{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_sha256": "eff2ef9304ee9afdbbcd313835a64ead65a9d2f7f49464d2ba4696db501cb596", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/05/11_01/bmtnabg_1912-05-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/05/11_01/bmtnabg_1912-05-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.1", "debut_caractere": 509, "fin_caractere_exclue": 669, "texte": "Inhalt:\nELSE LASKBR-SCHÜLER: Boas I ALFRED DÖBLIN: Die Bilder der Futuristen / ARNO HOLZ: Phantasus / PABLO PICASSO:\nZeichnung / NOTIZEN / BEACHTENSWERTE BÜCHER"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.2", "titre_corps": "Pablo Picasso: Zeichnung", "titre_sommaire": "Pablo Picasso: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.1", "debut_caractere": 2462, "fin_caractere_exclue": 2486, "texte": "Pablo Picasso: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.3", "titre_corps": "Boas", "titre_sommaire": "Boas", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.1", "debut_caractere": 671, "fin_caractere_exclue": 907, "texte": "Boas\nElse Lasker-Schüler\nRuth sucht überall\nNach goldenen Kornblumen\nAn den Hütten der Brothüter vorbei —\nBringt süßen Sturm\nUnd glitzernde Spielerei\nUeber Boas Herz;\nDas wogt ganz hoch\nUeber seine Korngärten\nDer fremden Schnitterin zu."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "42", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.4", "titre_corps": "Die Bilder der Futuristen", "titre_sommaire": "Die Bilder der Futuristen", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.1", "debut_caractere": 909, "fin_caractere_exclue": 2460, "texte": "Die Bilder der Futuristen\nVon Alfred Döblin\nEinige Bemerkungen. Im voraus etwas über\ndie Betrachtung dieser Bilder. Für eine Sinfonie,\nein Quartett, ein Drama gilt das Hineinhören,\nHineinlesen als selbstverständlich; ja man sieht\nsogar die Schwierigkeit des Verständnisses, die\nLangsamkeit des Hineinwachsens in das Kunstwerk\nals Charakteristikum, als Index seiner Güte an.\nFür die Malerei und Plastik nicht so; die Erleuch-\ntung soll nur so von den Wänden knallen. Man\npassiert eine Ausstellung; mit jeder Kopfdrehung\nholt man sich einen Kunstwert herunter, wie die\nJungens Spatzen beim Schützenfest. Hier die\nGrundnegation der Futuristen. Sie verlangen Zeit\nfür sich. Jedes Bild ist ein Gedicht, eine Novelle,\nein Drama; man liest das nicht in zwei Minuten.\nMan braucht schon mehr Zeit bei den Futuristen\nals bei den Pointillisten und Impressionisten; mit\nden vier Schritten an die gegenüberliegende\nWand und „rechtsum kehrt\" ist es nicht getan.\nEin Bild wpl gedeutet sein. Es stellt eine Auf-\ngabe. Für eine Mark Eintritt bekommt man nicht\nsechzig Kunstwerte, sondern sechzig Aufgaben.\nEine Ausstellung ist keine Stehbierhalle. Man\nkann futuristische Bilder 'nicht in Ullsteinausgaben\nkaufen. Das Kunstwerk verlangt Disziplin, Ein-\ndringen, Bemühung, Bemühung. Dies ist es,\ndaran fehlt es, daher alle Mißverständnisse. Die\nBemühung fehlt; der Verderb des Publikums\ndurch zehnmal durchgekaute Kost; seine Ge-\nwöhnung an den breitgetretenen Quark. Der Zu-\nschauer hat vor dem Bild in jeder Hinsicht das\nMaul zu halten; vor das Urteil haben die Götter"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8506, "texte": "das Verständnis und nicht das Maul gesetzt. Kein\nKunstwerk fällt vom Himmel; wieviel weniger ein\nKunstverständnis. Der erste Eindruck besagt so\nwenig wie der zehnte; erst der zwanzigste bringt\nmanchmal einen Dämmer. Der Zuschauer hat\nvor dem Bild zu lernen, sich einzufühlen; er hat\nes angesichts von Kunstwerken durchaus als\nGnade zu empfinden, hier zugelassen zu werden.\nKein Kunstfortschritt wird auch der Masse etwas\nbedeuten — mag sie ihre Wohnungen in Box-\nhagen-Rummelsburg oder in der Lennestraße auf-\nschlagen —, wenn ihr nicht von Kindheit ein-\ngebläut wird durch Lehrer, Kritiker, Kenner:\ndaß sie ist, was sie ist, nämlich dumm, kaum\nfähig aufzunehmen, zum Kretinismus geneigt, ein\nHemmnis jedes wahrhaften Fortschritts, ein\nGreuel jedes Musischen; daß die einzigen Men-\nschen die Könner jeder Art sind, an die sie sich\nzu drängen hat, hinter denen sie herzukriechen\nhat, selbst wenn sie sie anspeien und treten.\n*\nDer Futurismus ist kein Prinzip und hat kein\nPrinzip. Aber im Plural: er hat Prinzipien, also\nelementare Einsichten. Der Futurist lehnt zum\nBeispeil als Maler die Theatralik ab. Es ist im\nGrunde fabelhaft, daß den Malern nicht ihre Be-\nziehung zu den Kulissenschiebern längst aufge-\nfallen ist. Vor dem Bild sitzt ein Parkett; jedes\nBild „stellt sich\" vor einem Parkett. Dies ist\ngrundschlecht; entspricht nicht der Würde der\nKunst, ihrer Heimlichkeit, Einsamkeit, Versunken-\nheit. Das Alpha des Futuristen: ecrasez Tinfame,\nnämlich den Zuschauer. Das Bild hat sein Zen-\ntrum in sich. Sollte das schon als enorme Neue-\nrung oder als Dubiosum betrachtet werden, wenn\ndas Bild wie mit Röntgenstrahlen gesehen er-\nscheint, durchlöchert von vorn nach hinten, durch-\nrieselt mit Licht von allen Seiten, transparent die\nMenschen, die massiven wohlgerundeten Mauern ?\nDas ist keine Naturwissenschaft, kein frag-\nwürdiges Recht des Malers, sondern das Recht,\nseine Phantasie zu sehen, wie und wohin sie\nwill — nicht wie Herr Müller, der verblüfft vor\ndem Bild steht; — es ist ein triumphierender\nFaustschlag seiner Seele auf ihr ureigenes Gebiet,\ndas sie wieder beschlagnahmt. Denn — es ist\nkeine Neuigkeit — die Malerei ist eine Kunst;\ndie Augen sind blind, die Ohren sind taub; nur\ndie Seele sieht und hört.\nEine Szene zu malen lohnt nicht der Mühe.\nNur unter Umständen, unter erschwerten Glücks-\numständen lohnt es. Wer als Dichter oder rou-\ntinierter Skribent ist fähig, in eine knappe Seite\nden Reichtum eines mächtigen Gefühls zu-\nsammenzupressen ? Wer kann da mehr als Stich-\nworte geben ? Und wer es fertigbringt, hat sicher\nnur ein Kunststück gemacht. Seht die vielen der\nälteren Maler an: diese krampfhafte Bemühung\nder guten unter ihnen, in jedem Punkte intensiv\nund lebendig zu sein, jedes Eckchen mit Empfin-\ndung auszustatten. Dieses Aengstigen; und der\nRaum ist so wahnsinnig klein; und zum Schluß\ndie Erkenntnis : es ist nicht halb, nicht ein viertel,\nwas ich wollte. Mit einem Ruck macht sich der\nFuturist Platz, stößt den Alb von seiner Brust.\nWorauf kommt es doch an ? Nicht auf die ent-\nseelte blöde Szene, das Objekt, sondern auf —\nmich, auf mich, auf mich und auf nichts weiter.\nWas sind Wellen, Berge, Gesichter, Farben, Linien\ngegen mich! Er ist nicht Nachschöpfer, sondern\nNeuschöpfer. Die Beseeltheit ist alles. Und so\nhaben alle alten und guten Meister gedacht. Wie\nlächerlich die malerischen Prinzipien, die formalen\nZusammenhänge, wo die Wucht, die Süße, die\nZärtlichkeit und der Jähzorn des Gefühls\nsprechen will! Sehen Sie das Bild Boccionis:\ndas Lachen. Der Maler tanzt wie ein Trunkener\num den Hut einer Frau; immer wieder kehrt der\nHut, gesehen von oben, von rechts, von links,\nschräg, aufgestellt. Der Maler sieht sich nicht\nsatt an dem spiegelnden Marmortisch, der wie\nein Leitmotiv durch alle Elane des Bildes!wandert;\nund immer wieder zünden zwei Hände über einer\nroten Flamme eine Zigarette an. Severini sieht\ndas Gesicht seiner ruhelosen Tänzerin veilchen-\nfarben zweimal über die Fläche gehen; sie dreht\nsich in Ganzfigur; den Zylinder im Nacken sieht\nihr ein Kavalier zu, und aus dem Boden des\nBildes stechen zwei schwefelgelbe Katzenaugen.\nKein Vordergrund, kein Hintergrund, nicht Zeit,\nnicht Raum; auf dem Urgrund liegt alles ge-\nmächlich, — und so malt man ein Porträt!\n*\nDer Maler hat nicht die eine Dimension,\ndie Fläche, die er zu zwei, drei umtauschen muß,\nsondern unendlich viel, sondern genau so viel,\nals ihm seine Phantasie gewährt. Der Eisenbahn-\nzug saust über die eisernen Schienen; man sieht\nihn nicht; man sieht nur die schrägen Tele-\ngraphenglocken ; verzerrte, apathische, müde Ge-\nsichter fliegen durch den trüben Wind, gespen-\nsterhaft. Zeit und Raum verschiebt sich. Ach es\nist so billig, das alles literarisch, unmalerisch zu\nnennen. Wie wenig nennt Ihr malerisch, wie\ndürftig und armselig ist für Euch diese Kunst.\nWeil Ihr nicht das Freiheitsgefühl des Schaffen-\nden kennt, in dem sich alle Kunstwerke recht-\nfertigen, den psychischen Grund, aus dem alle\nNeuerungen auftauchen. Dieser psychische\nGrund, der wie ein schlagendes Wetter ist; diese\nstahlharten Kondorflügel, für deren schneidendes\nTönen und Rauschen sich erst die Ohren schärfen\nmüssen. Ist nicht, was m%n auf manchen dieser\nBilder sieht, wie das Ei des Kolumbus? Nichts\nist uns von der Literatur so geläufig als die so-\ngenannte Bildlichkeit der Sprache; aber gerade\nfür die, deren Sache Bildlichkeit von Natur ist,\ngalt hier das „Hände weg!\" Sie mußten natur-\nwissenschaftlich exakt sein, mußten sich wie ge-\nschlagene Kinder hinter die Objekte verstecken.\nWir von der Literatur tauchen beherzt durch alle\nMeere der Welt, über alle Dünen weg; huschen\nvom König Rampsenit zum großen Cäsar, und\nlehnen uns, wenn unser Herz es verlangt, hin-\nunter zur kleinen Dirne Lulu. Unsere Worte\nkönnen wie Kuheuter strotzen von Fülle, die\nstärker sättigt als Milch. Aber sie, die Maler,\ndürfen sich nur anhangsweise äußern, oder\nzwischen den Zeilen. Wie oft ist schon gesagt,\ndaß „die Erde unter den Füßen der tobenden\nMasse zu leben anfängt\", wie echt ist diese Emp-\nfindung — und welcher Maler hat bisher dies\nErdbeben, leibhaftig, rund und erschütternd, ge-\nmalt? Ich habe viele Schlachtfelder auf der Lein-\nwand gesehen, aber ich sah mich vergebens um\nnach der Schlacht zwischen all den Soldaten, dem\nPulverdampf, den* schwarzen Kanonen. Warum\nhaben sie nur nicht den Mut zu sich, zu ihrer\nPhantasie, zu ihrem Erlebnis? Bekennen, beken-\nnen! Das Entsetzen, das Mitleid, die Wut, das\nGrauen in Euch, heraus damit auf die Leine-\nwand. Die Soldatjen da sind aus Zinn gegen\nEuch, die Kanonen nur aus Holz gegen Euch,\ndie die einzigen in dieser Schlacht aus Eisen sind.\nVom Leder das Eisen! Seid Ihr nicht mehr als\nMaler — nämlich Künstler? Die Revolution von\nRussolo: Mit ausgestreckten Armen ein Zug von\ntausend Menschen, ein rasender, unheimlicher\nTrupp, aus dem rote Feuer brechen; die Häuser\nversinken in Grau, die Häuser knicken vor ihrem\nAnsturm ein und flattern wie vom Wind zer-\nblasen über ihnen, vor ihnen, neben ihnen, nicht\nmehr als eine wesenlose Lichterscheinung. Seht\nden „Pan-Pan-Tanz\"! Was ist alle Wirklich-\nkeit, zum tausendsten Male, wo es sich' um Kunst\nhandelt, um eine andere, freiere, stolzere Realität,\num die des triumphierenden Menschen? Es ist\nnicht geschehen mit der Tat des Prometheus,\nder Ueberwindung der Natur, ihrer Einspannung\nin Maschinen; es gibt noch mehr Lasten zu ziehen\nals Holzfuder und Steinblöcke. Nicht mehr hat\nalle Natur und Wirklichkeit dem Künstler zu\nsein, als der starke Gaul, den er peitscht, der ihm\nseinen schweren, schweren, oft so schweren\nWagen zieht: aber alle Werte ruhen auf diesem\nWagen. Mit Hü und Hott zieht er gerade den\nWagen, aber wenn der Künstler will, so kann ei-\nnlegen, und als eine Bremse hinter dem Ohr des\nGaules summen, und die Schindmähre stechen\nund brummen.\n*\nDer Futurismus ist ein großer Schritt.\nEr stellt einen Befre(iungsakt dar. Er ist keine\nRichtung, sondern eine Bewegung. Besser: er ist\ndie Bewegung des Künstlers nach vorwärts. Es\nkommt auf die einzelnen Werke nicht an. Es\nist zum jammern, daß das Land der „Innerlich-\nkeit\" sich den Mut zu sich von außen einblasen\nlassen muß. Aus dem Lande der Farben und\nschönen Menschen kommt die Lehre zu uns, zu\nuns : „die Seele ist alles\". Unsere Maler machen\nExperimente, sie studieren die Giesetziq der Farben,\nLinien, Flächen. Sie sind ehrlich — es ist zum\nLachen — während das Haus brennt.\nIch bin kein Freund der großen und auf-\ngeblasenen Worte. Aber den Futurismus unter-\nschreibe ich mit vollem Namen und gebe ihm ein\ndeutliches Ja."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "42", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.5", "titre_corps": "Notizen", "titre_sommaire": "Notizen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.2", "debut_caractere": 8508, "fin_caractere_exclue": 9640, "texte": "Notizen\nIn dem Beitrag von Dr. S. Friedlaender (Num-\nmer 107, Seite 22) sind folgende Druckfehler zu\nberichtigen:\nHier haben wir die verhängnisvolle Alter-\nnative der Werte.\nSein Philosophieren trägt den Januskopf,\ndessen entgegengesetzte Antlitze Diesseits\nund Jenseits toto coelo divergieren lassen.\nEr operiert durchweg mit dieser Gegen-\nsatztypik.\nUm ein Problem praktisch lösbar zu machen,\nbraucht man es theoretisch weder bejahend\nnoch verneinend zu lösen. Gesetzt\nzum Beispiel...\nDa der Beitrag von A r n o Hol z aus künst-\nlerischen (Gründen in einer Nummer gebracht\nwerden muß, kann die Fortsetzung des Romans\n„Der schwarze Vorhang\" von Alfred Döblin erst\nin der nächsten Nummer erfolgen. Ebenso mußte\nder Holzschnitt ausfallen.\nDie Herren Harold Bengen, Cesar Klein,\nMoriz Melzer, Wilhelm Morgner, Richter-Berlin,\nGeorg Tappert, von denen Holzschnitte in ver-\nschiedenen Nummern dieser Zeitschrift ver-\nöffentlicht wurden, sind Mitglieder der Neuen\nSeze ssio n.\nDie Zeichnungen von Oskar Kokoschka in\nden Numimern 103 bis 106 sind in dem Buch\nTubutseh von Albert Ehrenstein enthaltet,\nerschienen bei Jahoda & Siegel, Wien."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "42", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.6", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.2", "debut_caractere": 9642, "fin_caractere_exclue": 9914, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nJEAN THOGORMA\nLettres sur la Poesie\nL'Esthetique viranfe\nParis / E. 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"fin_caractere_exclue": 2638, "texte": "PHANTASUS\n\nIch zeigte dir den Mond durch einen Frühlingsbaum.\nJede Blüte,\njedes Blättchen\nhob sich\naus seinem Glanz.\nJede Blüte, jedes Blättchen\nschimmerte.\nFlimmernde Wiesen,\nNebelglast,\nlichtdämmernde Weiten,\ndunkle, fern verstreute, magisch glimmende Trauminseln\nund dazwischen\nein sich schmalhin verschlängelndes, immer wieder heimlich aufblitzendes, seeliges Silbergegleiß!\nWar das noch - die Erde?\nBeide Arme\nschlangst du mir um den Hals!\nUnter jubelnden Lerchen durch Sommerblau,\naus sanft geballtem Wipfelgrün über gelbem, blumendurchblühtem Korn,\ngrüßte uns mit seinem grauen Turm, -\nauf dem sich der verrostete, goldblecherne Posaunenengel schon längst nicht mehr drehte,\ndas stille, schindelgedeckte Dörfchen,\ndas uns so lieb geworden war.\nWir gingen Hand in Hand.\nVom nahen Wald her,\nschmeichlerisch, ab und zu,\numfächelte uns ein lind erfrischendes, wohlig kühlendes Lüftchen,\nzage, spielerische Zefirwölkchen, von Zeit zu Zeit, übertändelten uns mit ihren Schatten,\nunter deinem nickenden Aehrenhut,\nkaum spürbar,\nhie und da,\nberührte mich dein Haar.\nEin großer, mystisch dunkelpurpurbrauner Trauermantel,\nmit weit auseinandergespreiteten, seltsam schweflich gezackten, perlmutterbläulich glimmenden Schwingen sich immer wieder mitten vor uns auf den Boden setzend,\nimmer wieder dicht vor uns aufflatternd,\nlockte uns,\nwie verzaubert,\ndurch eine enge, lange, in graugrünen Windungen sich senkende Teufelszwirnschlucht,\nin die wir uns noch nie verirrt hatten,\nabseits,\nimmer wieder weiter und weiter.\nAn einer letzten,\nfast betäubend duftenden Hollunderbuschbiegung,\ndie uns mit ihren weißgrünen, schwebenden, über doppelt handbreiten Blütenteüern den ganzen Ausblick noch zuerst versperrte,\n— plötzlich,\nentschwand er!\nWo\nwaren wir?\nAus einem verlornen Orund,\nin dem sich verträumt ein eirundes, sonderbares Schilftümpelchen sonnte,\nzwischen Steinklee, Klatschmohn, Bienensaug, Wicken, Wolfsmilch, Kuckucksnelken und goldgelben, filzsilbrigen, märchenhaft ragenden Königskerzen,\nschlängelten, wirrten und äderten sich, die schrägen Steilhänge hoch,\nlauter vergessne Wege!\nSie führten alle — in den Himmel!\n«•••••• * • • • • •\nDurch raschelndes Herbstlaub im Sonnenschein,\nhinter jenem versteckten Rotdornwäldchen, aus dem mal an einem frühen, unvergessnen, azurnen Julitag\n— äit schmalen Birkenkätzchen, die uns wehend streiften, waren weicher als aus Seide und Sammt, die stolzen Sternblumen standen und leuchteten\nschmelzend, schluchzend und frohlockend inbrünstig, Stunden und Stunden lang, unsichtbar, eine irre Amsel schlug,\nsuchten wir nach dem verwunschenen Rosenrondeel, das uns in unserm höchsten Glück umschlossen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3795, "texte": "Wir fanden es.\nDie wilden, kletternden Efeuranken um die unförmigen, bröckelnden Sandsteinbalustraden blinkten noch,\naus der zerborstnen, umgestürzten Basalturne,\nunter wucherndem Löwenzahn, büschligen, purpurnen Berberitzen und blassen, spät blühenden Veilchen,\nwand sich noch die Porphyrflamme,\ndas freche, geflügelte, splitternackte Bübchen,\nauf dessen zielend zurückgezognem Ellenbogenspitzchen in einem grünlichen Sonnentupf damals zierlich ein Marienkäferchen gesessen,\nlegte,\nnoch immer listig blinzelnd,\ndas rechte, halsbrecherisch erhobne Beinchen mit unwahrscheinlicher Gelenkigkeit noch immer grotesk um das linke, leicht vorgeknickte Kniekehlchen gezwirbelt,\ndas verschmitzte, lustige, breitgequetschte Pausbackengesichtchen schon halb verwittert,\nnoch immer den stumpfen, moosbefiederten, jetzt mit einem unschuldig zitternden Tautröpfchen behangenen Pfeil auf.\nWir küßten uns!\nAus dem brennenden Rund auf einem lichtlila Blütenteppich,\numspielt von zarten, ziehenden Fäden,\nglitzerte\n— die Rasenbank.\nIn den violetten Winternachmittag,\ndurch einen in allen Edelsteinfarben funkelnden Eispalmenwald,\nzwischen dessen hängende Lianenbrücken wir uns runde Kucklöcher gehaucht hatten,\nlugten wir\naus unserm warmen Stübchen.\nDie wirre, wunderlich verzweigte Ulmenkrone\nmit ihrem phantastischen Rauh reif geäst,\ndas sich fast dicht bis unter unser breites, vorspringendes, schon rötlich bestrahltes Mansardenfensterchen drängte,\nblitzte, glitzte und glinzerte,\ndie sich drüben auf den andern Platzseiten geduckt die Häuser Entlangstapfenden\nsahen wie puckliche, aufgeplusterte, bis an die Nasenspitzen eingemummelte Samojeden aus,\nein unversehens über unsern Köpfen herabpolterndes, regenbogenbunt zersprühendes Miniaturlawinchen\nversetzte uns in hellstes Entzücken!\nWir waren wie zwei Kinder!\nJeder bitterbös fegende Windstoß, der sich in kreiselnden, stäubenden Wirbeln quer über die freie, offne, glattvereiste Fläche drehte,\nerhöhte unser Wohlgefühl,\njedes sich tapfer um eine Ecke klingelnde Schlittenglöckchen\nerfreute sich unsrer beifälligsten Anerkennung,\nden feisten Schneemann,\ndem eine, wie es schien, antipatriotische, mit Pelzmützen, Schmierstiefeln, Fausthandschuhen, Ohrenklappen und gestrickten Wolljacken bewaffnete Jugend\nden schiefen, festgefrornen, zerbeulten Kriegervereinscylinder schon halb abbombardirt hatte,\nübermütig,\nbetitulirten wir »Onkel Theodor!«\nDas flinke, geschäftig schnippische Rokokoührchen, das hinter uns tickerte,\nholte unter seiner Glasglocke aus\nund schlug Vesperzeit.\nAuf dem geblümten Tischtuch,\nzwischen den beiden feuervergoldeten,\nmit lobenswert lieblicher landschaftlicher Emailmalerei behaglich beschilderten, behäbig ausladenden, blänkernden Henkeltassen,\nprangte,\numlegt noch von allerhand Marzipan und Konfekt,\nder mit siebenerlei verschieden geformten, kunstvoll von dir selbst gebackenen Mürbeteigtörtchen voller eingemachter Früchte sorglich versehene Kuchenteller,\ndie dicke, bauchige Kaffeemaschine\nauf ihrem altväterischen, blankgeputzten, das leise, bläuliche Flämmchenspiel spiegelnden Messingtablett\ndampfte, zischte, puffte, pustete und brodelte,\nund aus dem braunen, von schlanken Ebenholzsäulchen flankirten, halbrundlichen Kommodenschränkchen,\nin einem tiefen, geheimnisvoll zugedeckten, geschliffnen Glasschälchen,\nüberraschtest du mich\nmit einer liebevoll großen, wohltuend schneeig gewölbten, mächtigen Doppelportion Schlagsahne.\nNoch nie, seit die Welt besteht, hatte einem vom Weibe Gebornen\nIrdisches\nso seelenvoll geschmeckt!\nAn einem ovalen, schön orangegelb gefüllten Zuckergußkringelstern von unserm Weihnachtsbaum,\ndem allerletzten,\nmit seinem lichten, rührenden, drollig verschiebbaren Luftbläschen,\npietätvoll,\nwollte sich keiner mehr vergreifen.\nEdelmütig und wohlwollend satt, schob ihn einer dem andern zu."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2057, "texte": "Beinahe,\nes fehlte wirklich nicht viel,\nhätten wir uns um ihn gekabbelt!\nEndlich\nlosten wir ihn aus.\nDu gewannst ihn. Ich mußte ihn aufessen.\nAls es dann tiefer zu schummern begann,\nsetztest du dich ans Klavier.\nHinter deinem kleinen, korbgeflochtnen Hyazintentischchen,\nunter der niedrigen, gemütlich abgeschrägten Dachbalken wand,\nlag ich im Lehnstuhl und rauchte.\nDie alten Lieder!\nWie mein Herz sie kannte! Wie deine Hände sie lieb hatten!\nich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,\nwaren Kisten und Kasten schwer,\nals ich wiederkam, als ich wiederkam,\nwar alles leer!\"\nEs war ganz dunkel geworden. Wir schwiegen.\nWieder,\ndurch den sterbenden Frühling,\nduften jetzt\ndie jungen Linden.\nDie Nachtigallen singen nicht mehr,\ndie flammenden Herzen, in allen Gärten, verblassen und verblühn.\nWie hat Herrlichstes, wie hat Köstlichstes,\nUnaussprechbares, das für zwei ganze Menschenleben hätte reichen sollen,\nso\nenden können?\n4\nHier, an unserm Lieblingsplatz,\nwo du damals das vergilbte Büchlein last,\neinsam,\nsitze ich und starre\nder versunknen Sonne nach.\nAlles\nwankt in mir,\nalles\nverrinnt um mich,\nich finde nicht mehr ein und aus!\nUmsonst zermartre ich, vergebens zergrüble ich\nmein Hirn.\nNoch gestern,\nals ich, nach qualvollen Wochen, dich bat und beschwor:\n»Was ist es blos?\nHabe ich dich gekränkt und verletzt?\nHabe ich dir, ohne es zu wissen und zu wollen, irgendwie ein Unrecht getan?*,\nals ich flehend in dich drang:\ni/Du bist nicht mehr wie früher! Du bist anders zu mir!\nSag's mir doch!\",\nals du dich, schluchzend, mir in die Arme warfst,\nfassungslos,\n— ich verstand dich nicht —\ni\nmit verstörtem, tränenüberströmtem Gesicht\nklagtest du dich vor mir an!\n»Ich war so schlecht, so häßlich zu dir! Verzeih! Vergieb!\nDu weißt, du ahnst ja nicht, wie totunglücklich ich oft bin! Ich begreife mich manchmal nicht mehr selbst!\nIch wollte wirklich nicht länger leben,\nwenn du mich nicht noch ein ganz, ganz klein wenig lieb hättest!*\nDeine Schultern zuckten, deine Lippen zitterten,\ndeine Kniee wankten, deine Augen schlössen sich dir, deine Stimme brach."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2009, "texte": "Ich stand vor deinem reuigen Schmerz erschüttert!\nIch fühlte mich deiner innersten Liebe wieder so tiefsicher! Ich zweifelte an deinen Worten Jauch nicht einen einzigen Augenblick!\nIn deinem leichten, luftigen Vergißmeinnichtkleid,\nwie an jenem ersten mal,\nversprachst du zu kommen!\nIch sollte dir glauben und vertrauen:\nDu wolltest dich nie wieder kalt von mir wenden! Du wolltest mir nie wieder weh tun!\nAlles, alles\nsollte wieder werden, wie es war!\nIch hoffte und harrte.\nUnd heut?\nFreudig,\nunruhevoll,\nschon bevor die Stund schlug,\nsah ich nach dir aus!\nDie blanken, hurtigen, zittrigen Wellchen vor mir, um unser anmutig einladendes, lauschig smaragdgrünes Halbinselchen vorbei, flinkerten, flirrten und flitzten,\nüber die weiten, buntschillernden Juniwiesen,\nunaufhörlich, unablässig,\nspielten, gaukelten, tanzten, taumelten, tummelten, haschten und wiegten sich\ntausende von Schmetterlingen,\nder hohe Himmel drüber\nglänzte.\nDu kamst nicht!\nDie Schatten der Erlen reckten und streckten sich,\ndas lautlos geschäftige Faltergespiel wurde müder und müder,\nüber die immer stiller werdende Ebne weitete, breitete und spreitete sich schon\nder erste, feinste Dämmrungsduftschleier.\nMeine verlangende Sehnsucht nach dir\nwuchs!\nWo bliebst du?\nDer Abend stieg,\ndie blasse, verschwebende Nebelrundferne färbte sich, langsam, blaugrau,\naus den weißen, friedlichen Nachmittagswolken wurden lodernde, lohende Berge mit Burgen!\nIch wartete. Wie lange . . . !\nImmer wieder\nin die alte, wunderbare Zeit zurück,\nerinnrungsschwer,\ntauchten\nmeine Gedanken.\nJede gemeinsame,\nkleinste Freude\nwurde mir, schmerzlich,\nwieder wach!\nDich haben! Dich halten! Dich nie wieder lassen!\nWar das jetzt, alles,\nwirklich,\naus?\nUnsichtbar,\nwie ersticktes Weinen,\nklang unter den Weiden der Fluß.\nDu kommst nicht!\nDie nahe Nacht\ndurchschauert mich mit ihrer Kühle,\ndas Wasser gurgelt,\nder letzte, fahle Streif drüben\nverlischt.\nBurchs Dunkel, neben mir, taste ich nach den roten Blumen.\nSie sind welk.\nDu hast mich vergessen!\n\n[illegible]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.7", "debut_caractere": 75, "fin_caractere_exclue": 598, "texte": "HAHN\nGegnundet <825 |M Gegrßndet 1825\nAlexandcrplatz ■ Landsbergerstrasse 60—63\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Mass\nREKLAMEANGEBOT:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit Aermelaufschiagen 32.50 H\naus den moderasten Fiauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 45.50 M\nVornehmer zweireihiger Saeco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot 32.50 M 45— M\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabatt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.7", "debut_caractere": 600, "fin_caractere_exclue": 786, "texte": "Les Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nverftffentlichte das franzosische\nOriginal der Tagebiicher\nFlauberts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland ver-\nboten wurde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c010", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.7", "debut_caractere": 788, "fin_caractere_exclue": 964, "texte": "l ems\nHI\n;\nerteilt j lingerer Literat.\n(Herren, die in Tagesblattern ur.ter\nden Strich gehen, erhalten Vor-\nzugspreise.) 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Antiquar\n• •\n««\n:: BERLIN W. 35\nPotsdamerstrasse 27b\nFernsprech. Rmt VI 5850\n■ EM ■\nHUSSTELLIIIiQ\neiner grossen Kollektion\n• •\ni-\nvon Daumier / Gavarnl /\nBeaumont und anderen\nDie Blatter sind einzeln kauflich\n■ ■ Besichtigung frei ■ ■ ■ ■\n' I 1■ ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c031", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.8", "debut_caractere": 3186, "fin_caractere_exclue": 3408, "texte": "Reuss & Pollack\nBBdAandlmo i. litlpiit\nPotsdamerstrasse 118 c\n:: BERLIN W. 35 ::\nFernsprccher: Rmt LUtzow 2829\nAussteliunq einer Kollektton von Ori-\nginalhandzeichnungen des MUnchner\nZelchners AttiHa Sachetto. 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Mai\nI Zwei Feiiiiip ,\n1 iCQI MB:)\n|\n| g\n| In zwei Teilen fur zwei ge- |\n| mischte Chore, Kinderchor, |\n| sieben Soli, Orgel und großes\n| Orchester |\nI Ueber 1000 Mitwirkende\nI\n| *\n| Karten, Prospekte u.Textbiicher |\n| bei Bote u.Bock u. 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S.\nHltßliedsbeitrag baUtjghrlicii 15 H.\nQeschaftsstelle\nder Neuen Secession\nSteglitz\nMiquelstrafio 7 a — Ftrnraf Steglits 2619"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-11-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-11_01#c039", "volume": "bmtnabg_1912-05-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.2.39", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.8", "debut_caractere": 4713, "fin_caractere_exclue": 4949, "texte": "<( Jk.4 M. *A.^-A.4^4^\nDie Faekel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser Folge\nNummer 347/348\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Packet\n§0 Pfennig\n'■-» A-c-Ar i.r a\"va,OA ."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 20 Pfennig\nDer Sturm\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag: Berlin W 9 / Potsdamer Straße 18\nFernsprecher Amt Lützow 4443 / Anzeigenannahme durch\n:-: den Verlag und sämtliche Annoncenbureaus\nHerausgeber und Schriftleiter:\nHERWARTH WALD EN\nVierteljabrsbezug 1,50 Mark / Halbjahresbezug 3,— Mark /\nJahresbezug 6,— Mark / bei freier Zustellung / Anzeigen-\npreis für die fünfgespaltene Nonpareillezeile 60 Pfennig\nDRITTER JAHRGANG\nBERLIN MAI 1912\nNUMMER 110\n\nInhalt:\nELSE LASKBR-SCHÜLER: Boas I ALFRED DÖBLIN: Die Bilder der Futuristen / ARNO HOLZ: Phantasus / PABLO PICASSO:\nZeichnung / NOTIZEN / BEACHTENSWERTE BÜCHER\n\nBoas\nElse Lasker-Schüler\nRuth sucht überall\nNach goldenen Kornblumen\nAn den Hütten der Brothüter vorbei —\nBringt süßen Sturm\nUnd glitzernde Spielerei\nUeber Boas Herz;\nDas wogt ganz hoch\nUeber seine Korngärten\nDer fremden Schnitterin zu.\n\nDie Bilder der Futuristen\nVon Alfred Döblin\nEinige Bemerkungen. Im voraus etwas über\ndie Betrachtung dieser Bilder. Für eine Sinfonie,\nein Quartett, ein Drama gilt das Hineinhören,\nHineinlesen als selbstverständlich; ja man sieht\nsogar die Schwierigkeit des Verständnisses, die\nLangsamkeit des Hineinwachsens in das Kunstwerk\nals Charakteristikum, als Index seiner Güte an.\nFür die Malerei und Plastik nicht so; die Erleuch-\ntung soll nur so von den Wänden knallen. Man\npassiert eine Ausstellung; mit jeder Kopfdrehung\nholt man sich einen Kunstwert herunter, wie die\nJungens Spatzen beim Schützenfest. Hier die\nGrundnegation der Futuristen. Sie verlangen Zeit\nfür sich. Jedes Bild ist ein Gedicht, eine Novelle,\nein Drama; man liest das nicht in zwei Minuten.\nMan braucht schon mehr Zeit bei den Futuristen\nals bei den Pointillisten und Impressionisten; mit\nden vier Schritten an die gegenüberliegende\nWand und „rechtsum kehrt\" ist es nicht getan.\nEin Bild wpl gedeutet sein. Es stellt eine Auf-\ngabe. Für eine Mark Eintritt bekommt man nicht\nsechzig Kunstwerte, sondern sechzig Aufgaben.\nEine Ausstellung ist keine Stehbierhalle. Man\nkann futuristische Bilder 'nicht in Ullsteinausgaben\nkaufen. Das Kunstwerk verlangt Disziplin, Ein-\ndringen, Bemühung, Bemühung. Dies ist es,\ndaran fehlt es, daher alle Mißverständnisse. Die\nBemühung fehlt; der Verderb des Publikums\ndurch zehnmal durchgekaute Kost; seine Ge-\nwöhnung an den breitgetretenen Quark. Der Zu-\nschauer hat vor dem Bild in jeder Hinsicht das\nMaul zu halten; vor das Urteil haben die Götter\n\nPablo Picasso: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.2", "texte": "das Verständnis und nicht das Maul gesetzt. Kein\nKunstwerk fällt vom Himmel; wieviel weniger ein\nKunstverständnis. Der erste Eindruck besagt so\nwenig wie der zehnte; erst der zwanzigste bringt\nmanchmal einen Dämmer. Der Zuschauer hat\nvor dem Bild zu lernen, sich einzufühlen; er hat\nes angesichts von Kunstwerken durchaus als\nGnade zu empfinden, hier zugelassen zu werden.\nKein Kunstfortschritt wird auch der Masse etwas\nbedeuten — mag sie ihre Wohnungen in Box-\nhagen-Rummelsburg oder in der Lennestraße auf-\nschlagen —, wenn ihr nicht von Kindheit ein-\ngebläut wird durch Lehrer, Kritiker, Kenner:\ndaß sie ist, was sie ist, nämlich dumm, kaum\nfähig aufzunehmen, zum Kretinismus geneigt, ein\nHemmnis jedes wahrhaften Fortschritts, ein\nGreuel jedes Musischen; daß die einzigen Men-\nschen die Könner jeder Art sind, an die sie sich\nzu drängen hat, hinter denen sie herzukriechen\nhat, selbst wenn sie sie anspeien und treten.\n*\nDer Futurismus ist kein Prinzip und hat kein\nPrinzip. Aber im Plural: er hat Prinzipien, also\nelementare Einsichten. Der Futurist lehnt zum\nBeispeil als Maler die Theatralik ab. Es ist im\nGrunde fabelhaft, daß den Malern nicht ihre Be-\nziehung zu den Kulissenschiebern längst aufge-\nfallen ist. Vor dem Bild sitzt ein Parkett; jedes\nBild „stellt sich\" vor einem Parkett. Dies ist\ngrundschlecht; entspricht nicht der Würde der\nKunst, ihrer Heimlichkeit, Einsamkeit, Versunken-\nheit. Das Alpha des Futuristen: ecrasez Tinfame,\nnämlich den Zuschauer. Das Bild hat sein Zen-\ntrum in sich. Sollte das schon als enorme Neue-\nrung oder als Dubiosum betrachtet werden, wenn\ndas Bild wie mit Röntgenstrahlen gesehen er-\nscheint, durchlöchert von vorn nach hinten, durch-\nrieselt mit Licht von allen Seiten, transparent die\nMenschen, die massiven wohlgerundeten Mauern ?\nDas ist keine Naturwissenschaft, kein frag-\nwürdiges Recht des Malers, sondern das Recht,\nseine Phantasie zu sehen, wie und wohin sie\nwill — nicht wie Herr Müller, der verblüfft vor\ndem Bild steht; — es ist ein triumphierender\nFaustschlag seiner Seele auf ihr ureigenes Gebiet,\ndas sie wieder beschlagnahmt. Denn — es ist\nkeine Neuigkeit — die Malerei ist eine Kunst;\ndie Augen sind blind, die Ohren sind taub; nur\ndie Seele sieht und hört.\nEine Szene zu malen lohnt nicht der Mühe.\nNur unter Umständen, unter erschwerten Glücks-\numständen lohnt es. Wer als Dichter oder rou-\ntinierter Skribent ist fähig, in eine knappe Seite\nden Reichtum eines mächtigen Gefühls zu-\nsammenzupressen ? Wer kann da mehr als Stich-\nworte geben ? Und wer es fertigbringt, hat sicher\nnur ein Kunststück gemacht. Seht die vielen der\nälteren Maler an: diese krampfhafte Bemühung\nder guten unter ihnen, in jedem Punkte intensiv\nund lebendig zu sein, jedes Eckchen mit Empfin-\ndung auszustatten. Dieses Aengstigen; und der\nRaum ist so wahnsinnig klein; und zum Schluß\ndie Erkenntnis : es ist nicht halb, nicht ein viertel,\nwas ich wollte. Mit einem Ruck macht sich der\nFuturist Platz, stößt den Alb von seiner Brust.\nWorauf kommt es doch an ? Nicht auf die ent-\nseelte blöde Szene, das Objekt, sondern auf —\nmich, auf mich, auf mich und auf nichts weiter.\nWas sind Wellen, Berge, Gesichter, Farben, Linien\ngegen mich! Er ist nicht Nachschöpfer, sondern\nNeuschöpfer. Die Beseeltheit ist alles. Und so\nhaben alle alten und guten Meister gedacht. Wie\nlächerlich die malerischen Prinzipien, die formalen\nZusammenhänge, wo die Wucht, die Süße, die\nZärtlichkeit und der Jähzorn des Gefühls\nsprechen will! Sehen Sie das Bild Boccionis:\ndas Lachen. Der Maler tanzt wie ein Trunkener\num den Hut einer Frau; immer wieder kehrt der\nHut, gesehen von oben, von rechts, von links,\nschräg, aufgestellt. Der Maler sieht sich nicht\nsatt an dem spiegelnden Marmortisch, der wie\nein Leitmotiv durch alle Elane des Bildes!wandert;\nund immer wieder zünden zwei Hände über einer\nroten Flamme eine Zigarette an. Severini sieht\ndas Gesicht seiner ruhelosen Tänzerin veilchen-\nfarben zweimal über die Fläche gehen; sie dreht\nsich in Ganzfigur; den Zylinder im Nacken sieht\nihr ein Kavalier zu, und aus dem Boden des\nBildes stechen zwei schwefelgelbe Katzenaugen.\nKein Vordergrund, kein Hintergrund, nicht Zeit,\nnicht Raum; auf dem Urgrund liegt alles ge-\nmächlich, — und so malt man ein Porträt!\n*\nDer Maler hat nicht die eine Dimension,\ndie Fläche, die er zu zwei, drei umtauschen muß,\nsondern unendlich viel, sondern genau so viel,\nals ihm seine Phantasie gewährt. Der Eisenbahn-\nzug saust über die eisernen Schienen; man sieht\nihn nicht; man sieht nur die schrägen Tele-\ngraphenglocken ; verzerrte, apathische, müde Ge-\nsichter fliegen durch den trüben Wind, gespen-\nsterhaft. Zeit und Raum verschiebt sich. Ach es\nist so billig, das alles literarisch, unmalerisch zu\nnennen. Wie wenig nennt Ihr malerisch, wie\ndürftig und armselig ist für Euch diese Kunst.\nWeil Ihr nicht das Freiheitsgefühl des Schaffen-\nden kennt, in dem sich alle Kunstwerke recht-\nfertigen, den psychischen Grund, aus dem alle\nNeuerungen auftauchen. Dieser psychische\nGrund, der wie ein schlagendes Wetter ist; diese\nstahlharten Kondorflügel, für deren schneidendes\nTönen und Rauschen sich erst die Ohren schärfen\nmüssen. Ist nicht, was m%n auf manchen dieser\nBilder sieht, wie das Ei des Kolumbus? Nichts\nist uns von der Literatur so geläufig als die so-\ngenannte Bildlichkeit der Sprache; aber gerade\nfür die, deren Sache Bildlichkeit von Natur ist,\ngalt hier das „Hände weg!\" Sie mußten natur-\nwissenschaftlich exakt sein, mußten sich wie ge-\nschlagene Kinder hinter die Objekte verstecken.\nWir von der Literatur tauchen beherzt durch alle\nMeere der Welt, über alle Dünen weg; huschen\nvom König Rampsenit zum großen Cäsar, und\nlehnen uns, wenn unser Herz es verlangt, hin-\nunter zur kleinen Dirne Lulu. Unsere Worte\nkönnen wie Kuheuter strotzen von Fülle, die\nstärker sättigt als Milch. Aber sie, die Maler,\ndürfen sich nur anhangsweise äußern, oder\nzwischen den Zeilen. Wie oft ist schon gesagt,\ndaß „die Erde unter den Füßen der tobenden\nMasse zu leben anfängt\", wie echt ist diese Emp-\nfindung — und welcher Maler hat bisher dies\nErdbeben, leibhaftig, rund und erschütternd, ge-\nmalt? Ich habe viele Schlachtfelder auf der Lein-\nwand gesehen, aber ich sah mich vergebens um\nnach der Schlacht zwischen all den Soldaten, dem\nPulverdampf, den* schwarzen Kanonen. Warum\nhaben sie nur nicht den Mut zu sich, zu ihrer\nPhantasie, zu ihrem Erlebnis? Bekennen, beken-\nnen! Das Entsetzen, das Mitleid, die Wut, das\nGrauen in Euch, heraus damit auf die Leine-\nwand. Die Soldatjen da sind aus Zinn gegen\nEuch, die Kanonen nur aus Holz gegen Euch,\ndie die einzigen in dieser Schlacht aus Eisen sind.\nVom Leder das Eisen! Seid Ihr nicht mehr als\nMaler — nämlich Künstler? Die Revolution von\nRussolo: Mit ausgestreckten Armen ein Zug von\ntausend Menschen, ein rasender, unheimlicher\nTrupp, aus dem rote Feuer brechen; die Häuser\nversinken in Grau, die Häuser knicken vor ihrem\nAnsturm ein und flattern wie vom Wind zer-\nblasen über ihnen, vor ihnen, neben ihnen, nicht\nmehr als eine wesenlose Lichterscheinung. Seht\nden „Pan-Pan-Tanz\"! Was ist alle Wirklich-\nkeit, zum tausendsten Male, wo es sich' um Kunst\nhandelt, um eine andere, freiere, stolzere Realität,\num die des triumphierenden Menschen? Es ist\nnicht geschehen mit der Tat des Prometheus,\nder Ueberwindung der Natur, ihrer Einspannung\nin Maschinen; es gibt noch mehr Lasten zu ziehen\nals Holzfuder und Steinblöcke. Nicht mehr hat\nalle Natur und Wirklichkeit dem Künstler zu\nsein, als der starke Gaul, den er peitscht, der ihm\nseinen schweren, schweren, oft so schweren\nWagen zieht: aber alle Werte ruhen auf diesem\nWagen. Mit Hü und Hott zieht er gerade den\nWagen, aber wenn der Künstler will, so kann ei-\nnlegen, und als eine Bremse hinter dem Ohr des\nGaules summen, und die Schindmähre stechen\nund brummen.\n*\nDer Futurismus ist ein großer Schritt.\nEr stellt einen Befre(iungsakt dar. Er ist keine\nRichtung, sondern eine Bewegung. Besser: er ist\ndie Bewegung des Künstlers nach vorwärts. Es\nkommt auf die einzelnen Werke nicht an. Es\nist zum jammern, daß das Land der „Innerlich-\nkeit\" sich den Mut zu sich von außen einblasen\nlassen muß. Aus dem Lande der Farben und\nschönen Menschen kommt die Lehre zu uns, zu\nuns : „die Seele ist alles\". Unsere Maler machen\nExperimente, sie studieren die Giesetziq der Farben,\nLinien, Flächen. Sie sind ehrlich — es ist zum\nLachen — während das Haus brennt.\nIch bin kein Freund der großen und auf-\ngeblasenen Worte. Aber den Futurismus unter-\nschreibe ich mit vollem Namen und gebe ihm ein\ndeutliches Ja.\n\nNotizen\nIn dem Beitrag von Dr. S. Friedlaender (Num-\nmer 107, Seite 22) sind folgende Druckfehler zu\nberichtigen:\nHier haben wir die verhängnisvolle Alter-\nnative der Werte.\nSein Philosophieren trägt den Januskopf,\ndessen entgegengesetzte Antlitze Diesseits\nund Jenseits toto coelo divergieren lassen.\nEr operiert durchweg mit dieser Gegen-\nsatztypik.\nUm ein Problem praktisch lösbar zu machen,\nbraucht man es theoretisch weder bejahend\nnoch verneinend zu lösen. Gesetzt\nzum Beispiel...\nDa der Beitrag von A r n o Hol z aus künst-\nlerischen (Gründen in einer Nummer gebracht\nwerden muß, kann die Fortsetzung des Romans\n„Der schwarze Vorhang\" von Alfred Döblin erst\nin der nächsten Nummer erfolgen. Ebenso mußte\nder Holzschnitt ausfallen.\nDie Herren Harold Bengen, Cesar Klein,\nMoriz Melzer, Wilhelm Morgner, Richter-Berlin,\nGeorg Tappert, von denen Holzschnitte in ver-\nschiedenen Nummern dieser Zeitschrift ver-\nöffentlicht wurden, sind Mitglieder der Neuen\nSeze ssio n.\nDie Zeichnungen von Oskar Kokoschka in\nden Numimern 103 bis 106 sind in dem Buch\nTubutseh von Albert Ehrenstein enthaltet,\nerschienen bei Jahoda & Siegel, Wien.\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nJEAN THOGORMA\nLettres sur la Poesie\nL'Esthetique viranfe\nParis / E. Basset & Cie / Editeurs\nF. T. MARINETTI\nLa Battaglia di Tripoli\nMailand / Editione Futuriste di „Poesia\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.3", "texte": "PHANTASUS\n\nIch zeigte dir den Mond durch einen Frühlingsbaum.\nJede Blüte,\njedes Blättchen\nhob sich\naus seinem Glanz.\nJede Blüte, jedes Blättchen\nschimmerte.\nFlimmernde Wiesen,\nNebelglast,\nlichtdämmernde Weiten,\ndunkle, fern verstreute, magisch glimmende Trauminseln\nund dazwischen\nein sich schmalhin verschlängelndes, immer wieder heimlich aufblitzendes, seeliges Silbergegleiß!\nWar das noch - die Erde?\nBeide Arme\nschlangst du mir um den Hals!\nUnter jubelnden Lerchen durch Sommerblau,\naus sanft geballtem Wipfelgrün über gelbem, blumendurchblühtem Korn,\ngrüßte uns mit seinem grauen Turm, -\nauf dem sich der verrostete, goldblecherne Posaunenengel schon längst nicht mehr drehte,\ndas stille, schindelgedeckte Dörfchen,\ndas uns so lieb geworden war.\nWir gingen Hand in Hand.\nVom nahen Wald her,\nschmeichlerisch, ab und zu,\numfächelte uns ein lind erfrischendes, wohlig kühlendes Lüftchen,\nzage, spielerische Zefirwölkchen, von Zeit zu Zeit, übertändelten uns mit ihren Schatten,\nunter deinem nickenden Aehrenhut,\nkaum spürbar,\nhie und da,\nberührte mich dein Haar.\nEin großer, mystisch dunkelpurpurbrauner Trauermantel,\nmit weit auseinandergespreiteten, seltsam schweflich gezackten, perlmutterbläulich glimmenden Schwingen sich immer wieder mitten vor uns auf den Boden setzend,\nimmer wieder dicht vor uns aufflatternd,\nlockte uns,\nwie verzaubert,\ndurch eine enge, lange, in graugrünen Windungen sich senkende Teufelszwirnschlucht,\nin die wir uns noch nie verirrt hatten,\nabseits,\nimmer wieder weiter und weiter.\nAn einer letzten,\nfast betäubend duftenden Hollunderbuschbiegung,\ndie uns mit ihren weißgrünen, schwebenden, über doppelt handbreiten Blütenteüern den ganzen Ausblick noch zuerst versperrte,\n— plötzlich,\nentschwand er!\nWo\nwaren wir?\nAus einem verlornen Orund,\nin dem sich verträumt ein eirundes, sonderbares Schilftümpelchen sonnte,\nzwischen Steinklee, Klatschmohn, Bienensaug, Wicken, Wolfsmilch, Kuckucksnelken und goldgelben, filzsilbrigen, märchenhaft ragenden Königskerzen,\nschlängelten, wirrten und äderten sich, die schrägen Steilhänge hoch,\nlauter vergessne Wege!\nSie führten alle — in den Himmel!\n«•••••• * • • • • •\nDurch raschelndes Herbstlaub im Sonnenschein,\nhinter jenem versteckten Rotdornwäldchen, aus dem mal an einem frühen, unvergessnen, azurnen Julitag\n— äit schmalen Birkenkätzchen, die uns wehend streiften, waren weicher als aus Seide und Sammt, die stolzen Sternblumen standen und leuchteten\nschmelzend, schluchzend und frohlockend inbrünstig, Stunden und Stunden lang, unsichtbar, eine irre Amsel schlug,\nsuchten wir nach dem verwunschenen Rosenrondeel, das uns in unserm höchsten Glück umschlossen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.4", "texte": "Wir fanden es.\nDie wilden, kletternden Efeuranken um die unförmigen, bröckelnden Sandsteinbalustraden blinkten noch,\naus der zerborstnen, umgestürzten Basalturne,\nunter wucherndem Löwenzahn, büschligen, purpurnen Berberitzen und blassen, spät blühenden Veilchen,\nwand sich noch die Porphyrflamme,\ndas freche, geflügelte, splitternackte Bübchen,\nauf dessen zielend zurückgezognem Ellenbogenspitzchen in einem grünlichen Sonnentupf damals zierlich ein Marienkäferchen gesessen,\nlegte,\nnoch immer listig blinzelnd,\ndas rechte, halsbrecherisch erhobne Beinchen mit unwahrscheinlicher Gelenkigkeit noch immer grotesk um das linke, leicht vorgeknickte Kniekehlchen gezwirbelt,\ndas verschmitzte, lustige, breitgequetschte Pausbackengesichtchen schon halb verwittert,\nnoch immer den stumpfen, moosbefiederten, jetzt mit einem unschuldig zitternden Tautröpfchen behangenen Pfeil auf.\nWir küßten uns!\nAus dem brennenden Rund auf einem lichtlila Blütenteppich,\numspielt von zarten, ziehenden Fäden,\nglitzerte\n— die Rasenbank.\nIn den violetten Winternachmittag,\ndurch einen in allen Edelsteinfarben funkelnden Eispalmenwald,\nzwischen dessen hängende Lianenbrücken wir uns runde Kucklöcher gehaucht hatten,\nlugten wir\naus unserm warmen Stübchen.\nDie wirre, wunderlich verzweigte Ulmenkrone\nmit ihrem phantastischen Rauh reif geäst,\ndas sich fast dicht bis unter unser breites, vorspringendes, schon rötlich bestrahltes Mansardenfensterchen drängte,\nblitzte, glitzte und glinzerte,\ndie sich drüben auf den andern Platzseiten geduckt die Häuser Entlangstapfenden\nsahen wie puckliche, aufgeplusterte, bis an die Nasenspitzen eingemummelte Samojeden aus,\nein unversehens über unsern Köpfen herabpolterndes, regenbogenbunt zersprühendes Miniaturlawinchen\nversetzte uns in hellstes Entzücken!\nWir waren wie zwei Kinder!\nJeder bitterbös fegende Windstoß, der sich in kreiselnden, stäubenden Wirbeln quer über die freie, offne, glattvereiste Fläche drehte,\nerhöhte unser Wohlgefühl,\njedes sich tapfer um eine Ecke klingelnde Schlittenglöckchen\nerfreute sich unsrer beifälligsten Anerkennung,\nden feisten Schneemann,\ndem eine, wie es schien, antipatriotische, mit Pelzmützen, Schmierstiefeln, Fausthandschuhen, Ohrenklappen und gestrickten Wolljacken bewaffnete Jugend\nden schiefen, festgefrornen, zerbeulten Kriegervereinscylinder schon halb abbombardirt hatte,\nübermütig,\nbetitulirten wir »Onkel Theodor!«\nDas flinke, geschäftig schnippische Rokokoührchen, das hinter uns tickerte,\nholte unter seiner Glasglocke aus\nund schlug Vesperzeit.\nAuf dem geblümten Tischtuch,\nzwischen den beiden feuervergoldeten,\nmit lobenswert lieblicher landschaftlicher Emailmalerei behaglich beschilderten, behäbig ausladenden, blänkernden Henkeltassen,\nprangte,\numlegt noch von allerhand Marzipan und Konfekt,\nder mit siebenerlei verschieden geformten, kunstvoll von dir selbst gebackenen Mürbeteigtörtchen voller eingemachter Früchte sorglich versehene Kuchenteller,\ndie dicke, bauchige Kaffeemaschine\nauf ihrem altväterischen, blankgeputzten, das leise, bläuliche Flämmchenspiel spiegelnden Messingtablett\ndampfte, zischte, puffte, pustete und brodelte,\nund aus dem braunen, von schlanken Ebenholzsäulchen flankirten, halbrundlichen Kommodenschränkchen,\nin einem tiefen, geheimnisvoll zugedeckten, geschliffnen Glasschälchen,\nüberraschtest du mich\nmit einer liebevoll großen, wohltuend schneeig gewölbten, mächtigen Doppelportion Schlagsahne.\nNoch nie, seit die Welt besteht, hatte einem vom Weibe Gebornen\nIrdisches\nso seelenvoll geschmeckt!\nAn einem ovalen, schön orangegelb gefüllten Zuckergußkringelstern von unserm Weihnachtsbaum,\ndem allerletzten,\nmit seinem lichten, rührenden, drollig verschiebbaren Luftbläschen,\npietätvoll,\nwollte sich keiner mehr vergreifen.\nEdelmütig und wohlwollend satt, schob ihn einer dem andern zu."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.5", "texte": "Beinahe,\nes fehlte wirklich nicht viel,\nhätten wir uns um ihn gekabbelt!\nEndlich\nlosten wir ihn aus.\nDu gewannst ihn. Ich mußte ihn aufessen.\nAls es dann tiefer zu schummern begann,\nsetztest du dich ans Klavier.\nHinter deinem kleinen, korbgeflochtnen Hyazintentischchen,\nunter der niedrigen, gemütlich abgeschrägten Dachbalken wand,\nlag ich im Lehnstuhl und rauchte.\nDie alten Lieder!\nWie mein Herz sie kannte! Wie deine Hände sie lieb hatten!\nich Abschied nahm, als ich Abschied nahm,\nwaren Kisten und Kasten schwer,\nals ich wiederkam, als ich wiederkam,\nwar alles leer!\"\nEs war ganz dunkel geworden. Wir schwiegen.\nWieder,\ndurch den sterbenden Frühling,\nduften jetzt\ndie jungen Linden.\nDie Nachtigallen singen nicht mehr,\ndie flammenden Herzen, in allen Gärten, verblassen und verblühn.\nWie hat Herrlichstes, wie hat Köstlichstes,\nUnaussprechbares, das für zwei ganze Menschenleben hätte reichen sollen,\nso\nenden können?\n4\nHier, an unserm Lieblingsplatz,\nwo du damals das vergilbte Büchlein last,\neinsam,\nsitze ich und starre\nder versunknen Sonne nach.\nAlles\nwankt in mir,\nalles\nverrinnt um mich,\nich finde nicht mehr ein und aus!\nUmsonst zermartre ich, vergebens zergrüble ich\nmein Hirn.\nNoch gestern,\nals ich, nach qualvollen Wochen, dich bat und beschwor:\n»Was ist es blos?\nHabe ich dich gekränkt und verletzt?\nHabe ich dir, ohne es zu wissen und zu wollen, irgendwie ein Unrecht getan?*,\nals ich flehend in dich drang:\ni/Du bist nicht mehr wie früher! Du bist anders zu mir!\nSag's mir doch!\",\nals du dich, schluchzend, mir in die Arme warfst,\nfassungslos,\n— ich verstand dich nicht —\ni\nmit verstörtem, tränenüberströmtem Gesicht\nklagtest du dich vor mir an!\n»Ich war so schlecht, so häßlich zu dir! Verzeih! Vergieb!\nDu weißt, du ahnst ja nicht, wie totunglücklich ich oft bin! Ich begreife mich manchmal nicht mehr selbst!\nIch wollte wirklich nicht länger leben,\nwenn du mich nicht noch ein ganz, ganz klein wenig lieb hättest!*\nDeine Schultern zuckten, deine Lippen zitterten,\ndeine Kniee wankten, deine Augen schlössen sich dir, deine Stimme brach."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.6", "texte": "Ich stand vor deinem reuigen Schmerz erschüttert!\nIch fühlte mich deiner innersten Liebe wieder so tiefsicher! Ich zweifelte an deinen Worten Jauch nicht einen einzigen Augenblick!\nIn deinem leichten, luftigen Vergißmeinnichtkleid,\nwie an jenem ersten mal,\nversprachst du zu kommen!\nIch sollte dir glauben und vertrauen:\nDu wolltest dich nie wieder kalt von mir wenden! Du wolltest mir nie wieder weh tun!\nAlles, alles\nsollte wieder werden, wie es war!\nIch hoffte und harrte.\nUnd heut?\nFreudig,\nunruhevoll,\nschon bevor die Stund schlug,\nsah ich nach dir aus!\nDie blanken, hurtigen, zittrigen Wellchen vor mir, um unser anmutig einladendes, lauschig smaragdgrünes Halbinselchen vorbei, flinkerten, flirrten und flitzten,\nüber die weiten, buntschillernden Juniwiesen,\nunaufhörlich, unablässig,\nspielten, gaukelten, tanzten, taumelten, tummelten, haschten und wiegten sich\ntausende von Schmetterlingen,\nder hohe Himmel drüber\nglänzte.\nDu kamst nicht!\nDie Schatten der Erlen reckten und streckten sich,\ndas lautlos geschäftige Faltergespiel wurde müder und müder,\nüber die immer stiller werdende Ebne weitete, breitete und spreitete sich schon\nder erste, feinste Dämmrungsduftschleier.\nMeine verlangende Sehnsucht nach dir\nwuchs!\nWo bliebst du?\nDer Abend stieg,\ndie blasse, verschwebende Nebelrundferne färbte sich, langsam, blaugrau,\naus den weißen, friedlichen Nachmittagswolken wurden lodernde, lohende Berge mit Burgen!\nIch wartete. Wie lange . . . !\nImmer wieder\nin die alte, wunderbare Zeit zurück,\nerinnrungsschwer,\ntauchten\nmeine Gedanken.\nJede gemeinsame,\nkleinste Freude\nwurde mir, schmerzlich,\nwieder wach!\nDich haben! Dich halten! Dich nie wieder lassen!\nWar das jetzt, alles,\nwirklich,\naus?\nUnsichtbar,\nwie ersticktes Weinen,\nklang unter den Weiden der Fluß.\nDu kommst nicht!\nDie nahe Nacht\ndurchschauert mich mit ihrer Kühle,\ndas Wasser gurgelt,\nder letzte, fahle Streif drüben\nverlischt.\nBurchs Dunkel, neben mir, taste ich nach den roten Blumen.\nSie sind welk.\nDu hast mich vergessen!\n\n[illegible]"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.7", "texte": "Verantwortlich für die 'Schriftleitung: HERWARTH WALDEN / Berlin-Halensee\n\nHAHN\nGegnundet <825 |M Gegrßndet 1825\nAlexandcrplatz ■ Landsbergerstrasse 60—63\nModerne Herrenbekleidung\nfertig und nach Mass\nREKLAMEANGEBOT:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit Aermelaufschiagen 32.50 H\naus den moderasten Fiauschstoffen mit aufgesteppten Taschen 45.50 M\nVornehmer zweireihiger Saeco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot 32.50 M 45— M\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabatt\n\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nverftffentlichte das franzosische\nOriginal der Tagebiicher\nFlauberts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland ver-\nboten wurde\n\nl ems\nHI\n;\nerteilt j lingerer Literat.\n(Herren, die in Tagesblattern ur.ter\nden Strich gehen, erhalten Vor-\nzugspreise.) Offerten u. K. Hi. 85\nan die Red. dieser Wochenschrift.\n\nL'lndependance\nHalbmonatssehrlft\nIKunste / Kultur / Philosophie\nPol.tik\n— Jahresbezug: 15 Francs —\nI Paris / 31 rue Jacob\n\nliefert und verleiht\nMinufth em- b- \"\nBerlin 26, Mpl. 461 a\nOranienstrasse 6\n\nmmmm\nIS\nX\nr?ss-\nrC>\n-s\nx-i\nRNSSMfiiW\nw»\ni\n(£offe\"fnfreier\nunfd)ablid) fttr\n.#ersteibenbe unb 9^eri>i>fe\n.\n\nWichtig fur die\nHerren Chefs!!\n%\nStenotypistinnen, nach dem\na\n„Tast - System\nausgebildet, leisten\n30-50 Prozent mehr\nals die nach der alten Methode\n::: ausgebildeten Typistinnen :::\nInteressenten erhalten weitere Informationen von:\nSmith Premier Typewriter Co.\nBerlin W 8, Friedrichstrasse 62\nTel : Zentrum 11734/11736\n\nLes Editions de la Nouveile Revue fransaise ont public:\nEmile Verhaeren: Helene do Sparte / drame en 4 actes\nPaul Claudel: L'Otage / drains en 3 actes\nL'Annonce faile & Marie / mystere en 4 actes\nAndre Gide: Isabella / r6cit\nCh.-L. Philippe: La Mere et l'Earaiit\nLettres da jeanesse\n— Ckaque volume 3,50 francs —\n31 I rue Jacob / Paris\ni"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120511-01.1.8", "texte": "Paß & Garleb G. m. b. iL, Berlin W 57\n\nAusstellungen* Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCRSPER'S Kunst-Salon\nPotsdamer Straße 19 Eintritt 50 Pfennig\nKollektion Qemalde von Prof. Hugo Vogel\nass und Schwarz-Weiß-Russtellung von =\nCorinth Klimt RaffaSHl\nForain Leistiicow Paetsdike\nHance Liebermann Skarbina\nHelieu Menzel Slevogt\n\nGRAPHISCHES KABINETT\nBuch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN W 15, Kurffirstendamm 33 ::\nCi.\" J* ~ a to Eckbause, gegetifiber der Sezession\nbtandlge Ausstcllung Eingang Grolmaiistrasse\nm oderner Graphik Illustriert Kaialog u. Prospekte gratis\nri tt t* cr> c 112 Ankauf guter Graphik\n\nAtelier Hanni Schwarz\nInhabermren: Marie Luise Schmidt und Hanni Schwarz\nsbbss Berlin W 30, Hohenstaufenstrasse 44 111 =\nFernsprech-Anschlufi: Amt Lutzow, 9110 :: Fahrstuhl\nGeOffnet: Wochentags von 9-6, Scmntags von 10-1 Uhr\nPhotographische Arbeiten jeder Art in\n=s== kfinstlerischer AusfOhrung =====\nAufnahmen in naturlichen Farben\nSpezialiiSt: Kinderaufnahmen und Aufnahmen\nim eigenen Heim :: Kurse ffir Amateure\n\nFPIT7 CTHI DF berlin w35\nI l\\l ILm I %J%mW L» Genthiner Strasse 42\nGegrundet im Jahre 1873 ■ Fernsprecher Amt Liitzow 3752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilarten\nKoplen von Rahmen nadi alten Meistern in Original-Goldtonungen\nSamtliehe Tergoldervaren Mobeln, Innen-Archltekturen nsw.\n= Kunst-Einrahmungen =\nReparaturen und Neuvergoldungen aller Gegenstande, Aufarbeiten\n:: aller Arten Antiken, Reinigen von Gemalden und Stichen ::\n\nFPIT7 MFRk'FP Charlottenburg-Schillerstr. 94\n1 I\\ 1 I I— ItlL l\\l\\l- I\\ Amt Charlottenburg 8397\nPASSEPARTOUTFABRIK :: BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nHCIFZIEHEN VON ZEIChNUNGEN :: :: MODERNS BUCHEiNBfiNDE\n\n= KONSTLER-MAGAZIN =\nFRITZ BERGMANN\nSteglitz □ Schutzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\nA Architektur-Buchbinderei •*.\nElektrische Lichtpausanstatt tnit Motorbetrieb\nPassepartout-Fabrikation .*• Biidereinrahnsuiig\n\n1 Hllgemeiner Beobachfer 112\n0 = 0\nBalbmonatsschrlff fur alle e\nFragen des modernen Uebens ©\n© 029 029 m ©\nPerlag Hllgemeiner Beobadtifer\nBamburg 1 Histeidamm nr. 2 ©\nPreis; Slitxetauminer 20 Pf. ® Hbonneraent 1 18. pro Quarfal\n© ®BaHS\n0 ===== Zts bedehen lurch olle Budihondltuigen mid Postanstalten =\nTivnC'mwn\n\nLehranstalten □ Kurse\n\nMai- und Zeichenschule\nStilleben :s Landscliaft :: Portr&t\nOTTO BEJER, Heßtoratraße 17, an KrniSntoda\nMan verlange Prospekte\n\nHolzschnitzen, Hodellieren, Zelchnen\nTaglich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModellieren fiir Achltekten taglich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbendakt t&glich 7—9 Uhr Mark —,50\nAtelier KurfOrstendamm 243 parterre gegeniiber dem Zoo.\nBlldhauer HARDBRB Berlin -Ch a rlottenburg\n\nIttodcllieren und Zeicbnctt\nVorbereitung: ffir die Akademie\nKARL HEYNEN - DUMONT\nCharlottenburgr, Leibnizstrasse 32, Atelier\n1 MSsslge Honorare \"\n\ntirur\ninner\nMax Pechstein\n(dilmersdorf\nDnrEocherstr. 14\na s\nModener Uoteiniiit in\n1\n\nBuchhandlungen\n\n_==_—\nEdmundMeyer\nBuchhandler u. Antiquar\n• •\n««\n:: BERLIN W. 35\nPotsdamerstrasse 27b\nFernsprech. Rmt VI 5850\n■ EM ■\nHUSSTELLIIIiQ\neiner grossen Kollektion\n• •\ni-\nvon Daumier / Gavarnl /\nBeaumont und anderen\nDie Blatter sind einzeln kauflich\n■ ■ Besichtigung frei ■ ■ ■ ■\n' I 1■ .\n\nReuss & Pollack\nBBdAandlmo i. litlpiit\nPotsdamerstrasse 118 c\n:: BERLIN W. 35 ::\nFernsprccher: Rmt LUtzow 2829\nAussteliunq einer Kollektton von Ori-\nginalhandzeichnungen des MUnchner\nZelchners AttiHa Sachetto. Besuch freli\n\nPaul Gronpe\nAntiquorlflt\nBerlin W55\nLii tzowstrasse 58\n\nKleine Anzeigen\n\nTitania-Schreibmaschine\nErste deutsche Schreibmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern\nFabrikat der Akt.-Ges. Mix & Genest, Schoneberg-Berlin\nGeneralvertroter fiir Berlin und Mark Brandenburg\nLouis Stancjen / Linkstrasse 12 Telefon: Kurfurst 2425\n\nm\nSpedition\nGeplekfabrt\nRollfuhrwerk\nHobdilransport\nVerpackung\nLagerang\nVerzollang\nYersietaerung\nLombard\ns\nlax Lux\nHaiensee\n>.. vji vt liii ii«\n1\nRingbahnstrasse 123 a ■ Fernsprecher; Uhlands9s\nSpediteur des Vereins fur Kunst zu Berlin\n\n1 Konzert Bureau\n| Emil Gutmann-Berlin/MQnchen\na\n&\n| Zirkns Schumann 17. a. 18. Mai\nI Zwei Feiiiiip ,\n1 iCQI MB:)\n|\n| g\n| In zwei Teilen fur zwei ge- |\n| mischte Chore, Kinderchor, |\n| sieben Soli, Orgel und großes\n| Orchester |\nI Ueber 1000 Mitwirkende\nI\n| *\n| Karten, Prospekte u.Textbiicher |\n| bei Bote u.Bock u. A.Wertheim |\n\nWintergarten\nAm Bahnhof Friedrichstrasse\nNeues Programm\nRobledillo\nRudinoff\n\nIMraoiM\nEingetragener Verein\nPassive Mitglieder\nder\nlleuen Secession\nerhalten jahrlich\n1 mehrere graphische\nArbeiten\n2 die Zeitschrift Der\nSturm frei zugestellt\n3 freien Eintritt 2u den\nVeranstaltungen der\nN. S.\nHltßliedsbeitrag baUtjghrlicii 15 H.\nQeschaftsstelle\nder Neuen Secession\nSteglitz\nMiquelstrafio 7 a — Ftrnraf Steglits 2619\n\n<( Jk.4 M. *A.^-A.4^4^\nDie Faekel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser Folge\nNummer 347/348\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Packet\n§0 Pfennig\n'■-» A-c-Ar i.r a\"va,OA ."}]}