{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_sha256": "639322308d6d28ee83ad4c153b64a264d9bb8d76a7427abf0617381310318ed5", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/09/07_01/bmtnabg_1912-09-07_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/09/07_01/bmtnabg_1912-09-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.1", "debut_caractere": 589, "fin_caractere_exclue": 1027, "texte": "Inhalt:\nElse Lasker-Schüler: Versöhnung / Detlev von Liliencron: Briefe an Peter Hille / Karl Borromäus Heinrich:\nMenschen von Gottes Gnaden / Roman / Paul Zech: Rheinhafen / H. W.: Bab, der Lyrikfinder / D. Burljuk: Die\nWilden Russlands / Alfred Döblin: Jungfräulichkeit und Prostitution / Franz Marc: Versöhnung / Originalholzschnitt\nfür ein Gedicht von Else Lasker-Schüler / Wilhelm Morgner Fressende Holzarbeiter / Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.2.1", "titre_corps": "Franz Marc: Versöhnung Originalholzschnitt für ein Gedicht von Else Schüler", "titre_sommaire": "Franz Marc: Versöhnung Originalholzschnitt für ein Gedicht von Else Schüler", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.1", "debut_caractere": 1029, "fin_caractere_exclue": 1104, "texte": "Franz Marc: Versöhnung\nOriginalholzschnitt für ein Gedicht von Else Schüler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "134", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.2", "titre_corps": "Versöhnung", "titre_sommaire": "Versöhnung", "signature_source": "Else Lasker-Schüler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 540, "texte": "Versöhnung\nElse Lasker-Schüler\nEs wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen . ,\nWir wollen wachen die Nacht,\nIn den Sprachen beten\nDie wie Harfen eingeschnitten sind.\nWir wollen uns versöhnen die Nacht —\nSo viel Gott strömt über.\nKinder sind unsere Herzen,\nDie möchten ruhen müdesüß.\nUnd unsere Lippen wrollen sich küssen,\nWas zagst du? j\nGrenzt nicht mein Herz an deins —\nImmer färbt dein Blut meine Wangen rot.\nWir wollen uns versöhnen die Nacht,\nWenn wir uns herzen, sterben wir nicht.\nEs wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c004", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "135", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.3", "titre_corps": "Briefe an Peter Hille", "titre_sommaire": "Briefe an Peter Hille", "signature_source": "Detlev von Liliencron ; H. 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Ein Professor?\nVor allem müssen Sie universelle Kenntnisse\nhaben, —\nDas war ungfähr der Anfang eines Briefes an\nSie, als ic-h Nr. 2 Ihrer Völkermuse gelesen hatte.\nIch dachte mir aber, daß Sie fast erdrückt wären\nvon Korrespondenzen, Zuschriften, litterarischen\nQuälereien p.p. und somit unterließ ich .meine Zu-\nschrift. Und nun kommt heute Ihr liebenswürdiges\nSchreiben vom 31. d. J., für welches ich Ihnen\nmeinen herzlichsten Dank sage. Ich wiederhole\n— leider, leider!!! — Ihre Völkermuse ist viel\nzu fein für unsere deutsche Leseplebs. Von den\n45 Millionen verstehn sie nur höchstens 450 Män-\nner. Aeuißerst fein und vornehm!!! Aber le-\nsen Sie nur die Kritiken, z. B. Deutsche Roman-\nzeitung, No. 4 vom 26. Oktober 1885! So wird\nes Ihnen noch öfters ergehn. Die wahnsinnige Ver-\nsohlammunjg und Versumpfung unserer, litterajri-\nschen Zustände, wo Leute wie Ebers, Wolff,\nEckstein den Ton angeben! Wo die 'Posse\n(— iKneisel, Moser, Schönthan, u.s.w. —-) regie-\nren,, selbst auf den besten Theatern regieren!\nVerzeihen Sie mir: Ich bin ein Soldat gerade-\naus! der dem ganzen Wischwasch! des litterari-\nschen Jetzt nicht fassen kann —- aber: Ich habe\nein feines Verständnis für das, was wirklich einmal\nrechts und links abgeht von dem gewöhnlicher;\nWeg, den die infame Bande unserer Millionen\nLyriker („Dichter\") wandeln. Deshalb begrüße\nich mit tausendfachem Jubelgeschrei jede solche\nErscheinung. Ach! Wrie wenig sind's!\nJa, unheimlich ist geradeaus oft, was Sie sa*\ngen. Aber, wenn ich's zweimal, dreimal lese, da\nschlägt's mir wie Freudenröthe in's Gesicht. Hal-\nten Sie aus! Es werden, es müssen sic\\h Verständ-\nnisvolle finden, die mit derselben heißen Erwartung\njeder neuen Nummer entgegensehen, wie ich. Eins\ndarf ich mir gstatten, hier zu erwähnen: Wenn\nirgend möglich, halten Sie das Programm aufrecht,\nwelches Sie uns mit der nächstfolgenden Nummer\nversprechen: Für die zweite Nummer z. B. hatten\nSie uns einen Aufsatz über Heiberg angesagt. Aber\ner fand sich nicht. Das scheint kleinlich von\nmir geredet, aber es ist es sicher nicht.\nSchluß des Briefes fehlt.\nZweiter Brief\nAnfang fehlt\nWas wollen Sie, lieber Fiteundi, mit meinen\nSchriften? Es liest sie kein Mensch. Unter dem\nblödsinnigen Titel: „Adjutantenritte\" — von mei-\nnem Verleger gegeben — habe ich Gedichte Tier*\nausgegeben: Blut, Herzblut (— idealisiert natür-\nlich —) aber kein Wischwasch. Kein Mensch also\nliest die Gedichte. Später — später vielleicht???\nMein erstes Drama, „Knut der Herr\" wurde vor\nvier Tagen auf dem HoMeater in Altenburg ge-\ngeben,. Es ist gut ausgefallen; nur muß ich noch\nZusätze schreiben. Ich gehe und ging nämlich von\nder fixen Idee aus, so k u r z wie möglich zu schrei-\nben, um das Fürchterlichste für die Zuschauer:\ndie Langeweile, zu vermeiden. Nun wird Knut in\nLeipzig (Stadttheater) gegeben mit meinen Zu-\nsätzen.\nEin anderes Drama: Die Rantzow und die Pog-\nwisch ist in diesen Tagen an die Bühnen von Felix\nBloch-Berlin versandt. Ich lasse Ihnen den Krem-\npel durch meinen Verleger in! Leipzig zusenden in\ndiesen Tagen. Nur zwei Vorbilder habe ich im\nDrama mir genommen: Shapespeare und Heinrich\nvon Kleist!!! Drama heißt: Heiße Vorwärtsströ-\nmung, fortschießende Handlung (— immerzu,\nimmerzu —), keinen Augenblick Langeweile, Hus-\nsah und Trompetenschall, Bumbum, und lieber das\nAeußerste gewagt — wie Vischer in seiner Aest-\nhetik sagt — als Langeweile, Nüchternheit,\nPhilisterhaftigkeit, — Ich schrieb noch manche\nNovelle! Aber wer will sie lesen?. Sie liegen im\nSchrank. Es sind (— idealisierte —) Tagebuch-\naufzeichnungen.\nHaben Sie in: „Die Gesellschaft\" Nummer 40\n„Der Dichter\" von mir gelesen? Bitte tun Sie\nes! Es wird Sie interessieren. Sehen Sie meinen\nFreund, den Prachtkerl Hermann Heiberg — so\nsagen Sie ihm tausend Grüße. Er kennt mich, d. h.\nnicht persönlich. — Schade, daß die Berliner Mo-\nnatshefte aufflogen. Welch ein frischer wohltuen-\nder Sturm darin. In ylck hev die lev\", -war ein\nschändlicher Druckfehler: „Verzweifelnde\" statt\n„verzeihliche\" Lieutenantswünsche. Anliegend mei-\nne Photographie. Bitte um die Ihrige.. Und nun,\nherzlicher Handschlag! Und immer wiedbr will-\nkommen mit Ihrer Völkermuse.\nHaben Sie irgend Muße und Lust, so schreiben\nSie einmal wieder\nIhrem ergebensten Detlev Frh. von Liliencron\nHauptmann a. D.\nDritter Brief\nKellinghusen,, d. 11. Dezember 1885.\nLieber Freund!\nWas, zum Teufel! hat mich denn so unglaublich\nvor Freude in diie Luft springen lassen, als ich ge-\nstern Abend Ihre liebe Zuschrift, datiert: „Steier-\nmark\" Dezember cri. erhielt. Gern hätte ich Sie,\nnach Lesung Ihrer Zeilen an mein Herz geschlos-\nsen, Sie absonderlicher, rätselhafter\nMensch, Sie!!! Und! doch ist mir Alles und Jedes\nvon Ihnen verständlich). Ganz unglaublich fühle\nich mich zu Ihnen hüngezogen, wie vielleicht noch\nnie zu einem Menschen. Geben Sie mir doch in\nIhrem nächsten Schreiben ein trockenes curriculum\nvitae. Damit ich Wenigstens weiß,, wie alt Sie sind*\nIch schätze 22—23 Jahre. So viel ersehe ich, daß\nSie aus Pyrmont's Umgegend geboren sind. Baroit\ndu Prell's wunderbares Buch über Martin Greif\nlas ich schon 1881. Ich gebe Ihnen Recht. Die\newige Somnambulerei du Prelis ist mir nachgerade\nlangweilig. Aber ein geistreicher Kerl ist er.\nWissen Sie, daß ich größte Lust hätte, mit\nIhnen in Ihrem verlassenen Bade mit dem grünundv\nweißangestrichenen Musiktempel zu kneipen. Und\nvon Allem zu sprechen, von dem 9999999999 Man-\nschen niemals oder ungern sprechen.\nHaben Sie schon eigenes drucken lassen außer\ndem wundervollen Gedicht in Berl. Monatshefte?\n— Dann senden Sie es mir mit wendender Post.\nIm Januar komme ich wahrscheinlich nach Berlin.\nIch hatte mich so sehr darauf gefreut, Sie zu sehen\ndort. Sind Sie dann wieder in Ihrer Moabitstraße?\nIm Januar möchte ich nach Leipzig auf dessen\nStadttheater: „Knut\" aufgeführt wird. Ja, wenn\nman das Talent Moser's, Lindau's {— obgleich\nich diesen liebe -—), Bürger (Lubliner), Moser's\nhätte!!!! Wenn Sie wirklich Blicke in meine Dra-\nmen geworfen hätten (— pardon —), und Sie\nwollen darüber schreiben?!! — dann sagen Sie'\nbitte, nachdem Sie sie tüchtig durchgehechelt ha-\nben, daß ein wenig hübsche Sprache dran ist: Auch\nTropen, gute Vergleiche,,, und: Vorwärts, vorwärts,\nvorwärts! Drama heißt scharf strömende Hand-\nlung. Schreiben Sie mir über das, was Sie litera-\nrisch vorhaben. Es interessiert mich das sehn\nIn Berlin freute ich mich im Voraus, hoffte ich von\nIhnen zu hören über 1000 und Einen der neueren\nund' neusten Dichter. Entre nous: Viel Quark\ndarunter. Herausleuchtend: ,Arno Holz4\n(— über dessen politischen Nonsens ich lache, lache,\nlache, —) Karl Bleibtreu, Hermann Conradi. Ken=\nnen\\ Sie meinen lieben guten herzensprächtigen\nHeiberg? Das ist ein Kerl. Sie haben — im Ge-\nniii th — viele Aehnlichkeit mit ihm. —\nSchreiben Sie eins: Ist im Knut und dem\nandern Schauspiel nicht Farbe, Farbe, Farbe?!\nTod der Nüchternheit, Zertrampelung aller Phi-\nlister.\nHaben Sie etw:as lieb\nIhren Detlev Liliencron\nWo bleibt Ihre Photographie.\nVierter Brief\nKellinghusen, Holstein 19. 1. 1886.\nLieber Freund!\nRecht herzlichen Dank sollen Sie haben für\nIhre beiden lieben Schreiben, die ich eher beant-\nwortet hätte, wenn mir meine jetzigen Umstände\ndies erlaubt hätten. Haben, Sie* vor allem Dank\nfür Ihre interessanten Worte über die beiden Dra-\nmen! Ich schrieb in diesen Tagen ein Trauerspiel'\n„Der Trifels' und Palermo\" (Kaiser Heinrich VI.)\nWenn es gedruckt ist, gestatte ich mir, es Ihnen\nzu senden. Immer habe ich jetzt Ihr Wort vor\nAugen: ~Menschen, Mannigfaltigkeit und Notwen-\ndigkeit von zusammenhandelnden Naturellen und\nCharakteren\" — — Das soll mir ein ewiges point\nde vue sein beim Dramenkritzeln, gewissermaßen\nalso der -Punkt, den ich ewig im Auge behalte,\nwenn ich schreibe.\nIch freue mich sehr darauf, daß ich die Ehre\nhaben werde und daß Sie mir Ihr Vertrauen schen-\nken in Betreff der Einsendung Ihrer Lieutenants-\nnovelle: Ein reizender Mensch. Ich denke mir,\ndaß, was Sie schreiben, muß ganz originell sein.\nIch bin bei mir ganz sicher, daß Sie einmal hell\nherausleuchten werden aus dem Millionendichter-\nschund den wir zur Zeit haben. Irgendetwas ganz\nWunderbares steckt in Ihnen . .. . .\nDaß Sie schon 31 Jahre sind, hätte ich nicht\ngeglaubt. — Ich bin aus meiner Zivilstellung ab-\ngegangen; vielmehr meine Gläubiger haben mich\nso lange gepisackt, bis ich freiwillig ihnen den\nKraim vor die Füße geworfen habe. Ich hatte lato-\nlieh circa 5000 Mark Einkommen; in zwei Jahren"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4767, "texte": "hätte ich meine Schulden abgezahlt. Aber nein!\nDie Schweinehunde zerrten solange, bis ich den\nAbschied nahm. Wohin ich ziehen werde, weiß\nich noch nicht. Jedenfalls bleibe ich solange -hier,,\nbis ich alles arrangiert habe; dann nach Berlin.\nEinmal, und wenn es auf dem Sirius wäre, müssen\nwir beide uns sehen und gemütlich zusammen\nkneipen. —\nSehr gütig war es von Ihnen., mir aus Ihrem\nVorleben zu erzählen. Sie werden gewiß sein,\ndaß es mich des Aeußersten interessiert hat. Nun\nerkläre ich mir auch die Wiedergabe der Bueren\n(Boeren)- Hymne in der Völkemuse.\nVergessen Sie mich nicht,, und! schreiben, Sie\nmir bald wieder. Senden Sie mir Gedichte p.p.\nIch bin zu setfir gespannt.\nIhr mehr wie ein Stück Vieh gequälter Freund\nDetlev Liliencron\nFünfter Brief\nKellinghusen, Holstein, 12. 2. 1886.\nMein sehr lieber Freund!\nIhr letzer Brief vom :. dieses Monats habe\nzu empfangen ich die Eüire gehabt; ich ersah aus\nihm mit herzlichem Bedauern, welchen Kampf Sie\nmit Ihm Verlegern resp. Verlegerwollern zu be-\nstehen haben und schon bestanden.\nGanz unendlich interessierte mich Ihre Reihe\nvon Autoren, die Sie als Ihnen, soll ich sagen: con\"\nvenierende mir nannten. Farina und Turgenieff\nsind auch meine Lieblinge und Leibnitz und Th.\nStorm. Kennen Sie überhaupt Th. Storni? Ueber\nden Franz Hirsch und unser herrlicher Karl Bleib-\ntreu durchaus falsch sprachen. Mais donc:\nBleibtreu und seine rote Broschüre. Ich nehme an,\ndaß Sie: „Revolution der Litteratur44 gelesen haben.\nWelche Tollkühnheit oft. Wie sind Sie — ich bin\nsehr gespannt darüber, — einverstanden mit Bleib-\ntreu's Urteil über Paul Heyse und Gottfried Keller!\nUnd Konrad Ferdinand Meyer 'hat er ganz verges»\nsen; vielleicht unser größter Novellist.\nIch hoffte, von Ihnen einiges Schriftliche: No-\nvellen p.p, zu erhalten. Ich bin sehr interessiert\ndarauf. Es kommt mir vor, als müßten Sie etwas\nganz besonders auffälliges und auffallendes schrei-\nben. Lasen Sie: Conradi's „Brutalitäten\"? Ja,\nja, der gute Zola hat mit vollen Händen Feuer nach\nDeutschland geworfen. Conradi übrigens: Erzäh-\nler 1. Ranges! Einzelne wundervolle Naturbeschrei-\nbungen.\nKennen Sie — ich wiederhole -— Th. Storm?\nLassen Sie bald Gutes von sich hören, Sie\nlieber Mensch, Ihren\nDetlev Liliencron\nSechster Brief\nAnfang fehlt\nNur eins gleich hier: Sie müssen, lieber Freund,\nnicht verzagen, wenn Sie Abschläge zuerst haben.\nDenken Sie an das deutsche Millionenleserpack\n(— Fürst und Eckensteiher, ganz Wurst —). Un-\nsere biederen Landsleute lesen nicht gerne originale\nGedanken, nicht gern: ihnen neu ins blöde Hirn!\nFallendes. Und somit pitophezeihe ich Ihnen: Sie\nkommen durch!!! Aber nach sqjhwerem Rin~\ngen. Also Kampf! Geben Sie nicht klein bei — Dies\nmöchte ich auch hier noch mir ergebenst gestatten\nzu bemerken: Ihre Prosasachen können noch die\nFeile haben. Es sind noch manche Schreibfehler\nstehen geblieben.\nHaben Sie herzlichen Dank f.r Hiren langen,\ninteressanter Daten vollen Brief.\nIch werde diesen Frühling oder Sommer defi-\nnitiv nach Berlin übersiedeln, da ich hier auch nicht\neinen Menschen habe, mit dem ich mich in litte«\nrarischen Dingen aussprechen könnte. Ich hoffe»\ndaß wir dort uns treffen. Ich habe auch noch mit\nRegulierung von —- 50 000 Mark Schulden zu tun.\n(— aus früheren Zeiten -—), die mich fast täglich\nin die Mündung meines Revolvers schauen lassen.\nDas ist ja so sehr günstig iür einen Dichter.\nAber wir sind ja deutsche Dichter. Und des-\nhalb erst peremptorisches Verlangen unserer\nLandsleute: Hunger die Bestie, Wahnsinn erst —•\ndenn weshalb ist das Vieih geworden und\nnicht Käsehändler.\nWas Sie über Pantenius schreiben, unterschrei-\nbe ich unter Tromfmelschall. Es ist nur ein herz-\nloser Patron. —\nleih werde nun also auch den Rest Ihrer M. S.\nwarten nnd zguleich, ob ich es an O. und Gr, wei-\nterschicken soll,, oder an Sie zurück. Ich bin sehr\nglücklich, daß Sie in Pyrmont einen netten\nHauswirt haben. Bravo! Geben Sie dem Mann\nvon mir einen herzlichen Händedruck.\nAus Ihrer (-—- brieflichen —) allerliebsten\nSchilderung Ihres Restaurations-Besuches auf dem\nBerge werden Ihre: Die Kinder entstanden sein.\nIch bin gespannt auf die Ausführung. Die Skizze\nläßt herrliches erwarten! Ihre Vorliebe für Dran-\nmor teile ich mit ganzer Seele. Wer kennt ihn?\nNur wenige.\nJa: ~das Einvernehmen\". Der Titel scjhon ist\ngut. Aber der Titel ist zu weit ab von der Land-\nstraße, und — siehe unsere braven Landsleute.\nIch habe insofern Bedenken gegen diese geplante\nZeitschrift, weil ich glaube, daß die erwähnten!\nFädher ja alle schon in Ein z e lbearbeitungen\n(— Journalen p.p. —) in unendlichen Massen auf\nden Markt kommen. Ich finde sonst Ihre Idee\nausgezeichnet.\nHoffentlich haben wir noch Gelegenheit, uns\nmündlich zu sprechen, und shaks hands zu machen\nsei es, wo es sei.\nIhr treuer\nLiliencron"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "137", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.4", "titre_corps": "Menschen von Gottes Gnaden", "titre_sommaire": "Menschen von Gottes Gnaden", "signature_source": "Karl Borromäus Heinrich", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.3", "debut_caractere": 4769, "fin_caractere_exclue": 9651, "texte": "Menschen von Gottes Gnaden\nVon Karl Borromäus Heinrich\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié-\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nGegen vier Uhr nachmittags war Pater Bona-\nVentura in Bozen angekommen fuhr mit seinem\nGepäck, um keine Zeit zu verlieren, rasch in das\nnächste Hotel, erkundigte sich in aller Eile nach\nLage und Entfernung von Frangart und ließ sich\nfort einen Wagen holen, Frangart liegt ja von\nBozen nur anderthalb Wegstunden südlich. Dann\nging der Pater auf sein Zimmer, um sich zu wa-\nschen und um seine Kleider zu wechseln; denn hier\nin Oesterreich stand es ihm frei, das Ordenshabit\n•der Jesuiten anzulegen. Nachdem er sich Hände\nund Gesicht gereinigt hatte, überlegte er einen\nAugenblick, ob es sich verlohne, heute noch das\nHabit zu tragen. In der großen Eile aber, die er\nhatte, der Witwe Baronin Frangart seine Teilnahm\nme zu versichern und ihren Sohn kennen zu lernen,\nvergaß er, wie es schien, auf das was er überlegen\nwollte, ergriff seinen Hut;,, ging eiligen Fußes die\nTreppe hinab und schritt auf den wartenden Wagen\nzu. Es war ein offener Landauer, und als Pater\nBonaventura den Fuß aufsetzte, um einzusteigen,\nerinnerte er sich plötzlich wieder des Habits. In-\ndessen wollte er nicht mehr umkehren, nahm ent-\nschlossen Platz und mahnte den Kutscher zu ra-\nscher Fahrt. Es läßt sich schwer sagen, was wäh-\nrend der wenigen Sekunden iin ihm vorging. Die\nFrage, ob er nicht lieber nochmals auf sein Zimmer\ngehen und das geistliche Gewand anlegen sollte,\nwar in ihm leise wach geworden, gleich einer stil-\nlen Welle, die sich aufkreiselt im See der Seele.\nAber der liuischlag der pferde und das Rollen der\nRäder töteten diese Frage.\nBonaventura betete sein Brevier und sah von\nZeit zu Zeit auf, über die blühenden Gärten und\nWiesen hinweg. Er fuhr durch Gries und dann\nauf stiller, abendlidher Straße durch Sigmundskron.\n„Dort oben liegt Frangart, gleich neben der Kirs-\nche\", bemerkte der Kutscher und zeigte mit der\nPeitsche auf die Höhe. Bonaventura berechnete,\ndaß es höchstens noch fünfzehn Minuten zu Fuß\nsein könnten, und ließ den Kutscher halten, mit der\nWeisung, ihn hier zu erwarten. . Der stellte sein\nPferd im Gasthof rechts an der Straße ein und be-\ngab sich in die Wirtsstube. Der Pater aber stieg\nvon merkwürdigen und unerklärlichen Gefühlen\nbeherrscht, die Straße nach Frangart hinauf.,'\nEr ging ziemlich schnell, hielt aber zuweilen an,\nund sah in das Tal herunter, wie um sich an des-\nsen Freundlichkeit Mut zu holen. Die Abendsonne\nsenkte sich gemächlich, breit und reif; sie stafrid\nnur noch wenig über den Bergen.\nBonaventura näherte sich der Kirche. An der\nFriedhofsmauer, die sie umgab, lehnte, die Arme\nüber die Brust gekreuzt, ein Knabe. Er lehnte dort\nund sah dem Herankommenden gleichmütig entge-\ngen. Gekleidet war er in schwarzen Samt, und um\ndie Hüfte war ihm eine schwarzseidene Schärpe\nlässig gschlungen. Er trug einen leinenen Kragen,\ngerändert mit zierlichen Sptzen, dessen Enden breit\nder schlanke Hals lag bloß.\nTräg und gleichmütig war die ganze Haltung des\nKnaben, aber trotzdem nicht schlaff und nicht ohne\n. Stolz. Seine seidenen, weichen, schwarzen Haare\nwaren ein weniig gelockt und trugen keinerlei Be-\ndeckung. Lange lange Wimpern beschatteten die\ndunkeln, mandelförmigen Augen, deren Weiß durch\nbläulichen Schimmer gemildert war; der Mund\ndes Knaben war halb geschlossen und zeigte seine\nstolzen Linien. Die Nase erschien schlank und: ge-\nrade. Die merkwürdig kleinen Ohren waren fast\nunter den Haaren versteckt. Sesine Figur w&r von\nliebenswürdigster Zartheit in ihren weichen und\ndoch so bestimmten Formen. Durch die leichten\nStrümpfe, /die an die Kniee gingen,, verriet sich ein\ngeschmeidiges schlankes Bein. So lehnte er an\nder Friedhofsmauer und sah Bonaventura ohne je-\nde Neugier ruhig entgegen.\n'Bonaventura blieb, unter tiefen Atemzuge, ste-\nhen. Sein Herz klopfte laut. Er wollte die Arme\nausbreiten und rief halblaut: .„Mein Sohn! . .\nMit einem einzigen heißen Blick hatte er die selt-\nsame Ähnlichkeit zwischen sich und dem Sohne der\nKomtesse Riom, der Baronin Frangart, erfaßt. Und\ner trank diese Ähnlichkeit förmlich in sich hinein. .\nMittlerweile hatte der Knabe die Augenlider\netwas hochgezogen, um den Kommenden schärfer\nanzusehen. Plötzlich schien seine reizvolle, zarte\nFigur ein leichtes Beben zu durchlaufen. Aber das\ndauerte nur kurz. Dann stand er wieder vollkom-\nmen ruhig und kalt, nur sein Mund öffnete sich\nleicht zu einem Lächeln. „Er sieht aus wie ein\nälterer Bruder von mir'4, dachte er.\nBonaventura seinerseits hatte sich auch ge\nsammelt, fühlte, daß er dieses Anstarren nicht eine\nSekunde länger fortsetzen durfte, und schritt, den\nHut lüftend, auf den Knaben zu. Dieser nahm die\ngekreuzten Anne ließ sie sinken,\nrückte ein wenig von der Friedhofsmauer ab und\nsagte mit leichter Verneigung: „Baron Frangart44.\n~Ich bin Paul Mieville44, antwortete Bonaven-\ntura."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10562, "texte": "„Ah, Herr Paul Mieville, .Pater Bonaventura\naus Chamfort, Freund von Maman und Papa?\"\nfragte der junge Baron.\nDieser bejahte unter leichtem Erröten: sei es,\ndaß ihm das Benehmen des Knaben zu stolz er-\nschien, sei es, daß er die Korrektur oder vielmehr\nden Zusatz zu dem Namen, mit dem er sich vor-\ngestellt hatte, fast wie eine Zurechtweisung emp-\nfand.\n„Es ist mir eine große Ehre, Euer Hochwürden\nkennen zu lernen\", sprach Frangart ruhig zu ihm.\n~Sie können Baron Frangart nicht mehr sehen; der\nSarg ist gschlossen und steht aufgebahrt in der\nKirche. (Dabei verneigte er sich ernst und lang-\nsam in der Richtung nach dem Portal). Ich werde\nSie selbst bei Baronin Frangart, meiner Maman,,\nmelden\". Das kleine Schloß derer von Frangart\nlag wenige Schritte von der Kircihe entfernt. Drei\nschlanke, schwarze Zypressen auf jeder Seite be*\ngrenzten den Weg. Die Mauern des Schlosses\nwaren rötlich verwittert. Es schien verschiedene\nMale umgebaut worden zu sein; ein Teil war mit\ndem Hauptgebäude lässig durch einen Mauerbogeri\nverbunden; ein freistehender Turm, der früher ein-\nmal eine der Ecken abgeschlossen haben mochte,\nwar durch Um- und Anbauten jetzt, lächerlicher-\nweise, in den kleinen Hof gedrängt, den man' duich\njenen Mauerbogen ein wenig übersah. Die Fenster\nstaken tief in der Mauer und gaben dem Schloß,\ndas in lautloser Ruhe dalag, den Ausdruck der\nErwartung. Der junge Baron schritt ein wenig vor\nBonaventura her, der seine elastische, liebenswür-\ndige Knabengestalt mit den Blicken maß und sich\nentzückt fühlte von ihrer Zierlichkeit .... „Ah,,\nj'avais oublie que vous etes Frangais, venerable\nPere!\" unterbrach dieser jetzt das kurze Schwei-\ngen, „je vous demande mille fois pardon, vous n'a-\nvez peutetre point compris ce que je viens de vous\ndire?\" „Ich verstehe wenig Deutsch, aber ioh\nhabe Sie verstanden, Baron;\" antwortete der Pater\nlächelnd und zugleich erstaunt über soviel Selbst*\nVerständlichkeit und Sicherheit der Form bei einem\nso jungen Menschen. Einen Augenblick dachte er,\nmit zarter Trauer, an seine eigene illegitime Ab*\nkunft, un{d daß er als Knabe sehr schüchtern ge-\nwesen war. Wie durchdrungen vom Glauben an\nseine gute Rasse erschien der schöne Junge! —\nDieser nun öffnete das Tor und ließ Bonaventura\neintreten in den dunkeln, breiten und überwölbten\nGang, der mit dicken Teppichen belegt war und\nden Schritt bis zur Unhörbarkeit dämpfte. Eine\nDienerin erschien und führte Bonaventura in das\nEmpfangszimmer, während der junge Baron ge=\nlassen die Treppe hinaufstieg, um ihn seiner Mut-\nter zu melden, Als er oben war, ging er den Gang\nhinunter bis an das letzte Zimmer und klopfte leise.\nOhne Hast betrat er das alte, niedrige Zimmer*\ndessen Decke in Holztafeln abgeteilt war und aui\nden kleinen quadratischen Feldern verblaßte Bilder\nzeigte. Die Möbel schienen wohl neu zu sein, aber\nvermieden alle modernen Formen. Ein alter,\nschwerer Leuchter, aus getriebenem Silber und im\nStile des Barock, hing über dem Tisch, der in der\nEcke stand, nahe am Fenster, und vom milden\nschiefen Licht der Abendsonne noch einige Strahlen\nauffing. Am mittleren Fenster saß in einem nie-\ndrigen Fauteuil die Baronin Frangart. Um ihre\nSchultern hing ein tiefgrüner Shawl, der sich gro-\ntesk vom Halbdunkel des Zimmers abhob. Mit\ngroßen verträumten Augen sah sie ihrem Sohn ent-\ngegen, der ihre Rechte am Handgelenk küßte (schon\nals dreijähriges Kind hatte er mit Vorliebe dieses\nunvergleichlich zar|e Handgelenk geküßt) . . . .\n„,Herr Paul Mieville, Pater Bonaventura aus Cham-\nfort, ist hier. Willst du ihn empfangen?\" „Fritz!\n.. . „Maman?\" ~Paul Mieville?\" — „Ja, Herr\nMieville. Denk dir, Maman, ein /Pater im engli-\nschen Reiseanzug! Und sieht aus, wie wenn er\nmein älterer Bruder wäre!\" Während dieser leicht\nten kindlichen Worte betrachtete er aufmerksam,,\naber mit respektvoller Zurückhaltung das Gesicht\nseiner Mutter. Diese atmete lebhaft und warf einen\nlangen seltsamen Blick zur Kirche hinüber. Ein\nkurzes Schweigen entstand. ~Fritz, willst (du mit\nmir und Herrn Mieville zusammen Abend essen?\nNein, das nicht, natürlich nicht, so lange darf er\nsich nicht aufhalten .... Ich meine, du möchtest\nHerrn Mieville selbst heraufführen ... Er kommt\nvon weit her und kann wohl noch eine Stunde\nbleiben.\"\nEs mochte jetzt gegen sieben Uhr abends sein.\nDer Schall der Aveglocke klang von der nahen:\nKirche ungebrochen' und1 tief durch die leichte Luft.\n„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft\nund sie empfing vom Heiligen Geist\". Während\ndie Baronin wieder mit langen seltsamen Blicken\nzur Kirche hinübersah, betete sie mechanisch die\nheiligen Worte. Und der heutige 'Traum des Pate1\"\nBonaventura, der nunmehr seinen Weg gemacht\nhatte, stand jetzt auch vor ihrer Seele. Ein Fenster\nim Schloß Choiseul .... Die Trauer der Baronin\nwar, zart wie das, Blatt der Mimose, das sich zu-\nsammenlegt beim leisesten Windhauch ~ . Ihre\nTrauer wurde sogleich getötet durch den ungebro-\nchnen Schall der Glocke.\nAber die Erinnerung war wach und ebenso\nungebrochen wie der Glockenklang dort drüben . .\nSie hatte ihre Bilder gerettet, weil sie in so langen\nJalhren des Krankseins nichts Neues erlebt hatte . „\nUnd was den armen Toten betraf: hatte sie sich\nnicht schon nach wenigen Wochen innerlich von-\neinander getrennt! ....\nPaul Mieville, lieber Paul Mieville, einige Wo-\nchen braucht man doch, um zu erwachen, um zu\nverstehen! ....\nOh allmächtiger Gott, warum läßt du uns nicht\nso lange Zeit, warum bindest du uns ewig? . . . .\nAch, die Glocke schweigt nicht : ~Und\nMaria sprach, sieh, ich bin eine Dienerin des Herrn\nmir geschehe nach deinem Wort! gegrüßt seist\ndu, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir . .\"\nMieville, diu wärest nicht im Kloster, wenn\ndu gewußt hättest, wie edel Frangart war. Er ist\nschweigend von mir gegangen, ohne ein Wort der\nKlage, der edle Frangart! ....\nAber man konnte das göttliche Band nicht lö-\nsen, die heilige Kirche scheidet nicht .... Oh\nunerforschlicher Gott!.\nDie Glocke,, wieder die Glocke! .... „Und\ndas Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns\ngewohnt .. .\" Das Wort, ach, das Wort, das\nWort, war Mieville .. . Armer, edler Frangart,,\nwie weh habe ich dir getan in jener Nacht, mit dem\nWort, mit dem Schrei . . . Oh verlorene Jugend,\noh Schrei der Sehnsucht! .... Der Schrei wrar\nMieville . . . Und ist Fleisch geworden ... Fre-\nvej, grausiger Frevel! .... Fritz! . . .\nEndlich war die Baronin wieder zu sich ge-\nkommen. Pater Bonaventura streichelte leise ihr\nweiches, leichtergrautes Haar und ihre schmale,\nzitternde Hand. „Ach, Baronin\"„ sagte er und ver-\nsuchte zu lächeln, „wir sind beide alt geworden\".\nAber vielleicht sagte er das nur, um alles als unbe-\ndeutend hinzustellen, zum Beispiel, daß er, ;Pater\nBonaventura, über eine siebenundzwanzigjährSge\nFrau geneigt war.\nDer junge Baron saß mit übereinandergeschla-\ngenen Beinen auf einem Stuhl und starrte zu Bo-\nden; aber in seinen Augen lag jene Glut, welche ist\nwie eine Fackel, mit der man hineinleuchtet in die\nIrrgänge, in die dunkeln Winkel der Geheimnisse.\nDie Baronin Frangart und Bonaventura hatten\nsich mehr und mehr gefaßt. Sie saßen zusammen\nmit dem jungen Baron am Tisch, unter dem Scheine\nder grellroten Kerzen. Der grüne Shawl, den die\nBaronin trug, leuchtete noch mehr als vordem. Die\ndrei Menschen sprachen von belanglosen Dingen.\nUnd Bonaventura, der jetzt wieder Muße fand, den\njungen Frangart zu beobachten,,, merkte nicht ohne\nKummer, daß dieser auch ihm gegenüber den Ton\nkalter Höflichkeit niemals verließ. ~Euer Hochr-\nwürden haben eine beschwerliche Fahrt gehabt\".\n„Euer Hochwürden belieben . . . .\" „Euer Hoch-\nwürden wollen verzeihen, dae ich schon gute Nacht\nsage. . . .\" Und er empfahl sich, ohne irgend etwas\nanders als Formeln gesprochen zu haben.\n,i,Auch ich werde gleich gehen\", sagte Bona-\nventura. „Die Rücksicht auf Ihr Befinden verlangt\nes\". Die Baronin antwortete nicht, sie machte nur\neine leichte, verneinende Bewegung mit der Hand;\nEs entstand ein langes Stillschweigen. Da\nbegegneten sich ihre Blicke und ließen nicht mehr\nvoneinander. Aber sie schwiegen ....\nPater Bonaventura ergriff die Handl der Ba-\nronin. .„Sehen Sie, Baronin, ich könnte . . Viel-\nleicht, daß der heilige Vater in Rom . . . Ich könnte\nwenigstens den Versuch machen . . Vielleicht, daß\nman einen Grund findet, meine Weihe ungültig zu\nerklären . . Vielleicht . . Oder aus großer Güte . .\"\nEin abgründliches Schweigen wurde von dem\nzitternden Schein der Kerzen beleuchtet. Da öff-\nnete sich die Tür, und in langem, weißem,, seide-\nnem Nachthemd, das die grazile Schönheit schlan-\nker Formen durchscheinen ließ, trat Fritz Frangart\nmit geschlossenen Augen ein. Die Bronzefarbe des\nGesichts, die langen langen Wimpern und das ge-\nlockte schwarze Haar kontrastierten seltsam mit\ndem glänzenden Weiß des Hemdes.\nDie Baronin wollte aufschreien,, aber Bonaven-\ntura legte ihr leis die Hand auf den Mund. ~Laßt\nihn, Baronin\", flüsterte er,,, „laßt ihn!\" Fritz Fran-\ngart setzte sich mit überschlagenen Beinen auf\neinen Stuhl . . . „Aber warum liest Herr Mieville\nden Brief nicht selbst\", fragte er und neigte, wie\nin Erwartung der Antwort, den Kopf vor . . . „Aber\nist das nicht indiskret?\" begann er nach einigen\nSekunden .... Nun hob er die Hände, als ob sie\nirgend etwas hielten,, und las zögernd: „Lieber\nFreund Mieville-Bonaventura, ich werde vielleicht\nmorgen schon: tot sein. Es ist meine letzte Pflicht,\nDich zu warnen. Bevor Du irgend etwas unter-\nnimmst, frage den alten Choiseul, jwas er von\nDeiner Herkunft weiß. Als Ihr,, Komtesse Riom\nund Du, einmal am Fenster standet und ich mit dem\nMar.uis bei seinem schwersten Bordeaux saß, fing\ner an zu plappern und fraget mich lächelnd: „Sehen\nsie nicht aus wie zwei Geschwister?4 Als ich ihn\nausfragen wollte,,, war er plötzlich nüchtern ge-\nworden.\nNimm Dich in acht, Mieville! Choiseul war\nkeiner, der zufällige Vergleiche gebraucht hätte!\nNa, Du bist ja im Kloster. Leb wohl!\nDein alter\nFrangart\"\nFritz Frangart schwieg. ~Ja\", begann er schließlich,\n„das ist auch merkwürdig, Pater Bonaventura sieht\naus wie mein älterer Bruder. Er könnte sogar\nmein Vater sein ♦. . Und Maman sieht er sehr\nähnlich\".\nVon da ab sprach er nichts mehr. Er lehnte\nsich in den Stuhl zurück wie in die Kissen eines\nBettes. Sein Atem ging vollkommen gleichmäßig.\nNach einer Weile starren Wartens erhob sich\nBonaventura auf den Fußspitzen, um kein Geräusch\nzu verursachen; die Baronin öffnete bedachtsam\ndie Türe und ging voran. Bonaventura hob den\nKnaben vorsichtig auf seine Arme und folgte ihr.\nDurch das leichte Hemd1 fühlte er, wie das Blut in\ndem kleinen, schmächtigen und zierlichen Körper"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7540, "texte": "kreiste. Er legte den jungen Baron in sein Bett und\nbedeckte ihn, Dann verließen sie auf den Fu&*\nspitzen das Gemach.\nIm andern Zimmer aber weinten sie mitein*\nander. Und dann wieder wurden ihre Augen heiß\nund trocken; sie konnten' nicht mehr weinen. Ihre\nResignation bueitete |si|ch schweigsam über den\nRaum, wie die Grabesstille sich über den Friedhof\nbreitet, wenn gar keine Luft mehr weht und die\nZypressen erstarren. Der Schrei der Sehnsucht\nwar erstarrt .. . Einem Schatten gleich schritt\nPater Bonaventura den Berg hinunter, durch die\nhohe, tiefblaue Nacht, unter dem südlich hellen\nLicht ihrer Sterne . . . ,\nUnten holte er seinen Kutscher aus der Sehen*\nke; aber er sah, daß dieser schon zu betrunken\nwar, um »ihn heimzubringen. Indteß waren die\nWirtsleute lieb zu Bonaventura und gaben ihrem\neignen Sohn den Auftrag,,, den fremden Herrn nach\nBozen zu bringen. Der Kutscher aber rutschte vom\nStuhl unter den Tisch undl lallte: ~Ja, ja, so, so,\nalso .... Adieu ... !\".\nDer Wagen rollte einsam zurück ....\nDie Bestattung\n|Pater Bonaventura, der die ganze Nacht kein\nAuge zugetan undi auf den Knieen liegend sein Ge-\nlübde der Entsagung und Enthaltung erneuert hat>\nte, las schon früh fünf Uhr seine Messe. Kein\nMensch war noch in der uralten Pfarrkirche von\nBozen, und er stand allein vor seinem Schmerz und\nseinem Gott.\nGegen zehn Uhr brachte ihn der Wagen nach\nFrangart. Der junge Baron war ihm langsaml ent=\ngegengegangen. Er bestellte ihm Grüße von seiner\nMutter, mit der Nachricht, 'daß sie ihn, infolge\ngroßer Herzbeschwerden njicht mehr, empfangen\nkönne; daß ein Telegramm des alten Choiseul ge>-\nkommen sei, in dem er die Baronin bitte, nach\nRiom oder Choiseul heimzukommen; er sei etwas\nleidend, sonst würde er) sie selbst abholen; daß\ndie Baronin ablehnend geantwortet habe, sie fühle\nsich außerstande, eine so weite Reise zu unter*\nnehmen, endlich aber, daß die Mutter und er, der\njunge Baron beratschlagt hätten, ob er nicht auf\neinige Jahre eine Schule etwa dias Collegium der\npatres in Chamfort,, besuchen solle. Bei diesen\nWorten lächelte Fritz Frangart sehr höflich, wäh=\nrend ihm Bonaventura innig die Hand drückte.\nSo gingen sie vor der 'Kirche auf und ab. Die Be-\nerdigung war auf elf Uhr festgesetzt,jedoch hatte\nman die Zeit nicht öffentlich bekannt gegeben; was\nsich aus den auffälligen Umständen des Todes Ba-\nron Frangarts erklärte. Man; wollte, zumal die\nGrablegung in der einfachsten Form vor sich gehen\nsollte, das Zusammenströmen der Leute und die\nBildung loser Gerüchte vermeiden... Es wurden\nnur einige Wiener Offiziere erwartet. Diese ka*\nmen dann au ah in schärfster Fahrt genau zur be-\nstimmten Zeit an.. Baron Fritz Frangart nahm in\naller Ruhe ihre Karten entgegen, stellte sich vor\nund machte auch Pater Bonaventura mit den Her-\nren bekannt. Dann übergab er die Karten einer\nherbeigeeilten Bedienerin, damit sie sie seiner Mut-\nter zustelle, welche er nun ein zweites Mal ent-\nschuldigte: die Baronin könne wegen ihres Herz-\nleidens niemand empfangen; wollten: aber die Her-\nren mit ihm vorlieb nehmen, so bäte er sie, nach\nder Feierlichkeit eine Viertelstunde ins Schloß zu\nkommen. Die Offiziere ihrerseits, welche über die\ngrazile Schönheit des Knaben nicht minder\nerstaunt waren, wie über seine frühe Sicher-\nheit und Beiie rrscliung, lehnten dankend1 ab,\nindem sie erklärten, den allernächsten Zug nach\nWien zurücknehmen zu müssen. Alle zusammen\nstiegen die Treppe zu dem geöffneten (Portal empor;\ndem Beispiel des vorangehenden Knaben folgend,\nverneigten sie sich tief vor dem Sarg, der nur ei-\nnen einzigen,, mit blutroten Rosen gewundenen*\nKranz trug. Der älteste der Offiziere trat an den\nSarg, verneigte sich wiederholt und legte den mit-\ngebrachten Kranz des Regiments wortlos darauf\nnieder. Der Geistliche kam eben mit zwei Minis-\ntranten und vier Sargträgern aus der Sakristei.\nEr bespritzte die Bahre mit Weihwasser und sprach\ndie rituellen Worte der Aussegnung. Die Träger\ntraten an den Sarg, nahmen ihn sorgsam auf die\nSchultern und trugen ihn hinaus. Der Geistliche\nfolgte. Hinter ihm schritt mit über die Brust ge-\nkreuzten Armen, starren Blickes, und ohne äuße-\nres Anzeichen der Bewegung in seinen scharfge-\nschnittenen Zügen, der junge Baron. Alle Augen\nhingen an ihm,, an seinem edlen, gleichmäßigen\nGang, an der vollkommenen Harmonie seiner kind-\nlichen Gestalt. Bald standen sie alle am geöffneten\nFamiliengrab derer von Frangart, das dicht an die\nKirdhenmauer gebaut war .....\nIn diesem Augenblick, eben als der Sarg nie-\ndergesetzt wurde, hörte man die Schritte zahlrei-\ncher, eilig ankommender Menschen, Es waren die\nBauern aus der Umgebung, schlanke kleine Leute,\nmit braungeglühten Gesichtern und kühnen neu-\ngierig-teilnehmenden Augen Man hatte die Offi-\nziere fahren gesehen, die Zeit des Begräbnisses\nerraten und sich in größteit Eile feiertäglich\nangezogen. Es war rührend zu sehen, wie sie als\nsie in die Nähe des Grabes gekommen waren, ihre\nSchritte dämpften und den vom schnellen Laufen\nhochgehenden Atem anhielten. Fast allesamt tru-\ngen Büschel von Feldblumen, die sie verlegen in\nden arbeitsrauhen Händen emporhoben.\nfhr Kommen hatte eine kurze Unerbrechung\nverursacht. Dann aber begann der Geistliche die\nvorgeschriebnen lateinische Gebete und führte sie\nmit langsamer ausdrucksvoller Betonung zu Ende.\nEr nahm den Weihwedel und bespritzte den Sarg,\nden die Träger ängstlsich in die Tiefe glei-\nten ließen, nochmals mit dem gesegneten Wal-\nser. Schließlich ergriff er die Sd/haufel, stach\nkaum ein Klümpchen Erde damit aus und\nwarf es in das Grab. Mit einer schüch-\nternen besorgten Bewegung reichte er die Schaufel\njetzt dem Knaben,\nFritz Frangart trat einen Schritt vor. In die-\nsem Augenblick breitete eben die hohe Sonne ihre\nfreien dunstvollen Strahlen mit gelassener Heiter*\nkeit über das offene Grab und über die zierliche,\nin schwarzen Samt gekleidete Gestalt des jungen\nBarons. Der glänzende Stoff flimmerte. Die Strahn\nlen übergössen das bronzefarbene schmale Gesicht\nund brachen sich an dem seidenweichen Haar und\nan den langen langen Wimpern ....\nFritz Frangart stach mit der Schaufel in die\nErde undi füllte sie langsam; mit strenger, wie ab-\ngemessener Bewegung führte er sie an den Rand\ndes Grabes, Er ließ sie sinken, und mit lautem un-\nheimlichen Poltern schlugen die Erdklumpen auf\ndem Sarg auf. Da schien es den Anwesenden, die\nihm atemlos zugesehen hatten, als ob die weichen\nvornehmen Linien seines liebenswürdigen schlan-\nken Körpers ein innerliches Zittern durchlief. Eilig\nund mit leiser Bewegung wollten Bonaventura und\ndie Offiziere auf ihn zutreten. Aber schon war er\nwieder ruhig geworden. Nur einen Augenblick\nsenkten und öffneten sich noch die, langen langen\nWimpern über den trocknen dunkeln Augen. So\nstand er da, mit unbewußtem unvergleichlichem\nStolz, von der heißen verzehrenden Stralhlenflut\nder Mittagsonne Übergossen\nAlle schluchzten laut. Erschüttert gab einer\ndem andern den Spaten. Die Offiziere drückten\ndem jungen Baron die Hand. Die Bauern küßten\nsie ehrfürchtig, nachdem sie mit linkischem schüch-\nternen Arm ihre Blumenbüschel ins Grab geworfen\nhatten.\nPater Bonaventura aber weinte unaufhörlich.\nDie Tränen, die seine gütigen Augen füllten, glitzer-\nten im Sonnenlicht. Mit bebender Hand segnete\ner immer wieder die letzte Stätte seines heimge-\ngangenen Freundes und stammelte: „. . . und das\newige Licht, das ewige Licht leuchte ihm!\" . . .\"\nMit heißen Augen sah die Baronin Frangart,\nan ein Fenster des Schlosses gelehnt, blaß und\nzart, gleich einem Schatten und Hauch aus einer\nandern Welt, der Grablegung zu."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "140", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.5", "titre_corps": "Rheinhafen", "titre_sommaire": "Rheinhafen", "signature_source": "Vier Szenen von Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.5", "debut_caractere": 7561, "fin_caractere_exclue": 9582, "texte": "Rheinhafen\nVier Szenen von Paul Zech\n\nFrühmorgens\nHat der mörderische Naahtwind ausgetobt,\nreihn sich rundgewölbte Fenster wie Korallen\nflußlängsauf. Und schrille Dampferpfiffe fallen\nin das Sanktur, das ein Glöcklein zaghaft probt.\nEin paar Kähne schaukeln durch das Schleusentor.\nAuf den Quais rangieren die Gemüsewagen.\nHändler feilschen herzhaft. Und ein goldbelitzter\nKragen\nfuchtelt würdig mit dem dünnen Pfefferrohr.\nUnterm Brückenpfeiler wo die Flut sich staut,\nläßt der Angler das Geschnür der Rute spielen\nund beäugt verzweifelt den halbleeren Tiegel.\nIn den Speichern knarrn und knirschen alle Riegel\nUnd der Kuli spuckt erst bräunlich in die Schwielen\neh' er sich in den geschwärzten Bauch des Damp-\nfers traut.\nMittwochs Nachmittags\nEin behelmter Unteroffizier und dreizehn Mann,\nweißverwaschnen Drillich ufrn robuste Glieder,\nschielen lüstern nach dem straffgesteiften Mieder\njener Amme mit dem Kinde rzwiegespann.\nWimpel blähn sich schwarzweißrot ums Schiffer-\nhaus.\nBooterwartend steht ein Gent mit Sommerpocken\nan der Fähre, und sein Schatz trägt falsche Locken\nund im Gürtel einen Groschensveilchensrauß.\nUnd ein heller Wind der drüben auf dem andern\nUfer die Terrassen kühler Bierlokale\nfrech behorchte, summt so was von Tanzmusik.\nAuf der Flußallee jedoch verdaun im Wandern\nzwei beleibte Spießer fette Mittagsmahle\nund die äußere Politik. '\nRegnerischer Abend\nSchlanke Dampfer und1 ein halbentleerter Kohlenkahn\nschaukeln an den Ankerketten auf und nieder.\nFlacher Himmel senkt die schwerbewölkten Lider\ntief herab und schwärzt die breite Wasserbahn.\nEin paar Bordlaternen blühn am Quai\nwie verwaiste Rosen zwischen Gräbermale.\nEine Dirne, lauernd unter dem Laternenpfahle,\nstößt den Atem aus wie bläulich Dampf gebläh.\nFröstelnd stolpern Matrosen aus dem Schiff;\neiner bläst die Mundharmonika, ein zweiter\nbietet sich der Kleinen dar als Heimgeleiter.\nUnd vom Fährhaus bis zur nächsten Schnapsdestille\nschiebt sich hin- und hergerudert eine Zille ....\nDoch der Regen überrauscht den Bootsmannspfiff."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 714, "texte": "Tanz in der Matrosenschenke\nIn dem verqualmten Tanzlokal am untern Hafen\nquietscht melancholisch eine Ziehharmonika.\nTrompete singt dazu ein blechernes Trr-aa-trr-aa\nund rings drehn sich die Paare die zum Tanz zu*\nsammentrafen:\nDa preßt sich lüstern der Javaner an die kleine\ngeschminkte Esther aus der Judenkolonie.\nMynheer van Delft k.ßt frech die däniscihe Marie\nund Jack das Negerlein beäugt Luisens Beine.\nDie Musikanten spielen, einen Walzer mit Gefühl.\nBetäubend steigt Geneverduft von allen Tischen\nund schon wirds manchen Tänzerinnen viel zu\ni\nschwül.\nSie streifen hastig die koketten Tücher von dem\nNacken\nund zerren die Tänzer in die weinbelaubten Nischen:\nOh tolles Liebesspiel! Oh kühles Goldbepacken!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.5.1", "titre_corps": "Wilhelm Morgner: Fressende: Holzarbeiter", "titre_sommaire": "Wilhelm Morgner: Fressende: Holzarbeiter", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 40, "texte": "Wilhelm Morgner: Fressende: Holzarbeiter"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "140", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.6", "titre_corps": "Bab, der Lyrikfinder", "titre_sommaire": "Bab, der Lyrikfinder", "signature_source": "H. 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In lyrischen Gedich-\ntet Weiterhin sagt Bab, daß Paquet „von den\nriesigen Strömen und den Urwäldern Amerikas\nund der donnernden Arbeit der Weltwerkstätten\nNew York und London erzählt\". In lyrischen Ge-\ndichten. Und außerdem;,, nicht damit genug, preist\ner im ergriffenen Zug, nicht nach New York und\nLondon, sondern ,»im ergriffenen Zug seiner un-\nendlich hinströmendien Rede den schöpferischen\nGeist der Erde\", sagt Bab. Den namenlosen Geist,\nder aus dem Strudel alles Lebendigen immer neue\nOrdnungen gebiert, sagt Bab. Und Paquet dichtet\nim ergriffenen hinströmenden Zug so:\nDes Glaubens alte Formen haben wir\nmit zärtlicher Entsagung hingegeben.\nEs sprießen kühn und zart\nzu hoher Art\ndes neuen Glaubens Helden in das Leben\nund folgen dir und siegen, tief bereit\nihr Haupt zu beugen der Barmherzigkeit.\nDer Zug ist ergriffen, die Rede strömt und die\nHelden sprießen. Was bleibt übrig, als das Haupt\nder Barmherzigkeit zu beugen. Nachdem Herr Bab\ndieses Gedicht abgedruckt hat,,, fällt ihm bei seinem\nneuen Lyriker auf„ daß er ,„nur die allgemeine Er-\nschütterung durch das neue Lebensgefühl aus-\ndrücke. Wir lernen die ganze Erde kennen,\naber wir werden nirgends auf ihr heimisch\". Der\nHerr Bab ist so auf die Lyrik versessen, daß er\nauf ihr die ganze Erde kennen lernt, ohne vom\nStuhl aufzustehen. Nur läßt ihm Paquet nicht in\nden riesigen Strömen und in den Urwäldern Ame-\nrikas heimisch werden. Herr Bab findet Paquet\n~nicht nur stofflich, sondern auch gefühlsmäßig un-\nendlich viel reicher, als jene snobistischen Jüng-\nlinge, die ihre Großstadtnerven 'gierig belauern\".\nDieser Satz findet das künstlerische Unvermögen\ndes Herrn Bab. Er fühlt sich durch! die Urwälder\nAmerikas stofflidhi bereichert, spart die Reise. Das\nCafe erlebt er für fünfunddreißig Pfennige mit\nTrinkgeld allein, ohne ~snobistische Jünglinge\".\nHerr Bab entdeckt in Amerika das neue Lebens-\ngefühl. Amerika ist entdeckt. Dieser neueste Co-\nlurnbus hat nicht das Recht, sein Ei an den Köpfen-\nder „snobistischen Jünglinge\" zu zerschlagen.\nSchade, daß ihre Lyrik nicht so gut ist, wie ihr\nLebensgefühl. Aber mit dem Lebensgefühl, dem\nneueni oder alten, kann in der Kunst nie etwas er-\nreicht werden. Der zweite Lyriker des Herrn Bab\nist Wilhelm Schmidt-Bonn. Die Anerkennung Babs\ngenügt,, zu! wissen, daß Schmidt-Bonn kein Lyriker\nist. Schmidt-Bonn) rediet. Er besitzt sogar ein lei\"\nses Gefühl für Rhythmus. Das einzige, was unter\ngroßem Vorbehalt anzuerkennen wäre. Und die-\nses Einzige findet Herr Bab natürlich schlecht. Er\nvermißt natürlich ~den Mangel strophischer und\nreimmäßiger Bindung\". Ein Gedicht ist, was sich\nreimt. Das mußte uns, uns, endlich Herr Bab leh-\nren. Aber Herr Bab hat nocih zwei neue Lyriker\nunter der Brille. ~Zum Schluß unserer „Wande\"\nrung durch die neuerwachte deutsche Lyrik . /\nWie mag sich die deutsche Lyrik gefühlt haben, als\nHerr Bab nach ihrem langen Schlaf durch und durch\ndurch sie hindurchwanderte. Herr Bab ist nun ein-\nmal für die Wege. Deshalb wirkt auf ihn schon der\nTitel Wanderschaft sympathisch. Sein Verfasser\nheißt Oskar Loerke. Auch Loerke, sagt Bab„, wan\"\ndert wie Paquet. Er führt Herrn Bab sogar nach deii\nTerrassen von St. Cloud. Loerke, sagt Bab, schreibt:\n„schöne und zumeist schon sinnvoll gerundete Ge\"\ndichte\". Nur ist Loerke „noch nicht zu seiner\neigenen freien Form durchgedrungen44. Er muß\nalso noch mit Herrn Bab weitere Wege wandern.\nEin Gedicht besonders wirft Herrn Bab ganz aus\nseinem Häuschen. „Aber das ganze Gedicht\nschwimmt in einer wohlbekannten weichen\nMusik, gibt mit seinen jämbisch regelmäßigen\ngereimten Zweizeilern einen !T ak t, der mehr der\nexotischen Sit u a tio n die quasi als Staf-\nfage im Bilde steht,, gerecht wird,, als\ndem neuen und für das neue Leben wirklich sehr\nbedeutsamen Bilde selbst\".\nHerr Bab hat sich total vertont. Der Takt wird\nder erotischen Situation gerecht, und die Situation\nsteht quasi als Staffage im Bilde. Da muß wirk-\nlich selbst die weicheste Musik davonschwimmen.\nUnd nun kommt Herr Bab zu seiner großen Liebe,\nzu dem guten dicken naturfrischen Ernst Lissauer.\nWährend die übrigen neuen Lyriker Herrn Bab\ndas Reisen ersetzen, ersetzt Ernst Lissauer ihm\ndie ganze Natur. Lissauer beackert schon seit\nJahren die Erde, aber sein Weizen; will nicht recht\nblühen. Er kam daher auf die fruchtbare Idee, ein\nGedichtband Der Strom zu schreiben. Aber auch\ndieses Wasser reicht nicht aus. Nur Herr Bab\nwird davon; überschwemmt. Und dter Einf 1u ß\nKonrad Ferdinand Meyers auch, sagt Herr Bab.\nDen hat Lissauer „in der Entwicklung zu seinem\nneuesten Bande aufs glücklichste überwunden\".\nUeberschwommen wäre richtiger. Aber trotz dem\nUeberschwimmen bleibt Ernst Lissauer ver-\nschwommen, wie er war. Auch Lissauer wandert,\nnämlich zu einem Ziel. Jedoch ~mit strenger Ge-\nsetzmäßigkeit, die ihn über all die anderen jungen\nLyriker von Talent erhebt.\" Lissauer fliegt auf\nden Wegen zur Lyrik. Und wo er überall seinen\nStoff nimmt! Zum Fliegen „Von den Balkons\nin der Vorstadt oder von den Zeigern der\nUhr, ob er im feierlichen Hymnus Haus und Ehe\nsegnet (gesegnetes Haus, gesegnete Ehe) ob er\ndas Bild großer Tonkünstler entstehen läßt, immer\nsind seine Gedichte Bekenntnisse des neuen Glau-\nbens\". Man sieht, daß Herr Bab auf dem Acker\nvon Ernst Lissauer in die Höhe sprießt, wie die\nHelden jenes Paquet, zu weicher Musik in einer\nerotischen Situation, diie quasi als Staffage im\nBilde steht. So zum Beispiel:\nStuben an Stuben, langhin aneinandergestaut,\nStockwerk auf Stockwerk getürmt, Wolken und\nM' Sterne verbaut,\nWeithin Steine und Asphalt — >\nGedankenstrich\nWeiftin Steine und Asphalt —\nWächst irgendwo Weizen und WTald?\nIrgendwo schon. Man muß etwas für den Wei-\nzen tun. Und wenn, er auf der Straße nicjht\nwill, muß man sie immer weiter entlang gehen,\nwie der Ernst Lissauer aus seinen eigenen Ge-\ndichten weiß. Man kommt wenigstens zum Wald.\nDenn:\nStraße, du Strom, breitrollend in Schotter und\nSand.\nWeiter im grauen Glanz fließest du weit ins Land\nUferhiri wechseln dir Wiese und Fels, Weinhang\nund Hof, Buchenwald und Kapelle;\nImmer im gleichen Maß, windunbewegt, treibst\ndu die erdene Welle.\nEin Gedicht, denn es reimt sich. Und der Bu-\nchenwald ist erreicht.\nDieser Lissauer „ist die größte Hoffnung der\njüngsten deutschen Lyrik\". Ich kann dem guten\nVater Bab verraten, daß es eine Fehlgeburt wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "141", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.7", "titre_corps": "Die „Wilden\" Rußlands", "titre_sommaire": "Die „Wilden\" Rußlands", "signature_source": "D. Burljuk", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.7", "debut_caractere": 7488, "fin_caractere_exclue": 9759, "texte": "Die „Wilden\" Rußlands\nVon D. Burljuk\nAber außer dieser sind noch andere traurigfc\nSeiten der russischen Malerei festzustellen. Die\nfrüheren Führer — die Künstler der Kunstwelt sirui\nallmählich zur Todesruhe des „Bundes\" angelangt,\nwelcher schließlich bis zum Niveau der „Wanderer\"\nsank. (Es ist bekannt,, daß „Wanderer\" heute als\nSchimpfwort gebraucht wird. Die Blütezeit deii\nzweiten russichen Sezession waren die 80—90er\nJahre des neunzehnten Jahrhunderts, Um die Zeit-\nschrift ~Die Kunstwelt\" gruppieren sich die radika-\nlen Künstler der genannten Zeit, welche „Deka-\ndente\" genannt wurden. Die in Deutschland be-\nkannteren Künstler dieser Generation sind Somoff\nund; Sjeroff. Der frühere Redakteur der „Kunst-\nweit\", Djagileff, veranstaltete 1906 im Pariser Sa-\nlon d automme eine große russische Ausstellung,\nwo als Hauptvertreter die Künstler der erwähnten\nRichtung fungieren.: Auf der Rückreise hat diese\nAusstellung in Berlin Station gemacht, wobei den\ngrößten Eindruck Somoff hinterlies. Als die Zeit-\nschrift endete, entstand der „Bund russischer Kün-\nstler\", welcher den ~Deutschen Künstlerbund\" im\nallgemeinen sehr ähnlich ist. Die erste russiche\nSezession fing in den siebziger Jahren an. Es\nwar die Blütezeit des russischen Realismus. Die\ngroße Vereinigung veranstaltete jedes Jahr eine\ngroße Wanderausstellung, wonach auch diese Kün-\nstler „die Wanderer\" genannt wurden. Eine deii\nHauptvertreter dieser Richtung ist Ilja Riepin).\nIn den neunziger Jahren mokierte sich Rjepin\nsogar über Puvis de Chavanne und Degas, die üns\nheute zuckersüß erscheinen, in diesem Punkte\nwar die „Kunstwelt\" noch vollkommen liberal und\nreproduzierte eifrig die französischen Impressionl=\nsten, die ich Intimisten nennen möchte, und welche\nVertreter der süßen, prinzipienlosen Kunst sind,\nder Kunst, welche ziemlich den Boden verlor und\nnicht weiter als zum Begriff des äußerlich Schönen\nund der Harmonie der Flecken kam. Diese Schwär-\nmerei vor der französischen Kunst bekam aber ein\nplötzliches Ende, nachdem auch in Rußland eine\nder neuen französischen Malerei parallele Richtung\n-\nentstand, das heißt in den feineren, reineren, talent\"\nvolleren Seelen eine göttliche Lebensflamme em-\nporstieg und eine mehr bewußte Beziehung zur\nKunst* Da entstand um dieses Licht herum ein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6331, "texte": "unglaublicher Spektakel —- die reinste Walpurgis-\nnacht. Hier vereinigten sich mit den ~Akademikern\"\nauch die Elemente, die früher der Akademie wenige\nstens äußerlich Opposition, bildeten. (Der. aka«-\ndemische Kanon: „Werte4', Koloristik, der Glauben\nan die ~reale\", „richtige\" Zeichnung, an den „har-\nmonischen\" Ton (diese Teile des Gesetzes verwer-\nfen manche, die aber das Weitere dioch als heilig\nbetrachten) Konstruktion, Proportion, Symmetri,\nPerspektive, Anatomie (das Verwerfen dieser Prin-\nzipien ist das allerwesentliehste, das allererste, das\nallerbezeichnendste — nicht umsonst haben sogar\nCezanne und van Gogh, wenn auch nur einen ent-\nfernten Wink, auf die Notwendigkeit der Befreiung\nvon diesem Sklaventum gemacht! Dieser Spek-\ntakel war bestimmt hien und dort ein Lärm, wel-\ncher manche unbequeme Frage (bei den dünnhäu-\ntigen) übertönte. ~Habe ich denn auch Recht? Soll\nman, denn so dem Apollo dienen, wie ich es tue?\nIst es wirklich irt Ordnung, wenn ich von Jahr zu\nJahr immer dieselben Bilder male und niur ihre\nNamen ändere?\" Jetzt wird das Spiel offen ge-\nspielt\nDie Sache ist soweit gekommen, soweit hinten\nist die russische Kunst geblieben, daß zum Beispiel\nMujther von dieser Kunst überhaupt keine Notiz\nnahm. (Was Benois wieder „gut\" machte.\nDer russischen Ausgabe der Muther'schen Kunst-\ngeschichte wurde ein von Benois geschriebener\nExtraband beigegeben, welcher die russische Kunst\nbehandelt, wobei der Kreis der >,Kunstwelt\" den\nHauptplatz erhält). Sogar Maurice Denis trotz sei*\nnem Takt und trotz seinen mehr als bescheidenen\nForderungen lächelte ziemlich schief, als ihm die\nrussischen Kunstprodukte gezeigt wurden.\nDie Anhänger der akademischen „Kunst\", für\nwelche das freie Suchen nach dem Schönen nichts\nwie ~Fratzenschneiden\" ist, für welche das patrio-\ntische Gedeihen der „echten\" russischen Kunst na-\ntürlich die beste Gelegenheit bieten würde, mit ih-\nren talentlosen .„Werken\" Handel zu treiben —\ndiese Elemente bilden den richtigen Albdruck der\nKunst, ihren Tod. Ein Teil dieser Elemente, wel-\ncher ganz offen die Zähne zeigt, und mit Würde\nsein Fell trägt, ist nicht der Gefährlichste. Wirklich\nschlimm ist der andere Teil. Die mit Schafsfellen\nmaskierten Wölfa O, diese falschen Schäfchen!\nSie sind die echte Gefahr und es heißt —- Obacht\ngeben!\nDas sind die wirklichen Feinde der neuen\nKunst, welche glücklicherweise in Rußland! exi=\nstiert und welcher andiere Prinzipien zu Grunde\nliegen.\nIhre Vertreter Larionoff, P. Kuznezoff, Sarjan,\nDenissow, Kantschalowsky, Maschkoff, Frau Gont\"\nscharow, von Wisen, W. und D. Burljuk, Knabe,\nJakulow und die im Auslande lebenden Scherebzo-\nwa (Paris) Kandinsky, Werefkina, Jawlensky (Mün=\nchen) haben gleich den großen französischen Mei-\nstern zum Beispiel Cezanne, van Gogh, Picasso,,\nDerain, Le Fauconnier, teilweise Matisse und Rou-\nßeau) neue Prinzipien des Schönen,\neine neue S;chönheitsd*efinition in ihren Werrken\noffenbart.\nDie Feinde dieser Kunst sollen sich nur vor\nLachen krümmen. Es sollen auch die verkleideten\nSchäfchen uns ihr Wohlwollen aussprechen, wel-\nches sie ebenso gern einem,,, Kunstweltler\" schen-\nken.\nEs bleibt ihnen nichts mehr übrig.\nUm die Werke der genannten Künstler zu ver-\nstehen, muß man gründlich den akademischen Kram\nüber Bord werfen. Das Gefühl muß gesäubert\nwerden, was den Menschen, welche in allerhand\nschönen „Kenntnissen\" stecken, nicht so leicht ist.\nImmer dasselbe alte Lied! Auch die größten\nZeichner des neunzehnten Jahrhunderts — Cezan-\nne, van Gogh — mußten dieses Lied hören. Unsere\n„sezessionistischen\" Maler sind ja bis heute über-\nzeugt, daß Cezanne kein übler Künstler war, wel-\nchem es aber hauptsächlich an der Zeichnung man-\ngelte.\nDas neuentdeckte Gesetz aller der obengenann-\nten Künstler ist aber nur eine aufrecht gestellte\nTradition deren Ursprung wir in1 den Werken der\n~barbarischen\" Kunst sehen. Der Aegypter, Assyn*\ner, Skythen usw. Diese wiedergefundene Tra-\ndition ist das Schwert, welches die Ketten des\nkonventionellen Akademismus zerschlug und die\nKunst freigab, sodaß sie in der Farbe und in der\nZeichnung (Form) aus der Dunkelheit des Sklaven*\ntums sich auf den Weg des hellen Frühjahrs und\nder Freiheit stellen konnte.\nDas was erst in Cezanne, dem „Schwerfälligen\",\nund dem krampfhaften van Gogh für djie\nschrift\" dieser Künstler gehalten wurde, ist eben\netwas größeres: es ist die Offenbarung der neuen\nWahrheiten und Wege.\nUnd diese sind:\n1. Die Verhältnisse des Bildes zu seinen\ngraphischen Elementen, die Verhältnisse des\nDargestellten zu den Elementen der Fläche (was\nwir als einen Wink schon in der ägyptischen „Pro\"\nfilmalerei\" sehen.)\n2. Das Gesetz der verschobenen Konstruktion\n— die neue Welt der Zeichnungskonstruktion! Das\ndamit verbundene\n3. Gesetz der freien Zeichnung — (HaupL\nVertreter — KanÜinsky, auch in den besten Wer-\nken von Denissow und besonders klar in den ,»Sor\ndaten\" von Larionoff zu sehen.)\n4. Die Anwendung mehrerer Standpunkte,\n(was in der Architektur als ein mechanisches Ge-\nsetz längst bekannt war)', das Vereinbaren der\nperspektivischen Darstellung mit der Grundfläche,\ndas heißt, Verwendung mehrerer Flächen (Jaku-\nlow — „Cafe chantant\").\n5. Die Behandlung der Flächen und ihre Über-\nschneidungen (Picasso, Braque, in Rußland —\nW. Burljuk).\n6. Das spektative Gleichgewicht, welches die\nmechanische Komposition ersetzt.\n7'.i Das Gesetz der farbigen Dissonanz l(M'asch\"\nkow, Kantschalowsky).\nDiese Prinzipien bieten unerschöpfliche Quel*\nlen der ewigen Schönheit. Hier kann jeder schöp-\nfen, wer Augen bekaim, die den, versteckten Sinn\nder Linien, der Farben sehen können. Das ruft,\nlockt und zieht den Menschen an.\nSo wurde definitiv das Band zerrissen,, welches\ndie Kunst durch allerhand Regeln an die Akademie\nfesselte: Konstruktion, Symmetrie (Anatomie) der\nProportionen, Perspektive undsoweiter — die\nRegeln, welcher jeder Talentlose schließlich leicht\nbeherrscht —, die malerische Küche der Kunst!\nAlle unsere Fach- und! Gelegenheitskritiker\nsollten die ersten sein, welche verstehen müßten,\ndaß es höchste Zeit ist, den dunklen Vorhang zu-\nrückzuschlagen und das Fenster der echten Kunst\nzu öffnen. ,\nAus dem Jahrbuch Der Blaue Reiter, das von W,\nKandinsky und Franz Marc herausgegeben nud bei R.\nPiper & Co. in München erschienen ist. Au! das Bueh\nmit seinen zahlreichen wertvollen Illustrationen sei nach-\ndrücklich hingewiesen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c010", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "142", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.8", "titre_corps": "Jungfräulichkeit und Prostitution", "titre_sommaire": "Jungfräulichkeit und Prostitution", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.8", "debut_caractere": 6333, "fin_caractere_exclue": 10132, "texte": "Jungfräulichkeit und Prostitution\nVon Alfred Döblin\nDer Mensch, ein Organismus. Die Organe zum\nHausgebrauch,, Heimarbeit, siehe Leber, Niere; Pri-\nvatangelegenheit des Individuums. Oder nach\naußen gerichtet, als Quellen, Wurzeln, Münder,\nHände. In ihnen drückt sicih aus die Bindung:\nan die Umwelt, die andere Welt. Die Organe,\noft auf Vieles und Vielseitiges eingestellt; biswei-\nlen aber keusche Spezialistentätigkeit. Zwei Or-\ngane und Systeme auf -andere Menschen leibhaftig\ngerichtet: dies die Brüste der Frau und die\nGenitalien.\nIn den Genitalien der Hinweis auf den anderen\nMenschen. Genauer den 'andersgeschlechtlichen\nMenschen. Ihre Beziehung in einer Handlung er-\nschöpft, der Kongressus, der Beziehungsakt. Da-\nnach das Verhältnis beider Geschlechter von der\ngröbsten Eintönigkeit.\nAn sich allemal identisch, simpel, wird die Se-\nxualbeziehung vieldeutig durch die Vieldeutigkeit\nder Triebträger. [Programm: Aufzeichnung eben\ndieser Vieldeutigkeit.\nVorbemerkung. Nicht jedes Verhälnis zwi-\nschen Mann und Weib spezifisch, nicht jede Reak-\ntion des Mannes männlich, des Weibes weiblich.\nSiehe die ungeschlechtigen Wissenschaftstiere mit\nmännlichen und weiblichen Kleidern und Hüten.\nGrundaxiom: Jede spezifische Beziehung zwi-\nschen Mann und Weib gleich Prostitution. Dies, die\nOberrubrik für sämtliche Kategorien und Vieldeu-\ntigkeiten. Denn in den Genitalien Hinweis auf das\nandere Geschlecht,, nicht aber' auf den anderen\nMenschen. Begründung von Prostitution, der\nMangel des Zwanges zum bestimmten Objekt, das\nFehlen einer fatalistischen Bestimmung für ein se-\nxuelles Gegenüber, die Ziellosigkeit des Bezieh-\nun(gstr!iebes. Die naturgegebene Unbestimmtheit\nund ein naturgegebenes Dirnentum.\nAn der Schwelle Vorformen, Mißformen, Spott*\nformen der Sexualität. Die spotten durchweg der\nFortpflanzung. Etwa folgende Melodie wird ge-\npfiffen: Was geht uns der andere an? Was geht\nuns das andere Geschlecht an? Was geht uns der\nMensch an? Wo organischer Drang, jedoch nicht\nder Beziehungstrieb Typus des Masturbanten. Der\nMasturbant: Asozial,, Menschenverächter, Indivi-\ndualist, Solipist. Die Schlange, die sich selbst beißt*\nVielleicht ein Lobgepriesener des Buddhismus: denn\ner beendet den Kreis den Wiedergeburten. Wo\norganischer Drang, auch Beziehungstrieb, jedoch\nnicht zum anderen Geschlecht: Der Päderast, die\nLesbica, der Sodomit,, der Fetischist. Wo Organe,\njedtoch nicht e,nmal organischer Drang, da 'die Fri-\ngide; der tote Punkt der Sexualität. Von hier nur\nein Schritt zum Eunuchen.\nDiese Vor-Miß-und Spottformen tiefsinnig und\nsejhr belehrend. Denn,, sie lehren die Unabhängig-\nkeit der Triebe von einander und von den Organen,\nlösen die verflochtenen Bänder.\nDie Kokotte, die Geldprostituierte nicht die\nreine Einfleischung natürlichen Dirnentums, nicht\neinmal eine Addition1 aus Geld und Dirnentum.\nAuf dem Satze: Alles meßbar und vergleich-\nbar lebt Sozietät. Der Kaufmann als streng-\nster Sozialist sieht das Maß aller Dinge im Geld——\naber Sozietät und Kaufmann lehnen diese Bewer-\ntung für die Sexualität ab. 'Kopfschüttel der Ko-\ntette. „Pour quoi? Warum? Wieso? Wreshalb?\"\nWir sind doch keine Tiere, die sich fortpflanzen\npour le roi de Prusse, auch nicht Lebeweibcflien,\ndie sich in die Welt hineinämüsieren. Wer Talente\nhat, entwickelt sie, setzt sie in Markstücke um,\nbeziehungsweise etcetera. Die Kokotte, ein Pionier\ndes Sozialismus auf moralischem Brachland. Höchst\nmoralische Unterjochung des Tieres im Menschen,\nnoch mehr, übermoralisches Gelächter über die\nSexualität. Nämlich Sexualität ein Mittel, um sich\nhöchst minderwertige Dinge zu kaufen, als da sind\nBrillanten und Kartoffeln. Die Dienstbarmachung\nvon Naturgewalten feiert in der Kokotte einen Tri-\numph. Die Dirne treibt den Luxus eines barbari-\nschen Millardiärs: sie läßt Kräfte für sich arbeiten."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6856, "texte": "von der größten organischen Gewalt. Wozu der\nFabrikantenumweg über Wasserfälle, Dynamos,\nKilowatt? Sie liegt wie ein träger Hindu da, der\nBuddha — ach welcher Buddha? — die Feigen\nvom Baume schütteln muß. Die Erfindung der\nGeldprostitution unendlich tiefsinniger und wür-\ndevoller als die von Dampfmaschine und Telefon.\nCeterum. Kein Grund, die Geldprostution als\nBerufszweig zu diskreditieren. Preisgabe funktio-\nnierender Organe allgemein: miete die Hände\neines Schreibers, die Beine des Laufburschens, die\nGedanken oder die Gedankenlosigkeit des Journa-\nlisten, die Hirnrudimente des Akademikers. Also\npas de quoi.\nPersönlich erstaunlicher Typus. Die Kokotte\nhat Sexualorgane ohne Sexualität. Weiter: Den\nNullpunkt der Kälte übertmmüft sie mit dem Mi-\nnuszeichen. Die Sexualorjane sind Betriebswerk-\nzeuge. Die Kokotte, ein Impresario der Liebe.\nAsexuell schauspielert sie Sexualbziehungen. Sie,\nanscheinend mit vielen Beziehungen, hat keine. Sie\nist vollkommen einsam, wenn auch nicht verlas-\nsen. Ja, hier trägt die Einsamkeit Gebärde des\nLächelns und Bezauberns, und es entbehrt nicht\neines grausigen Humors, wenn sich die Tote hin-\nstellt, um die Lebendigen zum rauschenden Leben\neinzuladen.\nIn Seelengemeinschaft — Verzeihung der\nSeele —- mit der Kokotte andere ähnliche\nund unähnliche Typen. Grundbemerkung: Jedes\nAuffassen des Kongressus oder der Sexualorgane\nals Mittel, jedes nichtinstinktive nicht drangmäßige\nMessen beim Kongressus, bewußt oder unbewußt,\nmacht aus dem Kongressus einen Prostitutionsakt.\nTeleologie auch hier verpönt! Zum Beispiel: Die\nWarnung: nur mit dem sittlich berechtigten oder\nnur mit dem sozusagen Geliebten.\nBlindheitzwang der Gegensatz zum ko-\nkottenmäßigen Verhalten. Die spontane Geilheit\ncharakterisiert den Gegentyp. Unterstrichen spon-\ntane Geilheit, das heißt nicht „Liebe\", wörtlich\nLiebe in Gänsefüßchen, Liebe, eine Vielheit, Mixed\npikles, Ragout fin, von verschiedenen Mahlzeiten\nStehengebliebenes. Wie alles Zusammengesetzte\nleicht zerfallbar. Unbeständig. Faulbar. Dagegen!\nder spontane Drang einfach in) Stein gehauen. Un-\nbrechbar.\nDieser simple Grundbegriff eingefleischt im\nFaun. Der Faun bezieht sich reflektorisch auf se-\nxuelles Gegenüber. Beziehungen beginnen, enden\nmit dem organischen Drangt Das sexuelle Gegen-\nüber nichts als andersgeschlechtlicher Partner am\nKongressus. Bezeichnend für den Faun die Ge-\ndächtnislosigkeit, das hysterisch leichte Auslösen\nvon Handlungen, eine Willenlosigkeit. Der Faun\nReflexmensch, fast nur Funktion seiner Umgebung»\nentwickelt sich an ihr.\nWo ein abgegrenztes stolzgetragenes Ich mit\nso reflektorischer kalteri Sexualität reagiert»\nda die Amazone. Die Amazone gleichgültig,\nnicht verachtungsvoll zu dem Akt, über den;\nliinaus keine Beziehung zum Triebträger statthaft.\nUnbegreifliche, erschreckende, massive Erscheinung\nDer Faun ins Große stilisiert, potenziert da,\nwo triebartiges Reagieren bei sexuellem Charakter\nstatthat. Dort, wo Sexualität so üppig entwik-\nkelt ist, daß sie den Träger von Kopf bis zu den\nFüßen durchreckt. Don Juan.\nKeine Frage möglich!. „Was bedeutet ihm der\nKongressus?\" Er ganz jKongressus, sein Leben eine\neinzige große Sexualgebärde. Er völlig etwas am\nandern Geschlecht, das andere dieses andern;\nTräger der Spannung zwischen den Geschlechtern*\nDie Musik das Tonlose zwischen den Tönen. Don\nJuan die Melodie der Sexualität. Neben dem ple-\nbejischen Bruder, dem Faun mit den klappernden\nSchellen, schreitet der Hochmeister der Liebe.\nKeine, keine Inkarnation des Arttriebes. Schafft\nsich die überpersönliche, Geschlecht zu Geschlecht\"\nreißende Gewalt zu frisch persönlichem Triumpfe\num, rächt Individ an Art. Antinaturalist, Solipsist,\nNihilist: Bruder des Manustupranten. Für Myope:\nDon Juan hat nicht viele, sondern viel.\nDies physiologische Typen; Rückenmarkstypen.\nNun Risse, Speitungen, Hemmungen. Dominium\neines Willens contea Reflex: ein Ich protestiert ge-\ngen das Zufällige, Kommende, Genende, Improvi-\nsierende, Ueberwältigende.\nDer Bürger: mit unverholener Geringschätzung\ndes Sexuellen. Keine Zeit dafür; eine Art Schnup-\nfen, — nichts dagegen zu machen, nur Taschentuch\nVerbrauch. Sexualität Angelegenheit des Pars\nMaxim; Provinzialismus; Fremdennepperei. Bür-\nger sieht heterosexualles Vis-a-Vis nicht als solche5\n—, sondern als Mensch. Alle nämlich gleichbe-\nrechtigt, Erlaubnis zum Studium, alle Menschen\nwerdjeni — Akademiker. Immerhin: es ist ein?\nSpäßchen; man schmunzelt. Höchstens: Sexualität\nals Vorwand zur Familiengrüridung, Einheirat\nAlso Mittel zum; demnach Nähe zur Kokotte. Ge-\nschlechtlichkeit, Betriebsangelegenheit auf allen\nLinien.\nUnzweifelhaft, wenn auch verblüffend, hierher\ndie Demeter, das Mutterweib. Geschlechtlichkeit,\ngleich Umweg zum 'Kinderkriegen. Kalt; Mißbrauch\ndes Mannes, Mißbrauch der eigenen Sexualität. In\nZukunft Döderlein.\nDer Verführer. Lacht über seine Natur: Kon\"\ngressus nicht Kongressus Willen, sondern Partners\nWillen. Ihn interessiert das Willigwerden und\nVerderben spröder Seelen. Bewegung alles. Ziel\nnichts. Schluß mit der Bewegung, Schluß mit dem\nPartner. Ein Spaß auäh für ihn. Aber kein Schnup-\nfen; delikater, psychischer; cynischer. Raffinierte\nGenußzwecke, ä la Bartbinde, Roger und Gallet,\nManicure. Don Juan übrigens kein Verführer, son-\ndern Verführter, sondern nichts von beiden.\nAm tiefsten Entwürdigung der Geschlechtlich-\nkeit durch den Heiligen. Schärfster Typus des\nWillens,menschen. Statt des lächelnden Kopfschüt-\nteins des Bürgers, der sanften Abwendung der De-\nmeter, des cynischen Hohnlachens und Sichberau-\nschens der harte Fluch und Ne-\ngation.\nDie Willensgruppe, stolz, ergreifend: niemand\nder Mensch ist, geht kalt vorüber. (Pereat mundus,\nfiat — Ego. Dualistengruppe; Kämpfer oder Spie-\nler. Stets zerrissen an fond; Unfähigkeit zur Eini-\ngung. Einheitlich diese beiden: Faun im physiolo-\ngischen; die Kokotte auf dem Gipfel der Willens-\nreife mit dem Triumpfgeheul des Kaufmannes und\nder Politik der allen offenen Tür. Faun und Ko-\nkotte die vollkommenen Heiligen.\nDen Beseelten allen, die Sexualität Fremdkör-\nper, zum Mindesten Rohstoff. Ihr Stolz darin, das\nschwere Material nicht zu behauen, daran vorüber\nzu gehen. Das Tote soll tot bleiben; Sand bleibt\nin den Augen: Problem für Augenärzte. Die Be-\nseelten alle erleben Sexualität als Reflexakte. 810 ß,\nbloß, bloß als Reflexakte. Hier die Lücke und hier\nhinein der Hebel. Sexualität ihnen etwas Zwangs-\nartiges, nicht denj Willen Unterworfenes; id'ajier\nletzlich auch Willensmenschen nur Reflexmen-\nschen, Faune wider Willen. Hier die Lücke und\nhier hinein der Hebel: Wider den Willen.\nKorrektur des Ichbegriffs. Blödjheit des Zwistes.\nGehirn-Rückenmark, Pyramidenzellen Vorderforn-\nzellen. Einheit des Organismus, Ineinanderwuchs,\nnicht Durcheinanderwuchs. Führung und nicht\nSpaltung. Verfluchte Bestienzüchterei, Heiligen-\nzüchterei; in Permanenz Ideal des Fauns und\nder Kokotte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c011", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "142", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.9", "titre_corps": "Beachtenswerte Bücher", "titre_sommaire": "Beachtenswerte Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.9", "debut_caractere": 6944, "fin_caractere_exclue": 7902, "texte": "Beachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung: vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nGOTTFRIED BENN\nMorgue und andere Gedichte\nVerlag A. R. Meyer / Berlin-Wilmersdorf\nDE WITTE MIER\nEine kleine Monatsschrift für Bücherfreunde\nunter Leitung von J. Greshoff.j In holländi-\nscher Sprache\nVerlag C. M. B. Dixon / Apeldoorn / Holland\nBOTHO GRAEF\nHodlers und Hofmanns Wandbilder in der UnL\nversität Jena\nVerlag Eugen Diederichs / Jena\nFRANCIS VIELe GRIFFIN\nLa Lumiere de Grece\nParis Editionsde la Nouvelle Reoue /\nMarcel Riviere et Cie\nPIERRE HAMP\nVieille Histoire\nContes ecrits dans le Nord\nParis / Editions de la Nouvelle Revue\nMarcel Riviere et Co\nSVEND BORBERG\nLiliths Bog\nKopenhagen / Gyldendals Forlag\nNICOLAS BEAUDUIN\nLes Poetes\nParis I E. Basset et Ct« / Editeurs\nJEAN BONNEROT\nProvince / Carnets de Vogoge\nMoulins [Allier] 112 Les Cahiers du Cenire\nAAGE VON KOHL\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nVerlag Rütter und Loening / Frankfurt am Main"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c012", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "142", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.10", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.9", "debut_caractere": 7904, "fin_caractere_exclue": 8204, "texte": "Notiz\nFranz Marc stellte von dem Holzschnitt Ve r-\nsöhnung fünfzehn nuanmerierte un 4 signierte\nHanddrucke auf Japanpapier* her. Sie sind zum\nPreise von je vierzig Mark durch uns zu beziehen.\nVertag DER STURM\nDie Holzschnitte auf den Innenseiten jeder\nNummer sind von Mitgliedern der Neuen Sezession."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c013", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "142", "page_fin": "142", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.9", "debut_caractere": 8206, "fin_caractere_exclue": 8479, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nKonigin-Augusta-Strasse 51\njfegenuber der von-der-Heydt-Strawse\nSechste Ausstellung\nGemalde Plastiken Zeichnungen\nBelgische Kiinstier\nRyk Wouters\nJames Ensor\nGeofinet taglich von 10 Us 6 Uhr\nEintritt 1 Mark Dauerkarte 6 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c014", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 80, "texte": "KUNSTLERIXHE RAUME\n«\ni\n9\n* fall\nIiUQO\n19ft\nALBERT KOBLINSKX\nBERUN-BRUCKEN-ALLEE6"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c015", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.10", "debut_caractere": 82, "fin_caractere_exclue": 1473, "texte": "(Sine 3Sod)cnjcferift\n(Degrircbef oon SaiUJflt\n£>rnm£<vfber«\n£üb©ia 2f)o®a •s>rrnwmn geffe\nSBierteljaljrlid) 13 ipeftc\npreis bes cinjclnen £)eftes 50 pf.\nim 2lbortnement:\nbnvi} o6er poftamter 6as Pierteljafyr 6 2Ttf?v\nbixdt unlet Kreujbanfc 6as Dterteljafyr:\nfur bas 3nlans 7 ZHF. 50 pf., fiir bas 21uslan5 8 ITlt. 50 pf.\nfarmer 3eitmto,r <ftr. 78 t>om 1. STprii 1912: 2Jtit bent foebett er*\n©eft IB befepegt ber „9J?ar§\" bag erfte Ouartat be§ laufen.\nDen Saljrganges. <££ jei mieberfjott auf biefc unabpngige nnb\nfcielfeitige Bodjenfdjrift aufmerffam gemad)t, bie in £>altung\nbie freie imb ftifd&e $tttnofysfire erfennen lagt mit bctn $en\n6en §audj, ber bon ben benadjbarten SBergriefen mefyt. 2)er „:2ftarg\" ift\nmie bet „©im#isiffimu3\" ein bobenftanbige§ @emad)3, ba£ nnr in\n2Ftiind)en pm 89Iulien unb @ebcit<en !cmmen fennte. ©eirte djarafter*\nboUe ®igenari Ijat ni<f)ts> gu tun ntit $Bartifulari3mu£ unb\naßainlinienfißerricferung. 3m (Segenteil ift ber „mxz\" fiibbeutfd& im\nbefien ©inne, aud? im tern grogbeutfdj, unb er bebentet in feiner\ner!ennutig unb norbbeutfder Sirt in $erfd)iebent)eiten\nnid)ts meniger a\\§ fine geifiige S3riicfe gmifrfjen Sttorb unb @iib.\nift ber anregenb unb frifdj mie aud) bag bor un§ liegenbe\n©djluftfjeft be£ erffen GuartalS, ba3 bon ben foigettbett bag befte er*\nmarten liijjt.\narattS unfc fraufu fcont\n32lar3=33erIog ©. m. b. 92limcfoen\n$aulbadjftrage 91."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c016", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Antiquar\nIt!:\n:: BERLIN W. 35 ::\nPotsdamerstrasse 127b\nAmt Liitzow 5850\nSoeben erscbienen:\nAntiguariatS'Katalog\nXXI Kunstblatter aller\nArt | Illustrierte Bucher\nin deutscher,\nsischer und englischer\nSprache\nBitte gratis zu verlangen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c035", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.11", "debut_caractere": 3127, "fin_caractere_exclue": 3336, "texte": "Reuss & Pollack\nBuchhandlung.Antiquariat\nPotsdamerstrasse 118 c\n:: BERLIN W. 35 ::\nFernsprecher: Amt Liitzow 2829\nfirapMsches Kabinet\nDer Neuen Sezession\n■—\nPaulGraupe\nAntiquariat\nBerlin W 35\nLiitzowstrasse 38"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-07-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-07_01#c036", "volume": "bmtnabg_1912-09-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.11", "debut_caractere": 3338, "fin_caractere_exclue": 3896, "texte": "wmammmmmmmmmmmammammmmmtmcamammmßaammßßamammmmßmmmmmammammk\nKleine Anzeigen\nTitania-Schreibmaschine\nErste deutsche Schreibmaschine m. Typenhebeln a. Kugellaeern\nFabrikat der Akt.-Gess. Mix & Genest, Schoneberg-Berlin\nGeneralvertreter far Berlin u. Mark Brandenbura\nLouis Stangen /Linkstrasse 12 Telefon: Kurfurst 2425\nIm Herbst erschelnt:\n= Mein Herz =\nEin Liebesroman mit Bildern und wirklich\nlebenden Menschen\nvon\n=z Else Lasker-Schiiler =\nPreis geh. ca. M. 3 geb M. 4\nProspekte kostenlos durch den Verlag\nHeinrich F. S. 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W.: Bab, der Lyrikfinder / D. Burljuk: Die\nWilden Russlands / Alfred Döblin: Jungfräulichkeit und Prostitution / Franz Marc: Versöhnung / Originalholzschnitt\nfür ein Gedicht von Else Lasker-Schüler / Wilhelm Morgner Fressende Holzarbeiter / Originalholzschnitt\n\nFranz Marc: Versöhnung\nOriginalholzschnitt für ein Gedicht von Else Schüler"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.2", "texte": "Versöhnung\nElse Lasker-Schüler\nEs wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen . ,\nWir wollen wachen die Nacht,\nIn den Sprachen beten\nDie wie Harfen eingeschnitten sind.\nWir wollen uns versöhnen die Nacht —\nSo viel Gott strömt über.\nKinder sind unsere Herzen,\nDie möchten ruhen müdesüß.\nUnd unsere Lippen wrollen sich küssen,\nWas zagst du? j\nGrenzt nicht mein Herz an deins —\nImmer färbt dein Blut meine Wangen rot.\nWir wollen uns versöhnen die Nacht,\nWenn wir uns herzen, sterben wir nicht.\nEs wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen.\n\nBriefe an Peter Hille\nVon Detlev von Liliencron\nH. W\nIch veröffentliche in dieser Zeischriit eine kleinere\nAnzahl Briefe, die Detlev von Lilieucron an Peter Hille\ngerichtet hat. Ich fand sie im ISIachlass des Dichters.\nSie sind aus den Jahren 1885 und 1886.\nErster Brief\nKellinghusen, Holstein, 1. Nov, 1885.\nGeehrter Herr Hille!\nWer sind Sie? Was sind Sie, Wo sind Sie?\nEin anonymer Prinz? Ein Geheimrat im Ministe-\nrium des Aeußeren? Ein stiller Stubengelehrter?\nEin Lebemann? Ein Sportsmann? Ein Professor?\nVor allem müssen Sie universelle Kenntnisse\nhaben, —\nDas war ungfähr der Anfang eines Briefes an\nSie, als ic-h Nr. 2 Ihrer Völkermuse gelesen hatte.\nIch dachte mir aber, daß Sie fast erdrückt wären\nvon Korrespondenzen, Zuschriften, litterarischen\nQuälereien p.p. und somit unterließ ich .meine Zu-\nschrift. Und nun kommt heute Ihr liebenswürdiges\nSchreiben vom 31. d. J., für welches ich Ihnen\nmeinen herzlichsten Dank sage. Ich wiederhole\n— leider, leider!!! — Ihre Völkermuse ist viel\nzu fein für unsere deutsche Leseplebs. Von den\n45 Millionen verstehn sie nur höchstens 450 Män-\nner. Aeuißerst fein und vornehm!!! Aber le-\nsen Sie nur die Kritiken, z. B. Deutsche Roman-\nzeitung, No. 4 vom 26. Oktober 1885! So wird\nes Ihnen noch öfters ergehn. Die wahnsinnige Ver-\nsohlammunjg und Versumpfung unserer, litterajri-\nschen Zustände, wo Leute wie Ebers, Wolff,\nEckstein den Ton angeben! Wo die 'Posse\n(— iKneisel, Moser, Schönthan, u.s.w. —-) regie-\nren,, selbst auf den besten Theatern regieren!\nVerzeihen Sie mir: Ich bin ein Soldat gerade-\naus! der dem ganzen Wischwasch! des litterari-\nschen Jetzt nicht fassen kann —- aber: Ich habe\nein feines Verständnis für das, was wirklich einmal\nrechts und links abgeht von dem gewöhnlicher;\nWeg, den die infame Bande unserer Millionen\nLyriker („Dichter\") wandeln. Deshalb begrüße\nich mit tausendfachem Jubelgeschrei jede solche\nErscheinung. Ach! Wrie wenig sind's!\nJa, unheimlich ist geradeaus oft, was Sie sa*\ngen. Aber, wenn ich's zweimal, dreimal lese, da\nschlägt's mir wie Freudenröthe in's Gesicht. Hal-\nten Sie aus! Es werden, es müssen sic\\h Verständ-\nnisvolle finden, die mit derselben heißen Erwartung\njeder neuen Nummer entgegensehen, wie ich. Eins\ndarf ich mir gstatten, hier zu erwähnen: Wenn\nirgend möglich, halten Sie das Programm aufrecht,\nwelches Sie uns mit der nächstfolgenden Nummer\nversprechen: Für die zweite Nummer z. B. hatten\nSie uns einen Aufsatz über Heiberg angesagt. Aber\ner fand sich nicht. Das scheint kleinlich von\nmir geredet, aber es ist es sicher nicht.\nSchluß des Briefes fehlt.\nZweiter Brief\nAnfang fehlt\nWas wollen Sie, lieber Fiteundi, mit meinen\nSchriften? Es liest sie kein Mensch. Unter dem\nblödsinnigen Titel: „Adjutantenritte\" — von mei-\nnem Verleger gegeben — habe ich Gedichte Tier*\nausgegeben: Blut, Herzblut (— idealisiert natür-\nlich —) aber kein Wischwasch. Kein Mensch also\nliest die Gedichte. Später — später vielleicht???\nMein erstes Drama, „Knut der Herr\" wurde vor\nvier Tagen auf dem HoMeater in Altenburg ge-\ngeben,. Es ist gut ausgefallen; nur muß ich noch\nZusätze schreiben. Ich gehe und ging nämlich von\nder fixen Idee aus, so k u r z wie möglich zu schrei-\nben, um das Fürchterlichste für die Zuschauer:\ndie Langeweile, zu vermeiden. Nun wird Knut in\nLeipzig (Stadttheater) gegeben mit meinen Zu-\nsätzen.\nEin anderes Drama: Die Rantzow und die Pog-\nwisch ist in diesen Tagen an die Bühnen von Felix\nBloch-Berlin versandt. Ich lasse Ihnen den Krem-\npel durch meinen Verleger in! Leipzig zusenden in\ndiesen Tagen. Nur zwei Vorbilder habe ich im\nDrama mir genommen: Shapespeare und Heinrich\nvon Kleist!!! Drama heißt: Heiße Vorwärtsströ-\nmung, fortschießende Handlung (— immerzu,\nimmerzu —), keinen Augenblick Langeweile, Hus-\nsah und Trompetenschall, Bumbum, und lieber das\nAeußerste gewagt — wie Vischer in seiner Aest-\nhetik sagt — als Langeweile, Nüchternheit,\nPhilisterhaftigkeit, — Ich schrieb noch manche\nNovelle! Aber wer will sie lesen?. Sie liegen im\nSchrank. Es sind (— idealisierte —) Tagebuch-\naufzeichnungen.\nHaben Sie in: „Die Gesellschaft\" Nummer 40\n„Der Dichter\" von mir gelesen? Bitte tun Sie\nes! Es wird Sie interessieren. Sehen Sie meinen\nFreund, den Prachtkerl Hermann Heiberg — so\nsagen Sie ihm tausend Grüße. Er kennt mich, d. h.\nnicht persönlich. — Schade, daß die Berliner Mo-\nnatshefte aufflogen. Welch ein frischer wohltuen-\nder Sturm darin. In ylck hev die lev\", -war ein\nschändlicher Druckfehler: „Verzweifelnde\" statt\n„verzeihliche\" Lieutenantswünsche. Anliegend mei-\nne Photographie. Bitte um die Ihrige.. Und nun,\nherzlicher Handschlag! Und immer wiedbr will-\nkommen mit Ihrer Völkermuse.\nHaben Sie irgend Muße und Lust, so schreiben\nSie einmal wieder\nIhrem ergebensten Detlev Frh. von Liliencron\nHauptmann a. D.\nDritter Brief\nKellinghusen,, d. 11. Dezember 1885.\nLieber Freund!\nWas, zum Teufel! hat mich denn so unglaublich\nvor Freude in diie Luft springen lassen, als ich ge-\nstern Abend Ihre liebe Zuschrift, datiert: „Steier-\nmark\" Dezember cri. erhielt. Gern hätte ich Sie,\nnach Lesung Ihrer Zeilen an mein Herz geschlos-\nsen, Sie absonderlicher, rätselhafter\nMensch, Sie!!! Und! doch ist mir Alles und Jedes\nvon Ihnen verständlich). Ganz unglaublich fühle\nich mich zu Ihnen hüngezogen, wie vielleicht noch\nnie zu einem Menschen. Geben Sie mir doch in\nIhrem nächsten Schreiben ein trockenes curriculum\nvitae. Damit ich Wenigstens weiß,, wie alt Sie sind*\nIch schätze 22—23 Jahre. So viel ersehe ich, daß\nSie aus Pyrmont's Umgegend geboren sind. Baroit\ndu Prell's wunderbares Buch über Martin Greif\nlas ich schon 1881. Ich gebe Ihnen Recht. Die\newige Somnambulerei du Prelis ist mir nachgerade\nlangweilig. Aber ein geistreicher Kerl ist er.\nWissen Sie, daß ich größte Lust hätte, mit\nIhnen in Ihrem verlassenen Bade mit dem grünundv\nweißangestrichenen Musiktempel zu kneipen. Und\nvon Allem zu sprechen, von dem 9999999999 Man-\nschen niemals oder ungern sprechen.\nHaben Sie schon eigenes drucken lassen außer\ndem wundervollen Gedicht in Berl. Monatshefte?\n— Dann senden Sie es mir mit wendender Post.\nIm Januar komme ich wahrscheinlich nach Berlin.\nIch hatte mich so sehr darauf gefreut, Sie zu sehen\ndort. Sind Sie dann wieder in Ihrer Moabitstraße?\nIm Januar möchte ich nach Leipzig auf dessen\nStadttheater: „Knut\" aufgeführt wird. Ja, wenn\nman das Talent Moser's, Lindau's {— obgleich\nich diesen liebe -—), Bürger (Lubliner), Moser's\nhätte!!!! Wenn Sie wirklich Blicke in meine Dra-\nmen geworfen hätten (— pardon —), und Sie\nwollen darüber schreiben?!! — dann sagen Sie'\nbitte, nachdem Sie sie tüchtig durchgehechelt ha-\nben, daß ein wenig hübsche Sprache dran ist: Auch\nTropen, gute Vergleiche,,, und: Vorwärts, vorwärts,\nvorwärts! Drama heißt scharf strömende Hand-\nlung. Schreiben Sie mir über das, was Sie litera-\nrisch vorhaben. Es interessiert mich das sehn\nIn Berlin freute ich mich im Voraus, hoffte ich von\nIhnen zu hören über 1000 und Einen der neueren\nund' neusten Dichter. Entre nous: Viel Quark\ndarunter. Herausleuchtend: ,Arno Holz4\n(— über dessen politischen Nonsens ich lache, lache,\nlache, —) Karl Bleibtreu, Hermann Conradi. Ken=\nnen\\ Sie meinen lieben guten herzensprächtigen\nHeiberg? Das ist ein Kerl. Sie haben — im Ge-\nniii th — viele Aehnlichkeit mit ihm. —\nSchreiben Sie eins: Ist im Knut und dem\nandern Schauspiel nicht Farbe, Farbe, Farbe?!\nTod der Nüchternheit, Zertrampelung aller Phi-\nlister.\nHaben Sie etw:as lieb\nIhren Detlev Liliencron\nWo bleibt Ihre Photographie.\nVierter Brief\nKellinghusen, Holstein 19. 1. 1886.\nLieber Freund!\nRecht herzlichen Dank sollen Sie haben für\nIhre beiden lieben Schreiben, die ich eher beant-\nwortet hätte, wenn mir meine jetzigen Umstände\ndies erlaubt hätten. Haben, Sie* vor allem Dank\nfür Ihre interessanten Worte über die beiden Dra-\nmen! Ich schrieb in diesen Tagen ein Trauerspiel'\n„Der Trifels' und Palermo\" (Kaiser Heinrich VI.)\nWenn es gedruckt ist, gestatte ich mir, es Ihnen\nzu senden. Immer habe ich jetzt Ihr Wort vor\nAugen: ~Menschen, Mannigfaltigkeit und Notwen-\ndigkeit von zusammenhandelnden Naturellen und\nCharakteren\" — — Das soll mir ein ewiges point\nde vue sein beim Dramenkritzeln, gewissermaßen\nalso der -Punkt, den ich ewig im Auge behalte,\nwenn ich schreibe.\nIch freue mich sehr darauf, daß ich die Ehre\nhaben werde und daß Sie mir Ihr Vertrauen schen-\nken in Betreff der Einsendung Ihrer Lieutenants-\nnovelle: Ein reizender Mensch. Ich denke mir,\ndaß, was Sie schreiben, muß ganz originell sein.\nIch bin bei mir ganz sicher, daß Sie einmal hell\nherausleuchten werden aus dem Millionendichter-\nschund den wir zur Zeit haben. Irgendetwas ganz\nWunderbares steckt in Ihnen . .. . .\nDaß Sie schon 31 Jahre sind, hätte ich nicht\ngeglaubt. — Ich bin aus meiner Zivilstellung ab-\ngegangen; vielmehr meine Gläubiger haben mich\nso lange gepisackt, bis ich freiwillig ihnen den\nKraim vor die Füße geworfen habe. Ich hatte lato-\nlieh circa 5000 Mark Einkommen; in zwei Jahren"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.3", "texte": "hätte ich meine Schulden abgezahlt. Aber nein!\nDie Schweinehunde zerrten solange, bis ich den\nAbschied nahm. Wohin ich ziehen werde, weiß\nich noch nicht. Jedenfalls bleibe ich solange -hier,,\nbis ich alles arrangiert habe; dann nach Berlin.\nEinmal, und wenn es auf dem Sirius wäre, müssen\nwir beide uns sehen und gemütlich zusammen\nkneipen. —\nSehr gütig war es von Ihnen., mir aus Ihrem\nVorleben zu erzählen. Sie werden gewiß sein,\ndaß es mich des Aeußersten interessiert hat. Nun\nerkläre ich mir auch die Wiedergabe der Bueren\n(Boeren)- Hymne in der Völkemuse.\nVergessen Sie mich nicht,, und! schreiben, Sie\nmir bald wieder. Senden Sie mir Gedichte p.p.\nIch bin zu setfir gespannt.\nIhr mehr wie ein Stück Vieh gequälter Freund\nDetlev Liliencron\nFünfter Brief\nKellinghusen, Holstein, 12. 2. 1886.\nMein sehr lieber Freund!\nIhr letzer Brief vom :. dieses Monats habe\nzu empfangen ich die Eüire gehabt; ich ersah aus\nihm mit herzlichem Bedauern, welchen Kampf Sie\nmit Ihm Verlegern resp. Verlegerwollern zu be-\nstehen haben und schon bestanden.\nGanz unendlich interessierte mich Ihre Reihe\nvon Autoren, die Sie als Ihnen, soll ich sagen: con\"\nvenierende mir nannten. Farina und Turgenieff\nsind auch meine Lieblinge und Leibnitz und Th.\nStorm. Kennen Sie überhaupt Th. Storni? Ueber\nden Franz Hirsch und unser herrlicher Karl Bleib-\ntreu durchaus falsch sprachen. Mais donc:\nBleibtreu und seine rote Broschüre. Ich nehme an,\ndaß Sie: „Revolution der Litteratur44 gelesen haben.\nWelche Tollkühnheit oft. Wie sind Sie — ich bin\nsehr gespannt darüber, — einverstanden mit Bleib-\ntreu's Urteil über Paul Heyse und Gottfried Keller!\nUnd Konrad Ferdinand Meyer 'hat er ganz verges»\nsen; vielleicht unser größter Novellist.\nIch hoffte, von Ihnen einiges Schriftliche: No-\nvellen p.p, zu erhalten. Ich bin sehr interessiert\ndarauf. Es kommt mir vor, als müßten Sie etwas\nganz besonders auffälliges und auffallendes schrei-\nben. Lasen Sie: Conradi's „Brutalitäten\"? Ja,\nja, der gute Zola hat mit vollen Händen Feuer nach\nDeutschland geworfen. Conradi übrigens: Erzäh-\nler 1. Ranges! Einzelne wundervolle Naturbeschrei-\nbungen.\nKennen Sie — ich wiederhole -— Th. Storm?\nLassen Sie bald Gutes von sich hören, Sie\nlieber Mensch, Ihren\nDetlev Liliencron\nSechster Brief\nAnfang fehlt\nNur eins gleich hier: Sie müssen, lieber Freund,\nnicht verzagen, wenn Sie Abschläge zuerst haben.\nDenken Sie an das deutsche Millionenleserpack\n(— Fürst und Eckensteiher, ganz Wurst —). Un-\nsere biederen Landsleute lesen nicht gerne originale\nGedanken, nicht gern: ihnen neu ins blöde Hirn!\nFallendes. Und somit pitophezeihe ich Ihnen: Sie\nkommen durch!!! Aber nach sqjhwerem Rin~\ngen. Also Kampf! Geben Sie nicht klein bei — Dies\nmöchte ich auch hier noch mir ergebenst gestatten\nzu bemerken: Ihre Prosasachen können noch die\nFeile haben. Es sind noch manche Schreibfehler\nstehen geblieben.\nHaben Sie herzlichen Dank f.r Hiren langen,\ninteressanter Daten vollen Brief.\nIch werde diesen Frühling oder Sommer defi-\nnitiv nach Berlin übersiedeln, da ich hier auch nicht\neinen Menschen habe, mit dem ich mich in litte«\nrarischen Dingen aussprechen könnte. Ich hoffe»\ndaß wir dort uns treffen. Ich habe auch noch mit\nRegulierung von —- 50 000 Mark Schulden zu tun.\n(— aus früheren Zeiten -—), die mich fast täglich\nin die Mündung meines Revolvers schauen lassen.\nDas ist ja so sehr günstig iür einen Dichter.\nAber wir sind ja deutsche Dichter. Und des-\nhalb erst peremptorisches Verlangen unserer\nLandsleute: Hunger die Bestie, Wahnsinn erst —•\ndenn weshalb ist das Vieih geworden und\nnicht Käsehändler.\nWas Sie über Pantenius schreiben, unterschrei-\nbe ich unter Tromfmelschall. Es ist nur ein herz-\nloser Patron. —\nleih werde nun also auch den Rest Ihrer M. S.\nwarten nnd zguleich, ob ich es an O. und Gr, wei-\nterschicken soll,, oder an Sie zurück. Ich bin sehr\nglücklich, daß Sie in Pyrmont einen netten\nHauswirt haben. Bravo! Geben Sie dem Mann\nvon mir einen herzlichen Händedruck.\nAus Ihrer (-—- brieflichen —) allerliebsten\nSchilderung Ihres Restaurations-Besuches auf dem\nBerge werden Ihre: Die Kinder entstanden sein.\nIch bin gespannt auf die Ausführung. Die Skizze\nläßt herrliches erwarten! Ihre Vorliebe für Dran-\nmor teile ich mit ganzer Seele. Wer kennt ihn?\nNur wenige.\nJa: ~das Einvernehmen\". Der Titel scjhon ist\ngut. Aber der Titel ist zu weit ab von der Land-\nstraße, und — siehe unsere braven Landsleute.\nIch habe insofern Bedenken gegen diese geplante\nZeitschrift, weil ich glaube, daß die erwähnten!\nFädher ja alle schon in Ein z e lbearbeitungen\n(— Journalen p.p. —) in unendlichen Massen auf\nden Markt kommen. Ich finde sonst Ihre Idee\nausgezeichnet.\nHoffentlich haben wir noch Gelegenheit, uns\nmündlich zu sprechen, und shaks hands zu machen\nsei es, wo es sei.\nIhr treuer\nLiliencron\n\nMenschen von Gottes Gnaden\nVon Karl Borromäus Heinrich\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié-\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nGegen vier Uhr nachmittags war Pater Bona-\nVentura in Bozen angekommen fuhr mit seinem\nGepäck, um keine Zeit zu verlieren, rasch in das\nnächste Hotel, erkundigte sich in aller Eile nach\nLage und Entfernung von Frangart und ließ sich\nfort einen Wagen holen, Frangart liegt ja von\nBozen nur anderthalb Wegstunden südlich. Dann\nging der Pater auf sein Zimmer, um sich zu wa-\nschen und um seine Kleider zu wechseln; denn hier\nin Oesterreich stand es ihm frei, das Ordenshabit\n•der Jesuiten anzulegen. Nachdem er sich Hände\nund Gesicht gereinigt hatte, überlegte er einen\nAugenblick, ob es sich verlohne, heute noch das\nHabit zu tragen. In der großen Eile aber, die er\nhatte, der Witwe Baronin Frangart seine Teilnahm\nme zu versichern und ihren Sohn kennen zu lernen,\nvergaß er, wie es schien, auf das was er überlegen\nwollte, ergriff seinen Hut;,, ging eiligen Fußes die\nTreppe hinab und schritt auf den wartenden Wagen\nzu. Es war ein offener Landauer, und als Pater\nBonaventura den Fuß aufsetzte, um einzusteigen,\nerinnerte er sich plötzlich wieder des Habits. In-\ndessen wollte er nicht mehr umkehren, nahm ent-\nschlossen Platz und mahnte den Kutscher zu ra-\nscher Fahrt. Es läßt sich schwer sagen, was wäh-\nrend der wenigen Sekunden iin ihm vorging. Die\nFrage, ob er nicht lieber nochmals auf sein Zimmer\ngehen und das geistliche Gewand anlegen sollte,\nwar in ihm leise wach geworden, gleich einer stil-\nlen Welle, die sich aufkreiselt im See der Seele.\nAber der liuischlag der pferde und das Rollen der\nRäder töteten diese Frage.\nBonaventura betete sein Brevier und sah von\nZeit zu Zeit auf, über die blühenden Gärten und\nWiesen hinweg. Er fuhr durch Gries und dann\nauf stiller, abendlidher Straße durch Sigmundskron.\n„Dort oben liegt Frangart, gleich neben der Kirs-\nche\", bemerkte der Kutscher und zeigte mit der\nPeitsche auf die Höhe. Bonaventura berechnete,\ndaß es höchstens noch fünfzehn Minuten zu Fuß\nsein könnten, und ließ den Kutscher halten, mit der\nWeisung, ihn hier zu erwarten. . Der stellte sein\nPferd im Gasthof rechts an der Straße ein und be-\ngab sich in die Wirtsstube. Der Pater aber stieg\nvon merkwürdigen und unerklärlichen Gefühlen\nbeherrscht, die Straße nach Frangart hinauf.,'\nEr ging ziemlich schnell, hielt aber zuweilen an,\nund sah in das Tal herunter, wie um sich an des-\nsen Freundlichkeit Mut zu holen. Die Abendsonne\nsenkte sich gemächlich, breit und reif; sie stafrid\nnur noch wenig über den Bergen.\nBonaventura näherte sich der Kirche. An der\nFriedhofsmauer, die sie umgab, lehnte, die Arme\nüber die Brust gekreuzt, ein Knabe. Er lehnte dort\nund sah dem Herankommenden gleichmütig entge-\ngen. Gekleidet war er in schwarzen Samt, und um\ndie Hüfte war ihm eine schwarzseidene Schärpe\nlässig gschlungen. Er trug einen leinenen Kragen,\ngerändert mit zierlichen Sptzen, dessen Enden breit\nder schlanke Hals lag bloß.\nTräg und gleichmütig war die ganze Haltung des\nKnaben, aber trotzdem nicht schlaff und nicht ohne\n. Stolz. Seine seidenen, weichen, schwarzen Haare\nwaren ein weniig gelockt und trugen keinerlei Be-\ndeckung. Lange lange Wimpern beschatteten die\ndunkeln, mandelförmigen Augen, deren Weiß durch\nbläulichen Schimmer gemildert war; der Mund\ndes Knaben war halb geschlossen und zeigte seine\nstolzen Linien. Die Nase erschien schlank und: ge-\nrade. Die merkwürdig kleinen Ohren waren fast\nunter den Haaren versteckt. Sesine Figur w&r von\nliebenswürdigster Zartheit in ihren weichen und\ndoch so bestimmten Formen. Durch die leichten\nStrümpfe, /die an die Kniee gingen,, verriet sich ein\ngeschmeidiges schlankes Bein. So lehnte er an\nder Friedhofsmauer und sah Bonaventura ohne je-\nde Neugier ruhig entgegen.\n'Bonaventura blieb, unter tiefen Atemzuge, ste-\nhen. Sein Herz klopfte laut. Er wollte die Arme\nausbreiten und rief halblaut: .„Mein Sohn! . .\nMit einem einzigen heißen Blick hatte er die selt-\nsame Ähnlichkeit zwischen sich und dem Sohne der\nKomtesse Riom, der Baronin Frangart, erfaßt. Und\ner trank diese Ähnlichkeit förmlich in sich hinein. .\nMittlerweile hatte der Knabe die Augenlider\netwas hochgezogen, um den Kommenden schärfer\nanzusehen. Plötzlich schien seine reizvolle, zarte\nFigur ein leichtes Beben zu durchlaufen. Aber das\ndauerte nur kurz. Dann stand er wieder vollkom-\nmen ruhig und kalt, nur sein Mund öffnete sich\nleicht zu einem Lächeln. „Er sieht aus wie ein\nälterer Bruder von mir'4, dachte er.\nBonaventura seinerseits hatte sich auch ge\nsammelt, fühlte, daß er dieses Anstarren nicht eine\nSekunde länger fortsetzen durfte, und schritt, den\nHut lüftend, auf den Knaben zu. Dieser nahm die\ngekreuzten Anne ließ sie sinken,\nrückte ein wenig von der Friedhofsmauer ab und\nsagte mit leichter Verneigung: „Baron Frangart44.\n~Ich bin Paul Mieville44, antwortete Bonaven-\ntura.\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.4", "texte": "„Ah, Herr Paul Mieville, .Pater Bonaventura\naus Chamfort, Freund von Maman und Papa?\"\nfragte der junge Baron.\nDieser bejahte unter leichtem Erröten: sei es,\ndaß ihm das Benehmen des Knaben zu stolz er-\nschien, sei es, daß er die Korrektur oder vielmehr\nden Zusatz zu dem Namen, mit dem er sich vor-\ngestellt hatte, fast wie eine Zurechtweisung emp-\nfand.\n„Es ist mir eine große Ehre, Euer Hochwürden\nkennen zu lernen\", sprach Frangart ruhig zu ihm.\n~Sie können Baron Frangart nicht mehr sehen; der\nSarg ist gschlossen und steht aufgebahrt in der\nKirche. (Dabei verneigte er sich ernst und lang-\nsam in der Richtung nach dem Portal). Ich werde\nSie selbst bei Baronin Frangart, meiner Maman,,\nmelden\". Das kleine Schloß derer von Frangart\nlag wenige Schritte von der Kircihe entfernt. Drei\nschlanke, schwarze Zypressen auf jeder Seite be*\ngrenzten den Weg. Die Mauern des Schlosses\nwaren rötlich verwittert. Es schien verschiedene\nMale umgebaut worden zu sein; ein Teil war mit\ndem Hauptgebäude lässig durch einen Mauerbogeri\nverbunden; ein freistehender Turm, der früher ein-\nmal eine der Ecken abgeschlossen haben mochte,\nwar durch Um- und Anbauten jetzt, lächerlicher-\nweise, in den kleinen Hof gedrängt, den man' duich\njenen Mauerbogen ein wenig übersah. Die Fenster\nstaken tief in der Mauer und gaben dem Schloß,\ndas in lautloser Ruhe dalag, den Ausdruck der\nErwartung. Der junge Baron schritt ein wenig vor\nBonaventura her, der seine elastische, liebenswür-\ndige Knabengestalt mit den Blicken maß und sich\nentzückt fühlte von ihrer Zierlichkeit .... „Ah,,\nj'avais oublie que vous etes Frangais, venerable\nPere!\" unterbrach dieser jetzt das kurze Schwei-\ngen, „je vous demande mille fois pardon, vous n'a-\nvez peutetre point compris ce que je viens de vous\ndire?\" „Ich verstehe wenig Deutsch, aber ioh\nhabe Sie verstanden, Baron;\" antwortete der Pater\nlächelnd und zugleich erstaunt über soviel Selbst*\nVerständlichkeit und Sicherheit der Form bei einem\nso jungen Menschen. Einen Augenblick dachte er,\nmit zarter Trauer, an seine eigene illegitime Ab*\nkunft, un{d daß er als Knabe sehr schüchtern ge-\nwesen war. Wie durchdrungen vom Glauben an\nseine gute Rasse erschien der schöne Junge! —\nDieser nun öffnete das Tor und ließ Bonaventura\neintreten in den dunkeln, breiten und überwölbten\nGang, der mit dicken Teppichen belegt war und\nden Schritt bis zur Unhörbarkeit dämpfte. Eine\nDienerin erschien und führte Bonaventura in das\nEmpfangszimmer, während der junge Baron ge=\nlassen die Treppe hinaufstieg, um ihn seiner Mut-\nter zu melden, Als er oben war, ging er den Gang\nhinunter bis an das letzte Zimmer und klopfte leise.\nOhne Hast betrat er das alte, niedrige Zimmer*\ndessen Decke in Holztafeln abgeteilt war und aui\nden kleinen quadratischen Feldern verblaßte Bilder\nzeigte. Die Möbel schienen wohl neu zu sein, aber\nvermieden alle modernen Formen. Ein alter,\nschwerer Leuchter, aus getriebenem Silber und im\nStile des Barock, hing über dem Tisch, der in der\nEcke stand, nahe am Fenster, und vom milden\nschiefen Licht der Abendsonne noch einige Strahlen\nauffing. Am mittleren Fenster saß in einem nie-\ndrigen Fauteuil die Baronin Frangart. Um ihre\nSchultern hing ein tiefgrüner Shawl, der sich gro-\ntesk vom Halbdunkel des Zimmers abhob. Mit\ngroßen verträumten Augen sah sie ihrem Sohn ent-\ngegen, der ihre Rechte am Handgelenk küßte (schon\nals dreijähriges Kind hatte er mit Vorliebe dieses\nunvergleichlich zar|e Handgelenk geküßt) . . . .\n„,Herr Paul Mieville, Pater Bonaventura aus Cham-\nfort, ist hier. Willst du ihn empfangen?\" „Fritz!\n.. . „Maman?\" ~Paul Mieville?\" — „Ja, Herr\nMieville. Denk dir, Maman, ein /Pater im engli-\nschen Reiseanzug! Und sieht aus, wie wenn er\nmein älterer Bruder wäre!\" Während dieser leicht\nten kindlichen Worte betrachtete er aufmerksam,,\naber mit respektvoller Zurückhaltung das Gesicht\nseiner Mutter. Diese atmete lebhaft und warf einen\nlangen seltsamen Blick zur Kirche hinüber. Ein\nkurzes Schweigen entstand. ~Fritz, willst (du mit\nmir und Herrn Mieville zusammen Abend essen?\nNein, das nicht, natürlich nicht, so lange darf er\nsich nicht aufhalten .... Ich meine, du möchtest\nHerrn Mieville selbst heraufführen ... Er kommt\nvon weit her und kann wohl noch eine Stunde\nbleiben.\"\nEs mochte jetzt gegen sieben Uhr abends sein.\nDer Schall der Aveglocke klang von der nahen:\nKirche ungebrochen' und1 tief durch die leichte Luft.\n„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft\nund sie empfing vom Heiligen Geist\". Während\ndie Baronin wieder mit langen seltsamen Blicken\nzur Kirche hinübersah, betete sie mechanisch die\nheiligen Worte. Und der heutige 'Traum des Pate1\"\nBonaventura, der nunmehr seinen Weg gemacht\nhatte, stand jetzt auch vor ihrer Seele. Ein Fenster\nim Schloß Choiseul .... Die Trauer der Baronin\nwar, zart wie das, Blatt der Mimose, das sich zu-\nsammenlegt beim leisesten Windhauch ~ . Ihre\nTrauer wurde sogleich getötet durch den ungebro-\nchnen Schall der Glocke.\nAber die Erinnerung war wach und ebenso\nungebrochen wie der Glockenklang dort drüben . .\nSie hatte ihre Bilder gerettet, weil sie in so langen\nJalhren des Krankseins nichts Neues erlebt hatte . „\nUnd was den armen Toten betraf: hatte sie sich\nnicht schon nach wenigen Wochen innerlich von-\neinander getrennt! ....\nPaul Mieville, lieber Paul Mieville, einige Wo-\nchen braucht man doch, um zu erwachen, um zu\nverstehen! ....\nOh allmächtiger Gott, warum läßt du uns nicht\nso lange Zeit, warum bindest du uns ewig? . . . .\nAch, die Glocke schweigt nicht : ~Und\nMaria sprach, sieh, ich bin eine Dienerin des Herrn\nmir geschehe nach deinem Wort! gegrüßt seist\ndu, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir . .\"\nMieville, diu wärest nicht im Kloster, wenn\ndu gewußt hättest, wie edel Frangart war. Er ist\nschweigend von mir gegangen, ohne ein Wort der\nKlage, der edle Frangart! ....\nAber man konnte das göttliche Band nicht lö-\nsen, die heilige Kirche scheidet nicht .... Oh\nunerforschlicher Gott!.\nDie Glocke,, wieder die Glocke! .... „Und\ndas Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns\ngewohnt .. .\" Das Wort, ach, das Wort, das\nWort, war Mieville .. . Armer, edler Frangart,,\nwie weh habe ich dir getan in jener Nacht, mit dem\nWort, mit dem Schrei . . . Oh verlorene Jugend,\noh Schrei der Sehnsucht! .... Der Schrei wrar\nMieville . . . Und ist Fleisch geworden ... Fre-\nvej, grausiger Frevel! .... Fritz! . . .\nEndlich war die Baronin wieder zu sich ge-\nkommen. Pater Bonaventura streichelte leise ihr\nweiches, leichtergrautes Haar und ihre schmale,\nzitternde Hand. „Ach, Baronin\"„ sagte er und ver-\nsuchte zu lächeln, „wir sind beide alt geworden\".\nAber vielleicht sagte er das nur, um alles als unbe-\ndeutend hinzustellen, zum Beispiel, daß er, ;Pater\nBonaventura, über eine siebenundzwanzigjährSge\nFrau geneigt war.\nDer junge Baron saß mit übereinandergeschla-\ngenen Beinen auf einem Stuhl und starrte zu Bo-\nden; aber in seinen Augen lag jene Glut, welche ist\nwie eine Fackel, mit der man hineinleuchtet in die\nIrrgänge, in die dunkeln Winkel der Geheimnisse.\nDie Baronin Frangart und Bonaventura hatten\nsich mehr und mehr gefaßt. Sie saßen zusammen\nmit dem jungen Baron am Tisch, unter dem Scheine\nder grellroten Kerzen. Der grüne Shawl, den die\nBaronin trug, leuchtete noch mehr als vordem. Die\ndrei Menschen sprachen von belanglosen Dingen.\nUnd Bonaventura, der jetzt wieder Muße fand, den\njungen Frangart zu beobachten,,, merkte nicht ohne\nKummer, daß dieser auch ihm gegenüber den Ton\nkalter Höflichkeit niemals verließ. ~Euer Hochr-\nwürden haben eine beschwerliche Fahrt gehabt\".\n„Euer Hochwürden belieben . . . .\" „Euer Hoch-\nwürden wollen verzeihen, dae ich schon gute Nacht\nsage. . . .\" Und er empfahl sich, ohne irgend etwas\nanders als Formeln gesprochen zu haben.\n,i,Auch ich werde gleich gehen\", sagte Bona-\nventura. „Die Rücksicht auf Ihr Befinden verlangt\nes\". Die Baronin antwortete nicht, sie machte nur\neine leichte, verneinende Bewegung mit der Hand;\nEs entstand ein langes Stillschweigen. Da\nbegegneten sich ihre Blicke und ließen nicht mehr\nvoneinander. Aber sie schwiegen ....\nPater Bonaventura ergriff die Handl der Ba-\nronin. .„Sehen Sie, Baronin, ich könnte . . Viel-\nleicht, daß der heilige Vater in Rom . . . Ich könnte\nwenigstens den Versuch machen . . Vielleicht, daß\nman einen Grund findet, meine Weihe ungültig zu\nerklären . . Vielleicht . . Oder aus großer Güte . .\"\nEin abgründliches Schweigen wurde von dem\nzitternden Schein der Kerzen beleuchtet. Da öff-\nnete sich die Tür, und in langem, weißem,, seide-\nnem Nachthemd, das die grazile Schönheit schlan-\nker Formen durchscheinen ließ, trat Fritz Frangart\nmit geschlossenen Augen ein. Die Bronzefarbe des\nGesichts, die langen langen Wimpern und das ge-\nlockte schwarze Haar kontrastierten seltsam mit\ndem glänzenden Weiß des Hemdes.\nDie Baronin wollte aufschreien,, aber Bonaven-\ntura legte ihr leis die Hand auf den Mund. ~Laßt\nihn, Baronin\", flüsterte er,,, „laßt ihn!\" Fritz Fran-\ngart setzte sich mit überschlagenen Beinen auf\neinen Stuhl . . . „Aber warum liest Herr Mieville\nden Brief nicht selbst\", fragte er und neigte, wie\nin Erwartung der Antwort, den Kopf vor . . . „Aber\nist das nicht indiskret?\" begann er nach einigen\nSekunden .... Nun hob er die Hände, als ob sie\nirgend etwas hielten,, und las zögernd: „Lieber\nFreund Mieville-Bonaventura, ich werde vielleicht\nmorgen schon: tot sein. Es ist meine letzte Pflicht,\nDich zu warnen. Bevor Du irgend etwas unter-\nnimmst, frage den alten Choiseul, jwas er von\nDeiner Herkunft weiß. Als Ihr,, Komtesse Riom\nund Du, einmal am Fenster standet und ich mit dem\nMar.uis bei seinem schwersten Bordeaux saß, fing\ner an zu plappern und fraget mich lächelnd: „Sehen\nsie nicht aus wie zwei Geschwister?4 Als ich ihn\nausfragen wollte,,, war er plötzlich nüchtern ge-\nworden.\nNimm Dich in acht, Mieville! Choiseul war\nkeiner, der zufällige Vergleiche gebraucht hätte!\nNa, Du bist ja im Kloster. Leb wohl!\nDein alter\nFrangart\"\nFritz Frangart schwieg. ~Ja\", begann er schließlich,\n„das ist auch merkwürdig, Pater Bonaventura sieht\naus wie mein älterer Bruder. Er könnte sogar\nmein Vater sein ♦. . Und Maman sieht er sehr\nähnlich\".\nVon da ab sprach er nichts mehr. Er lehnte\nsich in den Stuhl zurück wie in die Kissen eines\nBettes. Sein Atem ging vollkommen gleichmäßig.\nNach einer Weile starren Wartens erhob sich\nBonaventura auf den Fußspitzen, um kein Geräusch\nzu verursachen; die Baronin öffnete bedachtsam\ndie Türe und ging voran. Bonaventura hob den\nKnaben vorsichtig auf seine Arme und folgte ihr.\nDurch das leichte Hemd1 fühlte er, wie das Blut in\ndem kleinen, schmächtigen und zierlichen Körper"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.5", "texte": "kreiste. Er legte den jungen Baron in sein Bett und\nbedeckte ihn, Dann verließen sie auf den Fu&*\nspitzen das Gemach.\nIm andern Zimmer aber weinten sie mitein*\nander. Und dann wieder wurden ihre Augen heiß\nund trocken; sie konnten' nicht mehr weinen. Ihre\nResignation bueitete |si|ch schweigsam über den\nRaum, wie die Grabesstille sich über den Friedhof\nbreitet, wenn gar keine Luft mehr weht und die\nZypressen erstarren. Der Schrei der Sehnsucht\nwar erstarrt .. . Einem Schatten gleich schritt\nPater Bonaventura den Berg hinunter, durch die\nhohe, tiefblaue Nacht, unter dem südlich hellen\nLicht ihrer Sterne . . . ,\nUnten holte er seinen Kutscher aus der Sehen*\nke; aber er sah, daß dieser schon zu betrunken\nwar, um »ihn heimzubringen. Indteß waren die\nWirtsleute lieb zu Bonaventura und gaben ihrem\neignen Sohn den Auftrag,,, den fremden Herrn nach\nBozen zu bringen. Der Kutscher aber rutschte vom\nStuhl unter den Tisch undl lallte: ~Ja, ja, so, so,\nalso .... Adieu ... !\".\nDer Wagen rollte einsam zurück ....\nDie Bestattung\n|Pater Bonaventura, der die ganze Nacht kein\nAuge zugetan undi auf den Knieen liegend sein Ge-\nlübde der Entsagung und Enthaltung erneuert hat>\nte, las schon früh fünf Uhr seine Messe. Kein\nMensch war noch in der uralten Pfarrkirche von\nBozen, und er stand allein vor seinem Schmerz und\nseinem Gott.\nGegen zehn Uhr brachte ihn der Wagen nach\nFrangart. Der junge Baron war ihm langsaml ent=\ngegengegangen. Er bestellte ihm Grüße von seiner\nMutter, mit der Nachricht, 'daß sie ihn, infolge\ngroßer Herzbeschwerden njicht mehr, empfangen\nkönne; daß ein Telegramm des alten Choiseul ge>-\nkommen sei, in dem er die Baronin bitte, nach\nRiom oder Choiseul heimzukommen; er sei etwas\nleidend, sonst würde er) sie selbst abholen; daß\ndie Baronin ablehnend geantwortet habe, sie fühle\nsich außerstande, eine so weite Reise zu unter*\nnehmen, endlich aber, daß die Mutter und er, der\njunge Baron beratschlagt hätten, ob er nicht auf\neinige Jahre eine Schule etwa dias Collegium der\npatres in Chamfort,, besuchen solle. Bei diesen\nWorten lächelte Fritz Frangart sehr höflich, wäh=\nrend ihm Bonaventura innig die Hand drückte.\nSo gingen sie vor der 'Kirche auf und ab. Die Be-\nerdigung war auf elf Uhr festgesetzt,jedoch hatte\nman die Zeit nicht öffentlich bekannt gegeben; was\nsich aus den auffälligen Umständen des Todes Ba-\nron Frangarts erklärte. Man; wollte, zumal die\nGrablegung in der einfachsten Form vor sich gehen\nsollte, das Zusammenströmen der Leute und die\nBildung loser Gerüchte vermeiden... Es wurden\nnur einige Wiener Offiziere erwartet. Diese ka*\nmen dann au ah in schärfster Fahrt genau zur be-\nstimmten Zeit an.. Baron Fritz Frangart nahm in\naller Ruhe ihre Karten entgegen, stellte sich vor\nund machte auch Pater Bonaventura mit den Her-\nren bekannt. Dann übergab er die Karten einer\nherbeigeeilten Bedienerin, damit sie sie seiner Mut-\nter zustelle, welche er nun ein zweites Mal ent-\nschuldigte: die Baronin könne wegen ihres Herz-\nleidens niemand empfangen; wollten: aber die Her-\nren mit ihm vorlieb nehmen, so bäte er sie, nach\nder Feierlichkeit eine Viertelstunde ins Schloß zu\nkommen. Die Offiziere ihrerseits, welche über die\ngrazile Schönheit des Knaben nicht minder\nerstaunt waren, wie über seine frühe Sicher-\nheit und Beiie rrscliung, lehnten dankend1 ab,\nindem sie erklärten, den allernächsten Zug nach\nWien zurücknehmen zu müssen. Alle zusammen\nstiegen die Treppe zu dem geöffneten (Portal empor;\ndem Beispiel des vorangehenden Knaben folgend,\nverneigten sie sich tief vor dem Sarg, der nur ei-\nnen einzigen,, mit blutroten Rosen gewundenen*\nKranz trug. Der älteste der Offiziere trat an den\nSarg, verneigte sich wiederholt und legte den mit-\ngebrachten Kranz des Regiments wortlos darauf\nnieder. Der Geistliche kam eben mit zwei Minis-\ntranten und vier Sargträgern aus der Sakristei.\nEr bespritzte die Bahre mit Weihwasser und sprach\ndie rituellen Worte der Aussegnung. Die Träger\ntraten an den Sarg, nahmen ihn sorgsam auf die\nSchultern und trugen ihn hinaus. Der Geistliche\nfolgte. Hinter ihm schritt mit über die Brust ge-\nkreuzten Armen, starren Blickes, und ohne äuße-\nres Anzeichen der Bewegung in seinen scharfge-\nschnittenen Zügen, der junge Baron. Alle Augen\nhingen an ihm,, an seinem edlen, gleichmäßigen\nGang, an der vollkommenen Harmonie seiner kind-\nlichen Gestalt. Bald standen sie alle am geöffneten\nFamiliengrab derer von Frangart, das dicht an die\nKirdhenmauer gebaut war .....\nIn diesem Augenblick, eben als der Sarg nie-\ndergesetzt wurde, hörte man die Schritte zahlrei-\ncher, eilig ankommender Menschen, Es waren die\nBauern aus der Umgebung, schlanke kleine Leute,\nmit braungeglühten Gesichtern und kühnen neu-\ngierig-teilnehmenden Augen Man hatte die Offi-\nziere fahren gesehen, die Zeit des Begräbnisses\nerraten und sich in größteit Eile feiertäglich\nangezogen. Es war rührend zu sehen, wie sie als\nsie in die Nähe des Grabes gekommen waren, ihre\nSchritte dämpften und den vom schnellen Laufen\nhochgehenden Atem anhielten. Fast allesamt tru-\ngen Büschel von Feldblumen, die sie verlegen in\nden arbeitsrauhen Händen emporhoben.\nfhr Kommen hatte eine kurze Unerbrechung\nverursacht. Dann aber begann der Geistliche die\nvorgeschriebnen lateinische Gebete und führte sie\nmit langsamer ausdrucksvoller Betonung zu Ende.\nEr nahm den Weihwedel und bespritzte den Sarg,\nden die Träger ängstlsich in die Tiefe glei-\nten ließen, nochmals mit dem gesegneten Wal-\nser. Schließlich ergriff er die Sd/haufel, stach\nkaum ein Klümpchen Erde damit aus und\nwarf es in das Grab. Mit einer schüch-\nternen besorgten Bewegung reichte er die Schaufel\njetzt dem Knaben,\nFritz Frangart trat einen Schritt vor. In die-\nsem Augenblick breitete eben die hohe Sonne ihre\nfreien dunstvollen Strahlen mit gelassener Heiter*\nkeit über das offene Grab und über die zierliche,\nin schwarzen Samt gekleidete Gestalt des jungen\nBarons. Der glänzende Stoff flimmerte. Die Strahn\nlen übergössen das bronzefarbene schmale Gesicht\nund brachen sich an dem seidenweichen Haar und\nan den langen langen Wimpern ....\nFritz Frangart stach mit der Schaufel in die\nErde undi füllte sie langsam; mit strenger, wie ab-\ngemessener Bewegung führte er sie an den Rand\ndes Grabes, Er ließ sie sinken, und mit lautem un-\nheimlichen Poltern schlugen die Erdklumpen auf\ndem Sarg auf. Da schien es den Anwesenden, die\nihm atemlos zugesehen hatten, als ob die weichen\nvornehmen Linien seines liebenswürdigen schlan-\nken Körpers ein innerliches Zittern durchlief. Eilig\nund mit leiser Bewegung wollten Bonaventura und\ndie Offiziere auf ihn zutreten. Aber schon war er\nwieder ruhig geworden. Nur einen Augenblick\nsenkten und öffneten sich noch die, langen langen\nWimpern über den trocknen dunkeln Augen. So\nstand er da, mit unbewußtem unvergleichlichem\nStolz, von der heißen verzehrenden Stralhlenflut\nder Mittagsonne Übergossen\nAlle schluchzten laut. Erschüttert gab einer\ndem andern den Spaten. Die Offiziere drückten\ndem jungen Baron die Hand. Die Bauern küßten\nsie ehrfürchtig, nachdem sie mit linkischem schüch-\nternen Arm ihre Blumenbüschel ins Grab geworfen\nhatten.\nPater Bonaventura aber weinte unaufhörlich.\nDie Tränen, die seine gütigen Augen füllten, glitzer-\nten im Sonnenlicht. Mit bebender Hand segnete\ner immer wieder die letzte Stätte seines heimge-\ngangenen Freundes und stammelte: „. . . und das\newige Licht, das ewige Licht leuchte ihm!\" . . .\"\nMit heißen Augen sah die Baronin Frangart,\nan ein Fenster des Schlosses gelehnt, blaß und\nzart, gleich einem Schatten und Hauch aus einer\nandern Welt, der Grablegung zu.\n\nFortsetzung folgt\n\nRheinhafen\nVier Szenen von Paul Zech\n\nFrühmorgens\nHat der mörderische Naahtwind ausgetobt,\nreihn sich rundgewölbte Fenster wie Korallen\nflußlängsauf. Und schrille Dampferpfiffe fallen\nin das Sanktur, das ein Glöcklein zaghaft probt.\nEin paar Kähne schaukeln durch das Schleusentor.\nAuf den Quais rangieren die Gemüsewagen.\nHändler feilschen herzhaft. Und ein goldbelitzter\nKragen\nfuchtelt würdig mit dem dünnen Pfefferrohr.\nUnterm Brückenpfeiler wo die Flut sich staut,\nläßt der Angler das Geschnür der Rute spielen\nund beäugt verzweifelt den halbleeren Tiegel.\nIn den Speichern knarrn und knirschen alle Riegel\nUnd der Kuli spuckt erst bräunlich in die Schwielen\neh' er sich in den geschwärzten Bauch des Damp-\nfers traut.\nMittwochs Nachmittags\nEin behelmter Unteroffizier und dreizehn Mann,\nweißverwaschnen Drillich ufrn robuste Glieder,\nschielen lüstern nach dem straffgesteiften Mieder\njener Amme mit dem Kinde rzwiegespann.\nWimpel blähn sich schwarzweißrot ums Schiffer-\nhaus.\nBooterwartend steht ein Gent mit Sommerpocken\nan der Fähre, und sein Schatz trägt falsche Locken\nund im Gürtel einen Groschensveilchensrauß.\nUnd ein heller Wind der drüben auf dem andern\nUfer die Terrassen kühler Bierlokale\nfrech behorchte, summt so was von Tanzmusik.\nAuf der Flußallee jedoch verdaun im Wandern\nzwei beleibte Spießer fette Mittagsmahle\nund die äußere Politik. '\nRegnerischer Abend\nSchlanke Dampfer und1 ein halbentleerter Kohlenkahn\nschaukeln an den Ankerketten auf und nieder.\nFlacher Himmel senkt die schwerbewölkten Lider\ntief herab und schwärzt die breite Wasserbahn.\nEin paar Bordlaternen blühn am Quai\nwie verwaiste Rosen zwischen Gräbermale.\nEine Dirne, lauernd unter dem Laternenpfahle,\nstößt den Atem aus wie bläulich Dampf gebläh.\nFröstelnd stolpern Matrosen aus dem Schiff;\neiner bläst die Mundharmonika, ein zweiter\nbietet sich der Kleinen dar als Heimgeleiter.\nUnd vom Fährhaus bis zur nächsten Schnapsdestille\nschiebt sich hin- und hergerudert eine Zille ....\nDoch der Regen überrauscht den Bootsmannspfiff."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.6", "texte": "Wilhelm Morgner: Fressende: Holzarbeiter"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.7", "texte": "Tanz in der Matrosenschenke\nIn dem verqualmten Tanzlokal am untern Hafen\nquietscht melancholisch eine Ziehharmonika.\nTrompete singt dazu ein blechernes Trr-aa-trr-aa\nund rings drehn sich die Paare die zum Tanz zu*\nsammentrafen:\nDa preßt sich lüstern der Javaner an die kleine\ngeschminkte Esther aus der Judenkolonie.\nMynheer van Delft k.ßt frech die däniscihe Marie\nund Jack das Negerlein beäugt Luisens Beine.\nDie Musikanten spielen, einen Walzer mit Gefühl.\nBetäubend steigt Geneverduft von allen Tischen\nund schon wirds manchen Tänzerinnen viel zu\ni\nschwül.\nSie streifen hastig die koketten Tücher von dem\nNacken\nund zerren die Tänzer in die weinbelaubten Nischen:\nOh tolles Liebesspiel! Oh kühles Goldbepacken!\n\nBab, der Lyrikfinder\nH. W.\nIch habe zu früh auf den tausendarmigen Dä-\nmon Theater gewartet, der den Herrn Julius Bab\n•verschlingen sollte. Herr Bab befindet sich noch\nimmer im Theatrum lyricum der Gegenwart. Er\nhat sogar jetzt die neuen Lyriker gefunden. Der\neine ist Alfons Paquet. Er schrieb einen Band\n„der den charakteristischen Titel ~Auf Erden\"\nführt\", sagt Bab. Weiterhin sagt Bab, daß Paquet\nein Weltfahrer ist und das Lebern aller Erdteile und\nKulturen vor uns hinbreitet. In lyrischen Gedich-\ntet Weiterhin sagt Bab, daß Paquet „von den\nriesigen Strömen und den Urwäldern Amerikas\nund der donnernden Arbeit der Weltwerkstätten\nNew York und London erzählt\". In lyrischen Ge-\ndichten. Und außerdem;,, nicht damit genug, preist\ner im ergriffenen Zug, nicht nach New York und\nLondon, sondern ,»im ergriffenen Zug seiner un-\nendlich hinströmendien Rede den schöpferischen\nGeist der Erde\", sagt Bab. Den namenlosen Geist,\nder aus dem Strudel alles Lebendigen immer neue\nOrdnungen gebiert, sagt Bab. Und Paquet dichtet\nim ergriffenen hinströmenden Zug so:\nDes Glaubens alte Formen haben wir\nmit zärtlicher Entsagung hingegeben.\nEs sprießen kühn und zart\nzu hoher Art\ndes neuen Glaubens Helden in das Leben\nund folgen dir und siegen, tief bereit\nihr Haupt zu beugen der Barmherzigkeit.\nDer Zug ist ergriffen, die Rede strömt und die\nHelden sprießen. Was bleibt übrig, als das Haupt\nder Barmherzigkeit zu beugen. Nachdem Herr Bab\ndieses Gedicht abgedruckt hat,,, fällt ihm bei seinem\nneuen Lyriker auf„ daß er ,„nur die allgemeine Er-\nschütterung durch das neue Lebensgefühl aus-\ndrücke. Wir lernen die ganze Erde kennen,\naber wir werden nirgends auf ihr heimisch\". Der\nHerr Bab ist so auf die Lyrik versessen, daß er\nauf ihr die ganze Erde kennen lernt, ohne vom\nStuhl aufzustehen. Nur läßt ihm Paquet nicht in\nden riesigen Strömen und in den Urwäldern Ame-\nrikas heimisch werden. Herr Bab findet Paquet\n~nicht nur stofflich, sondern auch gefühlsmäßig un-\nendlich viel reicher, als jene snobistischen Jüng-\nlinge, die ihre Großstadtnerven 'gierig belauern\".\nDieser Satz findet das künstlerische Unvermögen\ndes Herrn Bab. Er fühlt sich durch! die Urwälder\nAmerikas stofflidhi bereichert, spart die Reise. Das\nCafe erlebt er für fünfunddreißig Pfennige mit\nTrinkgeld allein, ohne ~snobistische Jünglinge\".\nHerr Bab entdeckt in Amerika das neue Lebens-\ngefühl. Amerika ist entdeckt. Dieser neueste Co-\nlurnbus hat nicht das Recht, sein Ei an den Köpfen-\nder „snobistischen Jünglinge\" zu zerschlagen.\nSchade, daß ihre Lyrik nicht so gut ist, wie ihr\nLebensgefühl. Aber mit dem Lebensgefühl, dem\nneueni oder alten, kann in der Kunst nie etwas er-\nreicht werden. Der zweite Lyriker des Herrn Bab\nist Wilhelm Schmidt-Bonn. Die Anerkennung Babs\ngenügt,, zu! wissen, daß Schmidt-Bonn kein Lyriker\nist. Schmidt-Bonn) rediet. Er besitzt sogar ein lei\"\nses Gefühl für Rhythmus. Das einzige, was unter\ngroßem Vorbehalt anzuerkennen wäre. Und die-\nses Einzige findet Herr Bab natürlich schlecht. Er\nvermißt natürlich ~den Mangel strophischer und\nreimmäßiger Bindung\". Ein Gedicht ist, was sich\nreimt. Das mußte uns, uns, endlich Herr Bab leh-\nren. Aber Herr Bab hat nocih zwei neue Lyriker\nunter der Brille. ~Zum Schluß unserer „Wande\"\nrung durch die neuerwachte deutsche Lyrik . /\nWie mag sich die deutsche Lyrik gefühlt haben, als\nHerr Bab nach ihrem langen Schlaf durch und durch\ndurch sie hindurchwanderte. Herr Bab ist nun ein-\nmal für die Wege. Deshalb wirkt auf ihn schon der\nTitel Wanderschaft sympathisch. Sein Verfasser\nheißt Oskar Loerke. Auch Loerke, sagt Bab„, wan\"\ndert wie Paquet. Er führt Herrn Bab sogar nach deii\nTerrassen von St. Cloud. Loerke, sagt Bab, schreibt:\n„schöne und zumeist schon sinnvoll gerundete Ge\"\ndichte\". Nur ist Loerke „noch nicht zu seiner\neigenen freien Form durchgedrungen44. Er muß\nalso noch mit Herrn Bab weitere Wege wandern.\nEin Gedicht besonders wirft Herrn Bab ganz aus\nseinem Häuschen. „Aber das ganze Gedicht\nschwimmt in einer wohlbekannten weichen\nMusik, gibt mit seinen jämbisch regelmäßigen\ngereimten Zweizeilern einen !T ak t, der mehr der\nexotischen Sit u a tio n die quasi als Staf-\nfage im Bilde steht,, gerecht wird,, als\ndem neuen und für das neue Leben wirklich sehr\nbedeutsamen Bilde selbst\".\nHerr Bab hat sich total vertont. Der Takt wird\nder erotischen Situation gerecht, und die Situation\nsteht quasi als Staffage im Bilde. Da muß wirk-\nlich selbst die weicheste Musik davonschwimmen.\nUnd nun kommt Herr Bab zu seiner großen Liebe,\nzu dem guten dicken naturfrischen Ernst Lissauer.\nWährend die übrigen neuen Lyriker Herrn Bab\ndas Reisen ersetzen, ersetzt Ernst Lissauer ihm\ndie ganze Natur. Lissauer beackert schon seit\nJahren die Erde, aber sein Weizen; will nicht recht\nblühen. Er kam daher auf die fruchtbare Idee, ein\nGedichtband Der Strom zu schreiben. Aber auch\ndieses Wasser reicht nicht aus. Nur Herr Bab\nwird davon; überschwemmt. Und dter Einf 1u ß\nKonrad Ferdinand Meyers auch, sagt Herr Bab.\nDen hat Lissauer „in der Entwicklung zu seinem\nneuesten Bande aufs glücklichste überwunden\".\nUeberschwommen wäre richtiger. Aber trotz dem\nUeberschwimmen bleibt Ernst Lissauer ver-\nschwommen, wie er war. Auch Lissauer wandert,\nnämlich zu einem Ziel. Jedoch ~mit strenger Ge-\nsetzmäßigkeit, die ihn über all die anderen jungen\nLyriker von Talent erhebt.\" Lissauer fliegt auf\nden Wegen zur Lyrik. Und wo er überall seinen\nStoff nimmt! Zum Fliegen „Von den Balkons\nin der Vorstadt oder von den Zeigern der\nUhr, ob er im feierlichen Hymnus Haus und Ehe\nsegnet (gesegnetes Haus, gesegnete Ehe) ob er\ndas Bild großer Tonkünstler entstehen läßt, immer\nsind seine Gedichte Bekenntnisse des neuen Glau-\nbens\". Man sieht, daß Herr Bab auf dem Acker\nvon Ernst Lissauer in die Höhe sprießt, wie die\nHelden jenes Paquet, zu weicher Musik in einer\nerotischen Situation, diie quasi als Staffage im\nBilde steht. So zum Beispiel:\nStuben an Stuben, langhin aneinandergestaut,\nStockwerk auf Stockwerk getürmt, Wolken und\nM' Sterne verbaut,\nWeithin Steine und Asphalt — >\nGedankenstrich\nWeiftin Steine und Asphalt —\nWächst irgendwo Weizen und WTald?\nIrgendwo schon. Man muß etwas für den Wei-\nzen tun. Und wenn, er auf der Straße nicjht\nwill, muß man sie immer weiter entlang gehen,\nwie der Ernst Lissauer aus seinen eigenen Ge-\ndichten weiß. Man kommt wenigstens zum Wald.\nDenn:\nStraße, du Strom, breitrollend in Schotter und\nSand.\nWeiter im grauen Glanz fließest du weit ins Land\nUferhiri wechseln dir Wiese und Fels, Weinhang\nund Hof, Buchenwald und Kapelle;\nImmer im gleichen Maß, windunbewegt, treibst\ndu die erdene Welle.\nEin Gedicht, denn es reimt sich. Und der Bu-\nchenwald ist erreicht.\nDieser Lissauer „ist die größte Hoffnung der\njüngsten deutschen Lyrik\". Ich kann dem guten\nVater Bab verraten, daß es eine Fehlgeburt wird.\n\nDie „Wilden\" Rußlands\nVon D. Burljuk\nAber außer dieser sind noch andere traurigfc\nSeiten der russischen Malerei festzustellen. Die\nfrüheren Führer — die Künstler der Kunstwelt sirui\nallmählich zur Todesruhe des „Bundes\" angelangt,\nwelcher schließlich bis zum Niveau der „Wanderer\"\nsank. (Es ist bekannt,, daß „Wanderer\" heute als\nSchimpfwort gebraucht wird. Die Blütezeit deii\nzweiten russichen Sezession waren die 80—90er\nJahre des neunzehnten Jahrhunderts, Um die Zeit-\nschrift ~Die Kunstwelt\" gruppieren sich die radika-\nlen Künstler der genannten Zeit, welche „Deka-\ndente\" genannt wurden. Die in Deutschland be-\nkannteren Künstler dieser Generation sind Somoff\nund; Sjeroff. Der frühere Redakteur der „Kunst-\nweit\", Djagileff, veranstaltete 1906 im Pariser Sa-\nlon d automme eine große russische Ausstellung,\nwo als Hauptvertreter die Künstler der erwähnten\nRichtung fungieren.: Auf der Rückreise hat diese\nAusstellung in Berlin Station gemacht, wobei den\ngrößten Eindruck Somoff hinterlies. Als die Zeit-\nschrift endete, entstand der „Bund russischer Kün-\nstler\", welcher den ~Deutschen Künstlerbund\" im\nallgemeinen sehr ähnlich ist. Die erste russiche\nSezession fing in den siebziger Jahren an. Es\nwar die Blütezeit des russischen Realismus. Die\ngroße Vereinigung veranstaltete jedes Jahr eine\ngroße Wanderausstellung, wonach auch diese Kün-\nstler „die Wanderer\" genannt wurden. Eine deii\nHauptvertreter dieser Richtung ist Ilja Riepin).\nIn den neunziger Jahren mokierte sich Rjepin\nsogar über Puvis de Chavanne und Degas, die üns\nheute zuckersüß erscheinen, in diesem Punkte\nwar die „Kunstwelt\" noch vollkommen liberal und\nreproduzierte eifrig die französischen Impressionl=\nsten, die ich Intimisten nennen möchte, und welche\nVertreter der süßen, prinzipienlosen Kunst sind,\nder Kunst, welche ziemlich den Boden verlor und\nnicht weiter als zum Begriff des äußerlich Schönen\nund der Harmonie der Flecken kam. Diese Schwär-\nmerei vor der französischen Kunst bekam aber ein\nplötzliches Ende, nachdem auch in Rußland eine\nder neuen französischen Malerei parallele Richtung\n-\nentstand, das heißt in den feineren, reineren, talent\"\nvolleren Seelen eine göttliche Lebensflamme em-\nporstieg und eine mehr bewußte Beziehung zur\nKunst* Da entstand um dieses Licht herum ein\n\nSchluß"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.8", "texte": "unglaublicher Spektakel —- die reinste Walpurgis-\nnacht. Hier vereinigten sich mit den ~Akademikern\"\nauch die Elemente, die früher der Akademie wenige\nstens äußerlich Opposition, bildeten. (Der. aka«-\ndemische Kanon: „Werte4', Koloristik, der Glauben\nan die ~reale\", „richtige\" Zeichnung, an den „har-\nmonischen\" Ton (diese Teile des Gesetzes verwer-\nfen manche, die aber das Weitere dioch als heilig\nbetrachten) Konstruktion, Proportion, Symmetri,\nPerspektive, Anatomie (das Verwerfen dieser Prin-\nzipien ist das allerwesentliehste, das allererste, das\nallerbezeichnendste — nicht umsonst haben sogar\nCezanne und van Gogh, wenn auch nur einen ent-\nfernten Wink, auf die Notwendigkeit der Befreiung\nvon diesem Sklaventum gemacht! Dieser Spek-\ntakel war bestimmt hien und dort ein Lärm, wel-\ncher manche unbequeme Frage (bei den dünnhäu-\ntigen) übertönte. ~Habe ich denn auch Recht? Soll\nman, denn so dem Apollo dienen, wie ich es tue?\nIst es wirklich irt Ordnung, wenn ich von Jahr zu\nJahr immer dieselben Bilder male und niur ihre\nNamen ändere?\" Jetzt wird das Spiel offen ge-\nspielt\nDie Sache ist soweit gekommen, soweit hinten\nist die russische Kunst geblieben, daß zum Beispiel\nMujther von dieser Kunst überhaupt keine Notiz\nnahm. (Was Benois wieder „gut\" machte.\nDer russischen Ausgabe der Muther'schen Kunst-\ngeschichte wurde ein von Benois geschriebener\nExtraband beigegeben, welcher die russische Kunst\nbehandelt, wobei der Kreis der >,Kunstwelt\" den\nHauptplatz erhält). Sogar Maurice Denis trotz sei*\nnem Takt und trotz seinen mehr als bescheidenen\nForderungen lächelte ziemlich schief, als ihm die\nrussischen Kunstprodukte gezeigt wurden.\nDie Anhänger der akademischen „Kunst\", für\nwelche das freie Suchen nach dem Schönen nichts\nwie ~Fratzenschneiden\" ist, für welche das patrio-\ntische Gedeihen der „echten\" russischen Kunst na-\ntürlich die beste Gelegenheit bieten würde, mit ih-\nren talentlosen .„Werken\" Handel zu treiben —\ndiese Elemente bilden den richtigen Albdruck der\nKunst, ihren Tod. Ein Teil dieser Elemente, wel-\ncher ganz offen die Zähne zeigt, und mit Würde\nsein Fell trägt, ist nicht der Gefährlichste. Wirklich\nschlimm ist der andere Teil. Die mit Schafsfellen\nmaskierten Wölfa O, diese falschen Schäfchen!\nSie sind die echte Gefahr und es heißt —- Obacht\ngeben!\nDas sind die wirklichen Feinde der neuen\nKunst, welche glücklicherweise in Rußland! exi=\nstiert und welcher andiere Prinzipien zu Grunde\nliegen.\nIhre Vertreter Larionoff, P. Kuznezoff, Sarjan,\nDenissow, Kantschalowsky, Maschkoff, Frau Gont\"\nscharow, von Wisen, W. und D. Burljuk, Knabe,\nJakulow und die im Auslande lebenden Scherebzo-\nwa (Paris) Kandinsky, Werefkina, Jawlensky (Mün=\nchen) haben gleich den großen französischen Mei-\nstern zum Beispiel Cezanne, van Gogh, Picasso,,\nDerain, Le Fauconnier, teilweise Matisse und Rou-\nßeau) neue Prinzipien des Schönen,\neine neue S;chönheitsd*efinition in ihren Werrken\noffenbart.\nDie Feinde dieser Kunst sollen sich nur vor\nLachen krümmen. Es sollen auch die verkleideten\nSchäfchen uns ihr Wohlwollen aussprechen, wel-\nches sie ebenso gern einem,,, Kunstweltler\" schen-\nken.\nEs bleibt ihnen nichts mehr übrig.\nUm die Werke der genannten Künstler zu ver-\nstehen, muß man gründlich den akademischen Kram\nüber Bord werfen. Das Gefühl muß gesäubert\nwerden, was den Menschen, welche in allerhand\nschönen „Kenntnissen\" stecken, nicht so leicht ist.\nImmer dasselbe alte Lied! Auch die größten\nZeichner des neunzehnten Jahrhunderts — Cezan-\nne, van Gogh — mußten dieses Lied hören. Unsere\n„sezessionistischen\" Maler sind ja bis heute über-\nzeugt, daß Cezanne kein übler Künstler war, wel-\nchem es aber hauptsächlich an der Zeichnung man-\ngelte.\nDas neuentdeckte Gesetz aller der obengenann-\nten Künstler ist aber nur eine aufrecht gestellte\nTradition deren Ursprung wir in1 den Werken der\n~barbarischen\" Kunst sehen. Der Aegypter, Assyn*\ner, Skythen usw. Diese wiedergefundene Tra-\ndition ist das Schwert, welches die Ketten des\nkonventionellen Akademismus zerschlug und die\nKunst freigab, sodaß sie in der Farbe und in der\nZeichnung (Form) aus der Dunkelheit des Sklaven*\ntums sich auf den Weg des hellen Frühjahrs und\nder Freiheit stellen konnte.\nDas was erst in Cezanne, dem „Schwerfälligen\",\nund dem krampfhaften van Gogh für djie\nschrift\" dieser Künstler gehalten wurde, ist eben\netwas größeres: es ist die Offenbarung der neuen\nWahrheiten und Wege.\nUnd diese sind:\n1. Die Verhältnisse des Bildes zu seinen\ngraphischen Elementen, die Verhältnisse des\nDargestellten zu den Elementen der Fläche (was\nwir als einen Wink schon in der ägyptischen „Pro\"\nfilmalerei\" sehen.)\n2. Das Gesetz der verschobenen Konstruktion\n— die neue Welt der Zeichnungskonstruktion! Das\ndamit verbundene\n3. Gesetz der freien Zeichnung — (HaupL\nVertreter — KanÜinsky, auch in den besten Wer-\nken von Denissow und besonders klar in den ,»Sor\ndaten\" von Larionoff zu sehen.)\n4. Die Anwendung mehrerer Standpunkte,\n(was in der Architektur als ein mechanisches Ge-\nsetz längst bekannt war)', das Vereinbaren der\nperspektivischen Darstellung mit der Grundfläche,\ndas heißt, Verwendung mehrerer Flächen (Jaku-\nlow — „Cafe chantant\").\n5. Die Behandlung der Flächen und ihre Über-\nschneidungen (Picasso, Braque, in Rußland —\nW. Burljuk).\n6. Das spektative Gleichgewicht, welches die\nmechanische Komposition ersetzt.\n7'.i Das Gesetz der farbigen Dissonanz l(M'asch\"\nkow, Kantschalowsky).\nDiese Prinzipien bieten unerschöpfliche Quel*\nlen der ewigen Schönheit. Hier kann jeder schöp-\nfen, wer Augen bekaim, die den, versteckten Sinn\nder Linien, der Farben sehen können. Das ruft,\nlockt und zieht den Menschen an.\nSo wurde definitiv das Band zerrissen,, welches\ndie Kunst durch allerhand Regeln an die Akademie\nfesselte: Konstruktion, Symmetrie (Anatomie) der\nProportionen, Perspektive undsoweiter — die\nRegeln, welcher jeder Talentlose schließlich leicht\nbeherrscht —, die malerische Küche der Kunst!\nAlle unsere Fach- und! Gelegenheitskritiker\nsollten die ersten sein, welche verstehen müßten,\ndaß es höchste Zeit ist, den dunklen Vorhang zu-\nrückzuschlagen und das Fenster der echten Kunst\nzu öffnen. ,\nAus dem Jahrbuch Der Blaue Reiter, das von W,\nKandinsky und Franz Marc herausgegeben nud bei R.\nPiper & Co. in München erschienen ist. Au! das Bueh\nmit seinen zahlreichen wertvollen Illustrationen sei nach-\ndrücklich hingewiesen.\n\nJungfräulichkeit und Prostitution\nVon Alfred Döblin\nDer Mensch, ein Organismus. Die Organe zum\nHausgebrauch,, Heimarbeit, siehe Leber, Niere; Pri-\nvatangelegenheit des Individuums. Oder nach\naußen gerichtet, als Quellen, Wurzeln, Münder,\nHände. In ihnen drückt sicih aus die Bindung:\nan die Umwelt, die andere Welt. Die Organe,\noft auf Vieles und Vielseitiges eingestellt; biswei-\nlen aber keusche Spezialistentätigkeit. Zwei Or-\ngane und Systeme auf -andere Menschen leibhaftig\ngerichtet: dies die Brüste der Frau und die\nGenitalien.\nIn den Genitalien der Hinweis auf den anderen\nMenschen. Genauer den 'andersgeschlechtlichen\nMenschen. Ihre Beziehung in einer Handlung er-\nschöpft, der Kongressus, der Beziehungsakt. Da-\nnach das Verhältnis beider Geschlechter von der\ngröbsten Eintönigkeit.\nAn sich allemal identisch, simpel, wird die Se-\nxualbeziehung vieldeutig durch die Vieldeutigkeit\nder Triebträger. [Programm: Aufzeichnung eben\ndieser Vieldeutigkeit.\nVorbemerkung. Nicht jedes Verhälnis zwi-\nschen Mann und Weib spezifisch, nicht jede Reak-\ntion des Mannes männlich, des Weibes weiblich.\nSiehe die ungeschlechtigen Wissenschaftstiere mit\nmännlichen und weiblichen Kleidern und Hüten.\nGrundaxiom: Jede spezifische Beziehung zwi-\nschen Mann und Weib gleich Prostitution. Dies, die\nOberrubrik für sämtliche Kategorien und Vieldeu-\ntigkeiten. Denn in den Genitalien Hinweis auf das\nandere Geschlecht,, nicht aber' auf den anderen\nMenschen. Begründung von Prostitution, der\nMangel des Zwanges zum bestimmten Objekt, das\nFehlen einer fatalistischen Bestimmung für ein se-\nxuelles Gegenüber, die Ziellosigkeit des Bezieh-\nun(gstr!iebes. Die naturgegebene Unbestimmtheit\nund ein naturgegebenes Dirnentum.\nAn der Schwelle Vorformen, Mißformen, Spott*\nformen der Sexualität. Die spotten durchweg der\nFortpflanzung. Etwa folgende Melodie wird ge-\npfiffen: Was geht uns der andere an? Was geht\nuns das andere Geschlecht an? Was geht uns der\nMensch an? Wo organischer Drang, jedoch nicht\nder Beziehungstrieb Typus des Masturbanten. Der\nMasturbant: Asozial,, Menschenverächter, Indivi-\ndualist, Solipist. Die Schlange, die sich selbst beißt*\nVielleicht ein Lobgepriesener des Buddhismus: denn\ner beendet den Kreis den Wiedergeburten. Wo\norganischer Drang, auch Beziehungstrieb, jedoch\nnicht zum anderen Geschlecht: Der Päderast, die\nLesbica, der Sodomit,, der Fetischist. Wo Organe,\njedtoch nicht e,nmal organischer Drang, da 'die Fri-\ngide; der tote Punkt der Sexualität. Von hier nur\nein Schritt zum Eunuchen.\nDiese Vor-Miß-und Spottformen tiefsinnig und\nsejhr belehrend. Denn,, sie lehren die Unabhängig-\nkeit der Triebe von einander und von den Organen,\nlösen die verflochtenen Bänder.\nDie Kokotte, die Geldprostituierte nicht die\nreine Einfleischung natürlichen Dirnentums, nicht\neinmal eine Addition1 aus Geld und Dirnentum.\nAuf dem Satze: Alles meßbar und vergleich-\nbar lebt Sozietät. Der Kaufmann als streng-\nster Sozialist sieht das Maß aller Dinge im Geld——\naber Sozietät und Kaufmann lehnen diese Bewer-\ntung für die Sexualität ab. 'Kopfschüttel der Ko-\ntette. „Pour quoi? Warum? Wieso? Wreshalb?\"\nWir sind doch keine Tiere, die sich fortpflanzen\npour le roi de Prusse, auch nicht Lebeweibcflien,\ndie sich in die Welt hineinämüsieren. Wer Talente\nhat, entwickelt sie, setzt sie in Markstücke um,\nbeziehungsweise etcetera. Die Kokotte, ein Pionier\ndes Sozialismus auf moralischem Brachland. Höchst\nmoralische Unterjochung des Tieres im Menschen,\nnoch mehr, übermoralisches Gelächter über die\nSexualität. Nämlich Sexualität ein Mittel, um sich\nhöchst minderwertige Dinge zu kaufen, als da sind\nBrillanten und Kartoffeln. Die Dienstbarmachung\nvon Naturgewalten feiert in der Kokotte einen Tri-\numph. Die Dirne treibt den Luxus eines barbari-\nschen Millardiärs: sie läßt Kräfte für sich arbeiten."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.9", "texte": "von der größten organischen Gewalt. Wozu der\nFabrikantenumweg über Wasserfälle, Dynamos,\nKilowatt? Sie liegt wie ein träger Hindu da, der\nBuddha — ach welcher Buddha? — die Feigen\nvom Baume schütteln muß. Die Erfindung der\nGeldprostitution unendlich tiefsinniger und wür-\ndevoller als die von Dampfmaschine und Telefon.\nCeterum. Kein Grund, die Geldprostution als\nBerufszweig zu diskreditieren. Preisgabe funktio-\nnierender Organe allgemein: miete die Hände\neines Schreibers, die Beine des Laufburschens, die\nGedanken oder die Gedankenlosigkeit des Journa-\nlisten, die Hirnrudimente des Akademikers. Also\npas de quoi.\nPersönlich erstaunlicher Typus. Die Kokotte\nhat Sexualorgane ohne Sexualität. Weiter: Den\nNullpunkt der Kälte übertmmüft sie mit dem Mi-\nnuszeichen. Die Sexualorjane sind Betriebswerk-\nzeuge. Die Kokotte, ein Impresario der Liebe.\nAsexuell schauspielert sie Sexualbziehungen. Sie,\nanscheinend mit vielen Beziehungen, hat keine. Sie\nist vollkommen einsam, wenn auch nicht verlas-\nsen. Ja, hier trägt die Einsamkeit Gebärde des\nLächelns und Bezauberns, und es entbehrt nicht\neines grausigen Humors, wenn sich die Tote hin-\nstellt, um die Lebendigen zum rauschenden Leben\neinzuladen.\nIn Seelengemeinschaft — Verzeihung der\nSeele —- mit der Kokotte andere ähnliche\nund unähnliche Typen. Grundbemerkung: Jedes\nAuffassen des Kongressus oder der Sexualorgane\nals Mittel, jedes nichtinstinktive nicht drangmäßige\nMessen beim Kongressus, bewußt oder unbewußt,\nmacht aus dem Kongressus einen Prostitutionsakt.\nTeleologie auch hier verpönt! Zum Beispiel: Die\nWarnung: nur mit dem sittlich berechtigten oder\nnur mit dem sozusagen Geliebten.\nBlindheitzwang der Gegensatz zum ko-\nkottenmäßigen Verhalten. Die spontane Geilheit\ncharakterisiert den Gegentyp. Unterstrichen spon-\ntane Geilheit, das heißt nicht „Liebe\", wörtlich\nLiebe in Gänsefüßchen, Liebe, eine Vielheit, Mixed\npikles, Ragout fin, von verschiedenen Mahlzeiten\nStehengebliebenes. Wie alles Zusammengesetzte\nleicht zerfallbar. Unbeständig. Faulbar. Dagegen!\nder spontane Drang einfach in) Stein gehauen. Un-\nbrechbar.\nDieser simple Grundbegriff eingefleischt im\nFaun. Der Faun bezieht sich reflektorisch auf se-\nxuelles Gegenüber. Beziehungen beginnen, enden\nmit dem organischen Drangt Das sexuelle Gegen-\nüber nichts als andersgeschlechtlicher Partner am\nKongressus. Bezeichnend für den Faun die Ge-\ndächtnislosigkeit, das hysterisch leichte Auslösen\nvon Handlungen, eine Willenlosigkeit. Der Faun\nReflexmensch, fast nur Funktion seiner Umgebung»\nentwickelt sich an ihr.\nWo ein abgegrenztes stolzgetragenes Ich mit\nso reflektorischer kalteri Sexualität reagiert»\nda die Amazone. Die Amazone gleichgültig,\nnicht verachtungsvoll zu dem Akt, über den;\nliinaus keine Beziehung zum Triebträger statthaft.\nUnbegreifliche, erschreckende, massive Erscheinung\nDer Faun ins Große stilisiert, potenziert da,\nwo triebartiges Reagieren bei sexuellem Charakter\nstatthat. Dort, wo Sexualität so üppig entwik-\nkelt ist, daß sie den Träger von Kopf bis zu den\nFüßen durchreckt. Don Juan.\nKeine Frage möglich!. „Was bedeutet ihm der\nKongressus?\" Er ganz jKongressus, sein Leben eine\neinzige große Sexualgebärde. Er völlig etwas am\nandern Geschlecht, das andere dieses andern;\nTräger der Spannung zwischen den Geschlechtern*\nDie Musik das Tonlose zwischen den Tönen. Don\nJuan die Melodie der Sexualität. Neben dem ple-\nbejischen Bruder, dem Faun mit den klappernden\nSchellen, schreitet der Hochmeister der Liebe.\nKeine, keine Inkarnation des Arttriebes. Schafft\nsich die überpersönliche, Geschlecht zu Geschlecht\"\nreißende Gewalt zu frisch persönlichem Triumpfe\num, rächt Individ an Art. Antinaturalist, Solipsist,\nNihilist: Bruder des Manustupranten. Für Myope:\nDon Juan hat nicht viele, sondern viel.\nDies physiologische Typen; Rückenmarkstypen.\nNun Risse, Speitungen, Hemmungen. Dominium\neines Willens contea Reflex: ein Ich protestiert ge-\ngen das Zufällige, Kommende, Genende, Improvi-\nsierende, Ueberwältigende.\nDer Bürger: mit unverholener Geringschätzung\ndes Sexuellen. Keine Zeit dafür; eine Art Schnup-\nfen, — nichts dagegen zu machen, nur Taschentuch\nVerbrauch. Sexualität Angelegenheit des Pars\nMaxim; Provinzialismus; Fremdennepperei. Bür-\nger sieht heterosexualles Vis-a-Vis nicht als solche5\n—, sondern als Mensch. Alle nämlich gleichbe-\nrechtigt, Erlaubnis zum Studium, alle Menschen\nwerdjeni — Akademiker. Immerhin: es ist ein?\nSpäßchen; man schmunzelt. Höchstens: Sexualität\nals Vorwand zur Familiengrüridung, Einheirat\nAlso Mittel zum; demnach Nähe zur Kokotte. Ge-\nschlechtlichkeit, Betriebsangelegenheit auf allen\nLinien.\nUnzweifelhaft, wenn auch verblüffend, hierher\ndie Demeter, das Mutterweib. Geschlechtlichkeit,\ngleich Umweg zum 'Kinderkriegen. Kalt; Mißbrauch\ndes Mannes, Mißbrauch der eigenen Sexualität. In\nZukunft Döderlein.\nDer Verführer. Lacht über seine Natur: Kon\"\ngressus nicht Kongressus Willen, sondern Partners\nWillen. Ihn interessiert das Willigwerden und\nVerderben spröder Seelen. Bewegung alles. Ziel\nnichts. Schluß mit der Bewegung, Schluß mit dem\nPartner. Ein Spaß auäh für ihn. Aber kein Schnup-\nfen; delikater, psychischer; cynischer. Raffinierte\nGenußzwecke, ä la Bartbinde, Roger und Gallet,\nManicure. Don Juan übrigens kein Verführer, son-\ndern Verführter, sondern nichts von beiden.\nAm tiefsten Entwürdigung der Geschlechtlich-\nkeit durch den Heiligen. Schärfster Typus des\nWillens,menschen. Statt des lächelnden Kopfschüt-\nteins des Bürgers, der sanften Abwendung der De-\nmeter, des cynischen Hohnlachens und Sichberau-\nschens der harte Fluch und Ne-\ngation.\nDie Willensgruppe, stolz, ergreifend: niemand\nder Mensch ist, geht kalt vorüber. (Pereat mundus,\nfiat — Ego. Dualistengruppe; Kämpfer oder Spie-\nler. Stets zerrissen an fond; Unfähigkeit zur Eini-\ngung. Einheitlich diese beiden: Faun im physiolo-\ngischen; die Kokotte auf dem Gipfel der Willens-\nreife mit dem Triumpfgeheul des Kaufmannes und\nder Politik der allen offenen Tür. Faun und Ko-\nkotte die vollkommenen Heiligen.\nDen Beseelten allen, die Sexualität Fremdkör-\nper, zum Mindesten Rohstoff. Ihr Stolz darin, das\nschwere Material nicht zu behauen, daran vorüber\nzu gehen. Das Tote soll tot bleiben; Sand bleibt\nin den Augen: Problem für Augenärzte. Die Be-\nseelten alle erleben Sexualität als Reflexakte. 810 ß,\nbloß, bloß als Reflexakte. Hier die Lücke und hier\nhinein der Hebel. Sexualität ihnen etwas Zwangs-\nartiges, nicht denj Willen Unterworfenes; id'ajier\nletzlich auch Willensmenschen nur Reflexmen-\nschen, Faune wider Willen. Hier die Lücke und\nhier hinein der Hebel: Wider den Willen.\nKorrektur des Ichbegriffs. Blödjheit des Zwistes.\nGehirn-Rückenmark, Pyramidenzellen Vorderforn-\nzellen. Einheit des Organismus, Ineinanderwuchs,\nnicht Durcheinanderwuchs. Führung und nicht\nSpaltung. Verfluchte Bestienzüchterei, Heiligen-\nzüchterei; in Permanenz Ideal des Fauns und\nder Kokotte.\n\nSchluß folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung\nHERWARTH WALDEN / BERLIN-HALENSEE\n\nBeachtenswerte Bücher\nAusführliche Besprechung: vorbehalten\nRücksendung findet in keinem Falle statt\nGOTTFRIED BENN\nMorgue und andere Gedichte\nVerlag A. R. Meyer / Berlin-Wilmersdorf\nDE WITTE MIER\nEine kleine Monatsschrift für Bücherfreunde\nunter Leitung von J. Greshoff.j In holländi-\nscher Sprache\nVerlag C. M. B. Dixon / Apeldoorn / Holland\nBOTHO GRAEF\nHodlers und Hofmanns Wandbilder in der UnL\nversität Jena\nVerlag Eugen Diederichs / Jena\nFRANCIS VIELe GRIFFIN\nLa Lumiere de Grece\nParis Editionsde la Nouvelle Reoue /\nMarcel Riviere et Cie\nPIERRE HAMP\nVieille Histoire\nContes ecrits dans le Nord\nParis / Editions de la Nouvelle Revue\nMarcel Riviere et Co\nSVEND BORBERG\nLiliths Bog\nKopenhagen / Gyldendals Forlag\nNICOLAS BEAUDUIN\nLes Poetes\nParis I E. Basset et Ct« / Editeurs\nJEAN BONNEROT\nProvince / Carnets de Vogoge\nMoulins [Allier] 112 Les Cahiers du Cenire\nAAGE VON KOHL\nDer Weg durch die Nacht / Roman\nVerlag Rütter und Loening / Frankfurt am Main\n\nNotiz\nFranz Marc stellte von dem Holzschnitt Ve r-\nsöhnung fünfzehn nuanmerierte un 4 signierte\nHanddrucke auf Japanpapier* her. Sie sind zum\nPreise von je vierzig Mark durch uns zu beziehen.\nVertag DER STURM\nDie Holzschnitte auf den Innenseiten jeder\nNummer sind von Mitgliedern der Neuen Sezession.\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nKonigin-Augusta-Strasse 51\njfegenuber der von-der-Heydt-Strawse\nSechste Ausstellung\nGemalde Plastiken Zeichnungen\nBelgische Kiinstier\nRyk Wouters\nJames Ensor\nGeofinet taglich von 10 Us 6 Uhr\nEintritt 1 Mark Dauerkarte 6 Mark"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120907-01.1.10", "texte": "KUNSTLERIXHE RAUME\n«\ni\n9\n* fall\nIiUQO\n19ft\nALBERT KOBLINSKX\nBERUN-BRUCKEN-ALLEE6\n\n(Sine 3Sod)cnjcferift\n(Degrircbef oon SaiUJflt\n£>rnm£<vfber«\n£üb©ia 2f)o®a •s>rrnwmn geffe\nSBierteljaljrlid) 13 ipeftc\npreis bes cinjclnen £)eftes 50 pf.\nim 2lbortnement:\nbnvi} o6er poftamter 6as Pierteljafyr 6 2Ttf?v\nbixdt unlet Kreujbanfc 6as Dterteljafyr:\nfur bas 3nlans 7 ZHF. 50 pf., fiir bas 21uslan5 8 ITlt. 50 pf.\nfarmer 3eitmto,r <ftr. 78 t>om 1. STprii 1912: 2Jtit bent foebett er*\n©eft IB befepegt ber „9J?ar§\" bag erfte Ouartat be§ laufen.\nDen Saljrganges. <££ jei mieberfjott auf biefc unabpngige nnb\nfcielfeitige Bodjenfdjrift aufmerffam gemad)t, bie in £>altung\nbie freie imb ftifd&e $tttnofysfire erfennen lagt mit bctn $en\n6en §audj, ber bon ben benadjbarten SBergriefen mefyt. 2)er „:2ftarg\" ift\nmie bet „©im#isiffimu3\" ein bobenftanbige§ @emad)3, ba£ nnr in\n2Ftiind)en pm 89Iulien unb @ebcit<en !cmmen fennte. ©eirte djarafter*\nboUe ®igenari Ijat ni<f)ts> gu tun ntit $Bartifulari3mu£ unb\naßainlinienfißerricferung. 3m (Segenteil ift ber „mxz\" fiibbeutfd& im\nbefien ©inne, aud? im tern grogbeutfdj, unb er bebentet in feiner\ner!ennutig unb norbbeutfder Sirt in $erfd)iebent)eiten\nnid)ts meniger a\\§ fine geifiige S3riicfe gmifrfjen Sttorb unb @iib.\nift ber anregenb unb frifdj mie aud) bag bor un§ liegenbe\n©djluftfjeft be£ erffen GuartalS, ba3 bon ben foigettbett bag befte er*\nmarten liijjt.\narattS unfc fraufu fcont\n32lar3=33erIog ©. m. b. 92limcfoen\n$aulbadjftrage 91.\n\n5 rue Cbaptal ,/\nDiese literarische Zeit-\nschrift veroffentlichte clas\nfranzosische Original cler\nTage b 11 cli e r F1 au -\nberts, deren Ueber-\ntragung in Deutschland\nyerboten wurde.\n\n.'Effort Libn\nfriiher: L'Effort\nMonatsschrift\n:: Herausgeber: ::\nJean Richard Bloch\nPoitiers (Vienne)\n\nL' Independance\nHal bin o 11 at s s chrift\nKiinste, Kultur, Philosophic,\nPolitik\n: Jahresbezug: 15 Francs :\nParis I 31 rue Jacob\n\nliefert und verleiht\nUS i nuth G-m-b-H-\nBerlin 26, - Mpl. 4612\nOranienstrasse 6\n\nmmM\n\nWichtig fur die\nHerren Chefs!!\nStenotypistinnen, nach dem\n„Tast-Bystem\"\nausgebildet, leisten\n30-50 Prozenf mehr\nals die nach der alten Methode\nausgebildeten Typistinnen :::\nInteressenten erhalten weitere Informationen von:\nSmith Premier Typewriter Co.\nBerlin W 8, Friedriobstrasse 62\nTel.: Zentrum 11734/11736\n\nLes Editions de la NOUVelle Revue frangaise ont publie.\nEmile Verhaeren: Heiene de Sparte / drame en 4 actes\nPaul Claudel: fotage / drame en 3 actes\nL'Annonce faite a Marie / mystere en 4 aotes\nAndr6 Gide; Isabelle / recit\nCh.-L. 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Yorverk. 11-2 (Tbeaterk.>\n\nNeue Secession\n:: BERLIN ' ::\nEingetragener Verein\nPassive Mitglieder\nder\n: Neuen Secession:\ncrhaltcn j&hrlich\n1 mehrere graphisehe\nArbeiten\n2 die Zeitsehrift Der\nSturm frei zugestellt\n3 freien Eintritt zu den\nVeranstaltungen der\nN. S.\nMitgliedsbeitrag halbjahrl. 15 M.\ni\nQeschaftsstelle\nder Neuen Secession\nSteglitz\nMiquelstr. 7a Fernruf 5tgi.2699\n\nDie Fackel\nHERAUSGEBER\nKarl Kraus\nErscheint in zwangl Folge\nNummer 354/355\nsoebcn erschienen\nPreis 90 Pfennig\nÜBERALL ERHALTLICH\nanch auf den Bahnhtjfen\nWerbeband der Fackel\n50 Pfennig\nVerlag Die Fackel / Wien 111 2"}]}