{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_sha256": "05e91ac13e16ee476f84af4faa530c5cff45c2a7c098946d1ac1c3d06a9bbd3d", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/05/05_01/bmtnabg_1912-05-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/05/05_01/bmtnabg_1912-05-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.1", "debut_caractere": 503, "fin_caractere_exclue": 940, "texte": "Inhalt:\nH. W.: Abwehr / ALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang / Dr. S. FRIEDLAENDER: Max Steiner: Die, Welt der Aufklärung /\nHANS EHRENBAUM-DEGELE; Gedicht / F. T. MARINETTI: A l'Automobile de course / JACQUES RIVIfiRE: Cezanne / J. 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Beweis: Die Titel der\nBilder. „Die Titel: „Der Abschied\" „Die Macht\nder Straße\", Die Erinnerung einer Nacht\", sind\nNovellentitel, wie man sieht.\" Herr Scheffler\nscheint so mit Üem Lesen des Katalogs beschäftigt\ngewesen zu sein, daß er vor lauter Erklärungen\ndie Bilder nicht gesehen hat. Die Erklärungen\nsind doch natürlich nur für den total harmlosen\nLaien bestimmt, der absolut nichts „erkennen\"\nkann. Konnte man ahnen, daß Kritiker den Ka-\ntalog statt der Bilder kritisieren. Was könnte\nHerr Scheffler nicht gegen die Bildertitel „Das\nFrühstück im Freien\", „Das Urteil des Paris\",\n„Die Pflege der Wissenschaften am Hofe von\nUrbino\", „Die Eroberung von Tunis durch Kaiser\nKarl den Fünften\", „Der Jugendbrunnen\" ein-\nwenden. Er tut es aber nicht, da sie von ver-\nstorbenen Meistern „erdacht\" worden sind. Herr\nScheffler findet die Futuristen total talentlos, be-\nhauptet, daß unsere modernen Künstler\nihre diskutierbaren Absichten längst verwirk-\nlicht haebn, und nennt als Beispiel Carl Strath-\nmann und Martin Brandenburg. Wenn Herr\nScheffler diese beiden Herren auch nur für talent-\nvoll hält, möge er bei seinen Meinung bleiben.\nUnverschämt aber finde ich folgendes: „Das Be-\ndenklichste ist; sie wirken intellektuell unehrlich.\nIhre Kunst stellt sich dar als ein unlauterer Wett-\nbewerb. Bei allem zur Schau getragenen Enthu-\nsiasmus wittert man zwischen den Zeilen ihres\nProgramms Neid und andere unreine Instinkte.\nSie sind nicht Fanatiker der Wahrheit, wie sie\nsagen, sondern Fanatiker des lauten Erfolgs um\njeden Preis. Nicht jugendlicher Sturm und Drang\nsteht hinter ihrer Malerei, sondern ein recht übles\nMenschentum.\" Wenn Herr Scheffler besser\nwittern könnte, wenn Flerr Scheffler Instinkte be-\nsäße, und wären es auch nur „unreine\", so würde\nihm ein übles Menschentum in nächster Nähe\nauffallen. Bilder, die er nicht fassen kann, möchte\ner am liebsten in seine Moralkiste mit Hilfe der\nNaturalisten (G.m.b.H.) stecken lassen. Aber\nHerrn Scheffler fehlt nicht nur die körperliche,\nauch die geistige Kraft. Seine Kritik wirkt intel-\nlektuell unehrlich. „Es vergeht kein Tag, daß\nich nicht einige Male gefragt werde; was halten\nSie von den Futuristen? Merkwürdig, noch nie\nhat jemand von mir zu wissen verlangt, was ich\nvor Rembrandts Werken empfinde.\" Ich bin\nnicht neugierig, aber das möchte ich wissen, Herr\nScheffler.\n*\nHerr Robert Breuer ist seit der vorigen Woche\nin Raserei verfallen. Ihm blieb nur soviel Besin-\nnung, die Zeitschrift Der Sturm als Veranstalterin\nder Ausstellung der Futuristen nicht zu nennen.\nAus Furcht, daß seine Leser sich über die kri-\ntischen Fähigkeiten ihres Herrn Breuer unter-\nrichten könnten. Der Unglückliche schreit seine\nWut in alle Provinzzeitungen von Weimar bis\nHamburg. „In den guten Zeiten des finsteren\nMittelalters hätte man solche Bürschlein in\ndie Jahrmarktsbuden oder in ein Halseisen ge-\nsteckt/' „Wir haben Besseres zu tun, als dauernd\ntitanischen Lausbüblein das Vergnügen\ndes Ansturms ,undder Analyse zu be-\nreiten.\" Warum tut Herr Breuer nichts Bes-\nseres? Wer zwingt ihn, sich über Dinge zu\näußern, die ihm auf den Kopf fallen. Aber Herr\nRobert Breuer tut Besseres. Ich entdecke eine\nZeitschrift der Kunstgewerbezeichner, schlage sie\nauf und finde einen Beitrag des Herrn Robert\nBreuer: „Der Lehrer als Organisator\":\n„Mit dem, was die Natur wachsen läßt, wird\nnicht vorsichtiger noch klüger umgegangen.\nFestnageln heißt die Parole. Mitten\ndurchs Herz werden die Nägel ge-\ntrieben. Der Naturunterricht aber kann nur\nWahrheit und Leben schaffen, wenn er anleitet:\ndie Logik, den fruchtbaren Geist der ge-\nwachsenen Formen zu erfassen, das Gesetz\nder Verhältnisse, die Unbedingtheit der Tektonik\nund der Struktur. Und nicht minder den Ge-\nschichtsunterricht, er will idarauf hinaus: in neuen\nMaterialien für neue Zwecke Dinge von jener\nVernunft und Schönheit zu schaffen, die das Alte\nehrwürdig machen; er will darauf hinaus: die\nWelt der Gegenwart so tief und rein zu erkennen,\nwie die Babylonier und Griechen die Welt ihrer\nTage erkannten. Studieren heißt nicht stehlen,\nbegreifen nicht auswendig lernen. Es gilt, den\nGeist, der hinter den Formen steht, zu erfassen.\nDie Sinne sollen denken lernen.\"\nOder:\nNicht jeder Schüler kann das leisten, was\ndas Reglement fordert; das bedeutet aber nicht\nim entferntesten einen Mangel an Begabung.\nDie von den Unterrichtsbeamten zuge-\nschnittene Uniform ist für die Mit-\ntelmäßigkeit berechnet. Der weise\nLehrer geht nicht von dem Stundenplan, son-\ndern von den Schülern aus ; er sucht vor allem\nzu erfahren: mit wem er es eigentlich zu tun\nhat. Es ist notwendig, die schwachen und starken\nAnlagen aufzudecken und den Schüler bewußt\nzu machen. Wie ein Stah 1 b a d wirkt\neine solche Ehrlichkeit. Durch das ewige\nVorpredigen einer bestimmten Unzulänglich-\nkeit wird der Novize gelähmt, wird er oft zu\nentmutigt, die besonderen Keime, die in ihm\nruhen und die allen Mangel zehnfach wett\nimachen, nach Herzenslust zu entfalten. — Ge-\nwiß, auch schwache Gaben wollen ge-\npflegt sein. Uebung stärkt. Harmonie\ndes Könnens nützt der speziellen\nStärke. Aber wichtiger als die Harmonie\nist der Charakter, und der Charakter ist deter-\nminiert. Die wichtigste Pflicht des Lehrers ist\nes: den Charakter des Schülers zu entdecken\nsund als ein Heiligtum zu achten.\nJa, Harmonie des Könnens nützt der\nspeziellen Stärke. Wie ein Stahlbad wirkt eine\nsolche Ehrlichkeit. Festnageln heißt die Parole.\nWir können nichts Besseres wünschen, als\ndauernd für titanische Lausbüblein uns\ndas Vergnügen des Sturmes und der\nAnalyse zu bereiten.\n*\nDie alldeutsche Zeitung ,Die Post' sieht durch\ndie Ausstellung natürlich das gesamte deutsche\nReich gefährdet. Mutvoll schickt sie ein Weib-\nchen, das früher Modenberichte schrieb, zum\nKampfe vor. „Inmitten unserer stolzen Tier-\ngarten pracht, gerade da, wo die gesundesten\nNaturkräfte mit stolzer Gewalt aus dem Erd-\nboden quellen, macht sich diese fäulniserregende\nGesellschaft breit.\" Hoffentlich halten es die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1714, "texte": "Bäume aus. „Mit der böswilligen Absicht Ge-\nsunder soll man kämpfen, weil irregeleitete und\nvom Wege abgekommene Menschen immer noch\nAussicht bieten, gerettet und erhalten zu werden.\"\nNach der Aussicht auf den Tiergarten die Aus-\nsicht auf das Magdalenenstift. Nein, dieses Weib,\nkein Engel ist so rein.\n„Aber jene, die ihren Körper in Nacht-\nlokalen verwüsten, Männer, die durch einen sinn-\nlosen Lebenswandel zu verrückten Weibern wer-\nden, die aus ihrem Verfall noch' ein paar Groschen\nfür ihren Absinth verdienen wollen, die kann\nman nur mit einem kräftigen Faustschlag sich\nvom Leibe halten/'\nAber mein Fräulein, man will Ihnen ja gar\nnicht zu Leibe. Sie bieten keine schönen Aus-\nsichten, und der kräftige Faustschlag geht nicht\nvon Ihnen aus. Denn: „Und da selbst der\nKorrektesten auch einmal sekundenlang Klarheit\nbeschieden ist, so findet sich in dem tollen Flug-\nblatt dieser Gesellschaft ein geradezu befreiender\nSatz: ~ . . Wollen wir .. . den Faustschlag\npreisen.' Man sieht, die Leutchen sind an derbe\nTraktätchen gewöhnt.\" Das Fräulein hat sich\nnoch nicht an seinen neuen Beruf als Kunst-\nkritikerin gewöhnt, es denkt noch immer an das\nMagdalenenstift. Man sollte es mit Herrn Scheff-\nler in dieselbe Moralkiste packen. Vielleicht wird\nihm dann das Unzulängliche — Ereignis.\n*\nHerr Kunstmaler Max Oppenheimer, Ver-\nfasser zahlreicher Bilder eng nach Laszlo, Manet,\nCezanne, Oskar Kokoschka und Greco ist in der\nZeitschrift Pan als Kunstkritiker zu Wörtern ge-\nkommen. Er nennt sich in dieser Eigenschaft\nMopp, wobei er das sehr charakteristische s über-\nflüssig durch ein p ersetzt. Herr Kunstmaler\nMax Oppenheimer schreibt vorläufig gegen\ndie Futuristen. Vielleicht wird man bald piehr\nSehen.\n\nH. W"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "34", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.3", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.2", "debut_caractere": 1716, "fin_caractere_exclue": 7252, "texte": "Der schwarze Vorhang\nVon Alfred Döblin\nRoman\nJohannes versuchte unbefangen vor ihr zu\nsicheinen, aber er glaubte bald, daß es ihm nicht\ngelänge, daß ihre Augen in ihn hineinsähen, ja\ndaß sie ihn erinnerte. Eine leichte Unsicherheit\nkam in seine Art, mit ihr zu sprechen, sie an-\nzusehen, ihr die Hand zu! reichen, auch fühlte er\nsich schuldig, weil sie die Schmach erkennen\nmußte, die sein Zögern und Verbergen ihr antat.\nEs schwieg etwas so laut zwischen ihnen. Seine\nBlicke flatterten manchmal teilnamslos, so wollte\ner es, um ihr Gesicht; ganz zog er sich wochen-\nlang von ihr zurück. Das machte Irene noch'\nAufmerksamer, und ihre weiche Stimme fragte\nihn leise, und schien an seine verschlossene\nSeele zu klopfen. 112 ■\nWie fühlte er sich schuldig. Er konnte ihr\nnicht mehr entgehen.\nUnd eines Morgens entschloß er sich, um\nsich endlich Ruhe und seine! alte Gelassenheit zu\nerwerben, ihr zu sagen, daß! er sie liebe.\nZum ersten Male ging er gleichgültig zu ihr,\naber im Gehen wurde er immer niedergeschlage-\nner. Was waren das für irre Wege, auf denen\ner schritt. War er nicht wie gejagt? Rächten! sich'\nnicht wirklich jene Geister? Und dieses lächer-\nliche Wort Liebe, oh esi entfaltete so befehlende\nKräfte, rief und lockte so unentrinnbar und mußte\nseinen -Willen haben gegen ihn. Wie zwangen\nund unterjochten ihn die Menschen!\nWährend er neben Irene saß, fühlte er sich\n£o ganz dieser Macht hingegeben, die seine Ge-\ndanken tyrannisierte, alle taumeln machte, jedemi\nfremden Wunsche die Glieder bach; und so sieg-\nreich, so beängstigend siegreich durchgedrungen\nwar, daß er stumm auf; Irene die Augen richtete,\nals ob sie ihm helfen sollte. „Ich muß dich\nlieben, ich muß dich lieben\", sagte er immer\nwieder leise auf der Bank in dem weiten Garten\nIrenes, und sah sie dabei flehend an. Er wollte\nihren unausgesprochenen Bitten nachgeben, er\nwollte der Gütigen nicht wehe tun; sie be-\nschenken, wie sie es verdiente.',\nEtwas schrie in seinen Muskeln und Sehnen,\ner solle fortlaufen und sich verstecken; und doch\npreßte er sie fest an; sich. Ihre Lippen waren\nnur ein Zittern, die Lippen der todesblassen\nIrene. /\nV,\nIhre Arme und ihre Brust stemmten sich\nleicht und keusch1 von ihm ab; ein herzliches,\nmädchensüßes Mitleid floß über das so zart-\nhäutige Gesicht, an dessen Schläfen zwei dünne\nAederchen durchbläuten und fein pulsierten, bald\nheftig, bald träge rollend.\nSie hörten Beide erregt das Rauschen der\nBäume über sich. Ganz rasch fuhr es durch'\nseinen Sinn, wie selig still es jetzt wohl in\nsieine,m eigenen Garten war, wo sein Hund be-\ngraben lag und er nun bald wieder ungestört,\nvon nichts beunruhigt umhergehen und schlafen\nkonnte.\nSie wußten beide nicht, was weiter ge-\nschehen sollte. Er ermannte sich, besann sich.\nZärtlich wie nie sah er ihre Augen auf seinem\nGesicht ruhen; ihr Kopf lag an seiner Schulter,\neinige dünne Strähnen ihres lockeren Haares\nhatte er gedankenlos zwischen seine «Lippen ge-\nzogen. Und schmeichelnd begann die Wärme,\nund Glätte ihrer nackten Hand, die sich in das\nBett seiner gewühlt hatte, zu; seiner Haut zu[ reden\nund seine Gedanken zu ihr m locken.\n, vT\nSie war doch so schön, diese Irene. Mit\nMühe erinnerte er sich ihrer, der er dankbar\nwar, weil sie ihn düsteren yersunkenheiten ent-\nrissen hatte. Zwei Geschenke hatte sie ihm ge-\nmacht, die zusammengehörten: Besänftigung und\nPflicht zu neuer Unrast — er hatte beides an-\ngenommen, als er eines annahm; saß nun willen-\nlos neben ihr. ,\nSeine schweren Hände hoben ihr Gesicht\nganz zu seinem auf: die stolze, die\nauf seine Not einstmals nicht; geachtet hatte und,\njetzt pn seiner Seite bebte, hatte er nun be-\nzwungen und sich gerächt für die Qual jener\ndufripfen Stunden. Er saß auf Trümmern —\nund fühlte kein Glück, nur leicht verächtlichen\nStolz unter dem innigen Blick dieser metallisch1\nstrahlenden Augen. Als er wieder zu sprechen\nanfing, klang seine Stimme tief und leise; er\nmußte dem Klange nachgeben und erzählte von\nwirren Träumen und blöden Leiden und wun-\nderte sich heimlich, während er sprach, was ihn\nantrieb, diesem Mädchen davon zu sprechen.\nDie Narrheit wollte sichtlich ganz ausgeschlürft\nsein, bis er von ihrt gesättigt war.\nLeise grollte er ihr und sich.\nMit beiden Händen hatte Irene seine Rechte\ngefaßt und drückte sie, während sie den Kopf\nbis auf ihre Brust herab senkte und starr zur\nSeite auf den Kies und 'die Steinchen sah, wäh-\nrend er sprach. Was drückte £ie ihm die Hand ?\nWar es nicht zum Lachen ? Sie bemitleidete ihn\ngar; das Weiblein bemitleidete ihn. Wie eine\nlose Frucht war sie ihm (zugefallen, an die er\nmit dem Hauch eines dummen Wortes rührte:\neine leicht käufliche Ware war dies Weiblein\nneben ihm.\nIn seinem Innern hatte sich nichts geändert,\nals sie sich trennten. Wo idie mondsanfte, wenn\nauch unerklärliche Wirkung ihres Blickes und(\nihrer Stimme nachließ, begann sein Groll breiter\nund deutlicher zu murren.\nEr kaufte sich unterwegs Kirschen und setzte\nsich auf eine Bank, um sie zu essen. Was war\neigentlich geschehen? Nichts? Er hatte das\nlästige Schweigen, das zwischen ihnen bestand,\nbeendet, und nuni war alles, wieder gut. En konnte\njetzt zur Ruhe seines Gartens zurückkehren. —\nIrene war sein geworden. —\nEr hatte das Gefühl, als ob ihm eine Sache\nZugeschoben sei, die er gar gefordert hätte,\nals ob er irgendwie betrogen Was sollte er\nmit ihr? Was wollte sie von ihm? Und doch\nhatte er sie fest an sich geschlossen und sich\nan sie gefesselt. — Je; mehr er sich! auf sie besann,\ndesto schuldiger fühlte er sich' ,vor ihr.\nUnd desto tiefer trieb sie* ihn in Unruhe und\nSchwere."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "34", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.4", "titre_corps": "Max Steiner: „Die Welt der Aufklärun“", "titre_sommaire": "Max Steiner: „Die Welt der Aufklärun“", "signature_source": "Kritischer Hinweis Von Dr. S. Friedlàender", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.2", "debut_caractere": 7254, "fin_caractere_exclue": 9146, "texte": "Max Steiner:\n„Die Welt der Aufklärun“\nKritischer Hinweis\nVon Dr. S. Friedlàender\nNachgelassene Schriften\nNicht genug warnen kann man die\nIdealisten der Keuschheit und Reinheit vor\nder falschen Bewertung des „Reinen\" im\nGegensatz zur „Welt\". Welt selber ist ein\nGegensatz, eine kreischende Differenz, und Rein-\nheit ist der Dreh- und! Angelpunkt, ohne dessen'\nspielend leichte, reibungslose Präzision das Welt-\nrad in allen Fugen und Widerspielen seiner\nSpeichen ächzt. Exorbitante Geister wie Schopen-\nhauer, wie Max Steiner lassen nicht so sehr den,\nSchwerpunkt ihrer Umschwünge, als dessen\npräzis richtige Lokalisation in der Mitte vermissen;\nsie zentralisieren sich schlecht; oder — wie Kant\n— obskur; oder — wie Nietzsche — clair-obscur;\noder ,— wie Goethe; —, poetisch. Jetzt ist mit\nStrenge geltend zu machen: Das) Ideal ist polar\nvorhanden, positiv und negativ; und keime Wirk-\nlichkeit wird ihm irgendwie negativ und positiv\nbeikommen können: praktisch wirksam ist\ni|mmer bloß die reinste Indifferenz\ndes Ideals; das ist der ruhende Pol jener\nWiderbewegung, der Hebelpunkt aller Welt\nOhne diese radikale persönliche Selbstaufhebung,\nSelbstüberwindung, Selbstvernichtung muß das\nDifferenzieren, welcher Art immer, verzweifelt\nausfallen; und im verzweifeltsten Fall wird der\nBelbstmord, den man be i Lebzeiten mit sich\nhätte vornehmen sollen, sehr drastisch nach-\ngeholt werden. Der Zweifel hat keinen\nVereinigungs-, aber einen Vernich-\nten gspu n k t, und von diesem Punkte aus\ngerade wird die Skepsis schärfer als jemals ent-\nbrennen, und ihrq Pein wird nur „ein Stachel\nder (Wollust sein.\" Unser Wesen muß Frei-\nheit vom Leben atmen, wenn es Frei-\nheit zum Leben atmen soll. ,— Max Steiner\nhat dadurch, daß er die schlechten Freigeister\nan den 'Pranger seiner Logik stellte, den Geist\nechter befreit. —\nHerausgegeben und eingeleitet von Kurt Hiller / Berlin\nErnst Hof mann & Co. 1912"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "34", "page_fin": "34", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.5", "titre_corps": "Gedicht", "titre_sommaire": "Gedicht", "signature_source": "Hans Ehrenbaum-Degele", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.2", "debut_caractere": 9148, "fin_caractere_exclue": 9433, "texte": "Gedicht\nHans Ehrenbaum-Degele\nWillst du meinen Kreis betreten,\nMußt du in die Tiefen lauschen,\nWo, umdämmert von Gebeten,\nMeine roten Ströme rauschen,\nIn die Fernen mußt du schauen,\nWolken deine Träume schenken;\nHimmel müssen aus dir blauen,\nSonnen sich an deinem Licht\nGolden tränken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "35", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.6", "titre_corps": "Umberto Boccioni: La peinture des états d'âme / III: Ceux, qui restent / Originalzeichnung", "titre_sommaire": "Umberto Boccioni: La peinture des états d'âme / III: Ceux, qui restent / Originalzeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 90, "texte": "Umberto Boccioni: La peinture des états d'âme / III: Ceux, qui restent / Originalzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.7", "titre_corps": "À I'Automobile de course", "titre_sommaire": "À I'Automobile de course", "signature_source": "F, T. 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Marinetti\nDieu vehement d'une race d'acier,\nAutomobile ivre d'espace\nqui pietines d'angoisse, le mors aux dents\nstridentes!\nO formidabie monstre japonais, aux yeux de\nforge\ninourri de flamme et d'huiles minerales,\näff am e d'horizons et de proies siderales,\nje dechaine ton coeur aux teuf-teuf diaboliques,\net tes geantes pneumatiques, pour la danse\nque tu menes sur les blanches routes du mon de/'\nJe lache enfin tes brides metalliques et tu\nt'elances,\navec ivresse, dans l'Infini liberateur!...\nAu fracas des abois de ta voix—\nvoilä que le Solei! couchant emboite\nton pas veloce accelerant sä palpiitätion\nsanguinolente au ras de rhorizon...\nII galope lä-bas, au fond des bois... regardeL.\nN'importe, beau öemon, jatsuis ä merci...\nprends-moi!\nSur la terre assourdie malgre tous ses echos,\nsous le ciel aveugle malgre ses astres d'or.\nje vais eperonnant ma fievre et mon desir\nä coups de glaive en pleins naseauxL.\nEt d'instant en instant, je redresse ma taille\npour sentir sur mon cou qui, tressaille\ns'enrouler les bras frais et duvetes du vent.\n* -17» .'-«i \\ ' '* •*' -\nCe 'sont tes bras charmeurs et lointains qui\nm'attirentL.\nCe vent, c'est ton haieine engloü'tissante,\nInsondable Infini qui m'absorbes avec joie!...\nAh! Ah'!... des moulins noirs, degingandes,\nont tout ä coup\nl'air de oöurir sur Ieurs alles de toile baleinee\ncomme sur des jambes demesurees...\n, ; ' jjT - '• ■\nVoilä que les Montagnes ä lancer\nsur ma fuite des manteaux de Jfäicheur\nsomnolente. .\nLa! La! regardezL. ä ce tournant sinistreL\nMontagnes, o Betail monstrueux! o Mam-\nmouthsf\nqui trottez lourdement, arquant vos dos\nimmenses,\nvous voilä depassees... noyees...\ndans* l'echeveau des brumesL. Et j'entends\nvaguement\nle fracas ronronnant que plaquent sur les\nroutes\nvos jambes /kolossales aux bottes de sept\nHeues L.\nMontagnes auk frais manteaux d'azurL.\nBeaux fleuves respirant au clair de luneL.\nPiaines tenebreuses! Je vous depasse au grand\ngalop\nde ce monstre affole... Etoiles, mes Etoiles,\nentendenz — vous ses pas, le fracas des abois\net ses poumons d'airain croulant inter-\nminablement ?\nJ'accepte la gageure... avec Vous, mes Etoiles!...\nPlus vite!... enoor plus viteL. et sans repit,\net sans repos!...\nLächez les freinsL. Vous ne pouvez?...\nBrisez-les doncL.\nQue le pouls du moteur centuple ses elans!\nHurrah! Plus de contact avec la terre\nimmondeL.\nEnfin, je me detache et je vole en souplesse\nsur la grisante plenitude\ndes Astres ruisselant dans le grand lit du ciel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.8", "titre_corps": "Cézanne", "titre_sommaire": "Cézanne", "signature_source": "Jacques", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.4", "debut_caractere": 2495, "fin_caractere_exclue": 6224, "texte": "Cézanne\nVon Jacques.\nCezanne War nfch.t deß Ungeschickte Er-\nhabene, als den ihn1 gewisse Legenden, darzustellen\nversuchen. Im Degenteil; seine Aquarelle zeigen .?\neine so schwindelnde Geschicklichkeit; der viel-\nleicht nur die Virtuosität der Japaner gleichkommt:\nauf dem Weißen Bogen wird das Gerüst einer\nLandschaft durch einige Pinselstriche gegeben,\ndie mit einer Genauigkeit gemalt sind, die leere\nZwischenräume sprechen, und dem\" Schweigen\neines jeden Bedeutung abgewinnen lassen. -\nMalt Cezanne in Oel, so zuckt seine von dieser\nGeschicklichkeit durchdrungene Hand, aber er\nbeherrscht sich; er ist mißtrauisch; er fürchtet,\nsich an die Stelle seiner Aufrichtigkeit zu setzen;\n~r\ner erlegt seinem Pinsel eine getreue Langsam-\nkeit Der Fleißj beherrscht ihn wie einej Leiden-\nschaft: er beugt sich devot, er schweigt, um\nbesser zu sehen; er schließt die von ihm kopierte\nForm in den Bann seiner! Aufmerksamkeit; rührt\nsie sich dennoch, so) ist ihm nicht eher; wohl, bis er\nsie schließlich erfaßt hat. In jedem Augenblick\nwill der Pinselstrich hüpfen, sich seinem\n(Schwünge hingeben. Aber Cezanne führt ihn\ntrotzig zurück und zwingt ihn, sich — wennj auch\nwider Willen — zu halten. Wenn man in dieser\nArt Malerei ein Zögern. zu erkennen glaubt, so\nläßt, dies nicht auf die Ohnmacht einer ver-\nwitterten und in der peinlichen Beobachtung der\nUmrisse ungeübten Hand schließen, sondern ein-\nzig und allein (auf die Gewissenhaftigkeit einer\nGeduld, die unablässig die Seitensprünge einer\nrauschenden Geschicklichkeit zu mildern sucht.\nNiemals etwas für den Beschauer. Cezanne\nl|adet den Blick nicht auf sich; er gibt kein\nZeichen; ervwendet, sich an niemanden; er malt\neinsam und kümmert sich) wenig) darum, daß man,\nvon seinen Bildern ;Notiz nimmt, die er in Müh-\nsal und Anbetung erschaffen hat. Er kümmert\nsich nur um Dinge und ist unablässig darauf\nbedacht, sie richtig zu sagen. Seine Liebe für sie\nist so heftig, daß er| vor( Ehrfurcht zittert; er ver-\nehrt sie und beseelt von1 brennender Bescheiden-\nheit bemüht er sich, sie wiederzugeben. — Dahter\ndiese rührende Strenge: Strenge, die über alles,\nwas er anfaßt, den Glanzider Liebe breitet. Diesel\nBilder haben eine eingeengte Geräumigkeit.\nMan fühlt, diese Bilder sind in hupfender Un-\nbeweglichkeit und mit einer Seele gemalt worden,\ndie der Schwung ihrer Begeisterung schüchtern\ngemacht hat. (\n•' . v\n* *\n; ' *\nIn einer Landschaft Cezannes bemerkt man\nzuerst die senkrechte Achse; das Bild hat einen\nZug nach unten, jeder Gegenstand ist zu seinem\nPlatze hinabgestiegen; man hat ihn mit Sorg-\nfalt dort niedergelegt; er nimmt seinen Platz\nein; imlit ganzer Kraft klammert er sich an seine,\nLage. Cezanne hatte das feinste Gefühl für die\nOertlichkeit, er begriff, mit welchem Eifer\ndie Dinge den ihnen gegebenen Ort zu be-\nhaupten suchen; und er empfand beim Ueber-\ntragen des Platzes einesl jeden* jene Wollust, deren\nSpur man in dem unmerklich voreiligen Be-\nrühren des Pinselstrichs, der, bevor er seinen\ndefinitiven Platz ausfüllte, voll Freude ein wenig\numhertastete. Souveränes Sich-behaupten und\nhartnäckiges Festhalten am Platze, erkennt man\nan den auf dem Tisch liegenden Armen des\nKarten spielenden Bauern. — Man weiß, die An-\nordnung kann [niemals willkürlich sein. In der\nTat, sie ist nicht erfunden, sondern durch die\ngetreue Verteilung der einzelnen Teile bewirkt\nworden: Ehrfürchtig ist ein Farbstrich neben den\nanderen gesetzt worden: und beim letzten bebt\ndas durch die peinliche Nachgibigkeit gegen-\nüber jeder Einzelheit hervorgezauberte Antlitz\ndes Bildes; in ihm finden wir das Leben, wir\nhaben eine durchaus nicht gesuchte Anordnung,\ndie Striche verbinden sich und beleben durch\nihre Gemeinschaft die einzelne genaue Darstel-\nlung der ..Elemente."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "38", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.9", "titre_corps": "Berliner Frühling", "titre_sommaire": "Berliner Frühling", "signature_source": "J. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.4", "debut_caractere": 6245, "fin_caractere_exclue": 8934, "texte": "Berliner Frühling\n\nDer Albert Traeger ist noch lange nicht tot\nDie Früchte jahrelanger Frauenarbeit, in\neiner Aster-Ausstellung gezeigt, waren unreif,\naber der Unsinn, mit dem man sie anhimmelte\nund pries, wird fortblühen. Eine Friedens-\nfanfare für die beiden großen Arbeitsgebiete\nder Frau, Haus und Beruf, die sich nun ergänzen,\nhat Frau Hedi Heyl die Ausstellung genannt,\nund es ist auch tatsächlich sehr viel Blech in\nihren Räumen geredet worden.\nTastend hat die Frau jahrelang nach Wegen\naus der Halbheit heraus gesucht und sie sich\ndurch Fleiß und Sorgfalt gebahnt, und heute\nfordert sie für sich und ihr Geschlecht quali-\nfizierte Arbeit, sich selbst und andere zu be-\nfriedigen.\nAuf der Suche nach Wegen aus der Halb-\nheit ist ihr der schlechtweg „ganze Kerl\" Albert\nTraeger ein bramarbasierender, scherwenzelnder\nBegleiter gewesen. Freilich war auch dieses\nSchwerenöters Ideal nicht jene Frau, die nur\n„das Erwachen eigener Kraft ganz hinnimmt\",\nund darum wohl auch hat der Volkszeitung stän-\ndiger R. K-r, Lyriker und Satiriker, ganz nach\nBedarf, Worte des Abschieds der Frauen von! dem\nDichterpolitiker einer in den Mund gelegt, die\ndes Mannes „freudiges Können\" höher stellt\nals aller Frauen Versuche, andere und sich selber\nzu befriedigen. Sie sagte\nDie Frühlingssonne sandte ihre Strahlen\nWie sollte sie nicht.\nMit müder Wärme auf den Gottesacker,\nDa legten sie dich in dein letztes Haus\nUnd jammerten, du seist nicht mehr.\nIch aber — eine deutsche Frau —,\nIch fühlte keinen Schmerz und keine Trauer.\nDugroß e r B ar deib i s t uns, nicht gestorben.\nDu, der so oft der Frauen Lob gesungen,\nBeim schäumenden Pokal des\nGeistes Schwert geschwungen,\nMit allen Frauen lebst du ewig fort!\nDein Leitwort war: Die Frauen sollen leben.\nUnd siehe da: da du von hinnen gehst,\nBekränzen lächelnd sie dein Ruhelager:\n„Seid still, er schläft und träumt den schönsten\nTraum:\nDie Frauen tragen ihn zum Himmel.\"\nDas ist die reizendkitschige, schlichte Phanta-\nsie einer fühlenden Frau; die denkende will\n„in allem den Dilettantismus ausschalten, ja\nauch im Genuß beschaulichen Lebens möchte\nsie von Schöpfungen ernsten Schaffens, wahr-\nhafter Kunst umgeben sein.\"\nMit ihr kann Traeger nicht fortleben. Nein,\nnein.\nWelche Verwirrung\nDer Verein Berliner Presse veranstaltete\nam Sonntag im „Rheingold\" eine seiner rasch\nbeliebt gewordenen geselligen Veranstaltungen,\ndie auch diesmal wieder um 4 Uhr mit einem\ngemeinschaftlichen Mittagsmahl begann. Frau\nGrete Jolles, eine ungemein sympathische Er-\nscheinung, erfreute . . .\nDie heiteren Vorträge von Guido Thiel-\nscher (ein Wohltätigkeitsfest und ein Himmels-\ntraum) wurden von den Anwesenden mit un-\nunterbrochenen Lachsalven entgegengen om -"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6972, "texte": "men. Wie immer bildete den Schluß der Ver-\nanstaltung ein Tanz, an dem sich die frische,\nknospende Jugend wie die Reserve und Land-\nwehr um die Wette beteiligten.\nDie knospende Junge — Erhöhung der\nFriedenspräsenz — Reserve — Landwehr — Lach-\nsalven — Verstärkte Ausbildung der Ersatzreserve\n— Donnernder Beifall — Mehr Schiffe — Wett-\nrüsten bis zur Erschöpfung — Wettschwingen\ndes Geistesschwertes — Lachsalven — Notaus-\ngang aus diesem Frühling, wo bist du?\nDer andere Morgen gehört immer der Moral\nDie Morgenpost sagt:\nDaß die Berlinerinnen schön sind/ das\nwissen wir, die wir sie täglich in ihren\nmannigfachen Reizen bewundern kön-\nnen, zur Genüge, daß sie aber auch in einem\nLande, in dem bekanntlich die schönsten\nFrauen zu sehen sind, erfolgreich bestehen\nkönnen, beweist ein Privattelegramm über die\nDamenschönheitskonkurrenz, die gestern in\nMeran unter lebhaftester Beteiligung stattfand.\nSämtliche vier Preise erhielten Berlinerinnen.\nJa, die RedaktionsmStglieder der Firma Ull-\nstein sind fein heraus. Tagtäglich können sie die\nmannigfachen Reize der Berlinerinnen bewun-\ndern, und sie werden obendrein dafür bezahlt.\nAber einer, der beiläufig nur Kaufmann ist, muß\nsich die Bewunderung der mannigfachen Reize\nder Berlinerin etw,as kosten lassen, und das, wie\nwohl es sein gutes Recht ist, kann ihm, wenn\ner iUnglück hat oder eine brutale Natur ist, sehr\nteuer zu stehen kommen.\nAus Scham und Verzweiflung darüber,\ndaß sie einem Verführer „ins Garn gegangen\"\nist, hat am gestrigen Sonntagmörgen, die 18 jäh-\nrige Verkäuferin Anna Sch. ihrem Leben ein\nEnde zu machen gesucht. Das junge Mädchen\nhatte am Sonnabendabend die Bekanntschaft\neines Herrn gemacht, dter sich ihr als der Kauf-\nmann L. vorstellte. Der Fremde lud sie ein,\nmit ihm ein Cafe zu besuchen. Das Paar be-\nsuchte dann noch mehrere Restaurants, wobei\nder Kaufmann seine Begleiterin zu veranlassen\nwußte, alle möglichen Getränke zu sich zu\nnehmen. Die Kleine wurde schließlich völlig\nberauscht und von ihrem Begleiter in seine\nWohnung gebracht und mißbraucht. Als das\njunge Mädchen heute morgen in der Wohnung\ndes L. erwachte, stürzte es sich in holler Ver-\nzweiflung aus dem Fenster des dritten Stock-\nwerkes auf den gepflasterten Hof hinab, wo\nes schwer verletzt liegen blieb.\nAls die „Kleine\" am anderen Morgen im\nBette des fremden Mannes erwachte, erblickte\nsie über ihrem Haupt den Strick der rächenden\nMoral. Er war aus dem Garn gedreht, in das\nsie geleckt worden war. Und da sie weder die\nNüchternheit der „praktischen Berlinerin\" noch\ndie routinierte Oberflächlichkeit der „Dame\" be-\nsaß, stürzte sie sich in heller Verzweiflung aus\nder Himmelshöhe der Scham auf das Stein-\npflaster der Sühne herab.\nVon der hellen Verzweiflung fiel kein\nStrahl in das Dunkel der Moral.\nNun sollte sich alles, alles wenden\nMax Schach hat auch den Frühling begrüßt:\nNun ist er wirklich geworden. Wir Welt-\nstädter holen uns diese Weisheit nicht in Wäl-\ndern und auf Fluren: wir gehen über den\nPotsdamer Platz, und wenn wir beim Ueber-\nschreiten der Fahrstraße wieder einmal der\nTodesgefahr entronnen sind, verweilen wir auf\ndem Bürgersteig und sehen — der Frühling\nist da!\nMan geht durch die abendlichen Straßen,\n, windet sich vergnügt durch das Gewühl von\nMenschen und fühlt, daß irgendetwas in der\nLuft erklingt, daß eine neue Melodie da ist.\nMan blickt den Mädels unter die Hutkrempe ;\nman sieht feuchtschimmernde Augen, sieht\nGlanz und Frohsinn in den lieben Gesichtern.\nUnd — man weiß nicht warum und wie —\nman ist wieder zufriedener mit sich; man hat\nsich beinahe recht gern. Eigentlich ist man\ndoch ein ganz famoser Kerl!\nAuf allen Wegen, in allen Straßen und in\njedem Winkel grüßt uns der Frühling, lacht\nuns. sattes, junges Grün entgegen.\nDer Frühling ist spät gekommen. Nun\nist er da mit allen seinen Wundern, possier-\nlichen Eigenheiten und erwartungsvollen Stim-\nmungen. Man hält wieder Zwiesprache mit\nseinem Herzen.\nWährend des langen Winters findet der\nPressemensch keine Zeit dazu. Erst nach der\nHauptkampagne des Meinungsschachers und der\nReferateschiebungen wird er wieder zufriedener.\nJa, er macht sogar die unglaubliche Entdeckung:\ndaß er ein ganz famoser Kerl ist. Er hält mit\nseinem Herzen Zwiesprache. Mit seinem Ver-\nstand kann er keine halten. Und er blickt den\nMädels in die Gesichter, die voll Glanz und, Froh-\nsinn sind.\nAm Sonnabend abend stürzte sich die,\nzwanzigjährige Verkäuferin Else V. vor den\nAugen zahlreicher Passanten von der Waisen-\nbrücke in die Spree hinab. Schiffer,« die in\nder Nähe vor Anker lagen, machten sich sofort\nan die Rettung der Selbstmörderin, und es ge-\nlang ihnen auch, das Mädchen in den Rettungs-\nkahn zu ziehen. Es stellte sich nun heraus,\ndaß die V. bei dem Sturz ins Wasser einen\nKnaben geboren hatte. Es wurde daraufhin\nnoch einmal das Wasser abgesucht, und man\nsollte auch den Körper des Kindes auffischen.\nDer Knabe war aber bereits tot; er war er-\ntrunken.\nNun ist es wirklich Frühling geworden. Am\nPotsdamer Platz entrinnt ein Schmock wieder\neinmal der Todesgefahr und von der Waisen-\nbrücke stürzt sich ein Mädel hinab: unter dem\nWasser ein Kind zur Welt zu bringen. So wird\ndas junge Grün geboren.\nWenn der Frühling nur da ist: mit allen\nseinen Wundern, possierlichen Eigenheiten und\nerwartungsvollen Stimmungen. Mit dem\nSchach treibt er sein Spiel, die kleinen Mädels\ntreibt er in den Tod.\nSie reimen weiter lange Enden\nIn der Frontseite der Welt am Montag wird\nder Adel und das Ordenswesen bekämpft, aber\nin ihrem „literarischen\" Teil darf der Heller\nvon jeder Krone und allen Orden singen, die der\nFrühling verliehen hat.\nAlle Bäume tragen Orden.\nSie sind über Nacht geadelt worden,\nWeil sie tapfer den langen, kalten\nWinter in Ehren ausgehalten.\nDie einen sind Grafen, die anderen Barone,\nJeder trägt seine eigene Krone.\nNur der Heller nicht. Der schmückt sich\nmit jenen Federn, die schon so mancher Roman-\ntiker hat lassen müssen.\nDie Vögel haben die Schnäbel gewetzt\nUnd singen\nUnd der Heller kann seinen auch nicht\nhalten.\nAber noch einen Pegasusschinder hat die\nWelt am Montag anläßlich der Verleihung der\nBaronie an die Herren Apfelbaum, Mandelbaum\nund u., a. m. „zu Wort kommen lassen.\" Er\nheißt Johannes Noack. Aber das ist nicht das\nschlimmste. Man überzeuge sich davon..\nDer Winter ist ein böser Feind,\nErstickt die Lieder in der Kehle —\nDaß es doch immer Winter wäre.\nIm Sommer lacht, im Winter weint\nDie Poesie in meiner Seele.\nDen Schmalzlyrikern sitzen die Lieder immer\nin der Kehle. Woher käme sonst audh der Reim\nauf Seele.\nDoch gestern kam ein warmer Strahl\nUnd Lüfte, so verwirrend rein —\nEin Parzival war ich, ein Gral\nGoß in mich Frühlingssonnenschein.\nIch floh-hinaus, und auf dem Roß\nDurchflog ich Wiesen, Feld und Tann —\nAha, die Grafen Tann.\nWie schnell mein Pegasus auch schoß:\nDie Sehnsucht stürmte ihm voran!\nAufhalten!\nDer Frühling selber kommt auf leisen Soh-\nlen. Er will gar nicht gehört sein. Gegen ihn\nist nichts zu sagen. Es verekelt ihn mir nur das\nStampfen der Versfüße, die ihn registrieren.\n\nJ. 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T, MARINETTI\nLa Momie sanglante\nPoeme dramatiique\nliditions du „Verde e Azzurro\" / Milan\nD'Annunzio intime\n4e edition\nEditions du „Verde e Azzurro\" / Milan\nLe Roi Bombance\nTragedie satirique, 3e edition\nEditions du „Mercure de France\" / Paris\nLa Ville Charnelle\n4 € edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nLes Dieux s'en vont, D'Annunzio reste\n8e edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nLa Conquete des Etoiles\n4e edition, suivie des jugements de la Presse inter-\nnationale\n■>\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris ,>•\nPoupees electriques\nDrame en trois äctes en prose, avec une preface sur\nle futurisme\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nEnquete internationale sur le vers libre\nprecedee du premier Manifeste futuriste, 8e mille\nEditions de „Poesia\"\nMafarka Le Futuriste\nRoman africain\nE. 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HAHN Gegrundet 1825\nAlcxanderplatz ia Landsbcrgcrstrassc 60—65\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Mass\nRBKLAMBANGBBOT:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit AermelaufscMagen 32.50 M\naus den modernsten Flauschstoflen mlt aufgesteppten Taschen 45.50 H\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot 32.50 H 45— m\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabatt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c014", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.7", "debut_caractere": 515, "fin_caractere_exclue": 700, "texte": "Les Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzosische\nOriginal der Tagebiicher\nFlauberts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland ver-\nboten wurde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1912-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.7", "debut_caractere": 702, "fin_caractere_exclue": 1211, "texte": "Professor Gur lifts Erzlehunssfieim\nAufnahme finden Knaben vom sechsten Lebensjahre an. Individuelle Behandlung\nPrivatunterricht, Familiencharakter, sorgfaltige Ueberwachung, hygienische Lebens-\nweise, Gartenarbeit, Handfertigkeitsunterricht, Naturleben in schonster Gegend\nnahe am See. — Besonders geeignet fur Kinder, die nervos herabgestimmt sind\nund in Schule und Haus erziehliche Schwierigkeiten machen.\nVerlangen Sie Prospekt von der Leitung:\nOranienburg b. Berlin, Bismarckstr. 18 / Tel. 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Antlqnariat\nPotsdamerstrasse 118 c\n:: BERLIN W. 35 ::\nFernsprecher: Rmt Lutzow 2829\nAussteilunq einer Kol!ekt!on von Ori-\nginalhandzeichnungen ties Miinchner\n. 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W.: Abwehr / ALFRED DÖBLIN: Der schwarze Vorhang / Dr. S. FRIEDLAENDER: Max Steiner: Die, Welt der Aufklärung /\nHANS EHRENBAUM-DEGELE; Gedicht / F. T. MARINETTI: A l'Automobile de course / JACQUES RIVIfiRE: Cezanne / J. A.:\nBerliner Frühling / BEACHTENSWERTE BÜCHER / UMBERTO BOCCIONI: La peinture des etats d'ätne / III: Ceux, qui restent / Original-\nzeichnung / WILHELM MORGNER: Der Rattenfallenhändler / Originalholzschnitt\n\nAbwehr\n\nII\nHerr Karl Scheffler hat sich nun auch über\ndie Futuristen geäußert. Zur Orientierung über\ndiesen besseren Kritiker teile ich den Lesern der\nZeitschrift mit, daß Herr Scheffler „Oskar Ko-\nkoschka an Klimt orientiert\" findet. Ferner hält\nHerr Scheffler Dichtung für eine „Ideenkunst\".\nHerr Scheffler stützt gedankenvoll sein Haupt,\ndenn schon sieht er die Gedankenmalerei sich\nwieder hervordrängen. Beweis: Die Titel der\nBilder. „Die Titel: „Der Abschied\" „Die Macht\nder Straße\", Die Erinnerung einer Nacht\", sind\nNovellentitel, wie man sieht.\" Herr Scheffler\nscheint so mit Üem Lesen des Katalogs beschäftigt\ngewesen zu sein, daß er vor lauter Erklärungen\ndie Bilder nicht gesehen hat. Die Erklärungen\nsind doch natürlich nur für den total harmlosen\nLaien bestimmt, der absolut nichts „erkennen\"\nkann. Konnte man ahnen, daß Kritiker den Ka-\ntalog statt der Bilder kritisieren. Was könnte\nHerr Scheffler nicht gegen die Bildertitel „Das\nFrühstück im Freien\", „Das Urteil des Paris\",\n„Die Pflege der Wissenschaften am Hofe von\nUrbino\", „Die Eroberung von Tunis durch Kaiser\nKarl den Fünften\", „Der Jugendbrunnen\" ein-\nwenden. Er tut es aber nicht, da sie von ver-\nstorbenen Meistern „erdacht\" worden sind. Herr\nScheffler findet die Futuristen total talentlos, be-\nhauptet, daß unsere modernen Künstler\nihre diskutierbaren Absichten längst verwirk-\nlicht haebn, und nennt als Beispiel Carl Strath-\nmann und Martin Brandenburg. Wenn Herr\nScheffler diese beiden Herren auch nur für talent-\nvoll hält, möge er bei seinen Meinung bleiben.\nUnverschämt aber finde ich folgendes: „Das Be-\ndenklichste ist; sie wirken intellektuell unehrlich.\nIhre Kunst stellt sich dar als ein unlauterer Wett-\nbewerb. Bei allem zur Schau getragenen Enthu-\nsiasmus wittert man zwischen den Zeilen ihres\nProgramms Neid und andere unreine Instinkte.\nSie sind nicht Fanatiker der Wahrheit, wie sie\nsagen, sondern Fanatiker des lauten Erfolgs um\njeden Preis. Nicht jugendlicher Sturm und Drang\nsteht hinter ihrer Malerei, sondern ein recht übles\nMenschentum.\" Wenn Herr Scheffler besser\nwittern könnte, wenn Flerr Scheffler Instinkte be-\nsäße, und wären es auch nur „unreine\", so würde\nihm ein übles Menschentum in nächster Nähe\nauffallen. Bilder, die er nicht fassen kann, möchte\ner am liebsten in seine Moralkiste mit Hilfe der\nNaturalisten (G.m.b.H.) stecken lassen. Aber\nHerrn Scheffler fehlt nicht nur die körperliche,\nauch die geistige Kraft. Seine Kritik wirkt intel-\nlektuell unehrlich. „Es vergeht kein Tag, daß\nich nicht einige Male gefragt werde; was halten\nSie von den Futuristen? Merkwürdig, noch nie\nhat jemand von mir zu wissen verlangt, was ich\nvor Rembrandts Werken empfinde.\" Ich bin\nnicht neugierig, aber das möchte ich wissen, Herr\nScheffler.\n*\nHerr Robert Breuer ist seit der vorigen Woche\nin Raserei verfallen. Ihm blieb nur soviel Besin-\nnung, die Zeitschrift Der Sturm als Veranstalterin\nder Ausstellung der Futuristen nicht zu nennen.\nAus Furcht, daß seine Leser sich über die kri-\ntischen Fähigkeiten ihres Herrn Breuer unter-\nrichten könnten. Der Unglückliche schreit seine\nWut in alle Provinzzeitungen von Weimar bis\nHamburg. „In den guten Zeiten des finsteren\nMittelalters hätte man solche Bürschlein in\ndie Jahrmarktsbuden oder in ein Halseisen ge-\nsteckt/' „Wir haben Besseres zu tun, als dauernd\ntitanischen Lausbüblein das Vergnügen\ndes Ansturms ,undder Analyse zu be-\nreiten.\" Warum tut Herr Breuer nichts Bes-\nseres? Wer zwingt ihn, sich über Dinge zu\näußern, die ihm auf den Kopf fallen. Aber Herr\nRobert Breuer tut Besseres. Ich entdecke eine\nZeitschrift der Kunstgewerbezeichner, schlage sie\nauf und finde einen Beitrag des Herrn Robert\nBreuer: „Der Lehrer als Organisator\":\n„Mit dem, was die Natur wachsen läßt, wird\nnicht vorsichtiger noch klüger umgegangen.\nFestnageln heißt die Parole. Mitten\ndurchs Herz werden die Nägel ge-\ntrieben. Der Naturunterricht aber kann nur\nWahrheit und Leben schaffen, wenn er anleitet:\ndie Logik, den fruchtbaren Geist der ge-\nwachsenen Formen zu erfassen, das Gesetz\nder Verhältnisse, die Unbedingtheit der Tektonik\nund der Struktur. Und nicht minder den Ge-\nschichtsunterricht, er will idarauf hinaus: in neuen\nMaterialien für neue Zwecke Dinge von jener\nVernunft und Schönheit zu schaffen, die das Alte\nehrwürdig machen; er will darauf hinaus: die\nWelt der Gegenwart so tief und rein zu erkennen,\nwie die Babylonier und Griechen die Welt ihrer\nTage erkannten. Studieren heißt nicht stehlen,\nbegreifen nicht auswendig lernen. Es gilt, den\nGeist, der hinter den Formen steht, zu erfassen.\nDie Sinne sollen denken lernen.\"\nOder:\nNicht jeder Schüler kann das leisten, was\ndas Reglement fordert; das bedeutet aber nicht\nim entferntesten einen Mangel an Begabung.\nDie von den Unterrichtsbeamten zuge-\nschnittene Uniform ist für die Mit-\ntelmäßigkeit berechnet. Der weise\nLehrer geht nicht von dem Stundenplan, son-\ndern von den Schülern aus ; er sucht vor allem\nzu erfahren: mit wem er es eigentlich zu tun\nhat. Es ist notwendig, die schwachen und starken\nAnlagen aufzudecken und den Schüler bewußt\nzu machen. Wie ein Stah 1 b a d wirkt\neine solche Ehrlichkeit. Durch das ewige\nVorpredigen einer bestimmten Unzulänglich-\nkeit wird der Novize gelähmt, wird er oft zu\nentmutigt, die besonderen Keime, die in ihm\nruhen und die allen Mangel zehnfach wett\nimachen, nach Herzenslust zu entfalten. — Ge-\nwiß, auch schwache Gaben wollen ge-\npflegt sein. Uebung stärkt. Harmonie\ndes Könnens nützt der speziellen\nStärke. Aber wichtiger als die Harmonie\nist der Charakter, und der Charakter ist deter-\nminiert. Die wichtigste Pflicht des Lehrers ist\nes: den Charakter des Schülers zu entdecken\nsund als ein Heiligtum zu achten.\nJa, Harmonie des Könnens nützt der\nspeziellen Stärke. Wie ein Stahlbad wirkt eine\nsolche Ehrlichkeit. Festnageln heißt die Parole.\nWir können nichts Besseres wünschen, als\ndauernd für titanische Lausbüblein uns\ndas Vergnügen des Sturmes und der\nAnalyse zu bereiten.\n*\nDie alldeutsche Zeitung ,Die Post' sieht durch\ndie Ausstellung natürlich das gesamte deutsche\nReich gefährdet. Mutvoll schickt sie ein Weib-\nchen, das früher Modenberichte schrieb, zum\nKampfe vor. „Inmitten unserer stolzen Tier-\ngarten pracht, gerade da, wo die gesundesten\nNaturkräfte mit stolzer Gewalt aus dem Erd-\nboden quellen, macht sich diese fäulniserregende\nGesellschaft breit.\" Hoffentlich halten es die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.2", "texte": "Bäume aus. „Mit der böswilligen Absicht Ge-\nsunder soll man kämpfen, weil irregeleitete und\nvom Wege abgekommene Menschen immer noch\nAussicht bieten, gerettet und erhalten zu werden.\"\nNach der Aussicht auf den Tiergarten die Aus-\nsicht auf das Magdalenenstift. Nein, dieses Weib,\nkein Engel ist so rein.\n„Aber jene, die ihren Körper in Nacht-\nlokalen verwüsten, Männer, die durch einen sinn-\nlosen Lebenswandel zu verrückten Weibern wer-\nden, die aus ihrem Verfall noch' ein paar Groschen\nfür ihren Absinth verdienen wollen, die kann\nman nur mit einem kräftigen Faustschlag sich\nvom Leibe halten/'\nAber mein Fräulein, man will Ihnen ja gar\nnicht zu Leibe. Sie bieten keine schönen Aus-\nsichten, und der kräftige Faustschlag geht nicht\nvon Ihnen aus. Denn: „Und da selbst der\nKorrektesten auch einmal sekundenlang Klarheit\nbeschieden ist, so findet sich in dem tollen Flug-\nblatt dieser Gesellschaft ein geradezu befreiender\nSatz: ~ . . Wollen wir .. . den Faustschlag\npreisen.' Man sieht, die Leutchen sind an derbe\nTraktätchen gewöhnt.\" Das Fräulein hat sich\nnoch nicht an seinen neuen Beruf als Kunst-\nkritikerin gewöhnt, es denkt noch immer an das\nMagdalenenstift. Man sollte es mit Herrn Scheff-\nler in dieselbe Moralkiste packen. Vielleicht wird\nihm dann das Unzulängliche — Ereignis.\n*\nHerr Kunstmaler Max Oppenheimer, Ver-\nfasser zahlreicher Bilder eng nach Laszlo, Manet,\nCezanne, Oskar Kokoschka und Greco ist in der\nZeitschrift Pan als Kunstkritiker zu Wörtern ge-\nkommen. Er nennt sich in dieser Eigenschaft\nMopp, wobei er das sehr charakteristische s über-\nflüssig durch ein p ersetzt. Herr Kunstmaler\nMax Oppenheimer schreibt vorläufig gegen\ndie Futuristen. Vielleicht wird man bald piehr\nSehen.\n\nH. W\n\nDer schwarze Vorhang\nVon Alfred Döblin\nRoman\nJohannes versuchte unbefangen vor ihr zu\nsicheinen, aber er glaubte bald, daß es ihm nicht\ngelänge, daß ihre Augen in ihn hineinsähen, ja\ndaß sie ihn erinnerte. Eine leichte Unsicherheit\nkam in seine Art, mit ihr zu sprechen, sie an-\nzusehen, ihr die Hand zu! reichen, auch fühlte er\nsich schuldig, weil sie die Schmach erkennen\nmußte, die sein Zögern und Verbergen ihr antat.\nEs schwieg etwas so laut zwischen ihnen. Seine\nBlicke flatterten manchmal teilnamslos, so wollte\ner es, um ihr Gesicht; ganz zog er sich wochen-\nlang von ihr zurück. Das machte Irene noch'\nAufmerksamer, und ihre weiche Stimme fragte\nihn leise, und schien an seine verschlossene\nSeele zu klopfen. 112 ■\nWie fühlte er sich schuldig. Er konnte ihr\nnicht mehr entgehen.\nUnd eines Morgens entschloß er sich, um\nsich endlich Ruhe und seine! alte Gelassenheit zu\nerwerben, ihr zu sagen, daß! er sie liebe.\nZum ersten Male ging er gleichgültig zu ihr,\naber im Gehen wurde er immer niedergeschlage-\nner. Was waren das für irre Wege, auf denen\ner schritt. War er nicht wie gejagt? Rächten! sich'\nnicht wirklich jene Geister? Und dieses lächer-\nliche Wort Liebe, oh esi entfaltete so befehlende\nKräfte, rief und lockte so unentrinnbar und mußte\nseinen -Willen haben gegen ihn. Wie zwangen\nund unterjochten ihn die Menschen!\nWährend er neben Irene saß, fühlte er sich\n£o ganz dieser Macht hingegeben, die seine Ge-\ndanken tyrannisierte, alle taumeln machte, jedemi\nfremden Wunsche die Glieder bach; und so sieg-\nreich, so beängstigend siegreich durchgedrungen\nwar, daß er stumm auf; Irene die Augen richtete,\nals ob sie ihm helfen sollte. „Ich muß dich\nlieben, ich muß dich lieben\", sagte er immer\nwieder leise auf der Bank in dem weiten Garten\nIrenes, und sah sie dabei flehend an. Er wollte\nihren unausgesprochenen Bitten nachgeben, er\nwollte der Gütigen nicht wehe tun; sie be-\nschenken, wie sie es verdiente.',\nEtwas schrie in seinen Muskeln und Sehnen,\ner solle fortlaufen und sich verstecken; und doch\npreßte er sie fest an; sich. Ihre Lippen waren\nnur ein Zittern, die Lippen der todesblassen\nIrene. /\nV,\nIhre Arme und ihre Brust stemmten sich\nleicht und keusch1 von ihm ab; ein herzliches,\nmädchensüßes Mitleid floß über das so zart-\nhäutige Gesicht, an dessen Schläfen zwei dünne\nAederchen durchbläuten und fein pulsierten, bald\nheftig, bald träge rollend.\nSie hörten Beide erregt das Rauschen der\nBäume über sich. Ganz rasch fuhr es durch'\nseinen Sinn, wie selig still es jetzt wohl in\nsieine,m eigenen Garten war, wo sein Hund be-\ngraben lag und er nun bald wieder ungestört,\nvon nichts beunruhigt umhergehen und schlafen\nkonnte.\nSie wußten beide nicht, was weiter ge-\nschehen sollte. Er ermannte sich, besann sich.\nZärtlich wie nie sah er ihre Augen auf seinem\nGesicht ruhen; ihr Kopf lag an seiner Schulter,\neinige dünne Strähnen ihres lockeren Haares\nhatte er gedankenlos zwischen seine «Lippen ge-\nzogen. Und schmeichelnd begann die Wärme,\nund Glätte ihrer nackten Hand, die sich in das\nBett seiner gewühlt hatte, zu; seiner Haut zu[ reden\nund seine Gedanken zu ihr m locken.\n, vT\nSie war doch so schön, diese Irene. Mit\nMühe erinnerte er sich ihrer, der er dankbar\nwar, weil sie ihn düsteren yersunkenheiten ent-\nrissen hatte. Zwei Geschenke hatte sie ihm ge-\nmacht, die zusammengehörten: Besänftigung und\nPflicht zu neuer Unrast — er hatte beides an-\ngenommen, als er eines annahm; saß nun willen-\nlos neben ihr. ,\nSeine schweren Hände hoben ihr Gesicht\nganz zu seinem auf: die stolze, die\nauf seine Not einstmals nicht; geachtet hatte und,\njetzt pn seiner Seite bebte, hatte er nun be-\nzwungen und sich gerächt für die Qual jener\ndufripfen Stunden. Er saß auf Trümmern —\nund fühlte kein Glück, nur leicht verächtlichen\nStolz unter dem innigen Blick dieser metallisch1\nstrahlenden Augen. Als er wieder zu sprechen\nanfing, klang seine Stimme tief und leise; er\nmußte dem Klange nachgeben und erzählte von\nwirren Träumen und blöden Leiden und wun-\nderte sich heimlich, während er sprach, was ihn\nantrieb, diesem Mädchen davon zu sprechen.\nDie Narrheit wollte sichtlich ganz ausgeschlürft\nsein, bis er von ihrt gesättigt war.\nLeise grollte er ihr und sich.\nMit beiden Händen hatte Irene seine Rechte\ngefaßt und drückte sie, während sie den Kopf\nbis auf ihre Brust herab senkte und starr zur\nSeite auf den Kies und 'die Steinchen sah, wäh-\nrend er sprach. Was drückte £ie ihm die Hand ?\nWar es nicht zum Lachen ? Sie bemitleidete ihn\ngar; das Weiblein bemitleidete ihn. Wie eine\nlose Frucht war sie ihm (zugefallen, an die er\nmit dem Hauch eines dummen Wortes rührte:\neine leicht käufliche Ware war dies Weiblein\nneben ihm.\nIn seinem Innern hatte sich nichts geändert,\nals sie sich trennten. Wo idie mondsanfte, wenn\nauch unerklärliche Wirkung ihres Blickes und(\nihrer Stimme nachließ, begann sein Groll breiter\nund deutlicher zu murren.\nEr kaufte sich unterwegs Kirschen und setzte\nsich auf eine Bank, um sie zu essen. Was war\neigentlich geschehen? Nichts? Er hatte das\nlästige Schweigen, das zwischen ihnen bestand,\nbeendet, und nuni war alles, wieder gut. En konnte\njetzt zur Ruhe seines Gartens zurückkehren. —\nIrene war sein geworden. —\nEr hatte das Gefühl, als ob ihm eine Sache\nZugeschoben sei, die er gar gefordert hätte,\nals ob er irgendwie betrogen Was sollte er\nmit ihr? Was wollte sie von ihm? Und doch\nhatte er sie fest an sich geschlossen und sich\nan sie gefesselt. — Je; mehr er sich! auf sie besann,\ndesto schuldiger fühlte er sich' ,vor ihr.\nUnd desto tiefer trieb sie* ihn in Unruhe und\nSchwere.\n\nMax Steiner:\n„Die Welt der Aufklärun“\nKritischer Hinweis\nVon Dr. S. Friedlàender\nNachgelassene Schriften\nNicht genug warnen kann man die\nIdealisten der Keuschheit und Reinheit vor\nder falschen Bewertung des „Reinen\" im\nGegensatz zur „Welt\". Welt selber ist ein\nGegensatz, eine kreischende Differenz, und Rein-\nheit ist der Dreh- und! Angelpunkt, ohne dessen'\nspielend leichte, reibungslose Präzision das Welt-\nrad in allen Fugen und Widerspielen seiner\nSpeichen ächzt. Exorbitante Geister wie Schopen-\nhauer, wie Max Steiner lassen nicht so sehr den,\nSchwerpunkt ihrer Umschwünge, als dessen\npräzis richtige Lokalisation in der Mitte vermissen;\nsie zentralisieren sich schlecht; oder — wie Kant\n— obskur; oder — wie Nietzsche — clair-obscur;\noder ,— wie Goethe; —, poetisch. Jetzt ist mit\nStrenge geltend zu machen: Das) Ideal ist polar\nvorhanden, positiv und negativ; und keime Wirk-\nlichkeit wird ihm irgendwie negativ und positiv\nbeikommen können: praktisch wirksam ist\ni|mmer bloß die reinste Indifferenz\ndes Ideals; das ist der ruhende Pol jener\nWiderbewegung, der Hebelpunkt aller Welt\nOhne diese radikale persönliche Selbstaufhebung,\nSelbstüberwindung, Selbstvernichtung muß das\nDifferenzieren, welcher Art immer, verzweifelt\nausfallen; und im verzweifeltsten Fall wird der\nBelbstmord, den man be i Lebzeiten mit sich\nhätte vornehmen sollen, sehr drastisch nach-\ngeholt werden. Der Zweifel hat keinen\nVereinigungs-, aber einen Vernich-\nten gspu n k t, und von diesem Punkte aus\ngerade wird die Skepsis schärfer als jemals ent-\nbrennen, und ihrq Pein wird nur „ein Stachel\nder (Wollust sein.\" Unser Wesen muß Frei-\nheit vom Leben atmen, wenn es Frei-\nheit zum Leben atmen soll. ,— Max Steiner\nhat dadurch, daß er die schlechten Freigeister\nan den 'Pranger seiner Logik stellte, den Geist\nechter befreit. —\nHerausgegeben und eingeleitet von Kurt Hiller / Berlin\nErnst Hof mann & Co. 1912\n\nGedicht\nHans Ehrenbaum-Degele\nWillst du meinen Kreis betreten,\nMußt du in die Tiefen lauschen,\nWo, umdämmert von Gebeten,\nMeine roten Ströme rauschen,\nIn die Fernen mußt du schauen,\nWolken deine Träume schenken;\nHimmel müssen aus dir blauen,\nSonnen sich an deinem Licht\nGolden tränken.\n\nFortsetzung\nFortsetzung folgt\nSchluß"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.3", "texte": "Umberto Boccioni: La peinture des états d'âme / III: Ceux, qui restent / Originalzeichnung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.4", "texte": "À I'Automobile de course\nF, T. Marinetti\nDieu vehement d'une race d'acier,\nAutomobile ivre d'espace\nqui pietines d'angoisse, le mors aux dents\nstridentes!\nO formidabie monstre japonais, aux yeux de\nforge\ninourri de flamme et d'huiles minerales,\näff am e d'horizons et de proies siderales,\nje dechaine ton coeur aux teuf-teuf diaboliques,\net tes geantes pneumatiques, pour la danse\nque tu menes sur les blanches routes du mon de/'\nJe lache enfin tes brides metalliques et tu\nt'elances,\navec ivresse, dans l'Infini liberateur!...\nAu fracas des abois de ta voix—\nvoilä que le Solei! couchant emboite\nton pas veloce accelerant sä palpiitätion\nsanguinolente au ras de rhorizon...\nII galope lä-bas, au fond des bois... regardeL.\nN'importe, beau öemon, jatsuis ä merci...\nprends-moi!\nSur la terre assourdie malgre tous ses echos,\nsous le ciel aveugle malgre ses astres d'or.\nje vais eperonnant ma fievre et mon desir\nä coups de glaive en pleins naseauxL.\nEt d'instant en instant, je redresse ma taille\npour sentir sur mon cou qui, tressaille\ns'enrouler les bras frais et duvetes du vent.\n* -17» .'-«i \\ ' '* •*' -\nCe 'sont tes bras charmeurs et lointains qui\nm'attirentL.\nCe vent, c'est ton haieine engloü'tissante,\nInsondable Infini qui m'absorbes avec joie!...\nAh! Ah'!... des moulins noirs, degingandes,\nont tout ä coup\nl'air de oöurir sur Ieurs alles de toile baleinee\ncomme sur des jambes demesurees...\n, ; ' jjT - '• ■\nVoilä que les Montagnes ä lancer\nsur ma fuite des manteaux de Jfäicheur\nsomnolente. .\nLa! La! regardezL. ä ce tournant sinistreL\nMontagnes, o Betail monstrueux! o Mam-\nmouthsf\nqui trottez lourdement, arquant vos dos\nimmenses,\nvous voilä depassees... noyees...\ndans* l'echeveau des brumesL. Et j'entends\nvaguement\nle fracas ronronnant que plaquent sur les\nroutes\nvos jambes /kolossales aux bottes de sept\nHeues L.\nMontagnes auk frais manteaux d'azurL.\nBeaux fleuves respirant au clair de luneL.\nPiaines tenebreuses! Je vous depasse au grand\ngalop\nde ce monstre affole... Etoiles, mes Etoiles,\nentendenz — vous ses pas, le fracas des abois\net ses poumons d'airain croulant inter-\nminablement ?\nJ'accepte la gageure... avec Vous, mes Etoiles!...\nPlus vite!... enoor plus viteL. et sans repit,\net sans repos!...\nLächez les freinsL. Vous ne pouvez?...\nBrisez-les doncL.\nQue le pouls du moteur centuple ses elans!\nHurrah! Plus de contact avec la terre\nimmondeL.\nEnfin, je me detache et je vole en souplesse\nsur la grisante plenitude\ndes Astres ruisselant dans le grand lit du ciel.\n\nCézanne\nVon Jacques.\nCezanne War nfch.t deß Ungeschickte Er-\nhabene, als den ihn1 gewisse Legenden, darzustellen\nversuchen. Im Degenteil; seine Aquarelle zeigen .?\neine so schwindelnde Geschicklichkeit; der viel-\nleicht nur die Virtuosität der Japaner gleichkommt:\nauf dem Weißen Bogen wird das Gerüst einer\nLandschaft durch einige Pinselstriche gegeben,\ndie mit einer Genauigkeit gemalt sind, die leere\nZwischenräume sprechen, und dem\" Schweigen\neines jeden Bedeutung abgewinnen lassen. -\nMalt Cezanne in Oel, so zuckt seine von dieser\nGeschicklichkeit durchdrungene Hand, aber er\nbeherrscht sich; er ist mißtrauisch; er fürchtet,\nsich an die Stelle seiner Aufrichtigkeit zu setzen;\n~r\ner erlegt seinem Pinsel eine getreue Langsam-\nkeit Der Fleißj beherrscht ihn wie einej Leiden-\nschaft: er beugt sich devot, er schweigt, um\nbesser zu sehen; er schließt die von ihm kopierte\nForm in den Bann seiner! Aufmerksamkeit; rührt\nsie sich dennoch, so) ist ihm nicht eher; wohl, bis er\nsie schließlich erfaßt hat. In jedem Augenblick\nwill der Pinselstrich hüpfen, sich seinem\n(Schwünge hingeben. Aber Cezanne führt ihn\ntrotzig zurück und zwingt ihn, sich — wennj auch\nwider Willen — zu halten. Wenn man in dieser\nArt Malerei ein Zögern. zu erkennen glaubt, so\nläßt, dies nicht auf die Ohnmacht einer ver-\nwitterten und in der peinlichen Beobachtung der\nUmrisse ungeübten Hand schließen, sondern ein-\nzig und allein (auf die Gewissenhaftigkeit einer\nGeduld, die unablässig die Seitensprünge einer\nrauschenden Geschicklichkeit zu mildern sucht.\nNiemals etwas für den Beschauer. Cezanne\nl|adet den Blick nicht auf sich; er gibt kein\nZeichen; ervwendet, sich an niemanden; er malt\neinsam und kümmert sich) wenig) darum, daß man,\nvon seinen Bildern ;Notiz nimmt, die er in Müh-\nsal und Anbetung erschaffen hat. Er kümmert\nsich nur um Dinge und ist unablässig darauf\nbedacht, sie richtig zu sagen. Seine Liebe für sie\nist so heftig, daß er| vor( Ehrfurcht zittert; er ver-\nehrt sie und beseelt von1 brennender Bescheiden-\nheit bemüht er sich, sie wiederzugeben. — Dahter\ndiese rührende Strenge: Strenge, die über alles,\nwas er anfaßt, den Glanzider Liebe breitet. Diesel\nBilder haben eine eingeengte Geräumigkeit.\nMan fühlt, diese Bilder sind in hupfender Un-\nbeweglichkeit und mit einer Seele gemalt worden,\ndie der Schwung ihrer Begeisterung schüchtern\ngemacht hat. (\n•' . v\n* *\n; ' *\nIn einer Landschaft Cezannes bemerkt man\nzuerst die senkrechte Achse; das Bild hat einen\nZug nach unten, jeder Gegenstand ist zu seinem\nPlatze hinabgestiegen; man hat ihn mit Sorg-\nfalt dort niedergelegt; er nimmt seinen Platz\nein; imlit ganzer Kraft klammert er sich an seine,\nLage. Cezanne hatte das feinste Gefühl für die\nOertlichkeit, er begriff, mit welchem Eifer\ndie Dinge den ihnen gegebenen Ort zu be-\nhaupten suchen; und er empfand beim Ueber-\ntragen des Platzes einesl jeden* jene Wollust, deren\nSpur man in dem unmerklich voreiligen Be-\nrühren des Pinselstrichs, der, bevor er seinen\ndefinitiven Platz ausfüllte, voll Freude ein wenig\numhertastete. Souveränes Sich-behaupten und\nhartnäckiges Festhalten am Platze, erkennt man\nan den auf dem Tisch liegenden Armen des\nKarten spielenden Bauern. — Man weiß, die An-\nordnung kann [niemals willkürlich sein. In der\nTat, sie ist nicht erfunden, sondern durch die\ngetreue Verteilung der einzelnen Teile bewirkt\nworden: Ehrfürchtig ist ein Farbstrich neben den\nanderen gesetzt worden: und beim letzten bebt\ndas durch die peinliche Nachgibigkeit gegen-\nüber jeder Einzelheit hervorgezauberte Antlitz\ndes Bildes; in ihm finden wir das Leben, wir\nhaben eine durchaus nicht gesuchte Anordnung,\ndie Striche verbinden sich und beleben durch\nihre Gemeinschaft die einzelne genaue Darstel-\nlung der ..Elemente.\n\nFortsetzung folgt\n\nBerliner Frühling\n\nDer Albert Traeger ist noch lange nicht tot\nDie Früchte jahrelanger Frauenarbeit, in\neiner Aster-Ausstellung gezeigt, waren unreif,\naber der Unsinn, mit dem man sie anhimmelte\nund pries, wird fortblühen. Eine Friedens-\nfanfare für die beiden großen Arbeitsgebiete\nder Frau, Haus und Beruf, die sich nun ergänzen,\nhat Frau Hedi Heyl die Ausstellung genannt,\nund es ist auch tatsächlich sehr viel Blech in\nihren Räumen geredet worden.\nTastend hat die Frau jahrelang nach Wegen\naus der Halbheit heraus gesucht und sie sich\ndurch Fleiß und Sorgfalt gebahnt, und heute\nfordert sie für sich und ihr Geschlecht quali-\nfizierte Arbeit, sich selbst und andere zu be-\nfriedigen.\nAuf der Suche nach Wegen aus der Halb-\nheit ist ihr der schlechtweg „ganze Kerl\" Albert\nTraeger ein bramarbasierender, scherwenzelnder\nBegleiter gewesen. Freilich war auch dieses\nSchwerenöters Ideal nicht jene Frau, die nur\n„das Erwachen eigener Kraft ganz hinnimmt\",\nund darum wohl auch hat der Volkszeitung stän-\ndiger R. K-r, Lyriker und Satiriker, ganz nach\nBedarf, Worte des Abschieds der Frauen von! dem\nDichterpolitiker einer in den Mund gelegt, die\ndes Mannes „freudiges Können\" höher stellt\nals aller Frauen Versuche, andere und sich selber\nzu befriedigen. Sie sagte\nDie Frühlingssonne sandte ihre Strahlen\nWie sollte sie nicht.\nMit müder Wärme auf den Gottesacker,\nDa legten sie dich in dein letztes Haus\nUnd jammerten, du seist nicht mehr.\nIch aber — eine deutsche Frau —,\nIch fühlte keinen Schmerz und keine Trauer.\nDugroß e r B ar deib i s t uns, nicht gestorben.\nDu, der so oft der Frauen Lob gesungen,\nBeim schäumenden Pokal des\nGeistes Schwert geschwungen,\nMit allen Frauen lebst du ewig fort!\nDein Leitwort war: Die Frauen sollen leben.\nUnd siehe da: da du von hinnen gehst,\nBekränzen lächelnd sie dein Ruhelager:\n„Seid still, er schläft und träumt den schönsten\nTraum:\nDie Frauen tragen ihn zum Himmel.\"\nDas ist die reizendkitschige, schlichte Phanta-\nsie einer fühlenden Frau; die denkende will\n„in allem den Dilettantismus ausschalten, ja\nauch im Genuß beschaulichen Lebens möchte\nsie von Schöpfungen ernsten Schaffens, wahr-\nhafter Kunst umgeben sein.\"\nMit ihr kann Traeger nicht fortleben. Nein,\nnein.\nWelche Verwirrung\nDer Verein Berliner Presse veranstaltete\nam Sonntag im „Rheingold\" eine seiner rasch\nbeliebt gewordenen geselligen Veranstaltungen,\ndie auch diesmal wieder um 4 Uhr mit einem\ngemeinschaftlichen Mittagsmahl begann. Frau\nGrete Jolles, eine ungemein sympathische Er-\nscheinung, erfreute . . .\nDie heiteren Vorträge von Guido Thiel-\nscher (ein Wohltätigkeitsfest und ein Himmels-\ntraum) wurden von den Anwesenden mit un-\nunterbrochenen Lachsalven entgegengen om -"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.5", "texte": "Wilhelm Morgner: Der Rattenfallenhändler / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.6", "texte": "men. Wie immer bildete den Schluß der Ver-\nanstaltung ein Tanz, an dem sich die frische,\nknospende Jugend wie die Reserve und Land-\nwehr um die Wette beteiligten.\nDie knospende Junge — Erhöhung der\nFriedenspräsenz — Reserve — Landwehr — Lach-\nsalven — Verstärkte Ausbildung der Ersatzreserve\n— Donnernder Beifall — Mehr Schiffe — Wett-\nrüsten bis zur Erschöpfung — Wettschwingen\ndes Geistesschwertes — Lachsalven — Notaus-\ngang aus diesem Frühling, wo bist du?\nDer andere Morgen gehört immer der Moral\nDie Morgenpost sagt:\nDaß die Berlinerinnen schön sind/ das\nwissen wir, die wir sie täglich in ihren\nmannigfachen Reizen bewundern kön-\nnen, zur Genüge, daß sie aber auch in einem\nLande, in dem bekanntlich die schönsten\nFrauen zu sehen sind, erfolgreich bestehen\nkönnen, beweist ein Privattelegramm über die\nDamenschönheitskonkurrenz, die gestern in\nMeran unter lebhaftester Beteiligung stattfand.\nSämtliche vier Preise erhielten Berlinerinnen.\nJa, die RedaktionsmStglieder der Firma Ull-\nstein sind fein heraus. Tagtäglich können sie die\nmannigfachen Reize der Berlinerinnen bewun-\ndern, und sie werden obendrein dafür bezahlt.\nAber einer, der beiläufig nur Kaufmann ist, muß\nsich die Bewunderung der mannigfachen Reize\nder Berlinerin etw,as kosten lassen, und das, wie\nwohl es sein gutes Recht ist, kann ihm, wenn\ner iUnglück hat oder eine brutale Natur ist, sehr\nteuer zu stehen kommen.\nAus Scham und Verzweiflung darüber,\ndaß sie einem Verführer „ins Garn gegangen\"\nist, hat am gestrigen Sonntagmörgen, die 18 jäh-\nrige Verkäuferin Anna Sch. ihrem Leben ein\nEnde zu machen gesucht. Das junge Mädchen\nhatte am Sonnabendabend die Bekanntschaft\neines Herrn gemacht, dter sich ihr als der Kauf-\nmann L. vorstellte. Der Fremde lud sie ein,\nmit ihm ein Cafe zu besuchen. Das Paar be-\nsuchte dann noch mehrere Restaurants, wobei\nder Kaufmann seine Begleiterin zu veranlassen\nwußte, alle möglichen Getränke zu sich zu\nnehmen. Die Kleine wurde schließlich völlig\nberauscht und von ihrem Begleiter in seine\nWohnung gebracht und mißbraucht. Als das\njunge Mädchen heute morgen in der Wohnung\ndes L. erwachte, stürzte es sich in holler Ver-\nzweiflung aus dem Fenster des dritten Stock-\nwerkes auf den gepflasterten Hof hinab, wo\nes schwer verletzt liegen blieb.\nAls die „Kleine\" am anderen Morgen im\nBette des fremden Mannes erwachte, erblickte\nsie über ihrem Haupt den Strick der rächenden\nMoral. Er war aus dem Garn gedreht, in das\nsie geleckt worden war. Und da sie weder die\nNüchternheit der „praktischen Berlinerin\" noch\ndie routinierte Oberflächlichkeit der „Dame\" be-\nsaß, stürzte sie sich in heller Verzweiflung aus\nder Himmelshöhe der Scham auf das Stein-\npflaster der Sühne herab.\nVon der hellen Verzweiflung fiel kein\nStrahl in das Dunkel der Moral.\nNun sollte sich alles, alles wenden\nMax Schach hat auch den Frühling begrüßt:\nNun ist er wirklich geworden. Wir Welt-\nstädter holen uns diese Weisheit nicht in Wäl-\ndern und auf Fluren: wir gehen über den\nPotsdamer Platz, und wenn wir beim Ueber-\nschreiten der Fahrstraße wieder einmal der\nTodesgefahr entronnen sind, verweilen wir auf\ndem Bürgersteig und sehen — der Frühling\nist da!\nMan geht durch die abendlichen Straßen,\n, windet sich vergnügt durch das Gewühl von\nMenschen und fühlt, daß irgendetwas in der\nLuft erklingt, daß eine neue Melodie da ist.\nMan blickt den Mädels unter die Hutkrempe ;\nman sieht feuchtschimmernde Augen, sieht\nGlanz und Frohsinn in den lieben Gesichtern.\nUnd — man weiß nicht warum und wie —\nman ist wieder zufriedener mit sich; man hat\nsich beinahe recht gern. Eigentlich ist man\ndoch ein ganz famoser Kerl!\nAuf allen Wegen, in allen Straßen und in\njedem Winkel grüßt uns der Frühling, lacht\nuns. sattes, junges Grün entgegen.\nDer Frühling ist spät gekommen. Nun\nist er da mit allen seinen Wundern, possier-\nlichen Eigenheiten und erwartungsvollen Stim-\nmungen. Man hält wieder Zwiesprache mit\nseinem Herzen.\nWährend des langen Winters findet der\nPressemensch keine Zeit dazu. Erst nach der\nHauptkampagne des Meinungsschachers und der\nReferateschiebungen wird er wieder zufriedener.\nJa, er macht sogar die unglaubliche Entdeckung:\ndaß er ein ganz famoser Kerl ist. Er hält mit\nseinem Herzen Zwiesprache. Mit seinem Ver-\nstand kann er keine halten. Und er blickt den\nMädels in die Gesichter, die voll Glanz und, Froh-\nsinn sind.\nAm Sonnabend abend stürzte sich die,\nzwanzigjährige Verkäuferin Else V. vor den\nAugen zahlreicher Passanten von der Waisen-\nbrücke in die Spree hinab. Schiffer,« die in\nder Nähe vor Anker lagen, machten sich sofort\nan die Rettung der Selbstmörderin, und es ge-\nlang ihnen auch, das Mädchen in den Rettungs-\nkahn zu ziehen. Es stellte sich nun heraus,\ndaß die V. bei dem Sturz ins Wasser einen\nKnaben geboren hatte. Es wurde daraufhin\nnoch einmal das Wasser abgesucht, und man\nsollte auch den Körper des Kindes auffischen.\nDer Knabe war aber bereits tot; er war er-\ntrunken.\nNun ist es wirklich Frühling geworden. Am\nPotsdamer Platz entrinnt ein Schmock wieder\neinmal der Todesgefahr und von der Waisen-\nbrücke stürzt sich ein Mädel hinab: unter dem\nWasser ein Kind zur Welt zu bringen. So wird\ndas junge Grün geboren.\nWenn der Frühling nur da ist: mit allen\nseinen Wundern, possierlichen Eigenheiten und\nerwartungsvollen Stimmungen. Mit dem\nSchach treibt er sein Spiel, die kleinen Mädels\ntreibt er in den Tod.\nSie reimen weiter lange Enden\nIn der Frontseite der Welt am Montag wird\nder Adel und das Ordenswesen bekämpft, aber\nin ihrem „literarischen\" Teil darf der Heller\nvon jeder Krone und allen Orden singen, die der\nFrühling verliehen hat.\nAlle Bäume tragen Orden.\nSie sind über Nacht geadelt worden,\nWeil sie tapfer den langen, kalten\nWinter in Ehren ausgehalten.\nDie einen sind Grafen, die anderen Barone,\nJeder trägt seine eigene Krone.\nNur der Heller nicht. Der schmückt sich\nmit jenen Federn, die schon so mancher Roman-\ntiker hat lassen müssen.\nDie Vögel haben die Schnäbel gewetzt\nUnd singen\nUnd der Heller kann seinen auch nicht\nhalten.\nAber noch einen Pegasusschinder hat die\nWelt am Montag anläßlich der Verleihung der\nBaronie an die Herren Apfelbaum, Mandelbaum\nund u., a. m. „zu Wort kommen lassen.\" Er\nheißt Johannes Noack. Aber das ist nicht das\nschlimmste. Man überzeuge sich davon..\nDer Winter ist ein böser Feind,\nErstickt die Lieder in der Kehle —\nDaß es doch immer Winter wäre.\nIm Sommer lacht, im Winter weint\nDie Poesie in meiner Seele.\nDen Schmalzlyrikern sitzen die Lieder immer\nin der Kehle. Woher käme sonst audh der Reim\nauf Seele.\nDoch gestern kam ein warmer Strahl\nUnd Lüfte, so verwirrend rein —\nEin Parzival war ich, ein Gral\nGoß in mich Frühlingssonnenschein.\nIch floh-hinaus, und auf dem Roß\nDurchflog ich Wiesen, Feld und Tann —\nAha, die Grafen Tann.\nWie schnell mein Pegasus auch schoß:\nDie Sehnsucht stürmte ihm voran!\nAufhalten!\nDer Frühling selber kommt auf leisen Soh-\nlen. Er will gar nicht gehört sein. Gegen ihn\nist nichts zu sagen. Es verekelt ihn mir nur das\nStampfen der Versfüße, die ihn registrieren.\n\nJ. A.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nALBERT EHRENSTEIN •\nDer Seitötmord eines Katers / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nF. T, MARINETTI\nLa Momie sanglante\nPoeme dramatiique\nliditions du „Verde e Azzurro\" / Milan\nD'Annunzio intime\n4e edition\nEditions du „Verde e Azzurro\" / Milan\nLe Roi Bombance\nTragedie satirique, 3e edition\nEditions du „Mercure de France\" / Paris\nLa Ville Charnelle\n4 € edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nLes Dieux s'en vont, D'Annunzio reste\n8e edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nLa Conquete des Etoiles\n4e edition, suivie des jugements de la Presse inter-\nnationale\n■>\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris ,>•\nPoupees electriques\nDrame en trois äctes en prose, avec une preface sur\nle futurisme\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nEnquete internationale sur le vers libre\nprecedee du premier Manifeste futuriste, 8e mille\nEditions de „Poesia\"\nMafarka Le Futuriste\nRoman africain\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nGemalde-Ausstellung\nZeitschrift Der Sturm\nTiergartenstrafie 34 a\nFuturisten\nGeoffnet taglich yon 10 bis 6 Uhr\nEtne Mark\nSchluS der Ausstellung: Dosmerstag* den 16. Mai"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.7", "texte": "—- i-k. HAHN Gegrundet 1825\nAlcxanderplatz ia Landsbcrgcrstrassc 60—65\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Mass\nRBKLAMBANGBBOT:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit AermelaufscMagen 32.50 M\naus den modernsten Flauschstoflen mlt aufgesteppten Taschen 45.50 H\nVornehmer zweireihiger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot 32.50 H 45— m\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabatt\n\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzosische\nOriginal der Tagebiicher\nFlauberts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland ver-\nboten wurde\n\nProfessor Gur lifts Erzlehunssfieim\nAufnahme finden Knaben vom sechsten Lebensjahre an. 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Philippe: La Mere et PEnfant\nLettres de jeunesse\nCliaque volume 3,50 francs\n31 I rue Jacob / Paris"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120505-01.1.8", "texte": "Paß k Garleb G. m. b. H., Berlin W 57\n\nAusstellungeiis Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCRSPER'S Kunst-Salon\nPotsdamer Strafte 19 Eintritt 50 Pfennig\nKollekiion Qemalde von Prof. Hugo Vogei\n= und Schwarz-Weiß-Russtellung von ==\nCorinih Klimt RaffaSlli\nFcrain ILeistikow Paetschke\nHance Liebermann Skarblna\nHe! feu Menzel Slevogt\n\nGRAPHISCHES KABINETT\nBuch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN W 15, Kurfurstendamm 33 ::\nStandige Ausstellung ;ImEcli„TanroT^L^eessi°\"\nmoderner Graphik Illustriert. Katalog u. Prospekte gratis\nAnkauf guter Graphik\n\nAtelier lianni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Luise Schmidt und Hanni Schwarz\n=== Berlin W 30, Hohenstaufenstrasse 44 111 =\nFernsprech-Anschluß: Amt Liitzow, 9110 :: Fahrstuhl\nGeoifnet: Wochentags von 9-6, Sonntags von 10-1 Uhr\nPhotograph ische Arbeiten jeder Art in\n===== kunstlerischer Ausflihrung =====\nAufnahmen in natilrlichen Farben\nSpezialitat: Kinderaufnahmen und Aufnahmen\nim eigenen Heim :: Kurse fur Amateure\n\nCTAI DC BERLIN W35\nW I vLI L Genthiner Strasse 42\nGegriindet im Jahre 1873 ■ Fernsprecher Amt Liitzow 3752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilarten\nKopien von Rahmen nach alten Meistern in Original-Goldtonungen\nCHmflifihfi ¥ol>ffnlflol*wai>oll Moderne und antike Vergoldungen an\nditinillvllv 1 BiyyiuCrilftrßll Mobeln, Innen-Architekturen usw.\n= Kunst-Einrahmungen =\nReparaturen und Neuvergoldungen aller Gegenstande, Aufarbeiten\naller Arten Antiken, Reinigen von Gemalden und Stichen ::\nFRTZ\n\nFRIT 7 MFRk'FR Charlottenburg-Schillerstr. 94\n* 11 ' ItiL I\\l\\L. I\\ Amt Charlottenburg 8397\nPASSEPARTOUTFABRIK :: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nRUFZIEHEM VON ZEICHMCIMQEM :: MODERNE BOJCHEINBfiNDE\n\n= KLINSTLER-MAGAZIN =\nFRITZ BERGMANN\nSteglitz □ Schiitzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\nArchitektur-Buchbinderei ,\\\nElektrische Lichtpausanstalt mit Motorbetrieb\nPassepartout-Fabrikation Bildereinrahmung\n\nBeobachfer\nBatbmonatsschrift fur alle\nFragen des modernen fiebens\nmm m\nPerlag Hllgemeiner Beobachfer\nBamburg 1 fllsterdflmm Or. 2\n©\nwm mm\nPreis; Einzelnummer 20 PL m Hbonnement 1 Rl. pro Quartal\nmm m\n= Zu beziehen durch alle Bucfihandlungen und Posfansfalten =====\n0\n©\n0\n0\n0\n0\nRaw\nS&M\nMMii\nm\n\nLehranstalten a Kupse\n\nMai- und Zeichensehule\nStilleben s: Landsehaft s: Portrdt\nOTTO BE9ER, IteMOBtrnOe 17, an KurfDntendamin\nj Man verlange Prospekte —'\n\nHolzschnitzen, Modellieren, Zeichnen\nTaglich 9—1 Uhr Eintritt jederzeit\nModellieren fur Achitekten taglich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbendakt taglich 7—9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfurstendamm 243 parterre gegeniiber dem Zoo.\nBildhauer HARDBRS Berlin - Charlottenburgr\n\n— Ittodellimn und Zeiclwit\nVorbereitung: fur die Akademie\nKARL HEYNEN - DUMONT\nCharlottenburg:, Lelbnizstrasse 32, Atelier\n======== Masslge Honorare =============\n\nirriLLKirchner\nfeffuY\nMax Pechstein\ndOilmersdorf\nDurlochersir. 14\nIIISBOlBBIIlie\nm in lalgrei m m\n\nBuchhandlungen\n\nn\nEdmundMeyer\nBuchhandler u. 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Mix & Genest, Schoneberg-Berlin\nGeneralvertreter fur Berlin und Mark Brandenburg\nLouis Stangen / Linkstrasse 12 Telefon: Kurfiirst 2425\n\nSpedilion\nGeplekfahrt\nRollfnhrwerk\nMobeltransport\nYerpaekung\nLagerong\nVerzollung\nYersieherung\nLombard\nMax Lux\nHalensee\nO\nm\nRmgbahnsis&sse 123 a ■ Fernsprecher: Uhland 595\nSpediteur des Vereins fur Kunst zu Berlin\n\n| Konzert-Bureau |\n| Emil Gutmann-BerlinMiinchen |\n| Zirkns Schumann 17. n. 18. Mai\n' Zwei FeslauliniDP\nIn zwei Teilen fiir zwei ge-\nmischte Chore, Kinderchor,\nsieben Soli, Orgel und groBes\nOrch ester\nOeber 1000 Mitwirkende\nS S\n| Karten, Prospekte u.Textbucher\n| bei Bote u.Bock u. A.Wertheim |\n\nYintergarten\nAm Babnhof Frledriebstrasse\nNeues Programm\nRobledillo\nRudinoff\n\nHeie Secession Berlin\nEingetragener Verein\nPassive Mitglieder\nder\nMeuen Secession\nerhalten jahrlich\n1 mehrere graphische\nArbeiten\n2 die Zeitschrift Der\nSturm frei zugestellt\n3 freien Eintritt zu den\nVeranstaltungen der\nN. S.\nMitgliedsbeitrag halbjahrlicb 15 M.\nGeschaftsstelle\nder Meuen Secession\nSteglitz\nMiqnelstraße 7 a — fYrnruf Steglitz 2699\n\nDie Faekel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser Folge\nNummer 347/348\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\n©\n©\nWerbeband der Fackel @\n50 Pfennig"}]}