{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_sha256": "3a4a6a60d1a50bc3ce188aee9ea59bbb5e2f7499d7b7c10ec02be5eb09e07624", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/01_01/bmtnabg_1913-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/01_01/bmtnabg_1913-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "245", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.1", "titre_corps": "Inhalts:", "titre_sommaire": "Inhalts:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.1", "debut_caractere": 298, "fin_caractere_exclue": 873, "texte": "Inhalts:\n. 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Was hatte diese gräßliche Er-\nkrankung Wahrhaftig, ich schäme\nmich, es auszusprechen: Rassenhaß!\nDraußen spazieren die zarten Friihlingsdamen\nund ich kann ihnen nicht nahen. Unablässig sehen\nmeine Augen jenes tragische Ereignis vor sich.\nUnd so ist es mir beinahe lieb, daß von mehreren\nSeiten an mich herangetreten wurde, einige De-\ntails der Affäre der Öffentlichkeit preiszugeben.\nDa der Zweck ein löblicher, ia patriotischer ist,\nwill ich, obgleich das Ansinnen fast eine Frech-\nheit war, weil kein anderer den Fall auch nur mit\nden Fingern berühren mag, die Sache auf mich\nnehmen und in den Schlund springen . . .\nReginald Mammuthbaum mußte endlich Rück-\nsichten dem Vaterlande gegenüber platzgreifen\n'lassen. Snob schon der Abstammung nach, wählte\ner das exklusivste Regiment. Früher war die\nSache lebenslänglich und die Anführer dachten:\n„Was heute nicht geschieht, geschieht morgen.\"\nSeitdem man aber diese detestable tausendjährige\nDienstzeit eingeführt hat, eilt den Vorgesetzten die\nAusbildung und die Lage der Rekruten ist eine\nsehr prekäre. Gar die Mammuthbaums haben\nnichts Qutes. Nun, vorerst wurde das Usuelle\ngegen den Eingringling angewendet. Jahrzehnte-\nlang Gelenksübungen im Chaos, Kanonenschultern,\nKniebeugen, Bauchwellen, Eilmärsche, man stelle\nsich vor: mitten im bittersten Universum!\nDas Terrain ist kupiert, gibt man einen Mo-\nment nicht Acht, auf ja und nein hat man sich\neinen giftigen Stern eingetreten und wird ihn nie\nwieder los. Und die Gefühle! Riesenzecken sind\nnichts dagegen . . . Sterne aber, vor denen hatte\nSidonie, Reginalds Mutter, großen Respekt. Sie\nsagte stets: „Kinder, wenn ihr die Welt aufeßt,\nimmer hübsch die Sterne ausspucken.\"\nWie man weiß, gibt es viererlei Sorten von\nSternen. Ihr Wohlgeschmack und Nährwert ist\nihrer Größe gerade proportional. Erst das reifere\nAlter und zwar nur der geschlechtlich quieszierten\nExemplare verbürgt bei den Siderozoen die Ge-\nnießbarkeit. Jugendliche oder gar infantile Indi-\nviduen sind als unbekömmlich, unter Umständen\nsogar als giftig zu bezeichnen. Im übrigen ist ihr\nWachstum wie das unsere an Nahrungsaufnahme\ngebunden, nur sind sie hierbei ganz auf schwä-\nchere, jüngere Artgenossen beschränkt. Gesellig-\nkeitstrieb, was dasselbe wäre: Erotik, d. h. Hun-\nger läßt Kometen größeren Kometen verfallen.\nDas größere Gewicht hemmt die Flüchtigkeit der\nneuentstandenen Organismen, die man Satelliten\nnennt, und sie erliegen der anziehenden Kraft der\nPlaneten und werden von ihnen schließlich ein-\nverleibt. All das nichts als Etappen der Sonnen-\nbildung, Stationen auf dem Wege zum ausge-\nwachsenen Fixsterne. Nur die Sonnen lassen sich\nleicht fangen, da sie nicht liebe-durstig umher-\nirren wie die Jungen, sondern sexuell gesättigt\nund widerkäuend ruhig an einem Ort verharren,\nbis die Luftfischer unseres Kaiserreiches Mirabi-\nlien kommen und nach ihnen sehen. Dann spre-\nchen wir das Tischgebet und streichen uns die\nnahrhaften Körner wie Fischroggen aufs Brot . . .\nIn geringer Quantität sind sie ganz unschädlich, in\ngroßen Mengen hingegen rufen sie Cholera her-\nvor . . . Ich für meine Person vertrage ziem-\nlich viel. Sterne, in Essig eingemacht, munden\nmir wenigstens bedeutend besser als Schwarn-\nmerln. Die eßbaren Altersstufen selbstredend.\nUnd auch die darf nur verzehren, wer einen heilen\nMund besitzt. Sogar unzubereitet schmecken die\nkleinen, gustiösen Flammenbälle sehr pikant.\nFreilich: die Mitglieder des Tierschutzvereins\nschlagen Lärm, wenn man die armen Tierchen roh,\nbei lebendem Leib schnabuliert. Und die Vege-\ntarier gar erbjicken im Sternkonsum, in der Ver-\neinigung mit niedrigstehenden Geschöpfen So-\ndomie . . . Aber — Verzeihung dem Ausdruck —\nwer wird sich um die alten Weiber kümmern.\nWas unsern R. M. anlangt, so haben ihn der-\nartige Anwürfe nie treffen können, seiner Mama\nängstlich-nasale Laute: „Reggie! Paß auf, daß\ndu keine Planetoiden schluckst!\" hielten den\nFeigling ab, sich eine gewisse Fertigkeit im Stern-\nschlucken anzueignen. Wahrscheinlich glaubte die\nwürdige Dame, wie so manche Laien, diese\nPfefferkugeln seien den Nieren unerwünscht.\nVielleicht war auch in ihren famosen Speise-\ngesetzen dieses Nahrungsmittel verboten und ein\nRest von Antipathie zurückgeblieben. Ich weiß\nes nicht.\nDes schlappen Kerls reglementswidrige Furcht\nvor den Himmelsinfusorien wurde irgendwie noto-\nrisch. Und die Offiziere wollten einen derartigen\nTemperenzler nicht im Korps dulden. Niemand\nwird ihnen das weiter verübeln. Nur die Art und\nWeise, wie sie ihn abreagierten, war schon mehr\nals unkollegial.\nUnter dem Beistande des logischerweise ge-\nsinnungsverwandten Koches, der das fatale Nah-\nrungsmittel schlecht passierte, im Zeichen eines\nsymbolischen Termines, wurde von den Aufrech-\nten Mirabiliens die übelriechend-zertretene Min-\nderheit und Varietät in Mammuthbaum vernichtet.\nIn der Ehrenstunde unseres Repräsentanten,\nder 5% Jehovaleute und 95%. Andersgeartete zu\nvertreten hat, dessen Selbsterhaltungstrieb also\nmit einiger Notwendigkeit für die verschwindende\n-Minorität weniger übrig haben muß als für die do-\nminierende Masse seiner Stammesgefährten: an\nKaisers Geburtstag machte man Re-\nginald trunken.\nIn diesem Zustande fand er ein säuerliches\nGelee, eine verhängnisvolle Sternsauce, sehr plau-\nsibel. Der Unglückliche litt an chronischem\nRachenkatarrh. Die verschiedenen Sonnensysteme\ntaten ihm nicht wohl und ein Satellit, ein verdamm-\nter kleiner Mond, blieb ihm in der Kehle stecken.\nIn dem törichten Bestreben, dem Mammuthbaum\ndurch plötzlichen Schreck das Schlucken zu er-\nleichtern, nannten die Offiziere den Namen der\nSpeise.\nAn wunden Stellen mochte es schon früher im\nRachen nicht gefehlt haben, heftiges Würgen ver-\ngrößerte sie, und ließ die seltenen Gäste in die\nButbahnen eintreten, wo sie erfahrungsgemäß\ngiftig wirken. Namentlich wenn Trunkenheit ihre\nVirulanz steigert. Zu spät holte man mich. Ich\nlegte mein Ohr an Reginalds Thorax. Wenn Ba-\nzillen in Unsereinen einmarschieren, singen sie zu-\nerst ihre Volkshymne. Es ist ja ein Triumph für\nsie. Und auch diese hier produzierten sich in\nMammuthbaum: bei ihren Atembewegungen und\nUmschwüngen summten die Sterne in ihm — ihm\nund sich die Sterbegesänge.\nDie Krankheit dauerte relativ lang. Spät erst\ntraten die Vorboten der Agonie auf: er erzählte\nein Gleichnis, einen Witz zwei- oder dreimal ein\nund demselben Zuhörer. In normalen Fällen pfle-\ngen wir ein Individuum, das so weit ist, zu er-\nschießen, da es um so erinnerungslos-greise Hirne\nnicht schade ist und wir Gesunden unter zu oft\nwiederholten Leitmotiven wimmern. Man muß\nes demnach als ein Zeichen von Schuldbewußtsein\nauffassen, daß man ihn über diese Grenze hinaus\nzu erhalten befahl. Undl die nach seinem Tode\nherausgekommene gesetzliche Verfügung, laut der\nGestirne von nun ab nur auf ärztliche Anweisung\nausgefolgt werden dürfen, läßt sich ebenfalls nicht\nanders deuten.\nIch ahne es tief: man wird dieser scheinbaren\nAnklage wegen mich, den in vielen Feldzügen de-\nkorierten Stabschirurgen, mit Demokraten, Anar-\nchisten oder gar Judiäophilen in einen Topf werfen\nwollen. Das Gefühl der Pflichterfüllung wird mi~ii\nüber alle Anwürfe hinausheben.\nEs gibt nur zwei Wege. Entweder erläßt man\nwieder den Kultusgemeinden die Blutsteuer. Ab-\ngesehen von der erziehlichen Wirkung, welche die\nkomische Körperhaltung der semitischen Soldaten\nauf die restliche Mannschaft ausübt, verliert man\ndamit ein großes Quantum Kanonenfutter . . .\nOder aber, und dazu möchte ich einraten: man\nverbiete den jüdischen Trilliardären, wenn sie\nschon Adels halber wohltätig sein wollen, das\nGründen von Krankenhäusern für Konnationale.\nMan stelle nichtarischen Schriftstellern vorläufig\nden Betrieb ein. Man drohe Bibliotheksbenutzern\naus den Kreisen der Uebelnasigen mit der Todes-\nstrafe! Aus dem allgemeinen Entsetzen entnehme\nich so etwas wie Unverständnis. Faßlicher zu\nsprechen: Siechenhäuser ins Leben rufen, heißt die\nFolge bekämpfen, wo sich mit geringerem Auf-\nwände die Ursache entfernen ließe: einfach durch\nKreierung von Sportplätzen für die Patriarchen-\nstämmlinge.\nDie Regierung wird anfänglich meinem Projekte\nmit Mißtrauen begegnen. Wenn die Zionisten des\nUniversums die für sie charakteristischen Gesten\nund Körperlinien verlieren, muß das Ministerium\nbefürchten, bei den Wahlen die Stimmen der Sati-\nriker billiger Wirkungen, die Stimmen der Kari-\nkaturisten tiefstehender Rassen einzubüßen.\nDem gegenüber fällt ins Gewicht: es ist wahr-\nscheinlich, daß wir zu groß sind, um von den\nSternen und etwaigen schmarotzenden Bewohnern\nderselben gesehen und verstanden werden zu kön-\nnen. Dieses darf uns aber nicht abhalten, dies\nentbindet uns nicht der Pflicht, uns vor diesen\nimmerhin denkbaren Zuschauern anständig zu be-\nnehmen, unsere Tugenden vor ihnen zu entfalten\nund unsere Stellung als einzig-echte Bekenner\nwahrhaft humanen Christentums im Weltall von\nneuem zu kräftigen.\nIch verbitte es mir, in meinem Expose eine\nBeschuldigung erblicken zu wollen. Ich bin über-\nzeugt, daß der größere Teil unseres Offizierkorps\nder Art der Mißhandlung jenes Freiwilligen inner-\nlich ganz verständnislos gegenüber gestanden ist.\nUnterdrückte Klassen sind eben immer an sich\nlächerlich und man steinigt, man reagiert auf diese\nLächerlichkeiten absichtslos, rein instinktiv. Un-\nerlaubt ist es bloß, unterdrückte Völker in einem\nGrade zu demütigen, der dem eigenen Land ab-\nträglich ist. Diese Möglichkeit liegt vor, des-\nwegen erhebe ich meine Stimme.\nMit den Gesetzen der Biologie nicht Vertraute\nwerden behaupten, ich übertreibe. Das ist un-\nwahr, jedes Wesen weicht gern seinen Peinigern\naus. Und so liegt gegenwärtig bei den Stammes-\ngenossen Reginalds ein den Rekrutierungen unbe-\nkömmlicher Wille zur Degeneration vor. Ihre\nFüße besitzen bereits keine Trittfläohe mehr, nach\nder gewiß authentischen Klageschrift der Hut-\nmachergenossenschaft weisen ihre Lockenköpfe\nsonst nur bei Säuglingen übliche Dimensionen auf.\nSie wollen ihren Angreifern die ausgesucht kleinste\nZielscheibe darbieten, sie verflüchtigen sich, sie\nschrumpfen ein, sie ducken sich unter das Militär-\nmaß."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "247", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.4", "titre_corps": "Gruss", "titre_sommaire": "Gruss", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Gruss\nAlbert Ehrenstein\nWen ich, mich beugend, ehre, hasse ich.\nDenn grüße ich das Nicht-ich, sterbe ich.\nKnirschend zu sehen eine Welt, die nie\nzu mir wird,\nnie\nan mir zerbirst!\nO, nur im Traume ringe ich sie tot.\nUnd ewig wachsend saust ob mir das Schwert\ndes Grußes, Tod, das Nicht-ich, bis ich es.\nSieger auf Leichen thronen?! 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Und da er auf seinen\nReisen alle Gegenden und Menschen genossen\nhatte, sagte er vor sich hin: „0, blinder Sklave\ndes Geschickes, wohlan, freue dich endlich, denn\nnun wirst du erfahren, was nach diesem kleinen\nLeben sein wird.\" Also haderte er nicht mit jener\nStimme des letzten Befehls, sondern gebot seinen\nSklaven, ihm seine zwei Hörner wie zu einem\nFeste zu putzen und nachdem er noch vorsichts-\nhalber einen ganzen Wildesel verzehrt hatte, be-\nstieg er ein Eilkamel, um nicht zu säumen und so\nzu beleidigen den Ruf des ehrwürdigen Todes.\nAber seine Dichter, die Nachtigalleulen, begannen\nauf eine schöne Weise zu klagen und versuchten,\nsein gleichgültig schauendes Herz mit ihren gelin-\nden Traurigkeiten zu erfüllen und den der neuen\nSache Beflissenen wieder an die knappen Hab-\nseligkeiten des Lebens zu binden. Das Eilkamel\njedoch in seiner Weisheit erinnerte sich verzehrter\nDattelkerne und indem es den Dichtern den war-\nmen Mist des Lebens ließ für die rauhen Nächte\nder Zukunft, verschwand er mit dem König der\nZeit im Walde. Er aber sprach zu seinem Barte:\n„Nicht begreife ich die sachte Trauer der Gefähr-\nten meines Atemholens. Wenn ich ihnen entgleite,\nso können sie mich doch zurückhalten in den Bo-\ngen und Windungen ihrer schlangengleichen Ge-\ndichte. Ich aber habe es schwerer als diese Ge-\nzähmten: ich muß etwas tun. Nun habe ich einen\nganzen Wildesel gegessen, denn es ist nicht gut,\ndem Tod angstvoll und mit einem hungernden Ma-\ngen gegenüberzutreten. Sollte er mir nicht ge-\nfallen, so kann ich ihm wenigstens einiges ins Ge-\nsicht rülpsen, wie es sich für einen Herrn gebührt.\nDoch noch sehe ich hier niemanden, der mich töten\nkönnte.\" Indem er also seinen Unwillen auf den\nTod warten zu müssen, ärgerlich kundgab, erschien\nauf dem Wege ein weiser Wildkater und klärte\nihn sexuell auf: „Nicht dies ist der Weg zum Tode,\no König Zweihorn, du könntest allerdings, wenn du\nschneller ans Ziel gelangen willst, gegen die Bäume\nreiten. Aber du reite lieber diese zwei Wälder\nhier seitwärts durch und wenn du an der letzten\nLichtung meine Frau sehen wirst, so sage ihr, daß\nich sie noch heute besuchen werde.\" Da dankte\nder König dem liebenswürdigen Kater und als er\neinen halben Kamelritt weiter wirklich die Katze\nerblickte, grüßte er sie höflich und richtete seine\nBotschaft aus. Dafür belehrte ihn die Wildkatze\nfreundlich über die nahe Möglichkeit eines annehm-\nbaren Todes — nur eine Parasange weit!\nUnd als er sich über diese Strecke hinweg-\ngesetzt hatte, traf er richtig dort einen Mann, an\nStärke gleich einem ausgewachsenen Löwen.\n„Nächstens lasse mich nicht so lange warten\"\nbrüllte der Mann. „Ich bin dein Vater Rustan und\nda ich dich ins Leben gepflanzt habe, schickt es\nsich auch, daß ich dich töte.\" Begann auch so-\ngleich dem unpünktlichen Sohne die Hörner aus\ndem Kopfe zu drehen und Iskandar Zualkarnain\nehrte den Vater, getreu dem Gesetze des Prophe-\nten. Er wagte es nicht, diesen Tod am Barte zu\nzupfen, noch auch ihm den vorbereitenten Esel ins\nGesicht zu rülpsen. 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Frau von\nBerre scheint mir so recht das filmeske Gegen-\nstück der Ibsenschen Frau vom Meere. Man\nglaubt, ein Film könne keine so tiefe Symbolik in\nsich schließen? Es kommt nur darauf an, daß\nihn jemand sieht, der das nötige Quantum Mystik\nhineinlegen kann.\nDer Löwenwärter hört auf den treuherzigen\nNamen Franz, aber er ist ein hinterhältiger\nSchurke, ein Apache der Apachen, würdig der\nEhrenmitgliedschaft jeder Maffia. Er quält und\npeinigt aus seiner Sicherheit heraus den ihm an-\nvertrauten Löwen, prügelt den Wehrlosen, der\nhinter dem Gitter nur fauchen kann wie eine Wild-\nkatze. Und doch ist es gefährlich, sich den Zorn\ndieses Löwen zuzuziehen. Man kann das furcht-\nbare, totdrohende Aussehen dieses Ungeheuers\nnicht besser schildern, als indem man jene Keil-\ninschriften zitiert, auf denen die Marduk-iddin-ahi,\nTukulti-ninib, Samsi-ramman sich und ihr groß-\nkönigliches Wild besangen. Wir danken einem\nunserer namhaftesten Assyrologen, Professor Dr.\nPaul Scheerbart, diese Ausgrabungen im Tempel\nvon Iharsagkurkurra, deren geradezu phantastische\nErgebnisse wohl noch allen in Erinnerung sind.\nAuf einer dieser Tontafeln verherrlicht der Patisi\ndes Assur, der große Dichter Nil-mirari den Herrn\nder Wüste folgendermaßen:\n„Wenn er vom Lager aufsteht, legt er sich\nnicht nieder;\nEr geht aus mit Gebrüll,\nSein Donner tötet die Nacht,\nSein Auge ist Blut, Mord seine Mähne.\nGiftig sind die Stacheln seines Schweifes,\nWo ist der Held, der ihm die Klauen seiner\nPranken beschnitte?\nWer nach dem Tode hungert, mag ihm nahen.\"\nEinen besseren Löwen sich zum Feinde zu\nwählen, heißt den Tod am Barte zupfen, bis der\ndie „Es ist erreicht\"-Fasson annimmt. Was trieb\nden Strolch Franz zur Löwenquälerei?\nMetaphysische Zusammenhänge tun sich auf,\nleiden Franz und der Löwe an akuter Metempsy-\nchose? Die Frage ist zu bejahen. Obgleich der\ngefangene Leu seinem Aussehen, seiner Varietät\nnach nur aus dem Maweralnaher, dem turkesta-\nnischen Zwischenstromland, stammen kann, heißt\ner nicht Abdullah Khan, sondern wie jener be-\nrühmte Sklavenführer: Spartacus! Ahnt man\ntiefste Verschlingungen? Es schnitzlert. War\nFranz einmal der Herr und Peiniger des Sklaven\nSpartacus, bis sich der Gequälte blutig an dem\nTyrannen rächte? Versucht Franz jetzt dem Lö-\nwen seinen früheren Tod heimzuzahlen?\nJedenfalls wird der menschliche Quälgeist in\nseinem viehischen Beginnen gestört, mitten in\neiner Geißelung des Löwen überrascht ihn die\nentrüstete Herrin und knallt dem Wärter eins mit\nder Peitsche ins Gesicht, enläßt den Wutschnau-\nbenden.\nSoiree bei der Frau von Berre. Wir sehen, mit\nwelch unvergleichlicher Eleganz Sieur de Mor-\nbihan dem Grafen Pallawatsch die Rechte reicht\nund wie dieser wieder dem Modedichter Salomon\nErdgeruch, dessen Dasein ein Enjambement ist,\neisig die keusche Hand umkrampft. So ist das\nLeben . . . Dann führt die Wirtin ihre Gäste zu\nden Löwenkäfigen, und die ganze Gesellschaft ent-\nfernt sich wieder — der Arie einer Amateursän-\ngerin entgegen. Aber man hat die Rechnung ohne\nden Franz gemacht. Der schleicht sich ins Haus\nund läßt die Löwen frei.\nUnd nun verdichten sich die Spannungen, er-\nreichen ihre Höhepunkte — eine kondensierte Ge-\nwitteratmosphäre legt sich keuchend über die\nDinge . . .\nIn einem reichen Kinderbett sitzt das junge\nTöchterchen der Frau von Berre, ein kleines, her-\nziges Ipünktchen, und betet innig bis achtzig . . .\nDie Löwen sind los und dringen ins Gesellschafts-\nzimmer, in einen Salon Louis XVII. Atembeklem-\nmende Flucht.\nAber der Löwe ist nicht mehr der König, höch-\nstens eine Vizekönig der Tiere, ein Präsident der\nTiere. Durch ihre zahllosen Erfindungen ist es\nden Menschen gelungen, die Tiere vollkommen\nzu entwerten, viele Rassen sind vor Gram über\ndiese Entehrung ausgestorben, andere, selbstmord-\nfernere durch die Menschen gewaltsam von der\nErdoberfläche verdrängt worden. Es ist weit ge-\nkommen mit den Tieren. Die Löwinnen, diese\nfeigen Hündinnen werden von einem Weibe in\nihren Pferch gejagt, das innig bis achtzig betende\nKindchen wird jählings gerettet. Aber auch dem\nLöwen, dem gewaltigen Abdullah Khan Spartacus\ngeht es im Zeitalter der Suffragetten nicht gut.\nDen Frauen sind heute bereits Revolver gewach-\nsen: ein Weib brennt dem männlichsten Tiere ein\nLoch, nein Löcher in den Pelz. Allerdings nicht,\nohne daß zuvor Gott eine Gelegenheit zu einer"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 189, "texte": "gerechten Strafe gegeben wurde. 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Rappe,\ndas Roß, zog scheu den Weg\nzur Burg, der bleichen, todesstillen.\nDer Ritter dann sprang ab\nund eilte rufend seiner Fraue\nNamen seiner Säle Geheg\ndurch, durch Todesstillen.\nUnd an der kahlen Mauer ab :\neine Spinne sich Verhaue\nmachte, ganz dem Ort gemäß,\nund das allein der Ritter sah.\nUnd wieder eilte hin und her,\nder Ritter Rococo,\nschon nicht mehr klagend, seinem Sinn gemäß,\ndoch Tränenspuren viel man sah,\nwo sein rüstungswunder Fuß\nsorgend eilte hin und her.\nDoch endlich als zum erstenmal\nins Schlafgemach des Ritters Fuß\ntrat, lag so bleich und kalt und kühl\nwie Marmorstein die Frau im Pfuhl.\nUnd bald lag bleich und kalt und kühl,\nso sanft umschlungen mit der Frau,\nder Ritter Rococo."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.9", "titre_corps": "Spruch", "titre_sommaire": "Spruch", "signature_source": "Albert Ehrenstein (1904", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.4", "debut_caractere": 1323, "fin_caractere_exclue": 1565, "texte": "Spruch\nAlbert Ehrenstein (1904)\nSolang du noch Knabe bist,\nlieb es zu wandeln im Sturme,\nein leichtes Lächeln pfeife\nallen den Winden.\nUnd wenn dann,\nin immer anderen Orkanen\ndas Leben kommt,\nsiehe, dann wuchs es dich längst\nschlank und fest."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.10", "titre_corps": "Herbst", "titre_sommaire": "Herbst", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.4", "debut_caractere": 1567, "fin_caractere_exclue": 1803, "texte": "Herbst\nAlbert Ehrenstein\nSchon sind meine Haare weiß:\naus der Höhe\nfällt die Zeit •\nin Tropfen mir\nauf meine Stirn,\nvon unten kommt\ndie Ewigkeit:\nschläft der Fuß,\nstarrt zu Eis,\naufwärts, bis der Tod im Greis\nZeit vermählt\nund Ewigkeit."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.11", "titre_corps": "Frühes Leid", "titre_sommaire": "Frühes Leid", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.4", "debut_caractere": 1805, "fin_caractere_exclue": 7600, "texte": "Frühes Leid\nVon Albert Ehrenstein\nIch war kein Tierfreund, eher vielleicht ein\ntyrannischer Beobachter der Tiere. Seit jeher reizte\nes mich, diesen schwachen Wesen zuzusehen, mit-\nzuspielen, Herrschaft über sie auszuüben, da ich\ndie Menschen nicht knechten konnte. Ich ging ja\nin die Schule, war Sklave von Rohrstäben, Katalo-\ngen, Klassenbüchern und Zensurzetteln. Und da-\nheim saßen grausame Zieheltern, die meine Abnei-\ngung gegen das Leben nährten, indem sie mich\nstets zum Essen zwangen, zur Strafe mit den wi-\nderwärtigsten Speisen traktierten, wenn ich den\ngrammatikalischen Kram nicht wissenswert fand.\nDie Existenz von Schulbüchern war doch eine\nGnade meinerseits? Nein! man begnügte sich un-\nbescheidenerweise nicht damit, daß ich das Vor-\nhandensein derartiger Materien hypothetisch an-\nnahm, gelten ließ, ich sollte sie empfangen, die Bü-\ncher sollten in mich übergehen und ich Buch wer-\nden. Passte mir diese Besessenheit nicht, reagierte\nich auf solche Vernichtung meines Ichs sauer oder,\nwas meistens geschah: ließ ich mich auf derlei\nProvokationen überhaupt nicht ein, sah man in mei-\nnem Vorgehen alles eher denn Selbstbewahrung.\nMeine früh erwachte Aversion dagegen, Gedichte\nanderer Schriftsteller auswendig zu lernen, von ma-\nthematischen Formeln koitiert zu werden, diese\neminent männliche Eigenschaft hieß auf einmal\nFaulheit und man entleerte über mich ein Füllhorn\nvon Strafen.\nIch besaß eine kleine Kaninchenzucht. Gab ich\nmich mit Hühnern und Tauben ab, fesselten den\nVerwachsenen, der für seine Person Raufereien\nscheute und mied, die schonunglosen Kämpfe\nzwischen rivalisierenden Hähnen oder Taubern.\nBlutliebe war es, Freude an diesen ebenso form-\nstrengen als gefühlsheißen Duellen, die erbittert\nund unerbittlich bis zur Entscheidung ausgetragen\nwurden. Bei meiner Zucht, bei meinem Kult von\nübrigens unfreiwilligen Mitgliedern der Friedens-\ngesellschaft, den pazifistisch angehauchten Kanin-\nchen gegenüber hatte ich lautere Motive. Ich er-\ngötzte mich an rein vegetativen Prozessen, freute\nmich, wie die jungen Tierchen schnupperten und\ndann mit langen Froschsprüngen herbeieilten, um\nmir die Kohlblätter aus der Hand zu fressen. Aber\nKohl — der kostete Geld, ein paar Pfennige täglich,\nund die Fütterung und Wartung fraß Zeit, die ich\nnach Ansicht meiner Pflegeeltern besser an das\nStudium gewendet hatte. Ihr ewiges: „Hugo,\nlerne!\" scholl an mir vorbei, ich betrachtete die un-\nregelmäßigen Zeitwörter als Verbalinjurien und\nwußte mir etwas Besseres, als Verben reiten, kon-\njugieren: Kaninchen. Die waren mein Trost, halfen\nmir mit ihren Farben und Bewegungen über\nschlechten Ausfall der Schularbeiten und Mittag-\nmahle hinweg. Bekam ich. zu Weihnachten eine\nüble Zensur und wurde demgemäß statt jeden an-\nderen Geschenkes strafweise täglich diejenige\nSpeise aufgeführt, die ich am stärksten haßte:\nSauerkraut — und noch dazu in angebranntem Zu-\nstande — flüchtete ich nach Tisch zu den Kanin-\nchen. Und siehe da! es gab Wesen, denen die\nVerabreichung dieses Giftes, die Ausspeisung mit\nKrautblättern Glücksaugenblicke schuf, Wesen, die\nmir, dem göttergleichen Spender, durch ihr zufrie-\nden-geräuschvolles Mahl zu einigem Selbstgefühle\nverhalfen und nicht genug daran: sozusagen durch\ndie Vernichtung eines Teiles des Sauerkrautbe-\nstandes der Welt mir dankbar einen großen Dienst\nerwiesen.\nEs kam eine Zeit, wo ich mein Reich nicht ver-\nteidigen konnte und die Bacillen drangen ein. Mit\nden Bacillen meine ich nicht etwa die Erreger der\nWindpocken. Die machten sich nicht so breit, mit\ndenen wurde ich leicht fertig und wenn ich dennoch\nmich schwach zu fühlen vorgab, nicht aufstehen\nwollte, so lag das an dem: ich hatte wenig Lust,\nins äußere Leben zurückzukehren, in die Schule,\ndiesen Garten voll bitterer Kräuter, die — o boden-\nlose Verruchtheit — obendrein botanisch-lateinische\nNamen trugen! Das Kranksein bedeutete für mich\nsorgsame Pflege, Ruhe und Waffenstillstand und\nich kann sagen, ich machte häufig von Halsentzün-\ndungen Gebrauch. Wenn das Fieber geschwunden\nwar, sagte man wohl: „Liegend lesen schadet den\nAugen\", aber ich durfte eine Weile Lektüre treiben,\nwas mir sonst — schlechter Zeugnisse halber —\nverwehrt war. Der Arzt ließ mich gerne liegen,\ner verordnete sogar zur Behebung der allgemeinen\nSchwäche kräftigende und wohlschmeckend von\nmir bejahte Gerichte, vor allem Weißfleisch. Doch\nfür die Wirtschaft, für das Staubabwischen und\nAufräumen bedeutete mein Kränkelnwollen, mein\nZärtlichkeitsbedürfnis Hemmung und Ueberarbeit.\nWeißfleisch? Wozu Hühner kaufen, wenn herr-\nliche Kaninchen im Hause waren, Kaninchen über-\ndies, die, wenn man sie dem eigensinnigen Knaben\nins Bett geben mußte, sich unsauber betrugen.\nSonst zwar wurden Kaninchen nicht gegessen, aus\nEkel . . . aber ein wehrlos in der Genesung be-\ngriffenes Kind aus der Geborgenheit, aus dem\nsicheren Bett zu scheuchen, dazu war kein Mittel\nschlecht genug. Thyestes nährte sich vom Fleisch\nder eigenen Kinder. Atreus hat ihn damit brüder-\nlich bewirtet. Das ist noch gar nichts. Denn\nThyest war ahnungslos, wußte nicht, wovon er\nzehrte, wußte nicht, was er wieder zu sich nahm.\nAuch ich mußte die Geschöpfe essen, die mir am\nliebsten waren. Aber ich fühlte, was ich hinabzu-\nwürgen gezwungen wurde. Ich verschluchzte mein\nHerz. Anfangs sagte man, auf das Kaninchenfleisch\nweisend: dies sei Backhuhn. Als sie jedoch mein\ntiefes Wissen um diese Welt durch das Gerede\nnicht übertäuben ließ, hieß es, ich solle nicht so kin-\ndisch sein. Kindisch? Leichtsinnig hatte ich die\nKaninchen preisgegeben, verraten. In der Zeit, wo\nes mir beliebte, krank zu sein, wurden sie wenig\ngefüttert, gemordet. Da gab ich die Krankheit hin,\nstand auf, um die übriggebliebenen Kaninchen vor\nmeinen Zieheltern, vor den Bacillen, vor dem Tode\nzu schützen. 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Sind aber Weibchen gleich-\nzeitig zwei Befriedigungsmöglichkeiten geboten,\nverharren sie auch zumindest um die Hälfte treuer\nals die natürlicherweise unersättlichen, weil in\ndemselben Zeitabschnitte bloß auf eine einzige\nGefühlsquelle angewiesenen Frauen der übrigen\nMenschen.\nNichts ist denn auch ergötzlicher oder an-\nmutiger, als wie sie den zwei Männchen, die an\nihnen beschäftigt sind, zu gleicher Zeit Treue\nschwören und auch halten. Schon aus Ordnungs-\nliebe nämlich würde es keine von ihnen über das\nHerz bringen, dem einen dort Eintritt zu ge-\nwähren, wo bereits das andere einmal sich auf-\nhielt. Und unterscheiden sie sich durch diese un-\nschuldige Pedanterie sehr vorteilhaft von den-\njenigen Tieren, bei denen die Zitzen nicht behörd-\nlich numeriert sind, noch jedem Jungen eine be-\nstimmte angewiesen ist.\nIn vielen Städten dieses Landes hat die Polizei\nMitleid, und man kann die Weihnachten im Bor-\ndell verbringen. In anderen Niederlassungen wie-\nder gibt es zwar leibselige Fräuleinware, hingegen\nnur Einzelmasseusen, die höchstens tagsüber in\nden Warenhäusern massiert sind . . .\nWie Erotik überhaupt ist natürlich alle Weib-\nlichkeit von der Politik ausgeschlossen. Und\nzwar, wie einige aussagen, weil die Häupter der\nangeblich oppositionellen Parteien der Regierung\ndie dieser aus den Bewohnerinnen der öffentlichen\nHäuser und mehr Sekreten Frauenklöster notwen-\ndig erwachsen müssenden Stimmen mißgönnen —\ntischerweise Miguel . . ~ den hab ich ganz gern und\nandererseits die allen gemeinsamen Mädchen, nicht\nso selbstlos wie die Eisenbahnen, sich heftig da-\ngegen sträuben, für die Gewährung des Wahl-\nrechtes durch den Staatsbeamten zuzubilligende\nErmäßigungen sich dankbar zu erweisen.\nTrotzdem ist die Männerherrschaft nur eine\nscheinbare. Die Hochzeit wird während der\nersten Begattung geschlossen. Aber ein Mann ist\nja nie geneigter und schmiedsamer zu einer ihm\nso unmöglichen Sache wie es eine dauernde Ver-\nbindung ist, als bei jener freudenerregenden Amts-\nhandlung. Den Jungfrauen wird es daher klüglich\nvon der Sitte vorgeschrieben, im Augenblicke der\nUebermannung halb belustigt, halb wehmiitig-ent-\nrüstet: „Na, sowas!\" zu rufen, gleichgültig ob\ndas „Sowas\" durchaus erfreulicher Natur ist oder\nnicht. 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Man gratuliere mir. Es hat mir nämlich\neiner eine Geschichte erzählt, erspar ich, eine zu\nflunkern. Mein würdiger Freund Doktor Michael\nScheibenstoß, zwischen manchen Gläsern Reben-\nsaftes, mundwerkte folgendes: „Es war einmal\nein Mädchen, und der dazugehörige junge Mann\nwar ich . . . bei einem feschen Mädel bin ich\nimmer dabei. Also, Vorname: Zizi, sechzehn\nFaust hoch, Taillenweite: dreißig Zentimeter,\nHandschuhnummer fünf, Füßchenlänge zwanzig\nZentimeter, mikrozephal . . . Ihre Seele brauche\nich also nicht weiter auseinanderzunehmen, dir\ngenügt, daß sie folgender Sorte angehört: im Bou-\ndoir Engelhornband aufgeschlagen, beim ersten\nKuß die eingelernte Entrüstung nebst Ohrfeige,\nbeim zweiten „Nicht doch!\", bei dritten „Hast du\nmich wirklich lieb?\", beim vierten „Bin ich\nschön?\", beim fünften — schon in meiner Woh-\nnung und unter echt weiblicher Hingabe nicht nur\nin das Schicksal, sondern auch in das Unvermeid-\nliche: „Das ist gut!\"\nSo hätt ich's machen können, aber ich habe\neinmal eine Neigung für das Extravagante, kom-\npliziere mir meine Fälle immer selber, finde, ein\nanständiger Mensch darf einem Mädchen nie in\nseiner Junggesellenwohnung oder gar in solchem\nHotel, einzig und allein in ihrem eignen Mädchen-\nbett darf er ihr beiwachen . . . Ergo küßte ich nicht,\nsondern anknüpfend an den Engelhornband — es\nwar einer mit verschämtem Augenaufschlag —\nknüpfte ich ein literarisches Gespräch an, das\nheißt, ich fragte sie natürlich, ob sie schon das\nDekamerone Messer Giovanni Boccaccios gelesen\nhabe. Merke dir: einem Mädel gegenüber sagt\nman immer „Messer Giovanni Boccaccio\". Wenn\ndu bloß „Boccaccio\" sagst, hast du verloren, sie\nwird sich nicht einmal die Mühe tun, rot zu wer-\nden, hierauf „mein Herr\" sagen und dich die Tür\nvon draußen bewundern lassen; sagst diu noch\nGiovanni Boccaccio, wird sie zweifelsohne vom\nRadium zu reden anfangen, wenn du aber „Messer\nGiovanni Boccaccio\" sagst, wird sie sich höchstens\nzu erröten getrauen. ,Resser\" . . . das klingt wis-\nsenschaftlich. . . . Richtig errötete sie auch, was\nich ihr selbstverständlich scharf verwies. Das\nRecht, zu erröten, hätten höchstens verheiratete\nFrauen, bei einem jungen Mädchen sei das ein Zei-\nchen von Blutarmut und mangelhafter Unschuld.\nPumpte ihr also den Bokkaz — selbstredend in der\nInselausgabe — anschließend daran die Gespräche\nder frumben Aloysia Sigaea, hierauf — du wirst\ndie Feinheit der Aufeinanderfolge zu würdigen\nwissen — die Geschichte der jungen Renate Fuchs.\nDen Schluß machte ich mit den Welträtseln, nach\nderen Verdauung ich so nebenbei zu ihr bemerkte\n— mit einer mich den Weibern immer so empfeh-\nlenden und naherückenden Unlogik —: „Es gibt kei-\nnen Gott, wir Menschen dürfen also alles tun.\" So,\njetzt war sie reif zur Liebe und ich ließ sie auch\nschleunigst darin maturieren . . . Ging nämlich zu\nihrei' Eltern eines Nachmittags hinauf — lach' nicht\nso dumm, du rätst viel zu plump — und bat die\nalten Leute, meine Lohengrinlöge zu übernehmen,\nich hätte am Abend eine große und dringende Ope-\nration .... Der Zizi aber versicherte ich, sie hätte\neine kleine Angina los . . . Oh, nichts von Bedeu-\ntung, aber wenn sie morgen zum Ball gehen wolle,\nmöge sie sich schleunigst ins Bett begeben ... die\nAlten akzeptierten dankend, ich empfahl mich, und\ngewissenhafter Arzt, der ich leider bin, begab ich\nmich am Abend zu dem Mädel, um es noch einmal\ngenauer und eingehender zu untersuchen . . . Die\nEltern wollte ich nicht gleich erschrecken, aber es\nkonnte ja Diphtherie sein . . . Na, es gab die her-\nkömmlichen Präliminarien . . . Von „Ich schrei\"\nangefangen über „Nicht doch\" ... die ganze Ton-\nleiter ward gewissenhaft abgeschnurrt . . . den Aus-\nschlag gab schließlich, daß ich ja Doktor bin . . . .\nMeine große und dringende Operation gelang —\nso darf ich mir schmeicheln — aufs Vollste. Schließ-\nlich bin ich ja Spezialist darin — ich arbeitete übri-\ngens wie gewöhnlich ohne jegliche Assistenz —\nund bei der Gründlichkeit, Sachkenntnis und Pflicht-\ntreue, durch die sich ja meine Operationen aus-\nzeichnen, war ein Mißlingen von vornherein aus-\ngeschlossen. Sogar meine kleine Patientin — der\nFall ist selten in einer rein ärztlichen Karriere —\nverhehlte mir ihre Zufriedenheit nicht, fand huld-\nvollste Worte der Anerkennung für mich: „Mi, du\nbist ein großes Schwein\" quietschte sie. „Hat mir\nnoch jede gesagt,\" dachte ich mir und antwortete\nihr wie den meisten: „Es ist so gut, mit dir Schwein\nzu sein.\" Das Pfeifen aber von Lohengrinmotiven\nverbot sie mir aufs strengste ... ja selbst viel spä-\nter noch, als ich sie einmal in meiner W'ohnung —\nnur beim erstenmal kaprizier ich mich auf das Mäd-\nchenbett — aus Versehn . . . mein Gott, ein Arzt\nhat soviel Patientinnen und Operaionen . . . „Elsa\"\ntitulierte und auf eine doch wirklich höchst depla-\nzierte Frage nach dem Hochzeitstermin, beim Autor\nbleibend, mit: „Nie sollst du mich befragen\", aus-\nkneifen wollte, da bekam sie irgend einen Wein-\nkrampf. Erst als ich zärtlicher und deutlicher\nwurde und sie unter einigem Streicheln an meine\nAuslegung Häckels erinnerte ... es gibt keinen Gott\nund also darf ich alles tun . . . und ihr zu verstehn\ngab, ich sei ein sehr moderner Mensch und huldige\nüberaus dem Prinzip der Arbeitsteilung, liebe zwar\nmit Vorliebe an Angina leidende Jungfrauen, das\nHeiraten aber und Kinder kriegen überließe ich\ngern andern . . . man müsse humanerweise auch\nden übrigen Menschen ein so schönes Weibchen\nein wenig zu gute kommen lassen ... ich wollte\nja recht gern, aber, mein Gott, die Prinzipien! und\ndann . . . überhaupt . . . ich sei nun einmal das\nHeiraten nicht gewöhnt, da erst ging ihr nach län-\ngerer Ohnmacht eine Seifenfabrik auf, deren Besit-\nzer sie auch, auf meinen bald darauf erfolgenden\nreinärztlichen Rat hin, pünktlich ehelichte ... Ich\nweiß nicht warum, aber ihren ersten und letzten\nBuben ... er heißt merkwürdiger- und roman-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2865, "texte": "tischerweise Miguel . . ~ den hab ich ganz gern und\nvon der Seifensiederei versteh ich fast schon mehr\nals ihr Mann, aber die Zizi hat sich leider den\nHäckel und die moderne Lehre von der Arbeitsein-\nteilung zu eigen gemacht, ja zu Herzen genommen\nund sie auf ihre, also eine jedenfalls total falsche\nund unlogische Weise ausgeiegt ... sie läßt sich\nschamloser- und humanerweise auch der übrigen\nMenschheit zugute kommen . . . und denk dir nur,\nein Konkurrent von mir, ein ganz gewöhnlicher\nKerl, ein gewisser Hans Zillinger, bildet ihr Supple-\nment, d. h. er teilt sich in die Arbeit mit ihrem\nMann: er hat Tagschicht, und der Mann hat Nacht-\nschicht und ich ha*b das Nachsehn und Seifensie-\nden . . . Um einen gediegnen Ehebruch bin ich ge-\nkommen, genieße bloß hie und da das leider, ach\nallzu wörtlich zu nehmende Gnadenbrot eines vor-\nzeitig eremitierten Hausfreunds . . . und um die\nKundschaft bin ich auch gekommen! O, alles kommt\neinem heim . . . ja, ja: Verlorne Liebe, verlornes\nLeben!\" Der starke Mann schluchzte. „Dieser\nherbe Rebensaft ist unter der Wiener Kritik und\njedem weitern Hunde,\" mundwerkte noch mein\nwürdiger Freund Doktor Michael Scheibenstoß er-\nklärend, dann erhob sich der brutale, stiernackige\nLackel und berühmte Operateur und ging still und\nin sich gekehrt und schwankend heim . . .\nMir aber ließ er eine klagende Sehnsucht zu-\nrück, auch etwas zu erleben, o, nicht so grobe und\nbrutale Dinge . . . nein, ich bin mit wenigem zufrie-\nden ... O, ich will ja nicht viel: gehn möchte ich\nbloß ein wenig neben dem Mädchen, das ich gern\nhab, und vielleicht mit ihr kleine Worte reden,\nihren Augenaufschlag sehn, atmen den zarten Duft\nihrer Wangen, bewundern das leise, weiche und\ninnige Ineinanderversinken ihrer lieben Lippen . . .\nWarum muß ich denn immer betrübte Hände\n•haben, daneben sitzen und neidisch zuschaun, wie\nandre den goldnen Schaum des goldnen Lebens\nköstlich schlürfen, schlückern, genießen, ach, was?\ngenießen? achtlos hinunterstürzen!\nAber ich weiß es zu wohl, Doktor Michael\nScheibenstoß, der berühmte Operateur, und ein\nganz gewöhnlicher Mensch, ein gewisser Hans Zil-\nlinger, und die Seifensieder der Welt arbeitsteilen\nsich in alle Mädchen . . . und ich gehöre zu den\nZwetschgen, die in keinen Knödel kamen ... ich\ndarf bloß Geschichten erzählen . . . und bekomme\nso gar nichts, denn ich bin ein Dichter, linkisch,\nschüchtern und scheinbar hochfahrend ... ein\nDichter bin ich und ein Geschichtenerzähler . . . der\ngoldne Glast des goldnen Weins, der schöne Strom\ndes schönen Lebens schäumt und fließt an mir vor-\nbei und ich darf davon bloß erzählen . . . Vielleicht\nschön .'. . darf kein Mitschwimmer sein und tän-\nzelnder Ueberschreiter des Niagara . . . bloß Sport-\nberichterstatter und tintenklecksender Beschreiber\nder donnernden Katarakte . . . Arbeitsteilung! . . .\nIm Gegenteil: man gratuliere mir nicht! ...."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "250", "page_fin": "250", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.15", "titre_corps": "Versuch einer Antwort", "titre_sommaire": "Versuch einer Antwort", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.6", "debut_caractere": 2867, "fin_caractere_exclue": 5636, "texte": "Versuch einer Antwort\nVon Albert Ehrenstein\nGroße Unbilden haben die Ziegelschupferinnen\nund Mörtelweiber zu erdulden, denn nicht beför-\ndert sie der Polier zu einer auskömmlichen Stelle,\nehe sie ihm den Genuß ihres Leibes verstattet\nhaben. Sehr ergrimmt sind auch die Maschinisten:\nDie Adligen nämlich vermögen die Exhibitionen\nihrer Tapferkeit unter den Augen des Königs zu\nvollstrecken. Ein Edler watet durch einen tiefen\nund kalten Sumpf, erfaßt den Ansehnlichsten der\nFeinde mit den Zähnen und trägt ihn so vor den\nHerrscher. Die Gefahren der Heizer jedoch sieht\nder Fürst nicht und kann sie also auch nicht be-\nlohnen. Anderen vermag er nicht einmal zu helfen.\nSehet: sogar die Diebe beweinen vergeblich ihr\nSchicksal, indem sie auf die Aerzte, Rechtsgelehrten\nund Minister mit den Fingern zeigen. Den Dieben\nkann man leicht antworten und ihnen ihre Selbst-\nsucht beweisen. Das Benehmen eines Armen, der\nzu Reichtümern gelangte, ist nicht das Richtige.\nBei ihm und seinen Kindern ist noch das Ueber-\nraschende des Geschickes wahrnehmbar, erst in\nder dritten Generation bewegt er sich einwand-\nfrei. So ist denn auch nie einer durch eigene An-\nstrengung, Arzt, Rechtsgelehrter oder Minister ge-\nworden, die Vorzüge trefflicher Eltern und Ahnen\nwiirken in ihm, und er kann sich an die Krippe\nsetzen. Nicht also die Diebe. Sie lassen nicht\nihre Kinder und Enkel lernen, egoistisch wollen\nsie bereits in der ersten Generation stehlen und\ndaran gehen sie zugrunde.\nDie Sklaven aber gehen nicht zugrunde und\num ihre Beschwerden wissen sie nicht,, man gibt\nsie ihnen. Sie selbst nämlich schreien nicht, sie\nstöhnen nur und beklagen sich durch ihr übles und\nkaum menschenwürdiges Aussehen. An ihrer\nStelle verrichten vielmehr die roten Priester das\nGemurre. Diese wollen sich selbst durch eine hier\nund da veranstaltete Verlesung der Sehnsuchts-\nziele der Geknechteten aus der Schande der Ar-\nbeit in die Seligkeit des Nichtstuns retten. Den\nRedensarten solcher Drohnen läßt sich folgendes\nentgegnen: „Nicht ohne Opfer und Kampf rangen\nsich unter den Völkern der Erde die Menschen zur\nObmacht über die andern Tiere und Pflanzen.\nUnter den Menschen wieder kam keiner, ohne zu\nbezahlen, zu der ihm also teuren Macht. Um zu\ngoldhaltigen ErZen zu gelangen, mußten Moham-\nmed und Wallenstein die ältliche Witwe Kadidia\nheiraten, der erste österreichische Schwarzenberg,\nder noch bedeutend talentierter war, eine zweiund-\nachtzigjährige Dame. Wisset: auch die Vorvor-\ndern der Poliere und Könige mußten lange Zeit\nunten Frondienste leisten, damit ihre Nachkommen\nheiterer Ruhe teilhaftig würden. Auf daß ihre\nKindeskinder die Krumen unter den Tischen der\nKaiser sammeln, in ihren Händen vereinigen könn-\nten, Aelterväter der Grafen in belagerten Städten\nVorhungerer waren . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "250", "page_fin": "251", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.16", "titre_corps": "Hn?", "titre_sommaire": "Hn?", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.6", "debut_caractere": 5638, "fin_caractere_exclue": 10301, "texte": "Hn?\nVon Albert Ehrenstein\nEin Rätsel hat mich überfallen, und ich weiß\nnicht, ob es mir schon gelang, es zu lösen. Die\nWelt starrt ja von Rätseln, doch meines dürfte das\nreizendste, dem rationalistischen Laster unzugäng-\nlichste sein. Ich will vollkommen human vorgehen,\nniemanden lange martern und lieber gleich sagen,\nwas mich vexiert. Es handelt sich um folgendes.\nGleichgültig, ob sie ein Augentrost sind oder extre-\nmen Alters: Viele Damen haben die Gewohnheit,\nihre Rede mindestens einmal in der Minute durch\nein vernehmliches „Hn\" zu unterbrechen. Dieser\nLaut wird nicht gesprochen, er wird hervorgesto-\nßen, aus tiefstem Innern herausgeholt. Wenn man\nmich fragt, was für eine Klangfarbe diese sonder-\nbare Interjektion besitzt, so ist zu erwidern: keine\nkonstante. Aroma und Gefühlswert des Hauches\nschwanken, es is bis jetzt noch keine bestimmte\nAussprache von „Hn\" vorgeschrieben ....\nWenn ich mit einer hübschen Dame bekannt ge-\nmacht werde, die empfehlen sollende Bemerkung\nfällt: „Sie hat deine Logarithmen gelesen, mein\nLieber!\" und ich höflich antworte: „Ich gratuliere\nIhnen, Fräulein, Sie sind sehr schön!\", wird sie je\nnach ihrer Stimmung auf eine bange, schmerzliche,\nverlangende oder befriedigte Weise „Hn\", seuf-\nzen ....\nMan frage ein kleines Dienstmädchen, ob die\ngnädige Frau zuhause ist. Es gehorscht der Epi-\ndemie, antwortet langgezogen, in Intervallen, die\ndas Aergste befürchten lassen: „Die gnädige. Frau\n. . . hn . . . ist zu . . . hn . . . sprechen.\"' Nun\nkönnte man zu dem Glauben neigen, gleiche Aeuße-\nrungen der Atemlosigkeit könnten in gleichen Lei-\nden ihre Ursachen haben, in einem nasalen, bron-\nchialen, hoffentlich aber in einem rein cordialen\nAsthma. Gefehlt. Die undifferenzierte Gesundheit\naller „Hn\" schmachtenden Wesen ist überwälti-\ngend. Und ein Psychologe bewies mir sehr scharf-\nsinnig, meine Vermutung sei die klägliche Folge\neiner gatnz kommunen Lautbildassociation: ich\nhätte bei „Hn\" an HN.. — Stickstoffwasserstoff-\nsäure gedacht. Unterbewußt natürlich. Er begann\nseine Hypothese zu deuten, supponierte meiner\nfrauenfeindlichen Asthmatheorie freundschaftlichst\nden Wunsch des Erstickens, den Damen erstickte\nWünsche, irgend einen verhaltenen psychophysi-\nschen Hunger. Ich erwiderte in meiner Unschuld,\nmein Beobachtungsmaterial bestehe zum Teil auch\naus mehrfach verheirateten Witwen und des py-\nthagoreischen Lehrsatzes beflissenen Schulmäd-\nchen. Er glitt über meine Beschränktheit lächelnd\nhinweg und erklärte schließlich apodiktisch, in dem\n„Hn\" stecke hauptsächlich hoffnungsvolle Furcht\nvor einem Ueiberfall. Ich war verblüfft über diesen\nhübschen Zynismus.\nDenn immerhin: andere, die ich konsultierte,\nmachten sich die Sache doch wesentlich leichter.\nDiese Unkomplizierten vermuteten billigerweise in\n„Hn\" eine Abkürzung für eine Telefonzentrale und\nverbreiteten sich über die oft Besessenheit hervor-\nrufende Kraft täglich gebrauchter, an sich sinnloser\nAbbreviaturen .... Und ich erhielt bald darauf\nmehrere unfrankierte Briefe, in denen ich auf eine\nwichtige Tatsache aufmerksam gemacht wurde.\nDie Stadtbahndampfer nämlich, die den stürmischen\nHalensee kreuzen, kann man nur mit Fahrkarten\nbesteigen, welche den ominösen Vermerk ..Hn\"\ntragen .■*\nEin schwanker Reiter, der den Tiergarten be-\nvölkerte und den ich meiner Affäre wegen anhielt,\nerblickte unter dem ärgerlichen Wiehern seiner er-\ntappten Stute das geheime Zeichen einer feministi-\nschen Verschwörung in dem rätselhaften Dipht-\nhong. Der Kerl riet mir, stets mit „Hn\" zu antwor-\nten und das Weitere abzuwarten.\n„Hn\" dürfte schon etwas feministisches sein,\nam ehesten eine mir vorläufig allerdings recht\nschleierhafte Form der Anknüpfung. Da ich aber,\ndem schlechten Rate folgend, lediglich mit einem\nunbefriedigten „Hn\" das Echo spielte, kam es leider\nzu keinerlei „Weiterungen\". . . . Höchstens zu\nFrozzeleien. Eine namhafte Altphilologin, die ich\ndirekt fragte, diese Pythia erkühnte sich, mir gegen-\nüber zu behaupten: „Hn\" . . . „dies ist ein Ausat-\nmen, noch nicht das Einatmen der Gharybdis\".\nDiese Interpretation war mir zu delphisch-symbo-\nlistisch. Ich beschwor die Gelehrte, mir genauere\nDaten über die Atemprozesse der Charybdis zu\ngeben. Aber diese Humanistin war eine ent-\nmenschte Schäkerin, sie sagte schlicht: „Trösten\nsie sich. Traun! Auch die Sphinx dürfte Hn ge-\nseufzt haben!\"\nUnter solchen Umständen blieb mir nur noch\nEines übrig: In meiner Not griff ich zu dem heute\nsehr selten angewendeten Tierorakel. Mein grauer\nKater, der kleine Marduk Sminthurnix ist d'a's für\nderartige Versuche prädestinierteste Geschöpf. Er\nstammt von den heiligen Katzen der Isis ab. Wenn\nman den Erzlügner glauben darf, standen einige"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1531, "texte": "seiner Vorfahren als Karnpfkater auf den Streitwa-\ngen der Priesterkönige von Cheta. Andere Ahn-\nkater hätten sogar beinahe im Froschmäusekrieg\ninterveniert\nIch interviewte Marduk mit einer unerhörten\nFixigkeit: ich las ihni einige meiner Manuskripte\nvor. Er schnurrte. Aber er hätte auch geschnurrt,\nwenn ich ihm nichts vorgelesen hätte. Trotzdem\nakzeptierte ich den Fingerzeig, der in dem Omen\nLag: Schnurren ist eine Selbstbejahung. Vielleicht\nist „Hn\" auch eine Selbstbejahung. . . .\nUeber die Zusammenhänge zerbrach ich mir\nnicht weiter den Kopf. Ich habe, durch Erfahrun-\ngen weise geworden, die Gewohnheit angenommen,\nim Traume alles zu finden, was mich im Wachen\nvexiert. Ich träumte den zu Unrecht vergessenen\nAusspruch des Imams Abu Hamfe: „Das Pfauen-\ntieisch ist relativ geschmackhafter als das der Dro-\nmedare.\"\nDes Rätsel Lösung! Der Name Hanife ist eine\nGleichung, die einerseits die fraglichen Consonan-\nten H.n — andererseits das Wort Fee enthält. „Hn\"\nscheint also wirklich eine Selbstbejahung zu sein,\nein Schnurren unserer Kätzchen. Ich wäre wohl\nfrüher den Damen hinter die Schliche gekommen,\nwenn ich gleich von Anfang an die heute nötige\nVorliebe für Abkürzungen, Siglen berücksichtigt\nhätte. So wahr C. d. W. die Abbreviatur für das\nliterarische Kaufhaus des Ostens ist, bedeutet „Hn\"\neine bündige Formel für „Hübsch, nicht?!\"\nWer hübsch ist, kann nicht die Frage sein (wenn\nman bedenkt, daß es Frauen sind, die diese Vermu-\ntung aussprechen).\nOder sollte ich mich doch irren? Ich harre der\nAufklärung. Hn ?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "251", "page_fin": "251", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.17", "titre_corps": "Perpeh", "titre_sommaire": "Perpeh", "signature_source": "Albert Ehrenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.7", "debut_caractere": 1533, "fin_caractere_exclue": 7466, "texte": "Perpeh\nVon Albert Ehrenstein\nAestheten, Schutz suchend, Zuflucht und einen\nheiligen Ruheort, wie Hektor keuchend, fliehend\nvor einem immer stärkeren Leben, sehnen in-\nbrünstig das perpetuum stabile herbei.\nPaul Scheerbart will das perpetuum mobile.\nVergebens haranguieren die Ästheten ihren\newigen Juden, den Journalisten, vergebens läßt die-\nser wieder seinen ewigen Juden repetieren, „Alles\nschon dajewesen\" schnarren.\nAber Heraklit, nach Homer und Pythaigoras\nunter den Griechen Impresario des harmonischen\nKosmos, träumte gerade noch vom Nichts-als-Strom\nder Dinge, von den Männdern der Ewigkeit.\nEr sah, daß Alles gut war: navxa §ei — Alles\nist Rhytmus!\nDie Aestheten kauern natürlich erst vor ihrem\nsv xal 7iav— Es ist Alleseins!\nSie ahnen dumpf die kurzen Wirbeltänze ihres\nStaubes.\nDenn selbst ihr apotropischer Hokuspokus wen-\ndet sich gegen sie. Auch der rasendste Namens-,\nKostüm- und Wäschewechsel vermag sie nicht vor\nihrem Schicksal, dem in sie gesperrten Nichts zu\nbewahren: kein aus allen Himmeln gefallener Dä-\nmon „sitzt\" in ihnen.\nWie Danaiden rastlos, eitel waschen sie sich\nunaufhörlich mit Dscheläl-eddin-Rumi-Seife, um\nmystische Verse zu bekommen. Ausgeschlossen!\n112 *B sie nun instinktverlassen das Land der Grie-\nchen mit ihrer Seele suchen, oder als Grals-\nritter von der traurigen Gestalt einherirren: das ist\nwahrhaft Alleseins, Wiederkunft des gleichen\nNichts, da ja nur die Kostüme verschieden sind.\nNamen nennen? Tote töten ist Leichenschän-\ndung. Auch haben sie nie die Kraft gehabt, sich\nEigennamen zu erwerben, deutlich getrennt kom-\nmen sie nicht vor, Einzelexistenzen lassen sich bei\ndiesen Kollektivseelchen nicht einmal unter dem\nMikroskop nachweisen. Allesamt aber wissen sie\nnicht, wo sie stehen geblieben sind, diese Herde hält\nnoch immer ihr Dasein für eine nie wiederkehrende\nOkkasion in Kulturexhibitionen.\nIn Wirklichkeit erfährt es eine gewisse Berech-\ntigung erst durch posthume Ereignisse.\nDie Erde: eine überaus sparsame Hausfrau, die\nkeinen ihrer Küchenreste ungenutzt läßt, das will\nihnen absolut nicht in ihr Gehirnsurrogat.\nDoch nach Lukians unwiderlegbarer Behaup-\ntung war Horner während des trojanischen Krieges\nDromedar in Baktrien — jedem Hamlet unfaßbar\nwie der Gedanke, der Extrakt „Alexander\" könnte\nim weiteren Verlaufe der Ereignisse in die Lage\ngekommen sein, sich als Spund nützlich zu machen.\nWas für Bedürfnisse dann erst die Aestheten\nbefriedigen werden — dazu reicht keine Phantasie\naus.\nNicht genug an jenen „Grausamkeiten\" der Na-\ntur, die etwa ein Brillantinefläschchen, in welches\nder Friseur einen Arbeiter für zwei Kreuzer die\nFinger eintunken läßt, später zum Volksdramatiker\ndegradiert, die nicht sentimentale Strafe und Him-\nmelsbuße, im Gegenteil: nur eine von keiner Per-\nmutation zurückschreckende Stoffwanderung kennt\n— nicht genug an dem, nun brechen auch noch\nmenschliche Energiequellen in das stumpfe Vege-\ntieren der Traumsüchtigen. Ein Aufschrei: ihres\nDaseins heiliger Zylinder ist demoliert.\nEin tiefer Wille treibt das Genie, zu allen Wer-\nken der Natur sein „Das kann ich auch\" zu sagen,\ndrängt es, Stäbe in Schlangen zu wandeln.\nRings von Perpetuis umgeben, wartet es keiner-\ndings so lange, bis seine Instrumente infolge von\nAssimilation auch zu „Perpehs\" geworden sind,\nseine Ungeduld izwingt es, Perpetua künstlich zu\nschaffen.\nDie Natur kann nur ewiges zeugen, weil sie\nselbst ein perpetuum ist, der Mensch will es Un-\ngleich tun, endlich, endlich! ihr ein ewiges Besitztum\nentgegenstellen. Daß ein reicher, stets beweg-\nlicher Geist darauf verfallen muß, das perpetuum\nmobile zu geben, ist nur logisch; daß der schließ-\nliche Erfinder ewiger Werte nur der Dichterkaste\nangehören kann, ist mehr als logisch: man vermag\nes nachzufühlen.\nKommen muß den Schreibwerkzeugen der Tag\ndes Absehens vor so vergänglicher Dejekten, wie\nes poetische Erzeugnisse immer sind. Bewußt\nsprechen die orientalischen Märchen von Königen\nder Zeit! Von den kläglichen Dichtern der Zeit,\ndie Kronos nicht einmal zu verschlingen geruht,\nhöchstens mit dem Zahnstocher entfernt, uns zu er-\nlösen, dieses Kaugummi fiir Kronos aus der Welt zu\nschaffen, ist wohl nicht die Hauptabsicht Scheer-\nbarts gewesen.\nDer ewig Agile macht immerhin eine Maschine\nnamhaft, die vorläufig zwar pich ehrenvolleren\nAufgaben zuwenden, nach einigem Zureden aber\nauch dahin zu bringen sein dürfte, perpetuierlich\nzu dichten.\nNicht bloß zu dichten! Wir, gegen die seit\nAeonen, dünkt mich, der Umstand mißbraucht\nwird, daß alles, d. h. die Druckerschwärze, fließt —\nwir werden vielleicht auch dies noch erleben: die\nZeitungen werden sich selbst schreiben. Und selbst\nlesen!\nEs handelt sich nicht um Schlaraffenträume. Un-\nendliche Kräfte, zuvor an mechanische Arbeit\ngekettet, würden frei. Ist das perpetuum mobile\nwirlich das Anheurisma, an dem die Menschheit\nleidet?\nDie Löwenwürger, die Herkulesse unserer Zeit:\ndie großen Bazillentöter, auch sie roboten geduldig\nunter der Regierung des Königs Euristheus, sie sind\nzu sehr Menschen und Aerzte, mit einem Wort:\nsie denken zu beschränkt an sich und ihre Tat.\nStatt für die Bekanntgabe ihrer Zaubermittel po-\nlitisch Honorare zu verlangen, die geeignet wären,\nsie zunächst und vielleicht, vielleicht! auch andere\n(Danubien etwa von seinem gebenedeiten Vormund\nGrafen Elemer Eichentreu-Saprdek) zu erlösen.\nScheerbart, Ehrenbürger der vereinigten Mond-\nstaaten, ist kurioserweise so praktisch, ein Ding\nschaffen zu wollen, das an sich revoltierend wirken\nmüßte. Hat der große Verlag „Erde\" ihn uns dazu\neingesendet? Ihr hättet von diesem Großmeister\ndes literarischen Ulks gewiß eher ein Spinnweb,\neinen psychologisch-kosmischen Spaß erwartet;\neine Seelenkunde der Gestirne etwa, einen anato-\nmischen Atlas der Sternseelen. Aber Paul Scheer-\nbart ist ein perpetuierliches Perpeh, er überrumpelt\neuch mit einer so profan-irdischen Lappalie, wie es\nein perpetuum mobile ist.\nPaul Scheerbart: Das perpetuum mobile. 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Herr Joachim war schon längst aus dem\nBette. Ohne ihn zu wecken, war er fortgegangen.\nHerr Theobald fühlte es: lautlos, verdrossen,\nverärgert, gar nicht, wie es sonst seine Art war.\nHerr Theobald fuhr rasch in die Kleider, wusch\nsich und trat in die Stube.\nFräulein Hermine schlief noch.\nSie War bis zum Kinn hinauf zugedeckt, ihr\nGesicht war der Wand zugekehrt.\nAuf den Stühlen ringsumher lagen zerstreut\nihre Sachen: ihr Mieder, ihr halbseidener Unter-\nrock, ihre Strümpfe und ihre Bluse.\nIhr Rock war quer über den Tisch gelegt.\nHerr Theobald nahm den Schlüssel und gint\nlautlos in den Keller nach Kohlen.\nIn wenigen Minuten prasselte im Ofen ein lusti-\nges Feuer.\nEr brachte sodann aus der Kammer das Wasch-\ngestell herein, füllte die Schüssel mit frischem\nWasser und legte daneben Handtuch und Seife.\nDas Kaffeewasser auf dem Ofen fing schon an,\nzu kochen. Die Stürze auf dem Topfe zitterte\nund surrte leise.\nAls Herr Theobald sich eben anschickte, den\nKaffee zu mahlen, tat Fräulein Hermine einen lan-\ngen Seufzer, dehnte sich, drehte sich herum und\nschlug das erste Mal die Augen auf.\nSie fand sich erst nicht zurecht. 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O |P 1 ' \"\nFalls direkte Zusteliung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Besteilung oder bei\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\n♦\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnftt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom KunstJer mit der Hand aquarel-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "252", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.8", "debut_caractere": 2551, "fin_caractere_exclue": 4234, "texte": "iiert, sigwiert und nsraeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n/Tiger / Pferde (Hoehformat) / Original-\nholzschnitte / je 10 Exemplare vom Kiinstler auf\nJapanpapier handgedruckt, signiert und numeriert\nI Das Exemplar 40 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nRichter-Berlin: Landschaft mit hollandischer Muhle\n1 Landschaft mit Bockmithle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kindern / ie funf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier / Das Exemplar 25 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: P 1 a k a t fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Fiir Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1913-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "252", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.8", "debut_caractere": 4236, "fin_caractere_exclue": 5067, "texte": "Zeitschriften\nDie Aufnahme crfolgt kosteiilos nach freicm Ermessen\nder Redaktion dieser Zeitschrift\nLTffort Libre / frtiher L'Effort / Monatsschrift !\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'Ind6pendance / Halbtnonatsschrift / Ktinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. 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Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Stejc-\nlitz, Miquelstrafie 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschniacks- und Aroma-Vorzilge\nbesten coffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fiir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandier und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgesch&ft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Bticher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung /' Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqaa-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmefdungan\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraSe 94.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne B«cheinbamlft\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,.\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir BerMn\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nBinzeibezug 40 Pteanig\nDER STURM\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nDRITTER JAHRGANG\nBERLIN JANUAR 1913\nNUMMER 142/143\n\nInhalts:\n. A,bert Ehrenstera: Em krasser Fall von Soldatenmißhandlung / Albert Ehrenstein: Gruß / Rimbaud / Albert Ehrenstein: Hildebrandslied / Albert\nEbenstem: Die Filmlowen sind los / Albert Ehrenstein: Der Ritter Rococo / Spruch / Herbst / Albert Ehrenstein: Frühes Leid / Albert Ehrenstein:\nVVanderers Lied / Albert Ehrensteifl: Im Lande der Erotophilen / Albert Ehrenstein: Arbeitsteilung / Albert Ehrenstein: Versuch einer Antwort / Albert\nEhrenstein: Hn? / Albert Ehrenstein: Perpeh / Hermann Wagner: Die rote Flamme / G. Mfinter: Neujahrswunsch / Originalholzschnitt\n\nG. Münter: Neujahrswunsch / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.2", "texte": "Em krasser Fall von\nSoldatenmisshandlung\nVon Albert Ehrenstein\nIn seinem Sputum hat man Kometen gefunden.\nEr starb an Lungensternen, jenen winzigen und\nscheinbar so harmlosen Mikroorganismen, die wir\nPlaneten nennen. Was hatte diese gräßliche Er-\nkrankung Wahrhaftig, ich schäme\nmich, es auszusprechen: Rassenhaß!\nDraußen spazieren die zarten Friihlingsdamen\nund ich kann ihnen nicht nahen. Unablässig sehen\nmeine Augen jenes tragische Ereignis vor sich.\nUnd so ist es mir beinahe lieb, daß von mehreren\nSeiten an mich herangetreten wurde, einige De-\ntails der Affäre der Öffentlichkeit preiszugeben.\nDa der Zweck ein löblicher, ia patriotischer ist,\nwill ich, obgleich das Ansinnen fast eine Frech-\nheit war, weil kein anderer den Fall auch nur mit\nden Fingern berühren mag, die Sache auf mich\nnehmen und in den Schlund springen . . .\nReginald Mammuthbaum mußte endlich Rück-\nsichten dem Vaterlande gegenüber platzgreifen\n'lassen. Snob schon der Abstammung nach, wählte\ner das exklusivste Regiment. Früher war die\nSache lebenslänglich und die Anführer dachten:\n„Was heute nicht geschieht, geschieht morgen.\"\nSeitdem man aber diese detestable tausendjährige\nDienstzeit eingeführt hat, eilt den Vorgesetzten die\nAusbildung und die Lage der Rekruten ist eine\nsehr prekäre. Gar die Mammuthbaums haben\nnichts Qutes. Nun, vorerst wurde das Usuelle\ngegen den Eingringling angewendet. Jahrzehnte-\nlang Gelenksübungen im Chaos, Kanonenschultern,\nKniebeugen, Bauchwellen, Eilmärsche, man stelle\nsich vor: mitten im bittersten Universum!\nDas Terrain ist kupiert, gibt man einen Mo-\nment nicht Acht, auf ja und nein hat man sich\neinen giftigen Stern eingetreten und wird ihn nie\nwieder los. Und die Gefühle! Riesenzecken sind\nnichts dagegen . . . Sterne aber, vor denen hatte\nSidonie, Reginalds Mutter, großen Respekt. Sie\nsagte stets: „Kinder, wenn ihr die Welt aufeßt,\nimmer hübsch die Sterne ausspucken.\"\nWie man weiß, gibt es viererlei Sorten von\nSternen. Ihr Wohlgeschmack und Nährwert ist\nihrer Größe gerade proportional. Erst das reifere\nAlter und zwar nur der geschlechtlich quieszierten\nExemplare verbürgt bei den Siderozoen die Ge-\nnießbarkeit. Jugendliche oder gar infantile Indi-\nviduen sind als unbekömmlich, unter Umständen\nsogar als giftig zu bezeichnen. Im übrigen ist ihr\nWachstum wie das unsere an Nahrungsaufnahme\ngebunden, nur sind sie hierbei ganz auf schwä-\nchere, jüngere Artgenossen beschränkt. Gesellig-\nkeitstrieb, was dasselbe wäre: Erotik, d. h. Hun-\nger läßt Kometen größeren Kometen verfallen.\nDas größere Gewicht hemmt die Flüchtigkeit der\nneuentstandenen Organismen, die man Satelliten\nnennt, und sie erliegen der anziehenden Kraft der\nPlaneten und werden von ihnen schließlich ein-\nverleibt. All das nichts als Etappen der Sonnen-\nbildung, Stationen auf dem Wege zum ausge-\nwachsenen Fixsterne. Nur die Sonnen lassen sich\nleicht fangen, da sie nicht liebe-durstig umher-\nirren wie die Jungen, sondern sexuell gesättigt\nund widerkäuend ruhig an einem Ort verharren,\nbis die Luftfischer unseres Kaiserreiches Mirabi-\nlien kommen und nach ihnen sehen. Dann spre-\nchen wir das Tischgebet und streichen uns die\nnahrhaften Körner wie Fischroggen aufs Brot . . .\nIn geringer Quantität sind sie ganz unschädlich, in\ngroßen Mengen hingegen rufen sie Cholera her-\nvor . . . Ich für meine Person vertrage ziem-\nlich viel. Sterne, in Essig eingemacht, munden\nmir wenigstens bedeutend besser als Schwarn-\nmerln. Die eßbaren Altersstufen selbstredend.\nUnd auch die darf nur verzehren, wer einen heilen\nMund besitzt. Sogar unzubereitet schmecken die\nkleinen, gustiösen Flammenbälle sehr pikant.\nFreilich: die Mitglieder des Tierschutzvereins\nschlagen Lärm, wenn man die armen Tierchen roh,\nbei lebendem Leib schnabuliert. Und die Vege-\ntarier gar erbjicken im Sternkonsum, in der Ver-\neinigung mit niedrigstehenden Geschöpfen So-\ndomie . . . Aber — Verzeihung dem Ausdruck —\nwer wird sich um die alten Weiber kümmern.\nWas unsern R. M. anlangt, so haben ihn der-\nartige Anwürfe nie treffen können, seiner Mama\nängstlich-nasale Laute: „Reggie! Paß auf, daß\ndu keine Planetoiden schluckst!\" hielten den\nFeigling ab, sich eine gewisse Fertigkeit im Stern-\nschlucken anzueignen. Wahrscheinlich glaubte die\nwürdige Dame, wie so manche Laien, diese\nPfefferkugeln seien den Nieren unerwünscht.\nVielleicht war auch in ihren famosen Speise-\ngesetzen dieses Nahrungsmittel verboten und ein\nRest von Antipathie zurückgeblieben. Ich weiß\nes nicht.\nDes schlappen Kerls reglementswidrige Furcht\nvor den Himmelsinfusorien wurde irgendwie noto-\nrisch. Und die Offiziere wollten einen derartigen\nTemperenzler nicht im Korps dulden. Niemand\nwird ihnen das weiter verübeln. Nur die Art und\nWeise, wie sie ihn abreagierten, war schon mehr\nals unkollegial.\nUnter dem Beistande des logischerweise ge-\nsinnungsverwandten Koches, der das fatale Nah-\nrungsmittel schlecht passierte, im Zeichen eines\nsymbolischen Termines, wurde von den Aufrech-\nten Mirabiliens die übelriechend-zertretene Min-\nderheit und Varietät in Mammuthbaum vernichtet.\nIn der Ehrenstunde unseres Repräsentanten,\nder 5% Jehovaleute und 95%. Andersgeartete zu\nvertreten hat, dessen Selbsterhaltungstrieb also\nmit einiger Notwendigkeit für die verschwindende\n-Minorität weniger übrig haben muß als für die do-\nminierende Masse seiner Stammesgefährten: an\nKaisers Geburtstag machte man Re-\nginald trunken.\nIn diesem Zustande fand er ein säuerliches\nGelee, eine verhängnisvolle Sternsauce, sehr plau-\nsibel. Der Unglückliche litt an chronischem\nRachenkatarrh. Die verschiedenen Sonnensysteme\ntaten ihm nicht wohl und ein Satellit, ein verdamm-\nter kleiner Mond, blieb ihm in der Kehle stecken.\nIn dem törichten Bestreben, dem Mammuthbaum\ndurch plötzlichen Schreck das Schlucken zu er-\nleichtern, nannten die Offiziere den Namen der\nSpeise.\nAn wunden Stellen mochte es schon früher im\nRachen nicht gefehlt haben, heftiges Würgen ver-\ngrößerte sie, und ließ die seltenen Gäste in die\nButbahnen eintreten, wo sie erfahrungsgemäß\ngiftig wirken. Namentlich wenn Trunkenheit ihre\nVirulanz steigert. Zu spät holte man mich. Ich\nlegte mein Ohr an Reginalds Thorax. Wenn Ba-\nzillen in Unsereinen einmarschieren, singen sie zu-\nerst ihre Volkshymne. Es ist ja ein Triumph für\nsie. Und auch diese hier produzierten sich in\nMammuthbaum: bei ihren Atembewegungen und\nUmschwüngen summten die Sterne in ihm — ihm\nund sich die Sterbegesänge.\nDie Krankheit dauerte relativ lang. Spät erst\ntraten die Vorboten der Agonie auf: er erzählte\nein Gleichnis, einen Witz zwei- oder dreimal ein\nund demselben Zuhörer. In normalen Fällen pfle-\ngen wir ein Individuum, das so weit ist, zu er-\nschießen, da es um so erinnerungslos-greise Hirne\nnicht schade ist und wir Gesunden unter zu oft\nwiederholten Leitmotiven wimmern. Man muß\nes demnach als ein Zeichen von Schuldbewußtsein\nauffassen, daß man ihn über diese Grenze hinaus\nzu erhalten befahl. Undl die nach seinem Tode\nherausgekommene gesetzliche Verfügung, laut der\nGestirne von nun ab nur auf ärztliche Anweisung\nausgefolgt werden dürfen, läßt sich ebenfalls nicht\nanders deuten.\nIch ahne es tief: man wird dieser scheinbaren\nAnklage wegen mich, den in vielen Feldzügen de-\nkorierten Stabschirurgen, mit Demokraten, Anar-\nchisten oder gar Judiäophilen in einen Topf werfen\nwollen. Das Gefühl der Pflichterfüllung wird mi~ii\nüber alle Anwürfe hinausheben.\nEs gibt nur zwei Wege. Entweder erläßt man\nwieder den Kultusgemeinden die Blutsteuer. Ab-\ngesehen von der erziehlichen Wirkung, welche die\nkomische Körperhaltung der semitischen Soldaten\nauf die restliche Mannschaft ausübt, verliert man\ndamit ein großes Quantum Kanonenfutter . . .\nOder aber, und dazu möchte ich einraten: man\nverbiete den jüdischen Trilliardären, wenn sie\nschon Adels halber wohltätig sein wollen, das\nGründen von Krankenhäusern für Konnationale.\nMan stelle nichtarischen Schriftstellern vorläufig\nden Betrieb ein. Man drohe Bibliotheksbenutzern\naus den Kreisen der Uebelnasigen mit der Todes-\nstrafe! Aus dem allgemeinen Entsetzen entnehme\nich so etwas wie Unverständnis. Faßlicher zu\nsprechen: Siechenhäuser ins Leben rufen, heißt die\nFolge bekämpfen, wo sich mit geringerem Auf-\nwände die Ursache entfernen ließe: einfach durch\nKreierung von Sportplätzen für die Patriarchen-\nstämmlinge.\nDie Regierung wird anfänglich meinem Projekte\nmit Mißtrauen begegnen. Wenn die Zionisten des\nUniversums die für sie charakteristischen Gesten\nund Körperlinien verlieren, muß das Ministerium\nbefürchten, bei den Wahlen die Stimmen der Sati-\nriker billiger Wirkungen, die Stimmen der Kari-\nkaturisten tiefstehender Rassen einzubüßen.\nDem gegenüber fällt ins Gewicht: es ist wahr-\nscheinlich, daß wir zu groß sind, um von den\nSternen und etwaigen schmarotzenden Bewohnern\nderselben gesehen und verstanden werden zu kön-\nnen. Dieses darf uns aber nicht abhalten, dies\nentbindet uns nicht der Pflicht, uns vor diesen\nimmerhin denkbaren Zuschauern anständig zu be-\nnehmen, unsere Tugenden vor ihnen zu entfalten\nund unsere Stellung als einzig-echte Bekenner\nwahrhaft humanen Christentums im Weltall von\nneuem zu kräftigen.\nIch verbitte es mir, in meinem Expose eine\nBeschuldigung erblicken zu wollen. Ich bin über-\nzeugt, daß der größere Teil unseres Offizierkorps\nder Art der Mißhandlung jenes Freiwilligen inner-\nlich ganz verständnislos gegenüber gestanden ist.\nUnterdrückte Klassen sind eben immer an sich\nlächerlich und man steinigt, man reagiert auf diese\nLächerlichkeiten absichtslos, rein instinktiv. Un-\nerlaubt ist es bloß, unterdrückte Völker in einem\nGrade zu demütigen, der dem eigenen Land ab-\nträglich ist. Diese Möglichkeit liegt vor, des-\nwegen erhebe ich meine Stimme.\nMit den Gesetzen der Biologie nicht Vertraute\nwerden behaupten, ich übertreibe. Das ist un-\nwahr, jedes Wesen weicht gern seinen Peinigern\naus. Und so liegt gegenwärtig bei den Stammes-\ngenossen Reginalds ein den Rekrutierungen unbe-\nkömmlicher Wille zur Degeneration vor. Ihre\nFüße besitzen bereits keine Trittfläohe mehr, nach\nder gewiß authentischen Klageschrift der Hut-\nmachergenossenschaft weisen ihre Lockenköpfe\nsonst nur bei Säuglingen übliche Dimensionen auf.\nSie wollen ihren Angreifern die ausgesucht kleinste\nZielscheibe darbieten, sie verflüchtigen sich, sie\nschrumpfen ein, sie ducken sich unter das Militär-\nmaß."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.3", "texte": "Gruss\nAlbert Ehrenstein\nWen ich, mich beugend, ehre, hasse ich.\nDenn grüße ich das Nicht-ich, sterbe ich.\nKnirschend zu sehen eine Welt, die nie\nzu mir wird,\nnie\nan mir zerbirst!\nO, nur im Traume ringe ich sie tot.\nUnd ewig wachsend saust ob mir das Schwert\ndes Grußes, Tod, das Nicht-ich, bis ich es.\nSieger auf Leichen thronen?! Ich nicht, Weg-\nwurf fall ich, meine Tage, ach, zermalmt\nsind Hufen eines Siegers, dessen Nahn\nröchelnd zu ahnen Atem in mich stieß.\n\nRimbaud\nAlbert Ehrenstein\nSchwingt urschwarzer Roch dem Land entbogen,\nstürmt die Erde Sonnendunkel,\nist er bald im Tod erzogen,\nSternziel, Gral im Weltforunkel.\n\nHildebrandslied\nVon Albert Ehrenstein\nEs wird berichtet, daß eine Stimme sprach\ngegen Iskandar Zualkarnain und ihm befahl, seine\nLenden zum Tode zu gürten und dem letzten\nKampfe entgegenzureiten. Und da er auf seinen\nReisen alle Gegenden und Menschen genossen\nhatte, sagte er vor sich hin: „0, blinder Sklave\ndes Geschickes, wohlan, freue dich endlich, denn\nnun wirst du erfahren, was nach diesem kleinen\nLeben sein wird.\" Also haderte er nicht mit jener\nStimme des letzten Befehls, sondern gebot seinen\nSklaven, ihm seine zwei Hörner wie zu einem\nFeste zu putzen und nachdem er noch vorsichts-\nhalber einen ganzen Wildesel verzehrt hatte, be-\nstieg er ein Eilkamel, um nicht zu säumen und so\nzu beleidigen den Ruf des ehrwürdigen Todes.\nAber seine Dichter, die Nachtigalleulen, begannen\nauf eine schöne Weise zu klagen und versuchten,\nsein gleichgültig schauendes Herz mit ihren gelin-\nden Traurigkeiten zu erfüllen und den der neuen\nSache Beflissenen wieder an die knappen Hab-\nseligkeiten des Lebens zu binden. Das Eilkamel\njedoch in seiner Weisheit erinnerte sich verzehrter\nDattelkerne und indem es den Dichtern den war-\nmen Mist des Lebens ließ für die rauhen Nächte\nder Zukunft, verschwand er mit dem König der\nZeit im Walde. Er aber sprach zu seinem Barte:\n„Nicht begreife ich die sachte Trauer der Gefähr-\nten meines Atemholens. Wenn ich ihnen entgleite,\nso können sie mich doch zurückhalten in den Bo-\ngen und Windungen ihrer schlangengleichen Ge-\ndichte. Ich aber habe es schwerer als diese Ge-\nzähmten: ich muß etwas tun. Nun habe ich einen\nganzen Wildesel gegessen, denn es ist nicht gut,\ndem Tod angstvoll und mit einem hungernden Ma-\ngen gegenüberzutreten. Sollte er mir nicht ge-\nfallen, so kann ich ihm wenigstens einiges ins Ge-\nsicht rülpsen, wie es sich für einen Herrn gebührt.\nDoch noch sehe ich hier niemanden, der mich töten\nkönnte.\" Indem er also seinen Unwillen auf den\nTod warten zu müssen, ärgerlich kundgab, erschien\nauf dem Wege ein weiser Wildkater und klärte\nihn sexuell auf: „Nicht dies ist der Weg zum Tode,\no König Zweihorn, du könntest allerdings, wenn du\nschneller ans Ziel gelangen willst, gegen die Bäume\nreiten. Aber du reite lieber diese zwei Wälder\nhier seitwärts durch und wenn du an der letzten\nLichtung meine Frau sehen wirst, so sage ihr, daß\nich sie noch heute besuchen werde.\" Da dankte\nder König dem liebenswürdigen Kater und als er\neinen halben Kamelritt weiter wirklich die Katze\nerblickte, grüßte er sie höflich und richtete seine\nBotschaft aus. Dafür belehrte ihn die Wildkatze\nfreundlich über die nahe Möglichkeit eines annehm-\nbaren Todes — nur eine Parasange weit!\nUnd als er sich über diese Strecke hinweg-\ngesetzt hatte, traf er richtig dort einen Mann, an\nStärke gleich einem ausgewachsenen Löwen.\n„Nächstens lasse mich nicht so lange warten\"\nbrüllte der Mann. „Ich bin dein Vater Rustan und\nda ich dich ins Leben gepflanzt habe, schickt es\nsich auch, daß ich dich töte.\" Begann auch so-\ngleich dem unpünktlichen Sohne die Hörner aus\ndem Kopfe zu drehen und Iskandar Zualkarnain\nehrte den Vater, getreu dem Gesetze des Prophe-\nten. Er wagte es nicht, diesen Tod am Barte zu\nzupfen, noch auch ihm den vorbereitenten Esel ins\nGesicht zu rülpsen. So benommen war er von den\nSchmerzen des Lebens.\n\nDie Filmlöwen sind los\nVon Albert Ehrenstein\nFrau von Berre — alabasterbleich glitzern ihre\nHände als hätte sie sie soeben mit echter\nDschelaleddin Rumiseife gewaschen und sie dann\neiner Manicure ä la Mucius Scävola unterzogen —\ndiese holdreizende Frau von Berre besitzt smar-\nterweise einen mondänen Wintergarten, dessen\nHauptattraktion ein Löwenkäfig ist, der in der\neinen Abteilung einen alten, gewaltigen Mähnen-\nlöwen, im Damencoupe zwei ebenso rastlos auf\nund ab rasende Löwinnen beherbergt.\nWenn eine Dame Löwen im Käfig hält, ist das\nweder grausam noch pervers — es deutet dies\neben eine andere Art und Sinnlichkeit an, als\nwenn sie einen Kanarienvogel besäße. Frau von\nBerre scheint mir so recht das filmeske Gegen-\nstück der Ibsenschen Frau vom Meere. Man\nglaubt, ein Film könne keine so tiefe Symbolik in\nsich schließen? Es kommt nur darauf an, daß\nihn jemand sieht, der das nötige Quantum Mystik\nhineinlegen kann.\nDer Löwenwärter hört auf den treuherzigen\nNamen Franz, aber er ist ein hinterhältiger\nSchurke, ein Apache der Apachen, würdig der\nEhrenmitgliedschaft jeder Maffia. Er quält und\npeinigt aus seiner Sicherheit heraus den ihm an-\nvertrauten Löwen, prügelt den Wehrlosen, der\nhinter dem Gitter nur fauchen kann wie eine Wild-\nkatze. Und doch ist es gefährlich, sich den Zorn\ndieses Löwen zuzuziehen. Man kann das furcht-\nbare, totdrohende Aussehen dieses Ungeheuers\nnicht besser schildern, als indem man jene Keil-\ninschriften zitiert, auf denen die Marduk-iddin-ahi,\nTukulti-ninib, Samsi-ramman sich und ihr groß-\nkönigliches Wild besangen. Wir danken einem\nunserer namhaftesten Assyrologen, Professor Dr.\nPaul Scheerbart, diese Ausgrabungen im Tempel\nvon Iharsagkurkurra, deren geradezu phantastische\nErgebnisse wohl noch allen in Erinnerung sind.\nAuf einer dieser Tontafeln verherrlicht der Patisi\ndes Assur, der große Dichter Nil-mirari den Herrn\nder Wüste folgendermaßen:\n„Wenn er vom Lager aufsteht, legt er sich\nnicht nieder;\nEr geht aus mit Gebrüll,\nSein Donner tötet die Nacht,\nSein Auge ist Blut, Mord seine Mähne.\nGiftig sind die Stacheln seines Schweifes,\nWo ist der Held, der ihm die Klauen seiner\nPranken beschnitte?\nWer nach dem Tode hungert, mag ihm nahen.\"\nEinen besseren Löwen sich zum Feinde zu\nwählen, heißt den Tod am Barte zupfen, bis der\ndie „Es ist erreicht\"-Fasson annimmt. Was trieb\nden Strolch Franz zur Löwenquälerei?\nMetaphysische Zusammenhänge tun sich auf,\nleiden Franz und der Löwe an akuter Metempsy-\nchose? Die Frage ist zu bejahen. Obgleich der\ngefangene Leu seinem Aussehen, seiner Varietät\nnach nur aus dem Maweralnaher, dem turkesta-\nnischen Zwischenstromland, stammen kann, heißt\ner nicht Abdullah Khan, sondern wie jener be-\nrühmte Sklavenführer: Spartacus! Ahnt man\ntiefste Verschlingungen? Es schnitzlert. War\nFranz einmal der Herr und Peiniger des Sklaven\nSpartacus, bis sich der Gequälte blutig an dem\nTyrannen rächte? Versucht Franz jetzt dem Lö-\nwen seinen früheren Tod heimzuzahlen?\nJedenfalls wird der menschliche Quälgeist in\nseinem viehischen Beginnen gestört, mitten in\neiner Geißelung des Löwen überrascht ihn die\nentrüstete Herrin und knallt dem Wärter eins mit\nder Peitsche ins Gesicht, enläßt den Wutschnau-\nbenden.\nSoiree bei der Frau von Berre. Wir sehen, mit\nwelch unvergleichlicher Eleganz Sieur de Mor-\nbihan dem Grafen Pallawatsch die Rechte reicht\nund wie dieser wieder dem Modedichter Salomon\nErdgeruch, dessen Dasein ein Enjambement ist,\neisig die keusche Hand umkrampft. So ist das\nLeben . . . Dann führt die Wirtin ihre Gäste zu\nden Löwenkäfigen, und die ganze Gesellschaft ent-\nfernt sich wieder — der Arie einer Amateursän-\ngerin entgegen. Aber man hat die Rechnung ohne\nden Franz gemacht. Der schleicht sich ins Haus\nund läßt die Löwen frei.\nUnd nun verdichten sich die Spannungen, er-\nreichen ihre Höhepunkte — eine kondensierte Ge-\nwitteratmosphäre legt sich keuchend über die\nDinge . . .\nIn einem reichen Kinderbett sitzt das junge\nTöchterchen der Frau von Berre, ein kleines, her-\nziges Ipünktchen, und betet innig bis achtzig . . .\nDie Löwen sind los und dringen ins Gesellschafts-\nzimmer, in einen Salon Louis XVII. Atembeklem-\nmende Flucht.\nAber der Löwe ist nicht mehr der König, höch-\nstens eine Vizekönig der Tiere, ein Präsident der\nTiere. Durch ihre zahllosen Erfindungen ist es\nden Menschen gelungen, die Tiere vollkommen\nzu entwerten, viele Rassen sind vor Gram über\ndiese Entehrung ausgestorben, andere, selbstmord-\nfernere durch die Menschen gewaltsam von der\nErdoberfläche verdrängt worden. Es ist weit ge-\nkommen mit den Tieren. Die Löwinnen, diese\nfeigen Hündinnen werden von einem Weibe in\nihren Pferch gejagt, das innig bis achtzig betende\nKindchen wird jählings gerettet. Aber auch dem\nLöwen, dem gewaltigen Abdullah Khan Spartacus\ngeht es im Zeitalter der Suffragetten nicht gut.\nDen Frauen sind heute bereits Revolver gewach-\nsen: ein Weib brennt dem männlichsten Tiere ein\nLoch, nein Löcher in den Pelz. Allerdings nicht,\nohne daß zuvor Gott eine Gelegenheit zu einer"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.4", "texte": "gerechten Strafe gegeben wurde. Spartacus ap-\nportiert den ungetreuen Franz und entseelt den\nLeichnam des Rachsüchtigen: pro domo et mundo.\nEin, für mein Gefühl, herzergreifender Ausgang...\n\nDer Ritter Rococo\nAlbert Ehrenstein (1902)\nDer Ritter Rococo\nritt auf seinem Pferde\nweit weg von seiner Burg,\nDer schönen, die da hieß Reim auf „erde\".\nWeit weg von seinem Weib,\nder schönen, die da hieß Reim auf „urg\".\nAls Rococo von seinen Buhurten\nkam, da winkte nicht sein Weib\nvom Söller mit dem weißen\nSeidentuche, der alte Reim auf „urten\",\nso hieß der graue Knappe,\nkam nicht entgegen, wie geheißen,\nbis zur dürren Föhre. Rappe,\ndas Roß, zog scheu den Weg\nzur Burg, der bleichen, todesstillen.\nDer Ritter dann sprang ab\nund eilte rufend seiner Fraue\nNamen seiner Säle Geheg\ndurch, durch Todesstillen.\nUnd an der kahlen Mauer ab :\neine Spinne sich Verhaue\nmachte, ganz dem Ort gemäß,\nund das allein der Ritter sah.\nUnd wieder eilte hin und her,\nder Ritter Rococo,\nschon nicht mehr klagend, seinem Sinn gemäß,\ndoch Tränenspuren viel man sah,\nwo sein rüstungswunder Fuß\nsorgend eilte hin und her.\nDoch endlich als zum erstenmal\nins Schlafgemach des Ritters Fuß\ntrat, lag so bleich und kalt und kühl\nwie Marmorstein die Frau im Pfuhl.\nUnd bald lag bleich und kalt und kühl,\nso sanft umschlungen mit der Frau,\nder Ritter Rococo.\n\nSpruch\nAlbert Ehrenstein (1904)\nSolang du noch Knabe bist,\nlieb es zu wandeln im Sturme,\nein leichtes Lächeln pfeife\nallen den Winden.\nUnd wenn dann,\nin immer anderen Orkanen\ndas Leben kommt,\nsiehe, dann wuchs es dich längst\nschlank und fest.\n\nHerbst\nAlbert Ehrenstein\nSchon sind meine Haare weiß:\naus der Höhe\nfällt die Zeit •\nin Tropfen mir\nauf meine Stirn,\nvon unten kommt\ndie Ewigkeit:\nschläft der Fuß,\nstarrt zu Eis,\naufwärts, bis der Tod im Greis\nZeit vermählt\nund Ewigkeit.\n\nFrühes Leid\nVon Albert Ehrenstein\nIch war kein Tierfreund, eher vielleicht ein\ntyrannischer Beobachter der Tiere. Seit jeher reizte\nes mich, diesen schwachen Wesen zuzusehen, mit-\nzuspielen, Herrschaft über sie auszuüben, da ich\ndie Menschen nicht knechten konnte. Ich ging ja\nin die Schule, war Sklave von Rohrstäben, Katalo-\ngen, Klassenbüchern und Zensurzetteln. Und da-\nheim saßen grausame Zieheltern, die meine Abnei-\ngung gegen das Leben nährten, indem sie mich\nstets zum Essen zwangen, zur Strafe mit den wi-\nderwärtigsten Speisen traktierten, wenn ich den\ngrammatikalischen Kram nicht wissenswert fand.\nDie Existenz von Schulbüchern war doch eine\nGnade meinerseits? Nein! man begnügte sich un-\nbescheidenerweise nicht damit, daß ich das Vor-\nhandensein derartiger Materien hypothetisch an-\nnahm, gelten ließ, ich sollte sie empfangen, die Bü-\ncher sollten in mich übergehen und ich Buch wer-\nden. Passte mir diese Besessenheit nicht, reagierte\nich auf solche Vernichtung meines Ichs sauer oder,\nwas meistens geschah: ließ ich mich auf derlei\nProvokationen überhaupt nicht ein, sah man in mei-\nnem Vorgehen alles eher denn Selbstbewahrung.\nMeine früh erwachte Aversion dagegen, Gedichte\nanderer Schriftsteller auswendig zu lernen, von ma-\nthematischen Formeln koitiert zu werden, diese\neminent männliche Eigenschaft hieß auf einmal\nFaulheit und man entleerte über mich ein Füllhorn\nvon Strafen.\nIch besaß eine kleine Kaninchenzucht. Gab ich\nmich mit Hühnern und Tauben ab, fesselten den\nVerwachsenen, der für seine Person Raufereien\nscheute und mied, die schonunglosen Kämpfe\nzwischen rivalisierenden Hähnen oder Taubern.\nBlutliebe war es, Freude an diesen ebenso form-\nstrengen als gefühlsheißen Duellen, die erbittert\nund unerbittlich bis zur Entscheidung ausgetragen\nwurden. Bei meiner Zucht, bei meinem Kult von\nübrigens unfreiwilligen Mitgliedern der Friedens-\ngesellschaft, den pazifistisch angehauchten Kanin-\nchen gegenüber hatte ich lautere Motive. Ich er-\ngötzte mich an rein vegetativen Prozessen, freute\nmich, wie die jungen Tierchen schnupperten und\ndann mit langen Froschsprüngen herbeieilten, um\nmir die Kohlblätter aus der Hand zu fressen. Aber\nKohl — der kostete Geld, ein paar Pfennige täglich,\nund die Fütterung und Wartung fraß Zeit, die ich\nnach Ansicht meiner Pflegeeltern besser an das\nStudium gewendet hatte. Ihr ewiges: „Hugo,\nlerne!\" scholl an mir vorbei, ich betrachtete die un-\nregelmäßigen Zeitwörter als Verbalinjurien und\nwußte mir etwas Besseres, als Verben reiten, kon-\njugieren: Kaninchen. Die waren mein Trost, halfen\nmir mit ihren Farben und Bewegungen über\nschlechten Ausfall der Schularbeiten und Mittag-\nmahle hinweg. Bekam ich. zu Weihnachten eine\nüble Zensur und wurde demgemäß statt jeden an-\nderen Geschenkes strafweise täglich diejenige\nSpeise aufgeführt, die ich am stärksten haßte:\nSauerkraut — und noch dazu in angebranntem Zu-\nstande — flüchtete ich nach Tisch zu den Kanin-\nchen. Und siehe da! es gab Wesen, denen die\nVerabreichung dieses Giftes, die Ausspeisung mit\nKrautblättern Glücksaugenblicke schuf, Wesen, die\nmir, dem göttergleichen Spender, durch ihr zufrie-\nden-geräuschvolles Mahl zu einigem Selbstgefühle\nverhalfen und nicht genug daran: sozusagen durch\ndie Vernichtung eines Teiles des Sauerkrautbe-\nstandes der Welt mir dankbar einen großen Dienst\nerwiesen.\nEs kam eine Zeit, wo ich mein Reich nicht ver-\nteidigen konnte und die Bacillen drangen ein. Mit\nden Bacillen meine ich nicht etwa die Erreger der\nWindpocken. Die machten sich nicht so breit, mit\ndenen wurde ich leicht fertig und wenn ich dennoch\nmich schwach zu fühlen vorgab, nicht aufstehen\nwollte, so lag das an dem: ich hatte wenig Lust,\nins äußere Leben zurückzukehren, in die Schule,\ndiesen Garten voll bitterer Kräuter, die — o boden-\nlose Verruchtheit — obendrein botanisch-lateinische\nNamen trugen! Das Kranksein bedeutete für mich\nsorgsame Pflege, Ruhe und Waffenstillstand und\nich kann sagen, ich machte häufig von Halsentzün-\ndungen Gebrauch. Wenn das Fieber geschwunden\nwar, sagte man wohl: „Liegend lesen schadet den\nAugen\", aber ich durfte eine Weile Lektüre treiben,\nwas mir sonst — schlechter Zeugnisse halber —\nverwehrt war. Der Arzt ließ mich gerne liegen,\ner verordnete sogar zur Behebung der allgemeinen\nSchwäche kräftigende und wohlschmeckend von\nmir bejahte Gerichte, vor allem Weißfleisch. Doch\nfür die Wirtschaft, für das Staubabwischen und\nAufräumen bedeutete mein Kränkelnwollen, mein\nZärtlichkeitsbedürfnis Hemmung und Ueberarbeit.\nWeißfleisch? Wozu Hühner kaufen, wenn herr-\nliche Kaninchen im Hause waren, Kaninchen über-\ndies, die, wenn man sie dem eigensinnigen Knaben\nins Bett geben mußte, sich unsauber betrugen.\nSonst zwar wurden Kaninchen nicht gegessen, aus\nEkel . . . aber ein wehrlos in der Genesung be-\ngriffenes Kind aus der Geborgenheit, aus dem\nsicheren Bett zu scheuchen, dazu war kein Mittel\nschlecht genug. Thyestes nährte sich vom Fleisch\nder eigenen Kinder. Atreus hat ihn damit brüder-\nlich bewirtet. Das ist noch gar nichts. Denn\nThyest war ahnungslos, wußte nicht, wovon er\nzehrte, wußte nicht, was er wieder zu sich nahm.\nAuch ich mußte die Geschöpfe essen, die mir am\nliebsten waren. Aber ich fühlte, was ich hinabzu-\nwürgen gezwungen wurde. Ich verschluchzte mein\nHerz. Anfangs sagte man, auf das Kaninchenfleisch\nweisend: dies sei Backhuhn. Als sie jedoch mein\ntiefes Wissen um diese Welt durch das Gerede\nnicht übertäuben ließ, hieß es, ich solle nicht so kin-\ndisch sein. Kindisch? Leichtsinnig hatte ich die\nKaninchen preisgegeben, verraten. In der Zeit, wo\nes mir beliebte, krank zu sein, wurden sie wenig\ngefüttert, gemordet. Da gab ich die Krankheit hin,\nstand auf, um die übriggebliebenen Kaninchen vor\nmeinen Zieheltern, vor den Bacillen, vor dem Tode\nzu schützen. So rief mich das Leben. „Hugo,\nlerne!\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.5", "texte": "Wanderers Lied\nAlbert Ehrenstein\nMeine Freunde sind schwank wie Rohr,\nauf ihren Lippen sitzt ihr Herz,\nKeuschheit kennen sie nicht,\ntanzen möchte ich auf ihren Häuptern.\nMädchen, das ich liebe,\nSeele der Seelen du,\nauserwählte, lichtgeschaffene,\nnie sahst du mich an,\ndein Schoß war nicht bereit,\nAsche liegt auf meinem Herzen.\nIch kenne die Zähne der Hunde,\nin der Wind-ins-Gesicht-gasse wohne ich,\nein Sieb-dach ist über meinem Haupte,\nSchimmel freut sich an den Wänden,\ngute Ritzen sind für den Regen da.\n„Töte dich\", spricht mein Messer zu mir;\nim Kote krieche ich,\nhoch über mir, in Karossen befahren\nmeine Feinde den Mondregenbogen.\n\nIm Lande der\nErotophilen\nVon Albert Ehrenstein\nIm Lande der Erotophilen fehlt es den Damen\nnicht an Gemüt, da sie die Wonnen, die auf die\nFortpflanzung gesetzt sind, an zwei Orten re-\ngistrieren können. Sind aber Weibchen gleich-\nzeitig zwei Befriedigungsmöglichkeiten geboten,\nverharren sie auch zumindest um die Hälfte treuer\nals die natürlicherweise unersättlichen, weil in\ndemselben Zeitabschnitte bloß auf eine einzige\nGefühlsquelle angewiesenen Frauen der übrigen\nMenschen.\nNichts ist denn auch ergötzlicher oder an-\nmutiger, als wie sie den zwei Männchen, die an\nihnen beschäftigt sind, zu gleicher Zeit Treue\nschwören und auch halten. Schon aus Ordnungs-\nliebe nämlich würde es keine von ihnen über das\nHerz bringen, dem einen dort Eintritt zu ge-\nwähren, wo bereits das andere einmal sich auf-\nhielt. Und unterscheiden sie sich durch diese un-\nschuldige Pedanterie sehr vorteilhaft von den-\njenigen Tieren, bei denen die Zitzen nicht behörd-\nlich numeriert sind, noch jedem Jungen eine be-\nstimmte angewiesen ist.\nIn vielen Städten dieses Landes hat die Polizei\nMitleid, und man kann die Weihnachten im Bor-\ndell verbringen. In anderen Niederlassungen wie-\nder gibt es zwar leibselige Fräuleinware, hingegen\nnur Einzelmasseusen, die höchstens tagsüber in\nden Warenhäusern massiert sind . . .\nWie Erotik überhaupt ist natürlich alle Weib-\nlichkeit von der Politik ausgeschlossen. Und\nzwar, wie einige aussagen, weil die Häupter der\nangeblich oppositionellen Parteien der Regierung\ndie dieser aus den Bewohnerinnen der öffentlichen\nHäuser und mehr Sekreten Frauenklöster notwen-\ndig erwachsen müssenden Stimmen mißgönnen —\ntischerweise Miguel . . ~ den hab ich ganz gern und\nandererseits die allen gemeinsamen Mädchen, nicht\nso selbstlos wie die Eisenbahnen, sich heftig da-\ngegen sträuben, für die Gewährung des Wahl-\nrechtes durch den Staatsbeamten zuzubilligende\nErmäßigungen sich dankbar zu erweisen.\nTrotzdem ist die Männerherrschaft nur eine\nscheinbare. Die Hochzeit wird während der\nersten Begattung geschlossen. Aber ein Mann ist\nja nie geneigter und schmiedsamer zu einer ihm\nso unmöglichen Sache wie es eine dauernde Ver-\nbindung ist, als bei jener freudenerregenden Amts-\nhandlung. Den Jungfrauen wird es daher klüglich\nvon der Sitte vorgeschrieben, im Augenblicke der\nUebermannung halb belustigt, halb wehmiitig-ent-\nrüstet: „Na, sowas!\" zu rufen, gleichgültig ob\ndas „Sowas\" durchaus erfreulicher Natur ist oder\nnicht. Auch noch in den ersten Jahren der Ehe\njauchzen diese Weiber während des Aktes gleich\nden Hereromädchen: „Ai di eluzi, da titta, titta!\"\nSpäter jammern sie wie die östlichen Jüdinnen:\n„Oi Aveh, wie wird mir!\" Bis schließlich die un-\nerträgliche Ehe von ihnen geschieden wird mit\nden zeremoniellen Worten: „So a angschissener\nBeutel!\"\n\nArbeitsteilung\nVon Albert Ehrenstein (1905)\nAh! Man gratuliere mir. Es hat mir nämlich\neiner eine Geschichte erzählt, erspar ich, eine zu\nflunkern. Mein würdiger Freund Doktor Michael\nScheibenstoß, zwischen manchen Gläsern Reben-\nsaftes, mundwerkte folgendes: „Es war einmal\nein Mädchen, und der dazugehörige junge Mann\nwar ich . . . bei einem feschen Mädel bin ich\nimmer dabei. Also, Vorname: Zizi, sechzehn\nFaust hoch, Taillenweite: dreißig Zentimeter,\nHandschuhnummer fünf, Füßchenlänge zwanzig\nZentimeter, mikrozephal . . . Ihre Seele brauche\nich also nicht weiter auseinanderzunehmen, dir\ngenügt, daß sie folgender Sorte angehört: im Bou-\ndoir Engelhornband aufgeschlagen, beim ersten\nKuß die eingelernte Entrüstung nebst Ohrfeige,\nbeim zweiten „Nicht doch!\", bei dritten „Hast du\nmich wirklich lieb?\", beim vierten „Bin ich\nschön?\", beim fünften — schon in meiner Woh-\nnung und unter echt weiblicher Hingabe nicht nur\nin das Schicksal, sondern auch in das Unvermeid-\nliche: „Das ist gut!\"\nSo hätt ich's machen können, aber ich habe\neinmal eine Neigung für das Extravagante, kom-\npliziere mir meine Fälle immer selber, finde, ein\nanständiger Mensch darf einem Mädchen nie in\nseiner Junggesellenwohnung oder gar in solchem\nHotel, einzig und allein in ihrem eignen Mädchen-\nbett darf er ihr beiwachen . . . Ergo küßte ich nicht,\nsondern anknüpfend an den Engelhornband — es\nwar einer mit verschämtem Augenaufschlag —\nknüpfte ich ein literarisches Gespräch an, das\nheißt, ich fragte sie natürlich, ob sie schon das\nDekamerone Messer Giovanni Boccaccios gelesen\nhabe. Merke dir: einem Mädel gegenüber sagt\nman immer „Messer Giovanni Boccaccio\". Wenn\ndu bloß „Boccaccio\" sagst, hast du verloren, sie\nwird sich nicht einmal die Mühe tun, rot zu wer-\nden, hierauf „mein Herr\" sagen und dich die Tür\nvon draußen bewundern lassen; sagst diu noch\nGiovanni Boccaccio, wird sie zweifelsohne vom\nRadium zu reden anfangen, wenn du aber „Messer\nGiovanni Boccaccio\" sagst, wird sie sich höchstens\nzu erröten getrauen. ,Resser\" . . . das klingt wis-\nsenschaftlich. . . . Richtig errötete sie auch, was\nich ihr selbstverständlich scharf verwies. Das\nRecht, zu erröten, hätten höchstens verheiratete\nFrauen, bei einem jungen Mädchen sei das ein Zei-\nchen von Blutarmut und mangelhafter Unschuld.\nPumpte ihr also den Bokkaz — selbstredend in der\nInselausgabe — anschließend daran die Gespräche\nder frumben Aloysia Sigaea, hierauf — du wirst\ndie Feinheit der Aufeinanderfolge zu würdigen\nwissen — die Geschichte der jungen Renate Fuchs.\nDen Schluß machte ich mit den Welträtseln, nach\nderen Verdauung ich so nebenbei zu ihr bemerkte\n— mit einer mich den Weibern immer so empfeh-\nlenden und naherückenden Unlogik —: „Es gibt kei-\nnen Gott, wir Menschen dürfen also alles tun.\" So,\njetzt war sie reif zur Liebe und ich ließ sie auch\nschleunigst darin maturieren . . . Ging nämlich zu\nihrei' Eltern eines Nachmittags hinauf — lach' nicht\nso dumm, du rätst viel zu plump — und bat die\nalten Leute, meine Lohengrinlöge zu übernehmen,\nich hätte am Abend eine große und dringende Ope-\nration .... Der Zizi aber versicherte ich, sie hätte\neine kleine Angina los . . . Oh, nichts von Bedeu-\ntung, aber wenn sie morgen zum Ball gehen wolle,\nmöge sie sich schleunigst ins Bett begeben ... die\nAlten akzeptierten dankend, ich empfahl mich, und\ngewissenhafter Arzt, der ich leider bin, begab ich\nmich am Abend zu dem Mädel, um es noch einmal\ngenauer und eingehender zu untersuchen . . . Die\nEltern wollte ich nicht gleich erschrecken, aber es\nkonnte ja Diphtherie sein . . . Na, es gab die her-\nkömmlichen Präliminarien . . . Von „Ich schrei\"\nangefangen über „Nicht doch\" ... die ganze Ton-\nleiter ward gewissenhaft abgeschnurrt . . . den Aus-\nschlag gab schließlich, daß ich ja Doktor bin . . . .\nMeine große und dringende Operation gelang —\nso darf ich mir schmeicheln — aufs Vollste. Schließ-\nlich bin ich ja Spezialist darin — ich arbeitete übri-\ngens wie gewöhnlich ohne jegliche Assistenz —\nund bei der Gründlichkeit, Sachkenntnis und Pflicht-\ntreue, durch die sich ja meine Operationen aus-\nzeichnen, war ein Mißlingen von vornherein aus-\ngeschlossen. Sogar meine kleine Patientin — der\nFall ist selten in einer rein ärztlichen Karriere —\nverhehlte mir ihre Zufriedenheit nicht, fand huld-\nvollste Worte der Anerkennung für mich: „Mi, du\nbist ein großes Schwein\" quietschte sie. „Hat mir\nnoch jede gesagt,\" dachte ich mir und antwortete\nihr wie den meisten: „Es ist so gut, mit dir Schwein\nzu sein.\" Das Pfeifen aber von Lohengrinmotiven\nverbot sie mir aufs strengste ... ja selbst viel spä-\nter noch, als ich sie einmal in meiner W'ohnung —\nnur beim erstenmal kaprizier ich mich auf das Mäd-\nchenbett — aus Versehn . . . mein Gott, ein Arzt\nhat soviel Patientinnen und Operaionen . . . „Elsa\"\ntitulierte und auf eine doch wirklich höchst depla-\nzierte Frage nach dem Hochzeitstermin, beim Autor\nbleibend, mit: „Nie sollst du mich befragen\", aus-\nkneifen wollte, da bekam sie irgend einen Wein-\nkrampf. Erst als ich zärtlicher und deutlicher\nwurde und sie unter einigem Streicheln an meine\nAuslegung Häckels erinnerte ... es gibt keinen Gott\nund also darf ich alles tun . . . und ihr zu verstehn\ngab, ich sei ein sehr moderner Mensch und huldige\nüberaus dem Prinzip der Arbeitsteilung, liebe zwar\nmit Vorliebe an Angina leidende Jungfrauen, das\nHeiraten aber und Kinder kriegen überließe ich\ngern andern . . . man müsse humanerweise auch\nden übrigen Menschen ein so schönes Weibchen\nein wenig zu gute kommen lassen ... ich wollte\nja recht gern, aber, mein Gott, die Prinzipien! und\ndann . . . überhaupt . . . ich sei nun einmal das\nHeiraten nicht gewöhnt, da erst ging ihr nach län-\ngerer Ohnmacht eine Seifenfabrik auf, deren Besit-\nzer sie auch, auf meinen bald darauf erfolgenden\nreinärztlichen Rat hin, pünktlich ehelichte ... Ich\nweiß nicht warum, aber ihren ersten und letzten\nBuben ... er heißt merkwürdiger- und roman-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.6", "texte": "tischerweise Miguel . . ~ den hab ich ganz gern und\nvon der Seifensiederei versteh ich fast schon mehr\nals ihr Mann, aber die Zizi hat sich leider den\nHäckel und die moderne Lehre von der Arbeitsein-\nteilung zu eigen gemacht, ja zu Herzen genommen\nund sie auf ihre, also eine jedenfalls total falsche\nund unlogische Weise ausgeiegt ... sie läßt sich\nschamloser- und humanerweise auch der übrigen\nMenschheit zugute kommen . . . und denk dir nur,\nein Konkurrent von mir, ein ganz gewöhnlicher\nKerl, ein gewisser Hans Zillinger, bildet ihr Supple-\nment, d. h. er teilt sich in die Arbeit mit ihrem\nMann: er hat Tagschicht, und der Mann hat Nacht-\nschicht und ich ha*b das Nachsehn und Seifensie-\nden . . . Um einen gediegnen Ehebruch bin ich ge-\nkommen, genieße bloß hie und da das leider, ach\nallzu wörtlich zu nehmende Gnadenbrot eines vor-\nzeitig eremitierten Hausfreunds . . . und um die\nKundschaft bin ich auch gekommen! O, alles kommt\neinem heim . . . ja, ja: Verlorne Liebe, verlornes\nLeben!\" Der starke Mann schluchzte. „Dieser\nherbe Rebensaft ist unter der Wiener Kritik und\njedem weitern Hunde,\" mundwerkte noch mein\nwürdiger Freund Doktor Michael Scheibenstoß er-\nklärend, dann erhob sich der brutale, stiernackige\nLackel und berühmte Operateur und ging still und\nin sich gekehrt und schwankend heim . . .\nMir aber ließ er eine klagende Sehnsucht zu-\nrück, auch etwas zu erleben, o, nicht so grobe und\nbrutale Dinge . . . nein, ich bin mit wenigem zufrie-\nden ... O, ich will ja nicht viel: gehn möchte ich\nbloß ein wenig neben dem Mädchen, das ich gern\nhab, und vielleicht mit ihr kleine Worte reden,\nihren Augenaufschlag sehn, atmen den zarten Duft\nihrer Wangen, bewundern das leise, weiche und\ninnige Ineinanderversinken ihrer lieben Lippen . . .\nWarum muß ich denn immer betrübte Hände\n•haben, daneben sitzen und neidisch zuschaun, wie\nandre den goldnen Schaum des goldnen Lebens\nköstlich schlürfen, schlückern, genießen, ach, was?\ngenießen? achtlos hinunterstürzen!\nAber ich weiß es zu wohl, Doktor Michael\nScheibenstoß, der berühmte Operateur, und ein\nganz gewöhnlicher Mensch, ein gewisser Hans Zil-\nlinger, und die Seifensieder der Welt arbeitsteilen\nsich in alle Mädchen . . . und ich gehöre zu den\nZwetschgen, die in keinen Knödel kamen ... ich\ndarf bloß Geschichten erzählen . . . und bekomme\nso gar nichts, denn ich bin ein Dichter, linkisch,\nschüchtern und scheinbar hochfahrend ... ein\nDichter bin ich und ein Geschichtenerzähler . . . der\ngoldne Glast des goldnen Weins, der schöne Strom\ndes schönen Lebens schäumt und fließt an mir vor-\nbei und ich darf davon bloß erzählen . . . Vielleicht\nschön .'. . darf kein Mitschwimmer sein und tän-\nzelnder Ueberschreiter des Niagara . . . bloß Sport-\nberichterstatter und tintenklecksender Beschreiber\nder donnernden Katarakte . . . Arbeitsteilung! . . .\nIm Gegenteil: man gratuliere mir nicht! ....\n\nVersuch einer Antwort\nVon Albert Ehrenstein\nGroße Unbilden haben die Ziegelschupferinnen\nund Mörtelweiber zu erdulden, denn nicht beför-\ndert sie der Polier zu einer auskömmlichen Stelle,\nehe sie ihm den Genuß ihres Leibes verstattet\nhaben. Sehr ergrimmt sind auch die Maschinisten:\nDie Adligen nämlich vermögen die Exhibitionen\nihrer Tapferkeit unter den Augen des Königs zu\nvollstrecken. Ein Edler watet durch einen tiefen\nund kalten Sumpf, erfaßt den Ansehnlichsten der\nFeinde mit den Zähnen und trägt ihn so vor den\nHerrscher. Die Gefahren der Heizer jedoch sieht\nder Fürst nicht und kann sie also auch nicht be-\nlohnen. Anderen vermag er nicht einmal zu helfen.\nSehet: sogar die Diebe beweinen vergeblich ihr\nSchicksal, indem sie auf die Aerzte, Rechtsgelehrten\nund Minister mit den Fingern zeigen. Den Dieben\nkann man leicht antworten und ihnen ihre Selbst-\nsucht beweisen. Das Benehmen eines Armen, der\nzu Reichtümern gelangte, ist nicht das Richtige.\nBei ihm und seinen Kindern ist noch das Ueber-\nraschende des Geschickes wahrnehmbar, erst in\nder dritten Generation bewegt er sich einwand-\nfrei. So ist denn auch nie einer durch eigene An-\nstrengung, Arzt, Rechtsgelehrter oder Minister ge-\nworden, die Vorzüge trefflicher Eltern und Ahnen\nwiirken in ihm, und er kann sich an die Krippe\nsetzen. Nicht also die Diebe. Sie lassen nicht\nihre Kinder und Enkel lernen, egoistisch wollen\nsie bereits in der ersten Generation stehlen und\ndaran gehen sie zugrunde.\nDie Sklaven aber gehen nicht zugrunde und\num ihre Beschwerden wissen sie nicht,, man gibt\nsie ihnen. Sie selbst nämlich schreien nicht, sie\nstöhnen nur und beklagen sich durch ihr übles und\nkaum menschenwürdiges Aussehen. An ihrer\nStelle verrichten vielmehr die roten Priester das\nGemurre. Diese wollen sich selbst durch eine hier\nund da veranstaltete Verlesung der Sehnsuchts-\nziele der Geknechteten aus der Schande der Ar-\nbeit in die Seligkeit des Nichtstuns retten. Den\nRedensarten solcher Drohnen läßt sich folgendes\nentgegnen: „Nicht ohne Opfer und Kampf rangen\nsich unter den Völkern der Erde die Menschen zur\nObmacht über die andern Tiere und Pflanzen.\nUnter den Menschen wieder kam keiner, ohne zu\nbezahlen, zu der ihm also teuren Macht. Um zu\ngoldhaltigen ErZen zu gelangen, mußten Moham-\nmed und Wallenstein die ältliche Witwe Kadidia\nheiraten, der erste österreichische Schwarzenberg,\nder noch bedeutend talentierter war, eine zweiund-\nachtzigjährige Dame. Wisset: auch die Vorvor-\ndern der Poliere und Könige mußten lange Zeit\nunten Frondienste leisten, damit ihre Nachkommen\nheiterer Ruhe teilhaftig würden. Auf daß ihre\nKindeskinder die Krumen unter den Tischen der\nKaiser sammeln, in ihren Händen vereinigen könn-\nten, Aelterväter der Grafen in belagerten Städten\nVorhungerer waren . . .\n\nHn?\nVon Albert Ehrenstein\nEin Rätsel hat mich überfallen, und ich weiß\nnicht, ob es mir schon gelang, es zu lösen. Die\nWelt starrt ja von Rätseln, doch meines dürfte das\nreizendste, dem rationalistischen Laster unzugäng-\nlichste sein. Ich will vollkommen human vorgehen,\nniemanden lange martern und lieber gleich sagen,\nwas mich vexiert. Es handelt sich um folgendes.\nGleichgültig, ob sie ein Augentrost sind oder extre-\nmen Alters: Viele Damen haben die Gewohnheit,\nihre Rede mindestens einmal in der Minute durch\nein vernehmliches „Hn\" zu unterbrechen. Dieser\nLaut wird nicht gesprochen, er wird hervorgesto-\nßen, aus tiefstem Innern herausgeholt. Wenn man\nmich fragt, was für eine Klangfarbe diese sonder-\nbare Interjektion besitzt, so ist zu erwidern: keine\nkonstante. Aroma und Gefühlswert des Hauches\nschwanken, es is bis jetzt noch keine bestimmte\nAussprache von „Hn\" vorgeschrieben ....\nWenn ich mit einer hübschen Dame bekannt ge-\nmacht werde, die empfehlen sollende Bemerkung\nfällt: „Sie hat deine Logarithmen gelesen, mein\nLieber!\" und ich höflich antworte: „Ich gratuliere\nIhnen, Fräulein, Sie sind sehr schön!\", wird sie je\nnach ihrer Stimmung auf eine bange, schmerzliche,\nverlangende oder befriedigte Weise „Hn\", seuf-\nzen ....\nMan frage ein kleines Dienstmädchen, ob die\ngnädige Frau zuhause ist. Es gehorscht der Epi-\ndemie, antwortet langgezogen, in Intervallen, die\ndas Aergste befürchten lassen: „Die gnädige. Frau\n. . . hn . . . ist zu . . . hn . . . sprechen.\"' Nun\nkönnte man zu dem Glauben neigen, gleiche Aeuße-\nrungen der Atemlosigkeit könnten in gleichen Lei-\nden ihre Ursachen haben, in einem nasalen, bron-\nchialen, hoffentlich aber in einem rein cordialen\nAsthma. Gefehlt. Die undifferenzierte Gesundheit\naller „Hn\" schmachtenden Wesen ist überwälti-\ngend. Und ein Psychologe bewies mir sehr scharf-\nsinnig, meine Vermutung sei die klägliche Folge\neiner gatnz kommunen Lautbildassociation: ich\nhätte bei „Hn\" an HN.. — Stickstoffwasserstoff-\nsäure gedacht. Unterbewußt natürlich. Er begann\nseine Hypothese zu deuten, supponierte meiner\nfrauenfeindlichen Asthmatheorie freundschaftlichst\nden Wunsch des Erstickens, den Damen erstickte\nWünsche, irgend einen verhaltenen psychophysi-\nschen Hunger. Ich erwiderte in meiner Unschuld,\nmein Beobachtungsmaterial bestehe zum Teil auch\naus mehrfach verheirateten Witwen und des py-\nthagoreischen Lehrsatzes beflissenen Schulmäd-\nchen. Er glitt über meine Beschränktheit lächelnd\nhinweg und erklärte schließlich apodiktisch, in dem\n„Hn\" stecke hauptsächlich hoffnungsvolle Furcht\nvor einem Ueiberfall. Ich war verblüfft über diesen\nhübschen Zynismus.\nDenn immerhin: andere, die ich konsultierte,\nmachten sich die Sache doch wesentlich leichter.\nDiese Unkomplizierten vermuteten billigerweise in\n„Hn\" eine Abkürzung für eine Telefonzentrale und\nverbreiteten sich über die oft Besessenheit hervor-\nrufende Kraft täglich gebrauchter, an sich sinnloser\nAbbreviaturen .... Und ich erhielt bald darauf\nmehrere unfrankierte Briefe, in denen ich auf eine\nwichtige Tatsache aufmerksam gemacht wurde.\nDie Stadtbahndampfer nämlich, die den stürmischen\nHalensee kreuzen, kann man nur mit Fahrkarten\nbesteigen, welche den ominösen Vermerk ..Hn\"\ntragen .■*\nEin schwanker Reiter, der den Tiergarten be-\nvölkerte und den ich meiner Affäre wegen anhielt,\nerblickte unter dem ärgerlichen Wiehern seiner er-\ntappten Stute das geheime Zeichen einer feministi-\nschen Verschwörung in dem rätselhaften Dipht-\nhong. Der Kerl riet mir, stets mit „Hn\" zu antwor-\nten und das Weitere abzuwarten.\n„Hn\" dürfte schon etwas feministisches sein,\nam ehesten eine mir vorläufig allerdings recht\nschleierhafte Form der Anknüpfung. Da ich aber,\ndem schlechten Rate folgend, lediglich mit einem\nunbefriedigten „Hn\" das Echo spielte, kam es leider\nzu keinerlei „Weiterungen\". . . . Höchstens zu\nFrozzeleien. Eine namhafte Altphilologin, die ich\ndirekt fragte, diese Pythia erkühnte sich, mir gegen-\nüber zu behaupten: „Hn\" . . . „dies ist ein Ausat-\nmen, noch nicht das Einatmen der Gharybdis\".\nDiese Interpretation war mir zu delphisch-symbo-\nlistisch. Ich beschwor die Gelehrte, mir genauere\nDaten über die Atemprozesse der Charybdis zu\ngeben. Aber diese Humanistin war eine ent-\nmenschte Schäkerin, sie sagte schlicht: „Trösten\nsie sich. Traun! Auch die Sphinx dürfte Hn ge-\nseufzt haben!\"\nUnter solchen Umständen blieb mir nur noch\nEines übrig: In meiner Not griff ich zu dem heute\nsehr selten angewendeten Tierorakel. Mein grauer\nKater, der kleine Marduk Sminthurnix ist d'a's für\nderartige Versuche prädestinierteste Geschöpf. Er\nstammt von den heiligen Katzen der Isis ab. Wenn\nman den Erzlügner glauben darf, standen einige"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.7", "texte": "seiner Vorfahren als Karnpfkater auf den Streitwa-\ngen der Priesterkönige von Cheta. Andere Ahn-\nkater hätten sogar beinahe im Froschmäusekrieg\ninterveniert\nIch interviewte Marduk mit einer unerhörten\nFixigkeit: ich las ihni einige meiner Manuskripte\nvor. Er schnurrte. Aber er hätte auch geschnurrt,\nwenn ich ihm nichts vorgelesen hätte. Trotzdem\nakzeptierte ich den Fingerzeig, der in dem Omen\nLag: Schnurren ist eine Selbstbejahung. Vielleicht\nist „Hn\" auch eine Selbstbejahung. . . .\nUeber die Zusammenhänge zerbrach ich mir\nnicht weiter den Kopf. Ich habe, durch Erfahrun-\ngen weise geworden, die Gewohnheit angenommen,\nim Traume alles zu finden, was mich im Wachen\nvexiert. Ich träumte den zu Unrecht vergessenen\nAusspruch des Imams Abu Hamfe: „Das Pfauen-\ntieisch ist relativ geschmackhafter als das der Dro-\nmedare.\"\nDes Rätsel Lösung! Der Name Hanife ist eine\nGleichung, die einerseits die fraglichen Consonan-\nten H.n — andererseits das Wort Fee enthält. „Hn\"\nscheint also wirklich eine Selbstbejahung zu sein,\nein Schnurren unserer Kätzchen. Ich wäre wohl\nfrüher den Damen hinter die Schliche gekommen,\nwenn ich gleich von Anfang an die heute nötige\nVorliebe für Abkürzungen, Siglen berücksichtigt\nhätte. So wahr C. d. W. die Abbreviatur für das\nliterarische Kaufhaus des Ostens ist, bedeutet „Hn\"\neine bündige Formel für „Hübsch, nicht?!\"\nWer hübsch ist, kann nicht die Frage sein (wenn\nman bedenkt, daß es Frauen sind, die diese Vermu-\ntung aussprechen).\nOder sollte ich mich doch irren? Ich harre der\nAufklärung. Hn ?\n\nPerpeh\nVon Albert Ehrenstein\nAestheten, Schutz suchend, Zuflucht und einen\nheiligen Ruheort, wie Hektor keuchend, fliehend\nvor einem immer stärkeren Leben, sehnen in-\nbrünstig das perpetuum stabile herbei.\nPaul Scheerbart will das perpetuum mobile.\nVergebens haranguieren die Ästheten ihren\newigen Juden, den Journalisten, vergebens läßt die-\nser wieder seinen ewigen Juden repetieren, „Alles\nschon dajewesen\" schnarren.\nAber Heraklit, nach Homer und Pythaigoras\nunter den Griechen Impresario des harmonischen\nKosmos, träumte gerade noch vom Nichts-als-Strom\nder Dinge, von den Männdern der Ewigkeit.\nEr sah, daß Alles gut war: navxa §ei — Alles\nist Rhytmus!\nDie Aestheten kauern natürlich erst vor ihrem\nsv xal 7iav— Es ist Alleseins!\nSie ahnen dumpf die kurzen Wirbeltänze ihres\nStaubes.\nDenn selbst ihr apotropischer Hokuspokus wen-\ndet sich gegen sie. Auch der rasendste Namens-,\nKostüm- und Wäschewechsel vermag sie nicht vor\nihrem Schicksal, dem in sie gesperrten Nichts zu\nbewahren: kein aus allen Himmeln gefallener Dä-\nmon „sitzt\" in ihnen.\nWie Danaiden rastlos, eitel waschen sie sich\nunaufhörlich mit Dscheläl-eddin-Rumi-Seife, um\nmystische Verse zu bekommen. Ausgeschlossen!\n112 *B sie nun instinktverlassen das Land der Grie-\nchen mit ihrer Seele suchen, oder als Grals-\nritter von der traurigen Gestalt einherirren: das ist\nwahrhaft Alleseins, Wiederkunft des gleichen\nNichts, da ja nur die Kostüme verschieden sind.\nNamen nennen? Tote töten ist Leichenschän-\ndung. Auch haben sie nie die Kraft gehabt, sich\nEigennamen zu erwerben, deutlich getrennt kom-\nmen sie nicht vor, Einzelexistenzen lassen sich bei\ndiesen Kollektivseelchen nicht einmal unter dem\nMikroskop nachweisen. Allesamt aber wissen sie\nnicht, wo sie stehen geblieben sind, diese Herde hält\nnoch immer ihr Dasein für eine nie wiederkehrende\nOkkasion in Kulturexhibitionen.\nIn Wirklichkeit erfährt es eine gewisse Berech-\ntigung erst durch posthume Ereignisse.\nDie Erde: eine überaus sparsame Hausfrau, die\nkeinen ihrer Küchenreste ungenutzt läßt, das will\nihnen absolut nicht in ihr Gehirnsurrogat.\nDoch nach Lukians unwiderlegbarer Behaup-\ntung war Horner während des trojanischen Krieges\nDromedar in Baktrien — jedem Hamlet unfaßbar\nwie der Gedanke, der Extrakt „Alexander\" könnte\nim weiteren Verlaufe der Ereignisse in die Lage\ngekommen sein, sich als Spund nützlich zu machen.\nWas für Bedürfnisse dann erst die Aestheten\nbefriedigen werden — dazu reicht keine Phantasie\naus.\nNicht genug an jenen „Grausamkeiten\" der Na-\ntur, die etwa ein Brillantinefläschchen, in welches\nder Friseur einen Arbeiter für zwei Kreuzer die\nFinger eintunken läßt, später zum Volksdramatiker\ndegradiert, die nicht sentimentale Strafe und Him-\nmelsbuße, im Gegenteil: nur eine von keiner Per-\nmutation zurückschreckende Stoffwanderung kennt\n— nicht genug an dem, nun brechen auch noch\nmenschliche Energiequellen in das stumpfe Vege-\ntieren der Traumsüchtigen. Ein Aufschrei: ihres\nDaseins heiliger Zylinder ist demoliert.\nEin tiefer Wille treibt das Genie, zu allen Wer-\nken der Natur sein „Das kann ich auch\" zu sagen,\ndrängt es, Stäbe in Schlangen zu wandeln.\nRings von Perpetuis umgeben, wartet es keiner-\ndings so lange, bis seine Instrumente infolge von\nAssimilation auch zu „Perpehs\" geworden sind,\nseine Ungeduld izwingt es, Perpetua künstlich zu\nschaffen.\nDie Natur kann nur ewiges zeugen, weil sie\nselbst ein perpetuum ist, der Mensch will es Un-\ngleich tun, endlich, endlich! ihr ein ewiges Besitztum\nentgegenstellen. Daß ein reicher, stets beweg-\nlicher Geist darauf verfallen muß, das perpetuum\nmobile zu geben, ist nur logisch; daß der schließ-\nliche Erfinder ewiger Werte nur der Dichterkaste\nangehören kann, ist mehr als logisch: man vermag\nes nachzufühlen.\nKommen muß den Schreibwerkzeugen der Tag\ndes Absehens vor so vergänglicher Dejekten, wie\nes poetische Erzeugnisse immer sind. Bewußt\nsprechen die orientalischen Märchen von Königen\nder Zeit! Von den kläglichen Dichtern der Zeit,\ndie Kronos nicht einmal zu verschlingen geruht,\nhöchstens mit dem Zahnstocher entfernt, uns zu er-\nlösen, dieses Kaugummi fiir Kronos aus der Welt zu\nschaffen, ist wohl nicht die Hauptabsicht Scheer-\nbarts gewesen.\nDer ewig Agile macht immerhin eine Maschine\nnamhaft, die vorläufig zwar pich ehrenvolleren\nAufgaben zuwenden, nach einigem Zureden aber\nauch dahin zu bringen sein dürfte, perpetuierlich\nzu dichten.\nNicht bloß zu dichten! Wir, gegen die seit\nAeonen, dünkt mich, der Umstand mißbraucht\nwird, daß alles, d. h. die Druckerschwärze, fließt —\nwir werden vielleicht auch dies noch erleben: die\nZeitungen werden sich selbst schreiben. Und selbst\nlesen!\nEs handelt sich nicht um Schlaraffenträume. Un-\nendliche Kräfte, zuvor an mechanische Arbeit\ngekettet, würden frei. Ist das perpetuum mobile\nwirlich das Anheurisma, an dem die Menschheit\nleidet?\nDie Löwenwürger, die Herkulesse unserer Zeit:\ndie großen Bazillentöter, auch sie roboten geduldig\nunter der Regierung des Königs Euristheus, sie sind\nzu sehr Menschen und Aerzte, mit einem Wort:\nsie denken zu beschränkt an sich und ihre Tat.\nStatt für die Bekanntgabe ihrer Zaubermittel po-\nlitisch Honorare zu verlangen, die geeignet wären,\nsie zunächst und vielleicht, vielleicht! auch andere\n(Danubien etwa von seinem gebenedeiten Vormund\nGrafen Elemer Eichentreu-Saprdek) zu erlösen.\nScheerbart, Ehrenbürger der vereinigten Mond-\nstaaten, ist kurioserweise so praktisch, ein Ding\nschaffen zu wollen, das an sich revoltierend wirken\nmüßte. Hat der große Verlag „Erde\" ihn uns dazu\neingesendet? Ihr hättet von diesem Großmeister\ndes literarischen Ulks gewiß eher ein Spinnweb,\neinen psychologisch-kosmischen Spaß erwartet;\neine Seelenkunde der Gestirne etwa, einen anato-\nmischen Atlas der Sternseelen. Aber Paul Scheer-\nbart ist ein perpetuierliches Perpeh, er überrumpelt\neuch mit einer so profan-irdischen Lappalie, wie es\nein perpetuum mobile ist.\nPaul Scheerbart: Das perpetuum mobile. Ernst\nRowohlt, Leipzig.\n\nDie rote Flamme\nVon Hermann Wagner\nAls Herr Theobald am nächsten Morgen er-\nwachte, drang durch die kleinen Fensterchen, die\ndie Schlafkammer erhellten, schon das grelle\nLicht eines verschneiten und sonnigen Winter-\ntages.\nEs war ein halb acht Uhr.\nWas sich noch nie ereignet hatte, war heute ge-\nschehen : Herr Theobald hatte den Morgen ver-\nschlafen. Herr Joachim war schon längst aus dem\nBette. Ohne ihn zu wecken, war er fortgegangen.\nHerr Theobald fühlte es: lautlos, verdrossen,\nverärgert, gar nicht, wie es sonst seine Art war.\nHerr Theobald fuhr rasch in die Kleider, wusch\nsich und trat in die Stube.\nFräulein Hermine schlief noch.\nSie War bis zum Kinn hinauf zugedeckt, ihr\nGesicht war der Wand zugekehrt.\nAuf den Stühlen ringsumher lagen zerstreut\nihre Sachen: ihr Mieder, ihr halbseidener Unter-\nrock, ihre Strümpfe und ihre Bluse.\nIhr Rock war quer über den Tisch gelegt.\nHerr Theobald nahm den Schlüssel und gint\nlautlos in den Keller nach Kohlen.\nIn wenigen Minuten prasselte im Ofen ein lusti-\nges Feuer.\nEr brachte sodann aus der Kammer das Wasch-\ngestell herein, füllte die Schüssel mit frischem\nWasser und legte daneben Handtuch und Seife.\nDas Kaffeewasser auf dem Ofen fing schon an,\nzu kochen. Die Stürze auf dem Topfe zitterte\nund surrte leise.\nAls Herr Theobald sich eben anschickte, den\nKaffee zu mahlen, tat Fräulein Hermine einen lan-\ngen Seufzer, dehnte sich, drehte sich herum und\nschlug das erste Mal die Augen auf.\nSie fand sich erst nicht zurecht. Dann er-\nkannte sie Herrn Theobald.\n\nFortsetzung\nFortsetzung folgt in nächster Nummer\nVerantwortlich für die Schriftleitun*:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen von\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durefe\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zefie\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verl & t,\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich den- Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\ngegeniiber der von der HeydtstraBe\nFahrgelegenheit: Liitzowplatz\nElfte Ausstellung\nG. Miinter\nQeoffiiet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von\n19—2 Uhr\nCintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nZwolfte Ausstellung\nR. Delaunay\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Fur Deutschland\nund Oesterrcich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\ni Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fiir das Ausland bei\ndirekter Zusteliung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Roll en direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEm Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndteser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthamllungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken und StraBenstSnden\nauf\n' , • , • : H I • ; ? rT \"f ? O |P 1 ' \"\nFalls direkte Zusteliung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Besteilung oder bei\nBeg inn des neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\n♦\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnftt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom KunstJer mit der Hand aquarel-\n\niiert, sigwiert und nsraeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n/Tiger / Pferde (Hoehformat) / Original-\nholzschnitte / je 10 Exemplare vom Kiinstler auf\nJapanpapier handgedruckt, signiert und numeriert\nI Das Exemplar 40 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nRichter-Berlin: Landschaft mit hollandischer Muhle\n1 Landschaft mit Bockmithle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kindern / ie funf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier / Das Exemplar 25 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: P 1 a k a t fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von Arno Holz / Fiir Qesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\n\nZeitschriften\nDie Aufnahme crfolgt kosteiilos nach freicm Ermessen\nder Redaktion dieser Zeitschrift\nLTffort Libre / frtiher L'Effort / Monatsschrift !\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'Ind6pendance / Halbtnonatsschrift / Ktinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Allier]\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). Jahrlich M. 12.60 / Prag I / Bellevue\n/ Franzenquai 20\n\nAnzeigen\n\nNeue Kuiist Hans Goltz Munches, Ode-\no 11 s p 1 a t z 1 I Van Qogh bis Kandinsky / Die\nQraphische Ausstellung enthalt zurzeit Brang-\nwyn I Hodler / Lieberrnann / Munch I\nSchmutzer / Slevogt / Zoir / Zorn and\nandere / Illustrierter Katalog der ersteji Aus-\nstellung 50 Pfennig / Sammler wollen- mir ihre\nWiinsche stets iibermitteln / Auswahlsendungen\nbereitwillig\nDer neue Kunstsalon Miinchen, Konigiiistr. 44\nMonatlich wechselnde Ausstellungen M&derae\nModerne Malerei, Graphik, Plastik, Kunstgewerbe\n(Expressionisten) Kokoschka / Picasso\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein-\nPassive Mitglieder der Neuen Sezessicm\nerhalten j$hrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugesteilt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Stejc-\nlitz, Miquelstrafie 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschniacks- und Aroma-Vorzilge\nbesten coffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fiir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandier und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgesch&ft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Bticher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung /' Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nReuB und Pollack / Buchhandlung und Antiqaa-\nriat I PotsdamerstraBe 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmefdungan\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin auslandischer Literatur\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraSe 94.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne B«cheinbamlft\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,.\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir BerMn\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425"}]}