{"numero_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_sha256": "1a53a976870892098a8ef577adf1cece43464458c8b595adbe8bcb99491711f1", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1912/12_02/bmtnabg_1912-12_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1912/12_02/bmtnabg_1912-12_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c001", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.1", "debut_caractere": 350, "fin_caractere_exclue": 924, "texte": "Inhalt:\nH. W.: Vorschmack: Ein Brevier des Geschmacks / Der Geschmack in anderen Dingen / Antwort / Lothar von KIMOWSkI: Kunst rühmt den Tod.\nder Natur / E. Epstein: Einige Gedanken über Bildentstehung / Günther Mürr: Marienlied / Hermann Wagner: Die rote Flamme / Jacqoes Rhri&re: Die\nPolovetzer Tänze / Svend Borberg: Barokko: Jensen made \"in Germany / Joseph Adler: Guten Morgen, Pioniere / Franz Marc: Der Stier/ Original-\nholzschnitt / F. Rosenkranz: Die Straße / Originalholzschnitt / H. 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Wir haben alles, was man von\nder Krawatte weiß, Historisches, Aesthetisches,\nEthisches, Praktisches, Alltägliches und Witziges\ngesammelt und zusammengestellt und he r vor-\nr.a ge nd e Schriftsteller, die we iß Gott sich\nsonst mi t ernsteren Dingen beschäf-\ntigen, halfen uns bei diesem nicht leichten Unter-\nnehmen. Leute, die auch für das Oberfläch-\nliche ein tiefes Verständnis haben . . Die\nHerausgeber, die sich so n s t mit ernsteren Din-\ngen beschäftigen und nur ausnahmsweise Krawat-\ntengeschäften helfen, heißen: Edmund Edel, W.\nFred, Hans Heinz Ewers, Roda Roda, Diese ernste-\nren Schriftsteller haben s o n s t für das Tiefe ein\noberflächliches Verständnis, Man wird sich also\nnicht zu sehr wundern, daß sie ausnahmsweise für\ndas Oberflächliche ein tiefes Verständnis haben.\nMan wundert sich höchstens, daß Herr Ewers das\neinen seines Vornamens Hans abgelegt, und dafür\nachtundsechzig Krawatten dem staunenden Publi-\nkum angebunden hat. Herr Doktor Ewers hat es\nschwer auf dieser Erde. Entweder speit ihn das\n-deutsche Volk an, wie er in einer Reklameschrift\nseines Verlags bekennt, oder das deutsche Volk be-\nlästigt ihn mit der Bitte um Autogramme. Das\ndeutsche Volk schreibt meistens an ihn: „Ver-\nehrter Meister\". Man erzählt ihm, daß man schon\nAutogramme von Herzog besitze (gemeint ist nicht\nder Linterschriftsteller, der in der vorigen Nummer\ndieser Zeitschrift durch Fettdruck hervorgehoben\nwurde, sondern der große Rudolf). Ja sogar von\nFrenssen, Eulenburg und Otto Ernst besitzt man.\nManchmal schickt das 'deutsche Volk dem Autor\nauch seine Bücher zurück, weil es „n a c h t r äg -\nlieh noch etwa Geistreiches hineingeschrie-\nben haben will\". Dieses Verlangen des deutschen\nVolkes kann man bei Werken des Herrn Ewers\nbegreifen. Wie aber soll die Literatur mit der\nKrawatte verknotet werden. Man muß die dämo-\nnische Phantasie des Doktors Ewers besitzen. Er\nerfindet kraft seiner Gaben eine Dame, die Kra-\nwatten von sehr berühmten Dichtern gegen Gaben\nan arme Leute sammelt. Und da Herr Doktor\nEwers nun einmal dämonisch ist, versteht es sich\nvon selbst, daß eine „Dame von Adel\" darauf her-\neinfällt, ihn um einen Dichte r s c h 15 p s zu bit-\nten! Herr Doktor Ewers ladet die adlige Dame\nzu sich, denn sie wollte einen für seine Individua-\nlität charakteristischen Schlips haben: „Aber ich\nfand nicht; unter meinen achtundsechzig Krawat-\nten vermochte ich nach einstündigem Suchen\ndurchaus nicht die zu finden, die für meine Indi-\nvidualität am charakteristischesten war.\" Die Kra-\nwatten reichten zwar aus, aber die Individualität\nwar nicht vorhanden. So konnte Herr Doktor\nEwers natürlich lange suchen. Die adlige Dame\nkam also: „Ich schicke meinen Sekretär, sie zu\nholen.\" Nämlich die Schlipse, Die Dame besaß\nSchlipse von Goethe, E, Th. A. Hoffmann, Ver-\nlaine, Oskar Wilde und Tolstoi; es fehlte ihr eigent-\nlich also nur Doktor Ewers. Der ersucht sie, seine\nIndividualität unter den Schlipsen zu finden. Mit\n„Kennerblick44 zog sie einen mauvefarbenen Binder\nheraus und stellte fest, daß Herr Doktor Ewers\ny . ' *. * * t \"\n„Erotiker44 ist. Aber auch diese Feststellung seiner\nIndividualität gelang ihr etwa nicht durch den\nmauvefarbenen Binder, sondern durch ein schwar-\nzes Haar, das daran hing. Man ist enttäuscht.\nHerr Doktor Ewers, der sich nun schon jahrelang\nmit feiner Herrenkleidung der Firma Hermann\nHoffmann befaßt, säubert nicht einmal seine Kra-\nwatten, bevor er sie, nach der Vorschrift des\nHerrn Dichters Edmund Edel weglegt. Mau ist\nenttäuscht. Und man sieht wieder, daß es leich-\nter ist, in Büchern, als mit Krawatten aufzuschnei-\nden. Der Erwerb von Krawatten wird den deut-\nschen Dichern auch sehr schwer gemacht. Herr\nDoktor Ewers zum Beispiel muß deshalb Vorträge\nhalten und miserable Zeitungsartikel schreiben. So\nbekennt er in dem Vorwort seines Buches Indien\nund ich: „Ich halte es zwar für eine Infamie, daß\nein schaf 112 e n 4 e r Künstler gezwungen ist, um\ndas Leben, das für sei n e K u n s t das einzig\nmögliche ist, führen zu können, sich\nöffentlich zur Schau zu stellen. Ich bin auch der\nMeinung, daß es eine Gemeinheit ist, wenn ein\nDichter jähr ins jahrein Zeitungsartikel schreiben\nmuß, in denen er naturgemäß von aller Kunst\nsich möglichst fern halten soll\" Naturgemäß ge-\nlingt .es dem Dichter Ewers auch, von aller Kunst\nsich möglichst weit fern, zu halten. Es überrascht\ngeradezu, wie gut es ihm glückt. Da er weder\nKosten noch Krawatten scheut, um „das Leben zu\nführen, aus dem seine Kunst Wurzel schlägt\". Er\nmacht nämlich dazu Reisen und muß „die Lande\nsehen\". Er sieht die Lande, aber seine Kunst\nschlägt keine Wurzel. Der Knotenpunkt bleibt die\nKrawatte. „Und mit dieser Kunst mache ich kein\nGeschäft. Ich verschenke sie.\" Das ist keine\nPhrase. Bei Einkäufen über fünf Mark. „Das\ndeutsche Volk beachtet uns nicht? Aber gewiß\nbeachtet es un s. Jeder Redakteur tut für un s,\nwas er nur kann. Man schreibt über un s, man er-\nwähnt uns überall. Und aus dem 'Publikum\nkommen seh n s ü cht! g e Briefe, man quält\nuns um Autogramme, beruft uns in alle Wohl-\ntätigkeitskomitees. Man übersetzt un s auch,\nmacht un s berühmt in zwei Dutzend Sprachen.\nWenn w i r sterben, widmet man u n s lange Nach-\nrufe, stiftet einem oder dem andern gar ein stei-\nnernes Bild. (Mir freilich gewiß nicht, in bin in\nDüsseldorf geboren!)\" Schiller zum Beispiel war\nvorsichtiger in der Wahl seines Geburtsortes, als\nHeine und Ewers. Aber dafür wurden die äfteren\nHerren nicht in Wohltätigkeitskomitees berufen.\nDes weiteren beschwert sich Herr Ewers darüber,\n„daß das deutsche Volk nur Geld für Unterhaltungs-\nlektüre ausgebe.\" aber nicht einmal dafür scheint\ndem deutschen Volk nach eigener Angabe der Dich-\nter Ewers gut genug: „Unsere* Bücher — borgt\nman sich aus oder bekommt man als Freiexem-\nplare.\" Bei Einkäufen über fünf Mark. Bitter be-\nmerkt der Dichter: „Ich werde mir freilich den\nLuxus nie gestatten können, ein eigen Heim zu\nhaben und eine Familie zu gründen. Aber ich darf\nmir dafür erlauben, Träume zu träumen, die kein\nanderer vor mir je zu träumen wagte . . Man\nhat es gewagt. Und die Vorträumer brauchten\nnicht einmal Reisen zu machen. Sie hatten das\nDichten billiger. „Wias mir Indien ist — steht frei-\nlich nicht auf diesen Seiten . . . Und trotzdem —\nauch ih r möget diese Blätter lesen, ihr paar Men-\nschen, die ihr mich liebt und die ich nicht kenne,\ndenn seht: niemand kann aus seiner Haut heraus.\"\nNicht einmal, wenn ihm der Bauch aufgeschnitten\nwird. Der Krawattenträumer bedichtet, naürlich\nim Zeitgeist, seine Blinddarmoperation. Auf dem\nKrankenbett scheint das Schreiben schlechter Lite-\nratur schwierig zu sein. Da muß man sie lesen\nund empfehlen. Bei Einkäufen über fünf Mark.\nHerr Doktor Ewers empfiehlt als geeignete Kran-\nkenlektiire Bücher von Gaulke und Poritzky, die\nhinwiederum ihn dem deutschen Volk empfehlen.\nWenn er Gaulke liest „„'bleibt eirt wildes grandioses'\nLachen übrig.\" „Ich muß sagen, dieses Lachen tat\nmir gut. Ich glaube mein Loch im Bauch wurde\netwas enger davon.\" So wirkt Gaulke. So träumt\nman sich in das Leben zu rücke. Die Phantasie wird\nwieder bei Edm. Wünsch selbstbinderisch beflügelt\nund bei Hertmann Hoffmarin bekleidet. Und wenn\nauch das Leben des Hern? Ewers keine Träume\nhat, so bleibt doch ein Traum seine' achtun sechzig\nKrawatten. Zu beziehen bei Edm. Wünsch. Hoff-\nmanns Erzählung hat dein Doktor Ewers schon\neiner vorgeträumt. Als wohlfeiler Rest bleibt,\nHoffmanns Wünsch.\nDer Geschmack in anderen Dingen\nDer Z wie b e Ifi s c h nennt sich „eine kleine\nZeitschrift für Geschmack in Büdier und anderen:\nDingen4'. Sie ist sehr geschmackvoll gedruckt und\ngibt zweifellos den schlechten Magen der Drucker\nund Verleger gute Anregungen.! Ueher' den Ge-\nschmack der kleinen Zeitschrift, in diesen Dingen\nläßt sich nicht streiten. Dem 'Z wiebeirisch - muß]\naber das Recht bestritten werden, Zwiebelfische'\nin die Malerei und Literatur zu setzen. Die' Au-\nsführungen über den blauen Reiter \"sind so naiv, so\nkunstfremd, daß man sie am besten in dem „Brief-\nkasten\" der Redaktion stecken läßt. Das Lob die-\nser Zeitschrift im Zwiebelfisch wird entschieden\nabgelehnt. Der Sturm duldet nicht in der gleichen\nBegeisterung für Blätter angehimmelt zu werden,\ndie ein panischer Schreck zu einer Aktion veran-\nlaßt. Blätter, die sich gegen den Sturm wehren!\nAber der Zw.iebelfis.ch treibt auch eigene Literatur.\nDort sieht er Bilder, die der blaue Rester sicher\ndurchstoßen würde: „Der junge Sorge! hat den\nVogel abgesch o s s e n , sowohl mi t se i -\nne m freä e n weite n 11 oriz o n t, als auch\nrii i t de r klu g e n un d diskr e t e n Da r -\nstell un g. Es . . . bringt eine Fü 11 e neuer\nGesichts p u ti k t e ... .\" Der Horizont des\nZwiebelfisches ist für die Kunst offenbar mit dem\nVogel verstellt, den die Darstellung abgeschossen\nhat. Man bleibe beim Geschmack.\n-#\nAntwort\nZu der Erklärung' des Wilmersdorfer Blattes\nDie Aktion schreibt Herr Franz Blei dem Her-\nausgeber dieser Zeitschrift, er hätte nicht gewußt,\ndaß Herr Kurt Hiller Herrn Ehrenstein traktiert\nhabe, wie dieser ihn.\nDies fasse ich so auf, daß muri nur dreizehn\n„Unterschriftsteller44 übrig* bleiben,."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c004", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "234", "page_fin": "236", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.4", "titre_corps": "Kunst sühnt den Tod der Natur", "titre_sommaire": "Kunst sühnt den Tod der Natur", "signature_source": "Lothar von Kunowski", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.2", "debut_caractere": 9524, "fin_caractere_exclue": 10112, "texte": "Kunst sühnt den Tod\nder Natur\nVon Lothar von Kunowski\nAls Bonifacius die heilige Eiche der Deutschen\nfällte, hätte ihn das Volk mit Recht für einen Mör-\nder gehalten, wenn er den Dom def Wälder nicht\nverwandelt hätte in ein Gebilde, in dem die Kraft\nder Eiche, Buche und Linde sich doppelt ausdrucks-\nvoll und obendrein verbunden mit den Mächten des\nSteins offenbaren konnte. Nur der Erbauer des\nTempels eines Gottes der Liebe, eines Gottes der\nKultur durfte es wagen, die Axt an das Heiligtum\nder Naturgötter zu legen. Wenn die Einführung\ndes Christentums einen grausamen Eingriff in das"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 11037, "texte": "natürliche Leben des Landes bedeutete, wenn von\njenem Tage an der Pflug weitere Kreise zog als\n'bisher' und' die Fruchtbarkeit der Wälder und Auen\nerst' durch die Hand des Menschen ihrer Bestim-\nmung''''Zugeführt 'wurde, so fordert das beleidigte\nAisge eine Rechtfertigung, die nur die bildende\nKunst zü geben Vermag, die Kunst einer Hand, die\nmit dem Nutzen die Schönheit nicht vermindert,\nsondern vermehrt:.\nSolange das Holz im Baum, der Stein ini Berg,\ndas Eisen in der' Tiefe ruht, schrieben die Völker\nihnen eine Seele zu und die zartesten Erlebnisse\nihres Gemütes, ja ihre Religion ergab sich aus dem\nVerkehr'mit Geistern des Wassers, der Erde, der\nLuft und 'des Feuers, mit Dryaden, Queilnymphen,\nDämonen der schätzereichen Unterwelt. Wer da-\nher'diese Seelen vernichtet würde das Reich des\nGeistigen vermindern, wenn er sich nicht mächtig\nfühlte, denn seiner Form beraubten Rohstoff neues\nLeben abzugewinnen. Indem unsere Städte die ge-\nsamte Umgebung in ihre Mahlmühle nehmen, laden\nsie die Verpflichtung auf sich, Holz, Marmor, Gra-\nnit, das Leder' der Tiere, die Fasern' der Pflanzen\nderart' wieder aus dem Vernichtungsstrudel hervor-\ngehen Zu lassen, daß die Kräfte, die Gebirge,\nEichen, Platanen, Quellen und Erzadern in Schön-\nheit gestalten, doppelt 'schön und als Seele unserer\nwieder auftauchen. Es ist\nder Weltgeist, mit dem sich jeder 'Handwerker zu\nschaffen macht, der Baumeister, Schmied, Weber,\nErzgießer, Schneider und Schuster, jeder Schlag\ndes\" Hammers entscheidet, ob wir eine Seele ver-\nlieren oder gewinnen werden. Wahrhaft kultivierte\nVölker haben keine Scherbe, keine Papierfetzen,\nkeine Schwertklinge hinterlassen, die nicht Zeugen\nsind von der Ausbreitung menschlichen Geistes in\ndasv:Reich der Materie. Die goldene Krone, der\nDiamant und die silberne Schale, der Streitwagen\nvon Erz verkünden die Macht von Königen der\nUrzeit Weil ihre Schönheit 'den Berggeist so deut-\nlich ausspricht, daß wir ihn vor dein König knieen\nseh eh,' aus dem Purpurmantel redet der Glanz und\n•■• . i\ndie Üeppigkeit der Felder und des beherrschten\nMeergetiers, aus dem Federschmuck die Herrschaft\naber däs Reich der Lüfte. 'In solchen Völkern war\nder geringste Arbeiter ein Genie, denn täglich\nblickte er dem Weitgeist ins Auge, und wenn er\nselbst 'nicht Erfinder seines Werkes war, so half er\ndoch einem schöpferischen Geist die Erhabenheit\ndes Öebirges in die Majestät der Pyramide zu ver-\nwandeln, die halb im Wüstensand ein Markstein\ni; ' . '\nblieb, wie weit befruchtende Kultur vordringen\nkann durch Könige, die ihr Volk gewöhnen mit\nAeorien zu rechnen.\n■ 'Man muß beginnen, das barbarische Prinzip des\nAusnützens zu bekämpfen, dem der Deutsche sich\nergeben hat. Es kommt nicht darauf an zu be-\nsitzen, sondern durch den Besitz Leben zu empfan-\ngen.' : Es ist besser nackt zu gehen oder sich in\nFell zu kleiden, : als in widerliche Tracht, die\nmenschliche Schönheit vernichtet. Es ist besser,\nari\" Ort \"und\" Stelle zu bleiben, als sich von einer un-\ngeheuerlichen, widerwärtigen Maschine pfeilge-\nschwind Aber den Erdboden schleppen zu lassen.\ni♦< . ,\nEs ist besser, sich totschießen zu lassen, als mit\nscheußlicher Rohre änderen Menschen Bleikugeln\ndurch den Leib zu jagen. Krieg mit rohen Waffen\nist Bestialität. Der Soldat soll seinem Gewehr an-\nsehen und es von seiner Form ablesen, welche Na-\nturgewalten seine Hände gegeben ist, sein Gewehr\nund Schwert soll ihm sein Heiligtum sein, er soll\ndas Ideale eines Krieges für seinen Gott nicht nur\ndurch Worte begreifen, sondern ausgedrückt finden\ndurch ideale Form der Instrumente des Kampfes.\nWessen Kanone dem donnernden Gotte gerechter\nVernichtung gleicht und durch ihr Aussehen die\nFurchtbarkeit ihrer Wirkung im voraus verkündet,\nwird niemals in ungerechtem Streit den Funken\nentglimmen lassen, der tötet; Es wird etwas von\nder Ehre des Krieges an seinen Waffen haften. Nie-\nmand wird ihm Waffen nehmen können, die er\nliebt, als wären sie lebendige Wesen, als wären\nsie Natur selbst, deren heroische Kraft erzengel-\ngleich dem Gerechten' Zur Seite steht. Wer einen\nTrupp Soldaten sieht, soll mit dem ersten Blick\naus der kunstvollen Gestaltung aller Gerätschaften\nund der Kleidung, an Helm und Schwert die Summe\nder Kraft erkennen, die in diesem Trupp geborgen\nist und jederzeit sich zu entladen vermag. Vor so\ngestalteten Kriegern erhebt sich keine Revolution,\nihnen wagt niemand den Krieg zu erklären, weil\ndie Kunst ihm sein Schicksal im voraus verkündet.\nEs geht nicht an, den Frieden zu erschwätzen, wollt\nihr Frieden haben, so offenbart eure Kraft durch\nKunst.\nMan wendet ein, daß die Geschwindigkeit der\nFahrt leiden würde, wenn wir Lokomotiven und\nWagen verzierten, daß die Kleidung uns an der\nArbeit hindern würde, wenn sie über den prakti-\nschen Nutzen hinaus der Schönheit Rechnung trüge,\ndaß unsere Gewehre, Kanonen und Kriegsschiffe\nlim so vollkommener seien, je größer die Entfer-\nnung ist, in der sie töten, man weist darauf hin, daß\nSparsamkeit Jeden Schmuck verbiete, wo es sich\num Wahrung des Daseins und der Existenz handle\nWelcher Mangel an Menschenkenntnis, welcher\nMangel an Vertrauen zu der hilfreichen Stärke\neiner freiwillig verbündeten Natur. Wie lange\nwird es währen, bis der moderne Mensch jedes\nBewußtsein verliert von dem, was er tut, wenn\ner auf irgend einen unscheinbaren Knopf drückt,\nirgend einen Hahn schließt oder öffnet, an irgend\neiner Schnur zieht oder in irgend einen Apparat\nhineinspricht, um die ganze Welt in Aufruhr zu\nbringen, von der Stelle zu bewegen, zu beunruhigen\noder zu töten? Der Anarchist, welcher eine\nBombe in die Volksmenge wirft, hat keine an-\nschauliche Vorstellung von dem, was er tut, er\nhandelt nur nach Theorien, nach Begriffen. Es\nnützt nichts, alles so schnell als möglich zu ver-\nrichten, wenn es nicht mit Verständnis verrichtet\nwird. Es wird aber nichts mit Verständnis ver-\n!■ . , ' |s\nrichtet von Menschen, welche die Bedeutung ihrer\nInstrumente und Gebrauchsgegenstände nicht mehr\nkennen, weil deren angesammelte Energie und\n'i• ' ' '\nWirksamkeit sich durch nichts sichtbar aus-\nspricht, vor dem sie gebraucht werden. Der Be-\nsitzer des Telephons oder eines Telegraphen wird\nzum sinnlosen Schwätzer werden, wenn nicht die\nkunstvolle Gestalt dieser Apparate oder ihrer Um-\ngebung ihn zwingen, ihnen nur würdige Dinge an-\nzuvertrauen, wenn sie nicht gleichsam die bor-\n!'*'• \" ' \" •\nchende Wand darstellen, die Töne empfängt, tun\nsie weiter zu geben, wenn sie nicht das Gemein-\nsame des Aufhorchens aller derer, zu denen wir\nsprechen wollen, deutlich zum Ausdruck bringen.\nWir entwürdigen unsere großen Erfindungen, in-\ndem wir sie mißbrauchen, und wir mißbrauchen\nsie, wreil der Geist des Erfinders, die heilige\ni\nStunde der Empfängnis einer Idee, welche die\nMacht des Menschen über die Natur erhöhte, un-\nsichtbar bleibt.\nEure Fabrik soll dem Arbeiter und aller Welt\ndurch Schönheit sagen, daß ihr Tausende einzu-\nkleiden, mit Schuhwerk und W'äsche zu versehen,\narbeitet, daß ihr Millionen leibliche und geistige\nNahrung bereitet, dann werdet ihr keine knech-\ntischen Naturen in euren Arbeitern haben, sondern\nstolze Herren und Herrscher über die Natur, die\nsie formen, indem sie sie lieben. Ihr müßt Tausen-\nden den Sinn ihrer Tätigkeit erschließen, um ihre\nKraft zu verdoppeln, denn die Kräfte dieser\nKriegsschiffe, Kanonen, Gewehre, Fabriken wer-\nden sich als erhöhte Willenskraft dem Soldaten\nund Arbeiter mitteilen, wenn die Kunst das Wesen\nsolcher Schöpfungen des Genies ausspricht und\n• t . ,■»\nsie ihm lieb und wert macht. Statt daß er sein\nWerkzeug, seine Arbeitsstätte, seine Wohnung, das\nProdukt seiner Hände haßt, wird er durch ihre\nErscheinung sich m Verbindung setzen mit dem\nGeiste des Mannes, der sie erfand.' Mit einem\nWort: ' die immensen Kräfte der Natur, die wir\nzwingen ' nach unserem Willen die Materie zu\ndurcheilen, fordern gebieterisch Anteil an der sicht-\nbaren Welt und wollen nicht nur Arbeit verrich-\nten,, sondern selbst von den einfachsten Gemütern\nerkannt und geliebt werden. Schießt langsamer,\nfahrt langsamer, bewegt euch langsamer in eurer\nKleidung, sprecht weniger, 'laßt eure Maschinen\nweniger Materie zermalmen, aber verrichtet mit\nBesinnung, was ihr tut, und ihr werdet leben, In-\ndem ihr es tut, statt euch nur zu bewegen. Laßt\nuns übers Meer rauschen auf Schiffen, auf 'denen\nwir nicht als nimmer ruhende Flüchtlinge er-\nscheinen, sondern uns als Herrscher des Meeres\nfühlen. Die Kunst darf sich nicht auf den Ge-\nschmack einiger reichen Leute stützen, man wird\ndas Kunstgewerbe niemals zum Aufschwung brin-\ngen durch jene Feinschmeckerarbeiten für den\nSalon 'der Millionäre, die jedermann sich zu ge-\nbrauchen scheut, ia von deren Anwendung wir\nuns häufig gar keine Vorstellung machen können.\nIck sah Vasen, Urnen, Töpfe, Gefäße, in denen die\n' Materie zu' einem staunenwerten ' Ausdruck ' ge-\nlangte, aber ich konnte nicht begreifen, für wen\ndiese Fähigkeiten sich entfalteten, zu welchem\nHerz und Sinn sie sprechen sollten. Die echte\nKunst basiert stets auf einer Anpassung der Ma-\nterie an die Bedürfnisse der großen Masse des Vol-\nkes, der ihre Formen eine Heimstätte geben sollen.\nEin Stuhl, Tisch, Schrank, ein 'Glas, Teller, Schüs-\nsel, die nicht ihren Weg durch die Hütte des Bau-\nern und Arbeiters, durch das Haus des Beamten\nund Bürgers gemacht haben, werden niemals jene\nallgemein verständliche Grundform erreichen; aus\nder im Palast des Millionärs und: Fürsten der\nReichtum geistiger Beziehung zwischen Mensch\nund Natur, wie er in hochgebildeten Familien mög-\nlich ist, sich entwickeln ließe. Kunst soll dem Ge-\nbrauche der Gegenstände nicht hinderlich sein,\nsondern ihn im Gegenteil fördern, zugleich aber\nihn heiligen dadurch, daß sie uns lieben lehrt, was\nwir ausnützen. Ich will nichts wissen von einer\nKunst neben dem Gebrauch, von einem Ueber-\ntünchen der Geschmacklosigkeit durch jenen\nFlitterkram moderner Salons, der über die Plump-\nheit der Einrichtung hinwegtäuschen soll. Es ist\nbesser in einen Saal nichts zu stellen als einen\ngeschmackvollen Stuhl und ebensolchen Fisch, als\ntausend Produkte eines Kunstgewerbes, das den\nästhetischen Sinn kitzelt, ohne ihn zu befriedigen.\nAuf diesen Quark, in dem nicht so viel Lebens-\nodem als in einem rohen Erdklumpen ist, ver-\nschwenden wir Millionen, ohne ihn auch nur eines\nBlickes zu würdigen, nachdem der erste Reiz sich\nabgestumpft hat, aber die Gegenstände, die wir\nsehen müssen, weil wir sie täglich gebrauchen,\nkssen wir darben und quälen uns selbst, ihren\nwidrigen Anblick zu ertragen. „Schmücke dein\nHeim\", heißt für viele: „Hänge alle Wände voll\nmit einem Gelump schlechter Bilder, Schleifen.\nFächer, Tuchfetzen, steile auf alle Tische, Gesimse\n> • * '\nund Schränke ein Gewimmel kindischer Zucker-\nwaren und süßlichen Naschwerks aus Porzellan\n* 'i .\nund Elfenbein, fülle jeden Winkel, jeden freien\nRaum mit einem Haufen unnützen Kleinkrams, in\ndem sich niemand bewegen kann, ohne ein Un-\nglück anzurichten. Wer einen einzigen Stuhl in\nsein Zimmer setzt von so wuchtigen Formen, sol-\ncher Kraft des Ausdrucks, solcher Anpassung an\nden Besitzer, daß er einem Throne des Familien-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4832, "texte": "Hauptes gleicht, daß er dessen Würde symbolisiert,\nt *\ndaß er das Postament seiner Arbeitsleistung zu\nsein scheint, uns von einer .Generation auf die\nandere vererbt zum Mitglied einer starken und\ndauerhaften Familie wird, der hat mehr im Sinne\nder Kunst getan und der Natur zarteres Ver-\nständnis entgegengebracht als die, welche ihren\nTapezier Kunstsinn heucheln lassen neben dem\nLeben, aber nicht für es. Walten wir dem Arbei-\nter und Bürger hellen, so müssen die Menschen\nfeiner Bildung als Vorbild vorausgehen, denn die\nKunst für die Vielen beginnt mit der Kunst der\nWenigen, die nicht nur für sich, sondern für viele\nzu schaffen vermögen.\nDie gemeine und überaus lächerliche Art, in\nder wir unsere Kirchhöfe herrichten, könnte dem\nzynischen Witzbold reichliche und obendrein be-\nrechtigte Gelegenheit zu Spaßen und mancherlei\nLustigkeit geben. Niemand würde einem Leichen-\nbegängnis folgen wollen, wenn man den Toten\nunter wiederholtem Absingen von Gassenhauern\nund unablässigen Prügeln auf einer Biertonne zu\nGrabe trüge. Daran aber, daß man den Verstor-\nbenen einen Gemeinplatz, eine Trivialität von Mar-\nmor aufs Grab setzt und von Grabstein zu Grab-\nstein ein sichtbares Geplapper abgedroschener\nFormeln und Formen ertönen läßt, nimmt niemand\nAnstoß, well der moderne Individualismus es für\nbedenklicher hält, daß der Name eines beliebigen\nToten vergessen werde, als daß Auge und Geist\nder Lebenden systematisch gewöhnt wird, den\nTod sich als eine Art Interpunktion hinter dem\nLebensdrama vorzustellen, als ein Kreuz, Punkt\noder Fragezeichen, mit denen jeder gestempelt und\nals ein für allemal abgetane Sache bezeichnet\nwird. Wenn ihr den edlen Marmor vom Berge\nschlagt, um seine Schönheit durch gleichgültige\nBehandlung zu vernichten, statt durch sie eine\nerhabene Totenklage anzustimmen, die für alle\nToten auf den Gräbern derer ertönen möge, welche\nfür viele und nicht nur für sich selbst starben,\ndann wird die Natur des Marmors ihre humo-\nristische Seite offenbaren, er dient dann als\nVogelscheuche, alle ernsten und tiefen Gedanken\nvon den Gräbern zu verscheuchen wie Spatzen\nvom Spargelfeld. Wenn unsere Kunst nicht aus-\nreichend, tausend Toten tausend Denkmäler zu\nsetzen, so setzt ihnen insgesamt ein einziges.\nKunst soll rings um uns eine geistige Atmo-\nsphäre schaffen, die unsere Seele bewegt zu jeder\nTagesstunde, die uns beständig mit Leben umgibt\nund selbst den Tod als einen Abschnitt des Lebens\nerseheinen läßt und die Toten als geistig mit uns\nverbunden. Kunst sollte uns umgeben mit einem\nReich aller Seelen, die sie durch Schönheit aus-\nspricht. Aber unsere Kunst ist nur ein Schmücken\ndessen, was wir getötet haben, sie ist ein Kranz,\ngeworfen auf die Leichen der edelsten Bäume,\nMetalle und Steine. Schaut euch um in euren\nStädten und Wohnungen und ihr werdet Kunst\ntätig sehen, die Häuser mit Schmuck zu über-\nladen, die Wände und Teppiche mit Blumen, die\nGefäße mit Blattwerk und Schnörkeln, die Stühle\nmit Schnitzereien, die Dächer mit Männern und\nMännchen. Diese Kunst tötet die Toten vollends,\nsie entzieht restlos unserem Auge die Kräfte,\nwelche in Mauern, Bögen, Fenstern, Pfeilern tätig\nsind, sie nimmt uns jede Unterscheidungsgabe, so-\ndaß es gleichgültig ist, ob Gold, Silber, Glas, Eisen\noder Papiermasse sich in unseren Diensten ab-\nmühen, sie überzieht alle Formen mit ihren Guir-\nlanden, sie jubelt mit entsetzlicher Grimasse von\nallen Flächen der Decke. Oefen und Vorhänge,\nsie grinst mit tausend Fältchen in ihrem alten Ge-\nsicht aus jedem Winkel, jeder Ecke: eine lustige,\nschäkernde Greisin, die ihr Leben als Blumenver-\nkäuferin fristet. In solcher Gestalt begegnet sie\nAis überall, denn auch die Festlichkeit, Konzert,\nTheater, Lyrik und Vortrag sind allmählich zu\nSchmuckgegenständen unserer Tage geworden,\nauch sie sind Kränze auf den Leichen trüber Stun-\nden, engherziger Vereinsamung.\nAber die echte Kunst weiß, daß ein Wesen erst\nlebendig sein muß, ehe man es beginnt zu\nschmücken, daß nur am Hals des blühenden Wei-\nbes ein Geschmeide Sinn und Bedeutung gewinnt.\nSie weiß mit leiser Biegung zu erreichen, was die\nlügenhafte Kunst durch Ueberfülle nicht erreicht,\nmit wenigen Farben mehr Glück als mit vielen.\nUnmerklich hilft sie dem rohen Gerüst praktischer\nSchränke, Tische und Stühle durch verschiedene\nKrümmung der Hölzer, hier die markige Kraft der\nEiche, dort die Einfachheit der Fichte und hier die\nEigenheit des Nußbaums auszudrücken und ehe sie\neine eiserne Brücke mit Statuen versieht oder mit\nTrophäen, fast sie eine Legion von Stäben, Stan-\ngen und Stäbchen in einem Bogen von märchen-\nhafter Grazie, Kühnheit, Lebendigkeit zusammen,\ndas Bild einer wunderbaren Gemeinschaft un-\nzähliger Kräfte in unzähligen Einzelwesen, ein\nVorbild, wie menschliche Gemeinschaft, lebendiges\nZusammenwirken sein muß, will sie ihr Jahr\nschmücken mit der Pracht besonderer Festtage."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c005", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "238", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.5", "titre_corps": "Einige Gedanken über Bildentstehung", "titre_sommaire": "Einige Gedanken über Bildentstehung", "signature_source": "E. 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Streng gehabten\ngesammelt als Ganzes, da loszulassen, dort aufzu-\nhalten ging seine Hand über die Fläche noch und\nnoch einmal der Vision entgegen, die er als un-\nklares Bifd in seinem Geiste hielt und die zum\nGeschehnis auf der Leinwand wurde. — Die Lein-\nwand, das Bild ist ein Geschehnis, ist eine Reali-\nsation des Kampfes der Mittel des Künstlers mit\nseiner Idee. Das was in diesem Kampfe gesiegt\nhat, das stärkere, wird zum Bild und die unbesieg-\nten, die fehlenden, zeichnen die Eigenschaften prä-\nziser, charakterisieren als Realisationsgrenzen\nebenfalls. Seine Natur, sein Talent macht die\nWahl unbewußt. Er empfängt und auf der Lein-\nwand wird es, geschieht es. Im Geiste ahnend\nohne Worte findend und in vagen Umrissen\nbehaltend, realisiert er sein kaum Gedanke\ngewordenes Empfinden auf der Leinwand\nzum Kunstgedanken, zum Malergedanken, mit\neinem Wort: zum Bilde. — Ein Maler, der\neine vorher gedachte, vorherbewußte Idee voll-\nbringt, denkt nicht auf der Leinwand, sondern in\nseinem Kopf — und sein Werk wird nie ein Wah-\nres. Es dürfte ungeschaffen bleiben oder es bleibt\nIllustration seines Geistes, kein Neuwert. Neu-\nwerte, unersetzliche, in keinem Gedanken mögliche,\nsollen Bilder sein. Dies waren sie, dies sind sie\nvielleicht auch manchmal heute. Der Drang nach\nAbstraktion wird immer größer; dies echte Be-\ndürfnis dringt immer und immer weiter und Ab-\nstraktion wird erste Forderung. Wie viele aber\nkönnen abstrahieren ohne allen Sinti zu verlieren,\nwie viele können ihren Boden lassen, um auf siche-\nreren zu gehen — in Abstraktion? So entstehen\nWerke, die abstrakt aussehen, die nichts sind und\nvon nichts sagen, wenn sie auch formell in moder-\nnen Gesetzen gehen.\nDas Bedürfnis, nur das zur Gestaltung zu brin-\ngen, was das Wesentliche ist.das festzuhalten, um\nderentwillen ein Werk begonnen werden kann,\nund nur dies ohne formellen anderen Inhalt, ohne\nDinge, ohne Objekte, sondern von allem, das\nWesen, die Art und die Relation wiederzugeben,\nim geschlossenen Bild räume, in sich abgewogen,\nausfallend — dies Bedürfnis ist das Charakteristi-\nkum der heutigen Malerei, soweit sie sich abstrakt\näußert.\nStatt dieses oder jenes Dinges, statt allen Zu-\nfalls oder Momentes der Impressionen kommen\nWerke ohne dies oder jenes, ohne Zufall, ohne\nkonkrete Beleuchtung, es kommen Malereien,\ndie gemalt werden wollen, an und für sich des\nselbsteigenen Zweckes wegen. — Wahr ist der\nWeg, wo der Blick des Schaffenden über dem Ob-\njekte steht und dies umwandelnd das Wesens-\nleben wiedergibt oder noch weiter geht und aus\nallem Empfangenen die Objekte wegschiebend die\nRelation der Formen, der Formengesetze, der\nFarben an und für sich gibt. Der abstrakte Geist,\nder sie zur Entstehung ruft, hat nur in sich die\nKontrolle für das Resultat, weder in unmittelbarer\nNaturähnlichkeit, noch in Ideenähnlichkeit, noch in\nStimmungsgehalt kann er die Kontrolle der Bild-\nrealität schöpfen. Stark umfassend, realisierend\nmuß der malerische Gedanke sich* auf der Lein-\nwand gestalten, aus sich heraus. Die Schwierig-\nkeiten sind klar. Darum sind heute so viele\nSchein werke und Scheinwerte geschaffen. Ein\nKünstler, der sich der kubistischen oder anderer\nähnlicher Formen bedient, ist einer, der seine\nGedanken denkt, mehr oder weniger zurechtlegt\nund dann niedermalt. Jede Zeit hat ihre Merk-\nmale, ihre „Meister\", aber das „man\" kirbistisch\nmalt, ist gerade ein Widerspruch, der größte Wi-\nderspruch mit der wahren Abstraktion, mit der, die\nauf dem Bilde langsam und schwer zur Entstehung\nkommt, aus innerem Bedürfnis des Malergedan-r\nkens heraus. Es sind da vielleicht noch so we-\nnige gefundene Mittel, so wenige Arten der\nWiedergabe, um den allgemeinen persön-\nlichen Natureindruck — denn schließlich kämmt\nes doch daraus und darauf zurück — auszu-\ndrücken, daß natürlich die meisten zu den plausibel\ngefundenen Formeln greifen. Noch eine kurze Zeit\nund wir haben kubistische Akademien, haben sie\nvielleicht schon jetzt. Ist das nicht der größte\nSpott über den wesentlichen Gehalt der kubisti-\nschen Malerei, die doch auf persönlich empfunde-\nnen zu allgemeinen Gesetzen erst werdenden Neu-\nschaffungen beruht, auf dem Gebiete, wo die Im-\npressionen nicht mehr genügen, wo man durch ge-\nschlossene kompositioneile Raumvorstellungen ab-\ngewogene Bilder schaffen will?\nWenn ein Künstler wie ein schwangeres Weib\nist, hat er von Natur, vom Leben empfangen, und\nmuß sein Bild gebären, von dem er die Puls-\nschläge hört, die Bewegungen spürt, dessen Ant-\nlitz er aber noch nicht kennt, es in großer Liebe\nmit seinen Zügen und denen des geliebten Gottes\nähnlich ahnt, es aber erst nach Entstehen völlig\nwahrnehmen kann. W'ie wäre es, wenn ein Weib,\nstatt zu gebären, Rechnungen zusammenstellen\nwürde, die das genaue Resultat ihrer Empfängnis,\nihrer Liebe und ihrer und des Vaters Körperzüge\nenthalten würde? — Die Natur wäre doch stärker.\nWarum ist das in der Kunst oft, und wie oft so?\n— Tote Kinder werden geboren, nicht geboren, sie"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4148, "texte": "kommen zur Welt aus dem Kopfe des Künstlers,\nnicht aus seinem Leibe. Und er soll wie das Weib\naus diesem Leibe durch die Liebe gebären und sich\nüber das Entstehen und über das Entstandene ge-\nhorsam wundern. Wie der Körper des Weibes\ndie Kontrolle und die Nahrung für das Leben des\nKeimes unbewußt besorgt — so sorgt auch der\nKünstlergeist für das Anwachsen und Entstehen\nseines Werkes; nur gilt es, die Gescheitheit der\nNatur zu offenbaren, passiv, hier die Gescheitheit\n-des Geistes, des Talentes aktiv in Bewegung zu\nsetzen und insofern ist es bewußt.\nGeht ein Künstler auf abstrakten Bahnen, so\n.gehört ungeheures Talent dazu, es auch wahr zu\ntun. Die Natur stört meist; die einen glauben zu\nschaffen, indem sie direkt ohne Transformation die\nNatur dinge in geordnete Formen zwingen. Dabei\nbleiben sie akademisch, ohne es zu merken und\nwerden nicht visionär; sie denken Aenderungen\nder objektiven Formen aus, erleben nie, und was sie\nmalen, geschieht nicht auf der Leinwand. Die\nanderen lassen die Natur ganz und bleiben in For-\nmen und Farben als das nur auf der Leinwand zu\nbehandelnde Material. Diese Bilder geschehen\nzwar auf -der Leinwand, haben aber die Gefahr\nzu sehr Objekt zu werden, schöne geordnete\nDinge, die von nichts sprechen. Ein Künstler, der\nsingt, ohne etwas zu sagen: haben das nicht schon\ndie \\ ögel besorgt ? Muß das ein Mensch noch tun,\nder Mensch, der die Verantwortung für die Welt,\ndie Rechtfertigung des Lebens trägt? Und dann:\ndie Wissenschaft der Malerei. Das gibt es, aber\nes soll doch nicht anderen überlassen werden, und\nist ein Maler auch kein Dichter, so ist er doch ein\nMensch, dem gegeben ist zu verarbeiten, was die\nSchöpfung brachte und sein Wort zu sagen, seine\nExistenz mit dem Worte somit zu erlösen, ehe er\nstirbt, hin Künstler kann mehr oder weniger von\nder Natur ausgehend, erlebend weiter und weiter\nzur Abstraktion gelangen, indem auf der Leinwand\nder Kampf mit der Natur der Vision entgegen lang-\nsam durchgekämpft wird. Die Phasen des Kamp-\nfes, noch sichtbar, überzeugen noch mehr vom Re-\nsultat. Andere Künstler können in unsichtbarer\nvorhergegangener Arbeit weg von unsichtbarer\nNatur zur Abstraktion gelängen, die sie dann auf\n-die Leinwand setzen. Sie sind die, denen im\nbesten Fall nur langsam geglaubt wird — daß\nschließlich, wo der Kampf sich, wenn auch un-\nsichtbar, aber doch vollzogen hat. Alles andere\nzählt nicht, diskreditiert die Besseren und stützt\ndas Gelächter, ist aber unvermeidlich wie die Affen\n'des Menschengeistes. Gedankenaffen, Philosophen-\naffen. Maleraffen, Lebensaffen wird es immer\ngeben. Die Zuschauer, die meisten unterscheiden\nnicht, sie schauen flach, kritisieren richtig wie sich\nselbst, sondern nichts ab. Menge sieht Menge,\nAffe sieht Affen. Ausstellungen und Publikum\nhaben nichts mit den Bildern zu tun. Ein Kunst-\nwerk muß darum lange sich auf Jahrmärkten\nschleppen, ehe es zum Bewußtsein wird.\nAber auch die „Affen\" zeugen nur davon, wie\nschwer ein wahres Werk zur .Welt kommt; sie\nzeigen alle Wege, die der Künstler vermeiden soll,\nsie erzählen von groteskem Nichtkönnen, von\nlächerlichen Resultaten unbescheidener Lügen,\ndarum sind sie sehenden Augen nützlich und hel-\nfen den Kämpfenden, die Gefahren zu vermeiden.\nDenn gerade die Schwachen, die Leeren gehen die\ngefährlichen Wege und fallen in alle Fallen: sie\nhaben weder Maß noch Unterscheidungsfähigkeit in\nihren Affengeistern und in ihren Richtungsahnun-\ngen.\nLänge Zeit -braucht ein Betrachtender, um sich\nauszukennen, um den Weg zum Resultat zu be-\ngreifen und dann das Resultat zu schätzen. Drum\nsollten diejenigen, die Interesse haben, genauer und\nlänger bei außerordentlichen Dingen verweilen,\nsich nicht durch Sonderbarkeiten abschrecken und\ndurch Gefälligkeiten mehr oder weniger kompli-\nzierter Art anziehen lassen. Vielleicht geschieht\nso die Absonderung schneller (denn was die Men-\nschen nicht tun, tut für sie doch schließlich die\nZeit). Die Kü n stier erleben dann vielleicht An-\nerkennung und die Falschen verdiente Verachtung.\nDadurch würde sich das Menschenauge reinigen\nund klären. 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Ich will\nSie gewiß nicht verführen! — Nein, wirklich, Sie\nsind ein lieber Mensch!4'\nSie trat dicht vor ihn hin, kicherte und gab ihm\neinen leichten Klapps auf die Wangen. Es war\nschon mehr ein Streicheln.\nHerr Theobald lächelte verzerrt\n„Soll ich Ihnen nicht sagen, wie ich heiße, Herr\nTheobald? — Nun, also, mein Name ist Hermine!\nWas sagen Sie dazu? . . . Ach, bitte nennen Sie\nmich Hermine, ja?\"\nHerr Theobald zögerte.\nAber sie bestand darauf.\n„Sagen Sie es bitte!44 wiederholte sie und\nstampfte leicht mit dem Fuße.\n„Gewiß, Fräulein Hermine . . .\"\n„Nein, nur Hermine!44\n„Also: Hermine . . ,44\n„Sie sind süß! Sie sind ein lieber Mensch!44\nSie hatte ungestüm seine Hand ergriffen, sie\ngedruckt und sogleich wieder fahren lassen.\nLässig warf sie sich auf das Kanapee, daß das\nalte Möbel krachte.\n„Sie brauchen übrigens nicht zu glauben, daß\nSie sich allzu sehr wegwerfen, Herr Theobald! Ich\nbin von besseren Leuten! Ich habe Bildung ge-\nnossen, Herr Theobald! Ja, ob Sie es glauben:\nBildung und Erziehung! Mein Vater ist Lehrer,\ndraußen im Mährischen .. . Qott, das waren\nZeiten !44\nSie hatte die Beine nachlässig übereinander ge-\nschlagen, den Körper weit in das Kanapee zurück-\ngelehnt und starrte wie hypnotisiert nach der\nDecke. Trotzdem lag in ihrer Stimme eher Gleich-\ngiltigkeit als Empfindung.\n„Wie gemütlich Sie es hier haben.44 fuhr sie\ndann fort und ließ ihre Blicke schon wieder durch\ndie Stube schweifen. „Und dort in der Kammer\nschlafen Sie? . . . Ja, was ist denn das!44\nbie hatte Schöps erblickt und nahm ihn auf ihre\nArme.\n„Eine wundervolle Katze!44 sagte sie und strei-\nchelte das Tier.\n„Haben Sie Katzen gern? Ja! Ich eigentlich\nmehr die Hunde. Besonders die häßlichen und\nstarken Bulldoggen, die mit der gespaltenen\nSchnauze und den fletschenden Zähnen, wissen\nSie? Das sind die treuesten und anhänglichsten\n1 iere. Wir hatten zu Hause einen Buildogg viele\nJahre. So groß war er. und die Brust, ich lüge\nnicht, so breit! . .\nUnd indem sie den Kater leicht streichelte und\nkraute, erzählte sie wieder von ihrer Heimat.\nSie kam von dem Hunde auf das Dorf zu spre-\nchen, in dem sie gewohnt hatten, und flocht la-\nchend Erlebnisse ein, die- in ihrer Belanglosigkeit\ndoch nicht langweilig wirkten, so heiter und an-\nschaulich wußte sie sie zu berichten.\nHerr Theobald hörte ihr ruhig zu, unterbrach\nsie nicht, lächelte nur zuweilen ganz unmerklich.\nSie ist doch eigentlich recht harmlos, stellte er\nfest. In keinem Zuge verrät sich jetzt ihr Leben.\nUnd sie ist wirklich fast schön, und am allerwe-\nnigsten sieht sie alt aus! Freilich hat sie nichts\nMädchenhaftes. Dazu ist sie zu groß und zu stark\nund um ihren Mund zn satt und zu müde. Aber\nals eine Frau kann ich sie mir vorstellen, als eine\njunge, hübsche, heitere Frau, die glücklich ist und\nsich keine Gedanken macht . . .\nUnd er war erstaunt und begriff nicht, wie es\nmöglich war, daß dieses Weib so natürlich und so\nnaiv plaudern konnte, und wie so gar nichts von\ndem an ihr zu haften schien, was bisher den In-\nhalt ihres Lebens ausgemacht hatte: von ihrer Er-\nniedrigung und ihrem Schmutze.\nDenn nichts von alledem war jetzt an ihr.\nSie ist lieb und gut, dachte Herr Theobald, und\nes ist ganz unmöglich, zu glauben, daß sie ohne\nHerz und Gemüt sei.\nDaß nämlich Mädchen ihrer Klasse ein Herz\nhaben könnten, war ihm immer absurd erschienen.\nEr konnte sich das, was sie taten, nur aus dem\nkrassesten Zynismus und Egoismus ihrer Psyche\nerklären. :\nKalt und starr war ihre Seele.\nDeshalb auch die oft entsetzliche Gemeinheit\nund Schamlosigkeit ihrer Gesichter.\nIn ihren Zügen aber ist keine Spur von Gemein-\nheit, dachte Herr Theobald, und seine Augen lagen\nwie gebannt auf dem Gesichte der Erzählenden,\nAuch dann nicht, wenn sie schamlos ist, fol-\ngerte er weiter. .\nEs ist dann, als täte sie alles unbewußt, als\nkäme eine seltsame Passivität über sie, gleichsam\nein narkotischer Schlaf.\ni\nIn ihren Augen liegt neben dem Müden viel\nWeichheit und so etwas wie Sehnsucht.\nEs ist merkwürdig, dachte Herr Theobald, wie\nleicht ich mir dieses Weib als Mutter vorstellen\nkönnte, mit einem Kinde auf den Armen, voller\nZärtlichkeit und Besorgtheit. r\nWahrhaftig, es konnte nichts Unnatürliches ah\nihr sein.\nZu gesund war sie, zu stark und zu klar .\nUnd plötzlich mußte Herr Theobald an seine\nletzte Liebe denken. ' !\nAn jene Frau, die nur er besessen hatte, und\nan jenes Kind, auf das er seine Zärtlichkeit hatte\nübertragen dürfen.\nEs war wie ein jäher Schein, der leuchtend\ndurch seine Seele fuhr —\n. . . „und ob Sie es für möglich halten: ich\nwar in der Schule diejenige, von der der Kaplan\nam meisten hielt. Ich war das Beispiel, auf das\nman hinwies!44"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8894, "texte": "Trotzdem sie es mit einer gewissen Selbstge-\nfälligkeit vorgebracht hatte, begann sie doch, wie\nüber einen guten Witz, unmäßig zu lachen.\n„Und später dann noch — ich gab zu den\nschönsten Hoffnungen Anlaß. — In so einem Nest,\nwissen Sie, da ist man Wrer, Ueber den Pfarrer,\nden Vorsteher und den Lehrer gibt's da nichts!\nDa stach ich natürlich hervor! . . Ja, weiß Gott,\nwäre der junge Bahnassistent nicht gewesen, —\nich säße heute wahrhaftig nicht hier!\"\nSie hielt sich indessen bei dieser Trivialität\nnicht auf. Lachend ging sie auch über den Bahn-\nassistenten hinweg und landete lachend an dem\nOrte, wohin jener sie gebracht hatte: am Freu-\ndenhaus . . .\nWieso dieser Uebergang sich so schnell\nhabe vollziehen können, konnte Herr Theobald\nsich nicht enthalten, sie verblüfft zu fragen.\n„Ja, so schnell ist das gar nicht gegangen,\" er-\nwiderte sie lind ward doch nachdenklich.\n„Es ist schwer zu sagen, wie das eigentlich\ngekommen ist. Es war ein allmähliches Hinab-\ngleiten ins Unbekannte und Dunkle, das Ziel war\nniemals sichtbar. Erst als ich am Ende war,\nmerkte ich's. Erst als mir der Rückweg abge-\nschnitten war . . . Und da erschien mir alles auch\nganz natürlich, — als müßte es so sein . . . Und\nsehen Sie, so richtig bedauert habe ich es noch\nniemals!\"\nSie war eine Weile still.\nPlötzlich schüttelte sie den Kopf und fing an,\nlange und herzhaft zu lachen.\nDer Grund war nicht klar: lachte sie über\nsich selbst oder über die wehmütige Versunken-\nheit, in die Herr Theobald verloren schien.\nDann packte sie den Kater, der es sich auf\nihrem Schöße behaglich eingerichtet: hatte, kurzer\nHand beim Hals und warf ihn hinunter.\nSie trat an das Fenster.\n„Gott, wie es schneit!\"\nDer Schnee fiel in dichten Massen herab. Die\nganze Erde war mit ihm bedeckt. Auf den\nDächern lag er einige Zentimeter hoch.\nDer Wind hattev nachgelassen. Es war still,\nhell und kalt draußen.\nVon dem dürftigen Kirchturme des Marktes\nstrichen kläglich und schleppend die Stunden-\nschläge herüber.\nFräulein Hermine zählte bis elf.\n„Unmöglich — schon so spät!\"\nUnd plötzlich trat sie hinter Herrn Theobalds\nStuhl, stützte ihre beiden Arme leicht auf seine\nSchultern und brachte ihre Wangen hart an sein\nGesicht.\n„Nicht wahr ... Sie behalten mich hier?\"\nbettelte sie. „Nur diese Nacht! . . . Nicht wahr?\"\nUnd ohne ihm Zeit zu lassen, sich zu äußern,\nfuhr sie fort: „Ich schlafe hier in der Stube. Ich\nbrauche gar nichts für mich. Sie geben mir ein\nPolster und eine Decke, das genügt! . . . Morgen\nfrüh wird sich dann alles schon finden!\"\nHerr Theobald war ratlos.\nDie warme Nähe ihrer Wangen machte ihn un-\nfähig zu überlegen.\n„Es ist ja . . . unmöglich . . .\" murmelte er\nvor sich hin. „Wenn Joachim nachhause\nkommt . . . mein Kollege, wissen Sie . . . nein,\nes geht beim besten Willen nicht! . . .\"\nHatte er ja gesagt, zugestimmt?\nEr wußte es nicht. Aus dem heiteren Ton ihrer\nStimme mußte er es schließen.\n„Herr Joachim?\" fragte sie. „Ja, wo steckt er\ndenn? Wann kommt er nachhause?\"\n„Er kann jeden Augenblick ... er müßte schon\nhier sein . . .\" erwiderte Herr Theobald und er-\nschrak vorn neuem.\n„Ach, das macht nichts!\" rief sie aus und schien\nbegeistert. „Passen Sie auf . . . Ich ziehe mich\naus und lege mich nieder . . . Ich schlafe ein-\nfach ... Sie löschen aus . . . Wenn er dann\nkommt, erzählen Sie ihm ein Märchen — oder was\nSie wollen, das findet sich schon! . . . Also ein-\nverstanden, — ja?!\"\nSie umarmte ihn unversehens, gab ihm plötzlich\neinen Kuß, riß sich los und ging trällernd vor den\nSpiegel.\nHier begann sie ihre Haare zu lösen. Langsam\nund voller Gleichmut.\nHerr Theobald gab sich besiegt — seinen eige-\nnen Wünschen.\nEr gab es auf, seine Gefühle zu meistern. Er\nmochte nicht mehr überlegen und denken! Alle\nVernunft warf er über Bord . . .\nEr atmete auf.\nWie frei er sich innerlich mit einem Male\nfühlte! Wrie leicht und frei!\nBesinnungslos gab er sich dem Kommenden,\ndem Dunklen und Unbekannten anheim . . .\nEr sah auch nicht mehr weg, sondern nützte\ndie Gelegenheit, die dieses Weib ihm bot, indem\nes ungeniert, wie zur Belohnung, seinen Körper\nenthüllte.\nFräulein Hermine warf die aufgelösten Haare\nmit einem Ruck nach hinten.\nWie eine große leckende Flamme flössen sie\nden Körper hinab.\nSie hatten einen schweren und schwülen sinn-\nlichen Duft.\nHerr Theobald schloß für einen kurzen Augen-\nblick die Augen. Ein Bild stieg in ihm auf, ein\nVerlangen packte ihn:\nWenn er jetzt hinginge, in den Reichtum dieser\nHaare griffe, darin wühlte, in den duftenden Wel-\nlen sein Gesicht badete . . .\nEs knackte etwas —\nHerr Theobald raffte sich gewaltsam auf.\nFräulein Hermine hatte ihre Bluse geöffnet und\nwarf das Mieder mit einer leichtsinnigen Geberde\nauf das Sofa,\nDann mit zwei Wendungen war die Bluse her-\nunter. Sie flog dem Mieder nach.\n„Ah . . .!\" machte Fräulein Hermine.\nSie kreuzte die nackten Arme hinter dem Kopfe,\ndehnte sich und gähnte . . .\nHerr TheobaLd starrte wie geblendet auf die\nvollen weißen Arme, sein Atem stockte, den M<und\nhatte er halb geöffnet.\nEs läge in meiner Macht, zu ihr zu treten, ihre\nArme zu fassen, sie an mich zu ziehen, fabulierte\ner. Sie würde nichts sagen. Lachen würde sie..\nEr hörte ihr überlegenes gutmütiges Lachen\nund sah, wie sie seinen hungrigen und zitternden\nHänden nicht den geringsten Widerstand leistete.\nDiese Vorstellung ernüchterte ihn.\nDas durfte nicht kommen. Er wollte nicht dar-\nan erinnert sein, wer sie war.\nIhm sollte sie eine andere sein . . .\nOhne daß er darauf gefaßt war, drehte sich\nFräulein Hermine jählings um.\nEr erschrack und sah schnell zu Boden.\nSie tat aber gar nicht dergleichen und trat\nharmlos näher.\n„Ich bin so weit, Herr Theobald\" sagte sie,\n„bitte, helfen Sie mir.\"\nSie packte den Tisch an der einen Kante und\nschob ihn mit Herrn Theobalds Hilfe hart an das\nSofa heran.\n„Jetzt noch die Decke und das Polster,\" sagte\nsie und begann, an den Tisch gelehnt, in gebück-\nter Stellung, die Schuhbänder zu lösen.\nHerr Theobald warf einen schnellen und\nscheuen Blick auf sie.\nSie tat nicht das Mindeste, um ihre volle und\nfeste Brust zu verbergen.\nTrotzdem sah es nicht so aus, als stelle sie es\ndarauf an, ihn zu reizen . . .\nIn der eisigen Schlafkammer schöpfte Herr\nTheobald Atem und vergrub den brennenden Kopf\nin den kühlenden Polstern.\nEr war seltsam bewegt, vermochte aber nicht\nzu entscheiden, ob es Traurigkeit und Bangigkeit\nwar, oder das Gefühl einer dumpfen Freude, das\nihm Herz und Sinne umnebelte.\nEr wünschte, das Weib nie gesehen zu haben,\nund war doch fast glücklich, ihr helfen zu können.\nNur daß sie ihm so nahe war, so leiblich nahe\nwar, irritierte ihn.\nEs war sein Wunsch, sie über sich zu sehen,\nweit ab von sich, in Fernen, in seinen Träu-\nmen . . .\nKeinen Augenblick zögerte er, zu glauben, daß\ner ihr im Grunde gleichgiltig war.\nOder nicht nur gleichgiltig — wer bürgte ihm\ndafür, daß sie sich über ihn nicht lustig machte,\ndaß sie ihn auslachte, oder daß er ihr nicht direkt\nzuwider war?\nEr, der nicht zu reden, sich nicht zu benehmen\n*\nwußte, er mit seinen vielen Jahren und seinem\nweißen Haare, mit seinen ewigen Niederlagen bei\nden Frauen . . . War es nicht wie ein Schlag ins\nGesicht, daß sie sich ihm gleichsam anbot, daß er\nsie nehmen durfte, nehmen sollte, und daß sie da-\nbei lächeln konnte?\nDie Schmach ward da nicht ihr angetan, son-\ndern nur ihm:\nWie ein Schaustück, zur Belustigung der\nMenge, sah er seine Liebe durch die Gassen ge-\nzerrt, durch den Kot gezogen . . .\nAber konnte er sich nicht auch täuschen?\nWieder fiel ihm das Bild ein:\nJener Aermsten, die ihren Körper gleichsam\nvon sich warfen, ihn jedem überließen, der ihn\nmochte, deren Seele aber dabei abseits wandelte\nund unberührt und rein blieb . . .\nDiese Seele . . .\nMit seiner alten Leidenschaftlichkeit sah er sie\nwieder diesem Irrlichte nachrennen, diesem gau-\nkelndem Sterne, nach dem er sich blutig gesehnt'\nhatte . . .\nEr nahm von den drei Polstern, die er besaß,\nzwei, und nahm auch noch sein Deckbett, — er\ngedachte für die eine Nacht mit dem Unterbett\nauszukommen. Damit begab er sich in die Stube.\nSie stand schon völlig entkleidet da. Nichts\nhatte sie als ihr Hemd.\nEr sah an alledem vorbei, es war, als sei sie\ngar nicht da, als sehe er durch sie hindurch.\n„Ja, die vielen Betten,'4 rief sie aus, „können\nSie die alle entbehren?\"\n„Gewiß, Fräulein/' sagte er und seine Stimme\nwar so traurig, daß sie gar nichts zu erwidern\nwagte. Sie nahm ihm die Betten ab und ordnete\ndas Lager.\nDann fragte sie zaghaft: „Soll ich auslöschen.\nHerr Theobald?\"\nEr nickte bloß.\nDa blies sie schnell das Licht aus.\nAber sie legte sich noch nicht nieder.\n„Herr Theobald?\" fragte sie.\n„Ja . . .?\"\n„Sind Sie mir böse?\"\n„Ich bin Ihnen nicht böse,\" gab er müde\nzurück.\nDa tastete sie sich zu ihm hin, nahm seine\nHand und küßte sie.\nEr wich erschrocken zurück.\nSie schlüpfte aber ohne ein weiteres Wort in\ndas Bett . . .\nHerr Theobald saß darauf noch lange am Fen-\nster. Er zählte noch die kläglichen Töne, als die\nStadtuhr zwölf Uhr schlug."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2472, "texte": "Endlich hörte er Herrn Joachim die Stiege\nheraufkommen . . .\nEr ging ihm bis auf den Hausflur entgegen und\nraunte ihm zur „Es schläft jemand bei uns . .\nohne dem Verwunderten zu gestatten, daß\ner Licht mache und in der Stube erst ablege, zog\ner ihn gleich mit in die Schlafkammer.\n„Ich hdbe ein Mädchen hier behalten,\" erklärte\ner ihm schließlich und war erstaunt über sich\nselbst, daß er so ruhig war. . .. . ich mußte\nsie hier behalten \\ . L es ließ sich nicht anders tun!\"\n„Ein fragte Herr Joachim.\n„Ja, ein Mädchen von da unten,\" sagte , Herr\nTheobald und zeigte nach der Toterischänke. „Man\nhat sie hinausgeworfen . . . mit. .Gewalt . . . sie\nwar blutig . . .\"\nHerr wußte nichts zu erwidern.\nEr war so erstaunt;-Saß er vergaß, das Paket,\ndas er bei sich trug,\" wegzulegen, und im Pelze\nund mit dem Hute auf dem; Kopfe in der Schlaf-\nkammer stehen blieb.\nNoch immer begriff er die Sache nicht.\nHerr Theobald nahm ihm . das Paket ab.\n„Joachim,\" sagte er darin,' „tue mir es zu Ge-\nfallen: frage der Sache nicht weiter nach . . .\nDas Mädchen geht morgen fort, du siehst es nicht\nwieder!\"\nantwortete nicht.\nEr'izog sieh langsam aus,' Schob das Paket in\neinen Kesten itnd-hing, seine Sachen wie allabend-\nlieh ordentlich und der Reihe nach auf. ;\n„Nein . . . wie du willst . . . ich werde-dich\nnicht fragen \" .. r •\nHerr Theobald zögerte.\nWar es nicht besser, ihm alles zu erklären?\nAber er schwieg ...\nEr fühlte sich müde und fand, daß es Zeit war,\nzu Bett zu gehen.\nMechanisch entkleidete er sich, legte Stück für\nStück seiner Kleider auf einen Stuhl neben seinem\nBette. Noch einmal zögerte er, ehe er sich an-\nschickte, in sein Bett zu steigeil.\nWas hielt ihn ab, die ganze Sache, wie sie\nsich zugetragen hatte, dem Freunde zu erzählen?\nWas war im Grunde daran.\nHerr Theobald hörte nicht auf, es sich zu fra-\ngen. als er die Glieder unter dem ungenügenden\nDeckbetteyfrierend zusammenzog.\nNichts '.war geschehen. t\nGar nichts . /\"\nIch rege mich., auf, ich friere, ich lache, weine,\nvv .» v\nfreue mich, bin tottraurig, — und draußen liegt\n'••« ; i ■ ■' ■\n\\\\ das Mädchen und schlaft! ~ • .\nUnd morgen geht-es fort!\nGeht es fort . . .\nEr fühlte sich einsam vvie noch nie seit Jah-\n.. Ben.\n; Er erlebte wieder \"öne jener Nächte, wie er\nsie zur Zeit seiner Krankheit mitgemacht hatte.\nAuch jener böse Haß gegen den Freund kroch\nwieder langsam in ihm/Jierauf.\nWarum aber, fragte er sich verzweifelt, wafum\nhasse ich ihn? .• . .\nErst in den frühen Morgenstunden schlief er ein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c009", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "239", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.7.1", "titre_corps": "Campendonk: Originalhollschnitt", "titre_sommaire": "Campendonk: Originalhollschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 31, "texte": "Campendonk: Originalhollschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c010", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.7.2", "titre_corps": "Artur Segal: Vom Strande / Originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Artur Segal: Vom Strande / Originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 46, "texte": "Artur Segal: Vom Strande / Originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c011", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "242", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.8", "titre_corps": "Die Polovetzer Tänze : Aus „Prinz Igor”von Borodin", "titre_sommaire": "Die Polovetzer Tänze : Aus „Prinz Igor”von Borodin", "signature_source": "Jacques Rivére", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.10", "debut_caractere": 2506, "fin_caractere_exclue": 4691, "texte": "Die Polovetzer Tänze\nAus „Prinz Igor”von Borodin\nVon Jacques Rivére\nSofort erscheint mir-Fokin mit seinem Bogen-\n. schützen. — Keine Musik erinnert an diese weni-\n' gen Seiten Borodins. Sie rühren das, was uner-\nweckt in uns schlummert, und lassen in unseren\nHerzen das wuchtige Asien erstehen, eine Erinne-\nrung an die großem Mütter! \"\"\nAsien!- Nicht das Asien, das wir auf den\nDampfern ■im Mittelländischen Meere kennen ler-\nnen und das immer; nach Import riecht. Das wirk-\nliche Asien !.» Es geht durch die Steppen. Es geht\nzu Fuß von Lagerplatz zu Lagerplatz. Abends\nhält.'--es an und denkt wie einer, der ohne Rück-\nkehr reist. ■ Lager. Feuer. Zelte. Die Nacht ei;-\nglänzt hart und blau. Kein Meer; selbst die Er-\n•' inner ung. an ein 'Meer verstummt. Da erhebt •sich • *\ninmitten des verlassenen, deutlichen Schweigens :K\n• ..• * 1\nder Hochebene ein Jubelgesang der Erinnerung!\neine rhythmische/ Freude gleich den Tröstung&ti\nfür unsere ältesten Verluste. Zuerst lausche ich\n• diesen1 traurigen Flöten, wie . die kleinen Schritte,\ndie den \\Tahz. einleiten ; ich sehe die- langsamen\nGruppen,; die näherkommen im Schimmer des La-\n. Gerfeuers, in tie'fer Nacht, und dann erhebt sich die\nt i ' 5\n\" unendlich bezaubernde Welle, die alle mitreißt,\niT' ' . • * •. ,v\" *\ndann kcfeiihf die Melodie wie ein heftiger Regen.\nSie ienkt sich, ein Zug Vögel, sie entwickelt sich\nklar und wiegend, und die Tänzerinnen sind in so\ngutem Schüfeso verloren, daß sie sanft im Rhyth-\nmus tanzen, doch — als ob sie sich Zeit nimmt\neiner Erinnerung nachzuhängen — schweigt die\nMelodie entschwindend, -— Jetzt tanzen die Män-\nner traumergriffeii. Tiefer, wilder Sturm! Die\nFreude, die.. si£ erschüttert, steigt in ihnen empor\nwie ein brutaler Traum. Sie erschüttert und dreht\ndie Tanzendeij in Spielen, die irgend etwas Ver-\nschwundenes nach ahmen. So erinnern sie sich,\nso beruhigen 112 sie ihr Hetz. Rhythmische, keu-\nchende Musik, o, deinßausch ist der Feind der\nMelancholie, du bist der gewalttätige Trost!\n, Unbeweglich inmitten der. 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Die '\nrealistische; Kleinrenaissance - wurde . eingeleitet\n: »' ' • ' v *\ndurch dein Mikroskop- und Teleskop-Liebhaber\n.•. . .■ * *''\nZola; der die alten Halbgötter wieder erfunden;hat:\ndie Erde, das fQeld. die Arbeit. Sie führte'zu der\nArt, in der sich eine Übertreibung des Stils durch\nDetails entwickelte; die großen harmonischen Kör-\n-4 * i * ■4 £■\nper wurden total aufgelöst in allegorische Profetar-\nEugelkinder mit einer oft sehr gekünstelten; Per-\nspekiye. Dies' alles sind ja die Symptome, des Ba-\nrökko.. ■\nJohannes V. Jensen startete als Mitglied einer\nGeneration,' die Intelligenz «lim\n. 'Realismus zwang. Seine Furcht (epophe- und\nnationaltypisch), pathetisch ztr-werden, gibt seinem\nStil eine gewisse Aehnlichke.it.mit Mark Twain und\neinigen großen Engländern, es hat ihn- zu iibertrie-\nbenen seiner Geistesähnlichkeit mit\ndiesen geführt Seine größte Kunst hat er uns un-\nbedingt als Schilderer gezeigt, wahre innige Inte-\nrieurs, in seiner „Himmerlandsgeschichte\" mit\nKraft und Originalität gegeben.\nLeider verschafften ihm diese beiden guten\nEigenschaften einen schnellen Erfolg, der ihm zr,\nKopf stieg. Er fühlte sich als der geborene „Inter-\npreter\" für alles was er sieht. Auf oberflächliche\nEindrücke baute er kategorische Urteile. Die Kraft\nund der sichere journalistische Instinkt brachte\nihm oft die Bewunderung des kritiklosen Publi-\nkums. Er schritt als Verkünder zu „Gedanken'4,\nließ sich selbst als Prophet für die neue Zeit pro-\nklamieren und fing an zu polemisieren — irrt\nGrunde ist er mit seinem agitatorischen Stil immer\nPolemiker — um Vieh von verschiedenen Rasser\nzu den alleinseligmachenden Oasen zu führen;\nDie Entwicklung seiner Produktion zeigt, dal:\n•das. „Gedachte\" sich mehr und mehr bei ihm ent-\nZwickelt^''-aber das reine Vir-\n>t'nqslte wird. Es ist eine sehr häufig vorkom-\n'mende geistige Entwicklung in Skandinavien:\nUebergang von Literatur zur Philosophie. Dies\nkann die Folge einer Neigung sein, alles schwer zu\nnehmen, vielleicht ist es nur die Folge eines Na-\nturgesetzes: den mit den Jahren zunehmenden\nDrang mehr Inhalt als Form zu schaffen, was viel-\nleicht sehr gut sein kann, aber leicht in eine Pro-\nblemdebatte ausartet, in dem alle gleich sind und:\nder Künstler .selbst seine Privilegien, verliert.\nJedenfalls, wo Johannes V. steht,\nwünscht er auch zu stehen, gesehen und beurteilt\n';zü werden. Und nach etwas anderem kann der\nKritiker sich nicht richten. Will ein Künstler unter-\nrichten, Wahrheiten\" sagen, dann muß er sich den\nprofanen Gesetzen der Logik unterordnen. Er sie-\ndelt damit in ein ihm fremdes Land über und muß\n' • ,V j\nliach 'dessen Gesetz verurteilt werben, wenn er\nsich dagegen yergeht. 1 Eine Handlung wird nach\nihren' Motiven1 beurteilt. Eii Mann' nach seinem\ni i .\nZiel\\ Wo die Debatte ernsthafte Probleme behan-\ndelte, hat man schon viel zu' oft Johannes V, Jen-\nsen seiner sprachlichen Verdienste wegen entschul-\ndigt. ■ Man hat An entschuldigt, weil er seinen\n„Nonsens\" so gut gesagt hat. Wenn ein Architekt\nein logisch-schönes Haus baut und es zusammen-\nstürzt, sagt man doch kaum, was Herr Gott, er ist\ndoch eine große charmante Persönlichkeit, es war\ndoch wunderbar zu sehen und die feuine macht sich\nauch/sehr dekorativ. j\nJensen will als Geist, als Denker und als Seher\nbeurteilt,werden.. Wirklich: DieSes neuen Johan-\nnes Offenbarung ist dunkler als die alte. '\nHier ein paar Proben deines! Raisonnements: Er\nerklärt die Renaissance dürcli, die großen 'geogra-\nphischen Entdeckungen am Zeit. Vor»\n1. •CX Christensen, dem früheren [4, dänischer}.-, Mini-\nsterpräsidenten schreibt er: irgendwo, es ist (fetwas\n-über seiner Stirn, das die Gedanken auf den „Ge-\nvTionsbrunnen\"' • in Kopenliagen hin-\n\" führt. Dieser Brunnen würde zu\" der Zeit ;-äufge-\nstellt, in der/ man Ghristensen i zum Präsident\n•-\"-■ ! 1 \" •\nWählte. Qeri eine wurde aufgestellt als' /Mi-\nnister» der andere als Springbrunnen — eine fixe\nParallele! In Jensens „Myter\" sieht man vielleicht\n•*l' 1\n• noch deutlichere Beispiele seiner Liebe zu diesem\ngekünstelten Perspektiv, das immer das Lieblings-\nkind des Barock war. /\nAls Prophet zählt er zu .den vielen kleinen und\nfalschen. Man glaubt die Stimme „Jehovas in der\nWüste4' zu hören, aber stellt bald fest, daß es nur\nein Straßenhändler New-Yorker Typs ist, der\n„World\" rief. Er kämpft für amerika n i s c h e\nKultur, als ob Kultur nicht Kultur ist. Ein einziges\nEins. . Ueberall in der Welt, in größerer oder ge-\nringerer Quantität, vielleicht am wenigsten in\nU.S.A. Er ist Prophet für ein Touristenamerika."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2032, "texte": "was ihm, dem HimmerlaMsrnänn, kolossal impo-\nniert hat. Aber: in Wirklichkeit ist er ein Bauern-\nsohn, der Johannes heißt und im Ausland war, Er hat\nnicht die Blasiertheit der Phantasiefülle den prak-\ntischen-Konsequenzen gegenüber. Die Häuser in\nNew-York findet er so hoch, so hoch, und Räder\nsind du, «die ineinander greifen. Er singt das Lob\n'.'a . I ' •\nüber die moderne Stadt und bezeichnet sie als\neinen Fortschrittals ob nicht immer die Bewun-\nderung der Gegenwart und die Entwicklung Feinde\ndes Fortschritts sind. Amerikas „Bluff\" und der\nSturm in seinen * Telephondrähten und Schornstei-\nnen hat ihn vollständig hingerissen. Er hat über-\nsehen, daß der Wind sich immer um ein Minimum\ndreht. Er hat einen Augiastall reinigen wollen und\ndurch ihn eine Kloake geleitet\n■Als* «Polemiker ist er manchmal nicht gut. Mit\n\"Offenem1 Visier kämpft er ganz blind in der Luft.\nSeht, ich bin „Wildniann\" in dänischen Waffen\nsingt er. Das Wildeste, das dieser Wildmann\nschaffen konnte, waren einige kleine Blumen am\nWegesrain, ein paar „Teufelsfoütterfohimen\" und\neinfache Mimose. Eichen, auch künstliche,\nstanden ihm stets im Wege.\n•Daß dies kein Würdigerer als ich zu sagen\nwagte, ist vielleicht in der Furcht vor der polemi-\nschen Rücksichtslosigkeit Jensens begründet.\nAls Skandinavier fühlt man oft momentan einen\nStolz in Deutschland , überall in Buchhan dl ungs-\nfensterii und auf Theaterzetteln skandinavische Na-\nmen. Aber gleich danach ist man beschämt. Es\nsind nicht unsere Großen, die in Deutschland ge-\nfeiert werden. Es scheint ein Zufall zu sein, wer\nIn Berlin oder Wien mit einer falschen Elle ver-\ngrößert wird. Johannes V. Jensen ist sicher der\ngrößte Journalist, den Dänemark und vielleicht\nauch größere Länder gehabt haben. Als Bauern-\nschilJerer stand er hoch. Aber seine Geistes-\ngröße ist made in Germany. Seine Vielseitig-\nkeit erinnert an die Berliner Warenhäuser. Er be-\nsitzt ein Organ für den Geschmack, obgleich von\nAnfang an Symptome darauf hinweisen, daß sein\nGeschmack nicht verläßlich ist.\n\nSvend Borberg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c013", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "243", "page_fin": "243", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.10", "titre_corps": "Guten Morgen, Pioniere", "titre_sommaire": "Guten Morgen, Pioniere", "signature_source": "Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.11", "debut_caractere": 2034, "fin_caractere_exclue": 8910, "texte": "Guten Morgen,\nPioniere\nJoseph Adler\n„Aber der Einfluß der Zeitungen ist heute doch\nwesentlich weitergehend. Die Bildung ist umfas-\nsender geworden und es wird allgemein mehr ge-\nlesen als früher. Auf der anderen Seite aber sind\ndie modernen Menschen von der Berufsarbeit so\nsehr in Anspruch genommen, daß wesentlich nur\nnoch Theater und Zeitungen als die hauptsächlich-\nsten Bildungsquellen für sie in Frage kommen.\"\nDer immer weitergehende Einfluß der Zeitun-\ngen ist nicht mehr aufzuhalten, er reißt alles mit\nsich fort: Die Bildung ist umfassender geworden.\nAufdringlicher. Volkstoll. Wohin sich retten? Auf\nder anderen Seite werden die modernen Menschen\nvon der Berufsarbeit in Anspruch genommen und\ndie Bildungsquellen kommen in Frage. Sie sind\nmit Antworten nicht zu verstopfen. Die Bildungs-\nepidemie wütet, der moderne Mensch ist ihr Opfer.\nDie Lektüre der Volkszeitung und der Besuch einer\nOperettenbühne geben ihm Oberfläche. Die Bil-\ndimg ist ein Massenartikel geworden. Sie wird\nzu Schleuderpreisen losgeschlagen. Sie ist kaum\nmehr käuflich. Man hat dem modernen Menschen\neinen Heißhunger nach ihr angemästet. Er ist gar\nflicht mehr zu stillen.\n„Auf den Journalisten ruht daher heute eine\nVerantwortung, djie nicht geringer ist\nals die Verantwortung großer Geschäftsleute und\ngroßer Staatsmänner, nur daß die Presse nicht\njeden Tag von dieser Verantwortung spricht. Der\nVerein Berliner Presse ist es wesentlich gewesen,\nder mit dazu beigetragen hat, das Gefühl für diese\nVerantwortlichkeit in den journalistischen Berufs-\nkreisen zu schärfen.'4\nSo prahlt keiner mehr mit den Schwierigkeiten\nseines Berufs. Ein Chauffeur ebenso wenig wie\nein Schafhirt oder eine Hebamme. Das fühlt die\nVerantwortung eines Ministers auf sich lasten und\nfedert lakaienhaft. Wähnt seine Bedeutung nicht\ngeringer als die eines großen Kaufmanns, ver-\nschachert aber seine Meinungen und „macht\"\ni n Bild ungsre s t e n. Der Verein Berliner\nPresse ist es w e s e n t Ii c h gewesen, d e r v i e I\nd a z u b e i g «tragen h at, das Gefühl für Ver-\nantwortlichkeit in journalistischen: Kreisen zu\nschärfen, aber die Grenzen zwischen Wissen-\nschaft, Literatur und Presse ist nicht mehr so\nscharf wie einst. Die Presse ist der M i 111 e r\nzwis c h e n de r Wissen s c h a 112 t un d de m\nPublikum. Zwar sind die {(Gelehrten \\ nicht\nimmer mit dem Widerklang zufrieden, den ihre\nArbeit in der Presse findet „aber das liegt\no 112 t a n d e r W is.se n s c h af t und es sollte ihr\nein Ansporn sein, sich klarer und populärer zu\nfassen\". ~\nSo hat sie der Rektor der Berliner Univer-\nsität kompromittiert. Noch nicht zwölf Stunden\nnach einer offenen Absage au sie. Man staune:\n„Die Lektüre der wissenschaftlichen Bücher,\ndas Höreii wissenschaftlicher Vorlesungen spielt\neine wesentlich geringere Rolle als die Zei-\ntungslektiire.\"\nNun soll sich die dumme Wissenschaft noch\nklarer und populärer fassen. Neben der dickwan-\nstigen Presse, die unsere Zeit gewalttätig mit Bil-\ndung schwängert, erscheint die Wissenschaft zu\neinem Skelett abgemagert. Sie spielt eine we -\nsen 11 ic h geringere Rolle als die Zeitung. Hinter\nden Brettern der Phrase, die eine Welt vertrotteln,\nist alles Komödiantentum. Die Presse ist natürlich\neine Hauptdarstellerin. Eigene Note. Routine.\nGröße. Gewalt. Die Technik hat auch' eine große\nRolle an sich gerissen, und sie hat noch eine glän-\nzende Zukunft vor sich. Die Wissenschaft spielt\neine dürftige Nebenrolle .und die Kunst, ach Gott,\ndie stirbt in der Hauptsache. Es hat einer sogar\nein Buch darüber geschrieben, aber die Presse\nsagt frei sich von jeder Schuld. Sie hat zit den\nSterbenden stets,die besten Beziehungen\nunterhalten. Oh, viele Künstler verdanken ihr\nüberhaupt alles. Sie sagen es sogar ohne vor-\nherige Verabredung. „Der greise Niemann, der\nHüne, stand auf und erzählte: daß er der Presse\nalles verdanke. Jahrzehnte lang habe er in ihr\nimmer neuen Mut geschöpft, und als sie ihn zu\nseinem achtzigsten Geburtstag noch einmal feierte,\nda habe er bei sich gedacht: Donnerwetter! Du\nbist doch ein Künstler gewesen!\"\nAber nicht allein ein Hüne hat Jahrzehnte lang\naus der Presse Mut geschöpft, auch „s ehr viele\nSchrift s t e 11 e r mit großen Na me n ver-\nve rda nk e n den Redakteuren Anre-\ngun g, Belehrung -u n d damit ihren\nRu h m\". Ich will einmal höflich sein und keine\nNamen nennen. Vielleicht auch keinen der Re-\ndakteure, deren größter Teil dem großen Publikum\nimbekannt ist.\n„Als Soldaten ohne Namen tun sie jahraus, jahr-\nein ihre Pflicht. Es sind wirklich Soldaten, Pio-\nniere (tatsächlich oft Genietruppen) im Dienste des\nVolkswohls.\" ■ 1\nHalt! Das Ganze halt! Immer militärisch.\nWie ? Pionier Engel vor nicht langer: Zeit\n>chneiderbock, der auf Pegasus reitet, schneidig\nherausgestrichen. Noch nicht vergessen. Dolle\nSache das gewesen. Später mal für Walter Bloem\nostentativ Lanze gebrochen. Zola abgesägt und\nBloem zum Marschall der deutschen, Literatur je-\nstempelt. Verteufelter. Kerl, dieser Engel. Und\nwen seile ich da ? Den Schienther. Auch 'n\nalter Haudegen. Letzthin für Atlantis Attacke ge-\nraten, daß Jeistesfunken nur so sprühten. Und\nhier — der A Iber ti. Veteran. Naturalistischen\nFeldzug mitgemacht. Viel gereist. Wie? Asien,\nAnika. Weiß, weiß. Fünfzig schon, aber immer\nnoch Schwerenöter. Der Lily Braun viel Schmei-\ncheleien gesagt, Vor einigen Tagen erst. Brav,\nSehr brav. -- So? Nicht der Rede .wert?. Pflicht,\nNicht mehr. Soldatenpflicht.\nSie alle scharen sich um das Schwert, des\nIdeal i s mu s, das stet s zu schär fe n, Ex-\nzellenz Prof. Harnack wärmstens empfohlen hat\nIn der Phrasenschmiede wurde der Blasebalg ge-\nwaltig getreten. Das Feuer ging nicht aus. Mit\ntausend süßen Artigkeiten vollgestopft kamen sie\nzum Festfressen. Minister, Gelehrte, Künstler und\nLiteraten. Und zwei knappe läge vor der Hunger-'\nrevolte am Wedding konnten die Pioniere im\nDi ens t e des Volks w o h 1 s mit Thüringer\nBachforellen und böhmischen Edelfasanen aufwer-\nten. Zwischen den einzelnen Gängen wurde an\ndem „i n teressante u Kult urpro b 1 e tn\nJ o u ra 1 is m ti s\" gekaut. .\nDenn: „die moderne Presse ist längst nicht nur\neine große Mittlerin, sondern im Grunde, wie die\nDichtung oder Kunst, eine ganz selbständige und\neigenartige Funktion des geistigen Lebens der Völ-\nker. die ihren eigenen komplizierten Gesetzen\nfolgt.\" • ' ;\nDas lebt von der Hand in den Mund und rühmt\n*\nsich als Geistesnahrung, nennt sich ein Geheim-\nnis und schwatzt alles aus, verwischt Grenzen\nzwischen „Faktoren des öff e n t liehen\nLeben s\" und macht den Gedanken landflüchtig,\nwiegt sich stolz als Kind der Revolution der mo-\ndernen Technik und ist der Vater allgemeiner gei-\nstiger Verseuchung, schärft das Schwert des Idea-\nlismus und frißt als Rost an allem, das seelisch\nverhungern muß. Ho Izb o c k natürlich hörte\naus dem „Reigen der offiziellen Reden\ndas Hohelied der Press e\".\nAber der Reigen war ein Schiebetanz und das\nHohelied ein Reißer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c014", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "243", "page_fin": "243", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.11", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.11", "debut_caractere": 8912, "fin_caractere_exclue": 9285, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung; der iMfer\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung, Verleger erhalten hier nicht\nBücher zurück, falls Rückporto wurde.\nMic h e 1 Ye 11 ..\ni•* « ■ •\nCauet\nParis / La Nouvelle Revue Frangaise\n~•«• 1 • * •\nEm i 1 e Peyrefort\nLa Sotirce ignoree\nParis / Maison d'Edition 12 Rue Bonaparte"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c015", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "244", "page_fin": "244", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.12", "titre_corps": "Notiz", "titre_sommaire": "Notiz", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 278, "texte": "Notiz\nDie vßeäaktion u'rtd der Verlag Der Siurnt IMiffäet\nsich von zweite« Januar 1913 Berlin W9, Pots-\ndamerstraße 134 a\nDer nächste Empfang des Herausgebers ist am\n29. 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Campendonk: Originalholzschnitt [Nummer 131]\nzwolf signierte und numerierte Exemplare / Das\nExemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originaliithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nil in sky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nJe ein Exemplar ist stMndig auscesteUt im Graphischen\nKabinett, Kurf first en damm 33\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndicliten von Arno HoJz / FOr Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: I / Umber to Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose T&nzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / QinoScverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tinzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1912-12-02-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1912-12_02#c019", "volume": "bmtnabg_1912-12_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "244", "page_fin": "244", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.12", "debut_caractere": 4653, "fin_caractere_exclue": 5492, "texte": "Zeitsehriften\nDie Aufnahme erfolgt kostenlos nach frcicm Ermessen\nder Redaktion dieser Zcitschrift\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort I Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'Independance / Haibmonatsschrift / Kflnste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chapta!\nLa Nouvelle Revue Francaise I Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre I Moulins [Allier]\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). 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Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelie der Neuen Sezession: Stcc~\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf A nit 269$\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandluuf )\nBerlin W 15, Kurfurstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraBe / Eckhaus / Fernruf Amt Steinplatz;\n14297 I Der Inhaber des Graphischen Kabinetts\nJ. B. Neumann eroffnet in der SchillerstraSe £ (am\nKnie) eine Ausstellung fur die neue Maierei, ftvthr\nsotten ausschlieBlich Werke jiingerer Kunstler\nzeigt werden\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgesch&ft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vam XVI.—XX. Jahrhundert / Alte nnd\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung j Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Anttflua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsp-recher Amt.\nLutzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen*\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmcldungen;\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgabeii\nin auSlandischer Literatur\nFritz Merker Gharlottenburg, SchillerstraSe H\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartoat--\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbftttde\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fur BerBn\nund die Mark Brandenburg: Louis S tan gen,.\nLinkstraBe 12. 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Epstein: Einige Gedanken über Bildentstehung / Günther Mürr: Marienlied / Hermann Wagner: Die rote Flamme / Jacqoes Rhri&re: Die\nPolovetzer Tänze / Svend Borberg: Barokko: Jensen made \"in Germany / Joseph Adler: Guten Morgen, Pioniere / Franz Marc: Der Stier/ Original-\nholzschnitt / F. Rosenkranz: Die Straße / Originalholzschnitt / H. Campendonk: Origiaalholzschnitt / Artur Segal: Vom Strande / Originalholzschnitt\n\nFranz Marc: Der Stier / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.2", "texte": "Vorschmack\nH. W.\nEin Brevier des Geschmacks\nDie Literatur dringt in .immer weitere Kreise.\nZu Weihnachten ist das Bedürfnis nach guten Bü-\nchern im deutschen Volk vorhanden. Sie sollen\nnicht viel kosten. Die Konfektion trägt diesem\nVerlangen Rechnung. Ist sie höher als fünf Mark,\nerhält man in einem Spezialhaus für feine Herren-\nausstattungen feine und feinausgestattete Litera-\ntur umsonst. Die Krawatte. Ein Brevier des Ge-\nschmacks. „. . . Wir haben alles, was man von\nder Krawatte weiß, Historisches, Aesthetisches,\nEthisches, Praktisches, Alltägliches und Witziges\ngesammelt und zusammengestellt und he r vor-\nr.a ge nd e Schriftsteller, die we iß Gott sich\nsonst mi t ernsteren Dingen beschäf-\ntigen, halfen uns bei diesem nicht leichten Unter-\nnehmen. Leute, die auch für das Oberfläch-\nliche ein tiefes Verständnis haben . . Die\nHerausgeber, die sich so n s t mit ernsteren Din-\ngen beschäftigen und nur ausnahmsweise Krawat-\ntengeschäften helfen, heißen: Edmund Edel, W.\nFred, Hans Heinz Ewers, Roda Roda, Diese ernste-\nren Schriftsteller haben s o n s t für das Tiefe ein\noberflächliches Verständnis, Man wird sich also\nnicht zu sehr wundern, daß sie ausnahmsweise für\ndas Oberflächliche ein tiefes Verständnis haben.\nMan wundert sich höchstens, daß Herr Ewers das\neinen seines Vornamens Hans abgelegt, und dafür\nachtundsechzig Krawatten dem staunenden Publi-\nkum angebunden hat. Herr Doktor Ewers hat es\nschwer auf dieser Erde. Entweder speit ihn das\n-deutsche Volk an, wie er in einer Reklameschrift\nseines Verlags bekennt, oder das deutsche Volk be-\nlästigt ihn mit der Bitte um Autogramme. Das\ndeutsche Volk schreibt meistens an ihn: „Ver-\nehrter Meister\". Man erzählt ihm, daß man schon\nAutogramme von Herzog besitze (gemeint ist nicht\nder Linterschriftsteller, der in der vorigen Nummer\ndieser Zeitschrift durch Fettdruck hervorgehoben\nwurde, sondern der große Rudolf). Ja sogar von\nFrenssen, Eulenburg und Otto Ernst besitzt man.\nManchmal schickt das 'deutsche Volk dem Autor\nauch seine Bücher zurück, weil es „n a c h t r äg -\nlieh noch etwa Geistreiches hineingeschrie-\nben haben will\". Dieses Verlangen des deutschen\nVolkes kann man bei Werken des Herrn Ewers\nbegreifen. Wie aber soll die Literatur mit der\nKrawatte verknotet werden. Man muß die dämo-\nnische Phantasie des Doktors Ewers besitzen. Er\nerfindet kraft seiner Gaben eine Dame, die Kra-\nwatten von sehr berühmten Dichtern gegen Gaben\nan arme Leute sammelt. Und da Herr Doktor\nEwers nun einmal dämonisch ist, versteht es sich\nvon selbst, daß eine „Dame von Adel\" darauf her-\neinfällt, ihn um einen Dichte r s c h 15 p s zu bit-\nten! Herr Doktor Ewers ladet die adlige Dame\nzu sich, denn sie wollte einen für seine Individua-\nlität charakteristischen Schlips haben: „Aber ich\nfand nicht; unter meinen achtundsechzig Krawat-\nten vermochte ich nach einstündigem Suchen\ndurchaus nicht die zu finden, die für meine Indi-\nvidualität am charakteristischesten war.\" Die Kra-\nwatten reichten zwar aus, aber die Individualität\nwar nicht vorhanden. So konnte Herr Doktor\nEwers natürlich lange suchen. Die adlige Dame\nkam also: „Ich schicke meinen Sekretär, sie zu\nholen.\" Nämlich die Schlipse, Die Dame besaß\nSchlipse von Goethe, E, Th. A. Hoffmann, Ver-\nlaine, Oskar Wilde und Tolstoi; es fehlte ihr eigent-\nlich also nur Doktor Ewers. Der ersucht sie, seine\nIndividualität unter den Schlipsen zu finden. Mit\n„Kennerblick44 zog sie einen mauvefarbenen Binder\nheraus und stellte fest, daß Herr Doktor Ewers\ny . ' *. * * t \"\n„Erotiker44 ist. Aber auch diese Feststellung seiner\nIndividualität gelang ihr etwa nicht durch den\nmauvefarbenen Binder, sondern durch ein schwar-\nzes Haar, das daran hing. Man ist enttäuscht.\nHerr Doktor Ewers, der sich nun schon jahrelang\nmit feiner Herrenkleidung der Firma Hermann\nHoffmann befaßt, säubert nicht einmal seine Kra-\nwatten, bevor er sie, nach der Vorschrift des\nHerrn Dichters Edmund Edel weglegt. Mau ist\nenttäuscht. Und man sieht wieder, daß es leich-\nter ist, in Büchern, als mit Krawatten aufzuschnei-\nden. Der Erwerb von Krawatten wird den deut-\nschen Dichern auch sehr schwer gemacht. Herr\nDoktor Ewers zum Beispiel muß deshalb Vorträge\nhalten und miserable Zeitungsartikel schreiben. So\nbekennt er in dem Vorwort seines Buches Indien\nund ich: „Ich halte es zwar für eine Infamie, daß\nein schaf 112 e n 4 e r Künstler gezwungen ist, um\ndas Leben, das für sei n e K u n s t das einzig\nmögliche ist, führen zu können, sich\nöffentlich zur Schau zu stellen. Ich bin auch der\nMeinung, daß es eine Gemeinheit ist, wenn ein\nDichter jähr ins jahrein Zeitungsartikel schreiben\nmuß, in denen er naturgemäß von aller Kunst\nsich möglichst fern halten soll\" Naturgemäß ge-\nlingt .es dem Dichter Ewers auch, von aller Kunst\nsich möglichst weit fern, zu halten. Es überrascht\ngeradezu, wie gut es ihm glückt. Da er weder\nKosten noch Krawatten scheut, um „das Leben zu\nführen, aus dem seine Kunst Wurzel schlägt\". Er\nmacht nämlich dazu Reisen und muß „die Lande\nsehen\". Er sieht die Lande, aber seine Kunst\nschlägt keine Wurzel. Der Knotenpunkt bleibt die\nKrawatte. „Und mit dieser Kunst mache ich kein\nGeschäft. Ich verschenke sie.\" Das ist keine\nPhrase. Bei Einkäufen über fünf Mark. „Das\ndeutsche Volk beachtet uns nicht? Aber gewiß\nbeachtet es un s. Jeder Redakteur tut für un s,\nwas er nur kann. Man schreibt über un s, man er-\nwähnt uns überall. Und aus dem 'Publikum\nkommen seh n s ü cht! g e Briefe, man quält\nuns um Autogramme, beruft uns in alle Wohl-\ntätigkeitskomitees. Man übersetzt un s auch,\nmacht un s berühmt in zwei Dutzend Sprachen.\nWenn w i r sterben, widmet man u n s lange Nach-\nrufe, stiftet einem oder dem andern gar ein stei-\nnernes Bild. (Mir freilich gewiß nicht, in bin in\nDüsseldorf geboren!)\" Schiller zum Beispiel war\nvorsichtiger in der Wahl seines Geburtsortes, als\nHeine und Ewers. Aber dafür wurden die äfteren\nHerren nicht in Wohltätigkeitskomitees berufen.\nDes weiteren beschwert sich Herr Ewers darüber,\n„daß das deutsche Volk nur Geld für Unterhaltungs-\nlektüre ausgebe.\" aber nicht einmal dafür scheint\ndem deutschen Volk nach eigener Angabe der Dich-\nter Ewers gut genug: „Unsere* Bücher — borgt\nman sich aus oder bekommt man als Freiexem-\nplare.\" Bei Einkäufen über fünf Mark. Bitter be-\nmerkt der Dichter: „Ich werde mir freilich den\nLuxus nie gestatten können, ein eigen Heim zu\nhaben und eine Familie zu gründen. Aber ich darf\nmir dafür erlauben, Träume zu träumen, die kein\nanderer vor mir je zu träumen wagte . . Man\nhat es gewagt. Und die Vorträumer brauchten\nnicht einmal Reisen zu machen. Sie hatten das\nDichten billiger. „Wias mir Indien ist — steht frei-\nlich nicht auf diesen Seiten . . . Und trotzdem —\nauch ih r möget diese Blätter lesen, ihr paar Men-\nschen, die ihr mich liebt und die ich nicht kenne,\ndenn seht: niemand kann aus seiner Haut heraus.\"\nNicht einmal, wenn ihm der Bauch aufgeschnitten\nwird. Der Krawattenträumer bedichtet, naürlich\nim Zeitgeist, seine Blinddarmoperation. Auf dem\nKrankenbett scheint das Schreiben schlechter Lite-\nratur schwierig zu sein. Da muß man sie lesen\nund empfehlen. Bei Einkäufen über fünf Mark.\nHerr Doktor Ewers empfiehlt als geeignete Kran-\nkenlektiire Bücher von Gaulke und Poritzky, die\nhinwiederum ihn dem deutschen Volk empfehlen.\nWenn er Gaulke liest „„'bleibt eirt wildes grandioses'\nLachen übrig.\" „Ich muß sagen, dieses Lachen tat\nmir gut. Ich glaube mein Loch im Bauch wurde\netwas enger davon.\" So wirkt Gaulke. So träumt\nman sich in das Leben zu rücke. Die Phantasie wird\nwieder bei Edm. Wünsch selbstbinderisch beflügelt\nund bei Hertmann Hoffmarin bekleidet. Und wenn\nauch das Leben des Hern? Ewers keine Träume\nhat, so bleibt doch ein Traum seine' achtun sechzig\nKrawatten. Zu beziehen bei Edm. Wünsch. Hoff-\nmanns Erzählung hat dein Doktor Ewers schon\neiner vorgeträumt. Als wohlfeiler Rest bleibt,\nHoffmanns Wünsch.\nDer Geschmack in anderen Dingen\nDer Z wie b e Ifi s c h nennt sich „eine kleine\nZeitschrift für Geschmack in Büdier und anderen:\nDingen4'. Sie ist sehr geschmackvoll gedruckt und\ngibt zweifellos den schlechten Magen der Drucker\nund Verleger gute Anregungen.! Ueher' den Ge-\nschmack der kleinen Zeitschrift, in diesen Dingen\nläßt sich nicht streiten. Dem 'Z wiebeirisch - muß]\naber das Recht bestritten werden, Zwiebelfische'\nin die Malerei und Literatur zu setzen. Die' Au-\nsführungen über den blauen Reiter \"sind so naiv, so\nkunstfremd, daß man sie am besten in dem „Brief-\nkasten\" der Redaktion stecken läßt. Das Lob die-\nser Zeitschrift im Zwiebelfisch wird entschieden\nabgelehnt. Der Sturm duldet nicht in der gleichen\nBegeisterung für Blätter angehimmelt zu werden,\ndie ein panischer Schreck zu einer Aktion veran-\nlaßt. Blätter, die sich gegen den Sturm wehren!\nAber der Zw.iebelfis.ch treibt auch eigene Literatur.\nDort sieht er Bilder, die der blaue Rester sicher\ndurchstoßen würde: „Der junge Sorge! hat den\nVogel abgesch o s s e n , sowohl mi t se i -\nne m freä e n weite n 11 oriz o n t, als auch\nrii i t de r klu g e n un d diskr e t e n Da r -\nstell un g. Es . . . bringt eine Fü 11 e neuer\nGesichts p u ti k t e ... .\" Der Horizont des\nZwiebelfisches ist für die Kunst offenbar mit dem\nVogel verstellt, den die Darstellung abgeschossen\nhat. Man bleibe beim Geschmack.\n-#\nAntwort\nZu der Erklärung' des Wilmersdorfer Blattes\nDie Aktion schreibt Herr Franz Blei dem Her-\nausgeber dieser Zeitschrift, er hätte nicht gewußt,\ndaß Herr Kurt Hiller Herrn Ehrenstein traktiert\nhabe, wie dieser ihn.\nDies fasse ich so auf, daß muri nur dreizehn\n„Unterschriftsteller44 übrig* bleiben,.\n\nKunst sühnt den Tod\nder Natur\nVon Lothar von Kunowski\nAls Bonifacius die heilige Eiche der Deutschen\nfällte, hätte ihn das Volk mit Recht für einen Mör-\nder gehalten, wenn er den Dom def Wälder nicht\nverwandelt hätte in ein Gebilde, in dem die Kraft\nder Eiche, Buche und Linde sich doppelt ausdrucks-\nvoll und obendrein verbunden mit den Mächten des\nSteins offenbaren konnte. Nur der Erbauer des\nTempels eines Gottes der Liebe, eines Gottes der\nKultur durfte es wagen, die Axt an das Heiligtum\nder Naturgötter zu legen. Wenn die Einführung\ndes Christentums einen grausamen Eingriff in das"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.3", "texte": "natürliche Leben des Landes bedeutete, wenn von\njenem Tage an der Pflug weitere Kreise zog als\n'bisher' und' die Fruchtbarkeit der Wälder und Auen\nerst' durch die Hand des Menschen ihrer Bestim-\nmung''''Zugeführt 'wurde, so fordert das beleidigte\nAisge eine Rechtfertigung, die nur die bildende\nKunst zü geben Vermag, die Kunst einer Hand, die\nmit dem Nutzen die Schönheit nicht vermindert,\nsondern vermehrt:.\nSolange das Holz im Baum, der Stein ini Berg,\ndas Eisen in der' Tiefe ruht, schrieben die Völker\nihnen eine Seele zu und die zartesten Erlebnisse\nihres Gemütes, ja ihre Religion ergab sich aus dem\nVerkehr'mit Geistern des Wassers, der Erde, der\nLuft und 'des Feuers, mit Dryaden, Queilnymphen,\nDämonen der schätzereichen Unterwelt. Wer da-\nher'diese Seelen vernichtet würde das Reich des\nGeistigen vermindern, wenn er sich nicht mächtig\nfühlte, denn seiner Form beraubten Rohstoff neues\nLeben abzugewinnen. Indem unsere Städte die ge-\nsamte Umgebung in ihre Mahlmühle nehmen, laden\nsie die Verpflichtung auf sich, Holz, Marmor, Gra-\nnit, das Leder' der Tiere, die Fasern' der Pflanzen\nderart' wieder aus dem Vernichtungsstrudel hervor-\ngehen Zu lassen, daß die Kräfte, die Gebirge,\nEichen, Platanen, Quellen und Erzadern in Schön-\nheit gestalten, doppelt 'schön und als Seele unserer\nwieder auftauchen. Es ist\nder Weltgeist, mit dem sich jeder 'Handwerker zu\nschaffen macht, der Baumeister, Schmied, Weber,\nErzgießer, Schneider und Schuster, jeder Schlag\ndes\" Hammers entscheidet, ob wir eine Seele ver-\nlieren oder gewinnen werden. Wahrhaft kultivierte\nVölker haben keine Scherbe, keine Papierfetzen,\nkeine Schwertklinge hinterlassen, die nicht Zeugen\nsind von der Ausbreitung menschlichen Geistes in\ndasv:Reich der Materie. Die goldene Krone, der\nDiamant und die silberne Schale, der Streitwagen\nvon Erz verkünden die Macht von Königen der\nUrzeit Weil ihre Schönheit 'den Berggeist so deut-\nlich ausspricht, daß wir ihn vor dein König knieen\nseh eh,' aus dem Purpurmantel redet der Glanz und\n•■• . i\ndie Üeppigkeit der Felder und des beherrschten\nMeergetiers, aus dem Federschmuck die Herrschaft\naber däs Reich der Lüfte. 'In solchen Völkern war\nder geringste Arbeiter ein Genie, denn täglich\nblickte er dem Weitgeist ins Auge, und wenn er\nselbst 'nicht Erfinder seines Werkes war, so half er\ndoch einem schöpferischen Geist die Erhabenheit\ndes Öebirges in die Majestät der Pyramide zu ver-\nwandeln, die halb im Wüstensand ein Markstein\ni; ' . '\nblieb, wie weit befruchtende Kultur vordringen\nkann durch Könige, die ihr Volk gewöhnen mit\nAeorien zu rechnen.\n■ 'Man muß beginnen, das barbarische Prinzip des\nAusnützens zu bekämpfen, dem der Deutsche sich\nergeben hat. Es kommt nicht darauf an zu be-\nsitzen, sondern durch den Besitz Leben zu empfan-\ngen.' : Es ist besser nackt zu gehen oder sich in\nFell zu kleiden, : als in widerliche Tracht, die\nmenschliche Schönheit vernichtet. Es ist besser,\nari\" Ort \"und\" Stelle zu bleiben, als sich von einer un-\ngeheuerlichen, widerwärtigen Maschine pfeilge-\nschwind Aber den Erdboden schleppen zu lassen.\ni♦< . ,\nEs ist besser, sich totschießen zu lassen, als mit\nscheußlicher Rohre änderen Menschen Bleikugeln\ndurch den Leib zu jagen. Krieg mit rohen Waffen\nist Bestialität. Der Soldat soll seinem Gewehr an-\nsehen und es von seiner Form ablesen, welche Na-\nturgewalten seine Hände gegeben ist, sein Gewehr\nund Schwert soll ihm sein Heiligtum sein, er soll\ndas Ideale eines Krieges für seinen Gott nicht nur\ndurch Worte begreifen, sondern ausgedrückt finden\ndurch ideale Form der Instrumente des Kampfes.\nWessen Kanone dem donnernden Gotte gerechter\nVernichtung gleicht und durch ihr Aussehen die\nFurchtbarkeit ihrer Wirkung im voraus verkündet,\nwird niemals in ungerechtem Streit den Funken\nentglimmen lassen, der tötet; Es wird etwas von\nder Ehre des Krieges an seinen Waffen haften. Nie-\nmand wird ihm Waffen nehmen können, die er\nliebt, als wären sie lebendige Wesen, als wären\nsie Natur selbst, deren heroische Kraft erzengel-\ngleich dem Gerechten' Zur Seite steht. Wer einen\nTrupp Soldaten sieht, soll mit dem ersten Blick\naus der kunstvollen Gestaltung aller Gerätschaften\nund der Kleidung, an Helm und Schwert die Summe\nder Kraft erkennen, die in diesem Trupp geborgen\nist und jederzeit sich zu entladen vermag. Vor so\ngestalteten Kriegern erhebt sich keine Revolution,\nihnen wagt niemand den Krieg zu erklären, weil\ndie Kunst ihm sein Schicksal im voraus verkündet.\nEs geht nicht an, den Frieden zu erschwätzen, wollt\nihr Frieden haben, so offenbart eure Kraft durch\nKunst.\nMan wendet ein, daß die Geschwindigkeit der\nFahrt leiden würde, wenn wir Lokomotiven und\nWagen verzierten, daß die Kleidung uns an der\nArbeit hindern würde, wenn sie über den prakti-\nschen Nutzen hinaus der Schönheit Rechnung trüge,\ndaß unsere Gewehre, Kanonen und Kriegsschiffe\nlim so vollkommener seien, je größer die Entfer-\nnung ist, in der sie töten, man weist darauf hin, daß\nSparsamkeit Jeden Schmuck verbiete, wo es sich\num Wahrung des Daseins und der Existenz handle\nWelcher Mangel an Menschenkenntnis, welcher\nMangel an Vertrauen zu der hilfreichen Stärke\neiner freiwillig verbündeten Natur. Wie lange\nwird es währen, bis der moderne Mensch jedes\nBewußtsein verliert von dem, was er tut, wenn\ner auf irgend einen unscheinbaren Knopf drückt,\nirgend einen Hahn schließt oder öffnet, an irgend\neiner Schnur zieht oder in irgend einen Apparat\nhineinspricht, um die ganze Welt in Aufruhr zu\nbringen, von der Stelle zu bewegen, zu beunruhigen\noder zu töten? Der Anarchist, welcher eine\nBombe in die Volksmenge wirft, hat keine an-\nschauliche Vorstellung von dem, was er tut, er\nhandelt nur nach Theorien, nach Begriffen. Es\nnützt nichts, alles so schnell als möglich zu ver-\nrichten, wenn es nicht mit Verständnis verrichtet\nwird. Es wird aber nichts mit Verständnis ver-\n!■ . , ' |s\nrichtet von Menschen, welche die Bedeutung ihrer\nInstrumente und Gebrauchsgegenstände nicht mehr\nkennen, weil deren angesammelte Energie und\n'i• ' ' '\nWirksamkeit sich durch nichts sichtbar aus-\nspricht, vor dem sie gebraucht werden. Der Be-\nsitzer des Telephons oder eines Telegraphen wird\nzum sinnlosen Schwätzer werden, wenn nicht die\nkunstvolle Gestalt dieser Apparate oder ihrer Um-\ngebung ihn zwingen, ihnen nur würdige Dinge an-\nzuvertrauen, wenn sie nicht gleichsam die bor-\n!'*'• \" ' \" •\nchende Wand darstellen, die Töne empfängt, tun\nsie weiter zu geben, wenn sie nicht das Gemein-\nsame des Aufhorchens aller derer, zu denen wir\nsprechen wollen, deutlich zum Ausdruck bringen.\nWir entwürdigen unsere großen Erfindungen, in-\ndem wir sie mißbrauchen, und wir mißbrauchen\nsie, wreil der Geist des Erfinders, die heilige\ni\nStunde der Empfängnis einer Idee, welche die\nMacht des Menschen über die Natur erhöhte, un-\nsichtbar bleibt.\nEure Fabrik soll dem Arbeiter und aller Welt\ndurch Schönheit sagen, daß ihr Tausende einzu-\nkleiden, mit Schuhwerk und W'äsche zu versehen,\narbeitet, daß ihr Millionen leibliche und geistige\nNahrung bereitet, dann werdet ihr keine knech-\ntischen Naturen in euren Arbeitern haben, sondern\nstolze Herren und Herrscher über die Natur, die\nsie formen, indem sie sie lieben. Ihr müßt Tausen-\nden den Sinn ihrer Tätigkeit erschließen, um ihre\nKraft zu verdoppeln, denn die Kräfte dieser\nKriegsschiffe, Kanonen, Gewehre, Fabriken wer-\nden sich als erhöhte Willenskraft dem Soldaten\nund Arbeiter mitteilen, wenn die Kunst das Wesen\nsolcher Schöpfungen des Genies ausspricht und\n• t . ,■»\nsie ihm lieb und wert macht. Statt daß er sein\nWerkzeug, seine Arbeitsstätte, seine Wohnung, das\nProdukt seiner Hände haßt, wird er durch ihre\nErscheinung sich m Verbindung setzen mit dem\nGeiste des Mannes, der sie erfand.' Mit einem\nWort: ' die immensen Kräfte der Natur, die wir\nzwingen ' nach unserem Willen die Materie zu\ndurcheilen, fordern gebieterisch Anteil an der sicht-\nbaren Welt und wollen nicht nur Arbeit verrich-\nten,, sondern selbst von den einfachsten Gemütern\nerkannt und geliebt werden. Schießt langsamer,\nfahrt langsamer, bewegt euch langsamer in eurer\nKleidung, sprecht weniger, 'laßt eure Maschinen\nweniger Materie zermalmen, aber verrichtet mit\nBesinnung, was ihr tut, und ihr werdet leben, In-\ndem ihr es tut, statt euch nur zu bewegen. Laßt\nuns übers Meer rauschen auf Schiffen, auf 'denen\nwir nicht als nimmer ruhende Flüchtlinge er-\nscheinen, sondern uns als Herrscher des Meeres\nfühlen. Die Kunst darf sich nicht auf den Ge-\nschmack einiger reichen Leute stützen, man wird\ndas Kunstgewerbe niemals zum Aufschwung brin-\ngen durch jene Feinschmeckerarbeiten für den\nSalon 'der Millionäre, die jedermann sich zu ge-\nbrauchen scheut, ia von deren Anwendung wir\nuns häufig gar keine Vorstellung machen können.\nIck sah Vasen, Urnen, Töpfe, Gefäße, in denen die\n' Materie zu' einem staunenwerten ' Ausdruck ' ge-\nlangte, aber ich konnte nicht begreifen, für wen\ndiese Fähigkeiten sich entfalteten, zu welchem\nHerz und Sinn sie sprechen sollten. Die echte\nKunst basiert stets auf einer Anpassung der Ma-\nterie an die Bedürfnisse der großen Masse des Vol-\nkes, der ihre Formen eine Heimstätte geben sollen.\nEin Stuhl, Tisch, Schrank, ein 'Glas, Teller, Schüs-\nsel, die nicht ihren Weg durch die Hütte des Bau-\nern und Arbeiters, durch das Haus des Beamten\nund Bürgers gemacht haben, werden niemals jene\nallgemein verständliche Grundform erreichen; aus\nder im Palast des Millionärs und: Fürsten der\nReichtum geistiger Beziehung zwischen Mensch\nund Natur, wie er in hochgebildeten Familien mög-\nlich ist, sich entwickeln ließe. Kunst soll dem Ge-\nbrauche der Gegenstände nicht hinderlich sein,\nsondern ihn im Gegenteil fördern, zugleich aber\nihn heiligen dadurch, daß sie uns lieben lehrt, was\nwir ausnützen. Ich will nichts wissen von einer\nKunst neben dem Gebrauch, von einem Ueber-\ntünchen der Geschmacklosigkeit durch jenen\nFlitterkram moderner Salons, der über die Plump-\nheit der Einrichtung hinwegtäuschen soll. Es ist\nbesser in einen Saal nichts zu stellen als einen\ngeschmackvollen Stuhl und ebensolchen Fisch, als\ntausend Produkte eines Kunstgewerbes, das den\nästhetischen Sinn kitzelt, ohne ihn zu befriedigen.\nAuf diesen Quark, in dem nicht so viel Lebens-\nodem als in einem rohen Erdklumpen ist, ver-\nschwenden wir Millionen, ohne ihn auch nur eines\nBlickes zu würdigen, nachdem der erste Reiz sich\nabgestumpft hat, aber die Gegenstände, die wir\nsehen müssen, weil wir sie täglich gebrauchen,\nkssen wir darben und quälen uns selbst, ihren\nwidrigen Anblick zu ertragen. „Schmücke dein\nHeim\", heißt für viele: „Hänge alle Wände voll\nmit einem Gelump schlechter Bilder, Schleifen.\nFächer, Tuchfetzen, steile auf alle Tische, Gesimse\n> • * '\nund Schränke ein Gewimmel kindischer Zucker-\nwaren und süßlichen Naschwerks aus Porzellan\n* 'i .\nund Elfenbein, fülle jeden Winkel, jeden freien\nRaum mit einem Haufen unnützen Kleinkrams, in\ndem sich niemand bewegen kann, ohne ein Un-\nglück anzurichten. Wer einen einzigen Stuhl in\nsein Zimmer setzt von so wuchtigen Formen, sol-\ncher Kraft des Ausdrucks, solcher Anpassung an\nden Besitzer, daß er einem Throne des Familien-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.4", "texte": "Hauptes gleicht, daß er dessen Würde symbolisiert,\nt *\ndaß er das Postament seiner Arbeitsleistung zu\nsein scheint, uns von einer .Generation auf die\nandere vererbt zum Mitglied einer starken und\ndauerhaften Familie wird, der hat mehr im Sinne\nder Kunst getan und der Natur zarteres Ver-\nständnis entgegengebracht als die, welche ihren\nTapezier Kunstsinn heucheln lassen neben dem\nLeben, aber nicht für es. Walten wir dem Arbei-\nter und Bürger hellen, so müssen die Menschen\nfeiner Bildung als Vorbild vorausgehen, denn die\nKunst für die Vielen beginnt mit der Kunst der\nWenigen, die nicht nur für sich, sondern für viele\nzu schaffen vermögen.\nDie gemeine und überaus lächerliche Art, in\nder wir unsere Kirchhöfe herrichten, könnte dem\nzynischen Witzbold reichliche und obendrein be-\nrechtigte Gelegenheit zu Spaßen und mancherlei\nLustigkeit geben. Niemand würde einem Leichen-\nbegängnis folgen wollen, wenn man den Toten\nunter wiederholtem Absingen von Gassenhauern\nund unablässigen Prügeln auf einer Biertonne zu\nGrabe trüge. Daran aber, daß man den Verstor-\nbenen einen Gemeinplatz, eine Trivialität von Mar-\nmor aufs Grab setzt und von Grabstein zu Grab-\nstein ein sichtbares Geplapper abgedroschener\nFormeln und Formen ertönen läßt, nimmt niemand\nAnstoß, well der moderne Individualismus es für\nbedenklicher hält, daß der Name eines beliebigen\nToten vergessen werde, als daß Auge und Geist\nder Lebenden systematisch gewöhnt wird, den\nTod sich als eine Art Interpunktion hinter dem\nLebensdrama vorzustellen, als ein Kreuz, Punkt\noder Fragezeichen, mit denen jeder gestempelt und\nals ein für allemal abgetane Sache bezeichnet\nwird. Wenn ihr den edlen Marmor vom Berge\nschlagt, um seine Schönheit durch gleichgültige\nBehandlung zu vernichten, statt durch sie eine\nerhabene Totenklage anzustimmen, die für alle\nToten auf den Gräbern derer ertönen möge, welche\nfür viele und nicht nur für sich selbst starben,\ndann wird die Natur des Marmors ihre humo-\nristische Seite offenbaren, er dient dann als\nVogelscheuche, alle ernsten und tiefen Gedanken\nvon den Gräbern zu verscheuchen wie Spatzen\nvom Spargelfeld. Wenn unsere Kunst nicht aus-\nreichend, tausend Toten tausend Denkmäler zu\nsetzen, so setzt ihnen insgesamt ein einziges.\nKunst soll rings um uns eine geistige Atmo-\nsphäre schaffen, die unsere Seele bewegt zu jeder\nTagesstunde, die uns beständig mit Leben umgibt\nund selbst den Tod als einen Abschnitt des Lebens\nerseheinen läßt und die Toten als geistig mit uns\nverbunden. Kunst sollte uns umgeben mit einem\nReich aller Seelen, die sie durch Schönheit aus-\nspricht. Aber unsere Kunst ist nur ein Schmücken\ndessen, was wir getötet haben, sie ist ein Kranz,\ngeworfen auf die Leichen der edelsten Bäume,\nMetalle und Steine. Schaut euch um in euren\nStädten und Wohnungen und ihr werdet Kunst\ntätig sehen, die Häuser mit Schmuck zu über-\nladen, die Wände und Teppiche mit Blumen, die\nGefäße mit Blattwerk und Schnörkeln, die Stühle\nmit Schnitzereien, die Dächer mit Männern und\nMännchen. Diese Kunst tötet die Toten vollends,\nsie entzieht restlos unserem Auge die Kräfte,\nwelche in Mauern, Bögen, Fenstern, Pfeilern tätig\nsind, sie nimmt uns jede Unterscheidungsgabe, so-\ndaß es gleichgültig ist, ob Gold, Silber, Glas, Eisen\noder Papiermasse sich in unseren Diensten ab-\nmühen, sie überzieht alle Formen mit ihren Guir-\nlanden, sie jubelt mit entsetzlicher Grimasse von\nallen Flächen der Decke. Oefen und Vorhänge,\nsie grinst mit tausend Fältchen in ihrem alten Ge-\nsicht aus jedem Winkel, jeder Ecke: eine lustige,\nschäkernde Greisin, die ihr Leben als Blumenver-\nkäuferin fristet. In solcher Gestalt begegnet sie\nAis überall, denn auch die Festlichkeit, Konzert,\nTheater, Lyrik und Vortrag sind allmählich zu\nSchmuckgegenständen unserer Tage geworden,\nauch sie sind Kränze auf den Leichen trüber Stun-\nden, engherziger Vereinsamung.\nAber die echte Kunst weiß, daß ein Wesen erst\nlebendig sein muß, ehe man es beginnt zu\nschmücken, daß nur am Hals des blühenden Wei-\nbes ein Geschmeide Sinn und Bedeutung gewinnt.\nSie weiß mit leiser Biegung zu erreichen, was die\nlügenhafte Kunst durch Ueberfülle nicht erreicht,\nmit wenigen Farben mehr Glück als mit vielen.\nUnmerklich hilft sie dem rohen Gerüst praktischer\nSchränke, Tische und Stühle durch verschiedene\nKrümmung der Hölzer, hier die markige Kraft der\nEiche, dort die Einfachheit der Fichte und hier die\nEigenheit des Nußbaums auszudrücken und ehe sie\neine eiserne Brücke mit Statuen versieht oder mit\nTrophäen, fast sie eine Legion von Stäben, Stan-\ngen und Stäbchen in einem Bogen von märchen-\nhafter Grazie, Kühnheit, Lebendigkeit zusammen,\ndas Bild einer wunderbaren Gemeinschaft un-\nzähliger Kräfte in unzähligen Einzelwesen, ein\nVorbild, wie menschliche Gemeinschaft, lebendiges\nZusammenwirken sein muß, will sie ihr Jahr\nschmücken mit der Pracht besonderer Festtage.\n\nEinige Gedanken über\nBildentstehung\nVon E. Epstein\n\nDie meisten Zuschauer: Bewunderer oder\nFremde — wissen nicht, wie ein Bild entsteht, wie\nein Künstler dazu kommt, gerade so und gerade\ndies zu malen, gerade da und nicht dort den oder\nden Pinseistrich zu setzen. Der Betrachtende\nnimmt das ganze Bild in sein Auge, akzeptiert oder\nrefusiert es, bleibt eine Weile dabei oder geht\nweiter. Ist ein Bild von einem wahren Künstler\ngemalt, so ist kein Pinselstrich ohne ihn entstan-\nden, ohne seinen Geist, ohne sein Bewußtsein oder\nvielmehr sein Halbbewußtsein. Streng gehabten\ngesammelt als Ganzes, da loszulassen, dort aufzu-\nhalten ging seine Hand über die Fläche noch und\nnoch einmal der Vision entgegen, die er als un-\nklares Bifd in seinem Geiste hielt und die zum\nGeschehnis auf der Leinwand wurde. — Die Lein-\nwand, das Bild ist ein Geschehnis, ist eine Reali-\nsation des Kampfes der Mittel des Künstlers mit\nseiner Idee. Das was in diesem Kampfe gesiegt\nhat, das stärkere, wird zum Bild und die unbesieg-\nten, die fehlenden, zeichnen die Eigenschaften prä-\nziser, charakterisieren als Realisationsgrenzen\nebenfalls. Seine Natur, sein Talent macht die\nWahl unbewußt. Er empfängt und auf der Lein-\nwand wird es, geschieht es. Im Geiste ahnend\nohne Worte findend und in vagen Umrissen\nbehaltend, realisiert er sein kaum Gedanke\ngewordenes Empfinden auf der Leinwand\nzum Kunstgedanken, zum Malergedanken, mit\neinem Wort: zum Bilde. — Ein Maler, der\neine vorher gedachte, vorherbewußte Idee voll-\nbringt, denkt nicht auf der Leinwand, sondern in\nseinem Kopf — und sein Werk wird nie ein Wah-\nres. Es dürfte ungeschaffen bleiben oder es bleibt\nIllustration seines Geistes, kein Neuwert. Neu-\nwerte, unersetzliche, in keinem Gedanken mögliche,\nsollen Bilder sein. Dies waren sie, dies sind sie\nvielleicht auch manchmal heute. Der Drang nach\nAbstraktion wird immer größer; dies echte Be-\ndürfnis dringt immer und immer weiter und Ab-\nstraktion wird erste Forderung. Wie viele aber\nkönnen abstrahieren ohne allen Sinti zu verlieren,\nwie viele können ihren Boden lassen, um auf siche-\nreren zu gehen — in Abstraktion? So entstehen\nWerke, die abstrakt aussehen, die nichts sind und\nvon nichts sagen, wenn sie auch formell in moder-\nnen Gesetzen gehen.\nDas Bedürfnis, nur das zur Gestaltung zu brin-\ngen, was das Wesentliche ist.das festzuhalten, um\nderentwillen ein Werk begonnen werden kann,\nund nur dies ohne formellen anderen Inhalt, ohne\nDinge, ohne Objekte, sondern von allem, das\nWesen, die Art und die Relation wiederzugeben,\nim geschlossenen Bild räume, in sich abgewogen,\nausfallend — dies Bedürfnis ist das Charakteristi-\nkum der heutigen Malerei, soweit sie sich abstrakt\näußert.\nStatt dieses oder jenes Dinges, statt allen Zu-\nfalls oder Momentes der Impressionen kommen\nWerke ohne dies oder jenes, ohne Zufall, ohne\nkonkrete Beleuchtung, es kommen Malereien,\ndie gemalt werden wollen, an und für sich des\nselbsteigenen Zweckes wegen. — Wahr ist der\nWeg, wo der Blick des Schaffenden über dem Ob-\njekte steht und dies umwandelnd das Wesens-\nleben wiedergibt oder noch weiter geht und aus\nallem Empfangenen die Objekte wegschiebend die\nRelation der Formen, der Formengesetze, der\nFarben an und für sich gibt. Der abstrakte Geist,\nder sie zur Entstehung ruft, hat nur in sich die\nKontrolle für das Resultat, weder in unmittelbarer\nNaturähnlichkeit, noch in Ideenähnlichkeit, noch in\nStimmungsgehalt kann er die Kontrolle der Bild-\nrealität schöpfen. Stark umfassend, realisierend\nmuß der malerische Gedanke sich* auf der Lein-\nwand gestalten, aus sich heraus. Die Schwierig-\nkeiten sind klar. Darum sind heute so viele\nSchein werke und Scheinwerte geschaffen. Ein\nKünstler, der sich der kubistischen oder anderer\nähnlicher Formen bedient, ist einer, der seine\nGedanken denkt, mehr oder weniger zurechtlegt\nund dann niedermalt. Jede Zeit hat ihre Merk-\nmale, ihre „Meister\", aber das „man\" kirbistisch\nmalt, ist gerade ein Widerspruch, der größte Wi-\nderspruch mit der wahren Abstraktion, mit der, die\nauf dem Bilde langsam und schwer zur Entstehung\nkommt, aus innerem Bedürfnis des Malergedan-r\nkens heraus. Es sind da vielleicht noch so we-\nnige gefundene Mittel, so wenige Arten der\nWiedergabe, um den allgemeinen persön-\nlichen Natureindruck — denn schließlich kämmt\nes doch daraus und darauf zurück — auszu-\ndrücken, daß natürlich die meisten zu den plausibel\ngefundenen Formeln greifen. Noch eine kurze Zeit\nund wir haben kubistische Akademien, haben sie\nvielleicht schon jetzt. Ist das nicht der größte\nSpott über den wesentlichen Gehalt der kubisti-\nschen Malerei, die doch auf persönlich empfunde-\nnen zu allgemeinen Gesetzen erst werdenden Neu-\nschaffungen beruht, auf dem Gebiete, wo die Im-\npressionen nicht mehr genügen, wo man durch ge-\nschlossene kompositioneile Raumvorstellungen ab-\ngewogene Bilder schaffen will?\nWenn ein Künstler wie ein schwangeres Weib\nist, hat er von Natur, vom Leben empfangen, und\nmuß sein Bild gebären, von dem er die Puls-\nschläge hört, die Bewegungen spürt, dessen Ant-\nlitz er aber noch nicht kennt, es in großer Liebe\nmit seinen Zügen und denen des geliebten Gottes\nähnlich ahnt, es aber erst nach Entstehen völlig\nwahrnehmen kann. W'ie wäre es, wenn ein Weib,\nstatt zu gebären, Rechnungen zusammenstellen\nwürde, die das genaue Resultat ihrer Empfängnis,\nihrer Liebe und ihrer und des Vaters Körperzüge\nenthalten würde? — Die Natur wäre doch stärker.\nWarum ist das in der Kunst oft, und wie oft so?\n— Tote Kinder werden geboren, nicht geboren, sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.5", "texte": "F. Rosenkranz: Die Strasse / Originalholzsclinitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.6", "texte": "kommen zur Welt aus dem Kopfe des Künstlers,\nnicht aus seinem Leibe. Und er soll wie das Weib\naus diesem Leibe durch die Liebe gebären und sich\nüber das Entstehen und über das Entstandene ge-\nhorsam wundern. Wie der Körper des Weibes\ndie Kontrolle und die Nahrung für das Leben des\nKeimes unbewußt besorgt — so sorgt auch der\nKünstlergeist für das Anwachsen und Entstehen\nseines Werkes; nur gilt es, die Gescheitheit der\nNatur zu offenbaren, passiv, hier die Gescheitheit\n-des Geistes, des Talentes aktiv in Bewegung zu\nsetzen und insofern ist es bewußt.\nGeht ein Künstler auf abstrakten Bahnen, so\n.gehört ungeheures Talent dazu, es auch wahr zu\ntun. Die Natur stört meist; die einen glauben zu\nschaffen, indem sie direkt ohne Transformation die\nNatur dinge in geordnete Formen zwingen. Dabei\nbleiben sie akademisch, ohne es zu merken und\nwerden nicht visionär; sie denken Aenderungen\nder objektiven Formen aus, erleben nie, und was sie\nmalen, geschieht nicht auf der Leinwand. Die\nanderen lassen die Natur ganz und bleiben in For-\nmen und Farben als das nur auf der Leinwand zu\nbehandelnde Material. Diese Bilder geschehen\nzwar auf -der Leinwand, haben aber die Gefahr\nzu sehr Objekt zu werden, schöne geordnete\nDinge, die von nichts sprechen. Ein Künstler, der\nsingt, ohne etwas zu sagen: haben das nicht schon\ndie \\ ögel besorgt ? Muß das ein Mensch noch tun,\nder Mensch, der die Verantwortung für die Welt,\ndie Rechtfertigung des Lebens trägt? Und dann:\ndie Wissenschaft der Malerei. Das gibt es, aber\nes soll doch nicht anderen überlassen werden, und\nist ein Maler auch kein Dichter, so ist er doch ein\nMensch, dem gegeben ist zu verarbeiten, was die\nSchöpfung brachte und sein Wort zu sagen, seine\nExistenz mit dem Worte somit zu erlösen, ehe er\nstirbt, hin Künstler kann mehr oder weniger von\nder Natur ausgehend, erlebend weiter und weiter\nzur Abstraktion gelangen, indem auf der Leinwand\nder Kampf mit der Natur der Vision entgegen lang-\nsam durchgekämpft wird. Die Phasen des Kamp-\nfes, noch sichtbar, überzeugen noch mehr vom Re-\nsultat. Andere Künstler können in unsichtbarer\nvorhergegangener Arbeit weg von unsichtbarer\nNatur zur Abstraktion gelängen, die sie dann auf\n-die Leinwand setzen. Sie sind die, denen im\nbesten Fall nur langsam geglaubt wird — daß\nschließlich, wo der Kampf sich, wenn auch un-\nsichtbar, aber doch vollzogen hat. Alles andere\nzählt nicht, diskreditiert die Besseren und stützt\ndas Gelächter, ist aber unvermeidlich wie die Affen\n'des Menschengeistes. Gedankenaffen, Philosophen-\naffen. Maleraffen, Lebensaffen wird es immer\ngeben. Die Zuschauer, die meisten unterscheiden\nnicht, sie schauen flach, kritisieren richtig wie sich\nselbst, sondern nichts ab. Menge sieht Menge,\nAffe sieht Affen. Ausstellungen und Publikum\nhaben nichts mit den Bildern zu tun. Ein Kunst-\nwerk muß darum lange sich auf Jahrmärkten\nschleppen, ehe es zum Bewußtsein wird.\nAber auch die „Affen\" zeugen nur davon, wie\nschwer ein wahres Werk zur .Welt kommt; sie\nzeigen alle Wege, die der Künstler vermeiden soll,\nsie erzählen von groteskem Nichtkönnen, von\nlächerlichen Resultaten unbescheidener Lügen,\ndarum sind sie sehenden Augen nützlich und hel-\nfen den Kämpfenden, die Gefahren zu vermeiden.\nDenn gerade die Schwachen, die Leeren gehen die\ngefährlichen Wege und fallen in alle Fallen: sie\nhaben weder Maß noch Unterscheidungsfähigkeit in\nihren Affengeistern und in ihren Richtungsahnun-\ngen.\nLänge Zeit -braucht ein Betrachtender, um sich\nauszukennen, um den Weg zum Resultat zu be-\ngreifen und dann das Resultat zu schätzen. Drum\nsollten diejenigen, die Interesse haben, genauer und\nlänger bei außerordentlichen Dingen verweilen,\nsich nicht durch Sonderbarkeiten abschrecken und\ndurch Gefälligkeiten mehr oder weniger kompli-\nzierter Art anziehen lassen. Vielleicht geschieht\nso die Absonderung schneller (denn was die Men-\nschen nicht tun, tut für sie doch schließlich die\nZeit). Die Kü n stier erleben dann vielleicht An-\nerkennung und die Falschen verdiente Verachtung.\nDadurch würde sich das Menschenauge reinigen\nund klären. Die Menge der gleichzeitigen Wahr-\nheiten wäre größer und somit die Zeit fröhlicher\nund erhabener.\n\nMarienlied\nGünther Miirr\nIch atme tief, und mein Denken betet zu dir,\nbetet mit geschlossenen Augen.\nIch bin nie mehr ganz trostlos, denn du vergißt\nmich nie.\nIn dir verstummen meine lärmenden Schmerzen.\nDie braunen weichen Haare,\nund beim Kopfneigen der weiße Scheitelstrich.\nDu bist meine lächelnde Stille.\nSüße Marie.\n\nDie rote Flamme\nVon Hermaii Wagaer\n\nPortsetzung:\n\nSie lenkte sofort ein und tat sehr scherzhaft.\n„Ach, seien Sie inir doch nicht böse! Ich will\nSie gewiß nicht verführen! — Nein, wirklich, Sie\nsind ein lieber Mensch!4'\nSie trat dicht vor ihn hin, kicherte und gab ihm\neinen leichten Klapps auf die Wangen. Es war\nschon mehr ein Streicheln.\nHerr Theobald lächelte verzerrt\n„Soll ich Ihnen nicht sagen, wie ich heiße, Herr\nTheobald? — Nun, also, mein Name ist Hermine!\nWas sagen Sie dazu? . . . Ach, bitte nennen Sie\nmich Hermine, ja?\"\nHerr Theobald zögerte.\nAber sie bestand darauf.\n„Sagen Sie es bitte!44 wiederholte sie und\nstampfte leicht mit dem Fuße.\n„Gewiß, Fräulein Hermine . . .\"\n„Nein, nur Hermine!44\n„Also: Hermine . . ,44\n„Sie sind süß! Sie sind ein lieber Mensch!44\nSie hatte ungestüm seine Hand ergriffen, sie\ngedruckt und sogleich wieder fahren lassen.\nLässig warf sie sich auf das Kanapee, daß das\nalte Möbel krachte.\n„Sie brauchen übrigens nicht zu glauben, daß\nSie sich allzu sehr wegwerfen, Herr Theobald! Ich\nbin von besseren Leuten! Ich habe Bildung ge-\nnossen, Herr Theobald! Ja, ob Sie es glauben:\nBildung und Erziehung! Mein Vater ist Lehrer,\ndraußen im Mährischen .. . Qott, das waren\nZeiten !44\nSie hatte die Beine nachlässig übereinander ge-\nschlagen, den Körper weit in das Kanapee zurück-\ngelehnt und starrte wie hypnotisiert nach der\nDecke. Trotzdem lag in ihrer Stimme eher Gleich-\ngiltigkeit als Empfindung.\n„Wie gemütlich Sie es hier haben.44 fuhr sie\ndann fort und ließ ihre Blicke schon wieder durch\ndie Stube schweifen. „Und dort in der Kammer\nschlafen Sie? . . . Ja, was ist denn das!44\nbie hatte Schöps erblickt und nahm ihn auf ihre\nArme.\n„Eine wundervolle Katze!44 sagte sie und strei-\nchelte das Tier.\n„Haben Sie Katzen gern? Ja! Ich eigentlich\nmehr die Hunde. Besonders die häßlichen und\nstarken Bulldoggen, die mit der gespaltenen\nSchnauze und den fletschenden Zähnen, wissen\nSie? Das sind die treuesten und anhänglichsten\n1 iere. Wir hatten zu Hause einen Buildogg viele\nJahre. So groß war er. und die Brust, ich lüge\nnicht, so breit! . .\nUnd indem sie den Kater leicht streichelte und\nkraute, erzählte sie wieder von ihrer Heimat.\nSie kam von dem Hunde auf das Dorf zu spre-\nchen, in dem sie gewohnt hatten, und flocht la-\nchend Erlebnisse ein, die- in ihrer Belanglosigkeit\ndoch nicht langweilig wirkten, so heiter und an-\nschaulich wußte sie sie zu berichten.\nHerr Theobald hörte ihr ruhig zu, unterbrach\nsie nicht, lächelte nur zuweilen ganz unmerklich.\nSie ist doch eigentlich recht harmlos, stellte er\nfest. In keinem Zuge verrät sich jetzt ihr Leben.\nUnd sie ist wirklich fast schön, und am allerwe-\nnigsten sieht sie alt aus! Freilich hat sie nichts\nMädchenhaftes. Dazu ist sie zu groß und zu stark\nund um ihren Mund zn satt und zu müde. Aber\nals eine Frau kann ich sie mir vorstellen, als eine\njunge, hübsche, heitere Frau, die glücklich ist und\nsich keine Gedanken macht . . .\nUnd er war erstaunt und begriff nicht, wie es\nmöglich war, daß dieses Weib so natürlich und so\nnaiv plaudern konnte, und wie so gar nichts von\ndem an ihr zu haften schien, was bisher den In-\nhalt ihres Lebens ausgemacht hatte: von ihrer Er-\nniedrigung und ihrem Schmutze.\nDenn nichts von alledem war jetzt an ihr.\nSie ist lieb und gut, dachte Herr Theobald, und\nes ist ganz unmöglich, zu glauben, daß sie ohne\nHerz und Gemüt sei.\nDaß nämlich Mädchen ihrer Klasse ein Herz\nhaben könnten, war ihm immer absurd erschienen.\nEr konnte sich das, was sie taten, nur aus dem\nkrassesten Zynismus und Egoismus ihrer Psyche\nerklären. :\nKalt und starr war ihre Seele.\nDeshalb auch die oft entsetzliche Gemeinheit\nund Schamlosigkeit ihrer Gesichter.\nIn ihren Zügen aber ist keine Spur von Gemein-\nheit, dachte Herr Theobald, und seine Augen lagen\nwie gebannt auf dem Gesichte der Erzählenden,\nAuch dann nicht, wenn sie schamlos ist, fol-\ngerte er weiter. .\nEs ist dann, als täte sie alles unbewußt, als\nkäme eine seltsame Passivität über sie, gleichsam\nein narkotischer Schlaf.\ni\nIn ihren Augen liegt neben dem Müden viel\nWeichheit und so etwas wie Sehnsucht.\nEs ist merkwürdig, dachte Herr Theobald, wie\nleicht ich mir dieses Weib als Mutter vorstellen\nkönnte, mit einem Kinde auf den Armen, voller\nZärtlichkeit und Besorgtheit. r\nWahrhaftig, es konnte nichts Unnatürliches ah\nihr sein.\nZu gesund war sie, zu stark und zu klar .\nUnd plötzlich mußte Herr Theobald an seine\nletzte Liebe denken. ' !\nAn jene Frau, die nur er besessen hatte, und\nan jenes Kind, auf das er seine Zärtlichkeit hatte\nübertragen dürfen.\nEs war wie ein jäher Schein, der leuchtend\ndurch seine Seele fuhr —\n. . . „und ob Sie es für möglich halten: ich\nwar in der Schule diejenige, von der der Kaplan\nam meisten hielt. Ich war das Beispiel, auf das\nman hinwies!44"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.7", "texte": "Campendonk: Originalhollschnitt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.8", "texte": "Trotzdem sie es mit einer gewissen Selbstge-\nfälligkeit vorgebracht hatte, begann sie doch, wie\nüber einen guten Witz, unmäßig zu lachen.\n„Und später dann noch — ich gab zu den\nschönsten Hoffnungen Anlaß. — In so einem Nest,\nwissen Sie, da ist man Wrer, Ueber den Pfarrer,\nden Vorsteher und den Lehrer gibt's da nichts!\nDa stach ich natürlich hervor! . . Ja, weiß Gott,\nwäre der junge Bahnassistent nicht gewesen, —\nich säße heute wahrhaftig nicht hier!\"\nSie hielt sich indessen bei dieser Trivialität\nnicht auf. Lachend ging sie auch über den Bahn-\nassistenten hinweg und landete lachend an dem\nOrte, wohin jener sie gebracht hatte: am Freu-\ndenhaus . . .\nWieso dieser Uebergang sich so schnell\nhabe vollziehen können, konnte Herr Theobald\nsich nicht enthalten, sie verblüfft zu fragen.\n„Ja, so schnell ist das gar nicht gegangen,\" er-\nwiderte sie lind ward doch nachdenklich.\n„Es ist schwer zu sagen, wie das eigentlich\ngekommen ist. Es war ein allmähliches Hinab-\ngleiten ins Unbekannte und Dunkle, das Ziel war\nniemals sichtbar. Erst als ich am Ende war,\nmerkte ich's. Erst als mir der Rückweg abge-\nschnitten war . . . Und da erschien mir alles auch\nganz natürlich, — als müßte es so sein . . . Und\nsehen Sie, so richtig bedauert habe ich es noch\nniemals!\"\nSie war eine Weile still.\nPlötzlich schüttelte sie den Kopf und fing an,\nlange und herzhaft zu lachen.\nDer Grund war nicht klar: lachte sie über\nsich selbst oder über die wehmütige Versunken-\nheit, in die Herr Theobald verloren schien.\nDann packte sie den Kater, der es sich auf\nihrem Schöße behaglich eingerichtet: hatte, kurzer\nHand beim Hals und warf ihn hinunter.\nSie trat an das Fenster.\n„Gott, wie es schneit!\"\nDer Schnee fiel in dichten Massen herab. Die\nganze Erde war mit ihm bedeckt. Auf den\nDächern lag er einige Zentimeter hoch.\nDer Wind hattev nachgelassen. Es war still,\nhell und kalt draußen.\nVon dem dürftigen Kirchturme des Marktes\nstrichen kläglich und schleppend die Stunden-\nschläge herüber.\nFräulein Hermine zählte bis elf.\n„Unmöglich — schon so spät!\"\nUnd plötzlich trat sie hinter Herrn Theobalds\nStuhl, stützte ihre beiden Arme leicht auf seine\nSchultern und brachte ihre Wangen hart an sein\nGesicht.\n„Nicht wahr ... Sie behalten mich hier?\"\nbettelte sie. „Nur diese Nacht! . . . Nicht wahr?\"\nUnd ohne ihm Zeit zu lassen, sich zu äußern,\nfuhr sie fort: „Ich schlafe hier in der Stube. Ich\nbrauche gar nichts für mich. Sie geben mir ein\nPolster und eine Decke, das genügt! . . . Morgen\nfrüh wird sich dann alles schon finden!\"\nHerr Theobald war ratlos.\nDie warme Nähe ihrer Wangen machte ihn un-\nfähig zu überlegen.\n„Es ist ja . . . unmöglich . . .\" murmelte er\nvor sich hin. „Wenn Joachim nachhause\nkommt . . . mein Kollege, wissen Sie . . . nein,\nes geht beim besten Willen nicht! . . .\"\nHatte er ja gesagt, zugestimmt?\nEr wußte es nicht. Aus dem heiteren Ton ihrer\nStimme mußte er es schließen.\n„Herr Joachim?\" fragte sie. „Ja, wo steckt er\ndenn? Wann kommt er nachhause?\"\n„Er kann jeden Augenblick ... er müßte schon\nhier sein . . .\" erwiderte Herr Theobald und er-\nschrak vorn neuem.\n„Ach, das macht nichts!\" rief sie aus und schien\nbegeistert. „Passen Sie auf . . . Ich ziehe mich\naus und lege mich nieder . . . Ich schlafe ein-\nfach ... Sie löschen aus . . . Wenn er dann\nkommt, erzählen Sie ihm ein Märchen — oder was\nSie wollen, das findet sich schon! . . . Also ein-\nverstanden, — ja?!\"\nSie umarmte ihn unversehens, gab ihm plötzlich\neinen Kuß, riß sich los und ging trällernd vor den\nSpiegel.\nHier begann sie ihre Haare zu lösen. Langsam\nund voller Gleichmut.\nHerr Theobald gab sich besiegt — seinen eige-\nnen Wünschen.\nEr gab es auf, seine Gefühle zu meistern. Er\nmochte nicht mehr überlegen und denken! Alle\nVernunft warf er über Bord . . .\nEr atmete auf.\nWie frei er sich innerlich mit einem Male\nfühlte! Wrie leicht und frei!\nBesinnungslos gab er sich dem Kommenden,\ndem Dunklen und Unbekannten anheim . . .\nEr sah auch nicht mehr weg, sondern nützte\ndie Gelegenheit, die dieses Weib ihm bot, indem\nes ungeniert, wie zur Belohnung, seinen Körper\nenthüllte.\nFräulein Hermine warf die aufgelösten Haare\nmit einem Ruck nach hinten.\nWie eine große leckende Flamme flössen sie\nden Körper hinab.\nSie hatten einen schweren und schwülen sinn-\nlichen Duft.\nHerr Theobald schloß für einen kurzen Augen-\nblick die Augen. Ein Bild stieg in ihm auf, ein\nVerlangen packte ihn:\nWenn er jetzt hinginge, in den Reichtum dieser\nHaare griffe, darin wühlte, in den duftenden Wel-\nlen sein Gesicht badete . . .\nEs knackte etwas —\nHerr Theobald raffte sich gewaltsam auf.\nFräulein Hermine hatte ihre Bluse geöffnet und\nwarf das Mieder mit einer leichtsinnigen Geberde\nauf das Sofa,\nDann mit zwei Wendungen war die Bluse her-\nunter. Sie flog dem Mieder nach.\n„Ah . . .!\" machte Fräulein Hermine.\nSie kreuzte die nackten Arme hinter dem Kopfe,\ndehnte sich und gähnte . . .\nHerr TheobaLd starrte wie geblendet auf die\nvollen weißen Arme, sein Atem stockte, den M<und\nhatte er halb geöffnet.\nEs läge in meiner Macht, zu ihr zu treten, ihre\nArme zu fassen, sie an mich zu ziehen, fabulierte\ner. Sie würde nichts sagen. Lachen würde sie..\nEr hörte ihr überlegenes gutmütiges Lachen\nund sah, wie sie seinen hungrigen und zitternden\nHänden nicht den geringsten Widerstand leistete.\nDiese Vorstellung ernüchterte ihn.\nDas durfte nicht kommen. Er wollte nicht dar-\nan erinnert sein, wer sie war.\nIhm sollte sie eine andere sein . . .\nOhne daß er darauf gefaßt war, drehte sich\nFräulein Hermine jählings um.\nEr erschrack und sah schnell zu Boden.\nSie tat aber gar nicht dergleichen und trat\nharmlos näher.\n„Ich bin so weit, Herr Theobald\" sagte sie,\n„bitte, helfen Sie mir.\"\nSie packte den Tisch an der einen Kante und\nschob ihn mit Herrn Theobalds Hilfe hart an das\nSofa heran.\n„Jetzt noch die Decke und das Polster,\" sagte\nsie und begann, an den Tisch gelehnt, in gebück-\nter Stellung, die Schuhbänder zu lösen.\nHerr Theobald warf einen schnellen und\nscheuen Blick auf sie.\nSie tat nicht das Mindeste, um ihre volle und\nfeste Brust zu verbergen.\nTrotzdem sah es nicht so aus, als stelle sie es\ndarauf an, ihn zu reizen . . .\nIn der eisigen Schlafkammer schöpfte Herr\nTheobald Atem und vergrub den brennenden Kopf\nin den kühlenden Polstern.\nEr war seltsam bewegt, vermochte aber nicht\nzu entscheiden, ob es Traurigkeit und Bangigkeit\nwar, oder das Gefühl einer dumpfen Freude, das\nihm Herz und Sinne umnebelte.\nEr wünschte, das Weib nie gesehen zu haben,\nund war doch fast glücklich, ihr helfen zu können.\nNur daß sie ihm so nahe war, so leiblich nahe\nwar, irritierte ihn.\nEs war sein Wunsch, sie über sich zu sehen,\nweit ab von sich, in Fernen, in seinen Träu-\nmen . . .\nKeinen Augenblick zögerte er, zu glauben, daß\ner ihr im Grunde gleichgiltig war.\nOder nicht nur gleichgiltig — wer bürgte ihm\ndafür, daß sie sich über ihn nicht lustig machte,\ndaß sie ihn auslachte, oder daß er ihr nicht direkt\nzuwider war?\nEr, der nicht zu reden, sich nicht zu benehmen\n*\nwußte, er mit seinen vielen Jahren und seinem\nweißen Haare, mit seinen ewigen Niederlagen bei\nden Frauen . . . War es nicht wie ein Schlag ins\nGesicht, daß sie sich ihm gleichsam anbot, daß er\nsie nehmen durfte, nehmen sollte, und daß sie da-\nbei lächeln konnte?\nDie Schmach ward da nicht ihr angetan, son-\ndern nur ihm:\nWie ein Schaustück, zur Belustigung der\nMenge, sah er seine Liebe durch die Gassen ge-\nzerrt, durch den Kot gezogen . . .\nAber konnte er sich nicht auch täuschen?\nWieder fiel ihm das Bild ein:\nJener Aermsten, die ihren Körper gleichsam\nvon sich warfen, ihn jedem überließen, der ihn\nmochte, deren Seele aber dabei abseits wandelte\nund unberührt und rein blieb . . .\nDiese Seele . . .\nMit seiner alten Leidenschaftlichkeit sah er sie\nwieder diesem Irrlichte nachrennen, diesem gau-\nkelndem Sterne, nach dem er sich blutig gesehnt'\nhatte . . .\nEr nahm von den drei Polstern, die er besaß,\nzwei, und nahm auch noch sein Deckbett, — er\ngedachte für die eine Nacht mit dem Unterbett\nauszukommen. Damit begab er sich in die Stube.\nSie stand schon völlig entkleidet da. Nichts\nhatte sie als ihr Hemd.\nEr sah an alledem vorbei, es war, als sei sie\ngar nicht da, als sehe er durch sie hindurch.\n„Ja, die vielen Betten,'4 rief sie aus, „können\nSie die alle entbehren?\"\n„Gewiß, Fräulein/' sagte er und seine Stimme\nwar so traurig, daß sie gar nichts zu erwidern\nwagte. Sie nahm ihm die Betten ab und ordnete\ndas Lager.\nDann fragte sie zaghaft: „Soll ich auslöschen.\nHerr Theobald?\"\nEr nickte bloß.\nDa blies sie schnell das Licht aus.\nAber sie legte sich noch nicht nieder.\n„Herr Theobald?\" fragte sie.\n„Ja . . .?\"\n„Sind Sie mir böse?\"\n„Ich bin Ihnen nicht böse,\" gab er müde\nzurück.\nDa tastete sie sich zu ihm hin, nahm seine\nHand und küßte sie.\nEr wich erschrocken zurück.\nSie schlüpfte aber ohne ein weiteres Wort in\ndas Bett . . .\nHerr Theobald saß darauf noch lange am Fen-\nster. Er zählte noch die kläglichen Töne, als die\nStadtuhr zwölf Uhr schlug."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.9", "texte": "Artur Segal: Vom Strande / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.10", "texte": "Endlich hörte er Herrn Joachim die Stiege\nheraufkommen . . .\nEr ging ihm bis auf den Hausflur entgegen und\nraunte ihm zur „Es schläft jemand bei uns . .\nohne dem Verwunderten zu gestatten, daß\ner Licht mache und in der Stube erst ablege, zog\ner ihn gleich mit in die Schlafkammer.\n„Ich hdbe ein Mädchen hier behalten,\" erklärte\ner ihm schließlich und war erstaunt über sich\nselbst, daß er so ruhig war. . .. . ich mußte\nsie hier behalten \\ . L es ließ sich nicht anders tun!\"\n„Ein fragte Herr Joachim.\n„Ja, ein Mädchen von da unten,\" sagte , Herr\nTheobald und zeigte nach der Toterischänke. „Man\nhat sie hinausgeworfen . . . mit. .Gewalt . . . sie\nwar blutig . . .\"\nHerr wußte nichts zu erwidern.\nEr war so erstaunt;-Saß er vergaß, das Paket,\ndas er bei sich trug,\" wegzulegen, und im Pelze\nund mit dem Hute auf dem; Kopfe in der Schlaf-\nkammer stehen blieb.\nNoch immer begriff er die Sache nicht.\nHerr Theobald nahm ihm . das Paket ab.\n„Joachim,\" sagte er darin,' „tue mir es zu Ge-\nfallen: frage der Sache nicht weiter nach . . .\nDas Mädchen geht morgen fort, du siehst es nicht\nwieder!\"\nantwortete nicht.\nEr'izog sieh langsam aus,' Schob das Paket in\neinen Kesten itnd-hing, seine Sachen wie allabend-\nlieh ordentlich und der Reihe nach auf. ;\n„Nein . . . wie du willst . . . ich werde-dich\nnicht fragen \" .. r •\nHerr Theobald zögerte.\nWar es nicht besser, ihm alles zu erklären?\nAber er schwieg ...\nEr fühlte sich müde und fand, daß es Zeit war,\nzu Bett zu gehen.\nMechanisch entkleidete er sich, legte Stück für\nStück seiner Kleider auf einen Stuhl neben seinem\nBette. Noch einmal zögerte er, ehe er sich an-\nschickte, in sein Bett zu steigeil.\nWas hielt ihn ab, die ganze Sache, wie sie\nsich zugetragen hatte, dem Freunde zu erzählen?\nWas war im Grunde daran.\nHerr Theobald hörte nicht auf, es sich zu fra-\ngen. als er die Glieder unter dem ungenügenden\nDeckbetteyfrierend zusammenzog.\nNichts '.war geschehen. t\nGar nichts . /\"\nIch rege mich., auf, ich friere, ich lache, weine,\nvv .» v\nfreue mich, bin tottraurig, — und draußen liegt\n'••« ; i ■ ■' ■\n\\\\ das Mädchen und schlaft! ~ • .\nUnd morgen geht-es fort!\nGeht es fort . . .\nEr fühlte sich einsam vvie noch nie seit Jah-\n.. Ben.\n; Er erlebte wieder \"öne jener Nächte, wie er\nsie zur Zeit seiner Krankheit mitgemacht hatte.\nAuch jener böse Haß gegen den Freund kroch\nwieder langsam in ihm/Jierauf.\nWarum aber, fragte er sich verzweifelt, wafum\nhasse ich ihn? .• . .\nErst in den frühen Morgenstunden schlief er ein.\n\nFortsetzung in nächster Hummer\n\nDie Polovetzer Tänze\nAus „Prinz Igor”von Borodin\nVon Jacques Rivére\nSofort erscheint mir-Fokin mit seinem Bogen-\n. schützen. — Keine Musik erinnert an diese weni-\n' gen Seiten Borodins. Sie rühren das, was uner-\nweckt in uns schlummert, und lassen in unseren\nHerzen das wuchtige Asien erstehen, eine Erinne-\nrung an die großem Mütter! \"\"\nAsien!- Nicht das Asien, das wir auf den\nDampfern ■im Mittelländischen Meere kennen ler-\nnen und das immer; nach Import riecht. Das wirk-\nliche Asien !.» Es geht durch die Steppen. Es geht\nzu Fuß von Lagerplatz zu Lagerplatz. Abends\nhält.'--es an und denkt wie einer, der ohne Rück-\nkehr reist. ■ Lager. Feuer. Zelte. Die Nacht ei;-\nglänzt hart und blau. Kein Meer; selbst die Er-\n•' inner ung. an ein 'Meer verstummt. Da erhebt •sich • *\ninmitten des verlassenen, deutlichen Schweigens :K\n• ..• * 1\nder Hochebene ein Jubelgesang der Erinnerung!\neine rhythmische/ Freude gleich den Tröstung&ti\nfür unsere ältesten Verluste. Zuerst lausche ich\n• diesen1 traurigen Flöten, wie . die kleinen Schritte,\ndie den \\Tahz. einleiten ; ich sehe die- langsamen\nGruppen,; die näherkommen im Schimmer des La-\n. Gerfeuers, in tie'fer Nacht, und dann erhebt sich die\nt i ' 5\n\" unendlich bezaubernde Welle, die alle mitreißt,\niT' ' . • * •. ,v\" *\ndann kcfeiihf die Melodie wie ein heftiger Regen.\nSie ienkt sich, ein Zug Vögel, sie entwickelt sich\nklar und wiegend, und die Tänzerinnen sind in so\ngutem Schüfeso verloren, daß sie sanft im Rhyth-\nmus tanzen, doch — als ob sie sich Zeit nimmt\neiner Erinnerung nachzuhängen — schweigt die\nMelodie entschwindend, -— Jetzt tanzen die Män-\nner traumergriffeii. Tiefer, wilder Sturm! Die\nFreude, die.. si£ erschüttert, steigt in ihnen empor\nwie ein brutaler Traum. Sie erschüttert und dreht\ndie Tanzendeij in Spielen, die irgend etwas Ver-\nschwundenes nach ahmen. So erinnern sie sich,\nso beruhigen 112 sie ihr Hetz. Rhythmische, keu-\nchende Musik, o, deinßausch ist der Feind der\nMelancholie, du bist der gewalttätige Trost!\n, Unbeweglich inmitten der. Tänze sehen die\nHäuptleute! aiif dem 'Grunde ihrer wölbungstiefen\nErinnerung alte Städte wieder.\nAutorisierte Uebertragun'g aus dem Französischen\nvon Jean-Jacques. .\n\nBarokko\nJensen made in Germany\n\nJede Renaissance stirbt in einem Barock. weiL\njede •'Entwickhing wie Sorem Kierkegaard es ■\nsagte — zuerst, mit,-,ihrer Parodie fertigt ist. Die '\nrealistische; Kleinrenaissance - wurde . eingeleitet\n: »' ' • ' v *\ndurch dein Mikroskop- und Teleskop-Liebhaber\n.•. . .■ * *''\nZola; der die alten Halbgötter wieder erfunden;hat:\ndie Erde, das fQeld. die Arbeit. Sie führte'zu der\nArt, in der sich eine Übertreibung des Stils durch\nDetails entwickelte; die großen harmonischen Kör-\n-4 * i * ■4 £■\nper wurden total aufgelöst in allegorische Profetar-\nEugelkinder mit einer oft sehr gekünstelten; Per-\nspekiye. Dies' alles sind ja die Symptome, des Ba-\nrökko.. ■\nJohannes V. Jensen startete als Mitglied einer\nGeneration,' die Intelligenz «lim\n. 'Realismus zwang. Seine Furcht (epophe- und\nnationaltypisch), pathetisch ztr-werden, gibt seinem\nStil eine gewisse Aehnlichke.it.mit Mark Twain und\neinigen großen Engländern, es hat ihn- zu iibertrie-\nbenen seiner Geistesähnlichkeit mit\ndiesen geführt Seine größte Kunst hat er uns un-\nbedingt als Schilderer gezeigt, wahre innige Inte-\nrieurs, in seiner „Himmerlandsgeschichte\" mit\nKraft und Originalität gegeben.\nLeider verschafften ihm diese beiden guten\nEigenschaften einen schnellen Erfolg, der ihm zr,\nKopf stieg. Er fühlte sich als der geborene „Inter-\npreter\" für alles was er sieht. Auf oberflächliche\nEindrücke baute er kategorische Urteile. Die Kraft\nund der sichere journalistische Instinkt brachte\nihm oft die Bewunderung des kritiklosen Publi-\nkums. Er schritt als Verkünder zu „Gedanken'4,\nließ sich selbst als Prophet für die neue Zeit pro-\nklamieren und fing an zu polemisieren — irrt\nGrunde ist er mit seinem agitatorischen Stil immer\nPolemiker — um Vieh von verschiedenen Rasser\nzu den alleinseligmachenden Oasen zu führen;\nDie Entwicklung seiner Produktion zeigt, dal:\n•das. „Gedachte\" sich mehr und mehr bei ihm ent-\nZwickelt^''-aber das reine Vir-\n>t'nqslte wird. Es ist eine sehr häufig vorkom-\n'mende geistige Entwicklung in Skandinavien:\nUebergang von Literatur zur Philosophie. Dies\nkann die Folge einer Neigung sein, alles schwer zu\nnehmen, vielleicht ist es nur die Folge eines Na-\nturgesetzes: den mit den Jahren zunehmenden\nDrang mehr Inhalt als Form zu schaffen, was viel-\nleicht sehr gut sein kann, aber leicht in eine Pro-\nblemdebatte ausartet, in dem alle gleich sind und:\nder Künstler .selbst seine Privilegien, verliert.\nJedenfalls, wo Johannes V. steht,\nwünscht er auch zu stehen, gesehen und beurteilt\n';zü werden. Und nach etwas anderem kann der\nKritiker sich nicht richten. Will ein Künstler unter-\nrichten, Wahrheiten\" sagen, dann muß er sich den\nprofanen Gesetzen der Logik unterordnen. Er sie-\ndelt damit in ein ihm fremdes Land über und muß\n' • ,V j\nliach 'dessen Gesetz verurteilt werben, wenn er\nsich dagegen yergeht. 1 Eine Handlung wird nach\nihren' Motiven1 beurteilt. Eii Mann' nach seinem\ni i .\nZiel\\ Wo die Debatte ernsthafte Probleme behan-\ndelte, hat man schon viel zu' oft Johannes V, Jen-\nsen seiner sprachlichen Verdienste wegen entschul-\ndigt. ■ Man hat An entschuldigt, weil er seinen\n„Nonsens\" so gut gesagt hat. Wenn ein Architekt\nein logisch-schönes Haus baut und es zusammen-\nstürzt, sagt man doch kaum, was Herr Gott, er ist\ndoch eine große charmante Persönlichkeit, es war\ndoch wunderbar zu sehen und die feuine macht sich\nauch/sehr dekorativ. j\nJensen will als Geist, als Denker und als Seher\nbeurteilt,werden.. Wirklich: DieSes neuen Johan-\nnes Offenbarung ist dunkler als die alte. '\nHier ein paar Proben deines! Raisonnements: Er\nerklärt die Renaissance dürcli, die großen 'geogra-\nphischen Entdeckungen am Zeit. Vor»\n1. •CX Christensen, dem früheren [4, dänischer}.-, Mini-\nsterpräsidenten schreibt er: irgendwo, es ist (fetwas\n-über seiner Stirn, das die Gedanken auf den „Ge-\nvTionsbrunnen\"' • in Kopenliagen hin-\n\" führt. Dieser Brunnen würde zu\" der Zeit ;-äufge-\nstellt, in der/ man Ghristensen i zum Präsident\n•-\"-■ ! 1 \" •\nWählte. Qeri eine wurde aufgestellt als' /Mi-\nnister» der andere als Springbrunnen — eine fixe\nParallele! In Jensens „Myter\" sieht man vielleicht\n•*l' 1\n• noch deutlichere Beispiele seiner Liebe zu diesem\ngekünstelten Perspektiv, das immer das Lieblings-\nkind des Barock war. /\nAls Prophet zählt er zu .den vielen kleinen und\nfalschen. Man glaubt die Stimme „Jehovas in der\nWüste4' zu hören, aber stellt bald fest, daß es nur\nein Straßenhändler New-Yorker Typs ist, der\n„World\" rief. Er kämpft für amerika n i s c h e\nKultur, als ob Kultur nicht Kultur ist. Ein einziges\nEins. . Ueberall in der Welt, in größerer oder ge-\nringerer Quantität, vielleicht am wenigsten in\nU.S.A. Er ist Prophet für ein Touristenamerika."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.11", "texte": "was ihm, dem HimmerlaMsrnänn, kolossal impo-\nniert hat. Aber: in Wirklichkeit ist er ein Bauern-\nsohn, der Johannes heißt und im Ausland war, Er hat\nnicht die Blasiertheit der Phantasiefülle den prak-\ntischen-Konsequenzen gegenüber. Die Häuser in\nNew-York findet er so hoch, so hoch, und Räder\nsind du, «die ineinander greifen. Er singt das Lob\n'.'a . I ' •\nüber die moderne Stadt und bezeichnet sie als\neinen Fortschrittals ob nicht immer die Bewun-\nderung der Gegenwart und die Entwicklung Feinde\ndes Fortschritts sind. Amerikas „Bluff\" und der\nSturm in seinen * Telephondrähten und Schornstei-\nnen hat ihn vollständig hingerissen. Er hat über-\nsehen, daß der Wind sich immer um ein Minimum\ndreht. Er hat einen Augiastall reinigen wollen und\ndurch ihn eine Kloake geleitet\n■Als* «Polemiker ist er manchmal nicht gut. Mit\n\"Offenem1 Visier kämpft er ganz blind in der Luft.\nSeht, ich bin „Wildniann\" in dänischen Waffen\nsingt er. Das Wildeste, das dieser Wildmann\nschaffen konnte, waren einige kleine Blumen am\nWegesrain, ein paar „Teufelsfoütterfohimen\" und\neinfache Mimose. Eichen, auch künstliche,\nstanden ihm stets im Wege.\n•Daß dies kein Würdigerer als ich zu sagen\nwagte, ist vielleicht in der Furcht vor der polemi-\nschen Rücksichtslosigkeit Jensens begründet.\nAls Skandinavier fühlt man oft momentan einen\nStolz in Deutschland , überall in Buchhan dl ungs-\nfensterii und auf Theaterzetteln skandinavische Na-\nmen. Aber gleich danach ist man beschämt. Es\nsind nicht unsere Großen, die in Deutschland ge-\nfeiert werden. Es scheint ein Zufall zu sein, wer\nIn Berlin oder Wien mit einer falschen Elle ver-\ngrößert wird. Johannes V. Jensen ist sicher der\ngrößte Journalist, den Dänemark und vielleicht\nauch größere Länder gehabt haben. Als Bauern-\nschilJerer stand er hoch. Aber seine Geistes-\ngröße ist made in Germany. Seine Vielseitig-\nkeit erinnert an die Berliner Warenhäuser. Er be-\nsitzt ein Organ für den Geschmack, obgleich von\nAnfang an Symptome darauf hinweisen, daß sein\nGeschmack nicht verläßlich ist.\n\nSvend Borberg\n\nGuten Morgen,\nPioniere\nJoseph Adler\n„Aber der Einfluß der Zeitungen ist heute doch\nwesentlich weitergehend. Die Bildung ist umfas-\nsender geworden und es wird allgemein mehr ge-\nlesen als früher. Auf der anderen Seite aber sind\ndie modernen Menschen von der Berufsarbeit so\nsehr in Anspruch genommen, daß wesentlich nur\nnoch Theater und Zeitungen als die hauptsächlich-\nsten Bildungsquellen für sie in Frage kommen.\"\nDer immer weitergehende Einfluß der Zeitun-\ngen ist nicht mehr aufzuhalten, er reißt alles mit\nsich fort: Die Bildung ist umfassender geworden.\nAufdringlicher. Volkstoll. Wohin sich retten? Auf\nder anderen Seite werden die modernen Menschen\nvon der Berufsarbeit in Anspruch genommen und\ndie Bildungsquellen kommen in Frage. Sie sind\nmit Antworten nicht zu verstopfen. Die Bildungs-\nepidemie wütet, der moderne Mensch ist ihr Opfer.\nDie Lektüre der Volkszeitung und der Besuch einer\nOperettenbühne geben ihm Oberfläche. Die Bil-\ndimg ist ein Massenartikel geworden. Sie wird\nzu Schleuderpreisen losgeschlagen. Sie ist kaum\nmehr käuflich. Man hat dem modernen Menschen\neinen Heißhunger nach ihr angemästet. Er ist gar\nflicht mehr zu stillen.\n„Auf den Journalisten ruht daher heute eine\nVerantwortung, djie nicht geringer ist\nals die Verantwortung großer Geschäftsleute und\ngroßer Staatsmänner, nur daß die Presse nicht\njeden Tag von dieser Verantwortung spricht. Der\nVerein Berliner Presse ist es wesentlich gewesen,\nder mit dazu beigetragen hat, das Gefühl für diese\nVerantwortlichkeit in den journalistischen Berufs-\nkreisen zu schärfen.'4\nSo prahlt keiner mehr mit den Schwierigkeiten\nseines Berufs. Ein Chauffeur ebenso wenig wie\nein Schafhirt oder eine Hebamme. Das fühlt die\nVerantwortung eines Ministers auf sich lasten und\nfedert lakaienhaft. Wähnt seine Bedeutung nicht\ngeringer als die eines großen Kaufmanns, ver-\nschachert aber seine Meinungen und „macht\"\ni n Bild ungsre s t e n. Der Verein Berliner\nPresse ist es w e s e n t Ii c h gewesen, d e r v i e I\nd a z u b e i g «tragen h at, das Gefühl für Ver-\nantwortlichkeit in journalistischen: Kreisen zu\nschärfen, aber die Grenzen zwischen Wissen-\nschaft, Literatur und Presse ist nicht mehr so\nscharf wie einst. Die Presse ist der M i 111 e r\nzwis c h e n de r Wissen s c h a 112 t un d de m\nPublikum. Zwar sind die {(Gelehrten \\ nicht\nimmer mit dem Widerklang zufrieden, den ihre\nArbeit in der Presse findet „aber das liegt\no 112 t a n d e r W is.se n s c h af t und es sollte ihr\nein Ansporn sein, sich klarer und populärer zu\nfassen\". ~\nSo hat sie der Rektor der Berliner Univer-\nsität kompromittiert. Noch nicht zwölf Stunden\nnach einer offenen Absage au sie. Man staune:\n„Die Lektüre der wissenschaftlichen Bücher,\ndas Höreii wissenschaftlicher Vorlesungen spielt\neine wesentlich geringere Rolle als die Zei-\ntungslektiire.\"\nNun soll sich die dumme Wissenschaft noch\nklarer und populärer fassen. Neben der dickwan-\nstigen Presse, die unsere Zeit gewalttätig mit Bil-\ndung schwängert, erscheint die Wissenschaft zu\neinem Skelett abgemagert. Sie spielt eine we -\nsen 11 ic h geringere Rolle als die Zeitung. Hinter\nden Brettern der Phrase, die eine Welt vertrotteln,\nist alles Komödiantentum. Die Presse ist natürlich\neine Hauptdarstellerin. Eigene Note. Routine.\nGröße. Gewalt. Die Technik hat auch' eine große\nRolle an sich gerissen, und sie hat noch eine glän-\nzende Zukunft vor sich. Die Wissenschaft spielt\neine dürftige Nebenrolle .und die Kunst, ach Gott,\ndie stirbt in der Hauptsache. Es hat einer sogar\nein Buch darüber geschrieben, aber die Presse\nsagt frei sich von jeder Schuld. Sie hat zit den\nSterbenden stets,die besten Beziehungen\nunterhalten. Oh, viele Künstler verdanken ihr\nüberhaupt alles. Sie sagen es sogar ohne vor-\nherige Verabredung. „Der greise Niemann, der\nHüne, stand auf und erzählte: daß er der Presse\nalles verdanke. Jahrzehnte lang habe er in ihr\nimmer neuen Mut geschöpft, und als sie ihn zu\nseinem achtzigsten Geburtstag noch einmal feierte,\nda habe er bei sich gedacht: Donnerwetter! Du\nbist doch ein Künstler gewesen!\"\nAber nicht allein ein Hüne hat Jahrzehnte lang\naus der Presse Mut geschöpft, auch „s ehr viele\nSchrift s t e 11 e r mit großen Na me n ver-\nve rda nk e n den Redakteuren Anre-\ngun g, Belehrung -u n d damit ihren\nRu h m\". Ich will einmal höflich sein und keine\nNamen nennen. Vielleicht auch keinen der Re-\ndakteure, deren größter Teil dem großen Publikum\nimbekannt ist.\n„Als Soldaten ohne Namen tun sie jahraus, jahr-\nein ihre Pflicht. Es sind wirklich Soldaten, Pio-\nniere (tatsächlich oft Genietruppen) im Dienste des\nVolkswohls.\" ■ 1\nHalt! Das Ganze halt! Immer militärisch.\nWie ? Pionier Engel vor nicht langer: Zeit\n>chneiderbock, der auf Pegasus reitet, schneidig\nherausgestrichen. Noch nicht vergessen. Dolle\nSache das gewesen. Später mal für Walter Bloem\nostentativ Lanze gebrochen. Zola abgesägt und\nBloem zum Marschall der deutschen, Literatur je-\nstempelt. Verteufelter. Kerl, dieser Engel. Und\nwen seile ich da ? Den Schienther. Auch 'n\nalter Haudegen. Letzthin für Atlantis Attacke ge-\nraten, daß Jeistesfunken nur so sprühten. Und\nhier — der A Iber ti. Veteran. Naturalistischen\nFeldzug mitgemacht. Viel gereist. Wie? Asien,\nAnika. Weiß, weiß. Fünfzig schon, aber immer\nnoch Schwerenöter. Der Lily Braun viel Schmei-\ncheleien gesagt, Vor einigen Tagen erst. Brav,\nSehr brav. -- So? Nicht der Rede .wert?. Pflicht,\nNicht mehr. Soldatenpflicht.\nSie alle scharen sich um das Schwert, des\nIdeal i s mu s, das stet s zu schär fe n, Ex-\nzellenz Prof. Harnack wärmstens empfohlen hat\nIn der Phrasenschmiede wurde der Blasebalg ge-\nwaltig getreten. Das Feuer ging nicht aus. Mit\ntausend süßen Artigkeiten vollgestopft kamen sie\nzum Festfressen. Minister, Gelehrte, Künstler und\nLiteraten. Und zwei knappe läge vor der Hunger-'\nrevolte am Wedding konnten die Pioniere im\nDi ens t e des Volks w o h 1 s mit Thüringer\nBachforellen und böhmischen Edelfasanen aufwer-\nten. Zwischen den einzelnen Gängen wurde an\ndem „i n teressante u Kult urpro b 1 e tn\nJ o u ra 1 is m ti s\" gekaut. .\nDenn: „die moderne Presse ist längst nicht nur\neine große Mittlerin, sondern im Grunde, wie die\nDichtung oder Kunst, eine ganz selbständige und\neigenartige Funktion des geistigen Lebens der Völ-\nker. die ihren eigenen komplizierten Gesetzen\nfolgt.\" • ' ;\nDas lebt von der Hand in den Mund und rühmt\n*\nsich als Geistesnahrung, nennt sich ein Geheim-\nnis und schwatzt alles aus, verwischt Grenzen\nzwischen „Faktoren des öff e n t liehen\nLeben s\" und macht den Gedanken landflüchtig,\nwiegt sich stolz als Kind der Revolution der mo-\ndernen Technik und ist der Vater allgemeiner gei-\nstiger Verseuchung, schärft das Schwert des Idea-\nlismus und frißt als Rost an allem, das seelisch\nverhungern muß. Ho Izb o c k natürlich hörte\naus dem „Reigen der offiziellen Reden\ndas Hohelied der Press e\".\nAber der Reigen war ein Schiebetanz und das\nHohelied ein Reißer.\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung; der iMfer\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung, Verleger erhalten hier nicht\nBücher zurück, falls Rückporto wurde.\nMic h e 1 Ye 11 ..\ni•* « ■ •\nCauet\nParis / La Nouvelle Revue Frangaise\n~•«• 1 • * •\nEm i 1 e Peyrefort\nLa Sotirce ignoree\nParis / Maison d'Edition 12 Rue Bonaparte\n\nVerantwortlich für die Schriftieitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191212-02.1.12", "texte": "Notiz\nDie vßeäaktion u'rtd der Verlag Der Siurnt IMiffäet\nsich von zweite« Januar 1913 Berlin W9, Pots-\ndamerstraße 134 a\nDer nächste Empfang des Herausgebers ist am\n29. Dezember. Wegen Einladungen, die nur\npersönlich gelten, wende man sich an die Re-\ndaktion dieser Zeitschrift\n\nEs werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vom*\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nwr 4arefe\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeit*\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den V«r \\ t|\nder Sturm Berlin W 9 und durcte Graph* sc h e i\nKabinett» J. B. Neomann, Charlottenbiirx» Kur-\nfürsten dämm 33\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sieb der Ver-\nlag Der Stürm ohne Angabe der Grfinde vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerHo W I Kdntgfo Atigustastrafte 51\ntegeituber der von der HeydtstrsBe\nrahrtclegenheit: LfitzowplaU\nZehnte Ausstellung\nDie Neue Sezession\nYom 9. Dezember bis 31. Dezember\nGedffnet tagttch von 10—6 Uhr / Soantags von\n19—2 Uhr\nEintritt i Mark / lahreskarrc 6 Mark\nElfte Ausstellung\nG. Munter\nZwolfte Ausstellung\nR. Delaunay\n\nVerlag der Sturm\nBerHa W 9, Potsdamer StraSe 18\nFernruf Amt Lutzow 4443\nZeitschrift der Sturm\n*. «.» <*4 * \"» »»\nDauerbezug\nQewdhnilche Ausgabe: Fiir Dcutschland\nund Ocstcr rcich-Ungar n: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljatar\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nHurnmer 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekter Zustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes / Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSenders usgabe: Ungebrochcne Exem-\nplar e auf holzfreiem Papier, V e r -\nlenduns in Roll en direkt durch die\nPost fiir Deutschland tind Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark I\nEin Halbiahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs I Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezfige, Einzel-\nnummern ami Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken und Stra Bens tan den\nauf\nFalls direkte Zusteilung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband Oder in Roile ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fur den\nDauerbezug bei der Bestellong oder bei\nBeg inn d,cs neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des erst en Monats einzu-\n\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Befechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pectistein: Die E r I e g u n g des F e s t -\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nutnmer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert imd numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n/Tiger / P f e r d e (Hochforniat) / Original-\nholzschnitte / je 10 Exemplare vom Kiinstler auf\nJapanpapier handgedruckt, signiert und numeriert\n/ Das Exemplar 40 Mark\nRichter-Berlin: Landschaft mil hollandischer Muhle\n/ Landschaft mit Bockmuhle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kin der n / je flinf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier I Das Exemplar 25 Mark\nArthur Segal: Vom Strande ! / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitt [Nummer 131]\nzwolf signierte und numerierte Exemplare / Das\nExemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originaliithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nil in sky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nJe ein Exemplar ist stMndig auscesteUt im Graphischen\nKabinett, Kurf first en damm 33\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndicliten von Arno HoJz / FOr Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: I / Umber to Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose T&nzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / QinoScverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tinzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\n\nZeitsehriften\nDie Aufnahme erfolgt kostenlos nach frcicm Ermessen\nder Redaktion dieser Zcitschrift\nL'Effort Libre / frfiher L'Effort I Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'Independance / Haibmonatsschrift / Kflnste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chapta!\nLa Nouvelle Revue Francaise I Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre I Moulins [Allier]\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). Jahrlich M. 12.60 / Prag I / Bellevue\n/ Franzenquai 20\n\nAnzeigen\n\nNeue Kunst Hans Goltz Miinchea, Ode-\nonsplatzl I Van Gogh bis Kandinsky I Die\nGraphische Ausstellung enth&lt zurzeii Brang-\nwyn I Hodler / Lieberraann / Munch /\nSchmutzer / Slevogt / Zoir / Zorn / unci\nandere / Illustrierter Katalog der ersten Aus-\nstellung 50 Pfennig / Sammler wollen rnir ihre\nWiinsche stets uberrnitteln / Auswahlsemdcmgen\nbereitwillig\nDer neue Kunstsalon Miinchen, Koniginstr. 44\nMonatlich wechselnde Ausstellungen Moideme\nModerne Malerei, Graphik, Plastik, Kunstgewerbe\n(Expressionisten) Kokoschka / Picasso\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Vtxtiw\nPassive Mitglieder der Neuen Secession,\niahrlich 1 / mehrere graphische Arfoeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestetlt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelie der Neuen Sezession: Stcc~\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf A nit 269$\nGraphisches Kabinett Buch- und Kunsthandluuf )\nBerlin W 15, Kurfurstendamm 33, Eingang Grol-\nmanstraBe / Eckhaus / Fernruf Amt Steinplatz;\n14297 I Der Inhaber des Graphischen Kabinetts\nJ. B. Neumann eroffnet in der SchillerstraSe £ (am\nKnie) eine Ausstellung fur die neue Maierei, ftvthr\nsotten ausschlieBlich Werke jiingerer Kunstler\nzeigt werden\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgesch&ft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vam XVI.—XX. Jahrhundert / Alte nnd\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung j Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Anttflua-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsp-recher Amt.\nLutzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen*\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmcldungen;\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgabeii\nin auSlandischer Literatur\nFritz Merker Gharlottenburg, SchillerstraSe H\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartoat--\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbftttde\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fur BerBn\nund die Mark Brandenburg: Louis S tan gen,.\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfurst 2425"}]}