{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_sha256": "5a9724167f969ff1f607a92249be58f11722127acfcead99e32c49a05feb45cd", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/03/16_01/bmtnabg_1912-03-16_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/03/16_01/bmtnabg_1912-03-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "811", "page_fin": "811", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "811", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.1", "debut_caractere": 963, "fin_caractere_exclue": 1327, "texte": "Inhalt:\nGÜNTHPR MfTRR S» K RiÄ t Schönheit / PAUL ZECH; Streikbrecher / ALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang /\n, V . . . MIjRR: Hamburg / BIM: Der Lebenslauf eines deutschen Malers / JOSEPH ADLER- Wintersaison- Faschinaszaiih« *g '\nStellung der Zeitschrift der Sturm / MORIZ MELZER: Originalholzschnitt ' vv\"u~rsaiBon- / Aus-\n~ ' r.'-L ■»= *—v—. 112 _ i, ' »■ ■ ■ -"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "811", "page_fin": "812", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.2", "titre_corps": "Der Aether der Schönheit", "titre_sommaire": "Der Aether der Schönheit", "signature_source": "Lothar von Kunowski", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "811", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.1", "debut_caractere": 1329, "fin_caractere_exclue": 8852, "texte": "Der Aether der Schönheit\nVon Lothar von Kunowski\nWas da wächst, muß den Gesetzen des Lichtes\nRechnung tragen, es muß so wachsen, daß es die\nLichtstrahlen für das Auge in geordneten Bündeln\nzurückwirft, hindurch oder darüber hinwegfahren\nhißt, es muß so wachsen, daß es durch Vermittlung\nt?er Strahlen ein sichtbares und verständliches\nGanze darbietet, wenn es seines Lebens froh wer-\nden will. Alles, was ein rechtes Verhältnis zum\nLicht gewonnen hat, sei es Baum, sei es Blume,\nsei es Tier, kann als schön gelten, als strahlend,\nbeglückend für andere Wesen, als sonnig von Aus-\nsehen.\nEs ist ein Zauber über den Gegenständen der\nNatur, den man Schönheit genannt hat zu aller»\nZeiten, der aber nicht geschätzt wurde von allen\nZeiten und auch nicht von jedermann. Wer von\ndiesem Zauber weiß und Kunde hat, der kann ein\nguter Künstler werden, denn was an guter Kunst\njemals beglückte, das war nichts anderes, als was\nuns erregend scheint im Sonnenfleck auf dem\nMoose des Waldbodens, im Rieseln des Lichts\ndurch Gezweig und Blätter, in Zittern über Wie-\nsenhängen zur Mittagsstunde, in Zucken und Per-\nlen des Abendlichts auf dunklem Seespiegel, über\nden ein Wind streicht. Es war nichts anderes, als\nwas uns hindert, Blumen anzufassen, eine Wirkung\nin die Ferne, die von den Dingen ausgeht und in\nihrer Nähe einer heiligen Sphäre gleicht, welche\ndie Rose umhüllt, den Lindenbaum im Juli herr-\nschen macht über Plan und Raum, darauf und\ndarin er steht, eine Sphäre des Ausstrahlens, des\nGlanzes, der Würde, des Atmens, eine Lebens-\nsphäre, die über den Leib des Rehs, des Pfauen-\nauges, des Tigers, über diesen königlichen Leib\nvon bestrickender Schönheit der Streifen der wei-\nßen. schwarzen, goldenen hinausreicht, dem Hofe\ndes Mondes vergleichbar.\nEs Ist mehr als Luft, was du atmest, wenn\nder Wind vom Spitzengewand der Schneeberge zu\nTale kommt, Wipfel, Gras, Wrelle und Halm be-\nwegt an jenen Flimmertagen voll vom Golde der\nMorgenschönheit, voll vom Silber der Dünste, Tau-\nperlen und unaufhörlichem Summen, Schwirren,\nZirpen in jenen Tälern weißer Hütten, grauer\nSchindeldächer, Felsblöcke und Platanen. Es ist\nder Geist der Liebe, den alle deine Sinne als Würze\nder Lüfte empfinden, es ist der Geist der Schön-\nheit. der das einförmige Sonnenlicht durch\ntausend Kreaturen fangen, zerlegen, ordnen, bin-\nden läßt zu farbigen Grüßen, die der Ahorn dem\nAhorn, die Aehre der Aehre, der Apfelbaum dem\nderen Blüten zuwerfen, alle zusammen dir, dem\nAuge des Künstlers, um dessen Willen sie wurden,\nwie und was sie sind. Denn höchste Schönheit\nkonnte nur werden um höchsten Verständnisses\nwillen, wie höchste Verständnis undenkbar ist\nohne Gegenstände, die verstanden und geliebt sein\nwollen und zu diesem Zwecke Form, Farbe,\nWuchs und Weise in Linie und Bewegung an-\nnahmen, indem sie sich allesamt einem Oesetz\nUntertan machten, dem Gesetz des Lichts, dessen\nStrahlen nur redend sind und dem Auge Geistiges\nmitteilen, wenn sie von geistig gebildeten Körpern\nausgehen, während das geistlose Geschöpf von sei-\nnem T erbe das Licht sinnlos, gesetzlos, chaotisch\nzum Auge gelangen läßt.\nSchönheit ist die Aeußerung des Dranges nach\nSichtbarkeit, sie ist die Sichtbarkeit des Aethers\nvon dem die Wissenschaft sagt, er durchdringe die\nWeiten der Welt wie den dichtesten Körper,\nSchönheit ist mehr als Linie, Form und Farbe, sie\nist lebendige Schwingung in und um jedes Ge-\nschöpf. Zerschneide das Gewand der Wesen,\nspalte es zum Zweck des Wissens in Form, Licht,\nFarbe und Bewegung, in Stunden des Genusses\nund der Liebe binde die Schönheit wieder, was\nder Verstand trennte, umhüllt mit keuschen Schlei-\nern die Anatomie der Dinge und Erscheinungen.\nSo viel du auch weißt und nüchtern benennen\nkannst, so genau du dir das Einzelne anschaust,\ndie Kelche, Stempel, Staubgefäße der Lilie, Aster,\nDistel aufzählst, Botanik und Zoologie, dein Tag\nbleibt leer, die Stunde tot, die Welt Öde und kalt,\nwenn das Wissen dich hindert, am Äether der\nSchönheit teilzunehmen, den Panther, Palmbaum\nund Farrenkratit ausströmen, am Geistigen der\nKräfte und Stoffe im Drange sich darzustellen für\ndas Auge als lebendige Persönlichkeiten, als\nzweckanstrebender Wille. Wrage doch einmal nur\nden Klang der Worte zu vergessen, mit deren\nStaub man dir die Welt zu früh verdeckte, öffne\ndas Fenster den Geistern der Natur.\nWeise hüllt Natur die Mehrzahl von Milliarden\nEinzelheiten, die in nüchternen Zeiten dich er-\nschreckend an Zahl umgeben, in Dünste, in bläu-\nliche, graue. Schaust du die Unzahl der Knospen\nim Netzwerk der Zweige gegen den Himmel, so\nwirst du es deutlich sehen, daß ein schattiger und\nzugleich farbiger Ton zwischen Knospen und Zwei-\ngen den Himmel dunkler stimmt als rings um das\nNetzwerk, es zusammenfassend eben durch den\nschwebenden Ton zum Gesamtbild einer Persön-\nlichkeit, die du ohne den Drang ihrer Teile nach\nVerbindung nicht als solche erkennen und benen-\nnen würdest. Der Ast schließt sich mit Knospen\nund Zweigen zusammen, der Baum die Aeste zum\nSchillerfalter und viele Blumen der Biene, diese an-\nGanzen, das sich vom Himmel hebt als ein Ge-\nsamtton, der die Silhouette des Baums gegen den\nDurchbruch der Lichter schützt und in der großen\nFassung eines typischen Umrisses zur ruhigen\nFolie wird für so viel Einzelheiten, als du ohne\nAnstrengung übersehen kannst. Die schwebende\nTonfläche zwischen Aesten und Zweigen siehst du\nnie, so wenig wie den umfassenden Umriß, wenn\ndu nur neugierig das besondere an Rinde oder\neinzelnen Reisern betrachtest, auch nicht, wenn du\nflüchtig den ganzen Baum überfliegst: du mußt\nempfindend mit ihm leben in seiner Aetherwelt,\nSo faßt sich vor deinen Augen alles von selbst\nzusammen, das Roß aus seinen Teilen, Einzel-\nheiten, Farben, der Hund, die Katze, und erst da-\nnach hat ihr Gattungsname einen Sinn. Denn Be-\ngriffe sollen zusammen fassen, daß du an vielen\neinzelnen Geschöpfen dasselbe erlebtest, ehe du\nsie als Ganzes schautest, als Vorstellung, die am\nGegenstand zu haften, über ihm zu schweben,\nvon ihm lösbar scheint wie ein mehrfach befes-\ntigter Schleier. Der Aether der Schönheit ist das,\nwas Pappel, Haselnußstrauch, Essigbeere und Rot-\ndorr) fähig macht, Teil unseres Geistes zu werden,\nals Erinnerungsbild in ihm zu haften. Wie eine\nSeidenraupe umspinnt die Natur die wildesten For-\nmen und lautesten Farben nicht etwa durch Dünste\nder Luft allein, sondern durch ein geistiges Band:\nGestrüpp und bunt plätscherndde Wellen am Ufer\n4\nfarbiger Steine umwebt sie mit Seide, mit einem\nVorstellungsnebel, den wir selbst schaffen und\nausgestalten in Tagen der Gesundheit und Liebe.\nDieser Aether der Schönheit ist der Boden\ngeistiger Fruchtbarkeit des Menschen. Wessen\nJugend sich aus ihm nährte, dessen Reife trägt\neinen Ueberschuß des Geistigen in sich, der ihn\ndrängt für mehr als für sich selbst zu schaffen,\nandere zu beglücken, teilnehmen zu lassen am\nAether der Schönheit durch das Mittel des Kunst-\nwerks.\nUnd dieser Zustand der Reife kündet sich\ndadurch an, daß die Natur dem Jüngling zuweilen\nverblaßt vor der Fülle des gaukelnden Aethers\nseiner Sinne. Wo er geht, schaut er etwas an-\nderes, als was um ihn ist, ob Farben oder\nSchwärme von Lichtern, Gestalten oder nur Kräfte,\ndie Gestalten werden wollen. Es sind jene Seiden-\ngespinste der Natur, die er seinem eigenen Geiste\nals Gewand zu weben beginnt, schwebende Ton-\nflächen, modellierbare Massen, er kann es mit\nWorten nicht ausdrücken, selbst mit Gedichten\nnicht, er möchte es mit Händen greifen, diesen\nköstlichen Schleier vor seinen Augen festnageln\nauf eine Fläche. Und nun bedauert er, daß er nicht"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "812", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2902, "texte": "mehr von der Natur genommen, nicht täglich ge-\nsammelt, geordnet, geerntet hat nach der Weise\ndes Landmannes.\nIn dem, was ihm vorschwebt, ist alles im\nKenne gegeben: Zeichnung, Plastik, Malerei, Bau-\nkunst, Physik, Mechanik, Mathematik. Wer wird\nihm sagen, was und wo und wie er auf leerer\nFläche nicht größer als ein Handteller auch nur\nirgend etwas von dem, was er schaut zu irgend\nwelchen Zwecken festhalten kann, etwa um ein\nKind zu beglücken? So wie die Wissenschaft, die\ndas Wunder in Geist und Natur nicht kennt, auf\nExaktheit keinen Anspruch machen kann, würde\neine Kunstlehre unwissenschaftlich zu nennen sein,\nwenn sie nicht jenen Zustand des ersten Einklangs\nzwischen Geist und Natur, dessen wir uns im\nJünglingsalter bewußt werden, offenbar nachdem\nein Zwiespalt zwischen beiden uns quälte, ausdrück-\nlich hervorhebe, jenen Zustand, in dem wir aus-\nrufen: ,JHeute sehe ich zum erstenmal die Schön-\nheit der Natur mit dem Bewußtsein sie verlieren,\naber auch wiedergewinnen zu können. Heute lebt\nmein Geist in der Natur und die Natur in meinem\nGeist, heute bin ich Künstler, werde ich es mor-\ngen sein? „Dies ist der Wiederanblick des ver-\nlorenen Paradieses, der Kindheit, das viele nie\nwiedersehen. Laßt uns forschen, wie es sich\nstets neu erobern läßt, wie der mit Blindheit ge-\nschlagene sich sehend machen kann. Wir alle\nsind sehend blind und doch könnten wir täglich\njene Wonne spüren, die uns in seltenen Augen-\nblicken auf Wanderungen vor Sonnenuntergängen\nüberkommt und jeden Gedenstand derart verklärt,\ndaß wir die Sprache der Nelken, Malven, Tuber-\nrosen zu verstehen glauben und plötzlich eine\nLebensfülle um uns sehen, die fast grauenvoll ist,\nwenn wir bedenken, daß wir monate- und jahre-\nlang nichts davon bemerkten, wiewohl das Leben\ngegenwärtig war.\nIch zweifle nicht, daß Schopenhauer diesen\nZustand mit den Worten „reiner Anschauung\"\nmeinte. Während aber er durch reine Anschau-\nung der Natur sich vorbereitet, seine Seele\nIn „Nichts44 aufzulösen, fühle ich die meine\nsich daraus gesättigt mit den Willensmäch-\nten der Natur zur Tat doppelt stark er-\nheben. Und so geht es jedem Künstler, der zur\nDarstellung seiner Anschauungen schreitet, sich\nzu höherem Leben Bahn brechen will, das heißt,\nzu den Herzen der Menschheit, mit denen er in\nderselben geistigen Atmosphäre, im Aether der\nSchönheit leben möchte. Der praktische Ideallis-\nmus strebt nach Umgestaltung rer Welt nach dem\nBilde des Künstlers. Er will, daß Stadt, Haus,\nZimmer, Garten, Feld, Wald, Aue noch geistiger\nerscheinen, noch leichter Teil unserer Vorstellungs-\nwelt werden, ja daß das Wahrnehmungsbild der\nUmgebung mit den reinsten Erzeugnissen der\nPhantasie übereinstimme, also durch und durch\ngeistig sei. Dies anzustreben ist nicht das Un-\nmögliche, sondern das allein Mögliche und Prak-\ntische, weil dieses Streben eben das Leben selbst\nist. Leben heißt die Natur geistig und den Geist\nnatürlich machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "812", "page_fin": "812", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.3", "titre_corps": "Streikrecher", "titre_sommaire": "Streikrecher", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "812", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.2", "debut_caractere": 2904, "fin_caractere_exclue": 3530, "texte": "Streikrecher\nPaul Zech\nDer Trupp weithergereister Frohngestalten\nschwankt durch das Dorf wie eine Trauer-\nprozession.\nDie Ausgesperrten trommeln Rebellion\nmit Fäusten, schwieligen und wutgeballten.\nEin Blöder, der am Wegrand müßig lungert,\nstreckt seine Zunge giftig aus dem Mund\nund stürzt sich auf die Fremden wie ein Hund,\nder gierig nach gestrafften Waden hungert.\nFluchschauer hageln aus halboffnen Türen.\nSergeanten, die den Zug hinüber führen,\nreißen die Säbel wie zum Hieb empor.\nDa gähnt, rot wie ein Schlund, das Grtabentor.\nUnd zwei zu zwein, die Stirnen kraus von\nFalten,\nschwanken hinein che nenen Frohngestaltcn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "812", "page_fin": "813", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.4", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang : Roman", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang : Roman", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "812", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.2", "debut_caractere": 3532, "fin_caractere_exclue": 9972, "texte": "Der schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nStill zog er sich, wohin er auch kam, vor deri\nFrauen zurück. Von dem ehrfurchtsvollen Ein-\ndruck, den die fremden, zarten auf ihn übten, hatten\nsie, als er ihr Wesen nun kennen gelernt hatte,\nnichts eingebüßt; in seine Scheu war Furcht ge-\nkommen und manchmal Haß und Ingrimm. Alle\nunbewußte Heiterkeit verdarb ihm die Gegen-\nwart seiner geborenen Feinde. Schwer, finster und\neinsam wie Musik machten sie ihn; wenn er auch\ndie Augen vor ihnen schloß, so fühlte er durch die\nHaut ihre Gegenwart, durch die Fingerspitzen, die\nHaut der Arme und der Brust; ja hinter die ver-\nschlossenen Augen gaukelten sie ein, bis sie wieder\nin der unausgeglichenen Seele die Schrecknisse und\nübermächtigen hohläugigen Traurigkeiten herauf-\nhoben und einen verstockten Drang zu Ränken\nund bösem Streit in dem Gequälten erregten.\nUm sie zu vergessen, flüchtete er zu seinem\nneuen Freunde, einem schlankgewachsenen blon-\nden Knaben, mit offenem frischen Gesicht, — dem\ner sich zugewandt hatte, um immer eine klare helle\nStimme zu hören und einen schönen, aber männli-»\nchen Mund zu sehen. Wenn sie sich ansahen, so\nflog aber jetzt etwas seltsamiblickendes in beider\nBlick. Johannes wandte unwillkürlich und schnell\nden Kopf. Wenn sie lachten, so lag auch ein ver-\nschwiegener Zug in dem Schwünge ihrer Lippen;\nkeiner sagte davon, aber sie wußten von einander,\nwenn sie sich prüfend rasch in die schimmernden\nAugen sahen. Ein unausgesprochenes begann sich\nihrer zu bemächtigen, zugleich eine Scham, Der\nzufällige Blick ließ beide erröten wie ertappt. Jo-\nhannes, wie ein Vogel gebannt vom Schlangen-\nblick, sträubte und löste sich, ohne es zu wissen.\nAber wenn sich in dem gequälten und schlaff\nniedergedrückten das Bild seiner zarten Peinige-\nrinnen wieder erneute, so fühlte er von den war-\nmen Gliedern des Freundes etwas auf sich aus-\ngehen, das ihn abhielt sich zu regen und zu rühren,\netwas, das still in ihm schwoll, bang und süß, doch\nmit eigner schmerzlichen Schärfe, das ihn wie ein\nZauber umfing und dem er nachging. Er öffnete\nihm die feuchten Lippen.\nBeim Anblick der jugendlich weichen Glieder\nzwitscherte Begierde auf; lockend überkam es ihn,\nund er stand in sündigen Träumen. Er floh heftig\nseinen Freund, in einer unklaren Furcht unrein zu\nwerden.\n*\nSeine Feinde hatten ihn aus seiner selbstfrohen\nRuhe getrieben, von dem Freunde, zu dem er sich\nretten wollte, wie aus einem listigen Hinterhalt\nfortgepeischt. So wurde Johannes immer mehr\nzum offenen Kampfe gezwungen. Er wich ihnen\nfurchtsam und stolz aus; aber es zog ihn wie eine\nBestimmung neben sie. Wie auch jeder milde\nWeibesblick in ihm eine düstere, feierliche Opfer-\nflamme entzündete, so hielten ihn die zarten un-\nbegriffenen Entsetzenspenderinnen fest, daß efl\nihren Worten, leicht den ganzen Körper spannend.\nm entzückter Quai lauschte, wenngleich er sich\nbald von seinen hängenden Garten aus verhöhnte.\nIhre klare Gegenwart weckte doch nie seine Be-\ngierde; die schwiegen die Verehrung und leise\nFurcht nieder, auch die Lust zu unterwerfen, di«\nhn Hintergrund lauerte imd noch nicht sich an die\nBegierde gekettet hatte.\nSachte fuhr er auf ein Meer von schärferen\nUnruhen hinaus.\nJohannes dachte bald nur an die schwebsam\nleichte, bläulich schwarzhaarige, mit den schwar-\nzen lächelnden Puppenaugen, die mit dem sonder-\nbaren Heiden neugierig ttpd gern spielte und an ihm\nihre Waffen übte.\nIhr niedliches Bild riß alles an sieb, was in\nJohannes sich für das Weib angesammelt hatte;\num dieses Bild tanzten und ordneten sich alle seine\nTagesstimmungen; da der gedankenschwelgerische\nihre Augen vom Margen bis zum Abend auf sich\nruhen fühlte, so mußte er m ihrer größeren Ehre\nleben und sich vergeblich suchen.\nImmer wieder dachte er von ihr weg, inzwi-\nschen fühlte und liebte es unten weiter und nicht\nlange, so war er nur ein einziger stürmischer Ge-\ndanke an sie, bis sein Stolz auffuhr und alles hin-\nunter warf, wo es wieder heraufgäbrte. In der\nLaube saßen sie für einen geraubten Augenblick zu-\nsammen und hatten die hellgrünen Weinranken un\\\nsich herabgezogen und fallen lassen bis herab zur\nbraunen Erde. ..\nLangsam und leise, aber unbewegten Tons, bat\ner: JSi-e haben eine schöne nackte Hand, die wun-\nderheimlich duftet. Geben Sie mir doch Ihre HamL\nPrinzeß, Prinzeß Schwarzaug von Pralinesia.\" Sie\nzog ihre linke Hand vom Tisch; er griff nach ihr:\n„Ich möchte Ihre Hand m schneeige Seide werfen\nund drin begraben, daß sie niemand mehr berührt.\nVorher möchte ich aber noch Ihre Knöchel küssen.\"\n— „Ich bitte, mein Herr.\" — Er hielt ihre Hand fest,\nwährend ihre ernsten Mädchenaugen ihn schim-\nmernd ansahen. Die vollen Lippen schwellten ihr,\nüber deren Schultern, Brust und Gesicht durch die\nRanken runde gelbe Sonnenstrahlen vibrierten,\ngrüne Halbschatten unruhig sich bewegten. Ihn\nüberlief es heiß: mit diesen stummen Blicken hatte\nsie ihm einen Liebestrank eingegeben, der seine\nGlieder durchspukte, dessen köstliche Zärtlichkeit\nüber seine Nerven hinschwamm. Er vergaß seine\nScheu vor dem Weiblichen, seine Arme legten\nsich, als ob sie Gewohntes übten, um ihre Hüften,\n— sie hoffte ja schon lange auf diesen Augenblick\nund war fast verzweifelt über seine Unbehilflich-\nkeit, — sah ihr in die halbgeschlossenen Augen:\n„Was verstecken wir uns voreinander?'4 Er küßte\nsie auf die Haare, auf den Mund: „Du Süße.44 —\n„Du ungeschickter Junge.44 Aber das träumte er\nnur, wenn auch so ergriffen, daß ihm Tränen in die\nAugen traten. Dann erkrankte sie schwer. Er\nwußte keinen Weg zu finden, um zu ihr zu kom-\nmen, da ließ sie -ihn, dem Tode nahe, rufen.\nIm Krankenzimmer mit dem gedämpften\nTageslicht und dem scharfen schwülen Geruch\nwandte sich die fromme Schwester ans Fenster,\nals er ins Zimmer trat. Er schlich ans Bett, wo sie,\nblaß und elend, die Augen aber strahlend, ihm die\nheiße Hand bot und den Arm um seinen Hals legte,\nals er den Mund auf ihren drückte. Er tröstete sie,\nund sie fragte ängstlich, was mit ihr nach dem\nTode geschehe.\nEr erzählte abgerissen, von ihrem leisen\nSchmerzstöhnen unterbrochen, von dem Werden\nund Vergehen; irdisch sei alles an ihnen; sie blieben\nimmer auf der Erde, denn in Erde löse sich alles\nauf, um immer wieder zu wachsen in Regen, Son-\nnenschein, Schnee, Kälte, Haß, Glück und Leid und\nLiebe.\nDie irdische Unsterblichkeit des Menschen\nmalte er ihr aus. Nur daß wir, was wir erlebten,\nspäter nicht wüßten wie heute. „So bin ich\nimmer bei Dir und nicht allein?44 Sie lächelte im\nFieber."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "813", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4548, "texte": "Johannes schauerte und besann sich plötzlich\ndaß er sein Liebchen schon hatte sterben lassen\nund zur Beerdigung der Lebenden ging. Er brachte\nihr seltsame Traurngeschenke dar.\nIhren flinkfüßigen Leib auf den Arm zu nehmen\nund in die dunklen Wälder zu rennen, brüllte plötz-\nlich ein räuberischer, lüsternbegehrender Wunsch\nauf und trieb ihn gesenkten Kopfes an sie heran,\nbis ihn ihr fragender Blick besiegt zurückwarf.\nBeschämt konnte er nichts sprechen. Nun rächte es\nsich, daß seine Gedanken wie losgelassene tolle\nHunde auf ihr Bild gestürzt waren.\nZuviel regte sich in ihm bei ihrem Anblick, als\ndaß er leicht gelassen hätte schwätzen und um\nGunst werben können. Und so suchte er sie be-\nständig und fernte sie sich durch übergroßes Seh-\nnen immer weiter. Er fürchtete, ihr etwas gleich-\ngiltiges zu sagen, um sich nicht mit dem Nachhall\nder Wortklänge die hohen Gedanken an sie zu ver-\nderben. Seine Lippen, Zunge und Kehle hatten\nkeine Bahnen mehr zu dieser verloren schweben-\nden Sehnsucht, über die Träumereien, wie sie seine\nträge selbstgenügsame Verlassenheit liebte, hin-\nschwälten.\nEr sprach einmal zu ihr, wie er es gewöhnt\nwar, hohnvolle, deckende Wrorte: Da verwies sie\nes ihm seiner müde. Er wurde bestürzt, verstört\nund ging. Die spöttische Ruhe in sich hatte er sein\nNein, den alten wilden Drang das Ja genannt,\ndie kluge Schwester und den hitzigen Kindskopf,\ndie sich stritten.\nJetzt schwieg die kluge Schwester still und\ngrämte sich. Aber emsig suchte sie bunte Decken,\nTücher und Schleier hervor, um den Lärm des to-\nbenden Bruders durch Behängen der Wände, Tti-\nt en, dei Fenstei zu dämpfen. Wie Johannes sich\naufrichten wollte vor dem Mädchen. Um seine\nLippen ein verächtliches Lächeln. Er faßte sie am\nHandgelenk. ,,Was wollen Sie von mir?\" Er sah\nsie an, — sein ganzer selbstgenügsamer Stolz lag\nin dem Blicke: „Wenn es mir gefallen hat, mit\nIhnen zu scherzen, so werde ich Sie jetzt lehren,\nmir zu antworten.\" Er trat zurück; mit scharfem\nhöhnischen Tone: „Wenn ich mit Ihnen rede, so\nwagen Sie in Zukunft nicht, einen derartigen Ton\nanzuschlagen, mein Prinzeßchen von — wo Sie\nwollen. Es könnte dann sein, daß ich Ihnen auf die\nPuppen-Fingerchen klopfe und Sie geziemlich\nsprechen lehre.4* Stolz, mit wegwerfenden Zucken\nder Lippen setzte er sich hin. —\nSo rumorte das Ja hinter den Vorhängen der\nverschüchterten Schwester, töricht und wußte sich\nkeinen Rat bei allem Stolz der Grimassen.\n*\nSollte er verzweifelt und hassesvoll den törich-\nten Willen von seiner Mutter Einsamkeit einlullen\nlassen P Sie hatte schon die Arme über ihn gehal-\nten, in seine Irrsal hatte ihr Ruf klar gehaucht.\nNun sann er, vor dem lichterlohen Feuer, das ihn\nverzehrte, immer tiefer erschreckend, auf Wüste-\nneien; die Totenstille sollte ihm das Feuer, eisig\nwie sie war, ersticken.\nAch. die Totenstille! daß ihn die verfluchte Gewalt\naus seiner Ruhe gerissen hatte und jedem Lächer-\nlichen preisgab. Er konnte nur zischen, wie sie ihn\nüberrumpelte und ihn an seiner Ohnmacht würgen\nließ: „Friß dies; Du hälst uns so stolz für Kotfres-\nser. Wir sind gnädig zu dir und lassen dich tanzen,\ndu Rauchtrinkerlein.\" Oh, hinterlistig war es auf-\ngewachsen. hinter seinem Rücken, seine Träume\nhatten es mit samtnen Händen gepflegt und be-\ngossen, und jetzt mußte er sich wehren und vor\nScham vergehen vor einer Macht, die er verach-\ntete, vor den Kotfressern, —ja, denn das waren die\nBegierden zu den Menschen. — Totenstille! —\nSie schien ihm einzige Rettung zu bieten, zu\nvereisen, auszuhungern, was so glühte, so frech\nmit Panterlippen lechzte, das Lieben. Nicht wei-\nnen, nicht weinen, sondern töten und Rache üben,\nund darüber verderben. Rache nehmen am eignen\nFleisch für diese Niederlage. Wenn es schon hieß:\nerliegen, so sollten seine Feinde nicht über ihre\nBeute frohlocken; er wollte sich auf den Bauch\nhinwerfen, nun sollten sie ihre Beute suchen.\nAus seinem Innersten aufgescheucht, konnte er\nnicht mehr kühl und mit Lächeln auf sich herab-\nsehen und es gehen lassen, wohin es wollte; er\nmußte sich, wie er es konnte, zur Wehr setzen.\nDer bittere Haß straffte ihn, zuckte durch seinen\nArm, verschärfte den Hohn seiner Maske. Er litt\naber, heillos verbrannt und von der gellen, unge-\nwohnt wilden Rastlosigkeit gequält so, daß es ihn\noft seine Feinde um Barmherzigkeit anzuflehen\nverlangte, oder daß er eine bemalte Wand, eine\nHolzfigur anging um einen nicht redenden, frag-\nlosen, ganz durchsichtig hellen, weißen Trost, der\nkeinen kleinen Finger erhob, nicht aufblickte und\nkeine Küsse spendete, — ein starres weißes Lieben\nohne Sehnet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "813", "page_fin": "814", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.5", "titre_corps": "Hamburg", "titre_sommaire": "Hamburg", "signature_source": "Günther Mürr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "813", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.3", "debut_caractere": 4578, "fin_caractere_exclue": 8829, "texte": "Hamburg\nVon Günther Mürr\nTrocadero\nKlare Vernunft öffnet viele Türen.\nHier ist der Zugang ihr versagt.\n1 iefes Nnachdenken und weiches Weinen\nherrscht über weite Länder.\nHier wird nicht geklagt,\nnicht überklug und überweise nachgefragt.\nBunte, törichte, tolle Bänder\nhalten das Tor geschlossen, wenn Klugheit\nund Trauer es wagt,\nin das Lachen zu greinen,\nUeber dem Raum glänzt Licht,\ndessen Hellen dunkelrotsamtene Logen ver-\nschlingen.\nKeinen Augenblick stockt der fröhliche Takt\nder Tanzmusik.\nManchmal Weiberlachen von scharfem Klingen.\nEine kleine Soubrette mit gequetschtem Singen.\nDas Licht erlischt und 1 änzerinnen erscheinen.\nLeise Kellner mit regungslosem Gesicht\nspähen und füllen die leeren Gläser.\nDie jungen und alten Mädchen, die großen\nund kleinen,\ndehnen die nackten, gepuderten Brüste.\nAlle Männeraugen verzehren die Linien,\ndie aus den parfümschweren,\nknappfassenden Seidenstoffen dringen.\nFeiner Weinduft ist durch die Luft gestreut.\nAn allen Tischen gedämpftes Lachen,\nals ob jeder die tiefsten Dinge wüßte\nund wollte sich darüber nur lustig machen,\nwenn er einem Mädel die buntesten Sachen\nschenkte\nund gierig ihr die schönen Arme und Lippen\nküßte.\nDie Mädchen rühren alle Glieder im Tanz,\nbieten sich allen Blicken,\nwecken die schlafende Begierde.\nDer Tanz ist aus. Sie fliehen mit trippelnden\nTritten.\nDas Licht glänzt wieder.\nDie Geigen führen bunte Paare.\nIhr Singen hat sie gepackt,\ndaß sie in wildem Tanze gleiten.\nDurch den elektrischen Tag ist die Nacht\ngeschritten.\nSeltsame Schatten sind von ihren hehren,\nruheberingten Händen geglitten.\nAlle werden hier Verschwender.\nEin junges Ding verkauft Blnrnen und Bänder.\nDer kleine Platz zum Tanzen ist eng umfaßt\nvon damastbedeckten Tischen. Zigaretten-\nrauchwolken schweben\nvon den Trinkenden zu den tanzenden Paaren,\nfangen sich in den dichten Haare«,\nschmeicheln um die Gesichter,\ndie Hände,\ndie grauen, klaren Augen.\nEin Biegen nach der Musik.\nAlle Sinne werden gepackt.\nAlles vergessen, man spürt nur das Sein\nund wie das Blut zur Glut entfacht wird.\nWeiber und Zigaretten und Wein\nund fließendes Geld.\nSorglosigkeit.\nVorstadtnacht\nKlare, mondgewaschne Luft\nfließt kaum fühlbar in den dunkeln Straßen.\nFeine Lichtkegel um die Laternen.\nSchwankes Sternstrahlglitzern und Erblassen.\nSchwarze Zweige ohne Blätterflitter\nziehen durch clje Nacht ein feines Gitter.\nHeiser und ein Dampfer ruft.\nLicht der Mond in dunkelhellen Fernen.\nAlle Hüllen, die er hat sinken lassen,\nunter ihm als filzigweißer Duft.\nHafen\nDa dehnt der Hafen sich unübersehbar aus,\nein Netz, ein Geästel von Adern,\nin denen das Wasser strömt.\nLaßt die Nörgler tadeln und hadern.\nWir, wir lieben das Leben.\nRastlos und stetig schafft es\nLeben und Sterben.\nWer ist gewillt,\ndas Leben zun fliehen, das doch am höchsten\ngilt?\nFeiner dichter Nebel hält die weite Fläche\nin Haft.\nMit den großen, Wellen steigt er\nund. fällt.\nIn der Mitte rollt laut der starke Strom. Der\nSchleier hält\ndie scharfen Schiffslinien wie mit Zauber\numfaßt.\nStille und rauschende Arme dehnen\nnach allen Seiten sich ab, überspritzt mit Ge-\nschwadern\nvon großen und kleinen Schiffen.\nScharfer Wind rafft den Nebel weg.\nFr quillt in den Himmel zurück.\nEin grauer Glast rundet sich stählern iiber\nder Arbeitswelt.\nHell und schrillend gellt manchmal ein Pfiff.\nHier spielen nicht süßliche Geigen.\nArbeit von Händen und Hirnen.\nKlatschend bäumen die W'ellen sich an den\nQuadern,\nin deren reglosen Armen die Gezeiten sinken\nund steigen.\nKleine Barkassen preschen in Hast\ndiu ch die grüngrauen Wellen. Die erdrücken\ndie stampfenden, tanzenden fast,\nwenn sie sich unablässig heben und bücken.\nBreitbugige Fahrdampfer graben sich in das\nWasser.\nLeise schwankende Schwimmbäume.\nWild klatscht das Wasser dagegen. Gewal-\ntiges Rauschen,\nein großer, zischender, platschender Klang\ngischt und wascht in starkem Entzücken,\nstreichelt mit starker Hand das Lauschen.\nSchmutzigweißer, girrender Schaum entlang\nden übergleitenden Wellenstiicken.\nEin hochliegender Ewer geht mit rostbraunem\nSegelbauschen\nvorm Wind flußab seinen gleitenden Gang.\nZwischen zwei Speicherreichen klafft ein\nbreites Maul.\nMit aller Kraft preßt der Wind die Wellen flach\nund hetzt darüber, keuchend,\nwie gejagtes Wild.\nGraue Schlepper mit schmutzigschwarzen,\nfeuchten Schuten,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "814", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4101, "texte": "m deren Bug das Wasser in die ffötoe rollt.\nReihe« stumpfbrauner, aaßgeleckter Dufckdalbe*,\nDie Wellen jagd toflt spritzend am. sie.\nRufe« tind Tuten,\nMaschinenstarapfen und Wellen klatsche» ver-\nWade« sich\niffi die gleiche Harmonie,\nDer Segelschiffhafen ein Hain, wo Mast bei Masc\nIn die Höhe sticht. Senkrecht fällt der Hafea-\nraad\nms Wasser. Die langen Landungsbfücke*,\näfie flach überdacht, wie Kolonadesu\nfast reglos stehend schwimmen»\nsind wie ein vergessenes Land,\ndahin selten ein Wandrer findet.\nManchmal Rauchwolken unter dem langge-\nstreckten Dadu\nmanchmal ein kurzes Gewirr von Stimmen.\nSchmutzige Arbiter, die elektrische Drähte\nfeg^*»\nschwietige, dickgefrorne Hände.\nDie leeren Läden gaffen übers Wasser.\nAas einer Türe häßliches Qelach\nvon einem schwarzstrubelhaarigen Weib.\nManchmal krachen hohe Dampferwellen\ngegen die Brücke«.\nDie geben nicht nach.\nAuf den Hafenstraßen wimmelndes Hin- uttd\nHertrdben.\nSchiffer mit rotgewehten Backen,\nmit klaren Augen und festen Kinne«.\nGraue Backenbärte, wiegender, schiebender\nOmg.\nArbeiter mit störrischem Nacken,\ndie beulige Blechkanne in der lacke.\nNichtstuer, die ins Graue sinnen,\ngrüne Zollbeamte mit festem Schritt.\nRadfahrer, die gewandt\ndurch die Menge sich regen.\nElektrische Bahnen fahren mit summende«*\nSaug\nentlang den fadigen Drähten.\nSchwere Lastwagen, dicht bepackt\nmit Fässern und Ballen, werden von müde»\nPferden in faulem Tritt\nvor die Speicher geschleppt. Mit stumpf-\ngewehtea,\nregen gewaschenen Steinen schlingen die hohen\ndie Packen.\nAuf den engen Speicherstraßen gedämpfter\nArbeit sklang.\nVerstreutes, schmutziges Stroh. Es dunstet\ndumpfig und bang.\nAlles regt sich und wandert.\nAm andern Ufer schließen\ndürftige Flußärmchen eine Werftinsel ab.\nNeben den schmutzigen Wasserrinnen\nein breiter, trübfarbiger Weg von Kohlensand,\nam Rand\nschniutzigrote Ziegel, ein berußtes Band,\nDürre Bäume wollen zur Helle sprießen\nSchwäche hält sie in die Tiefe gebannt\nHabt ihr das eigne Leben erkannt ?\nVereinzelt Leute mit schrägen,\narbeitverzogenen Körpern. Ihr Gang plumpes\nT acken.\nVon der Werft ein rastloses Geklapp,\nunregelmäßig, laut und leis.\nBuntverspritzte\ntreffen die Ting-Klänge das Ohr.\nAn den Quais die Krähne dreht sich vor,\nlassen Taue sinken, heben sie wieder gestrafft,\ndrehn sich zurück.\nStetige Arbeit in den stillen Fleeten,\nmm so eng dte hohen Speicher sich heben,\ndaß nie Sonnenstrahlen bis auf die glatte\nWasserfläche nieder schweben.\nAuch das Lärmen von Wind und Wasser fällt\nhier in heimliches Schweigen.\nLeise läßt manchmal ein Schiff sich niedergleiten.\nSieh, wie des Himmels Bogen sich weiten,\n.in immer fernere Fernen gleiten.\n'Dm Ort« «tut, wie em «tÄkleraer Rm*\n«nten um den Himmefsraad «ich breite«,\ndb dem klare Bläue sich bäumt,\nAuf der Seewarte die deutsche Flagge# be-\nstrahlt, ein tanzendes DiB&\nIn Kirch tu rmshöhe fassen die stählernen Geröste\nvon Werften und Gasanstalte«,\nscharf ins Blau gezeichnet, aa die HimmefawatKL\nFrische«' atmet das heöe Wasser, and seine\nBrüste\ndrückt der fubeltrde Wind mit fester Hand,\nrast flußab. Die zahllosen Rauchwolken alle»\ndie aus Schiffen und Fabriken zur Höhe streben,\nhält er, wie Fahnen, straff flußab gebannt.\nDie Sonne strahlt ein breites* goldnes Baad*\nganz voll Glitzerschein, quer über den Flui*\nals ob sie die Weife« küfte.\nVier Schlepper, den Bug zur Brücke gewandt,\nrauschen an mit spritzendem Fuß,\nEine unsichtbare Faust drückt sie ans Laad»\nPlötzlich ein Dampfermf mit tiefem Klang»\nIn ihm ein geller, langer Schrei,\nein heller Pfiff und andre noch\ngesellen sich drein. Ein einziger\ngewaltiger Akkord über der weiten Fläche.\nLang hält er an, schließt in seinen Graf\ndas ganze Leben uad Schaffen und Wechsein,\nals wüßte er,\nwas er übergießt Ein Hallen,\nKlingen uad Rufe«, herrlich häßliches Schallen,\nVorbei.\nUnberührt gleitet der Strom. Tropfen sprit-\nzen hoch\naus dem weißen Schaum und glitzern.\nDie Dampfer lagen, stoßen sich fast und ver-\nmeiden sich doch .\nKlingen und Lärm, Schaffe« und Werden,\nWandern und Wechseln,\nLeben, zitternd vor Kraft,\nvoll jubelnder Wotrae und grauem Qrans,\nLeben, Leben breitet sich über der weite»\nfläche aus.\nEnde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "814", "page_fin": "816", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.6", "titre_corps": "Der Lebenslauf eines deutsehen Malers", "titre_sommaire": "Der Lebenslauf eines deutsehen Malers", "signature_source": "Bim", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "814", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.4", "debut_caractere": 4103, "fin_caractere_exclue": 9417, "texte": "Der Lebenslauf eines\ndeutsehen Malers\n\nDie „W och e\" hat einen Preis ausgeschrie-\nben für den besten Lebenslauf eines deutschen\nKünstlers. Zugelassen sind Maler, Bildhauer, Ar-\nchitekten und Kunstschriftsteller. Die Musiker,\ndie eben erst mit den Militärmärschen dran waren,\ndie Dichter, denen einst die Baüadenausschreibun-\ngen galten, sind diesmal übergangen. Es ist kei-\nneswegs Bedingung, daß die Lebensläufe Auto-\nbiographien sind, wie aus der Zulassung der Kunst-\nschriftsteller hervorgeht. Bedingung ist nur, daß\ndie Lebensläufe für die Leser der „Woche44 inter-\nessant genug sind.\nWir sind in der Lage, bevor die Jury (Artur\nKampf, von Ihne, Gustav Eberlein, Hofrat Thode,\nRudolf Herzog) noch zusammentrat, die Arbeit\nauszugsweise mitzuteilen, die mit aller Bestimmt-\nheit den ersten Preis zu erwarten hat.\nSie hat zum Gegenstand den Lebenslauf eines\nMalers, eines sehr bekannten, vielfach ausgezeich-\nneten Malers. Der Verfasser, ein führender\nBerliner Kunst schriftsteller, schildert\nzunächst den allgemeinen Charakter der Bilder,\n„Sie lassen keinen Zweifel darüber, daß er aus-\nschließlich in der besten Gesellschaft sich bewegt/'\n„daß nichts so großen Reiz auf ihn ausübt, wie\nmondaine Schönheit und Eleganz.\" Danach dürfen\nwir wohl über die „Stoffe\" seiner Bilder beruhigt\nsedn. „Sie bezeugen seine Abneigung gegen die\nCrapule. In seinem Oeuvre gibt es weder Bau-\nern, noch Arbeiter, noch arme Leute. Der Salon\nm seine Heimat, das Parkett der Boden-, mi itm\ner »ich am liebste* mä mft der gröften Aöötut\nbewegt* Und weiter: „Wag ist der Salo« ofcne\ndie Frau?\" Dieser Metfor' wird, also hi der Dar-\nstellung; der Fr*« des Salons sein« Aufgabe sdic*.\nUnd wie erfüllt er sie? nuanciert aufe feinste,\nmit soviel Diskretion etwa, wie ein Weltmann sei-\nne» Gruß nach der gesellschaftlichen Stellung dejr\nm grüßenden Persönlichkeiten abstimmt\" Wir\nbrauchen Jedoch nlclft zu befürchten, dal bei der\nBetätigung eines so feinen inneren Taktes die Toi-\nletten zu kurz kämen, ausdrücklich wird uns ge-\nsagt: Hdabei ist der äußeren Erscheinung nicht ge-\nringere Aufmerksamkeit zugewendet, als der Per-\nsönlichkeit\" Damit nicht genug der Genösse.\n„Bot tdoi r wink ei m raffinierter ' Beleuchtung, Di-\nwane, Kissen, Vorhinge, Felle-, Winde mti Bildertl\nergänzen dann» was fri der persönlichen Erschei-\nnung sich nicht geben fieS.;\"\nMan lernt letzt den „künstlerischen Werde-\ngang\" unseres Meister» keimen. Wir hören mit\nInteresse, daß der Baron v. R„ ein berühmter Ma-\nler, Einfluß auf das junge Talent gewann. Unser\nKünstler „faßte zu diesem schon deshalb ein be-\nsonderes Interesse, weil er in dem chevalereskeii\nösterreichischen Baron einen Vertreter der Ge-\nsellschaft sah, in der er selbst lebte und sich wohl\nfühlte.\" „Die Aussicht, mit diesem charmanten\nKünstler ein gemeinsames Atelier zu haben, war\nüberaus verlockend für den jungen Anfänger.\"\nWichtig ist das Verhältnis unseres Künstlern zu\neinem gewissen Leibi, der damals in der Maler-\nschaft eine« Ruf besessen zu haben scheint. Wir\nhören, daß ein Bild „Chopin\" und zwei Porträts\nin der Art (fieses Künstlers gemalt wurden, aber\nwar erfahren auch das Urteil unseres Künstlers\nüber Jette* Zeitgenossen: er wird als ein Imitator\nHolbeins bezeichnet, dessen Sitzfleisch Jedoch Aner-\nkennung verdiene. Vielleicht macht sich einer un-\nserer Jüngeren Kunsthistorrker einmal daran, den\nweiteren Spuren dieses Leibi, dem Namen »ach\nwohl ein Schweizer oder Bayer, nachzugehen.\nAuch der äußere Lebenslauf unseres Ma-\nlers wird nicht vor enthaftet?. Wir dürfen In sein\nLeben interessante Blicke tun. Wir hören, da« er\ndas Gymnasium mit erschöpften Nerven veditoi.\nEr schlug zunächst die für Ist! sehe Karriere da.\nDaß er in ein Korps eintrat, versteht sich wohl rm\nselbst. Und siehe da: „diese völlige Freiheit ron\nPflichten und Arbeit brachte die Nerven des Jun-\ngen Mannes bald wieder hl Ordnung.\" Der Drepig\nzur Kunst läßt sich aber nicht ersticken. Der\njunge Mann sattelt um, und bald saHen ihm „hüb-\nsche und elegante ftmge Damen aus seinem Be -\nkanntenkreise,\" Eine Rheinreise unterbrich,\ndiese Tätigkeit. „Ein überaus geselliger Verkehr\nentwickelt sich, doch findet er Zeit und Gelegen-\nheit, ein paar Landschaftsstudien zu malen.\" Am\nzweiten August nimmt er am Bonner Umversitats-\njubiläum teil. „Er trägt Isarencouleur und ver-\ntritt sein Korps bei dem Festkommerse Im Kley-\nschen Garten, dem Kronprinz Friedrich Wilhelm\nund General von Moitke mit großem Gefolge bei-\nwohnen.\" Dann kehrt er in das Atelier zurück.\n„Konzerte und Theater wechseln mit Festlich-\nkeiten und Kaffeehausbesuchen ab. Immerhin malt\ner mehrere Porträts.\" Im Winter eine Begegnung\nmit dem französischen Naturalisten Courbet, der\nihm als Mensch sehr sympathisch ist. Ansprechend\nist die Vermutung, daß Courbet in dem obener-\nwähnten Leibi „vielleicht noch mehr als den Maler\nden guten Biertrinker geschätzt hat\"\nBerufsmodelle benutzt der Meister nicht gern\nfür seine mondakien Schöpfungen. Diesen „fehlt\neben das undefinierbare Etwas, das das Wesen\nder Dame ausmacht.\" Nur so war es ihm mög-\nlich, „die Romantik des Salons auszuschöpfen\",\nwas zum Beispiel Leibi stets versagt geblieben ist.\nIn dem Bilde „Chopin\",4st im Gegensatze zu Leibt\nder sich immer nur an die äußere Erscheinung\nhält, das Leben selbst und der geistige Zustand er-\nfaßt. Die junge Dame, deren Hände die Sticke-]"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "816", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6128, "texte": "rei entglitten ist, träumt den süßen Liebesktagen\nChopins nach, die ihre Freundin aus den Saiten\nzaubert\" Eingehend werden die Farben des Bil-\ndes analysiert, „Zu Beethoven würden diese Far-\nben nicht passen.\" Das leuchtet ein, wenn wir die\nThemen der nächsten Bilder erfahren: „wie diese\nhübschen, nach der neuesten Mode gekleideten\nDamen stehen, sitzen, mit ihren Hündchen spielen,\nihre Partie de bal umnehmen, oder vor sich hin-\nträumen, das ist mit ebensoviel Qefühl für weib-\nliche Anmut und ruhige Vornehmheit gegeben, wie\n•mit Verständnis für den Reiz von distinguierten\nToiletten.\" Sympathisch ist wiederum der Zug,\ndaß es unserem Maler niemals möglich war,\n„einen weiblichen Akt einfach als Akt dem Publi-\nkum anzubieten. Er suchte sein Dasein zu moti-\nvieren. So erfand er zu dem liegenden Akt das\nMeer -und den abziehenden Sturm, so daß die\nLiegende als schönes Opfer eines\nSchiffsbruches erscheint.\" In dieser Zeit\nentsteht das Bild: die letzten Stiche. „Das kalte\nZimmer eines in Verfall befindlichen Schlosses.\nDurchs Fenster schaut ein kalter Wintertag und\nsieht mitten im Zimmer ein blondes, in eine Pelz-\nfacke gehülltes junges Mädchen sitzen, das fleißig\nan einem weißen Kleide näht. Im Hintergrunde\nein Kamin, den eine Alte heizt. Romantischer In-\nhalt : das arme adlige Fräulein, das\nsich nach den Freuden des Lebens\nsehnt und unbemerkt von den Ihrigen an der\nToilette arbeitet, mit deren Hilfe vielleicht\nder Ausweg aus der Familienmisere zu finden ist.\"\nEs wird hinzugefügt, daß das Bild seine Pointen\nnicht unterstreicht.\nWie uns die junge Liebe und die romantische\nHochzeit des Künstlers erzählt werden, möge man\nin der Arbeit selbst nachlesen. „Er hatte seine\nMuse gefunden. Sie war für ihn, was Helene\nFourment für Rubens, Saskia und Hendrikje für\nRembrandt, Nana für Feuerbach gewesen, und\neigentlich mehr.\" Die folgenden Bilder offenbaren\nwieder den „Romantiker des Salons\". „Ein Tri\nseinem Salon mit Abstauben beschäftigtes Stuben-\nmädchen lauscht hinter der Portiere dem Gespräch,\ndas er in dem dahintergelegenen Zimmer mit sei-\nner jungen Frau am Frühstückstische führt. Er hat\ndiese Episode in einer zweiten späteren Fassung\nzu einem kleinen Roman ausgestaltet, indem er\naus dem horchenden Kammerkätzchen eine Dame\ngemacht, die ihren Gatten oder Geliebten bei einem\nTete ä Tete mit einer anderen belauscht.\" Daß\nein Künstler von so feiner Empfindungsgabe nicht\nauf dem Standpunkte gewisser moderner Maler\nsteht, „die ihre Studien roh hinschmieren\" leuch-\ntet ein. Wir erfahren genaueres über die Ent-\nstehung der „Auferweckung\". Jairi Töchterlein be-\nreitet wegen ihres Gesichtsausdruckes große\nSchwierigkeiten. Seine Muse hilft. „Sie machte\nihm klar, daß, wenn jemand aus einem tiefen\nSchlafe oder einer Ohnmacht erwacht, er zuerst\nnicht wüßte, wo er sich befände. Er würde also\nzunächst seine Gedanken zu sammeln suchen, sich\nbesinnen. Und wie säße man gewöhnlich da,\nwenn man sich auf etwas besänne?\" Nun, wie\ndenn? „Sie machte ihm vor, wie ein graziöses\nweibliches Wesen ganz unwillkürlich die Hand\nan die Wan g e legt, um sieh aus einer Ver-\nwirrung ihres Denkens wieder in die Wirklich-\nkeit hineinzufinden.\" Nun ging es an die Aus-\nführung des großen Bildes. Es ist dann aber\nauch etwas gewoi den, eine in der Malerei des\nneunzehnten Jahrhunderts einzige Leistung, „denn\ndie Kunst keines anderen Kulturlandes hat aus\ndieser Zeit auch nur Aehnliches an Größe der\nAuffassung und Schönheit der Malerei aufzuwei-\nsen.\" Wie großartig das Bild ist, geht auch daraus\nhervor, daß der „damals zweiundsiebzigjährige\nMenzel es nicht mehr verstand.\"\nNoch einen Gipfel erlebt der Meister: „zu ver-\nschiedenen Malen ist er mit Kaiser Wilhelm dem\nZweiten zusammengetroffen.\" Kaum vermag man\nruhig zu bleiben, bis man erfährt, welchen Ein-\ndruck der Kaiser aui ihn gemacht hat. Man höre:\n„Er ist, wie alle, die Gelegenheit haben, den Kai-\nser in der Nähe kennen zu lernen, bezaubert von\ndessen Liebenswürdigkeit und Natürlichkeit/' Nie-\nmals ist er Jemand begegnet, der ihm mit so\ndurchdringender Offenheit und wohlwollender\nSchärfe ins Auge geblickt habe.\" Das gesunde\nund obiektive Kunsturteil des Kaisers überrascht\nihn. Werni der Kaiser über ein Bild von Reiniger\nsagt, es sei nicht richtig, daß ein Bild erst aus\nzehn Schritten Distanz etwas wert sei, vermag er\nnicht zu widersprechen, denn der Kaiser sieht ihn\n„fast bei jeder Anrede tief und fest, beinahe starr,\nin die Augen\". Froh dürfte man sein, „wenn das\ndeutsche Publikum die Kunst so gesund und unvor-\neingenommen beurteilen kann wie der Kaiser.\"\nEs bleibt zum Schluß, von höherer Warte aus\ndie Bedeutung unseres Meisters abzuschätzen. „Er\nunterscheidet sich durch die Fähigkeit, mit Bedeu-\ntung zu malen, sehr stark von Künstlern wie\nLeibi, Trübner, Liebermann und anderen, für die\ndie Malerei Selbstzweck ist, und die nicht daran\ndenken, mit ihrer Hilfe aesthetische und geistige\nProbleme zur Lösung zu bringen.\" „In der Schön-\nheit und Mannigfaltigkeit der Farbe bleibt Leibi\nhinter ihm zurück.\" „Was ist des vielgerühmten\nDelacroix „Dante-Barke\" für ein zahmes Bild\ngegen diese farbige Symbolik des menschlichen\nEndes (in unseres Künstlers „Auferstehung\")?\nDagegen, daß ein Künstler sich entwickelt, ist letz-\nten Endes nichts einzuwenden. Auch unserem Meis-\nter ist das nicht ganz erspart geblieben. Aber\n„auch seine neuesten Bilder verleugnen nicht seine\ngute Erziehung, seine Neigung, . . . in den von\nder Schönheit gezogenen Grenzen der Anmut zu\nbleiben.\" Der einzige Maler, mit dem dieser\nKünstler verglichen werden kann, ist Arnold\nBöcklin. Aber damit sollen nicht etwa beide\nMeister gleichgestellt werden. Dieser Künstler\nsteht noch höher. „Es bedarf keiner Auseinander-\nsetzung, daß er der kultiviertere Maler ist, daß\nseine Mittel feiner sind.\" Dafür sind ihm denn\nauch „die höchsten Auszeichnungen des In- und\nAuslandes zuteil geworden, die ein Künstler sich\nnur wünschen mag.\"\nNur das deutsche Volk schätzt ihn noch nicht\nnach Gebühr. Er heißt: Albert von Keller.\nUnd sein Biograph ist: Hans Rosenhage n.\nHans Rosenhagen, der führende Berliner Kunst-\nkritiker.\nDie „Woche\" wird sie mit dem „Deutschen\nKulturpreis\" krönen.\n\nBim"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "815", "page_fin": "815", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.6.1", "titre_corps": "Moriz Melzer: Originalholzoohnitt", "titre_sommaire": "Moriz Melzer: Originalholzoohnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "815", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 33, "texte": "Moriz Melzer: Originalholzoohnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-03-16-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-03-16_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-03-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "816", "page_fin": "816", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.2.7", "titre_corps": "Wintersaison : Faschingszauber", "titre_sommaire": "Wintersaison : Faschingszauber", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "816", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.6", "debut_caractere": 6130, "fin_caractere_exclue": 8593, "texte": "Wintersaison\nFaschingszauber\nJoseph Adler\nÜber den bunten Markt des Lebens prome-\nnieren viele sonderbare Gestalten, die auf unser\nsatirisches Behagen Anspruch erheben dürfen.\nWenn aber der Ästhet auftaucht, um in wehmü-\ntiger Einsamkeit vorüber zu wandeln, sinken alle\ndie andern im Kurs.\nBis auf den Erich Schlaikjer, denn der\nwar auch als Spötter noch niemals solvent. Mit\neinem schreiendem Passivum an Witz und Origi-\nnalität repräsentiert er den täppischen Vertreter\njenes Schrifttums, das mit der Demokratie unter\neinem Dache wohnt. Aus den Schornsteinen steigt\nbeständig ein Rauch, als ob man im Hause die\nSchmortöpfe voll köstlichen Fleisches hätte. Aber\nin Wirklichkeit kochen die Tendenzatleten Bettel-\nsuppen, wenn sie nicht gerade Kohl aufwärmen\nMit einer gedankenblinden Betrachtung, einem\ndünnen, unsinnigen Nichts, mit einer handvoll\nPhrasenbrei werdeil Zehatau-Sendß gespeist wiß-\nbegierige, bildimgshungrige Zeitungsleser.\nEin Eemlletoniste muß von der Lebens brühe\ndie-Fettaugen der Erfahrung abschöpfen, um dem\nLesepublikum „Ausblicke gewähren zu können4'.\nEr schmiert die Angeln der Tür ins Interessante mit\nder öligsten Phantasie, aber man muß sie ihm hiß\nund wieder vor der Nase zuschlagen.\nUnd man muß ia wild werden, und es mul\naller Langmut reißen, wenn ein Erich Schlaikier\neine kurzgefaßte Naturgeschichte des Ästhe-\nte n schreibt Hier, ich will einige Sätze, die we-\nder Kopf noch Schwanz haben, her auspeitschen.\n„Der Ästhet ist in seinem Äußern ein seltsa-\nmer Farbenmensch, der wie ein phantastisches\nWunder durch die kalte We 11 schreitet.\nEr scheut kein Opfer, wenn es um die Kra-\nwatte geht; er liebt die furchtbare Qr atw an-\nder it n g zwis c h e n Tod und Leben.\nDie Ästheten sind wie Lilien in der gewöhn-\nlichen Rübenkultur der Menschheit. Sie säen\nnicht und sie ernten nicht, unser himmlischer\nVater ernähret sie doch.\"\nSie sind wie Lilien, die nicht säen und ernten.\n„Um seine blasse Vornehmheit zu retten, hat\ner sich in die erlesenen Qärten seiner Kultur zu-\nrückziehen müssen; aber sie werden von ihrer\nkulturellen Sendung in den Lärm der Säle hin-\neingeführt, um als stille Punkte einer fernen\nSchpnheit in der nichtigen Menge zu schimmern»\n— Wenn ich von den inneren Kämpfen um die\nKrawatte absehe, ergreift mich nichts so sehr,\nwie die tiefe schreckliche Einsamkeit, die den\nÄstheten im Ballsaal des Lebens umgibt/1\nDas Leben ein Ballsaal? Auch gut. 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Kunsthandiung, Aitfiquariat, Verlag\n:: BERLIN Wl5, Kurfurstcndamm 33\nins Eckhasse* gtgenitber tier Se-\nzesskm, Eing&ng Orttimnastraßc\nlllustrk-rt. 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A itt SB 3 BS M\nw, - «a wk m vB HOB BBa B Bs if Bi üü\n■BB MKmm nsi / m WH & AHE liwt Jgjy\n''YettTT mm Jr Snß OHraRH ÄS? JSaiMjMaH IMtBR M BMH\n888 JBBW Bull Jf rjfiT & wm&S WmsmL\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nh#daict*<>n und Yeriag: Bertin W. 9 / Potsdamerstrasse 18\nFernsprecher Amt Lüizow 4443 / Anzeigen - Annahme\ndurch den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALDEN\nj — —\n| Vierteljahrsbezug 1,50 Mark / Halbjahresbezug a,— Mark /\n; Jahrecbezug 6,— Mark / bei freier Zustellung j Insertions-\npreis für die funfgespahene Nonpareillezeiie 60 Pfennig\nJAHROANO 1912\nBERLIN MÄRZ 1912\nNUMMER 102\n\nInhalt:\nGÜNTHPR MfTRR S» K RiÄ t Schönheit / PAUL ZECH; Streikbrecher / ALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang /\n, V . . . MIjRR: Hamburg / BIM: Der Lebenslauf eines deutschen Malers / JOSEPH ADLER- Wintersaison- Faschinaszaiih« *g '\nStellung der Zeitschrift der Sturm / MORIZ MELZER: Originalholzschnitt ' vv\"u~rsaiBon- / Aus-\n~ ' r.'-L ■»= *—v—. 112 _ i, ' »■ ■ ■ -\n\nDer Aether der Schönheit\nVon Lothar von Kunowski\nWas da wächst, muß den Gesetzen des Lichtes\nRechnung tragen, es muß so wachsen, daß es die\nLichtstrahlen für das Auge in geordneten Bündeln\nzurückwirft, hindurch oder darüber hinwegfahren\nhißt, es muß so wachsen, daß es durch Vermittlung\nt?er Strahlen ein sichtbares und verständliches\nGanze darbietet, wenn es seines Lebens froh wer-\nden will. Alles, was ein rechtes Verhältnis zum\nLicht gewonnen hat, sei es Baum, sei es Blume,\nsei es Tier, kann als schön gelten, als strahlend,\nbeglückend für andere Wesen, als sonnig von Aus-\nsehen.\nEs ist ein Zauber über den Gegenständen der\nNatur, den man Schönheit genannt hat zu aller»\nZeiten, der aber nicht geschätzt wurde von allen\nZeiten und auch nicht von jedermann. Wer von\ndiesem Zauber weiß und Kunde hat, der kann ein\nguter Künstler werden, denn was an guter Kunst\njemals beglückte, das war nichts anderes, als was\nuns erregend scheint im Sonnenfleck auf dem\nMoose des Waldbodens, im Rieseln des Lichts\ndurch Gezweig und Blätter, in Zittern über Wie-\nsenhängen zur Mittagsstunde, in Zucken und Per-\nlen des Abendlichts auf dunklem Seespiegel, über\nden ein Wind streicht. Es war nichts anderes, als\nwas uns hindert, Blumen anzufassen, eine Wirkung\nin die Ferne, die von den Dingen ausgeht und in\nihrer Nähe einer heiligen Sphäre gleicht, welche\ndie Rose umhüllt, den Lindenbaum im Juli herr-\nschen macht über Plan und Raum, darauf und\ndarin er steht, eine Sphäre des Ausstrahlens, des\nGlanzes, der Würde, des Atmens, eine Lebens-\nsphäre, die über den Leib des Rehs, des Pfauen-\nauges, des Tigers, über diesen königlichen Leib\nvon bestrickender Schönheit der Streifen der wei-\nßen. schwarzen, goldenen hinausreicht, dem Hofe\ndes Mondes vergleichbar.\nEs Ist mehr als Luft, was du atmest, wenn\nder Wind vom Spitzengewand der Schneeberge zu\nTale kommt, Wipfel, Gras, Wrelle und Halm be-\nwegt an jenen Flimmertagen voll vom Golde der\nMorgenschönheit, voll vom Silber der Dünste, Tau-\nperlen und unaufhörlichem Summen, Schwirren,\nZirpen in jenen Tälern weißer Hütten, grauer\nSchindeldächer, Felsblöcke und Platanen. Es ist\nder Geist der Liebe, den alle deine Sinne als Würze\nder Lüfte empfinden, es ist der Geist der Schön-\nheit. der das einförmige Sonnenlicht durch\ntausend Kreaturen fangen, zerlegen, ordnen, bin-\nden läßt zu farbigen Grüßen, die der Ahorn dem\nAhorn, die Aehre der Aehre, der Apfelbaum dem\nderen Blüten zuwerfen, alle zusammen dir, dem\nAuge des Künstlers, um dessen Willen sie wurden,\nwie und was sie sind. Denn höchste Schönheit\nkonnte nur werden um höchsten Verständnisses\nwillen, wie höchste Verständnis undenkbar ist\nohne Gegenstände, die verstanden und geliebt sein\nwollen und zu diesem Zwecke Form, Farbe,\nWuchs und Weise in Linie und Bewegung an-\nnahmen, indem sie sich allesamt einem Oesetz\nUntertan machten, dem Gesetz des Lichts, dessen\nStrahlen nur redend sind und dem Auge Geistiges\nmitteilen, wenn sie von geistig gebildeten Körpern\nausgehen, während das geistlose Geschöpf von sei-\nnem T erbe das Licht sinnlos, gesetzlos, chaotisch\nzum Auge gelangen läßt.\nSchönheit ist die Aeußerung des Dranges nach\nSichtbarkeit, sie ist die Sichtbarkeit des Aethers\nvon dem die Wissenschaft sagt, er durchdringe die\nWeiten der Welt wie den dichtesten Körper,\nSchönheit ist mehr als Linie, Form und Farbe, sie\nist lebendige Schwingung in und um jedes Ge-\nschöpf. Zerschneide das Gewand der Wesen,\nspalte es zum Zweck des Wissens in Form, Licht,\nFarbe und Bewegung, in Stunden des Genusses\nund der Liebe binde die Schönheit wieder, was\nder Verstand trennte, umhüllt mit keuschen Schlei-\nern die Anatomie der Dinge und Erscheinungen.\nSo viel du auch weißt und nüchtern benennen\nkannst, so genau du dir das Einzelne anschaust,\ndie Kelche, Stempel, Staubgefäße der Lilie, Aster,\nDistel aufzählst, Botanik und Zoologie, dein Tag\nbleibt leer, die Stunde tot, die Welt Öde und kalt,\nwenn das Wissen dich hindert, am Äether der\nSchönheit teilzunehmen, den Panther, Palmbaum\nund Farrenkratit ausströmen, am Geistigen der\nKräfte und Stoffe im Drange sich darzustellen für\ndas Auge als lebendige Persönlichkeiten, als\nzweckanstrebender Wille. Wrage doch einmal nur\nden Klang der Worte zu vergessen, mit deren\nStaub man dir die Welt zu früh verdeckte, öffne\ndas Fenster den Geistern der Natur.\nWeise hüllt Natur die Mehrzahl von Milliarden\nEinzelheiten, die in nüchternen Zeiten dich er-\nschreckend an Zahl umgeben, in Dünste, in bläu-\nliche, graue. Schaust du die Unzahl der Knospen\nim Netzwerk der Zweige gegen den Himmel, so\nwirst du es deutlich sehen, daß ein schattiger und\nzugleich farbiger Ton zwischen Knospen und Zwei-\ngen den Himmel dunkler stimmt als rings um das\nNetzwerk, es zusammenfassend eben durch den\nschwebenden Ton zum Gesamtbild einer Persön-\nlichkeit, die du ohne den Drang ihrer Teile nach\nVerbindung nicht als solche erkennen und benen-\nnen würdest. Der Ast schließt sich mit Knospen\nund Zweigen zusammen, der Baum die Aeste zum\nSchillerfalter und viele Blumen der Biene, diese an-\nGanzen, das sich vom Himmel hebt als ein Ge-\nsamtton, der die Silhouette des Baums gegen den\nDurchbruch der Lichter schützt und in der großen\nFassung eines typischen Umrisses zur ruhigen\nFolie wird für so viel Einzelheiten, als du ohne\nAnstrengung übersehen kannst. Die schwebende\nTonfläche zwischen Aesten und Zweigen siehst du\nnie, so wenig wie den umfassenden Umriß, wenn\ndu nur neugierig das besondere an Rinde oder\neinzelnen Reisern betrachtest, auch nicht, wenn du\nflüchtig den ganzen Baum überfliegst: du mußt\nempfindend mit ihm leben in seiner Aetherwelt,\nSo faßt sich vor deinen Augen alles von selbst\nzusammen, das Roß aus seinen Teilen, Einzel-\nheiten, Farben, der Hund, die Katze, und erst da-\nnach hat ihr Gattungsname einen Sinn. Denn Be-\ngriffe sollen zusammen fassen, daß du an vielen\neinzelnen Geschöpfen dasselbe erlebtest, ehe du\nsie als Ganzes schautest, als Vorstellung, die am\nGegenstand zu haften, über ihm zu schweben,\nvon ihm lösbar scheint wie ein mehrfach befes-\ntigter Schleier. Der Aether der Schönheit ist das,\nwas Pappel, Haselnußstrauch, Essigbeere und Rot-\ndorr) fähig macht, Teil unseres Geistes zu werden,\nals Erinnerungsbild in ihm zu haften. Wie eine\nSeidenraupe umspinnt die Natur die wildesten For-\nmen und lautesten Farben nicht etwa durch Dünste\nder Luft allein, sondern durch ein geistiges Band:\nGestrüpp und bunt plätscherndde Wellen am Ufer\n4\nfarbiger Steine umwebt sie mit Seide, mit einem\nVorstellungsnebel, den wir selbst schaffen und\nausgestalten in Tagen der Gesundheit und Liebe.\nDieser Aether der Schönheit ist der Boden\ngeistiger Fruchtbarkeit des Menschen. Wessen\nJugend sich aus ihm nährte, dessen Reife trägt\neinen Ueberschuß des Geistigen in sich, der ihn\ndrängt für mehr als für sich selbst zu schaffen,\nandere zu beglücken, teilnehmen zu lassen am\nAether der Schönheit durch das Mittel des Kunst-\nwerks.\nUnd dieser Zustand der Reife kündet sich\ndadurch an, daß die Natur dem Jüngling zuweilen\nverblaßt vor der Fülle des gaukelnden Aethers\nseiner Sinne. Wo er geht, schaut er etwas an-\nderes, als was um ihn ist, ob Farben oder\nSchwärme von Lichtern, Gestalten oder nur Kräfte,\ndie Gestalten werden wollen. Es sind jene Seiden-\ngespinste der Natur, die er seinem eigenen Geiste\nals Gewand zu weben beginnt, schwebende Ton-\nflächen, modellierbare Massen, er kann es mit\nWorten nicht ausdrücken, selbst mit Gedichten\nnicht, er möchte es mit Händen greifen, diesen\nköstlichen Schleier vor seinen Augen festnageln\nauf eine Fläche. Und nun bedauert er, daß er nicht"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "812", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.2", "texte": "mehr von der Natur genommen, nicht täglich ge-\nsammelt, geordnet, geerntet hat nach der Weise\ndes Landmannes.\nIn dem, was ihm vorschwebt, ist alles im\nKenne gegeben: Zeichnung, Plastik, Malerei, Bau-\nkunst, Physik, Mechanik, Mathematik. Wer wird\nihm sagen, was und wo und wie er auf leerer\nFläche nicht größer als ein Handteller auch nur\nirgend etwas von dem, was er schaut zu irgend\nwelchen Zwecken festhalten kann, etwa um ein\nKind zu beglücken? So wie die Wissenschaft, die\ndas Wunder in Geist und Natur nicht kennt, auf\nExaktheit keinen Anspruch machen kann, würde\neine Kunstlehre unwissenschaftlich zu nennen sein,\nwenn sie nicht jenen Zustand des ersten Einklangs\nzwischen Geist und Natur, dessen wir uns im\nJünglingsalter bewußt werden, offenbar nachdem\nein Zwiespalt zwischen beiden uns quälte, ausdrück-\nlich hervorhebe, jenen Zustand, in dem wir aus-\nrufen: ,JHeute sehe ich zum erstenmal die Schön-\nheit der Natur mit dem Bewußtsein sie verlieren,\naber auch wiedergewinnen zu können. Heute lebt\nmein Geist in der Natur und die Natur in meinem\nGeist, heute bin ich Künstler, werde ich es mor-\ngen sein? „Dies ist der Wiederanblick des ver-\nlorenen Paradieses, der Kindheit, das viele nie\nwiedersehen. Laßt uns forschen, wie es sich\nstets neu erobern läßt, wie der mit Blindheit ge-\nschlagene sich sehend machen kann. Wir alle\nsind sehend blind und doch könnten wir täglich\njene Wonne spüren, die uns in seltenen Augen-\nblicken auf Wanderungen vor Sonnenuntergängen\nüberkommt und jeden Gedenstand derart verklärt,\ndaß wir die Sprache der Nelken, Malven, Tuber-\nrosen zu verstehen glauben und plötzlich eine\nLebensfülle um uns sehen, die fast grauenvoll ist,\nwenn wir bedenken, daß wir monate- und jahre-\nlang nichts davon bemerkten, wiewohl das Leben\ngegenwärtig war.\nIch zweifle nicht, daß Schopenhauer diesen\nZustand mit den Worten „reiner Anschauung\"\nmeinte. Während aber er durch reine Anschau-\nung der Natur sich vorbereitet, seine Seele\nIn „Nichts44 aufzulösen, fühle ich die meine\nsich daraus gesättigt mit den Willensmäch-\nten der Natur zur Tat doppelt stark er-\nheben. Und so geht es jedem Künstler, der zur\nDarstellung seiner Anschauungen schreitet, sich\nzu höherem Leben Bahn brechen will, das heißt,\nzu den Herzen der Menschheit, mit denen er in\nderselben geistigen Atmosphäre, im Aether der\nSchönheit leben möchte. Der praktische Ideallis-\nmus strebt nach Umgestaltung rer Welt nach dem\nBilde des Künstlers. Er will, daß Stadt, Haus,\nZimmer, Garten, Feld, Wald, Aue noch geistiger\nerscheinen, noch leichter Teil unserer Vorstellungs-\nwelt werden, ja daß das Wahrnehmungsbild der\nUmgebung mit den reinsten Erzeugnissen der\nPhantasie übereinstimme, also durch und durch\ngeistig sei. Dies anzustreben ist nicht das Un-\nmögliche, sondern das allein Mögliche und Prak-\ntische, weil dieses Streben eben das Leben selbst\nist. Leben heißt die Natur geistig und den Geist\nnatürlich machen.\n\nStreikrecher\nPaul Zech\nDer Trupp weithergereister Frohngestalten\nschwankt durch das Dorf wie eine Trauer-\nprozession.\nDie Ausgesperrten trommeln Rebellion\nmit Fäusten, schwieligen und wutgeballten.\nEin Blöder, der am Wegrand müßig lungert,\nstreckt seine Zunge giftig aus dem Mund\nund stürzt sich auf die Fremden wie ein Hund,\nder gierig nach gestrafften Waden hungert.\nFluchschauer hageln aus halboffnen Türen.\nSergeanten, die den Zug hinüber führen,\nreißen die Säbel wie zum Hieb empor.\nDa gähnt, rot wie ein Schlund, das Grtabentor.\nUnd zwei zu zwein, die Stirnen kraus von\nFalten,\nschwanken hinein che nenen Frohngestaltcn.\n\nDer schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nStill zog er sich, wohin er auch kam, vor deri\nFrauen zurück. Von dem ehrfurchtsvollen Ein-\ndruck, den die fremden, zarten auf ihn übten, hatten\nsie, als er ihr Wesen nun kennen gelernt hatte,\nnichts eingebüßt; in seine Scheu war Furcht ge-\nkommen und manchmal Haß und Ingrimm. Alle\nunbewußte Heiterkeit verdarb ihm die Gegen-\nwart seiner geborenen Feinde. Schwer, finster und\neinsam wie Musik machten sie ihn; wenn er auch\ndie Augen vor ihnen schloß, so fühlte er durch die\nHaut ihre Gegenwart, durch die Fingerspitzen, die\nHaut der Arme und der Brust; ja hinter die ver-\nschlossenen Augen gaukelten sie ein, bis sie wieder\nin der unausgeglichenen Seele die Schrecknisse und\nübermächtigen hohläugigen Traurigkeiten herauf-\nhoben und einen verstockten Drang zu Ränken\nund bösem Streit in dem Gequälten erregten.\nUm sie zu vergessen, flüchtete er zu seinem\nneuen Freunde, einem schlankgewachsenen blon-\nden Knaben, mit offenem frischen Gesicht, — dem\ner sich zugewandt hatte, um immer eine klare helle\nStimme zu hören und einen schönen, aber männli-»\nchen Mund zu sehen. Wenn sie sich ansahen, so\nflog aber jetzt etwas seltsamiblickendes in beider\nBlick. Johannes wandte unwillkürlich und schnell\nden Kopf. Wenn sie lachten, so lag auch ein ver-\nschwiegener Zug in dem Schwünge ihrer Lippen;\nkeiner sagte davon, aber sie wußten von einander,\nwenn sie sich prüfend rasch in die schimmernden\nAugen sahen. Ein unausgesprochenes begann sich\nihrer zu bemächtigen, zugleich eine Scham, Der\nzufällige Blick ließ beide erröten wie ertappt. Jo-\nhannes, wie ein Vogel gebannt vom Schlangen-\nblick, sträubte und löste sich, ohne es zu wissen.\nAber wenn sich in dem gequälten und schlaff\nniedergedrückten das Bild seiner zarten Peinige-\nrinnen wieder erneute, so fühlte er von den war-\nmen Gliedern des Freundes etwas auf sich aus-\ngehen, das ihn abhielt sich zu regen und zu rühren,\netwas, das still in ihm schwoll, bang und süß, doch\nmit eigner schmerzlichen Schärfe, das ihn wie ein\nZauber umfing und dem er nachging. Er öffnete\nihm die feuchten Lippen.\nBeim Anblick der jugendlich weichen Glieder\nzwitscherte Begierde auf; lockend überkam es ihn,\nund er stand in sündigen Träumen. Er floh heftig\nseinen Freund, in einer unklaren Furcht unrein zu\nwerden.\n*\nSeine Feinde hatten ihn aus seiner selbstfrohen\nRuhe getrieben, von dem Freunde, zu dem er sich\nretten wollte, wie aus einem listigen Hinterhalt\nfortgepeischt. So wurde Johannes immer mehr\nzum offenen Kampfe gezwungen. Er wich ihnen\nfurchtsam und stolz aus; aber es zog ihn wie eine\nBestimmung neben sie. Wie auch jeder milde\nWeibesblick in ihm eine düstere, feierliche Opfer-\nflamme entzündete, so hielten ihn die zarten un-\nbegriffenen Entsetzenspenderinnen fest, daß efl\nihren Worten, leicht den ganzen Körper spannend.\nm entzückter Quai lauschte, wenngleich er sich\nbald von seinen hängenden Garten aus verhöhnte.\nIhre klare Gegenwart weckte doch nie seine Be-\ngierde; die schwiegen die Verehrung und leise\nFurcht nieder, auch die Lust zu unterwerfen, di«\nhn Hintergrund lauerte imd noch nicht sich an die\nBegierde gekettet hatte.\nSachte fuhr er auf ein Meer von schärferen\nUnruhen hinaus.\nJohannes dachte bald nur an die schwebsam\nleichte, bläulich schwarzhaarige, mit den schwar-\nzen lächelnden Puppenaugen, die mit dem sonder-\nbaren Heiden neugierig ttpd gern spielte und an ihm\nihre Waffen übte.\nIhr niedliches Bild riß alles an sieb, was in\nJohannes sich für das Weib angesammelt hatte;\num dieses Bild tanzten und ordneten sich alle seine\nTagesstimmungen; da der gedankenschwelgerische\nihre Augen vom Margen bis zum Abend auf sich\nruhen fühlte, so mußte er m ihrer größeren Ehre\nleben und sich vergeblich suchen.\nImmer wieder dachte er von ihr weg, inzwi-\nschen fühlte und liebte es unten weiter und nicht\nlange, so war er nur ein einziger stürmischer Ge-\ndanke an sie, bis sein Stolz auffuhr und alles hin-\nunter warf, wo es wieder heraufgäbrte. In der\nLaube saßen sie für einen geraubten Augenblick zu-\nsammen und hatten die hellgrünen Weinranken un\\\nsich herabgezogen und fallen lassen bis herab zur\nbraunen Erde. ..\nLangsam und leise, aber unbewegten Tons, bat\ner: JSi-e haben eine schöne nackte Hand, die wun-\nderheimlich duftet. Geben Sie mir doch Ihre HamL\nPrinzeß, Prinzeß Schwarzaug von Pralinesia.\" Sie\nzog ihre linke Hand vom Tisch; er griff nach ihr:\n„Ich möchte Ihre Hand m schneeige Seide werfen\nund drin begraben, daß sie niemand mehr berührt.\nVorher möchte ich aber noch Ihre Knöchel küssen.\"\n— „Ich bitte, mein Herr.\" — Er hielt ihre Hand fest,\nwährend ihre ernsten Mädchenaugen ihn schim-\nmernd ansahen. Die vollen Lippen schwellten ihr,\nüber deren Schultern, Brust und Gesicht durch die\nRanken runde gelbe Sonnenstrahlen vibrierten,\ngrüne Halbschatten unruhig sich bewegten. Ihn\nüberlief es heiß: mit diesen stummen Blicken hatte\nsie ihm einen Liebestrank eingegeben, der seine\nGlieder durchspukte, dessen köstliche Zärtlichkeit\nüber seine Nerven hinschwamm. Er vergaß seine\nScheu vor dem Weiblichen, seine Arme legten\nsich, als ob sie Gewohntes übten, um ihre Hüften,\n— sie hoffte ja schon lange auf diesen Augenblick\nund war fast verzweifelt über seine Unbehilflich-\nkeit, — sah ihr in die halbgeschlossenen Augen:\n„Was verstecken wir uns voreinander?'4 Er küßte\nsie auf die Haare, auf den Mund: „Du Süße.44 —\n„Du ungeschickter Junge.44 Aber das träumte er\nnur, wenn auch so ergriffen, daß ihm Tränen in die\nAugen traten. Dann erkrankte sie schwer. Er\nwußte keinen Weg zu finden, um zu ihr zu kom-\nmen, da ließ sie -ihn, dem Tode nahe, rufen.\nIm Krankenzimmer mit dem gedämpften\nTageslicht und dem scharfen schwülen Geruch\nwandte sich die fromme Schwester ans Fenster,\nals er ins Zimmer trat. Er schlich ans Bett, wo sie,\nblaß und elend, die Augen aber strahlend, ihm die\nheiße Hand bot und den Arm um seinen Hals legte,\nals er den Mund auf ihren drückte. Er tröstete sie,\nund sie fragte ängstlich, was mit ihr nach dem\nTode geschehe.\nEr erzählte abgerissen, von ihrem leisen\nSchmerzstöhnen unterbrochen, von dem Werden\nund Vergehen; irdisch sei alles an ihnen; sie blieben\nimmer auf der Erde, denn in Erde löse sich alles\nauf, um immer wieder zu wachsen in Regen, Son-\nnenschein, Schnee, Kälte, Haß, Glück und Leid und\nLiebe.\nDie irdische Unsterblichkeit des Menschen\nmalte er ihr aus. Nur daß wir, was wir erlebten,\nspäter nicht wüßten wie heute. „So bin ich\nimmer bei Dir und nicht allein?44 Sie lächelte im\nFieber.\n\nFortsetxtmg"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "813", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.3", "texte": "Johannes schauerte und besann sich plötzlich\ndaß er sein Liebchen schon hatte sterben lassen\nund zur Beerdigung der Lebenden ging. Er brachte\nihr seltsame Traurngeschenke dar.\nIhren flinkfüßigen Leib auf den Arm zu nehmen\nund in die dunklen Wälder zu rennen, brüllte plötz-\nlich ein räuberischer, lüsternbegehrender Wunsch\nauf und trieb ihn gesenkten Kopfes an sie heran,\nbis ihn ihr fragender Blick besiegt zurückwarf.\nBeschämt konnte er nichts sprechen. Nun rächte es\nsich, daß seine Gedanken wie losgelassene tolle\nHunde auf ihr Bild gestürzt waren.\nZuviel regte sich in ihm bei ihrem Anblick, als\ndaß er leicht gelassen hätte schwätzen und um\nGunst werben können. Und so suchte er sie be-\nständig und fernte sie sich durch übergroßes Seh-\nnen immer weiter. Er fürchtete, ihr etwas gleich-\ngiltiges zu sagen, um sich nicht mit dem Nachhall\nder Wortklänge die hohen Gedanken an sie zu ver-\nderben. Seine Lippen, Zunge und Kehle hatten\nkeine Bahnen mehr zu dieser verloren schweben-\nden Sehnsucht, über die Träumereien, wie sie seine\nträge selbstgenügsame Verlassenheit liebte, hin-\nschwälten.\nEr sprach einmal zu ihr, wie er es gewöhnt\nwar, hohnvolle, deckende Wrorte: Da verwies sie\nes ihm seiner müde. Er wurde bestürzt, verstört\nund ging. Die spöttische Ruhe in sich hatte er sein\nNein, den alten wilden Drang das Ja genannt,\ndie kluge Schwester und den hitzigen Kindskopf,\ndie sich stritten.\nJetzt schwieg die kluge Schwester still und\ngrämte sich. Aber emsig suchte sie bunte Decken,\nTücher und Schleier hervor, um den Lärm des to-\nbenden Bruders durch Behängen der Wände, Tti-\nt en, dei Fenstei zu dämpfen. Wie Johannes sich\naufrichten wollte vor dem Mädchen. Um seine\nLippen ein verächtliches Lächeln. Er faßte sie am\nHandgelenk. ,,Was wollen Sie von mir?\" Er sah\nsie an, — sein ganzer selbstgenügsamer Stolz lag\nin dem Blicke: „Wenn es mir gefallen hat, mit\nIhnen zu scherzen, so werde ich Sie jetzt lehren,\nmir zu antworten.\" Er trat zurück; mit scharfem\nhöhnischen Tone: „Wenn ich mit Ihnen rede, so\nwagen Sie in Zukunft nicht, einen derartigen Ton\nanzuschlagen, mein Prinzeßchen von — wo Sie\nwollen. Es könnte dann sein, daß ich Ihnen auf die\nPuppen-Fingerchen klopfe und Sie geziemlich\nsprechen lehre.4* Stolz, mit wegwerfenden Zucken\nder Lippen setzte er sich hin. —\nSo rumorte das Ja hinter den Vorhängen der\nverschüchterten Schwester, töricht und wußte sich\nkeinen Rat bei allem Stolz der Grimassen.\n*\nSollte er verzweifelt und hassesvoll den törich-\nten Willen von seiner Mutter Einsamkeit einlullen\nlassen P Sie hatte schon die Arme über ihn gehal-\nten, in seine Irrsal hatte ihr Ruf klar gehaucht.\nNun sann er, vor dem lichterlohen Feuer, das ihn\nverzehrte, immer tiefer erschreckend, auf Wüste-\nneien; die Totenstille sollte ihm das Feuer, eisig\nwie sie war, ersticken.\nAch. die Totenstille! daß ihn die verfluchte Gewalt\naus seiner Ruhe gerissen hatte und jedem Lächer-\nlichen preisgab. Er konnte nur zischen, wie sie ihn\nüberrumpelte und ihn an seiner Ohnmacht würgen\nließ: „Friß dies; Du hälst uns so stolz für Kotfres-\nser. Wir sind gnädig zu dir und lassen dich tanzen,\ndu Rauchtrinkerlein.\" Oh, hinterlistig war es auf-\ngewachsen. hinter seinem Rücken, seine Träume\nhatten es mit samtnen Händen gepflegt und be-\ngossen, und jetzt mußte er sich wehren und vor\nScham vergehen vor einer Macht, die er verach-\ntete, vor den Kotfressern, —ja, denn das waren die\nBegierden zu den Menschen. — Totenstille! —\nSie schien ihm einzige Rettung zu bieten, zu\nvereisen, auszuhungern, was so glühte, so frech\nmit Panterlippen lechzte, das Lieben. Nicht wei-\nnen, nicht weinen, sondern töten und Rache üben,\nund darüber verderben. Rache nehmen am eignen\nFleisch für diese Niederlage. Wenn es schon hieß:\nerliegen, so sollten seine Feinde nicht über ihre\nBeute frohlocken; er wollte sich auf den Bauch\nhinwerfen, nun sollten sie ihre Beute suchen.\nAus seinem Innersten aufgescheucht, konnte er\nnicht mehr kühl und mit Lächeln auf sich herab-\nsehen und es gehen lassen, wohin es wollte; er\nmußte sich, wie er es konnte, zur Wehr setzen.\nDer bittere Haß straffte ihn, zuckte durch seinen\nArm, verschärfte den Hohn seiner Maske. Er litt\naber, heillos verbrannt und von der gellen, unge-\nwohnt wilden Rastlosigkeit gequält so, daß es ihn\noft seine Feinde um Barmherzigkeit anzuflehen\nverlangte, oder daß er eine bemalte Wand, eine\nHolzfigur anging um einen nicht redenden, frag-\nlosen, ganz durchsichtig hellen, weißen Trost, der\nkeinen kleinen Finger erhob, nicht aufblickte und\nkeine Küsse spendete, — ein starres weißes Lieben\nohne Sehnet.\n\nFortsetzung folgt.\nSchluß.\n\nHamburg\nVon Günther Mürr\nTrocadero\nKlare Vernunft öffnet viele Türen.\nHier ist der Zugang ihr versagt.\n1 iefes Nnachdenken und weiches Weinen\nherrscht über weite Länder.\nHier wird nicht geklagt,\nnicht überklug und überweise nachgefragt.\nBunte, törichte, tolle Bänder\nhalten das Tor geschlossen, wenn Klugheit\nund Trauer es wagt,\nin das Lachen zu greinen,\nUeber dem Raum glänzt Licht,\ndessen Hellen dunkelrotsamtene Logen ver-\nschlingen.\nKeinen Augenblick stockt der fröhliche Takt\nder Tanzmusik.\nManchmal Weiberlachen von scharfem Klingen.\nEine kleine Soubrette mit gequetschtem Singen.\nDas Licht erlischt und 1 änzerinnen erscheinen.\nLeise Kellner mit regungslosem Gesicht\nspähen und füllen die leeren Gläser.\nDie jungen und alten Mädchen, die großen\nund kleinen,\ndehnen die nackten, gepuderten Brüste.\nAlle Männeraugen verzehren die Linien,\ndie aus den parfümschweren,\nknappfassenden Seidenstoffen dringen.\nFeiner Weinduft ist durch die Luft gestreut.\nAn allen Tischen gedämpftes Lachen,\nals ob jeder die tiefsten Dinge wüßte\nund wollte sich darüber nur lustig machen,\nwenn er einem Mädel die buntesten Sachen\nschenkte\nund gierig ihr die schönen Arme und Lippen\nküßte.\nDie Mädchen rühren alle Glieder im Tanz,\nbieten sich allen Blicken,\nwecken die schlafende Begierde.\nDer Tanz ist aus. Sie fliehen mit trippelnden\nTritten.\nDas Licht glänzt wieder.\nDie Geigen führen bunte Paare.\nIhr Singen hat sie gepackt,\ndaß sie in wildem Tanze gleiten.\nDurch den elektrischen Tag ist die Nacht\ngeschritten.\nSeltsame Schatten sind von ihren hehren,\nruheberingten Händen geglitten.\nAlle werden hier Verschwender.\nEin junges Ding verkauft Blnrnen und Bänder.\nDer kleine Platz zum Tanzen ist eng umfaßt\nvon damastbedeckten Tischen. Zigaretten-\nrauchwolken schweben\nvon den Trinkenden zu den tanzenden Paaren,\nfangen sich in den dichten Haare«,\nschmeicheln um die Gesichter,\ndie Hände,\ndie grauen, klaren Augen.\nEin Biegen nach der Musik.\nAlle Sinne werden gepackt.\nAlles vergessen, man spürt nur das Sein\nund wie das Blut zur Glut entfacht wird.\nWeiber und Zigaretten und Wein\nund fließendes Geld.\nSorglosigkeit.\nVorstadtnacht\nKlare, mondgewaschne Luft\nfließt kaum fühlbar in den dunkeln Straßen.\nFeine Lichtkegel um die Laternen.\nSchwankes Sternstrahlglitzern und Erblassen.\nSchwarze Zweige ohne Blätterflitter\nziehen durch clje Nacht ein feines Gitter.\nHeiser und ein Dampfer ruft.\nLicht der Mond in dunkelhellen Fernen.\nAlle Hüllen, die er hat sinken lassen,\nunter ihm als filzigweißer Duft.\nHafen\nDa dehnt der Hafen sich unübersehbar aus,\nein Netz, ein Geästel von Adern,\nin denen das Wasser strömt.\nLaßt die Nörgler tadeln und hadern.\nWir, wir lieben das Leben.\nRastlos und stetig schafft es\nLeben und Sterben.\nWer ist gewillt,\ndas Leben zun fliehen, das doch am höchsten\ngilt?\nFeiner dichter Nebel hält die weite Fläche\nin Haft.\nMit den großen, Wellen steigt er\nund. fällt.\nIn der Mitte rollt laut der starke Strom. Der\nSchleier hält\ndie scharfen Schiffslinien wie mit Zauber\numfaßt.\nStille und rauschende Arme dehnen\nnach allen Seiten sich ab, überspritzt mit Ge-\nschwadern\nvon großen und kleinen Schiffen.\nScharfer Wind rafft den Nebel weg.\nFr quillt in den Himmel zurück.\nEin grauer Glast rundet sich stählern iiber\nder Arbeitswelt.\nHell und schrillend gellt manchmal ein Pfiff.\nHier spielen nicht süßliche Geigen.\nArbeit von Händen und Hirnen.\nKlatschend bäumen die W'ellen sich an den\nQuadern,\nin deren reglosen Armen die Gezeiten sinken\nund steigen.\nKleine Barkassen preschen in Hast\ndiu ch die grüngrauen Wellen. Die erdrücken\ndie stampfenden, tanzenden fast,\nwenn sie sich unablässig heben und bücken.\nBreitbugige Fahrdampfer graben sich in das\nWasser.\nLeise schwankende Schwimmbäume.\nWild klatscht das Wasser dagegen. Gewal-\ntiges Rauschen,\nein großer, zischender, platschender Klang\ngischt und wascht in starkem Entzücken,\nstreichelt mit starker Hand das Lauschen.\nSchmutzigweißer, girrender Schaum entlang\nden übergleitenden Wellenstiicken.\nEin hochliegender Ewer geht mit rostbraunem\nSegelbauschen\nvorm Wind flußab seinen gleitenden Gang.\nZwischen zwei Speicherreichen klafft ein\nbreites Maul.\nMit aller Kraft preßt der Wind die Wellen flach\nund hetzt darüber, keuchend,\nwie gejagtes Wild.\nGraue Schlepper mit schmutzigschwarzen,\nfeuchten Schuten,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "814", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.4", "texte": "m deren Bug das Wasser in die ffötoe rollt.\nReihe« stumpfbrauner, aaßgeleckter Dufckdalbe*,\nDie Wellen jagd toflt spritzend am. sie.\nRufe« tind Tuten,\nMaschinenstarapfen und Wellen klatsche» ver-\nWade« sich\niffi die gleiche Harmonie,\nDer Segelschiffhafen ein Hain, wo Mast bei Masc\nIn die Höhe sticht. Senkrecht fällt der Hafea-\nraad\nms Wasser. Die langen Landungsbfücke*,\näfie flach überdacht, wie Kolonadesu\nfast reglos stehend schwimmen»\nsind wie ein vergessenes Land,\ndahin selten ein Wandrer findet.\nManchmal Rauchwolken unter dem langge-\nstreckten Dadu\nmanchmal ein kurzes Gewirr von Stimmen.\nSchmutzige Arbiter, die elektrische Drähte\nfeg^*»\nschwietige, dickgefrorne Hände.\nDie leeren Läden gaffen übers Wasser.\nAas einer Türe häßliches Qelach\nvon einem schwarzstrubelhaarigen Weib.\nManchmal krachen hohe Dampferwellen\ngegen die Brücke«.\nDie geben nicht nach.\nAuf den Hafenstraßen wimmelndes Hin- uttd\nHertrdben.\nSchiffer mit rotgewehten Backen,\nmit klaren Augen und festen Kinne«.\nGraue Backenbärte, wiegender, schiebender\nOmg.\nArbeiter mit störrischem Nacken,\ndie beulige Blechkanne in der lacke.\nNichtstuer, die ins Graue sinnen,\ngrüne Zollbeamte mit festem Schritt.\nRadfahrer, die gewandt\ndurch die Menge sich regen.\nElektrische Bahnen fahren mit summende«*\nSaug\nentlang den fadigen Drähten.\nSchwere Lastwagen, dicht bepackt\nmit Fässern und Ballen, werden von müde»\nPferden in faulem Tritt\nvor die Speicher geschleppt. Mit stumpf-\ngewehtea,\nregen gewaschenen Steinen schlingen die hohen\ndie Packen.\nAuf den engen Speicherstraßen gedämpfter\nArbeit sklang.\nVerstreutes, schmutziges Stroh. Es dunstet\ndumpfig und bang.\nAlles regt sich und wandert.\nAm andern Ufer schließen\ndürftige Flußärmchen eine Werftinsel ab.\nNeben den schmutzigen Wasserrinnen\nein breiter, trübfarbiger Weg von Kohlensand,\nam Rand\nschniutzigrote Ziegel, ein berußtes Band,\nDürre Bäume wollen zur Helle sprießen\nSchwäche hält sie in die Tiefe gebannt\nHabt ihr das eigne Leben erkannt ?\nVereinzelt Leute mit schrägen,\narbeitverzogenen Körpern. Ihr Gang plumpes\nT acken.\nVon der Werft ein rastloses Geklapp,\nunregelmäßig, laut und leis.\nBuntverspritzte\ntreffen die Ting-Klänge das Ohr.\nAn den Quais die Krähne dreht sich vor,\nlassen Taue sinken, heben sie wieder gestrafft,\ndrehn sich zurück.\nStetige Arbeit in den stillen Fleeten,\nmm so eng dte hohen Speicher sich heben,\ndaß nie Sonnenstrahlen bis auf die glatte\nWasserfläche nieder schweben.\nAuch das Lärmen von Wind und Wasser fällt\nhier in heimliches Schweigen.\nLeise läßt manchmal ein Schiff sich niedergleiten.\nSieh, wie des Himmels Bogen sich weiten,\n.in immer fernere Fernen gleiten.\n'Dm Ort« «tut, wie em «tÄkleraer Rm*\n«nten um den Himmefsraad «ich breite«,\ndb dem klare Bläue sich bäumt,\nAuf der Seewarte die deutsche Flagge# be-\nstrahlt, ein tanzendes DiB&\nIn Kirch tu rmshöhe fassen die stählernen Geröste\nvon Werften und Gasanstalte«,\nscharf ins Blau gezeichnet, aa die HimmefawatKL\nFrische«' atmet das heöe Wasser, and seine\nBrüste\ndrückt der fubeltrde Wind mit fester Hand,\nrast flußab. Die zahllosen Rauchwolken alle»\ndie aus Schiffen und Fabriken zur Höhe streben,\nhält er, wie Fahnen, straff flußab gebannt.\nDie Sonne strahlt ein breites* goldnes Baad*\nganz voll Glitzerschein, quer über den Flui*\nals ob sie die Weife« küfte.\nVier Schlepper, den Bug zur Brücke gewandt,\nrauschen an mit spritzendem Fuß,\nEine unsichtbare Faust drückt sie ans Laad»\nPlötzlich ein Dampfermf mit tiefem Klang»\nIn ihm ein geller, langer Schrei,\nein heller Pfiff und andre noch\ngesellen sich drein. Ein einziger\ngewaltiger Akkord über der weiten Fläche.\nLang hält er an, schließt in seinen Graf\ndas ganze Leben uad Schaffen und Wechsein,\nals wüßte er,\nwas er übergießt Ein Hallen,\nKlingen uad Rufe«, herrlich häßliches Schallen,\nVorbei.\nUnberührt gleitet der Strom. Tropfen sprit-\nzen hoch\naus dem weißen Schaum und glitzern.\nDie Dampfer lagen, stoßen sich fast und ver-\nmeiden sich doch .\nKlingen und Lärm, Schaffe« und Werden,\nWandern und Wechseln,\nLeben, zitternd vor Kraft,\nvoll jubelnder Wotrae und grauem Qrans,\nLeben, Leben breitet sich über der weite»\nfläche aus.\nEnde\n\nDer Lebenslauf eines\ndeutsehen Malers\n\nDie „W och e\" hat einen Preis ausgeschrie-\nben für den besten Lebenslauf eines deutschen\nKünstlers. Zugelassen sind Maler, Bildhauer, Ar-\nchitekten und Kunstschriftsteller. Die Musiker,\ndie eben erst mit den Militärmärschen dran waren,\ndie Dichter, denen einst die Baüadenausschreibun-\ngen galten, sind diesmal übergangen. Es ist kei-\nneswegs Bedingung, daß die Lebensläufe Auto-\nbiographien sind, wie aus der Zulassung der Kunst-\nschriftsteller hervorgeht. Bedingung ist nur, daß\ndie Lebensläufe für die Leser der „Woche44 inter-\nessant genug sind.\nWir sind in der Lage, bevor die Jury (Artur\nKampf, von Ihne, Gustav Eberlein, Hofrat Thode,\nRudolf Herzog) noch zusammentrat, die Arbeit\nauszugsweise mitzuteilen, die mit aller Bestimmt-\nheit den ersten Preis zu erwarten hat.\nSie hat zum Gegenstand den Lebenslauf eines\nMalers, eines sehr bekannten, vielfach ausgezeich-\nneten Malers. Der Verfasser, ein führender\nBerliner Kunst schriftsteller, schildert\nzunächst den allgemeinen Charakter der Bilder,\n„Sie lassen keinen Zweifel darüber, daß er aus-\nschließlich in der besten Gesellschaft sich bewegt/'\n„daß nichts so großen Reiz auf ihn ausübt, wie\nmondaine Schönheit und Eleganz.\" Danach dürfen\nwir wohl über die „Stoffe\" seiner Bilder beruhigt\nsedn. „Sie bezeugen seine Abneigung gegen die\nCrapule. In seinem Oeuvre gibt es weder Bau-\nern, noch Arbeiter, noch arme Leute. Der Salon\nm seine Heimat, das Parkett der Boden-, mi itm\ner »ich am liebste* mä mft der gröften Aöötut\nbewegt* Und weiter: „Wag ist der Salo« ofcne\ndie Frau?\" Dieser Metfor' wird, also hi der Dar-\nstellung; der Fr*« des Salons sein« Aufgabe sdic*.\nUnd wie erfüllt er sie? nuanciert aufe feinste,\nmit soviel Diskretion etwa, wie ein Weltmann sei-\nne» Gruß nach der gesellschaftlichen Stellung dejr\nm grüßenden Persönlichkeiten abstimmt\" Wir\nbrauchen Jedoch nlclft zu befürchten, dal bei der\nBetätigung eines so feinen inneren Taktes die Toi-\nletten zu kurz kämen, ausdrücklich wird uns ge-\nsagt: Hdabei ist der äußeren Erscheinung nicht ge-\nringere Aufmerksamkeit zugewendet, als der Per-\nsönlichkeit\" Damit nicht genug der Genösse.\n„Bot tdoi r wink ei m raffinierter ' Beleuchtung, Di-\nwane, Kissen, Vorhinge, Felle-, Winde mti Bildertl\nergänzen dann» was fri der persönlichen Erschei-\nnung sich nicht geben fieS.;\"\nMan lernt letzt den „künstlerischen Werde-\ngang\" unseres Meister» keimen. Wir hören mit\nInteresse, daß der Baron v. R„ ein berühmter Ma-\nler, Einfluß auf das junge Talent gewann. Unser\nKünstler „faßte zu diesem schon deshalb ein be-\nsonderes Interesse, weil er in dem chevalereskeii\nösterreichischen Baron einen Vertreter der Ge-\nsellschaft sah, in der er selbst lebte und sich wohl\nfühlte.\" „Die Aussicht, mit diesem charmanten\nKünstler ein gemeinsames Atelier zu haben, war\nüberaus verlockend für den jungen Anfänger.\"\nWichtig ist das Verhältnis unseres Künstlern zu\neinem gewissen Leibi, der damals in der Maler-\nschaft eine« Ruf besessen zu haben scheint. Wir\nhören, daß ein Bild „Chopin\" und zwei Porträts\nin der Art (fieses Künstlers gemalt wurden, aber\nwar erfahren auch das Urteil unseres Künstlers\nüber Jette* Zeitgenossen: er wird als ein Imitator\nHolbeins bezeichnet, dessen Sitzfleisch Jedoch Aner-\nkennung verdiene. Vielleicht macht sich einer un-\nserer Jüngeren Kunsthistorrker einmal daran, den\nweiteren Spuren dieses Leibi, dem Namen »ach\nwohl ein Schweizer oder Bayer, nachzugehen.\nAuch der äußere Lebenslauf unseres Ma-\nlers wird nicht vor enthaftet?. Wir dürfen In sein\nLeben interessante Blicke tun. Wir hören, da« er\ndas Gymnasium mit erschöpften Nerven veditoi.\nEr schlug zunächst die für Ist! sehe Karriere da.\nDaß er in ein Korps eintrat, versteht sich wohl rm\nselbst. Und siehe da: „diese völlige Freiheit ron\nPflichten und Arbeit brachte die Nerven des Jun-\ngen Mannes bald wieder hl Ordnung.\" Der Drepig\nzur Kunst läßt sich aber nicht ersticken. Der\njunge Mann sattelt um, und bald saHen ihm „hüb-\nsche und elegante ftmge Damen aus seinem Be -\nkanntenkreise,\" Eine Rheinreise unterbrich,\ndiese Tätigkeit. „Ein überaus geselliger Verkehr\nentwickelt sich, doch findet er Zeit und Gelegen-\nheit, ein paar Landschaftsstudien zu malen.\" Am\nzweiten August nimmt er am Bonner Umversitats-\njubiläum teil. „Er trägt Isarencouleur und ver-\ntritt sein Korps bei dem Festkommerse Im Kley-\nschen Garten, dem Kronprinz Friedrich Wilhelm\nund General von Moitke mit großem Gefolge bei-\nwohnen.\" Dann kehrt er in das Atelier zurück.\n„Konzerte und Theater wechseln mit Festlich-\nkeiten und Kaffeehausbesuchen ab. Immerhin malt\ner mehrere Porträts.\" Im Winter eine Begegnung\nmit dem französischen Naturalisten Courbet, der\nihm als Mensch sehr sympathisch ist. Ansprechend\nist die Vermutung, daß Courbet in dem obener-\nwähnten Leibi „vielleicht noch mehr als den Maler\nden guten Biertrinker geschätzt hat\"\nBerufsmodelle benutzt der Meister nicht gern\nfür seine mondakien Schöpfungen. Diesen „fehlt\neben das undefinierbare Etwas, das das Wesen\nder Dame ausmacht.\" Nur so war es ihm mög-\nlich, „die Romantik des Salons auszuschöpfen\",\nwas zum Beispiel Leibi stets versagt geblieben ist.\nIn dem Bilde „Chopin\",4st im Gegensatze zu Leibt\nder sich immer nur an die äußere Erscheinung\nhält, das Leben selbst und der geistige Zustand er-\nfaßt. Die junge Dame, deren Hände die Sticke-]"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "815", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.5", "texte": "Moriz Melzer: Originalholzoohnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "816", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.6", "texte": "rei entglitten ist, träumt den süßen Liebesktagen\nChopins nach, die ihre Freundin aus den Saiten\nzaubert\" Eingehend werden die Farben des Bil-\ndes analysiert, „Zu Beethoven würden diese Far-\nben nicht passen.\" Das leuchtet ein, wenn wir die\nThemen der nächsten Bilder erfahren: „wie diese\nhübschen, nach der neuesten Mode gekleideten\nDamen stehen, sitzen, mit ihren Hündchen spielen,\nihre Partie de bal umnehmen, oder vor sich hin-\nträumen, das ist mit ebensoviel Qefühl für weib-\nliche Anmut und ruhige Vornehmheit gegeben, wie\n•mit Verständnis für den Reiz von distinguierten\nToiletten.\" Sympathisch ist wiederum der Zug,\ndaß es unserem Maler niemals möglich war,\n„einen weiblichen Akt einfach als Akt dem Publi-\nkum anzubieten. Er suchte sein Dasein zu moti-\nvieren. So erfand er zu dem liegenden Akt das\nMeer -und den abziehenden Sturm, so daß die\nLiegende als schönes Opfer eines\nSchiffsbruches erscheint.\" In dieser Zeit\nentsteht das Bild: die letzten Stiche. „Das kalte\nZimmer eines in Verfall befindlichen Schlosses.\nDurchs Fenster schaut ein kalter Wintertag und\nsieht mitten im Zimmer ein blondes, in eine Pelz-\nfacke gehülltes junges Mädchen sitzen, das fleißig\nan einem weißen Kleide näht. Im Hintergrunde\nein Kamin, den eine Alte heizt. Romantischer In-\nhalt : das arme adlige Fräulein, das\nsich nach den Freuden des Lebens\nsehnt und unbemerkt von den Ihrigen an der\nToilette arbeitet, mit deren Hilfe vielleicht\nder Ausweg aus der Familienmisere zu finden ist.\"\nEs wird hinzugefügt, daß das Bild seine Pointen\nnicht unterstreicht.\nWie uns die junge Liebe und die romantische\nHochzeit des Künstlers erzählt werden, möge man\nin der Arbeit selbst nachlesen. „Er hatte seine\nMuse gefunden. Sie war für ihn, was Helene\nFourment für Rubens, Saskia und Hendrikje für\nRembrandt, Nana für Feuerbach gewesen, und\neigentlich mehr.\" Die folgenden Bilder offenbaren\nwieder den „Romantiker des Salons\". „Ein Tri\nseinem Salon mit Abstauben beschäftigtes Stuben-\nmädchen lauscht hinter der Portiere dem Gespräch,\ndas er in dem dahintergelegenen Zimmer mit sei-\nner jungen Frau am Frühstückstische führt. Er hat\ndiese Episode in einer zweiten späteren Fassung\nzu einem kleinen Roman ausgestaltet, indem er\naus dem horchenden Kammerkätzchen eine Dame\ngemacht, die ihren Gatten oder Geliebten bei einem\nTete ä Tete mit einer anderen belauscht.\" Daß\nein Künstler von so feiner Empfindungsgabe nicht\nauf dem Standpunkte gewisser moderner Maler\nsteht, „die ihre Studien roh hinschmieren\" leuch-\ntet ein. Wir erfahren genaueres über die Ent-\nstehung der „Auferweckung\". Jairi Töchterlein be-\nreitet wegen ihres Gesichtsausdruckes große\nSchwierigkeiten. Seine Muse hilft. „Sie machte\nihm klar, daß, wenn jemand aus einem tiefen\nSchlafe oder einer Ohnmacht erwacht, er zuerst\nnicht wüßte, wo er sich befände. Er würde also\nzunächst seine Gedanken zu sammeln suchen, sich\nbesinnen. Und wie säße man gewöhnlich da,\nwenn man sich auf etwas besänne?\" Nun, wie\ndenn? „Sie machte ihm vor, wie ein graziöses\nweibliches Wesen ganz unwillkürlich die Hand\nan die Wan g e legt, um sieh aus einer Ver-\nwirrung ihres Denkens wieder in die Wirklich-\nkeit hineinzufinden.\" Nun ging es an die Aus-\nführung des großen Bildes. Es ist dann aber\nauch etwas gewoi den, eine in der Malerei des\nneunzehnten Jahrhunderts einzige Leistung, „denn\ndie Kunst keines anderen Kulturlandes hat aus\ndieser Zeit auch nur Aehnliches an Größe der\nAuffassung und Schönheit der Malerei aufzuwei-\nsen.\" Wie großartig das Bild ist, geht auch daraus\nhervor, daß der „damals zweiundsiebzigjährige\nMenzel es nicht mehr verstand.\"\nNoch einen Gipfel erlebt der Meister: „zu ver-\nschiedenen Malen ist er mit Kaiser Wilhelm dem\nZweiten zusammengetroffen.\" Kaum vermag man\nruhig zu bleiben, bis man erfährt, welchen Ein-\ndruck der Kaiser aui ihn gemacht hat. Man höre:\n„Er ist, wie alle, die Gelegenheit haben, den Kai-\nser in der Nähe kennen zu lernen, bezaubert von\ndessen Liebenswürdigkeit und Natürlichkeit/' Nie-\nmals ist er Jemand begegnet, der ihm mit so\ndurchdringender Offenheit und wohlwollender\nSchärfe ins Auge geblickt habe.\" Das gesunde\nund obiektive Kunsturteil des Kaisers überrascht\nihn. Werni der Kaiser über ein Bild von Reiniger\nsagt, es sei nicht richtig, daß ein Bild erst aus\nzehn Schritten Distanz etwas wert sei, vermag er\nnicht zu widersprechen, denn der Kaiser sieht ihn\n„fast bei jeder Anrede tief und fest, beinahe starr,\nin die Augen\". Froh dürfte man sein, „wenn das\ndeutsche Publikum die Kunst so gesund und unvor-\neingenommen beurteilen kann wie der Kaiser.\"\nEs bleibt zum Schluß, von höherer Warte aus\ndie Bedeutung unseres Meisters abzuschätzen. „Er\nunterscheidet sich durch die Fähigkeit, mit Bedeu-\ntung zu malen, sehr stark von Künstlern wie\nLeibi, Trübner, Liebermann und anderen, für die\ndie Malerei Selbstzweck ist, und die nicht daran\ndenken, mit ihrer Hilfe aesthetische und geistige\nProbleme zur Lösung zu bringen.\" „In der Schön-\nheit und Mannigfaltigkeit der Farbe bleibt Leibi\nhinter ihm zurück.\" „Was ist des vielgerühmten\nDelacroix „Dante-Barke\" für ein zahmes Bild\ngegen diese farbige Symbolik des menschlichen\nEndes (in unseres Künstlers „Auferstehung\")?\nDagegen, daß ein Künstler sich entwickelt, ist letz-\nten Endes nichts einzuwenden. Auch unserem Meis-\nter ist das nicht ganz erspart geblieben. Aber\n„auch seine neuesten Bilder verleugnen nicht seine\ngute Erziehung, seine Neigung, . . . in den von\nder Schönheit gezogenen Grenzen der Anmut zu\nbleiben.\" Der einzige Maler, mit dem dieser\nKünstler verglichen werden kann, ist Arnold\nBöcklin. Aber damit sollen nicht etwa beide\nMeister gleichgestellt werden. Dieser Künstler\nsteht noch höher. „Es bedarf keiner Auseinander-\nsetzung, daß er der kultiviertere Maler ist, daß\nseine Mittel feiner sind.\" Dafür sind ihm denn\nauch „die höchsten Auszeichnungen des In- und\nAuslandes zuteil geworden, die ein Künstler sich\nnur wünschen mag.\"\nNur das deutsche Volk schätzt ihn noch nicht\nnach Gebühr. Er heißt: Albert von Keller.\nUnd sein Biograph ist: Hans Rosenhage n.\nHans Rosenhagen, der führende Berliner Kunst-\nkritiker.\nDie „Woche\" wird sie mit dem „Deutschen\nKulturpreis\" krönen.\n\nBim\n\nWintersaison\nFaschingszauber\nJoseph Adler\nÜber den bunten Markt des Lebens prome-\nnieren viele sonderbare Gestalten, die auf unser\nsatirisches Behagen Anspruch erheben dürfen.\nWenn aber der Ästhet auftaucht, um in wehmü-\ntiger Einsamkeit vorüber zu wandeln, sinken alle\ndie andern im Kurs.\nBis auf den Erich Schlaikjer, denn der\nwar auch als Spötter noch niemals solvent. Mit\neinem schreiendem Passivum an Witz und Origi-\nnalität repräsentiert er den täppischen Vertreter\njenes Schrifttums, das mit der Demokratie unter\neinem Dache wohnt. Aus den Schornsteinen steigt\nbeständig ein Rauch, als ob man im Hause die\nSchmortöpfe voll köstlichen Fleisches hätte. Aber\nin Wirklichkeit kochen die Tendenzatleten Bettel-\nsuppen, wenn sie nicht gerade Kohl aufwärmen\nMit einer gedankenblinden Betrachtung, einem\ndünnen, unsinnigen Nichts, mit einer handvoll\nPhrasenbrei werdeil Zehatau-Sendß gespeist wiß-\nbegierige, bildimgshungrige Zeitungsleser.\nEin Eemlletoniste muß von der Lebens brühe\ndie-Fettaugen der Erfahrung abschöpfen, um dem\nLesepublikum „Ausblicke gewähren zu können4'.\nEr schmiert die Angeln der Tür ins Interessante mit\nder öligsten Phantasie, aber man muß sie ihm hiß\nund wieder vor der Nase zuschlagen.\nUnd man muß ia wild werden, und es mul\naller Langmut reißen, wenn ein Erich Schlaikier\neine kurzgefaßte Naturgeschichte des Ästhe-\nte n schreibt Hier, ich will einige Sätze, die we-\nder Kopf noch Schwanz haben, her auspeitschen.\n„Der Ästhet ist in seinem Äußern ein seltsa-\nmer Farbenmensch, der wie ein phantastisches\nWunder durch die kalte We 11 schreitet.\nEr scheut kein Opfer, wenn es um die Kra-\nwatte geht; er liebt die furchtbare Qr atw an-\nder it n g zwis c h e n Tod und Leben.\nDie Ästheten sind wie Lilien in der gewöhn-\nlichen Rübenkultur der Menschheit. Sie säen\nnicht und sie ernten nicht, unser himmlischer\nVater ernähret sie doch.\"\nSie sind wie Lilien, die nicht säen und ernten.\n„Um seine blasse Vornehmheit zu retten, hat\ner sich in die erlesenen Qärten seiner Kultur zu-\nrückziehen müssen; aber sie werden von ihrer\nkulturellen Sendung in den Lärm der Säle hin-\neingeführt, um als stille Punkte einer fernen\nSchpnheit in der nichtigen Menge zu schimmern»\n— Wenn ich von den inneren Kämpfen um die\nKrawatte absehe, ergreift mich nichts so sehr,\nwie die tiefe schreckliche Einsamkeit, die den\nÄstheten im Ballsaal des Lebens umgibt/1\nDas Leben ein Ballsaal? Auch gut. Ich habe\nSchlaikjer nicht zum letzten Mal zum Tanze aufge-\nspielt.\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nAusstellung\nZeitschrift Der Sturm\nDer Blaue Reiter\nFranz Flaum\nOskar Kpkosckka\nExpressionisten\nTiergarteiistraße 34 a\nDie Ausstellung ist täglich von\n10 bis 5 Uhr (auch Sonntags) geöffnet\nKarte 1 Mark / Dauerkarte 2 Mark\nSchluß der Ausstellung am 10. Mai\n\nVortragsabend\nvon Rudolf Blümner\nAm 17. März, abends 8 Uhr, trägt Rudolf\nBlüm n e r Dichtungen von Hans Christian An-\ndersen / Peter Altenberg / Qotthold Ephraim\nLessing / Heinrich von Kleist / Lafontaine /.\nPaul Scheerbart vor. Der Abend findet im Archi-\ntektenhaus, Wilhelmstraße 92-93, statt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "817", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.7", "texte": "Verlag Der Sturm Berlin W 9 / Verantwortlich für die Anzeigen: Edmund Häner\n\nLt* Ef 112 o i* t\nHalbmonatsschrift\n» fbt moderne Kultur u. fr?n-\nzdsische Secession in den\nKunsten und inder Liter atur\nHerausgeber und Schriftleiter\nJEAN RICHARD BLOCH\nI* Jahresbeeug fQr das\nAesland: Mark 6. —\ny. POITIERS (Vienne)\nFrankreich\n\n*< \\ luna Park s* #\nA!> 23. iatiuar: Ausschank von\n„TfiUmpi?aSOl,\";aVuerge™Brauener\nfit\n„W9iitersportfest\nEsi Bsrchtasgaden\nVolksbalusfigungen, sonstige Attrationen\ncksot OreS ECapeilen .\nt-\n\nCafe-Restaurant\nOdeoiv\nBar\nCh&rlottenbur^\nBism arctate-EcteNeue <j rolmarvstr .\nTaglich Nachmittag- und Abendkonzert\nvon 4—7 Uhr von 8!/2— 2 Uhr\nBillardsale Spielsale Kegelbahnen\nBeste wiener und ungarische Kuche\nOutgepflegte Biere und Weine\n:: ANGENEHMER AUFENTHALT ::\nBesitzer J. KAUNITZ Catetier\nNEU EROFFNET!\n\nKUNSTLERISCHE RAUME\nr~\ni\nr.\n1912\nALBERT KOBLINSKX\nMRUN-BRUCKENAUEE6\n•• >• -• :<»•\n\nFR HAHN\nAlexanderplatz Landsbergerstr. 60-63\ngegriindet 1825\nModeme Herrenbekleidung\nfertis und nach Haß\nRekfameaogebot:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemustertem Cheviots mit Xrmelaufschlagen 3250 H\naus den mocferttsfen Flauschstoffen mit aufgasteppten Tascheit 45s® H\nVornehmer iweireihiger englisch gamusterter Cheviot\n32m 45 n\nSchick© Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten and MitgHedern von Kuasiv&reiaiguagea gegen Vorzelgang voa LegltimaHoaskartea 5% Sabatt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "818", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120316-01.1.8", "texte": "Druck von Carl Hause. Berlin SO. 26 Mariannenplatz 23\n\nr\nAussteilungen, Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCASPER'S Kunst-Salon\nElntritt 60 Pfennig. Potsdamerstraase 18.\nSeu aasgeetettte GemSlde:\nAd. Bock\nP. Hoenlger\nH. Lk&t\nM. Liebcrmonu\nE. SJebermani*\nA. Liedtke\nA. Mdller\nR. Poeschmaan\nJ. F. Raffa&Ui\nE. Seelos\nF. Thames\nAHc« TrtSboer\nM. Utfa\nMerita Teii\na, n.\nCoilectlonea von H. de Maranda*-Paris\nund Hughes Slanton-London\n\nGRAPHISCHES KABINBTT\nBuch- u. Kunsthandiung, Aitfiquariat, Verlag\n:: BERLIN Wl5, Kurfurstcndamm 33\nins Eckhasse* gtgenitber tier Se-\nzesskm, Eing&ng Orttimnastraßc\nlllustrk-rt. Kalaiog Prosptkte gratfa\nStandige Aussteilung\nmoderner Oraphik\nKINTRITT FREI\nAnkauf guterGrapbik\nu, iliustrierter Bficher\n\nAtelier Hanni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Luis* Sckmidt nnd Hanni Schwarz\n=s=s Berlin W 30 Hohcastaofeastras se 44 111 i\nFernsprech-Anschluß: Ami Lfiizow, 9110 :: Fahrstuhl\nGe6ffi\\irt: Wocbentags von 9-6, Sonntags von 10-1 Uhr\nPhoiographische Arbeiten jeder Art in\nkiinstlerischer Ausftihning\nAufnahmen in natiirlichen Farben\nSpesialit&t: Kinderaufhahmen und Aufnahmen\nIm eigenen Heim /. Kurse ftir Amateure\n\nFDIT7 fTfllDf BERLIN W33\nIKII L aIULrW Senfhiner Strafje 42\nGegrt&de* im Jahte 1878 Fernsprecher Amt VI 762\nFabrik ftir Gem&lderahmen\nin alien histortschen und neueren Stiiarte«\nK&flm von Rahman nach alien Melstern in Original-Goldtdnungen\n— ih.l. UAiuffiiflAiiuittiMH Moderne uud antlke Vergoldungen an\n5U11116u6 VergOmerWareQ MSbeln, tnnen - ArchiWuren USW.\n.. Kunst-Einrahmungen ••\nReparatureu und Neuvergoldungea aller Gegenst&nde, Auf-\narbeiten all Art Antiken, Reinigen von GemSl'den u. Stichen\n\nFRITZ MERKER ?ha,l°tte°trS%S\"\"!r?'r^\nPASSEPARTOUTFABRIK:: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nAUFZIEHEN VON ZBICHNUNGEN :: MODERNE BUCHEINBANDB\n\nKOHSTUER - mfIGAZiH\nFRITZ BERGmANN\nSteglitz a Schiitzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\nArohitektur-Buohblnderel /.\nELektrisehe lachtpatxsa.n.stalt mit Motorbetrieto\nFaasepartout-Fabrlkation Bildereinrahmtni£\n\n5s\n*5\n&\nn\ni\ni\n§\n/r>\n-m\np\nfieora Anton Berlin SI\nFHedHchstraße 49a\nVielfach pr&raiiert Gegrfindet 1876\nIliustrierter Preis-Katalog franko\nP erficken 112. Theater jr**\nHi?\n'(r\n:{/ \\\n3\n4\n-•\nIT.\n-P'' \\s\n> V \" V\n\\ ml L\n'-3^.\nJ-\nund Strasse sowie\nsAmtlicher ttaarar\nbeiten in naturge-\ntreuer AusfUhrung |\nir* *\n\nLehranstalten » Kurse\nMai- und Zeichenschule\nStilleben — Landschaft — Poriritt\nnftA PoiTTDP Hek t orstrafie 17\nj CJL am KurffirsteoHaram\n. rerlange Prospekte —..-j. i \"n\nHolzschnitsen, Modellieren, Zeiohnen\nT&glich 9— 1 Uhr Eiatrilt jederzeit\nModeiliei en ffir Architekten t&glfch von 5— 7 oder 7—9 Dfor\nAbend aki tSglich 7—9 Uhr Mark —-,50\nAt<°Her KurfGrstendamra 248 parterre gegenfiber dem Zoo\nBildhauer Harders Berlin-Charlottenburg\nJModclUercn und Zetcbnen\nDorbcreitung fiit irie Eka6emie\nKarl rkynen-Duroont\nOC^rfottcnburg\nt^onorare\nCcibnl|-Str. 32, atelier\nT9\nInsriful\nm\nHBIH-ihstitdt\nLeiter: M. PECHSTEIN\nE. L. KIRCHNER\nWILMERSDQRF\nDurlacher Strafie 14.\nMODERRER UMTERRICHT\n• •\n• *\nIR MALEREI\n* *\n* +\nGRAPHIK, PLASTIK\nTEPPICH-, GLAS- U.\n: MET ALL-ARBEIT :\nMALEREI IN VERBINDUNRj\nMIT ARCHITEKTUR\n\nBuchhandlungen\n\nEdmund Meye\nBuchfiflndfer u. flnfiquar\n:: BERLIN W. 85 ::\nPotadamer Straase 27 h\nFentsprecher Amt VI 5890\n\nReuss & Pollock\nBuebbandlong ii.lutiquariat\n:: BERLIN W. 38 ::\nPotsdamer Strasae tlBc\nr Hmt VI (CtttXMV) 282&\n\nIch kaufe alle\nPublikationen von\nStefan George in\nersten Ausgaben,\nsowie die Blatter\nfur die Kunst\nPaul Graupe\nAntiquariat\nBerlin W 35\nLiitzowstrasse 38\n\nKleine\nif#\n585\nm\nm\nrM\n*\nm\n%\nm\nvA/.k 1 7:3*\n-r* vJ* i\n\nTitania-Schreibmaschine\nErste deutsche Schreibmaschine rait Typenhebeln auf Kugellagern\nFabiikat der Akt.-Ges. Mis & Genest, Scb6n~ berg-Berlin\nGenoraivertreter ftlr Berlin uml Mark Brandenburn\nLouis Stangen / Llnkstrasse 12 / Teiefon Kurforst 2420\n\nSpedition\nGepSekfahrt\nRollfabrwerk\nVerzollung\nVersieherung\nLombard\nMobeltranspon\nverpaekuny\nLagerung\nMax\nL MX\nHalensee\nm\n5\nft\nla\nli.:\nRingbahnstrasse 123 a :: Fernsprecher. Uhland 595\nSpediteur des Vereins fiir Kucst\n\nI Premiere |\nWie man\nManner bessert\nKomddie in zwei Aktea\nvon Anton and Donat |\nHerrntfeld j\nPer Haosteafel I\nSchwank in einem Akt I\nvon Pohlmann 11\nAnf. 8 Uhx Vorverk. il—fi Uhf if\nbi 1 ■ ■ ————\n\nWiitergartei\nAm Bahnhof\nF ri edri chstraße\nNenes Programui\nOrefe\nEOiesenfhal\n\nHans Ooltz\nNachfoiger\nMfinchen, Briennerstrasse 8 a\nlUftdipn AuitleSlyiHi\nvon Schwarz -Weiss-Kunst /\nHadirungen / Uthographien /\nHoizschnitte / Zeichnungen\nVertreter fur Deutschland der\nKSnstlcr EMIL ZOIR / BOON\nSCHIELE und die Schwarz-\nWeiss AussteHung der\nRedaktkm DER BLAUE REITBR\nUeber diese illustrierfcer Katalog\nzu 50 Pfennig\n\nHeue Sezession\nSeiiw arc-Weiss\nAussteHung\nPotedamcrstr. 122\n\nDie Fachel\nt HERAUSGEBER\nKarl Kraus\nBrsrcheint in 2Wanglos«r\nFolge\nNummer 343/344\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nOberall erhaltuch\nauch auf den Bahnhdfen\nWerbeband der Fackel\n$0 Pfennig"}]}