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W.: April: Unverdaute Symbolik / Zum Lachen / Die Kenner / Die Frau in Haus und Beruf / Der gestorbene Lyriker / Die lebende\nLyrikerin / Männchen / Die sexuelle Abstinenz / PETER ALTENBERG: Besuch / ELSE LASKER-SCHÜLER: Gedicht / ALFRED\nDOBLIN: Der schwarze Vorhang / FUTURISTEN: Die Aussteller an das Publikum / RICHTER-BERLIN; Maler-Kritiker / J. 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So etwas\nkann man bei Germanisten, die gegen Strindberg\nund Przybyszewski sind, nie wissen. Vielleicht\nwerde ich mit Hilfe des § 11 des Preßgesetzes\nauch hierüber aufgeklärt.\nZum Lachen\nHerr Viktor Auburtin, der mir neulich aus\nParis eine hübsche Ansichtspostkarte sandte\nich wollte gern wissen, wie er aussieht, der\nKollege, er besitzt leider keine Photographie und\nschickte mir daher nur die Reproduktion eines\nalten Meisters — Herr Viktor Auburtin stellt\nsich jetzt bereits in Paris auf dem Bahnsteig,\nbescheiden wie er ist, nur als Reporter, und be-\nrichtet dem liberalen Deutschland von Fräulein\nProvost: „Sie mimte den Reportern auf deta\nBahnsteig das kaiserliche Lachen in all seinen\nStadien vor, was auf sämtliche Anwesende einen\ntiefen Eindruck machte.\" Vielleicht kann Herr\nAuburtin mir wenigstens eine Photographie von\ndiesem Lachen in allen seinen Stadien ver-\nschaffen. Wenn die Kunst ihm untergegangen\nist, muß sich der Kollege sonstwie einen tiefen\nEindruck leisten.\nDie Kenner\n„Die. angesehensten christlichen Kenner\ndes jüdischen Schrifttums haben einwandsfrei\nnachgewiesen, daß zu keiner Zeit die Juden\ndurch ihre Religion zum Ritualmord angestiftet\nwurden.\" Aus einem Aufruf, den folgende Fach-\nleute unter anderen unterschrieben haben: Albert\nBassermann, Schauspieler; Rechtsanwalt Dr. 80l-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6474, "texte": "lert; Stadtverordneter Bräsel aus Stettin; Dr.\nHerbert Eulenberg, Schriftsteller; Ernst Hardt,\nSchriftsteller; Fräulein E. Hedinger, Malerin ;\nDr. Ernst Heilborn, Schriftsteller; Seine Exzel-\nlenz Admiral von Hollmann; Professor Albert\nRitter von Keller (Maler der Damenseele 'im\nSalon), Mitglied der Königlich bayrischen Aka-\ndemie der Künste; und natürlich: Ludwig Fulda\nund Hermann Sudermann, beide Schriftsteller zu\nBerlin. Das dürfte selbst den Ritualmord töten.\nDie Frau in Haus und Beruf\nVerkitschung des Warenhauses A, Wert-\nheim. Alles verkäuflich. Die Frauen, die flechten\nund weben, stellten überall irdische Rosen herum.\nDie Kinder Florens machten einen recht betrüb-\nten Eindruck. Frau Hedwig Heyl wurde a la\nsuite gestellt.\nDer gestorbene Lyriker\nSehr witzig finde ich es, daß man beim Tode\ndes Herrn Geheimen Justizrats Albert Traeger\nsein Gefühl dem „modernen Reimgeklingel\"\ngegenüberstellt. Es wird Herrn Traeger allgemein\nbescheinigt, daß er nie einen persönlichen Feind\nbesessen habe. Deswegen, meine Kollegen, war\ner noch immer nicht ein Dichter. Zwar blieben\nallen Nachrufenden die Hilfsverben vor\nRührung in der Feder stecken. Oder war es\nLyrik? Lyrik von; Albert Traeger ? Wenn jemand\neine Mutter hat, so danke er Gott dafür, stelle\naber dies Ereignis nicht erst in gereimten! Jamben\nfest. Wenn jemandem eine Mutter stirbt, so\nfinden die Kollegen es äußerst gefühlvoll, diesen\nSchmerz gereimt in die Spalten des Feuilletons\nzu stecken. Aber Gefühle, Kollegen, werden\nnicht durch Brüllen, sondern durch Gestalten\nlebendig. Darüber hilft nicht einmal der Tod\nhinweg.\nDie lebende Lyrikerin\nAber sie ist uns noch erhalten, die brün-\nstige Marie Madeleine. Nach Herrn Norbert Falk\nerwärmt sich jetzt ein Greis für sie, Herr Sigmar\nMehring, vielfach genannter Verfasser eines\nReimlexikons. Es tut mir doch sehr leid, daß das\n„Berliner Tageblatt\" auf meine Anregung hin\nseine Beilage „Literarische Rundschau\" durch ein\nneues Klischee sichtbar gemacht hat. Jetzt wird\ndas Gemüse womöglich «mit Wohlbehagen ge-\nnossen. Das ist ein tolles Weib, die Marie Made-\nleine. Herr Mehring orientiert: „Eine Steigerung\nder ersten Sammlung war nicht möglich, denn\ndiese zeigt uns schon die in heißester Sinnlich-\nkeit erregte, wollusttrunkene, ganz und gar ent-\nschleierte Mädchenseele. Zu enthüllen gibt es\nnichts mehr.\" Wenn sie nun schon einmal ganz\nund gar entschleiert ist, bleibt keine Sensation\nmehr zu erwarten. „Abfer in dem neuen Buch\nmeldet sich ein anderer Reiz, der des gereiften\nWeibes. Das Weib nach seiner sorglos opfer-\nvollen Hingebung, das Weib, das nun auch\nfordert (Nun auch?), das Gunst um Gunst und\nLust um Lust tauschen will, tritt uns bewußt\nentgegen.\" Uns bewußt. Die Sache wird\nkritisch. Nämlich: „Wir kennen es bereits (wir?)\naus der Novellensammlung (ach so) ,Aber das\nFleisch ist stark'.\" Der Geist des Herrn Mehring\nhingegen schwach. Sonst ist er aber sehr willig.\n„Schon dort hat Marie Madeleine verraten, daß\ndie tolle Mädchenzeit hinter ihr liegt.\" jetzt\n„singt\" das gereifte bewußte Weib:\nMeines Frühlings schmerzliche Wonne\nZerstob in Traum und Duft,\nNun leuchtet mir Sommersonne\nIn goldener Mittagsluft.\nDer Dame wird immer heißer. Oder, wie\nHerr Mehring sagt: das Weib in ihr löst sich\nganz in Lüsternheit auf. Dann singt sie so:\nUnd deines Mannes Urkraft rast und gibt . . .\nUnd gibt mir Seligkeit und gibt mir Schmerzen.\nJetzt scheint sie aber ganz wirklich gereift\nzu sein. Das findet auch Herr Mehring und sie\nselbst: „Ihr ganzes Leben ist Sinnenlust (Reife\nvastehste), ihr kommt es selber seltsam vor:\nIch kann es ja selber nicht begreifen,\nAber es ist, als müßt' es so sein ...\"\nJa, manche begreift es nie. Aber es erfüllt\nsie mit stolzer Befriedigung:\nDas Leben, das so viele därben läßt\nIn Gier und Groll, ... in tödlichem Ver-\nschmachten,\nHat liebevoll mich an sein Herz gepreßt\nLind stillte all mein Sehnen und mein Trachten.\nWenn ihr Sehnen und Trachten endlich\nschon gestillt ist, so soll sie doch um der Lyrik\nwillen wenigstens das Dichten bleiben lassen.\nDenn erstens heißt es schon Dichten und Trach-\nten, und zweitens erfüllt es uns nicht mit Be-\nfriedigung.\nDas Fleisch ist willig, aber die Kunst ist\nschwach.\nMännchen\nDie „Vossische Zeitung4', von Staats- und\ngelehrten Sachen, 1791 priveligiert und 1911\nmodernisiert, meldet von einem neuen Cafe:\n„Gleich beim Eintritt fällt einem das Kaiserbild\nvon Professor Männchen ins Auge.\" Herr Männ-\nchen hat doch durch den Umbau von A. Wert-\nheim schon so viel verdient, daß er nicht noch\nKaiserbilder in die Augen zu schmeißen braucht.\nDer Unfall geschieht nicht so sehr durch\nSchmeißen wie durch Malen.\nDie sexuelle Abstinenz\nDer Bund für Mutterschutz arbeitet jetzt\nmit Resolutionen, nachdem ihm die Sorge für\ndie Mütter vom Mutterschutzhaus abgenommen\nworden ist. Man versammelte sich und faßte\nnach Vorschlägen einiger Aerzte einen Beschluß.\nVorher wurde festgestellt, daß die Herren Goethe,\nWagner und Nietzsche bis zum dreißigsten\nLebensjahr sexuelle Abstinenzler gewesen sind.\nIch bin über das Liebesleben dieser Herren nicht\nso orientiert wie die Damen. Aber sie werden\nes schon wissen, und die Philologen und Ger-\nmanisten werden keine aktenmäßige Beweise für\ndas Gegenteil erbringen können. Die Unter-\nsuchung auf diesen Gebieten scheint mir über-\nhaupt post festum etwas schwierig. Man freute\nsich aber allseitig, daß die sexuelle Abstinenz\ndiesen Herren sonst nicht geschadet habe. Hier-\nauf faßte man den Beschluß, und ging dabei\nvon der Voraussetzung aus, die Herren seien\neben Outsider gewesen, und was für Goethe,\nWagner und Nietzsche richtig sei, brauche man\nbillig nicht als Regel hinzunehmen. Besonders\ndie Frauen waren gegen die Regel und be-\nschlossen : „Die sexuelle Abstinenz sei im all-\ngemeinen schäjdlich, besonders für die Frauen.\nDoch könne in Anbetracht der erwähnten Fälle\neine sexuelle Abstinenz bis zum dreißigsten\nLebensjahre nicht direkt als schädlich bezeichnet\nwerden.\" Durch diese Resolution scheint mir die\nsexuelle Frage endgültig gelöst zu sein. Es war\nzwar schwer, aber man weiß, was man zu tun\nhat. Man kann es nämlich so machen oder auch\nanders. In dringenden Fällen wende man sich\nan den Bund für Mutterschutz.\nH. W.\nO,\nDu mein Engel,\nWir schweben nur noch\nIn holden Wolken.\nIch weiß nicht, ob ich lebe\nOder süß gestorben bin\nIn deinem Herzen.\nImmer feiern wir Himmelfahrt\nUnd viel, viel Schimmer.\nDeine Haare sind Goldnelken,\nHeiligenbilder deine Augen.\nSage — wie ich bin?\nUeberall wollen Blumen aus mir.\n\nElse Lasker-Schüler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.2.1", "titre_corps": "Oskar Kokoschka: Zeichnung", "titre_sommaire": "Oskar Kokoschka: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.1", "debut_caractere": 2854, "fin_caractere_exclue": 2880, "texte": "Oskar Kokoschka: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.3", "titre_corps": "Besuch", "titre_sommaire": "Besuch", "signature_source": "Peter Attenberg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.2", "debut_caractere": 6476, "fin_caractere_exclue": 8866, "texte": "Besuch\nVon Peter Attenberg\nMein Freund, der Doctor philosophiae aus\nHeidelberg, schrieb mir, er sei in tief deprimierter\nStimmung, wolle in den „Frieden der Berge\nflüchten\", höchst moderne Ausdrucksweise, und\nvor allem beim Dichter eine Art von „seelisch-\ngeistigem\" Reinigungsbad nehmen. Als er an-\nkam, begann ich daher von Rax und Schneeberg,\nPinkenkogel und Sonnwendstein zu schwärmen.\nEr erwiderte: „Lasse gefälligst diese Marlittiaden\neiner überwundenen Epoche und zeige mir lieber\neine Dame, mit der man stundenlang über Ibsen,\nHofmannsthal, Stefan George und ähnliche Ge-\nschöpfe seine endgültigen Ansichten los werden\nkann.\" Er war glücklich, als ich ihm mitteilte,\ndaß ich zufälligerweise gerade jetzt drei solcher\nDamen hier auf Lager habe, leider aber eine\njede in einem anderen BerghoteL Er meinte,\ner wolle gern den Wagen bezahlen, und wir\nsollten von einer zur anderen fahren. Auf dem\nWege könne man ohne weitere Schwierigkeiten\ndie Schönheit, den Frieden der Bergwelt, aber\nohne Exaltationen über jeden einzelnen Baum,\nsondern in Bausch und Bogen, genießen. Dieser\nannehmbare Plan wurde zu allgemeiner Zu-\nfriedenheit ausgeführt. Eine vierte Dame, die\nsich anschloß, konnte wegen Zeitmangels nicht\nins Gespräch gezogen werden über die Philo-\nsophie in der Musik des Debussy. Der Doktor\nsagte zu mir : „Ist es also wirklich wahr, daß\nman nur bis elf Uhr abends hier Getränke be-\nkommt?!\" — „Nein,\" erwiderte ich, „das ist eine\nVerleumdung, man erhält bis Mitternacht Limo-\nnade und Soda-Himbeer 1\" — „Esel,\" sagte er,\n„ich meine schweren Burgunderl\" Er schlug\nnun vor, schon um sieben Uhr abends anzufan-\ngen, damit man bis zur Schank-Sperrstunde das\nNötige absolviert haben könne. Ich erklärte ihm,\ndaß ich seit anderthalb Jahren Antialkoholiker\nsei und daher vor halb acht Uhr abends nicht\nanfangen könne! Er sagte, er sei einverstanden,\nda er mich von meinen schwer errungenen\nGrundsätzen nicht abbringen wolle. Im Laufe\ndes Abends gesellten sich einige Herren zu uns,\ndie er in liebenswürdigster Weise anstänkerte,\nindem er sie fragte, ob sie sich ernstlich von der\nBergluft und der Enthaltsamkeit eine Heilung\nihrer anscheinend~ doch unheilbaren Leiden er-\nwarteten? Bald waren wir allein, und später\nerklomm er mit meiner Bergführerhilfe die\nTreppe. Er sagte noch: Rax, Schnee—berg,\nSonn—wend—stein, Pin—ken—ko— gel . . ~\ndann verschwand er hinter der gepolsterten Tür."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.4", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4256, "texte": "Der schwarze Vorhang\nVon Alfred Döblin\nRoman\nWenn er sich jetzt unter Freunden plötzlich\nmüde reckte, den Kopf auf die Brust fallen ließ\nund minutenlang vor sich hinstarrte, so klangen\nGedanken in ihm auf, deren Qual ihn fast betäubte.\nEr war verdorben und sollte verderben, was\nihm über kam. Er war zur Zerstörung\ngeschaffen. Seine Leere griff räuberisch nach Fülle,\nund das hieß er Liebe. Mußte es nicht auch eine\nArt heimlicher Liebe und Rachedurstes sein, was\nihn zu den Menschen trieb? So lange er lebte\nund schauen konnte, war er diesem qualentzückten\nDrängen nicht entgangen; war nicht sein blasser\nSchatten, sondern seiner Seele Seele; nun wollte\ner seinen Haß segnen, sich ihm ganz hingeben.\nWüste sollte um ihn sein.\nUnd sie, sie sollte seinen jungen, gefeiten Haß\nzuerst spüren, die ihn geweckt hatte. Niemand\ndurfte von der Armut wissen, auf der sich der\nReichtum seines Hasses erhob; so war es wiederum\nsie, die er zerdrücken mußte, die seine Armut\ngesehen hatte, die aus dem Wege geräumt werden\nmußte, auf daß er wieder atmen und das Gesicht\nerheben konnte.\nSein auferstehender Groll wandte sich nicht\ngegen das Weib, sondern gegen den Anderen,\nden feindlichen Menschen.\nEs setzte sich in ihm fest und wurde ein düsteres,\nkindisches Verlangen, das sich von ihm löste und\nträumend vor seinen Füßen hinging.\nVorerst mied er sie, soviel er konnte und ver-\nstummte, wenn sie in der Nähe war.\nEr fürchtete sich durch den Klang seiner Stimme\nzu verraten. Aber es verging nicht viel Zeit, da\nwehte wieder unter dem breiten Laub der Bäume\nliebliches Lachen und Schwätzen; die weiße Lebens-\nleichtigkeit schimmerte und schwebte wieder über\nden Sand. Dumpf und mit Gelassenheit spürte\ner, während er manches sprach, daß irgend etwas\nvor seinen Augen ihn brannte und seine Gedanken\nim Hintergrund beschäftigte. Sie ging mit ihren\nstarren roten Haarsträhnen sicher und freundlich\nvorüber und grüßte scheu auch ihn. Er sah ihr\nlange mit Schweigen nach. Für einen kurzen\nAugenblick brach etwas in ihm bei ihrem Anblick\nin Gelächter aus. Dann wartete er, suchte sich\nganz auf sich zu besinnen.\nSchwer erhob er sich dann, und merkte erst\nbeim Gehen, daß seine Füße ihn gerade auf sie\nzutrugen und daß er irgendwie entschlossen war.\nEr mußte sie bezwingen, «bezwingen«:\nDas Wort klang so befehlend und klagend in\nihm, sie auslöschen. — Er ging jetzt sie bezwingen.\nSeine Lippen blieben verschlossen, als er dicht\nvor der Rothaarigen stand, die ihn fragend von\nunten ansah. Mit lautem Lachen und mit traurig\nerstaunter Seele sprach er einiges; als ihre Augen\nerschreckt an der ausdruckslosen Ruhe seines Ge-\nsichts hingen, sagten seine Lippen Worte, die er\nmit anderer Seele ersonnen hatte, höhnend, böse,\nunverschleiert Irene wich gegen einen Baum zu,\nangstvoll vor ihm zurück und sah ihm dabei un-\nverwandt ins Auge. Das stachelte ihn, da es an\nden Groll über ihr letztes Ausweichen rührte und\nan das Düster seiner verlassenen Stunden; hastiger\nund hastiger schwoll sein Mund von unverhohlenem\nHasse über. Seine erstickten Worte griffen und\nschlangen sich träumend um sie, und während\nGelächter über seine Lippen taumelte, wußte er\nnicht, was er von ihr wollte.\nVon weitem sah er schon deutlich die graue,\nalte Scham sich erheben. Aus den Ecken der Um-\nzäumung, in der sie standen, von den schwarzen\nzackigen Baumästen sahen Augen, blies es her-\nunter und klatschte schon Beifall zu seiner Nieder-\nlage. Sie war entwichen. Sie, sie mußte ihn doch\nhören, — und immer weiter entwich sie ihm. Ver-\nzweifeltesTaumeln und näheres Anlaufen, und doch\nverbarg sich ihm nichts; verbarg sich ihm nicht,\ndaß alles rief: es ist umsonst, laß nur ab.\nDas war seine Schlacht.\nWie ein Harlekin, der sich müde gewitzelt hat,\nschlich er beiseite und wurde stiller. Unter\nlustigen Menschen, mit leerer verwirrter Seele,\nspöttisch und bitter, war er verlassen und schutz-\nbedürftig. Er begriff sich nicht und wurde sehr\nängstlich und traurig.\nSeineWorte sanken jetzt, als er zu einem der\nLeute um sich sprach, welk und still wie Blumen hin.\nEr trat schließlich, als er Irene wiedersah, müde,\naber aufrecht, ohne inneren Antrieb, auf sie zu und\nbat sie leise, heimlich über sich selbst verwundert,\num Verzeihung und sah in ihr Mädchengesicht,\nein glattes Mädchengesicht wie alle."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "4", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.5", "titre_corps": "Futuristen : Die Aussteller an das Publikum", "titre_sommaire": "Futuristen : Die Aussteller an das Publikum", "signature_source": "Umberto Boccioni ; Carlo D. Carra ; Luigi Russolo ; Giacomo Balla ; Gino Severini", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.3", "debut_caractere": 4289, "fin_caractere_exclue": 9953, "texte": "Futuristen\nDie Aussteller an das Publikum\n\nWir können ohne Prahlerei erklären, daß\ndiese erste Ausstellung der Futuristen in Berlin,\nauch die bedeutendste Ausstellung italienischer\nMalerei ist, die jemals dem Urteil Deutschlands\nunterlag.\nja, wir sind jung, und unsere Kunst ist\nunersehen revolutionär.\nDurch unser Suchen und durch unsere\nVerwirklichungen, die schon zahlreiche begabte\nNachahmer, aber auch ebenso viel unbegabte\nPlagiatoren um uns gesammelt haben, stehen\nwir an der Spitze der Bewegung der euro-\npäischen Malerei; wir verfolgen einen anderen\nWeg, der in mancher Hinsicht dem der Spät-\nimpressionisten, Synthetisten und Kubisten\ngleicht, an deren Spitze die Meister Picasso,\nBraque, Derain, Metzinger, Le Fauconnier, Glei-\nzes, Leger, Lhote und andere standen.\nWir bewundern den Heroismus dieser be-\ndeutenden Maler, die eine lobenswerte Ver-\nachtung des artistischen Merkantilismus und\neinen gewaltigen Haß gegen den Akademismus\ngezeigt haben, aber wir fühlen und erklären,\ndaß unsere Kunst der ihren entgegengesetzt ist.\nImmer wieder malen sie das Unbewegliche,\nErstarrte und alle statischen Zustände der Natur;\nsie verehren den Traditionalismus Poussins,\nIngres und Gorotis, der ihre Kunst alt macht,\nsie versteinert mit einer Hartnäckigkeit des\nPasseistischen, die uns unverständlich ist.\nVon einem gänzlich futuristischen Stand-\npunkte dagegen suchen wir einen Stil der Be-\nwegung, was vor uns noch niemals versucht\nworden ist.\nWeit davon entfernt, uns an die Alten zu\nhalten, betonen wir unaufhörlich die indivi-\nduelle Erkenntnis in der Absicht, vollkommen\nneue Gesetze zu formulieren, die die Malerei\nvon ihrer auf- und niederwallenden Ungewiß-\nheit befreien sollen.\nUnser Wille, unseren Bildern eine möglichst\nfeste Konstruktion zu geben, wird uns sicher\nnicht irgendeiner Tradition wieder näherbringen.\nDavon sind wir überzeugt.\nAlle in den Schulen oder Ateliers gelernten\nWahrheiten existieren nicht für uns. Unsere\nHände sind frei und rein genug, alles von vorn\nanzufangen.\nUnzweifelhaft sind einige ästhetische Ver-\nsicherungen unserer Kameraden in Frank-\nreich Anzeichen einer Art maskierten Aka-\ndemismus.\nDenn, heißt es nicht zur Akademie zurück-\nkehren, wenn man erklärt, daß das Sujet in der\nMalerei absolut unbedeutend und nichtssagend\nsei?\nWir erklären dagegen, daß es keine moderne\nMalerei geben kann, ohne daß man von einer\ngänzlich modernen Empfindung ausgeht, und\nniemand kann uns widersprechen, wenn wir be-\nhaupten, daß Malerei und Empfindung\nzwei unzertrennbare Worte sind.\nSind mnsere Bilder futuristisch, so sind sie\nes einzig und allein, weil sie. als Ergebnis\nethischer, ästhetischer, politischer und sozialer\nBegriffe selbst vollkommen futuristisch sind.\nNach einem Modell malen, das posiert, ist\nAbsurdität und geistige Feigheit, selbst wenn das\nModell in linearen, sphärischen oder kubischen\nFormen auf die Leinwand übersetzt wird.\nIrgend etwas Nacktem einen allegorischen\nWert geben, indem man die Bedeutung des\nBildes dem Gegenstande entnimmt, den das\nModell in der Hand hält, oder den Gegen-\nständen, die rings umherliegen, ist für uns eine\ntraditionelle akademische Lügenhaftigkeit.\nDiese Methode, die der der Griechen, der\nRaffaels, Tizians, Veroneses ziemlich gleicht, er-\nregt unser Mißfallen.\nWir verschmähen den Impressionismus, wir\nmißbilligen energisch die gegenwärtige Reaktion,\ndie, um den Impressionismus zu töten, die\nMalerei wieder alten akademischen Formen zu-\nführt.\nMan kann nur gegen den Impressionismus\nwirken, indem man über ihn fortschreitet.\nNichts ist lächerlicher, als ihn zu bekämpfen,\nindem man die Gesetze der Malerei annimmt,\ndie vor ihm waren.\nDie Berührungsmomente auf der Suche\nnach dem Stil und nach der sogenannten „klassi-\nschen Kunst\" fühlen wir nicht.\nAndere werden diese Analogien suchen und\nsie auch zweifellos finden. Sie können aber nur\nals Rückkehr zu Methoden, Begriffen und Valeurs\nangesehen werden, die uns die klassische Malerei\nüberliefert hat.\nEinige Beispiele mögen unsere Theorie ver-\ndeutlichen. Wir sehen keinen Unterschied\nzwischen dem Nackten, das man geläufig „künst-\nlerisch\" nennt und einer Anatomieleiche. Dafür\ngibt es einen großen Unterschied zwischen dem\nNackten und unserem futuristischen Begriff vom\nmenschlichen Körper.\nDie Perspektive, wie . sie von den meisten\nMalern verstanden wird, ist für uns so wertvoll,\nwie für sie Ingenieurprojekte. ;\nDie Gleichzeitigkeit der Seelenzustände in\nunserem Kunstwerk: das ist der berauschende\nZweck unserer Kunst.\nErklären wir noch weiter durch Beispiele.\nWenn man eine Person auf dem Balkon (Innen-\nansicht) malt, so begrenzen wir nicht die Szene\nauf das, was uns das schmale Fensterviereck zu\nsehen erlaubt, sondern wir bemühen uns, die\nEmpfindungen des Auges der auf dem Balkon\nbefindlichen Person in ihrer Gesamtheit zu\ngeben: das sonndurchflimmerte Gesumm der\nStraße, die beiden Häuserreihen, die sich zu\nseiner Rechten und Linken entlangziehen, die\nblumengeschmückten Balkons; das heißt:\nGleichzeitigkeit der Atmosphäre, folglich Orts-\nveränderung und Zergliederung der Gegen-\nstände, Zerstreuung und Ineinänderiibergehen\nder Einzelheiten, die von der laufenden Logik\nbefreit, eine von der anderen unabhängig sind.\nUm den Betrachter nach unserem Manifest\nin der Mitte des Bildes leben zu lassen, muß das\nBild die Zusammenstellung dessen sein, an das\nwir uns erinnern und dessen, was wir\nsehen.\nMan muß das Unsichtbare geben, das er-\nregt, über Undurchsichtigkeit erhaben ist, was\nrechts, links und hinter uns ist, nicht den künst-\nlich verengten Lebensausschnitt, der zwischen\nTheaterdekorationen eingeklemmt zu sein scheint.\nWir haben in unserem Manifest erklärt, daß\nman die dynamische Empfindung geben"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7920, "texte": "müsse, das heißt, den besonderen Rhythmus jedes\neinzelnen Gegenstandes, seine Neigung, seine\nBewegung oder besser gesagt: seine innere Kraft.\nGewöhnlich betrachtet man das menschliche\nWesen unter seinen verschiedenen Ruhe- und\nBewegungsmomenten in freudiger Erregung\noder in melancholischem Ernst,\nAber man bemerkt nicht, daß alle unbeleb-\nten Gegenstände in ihren Linien Ruhe oder\nWahnsinn, Trauer oder Heiterkeit erkennen\nlassen.\nDiese verschiedenen Tendenzen geben den\nLinien, aus denen sie geformt sind, Gefühl und\nCharakter drückender Stabilität oder luftiger\nLeichtigkeit.\nJeder Gegenstand läßt in seinen Linien er-\nkennen, wie er den Tendenzen seiner Formen\nfolgend auseinanderfiele.\nDiese Zersetzung hängt nicht von festen Ge-\nsetzen ab, sondern sie verändert sich je nach\nder charakteristischen Persönlichkeit des Gegen-\nstandes, oder nach der Rührung des Betrachters.\nFerner beeinflußt jeder Gegenstand den\nanderen, nicht durch Lichtreflexionen (Fundament\ndes impressionistischen Primit i v i s -\nmus), sondern durch eine regelrechte Konkur-\nrenz der Linien und durch Schlachten der\nFlächen, indem sie dem Gesetz des Eindrucks\nfolgen, der das Bild beherrscht (Fundament des\nfuturistischen Primitivismus).\nDeswegen sagten wir inmitten der lärmen-\nden Heiterkeit der Dummen :\n„Die sechzehn Personen, die sich in einem\nin Gang befindlichen Autobus befinden, sind\neinmal eine, zehn, vier oder drei Personen; sie\nsind unbeweglich und ändern ihren Platz; sie\nkommen, gehen, hüpfen auf die Straße, plötzlich\nvon der Sonne verschlungen, dann setzen sie sich\nwieder hin wie ewige Symbole der allgemeinen\nVibration. Wie oft sahen wir auf der Wange\nder Person, mit der wir uns unterhielten, das\nPferd, das dort hinten am anderen Ende der\nStraße daherlief.\nUnsere Körper dringen ein in das Sofa, auf\ndem wir sitzen, und das Sofa in uns. Der Auto-\nbus stürzt sich auf die Häuser, an denen er vor-\nübereilt und die Häuser auf den Autobus und\nverschmelzen mit ihm.\"\nDer Wunsch, den ästhetischen Eindruck zu\nverstärken, der gleichsam das Bild mit der\nSeele des Betrachters in eins zusammenschweißt,\nhat uns bewogen zu erklären, „daß der Be-\nschauer von nun an in der Mitte des\nBildes stehen solle.\"\nEr wird dem Vorgange nicht nur beiwohnen,\nsondern auch teil an ihm haben. Wenn wir\nmalen, so übersetzen sich die Phasen eines Auf-\nstandes, die sich mit Faustschlägen bedeckende\nMenge und der Angriff der Kavallerie auf der\nLeinwand durch Linienbündel, die allen in Kon-\nflikt geratenen Kräften entsprechen, indem sie\ndem Gesetz der allgemeinen Gewalttätigkeit des\nBildes folgen.\nDiese „Linienkräfte\" müssen den Betrachter\neinhüllen und mit sich fortreißen; er muß gleich-\nsam mit den Persönlichkeiten des Bildes kämpfen\nmüssen.\nt . ■ .\nAlle Gegenstände, nach dem zu urteilen, was\nder Maler Boccioni treffend „p hysis c h e n\nTranszendentalismus\" nennt, trachten in\nihren „Linienkräften\" dem Unendlichen zu,\ndessen Fortdauer unsere Intuition mißt.\nDiese „Linienkräfte\" müssen wir zeichnen,\num das Kunstwerk zur wirklichen Malerei zurück-\nzuführen. Wir übersetzen die Natur, indem wir\nauf der Leinwand diese Gegenstände wie die An-\nfänge oder die Verlängerung der Rhythmen\ngeben, die diese Gegenstände selbst unserer\nEmpfindsamkeit aufdrücken.\nNachdem wir zum Beispiel auf einem Bilde\ndie rechte Schulter und das rechte Ohr eines\nMannes gegeben haben, halten wir es einfach\nfür überflüssig und unnütz, auch die\nSchulter und das linke Ohr dieser Person zu\ngeben. Wir zeichnen nicht die Töne, sondern\ndie vibrierenden Zwischenräume. Wir zeichnen\nnicht die Krankheiten, sondern ihre Symptome\nund Wirkungen.\nErhellen wir unseren Gedanken durch ein\nder Evolution der Musik entnommenes Beispiel.\nWir haben nicht nur radikal das1 nach seinem\nfesten Gleichgewicht ausgebildete also künst-\nliche Motiv verlassen, sondern wir zerschneiden\nwillkürlich und plötzlich jedes Motiv durch ein\noder mehrere Motive, deren ganze Entwicklung\nwir niemals geben, sondern nur ihre Einleitung,\nihre Mitte und ihren Schluß.\nWie man sieht, gibt es bei uns nicht nur Ab-\nwechslung, sondern auch Chaos und Zusammen-\nstoß der völlig entgegengesetzten Rhythmen, die\nwir trotzdem zu neuer Harmonie zusammen-\nführen.\nSo gelangen wir zu dem, was wir „Malen\nder Seelen zu stände\" nennen.\nIn der malerischen Beschreibung der ver-\nschiedenen Seelenzustände gleicher Art können\nsenkrechte, wellige, gleichsam erschöpfte, hier\nund da an Silhouetten leerer Körper angeklam-\nmerte Linien leicht die Sehnsucht und die Mut-\nlosigkeit ausdrücken.\nKonfuse, hüpfende, gerade oder krumme\nLinien, die sich angedeuteten, zufluchtsuchenden,\neiligen Gesten beimengen, bedeuten chaotische\nGefühlserregung.\nWiederum geben wagerechte, fliehende,\neilende, kurz abgesetzte Linien, die rücksichts-\nlos Gesichter mit ertrunkenen Profilen und zer-\nbröckelnde Fetzen von Landschaften zerschnei-\nden, die aufregende Bewegung des Scheidenden.\nEs ist fast unmöglich, durch Worte das\nWesen der Malerei anzugeben.\nDas Publikum muß überzeugt sein: um\nästhetische, ihm ungewohnte Empfindungen zu\nverstehen, soll es vollkommen seine intellektuelle\nKultur vergessen, nicht um sich des Kunst-\nwerkes zu bemächtigen, sondern um sich\nihm verloren zu überlassen.\nWir beginnen eine neue Epoche der Malerei.\nWir sind sehr sicher, äußerst wichtige und\nursprüngliche Begriffe zu verwirklichen. Andere\nwerden uns folgen, die mit ebensoviel hart-\nnäckiger Kühnheit die Gipfel erklimmen werden,\ndie wir nur hatten blicken lassen. Deshalb haben\nwir uns für die Uranfänger einer gänz-\nlichen erneuerten Sensibilität erklärt.\nIn einigen Bildern, die wir der Oeffentlich-\nkeit vorführen, vervielfachen die Vibration und\ndie Bewegung unzählige Male den Gegenstand.\nSo haben wir unsere1 Behauptung verwirklicht,\nvon dem „laufenden Pferd, das nicht\nvier, sondern zwanzig Füße hat.\"\nMan kann übrigens vermerken, daß in\nunseren Bildern Flecke, Linien, Farbenzonen\nkeiner Wirklichkeit entsprechen, sondern nach1\neinem Gesetz unserer inneren Mathematik musi-\nkalisch die Bewegung des Betrachters vorbereiten\nund vergrößern.\nSo schaffen wir eine Art eindrucksvolle At-\nmosphäre, indem jwir mit unserer Intuition die\nSympathien und Berührungspunkte suchen, die\nzwischen der äußeren Szene (konkret), und der\ninneren Anteilnahme (abstrakt) bestehen.\nDiese augenscheinlich unlogischen, unerklär-\nlichen Flecke, Linien, Farbenzonen: sie sind die\ngeheimnisvollen Schlüssel zu unseren Bildern.\nZweifellos wird man uns den Vorwurf\nmachen, wir suchten zu sehr die feinen Zu-\nsammenhänge zu bestimmen und auszudrücken,\ndie unser abstraktes Innere und unser konkretes\nAeußere verbinden.\nWie will man jedoch, daß wir dem Be-\ngriffsvermögen eines Publikums absolute Frei-\nheit lassen, das immer nur sieht, wie es zu sehen\ngelernt hat, mit Augen, die die Erfahrung ver-\ndorben hat?\nJeden Tag zerstören wir in uns und unseren\nBildern die realistischen Formen und klaren\nEinzelheiten, die dazu gedient haben, eine ge-\nmeinsame Auffassung zwischen uns und\ndem Publikum herzustellen. Damit die Menge\nunsere wundervolle geistige, ihm unbekannte\nWelt genießen kann, verschaffen wir ihm deren\nmaterielle Empfindung.\nSo antworten wir auf die grobe und ein-\nfältige Neugierde, die uns umringt, durch die\nbrutal realistischen Seiten unseres Primitivismus.\nSchluß: Unsere futuristische Malerei enthält\ndrei neue Begriffe für die Malerei:\n1 Die Lösung der Frage der Körperdarstel-\nlung auf dem Bilde, entgegen dem1 Zerfließen\nder Dinge na,ch Art der Impressionisten.\n2 Die Fähigkeit, die Gegenstände mit den\nsie charakterisierenden Linienkräften zu\nübersetzen, durch den man eine völlig neue, ob-\njektive künstlerische Ma,cht erhält.\n3 Natürliche Folge der beiden anderen:\nteilnehmende Atmosphäre des Bildes zu geben,\neine Zusammenstellung der verschiedenen ab-\nstrakten Rhythmen jedes Gegenstandes, der eine\nbisher unbekannte Quelle von malerischem Lyris-\nmus entströmt.\n\nUmberto Boccioni\nCarlo D. Carra\nLuigi Russolo\nGiacomo Balla\nGino Severini"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.6", "titre_corps": "César Klein: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "César Klein: Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 32, "texte": "César Klein: Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "6", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.7", "titre_corps": "Maler-Kritiker : Eine Erwiderung", "titre_sommaire": "Maler-Kritiker : Eine Erwiderung", "signature_source": "Richter-Berlin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.4", "debut_caractere": 7966, "fin_caractere_exclue": 9779, "texte": "Maler-Kritiker\nEine Erwiderung\n\nIn Nummer 17 einer .Wochenschrift „Pan\"\n(also noch herausgegeben von Herrn Cassirer)\nvom 14. März wird Herrn Paul Westheim, dem\nKunstfreund, dem Literaten, dem Liebhaber der\nschönen Künste, vor allem aber dem Kritiker\nerlaubt, einen Artikel: „Die vielen, vielen Künst-\nler\", zu veröffentlichen.\nIch stimme mit Herrn Westheim so sehr\nüberein, daß ich Worte, Sätze, sogar Abschnitte\nabschreiben und dennoch meine Meinung sagen\nkann. Ich werde beweisen: „Gräßlich viel Men-\nschen (Herr Wejstheim), werden heut zu Kri-\ntikern gemacht. Gräßlich für die, die da\nglauben, durch ehrliche Arbeit weiter kommen\nzu müssen; jnoch gräßlicher für die wir\ngute Kunst lieben wie die schöne Natur,, wie\ndas weite Meer oder\" — nein, Herr Westteim,\nhier kann ich nicht abschreiben. Es ist zu mäßige\nLiteratur — „hätte man Neigung zur Paradoxie,\nso könnte man behaupten, daß es um so besser\num die Kunst bestellt scheint, je mehr Kritiker\nihr Metier betreiben/'\n„Kein Zweifel, es gab immer und allerorts\nGeschöpfe, die ohne Berufung in den Journalen\nvagierten, die Eitelkeit oder romantisches Ge-\nblüt Kritikerlorbeeren erjagen hieß.\"\nAber Herr Westheim, konnten Sie es denn\ngar nicht mehr hinterm Ladentisch als Kommis\nfür Kaffee und Tee aushallten? — Ließ Ihr\nromantisches Geblüt Ihnen keine Ruhe mehr?\nWußten Sie denn nicht, daß man seine Be-\nrufe wechseln kann und doch derselbe bleibt?\nIch bin überzeugt, daß Sie heut noch imstande\nsind, Ihre Kundschaft mit jeder Sorte Kritik und\nin jeder Güte zu bedienen. Allerdings, die\nbesseren Sorten führen Sie wohl nicht.\n„Schlinggewächs! Den Ohnmächtigen, die\nnicht können, was sie sollen, und nicht wissen,\nwas sie möchten, bleibt nichts weiter übrig, als\nPersönlichkeiten, die mit ihren Arbeiten an die\nOeffentlichkeit treten, anzukläffen. Ganz gleich,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.5", "debut_caractere": 34, "fin_caractere_exclue": 2603, "texte": "ob es sich um Maler, Bildhauer, Architekten oder\nKunstgewerbler handelt.\"\n„So charakterlos iund unkritisch es an sich\nist,\" /über Dinge, die man seines romantischen\nGeblüts (wegen nicht versteht, zu urteilen, „so\nsehr ist es für sie Selbsterhaltung.\" Denn man\nbekommt dafür bezahlt; „und ich bin der letzte,\nder solchen Mensche n ,\" die unsere Arbeit\nangreifen, „nicht eine fette Leibrente wünschen\nwürde; aber, Hand aufs Herz, was geschieht da-\nmit für die Kunst? Gar nichts.\"\nSie haben die „Neue Sezession\" als „De-\nmonstrationsobjekt\" so gut gebrauchen können ?\nNun, für tendenziöse Zwecke. Aber wir sind\ntrotzdem nicht so leicht faßlich, denn Sie, Herr\nKritiker, haben nns bis heute noch nicht be-\ngriffen ! „Als Maler, die sich täglich ernst mit\nihrer Arbeit beschäftigen, sind wir sicher nicht\ngeneigt, einer Anrempelung übertriebene Be-\ndeutung beizumessen, und nehmen die Herren\nLiteraturkommis — auch wenn sie sich eine\nKunstfreundschaft mit Michelangelo und Rem-\nbrandt, Manet und Liebermann einbilden —,\nals tdais, was sie eigentlich sind — als\nnichts, als Tagelöhner und Kärrner im Blätter-\nwald der großen Herren.\"\nIm Ernst, es gibt nichts Ueberflüssigeres und\nnichts Komischeres als Literaturkommis, die sich\nals Menschen, die was zu sagen haben, gebärden,\nund es kann für die wahre Kunst keinen\nschlimmeren Schaden geben, als die vielen, vielen\nKritiker, die, halb Hochstapler, halb Don Qui-\nchottes, ihr unreines Gewerbe betreiben.\nNoch eine Frage, Herr Westheim. Könn-\nten Sie mir mitteilen, ob Sie auch mich mit dem\nSchluß Ihres Artikels, vor allem aber mit dem\nWort „Hochstapler\", meinen?\" — ihre Be-\nstätigung wäre mir eine große Freude, und ich\nwürde Ihnen durch einen kräftigen Handschlag\nmeine Dankbarkeit bezeugen.\nIm selben Heft, in „Gedanken über zeit-\ngemäße und unzeitgemäße Kunst'V spricht Herr\nMaler Max Beckmann „nicht ohne-'Selbstbewußt-\nsein\" über eine Kunst, die er als die einzig er-\nlaubte hinstellen möchte, nämlich über seine\neigene.\nEr schreibt da von Cezanne: „Seine schwa-\nchen Sachen unterscheiden sich wenig von einer\ngeschmackvollen Tapete oder einem Gobelin,\nwährend seine guten Bilder durch die größere\nSachlichkeit iind dadurch bedingte räumliche\nTiefe herrlich sind, gleichzeitig ewige Mensch-\nlichkeitswerte in sich enthalten und doch wieder\ntypisch sind für die Gegend und die Zeit, in\nder er lebte.\" — • ' \" \"\nWie, wenn ich nun das Gegenteil behaupte?\nMeinung gegen Meinung, Herr Beckmann. Oder\nstützen Sie sich auf Autoritäten?\nWar es vielleicht Herr Paul Cassirer? Die-\nser Herr hat Sie ja auch bki der Eröffnung der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4094, "texte": "„Sturm-Ausstellung\" mit so lauter Stimme —\ndaß alle im Raum befindlichen Personen es an-\nhören mußten —, darüber aufgeklärt, daß alles\nDreck, Kitsch und langweiliges Zeug sei.\nDann haben Sie wohl auch aus derselben\nQuelle die schon etwas verbrauchte Behauptung,\ndaß wir zwischen dem „Begriff eines Plakates\",\n— was Sie so darunter verstehen — „und dem\neines Bildes nicht unterscheiden\"? Daß Sie als\nMaler den Unterschied nicht selbst gefunden\nhaben, entschuldigt sich vielleicht damit, daß\nSie selbst keinen gemacht haben. Vor zwei, drei\nJahren las ich in der Zeitung (wenn ich nicht\nirre, Stahl im „Tageblatt\"), der Maler Beckmann\nhabe auf der Sezession (alte) ein Plakat für eine\nSchaubude ausgestellt; ich glaube, der Titel war:\n„Der Untergang von Messina\". Ich habe aller-\ndings seinerzeit keinen Unterschied zwischen\ndiesem Plakat und Ihren Bildern finden können.\n„Wie komisch ist es überhaupt.\" Da habe\nich mich früher gewundert, bei Ihnen nie etwas\nwie Kompositionsidee zu finden, und nun schrei-\nben Sie: „Es ist gerade die große Kunst die\nKompositionsidee zu verstecken\". Nur weiß ich\nnicht, ob sich der Erfolg, den sie sich versprechen,\neinstellt, wenn „die Komposition wieder ganz na-\ntürlich und dabei dobh rhythmisch und aus-\ngeglichen, im guten Sinn konstruiert, wirkt.\"\n„Wie ich zu dem Kubismus eines Picasso\nstehe, habe ich oben bereits auseinandergesetzt.\"\nWo oben ? Herr Beckmann, ich finde nichts.\nVerbergen Sie uns schon wieder Ideen?\n„Aber auch ich will einmal von Qualität\nreden. Qualität, wie ich sie verstehe. Dem Sinn\nnämlich für den pfirsichfarbenen Schimmer einer\nHaut, für den Glanz eines Nagels, für das künst-\nlerisch Sinnliche, was in der Weichheit des Flei-\nsches, in der Tiefe und Abstufung des Raumes,\nnicht nu r in der Fläche, sondern auch in der\nTiefe liegt. Und dann vor allem in dem Reiz\nder Materie, den Schmelz der Oelfarbe, wenn\nich an Rembrandt, Leibi, Cezanne denke, oder die\ngeistvolle Struktur des Striches bei Hals.\"\nDa sind wir ganz einig, Herr Beckmann.\nSie hätten nur noch fortfahren brauchen: Die\nHerrlichkeit einer Gauguintapete, der Rhythmus\neines Matissestoffes oder die Großartigkeit eines\nPicassoschac'hbrettchens und so weiter.\nBleibt die „Struktur eines Striches geistvoll\",\nwenn eine flächige Wirkung erzielt wird, oder\nnur, wenn eine räumliche beabsichtigt ist?\nWenn nun ein Maler etwa einen Tisch mit\nFlaschen, Früchten und dahinter ein Stück Tapete\nmalt, läßt er sich nun allgemein-ästhetisch oder\nkünstlerisch-sinnlich reizen ?\nZu welchen Reizen gehören Blumen und\nFrüchte? — Sie müssen doch das wissen. Sie\nkönnen doch Ihre Gefühle so hübsch auseinander-\nhalten. „Wenn sie gerade wollen und in\nStimmung sind, können sie auch beim Anblick\neiner schönen Tapete oder Kleides ein mysteriöses\nGefühl haben.\" Aber man weiß nachher, daß\nes nur ein allgemein-ästhetisches Behagen war.\n„Sie wissen den ernsten Unterschied.\"\nNein, Herr Beckmann, man kann nicht mit\nallgemeinen Redensarten beweisen, daß Ab-\nsichten und Ansichten anderer solche sind.\n„Aber es ist ja die alte Geschichte. Auch'\nbei Liebermann sieht man keine andere Möglich-\nkeit, als ihn nachzuahmen, wenn man nicht jals\ntalentlos verschrien werden will. Auch heute ent-\nsteht ja im lieben Berlin ein „Reichtum\" von\nBildern, bei dem sich langsam die Welt Berlin W.\nberuhigt.\" „Wie nennt man nun heute die Per-\nsönlichkeiten, die weiter wollen? Arme, rohe\nPlakatmaler, schwächliche Kunstgewerbler und\nzu ästhetische Menschen, die vom wahren Heil\nder Kunst nichts wissen wollen.\" „Und sie\nexistieren merkwürdigerweise doch.\"\nv Aber noch eine Kleinigkeit, Herr Beckmann.\nSie schreiben: „Es ist ja verständlich, daß $ich\ndie Herren berufen fühlen, zu siegen, denn nichts\nwirkt im Augenblick sicherer, als eine möglichst\ngroße Anzahl von Leuten, die sich zu ein und\nderselben Tendenz zusammengetan haben.\"\nSeltsam, Herr Beckmann, sehr seltsam. Das ist\nja eine merkwürdige Verwandtschaft mit Herrn\nWestheims „vielen, vielen Künstlern\". Ist es eine\nzufällige Harmonie der Seelen, oder haben Sie\nsich mit Herrn Westheim zu ein und derselben\nTendenz zusajn menge tan ?\n\nRichter-Berlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "6", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.8", "titre_corps": "Nachlese", "titre_sommaire": "Nachlese", "signature_source": "J. 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Erschüttert fuhr er\nmitten aus dem Winterschlaf aller Dilettanten\nempor und reimte:\nAlle Felder sind verschneit,\nTeich und Pfützen starren Eis,\nAlle Ziele, die ich weiß,\nScheinen mir so weit, so weit.\n» 1» —. —. , - . ... T '»\nAuf dem Baum im fahlen Licht\nKrächzt ein Rabe: Kalter Tag!\nUnd mit keckem Flügelschlag\nWirft er Schnee in mein Gesicht.\nUnerfroren hat sich der Poet den Schnee aus\ndem Gesicht gewischt und ist weiter gegangen. Zu\nFeinsliebchen. Dem hysterischen „Schätzlein\nmein\". Doch schon vier Wochen später hat er\nAbschied von ihm genommen. In Strophen, die\nwie das Kupfergeld aus Heines Falschmünzerei\nklingen:\nAch Liebste, ich muß scheiden,\nMich drängt der Wandertrieb.\nDu sollst nicht Mangel leiden;\nIch schenke dir zwölf Lieder,\nZwölf Lieder, die ich schrieb.\nDu findest sie im Schranke\nDu sollst sie fleißig lesen,\nDann denkst du immerdar,\nWie schön es einst gewesen,\nAls der, der die zwölf Lieder\nGesungen, bei dir war.\nWenn das nicht eine Parodie auf Heine\nist, dann ist das ein Diebstahl an ihm. Die\n„Welt am Montag\" bringt ihn zu Ehren. Netto\nein Dutzend Lieder ließ der Heller im Schrank\nder Liebsten zurück. Er kann seine Verwandt-\nschaft zur Konfektion nicht bemänteln."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c010", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "6", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.9", "titre_corps": "Vorlesung Else Lasker-Schüler", "titre_sommaire": "Vorlesung Else Lasker-Schüler", "signature_source": "Paul Hatvani", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.6", "debut_caractere": 5840, "fin_caractere_exclue": 6647, "texte": "Vorlesung Else Lasker-Schüler\nPaul Hatvani\nWien am elften März 1912\nDa kamen ihre Worte\nWie klagende Derwische . . .\nUnd sie zerrissen unsere Seelen\nUnd alle Sehnsüchte, die sie erfüllten,\nUnd sie zerrissen unsere Seelen,\nSo daß die dunklen Städte durchschimmerten,\nDie hinter den Seelen gelagert sind.\nNächte fielen in die Tage\nUnd bedeckten sie,\nUnd Tage fielen in die Nächte\nUnd erhellten sie.\n(Und es war ein tagebuntes Märchen,\nWortgewebt und nächteschwer.)\nUnd Worte fielen in die Welt\nUnd Welten in die Worte.\nUnd sie fielen in unsere zerrissenen Seelen\nUnd füllten sie an\nMit Säulen und Bildnissen,\nAuf daß Moscheen würden aus ihnen,\nDarin sie beten könne.\nUnd sie kam in unsere Seelenmoscheen\nZu beten\nUnd die seelenweiten Kuppeln\nKönnen den Widerhall nicht hergeben,\nDen ihre Stimme ruft,\nNiemals."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c011", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "6", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.10", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.6", "debut_caractere": 6649, "fin_caractere_exclue": 7154, "texte": "Beachtenswerte\nBücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nKANDINSKY\nUeber das Geistige in der Kunst\ninsbesondere in der Malerei\nMit acht Tafeln und zehn Originalholzschnitten\nMünchen / R. Piper und Co. Verlag\nEDOUARD DEVERIN\nFlänes\nsuivi de Jouets ä Treize\nPr£face de Frantz Jourdain\nCroquis d'Edouard et Roger Deverin\nParis / Chez Tauteur\n65 Rue Claude Bernard\nKARL KRAUS\nPro domo et mundo\nAphorismen\nDie chinesische Mauer\nEssaj's\nAiünchen / Verlag Albert Langen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c012", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "6", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.11", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.6", "debut_caractere": 7229, "fin_caractere_exclue": 7707, "texte": "Notiz\nMit dieser Nummer beginnt der dritte\nJahrgang der Wochenschrift Der Sturm.\nDer Einzelbezug wird auf zwanzig Pfennig\nerhöht. 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IST8 Reichhaltig, neueste Zierfische, Zuchttricks etc.\n========== Nachlieferung Heft 1-18 nur Mk. 4.50 ==============\nVerlag Ernst Mar re Leipzig 67"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c020", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.8", "debut_caractere": 40, "fin_caractere_exclue": 82, "texte": "Ausstellungen, Salons\nKunsthandlungen etc."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c021", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.8", "debut_caractere": 84, "fin_caractere_exclue": 264, "texte": "CRSPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennig Potsdamerstrasse 19\nt\nx -\nFieue flusstellung\n= Marz bis Rpril 1912 =\nE Jokisch Oskar Zeh\nPaul Hey Schramm-Zitiau\nMax Liebermann C. von Marr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-04-06-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-04-06_01#c022", "volume": "bmtnabg_1912-04-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.8", "debut_caractere": 266, "fin_caractere_exclue": 509, "texte": "GRAPHISCHES KABINETT\nBuch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\nBERLIN W 15, Kurfurstendamm 33 ::\nStandige Ausstellung ;Im\nmoderner Graphik Illustriert. 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W.: April: Unverdaute Symbolik / Zum Lachen / Die Kenner / Die Frau in Haus und Beruf / Der gestorbene Lyriker / Die lebende\nLyrikerin / Männchen / Die sexuelle Abstinenz / PETER ALTENBERG: Besuch / ELSE LASKER-SCHÜLER: Gedicht / ALFRED\nDOBLIN: Der schwarze Vorhang / FUTURISTEN: Die Aussteller an das Publikum / RICHTER-BERLIN; Maler-Kritiker / J. A.: Nachlese / PAUL\nHATVANI: Vorlesung Else Lasker-Schüler / BEACHTENSWERTE BÜCHER / AUSSTELLUNG / NOTIZ / OSKAR KOKOSCHKA: Zeichnung /\nCfiSAR KLEIN: Originalholzschnitt\n\nApril\n\nUnverdaute Symbolik\nHerr Doktor Artur Eloesser, Berlin-Char-\nlottenburg, Dahlmannstraße 29 ersucht um Auf-\nnahme folgender Berichtigung:\nAn die Redaktion des Sturms\nAuf Grund des §11 des Preßgesetzes er-\nsuche ich Sie, den Artikel „Literaturpöbelei\"\n(Nummer 103 des „Sturm\") dahin zu berich-\ntigen, daß ich Schweinsohren noch nie gegessen\nhabe, Weißbier seit zwanzig Jahren nicht mehr\ngetrunken habe, und daß ich Pfannküchen nur\nzu Silvester esse, aber auch nicht jedes Jahr.\nIst das nun humoriger Humor? So etwas\nkann man bei Germanisten, die gegen Strindberg\nund Przybyszewski sind, nie wissen. Vielleicht\nwerde ich mit Hilfe des § 11 des Preßgesetzes\nauch hierüber aufgeklärt.\nZum Lachen\nHerr Viktor Auburtin, der mir neulich aus\nParis eine hübsche Ansichtspostkarte sandte\nich wollte gern wissen, wie er aussieht, der\nKollege, er besitzt leider keine Photographie und\nschickte mir daher nur die Reproduktion eines\nalten Meisters — Herr Viktor Auburtin stellt\nsich jetzt bereits in Paris auf dem Bahnsteig,\nbescheiden wie er ist, nur als Reporter, und be-\nrichtet dem liberalen Deutschland von Fräulein\nProvost: „Sie mimte den Reportern auf deta\nBahnsteig das kaiserliche Lachen in all seinen\nStadien vor, was auf sämtliche Anwesende einen\ntiefen Eindruck machte.\" Vielleicht kann Herr\nAuburtin mir wenigstens eine Photographie von\ndiesem Lachen in allen seinen Stadien ver-\nschaffen. Wenn die Kunst ihm untergegangen\nist, muß sich der Kollege sonstwie einen tiefen\nEindruck leisten.\nDie Kenner\n„Die. angesehensten christlichen Kenner\ndes jüdischen Schrifttums haben einwandsfrei\nnachgewiesen, daß zu keiner Zeit die Juden\ndurch ihre Religion zum Ritualmord angestiftet\nwurden.\" Aus einem Aufruf, den folgende Fach-\nleute unter anderen unterschrieben haben: Albert\nBassermann, Schauspieler; Rechtsanwalt Dr. 80l-\n\nOskar Kokoschka: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.2", "texte": "lert; Stadtverordneter Bräsel aus Stettin; Dr.\nHerbert Eulenberg, Schriftsteller; Ernst Hardt,\nSchriftsteller; Fräulein E. Hedinger, Malerin ;\nDr. Ernst Heilborn, Schriftsteller; Seine Exzel-\nlenz Admiral von Hollmann; Professor Albert\nRitter von Keller (Maler der Damenseele 'im\nSalon), Mitglied der Königlich bayrischen Aka-\ndemie der Künste; und natürlich: Ludwig Fulda\nund Hermann Sudermann, beide Schriftsteller zu\nBerlin. Das dürfte selbst den Ritualmord töten.\nDie Frau in Haus und Beruf\nVerkitschung des Warenhauses A, Wert-\nheim. Alles verkäuflich. Die Frauen, die flechten\nund weben, stellten überall irdische Rosen herum.\nDie Kinder Florens machten einen recht betrüb-\nten Eindruck. Frau Hedwig Heyl wurde a la\nsuite gestellt.\nDer gestorbene Lyriker\nSehr witzig finde ich es, daß man beim Tode\ndes Herrn Geheimen Justizrats Albert Traeger\nsein Gefühl dem „modernen Reimgeklingel\"\ngegenüberstellt. Es wird Herrn Traeger allgemein\nbescheinigt, daß er nie einen persönlichen Feind\nbesessen habe. Deswegen, meine Kollegen, war\ner noch immer nicht ein Dichter. Zwar blieben\nallen Nachrufenden die Hilfsverben vor\nRührung in der Feder stecken. Oder war es\nLyrik? Lyrik von; Albert Traeger ? Wenn jemand\neine Mutter hat, so danke er Gott dafür, stelle\naber dies Ereignis nicht erst in gereimten! Jamben\nfest. Wenn jemandem eine Mutter stirbt, so\nfinden die Kollegen es äußerst gefühlvoll, diesen\nSchmerz gereimt in die Spalten des Feuilletons\nzu stecken. Aber Gefühle, Kollegen, werden\nnicht durch Brüllen, sondern durch Gestalten\nlebendig. Darüber hilft nicht einmal der Tod\nhinweg.\nDie lebende Lyrikerin\nAber sie ist uns noch erhalten, die brün-\nstige Marie Madeleine. Nach Herrn Norbert Falk\nerwärmt sich jetzt ein Greis für sie, Herr Sigmar\nMehring, vielfach genannter Verfasser eines\nReimlexikons. Es tut mir doch sehr leid, daß das\n„Berliner Tageblatt\" auf meine Anregung hin\nseine Beilage „Literarische Rundschau\" durch ein\nneues Klischee sichtbar gemacht hat. Jetzt wird\ndas Gemüse womöglich «mit Wohlbehagen ge-\nnossen. Das ist ein tolles Weib, die Marie Made-\nleine. Herr Mehring orientiert: „Eine Steigerung\nder ersten Sammlung war nicht möglich, denn\ndiese zeigt uns schon die in heißester Sinnlich-\nkeit erregte, wollusttrunkene, ganz und gar ent-\nschleierte Mädchenseele. Zu enthüllen gibt es\nnichts mehr.\" Wenn sie nun schon einmal ganz\nund gar entschleiert ist, bleibt keine Sensation\nmehr zu erwarten. „Abfer in dem neuen Buch\nmeldet sich ein anderer Reiz, der des gereiften\nWeibes. Das Weib nach seiner sorglos opfer-\nvollen Hingebung, das Weib, das nun auch\nfordert (Nun auch?), das Gunst um Gunst und\nLust um Lust tauschen will, tritt uns bewußt\nentgegen.\" Uns bewußt. Die Sache wird\nkritisch. Nämlich: „Wir kennen es bereits (wir?)\naus der Novellensammlung (ach so) ,Aber das\nFleisch ist stark'.\" Der Geist des Herrn Mehring\nhingegen schwach. Sonst ist er aber sehr willig.\n„Schon dort hat Marie Madeleine verraten, daß\ndie tolle Mädchenzeit hinter ihr liegt.\" jetzt\n„singt\" das gereifte bewußte Weib:\nMeines Frühlings schmerzliche Wonne\nZerstob in Traum und Duft,\nNun leuchtet mir Sommersonne\nIn goldener Mittagsluft.\nDer Dame wird immer heißer. Oder, wie\nHerr Mehring sagt: das Weib in ihr löst sich\nganz in Lüsternheit auf. Dann singt sie so:\nUnd deines Mannes Urkraft rast und gibt . . .\nUnd gibt mir Seligkeit und gibt mir Schmerzen.\nJetzt scheint sie aber ganz wirklich gereift\nzu sein. Das findet auch Herr Mehring und sie\nselbst: „Ihr ganzes Leben ist Sinnenlust (Reife\nvastehste), ihr kommt es selber seltsam vor:\nIch kann es ja selber nicht begreifen,\nAber es ist, als müßt' es so sein ...\"\nJa, manche begreift es nie. Aber es erfüllt\nsie mit stolzer Befriedigung:\nDas Leben, das so viele därben läßt\nIn Gier und Groll, ... in tödlichem Ver-\nschmachten,\nHat liebevoll mich an sein Herz gepreßt\nLind stillte all mein Sehnen und mein Trachten.\nWenn ihr Sehnen und Trachten endlich\nschon gestillt ist, so soll sie doch um der Lyrik\nwillen wenigstens das Dichten bleiben lassen.\nDenn erstens heißt es schon Dichten und Trach-\nten, und zweitens erfüllt es uns nicht mit Be-\nfriedigung.\nDas Fleisch ist willig, aber die Kunst ist\nschwach.\nMännchen\nDie „Vossische Zeitung4', von Staats- und\ngelehrten Sachen, 1791 priveligiert und 1911\nmodernisiert, meldet von einem neuen Cafe:\n„Gleich beim Eintritt fällt einem das Kaiserbild\nvon Professor Männchen ins Auge.\" Herr Männ-\nchen hat doch durch den Umbau von A. Wert-\nheim schon so viel verdient, daß er nicht noch\nKaiserbilder in die Augen zu schmeißen braucht.\nDer Unfall geschieht nicht so sehr durch\nSchmeißen wie durch Malen.\nDie sexuelle Abstinenz\nDer Bund für Mutterschutz arbeitet jetzt\nmit Resolutionen, nachdem ihm die Sorge für\ndie Mütter vom Mutterschutzhaus abgenommen\nworden ist. Man versammelte sich und faßte\nnach Vorschlägen einiger Aerzte einen Beschluß.\nVorher wurde festgestellt, daß die Herren Goethe,\nWagner und Nietzsche bis zum dreißigsten\nLebensjahr sexuelle Abstinenzler gewesen sind.\nIch bin über das Liebesleben dieser Herren nicht\nso orientiert wie die Damen. Aber sie werden\nes schon wissen, und die Philologen und Ger-\nmanisten werden keine aktenmäßige Beweise für\ndas Gegenteil erbringen können. Die Unter-\nsuchung auf diesen Gebieten scheint mir über-\nhaupt post festum etwas schwierig. Man freute\nsich aber allseitig, daß die sexuelle Abstinenz\ndiesen Herren sonst nicht geschadet habe. Hier-\nauf faßte man den Beschluß, und ging dabei\nvon der Voraussetzung aus, die Herren seien\neben Outsider gewesen, und was für Goethe,\nWagner und Nietzsche richtig sei, brauche man\nbillig nicht als Regel hinzunehmen. Besonders\ndie Frauen waren gegen die Regel und be-\nschlossen : „Die sexuelle Abstinenz sei im all-\ngemeinen schäjdlich, besonders für die Frauen.\nDoch könne in Anbetracht der erwähnten Fälle\neine sexuelle Abstinenz bis zum dreißigsten\nLebensjahre nicht direkt als schädlich bezeichnet\nwerden.\" Durch diese Resolution scheint mir die\nsexuelle Frage endgültig gelöst zu sein. Es war\nzwar schwer, aber man weiß, was man zu tun\nhat. Man kann es nämlich so machen oder auch\nanders. In dringenden Fällen wende man sich\nan den Bund für Mutterschutz.\nH. W.\nO,\nDu mein Engel,\nWir schweben nur noch\nIn holden Wolken.\nIch weiß nicht, ob ich lebe\nOder süß gestorben bin\nIn deinem Herzen.\nImmer feiern wir Himmelfahrt\nUnd viel, viel Schimmer.\nDeine Haare sind Goldnelken,\nHeiligenbilder deine Augen.\nSage — wie ich bin?\nUeberall wollen Blumen aus mir.\n\nElse Lasker-Schüler\n\nBesuch\nVon Peter Attenberg\nMein Freund, der Doctor philosophiae aus\nHeidelberg, schrieb mir, er sei in tief deprimierter\nStimmung, wolle in den „Frieden der Berge\nflüchten\", höchst moderne Ausdrucksweise, und\nvor allem beim Dichter eine Art von „seelisch-\ngeistigem\" Reinigungsbad nehmen. Als er an-\nkam, begann ich daher von Rax und Schneeberg,\nPinkenkogel und Sonnwendstein zu schwärmen.\nEr erwiderte: „Lasse gefälligst diese Marlittiaden\neiner überwundenen Epoche und zeige mir lieber\neine Dame, mit der man stundenlang über Ibsen,\nHofmannsthal, Stefan George und ähnliche Ge-\nschöpfe seine endgültigen Ansichten los werden\nkann.\" Er war glücklich, als ich ihm mitteilte,\ndaß ich zufälligerweise gerade jetzt drei solcher\nDamen hier auf Lager habe, leider aber eine\njede in einem anderen BerghoteL Er meinte,\ner wolle gern den Wagen bezahlen, und wir\nsollten von einer zur anderen fahren. Auf dem\nWege könne man ohne weitere Schwierigkeiten\ndie Schönheit, den Frieden der Bergwelt, aber\nohne Exaltationen über jeden einzelnen Baum,\nsondern in Bausch und Bogen, genießen. Dieser\nannehmbare Plan wurde zu allgemeiner Zu-\nfriedenheit ausgeführt. Eine vierte Dame, die\nsich anschloß, konnte wegen Zeitmangels nicht\nins Gespräch gezogen werden über die Philo-\nsophie in der Musik des Debussy. Der Doktor\nsagte zu mir : „Ist es also wirklich wahr, daß\nman nur bis elf Uhr abends hier Getränke be-\nkommt?!\" — „Nein,\" erwiderte ich, „das ist eine\nVerleumdung, man erhält bis Mitternacht Limo-\nnade und Soda-Himbeer 1\" — „Esel,\" sagte er,\n„ich meine schweren Burgunderl\" Er schlug\nnun vor, schon um sieben Uhr abends anzufan-\ngen, damit man bis zur Schank-Sperrstunde das\nNötige absolviert haben könne. Ich erklärte ihm,\ndaß ich seit anderthalb Jahren Antialkoholiker\nsei und daher vor halb acht Uhr abends nicht\nanfangen könne! Er sagte, er sei einverstanden,\nda er mich von meinen schwer errungenen\nGrundsätzen nicht abbringen wolle. Im Laufe\ndes Abends gesellten sich einige Herren zu uns,\ndie er in liebenswürdigster Weise anstänkerte,\nindem er sie fragte, ob sie sich ernstlich von der\nBergluft und der Enthaltsamkeit eine Heilung\nihrer anscheinend~ doch unheilbaren Leiden er-\nwarteten? Bald waren wir allein, und später\nerklomm er mit meiner Bergführerhilfe die\nTreppe. Er sagte noch: Rax, Schnee—berg,\nSonn—wend—stein, Pin—ken—ko— gel . . ~\ndann verschwand er hinter der gepolsterten Tür."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.3", "texte": "Der schwarze Vorhang\nVon Alfred Döblin\nRoman\nWenn er sich jetzt unter Freunden plötzlich\nmüde reckte, den Kopf auf die Brust fallen ließ\nund minutenlang vor sich hinstarrte, so klangen\nGedanken in ihm auf, deren Qual ihn fast betäubte.\nEr war verdorben und sollte verderben, was\nihm über kam. Er war zur Zerstörung\ngeschaffen. Seine Leere griff räuberisch nach Fülle,\nund das hieß er Liebe. Mußte es nicht auch eine\nArt heimlicher Liebe und Rachedurstes sein, was\nihn zu den Menschen trieb? So lange er lebte\nund schauen konnte, war er diesem qualentzückten\nDrängen nicht entgangen; war nicht sein blasser\nSchatten, sondern seiner Seele Seele; nun wollte\ner seinen Haß segnen, sich ihm ganz hingeben.\nWüste sollte um ihn sein.\nUnd sie, sie sollte seinen jungen, gefeiten Haß\nzuerst spüren, die ihn geweckt hatte. Niemand\ndurfte von der Armut wissen, auf der sich der\nReichtum seines Hasses erhob; so war es wiederum\nsie, die er zerdrücken mußte, die seine Armut\ngesehen hatte, die aus dem Wege geräumt werden\nmußte, auf daß er wieder atmen und das Gesicht\nerheben konnte.\nSein auferstehender Groll wandte sich nicht\ngegen das Weib, sondern gegen den Anderen,\nden feindlichen Menschen.\nEs setzte sich in ihm fest und wurde ein düsteres,\nkindisches Verlangen, das sich von ihm löste und\nträumend vor seinen Füßen hinging.\nVorerst mied er sie, soviel er konnte und ver-\nstummte, wenn sie in der Nähe war.\nEr fürchtete sich durch den Klang seiner Stimme\nzu verraten. Aber es verging nicht viel Zeit, da\nwehte wieder unter dem breiten Laub der Bäume\nliebliches Lachen und Schwätzen; die weiße Lebens-\nleichtigkeit schimmerte und schwebte wieder über\nden Sand. Dumpf und mit Gelassenheit spürte\ner, während er manches sprach, daß irgend etwas\nvor seinen Augen ihn brannte und seine Gedanken\nim Hintergrund beschäftigte. Sie ging mit ihren\nstarren roten Haarsträhnen sicher und freundlich\nvorüber und grüßte scheu auch ihn. Er sah ihr\nlange mit Schweigen nach. Für einen kurzen\nAugenblick brach etwas in ihm bei ihrem Anblick\nin Gelächter aus. Dann wartete er, suchte sich\nganz auf sich zu besinnen.\nSchwer erhob er sich dann, und merkte erst\nbeim Gehen, daß seine Füße ihn gerade auf sie\nzutrugen und daß er irgendwie entschlossen war.\nEr mußte sie bezwingen, «bezwingen«:\nDas Wort klang so befehlend und klagend in\nihm, sie auslöschen. — Er ging jetzt sie bezwingen.\nSeine Lippen blieben verschlossen, als er dicht\nvor der Rothaarigen stand, die ihn fragend von\nunten ansah. Mit lautem Lachen und mit traurig\nerstaunter Seele sprach er einiges; als ihre Augen\nerschreckt an der ausdruckslosen Ruhe seines Ge-\nsichts hingen, sagten seine Lippen Worte, die er\nmit anderer Seele ersonnen hatte, höhnend, böse,\nunverschleiert Irene wich gegen einen Baum zu,\nangstvoll vor ihm zurück und sah ihm dabei un-\nverwandt ins Auge. Das stachelte ihn, da es an\nden Groll über ihr letztes Ausweichen rührte und\nan das Düster seiner verlassenen Stunden; hastiger\nund hastiger schwoll sein Mund von unverhohlenem\nHasse über. Seine erstickten Worte griffen und\nschlangen sich träumend um sie, und während\nGelächter über seine Lippen taumelte, wußte er\nnicht, was er von ihr wollte.\nVon weitem sah er schon deutlich die graue,\nalte Scham sich erheben. Aus den Ecken der Um-\nzäumung, in der sie standen, von den schwarzen\nzackigen Baumästen sahen Augen, blies es her-\nunter und klatschte schon Beifall zu seiner Nieder-\nlage. Sie war entwichen. Sie, sie mußte ihn doch\nhören, — und immer weiter entwich sie ihm. Ver-\nzweifeltesTaumeln und näheres Anlaufen, und doch\nverbarg sich ihm nichts; verbarg sich ihm nicht,\ndaß alles rief: es ist umsonst, laß nur ab.\nDas war seine Schlacht.\nWie ein Harlekin, der sich müde gewitzelt hat,\nschlich er beiseite und wurde stiller. Unter\nlustigen Menschen, mit leerer verwirrter Seele,\nspöttisch und bitter, war er verlassen und schutz-\nbedürftig. Er begriff sich nicht und wurde sehr\nängstlich und traurig.\nSeineWorte sanken jetzt, als er zu einem der\nLeute um sich sprach, welk und still wie Blumen hin.\nEr trat schließlich, als er Irene wiedersah, müde,\naber aufrecht, ohne inneren Antrieb, auf sie zu und\nbat sie leise, heimlich über sich selbst verwundert,\num Verzeihung und sah in ihr Mädchengesicht,\nein glattes Mädchengesicht wie alle.\n\nFortsetzung\nFortsetzung folgt\n\nFuturisten\nDie Aussteller an das Publikum\n\nWir können ohne Prahlerei erklären, daß\ndiese erste Ausstellung der Futuristen in Berlin,\nauch die bedeutendste Ausstellung italienischer\nMalerei ist, die jemals dem Urteil Deutschlands\nunterlag.\nja, wir sind jung, und unsere Kunst ist\nunersehen revolutionär.\nDurch unser Suchen und durch unsere\nVerwirklichungen, die schon zahlreiche begabte\nNachahmer, aber auch ebenso viel unbegabte\nPlagiatoren um uns gesammelt haben, stehen\nwir an der Spitze der Bewegung der euro-\npäischen Malerei; wir verfolgen einen anderen\nWeg, der in mancher Hinsicht dem der Spät-\nimpressionisten, Synthetisten und Kubisten\ngleicht, an deren Spitze die Meister Picasso,\nBraque, Derain, Metzinger, Le Fauconnier, Glei-\nzes, Leger, Lhote und andere standen.\nWir bewundern den Heroismus dieser be-\ndeutenden Maler, die eine lobenswerte Ver-\nachtung des artistischen Merkantilismus und\neinen gewaltigen Haß gegen den Akademismus\ngezeigt haben, aber wir fühlen und erklären,\ndaß unsere Kunst der ihren entgegengesetzt ist.\nImmer wieder malen sie das Unbewegliche,\nErstarrte und alle statischen Zustände der Natur;\nsie verehren den Traditionalismus Poussins,\nIngres und Gorotis, der ihre Kunst alt macht,\nsie versteinert mit einer Hartnäckigkeit des\nPasseistischen, die uns unverständlich ist.\nVon einem gänzlich futuristischen Stand-\npunkte dagegen suchen wir einen Stil der Be-\nwegung, was vor uns noch niemals versucht\nworden ist.\nWeit davon entfernt, uns an die Alten zu\nhalten, betonen wir unaufhörlich die indivi-\nduelle Erkenntnis in der Absicht, vollkommen\nneue Gesetze zu formulieren, die die Malerei\nvon ihrer auf- und niederwallenden Ungewiß-\nheit befreien sollen.\nUnser Wille, unseren Bildern eine möglichst\nfeste Konstruktion zu geben, wird uns sicher\nnicht irgendeiner Tradition wieder näherbringen.\nDavon sind wir überzeugt.\nAlle in den Schulen oder Ateliers gelernten\nWahrheiten existieren nicht für uns. Unsere\nHände sind frei und rein genug, alles von vorn\nanzufangen.\nUnzweifelhaft sind einige ästhetische Ver-\nsicherungen unserer Kameraden in Frank-\nreich Anzeichen einer Art maskierten Aka-\ndemismus.\nDenn, heißt es nicht zur Akademie zurück-\nkehren, wenn man erklärt, daß das Sujet in der\nMalerei absolut unbedeutend und nichtssagend\nsei?\nWir erklären dagegen, daß es keine moderne\nMalerei geben kann, ohne daß man von einer\ngänzlich modernen Empfindung ausgeht, und\nniemand kann uns widersprechen, wenn wir be-\nhaupten, daß Malerei und Empfindung\nzwei unzertrennbare Worte sind.\nSind mnsere Bilder futuristisch, so sind sie\nes einzig und allein, weil sie. als Ergebnis\nethischer, ästhetischer, politischer und sozialer\nBegriffe selbst vollkommen futuristisch sind.\nNach einem Modell malen, das posiert, ist\nAbsurdität und geistige Feigheit, selbst wenn das\nModell in linearen, sphärischen oder kubischen\nFormen auf die Leinwand übersetzt wird.\nIrgend etwas Nacktem einen allegorischen\nWert geben, indem man die Bedeutung des\nBildes dem Gegenstande entnimmt, den das\nModell in der Hand hält, oder den Gegen-\nständen, die rings umherliegen, ist für uns eine\ntraditionelle akademische Lügenhaftigkeit.\nDiese Methode, die der der Griechen, der\nRaffaels, Tizians, Veroneses ziemlich gleicht, er-\nregt unser Mißfallen.\nWir verschmähen den Impressionismus, wir\nmißbilligen energisch die gegenwärtige Reaktion,\ndie, um den Impressionismus zu töten, die\nMalerei wieder alten akademischen Formen zu-\nführt.\nMan kann nur gegen den Impressionismus\nwirken, indem man über ihn fortschreitet.\nNichts ist lächerlicher, als ihn zu bekämpfen,\nindem man die Gesetze der Malerei annimmt,\ndie vor ihm waren.\nDie Berührungsmomente auf der Suche\nnach dem Stil und nach der sogenannten „klassi-\nschen Kunst\" fühlen wir nicht.\nAndere werden diese Analogien suchen und\nsie auch zweifellos finden. Sie können aber nur\nals Rückkehr zu Methoden, Begriffen und Valeurs\nangesehen werden, die uns die klassische Malerei\nüberliefert hat.\nEinige Beispiele mögen unsere Theorie ver-\ndeutlichen. Wir sehen keinen Unterschied\nzwischen dem Nackten, das man geläufig „künst-\nlerisch\" nennt und einer Anatomieleiche. Dafür\ngibt es einen großen Unterschied zwischen dem\nNackten und unserem futuristischen Begriff vom\nmenschlichen Körper.\nDie Perspektive, wie . sie von den meisten\nMalern verstanden wird, ist für uns so wertvoll,\nwie für sie Ingenieurprojekte. ;\nDie Gleichzeitigkeit der Seelenzustände in\nunserem Kunstwerk: das ist der berauschende\nZweck unserer Kunst.\nErklären wir noch weiter durch Beispiele.\nWenn man eine Person auf dem Balkon (Innen-\nansicht) malt, so begrenzen wir nicht die Szene\nauf das, was uns das schmale Fensterviereck zu\nsehen erlaubt, sondern wir bemühen uns, die\nEmpfindungen des Auges der auf dem Balkon\nbefindlichen Person in ihrer Gesamtheit zu\ngeben: das sonndurchflimmerte Gesumm der\nStraße, die beiden Häuserreihen, die sich zu\nseiner Rechten und Linken entlangziehen, die\nblumengeschmückten Balkons; das heißt:\nGleichzeitigkeit der Atmosphäre, folglich Orts-\nveränderung und Zergliederung der Gegen-\nstände, Zerstreuung und Ineinänderiibergehen\nder Einzelheiten, die von der laufenden Logik\nbefreit, eine von der anderen unabhängig sind.\nUm den Betrachter nach unserem Manifest\nin der Mitte des Bildes leben zu lassen, muß das\nBild die Zusammenstellung dessen sein, an das\nwir uns erinnern und dessen, was wir\nsehen.\nMan muß das Unsichtbare geben, das er-\nregt, über Undurchsichtigkeit erhaben ist, was\nrechts, links und hinter uns ist, nicht den künst-\nlich verengten Lebensausschnitt, der zwischen\nTheaterdekorationen eingeklemmt zu sein scheint.\nWir haben in unserem Manifest erklärt, daß\nman die dynamische Empfindung geben"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.4", "texte": "müsse, das heißt, den besonderen Rhythmus jedes\neinzelnen Gegenstandes, seine Neigung, seine\nBewegung oder besser gesagt: seine innere Kraft.\nGewöhnlich betrachtet man das menschliche\nWesen unter seinen verschiedenen Ruhe- und\nBewegungsmomenten in freudiger Erregung\noder in melancholischem Ernst,\nAber man bemerkt nicht, daß alle unbeleb-\nten Gegenstände in ihren Linien Ruhe oder\nWahnsinn, Trauer oder Heiterkeit erkennen\nlassen.\nDiese verschiedenen Tendenzen geben den\nLinien, aus denen sie geformt sind, Gefühl und\nCharakter drückender Stabilität oder luftiger\nLeichtigkeit.\nJeder Gegenstand läßt in seinen Linien er-\nkennen, wie er den Tendenzen seiner Formen\nfolgend auseinanderfiele.\nDiese Zersetzung hängt nicht von festen Ge-\nsetzen ab, sondern sie verändert sich je nach\nder charakteristischen Persönlichkeit des Gegen-\nstandes, oder nach der Rührung des Betrachters.\nFerner beeinflußt jeder Gegenstand den\nanderen, nicht durch Lichtreflexionen (Fundament\ndes impressionistischen Primit i v i s -\nmus), sondern durch eine regelrechte Konkur-\nrenz der Linien und durch Schlachten der\nFlächen, indem sie dem Gesetz des Eindrucks\nfolgen, der das Bild beherrscht (Fundament des\nfuturistischen Primitivismus).\nDeswegen sagten wir inmitten der lärmen-\nden Heiterkeit der Dummen :\n„Die sechzehn Personen, die sich in einem\nin Gang befindlichen Autobus befinden, sind\neinmal eine, zehn, vier oder drei Personen; sie\nsind unbeweglich und ändern ihren Platz; sie\nkommen, gehen, hüpfen auf die Straße, plötzlich\nvon der Sonne verschlungen, dann setzen sie sich\nwieder hin wie ewige Symbole der allgemeinen\nVibration. Wie oft sahen wir auf der Wange\nder Person, mit der wir uns unterhielten, das\nPferd, das dort hinten am anderen Ende der\nStraße daherlief.\nUnsere Körper dringen ein in das Sofa, auf\ndem wir sitzen, und das Sofa in uns. Der Auto-\nbus stürzt sich auf die Häuser, an denen er vor-\nübereilt und die Häuser auf den Autobus und\nverschmelzen mit ihm.\"\nDer Wunsch, den ästhetischen Eindruck zu\nverstärken, der gleichsam das Bild mit der\nSeele des Betrachters in eins zusammenschweißt,\nhat uns bewogen zu erklären, „daß der Be-\nschauer von nun an in der Mitte des\nBildes stehen solle.\"\nEr wird dem Vorgange nicht nur beiwohnen,\nsondern auch teil an ihm haben. Wenn wir\nmalen, so übersetzen sich die Phasen eines Auf-\nstandes, die sich mit Faustschlägen bedeckende\nMenge und der Angriff der Kavallerie auf der\nLeinwand durch Linienbündel, die allen in Kon-\nflikt geratenen Kräften entsprechen, indem sie\ndem Gesetz der allgemeinen Gewalttätigkeit des\nBildes folgen.\nDiese „Linienkräfte\" müssen den Betrachter\neinhüllen und mit sich fortreißen; er muß gleich-\nsam mit den Persönlichkeiten des Bildes kämpfen\nmüssen.\nt . ■ .\nAlle Gegenstände, nach dem zu urteilen, was\nder Maler Boccioni treffend „p hysis c h e n\nTranszendentalismus\" nennt, trachten in\nihren „Linienkräften\" dem Unendlichen zu,\ndessen Fortdauer unsere Intuition mißt.\nDiese „Linienkräfte\" müssen wir zeichnen,\num das Kunstwerk zur wirklichen Malerei zurück-\nzuführen. Wir übersetzen die Natur, indem wir\nauf der Leinwand diese Gegenstände wie die An-\nfänge oder die Verlängerung der Rhythmen\ngeben, die diese Gegenstände selbst unserer\nEmpfindsamkeit aufdrücken.\nNachdem wir zum Beispiel auf einem Bilde\ndie rechte Schulter und das rechte Ohr eines\nMannes gegeben haben, halten wir es einfach\nfür überflüssig und unnütz, auch die\nSchulter und das linke Ohr dieser Person zu\ngeben. Wir zeichnen nicht die Töne, sondern\ndie vibrierenden Zwischenräume. Wir zeichnen\nnicht die Krankheiten, sondern ihre Symptome\nund Wirkungen.\nErhellen wir unseren Gedanken durch ein\nder Evolution der Musik entnommenes Beispiel.\nWir haben nicht nur radikal das1 nach seinem\nfesten Gleichgewicht ausgebildete also künst-\nliche Motiv verlassen, sondern wir zerschneiden\nwillkürlich und plötzlich jedes Motiv durch ein\noder mehrere Motive, deren ganze Entwicklung\nwir niemals geben, sondern nur ihre Einleitung,\nihre Mitte und ihren Schluß.\nWie man sieht, gibt es bei uns nicht nur Ab-\nwechslung, sondern auch Chaos und Zusammen-\nstoß der völlig entgegengesetzten Rhythmen, die\nwir trotzdem zu neuer Harmonie zusammen-\nführen.\nSo gelangen wir zu dem, was wir „Malen\nder Seelen zu stände\" nennen.\nIn der malerischen Beschreibung der ver-\nschiedenen Seelenzustände gleicher Art können\nsenkrechte, wellige, gleichsam erschöpfte, hier\nund da an Silhouetten leerer Körper angeklam-\nmerte Linien leicht die Sehnsucht und die Mut-\nlosigkeit ausdrücken.\nKonfuse, hüpfende, gerade oder krumme\nLinien, die sich angedeuteten, zufluchtsuchenden,\neiligen Gesten beimengen, bedeuten chaotische\nGefühlserregung.\nWiederum geben wagerechte, fliehende,\neilende, kurz abgesetzte Linien, die rücksichts-\nlos Gesichter mit ertrunkenen Profilen und zer-\nbröckelnde Fetzen von Landschaften zerschnei-\nden, die aufregende Bewegung des Scheidenden.\nEs ist fast unmöglich, durch Worte das\nWesen der Malerei anzugeben.\nDas Publikum muß überzeugt sein: um\nästhetische, ihm ungewohnte Empfindungen zu\nverstehen, soll es vollkommen seine intellektuelle\nKultur vergessen, nicht um sich des Kunst-\nwerkes zu bemächtigen, sondern um sich\nihm verloren zu überlassen.\nWir beginnen eine neue Epoche der Malerei.\nWir sind sehr sicher, äußerst wichtige und\nursprüngliche Begriffe zu verwirklichen. Andere\nwerden uns folgen, die mit ebensoviel hart-\nnäckiger Kühnheit die Gipfel erklimmen werden,\ndie wir nur hatten blicken lassen. Deshalb haben\nwir uns für die Uranfänger einer gänz-\nlichen erneuerten Sensibilität erklärt.\nIn einigen Bildern, die wir der Oeffentlich-\nkeit vorführen, vervielfachen die Vibration und\ndie Bewegung unzählige Male den Gegenstand.\nSo haben wir unsere1 Behauptung verwirklicht,\nvon dem „laufenden Pferd, das nicht\nvier, sondern zwanzig Füße hat.\"\nMan kann übrigens vermerken, daß in\nunseren Bildern Flecke, Linien, Farbenzonen\nkeiner Wirklichkeit entsprechen, sondern nach1\neinem Gesetz unserer inneren Mathematik musi-\nkalisch die Bewegung des Betrachters vorbereiten\nund vergrößern.\nSo schaffen wir eine Art eindrucksvolle At-\nmosphäre, indem jwir mit unserer Intuition die\nSympathien und Berührungspunkte suchen, die\nzwischen der äußeren Szene (konkret), und der\ninneren Anteilnahme (abstrakt) bestehen.\nDiese augenscheinlich unlogischen, unerklär-\nlichen Flecke, Linien, Farbenzonen: sie sind die\ngeheimnisvollen Schlüssel zu unseren Bildern.\nZweifellos wird man uns den Vorwurf\nmachen, wir suchten zu sehr die feinen Zu-\nsammenhänge zu bestimmen und auszudrücken,\ndie unser abstraktes Innere und unser konkretes\nAeußere verbinden.\nWie will man jedoch, daß wir dem Be-\ngriffsvermögen eines Publikums absolute Frei-\nheit lassen, das immer nur sieht, wie es zu sehen\ngelernt hat, mit Augen, die die Erfahrung ver-\ndorben hat?\nJeden Tag zerstören wir in uns und unseren\nBildern die realistischen Formen und klaren\nEinzelheiten, die dazu gedient haben, eine ge-\nmeinsame Auffassung zwischen uns und\ndem Publikum herzustellen. Damit die Menge\nunsere wundervolle geistige, ihm unbekannte\nWelt genießen kann, verschaffen wir ihm deren\nmaterielle Empfindung.\nSo antworten wir auf die grobe und ein-\nfältige Neugierde, die uns umringt, durch die\nbrutal realistischen Seiten unseres Primitivismus.\nSchluß: Unsere futuristische Malerei enthält\ndrei neue Begriffe für die Malerei:\n1 Die Lösung der Frage der Körperdarstel-\nlung auf dem Bilde, entgegen dem1 Zerfließen\nder Dinge na,ch Art der Impressionisten.\n2 Die Fähigkeit, die Gegenstände mit den\nsie charakterisierenden Linienkräften zu\nübersetzen, durch den man eine völlig neue, ob-\njektive künstlerische Ma,cht erhält.\n3 Natürliche Folge der beiden anderen:\nteilnehmende Atmosphäre des Bildes zu geben,\neine Zusammenstellung der verschiedenen ab-\nstrakten Rhythmen jedes Gegenstandes, der eine\nbisher unbekannte Quelle von malerischem Lyris-\nmus entströmt.\n\nUmberto Boccioni\nCarlo D. Carra\nLuigi Russolo\nGiacomo Balla\nGino Severini\n\nAutorisierte Uebertragung von Jean-Jacques\n\nMaler-Kritiker\nEine Erwiderung\n\nIn Nummer 17 einer .Wochenschrift „Pan\"\n(also noch herausgegeben von Herrn Cassirer)\nvom 14. März wird Herrn Paul Westheim, dem\nKunstfreund, dem Literaten, dem Liebhaber der\nschönen Künste, vor allem aber dem Kritiker\nerlaubt, einen Artikel: „Die vielen, vielen Künst-\nler\", zu veröffentlichen.\nIch stimme mit Herrn Westheim so sehr\nüberein, daß ich Worte, Sätze, sogar Abschnitte\nabschreiben und dennoch meine Meinung sagen\nkann. Ich werde beweisen: „Gräßlich viel Men-\nschen (Herr Wejstheim), werden heut zu Kri-\ntikern gemacht. Gräßlich für die, die da\nglauben, durch ehrliche Arbeit weiter kommen\nzu müssen; jnoch gräßlicher für die wir\ngute Kunst lieben wie die schöne Natur,, wie\ndas weite Meer oder\" — nein, Herr Westteim,\nhier kann ich nicht abschreiben. Es ist zu mäßige\nLiteratur — „hätte man Neigung zur Paradoxie,\nso könnte man behaupten, daß es um so besser\num die Kunst bestellt scheint, je mehr Kritiker\nihr Metier betreiben/'\n„Kein Zweifel, es gab immer und allerorts\nGeschöpfe, die ohne Berufung in den Journalen\nvagierten, die Eitelkeit oder romantisches Ge-\nblüt Kritikerlorbeeren erjagen hieß.\"\nAber Herr Westheim, konnten Sie es denn\ngar nicht mehr hinterm Ladentisch als Kommis\nfür Kaffee und Tee aushallten? — Ließ Ihr\nromantisches Geblüt Ihnen keine Ruhe mehr?\nWußten Sie denn nicht, daß man seine Be-\nrufe wechseln kann und doch derselbe bleibt?\nIch bin überzeugt, daß Sie heut noch imstande\nsind, Ihre Kundschaft mit jeder Sorte Kritik und\nin jeder Güte zu bedienen. Allerdings, die\nbesseren Sorten führen Sie wohl nicht.\n„Schlinggewächs! Den Ohnmächtigen, die\nnicht können, was sie sollen, und nicht wissen,\nwas sie möchten, bleibt nichts weiter übrig, als\nPersönlichkeiten, die mit ihren Arbeiten an die\nOeffentlichkeit treten, anzukläffen. Ganz gleich,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.5", "texte": "César Klein: Originalholzschnitt\n\nob es sich um Maler, Bildhauer, Architekten oder\nKunstgewerbler handelt.\"\n„So charakterlos iund unkritisch es an sich\nist,\" /über Dinge, die man seines romantischen\nGeblüts (wegen nicht versteht, zu urteilen, „so\nsehr ist es für sie Selbsterhaltung.\" Denn man\nbekommt dafür bezahlt; „und ich bin der letzte,\nder solchen Mensche n ,\" die unsere Arbeit\nangreifen, „nicht eine fette Leibrente wünschen\nwürde; aber, Hand aufs Herz, was geschieht da-\nmit für die Kunst? Gar nichts.\"\nSie haben die „Neue Sezession\" als „De-\nmonstrationsobjekt\" so gut gebrauchen können ?\nNun, für tendenziöse Zwecke. Aber wir sind\ntrotzdem nicht so leicht faßlich, denn Sie, Herr\nKritiker, haben nns bis heute noch nicht be-\ngriffen ! „Als Maler, die sich täglich ernst mit\nihrer Arbeit beschäftigen, sind wir sicher nicht\ngeneigt, einer Anrempelung übertriebene Be-\ndeutung beizumessen, und nehmen die Herren\nLiteraturkommis — auch wenn sie sich eine\nKunstfreundschaft mit Michelangelo und Rem-\nbrandt, Manet und Liebermann einbilden —,\nals tdais, was sie eigentlich sind — als\nnichts, als Tagelöhner und Kärrner im Blätter-\nwald der großen Herren.\"\nIm Ernst, es gibt nichts Ueberflüssigeres und\nnichts Komischeres als Literaturkommis, die sich\nals Menschen, die was zu sagen haben, gebärden,\nund es kann für die wahre Kunst keinen\nschlimmeren Schaden geben, als die vielen, vielen\nKritiker, die, halb Hochstapler, halb Don Qui-\nchottes, ihr unreines Gewerbe betreiben.\nNoch eine Frage, Herr Westheim. Könn-\nten Sie mir mitteilen, ob Sie auch mich mit dem\nSchluß Ihres Artikels, vor allem aber mit dem\nWort „Hochstapler\", meinen?\" — ihre Be-\nstätigung wäre mir eine große Freude, und ich\nwürde Ihnen durch einen kräftigen Handschlag\nmeine Dankbarkeit bezeugen.\nIm selben Heft, in „Gedanken über zeit-\ngemäße und unzeitgemäße Kunst'V spricht Herr\nMaler Max Beckmann „nicht ohne-'Selbstbewußt-\nsein\" über eine Kunst, die er als die einzig er-\nlaubte hinstellen möchte, nämlich über seine\neigene.\nEr schreibt da von Cezanne: „Seine schwa-\nchen Sachen unterscheiden sich wenig von einer\ngeschmackvollen Tapete oder einem Gobelin,\nwährend seine guten Bilder durch die größere\nSachlichkeit iind dadurch bedingte räumliche\nTiefe herrlich sind, gleichzeitig ewige Mensch-\nlichkeitswerte in sich enthalten und doch wieder\ntypisch sind für die Gegend und die Zeit, in\nder er lebte.\" — • ' \" \"\nWie, wenn ich nun das Gegenteil behaupte?\nMeinung gegen Meinung, Herr Beckmann. Oder\nstützen Sie sich auf Autoritäten?\nWar es vielleicht Herr Paul Cassirer? Die-\nser Herr hat Sie ja auch bki der Eröffnung der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.6", "texte": "„Sturm-Ausstellung\" mit so lauter Stimme —\ndaß alle im Raum befindlichen Personen es an-\nhören mußten —, darüber aufgeklärt, daß alles\nDreck, Kitsch und langweiliges Zeug sei.\nDann haben Sie wohl auch aus derselben\nQuelle die schon etwas verbrauchte Behauptung,\ndaß wir zwischen dem „Begriff eines Plakates\",\n— was Sie so darunter verstehen — „und dem\neines Bildes nicht unterscheiden\"? Daß Sie als\nMaler den Unterschied nicht selbst gefunden\nhaben, entschuldigt sich vielleicht damit, daß\nSie selbst keinen gemacht haben. Vor zwei, drei\nJahren las ich in der Zeitung (wenn ich nicht\nirre, Stahl im „Tageblatt\"), der Maler Beckmann\nhabe auf der Sezession (alte) ein Plakat für eine\nSchaubude ausgestellt; ich glaube, der Titel war:\n„Der Untergang von Messina\". Ich habe aller-\ndings seinerzeit keinen Unterschied zwischen\ndiesem Plakat und Ihren Bildern finden können.\n„Wie komisch ist es überhaupt.\" Da habe\nich mich früher gewundert, bei Ihnen nie etwas\nwie Kompositionsidee zu finden, und nun schrei-\nben Sie: „Es ist gerade die große Kunst die\nKompositionsidee zu verstecken\". Nur weiß ich\nnicht, ob sich der Erfolg, den sie sich versprechen,\neinstellt, wenn „die Komposition wieder ganz na-\ntürlich und dabei dobh rhythmisch und aus-\ngeglichen, im guten Sinn konstruiert, wirkt.\"\n„Wie ich zu dem Kubismus eines Picasso\nstehe, habe ich oben bereits auseinandergesetzt.\"\nWo oben ? Herr Beckmann, ich finde nichts.\nVerbergen Sie uns schon wieder Ideen?\n„Aber auch ich will einmal von Qualität\nreden. Qualität, wie ich sie verstehe. Dem Sinn\nnämlich für den pfirsichfarbenen Schimmer einer\nHaut, für den Glanz eines Nagels, für das künst-\nlerisch Sinnliche, was in der Weichheit des Flei-\nsches, in der Tiefe und Abstufung des Raumes,\nnicht nu r in der Fläche, sondern auch in der\nTiefe liegt. Und dann vor allem in dem Reiz\nder Materie, den Schmelz der Oelfarbe, wenn\nich an Rembrandt, Leibi, Cezanne denke, oder die\ngeistvolle Struktur des Striches bei Hals.\"\nDa sind wir ganz einig, Herr Beckmann.\nSie hätten nur noch fortfahren brauchen: Die\nHerrlichkeit einer Gauguintapete, der Rhythmus\neines Matissestoffes oder die Großartigkeit eines\nPicassoschac'hbrettchens und so weiter.\nBleibt die „Struktur eines Striches geistvoll\",\nwenn eine flächige Wirkung erzielt wird, oder\nnur, wenn eine räumliche beabsichtigt ist?\nWenn nun ein Maler etwa einen Tisch mit\nFlaschen, Früchten und dahinter ein Stück Tapete\nmalt, läßt er sich nun allgemein-ästhetisch oder\nkünstlerisch-sinnlich reizen ?\nZu welchen Reizen gehören Blumen und\nFrüchte? — Sie müssen doch das wissen. Sie\nkönnen doch Ihre Gefühle so hübsch auseinander-\nhalten. „Wenn sie gerade wollen und in\nStimmung sind, können sie auch beim Anblick\neiner schönen Tapete oder Kleides ein mysteriöses\nGefühl haben.\" Aber man weiß nachher, daß\nes nur ein allgemein-ästhetisches Behagen war.\n„Sie wissen den ernsten Unterschied.\"\nNein, Herr Beckmann, man kann nicht mit\nallgemeinen Redensarten beweisen, daß Ab-\nsichten und Ansichten anderer solche sind.\n„Aber es ist ja die alte Geschichte. Auch'\nbei Liebermann sieht man keine andere Möglich-\nkeit, als ihn nachzuahmen, wenn man nicht jals\ntalentlos verschrien werden will. Auch heute ent-\nsteht ja im lieben Berlin ein „Reichtum\" von\nBildern, bei dem sich langsam die Welt Berlin W.\nberuhigt.\" „Wie nennt man nun heute die Per-\nsönlichkeiten, die weiter wollen? Arme, rohe\nPlakatmaler, schwächliche Kunstgewerbler und\nzu ästhetische Menschen, die vom wahren Heil\nder Kunst nichts wissen wollen.\" „Und sie\nexistieren merkwürdigerweise doch.\"\nv Aber noch eine Kleinigkeit, Herr Beckmann.\nSie schreiben: „Es ist ja verständlich, daß $ich\ndie Herren berufen fühlen, zu siegen, denn nichts\nwirkt im Augenblick sicherer, als eine möglichst\ngroße Anzahl von Leuten, die sich zu ein und\nderselben Tendenz zusammengetan haben.\"\nSeltsam, Herr Beckmann, sehr seltsam. Das ist\nja eine merkwürdige Verwandtschaft mit Herrn\nWestheims „vielen, vielen Künstlern\". Ist es eine\nzufällige Harmonie der Seelen, oder haben Sie\nsich mit Herrn Westheim zu ein und derselben\nTendenz zusajn menge tan ?\n\nRichter-Berlin\n\nNachlese\nJ. A.\nDer Dichter Heller ist schon zweimal „in\njenem dunkeln Hafen\" erwacht, dem sein\nKahn im Sommer, als allerorten die Schiffahrt\nlahmgelegt war, zur Ruh entgegenfuhr.\nLaßt mich schlafen, laßt mich schlafen,\nLaßt mich schlafen und vergessen\nbat der Dichter, und ich war auch sogleich\nbereit, für ihn um Ruhe zu bitten. Und auch\nalle seine schäbigen Erinnerungen an die Ro-\nmantiker wollte ich ihm vergessen. Wahrhaftig.\nSie aber haben ihn bis in (den Schlaf ver-\nfolgt. Der seichteste Weltschmerz hat ihn aus\nder tiefsten Ruhe geweckt. Erschüttert fuhr er\nmitten aus dem Winterschlaf aller Dilettanten\nempor und reimte:\nAlle Felder sind verschneit,\nTeich und Pfützen starren Eis,\nAlle Ziele, die ich weiß,\nScheinen mir so weit, so weit.\n» 1» —. —. , - . ... T '»\nAuf dem Baum im fahlen Licht\nKrächzt ein Rabe: Kalter Tag!\nUnd mit keckem Flügelschlag\nWirft er Schnee in mein Gesicht.\nUnerfroren hat sich der Poet den Schnee aus\ndem Gesicht gewischt und ist weiter gegangen. Zu\nFeinsliebchen. Dem hysterischen „Schätzlein\nmein\". Doch schon vier Wochen später hat er\nAbschied von ihm genommen. In Strophen, die\nwie das Kupfergeld aus Heines Falschmünzerei\nklingen:\nAch Liebste, ich muß scheiden,\nMich drängt der Wandertrieb.\nDu sollst nicht Mangel leiden;\nIch schenke dir zwölf Lieder,\nZwölf Lieder, die ich schrieb.\nDu findest sie im Schranke\nDu sollst sie fleißig lesen,\nDann denkst du immerdar,\nWie schön es einst gewesen,\nAls der, der die zwölf Lieder\nGesungen, bei dir war.\nWenn das nicht eine Parodie auf Heine\nist, dann ist das ein Diebstahl an ihm. Die\n„Welt am Montag\" bringt ihn zu Ehren. Netto\nein Dutzend Lieder ließ der Heller im Schrank\nder Liebsten zurück. Er kann seine Verwandt-\nschaft zur Konfektion nicht bemänteln.\n\nVorlesung Else Lasker-Schüler\nPaul Hatvani\nWien am elften März 1912\nDa kamen ihre Worte\nWie klagende Derwische . . .\nUnd sie zerrissen unsere Seelen\nUnd alle Sehnsüchte, die sie erfüllten,\nUnd sie zerrissen unsere Seelen,\nSo daß die dunklen Städte durchschimmerten,\nDie hinter den Seelen gelagert sind.\nNächte fielen in die Tage\nUnd bedeckten sie,\nUnd Tage fielen in die Nächte\nUnd erhellten sie.\n(Und es war ein tagebuntes Märchen,\nWortgewebt und nächteschwer.)\nUnd Worte fielen in die Welt\nUnd Welten in die Worte.\nUnd sie fielen in unsere zerrissenen Seelen\nUnd füllten sie an\nMit Säulen und Bildnissen,\nAuf daß Moscheen würden aus ihnen,\nDarin sie beten könne.\nUnd sie kam in unsere Seelenmoscheen\nZu beten\nUnd die seelenweiten Kuppeln\nKönnen den Widerhall nicht hergeben,\nDen ihre Stimme ruft,\nNiemals.\n\nBeachtenswerte\nBücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nKANDINSKY\nUeber das Geistige in der Kunst\ninsbesondere in der Malerei\nMit acht Tafeln und zehn Originalholzschnitten\nMünchen / R. Piper und Co. Verlag\nEDOUARD DEVERIN\nFlänes\nsuivi de Jouets ä Treize\nPr£face de Frantz Jourdain\nCroquis d'Edouard et Roger Deverin\nParis / Chez Tauteur\n65 Rue Claude Bernard\nKARL KRAUS\nPro domo et mundo\nAphorismen\nDie chinesische Mauer\nEssaj's\nAiünchen / Verlag Albert Langen\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nNotiz\nMit dieser Nummer beginnt der dritte\nJahrgang der Wochenschrift Der Sturm.\nDer Einzelbezug wird auf zwanzig Pfennig\nerhöht. Der Dauerbezugpreis bleibt unver»\nändert.\nWir bitten die Bezieher dieser Zeitschrift um\nEinsendung der fälligen Beträge. Falls die Ein-\nsendung nicht bis zum Erscheinen der nächsten\nNummer erfolgt ist, nehmen wir an, daß die\nBehebung durch Nachnahme gewünscht wird.\nProbenummern werden an jede angegebene\nAdresse kostenlos gesandt.\nVerlag Der Sturm\n\nGemalde-Ausstellung\nZeitschrift Der Sturm\nTiergartenstrafie 34 a\nFuturisten\nEr5ffating am ia« April"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.7", "texte": "HAHN\nGegpiindet 1825 Pl# _ nunra Gegpiindet 1825\nAlcxandcrplatz m Landsbcrgerstrasse 60—65\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Mass\nREKLAMEANGEBOT:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit Aermelaufsehiagen 32.50 H\naus den modernsten Flausehstoffen mit aufgesteppten Taschen 45.50 M\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot 32.50 H 45— M\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\n1 . : .. 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Jaauar: Ausschank von\naus dem ncheaer\nBiirgerbrau\n„Wintersporffesl\" —\nin Berchtesgadert\nVolksbelugtigungen, sonstige Attraktioaen\n—— Drei Kapellen ——\nTheaterbDhnen\nliefert und verleiht\nMinuth 6 *>■ \"\nBerlin 26, Mpl. 4612\nOraniensfrasse 6\n\nKUNSTLERISCHE RAUME\nc\n5\nALBERT KOBLINSKX\nBERLIN\n\nMsehen Sle\nBriefe zu diktieren?\nOder Manuskripte sauber abschreiben zu lassen?\nOder schnelle Vervielfaltigung von Zirkularen? <s>\nj\nWir bedienen Sie prompt\ndiskret und preiswert!!\nVermleiUiig von Schreibmaschinen & <s>\nReparaturwerkStaHe fiir alle Systeme\nZllbehHre fiir samtliche Schreibmaschinen\nSmlthlPremier Typewriter Co.\nBerlin W 8 Friedrichstr. 62\nTelephon: Centrum 11734/11736\n\nDer praMische Zierflsdizochter\nMonatsschrift fur die gesamte Aquariumkunde, Spezialzeitschrift\nfur Zierfischpflege und Zucht, Wasserpflanzenkultur, Kleintier-\n== welt etc. Jedem Aquariumliebhaber zu empfehlen -\nHalbjahr (6 Monatshefte) nur 1,80 Mk. postfrei. Probenummern\ngratis. IST8 Reichhaltig, neueste Zierfische, Zuchttricks etc.\n========== Nachlieferung Heft 1-18 nur Mk. 4.50 ==============\nVerlag Ernst Mar re Leipzig 67"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120406-01.1.8", "texte": "Paß & Garleb Gr. m. b« H., Berlin W 57\n\nAusstellungen, Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCRSPER'S Kunst-Salon\nEintritt 50 Pfennig Potsdamerstrasse 19\nt\nx -\nFieue flusstellung\n= Marz bis Rpril 1912 =\nE Jokisch Oskar Zeh\nPaul Hey Schramm-Zitiau\nMax Liebermann C. von Marr\n\nGRAPHISCHES KABINETT\nBuch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\nBERLIN W 15, Kurfurstendamm 33 ::\nStandige Ausstellung ;Im\nmoderner Graphik Illustriert. Katalog u. Prospckte gratis\nEINTRITT FREI\nAnkauf guter Graphik\nu. illustrierter Bucher\nI\n\nAtelier Kianni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Luise Schmidt und Hanni Schwarz\n■ Berlin W 30, Hohenstaufenstrasse 44 111 ==\nFernsprech-Anschlufl; Amt Liitzow, 9110 :: Fahrstuhl\nGeoffnet: Wochentags von 9-6, Sonntags von 10-1 Uhr\nPhotographische Arbeiten jeder Art in\n== kunstlerischer Ausfuhrung =====\nAufnahmen in naturlichen Farben\nSpezialitat: Kinderaufnahmen und Aufnahmen\nim eigenen Heim :: Kurse fur Amateure\n\nI FRITZ STOLPE K-L3?,\nGegriindet im Jahre 1873 ■ Fernsprecher Amt Liitzow 3752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilarten\nKopien von Rahmen nach alten Meistern in Original-Goldtonungen\nSlmiliehe Yergolderwaren £\n= Kunst-Einrahmungen =\nReparaturen und Neuvergoldungen aller Gegenstande, Aufarbeiten\n:: aller Arten Antiken, Reinigen von Gemalden und Stichen ::\n\nFRIT 7 MFPk\"FR Charlottenburg-Schillerstr. 94\nllxllZ- iVI 1— lA l\\ I_ t\\ Amt Charlottenburg 8397\nPASSEPARTOUTFABRIK :: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nRCJFZIEHEN VON ZEICHNUNGEN :: :: MODERNE BUCHEINBRNDE\n\n= KIINSTLER-MAGAZIN =\nFRITZ BERGMANN\nSteglitz □ Schutzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\nArchitektur-Buchbinderei •••\nElektrische Lichtpausanstalt mil Motorbetrieb\nPassepartout-Fabrikation Bildereinrahmung\n\n0000®0@000@@000000000(\ni flllgemeiner Beobachfer\n0 . 0\nBalbmonafsschrift fur die 0\n0 Fragen des modernen liebens 0\n0 mm m 0\nVerlag flllgemeiner Beobadifer ||\n0 Bambur g 1 H'sterdarnm nr. 2 0\n© mm m €<jj\nSK: Preis: Ginzelnummer 20 Pf. ® flbonnement 1 m. pro Qnartal JST\nH mmm ---\n===== Zu beziehen durch alle Bnchhandlungen und Posfanstalfen =====\n\nLehranstalten □ Kurse\nMai- und Zeiehensehule\nStilleben ss Landschaft ss Portrat\nOTTO 6E9ER, HehtorsM 17, w KnAMan\nMan verlange Prospekte\n\nHolzschnHzen, Modellieren, Zeichnen\nTaglich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModellieren fur Achitekten taglich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAhendakt taglich 7—9 Uhr Mark —,50\nRtelier KurfOrstendamm 245 parterre gegenuber dem Zoo.\nBildhauer HARDBRS Berlin-Charlottenburg1\n\n— fflodcllimN und ZeichHca —\nVorbereitung1 ftir die Akademi©\nKIBL HEYNEN-DUMONT\nCharlottenbupg:, Leibnizstrasse 32, Atelier\n. 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Teiefon: Kurfurst 2425\n\nRingbahnstrasse 123 a - Fernsprecher: Uhland 595\nSpediteur des Vereins fur Kunst zu Berlin\n\n—. -- >****-.. svsy:jc>*s\n\"& V'y\nfflSt\n4£\n• \\\nPremiere\nVie man\nJftuer bessert\nKomodie in zwei Akten von\nAnton u. Donat Herrnfeld\nHer }<austen/el\nSchwa nk in einem Akt\nvon Pohlmann\nAnfang 8 Uhr\nVorverkauf 11-—2 Uhr\n\nVintergarten\nlm Bahnhof Friedriebslrasse\nNeues Programm\nRnne\nDancrey\n\nLa Voce\nWochenschrift\nfiir freie Kultur\nJahresbezug 6 Mark\nProbenummern gratis\n112 lorenz piazza Davanzati\njCibreria Sella Voce\n\nHeue Sezesslon\nSehvarz-Veiss\nAusstcllimg\nPotsdamer Strasse 122\n\n©\n8 Die Faeker\nHERAUSQEBER _\nW'\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser Folge\nI Nummer34s/846\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nI U B ERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Fackel 8\n50 Pfennig §"}]}