{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_sha256": "c5a96ad3b93400c61a7ea7c886df8acef82a71e32a265ee692454648480c776c", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/03/09_01/bmtnabg_1912-03-09_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/03/09_01/bmtnabg_1912-03-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "803", "page_fin": "803", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "803", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.1", "debut_caractere": 641, "fin_caractere_exclue": 959, "texte": "Inhalt:\nTRUST: Zeitschriften: Aus dem dunkelsten Osten / Konfektionsdichter / In seinem Geist / Bekenntnisse / MYNONA: Verstellung / ELSE\nLASKER - SCHÜLER : Meiner Schwester dieses Lied / ALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang / GÜNTHER MÜRR: Hamburg/\nHANNS BOLZ: Zeichnung / E. 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Sie heißt\nDer Osten und erscheint seit achtunnddreißig Jah-\nren in Breslau. Der Osten „ist die einzige rein-\nliterarischen und künstlerischen Zielen dienstbare\nZeitschrift des gesamten östlichen Deutschlands\nund erfreut sich als solche in den Kreisen der In-\ntelligenz insbesondere bei Künstlern und Literaten\nallgemeinster Wertschätzung und Verbreitung.\"\nDer Osten wird im Auftrag des Vereins Breslauer\nEHchterschule herausgegeben. Das alles war mir\ndurchaus neu. Und da ich dem Neuem stets sym-\npathisch gegenüberstehe, warf mich das neueste\nHeft einfach um. .Aus dem Vereinsleben der bres-\nlauer Dichterschule wird mitgeteilt, daß am 10, Ja-\nnuar Herr Paul Barsch „das Andenken Felix Dahns\nin herzlichen Worten ehrte\". Am 24. Januar ge-\ndachte Paul Barsch „des kürzlich verstorbenen\nehemaligen treuen Vereinsmitgliedes Professor\nAdolf Brieger in Leipzig und knüpfte an die Mit-\nteilung von dessen Tode die Hoffnung, daß hie-\nsige und auswärtige Mitglieder einander mehr als\nbisher nähertreten möchten.\" Im Tode noch gibt\nHerr Paul Barsch die Hoffnung nicht auf, er knüpft\nsie sogar an ihn. Von den lebenden hiesigen und\nauswärtigen Mitgliedern schreibt einer über „Felix\nDahn in memoriam\":\nNun ist er von uns gegangen. Nun hat Bres-\nlau mit ihm einen Bürger verloren, dessen Cha-\nrakterkopf sich aus der Silhouette der Stadt mar-\nkant hervorhob, dessen Name mit der Geschichte\nBreslaus innig verknüpft ist, für jetzt und\nimmerdar.\nMan erfährt ferner, durch ein lyrisches Ge-\ndicht, warum der Charakterkopf sich so markant\naus der Silhouette der Stadt Breslau hervorhob:\nEr trug einen Schlapphut:\nDen Schlapphut auf den silbergrauen Haaren,\nvom Havelock umschmiegt, so sah'n seit Jahren\nwir täglich ihn durch unsere Gassen geh'n;\nin Sinnen schien die Seele wohl versunken,\ndoch aus den Augen sprühten helle F u n ken\nwie Flammen, die auf Feuerbergen steh'n.\nAn alle Herzen schien das Bild zu r ü h re n ,\ndenn selbst wer ihn nicht kannte, möchte spüren,\ndaß diesem einst ein Gott die Schwingen lieh,\ndie Zauberkraft, dem Himmel nah' zu bleiben!\nSo trug er in des Marktes lautes Treiben\nden farb'gen Glanz, den Hauch der Poesie.\nMan fühlt, den Hauch der Poesie hat Felix\nDahn bis in die Zeitschrift Osten getragen. Wie\nkönnte sonst ein hiesiges oder auswärtiges Mit-\nglied der breslauer Dichterschule sich so äußern:\nNun sickert leis deiner lauten Wünsche Loh'n;\ndu schlürftest Vergessen im Rausch meiner\nKüsse,\nWir stehn hohen Mittags zwischen glühen-\ndem Mohn\nUnd heben ins Licht die goldne Schale voll\nreifer Genüsse . .\nWie könnte sonst der Dichter Karl Busse\nsolche reife Poesie in einer Novelle Krischan Els-\nters Heimkehr ausduften:\nIhr Gesicht rötete sich. Sie schloß die\nAugen, öffnete sie wieder; sie waren ganz voll\nLicht. Als wär' das Leuchtein der Steine,\ndie als Brosche gefaßt waren, .in ihre Augen\ngesprungen.\nWie könnte sonst der Theaterkritiker des\nOstens zu solchem Pathos sich erheben, wie in\ndiesem Satz über eine Schauspielerin:\nSo steht Martha Santens Persönlichkeit vor\nuns als Mahnerin an eine von Sieg zu Sieg\ngeeilte Vergangenheit, als Repräsentantin einer\nerfolggekrönten Gegenwart und eine nahe, glanz-\nvolle Zukunft verheißend, von der in Jahren\neinmal Gutes zu sagen sein wird unter der\nUeberschrift: Frau Santen als Helden-\nmu 11 er.\nDie gesamte östliche Intelligenz scheint tat-\nsächlich mit den Dahnaergeschenk fertig zu wer-\nden. Jedenfalls: mein Gefühl war richtig. Ich\nhabe nie an Breslau geglaubt.\nKonfektionsdichter\nEin Schneider in Berlin gibt eine Zeitschrift\nfür Herrenkleidung heraus. Zu ihren ständigen\nMitarbeitern gehören die deutschen Dichter, Kunst-\nkritiker und Lebenskünstler Felix Poppenberg,\nständiger Mitarbeiter der Neuen Rundschau, Ed-\nmund Edel, Oskar A. H, Schmitz, Hans von Kah-\nlenberg und Hanns Heinz Ewers. Es ist natürlich\nnicht das Geringste dagegen zu sagen, daß diese\nDichter für Herrenkleidung ein ausgetragenes In-\nteresse besitzen, und ich wünsche ihnen sogar,\ndaß ihnen ihr Interesse an der Herrenkonfektion\nrecht viel, zum wenigsten aber einen gutsitzenden\nCutaway einträgt. Ich bin aber dagegen, daß sich\nsolche Herren als Künstler, Kunstkritiker oder\nDämoniker benehmen. Das gehört dort nicht zum\nguten Ton. Man darf zwar auch in diesen Beru-\nfen Oberhemden mit festen Kragen und festen Man-\nschetten, Sockenhalter und sogar des Nachts ein\nPyjama tragen, aber man darf sich nicht für diese\nDinge in einer Schneiderzeitung literarisch ein-\nsetzen. Ich habe überhaupt Verdacht gegen die\nEleganz, die betont wird. Wer so mit Musike\ndafür eintritt, dürfte diese Gegenstände, und einige\nandere, erst durch seine literarischen Beziehungen\nzu einer Schneiderfirma kennen gelernt haben. Der\ndämonische Hanns Heinz Ewers hat es gut, er kann\neinfach diese grausige Eigenschaft ablegen, sowie\ner in sein verschnürtes Pyjama schlüpft. Des\nNachts sind nun einmal alle Katzen grau. Das bis-\nchen Schminke geht ab und Herr Fritz Engel, der\nerst neulich tiefgründige Analysen über Strindberg\nun d Hanns Heinz Ewers schrieb, wird erstaunt\nsein, seinen Dichter zwar in Unterhosen, aber mit\nseidenen Socken und Strumpfbändern zu sehen.\nDa dichtet der Dämoniker nämlich so:\nSie also, Frau Helene und ihre gute Freun-\ndin, die Else, seien ausgegangen, um Weihnachts-\neinkäufe zu machen, für ihre Männer. Und die\nElse, die mit einem Architekten verheiratet sei,\nhabe so hübsche Sachen gekauft, schneeweiße\nFaltenhemden, seidene Socken, Strumpfhalter\nund verschnürte Pyjamas. Und da sie doch auch\nihren Mann so lieb habe, so habe sie genau\ndasselbe gekauft — und sie habe es von ihrem\nHaushaltungsgeld bezahlt, an dem sie doch acht\nWochen gespart habe,\nDer Architekt war aber zum Aerger von Hanns\nHeinz Ewers noch nicht so weit. Der „neu-\nmodische Kram44 fand nicht seinen Beifall und der\nDämoniker mußte also folgendes dichten;\nWas aber das Schlimmste sei: gerade als sie\ndas Paket gepackt habe, sei die Else gekommen,\nund die sei mit ihr gegangen. Mit ihr, als sie\ndie schönen Sachen zurückgetragen habe, dann\nauch mit ihr ins Warenhaus, wo sie das kaufen\nmußte, was ihr Mann wünschte. Nachthemden\nin Knielänge, Wollsocken, Vorhemdchen und\nRöllchen. Und gar keine Strumpfbänder: die\nSocken hielten von selbst, hatte ihr Mann ge-\nsagt. Und wenn sie rutschten, möchte es auch\nnicht viel schaden: dann brauchte man sie ja nur\nwieder hochzuziehen.\nDer geneigte Leser ist nun wenigstens über die\nUnterkleidung des Dichters Hanns Heinz Ewers\norientiert. Auch über das Schicksal der bedichte-\nten Personen will ich ihn nicht in Unruhe lassen:\nAber Erfolg hatte man schon. Der Herr\nZollinspektor trägt heute keine Röllchen mehr\nund keine Vorhemdchen. Aber Strumpfhalter\nträgt er dafür und ist ganz stolz, daß seine\nSocken nicht rutschen. Nur mit der Idee des\nPyjamas ist er noch nicht ganz einverstanden —\naber er hat sie schon zur Erwägung gezogen.\nMan kann nicht immer dämonisch sein. In\nseiner Autobiographie stellt der Dichter mit der\nein wandsfreien Unterkleidung seinen Stammbaum\nfest. Er fühlt sich mit E. T. A. Hoffmann und\nEdgar Allan Poe verwandt. Bei Hoffmann dürfte\nes sich um eine Verwechslung des Vornamens\nhandeln (der Herausgeber der Schneiderzeitschrift\nheißt Hermann Hoffmann). Und bei Poe muß\nein Geschlechtsirrtum vorliegen. Herr Ewers be-\nklagt sich in dieser Autobiographie bitter, daß er\nangespieen werde von „meinem deutschen Volk,\ndas ich liebe\". Das deutsche Volk, das er liebt,\nspuckt nicht nur auf die ganze Dämonie, Herr\nEwers muß sich sogar mit ihm über die Unter-\nkleidung auseinandersetzen. Und Künstler, die, es\nist nicht auszudenken, vielleicht rutschende Socken\ntragen, die spucken wieder auf die Dämonie des\nHerrn Ewers. Und so sitzt der Dichter, wenn\nauch im Pyjama, zwischen zwei Stühlen.\nDa lob ich mir die Herren Oskar A. H. Schmitz\nund W. Fred. Aus der Schneiderzeitung erfährt\nman endlich, womit die beiden Herren sich be-\nschäftigen :\nDie Herren Oskar A. H. Schmitz und\nW. Fred beschäftigen sich seit langem mit der\nErgründung der modernen Psyche, dieser kom-\nplizierten dem Wirrwar unserer Zeit preisgege-\nbenen Psyche sensibler Kulturmenschen, deren\nGefühl für alle Regungen des Lebens bis aufs\nAeu.ß erste empfindlich geworden ist.\nDie moderne Psyche soll offenbar auch von\nunten bis oben neu bekleidet v/erden, und zwar\ntailor-made. Ich wüßte nicht, warum auf diese Mit-\nteilung sonst gerade in einer Schneiderzeitung\nWert gelegt wird. Im Besonderen beschäftigt\nsich Herr Oskar A. H. Schmitz mit dem deut-\nschen Gruß. Fr widmet ihm einen Essay:\nEs geht augenblicklich eine Bewegung durch\ndie deutschen Lande, die die Absicht hat, einen\nTeufel durch Beelzebub auszutreiben. Es sieht\nso aus, als ob es sich um eine Bagatelle dreht,\naber in Wirklichkeit handelt es sich um das An-\nsehen der Deutschen im Ausland, Darum sei\nes erlaubt, bei einer so winzig erscheinenden\nAngelegenheit einige Augenblicke zu verweilen.\nEs handelt sich wirklich um eine Bewegung:\nnämlich um das Hutabnehmen, das ein Teil der\nDeutschen reformieren will, während ein anderer\nTeil der Deutschen wenigstens in dieser Angele-\ngenheit international empfindet. International\nnämlich macht man nach Herrn Schmitz die\nSache so:\nLeute von gleichem Alter nehmen danach\nvor einander den Hut überhaupt nicht ab; vor\nDamen, erheblich älteren Personen und Vorge-\nsetzten, wozu man für Schüler die Lehrer rech-\nnen muß, wird der Hut gelüftet (oder ein wenig\ngehoben). Tief abgenommen wird er nur vor\nregierenden Fürsten und deren Damen. Dies ist\ndas ganze Geheimnis."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "805", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2893, "texte": "Da hätten wir das ganze internationate Ge-\nheimnis. Hoffen wir nur, daß die rote Internatio-\nnale dem Herrn Schmitz keinen Strich durch den\nvorletzten Satz macht. Sonst müßte er sich der\nMühe unterziehen, ein neues Brevier herauszu-\ngeben.\nEndlich möchte ich die Leser des Sturms da-\nrauf aufmerksam machen, daß nicht nur der Schnei-\nder, sondern auch die Schneiderzeitung einen\nBriefkasten besitzt, durch den merkwürdiger-\nweise „Anfragen irgend welcher Art bereit-\nwilligst erledigt werden\". Man kann sich\nauf die Erledigung verlassen, denn kein Ge-\nringerer als Herr Edmund Edel erteilt Rat in\nschwierigen Fällen. Zum Beispiel über Krawat-\nten: „Wer nicht selbst einen ausgesprochenen\nFarbensinn hat, sollte die Wahl seinem Chemisier\nüberlassen, dessen geübtes Auge sicherlich das\nRichtige finden wird. Vielleicht senden Sie uns\neinmal ein paar Proben Ihrer Anzugstoffe\". Ja, der\nHerr Edel ist vielseitig. Einem Gutsbesitzer gibt\ner auch guten Rat: „Wenn Sie einen Besuch\nmachen, sollten Sie unbedingt ein weißes\nOberhemd tragen\". Herr Edel versteht sich eben\nauf Mondainität. Einem Herrn in Oldenburg, der\nsich verzweifelt an ihn wendet, antwortet er mit\nimponierender Sicherheit: „Der Frack soll über-\nhaupt nicht am Tage getragen werden\". Zum\nSchluß siegt aber der Revolutionär Edel über den\nmondainen Kosmopoliten:\nWir können es dem Sommer 1911 danken,\ndaß er ein bißchen Bewegung in die festen For-\nmen unserer Männerkleidung gebracht hat. Daß\ner die dummen Vorurteile beseitigte und uns den\nStehkragen weich geschwitzt und die\nWeste ausgezogen hat. Ja, daß er uns er-\nlaubte. in Damengesellschaft sogar in Hemd-\närmeln zu erscheinen.\nEin Glück, daß die deutschen Dichter sich in\nder Schneiderzeitung einmal selbst ausziehen.\nVielleicht merkt dadurch das deutsche Volk, das\nsie lieben, doch endlich einmal die schäbige\nEleganz.\nIn seinem Geist\nDas Literarische Echo widmet seinem Grün-\nder, Herrn Josef Ettlinger, den üblichen tiefgefühl-\nten Nachruf und verspricht, daß die Zeitschrift in\nseinem Geiste weiter geleitet werden solle. Man\nbraucht also dieses Organ auch fernerhin\nnicht zu lesen.\nBekenntnisse\nDas Deutsche Theater läßt in seinen „Blät-\ntern'1 von seinem Dramaturgen Artur Kahane eine\n„Nänie\" über das deutsche Lustspiel weinen:\nGesellschaftliche Kultur gedeiht nicht in\nWinkeln: sie braucht einen Mittelpunkt, ein\ngesetzgebendes, maßgebendes Zentrum, das ent-\nscheidet. Hier ist das Zentrum noch zu jung,\nzu ungelenk. Noch fehlt ihm jede Verfeinerung,\nDifferenzierung und A b Schattierung, das Talent\nzur Nuance. Noch fehlen ihm Takt und Ge-\nschmack. Und das Recht, Geschmack für über-\nflüssig zu halten, hat nur, wer selbst Geschmack\nha t. Noch fehlt hier das angeborene, ererbte,\nsichere Gefühl von dem, was erlaubt und nicht\nerlaubt ist, von dem, was möglich und nicht\nmöglich ist. Dort aber, wo alles möglich ist,\nist nichts wirklich.\nBekenntnisse, vaschteste!\nTrust"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "805", "page_fin": "806", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.4", "titre_corps": "Verstellung", "titre_sommaire": "Verstellung", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "805", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.3", "debut_caractere": 2895, "fin_caractere_exclue": 10470, "texte": "Verstellung\nVon Mynona\nVon Terr, ein Mensch, der sich, er wußte\nselbst nicht, wie lange, seines Todes erfreute, hatte\ndas gespenstische Spuken, das bekanntlich Gestor-\nbenen selten erspart zu werden pflegt, redlich satt.\nUeber das Wiedergeborenwerden dachte er viel\nzu skeptisch, als daß er Anstalten dazu getroffen\nhätte. Auch war es, selbst wenn es glückte, mit\nviel zu vielen Beschwerden für Mutter und Kind\nverbunden. Von Terr zog es vor, sich so kräftig\nwie möglich zu verstellen und durchaus den An-\nschein des blühendsten Jünglings zu geben. „Da\ndas Menschenleben,\" meinte er ziemlich griesgrä-\nmig, „so wie so eine Tartüfferie zu sein scheint —\nwarum sollte ein toter Herr nicht den echtesten\nTartüff des Lebens vorstellen können?\"\nVon Terr ging die lange Allee hinaus, die nach\nder Stadt führte. Das hagere, unfrohe Skelett, das\ner war, bewegte sich knöchern und blechern über\ndie Erde, und die Morgensonne skizzierte die spin-\nnenartige Arabeske seines Schattens auf die von\nPferdespuren verunglimpfte Chaussee. Gar man-\ncher Bauer sah ihm verwundert nach, auch ver-\nfehlte kein Tier, seine Haare ziemlich zu sträuben.\nAber die energische Selbstverständlichkeit, mit der\nhier eine tote Parodoxie wie eine lebendige Trivi-\nalität daherschritt, hypnotiserte Bauern und Tiere\ndermaßen, daß Terr sich der Unauffälligkeit seiner\nErscheinung gemächlich erfreute. „Der Tod\",\nschnatterte er gräßlich laut mit seinen Schädelkie-\nfern, „bedarf gar keines besonderen Uebermaßes\nvon Verstellung, um im Leben als Leben zu er-\nscheinen. Fast fragt er sich: bin ich wirklich tot?\"\nErst zwei weibliche Wesen , offenbar Mutter und\nKind, blieben als sie seiner ansichtig wurden, wie\nvom Donner gerührt stehen. Das Weib jedes Jahr-\ngangs hat kolossale Instinkte, Leben und Tod zu\nunterscheiden — und hier witterte es, trotz der\nrasselndsten Lebendigkeit, den Tod. Von Terr sah\nnicht so bald sein Inkognito gelüftet, als er die Not-\nwendigkeit fühlte, sich besser zu verstellen. An-\nstatt eines Skelettes stand also jetzt ein charman-\nter Stadtherr vor den Erschrockenen, ordentlich\nzivil gekleidet, faßte an die Hutkrempe und fragte\nhöflich, wie weit es noch nach der Stadt wäre. Das\nkleine Mädchen schlug, während die Mutter ver-\ndutzt dastand, heftig nach der fein behandschuhten\nTotenhand und schrie: „Mutter, komm weiter, der\ntut nur so, das ist ein Schelm, der ist gar nicht\nrichtig.\" Die Mutter, ein dralles hübsches Land-\nweib, verwies das dem Kinde, gab dem Fremden\nmit ängstlicher Stimme Auskunft und nahm dan-\nkend die kleine Münze in Empfang, die von Terr\nihr bot. „Es ist unglaublich\", sagte Terr weiter-\npromenierend, „wie Kinder jede Verstellung zu\ndurchschauen wissen; glücklicher Weise gibt es\nkeine reinen Kinder; sonst könnte ich nur grade\nwieder weiter verwesen — und was man auch\nsagen möge: tots e i n langweilt!\" Bekannt-\nlich braucht ein Toter, der sich verstellen will,\nvermöge der intensiven suggestiven Illusionskraft,\ndie er ausübt, keinerlei äußeren Behelf; sondern\neben bloß die allerdings recht anstrengende und-\nerschöpfende Fähigkeit der Verstellung. Der Tote\nzum Beispiel kann dir, wenn du Kellner bist, sein\nTrinkgeld von 0,0 so treuherzig massiv in die\nHand drücken, daß du schwörst, es seien allermin-\ndestens fünfzig Pfennig. Das bleibt natürlich indi-\nviduell : der tote Goethe täuscht stichhaltiger als\nder tote Kulike. Von Terr mietete sich in der\nResidenz eine elegant möblierte Etage und ging\nauf Abenteuer aus, die alle durch seine Unbeson-\nnenheit und Zerstreutheit geschmacklos endeten.\nIn dem Bestreben, seinen Tod zu vergessen, tat\ner oft des Guten zu viel, bis er zur Unzeit und\nzum nicht geringen Befremden der Lebendigen\nskelettartige Intermezzi spielte. Zu spuken, zu\ngespenstern ist für Tote freilich Kinderspiel, fällt\naber auch so schwach aus, daß fast kein Lebender\n•\nwas davon merkt; und merkt Einer was, zum Bei-\nspiel die Amme Lehmann oder das Pferd Sirius, so\nglauben es ihm wieder bloß Ammen und Pferde.\nDas ist ja die Tragödie des Wunderbaren, daß es\nvom Gewöhnlichen ersehnt, aber nie erlebt wer-\nden kann! Um von ihm erlebt zu werden, muß\nes ihm gleichen, aber dadurch wird es unauffällig.\nDas bischen Stutzen der Ammen und Pferde\nkann Gespenster nicht über den Stumpfsinn der\nAllermeisten trösten. Daher eben strengen mo-\nderne Gespenster sich viel mehr an — bis zur\nvölligen Mimicry und UnUnterscheidbarkeit vom\nLeben. Ja, es gibt einen äußerst merkwürdigen\nAusspruch eines Gespenstes, das wegen dieser In-\ndiskretion seine ganze Beliebtheit bei den Kom-\nmilitonen eingebüßt hat. Es ließ nämlich durch-\nblicken, daß man unfreiwillig bis zur greifbaren\nIllusion spuken könne; und daß vielleicht —\n(man lächle ob dieses diplomatischen\n— also daß vielleicht alle tot wären, weil sie\nes würden!! Es ist nichts peinlicher, als wenn\nTote aus der Schule plaudern. — Der allerböseste\nStreich von Terrs war, daß er ein argloses Mäd-\nchen in sich verliebt zu machen verstand, bis es\nihm blindlings in seine bei etage folgte. Liebe ist\nbekanntlich für tote Leute der feinste Lecker-\nbissen. Sie haben Kreuze gern, Kränze gern, Ge-\nbetlein gern; überhaupt alle Gräber-Annehmlich-«\nkeiten, welche die Lebendigen ihnen gönnen — aber\nvon Terr gehörte zu den anspruchsvollen Toten,\ndie ein echtes Purioso der Liebe verlangen, und\nso freute er sich, daß Fräulein Pietsch ihm be-\nvorstand. Er nahm sie also mit sich, und wie\nverstellte Kadaver nun mal sind, überbot er sich\ndermaßen in Galanterien, daß er sich im Vorsaal\nbereits wieder Skelett werden fühlte: gibt es zur\nLiebe etwas Ungeeigneteres als ein Knochengerüst?\nAber die Liebe tut ja Wunder, bis in das Rück-\ngrat hinein — wie hätte sie nicht hier, wo sie es so\nleicht hatte, eins zeitigen sollen! Die Pietsch rühmte\nHerrn von Darrs feste Gebeine, ihr war aber\nnicht allzu wohl dabei. Endlich riet sie ihm, sich\nbesser zu pflegen, sie empfahl ihm eine Mastkur;\nsie war der ahnungsloseste Engel, in Armen\nruhend, die sich merklich verknöcherten. Da\nseufzte von Terr auf und lispelte ihr ins Ohr:\n„Ist nicht ein Skelett das wahre Filigran der\nZärtlichkeit? Ist nicht die Plastik das hemmendste\nHindernis der Vereinigung? Entzückend ist der\nKuß zweier Schädel ohne diese garstige Einschal-\ntung der widerlich fleischernen Lippen. Ach, mein\nKind, diese Maske aus rinnendem und geronnenem\nBlut von den Knochen werfen zu können — ist\ndas nicht der Triumph der Liebe? Tod ist nackte\nWollust!\" Während er so dozierte, wo er ent-\nschieden der Pietsch anders hätte dienen sollen,\ntat er mehr und mehr, was er sagte: man stelle\nsich gefälligst die Gefühle der Pietsch vor, als sie\nsich die Braut eines Gerippes erkennen mußte —!\nSie stieß ... das heißt sie wollte einen jener ent-\nsetzlichen Schreie ausstoßen, wie er kunstgerecht\nvon enttäuschten Jungfrauen fabriziert zu werden\npflegt; aber erstlich erstickte ihr die Stimme in\nder Kehle, sodann gab ihr Entsetzen dem Heuch-\nler neue Verstellungskräfte, und ihr ganz passabler\nschlanker Kavalier von vorhin fragte, was ihr sei,\nund verbat sich energisch alle Hysterie. Die\nPietsch erholte sich mühsam, sie seufzte und\nsprach etwas von Alpdruck und dergleichen.\n„Was reden Sie auch für törichtes Zeug,\" schalt\nsie mit schüchterner Schelmerei, „ich bin so wahn-\nsinnig suggestibel, ich sah Sie wahrhaftig einen\nAugenblick lang als Schädel — puhhh!\"\n„Na? Und das hätte Sie wohl gestört? Wie?\"\nerkundigte sich von Terr malitiös genug, und mit\ndem Mut zur furchtbarsten Deutlichkeit vollzog\ner blitzschnell die praktische Osteologie, um sofort\nwieder der hagere Amoroso zu sein. Jetzt hatte\ndie Pietsch gar keine Zeit gehabt, sich sonderlich"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "806", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1553, "texte": "zu entsetzen, sie war dermaßen — wie sagt\nman? — paff, daß sie regungslos erstarrte, und\nzwar in der komischsten Pose von der Welt, mit\nzum Kuß gespitzten Lippen, dabei lauter Grausen\nin den Mienen. Von Terr gab sich weiter keine\nMühe mit ihr und sich, er lüftete permanent sein\nbeinernes Inkognito, erfaßte ihre Hand und\nröchelte klappernd:\n„Schau ich nicht Aug in Auge dir?\n„Und drängt nicht alles nach Herz und\nBusen dir?\n„Und webt, in ewigem Geheimnis, unsichtbar,\nsichtbar neben dir?\"\nDa gab das Herz der Pietsch die zurückgetre-\ntenen Blutwellen langsam zurück, das brennende\nRot weiblicher Empörung drang* in ihre Kreide-\nwangen :\n„Ich bin das Opfer eines Elenden geworden,\"\nzeterte sie halbohnmächtig. In leichtestem Kos-\ntüm begab sie sich zu ihrer Mama zurück.\nSchweigsam ging sie ihren Pflichten nach. Selbst\nMama erhielt auf tausende leicht begreiflicher Fra-\ngen -keine Antwort, und von Terr wären alle Un-\nannehmlichkeiten erspart geblieben — wenn nicht\n. . . wenn die Pietsch nicht nach knapp drei-\nviertel Jahren einem kleinen Tode das Leben ge-\ngeben hätte, der vom Vater ganz gewiß min-\ndestens die Natur hatte! Ja, da brach sie ihr\nrätselhaftes Schweigen, und von Terr auf Alimen-\ntierung verklagt, zuckte reuig seine anspruchslosen\nAxeln; es floß auch ein bißchen Rhetorik über\nseise dürren Kiefern:\n„So rächt sich jede Ehrlichkeit in der Liebe\nund im Leben; jede Minute, wo man sich kein\nFleisch auf die Knochen lügt, jede Nacktheit wird\nsofort mit dem Tode gebüßt, und gerade das un-\nverstellteste Leben ist ein totgeborenes Kind.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "806", "page_fin": "806", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.5", "titre_corps": "Meiner Schwester dieses Lied", "titre_sommaire": "Meiner Schwester dieses Lied", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "806", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.4", "debut_caractere": 1555, "fin_caractere_exclue": 1908, "texte": "Meiner Schwester\ndieses Lied\nElse Lasker-Schüler\nMein Herz liegt in einem Epheukrauz.\nIch habe das Wunder gesehn\nDaran man stirbt.\nFern verglomm Todesleuchten\nIn ihren schönen Augen.\nDie waren zwei Sternbilder,\nIn die Kinder blickten.\nGott, wie schwarz die Nacht war!\nKeine Sonne vermag mehr\nEin Lächeln zu finden\nIn meinem Angesicht.\nSie ist im Himmel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "806", "page_fin": "807", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.6", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang : Roman", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang : Roman", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "806", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.4", "debut_caractere": 1910, "fin_caractere_exclue": 9196, "texte": "Der schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nSeine Finger streckten sich in die Luft und\nsehnten sich nach Berühren und Gleiten über\nWeiches, Schmelzendes; seine Haut träumte von\nWärme; über die gekrümmten Kniee strömte\nund spukte die Lust hin sich zu schließen, zu um-\nschließen, und Brust und Lippen drängten sich\ngegen die Kissen seines Bettes, gegen einen\nschlanken Baum, oder schmachteten verloren zu\nden schimmernden Himmelswolken auf.\nManchmal, wenn die Sonne stark schien, oder\nbei einem warmen regnerischen Wetter, wo die\nLuft voll schweren, niederdrückenden Dunstes\nstand, lächelten schwarze Kobolde in ihm, erst ver-\nschwiegen, dann flüsterten, riefen sie, so daß alles\nzu horchen anfing, und brüllten und schüttelten die\nZottelhaare: „Hailoh, ihr Schloßhunde!\" Johan-\nnes lief auf die Straße, versteckte sich, ballte\nzornig die Fäuste. —\n*\nWie die Gewebe, ehe eine Krankheit oder Ge-\nsundheit den Körper überrumpelt, sich in Schwäche\noder Stärke vorbereiten, ihr Geschick zu empfan-\ngen, so die Triebe.\nDie Zufälle wirbeln und reiten durch alle Welt\nund sind an jedem Orte.\nWer will, kann sie hallten, auf der Straße, auf\nden Feldern, im Zimmer, liegend, stehend, fahrend.\nAber die Triebe müssen wachsen und ihrem\nZufall entgegen reifen, ehe sie sich an ihm mästen\nund verrecken.\n*\nAls Johannes unter behaglichen Summen durch\ndie Vorstadt schlenderte, sah er an einem Garten,\nvor einem dürftigen, einstöckigen Hause, ganz nahe\nan dem grüngestrichenen Holzgitter eine junge,\nblonde, stumpfnasige Frau, die ihr winziges Kind-\nchen auf den Schoß legte und mit halboffenem\nBusen saß. Sie starrte den großen Burschen, der\nstehen blieb, ruhig aus wasserblauen Augen an.\nIn Johannes war bei dem Anblick der vollen,\nstrotzenden Brüste eine Stichflamme aufgeschla-\ngen. Die blendete ihn, so daß er stehen blieb\nund den Atem anhielt. Sein Atem flog, als er\nwieder ging, trabte, hastvoll lief; er war fassungs-\nlos nach dem heißen Schreck; wußte nicht, warum,\nund was ihm geschehen sei.\nIhm war der schöne Weibesschmuck nicht\nunbekannt. Die Erregung flaute erst während des\nLaufens ab und ließ Platz für Besinnung, während-\ndessen er oft, ohne es zu merken, stehen blieb, ging\nund schneller eilte. Er tastete einen Zusammen-\nhang, als ihm beim Laufen über die Gartenanlagen\nplötzlich seine erste, starke, süße Erschütterung\neinfiel, die ihn laufen gemacht hatte, die er mit ei-\nnem Erschrecken der jetzigen verglich.\nBlitzschnell begriff er alles, als er das reckende\nVerlangen seiner Arme und seiner Brust, das Drän-\ngen seines Schoßes nach der jungen Bauersfrau\nfühlte. Seine Gedanken überstürzten sich immer\nmehr. Vollkommen verdüstert schloß er sich zu\nHause ein.\n*\nMit einem Schlage hatte er auf lange Wochen\ndie Besinnung verloren. Das Geheimnis war auf-\ngedeckt. Jetzt verstand er, wohin die Unruhe\nnes Leibes und seiner Seele drängte; und dieses\nWohin stand riesengroß vor seinen Sinnen, einge-\nhüllt in den purpurnen und violetten Mantel jener\nwonnigen Entsetzen. Ach, die zarten, wie hatte\ner sie mißverstanden! Alle seine Gedanken\nschwammen rettungslos nach dem einen Ziel und\nüberströmten, bezwangen, bewältigten den Wehr-\nlosen, daß er in seinem Hause lautweinend vor\nOhnmacht, Sehnsucht und Verzweiflung in die\nKniee sank: unwiderstehlich hailohten durch ihn\ndie zottigen Kobolde. Wieder ergriff ihn ein Fie-\nber: in halber Ohnmacht ging er umher und sein\nKörper spannte, krampfte, schüttelte sich. Um sich\nzu beruhigen floh er bald unter die Menschen, bald\nvor den Frauen in die Stille, fiel in das alte dumpf-\nheiße Brüten zurück, aus dem er sich erschreckt\nund mit blitzefiden Augen erhob.\nEr lief auf die Gassen und Straßen vor sich\nfort, mit gekrampften Kiefern, halb wahnsinnig,\nzum Weinen erregt und aufgewühlt, wie zum\nSprung bereit; manchmal mit finsterer, mordent-\nschlossener Stirn und pfeifenden, zischenden Vor-'\nsichherflüstern, versteckt musternden Augen, greif-\nfrohen Händen. Zu Hause biß und küßte er seine\nWicken; jetzt stieß er seinen Freund zurück, rang\ndie Hände über seine große Verlassenheit: Ja in\nmanchen hingeworfenen Stunden, die zu schwer\nvon Düsterkeit troffen, beschloß er, sich unter bren-\nnenden langsamen Qualen verrosten zu lassen.\nWenn er hilflos an Schönheit dachte, so taste-\nten seine Augen Weibesbrüste. Und dann nichts\nals Ohnmacht und Elend.\n*\nUnter dem Leiden bog sich sein Begehren zu\neinem Recht um, das man ihm versagte, und in dein\nHilflosen stieg Haß und eine verschleierte Bitter-\nkeit auf, die die Augen starr und das Herz kalt und\nstül machte. Eine dunkle Verschlossenheit zog\nüber sein Wesen, die nicht mehr wich, etwas Kal-\ntes, Zurückweisendes, ja Höhnisches, das die über-\nzarte Verletzlichkeit seiner Seele verdeckte.\nUnermüdlich kreisten in seinem Innern Geier\nüber dem Leichenfelde seiner Erinnerungen. Das\nWunder der Geschlechtlichkeit war es, das Johan-\nnes nicht losließ. Er konnte es nicht fassen,\ndaß der Mensch nicht satt in sich selbst ruhe, zu\nMann und Weib zersplittert, ewig über die eignen\nGrenzen gedrängt, an fremdes lebendiges getrie-\nben. Das Kainszeichen der Geschlechtlichkeit trägt\njeder: unstät und flüchtig sollst du sein, du sollst\n— lieben.\nEs ist, als wollte sich das Leben, das sich erst\ngeschlossen in das Freie, Breite, unbegrenzt Wo-\ngende von Luft, Feuer, Waser ergießt, nur schma-\nler und eng einschnüren und auseinander würgen\nzu starrer Zweiheit, um sich heißer zu verbei-\nßen, sich aufs wildeste zu packen.\nDas Einzelne bleibt nicht ruhig in sich selbst;\nes taumelt und darf nicht stolz sein, kommt zu sich,\nindem es zum andern kommt, gewinnt sich erst im •\nandern, das Bruchstück, das Wertlose. Wir sind\ngebunden, verloren und verraten eins ans andere.\nOh, wie verstand er das Wort, daß der Mensch\nnicht allein sein solle; oh, wie verstand er, daß es\ndas Wort eines mitleidlosen, menschenstolzhassen-\nden Gottes war.\nEr verdeckte sich, die Qua! solchen Niederge-\nworfenseins, und entrann der Strenge ihres Blickes\nund den Krallen ihrer Hände.\nJe mehr sich das Aufheulen seiner Begierde\nheiser hinschwieg und er die Gewohnheiten seiner\nStille wiederfand, umso befremdlicher erschien ihm\nbald dieser Schrei, den noch das gute Ge-\ndächtnis seines Ohrs festhielt. Es schien ihm, als\nhätte er sich durch Träumereien kinderhaft er-\nschreckt aus seinem Hinleben aufscheuchen lassen.\nEin Nachgefühl kam dem unsicher tappenden zu\nHilfe: er war seinen Träumereien durch einige Zeit\nnachgelaufen, ohne sie einzuholen; bald hatte er sie\naber Schritt für Schritt kennen gelernt, war mit\nden erst fremden, bunt erstaunlichen vertraut ge-\nworden; — die Niederlage der ersten Wettläüfe\nhatte sein Stolz bald überschattet, und so dachte er:\nSie kamen seine Verlassenheit und Langeweile\nzu unterhalten und zu belustigen mit ihren Sprün-\ngen, komischen Verrenkungen, himmelhohen Auf-\nschnellen auf Gummigliedern, mit ihren Zungen-\nschleudern und Kindertränen.\nEigentlich spielte er mit ihnen, in dem Frohge-\nfühl, ein seltsames, erlesenes Spielzeug zu besitzen,\nEr willigte ein, daß sie erschienen; bald konnten\nsie auch ruhen; ja er beschwor diese Schatten her-\nauf, diese schwärmenden Gespenster, koste und\ntanzte mit ihnen, bis sie einschliefen. Spöttisch\nnante er sich Faust, den Herrn der Geister, und\nverschrieb sich Geisterstunden gegen üble Laune.\nEr selbst war im Innern unbewölkt und teil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "807", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.5", "debut_caractere": 48, "fin_caractere_exclue": 1841, "texte": "nahmslos, und begriff nicht, wie Menschen unglück-\nlich werden können, die doch ihres Willens und\nihrer Sinne mächtig wären. — Jetzt nun meinte er,\nunter dem Nachwirken dieses Freiheitsgefühls,\nseine Herrschaft über die Mächte, die in seiner\nEinsamkeit spielten, einen kurzen Augenblick ver-\nloren zu haben, als er ihr Spiel zu toll werden dul-\ndete; sie hatten ihn fortgerissen und unziemliche\nGewalt über ihn geübt. Er mußte sie wieder\nzähmen.\n*\nNun aber begann das immer erneute Schwan-\nken, das Auf und Ab zwischen ausbrechendem Lan-\ngen, Bezwingen, Mißtrauen, Verachtung und Kälte,\ndas unausgesetzte Durchstürzen von Willen und\nWillen ihn ganz zu verderben. Ratlos stand er vor\ndem zitternden Drängen, das ihn sich selbst ent-\nfremdete, wünschte ein Ende.\nEr faßte einen Widerwillen gegen den Schwer-\ntertanz seines Daseins. Das sinnlose Hin und Her\nlähmte ihn, füllte ihn mit Haß gegen seine Ohn-\nmacht, die es nicht wenden konnte.\nDie Schwäche seines Gedankenwillens erfuhr\ner, als er vergeblich mit ihm den Willen seiner Be-\ngierde zu zähmen suchte; er ließ es nun gehen. S%\naber rettete er sich. Er zog sich auf den kühlen\nHohn vor der machtvollen Unvernunft zurück. Der\nBoden seiner Seele wogte und schwang immer-\nwährend unter den Schritten der unheimlichen!\nMächte; schon lechzte ihr heißer Blick, schlug ihr\nAtem mit Stöhnen, Angst und Qier in seine Träume,\nWangen und grauen Augen. Der Herrscher des\nbedrahten Landes lag am Boden, spottete des\nZiehens und Rollens, unter dem sich die Erde zu\nöffnen schien, nun nach ihm zu schnappen und ihn\nherunter zu würgen.\nOft geschah sogar, daß einsam stolz, mit ver-\nächtlichem Mitleid lächelte, der eben noch ge-\nweint hatte. Ott fühlte er sich ähnlich einem\nmächtigen Herrscher, der sich auf weißen Wein\nversessen hatte. Auf weißen Wein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "807", "page_fin": "807", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.7", "titre_corps": "E. L. Kirchner Akrobaten / Originalholzschnitl", "titre_sommaire": "E. L. 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Auch die Bleibenden sitzen\nnicht still,\nbiegen und wiegen sich in dem seltsamen\nHimmel.\nVorwärtsbeugen und Rücklehnen,\nerregtes Sprechen und müdes Gähnen.\nViele Gesichter, von Nachtluft bleich,\nmüde Blicke und Augen ganz schrill,\nHände, aus denen kranke Begierden sehen,\nHaare, in denen Kaffeedunst sich fing.\nDazwischen das Eilen befrackter Kellner.\nWeich und biegsam ist ihr Gang.\nUeber allem stehen\nbraune Schatten von Müdigkeit,\ndie zaghaft von Tisch zu Tisch,\nvom Kommen zum Gehen sich reiht.\nDoch der Geigen Gekling,\nihr girrender Walzergesang,\nan Sehnsuch und Sinnlichkeit reich,\nwill alles Müde fortwehen.\nDas schwillt und schmeichelt um jedes Ding,\nsingt die kleinen Augen wieder weit,\nküßt die müden Sinne frisch,\nstreichelt die Wogen von Worteklang,\nschwimmt durch sie hin, ein Fisch,\nkost den Raum.\nViele Stimmen, die wechselnd erklingen,\nhoch und tief, weich und rauh.\nManche wagt zag sich kaum hervor,\nmanche will über allen springen.\nKnappes Befehlen, liebliches Einsingen.\nDie runde Stimme einer schönen Frau.\nDas Schurren langsam rutschender Tritte.\nManchmal ein Rascheln seidener Unterröcke\nund gedämpftes Stampfen der Stöcke.\nKlappern und Krellen von Tassen, Gläsern,\nTellern und Löffeln, das wie an dünnem Tau\nvon Platz zu Platz sich schwingt. Und der\nganze Chor\nist voll von zitternder Nervosität,\nals litte er unter der aufpeitschenden Luft,\ndie aus seiner eigenen Mitte\nsich aufschwingt und alles erfüllt.\nSoviel Menschen sich in dem Zauber baden,\nsoviel Welten hält er umschlossen.\nAlle Freuden und Leiden sind da.\nWarten aufs Glück und Genießen,\nMüdigkeit vor der Liebe,\nUeberdruß an der Freude,\nvon Liebe und Leidenschaft überschiessen,\nfeine Züge, dem Geist ganz nah,\nAugen von Sinnlichkeit Überflossen,\nmatt und kraflos hängende Wangen,\nHände mit Leidenschaft übergössen.\nViele Paare,\nalle Gestalten der Liebe in den Blicken.\nBewunderung, Langweile, tastendes Prüfen,\ngieriges Entkleiden bis auf den nackten Leib,\nSchauder und Abscheu, Fliehen, Fangen.\nUnd das Wort,\nlaut gelacht oder kaum gesprochen,\nfrech, lustig, klagend, bittend, herrschsuchtstoll,\nmuß das Band von einem zum andern schließen.\nHüte, Stöcke, Schlipse, und Kragen,\nStiefel und Stiefelchen. Lustiger Zeitvertreib\nalles im Schauen einzufangen,\ndie Farben und Linien. Kleine Füßchen\nin Strümpfen von durchbrochener Seide\nund engen Schuhen mit den Blicken zu streicheln,\nEine blonde Frau tritt herein.\nWie ein Ruck eine knappe Stille.\nAlle Blicke drehn sich ihn zu,\nEin großer Hut auf blonden Wellen.\nKein Duft mehr im Raum, als Sinnenwille.\nSie sinkt in einen Stuhl.\nIm Nu sind die Kellner um sie. Das mattrosane\nKleid\nläßt dem Suchen einen gelben Halbschuh,\nden schmalen Knöchel\nund vom Bein eine feste Linie in durchsichtigen\nrosa Geweben.\nEs zeichnet die Schenkel und schmiegt sich fein\nund stramm um sie,\nals wollt es die Zeit auskosten, sie zu um-\nschlingen.\nDer Fuß schwippt in erregendem Schweben.\nAus großen blauen Augen\nbebt ein Begehren und hüllt alle ein.\nDas Jacket zeigt verhüllend eine Schulter,\nBrüste,\nDraus wächst ein weißer Hals voll schöner Ruh.\nDie nackten Arme schwellen von jungem\nFleisch.\nDie Hände weich und weiß und klein,\nliegen lässig.\nDer breite Mund öffnet sich zum Lachen,\nstarke Zähne, schneeweiße,\nUnd über der Weiße die gierigen Lippen,\nrot wie das Blut französischer Reben.\nSie steht auf mit graziösem Biegen,\ndehnt ihren Körper und läßt den Raum.\nNachtblick auf die Binnenalster\nDer Himmel hängt sternlos, schmutzig-schwarz,\nein dunkles Nichts,\nüber dem steinummauerten, viereckigen Fluß-\nbecken.\nVon der graden steinernen Brücke\nlaufen scharf am Wasser lichtüberpunktete\nStraßen\nsenkrecht zu dem queren, breiten Fahrdamm\nvoll Lichts.\nDie weißen Bogenlampen schmieden drauf eine\nhelle Fläche empor.\nKaum sieht das Auge,\nwie Nebel in die fliehenden Straßen dahinter\ndie Arme recken.\nViel bunte Lichter treiben ins Dunkel, das\nsie hassen.\nmanche helle Lücke.\nDas Wasser schwillt um die Pfeiler, plätschernd\nklatschend sprichts zum Wind,\nder fast entschlafen ist, müd von des Tages\nNecken.\nDicht bei der Brücke regt es runde Falten,\nan die sich kleine, dunkle Streiten passen,\nein weiches Biegen, Dehnen und Strecken,\nin schwachen, dunkelvioletten Schein getaucht.\nWeiter fort nur noch ein schwarzes Gekräusel\nund dann Glätte, so wie Quecksilber auf Glas,\nDas ist nicht Wasser mehr, was da kaum\nmerklich sich baucht\nDa liegen auf dem Wasser lichterne Decken,\ndünn, wie Silberpapier.\nPoliertes Biet, fast silberhell,\nvon warmem Atem überhaucht,\nscheint so, wie hier sich immer neue Qarben\nLichtstreifen übers Wasser schieben zu lassen,\nManchmal ein rötlich blauer Ton\nund wie von sonnenausgesogner Seide, weiß-\nlich blaue Stücke.\nZwischen die lichten Flächen drängen sich\ndunkeln Gesichts\ndie, deren Töne im Schwarz erstarben.\nDort von rechts iiber's ganze W'asser bin\ndrückt sich ein breiter, trüber, roter Fluß,\ndaneben noch einer, schmaler, voll trüber Tücke;\nbeide so voll fast, wie Mohn,\nnur daß Nebel drüben säumen.\nDie stumpfen das Grell\nund trüben's mit grauem Gruß.\nEinsame Dampfer ziehn zwei schwarze Striche\nhinter sich,\ngleiten, Lichtbündel, über dem Spiegel.\nAm Bug das blutrote und grüne Siegel der\nLichter,\nein hellgelber Streifen vor ihnen her.\nUnd alle Farben leicht bewegt\nvon dem träumenden Wind,\ndessen zitternder Fuß das Wasser leise regt.\nOh, dieser seltsame Glanz,\nDie lichten Farbenstreifen,\nganz still und glatt an einander gereiht.\nIn allen der seltsame Schein.\nAlle vereint durch die leichte Nebetschicht.\nVerzaubert bin ich im Bann des trübklaren\nLichte.\nIn meine ganze Seele bricht's,\ngegen das Dunkel sieghaft ficht's,\ndrängt hinaus das schmutzig-schwarze, dunkle"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "808", "page_fin": "808", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.9", "titre_corps": "Ausstellung Zeitschrift Der Sturm", "titre_sommaire": "Ausstellung Zeitschrift Der Sturm", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "808", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.6", "debut_caractere": 6697, "fin_caractere_exclue": 6987, "texte": "Ausstellung\nZeitschrift Der Sturm\nDer blaue Reiter\nFranz Flaum\nOskar Kokoschka\nExpressionisten\nTiergartenstraße 34 a\nEröffnung am 12. März, mittags 2 Uhr\nDie Ausstellung ist täglich von\n10 bis 5 Uhr (auch Sonntags) geöffnet\nKarte 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nSchluß der Ausstellung am 10. 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März, abends 8 Uhr, trägt Rudolf\nB 1 ümn e r Dichtungen von Hans Christian An-\ndersen / Peter Altenberg / Gotthold Ephraim\nLessing / Heinrich von Kleist / Lafontaine /\nPaul Scheerbart vor. 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Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN W IS, Kurfurstendamm 33 :: |\nStandige Ausstellung |\nmoderner Oraphik Illustriert.Katalogu.Prospekte gratis\njjj\n* Ankauf guter Grapfaik &\nEINTRITT FREX u. illustrierter Bucher g\nft"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c020", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "810", "page_fin": "810", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "810", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.8", "debut_caractere": 667, "fin_caractere_exclue": 1079, "texte": "Atelier Hanni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Luise Schmidt nnd Hanni Schwarz\n■- Berlin W 30 Hohenstaufenstrasse 44 111\nFernsprech-Anschlufi: Amt Ltitzow, 9110 :: Fahrstuhl\nGeoffnet: Woebentags von S-6, Sonntags von 10-1 Uhr\nPhotographische Arbeiten jeder Art in\n- kiinstlerischer Ausfiihrung =\n:: Aufrtahmen in natiirlichen Farben ::\nSpezialit&t: Kinderaufnahmen und Aufnahmen\nim eieenen Heim Kurse fur Amateure\n**»"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-09-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-09_01#c021", "volume": "bmtnabg_1912-03-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "810", "page_fin": "810", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "810", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.8", "debut_caractere": 1081, "fin_caractere_exclue": 1510, "texte": "FRITZ STOIPe\nBERLIN W 35\n6enfhiner Strafie 42\nGegrundet im Jahre 1878 Fernsprecher Arnt VI 752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilarten\nKopieti von Rahmen nach alten Meistern in Original-Goldtonungen\nSamtliche Yergolderwaren\nMobel n , Inn en - Architekturen usw.\n.. 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Und da ich dem Neuem stets sym-\npathisch gegenüberstehe, warf mich das neueste\nHeft einfach um. .Aus dem Vereinsleben der bres-\nlauer Dichterschule wird mitgeteilt, daß am 10, Ja-\nnuar Herr Paul Barsch „das Andenken Felix Dahns\nin herzlichen Worten ehrte\". Am 24. Januar ge-\ndachte Paul Barsch „des kürzlich verstorbenen\nehemaligen treuen Vereinsmitgliedes Professor\nAdolf Brieger in Leipzig und knüpfte an die Mit-\nteilung von dessen Tode die Hoffnung, daß hie-\nsige und auswärtige Mitglieder einander mehr als\nbisher nähertreten möchten.\" Im Tode noch gibt\nHerr Paul Barsch die Hoffnung nicht auf, er knüpft\nsie sogar an ihn. Von den lebenden hiesigen und\nauswärtigen Mitgliedern schreibt einer über „Felix\nDahn in memoriam\":\nNun ist er von uns gegangen. Nun hat Bres-\nlau mit ihm einen Bürger verloren, dessen Cha-\nrakterkopf sich aus der Silhouette der Stadt mar-\nkant hervorhob, dessen Name mit der Geschichte\nBreslaus innig verknüpft ist, für jetzt und\nimmerdar.\nMan erfährt ferner, durch ein lyrisches Ge-\ndicht, warum der Charakterkopf sich so markant\naus der Silhouette der Stadt Breslau hervorhob:\nEr trug einen Schlapphut:\nDen Schlapphut auf den silbergrauen Haaren,\nvom Havelock umschmiegt, so sah'n seit Jahren\nwir täglich ihn durch unsere Gassen geh'n;\nin Sinnen schien die Seele wohl versunken,\ndoch aus den Augen sprühten helle F u n ken\nwie Flammen, die auf Feuerbergen steh'n.\nAn alle Herzen schien das Bild zu r ü h re n ,\ndenn selbst wer ihn nicht kannte, möchte spüren,\ndaß diesem einst ein Gott die Schwingen lieh,\ndie Zauberkraft, dem Himmel nah' zu bleiben!\nSo trug er in des Marktes lautes Treiben\nden farb'gen Glanz, den Hauch der Poesie.\nMan fühlt, den Hauch der Poesie hat Felix\nDahn bis in die Zeitschrift Osten getragen. Wie\nkönnte sonst ein hiesiges oder auswärtiges Mit-\nglied der breslauer Dichterschule sich so äußern:\nNun sickert leis deiner lauten Wünsche Loh'n;\ndu schlürftest Vergessen im Rausch meiner\nKüsse,\nWir stehn hohen Mittags zwischen glühen-\ndem Mohn\nUnd heben ins Licht die goldne Schale voll\nreifer Genüsse . .\nWie könnte sonst der Dichter Karl Busse\nsolche reife Poesie in einer Novelle Krischan Els-\nters Heimkehr ausduften:\nIhr Gesicht rötete sich. Sie schloß die\nAugen, öffnete sie wieder; sie waren ganz voll\nLicht. Als wär' das Leuchtein der Steine,\ndie als Brosche gefaßt waren, .in ihre Augen\ngesprungen.\nWie könnte sonst der Theaterkritiker des\nOstens zu solchem Pathos sich erheben, wie in\ndiesem Satz über eine Schauspielerin:\nSo steht Martha Santens Persönlichkeit vor\nuns als Mahnerin an eine von Sieg zu Sieg\ngeeilte Vergangenheit, als Repräsentantin einer\nerfolggekrönten Gegenwart und eine nahe, glanz-\nvolle Zukunft verheißend, von der in Jahren\neinmal Gutes zu sagen sein wird unter der\nUeberschrift: Frau Santen als Helden-\nmu 11 er.\nDie gesamte östliche Intelligenz scheint tat-\nsächlich mit den Dahnaergeschenk fertig zu wer-\nden. Jedenfalls: mein Gefühl war richtig. Ich\nhabe nie an Breslau geglaubt.\nKonfektionsdichter\nEin Schneider in Berlin gibt eine Zeitschrift\nfür Herrenkleidung heraus. Zu ihren ständigen\nMitarbeitern gehören die deutschen Dichter, Kunst-\nkritiker und Lebenskünstler Felix Poppenberg,\nständiger Mitarbeiter der Neuen Rundschau, Ed-\nmund Edel, Oskar A. H, Schmitz, Hans von Kah-\nlenberg und Hanns Heinz Ewers. Es ist natürlich\nnicht das Geringste dagegen zu sagen, daß diese\nDichter für Herrenkleidung ein ausgetragenes In-\nteresse besitzen, und ich wünsche ihnen sogar,\ndaß ihnen ihr Interesse an der Herrenkonfektion\nrecht viel, zum wenigsten aber einen gutsitzenden\nCutaway einträgt. Ich bin aber dagegen, daß sich\nsolche Herren als Künstler, Kunstkritiker oder\nDämoniker benehmen. Das gehört dort nicht zum\nguten Ton. Man darf zwar auch in diesen Beru-\nfen Oberhemden mit festen Kragen und festen Man-\nschetten, Sockenhalter und sogar des Nachts ein\nPyjama tragen, aber man darf sich nicht für diese\nDinge in einer Schneiderzeitung literarisch ein-\nsetzen. Ich habe überhaupt Verdacht gegen die\nEleganz, die betont wird. Wer so mit Musike\ndafür eintritt, dürfte diese Gegenstände, und einige\nandere, erst durch seine literarischen Beziehungen\nzu einer Schneiderfirma kennen gelernt haben. Der\ndämonische Hanns Heinz Ewers hat es gut, er kann\neinfach diese grausige Eigenschaft ablegen, sowie\ner in sein verschnürtes Pyjama schlüpft. Des\nNachts sind nun einmal alle Katzen grau. Das bis-\nchen Schminke geht ab und Herr Fritz Engel, der\nerst neulich tiefgründige Analysen über Strindberg\nun d Hanns Heinz Ewers schrieb, wird erstaunt\nsein, seinen Dichter zwar in Unterhosen, aber mit\nseidenen Socken und Strumpfbändern zu sehen.\nDa dichtet der Dämoniker nämlich so:\nSie also, Frau Helene und ihre gute Freun-\ndin, die Else, seien ausgegangen, um Weihnachts-\neinkäufe zu machen, für ihre Männer. Und die\nElse, die mit einem Architekten verheiratet sei,\nhabe so hübsche Sachen gekauft, schneeweiße\nFaltenhemden, seidene Socken, Strumpfhalter\nund verschnürte Pyjamas. Und da sie doch auch\nihren Mann so lieb habe, so habe sie genau\ndasselbe gekauft — und sie habe es von ihrem\nHaushaltungsgeld bezahlt, an dem sie doch acht\nWochen gespart habe,\nDer Architekt war aber zum Aerger von Hanns\nHeinz Ewers noch nicht so weit. Der „neu-\nmodische Kram44 fand nicht seinen Beifall und der\nDämoniker mußte also folgendes dichten;\nWas aber das Schlimmste sei: gerade als sie\ndas Paket gepackt habe, sei die Else gekommen,\nund die sei mit ihr gegangen. Mit ihr, als sie\ndie schönen Sachen zurückgetragen habe, dann\nauch mit ihr ins Warenhaus, wo sie das kaufen\nmußte, was ihr Mann wünschte. Nachthemden\nin Knielänge, Wollsocken, Vorhemdchen und\nRöllchen. Und gar keine Strumpfbänder: die\nSocken hielten von selbst, hatte ihr Mann ge-\nsagt. Und wenn sie rutschten, möchte es auch\nnicht viel schaden: dann brauchte man sie ja nur\nwieder hochzuziehen.\nDer geneigte Leser ist nun wenigstens über die\nUnterkleidung des Dichters Hanns Heinz Ewers\norientiert. Auch über das Schicksal der bedichte-\nten Personen will ich ihn nicht in Unruhe lassen:\nAber Erfolg hatte man schon. Der Herr\nZollinspektor trägt heute keine Röllchen mehr\nund keine Vorhemdchen. Aber Strumpfhalter\nträgt er dafür und ist ganz stolz, daß seine\nSocken nicht rutschen. Nur mit der Idee des\nPyjamas ist er noch nicht ganz einverstanden —\naber er hat sie schon zur Erwägung gezogen.\nMan kann nicht immer dämonisch sein. In\nseiner Autobiographie stellt der Dichter mit der\nein wandsfreien Unterkleidung seinen Stammbaum\nfest. Er fühlt sich mit E. T. A. Hoffmann und\nEdgar Allan Poe verwandt. Bei Hoffmann dürfte\nes sich um eine Verwechslung des Vornamens\nhandeln (der Herausgeber der Schneiderzeitschrift\nheißt Hermann Hoffmann). Und bei Poe muß\nein Geschlechtsirrtum vorliegen. Herr Ewers be-\nklagt sich in dieser Autobiographie bitter, daß er\nangespieen werde von „meinem deutschen Volk,\ndas ich liebe\". Das deutsche Volk, das er liebt,\nspuckt nicht nur auf die ganze Dämonie, Herr\nEwers muß sich sogar mit ihm über die Unter-\nkleidung auseinandersetzen. Und Künstler, die, es\nist nicht auszudenken, vielleicht rutschende Socken\ntragen, die spucken wieder auf die Dämonie des\nHerrn Ewers. Und so sitzt der Dichter, wenn\nauch im Pyjama, zwischen zwei Stühlen.\nDa lob ich mir die Herren Oskar A. H. Schmitz\nund W. Fred. Aus der Schneiderzeitung erfährt\nman endlich, womit die beiden Herren sich be-\nschäftigen :\nDie Herren Oskar A. H. Schmitz und\nW. Fred beschäftigen sich seit langem mit der\nErgründung der modernen Psyche, dieser kom-\nplizierten dem Wirrwar unserer Zeit preisgege-\nbenen Psyche sensibler Kulturmenschen, deren\nGefühl für alle Regungen des Lebens bis aufs\nAeu.ß erste empfindlich geworden ist.\nDie moderne Psyche soll offenbar auch von\nunten bis oben neu bekleidet v/erden, und zwar\ntailor-made. Ich wüßte nicht, warum auf diese Mit-\nteilung sonst gerade in einer Schneiderzeitung\nWert gelegt wird. Im Besonderen beschäftigt\nsich Herr Oskar A. H. Schmitz mit dem deut-\nschen Gruß. Fr widmet ihm einen Essay:\nEs geht augenblicklich eine Bewegung durch\ndie deutschen Lande, die die Absicht hat, einen\nTeufel durch Beelzebub auszutreiben. Es sieht\nso aus, als ob es sich um eine Bagatelle dreht,\naber in Wirklichkeit handelt es sich um das An-\nsehen der Deutschen im Ausland, Darum sei\nes erlaubt, bei einer so winzig erscheinenden\nAngelegenheit einige Augenblicke zu verweilen.\nEs handelt sich wirklich um eine Bewegung:\nnämlich um das Hutabnehmen, das ein Teil der\nDeutschen reformieren will, während ein anderer\nTeil der Deutschen wenigstens in dieser Angele-\ngenheit international empfindet. International\nnämlich macht man nach Herrn Schmitz die\nSache so:\nLeute von gleichem Alter nehmen danach\nvor einander den Hut überhaupt nicht ab; vor\nDamen, erheblich älteren Personen und Vorge-\nsetzten, wozu man für Schüler die Lehrer rech-\nnen muß, wird der Hut gelüftet (oder ein wenig\ngehoben). Tief abgenommen wird er nur vor\nregierenden Fürsten und deren Damen. Dies ist\ndas ganze Geheimnis."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "805", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.3", "texte": "Da hätten wir das ganze internationate Ge-\nheimnis. Hoffen wir nur, daß die rote Internatio-\nnale dem Herrn Schmitz keinen Strich durch den\nvorletzten Satz macht. Sonst müßte er sich der\nMühe unterziehen, ein neues Brevier herauszu-\ngeben.\nEndlich möchte ich die Leser des Sturms da-\nrauf aufmerksam machen, daß nicht nur der Schnei-\nder, sondern auch die Schneiderzeitung einen\nBriefkasten besitzt, durch den merkwürdiger-\nweise „Anfragen irgend welcher Art bereit-\nwilligst erledigt werden\". Man kann sich\nauf die Erledigung verlassen, denn kein Ge-\nringerer als Herr Edmund Edel erteilt Rat in\nschwierigen Fällen. Zum Beispiel über Krawat-\nten: „Wer nicht selbst einen ausgesprochenen\nFarbensinn hat, sollte die Wahl seinem Chemisier\nüberlassen, dessen geübtes Auge sicherlich das\nRichtige finden wird. Vielleicht senden Sie uns\neinmal ein paar Proben Ihrer Anzugstoffe\". Ja, der\nHerr Edel ist vielseitig. Einem Gutsbesitzer gibt\ner auch guten Rat: „Wenn Sie einen Besuch\nmachen, sollten Sie unbedingt ein weißes\nOberhemd tragen\". Herr Edel versteht sich eben\nauf Mondainität. Einem Herrn in Oldenburg, der\nsich verzweifelt an ihn wendet, antwortet er mit\nimponierender Sicherheit: „Der Frack soll über-\nhaupt nicht am Tage getragen werden\". Zum\nSchluß siegt aber der Revolutionär Edel über den\nmondainen Kosmopoliten:\nWir können es dem Sommer 1911 danken,\ndaß er ein bißchen Bewegung in die festen For-\nmen unserer Männerkleidung gebracht hat. Daß\ner die dummen Vorurteile beseitigte und uns den\nStehkragen weich geschwitzt und die\nWeste ausgezogen hat. Ja, daß er uns er-\nlaubte. in Damengesellschaft sogar in Hemd-\närmeln zu erscheinen.\nEin Glück, daß die deutschen Dichter sich in\nder Schneiderzeitung einmal selbst ausziehen.\nVielleicht merkt dadurch das deutsche Volk, das\nsie lieben, doch endlich einmal die schäbige\nEleganz.\nIn seinem Geist\nDas Literarische Echo widmet seinem Grün-\nder, Herrn Josef Ettlinger, den üblichen tiefgefühl-\nten Nachruf und verspricht, daß die Zeitschrift in\nseinem Geiste weiter geleitet werden solle. Man\nbraucht also dieses Organ auch fernerhin\nnicht zu lesen.\nBekenntnisse\nDas Deutsche Theater läßt in seinen „Blät-\ntern'1 von seinem Dramaturgen Artur Kahane eine\n„Nänie\" über das deutsche Lustspiel weinen:\nGesellschaftliche Kultur gedeiht nicht in\nWinkeln: sie braucht einen Mittelpunkt, ein\ngesetzgebendes, maßgebendes Zentrum, das ent-\nscheidet. Hier ist das Zentrum noch zu jung,\nzu ungelenk. Noch fehlt ihm jede Verfeinerung,\nDifferenzierung und A b Schattierung, das Talent\nzur Nuance. Noch fehlen ihm Takt und Ge-\nschmack. Und das Recht, Geschmack für über-\nflüssig zu halten, hat nur, wer selbst Geschmack\nha t. Noch fehlt hier das angeborene, ererbte,\nsichere Gefühl von dem, was erlaubt und nicht\nerlaubt ist, von dem, was möglich und nicht\nmöglich ist. Dort aber, wo alles möglich ist,\nist nichts wirklich.\nBekenntnisse, vaschteste!\nTrust\n\nVerstellung\nVon Mynona\nVon Terr, ein Mensch, der sich, er wußte\nselbst nicht, wie lange, seines Todes erfreute, hatte\ndas gespenstische Spuken, das bekanntlich Gestor-\nbenen selten erspart zu werden pflegt, redlich satt.\nUeber das Wiedergeborenwerden dachte er viel\nzu skeptisch, als daß er Anstalten dazu getroffen\nhätte. Auch war es, selbst wenn es glückte, mit\nviel zu vielen Beschwerden für Mutter und Kind\nverbunden. Von Terr zog es vor, sich so kräftig\nwie möglich zu verstellen und durchaus den An-\nschein des blühendsten Jünglings zu geben. „Da\ndas Menschenleben,\" meinte er ziemlich griesgrä-\nmig, „so wie so eine Tartüfferie zu sein scheint —\nwarum sollte ein toter Herr nicht den echtesten\nTartüff des Lebens vorstellen können?\"\nVon Terr ging die lange Allee hinaus, die nach\nder Stadt führte. Das hagere, unfrohe Skelett, das\ner war, bewegte sich knöchern und blechern über\ndie Erde, und die Morgensonne skizzierte die spin-\nnenartige Arabeske seines Schattens auf die von\nPferdespuren verunglimpfte Chaussee. Gar man-\ncher Bauer sah ihm verwundert nach, auch ver-\nfehlte kein Tier, seine Haare ziemlich zu sträuben.\nAber die energische Selbstverständlichkeit, mit der\nhier eine tote Parodoxie wie eine lebendige Trivi-\nalität daherschritt, hypnotiserte Bauern und Tiere\ndermaßen, daß Terr sich der Unauffälligkeit seiner\nErscheinung gemächlich erfreute. „Der Tod\",\nschnatterte er gräßlich laut mit seinen Schädelkie-\nfern, „bedarf gar keines besonderen Uebermaßes\nvon Verstellung, um im Leben als Leben zu er-\nscheinen. Fast fragt er sich: bin ich wirklich tot?\"\nErst zwei weibliche Wesen , offenbar Mutter und\nKind, blieben als sie seiner ansichtig wurden, wie\nvom Donner gerührt stehen. Das Weib jedes Jahr-\ngangs hat kolossale Instinkte, Leben und Tod zu\nunterscheiden — und hier witterte es, trotz der\nrasselndsten Lebendigkeit, den Tod. Von Terr sah\nnicht so bald sein Inkognito gelüftet, als er die Not-\nwendigkeit fühlte, sich besser zu verstellen. An-\nstatt eines Skelettes stand also jetzt ein charman-\nter Stadtherr vor den Erschrockenen, ordentlich\nzivil gekleidet, faßte an die Hutkrempe und fragte\nhöflich, wie weit es noch nach der Stadt wäre. Das\nkleine Mädchen schlug, während die Mutter ver-\ndutzt dastand, heftig nach der fein behandschuhten\nTotenhand und schrie: „Mutter, komm weiter, der\ntut nur so, das ist ein Schelm, der ist gar nicht\nrichtig.\" Die Mutter, ein dralles hübsches Land-\nweib, verwies das dem Kinde, gab dem Fremden\nmit ängstlicher Stimme Auskunft und nahm dan-\nkend die kleine Münze in Empfang, die von Terr\nihr bot. „Es ist unglaublich\", sagte Terr weiter-\npromenierend, „wie Kinder jede Verstellung zu\ndurchschauen wissen; glücklicher Weise gibt es\nkeine reinen Kinder; sonst könnte ich nur grade\nwieder weiter verwesen — und was man auch\nsagen möge: tots e i n langweilt!\" Bekannt-\nlich braucht ein Toter, der sich verstellen will,\nvermöge der intensiven suggestiven Illusionskraft,\ndie er ausübt, keinerlei äußeren Behelf; sondern\neben bloß die allerdings recht anstrengende und-\nerschöpfende Fähigkeit der Verstellung. Der Tote\nzum Beispiel kann dir, wenn du Kellner bist, sein\nTrinkgeld von 0,0 so treuherzig massiv in die\nHand drücken, daß du schwörst, es seien allermin-\ndestens fünfzig Pfennig. Das bleibt natürlich indi-\nviduell : der tote Goethe täuscht stichhaltiger als\nder tote Kulike. Von Terr mietete sich in der\nResidenz eine elegant möblierte Etage und ging\nauf Abenteuer aus, die alle durch seine Unbeson-\nnenheit und Zerstreutheit geschmacklos endeten.\nIn dem Bestreben, seinen Tod zu vergessen, tat\ner oft des Guten zu viel, bis er zur Unzeit und\nzum nicht geringen Befremden der Lebendigen\nskelettartige Intermezzi spielte. Zu spuken, zu\ngespenstern ist für Tote freilich Kinderspiel, fällt\naber auch so schwach aus, daß fast kein Lebender\n•\nwas davon merkt; und merkt Einer was, zum Bei-\nspiel die Amme Lehmann oder das Pferd Sirius, so\nglauben es ihm wieder bloß Ammen und Pferde.\nDas ist ja die Tragödie des Wunderbaren, daß es\nvom Gewöhnlichen ersehnt, aber nie erlebt wer-\nden kann! Um von ihm erlebt zu werden, muß\nes ihm gleichen, aber dadurch wird es unauffällig.\nDas bischen Stutzen der Ammen und Pferde\nkann Gespenster nicht über den Stumpfsinn der\nAllermeisten trösten. Daher eben strengen mo-\nderne Gespenster sich viel mehr an — bis zur\nvölligen Mimicry und UnUnterscheidbarkeit vom\nLeben. Ja, es gibt einen äußerst merkwürdigen\nAusspruch eines Gespenstes, das wegen dieser In-\ndiskretion seine ganze Beliebtheit bei den Kom-\nmilitonen eingebüßt hat. Es ließ nämlich durch-\nblicken, daß man unfreiwillig bis zur greifbaren\nIllusion spuken könne; und daß vielleicht —\n(man lächle ob dieses diplomatischen\n— also daß vielleicht alle tot wären, weil sie\nes würden!! Es ist nichts peinlicher, als wenn\nTote aus der Schule plaudern. — Der allerböseste\nStreich von Terrs war, daß er ein argloses Mäd-\nchen in sich verliebt zu machen verstand, bis es\nihm blindlings in seine bei etage folgte. Liebe ist\nbekanntlich für tote Leute der feinste Lecker-\nbissen. Sie haben Kreuze gern, Kränze gern, Ge-\nbetlein gern; überhaupt alle Gräber-Annehmlich-«\nkeiten, welche die Lebendigen ihnen gönnen — aber\nvon Terr gehörte zu den anspruchsvollen Toten,\ndie ein echtes Purioso der Liebe verlangen, und\nso freute er sich, daß Fräulein Pietsch ihm be-\nvorstand. Er nahm sie also mit sich, und wie\nverstellte Kadaver nun mal sind, überbot er sich\ndermaßen in Galanterien, daß er sich im Vorsaal\nbereits wieder Skelett werden fühlte: gibt es zur\nLiebe etwas Ungeeigneteres als ein Knochengerüst?\nAber die Liebe tut ja Wunder, bis in das Rück-\ngrat hinein — wie hätte sie nicht hier, wo sie es so\nleicht hatte, eins zeitigen sollen! Die Pietsch rühmte\nHerrn von Darrs feste Gebeine, ihr war aber\nnicht allzu wohl dabei. Endlich riet sie ihm, sich\nbesser zu pflegen, sie empfahl ihm eine Mastkur;\nsie war der ahnungsloseste Engel, in Armen\nruhend, die sich merklich verknöcherten. Da\nseufzte von Terr auf und lispelte ihr ins Ohr:\n„Ist nicht ein Skelett das wahre Filigran der\nZärtlichkeit? Ist nicht die Plastik das hemmendste\nHindernis der Vereinigung? Entzückend ist der\nKuß zweier Schädel ohne diese garstige Einschal-\ntung der widerlich fleischernen Lippen. Ach, mein\nKind, diese Maske aus rinnendem und geronnenem\nBlut von den Knochen werfen zu können — ist\ndas nicht der Triumph der Liebe? Tod ist nackte\nWollust!\" Während er so dozierte, wo er ent-\nschieden der Pietsch anders hätte dienen sollen,\ntat er mehr und mehr, was er sagte: man stelle\nsich gefälligst die Gefühle der Pietsch vor, als sie\nsich die Braut eines Gerippes erkennen mußte —!\nSie stieß ... das heißt sie wollte einen jener ent-\nsetzlichen Schreie ausstoßen, wie er kunstgerecht\nvon enttäuschten Jungfrauen fabriziert zu werden\npflegt; aber erstlich erstickte ihr die Stimme in\nder Kehle, sodann gab ihr Entsetzen dem Heuch-\nler neue Verstellungskräfte, und ihr ganz passabler\nschlanker Kavalier von vorhin fragte, was ihr sei,\nund verbat sich energisch alle Hysterie. Die\nPietsch erholte sich mühsam, sie seufzte und\nsprach etwas von Alpdruck und dergleichen.\n„Was reden Sie auch für törichtes Zeug,\" schalt\nsie mit schüchterner Schelmerei, „ich bin so wahn-\nsinnig suggestibel, ich sah Sie wahrhaftig einen\nAugenblick lang als Schädel — puhhh!\"\n„Na? Und das hätte Sie wohl gestört? Wie?\"\nerkundigte sich von Terr malitiös genug, und mit\ndem Mut zur furchtbarsten Deutlichkeit vollzog\ner blitzschnell die praktische Osteologie, um sofort\nwieder der hagere Amoroso zu sein. Jetzt hatte\ndie Pietsch gar keine Zeit gehabt, sich sonderlich"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "806", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.4", "texte": "zu entsetzen, sie war dermaßen — wie sagt\nman? — paff, daß sie regungslos erstarrte, und\nzwar in der komischsten Pose von der Welt, mit\nzum Kuß gespitzten Lippen, dabei lauter Grausen\nin den Mienen. Von Terr gab sich weiter keine\nMühe mit ihr und sich, er lüftete permanent sein\nbeinernes Inkognito, erfaßte ihre Hand und\nröchelte klappernd:\n„Schau ich nicht Aug in Auge dir?\n„Und drängt nicht alles nach Herz und\nBusen dir?\n„Und webt, in ewigem Geheimnis, unsichtbar,\nsichtbar neben dir?\"\nDa gab das Herz der Pietsch die zurückgetre-\ntenen Blutwellen langsam zurück, das brennende\nRot weiblicher Empörung drang* in ihre Kreide-\nwangen :\n„Ich bin das Opfer eines Elenden geworden,\"\nzeterte sie halbohnmächtig. In leichtestem Kos-\ntüm begab sie sich zu ihrer Mama zurück.\nSchweigsam ging sie ihren Pflichten nach. Selbst\nMama erhielt auf tausende leicht begreiflicher Fra-\ngen -keine Antwort, und von Terr wären alle Un-\nannehmlichkeiten erspart geblieben — wenn nicht\n. . . wenn die Pietsch nicht nach knapp drei-\nviertel Jahren einem kleinen Tode das Leben ge-\ngeben hätte, der vom Vater ganz gewiß min-\ndestens die Natur hatte! Ja, da brach sie ihr\nrätselhaftes Schweigen, und von Terr auf Alimen-\ntierung verklagt, zuckte reuig seine anspruchslosen\nAxeln; es floß auch ein bißchen Rhetorik über\nseise dürren Kiefern:\n„So rächt sich jede Ehrlichkeit in der Liebe\nund im Leben; jede Minute, wo man sich kein\nFleisch auf die Knochen lügt, jede Nacktheit wird\nsofort mit dem Tode gebüßt, und gerade das un-\nverstellteste Leben ist ein totgeborenes Kind.\"\n\nMeiner Schwester\ndieses Lied\nElse Lasker-Schüler\nMein Herz liegt in einem Epheukrauz.\nIch habe das Wunder gesehn\nDaran man stirbt.\nFern verglomm Todesleuchten\nIn ihren schönen Augen.\nDie waren zwei Sternbilder,\nIn die Kinder blickten.\nGott, wie schwarz die Nacht war!\nKeine Sonne vermag mehr\nEin Lächeln zu finden\nIn meinem Angesicht.\nSie ist im Himmel.\n\nDer schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nSeine Finger streckten sich in die Luft und\nsehnten sich nach Berühren und Gleiten über\nWeiches, Schmelzendes; seine Haut träumte von\nWärme; über die gekrümmten Kniee strömte\nund spukte die Lust hin sich zu schließen, zu um-\nschließen, und Brust und Lippen drängten sich\ngegen die Kissen seines Bettes, gegen einen\nschlanken Baum, oder schmachteten verloren zu\nden schimmernden Himmelswolken auf.\nManchmal, wenn die Sonne stark schien, oder\nbei einem warmen regnerischen Wetter, wo die\nLuft voll schweren, niederdrückenden Dunstes\nstand, lächelten schwarze Kobolde in ihm, erst ver-\nschwiegen, dann flüsterten, riefen sie, so daß alles\nzu horchen anfing, und brüllten und schüttelten die\nZottelhaare: „Hailoh, ihr Schloßhunde!\" Johan-\nnes lief auf die Straße, versteckte sich, ballte\nzornig die Fäuste. —\n*\nWie die Gewebe, ehe eine Krankheit oder Ge-\nsundheit den Körper überrumpelt, sich in Schwäche\noder Stärke vorbereiten, ihr Geschick zu empfan-\ngen, so die Triebe.\nDie Zufälle wirbeln und reiten durch alle Welt\nund sind an jedem Orte.\nWer will, kann sie hallten, auf der Straße, auf\nden Feldern, im Zimmer, liegend, stehend, fahrend.\nAber die Triebe müssen wachsen und ihrem\nZufall entgegen reifen, ehe sie sich an ihm mästen\nund verrecken.\n*\nAls Johannes unter behaglichen Summen durch\ndie Vorstadt schlenderte, sah er an einem Garten,\nvor einem dürftigen, einstöckigen Hause, ganz nahe\nan dem grüngestrichenen Holzgitter eine junge,\nblonde, stumpfnasige Frau, die ihr winziges Kind-\nchen auf den Schoß legte und mit halboffenem\nBusen saß. Sie starrte den großen Burschen, der\nstehen blieb, ruhig aus wasserblauen Augen an.\nIn Johannes war bei dem Anblick der vollen,\nstrotzenden Brüste eine Stichflamme aufgeschla-\ngen. Die blendete ihn, so daß er stehen blieb\nund den Atem anhielt. Sein Atem flog, als er\nwieder ging, trabte, hastvoll lief; er war fassungs-\nlos nach dem heißen Schreck; wußte nicht, warum,\nund was ihm geschehen sei.\nIhm war der schöne Weibesschmuck nicht\nunbekannt. Die Erregung flaute erst während des\nLaufens ab und ließ Platz für Besinnung, während-\ndessen er oft, ohne es zu merken, stehen blieb, ging\nund schneller eilte. Er tastete einen Zusammen-\nhang, als ihm beim Laufen über die Gartenanlagen\nplötzlich seine erste, starke, süße Erschütterung\neinfiel, die ihn laufen gemacht hatte, die er mit ei-\nnem Erschrecken der jetzigen verglich.\nBlitzschnell begriff er alles, als er das reckende\nVerlangen seiner Arme und seiner Brust, das Drän-\ngen seines Schoßes nach der jungen Bauersfrau\nfühlte. Seine Gedanken überstürzten sich immer\nmehr. Vollkommen verdüstert schloß er sich zu\nHause ein.\n*\nMit einem Schlage hatte er auf lange Wochen\ndie Besinnung verloren. Das Geheimnis war auf-\ngedeckt. Jetzt verstand er, wohin die Unruhe\nnes Leibes und seiner Seele drängte; und dieses\nWohin stand riesengroß vor seinen Sinnen, einge-\nhüllt in den purpurnen und violetten Mantel jener\nwonnigen Entsetzen. Ach, die zarten, wie hatte\ner sie mißverstanden! Alle seine Gedanken\nschwammen rettungslos nach dem einen Ziel und\nüberströmten, bezwangen, bewältigten den Wehr-\nlosen, daß er in seinem Hause lautweinend vor\nOhnmacht, Sehnsucht und Verzweiflung in die\nKniee sank: unwiderstehlich hailohten durch ihn\ndie zottigen Kobolde. Wieder ergriff ihn ein Fie-\nber: in halber Ohnmacht ging er umher und sein\nKörper spannte, krampfte, schüttelte sich. Um sich\nzu beruhigen floh er bald unter die Menschen, bald\nvor den Frauen in die Stille, fiel in das alte dumpf-\nheiße Brüten zurück, aus dem er sich erschreckt\nund mit blitzefiden Augen erhob.\nEr lief auf die Gassen und Straßen vor sich\nfort, mit gekrampften Kiefern, halb wahnsinnig,\nzum Weinen erregt und aufgewühlt, wie zum\nSprung bereit; manchmal mit finsterer, mordent-\nschlossener Stirn und pfeifenden, zischenden Vor-'\nsichherflüstern, versteckt musternden Augen, greif-\nfrohen Händen. Zu Hause biß und küßte er seine\nWicken; jetzt stieß er seinen Freund zurück, rang\ndie Hände über seine große Verlassenheit: Ja in\nmanchen hingeworfenen Stunden, die zu schwer\nvon Düsterkeit troffen, beschloß er, sich unter bren-\nnenden langsamen Qualen verrosten zu lassen.\nWenn er hilflos an Schönheit dachte, so taste-\nten seine Augen Weibesbrüste. Und dann nichts\nals Ohnmacht und Elend.\n*\nUnter dem Leiden bog sich sein Begehren zu\neinem Recht um, das man ihm versagte, und in dein\nHilflosen stieg Haß und eine verschleierte Bitter-\nkeit auf, die die Augen starr und das Herz kalt und\nstül machte. Eine dunkle Verschlossenheit zog\nüber sein Wesen, die nicht mehr wich, etwas Kal-\ntes, Zurückweisendes, ja Höhnisches, das die über-\nzarte Verletzlichkeit seiner Seele verdeckte.\nUnermüdlich kreisten in seinem Innern Geier\nüber dem Leichenfelde seiner Erinnerungen. Das\nWunder der Geschlechtlichkeit war es, das Johan-\nnes nicht losließ. Er konnte es nicht fassen,\ndaß der Mensch nicht satt in sich selbst ruhe, zu\nMann und Weib zersplittert, ewig über die eignen\nGrenzen gedrängt, an fremdes lebendiges getrie-\nben. Das Kainszeichen der Geschlechtlichkeit trägt\njeder: unstät und flüchtig sollst du sein, du sollst\n— lieben.\nEs ist, als wollte sich das Leben, das sich erst\ngeschlossen in das Freie, Breite, unbegrenzt Wo-\ngende von Luft, Feuer, Waser ergießt, nur schma-\nler und eng einschnüren und auseinander würgen\nzu starrer Zweiheit, um sich heißer zu verbei-\nßen, sich aufs wildeste zu packen.\nDas Einzelne bleibt nicht ruhig in sich selbst;\nes taumelt und darf nicht stolz sein, kommt zu sich,\nindem es zum andern kommt, gewinnt sich erst im •\nandern, das Bruchstück, das Wertlose. Wir sind\ngebunden, verloren und verraten eins ans andere.\nOh, wie verstand er das Wort, daß der Mensch\nnicht allein sein solle; oh, wie verstand er, daß es\ndas Wort eines mitleidlosen, menschenstolzhassen-\nden Gottes war.\nEr verdeckte sich, die Qua! solchen Niederge-\nworfenseins, und entrann der Strenge ihres Blickes\nund den Krallen ihrer Hände.\nJe mehr sich das Aufheulen seiner Begierde\nheiser hinschwieg und er die Gewohnheiten seiner\nStille wiederfand, umso befremdlicher erschien ihm\nbald dieser Schrei, den noch das gute Ge-\ndächtnis seines Ohrs festhielt. Es schien ihm, als\nhätte er sich durch Träumereien kinderhaft er-\nschreckt aus seinem Hinleben aufscheuchen lassen.\nEin Nachgefühl kam dem unsicher tappenden zu\nHilfe: er war seinen Träumereien durch einige Zeit\nnachgelaufen, ohne sie einzuholen; bald hatte er sie\naber Schritt für Schritt kennen gelernt, war mit\nden erst fremden, bunt erstaunlichen vertraut ge-\nworden; — die Niederlage der ersten Wettläüfe\nhatte sein Stolz bald überschattet, und so dachte er:\nSie kamen seine Verlassenheit und Langeweile\nzu unterhalten und zu belustigen mit ihren Sprün-\ngen, komischen Verrenkungen, himmelhohen Auf-\nschnellen auf Gummigliedern, mit ihren Zungen-\nschleudern und Kindertränen.\nEigentlich spielte er mit ihnen, in dem Frohge-\nfühl, ein seltsames, erlesenes Spielzeug zu besitzen,\nEr willigte ein, daß sie erschienen; bald konnten\nsie auch ruhen; ja er beschwor diese Schatten her-\nauf, diese schwärmenden Gespenster, koste und\ntanzte mit ihnen, bis sie einschliefen. Spöttisch\nnante er sich Faust, den Herrn der Geister, und\nverschrieb sich Geisterstunden gegen üble Laune.\nEr selbst war im Innern unbewölkt und teil-\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "807", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.5", "texte": "E. L. Kirchner Akrobaten / Originalholzschnitl\n\nnahmslos, und begriff nicht, wie Menschen unglück-\nlich werden können, die doch ihres Willens und\nihrer Sinne mächtig wären. — Jetzt nun meinte er,\nunter dem Nachwirken dieses Freiheitsgefühls,\nseine Herrschaft über die Mächte, die in seiner\nEinsamkeit spielten, einen kurzen Augenblick ver-\nloren zu haben, als er ihr Spiel zu toll werden dul-\ndete; sie hatten ihn fortgerissen und unziemliche\nGewalt über ihn geübt. Er mußte sie wieder\nzähmen.\n*\nNun aber begann das immer erneute Schwan-\nken, das Auf und Ab zwischen ausbrechendem Lan-\ngen, Bezwingen, Mißtrauen, Verachtung und Kälte,\ndas unausgesetzte Durchstürzen von Willen und\nWillen ihn ganz zu verderben. Ratlos stand er vor\ndem zitternden Drängen, das ihn sich selbst ent-\nfremdete, wünschte ein Ende.\nEr faßte einen Widerwillen gegen den Schwer-\ntertanz seines Daseins. Das sinnlose Hin und Her\nlähmte ihn, füllte ihn mit Haß gegen seine Ohn-\nmacht, die es nicht wenden konnte.\nDie Schwäche seines Gedankenwillens erfuhr\ner, als er vergeblich mit ihm den Willen seiner Be-\ngierde zu zähmen suchte; er ließ es nun gehen. S%\naber rettete er sich. Er zog sich auf den kühlen\nHohn vor der machtvollen Unvernunft zurück. Der\nBoden seiner Seele wogte und schwang immer-\nwährend unter den Schritten der unheimlichen!\nMächte; schon lechzte ihr heißer Blick, schlug ihr\nAtem mit Stöhnen, Angst und Qier in seine Träume,\nWangen und grauen Augen. Der Herrscher des\nbedrahten Landes lag am Boden, spottete des\nZiehens und Rollens, unter dem sich die Erde zu\nöffnen schien, nun nach ihm zu schnappen und ihn\nherunter zu würgen.\nOft geschah sogar, daß einsam stolz, mit ver-\nächtlichem Mitleid lächelte, der eben noch ge-\nweint hatte. Ott fühlte er sich ähnlich einem\nmächtigen Herrscher, der sich auf weißen Wein\nversessen hatte. Auf weißen Wein.\n\nFortsetzung folgt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "808", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.6", "texte": "Hamburg\nVon Günther Mürr\nNichts.\nCafé\nHelligkeit\nfließt durch den ganzen hohen Raum.\nAus zahllosen gelben elektrischen Birnen.\ndicht über die firnißweiße Decke verstreut,\nrieselt sie in Bächen, schmal und breit.\nNirgend läßt sie friedliche Dunkelheit,\nRuhe selbst wird zischender Schaum,\nder sich ganz ihrem Willen gibt.\nBrandend schwillt sie entlang am Saum\nder spiegelbehängten Wände.\nSie tanzt aaf den Scheiben\nund freut sich ihres Jubels, küßt die eigenen\nHände,\nwill selbst den grauen Traum\nder Zigarettenwolken äffen,\nden sie mit lachendem Glanz bedroht,\nund sie durchtränkt ihn mit Licht.\nSie spiegelt in den glatten,\nschneeweiß polierten Marmorplatten\nder vielen, dünnbeinigen Tische,\nden blanken Feuerzungen, in dem Parkettboden.\nEin kaum merkliches Strahlenschwanken,\nwüe ein Verneigen und Danken.\nHier herrscht ohne Streit\nim gelbseidnen Kleid\nelektrischer Lichter Helligkeit.\nEin wirres Menschengewimmel\nin dem nächtlichen, gelben Lichterreich.\nEwig wechselndes Kommen und Gehn\nund Bleiben. Auch die Bleibenden sitzen\nnicht still,\nbiegen und wiegen sich in dem seltsamen\nHimmel.\nVorwärtsbeugen und Rücklehnen,\nerregtes Sprechen und müdes Gähnen.\nViele Gesichter, von Nachtluft bleich,\nmüde Blicke und Augen ganz schrill,\nHände, aus denen kranke Begierden sehen,\nHaare, in denen Kaffeedunst sich fing.\nDazwischen das Eilen befrackter Kellner.\nWeich und biegsam ist ihr Gang.\nUeber allem stehen\nbraune Schatten von Müdigkeit,\ndie zaghaft von Tisch zu Tisch,\nvom Kommen zum Gehen sich reiht.\nDoch der Geigen Gekling,\nihr girrender Walzergesang,\nan Sehnsuch und Sinnlichkeit reich,\nwill alles Müde fortwehen.\nDas schwillt und schmeichelt um jedes Ding,\nsingt die kleinen Augen wieder weit,\nküßt die müden Sinne frisch,\nstreichelt die Wogen von Worteklang,\nschwimmt durch sie hin, ein Fisch,\nkost den Raum.\nViele Stimmen, die wechselnd erklingen,\nhoch und tief, weich und rauh.\nManche wagt zag sich kaum hervor,\nmanche will über allen springen.\nKnappes Befehlen, liebliches Einsingen.\nDie runde Stimme einer schönen Frau.\nDas Schurren langsam rutschender Tritte.\nManchmal ein Rascheln seidener Unterröcke\nund gedämpftes Stampfen der Stöcke.\nKlappern und Krellen von Tassen, Gläsern,\nTellern und Löffeln, das wie an dünnem Tau\nvon Platz zu Platz sich schwingt. Und der\nganze Chor\nist voll von zitternder Nervosität,\nals litte er unter der aufpeitschenden Luft,\ndie aus seiner eigenen Mitte\nsich aufschwingt und alles erfüllt.\nSoviel Menschen sich in dem Zauber baden,\nsoviel Welten hält er umschlossen.\nAlle Freuden und Leiden sind da.\nWarten aufs Glück und Genießen,\nMüdigkeit vor der Liebe,\nUeberdruß an der Freude,\nvon Liebe und Leidenschaft überschiessen,\nfeine Züge, dem Geist ganz nah,\nAugen von Sinnlichkeit Überflossen,\nmatt und kraflos hängende Wangen,\nHände mit Leidenschaft übergössen.\nViele Paare,\nalle Gestalten der Liebe in den Blicken.\nBewunderung, Langweile, tastendes Prüfen,\ngieriges Entkleiden bis auf den nackten Leib,\nSchauder und Abscheu, Fliehen, Fangen.\nUnd das Wort,\nlaut gelacht oder kaum gesprochen,\nfrech, lustig, klagend, bittend, herrschsuchtstoll,\nmuß das Band von einem zum andern schließen.\nHüte, Stöcke, Schlipse, und Kragen,\nStiefel und Stiefelchen. Lustiger Zeitvertreib\nalles im Schauen einzufangen,\ndie Farben und Linien. Kleine Füßchen\nin Strümpfen von durchbrochener Seide\nund engen Schuhen mit den Blicken zu streicheln,\nEine blonde Frau tritt herein.\nWie ein Ruck eine knappe Stille.\nAlle Blicke drehn sich ihn zu,\nEin großer Hut auf blonden Wellen.\nKein Duft mehr im Raum, als Sinnenwille.\nSie sinkt in einen Stuhl.\nIm Nu sind die Kellner um sie. Das mattrosane\nKleid\nläßt dem Suchen einen gelben Halbschuh,\nden schmalen Knöchel\nund vom Bein eine feste Linie in durchsichtigen\nrosa Geweben.\nEs zeichnet die Schenkel und schmiegt sich fein\nund stramm um sie,\nals wollt es die Zeit auskosten, sie zu um-\nschlingen.\nDer Fuß schwippt in erregendem Schweben.\nAus großen blauen Augen\nbebt ein Begehren und hüllt alle ein.\nDas Jacket zeigt verhüllend eine Schulter,\nBrüste,\nDraus wächst ein weißer Hals voll schöner Ruh.\nDie nackten Arme schwellen von jungem\nFleisch.\nDie Hände weich und weiß und klein,\nliegen lässig.\nDer breite Mund öffnet sich zum Lachen,\nstarke Zähne, schneeweiße,\nUnd über der Weiße die gierigen Lippen,\nrot wie das Blut französischer Reben.\nSie steht auf mit graziösem Biegen,\ndehnt ihren Körper und läßt den Raum.\nNachtblick auf die Binnenalster\nDer Himmel hängt sternlos, schmutzig-schwarz,\nein dunkles Nichts,\nüber dem steinummauerten, viereckigen Fluß-\nbecken.\nVon der graden steinernen Brücke\nlaufen scharf am Wasser lichtüberpunktete\nStraßen\nsenkrecht zu dem queren, breiten Fahrdamm\nvoll Lichts.\nDie weißen Bogenlampen schmieden drauf eine\nhelle Fläche empor.\nKaum sieht das Auge,\nwie Nebel in die fliehenden Straßen dahinter\ndie Arme recken.\nViel bunte Lichter treiben ins Dunkel, das\nsie hassen.\nmanche helle Lücke.\nDas Wasser schwillt um die Pfeiler, plätschernd\nklatschend sprichts zum Wind,\nder fast entschlafen ist, müd von des Tages\nNecken.\nDicht bei der Brücke regt es runde Falten,\nan die sich kleine, dunkle Streiten passen,\nein weiches Biegen, Dehnen und Strecken,\nin schwachen, dunkelvioletten Schein getaucht.\nWeiter fort nur noch ein schwarzes Gekräusel\nund dann Glätte, so wie Quecksilber auf Glas,\nDas ist nicht Wasser mehr, was da kaum\nmerklich sich baucht\nDa liegen auf dem Wasser lichterne Decken,\ndünn, wie Silberpapier.\nPoliertes Biet, fast silberhell,\nvon warmem Atem überhaucht,\nscheint so, wie hier sich immer neue Qarben\nLichtstreifen übers Wasser schieben zu lassen,\nManchmal ein rötlich blauer Ton\nund wie von sonnenausgesogner Seide, weiß-\nlich blaue Stücke.\nZwischen die lichten Flächen drängen sich\ndunkeln Gesichts\ndie, deren Töne im Schwarz erstarben.\nDort von rechts iiber's ganze W'asser bin\ndrückt sich ein breiter, trüber, roter Fluß,\ndaneben noch einer, schmaler, voll trüber Tücke;\nbeide so voll fast, wie Mohn,\nnur daß Nebel drüben säumen.\nDie stumpfen das Grell\nund trüben's mit grauem Gruß.\nEinsame Dampfer ziehn zwei schwarze Striche\nhinter sich,\ngleiten, Lichtbündel, über dem Spiegel.\nAm Bug das blutrote und grüne Siegel der\nLichter,\nein hellgelber Streifen vor ihnen her.\nUnd alle Farben leicht bewegt\nvon dem träumenden Wind,\ndessen zitternder Fuß das Wasser leise regt.\nOh, dieser seltsame Glanz,\nDie lichten Farbenstreifen,\nganz still und glatt an einander gereiht.\nIn allen der seltsame Schein.\nAlle vereint durch die leichte Nebetschicht.\nVerzaubert bin ich im Bann des trübklaren\nLichte.\nIn meine ganze Seele bricht's,\ngegen das Dunkel sieghaft ficht's,\ndrängt hinaus das schmutzig-schwarze, dunkle\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nAusstellung\nZeitschrift Der Sturm\nDer blaue Reiter\nFranz Flaum\nOskar Kokoschka\nExpressionisten\nTiergartenstraße 34 a\nEröffnung am 12. März, mittags 2 Uhr\nDie Ausstellung ist täglich von\n10 bis 5 Uhr (auch Sonntags) geöffnet\nKarte 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nSchluß der Ausstellung am 10. Mai\n\nVortragsabend von Rudolf Blümner\nAm 17. März, abends 8 Uhr, trägt Rudolf\nB 1 ümn e r Dichtungen von Hans Christian An-\ndersen / Peter Altenberg / Gotthold Ephraim\nLessing / Heinrich von Kleist / Lafontaine /\nPaul Scheerbart vor. Der Abend findet im Archi-\ntektenhaus, Wilhelmstraße 92-93, statt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "809", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Berlin W 9 / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund fläner\n\nEine Preisfrage\nWas ist Kultur!\nDer Preissteller hat fur die am I\nbesten befundene Beantwortung 3\nin epigrammatisclier Form einen i\nPreis von 100 Mark ausgesetzt. |\nEinsendungen unter „Sokrates\" jj\nan den Verlag Der Sturm Berlin W |\nPotsdamerstr. 18 bis 1. April jg\ndieses Jahres.\n\nlufta Park &\nAb 25. Janusr; Au&schank von\ns,Triiimpliator\"ausßfie™e^DB'ir|huener\n~Wihfersi>orftfesf\"\nin Barchfesgaden , _\nVolksbelu tFgungen, sonstige Attrationen\nSrei Kapellen ■■\nssz\"os-rsr rsxm BazETSStstsrm\n\nliefert und verleiht\nMinuth «.\nBerlin 26, IV 4612\nOrarslsnstraSe 6\n\nFR HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegmndet 1825\n■t\nModeme Herreribekleidimg\nffertig umd nach Maß\nReklameangebot:\nDer elegante Ulster\naus gemysferkn Cheviots mit Wrmelaufschlagen 3250 N\nays den modernsten Hsussiistoffeii Sit ;aufgesteppten Taschen 45^9 H\nWoraeftmer sweireihiger Sasco-lniys, englisch gemusterler Cheviot\n3250 45 n\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeiguag von Lsgiiimitiaaskarfea s°/fl Rabati ?\n\ni\nC afe-Restaurant\nOcLeorv\nBar\nCharlottenbur_\norolmarvs'tr\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr von B'/2- 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nOutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Cafetier\nNEU ERGFFNET!\n\nKUNSTLERISCHE RAUME\nIT\n»WSB\nm\nHUGO\nALBERT KOBUNSKX\nBERUNBKUCKENALLEE6"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "810", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120309-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hause. Berlin SO. 26 Marianr.enplatz 23\n\nAusstellungen, Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennig. Potsdamerstrasse 19.\nNeu ausgestellte Gem&lde:\nAd. Bock A. Liedtke F. Thaulox\nP. Hoeciger A. M6ller Alice Trubner\nH. Lirht Poeschmann M Uth\nM. Liebermann j. F. RaffaSlli Morltz Veit\nE. Lieberruann E. Seelos '' \"\nCol'ectionen von 11. de Marandat-Paris\nund Hughes Stanton-London\n\nGRAPHISCHBS\nBuch- u. Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN W IS, Kurfurstendamm 33 :: |\nStandige Ausstellung |\nmoderner Oraphik Illustriert.Katalogu.Prospekte gratis\njjj\n* Ankauf guter Grapfaik &\nEINTRITT FREX u. illustrierter Bucher g\nft\n\nAtelier Hanni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Luise Schmidt nnd Hanni Schwarz\n■- Berlin W 30 Hohenstaufenstrasse 44 111\nFernsprech-Anschlufi: Amt Ltitzow, 9110 :: Fahrstuhl\nGeoffnet: Woebentags von S-6, Sonntags von 10-1 Uhr\nPhotographische Arbeiten jeder Art in\n- kiinstlerischer Ausfiihrung =\n:: Aufrtahmen in natiirlichen Farben ::\nSpezialit&t: Kinderaufnahmen und Aufnahmen\nim eieenen Heim Kurse fur Amateure\n**»\n\nFRITZ STOIPe\nBERLIN W 35\n6enfhiner Strafie 42\nGegrundet im Jahre 1878 Fernsprecher Arnt VI 752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilarten\nKopieti von Rahmen nach alten Meistern in Original-Goldtonungen\nSamtliche Yergolderwaren\nMobel n , Inn en - Architekturen usw.\n.. Kunst-Einrahmungen\nReparaniren und Neuvergoldungen aller Gegenstande, Auf-\narbeiien all. Art. Antiken, Reinigen von Gemalden u. Stichen\n\nfrTtz~merker\n.-. .. Amt Oi. 8397'\nn waßfe-uaaa\nPASSEPARTOUTFABRIK:: BUCH-\nBLNDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nAUFZIEHEN VON ZEICHNUNGEN :: MODEKNE BUCHEINBANDE\n\nKWSTLiEt* - mfIGAZIH\nFRITZ BERGmßflfi\nSteglitz a Schiitzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\n.. Architektur-Buchbinderei\nElektriscke Lichtpausanstalt mit Motorbetrieb\nFassepartout-Fabrikation Bildereinrahmung\n\ndie besten derWell\ntr-m\nCeorg Anton Berlin SW\nFriedfichsirade 49a\nVielfachpr&miiert Gegriindet 1876\nlllustrierter Preis-Katalog franko\nFeriickeni. Theater\nunci Strasse sowie /\nsamtlic.hcr fiaarar-\nbeiten in naturge-\ntreuer Ausfiikrung\n-is?}\n4 #r\n«u\nU^r\\ \\J I\n\\ \\ 8 :i:\n-r-T i-r-f* T !rl ■ T'T''— ■ XX. ■ lawrt\n\nLehranstalten » Kurse\nMai- und\nZeichenschule\nStilleben — Landschaft — Portr&t\nO+tr* RcsTTOF Hektorstrafie 17\nOvj Vl am KurfGrstendamm\nZ Man verlange Prospekte \"\nHolzschnitzen, Modellieren, Zeichnen\nTagUch 9- 1 Uhr Eintritt jederzeit\nModellieien iiir Architekten taglich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbeadakt taglich 7- 9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfurstendamm 243 parterre gegenuber clem Zoo\nBildhauer Harders Berlin-Chariotteriburg\n—ModclUeren und Zeicbnen\nDorbcreitung fiit Me Hkabemie\nKarl Reynctt-Dumont\ndfyatlottenbutg\nITiafciije £)onorave\n£cibni3-Str. 5?, Htdier\n\nIt\n%\n|m HUIH-IHHITBT\nInstftulr | Leiter: M. PECHSTEIN|\nE.L.KIRCHNER\nYVILMERSDORF\nDurlacher Strafie 14\nMOBERHER UKTERRICHT\n:: IK MALEREf :\nGRAPH IK, PLASTIK\nTEPPICPI-, GLAS- U.\n: METALL-ARBEIT :\nMALEREI IN VERBINDUNRj\nMIT ARCHITEKTUR\n\nm\ni»K Buchhandlungen TTn\n\nEdmund Meyer\nBuchhanJler u, flnfiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 27 b\nFernsprecher Amt VI 5850\n\nr\nBurJiiiaiidlungu.Aiit iquat iut\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamer Strasse 118 c\nTempr.: Jlmt VI (Eiitzow) 2829\n\nIch kaufe\nBibliotheken und\nKupferstich-\nSammlungen\nsowie einzelne\nStucke von Wert\nzu hohen Preisen\nPaul draupe\nAntiquariat\nBerlin W. 35\nLutzowstr. 38\n\ntea**:****\nAnzeigen\n\"Soar\"\nmSSm\nJHA\nis\n\nTitania-Schreibmaschine\nErste deutsche Schteibmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern\nFabrikat der Akt.-Ges Mix & Genest, Schon^berg-Berlin\nGeneraiverireter ffir Berlin und Mark Brandenburg\nLouis Stangsn / Linkstrasse 12 / Teiefon Kurfurst 2425\n\nSpedition\nGepickfahrt\nRolifuhrwerk\nMiibeltransport\nYerpackung\nLaprung\nVerzollung\nYersicherung\nLombard\nMax\nLux\nHalensee\n■ — 11\nRingbahnstrasse 123 a :: Fernsprecher. Uhland 595\nSpediteur des Vereins fiir Kunst\n\nTheater\nPremiere\nWie man\nManner besseit\nKomodie in zwei Akten\nvon Anton uni Donat\nHerrnfeld\nDer Hausteufel\nSchwank in eineai Akt\nvon Pohhnann\nAnf. 8 Uhr Vorverk. 11 — 2 Uhx\n\nWintergarteu\nAm Bahnhof\nFriedrichstrafie\nNenes Prograuim\nharet\nFasehingsprogramm\n\nLa Voce\nWochenschrilt\nfur freie Kultur\nJahresbezug 6 Mark\nProbenummer gratis\nLibreria della Voce\nFlorenz / Piazza Davanzati\n\nHsue Sezessloa\nSehwarz-Weiss\nAusstellung\nEroffnung Anfang Mfirz\n\nDie FicKel\nt HERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser\nFolge\nNummer 341/342\nsoeben erschienen\nFreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Packel\n50 Pfennig"}]}