{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_sha256": "15dc44a0f060a39149db5218d9061d1da7d224892ae59e2b9649ea32214dcb78", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/05/27_01/bmtnabg_1912-05-27_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/05/27_01/bmtnabg_1912-05-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "863", "page_fin": "863", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "863", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.1", "debut_caractere": 635, "fin_caractere_exclue": 1028, "texte": "Inhalt:\nH. W.: Die Denunziation als Rettung / Die Abwehr / Internationale Sonderkünstler / VALENTINE DE SAINT-POINT: Manifest der\nfuturistischen Frau / KURT HILLER: Fritz Stahl /„ ALFRED DOBLIN: Der schwarze Vorhang / Dr. S. FRIEDLAENDER: Max\nSteiner: Die Welt der Aufklärung / BEACHTENSWERTE BUCHER / UMBERTO BOCCIONI: La peinture des etats d'äme / II: Ceux, qui s'en\nvont / Originalzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "863", "page_fin": "863", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.2", "titre_corps": "Die Denunziation als Rettung", "titre_sommaire": "Die Denunziation als Rettung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "863", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.1", "debut_caractere": 1030, "fin_caractere_exclue": 3143, "texte": "Die Denunziation als Rettung\nFolgendes Schriftstück ging ein:\nDr. Hermann Felix Wirth\nLector an der Universität\nBerlin-Steglitz, Kleiststr. 33, 111\nAn die\nRedaktion der Wochenschrift\n„Der Sturm\"\nFolgende Eingabe wjurde heute jmit jdemj\nbeigefügten „Manifest\" der s. g. „Futuristjen\"\n— von mir dem Herrn Polizeipräsidenten von\nBerlin unterbreitet.\nDr. H. F. Wirth\nSteglitz, 25. April 1912\nAn den *\nHerrn Polizei-Präsidenten von Berlin\ni j von Jagow:\ni\nEuer Hochwohlgeboren!\nAnbei beehre ich mich, Euer Hochwohl-!\ngebbren folgendes auf der Potsdamerstraße heute\nverteiltes Flugblatt zur näheren Kenntnisnahme\nergebenst zu unterbreiten. Als Ausländer, der\ndie sittlichen Qualitäten des preußischen Staates\nund Seine Organisation hat kennen und bewun-\ndern lernen, befreundet lies mich im höchsten:\nMaße, einen solchen Unfug, der nur eine Speku-\nlation ist auf die niedrigen Instinkte eines ge-\nwissen Teiles der Großstadtbevölkerung, gedul-\ndet zu sehen, und ist mir solches nur er-\nklärlich in der Annahme, daß an zuständiger\nStelle von dem Treiben dieser betreffenden\nElemente nichts bekannt ist.\nIch habe mir erlaubt, einige der inkrimi-\nnierten Stellen zu unterstreichen und glaube im\nNamen Aller zu sprechen, denen Sitte, Gesittung\nund Tradition noch etwas gilt, ,wenn ich Euer\nHochwohlgeboren bitte, diesem groben Unfug\nein Ende bereiten und ihren „geistigen\" iusw.\nVeranstaltern das Handwerk legen zu wollen.\nEs handelt sich hier um eine mit übelen sensatio-\nnellen und destruktiven Tendenzen arbeitende\nWochenschrift, die sich den Namen „Der Sturm\"\nbe igele gt hat, aber nach dem heute von ihr\nverbreiteten „Manifest\" entschieden zu der Kate-\ngorie der Schundliteratur gerechnet werden muß.\nIn schuldiger Ehrerbietung\nDr. Hermann F. jWirth\nLfector an der Universität Berlin\n.1\nWeder der Name noch die Inversion) be-\nstätigen den Ausländer, der Stellen „inkriminiert\".\nDie Denunziation ist im übrigen so schmierig,\ndaß män diesem! Wirth nicht einmal die Rech-\nnung machen kann. Man! kann dem Land\nhöchstens in schuldiger Ehrerbietung Glück\nwünschen, dessen sittlichen Qualitäten dieser\nAusländer lästig fällt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "863", "page_fin": "864", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.3", "titre_corps": "Abwehr", "titre_sommaire": "Abwehr", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "863", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.1", "debut_caractere": 3145, "fin_caractere_exclue": 6169, "texte": "Abwehr\n\nI\nEs ist eine logische Folge der liberalen!\nund sozialistischen Weltanschauung, den Künst-\nler nicht zu lieben. Der Künstler als Persön-\nlichkeit drückt das Niveau der Nivellierung. Die\nMenschen sollen allgemein, gleich und direkt sein.\nDer Künstler kann nur durch das Gegenteil ent-\nstehen und bestehen. Die Sprecher der Masse\nsind gegen die Futuristen. Ich habe es nicht\nanders erwartet. Das Blech des Herrn Stahl hat\nein Mitarbeiter schon zusammengestampft, so daß\nich mich mit dem Klümpchen nicht mehr zu\nbefassen brauche. Ich1 muß Herrn Robert\nBreuer an mich halten, der alle Haltung ver-\nloren hat. Mit erheblicher Sicherheit treten die\nsogenannten besseren Kritiker jetzt für Cezanne,\nDaumier und van Gogh ein. Sie erkennen sie\nschlicht an. Sie nennen sie sogar Meister. Ab-\nsolute Klassikerehrung. Aber mit derselben\nSicherheit treten sie gegen Künstler derselben:\nQualität, zum Beispiel gegen Oskar Ko-\nkoschka und Umberto Boccioni auf.\nSpaß muß sein. Wer keinen Kunstinstinkt be-\nsitzt, muß seinen Erweich in der Kunstwis&ejrib\nschaft suchen. Der ganz kopflose Herr Breuer;\nbehauptet, daß die Werke von Boccioni zumeist\nnur durch einen Kommentar verstanden werden,\nff •\nkönnen. Das soll heißen: von Herrn Breuer.,\nEr hat sich1 offenbar für sechzig Pfennig denj\nKommentar gekauft und versucht nun, die Bil-\nder zu „verstehen\". Wer zur Kunst erst Kom-\nmentare braucht, sollte wirklich nicht den Kom-\nmentator spielen. Diese Weisheit kann sich da£\nPublikum für sechs Groschen selber kaufen.\nKommentare zu. erklären ist noch einfacher, wie\nBilder nicht zu verstehen. Lieber sich1 versehein,\nals verstehen wollen. Der namhafte Kritiker, der\nmir in der Ausstellung vor dem Bilde eines Eisen-\nbahnzuges entzückt von den glänzend gemalten\nbrandenden Wogen sprach, kommt mit größerer\nGeschwindigkeit zum Ziel, als wenn er das Meer\n„verstehen\" wollte. Sehen kann man lernen. Das\nVerlernen des Verstehens, des rationalistischen\nDenkens, scheint unmöglich zu sein. Man sieht,\nschreibt Herr Breuer, das alles ist recht harmlos.\nNur, daß Herr Breuer nicht harmlos ist und\n' nicht sieht. Herr Breuer behauptet weiter, daß\n; die Manifeste der Futuristen querst gelesen wer-\n: den müßten, ehe die Bilder betrachtet werden\nkönnen. Wo steht dieses Gesetz? Leider liest\ndas Publikum die Kritiken jeher, ehe es die Bilder\nbetrachtet. Dagegen müßte von Kunst wegen\neingeschritten werden. „Eine Empfindung, los-\ngelöst vom Körperlichen, vermögen wir uns\nnicht vorzustellen; wie sollten wir sie dann ge-\nstalten können.\" Ein Denkfehler : das kleine IcW\ndes Herrn Breuer verbirgt sicher hinter einerni\ngroßen Wir. Natürlich kann der Ichlose sich die\nEmpfindung, losgelöst vom Körperlichen, »nicht\nvorstellen. Er kann sogar nicht einmal das Kör-\nperliche gestalten. Denn Natur kopieren heißt\nnicht Kunst gestalten. Das Körperliche ist in jeder\nKunst nur ihr Skelett. Der ganze übrige Organis-\nmus wird erst durch ihre Kraft geschaffen. Herr\nBreuer muß über sich Bescheid wissen, wenn er\nsich für einen Knochenmann hält. Die Unfähig-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "864", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2793, "texte": "keit zur Vision spricht nicht gegen die Vision;\nhöchstens für die Unfähigkeit. „Ebensowenig\nkann man eine Bewegung malen, ohne Gegen-\nstand, an dem oder durch den sie geschieht.\"\nNur, daß es nicht auf den Gegenstand, sondernj\nauf die Bewegung ankommt. Denn die Be-\nwegung ist das Lebendige. Durch Nachahmung\nder Natur entstehen auf den Bildern Leichen,\nKadaver oder photographierte Ansichten. Die\nMittel der Natur sind andere, als die Mittel der\nKunst. Warum vermanschen gerade die Ratio-\nnalisten mit der Bosheit der Konstanz die Be-\ngriffe. Wer frische Luft braucht, soll spazieren\ngehen. Wer baden will, soll dazu nicht in eine\nKunstausstellung rennen, sondern in das Hauä\nnebenan. Wer Bedürfnisse hat, soll sie sich nicht\nvon anderen befriedigen lassen. Und wer das!\nKörperliche, losgelöst von der Empfindung, sucht,\ngehe ins Leichenschauhaus oder ins Panoptikum.\nNur diesen Effekt erzielen die Maler, die beim\nBilde vom Körperlichen ausgehen, statt von der\nEmpfindung. Leben ist alles. Leben ist Be-\nwegung. Der Künstler gibt den Gegenständen\ndie Bewegung. Der Künstler kann zwar Herrn,\nBreuer nicht zur Kunst erziehen (das Erziehen:\nist eine bürgerliche Angelegenheit), aber er kann\nunter Umständen aus Herrn Breuer ein Kunst-\nwerk machen. Auch Totes kann und muß durch1\nKunst bewegt werden.\nInternationale Sonderkünstler\nDie Stadt Venedig veranstaltet eine inter-\nnationale Kunstausstellung. Die Korresponden-\nten treffen ein. Die Fremden strömen. Die Sonne\nscheint. Irgendjemand eröffnet im Namen des\nKönigs. Zahlreiche Bilder sind vorhanden. Und\nzweiunddreißig Maler werden gesondert gezeigt.\nVon diesen zweiunddreißig Malern sind zwei oder\ndrei schlecht, aber berühmt. Die übrigen nicht\neinmal das. Man begreift, daß aus solchem An-\nlaß die Korrespondenten eintreffen. Man begreift,\ndaß die Fremden strömen. Auch die Sonne und\ndie Eröffnung im Namen des Königs scheint\nnatürlich. Besonders die Sonne. Nur möchte;\nich wissen, wie man allen diesen beteiligten Insti-\ntutionen klar machen will, daß es sich um SonderL\nAusstellungen handelt. Durch die Bilder sicher\nnicht. Denn die sind alle von Künstlern schon\neinmal gemalt worden. Deutschland wird durch\nHerrn Erler vertreten, Frankreich, Schweden,\nUngarn und Italien gleichfalls durch Nullen. Die\nVenezianer scheinen sich in Berlin bei der AusL\nwahl schlechter Bilder helfen zu lassen. Wie ist\nes möglich, nach Italien auf eine internationale\nKunstausstellung einzuladen, ohne Bilder vom\nUmberto Boccioni zu zeigen, oder von Cama,\nRussolo, Severini. Wenn man Sonderausstellun-\ngen schon veranstaltet. Jetzt, wo durch diese\nKünstler bewiesen ist, daß sogar Italien die\nRenaissance überwindet, die übrigens auch nur\neine Wiedergeburt war, jetzt hat Italien das'\nRecht auf polemische Behandlung erlangt. Es\nsoll behandelt werden.\n\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "864", "page_fin": "865", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.4", "titre_corps": "Manifest der futuristischen Frau", "titre_sommaire": "Manifest der futuristischen Frau", "signature_source": "Valentine de Saint-Point", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "864", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.2", "debut_caractere": 2795, "fin_caractere_exclue": 10198, "texte": "Manifest der futuristischen Frau\nVon Valentine de Saint-Point\n„Wir wollen den Krieg preisen, diese\neinzige Hygiene der Welt — den Militarismus,\nden Patriotismus, die zerstörende Geste der\nAnarchisten, die schönen Gedanken, die töten,\nund die Verachtung des Weibes.\"\nErstes Manifest des Futurismus\nvon F. T. Marinetti\nDie Menschheit ist mi/ttelimäßig. Die meisten\nFrauen sind den meisten Männern weder über-\nlegen noch unterlegen. Beide sind gleich. Beide\nverdienen dieselbe Verachtung.\nDie gesamte Menschheit war stets das Kultur-\ngebiet, aus dem die Genien und Helden beider\nGeschlechter hervorgegangen sind. Aber es gibt\nin der Menschheit, wie in der Natur, für die\nBlüte günstige Augenblicke. In den\nder Menschheit, wenn die Sonne das Gelände;\nverbrennt, sind Genien und Helden im Ueber-\nfluß vorhanden.\nWir sind am Anfang eines Frühlings; es\nfehlt eine Ueberfülle an Sonne, es fehlt an ge-\nflossenem Blut.\nWeder Frauen noch Männer sind schuld an\ndiesem Versinken im Treibsande, unter dem alle\nwirklich jungen, an Schwung und Blut reichen'\nWesen leiden.\nEs ist absurd, die Menschheit in\nFrauen und Männer einzuteilen. Sie\nbesteht nur aus Weib heit und Mann heit.\nJeder Uebermensch, jeder Held, sei er noch so\nepisch, jedes Genie, sei es noch so mächtig, ist nur\nder verschwenderische Ausdruck einer Rasse\nund einer Epoche, weil es eben aus weiblichen;\nund männlichen Elementen besteht, aus Weib-\nheit und Mannheit: weil es ein vollkommenes\nWesen ist.\nEin nur-männliches Individuum ist ein Vieh';\nein nur weibliches Individuum das Weibchen.\nMit der Gesamtheit, mit den Augenblicken\nder Menschheit steht es genau wie mit den Indi-\nviduen. Die fruchtbaren Perioden, in denen aus\ndem keimenden Kulturgebiet die meisten Hel-\nden und Genien erstehen, sind an Mannheit und\nWeibheit reiche Zeiten.\nDie Zeiten, die nur heldenlose Kriege hatten,\nweil der epische Hauch alle gleich machte, waren\nausschließlich Epochen der Männer; die Zeiten, die\nden heroischen Instinkt verleugneten und die, der\nVergangenheit zugewandt, sich in Friedens-\nträumen verzehrten, waren Epochen der Frauen.\nWir leben am Ende einer dieser Zeitläufte.\nWas den Frauen ebenso wie den Män-\nnern am meisten fehlt, ist Mannheit.\nDeshalb hat der Futurismus trotz seinen\nUebertreibungen doch recht.\nUm unseren in der Weibheit erstarrten\nRassen Mannheit wiederzugeben, muß man sie\nbis zur Brutalität heraufreißen. Aber allen beiden,\nMännern und Frauen, muß man ein neues)\nEnergiedogma auferlegen, um e n d 1 i c h zu einer\nhöheren Menschheit zu gelangen.\nJede Frau muß weibliche, und männliche\nEigenschaften besitzen, sonst ist sie eben das1\nWeibchen. Der Mann, der nur Kraft ohne In-\ntuition besitzt, ist Vieh. Aber in der Zeit des|\nWeibischen, in der wir leben, ist nur die gegen-\nteilige Uebertreibung heilsam: Die Bestie soll\nman als Beispiel wählen.\nGenug der Frauen, deren „blumenrankigen,\num ihre Knie am Morgen des Abschieds ge-\nschlungenen Arme\" die Soldaten fürchten\nmüssen; genug der Frauen, die als Kranken-\nwärterinnen die Schwächen und Alter ewig\nmachen, die die Männer knechten zu ihrem per-\nsönlichen Vergnügen oder materiellen Nutzen!\n. . . Genug der Frauen, die Kinder gebäre(n,\nnur für sich, sie hüten vor jeder Gefahr, {vor\njedem Abenteuer, also vor jeder Freude; die\nihre Tochter der Liebe, ihren Sohn dem Kriege\nstreitig machen! . . . . Genug der Frauen, die\nfrls Buhlerinnen am Herde verführerisch oas\nBlut der Männer und Kinder aussaugen; genug\nder tierisch verliebten Frauen, die begehrend\nsich ausgeben, um neue Kräfte zu empfangen.\nDie Frauen: die Erinnyen, die Amazonen;\ndie Semiramis, die Jeanne d'Arc, die Jeannq\nHachette; die Judith und die Charlotte Corday;\ndie Kleopatra und die Messalina: die Kriegerin-\nnen, die wilder kämpfen als die Männer, die\nGeliebten, die anstacheln, die Zerstörerinnen, die\ndie schwächsten zermalmen und die Zuchtwahl\ndurch den Stolz oder die Verzweiflung unter-\nstützen, „die Verzweiflung, durch die das Herz\nseine ganze Kraft hergibt/'\nMögen die nächsten Kriege Heldinnen auf-\nerstehen lassen wie Katharina Sforza. Sie Isah\nbei der Belagerung ihrer Vaterstadt von den\nWällen, wie der Feind ihren Sohn bedrohte, um\nsie dadurch zur Uebergabe zu zwingen. Aber\nsie offenbarte ihr Geschlecht heldenmütig tmd\nrief: „Tötet ihn, ich bin fruchtbar genug, um\nandere zu gebären!\"\nJa, „die Welt verwest vor lauter WeisheitI',\naber es liegt in ihrem Instinkt, daß die Frau\nnicht weise, nicht friedliebend, nicht gut ist. Weil\nes ihr an Maß gebricht, wird sie in einer schläfri-\ngen Epoche der Menschheit sicher zu weise, zu\nfriedliebend, zu gut. Ihre Intuition, ihr Vor-\nstellungsvermögen sind zugleich ihre Stärke und\nihre Schwäche. i\nSie ist die Individualität der Masse: sie be-\ngleitet den Festzug der Helden. Fehlen sie, rühmt\nsie die Dumimen.\nNach dem Apostel, dem Erreger des Geistes,\nläßt die Frau, die Erregerin des Fleisches, Blut\nfließen oder sie hemmt es; sie ist Kriegerin oder\nPflegerin. Dieselbe Frau legt sich in derselben\nEpoche je nach dem Ereignis des Tages auf\ndie Schienen, hindert den Soldaten ins Feld zu\nziehen oder wirft sich dem siegreichen Sport-\nchampion an den Hala\nDeswegen darf ihr keine Wandlung fremd\nsein. Deswegen muß man sich an sie wenden,\nstatt sie zu verachten. Es ist die fruchtbarste Er-\noberung, die man machen kann, die be-\ngeisterndste, die die Anhänger vervielfacht.\nAber kein Feminismus. Der Feminismus ist\nein politischer Irrtum. Der Feminismus ist ein\nGehirnfehler der Frau, den ihr Instinkt bald er-\nkennen wird.\n1 Man darf der Frau keines der von\nden Feministen geforderten ;Rechte\ngeben. Sie ihr geben hieße nicht die\nvon den Futuristen ersehnte Wand-\nlung, im Gegenteil, einen Ueblejr-\nfluß an Ordnung herbeiführen.\nDer Frau Pflichten auferlegen heißt, sie ihrer\nganzen fruchtbaren Macht berauben. Die Ueber-\nlegungen und Erörterungen der Feministen wer-\nden ihr uranfängliches Verhängnis nicht zerstören:\nsie können es nur fälschen und es zwingen, sich\n(auf Umwegen zu offenbaren, die zu noch\nschlimmeren Irrtümern führen.\nSeit Jahrhunderten stößt man den Instinkt\nder Frau mit Füßen, man schätzt nur ihre Reize\nund ihre Zärtlichkeit. Der blutarme Mann, der\nmit seinem Blute geizt, will sie nur als Kranken-\npflegerin; mehr fordert er nicht. Sie hat (sich1\nbändigen lassen. Aber schrei: ihr ein neues Wort\nzu, stoß einen Krfegsschrei aus, und freudig wird\nsie wieder ihrem Instinkt folgen und zu jun-\ngeahnten Eroberungen voranschreiten.\n(Braucht ihr Waffen, sie werden sie schärfen.\nUnd wieder wird sie die Zuchtwahl unter-\nstützen. Wenn sie auch schwer das Genie er-\nkennt, weil sie sich immer nur an den vor-\nübergehenden Ruf hält, hat sie doch immer den\nstärksten, den Sieger, belohnt. Sie kann sich der\ngroßen Ueberlegenheit nicht entziehen.\nMöge die Frau ihre Grausamkeit, ihre Hef-\ntigkeit wiederfinden, die sie auf den Besiegten;\nlosstürzen läßt, weil er eben besiegt ist, die $ie\nso weit treibt, ihn zu verstümmeln. Man höre\nauf, ihr geistige Gerechtigkeit zu predigen, die\nzu erlangen sie sich vergeblich bemüht. Fraue(n,\nwerdet erhaben, ungerecht wie die Natur.\nAller Kontrolle entledigt, mit wiedergefun-\ndenem Instinkt, werdet ihr euren Platz unter denl\nElementen wieder einnehmen und das Geschick\ndem bewußten Willen der Männer entgegen,L\nstellen. Seid die egoistische, wilde Mutter, die\neifersüchtig ihre Kinder hütet, indem sie über\nsie alle Rechte und Pflichten ausübt, solange\ndie Kinder körperlich ihres Schutzes bedürfen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "865", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1851, "texte": "Möge der Mann, von der Familie befreit,\nein Leben voll Kühnheit und Eroberung führen,,\nwenn er die physischen Kräfte besitzt, als Sohnj\noder Vater. Der Mann, der sät, hält nicht bei\nder ersten Furche, die er düngt.\nIn meinen „Poemes d'orgueil\" und in „La;\nsoif et les mirages\" habe ich den Sentimentaliis-'\nmus verleugnet als eine verächtliche Schwäche,\nder die Kraft vermindert und tötet.\nDie Wollust ist eine Kraft, weil sie die!\nSchwachen zermalmt, die Starken zur Hingabe\nvon Kräften, also zu ihrer Erneuerung erregt.\nJedes heroische Volk ist sinnlich. Die Frau ist\nder verlockendste Preis.\nDie Frau muß Mutter oder Geliebte sein.\nWahre Mütter sind immer mäßige Geliebte, und\nGeliebte mäßige Mütter. Im Leben ergänzen sich\nbeide. Die gebärende Mutter bringt mit der Ver-\ngangenheit die Zukunft, die GeMebte verkündet\ndie Sehnsucht nach der Zukunft.\nSchluß: die Frau, die durch ihre Tränen\nund durch ihre Sentimentalität den Mann zu ihren\nFüßen zurückhält, ist verächtlicher als das Mäd-\nchen, das aus Prahlerei ihren Liebhaber dazu\ntreibt, mit dem Revolver in der Hand seine\nprahlerische Herrschaft über die Niederungen der\nStadt zu behaupten; sie zeigt wenigstens jeinq\neiner besseren Sache würdigen Energie.\nFrauen, ihr wäret zu lange in Moral und\nVorurteilen irrgläubig; kehrt zu eurem erhabenen\nInstinkt zurück, zur Wildheit, zur Grausamkeit.\nWährend die Männer siph bekriegen undl\nkämpfen, schafft ihr Kinder als blutigen Tribut\nfür den Krieg und den Heroismus, denkt an\ndie Forderung des Schicksals. Laßt sie wachsen\nnicht für euch, für euer Vergnügen, sondern in\nschrankenloser Freiheit zur Blüte.\nStatt die Männer unter das Joch der erbärm-\nlichen sentimentalen Bedürfnisse zu bringen,\ntreibt eure Söhne, eure Männer, sich selbst zu\nübertreffen.\nIhr schafft sie. Ihr könnt alles über sie.\nIhr schuldet der Menschheit Helden. Gebt sie\nihr l"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "865", "page_fin": "865", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.5", "titre_corps": "Fritz Stahl", "titre_sommaire": "Fritz Stahl", "signature_source": "Kurt Hiller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "865", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.3", "debut_caractere": 1909, "fin_caractere_exclue": 7906, "texte": "Fritz Stahl\nKurt Hiller\nI\nIch habe die Absicht, einen Bürger, den\nden ich für aufrichtig halte und daher gesell-\nschaftlich achte, aus Amt und Würden zu jagen.\nIch werde todernst sein; niemand soll mir nach-\nsagen können, ich habe wo einen Witz machen\nwollen. Stinktiere, welche im Grunde den Kitsch\nlieben, aber pathosdick eintreten für Kunstwerke,\ndie bereits so anerkannt sind, daß man sich bla-\nmöre, wenn ... (Stinktiere, welche, beispielsweise,\neinem neuartig-kraftvollen jungen Dichter die\nMitarbeit grundlos verweigern, aber nach seinem\nsensationellen Tode den Verleger sofort um eine\nNovelle anschnorren): Stinktiere müssen brutal\nbehandelt, mit den unzulässigsten Mitteln be-\nkämpft werden. Doch einen Ehrenmann schlage\nich zynikLos.\nII\nVon Literatur verstehe ich gar nichts. Denn\nals ich, um von ihr etwas zu lernen, neunzehn-\njährig zu Professor Ludwig Geiger lief, hörte\nich: „Wir kommen nunmehr zu Paragraph 14:\nGoethes Lyrik\", dachte: „Aha, Literatur ist ein\nReglement oder eine Logarithmentafel\" und lief\nwieder weg. Ebensowenig verstehe ich von\nMalerei; denn als ich einen Professor, mit vir-\ntuoser Anschaulichkeit und einem langen beth-\nmannesken Zeigestock, Gebärden und Geometrica\nauf Raffael-Tafein demonstrieren sah, vermutete\nich, mein ursprünglicher Gedanke, Malkunst be-\ndeute etwas Frohes und Wildes, sei ein Vorurteil ;\nin Wahrheit sei sie . . eine Straf Verschärfung;\nund eilte wiederum von danneji.\nIII\nAber oft, ich weiß nicht wie, geschieht mir's,\ndaß etwas Gemaltes mich . . ja welche Aus-\ndrücke sind da die angemessenen ? . . mich in\nErstaunen oder Rührung oder Ekstase bringt;\nmich beben oder jubeln oder beten macht. In\nsolchen Fällen denke ich manchmal, es müßte\nandern Leuten ebenso gehen; und die Erreger\nso erhabener Gefühle müßten von der Ein-\nwohnerschaft aufs höchste geehrt, ja adoriert\nwerden. Namentlich solange sie noch unver-\nstorben sind. . . Die Zeitungen (deren oberste,\nnein einzige Aufgabe es ist, von wichtigen Er-\neignfeen Mitteilung zu machen) müßten «die\nNamen dieser herrlichen Zauberer dem Uni-\nversum mit Posaunen der Ehrfurcht verkünden.\nDas Leben hat vielleicht keinen Sinn; aber wenn\nes einen hat, dann kann er doch nur in jenen:\nseltsamen Erschütterungen des Gemüts bestehen,\ndie durch Liebe und Kunst erzeugt werden.,\nIV\nIn letzter Zeit bestürzten uns durch glühende\nKlarheit und bewegte Tiefe manche Maler; aus\nOesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien,\nItalien; ich nenne (ohne lyrische Einzelepitheta):\nOskar Kokoschka; Teile des Kreises „Neue\nSezession\"; Picasso, de Vlaminck, De-\nlauney; zuletzt — und vielleicht am stärksten\n— Umberto Boccioni und SeverinL\nJeder von diesen allein bedeutete uns mehr als\ndie Gesamtheit der ewig gleichen Akademiker\nin Salons, Glaspalästen, Sezessionen .. . Der\nKunstreferent nun des einflußreichsten deutschen\nTage-Blattes, der sämtliche Salon-, Palast- und\nSezessionspintscherchen mit einem, wenn auch\nkalten, Wohlwollen zu verzeichnen pflegt, hat\njene großen Namen teils verschwiegen, teils mit\nSpott Übergossen. Er übersieht Titanen, als wären\nes kleine Leute; und Genies denunziert er als\nWahnsinnige. Er hat den Mut, sich zu blamieren ;\nden Mut, späteren Läuften seinen Namen her-\nzugeben als schlagworthafte Bezeichnung für\neinen total unfähigen Beurteiler, für einen .be-\nschränkten Feind der Jugend, für einen Wider-\nsacher der umstürzenden Größe, der Kraft, der\nKunst; er hat den Mut, unfreiwilliger Organisator\neines Gelächters aller Famosen zu werden. Er\nheuchelt mitnichten; er stellt sich heraus; er ist\n(und darum achte ich ihn) eine ehrliche Haut.\nAber bürgerliche Achtung kann den, der sich\nsolidarisch fühlt mit allen erfreuenden Neuerern,\nvon der Sehnsucht, einen Schädling auszurotten,\nnicht abbringen. Herr Stahl wagt es, die Futu-\nristen (in deren Ausstellung, einem glaubhaften\nGerücht zufolge, Max Liebermann drei Stunden\nverweilt hat) in pauschquanto als „Verrückte\"\nzu proklamieren. Seine Mission ist: dem ver-\nruchten Haß der Menge gegen die Auserwählten\ndas gute Gewissen zu geben; die gemeinen\nInstinkte selbstsicher zu machen. Anstatt dem\ndreckigen Geldverdiener zu suggerieren, er müsse\nBilder dieser Maler kaufen, bestätigt Stahl ihm\ndas vermeintliche Recht, zu grinsen, zu feixen,\nzu geifern.\nV\nEs gibt kaum die Möglichkeit, einen Herrn,\nder im Antlitz einen Vollbart und fast ein halbes\nJahrhundert auf dem Buckel trägt, in Kunst-\ndingen umzustimmen. Auch die fanatischsten\nModelversuche würden fehlschlagen. Ihm aber\ndas Ansinnen zu stellen, gegen seine Ueber-\nzeugung zu schreiben, wäre unsittlich. Ich sehe\nalso nur den einen Weg zur Besserung (zur\nBesserung der Zustände nämlich): er lasse sich\npensionieren. Eine Zeitung — ich wiederhole\ndas, pflichtgemäß, zum hundertundsiebzehnten\nMale —, die auf ihre Reputation hält; eine\nZeitung, die wirklich den „kulturellen Fort-\nschritt\" zu fördern sucht; eine Zeitung, (die\nradikal . . nicht bloß in Steuer-, Zoll- und sonsti-\ngen Portemonnaieangelegenheiten, sondern auch1\nin geistigen Dingen radikal sein will —: einte\nderartige Zeitung darf Herrn Fritz Stahl jals\nMeinungsmacher in Malereifragen einfach nicht\nmehr dulden. Diese (unliterarische) Wahrheit,\nals welche so sicher ist wie das Einmaleins und\nso ennuyant wie die Erkenntnistheorie, muß so\nlange, und mit Aplomb, geäußert werden, bis\ndie Herren Mosse und Theodor Wolff sich'\ngütigst entschlossen haben. . . .\nVI\nDie Vermögensverhältnisse Stahls sind mir\nunbekannt. Sollten sie, was ich nicht hoffe,\nschlechte sein, so wird Herr Rudolf Mosse\n(Inhaber eines stark achtstelligen Schatzes) es\nleicht haben, dem langjährigen Mitarbeiter eine\nsehr anständige Altersrente auszusetzen. Jeden-\nfalls ist Wehleidigkeit, wo Interessen der Kunst\n(auch: der Philosophie) auf dem Spiele stehen,\nvöllig unangebracht. Zugegeben, daß eisn Ex-\nsultan etwas Bewe ine ns wertes ist; aber es sind\neben, messieurs, die Jungtürken, auf die es an-\nkommt. Und gewiß: auch uns, die Herrschenden,\nwird man dereinst verjagen; jedoch was küm-\nmert das uns, die Erobernden?!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "865", "page_fin": "866", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.6", "titre_corps": "Der schwarze Vorhang : Roman", "titre_sommaire": "Der schwarze Vorhang : Roman", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "865", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.3", "debut_caractere": 7908, "fin_caractere_exclue": 10028, "texte": "Der schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nDer schwere Breitstirnige und die Kühle mit\ndem roten Haar schritten zusammen. Das zog\nviele Blicke an und bewegte viele Münder. Jo-\nhannes hörte einmal hinter seinem Rücken von\nLiebe flüstern. Wie Fliegensummen berührte\nsolch Reden Johannes; er zuckte und lächelte.\nWas wußten auch die Wortschäumer von ihm.\nUnd die Liebe, die sie meinten: eine artige Kin-\nderei wie Puppenspielen, Wettlaufen, Kuchen-\nbacken. Er fand aber, daß die Menschen aufdring-\nlich vertraut wurden, indem sie ihm ihre nied-\nlichen Torheiten unterschoben. Ob er sie nicht\nwieder von sich abschütteln sollte und die Narren\nzu den Narren zurückweisen? Irene meiden?\nDas hieße aber nichts, als vor ihnen fliehen und!\nsich selber die Narrenkappe aufsetzen. Er wollte;\nsich durch ihr lästiges Summen nicht beirren\nlassen. Und ein leichter Trotz hielt ihn jetzt\nan Irene und gerade an sie. — Wenn seine Ge-\ndanken an sie bisher nur blasse Allerweltsfarben\ntrugen, von einer vorübergehenden Dankbarkeit,\neiner schwachen Ueber legen hei t; einer netten\nVerachtung und einer spielerischen Neugier —\ndenn jene wilde Erschütterung schwang: nur noch\nsehr leise nach — so nahmen sie jetzt eine eigene\ntrotzig dunkle Farbe an.\nSeine Freude an der spöttischen Verachtung1\nder Schwätzer und dieser verschwiegene Trotz!\nließen ihn oft mit dem Worte Liebe spielen:, Wäh-\nrend er eines Tages mit Irene ging und, plauderte,\nund von dem Gedanken überwältigt, wie sanft\nsich doch alles nach jenen Stürmen gewendet\nhatte, vor Glück und Dankbarkeit überschwoll,\nsann er auf ein Geschenk für die gütige, die sich\nseiner angenommen hatte und ihn jetzt bewahrte.,\nEr wollte sich ihr ganz/ unterwerfen, er wollte sie?\nschmücken, wie es leise zarte Worte tun, die«\ner so schwer seiner Stimme abrang und Irenen'\ndoch gerne darbot. Von jener überschwänglichen\nVerehrung, die seine eben flügge Jugend den.\nfremden, zarten, feinstimmigen Wesen entgegen-\ngebracht hatte, zog die Dankbarkeit für Irene\nnun wieder etwas herauf. Nach dem feinen köst-\nlichen Geschenke in welchem er seine Demut\nbekunde, suchte er; da fiel ihm jenes artige"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "866", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5822, "texte": "Wort wieder ein, das er verächtlich von Irenens\nNamen getrennt hatte und das ihn doch näher\nan sie führte. „Liebe\": Puppenspielen und!\nKuchenbacken — freilich, eine holdselige Tor-\nheit, aber gerade nicht anders sollte sein Ge-\nschenk sein; sein Herz koste und segnete alles\nLeichte, an das sie ihn, gerettet hatte, und nur\nmit einer spielerischen Holdseligkeit konnte seine\nDankbarkeit die Schöne behängen.\nDie Augen wurden ihm hellsichtig, als ihn\ndies Wort Wege zeigte.\nTändelnd, grau alltäglich mit lauem Kommen\nund Gehen, mit zufriedenem Grüßen, und\nWinken hatte das Stückchen angefangen, ein\nbehaglich selbst genügsames Stückchen; jetzt\nkonnte es einen Sinn empfangen,, einen endlichen;\nunerwarteten Sinn. Er wollte Kreise um sie ziehen\nund sie mit einem Spiel erfreuen. Dankbarkeit\nund Gelächter erfüllte ihn nun gegen die Men-\nschen und Schwätzer, die ihm dieses gewollt\nhatten.\nWas für hübsche Dinge die Menschen er-\nfunden hatten. In einem Wort lagen\nkleine Freuden und Winke eingepackt, als wennj\nandere' für ihn vorgesorgt hatten.\nBequem konnte er die Goldstücke von der\n[Straße aufnehmen. Er sah mit Lust auf sich\nund die anderen; er fühlte sich als Mensch, wo\nsich die Gaben der Menschen, die schwere Wolke\nder (Worte auf ihn senkte; und es war so er-\nregend, Mensch zu sein.\nJa, wie reich machte ihn mit einem Schlage\ndieses Wort. Seine Lust wurde, je mehr er das!\nWort recht bedachte, unbändig und springend:,\nso lachte sein Uebermut frühier( miit dem jüngeren\nFreunde über die hochbewachsenen Gartenbeete\nund Sträucher hinweg. Girlanden und stark\nduftende Blüten rankten wirr über schwankende,\nund hoben sich zu einer schmalen\nTriumpfpfprte.\nEr sollte nun lieben, er konnte lieben; nur\nzugreifen brauchte seine Hand. Lieben: heißt\ndas nicht besitzen? Besitzen in der Maske des\nSklaven? Ein Mensch ging neben ihm, ein\nLebendes! Er hatte ein Geschenk für Irene ge-\nsucht, ein liebliches feines Geschenk, und nun.\nwar ihm selber unvermutet eines geworden.\nEr versteckte sich vor der überbrausenden\nWildheit seiner Freude. Schützend verschränkte\ner seine Arme über die , Brust, die Händq\nkrampften sich greifgierig, und die Füße und\nKnie wollten rennen zu Irene. Er dachte nicht\nmehr an Irene; erst als er sich: wohin? fragte;\nu;nd der Name Irene irgend von weitem ant-\nwortete, besann er sich miit Mühe, und faßte;\nsich wieder.\nSeine Augen sahen mit Widerstreben ihr\nunentstelltes Bild, das blaßrote Haar über dem\nOhr, die Hände strichen das Haar zurück, das\nerdbeerfarbene Gewand, und! er hörte) die weiche,\nklare Stimme, die bei langsamem! Sprechen schon\nfrauenhaft tief klang. Es war ihm schwer, ihr\nBild festzuhalten. Was wollte er eigentlich von\nihr mit solchen Wünschen? Er hatte mit diesem)\nbestimmten Wesen nichts zu schaffen, und sie\nerniedrigte ihn. Und doch, er hatte ja alles'\neigentlich für sie gedacht, die er beschenken\nwollte, dankbar schmücken mußte. Noch ein-\nmal dachte er nur für sie und suchte ihr Bild\nvor alle Wildheit zu halten; alles zerrann ihm!\njetzt. Sie beschränkte ihn undj er wußte unruhig,\nglicht mehr, was er eigentlich sollte. Lieben:\nwollte er sie, eine dumme Puppenliebe beginnen,\neine Liebelei: und das wollte er ihr dankbar,\nschenken.\nSeufzend reckte er sich. Wohin ließ er sich\ntreiben durch die Menschenworte? Langsam\nkroch noch jener Strom weiter; aber immer\nmehr Steinblöcke und Erdmassen stürzten\nüber ihn.\nWas sollte nun geschehen? denn es mußte\netwas geschehen, fühlte er. Der reißende Strom;\nwar genug versandet, das Rauschen klang aber\nnoch hetzend in seiner Erinnerung und klang;\nunablässig; das Feuer war erloschen, aber seine\nkalten Finger wühlten in der, Asche. Nichts\nDankbarkeit war mehr in ihm, aber nun mußte\ner ihr etwas schenken. Wie eine Pflicht mahnte!\nlund trieb es ihn jetzt. Er hatte das Spiel einmal\nmit ihr begonnen, er mußte es weiterführen und:\nbeenden. Daß er so zügellos geträumt hatte,\nwollte sich jetzt, so meinte er wieder rächen;\ndie Geister, die er heraufbeschworen; hatte, hielten\nihn fest: nun mußte er ausführen, was er ge-\nträumt hatte, womit er nur gespielt hatte. Und\nsie rächten sich auch, indem; sie nichts von dem;\nGlück eintreten ließen, das ihn gelockt hatte.\nIm Traum war alle Erfüllung von seinen trunke-\nnen -unbesonnenen Lippen vorweg getrunken.\nDas Leben wußte der alte Träumer schon, läßt\nsich nicht vorzeitig die dichten schweren Schleier;\nabreißen, die Flechten auflösen, schamhaft gibt\nes sich nur dem unschuldigen, wilden Augen-\nblick hin, haßt die buhlerischen Blicke der Ge-\ndanken.\nUnd alle Trübsal Irenes wegen, eines Weibes\ndie ihn nichts anging und das ihm über /den!\nWeg gelaufen war. Er wollte dieses Spiel nicht\nweiter treiben, er mußte sich wieder auf seine\neinsame Ruhe und Kühle besinnen.\nAn die Wörtchen, diese Angeln der Ver-\nsehyätzten, wollte er nicht anbeißen, nicht er,\nder wortlose, einsame. Irene war gütig zu ihm«\ngewesen; er mochte sie hassen, die seine Ge-\ndanken immer von neuem zu sich zurückzwang\nund ihn wider seinen Willen festhielt. Er mußte\nihr ein Geschenk bringen und) er wollte ihr eins!\nbringen, ein Puppengeschenk, ein Narren-\ngeschenk, recht für ihre zarte Fratze passend,\nzum Hängen über dasi rotej Teufelshaar und über;\ndie süßen Arme und Finger. Sie konnte damit\nzur Hölle gehen. Was wollte sie, was verlangte\nsie eigentlich von ihm? Für die sanften Worte\nund die zarte Fratze? Nichts, nichts wollte er\nmit ihr zu schaffen haben, nichts wollte er ihr\n/ \\\ngeben für ihre Anmaßung und! freches Begehren,\nder undankbaren, der frechen Hündin. Je mehr\nseine Gedanken sich freundlich und feindlich\nmit dem seltsamen Geschenk und mit Irene be-\nschäftigten, je mehr besonnene Ueb er legungen:\ndie Wirrnisse zu lichten suchten, um so tiefer\nwuch& der neue Plan, den eine abenteuerliche\nLaune ausgeheckt hatte; nistete sich ein, forderte,\nhockte wie selbstverständlich in seiner Seele."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-05-27-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-05-27_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-05-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "866", "page_fin": "868", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.2.7", "titre_corps": "Max Steiner: „Die Welt der Aufklärung“", "titre_sommaire": "Max Steiner: „Die Welt der Aufklärung“", "signature_source": "Kritischer Hinweis Von Dr. S. Friedlaender", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "866", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.4", "debut_caractere": 5855, "fin_caractere_exclue": 10216, "texte": "Max Steiner:\n„Die Welt der Aufklärung“\nKritischer Hinweis\nVon Dr. S. Friedlaender\n\nNachgelassene Schriften\nDer Wille zum ethischen Leben war in Steiner\nfast entschieden stärker, als der Wille zu leben.\nEr war der Sklave der logischen Konsequenz;\nin Sonderheit, wo sie sich praktisch entschied.\nSeine äquilibrische Deliberation verbot ihm, das\ngleiche logische Gewicht zwischen Diesseits und\nJenseits, Natur und Gott, Darwin ;und Kant zu-\ngunsten des einen oder des anderen aufzuheben.\nSein logisches Gehör hielt eine Doppelzüngig-\nkeit nicht lange aus. Was blieb denn übrig? —\nDas Weiterleben, Weiterdenken; aber es gibt in\ngewissen Momenten allzu leicht die verführerische\nMöglichkeit des Ni c ht-Weiterlebens. — Die\ngeistige Situation Steiners besteht in diesem\nAugenblick noch, dagegen merkt man nur zu\nsehr, daß es keinen Steiner mehr gibt. In der\nalten t Universitätsstadt Jena findet man zwei\n„jPhilosophenwege\", den „oberen\" und den\n„unteren\". Der eine führt am, (Binswangerschen)\nIrrenhaus, der anderej am! Kirchhof vorbei Welche\nIronie und tiefere Bedeutung dieser Symbolik!\nDer Don Juan der Erkenntnis, der leichthin ein\nso (hübsch monumental und immobil scheinen-\ndes Problem vom Postamente ladet und leicht-\nhin j weiter sein? Dasein vertändeln\nmöchte, wird recht bald die gewissen Schritte\nhören, die steinerne Handumklammerung desj be-\nfühknten Gastes verspüren. Der moderne\natheistische Freidenker hat nicht viel mehr Mut,\nals den seiner Dummheit. Er wird sich hüten,\nin den scharf geschliffenen Spiegel zu blicken,\nden Steiner ihm entgegenhält, den1 glänzenden\nLichtenbergspiegel seines Werkes, aus dem die\nApostel des Monismus als Affen herausschauen.\nManche Geister sind wie Notventile an über-\nhitzten Dampfkesseln. Ihre schrillen, schneiden-\nden Töne warnen vor Explosion'.» Man darf nicht\nvergessen, daß der Denker Nietzsche den\nMusiker, den Dichter zu nahe hatte, um zur\nGradlinigkeit gezwungen zu sein: dadurch run-\ndet sich sein Weg, sein Werk; er vermag, seiner\nAntipodie die Sphäre, die Harmonie der\nBphären abzugewinnen, indem er Licht und\nFinsternis bunt vermählt Sein Jja, sein Nein,\nso weltverschieden sie tönen, rühren; doch aus\neinem unlädierten Tonzentrum, aus einer! macht-\nvollen Persona her, die mitj urgewaltiger Will-\nkür ihre Vorzeichen, ihr Plus, ihr Minus nach\nihrer untrüglichen Witterung ansetzt: ihr Stark,\nihr Schwach, ihr Männlich, ihr Weiblich. Ihr\nDionysisch, ihr Christlich. Diese tiefe1 Person in\nNietzsche liebt die Maske —/ -und wie sollte auch\neine so rätselvolle, wesentlich anonyme Indif-\nferenz, ein so unteilbar Mittleres anders\nals inkognito zutage treten? Hier ist das kor-\ndinalie Gebrechen Steiners und seine! Vorzüglich-\nkeit zu suchen: er verschmäht — recht männ-\nlich! j— allen Umsdiweif, alle Draperie und\nMaskierung. Er will direkt sein, logisch bleiben\nund wird sis tiert, genau inl demselben Punkte,\nder ihn auf das Entschiedendstel hätte motivieren\nmüssen, wenn er nicht mehr Logik als Leben\nim Leibe gehabt hätte!\nGanz gewiß gibt uns die Logik auch für\nunser ethisches Verhalten die entgegengesetzten\nVorzeichen an die Hand — aber unsre Hand,\nunser Geschmack, unser Wille, unser Leben\nsetzt sie und nicht unsre Logik. Der ist\nverloren, der sich hier wie1 Steiner nach logischer\nHilfe sehnt; aber gleichermaßen derjenige, der,\ndie ... Bilateralitäij der Logik, ihren Magnetismus\n(„Polarität\") außer acht lassend, sichj nach seinen\nMisch-Masch-Gelüsten „ausleben\" will. Max\nSteiner weiß mit so furchtbarer, Deutlichkeit wie\nNietzsche, was es mit dem Atheismus auf sich\nhat : „Habt erst den Mut\", ruft er den seichten\nAufklärern, den dummdreisten Freigeistern zu,\n„der Hölle, deren Geister ihr gerufen, in den\nSchlund zu blicken. Werdet erst/reif für die Ge-\nstirne des Bösien\" ... Aber dieser unfehlbare\nLogiker scheute offenbar wie Feuer die Anrüh-\nder wunderbaren Grenze, deren Magie\nschon Lesising empfunden hat: der Grenze\nzwischen den einander entgegengesetzten mora-\nlischen Wertungen. Immanuel Kant polemisiert\ngegen Leibniz dahin, das radikal Böse sei keine\nbloße Abwesenheit des Guten, sondern dessen\nGegenteil: das negativ Gute, nicht bloß das\nNull-Gute! So wie das Gegenteil von Vermögen\nSch u Iden seien, nicht bloß Mangel an Geld.\nEben diese Bemerkung, daß alle Logik von Posi-\ntiv und Negativ beherrscht sei, hat eine Menge\nschwerer Verkennungen, schiefer Blicke hervor-\ngerufen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "868", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9729, "texte": "III\nAn sich war „nichts\" weder gut noch\nböse — das Denken machte es erst da-\nzu! Dem alten Irrwahn der beiden feinde\nliehen Prinzipe, den Zarathustra entfacht,\nZarathustra ausgelöscht hatte, fiel, zuto nicht ge-\nringen degoüt Goethes, auch der Logiker Kant\nmit seinem „radikal Bösen\" zum Opfer. Von\nbiformer (polarer) Identität ließ Kant sich nicht\neinmal etwas träumen. Erst Zarathustra durch-\nschaute die Illusion des „Bösen\" als die Aus-\ngeburt sklavischer Furcht. Er leugnet keinen sitt-\nlichen Riohtungsunterschied, also -Gegensatz. Er\nkonstatiert ein „Stark\" als gut, ein „Schwach\"\nals schlecht: es fällt ihm[aber nicht ein, die Indif-\nferenz dieser Differenz zu leugnen, die „Geheim-\nniswelt der doppelten Wollüste\", der sein grenzen-\nloses Ja- und Amensagen gilt. Hier zeigt sich1\ndie Beschränktheit der lediglich skeptischen\nKöpfe, die letzte Unfreiheit Max Steiners: der\nMangel an Besinnung auf die Bedingung aller\nMöglichkeit ihrer Dialektik! Der nodus Vitalis\nder Logik, der Ausstrahlungspunkt aller mög-\nlichen Meinungsverschiedenheiten und -Gegen-\nsätze ist eben deswegen so unauffällig,\nweil er unbestimmt, unbestimmbar, weil\ner neutral ist: Indifferenz aller Differenz.\nOhne Besinnung auf dieses Apriori, dieses !un-\ndeterminierbar reine logische Medium, ohne\ndiese logische Null kommt . alles logische\nZählen vom Hundertsten ins Tausendste, aber\nniemals zum wahrhaft Unendlichen, Allgemeinen,\nKategorischen. Der Skeptiker schlägt sich mit\nentgegengesetzten Denkmöglichkeiten herum und;\nvergißt die Ausnutzung der Unanfechtbarkeit\nseiner eigenen Mittelstellung: sein Indifferen-\ntismus bekommt keine Energie, keine Intensität.\nIhm würde die besonnene Einsicht in die eigene\ntotale Exemtion unerhörte Kraft zum Traktieren\nder Gegensätze geben können; zur Beherrschung\nder Welt vermöge des Ueberlegenheitspunktes\nin ihm, der nicht „von1 dieser Welt\", der „jen-\nseits\", .„Ding an sich\" ist! Wie sehr schwelgt\nMax Steiner im Erleben und Anerkennen dieses\nPunktes! Wie sehr wehrt er sich gegen die\nplumpe Naivetät, Erscheinungen für Wesen zu\nhalten! Wie dringt er auf die metaphysisch-\nethische Bedeutsamkeit der Erscheinungen! Den-\nnoch bleibt seine gesa'mmte Anstrengung ohne\neigentliches Resultat, weil seine Extreme keine\nPo 1 e werden, keine Berührung in einer\nmedialen Grenze persönlich finden, obschon\nsie sich danach sehnen: keine Indifferenz.\nDer Indifferentismus ist die Erfüllung des\nVersprechens aller Skepsis, aller echten Freiheit\ndes Geistes. Es ist überaus sonderbar, daß die\nLogik der Logiker nicht ausgereicht hat, dieser\nletzten Finesse teilhaft zu werden: Position und,\nt\nNegation betreffen allemal das Selbe; und\ndieses Selbe ist Indifferenz ihrer Differenz. Daß\nJa und Nein im Nichts koinzidieren, gibt\njeder Logiker, eifrigst zu: aber daß dieses\nJNichts\" also den Entspringungspunkt aller\npolaren Möglichkeit von Ja und Nein bedeute,\nscheint sofort paradox und verdiente doch, dasi\nAllertrivialste zu werden! Les extremes se tou-\nchent; mais i e s egaux se different. Dif-\nferenz erheischt, prämittiert etwas, das re i n ist —\nnicht bloß von, sondern z u ihr, für sie: Indif-\nferenz. Es ist die größte Unterlassungssünde;\nder Logik auch der Allerweisesten geworden,\ndaß sie dieser Unterlassungs-Tugend der Logik\nkeinen ganz besonderen Platz reserviert haben.\nIndifferenz ist conditio sine qua non aller Mög-\nlichkeit Von Differenz. Natürlich, man meint —\n— so träge ist man gesonnen —, dieses Absolute,\nder Gott (oder wie man Unaussprechliches durch\nAusdruck verderben will) habe sich gratis, sein\nSein sei mühelos An-sich-selber-sein. Man ahnt\nnichts von Theopädie, von der Disziplin des\nGottseins, des Indifferentseins. Aber das Thema,\ndie Uebungsaufgabe dieses Identischen ist gerade\nseine unendliche Bestimmbarkeit, und nur durch]\nden Kunstgriff der Aequilibristik: dadurch, daß\nes sich zur lebendigen Kopula differenter\nGleichungshälften, daß es sich zum neutralen\nMedium seines Weltgegensatzes, zur Indifferenz\nseiner eigenen Polarität macht, herrscht es ab-\nsolut; als kategorischer Imperativ. Ist diese Be-\nhauptung ein Dogma, so. (ist Bie weder ein nega-\ntives noch ein positives; ihr Beweis besteht\nja gerade in der plötzlichen Aufhebung aller\nMöglichkeit von Position und Negation. Und\ndiese Reinheit wiederum von allem Ja und Nein;\nist der Ursprung aller Jas und Neins. — Speziell\nMax Steiner ist geradezu das Schulbeispiel für\ndie Verheerungen des skeptischen Denkens] durch\nden Mangel an Besinnung auf dieses Erz-Apriori.,\nEs ist den geistreichsten Köpfen, selbst Nietzsche,\nnicht gelungen, rein logisch die Vernichtung\ndes Denkens souverän sein zu lassen über das\ngesamte differenzierte Denken! Sie haben nicht\nkalt begriffen, daß diesei Aufhebung, diese Selbst-\nüberwindung des Denkens kein Extrem, sondern\ndas Zentrum gerade aller Extreme, Exzesse des\njGedankens ist. Sie wurden die Nihilisten des\nAbsoluten oder des Relativen und beider, weil\nsie den Geist der Vernichtung |mit dem Geiste\nder Verneinung verwechseln: sie verlieren ihren\nGeist aus Mangel an echter Bestimmung, daran\nsie ihn heften könnten, während; doch seine Frei-\nheit erst durch diesen Mangel sich heraus-\nstellen müßte. So werde tausend und ein Mal\nwiederholt: Bestimmung ist polar, Freiheit In-\ndifferenz. Das Nichts der Bestimmung mediatir\nsiert die Bestimmung; und es gibt nichts Imme-\ndiäteres als dieses ätherische Medium. Diese\nWahrheit ist ein-, sogar keinfältig; taubenhaft\nund schlangenklug. Das Grundgebrechen der\npessimistischen Philosophie Schopenhauers zum\nBeispiel ist diese Verwechslung des Nichts, des\nNullzeichens (Nirwana!) mit dem Minuszeichen,\nder Indifferenz mit dem 'negativen; Pol: der Ver-\nnichtung, Selbstaufhebung des Willens mit seiner\nVerneinung: Sansara und Nirwana sind\nkeine Extreme, sondern Nirwana pa-\nralysiert die Extreme Sansaras. Ana-\nlog diesem sieht Steiner gar nicht die richtigen\nExtreme: denn Naturalismus („Atheismus\", wie\ner es auffaßt) ist nicht der Gegenpol zum Theis-\nmus. Vielmehr steht es damit so, daß der Theist,\ndaß der Christ, der praktisch Vernünftige ä la Kant\nsich mit einer differenzierten und also extremen\nNatur auseinanderzusetzen hat, wie das Zentrum\nmit der Peripherie. Die Gegensätze sind peri-\npherisch, Natur zeigt Opposition mit sich in Be-\nziehung auf ein ihr eignes Zentrum, auf ihre\ncoincidentia oppositorum, ihre „Inwendgikeit\".\n„Gott\", „Person\", „Seele\", „Geist\", „Idee\", sogar\nsind, wenn sie sind, keine\nNatur, aufgehobene Natur. Sie sind durch Natur\ngenau so sehr positiv beweis«- wie negativ wider-\nlegbar. Entzweiung ist Charakter aller Natur:\nsie wird in alle Ewigkeit niemals einig ausfallen,\nein eindeutiges Prinzip weder desj Seins noch des\nHandelns abgeben! Rät man: „gemäß der\nNatur leben!\"; so verbirgt in diesem „gemäß\"\netwas , Regelndes, Gesetzliches sich, das der\nbloßen Natur nicht entnommen werden kann.\nSteiner macht aus dem Dionysismus Nietzsches\nden puren Naturalismus — aber das ist eine Ver-\nkennung: Dionysos ist schöpferisches, aller Natur\nhimmelhoch überlegenes Prinzip, er sieht auch\ndie Sterne noch unter sich; er ist viel zu reich\nund schwellend, um im Darwinismus Raum zu\nhaben. Er ist vergleichbar dem „Willen\" Schopen-\nhauers, wenn man diesem die „Hinterwelt\", die\nTranszendenz abschneidet. Am Titel bereits des\nSchopenhauerschen Werkes: Welt als Wille und\nVorstellung, verrät sich der alte Irrturn, der schon\nden Spinoza bethört hatte, das Identische, das\nWeltprinzip, der „Grund der Dinge\", ihr „In-\nneres\" sei das andere Extrem, der totale Gegen-\nsatz zum „Aeußeren\", zur „Vorstellung\". Nach-\ndem endlich, endlich! so viel errungen worden\nist, daß niemand mehr —1 bei Gefahr des Banke-\nrotts alles Geistes — es wagen darf, arg- und\nkritiklos die Dinge an sich! statt der Phänomene\nzu handhaben, unvergessend, wohlbewußt, wir\nwandeln in ewigen Geheimnissen; — tun die\nAllerweisesten dennoch hier bedenklich plumpe\nGriffe, um dem Unnahbaren mindestens sich\nanzunähern. Aber alles wäre gewonnen, wenn\nman sich in diesem solitären Punkt indifferen-\nzierte 1 Alles andere, die „Welt\", die „Vorstel-\nlung\", der „Wille\", das Unendliche ist immer\nschon differenziert. Schopenhauer sieht nunl frei-\nlich im Lebenswillen mehr das ausgezeichnetste\n[Phänomen, das „inwendigste\" von allen. Als-\ndann aber müßte er, wenn es der differenzierten\n'1 ■\nVorstellung einigermaßen überlegen, wenn es\nvorneh m sein sollte, keineswegs derenj Gegen-\npol daraus machen. „Vorstellung\", wie gesagt,\nenthält ja bereits die gesamte Differenz, also\nPol und Gegenpol! Vielmehr müßte dann\n„\\Wille\" die Angel, das Gelenk, die Indifferenz,\ndie mediale Angrenzung von Pol gegen Pol be-\ndeuten. Beiläufig wäre also dann die berühmte\nObjektivation des Willens dessen Entzweiung ge-\nwesen, dessen Polarisierung. Inzwischen tut man\nbesser daran, mit dem Willensphänomen keinen\n(Götzendienst zu treiben, sondern gleich Kant\ndem „Ding an sich\" die Ehre zu geben und!\nsehr besonnen einzusehen, daß dieses „Nichts\"\naller Phänomene in ihnen auf zahllose Artenj\nseine Entzweiung erfahre, an ihr symbolisch\n(„als ob!\") sich offenbare; wobei gewisse „aprio-\nrische\" Urphänomene paradigmatisch für die\n„empirischen\" wären. Würde dermaßen auch\ndie samtliche skeptische Verzweiflung des Den -\nkens als das antithetische, an tinomische Ausein-\nander des ewig unteilbaren Prinzips alles\nDenkens verstanden und erlebt, so würde man\nweder falsche Gegensätze bilden, noch die echten\ndisharmonisch finden. Man würde mit gött-\nlichem Aplomb mitten in dieser zerfahrenen,\nverworrenen, stürmischen Welt der Gegensätze\ndas Nichts dergleichen stabilieren, die eigne\nExemtion medial erleben. Es kann dieses nicht\nnach der Weise Kants „annähernd\" geschehen:\nReinheit von aller Welt ist der unmittel-\nbarste Akt! 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Mai, abds. 8 Uhr\nProgratnm: „Philosophic und Marchen\".\nDichtungen von Otto zur Linde (Heraus-\ngeber des Charon*); Verena zur Linde;\nKarl Rottger. — Gaste haben Zutritt!\nj| #Monatsschriftf.deutsche Dichtung, Charon verlagGr.-Li chterfelde. 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W.: Die Denunziation als Rettung / Die Abwehr / Internationale Sonderkünstler / VALENTINE DE SAINT-POINT: Manifest der\nfuturistischen Frau / KURT HILLER: Fritz Stahl /„ ALFRED DOBLIN: Der schwarze Vorhang / Dr. S. FRIEDLAENDER: Max\nSteiner: Die Welt der Aufklärung / BEACHTENSWERTE BUCHER / UMBERTO BOCCIONI: La peinture des etats d'äme / II: Ceux, qui s'en\nvont / Originalzeichnung\n\nDie Denunziation als Rettung\nFolgendes Schriftstück ging ein:\nDr. Hermann Felix Wirth\nLector an der Universität\nBerlin-Steglitz, Kleiststr. 33, 111\nAn die\nRedaktion der Wochenschrift\n„Der Sturm\"\nFolgende Eingabe wjurde heute jmit jdemj\nbeigefügten „Manifest\" der s. g. „Futuristjen\"\n— von mir dem Herrn Polizeipräsidenten von\nBerlin unterbreitet.\nDr. H. F. Wirth\nSteglitz, 25. April 1912\nAn den *\nHerrn Polizei-Präsidenten von Berlin\ni j von Jagow:\ni\nEuer Hochwohlgeboren!\nAnbei beehre ich mich, Euer Hochwohl-!\ngebbren folgendes auf der Potsdamerstraße heute\nverteiltes Flugblatt zur näheren Kenntnisnahme\nergebenst zu unterbreiten. Als Ausländer, der\ndie sittlichen Qualitäten des preußischen Staates\nund Seine Organisation hat kennen und bewun-\ndern lernen, befreundet lies mich im höchsten:\nMaße, einen solchen Unfug, der nur eine Speku-\nlation ist auf die niedrigen Instinkte eines ge-\nwissen Teiles der Großstadtbevölkerung, gedul-\ndet zu sehen, und ist mir solches nur er-\nklärlich in der Annahme, daß an zuständiger\nStelle von dem Treiben dieser betreffenden\nElemente nichts bekannt ist.\nIch habe mir erlaubt, einige der inkrimi-\nnierten Stellen zu unterstreichen und glaube im\nNamen Aller zu sprechen, denen Sitte, Gesittung\nund Tradition noch etwas gilt, ,wenn ich Euer\nHochwohlgeboren bitte, diesem groben Unfug\nein Ende bereiten und ihren „geistigen\" iusw.\nVeranstaltern das Handwerk legen zu wollen.\nEs handelt sich hier um eine mit übelen sensatio-\nnellen und destruktiven Tendenzen arbeitende\nWochenschrift, die sich den Namen „Der Sturm\"\nbe igele gt hat, aber nach dem heute von ihr\nverbreiteten „Manifest\" entschieden zu der Kate-\ngorie der Schundliteratur gerechnet werden muß.\nIn schuldiger Ehrerbietung\nDr. Hermann F. jWirth\nLfector an der Universität Berlin\n.1\nWeder der Name noch die Inversion) be-\nstätigen den Ausländer, der Stellen „inkriminiert\".\nDie Denunziation ist im übrigen so schmierig,\ndaß män diesem! Wirth nicht einmal die Rech-\nnung machen kann. Man! kann dem Land\nhöchstens in schuldiger Ehrerbietung Glück\nwünschen, dessen sittlichen Qualitäten dieser\nAusländer lästig fällt.\n\nAbwehr\n\nI\nEs ist eine logische Folge der liberalen!\nund sozialistischen Weltanschauung, den Künst-\nler nicht zu lieben. Der Künstler als Persön-\nlichkeit drückt das Niveau der Nivellierung. Die\nMenschen sollen allgemein, gleich und direkt sein.\nDer Künstler kann nur durch das Gegenteil ent-\nstehen und bestehen. Die Sprecher der Masse\nsind gegen die Futuristen. Ich habe es nicht\nanders erwartet. Das Blech des Herrn Stahl hat\nein Mitarbeiter schon zusammengestampft, so daß\nich mich mit dem Klümpchen nicht mehr zu\nbefassen brauche. Ich1 muß Herrn Robert\nBreuer an mich halten, der alle Haltung ver-\nloren hat. Mit erheblicher Sicherheit treten die\nsogenannten besseren Kritiker jetzt für Cezanne,\nDaumier und van Gogh ein. Sie erkennen sie\nschlicht an. Sie nennen sie sogar Meister. Ab-\nsolute Klassikerehrung. Aber mit derselben\nSicherheit treten sie gegen Künstler derselben:\nQualität, zum Beispiel gegen Oskar Ko-\nkoschka und Umberto Boccioni auf.\nSpaß muß sein. Wer keinen Kunstinstinkt be-\nsitzt, muß seinen Erweich in der Kunstwis&ejrib\nschaft suchen. Der ganz kopflose Herr Breuer;\nbehauptet, daß die Werke von Boccioni zumeist\nnur durch einen Kommentar verstanden werden,\nff •\nkönnen. Das soll heißen: von Herrn Breuer.,\nEr hat sich1 offenbar für sechzig Pfennig denj\nKommentar gekauft und versucht nun, die Bil-\nder zu „verstehen\". Wer zur Kunst erst Kom-\nmentare braucht, sollte wirklich nicht den Kom-\nmentator spielen. Diese Weisheit kann sich da£\nPublikum für sechs Groschen selber kaufen.\nKommentare zu. erklären ist noch einfacher, wie\nBilder nicht zu verstehen. Lieber sich1 versehein,\nals verstehen wollen. Der namhafte Kritiker, der\nmir in der Ausstellung vor dem Bilde eines Eisen-\nbahnzuges entzückt von den glänzend gemalten\nbrandenden Wogen sprach, kommt mit größerer\nGeschwindigkeit zum Ziel, als wenn er das Meer\n„verstehen\" wollte. Sehen kann man lernen. Das\nVerlernen des Verstehens, des rationalistischen\nDenkens, scheint unmöglich zu sein. Man sieht,\nschreibt Herr Breuer, das alles ist recht harmlos.\nNur, daß Herr Breuer nicht harmlos ist und\n' nicht sieht. Herr Breuer behauptet weiter, daß\n; die Manifeste der Futuristen querst gelesen wer-\n: den müßten, ehe die Bilder betrachtet werden\nkönnen. Wo steht dieses Gesetz? Leider liest\ndas Publikum die Kritiken jeher, ehe es die Bilder\nbetrachtet. Dagegen müßte von Kunst wegen\neingeschritten werden. „Eine Empfindung, los-\ngelöst vom Körperlichen, vermögen wir uns\nnicht vorzustellen; wie sollten wir sie dann ge-\nstalten können.\" Ein Denkfehler : das kleine IcW\ndes Herrn Breuer verbirgt sicher hinter einerni\ngroßen Wir. Natürlich kann der Ichlose sich die\nEmpfindung, losgelöst vom Körperlichen, »nicht\nvorstellen. Er kann sogar nicht einmal das Kör-\nperliche gestalten. Denn Natur kopieren heißt\nnicht Kunst gestalten. Das Körperliche ist in jeder\nKunst nur ihr Skelett. Der ganze übrige Organis-\nmus wird erst durch ihre Kraft geschaffen. Herr\nBreuer muß über sich Bescheid wissen, wenn er\nsich für einen Knochenmann hält. Die Unfähig-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "864", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.2", "texte": "keit zur Vision spricht nicht gegen die Vision;\nhöchstens für die Unfähigkeit. „Ebensowenig\nkann man eine Bewegung malen, ohne Gegen-\nstand, an dem oder durch den sie geschieht.\"\nNur, daß es nicht auf den Gegenstand, sondernj\nauf die Bewegung ankommt. Denn die Be-\nwegung ist das Lebendige. Durch Nachahmung\nder Natur entstehen auf den Bildern Leichen,\nKadaver oder photographierte Ansichten. Die\nMittel der Natur sind andere, als die Mittel der\nKunst. Warum vermanschen gerade die Ratio-\nnalisten mit der Bosheit der Konstanz die Be-\ngriffe. Wer frische Luft braucht, soll spazieren\ngehen. Wer baden will, soll dazu nicht in eine\nKunstausstellung rennen, sondern in das Hauä\nnebenan. Wer Bedürfnisse hat, soll sie sich nicht\nvon anderen befriedigen lassen. Und wer das!\nKörperliche, losgelöst von der Empfindung, sucht,\ngehe ins Leichenschauhaus oder ins Panoptikum.\nNur diesen Effekt erzielen die Maler, die beim\nBilde vom Körperlichen ausgehen, statt von der\nEmpfindung. Leben ist alles. Leben ist Be-\nwegung. Der Künstler gibt den Gegenständen\ndie Bewegung. Der Künstler kann zwar Herrn,\nBreuer nicht zur Kunst erziehen (das Erziehen:\nist eine bürgerliche Angelegenheit), aber er kann\nunter Umständen aus Herrn Breuer ein Kunst-\nwerk machen. Auch Totes kann und muß durch1\nKunst bewegt werden.\nInternationale Sonderkünstler\nDie Stadt Venedig veranstaltet eine inter-\nnationale Kunstausstellung. Die Korresponden-\nten treffen ein. Die Fremden strömen. Die Sonne\nscheint. Irgendjemand eröffnet im Namen des\nKönigs. Zahlreiche Bilder sind vorhanden. Und\nzweiunddreißig Maler werden gesondert gezeigt.\nVon diesen zweiunddreißig Malern sind zwei oder\ndrei schlecht, aber berühmt. Die übrigen nicht\neinmal das. Man begreift, daß aus solchem An-\nlaß die Korrespondenten eintreffen. Man begreift,\ndaß die Fremden strömen. Auch die Sonne und\ndie Eröffnung im Namen des Königs scheint\nnatürlich. Besonders die Sonne. Nur möchte;\nich wissen, wie man allen diesen beteiligten Insti-\ntutionen klar machen will, daß es sich um SonderL\nAusstellungen handelt. Durch die Bilder sicher\nnicht. Denn die sind alle von Künstlern schon\neinmal gemalt worden. Deutschland wird durch\nHerrn Erler vertreten, Frankreich, Schweden,\nUngarn und Italien gleichfalls durch Nullen. Die\nVenezianer scheinen sich in Berlin bei der AusL\nwahl schlechter Bilder helfen zu lassen. Wie ist\nes möglich, nach Italien auf eine internationale\nKunstausstellung einzuladen, ohne Bilder vom\nUmberto Boccioni zu zeigen, oder von Cama,\nRussolo, Severini. Wenn man Sonderausstellun-\ngen schon veranstaltet. Jetzt, wo durch diese\nKünstler bewiesen ist, daß sogar Italien die\nRenaissance überwindet, die übrigens auch nur\neine Wiedergeburt war, jetzt hat Italien das'\nRecht auf polemische Behandlung erlangt. Es\nsoll behandelt werden.\n\nH. W.\n\nManifest der futuristischen Frau\nVon Valentine de Saint-Point\n„Wir wollen den Krieg preisen, diese\neinzige Hygiene der Welt — den Militarismus,\nden Patriotismus, die zerstörende Geste der\nAnarchisten, die schönen Gedanken, die töten,\nund die Verachtung des Weibes.\"\nErstes Manifest des Futurismus\nvon F. T. Marinetti\nDie Menschheit ist mi/ttelimäßig. Die meisten\nFrauen sind den meisten Männern weder über-\nlegen noch unterlegen. Beide sind gleich. Beide\nverdienen dieselbe Verachtung.\nDie gesamte Menschheit war stets das Kultur-\ngebiet, aus dem die Genien und Helden beider\nGeschlechter hervorgegangen sind. Aber es gibt\nin der Menschheit, wie in der Natur, für die\nBlüte günstige Augenblicke. In den\nder Menschheit, wenn die Sonne das Gelände;\nverbrennt, sind Genien und Helden im Ueber-\nfluß vorhanden.\nWir sind am Anfang eines Frühlings; es\nfehlt eine Ueberfülle an Sonne, es fehlt an ge-\nflossenem Blut.\nWeder Frauen noch Männer sind schuld an\ndiesem Versinken im Treibsande, unter dem alle\nwirklich jungen, an Schwung und Blut reichen'\nWesen leiden.\nEs ist absurd, die Menschheit in\nFrauen und Männer einzuteilen. Sie\nbesteht nur aus Weib heit und Mann heit.\nJeder Uebermensch, jeder Held, sei er noch so\nepisch, jedes Genie, sei es noch so mächtig, ist nur\nder verschwenderische Ausdruck einer Rasse\nund einer Epoche, weil es eben aus weiblichen;\nund männlichen Elementen besteht, aus Weib-\nheit und Mannheit: weil es ein vollkommenes\nWesen ist.\nEin nur-männliches Individuum ist ein Vieh';\nein nur weibliches Individuum das Weibchen.\nMit der Gesamtheit, mit den Augenblicken\nder Menschheit steht es genau wie mit den Indi-\nviduen. Die fruchtbaren Perioden, in denen aus\ndem keimenden Kulturgebiet die meisten Hel-\nden und Genien erstehen, sind an Mannheit und\nWeibheit reiche Zeiten.\nDie Zeiten, die nur heldenlose Kriege hatten,\nweil der epische Hauch alle gleich machte, waren\nausschließlich Epochen der Männer; die Zeiten, die\nden heroischen Instinkt verleugneten und die, der\nVergangenheit zugewandt, sich in Friedens-\nträumen verzehrten, waren Epochen der Frauen.\nWir leben am Ende einer dieser Zeitläufte.\nWas den Frauen ebenso wie den Män-\nnern am meisten fehlt, ist Mannheit.\nDeshalb hat der Futurismus trotz seinen\nUebertreibungen doch recht.\nUm unseren in der Weibheit erstarrten\nRassen Mannheit wiederzugeben, muß man sie\nbis zur Brutalität heraufreißen. Aber allen beiden,\nMännern und Frauen, muß man ein neues)\nEnergiedogma auferlegen, um e n d 1 i c h zu einer\nhöheren Menschheit zu gelangen.\nJede Frau muß weibliche, und männliche\nEigenschaften besitzen, sonst ist sie eben das1\nWeibchen. Der Mann, der nur Kraft ohne In-\ntuition besitzt, ist Vieh. Aber in der Zeit des|\nWeibischen, in der wir leben, ist nur die gegen-\nteilige Uebertreibung heilsam: Die Bestie soll\nman als Beispiel wählen.\nGenug der Frauen, deren „blumenrankigen,\num ihre Knie am Morgen des Abschieds ge-\nschlungenen Arme\" die Soldaten fürchten\nmüssen; genug der Frauen, die als Kranken-\nwärterinnen die Schwächen und Alter ewig\nmachen, die die Männer knechten zu ihrem per-\nsönlichen Vergnügen oder materiellen Nutzen!\n. . . Genug der Frauen, die Kinder gebäre(n,\nnur für sich, sie hüten vor jeder Gefahr, {vor\njedem Abenteuer, also vor jeder Freude; die\nihre Tochter der Liebe, ihren Sohn dem Kriege\nstreitig machen! . . . . Genug der Frauen, die\nfrls Buhlerinnen am Herde verführerisch oas\nBlut der Männer und Kinder aussaugen; genug\nder tierisch verliebten Frauen, die begehrend\nsich ausgeben, um neue Kräfte zu empfangen.\nDie Frauen: die Erinnyen, die Amazonen;\ndie Semiramis, die Jeanne d'Arc, die Jeannq\nHachette; die Judith und die Charlotte Corday;\ndie Kleopatra und die Messalina: die Kriegerin-\nnen, die wilder kämpfen als die Männer, die\nGeliebten, die anstacheln, die Zerstörerinnen, die\ndie schwächsten zermalmen und die Zuchtwahl\ndurch den Stolz oder die Verzweiflung unter-\nstützen, „die Verzweiflung, durch die das Herz\nseine ganze Kraft hergibt/'\nMögen die nächsten Kriege Heldinnen auf-\nerstehen lassen wie Katharina Sforza. Sie Isah\nbei der Belagerung ihrer Vaterstadt von den\nWällen, wie der Feind ihren Sohn bedrohte, um\nsie dadurch zur Uebergabe zu zwingen. Aber\nsie offenbarte ihr Geschlecht heldenmütig tmd\nrief: „Tötet ihn, ich bin fruchtbar genug, um\nandere zu gebären!\"\nJa, „die Welt verwest vor lauter WeisheitI',\naber es liegt in ihrem Instinkt, daß die Frau\nnicht weise, nicht friedliebend, nicht gut ist. Weil\nes ihr an Maß gebricht, wird sie in einer schläfri-\ngen Epoche der Menschheit sicher zu weise, zu\nfriedliebend, zu gut. Ihre Intuition, ihr Vor-\nstellungsvermögen sind zugleich ihre Stärke und\nihre Schwäche. i\nSie ist die Individualität der Masse: sie be-\ngleitet den Festzug der Helden. Fehlen sie, rühmt\nsie die Dumimen.\nNach dem Apostel, dem Erreger des Geistes,\nläßt die Frau, die Erregerin des Fleisches, Blut\nfließen oder sie hemmt es; sie ist Kriegerin oder\nPflegerin. Dieselbe Frau legt sich in derselben\nEpoche je nach dem Ereignis des Tages auf\ndie Schienen, hindert den Soldaten ins Feld zu\nziehen oder wirft sich dem siegreichen Sport-\nchampion an den Hala\nDeswegen darf ihr keine Wandlung fremd\nsein. Deswegen muß man sich an sie wenden,\nstatt sie zu verachten. Es ist die fruchtbarste Er-\noberung, die man machen kann, die be-\ngeisterndste, die die Anhänger vervielfacht.\nAber kein Feminismus. Der Feminismus ist\nein politischer Irrtum. Der Feminismus ist ein\nGehirnfehler der Frau, den ihr Instinkt bald er-\nkennen wird.\n1 Man darf der Frau keines der von\nden Feministen geforderten ;Rechte\ngeben. Sie ihr geben hieße nicht die\nvon den Futuristen ersehnte Wand-\nlung, im Gegenteil, einen Ueblejr-\nfluß an Ordnung herbeiführen.\nDer Frau Pflichten auferlegen heißt, sie ihrer\nganzen fruchtbaren Macht berauben. Die Ueber-\nlegungen und Erörterungen der Feministen wer-\nden ihr uranfängliches Verhängnis nicht zerstören:\nsie können es nur fälschen und es zwingen, sich\n(auf Umwegen zu offenbaren, die zu noch\nschlimmeren Irrtümern führen.\nSeit Jahrhunderten stößt man den Instinkt\nder Frau mit Füßen, man schätzt nur ihre Reize\nund ihre Zärtlichkeit. Der blutarme Mann, der\nmit seinem Blute geizt, will sie nur als Kranken-\npflegerin; mehr fordert er nicht. Sie hat (sich1\nbändigen lassen. Aber schrei: ihr ein neues Wort\nzu, stoß einen Krfegsschrei aus, und freudig wird\nsie wieder ihrem Instinkt folgen und zu jun-\ngeahnten Eroberungen voranschreiten.\n(Braucht ihr Waffen, sie werden sie schärfen.\nUnd wieder wird sie die Zuchtwahl unter-\nstützen. Wenn sie auch schwer das Genie er-\nkennt, weil sie sich immer nur an den vor-\nübergehenden Ruf hält, hat sie doch immer den\nstärksten, den Sieger, belohnt. Sie kann sich der\ngroßen Ueberlegenheit nicht entziehen.\nMöge die Frau ihre Grausamkeit, ihre Hef-\ntigkeit wiederfinden, die sie auf den Besiegten;\nlosstürzen läßt, weil er eben besiegt ist, die $ie\nso weit treibt, ihn zu verstümmeln. Man höre\nauf, ihr geistige Gerechtigkeit zu predigen, die\nzu erlangen sie sich vergeblich bemüht. Fraue(n,\nwerdet erhaben, ungerecht wie die Natur.\nAller Kontrolle entledigt, mit wiedergefun-\ndenem Instinkt, werdet ihr euren Platz unter denl\nElementen wieder einnehmen und das Geschick\ndem bewußten Willen der Männer entgegen,L\nstellen. Seid die egoistische, wilde Mutter, die\neifersüchtig ihre Kinder hütet, indem sie über\nsie alle Rechte und Pflichten ausübt, solange\ndie Kinder körperlich ihres Schutzes bedürfen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "865", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.3", "texte": "Möge der Mann, von der Familie befreit,\nein Leben voll Kühnheit und Eroberung führen,,\nwenn er die physischen Kräfte besitzt, als Sohnj\noder Vater. Der Mann, der sät, hält nicht bei\nder ersten Furche, die er düngt.\nIn meinen „Poemes d'orgueil\" und in „La;\nsoif et les mirages\" habe ich den Sentimentaliis-'\nmus verleugnet als eine verächtliche Schwäche,\nder die Kraft vermindert und tötet.\nDie Wollust ist eine Kraft, weil sie die!\nSchwachen zermalmt, die Starken zur Hingabe\nvon Kräften, also zu ihrer Erneuerung erregt.\nJedes heroische Volk ist sinnlich. Die Frau ist\nder verlockendste Preis.\nDie Frau muß Mutter oder Geliebte sein.\nWahre Mütter sind immer mäßige Geliebte, und\nGeliebte mäßige Mütter. Im Leben ergänzen sich\nbeide. Die gebärende Mutter bringt mit der Ver-\ngangenheit die Zukunft, die GeMebte verkündet\ndie Sehnsucht nach der Zukunft.\nSchluß: die Frau, die durch ihre Tränen\nund durch ihre Sentimentalität den Mann zu ihren\nFüßen zurückhält, ist verächtlicher als das Mäd-\nchen, das aus Prahlerei ihren Liebhaber dazu\ntreibt, mit dem Revolver in der Hand seine\nprahlerische Herrschaft über die Niederungen der\nStadt zu behaupten; sie zeigt wenigstens jeinq\neiner besseren Sache würdigen Energie.\nFrauen, ihr wäret zu lange in Moral und\nVorurteilen irrgläubig; kehrt zu eurem erhabenen\nInstinkt zurück, zur Wildheit, zur Grausamkeit.\nWährend die Männer siph bekriegen undl\nkämpfen, schafft ihr Kinder als blutigen Tribut\nfür den Krieg und den Heroismus, denkt an\ndie Forderung des Schicksals. Laßt sie wachsen\nnicht für euch, für euer Vergnügen, sondern in\nschrankenloser Freiheit zur Blüte.\nStatt die Männer unter das Joch der erbärm-\nlichen sentimentalen Bedürfnisse zu bringen,\ntreibt eure Söhne, eure Männer, sich selbst zu\nübertreffen.\nIhr schafft sie. Ihr könnt alles über sie.\nIhr schuldet der Menschheit Helden. Gebt sie\nihr l\n\nAutorisierte Uebertragung von Jean-Jacques\nFortsetzung\n\nFritz Stahl\nKurt Hiller\nI\nIch habe die Absicht, einen Bürger, den\nden ich für aufrichtig halte und daher gesell-\nschaftlich achte, aus Amt und Würden zu jagen.\nIch werde todernst sein; niemand soll mir nach-\nsagen können, ich habe wo einen Witz machen\nwollen. Stinktiere, welche im Grunde den Kitsch\nlieben, aber pathosdick eintreten für Kunstwerke,\ndie bereits so anerkannt sind, daß man sich bla-\nmöre, wenn ... (Stinktiere, welche, beispielsweise,\neinem neuartig-kraftvollen jungen Dichter die\nMitarbeit grundlos verweigern, aber nach seinem\nsensationellen Tode den Verleger sofort um eine\nNovelle anschnorren): Stinktiere müssen brutal\nbehandelt, mit den unzulässigsten Mitteln be-\nkämpft werden. Doch einen Ehrenmann schlage\nich zynikLos.\nII\nVon Literatur verstehe ich gar nichts. Denn\nals ich, um von ihr etwas zu lernen, neunzehn-\njährig zu Professor Ludwig Geiger lief, hörte\nich: „Wir kommen nunmehr zu Paragraph 14:\nGoethes Lyrik\", dachte: „Aha, Literatur ist ein\nReglement oder eine Logarithmentafel\" und lief\nwieder weg. Ebensowenig verstehe ich von\nMalerei; denn als ich einen Professor, mit vir-\ntuoser Anschaulichkeit und einem langen beth-\nmannesken Zeigestock, Gebärden und Geometrica\nauf Raffael-Tafein demonstrieren sah, vermutete\nich, mein ursprünglicher Gedanke, Malkunst be-\ndeute etwas Frohes und Wildes, sei ein Vorurteil ;\nin Wahrheit sei sie . . eine Straf Verschärfung;\nund eilte wiederum von danneji.\nIII\nAber oft, ich weiß nicht wie, geschieht mir's,\ndaß etwas Gemaltes mich . . ja welche Aus-\ndrücke sind da die angemessenen ? . . mich in\nErstaunen oder Rührung oder Ekstase bringt;\nmich beben oder jubeln oder beten macht. In\nsolchen Fällen denke ich manchmal, es müßte\nandern Leuten ebenso gehen; und die Erreger\nso erhabener Gefühle müßten von der Ein-\nwohnerschaft aufs höchste geehrt, ja adoriert\nwerden. Namentlich solange sie noch unver-\nstorben sind. . . Die Zeitungen (deren oberste,\nnein einzige Aufgabe es ist, von wichtigen Er-\neignfeen Mitteilung zu machen) müßten «die\nNamen dieser herrlichen Zauberer dem Uni-\nversum mit Posaunen der Ehrfurcht verkünden.\nDas Leben hat vielleicht keinen Sinn; aber wenn\nes einen hat, dann kann er doch nur in jenen:\nseltsamen Erschütterungen des Gemüts bestehen,\ndie durch Liebe und Kunst erzeugt werden.,\nIV\nIn letzter Zeit bestürzten uns durch glühende\nKlarheit und bewegte Tiefe manche Maler; aus\nOesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien,\nItalien; ich nenne (ohne lyrische Einzelepitheta):\nOskar Kokoschka; Teile des Kreises „Neue\nSezession\"; Picasso, de Vlaminck, De-\nlauney; zuletzt — und vielleicht am stärksten\n— Umberto Boccioni und SeverinL\nJeder von diesen allein bedeutete uns mehr als\ndie Gesamtheit der ewig gleichen Akademiker\nin Salons, Glaspalästen, Sezessionen .. . Der\nKunstreferent nun des einflußreichsten deutschen\nTage-Blattes, der sämtliche Salon-, Palast- und\nSezessionspintscherchen mit einem, wenn auch\nkalten, Wohlwollen zu verzeichnen pflegt, hat\njene großen Namen teils verschwiegen, teils mit\nSpott Übergossen. Er übersieht Titanen, als wären\nes kleine Leute; und Genies denunziert er als\nWahnsinnige. Er hat den Mut, sich zu blamieren ;\nden Mut, späteren Läuften seinen Namen her-\nzugeben als schlagworthafte Bezeichnung für\neinen total unfähigen Beurteiler, für einen .be-\nschränkten Feind der Jugend, für einen Wider-\nsacher der umstürzenden Größe, der Kraft, der\nKunst; er hat den Mut, unfreiwilliger Organisator\neines Gelächters aller Famosen zu werden. Er\nheuchelt mitnichten; er stellt sich heraus; er ist\n(und darum achte ich ihn) eine ehrliche Haut.\nAber bürgerliche Achtung kann den, der sich\nsolidarisch fühlt mit allen erfreuenden Neuerern,\nvon der Sehnsucht, einen Schädling auszurotten,\nnicht abbringen. Herr Stahl wagt es, die Futu-\nristen (in deren Ausstellung, einem glaubhaften\nGerücht zufolge, Max Liebermann drei Stunden\nverweilt hat) in pauschquanto als „Verrückte\"\nzu proklamieren. Seine Mission ist: dem ver-\nruchten Haß der Menge gegen die Auserwählten\ndas gute Gewissen zu geben; die gemeinen\nInstinkte selbstsicher zu machen. Anstatt dem\ndreckigen Geldverdiener zu suggerieren, er müsse\nBilder dieser Maler kaufen, bestätigt Stahl ihm\ndas vermeintliche Recht, zu grinsen, zu feixen,\nzu geifern.\nV\nEs gibt kaum die Möglichkeit, einen Herrn,\nder im Antlitz einen Vollbart und fast ein halbes\nJahrhundert auf dem Buckel trägt, in Kunst-\ndingen umzustimmen. Auch die fanatischsten\nModelversuche würden fehlschlagen. Ihm aber\ndas Ansinnen zu stellen, gegen seine Ueber-\nzeugung zu schreiben, wäre unsittlich. Ich sehe\nalso nur den einen Weg zur Besserung (zur\nBesserung der Zustände nämlich): er lasse sich\npensionieren. Eine Zeitung — ich wiederhole\ndas, pflichtgemäß, zum hundertundsiebzehnten\nMale —, die auf ihre Reputation hält; eine\nZeitung, die wirklich den „kulturellen Fort-\nschritt\" zu fördern sucht; eine Zeitung, (die\nradikal . . nicht bloß in Steuer-, Zoll- und sonsti-\ngen Portemonnaieangelegenheiten, sondern auch1\nin geistigen Dingen radikal sein will —: einte\nderartige Zeitung darf Herrn Fritz Stahl jals\nMeinungsmacher in Malereifragen einfach nicht\nmehr dulden. Diese (unliterarische) Wahrheit,\nals welche so sicher ist wie das Einmaleins und\nso ennuyant wie die Erkenntnistheorie, muß so\nlange, und mit Aplomb, geäußert werden, bis\ndie Herren Mosse und Theodor Wolff sich'\ngütigst entschlossen haben. . . .\nVI\nDie Vermögensverhältnisse Stahls sind mir\nunbekannt. Sollten sie, was ich nicht hoffe,\nschlechte sein, so wird Herr Rudolf Mosse\n(Inhaber eines stark achtstelligen Schatzes) es\nleicht haben, dem langjährigen Mitarbeiter eine\nsehr anständige Altersrente auszusetzen. Jeden-\nfalls ist Wehleidigkeit, wo Interessen der Kunst\n(auch: der Philosophie) auf dem Spiele stehen,\nvöllig unangebracht. Zugegeben, daß eisn Ex-\nsultan etwas Bewe ine ns wertes ist; aber es sind\neben, messieurs, die Jungtürken, auf die es an-\nkommt. Und gewiß: auch uns, die Herrschenden,\nwird man dereinst verjagen; jedoch was küm-\nmert das uns, die Erobernden?!\n\nDer schwarze Vorhang\nRoman\nVon Alfred Döblin\nDer schwere Breitstirnige und die Kühle mit\ndem roten Haar schritten zusammen. Das zog\nviele Blicke an und bewegte viele Münder. Jo-\nhannes hörte einmal hinter seinem Rücken von\nLiebe flüstern. Wie Fliegensummen berührte\nsolch Reden Johannes; er zuckte und lächelte.\nWas wußten auch die Wortschäumer von ihm.\nUnd die Liebe, die sie meinten: eine artige Kin-\nderei wie Puppenspielen, Wettlaufen, Kuchen-\nbacken. Er fand aber, daß die Menschen aufdring-\nlich vertraut wurden, indem sie ihm ihre nied-\nlichen Torheiten unterschoben. Ob er sie nicht\nwieder von sich abschütteln sollte und die Narren\nzu den Narren zurückweisen? Irene meiden?\nDas hieße aber nichts, als vor ihnen fliehen und!\nsich selber die Narrenkappe aufsetzen. Er wollte;\nsich durch ihr lästiges Summen nicht beirren\nlassen. Und ein leichter Trotz hielt ihn jetzt\nan Irene und gerade an sie. — Wenn seine Ge-\ndanken an sie bisher nur blasse Allerweltsfarben\ntrugen, von einer vorübergehenden Dankbarkeit,\neiner schwachen Ueber legen hei t; einer netten\nVerachtung und einer spielerischen Neugier —\ndenn jene wilde Erschütterung schwang: nur noch\nsehr leise nach — so nahmen sie jetzt eine eigene\ntrotzig dunkle Farbe an.\nSeine Freude an der spöttischen Verachtung1\nder Schwätzer und dieser verschwiegene Trotz!\nließen ihn oft mit dem Worte Liebe spielen:, Wäh-\nrend er eines Tages mit Irene ging und, plauderte,\nund von dem Gedanken überwältigt, wie sanft\nsich doch alles nach jenen Stürmen gewendet\nhatte, vor Glück und Dankbarkeit überschwoll,\nsann er auf ein Geschenk für die gütige, die sich\nseiner angenommen hatte und ihn jetzt bewahrte.,\nEr wollte sich ihr ganz/ unterwerfen, er wollte sie?\nschmücken, wie es leise zarte Worte tun, die«\ner so schwer seiner Stimme abrang und Irenen'\ndoch gerne darbot. Von jener überschwänglichen\nVerehrung, die seine eben flügge Jugend den.\nfremden, zarten, feinstimmigen Wesen entgegen-\ngebracht hatte, zog die Dankbarkeit für Irene\nnun wieder etwas herauf. Nach dem feinen köst-\nlichen Geschenke in welchem er seine Demut\nbekunde, suchte er; da fiel ihm jenes artige"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "866", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.4", "texte": "Wort wieder ein, das er verächtlich von Irenens\nNamen getrennt hatte und das ihn doch näher\nan sie führte. „Liebe\": Puppenspielen und!\nKuchenbacken — freilich, eine holdselige Tor-\nheit, aber gerade nicht anders sollte sein Ge-\nschenk sein; sein Herz koste und segnete alles\nLeichte, an das sie ihn, gerettet hatte, und nur\nmit einer spielerischen Holdseligkeit konnte seine\nDankbarkeit die Schöne behängen.\nDie Augen wurden ihm hellsichtig, als ihn\ndies Wort Wege zeigte.\nTändelnd, grau alltäglich mit lauem Kommen\nund Gehen, mit zufriedenem Grüßen, und\nWinken hatte das Stückchen angefangen, ein\nbehaglich selbst genügsames Stückchen; jetzt\nkonnte es einen Sinn empfangen,, einen endlichen;\nunerwarteten Sinn. Er wollte Kreise um sie ziehen\nund sie mit einem Spiel erfreuen. Dankbarkeit\nund Gelächter erfüllte ihn nun gegen die Men-\nschen und Schwätzer, die ihm dieses gewollt\nhatten.\nWas für hübsche Dinge die Menschen er-\nfunden hatten. In einem Wort lagen\nkleine Freuden und Winke eingepackt, als wennj\nandere' für ihn vorgesorgt hatten.\nBequem konnte er die Goldstücke von der\n[Straße aufnehmen. Er sah mit Lust auf sich\nund die anderen; er fühlte sich als Mensch, wo\nsich die Gaben der Menschen, die schwere Wolke\nder (Worte auf ihn senkte; und es war so er-\nregend, Mensch zu sein.\nJa, wie reich machte ihn mit einem Schlage\ndieses Wort. Seine Lust wurde, je mehr er das!\nWort recht bedachte, unbändig und springend:,\nso lachte sein Uebermut frühier( miit dem jüngeren\nFreunde über die hochbewachsenen Gartenbeete\nund Sträucher hinweg. Girlanden und stark\nduftende Blüten rankten wirr über schwankende,\nund hoben sich zu einer schmalen\nTriumpfpfprte.\nEr sollte nun lieben, er konnte lieben; nur\nzugreifen brauchte seine Hand. Lieben: heißt\ndas nicht besitzen? Besitzen in der Maske des\nSklaven? Ein Mensch ging neben ihm, ein\nLebendes! Er hatte ein Geschenk für Irene ge-\nsucht, ein liebliches feines Geschenk, und nun.\nwar ihm selber unvermutet eines geworden.\nEr versteckte sich vor der überbrausenden\nWildheit seiner Freude. Schützend verschränkte\ner seine Arme über die , Brust, die Händq\nkrampften sich greifgierig, und die Füße und\nKnie wollten rennen zu Irene. Er dachte nicht\nmehr an Irene; erst als er sich: wohin? fragte;\nu;nd der Name Irene irgend von weitem ant-\nwortete, besann er sich miit Mühe, und faßte;\nsich wieder.\nSeine Augen sahen mit Widerstreben ihr\nunentstelltes Bild, das blaßrote Haar über dem\nOhr, die Hände strichen das Haar zurück, das\nerdbeerfarbene Gewand, und! er hörte) die weiche,\nklare Stimme, die bei langsamem! Sprechen schon\nfrauenhaft tief klang. Es war ihm schwer, ihr\nBild festzuhalten. Was wollte er eigentlich von\nihr mit solchen Wünschen? Er hatte mit diesem)\nbestimmten Wesen nichts zu schaffen, und sie\nerniedrigte ihn. Und doch, er hatte ja alles'\neigentlich für sie gedacht, die er beschenken\nwollte, dankbar schmücken mußte. Noch ein-\nmal dachte er nur für sie und suchte ihr Bild\nvor alle Wildheit zu halten; alles zerrann ihm!\njetzt. Sie beschränkte ihn undj er wußte unruhig,\nglicht mehr, was er eigentlich sollte. Lieben:\nwollte er sie, eine dumme Puppenliebe beginnen,\neine Liebelei: und das wollte er ihr dankbar,\nschenken.\nSeufzend reckte er sich. Wohin ließ er sich\ntreiben durch die Menschenworte? Langsam\nkroch noch jener Strom weiter; aber immer\nmehr Steinblöcke und Erdmassen stürzten\nüber ihn.\nWas sollte nun geschehen? denn es mußte\netwas geschehen, fühlte er. Der reißende Strom;\nwar genug versandet, das Rauschen klang aber\nnoch hetzend in seiner Erinnerung und klang;\nunablässig; das Feuer war erloschen, aber seine\nkalten Finger wühlten in der, Asche. Nichts\nDankbarkeit war mehr in ihm, aber nun mußte\ner ihr etwas schenken. Wie eine Pflicht mahnte!\nlund trieb es ihn jetzt. Er hatte das Spiel einmal\nmit ihr begonnen, er mußte es weiterführen und:\nbeenden. Daß er so zügellos geträumt hatte,\nwollte sich jetzt, so meinte er wieder rächen;\ndie Geister, die er heraufbeschworen; hatte, hielten\nihn fest: nun mußte er ausführen, was er ge-\nträumt hatte, womit er nur gespielt hatte. Und\nsie rächten sich auch, indem; sie nichts von dem;\nGlück eintreten ließen, das ihn gelockt hatte.\nIm Traum war alle Erfüllung von seinen trunke-\nnen -unbesonnenen Lippen vorweg getrunken.\nDas Leben wußte der alte Träumer schon, läßt\nsich nicht vorzeitig die dichten schweren Schleier;\nabreißen, die Flechten auflösen, schamhaft gibt\nes sich nur dem unschuldigen, wilden Augen-\nblick hin, haßt die buhlerischen Blicke der Ge-\ndanken.\nUnd alle Trübsal Irenes wegen, eines Weibes\ndie ihn nichts anging und das ihm über /den!\nWeg gelaufen war. Er wollte dieses Spiel nicht\nweiter treiben, er mußte sich wieder auf seine\neinsame Ruhe und Kühle besinnen.\nAn die Wörtchen, diese Angeln der Ver-\nsehyätzten, wollte er nicht anbeißen, nicht er,\nder wortlose, einsame. Irene war gütig zu ihm«\ngewesen; er mochte sie hassen, die seine Ge-\ndanken immer von neuem zu sich zurückzwang\nund ihn wider seinen Willen festhielt. Er mußte\nihr ein Geschenk bringen und) er wollte ihr eins!\nbringen, ein Puppengeschenk, ein Narren-\ngeschenk, recht für ihre zarte Fratze passend,\nzum Hängen über dasi rotej Teufelshaar und über;\ndie süßen Arme und Finger. Sie konnte damit\nzur Hölle gehen. Was wollte sie, was verlangte\nsie eigentlich von ihm? Für die sanften Worte\nund die zarte Fratze? Nichts, nichts wollte er\nmit ihr zu schaffen haben, nichts wollte er ihr\n/ \\\ngeben für ihre Anmaßung und! freches Begehren,\nder undankbaren, der frechen Hündin. Je mehr\nseine Gedanken sich freundlich und feindlich\nmit dem seltsamen Geschenk und mit Irene be-\nschäftigten, je mehr besonnene Ueb er legungen:\ndie Wirrnisse zu lichten suchten, um so tiefer\nwuch& der neue Plan, den eine abenteuerliche\nLaune ausgeheckt hatte; nistete sich ein, forderte,\nhockte wie selbstverständlich in seiner Seele.\n\nFortsetzung folgt\nFortsetzung\n\nMax Steiner:\n„Die Welt der Aufklärung“\nKritischer Hinweis\nVon Dr. S. Friedlaender\n\nNachgelassene Schriften\nDer Wille zum ethischen Leben war in Steiner\nfast entschieden stärker, als der Wille zu leben.\nEr war der Sklave der logischen Konsequenz;\nin Sonderheit, wo sie sich praktisch entschied.\nSeine äquilibrische Deliberation verbot ihm, das\ngleiche logische Gewicht zwischen Diesseits und\nJenseits, Natur und Gott, Darwin ;und Kant zu-\ngunsten des einen oder des anderen aufzuheben.\nSein logisches Gehör hielt eine Doppelzüngig-\nkeit nicht lange aus. Was blieb denn übrig? —\nDas Weiterleben, Weiterdenken; aber es gibt in\ngewissen Momenten allzu leicht die verführerische\nMöglichkeit des Ni c ht-Weiterlebens. — Die\ngeistige Situation Steiners besteht in diesem\nAugenblick noch, dagegen merkt man nur zu\nsehr, daß es keinen Steiner mehr gibt. In der\nalten t Universitätsstadt Jena findet man zwei\n„jPhilosophenwege\", den „oberen\" und den\n„unteren\". Der eine führt am, (Binswangerschen)\nIrrenhaus, der anderej am! Kirchhof vorbei Welche\nIronie und tiefere Bedeutung dieser Symbolik!\nDer Don Juan der Erkenntnis, der leichthin ein\nso (hübsch monumental und immobil scheinen-\ndes Problem vom Postamente ladet und leicht-\nhin j weiter sein? Dasein vertändeln\nmöchte, wird recht bald die gewissen Schritte\nhören, die steinerne Handumklammerung desj be-\nfühknten Gastes verspüren. Der moderne\natheistische Freidenker hat nicht viel mehr Mut,\nals den seiner Dummheit. Er wird sich hüten,\nin den scharf geschliffenen Spiegel zu blicken,\nden Steiner ihm entgegenhält, den1 glänzenden\nLichtenbergspiegel seines Werkes, aus dem die\nApostel des Monismus als Affen herausschauen.\nManche Geister sind wie Notventile an über-\nhitzten Dampfkesseln. Ihre schrillen, schneiden-\nden Töne warnen vor Explosion'.» Man darf nicht\nvergessen, daß der Denker Nietzsche den\nMusiker, den Dichter zu nahe hatte, um zur\nGradlinigkeit gezwungen zu sein: dadurch run-\ndet sich sein Weg, sein Werk; er vermag, seiner\nAntipodie die Sphäre, die Harmonie der\nBphären abzugewinnen, indem er Licht und\nFinsternis bunt vermählt Sein Jja, sein Nein,\nso weltverschieden sie tönen, rühren; doch aus\neinem unlädierten Tonzentrum, aus einer! macht-\nvollen Persona her, die mitj urgewaltiger Will-\nkür ihre Vorzeichen, ihr Plus, ihr Minus nach\nihrer untrüglichen Witterung ansetzt: ihr Stark,\nihr Schwach, ihr Männlich, ihr Weiblich. Ihr\nDionysisch, ihr Christlich. Diese tiefe1 Person in\nNietzsche liebt die Maske —/ -und wie sollte auch\neine so rätselvolle, wesentlich anonyme Indif-\nferenz, ein so unteilbar Mittleres anders\nals inkognito zutage treten? Hier ist das kor-\ndinalie Gebrechen Steiners und seine! Vorzüglich-\nkeit zu suchen: er verschmäht — recht männ-\nlich! j— allen Umsdiweif, alle Draperie und\nMaskierung. Er will direkt sein, logisch bleiben\nund wird sis tiert, genau inl demselben Punkte,\nder ihn auf das Entschiedendstel hätte motivieren\nmüssen, wenn er nicht mehr Logik als Leben\nim Leibe gehabt hätte!\nGanz gewiß gibt uns die Logik auch für\nunser ethisches Verhalten die entgegengesetzten\nVorzeichen an die Hand — aber unsre Hand,\nunser Geschmack, unser Wille, unser Leben\nsetzt sie und nicht unsre Logik. Der ist\nverloren, der sich hier wie1 Steiner nach logischer\nHilfe sehnt; aber gleichermaßen derjenige, der,\ndie ... Bilateralitäij der Logik, ihren Magnetismus\n(„Polarität\") außer acht lassend, sichj nach seinen\nMisch-Masch-Gelüsten „ausleben\" will. Max\nSteiner weiß mit so furchtbarer, Deutlichkeit wie\nNietzsche, was es mit dem Atheismus auf sich\nhat : „Habt erst den Mut\", ruft er den seichten\nAufklärern, den dummdreisten Freigeistern zu,\n„der Hölle, deren Geister ihr gerufen, in den\nSchlund zu blicken. Werdet erst/reif für die Ge-\nstirne des Bösien\" ... Aber dieser unfehlbare\nLogiker scheute offenbar wie Feuer die Anrüh-\nder wunderbaren Grenze, deren Magie\nschon Lesising empfunden hat: der Grenze\nzwischen den einander entgegengesetzten mora-\nlischen Wertungen. Immanuel Kant polemisiert\ngegen Leibniz dahin, das radikal Böse sei keine\nbloße Abwesenheit des Guten, sondern dessen\nGegenteil: das negativ Gute, nicht bloß das\nNull-Gute! So wie das Gegenteil von Vermögen\nSch u Iden seien, nicht bloß Mangel an Geld.\nEben diese Bemerkung, daß alle Logik von Posi-\ntiv und Negativ beherrscht sei, hat eine Menge\nschwerer Verkennungen, schiefer Blicke hervor-\ngerufen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "867", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.5", "texte": "Umberto Boccioni: La peinture des états d’âme / II: Ceux, qui s’en vont / Originalzeichnung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "868", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.6", "texte": "III\nAn sich war „nichts\" weder gut noch\nböse — das Denken machte es erst da-\nzu! Dem alten Irrwahn der beiden feinde\nliehen Prinzipe, den Zarathustra entfacht,\nZarathustra ausgelöscht hatte, fiel, zuto nicht ge-\nringen degoüt Goethes, auch der Logiker Kant\nmit seinem „radikal Bösen\" zum Opfer. Von\nbiformer (polarer) Identität ließ Kant sich nicht\neinmal etwas träumen. Erst Zarathustra durch-\nschaute die Illusion des „Bösen\" als die Aus-\ngeburt sklavischer Furcht. Er leugnet keinen sitt-\nlichen Riohtungsunterschied, also -Gegensatz. Er\nkonstatiert ein „Stark\" als gut, ein „Schwach\"\nals schlecht: es fällt ihm[aber nicht ein, die Indif-\nferenz dieser Differenz zu leugnen, die „Geheim-\nniswelt der doppelten Wollüste\", der sein grenzen-\nloses Ja- und Amensagen gilt. Hier zeigt sich1\ndie Beschränktheit der lediglich skeptischen\nKöpfe, die letzte Unfreiheit Max Steiners: der\nMangel an Besinnung auf die Bedingung aller\nMöglichkeit ihrer Dialektik! Der nodus Vitalis\nder Logik, der Ausstrahlungspunkt aller mög-\nlichen Meinungsverschiedenheiten und -Gegen-\nsätze ist eben deswegen so unauffällig,\nweil er unbestimmt, unbestimmbar, weil\ner neutral ist: Indifferenz aller Differenz.\nOhne Besinnung auf dieses Apriori, dieses !un-\ndeterminierbar reine logische Medium, ohne\ndiese logische Null kommt . alles logische\nZählen vom Hundertsten ins Tausendste, aber\nniemals zum wahrhaft Unendlichen, Allgemeinen,\nKategorischen. Der Skeptiker schlägt sich mit\nentgegengesetzten Denkmöglichkeiten herum und;\nvergißt die Ausnutzung der Unanfechtbarkeit\nseiner eigenen Mittelstellung: sein Indifferen-\ntismus bekommt keine Energie, keine Intensität.\nIhm würde die besonnene Einsicht in die eigene\ntotale Exemtion unerhörte Kraft zum Traktieren\nder Gegensätze geben können; zur Beherrschung\nder Welt vermöge des Ueberlegenheitspunktes\nin ihm, der nicht „von1 dieser Welt\", der „jen-\nseits\", .„Ding an sich\" ist! Wie sehr schwelgt\nMax Steiner im Erleben und Anerkennen dieses\nPunktes! Wie sehr wehrt er sich gegen die\nplumpe Naivetät, Erscheinungen für Wesen zu\nhalten! Wie dringt er auf die metaphysisch-\nethische Bedeutsamkeit der Erscheinungen! Den-\nnoch bleibt seine gesa'mmte Anstrengung ohne\neigentliches Resultat, weil seine Extreme keine\nPo 1 e werden, keine Berührung in einer\nmedialen Grenze persönlich finden, obschon\nsie sich danach sehnen: keine Indifferenz.\nDer Indifferentismus ist die Erfüllung des\nVersprechens aller Skepsis, aller echten Freiheit\ndes Geistes. Es ist überaus sonderbar, daß die\nLogik der Logiker nicht ausgereicht hat, dieser\nletzten Finesse teilhaft zu werden: Position und,\nt\nNegation betreffen allemal das Selbe; und\ndieses Selbe ist Indifferenz ihrer Differenz. Daß\nJa und Nein im Nichts koinzidieren, gibt\njeder Logiker, eifrigst zu: aber daß dieses\nJNichts\" also den Entspringungspunkt aller\npolaren Möglichkeit von Ja und Nein bedeute,\nscheint sofort paradox und verdiente doch, dasi\nAllertrivialste zu werden! Les extremes se tou-\nchent; mais i e s egaux se different. Dif-\nferenz erheischt, prämittiert etwas, das re i n ist —\nnicht bloß von, sondern z u ihr, für sie: Indif-\nferenz. Es ist die größte Unterlassungssünde;\nder Logik auch der Allerweisesten geworden,\ndaß sie dieser Unterlassungs-Tugend der Logik\nkeinen ganz besonderen Platz reserviert haben.\nIndifferenz ist conditio sine qua non aller Mög-\nlichkeit Von Differenz. Natürlich, man meint —\n— so träge ist man gesonnen —, dieses Absolute,\nder Gott (oder wie man Unaussprechliches durch\nAusdruck verderben will) habe sich gratis, sein\nSein sei mühelos An-sich-selber-sein. Man ahnt\nnichts von Theopädie, von der Disziplin des\nGottseins, des Indifferentseins. Aber das Thema,\ndie Uebungsaufgabe dieses Identischen ist gerade\nseine unendliche Bestimmbarkeit, und nur durch]\nden Kunstgriff der Aequilibristik: dadurch, daß\nes sich zur lebendigen Kopula differenter\nGleichungshälften, daß es sich zum neutralen\nMedium seines Weltgegensatzes, zur Indifferenz\nseiner eigenen Polarität macht, herrscht es ab-\nsolut; als kategorischer Imperativ. Ist diese Be-\nhauptung ein Dogma, so. (ist Bie weder ein nega-\ntives noch ein positives; ihr Beweis besteht\nja gerade in der plötzlichen Aufhebung aller\nMöglichkeit von Position und Negation. Und\ndiese Reinheit wiederum von allem Ja und Nein;\nist der Ursprung aller Jas und Neins. — Speziell\nMax Steiner ist geradezu das Schulbeispiel für\ndie Verheerungen des skeptischen Denkens] durch\nden Mangel an Besinnung auf dieses Erz-Apriori.,\nEs ist den geistreichsten Köpfen, selbst Nietzsche,\nnicht gelungen, rein logisch die Vernichtung\ndes Denkens souverän sein zu lassen über das\ngesamte differenzierte Denken! Sie haben nicht\nkalt begriffen, daß diesei Aufhebung, diese Selbst-\nüberwindung des Denkens kein Extrem, sondern\ndas Zentrum gerade aller Extreme, Exzesse des\njGedankens ist. Sie wurden die Nihilisten des\nAbsoluten oder des Relativen und beider, weil\nsie den Geist der Vernichtung |mit dem Geiste\nder Verneinung verwechseln: sie verlieren ihren\nGeist aus Mangel an echter Bestimmung, daran\nsie ihn heften könnten, während; doch seine Frei-\nheit erst durch diesen Mangel sich heraus-\nstellen müßte. So werde tausend und ein Mal\nwiederholt: Bestimmung ist polar, Freiheit In-\ndifferenz. Das Nichts der Bestimmung mediatir\nsiert die Bestimmung; und es gibt nichts Imme-\ndiäteres als dieses ätherische Medium. Diese\nWahrheit ist ein-, sogar keinfältig; taubenhaft\nund schlangenklug. Das Grundgebrechen der\npessimistischen Philosophie Schopenhauers zum\nBeispiel ist diese Verwechslung des Nichts, des\nNullzeichens (Nirwana!) mit dem Minuszeichen,\nder Indifferenz mit dem 'negativen; Pol: der Ver-\nnichtung, Selbstaufhebung des Willens mit seiner\nVerneinung: Sansara und Nirwana sind\nkeine Extreme, sondern Nirwana pa-\nralysiert die Extreme Sansaras. Ana-\nlog diesem sieht Steiner gar nicht die richtigen\nExtreme: denn Naturalismus („Atheismus\", wie\ner es auffaßt) ist nicht der Gegenpol zum Theis-\nmus. Vielmehr steht es damit so, daß der Theist,\ndaß der Christ, der praktisch Vernünftige ä la Kant\nsich mit einer differenzierten und also extremen\nNatur auseinanderzusetzen hat, wie das Zentrum\nmit der Peripherie. Die Gegensätze sind peri-\npherisch, Natur zeigt Opposition mit sich in Be-\nziehung auf ein ihr eignes Zentrum, auf ihre\ncoincidentia oppositorum, ihre „Inwendgikeit\".\n„Gott\", „Person\", „Seele\", „Geist\", „Idee\", sogar\nsind, wenn sie sind, keine\nNatur, aufgehobene Natur. Sie sind durch Natur\ngenau so sehr positiv beweis«- wie negativ wider-\nlegbar. Entzweiung ist Charakter aller Natur:\nsie wird in alle Ewigkeit niemals einig ausfallen,\nein eindeutiges Prinzip weder desj Seins noch des\nHandelns abgeben! Rät man: „gemäß der\nNatur leben!\"; so verbirgt in diesem „gemäß\"\netwas , Regelndes, Gesetzliches sich, das der\nbloßen Natur nicht entnommen werden kann.\nSteiner macht aus dem Dionysismus Nietzsches\nden puren Naturalismus — aber das ist eine Ver-\nkennung: Dionysos ist schöpferisches, aller Natur\nhimmelhoch überlegenes Prinzip, er sieht auch\ndie Sterne noch unter sich; er ist viel zu reich\nund schwellend, um im Darwinismus Raum zu\nhaben. Er ist vergleichbar dem „Willen\" Schopen-\nhauers, wenn man diesem die „Hinterwelt\", die\nTranszendenz abschneidet. Am Titel bereits des\nSchopenhauerschen Werkes: Welt als Wille und\nVorstellung, verrät sich der alte Irrturn, der schon\nden Spinoza bethört hatte, das Identische, das\nWeltprinzip, der „Grund der Dinge\", ihr „In-\nneres\" sei das andere Extrem, der totale Gegen-\nsatz zum „Aeußeren\", zur „Vorstellung\". Nach-\ndem endlich, endlich! so viel errungen worden\nist, daß niemand mehr —1 bei Gefahr des Banke-\nrotts alles Geistes — es wagen darf, arg- und\nkritiklos die Dinge an sich! statt der Phänomene\nzu handhaben, unvergessend, wohlbewußt, wir\nwandeln in ewigen Geheimnissen; — tun die\nAllerweisesten dennoch hier bedenklich plumpe\nGriffe, um dem Unnahbaren mindestens sich\nanzunähern. Aber alles wäre gewonnen, wenn\nman sich in diesem solitären Punkt indifferen-\nzierte 1 Alles andere, die „Welt\", die „Vorstel-\nlung\", der „Wille\", das Unendliche ist immer\nschon differenziert. Schopenhauer sieht nunl frei-\nlich im Lebenswillen mehr das ausgezeichnetste\n[Phänomen, das „inwendigste\" von allen. Als-\ndann aber müßte er, wenn es der differenzierten\n'1 ■\nVorstellung einigermaßen überlegen, wenn es\nvorneh m sein sollte, keineswegs derenj Gegen-\npol daraus machen. „Vorstellung\", wie gesagt,\nenthält ja bereits die gesamte Differenz, also\nPol und Gegenpol! Vielmehr müßte dann\n„\\Wille\" die Angel, das Gelenk, die Indifferenz,\ndie mediale Angrenzung von Pol gegen Pol be-\ndeuten. Beiläufig wäre also dann die berühmte\nObjektivation des Willens dessen Entzweiung ge-\nwesen, dessen Polarisierung. Inzwischen tut man\nbesser daran, mit dem Willensphänomen keinen\n(Götzendienst zu treiben, sondern gleich Kant\ndem „Ding an sich\" die Ehre zu geben und!\nsehr besonnen einzusehen, daß dieses „Nichts\"\naller Phänomene in ihnen auf zahllose Artenj\nseine Entzweiung erfahre, an ihr symbolisch\n(„als ob!\") sich offenbare; wobei gewisse „aprio-\nrische\" Urphänomene paradigmatisch für die\n„empirischen\" wären. Würde dermaßen auch\ndie samtliche skeptische Verzweiflung des Den -\nkens als das antithetische, an tinomische Ausein-\nander des ewig unteilbaren Prinzips alles\nDenkens verstanden und erlebt, so würde man\nweder falsche Gegensätze bilden, noch die echten\ndisharmonisch finden. Man würde mit gött-\nlichem Aplomb mitten in dieser zerfahrenen,\nverworrenen, stürmischen Welt der Gegensätze\ndas Nichts dergleichen stabilieren, die eigne\nExemtion medial erleben. Es kann dieses nicht\nnach der Weise Kants „annähernd\" geschehen:\nReinheit von aller Welt ist der unmittel-\nbarste Akt! Und zugleich ist es der Akt zur\nReinheit für die Welt.\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nPAUL CORNU\nBernard Naudin / Dessinateur et Graveur\nMit zahlre chen Illustrationen\nMouhns (Allier) / Cahiers du Centre / 16 boule-\nvard Chambonnet\n\nGemalde-Ausstellung\nZeitschrift Der Sturm\nTiergartenstraBe 34 a\nFuturisten\nGeoifnet taglkh vo■» 10 bis 6 Uhr\nEine Mark"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "869", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.7", "texte": "Gegriindet 1825 FR. HAHN GegrSndet1825\nAlcxandcrplatz b Landsbcrgcrstrasse 60—63\nModerne Herrenbekleidung\nfertig imd raach Mass\nRE KLAMEAN GEBOT:\nDer elegante Ulster\naus englischen gemusterten Cheviots mit Aermelaufsehlagen 32.50 H\naus den modernsten FlausehstoIIen mit aufgesteppten Taschen 45.50 H\nVornehmer zweireihrger Sacco-Anzug, englisch gemusterter Cheviot 32.50 H 45— m\nSchicke Passformen Beste Verarbeitung\nDen Herren Studenten und Mitgliedern von Kunstvereinigungen gegen Vorzeigung von Legitimationskarten 5% Rabatt\n\nLes Marges\n5 rue Chaptal / Paris\nDiese literarische Zeitschrift\nveroffentlichte das franzosische\nOriginal der Tagebucher\nFlauberts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland ver-\nboten wurde\n\nProfessor Gur lifts Erziehansshelm\nAufnahme tinmen Knaben vom sechsten Lebensjahre an. Individuelle Behandlung\nPiivatunterricht, Ueberwachung, hygienische Lebens-\nweise, Oartenarbeit Handfertigkeitsuntyrricht, Naturleben in stho ster Gegend\nnahe am See — Besonders eeignet fur Kinder, die nervos herabgestimmt sind\nund in Schule und Haus erziehliche Schwierigkeiten machen.\n— Verlangen Sie Prospekt von der Leitung:\nOranienburg b. Berlin, Bismarckstr. 18 / Tel. Oranienburg 54\nliefert und verleiht\ninuth 0 m w.\nBerlin 26, Mpl. 4612\nQraniensfrasse 6\n\nKUNSTLERISCHE RAUME\n\"j >\nY:\nK\nIhUQrOi\nALBERT KOBLINSKX\nBERLINBRUCKENALLEE6\n\n* f\n(Dfliuchen Sle\nBriefe zu diktieren?\nOder Manuskripte sauber abschreiben zu lassen?\nOder schnelle Vervielfaltigung von Zirkularen? <§>\nWir bedienen Sie prompt,\ndiskret und preiswert!!\nVermietung von Schreibmaschinen <s> <£>\nBeparaturwerkstawe fur alle Systeme\nZllbehSre fur s&mtliche Schreibmaschinen\nSmith Premier Typewriter Co.\nBerlin W 8 Priedrichstr. 62\nTelephon: Centrum 11734 /11736\n\nDer proliiisthe MchzDchtn\nMonatsschrift fiir die gesamte Aquariumkunde, Spezialzeitschrift\nfur Zierfischpflege und Zucht, Wasserpflanzenkultur, Kleintier-\n===== welt etc. Jedem Aquariumliebhaber zu empfehlen ==\nHalbjahr (6 Monatshefte) nur 1,80 Mk. postfrei. Probenummern\ngratis. IW* Reichhaltig, neueste Zierfische, Zuchttricks etc.\n~ Nachlieferung Heft 1-18 nur Mk. 4.50 ==========\nVerlag Ernst Mar re Leipzig 67"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "870", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120527-01.1.8", "texte": "Paß & Garleb G. in. b. H., Berlin W ß?\n\nAusstetlungen, Salons\nKunsthandlungen etc.\n\nCRSPER'S Kunst-Salon\nPotsdamer Straße 19 Eintritt 50 Pfennig\nKollektion Qemalde von Prof. Hugo Vogel\n= und Schwarz-Weiß-Russtellung von =\nCorinth Klimt RaffaSlti\nForain Leistikow Paetschke\nHance liebermann Skarbina\nHelieu Menzel Slevogt\n\nGRAPHISCHES KABINETT\nBuch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n:: BERLIN W 15, Kurfurstendamm 33 ::\nStandige Ausstellung Ira\nmoderner Graphik Illustriert. Katalog «. Prospckte gratis\nFIMTRITT PR F I Ankauf guter Graphik\nrKCi iUustrierter Biicher\n\nAtelier Manni Schwarz\nInhaberinnen: Marie Luise Schmidt und Hanni Schwarz\n= Berlin W 30, Hohenstaufenstrasse 44 111 =\nFernsprech-Anschluß: Amt Lutzow, 9110 :: Fahrstuhl\nGeSffnet: Wochentags von 9-6, Sonntags von 10-1 Uhr\nPhotograpbische Arbeiten jeder Art in\n===== kunstlerischer Ausfuhrung =====\nAnfnahmen in natttrlichen Farben\nSpezialitat: Kinderaufnahmen und Aufnakmen\nim eigenen Heim :: Kurse fur Amateure\n\nFRITZ STOLPE\nGegrundet im Jahre 1873 • Fernsprecher Amt Lutzow 3752\nFabrik fur Gemalderahmen\nin alien historischen und neueren Stilarten\nKopien von Rahmen nadi aften Meisiern in Original-Goldtonungen\nSlmtliehe Vergolderwaren\nMobe 1 n, Innen- Architekturen usw.\n= Kunst - Einr ahmungen =\nReparaturen und Neuvergoldungen aller Gegenstande, Aufarbeiten\naller Arten Antiken, Reinigen von Gemalden und Stichen ::\n\nFRIT 7 MFRkTR Charlottenburg-Schillerstr. 94\n1 »\\1 1 l\\ Amt Charlottenburji 8397\nPASSEPARTOUTFABRIK BUCH-\nBINDEREI :: :: ZEICHENMAPPEN\nHUFZIEHEN VON ZEICHNUNGEN :: :: MODERNE BUCHEIMBfiIiDE\n\n= KCINSTLER-MAGAZIN\nFRITZ BERGMANN\nSteglitz □ Schutzenstr. 54\nFernsprecher: Amt Steglitz 482\nArchitektur-Buchbiiiderei\nElektrische Lichtpausanstalt mit Motorbetrieb\nPassepartout-Fabrikation Bildereinrahmnng\n\nQfTrDCrmlg]\nGESELLSCHAFT oaa C3ARONFREUNDE\"\nDie monatlichen Vortrage u.Vorlesungen\nvon charontischen Dichtungen\nfinden fortan im Cafe Austria, Pots-\ndam ?r Straße 28, statt Nachster Abend:\nSonnabend, 4. Mai, abds. 8 Uhr\nProgratnm: „Philosophic und Marchen\".\nDichtungen von Otto zur Linde (Heraus-\ngeber des Charon*); Verena zur Linde;\nKarl Rottger. — Gaste haben Zutritt!\nj| #Monatsschriftf.deutsche Dichtung, Charon verlagGr.-Li chterfelde. Pro Quartal M.1.50\nrOinpJ[qifltnnJlfli3E^tnrMtFni3tn\n\nLehranstal ten □ Kurse\nMai- und Zelchensehule\nStillefcen ss Landsehaft :: PortMt\nOTTO BE9ER, HeMOBMe 17, an KAMI\nMan verlange Prospekte\n\nHolzschnitzen, Hodellieren, Zeichnen\nTSglich 9—l Uhr Eintritt jederzeit\nModellieren fur Achitekten taglich von 5—7 oder 7—9 Uhr\nAbendakt taglich 7—9 Uhr Mark —,50\nAtelier Kurfflrstendamm 243 parterre gegenQber dem Zoo.\nBildhauer HARDBRS Berlin - Cfcarlottenburg*\n\nr~ modellimn und Zeicbnen\nVorbereitung: fttr die Akademie\nKARL HEYNEN - DUMONT\nCbarlottenburgr, Leibnizstrasse 32, Atelier\nMSsslge Honorare, , .\n\nfill\nm\ngmLLKirchner\nHax Pechstein\n(Ollmeralorf\nDurlocherstr. 14\niirbdbii\nModerner Doterricbt in\nI®]\n1\n[®1\n\nBuchhan d I u ngen\n\n7s*\nEdmundMeyer\nBuchhandler u. Hntiquar\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 27b\nFernsprech. 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Telefon: Kurfurst242s\n\nSpedition\nGspleHahrt\nRollfahrwerk\nHfibsltransport\nVerpaekung\nLageriing\nTerzollung\nVersieherung\nLombard\nMax Lux\nHalensee\nIT\nr.:.«rr,i.t\nRinghahnstrasse 123 a • Fernsprecher: Uhland 595\nSpediteur des Vereins fur Kunst zu Berlin\n\n| Konzert-Bureau §\n| Erail Gutmann-BerlinMunchen |\nS\nZirkns Schumann 17. n. 18. Mai\nZwei Festaiillmip\nMM MULEB\nIn zwei Teilen fur zwei ge-\nmischte Chore, Kinderchor,\nsieben Soli, Orgel und großes\nOrchester\nOeber 1000 Mitvirkende\nKarten,Prospekteu.Textbucher |\n| bei Bote u. Bock u. A.Wertheim |\n\nWintergarten\nim Bahnhof Frledriehstrasse\nNeues Programm\nRnne\nDancrey\n\nNeoe Secession Beilin\nEingetragener Vereiti\nPassive Mitglieder\nder\nMeuen Secession\nerhalten jahrlich\n1 mehrere graphische\nArbeiten\n2 die Zeitschrift Der\nSturm frei zugestellt\n3 freien Eintritt zu den\nVeranstaltungen der\nN. S.\nitgliedsbeitraghallijlrliclilSM.\nQeschaftsstelle §\nder Neuen Secession\nSteglitz\nMiq«elstraße ?a — Fernrof Steglitz 269S\n\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangloser Folge\nNumraer 347/348\nsoeben erschienen\nPreis 50 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nauch auf den Bahnhofen\nWerbeband der Packet\n50 Pfennig"}]}