm zu unter der Last des bleiernen, sausen-\nden Himmels. Das Hemd flatterte um seinen gel-\nben, bebenden Körper, der sich mühsam und\nschwankend durch die welken Blätterhügel tappte.\nUnd die Blätter tanzten und brausten um ihn her,\nseine Haare klebten an der kalten Stirne — —\nSeine Augenlider fielen herab, die spitzen\nAeste rissen, und quälten ihn — und immer kälter\nund starrer wurde sein Körper. Er wollte sich zu\nBoden werfen und konnte es nicht, konnte nichts\nsprechen und wünschte doch noch einmal seine\nStimme zu hören. Nur stammeln konnte er: tot,\ntot, tot, tot . . . Als er gegen den Teich zu\ngehen wollte, trat er in Finsternis, irgend etwas\numflatterte ihn — — Seine Kniee bogen sich\nunter seinem Gigantenkopfe. Da zerriß einen\nAugenblick die Schwärze in kleine Wölkchen und\nzwischendurch sah er seine blaumarmornen Glie-\nder. Es ging vorüber.\nAls sein Auge an den wahnsinnigen, fie-\nbernden Aesten hing, sah er sie wachsen. Die\njungen Bäume schössen in die Höhe, die alten\nwurden fett und bauchig. Das, was ihm erst als\ngrüner Schimmer erschien, wurde zu Schleiern\nund zu fleischigem Grün, durch das sich das gelbe,\nbrennende Sonnenlicht in Kreisen und Ringen\nbrach. Und oben in den gelben Lüften sauste es\nund heulte, tausendstimmig. Kam es von den\nBaumkronen oder von den weißen Schlössern\nund Türmen? — — Aber er verstand es: IHM,\ndem Eroberer, IHM, Deneb, jubeKe es zu, ihin der\nnoch einmal sich die Erde unterjochte. All der\nJubel . . .\nFauler, welker Geruch weckte ihn und aus\nden gelben und roten Blättern, aus dem starren\nLaub hob er den Kopf — dann stand er beschämt\nauf und lief taumelnd weiter. Zum Teiche.\nEr wollte verschwinden —- das wäre, den\nMenschen verschwinden, ihnen den Triumph sei-\nnes Sterbens rauben. Dazu hatte er zuletzt seine\nDiener fortgeschickt, als er die Trostlosigkeit sei-\nnes Leibes erkannte . . .\nMitten durch die starren Strauchgerippe\nzwang er sich, den Weg zum Wildteiche zu ver-\nkürzen, es war schon grau — — Dann stand\ner blutend, mit krampfhaft-zitterndem Körper am\nWasser. An der Herme, die vor ihm wurzelte,\nbegann er zu stoßen, zu zerren — — Im tiefen\nDunkel schon, als nur zwischen W'olkenrissen\nschwaches Licht schimmerte, sah er die Büste im\nLaub. Dann band er die Streifen seines Hemdes\nzu Stricken und band den Faunenkopf an seinen\nFuß. — Ganz nahe dem Teiche sank er nieder —\nBeim Erwachen und Aufspringen fühlte er einen\nRiß am Fuße, hörte schwach und verschwommen\nein glucksendes Geräusch und mit einem Schreck-\ngefühle, das ihm den Kopf zu zertrümmern drohte,\nglatt sein Fuß in ein eisiges Wasser. Ueber sich\nhörte er mit einem Male wieder das Sausen des\nSturmes, ganz nah fühlte er den kalten Atem des\nWassers . . . Der Stein rollte immer weiter\nhinab, das Wasser berührte tötend seine Schen-\nkel, seinen Leib. Er griff mit den Händen hinauf,\nklammerte sich an einen morschen Ast, der ab-\nsprang — — In diesem Augenblick, als er mit\nhilflos verkrampften Händen in die Luft krallte,\nergriff ihn, stürzte er in ein niegeahntes Wohl-\ngefühl — ein zitternder Lichtschein umbrandete ihn,\nin seinen gezwungen-saugenden Mund floß etwas\nLau-Süßes — vor ihm schwrebt eine weiße Kugel,\nmit der er durch seinen Mund verkettet ist, und\nein wohliges Wiegen hüllt sein Denken in Nebel —\nund von da begann er noch einmal sein Leben.\nAlles war klar und scharf und doch fühlte er und\nerlebte alle Ereignisse in demselben Sekundenteil-\nchen Er steht vor einem Weltentore, schrei-\ntet mit seiner Mutter durch strahlend beleuchtete\nGänge und durch neue und neue — er trägt sie\nhinauf, keuchend und matt, sieht Orgin mit dem\nMesser, alles ist voll Blut, Blut und Feuer — die\nSchule flammt auf, er springt ins brandende Meer,\ner geht durch den Riesenpark mit den Blitz-\nleichen, sieht sich im gelben Lichte mit Amadäus\nAmadäus starb — und liegt in der Wüste,\nPalmen wuchern aus ihm und Millionen grüner\nSphinxe nicken mit den Köpfen und der Mond\ntanzt und will ihn mit seinem Penis töten — —\nEr will schreien, in seinem Munde gurrt Wasser,\nauf seinem Kopf drücken Berge, drücken ihn hinab\nin die tötende Kälte.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nAnzeige\nDas literarische Cabaret Gn u veranstaltet\nseinen letzten Abend am Donnerstag, den 22. Fe-\nbruar 1912, abends 9 Uhr, im Cafe Austria, Pots-\ndamerstraße 28. Programm: Kurt Hiller: Ueber\nGeorg Heyin ,/ Gedichte von Heym, vorgetragen\nvon Werner Lötz / Gedenken von Alfred Kerr /\nHeinrich Eduard Jakob: Klassischer Impressionis-\nmus; E. B.: Entgegnung / Armin Wassermann:\nAus Wedekind / Ernst Blass: Gedichte / Kurt\nHiller: Ueber Lyrik / Epilog. Karten zu einer\nMark in der Buchhandlung von Edmund Meyer\nund an der Abendkasse."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "793", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Berlin W 9 / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nFR HAHN\nAlexanderplafz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModerrte Herrenbekleidung\nferfig und nach Hafi\nRekiameapgebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen semusterten Cheviots mit ffrmelaufschlagen 3250 h\n—aw 11JII —I ■ ■>——I liwnr »mur -- ■ -z* • .-> \"--\naus den mit aufgestepgten Taschen 4550 h\nVornehmer zweireihiaer Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot\n3250 45 h1\nSchicke Passformen\n• vi;v-\n.-p'r-'sw\nKgi\n9m\n»\na\nDen Herren Studenien und JVUtgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von LegHimationskarten |5% Rabat!\n\nUs Marges\n5 rue Chaptai / Paris\nDlese literarische Zeitschrift\nverdffentlichte das franz -\nsische Original der T age-\nbucher Flauberts, deren\nUebertragung in Deutschland\nverboten wurde.\n\nim\n\\ \\ Lima Park # #\nAb 25. Januar: AusscHank>on\n„Triumphator\" auV^BTlhuener\n„Wintersportfest\"\nin Bmhtesgaden\nVolksbelustigungen,' sonstige Attrationen\nBrei KapetSen ——-\nTheMDhnen\nliefert und verleiht\nMinuth 2:\nBerlin 26, IV 4612\nOranienfttraß6 fi\n\nKUNSTLERIKHE RAUME\nT\nC\nK»\nUGiO\n1912\nALBERT KOBLINSKX\nBERUN-BRUCXEN-ALLEE6\n\nCafe -Restaurant\nOdeoit\nBar\nCkarlottenbur_\nBtsm <j rolmanstr %.\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr von 8l/2— 2 Uhr\nBiliardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nGutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nNEU EROFFNETi"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "794", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120224-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hausa Berlin SO. 26 Mariannenplatz 23\n\n119111\nPremiere\nWie man\nManner bessert\nKomodie in zwei Aktea\nvon Anton und Donat\nHerrnfeld\nDer Hanstenfel\nSchwank in einem Akt\nvon Pohlmann\nAnf. 8 Übr Vorverk. 11—2 Uhr\n\nWintergarteu\nAm Babnhof\nFriedrichstrafie\nNenes Programm\nSaharet\nFasehingsprogramm\n\nLa Voce\nWochenschrHt\nffir freie Kultur\nJahresbezug 6 Mark\nProbenummer gratis\nLibreria della Voce\nFlorenz / Piazza Davanzati\n\nHeue Sezession\nSehwarz-Weiss\nlusstellung\nErMfnung Anfans Mflrz\n\nDie Fiickel\nHERAUSGEBBR\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nNummer 341/342\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Faeke!\n50 Pfennig\n\nLehranstalten a Kurse\n>aBftsagg\n\nMai- und Zeichenschule\nStilleben — Landschaft — PortrSt\nU attah Hek t orstraBe 17\nW LtliJ am KurfQrstendarara\nMan verlange Prospekte\n\nHolzsohnitzen, fflodellieren, Zeiohnen\nT&glich 9— 1 Uhr Eintritt jederzeit\nModellieten Ifir Architekten taglich von 5—7 oder 7—9 Übr\nAbeodakt t§glich 7-9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfftrstendamm 243 parterre gegeniiber dera Zoo\nBildhauer Harders Berlin-Charlottenburg\n\n—JModelUeren und Zcichnen—»\nDotbereitung filr Me fifcabemie\nKarl Reytien-Dumont\nGfjatlottenburg .*♦ Ceibnij-Str. 32, fitetter\nrFWfcige £?onorare<\n\nMUIH-ihstitbt\nLeiter: M. PECHSTEIN\nE. L. KIRCHNER\nWILMERSDORF\nDurlacher Straße 14\nMODERNER UNTERRICHT\n:: IN HALEREI ::\nGRAPHIK, PLASTIK\nTEPPICH-, GLAS- U.\n: MET ALL-ARBEIT :\nMALEREI IN VERBINDUNR\nMIT ARCHITEKTUR\n\nmmr\nmm\nw\nB»chhandl«nBen\n£\n8®\nm\nm\nm\n\nEdmund Meyer\nBuchhSnfller u. flnfiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\nr\\\n\nr\nResss & Pollack\nBnehhandlung n.Antiqnariat\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 118 c\nTernjpr.j Hittt VI (EtittOW) 2829\n\nIdi haute Luxus-\nflruche,\npriDfliarurtie,\nselfene BQdier\nPaul 6raupe\nflnfiquariaf\nBerlin ID. 35\nbiittoixjsfra&e 38\n\nm\nm\nBSHEE\nAnzeigen\n«\n\nTitania-Schreibmaschine\nErste deutsche Schreibmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern\nFabiikat der Akt.-Ges. 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