{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_sha256": "9a04d86397f886254bf5aa2b269fe173e29529678f3a05ea7a6ea81ddf595719", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/08/24_01/bmtnabg_1912-08-24_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/08/24_01/bmtnabg_1912-08-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "125", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.1", "debut_caractere": 512, "fin_caractere_exclue": 748, "texte": "Inhalt:\nH. 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Herr Ju-\nlius Bab verspricht, die „Umschau unter dem streng-\nsten Gesichtspunkt einzunehmen\". Ich kann nicht\nfinden, daß er unter seinem Gesichtspunkt steht.\nSeine Augen reichen nur bis zu seiner Brille. Infolge\ndessen fallen ihm zunächst zwei ~starke und rein,\nliehe Formtalente\" in die Augen. Nämlich\nDie Sonne glost im Osten auf,\nwir fassen fest die Faust am Knauf.\nDer Morgenwind streicht unser Haar,\nSucht einen, der von Sünden bar,\nUnterm verlornen Haufen.\nDie Stärke ist offenbar die Faust, die Reinlichkeit\nder Morgenwind, der das Haar streicht, und das\nFormtalent ist unterm Haufen verloren. Herr Ju-\nlius Bab kann Heine noch viel besser dichten:\nFrühling, komm' und trage\nmich mit sanfter Hand,\ndaß ich nicht mehr frage,\nwo mein Heimatland.\nIch frage nur nach dem ».ist\" und antworte dem\nDichter:\n. • Nur unverzagt, auf Gott vertraut,\nEs muß doch Frühling werden!\nViel bedeutsamer erscheint dem Julius Bab Franz\nWerfel. Herr Julius Bab erhofft von dem Poeten,\ndaß er „unserer Lyrik einen neuen Ton schenken\nwird.\" Franz Werfel dichtet so:\nDie Freunde, die mit mir sich unterhalten\n;j : Sonst oft mißmutig, leuchtend vor Vergnügen,\nlustwandeln sie in meinen schönen Zügen\nwohl Arm in Arm, veredelte Gestalten,\nOder so:\nWer trat herein?\nSo leicht und unbefangen\nMit einem lila Shawl\nund tanzerregten Wangen\nwie bei der Damenwahl?\nWorauf man mit Julius Bab antworten könnte:\nLaß in weichen Winden,\nDie auf Feldern geh'n,\nDu mich Wohnung finden —\nLaß mein Haus ersteh n,\nWo ist der eigene Ton? Im Rhythmus. In der Me-\nlodie? Oder will man mir etwa erzählen, daß der\nsogenannte Inhalt neu sei? Der noch nicht benutz*\nte Shawl, Oder das Engagement der Lyrik für\ndie Damenwahl, oder macht es die Weltanschau-\nung:\nKind, vernimm zu nächtlichem Geleit:\nEwig sind wir, — Wahn ist alle Zeit.\nIch möchte dem Kind zum nächtlichen Geleit\netwas besseres wünschen als diese beiden Versplatt-\nfüße. Wenn einer schon durchaus neuen Wein in\ndie bekannten alten Schläuche schütten will, dürfte\nihm das deshalb schon schwer fallen,, weil die alten\nSchläuche nicht einmal mehr zum alten Eisen ge-\nworfen werden können. Sie sind nicht mehr Mode.\nUnd werden selbst im lila Shawl trotz allem Ver=\nstecken wieder erkannt. Goethe, Heine und Geibel\ngeben auch zusammen noch keinen neuen Ton.;\nWenn man ein Erlebnis (den Tschibuktürken überm\nLadenschild, sie mit tanzerregten Wangen)\naufschreibt, in erborgten Rhythmen, so ist das nt>ch\nkeine Gestaltung eines Erlebnisses. Herr Julius Bab\nhat zwar gelesen, daß Erlebnis und Gestaltung ein\nKunstwerk mache, nur sieht er durch seine Brille\nein Erlebnis, wo keine Gestaltung, und eine Gestal-\ntung, wo kein Erlebnis vorhanden- ist. Herr Bab\nschwärmt für ~urwüchsige Erneuerung\", wobei\nnicht recht sichtbar wird, wie eine Erneuerung ur-\nwächst, oder überhaupt wächst. Aber auch die\nurwüchsige Erneuerung ist nur bei einem „Ueber-\ngang aus vornehmer Tradition\"^(Goethe, Heine,\nGeibel) erhoffenswert. Herr Werfe! „wird unse-\nrer Lyrik einen neuen Ton schenken\", von Max\nMeli ~hat die deutsche Lyrik viel zu erwarten\". Sie\nkommt aber trotz allem nie außer Rand und Band,\ndie Lyrik. Sie wird zu fest in Rand und Band\nvon den Hoffnungsdichtern des Herrn Bab gehal-\nten. Max Meli dichtet etwa so:\nUnd mit dem Wagen, der schwer\nsich am Abend mit Garben belud',\ngeht er müd' und stolpernd einher.\nUnd geht ihm durchs Scheunentor nach und\nschließt es hinter sich zu.\nSo etwas kündet nach Julius Bab „ein eigenes,\nstarkes, ungehemmt (mutiges Verhältnis zum Dasein\".\nDabei schließet er das Scheunentor hinter sich gut,,\nund schwer herein schwankt der Wagen, kornbe-\nladen. Nicht einmal zieht das muntere Volk der\nSchnitter mehr zum Tanz. Ja, der Ernst des Le-\nbens tritt an die Lyrik heran. Jetzt heißt es fest\ngefügte Verse künstlich in die Länge ziehn. Und\nzwar jeden vierten Vers, damit man auch die Ab-\nsicht merkt. Aber dieser in die Länge gezogene\nVers macht Herrn Julius Bab zum Extatiker: „Max\nMeli bietet das Beispiel, wie ein Talent durch im-\nmer tiefere und reinere Selbstbesinnung aus der\nKonvention zu eigener und neuer Form schreitet\".\nKaum schreibt der Herr Bab das Wort schreiten,\nschon muß er an seine vielen vergeblichen Wege\ndenken. Und mit wehem Ernst bemerkt er: „Es ist\nein weiter und schwerer Weg (Gedankenstrich)\n— und vielleicht nicht einmal der Weg des ganz\nursprünglichen Genies, das sich mit einem jugendlich\nwilden Sprung auf eigenen Boden zu stellen pflegt\nund; erst später und allmälich seinen eigenen Zu-\nsammenhang mit der großen Tradition der Formen\nwieder auffindet\". Herr Bab rennt verzweifelt auf\nfremden Straßen herum, und das ganz ursprüng-\nliche Genie stellt sich mit einem jugendlich wilden\nSprungauf eigenen So machen das\ndie Genies. Aus Wut darüber wird Herr Julius Bab\ngutbürgerlich und symbolisch. Er wendet sich mit\nGrimm gegen „die Titanen der Cafehäuser, die sich\ndurch möglichst augenfällige Aneignung des bloßen\nSymptoms, ungewöhnlich oder möglichst unver-\nständlich sein! „,,als Genies bemerkbar zu machen\nsuchen\". Darauf wird Herr Julius Bab symbolisch\nund redet von ~dem in jedem Sinne grünen Bande\nder Kondor\". Nun ist der Kondor schon deshalb\neine schlechte Antologie, weil er Gedichte von\nPersonen enthält, die nicht einmal Dichter sind,\nund Gedichte von Dichtern, die keine Künstler sind\nMit großem Bedauern lese ich den Namen Else\nLasker-Schüler in diesem Buch. Sie wird vielleicht\ndie Gefolgschaft ebensowenig gekannt haben, wie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4397, "texte": "die drei Dichter, die in dem Buch außer dieser\nKünstlerin noch enthalten sincL Herr Julius Bab\naber wird ,„,an die verzweifelt äußerlichen Form-\nverrenkungen verstiegener Originalitätssucht in\nden dlunkelsten Winkel der berliner Sezession er-\ninnert4'.- Wirklich, berliner Sezession. Dieser Satz\nzeigt das Verhältnis des Herrn Julius Bab zur\nMalerei. Man fühlt intensiv die unwahre Anerken-\nnung, die er für die berliner Sezession heutzutage\nzu empfinden schon für nötig hält. Während seine\nSeele, seine frühlingstrunkene Seele sich nach der\ngroßen Kunstausstellung sehnt, wo man die Formen\nerkennt. Kann man denn wirklich diesem Unfug\nder vornehmen Form nie ein Ende machen? Der\ngebändigten Leidenschaft, der schönen Linie,, des\nedlen Klangs? Natürlich ist Julius Bab für Georg\nHeym. Georg Heym ist beim Eislauf auf der Havel\nertrunken, bemerkt Herr Bab. Natürlich findet\nHerr Bab in dem letzten Gedicht Heyms deshalb\n„etwas Dämonisches, ein wissendes,,, todeswilliges\nGelüst44. Ich halte ein Ertrinken befm Eislauf nicht\nfür eine todeswillige Angelegenheit, und kann auch\nnicht finden, daß so etwas tragisch ist. Ich kann\nauch nicht finden, „daß dieser sinnlose Zufall, der\nunserer Lyrik das vielleicht stärkste Talent des\nletzten Jahrzehnts entriß, in irgend einer Ordnung\nder Dinge doch mehr als Zufall bedeutet44. Heym\nwar kein starkes Talent. Herr Bab rühmt seinen\nharten jambischen Rhythmus, und daß Heym „in\nganz kurzen springenden Sätzen eine wilde\nJagd brennender Bilder vorüber*\nhetzt44. Gewiß, er hetzt Bilder vorüber.\nSie brennen zwar nicht. Aber Bilder, Herr\nBab, kann man nicht hetzen. Nicht einmal,\nwenn sie wirklich Und noch viel-\nweniger in jambischen Rhythmen. Heym hat\nsich nie in einem Erlebnis gefunden. Ob man den\nsogenannten Stoff zum Dichten aus Königsmänteln\nund Purpurbaldachinen, oder aus Dreck und Tin-\ntenschwärze herstellt, ist gleichgültig. Man kann\ntrotz Wasserratten und Adamsapfel unoriginell sein*\nSelbst wenn kein Mensch die Wasserratte\nund den Adamsapfel unserer Lyrik auf\nden nun schon sehr geduldigen Leib ge=\nworfen hat. Ein Stoff kann doch wohl nie etwas\nGeborenes, etwas Ursprüngliches sein. Und da-\nvon abgesehen; was ist das für ein Erlebnis, das\nden Atem nicht ändfert. Was ist das für eine Lei-\ndenschaft, bei der die Brust sich wie im Schlaf\ngleichmäßig hebt und senkt. Ist das Gestaltung?:\nAus vielen Pfützen dampft des Blutes Rauch,\ndie schwarz und rot den braunen Feldweg decken,\nund weißlich quillt der toten jPferde Bauch,\ndie ihre Beine in die Frühe strecken.\nSieht man einen braunen Feldweg schwarz und\nrot, wenn man es sagt. Strecken tote Pferde ihre\nBeine jambisch in die Frühe? Vielleicht tun sie es.\nWie alle Toten. Denn in dem todeswilligen Schwa-\nnensang heißt es:\nFroh sind die Toten, die zur Ruhe kehren\nUnd strecken ihre weißen Händle aus\nden Engeln zu, die groß und schattig gehen\nmit Flügelschlagen Hurch das hohe Haus.\nEngel und tote Pferde sind in demselben Rhyth-\nmus erlebt. Kann man stärkere Beweise des fehr-\nlenden Erlebnisses beibringen? Oder sind es\n„springende Sätze44 und „gehetzte Bilder44, wenn\njemand des Reimes wegen Bilder willkürlich zer-\nreißt :\n— — — —- — Eine Zahl.\nHat jeder Kranke. Und mit weißer Kreide\nSind seine Qualen sauber aufnotiert.\nDas Fieber dionnert. Ihre Eingeweide\nBrennen wie Berge. Und ihr Auge stiert.\nZur Decke auf,, wo ein paar große Spinnen\nAus ihrem Bauche lange Fäden ziehn\nSie sitzen auf in ihrem kalten Linnen\nUnd ihrem Schweiß mit hochgezogenen Knien. .\nSo etwas ist Unfähigkeit. Nicht etwa Gestaltung\neines Fieberspitals. Denn eine Messe, dieser\nSchwanensang, wird genau mit denselben Mitteln\n„dargestellt44:\nBei dreier Kerzen mildem Lichte\nDie Leiche schläft. Und hohe Mönche gehen\nUm sie heruitty Und legen ihre Finger\nManchmal über ihr Angesicht.\nDas ist doch wohl keine Gefühlsvorstellung,\ndie „gehetzte44 Bilder und springende44 Sätze er-\nfordert. Vielleicht die Unfähigkeit, rhythmisch zu\ngestalten.\nDas ist der Spaziergang des Herrn Julius Bab\nzur Sommerszeit in der Gegenwart. Ich freue mich\nfür „unsere Lyrik44, daß Herr Bab sich bald im\nWinter seines Mißvergnügens bei dem hundert-\narmigen; Dämon Theater zu deutsch bei Herrn\nReinhardt, einfindet, und der Lyrik seine Anteil-\nnahme wieder entzieht. Das Drama kann es ohne\nseinen Bäb nicht aushalten. Er zeige ihm die\nWege, die nach Rom führen, dem Ziel aller Ober-\nlehrer. Wir bleiben im Lande, zu dem kein Weg\nführt.\n\nH. 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J.\nAn den hochwürdigen Pater Bona-\nventura S. J., Chamfort (Belgien)\nIn deo pax!\nWien 7. Februar 1894\nHochwürdiger Bruder in Christo dem Herrn,\nich bin Deiner Angelegenheit während der\nletzten Wochen mit großem Eifer nachgegangen,\nwas mich in. den Stand setzt, Dir heute die gewün-\nschten Nachrichten zu geben.\nSo muß ich Dir denn zu meiner großen Be-\ntrübnis mitteilen, daß das immerhin bemerkenswerte\nunihöfliche, zehnjährige Schweigen, das Baron\nFrangart und seine Familie Dir als einzige Antwort\nauf Deine Briefe gegeben haben, sich aus mancher-\nlei traurigen Begebenheiten erklärt, die Gott, inj\nSeiner unerfoirschlidhen Absicht, über diese edle\nFamilie verhängt hat. Wobei ich von vorn herein\ndem Wunsche Ausdruck gebe, und auch der in-\nnigen Ueberzeugung, daß Er alles, so oder so,\nzu einem guten Ende führen, werde. Denn er hat\nin Seiner großen Gnade unserer heiligen Kirche\ndrei Selige , aus der Familie Frangart zugeführt,\ndie im dreizehnten, sechzehnten und siebzehnten\nJahrhundert von den Päpsten ritu als solche er-\nklärt worden sind Freilich sind, was sehr zu\nbeklagen ist, seit dem siebzehnten Jahrhufldeijt\nsieben der Herren von Frangart im Zweikampf ge\"\ntötet worden, allemal mit ihrem Verschulden, indem\nsie Frauen aus edlen Geschlechtern, obwohl selbst\nverheiratet, wider alle Heiligkeit der Ehe begehrt\nund verführt hatten.\nIm Hause des jetzigen Herrn von Frangart ist\nes folgendermaßen hergegangen: Die verehrungs-\nwürdige Freifrau von Frangart liegt seit der Ge-\nburt ihres einzigen Kindes und noch länger krank.\nSie ist daher in der Gesellschaft hier persönlich\nnahezu unbekannt. Schon, vor neun Jahren mußte\nsie auf Geheiß der Aerzte, die d&s hiesige Klima\nals nachteilig für. sie erklärten, in den Süden über-\nsiedeln,. Sie wohnt jetzt in dem winzigen Stamm-\nschloß der Frangarts, auf Frangart bei Sigmunds-\nkrön in Südtirol. Man hat mir erzählt, (daß sie\n'V\ndort mit ihrem Kind zusammen in schweigsamer\nununterbrochenen Ruhe, ohne irgend welche Men-\nschen zu empfangen oder zu besuchen, die Tage\nhinbringe. Das Kind, Fritz jP. J. Frangart, dessen\nzarte Schönheit in der ganzen Gegend dort berühmt\nsein soll, erhält seinen Unterricht von einem geist-\nlichen Mitbruder,, der von Bozen aus jeden Tag in\ndas Schloß fährt. Er hat mir über die Begabung'\ndes jungen Herrn, über seine Leichtigkeit im Er-\nfassen aller geistlichen und weltlichen Dinge, eben-\nso viel Rühmliches geschrieben wie Trauriges\nüber seine beispiellose Trägheit und seine uner-\nschütterliche Selbstgenügsamkeit. Er macht indes\ngroße Fortschritte; es soll mit ihm sein wie mit\neinem Menschen, der schon alles von selbst und\nvon lange her weiß und'dem man nur daran zu er-\ninnern braucht. Im übrigen aber lehne er alle freie\nZeit an der Mauer des Schlosses, das auf einer,\nHöhe liegt, lasse sich schweigsam von der satten\nSonnne des Südens bescheinen und sehe immerfort\nhinunter in das lichtgetränkte farbenreiche 'Tal.\nNach diesen Mitteilungen unseres geistlichen\nMitbruders zu schließen, muß es ein sehr merkwür-\ndiger Knabe sein; dazu kommt, daß er* sich im\nVerkehr mit den Menschen einer ebenso natür-\nliche Höflichkeit als vollkommenen Kälte befleißigt\ner soll garnicht das Bedürfnis haben, das sonst\nden Kindern eigen ist, sich anzuschließen und Zu-\ntrauen zu bezeugen. Die Mutter lebt sehr fromm\nund betet viel; aber sie liegt und träumt den gan-\nzen Tag. Ich gebe dir den Schluß des Briefes un=\nseres Mitbruders in wörtlicher Uebersetzung:\n„Selten fährt die Freifrau mit dem jungen Herrn\naus. Ihr schmächtiger Körper ist dann in Decken\ngehüllt, ihre tiefliegendlen Augen* träumen in die\nFerne (die Leute hier sagen: sie hat ein „allwissen-\ndes Geschau4, d. i. oculos omnisapientes). Sae\nnickt von Zeit zu Zeit langSjam mit dem blassen\nHaupt, aber sie scheint niemand von all denen\nzu sehen, die sie ehrfurchtsvoll begrüßen. Bei\nihrem Anblick füllen sich die Augen unserer! Land-\nbewohnerinnen mit Tränen. — Neben ihr aber sitzt\nihr Sohn, der junge Herr von Frangart, und sieht\nkalt und gleichmütig über alle hinweg. Er ist sei-\nner Mutter aus dem Gesicht geschnitten, nur das\nseine kindlichen Züge schon hart sind» ganz wie\ngemeißelt, wie auf unsern ältesten Denkmälern\nund Bildern. Seine schwarzen Haare sind leicht\ngelockt, die seiner Mutter leicht ergraut.\nIn der Frangarter Kirche beten die Bauern\nfreiwillig nach jeder Messe ein Paternoster für die\nGesundheit der edlen Frau im Schloß.\nIch kann garnicht aussprechen, wie wir alle\nhier die beiden lieben; die Mutter ist wahrlich wie\nein Hauch und Schatten aus der andern Welt,\nder Sohn aber, in seiner zierlichen Schlankheit,\nein geborener Herr.\"\nSo schreibt unser Mitbruder in Bozen. Wenn\nDich, hochwürdligeij Bruder in Christo, schon\nmanches in diesen Nachrichten betrüben wird, be-\nsonders das über die Gesundheit der verehrten\nFrau Gesagte, — wüe wird es vollends Dein Herz\nzerreißen, wenn ich, nur durch deinen} dringenden\nWunsch bewogen, Dir die Wahrheit über den Va-\nter und Gemahl eröffne. Oh, über die harte Auf-\ngabe, die Du mir gestellt hast!\nIn der ersten Zeit seiner Ehe soll der Baron\nFrangart, der noch immer in Wien Dienst macht,\nmit allen Zeichen eines schwer bekümmerten Men-\nschen herumgegangen sein. Das hat sich auch\nnach der Geburt seines Sohnes nicht sogleich ge-\nändert. Aber als Mutter und Sohn nach dem Sü-\nden übersiedelt waren, stürjzte sich der Vater m\nden Strudel der Welt. Wieviele leichtsinnige\nDinge werden nicht von ihm erzählt! Wieviele\nFrauen hat er verführt, ohne auf göttliche und\nmenschliche Gesetze zu achten! Galt er doch als\neiner der schönsten Männer der großen Gesell*\nSchaft; bei diesen Abenteuern mager# er jedes"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10803, "texte": "Jahr mehr und mehr ab, indes erhöht dies nur die\nEleganz und Geschmeidigkeit seiner Haltung. „OK\ndiese Taille, oh diese Taille !\" kann man die ver-\nrückten Damen hier flöten hören. Seine Augen\nstrahlen die Glut der südlichen Sonne wieder, un-\nter der er geboren ist. jCln seiner Heimat gibt es\nviele schöne Leute; der Rotwein macht sie schlank;\ndie Sonne bräunt ihre stolzen Gesichter; ihre Au-\ngen sind dunkel und gefährlich. Verzeih diese Ein-\nschaltung, hochwürdiger Bruder in Christo! —\nspricht doch jeder gern von seinen Landsleu-\nten!)\nDer Baipn Frangart lebt durchaus wie ein\nJunggeselle. -— Alle verderblichen Eigenschaften\nseiner Vorfahren scheinen sich in ihm gleichsam\ngesammelt zu haben und!,, nunmehr losgelassen,\nihr Spiel zu treiben. Nur ein einziges Mal, sagt\nman, hat er Frau und Sohn besucht und soll ärger\nzurückgekommen sein, als er hingefahren war.\nEin Verwandter seiner Frau, Marquis Choiseul,\nist vor drei Jahren nach Wien gekommen, um ihn\nzur Rede zu stellen. Der Marquis bereut wohl,\ndaß er die beidien zusammengeführt hat. Bei Sr.\nMajestät, unserm Kaiser, hat er sich eine Audienz\nerbeten. Sie wurde ihm gewährt „Kaiserliche\nMajestät,\" soll er gesagt haben, „mir scheint, der\nBaron Frangart, Gemahl der früheren Komtesse\nRiom, täte gut, die Armee zu verlassen und zu\nseiner Familie heimzukehren. Eure Majestät wür-\nden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie ihm das\nsagten.\" Es wird berichtet, daß seine Majestät\nsehr gnädig zu dem alten Herrn gewesen sei, aber\nihm seinen Wunsch, weil Baron Frangart eben\ndoch ein sehr zukunftsreicher Offizier ist, hat\nabschlagen müssen. Es läuft überdies eine kuri-\nose Anekdote um: Seine Majestät fragt :den Mar-\nquis Choiseul, ob er in Frankreich irgendein öffent-\nliches Amt bkleide. „Votre Majestä Imperiale,\"\nantwortete der Marquis, ~nous autres les Choiseuls,\nnous n'avons point accept£ de Charge publique\ndepuis 1789. Apres la Revolution, cela n'aurait pas\nete digne de nous ni de nos traditions.\" ,„Ah!\" sag-\nte Seine Majestät lächelnd, „voyez, eher marquis,\n- (\nvous etes donc de beaueoup plus nobles que moi,\nqui exerce-lä le mutier Üi'empereur!\" — „Loin de\nmoi cette pens£e, mais votre Majeste Imperiale r\nexerce par gräce de Dieu et non pas en France.\"\nMan hat den alten stolzen Herrn sehr respektiert.\nBevor er von hier abreiste, enterbte er den\nBaron Frangart, der viel Geld verbraucht hat, zu-\ngunsten seiner Frau und seines Sohnes.\nEine Dame der hiesigen Gesellschaft, die den\nBaron Frangart auf eine verrückte Weise, und so\nliebte, daß man sich öffentlich darüber moquierte,\nsoll ihm tags darauf zwanzig Tausendkronenscheine\nins Haus geschickt haben. Sie hatte einen Zettel\nbeigelegt: „Wenn nötig — Fortsetzung folgt.\" Als\ndie lächerliche Dame den Nachmittag dieses Tages\nan seinem Haus vorüberfuhr, stand er schon am\nFenster, zerriß, ohne einen Blick auf den Wagen\nzu werfen, die zwanzig Scheine in kleine Stücke\nund ließ sie hinunterflattern. „Wenn nötig —\nFortsetzung folgt!\" schrie er dabei wiederholt. Die\nDame mußte Wien verlassen, um dem Gespött zu\nentgehen, das sich allseitig laut erhob. Aber sie\nist leider nicht die einzige, die seinetwegen Ehre\nund Achtung in der Gesellschaft verloren hat. —\nSeine religiösen Pflichten erfüllt der Baron Frangart\nregelmäßig. Auch er soll in manchen Tagen in\nbitterster Melancholie und Einsamkeit das Zimmer\nhüten. Aber nachher beginnt er das unsinnige Le-\nben von vorn, und ohne daß auch nur eine Spur\nvon Wandel der Gesinnung ersichtlich würde. Gott\nbehüte ihn vor einem unchristlichen Ende!\nDies, hochwürdiger Bruder in Christo, ist die\nbedauerliche Wahrheit über den Baron Frangart\nWenn er Dein Freund ist, wie es nach Deinem Brie-\nfe scheint, so bete unablässig für ihn! Wenn er es\nnicht ist, bete trotzdem!\nAch hochwürdiger Bruder, manchmal denke ich\nmir, wieviel ruhiger und angenehmer mein Leben\nverflösse, wenn ich irgendwo auf dem Lande und\nnicht hier, in einer Pfarrerei„ zu der fast ausschließs\nlieh die Menschen der großen Gesellschaft gehören,\nzubrächte. Wieviel weniger Dinge erführe ich\ndann, die mein und nunmehr auch Dein Herz mit\nSorge erfüllen!\nAber wir müssen dort ausharren, wohin wir\ngestellt sind. So liegt es im Sinne der Vorsehung,\nWelcher Dich hiermit empfiehlt\nDein Dich liebender Bruder in Christo\nCanisius S. J.\nEine Zeitungsnachricht\nIn der Nacht vom werten auf den fünften April\n1896 erhielt Pater Bonaventura ein Telegramm des\nPaters Canisius aus Wien mit den kurzen Worten:\n„Baron Frangart gestorben. Brief folgt\". Der\nBrief kam expreß am Mittag des nächsten Tagesu\nEr enthielt einen Ausschnitt aus einer Wiener Zei-\ntung, nebst einer, offenbar in den Eile deutsch ab-\ngefaßten Bemerkung von der Hand des (Paters\nCanisius.\nDie Zeitungsnotiz lautete (im Zeitungsdeutsch,\nnicht übersetzt): ~Heute morgen verschied uner-\nwartet rasch eine der hoffnungsvollsten Zierden\nösterreichischen Armee, Hauptmann Baron\nFrangarti Die Nachricht wird allgemein mit Be-\ndauern aufgenommen werden, indem wohl jeder,\nder mit Baron Frangart, sei es nun dienstlich odei\nin persönlichem Verkehr, zu tun gehabt hat, das\nbeste Andenken an ihn mit fortgenommen haben\ndürfte. Ueber die Ursache des so plötzlchen Todes\nhüllen sich die maßgebenden Stellen an tiefstes\nStillschweigen. Man geht wohl nicht fehl, wenn\nman das Ableben des Baron Frangart mit einem\nEhrenhandel in Verbindung bringt. Die Beerdi-\ngung findet in aller Stille zu Frangart in Südtirol\nstatt, wo der jäh Verschiedene in der Familiengruft\nbeigesetzt wird\".\nDiese Notiz war von: folgenden lakonischen\nWorten des Paters Canisius begleitet:\n„Baron Frangart ist tot. Er hat sich öfter\nduelliert, als zulässig wäre, selbst wenn man\ndarauf baut, daß einem Gott wohl will. Der Baron\nhat nach dem tödlichen Schusse noch zwei Stunden\ngelebt, und somit war ihm die Gnade gewährt, die\nheiligen Sterbesakramente zu empfangen, aus mei-\nner eigenen unwürdigen Hand, und im Schöße un-\nserer Kirche zu sterben. — Er hat mir für Dich,\ngeliebter Bruder, ein Schriftstück übergeben las-\nsen, das ich jedoch nur Dir persönlich auszufolgern\nhabe. Ich nehme also an,, daß ich, obzwar der An-\nlaß tieftraurig ist, die Freude haben soll, Dich bald\nzu umarmen\nals Dein niedriger Bruder in Christo\nCanisius S. J/1\nPater Bonaventura, der nur die Zeitungsnotiz\ngenau und die Zeilen des iPaters Canisius sehr\nflüchtig, ja gegen den Schluß hin gar nicht las (es\nfiel ihm beschwerlich, deutsche Handschrift zu\nlesen), erbat sich von seinem Obern einige Tage\nUrlaub zur Reise nach Frangart; er ging dabei von\nder Meinung aus, daß er im gegenwärtigen Mo-\nment der Witwe und dem jungen Baron Fratz mit\nRat und Tat nützen könne.\nEinige Stunden nach Mittag befand er sich\nschon auf der Fahrt nach München—\nBo>zen. Er saß kaum im Zuge, da traf im Ordens-\nhaus ein Telegramm des Alten auf Choiseul ein,\ndas die merkwürdigen Worte enthielt: „Wissen\nSie, daß Baron Frangart tot ist, Sie brauchen! nicht\nzu seiner Beerdigung zu fahrenv da ich wahrschein\"\nlichl sebst hinkomme. Choiseul\".\nDa 'Pater Bonaventura nun schon einmal un-\nterwegs war, hielt man es im Hause nicht für nötig,\nihm diese Depesche nachzusenden.\nDie Versuchung\nDer Zug, der den Pater Bonaventura gegen\nMünchen führte, war gerade in Ingolstadt ausge-\nlaufen. Die Reisenden mußten die Betten der\nSchlafwagen verlassen und sich ankleiden. Pater\nBonaventura, der ja in Deutschland sein Ordens-\nkleid nicht tragen durftq,, steckte heute in einem\nkarrierten englischen Reiseanzug. Er lächelte, als\ner sich, im Spiegel des Coupes, in diesem weltli-\nchen Aeußern erblickt. Seit beinahe zehn Jahren,\nja, seit 1894, hatte er ununterbrochen das Habit\nseines Ordens getragen. Wie merkwürdig, daß er\ndas Kleid der Welt, das er bei der Hochzeit seines\nFreundes ausgezogen hatte, nunmehr bei seiner\nBeerdigung zum ersten Male wieder anzog!\nDraußen schien es Tag werden zu wollen; aber\nman sah nichts von der Landschaft, da ein dichter\nNebel alles verdeckte.\nPater Bonaventura blickte, wie zufällig, noch-\nmals in den Spiegel. Er fand, daß er sich immer-\nhin noch gut machte lin diesem englischen Stoff.\nPlötzlich ertappte er sich bei seinen\\Gedanken und\nerrötete. In leiser Verwirrung fing er an'yzu beten\nund suchte den weltlichen Sinn zu'verscheuchen.\nj.\nEr betete, bis der Zug durch den'dichtesten Nebel\nin München einfuhr. Das war gegen 'sieben Uhr,\nund er wußte, daß er hier genügend -Zeit haben\nwerde, seine Messe zu lesen, dajder Zug erst gegen\nneun Uhr nach Bozen weitergehen sollte. Er nahm\nsich am Bahnhof einen Wagen und fuhr durch die\ngraue Neuhauserstraße, deren häßliche moderne\nHäuser seltsam übernächtig aussahen, zum Lieb-\nFrauendom. In der Sakristei legitimierte er sich\nund las dan}n die Messe ,an einem der. alten Altäre\ndieser dunkeln und doch so farbenreichen, fast süd-\nlichen Kirche. Er las die Messe im schwarzen Or-\nnat, für das Heil der Seele des Baron Frangart.\nZum ersten Mal dachte er dabei eigentlich mit vol-\nlem Bewußtsein an dessen Tod und fühlte sich tief\nerschüttert; Und während er die Episteln überlas,\nblieb er stecken, und seine Gedanken irrten weit\nab. Jene schreckliche Nacht fiel ihm ein, die Hoch-\nzeitsnacht des Baron Frangart, für den er jetzt die\nMesse aufopferte. Sein geistiger! Blick senkte sich\nin die grausige Tiefe des Geheimnisses, worin Got-\ntes Ratschluß unerforschlich gehüllt ist. Eine zarte\nTrauer beschlich seine Seele. W7ie, wenn er da-\nmals vorausgesehen hätte, daß Baronin Frangart\nin zwölf Jahren Witwe sein werde? . . .'.\nAber wiederum regte sich sein stets wachsa-\nmes und geschultes Gewissen, das gleich einem\nmißtrauischen treuen Hunde vor der Pforte seiner\nSeele lag, um jeden unerwünschten Gedanken, der\nda Eintritt suchte, mit seinen Bissen zu töten, —-\nund verwies ihm, zum zweiten Mal am heutigen\nTage, alle weltlichen Gedanken. Er zürnte sich\nselbst, daß er, sich so wenig in der Gewalt hatte;\ner suchte eine Entschuldigung und schob seine Zer-\nstreutheit auf den Ulmstand, daß er der genügsa-\nmen Stille seines Ordenshauses so plötzlich ent-\nrückt worden sei. Verloren blickte er noch einen\nAugenblick in das schwermutsvolle Dunkel der\nKirche hinein und las dann, nach einem langen\nSeufzer, die Messe weiter. Belm Paternoster\nsprach er den Satz: „et ne nos inducas in tenta-\ntionen\" zwei, dreimal ....\nVerträumt, müde und1 schläfrig saß er um neun\nUhr wieder im rollenden Zuge. Der Halbschlaf\nbrachte ihm längst versunkene Bilder zurück: er\nstand mit Komtesse Riom am Fenster des Schlos-\nses Choiseul. „Sehen Sie,, Mieville, wie schön!\"\nnief sie, auf irgendeinen Baum hinausdeutend, und\nlegte ihre zarte Hand in liebenswürdiger Erregung\nauf seinen Arm. Und der Schlafende erschauerte,\nwie er damals im Wachen erschauert war ....\nDann aber warf er seine Schläfrigkeit von sich,\nging auf den Korridor des Wagens hinaus und\nlehnte sich betrübt an das geschlossene Fenster.\nDraußen senkten sich Wolken von Schnee auf die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8022, "texte": "farblosen Felder in dichten schweren Flok-\nken. Die nahen Berge wurden in verschwomme-\nnen Umrissen sichtbar; auch sie waren ganz mit\nSchnee bedeckt. Ach, dieser rauhe einförmige\ndeutsche Winter! Das Blut des Romanen regte\nsich in ihm und erbitterte sich gegen die Monotonie\nder Landschaft. Dann wieder bezwang er sich und\nverfiel in Nachdenken. Ja, eiin solches Klima mußte\nrauhe, tapfere und genügsame Menschen erzeugen.\nEr erinnerte sich einiger Deutschen in seinem Or-\ndenshaus. Welch strenge, unbeugsame und doch\nim Gehorchen so bewundernswerte Menschen!\nIhre Heimat ist unwirklich und erlaubt ihnen nicht,\nsich schnell zu verbrauchen. Sie sind so langsam\nim Genuß und in der Entwicklung — mehrere Jahr-\nhuderte hinter den romanischen Rassen zurück,\ndie sich um soviel schneller verzehren als sie\nschneller leben . . . .> Wie gerade und zielbewußt\nwar der Weg,, den diese Deutschen eben jetzt gin-\ngen! Wie machtlos erschienen ihm in diesem\nAugenblicke, trotz ihrer Gewandtheit, die Roma-\nnen, gegen diese kriegerische deutsche Nation, die\nsich mit der zermalmenden Langsamkeit ausbreiten\nwürde, miit der sie schon einmal, nach dem römi-\nschen Imperium, die leichtlebigen verglühenden\nsüdlichen Völker überwunden hatte . .\nSein Auge füllte sich mit Tränen. Oh, es war\nalles umsonst, es war nicht mehr anzukämpfen ge.-\ngen dieses gelassene streng erzogene Volk! Was\nhalf alle romanische Geschmeidigkeit, aller elarn\ngegen das schwerfällige, aber unerbittliche Vor-\ndringen dieser immer noch jungen Nation! ... Er\ndachte an die anarchischen Zustände Frankreichs\nund an die bettelhafte Fremdenindustrie Italiens,\nUnd wieder traten ihm Tränen in die Augen.\nDer Zug verließ Innsbruck. Und während er\nden Brenner hinauffuhr, in langsamen keuchenden\nlangweiligen Windungen, dem Auge des Romanen\ndie ganze widerwärtige Häßlichkeit der unge-\nschlachten weißgrauen Bergmassen preisgebend,,\nknüpften sich Bonaventuras Gedanken fort. Er\nschaute zurück in die deutsche Wel-\nches merkwürdige Schauspiel! Die Germanen\nhatten die römische Weltherrlichkeit zerstört. Aber\nwar es nicht ein Symbol ihrer vornehmen Aner-\nkennung einer vornehmen, älteren Kultur, daß sich\nKarl der Große vom Pabst die deutsche Kaiser-\nkrone verleihen ließ? ....\nOh die katholische Kirche! Ihre Organisation\nwar das verfeinerte, zu längstem Leben bestimmte\nErzeugnis römischen, romanischen Geistes. Und\nvor ihm hatten sich die Germanen, trotz poli-\ntischer Uebermacht, gebeugt! . . . Wie gut ver-\nstand er auch jenen armen jungen deutschen Kaiser»\nden sie den Römling nannten! Wie fühlte er ihm\nnach, daß er alle Machtfülle für nichts achtete\ngegen die überlegene Geistigkeit einer älteren'\nKultur! . . . Lange umarmten die Gedanken des\nAbbe voll Mitleid das Geschick jenes deutschen\nKaisers, der sein Herz im Sitden hatte und seinen\nTron im Norden.\n„Der abscheuliche Brenner\" (wie ihn der Abbe\nin Gedanken nannte) war endlich überwunden.\nSchneefrei, farbreichere Bergspitzen wurden sicht-\nbar. Der Himmel bläute sich und erschien höher\nals vordem. Bäume, Häuser und Menschen ge-\nwannen erst Form und Ausdruck in der durchsich-\ntigen reinlichen Luft, die hier wehte. Und als der\nZug in Franzensfeste hielt, sah Bonaventura mit\ntiefster Rührung zu der warmen strahlenden Sonne\nempor.\nOh der Süden! Der klare, ausgebreitete, far-\nbige, plastische Reichtum des Südens! Und zum\ndritten Mal während dieser Fahrt, in deren weiß-\ngraue und grauweiße Dürftigkeit er mit Schaudern\nzurückblickte, fühlte sich Bonaventura dem Wei-\nnen nahe, aus jenem heimatlichen Gefühl der Dank-\nbarkeit heraus, mit dem er die satte, lebensfrohe,\nsüdliche Landschaft als blutsverwandt, als rorna-\nnisch umarmte ... Er stand an der Mauer des\nBahnhofes, schloß in seligem Taumel die Augen\nund ließ sich von der mächtigen triumphierenden\nSonne mit reinstem Licht überfluten. „Du armer\njunger deutscher Kaiser!\" murmelte er, „ich ver-\nsteh dich so gut! ... Wärest Du hier, lieh würde\nDich streicheln, Dich liebkosen, Dich umarmen. Ich\nwürde zu Dir sagen: laß diese nordische Macht,\ndieses schläfrige Ansehen, das Du dort genießt!\nWas liegt noch am Ansehen, wenn es einen friert!\nwas liegt an der Macht, wenn sie sich über graue\nLänder erstreckt! Komm, hier hast Du heimgefun-\nden! Ja, richte Deine Augen aufwärts! Hier ist\nder Himmel nicht so niedrig, daß man mit dem\nKopf anstößt, wie drüben. Hier ist es warm; hier\nstrahlt die Sonne wie hunderttausend Diamanten.\nHier wölbt sich der Himmel so hoch, daß Du ihn\nnicht ermessen kannst. Hier leuchten Farben, Far-\nben! Hier schlummern noch Rätsel Hier kannst\nDu noch irr gehen; niemand nimmt es übel. Hier\ndarfst Du noch weinen, lachen, schreien, singen! J<c\nBonaventura hielt voll seelischer Bewegung\ninne in seinem Gespräch. Er genoß immerfort die\nweiche Luftiund die liebevollen Strahlen der Son-\nne; aber zugleich starrte er betroffen, wie als ob\ner eine ferne oder nahe Gefahr sähe, in die Leere.\n. . . Schließlich schüttelte er heftig den erhitzten\nKopf; denn er wußte keineswegs, woran er mit\nsich war —.\nEr wußte es auch noch nicht, als er wieder in\nden Zug einsteigen mußte, der nun gegen den Sü-\nden weiterging. Wie um sich zu erlösen, lenkte er\nseine Gedanken wieder ins Allgemeine. Der heiße\nleidenschaftliche mystische Charakter der roma-\nnischen Frömmigkeit erhob sich vor seiner Seele;\nund, in natürlicher Verbindung mit dem kalte«\nBild des Brenners, die Gestalt des deutschen prote\"\nstantischen Reformators, der den Gottesdienst\nvereinfacht, erklärt und ernüchtert hatte. Er ver-\nglich im Geist katholische und protestantische Kir-\nchen: den von allen Seiten mit jahrhundertelanger\nBegeisterung geschaffenen Reichtum der einen, und\ndie gewollte rauhe, nackte Armut der andern.1 Nein,\ner als Romane, würde die Protestanten nie verste-\nhen! Aber er verstand, daß diese Art der Vereh-\nrung Gottes bei den Deutschen Boden gewinnen\nkonnte. Und er erschrak einen Augenblick vor der\nherben preußischen Größe, vor ihrer unwirtlichen\nEinfachheit, vor lihrer kalten Ruhe . . . Und mit\neinem Male war es ihm, als ob er eines der Grund-\ngesetze der religiösen Entwicklung europäischer\nRassen entdeckt hätte: der romanische Geist, ins\nGlühen gebracht durch die reiche lachende Sonne\ndes Südens, suchte nach allen Geheimnissen, nach\nallen Verwicklungen der Seele; die Germanen\naber, denen eine immerfeuchte Luft die Sonne und\nden Himmel verdüsterte, strebten nach Klarheit,\nnach Vereinfachung . . . Von da aus glaubte er\nlebhaft und deutlich einen ewigen Unterschied zwi-\nschen romanischer und germanischer Kultur zu er-\nkennen; denn schließlich war doch für ihn das re-\nligiöse Leben die Quelle aller Kultur .. . Jetzt\nalso, gingen seine Gedanken weiter (und seine mil-\nden, dunklen Augen umflorten sich), war die Zeit\ngekommen,'wo die Germanen ein zweites Mal den\nPrimat in Europa übernehmen sollten .... Ach,\nsein romanischer Stolz ertrug diese Vorstellung\nnicht! Er flüchtete sich in die ihm heilige Idee\neines imperiums der katholischen Kirche. War die\nkatholische nicht in Europa die Kuturmacht mit der\nlängsten, reichsten Tradition! Vielleicht lag es im\nWillen Gottes, durch die ungebrochene Jugend der\ngermanischen Rasse jenen Geist des Materialismus\nüberwinden zu lassen, der sich im vergangenen\nJahrhundert | der romanischen Staaten gleich einer\nverheerenden Perversität bemächtigt hatte! Und\nwer war berufener als die Deutschen, dieses ein-\nfache -kriegerische Volk, jenen zersetzenden Geist\nniederzukämpfen,, der ihm selbst noch so fremd\nwar! Dann aber, wenn diese weltgeschichtliche\nAufgabe gelöst war, — war dann nicht der Boden\nbereitet für die allgemeine Versöhnung der Rassen,\ndie er nur im religiösen Sinn begreifen konnte! Und\nwessen Aufgabe konnte hinwiederum diese weite\nreligiöse Versöhnung sein, wenn nicht die der ka-\ntholischen Kirche, der „ecclesia triumphans\", wie\nsie geweissagt war . . - Und überwältigt von die-\nser Vision, an die er als Romane glaubte und als\nKatholik glauben mußte, hob er wie segnend die\nHände über die in der heiteren südlichen Sonne\nausgebreitete, farbenreiche, plastische Landschaft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.4", "debut_caractere": 8044, "fin_caractere_exclue": 8741, "texte": "Gedichte\n\nVerzeihung\nVon Albert Ehrenstein\nIm Bette lag sie,\nbleich, ausgehärmt\nund arg zeriitten\nvon des Lebens\nTag auf Tag.\nAus ihren armen Augen\nstarrten meine Sünden\nmir entgegen\nMal an Mal.\nUnd aber, da ich mich\nzu ihren Faltenhändchen\nbeugte, neigte\nsie sich über mich\nund ihrer Seele\nletzter Hauch\nsegnete mich,\nwie eine Rose\ngelb und welk\nim Fallen noch\nden Boden küßt.\n\nTraum\nAls ich die Nacht durchwachte,\nkam mir die Zeat herein,\nhin glitten sachte\nTräume und Tode mein.\nDer Knabe, der im Sande\nmit Muscheln Spiele trieb,\nmit manchem Tande\ndie Zeit vorüberhieb,\nderselbe stets zu sein!\nO weh der Muschelspiele,\ndu lange Weile,\nihr ewig gleichen Ziele —\nnur nicht auch tot derselbe sein!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Werde\nSchnupfen und Niesen nicht los. Aerzte sagen:\ndorthin gehen, wo kein Gras wächst. Die Aerzte\nhaben leicht reden! Sollen wir im Sommer ara"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9821, "texte": "Nordpol oder am Südpol leben? Telegraphiere\ndoch, ob Euch nicht ein guter Rat einfällt. Ich muß\ndiesen wieder beniesen.\nGruß von Liesen Thakeray, Chikago.\n2. Mai 1910.\nAn Liese Thakeray, Chikago.\n? -\nHier auch im diicksten Heufieber. Aber wir\nsind aller Welt voraus. Eichkatz, Du hast keine\nAhnung von Weltgeschichte. Wo wächst denn\nkein Gras? Mitten im großen Ozean —da wächst\nkein Gras — da können Grasblütenpollen nicht\nmehr hin. Also: stürzen wir uns in den großen\nOzean — dann» ist alle Heukrankheit überwunden.\nEichkatz, sei schlau. Wir machen Tournee zusam-\nmen/ Willst Du? Lika.\n2. Mai 1910.\nAn Lika Lee, San Franzisko.\nIch soll mich drei Monate auf Ozeandampfer\nlangweilen? Mich da totessen? Dackel, Dir rap-\npelt es wohl. Was meinst Du mit Sturz im Ozean?\nSei doch nicht so geheimnisvoll. Tournee mach ich\ngern mit. Mit Papa kann ich machen, was ich will.\nDer gibt die Banknoten sackweise. Aber — doch\nnicht für eine dreimonatige Dampferfahrt — mit\nSeekrankheit und! ewigem Heißhunger und Kajüten\"\ngefängnis. Dackel, ich glaube: Das meinst Du auch\ngarnicht. Du hast ein Geheimnis vor mir, Deiner\ntreuesten Freundin. Sei offen! Offenbare Dich!\nWarum seid ihr weiter in der Weltgeschichte als\nEichkatz? Das versteh ich nicht — wie so vieles\nandere. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln\ngefressen. Davon wird man ja korpulent. Nuni\nentschließe Dich und tu Dein Geheimnis kund —\nsonst ist Dir ewig böse Dein neugieriges Eichkatz\nmit dem Heufieber und dem großen Niesen.\n2. Mai 1910.\nAn Liese Thakeray, Chikago.\nDu, liebes Eichkatz„, bist nicht so dumm, wie\nDu aussiehst. Gleich merkst Du was. Du weißt\nnatürlich, daß ich die Dampferzellen im Magen ha-\nbe, trotzdem sie so viel Magengenüsse bieten. Kurz=\num: hier große Gesellschaft in der Bildung begrif-\nfen. Die will schwimmende Inseln bauen — mit\nluftigen bunten Glaspavillons. jPapa stark intern\nessiert dabei — viele Glasfirmen ebenfalls.\nSchwimmende Städte soll's geben mit Lawn-Ten-\nnisplätzen — mit Seeterrassen und vielen anderen\nDingen. Was weiß ich? Da kann ich den Bau-\nmeistern nicht so leicht folgen. Ich bin ja auch nicht\nso furchtbar gelehrt — sonst wär' ich ja korpu*\nlenter. Sehr gewandte Onkels sind dabei. Mich\nwollen sie immer belehren, kann nur nicht so\nschnell kapieren. Aber wir kriegen einen Glaspa-\nvillon erster Güte — mit doppelten Glaswänden\nund Aussichtsturm. Die Geschichte wird fein,\n-Schleppdampfer ziehen unsere Insel. Die Heufrage\nist gelöst. Ich bin ganz weg vor Entzücken und\nDein treuer Dackel.\n3, Mai 1910.\nMr. Thakeray, Chikago.\nSie sind von verschiedenen Seiten falsch unter-\nrichtet. Es handelt sich hier nicht um ein phanta-\nstisches Unternehmen. Die Sache hat eine sehr\ngesunde Basis. Ganz Amerika wird vom Heufieber\ngeplagt. Die Pollenblüher, deren Samen meilenweit\nherumfliegen, verbreiten ein Gift, das im Menschen\nallerdings zunächst nur Schnupfen und Niesen —\naber sehr bald auch asthmatische Beschwerden aus-\nlöst. Dem muß begegnet werden, Auf dem Fest-\nland und auf jeder Insel sind aber blühende Gräser\nüberall, -Wir müssen also mitten im Ozean während\nder Blütezeit wohnen —- dann geht alles weg. Un-\nsere „Ozeansanatoriumsgesellschaft für Heukran-\nkranke\" hat das Richtige gefunden: schwimmende\nInseln im Ozean — die immer dort schwimmen\nmüssen, wo alles Festland und die Naturinseln Hun-\nderte von Meilen entfernt sind. Erde auf unsern\nSchwimmenden nicht vorhanden. So nur kann die\nHeukrankheit überwunden werden. Natürlich muß\nman Geld wie Heu haben, wenn man das Heufieber\nüberwinden will. Darum wenden wir uns an Sie,\nMr. Thackeray. Etwas Apartes muß eine schwim-\nmende Insel von zwei Quadratkilometer schon ha-\nben. Darum sind wir für Glasarchitektur. Wir\nkönnen daneben auch Glasersatz verwenden —\neine auf Draht gezogene Gelatinemasse, die wie\nLeder ist und durchsichtig. Man kann die Masse\nimmer wieder ausbessern, und jede Farbe nimmt\nsie an. Ein guter Ersatz. Wir bitten sehr um bal-\ndigste Nachricht der Beteiligung wegen; Miß Liese\nThakeray, Ihre Tochter, ist auch begeistert von\ndiesem Sanatorium. Wir können auf hunderttau-\nsend reichste Kurgäste zählen. Das Unternehmen\nhat eine sehr gesunde Basis und macht auch gesund\nHochachtungsvoll!\nTürk, Baumeister, San Franzisko.\n7. Mai 1910.\nMr. Türk, San Franzisto.\nMeinen Sie: ich kenne das Gründen nicht? Da\nsind Sie sehr schief gewickelt. Sie sind ein Phan-\ntast. Gegen die schwimmenden Sanatorien habe\nich nichts, beteilige mich gern an dem Geschäft.\nAber wozu denn das Glas? Das ist 4och sehr\nschwer. Leichte Gebäude müssen auf den schwim-\nmenden Inseln verwandt werden. Und ein paar\nBlumenarrangements dürfen nicht fehlen. Gar keine\nErde — Unsinn. Glasheller Blödsinn. Also: seien\nSie nicht so phantastisch, und versuchen Sie nicht,\nmehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen*\nsonst bekommen Sie gar keine. Das mit Idem\nGlasersatz aus Gelatine kenne ich ganz genau —-\ndas ist nur so ein Köder.» Nachher kommen die\nGlasfabriken und liefern so viel Glas, d&ß alles\nGeld nur für diese Glasfabriken da ist. Das gönne\nich diesen Herren nicht. Hochachtungsvoll!\n8. Mai 1910. Thakeray, Chikago.\nMr, Thakeray, Chikago.\nDas mit den Blumenarrangements und der Erde\nnicht durchführbar. Aerzte sagen: dann nehmen\nwir gleich das Heufieber mit. Ueberlegen Sie sich\ndoch die Sache: Erde und Blumen sind doch im\nHeusanatorium das Widersinnigste der gesamten\nWeltgeschichte. Für die Blumen aber müssen wir\ndoch einen Ersatz haben. Das müssen Sie doch\neinsehen. Und — wo ist der Ersatz? Doch nur\nin den Bunten Gläsern kann er sein. Seien Sie doch\n• • ?\nnicht so wütend auf die Glasfabriken. Wir grün-\nden selbst welche. Und dann beteiligen Sie sich\nauch bei unseren Glasfabriken. Das mit der\nSchwere lassen Sie unsre Sorge sein. Das mit dem\nGlasersatz war ganz ehrlich gemeint. Aber wir\nmüssen doch auch etwas fürs Auge haben. Wir\nkönnen doch die Reichen nicht durch ärmliche\nArrangements anlocken. Ohne Glas baue ich die\nInseln nicht. Ich habe nicht Lust, mich durch Knau-\nsereii zu ruinieren, Ich bitte um Nachricht, ob Sie\nüberzeugt sind. An Miß Liese Thakeray telegra-\nphiere ich gleichzeitig.\nHochachtungsvoll! Türk, San Franzisko.\n8. Mai 1910. 112\nMiiß Lee, San Franzisko.\nIhr Vater zu umständlich. Verzeihen Sie, daß\nich sehr kurz entschlossen bin: darf ich um Ihre\nHand bitten? Wenn Sie meine Gattin sind, kann\nich der Sanatoriumsgesellschaft mit vielen Millio-\nnen unter die Arme greifen. Bitte Entsschlußver-\nverkündung binnen drei Tagen.\nHochachtungsvoll!\nBorromäus, Glasfabrikenbesitzer, Milwaukee\n9. Mai 1910.\nMr. Türk, San Franzisko,\nDie Geschichte von der Aermlichkeit ist wirk-\nlich einleuchtend. Gut! Blumen sind nicht gut,\nsagt auch mein alter Hausarzt, der sehr viel vom\nHeufieber versteht. Glas als Ersatz für die Blumen\n— buntes Glas — wie die Glasfenster in den Ka-\nthedralen Europas — nicht so übel. Aber — die\nKosten sind da doch sehr beträchtlich. Vergessen\nSie nicht, daß wir überall doppelte Glaswände\nbrauchen. Und die sollen innen und außen in viel-\nfarbigen Ornamenten mit bester Verbleiung zusam=\nmengehalten werden — außerdem noch durch star-\nke Stahlgerüste. Zwischen den Wänden sind die\nKühl- und die Heizapparate unterzubringen —-\naußerdem das elektrische Licht. Herr! Herr! Herr!\nDazu! ist Geld nötig. Das Geld muß dazu da sein —\nwie Heu —- wie Heu! Schwindelt Ihnen nicht'?\nFestsaal in der Mitte und große Seeterrassen —\nBadegelegenheit in besonderen Badehäusern! Wol-\nlen Sie die auch aus buntem Glas herstellen, Mei-\nnetwegen! Buntes Glas in Doppelwänden ist ja\nnicht durchsichtig. Automobile müssen auch auf\ndieser Bretterwelt vorhanden sein. Und schließ-\nlich werden wir nicht umhin können, ganze Lam-\npionalleen anzulegen. Jedenfalls wär's eine Art\nLichtstadt. Aber — was das kostet! Mein Ver-\nmögen .... Na •— immerhin — machen Sie's\ndoch kurz — heiraten Sie meine Liese — dieses\nEichkatz — dann ließe sich weiter über die Sache\nreden. Gruß Thackeray, Chikago.\n9. Mai 1910.\nAn Lika Lee, San Franzisko.\nDu, Dackel,, wie sieht Türk denn aus? Er will\nmich heiraten, IPapa schmunzelt dazu. Mir kommt\ndie Geschichte etwas konstantinopolitanisch vor.\nSchreibe, was ich tun soll. Das Ozeansanatorium\nmuß jedenfalls gegründet werden. Er schwärmt\njedenfalls ungeheuerlich für die Glasarchitektur und\nfür die Lichtinsel und die Lampionspäße des Nachts\nunterm Sternenhimmel Dein fanatisiertes Eichkatz\n11. Mai 1910.\nAn Liese Thakeray, Chikago.\nFür die Idee gehen wir ins Feuer und ins Was-\nser. Ich heirate einen Glasfabrikantenbesitzer.\nMach nicht soviel Umstände. Jedenfalls hab ich\nmächtig viel zu tun mit Eisenkonstruktionen und\nVerbleiungen. Muß viel lernen. Entschuldige die\nEile* Ganz Dein Dackel.\n11. Mai 1910.\nMr. Borromäus, Milwaukee.\nJetzt wird alles gehen. Aber die Hauptsache\nist jetzt die feste Grundlage der Insel. Das Ganze\nmuß auf großen eisernen Schalen ruhen. Das ist\nnicht im Handumdrehen gemacht. Wir können\nnicht vor Weihnachten mit dem Gerippe fertig sein-\nAber, wenn alles gut geht, stechen wir übers Jahr\num diese Zeit in See. Sie Mr.. Barromäus, müssen\nbis dahin mit den Häusern und Anlagen fertig sein.\nHochachtungsvoll! Türk, San Franzisko.\n13. Mai 1910.\nMr. Thackeray, Chikago.\nLieber jPapa! Wir sind also mitten im großen\nOzean und nennen unsere Insel Isle-Thackeray-Lee.\nMeine Freundin Frau Borromäus, geb.' Lee,, gen.\nDackel, hat ihren Papa schon hergelotst. In einem\nJahr sind wir fertig gewesen. Aber die Arbeit!\nDer große Saal strahlt. Und des Nachts sieht die\nInsel aus! Oh, was werden sich die Walfische und!\ndie Eisbären wundern, wenn wir mal nach Norden\nfahren, Die neuen Schattenschirme (ganz weiße)\nvon Mr, Borromäus sind famos. Die Schleppdam=\npfer drehen die Insel so, daß das Licht der Sonne\nimmer von der gleichen Seite kommt. Mein Ate-\nlier für farbige Glasornamentik ist herrlicher als\nalle Boudoirs der französischen Königinnen. Kom-\nme bald Papa! 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Das Schöpfen ist gleichzeitig das Schöpfen\nder Erlebnisse und das Schöpfen der Gestaltung.\nDie Schöpfungsgesetze sind die einzige Aesthetik\ndes Impressionismus. Und dies ist zur selben Zeit\ndie Aesthetik des Symbolismus. Der „Impressio-\nnismus\", ist ein (oberflächlicher Symbolismus.\n~Vielleicht geht aus den Werken Raffaels und\nTizians ein vollerer (Kreis der Regeln hervor, als\ndaß bei Monet und Renoir der Fall ist, und trotzdeim\nziehe ich die geringeren Werke der Künstler denen\nvor, dae sich mit einer Darstellung der „Venus mit\neinem Hündchen44 oder eines „Mädchens mit einem\nStiegjitz\" begnügten. Diese Bilder können uns\nnichts Neues sagen, da wir zu unserer Zeit gehören\nund ihre Meinungen und Gefühle teilen\". (Henri\nMatisse.)\n„Eine Renaissance wird hauptsächlich nicht\ndurch vollkommene Werke hervorgerufen, sondern\ndurch die Kraft und durch die Einheitlichkeit des\nIdeals bei einer lebensvollen Generation\". (Maurice\nDenis).\nDer für Dezember geplante Kongreß der russi\"\nsehen Künstler soll in erster Linie versuchen\neine Milieu zu schaffen, welches für diese Einheit-\nlichkeit nötig ist. Dieses Ziel wird auch in diesem\nFalle die jungen Kräfte vereinigen, das heißt die\nKünstler, diie sich nicht an Selbstzufriedenheit er-\ngötzen, sondern neue Wege in der Kunst suchen\nund den nationalen und den Brotkorbinteressen die\nidealen Ziele der internationalen Kunst vorziehen.\nEs äst eine eigene Sache mit der Kunst. Wenn\nirgend ein Kongreß im Interesse irgend eines tech=\nnischen Gebietes — Luftschiffahrt, Seeschiffahrt\nAutomobilsport und dergleichen -— versammeln\nwürde, so würden ganz bestimmt alle Kongressmit-\nglieder einstimmig zugeben, daß wir hinter den ande-\nren Nationen stehen, daß „Rußland\" im Vergleich\nmit Westeuropa weit hinten geblieben ist, Und1 es\nwürde festgestellt, daß die Westeuropäische Kultur\nauch noch heute gerade so wie zu Zeiten Peter des\nGroßen für uns ein anstrebenswertes Ideal sein soll.\nAnders steht es aber auf jedetn geistigen Ge-\nbiete, das heißt auch in der Malerei. Hier fehlen\ndie fühlbaren Beweise eines fliegenden Aeroplans,\nDie Kunst ist eben keine Krupp'sche Kanone, welche\ndie Beweisfähigkeit in großem Maße besitzt, Jede\ntheoretische Selbstüberschätzunig wird hier zum\nSchweigen gebracht. Und leider ist die Selbstüber-\nschätzung einer der charakteristischen russischen\nCharakterzüge — je weniger Kultur, je größer die=\nser Wahn. Dieser, Wahn ist selbstredend sehr be-\nquem: er beseitigt das unruhige Suchen, das unru=\nhige Schaffen,, welche die größten Feinde des „Ob-\nlomofftums\" sind schon der Kunstschriftsteller\nAlexander Banois (einer der bekanntesten russi-\nschen Sezessionisten) hat richtig bemerkt, daß „die\nrussischen Künstler sich durch eine schreckener-\nfüllende Faulheit auszeichnen — ja! die russischen\nKünstler sind am Oblomofftum krank — und in\ndiesem Falle sind sie wirklich national!'4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c010", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.8", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.6", "debut_caractere": 4376, "fin_caractere_exclue": 6303, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nJ. GRESHOFF\nHet Gefoelied Glas / iPersoons-en\nBockerbeschripvingen\nVerlag L. A. Dickhoff jr. 's-Gravenhage\nBALLHAUS / LYRISCHES FLUGBLATT\nVerlag A. R. Meyer / Berlin Wilmersdorf\nGOTTFRIED BENN\nMorgue und andere Gedichte\nVerlag A. R. Meyer / Berlin-Wilmersdorf\nDE WITTE MIER\nEine kleine Monatsschrift für Bücherfreunde\nunter Leitung von J. Greshoff.j In holländi-\nscher Sprache\nVerlag C. M. B. Gixon / Apeldoorn / Holland\nBOTHO GRAEF\nHodlers und Hofmanns Wandbilder in der Uni*\nversität Jena\nVerlag Eugen Diederich's 112 Jena\nFRANCIS VIELe GRIFF IN\nLa Lumiere de Grece\nParis Eciitionsde la Nouvelte Reoue 112\nMarcel Riviere et Cie\nTHADDÄUS RITTNER\nIch kenne Sie / Novellen\nWien und Leipzig / Deutsch-Oesterreichischer\nVerlag\nALDO PALAZZESCHI\nII Codice di Perelä\nRomanzo Futurista\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nALBERT EHRENSTEIN\nDer Selbstmord eines Katers / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nF. T. MARINETTI\nDistruzione / Poema\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nLa Momie sanglante\nPoeme dramatique\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nD'Annunzio intime\n4e edition\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nLe Roi Bombance\nTraeedie satirique, 3e edition\nEdition du „Mercure de France\" / Paris\nLa Ville Charnelle\n4e edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nCARL DALLAGO\nPhilister\nBrenner-Verlag / Innsbruck.\nKARL KRAUS\nNestroy und die Nachwelt\nzum fünfzigsten Todestag\nVerlag Jahoda und Sieget/Wien\nPIERRE HAMP\nVieille Histoire\nContes Berits dans le Nord\nParis / Editions de Ia Nouvelle Revue\nMarcel Riviere et Co\nSVEND BORBERG\nLiliths Bog\nKopenhagen / Gyldendals Forlag\nNICOLAS BEAUDUIN\nLes Poetes\nParis I E. Basset et O / Editeurs\nJEAN BONNEROT\nProvince / Carnets de Vogoge\nMoulins [Allier] / Les Cahiers du Cenire\nAAGE VON KOHL\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nVerlag Rütter und Loening / Frankfurt am Main"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c011", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.9", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.6", "debut_caractere": 6305, "fin_caractere_exclue": 6404, "texte": "Notiz\nDie Holzschnitte auf der fünften Seite jeder\nNummer sind von Mitgliedern der Neuen Sezession."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c012", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.6", "debut_caractere": 6406, "fin_caractere_exclue": 6681, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nKftnigin-Augusta-Strasse 51\ngegesubor der YOn-der-Heydt-Stragge\nFRANZOSISCHE EXPRESSIONISTEN\nBraque / Detain / Friesz / Herbin / Marie Lao-\nrencin / Vlaminck\nGe6timet taglich yon 10 bis 6 Ufar\nEintritt 1 Mark Dauerkarte 6 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c013", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 76, "texte": "KU NSTLERIXH E RAM ME\nr\n*r\nm\nv,\nii\n1912-\nALBERT KOBLINSKX\nBERUNBRIKKENALLEE6"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c014", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.7", "debut_caractere": 78, "fin_caractere_exclue": 1465, "texte": "!! 2lnf attett £Bftfjnl)dfen jtt !!\nSine SSocknfcbrift\n©fgmr.bct oon femora\n£abroia\nSBierteljaljrlidj 13 ®cftc\npreis bzs em$elTtert fjeftcs 50 pf.\nim 2tbonnement:\n5urd] o5er Poftdmter bas £>ierteljafyr 6 2Hfv\nMreft unter Kreu3ban6 bas Dierteljafyr:\nfur bas 3nlan6 7 2H1 50 pfv fur bas 2TusIan5 8 IHf. 50 pf.\nat liter 9ir. 78 bom 1. STpril 1912: 2Rit bcrn foeben er*\nfdjienenen £eft 13 bcfdjliegt ber „:U?arj\" ba§ crftc Ouartal be§ laufen*\nben fci be§l)alb toteberfjolt auf tiefe unabljcingige ntib\nirielfettige Sodjcnfdjrift aufmerffam gemad&t, bic in gangen £)a(tung\nbie freie nnb fiifdje HTiiir 'erfennen lagt tmt bem Ijer*\nben £mudj, bet bon ben benod)barten SBergriefen mefyt. 2)er „3JJarj\" i|i\ntote bet :„6iml)Ii$ifftmu$M ein bobenftanbigeS ($mad)S, bas nut in\n3Jliir.d)en $um SBftifyen unb ©ebeiben Ecmrnen fennte. @eine d)arafter«\ntooUe Sigenart fjat nidjts gu tun tnit fiibb'utfdjem unb\nSftainlinteniiBerlieferung. 3m (Segcnteil ift ber „2Kara\" fflbbeutfcfc im\nbeflcn @;nnp, cud? im tern grofcbeutfd), unb er bebeutet in fancr 2ln*\nerfennung unb notbbeutfttr Hrt in ;§ren S3erfcf)ieben|eiten\nnidjt$ meniger al5 fine geiflige S3riidfe gmifdjen 9?orb unb ©fib.\nift ber anregenb unb frifdj ,mie audj fcaS our un3 Itegenbe\n€d)Iuf$eft be£ erften DuartolS, bas ton ben fofgenben ba3 befte er-\nmarten lajjt.\nsprpfcennmrnern qv&tid nnb franco torn\n92lar3=95erlag ©. m. b. 92tiirtd)en\n91."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c015", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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BERLIN W 15, Kurfiirstendamm 33 ::\n8 JiTi/\\rk4<niir,m** Im Eckhause. sreKenub d, Se-\ns Stanalge Ansstellnng session Einsane Grolmannstr.\n\\ moderner Graphik Illustriert Katalog n. 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Friedrich-Wilhelm Strasse\nB\nB\nS T&glich, auch Sonntags, ge-\nS : : fiffnet : :\n■\n5 Eintritt 1 M./Jahreskarte 6 M\nB\ng Zurzeit:\nB\nB\nj Franzoslsche\n| Expressionisten\n■\nB\n%BBBBBBBBBBGB BBBBBBBBBBBBfIt^"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-08-24-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-08-24_01#c042", "volume": "bmtnabg_1912-08-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "971", "page_fin": "971", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.2.40", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "971", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.8", "debut_caractere": 4501, "fin_caractere_exclue": 4657, "texte": "Wie man Manner\n= bessert. =\nDie Orig.-Klabrias-Partie\nBelde StQoke mit Aston and\nDonatHerrnfeldin den\n= Hauptrollen. —\nAaf. 8 Uhr. 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W.: Bab, der Lyriksucher / Karl Borromäus Heinrich: Menschen von Gottes Gnaden / Roman / Ulbert Ehren-\nstein: Gedichte / Paul Scheerbart: Das Ozeansanatorium für Heukranke / Runge: Jahrmarkt / D. Burljuk: Die\nWilden Russlands\n\nBab, der Lyriksucher\n\nAndere Leute benutzen die schöne Sommerszeit\neinmal zu baden. Der Oberlehrer Julius Bab hätte\nes vielleicht auch nötig gehabt. Seit Jahren rennt\ner auf den Wegen zum Drama hin und her, und hat\ndabei so viel Staub aufgewirbelt, daß der Mensch-\nheit die Ruhe seiner menschlichen Bedürfnisse zu\ngönnen gewesen wäre. Der Julius Bab erholt sich\nauf seine Weise und geht zur Sommerzeit in das\nTheatrum lyricurn. Er teilt der Gegenwart mit,\n„daß der hundertarmige Dämon Theater seine An-\nteilnahme auf ein paar Wochen freilasse und\nder Vermittler dies literarischen Treibens, Raum\nerhält\", ins Theatrum lyricum zu gehen. Herr Ju-\nlius Bab verspricht, die „Umschau unter dem streng-\nsten Gesichtspunkt einzunehmen\". Ich kann nicht\nfinden, daß er unter seinem Gesichtspunkt steht.\nSeine Augen reichen nur bis zu seiner Brille. Infolge\ndessen fallen ihm zunächst zwei ~starke und rein,\nliehe Formtalente\" in die Augen. Nämlich\nDie Sonne glost im Osten auf,\nwir fassen fest die Faust am Knauf.\nDer Morgenwind streicht unser Haar,\nSucht einen, der von Sünden bar,\nUnterm verlornen Haufen.\nDie Stärke ist offenbar die Faust, die Reinlichkeit\nder Morgenwind, der das Haar streicht, und das\nFormtalent ist unterm Haufen verloren. Herr Ju-\nlius Bab kann Heine noch viel besser dichten:\nFrühling, komm' und trage\nmich mit sanfter Hand,\ndaß ich nicht mehr frage,\nwo mein Heimatland.\nIch frage nur nach dem ».ist\" und antworte dem\nDichter:\n. • Nur unverzagt, auf Gott vertraut,\nEs muß doch Frühling werden!\nViel bedeutsamer erscheint dem Julius Bab Franz\nWerfel. Herr Julius Bab erhofft von dem Poeten,\ndaß er „unserer Lyrik einen neuen Ton schenken\nwird.\" Franz Werfel dichtet so:\nDie Freunde, die mit mir sich unterhalten\n;j : Sonst oft mißmutig, leuchtend vor Vergnügen,\nlustwandeln sie in meinen schönen Zügen\nwohl Arm in Arm, veredelte Gestalten,\nOder so:\nWer trat herein?\nSo leicht und unbefangen\nMit einem lila Shawl\nund tanzerregten Wangen\nwie bei der Damenwahl?\nWorauf man mit Julius Bab antworten könnte:\nLaß in weichen Winden,\nDie auf Feldern geh'n,\nDu mich Wohnung finden —\nLaß mein Haus ersteh n,\nWo ist der eigene Ton? Im Rhythmus. In der Me-\nlodie? Oder will man mir etwa erzählen, daß der\nsogenannte Inhalt neu sei? Der noch nicht benutz*\nte Shawl, Oder das Engagement der Lyrik für\ndie Damenwahl, oder macht es die Weltanschau-\nung:\nKind, vernimm zu nächtlichem Geleit:\nEwig sind wir, — Wahn ist alle Zeit.\nIch möchte dem Kind zum nächtlichen Geleit\netwas besseres wünschen als diese beiden Versplatt-\nfüße. Wenn einer schon durchaus neuen Wein in\ndie bekannten alten Schläuche schütten will, dürfte\nihm das deshalb schon schwer fallen,, weil die alten\nSchläuche nicht einmal mehr zum alten Eisen ge-\nworfen werden können. Sie sind nicht mehr Mode.\nUnd werden selbst im lila Shawl trotz allem Ver=\nstecken wieder erkannt. Goethe, Heine und Geibel\ngeben auch zusammen noch keinen neuen Ton.;\nWenn man ein Erlebnis (den Tschibuktürken überm\nLadenschild, sie mit tanzerregten Wangen)\naufschreibt, in erborgten Rhythmen, so ist das nt>ch\nkeine Gestaltung eines Erlebnisses. Herr Julius Bab\nhat zwar gelesen, daß Erlebnis und Gestaltung ein\nKunstwerk mache, nur sieht er durch seine Brille\nein Erlebnis, wo keine Gestaltung, und eine Gestal-\ntung, wo kein Erlebnis vorhanden- ist. Herr Bab\nschwärmt für ~urwüchsige Erneuerung\", wobei\nnicht recht sichtbar wird, wie eine Erneuerung ur-\nwächst, oder überhaupt wächst. Aber auch die\nurwüchsige Erneuerung ist nur bei einem „Ueber-\ngang aus vornehmer Tradition\"^(Goethe, Heine,\nGeibel) erhoffenswert. Herr Werfe! „wird unse-\nrer Lyrik einen neuen Ton schenken\", von Max\nMeli ~hat die deutsche Lyrik viel zu erwarten\". Sie\nkommt aber trotz allem nie außer Rand und Band,\ndie Lyrik. Sie wird zu fest in Rand und Band\nvon den Hoffnungsdichtern des Herrn Bab gehal-\nten. Max Meli dichtet etwa so:\nUnd mit dem Wagen, der schwer\nsich am Abend mit Garben belud',\ngeht er müd' und stolpernd einher.\nUnd geht ihm durchs Scheunentor nach und\nschließt es hinter sich zu.\nSo etwas kündet nach Julius Bab „ein eigenes,\nstarkes, ungehemmt (mutiges Verhältnis zum Dasein\".\nDabei schließet er das Scheunentor hinter sich gut,,\nund schwer herein schwankt der Wagen, kornbe-\nladen. Nicht einmal zieht das muntere Volk der\nSchnitter mehr zum Tanz. Ja, der Ernst des Le-\nbens tritt an die Lyrik heran. Jetzt heißt es fest\ngefügte Verse künstlich in die Länge ziehn. Und\nzwar jeden vierten Vers, damit man auch die Ab-\nsicht merkt. Aber dieser in die Länge gezogene\nVers macht Herrn Julius Bab zum Extatiker: „Max\nMeli bietet das Beispiel, wie ein Talent durch im-\nmer tiefere und reinere Selbstbesinnung aus der\nKonvention zu eigener und neuer Form schreitet\".\nKaum schreibt der Herr Bab das Wort schreiten,\nschon muß er an seine vielen vergeblichen Wege\ndenken. Und mit wehem Ernst bemerkt er: „Es ist\nein weiter und schwerer Weg (Gedankenstrich)\n— und vielleicht nicht einmal der Weg des ganz\nursprünglichen Genies, das sich mit einem jugendlich\nwilden Sprung auf eigenen Boden zu stellen pflegt\nund; erst später und allmälich seinen eigenen Zu-\nsammenhang mit der großen Tradition der Formen\nwieder auffindet\". Herr Bab rennt verzweifelt auf\nfremden Straßen herum, und das ganz ursprüng-\nliche Genie stellt sich mit einem jugendlich wilden\nSprungauf eigenen So machen das\ndie Genies. Aus Wut darüber wird Herr Julius Bab\ngutbürgerlich und symbolisch. Er wendet sich mit\nGrimm gegen „die Titanen der Cafehäuser, die sich\ndurch möglichst augenfällige Aneignung des bloßen\nSymptoms, ungewöhnlich oder möglichst unver-\nständlich sein! „,,als Genies bemerkbar zu machen\nsuchen\". Darauf wird Herr Julius Bab symbolisch\nund redet von ~dem in jedem Sinne grünen Bande\nder Kondor\". Nun ist der Kondor schon deshalb\neine schlechte Antologie, weil er Gedichte von\nPersonen enthält, die nicht einmal Dichter sind,\nund Gedichte von Dichtern, die keine Künstler sind\nMit großem Bedauern lese ich den Namen Else\nLasker-Schüler in diesem Buch. Sie wird vielleicht\ndie Gefolgschaft ebensowenig gekannt haben, wie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.2", "texte": "die drei Dichter, die in dem Buch außer dieser\nKünstlerin noch enthalten sincL Herr Julius Bab\naber wird ,„,an die verzweifelt äußerlichen Form-\nverrenkungen verstiegener Originalitätssucht in\nden dlunkelsten Winkel der berliner Sezession er-\ninnert4'.- Wirklich, berliner Sezession. Dieser Satz\nzeigt das Verhältnis des Herrn Julius Bab zur\nMalerei. Man fühlt intensiv die unwahre Anerken-\nnung, die er für die berliner Sezession heutzutage\nzu empfinden schon für nötig hält. Während seine\nSeele, seine frühlingstrunkene Seele sich nach der\ngroßen Kunstausstellung sehnt, wo man die Formen\nerkennt. Kann man denn wirklich diesem Unfug\nder vornehmen Form nie ein Ende machen? Der\ngebändigten Leidenschaft, der schönen Linie,, des\nedlen Klangs? Natürlich ist Julius Bab für Georg\nHeym. Georg Heym ist beim Eislauf auf der Havel\nertrunken, bemerkt Herr Bab. Natürlich findet\nHerr Bab in dem letzten Gedicht Heyms deshalb\n„etwas Dämonisches, ein wissendes,,, todeswilliges\nGelüst44. Ich halte ein Ertrinken befm Eislauf nicht\nfür eine todeswillige Angelegenheit, und kann auch\nnicht finden, daß so etwas tragisch ist. Ich kann\nauch nicht finden, „daß dieser sinnlose Zufall, der\nunserer Lyrik das vielleicht stärkste Talent des\nletzten Jahrzehnts entriß, in irgend einer Ordnung\nder Dinge doch mehr als Zufall bedeutet44. Heym\nwar kein starkes Talent. Herr Bab rühmt seinen\nharten jambischen Rhythmus, und daß Heym „in\nganz kurzen springenden Sätzen eine wilde\nJagd brennender Bilder vorüber*\nhetzt44. Gewiß, er hetzt Bilder vorüber.\nSie brennen zwar nicht. Aber Bilder, Herr\nBab, kann man nicht hetzen. Nicht einmal,\nwenn sie wirklich Und noch viel-\nweniger in jambischen Rhythmen. Heym hat\nsich nie in einem Erlebnis gefunden. Ob man den\nsogenannten Stoff zum Dichten aus Königsmänteln\nund Purpurbaldachinen, oder aus Dreck und Tin-\ntenschwärze herstellt, ist gleichgültig. Man kann\ntrotz Wasserratten und Adamsapfel unoriginell sein*\nSelbst wenn kein Mensch die Wasserratte\nund den Adamsapfel unserer Lyrik auf\nden nun schon sehr geduldigen Leib ge=\nworfen hat. Ein Stoff kann doch wohl nie etwas\nGeborenes, etwas Ursprüngliches sein. Und da-\nvon abgesehen; was ist das für ein Erlebnis, das\nden Atem nicht ändfert. Was ist das für eine Lei-\ndenschaft, bei der die Brust sich wie im Schlaf\ngleichmäßig hebt und senkt. Ist das Gestaltung?:\nAus vielen Pfützen dampft des Blutes Rauch,\ndie schwarz und rot den braunen Feldweg decken,\nund weißlich quillt der toten jPferde Bauch,\ndie ihre Beine in die Frühe strecken.\nSieht man einen braunen Feldweg schwarz und\nrot, wenn man es sagt. Strecken tote Pferde ihre\nBeine jambisch in die Frühe? Vielleicht tun sie es.\nWie alle Toten. Denn in dem todeswilligen Schwa-\nnensang heißt es:\nFroh sind die Toten, die zur Ruhe kehren\nUnd strecken ihre weißen Händle aus\nden Engeln zu, die groß und schattig gehen\nmit Flügelschlagen Hurch das hohe Haus.\nEngel und tote Pferde sind in demselben Rhyth-\nmus erlebt. Kann man stärkere Beweise des fehr-\nlenden Erlebnisses beibringen? Oder sind es\n„springende Sätze44 und „gehetzte Bilder44, wenn\njemand des Reimes wegen Bilder willkürlich zer-\nreißt :\n— — — —- — Eine Zahl.\nHat jeder Kranke. Und mit weißer Kreide\nSind seine Qualen sauber aufnotiert.\nDas Fieber dionnert. Ihre Eingeweide\nBrennen wie Berge. Und ihr Auge stiert.\nZur Decke auf,, wo ein paar große Spinnen\nAus ihrem Bauche lange Fäden ziehn\nSie sitzen auf in ihrem kalten Linnen\nUnd ihrem Schweiß mit hochgezogenen Knien. .\nSo etwas ist Unfähigkeit. Nicht etwa Gestaltung\neines Fieberspitals. Denn eine Messe, dieser\nSchwanensang, wird genau mit denselben Mitteln\n„dargestellt44:\nBei dreier Kerzen mildem Lichte\nDie Leiche schläft. Und hohe Mönche gehen\nUm sie heruitty Und legen ihre Finger\nManchmal über ihr Angesicht.\nDas ist doch wohl keine Gefühlsvorstellung,\ndie „gehetzte44 Bilder und springende44 Sätze er-\nfordert. Vielleicht die Unfähigkeit, rhythmisch zu\ngestalten.\nDas ist der Spaziergang des Herrn Julius Bab\nzur Sommerszeit in der Gegenwart. Ich freue mich\nfür „unsere Lyrik44, daß Herr Bab sich bald im\nWinter seines Mißvergnügens bei dem hundert-\narmigen; Dämon Theater zu deutsch bei Herrn\nReinhardt, einfindet, und der Lyrik seine Anteil-\nnahme wieder entzieht. Das Drama kann es ohne\nseinen Bäb nicht aushalten. Er zeige ihm die\nWege, die nach Rom führen, dem Ziel aller Ober-\nlehrer. Wir bleiben im Lande, zu dem kein Weg\nführt.\n\nH. W.\n\nMenschen von Gottes Gnaden\nVon Karl Borromäus Heinrich\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié-\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nAn den hochwürdigen Pater Bona-\nventura S. J., Chamfort (Belgien)\nIn deo pax!\nWien 7. Februar 1894\nHochwürdiger Bruder in Christo dem Herrn,\nich bin Deiner Angelegenheit während der\nletzten Wochen mit großem Eifer nachgegangen,\nwas mich in. den Stand setzt, Dir heute die gewün-\nschten Nachrichten zu geben.\nSo muß ich Dir denn zu meiner großen Be-\ntrübnis mitteilen, daß das immerhin bemerkenswerte\nunihöfliche, zehnjährige Schweigen, das Baron\nFrangart und seine Familie Dir als einzige Antwort\nauf Deine Briefe gegeben haben, sich aus mancher-\nlei traurigen Begebenheiten erklärt, die Gott, inj\nSeiner unerfoirschlidhen Absicht, über diese edle\nFamilie verhängt hat. Wobei ich von vorn herein\ndem Wunsche Ausdruck gebe, und auch der in-\nnigen Ueberzeugung, daß Er alles, so oder so,\nzu einem guten Ende führen, werde. Denn er hat\nin Seiner großen Gnade unserer heiligen Kirche\ndrei Selige , aus der Familie Frangart zugeführt,\ndie im dreizehnten, sechzehnten und siebzehnten\nJahrhundert von den Päpsten ritu als solche er-\nklärt worden sind Freilich sind, was sehr zu\nbeklagen ist, seit dem siebzehnten Jahrhufldeijt\nsieben der Herren von Frangart im Zweikampf ge\"\ntötet worden, allemal mit ihrem Verschulden, indem\nsie Frauen aus edlen Geschlechtern, obwohl selbst\nverheiratet, wider alle Heiligkeit der Ehe begehrt\nund verführt hatten.\nIm Hause des jetzigen Herrn von Frangart ist\nes folgendermaßen hergegangen: Die verehrungs-\nwürdige Freifrau von Frangart liegt seit der Ge-\nburt ihres einzigen Kindes und noch länger krank.\nSie ist daher in der Gesellschaft hier persönlich\nnahezu unbekannt. Schon, vor neun Jahren mußte\nsie auf Geheiß der Aerzte, die d&s hiesige Klima\nals nachteilig für. sie erklärten, in den Süden über-\nsiedeln,. Sie wohnt jetzt in dem winzigen Stamm-\nschloß der Frangarts, auf Frangart bei Sigmunds-\nkrön in Südtirol. Man hat mir erzählt, (daß sie\n'V\ndort mit ihrem Kind zusammen in schweigsamer\nununterbrochenen Ruhe, ohne irgend welche Men-\nschen zu empfangen oder zu besuchen, die Tage\nhinbringe. Das Kind, Fritz jP. J. Frangart, dessen\nzarte Schönheit in der ganzen Gegend dort berühmt\nsein soll, erhält seinen Unterricht von einem geist-\nlichen Mitbruder,, der von Bozen aus jeden Tag in\ndas Schloß fährt. Er hat mir über die Begabung'\ndes jungen Herrn, über seine Leichtigkeit im Er-\nfassen aller geistlichen und weltlichen Dinge, eben-\nso viel Rühmliches geschrieben wie Trauriges\nüber seine beispiellose Trägheit und seine uner-\nschütterliche Selbstgenügsamkeit. Er macht indes\ngroße Fortschritte; es soll mit ihm sein wie mit\neinem Menschen, der schon alles von selbst und\nvon lange her weiß und'dem man nur daran zu er-\ninnern braucht. Im übrigen aber lehne er alle freie\nZeit an der Mauer des Schlosses, das auf einer,\nHöhe liegt, lasse sich schweigsam von der satten\nSonnne des Südens bescheinen und sehe immerfort\nhinunter in das lichtgetränkte farbenreiche 'Tal.\nNach diesen Mitteilungen unseres geistlichen\nMitbruders zu schließen, muß es ein sehr merkwür-\ndiger Knabe sein; dazu kommt, daß er* sich im\nVerkehr mit den Menschen einer ebenso natür-\nliche Höflichkeit als vollkommenen Kälte befleißigt\ner soll garnicht das Bedürfnis haben, das sonst\nden Kindern eigen ist, sich anzuschließen und Zu-\ntrauen zu bezeugen. Die Mutter lebt sehr fromm\nund betet viel; aber sie liegt und träumt den gan-\nzen Tag. Ich gebe dir den Schluß des Briefes un=\nseres Mitbruders in wörtlicher Uebersetzung:\n„Selten fährt die Freifrau mit dem jungen Herrn\naus. Ihr schmächtiger Körper ist dann in Decken\ngehüllt, ihre tiefliegendlen Augen* träumen in die\nFerne (die Leute hier sagen: sie hat ein „allwissen-\ndes Geschau4, d. i. oculos omnisapientes). Sae\nnickt von Zeit zu Zeit langSjam mit dem blassen\nHaupt, aber sie scheint niemand von all denen\nzu sehen, die sie ehrfurchtsvoll begrüßen. Bei\nihrem Anblick füllen sich die Augen unserer! Land-\nbewohnerinnen mit Tränen. — Neben ihr aber sitzt\nihr Sohn, der junge Herr von Frangart, und sieht\nkalt und gleichmütig über alle hinweg. Er ist sei-\nner Mutter aus dem Gesicht geschnitten, nur das\nseine kindlichen Züge schon hart sind» ganz wie\ngemeißelt, wie auf unsern ältesten Denkmälern\nund Bildern. Seine schwarzen Haare sind leicht\ngelockt, die seiner Mutter leicht ergraut.\nIn der Frangarter Kirche beten die Bauern\nfreiwillig nach jeder Messe ein Paternoster für die\nGesundheit der edlen Frau im Schloß.\nIch kann garnicht aussprechen, wie wir alle\nhier die beiden lieben; die Mutter ist wahrlich wie\nein Hauch und Schatten aus der andern Welt,\nder Sohn aber, in seiner zierlichen Schlankheit,\nein geborener Herr.\"\nSo schreibt unser Mitbruder in Bozen. Wenn\nDich, hochwürdligeij Bruder in Christo, schon\nmanches in diesen Nachrichten betrüben wird, be-\nsonders das über die Gesundheit der verehrten\nFrau Gesagte, — wüe wird es vollends Dein Herz\nzerreißen, wenn ich, nur durch deinen} dringenden\nWunsch bewogen, Dir die Wahrheit über den Va-\nter und Gemahl eröffne. Oh, über die harte Auf-\ngabe, die Du mir gestellt hast!\nIn der ersten Zeit seiner Ehe soll der Baron\nFrangart, der noch immer in Wien Dienst macht,\nmit allen Zeichen eines schwer bekümmerten Men-\nschen herumgegangen sein. Das hat sich auch\nnach der Geburt seines Sohnes nicht sogleich ge-\nändert. Aber als Mutter und Sohn nach dem Sü-\nden übersiedelt waren, stürjzte sich der Vater m\nden Strudel der Welt. Wieviele leichtsinnige\nDinge werden nicht von ihm erzählt! Wieviele\nFrauen hat er verführt, ohne auf göttliche und\nmenschliche Gesetze zu achten! Galt er doch als\neiner der schönsten Männer der großen Gesell*\nSchaft; bei diesen Abenteuern mager# er jedes\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.3", "texte": "Jahr mehr und mehr ab, indes erhöht dies nur die\nEleganz und Geschmeidigkeit seiner Haltung. „OK\ndiese Taille, oh diese Taille !\" kann man die ver-\nrückten Damen hier flöten hören. Seine Augen\nstrahlen die Glut der südlichen Sonne wieder, un-\nter der er geboren ist. jCln seiner Heimat gibt es\nviele schöne Leute; der Rotwein macht sie schlank;\ndie Sonne bräunt ihre stolzen Gesichter; ihre Au-\ngen sind dunkel und gefährlich. Verzeih diese Ein-\nschaltung, hochwürdiger Bruder in Christo! —\nspricht doch jeder gern von seinen Landsleu-\nten!)\nDer Baipn Frangart lebt durchaus wie ein\nJunggeselle. -— Alle verderblichen Eigenschaften\nseiner Vorfahren scheinen sich in ihm gleichsam\ngesammelt zu haben und!,, nunmehr losgelassen,\nihr Spiel zu treiben. Nur ein einziges Mal, sagt\nman, hat er Frau und Sohn besucht und soll ärger\nzurückgekommen sein, als er hingefahren war.\nEin Verwandter seiner Frau, Marquis Choiseul,\nist vor drei Jahren nach Wien gekommen, um ihn\nzur Rede zu stellen. Der Marquis bereut wohl,\ndaß er die beidien zusammengeführt hat. Bei Sr.\nMajestät, unserm Kaiser, hat er sich eine Audienz\nerbeten. Sie wurde ihm gewährt „Kaiserliche\nMajestät,\" soll er gesagt haben, „mir scheint, der\nBaron Frangart, Gemahl der früheren Komtesse\nRiom, täte gut, die Armee zu verlassen und zu\nseiner Familie heimzukehren. Eure Majestät wür-\nden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie ihm das\nsagten.\" Es wird berichtet, daß seine Majestät\nsehr gnädig zu dem alten Herrn gewesen sei, aber\nihm seinen Wunsch, weil Baron Frangart eben\ndoch ein sehr zukunftsreicher Offizier ist, hat\nabschlagen müssen. Es läuft überdies eine kuri-\nose Anekdote um: Seine Majestät fragt :den Mar-\nquis Choiseul, ob er in Frankreich irgendein öffent-\nliches Amt bkleide. „Votre Majestä Imperiale,\"\nantwortete der Marquis, ~nous autres les Choiseuls,\nnous n'avons point accept£ de Charge publique\ndepuis 1789. Apres la Revolution, cela n'aurait pas\nete digne de nous ni de nos traditions.\" ,„Ah!\" sag-\nte Seine Majestät lächelnd, „voyez, eher marquis,\n- (\nvous etes donc de beaueoup plus nobles que moi,\nqui exerce-lä le mutier Üi'empereur!\" — „Loin de\nmoi cette pens£e, mais votre Majeste Imperiale r\nexerce par gräce de Dieu et non pas en France.\"\nMan hat den alten stolzen Herrn sehr respektiert.\nBevor er von hier abreiste, enterbte er den\nBaron Frangart, der viel Geld verbraucht hat, zu-\ngunsten seiner Frau und seines Sohnes.\nEine Dame der hiesigen Gesellschaft, die den\nBaron Frangart auf eine verrückte Weise, und so\nliebte, daß man sich öffentlich darüber moquierte,\nsoll ihm tags darauf zwanzig Tausendkronenscheine\nins Haus geschickt haben. Sie hatte einen Zettel\nbeigelegt: „Wenn nötig — Fortsetzung folgt.\" Als\ndie lächerliche Dame den Nachmittag dieses Tages\nan seinem Haus vorüberfuhr, stand er schon am\nFenster, zerriß, ohne einen Blick auf den Wagen\nzu werfen, die zwanzig Scheine in kleine Stücke\nund ließ sie hinunterflattern. „Wenn nötig —\nFortsetzung folgt!\" schrie er dabei wiederholt. Die\nDame mußte Wien verlassen, um dem Gespött zu\nentgehen, das sich allseitig laut erhob. Aber sie\nist leider nicht die einzige, die seinetwegen Ehre\nund Achtung in der Gesellschaft verloren hat. —\nSeine religiösen Pflichten erfüllt der Baron Frangart\nregelmäßig. Auch er soll in manchen Tagen in\nbitterster Melancholie und Einsamkeit das Zimmer\nhüten. Aber nachher beginnt er das unsinnige Le-\nben von vorn, und ohne daß auch nur eine Spur\nvon Wandel der Gesinnung ersichtlich würde. Gott\nbehüte ihn vor einem unchristlichen Ende!\nDies, hochwürdiger Bruder in Christo, ist die\nbedauerliche Wahrheit über den Baron Frangart\nWenn er Dein Freund ist, wie es nach Deinem Brie-\nfe scheint, so bete unablässig für ihn! Wenn er es\nnicht ist, bete trotzdem!\nAch hochwürdiger Bruder, manchmal denke ich\nmir, wieviel ruhiger und angenehmer mein Leben\nverflösse, wenn ich irgendwo auf dem Lande und\nnicht hier, in einer Pfarrerei„ zu der fast ausschließs\nlieh die Menschen der großen Gesellschaft gehören,\nzubrächte. Wieviel weniger Dinge erführe ich\ndann, die mein und nunmehr auch Dein Herz mit\nSorge erfüllen!\nAber wir müssen dort ausharren, wohin wir\ngestellt sind. So liegt es im Sinne der Vorsehung,\nWelcher Dich hiermit empfiehlt\nDein Dich liebender Bruder in Christo\nCanisius S. J.\nEine Zeitungsnachricht\nIn der Nacht vom werten auf den fünften April\n1896 erhielt Pater Bonaventura ein Telegramm des\nPaters Canisius aus Wien mit den kurzen Worten:\n„Baron Frangart gestorben. Brief folgt\". Der\nBrief kam expreß am Mittag des nächsten Tagesu\nEr enthielt einen Ausschnitt aus einer Wiener Zei-\ntung, nebst einer, offenbar in den Eile deutsch ab-\ngefaßten Bemerkung von der Hand des (Paters\nCanisius.\nDie Zeitungsnotiz lautete (im Zeitungsdeutsch,\nnicht übersetzt): ~Heute morgen verschied uner-\nwartet rasch eine der hoffnungsvollsten Zierden\nösterreichischen Armee, Hauptmann Baron\nFrangarti Die Nachricht wird allgemein mit Be-\ndauern aufgenommen werden, indem wohl jeder,\nder mit Baron Frangart, sei es nun dienstlich odei\nin persönlichem Verkehr, zu tun gehabt hat, das\nbeste Andenken an ihn mit fortgenommen haben\ndürfte. Ueber die Ursache des so plötzlchen Todes\nhüllen sich die maßgebenden Stellen an tiefstes\nStillschweigen. Man geht wohl nicht fehl, wenn\nman das Ableben des Baron Frangart mit einem\nEhrenhandel in Verbindung bringt. Die Beerdi-\ngung findet in aller Stille zu Frangart in Südtirol\nstatt, wo der jäh Verschiedene in der Familiengruft\nbeigesetzt wird\".\nDiese Notiz war von: folgenden lakonischen\nWorten des Paters Canisius begleitet:\n„Baron Frangart ist tot. Er hat sich öfter\nduelliert, als zulässig wäre, selbst wenn man\ndarauf baut, daß einem Gott wohl will. Der Baron\nhat nach dem tödlichen Schusse noch zwei Stunden\ngelebt, und somit war ihm die Gnade gewährt, die\nheiligen Sterbesakramente zu empfangen, aus mei-\nner eigenen unwürdigen Hand, und im Schöße un-\nserer Kirche zu sterben. — Er hat mir für Dich,\ngeliebter Bruder, ein Schriftstück übergeben las-\nsen, das ich jedoch nur Dir persönlich auszufolgern\nhabe. Ich nehme also an,, daß ich, obzwar der An-\nlaß tieftraurig ist, die Freude haben soll, Dich bald\nzu umarmen\nals Dein niedriger Bruder in Christo\nCanisius S. J/1\nPater Bonaventura, der nur die Zeitungsnotiz\ngenau und die Zeilen des iPaters Canisius sehr\nflüchtig, ja gegen den Schluß hin gar nicht las (es\nfiel ihm beschwerlich, deutsche Handschrift zu\nlesen), erbat sich von seinem Obern einige Tage\nUrlaub zur Reise nach Frangart; er ging dabei von\nder Meinung aus, daß er im gegenwärtigen Mo-\nment der Witwe und dem jungen Baron Fratz mit\nRat und Tat nützen könne.\nEinige Stunden nach Mittag befand er sich\nschon auf der Fahrt nach München—\nBo>zen. Er saß kaum im Zuge, da traf im Ordens-\nhaus ein Telegramm des Alten auf Choiseul ein,\ndas die merkwürdigen Worte enthielt: „Wissen\nSie, daß Baron Frangart tot ist, Sie brauchen! nicht\nzu seiner Beerdigung zu fahrenv da ich wahrschein\"\nlichl sebst hinkomme. Choiseul\".\nDa 'Pater Bonaventura nun schon einmal un-\nterwegs war, hielt man es im Hause nicht für nötig,\nihm diese Depesche nachzusenden.\nDie Versuchung\nDer Zug, der den Pater Bonaventura gegen\nMünchen führte, war gerade in Ingolstadt ausge-\nlaufen. Die Reisenden mußten die Betten der\nSchlafwagen verlassen und sich ankleiden. Pater\nBonaventura, der ja in Deutschland sein Ordens-\nkleid nicht tragen durftq,, steckte heute in einem\nkarrierten englischen Reiseanzug. Er lächelte, als\ner sich, im Spiegel des Coupes, in diesem weltli-\nchen Aeußern erblickt. Seit beinahe zehn Jahren,\nja, seit 1894, hatte er ununterbrochen das Habit\nseines Ordens getragen. Wie merkwürdig, daß er\ndas Kleid der Welt, das er bei der Hochzeit seines\nFreundes ausgezogen hatte, nunmehr bei seiner\nBeerdigung zum ersten Male wieder anzog!\nDraußen schien es Tag werden zu wollen; aber\nman sah nichts von der Landschaft, da ein dichter\nNebel alles verdeckte.\nPater Bonaventura blickte, wie zufällig, noch-\nmals in den Spiegel. Er fand, daß er sich immer-\nhin noch gut machte lin diesem englischen Stoff.\nPlötzlich ertappte er sich bei seinen\\Gedanken und\nerrötete. In leiser Verwirrung fing er an'yzu beten\nund suchte den weltlichen Sinn zu'verscheuchen.\nj.\nEr betete, bis der Zug durch den'dichtesten Nebel\nin München einfuhr. Das war gegen 'sieben Uhr,\nund er wußte, daß er hier genügend -Zeit haben\nwerde, seine Messe zu lesen, dajder Zug erst gegen\nneun Uhr nach Bozen weitergehen sollte. Er nahm\nsich am Bahnhof einen Wagen und fuhr durch die\ngraue Neuhauserstraße, deren häßliche moderne\nHäuser seltsam übernächtig aussahen, zum Lieb-\nFrauendom. In der Sakristei legitimierte er sich\nund las dan}n die Messe ,an einem der. alten Altäre\ndieser dunkeln und doch so farbenreichen, fast süd-\nlichen Kirche. Er las die Messe im schwarzen Or-\nnat, für das Heil der Seele des Baron Frangart.\nZum ersten Mal dachte er dabei eigentlich mit vol-\nlem Bewußtsein an dessen Tod und fühlte sich tief\nerschüttert; Und während er die Episteln überlas,\nblieb er stecken, und seine Gedanken irrten weit\nab. Jene schreckliche Nacht fiel ihm ein, die Hoch-\nzeitsnacht des Baron Frangart, für den er jetzt die\nMesse aufopferte. Sein geistiger! Blick senkte sich\nin die grausige Tiefe des Geheimnisses, worin Got-\ntes Ratschluß unerforschlich gehüllt ist. Eine zarte\nTrauer beschlich seine Seele. W7ie, wenn er da-\nmals vorausgesehen hätte, daß Baronin Frangart\nin zwölf Jahren Witwe sein werde? . . .'.\nAber wiederum regte sich sein stets wachsa-\nmes und geschultes Gewissen, das gleich einem\nmißtrauischen treuen Hunde vor der Pforte seiner\nSeele lag, um jeden unerwünschten Gedanken, der\nda Eintritt suchte, mit seinen Bissen zu töten, —-\nund verwies ihm, zum zweiten Mal am heutigen\nTage, alle weltlichen Gedanken. Er zürnte sich\nselbst, daß er, sich so wenig in der Gewalt hatte;\ner suchte eine Entschuldigung und schob seine Zer-\nstreutheit auf den Ulmstand, daß er der genügsa-\nmen Stille seines Ordenshauses so plötzlich ent-\nrückt worden sei. Verloren blickte er noch einen\nAugenblick in das schwermutsvolle Dunkel der\nKirche hinein und las dann, nach einem langen\nSeufzer, die Messe weiter. Belm Paternoster\nsprach er den Satz: „et ne nos inducas in tenta-\ntionen\" zwei, dreimal ....\nVerträumt, müde und1 schläfrig saß er um neun\nUhr wieder im rollenden Zuge. Der Halbschlaf\nbrachte ihm längst versunkene Bilder zurück: er\nstand mit Komtesse Riom am Fenster des Schlos-\nses Choiseul. „Sehen Sie,, Mieville, wie schön!\"\nnief sie, auf irgendeinen Baum hinausdeutend, und\nlegte ihre zarte Hand in liebenswürdiger Erregung\nauf seinen Arm. Und der Schlafende erschauerte,\nwie er damals im Wachen erschauert war ....\nDann aber warf er seine Schläfrigkeit von sich,\nging auf den Korridor des Wagens hinaus und\nlehnte sich betrübt an das geschlossene Fenster.\nDraußen senkten sich Wolken von Schnee auf die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.4", "texte": "farblosen Felder in dichten schweren Flok-\nken. Die nahen Berge wurden in verschwomme-\nnen Umrissen sichtbar; auch sie waren ganz mit\nSchnee bedeckt. Ach, dieser rauhe einförmige\ndeutsche Winter! Das Blut des Romanen regte\nsich in ihm und erbitterte sich gegen die Monotonie\nder Landschaft. Dann wieder bezwang er sich und\nverfiel in Nachdenken. Ja, eiin solches Klima mußte\nrauhe, tapfere und genügsame Menschen erzeugen.\nEr erinnerte sich einiger Deutschen in seinem Or-\ndenshaus. Welch strenge, unbeugsame und doch\nim Gehorchen so bewundernswerte Menschen!\nIhre Heimat ist unwirklich und erlaubt ihnen nicht,\nsich schnell zu verbrauchen. Sie sind so langsam\nim Genuß und in der Entwicklung — mehrere Jahr-\nhuderte hinter den romanischen Rassen zurück,\ndie sich um soviel schneller verzehren als sie\nschneller leben . . . .> Wie gerade und zielbewußt\nwar der Weg,, den diese Deutschen eben jetzt gin-\ngen! Wie machtlos erschienen ihm in diesem\nAugenblicke, trotz ihrer Gewandtheit, die Roma-\nnen, gegen diese kriegerische deutsche Nation, die\nsich mit der zermalmenden Langsamkeit ausbreiten\nwürde, miit der sie schon einmal, nach dem römi-\nschen Imperium, die leichtlebigen verglühenden\nsüdlichen Völker überwunden hatte . .\nSein Auge füllte sich mit Tränen. Oh, es war\nalles umsonst, es war nicht mehr anzukämpfen ge.-\ngen dieses gelassene streng erzogene Volk! Was\nhalf alle romanische Geschmeidigkeit, aller elarn\ngegen das schwerfällige, aber unerbittliche Vor-\ndringen dieser immer noch jungen Nation! ... Er\ndachte an die anarchischen Zustände Frankreichs\nund an die bettelhafte Fremdenindustrie Italiens,\nUnd wieder traten ihm Tränen in die Augen.\nDer Zug verließ Innsbruck. Und während er\nden Brenner hinauffuhr, in langsamen keuchenden\nlangweiligen Windungen, dem Auge des Romanen\ndie ganze widerwärtige Häßlichkeit der unge-\nschlachten weißgrauen Bergmassen preisgebend,,\nknüpften sich Bonaventuras Gedanken fort. Er\nschaute zurück in die deutsche Wel-\nches merkwürdige Schauspiel! Die Germanen\nhatten die römische Weltherrlichkeit zerstört. Aber\nwar es nicht ein Symbol ihrer vornehmen Aner-\nkennung einer vornehmen, älteren Kultur, daß sich\nKarl der Große vom Pabst die deutsche Kaiser-\nkrone verleihen ließ? ....\nOh die katholische Kirche! Ihre Organisation\nwar das verfeinerte, zu längstem Leben bestimmte\nErzeugnis römischen, romanischen Geistes. Und\nvor ihm hatten sich die Germanen, trotz poli-\ntischer Uebermacht, gebeugt! . . . Wie gut ver-\nstand er auch jenen armen jungen deutschen Kaiser»\nden sie den Römling nannten! Wie fühlte er ihm\nnach, daß er alle Machtfülle für nichts achtete\ngegen die überlegene Geistigkeit einer älteren'\nKultur! . . . Lange umarmten die Gedanken des\nAbbe voll Mitleid das Geschick jenes deutschen\nKaisers, der sein Herz im Sitden hatte und seinen\nTron im Norden.\n„Der abscheuliche Brenner\" (wie ihn der Abbe\nin Gedanken nannte) war endlich überwunden.\nSchneefrei, farbreichere Bergspitzen wurden sicht-\nbar. Der Himmel bläute sich und erschien höher\nals vordem. Bäume, Häuser und Menschen ge-\nwannen erst Form und Ausdruck in der durchsich-\ntigen reinlichen Luft, die hier wehte. Und als der\nZug in Franzensfeste hielt, sah Bonaventura mit\ntiefster Rührung zu der warmen strahlenden Sonne\nempor.\nOh der Süden! Der klare, ausgebreitete, far-\nbige, plastische Reichtum des Südens! Und zum\ndritten Mal während dieser Fahrt, in deren weiß-\ngraue und grauweiße Dürftigkeit er mit Schaudern\nzurückblickte, fühlte sich Bonaventura dem Wei-\nnen nahe, aus jenem heimatlichen Gefühl der Dank-\nbarkeit heraus, mit dem er die satte, lebensfrohe,\nsüdliche Landschaft als blutsverwandt, als rorna-\nnisch umarmte ... Er stand an der Mauer des\nBahnhofes, schloß in seligem Taumel die Augen\nund ließ sich von der mächtigen triumphierenden\nSonne mit reinstem Licht überfluten. „Du armer\njunger deutscher Kaiser!\" murmelte er, „ich ver-\nsteh dich so gut! ... Wärest Du hier, lieh würde\nDich streicheln, Dich liebkosen, Dich umarmen. Ich\nwürde zu Dir sagen: laß diese nordische Macht,\ndieses schläfrige Ansehen, das Du dort genießt!\nWas liegt noch am Ansehen, wenn es einen friert!\nwas liegt an der Macht, wenn sie sich über graue\nLänder erstreckt! Komm, hier hast Du heimgefun-\nden! Ja, richte Deine Augen aufwärts! Hier ist\nder Himmel nicht so niedrig, daß man mit dem\nKopf anstößt, wie drüben. Hier ist es warm; hier\nstrahlt die Sonne wie hunderttausend Diamanten.\nHier wölbt sich der Himmel so hoch, daß Du ihn\nnicht ermessen kannst. Hier leuchten Farben, Far-\nben! Hier schlummern noch Rätsel Hier kannst\nDu noch irr gehen; niemand nimmt es übel. Hier\ndarfst Du noch weinen, lachen, schreien, singen! J<c\nBonaventura hielt voll seelischer Bewegung\ninne in seinem Gespräch. Er genoß immerfort die\nweiche Luftiund die liebevollen Strahlen der Son-\nne; aber zugleich starrte er betroffen, wie als ob\ner eine ferne oder nahe Gefahr sähe, in die Leere.\n. . . Schließlich schüttelte er heftig den erhitzten\nKopf; denn er wußte keineswegs, woran er mit\nsich war —.\nEr wußte es auch noch nicht, als er wieder in\nden Zug einsteigen mußte, der nun gegen den Sü-\nden weiterging. Wie um sich zu erlösen, lenkte er\nseine Gedanken wieder ins Allgemeine. Der heiße\nleidenschaftliche mystische Charakter der roma-\nnischen Frömmigkeit erhob sich vor seiner Seele;\nund, in natürlicher Verbindung mit dem kalte«\nBild des Brenners, die Gestalt des deutschen prote\"\nstantischen Reformators, der den Gottesdienst\nvereinfacht, erklärt und ernüchtert hatte. Er ver-\nglich im Geist katholische und protestantische Kir-\nchen: den von allen Seiten mit jahrhundertelanger\nBegeisterung geschaffenen Reichtum der einen, und\ndie gewollte rauhe, nackte Armut der andern.1 Nein,\ner als Romane, würde die Protestanten nie verste-\nhen! Aber er verstand, daß diese Art der Vereh-\nrung Gottes bei den Deutschen Boden gewinnen\nkonnte. Und er erschrak einen Augenblick vor der\nherben preußischen Größe, vor ihrer unwirtlichen\nEinfachheit, vor lihrer kalten Ruhe . . . Und mit\neinem Male war es ihm, als ob er eines der Grund-\ngesetze der religiösen Entwicklung europäischer\nRassen entdeckt hätte: der romanische Geist, ins\nGlühen gebracht durch die reiche lachende Sonne\ndes Südens, suchte nach allen Geheimnissen, nach\nallen Verwicklungen der Seele; die Germanen\naber, denen eine immerfeuchte Luft die Sonne und\nden Himmel verdüsterte, strebten nach Klarheit,\nnach Vereinfachung . . . Von da aus glaubte er\nlebhaft und deutlich einen ewigen Unterschied zwi-\nschen romanischer und germanischer Kultur zu er-\nkennen; denn schließlich war doch für ihn das re-\nligiöse Leben die Quelle aller Kultur .. . Jetzt\nalso, gingen seine Gedanken weiter (und seine mil-\nden, dunklen Augen umflorten sich), war die Zeit\ngekommen,'wo die Germanen ein zweites Mal den\nPrimat in Europa übernehmen sollten .... Ach,\nsein romanischer Stolz ertrug diese Vorstellung\nnicht! Er flüchtete sich in die ihm heilige Idee\neines imperiums der katholischen Kirche. War die\nkatholische nicht in Europa die Kuturmacht mit der\nlängsten, reichsten Tradition! Vielleicht lag es im\nWillen Gottes, durch die ungebrochene Jugend der\ngermanischen Rasse jenen Geist des Materialismus\nüberwinden zu lassen, der sich im vergangenen\nJahrhundert | der romanischen Staaten gleich einer\nverheerenden Perversität bemächtigt hatte! Und\nwer war berufener als die Deutschen, dieses ein-\nfache -kriegerische Volk, jenen zersetzenden Geist\nniederzukämpfen,, der ihm selbst noch so fremd\nwar! Dann aber, wenn diese weltgeschichtliche\nAufgabe gelöst war, — war dann nicht der Boden\nbereitet für die allgemeine Versöhnung der Rassen,\ndie er nur im religiösen Sinn begreifen konnte! Und\nwessen Aufgabe konnte hinwiederum diese weite\nreligiöse Versöhnung sein, wenn nicht die der ka-\ntholischen Kirche, der „ecclesia triumphans\", wie\nsie geweissagt war . . - Und überwältigt von die-\nser Vision, an die er als Romane glaubte und als\nKatholik glauben mußte, hob er wie segnend die\nHände über die in der heiteren südlichen Sonne\nausgebreitete, farbenreiche, plastische Landschaft.\n\nFortsetzung folgt!\n\nGedichte\n\nVerzeihung\nVon Albert Ehrenstein\nIm Bette lag sie,\nbleich, ausgehärmt\nund arg zeriitten\nvon des Lebens\nTag auf Tag.\nAus ihren armen Augen\nstarrten meine Sünden\nmir entgegen\nMal an Mal.\nUnd aber, da ich mich\nzu ihren Faltenhändchen\nbeugte, neigte\nsie sich über mich\nund ihrer Seele\nletzter Hauch\nsegnete mich,\nwie eine Rose\ngelb und welk\nim Fallen noch\nden Boden küßt.\n\nTraum\nAls ich die Nacht durchwachte,\nkam mir die Zeat herein,\nhin glitten sachte\nTräume und Tode mein.\nDer Knabe, der im Sande\nmit Muscheln Spiele trieb,\nmit manchem Tande\ndie Zeit vorüberhieb,\nderselbe stets zu sein!\nO weh der Muschelspiele,\ndu lange Weile,\nihr ewig gleichen Ziele —\nnur nicht auch tot derselbe sein!\n\nDas Ozeansanatorium für\nHeukranke\nTelegramn-Novelette\nVon Paul Scheerbart\n\nAn Lika Lee, San Franzisko.\nHier wieder gräßliches Heufieber. Werde\nSchnupfen und Niesen nicht los. Aerzte sagen:\ndorthin gehen, wo kein Gras wächst. Die Aerzte\nhaben leicht reden! Sollen wir im Sommer ara"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.5", "texte": "Nordpol oder am Südpol leben? Telegraphiere\ndoch, ob Euch nicht ein guter Rat einfällt. Ich muß\ndiesen wieder beniesen.\nGruß von Liesen Thakeray, Chikago.\n2. Mai 1910.\nAn Liese Thakeray, Chikago.\n? -\nHier auch im diicksten Heufieber. Aber wir\nsind aller Welt voraus. Eichkatz, Du hast keine\nAhnung von Weltgeschichte. Wo wächst denn\nkein Gras? Mitten im großen Ozean —da wächst\nkein Gras — da können Grasblütenpollen nicht\nmehr hin. Also: stürzen wir uns in den großen\nOzean — dann» ist alle Heukrankheit überwunden.\nEichkatz, sei schlau. Wir machen Tournee zusam-\nmen/ Willst Du? Lika.\n2. Mai 1910.\nAn Lika Lee, San Franzisko.\nIch soll mich drei Monate auf Ozeandampfer\nlangweilen? Mich da totessen? Dackel, Dir rap-\npelt es wohl. Was meinst Du mit Sturz im Ozean?\nSei doch nicht so geheimnisvoll. Tournee mach ich\ngern mit. Mit Papa kann ich machen, was ich will.\nDer gibt die Banknoten sackweise. Aber — doch\nnicht für eine dreimonatige Dampferfahrt — mit\nSeekrankheit und! ewigem Heißhunger und Kajüten\"\ngefängnis. Dackel, ich glaube: Das meinst Du auch\ngarnicht. Du hast ein Geheimnis vor mir, Deiner\ntreuesten Freundin. Sei offen! Offenbare Dich!\nWarum seid ihr weiter in der Weltgeschichte als\nEichkatz? Das versteh ich nicht — wie so vieles\nandere. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln\ngefressen. Davon wird man ja korpulent. Nuni\nentschließe Dich und tu Dein Geheimnis kund —\nsonst ist Dir ewig böse Dein neugieriges Eichkatz\nmit dem Heufieber und dem großen Niesen.\n2. Mai 1910.\nAn Liese Thakeray, Chikago.\nDu, liebes Eichkatz„, bist nicht so dumm, wie\nDu aussiehst. Gleich merkst Du was. Du weißt\nnatürlich, daß ich die Dampferzellen im Magen ha-\nbe, trotzdem sie so viel Magengenüsse bieten. Kurz=\num: hier große Gesellschaft in der Bildung begrif-\nfen. Die will schwimmende Inseln bauen — mit\nluftigen bunten Glaspavillons. jPapa stark intern\nessiert dabei — viele Glasfirmen ebenfalls.\nSchwimmende Städte soll's geben mit Lawn-Ten-\nnisplätzen — mit Seeterrassen und vielen anderen\nDingen. Was weiß ich? Da kann ich den Bau-\nmeistern nicht so leicht folgen. Ich bin ja auch nicht\nso furchtbar gelehrt — sonst wär' ich ja korpu*\nlenter. Sehr gewandte Onkels sind dabei. Mich\nwollen sie immer belehren, kann nur nicht so\nschnell kapieren. Aber wir kriegen einen Glaspa-\nvillon erster Güte — mit doppelten Glaswänden\nund Aussichtsturm. Die Geschichte wird fein,\n-Schleppdampfer ziehen unsere Insel. Die Heufrage\nist gelöst. Ich bin ganz weg vor Entzücken und\nDein treuer Dackel.\n3, Mai 1910.\nMr. Thakeray, Chikago.\nSie sind von verschiedenen Seiten falsch unter-\nrichtet. Es handelt sich hier nicht um ein phanta-\nstisches Unternehmen. Die Sache hat eine sehr\ngesunde Basis. Ganz Amerika wird vom Heufieber\ngeplagt. Die Pollenblüher, deren Samen meilenweit\nherumfliegen, verbreiten ein Gift, das im Menschen\nallerdings zunächst nur Schnupfen und Niesen —\naber sehr bald auch asthmatische Beschwerden aus-\nlöst. Dem muß begegnet werden, Auf dem Fest-\nland und auf jeder Insel sind aber blühende Gräser\nüberall, -Wir müssen also mitten im Ozean während\nder Blütezeit wohnen —- dann geht alles weg. Un-\nsere „Ozeansanatoriumsgesellschaft für Heukran-\nkranke\" hat das Richtige gefunden: schwimmende\nInseln im Ozean — die immer dort schwimmen\nmüssen, wo alles Festland und die Naturinseln Hun-\nderte von Meilen entfernt sind. Erde auf unsern\nSchwimmenden nicht vorhanden. So nur kann die\nHeukrankheit überwunden werden. Natürlich muß\nman Geld wie Heu haben, wenn man das Heufieber\nüberwinden will. Darum wenden wir uns an Sie,\nMr. Thackeray. Etwas Apartes muß eine schwim-\nmende Insel von zwei Quadratkilometer schon ha-\nben. Darum sind wir für Glasarchitektur. Wir\nkönnen daneben auch Glasersatz verwenden —\neine auf Draht gezogene Gelatinemasse, die wie\nLeder ist und durchsichtig. Man kann die Masse\nimmer wieder ausbessern, und jede Farbe nimmt\nsie an. Ein guter Ersatz. Wir bitten sehr um bal-\ndigste Nachricht der Beteiligung wegen; Miß Liese\nThakeray, Ihre Tochter, ist auch begeistert von\ndiesem Sanatorium. Wir können auf hunderttau-\nsend reichste Kurgäste zählen. Das Unternehmen\nhat eine sehr gesunde Basis und macht auch gesund\nHochachtungsvoll!\nTürk, Baumeister, San Franzisko.\n7. Mai 1910.\nMr. Türk, San Franzisto.\nMeinen Sie: ich kenne das Gründen nicht? Da\nsind Sie sehr schief gewickelt. Sie sind ein Phan-\ntast. Gegen die schwimmenden Sanatorien habe\nich nichts, beteilige mich gern an dem Geschäft.\nAber wozu denn das Glas? Das ist 4och sehr\nschwer. Leichte Gebäude müssen auf den schwim-\nmenden Inseln verwandt werden. Und ein paar\nBlumenarrangements dürfen nicht fehlen. Gar keine\nErde — Unsinn. Glasheller Blödsinn. Also: seien\nSie nicht so phantastisch, und versuchen Sie nicht,\nmehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen*\nsonst bekommen Sie gar keine. Das mit Idem\nGlasersatz aus Gelatine kenne ich ganz genau —-\ndas ist nur so ein Köder.» Nachher kommen die\nGlasfabriken und liefern so viel Glas, d&ß alles\nGeld nur für diese Glasfabriken da ist. Das gönne\nich diesen Herren nicht. Hochachtungsvoll!\n8. Mai 1910. Thakeray, Chikago.\nMr, Thakeray, Chikago.\nDas mit den Blumenarrangements und der Erde\nnicht durchführbar. Aerzte sagen: dann nehmen\nwir gleich das Heufieber mit. Ueberlegen Sie sich\ndoch die Sache: Erde und Blumen sind doch im\nHeusanatorium das Widersinnigste der gesamten\nWeltgeschichte. Für die Blumen aber müssen wir\ndoch einen Ersatz haben. Das müssen Sie doch\neinsehen. Und — wo ist der Ersatz? Doch nur\nin den Bunten Gläsern kann er sein. Seien Sie doch\n• • ?\nnicht so wütend auf die Glasfabriken. Wir grün-\nden selbst welche. Und dann beteiligen Sie sich\nauch bei unseren Glasfabriken. Das mit der\nSchwere lassen Sie unsre Sorge sein. Das mit dem\nGlasersatz war ganz ehrlich gemeint. Aber wir\nmüssen doch auch etwas fürs Auge haben. Wir\nkönnen doch die Reichen nicht durch ärmliche\nArrangements anlocken. Ohne Glas baue ich die\nInseln nicht. Ich habe nicht Lust, mich durch Knau-\nsereii zu ruinieren, Ich bitte um Nachricht, ob Sie\nüberzeugt sind. An Miß Liese Thakeray telegra-\nphiere ich gleichzeitig.\nHochachtungsvoll! Türk, San Franzisko.\n8. Mai 1910. 112\nMiiß Lee, San Franzisko.\nIhr Vater zu umständlich. Verzeihen Sie, daß\nich sehr kurz entschlossen bin: darf ich um Ihre\nHand bitten? Wenn Sie meine Gattin sind, kann\nich der Sanatoriumsgesellschaft mit vielen Millio-\nnen unter die Arme greifen. Bitte Entsschlußver-\nverkündung binnen drei Tagen.\nHochachtungsvoll!\nBorromäus, Glasfabrikenbesitzer, Milwaukee\n9. Mai 1910.\nMr. Türk, San Franzisko,\nDie Geschichte von der Aermlichkeit ist wirk-\nlich einleuchtend. Gut! Blumen sind nicht gut,\nsagt auch mein alter Hausarzt, der sehr viel vom\nHeufieber versteht. Glas als Ersatz für die Blumen\n— buntes Glas — wie die Glasfenster in den Ka-\nthedralen Europas — nicht so übel. Aber — die\nKosten sind da doch sehr beträchtlich. Vergessen\nSie nicht, daß wir überall doppelte Glaswände\nbrauchen. Und die sollen innen und außen in viel-\nfarbigen Ornamenten mit bester Verbleiung zusam=\nmengehalten werden — außerdem noch durch star-\nke Stahlgerüste. Zwischen den Wänden sind die\nKühl- und die Heizapparate unterzubringen —-\naußerdem das elektrische Licht. Herr! Herr! Herr!\nDazu! ist Geld nötig. Das Geld muß dazu da sein —\nwie Heu —- wie Heu! Schwindelt Ihnen nicht'?\nFestsaal in der Mitte und große Seeterrassen —\nBadegelegenheit in besonderen Badehäusern! Wol-\nlen Sie die auch aus buntem Glas herstellen, Mei-\nnetwegen! Buntes Glas in Doppelwänden ist ja\nnicht durchsichtig. Automobile müssen auch auf\ndieser Bretterwelt vorhanden sein. Und schließ-\nlich werden wir nicht umhin können, ganze Lam-\npionalleen anzulegen. Jedenfalls wär's eine Art\nLichtstadt. Aber — was das kostet! Mein Ver-\nmögen .... Na •— immerhin — machen Sie's\ndoch kurz — heiraten Sie meine Liese — dieses\nEichkatz — dann ließe sich weiter über die Sache\nreden. Gruß Thackeray, Chikago.\n9. Mai 1910.\nAn Lika Lee, San Franzisko.\nDu, Dackel,, wie sieht Türk denn aus? Er will\nmich heiraten, IPapa schmunzelt dazu. Mir kommt\ndie Geschichte etwas konstantinopolitanisch vor.\nSchreibe, was ich tun soll. Das Ozeansanatorium\nmuß jedenfalls gegründet werden. Er schwärmt\njedenfalls ungeheuerlich für die Glasarchitektur und\nfür die Lichtinsel und die Lampionspäße des Nachts\nunterm Sternenhimmel Dein fanatisiertes Eichkatz\n11. Mai 1910.\nAn Liese Thakeray, Chikago.\nFür die Idee gehen wir ins Feuer und ins Was-\nser. Ich heirate einen Glasfabrikantenbesitzer.\nMach nicht soviel Umstände. Jedenfalls hab ich\nmächtig viel zu tun mit Eisenkonstruktionen und\nVerbleiungen. Muß viel lernen. Entschuldige die\nEile* Ganz Dein Dackel.\n11. Mai 1910.\nMr. Borromäus, Milwaukee.\nJetzt wird alles gehen. Aber die Hauptsache\nist jetzt die feste Grundlage der Insel. Das Ganze\nmuß auf großen eisernen Schalen ruhen. Das ist\nnicht im Handumdrehen gemacht. Wir können\nnicht vor Weihnachten mit dem Gerippe fertig sein-\nAber, wenn alles gut geht, stechen wir übers Jahr\num diese Zeit in See. Sie Mr.. Barromäus, müssen\nbis dahin mit den Häusern und Anlagen fertig sein.\nHochachtungsvoll! Türk, San Franzisko.\n13. Mai 1910.\nMr. Thackeray, Chikago.\nLieber jPapa! Wir sind also mitten im großen\nOzean und nennen unsere Insel Isle-Thackeray-Lee.\nMeine Freundin Frau Borromäus, geb.' Lee,, gen.\nDackel, hat ihren Papa schon hergelotst. In einem\nJahr sind wir fertig gewesen. Aber die Arbeit!\nDer große Saal strahlt. Und des Nachts sieht die\nInsel aus! Oh, was werden sich die Walfische und!\ndie Eisbären wundern, wenn wir mal nach Norden\nfahren, Die neuen Schattenschirme (ganz weiße)\nvon Mr, Borromäus sind famos. Die Schleppdam=\npfer drehen die Insel so, daß das Licht der Sonne\nimmer von der gleichen Seite kommt. Mein Ate-\nlier für farbige Glasornamentik ist herrlicher als\nalle Boudoirs der französischen Königinnen. Kom-\nme bald Papa! Du wirst hien gefeiert — wie ein"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.6", "texte": "alter Du hast uns die Lichtarchitektur\ngeschaffen. Ich habe mich auch für die Idee ge-\nopfert und bin Frau Türk geworden. Aber das\nist gar nicht so übel — man lernt doch was dabei\nvon Ornamentik. Wir grüßen Dich alle, und ich bin\n15. Mai 1911.\n\nDein altes Eichkatz.\n\nJahrmarkt\nRunge\nKalte grauende Winterluft\nfiel zerschrieen und zerpfiffen\nüber Bretterbudengewimmel.\nEin Judenhimmel\ngeschattete sich überall\nfür zehn Pfennige\nin den Straßen.\nWir aber drangen\nin langen\nSchritten\nmitten\ndurch\nSahen Kinder heulen\nund sich verbeulen.\nMänner trinken\nMädchen winken\nTrügen durch Kaufen\nSaufen\nund Neid\nGelässige Heiterkeit.\nFingen auf\nalle schnellen Wunden\nin weitem Hohn\nSpielten hin\nin den schlagenden Tag\nalle Sinne.\nNachtverstohlen\nfanden wir hier und da\nuraltewiggelabt\nglühende Lust\n\nDie „Wilden\" Rußlands\nVon D. Burljuk\nDer Realismus verändert sich in Impressionis-\nmus. In der Kunst rein realistisch zu bleiben, ist\nundenkbar. Alles in der Kunst ist mehr oder we-\nniger realistisch. Es ist aber unmöglich, auf die-\nsem „mehr oder weniger\", Prinzipien einer Schule\nzu bauen. „Mehr oder weniger\" ist keine Aesthetik*\nDer Realismus ist nur eine Species des Impressio-\nnismus. Der Impressionismus aber, das heißt das\nLeben durch das Prisma eines Erlebnisses, ist schon\nein schöpferisches Leben des Lebens. Mein Erleb-\nnis ist eine Umgestaltung der Welt. Das Vertiefen\nin ein Erlebnis bringt mich zur schöpferischen Ver-\ntiefung. Das Schöpfen ist gleichzeitig das Schöpfen\nder Erlebnisse und das Schöpfen der Gestaltung.\nDie Schöpfungsgesetze sind die einzige Aesthetik\ndes Impressionismus. Und dies ist zur selben Zeit\ndie Aesthetik des Symbolismus. Der „Impressio-\nnismus\", ist ein (oberflächlicher Symbolismus.\n~Vielleicht geht aus den Werken Raffaels und\nTizians ein vollerer (Kreis der Regeln hervor, als\ndaß bei Monet und Renoir der Fall ist, und trotzdeim\nziehe ich die geringeren Werke der Künstler denen\nvor, dae sich mit einer Darstellung der „Venus mit\neinem Hündchen44 oder eines „Mädchens mit einem\nStiegjitz\" begnügten. Diese Bilder können uns\nnichts Neues sagen, da wir zu unserer Zeit gehören\nund ihre Meinungen und Gefühle teilen\". (Henri\nMatisse.)\n„Eine Renaissance wird hauptsächlich nicht\ndurch vollkommene Werke hervorgerufen, sondern\ndurch die Kraft und durch die Einheitlichkeit des\nIdeals bei einer lebensvollen Generation\". (Maurice\nDenis).\nDer für Dezember geplante Kongreß der russi\"\nsehen Künstler soll in erster Linie versuchen\neine Milieu zu schaffen, welches für diese Einheit-\nlichkeit nötig ist. Dieses Ziel wird auch in diesem\nFalle die jungen Kräfte vereinigen, das heißt die\nKünstler, diie sich nicht an Selbstzufriedenheit er-\ngötzen, sondern neue Wege in der Kunst suchen\nund den nationalen und den Brotkorbinteressen die\nidealen Ziele der internationalen Kunst vorziehen.\nEs äst eine eigene Sache mit der Kunst. Wenn\nirgend ein Kongreß im Interesse irgend eines tech=\nnischen Gebietes — Luftschiffahrt, Seeschiffahrt\nAutomobilsport und dergleichen -— versammeln\nwürde, so würden ganz bestimmt alle Kongressmit-\nglieder einstimmig zugeben, daß wir hinter den ande-\nren Nationen stehen, daß „Rußland\" im Vergleich\nmit Westeuropa weit hinten geblieben ist, Und1 es\nwürde festgestellt, daß die Westeuropäische Kultur\nauch noch heute gerade so wie zu Zeiten Peter des\nGroßen für uns ein anstrebenswertes Ideal sein soll.\nAnders steht es aber auf jedetn geistigen Ge-\nbiete, das heißt auch in der Malerei. Hier fehlen\ndie fühlbaren Beweise eines fliegenden Aeroplans,\nDie Kunst ist eben keine Krupp'sche Kanone, welche\ndie Beweisfähigkeit in großem Maße besitzt, Jede\ntheoretische Selbstüberschätzunig wird hier zum\nSchweigen gebracht. Und leider ist die Selbstüber-\nschätzung einer der charakteristischen russischen\nCharakterzüge — je weniger Kultur, je größer die=\nser Wahn. Dieser, Wahn ist selbstredend sehr be-\nquem: er beseitigt das unruhige Suchen, das unru=\nhige Schaffen,, welche die größten Feinde des „Ob-\nlomofftums\" sind schon der Kunstschriftsteller\nAlexander Banois (einer der bekanntesten russi-\nschen Sezessionisten) hat richtig bemerkt, daß „die\nrussischen Künstler sich durch eine schreckener-\nfüllende Faulheit auszeichnen — ja! die russischen\nKünstler sind am Oblomofftum krank — und in\ndiesem Falle sind sie wirklich national!'4\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nJ. GRESHOFF\nHet Gefoelied Glas / iPersoons-en\nBockerbeschripvingen\nVerlag L. A. Dickhoff jr. 's-Gravenhage\nBALLHAUS / LYRISCHES FLUGBLATT\nVerlag A. R. Meyer / Berlin Wilmersdorf\nGOTTFRIED BENN\nMorgue und andere Gedichte\nVerlag A. R. Meyer / Berlin-Wilmersdorf\nDE WITTE MIER\nEine kleine Monatsschrift für Bücherfreunde\nunter Leitung von J. Greshoff.j In holländi-\nscher Sprache\nVerlag C. M. B. Gixon / Apeldoorn / Holland\nBOTHO GRAEF\nHodlers und Hofmanns Wandbilder in der Uni*\nversität Jena\nVerlag Eugen Diederich's 112 Jena\nFRANCIS VIELe GRIFF IN\nLa Lumiere de Grece\nParis Eciitionsde la Nouvelte Reoue 112\nMarcel Riviere et Cie\nTHADDÄUS RITTNER\nIch kenne Sie / Novellen\nWien und Leipzig / Deutsch-Oesterreichischer\nVerlag\nALDO PALAZZESCHI\nII Codice di Perelä\nRomanzo Futurista\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nALBERT EHRENSTEIN\nDer Selbstmord eines Katers / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nF. T. MARINETTI\nDistruzione / Poema\nMailand / Edizioni Futuriste di „Poesia\"\nLa Momie sanglante\nPoeme dramatique\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nD'Annunzio intime\n4e edition\nEditions du „Verde e Azzuro\" / Milan\nLe Roi Bombance\nTraeedie satirique, 3e edition\nEdition du „Mercure de France\" / Paris\nLa Ville Charnelle\n4e edition\nE. Sansot et Cie. / editeurs / Paris\nCARL DALLAGO\nPhilister\nBrenner-Verlag / Innsbruck.\nKARL KRAUS\nNestroy und die Nachwelt\nzum fünfzigsten Todestag\nVerlag Jahoda und Sieget/Wien\nPIERRE HAMP\nVieille Histoire\nContes Berits dans le Nord\nParis / Editions de Ia Nouvelle Revue\nMarcel Riviere et Co\nSVEND BORBERG\nLiliths Bog\nKopenhagen / Gyldendals Forlag\nNICOLAS BEAUDUIN\nLes Poetes\nParis I E. Basset et O / Editeurs\nJEAN BONNEROT\nProvince / Carnets de Vogoge\nMoulins [Allier] / Les Cahiers du Cenire\nAAGE VON KOHL\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nVerlag Rütter und Loening / Frankfurt am Main\n\nNotiz\nDie Holzschnitte auf der fünften Seite jeder\nNummer sind von Mitgliedern der Neuen Sezession.\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nKftnigin-Augusta-Strasse 51\ngegesubor der YOn-der-Heydt-Stragge\nFRANZOSISCHE EXPRESSIONISTEN\nBraque / Detain / Friesz / Herbin / Marie Lao-\nrencin / Vlaminck\nGe6timet taglich yon 10 bis 6 Ufar\nEintritt 1 Mark Dauerkarte 6 Mark"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.7", "texte": "KU NSTLERIXH E RAM ME\nr\n*r\nm\nv,\nii\n1912-\nALBERT KOBLINSKX\nBERUNBRIKKENALLEE6\n\n!! 2lnf attett £Bftfjnl)dfen jtt !!\nSine SSocknfcbrift\n©fgmr.bct oon femora\n£abroia\nSBierteljaljrlidj 13 ®cftc\npreis bzs em$elTtert fjeftcs 50 pf.\nim 2tbonnement:\n5urd] o5er Poftdmter bas £>ierteljafyr 6 2Hfv\nMreft unter Kreu3ban6 bas Dierteljafyr:\nfur bas 3nlan6 7 2H1 50 pfv fur bas 2TusIan5 8 IHf. 50 pf.\nat liter 9ir. 78 bom 1. STpril 1912: 2Rit bcrn foeben er*\nfdjienenen £eft 13 bcfdjliegt ber „:U?arj\" ba§ crftc Ouartal be§ laufen*\nben fci be§l)alb toteberfjolt auf tiefe unabljcingige ntib\nirielfettige Sodjcnfdjrift aufmerffam gemad&t, bic in gangen £)a(tung\nbie freie nnb fiifdje HTiiir 'erfennen lagt tmt bem Ijer*\nben £mudj, bet bon ben benod)barten SBergriefen mefyt. 2)er „3JJarj\" i|i\ntote bet :„6iml)Ii$ifftmu$M ein bobenftanbigeS ($mad)S, bas nut in\n3Jliir.d)en $um SBftifyen unb ©ebeiben Ecmrnen fennte. @eine d)arafter«\ntooUe Sigenart fjat nidjts gu tun tnit fiibb'utfdjem unb\nSftainlinteniiBerlieferung. 3m (Segcnteil ift ber „2Kara\" fflbbeutfcfc im\nbeflcn @;nnp, cud? im tern grofcbeutfd), unb er bebeutet in fancr 2ln*\nerfennung unb notbbeutfttr Hrt in ;§ren S3erfcf)ieben|eiten\nnidjt$ meniger al5 fine geiflige S3riidfe gmifdjen 9?orb unb ©fib.\nift ber anregenb unb frifdj ,mie audj fcaS our un3 Itegenbe\n€d)Iuf$eft be£ erften DuartolS, bas ton ben fofgenben ba3 befte er-\nmarten lajjt.\nsprpfcennmrnern qv&tid nnb franco torn\n92lar3=95erlag ©. m. b. 92tiirtd)en\n91.\n\nLesNaroi\n5 rue Gbaptal / Paris\nDiese literarische Zeit-\nschrift veroffentlichte das\nfranzosische Original der\nTagebiicher Flau-\nbert s7 deren Ueber-\ntragimg in Deutschland\nyerboten wurde.\n\nfriiher: L'Effort\nMonatsschrift\n:: Herausgeber: ::\nJean Richard Bioch\nPoitiers (Vienne)\n\nj L'Mependance\nHalbmonatsschrift\nKiinste, Kultur, Philosophic,\nPolitik\n: Jahresbezug: 15 Francs :\nParis I 31 rue Jacob\n\nliefert und verleiht\nMisiii 4 ii m-b-H-\nBerlin 26, - Mpl. 4612\nOranienstrasse 6\n\nCOFFETM\nTOEBER\n&\n*\n7A\n/\n'Si\n/\ni\nm\nn\nV/,\n&»*&«\nK\n25\nPCES\nBREMEN\n\nWichtßg tfOr die\nHerren Chefs!!\nStenotypistinnen, nach dem\n„Tast-Bystem\"\nausgebildet, leisten\n30-50 Prozent mehr\nals die nach der alten Methode\nausgebildeten Typistinnen :::\nInteressenten erhalten weitere Informationen von:\nSmith Premier Typewriter Co.\nBerlin W 8, Friedriohstrasse 62\nTel.: Zentrum 11734/11736\n\nLes Editions de la NOUVelle R6VUB frangaise ont public.\nEmile Verhaeren: Helene de Sparte I drame en 4 actei\nPaul Glaudel: L'otage / drame en 3 actes\nL'Annonce faite a Marie / myitere en 4 aotei\nAndrd Gide; isaberie / rscit\nCh.-L. Philippe: La Mere et I'Enfant\nLettres de jeunesse\nChaque volume 3,50 francs\n31 / rue Jacob / Paris"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "971", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120824-01.1.8", "texte": "Bruno Sellin, Berlin S. 14.\n\nAusstellungen, Salons\nKunslhandlungenelc.\n\nCASPER Kunst-Salon\nPotsdamer Strasse 19 Eintritt 50 Pf\nKollektion Gemalde von d'Espagnat\nund Schwarz-Weiss-Ausstellung von\nCorinth Klimt RaßaelH\nForain Leistikow Paetschke\nfiance Liebermann Skarbina\nHelieu Menzel Slevogt\n\nBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBEBBBBBBBBBBBBBflBBBBBBBBBSBBBBBBCBBBBRBBB&BSBB\n| GRAPHISCHES KABINETT\n1 Buch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Verlag\n! BERLIN W 15, Kurfiirstendamm 33 ::\n8 JiTi/\\rk4<niir,m** Im Eckhause. sreKenub d, Se-\ns Stanalge Ansstellnng session Einsane Grolmannstr.\n\\ moderner Graphik Illustriert Katalog n. 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Vorverk. 11-2 (Theatark.)\n\n0\nue secession\nEingetragener Yerein\nPassive Mitglieder\n: Neuen Secession:\nerhalten jahrlich\n1 mehrere graphische\nArbeiten\n2 die Zeitschrift Der\nSturm frei zugestellfc\n3 freien Eintritt zu den\nVeranstaltungen der\nMitgSiedsbeitrag halbjahrl. 15 M.\nGeschaftsstelle\nder Neuen Secession\nSteglitz\nR/liquelstr. 7a Fernruf 5tg1.2699\nBERLIN\n■ ean ■\nder\nK S.\n\nHERAUSQEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangl. Folge\nNnmmer 351/353\nsoeben erschienen\nPreis 90 Pfennig\nOBERALL ERHALTLICH\naudi auf den Bahnhofcn\nWefbeband der Fackel\n50 Pfennig\nYerlag Die Fackel / Wien II! 2"}]}