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Daher darf es nicht verwunder-\nlich erscheinen, daß auf dieser einen Venusseite\ndie Fruchtbarkeit eine Plage ist.\nBlumenartige Bildungen auf der Rückenseite\nder Venusbewohner verwandeln sicih sehr rasch,\nbekommen lange, schwirrende Schmetterlings-\nflügel, die sich bald wieder zusammenballen und\nmit dem. Ganzen ein kompliziertes Fruchtgebilde\ndarstellen, das sehr schnell größer wird und sich\ndann vom Körper loslöst und danach zu einem\nneuen Venusbewohner wird. Diese Nachkommen\nentstehen, ohne daß ihre Vorfahren in die Lage\n• AV 'i %\nkämen, die blumenartigen Bildungen mit. ihren\nVerwandlungen irgendwie zu beeinflussen. In .der\nNähe der Sonne vollzieht sich eben die Vermeh-\nrung der Arten in sehr einfacher Weise — ohne >\njede Spur eines irdischen Dualismus.\nMan kann sich leicht denken, daß diese Be-\nquemlichkeit der Natur auch erhebliche Unbe-\nquemlichkeiten im Leben derer, die sich so einfach\nfortpflanzen, zur Folge hat — denn die Alten ster-\nben nicht so schnell aus auf der Venus, so daß\nsich die Zahl der Venushautbewohner unablässig\nvergrößert. Diese Vermehrung behindert die Be-\nwegungsfreiheit der Generationen. Und — wer\nsähe es gerne, wenn er samt seinen Lebensge-\nnossen in seiner Bewegungsfreiheit behindert wird?\n' r\nDabei geht ja alle Heiterkeit und Grazie ohne An-\nmut zum Teufel.\nNun kam noch hinzu, daß auf der heißen Ve-\nnusseite zwei ganz verschiedene Arten von Lebe-\nwesen existieren; die einen waren groß, dick und\nfaul und hatten eine Art Schildkrötenfell oben und\nunten, die anderen Lebewesen besaßen zwanzig\nArme mit langen feinen Händen, die sie faustartig\ngekrümmt leicht als Füße gebrauchen konnten, so\ndaß diesen Zwanzigarmigen eine geradezu unheim-\nliche Lebendigkeit innewohnte.\nDaß den bequemen, faul und ruhig daliegenden\nSchildkrötenfellbedeckten die Lebendigkeit und\nRuhelosigkeit der Arm- und Handreichen sehr\npeinlich — ja zuweilen unerträglich — vorkam,\ndas braucht wohl nicht gesagt zu werden.\nKnax gehörte nun mit seinen Zuhörern zu den\nbeweglichen Venushautbewohnern.\nKnax dachte täglich in reichlichem Maße über\ndie verdammte Fruchtbarkeit der heißen Venus-\nkugelseite nach; er war schon vor vielen Jah-\nren auf die Idee gekommen, daß eine große Anzahl\nvon Türmen und freischwebenden Brückenarran-\ngements wohl dem Platzmangel auf der Venushaut\nsteuern könnte. Und man hatte danach auch Türme\nund Brücken in Tälern und Höhen massenhaft\nerbaut.\nIndessen die verdammte Fruchtbarkeit der Ve-\nnusbewohner war eine derartig ergiebige gewesen,\ndaß alle diese Türme und Brücken nicht mehr\ndem allgemeinen Verkehrsbedürfnisse der Beweg-\nlichen genügten; der Beweglichen gab es eben\nzu viele — und die Schildkrötenartigen bedeckten\nfast überall den Sternboden und litten nicht, daß\n,•- « .\ndie Zwanzigfüßigen auf ihren Rücken oder in ihrer\nNähe herumliefen, da ihnen \"die Ruhe das\" wert-\nvollste Lebensprinzip zu sein schien.\nKnax, der Weise, sagte traurig:\nr\n„Weiß der liebe Himmel — wir haben in un-\nserer sonnigen Heimat nicht mal mehr zum Spa-\nzierengehen Platz. Wo sollen wir denn bleiben?\nWir können doch nicht immerzu auf unseren\nBrücken und Türmen sitzen und malen. Wir müs-\nsen doch mal Spazierengehen; wir sind doch nicht\nso konstruiert, daß wir auf die Spaziergänge ganz\nund gar verzichten können.\" .\nKnaxens Zuhörer' sagten dazu:'\n„Er hat Recht, der Knax!\"\nAber sie wußten nicht, wie dem Freiheitsmangel\nbegegnet werden könnte; natürlich kam keines\nvon diesen höher entwickelten Lebewesen auf die\nbrutale Idee, die Nachkommen, die überflüssig er-\nschienen, einfach abzugurgeln; alles Töten war\nden Venushautbewohnern unbekannt.\nDie' Geschichte wäre ja zweifellos zu einem\nKampfe aller gegen alle geworden, wenn sich die\nruhigen und die beweglichen Hautbewohner ih\neiner Weise ernährt hätten, die sich mit der, die\n'man auf dem Stern Erde sattsam kennen gelernt\nhat, vergleichen ließe. Aber ein derartiger Ver-\ngleich erscheint hier ganz unstatthaft, da sich die\nHautbewohner gar nicht von dem ernährten, was\nauf der Haut' der Venus zu finden ist; die Venus-\nbewohner — sowo.hl die ruhigen wie die beweg-\nlichen — nahmen nur einmal im Venusjahr Nahrung\nzu sich und das geschah folgendermaßen:\nEs wuchsen ihnen plötzlich die Haare ihres\nKörpers länger und daraus ersahen sie, , daß sie\nHunger hatten; fühlen taten sie den Hunger keines-\nwegs. Nun wuchsen die Haare des Körpers plötz-\nlich in die kautsöhukartige Venushaut hinein —\nund wuchsen in der Haut sehr schnell in einigen\nStunden mehrere tausend Meter tief ins Innere\ndes Sterns hinein. Und in diesem Innern des\nSterns sogen die Haare, die allerfeinste Röhren\ndarstellten, den Nahrungsstoff auf und führten ihn\ndem auf der Haut des Sterns liegenden Körper zu.\nHatte dieser genug, so gingen die Haare entzwei\nund der Gesättigte konnte wieder davonlaufen.\nHätten nun die SchilidkrÖtenartigen die ganze\nSternseite mit ihren Körpern bedeckt, so hätten\nnatürlich die Beweglichen keinen Platz gehabt,\nNahrumg aufzunehmen. Aber so schlimm war's\nnicht; so viel Schildkröten konnten gar nicht ent-\nstehen, da die Venushaut doch eine ungeheure\nFläche repräsentierte.\nNur zum Spazierengehen und zum Laufen fehlte\nder Platz auf der Halbkugeloberfläche; zum Nah-\nrungaufnehmen langte diese Oberfläche in jedem\nFalle; die Schildkröten waren sonst sehr gut-\nmütig und hätten auch den Zwanzigarmigen gerne\ndurch Aufeinanderlagerung Platz gemacht, wenn\ndieser nur zum ruhigen Nahrungaufnehmen ver-\nwendet werden sollte; nur für Lauferei und Sprin-\ngerei hatten die Ruhigen nicht das geringste Ver-\nständnis — alle Unruhe störte ja die ruhige phi-\nlosophische Spekulation, die das Leben der Schild-\nkröten ganz und gar erfüllte.\n* « i\nDoch Knax, der Weise, ließ nicht nach, über den\nBewegungsfreiheitsmangel in reichlichem Maße\ntäglich nachzudenken und kam eines Tages zu fol-\ngendem Einfall und zu folgender Rede:\n„Lebensgenossen auf der Venushaut! Wie ihr\nalle wißt, haben wir auf unserer Sternseite unzäh-\nlige Krater, aus denen von Zeit zu Zeit ganz heiße\nLuft herauspufft, die mit gewaltiger Geschwindig-\nkeit zum Himmel emporsteigt und dort nutzlos am\n/ kalten Aether sich wieder erkältet. Könnten wir\ndiese heiße, sehr leichte Kraterlüft nicht als Luft-\nballonträger verwerten? Und können wir uns\ndann nicht auf diesen Luftballons die nötige\" Be-\nwegungsfreiheit schaffen? Wie dQnkt ihr darüber ?k'\n/„Ach was! Was werden wir weiter darüber\n-nachdenken! Wir werden sofort aus unserer\nSternhaut, die sich zu Ballonzwecken trefflich eig-\n' riet, die nötigen Ballonhüllen herausschneiden:'4 •\nAlso antwortete man dem weisen Knax.\nUnd die Idee fand solchen Anklang», daß man\nganz vergaß, dem weisen Knax für seinen Einfall\n'S\nzu danken; mit der größten Schnelligkeit gingen\nalle Zwanzigarmigen an die Arbfeit, die Schildkröten\nmachten, als sie von. dem Plane hörten, gerne\n' Platz — und halfen auch beim Hautaufschneiden.\nHeller Jubel scholl über die halbe Vemjshäut\nund dem weisen Knax drückte man bald darnach\nso eifrig voll Dänkgefühl die Hände, daß\nanschwollen und sehr weh taten. : - = • -\n„Die Dankbarkeit ist auch nicht leicht zu er-\ntragen!\" rief er lachend.\nDoch die Ballons über den Kratern wölbten\nsich bald himmelhoch empor.\n' An Stricken, die an* der Ballonhaut befestigt\nwurden, kletterten die Beweglichen mit Bequem-\nlichkeit hinauf und hinunter.\n. jr* .\nIndessen. — viele Ballonhäute spannten sich\nv , i *\nbald ganz kugelrund und so fest, daß die Haut\nganz glatt* wurde und nicht laicht aiif ihr zu lau-\nfen war. » • -•\n'Knax, der Weise-, erklärte daher:\n„Lebensgenossen auf den Ballonhäuten der\nVenusfraut! Macht schnell neue Ballonhäute und\nmacht kleine Löcher in die alten, allzu straff ge-\nspannten Ballonhäute — dann wird der Haupt-\nballon an vielen Stellen kleine Nebenballons be-\ni 0\nkommen und das Terrain, äuf dem wir herumlaufen\nwollen, wird dadurch wieder uneben und reicher\ngegliedert erscheinen.\"\nDies- mußte Knax mehrfach auseinandersetzen\n— doch die Lebensgenossen verstanden ihn dann\n* allmählich und machten wie er gesagt hatte.\n? *■\nUnd' da wurde denn die Freude auf allen Bal-\nlons noch viel größer und Knax wurde gefeiert\nwie ein Retter und Erlöser.\nUnid die Schildkröten, die jetzt unten schreck-\n... i\nlieh ruhig lebten, freuten sich auch. *\nLeider währte die Freude der - Schildkröten\nnicht sehr lange, denn: sie bemerkten bald, daß\nihnen die riesigen Kraterballons, die durch all die\nneuen Auswuchsballons täglich größer wurden, die\nAussicht in die große Sonne benahmen, so daß die\nKröten überall im Schatten liegen mußten.\nMan rief nach dem weisen Knax und setzte\nihm die Unerträglichkeit der Schattenfülle ausein-\nander. *\n„Wir sind,\" sagten die Kröten,.„an die Schat-\ntenfülle nicht gewöhnt; wir sind doch so konstru-\niert, daß wir Licht und Sonne zum philosophischen\nNachdenken alle Tage brauchen... Mit der Nacht,\ndie ja bislang auf unserer Venushälfte noch ganz\nunbekannt war, wissen wür nichts anzufangen. Da-\nrum sagen wir dir, Knax, gib dem Schatten bald\neinen solchen Knax, daß alles Nachtartige ver-\nschwindet. Sonst gehen wir alle an Lichtmangel\nzugrunde. Und das werdet ihr doch nicht wollen.\"\nKnax kraute sich mit seinen zwanzig Händen\nhinter seinen sieben Ohren und rief wehklagend:\n„Wie soll ich das machen? Wie soll ich das\nmachen? Ich weiß es nicht! Ich weiß es nicht!\"\n* *\nEr lief in eine Höhle und dachte wieder nach\n— und ihm fiel ein, daß ja alle Ballons am\nKraterrande zusammenbinden * und in die Lüfte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1883, "texte": "eruporsteiger] lassen könnte; durch längere\n.Stricke ließ sich ja die Verbinäimg mit Her Verius-\nhaut der Nahrungsaufnahme wegen leicht\" her-\n** •• * *».«*» ■ ■'**■-* ~ ■*, ■*\nfsteilen — auch wenn die Ballons ein paar Meilen\nhgcb stiegen. v\nI i # , ** *'. ** 9* * • 1'• m\n. Und siehe' — bald stiegen sie au2h ein paar\n•\" > '«C-* ♦> w- .\nMpilen hocji empor. * ' j\n' , Und da machte riian' cla'nn neue BaHons' über den\nKratern und ließ diese neuen Ballons auch — be-\n.völkert mit vielen Zwanzigarmigen — zum Him-\n*:<r 1 * v * • m- + • \"•'» 4 + . m \\ J A.\nmel emporsteigen. * \" ' '* \"\n< ... „\nUnd da schwebten dann bald sehr, viele\nBallons, die alle fnoglfcheri Formerf annahmen, in\nVpnuslüften herum. * '.\nUnd die schildkrötenartigen Bewohner 'der\n.Venusoberfläche\"freuten sich 'über* die 'Belebung\n.der Atmosphäre ebenso sehr wie die Zwanzig-\narmigen, die natürlich \"niemals runterfielen,'\"da sie\n•ja viel zu gut klettern konnten. '\n„Jetzt sind alle Schatten' weg!\" sägten1 die\ndicken Faulen.\n• ** : . ■i. , . . . , - * i\n. .„Und die unruhigen Geister auch!\" fuhren sie\n: - • • —. . .... . • .. •;\nfort. ' !\n•■ • •\nKnax aber sich oben auf dem größten Bai-\nlon, aus dem nicht weniger als 'Zweihundert keu-\nlenförmige Neberiballons herausgewachsen waren,\nals Retter verehren und sagte dazu:\n.„Ja, ja, Ballonhaütbewohher! Wenn man sich\n•• . »• • •\nnicht zu helfen weiß, so ist man nicht sehr schlau.\n* . # v • - *. '\nIm andern Falle aber ist man's ganz bestimmt.\"\nUnd die riesengroße Sonne mit ihren Protube-\n. X' i • .4 \"' ; ■ ' '\nranzen machte die Wangen und die Hände des\nReisen Knax ganz braun — so heftig brannte sie\n. .\nhoch oben in der. Venushift.\n..\nGlücklicherweise schadete allen Venusbewoh-\nnern die größte Hitze nicht im mindesten; in der\nNähe „einer Sonne ist man immer an die größte\nPitze gewöhnt — alle Körper sind da so kon-\nstruiert daß es gar nicht zu heiß werden kann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c004", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.4", "titre_corps": "Rhapsodie", "titre_sommaire": "Rhapsodie", "signature_source": "Hans Ehrenbaum-Degele", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.3", "debut_caractere": 1885, "fin_caractere_exclue": 6150, "texte": "Rhapsodie\nHans Ehrenbaum-Degele\n• Fern, 7\nHinter Bergen,\nVerbrandet meiner Mutter Land.\nIch übersprang die Hecken der Heimat\nUnd achtete der Wächter nicht.\nFreund war nicht mehr Freund;\nFackeln ließ ich in die Kissen lodern.\nFern., hinter Bergen verbrandet meiner\nMutter Land.\n«Um-4ich..\nAuf in die Eisgebirge\nTrieb* mich Stolz.\nNiedergezwungene Gipfel!\n•'Firn—war unter mir.\nIch-sah die Sonne aufgehn in den Einöden\nUnd war wolkig - mit dem Sturmhimmel\nUnd knarrte im * Knieholz.\n' Uebeir Gründen an Zacken •- •••■\nHing ich, Hände wund;\nNachts perlten Sterne nah -und schwer herab.\nNun' betteln meine Augen :<\nAchte- mich nicht' gering!-\nMeine trotzige Einsamkeit\nWard Gebet zu dir,- • • . .\n■«mt ledernden\nich:.deifrfe HerrlichiLeit.-... . . ...-:\nGoldene Wunder *ich . v a •\n- 'Weben* durch*die AVeit, »■•./\nSehnsuchtweinend\n\" ■ Ging ich durch die' Nacht \"• ■ , .• •.*\n' Und fror' an . den Wänden de.r Häuser. . -•\n'Ueberall, Wo' Herzschlag- war,, • ...\nRief mein Blut nach dir.\nNun will-es strömen. *; - . ,\nRot\" auf Seide, ,* • * - .. «•..\nDir zum Kleide . • - .\nWill es sein: «\nSiehe, ich bin alles Blut . . ; ... -\nAn den Opfersteinen/ >•. . • v . .. •\nSiehe, ich bin alles Blut,\nDaß dir Opfer • ist. \"\n- • r. < . . * . -\nIn die Welt kam Melodie\nWie ein Windweben\n«n*\nKlingend über weißen Klee\n- ' *■ +' - * .\nv Leis im Morgenrot.\nRosen füllen die Täler,'\nGlanz spielt auf den Bergen,\nSüße Blütenwolken\nTragen mich ins Blau,\nNebel war um mich ein Meer\nUnd drohte, mich zu ertränken;\nWinter starrte um mich stahlhart\nUnd kältete mir das Herz. .\nSchatten war ich und schrie,nach Blut,\nDaß ich Gestalt würde;\nBlumen dufteten Nachtweh;\nAn schwarzen Strömen\nWeinte meinte Seele.\nHimmel bin ich nun und weiße Wolke,\nFalterschwärme und süße Müdigkeit.\nLachen darf ich\nUnd frohe Augen haben\nUnd über Wiesen hinspielen\nUnd Glanz sein.\nMeine Knospen sind aufgesprungen\nUnd überschrmmernd bin ich vor Blüten-\nherrlichkeit.\nMeine Lippen sind rot geworden von Tag-\nträumen.\nHerrlich kamst du in die Welt.\nGoldmeere tränkten das Land rings.\nTauverweinte Blumen küßtest du\nUnd wecktest die sehnsucht-gestorbenen\nNachtigallen.\nDie Berge brannten, die Gefilde wurden\nGeleucht durch dich und königliche Pracht.\nKämpfer bin ich geworden\nWider allen Tod,\nRegen bin ich geworden,\nSaaten segnend,\nSturm bin ich geworden\nUnd wildes Gespiel,\nNebel bin ich geworden,\nSchimmerverschwebend.\n• » >\nDie Bienen kennen\nDeine Süßigkeit,\nDie Bäche* wissen\nEin Lied von dir,\n» .\nSingende Winde\nUm tanzen dich,\n, • • •9 ' » 1 '\nBlauschimmernde Buchten\nTräumen dich tief..\n* t« *. 1 .\nGlockenstühle preisen dich,\nRollende Räder, singen dich,\n' A •% .**■ t/ *. *\nEs kniet, die: ganze V/elt. Du aber strahlst\n* ■ ■ r.'.' - *• • « r« «.• . .rv . f. .■ - ■\n• Und schenkst aus.,deiner 112 ülle Tag und Träume.\n;<* \" * 112\nU «\n•; »r ; - #\n•.4 • •\nDaß ich dir brausen könnte,\niMeer,..., . v , ...\nUnd dich eintrinken u k .\n>' > ' v«« .• : *•' • , > • *\nGanz in, meine Tiefen! ..\nDaß ich.dich spiegeln dürfte fci\nAuf deiner. Leuchtbahn! ,\n• • • • * 0 '\nDaß wir, . Ströme durchs., Land, ...\nUns»mischten, Tropfen mit Tropfen!\nDein „Blut singt in mir, , ,\nDein. Ate.iji iüllt mir .die Brust;\nIch kann nicht Jeben ohne deine Liebe.\n•t * * - »; ... * ■\n» •\nWo du bist, ' ' \" \"\nGeht meine Seele unter.\nLangsam sinkt mein Stern\nIn deinen seligen Schoß'\nRings umfängt mich dein Leuchten;\nSchattenlos bin ich;\nDeine schimmernde Heiligkeit,\nSchenkerin, ist mein.\n••• ! «\nDeine Hände,-Rosen,\n\"Duften Sommer; 4\n* Des \" Meeres Wellen '\nRauschen durch: dein Haar;\nGlänzhimmel ist dein Angesicht,\nBerghangfrühlirig dein' Leib; !\nAber dein Herz, •\nDein' Herz,\nIst Flamme und erdelos.\n> • (+\n■j\nImmer lächelt deine Liebe Antwort.\n' Flimmerndes Licht\n. Ueber den Wäldern am Mittag,\n.Rieselndes Rosengerank,\nSilberner Frühe Geläut, .\nAlle Schönheit der Erde •\nBring ich dir zum Geschmeide.\nAber dein Strahlen\nMacht alles arm.\n\\\nZwischen All und Erde\nWebt mein Leben hin.\nEine ferne Sage\nWard die Angst, der Nacht.\nIn den Paradiesen\nDeiner Augen\nWurden meine Träume\nKinder und Blüten,\n?\nWie die Mandelblüten\nDuften Traum und Sein.\nIch will in die Wiesen gehn\nZu den Hirtenflöten,\nIch will Sonne trinken\nUnd ein Jauchzen sein,\nIch 'will mein Herz ausjubeln in die blauen\nFernen.\nSieh, in allen Knospen\nBrach die Liebe auf!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c005", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "178", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.5", "titre_corps": "Menschen von Gottes Gnaden : Aus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Miéville, nachmaligen Paters Bonaventura S. 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Diese hier\n.liebten ihn auch keineswegs, wie etwa vorher die\n* #.\nadeligen Zöglinge des Jesuitencollegs ihn geliebt\nhatten; sondprn zum Teil beneideten sie ihn wegen\nseines Reichtums, zum \"Teil wegen\" seiner Freiheit\n• ... ..."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10646, "texte": "önd wegen seiner* Schönheit; wegen dieser vki-\n4e4cht am meisten, obwohl er,in der Sprache der\nalten Weiber zm reden, keinen Gebrauch davon\nmachte. Wenigstens wurde er während der sieben\nfifenate, ini,Oberprima zubrachte; ,? degmit\neinem Mädchen gesehen. Ein paarmal war er\nte Begleitung Sclilagintweits auf dem Kleinhesse»\nlober See Schlittschuh, • gelaufen. Es belustigte\nßm eine Zeklang,- wie die liegen Mädchen , aus\nguten* FamiUen,'. wekhe ja seine - vom\nTatrzkurs her kannten, skh ihm bemerkbar machen\nwollten; wie sie gerade in seiner Nähe alle\nFiguren liefen, damit die Röcke hochtlogen und er\nihre Waden betrachten leonnte. Aber bald ekelte\nOtn davor und er bfieb für immer aus.\nEin einziges Mai hatte er auch versucht, di€\nGesellschaft seiner Mitschüler auf der sogenannten\nAbsolventenkneipe zu genießen. Schlagintweit saß\nan seiner Seite und konnte bezeugen, von weicher\nHöhe der Verachtung aus sein schweigender Blkk\ndieses Treiben ablehnte, Es war ihm schon ggnz\nunbegreiflich, wozu denn die sogenannten Char-\ngierten immer mit ihren ungeschliffenen Schlägern\nauf den Tisch schlugen; s noch mehr erbitterte ihn\nder angebikhe Gesang äer Cantasse; 'mv'grenzen-\nlosem Ekel aber erhob er sich, als bei dem trau-\nrigen Fichicit der „Exkneipe\" sich Ochsenmaulsala't\nbringen ließen, diesen ganz sans facon hinunter-\naßen, gewaltig hineintranken und dann wirr durch-\neinander zu gröhlen anfingen: „ein Prosit, eio\nProsit, der Gemu . . . a ... a... t ... !kh . ; ;\nkei . . . eit . . . r* Zwei wollten ihn bei seinem\nWeggehen anpöbeln; da er vor Ekel überhaupt\nnicht antworten konnte und woilte, belehrte\nSchlagintweit die beiden Schreihälse eines Besse>-\nren. Schließlich rollte das schläfrige runde bam-\nhino Groll betrunken unter sie hinein, und ein all-\nseitiges Gelächter der Begeisterung erscholl, wäh-\nrenddessen Schlagintweit ruhig Baron Frangart fol-\ngen konnte.\nZwei Tage blieb Baron Frangart nach diesem\nJPiducit\" zu Hause liegen; es wäre ihm urcmög-\nIkh gewesen, unter diese Gesellschaft hineinzu-\ntreten. Der Arzt verschrieb ihm Beruhigungs-\nmittel, die Ludwig Schlagintweit entschlossen zum\nFenster hinausgoß. „So ein Trottel! ... Ihnen\nBeruhigungsmittel zu verschreiben, Ihnen, Baron\nFrangart! Er soll lieber sich und andere Sauf-\nbrüder beruhigen!\"\nDie Gesellschaft Schlagintweits ertrug Fritz\nFrangart wie die eines lustigen treuen Dieners.\nSeine Ergebenheit hatte in der Tat etwas Rühren-\ndes. Eine Woche nach jener Kneipe kam er\nfreudestrahlend zu Frangart: „Die Weltordnung\nist umgangen, meine Illoyalität hat gesiegt'\" —\n„Bitte?\" — „Ich habe einen mir bekannten jun-\ngen Arzt wiederentdeckt, der Ihnen jederzeit alle\nnur gewünschten Schulkrankheiten bestätigt.\"\nFrangart benutzte die Liebenswürdigkeit dieses\nArztes ausgiebig: Im Januar und Februar saß er\nwochenlang zu Hause. Schlagintweit, der allein\nihn besuchen durfte, kam gegen Abend und nahm\nmit ihm in einer knappen Viertelstunde alles durch,\nwas der ganze Tag zu lernen gebracht hatte. Die\nschriftlkhen Probearbeiten in der Schule schrieb\ner auf Drängen Schlagintweits von diesem voll\nund ganz ab; dieser schmierte dann in sefne eigene\nArbeit edligst noch einige Fehler, um einen Unter-\nschied herzustellen und den Professoren den Nach-\nweis des Abschreibens zu erschweren.\nSchließlich duldete Schlagintweit nicht mehr,\ndaß Frangart die häuslichen Arbeiten selbst an-\nfertigte. ..Herr Baron, das hat doch für Sie keinen\nSinn mehr; dann sterben Sie ja vor Langeweile,\"\nkonstatierte er und kam von nun ab jeden Tag\npunkt sieben Uhr in die Wohnung Frangarts, wo-\nrauf dieser die- Aufgaben abschrieb. Das war m-\nföxHcli hi einer Viertefettiiide geschehe«, Ftai?ga*t\nfuhr dann wie iirmYer\" ' z»r Pmuenkirdie m die\nMesse, wohin ihn jedoch Schlagintweit nie begM-..\ntete. Da aber sich nkht bernüftigf f&htte,\nes auch iffir fonnios* gehaJle» bättil .OÄcb\n: •\nanschauung eines andern ?m fragen; k,am es darüber\nnie zu einer A^seinandersetzöng:\nDiese vollkommene Schweigsamkeit des Baron\nFraßg-art über sein Wes©n, über seine .Aä-\nschauungen tat weh. Wenn er im\nBette lag und nachsann, weiche Gefälligkeit er-\nmorgen Baron Frangart erweisen kcmntfe, ttHutätc\ner manchmai daü ein Mal, ach, mar ein ein-\nzfees Mai dieser sein Herx öffnen würde. Er\ndachte es sich so schön, wenn ste sich dann gegen-\nseitig ihre Ideen klarlegen würden, er würde die\nHand um Baron Prangart legen > . . Oh, ndn. er\nwüßte schon, daß er dies nie wagen dürfte, daß\njener sich nie eröffnen, auch nie eme freundschaft-\nliche 1 ypörde..\nFrangart seinersdtsr wenn er über ScMagiirt-\nwedt (was sehr selten geschah) nachsann, formu-\nlierte seine für diesem Menschen so:\nhat noch den Takt der alten Leute aus dem\nVolke, er verlangt . keine\nGründe von den Menschen, die er verehrt.\"4 Und\nso erriet er die Sehnsucht des armen Schlagintweft\nnicht, weil sie ihm selber fehlte-, h* der warmen\nHeiterkeit aber, die wir (öfeent' 'Mitgehen • ausging,\nsonnte er sich mit einer gewisse* trägen und selbst-\nverständlichen Ruhe, wie vor Jahren, an die\nSchioßmauer von Prangart gelehnt, m der lachen-\nden Sonne des Südens . . .\n*\nIn den Osterferien lud B&röß Frangart deci\ntreuen Schlagintweit ein, mit ihm nach Boxen zu\nreisen und dort eine Woche zn b!dbe«a. Er sehnte\nsich nach südlicher Sonne, wo&te aber nicht bis\nBozen und Sigmundskron fahren, da er keine Lust\nverspürte, seine Heimat wiederzusehen, so gerne\nSchlagintweit gerade dieses gewollt hätte,\nIn Brixen übertraf skh Baron Frangart gleich-\nsam selbst in der unerschütterlichen Trägheit, mit\nder er sich in die Sonne stellte und acht Tage lang\nschwieg. Schlagintweit war unglücklich während\ndieser Zeit; nie mußte er stärker empfinden, wie\nwenig er dem verborgenen Wesen Frangarts nahe\nkommen konnte. In seiner Trauer vergaß er dar-\nauf, die Schönheit des Landes zu genießen. Er war\nfroh, als sie wieder .zurückfuhren, wo er überdies\nden Vater eines seiner Schiller — denn er lebte\nvon seinen Lektionen und erhöhte so den Pen-\nsionsbezug seines Vaters — ob seiner Abreise grol-\nlend zurückgelassen hatte. Gerade die Onerierten\nhatte dieser für die beste Zeit gehalten, die Lücken\nim Wissen seines Sohnes durch den Instruktor\nauszufüllen. Er sah sich denn auch bald um jemand\nandern um. Von diesen Dhrgen erfuhr übrigem\nBaron Frangart keine Silbe.\nDer junge Baron ging um diese Zeft, halb aus\nNeugierde, halb aus konventionellem Zwang,\netlkhe Male zu den Tees und andern gesellscMft-\nBchen Veranstaltung einiger adeliger Familien, an\ndie man ihn liebenswürdig empfohlen hatte. Aber\nbald unterließ er es wieder: bei den sah er\nsich mit Künstlern und Literaten zusammen einge-\nladen, die unter dem Beifall der Hauswirte Ihre\nmodernen und billigen Phrasen von neuen Wegen\nzur Kultur kommentierten, aber für Fritz Frangart\ndurch ihr ganzes ,gesellschaftliches Benehmen hin- /\nlänglkh bewiesen, daß sie die wohl bewährten5\nalten Wege zur Kultur hoch nicht gegangen waren.\nSeiner Anskht nach wurden sie der hohen Bedeu-\ntung, die man sogar in aiten Familie« ihrer An-\nwesenheit beimaß, nicht i<m geriügsteir gerecht, um\nso mehr aber dem Teegebäck, dem -\"kältet* Büfett,\noder am meisten de<ra Abendessen, wenn es etn\nsolches g«b; 2it Msfßhungir paSte\ndurchaus zv dem JMd, dkg. skh B&pon Pfangart\nvrm teer «e<*etf Kultur machtc,-> .Wenn aber etwa\nin diesen Wein getrunken. wtifte\noder gar to?'fsc«i4e<ktfvsicli die* üiiste mir\n123 der Qualität des Oeifänkes«, aber keineswegs te\nihren Sitte*! von sehven luveipetsdet: Mrtschfiterö;\nhöchstens S3WS darf«, &&., was dort „Go\nn&L BdaifeeL:.,,-. »»<eit\"ge*Kfcaüt\nwrsrde» hkf sh „ÖTfginefle Viecherei\" oder gar ats\n„dionysischer Taumer der Gemüter galt.\nIh sttdemi Rreiscrj hktw&derum, die zwar ifi\nde«s Pörmeu s>och strengen' und genauer lebten, be-\nmerkte er mit MJBvergnügen, daß sich aJie Män-\nner ohne Aasaahme und sogar 4k meisten Pfauen\no£fes bar vvef n*H Potitik beschäftigten. Er abeif\nerapfami Politik, wie sie heute getrieben wird, als\nein« DegradSerong; so zog er sich also auch aus\ndiesem ifcrdseis zrirlkk.\nc?\nVon den stets uiltig-geli-eferfre« KraakheHsbe-\nsfcätJgungen des erwähnten Arztes bezog Frttfc\nFrangart to den Monate« Mai und Juna eine rech-\nliche AxizahL So kontrte er sich unbehindert seitKfr\nRjuhe hingeben.\nCht paar Tage vor de-r Mafcur&iftsprüfung, atefr\nin der rweiien Hälfte des Jörn, ereignete sich iö«~\ndessen ein Vorfall, der ihn in unangenehmer Weise\naufstörte. Er hatte von seinen Mitschülern ja sack\niefcer Koeipe niemafc mehr Notiz genommen und\nwar somit allerdings der Mtihe enthoben, sieh an\nihre voa Schlagintweit gegebenen Charakteristiken\nzu erteiem. Aber da die hingen Leute che Bevor-\nzugung Schlagintweits nkftit ohne Neid Sehefc\nkonnten und dieser seihst auch wegen seiner Spott-\nhist heimliche Femde genug: hatte, bildete sich ock\nhebsames Gerede Über ihre Beziehungen. Die groÄc\nErgebenheit des einen gegen den andern war fei\nallen bekannt. So sagte man denn, daß sich der\nschöne Baron Prangart den Schlagintweit als Dfe-\niter, ja „Haustier'4 halte und ihn dafür hoffentlich\nand Jedenfalls anständig bezahle.\n„-Ais er nun eines Morgens in das Klassenzim-\nmer eintrat und mit den Augen den noch abwesen-\nden Schlagintweit suchte, flüsterte die dicke „Mii-\nteirrtHßigke-it0\" einem Mitschüler einige Worte zti*\ndie Anspielungen der erwähnten Art enthielten«\nBaron Prangart hörte es., ohne es zu wollen. Daher\nging er mit der sicheren Ruhe, die ihm eigen war,\nzu der „Mittelmäßigkeit\" hin und ersuchte, verbind-\nlich lächelnd, aber nicht ohne leise Drohung in sei-\nnen dunkten Augen, um Aufklärung. Die „Mittel-\nmäßigkeit4' erschrak heftig und ihr bourgeoises Fett\n(mit Schlagintweits Worten zu reden) wackefte.\n„Herr Baron das sage mcht ich, das habe ich nur\ngehört. Man hat rmir erzählt, daß Schlagintweit\nseine Schüler und sein Einkommen vernachlässigt\nweil er die freie Zeit jetzt meistens bei Ihne« zö-\nbringt.\" Baron Prangart sah den ängstlichen Stot-\nterer an wie eine Kröte und wandte skh ah. Dffö\nGerede war sehr ekelhaft, aber er nahm sich vor,\nScMagintwdt kein Wort davon zu sagen, ihn hin-\ngegen, wie es gerecht war, auf irgendeine Weise\nzu entschädigen. Baron Prangart hätte ia mit\nLeichtigkeit, ohne es zu verspüren, die Pamaüe\nSchlagintweit über die groben Sorgen des Tages\nhinausheben kömm. Es war nkht Geiz, was ihn\ndavon abWelt. Aber es gehörte eu seirjen Uefeer-\nzeugwgeit, daß die Armut von Gott gewollt und\nzur Erhärtung des öberlieferten< Sta&tes _ der\nmeirschhchen Dinge nützlich sei, $k behebe zu\nwrrfteö $*mtt auch einen Akt der Revt4utioa be-\ngehen hieße. Es hatten schfjn genug Versch4ebu«k\ngeir In cter measchiklten Gesellschaft stattgefcindetu\niiti Lauhj des testen JaÖMtenderts . . .\nM& sokhen Aöskhten verband Baron\nemrgc tUißere Qewohnheiten^."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3814, "texte": "zum Beispiel, daß er nie ein anderes Licht in seinem\nZimmer duldete, als das von Wachskerzen. Nie-\nmals in seinem Leben benützte er das Telephon:\nes war ihm eine „zu junge Einrichtung\". Statt eine\nZeitung zu lesen, ließ er sich von Schlagintweit all-\nmonatlich die Reihe der nackten Ereignisse der\neinem':*kieiiten ~ Zettel^zusarfimen\nwar, nur nicht loyal\", konnte\nsich dabei manchen Scherz- zu er-\nschrieb er : Der Pa'psWhat den. Va-\neinen und ist nach .\n<Berlin verzogen. Ein andermal: Der internationale\nV . i' ■■ »\noeleg-iertentag der Sozialdemokratie hat die Re-\nShronisierung der auf sein Programm\n-gesetzt. Oder: Gestern haben sich alle Pariser\nr§hvSten auf der Place de la Concorde freiwillig\n•—Mit diesen Scherzen wollte er Baron\n* -■ & • H' # ,Si ;• i\n#rangart zu einer; Diskussion verleiten, was ihm\nnicht gelang;)..' Automobil fuhr Baron Fr an- 112\n-{gsrt nie: „man soll nicht in seinen alten Tagen\ni einen so neuen Sport anfangen\". Die Versuche-der\nvollends,., hielt er für ein Verbrechen\nit •\nvund fand es in Ordnung, daß soviele dieser Leute\ntödlich verunglückten. Uebrigens, behauptete Ba-\n-'s * \"t\n;ron Frangart, hätten' die Chinesen alle diese Neue-\n» rungen schon vor längster Zeit besessen, sie aber\n: den Machtspruch des: Gesetzes .wieder abgeschafft;\ndenn sie hätten ersichtlich nicht zur Hebung des\n. M. v. ' . * •« ' i . .\n\\ Glückes und der menschlichen Gesellschaft über-\nhaupt beigetragen. ;\nInzwischen stellte, die Neyzeit, ja die aller-\nnächste Gegenwart eine nüchterne unumstößliche\nForderung an Baron Frangart: nämlich, die Matu-\nritätsprüfung zu machen. —_ Im Lateinischen, Grie-\nchischen und Französischen ging alles glatt,, in der\nReligion ausgezeichnet, zur Freude seines Religions-\nlehrers, den er selbst hochschätzte. Zweierlei aber\nstand ihm noch bevor: das Deutsche und die Ma-\nthematik. In der Mathematik rechnete er gelassen\nmit der allerletzten Note. Das Deutsche mußte ihm\n- erhebliche Schwierigkeiten machen, wenn sich das\nThema etwa auf die Geschichte bezog, in deren\nStudium er konsequent alles, was ihm nicht gefiel,\nignoriert hatte.\nNun bestand das deutsche Thema in jenem Satz\n- des antirevohitionären, von Frangart über alles\nverehrten Goethe: „Was du ererbt von deinen <\nVätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.\"\nBaron Frangart lieferte eine nur leise verhüllte\n„Begründung der Tradition in jedem Betrachte\".\n; der Privilegien, sowie aller von Gott gewollten\nund historisch bewährten menschlichen Institutio-\n%\nnen. Sein Aufsatz geriet wirklich sehr gut, und es\n:war schade, daß ihn nur der deutsche Professor,\n'nicht aber Schlagintweit zu Gesicht bekam; , er\n*: hätte daraus doch einiges zum Verständnis seines\nFrangart gelernt.\n£ Schlagintweit selbst gab zwei Bearbeitungen\n5 des Themas ein: Auf die eine schrieb er in Klam-\nemern: „Wie das Thema:-von einem Abiturienten\n*' ■* **•* •''.v *\"\ntbehandelt weixlen muß.\" > Diese Bearbeitung war in\n>!der Form des edlen Chri abgefaßt und enthielt alles\nAuf die: andere schrieb er: „Wie\nydas Thema von einem Menschen behandelt wird.\"\n■tiHierin setzte er ironisch , auseinander, daß ihm,\neines materiellen väterlichem. Erbes, für :\n;V;'' \"■% - «... . •*\"* . . ;\nden \"SatV er materiell gemeint sei, eigent-'\nlieh jede Erfahrung fehle; daß er jedoch seinen\neventuellen Nachkommen, vorausgesetzt, daß sie\nwenigstens etwas erbten, die Worte Goethes un-\nermüdlich eiubläuen werde. Dazu fügte er eine\nlächerliche Betrachtung über mögliche Wider-\nsprüche, die er zwischen dem Ideal der reinen Hu-\nmanität („d. i. Menschlichkeit!\") und dem der\nTradition späterhin möglicherweise ent- und auf-\ndecken werde.\nDiese zweite Bearbeitung, von der er mit dem\nWunsdh, Frangart zu einer Gegenrede zu reizen,\ndiesem erzählte, aber nicht mehr als ein Lächeln\nzur Antwort bekam, trug Schlagintweit in letzter\nStunde eine Karzerstrafe ein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c006", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.5.1", "titre_corps": "H. Campendonk: Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "H. 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V - ... <• V '\n4 * Lau weiche . Augustnacht atmet zum Fenster\n•herein; ich liege still/dä und warte auf meinen\n* • * ,vV.*' ■ ' * • * v-.. . . ,\nSchlaf. Gegen mein|ivWillen überträume ich. die\njüngsten Erinnerungin, di-e letzten Stunden. Es\nerregt , mich zu sehr ; . ich kämpfe mit der Pfianta-'\nsie. Ich, zähle biszehn und- wieder zurück, bis\n•• ' '»t\nzwanzig,L.bis dreißig. Ich' fühle, daß ich schläfrig\n.bin und kann .doch nicht Mein eigener\nregelmäßiger Atem umhüllt mich mit der Selbst-\nVerständlichkeit, jetzt einzuschlafen; ich;..empfinde\ndeutlich, wie alles Wirkliche rings meiner Beob-\naclitung entkommen will und die Stille Weitum ist\nfast zu .tfef.~ Aber es- hilft alles nichts! Gedan-\nk'eil haben ein zähes \"Leben.\nSo hat mich denn das Gespräch mit Frau Ricki\nsonderbar erregt.; ich merkte in ihrer Gegenwart\"\nnichts davon. Wir hatten ja schon oft vertraute\nWorte gewechselt, einander Geheimes erzählt;\naber nie hat es so mä£jjtrg': in mir nachgezittert.\nWarum das heute? Wir schritten langsam durch\ndas leise Abendrauschen des nahen Waldes und\ndann durch die Dorfstraßen, die so still und dun-\nkel dalagen, als hätten sie viel zu verschweigen.\nSommerabende sind märchenhaft. Sie lullen mit\nihrer lächelnden Lauheit alle Energie in Schlaf\nund die üppigsten Phantasien sehen dann der Mög-\nlichkeit ähnlich. Ich seufzte 'und Frau Ricki un-\nterdrückte einen Seufzer. Wir gingen sehr lang-\nsam und wußten beide ohne- Verabredung, daß ich\nsie . „Es ist sonderbar !\", sagte sie\n•• * .\nunvermittelt nach einer Pause, „ich liebe meinen\nMann; ich liebe ihn, der jetzt in der staubigen\nStadthitze für uns arbeitet und leidet!\" Sie nahm\ndas Wort „Liebe\" wie ein Bonbon in den Mund,\nso vorsichtig, so genießend. Immer machte sie\ndanach eine kleine Pause, und noch die nächsten\n4 v .\nWorte hatten einen süßen Beigeschmack. „Ich\nliebe ihn; aber meine Hochzeit war doch ein\ngroßes Unglück für mein Seelenleben, ich habe\nan diesem Tage meine Träume eingebüßt, denn\nseither finde ich für sie keinen Stoff mehr. Tau-\nsend geheimnissüße Fragen sind einfach ver-\nschwunden; ich weiß ihre Antwort. Das bange\nZittern vor jedem Männerblick, das Warten und\nSuchen, die ganze ängstliche Hoffnung ist ver-\nschwunden; ich bin in der Rühe, in der Sicher-\nheit und da ist es vorbei mit den Träumen. Nur\nselten, wenn an ; einsamen. Sommerabenden die\nmatte Schwüle lastend auf der Brust liegt, dann\nhuscht die Sehnsucht \"wieder hervor aus ihren\n*s -r , , ' ' \" ' • • •\nvergessenen Ecken, dann bin ich wieder voll\n- C- '. ' v-\nscheuer. Erwartung, Wie ein Mädchen harre ich\nin romantischer Begierde.\"\nWir waren..in ihrer Villa angelangt, aber sie\nwollte noch nicht hineingehen. Tief atmend lehnte\n*- Jr V,. • ' \" ' 'u . C'V* V\nsi.e sich an die Warict und blickte anA mir vor-\nw . - > •.. . _ ... * ■\nüber. „Bei solcher. Stimmung sitze ich; dann hier\n•hinter dem Hause in-.-.unserem stillen Garten vor\ndem grünen Tisch. Sie kennen ihn ja, meinem\nFenster gegenüber. Dieses Fenster habe ich dann\nimmer offen und träume zu ihm tiier warte\nich auf das Abenteuer, das über eine* \"Hecke* stei-\ngen soll oder aus einem hohlen Baum, odel aus\nder Erde . . . Wenn ich ein Mann wäre, würde\nan solchen Abenden gewiß meine Stimmung sein,\nwartende Frauen für die Treue zu belohnen, mit\nder sie den Kinderglauben an das Abenteuer be-\nwahrten.\" Sie schwieg und lächelte, und so lange\nich hier vor ihr stand, merkte ich nicht, wie son-\nderbar tief mich das Gespräch erregte. Ich\nseufzte, doch gleichsam nur, um die Situation zu\nvervollständigen. Dann reichten wir uns stumm\ndie Hände und ich ging ...\nWie konnte ich aber nach derartigen, schlafen\nwollen? Bin ich so kaltblütig? Sicherlich träumt\nsie nöcfe'bei dem grünen Tisch unter..-ihrem offe-\nnen Fehster. Auf! I£h will ihr Abenteuer \"sein t\nOder* half £ie. nur mit Worten gespielt ? Vielleicht!\nNeip; sföher nicht ! Nun. ich kann mir-ia Ge-\n\\wißheit holefi! — So leise \"War ich noch nie über\n- |cairsl^ride^Holf^treppe geschlichen\"; auch\n'det kreischte heute diskfeter.\n-Jetzt durch die langgedehnten Dorfstraßen, -.tlie so\n»viel, zu verschweigen scheinen. Hier endHph ist\ndie Heeke, über die das Abenteuer steigen muß.\nOb sie wphl'nicht die Geduld verloren hat? Ich ließ\ns . • •' r> ,\nsie lange warten, ich Dummkopf! Nein, dort sitzt\nsie und wie ÄönJ-Was ist das wohl für ein\nweißes»GewandMan sieht nur durchbrochene\nSpitzen uhdjweißt' Arme. Leise wandere ich über\n~ ' .'.M. 'yzv #Vy\ndas Gras, ich-höre die eigenen Tritte nicht; es\ndauert unendlich' lange, ehe ich 4hr nahe bfn. Nun\n........ ... ■ •>.\nsieht sie mich,'aber ganz ohne Erstaunen: fächelnd\nhebt sie' den Finger zum Mund und deutet dann\nauf einen Stuhl neben sich.. . Ich glühe! — Ein\nbitterheißer Geschmack legt sich auf meine Zunge;\nschwer atmend setze ich mich. Unsere ' Augen\nführen ein leidenschaftliches Gespräch. Auf ein-\n• r- > » ... - •*\" V\nnißl beuge ich mich vor, die Finger berühren ihren\nLeib, aber sie zuckt zurück. Ich will aufspringen;\n.da fühle ich ihren Atem vor mir, etwas Heißes\nauf meinen Lippen, dann \"ist sie fort. Ich sehe\nsie vor mir durch' das offene Fenster in ihr Zim-\nmer steigen und will nach. Doch sie wendet sich\noben um und winkt mir ab; mit beiden Ellbogen\nstützt sie sich auf das Fensterbrett und lächelt\nzu mir heraus: „Morgen!\" flüstert sie, „war das\nnicht schon zu viel? Rom ist auch nicht in\neinem Tage zerstört worden.\" Da nickt sie mir\nzu, wie abends beim Abschied und schließt das\nFenster. Ich stehe mühsam aufrecht. Jetzt schiebt\nsie drin einen Stuhl, jetzt knistern Kleider; fetzt\nist wieder weitum Stille. —i\nBreite Sommermorgensonne brennt in tneki\nBett und erklärt mir zum xtenmale die bäuerliche\nEinrichtung meines Mietzimmers. Tagfarbe fällt\nnun auch in meine Seele und das ist eine unhar-\nmonische Beleuchtung für die Erinnerungen der\nletzten Nacht. Was ist wrohl dran erlebt, was\nerträumt? Das alles kann doch nicht Wirklich-\nkeit. gewesen sein? — Nur nicht den Kopf zer-\nbrechen. Ich werde ja sehen, wie sie sich be-\nnimmt . . . Gedankenvoll schlendre ich durch\n\"* '#* - 7\ndie hellen, offenherzigen Dorfstraßen an ihrem\nHause vorbei; wo sich die Dienstboten zanken —\nalso ist sie nicht zu Hause, — zum nahen Wald\nempor. Dort kommt sie mir entgegen, einen Band\nGedichte in der Hand, den ich ihr geliehen habe.\nIch fühle Herzklopfen in der Kehle; was ist wohl\ndran erlebt, yvas erträumt? — Lächelnd nickt sie\nmir zu und wir reichen uns stumm die Hände.\nNein, nein! es ist nichts erlebt. Diese unbefangene\nDame aus der guten Gesellschaft kann das nicht\n„Schön war es gestern Abend, nicht wahr? So\nein .langsamer Spaziergang in der Stille ist ver-\nführerisch für Stimmungsjäger. Wie gern heu-\nchelt man da ein wenig Schwäche und übertreibt\ndie Macht der Stimmung, um sich darunter beu-\n»V» ? ■' j'\"p *u l ( * *. >■ * ■\ngen zu dürfen. *\nPause. „Man weiß nachher kaum was dran\nerlebt ist und was erträumt; ich liebe die Nacht,\nund wie sie alles färbt, ich liebe das!\" Bereut\nsie es, oder war gar nichts da und bedauert sie\nschon die bloßen Worte? ... 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Auch einer, dem die Um -\nmenscheil diese Nacht als die letzte seiner Nächte\nbestimmt hatten. — Er lag still —• hörte das\nweiche Strömen einen fernen 'Regen und wußte\nunfern im Grunde der Nacht einen Galgen stehen,\nvon dem jetzt das Regenwasser zackig herabrann\nund irgendwo seinen Henker —\nTaau war außerhalb des Lebens, dachte an\nkeinen Tod. Und diese Wände waren ihm Läri'iel-\nien, er, wußte,: sie berühren, heißt sie zersprengen.\nLeben ist Fluch, die Organismen herabgewür-\ndigte Materie.\n~ Damit sein Körper, der unförmige Fleischkloß\nzu existieren vermag, müßte er ekle Substanzen,\nr' »• ' i.\nwieder Organismen in sich würgen. Und imrner\nnur ein Leben wieder möglich, dessen schön-\nster Augenblick gekommen ist, wenn zwei Wesen,\nSuperlative der Widerwärtigkeit, zusammenkleben,\nwenn einem neuen, blöden Geschöpf Leben ent-\nsteht, das ihm später zur Qnal wird.\n— — __ Feig, grausam sind die Menschen, auch\nihre Götter beleben sie.\nNiemand und nichts aber darf sich gegen die\nAllmacht seines Willens stemmen, diese drollig-\nheraiisgeputzten Jammerwesen dürfen ihn nicht\n, .zerstören.\nSie haßten ihn, weil er ein ausgewachsenes\nMenschenwesen getötet hat, weil er ihnen sagte,\nwas sie nicht verstehen durften, daß töten und\nvernichten das unzerstörbare Recht jedes anima-\nlischen Lebewesens ist. Er nahm sich sein Recht,\nsie aber sind — — — „Menschen\". Wenn sie\ndies vergäßen, wie sie es einigemale vergaßen,\nwürden sie einander zerreißen, würden von split-\nternden Knochen Streifen roten Fleisches kratzen,\n— und Blut trinken —-\nMorgen, ... in einer Million von Jahren wird\ner dies wollen.\nNoch sind sie die „Herren der Erde\", sie zer-\nwühlen sie, saugen sie aus — — auch Dich\nErde wird er rächen!\nEr ließ sich von einer Aufruhr grausiger Vor-\nstellungen treiben.\nEr saß noch ohne Bewegung. Der Tag kroch\ngrau und meuchlerisch in die Zelle.\nDie Komödie hatte begonnen. Einige Men-\nschen kamen, die faselten etwas und führten ihn\nhinaus, in den eckigen, naßkalten Galgenhof.\nVor ihm stand jemand, der etwas las. Er hörte\nnicht was, er sah nur, wie eine feige Furcht sie\numstrickte, sah die Furcht derer, die ihn töten\nwollten.\nIn ihm ballte sich der Zerstörungswille; der\nihm am nächsten stand, fiel — und ringsum die\nnächsten und übernächsten — sie fielen, von sei-\nnen konzentrischen Energiewellen berührt.\nDa begann er zu wachsen. Er strebte ins Un-\nermeßliche, schoß in den Raum. — — l ief unten,\nwo seine Füße im feuchten Nebeldunst wurzel-\nten, lagen tote Menschen, — — lag er selbst.\nEr atmete nicht. Er fühlte das Ende der Zeit.\nUnter ihm schmolz die Erde, die Landmassen\nzogen sich zusammen — er stand auf einer Kugel.\nIm Chaos seiner Eindrücke sah er nur im\nDunkel die schwarzglühende Sonnenfläche.\nDie Erde wurde kleiner. Sie rollte noch und\nkreiste unter ihm, der still stand, der zweimal\ngrößer als die Erde war.\nDa hielt er sein Wachsen ein. — Die Erde\n* •\nklebte an seinen Füßen; denn sie war schwer. Um\nihn herum wirbelte in immer kleineren Kreisen\n•-.» i \\ % 9\nder Mond, der von ihm angezogen bald an ihm\nzerschellt.\nDort, wo das Meer schillerte, begann er. Er\nsenkte seine Hand in den Ozean, der nun über\ndas Land flutete, über die „altheilige Kultur In-\ndiens4'. Er hörte im Denken das Heulen der Meti-\nschen, die das Meer kommen sähen, das Meer,\ndas sich in alles einfraß.\nEr glaubte ihr Gebrüll zu hören.\nDie Nachricht vom Ende Indiens entsetzte die\nErde. Ein Festland, mit in den Wolken ragenden\nGipfeln sei im indischen Ozean aufgetaucht — —\nEr , hob die Hand, das Meer strömte zurück.\nSchätze in seinen Eingeweiden. Nach wie langer\nZeit? Er sah das Land. Im Schlamme und zwi-\nschen den Ruinen ihrer Talmipracht, lagen Milli-\n* ♦\nonen verwester, stinkender Leichen — und da-\nzwischen wachsen' Pflanzen geil in die Höhe.\nDer Aüfan'g. ' ' \" -\n\" Wieder fiel seine Hand, Reiche Zerschmetternd.\nWeltuntergang! Erduntergang!\nDa und dort,'1-wo er nichts' sehen konnte, lagen,\nvon den Massen der' mißbrauchten Materie ver-\nschüttet, zerstört, mit gebrochenem Rückgrat\nMenschen . . .\ni• , •\nNoch Lebende irrten umher, jammerten und\ntollten. Fressende Feuer wüteten und von Angst\nund Wahnsinn gehetzt, flöheri \"und jagten die Men-\nschen von Tod zu Tod.\nIhr Menschtum hatten sie schon lange ver-\ngessen. Blut mochte spritzen. . Pyramiden blu-\ntiger, zerquetschter, geschändeter Leichen türm-\nten sich gegen das Blau. Und überall Huren und\nTollen, rasendes Gestammel der Ohnmacht. Er\nbewegte die Hand, wo die Atmosphäre beginnen\nmußte: Zyklone liebkosten die Erde.\nDie Menschen, die sich in den Höhlen ver-\ngruben, wurden verschüttet.\nWie gut wußte er alles!\nEr legte die Hand auf das Europa der Kugel.\nSie war weich und fühlte sich kalt an. Die Hand\nlag auf den Gipfeln der Alpen, auf den Gletschern\nSkandinaviens und alle sahen die Hand des Zer-\nstörers. .\nEr griff in das Meer hinein, bohrte und wühlte\nbis ein Spalt klaffte, in den sich das Meer stürzte.\nEr zerrte weiter, riß die Erde in zwei Teile — —\nDas Innere war faul und schwammig.\nDann hob er sie aus der Bahn und warf Sie\ngegen andere Systeme: die neuen Zwillings-\nkometen. *\nTaau begann nun seine endlosen Kreise um die\nSonne."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c009", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "179", "page_fin": "179", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.8", "titre_corps": "Durch Nacht zum Lichtbild", "titre_sommaire": "Durch Nacht zum Lichtbild", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.7", "debut_caractere": 5251, "fin_caractere_exclue": 9731, "texte": "Durch Nacht zum\nLichtbild\nJoseph Adler\nDie großen Kinotheater geben auch Zeitungen\nheraus. Wochenblättchen, die Geist vom Geist der\ngroßen Presse ausdünsten. Rotationsmaschine und\nKinematograph sind die beiden Gesichtshälften un-\nserer Zeit. Geschwindigkeit ist zwar keine Hexerei,\naber der faule Zauber zieht. Die Wunder der\nmodernen Technik bringen die Bildung smar-\ngar ine unter die Massen. Sie haben über die\nmissionsfrohe Menschheit das Erlöserkreuz in der\nWestentasche gebracht. Selbst denen, die der-\neinst in ein Monistenkloster flüchten werden, wird\nTelephon und Marconitelegraph die Weltabgeschie-\ndenheit verkürzen. Die Wunder der modernen\nTechnik verblüffen und der Monismus macht es\ndem Taschenspieler gleich. Er quirlt in einem Zy-\nlinder aus einem Rührei wieder das Huhn. Kunst-\nstück. Aber das Theater? Die Volksbühnen, die\ndie Kunst dem Volke g'eben? Und besitzt denn die\nKunst Erziehungswerte überhaupt? Ein Künstler\nschafft nicht für, sondern gegen das Volk. Nur\n„u nser e\" beliebten Bühnendichter und Roman-\nschriftsteller wenden sich an ein Publikum. Der\nOskar Blumen thal wird beim Dichten beständig\nein Parquet vor sich sehn, das die Mäuler zum Ab-\ngeben von Lachsalven aufreißen will. Dem liebens-\nwürdigen Rudolph Herzog blickt über die Schulter\nhinweg ein reizendes Geschöpf ins Manuskript, ent-\nzückt und hingerissen. Und der geniale Hei-\nlernann fühlt bei der Arbeit das beifällige Lächeln\nder Kunstverständigen, der Geschmackfesten, hin-\nter sich. Nein, wie entzückend. Gott, wie origi-\nnell. Kinder, nee, der Heilemann ist einzig. Das\nmacht er famos. Dieses Gesicht, die Augen. Zum\nStaunen. Wahrwaftig. Bravo! Sehr gut. Wirklich\nsehr gut. Puppig. Einfach puppig. Wenn solche\nZurufe ihn umschweben, dann fließt4 sie munter\nfort. Zwischen dem gemalten und dem photogra-\nphierten Kitsch liegt nur der künstlerische Anstrich,\nden vor, diesen gibt Die billigen Aschin-\ngerwiirstchen konnten die Moabiter' Schinkenschau\nauch nicht volkstümlicher machen. Die künst-\nlerische Photographie hat vor dem kitschigen Je-\nmälde immer noch den Reiz des Echten voraus, und\ndas lebende Bild beschleunigt den Verfall der\n*y• * r\nKunst, die sterblich ist. Auch müßte man mit dem\nsündhaften Flimmerschrecken, einen Kunsttempel\nausräuchern, der den Leuten einen Riesenerfolg\nseiner Eröffnungsvorstellung in bezahlten Feuille-\ntoninseraten vorlügen läßt. Jede deutsche Film-\nfabrik schickt der Inhaltsangabe eines Schla-\ngers mehr Lob für den Autor voraus, als 'ein\nTheaterdirektor Scheu vor dem Schatten Goethes\nhat. Bitte:\n„Der Roman eines Dramaturgen begegnet uns in\ndiesem Film als ein spannendes Schauspiel, reich\nan tragischen Momenten und erschütternd in der\nGestaltung der Schicksale. Felix Holländer, der\nerste Regisseur im Bühnenstabe Max Reinhardts,\nschrieb vor kurzem den Roman „Der Eid des Ste-\nphan Huller\"; als ein Romancier von blendender\nPhantasie hat Felix Holländer längst einen Namen,\naber erst hier, wo seinem Plan die Sprache des\nFilms sekundiert, erweist sich die dichterische\nStärke dieses Epos, das vom Glück und Unglück\ndes Stephan Huller erzählt.\"\nDer Roman eines Theaterdramaturgen begeg-\nnet uns in einem Film. Er begegnet uns. Mahlzeit.\nOder: Guten Abend. Es ist ja Nacht. Wir wollen\nauch gar nicht an ihm vorbei. Zwar hatte er\nbesser getan —, aber jetzt ist es zu spät. Er ist\nan tragischen Momenten reich. Zeigen! Falsches\nGeld und gestohlenes Leben. Die Gestaltung der\nSchicksale erschüttert uns nicht. Er kann nicht\nlänger sein als unsere Geduld. — Ein Romanzier\nmit blendender Phantasie, ein Stilist, jeden-\nfalls, ein Sprachkünstler, natürlich, ver-\nkauft ein Epos, ein Kind seiner Muse, an eine\nGesellschaft, eine Fabrik, die es stumm machen\nund verkrüppeln und auf einen Films von tausend\nspannen wird. Ein Rabenvater. Nein, ein\nRomanzier, der längst schon einen Namen hat,\n.aber erst hier, wo seinem Plan die\nSprache des Films sekundiert —. Da\nfinde sich ein Mensch zurecht. Trotz dem Plan,\ndem die Sprache des Films sekundiert. Augen-\nblick. Der Plan verwirrt. Erst den Degen ein-\ngesteckt, und dann den Sekundanten mit der Phan-\ntasie des Romanziers geblendet. Ein Theäterdra-\nmaturg, der erste Regisseur im Stabe Reinhardts,\nmacht sich, mit dem Kientopp gemein. Jeder Kom-\nmis hat etliche Pfund Gesinnungsstolz mehr im\nLeibe. Er wird keine Geschäfte machen mit der\nSchmutzkonkurrenz seines Ohefs. Einem Schrift-\nsteller kommt die Sprache des Films zu, Hilfe.\nSie sekundiert ihm. O, blutige Schmach. Un -\nerhörte, blutige Schmach."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c010", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.9", "titre_corps": "Notizen", "titre_sommaire": "Notizen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 359, "texte": "Notizen\nDer Herausgeber dieser Zeitschrift empfängt ein-\nmal monatlich Sonntags von 4 bis 7 Uhr in der\nAusstellung Der Sturm, Königin Augustastraße 51.\nIm November: am zehnten des Monats.\nWegen Einladungen wende man sich an die Redak-\ntion dieser Zeitschrift\nRosenkranz, von dem sich ein Holzschnitt in\ndieser Nummer befindet, ist Mitglied der Neuen\nSezession"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c011", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Die Fackel enthftlt\nnur Beitr&ge von Karl Kraus. Ncueste Nummer\n357—359. Jnhalt: Der Ton / Glossen / Moment-\naufnahmen / Elektrische Erziehung / Notizen /\nGlossen / Harakiri und Feuilleton / Preis dieser\ndreifachen Numnier 75 Pfennig / Verlag Die Fackel\nI Wien I1I/2\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance ) Halbmonatsschrift / Kunste /\nKultur / Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs \\ Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift I Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue Francaise / Monatsschrift /\nVerlag Marcel Riviere et Cie / Paris / 1 Rue\nSaint-Benoit / Nummer 1 Francs 50 centimes\nLes Cahiers du Centre i Moulins [Allier]\nSaturn / Eine Monatsschrift fur Belletristik, Kritik,\nLyrik und SchwarzweiBkunst / Herausgegeben von\nHermann Meister und Herbert Grofiberger / Sa-\nturnverlag Hermann Meister, Heidelberg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c015", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.8", "debut_caractere": 5228, "fin_caractere_exclue": 5236, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-03-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_03#c016", "volume": "bmtnabg_1912-10_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "180", "page_fin": "180", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.8", "debut_caractere": 5238, "fin_caractere_exclue": 8026, "texte": "Neus Kttiist Hans Goltz Munchen, Ode-\no n s p 1 a t z 1 I Radierungen, Holzsehnhte, Zeich*\nrrungen, Aquarelle und GemSide von Marc / Ka«-\ndinsky / Meckel / Kirchner I Klee / Miiatec\nf Pechstem / van Gogh / Cezanne j Matisse-\n/ Picasso / Braque / van Dongen / Derail? I\nKubin / Meizer u. a. m. / St&ndige Aussteflnii$\nvon Werken dfeser Kiinstler / Sammler wollen ml?\nill re Wiinsche stets ubermifrteki / A uswahl seadua-\ngen berefhvilligst\nElse Lasker-Schtiler: Mcin Hcrz / Ein L*ebe$~\nronian mit Bildern und wirklich lebenden Mean\nschen / Das Buch erscheint Ende Oktofoer, kostet\ngeheftet vier Marfc, gebunden fiinf Mark. Prospekte-\nkostenlos durch den Verlag H e i n r i c h F. S.\nBachmair, Miinchen, Kurfiirstenstrafe 3P\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Vereii\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeitea\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 f\nfreien Eintritt zu den Veranstaitungen der Neue®\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark,\nGeschaftsstelle der Neuen Seze$sion: Steff-\nfitz, MjquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269t\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandlunf f\nBerlin W 15, Kurfiirstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraBe / Eckhaus / Fernruf Amt CharlotteHbiift\n14297 / Der Inhaber des Graphischen Kabinetts\nJ. B. Neumann eroffnet in der Schillerstrafie 6 (am\nKnie) eine Ausstellung fur die neue Malerei. In\nsollen ausschlieBlich Werke jiingerer Kunstler\nzeigt werden. Sie ist als eine Art Fortsetzung der\nInternationalen Ausstellung des Sonderbunds zu\nKoln im kleineren Mafistab gedacbt\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLtitzow 5850 I Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte un4\nneue Kunstblatter / St&ndige Ausstellung / Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nPaul Graupe / Antiquariat / Berlin W 35 / Soebea\nerschien Katalog 62 Moderne Literatur / Neuaus--\ngaben / Luxusdrucke\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antkraa-\nriat / PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprcclier Ami.\nLutzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neaes\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldangeft\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausfabeit\nin auslandischer Literatur\nFritz Merker Chartottenburg, Schillerstrafte 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Anf»\nZiehen von Zeichnungen / Moderne BucheinbSncta\nTitania-Schreibmascbine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kngeliagern |\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genestv\nSchoneberg-Berlin. Generaivertreter liir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Siaaf\nLinkstraBe 12. 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Daher darf es nicht verwunder-\nlich erscheinen, daß auf dieser einen Venusseite\ndie Fruchtbarkeit eine Plage ist.\nBlumenartige Bildungen auf der Rückenseite\nder Venusbewohner verwandeln sicih sehr rasch,\nbekommen lange, schwirrende Schmetterlings-\nflügel, die sich bald wieder zusammenballen und\nmit dem. Ganzen ein kompliziertes Fruchtgebilde\ndarstellen, das sehr schnell größer wird und sich\ndann vom Körper loslöst und danach zu einem\nneuen Venusbewohner wird. Diese Nachkommen\nentstehen, ohne daß ihre Vorfahren in die Lage\n• AV 'i %\nkämen, die blumenartigen Bildungen mit. ihren\nVerwandlungen irgendwie zu beeinflussen. In .der\nNähe der Sonne vollzieht sich eben die Vermeh-\nrung der Arten in sehr einfacher Weise — ohne >\njede Spur eines irdischen Dualismus.\nMan kann sich leicht denken, daß diese Be-\nquemlichkeit der Natur auch erhebliche Unbe-\nquemlichkeiten im Leben derer, die sich so einfach\nfortpflanzen, zur Folge hat — denn die Alten ster-\nben nicht so schnell aus auf der Venus, so daß\nsich die Zahl der Venushautbewohner unablässig\nvergrößert. Diese Vermehrung behindert die Be-\nwegungsfreiheit der Generationen. Und — wer\nsähe es gerne, wenn er samt seinen Lebensge-\nnossen in seiner Bewegungsfreiheit behindert wird?\n' r\nDabei geht ja alle Heiterkeit und Grazie ohne An-\nmut zum Teufel.\nNun kam noch hinzu, daß auf der heißen Ve-\nnusseite zwei ganz verschiedene Arten von Lebe-\nwesen existieren; die einen waren groß, dick und\nfaul und hatten eine Art Schildkrötenfell oben und\nunten, die anderen Lebewesen besaßen zwanzig\nArme mit langen feinen Händen, die sie faustartig\ngekrümmt leicht als Füße gebrauchen konnten, so\ndaß diesen Zwanzigarmigen eine geradezu unheim-\nliche Lebendigkeit innewohnte.\nDaß den bequemen, faul und ruhig daliegenden\nSchildkrötenfellbedeckten die Lebendigkeit und\nRuhelosigkeit der Arm- und Handreichen sehr\npeinlich — ja zuweilen unerträglich — vorkam,\ndas braucht wohl nicht gesagt zu werden.\nKnax gehörte nun mit seinen Zuhörern zu den\nbeweglichen Venushautbewohnern.\nKnax dachte täglich in reichlichem Maße über\ndie verdammte Fruchtbarkeit der heißen Venus-\nkugelseite nach; er war schon vor vielen Jah-\nren auf die Idee gekommen, daß eine große Anzahl\nvon Türmen und freischwebenden Brückenarran-\ngements wohl dem Platzmangel auf der Venushaut\nsteuern könnte. Und man hatte danach auch Türme\nund Brücken in Tälern und Höhen massenhaft\nerbaut.\nIndessen die verdammte Fruchtbarkeit der Ve-\nnusbewohner war eine derartig ergiebige gewesen,\ndaß alle diese Türme und Brücken nicht mehr\ndem allgemeinen Verkehrsbedürfnisse der Beweg-\nlichen genügten; der Beweglichen gab es eben\nzu viele — und die Schildkrötenartigen bedeckten\nfast überall den Sternboden und litten nicht, daß\n,•- « .\ndie Zwanzigfüßigen auf ihren Rücken oder in ihrer\nNähe herumliefen, da ihnen \"die Ruhe das\" wert-\nvollste Lebensprinzip zu sein schien.\nKnax, der Weise, sagte traurig:\nr\n„Weiß der liebe Himmel — wir haben in un-\nserer sonnigen Heimat nicht mal mehr zum Spa-\nzierengehen Platz. Wo sollen wir denn bleiben?\nWir können doch nicht immerzu auf unseren\nBrücken und Türmen sitzen und malen. Wir müs-\nsen doch mal Spazierengehen; wir sind doch nicht\nso konstruiert, daß wir auf die Spaziergänge ganz\nund gar verzichten können.\" .\nKnaxens Zuhörer' sagten dazu:'\n„Er hat Recht, der Knax!\"\nAber sie wußten nicht, wie dem Freiheitsmangel\nbegegnet werden könnte; natürlich kam keines\nvon diesen höher entwickelten Lebewesen auf die\nbrutale Idee, die Nachkommen, die überflüssig er-\nschienen, einfach abzugurgeln; alles Töten war\nden Venushautbewohnern unbekannt.\nDie' Geschichte wäre ja zweifellos zu einem\nKampfe aller gegen alle geworden, wenn sich die\nruhigen und die beweglichen Hautbewohner ih\neiner Weise ernährt hätten, die sich mit der, die\n'man auf dem Stern Erde sattsam kennen gelernt\nhat, vergleichen ließe. Aber ein derartiger Ver-\ngleich erscheint hier ganz unstatthaft, da sich die\nHautbewohner gar nicht von dem ernährten, was\nauf der Haut' der Venus zu finden ist; die Venus-\nbewohner — sowo.hl die ruhigen wie die beweg-\nlichen — nahmen nur einmal im Venusjahr Nahrung\nzu sich und das geschah folgendermaßen:\nEs wuchsen ihnen plötzlich die Haare ihres\nKörpers länger und daraus ersahen sie, , daß sie\nHunger hatten; fühlen taten sie den Hunger keines-\nwegs. Nun wuchsen die Haare des Körpers plötz-\nlich in die kautsöhukartige Venushaut hinein —\nund wuchsen in der Haut sehr schnell in einigen\nStunden mehrere tausend Meter tief ins Innere\ndes Sterns hinein. Und in diesem Innern des\nSterns sogen die Haare, die allerfeinste Röhren\ndarstellten, den Nahrungsstoff auf und führten ihn\ndem auf der Haut des Sterns liegenden Körper zu.\nHatte dieser genug, so gingen die Haare entzwei\nund der Gesättigte konnte wieder davonlaufen.\nHätten nun die SchilidkrÖtenartigen die ganze\nSternseite mit ihren Körpern bedeckt, so hätten\nnatürlich die Beweglichen keinen Platz gehabt,\nNahrumg aufzunehmen. Aber so schlimm war's\nnicht; so viel Schildkröten konnten gar nicht ent-\nstehen, da die Venushaut doch eine ungeheure\nFläche repräsentierte.\nNur zum Spazierengehen und zum Laufen fehlte\nder Platz auf der Halbkugeloberfläche; zum Nah-\nrungaufnehmen langte diese Oberfläche in jedem\nFalle; die Schildkröten waren sonst sehr gut-\nmütig und hätten auch den Zwanzigarmigen gerne\ndurch Aufeinanderlagerung Platz gemacht, wenn\ndieser nur zum ruhigen Nahrungaufnehmen ver-\nwendet werden sollte; nur für Lauferei und Sprin-\ngerei hatten die Ruhigen nicht das geringste Ver-\nständnis — alle Unruhe störte ja die ruhige phi-\nlosophische Spekulation, die das Leben der Schild-\nkröten ganz und gar erfüllte.\n* « i\nDoch Knax, der Weise, ließ nicht nach, über den\nBewegungsfreiheitsmangel in reichlichem Maße\ntäglich nachzudenken und kam eines Tages zu fol-\ngendem Einfall und zu folgender Rede:\n„Lebensgenossen auf der Venushaut! Wie ihr\nalle wißt, haben wir auf unserer Sternseite unzäh-\nlige Krater, aus denen von Zeit zu Zeit ganz heiße\nLuft herauspufft, die mit gewaltiger Geschwindig-\nkeit zum Himmel emporsteigt und dort nutzlos am\n/ kalten Aether sich wieder erkältet. Könnten wir\ndiese heiße, sehr leichte Kraterlüft nicht als Luft-\nballonträger verwerten? Und können wir uns\ndann nicht auf diesen Luftballons die nötige\" Be-\nwegungsfreiheit schaffen? Wie dQnkt ihr darüber ?k'\n/„Ach was! Was werden wir weiter darüber\n-nachdenken! Wir werden sofort aus unserer\nSternhaut, die sich zu Ballonzwecken trefflich eig-\n' riet, die nötigen Ballonhüllen herausschneiden:'4 •\nAlso antwortete man dem weisen Knax.\nUnd die Idee fand solchen Anklang», daß man\nganz vergaß, dem weisen Knax für seinen Einfall\n'S\nzu danken; mit der größten Schnelligkeit gingen\nalle Zwanzigarmigen an die Arbfeit, die Schildkröten\nmachten, als sie von. dem Plane hörten, gerne\n' Platz — und halfen auch beim Hautaufschneiden.\nHeller Jubel scholl über die halbe Vemjshäut\nund dem weisen Knax drückte man bald darnach\nso eifrig voll Dänkgefühl die Hände, daß\nanschwollen und sehr weh taten. : - = • -\n„Die Dankbarkeit ist auch nicht leicht zu er-\ntragen!\" rief er lachend.\nDoch die Ballons über den Kratern wölbten\nsich bald himmelhoch empor.\n' An Stricken, die an* der Ballonhaut befestigt\nwurden, kletterten die Beweglichen mit Bequem-\nlichkeit hinauf und hinunter.\n. jr* .\nIndessen. — viele Ballonhäute spannten sich\nv , i *\nbald ganz kugelrund und so fest, daß die Haut\nganz glatt* wurde und nicht laicht aiif ihr zu lau-\nfen war. » • -•\n'Knax, der Weise-, erklärte daher:\n„Lebensgenossen auf den Ballonhäuten der\nVenusfraut! Macht schnell neue Ballonhäute und\nmacht kleine Löcher in die alten, allzu straff ge-\nspannten Ballonhäute — dann wird der Haupt-\nballon an vielen Stellen kleine Nebenballons be-\ni 0\nkommen und das Terrain, äuf dem wir herumlaufen\nwollen, wird dadurch wieder uneben und reicher\ngegliedert erscheinen.\"\nDies- mußte Knax mehrfach auseinandersetzen\n— doch die Lebensgenossen verstanden ihn dann\n* allmählich und machten wie er gesagt hatte.\n? *■\nUnd' da wurde denn die Freude auf allen Bal-\nlons noch viel größer und Knax wurde gefeiert\nwie ein Retter und Erlöser.\nUnid die Schildkröten, die jetzt unten schreck-\n... i\nlieh ruhig lebten, freuten sich auch. *\nLeider währte die Freude der - Schildkröten\nnicht sehr lange, denn: sie bemerkten bald, daß\nihnen die riesigen Kraterballons, die durch all die\nneuen Auswuchsballons täglich größer wurden, die\nAussicht in die große Sonne benahmen, so daß die\nKröten überall im Schatten liegen mußten.\nMan rief nach dem weisen Knax und setzte\nihm die Unerträglichkeit der Schattenfülle ausein-\nander. *\n„Wir sind,\" sagten die Kröten,.„an die Schat-\ntenfülle nicht gewöhnt; wir sind doch so konstru-\niert, daß wir Licht und Sonne zum philosophischen\nNachdenken alle Tage brauchen... Mit der Nacht,\ndie ja bislang auf unserer Venushälfte noch ganz\nunbekannt war, wissen wür nichts anzufangen. Da-\nrum sagen wir dir, Knax, gib dem Schatten bald\neinen solchen Knax, daß alles Nachtartige ver-\nschwindet. Sonst gehen wir alle an Lichtmangel\nzugrunde. Und das werdet ihr doch nicht wollen.\"\nKnax kraute sich mit seinen zwanzig Händen\nhinter seinen sieben Ohren und rief wehklagend:\n„Wie soll ich das machen? Wie soll ich das\nmachen? Ich weiß es nicht! Ich weiß es nicht!\"\n* *\nEr lief in eine Höhle und dachte wieder nach\n— und ihm fiel ein, daß ja alle Ballons am\nKraterrande zusammenbinden * und in die Lüfte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.3", "texte": "eruporsteiger] lassen könnte; durch längere\n.Stricke ließ sich ja die Verbinäimg mit Her Verius-\nhaut der Nahrungsaufnahme wegen leicht\" her-\n** •• * *».«*» ■ ■'**■-* ~ ■*, ■*\nfsteilen — auch wenn die Ballons ein paar Meilen\nhgcb stiegen. v\nI i # , ** *'. ** 9* * • 1'• m\n. Und siehe' — bald stiegen sie au2h ein paar\n•\" > '«C-* ♦> w- .\nMpilen hocji empor. * ' j\n' , Und da machte riian' cla'nn neue BaHons' über den\nKratern und ließ diese neuen Ballons auch — be-\n.völkert mit vielen Zwanzigarmigen — zum Him-\n*:<r 1 * v * • m- + • \"•'» 4 + . m \\ J A.\nmel emporsteigen. * \" ' '* \"\n< ... „\nUnd da schwebten dann bald sehr, viele\nBallons, die alle fnoglfcheri Formerf annahmen, in\nVpnuslüften herum. * '.\nUnd die schildkrötenartigen Bewohner 'der\n.Venusoberfläche\"freuten sich 'über* die 'Belebung\n.der Atmosphäre ebenso sehr wie die Zwanzig-\narmigen, die natürlich \"niemals runterfielen,'\"da sie\n•ja viel zu gut klettern konnten. '\n„Jetzt sind alle Schatten' weg!\" sägten1 die\ndicken Faulen.\n• ** : . ■i. , . . . , - * i\n. .„Und die unruhigen Geister auch!\" fuhren sie\n: - • • —. . .... . • .. •;\nfort. ' !\n•■ • •\nKnax aber sich oben auf dem größten Bai-\nlon, aus dem nicht weniger als 'Zweihundert keu-\nlenförmige Neberiballons herausgewachsen waren,\nals Retter verehren und sagte dazu:\n.„Ja, ja, Ballonhaütbewohher! Wenn man sich\n•• . »• • •\nnicht zu helfen weiß, so ist man nicht sehr schlau.\n* . # v • - *. '\nIm andern Falle aber ist man's ganz bestimmt.\"\nUnd die riesengroße Sonne mit ihren Protube-\n. X' i • .4 \"' ; ■ ' '\nranzen machte die Wangen und die Hände des\nReisen Knax ganz braun — so heftig brannte sie\n. .\nhoch oben in der. Venushift.\n..\nGlücklicherweise schadete allen Venusbewoh-\nnern die größte Hitze nicht im mindesten; in der\nNähe „einer Sonne ist man immer an die größte\nPitze gewöhnt — alle Körper sind da so kon-\nstruiert daß es gar nicht zu heiß werden kann.\n\nRhapsodie\nHans Ehrenbaum-Degele\n• Fern, 7\nHinter Bergen,\nVerbrandet meiner Mutter Land.\nIch übersprang die Hecken der Heimat\nUnd achtete der Wächter nicht.\nFreund war nicht mehr Freund;\nFackeln ließ ich in die Kissen lodern.\nFern., hinter Bergen verbrandet meiner\nMutter Land.\n«Um-4ich..\nAuf in die Eisgebirge\nTrieb* mich Stolz.\nNiedergezwungene Gipfel!\n•'Firn—war unter mir.\nIch-sah die Sonne aufgehn in den Einöden\nUnd war wolkig - mit dem Sturmhimmel\nUnd knarrte im * Knieholz.\n' Uebeir Gründen an Zacken •- •••■\nHing ich, Hände wund;\nNachts perlten Sterne nah -und schwer herab.\nNun' betteln meine Augen :<\nAchte- mich nicht' gering!-\nMeine trotzige Einsamkeit\nWard Gebet zu dir,- • • . .\n■«mt ledernden\nich:.deifrfe HerrlichiLeit.-... . . ...-:\nGoldene Wunder *ich . v a •\n- 'Weben* durch*die AVeit, »■•./\nSehnsuchtweinend\n\" ■ Ging ich durch die' Nacht \"• ■ , .• •.*\n' Und fror' an . den Wänden de.r Häuser. . -•\n'Ueberall, Wo' Herzschlag- war,, • ...\nRief mein Blut nach dir.\nNun will-es strömen. *; - . ,\nRot\" auf Seide, ,* • * - .. «•..\nDir zum Kleide . • - .\nWill es sein: «\nSiehe, ich bin alles Blut . . ; ... -\nAn den Opfersteinen/ >•. . • v . .. •\nSiehe, ich bin alles Blut,\nDaß dir Opfer • ist. \"\n- • r. < . . * . -\nIn die Welt kam Melodie\nWie ein Windweben\n«n*\nKlingend über weißen Klee\n- ' *■ +' - * .\nv Leis im Morgenrot.\nRosen füllen die Täler,'\nGlanz spielt auf den Bergen,\nSüße Blütenwolken\nTragen mich ins Blau,\nNebel war um mich ein Meer\nUnd drohte, mich zu ertränken;\nWinter starrte um mich stahlhart\nUnd kältete mir das Herz. .\nSchatten war ich und schrie,nach Blut,\nDaß ich Gestalt würde;\nBlumen dufteten Nachtweh;\nAn schwarzen Strömen\nWeinte meinte Seele.\nHimmel bin ich nun und weiße Wolke,\nFalterschwärme und süße Müdigkeit.\nLachen darf ich\nUnd frohe Augen haben\nUnd über Wiesen hinspielen\nUnd Glanz sein.\nMeine Knospen sind aufgesprungen\nUnd überschrmmernd bin ich vor Blüten-\nherrlichkeit.\nMeine Lippen sind rot geworden von Tag-\nträumen.\nHerrlich kamst du in die Welt.\nGoldmeere tränkten das Land rings.\nTauverweinte Blumen küßtest du\nUnd wecktest die sehnsucht-gestorbenen\nNachtigallen.\nDie Berge brannten, die Gefilde wurden\nGeleucht durch dich und königliche Pracht.\nKämpfer bin ich geworden\nWider allen Tod,\nRegen bin ich geworden,\nSaaten segnend,\nSturm bin ich geworden\nUnd wildes Gespiel,\nNebel bin ich geworden,\nSchimmerverschwebend.\n• » >\nDie Bienen kennen\nDeine Süßigkeit,\nDie Bäche* wissen\nEin Lied von dir,\n» .\nSingende Winde\nUm tanzen dich,\n, • • •9 ' » 1 '\nBlauschimmernde Buchten\nTräumen dich tief..\n* t« *. 1 .\nGlockenstühle preisen dich,\nRollende Räder, singen dich,\n' A •% .**■ t/ *. *\nEs kniet, die: ganze V/elt. Du aber strahlst\n* ■ ■ r.'.' - *• • « r« «.• . .rv . f. .■ - ■\n• Und schenkst aus.,deiner 112 ülle Tag und Träume.\n;<* \" * 112\nU «\n•; »r ; - #\n•.4 • •\nDaß ich dir brausen könnte,\niMeer,..., . v , ...\nUnd dich eintrinken u k .\n>' > ' v«« .• : *•' • , > • *\nGanz in, meine Tiefen! ..\nDaß ich.dich spiegeln dürfte fci\nAuf deiner. Leuchtbahn! ,\n• • • • * 0 '\nDaß wir, . Ströme durchs., Land, ...\nUns»mischten, Tropfen mit Tropfen!\nDein „Blut singt in mir, , ,\nDein. Ate.iji iüllt mir .die Brust;\nIch kann nicht Jeben ohne deine Liebe.\n•t * * - »; ... * ■\n» •\nWo du bist, ' ' \" \"\nGeht meine Seele unter.\nLangsam sinkt mein Stern\nIn deinen seligen Schoß'\nRings umfängt mich dein Leuchten;\nSchattenlos bin ich;\nDeine schimmernde Heiligkeit,\nSchenkerin, ist mein.\n••• ! «\nDeine Hände,-Rosen,\n\"Duften Sommer; 4\n* Des \" Meeres Wellen '\nRauschen durch: dein Haar;\nGlänzhimmel ist dein Angesicht,\nBerghangfrühlirig dein' Leib; !\nAber dein Herz, •\nDein' Herz,\nIst Flamme und erdelos.\n> • (+\n■j\nImmer lächelt deine Liebe Antwort.\n' Flimmerndes Licht\n. Ueber den Wäldern am Mittag,\n.Rieselndes Rosengerank,\nSilberner Frühe Geläut, .\nAlle Schönheit der Erde •\nBring ich dir zum Geschmeide.\nAber dein Strahlen\nMacht alles arm.\n\\\nZwischen All und Erde\nWebt mein Leben hin.\nEine ferne Sage\nWard die Angst, der Nacht.\nIn den Paradiesen\nDeiner Augen\nWurden meine Träume\nKinder und Blüten,\n?\nWie die Mandelblüten\nDuften Traum und Sein.\nIch will in die Wiesen gehn\nZu den Hirtenflöten,\nIch will Sonne trinken\nUnd ein Jauchzen sein,\nIch 'will mein Herz ausjubeln in die blauen\nFernen.\nSieh, in allen Knospen\nBrach die Liebe auf!\n\nMenschen von Gottes\nGnaden\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié-\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nVon Karl Borromäus Heinrich\n\nFortsetzung\n\nBaron Frangart trat, wie zu erwarten war, mit\nkeinem seiner in Verkehr. Diese hier\n.liebten ihn auch keineswegs, wie etwa vorher die\n* #.\nadeligen Zöglinge des Jesuitencollegs ihn geliebt\nhatten; sondprn zum Teil beneideten sie ihn wegen\nseines Reichtums, zum \"Teil wegen\" seiner Freiheit\n• ... ..."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.4", "texte": "önd wegen seiner* Schönheit; wegen dieser vki-\n4e4cht am meisten, obwohl er,in der Sprache der\nalten Weiber zm reden, keinen Gebrauch davon\nmachte. Wenigstens wurde er während der sieben\nfifenate, ini,Oberprima zubrachte; ,? degmit\neinem Mädchen gesehen. Ein paarmal war er\nte Begleitung Sclilagintweits auf dem Kleinhesse»\nlober See Schlittschuh, • gelaufen. Es belustigte\nßm eine Zeklang,- wie die liegen Mädchen , aus\nguten* FamiUen,'. wekhe ja seine - vom\nTatrzkurs her kannten, skh ihm bemerkbar machen\nwollten; wie sie gerade in seiner Nähe alle\nFiguren liefen, damit die Röcke hochtlogen und er\nihre Waden betrachten leonnte. Aber bald ekelte\nOtn davor und er bfieb für immer aus.\nEin einziges Mai hatte er auch versucht, di€\nGesellschaft seiner Mitschüler auf der sogenannten\nAbsolventenkneipe zu genießen. Schlagintweit saß\nan seiner Seite und konnte bezeugen, von weicher\nHöhe der Verachtung aus sein schweigender Blkk\ndieses Treiben ablehnte, Es war ihm schon ggnz\nunbegreiflich, wozu denn die sogenannten Char-\ngierten immer mit ihren ungeschliffenen Schlägern\nauf den Tisch schlugen; s noch mehr erbitterte ihn\nder angebikhe Gesang äer Cantasse; 'mv'grenzen-\nlosem Ekel aber erhob er sich, als bei dem trau-\nrigen Fichicit der „Exkneipe\" sich Ochsenmaulsala't\nbringen ließen, diesen ganz sans facon hinunter-\naßen, gewaltig hineintranken und dann wirr durch-\neinander zu gröhlen anfingen: „ein Prosit, eio\nProsit, der Gemu . . . a ... a... t ... !kh . ; ;\nkei . . . eit . . . r* Zwei wollten ihn bei seinem\nWeggehen anpöbeln; da er vor Ekel überhaupt\nnicht antworten konnte und woilte, belehrte\nSchlagintweit die beiden Schreihälse eines Besse>-\nren. Schließlich rollte das schläfrige runde bam-\nhino Groll betrunken unter sie hinein, und ein all-\nseitiges Gelächter der Begeisterung erscholl, wäh-\nrenddessen Schlagintweit ruhig Baron Frangart fol-\ngen konnte.\nZwei Tage blieb Baron Frangart nach diesem\nJPiducit\" zu Hause liegen; es wäre ihm urcmög-\nIkh gewesen, unter diese Gesellschaft hineinzu-\ntreten. Der Arzt verschrieb ihm Beruhigungs-\nmittel, die Ludwig Schlagintweit entschlossen zum\nFenster hinausgoß. „So ein Trottel! ... Ihnen\nBeruhigungsmittel zu verschreiben, Ihnen, Baron\nFrangart! Er soll lieber sich und andere Sauf-\nbrüder beruhigen!\"\nDie Gesellschaft Schlagintweits ertrug Fritz\nFrangart wie die eines lustigen treuen Dieners.\nSeine Ergebenheit hatte in der Tat etwas Rühren-\ndes. Eine Woche nach jener Kneipe kam er\nfreudestrahlend zu Frangart: „Die Weltordnung\nist umgangen, meine Illoyalität hat gesiegt'\" —\n„Bitte?\" — „Ich habe einen mir bekannten jun-\ngen Arzt wiederentdeckt, der Ihnen jederzeit alle\nnur gewünschten Schulkrankheiten bestätigt.\"\nFrangart benutzte die Liebenswürdigkeit dieses\nArztes ausgiebig: Im Januar und Februar saß er\nwochenlang zu Hause. Schlagintweit, der allein\nihn besuchen durfte, kam gegen Abend und nahm\nmit ihm in einer knappen Viertelstunde alles durch,\nwas der ganze Tag zu lernen gebracht hatte. Die\nschriftlkhen Probearbeiten in der Schule schrieb\ner auf Drängen Schlagintweits von diesem voll\nund ganz ab; dieser schmierte dann in sefne eigene\nArbeit edligst noch einige Fehler, um einen Unter-\nschied herzustellen und den Professoren den Nach-\nweis des Abschreibens zu erschweren.\nSchließlich duldete Schlagintweit nicht mehr,\ndaß Frangart die häuslichen Arbeiten selbst an-\nfertigte. ..Herr Baron, das hat doch für Sie keinen\nSinn mehr; dann sterben Sie ja vor Langeweile,\"\nkonstatierte er und kam von nun ab jeden Tag\npunkt sieben Uhr in die Wohnung Frangarts, wo-\nrauf dieser die- Aufgaben abschrieb. Das war m-\nföxHcli hi einer Viertefettiiide geschehe«, Ftai?ga*t\nfuhr dann wie iirmYer\" ' z»r Pmuenkirdie m die\nMesse, wohin ihn jedoch Schlagintweit nie begM-..\ntete. Da aber sich nkht bernüftigf f&htte,\nes auch iffir fonnios* gehaJle» bättil .OÄcb\n: •\nanschauung eines andern ?m fragen; k,am es darüber\nnie zu einer A^seinandersetzöng:\nDiese vollkommene Schweigsamkeit des Baron\nFraßg-art über sein Wes©n, über seine .Aä-\nschauungen tat weh. Wenn er im\nBette lag und nachsann, weiche Gefälligkeit er-\nmorgen Baron Frangart erweisen kcmntfe, ttHutätc\ner manchmai daü ein Mal, ach, mar ein ein-\nzfees Mai dieser sein Herx öffnen würde. Er\ndachte es sich so schön, wenn ste sich dann gegen-\nseitig ihre Ideen klarlegen würden, er würde die\nHand um Baron Prangart legen > . . Oh, ndn. er\nwüßte schon, daß er dies nie wagen dürfte, daß\njener sich nie eröffnen, auch nie eme freundschaft-\nliche 1 ypörde..\nFrangart seinersdtsr wenn er über ScMagiirt-\nwedt (was sehr selten geschah) nachsann, formu-\nlierte seine für diesem Menschen so:\nhat noch den Takt der alten Leute aus dem\nVolke, er verlangt . keine\nGründe von den Menschen, die er verehrt.\"4 Und\nso erriet er die Sehnsucht des armen Schlagintweft\nnicht, weil sie ihm selber fehlte-, h* der warmen\nHeiterkeit aber, die wir (öfeent' 'Mitgehen • ausging,\nsonnte er sich mit einer gewisse* trägen und selbst-\nverständlichen Ruhe, wie vor Jahren, an die\nSchioßmauer von Prangart gelehnt, m der lachen-\nden Sonne des Südens . . .\n*\nIn den Osterferien lud B&röß Frangart deci\ntreuen Schlagintweit ein, mit ihm nach Boxen zu\nreisen und dort eine Woche zn b!dbe«a. Er sehnte\nsich nach südlicher Sonne, wo&te aber nicht bis\nBozen und Sigmundskron fahren, da er keine Lust\nverspürte, seine Heimat wiederzusehen, so gerne\nSchlagintweit gerade dieses gewollt hätte,\nIn Brixen übertraf skh Baron Frangart gleich-\nsam selbst in der unerschütterlichen Trägheit, mit\nder er sich in die Sonne stellte und acht Tage lang\nschwieg. Schlagintweit war unglücklich während\ndieser Zeit; nie mußte er stärker empfinden, wie\nwenig er dem verborgenen Wesen Frangarts nahe\nkommen konnte. In seiner Trauer vergaß er dar-\nauf, die Schönheit des Landes zu genießen. Er war\nfroh, als sie wieder .zurückfuhren, wo er überdies\nden Vater eines seiner Schiller — denn er lebte\nvon seinen Lektionen und erhöhte so den Pen-\nsionsbezug seines Vaters — ob seiner Abreise grol-\nlend zurückgelassen hatte. Gerade die Onerierten\nhatte dieser für die beste Zeit gehalten, die Lücken\nim Wissen seines Sohnes durch den Instruktor\nauszufüllen. Er sah sich denn auch bald um jemand\nandern um. Von diesen Dhrgen erfuhr übrigem\nBaron Frangart keine Silbe.\nDer junge Baron ging um diese Zeft, halb aus\nNeugierde, halb aus konventionellem Zwang,\netlkhe Male zu den Tees und andern gesellscMft-\nBchen Veranstaltung einiger adeliger Familien, an\ndie man ihn liebenswürdig empfohlen hatte. Aber\nbald unterließ er es wieder: bei den sah er\nsich mit Künstlern und Literaten zusammen einge-\nladen, die unter dem Beifall der Hauswirte Ihre\nmodernen und billigen Phrasen von neuen Wegen\nzur Kultur kommentierten, aber für Fritz Frangart\ndurch ihr ganzes ,gesellschaftliches Benehmen hin- /\nlänglkh bewiesen, daß sie die wohl bewährten5\nalten Wege zur Kultur hoch nicht gegangen waren.\nSeiner Anskht nach wurden sie der hohen Bedeu-\ntung, die man sogar in aiten Familie« ihrer An-\nwesenheit beimaß, nicht i<m geriügsteir gerecht, um\nso mehr aber dem Teegebäck, dem -\"kältet* Büfett,\noder am meisten de<ra Abendessen, wenn es etn\nsolches g«b; 2it Msfßhungir paSte\ndurchaus zv dem JMd, dkg. skh B&pon Pfangart\nvrm teer «e<*etf Kultur machtc,-> .Wenn aber etwa\nin diesen Wein getrunken. wtifte\noder gar to?'fsc«i4e<ktfvsicli die* üiiste mir\n123 der Qualität des Oeifänkes«, aber keineswegs te\nihren Sitte*! von sehven luveipetsdet: Mrtschfiterö;\nhöchstens S3WS darf«, &&., was dort „Go\nn&L BdaifeeL:.,,-. »»<eit\"ge*Kfcaüt\nwrsrde» hkf sh „ÖTfginefle Viecherei\" oder gar ats\n„dionysischer Taumer der Gemüter galt.\nIh sttdemi Rreiscrj hktw&derum, die zwar ifi\nde«s Pörmeu s>och strengen' und genauer lebten, be-\nmerkte er mit MJBvergnügen, daß sich aJie Män-\nner ohne Aasaahme und sogar 4k meisten Pfauen\no£fes bar vvef n*H Potitik beschäftigten. Er abeif\nerapfami Politik, wie sie heute getrieben wird, als\nein« DegradSerong; so zog er sich also auch aus\ndiesem ifcrdseis zrirlkk.\nc?\nVon den stets uiltig-geli-eferfre« KraakheHsbe-\nsfcätJgungen des erwähnten Arztes bezog Frttfc\nFrangart to den Monate« Mai und Juna eine rech-\nliche AxizahL So kontrte er sich unbehindert seitKfr\nRjuhe hingeben.\nCht paar Tage vor de-r Mafcur&iftsprüfung, atefr\nin der rweiien Hälfte des Jörn, ereignete sich iö«~\ndessen ein Vorfall, der ihn in unangenehmer Weise\naufstörte. Er hatte von seinen Mitschülern ja sack\niefcer Koeipe niemafc mehr Notiz genommen und\nwar somit allerdings der Mtihe enthoben, sieh an\nihre voa Schlagintweit gegebenen Charakteristiken\nzu erteiem. Aber da die hingen Leute che Bevor-\nzugung Schlagintweits nkftit ohne Neid Sehefc\nkonnten und dieser seihst auch wegen seiner Spott-\nhist heimliche Femde genug: hatte, bildete sich ock\nhebsames Gerede Über ihre Beziehungen. Die groÄc\nErgebenheit des einen gegen den andern war fei\nallen bekannt. So sagte man denn, daß sich der\nschöne Baron Prangart den Schlagintweit als Dfe-\niter, ja „Haustier'4 halte und ihn dafür hoffentlich\nand Jedenfalls anständig bezahle.\n„-Ais er nun eines Morgens in das Klassenzim-\nmer eintrat und mit den Augen den noch abwesen-\nden Schlagintweit suchte, flüsterte die dicke „Mii-\nteirrtHßigke-it0\" einem Mitschüler einige Worte zti*\ndie Anspielungen der erwähnten Art enthielten«\nBaron Prangart hörte es., ohne es zu wollen. Daher\nging er mit der sicheren Ruhe, die ihm eigen war,\nzu der „Mittelmäßigkeit\" hin und ersuchte, verbind-\nlich lächelnd, aber nicht ohne leise Drohung in sei-\nnen dunkten Augen, um Aufklärung. Die „Mittel-\nmäßigkeit4' erschrak heftig und ihr bourgeoises Fett\n(mit Schlagintweits Worten zu reden) wackefte.\n„Herr Baron das sage mcht ich, das habe ich nur\ngehört. Man hat rmir erzählt, daß Schlagintweit\nseine Schüler und sein Einkommen vernachlässigt\nweil er die freie Zeit jetzt meistens bei Ihne« zö-\nbringt.\" Baron Prangart sah den ängstlichen Stot-\nterer an wie eine Kröte und wandte skh ah. Dffö\nGerede war sehr ekelhaft, aber er nahm sich vor,\nScMagintwdt kein Wort davon zu sagen, ihn hin-\ngegen, wie es gerecht war, auf irgendeine Weise\nzu entschädigen. Baron Prangart hätte ia mit\nLeichtigkeit, ohne es zu verspüren, die Pamaüe\nSchlagintweit über die groben Sorgen des Tages\nhinausheben kömm. Es war nkht Geiz, was ihn\ndavon abWelt. Aber es gehörte eu seirjen Uefeer-\nzeugwgeit, daß die Armut von Gott gewollt und\nzur Erhärtung des öberlieferten< Sta&tes _ der\nmeirschhchen Dinge nützlich sei, $k behebe zu\nwrrfteö $*mtt auch einen Akt der Revt4utioa be-\ngehen hieße. Es hatten schfjn genug Versch4ebu«k\ngeir In cter measchiklten Gesellschaft stattgefcindetu\niiti Lauhj des testen JaÖMtenderts . . .\nM& sokhen Aöskhten verband Baron\nemrgc tUißere Qewohnheiten^."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.5", "texte": "H. Campendonk: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.6", "texte": "zum Beispiel, daß er nie ein anderes Licht in seinem\nZimmer duldete, als das von Wachskerzen. Nie-\nmals in seinem Leben benützte er das Telephon:\nes war ihm eine „zu junge Einrichtung\". Statt eine\nZeitung zu lesen, ließ er sich von Schlagintweit all-\nmonatlich die Reihe der nackten Ereignisse der\neinem':*kieiiten ~ Zettel^zusarfimen\nwar, nur nicht loyal\", konnte\nsich dabei manchen Scherz- zu er-\nschrieb er : Der Pa'psWhat den. Va-\neinen und ist nach .\n<Berlin verzogen. Ein andermal: Der internationale\nV . i' ■■ »\noeleg-iertentag der Sozialdemokratie hat die Re-\nShronisierung der auf sein Programm\n-gesetzt. Oder: Gestern haben sich alle Pariser\nr§hvSten auf der Place de la Concorde freiwillig\n•—Mit diesen Scherzen wollte er Baron\n* -■ & • H' # ,Si ;• i\n#rangart zu einer; Diskussion verleiten, was ihm\nnicht gelang;)..' Automobil fuhr Baron Fr an- 112\n-{gsrt nie: „man soll nicht in seinen alten Tagen\ni einen so neuen Sport anfangen\". Die Versuche-der\nvollends,., hielt er für ein Verbrechen\nit •\nvund fand es in Ordnung, daß soviele dieser Leute\ntödlich verunglückten. Uebrigens, behauptete Ba-\n-'s * \"t\n;ron Frangart, hätten' die Chinesen alle diese Neue-\n» rungen schon vor längster Zeit besessen, sie aber\n: den Machtspruch des: Gesetzes .wieder abgeschafft;\ndenn sie hätten ersichtlich nicht zur Hebung des\n. M. v. ' . * •« ' i . .\n\\ Glückes und der menschlichen Gesellschaft über-\nhaupt beigetragen. ;\nInzwischen stellte, die Neyzeit, ja die aller-\nnächste Gegenwart eine nüchterne unumstößliche\nForderung an Baron Frangart: nämlich, die Matu-\nritätsprüfung zu machen. —_ Im Lateinischen, Grie-\nchischen und Französischen ging alles glatt,, in der\nReligion ausgezeichnet, zur Freude seines Religions-\nlehrers, den er selbst hochschätzte. Zweierlei aber\nstand ihm noch bevor: das Deutsche und die Ma-\nthematik. In der Mathematik rechnete er gelassen\nmit der allerletzten Note. Das Deutsche mußte ihm\n- erhebliche Schwierigkeiten machen, wenn sich das\nThema etwa auf die Geschichte bezog, in deren\nStudium er konsequent alles, was ihm nicht gefiel,\nignoriert hatte.\nNun bestand das deutsche Thema in jenem Satz\n- des antirevohitionären, von Frangart über alles\nverehrten Goethe: „Was du ererbt von deinen <\nVätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.\"\nBaron Frangart lieferte eine nur leise verhüllte\n„Begründung der Tradition in jedem Betrachte\".\n; der Privilegien, sowie aller von Gott gewollten\nund historisch bewährten menschlichen Institutio-\n%\nnen. Sein Aufsatz geriet wirklich sehr gut, und es\n:war schade, daß ihn nur der deutsche Professor,\n'nicht aber Schlagintweit zu Gesicht bekam; , er\n*: hätte daraus doch einiges zum Verständnis seines\nFrangart gelernt.\n£ Schlagintweit selbst gab zwei Bearbeitungen\n5 des Themas ein: Auf die eine schrieb er in Klam-\nemern: „Wie das Thema:-von einem Abiturienten\n*' ■* **•* •''.v *\"\ntbehandelt weixlen muß.\" > Diese Bearbeitung war in\n>!der Form des edlen Chri abgefaßt und enthielt alles\nAuf die: andere schrieb er: „Wie\nydas Thema von einem Menschen behandelt wird.\"\n■tiHierin setzte er ironisch , auseinander, daß ihm,\neines materiellen väterlichem. Erbes, für :\n;V;'' \"■% - «... . •*\"* . . ;\nden \"SatV er materiell gemeint sei, eigent-'\nlieh jede Erfahrung fehle; daß er jedoch seinen\neventuellen Nachkommen, vorausgesetzt, daß sie\nwenigstens etwas erbten, die Worte Goethes un-\nermüdlich eiubläuen werde. Dazu fügte er eine\nlächerliche Betrachtung über mögliche Wider-\nsprüche, die er zwischen dem Ideal der reinen Hu-\nmanität („d. i. Menschlichkeit!\") und dem der\nTradition späterhin möglicherweise ent- und auf-\ndecken werde.\nDiese zweite Bearbeitung, von der er mit dem\nWunsdh, Frangart zu einer Gegenrede zu reizen,\ndiesem erzählte, aber nicht mehr als ein Lächeln\nzur Antwort bekam, trug Schlagintweit in letzter\nStunde eine Karzerstrafe ein.\n\nFortsetzung folrt\n\nNachtfarbe\nVon Oskar Baum\n«... V - ... <• V '\n4 * Lau weiche . Augustnacht atmet zum Fenster\n•herein; ich liege still/dä und warte auf meinen\n* • * ,vV.*' ■ ' * • * v-.. . . ,\nSchlaf. Gegen mein|ivWillen überträume ich. die\njüngsten Erinnerungin, di-e letzten Stunden. Es\nerregt , mich zu sehr ; . ich kämpfe mit der Pfianta-'\nsie. Ich, zähle biszehn und- wieder zurück, bis\n•• ' '»t\nzwanzig,L.bis dreißig. Ich' fühle, daß ich schläfrig\n.bin und kann .doch nicht Mein eigener\nregelmäßiger Atem umhüllt mich mit der Selbst-\nVerständlichkeit, jetzt einzuschlafen; ich;..empfinde\ndeutlich, wie alles Wirkliche rings meiner Beob-\naclitung entkommen will und die Stille Weitum ist\nfast zu .tfef.~ Aber es- hilft alles nichts! Gedan-\nk'eil haben ein zähes \"Leben.\nSo hat mich denn das Gespräch mit Frau Ricki\nsonderbar erregt.; ich merkte in ihrer Gegenwart\"\nnichts davon. Wir hatten ja schon oft vertraute\nWorte gewechselt, einander Geheimes erzählt;\naber nie hat es so mä£jjtrg': in mir nachgezittert.\nWarum das heute? Wir schritten langsam durch\ndas leise Abendrauschen des nahen Waldes und\ndann durch die Dorfstraßen, die so still und dun-\nkel dalagen, als hätten sie viel zu verschweigen.\nSommerabende sind märchenhaft. Sie lullen mit\nihrer lächelnden Lauheit alle Energie in Schlaf\nund die üppigsten Phantasien sehen dann der Mög-\nlichkeit ähnlich. Ich seufzte 'und Frau Ricki un-\nterdrückte einen Seufzer. Wir gingen sehr lang-\nsam und wußten beide ohne- Verabredung, daß ich\nsie . „Es ist sonderbar !\", sagte sie\n•• * .\nunvermittelt nach einer Pause, „ich liebe meinen\nMann; ich liebe ihn, der jetzt in der staubigen\nStadthitze für uns arbeitet und leidet!\" Sie nahm\ndas Wort „Liebe\" wie ein Bonbon in den Mund,\nso vorsichtig, so genießend. Immer machte sie\ndanach eine kleine Pause, und noch die nächsten\n4 v .\nWorte hatten einen süßen Beigeschmack. „Ich\nliebe ihn; aber meine Hochzeit war doch ein\ngroßes Unglück für mein Seelenleben, ich habe\nan diesem Tage meine Träume eingebüßt, denn\nseither finde ich für sie keinen Stoff mehr. Tau-\nsend geheimnissüße Fragen sind einfach ver-\nschwunden; ich weiß ihre Antwort. Das bange\nZittern vor jedem Männerblick, das Warten und\nSuchen, die ganze ängstliche Hoffnung ist ver-\nschwunden; ich bin in der Rühe, in der Sicher-\nheit und da ist es vorbei mit den Träumen. Nur\nselten, wenn an ; einsamen. Sommerabenden die\nmatte Schwüle lastend auf der Brust liegt, dann\nhuscht die Sehnsucht \"wieder hervor aus ihren\n*s -r , , ' ' \" ' • • •\nvergessenen Ecken, dann bin ich wieder voll\n- C- '. ' v-\nscheuer. Erwartung, Wie ein Mädchen harre ich\nin romantischer Begierde.\"\nWir waren..in ihrer Villa angelangt, aber sie\nwollte noch nicht hineingehen. Tief atmend lehnte\n*- Jr V,. • ' \" ' 'u . C'V* V\nsi.e sich an die Warict und blickte anA mir vor-\nw . - > •.. . _ ... * ■\nüber. „Bei solcher. Stimmung sitze ich; dann hier\n•hinter dem Hause in-.-.unserem stillen Garten vor\ndem grünen Tisch. Sie kennen ihn ja, meinem\nFenster gegenüber. Dieses Fenster habe ich dann\nimmer offen und träume zu ihm tiier warte\nich auf das Abenteuer, das über eine* \"Hecke* stei-\ngen soll oder aus einem hohlen Baum, odel aus\nder Erde . . . Wenn ich ein Mann wäre, würde\nan solchen Abenden gewiß meine Stimmung sein,\nwartende Frauen für die Treue zu belohnen, mit\nder sie den Kinderglauben an das Abenteuer be-\nwahrten.\" Sie schwieg und lächelte, und so lange\nich hier vor ihr stand, merkte ich nicht, wie son-\nderbar tief mich das Gespräch erregte. Ich\nseufzte, doch gleichsam nur, um die Situation zu\nvervollständigen. Dann reichten wir uns stumm\ndie Hände und ich ging ...\nWie konnte ich aber nach derartigen, schlafen\nwollen? Bin ich so kaltblütig? Sicherlich träumt\nsie nöcfe'bei dem grünen Tisch unter..-ihrem offe-\nnen Fehster. Auf! I£h will ihr Abenteuer \"sein t\nOder* half £ie. nur mit Worten gespielt ? Vielleicht!\nNeip; sföher nicht ! Nun. ich kann mir-ia Ge-\n\\wißheit holefi! — So leise \"War ich noch nie über\n- |cairsl^ride^Holf^treppe geschlichen\"; auch\n'det kreischte heute diskfeter.\n-Jetzt durch die langgedehnten Dorfstraßen, -.tlie so\n»viel, zu verschweigen scheinen. Hier endHph ist\ndie Heeke, über die das Abenteuer steigen muß.\nOb sie wphl'nicht die Geduld verloren hat? Ich ließ\ns . • •' r> ,\nsie lange warten, ich Dummkopf! Nein, dort sitzt\nsie und wie ÄönJ-Was ist das wohl für ein\nweißes»GewandMan sieht nur durchbrochene\nSpitzen uhdjweißt' Arme. Leise wandere ich über\n~ ' .'.M. 'yzv #Vy\ndas Gras, ich-höre die eigenen Tritte nicht; es\ndauert unendlich' lange, ehe ich 4hr nahe bfn. Nun\n........ ... ■ •>.\nsieht sie mich,'aber ganz ohne Erstaunen: fächelnd\nhebt sie' den Finger zum Mund und deutet dann\nauf einen Stuhl neben sich.. . Ich glühe! — Ein\nbitterheißer Geschmack legt sich auf meine Zunge;\nschwer atmend setze ich mich. Unsere ' Augen\nführen ein leidenschaftliches Gespräch. Auf ein-\n• r- > » ... - •*\" V\nnißl beuge ich mich vor, die Finger berühren ihren\nLeib, aber sie zuckt zurück. Ich will aufspringen;\n.da fühle ich ihren Atem vor mir, etwas Heißes\nauf meinen Lippen, dann \"ist sie fort. Ich sehe\nsie vor mir durch' das offene Fenster in ihr Zim-\nmer steigen und will nach. Doch sie wendet sich\noben um und winkt mir ab; mit beiden Ellbogen\nstützt sie sich auf das Fensterbrett und lächelt\nzu mir heraus: „Morgen!\" flüstert sie, „war das\nnicht schon zu viel? Rom ist auch nicht in\neinem Tage zerstört worden.\" Da nickt sie mir\nzu, wie abends beim Abschied und schließt das\nFenster. Ich stehe mühsam aufrecht. Jetzt schiebt\nsie drin einen Stuhl, jetzt knistern Kleider; fetzt\nist wieder weitum Stille. —i\nBreite Sommermorgensonne brennt in tneki\nBett und erklärt mir zum xtenmale die bäuerliche\nEinrichtung meines Mietzimmers. Tagfarbe fällt\nnun auch in meine Seele und das ist eine unhar-\nmonische Beleuchtung für die Erinnerungen der\nletzten Nacht. Was ist wrohl dran erlebt, was\nerträumt? Das alles kann doch nicht Wirklich-\nkeit. gewesen sein? — Nur nicht den Kopf zer-\nbrechen. Ich werde ja sehen, wie sie sich be-\nnimmt . . . Gedankenvoll schlendre ich durch\n\"* '#* - 7\ndie hellen, offenherzigen Dorfstraßen an ihrem\nHause vorbei; wo sich die Dienstboten zanken —\nalso ist sie nicht zu Hause, — zum nahen Wald\nempor. Dort kommt sie mir entgegen, einen Band\nGedichte in der Hand, den ich ihr geliehen habe.\nIch fühle Herzklopfen in der Kehle; was ist wohl\ndran erlebt, yvas erträumt? — Lächelnd nickt sie\nmir zu und wir reichen uns stumm die Hände.\nNein, nein! es ist nichts erlebt. Diese unbefangene\nDame aus der guten Gesellschaft kann das nicht\n„Schön war es gestern Abend, nicht wahr? So\nein .langsamer Spaziergang in der Stille ist ver-\nführerisch für Stimmungsjäger. Wie gern heu-\nchelt man da ein wenig Schwäche und übertreibt\ndie Macht der Stimmung, um sich darunter beu-\n»V» ? ■' j'\"p *u l ( * *. >■ * ■\ngen zu dürfen. *\nPause. „Man weiß nachher kaum was dran\nerlebt ist und was erträumt; ich liebe die Nacht,\nund wie sie alles färbt, ich liebe das!\" Bereut\nsie es, oder war gar nichts da und bedauert sie\nschon die bloßen Worte? ... O, diese Tag-\nfarbe!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.7", "texte": "Taaus Anfang\nVon Hermann Koch\n- Bis zur Decke der niederen Zelle ragte der un-\nbeweglich schwarze Schatten, vor dem Taau saß,\nder noch Mensch war. Auch einer, dem die Um -\nmenscheil diese Nacht als die letzte seiner Nächte\nbestimmt hatten. — Er lag still —• hörte das\nweiche Strömen einen fernen 'Regen und wußte\nunfern im Grunde der Nacht einen Galgen stehen,\nvon dem jetzt das Regenwasser zackig herabrann\nund irgendwo seinen Henker —\nTaau war außerhalb des Lebens, dachte an\nkeinen Tod. Und diese Wände waren ihm Läri'iel-\nien, er, wußte,: sie berühren, heißt sie zersprengen.\nLeben ist Fluch, die Organismen herabgewür-\ndigte Materie.\n~ Damit sein Körper, der unförmige Fleischkloß\nzu existieren vermag, müßte er ekle Substanzen,\nr' »• ' i.\nwieder Organismen in sich würgen. Und imrner\nnur ein Leben wieder möglich, dessen schön-\nster Augenblick gekommen ist, wenn zwei Wesen,\nSuperlative der Widerwärtigkeit, zusammenkleben,\nwenn einem neuen, blöden Geschöpf Leben ent-\nsteht, das ihm später zur Qnal wird.\n— — __ Feig, grausam sind die Menschen, auch\nihre Götter beleben sie.\nNiemand und nichts aber darf sich gegen die\nAllmacht seines Willens stemmen, diese drollig-\nheraiisgeputzten Jammerwesen dürfen ihn nicht\n, .zerstören.\nSie haßten ihn, weil er ein ausgewachsenes\nMenschenwesen getötet hat, weil er ihnen sagte,\nwas sie nicht verstehen durften, daß töten und\nvernichten das unzerstörbare Recht jedes anima-\nlischen Lebewesens ist. Er nahm sich sein Recht,\nsie aber sind — — — „Menschen\". Wenn sie\ndies vergäßen, wie sie es einigemale vergaßen,\nwürden sie einander zerreißen, würden von split-\nternden Knochen Streifen roten Fleisches kratzen,\n— und Blut trinken —-\nMorgen, ... in einer Million von Jahren wird\ner dies wollen.\nNoch sind sie die „Herren der Erde\", sie zer-\nwühlen sie, saugen sie aus — — auch Dich\nErde wird er rächen!\nEr ließ sich von einer Aufruhr grausiger Vor-\nstellungen treiben.\nEr saß noch ohne Bewegung. Der Tag kroch\ngrau und meuchlerisch in die Zelle.\nDie Komödie hatte begonnen. Einige Men-\nschen kamen, die faselten etwas und führten ihn\nhinaus, in den eckigen, naßkalten Galgenhof.\nVor ihm stand jemand, der etwas las. Er hörte\nnicht was, er sah nur, wie eine feige Furcht sie\numstrickte, sah die Furcht derer, die ihn töten\nwollten.\nIn ihm ballte sich der Zerstörungswille; der\nihm am nächsten stand, fiel — und ringsum die\nnächsten und übernächsten — sie fielen, von sei-\nnen konzentrischen Energiewellen berührt.\nDa begann er zu wachsen. Er strebte ins Un-\nermeßliche, schoß in den Raum. — — l ief unten,\nwo seine Füße im feuchten Nebeldunst wurzel-\nten, lagen tote Menschen, — — lag er selbst.\nEr atmete nicht. Er fühlte das Ende der Zeit.\nUnter ihm schmolz die Erde, die Landmassen\nzogen sich zusammen — er stand auf einer Kugel.\nIm Chaos seiner Eindrücke sah er nur im\nDunkel die schwarzglühende Sonnenfläche.\nDie Erde wurde kleiner. Sie rollte noch und\nkreiste unter ihm, der still stand, der zweimal\ngrößer als die Erde war.\nDa hielt er sein Wachsen ein. — Die Erde\n* •\nklebte an seinen Füßen; denn sie war schwer. Um\nihn herum wirbelte in immer kleineren Kreisen\n•-.» i \\ % 9\nder Mond, der von ihm angezogen bald an ihm\nzerschellt.\nDort, wo das Meer schillerte, begann er. Er\nsenkte seine Hand in den Ozean, der nun über\ndas Land flutete, über die „altheilige Kultur In-\ndiens4'. Er hörte im Denken das Heulen der Meti-\nschen, die das Meer kommen sähen, das Meer,\ndas sich in alles einfraß.\nEr glaubte ihr Gebrüll zu hören.\nDie Nachricht vom Ende Indiens entsetzte die\nErde. Ein Festland, mit in den Wolken ragenden\nGipfeln sei im indischen Ozean aufgetaucht — —\nEr , hob die Hand, das Meer strömte zurück.\nSchätze in seinen Eingeweiden. Nach wie langer\nZeit? Er sah das Land. Im Schlamme und zwi-\nschen den Ruinen ihrer Talmipracht, lagen Milli-\n* ♦\nonen verwester, stinkender Leichen — und da-\nzwischen wachsen' Pflanzen geil in die Höhe.\nDer Aüfan'g. ' ' \" -\n\" Wieder fiel seine Hand, Reiche Zerschmetternd.\nWeltuntergang! Erduntergang!\nDa und dort,'1-wo er nichts' sehen konnte, lagen,\nvon den Massen der' mißbrauchten Materie ver-\nschüttet, zerstört, mit gebrochenem Rückgrat\nMenschen . . .\ni• , •\nNoch Lebende irrten umher, jammerten und\ntollten. Fressende Feuer wüteten und von Angst\nund Wahnsinn gehetzt, flöheri \"und jagten die Men-\nschen von Tod zu Tod.\nIhr Menschtum hatten sie schon lange ver-\ngessen. Blut mochte spritzen. . Pyramiden blu-\ntiger, zerquetschter, geschändeter Leichen türm-\nten sich gegen das Blau. Und überall Huren und\nTollen, rasendes Gestammel der Ohnmacht. Er\nbewegte die Hand, wo die Atmosphäre beginnen\nmußte: Zyklone liebkosten die Erde.\nDie Menschen, die sich in den Höhlen ver-\ngruben, wurden verschüttet.\nWie gut wußte er alles!\nEr legte die Hand auf das Europa der Kugel.\nSie war weich und fühlte sich kalt an. Die Hand\nlag auf den Gipfeln der Alpen, auf den Gletschern\nSkandinaviens und alle sahen die Hand des Zer-\nstörers. .\nEr griff in das Meer hinein, bohrte und wühlte\nbis ein Spalt klaffte, in den sich das Meer stürzte.\nEr zerrte weiter, riß die Erde in zwei Teile — —\nDas Innere war faul und schwammig.\nDann hob er sie aus der Bahn und warf Sie\ngegen andere Systeme: die neuen Zwillings-\nkometen. *\nTaau begann nun seine endlosen Kreise um die\nSonne.\n\nDurch Nacht zum\nLichtbild\nJoseph Adler\nDie großen Kinotheater geben auch Zeitungen\nheraus. Wochenblättchen, die Geist vom Geist der\ngroßen Presse ausdünsten. Rotationsmaschine und\nKinematograph sind die beiden Gesichtshälften un-\nserer Zeit. Geschwindigkeit ist zwar keine Hexerei,\naber der faule Zauber zieht. Die Wunder der\nmodernen Technik bringen die Bildung smar-\ngar ine unter die Massen. Sie haben über die\nmissionsfrohe Menschheit das Erlöserkreuz in der\nWestentasche gebracht. Selbst denen, die der-\neinst in ein Monistenkloster flüchten werden, wird\nTelephon und Marconitelegraph die Weltabgeschie-\ndenheit verkürzen. Die Wunder der modernen\nTechnik verblüffen und der Monismus macht es\ndem Taschenspieler gleich. Er quirlt in einem Zy-\nlinder aus einem Rührei wieder das Huhn. Kunst-\nstück. Aber das Theater? Die Volksbühnen, die\ndie Kunst dem Volke g'eben? Und besitzt denn die\nKunst Erziehungswerte überhaupt? Ein Künstler\nschafft nicht für, sondern gegen das Volk. Nur\n„u nser e\" beliebten Bühnendichter und Roman-\nschriftsteller wenden sich an ein Publikum. Der\nOskar Blumen thal wird beim Dichten beständig\nein Parquet vor sich sehn, das die Mäuler zum Ab-\ngeben von Lachsalven aufreißen will. Dem liebens-\nwürdigen Rudolph Herzog blickt über die Schulter\nhinweg ein reizendes Geschöpf ins Manuskript, ent-\nzückt und hingerissen. Und der geniale Hei-\nlernann fühlt bei der Arbeit das beifällige Lächeln\nder Kunstverständigen, der Geschmackfesten, hin-\nter sich. Nein, wie entzückend. Gott, wie origi-\nnell. Kinder, nee, der Heilemann ist einzig. Das\nmacht er famos. Dieses Gesicht, die Augen. Zum\nStaunen. Wahrwaftig. Bravo! Sehr gut. Wirklich\nsehr gut. Puppig. Einfach puppig. Wenn solche\nZurufe ihn umschweben, dann fließt4 sie munter\nfort. Zwischen dem gemalten und dem photogra-\nphierten Kitsch liegt nur der künstlerische Anstrich,\nden vor, diesen gibt Die billigen Aschin-\ngerwiirstchen konnten die Moabiter' Schinkenschau\nauch nicht volkstümlicher machen. Die künst-\nlerische Photographie hat vor dem kitschigen Je-\nmälde immer noch den Reiz des Echten voraus, und\ndas lebende Bild beschleunigt den Verfall der\n*y• * r\nKunst, die sterblich ist. Auch müßte man mit dem\nsündhaften Flimmerschrecken, einen Kunsttempel\nausräuchern, der den Leuten einen Riesenerfolg\nseiner Eröffnungsvorstellung in bezahlten Feuille-\ntoninseraten vorlügen läßt. Jede deutsche Film-\nfabrik schickt der Inhaltsangabe eines Schla-\ngers mehr Lob für den Autor voraus, als 'ein\nTheaterdirektor Scheu vor dem Schatten Goethes\nhat. Bitte:\n„Der Roman eines Dramaturgen begegnet uns in\ndiesem Film als ein spannendes Schauspiel, reich\nan tragischen Momenten und erschütternd in der\nGestaltung der Schicksale. Felix Holländer, der\nerste Regisseur im Bühnenstabe Max Reinhardts,\nschrieb vor kurzem den Roman „Der Eid des Ste-\nphan Huller\"; als ein Romancier von blendender\nPhantasie hat Felix Holländer längst einen Namen,\naber erst hier, wo seinem Plan die Sprache des\nFilms sekundiert, erweist sich die dichterische\nStärke dieses Epos, das vom Glück und Unglück\ndes Stephan Huller erzählt.\"\nDer Roman eines Theaterdramaturgen begeg-\nnet uns in einem Film. Er begegnet uns. Mahlzeit.\nOder: Guten Abend. Es ist ja Nacht. Wir wollen\nauch gar nicht an ihm vorbei. Zwar hatte er\nbesser getan —, aber jetzt ist es zu spät. Er ist\nan tragischen Momenten reich. Zeigen! Falsches\nGeld und gestohlenes Leben. Die Gestaltung der\nSchicksale erschüttert uns nicht. Er kann nicht\nlänger sein als unsere Geduld. — Ein Romanzier\nmit blendender Phantasie, ein Stilist, jeden-\nfalls, ein Sprachkünstler, natürlich, ver-\nkauft ein Epos, ein Kind seiner Muse, an eine\nGesellschaft, eine Fabrik, die es stumm machen\nund verkrüppeln und auf einen Films von tausend\nspannen wird. Ein Rabenvater. Nein, ein\nRomanzier, der längst schon einen Namen hat,\n.aber erst hier, wo seinem Plan die\nSprache des Films sekundiert —. Da\nfinde sich ein Mensch zurecht. Trotz dem Plan,\ndem die Sprache des Films sekundiert. Augen-\nblick. Der Plan verwirrt. Erst den Degen ein-\ngesteckt, und dann den Sekundanten mit der Phan-\ntasie des Romanziers geblendet. Ein Theäterdra-\nmaturg, der erste Regisseur im Stabe Reinhardts,\nmacht sich, mit dem Kientopp gemein. Jeder Kom-\nmis hat etliche Pfund Gesinnungsstolz mehr im\nLeibe. Er wird keine Geschäfte machen mit der\nSchmutzkonkurrenz seines Ohefs. Einem Schrift-\nsteller kommt die Sprache des Films zu, Hilfe.\nSie sekundiert ihm. O, blutige Schmach. Un -\nerhörte, blutige Schmach."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-03.1.8", "texte": "Notizen\nDer Herausgeber dieser Zeitschrift empfängt ein-\nmal monatlich Sonntags von 4 bis 7 Uhr in der\nAusstellung Der Sturm, Königin Augustastraße 51.\nIm November: am zehnten des Monats.\nWegen Einladungen wende man sich an die Redak-\ntion dieser Zeitschrift\nRosenkranz, von dem sich ein Holzschnitt in\ndieser Nummer befindet, ist Mitglied der Neuen\nSezession\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\nEs werden nur Anzeigen tatsächliche» Isfealts fori-\nteufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen von\nWorten ist nur durch Sperrdruck« von Nasnea nmr fax#\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespahene Zelle\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9 und durch Graphischen\nKabinett, J. B. Neu mann, Chariottenfear& Kar«\nffirstendamm 33\nDie Zurückweisung von Anzeigen bebak sich der Y«r~\nlag Der St arm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Haut« j Berlin SO 21\n\nSt3ndige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Koiugiii AugnstastraBe 51\nteseoiiber der von der Iieydtsirale\nFahrgclegcnheit: Liitzowplatz\nSiebente Ausstellung\nWassily Kandinsky\nErste KoHektivausstelhing rait Gemildeo aus 4m\nJahren 1901 bis 1912\nVom zweiten bis dreiBigsten Oktober\nGeoffnet tagiicfi von 10—6 Uhr / Sonntags von\n10—2 Uhr\n\nVerlag der Sturm\nBerlht W 9 Potsdanier StraBe IB\nFernruf Aint Lutzow 4443\nZeitschrlft der Sturm\nDauerbezug\nGewohtiliche Ausgabe: Fur Deutschiand\nand Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes / Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Roll en direkt durch die\nPost fiir Deutschiand und Oester-\nireich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEra Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nBer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunstharcdlungen, durch die Post, sowie direkt\ndjirch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nxiehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken und StraBenst3nd«n\na of\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband Oder in Rolie ge-\nwfinscht wird, bitten wir den B e t r a g ffir den\n\nDauerbezug bci der Bcstellung oder bei\nBeginn des neuen Vi e r teli afa re s bis\nzum zehn ten des erst en Monats einz«-\ns e n d e n / Andernfalis nehmen wir an, dafi E i h -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahrae\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwfcnscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechsteln: Die Eriegung des F e 81 -\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nmnmer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler rnit der Hand aquarcl-\nliert, signiert und mimeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Vers5hnung j OriginaFbotz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kunstler auf Japai-\npapier handgedruckt, signiert um2 numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n1 Originalholzschnitte / je 10 Exemplare vom\nKtostler auf Japanpapier handgedruckt, signiert\nmtd numeriert / Das Exemplar 40 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat filr die Zeitschrift\nDer Sturm / OriginaMithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nJe ein Exemplar ist st&ndig aussestelK Un Graphiscben\nKabinctt, Kurfflrstendamra 33\nMusik\nHerwarth Waklen: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / Fur Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKfinstlerpostkarten\nFutmisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 / Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\n\nZeitsehriften\nDie Aufnahme erfolgt kostenlos naeh freicm Ermessen\ndcr Redaktion dieser Zeiischrilt\nDie Fackel / Herausgeber: Karl Kraus / Er-\nscheint in zwangloser Folge. Die Fackel enthftlt\nnur Beitr&ge von Karl Kraus. Ncueste Nummer\n357—359. Jnhalt: Der Ton / Glossen / Moment-\naufnahmen / Elektrische Erziehung / Notizen /\nGlossen / Harakiri und Feuilleton / Preis dieser\ndreifachen Numnier 75 Pfennig / Verlag Die Fackel\nI Wien I1I/2\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'lndgpendance ) Halbmonatsschrift / Kunste /\nKultur / Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs \\ Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift I Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue Francaise / Monatsschrift /\nVerlag Marcel Riviere et Cie / Paris / 1 Rue\nSaint-Benoit / Nummer 1 Francs 50 centimes\nLes Cahiers du Centre i Moulins [Allier]\nSaturn / Eine Monatsschrift fur Belletristik, Kritik,\nLyrik und SchwarzweiBkunst / Herausgegeben von\nHermann Meister und Herbert Grofiberger / Sa-\nturnverlag Hermann Meister, Heidelberg\n\nAnzeigen\n\nNeus Kttiist Hans Goltz Munchen, Ode-\no n s p 1 a t z 1 I Radierungen, Holzsehnhte, Zeich*\nrrungen, Aquarelle und GemSide von Marc / Ka«-\ndinsky / Meckel / Kirchner I Klee / Miiatec\nf Pechstem / van Gogh / Cezanne j Matisse-\n/ Picasso / Braque / van Dongen / Derail? I\nKubin / Meizer u. a. m. / St&ndige Aussteflnii$\nvon Werken dfeser Kiinstler / Sammler wollen ml?\nill re Wiinsche stets ubermifrteki / A uswahl seadua-\ngen berefhvilligst\nElse Lasker-Schtiler: Mcin Hcrz / Ein L*ebe$~\nronian mit Bildern und wirklich lebenden Mean\nschen / Das Buch erscheint Ende Oktofoer, kostet\ngeheftet vier Marfc, gebunden fiinf Mark. Prospekte-\nkostenlos durch den Verlag H e i n r i c h F. S.\nBachmair, Miinchen, Kurfiirstenstrafe 3P\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Vereii\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeitea\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 f\nfreien Eintritt zu den Veranstaitungen der Neue®\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark,\nGeschaftsstelle der Neuen Seze$sion: Steff-\nfitz, MjquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 269t\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandlunf f\nBerlin W 15, Kurfiirstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraBe / Eckhaus / Fernruf Amt CharlotteHbiift\n14297 / Der Inhaber des Graphischen Kabinetts\nJ. B. Neumann eroffnet in der Schillerstrafie 6 (am\nKnie) eine Ausstellung fur die neue Malerei. In\nsollen ausschlieBlich Werke jiingerer Kunstler\nzeigt werden. Sie ist als eine Art Fortsetzung der\nInternationalen Ausstellung des Sonderbunds zu\nKoln im kleineren Mafistab gedacbt\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLtitzow 5850 I Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte un4\nneue Kunstblatter / St&ndige Ausstellung / Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nPaul Graupe / Antiquariat / Berlin W 35 / Soebea\nerschien Katalog 62 Moderne Literatur / Neuaus--\ngaben / Luxusdrucke\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antkraa-\nriat / PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprcclier Ami.\nLutzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neaes\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldangeft\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausfabeit\nin auslandischer Literatur\nFritz Merker Chartottenburg, Schillerstrafte 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Anf»\nZiehen von Zeichnungen / Moderne BucheinbSncta\nTitania-Schreibmascbine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kngeliagern |\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genestv\nSchoneberg-Berlin. Generaivertreter liir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Siaaf\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kvrilirst 2425"}]}