{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_sha256": "6b8b88f13a452a8510c2412ff37a23cc116830b3c3ed97c3f4563a2cb0d2e244", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/09/21_01/bmtnabg_1912-09-21_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/09/21_01/bmtnabg_1912-09-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c001", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.1", "debut_caractere": 382, "fin_caractere_exclue": 909, "texte": "Inhalt:\nDetlev von Liiiencron: Briefe an Peter Hille / Karl Borromäus Heinrich: Menschen von Gottes Gnaden / Albert Ehrenstein: Blind / Alfred\nDöblin: Prostitution und Jungfräulichkeit / H. W.: Ueber Malerei, insbesondere über tote und lebende Genußtiere / Jacques Rivi&re: Baude-\nlaire / Dr. S. Friedlaender: Adler und Zaunkönig / Ernst Blass: Das Leichenbegängnis der Gemma Ebria / Inhaltsverzeichnis des ersten Halbjahrs /\nNotizen / Franz Marc: Tierlegende / Wilhelm Morgner: Holzarbeiterfamilie / Artur Segal: Vom Strande I"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c002", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.2", "titre_corps": "Franz Marc: Tierlegende / Origtnalholzsehnitt", "titre_sommaire": "Franz Marc: Tierlegende / Origtnalholzsehnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.1", "debut_caractere": 911, "fin_caractere_exclue": 956, "texte": "Franz Marc: Tierlegende / Origtnalholzsehnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c003", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "3", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.3", "titre_corps": "Briefe an Peter Hille", "titre_sommaire": "Briefe an Peter Hille", "signature_source": "Detlev von Lilieticron", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10737, "texte": "Briefe an Peter Hille\nVon Detlev von Lilieticron\nSiebenter Brief\nAnfang des Briefes fehl\nContinuatio von heute Mittag;^®\nHamburg, Centrai-Hotel, 23. tember 86.\nAch, Lieber, was denn ist es?««rEins halte ich\nfür vollkommen notwendig, ja fil? unbedingt not-\nwendig: ein Charakter zu sein. Und wie oft\nschmähen wir einen solchen Menschen, nennen ihn\nPedanten, kalt, nichts vom Leben habend, eisig,\nunsinnig: daß er nichts vom Leben hat; usw. Ja,\nund dennoch, tausendmal dennoch ist mir der\nMensch, der unglückselige, der von Traum zu\nTraum fällt, unpraktisch: dadurch stets „hinein-\nfällt\": glühend, glühend, ohne zu bedenken: den\nAugenblick (— o weile, du bist so schön! —) er-\ngreift: um zu genießen; nach keiner Zukunft fragt;\nalle die Millionen Widerwärtigkeiten hinnimmt,\nohne vorher an sie zu denken, der sympathischere.\nWas, wie sollen wir denken . . . handeln. Immer\nnur ein einziger ungeheurer Widerspruch des\nLebens. Und so widerspreche ich mir jetzt: es\nsind die Menschen des Höchsten zu achten, die\nruhig, kalt, geradeaus berechnend (— da sie ein-\nsehen, sonst sofort unter die Füße getrampelt zu\nwerden —) ihres Weges: ohne Freude, ohne In-\nnerstes, gehen. Welche Studien habe ich gerade\ndarin im Offizierkorps machen können. In fliegen-\nder Hast schreibe ich jetzt an einem Roman, um die\noben genannten Kategorien, wenn ich so sagen\ndarf festzunageln (— zwei Rittmeister, Vettern, die\nsich durch ihre gegenüberstehenden Naturen has-\nsen —); das kann ein tiefes und vertieftes Lebens-\nbild geben. Ich fange sehr naturalistisch an: „wat,\nSchiet, lat mi tofreden . . .\", usw. Echte Szenen\naus Bauernkneipen dazwischen, aus dem Volke;\ndann wieder in der „Gesellschaft\"; und so kann\nTausendes hineinkommen. Ich sehe nämlich das\n„Volk\" viel durch meine Jagdzüge. Ein Dichter\nmüßte Jäger sein. Gerade das Abseits des gewöhn-\nlichen Weges des Jägers bringt ihn zur Natur.\nFreilich, freilich, ich meine unter Jäger keinen\nMörder nur; pfui über solchen Aasjäger. Aber\nJäger: Sanft an die Natur schmiegen; im Gras,\nunter Bäumen, in der Schänke frühstücken. . .\nUnd doch, und doch! immer wieder: Ein Charakter\nist das höchste. Der Charakter aber macht die\nPflicht: die Pflicht gegen sich selbst, die Pflicht\ngegen sein Volk, König, Land. Es ist ja entschieden\nder Patriotismus der äußerste Grad des Philister-\ntums; aber ohne Vaterlandsliebe: wie elend!!! Ich\nbetrachte jetzt in diesen Tagen das wieder: die\naltpreußische nüchterne Pflicht: wie ;in <meinen\nBureaus die Feldwebel, die Unteroffiziere, die\nSchreiber, an der Spitze auch die Offiziere: ar-\nbeiten; wie zum toll werden ist dieses nüchterne\nKasernenstubenleben! Aber wie exakt, wie pünkt-\nlich geht alles. Immer egal weg. Mich überläuft\noft ein Schauder, wenn ich um %8 jetzt in mein\nBureau trete: zuerst 500 Briefe täglich öffnen,\nmeistens derselbe Quark; dann verteilen. Dann\nsitzt alles bis 2 Uhr, und schreibt und schreibt und\nschreibt: immer derselbe Quark; gräßlich, aber —\ndie altpreußische Pflicht, ob General, ob Musketier.\nWie komisch, Lieber, kommt es mir nun vor: Vor-\ntrag über so langweilige Dinge halten zu müssen,\nmit tiefernstem Gesicht: immer dasselbe, immer\ndasselbe! Und doch: wie eine Ruhe, so kommt es\nüber einen. Freilich jene Ruhe, an der man ge-\nfälligst nach 6 Wochen in der Schaukel der gräß-\nlichsten Langeweile sitzt. Aber — die Pflicht. Und\nglaube mir: In diesem preußischen Exerzierregle-\nment, ob in der Schreibstube, ob auf der Felddienst-\nübung; auf dem Exerzierplatz im langsamen\nSchritt: es sitzt Geist darin! Das ist's ja gerade.\nDer preußische Soldat wird, trotz der eisernen\nStrenge (und, Gott sei Dank!, daß es so ist), nie-\nmals Automat. Eine gewisse Selbständigkeit wird\njedem Soldaten unausgesetzt gepredigt: im vor-\nkommenden Falle für sich handeln zu können.\nUnd das zeichnet vor den anderen unsere Armee\naus. Und wie streng wird unser Offizierkorps er-\nzogen! Wieviele Rüffel, Ermahnungen. . . Wie-\nviele liebevolle Winke auch vom älteren dem jün\ngeren Offizier. . .\nJa, die Pflicht, o diese langweilige Weide am\ngrauen Eisenbach, der nicht plätschert, der nicht\nmurmelt, der keine Blume mit sich führt. Die un-\nscheinbare graue Weide am grauen, gleichmäßig\nohne Getöse vorbeiziehenden Fluß.\nJa, die Pflicht, du Lieber. Es ist etwas Hei-\nliges in der Pflicht. Goethe sagt: „Was ist deine\nPflicht? Die Forderung des Tages.\" Wie immer\nbei Goethe: ein Himmels-, ein Weltwort. Pflicht\nmacht aus unserer Selbstsucht die Selbstzucht.\nSelbstsucht Selbstzucht.\nWie herrlich das Wort des Kronprinzen neu-\nlich in Heidelberg. . . Aber beim Jupiter. . . Die\nPflicht? Ja, aber dann können wir ja ruhig den\nDegen einstecken. . . Dann: wenn wir die kalte\nstrenge, gleichmäßige Dame Pflicht beherbergen\n— o Welt, wo bist du denn mit deiner Lust, mit\ndeinen Freuden . . .\nDa geht ein Weib, ein Mädchen . . . O mein\nGott, du liebst sie gleich, du möchtest dein Blut im\nwarmen Bett hergeben, sie heiß, heiß, wie es die\nNatur will, an dein stürmisches Herz pressen . . .\naber ... da sitzt vielleicht ein ander Weib, dir\ntreu, dir aufopferungsfreudig, nur dir gut . . . und\ndu, o Lieber, Lieber, du beachtest sie nicht ... ihr\ngehört dein Blut . . . sie ist dir treu; sie sieht es\njetzt nicht . . . und alle Adern doch stürzen in\nschäumendem Mußfall der andern zu . . . und diese\nandere öffnet dir die Arme . . . sinnlos, sinnlos . . .\nschon ... o ... die Pflicht: das anständige Ge-\nfühl in uns: zu handeln wie jeder treue alter Bie-\ndermeier . . . ich frage dich: „Ist es dem einen er-\nlaubt?\". . . sein heißes Blut?. . dieser eine viel-\nleicht ... du ... ich .. . wir fühlen anders wie\ndas Millionenmenschenvieh . . . und doch die —\nPflicht! Und aus diesem graugrützartigen Worte\nPflicht, aus diesen Eisenklammern reißt sich das\nWort los: „nach uns die Sündflut\"; „zum Teufel\nmit der Pflicht\". Leben will ich, heiß, glühend; die\nGelegenheit wahrnehmen ... ist es doch im läng-\nsten Menschenleben nur nach Stunden zu zählen:\ndaß wir glücklich waren. Und wenn nun eine\nsolche glückliche, d. h. alles, alles uns Peinigende\nauf kurze Zeit abnehmende Stunde kommt: Greif\nzu, greif zu: das Leben ist so kurz, so kurz — und\nin den Abgrund mit dem alten Rechnengesicht der\nPflicht.\nUnd dann: alles liegt im Wort: Sei ein Mann!\nDas Wort gibt uns die Richtschnur, adlig zu denken,\nadlig zuhandeln; rein zu denken, rein zu handeln;\naber da, da ist es schon wieder: sofort, wenn wir\nnicht weltklug (o du Vipernwort!) durchs Leben\ngehn, sofort stampft auf uns die Mitmenschengesell-\nschaft; auf; Visier vor; erst betrüge ich dich; wart'\nnur, du sollst schon sehen: so müssen wir denken!\nWer gläubig denkt mit kindlichem Gemüth: das\nsind die glücklichsten Menschen: alles der liebe\nGott! die Unbefleckten! der Erbarmer! und damit\nholla . . . Und, o, du Lieber mit den Dichter-\naugen: hast du an den Erbarmer gedacht? Welch'\nein Mensch. Der einzige, der je ohne Selbstsucht\nüber die Welt wanderte, im heiligsten Betrüge den\nheiligsten Betrug lehrend — aus Erbarmen zu sei-\nnen Mitmenschen, aus ewiger Liebe. Und das\nWeltgesindel, diese Menschencanaille gegen diesen\neinen! in den Staub! in den Staub! vor Jesus\nChristus!\nHätt' ich Dich hier, lieber Freund Hille! Du\nmit Deinem tiefen Geist, mit Deiner Ursprünglich-\nkeit! mit Deinem so fremden Herzen ... ich seh9\nDein Bild jetzt an . . .\nDetlev Liliencron\nAchter Brief\nHamburg, Centralhotel, 14. X. 86.\nsonst Kellinghusen, Holstein\nEben, mein sehr lieber Peter Hille, erhalte ich\nDeinen langen, so lieben, lieben und interessanten\nBrief. Steckt doch so vieles in ihm: Eine verliebte\nSeele (— wie eine stille schmetterlingsüberflogene\nBlume ist oft solche Sehnsuchtsseele wie die Dei-\nnige nach Igstadt —); eine Fülle von Geist in oft\nmarkantester Ausdrucksweise, in oft geheimnisvoll-\nverständlichster Sprache. Dann endlich: wie in\nallen Deinen Briefen: auch in Deinem letzten: so\nviel Herz und Güte und Menschenliebe!\n— Wie war es mir ins Herz ziehend, was Du\nmir von Deiner Liebe und von Deinen Brü-\ndern erzähltest. Alles erlebt' ich ja mit Dir.\nHättest Du in Rom nicht Anhalt durch Deinen\nBruder Franziskaner, ich meine bei etwaigem\ndortigen Aufenthalt .. , Und Du, die freie\nklare, menschlich denkende, große Seele\nhast zwei Priesterbrüder. Weißt Du denn, daß ich\n1868 katholisch wurde durch den damaligen Bischof\nEmanuel Kattlar in Mainz, Jetzt muß ich lachen,\nwenn ich an den Unsinn denke. — Viele Neuig-\nkeiten: Was sagst Du zu dem Angriff Julius Hart's\nin Nr. 40 der „Gegenwart\" gegen unsern Bleibtreu.\nIch sage ad 1: Karlchen Bleibtreu hat die Hart's\ndurch versteckte, und doch durch saftige\nAngriffe auf's Aeußerste gebracht. Nun wehren sie\nsich — aber mit ganz offenem Visir. Welch fabel-\nhaft viel Gift sich gesammelt hat gegen Bleibtreu,\nwirst Du ermessen können. Eins bleibt mir bis ans\nGrab für Bleibtreu: Eine stürmische Seele für seine\ngroße Tapferkeit, für seinen Muth. Ob einer eine\neingefangene wilde Stute bändigt, oder ob er wie\nK- Bleibtreu ä la Hutten in verdickteste Literatur-\nzustände hineinpeitscht: Es war Muth! und deshalb\nevviva Bleibtreu.\nIch habe meinen ersten Maler kennen gelernt,\nd. h. zum ersten Mal in meinem Leben mit einem\nMaler gesprochen. Das kam so: In meinem Büreau\nmeldete sich ein Reserve-Husaren-Offizier Günter.\nEin reizendes Kerlchen: dunkelschwarze Augen,\nkleiner, schwarzer, gedrehter Schnurrbart, elegan-\nteste Figur: avec un mot: der Husarenlieutenant\n„wie er im Buche steht\". Er erzählte mir, daß er\nMaler sei, in Düsseldorf seine Studien mache, und\nnun nach seiner militärischen Dienstleistung bei\nseiner Mutter in Hamburg wohne. Schon am selben\nAbend trafen wir uns in den Alsterarkaden in einem\nelektrisch beleuchteten neuen Lokal, und es war\nmir enorm interessant, mit einem Maler (— das\nerste Mal! —) sprechen zu können. Du kannst Dir\ndenken, wie unser Gespräch hin und herflog, lieber\nFreund! Welche neue Seiten des Lebens dämmer-\nten mir herauf: Wie erzählte er von den Achen-\nbachs, Feuerbach und Gott weiß was für Bach's p. p.\n— Vorgestern besuchte ich ihn in seinem Atelier\nhier (d. h. seiner Stube im Hause seiner Mutter).\nEr gehört zu einer der prominenten Familien Ham-\nburgs, hat so 70—90 000 Mark jährlich. Da kann\ner Maler sein! O Gott, wie schwer doch wird's\nmanchem gemacht! wie leicht dem Andern! Und\n— wir sollen nicht murren, immer fein anständig\nsein, immer die Schultern beugen\nUebrigens: Sowie ich sein Zimmer betrat, merkt'\nich auf der Stelle, bei wem ich, daß ich bei einem\nMaler eingetreten sei. Alles echt (Bronzen\np. p.); tausend „malerisch\" verteilte Kunstgegen-\nstände. Namentlich viel von ihm geschossene\nRaubvögel, gut ausgestopft, nach seiner Zeichnung\ndie Stellung der Flügel und Fänge p. p. Man sieht's\ndoch auf den ersten Blick. Das also war meine\nerste Malerbekanntschaft. Morgen abend wollen\nwir wieder zusammenkommen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3357, "texte": "Wie steht's mit Deinen Socialisten? —\nO, lieber Mensch, liebe, liebe Dein liebes\nMädchen. Igstadt ist nicht weit, und es erregt mich\neigenthümlich, daß der Gegenstand Deiner Sehn-\nsucht so nahe bei Hamburg wreilt. Liebe, liebe!\nAch. die Zeit ist so verdammt kurz! . . Ich hoffe\nimmer, daß Du und ich uns bald sehen werden.\nAn meinen lieben Dichterfreund Prinz Emil zu\nSchönaich-Carolath schrieb ich Bogen von und\nüber Dich. Du mußt diese liebe Menschendurch-\nlaucht kennen lernen. Siehst Du ihn einst, liest\nDu von ihm für Dich später bestimmte Briefe, Du\nfällst dem Menschen Carolath sofort schluch-\nzend an den Hals, so gut und vornehmdenkend ist er\nund — solch' ein Dichter. Im nächsten Brief mehr\nvon Dir und ihm. Ihr müßt Bekannte werden. —\nBester, hast Du auch so viel Privatpost wie ich?\nPost heißt Pest bei mir! Kaum mehr zu bezwingen.\n— Ich sah „Alexandra\" von Richard Voß. Aber\n„Leben\" ist doch drin. M,an will Voß und seine\nDramen immer — krank machen.\nIch möchte, wir sähen uns bald. Tausendstes\nhätte ich Dir zu erzählen, Dir, meinem lieben Peter\nHille.\nMöchte bald wieder Deine Schlittschuhläuferin\nbei Dir sein, und Du mit ihr bei Sternen schein und\n„Kartoffelfeldergeruch'' (— ich rieche ihn mit —)\nzusammen sein.\nDein Detlev Liliencron.\nNeunter Brief\nK. 20. IV. 89.\nMein inniggeliebter Peter, bist Du denn noch\nimmer in Pyrmont? Aber wie kann man doch ge-\nschicktes Reisegeld verleihen? Peter, Peter Hille.—\nAnliegend (gelegentlich zurückerbeten) er-\nhältst Du einen Brief eines Deiner Verehrer, des\ntreffl. Schriftstellers Otto Julius Bierbaum. Es wird\nDich interessieren und freuen, was er über Dich\nschreibt. Ja, der versteht Dich. Bitte, tritt mit ihm in\nBriefwechsel. Der (Bierbaum) bringt Dich unter die\nLeute: Denn Peter Hille soll und muß jetzt vor den\nDummköpfen erscheinen; er muß heraus. Sende\nmir auch viele Gedichte an „Ges.\"; diese Zeitschrift\nwird immer verbreiteter. Auch bei Xanthippus\n(Fr. Sandroß) hab' ich für dich geworben (ihm\nSachen von Dir gesagt). Ueberhaupt, Du herrlicher\nMensch und Dichter, was in meinen, diesmal ohne\nPhrase: schwachen Kräften steht, thue ich für\nDich. — Sehr hat es mich amüsiert, was Bier-\nbaum über deine Handschrift schrieb („chinesische\nGrasschrift ist Lithographie dagegen\")- Mensch,\nMensch, Du verdirbst Dir Dein ganzes Leben da-\ndurch noch: Hille, Hille, höre mich darin!!!\nP. Barsch schreibt mir, daß er mit größter\nFreude Dir plein pouvoir (in Raum, Ausdruck,\nLänge p. p.) zu einer Kritik über mich. Das wird\nmir die liebste sein. Ob die anderen sie verstehen;\nich verstehe sie: Und sie soll mir am Herzen ruhen.\nKannst Dai nicht in dieser Kritik (— das Buch ist\nnoch vor Ende dieses Monats in D. Händen —) auch\neinmal den guten Deutschen sagen, daß auch ihre\nDichter (nicht Maler und Musiker allein)\nKünstler sein müssen!!! Schreib bald Deinem\nDetlev, und namentlich von der Schweiz aus.\nDank für Deinen lieben Brief, er war wieder höchst\ninteressant.\nZehnter Brief\nAltona (Elbe), Palnrweiler 5, den 13. I. 95.\nAm besten ists wohl, mein alter, lieber Peter\nHille, wenn ich zu Amsler und Rudhart persönlich\ngehe: Ich komme nämlich bald mal nach Berlin.\nWas Du mir von Deiner neuen Zeitschrift „Peter\nHille\" schreibst, interessiert mich natürlich enorm.\nAber meine Qeldverhältnisse sind so furchtbar, daß\nich nicht abonnieren kann. 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J. den letz-\nten Brief Baron Frangarts erhalten, dessen Inhalt\ner durch die Fügung Gottes schon in Schloß Fran-\ngart kennen gelernt hatte.\nSodann schrieb Bonaventura an seine Obern in\nGhamfort und erbat sich weiteren Urlaub.\nIm Wiener Ordenshaus legte Bonaventura, ob-\nzwar er sich bewußt war, nichts Schlechtes ge-\ntan zu haben, in der demütigen Erkenntnis, daß\nauch die leisesten ungehörigen Regungen des Gei-\nstes wider den Willen der heiligen Gesetze seien,\nund daß die Seele nur durch immerwährende Prü-\nfung von allem Makel befreit werden könne, eine\nGeneralbeichte ab.\nHierauf unterwarf er sich einen Monat lang\nfreiwillig den schwersten geistlichen\nJeden zweiten Tag enthielt er sich ganz der Speise.\nEr unterbrach um die zwölfte Stunde jeder Nacht\nden Schlaf, sodann wieder um die zweite Stunde\njedes Morgens und betete die Hören. Um vier Uhr\nverließ er sein Lager und suchte es erst nachts elf\nUhr wieder auf; es bestand aus einem Brett, auf\ndas er sich nur eine dünne Decke bereiten ließ.\nFreiwillig oblag er den niedersten Verrichtungen,\ndie sonst den Fratres zukommen; er reinigte die\nZellen und trug den Ordensgenossen das Mahl auf.\nWährend des ganzen Monats enthielt er sich der\nSprache; außer dem heiligen Gruß kam kein Wort\nüber seine Lippen. Seine tägliche Messe las er\n„zur Sühne für den Schrei der Sehnsucht\", jener\nSehnsucht, jenes Schreies, die, wie Baronin Fran-\ngart. in der Ohnmacht gestammelt hatte, Fleisch\ngeworden waren.\nNach dieser Zeit der Buße fühlte er sich ein\nwenig getröstet. Mit Mitleid blickten die Ordens-\nbrüder auf den gezüchtigten abgemagerten Leib\nBonaventuras, dem die Kleider zu weit geworden\nwaren. Die so gütigen Augen des Paters waren\nnoch gütiger geworden . . .\nAls die Zeit um war reiste Bonaventura zu\nMarquis Choiseul auf Choiseul und Riom. Er tiat\nihn auf dem Krankenlager. Die Gicht plagte den\nalten vereinsamten Herrn. „Aber wenn es nur das\nwäre!\" sagte er mit schmerzlichem Lächeln zu\nBonaventura, dessen hagere Gestalt er mit Rüh-\nrung gemessen hatte. „Wenn es nur das wäre.\nDas könnte ich abwarten. Aber das andere, das\nmoderne Frankreich ... La pauvre France bien\naimee! das- frißt an mir. Der Schmerz frißt, und\nich kann ihn nicht loswerden. Sehen Sie, Bona-\nventura, und wenn ich mir hundertmal denke: was\ngeht's dich noch an, du bist ein gebrechlicher Alter\nund stehst nah am Grabe . . . Ach, es hilft\nnichts! . . .\"\nBonaventura wollte ihm Trost zusprechen, ihm\nsagen, daß diese Zeit der Anarchie in Frankreich\nunmöglich lang dauern könne; aber er fand die\nWorte nicht, da er selber nicht daran glaubte. Mit\neiner müden gramvollen Geste drückte er seine\ninnersten Gedanken aus . . .\n„Nein!\" unterbrach der alte Choiseul das\nschmerzliche Schweigen . . . „Nein und noch-\nmals nein! ... Ich glaube nicht mehr an unser\narmes Frankreich. Die Anarchie wird es zer-\nfressen. Ein Land, dessen regime die Legitimitär\nverloren hat, die göttliche und menschliche Legi-\ntimität. das eeht zu erund. Es p*ibt:v kein Heil-\nMittel dagegen . . . Ach ja, wenn die Bourbonen\neinen Napoleon hervorbrächten! . . .\" Und wieder\nversanken die zwei Männer in das dumpfe Schwei-\ngen ihres umflorten Schmerzes.\n„Mieville, geben Sie mir Ihre Hand!\" begann\nendlich der alte Choiseul. „Mieville, Sie verstehen\nmich. Können Sie verzeihen» . . . Nein, es braucht\nkeine Verzeihung, es hat sein müssen . . . Kön-\nnen Sie auch verstehen, was ich an Ihnen getan\nhabe? . . .\" Bonaventura ahnte das Bekenntnis\nund ließ einen Augenblick unentschlossen das Haupt\nsinken. Aber sogleich erhob er es wieder. „Oh\nMarquis!\" rief er halblaut, und mit einer weiteren\nGeste segnete er das Krankenlager, ja, gleichsam\nden ganzen Geist, die ganzen Ideen dieses in stren-\nger Tradition erzogenen Mannes. Und mit einem\nMale verstand er das namenlose Leid, das an\ndiesem Alten zehrte: die zerstörte Legitimität sei-\nnes Vaterlandes, der unaufhaltsame Gang der mo-\ndernen Ideen, der Zusammenbruch der Ueberliefe-\nrung und der alten Autoritäten . . . Wiederum\nerhob er die Hand zum Segen und zur Versühnung.\nDer Alte fühlte sich verstanden und schluchzte\ndankbar in sich hinein. „Oh, Mieville!\" begann\ner unter Tränen, „ich selbst habe verhindert, daß\nSie Ihr Vater zum comte Riom machte, wie er ja\nnach diesen schrecklichen neuen Gesetzen gekonnt\nhätte . . . (Bonaventura lächelte leise, wie er sah,\ndaß den Alten, mitten in seiner Bitte um Ver-\nzeihung, nochmals der Zorn gegen die Illegitimität,\ngegen die ihm damit gleichbedeutenden neuen Ge-\nsetze überfiel) . . . Die Gräfin Riom war seit\nzwei Jahren tot; da brachte sie die Wäscherin\nMieville zur Welt. Nefri, es war keine reiche\nWitwe, Mieville, und Ihre Geburt bezahlt sie mit\nihrem jungen Leben. Und Ihr Vater freute sich,\neinen Sohn zu haben ... Da habe ich, der alte\nChoiseul, ihm Tag und Nacht abgeredet, Sie zu\nlegitimieren, da sie nun doch einmal illegitim ge-\nboren waren . . . Ach, Mieville, verzeihen Sie\nmir, ich konnte nicht anders . . .\" Mieville strei-\nchelte liebkosend die weißen Haare des Marquis\nChoiseul.\n„Denken Sie sich mein Entsetzen!\" fuhr dieser\nnach einer Weile leise, fast flüsternd fort, „den-\nken Sie sich mein Entsetzen als ich die Komtesse\ndamals mit Ihnen am Fenster sah, sie hatte ihren\nHalbbruder erraten, mehr war das nicht . . . aber\nsie konnte ihre eigene Zärtlichkeit mißdeuten,\nkonnte glauben, das sei Liebe . . . öh, und sie hat\nes geglaubt, der unglückliche Fr angart hat es mir\nerzählt . . . ich) habe es erraten. Ich trage die\nSchuld, nein, es war keine Schuld, es war nicht\ndie geringste Schuld, Mieville, ich durfte es nicht\ndulden, daß Sie als Bruder der Komtesse dastan-\nden, Sie, ein illegitimes Kind der Wäscherin Mie-\nville . . .\" Der Marquis ergriff in diesem Augen-\nblick die Hand Bonaventuras undi küßte sie . . .\n„Ich küsse Ihre Hand, Mieville,\" sägte er, unter\nTränen lächelnd. „Sie haben sich legitimiert. Un-\nsere Kirche ist es, in der Sie sich legitimiert ha-\nben . . . denn es gibt eine geistliche Legitimität,\neben unsere Kirche . . .\"\nErschöpft hielt der Marquis inne und lehnte\nsich in die Kissen zurück. „Ja, Mieville,\" begann\ner dann wieder, „ich habe mich so gefreut, als\nSie bei den Jesuiten eingetreten waren — diese\nalte geistliche Zucht und Tradition! . . . Denn das\nglaube ich, ein Verwandter der Bourbonen: die\ngeistliche Legitimität ist bei der katholischen\nKirche, und sie hat unsere weltliche gebilligt, ge-\nkräftigt und geweiht. Und in dem Glauben küsse\nich die Hände von Pater Bonaventura.\" Wieder\nlächelte der Marquis, und seinen Tränen netzten\ndie Hand des Paters, der ihm mit einem gütigen\nBlick seiner dunklen Augen wehrte.\n„Erzählen Sie mir von Baron Fritz!\" bat Choi-\nseul. — „Wie soll ich sagen? kühl ist er wie ein\nDeutscher, aber v^schmeidi?: und__ elegant"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10628, "texte": "wie nur ein Romane,\" erwiderte Bonaventura. Da\nerhob sich der alte Choiseul noch einmal mühsam\naus seinen Kissen. Sein Auge leuchtete unter den\nergrauten buschigen Brauen. Freilich machte er\ndas Zeichen des Kreuzes. „Ich segne dich, Baron\nFrangart!\" sprach er langsam. „Das ist die Mi-\nschung, die ich gewollt habe, ich, Marquis Choi-\nseul. Gott mache sie fruchtbar! ... Ich baue auf\ndie Deutschen,\" widerholte er, „ich baue auf die\nArmee, die, so Gott will, die Legitimität in Europa\nwieder herstellen wird. Und Gott will das. Gott\nwill die Legitimität, denn er gibt sie und hat sie\ngegeben. Die katholische Kirche und die Armee,\nso ruhig, so besonnen, so voller Zucht . . . Ich\nbaue auf die Deutschen, auf ihren einfachen legi-\ntimen Geist . . . Wenn es möglich ist, mag Ba-\nrron Frangart in ihre Armee eintreten . . .\"\nBonaventura schwieg erschüttert. Da lag dieser\nalte adlige Franzose, der in seinem unverrückbaren\nGlauben an die Macht von Gottes Gnaden, sogar\nden Jahrhunderte alten Haß gegen die Deutschen\nüberwand. Und Bonaventura dachte an die un-\ngeschlachten weißgrauen Bergmassen des Bren-\nners. In fröstelnder Trauer zog sich sein Herz\nzusammen. Aber wie damals in Franzensfeste, im\nAngesicht der triumphierenden Sonne des Südens,\nflüchtete er sich wieder in seine ihm heilige Idee\neines endlichen Imperiums der römisch-katholischen\nKirche, der ecclesia triumphans, wie sie geweis-\nsagt war . . .\nZweites Buch\nsetzt kannst Du Deine Macht, o Schicksal, zeige«:\nWas sein soll, muß geschehn, und Keiner ist sein eigen.\"\nShakespeare\nEinige äuBere Geschehnisse\nEs gibt Manschen, denen alles nach ihrem Willen\ngeschieht. Nicht, sie ihn mit besonderer An-\nstrengung verfolgen oder ihn mit bemerkenswertem\nEigensinn gegen die anderen aufrecht erhalten; viel-\nmehr weichen alle von vornherein vor ihm zurück;\nsolche Menschen stehen da, und alsogleich säubert\nsich der Platz gleichsam in weitem Umkreis von\netwelchen Widerwärtigkeiten, damit jene so be-\nquem und sicher stehen, wie es ihnen gefällt.\nSetzen sie sich sodann in Bewegung nach vorwärts\noder rückwärts, machen die Mitmenschen wie unter\neinem höheren Zwange die Bahn frei; unbehindert,\nohne Dank, mit vollkommener Selbstverständlich-\nkeit, wird sie von ihnen durchmessen. Kurz, es gibt\nSchicksale ohne äußere Hemmungen. Aber mit Un-\nrecht beneidet man sie; einerseits weiß man ja\nnicht, wrelch dunkeln Ratschluß Gottes, welches\nLeid, oder im besten Falle: welch namenlose Ein-\nsamkeit der Freude die Träger solcher Schicksale\nunter ihrer unbewegten Miene verbergen; ja, es\nist nicht einmal gewtiß, ob sie nicht selbst zuweilen\numsonst nach äußeren Widerständen verlangen,\ndurch die sie in irgendeiner Weise abgelenkt und\nzerstreut werden könnten; andrerseits aber — da\ndoch alle Fruchtbarkeit des menschlichen Wollens\nausbleibt, wenn das ausbleibt, wodurch allein sie\nsichtbar in Erscheinung treten könnte, nämlich eben\ndie Widerstände und Hemmungen (aus deren\nSchoß heraus das Samenkorn unseres Wollens als\nTat geboren wird) — sind jene hemmungslosen\nSchicksale zur Unfruchtbarkeit bestimmt. Schwei-\ngendl wandern ihre Träger dahin: aber dem, der\netwa auf einer südlichen Landstraße, unter dem\nsternklaren Himmel jener dunstfreien Nächte, die\nden leisesten Laut ungebrochen widergeben, an\neiner schlanken Zypresse lehnen und teilnahmsvollen\nHerzens hinaushorchen würde (weil man auf Ver-\nschwiegenes immer mit dem Herzen horchen soll,\nnicht mit den Ohren, die wir mit jedem Esel ge-\nmeinsam haben), — einem solchen Menschen würde\nihr Schweigen, jedwedes andre Geräusch über-\ntönend, vernehmlich werden und das Herz zer-\nreißen: Denn nichts ist schwerer zu ertragen als\nSehnsucht, die nicht reden kann. Was sind da-\ngegen alle Schreie der Sehnsucht, mit denen wir\ngewöhnliche Menschen unser Herz erleichtern?\nFritz Paul Joachim Freiherr zu Frangart war\nteils auf den Rat seiner Mutter, teils weil es ihn\nselbst dazu trieb, mit zehneinhalb Jahren nach\nChamfort gekommen, an das jesuitische Colleg, wo\nPater Bonaventura wirkte. Mit welchem Erstau-\nnen erfüllte Patres, Fratres und Zöglinge die grazile\nSchönheit, der unbewußte ruhige Stolz der Haltung\nund des Ganges, die satte Bronzefarbe des hoch-\nmütigen Gesichts, die langen langen Wimpern, die\nseine dunklen Augen beschatteten, das seidenge-\nlockte Haar, die tiefe sonore Altstimme des Knaben,\ndie sich der französischen Sprache so seltsam an-\nschmiegte! Alle sahen unwillkürlich mit Ehrfurcht\nauf ihn. Pater Bonaventura selbst mußte sich\nZwang antun, als er mit scheinbarer Härte hinwarf:\n„Nun, er soll auch etwas lernen bei uns; man soll\nihn nicht nur angaffen!'4\nZwei Wochen hielt sich Fritz Frangart damals\nin Chamfort auf; er war still und wollte zuvorkom-\nmend sein, aber stets kamen ihm die andern zuvor.\nIndes war er noch zu jung, als daß er den Wechsel\ndes Klimas ertragen, die lachende Sonne seiner\nHeimat für eine Zeitlang hätte vergessen können.\nSeine Wangen fielen ein, und in unbewußten\nAugenblicken durchlief seinen schlanken Körper\nein fröstelndes Zittern. Alle erschraken heftig. Und\nals die zwei Wochen um waren, verlangte er, heim-\ngebracht zu werden; was denn auch in besorgter\nEile geschah.\nVier Jahre blieb er sodann in Frangart. Außer\nden wenigen Lernstunden verbrachte er die ganze\nZeit wieder wie früher; mit großer Selbstgenüg-\nsamkeit lehnte er an der Mauer des Schlosses, um\nden Schein der Sonne zu genießen. Was er dachte,\nund ob er überhaupt etwas dachte, ließ sich nicht\nerkennen. Er erlaubte auch niemand, ihn danach\nzu fragen.\nDas Einzige, was sich verändert hatte, war sein\nBenehmen gegen die Mutter, die herzleidende Ba-\nronin Frangart: zwar hatte sich seine gewohnte\nHöflichkeit ihr gegenüber womöglich gesteigert.\nAber seit der Stunde, wo er mit Pater Bonaventura\nihrem schweren Anfall beigewohnt und ihre abge-\nrissenen Worte gehört hatte, — hatte er es unter-\nlassen, sie auf das Handgelenk zu küssen. Er küßte\nihr jetzt die Fingerspitzen. Und manchmal sah er\nsie nachdenklich an, mit einem gewissen, neugieri-\ngen Hochmut. Einmal war sie unter diesem Blick\nerbebt und zusammengezuckt; da sagte er, während\nihr einige schwere Tränen aus den heißen Augen\nquollen: „excusez mille fois, maman!' und nahm\nsich vor, diese „Inkorrektheit\" künftighin zu ver-\nmeiden.\nDas war, wie gesagt, das Einzige, was er er-\nlebte. Sonst also ließ er sich von der lachenden\nSonne bescheinen.\nNach vier Jahren starb Baronin Frangart in\neiner von schwerem Blütenduft erfüllten März-\nnacht; niemand hatte während der letzten Augen-\nblicke bei ihr geweilt. Eine französische Bediene-\nrin. Jeanette, die erst seit kurzem im Hause war\nund den jungen Baron Frangart haßte, weil er ihre\nüberschwengliche Liebe nicht im geringsten beob-\nachtete, behauptete allerdings mit plapperhaftem\nEigensinn sie habe in eben der Nacht schlaflos ge-\nlegen („ah, peut-etre, en attendant Monsieur le ba-\nron, rnais qui n'est pas venu!\" spotteten die Dienst-\nboten) und gegen halb elf Uhr abends den jungen\nBaron aus seinem Schlafzimmer gehen hören („et\nvous avez reve qu'il ira directement frapper ä\nvotre porte que vous aviez laissee largement ou-\nverte, pour lui!\" sagte George voll grimmiger\nEifersucht); also, sie habe ihn aus dem Schlaf-\nzimmer gehen und an der Türe seiner Mama klopfen\nhören („et non pas äla vötre, mademoiselle!\" fügte\nGeorge, der sie liebte, verächtlich hinzu); er sei\neingetreten und habe, soviel sie aus dem Tonfall er-\nraten konnte, eine Frage an die Baronin gerichtet.\nDie Baronin habe erschreckt aufgeschrieen, unge-\nfähr wie: „Frederic, Frederic, au nom du Seigneur,\nlaissez ces questions lä!\" dann sei Ruhe einge-\ntreten. Oder vielmehr, sie sei wohl selber ein-\n*\ngeschlafen.\nNun, das Gesinde muß etwas zu reden haben bei\nsolchen Gelegenheiten. Als Tatsache konstatierte\nder Arzt, daß die Baronin in einem Anfall von Herz-\nschwäche wahrscheinlich schon vor Mitternacht\nverschieden sei. Tatsache war ferner, und ein so\ntiefer Schlaf stand sehr im Widerspruche mit der\nErzählung der Bedienerin, daß man am Morgen\ndem jungen Baron, als man ihm die schwere Nach-\nricht bringen wollte, drei-, viermal laut klopfen\nmußte, bis er antwortete. Geweint hatte er nicht,\nweder am gleichen Morgen noch während des Be-\ngräbnisses; aber wer hätte den Baron Fritz Fran-\ngart überhaupt jemals weinen sehen? . . .\nTatsache war endlich folgendes: Als der alte\nMarquis Choiseul kurz nachher gestorben war,\naußer den Bourbonen und Fritz Frangart keine\nlebenden Verwandten hinterlassend, und seine\nGüter in toto an Fritz Frangart fielen, sah sich die-\nser mit vierzehneinhalb Jahren als alleinigen Be-\nsitzer von Schloß Frangart und Choiseul und Riom.\nIndessen schien ihm das Gefühl eines so ausge-\ndehnten ergiebigen Besitzes nichts zu bedeuten.\nNatürlich (wie wiederum die Dienstboten plapper-\nten), er konnte nicht stolzer werden, als er schoi\nwar.\nIn Bozen wurde ein Vormund für den ver-\nwaisten Fritz Frangart bestellt; aber der teilte\nsich, gemäß dem hinterlassenen letzten Willen der\nBaronin, in der Sorge um die Liegenschaften und\nRevenüen mit Pater Bonaventura; eine Last, die\ndieser gern auf sich nahm.\nSorge machte dem gütigen Pater aber haupt-\nsächlich eine große Meinungsverschiedenheit in\nden letzten Aeußerungen der Baronin und des Mar-\nquis: Die Baronin hatte in einem §chon drei Jahre\nvor ihrem Tode geschriebenen Dokument bemerkt:\n„daß sie es mit vielem Schweren, das sie auf der\nWelt getragen habe, versöhnen könnte, wenn ihr\nSohn Fritz die geistliche Laufbahn ergriffe.\" Der\nalte Choiseul hingegen hatte wiederholt in kurzen,\nhingekritzelten Zeilen an Pater Bonaventura die\nMeinung ausgesprochen, Fritz solle einmal in die\ndeutsche Armee eintreten.\nNun war freilich, wie sich Bonaventura mit\nSchmerzen sagte, unmöglich zu wissen, für wel-\nchen dieser beiden Berufe sich Fritz Frangart\neignen mochte. Vielleicht für keinen von beiden.\nGenug, der junge Baron kam mit vierzehnein-\nhalb Jahren zum zweiten Male nach Chamfort, um\nzunächst unter Aufsicht des Paters Bonaventura in\nalles eingeweiht zu werden, was man als höhere\nBildung bezeichnet und schätzt.\nNeue Bekenntnisse des Pater Bona-\nventura\n4. September 19 ..\nFritz Frangart ist seit einem halben Jahre bei\nuns. Alle lieben ihn; er aber scheint niemand zu\nlieben. Er benimmt \"sich gegen uns alle, gegen Er-\nzieher und Mitschüler, mit ausgesuchter Höflichkeit;\ndas ernüchtert sie und stachelt sie doch zugleich\nwieder an, ihn zu lieben; indes läßt er niemand an\nsich herankommen.\nNur mich sieht er zuweilen vertraulich an: aber\nes liegt etwas Erschreckendes in dieser Vertraulich»\nkeit, er droht mir damit . . . Wenn er gegen alle\nhöflich ist, gegen mich ist er immer hochmütig,\nund am hochmütigsten, wenn er sich vertraulich\nzeigt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9832, "texte": "3. Januar 19..\nIn der äußeren Bildung, in den Formen des Ver-\nkehrs wird Fritz Frangart hier von niemand über-\ntroffen. In dieser Beziehung hat er nichts mehr zu\nlernen. Er hat das überhaupt schon mitgebracht.\nVom Lernstoff aber interessiert ihn wenig: in der\nReligionslehre alles Mystische, was man nicht mit\ndem Verstand begreifen, sondern mit Glauben und\nGefühl erraten oder vielmehr erleben muß. In der\nprofanen Geschichte fesseln ihn nur ganz bestimmte\nPersonen und Zeitläufte: es scheint, daß er sich\nalles mit viel Geschick heraussucht, was ihm geistig\noder moralisch verwandt ist. Die Sprachen liegen\nihm; aber er studiert sie mit nonchalance und ohne\nwissenschaftliche Freude, vielleicht nur, weil sie für\nihn zum guten Ton gehören.\nVon allen andern Dingen nimmt er nur genau\nsoviel auf wie nötig ist, um den Lehrern nicht be-\nschwerlich zu fallen, also nur ein Anstandsquantum.\nIm Vergleich zu andern ist er von ungemeiner\nTrägheit, für sich selbst betrachtet nur von Gleich-\ngültigkeit, von großer geistiger Selbstzufriedenheit.\nIm Französischen und Griechischen, worin er\nmein Schüler ist, zeigt er jedoch einen ausnehmen-\nden Fleiß und läßt in seinem Können alle Mitschüler\nweit hinter sich. Er scheint den Drang in sich zu\nfühlen, mir seine Meisterschaft zu zeigen. Gerade\nmir. Bei sonst niemand liegt ihm daran, der Erste\nzu sein.\nOh ich fühle, er will mich kränken mit diesem\nAusnahmefleiß. Das heißt, er will das nicht. Zu\nsolch kleinen Absichten ist er zu nobel. Er fühlt\nsich einfach gedrungen, bei mir mehr zu lernen als\nbei den andern. Und ich? weiß nur, daß ich mir\nnichts darauf einbilden darf, ja, daß es im Gegen-\nteil irgendwie gegen mich spricht.\n8. März 19 ..\n„Sokrates, der indiskreteste, unkultivierteste\nSchwätzer des Altertums, der mit seinem ewigen\n,Warum und inwiefern und wozu' beweist, daß ihm\nalles abgeht, was die andern in seiner Zeit haben,\nist als Anarchist mit Recht zum Tode verurteilt\nworden. — Was ich habe, danach frage ich nicht;\nich bin evysvrjg (wohlgeboren), und es wäre pietät-\nlos gegen meine Ahnen, zu fragen, was eigentlich\ndiese und jene Tugend sei, warum ich sie für eine\nTugend halte. Denn die Antwort könnte nur sein:\nweil ich meinen Vätern vertraue, mehr vertraue als\ndem geschwätzigen Verstand. Sokrates ist das\nVorbild aller geistigen Proletarier, die nichts mit-\nbringen als einen Kopf; er könnte zurzeit der fran-\nzösischen Revolution gelebt und das Wörterbuch\nmit herausgegeben haben-; er ist also mit Recht\nverurteilt worden, d>g anolovzo xal äUog oong\nTotavrd ye — wie auch jeder andere zu-\ngrunde gehen möge, der immer solches verübt.\"\nDies ist der altkluge, zornige hochmütige Schluß\neines Aufsatzes des Baron Frangart, den ich über\ndas Thema „Der Tod des Sokrates\" gegeben hatte.\nWas denkt der junge Frangart also von mir, der\nich den Schülern die Größe des Sokrates erklärt\nhatte?!\nDen Aufsatz könnte schließlich der alte Choiseul\ngenau so geschrieben haben. Oh, ich weiß, was\nFrangart denkt: gar nichts denkt er von mir. Er\nlehnt mich einfach ab, ohne Gehässigkeit, nur weil\ner mich ablehnen muß. Ist es doch gerade, als ob\ner meine illegitime Geburt erriete.\nDer alte Choiseul hat mir die Hand geküßt. Der\njunge Frangart — — hat sich ja auch „höflichst\nentschuldigt, daß er mir leider hat widersprechen\nmüssen\". Und ich liebe ihn so sehr. Lieber Gott\nim Himmel, laß ihn nur einmal lieb zu mir sein!\n10. Mai 19..\nBaron Frangart hat sich noch immer an nie-\nmand angeschlossen. Er ist sich gleich geblieben.\nAber unter seinen Mitschülern hat er eine tiefe\nVerwirrung angerichtet.\nDa er mit niemand Freund sein will, möchten\nihm wenigstens alle ihre Verehrung zeigen. Zum\nBeispiel: er lernt in der Mathematik nur das Not-\ndürftigste, und das sehr ungenau. Jetzt machen\nihm das alle nach. Keiner will mehr Mathematik\nstudieren. Das ist jetzt für die jungen Leute haut\ngoüt, dernier goüt, goüt de Frangart . . .\nMan hat Baron Frangart zur Rede gestellt. Er\nantwortete, wie es sicher der Wahrheit gemäß ist:\n„daß er keinen Mitschüler aufgefordert habe, in der\nMathematik nichts zu arbeiten.\" Das stimmt durch-\naus; ich weiß, daß er nichts für diese Nachäfferei\nkann. „Ich finde das sehr komisch,\" sagt er und\nzieht die Schultern hoch.\nAugust 19..\nFritz Frangart ist jetzt anderthalb Jahre bei uns\nund hat in Dingen des Betragens nie eine Strafe\noder auch nur eine Zurechtweisung bekommen.\nNicht einmal ich selbst, der ich seine delikate Ver-\nachtung meiner Person mehr und mehr herausfühle,\nhabe jemals etwas Greifbares finden können, wofür\ner Strafe verdient hätte, — vorausgesetzt, daß ich\nihm eine hätte geben wollen. Nein, das werde ich\nnie wollen . . ,\nAber ich frage mich allmählich: Ist nicht seine\nunendliche Süffisance der Gesinnung strafbar? ...\nFreilich, er hat dieser Gesinnung niemals Ausdruck\ngegeben; wer kann also wissen, ob es „Gesinnung\"\nist. Nein, es ist auch das bei ihm unbewußt. Er\ngehört zu seiner Art. Vergleiche den Aufsatz über\nSokrates, schwerfälliger Bonaventura! Für seine\nArt aber darf man niemand strafen, da diese Gott\nso gewollt hat.\nMan wird also auch niemals Anlaß haben, Baron\nFrangart zu strafen; denn er wird nie etwas tun,\nwas über seine Art hinausgeht.\nEr glaubt so fest an die Güte seiner Art; aber\nkönnte er darin nicht doch Unrecht haben? ...\nLieber Gott, verzeih mir! Ich frage ä la Socrate.\nMeine Art ist also strafbar . . . Ach, das ist alles\nso schrecklich und tut mir so weh! . . .\nWeihnacht 19..\nKann «denn dieser Fritz Frangart überhaupt\njemand lieb haben? — Sein Geist ist so fertig und\nnimmt nur an und auf, was ohnehin zu ihm gehört.\nIst sein Herz auch so? Aber wo wären die\nMenschen, die zu ihm gehören? Scheint es nicht,\nals ob er über alle weit hinaus sei?\nGroßer Gott, wie soll dann dieser junge Mensch\nin seinem Leben jemals fruchtbar werden?\nVater im Himmel, ich flehe zu dir: laß ihn nicht\neinsam bleiben! Laß ihn Gleichgestellte finden,\ndamit sein Herz fruchtbar werde.\nWie allein stand er mitten unter den weih-\nnachtsfrohen Menschen! Wie unbewegt!\nFebruar 19..\nIch kann Fritz Frangart nicht mehr verstehen.\nDa verkehrt er nun auf einmal ausschließlich mit\ndem ganz verkrüppelten Vicomte Meudon; Meudon\nist ein halber Kretin und erst vierzehn Jahre alt.\nWas mag Frangart mit ihm vorhaben?\nAlles in der Schule wütet, man spürt die allge-\nmeine Aufregung, daß er sich gerade mit dem . . .\nDas heißt, alles Gute gewähre Gott dem armen\nVicomte Meudon!\nApril 19..\nIch habe ein kleines Buch über das Allerheiligste\nGeheimnis der Eucharistie geschrieben; Gott in\nseiner großen Güte hat mich die Worte dazu finden\nlassen. Aber da dieses Büchlein unter Laien leicht\nMißverständnisse hervorrufen könnte, habe ich es\nauf den Rat des Obern ins Altgriechische übersetzt\nund den Druck nur für die Ordensbibliotheken her-\nstellen lassen. Ich hatte mir «die Erlaubnis erbeten,\nes in griechischem Text Baron Frangart zu lesen\nzu geben.\n„Es ist schön,\" sagte er zu mir, „ich habe es\ngenau gelesen und ich danke Ihnen. Aber eigent-\nlich, meine ich, sollte man; den heiligen Geheim-\nnissen nicht so nachgehen; man sollte sie nur er-\nleben. Und es gibt Geheimnisse zu erleben, nicht\nwtahr, Pater?4' Nie vergesse ich die unsagbar hoch-\nmütige Vertraulichkeit, womit er mich dies gefragt\nhat\nAch, wie nachlässig er mich ablehnt! Soll ich\nihn strafen? Wofür? Was er wohl gemeint\nhaben mag? Vielleicht . . . Nein, das ist nicht\nmöglich, nein, nur das nicht!\nAber: wenn er auch das nicht gemeint hat und\nwenn es in Wirklichkeit eben das wäre, was er\nnicht gemeint hat. . . Soll ich dann mich strafen?\nIst es noch nicht, noch immer nicht gebüßt? . . .\nIch will sogleich den Hochmut vergessen, mit\ndem er mich gefragt hat.\nNie würde ich den Baron Frangart strafen. Nie\nkönnte ich ein Recht dazu haben.\n12. Mai 19..\nFrangart ist seit einigen Tagen zu dem armen\nkleinen Vicomte ebenso kühl und höflich wie zu\nden andern. Alle atmen auf. Ich aber bemitleide\nden kleinen Vicomte, der wie ein unbeachtetes\nHündchen hinter Baron Frangart herhinkt. Und er\nbekommt keinen Blick ab, keinen einzigen.\n14. Mai 19..\nDer kleine Vicomte gebärdet sich wie irrsinnig;\n„Lieber, lieber Baron Frangart !\" schreit, ja heult\ner, mitten unter dem Studium, mitten im Schlaf.\nEs ist ein Unglück. „Sie hätten auch zu ihm von\nAnfang an so ... so höflich bleiben können wie zu\nden andern. Sie haben mit ihm gespielt, Baron\nFrangart!\" So habe ich heute zu ihm gesprochen,\nund wahrlich, es ist mir schwer gefallen. „Ich habe\nnicht mit ihm gespielt. Er hat mich interessiert,\nweil er gar so merkwürdig ist. Jetzt kenne ich\nihn und er interessiert mich nicht mehr. Soll ich\nheucheln und so tun als ob? . .\nSo hat mir Baron Frangart geantwortet. Was\nläßt sich hiergegen sagen? So gut wie nichts.\nHöchstens, daß er sich nicht für den Vicomte hätte\ninteressieren sollen.\nOh guter Vater im Himmel, wenn das immer\nso endet, sobald sich Fritz für etwas interessiert\nhat, dann laß ihn doch einsam bleiben! Man könnte\nihn sonst für einen rohen Menschen halten, wenn\nman ihn nicht näher kennt . . . Und doch wieder,\nnein! Ich mag Fritz so gern wie mein eigenes\nKind. Man darf es nicht ihm anrechnen, wenn die\nandern durch ihn Schaden leiden, er eigent-\nlich nichts dafür kann. Laß ihn nicht einsam\nbleiben. Mache sein Herz fruchtbar!\nHerr nicht mein, sondern dein Wille geschehe!\nAmen.\n14. Mai 19 ..\nDieses Amen habe ich im vorigen Jahre am\ngleichen Tage geschrieben. Und ich habe dieses\nganze lange Jahr schweigend gelitten unter seinem\nHochmut, unter seiner „Vornehmheit\", wie es die\nandern nennen.\nNovember 19 ..\nJa, es ist besser, er verläßt uns. Er selbst hat\nden Wunsch geäußert, in einer Stadt weiter zu\nstudieren. Er tut auch gut daran, nach Deutsch-\nland zu gehen. Macht er dort das Gymnasium zu\nEnde, dann kann er deutscher Offizier oder Geist-\nlicher, wie seine Verwandten, die einer so, der\nandere so, gewollt haben. Oder keines von beiden*\nWie Gott will! Amen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1139, "texte": "Ende November 19..\nDas also war der Abschied.\n„Seht, Pater, Ihr habt alles an mir zu wichtig\ngenommen. Aber das eine, was für midi wichtig\nwar, das habt Ihr nie berührt. Warum seid ihr nie\nzu mir gekommen, um mir zu sagen, wie sich das\nverhält mit dem Schrei Mjeville und das andre,\nwovon mir geträumt hat, daß ihr und meine selige\nMutter Geschwister wärt. Das hätte euch nicht\nerniedrigt, nein, so wahr ich Frangart heiße. War\nes euch zu schwer? ... Ich habe jedenfalls vier\nJahre lang umsonst darauf gewartet, daß ihr kämt.\nIhr seid nicht gekommen, so wichtig ihr auch alles\ngenommen habt; und obwohl ihr gewußt haben\nmüßt, daß für mich nur das Eine wichtig sein\nkonnte: ob ich, Frangart, wirklich . . . Nun ihr\nwißt, der Schrei Mievüle! . .\nIch bin an den Zug gegangen, mit dem er ab-\ngereist ist. Vielleicht würde er doch noch einmal\nzurückschauen, nach mir schauen! , * . — Ich\nhabe ihn gesehen, wie er seinen Spiegel aus der\nTasche zog und vor der Abfahrt des Zuges noch-\nmals die Krajwtatte richtete. Und er hat sich nicht\nnach mir umgesehen.\nHerr, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!\nAmen.\nFortsetzung folgt in nächster Nummer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c005", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "6", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.4.1", "titre_corps": "Wilhelm Morgner: Holzarbeiterfamilie / Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Wilhelm Morgner: Holzarbeiterfamilie / Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 58, "texte": "Wilhelm Morgner: Holzarbeiterfamilie / Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c006", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.5", "titre_corps": "Blind", "titre_sommaire": "Blind", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.7", "debut_caractere": 1141, "fin_caractere_exclue": 1337, "texte": "Blind\nAlbert Ehrenstein\nTag um Tag\nstirbt ich bin,\n-wo geht meine Zeit denn hin?\nTraum versank,\nNacht ist Spiel,\nSchlaf das Gut,\nTod das Ziel.\nErde, Stern\nklingt nur so,\nOrt ist Ort — wer weiß wo?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c007", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.6", "titre_corps": "Prostitution und Jungfräulichkeit", "titre_sommaire": "Prostitution und Jungfräulichkeit", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.7", "debut_caractere": 1339, "fin_caractere_exclue": 5157, "texte": "Prostitution und\nJungfräulichkeit\nVon Alfred Döblin\nIst Seele da? Bene; wenn, dann auch Sexua-\nlität zu beseelen. Und Ruhe im Haus. Die Auf-\ngabe und Frage wie, comment?\nSiehe da, -dreifach merkwürdige Geisterschrift:\nFaun, Heiliger, Toggenburg.\nDie Geschlechtlichkeit ein Rattenfänger, der nur\nleibliche, keine seelischen Kinder hinter sich lockt.\nQeschlechtlichkeit ein wundervolles Geschenk\nRingelringelrosenkranz; aber dem Urteil nach Kette\nund Qual. Es flötet, aber Watte in den Ohren; es\ntapsen Schritte, aber Lähmung. Corriger la culture,\n— corriger la nature, nein, kein Grund! Rückkehr\nder Organe zum — Organismus, Beendigung der\nKleinstaaterei, Weltpolitik im Menschen. Bisher\nnämlich Montenegro und Freibeuterei Idealzustand.\nSexualität Ichdokument.\nLiebesreife. Liebe kein Verhalten des Fräulein\nEmma zum Herrn Gustav; sondern ein Zustand im\nFräulein Emma, an Fräulein Emma und Herrn\nGustav. Eine Eigenschaft, eine Fähigkeit von Fräu-\nlein Emma und Herrn Gustav: die Eingliederung\nder Sexualität in das Ich, die sexuelle Ausgliederung\ndes Ich. Wohlgemerkt: bedeutsame, einzigartige\nBemühung hinaus über die — Prostitution; Tendenz\nzu einem Ziel. Aeußere Ziellosigkeit, äußere Pro-\nstitution von Ewigkeit unvermeidlich; innere über-\nwindbar, wenngleich nur von Haus aus. Liebe der\nZusammenschluß von Sexualität und Ich.\nSkala von der persönlichen Sexualität zur sexu-\nellen Person. Zunehmende Hypertrophie der\nSexualität im Organismus, doch nicht bis zur Per-\nsonals leibhaftiger Sexualgebärde, sondern zur\nSexualgebärde in ganzer Persönlichkeit. Die Liebe\nein Mensch. Bitte keine Lyrik, sondern Psycho-\nlogie.\nDer Troubadour. Es können verschiedene Teile\ndes Ich sich an der Sexualität beteiligen, lieben, zur\nLiebe reifen. Möglichkeit des Ansaugens, oder\nauch Durchtränkens verschiedenartiger Ichteile\nmit Sexualität: verschiedenes kann gleichzeitig ge-\nliebt werden. Man liebt nicht Objekte oder Indi-\nviduen, sondern Qualitäten. Meist Ueberschattung\ndurch eine Qualität, Ichmasse. Der Troubadour\nliebend, fechtend, singend. Vielfältig, doch auch\nliebend. Von Don Juan unterschieden durch die\nErgriffenheit. Häufiger Jugendtypus.\nGretchen. Wenig was ihr, der Sexualität zu\ngeben noch übrig bliebe. Strömt schon Liebe;\nschon als Liebe. Uebrigens dumm, aber schadet\nnichts; faselt von Einigkeit der Liebe zu dem mo-\nmentanen Objekt. Anrüchige Sache, peinlich für\nObjekt und Subjekt. Angebliche Tragik, faktisch\nIntelligenzdefekt. Aber schadet nichts. Alle Men-\nschen müssen sterben.\nEndlich der Toggenburger. In sexueller Hypnose.\nDie Sexualität hat sich mit seinem ganzen Ich be-\nladen, ihn hohl sitzen lassen. Der Extremfall: mit\ndem organischen Sexualdrang des Gesamtich in\nsubtiler Innervation; auf elektrischen Druck mo-\nmentan sammelt sich das ganze Orchester zur\nMusik. (Bitte nicht Tannhäuser Venusberg, bin\nbekanntlich für kolossales Parsifal-Ausnahmege-\nsetz: der ganze Wagner nach Bayreuth; jedes\nUeberschreiten der Stadtgrenze bestrafbar mit\nTannhäuserteilen; im Wiederholungsfalle der ganze\nRing inklusive Götterdämmerung, Rheingold, Sieg-\nfried, Walküre; Gewohnheitsdelikt mit dem Bären-\nhäuter und Ansprachen von Hermann Bahr.) Der\nToggenburger verströmt sich nicht rettungslos in\nseiner Liebe, ihn brennt sie nicht, sie rast nicht\nfurienhaft hinter seinem Rücken; er selbst, was\nströmt; er selbst der Brand, die Furie. Sexualakt\nsonst eine hier, und da erfolgende, gelegentliche\nHandlung — hier ein furchtbares mysteriöses Er-\neignis. Ein Leben entlädt sich, braust an sein Ziel.\nDer Minuspunkt der Kokotten, der Nullpunkt der\nFrigiden, das Unendlichkeitszeichen des Toggen-\nburgers. —\nSexualbezeichnungen nicht alles erschöpfend\nzwischen 'den Geschlechtern. Bleibt übrig: das\nKind. Und die Herrschaftsverhältnisse zwischen\nMann und Weib als da sind1 zwei Tiere. Ein\nandermal, so Gott will."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c008", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "9", "image_debut": 7, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.7", "titre_corps": "Ueber Malerei insbesondere über tote und lebende Genußtiere", "titre_sommaire": "Ueber Malerei insbesondere über tote und lebende Genußtiere", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.7", "debut_caractere": 5167, "fin_caractere_exclue": 9432, "texte": "Ueber Malerei\ninsbesondere über tote und\nlebende Genußtiere\n\nDie Münchner Neuesten Nachrichten beschäf-\ntigen sich nicht nur mit dem Handel und den Alpen.\nDie Alpen erstrecken sich zwar bis auf den Roman,\nder noch unter dem Strich ausläuft. Aber sie ver-\nsperren der Zeitung völlig die Aussicht auf die\nKunst, trotzdem sie der Alpen wegen im Glaspalast\nuntergebracht ist. Die Kritiker dieser Zeitung\nsitzen oder schlafen in dem Glashaus. Sie sehen\ndie Alpen vor Bergen und die Kunst vor Bildern\nnicht. Nun könnte es schwierig scheinen, unter\neinigen Tausend Bildern Kunstwerke herauszu-\nfinden. Es ist aber nicht schwierig. Denn es sind\nkeine Kunstwerke dort vorhanden. Ein Grund\nmehr, sie zu „würdigen44. Die sechste Würdigung\ndes Herrn Dr. W. B. beschäftigt sich mit dem Idylli-\nschen. Wie es sich für ein gutes Lager gehört:\nder Doktor ordnet die Stoffe. Sein idyllisches\nLager besteht aus Interieur, Genre, Stilleben und\nTierbild. „Das reine Interieur ohne jede Staffage,\nist spärlich vertreten im Glaspalaste.\" Die Zeiten\nhaben sich geändert. Die Interieurs von heute\nsind keine Interieurs mehr. Die Leute, die in In-\nterieurs wohnen, sterben aus. Was soll der Künst-\nler machen, wenn der Handwerker der Bürger sei-\nner Phantasie nicht mehr in die Stube hilft. Nicht\neinmal in die gute Stube. Darum klagt der Doktor:\n„Ja, wenn der Maler doch zum mindesten ein fürst-\nliches Gemach zum Studienobjekt nimmt, wie Franz\nMullerer, dann kann er eines gewissen Interesses\nsicher sein. Das bedeutet keinen Tadel gegen des\nKünstlers päpstliches Zimmer in der hiesigen\nResidenz, das sehr gut gemalt ist. Für das auf-\ndringlich viele Gold, für den Geschmack von 1665\nist ja der Künstler nicht verantwortlich.\" Nein,\ndas ist er nicht. Und vieles Gold sieht man immer\ngern. Ueber den Geschmack läßt sich streiten, der\nGeschmack ist verschieden, und ein Schuft ist der,\nder mehr malt, als er sieht. Man kann von Franz\nMulterer nicht verlangen, daß er den Geschmack\nvon 1665 bessert, Ihn trieb der innere Gott, das\npäpstliche Zimmer von 1665 zu malen. Man kann\nsich denken, was er leidet, daß ihm sein Gott gab\nzu sagen, wie schlimm es um das Interieur von 1665\nbestellt war. Mit dem „reinen\" Interieur ist es also\nvorbei. Der heutige Maler muß schon eine han-\ndelnde Person auftreten lassen: „Hell und freund-\nlich ist Wilhelm Krelings Studie aus Schleißheim,\nwährend sein Rokokokircheninterieur mit dem\nsich beweihräuchern lassenden\nGeistlichen nicht mehr zu den reinen Inte-\nrieurs gezählt werden darf\". Der sich beweih-\nräuchern lassende Geistliche ist hoffentlich auch\nhell und freundlich, „dagegen malt Paul Felgentreff\nseine Tirolerbauernstube allzudunkel\". Das stört\ndie sonnige Natur des Doktors, der ein anderes\nInterieur von „wirklich lachender Morgensonne er-\nfüllt\" findet und sich über eine alte Schloßhalle\nfreut, „die nur etwas zu temperamentlos geraten\nist\". Ich finde den Vorwurf ungerecht, vielleicht\nwar die Temperamentlosigkeit der Geschmack der\nZeit, in der die Schloßhalle gebaut wurde. „Wird\ndas Innenbild mit Personen belebt, es kann auch\neine Landschaft sein, so entsteht daraus das früher\nso beliebte Genrebild. Heutzutage weiß man nicht\nmehr recht, was damit anfangen. Soll man eine\nBeschreibung des Inhaltes geben, im\nStile der Familienblätter; erzählen von der wunder-\nschönen Grafentochter, die aus dem hellerleuchte-\nten Schloßtanzsaale sich hinausstiehlt in den stillen\nPark und dort ihr Leid ausweint, weil eine noch\nwunderschönere auf dem Feste erschienen ist?\n,Es ist eine alte Geschichte . . .' Lieber nicht!\nDie rein malerischen Qualitäten betonen? Ich\nfürchte, der Ton wird dünn und schwach erklingen.\nBleibt nur hervorzuheben, das fast alle diese Bilder\nnach rein zeichnerischen Vorzügen zu bewerten\nsind\".\nEs kann einem leid tun um diese Gattung, der\ndie Töne ausgegangen sind. Früher, früher hatte\ndiese Gattung wenigstens Altmeister; Franz\nvon Defregger, auch Schmidt war Altmeister. Ja,\ndiese „Söhne Tirols\" fühlten die Alpen noch in\nihrem Busen. Der Doktor erzählt in seiner Kunst-\nkritik, daß sie „die Beschäftigung, Freud' (mit Apo-\nstroph, mein lyrisches Gemüt) und Arbeit des tiro-\nler Stammes darstellten\". Noch mehr: die Alt-\nmeister hatten das Glück, in einer Zeit geboren zu\nwerden, wo die Alpen sozusagen in eine neue Pe-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.8", "debut_caractere": 50, "fin_caractere_exclue": 3950, "texte": "riode ihres Daseins traten. In eine richtige histo-\nrische Periode. Der offenbar historisch geschulte\nKunstkritiker teilt den braven 'Münchenern mit, daß\ndas Auftreten der Altmeister in jene Zeit fiel,\n„die die Alpen nicht mehr als unangenehmste\nDurchgangsroute nach Italien, sondern als Quelle\nder Erholung und künstlerischen Genusses, als Som-\nmerfrische anzusehen begannen. Kein W'under\n. . .44 Kein Wunder, daß die Kunst blühen mußte,\nals die Zeit die Alpen als Quelle, sogar als Som-\nmerfrische ansah. Aber der alpine Kunstkritiker\nkann es sich nicht versagen bei dieser Gelegenheit\neinen Ausflug nach dem verhaßten Berlin zu\nmachen: „Alles, was sich zum Lobe der beiden\n(Altmeister) anführen ließ, kann auf die Schilderer\nBerliner Alpenbälle keine Anwendung finden. Was\nsoll man über alle die reizenden Dirndln, die lieb-\nlichen Bauernkinder schreiben? Nur seltsam be-\nrührt es, daß die kraftvolle Schönheit der männ-\nlichen tiroler Bevölkerung so wenig Schilderer\nfindet.44 Schlimmer als die Altmeister sind die\nBerliner Alpenbälle schließlich auch nicht. Und die\nsind gerade schlimm genug. Was macht man nur\nmit den reizenden Dirndln, über die sich nichts\nschreiben läßt. Vielleicht kann man sie in Gold\nmalen lassen von Karl Hartmann, dessen „Kinder\nam Chiemsee44 leicht und locker gemalt 'sind, wie\nder Doktor sagt. Der Mann müßte es doch können.\nUnd die kraftvolle Schönheit der männlichen tiroler\nBevölkerung übergebe man Herrn Oskar Ziegen-\nfus, der Bilder „in kräftigen Farben ohne Beschöni-\ngung gibt44. Da gibt es ferner den Künstler Koese-\nlitz, „dessen Bild durch seine frische Malweise an-\ngenehm auffällt, aber störend ist hier die Kompo-\nsition; es scheint fast, als gebe der Ritter seinem\nLieb, bevor er in die Schlacht zieht, noch einen\nFußtritt zum Abschied44. Das ist allerdings sehr\nstörend, aber vieleicht gehört der Fußtritt für das\nLieb zu der frischen Malweise. Man erfährt fer-\nner, endlich, was ein Stilleben ist: „Unter dem un-\nglückseligen Ausdrucke „Stilleben44, wie denn schon\ndie rein äußerliche Einteilung nach Objekten un-\nglücklich, aber kaum zu umgehen ist, werden ver-\nschiedenste Dinge zusammengefaßt:\nBlumen und Früchte, Gebrauchsgegen-\nstände und tote Genußtiere; und heute\nnoch ist es trotz Whistlers Aufforderung nicht ge-\nlungen, wenigstens für die letzteren Kategorien\neinen passenderen Namen zu finden.44\nOrdnung im Lager muß sein. Da hilft nicht ein-\nmal der innere Gott. Aber daß trotz Whistlers\n* Aufforderung für die toten Genußtiere kein pas-\nsenderer Name zu finden ist, als Stilleben, finde ich\nsehr traurig. Wie wäre es mit StilttoH Tchjfinde\nübrigens die Bezeichnung tote Genußtiere so außer-\nordentlich, daß die Maler sie sich für diese „letz-\ntere'4 Kategorie ohne Weiteres zu eigen machen\nsollten. Es ist eine Lust, von toten Genußtieren\nzu leben. Eine Lust mehr, sie unter dieser Be-\nzeichnung gemalt zu sehen. Aber der kunstkritische\nDoktor dankt auch für Obst: „H. Gottl. Kricheldorf\nhat Herzkirschen mit großer Bravour gemalt, auch\nseine ,vergessenen Trauben4 mit dem Stückchen\nMauer sind zeichnerisch und farbig gut.44 Das\nMahl wird immer leckerer. Tote Genußtiere, Herz-\nkirschen und die Trauben, die nicht länger im Ver-\nborgenen blühen. Aber nicht damit genug: „Der\nHummer mit dem Elfenbeinkrug sowie noch einigen\neßbaren und nur auf das Beschauen her-\ngerichteten Delikatessen kontrastieren\ngut mit dem weiß gescheuerten Tische44. Was\nmögen das für beschauliche Delikatessen sein, die\neßbar ein Stilleben führen. Der Doktor muß die\nQualen des bekannten Tantalus leiden, um so mehr,\nals „auch Alexander Köster sein Talent der\n•Darstellung der Ente widme t 44. Wie\nweise hat es die Natur wieder eingerichtet, daß sie\nder Ente einen so guten Magen gab. Sie ist im-\nstande, auch den Köster zu verdauen. Die Haus-\ntiere sind nicht vergessen. Eine alte Dame malt\n..ihre BtlWHo9rPrP mit Hpm n Irrtnrriorciti +\n*£0* ** ■ jür \" ... '^Nßu."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 548, "texte": "Bewußtsein, das dieses Tier zum Liebling unserer\nVettern jenseits des Kanals macht\". Die Vettern\ndürften sich für diese Base mit dem knurrigen\nSelbstbewußtsein bedanken. Und zum Schluß, o\nLieblichkeit über Lieblichkeit, „Julius Adam hat\neine seiner beliebten Katzenfamilien, die erst neu-\nlich anläßlich des siebzigsten Geburtstages des\nKünstlers ihre Würdigung hier fanden, geschickt\".\nWenn nur die lebenden Genußtiere die toten nicht\nauffressen.\nSo malt sich in dem Kopfe des alpinen Münche-\nner Kunstkritikers die Welt, die Malerei heißt.\n\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c009", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.8", "titre_corps": "Artur Segal: Vom Strande 1 / Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Artur Segal: Vom Strande 1 / Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 48, "texte": "Artur Segal: Vom Strande 1 / Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c010", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.9", "titre_corps": "Baudelaire", "titre_sommaire": "Baudelaire", "signature_source": "Jacques Rivière ; Baudelaire", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.9", "debut_caractere": 550, "fin_caractere_exclue": 6688, "texte": "Baudelaire\nVon Jacques Rivière\nBaudelaire\nUebertragung aus dem Französischen von Jean-Jaques\nO vous, soyez temoin que j'ai fait mon devois\nComme un parfait chimiste et comme une äme sainte.\nEr ist mitten' unter uns. Er zieht sich nicht in\ndie Wüsten zurück, um als Dichter und Prophet\nzurückzukehren. Er wird die Natur nicht anflehen,\nihn göttlich zu machen. — Aber er ist mit uns. Ich\nsehe ihn auf der Straße : er denkt an seine Schulden\nund geht dahin und recht ununterbrochen. Er baut\nLuftschlösser über Artikel, deren Bezahlung ihn\nrangieren könnte. Oder vielleicht denkt er über\nirgend eine Liebenswürdigkeit für den Freund nach,\nden er besuchen geht. Oder vielleicht „arbeitet\"\ner noch innerlich an einem Gedicht, stellt Worte in\nOrdnung, die nicht recht zueinander passen. —\nVielleicht hätte ich ihn gekannt — hätte ich nur\nseine Einfälle und Launen kennen gelernt. Aber\ner hatte eine Seele. Er trug sie mitten unter seinem\nLeben. Sie war zugegen, wenn irgendein Leiden\noder eine Gier sich seiner bemächtigte. Sie war\nbereit, alles mitzufühlen; nicht mit Dilettantismus,\nsondern wie eine echte arme, für die Sorge und\nSorgfalt geschaffene Seele. Die Seele, das unbe-\nkannte in uns, das alle unsere Abenteuer lauernd\nbeobachtet! Bei sich zu Hause ließ er sie sich\nbefreien. Sie sprach klug und erzählte ihre Prü-\nfungen leidenschaftslos, glanzlos. Sie bestand ihr\nGewissensexamen. Und dennoch: sie allein klagt\nsich nicht mehr an, aber meine Seele und die eure,\ndie wir doch so sorgfältig zurückgehalten hatten,\nund die wir nicht so großer Leidenschaften fähig\nerachteten.\nI\nBeherrschte Poesie\nDu machst den Eindruck eines schönen Schif-\nfes, das in See sticht.1)\nSie ist voll lehrreichen Inhalts. Sie schwebt\ngehorsam mit ihren fügsamen Fängen. Man fin-\ndet keine Verse, die sich in einen graden unend-\nlichen Weg zwängen, die sich einer dem andern\nanschmiegen, die sich von selbst vermehren. Aber\njedes einzelne Stück ist das reine Umgehen einer\nStrömung, die Treue des Wassers zwischen sich\nwindenden Ufern.\nDiese geführte Poesie reißt alle Worte in\nihrer Zahl mit sich. Die seltensten stehen neben\nden gebräuchlichsten, die bescheidensten neben\nden kühnsten. Aber, untergehend in der sicheren\nund zarten Bewegung des Gesamten, überrascht\nkeines. Merkwürdiger Schwung der Worte! Bald\nwie - eine Ermüdung der Stimme, bald wie eine\nplötzliche, das Herz überkommende Bescheiden-\nheit, wie ein geschmeidiges Dahinschreiten, wie\nein Wort voller Schwäche:\nEt qui sait si les fleurs nouvelles que je reve\nTrouveront dans cesal lave comme une gr£ve\nLe mystique aliment qui ferait leur vigueur.1)\nOder:\nqui les ahne augmente ses\nverdures. 2)\nScharfsinnige Einschränkung, die die Gedrängt-\nheit des Verses schwächt. Wahl der Geringfügig-\nkeit. Kompromiß mit dem Schweigen.\nManchmal dagegen kämpfen . die stärksten\nWörter voller Wut, erstickt. Sie grollen ohne\nSchrei. Sie sind den Flüssen entrissen und ver-\nlieren sich in der stummen, verhaltenen Macht des\npoetischen Schwunges:\nCheveux bleus, papillon de tenebre tendues,\nVous me rendez l'azur du ciel immense et rond;\nSur les bords duvetes de vos meches tordues\nJe m'eßivre ardemment des senteurs conforidues\n' De l'huile de coco, du musc et du goudron.3)\nAber immer übt der Dichter seine Herrschaft\nüber seine Dichtungen aus. Er leitet sie, langsam\nund durchgeführt. Wie es ihm paßt, zu ihrem\nZiele. Er lenkt durch seinen einflußreichen Ge-\nschmack. Er bedient sich gern ungeahnter Worte\n— man könnte sagen abgeschmackter Worte. Aber\ner tut es, um ihre Sonderbarkeit zu schwächen, um\neine Harmonie über sie auszugießen, um das Ab-\nfließen einzuengen, das er ihnen, launenhaft geöff-\nnet hat. 4) Wie die, die sich vollkommen dessen,\ndas sie sagen wollen, bewußt sind, sucht er die\nfernsten Ausdrücke; dann führt er sie näher heran,\nbeschwichtigt sie, gibt ihnen eine Gemessenheit,\ndie man an ihnen nicht kennt.\nEr ist Dichter, das heißt er gestaltet\nVerse wie eine kühne, nützliche und wohlüberlegte\nArbeit.\nEine solche Poesie kann nicht Inspiration sein.\nZweifellos ist sie begeistert, eine Begeisterung, die\njedoch nur die Befreiung der arbeitenden Dichter-\nkraft ist. Baudelaire beschreibt sich selbst in\nseinen Irrungen, wie er dichtet:\nHeurtant parfois des vers depuis longtemps\nreves.5)\nDie sprudelnden Sätze, die die ursprünglichsten\nzu sein scheinen, sind immer wie eine plötzliche\nAuflösung, wie ein vorbereiteter Blitz. Wie der\nsteigende, zarte Gedanke sich ohne Eile der Dun-\nkelheit, die er war, entzieht, so behält auch der\npoetische Fluß trotz seinem Wirkungsvermögen\neine gewisse Langsamkeit:\nJ'aime de vos longs yeux la lumiere verdätre ..°)\nEr ist einsam wie eine große Blume. Bei Bau-\ndelaire wuchern die Gleichnisse nie so wie bei den\nInspirierten. Der Dichter fürchtet die dichterischen\nSituationen, Gedanken, deren einfaches Aussagen\nringsum die Metaphern wie Flammen aufglühen\nläßt. Er ist nicht gern von dem Glanz seiner Ein-\nfälle umgeben und umschlossen. Er gibt sich nichts\nim Anfang. Aber die Bilder entstehen rings um sein\nWort; von ihm erweckt, erheben sie sich; sie blei-\nben bei ihm; sie bilden einen geordneten Festzug.\nSie klammern sich an einen einfachen Vokativ,\nstützen ihn, erfüllen ihn mit dichtem, düsterem\nLichte:\nJe t'adore ä l'egal de la voüte noturne.\nO vase de tristesse, ö grande taciturne ....\nSie sind die Gestalt selbst der\nsie schmiegen sich dem Satz an:\nQuand vers toi mes desirs partenten caravane,\nTes yeux sont la citerne oü boivent mes\nennuis. . .*)\nSie gleiten in den Dialog; sie sind in der Frage\nund in der Antwort:\nD'oü vous, disiez-vous, cette tristesse etrange,\nMontant comme la mer sur le roc noir et nu?2)\nUnd in der „Chevelure\":\nN'es-tu pas l'oasis oü je reve, et la gourde\nOü je hume ä longs traits le vin de Souvenir?3)\n1) Tu fais raffet d'un htm vaisse&ts qui prend le\n•. —« «\"-f.-\n1) L'Ennemi, p. 101\n2) Boh&niens du voyage, p. 104\n3) La Chevelure, p. 120\n4) Claudel sagte von Baudelaires Stil: „Es ist ein\nmerkwürdiges Gemisch aus dem Stil des Racine\nund dem Stil der Journalisten seiner Zeit\".\n5) „Le Sobeü\", p. 251\ni Anf Aturio\" n \"LTQ\n1) „Sed non satiata\", p. 123\n2) „Semper eadem\", p. 145\n3) „La Chevelure\", p. 120"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c011", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.10", "titre_corps": "Adler und Zaunkönig", "titre_sommaire": "Adler und Zaunkönig", "signature_source": "S. Friedlaender", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.9", "debut_caractere": 6709, "fin_caractere_exclue": 9209, "texte": "Adler und Zaunkönig\nVon Dr. S. Friedlaender\nHerr Carl Albrecht Bernoulli, der mein Bach\n„Friedrich Nietzsche / Eine intellektuale Bio-\ngraphie\" vor kurzem in der „Frankfurter Zeitung'4\nbesprochen hat, läßt mich als „Zaunkönig\" figu-\nrieren, „der sich aus den Schwingen des ermüdeten\nAdlers noch um ein Stück höher über ihn erhebt\",\nund „der Respekt vor den siebzehn Bänden, die\nNietzsche hinterlassen hat, verträgt sich nicht recht\nmit einem solchen Zaunkönigsflug\". Nun behaupte\nich — die Beweise liegen in jenen „siebzehn\" und\nmeinem einen Bande ad oculos demonstriert —:\nNietzsche ist kein „ermüdeter\" Adler, das Gleich-\nnis hinkt aber auf mehr als einem Bein. Von der\nAuffassung Nietzsches als ermüdeten Adlers ist der\nRückschluß auf eine Froschperspektive, in der man\nAdler und Zaunkönige leicht verwechselt, sehr nahe-\ngelegt. Zu solchen Höhen aufblickend, kann selbst\nder scharfsinnigste Rezensent, wenn es ihm an Re-\nspekt (nicht vor bereits bekannten, sondern) vor\nunbekannten Größen gebricht, einer perspek-\ntivischen Täuschung unterliegen. Das Große\nschätzt jeder, der es nur sieht; aber beim\n„Kleinen\", ja Mikroskopischen, da nehmt euch in\nacht! Hier nutzt euch die Berufung auf die\nAugen sicherlich beim Vulgus (des Denk- und\nLesepöbels), niemals beim Kenner. Das Kleine kann\nklein sein oder klein scheinen. Siebzehn aus-\ngewachsne Bäume lassen sich hier leichtfertig\ngegen ein Samenkorn ausspielen. Also, der Re-\nzensent hat darin recht, daß er mich\nwinzig findet; er irrt aber \"darin, daß\ner diese Winzigkeit für das Auge als\neine für die Einsicht nimmt. — Bekannt-\nlich trägt der Adler Zarathustra's eine Schlange um\nseinen Hals geringelt. Mein Grundgedanke ver-\ngleicht sich lieber dieser Schlange. Sie ist\n„buntscheckig\", sie kriecht und windet sich, sie\nkäme, ohne Adlerschwingen, nicht zur Höhe —\naber sie ist kein Zaunkönig. Gegen diese Meta-\nmorphosierung protestiert sie kraft Nietzsches eige-\nner Gewalt und aus der Machtvollkommenheit des\nGedankens aller Gedanken, den diese uralte listige\nSchlange gewiß noch vernehmlicher ins Ohr des Ad-\nlers reden wird. Es gilt den Rangstreit der Gedan-\nken, keiner Personen. Die Philosophie kennt nicht\nKant sondern „die Kritik der reinen Vernunft\"; sie\nkennt schon deshalb keinen Friedlaender, weil sie\nkeinen Nietzsche kennt. Und gesetzt, Friedlaender\nwäre Zaunkönig — es gibt nicht soviel Zaunkönige,\ndie sich eines Adlers bedienen können. 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Aber die\n„.Vossische Zeitung\" sagte „Verheißung\" und stellte\nd-en jungen Verfasser an die Seite (mehr kann man\nnicht verlangen) des Freiherrn von Ompteda\n— na!\n. . . Stünde mir ein Blatt offen, dessen Redak-\nteur nicht weniger von Literatur verstünde als ich,\nso schriebe ich folgendermaßen (Anfangen würde\nich nicht mit Jacob, vielmehr so):\nErich Mühsam, beliebter Anarcho-Schüttelkünst-\nler, schreibt ein entlegenes Blatt voll. Doch was\ngeht vor? Statt Reime zu schütteln, schüttelt er\nseinen haarigen Kopf? — und über meine Lyrik??\nSei's ich lasse seinen teuren Schädel unge-\nschoren.\nUnd ohne Uebergang bliese ich den Marsch:\nDer Jacobband hat Qualitäten. Man griffe ihn\nweniger scharf an, . . . nähme man ihn weniger\nernst. Aber der Jacobband folgt den Spuren heu-\ntiger Theatraliker; Psychisches hat nicht Geltung,\neh es nicht makartisiert ist. Statt das. was wir mit\nKerr „Ewigkeitszug\" nennen, im Erleben zu haben\nund in der Gestaltung auszudrücken (nämlich das\nist der Beginn der Kunst) —: statt dessen folgt der\nBand dem Prinzip der künstlichen „Aufhöhung\".\nSehr verdächtig ist immer diese Würde: sie ersetzt\nein Zuwenig an ernstem Gefühl durch ein Zuviel an\nzeremoniöser Gravität. Ein Mangel an schöpfe-\nrischem Lebensgefühl zwingt diese Autoren, ihre\nSeelenerlebnisse zu jdolisieren und damit zu idioti-\nsieren.\nMeine Meinung geht nicht gegen\nSublimierung von Erlebnissen (sie ist\nder Anfang der Kunst) — nurgegen Aeußer-\n-1 i c h k e i t. Diese Autoren bringen Stimmung von\naußen heran. Sie mixen. Sie haben ein Lexikon\nfür Gegenstände -der ewigen, klassischen Art und\nfür solche der täglichen, naturalistischen Art. (Bier-\nflaschen beispielshalber, wären zu Art II zu rech-\nnen, Fürstenschloß zu Art I. Lange Sätze: Art L\nkurze Sätze: Art II . . .)\nMeine Autoren, nicht Würde ist Aeußerlich-\nkeit, nicht Feierlichkeit, nicht Schwung, nicht Qe-\nhobenheit, nicht mystisches, nicht tragisches Emp-\nfinden —, nur eure Würde ist äußerlich, nur . eure\nDekoration und, Donnerwetter, Versan-\ndung und Verkitschung! .. . Dem Jacobbande\nmangelt es nicht an Stellen voll Schönheit und\nInnerlichkeit. Darum ist es doppelt traurig und auf-\nreizend, mitansehn zu müssen, wie dies beseelte\nTalent sich selbst einer falschen Theorie zum\nOpfer bringt.\nDas Buch erschien im Verlag Erich Reiß Berlin"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c013", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "10", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.12", "titre_corps": "Dritter Jahrgang", "titre_sommaire": "Dritter Jahrgang", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.10", "debut_caractere": 2621, "fin_caractere_exclue": 7422, "texte": "Dritter Jahrgang\nErstes Halbjahr\nDie römischen Ziffern bezeichnen die Nummern,\ndie arabischen die Seitenzahlen der Zeitschrift\nBeiträge\nI'osef Adler\nDer geniale Heilemann CXII 60\nPeter Altenberg\nBesuch CV 2\nAdolf Behne\nZwei Ausstellungen CVII /19\nErnst B 1 ä s s\nDas Leichenbegängnis der Qemma Ebria CXXVII/\nCXXVIII 155\n©raberto Boccioni\nCarlo D. Carro\nLuigi Russolo\nGiacorno Balla\nCüno Severini\nFuturisten CV 3\nD. B u r I j u k\nDie „Wilden\" Rußlands CXXIII/XXIV 130\nCXXV / CXXVI 140\nC a r 1 D a ! 1 a g o\nKarl Kraus / Der Mensch CXV / XVI 77\nCXVII / CVIII 90\nA l f r e d D ö b 1 i n\nDer schwarze Vorhang (Roman) CV 3 CVI 10\nCVII 18 CVIII 27 CIX 34 CXI 52 CXII 59\nCXIII/XIV 66 CXV/XVI 80 CXVII/XVIII 92\nDie Bilder der Futuristen CX 41\nJungfräulichkeit und Prostitution CXXV/CXXVI 141\nCXXVII/CXXVIII 152\nUeber Jungfräulichkeit CXXI/CXXII 121\nHans Ehrenbaum - Degele\nGedichte CIX 34 CXVII/CXVIII 92\nAlbert Ehrenstein\nGedichte CXXIII/XXIV 128 CXXVII/XXVIII 152\nDr. S. Friedlaender\nAdler und Zaunkönig CXXVII/XXVIII 154\nMax Steiner: „Die Welt der Aufklärung4'\nNachgelassene Schriften CVII 20 CVIII 28\nRichard Fuchs\nDer Ursprung der Künste CIXX/XX 106\nPaul Hatvani\nLichtenberg CXV/XVI 79\nVorlesung Else Lasker-Schüler CV 6\nRaout Hausmann\nWieder Herr Scheffler CXV/CXVI 86\nKarl Borromäus Heinrich\nMenschen von Gottes Gnaden (Roman)\nCXXI/XXII 115 CXXIII/XXIV 126\nCXXV/CXXVI 135 CXXVII/CXXVIII 147\nFranz Herczeg\nDie blaue Dohle CIXX/XX 104\nKurt H i 11 e r\nFritz Stahl CVIII 27\nPaul H i 11 e r\nDie indische Tänzerin Rosha Nora CXV/XVI St _\nk Arno Holz\nf Phantasus CX 43\nFritz H ü b n e r\nEin Lyriker CXIII/XIV 68\nFranz Jung\nJosef CIXX/XX 109\nWassily Kandinsky\nFormen und Farbensprache CVI 2\nLothar von Kunowski\nDer Stil der Linie GXVII/XVIII 96\nFolie und Fassung CXKI/CXXII 120\nElse Lasker- Schüler\nBoas CX 41\nBriefe nach Norwegen CXIII/CXIV 68\nGedichte CV 2\nLasker-Schiiler contra B und Genossen CXI 51\nVersöhnung CXXV/CXXVI 134\nWenn mein Herz gesund wär CVII 18\nRudolf Leonhard\nGedichte CXII 58\nAlfred Lichtenstein\nGedichte CXII 62\nDetlev von Liliencron\nBriefe an Peter Hille CXXV/CXXVI 134\nCXXVII/CXXVIII 146\nEgon L öw y\nDer Philosoph CXIII/XIV 69\nFranz Marc\nIdeen über Ausstellungswesen CXIII/XIV 66\nZur Sache CXV/CXVI 79\nF. T. M a r i n e 11 i\nA FAutomobile de course CIX 36\nTod dem Mondschein CXI 50 CXII 57\nGünther Miirr\nMarie CXV/XVI 85\nHeinrich N o w a k\nGedichte CXVII/CVill 98 CXIX/CXX 110\nOtto Pick\nDer Selbstmord eines Katers CXV/XVI 85\nRichter - Berlin\nMalerkritiker CV 4\nThaddäus Rittner\nJour Fixe CIXX/XX 106\nJacques Riviere\nBaudelaire CXXVII/VIII 154\nCesar Franck CXXI/XXII 122\nCezanne CIX 36 CXI 54\nRunge\nGedicht CXXIII/XXIV 130\nValentine de Saint - Point\nManifest der futuristischen Frau CVIII 26\nPaul Scheerbart\nDas Ozeansanatorium für Heilkranke\n(Telegramm Novelle) CXXIII/XXIV 128\nMitternachtsbesuch CXXI/CXXII 118\nTiefe Geschäftsweisheit CXII 58\nCurt Seidel -Turin\nFranz von Stuck CVI 14\nLa Voce CXIII/CXIV 72\nGrete Tichauer\nAus einem Gelächter Zyklus CXXI/XXII 116\nMein grünes Kleid CXVII/CXVIII 92\nPaul Zech\nGedichte CVI 14 CVII 19 CXI 54\nCXVII/CXVIII 96\nRheinhafen CXXV/CXXVI 137\nJ. A.\nBerliner Frühling CIX 36\nDame und Dirne CXIX/CXX 109\nNachlese CV 6 CVI 14\nh! w.\nAbwehr CVX 33\nApril CV 1\nBab der Lyrikfinder CXXV/CXXVI 140\nBab der Lyriksucher CXXIII/CXIV 125\nDas Senkblei ins Ewige CXXI/CXXII 121\nDeutsche Dichter und Deutsche Richter\nCXIX/CXX 102 CXXI/CXXII 114\nDie Denunziation als Rettung CVIII 25\nEntdeckungen CVI 10\nKunst als Spiel und Stil CXII/XIV 72\nLetzte Nachrichten CXII 62\nLiteratur und Kunst CVII 17\nNeues von der Kunst CXI 54\nNotiz CXV/CXVI 86\nPfingsten CXII 57\nSchöne Künste CXIII/CXIV 73\nUeber Malerei CXXVII/XXVIII 152\nZeichnungen\nUmberto Boccioni\nLa peinture des etats d'äme I CVII 21\nCVIII 29 CIX 35\nna nn s Bolz\nle pere tranquüie / Zeichnung CXIII/XIV 65\nCesar Klein\nOrigmalholzschnitt CV 5, CXV/CXVI 81\nKari Ger lach\nDas Konzert / Holzschnitt CXI 49\nOskar Kokoschka\nZeichnungen CV/CVI 9\nFranz Marc\nTierlegende CXXVII/CXXVIII 145\nVersöhnung CXXV/CXXVI 133\nMor i z Mel z e r\nOriginalholzschnitte CXV/XVI 84 CXVII/CXVIII 93\nWilhelm Morg n e r\nFressender Holzarbeiter 112 Originalholzschnitt\nCXXV/CXXVI 138\nHolzarbeiterfamilie CXXVII/CXXVIII 150\nHolzschnitt CIX 37\nLandschaft mit strahlender Sonne / Original-\nholzschnitt CXII 61\nOriginalholzschnitte CIX/CX 37 CXIII/CXIV 74\nPablo Picasso\nZeichnungen CVII 17 CX 41\nRichter - Berlin\nBahnwärterhäuschen CXXI/XXII 117\nLandschaft mit Bachmühle CXIX/CXX 105\nLandschaft mit holländischer Mühle CXIX/CXX 107\nDer Torsteher / Holzschnitt CXI 53\nFr. Rosenkranz\nOriginalholzschnitte CXIX/CXX 101 CXXI/CXXII 119\nArtur Segal\nDie Dame / Holzschnitt CXVII/XVIII 95\nOriginalholzschnitte CXVII/CXVIII ■&\nCXXI/CXXII 113\nVom Strande I / Originalholzschnitt\nCXXVII/CXXVIII 153\nGeorg Tappert\nOriginalholzschnitt CVI 13 CXIII/CXIV 70/71"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c014", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.13", "titre_corps": "Notizen", "titre_sommaire": "Notizen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 370, "texte": "Notizen\nDer Herausgeber dieser Zeitschrift empfängt ein-\nmal monatlich Sonntags von 4 bis 7 Uhr in 'der\nAusstellung Der Sturm, Königin Augustastraße 51.\nIm Oktober: am dreizehnten des Monats.\nWegen Einladungen wende man sich an die Redak-\ntion dieser Zeitschrift\nWilhelm Morgner, von dem sich ein Holz-\nschnitt in dieser Nummer befindet, ist Mitglied der\nNeuen Sezession"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c015", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.11", "debut_caractere": 930, "fin_caractere_exclue": 1455, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitsehrift der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\ngegenuber der vier HeydtstraBe\nFahrgelegenheit: Liitzowplatz\nSechste Ausstellung\nJungbelgische Kunstler\nGemalde Plastlk Graphik\nRyk Wouters\nJames Ensor\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nGeofinet taglick yon 10—6 Uhr / Sonntags vo* It—2 Ukr\nSchhsS der Ausstellung: 29. September\nSiebente Ausstellung\nWassily Kandinsky\nErste Kollektivausstellung mit Gemaldea aus den\nJahren 1901 bis 1912\nEroffnung: MIttwoch, den 2. 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Die Fackel enthalt\nnur Beitrage von Karl Kraus. Neueste Nummer\n354—356. Imhalt: WeiBe Frau und schwarzer\nMann / Glossen / Die Kunst verbindet / Glos-\nsen I Die Kinder der Zeit / Preis dieser drei-\nfachen Nummer 75 Pfennig / Verlag Die Fackel /\nWien III/2.\nL'Effort Libre / friiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne].\nL'lndSpendance / Halbmonatsschrift / Kiinste I\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c019", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.11", "debut_caractere": 4883, "fin_caractere_exclue": 5106, "texte": "Les Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue FranQaise I Monatsschrift /\nVerlag Marcel Riviere et Cie / Paris 7 1 Rue\nSaint-Benoit / Nummer 1 Francs 50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c020", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.11", "debut_caractere": 5108, "fin_caractere_exclue": 5116, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-09-21-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-09-21_01#c021", "volume": "bmtnabg_1912-09-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.11", "debut_caractere": 5118, "fin_caractere_exclue": 7573, "texte": "Else Lasker-Schiiler: Mein Herz / Ein Liebes-\nroman mit Bildern und lebenden Men-\nschen / Das Buch erscheint im Herbst, kostet ge-\n» «\nheftet drei Mark, gebunden vier Mark. Prospekte\nkostenlos durch den Verlag H e i n r i c h F. S.\nBachmair, Miinchen, KurfiirstenstraBe 39\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder <ier Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandlung /\nBerlin W 15, Kurfiirstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraBe / Eckhaus / Fernruf Amt Charlottenburg\n14297 I Der Inhaber <des Graphischen Kabinetts\nJ. B. Neumann eroffnet in der SchillerstraBe 6 (am\nKnie) eine Ausstellung fiir die neue Malerei. In ihr\nsollen ausschlieBlich Werke jlingerer Kiinstler ge-\nzeigt werden. Sie ist als eine der\nInternationalen Ausstellung des Sonderbunds zu\nKoln im kleineren MaBstab gedacht\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar /\nBerlin W 35, PotsdamerstraBe 27 b. Fernruf Ami\nLiitzow 5850\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLtitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur.\nFritz Stolpe Berlin W 35 Genthinerstrafie 42\nFernsprecher Amt Liitzow 3752. Gegriindet im Jahre\n1873. F ab r ik f iir Gemal derahmen in alien\nhistorischen und neueren Stilarten. Kopieen yos\nRahmen nach alten Meistern in Originalgoldt5nua-\ngen. Samtliche VergoMerwaren. Moderne und *n-\ndere Vergoldungen an Mobeln und Innenarchitek-\nturen, Reparaturen und Neuvergoldungen aller Ge-\ngenst&nde, Aufarbeiten aller Arten von Antikeo.\nReinigung von Gemalden und Stichen.\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94,\nFernruf Amt Charlottenburg 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf*\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern ?\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangeu,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\n' V A"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.1", "texte": "Umfang zwölf Seiten\nEinzelbezujr 40 Pfennig\nafl£E| 9bb I ■ jJji$iji Ehs^\n9B| Bes» hiu» m 1 jffi\n';__ -.. t ajHtaMBBBi (KS n WKBBäCT|Sfc\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 18\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nDRITTER JAHRGANG\nBERLIN SEPTEMBER 1812\nNUMMER 127/28\n\nInhalt:\nDetlev von Liiiencron: Briefe an Peter Hille / Karl Borromäus Heinrich: Menschen von Gottes Gnaden / Albert Ehrenstein: Blind / Alfred\nDöblin: Prostitution und Jungfräulichkeit / H. W.: Ueber Malerei, insbesondere über tote und lebende Genußtiere / Jacques Rivi&re: Baude-\nlaire / Dr. S. Friedlaender: Adler und Zaunkönig / Ernst Blass: Das Leichenbegängnis der Gemma Ebria / Inhaltsverzeichnis des ersten Halbjahrs /\nNotizen / Franz Marc: Tierlegende / Wilhelm Morgner: Holzarbeiterfamilie / Artur Segal: Vom Strande I\n\nFranz Marc: Tierlegende / Origtnalholzsehnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.2", "texte": "Briefe an Peter Hille\nVon Detlev von Lilieticron\nSiebenter Brief\nAnfang des Briefes fehl\nContinuatio von heute Mittag;^®\nHamburg, Centrai-Hotel, 23. tember 86.\nAch, Lieber, was denn ist es?««rEins halte ich\nfür vollkommen notwendig, ja fil? unbedingt not-\nwendig: ein Charakter zu sein. Und wie oft\nschmähen wir einen solchen Menschen, nennen ihn\nPedanten, kalt, nichts vom Leben habend, eisig,\nunsinnig: daß er nichts vom Leben hat; usw. Ja,\nund dennoch, tausendmal dennoch ist mir der\nMensch, der unglückselige, der von Traum zu\nTraum fällt, unpraktisch: dadurch stets „hinein-\nfällt\": glühend, glühend, ohne zu bedenken: den\nAugenblick (— o weile, du bist so schön! —) er-\ngreift: um zu genießen; nach keiner Zukunft fragt;\nalle die Millionen Widerwärtigkeiten hinnimmt,\nohne vorher an sie zu denken, der sympathischere.\nWas, wie sollen wir denken . . . handeln. Immer\nnur ein einziger ungeheurer Widerspruch des\nLebens. Und so widerspreche ich mir jetzt: es\nsind die Menschen des Höchsten zu achten, die\nruhig, kalt, geradeaus berechnend (— da sie ein-\nsehen, sonst sofort unter die Füße getrampelt zu\nwerden —) ihres Weges: ohne Freude, ohne In-\nnerstes, gehen. Welche Studien habe ich gerade\ndarin im Offizierkorps machen können. In fliegen-\nder Hast schreibe ich jetzt an einem Roman, um die\noben genannten Kategorien, wenn ich so sagen\ndarf festzunageln (— zwei Rittmeister, Vettern, die\nsich durch ihre gegenüberstehenden Naturen has-\nsen —); das kann ein tiefes und vertieftes Lebens-\nbild geben. Ich fange sehr naturalistisch an: „wat,\nSchiet, lat mi tofreden . . .\", usw. Echte Szenen\naus Bauernkneipen dazwischen, aus dem Volke;\ndann wieder in der „Gesellschaft\"; und so kann\nTausendes hineinkommen. Ich sehe nämlich das\n„Volk\" viel durch meine Jagdzüge. Ein Dichter\nmüßte Jäger sein. Gerade das Abseits des gewöhn-\nlichen Weges des Jägers bringt ihn zur Natur.\nFreilich, freilich, ich meine unter Jäger keinen\nMörder nur; pfui über solchen Aasjäger. Aber\nJäger: Sanft an die Natur schmiegen; im Gras,\nunter Bäumen, in der Schänke frühstücken. . .\nUnd doch, und doch! immer wieder: Ein Charakter\nist das höchste. Der Charakter aber macht die\nPflicht: die Pflicht gegen sich selbst, die Pflicht\ngegen sein Volk, König, Land. Es ist ja entschieden\nder Patriotismus der äußerste Grad des Philister-\ntums; aber ohne Vaterlandsliebe: wie elend!!! Ich\nbetrachte jetzt in diesen Tagen das wieder: die\naltpreußische nüchterne Pflicht: wie ;in <meinen\nBureaus die Feldwebel, die Unteroffiziere, die\nSchreiber, an der Spitze auch die Offiziere: ar-\nbeiten; wie zum toll werden ist dieses nüchterne\nKasernenstubenleben! Aber wie exakt, wie pünkt-\nlich geht alles. Immer egal weg. Mich überläuft\noft ein Schauder, wenn ich um %8 jetzt in mein\nBureau trete: zuerst 500 Briefe täglich öffnen,\nmeistens derselbe Quark; dann verteilen. Dann\nsitzt alles bis 2 Uhr, und schreibt und schreibt und\nschreibt: immer derselbe Quark; gräßlich, aber —\ndie altpreußische Pflicht, ob General, ob Musketier.\nWie komisch, Lieber, kommt es mir nun vor: Vor-\ntrag über so langweilige Dinge halten zu müssen,\nmit tiefernstem Gesicht: immer dasselbe, immer\ndasselbe! Und doch: wie eine Ruhe, so kommt es\nüber einen. Freilich jene Ruhe, an der man ge-\nfälligst nach 6 Wochen in der Schaukel der gräß-\nlichsten Langeweile sitzt. Aber — die Pflicht. Und\nglaube mir: In diesem preußischen Exerzierregle-\nment, ob in der Schreibstube, ob auf der Felddienst-\nübung; auf dem Exerzierplatz im langsamen\nSchritt: es sitzt Geist darin! Das ist's ja gerade.\nDer preußische Soldat wird, trotz der eisernen\nStrenge (und, Gott sei Dank!, daß es so ist), nie-\nmals Automat. Eine gewisse Selbständigkeit wird\njedem Soldaten unausgesetzt gepredigt: im vor-\nkommenden Falle für sich handeln zu können.\nUnd das zeichnet vor den anderen unsere Armee\naus. Und wie streng wird unser Offizierkorps er-\nzogen! Wieviele Rüffel, Ermahnungen. . . Wie-\nviele liebevolle Winke auch vom älteren dem jün\ngeren Offizier. . .\nJa, die Pflicht, o diese langweilige Weide am\ngrauen Eisenbach, der nicht plätschert, der nicht\nmurmelt, der keine Blume mit sich führt. Die un-\nscheinbare graue Weide am grauen, gleichmäßig\nohne Getöse vorbeiziehenden Fluß.\nJa, die Pflicht, du Lieber. Es ist etwas Hei-\nliges in der Pflicht. Goethe sagt: „Was ist deine\nPflicht? Die Forderung des Tages.\" Wie immer\nbei Goethe: ein Himmels-, ein Weltwort. Pflicht\nmacht aus unserer Selbstsucht die Selbstzucht.\nSelbstsucht Selbstzucht.\nWie herrlich das Wort des Kronprinzen neu-\nlich in Heidelberg. . . Aber beim Jupiter. . . Die\nPflicht? Ja, aber dann können wir ja ruhig den\nDegen einstecken. . . Dann: wenn wir die kalte\nstrenge, gleichmäßige Dame Pflicht beherbergen\n— o Welt, wo bist du denn mit deiner Lust, mit\ndeinen Freuden . . .\nDa geht ein Weib, ein Mädchen . . . O mein\nGott, du liebst sie gleich, du möchtest dein Blut im\nwarmen Bett hergeben, sie heiß, heiß, wie es die\nNatur will, an dein stürmisches Herz pressen . . .\naber ... da sitzt vielleicht ein ander Weib, dir\ntreu, dir aufopferungsfreudig, nur dir gut . . . und\ndu, o Lieber, Lieber, du beachtest sie nicht ... ihr\ngehört dein Blut . . . sie ist dir treu; sie sieht es\njetzt nicht . . . und alle Adern doch stürzen in\nschäumendem Mußfall der andern zu . . . und diese\nandere öffnet dir die Arme . . . sinnlos, sinnlos . . .\nschon ... o ... die Pflicht: das anständige Ge-\nfühl in uns: zu handeln wie jeder treue alter Bie-\ndermeier . . . ich frage dich: „Ist es dem einen er-\nlaubt?\". . . sein heißes Blut?. . dieser eine viel-\nleicht ... du ... ich .. . wir fühlen anders wie\ndas Millionenmenschenvieh . . . und doch die —\nPflicht! Und aus diesem graugrützartigen Worte\nPflicht, aus diesen Eisenklammern reißt sich das\nWort los: „nach uns die Sündflut\"; „zum Teufel\nmit der Pflicht\". Leben will ich, heiß, glühend; die\nGelegenheit wahrnehmen ... ist es doch im läng-\nsten Menschenleben nur nach Stunden zu zählen:\ndaß wir glücklich waren. Und wenn nun eine\nsolche glückliche, d. h. alles, alles uns Peinigende\nauf kurze Zeit abnehmende Stunde kommt: Greif\nzu, greif zu: das Leben ist so kurz, so kurz — und\nin den Abgrund mit dem alten Rechnengesicht der\nPflicht.\nUnd dann: alles liegt im Wort: Sei ein Mann!\nDas Wort gibt uns die Richtschnur, adlig zu denken,\nadlig zuhandeln; rein zu denken, rein zu handeln;\naber da, da ist es schon wieder: sofort, wenn wir\nnicht weltklug (o du Vipernwort!) durchs Leben\ngehn, sofort stampft auf uns die Mitmenschengesell-\nschaft; auf; Visier vor; erst betrüge ich dich; wart'\nnur, du sollst schon sehen: so müssen wir denken!\nWer gläubig denkt mit kindlichem Gemüth: das\nsind die glücklichsten Menschen: alles der liebe\nGott! die Unbefleckten! der Erbarmer! und damit\nholla . . . Und, o, du Lieber mit den Dichter-\naugen: hast du an den Erbarmer gedacht? Welch'\nein Mensch. Der einzige, der je ohne Selbstsucht\nüber die Welt wanderte, im heiligsten Betrüge den\nheiligsten Betrug lehrend — aus Erbarmen zu sei-\nnen Mitmenschen, aus ewiger Liebe. Und das\nWeltgesindel, diese Menschencanaille gegen diesen\neinen! in den Staub! in den Staub! vor Jesus\nChristus!\nHätt' ich Dich hier, lieber Freund Hille! Du\nmit Deinem tiefen Geist, mit Deiner Ursprünglich-\nkeit! mit Deinem so fremden Herzen ... ich seh9\nDein Bild jetzt an . . .\nDetlev Liliencron\nAchter Brief\nHamburg, Centralhotel, 14. X. 86.\nsonst Kellinghusen, Holstein\nEben, mein sehr lieber Peter Hille, erhalte ich\nDeinen langen, so lieben, lieben und interessanten\nBrief. Steckt doch so vieles in ihm: Eine verliebte\nSeele (— wie eine stille schmetterlingsüberflogene\nBlume ist oft solche Sehnsuchtsseele wie die Dei-\nnige nach Igstadt —); eine Fülle von Geist in oft\nmarkantester Ausdrucksweise, in oft geheimnisvoll-\nverständlichster Sprache. Dann endlich: wie in\nallen Deinen Briefen: auch in Deinem letzten: so\nviel Herz und Güte und Menschenliebe!\n— Wie war es mir ins Herz ziehend, was Du\nmir von Deiner Liebe und von Deinen Brü-\ndern erzähltest. Alles erlebt' ich ja mit Dir.\nHättest Du in Rom nicht Anhalt durch Deinen\nBruder Franziskaner, ich meine bei etwaigem\ndortigen Aufenthalt .. , Und Du, die freie\nklare, menschlich denkende, große Seele\nhast zwei Priesterbrüder. Weißt Du denn, daß ich\n1868 katholisch wurde durch den damaligen Bischof\nEmanuel Kattlar in Mainz, Jetzt muß ich lachen,\nwenn ich an den Unsinn denke. — Viele Neuig-\nkeiten: Was sagst Du zu dem Angriff Julius Hart's\nin Nr. 40 der „Gegenwart\" gegen unsern Bleibtreu.\nIch sage ad 1: Karlchen Bleibtreu hat die Hart's\ndurch versteckte, und doch durch saftige\nAngriffe auf's Aeußerste gebracht. Nun wehren sie\nsich — aber mit ganz offenem Visir. Welch fabel-\nhaft viel Gift sich gesammelt hat gegen Bleibtreu,\nwirst Du ermessen können. Eins bleibt mir bis ans\nGrab für Bleibtreu: Eine stürmische Seele für seine\ngroße Tapferkeit, für seinen Muth. Ob einer eine\neingefangene wilde Stute bändigt, oder ob er wie\nK- Bleibtreu ä la Hutten in verdickteste Literatur-\nzustände hineinpeitscht: Es war Muth! und deshalb\nevviva Bleibtreu.\nIch habe meinen ersten Maler kennen gelernt,\nd. h. zum ersten Mal in meinem Leben mit einem\nMaler gesprochen. Das kam so: In meinem Büreau\nmeldete sich ein Reserve-Husaren-Offizier Günter.\nEin reizendes Kerlchen: dunkelschwarze Augen,\nkleiner, schwarzer, gedrehter Schnurrbart, elegan-\nteste Figur: avec un mot: der Husarenlieutenant\n„wie er im Buche steht\". Er erzählte mir, daß er\nMaler sei, in Düsseldorf seine Studien mache, und\nnun nach seiner militärischen Dienstleistung bei\nseiner Mutter in Hamburg wohne. Schon am selben\nAbend trafen wir uns in den Alsterarkaden in einem\nelektrisch beleuchteten neuen Lokal, und es war\nmir enorm interessant, mit einem Maler (— das\nerste Mal! —) sprechen zu können. Du kannst Dir\ndenken, wie unser Gespräch hin und herflog, lieber\nFreund! Welche neue Seiten des Lebens dämmer-\nten mir herauf: Wie erzählte er von den Achen-\nbachs, Feuerbach und Gott weiß was für Bach's p. p.\n— Vorgestern besuchte ich ihn in seinem Atelier\nhier (d. h. seiner Stube im Hause seiner Mutter).\nEr gehört zu einer der prominenten Familien Ham-\nburgs, hat so 70—90 000 Mark jährlich. Da kann\ner Maler sein! O Gott, wie schwer doch wird's\nmanchem gemacht! wie leicht dem Andern! Und\n— wir sollen nicht murren, immer fein anständig\nsein, immer die Schultern beugen\nUebrigens: Sowie ich sein Zimmer betrat, merkt'\nich auf der Stelle, bei wem ich, daß ich bei einem\nMaler eingetreten sei. Alles echt (Bronzen\np. p.); tausend „malerisch\" verteilte Kunstgegen-\nstände. Namentlich viel von ihm geschossene\nRaubvögel, gut ausgestopft, nach seiner Zeichnung\ndie Stellung der Flügel und Fänge p. p. Man sieht's\ndoch auf den ersten Blick. Das also war meine\nerste Malerbekanntschaft. Morgen abend wollen\nwir wieder zusammenkommen.\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.3", "texte": "Wie steht's mit Deinen Socialisten? —\nO, lieber Mensch, liebe, liebe Dein liebes\nMädchen. Igstadt ist nicht weit, und es erregt mich\neigenthümlich, daß der Gegenstand Deiner Sehn-\nsucht so nahe bei Hamburg wreilt. Liebe, liebe!\nAch. die Zeit ist so verdammt kurz! . . Ich hoffe\nimmer, daß Du und ich uns bald sehen werden.\nAn meinen lieben Dichterfreund Prinz Emil zu\nSchönaich-Carolath schrieb ich Bogen von und\nüber Dich. Du mußt diese liebe Menschendurch-\nlaucht kennen lernen. Siehst Du ihn einst, liest\nDu von ihm für Dich später bestimmte Briefe, Du\nfällst dem Menschen Carolath sofort schluch-\nzend an den Hals, so gut und vornehmdenkend ist er\nund — solch' ein Dichter. Im nächsten Brief mehr\nvon Dir und ihm. Ihr müßt Bekannte werden. —\nBester, hast Du auch so viel Privatpost wie ich?\nPost heißt Pest bei mir! Kaum mehr zu bezwingen.\n— Ich sah „Alexandra\" von Richard Voß. Aber\n„Leben\" ist doch drin. M,an will Voß und seine\nDramen immer — krank machen.\nIch möchte, wir sähen uns bald. Tausendstes\nhätte ich Dir zu erzählen, Dir, meinem lieben Peter\nHille.\nMöchte bald wieder Deine Schlittschuhläuferin\nbei Dir sein, und Du mit ihr bei Sternen schein und\n„Kartoffelfeldergeruch'' (— ich rieche ihn mit —)\nzusammen sein.\nDein Detlev Liliencron.\nNeunter Brief\nK. 20. IV. 89.\nMein inniggeliebter Peter, bist Du denn noch\nimmer in Pyrmont? Aber wie kann man doch ge-\nschicktes Reisegeld verleihen? Peter, Peter Hille.—\nAnliegend (gelegentlich zurückerbeten) er-\nhältst Du einen Brief eines Deiner Verehrer, des\ntreffl. Schriftstellers Otto Julius Bierbaum. Es wird\nDich interessieren und freuen, was er über Dich\nschreibt. Ja, der versteht Dich. Bitte, tritt mit ihm in\nBriefwechsel. Der (Bierbaum) bringt Dich unter die\nLeute: Denn Peter Hille soll und muß jetzt vor den\nDummköpfen erscheinen; er muß heraus. Sende\nmir auch viele Gedichte an „Ges.\"; diese Zeitschrift\nwird immer verbreiteter. Auch bei Xanthippus\n(Fr. Sandroß) hab' ich für dich geworben (ihm\nSachen von Dir gesagt). Ueberhaupt, Du herrlicher\nMensch und Dichter, was in meinen, diesmal ohne\nPhrase: schwachen Kräften steht, thue ich für\nDich. — Sehr hat es mich amüsiert, was Bier-\nbaum über deine Handschrift schrieb („chinesische\nGrasschrift ist Lithographie dagegen\")- Mensch,\nMensch, Du verdirbst Dir Dein ganzes Leben da-\ndurch noch: Hille, Hille, höre mich darin!!!\nP. Barsch schreibt mir, daß er mit größter\nFreude Dir plein pouvoir (in Raum, Ausdruck,\nLänge p. p.) zu einer Kritik über mich. Das wird\nmir die liebste sein. Ob die anderen sie verstehen;\nich verstehe sie: Und sie soll mir am Herzen ruhen.\nKannst Dai nicht in dieser Kritik (— das Buch ist\nnoch vor Ende dieses Monats in D. Händen —) auch\neinmal den guten Deutschen sagen, daß auch ihre\nDichter (nicht Maler und Musiker allein)\nKünstler sein müssen!!! Schreib bald Deinem\nDetlev, und namentlich von der Schweiz aus.\nDank für Deinen lieben Brief, er war wieder höchst\ninteressant.\nZehnter Brief\nAltona (Elbe), Palnrweiler 5, den 13. I. 95.\nAm besten ists wohl, mein alter, lieber Peter\nHille, wenn ich zu Amsler und Rudhart persönlich\ngehe: Ich komme nämlich bald mal nach Berlin.\nWas Du mir von Deiner neuen Zeitschrift „Peter\nHille\" schreibst, interessiert mich natürlich enorm.\nAber meine Qeldverhältnisse sind so furchtbar, daß\nich nicht abonnieren kann. Bitte schicke mir die\nerste Nummer.\nImmer Dein Detlev\n\nMensehen von Gottes\nGnaden\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nVon Karl Borromäus Heinrich\n\nFortsetzung\n\nBekenntnisse des Marquis Choiseul,\nauf Choiseul und Riom\nBonaventura war von Bozen nach Wien ge-\nreist und hatte von Pater Canisius S. J. den letz-\nten Brief Baron Frangarts erhalten, dessen Inhalt\ner durch die Fügung Gottes schon in Schloß Fran-\ngart kennen gelernt hatte.\nSodann schrieb Bonaventura an seine Obern in\nGhamfort und erbat sich weiteren Urlaub.\nIm Wiener Ordenshaus legte Bonaventura, ob-\nzwar er sich bewußt war, nichts Schlechtes ge-\ntan zu haben, in der demütigen Erkenntnis, daß\nauch die leisesten ungehörigen Regungen des Gei-\nstes wider den Willen der heiligen Gesetze seien,\nund daß die Seele nur durch immerwährende Prü-\nfung von allem Makel befreit werden könne, eine\nGeneralbeichte ab.\nHierauf unterwarf er sich einen Monat lang\nfreiwillig den schwersten geistlichen\nJeden zweiten Tag enthielt er sich ganz der Speise.\nEr unterbrach um die zwölfte Stunde jeder Nacht\nden Schlaf, sodann wieder um die zweite Stunde\njedes Morgens und betete die Hören. Um vier Uhr\nverließ er sein Lager und suchte es erst nachts elf\nUhr wieder auf; es bestand aus einem Brett, auf\ndas er sich nur eine dünne Decke bereiten ließ.\nFreiwillig oblag er den niedersten Verrichtungen,\ndie sonst den Fratres zukommen; er reinigte die\nZellen und trug den Ordensgenossen das Mahl auf.\nWährend des ganzen Monats enthielt er sich der\nSprache; außer dem heiligen Gruß kam kein Wort\nüber seine Lippen. Seine tägliche Messe las er\n„zur Sühne für den Schrei der Sehnsucht\", jener\nSehnsucht, jenes Schreies, die, wie Baronin Fran-\ngart. in der Ohnmacht gestammelt hatte, Fleisch\ngeworden waren.\nNach dieser Zeit der Buße fühlte er sich ein\nwenig getröstet. Mit Mitleid blickten die Ordens-\nbrüder auf den gezüchtigten abgemagerten Leib\nBonaventuras, dem die Kleider zu weit geworden\nwaren. Die so gütigen Augen des Paters waren\nnoch gütiger geworden . . .\nAls die Zeit um war reiste Bonaventura zu\nMarquis Choiseul auf Choiseul und Riom. Er tiat\nihn auf dem Krankenlager. Die Gicht plagte den\nalten vereinsamten Herrn. „Aber wenn es nur das\nwäre!\" sagte er mit schmerzlichem Lächeln zu\nBonaventura, dessen hagere Gestalt er mit Rüh-\nrung gemessen hatte. „Wenn es nur das wäre.\nDas könnte ich abwarten. Aber das andere, das\nmoderne Frankreich ... La pauvre France bien\naimee! das- frißt an mir. Der Schmerz frißt, und\nich kann ihn nicht loswerden. Sehen Sie, Bona-\nventura, und wenn ich mir hundertmal denke: was\ngeht's dich noch an, du bist ein gebrechlicher Alter\nund stehst nah am Grabe . . . Ach, es hilft\nnichts! . . .\"\nBonaventura wollte ihm Trost zusprechen, ihm\nsagen, daß diese Zeit der Anarchie in Frankreich\nunmöglich lang dauern könne; aber er fand die\nWorte nicht, da er selber nicht daran glaubte. Mit\neiner müden gramvollen Geste drückte er seine\ninnersten Gedanken aus . . .\n„Nein!\" unterbrach der alte Choiseul das\nschmerzliche Schweigen . . . „Nein und noch-\nmals nein! ... Ich glaube nicht mehr an unser\narmes Frankreich. Die Anarchie wird es zer-\nfressen. Ein Land, dessen regime die Legitimitär\nverloren hat, die göttliche und menschliche Legi-\ntimität. das eeht zu erund. Es p*ibt:v kein Heil-\nMittel dagegen . . . Ach ja, wenn die Bourbonen\neinen Napoleon hervorbrächten! . . .\" Und wieder\nversanken die zwei Männer in das dumpfe Schwei-\ngen ihres umflorten Schmerzes.\n„Mieville, geben Sie mir Ihre Hand!\" begann\nendlich der alte Choiseul. „Mieville, Sie verstehen\nmich. Können Sie verzeihen» . . . Nein, es braucht\nkeine Verzeihung, es hat sein müssen . . . Kön-\nnen Sie auch verstehen, was ich an Ihnen getan\nhabe? . . .\" Bonaventura ahnte das Bekenntnis\nund ließ einen Augenblick unentschlossen das Haupt\nsinken. Aber sogleich erhob er es wieder. „Oh\nMarquis!\" rief er halblaut, und mit einer weiteren\nGeste segnete er das Krankenlager, ja, gleichsam\nden ganzen Geist, die ganzen Ideen dieses in stren-\nger Tradition erzogenen Mannes. Und mit einem\nMale verstand er das namenlose Leid, das an\ndiesem Alten zehrte: die zerstörte Legitimität sei-\nnes Vaterlandes, der unaufhaltsame Gang der mo-\ndernen Ideen, der Zusammenbruch der Ueberliefe-\nrung und der alten Autoritäten . . . Wiederum\nerhob er die Hand zum Segen und zur Versühnung.\nDer Alte fühlte sich verstanden und schluchzte\ndankbar in sich hinein. „Oh, Mieville!\" begann\ner unter Tränen, „ich selbst habe verhindert, daß\nSie Ihr Vater zum comte Riom machte, wie er ja\nnach diesen schrecklichen neuen Gesetzen gekonnt\nhätte . . . (Bonaventura lächelte leise, wie er sah,\ndaß den Alten, mitten in seiner Bitte um Ver-\nzeihung, nochmals der Zorn gegen die Illegitimität,\ngegen die ihm damit gleichbedeutenden neuen Ge-\nsetze überfiel) . . . Die Gräfin Riom war seit\nzwei Jahren tot; da brachte sie die Wäscherin\nMieville zur Welt. Nefri, es war keine reiche\nWitwe, Mieville, und Ihre Geburt bezahlt sie mit\nihrem jungen Leben. Und Ihr Vater freute sich,\neinen Sohn zu haben ... Da habe ich, der alte\nChoiseul, ihm Tag und Nacht abgeredet, Sie zu\nlegitimieren, da sie nun doch einmal illegitim ge-\nboren waren . . . Ach, Mieville, verzeihen Sie\nmir, ich konnte nicht anders . . .\" Mieville strei-\nchelte liebkosend die weißen Haare des Marquis\nChoiseul.\n„Denken Sie sich mein Entsetzen!\" fuhr dieser\nnach einer Weile leise, fast flüsternd fort, „den-\nken Sie sich mein Entsetzen als ich die Komtesse\ndamals mit Ihnen am Fenster sah, sie hatte ihren\nHalbbruder erraten, mehr war das nicht . . . aber\nsie konnte ihre eigene Zärtlichkeit mißdeuten,\nkonnte glauben, das sei Liebe . . . öh, und sie hat\nes geglaubt, der unglückliche Fr angart hat es mir\nerzählt . . . ich) habe es erraten. Ich trage die\nSchuld, nein, es war keine Schuld, es war nicht\ndie geringste Schuld, Mieville, ich durfte es nicht\ndulden, daß Sie als Bruder der Komtesse dastan-\nden, Sie, ein illegitimes Kind der Wäscherin Mie-\nville . . .\" Der Marquis ergriff in diesem Augen-\nblick die Hand Bonaventuras undi küßte sie . . .\n„Ich küsse Ihre Hand, Mieville,\" sägte er, unter\nTränen lächelnd. „Sie haben sich legitimiert. Un-\nsere Kirche ist es, in der Sie sich legitimiert ha-\nben . . . denn es gibt eine geistliche Legitimität,\neben unsere Kirche . . .\"\nErschöpft hielt der Marquis inne und lehnte\nsich in die Kissen zurück. „Ja, Mieville,\" begann\ner dann wieder, „ich habe mich so gefreut, als\nSie bei den Jesuiten eingetreten waren — diese\nalte geistliche Zucht und Tradition! . . . Denn das\nglaube ich, ein Verwandter der Bourbonen: die\ngeistliche Legitimität ist bei der katholischen\nKirche, und sie hat unsere weltliche gebilligt, ge-\nkräftigt und geweiht. Und in dem Glauben küsse\nich die Hände von Pater Bonaventura.\" Wieder\nlächelte der Marquis, und seinen Tränen netzten\ndie Hand des Paters, der ihm mit einem gütigen\nBlick seiner dunklen Augen wehrte.\n„Erzählen Sie mir von Baron Fritz!\" bat Choi-\nseul. — „Wie soll ich sagen? kühl ist er wie ein\nDeutscher, aber v^schmeidi?: und__ elegant"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.4", "texte": "wie nur ein Romane,\" erwiderte Bonaventura. Da\nerhob sich der alte Choiseul noch einmal mühsam\naus seinen Kissen. Sein Auge leuchtete unter den\nergrauten buschigen Brauen. Freilich machte er\ndas Zeichen des Kreuzes. „Ich segne dich, Baron\nFrangart!\" sprach er langsam. „Das ist die Mi-\nschung, die ich gewollt habe, ich, Marquis Choi-\nseul. Gott mache sie fruchtbar! ... Ich baue auf\ndie Deutschen,\" widerholte er, „ich baue auf die\nArmee, die, so Gott will, die Legitimität in Europa\nwieder herstellen wird. Und Gott will das. Gott\nwill die Legitimität, denn er gibt sie und hat sie\ngegeben. Die katholische Kirche und die Armee,\nso ruhig, so besonnen, so voller Zucht . . . Ich\nbaue auf die Deutschen, auf ihren einfachen legi-\ntimen Geist . . . Wenn es möglich ist, mag Ba-\nrron Frangart in ihre Armee eintreten . . .\"\nBonaventura schwieg erschüttert. Da lag dieser\nalte adlige Franzose, der in seinem unverrückbaren\nGlauben an die Macht von Gottes Gnaden, sogar\nden Jahrhunderte alten Haß gegen die Deutschen\nüberwand. Und Bonaventura dachte an die un-\ngeschlachten weißgrauen Bergmassen des Bren-\nners. In fröstelnder Trauer zog sich sein Herz\nzusammen. Aber wie damals in Franzensfeste, im\nAngesicht der triumphierenden Sonne des Südens,\nflüchtete er sich wieder in seine ihm heilige Idee\neines endlichen Imperiums der römisch-katholischen\nKirche, der ecclesia triumphans, wie sie geweis-\nsagt war . . .\nZweites Buch\nsetzt kannst Du Deine Macht, o Schicksal, zeige«:\nWas sein soll, muß geschehn, und Keiner ist sein eigen.\"\nShakespeare\nEinige äuBere Geschehnisse\nEs gibt Manschen, denen alles nach ihrem Willen\ngeschieht. Nicht, sie ihn mit besonderer An-\nstrengung verfolgen oder ihn mit bemerkenswertem\nEigensinn gegen die anderen aufrecht erhalten; viel-\nmehr weichen alle von vornherein vor ihm zurück;\nsolche Menschen stehen da, und alsogleich säubert\nsich der Platz gleichsam in weitem Umkreis von\netwelchen Widerwärtigkeiten, damit jene so be-\nquem und sicher stehen, wie es ihnen gefällt.\nSetzen sie sich sodann in Bewegung nach vorwärts\noder rückwärts, machen die Mitmenschen wie unter\neinem höheren Zwange die Bahn frei; unbehindert,\nohne Dank, mit vollkommener Selbstverständlich-\nkeit, wird sie von ihnen durchmessen. Kurz, es gibt\nSchicksale ohne äußere Hemmungen. Aber mit Un-\nrecht beneidet man sie; einerseits weiß man ja\nnicht, wrelch dunkeln Ratschluß Gottes, welches\nLeid, oder im besten Falle: welch namenlose Ein-\nsamkeit der Freude die Träger solcher Schicksale\nunter ihrer unbewegten Miene verbergen; ja, es\nist nicht einmal gewtiß, ob sie nicht selbst zuweilen\numsonst nach äußeren Widerständen verlangen,\ndurch die sie in irgendeiner Weise abgelenkt und\nzerstreut werden könnten; andrerseits aber — da\ndoch alle Fruchtbarkeit des menschlichen Wollens\nausbleibt, wenn das ausbleibt, wodurch allein sie\nsichtbar in Erscheinung treten könnte, nämlich eben\ndie Widerstände und Hemmungen (aus deren\nSchoß heraus das Samenkorn unseres Wollens als\nTat geboren wird) — sind jene hemmungslosen\nSchicksale zur Unfruchtbarkeit bestimmt. Schwei-\ngendl wandern ihre Träger dahin: aber dem, der\netwa auf einer südlichen Landstraße, unter dem\nsternklaren Himmel jener dunstfreien Nächte, die\nden leisesten Laut ungebrochen widergeben, an\neiner schlanken Zypresse lehnen und teilnahmsvollen\nHerzens hinaushorchen würde (weil man auf Ver-\nschwiegenes immer mit dem Herzen horchen soll,\nnicht mit den Ohren, die wir mit jedem Esel ge-\nmeinsam haben), — einem solchen Menschen würde\nihr Schweigen, jedwedes andre Geräusch über-\ntönend, vernehmlich werden und das Herz zer-\nreißen: Denn nichts ist schwerer zu ertragen als\nSehnsucht, die nicht reden kann. Was sind da-\ngegen alle Schreie der Sehnsucht, mit denen wir\ngewöhnliche Menschen unser Herz erleichtern?\nFritz Paul Joachim Freiherr zu Frangart war\nteils auf den Rat seiner Mutter, teils weil es ihn\nselbst dazu trieb, mit zehneinhalb Jahren nach\nChamfort gekommen, an das jesuitische Colleg, wo\nPater Bonaventura wirkte. Mit welchem Erstau-\nnen erfüllte Patres, Fratres und Zöglinge die grazile\nSchönheit, der unbewußte ruhige Stolz der Haltung\nund des Ganges, die satte Bronzefarbe des hoch-\nmütigen Gesichts, die langen langen Wimpern, die\nseine dunklen Augen beschatteten, das seidenge-\nlockte Haar, die tiefe sonore Altstimme des Knaben,\ndie sich der französischen Sprache so seltsam an-\nschmiegte! Alle sahen unwillkürlich mit Ehrfurcht\nauf ihn. Pater Bonaventura selbst mußte sich\nZwang antun, als er mit scheinbarer Härte hinwarf:\n„Nun, er soll auch etwas lernen bei uns; man soll\nihn nicht nur angaffen!'4\nZwei Wochen hielt sich Fritz Frangart damals\nin Chamfort auf; er war still und wollte zuvorkom-\nmend sein, aber stets kamen ihm die andern zuvor.\nIndes war er noch zu jung, als daß er den Wechsel\ndes Klimas ertragen, die lachende Sonne seiner\nHeimat für eine Zeitlang hätte vergessen können.\nSeine Wangen fielen ein, und in unbewußten\nAugenblicken durchlief seinen schlanken Körper\nein fröstelndes Zittern. Alle erschraken heftig. Und\nals die zwei Wochen um waren, verlangte er, heim-\ngebracht zu werden; was denn auch in besorgter\nEile geschah.\nVier Jahre blieb er sodann in Frangart. Außer\nden wenigen Lernstunden verbrachte er die ganze\nZeit wieder wie früher; mit großer Selbstgenüg-\nsamkeit lehnte er an der Mauer des Schlosses, um\nden Schein der Sonne zu genießen. Was er dachte,\nund ob er überhaupt etwas dachte, ließ sich nicht\nerkennen. Er erlaubte auch niemand, ihn danach\nzu fragen.\nDas Einzige, was sich verändert hatte, war sein\nBenehmen gegen die Mutter, die herzleidende Ba-\nronin Frangart: zwar hatte sich seine gewohnte\nHöflichkeit ihr gegenüber womöglich gesteigert.\nAber seit der Stunde, wo er mit Pater Bonaventura\nihrem schweren Anfall beigewohnt und ihre abge-\nrissenen Worte gehört hatte, — hatte er es unter-\nlassen, sie auf das Handgelenk zu küssen. Er küßte\nihr jetzt die Fingerspitzen. Und manchmal sah er\nsie nachdenklich an, mit einem gewissen, neugieri-\ngen Hochmut. Einmal war sie unter diesem Blick\nerbebt und zusammengezuckt; da sagte er, während\nihr einige schwere Tränen aus den heißen Augen\nquollen: „excusez mille fois, maman!' und nahm\nsich vor, diese „Inkorrektheit\" künftighin zu ver-\nmeiden.\nDas war, wie gesagt, das Einzige, was er er-\nlebte. Sonst also ließ er sich von der lachenden\nSonne bescheinen.\nNach vier Jahren starb Baronin Frangart in\neiner von schwerem Blütenduft erfüllten März-\nnacht; niemand hatte während der letzten Augen-\nblicke bei ihr geweilt. Eine französische Bediene-\nrin. Jeanette, die erst seit kurzem im Hause war\nund den jungen Baron Frangart haßte, weil er ihre\nüberschwengliche Liebe nicht im geringsten beob-\nachtete, behauptete allerdings mit plapperhaftem\nEigensinn sie habe in eben der Nacht schlaflos ge-\nlegen („ah, peut-etre, en attendant Monsieur le ba-\nron, rnais qui n'est pas venu!\" spotteten die Dienst-\nboten) und gegen halb elf Uhr abends den jungen\nBaron aus seinem Schlafzimmer gehen hören („et\nvous avez reve qu'il ira directement frapper ä\nvotre porte que vous aviez laissee largement ou-\nverte, pour lui!\" sagte George voll grimmiger\nEifersucht); also, sie habe ihn aus dem Schlaf-\nzimmer gehen und an der Türe seiner Mama klopfen\nhören („et non pas äla vötre, mademoiselle!\" fügte\nGeorge, der sie liebte, verächtlich hinzu); er sei\neingetreten und habe, soviel sie aus dem Tonfall er-\nraten konnte, eine Frage an die Baronin gerichtet.\nDie Baronin habe erschreckt aufgeschrieen, unge-\nfähr wie: „Frederic, Frederic, au nom du Seigneur,\nlaissez ces questions lä!\" dann sei Ruhe einge-\ntreten. Oder vielmehr, sie sei wohl selber ein-\n*\ngeschlafen.\nNun, das Gesinde muß etwas zu reden haben bei\nsolchen Gelegenheiten. Als Tatsache konstatierte\nder Arzt, daß die Baronin in einem Anfall von Herz-\nschwäche wahrscheinlich schon vor Mitternacht\nverschieden sei. Tatsache war ferner, und ein so\ntiefer Schlaf stand sehr im Widerspruche mit der\nErzählung der Bedienerin, daß man am Morgen\ndem jungen Baron, als man ihm die schwere Nach-\nricht bringen wollte, drei-, viermal laut klopfen\nmußte, bis er antwortete. Geweint hatte er nicht,\nweder am gleichen Morgen noch während des Be-\ngräbnisses; aber wer hätte den Baron Fritz Fran-\ngart überhaupt jemals weinen sehen? . . .\nTatsache war endlich folgendes: Als der alte\nMarquis Choiseul kurz nachher gestorben war,\naußer den Bourbonen und Fritz Frangart keine\nlebenden Verwandten hinterlassend, und seine\nGüter in toto an Fritz Frangart fielen, sah sich die-\nser mit vierzehneinhalb Jahren als alleinigen Be-\nsitzer von Schloß Frangart und Choiseul und Riom.\nIndessen schien ihm das Gefühl eines so ausge-\ndehnten ergiebigen Besitzes nichts zu bedeuten.\nNatürlich (wie wiederum die Dienstboten plapper-\nten), er konnte nicht stolzer werden, als er schoi\nwar.\nIn Bozen wurde ein Vormund für den ver-\nwaisten Fritz Frangart bestellt; aber der teilte\nsich, gemäß dem hinterlassenen letzten Willen der\nBaronin, in der Sorge um die Liegenschaften und\nRevenüen mit Pater Bonaventura; eine Last, die\ndieser gern auf sich nahm.\nSorge machte dem gütigen Pater aber haupt-\nsächlich eine große Meinungsverschiedenheit in\nden letzten Aeußerungen der Baronin und des Mar-\nquis: Die Baronin hatte in einem §chon drei Jahre\nvor ihrem Tode geschriebenen Dokument bemerkt:\n„daß sie es mit vielem Schweren, das sie auf der\nWelt getragen habe, versöhnen könnte, wenn ihr\nSohn Fritz die geistliche Laufbahn ergriffe.\" Der\nalte Choiseul hingegen hatte wiederholt in kurzen,\nhingekritzelten Zeilen an Pater Bonaventura die\nMeinung ausgesprochen, Fritz solle einmal in die\ndeutsche Armee eintreten.\nNun war freilich, wie sich Bonaventura mit\nSchmerzen sagte, unmöglich zu wissen, für wel-\nchen dieser beiden Berufe sich Fritz Frangart\neignen mochte. Vielleicht für keinen von beiden.\nGenug, der junge Baron kam mit vierzehnein-\nhalb Jahren zum zweiten Male nach Chamfort, um\nzunächst unter Aufsicht des Paters Bonaventura in\nalles eingeweiht zu werden, was man als höhere\nBildung bezeichnet und schätzt.\nNeue Bekenntnisse des Pater Bona-\nventura\n4. September 19 ..\nFritz Frangart ist seit einem halben Jahre bei\nuns. Alle lieben ihn; er aber scheint niemand zu\nlieben. Er benimmt \"sich gegen uns alle, gegen Er-\nzieher und Mitschüler, mit ausgesuchter Höflichkeit;\ndas ernüchtert sie und stachelt sie doch zugleich\nwieder an, ihn zu lieben; indes läßt er niemand an\nsich herankommen.\nNur mich sieht er zuweilen vertraulich an: aber\nes liegt etwas Erschreckendes in dieser Vertraulich»\nkeit, er droht mir damit . . . Wenn er gegen alle\nhöflich ist, gegen mich ist er immer hochmütig,\nund am hochmütigsten, wenn er sich vertraulich\nzeigt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.5", "texte": "3. Januar 19..\nIn der äußeren Bildung, in den Formen des Ver-\nkehrs wird Fritz Frangart hier von niemand über-\ntroffen. In dieser Beziehung hat er nichts mehr zu\nlernen. Er hat das überhaupt schon mitgebracht.\nVom Lernstoff aber interessiert ihn wenig: in der\nReligionslehre alles Mystische, was man nicht mit\ndem Verstand begreifen, sondern mit Glauben und\nGefühl erraten oder vielmehr erleben muß. In der\nprofanen Geschichte fesseln ihn nur ganz bestimmte\nPersonen und Zeitläufte: es scheint, daß er sich\nalles mit viel Geschick heraussucht, was ihm geistig\noder moralisch verwandt ist. Die Sprachen liegen\nihm; aber er studiert sie mit nonchalance und ohne\nwissenschaftliche Freude, vielleicht nur, weil sie für\nihn zum guten Ton gehören.\nVon allen andern Dingen nimmt er nur genau\nsoviel auf wie nötig ist, um den Lehrern nicht be-\nschwerlich zu fallen, also nur ein Anstandsquantum.\nIm Vergleich zu andern ist er von ungemeiner\nTrägheit, für sich selbst betrachtet nur von Gleich-\ngültigkeit, von großer geistiger Selbstzufriedenheit.\nIm Französischen und Griechischen, worin er\nmein Schüler ist, zeigt er jedoch einen ausnehmen-\nden Fleiß und läßt in seinem Können alle Mitschüler\nweit hinter sich. Er scheint den Drang in sich zu\nfühlen, mir seine Meisterschaft zu zeigen. Gerade\nmir. Bei sonst niemand liegt ihm daran, der Erste\nzu sein.\nOh ich fühle, er will mich kränken mit diesem\nAusnahmefleiß. Das heißt, er will das nicht. Zu\nsolch kleinen Absichten ist er zu nobel. Er fühlt\nsich einfach gedrungen, bei mir mehr zu lernen als\nbei den andern. Und ich? weiß nur, daß ich mir\nnichts darauf einbilden darf, ja, daß es im Gegen-\nteil irgendwie gegen mich spricht.\n8. März 19 ..\n„Sokrates, der indiskreteste, unkultivierteste\nSchwätzer des Altertums, der mit seinem ewigen\n,Warum und inwiefern und wozu' beweist, daß ihm\nalles abgeht, was die andern in seiner Zeit haben,\nist als Anarchist mit Recht zum Tode verurteilt\nworden. — Was ich habe, danach frage ich nicht;\nich bin evysvrjg (wohlgeboren), und es wäre pietät-\nlos gegen meine Ahnen, zu fragen, was eigentlich\ndiese und jene Tugend sei, warum ich sie für eine\nTugend halte. Denn die Antwort könnte nur sein:\nweil ich meinen Vätern vertraue, mehr vertraue als\ndem geschwätzigen Verstand. Sokrates ist das\nVorbild aller geistigen Proletarier, die nichts mit-\nbringen als einen Kopf; er könnte zurzeit der fran-\nzösischen Revolution gelebt und das Wörterbuch\nmit herausgegeben haben-; er ist also mit Recht\nverurteilt worden, d>g anolovzo xal äUog oong\nTotavrd ye — wie auch jeder andere zu-\ngrunde gehen möge, der immer solches verübt.\"\nDies ist der altkluge, zornige hochmütige Schluß\neines Aufsatzes des Baron Frangart, den ich über\ndas Thema „Der Tod des Sokrates\" gegeben hatte.\nWas denkt der junge Frangart also von mir, der\nich den Schülern die Größe des Sokrates erklärt\nhatte?!\nDen Aufsatz könnte schließlich der alte Choiseul\ngenau so geschrieben haben. Oh, ich weiß, was\nFrangart denkt: gar nichts denkt er von mir. Er\nlehnt mich einfach ab, ohne Gehässigkeit, nur weil\ner mich ablehnen muß. Ist es doch gerade, als ob\ner meine illegitime Geburt erriete.\nDer alte Choiseul hat mir die Hand geküßt. Der\njunge Frangart — — hat sich ja auch „höflichst\nentschuldigt, daß er mir leider hat widersprechen\nmüssen\". Und ich liebe ihn so sehr. Lieber Gott\nim Himmel, laß ihn nur einmal lieb zu mir sein!\n10. Mai 19..\nBaron Frangart hat sich noch immer an nie-\nmand angeschlossen. Er ist sich gleich geblieben.\nAber unter seinen Mitschülern hat er eine tiefe\nVerwirrung angerichtet.\nDa er mit niemand Freund sein will, möchten\nihm wenigstens alle ihre Verehrung zeigen. Zum\nBeispiel: er lernt in der Mathematik nur das Not-\ndürftigste, und das sehr ungenau. Jetzt machen\nihm das alle nach. Keiner will mehr Mathematik\nstudieren. Das ist jetzt für die jungen Leute haut\ngoüt, dernier goüt, goüt de Frangart . . .\nMan hat Baron Frangart zur Rede gestellt. Er\nantwortete, wie es sicher der Wahrheit gemäß ist:\n„daß er keinen Mitschüler aufgefordert habe, in der\nMathematik nichts zu arbeiten.\" Das stimmt durch-\naus; ich weiß, daß er nichts für diese Nachäfferei\nkann. „Ich finde das sehr komisch,\" sagt er und\nzieht die Schultern hoch.\nAugust 19..\nFritz Frangart ist jetzt anderthalb Jahre bei uns\nund hat in Dingen des Betragens nie eine Strafe\noder auch nur eine Zurechtweisung bekommen.\nNicht einmal ich selbst, der ich seine delikate Ver-\nachtung meiner Person mehr und mehr herausfühle,\nhabe jemals etwas Greifbares finden können, wofür\ner Strafe verdient hätte, — vorausgesetzt, daß ich\nihm eine hätte geben wollen. Nein, das werde ich\nnie wollen . . ,\nAber ich frage mich allmählich: Ist nicht seine\nunendliche Süffisance der Gesinnung strafbar? ...\nFreilich, er hat dieser Gesinnung niemals Ausdruck\ngegeben; wer kann also wissen, ob es „Gesinnung\"\nist. Nein, es ist auch das bei ihm unbewußt. Er\ngehört zu seiner Art. Vergleiche den Aufsatz über\nSokrates, schwerfälliger Bonaventura! Für seine\nArt aber darf man niemand strafen, da diese Gott\nso gewollt hat.\nMan wird also auch niemals Anlaß haben, Baron\nFrangart zu strafen; denn er wird nie etwas tun,\nwas über seine Art hinausgeht.\nEr glaubt so fest an die Güte seiner Art; aber\nkönnte er darin nicht doch Unrecht haben? ...\nLieber Gott, verzeih mir! Ich frage ä la Socrate.\nMeine Art ist also strafbar . . . Ach, das ist alles\nso schrecklich und tut mir so weh! . . .\nWeihnacht 19..\nKann «denn dieser Fritz Frangart überhaupt\njemand lieb haben? — Sein Geist ist so fertig und\nnimmt nur an und auf, was ohnehin zu ihm gehört.\nIst sein Herz auch so? Aber wo wären die\nMenschen, die zu ihm gehören? Scheint es nicht,\nals ob er über alle weit hinaus sei?\nGroßer Gott, wie soll dann dieser junge Mensch\nin seinem Leben jemals fruchtbar werden?\nVater im Himmel, ich flehe zu dir: laß ihn nicht\neinsam bleiben! Laß ihn Gleichgestellte finden,\ndamit sein Herz fruchtbar werde.\nWie allein stand er mitten unter den weih-\nnachtsfrohen Menschen! Wie unbewegt!\nFebruar 19..\nIch kann Fritz Frangart nicht mehr verstehen.\nDa verkehrt er nun auf einmal ausschließlich mit\ndem ganz verkrüppelten Vicomte Meudon; Meudon\nist ein halber Kretin und erst vierzehn Jahre alt.\nWas mag Frangart mit ihm vorhaben?\nAlles in der Schule wütet, man spürt die allge-\nmeine Aufregung, daß er sich gerade mit dem . . .\nDas heißt, alles Gute gewähre Gott dem armen\nVicomte Meudon!\nApril 19..\nIch habe ein kleines Buch über das Allerheiligste\nGeheimnis der Eucharistie geschrieben; Gott in\nseiner großen Güte hat mich die Worte dazu finden\nlassen. Aber da dieses Büchlein unter Laien leicht\nMißverständnisse hervorrufen könnte, habe ich es\nauf den Rat des Obern ins Altgriechische übersetzt\nund den Druck nur für die Ordensbibliotheken her-\nstellen lassen. Ich hatte mir «die Erlaubnis erbeten,\nes in griechischem Text Baron Frangart zu lesen\nzu geben.\n„Es ist schön,\" sagte er zu mir, „ich habe es\ngenau gelesen und ich danke Ihnen. Aber eigent-\nlich, meine ich, sollte man; den heiligen Geheim-\nnissen nicht so nachgehen; man sollte sie nur er-\nleben. Und es gibt Geheimnisse zu erleben, nicht\nwtahr, Pater?4' Nie vergesse ich die unsagbar hoch-\nmütige Vertraulichkeit, womit er mich dies gefragt\nhat\nAch, wie nachlässig er mich ablehnt! Soll ich\nihn strafen? Wofür? Was er wohl gemeint\nhaben mag? Vielleicht . . . Nein, das ist nicht\nmöglich, nein, nur das nicht!\nAber: wenn er auch das nicht gemeint hat und\nwenn es in Wirklichkeit eben das wäre, was er\nnicht gemeint hat. . . Soll ich dann mich strafen?\nIst es noch nicht, noch immer nicht gebüßt? . . .\nIch will sogleich den Hochmut vergessen, mit\ndem er mich gefragt hat.\nNie würde ich den Baron Frangart strafen. Nie\nkönnte ich ein Recht dazu haben.\n12. Mai 19..\nFrangart ist seit einigen Tagen zu dem armen\nkleinen Vicomte ebenso kühl und höflich wie zu\nden andern. Alle atmen auf. Ich aber bemitleide\nden kleinen Vicomte, der wie ein unbeachtetes\nHündchen hinter Baron Frangart herhinkt. Und er\nbekommt keinen Blick ab, keinen einzigen.\n14. Mai 19..\nDer kleine Vicomte gebärdet sich wie irrsinnig;\n„Lieber, lieber Baron Frangart !\" schreit, ja heult\ner, mitten unter dem Studium, mitten im Schlaf.\nEs ist ein Unglück. „Sie hätten auch zu ihm von\nAnfang an so ... so höflich bleiben können wie zu\nden andern. Sie haben mit ihm gespielt, Baron\nFrangart!\" So habe ich heute zu ihm gesprochen,\nund wahrlich, es ist mir schwer gefallen. „Ich habe\nnicht mit ihm gespielt. Er hat mich interessiert,\nweil er gar so merkwürdig ist. Jetzt kenne ich\nihn und er interessiert mich nicht mehr. Soll ich\nheucheln und so tun als ob? . .\nSo hat mir Baron Frangart geantwortet. Was\nläßt sich hiergegen sagen? So gut wie nichts.\nHöchstens, daß er sich nicht für den Vicomte hätte\ninteressieren sollen.\nOh guter Vater im Himmel, wenn das immer\nso endet, sobald sich Fritz für etwas interessiert\nhat, dann laß ihn doch einsam bleiben! Man könnte\nihn sonst für einen rohen Menschen halten, wenn\nman ihn nicht näher kennt . . . Und doch wieder,\nnein! Ich mag Fritz so gern wie mein eigenes\nKind. Man darf es nicht ihm anrechnen, wenn die\nandern durch ihn Schaden leiden, er eigent-\nlich nichts dafür kann. Laß ihn nicht einsam\nbleiben. Mache sein Herz fruchtbar!\nHerr nicht mein, sondern dein Wille geschehe!\nAmen.\n14. Mai 19 ..\nDieses Amen habe ich im vorigen Jahre am\ngleichen Tage geschrieben. Und ich habe dieses\nganze lange Jahr schweigend gelitten unter seinem\nHochmut, unter seiner „Vornehmheit\", wie es die\nandern nennen.\nNovember 19 ..\nJa, es ist besser, er verläßt uns. Er selbst hat\nden Wunsch geäußert, in einer Stadt weiter zu\nstudieren. Er tut auch gut daran, nach Deutsch-\nland zu gehen. Macht er dort das Gymnasium zu\nEnde, dann kann er deutscher Offizier oder Geist-\nlicher, wie seine Verwandten, die einer so, der\nandere so, gewollt haben. Oder keines von beiden*\nWie Gott will! Amen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.6", "texte": "Wilhelm Morgner: Holzarbeiterfamilie / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.7", "texte": "Ende November 19..\nDas also war der Abschied.\n„Seht, Pater, Ihr habt alles an mir zu wichtig\ngenommen. Aber das eine, was für midi wichtig\nwar, das habt Ihr nie berührt. Warum seid ihr nie\nzu mir gekommen, um mir zu sagen, wie sich das\nverhält mit dem Schrei Mjeville und das andre,\nwovon mir geträumt hat, daß ihr und meine selige\nMutter Geschwister wärt. Das hätte euch nicht\nerniedrigt, nein, so wahr ich Frangart heiße. War\nes euch zu schwer? ... Ich habe jedenfalls vier\nJahre lang umsonst darauf gewartet, daß ihr kämt.\nIhr seid nicht gekommen, so wichtig ihr auch alles\ngenommen habt; und obwohl ihr gewußt haben\nmüßt, daß für mich nur das Eine wichtig sein\nkonnte: ob ich, Frangart, wirklich . . . Nun ihr\nwißt, der Schrei Mievüle! . .\nIch bin an den Zug gegangen, mit dem er ab-\ngereist ist. Vielleicht würde er doch noch einmal\nzurückschauen, nach mir schauen! , * . — Ich\nhabe ihn gesehen, wie er seinen Spiegel aus der\nTasche zog und vor der Abfahrt des Zuges noch-\nmals die Krajwtatte richtete. Und er hat sich nicht\nnach mir umgesehen.\nHerr, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!\nAmen.\nFortsetzung folgt in nächster Nummer\n\nBlind\nAlbert Ehrenstein\nTag um Tag\nstirbt ich bin,\n-wo geht meine Zeit denn hin?\nTraum versank,\nNacht ist Spiel,\nSchlaf das Gut,\nTod das Ziel.\nErde, Stern\nklingt nur so,\nOrt ist Ort — wer weiß wo?\n\nProstitution und\nJungfräulichkeit\nVon Alfred Döblin\nIst Seele da? Bene; wenn, dann auch Sexua-\nlität zu beseelen. Und Ruhe im Haus. Die Auf-\ngabe und Frage wie, comment?\nSiehe da, -dreifach merkwürdige Geisterschrift:\nFaun, Heiliger, Toggenburg.\nDie Geschlechtlichkeit ein Rattenfänger, der nur\nleibliche, keine seelischen Kinder hinter sich lockt.\nQeschlechtlichkeit ein wundervolles Geschenk\nRingelringelrosenkranz; aber dem Urteil nach Kette\nund Qual. Es flötet, aber Watte in den Ohren; es\ntapsen Schritte, aber Lähmung. Corriger la culture,\n— corriger la nature, nein, kein Grund! Rückkehr\nder Organe zum — Organismus, Beendigung der\nKleinstaaterei, Weltpolitik im Menschen. Bisher\nnämlich Montenegro und Freibeuterei Idealzustand.\nSexualität Ichdokument.\nLiebesreife. Liebe kein Verhalten des Fräulein\nEmma zum Herrn Gustav; sondern ein Zustand im\nFräulein Emma, an Fräulein Emma und Herrn\nGustav. Eine Eigenschaft, eine Fähigkeit von Fräu-\nlein Emma und Herrn Gustav: die Eingliederung\nder Sexualität in das Ich, die sexuelle Ausgliederung\ndes Ich. Wohlgemerkt: bedeutsame, einzigartige\nBemühung hinaus über die — Prostitution; Tendenz\nzu einem Ziel. Aeußere Ziellosigkeit, äußere Pro-\nstitution von Ewigkeit unvermeidlich; innere über-\nwindbar, wenngleich nur von Haus aus. Liebe der\nZusammenschluß von Sexualität und Ich.\nSkala von der persönlichen Sexualität zur sexu-\nellen Person. Zunehmende Hypertrophie der\nSexualität im Organismus, doch nicht bis zur Per-\nsonals leibhaftiger Sexualgebärde, sondern zur\nSexualgebärde in ganzer Persönlichkeit. Die Liebe\nein Mensch. Bitte keine Lyrik, sondern Psycho-\nlogie.\nDer Troubadour. Es können verschiedene Teile\ndes Ich sich an der Sexualität beteiligen, lieben, zur\nLiebe reifen. Möglichkeit des Ansaugens, oder\nauch Durchtränkens verschiedenartiger Ichteile\nmit Sexualität: verschiedenes kann gleichzeitig ge-\nliebt werden. Man liebt nicht Objekte oder Indi-\nviduen, sondern Qualitäten. Meist Ueberschattung\ndurch eine Qualität, Ichmasse. Der Troubadour\nliebend, fechtend, singend. Vielfältig, doch auch\nliebend. Von Don Juan unterschieden durch die\nErgriffenheit. Häufiger Jugendtypus.\nGretchen. Wenig was ihr, der Sexualität zu\ngeben noch übrig bliebe. Strömt schon Liebe;\nschon als Liebe. Uebrigens dumm, aber schadet\nnichts; faselt von Einigkeit der Liebe zu dem mo-\nmentanen Objekt. Anrüchige Sache, peinlich für\nObjekt und Subjekt. Angebliche Tragik, faktisch\nIntelligenzdefekt. Aber schadet nichts. Alle Men-\nschen müssen sterben.\nEndlich der Toggenburger. In sexueller Hypnose.\nDie Sexualität hat sich mit seinem ganzen Ich be-\nladen, ihn hohl sitzen lassen. Der Extremfall: mit\ndem organischen Sexualdrang des Gesamtich in\nsubtiler Innervation; auf elektrischen Druck mo-\nmentan sammelt sich das ganze Orchester zur\nMusik. (Bitte nicht Tannhäuser Venusberg, bin\nbekanntlich für kolossales Parsifal-Ausnahmege-\nsetz: der ganze Wagner nach Bayreuth; jedes\nUeberschreiten der Stadtgrenze bestrafbar mit\nTannhäuserteilen; im Wiederholungsfalle der ganze\nRing inklusive Götterdämmerung, Rheingold, Sieg-\nfried, Walküre; Gewohnheitsdelikt mit dem Bären-\nhäuter und Ansprachen von Hermann Bahr.) Der\nToggenburger verströmt sich nicht rettungslos in\nseiner Liebe, ihn brennt sie nicht, sie rast nicht\nfurienhaft hinter seinem Rücken; er selbst, was\nströmt; er selbst der Brand, die Furie. Sexualakt\nsonst eine hier, und da erfolgende, gelegentliche\nHandlung — hier ein furchtbares mysteriöses Er-\neignis. Ein Leben entlädt sich, braust an sein Ziel.\nDer Minuspunkt der Kokotten, der Nullpunkt der\nFrigiden, das Unendlichkeitszeichen des Toggen-\nburgers. —\nSexualbezeichnungen nicht alles erschöpfend\nzwischen 'den Geschlechtern. Bleibt übrig: das\nKind. Und die Herrschaftsverhältnisse zwischen\nMann und Weib als da sind1 zwei Tiere. Ein\nandermal, so Gott will.\n\nSchluß\n\nUeber Malerei\ninsbesondere über tote und\nlebende Genußtiere\n\nDie Münchner Neuesten Nachrichten beschäf-\ntigen sich nicht nur mit dem Handel und den Alpen.\nDie Alpen erstrecken sich zwar bis auf den Roman,\nder noch unter dem Strich ausläuft. Aber sie ver-\nsperren der Zeitung völlig die Aussicht auf die\nKunst, trotzdem sie der Alpen wegen im Glaspalast\nuntergebracht ist. Die Kritiker dieser Zeitung\nsitzen oder schlafen in dem Glashaus. Sie sehen\ndie Alpen vor Bergen und die Kunst vor Bildern\nnicht. Nun könnte es schwierig scheinen, unter\neinigen Tausend Bildern Kunstwerke herauszu-\nfinden. Es ist aber nicht schwierig. Denn es sind\nkeine Kunstwerke dort vorhanden. Ein Grund\nmehr, sie zu „würdigen44. Die sechste Würdigung\ndes Herrn Dr. W. B. beschäftigt sich mit dem Idylli-\nschen. Wie es sich für ein gutes Lager gehört:\nder Doktor ordnet die Stoffe. Sein idyllisches\nLager besteht aus Interieur, Genre, Stilleben und\nTierbild. „Das reine Interieur ohne jede Staffage,\nist spärlich vertreten im Glaspalaste.\" Die Zeiten\nhaben sich geändert. Die Interieurs von heute\nsind keine Interieurs mehr. Die Leute, die in In-\nterieurs wohnen, sterben aus. Was soll der Künst-\nler machen, wenn der Handwerker der Bürger sei-\nner Phantasie nicht mehr in die Stube hilft. Nicht\neinmal in die gute Stube. Darum klagt der Doktor:\n„Ja, wenn der Maler doch zum mindesten ein fürst-\nliches Gemach zum Studienobjekt nimmt, wie Franz\nMullerer, dann kann er eines gewissen Interesses\nsicher sein. Das bedeutet keinen Tadel gegen des\nKünstlers päpstliches Zimmer in der hiesigen\nResidenz, das sehr gut gemalt ist. Für das auf-\ndringlich viele Gold, für den Geschmack von 1665\nist ja der Künstler nicht verantwortlich.\" Nein,\ndas ist er nicht. Und vieles Gold sieht man immer\ngern. Ueber den Geschmack läßt sich streiten, der\nGeschmack ist verschieden, und ein Schuft ist der,\nder mehr malt, als er sieht. Man kann von Franz\nMulterer nicht verlangen, daß er den Geschmack\nvon 1665 bessert, Ihn trieb der innere Gott, das\npäpstliche Zimmer von 1665 zu malen. Man kann\nsich denken, was er leidet, daß ihm sein Gott gab\nzu sagen, wie schlimm es um das Interieur von 1665\nbestellt war. Mit dem „reinen\" Interieur ist es also\nvorbei. Der heutige Maler muß schon eine han-\ndelnde Person auftreten lassen: „Hell und freund-\nlich ist Wilhelm Krelings Studie aus Schleißheim,\nwährend sein Rokokokircheninterieur mit dem\nsich beweihräuchern lassenden\nGeistlichen nicht mehr zu den reinen Inte-\nrieurs gezählt werden darf\". Der sich beweih-\nräuchern lassende Geistliche ist hoffentlich auch\nhell und freundlich, „dagegen malt Paul Felgentreff\nseine Tirolerbauernstube allzudunkel\". Das stört\ndie sonnige Natur des Doktors, der ein anderes\nInterieur von „wirklich lachender Morgensonne er-\nfüllt\" findet und sich über eine alte Schloßhalle\nfreut, „die nur etwas zu temperamentlos geraten\nist\". Ich finde den Vorwurf ungerecht, vielleicht\nwar die Temperamentlosigkeit der Geschmack der\nZeit, in der die Schloßhalle gebaut wurde. „Wird\ndas Innenbild mit Personen belebt, es kann auch\neine Landschaft sein, so entsteht daraus das früher\nso beliebte Genrebild. Heutzutage weiß man nicht\nmehr recht, was damit anfangen. Soll man eine\nBeschreibung des Inhaltes geben, im\nStile der Familienblätter; erzählen von der wunder-\nschönen Grafentochter, die aus dem hellerleuchte-\nten Schloßtanzsaale sich hinausstiehlt in den stillen\nPark und dort ihr Leid ausweint, weil eine noch\nwunderschönere auf dem Feste erschienen ist?\n,Es ist eine alte Geschichte . . .' Lieber nicht!\nDie rein malerischen Qualitäten betonen? Ich\nfürchte, der Ton wird dünn und schwach erklingen.\nBleibt nur hervorzuheben, das fast alle diese Bilder\nnach rein zeichnerischen Vorzügen zu bewerten\nsind\".\nEs kann einem leid tun um diese Gattung, der\ndie Töne ausgegangen sind. Früher, früher hatte\ndiese Gattung wenigstens Altmeister; Franz\nvon Defregger, auch Schmidt war Altmeister. Ja,\ndiese „Söhne Tirols\" fühlten die Alpen noch in\nihrem Busen. Der Doktor erzählt in seiner Kunst-\nkritik, daß sie „die Beschäftigung, Freud' (mit Apo-\nstroph, mein lyrisches Gemüt) und Arbeit des tiro-\nler Stammes darstellten\". Noch mehr: die Alt-\nmeister hatten das Glück, in einer Zeit geboren zu\nwerden, wo die Alpen sozusagen in eine neue Pe-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.8", "texte": "Artur Segal: Vom Strande 1 / Originalholzschnitt\n\nriode ihres Daseins traten. In eine richtige histo-\nrische Periode. Der offenbar historisch geschulte\nKunstkritiker teilt den braven 'Münchenern mit, daß\ndas Auftreten der Altmeister in jene Zeit fiel,\n„die die Alpen nicht mehr als unangenehmste\nDurchgangsroute nach Italien, sondern als Quelle\nder Erholung und künstlerischen Genusses, als Som-\nmerfrische anzusehen begannen. Kein W'under\n. . .44 Kein Wunder, daß die Kunst blühen mußte,\nals die Zeit die Alpen als Quelle, sogar als Som-\nmerfrische ansah. Aber der alpine Kunstkritiker\nkann es sich nicht versagen bei dieser Gelegenheit\neinen Ausflug nach dem verhaßten Berlin zu\nmachen: „Alles, was sich zum Lobe der beiden\n(Altmeister) anführen ließ, kann auf die Schilderer\nBerliner Alpenbälle keine Anwendung finden. Was\nsoll man über alle die reizenden Dirndln, die lieb-\nlichen Bauernkinder schreiben? Nur seltsam be-\nrührt es, daß die kraftvolle Schönheit der männ-\nlichen tiroler Bevölkerung so wenig Schilderer\nfindet.44 Schlimmer als die Altmeister sind die\nBerliner Alpenbälle schließlich auch nicht. Und die\nsind gerade schlimm genug. Was macht man nur\nmit den reizenden Dirndln, über die sich nichts\nschreiben läßt. Vielleicht kann man sie in Gold\nmalen lassen von Karl Hartmann, dessen „Kinder\nam Chiemsee44 leicht und locker gemalt 'sind, wie\nder Doktor sagt. Der Mann müßte es doch können.\nUnd die kraftvolle Schönheit der männlichen tiroler\nBevölkerung übergebe man Herrn Oskar Ziegen-\nfus, der Bilder „in kräftigen Farben ohne Beschöni-\ngung gibt44. Da gibt es ferner den Künstler Koese-\nlitz, „dessen Bild durch seine frische Malweise an-\ngenehm auffällt, aber störend ist hier die Kompo-\nsition; es scheint fast, als gebe der Ritter seinem\nLieb, bevor er in die Schlacht zieht, noch einen\nFußtritt zum Abschied44. Das ist allerdings sehr\nstörend, aber vieleicht gehört der Fußtritt für das\nLieb zu der frischen Malweise. Man erfährt fer-\nner, endlich, was ein Stilleben ist: „Unter dem un-\nglückseligen Ausdrucke „Stilleben44, wie denn schon\ndie rein äußerliche Einteilung nach Objekten un-\nglücklich, aber kaum zu umgehen ist, werden ver-\nschiedenste Dinge zusammengefaßt:\nBlumen und Früchte, Gebrauchsgegen-\nstände und tote Genußtiere; und heute\nnoch ist es trotz Whistlers Aufforderung nicht ge-\nlungen, wenigstens für die letzteren Kategorien\neinen passenderen Namen zu finden.44\nOrdnung im Lager muß sein. Da hilft nicht ein-\nmal der innere Gott. Aber daß trotz Whistlers\n* Aufforderung für die toten Genußtiere kein pas-\nsenderer Name zu finden ist, als Stilleben, finde ich\nsehr traurig. Wie wäre es mit StilttoH Tchjfinde\nübrigens die Bezeichnung tote Genußtiere so außer-\nordentlich, daß die Maler sie sich für diese „letz-\ntere'4 Kategorie ohne Weiteres zu eigen machen\nsollten. Es ist eine Lust, von toten Genußtieren\nzu leben. Eine Lust mehr, sie unter dieser Be-\nzeichnung gemalt zu sehen. Aber der kunstkritische\nDoktor dankt auch für Obst: „H. Gottl. Kricheldorf\nhat Herzkirschen mit großer Bravour gemalt, auch\nseine ,vergessenen Trauben4 mit dem Stückchen\nMauer sind zeichnerisch und farbig gut.44 Das\nMahl wird immer leckerer. Tote Genußtiere, Herz-\nkirschen und die Trauben, die nicht länger im Ver-\nborgenen blühen. Aber nicht damit genug: „Der\nHummer mit dem Elfenbeinkrug sowie noch einigen\neßbaren und nur auf das Beschauen her-\ngerichteten Delikatessen kontrastieren\ngut mit dem weiß gescheuerten Tische44. Was\nmögen das für beschauliche Delikatessen sein, die\neßbar ein Stilleben führen. Der Doktor muß die\nQualen des bekannten Tantalus leiden, um so mehr,\nals „auch Alexander Köster sein Talent der\n•Darstellung der Ente widme t 44. Wie\nweise hat es die Natur wieder eingerichtet, daß sie\nder Ente einen so guten Magen gab. Sie ist im-\nstande, auch den Köster zu verdauen. Die Haus-\ntiere sind nicht vergessen. Eine alte Dame malt\n..ihre BtlWHo9rPrP mit Hpm n Irrtnrriorciti +\n*£0* ** ■ jür \" ... '^Nßu."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.9", "texte": "Bewußtsein, das dieses Tier zum Liebling unserer\nVettern jenseits des Kanals macht\". Die Vettern\ndürften sich für diese Base mit dem knurrigen\nSelbstbewußtsein bedanken. Und zum Schluß, o\nLieblichkeit über Lieblichkeit, „Julius Adam hat\neine seiner beliebten Katzenfamilien, die erst neu-\nlich anläßlich des siebzigsten Geburtstages des\nKünstlers ihre Würdigung hier fanden, geschickt\".\nWenn nur die lebenden Genußtiere die toten nicht\nauffressen.\nSo malt sich in dem Kopfe des alpinen Münche-\nner Kunstkritikers die Welt, die Malerei heißt.\n\nH. W.\n\nBaudelaire\nVon Jacques Rivière\nBaudelaire\nUebertragung aus dem Französischen von Jean-Jaques\nO vous, soyez temoin que j'ai fait mon devois\nComme un parfait chimiste et comme une äme sainte.\nEr ist mitten' unter uns. Er zieht sich nicht in\ndie Wüsten zurück, um als Dichter und Prophet\nzurückzukehren. Er wird die Natur nicht anflehen,\nihn göttlich zu machen. — Aber er ist mit uns. Ich\nsehe ihn auf der Straße : er denkt an seine Schulden\nund geht dahin und recht ununterbrochen. Er baut\nLuftschlösser über Artikel, deren Bezahlung ihn\nrangieren könnte. Oder vielleicht denkt er über\nirgend eine Liebenswürdigkeit für den Freund nach,\nden er besuchen geht. Oder vielleicht „arbeitet\"\ner noch innerlich an einem Gedicht, stellt Worte in\nOrdnung, die nicht recht zueinander passen. —\nVielleicht hätte ich ihn gekannt — hätte ich nur\nseine Einfälle und Launen kennen gelernt. Aber\ner hatte eine Seele. Er trug sie mitten unter seinem\nLeben. Sie war zugegen, wenn irgendein Leiden\noder eine Gier sich seiner bemächtigte. Sie war\nbereit, alles mitzufühlen; nicht mit Dilettantismus,\nsondern wie eine echte arme, für die Sorge und\nSorgfalt geschaffene Seele. Die Seele, das unbe-\nkannte in uns, das alle unsere Abenteuer lauernd\nbeobachtet! Bei sich zu Hause ließ er sie sich\nbefreien. Sie sprach klug und erzählte ihre Prü-\nfungen leidenschaftslos, glanzlos. Sie bestand ihr\nGewissensexamen. Und dennoch: sie allein klagt\nsich nicht mehr an, aber meine Seele und die eure,\ndie wir doch so sorgfältig zurückgehalten hatten,\nund die wir nicht so großer Leidenschaften fähig\nerachteten.\nI\nBeherrschte Poesie\nDu machst den Eindruck eines schönen Schif-\nfes, das in See sticht.1)\nSie ist voll lehrreichen Inhalts. Sie schwebt\ngehorsam mit ihren fügsamen Fängen. Man fin-\ndet keine Verse, die sich in einen graden unend-\nlichen Weg zwängen, die sich einer dem andern\nanschmiegen, die sich von selbst vermehren. Aber\njedes einzelne Stück ist das reine Umgehen einer\nStrömung, die Treue des Wassers zwischen sich\nwindenden Ufern.\nDiese geführte Poesie reißt alle Worte in\nihrer Zahl mit sich. Die seltensten stehen neben\nden gebräuchlichsten, die bescheidensten neben\nden kühnsten. Aber, untergehend in der sicheren\nund zarten Bewegung des Gesamten, überrascht\nkeines. Merkwürdiger Schwung der Worte! Bald\nwie - eine Ermüdung der Stimme, bald wie eine\nplötzliche, das Herz überkommende Bescheiden-\nheit, wie ein geschmeidiges Dahinschreiten, wie\nein Wort voller Schwäche:\nEt qui sait si les fleurs nouvelles que je reve\nTrouveront dans cesal lave comme une gr£ve\nLe mystique aliment qui ferait leur vigueur.1)\nOder:\nqui les ahne augmente ses\nverdures. 2)\nScharfsinnige Einschränkung, die die Gedrängt-\nheit des Verses schwächt. Wahl der Geringfügig-\nkeit. Kompromiß mit dem Schweigen.\nManchmal dagegen kämpfen . die stärksten\nWörter voller Wut, erstickt. Sie grollen ohne\nSchrei. Sie sind den Flüssen entrissen und ver-\nlieren sich in der stummen, verhaltenen Macht des\npoetischen Schwunges:\nCheveux bleus, papillon de tenebre tendues,\nVous me rendez l'azur du ciel immense et rond;\nSur les bords duvetes de vos meches tordues\nJe m'eßivre ardemment des senteurs conforidues\n' De l'huile de coco, du musc et du goudron.3)\nAber immer übt der Dichter seine Herrschaft\nüber seine Dichtungen aus. Er leitet sie, langsam\nund durchgeführt. Wie es ihm paßt, zu ihrem\nZiele. Er lenkt durch seinen einflußreichen Ge-\nschmack. Er bedient sich gern ungeahnter Worte\n— man könnte sagen abgeschmackter Worte. Aber\ner tut es, um ihre Sonderbarkeit zu schwächen, um\neine Harmonie über sie auszugießen, um das Ab-\nfließen einzuengen, das er ihnen, launenhaft geöff-\nnet hat. 4) Wie die, die sich vollkommen dessen,\ndas sie sagen wollen, bewußt sind, sucht er die\nfernsten Ausdrücke; dann führt er sie näher heran,\nbeschwichtigt sie, gibt ihnen eine Gemessenheit,\ndie man an ihnen nicht kennt.\nEr ist Dichter, das heißt er gestaltet\nVerse wie eine kühne, nützliche und wohlüberlegte\nArbeit.\nEine solche Poesie kann nicht Inspiration sein.\nZweifellos ist sie begeistert, eine Begeisterung, die\njedoch nur die Befreiung der arbeitenden Dichter-\nkraft ist. Baudelaire beschreibt sich selbst in\nseinen Irrungen, wie er dichtet:\nHeurtant parfois des vers depuis longtemps\nreves.5)\nDie sprudelnden Sätze, die die ursprünglichsten\nzu sein scheinen, sind immer wie eine plötzliche\nAuflösung, wie ein vorbereiteter Blitz. Wie der\nsteigende, zarte Gedanke sich ohne Eile der Dun-\nkelheit, die er war, entzieht, so behält auch der\npoetische Fluß trotz seinem Wirkungsvermögen\neine gewisse Langsamkeit:\nJ'aime de vos longs yeux la lumiere verdätre ..°)\nEr ist einsam wie eine große Blume. Bei Bau-\ndelaire wuchern die Gleichnisse nie so wie bei den\nInspirierten. Der Dichter fürchtet die dichterischen\nSituationen, Gedanken, deren einfaches Aussagen\nringsum die Metaphern wie Flammen aufglühen\nläßt. Er ist nicht gern von dem Glanz seiner Ein-\nfälle umgeben und umschlossen. Er gibt sich nichts\nim Anfang. Aber die Bilder entstehen rings um sein\nWort; von ihm erweckt, erheben sie sich; sie blei-\nben bei ihm; sie bilden einen geordneten Festzug.\nSie klammern sich an einen einfachen Vokativ,\nstützen ihn, erfüllen ihn mit dichtem, düsterem\nLichte:\nJe t'adore ä l'egal de la voüte noturne.\nO vase de tristesse, ö grande taciturne ....\nSie sind die Gestalt selbst der\nsie schmiegen sich dem Satz an:\nQuand vers toi mes desirs partenten caravane,\nTes yeux sont la citerne oü boivent mes\nennuis. . .*)\nSie gleiten in den Dialog; sie sind in der Frage\nund in der Antwort:\nD'oü vous, disiez-vous, cette tristesse etrange,\nMontant comme la mer sur le roc noir et nu?2)\nUnd in der „Chevelure\":\nN'es-tu pas l'oasis oü je reve, et la gourde\nOü je hume ä longs traits le vin de Souvenir?3)\n1) Tu fais raffet d'un htm vaisse&ts qui prend le\n•. —« «\"-f.-\n1) L'Ennemi, p. 101\n2) Boh&niens du voyage, p. 104\n3) La Chevelure, p. 120\n4) Claudel sagte von Baudelaires Stil: „Es ist ein\nmerkwürdiges Gemisch aus dem Stil des Racine\nund dem Stil der Journalisten seiner Zeit\".\n5) „Le Sobeü\", p. 251\ni Anf Aturio\" n \"LTQ\n1) „Sed non satiata\", p. 123\n2) „Semper eadem\", p. 145\n3) „La Chevelure\", p. 120\n\nFortsetzung folgt\n\nAdler und Zaunkönig\nVon Dr. S. Friedlaender\nHerr Carl Albrecht Bernoulli, der mein Bach\n„Friedrich Nietzsche / Eine intellektuale Bio-\ngraphie\" vor kurzem in der „Frankfurter Zeitung'4\nbesprochen hat, läßt mich als „Zaunkönig\" figu-\nrieren, „der sich aus den Schwingen des ermüdeten\nAdlers noch um ein Stück höher über ihn erhebt\",\nund „der Respekt vor den siebzehn Bänden, die\nNietzsche hinterlassen hat, verträgt sich nicht recht\nmit einem solchen Zaunkönigsflug\". Nun behaupte\nich — die Beweise liegen in jenen „siebzehn\" und\nmeinem einen Bande ad oculos demonstriert —:\nNietzsche ist kein „ermüdeter\" Adler, das Gleich-\nnis hinkt aber auf mehr als einem Bein. Von der\nAuffassung Nietzsches als ermüdeten Adlers ist der\nRückschluß auf eine Froschperspektive, in der man\nAdler und Zaunkönige leicht verwechselt, sehr nahe-\ngelegt. Zu solchen Höhen aufblickend, kann selbst\nder scharfsinnigste Rezensent, wenn es ihm an Re-\nspekt (nicht vor bereits bekannten, sondern) vor\nunbekannten Größen gebricht, einer perspek-\ntivischen Täuschung unterliegen. Das Große\nschätzt jeder, der es nur sieht; aber beim\n„Kleinen\", ja Mikroskopischen, da nehmt euch in\nacht! Hier nutzt euch die Berufung auf die\nAugen sicherlich beim Vulgus (des Denk- und\nLesepöbels), niemals beim Kenner. Das Kleine kann\nklein sein oder klein scheinen. Siebzehn aus-\ngewachsne Bäume lassen sich hier leichtfertig\ngegen ein Samenkorn ausspielen. Also, der Re-\nzensent hat darin recht, daß er mich\nwinzig findet; er irrt aber \"darin, daß\ner diese Winzigkeit für das Auge als\neine für die Einsicht nimmt. — Bekannt-\nlich trägt der Adler Zarathustra's eine Schlange um\nseinen Hals geringelt. Mein Grundgedanke ver-\ngleicht sich lieber dieser Schlange. Sie ist\n„buntscheckig\", sie kriecht und windet sich, sie\nkäme, ohne Adlerschwingen, nicht zur Höhe —\naber sie ist kein Zaunkönig. Gegen diese Meta-\nmorphosierung protestiert sie kraft Nietzsches eige-\nner Gewalt und aus der Machtvollkommenheit des\nGedankens aller Gedanken, den diese uralte listige\nSchlange gewiß noch vernehmlicher ins Ohr des Ad-\nlers reden wird. Es gilt den Rangstreit der Gedan-\nken, keiner Personen. Die Philosophie kennt nicht\nKant sondern „die Kritik der reinen Vernunft\"; sie\nkennt schon deshalb keinen Friedlaender, weil sie\nkeinen Nietzsche kennt. Und gesetzt, Friedlaender\nwäre Zaunkönig — es gibt nicht soviel Zaunkönige,\ndie sich eines Adlers bedienen können. Aber\nschließlich bleibt es bei der Schlange: und bei\nallen Täuschungen der Froschperspektive»'"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.10", "texte": "Das Leichenbegängnis\nder Gemma Ebria\nErnst Blass\nDieser Novellenband von Heinrich Ediuard\nJacob ist in den deutschen Kritiken, die ich dar-\nüber gelesen habe, von Besseren und Schlechteren\nmit freudigem Ungestüm begrüßt worden. „Neben\nHeinrich Mann\". . . schrieb Otto Pick. „Ein Jüng-\nling zu Sais\". . . schrieb Fritz Engel. Aber die\n„.Vossische Zeitung\" sagte „Verheißung\" und stellte\nd-en jungen Verfasser an die Seite (mehr kann man\nnicht verlangen) des Freiherrn von Ompteda\n— na!\n. . . Stünde mir ein Blatt offen, dessen Redak-\nteur nicht weniger von Literatur verstünde als ich,\nso schriebe ich folgendermaßen (Anfangen würde\nich nicht mit Jacob, vielmehr so):\nErich Mühsam, beliebter Anarcho-Schüttelkünst-\nler, schreibt ein entlegenes Blatt voll. Doch was\ngeht vor? Statt Reime zu schütteln, schüttelt er\nseinen haarigen Kopf? — und über meine Lyrik??\nSei's ich lasse seinen teuren Schädel unge-\nschoren.\nUnd ohne Uebergang bliese ich den Marsch:\nDer Jacobband hat Qualitäten. Man griffe ihn\nweniger scharf an, . . . nähme man ihn weniger\nernst. Aber der Jacobband folgt den Spuren heu-\ntiger Theatraliker; Psychisches hat nicht Geltung,\neh es nicht makartisiert ist. Statt das. was wir mit\nKerr „Ewigkeitszug\" nennen, im Erleben zu haben\nund in der Gestaltung auszudrücken (nämlich das\nist der Beginn der Kunst) —: statt dessen folgt der\nBand dem Prinzip der künstlichen „Aufhöhung\".\nSehr verdächtig ist immer diese Würde: sie ersetzt\nein Zuwenig an ernstem Gefühl durch ein Zuviel an\nzeremoniöser Gravität. Ein Mangel an schöpfe-\nrischem Lebensgefühl zwingt diese Autoren, ihre\nSeelenerlebnisse zu jdolisieren und damit zu idioti-\nsieren.\nMeine Meinung geht nicht gegen\nSublimierung von Erlebnissen (sie ist\nder Anfang der Kunst) — nurgegen Aeußer-\n-1 i c h k e i t. Diese Autoren bringen Stimmung von\naußen heran. Sie mixen. Sie haben ein Lexikon\nfür Gegenstände -der ewigen, klassischen Art und\nfür solche der täglichen, naturalistischen Art. (Bier-\nflaschen beispielshalber, wären zu Art II zu rech-\nnen, Fürstenschloß zu Art I. Lange Sätze: Art L\nkurze Sätze: Art II . . .)\nMeine Autoren, nicht Würde ist Aeußerlich-\nkeit, nicht Feierlichkeit, nicht Schwung, nicht Qe-\nhobenheit, nicht mystisches, nicht tragisches Emp-\nfinden —, nur eure Würde ist äußerlich, nur . eure\nDekoration und, Donnerwetter, Versan-\ndung und Verkitschung! .. . Dem Jacobbande\nmangelt es nicht an Stellen voll Schönheit und\nInnerlichkeit. Darum ist es doppelt traurig und auf-\nreizend, mitansehn zu müssen, wie dies beseelte\nTalent sich selbst einer falschen Theorie zum\nOpfer bringt.\nDas Buch erschien im Verlag Erich Reiß Berlin\n\nDritter Jahrgang\nErstes Halbjahr\nDie römischen Ziffern bezeichnen die Nummern,\ndie arabischen die Seitenzahlen der Zeitschrift\nBeiträge\nI'osef Adler\nDer geniale Heilemann CXII 60\nPeter Altenberg\nBesuch CV 2\nAdolf Behne\nZwei Ausstellungen CVII /19\nErnst B 1 ä s s\nDas Leichenbegängnis der Qemma Ebria CXXVII/\nCXXVIII 155\n©raberto Boccioni\nCarlo D. Carro\nLuigi Russolo\nGiacorno Balla\nCüno Severini\nFuturisten CV 3\nD. B u r I j u k\nDie „Wilden\" Rußlands CXXIII/XXIV 130\nCXXV / CXXVI 140\nC a r 1 D a ! 1 a g o\nKarl Kraus / Der Mensch CXV / XVI 77\nCXVII / CVIII 90\nA l f r e d D ö b 1 i n\nDer schwarze Vorhang (Roman) CV 3 CVI 10\nCVII 18 CVIII 27 CIX 34 CXI 52 CXII 59\nCXIII/XIV 66 CXV/XVI 80 CXVII/XVIII 92\nDie Bilder der Futuristen CX 41\nJungfräulichkeit und Prostitution CXXV/CXXVI 141\nCXXVII/CXXVIII 152\nUeber Jungfräulichkeit CXXI/CXXII 121\nHans Ehrenbaum - Degele\nGedichte CIX 34 CXVII/CXVIII 92\nAlbert Ehrenstein\nGedichte CXXIII/XXIV 128 CXXVII/XXVIII 152\nDr. S. Friedlaender\nAdler und Zaunkönig CXXVII/XXVIII 154\nMax Steiner: „Die Welt der Aufklärung4'\nNachgelassene Schriften CVII 20 CVIII 28\nRichard Fuchs\nDer Ursprung der Künste CIXX/XX 106\nPaul Hatvani\nLichtenberg CXV/XVI 79\nVorlesung Else Lasker-Schüler CV 6\nRaout Hausmann\nWieder Herr Scheffler CXV/CXVI 86\nKarl Borromäus Heinrich\nMenschen von Gottes Gnaden (Roman)\nCXXI/XXII 115 CXXIII/XXIV 126\nCXXV/CXXVI 135 CXXVII/CXXVIII 147\nFranz Herczeg\nDie blaue Dohle CIXX/XX 104\nKurt H i 11 e r\nFritz Stahl CVIII 27\nPaul H i 11 e r\nDie indische Tänzerin Rosha Nora CXV/XVI St _\nk Arno Holz\nf Phantasus CX 43\nFritz H ü b n e r\nEin Lyriker CXIII/XIV 68\nFranz Jung\nJosef CIXX/XX 109\nWassily Kandinsky\nFormen und Farbensprache CVI 2\nLothar von Kunowski\nDer Stil der Linie GXVII/XVIII 96\nFolie und Fassung CXKI/CXXII 120\nElse Lasker- Schüler\nBoas CX 41\nBriefe nach Norwegen CXIII/CXIV 68\nGedichte CV 2\nLasker-Schiiler contra B und Genossen CXI 51\nVersöhnung CXXV/CXXVI 134\nWenn mein Herz gesund wär CVII 18\nRudolf Leonhard\nGedichte CXII 58\nAlfred Lichtenstein\nGedichte CXII 62\nDetlev von Liliencron\nBriefe an Peter Hille CXXV/CXXVI 134\nCXXVII/CXXVIII 146\nEgon L öw y\nDer Philosoph CXIII/XIV 69\nFranz Marc\nIdeen über Ausstellungswesen CXIII/XIV 66\nZur Sache CXV/CXVI 79\nF. T. M a r i n e 11 i\nA FAutomobile de course CIX 36\nTod dem Mondschein CXI 50 CXII 57\nGünther Miirr\nMarie CXV/XVI 85\nHeinrich N o w a k\nGedichte CXVII/CVill 98 CXIX/CXX 110\nOtto Pick\nDer Selbstmord eines Katers CXV/XVI 85\nRichter - Berlin\nMalerkritiker CV 4\nThaddäus Rittner\nJour Fixe CIXX/XX 106\nJacques Riviere\nBaudelaire CXXVII/VIII 154\nCesar Franck CXXI/XXII 122\nCezanne CIX 36 CXI 54\nRunge\nGedicht CXXIII/XXIV 130\nValentine de Saint - Point\nManifest der futuristischen Frau CVIII 26\nPaul Scheerbart\nDas Ozeansanatorium für Heilkranke\n(Telegramm Novelle) CXXIII/XXIV 128\nMitternachtsbesuch CXXI/CXXII 118\nTiefe Geschäftsweisheit CXII 58\nCurt Seidel -Turin\nFranz von Stuck CVI 14\nLa Voce CXIII/CXIV 72\nGrete Tichauer\nAus einem Gelächter Zyklus CXXI/XXII 116\nMein grünes Kleid CXVII/CXVIII 92\nPaul Zech\nGedichte CVI 14 CVII 19 CXI 54\nCXVII/CXVIII 96\nRheinhafen CXXV/CXXVI 137\nJ. A.\nBerliner Frühling CIX 36\nDame und Dirne CXIX/CXX 109\nNachlese CV 6 CVI 14\nh! w.\nAbwehr CVX 33\nApril CV 1\nBab der Lyrikfinder CXXV/CXXVI 140\nBab der Lyriksucher CXXIII/CXIV 125\nDas Senkblei ins Ewige CXXI/CXXII 121\nDeutsche Dichter und Deutsche Richter\nCXIX/CXX 102 CXXI/CXXII 114\nDie Denunziation als Rettung CVIII 25\nEntdeckungen CVI 10\nKunst als Spiel und Stil CXII/XIV 72\nLetzte Nachrichten CXII 62\nLiteratur und Kunst CVII 17\nNeues von der Kunst CXI 54\nNotiz CXV/CXVI 86\nPfingsten CXII 57\nSchöne Künste CXIII/CXIV 73\nUeber Malerei CXXVII/XXVIII 152\nZeichnungen\nUmberto Boccioni\nLa peinture des etats d'äme I CVII 21\nCVIII 29 CIX 35\nna nn s Bolz\nle pere tranquüie / Zeichnung CXIII/XIV 65\nCesar Klein\nOrigmalholzschnitt CV 5, CXV/CXVI 81\nKari Ger lach\nDas Konzert / Holzschnitt CXI 49\nOskar Kokoschka\nZeichnungen CV/CVI 9\nFranz Marc\nTierlegende CXXVII/CXXVIII 145\nVersöhnung CXXV/CXXVI 133\nMor i z Mel z e r\nOriginalholzschnitte CXV/XVI 84 CXVII/CXVIII 93\nWilhelm Morg n e r\nFressender Holzarbeiter 112 Originalholzschnitt\nCXXV/CXXVI 138\nHolzarbeiterfamilie CXXVII/CXXVIII 150\nHolzschnitt CIX 37\nLandschaft mit strahlender Sonne / Original-\nholzschnitt CXII 61\nOriginalholzschnitte CIX/CX 37 CXIII/CXIV 74\nPablo Picasso\nZeichnungen CVII 17 CX 41\nRichter - Berlin\nBahnwärterhäuschen CXXI/XXII 117\nLandschaft mit Bachmühle CXIX/CXX 105\nLandschaft mit holländischer Mühle CXIX/CXX 107\nDer Torsteher / Holzschnitt CXI 53\nFr. Rosenkranz\nOriginalholzschnitte CXIX/CXX 101 CXXI/CXXII 119\nArtur Segal\nDie Dame / Holzschnitt CXVII/XVIII 95\nOriginalholzschnitte CXVII/CXVIII ■&\nCXXI/CXXII 113\nVom Strande I / Originalholzschnitt\nCXXVII/CXXVIII 153\nGeorg Tappert\nOriginalholzschnitt CVI 13 CXIII/CXIV 70/71"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19120921-01.1.11", "texte": "Notizen\nDer Herausgeber dieser Zeitschrift empfängt ein-\nmal monatlich Sonntags von 4 bis 7 Uhr in 'der\nAusstellung Der Sturm, Königin Augustastraße 51.\nIm Oktober: am dreizehnten des Monats.\nWegen Einladungen wende man sich an die Redak-\ntion dieser Zeitschrift\nWilhelm Morgner, von dem sich ein Holz-\nschnitt in dieser Nummer befindet, ist Mitglied der\nNeuen Sezession\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\nEs werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen von\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9 und durch Graphisches\nKabinett, J. B. Neumann, Charlottenburg, Kur-\nfürstendamm 33\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\n)ruck von Carl Hause, Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\ngegenuber der vier HeydtstraBe\nFahrgelegenheit: Liitzowplatz\nSechste Ausstellung\nJungbelgische Kunstler\nGemalde Plastlk Graphik\nRyk Wouters\nJames Ensor\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nGeofinet taglick yon 10—6 Uhr / Sonntags vo* It—2 Ukr\nSchhsS der Ausstellung: 29. September\nSiebente Ausstellung\nWassily Kandinsky\nErste Kollektivausstellung mit Gemaldea aus den\nJahren 1901 bis 1912\nEroffnung: MIttwoch, den 2. Oktober, mittags 12 Ukr\n\nVerlag der Sturm\nBerlis W t Potsdamer Stralc 18\nFernruf Amt Lfltzow 4443\nZeltschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnliche Attsgabe: Fur Deuischlaiid\nHnd Ocsterrcich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes / Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderansgabe: Ungebrochene Exem-\nplare, Yersendung in Rollen direkt\ndurch die Post: Fur Deutschland und\nOestcr reich-Ungarn: Ein Jahr 12 Mark I\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezlige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark.\n\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken und StraBenstanden\nauf\nFalls direkte Zustellung durch iden Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellung einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird.\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des F e s t -\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark\nFranz Marc: Tierlegende / Originalholz-\nschnitt / 10 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier han<fcedruckt, signiert und numerie*rt / Das\nExemplar 40 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nJe 4ein Exemplar ist standig ausgestellt im Qraphischen\nKabinett Kurfiirstendamm 33\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Fur Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark\n\"W\nKGnstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / L u i g i R u s s o 1 o: Erinnerung eincr\nNacht I Gino Severini: Die Modistin / Ruhe-\nlose Tanzerin / Pan-Pan Tanz X Licht-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / LuigiRussolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Severini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose T&nzerin X Clich6-\ndruckc: Das Exemplar 20 Pfennig\n\nZeitschriften\nDie Aufnahme crfolgt kostenlos nach freiem Ermessc»\ndcr Redaktion dieser Zeitschrift\nDie Fackel / Herausgeber: KarlKraus / Er-\nscheint in zwangloser Folge. Die Fackel enthalt\nnur Beitrage von Karl Kraus. Neueste Nummer\n354—356. Imhalt: WeiBe Frau und schwarzer\nMann / Glossen / Die Kunst verbindet / Glos-\nsen I Die Kinder der Zeit / Preis dieser drei-\nfachen Nummer 75 Pfennig / Verlag Die Fackel /\nWien III/2.\nL'Effort Libre / friiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne].\nL'lndSpendance / Halbmonatsschrift / Kiinste I\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\n\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue FranQaise I Monatsschrift /\nVerlag Marcel Riviere et Cie / Paris 7 1 Rue\nSaint-Benoit / Nummer 1 Francs 50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\n\nAnzeigen\n\nElse Lasker-Schiiler: Mein Herz / Ein Liebes-\nroman mit Bildern und lebenden Men-\nschen / Das Buch erscheint im Herbst, kostet ge-\n» «\nheftet drei Mark, gebunden vier Mark. Prospekte\nkostenlos durch den Verlag H e i n r i c h F. S.\nBachmair, Miinchen, KurfiirstenstraBe 39\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder <ier Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandlung /\nBerlin W 15, Kurfiirstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraBe / Eckhaus / Fernruf Amt Charlottenburg\n14297 I Der Inhaber <des Graphischen Kabinetts\nJ. B. Neumann eroffnet in der SchillerstraBe 6 (am\nKnie) eine Ausstellung fiir die neue Malerei. In ihr\nsollen ausschlieBlich Werke jlingerer Kiinstler ge-\nzeigt werden. Sie ist als eine der\nInternationalen Ausstellung des Sonderbunds zu\nKoln im kleineren MaBstab gedacht\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar /\nBerlin W 35, PotsdamerstraBe 27 b. Fernruf Ami\nLiitzow 5850\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLtitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur.\nFritz Stolpe Berlin W 35 Genthinerstrafie 42\nFernsprecher Amt Liitzow 3752. Gegriindet im Jahre\n1873. F ab r ik f iir Gemal derahmen in alien\nhistorischen und neueren Stilarten. Kopieen yos\nRahmen nach alten Meistern in Originalgoldt5nua-\ngen. Samtliche VergoMerwaren. Moderne und *n-\ndere Vergoldungen an Mobeln und Innenarchitek-\nturen, Reparaturen und Neuvergoldungen aller Ge-\ngenst&nde, Aufarbeiten aller Arten von Antikeo.\nReinigung von Gemalden und Stichen.\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94,\nFernruf Amt Charlottenburg 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf*\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern ?\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangeu,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\n' V A"}]}