{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_sha256": "608ef94dabb4806d5022787849f776fb519e934d2cfdae640e82a05724512cbf", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/10_05/bmtnabg_1912-10_05.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/10_05/bmtnabg_1912-10_05.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c001", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "189", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.1", "debut_caractere": 303, "fin_caractere_exclue": 612, "texte": "Inhalt:\nLothar von Kttnowski: Persönlichkeiten / Karl Borromäus Heinrich: Menschen von Gottes Gnaden / Roman / Joseph Adler: Die bankerotte\nNatur / Paul Zech Durchwachte Nacht / F. 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Sie übersichtlich zu machen, dient das\nSchema der Gesellschaft. Aber das Ziel soll sein,\ndaß von Reisern einer und nur einer zum Baume\nwerde, auf und aus dessen Stamm Reis um Reis\nsich nach Regeln organischen Wuchses erhebe,\ndaß also Gesetz zum Lebensprinzip werde. Gesell-\nschaft muß dem Gesetz Untertan sein, um es sich\nanzueignen, bis es nicht aufgedrungen, sondern\nselbst gewollt und geschaffen scheint und mit Frei-\nheit zusammenfällt. Weil wir uns dem Gesetz\nnicht freiwillig unterwerfen, sondern gezwungen,\nist Deutschland Ort der Halbtalente, der unferti-\ngen Menschen, derer, die sich suchen, aber nicht\nfinden können, da keiner das Schema seines Stan-\ndes durchgeistigt, mit sich eins macht,, so daß er\nsichtbar wird als Teil eines Staatsganzen das mit\nanderen Teilen zusammenhängt und gedeutet wird\ndurch Persönlichkeiten. Jene versinken im Beruf\nund wollen nichts außer ihm kennen, diese treiben\nnur das mit Liebe, was nicht Beruf ist, ohne es mit\nihm in Einklang zu bringen. Alle sind untauglich\nfür geselligen Austausch geistiger Güter, die sie\nnicht verwerten können und dadurch ohne Zeit-\nverlust und Bemühung für andere genießbar\nmachen. Nun muß man wissen, daß Neigung zur\nKunst, Musik, Philosophie, Politik bis zur Voll-\nendung des Ausdrucks getrieben von Bedeutung ist\nfür das ganze Leben dessen, der solche Neigung\npflegt, denn allein hierin fühlt er sich als selbst-\nherrschend und formbildend. Formvollendung\neines Gedichtes, eines Briefes, eines Zwiege-\nspräches überträgt sich auf jede Lebensäußerung,\nja auf Bewegung der Augen und Finger und geht\nein in den Beruf. Haltung und Auftreten dessen,\nder in kleinen Dingen des Amtes oder der Lieb-\nhaberei sich selbst bis zum vollendeten Ausdruck\nauszuleben weiß, sind frei, kühn, selbstbewußt, wäh-\nrend alle, die mit Widerwillen den Beruf nebenbei\nerfüllen oder auf genialische Art lüderlich in\nfremde Gebiete pfuschen, als Schwankende un-\nsicher, unbestimmt daherkommen, niemanden zu-\nfriedenstellen, niemandes Freund sind, von nie-\nmand gesucht werden. Schon innige Hingabc und\nwilliges Empfangen der Kunst verleiht Geschäfts-\nleuten ein Streben, Handlungen bis zur Erkenn-\nbarkeit und Sichtbarkeit ihres Wertes für andere\nLeute auszugestalten. Wie Kunst einführt in das\nVerständnis aller Formen, so gibt sie auch dem,\nder sie pflegt, Formung und macht das kleinste\nTalent fruchtbar für die Mitwelt, weil sie es er-\nkennbar macht, fordert mit dem einen alle anderen.\nMan muß das Leben mit der Lebenshülle in Ein-\nklang gebracht haben, geistigen Inhalt einmal bis\nzum harmonischen Ausdruck durchdenken, um Ur-\nteil über den Wert der eigenen Persönlichkeit zu\nerreichen, ehe man sich selbst zum Maßstab an-\nderer Menschen machen kann.\nIndividuen von innerer und äußerer Abfimdung\ntragen den Drang nach Verbindung mit verwandten\nGeistern zur Schau, sie organisieren ihr Aeußeres,\ndamit man sie erkenne und liebe, sie überbrücken\nStandesunterschiede mit Hilfe der Kunst und kön-\nnen zur Gesellschaft werden, nach ihrem Grund-\nsatz, zugleich für und durch die Gesellschaft zu\nwachsen. Da es dem Einzelnen unmöglich ist, die\nGröße der Verhältnisse und des Geisteslebens zu\nüberschauen aus eigener Kraft, so tritt hier Kunst\nins Amt. Menschen mit Fähigkeiten, den inneren\nZusammenhang der Natur auf ihre Außenseite zu\nbeziehen und in Werken anschaulich zu machen,\nschaffen Vorbilder organischer Entwicklung und\ngeselliger Geister, die in gemeinsamen Gesetzen\nsich frei bewegen. Kunst macht aus Dachstube und\nPrunkgemach, aus Häusern und Hütten, aus Werk-\nstatt und Studierzimmer, aus Kirche und Herr-\nscherpalast ein einiges Haus, eine zugleich geistige\nund leibliche Werkstatt, ein himmlisches König-\nreich. Aus Räumen macht sie Raum, darin jeder-\nmanns Form und Art, Bewegung, Streben, Geltung\ngewinnt, weil allen, wie sie sich gebärden, gemein-\nsam jene Neigung ist, die Bäume, Sträucher, Blu-\nmen von tausenderlei Abkunft zur Sonne zieht,\nzum Licht. Kunst formt aus Teilmenschen ganze\nMenschen, die Individuen sind, aber sich ergänzen\nzum Typus des Volkes, zu Persönlichkeiten, die\nmehr Leben als das eigene in sich zusammenfassen.\nDarum sehen wir den Künstler auf Jagd nach\nWesen, die ihre Innenwelt wahrhaftig aussprechen,\ner flieht entstellte Natur des Modemenschen, meidet\ndie Ungestalt des Spießbürgers, Folge der Träg-\nheit oder einseitiger Arbeit und will nichts wissen\nvon Angehörigen des Volkes, die ihre Natur ver-\nleugnen, um die Gebärde der feinen Welt stümper-\nhaft nachzuäffen. Staunend gewahrt er das große\ngelassene Gebaren dessen, der nur seinem Gotte\nlebt, der jeden Beruf flieht, der ihn verunstaltet,\nund jeden Beruf sucht, durch den er Leben und\nGestalt gewinnt, unermüdlich folgt er den Mädchen\nund Frauen, die Selbstvergessenheit nicht verlern-\nten, deren Anmut Wahrnehmbarkeit der Seele\ndurch den Körper ist. Bei solchem Anblick würde\ner pflichtvergessen sein, wenn er versäumte, ihn\nfestzuhalten, damit das ausstrahlende Leben sol-\ncher Persönlichkeiten anderen Menschen zugäng-\nlich würde. Wir sind durch lässige Lebensform\nblind geworden, so daß neben uns reiche Wesen\nleben, ohne daß die Schätze ihrer Natur gehoben\nwürden.\nDie Kellnerfratze, das ausgekämmte Pomaden-\nund Poposcheitelgesicht, die gestärkte und ge-\nbügelte Physiognomie, das nußknackerhafte Lachen,\ndie kristallinische Versteifung der Gestalt zum\nKleiderständer, das Tiktak pendelnder Glieder, die\nbrüchige Bewegung des Hut abnehmenden oder\nHand reichenden Armes und das Zusammenklappen\nder Verbeugung um das Scharnier der Hüfte müs-\nsen die Respekt gebietende, Abstammung ver-\nratende Bedeutung verlieren. Das tierische Wan-\nken zum Bier mit klobig stopernden Gliedern, über-\nmäßige Verbreitung des Gesäßes auf der Fläche\nschwankender Stühle, Aufstellen von Metzgerkeu-\nlen rechts und links als Postament für Hängebauch\nin weißer Weste und der luftdurchfuchtelnde, Tisch-\nplatten hämmernde Arm mit stoßbereitem Ellen-\nbogen, das dröhnende Lachen, das Tisch, Stuhl,\nZimmerboden, Wände und Haus erschüttert, dieses\ndickhäutige Wesen voll Gefahren für alles Zier-\nliche, Zarte, Gebrechliche der Umgebung, gehüllt\nin Tabakdampf, den der Blasebalg geschwollener\nBacken zum Schornstein des Mundes entsendet,\ndies insgesamt als Ideal der bürgerlichen Kraft und\nUrsprünglichkeit bedarf der Umgestaltung, zumal\ndas Spucken, Händereiben, Gähnen mit aufgeris-\nsenem Maul übertrieben wird, während feinere\nRegung, das Lieben und Hassen, Wohlwollen und\nAbneigung, Milde und Zorn, teils mit priapischem\nSchmunzeln, teils mit stierartigem Erröten, An-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5774, "texte": "schwellen des Gesichts oder Erstarren der Augen\nohne sonderliche Uebergänge abgetan wird. Auch\ndas fadenscheinige Wesen schiechtgenährter Wiß-\nbegierde, die dozierende Verkrümmung magerer\nGliedmaßen, das unschuldsvoll bebrillte Auge, der\nKopf, ein Vampyr, saugend am Fleische des Gan-\nzen, der Faltenwurf der Haut oder Bleichsucht\ndurchstudierte Mondnächte und rührende Ziellosig-\nkeit von Bein und Arm, dieses über Bücher ge-\nbückte Parasitengestell, unfähig der Liebe, ein be-\ngriffliches Wrack, dessen Rippen zählbar sind,\nselbst wenn Sitzen Fettsucht erzeugte, man muß\nes auftakeln, das sturmesmüde von neuem dem\nLebenssturm anvertrauen. Der Kaufmann, rasch\nund kühn, lärmhaft und zynisch, schnoddrich mit\ndem ganzen Leibe feilschend, der Kunst feind, doch\nstets im neuen Kragen, ungeniert, bedacht die Haut\nzu wechseln, bald breitspurig protzend, bald nobel\nversteift, weiß seinem Laden Schwung zu ver-\nleihen. Der Künstler überbietet alle. Was er\nmalt, das stellt er dar durch ausdrucksvolle Pose.\nDer eine hängt die Knochen lässig ans Gerüst in\nmichelangelesker Gebärde, der andere weiß dei\nHüfte Watteaus gefällige Biegung zu geben, ein\ndritter pöbelt daher nach Brouwerscher Vorschrift,\njedoch die Seele fehlt, die solchen Vortrag der\nGlieder lebendig erfüllt. Neue Kunst findet Auf-\ngaben über Aufgaben praktisch zu wirken.\nMit Keulenschlägen soll man die hündische\nKunst vernichten, für die alles, was ist, gut ist, die\nsich der Mode Untertan macht und dem Deutschen\nsagt: „So wie du bist, bist du reichlich vollkom-\nmen.\" Schlagt die Schaufenster ein, in denen\nschiefgeneigte, süße Mädchenköpfe äugeln mit\nSchnurrbartmenschen, Trompetern von Säkkingen,\nein Geschmeiß, daß fruchtbar ist in hübschen, sau-\nberen, stets artigen Kindern, und denen Liebe ein\nSpiel, das Weib ein Spielzeug, das Kind ein Nipp-\nstück des Salons bedeuten. Wann endlich wehst\ndu Odem einer ernsten Kunst das Fändelwerk,\nKonditorware schleckiger Geister, vom Tische der\nZeit, die nach dem Brot und Fleisch gesunder An-\nschauung hungert und dürstet nach Feuerwein dei\nBegeisterung für das Grandiose der menschlichen\nNatur, wann endlich gilt nicht für talentlos, sondern\nehrlos, wer die Seele des Volkes durch Gemein-\nheit verdirbt?\nIch sah den Neger tanzen und singen, als ge-\nhöre ihm die Welt, den Indianer spähen geschmei-\ndig wie Wildkatzen, den Kowboy reiten und Hut\nschwenken mit Gebärden des Vogels, der über\nSteppen schwebt, ich sah den Samoaner paradie-\nsisch, den Nubier antikisch wandeln, Italiener groß\nund! Griechen augenblicklich, Franzosen pointie-\nrend sich bewegen, ich sah den Polen an Grenzen\nder Uebertreibung, den Engländer an Grenzen der\nAbkühlung, Amerikaner lässig, Nordländer ruhig\nwie Seen und stürmisch wie die Brandung, Russen\ndas Ungeheure dulden, alle schön unter Deutschen,\nbis des Gespräches Wogen Urgründe regten, dann\nhob sich einer, allen Völkern unbekannt, aus\nSchweigen mit unermeßlicher Gebärde das Ewige\nschauend, die Gestalt der Wahrheit und der Liebe,\ndie königlich, friedvoll, gelassen und feurig aller\nVögel und Landtiere, aller Völker Leidenschaft\neinigt in Schönheit, die neue Menschheit ahnen\nläßt — das war der Deutsche, so kann er sein,\nwenn er sich selbst getreu ist.\nIhr, die ihr angeblich den Deutschen darstellt,\nwie er erscheint, stellt ihn nicht dar, wie er ist,\nwie er erscheint, sondern formlos ungeduldig einer\nForm harrt, die seinem Wesen ebenbürtig ist.\nWenn romanische Völker sich mit ihrer Hülle eins\nwissen, so mögen sie naturalistische\nKunst pflegen, die nur das Fert i g e abbildet.\nWir bedürfen einer Kunst, die dem, was unsichtbar\nist, aber • zur Sichtbarkeit drängt, behilflich ist.\naber zur Sichtbarkeit drängt, behilflich ist. Darum\nnützen euch in deutschen Landen Netzhäute allein\nsehr wenig, ihr müßt mit dem Volke erleben, was\nnicht geschaut werden kann, es sei denn in\nder Phantasie dessen, der eines tiefen Erlebnisses\nfähig ist, und dadurch unbekannte Anschauung von\nWelt und Menschen hervorbringt, die des Erleb-\nnisses würdig ist. Der Schöne erscheint unschön,\nwenn er sich nicht zu geben weiß, übertriebene\nBescheidenheit wird ebenso zum Laster, wie Eitel-\nkeit, es ist trughaft, unbedeutender zu erscheinen,\nals man ist, wie es unsittlich ist, sich den Anschein\neiner Bedeutung zu geben, die man nicht hat. Wir\nschwanken zwischen Ueberschätzung und Unter-\nschätzung, die sittlichen Kräfte unseres Volkes\nwerden zu unsittlichen werden, wenn man sie dau-\nernd an Lüge gewöhnt.\nUnkenntlich für einander sind wir soweit, daß\nproduktive Köpfe beiseite geschoben werden von\ndenen, die darauf ausgehen, Existenz zu machen\nund im Rahmen äi leben, den stärkere Geister\nschufen. Der Mann der Idee steht außerhalb der\nGesellschaft, man fragt nicht, ob er leben könne,\nwährend man das Leben des Steinklopfers sichert\ndurch Pensionen für ihn und seine Witwe. Die\nLücken des Pflasters und der Gebäude auszuschmie-\nren gilt als nutzbringende Tätigkeit und findet\nLohn, aber Steine aus dem Urgestein des Berges\nbrechen, ins Tal rollen und behauen, bis sie dem\nAufbau schimmernder Marmortempel und Paläste\ndienen, das würdigt man keines Lohnes. Jeder\nnimmt Steine, wo er sie findet, und fragt nicht, wer\nsie zurichtet für den Gebrauch. Aber hier ist nicht\nZeit zu klagen, sondern Mittel zu erwägen, daß\nproduktive Kopf sich unwiderstehlich Bahn breche\nzu Höhen der Menschheit, zu der Rangstufe, die\nihm gebührt, zu Einfluß und Freiheit, durch die er\nIdeen verwirklichen kann. Hört auf zu jammern\nüber die große Herde, sammelt eure Geisteskräfte\nund springt auf den Plan klirrend in Stahl und Erz\neiner sittlichen Bildung, die ebenso Schutz und\nSchirm als Wehr und Waffe, Handwerkszeug,\nSzepter und Krone ist.\nAus dem Buch von Lothar von Kunowski: Ein Volk\nvon Genies / Geschrieben 1901 / Erschienen bei Eugen\nDiederichs in Jena."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c003", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.3", "titre_corps": "Menschen von Gottes Gnaden : Aus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Miéville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.", "titre_sommaire": "Menschen von Gottes Gnaden : Aus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Miéville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.", "signature_source": "Karl Borromäus Heinrich", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.2", "debut_caractere": 5776, "fin_caractere_exclue": 10480, "texte": "Menschen von Gottes\nGnaden\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié-\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nVon Karl Borromäus Heinrich\nDas längste Gespräch\nSchlagintweit, der Treubesorgte, mußte jetzt,\nwo der Lauf eines Schultages ihn und Baron fran-\ngart nicht mehr zusammenführte und gemeinsame\nErlebnisse ausblieben, oft lang nachdenken, bis er\nirgendeinen scherz-oder ernsthaften Grund fand,\njenen aufzusuchen. Der junge Baron seinerseits\nsehnte sich jetzt noch weniger nach Gesellschaft\nals bisher. Einige Male drang Schlagintweit bei\nihm ein, unter dem erlogenen Vorwand, Geld ent-\nleihen zu wollen. In ein paar Tagen würde er es\nbestimmt wieder zurückerstatten. Er steckte das\nGeliehene aber nur in die Tasche, um es ungenutzt\nwiederbringen, also Frangart nochmals besuchen\nzu können. Für einen der glücklichsten Tage seines\nLebens hielt er den, an welchem er auf die List\nkam, aus einem einzigen Darlehen drei Besuche\nbei Frangart herauszuschinden: nämlich den, der\nzum Entleihen nötig war; einen zweiten sodann,\num sich zu entschuldigen, daß er es doch noch\nnicht, wie versprochen, zurückgeben könne; eine«\ndritten endlich, um das Geborgte heimzuzahlen.\nFrangart gab bei seiner Ankunft niemals ein\nZeichen des Unwillens; aber, wie schon öfters ge-\nsagt, nur selten ließ er sich verleiten, mehr als die\nHöflichkeit gerade erforderte, zu sprechen. „S*e\nsind zu beneiden, Schlagintweit,\" sagte er eines\nTages, als ihm dieser von seinen philosophischen\nStudien an der Universität erzählte. „Sie sind zu\nbeneiden um Ihre Freude am Denken, am Philoso-\nphieren/' — „Aber was tun Sie, Herr Baron, wenn\nSie die viele Zeit immer Zimmer sitzen oder spa-\nzieren gehen. Ich vermute, daß Sie da auch den-\nken, wahrscheinlich mehr als ich, der ich immer\nmit dem Leben zu tun habe/' — „Im Gegenteil!/\"\nerwiderte der Baron, „ich bemühe mich möglichst\nwenig zu denken und habe überhaupt sehr wenig\nLust dazu.\" — „Wieso?\" erlaubte sich Schlagint-\nweit zu fragen. — „Nun, überlegen Sie einmal,\nwieviel Dinge von vornherein für mich wegfallen,\ndie Sie sehr oft beschäftigen, zum Beispiel Sorgen\num das äußere Leben in Gegenwart und Zukunft;\ndann so vieles, was Sie aus Liebe zu anderen den-\nken und tun; auch die und jene Ihrer Passionen,\ndenen Sie gerecht werden müssen.\" — „Aber von\nalledem abgesehen steht das eigentliche Denken.,\ndas Philosophieren Ihnen so offen wie mir, ja noch\nmehr, da Sie nicht abgelenkt werden/' — „Ach,\nSchlagintweit!\" versetzte der Baron abwehrend,\n„ich habe die bestimmte Gewißheit, daß der größte\nTeil allen Philosophierens von der Not des Lebens\nund des Herzens ausgeht und sich konkret oder\nabstrakt mit ihr beschäftigt. Wo diese Nöte feh-\nlen, bleiben auch viele Anlässe zum Philosophieren\naus . . . Und dann habe ich ja meinen Glaube a,\"\nsetzte er mit Nachdruck hinzu. — „Ja schon —\naber gerade das müßte interessant sein, zu unter-\nsuchen, nachzuforschen, inwieweit der Glaube phi-\nlosophisch begründet werden kann, sich mit der\nprofanen Erkenntnis deckt und inwieweit nicht/'\n— „Das überlasse ich den Leuten, die den Glauben\nn i c h t habe n.\" — „Verzeihen Sie, Baron, wenn\nich diesmal hartnäckig bin! Warum beschäftigen\nSie sich nicht müt einer Untersuchung, warum\nandere den Glauben nicht haben?\" — „Das hieße\nGott fragen, warum Er gegen mich gnädig war\nund gegen die anderen nicht. Gott weiß das, und\nund es wäre eine Vermessenheit ihn danach 7M\n'fragen. Ich habe schon immer die Ueberzeugung\ngehabt, daß zuviel Denken oder Philosophieren\nunanständig, ein Zeichen von Armut ist und haupt-\nsächlich bei Revolutionären vorkommt/4 — „Ach\nja, Sie haben recht, und jetzt weiß ich, warum ick\nein illoyaler Mensch bin,\" rief Schlagintweit ver-\nzweifelt aus und schwieg.\n„Nein!\" sagte Baron Frangart nach einer Weite\nmit erhobener Stimme, „nein, bei Ihnen ist das\nnicht so. Sie müssen viel denken, weil Sie ein\nweiches Herz haben, das jedenfalls immer von den\nandern mißbraucht wird. Natürlich nötigt Sie das\nzum Denken. Und wenn Sie sonst noch denken,\ntun Sie es, weil Sie den Glauben verloren haben\nund ihn wiederfinden wollen, wenn nicht den glei-\nchen, so doch irgendeinen.\" — Woher wissen Sie\ndas, Baron?\" — Ich weiß nicht woher, ich habe nie\ndarüber nachgedacht. Ich weiß sogar, daß es\nIhnen Kopfzerbrechen schafft, wenn jemand von\nIhrem Herzen überhaupt keinen Gebrauch machen\nwill, wie ich zum Beispiel meistens . . sagte\nBaron Frangart lächelnd. „Ja, an Ihnen ist Hopfen\nund Malz verloren!\" rief Schlagintweit, aus Not-\nwehr scherzend, um seine Rührung zu verbergen.\nAber sogleich bereute er den ungeschickten ver-\ntraulichen Ton, der dieses einzige längere Ge-\nspräch, das er mit Baron Frangart geführt hatte,\nzu einem zweifellos inconvenablen Abschluß,\nbrachte."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4189, "texte": "Der einzige Brief Baron Frangarts\nPater Bonaventura schrieb kurz vor Weih-\nnachten folgenden Brief an Baron Frangart:\nAus dem Französischen übersetzt.\nChamfort, den 19. Dezember,\nanno domini 19 ..\nMein lieber Sohn in Christo dem Herrn,\nverehrter Herr Baron,\nes drängt mich. Euch zu sagen, mit welcher\nTeilnahme ich Eurer oft und oft gedenke. '- Lebhaft,\naber ohne es Euch nachzutragen, habe ich be-\ndauert, daß Ihr es mir durch Euren etwas brüsken\nAbschied unmöglich machtet, Eure Fragen zu be-\nantworten.\nNun aber befürchte ich, daß Ihr viele dunkle\nTräume an eine Sache verschwenden möchtet, die\nin Wirklichkeit klar ist, wie nur irgend etwas; und\ndaß Euch solche Träumerei in Euren Tätigkeiten\nlähmen möchte. Und wenn Ihr bedenkt, daß ich\nvordem Eurer Jugend diese Dinge nicht verhehlen,\nwohl aber verschweigen zu müssen glaubte,\nwerdet Ihr begreifen, daß ich sie Euch jetzt um so\nbereitwilliger auseinandersetze. Daß ich es im\nBriefe tue (indem ich nicht weiß, ob mir die Güte\nGottes und Ihr selbst erlaubt, Euch in diesem\nLeben wiederzusehen) mag Euch die Schicklich-\nkeit der Sache beweisen.\nWie Euch Gott selbst im Traume eröffnet hat,\nbin ich in der Tat ein« Halbbruder Eurer seligen\nMutter. Weder ich noch sie haben das eher als\nIhr selbst erfahren; vielmehr habt Ihr es uns da-\nmals im Traume erzählt, und mir hat es ein hinter-\nlassener Brief Eures lieben Vaters, sowie später\nMarquis Choiseul persönlich bestätigt.\nNichts aber ist geschehen, was sündhaft wäre.\nGrübelt nicht, wenn Ihr nicht das Andenken der\nToten mit Unrecht entweihen wollt.\nIch wünsche Euch zur heiligen Weihnacht den\nFrieden auf Erden, der uns allen so nötig ist.\nSeid, geliebter Sohn in Christo, Gott der Euer\nLeben fruchtbar machen möge, innigst empfohlen\nvon Eurem ergebenen\nBonaventura S. J.\nAuf diesen Brief schrieb Baron Frangart die fol-\ngende Antwort nieder:\nMünchen, 21. Dezember 19..\nHochwürdiger Vater,\nwarum erinnert Ihr mich an etwas, woran mich,\nwie Ihr richtig erraten habt, meine Träume oft\ngenug erinnern? Daß zwischen Frau Baronin\nFrangajrt, geborener Comtesse Riom, und Euch\nnichts geschehen sei, konnte mir nie zweifelhaft\nsein; und fast finde ich, Ih r sündigt gegen ihr An-\ndenken, wenn Ihr solche Zweifel bei mir vermutet.\nMir geht es sehr nahe, von Eurer Vermutung zu\nlesen und zu schreiben.\nAber etwas anderes ist (und wenn Ihr in un-\nserer Seelenlehre eine bewiesene negative Ant-\nwort sindet, lasset Ihr mich sie, bitte, wissen!), ob\nnicht zur Unzeit ein Wunsch, ein Schrei der Sehn-\nsucht von Euch, dem nahverwandten Blute, ausge-\ngangen sein und in mir, außer allem, was an mir\n„Frangart\" ist, noch Ausdruck gefunden haben\nkönnte.\nIch achte Euch, hochwürdiger Vater. Aber ver-\nzeiht, daß ich offen sage: Wenn es s o wäre, täte\nes mir sehr leid. Ich bin ein Mensch aus ältestem\nGeschlechte; viele andere sind es nicht nicht, und\nvielleicht äußert sich ihr Leben gerade deshalb\nfruchtbarer als das meine. — Aber, wenn d a s so\nwäre, müßte ich ja die geringere Fruchtbarkeit\nmeines Daseis auch noch aus andern Gründen er-\nklären.\nDen jugendlichen Tadel dieses Briefes verzeiht\nim übrigen Eurem Euch allezeit ergebenen\nFritz Freiherrn von Frangart.\nDiesen Brief hatte Baron Frangart in einem\nseltsamen Anfall von Wut, der seinen ganzen Kör-\nper durchzitterte, geschrieben. Aber er fand die\nKraft, sich zu beherrschen, schickte den Brief nicht\nab, zerriß ihn und warf die Fetzen ins Feuer. Dann\nschrieb er, gegen seine Gewohnheit, ein Tele-\ngramm; es enthielt die Worte:\n„Pater Bonaventura S. J.\nCollegium Chamfort (Belgien)\nMit ergebenem Dank für Ihren Brief verbinde\nich meine höflichsten Weihnachtswünsche\nFrangart\"\nPater Bonaventura seinerseits besaß Feingefühl\ngenug, lim dieses Telegramm zu verstehen. Er\nkniete in semer Zelle nieder und betete: „Herr, ich\nhabe aus Güte gefehlt. Magst Du und Baron Fran-\ngart mir verzeihen!\" (Uebrigens hatte Bonaven-\ntura seinen Brief in der Tat vor jedem Menschen\nverheimlicht, ihn heimlich geschrieben und heim-\nlich zur Post gegeben. — Es hat also nachgerade\nden Anschein, als ob große Güte auch große Fehler\nbegehen könne; deshalb sind aber die Fehler doch\nzu verdammen, wie auch in diesem Falle, wo nun\nBonaventura um Verzeihung betete.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c004", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "194", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.4", "titre_corps": "Die bankerotte Natur", "titre_sommaire": "Die bankerotte Natur", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.3", "debut_caractere": 4210, "fin_caractere_exclue": 9543, "texte": "Die bankerotte Natur\n\nMorgen beginnt der Herbst — kalendermäßig,\nwährend wir hoffen wollen, daß er noch lange\nnicht seine Eigenarten kündet. Vom neuen Herbst-\nhut für die teure Gattin abgesehen, hat er auch\nsonst gewisse Unannehmlichkeiten. Und nach\ndiesem Sommer, der keiner war, dürfen wir uns\nruhig einen Herbst wünschen, der keiner ist.\nEin Schmock ist immer einer. Eine Jahreszeit,\nein Sommer, verzichtet auf die Ehre, schön und\nwarm zu sein, oh, er verregnet sogar, um nicht\nvon Redakteuren, die Erholung suchen, und\nSchriftstellern, die ein idyllisches Ruhe-\nplätzchen gefunden haben, angeschmachtet zu\nwerden. Und ist er zu Ende, so wiederholt sich,\ngleichviel: ob er enttäuscht oder befriedigt hat,\ndas nämliche Spiel. Zug um Zug, und ei n\nSchach ist vornean. Er eröffnet uns:\nNun ist es endgültig Herbst geworden. Der\nKalender ignoriert optirnisterische Wünsche und\nhält sich an den normalen Verlauf der Dinge. Am\nfrühen Morgen ist es etwas kühl, in der Luft liegt\nbereits die Herbheit aller Herbsttage. Jetzt, wo\nes nun „definitiv\" vorbei sein soll mit jeder Hoff-\nnung auf schöne Spätsommertage, erfreuen wir uns\neiner milden Witterung, die imstande ist, uns den\nHerbst vergessen zu machen. Regen hatten wir\ngenug; Sonnenschein können wir nie genug haben.\nIm letzten Augenblick noch, knapp vor Tores-\nschluß, hatte der Himmel ein Einsehen und lächelte\nin sanfter Bläue. So unschuldig sah er aus, als\nhätte er nicht wochenlang ganze Ströme auf uns\nherunterriesein lassen. Und die Luft ist so milde,\nals hätten wir ihr nicht den beharrlichen Schnupfen,\nden schlimmen Katarrh zu verdanken.\nAber weniger spielerisch als der Schach ist der\nWetterreporter der Mor-tenpost. Er würzt mit\nkeinem Körnchen Humor, er schmiert nur die Stim-\nmungskarre mit dein beliebten Poesieöl Marke\nExquisit.\nEin Hauch von Schwermut geht durch die\nNatur, wenn der Oktobermonat beginnt. Das\ngroße Sterben in Feld und Flur hat eingesetzt, und\nmit leisem Rascheln sinkt Blatt um Blatt welk zu\nzu Boden. Wohl leuchtet die Sonne noch warm\nvom klaren Herbsthirnmel hernieder, und zumal in\ndiesem launischen Jahre will es der Zufall, daß der\nSonnenschein, den wir zwei lange Monate haben\nentbehren müssen, den Anfang des Oktober ver-\nschönt. Aber während in anderen Jahren eine\nnachsommerliche Wärme über die be-\nvorstehende kalte Jahreszeit hin-\nwegtäuschte, scheint es, daß wir diesmal die\nHoffnung auf nochmalige Wiederkehr warmer Tage\nbegraben müssen.\nAmen. Es ist fürchterlich, die Hoffnung auf\nnochmalige Wiederkehr warmer Tage begraben\nzu müssen, trotzdem uns die nachsommerliche\nWärme früherer Jahre über den bevor-\nstehenden Herbst, hinweggetäuscht hat. Die\nStimmungskarre bleibt im Dreckstil stecken und die\ngeistige Entgleisung ist fertig. Einen Zeitungs-\nschreiber von der sterbenden Natur sprechen zu\nhören, ist der Tod. Es vollzieht sich ein erhabener\nAbgang, aber an der Tür steht allerlei niedriges\nPack, das larmoyante Aufzeichnungen macht. Es\nsteckt der wehrlosen Stimmung den Bleistift in den\nRachen, bis daß sie alle die kitschigen Bilder kotzt\nMit dem Sterben der großen Natur wird es aller-\norten von „kleinen\" Dichtern lebendig. Und na-\ntürlich auch im Vorwärts wurden unter „Ber-\nliner Nachrichten\" die Schönheiten der\nsterbenden Genossin gewürdigt. Kollege Schmock\nhat das Wort. Hört!\nDie Naturwunder des Herbstes lockten am\nSonntag Hunderttausende aus den Mauern der\nWeltstadt ins Freie. Graublau strahlte der Himmel,\nwunderinild war die Luft. Die WTinde haben ja in\nBaum und Strauch, in Feld und Flur schon arg ge-\nhaust, aber die warme Witterung der letzten Tage\nhat doch die Herbstflora sich zur vollen Schönheit\nentfalten lassen. Georginen, Astern, Chrysanthe-\nmen und andere Herbstblumen mit weniger geläu-\nfigem Namen schimmern gerade jetzt in satter\nPracht. „Und wer das Rauschen will verstehn,\nder muß im Wald spazieren gehn.\" Geheimnisvoll\nrauschte es im deutschen Walde auch im Herbst.\nTannen und Fichten prangen im unverwüstlich grü-\nnen Kleide, Buchen sind mit ihren bunten Tinten im\nHerbst am schönsten, noch die deutsche Eiche, die\nso schwer und so zäh sich trennt vom zusammen-\ngerollten gilben Laube, zeigt gleichsam die Volks-\nkraft. Auf allen Verkehrslinien entwickelte sich\nein ungeahntes Sonntagstreiben. Gut, wie immer,\nwaren die Spielplätze der Sportklubs besucht und\nvon schwarzen Zuschauerlinien umsäumt.\nDie Tagesschriftsteller trennen sich niemals von\nden zusammgeroilten gilben Phrasen und sie\nbuchen sie im Herbst mit ihrer bunten Tintenseele\nvon neuem auf Kredit. Die Natur macht Pleite,\naber die Verkehrsinstitute machen ihr Geschäft.\nSie verdienen. Die Natur erstirbt auf einem\nWendepunkt, aber Zuschauerlinien umsäumen die\nSpielplätze der Sportklubs. Doch:\nDa viele zu weiter Wanderung keinen Schneid\nhatten, flutete es stark auch nach den Kirchhöfen.\nDer Zentralfriedhof in Friedrichsfelde wies Massen-\nbesuch auf. Wie im Hochsommer tummelte sich\nJung und Alt auf Spree und Havel. Nur die Damp-\nferflotillen hatten schon Saisonschluß gemacht. In\nden gastlichen Stätten der Sommerlokale schien\nman auf den Zuspruch nicht geeicht gewesen zu\nsein. Vielfach haperte es mit Atzung und vor allem\nmit der Bedienung. Zehntausende tranken ihren\nMokka im Freien . . . ein seltenes Oktoberschau-\nspiel.\nVorhang! Vorhang! Und das Eintrittsgeld auch\nzurück. Abzug! Herunter mit ihm. Ruhe! Aus-\nreden lassen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 721, "texte": "Auf die Kosten des Vergnügens ist sicherlich\njeder gekommen, der der langsam sterbenden\nSommernatur zum Abschied seine Bewunderung\nzollte.\nWer das nicht getan hat, hat draufgezahlt. In\nden Lokalen, wo man auf den Zuspruch nicht\ngeeicht war, haperte es mit der Bedienung, man\nrief stürmisch nach Atzung, Zehntausende tran-\nken ihren Mokka im Freien . . . und fernab starb\nlangsam die Sommernatur unter dem Beifall derer,\ndie auf ihre Kosten kommen wollten.\nJeder Schmock hat aus dem Schweif des Flü-\ngelrosses ein Haar gerissen: die schäbigsten Phra-\nsen aufzubürsten. Die Natur ist tot, das Handwerk\ndes Tagesschriftstellers steht in voller Blüte, die\nSaison wirft ihre Schatten voraus, rette sich wer\nkann.\n\nJoseph Adler"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c005", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "192/193", "page_fin": "192/193", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.4.1", "titre_corps": "Emil Nolde: Originalzeichnung", "titre_sommaire": "Emil Nolde: Originalzeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "192/193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 29, "texte": "Emil Nolde: Originalzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c006", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "194", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.5", "titre_corps": "Durchwachte Nacht", "titre_sommaire": "Durchwachte Nacht", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.5", "debut_caractere": 723, "fin_caractere_exclue": 1433, "texte": "Durchwachte Nacht\nPaul Zech\nSie lag, vo;i vieler Küsse Schwächung sanft\numkettet,\nschlank auf dtm prallen Pfühl mit aufgelöstem\nI laar\nund ihrer Brüste abgedämmte Atmung war\nkaum merkbar «md in puren Schlaf gebettet.\nIch saß und sah wie immer tiefre Wimperschatten\nihr WTangenweiß flach überdunkelten, und fror.\nFror wie ein Wegverirrter, der sein Ziel verlor,\nund fand im Früstelspiel des Schauens kein\nErmatten.\nDie ein viel Stärkier zwang, in seinem Arm zu\nweilen,\nwas sie nur träumte! Oh, geschlossne Augen ihr,\nzartzierlich Ohr, was mochte euch so süß betören?\nWer aber wagt wohl solches Spiel zu stören!\nIch stand in Zorn und doch wie ein Ergriffner\nschier\nund ließ die Nacht im Stundentrab vorübereilen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c007", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "194", "page_fin": "195", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.6", "titre_corps": "Die futuristische Literatur", "titre_sommaire": "Die futuristische Literatur", "signature_source": "Technisches Manifest von F. T. Marinetti ; Autorisierte Übersetzung von Jean-Jacques", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.5", "debut_caractere": 1435, "fin_caractere_exclue": 9453, "texte": "Die futuristische\nLiteratur\nTechnisches Manifest von F. T. Marinetti\n\nIm Aeroplan auf einem Oelzylinder, den Kopf\nam Bauche des Aviatikers, fühlte ich plötzlich die\nlächerliche Leere der alten, von Homer ererbten\nGrammatik. Stürmisches Bedürfnis die Worte aus\ndem Gefängnisse der lateinischen Periode zu be-\nfreien. Sie hat natürlich — wie alles dumme —\neinen großen Kopf, einen Schmerbauch, zwei Beine\nund zwei Plattfüße, aber niemals zwei Flügel. Sie\nkann gehen, einige Augenblicke laufen, um fast\ngleichzeitig schnaufend anzuhalten.\nSo sprach der surrende Propeller, während ich\nin einer Höhe von zweihundert Metern'jähe.}* die\nmächtigen Schlote Mailands flog. Und er fügte\nhinzu:\n1 Man muß die Grammatik dadurch zerstören,\ndaß man die Substantivs nach der Art ihrer Ent-\nstehung anordnet.\n2 Man muß das Verb im Infinitiv gebrauchen,\ndamit es sich elastisch dem Substantiv anpaßt und\nes nicht dem „Typ\" des Schriftstellers unterwirft,\nder beobachtet oder erfindet. Das Verb im Infi-\nnitiv kann einzig den Sinn der Fortdauer des Le-\nbens und die Elastizität der wahrnehmenden In-\ntuition geben.\n3 Man muß das Adjektiv beseitigen, damit das\nnackte Substantiv seine eigentliche Färbung behält.\nDas Adjektiv, das das Prinzip der Abstufung und\nNüancierung in sich trägt, ist unvereinbar mit un-\nserer dynamischen Vision, da es einen Stillstand,\neine Ueberlegung voraussetzt.\n4 Man muß das Adverb beseitigen, die alte\nAgraffe, die die Wörter zusammenhält. Das Ad- ,\nverb gibt dem Satze einen langweilig gleichmäßi-\ngen Ton.\n5 Jedes Substantiv muß seine Verdopplung\nhaben, das heißt, das Substantiv muß ohne Kon-\njunktion dem Substantiv folgen, dem es durch\nAnalogie verbunden ist. Beispiel: Mann — Tor-\npedoboot, Frau — Hafen, Menge — Brandung,\nPlatz — Trichter, Tür — Maschinenhahn.\nDie aviatische Schnelligkeit hat unsere Welt-\nkenntnis vervielfacht; deshalb wird die Erkenntnis\ndurch Analogie dem Menschen immer natürlicher.\nMan soll also die Redewendungen: wie, gleich,\nebenso wie. ähnlich unterdrücken. Besser noch\nsollte man den Gegenstand mit dem von ihm er-\nweckten Bild zu einem kennzeichnenden Wort zu-\nsammenziehen.\n6 Keine Interpunktion mehr. Wenn die Adjek-\ntiva, Adverbien und die Konjunktionen unterdrückt\nsind, dann macht sich die Interpunktion selbst über-\nflüssig, in der Abwechslung eines lebhaften, durch\nsich selbst geschaffenen Stiles, ohne die absurde\nUnterbrechung, durch Komma und Punkte. Um ge-\nwisse Bewegungen hervorzuheben und ihre Rich-\ntimg anzugeben, wird man sich der mathematischen\nZeichen X + : — = > <, und der musikalischen\nZeichen bedienen\n7 Der Schriftsteller hat sich bis jetzt der unmit-\ntelbaren Analogie überlassen. Er hat beispiels-\nweise eine Tür mit einem Menschen verglichen,\noder wieder mit einem Tier, was fast Photographie\nist. Er hat beispielsweise einen Fox-Terrier mit\neinem ganz kleinen Vollblut verglichen. Andere\nVorgeschrittenere können denselben Fox-Terrier\nmit einer kleinen Morsemaschine vergleichen. Ich\nvergleiche ihn mit wallendem Wasser. Es ist dies\neine immer ausgedehntere Steigerung von Analo-\ngien auf immer tiefere, wenn auch sehr fernliegende\nBeziehungen.\nAnalogie ist nur die tiefe Liebe, die fernstehende,\noffenbar verschiedene und feindliche Dinge ver-\nbindet. Nur mit weiten Analogien kann ein orche-\nstraler Stil, der gleichzeitig polymorph, polyphon\nund polychrom ist, die Leben der Materie umfassen.\nWenn ich in meiner ~Bataille de Tripoli\" einen\nvon Bajonetten starrenden Laufgaben mit einem\nOrchester, eine Mitrailleuse mit einer verhängnis-\nvollen Frau vergleiche, so habe ich anschaulich\neinen großen Teil des Weltalls in einer kurzen afri-\nkanischen Schlachtepisode eingeführt.\nDie Bilder sind nicht Blumen, die man mit Spar-\nsamkeit auswählen und pflücken muß, wie Voltaire\nsagte. Sie bilden das Blut selbst der Dichtung.\nDie Dichtung muß eine ununterbrochene Folge\nneuer Bilder sein, ohne die sie blutarm und bleich-\nsüchtig ist.\nJe mehr die Bilder weite Beziehungen enthalten,\ndesto länger behalten sie ihre bestürzende Kraft.\nMan muß, sagt man, die Betroffenheit des Lesers\nschonen. Ach! wo! Kümmern wir uns lieber um\ndie unangenehme Abnutzung der Zeit, die nicht nur\ndie Wucht, sondern auch die beizende Kraft des\nAusdrucks eines Meisterwerkes zerstört. Haben\nnicht unsere zu oft begeisterten Ohren Beethoven\nund Wagner „abgenutzt\"? Man muß also in der\nSprache zerstören: Bilder-Cliches, farblose Meta-\nphern, also fast alles.\n8 Es gibt keine Kategorien vornehmer oder\ngräßlicher, eleganter oder ärmlicher, übertriebener\noder natürlicher Bilder. Die Intuition, die sie wahr-\nnimmt, kennt keine Rücksichnahme oder Partei-\nlichkeit. Der vergleichende Stil ist also unum-\nschränkter Herrscher der ganzen Materie und ihres\nintensiven Lebens.\n9 Um die aufeinanderfolgenden\neines Gegenstandes darzustellen, muß man eine\nKette der Analogien bilden, die er hervorruft, eine\njede gedrängt, in,ein kennzeichnendes Wort zusam-\nmengefaßt.\nEin ausdrucksvolles Beispiel einer Kette von\nAnalogien, die nur durch traditionelle Syntax ver-\nborgen wird, ist dies zum Beispiel:\n„Gewiß, Sie sind, kleine Mitralleuse, eine rei-\nzende Frau, unglückverheißend\" und göttlich, am\nSteuer eines unsichtbaren 100 PS, der schnaubt\nund vor Ungeduld stampft . . . Und bald werden\nSie den Umkreis des Todes erreicht haben, Sie\nwerden dem verderblichen Helmbusch oder dem\nSiege entgegenlaufen! Wollen Sie anmutige, farb-\nvolle Madrigale über dieses Thema? Nach ihrem.\nBelieben, gnädige Frau! Ich finde, Sie gleichen\nauch einem gestikulierenden Volksredner, dessen\nberedte und unermüdliche Zunge seine erregten\nZuhörer bis ans Herz rührt. Sie sind in diesem\nAugenblick ein allmächtiger Steinbohrer, der den\nallzu festen Schädel der Nacht anbohrt. Sie sind\nauch ein stählernes Walzwerk, eine elektrische\nDrechselbank, und was noch? . . . ein großes, ver-\nkohlendes Schilfrohr, das schneidet und die metal-\nlischen Spitzen der letztem Sterne verschmelzen\nmacht.\" (Bataille de Tripoli.)\nIn gewissen Fällen muß man die Bilder je zwei,\nzu zwei vereinigen, wie eine Kanonenkugel im\nFluge einige nebeneinander stehende Bäume durch-\nbohren kann.\nUm alles zu entwickeln und zu erfassen, was es\nan Flüchtigem und Unfaßbaren in der Materie gibv\nmuß man ein engmaschiges Netz von Analogien\nbilden, das man in das Meer der Erscheinungen\nversenken wird. Abgesehen von der traditionellen\nForm ist folgender Satz aus meinem Roman „Ma\nfarka der Futurist\" ein solch engmaschiges Netz:\n„Ali die herbe Süße seiner Jugend stieg aus seiner\nKehle, wie vom Schulhof die Schreie der Kinder\nzu ihren alten Lehrern aufsteigen, die an die Brü-\nstung des Dachgartens gelehnt, die Schiffe aufs\noffene Meer fliehen sehen.\"\nNoch drei Beispiele:\n„Um den Brunnen Bumelianas, unter dichtbe-\nlaubten Olivenbäumen zusammengekauert drei Ka-\nmele, lässig im Sande, die vor Freude ihren Spei-\nchel wie eine Wasserrinne fließen ließen. Und dies\nGeräusch mischte sich mit dem Fauchen der\nDampfpumpe, die die Stadt mit Wasser versorgt''\n„Gekreisch und futuristische Dissonanzen in\ndem tiefen Orchester der krumm sich öffnenden\nLaufgräben mit den wiederhallenden Höhlungen in-\nmitten dem Auf und Ab der Bajonette, Violinbogen,\ndie der rote Taktstock des himmlischen Dirigenten\nbegeistert aufflammen läßt.\"\n„Er sammelt mit einer weiten Armbewegung die\nzerstreuten Flöten der Vögel in den Bäumen und\ndie klagenden Harfen der Insekten, das Knacken\nder Aeste und das Knirschen der Steine . . . Plötz-\nlich winkt er den Pauken der Suppennäpfe und\naneinanderstoßenden Gewehre ab, um mit voller\nStimme unter Begleitung des gedämpften Orche-\nsters alle Sterne in goldenem Gewand singen zu .\nlassen, an der Rampe des Himmels. Und siehe,\neine Dame bei diesem Schauspiel. Weit ausge-\nschnitten zeigt die Wüste ihren ungeheuren Busen\nmit den feuchten Kurven, rosig geschminkt unter\nden glänzenden Steinen der verschwenderischen\nNacht.\" (Bataille de Tripoli)\n10 Da jede Art von Ordnung notwendig das\nErgebnis eines vorsichtigen Verstandes ist, muß\nman die Analogien orchestrieren, verteilen nach*\neinem Maximum von Unordnung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7894, "texte": "11 Man muß das „Ich\" in der Literatur zer-\nstören, das heißt alle Psychologie. Die Menschen\nsind vollkommen verblödet durch Bibliotheken und\nMuseen und einer schrecklichen Logik und Weis-\nheit unterworfen: das interessiert nicht mehr. Man\n.muß sie also in der Literatur abschaffen. Man muß\nsie durch die Materie ersetzen, deren Wesen man\nmit der Intuition fassen muß, was Physiker und\nChemiker niemals erreichen werden. Man muß\ndie Objekte in Freiheit überraschen, ihre launen-\nhaften Beweger, das Atmen, die Empfindsamkeit\nund den Instinkt der Metalle, der Hölzer, des Ge-\nsteins. Man muß die Psychologie der\nMenschen durch die lyrische Eindringlichkeit der\nMaterie ersetzen.\nHütet Euch, der Materie menschliche Gefühle\nzu unterschieben, erratet liebe ihre verschiedenen\nunmittelbaren Anlässe, die kraftvolle Fähigkeit sich\nzu zerstreuen, die zahllosen Moleküle und die Wir-\nbel der Elektronen. Man muß nicht Dramen der\nvermenschlichten Materie geben. Die Festigkeit\neiner Stahlplatte erweckt unsere Teilnahme durch\nsich selbst, die unverständliche und übermensch-\nliche Verbindung ihrer Moleküle und Elektronen,\ndie sich etwa dem Eindringen eines Shrapnells wi-\ndersetzen. Von nun an ist die Hitze eines Stücks\nEisen oder Holz weit anregender als das Lachen\n•oder Weinen einer Frau.\nWir wollen in der Literatur das Leben eines\nMotors geben, dieses neuen instinktiven Tieres,\ndessen Hauptihstinkt wir kennen, wenn wir die In-\nstinkte der einzelnen Kräfte erkannt haben, aus\ndenen er besteht.\nEs gibt nichts interessanteres, für den futuristi-\nschen Dichter wenigstens, als die Bewegung der\nKlaviatur eines mechanischen Pianinos. Der Kine-\nmatograph bietet uns den Tanz eines Gegenstandes,\nder sich teilt und sich ohne menschliche Hilfe wie-\nder zusammensetzt. Er zeigt den Schwung eines\nTauchers, dessen Füße aus dein Wassen ragen und\nheftig auf das Sprungbrett aufprallen. Er zeigt uns\nMenschen, die zweihundert Kilometer in der Stunde\nlaufen. Lauter Bewegungen der Materie außer-\nhalb der Gesetze der Intelligenz als Produkt einer\nbedeutsamen Substanz.\nAußerdem muß man die Leichtigkeit (Flugfähig-\nkeit) und den Geruch (Verteilungfälligkeit) der\nGegenstände wiedergeben, was man bisher in der\nLiteratur versäumt hat. Man muß sich etwa be-\nmühen, die Landschaft in Gerüchen anzugeben, die\nein Hund wahrnimmt, die Motore hören und ihre\nReden wiedergeben.\nDie Materie wurde immer von einem Ich beob-\nachtet, das zerstreut ist, kalt, zu eingenommen von\nSick und voller Vorurteile der Weisheit und\nmenschlicher Beseßenheiten.\nDer Mensch versucht mit seiner jungen Freude\noder mit seinem alten Schmerz die Materie zu be-\nsudeln, die weder jung noch alt ist, die eine be-\nwundernswerte Stetigkeit an Feuer, Begeisterung,\nBewegung und Zerstreuung besitzt. Die Materie ist\nnicht froh noch traurig. Ihre Substanz besteht aus\nMut, Wille und absoluter Kraft. Sie gehört voll-\nkommen dem erfinderischen Dichter, der sich von\ndem traditionellen, schwerfälligen, engen, an den\nBoden geketteten Syntax wird befreien können,\ndie weder Arme noch Flügel hat, denn sie wird nur\nvom Verstand geleitet. Nur der unsyntaktische\nDichter, der sich der losgelösten Wörter bedient,\nwird in die Substanz der Materie eindringen können\nund die dumpfe Feindlichkeit, die sie von uns\ntrennt, zerstören.\nDie lateinische Periode, die wir bisher gebrauch-\nten, war eine anspruchsvolle Geste, durch die eine\nanmaßende und kurzsichtige Intelligenz das viel-\ngestaltige und geheimnisvolle Leben der Materie\nzu bändigen versuchte. Die lateinische Periode\nwar Totgeburt.\nDie tiefe Intuition des Lebens verbindet Wort\nan Wort nach der unlogischen Entstehung, sie gibt\ndie Hauptlinien einer intuitiven Psychologie der\nMaterie. Sie entstand in meinem Geiste hoch\noben im Aeroplan. Als ich die Objekte von diesem\nneuen Gesichtspunkte betrachtete, nicht von vorn\noder von hinten, sondern von oben, also verkürzt,\nda konnte ich die alten Fesseln der Logik und das\nBlei der alten Begriffe zerstören.\nDie Ihr mich geliebt habt und mir bis jetzt ge-\nfolgt seid, futuristische Dichter, Ihr wäret wie ich\nbegeisterte Bilderkonstrukteure und kühne Ana-\nlogienforscher. Aber das engmaschige Netz der\nMetaphern ist beschwert durch die bleierne Logik.\nIch rate Euch, es zu erleichtern, damit Eure Geste\nin das Unendliche es fortschleudert: breitet es\nauf dem weiten Ozean aus.\nZusammen werden wir etwas erfinden, was ich\ndrahtlose Vorstellung nenne. Einst werden wir zu\neiner noch wesenseinheitlicheren Kunst gelangen,\nwenn wir erst die ersten Ausdrücke unser Analo-\ngien zu unterdrücken wagen und nur eine un-\nunterbrochene Folge von zweiten Ausdrücken ge-\nben. Wir müssen darauf verzichten, verstanden\nzu werden. Verstanden zu werden ist überflüssig.\nWir haben auch schon darauf verzichtet, als wir\nFragmente futuristischer Sensibilität mit Hilfe der\ntraditionellen Verstandessyntax ausdrückten.\nDie Syntax war eine Art abstrakte Geheim-\nschrift, die dem Dichter dazu diente, die Menge\nüber die Farben, die Musik, Plastik und Architek-\ntur der Welt zu belehren.\nDie Syntax war eine Art Unterhändler und\nlangweiliger Führer. Man muß diesen Zwischen-\nträger beseitigen, damit die Literatur unmittelbar\nin das Weltall gelangt und einen Körper mit ihm\nbildet.\nUnbestreitbar unterscheidet sich mein Werk\neinfach von den übrigen durch die große Wucht\nder Analogien. Sein erstaunlicher Bilderreichtum\nwirkt beinahe wie die Unordnung der logischen\nInterpunktion. Es beginnt mit dem ersten futu-\nristischen Manifest, die Synthese eines 100 PS.\nmit tollster Geschwindigkeit.\nWarum soll man sich noch der verzweifelt\ndahinrasenden Räder bedienen, jetzt, da man sich\nvom Boden trennen kann! Befreiung des Wortes,\nschweifende Flügel der Einbildung, analogische\nSynthese: die Erde, mit einem einzigen Blick\numfaßt, mit einem einzigen, wesentlichen Worte\ngestaltet.\nMan schreit: „Eure Literatur wird nicht schön\nsein! Wir werden nicht mehr eine Wortsym-\nphonie haben mit den harmonischen Schwankun-\ngen und beruhigenden Kadenzen.\" Natürlich.\nEin Glück. Im Gegenteil, wir werden alle bruta-\nlen Töne gebrauchen, alle ausdrucksvollen Schreie\ndes heftigen Lebens, das uns umkreist.\nGebrauchen wir das „Häßliche'4 in der Litera-\ntur und töten wir überall die Feierlichkeit. Nehmt\ndoch nicht die Allüren von Hohepriestern an, wenn\nIhr mir zuhört. Man muß täglich den „Altar der\nKunst\" anspeien. Wir betreten die unbegrenzten\nGebiete der freien Intuition. Nach dem freien\nVers auch das freie Wort.\nEs gibt nichts Absolutes noch Systematisches.\nDas Genie hat heftige Stürme und schlammige\nStröme. Es erfordert manchmal analytische und\nerklärende Langsamkeiten. Man kann seine Sen-\nsibilität nicht plötzlich erneuern. Die toten Zellen\nsind mit den lebenden vermischt. Die Kunst be-\ndeutet das Bedürfnis sich zu zerstören und sich\nzu zerstreuen, indem sie,, eine riesige Gießkanne,\ndas Land mit Heldentum überschwemmt. Die Mi-\nkroben, vergeßt es nicht, sind notwendig für das\nBlut und für die Kunst, für die Verlängerung des\nWraldes unserer Adern, der sich außerhalb unse-\nres Körpers ins Unendliche des Raumes und der\nZeit ausdehnt.\nFuturistische Dichter! Ich habe Euch den Haß\ngegen die Bibliotheken und Museen gelehrt; nur\num Euch auf den Haß gegen die Intelligenz vorzu-\nbereiten, indem ich die göttliche Intuition er-\nweckte, das charakteristische Geschenk der la-\nteinischen Rassen. Durch die Intuition werden\nwir den scheinbar unverrückbaren Widerstand\nbrechen, den unser menschliches Fleisch vom Me-\ntall der Motore trennt.\nNach der Herrschaft der Lebenden beginnt das\nReich der Maschinen. Durch die Bekanntschaft\nund Freundschaft der Materie, von der die Gelehr-\nten nur die physikalisch-chemischen Beziehungen\nkennen, bereiten wir die Schöpfung des mecha-\nnischen Menschen mit Ersatzteilen vor. Wir wer-\nden ihn vom Todesgedanken befreien und daher\nauch vom Tode, dieser höchsten Definition logi-\nscher Intelligenz.\n\nAutorisierte Übersetzung von Jean-Jacques"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c008", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "195", "page_fin": "195", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.7", "titre_corps": "Die Wissenschaft", "titre_sommaire": "Die Wissenschaft", "signature_source": "J. L. Windholz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.6", "debut_caractere": 7896, "fin_caractere_exclue": 9978, "texte": "Die Wissenschaft\nJ. L. Windholz\nAlles, was geschieht, ist eindeutig und hat\nnicht seinesgleichen, und es geschieht nicht zum\nanderen Male und geschieht niemals wieder.\nUnd dennoch gleichet ein Geschehen dem an-\nderen, wie ein rechter Schuh dem linken oder wie\nein Hammel allen übrigen Hammeln der Hammel-\nherde, oder wie ein Engländer allen anderen Eng-\nländern, die wenigen ausgenommen, welche einen\nVollbart tragen.\nDas wissen die Historiker und sie arbeiten mit\nAnalogien und Vergleichen, um zu erklären und\nzu erläutern und uns die Dinge näher zu bringen.\nVergleiche aber sind verhexte und verzauberte\nWesen. Man glaubt sie zu fassen und sie zer-\nflattern in Luft.\nSo wahr aber in diesem Sommer sich die Ma-\nturnologie erwiesen hat als die Wissenschaft von\nden Dingen, die jenseits aller menschlichen Erfah-\nrung liegen, so wahr ist die Statistik die realste\naller Wissenschaften, denn sie zählt die Dinge und\nmacht ein Strichelchen neben dem andern, und wir\nverdanken ihr nicht nur die vergnüglichsten son-\ndern auch die sichersten Erkenntnisse\nDa hat nun der Direktor des Wilmersdorfer\nStatistischen Amtes, Dr. Dreydorff, eine ebenso\nverdienstliche wie aufschlußreiche Untersuchung\nangestellt und es zeigte sich, daß fast jeder zwan-\nzigste Mensch, der in Wilmersdorf über die\nStraße läuft, ein Oesterreicher ist. So die Wis-\nsenschaft.\nWas aber die Wissenschaft nicht sagt: dieser\nZwanzigste ist immer ein Mensch, der Musik\nmacht oder Theater macht oder Literatur oder\nwenigstens Zeitung macht oder mindestens ein\nDamenschneider ist. — Kurzum, dieser zwanzigste\nWilmersdorfer ist immer ein Mensch, der etwas\nvon dem großen und schönen und notwendigen\nDinge macht, das man Kultur nennt.\nRom verschlang Athen und Athen gab ihm\nseine Rhethoren und Philosophen und verschlang\nRom. Und Rom verschlang den Orient und der\nOrient gab Rom den Mithraskult und drückte ihm\ndie Kehle zu.\nIch weiß, Berlin ist nicht Rom und Wien ist\nkein Athen und ein wiener Operettenkomponist\nkein griechischer Peripathetiker; -— das weiß ich\nalles. Die Sach stimmt nicht -— und dennoch\nstimmt die Sach."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c009", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "196", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.8", "titre_corps": "Notizen", "titre_sommaire": "Notizen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 361, "texte": "Notizen\nDer Herausgeber dieser Zeitschriit empfängt ein-\nmal monatlich Sonntags von 4 bis 7 Uhr in der\nAusstellung Der Sturm, Königin Augustastraße 51.\nkn Nov einher: am zehnten des Monats.\nWegen Einladungen wende man sich an die Redak-\ntion dieser Zeitschrift\nFranz Marc, von dem sich ein Holzschnitt in\ndieser Nummer befindet, ist Mitglied der Neuen\nSezession"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c010", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "196", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.7", "debut_caractere": 926, "fin_caractere_exclue": 934, "texte": "Anzeigen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c011", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "196", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.7", "debut_caractere": 936, "fin_caractere_exclue": 3583, "texte": "Les Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nNeue Konst Hans Go 11 z Miinc h e s , Ode -\nollsp 1 a t z 1 I Van Gogh bis Kandinsky / Die\nGraphische Ausstellung enthalt zurzeit Brang-\nwyn I Hodler / Liebermann / Munch /\nSchmutzer / Slevogt / Zoir / Zorn / und\nandere /' Illustrierter Katalog der ersten Aus-\nstellung 50 Pfennig / Sammler wo Hen mir ill re\nWiinsche stets übermitteln Auswahlsendungen\nbereitwillig\nElse Lasker-Schiiler: Me in He r z / Ein Liebes-\nroman mit Bildern und wirklich lebenden Men-\nscheil I Das Buch erscheint Ende Oktober. kostet\ngeheftet vier Mark, gebnnden flint Mark. Prospekte\nkostenlos durch den Verlag Hein r i c h F. S.\nBachrn a i r , Miinc h en , Kurfiirstenstrale 39\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeitew\n2 / die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGesch&ftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, Miquelstraße 7a. Fernruf Arrst Steglitz 2699\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandlung /\nBerlin W 15, Kurfiirstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraße / Eckhaus / Fernruf Amt Steinplatz\n14297 I Der Inhaber des Graphischen Kabinett?\nJ. B. Neumann eroffnet in der Schillerstraße 6 (am\nKnie) eine Ausstellung fur die neue Malerei. In ihr\nsollen ausschließlich Werke jiingerer Kiinstler ge-\nzeigt werden\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 1 Spezialgeschaft filr bibliophile Lite-\nratur aiier Zest / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.-—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung / Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nPaul Graupe / Antiquariat / Berlin W 35 / Soeben-\nerschien Katalog 62 Moderne Literatur / Neuaus-\ngaben / Luxusdrucke\nRetiß oiid Pollack / Buchhandlung und AntiQua-\nriat / Potsdamerstraße 118 c. Fernsprccher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession ,/ Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nFritz Merker Chariottenburg, Schillerstraße 94.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zcichenmappen / Auf-\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine j Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Gcnest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stan gen,\nLinkstraße 12. Telefon: Amt Kurfurst 2425"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c012", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "196", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.7", "debut_caractere": 3585, "fin_caractere_exclue": 5412, "texte": "miter Berechnung des Nachnahrneporlos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fes t -\nbra tens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnu ng / Qriginalholz-\nschnitt / 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n1 Tig e r / Originalholzschnitte / je 10 Exemplare\nvom Kiinstler auf Japanpapier handgedruckt. si-\ngniert und numeriert / Das Exemplar 40 Mark\nRiehter-Berlm: Landschaft mit hollandischer Milhle\n/ Landschaft mit Bockmiihle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kindern / je fiinf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier / Das Exemplar 25 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande 111 /\nje iiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nti. Campendotik: Originalholzschnitt [Nummer 131]\nzwolf signierte und numerierte Exemplare / Das\nExemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Flak at fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nJc ein Exemplar ist star)dig ausgestelK im Graphisctien\nKabinett, Kurftirstendarnm 33\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von Ar no Ho 1 z / Fiir Gesang und Kta-\nvier I 3 Mark\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umber t o Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin ,/ Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in v©ller Fahrt / G i no S e v er i n i:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin /\\ L-1 ich e -\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c013", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "196", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\niirch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nZiehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosk en und Strafienstanden\nauf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird. bitten wir den Be t r a g fiir den\nDajerbezug fc e . ci e i T> cs, e 1 lung oder bei\nBeg i n n des neuen Viertel j a hr e s bis\nzum z eh nt en des ersten Monats e i n z u-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\niz ieh un g des Betrages durch N achn ah me"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-10-05-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-10_05#c015", "volume": "bmtnabg_1912-10_05", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "196", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Die Fackel enthralt\nnur Beitrage von Karl Kraus. Neuestc Nummer\n357—359. Inhalt: Der Ton / Glossen / Moment-\naufnahmen / Elektrische Erziehung / Notizen /\nGlossen I liarakiri una Feuilleton / Preis dieser\ndreifachen Nimi-mer 75 Pfennig' / Verlag Die Fackel\n/ Wien 111/2\nLTffort Libre / frriher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\n/ Halbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur ; Philosopbie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges /' Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptai\nLa Nouvelle Revue Fraweaise / Monatsschrift /\nVerlag Marcel Riviere et Cie / Paris / 1 Rue\nSaint-Benoit ' Numrner 1 Francs 50 centimes"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 20 Pfennig\nDER STURM\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNST'E\n—— - - ■\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 18\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nDRITTER JAHRGANG\nBERLIN OKTOBER 1912\nNUMMER 133\n\nInhalt:\nLothar von Kttnowski: Persönlichkeiten / Karl Borromäus Heinrich: Menschen von Gottes Gnaden / Roman / Joseph Adler: Die bankerotte\nNatur / Paul Zech Durchwachte Nacht / F. T. Marinetti: Die futuristische Literatur / J. L. Windholz: Die Wissenschaft / Empfohlene Bücher / Emil\nHolde: Originalzeichuung\n\nPersönlichkeiten\nVon Lothar von Kunowski\nEine schreckliche Zeit fällte den Baum des\nDeutschtums, Kenne entsproßten dem zerfallen-\nden Stumpf, ein Bild der Ueppigkeit und Verwor-\nrenheit. Sie übersichtlich zu machen, dient das\nSchema der Gesellschaft. Aber das Ziel soll sein,\ndaß von Reisern einer und nur einer zum Baume\nwerde, auf und aus dessen Stamm Reis um Reis\nsich nach Regeln organischen Wuchses erhebe,\ndaß also Gesetz zum Lebensprinzip werde. Gesell-\nschaft muß dem Gesetz Untertan sein, um es sich\nanzueignen, bis es nicht aufgedrungen, sondern\nselbst gewollt und geschaffen scheint und mit Frei-\nheit zusammenfällt. Weil wir uns dem Gesetz\nnicht freiwillig unterwerfen, sondern gezwungen,\nist Deutschland Ort der Halbtalente, der unferti-\ngen Menschen, derer, die sich suchen, aber nicht\nfinden können, da keiner das Schema seines Stan-\ndes durchgeistigt, mit sich eins macht,, so daß er\nsichtbar wird als Teil eines Staatsganzen das mit\nanderen Teilen zusammenhängt und gedeutet wird\ndurch Persönlichkeiten. Jene versinken im Beruf\nund wollen nichts außer ihm kennen, diese treiben\nnur das mit Liebe, was nicht Beruf ist, ohne es mit\nihm in Einklang zu bringen. Alle sind untauglich\nfür geselligen Austausch geistiger Güter, die sie\nnicht verwerten können und dadurch ohne Zeit-\nverlust und Bemühung für andere genießbar\nmachen. Nun muß man wissen, daß Neigung zur\nKunst, Musik, Philosophie, Politik bis zur Voll-\nendung des Ausdrucks getrieben von Bedeutung ist\nfür das ganze Leben dessen, der solche Neigung\npflegt, denn allein hierin fühlt er sich als selbst-\nherrschend und formbildend. Formvollendung\neines Gedichtes, eines Briefes, eines Zwiege-\nspräches überträgt sich auf jede Lebensäußerung,\nja auf Bewegung der Augen und Finger und geht\nein in den Beruf. Haltung und Auftreten dessen,\nder in kleinen Dingen des Amtes oder der Lieb-\nhaberei sich selbst bis zum vollendeten Ausdruck\nauszuleben weiß, sind frei, kühn, selbstbewußt, wäh-\nrend alle, die mit Widerwillen den Beruf nebenbei\nerfüllen oder auf genialische Art lüderlich in\nfremde Gebiete pfuschen, als Schwankende un-\nsicher, unbestimmt daherkommen, niemanden zu-\nfriedenstellen, niemandes Freund sind, von nie-\nmand gesucht werden. Schon innige Hingabc und\nwilliges Empfangen der Kunst verleiht Geschäfts-\nleuten ein Streben, Handlungen bis zur Erkenn-\nbarkeit und Sichtbarkeit ihres Wertes für andere\nLeute auszugestalten. Wie Kunst einführt in das\nVerständnis aller Formen, so gibt sie auch dem,\nder sie pflegt, Formung und macht das kleinste\nTalent fruchtbar für die Mitwelt, weil sie es er-\nkennbar macht, fordert mit dem einen alle anderen.\nMan muß das Leben mit der Lebenshülle in Ein-\nklang gebracht haben, geistigen Inhalt einmal bis\nzum harmonischen Ausdruck durchdenken, um Ur-\nteil über den Wert der eigenen Persönlichkeit zu\nerreichen, ehe man sich selbst zum Maßstab an-\nderer Menschen machen kann.\nIndividuen von innerer und äußerer Abfimdung\ntragen den Drang nach Verbindung mit verwandten\nGeistern zur Schau, sie organisieren ihr Aeußeres,\ndamit man sie erkenne und liebe, sie überbrücken\nStandesunterschiede mit Hilfe der Kunst und kön-\nnen zur Gesellschaft werden, nach ihrem Grund-\nsatz, zugleich für und durch die Gesellschaft zu\nwachsen. Da es dem Einzelnen unmöglich ist, die\nGröße der Verhältnisse und des Geisteslebens zu\nüberschauen aus eigener Kraft, so tritt hier Kunst\nins Amt. Menschen mit Fähigkeiten, den inneren\nZusammenhang der Natur auf ihre Außenseite zu\nbeziehen und in Werken anschaulich zu machen,\nschaffen Vorbilder organischer Entwicklung und\ngeselliger Geister, die in gemeinsamen Gesetzen\nsich frei bewegen. Kunst macht aus Dachstube und\nPrunkgemach, aus Häusern und Hütten, aus Werk-\nstatt und Studierzimmer, aus Kirche und Herr-\nscherpalast ein einiges Haus, eine zugleich geistige\nund leibliche Werkstatt, ein himmlisches König-\nreich. Aus Räumen macht sie Raum, darin jeder-\nmanns Form und Art, Bewegung, Streben, Geltung\ngewinnt, weil allen, wie sie sich gebärden, gemein-\nsam jene Neigung ist, die Bäume, Sträucher, Blu-\nmen von tausenderlei Abkunft zur Sonne zieht,\nzum Licht. Kunst formt aus Teilmenschen ganze\nMenschen, die Individuen sind, aber sich ergänzen\nzum Typus des Volkes, zu Persönlichkeiten, die\nmehr Leben als das eigene in sich zusammenfassen.\nDarum sehen wir den Künstler auf Jagd nach\nWesen, die ihre Innenwelt wahrhaftig aussprechen,\ner flieht entstellte Natur des Modemenschen, meidet\ndie Ungestalt des Spießbürgers, Folge der Träg-\nheit oder einseitiger Arbeit und will nichts wissen\nvon Angehörigen des Volkes, die ihre Natur ver-\nleugnen, um die Gebärde der feinen Welt stümper-\nhaft nachzuäffen. Staunend gewahrt er das große\ngelassene Gebaren dessen, der nur seinem Gotte\nlebt, der jeden Beruf flieht, der ihn verunstaltet,\nund jeden Beruf sucht, durch den er Leben und\nGestalt gewinnt, unermüdlich folgt er den Mädchen\nund Frauen, die Selbstvergessenheit nicht verlern-\nten, deren Anmut Wahrnehmbarkeit der Seele\ndurch den Körper ist. Bei solchem Anblick würde\ner pflichtvergessen sein, wenn er versäumte, ihn\nfestzuhalten, damit das ausstrahlende Leben sol-\ncher Persönlichkeiten anderen Menschen zugäng-\nlich würde. Wir sind durch lässige Lebensform\nblind geworden, so daß neben uns reiche Wesen\nleben, ohne daß die Schätze ihrer Natur gehoben\nwürden.\nDie Kellnerfratze, das ausgekämmte Pomaden-\nund Poposcheitelgesicht, die gestärkte und ge-\nbügelte Physiognomie, das nußknackerhafte Lachen,\ndie kristallinische Versteifung der Gestalt zum\nKleiderständer, das Tiktak pendelnder Glieder, die\nbrüchige Bewegung des Hut abnehmenden oder\nHand reichenden Armes und das Zusammenklappen\nder Verbeugung um das Scharnier der Hüfte müs-\nsen die Respekt gebietende, Abstammung ver-\nratende Bedeutung verlieren. Das tierische Wan-\nken zum Bier mit klobig stopernden Gliedern, über-\nmäßige Verbreitung des Gesäßes auf der Fläche\nschwankender Stühle, Aufstellen von Metzgerkeu-\nlen rechts und links als Postament für Hängebauch\nin weißer Weste und der luftdurchfuchtelnde, Tisch-\nplatten hämmernde Arm mit stoßbereitem Ellen-\nbogen, das dröhnende Lachen, das Tisch, Stuhl,\nZimmerboden, Wände und Haus erschüttert, dieses\ndickhäutige Wesen voll Gefahren für alles Zier-\nliche, Zarte, Gebrechliche der Umgebung, gehüllt\nin Tabakdampf, den der Blasebalg geschwollener\nBacken zum Schornstein des Mundes entsendet,\ndies insgesamt als Ideal der bürgerlichen Kraft und\nUrsprünglichkeit bedarf der Umgestaltung, zumal\ndas Spucken, Händereiben, Gähnen mit aufgeris-\nsenem Maul übertrieben wird, während feinere\nRegung, das Lieben und Hassen, Wohlwollen und\nAbneigung, Milde und Zorn, teils mit priapischem\nSchmunzeln, teils mit stierartigem Erröten, An-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.2", "texte": "schwellen des Gesichts oder Erstarren der Augen\nohne sonderliche Uebergänge abgetan wird. Auch\ndas fadenscheinige Wesen schiechtgenährter Wiß-\nbegierde, die dozierende Verkrümmung magerer\nGliedmaßen, das unschuldsvoll bebrillte Auge, der\nKopf, ein Vampyr, saugend am Fleische des Gan-\nzen, der Faltenwurf der Haut oder Bleichsucht\ndurchstudierte Mondnächte und rührende Ziellosig-\nkeit von Bein und Arm, dieses über Bücher ge-\nbückte Parasitengestell, unfähig der Liebe, ein be-\ngriffliches Wrack, dessen Rippen zählbar sind,\nselbst wenn Sitzen Fettsucht erzeugte, man muß\nes auftakeln, das sturmesmüde von neuem dem\nLebenssturm anvertrauen. Der Kaufmann, rasch\nund kühn, lärmhaft und zynisch, schnoddrich mit\ndem ganzen Leibe feilschend, der Kunst feind, doch\nstets im neuen Kragen, ungeniert, bedacht die Haut\nzu wechseln, bald breitspurig protzend, bald nobel\nversteift, weiß seinem Laden Schwung zu ver-\nleihen. Der Künstler überbietet alle. Was er\nmalt, das stellt er dar durch ausdrucksvolle Pose.\nDer eine hängt die Knochen lässig ans Gerüst in\nmichelangelesker Gebärde, der andere weiß dei\nHüfte Watteaus gefällige Biegung zu geben, ein\ndritter pöbelt daher nach Brouwerscher Vorschrift,\njedoch die Seele fehlt, die solchen Vortrag der\nGlieder lebendig erfüllt. Neue Kunst findet Auf-\ngaben über Aufgaben praktisch zu wirken.\nMit Keulenschlägen soll man die hündische\nKunst vernichten, für die alles, was ist, gut ist, die\nsich der Mode Untertan macht und dem Deutschen\nsagt: „So wie du bist, bist du reichlich vollkom-\nmen.\" Schlagt die Schaufenster ein, in denen\nschiefgeneigte, süße Mädchenköpfe äugeln mit\nSchnurrbartmenschen, Trompetern von Säkkingen,\nein Geschmeiß, daß fruchtbar ist in hübschen, sau-\nberen, stets artigen Kindern, und denen Liebe ein\nSpiel, das Weib ein Spielzeug, das Kind ein Nipp-\nstück des Salons bedeuten. Wann endlich wehst\ndu Odem einer ernsten Kunst das Fändelwerk,\nKonditorware schleckiger Geister, vom Tische der\nZeit, die nach dem Brot und Fleisch gesunder An-\nschauung hungert und dürstet nach Feuerwein dei\nBegeisterung für das Grandiose der menschlichen\nNatur, wann endlich gilt nicht für talentlos, sondern\nehrlos, wer die Seele des Volkes durch Gemein-\nheit verdirbt?\nIch sah den Neger tanzen und singen, als ge-\nhöre ihm die Welt, den Indianer spähen geschmei-\ndig wie Wildkatzen, den Kowboy reiten und Hut\nschwenken mit Gebärden des Vogels, der über\nSteppen schwebt, ich sah den Samoaner paradie-\nsisch, den Nubier antikisch wandeln, Italiener groß\nund! Griechen augenblicklich, Franzosen pointie-\nrend sich bewegen, ich sah den Polen an Grenzen\nder Uebertreibung, den Engländer an Grenzen der\nAbkühlung, Amerikaner lässig, Nordländer ruhig\nwie Seen und stürmisch wie die Brandung, Russen\ndas Ungeheure dulden, alle schön unter Deutschen,\nbis des Gespräches Wogen Urgründe regten, dann\nhob sich einer, allen Völkern unbekannt, aus\nSchweigen mit unermeßlicher Gebärde das Ewige\nschauend, die Gestalt der Wahrheit und der Liebe,\ndie königlich, friedvoll, gelassen und feurig aller\nVögel und Landtiere, aller Völker Leidenschaft\neinigt in Schönheit, die neue Menschheit ahnen\nläßt — das war der Deutsche, so kann er sein,\nwenn er sich selbst getreu ist.\nIhr, die ihr angeblich den Deutschen darstellt,\nwie er erscheint, stellt ihn nicht dar, wie er ist,\nwie er erscheint, sondern formlos ungeduldig einer\nForm harrt, die seinem Wesen ebenbürtig ist.\nWenn romanische Völker sich mit ihrer Hülle eins\nwissen, so mögen sie naturalistische\nKunst pflegen, die nur das Fert i g e abbildet.\nWir bedürfen einer Kunst, die dem, was unsichtbar\nist, aber • zur Sichtbarkeit drängt, behilflich ist.\naber zur Sichtbarkeit drängt, behilflich ist. Darum\nnützen euch in deutschen Landen Netzhäute allein\nsehr wenig, ihr müßt mit dem Volke erleben, was\nnicht geschaut werden kann, es sei denn in\nder Phantasie dessen, der eines tiefen Erlebnisses\nfähig ist, und dadurch unbekannte Anschauung von\nWelt und Menschen hervorbringt, die des Erleb-\nnisses würdig ist. Der Schöne erscheint unschön,\nwenn er sich nicht zu geben weiß, übertriebene\nBescheidenheit wird ebenso zum Laster, wie Eitel-\nkeit, es ist trughaft, unbedeutender zu erscheinen,\nals man ist, wie es unsittlich ist, sich den Anschein\neiner Bedeutung zu geben, die man nicht hat. Wir\nschwanken zwischen Ueberschätzung und Unter-\nschätzung, die sittlichen Kräfte unseres Volkes\nwerden zu unsittlichen werden, wenn man sie dau-\nernd an Lüge gewöhnt.\nUnkenntlich für einander sind wir soweit, daß\nproduktive Köpfe beiseite geschoben werden von\ndenen, die darauf ausgehen, Existenz zu machen\nund im Rahmen äi leben, den stärkere Geister\nschufen. Der Mann der Idee steht außerhalb der\nGesellschaft, man fragt nicht, ob er leben könne,\nwährend man das Leben des Steinklopfers sichert\ndurch Pensionen für ihn und seine Witwe. Die\nLücken des Pflasters und der Gebäude auszuschmie-\nren gilt als nutzbringende Tätigkeit und findet\nLohn, aber Steine aus dem Urgestein des Berges\nbrechen, ins Tal rollen und behauen, bis sie dem\nAufbau schimmernder Marmortempel und Paläste\ndienen, das würdigt man keines Lohnes. Jeder\nnimmt Steine, wo er sie findet, und fragt nicht, wer\nsie zurichtet für den Gebrauch. Aber hier ist nicht\nZeit zu klagen, sondern Mittel zu erwägen, daß\nproduktive Kopf sich unwiderstehlich Bahn breche\nzu Höhen der Menschheit, zu der Rangstufe, die\nihm gebührt, zu Einfluß und Freiheit, durch die er\nIdeen verwirklichen kann. Hört auf zu jammern\nüber die große Herde, sammelt eure Geisteskräfte\nund springt auf den Plan klirrend in Stahl und Erz\neiner sittlichen Bildung, die ebenso Schutz und\nSchirm als Wehr und Waffe, Handwerkszeug,\nSzepter und Krone ist.\nAus dem Buch von Lothar von Kunowski: Ein Volk\nvon Genies / Geschrieben 1901 / Erschienen bei Eugen\nDiederichs in Jena.\n\nMenschen von Gottes\nGnaden\nAus den Bekenntnissen des Herrn Lieutenant Mié-\nville, nachmaligen Paters Bonaventura S. J.\nVon Karl Borromäus Heinrich\nDas längste Gespräch\nSchlagintweit, der Treubesorgte, mußte jetzt,\nwo der Lauf eines Schultages ihn und Baron fran-\ngart nicht mehr zusammenführte und gemeinsame\nErlebnisse ausblieben, oft lang nachdenken, bis er\nirgendeinen scherz-oder ernsthaften Grund fand,\njenen aufzusuchen. Der junge Baron seinerseits\nsehnte sich jetzt noch weniger nach Gesellschaft\nals bisher. Einige Male drang Schlagintweit bei\nihm ein, unter dem erlogenen Vorwand, Geld ent-\nleihen zu wollen. In ein paar Tagen würde er es\nbestimmt wieder zurückerstatten. Er steckte das\nGeliehene aber nur in die Tasche, um es ungenutzt\nwiederbringen, also Frangart nochmals besuchen\nzu können. Für einen der glücklichsten Tage seines\nLebens hielt er den, an welchem er auf die List\nkam, aus einem einzigen Darlehen drei Besuche\nbei Frangart herauszuschinden: nämlich den, der\nzum Entleihen nötig war; einen zweiten sodann,\num sich zu entschuldigen, daß er es doch noch\nnicht, wie versprochen, zurückgeben könne; eine«\ndritten endlich, um das Geborgte heimzuzahlen.\nFrangart gab bei seiner Ankunft niemals ein\nZeichen des Unwillens; aber, wie schon öfters ge-\nsagt, nur selten ließ er sich verleiten, mehr als die\nHöflichkeit gerade erforderte, zu sprechen. „S*e\nsind zu beneiden, Schlagintweit,\" sagte er eines\nTages, als ihm dieser von seinen philosophischen\nStudien an der Universität erzählte. „Sie sind zu\nbeneiden um Ihre Freude am Denken, am Philoso-\nphieren/' — „Aber was tun Sie, Herr Baron, wenn\nSie die viele Zeit immer Zimmer sitzen oder spa-\nzieren gehen. Ich vermute, daß Sie da auch den-\nken, wahrscheinlich mehr als ich, der ich immer\nmit dem Leben zu tun habe/' — „Im Gegenteil!/\"\nerwiderte der Baron, „ich bemühe mich möglichst\nwenig zu denken und habe überhaupt sehr wenig\nLust dazu.\" — „Wieso?\" erlaubte sich Schlagint-\nweit zu fragen. — „Nun, überlegen Sie einmal,\nwieviel Dinge von vornherein für mich wegfallen,\ndie Sie sehr oft beschäftigen, zum Beispiel Sorgen\num das äußere Leben in Gegenwart und Zukunft;\ndann so vieles, was Sie aus Liebe zu anderen den-\nken und tun; auch die und jene Ihrer Passionen,\ndenen Sie gerecht werden müssen.\" — „Aber von\nalledem abgesehen steht das eigentliche Denken.,\ndas Philosophieren Ihnen so offen wie mir, ja noch\nmehr, da Sie nicht abgelenkt werden/' — „Ach,\nSchlagintweit!\" versetzte der Baron abwehrend,\n„ich habe die bestimmte Gewißheit, daß der größte\nTeil allen Philosophierens von der Not des Lebens\nund des Herzens ausgeht und sich konkret oder\nabstrakt mit ihr beschäftigt. Wo diese Nöte feh-\nlen, bleiben auch viele Anlässe zum Philosophieren\naus . . . Und dann habe ich ja meinen Glaube a,\"\nsetzte er mit Nachdruck hinzu. — „Ja schon —\naber gerade das müßte interessant sein, zu unter-\nsuchen, nachzuforschen, inwieweit der Glaube phi-\nlosophisch begründet werden kann, sich mit der\nprofanen Erkenntnis deckt und inwieweit nicht/'\n— „Das überlasse ich den Leuten, die den Glauben\nn i c h t habe n.\" — „Verzeihen Sie, Baron, wenn\nich diesmal hartnäckig bin! Warum beschäftigen\nSie sich nicht müt einer Untersuchung, warum\nandere den Glauben nicht haben?\" — „Das hieße\nGott fragen, warum Er gegen mich gnädig war\nund gegen die anderen nicht. Gott weiß das, und\nund es wäre eine Vermessenheit ihn danach 7M\n'fragen. Ich habe schon immer die Ueberzeugung\ngehabt, daß zuviel Denken oder Philosophieren\nunanständig, ein Zeichen von Armut ist und haupt-\nsächlich bei Revolutionären vorkommt/4 — „Ach\nja, Sie haben recht, und jetzt weiß ich, warum ick\nein illoyaler Mensch bin,\" rief Schlagintweit ver-\nzweifelt aus und schwieg.\n„Nein!\" sagte Baron Frangart nach einer Weite\nmit erhobener Stimme, „nein, bei Ihnen ist das\nnicht so. Sie müssen viel denken, weil Sie ein\nweiches Herz haben, das jedenfalls immer von den\nandern mißbraucht wird. Natürlich nötigt Sie das\nzum Denken. Und wenn Sie sonst noch denken,\ntun Sie es, weil Sie den Glauben verloren haben\nund ihn wiederfinden wollen, wenn nicht den glei-\nchen, so doch irgendeinen.\" — Woher wissen Sie\ndas, Baron?\" — Ich weiß nicht woher, ich habe nie\ndarüber nachgedacht. Ich weiß sogar, daß es\nIhnen Kopfzerbrechen schafft, wenn jemand von\nIhrem Herzen überhaupt keinen Gebrauch machen\nwill, wie ich zum Beispiel meistens . . sagte\nBaron Frangart lächelnd. „Ja, an Ihnen ist Hopfen\nund Malz verloren!\" rief Schlagintweit, aus Not-\nwehr scherzend, um seine Rührung zu verbergen.\nAber sogleich bereute er den ungeschickten ver-\ntraulichen Ton, der dieses einzige längere Ge-\nspräch, das er mit Baron Frangart geführt hatte,\nzu einem zweifellos inconvenablen Abschluß,\nbrachte.\n\nFortsei« übmc"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.3", "texte": "Der einzige Brief Baron Frangarts\nPater Bonaventura schrieb kurz vor Weih-\nnachten folgenden Brief an Baron Frangart:\nAus dem Französischen übersetzt.\nChamfort, den 19. Dezember,\nanno domini 19 ..\nMein lieber Sohn in Christo dem Herrn,\nverehrter Herr Baron,\nes drängt mich. Euch zu sagen, mit welcher\nTeilnahme ich Eurer oft und oft gedenke. '- Lebhaft,\naber ohne es Euch nachzutragen, habe ich be-\ndauert, daß Ihr es mir durch Euren etwas brüsken\nAbschied unmöglich machtet, Eure Fragen zu be-\nantworten.\nNun aber befürchte ich, daß Ihr viele dunkle\nTräume an eine Sache verschwenden möchtet, die\nin Wirklichkeit klar ist, wie nur irgend etwas; und\ndaß Euch solche Träumerei in Euren Tätigkeiten\nlähmen möchte. Und wenn Ihr bedenkt, daß ich\nvordem Eurer Jugend diese Dinge nicht verhehlen,\nwohl aber verschweigen zu müssen glaubte,\nwerdet Ihr begreifen, daß ich sie Euch jetzt um so\nbereitwilliger auseinandersetze. Daß ich es im\nBriefe tue (indem ich nicht weiß, ob mir die Güte\nGottes und Ihr selbst erlaubt, Euch in diesem\nLeben wiederzusehen) mag Euch die Schicklich-\nkeit der Sache beweisen.\nWie Euch Gott selbst im Traume eröffnet hat,\nbin ich in der Tat ein« Halbbruder Eurer seligen\nMutter. Weder ich noch sie haben das eher als\nIhr selbst erfahren; vielmehr habt Ihr es uns da-\nmals im Traume erzählt, und mir hat es ein hinter-\nlassener Brief Eures lieben Vaters, sowie später\nMarquis Choiseul persönlich bestätigt.\nNichts aber ist geschehen, was sündhaft wäre.\nGrübelt nicht, wenn Ihr nicht das Andenken der\nToten mit Unrecht entweihen wollt.\nIch wünsche Euch zur heiligen Weihnacht den\nFrieden auf Erden, der uns allen so nötig ist.\nSeid, geliebter Sohn in Christo, Gott der Euer\nLeben fruchtbar machen möge, innigst empfohlen\nvon Eurem ergebenen\nBonaventura S. J.\nAuf diesen Brief schrieb Baron Frangart die fol-\ngende Antwort nieder:\nMünchen, 21. Dezember 19..\nHochwürdiger Vater,\nwarum erinnert Ihr mich an etwas, woran mich,\nwie Ihr richtig erraten habt, meine Träume oft\ngenug erinnern? Daß zwischen Frau Baronin\nFrangajrt, geborener Comtesse Riom, und Euch\nnichts geschehen sei, konnte mir nie zweifelhaft\nsein; und fast finde ich, Ih r sündigt gegen ihr An-\ndenken, wenn Ihr solche Zweifel bei mir vermutet.\nMir geht es sehr nahe, von Eurer Vermutung zu\nlesen und zu schreiben.\nAber etwas anderes ist (und wenn Ihr in un-\nserer Seelenlehre eine bewiesene negative Ant-\nwort sindet, lasset Ihr mich sie, bitte, wissen!), ob\nnicht zur Unzeit ein Wunsch, ein Schrei der Sehn-\nsucht von Euch, dem nahverwandten Blute, ausge-\ngangen sein und in mir, außer allem, was an mir\n„Frangart\" ist, noch Ausdruck gefunden haben\nkönnte.\nIch achte Euch, hochwürdiger Vater. Aber ver-\nzeiht, daß ich offen sage: Wenn es s o wäre, täte\nes mir sehr leid. Ich bin ein Mensch aus ältestem\nGeschlechte; viele andere sind es nicht nicht, und\nvielleicht äußert sich ihr Leben gerade deshalb\nfruchtbarer als das meine. — Aber, wenn d a s so\nwäre, müßte ich ja die geringere Fruchtbarkeit\nmeines Daseis auch noch aus andern Gründen er-\nklären.\nDen jugendlichen Tadel dieses Briefes verzeiht\nim übrigen Eurem Euch allezeit ergebenen\nFritz Freiherrn von Frangart.\nDiesen Brief hatte Baron Frangart in einem\nseltsamen Anfall von Wut, der seinen ganzen Kör-\nper durchzitterte, geschrieben. Aber er fand die\nKraft, sich zu beherrschen, schickte den Brief nicht\nab, zerriß ihn und warf die Fetzen ins Feuer. Dann\nschrieb er, gegen seine Gewohnheit, ein Tele-\ngramm; es enthielt die Worte:\n„Pater Bonaventura S. J.\nCollegium Chamfort (Belgien)\nMit ergebenem Dank für Ihren Brief verbinde\nich meine höflichsten Weihnachtswünsche\nFrangart\"\nPater Bonaventura seinerseits besaß Feingefühl\ngenug, lim dieses Telegramm zu verstehen. Er\nkniete in semer Zelle nieder und betete: „Herr, ich\nhabe aus Güte gefehlt. Magst Du und Baron Fran-\ngart mir verzeihen!\" (Uebrigens hatte Bonaven-\ntura seinen Brief in der Tat vor jedem Menschen\nverheimlicht, ihn heimlich geschrieben und heim-\nlich zur Post gegeben. — Es hat also nachgerade\nden Anschein, als ob große Güte auch große Fehler\nbegehen könne; deshalb sind aber die Fehler doch\nzu verdammen, wie auch in diesem Falle, wo nun\nBonaventura um Verzeihung betete.)\n\nFortsetzung folgt\n\nDie bankerotte Natur\n\nMorgen beginnt der Herbst — kalendermäßig,\nwährend wir hoffen wollen, daß er noch lange\nnicht seine Eigenarten kündet. Vom neuen Herbst-\nhut für die teure Gattin abgesehen, hat er auch\nsonst gewisse Unannehmlichkeiten. Und nach\ndiesem Sommer, der keiner war, dürfen wir uns\nruhig einen Herbst wünschen, der keiner ist.\nEin Schmock ist immer einer. Eine Jahreszeit,\nein Sommer, verzichtet auf die Ehre, schön und\nwarm zu sein, oh, er verregnet sogar, um nicht\nvon Redakteuren, die Erholung suchen, und\nSchriftstellern, die ein idyllisches Ruhe-\nplätzchen gefunden haben, angeschmachtet zu\nwerden. Und ist er zu Ende, so wiederholt sich,\ngleichviel: ob er enttäuscht oder befriedigt hat,\ndas nämliche Spiel. Zug um Zug, und ei n\nSchach ist vornean. Er eröffnet uns:\nNun ist es endgültig Herbst geworden. Der\nKalender ignoriert optirnisterische Wünsche und\nhält sich an den normalen Verlauf der Dinge. Am\nfrühen Morgen ist es etwas kühl, in der Luft liegt\nbereits die Herbheit aller Herbsttage. Jetzt, wo\nes nun „definitiv\" vorbei sein soll mit jeder Hoff-\nnung auf schöne Spätsommertage, erfreuen wir uns\neiner milden Witterung, die imstande ist, uns den\nHerbst vergessen zu machen. Regen hatten wir\ngenug; Sonnenschein können wir nie genug haben.\nIm letzten Augenblick noch, knapp vor Tores-\nschluß, hatte der Himmel ein Einsehen und lächelte\nin sanfter Bläue. So unschuldig sah er aus, als\nhätte er nicht wochenlang ganze Ströme auf uns\nherunterriesein lassen. Und die Luft ist so milde,\nals hätten wir ihr nicht den beharrlichen Schnupfen,\nden schlimmen Katarrh zu verdanken.\nAber weniger spielerisch als der Schach ist der\nWetterreporter der Mor-tenpost. Er würzt mit\nkeinem Körnchen Humor, er schmiert nur die Stim-\nmungskarre mit dein beliebten Poesieöl Marke\nExquisit.\nEin Hauch von Schwermut geht durch die\nNatur, wenn der Oktobermonat beginnt. Das\ngroße Sterben in Feld und Flur hat eingesetzt, und\nmit leisem Rascheln sinkt Blatt um Blatt welk zu\nzu Boden. Wohl leuchtet die Sonne noch warm\nvom klaren Herbsthirnmel hernieder, und zumal in\ndiesem launischen Jahre will es der Zufall, daß der\nSonnenschein, den wir zwei lange Monate haben\nentbehren müssen, den Anfang des Oktober ver-\nschönt. Aber während in anderen Jahren eine\nnachsommerliche Wärme über die be-\nvorstehende kalte Jahreszeit hin-\nwegtäuschte, scheint es, daß wir diesmal die\nHoffnung auf nochmalige Wiederkehr warmer Tage\nbegraben müssen.\nAmen. Es ist fürchterlich, die Hoffnung auf\nnochmalige Wiederkehr warmer Tage begraben\nzu müssen, trotzdem uns die nachsommerliche\nWärme früherer Jahre über den bevor-\nstehenden Herbst, hinweggetäuscht hat. Die\nStimmungskarre bleibt im Dreckstil stecken und die\ngeistige Entgleisung ist fertig. Einen Zeitungs-\nschreiber von der sterbenden Natur sprechen zu\nhören, ist der Tod. Es vollzieht sich ein erhabener\nAbgang, aber an der Tür steht allerlei niedriges\nPack, das larmoyante Aufzeichnungen macht. Es\nsteckt der wehrlosen Stimmung den Bleistift in den\nRachen, bis daß sie alle die kitschigen Bilder kotzt\nMit dem Sterben der großen Natur wird es aller-\norten von „kleinen\" Dichtern lebendig. Und na-\ntürlich auch im Vorwärts wurden unter „Ber-\nliner Nachrichten\" die Schönheiten der\nsterbenden Genossin gewürdigt. Kollege Schmock\nhat das Wort. Hört!\nDie Naturwunder des Herbstes lockten am\nSonntag Hunderttausende aus den Mauern der\nWeltstadt ins Freie. Graublau strahlte der Himmel,\nwunderinild war die Luft. Die WTinde haben ja in\nBaum und Strauch, in Feld und Flur schon arg ge-\nhaust, aber die warme Witterung der letzten Tage\nhat doch die Herbstflora sich zur vollen Schönheit\nentfalten lassen. Georginen, Astern, Chrysanthe-\nmen und andere Herbstblumen mit weniger geläu-\nfigem Namen schimmern gerade jetzt in satter\nPracht. „Und wer das Rauschen will verstehn,\nder muß im Wald spazieren gehn.\" Geheimnisvoll\nrauschte es im deutschen Walde auch im Herbst.\nTannen und Fichten prangen im unverwüstlich grü-\nnen Kleide, Buchen sind mit ihren bunten Tinten im\nHerbst am schönsten, noch die deutsche Eiche, die\nso schwer und so zäh sich trennt vom zusammen-\ngerollten gilben Laube, zeigt gleichsam die Volks-\nkraft. Auf allen Verkehrslinien entwickelte sich\nein ungeahntes Sonntagstreiben. Gut, wie immer,\nwaren die Spielplätze der Sportklubs besucht und\nvon schwarzen Zuschauerlinien umsäumt.\nDie Tagesschriftsteller trennen sich niemals von\nden zusammgeroilten gilben Phrasen und sie\nbuchen sie im Herbst mit ihrer bunten Tintenseele\nvon neuem auf Kredit. Die Natur macht Pleite,\naber die Verkehrsinstitute machen ihr Geschäft.\nSie verdienen. Die Natur erstirbt auf einem\nWendepunkt, aber Zuschauerlinien umsäumen die\nSpielplätze der Sportklubs. Doch:\nDa viele zu weiter Wanderung keinen Schneid\nhatten, flutete es stark auch nach den Kirchhöfen.\nDer Zentralfriedhof in Friedrichsfelde wies Massen-\nbesuch auf. Wie im Hochsommer tummelte sich\nJung und Alt auf Spree und Havel. Nur die Damp-\nferflotillen hatten schon Saisonschluß gemacht. In\nden gastlichen Stätten der Sommerlokale schien\nman auf den Zuspruch nicht geeicht gewesen zu\nsein. Vielfach haperte es mit Atzung und vor allem\nmit der Bedienung. Zehntausende tranken ihren\nMokka im Freien . . . ein seltenes Oktoberschau-\nspiel.\nVorhang! Vorhang! Und das Eintrittsgeld auch\nzurück. Abzug! Herunter mit ihm. Ruhe! Aus-\nreden lassen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "192/193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.4", "texte": "Emil Nolde: Originalzeichnung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.5", "texte": "Auf die Kosten des Vergnügens ist sicherlich\njeder gekommen, der der langsam sterbenden\nSommernatur zum Abschied seine Bewunderung\nzollte.\nWer das nicht getan hat, hat draufgezahlt. In\nden Lokalen, wo man auf den Zuspruch nicht\ngeeicht war, haperte es mit der Bedienung, man\nrief stürmisch nach Atzung, Zehntausende tran-\nken ihren Mokka im Freien . . . und fernab starb\nlangsam die Sommernatur unter dem Beifall derer,\ndie auf ihre Kosten kommen wollten.\nJeder Schmock hat aus dem Schweif des Flü-\ngelrosses ein Haar gerissen: die schäbigsten Phra-\nsen aufzubürsten. Die Natur ist tot, das Handwerk\ndes Tagesschriftstellers steht in voller Blüte, die\nSaison wirft ihre Schatten voraus, rette sich wer\nkann.\n\nJoseph Adler\n\nDurchwachte Nacht\nPaul Zech\nSie lag, vo;i vieler Küsse Schwächung sanft\numkettet,\nschlank auf dtm prallen Pfühl mit aufgelöstem\nI laar\nund ihrer Brüste abgedämmte Atmung war\nkaum merkbar «md in puren Schlaf gebettet.\nIch saß und sah wie immer tiefre Wimperschatten\nihr WTangenweiß flach überdunkelten, und fror.\nFror wie ein Wegverirrter, der sein Ziel verlor,\nund fand im Früstelspiel des Schauens kein\nErmatten.\nDie ein viel Stärkier zwang, in seinem Arm zu\nweilen,\nwas sie nur träumte! Oh, geschlossne Augen ihr,\nzartzierlich Ohr, was mochte euch so süß betören?\nWer aber wagt wohl solches Spiel zu stören!\nIch stand in Zorn und doch wie ein Ergriffner\nschier\nund ließ die Nacht im Stundentrab vorübereilen.\n\nDie futuristische\nLiteratur\nTechnisches Manifest von F. T. Marinetti\n\nIm Aeroplan auf einem Oelzylinder, den Kopf\nam Bauche des Aviatikers, fühlte ich plötzlich die\nlächerliche Leere der alten, von Homer ererbten\nGrammatik. Stürmisches Bedürfnis die Worte aus\ndem Gefängnisse der lateinischen Periode zu be-\nfreien. Sie hat natürlich — wie alles dumme —\neinen großen Kopf, einen Schmerbauch, zwei Beine\nund zwei Plattfüße, aber niemals zwei Flügel. Sie\nkann gehen, einige Augenblicke laufen, um fast\ngleichzeitig schnaufend anzuhalten.\nSo sprach der surrende Propeller, während ich\nin einer Höhe von zweihundert Metern'jähe.}* die\nmächtigen Schlote Mailands flog. Und er fügte\nhinzu:\n1 Man muß die Grammatik dadurch zerstören,\ndaß man die Substantivs nach der Art ihrer Ent-\nstehung anordnet.\n2 Man muß das Verb im Infinitiv gebrauchen,\ndamit es sich elastisch dem Substantiv anpaßt und\nes nicht dem „Typ\" des Schriftstellers unterwirft,\nder beobachtet oder erfindet. Das Verb im Infi-\nnitiv kann einzig den Sinn der Fortdauer des Le-\nbens und die Elastizität der wahrnehmenden In-\ntuition geben.\n3 Man muß das Adjektiv beseitigen, damit das\nnackte Substantiv seine eigentliche Färbung behält.\nDas Adjektiv, das das Prinzip der Abstufung und\nNüancierung in sich trägt, ist unvereinbar mit un-\nserer dynamischen Vision, da es einen Stillstand,\neine Ueberlegung voraussetzt.\n4 Man muß das Adverb beseitigen, die alte\nAgraffe, die die Wörter zusammenhält. Das Ad- ,\nverb gibt dem Satze einen langweilig gleichmäßi-\ngen Ton.\n5 Jedes Substantiv muß seine Verdopplung\nhaben, das heißt, das Substantiv muß ohne Kon-\njunktion dem Substantiv folgen, dem es durch\nAnalogie verbunden ist. Beispiel: Mann — Tor-\npedoboot, Frau — Hafen, Menge — Brandung,\nPlatz — Trichter, Tür — Maschinenhahn.\nDie aviatische Schnelligkeit hat unsere Welt-\nkenntnis vervielfacht; deshalb wird die Erkenntnis\ndurch Analogie dem Menschen immer natürlicher.\nMan soll also die Redewendungen: wie, gleich,\nebenso wie. ähnlich unterdrücken. Besser noch\nsollte man den Gegenstand mit dem von ihm er-\nweckten Bild zu einem kennzeichnenden Wort zu-\nsammenziehen.\n6 Keine Interpunktion mehr. Wenn die Adjek-\ntiva, Adverbien und die Konjunktionen unterdrückt\nsind, dann macht sich die Interpunktion selbst über-\nflüssig, in der Abwechslung eines lebhaften, durch\nsich selbst geschaffenen Stiles, ohne die absurde\nUnterbrechung, durch Komma und Punkte. Um ge-\nwisse Bewegungen hervorzuheben und ihre Rich-\ntimg anzugeben, wird man sich der mathematischen\nZeichen X + : — = > <, und der musikalischen\nZeichen bedienen\n7 Der Schriftsteller hat sich bis jetzt der unmit-\ntelbaren Analogie überlassen. Er hat beispiels-\nweise eine Tür mit einem Menschen verglichen,\noder wieder mit einem Tier, was fast Photographie\nist. Er hat beispielsweise einen Fox-Terrier mit\neinem ganz kleinen Vollblut verglichen. Andere\nVorgeschrittenere können denselben Fox-Terrier\nmit einer kleinen Morsemaschine vergleichen. Ich\nvergleiche ihn mit wallendem Wasser. Es ist dies\neine immer ausgedehntere Steigerung von Analo-\ngien auf immer tiefere, wenn auch sehr fernliegende\nBeziehungen.\nAnalogie ist nur die tiefe Liebe, die fernstehende,\noffenbar verschiedene und feindliche Dinge ver-\nbindet. Nur mit weiten Analogien kann ein orche-\nstraler Stil, der gleichzeitig polymorph, polyphon\nund polychrom ist, die Leben der Materie umfassen.\nWenn ich in meiner ~Bataille de Tripoli\" einen\nvon Bajonetten starrenden Laufgaben mit einem\nOrchester, eine Mitrailleuse mit einer verhängnis-\nvollen Frau vergleiche, so habe ich anschaulich\neinen großen Teil des Weltalls in einer kurzen afri-\nkanischen Schlachtepisode eingeführt.\nDie Bilder sind nicht Blumen, die man mit Spar-\nsamkeit auswählen und pflücken muß, wie Voltaire\nsagte. Sie bilden das Blut selbst der Dichtung.\nDie Dichtung muß eine ununterbrochene Folge\nneuer Bilder sein, ohne die sie blutarm und bleich-\nsüchtig ist.\nJe mehr die Bilder weite Beziehungen enthalten,\ndesto länger behalten sie ihre bestürzende Kraft.\nMan muß, sagt man, die Betroffenheit des Lesers\nschonen. Ach! wo! Kümmern wir uns lieber um\ndie unangenehme Abnutzung der Zeit, die nicht nur\ndie Wucht, sondern auch die beizende Kraft des\nAusdrucks eines Meisterwerkes zerstört. Haben\nnicht unsere zu oft begeisterten Ohren Beethoven\nund Wagner „abgenutzt\"? Man muß also in der\nSprache zerstören: Bilder-Cliches, farblose Meta-\nphern, also fast alles.\n8 Es gibt keine Kategorien vornehmer oder\ngräßlicher, eleganter oder ärmlicher, übertriebener\noder natürlicher Bilder. Die Intuition, die sie wahr-\nnimmt, kennt keine Rücksichnahme oder Partei-\nlichkeit. Der vergleichende Stil ist also unum-\nschränkter Herrscher der ganzen Materie und ihres\nintensiven Lebens.\n9 Um die aufeinanderfolgenden\neines Gegenstandes darzustellen, muß man eine\nKette der Analogien bilden, die er hervorruft, eine\njede gedrängt, in,ein kennzeichnendes Wort zusam-\nmengefaßt.\nEin ausdrucksvolles Beispiel einer Kette von\nAnalogien, die nur durch traditionelle Syntax ver-\nborgen wird, ist dies zum Beispiel:\n„Gewiß, Sie sind, kleine Mitralleuse, eine rei-\nzende Frau, unglückverheißend\" und göttlich, am\nSteuer eines unsichtbaren 100 PS, der schnaubt\nund vor Ungeduld stampft . . . Und bald werden\nSie den Umkreis des Todes erreicht haben, Sie\nwerden dem verderblichen Helmbusch oder dem\nSiege entgegenlaufen! Wollen Sie anmutige, farb-\nvolle Madrigale über dieses Thema? Nach ihrem.\nBelieben, gnädige Frau! Ich finde, Sie gleichen\nauch einem gestikulierenden Volksredner, dessen\nberedte und unermüdliche Zunge seine erregten\nZuhörer bis ans Herz rührt. Sie sind in diesem\nAugenblick ein allmächtiger Steinbohrer, der den\nallzu festen Schädel der Nacht anbohrt. Sie sind\nauch ein stählernes Walzwerk, eine elektrische\nDrechselbank, und was noch? . . . ein großes, ver-\nkohlendes Schilfrohr, das schneidet und die metal-\nlischen Spitzen der letztem Sterne verschmelzen\nmacht.\" (Bataille de Tripoli.)\nIn gewissen Fällen muß man die Bilder je zwei,\nzu zwei vereinigen, wie eine Kanonenkugel im\nFluge einige nebeneinander stehende Bäume durch-\nbohren kann.\nUm alles zu entwickeln und zu erfassen, was es\nan Flüchtigem und Unfaßbaren in der Materie gibv\nmuß man ein engmaschiges Netz von Analogien\nbilden, das man in das Meer der Erscheinungen\nversenken wird. Abgesehen von der traditionellen\nForm ist folgender Satz aus meinem Roman „Ma\nfarka der Futurist\" ein solch engmaschiges Netz:\n„Ali die herbe Süße seiner Jugend stieg aus seiner\nKehle, wie vom Schulhof die Schreie der Kinder\nzu ihren alten Lehrern aufsteigen, die an die Brü-\nstung des Dachgartens gelehnt, die Schiffe aufs\noffene Meer fliehen sehen.\"\nNoch drei Beispiele:\n„Um den Brunnen Bumelianas, unter dichtbe-\nlaubten Olivenbäumen zusammengekauert drei Ka-\nmele, lässig im Sande, die vor Freude ihren Spei-\nchel wie eine Wasserrinne fließen ließen. Und dies\nGeräusch mischte sich mit dem Fauchen der\nDampfpumpe, die die Stadt mit Wasser versorgt''\n„Gekreisch und futuristische Dissonanzen in\ndem tiefen Orchester der krumm sich öffnenden\nLaufgräben mit den wiederhallenden Höhlungen in-\nmitten dem Auf und Ab der Bajonette, Violinbogen,\ndie der rote Taktstock des himmlischen Dirigenten\nbegeistert aufflammen läßt.\"\n„Er sammelt mit einer weiten Armbewegung die\nzerstreuten Flöten der Vögel in den Bäumen und\ndie klagenden Harfen der Insekten, das Knacken\nder Aeste und das Knirschen der Steine . . . Plötz-\nlich winkt er den Pauken der Suppennäpfe und\naneinanderstoßenden Gewehre ab, um mit voller\nStimme unter Begleitung des gedämpften Orche-\nsters alle Sterne in goldenem Gewand singen zu .\nlassen, an der Rampe des Himmels. Und siehe,\neine Dame bei diesem Schauspiel. Weit ausge-\nschnitten zeigt die Wüste ihren ungeheuren Busen\nmit den feuchten Kurven, rosig geschminkt unter\nden glänzenden Steinen der verschwenderischen\nNacht.\" (Bataille de Tripoli)\n10 Da jede Art von Ordnung notwendig das\nErgebnis eines vorsichtigen Verstandes ist, muß\nman die Analogien orchestrieren, verteilen nach*\neinem Maximum von Unordnung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.6", "texte": "11 Man muß das „Ich\" in der Literatur zer-\nstören, das heißt alle Psychologie. Die Menschen\nsind vollkommen verblödet durch Bibliotheken und\nMuseen und einer schrecklichen Logik und Weis-\nheit unterworfen: das interessiert nicht mehr. Man\n.muß sie also in der Literatur abschaffen. Man muß\nsie durch die Materie ersetzen, deren Wesen man\nmit der Intuition fassen muß, was Physiker und\nChemiker niemals erreichen werden. Man muß\ndie Objekte in Freiheit überraschen, ihre launen-\nhaften Beweger, das Atmen, die Empfindsamkeit\nund den Instinkt der Metalle, der Hölzer, des Ge-\nsteins. Man muß die Psychologie der\nMenschen durch die lyrische Eindringlichkeit der\nMaterie ersetzen.\nHütet Euch, der Materie menschliche Gefühle\nzu unterschieben, erratet liebe ihre verschiedenen\nunmittelbaren Anlässe, die kraftvolle Fähigkeit sich\nzu zerstreuen, die zahllosen Moleküle und die Wir-\nbel der Elektronen. Man muß nicht Dramen der\nvermenschlichten Materie geben. Die Festigkeit\neiner Stahlplatte erweckt unsere Teilnahme durch\nsich selbst, die unverständliche und übermensch-\nliche Verbindung ihrer Moleküle und Elektronen,\ndie sich etwa dem Eindringen eines Shrapnells wi-\ndersetzen. Von nun an ist die Hitze eines Stücks\nEisen oder Holz weit anregender als das Lachen\n•oder Weinen einer Frau.\nWir wollen in der Literatur das Leben eines\nMotors geben, dieses neuen instinktiven Tieres,\ndessen Hauptihstinkt wir kennen, wenn wir die In-\nstinkte der einzelnen Kräfte erkannt haben, aus\ndenen er besteht.\nEs gibt nichts interessanteres, für den futuristi-\nschen Dichter wenigstens, als die Bewegung der\nKlaviatur eines mechanischen Pianinos. Der Kine-\nmatograph bietet uns den Tanz eines Gegenstandes,\nder sich teilt und sich ohne menschliche Hilfe wie-\nder zusammensetzt. Er zeigt den Schwung eines\nTauchers, dessen Füße aus dein Wassen ragen und\nheftig auf das Sprungbrett aufprallen. Er zeigt uns\nMenschen, die zweihundert Kilometer in der Stunde\nlaufen. Lauter Bewegungen der Materie außer-\nhalb der Gesetze der Intelligenz als Produkt einer\nbedeutsamen Substanz.\nAußerdem muß man die Leichtigkeit (Flugfähig-\nkeit) und den Geruch (Verteilungfälligkeit) der\nGegenstände wiedergeben, was man bisher in der\nLiteratur versäumt hat. Man muß sich etwa be-\nmühen, die Landschaft in Gerüchen anzugeben, die\nein Hund wahrnimmt, die Motore hören und ihre\nReden wiedergeben.\nDie Materie wurde immer von einem Ich beob-\nachtet, das zerstreut ist, kalt, zu eingenommen von\nSick und voller Vorurteile der Weisheit und\nmenschlicher Beseßenheiten.\nDer Mensch versucht mit seiner jungen Freude\noder mit seinem alten Schmerz die Materie zu be-\nsudeln, die weder jung noch alt ist, die eine be-\nwundernswerte Stetigkeit an Feuer, Begeisterung,\nBewegung und Zerstreuung besitzt. Die Materie ist\nnicht froh noch traurig. Ihre Substanz besteht aus\nMut, Wille und absoluter Kraft. Sie gehört voll-\nkommen dem erfinderischen Dichter, der sich von\ndem traditionellen, schwerfälligen, engen, an den\nBoden geketteten Syntax wird befreien können,\ndie weder Arme noch Flügel hat, denn sie wird nur\nvom Verstand geleitet. Nur der unsyntaktische\nDichter, der sich der losgelösten Wörter bedient,\nwird in die Substanz der Materie eindringen können\nund die dumpfe Feindlichkeit, die sie von uns\ntrennt, zerstören.\nDie lateinische Periode, die wir bisher gebrauch-\nten, war eine anspruchsvolle Geste, durch die eine\nanmaßende und kurzsichtige Intelligenz das viel-\ngestaltige und geheimnisvolle Leben der Materie\nzu bändigen versuchte. Die lateinische Periode\nwar Totgeburt.\nDie tiefe Intuition des Lebens verbindet Wort\nan Wort nach der unlogischen Entstehung, sie gibt\ndie Hauptlinien einer intuitiven Psychologie der\nMaterie. Sie entstand in meinem Geiste hoch\noben im Aeroplan. Als ich die Objekte von diesem\nneuen Gesichtspunkte betrachtete, nicht von vorn\noder von hinten, sondern von oben, also verkürzt,\nda konnte ich die alten Fesseln der Logik und das\nBlei der alten Begriffe zerstören.\nDie Ihr mich geliebt habt und mir bis jetzt ge-\nfolgt seid, futuristische Dichter, Ihr wäret wie ich\nbegeisterte Bilderkonstrukteure und kühne Ana-\nlogienforscher. Aber das engmaschige Netz der\nMetaphern ist beschwert durch die bleierne Logik.\nIch rate Euch, es zu erleichtern, damit Eure Geste\nin das Unendliche es fortschleudert: breitet es\nauf dem weiten Ozean aus.\nZusammen werden wir etwas erfinden, was ich\ndrahtlose Vorstellung nenne. Einst werden wir zu\neiner noch wesenseinheitlicheren Kunst gelangen,\nwenn wir erst die ersten Ausdrücke unser Analo-\ngien zu unterdrücken wagen und nur eine un-\nunterbrochene Folge von zweiten Ausdrücken ge-\nben. Wir müssen darauf verzichten, verstanden\nzu werden. Verstanden zu werden ist überflüssig.\nWir haben auch schon darauf verzichtet, als wir\nFragmente futuristischer Sensibilität mit Hilfe der\ntraditionellen Verstandessyntax ausdrückten.\nDie Syntax war eine Art abstrakte Geheim-\nschrift, die dem Dichter dazu diente, die Menge\nüber die Farben, die Musik, Plastik und Architek-\ntur der Welt zu belehren.\nDie Syntax war eine Art Unterhändler und\nlangweiliger Führer. Man muß diesen Zwischen-\nträger beseitigen, damit die Literatur unmittelbar\nin das Weltall gelangt und einen Körper mit ihm\nbildet.\nUnbestreitbar unterscheidet sich mein Werk\neinfach von den übrigen durch die große Wucht\nder Analogien. Sein erstaunlicher Bilderreichtum\nwirkt beinahe wie die Unordnung der logischen\nInterpunktion. Es beginnt mit dem ersten futu-\nristischen Manifest, die Synthese eines 100 PS.\nmit tollster Geschwindigkeit.\nWarum soll man sich noch der verzweifelt\ndahinrasenden Räder bedienen, jetzt, da man sich\nvom Boden trennen kann! Befreiung des Wortes,\nschweifende Flügel der Einbildung, analogische\nSynthese: die Erde, mit einem einzigen Blick\numfaßt, mit einem einzigen, wesentlichen Worte\ngestaltet.\nMan schreit: „Eure Literatur wird nicht schön\nsein! Wir werden nicht mehr eine Wortsym-\nphonie haben mit den harmonischen Schwankun-\ngen und beruhigenden Kadenzen.\" Natürlich.\nEin Glück. Im Gegenteil, wir werden alle bruta-\nlen Töne gebrauchen, alle ausdrucksvollen Schreie\ndes heftigen Lebens, das uns umkreist.\nGebrauchen wir das „Häßliche'4 in der Litera-\ntur und töten wir überall die Feierlichkeit. Nehmt\ndoch nicht die Allüren von Hohepriestern an, wenn\nIhr mir zuhört. Man muß täglich den „Altar der\nKunst\" anspeien. Wir betreten die unbegrenzten\nGebiete der freien Intuition. Nach dem freien\nVers auch das freie Wort.\nEs gibt nichts Absolutes noch Systematisches.\nDas Genie hat heftige Stürme und schlammige\nStröme. Es erfordert manchmal analytische und\nerklärende Langsamkeiten. Man kann seine Sen-\nsibilität nicht plötzlich erneuern. Die toten Zellen\nsind mit den lebenden vermischt. Die Kunst be-\ndeutet das Bedürfnis sich zu zerstören und sich\nzu zerstreuen, indem sie,, eine riesige Gießkanne,\ndas Land mit Heldentum überschwemmt. Die Mi-\nkroben, vergeßt es nicht, sind notwendig für das\nBlut und für die Kunst, für die Verlängerung des\nWraldes unserer Adern, der sich außerhalb unse-\nres Körpers ins Unendliche des Raumes und der\nZeit ausdehnt.\nFuturistische Dichter! Ich habe Euch den Haß\ngegen die Bibliotheken und Museen gelehrt; nur\num Euch auf den Haß gegen die Intelligenz vorzu-\nbereiten, indem ich die göttliche Intuition er-\nweckte, das charakteristische Geschenk der la-\nteinischen Rassen. Durch die Intuition werden\nwir den scheinbar unverrückbaren Widerstand\nbrechen, den unser menschliches Fleisch vom Me-\ntall der Motore trennt.\nNach der Herrschaft der Lebenden beginnt das\nReich der Maschinen. Durch die Bekanntschaft\nund Freundschaft der Materie, von der die Gelehr-\nten nur die physikalisch-chemischen Beziehungen\nkennen, bereiten wir die Schöpfung des mecha-\nnischen Menschen mit Ersatzteilen vor. Wir wer-\nden ihn vom Todesgedanken befreien und daher\nauch vom Tode, dieser höchsten Definition logi-\nscher Intelligenz.\n\nAutorisierte Übersetzung von Jean-Jacques\n\nDie Wissenschaft\nJ. L. Windholz\nAlles, was geschieht, ist eindeutig und hat\nnicht seinesgleichen, und es geschieht nicht zum\nanderen Male und geschieht niemals wieder.\nUnd dennoch gleichet ein Geschehen dem an-\nderen, wie ein rechter Schuh dem linken oder wie\nein Hammel allen übrigen Hammeln der Hammel-\nherde, oder wie ein Engländer allen anderen Eng-\nländern, die wenigen ausgenommen, welche einen\nVollbart tragen.\nDas wissen die Historiker und sie arbeiten mit\nAnalogien und Vergleichen, um zu erklären und\nzu erläutern und uns die Dinge näher zu bringen.\nVergleiche aber sind verhexte und verzauberte\nWesen. Man glaubt sie zu fassen und sie zer-\nflattern in Luft.\nSo wahr aber in diesem Sommer sich die Ma-\nturnologie erwiesen hat als die Wissenschaft von\nden Dingen, die jenseits aller menschlichen Erfah-\nrung liegen, so wahr ist die Statistik die realste\naller Wissenschaften, denn sie zählt die Dinge und\nmacht ein Strichelchen neben dem andern, und wir\nverdanken ihr nicht nur die vergnüglichsten son-\ndern auch die sichersten Erkenntnisse\nDa hat nun der Direktor des Wilmersdorfer\nStatistischen Amtes, Dr. Dreydorff, eine ebenso\nverdienstliche wie aufschlußreiche Untersuchung\nangestellt und es zeigte sich, daß fast jeder zwan-\nzigste Mensch, der in Wilmersdorf über die\nStraße läuft, ein Oesterreicher ist. So die Wis-\nsenschaft.\nWas aber die Wissenschaft nicht sagt: dieser\nZwanzigste ist immer ein Mensch, der Musik\nmacht oder Theater macht oder Literatur oder\nwenigstens Zeitung macht oder mindestens ein\nDamenschneider ist. — Kurzum, dieser zwanzigste\nWilmersdorfer ist immer ein Mensch, der etwas\nvon dem großen und schönen und notwendigen\nDinge macht, das man Kultur nennt.\nRom verschlang Athen und Athen gab ihm\nseine Rhethoren und Philosophen und verschlang\nRom. Und Rom verschlang den Orient und der\nOrient gab Rom den Mithraskult und drückte ihm\ndie Kehle zu.\nIch weiß, Berlin ist nicht Rom und Wien ist\nkein Athen und ein wiener Operettenkomponist\nkein griechischer Peripathetiker; -— das weiß ich\nalles. Die Sach stimmt nicht -— und dennoch\nstimmt die Sach."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191210-05.1.7", "texte": "Notizen\nDer Herausgeber dieser Zeitschriit empfängt ein-\nmal monatlich Sonntags von 4 bis 7 Uhr in der\nAusstellung Der Sturm, Königin Augustastraße 51.\nkn Nov einher: am zehnten des Monats.\nWegen Einladungen wende man sich an die Redak-\ntion dieser Zeitschrift\nFranz Marc, von dem sich ein Holzschnitt in\ndieser Nummer befindet, ist Mitglied der Neuen\nSezession\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin Wr 9\nEs werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen von\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9 und durch G raphi sehe x\nKabinett, J. B. Neumann, Charlottenburg, Kur-\nfürstendamm 33\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Haus© / Berlin SO 2$\n\nAnzeigen\n\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nNeue Konst Hans Go 11 z Miinc h e s , Ode -\nollsp 1 a t z 1 I Van Gogh bis Kandinsky / Die\nGraphische Ausstellung enthalt zurzeit Brang-\nwyn I Hodler / Liebermann / Munch /\nSchmutzer / Slevogt / Zoir / Zorn / und\nandere /' Illustrierter Katalog der ersten Aus-\nstellung 50 Pfennig / Sammler wo Hen mir ill re\nWiinsche stets übermitteln Auswahlsendungen\nbereitwillig\nElse Lasker-Schiiler: Me in He r z / Ein Liebes-\nroman mit Bildern und wirklich lebenden Men-\nscheil I Das Buch erscheint Ende Oktober. kostet\ngeheftet vier Mark, gebnnden flint Mark. Prospekte\nkostenlos durch den Verlag Hein r i c h F. S.\nBachrn a i r , Miinc h en , Kurfiirstenstrale 39\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeitew\n2 / die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGesch&ftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, Miquelstraße 7a. Fernruf Arrst Steglitz 2699\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandlung /\nBerlin W 15, Kurfiirstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraße / Eckhaus / Fernruf Amt Steinplatz\n14297 I Der Inhaber des Graphischen Kabinett?\nJ. B. Neumann eroffnet in der Schillerstraße 6 (am\nKnie) eine Ausstellung fur die neue Malerei. In ihr\nsollen ausschließlich Werke jiingerer Kiinstler ge-\nzeigt werden\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 1 Spezialgeschaft filr bibliophile Lite-\nratur aiier Zest / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.-—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung / Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nPaul Graupe / Antiquariat / Berlin W 35 / Soeben-\nerschien Katalog 62 Moderne Literatur / Neuaus-\ngaben / Luxusdrucke\nRetiß oiid Pollack / Buchhandlung und AntiQua-\nriat / Potsdamerstraße 118 c. Fernsprccher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession ,/ Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nFritz Merker Chariottenburg, Schillerstraße 94.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zcichenmappen / Auf-\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine j Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Gcnest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stan gen,\nLinkstraße 12. Telefon: Amt Kurfurst 2425\n\nmiter Berechnung des Nachnahrneporlos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fes t -\nbra tens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnu ng / Qriginalholz-\nschnitt / 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n1 Tig e r / Originalholzschnitte / je 10 Exemplare\nvom Kiinstler auf Japanpapier handgedruckt. si-\ngniert und numeriert / Das Exemplar 40 Mark\nRiehter-Berlm: Landschaft mit hollandischer Milhle\n/ Landschaft mit Bockmiihle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kindern / je fiinf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier / Das Exemplar 25 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande 111 /\nje iiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nti. Campendotik: Originalholzschnitt [Nummer 131]\nzwolf signierte und numerierte Exemplare / Das\nExemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Flak at fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nJc ein Exemplar ist star)dig ausgestelK im Graphisctien\nKabinett, Kurftirstendarnm 33\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von Ar no Ho 1 z / Fiir Gesang und Kta-\nvier I 3 Mark\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umber t o Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / GinoSeve-\nrini: Die Modistin / Ruhelose T&nzerin ,/ Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in v©ller Fahrt / G i no S e v er i n i:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin /\\ L-1 ich e -\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Koulgin Augustastraße 51\nsegeHiiher der von der Heydtstraße\nFahrgclesrenheit: Liitzowplatz\nAchte Ausstellung\nDie Pathetiker\nLtwtwig Meidner / Jakob Steinhardt / Richard\nJanthur\nVom zweiten bis fiiiifzehnten November\nOeoifnet tagllch von 10—6 Uhr / Soantags von\nIft—2 Uhr\n\nVerlag der Sturm\nBerOsi W 9 Potsdamer StraOe 18\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewfthnliche Atisgabe: Fur Deutschland\nend Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSosiderausgabe: U ngebrochene Exem-\nplar e au 112 holzf r e ie m Papier, Ve r -\nsend ?r n g i n Ro 11 en dire k t dur c h die\nPost fur De u tschl an d und O ester-\nre ich-Un g a ni : Ein Jahr 12 Mark I\nEin Halbjahr 6 Mark X Fur das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern nrrd Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark ; Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\niirch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nZiehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosk en und Strafienstanden\nauf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird. bitten wir den Be t r a g fiir den\nDajerbezug fc e . ci e i T> cs, e 1 lung oder bei\nBeg i n n des neuen Viertel j a hr e s bis\nzum z eh nt en des ersten Monats e i n z u-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\niz ieh un g des Betrages durch N achn ah me\n\nZeitsehriften\nDie Aufnahme erfolgt kostenios nach freicrn Ermessen\nder Redaktion dieser Zeitschrift\nDie Fackel / Herausgeber: Karl Kra us / Er-\nscheint in zwangloser Folge. Die Fackel enthralt\nnur Beitrage von Karl Kraus. Neuestc Nummer\n357—359. Inhalt: Der Ton / Glossen / Moment-\naufnahmen / Elektrische Erziehung / Notizen /\nGlossen I liarakiri una Feuilleton / Preis dieser\ndreifachen Nimi-mer 75 Pfennig' / Verlag Die Fackel\n/ Wien 111/2\nLTffort Libre / frriher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\n/ Halbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur ; Philosopbie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges /' Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptai\nLa Nouvelle Revue Fraweaise / Monatsschrift /\nVerlag Marcel Riviere et Cie / Paris / 1 Rue\nSaint-Benoit ' Numrner 1 Francs 50 centimes"}]}