{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_sha256": "8c76db252178ffa46859e4f2d5e1a255a9fce63574b013e95a6740829d77a0b8", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/01_02/bmtnabg_1913-01_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/01_02/bmtnabg_1913-01_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "253", "page_fin": "253", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.1", "debut_caractere": 279, "fin_caractere_exclue": 695, "texte": "Inhalt:\nDr. S. Friedlaender: Präsentismus / Gottfried Beim: Nocturno / Grete Tichauer: Flimmerndes Mädchen / Paul Zech: Reiteriiedchen / Manfred\nAdam: Gedichte / Robert Delaunay: Ueber das Licht / Hermann Wagner: Die rote Flamme / Alfred Richard Meyer: Märzlich den Kurfürstendamm her-\nunter */ Empfohlene Bücher / Franz Marc: Die Hirtin / Originalholzschnitt / R. 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Wenn Menschen mich\nverstehen wollen, müssen sie sterben, vernichtet\nsein wie ich, indifferenziert. Ich bin der, auf den\nder Mensch wartet, ohne daß er es deutlich weiß.\nWelcher Hohn! Diese Schwachköpfe und dum-\nmen Herzen, diese Mensch genannten Impotenzen\nbilden sich ein, sie würden mich erkennen, wenn\nich erschiene! O nein! Ich erscheine keinem Men-\nschen, nur meinesgleichen. Ich bin die Indifferenz,\nder Mensch ist mein Spielzeug, die Zeit ist das\nTriebrad meiner Ewigkeit, meiner ewigen Gegen-\nwart. Ich bin präsent, Menschen waren oder\nwerden: ich bin und spiele mit War und Werde.\nIch bin das lebendige Nichts, das mit dem gesam-\nten Augenschein bis ins Getast hinein differen-\nzierend spielt. Ich habe alle Gegensätze in\nmir annulliert und bin ihrer deshalb von außen\nmächtig: denn alle bedürfen mich und können ohne\nmich ihr Spiel nicht treiben. Mein inneres Nichts\nist die Synthese der Welt, worin ihre gesamte\nAntitbetik persönlich identifiziert ist. Ich hieß als\nMensch Friedrich Nietzsche und starb an den\nVerdauungsbeschwerden, die mir die Menschen\nverursachten. Der Berufungstitel zur Entmen-\nschung kam an einen Juden. Ich spürte lange die\nPrädestiniertheit der Juden, deswegen iiidifferen-\nzierte ich einen Juden. Diese innerlich uner-\nmeßlich aristokratischen, von außen aber zerrisse-\nnen, bespien eil, gekreuzigten, verbrannten Wesen\nhatten damit die Prädisposition zu mi r erlangt.\nIch bin der Herrscher, während es Manche\nscheinen, weil ich es bi n. Ich herrsche, weil\nich der gemeinsame neutrale Schwerpunkt aller\nverschiedenen Gewichte bin. Ich herrsche, weil\nich innerlichst persönlich die Zentralisation aller\nmöglichen Zweifel und Dogmen bi n. Ich bi n\ndiese Wahrheit der Indifferenz. Was der Mensch\ngar nicht schätzt, das Nichts, das habe ich in\nmir als das Nichts aller Unterschiede personifi-\nziert und inkarniert. Folglich herrsche ich un-\nfehlbar und unbedingt, und man gehorcht mir,\ngleichviel ob positiv, ob negativ. Ich kenne kein\nJa, kein Nein auße r einander, das ich nicht\nebenso kraftvoll i n mir verschmelzen könnte:\nich bin die Neutralität in eigener Person, durch\nmich kommuniziert alle Welt, ich bin der soge-\nnannte „Kuß der ganzen Welt\", Schließe an der\nWesenskette. Ich bin keine Vernunft, aber des-\nhalb alle: weil ich das indifferente Zentrum aller\nVernunft bin, das neutrum aller Logik, die logische\nNull! Erst von der „Aufhebung\" aller Gegensätze\naus habe ich die Herrschaft über alle erlangt.\nAls ich auch noch das Ich, diese Menschlichkeit,\naus meiner Person warf, erhielt ich es nur als\nihren Spielball zurück. Ich lache über die größ-\nten Menschen wie über kranke Affen und när-\nrische Antizipationen meiner selbst; weil ich noch\nüber mich selbst lache — ich bin das kaiser-\nlich e Nichts: nicht die negative Null, son-\ndern die neutrale mediale indifferente, die ich per-\nsonifiziere und mit der ich wäe als Stern im Chaos\naller Negationen und Positionen tanzen kann.\nKraft dieser radikalen Reinheit meiner Person\nvon allen differenten Bestimmungen herrsche ich\nüber alle differenten Bestimmungen. Meine In-\ndifferenz ist als neut r a 1 e Quintessenz\naller verschiedenen Wesen das Kostbarste von\nallem, ich verschwende an jedes aus dem uner-\nschöpflichen Quell dieses Nil. Ich bin das Kind,\ndas seine Eltern erzeugt. Ich bin herz- und ge-\nwissenlos: nicht wie ordinäre Menschen im nega-\ntiven Verstände, sondern im neutralen Doppcl-\nverstande. Ich bin herz- und gewissenhaft: nicht\nwie ordinäre Menschen positiv, sondern negativ-\npositiv, also neutral. Ich führe die — per-\nsönliche neutrale Größe in alle Welt\nein. Ich beweise, daß nicht der „Wille frei\",\nsondern daß der indifferente Wille, die neu-\ntrale „Seele\", die „vernichtete\" Person — all -\nmächtig ist: alles menschliche Dynamit ist\nSchnupftabak gegen ihres! Ich bin der"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 192, "texte": "Geist, der stets vereint, ich bin doppel-\nzüngig mit neutraler Zunge wie Orakel. Ich bin\ndie Sphinx, die ihr eigenes Rätsel gelöst hat.\nIch bin.\nAber der Dr. S. Friedlaender ist mein Großmaul."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c003", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "253", "page_fin": "253", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.2.1", "titre_corps": "Franz Marc: Die Hirtin / originalholzschnitt", "titre_sommaire": "Franz Marc: Die Hirtin / originalholzschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.1", "debut_caractere": 5060, "fin_caractere_exclue": 5104, "texte": "Franz Marc: Die Hirtin / originalholzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "254", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.3", "titre_corps": "Nocturno", "titre_sommaire": "Nocturno", "signature_source": "Gottfried Benn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.2", "debut_caractere": 194, "fin_caractere_exclue": 3204, "texte": "Nocturno\nGottfried Benn\nAnni ....\nDa ging er zu Bekannten. Ein Mann und eine\nder Mann spielte. Sein Kopf hing aus einem\nUrwald hervor. Um seine Arme wanden sich dicke\nfeuchte Ranken.\nDie Frau lag vor ihm. Sie hatte Netze von\nblauer Mütterlichkeit über den Augen. Das tat\nihm wohl, der er nicht hatte, wo er sich bergen\nsollte. Dann sah er auf ihr Haar. Das war frucht-\nbar,. schwer, der Liebe gehörig- Ein Reif darin\nsang rauh aus grünen Steinen: wie sind die Nacken\nder Frauen so sanft!\nDa sah er sie und ihren Mann sich begehren und\nstillen, und wie hernach die Erde gegen sie wuchs\nund sie an sich nahm und trug, und die Nacht, die\niiber sie sank.\nDa durchstach ihn seine Einsamkeit. Da krümmte\nihn ein Schmerz. Da fühlte er seinen Leib dürr,\nkrank geschlagen, mit einer lächerlich großen\nWunde. —\nNun fühlte er sie stärker noch als schon den\nganzen Tag und alles, was er verloren hatte: die\nganze wehende Süße, wenn sie neben ihm geschrit-\nten war, der Stirne prunkende Gebärde, das Haar\n— oh nicht zu denken an dies Haar!\nDie Zähne schlugen ihm aufeinander. Er sah\ndies Haar sich vor einem andern Manne öffnen. Der\nstrich darüber. Das war es nun. In Ober-Italien\nwürde es sein. Auf den Borromäischen Inseln viel-\nleicht. In einem Hotel: die Tür zum Balkon stand\noffen und ließ die Nacht herein und das Meer.\nEr hörte einen Schrei. Die ganze Erde schrie,\nals es dann geschah. Ein Röcheln war es wie aus\neinem fernen Untergang. —\nDa erhob er sich und ging. Wenig Menschen\nkamen. Ein Fräulein kam mit Ohrringen. Wohl-\nwollen heischend war die dunkelrote Form von\nihrem Hut. Ein Trupp junger Männer kam. Froh,\nlaut, voll beruflichen Ansehens, denen wenig fehl-\nschlug. Sie lachten und waren vorbei. —\nDann war er im Walde. Noch einmal überfiel\ner ihn: zu fliehen und zu reisen. Ägypten lag ihm\nsehr am Herzen. Asien dämmerte auf. Häfen,\nMöwen, braune Kutter waren da; weißer Oleander\ndie Ufer hoch.\nWas aber dann, sagte er sich? dann? Ueberall\nwürden Städte sein, in denen sie nicht war. Man\nkonnte Meere durchfahren und sie blieb doch ver-\nloren. —\nDann ging er weiter.\nNun trug er sie zum letzten Mal durch den\nAbend, an den schlafenden Wassern vorbei. Er\nlabte ihre Lippen mit der Süße des hellen Mond-\nlichts. Er gab ihr von den zarten Nebeln an die\nSchläfen. Um die Schultern tat er ihr das Weiche\naus den Wölbungen der Uferwälder gegen den\nhellen Nachthimmel.\nDann stand er still. Entkleidete sich. War nackt.\nNun schöpfte er mit den hohlgebogenen Händen\ntief von unten an sich empor bis über die Stirne,\nals höbe er etwas aus sich hervor: wie lange trug\ner sie nun schon als das Liebste in seinem Blute;\ndas Schönste, das an ihm war; Fernstes, Weiches,\nVerborgenes, Brüderliches: sie.\nDas hielt er nun in die Höhe. Bewegte leise die\nHände. Streute es in die Nacht wie Staub, wie Ge-\nruch, wi eine Wolke.\nGanz, ganz leise regte er die Hände. Mit einer\nletzten schluchzenden Zärtlichkeit. Mit fast ge-\nschlossenen Augen, als fühlte er, wie es entwiche.\nDann fanden die Hände und taten ihr letztes\nWerk. —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "254", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.4", "titre_corps": "Flimmerndes Mädchen", "titre_sommaire": "Flimmerndes Mädchen", "signature_source": "Grete Tichauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.2", "debut_caractere": 3206, "fin_caractere_exclue": 3558, "texte": "Flimmerndes Mädchen\nGrete Tichauer\nAls das ganze Zimmer voll Sternen war,\nzog sie sich aus;\nstand nackend und lachend\nmitten drin da\nin Sternen..\nOben haschten ihre Finger\nden kleinsten nach;\ngrößre flirrten und stiegen\num wiegende Glieder\nHüfte und Knie.\nSilbern im Silber des Raumes;\nin Sternen.\nSie tanzte des Arsten Sterbens\nKlingenden Himmelstanz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c006", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "254", "page_fin": "255", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.5", "titre_corps": "Das Reiterliedehen", "titre_sommaire": "Das Reiterliedehen", "signature_source": "Paul Zech", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.2", "debut_caractere": 3560, "fin_caractere_exclue": 7941, "texte": "Das Reiterliedehen\nVon Paul Zech\nI.\nDa lag ein Dorf in der Nähe von Möns. Immer\ndas Bahngeleise entlang mußte man gehn. Eine\nhalbe Stunde vielleicht. Es gab aber auch Leute,\ndie ;rtur zwanzig Minuten dazu brauchten. Jenach-\ndem.\nDas Dorf war unansehnlich und hart. Denn keine\nVorgärten lagen protzig vor den Häusern. Und auch\nkein Springbrunnen stand auf -dem Marktplatz; nur\nein großes hölzernes Kruzifix.\n-Aber eine Kirche hatte dieses Dorf und eine\nSchule.\nDie Schule war krumm und blind wie ein Kriegs-\nveteran. Und auf dem Kirchturm nistete eine\nStorchfamilie.\nUnd genau vierundzwanzig Häuser waren noch\nvorhanden. In dem ersten Hause wohnte der\nPfarrer mit dem Meßdiener. Es war ein großes\nweißes Haus. Auf den Fensterbrettern standen ein\npaar Blumentöpfe und dicht dahinter hingen blaue\nGardinen herunter.\nDas zweite Haus gehörte dem L>nrer und das\ndritte dem Maitre. Beide Häusei hatten grüne\nTüren und flache Dächer.\nUnd dann kamen noch zwanzig Häuser, die\nwaren alle wie ei n Haus: schwarz und torfge-\npicht und vor* den Fenstern lagen Misthaufen: Auf-\ngehäuftes von Ziegen und Schweinen und Kanin-\nchen.\nDas vierundzwianzigste Haus war auch schwarz\nund torfgepicht. Aber statt des Düngerhaufens lag\nimmer ein Kind in der Sonne. Und in der offenen\nTür, die zweiteilig war, stand die Frau Huysmanns\nund strickte.\nJean Huysmanns, ihr Mann, war ein Steiger.\nJeden Morgen um fünf fuhr er auf dem Dreirad zur\nGrube. Und er kam erst nach sechs Uhr abends\nwieder zurück auf dem Dreirad.\nEr aß dann und trank wie einer, der viel arbei-\ntet. Und nach dem Essen ging er gleich zu Bett.\nManchmal küßte er auch die Frau noch ehe er\nschlafen ging. Wenn er ihren versteckten Mund\nsah und die Augen, sagte er immer wie aus der\nFerne: „Liebe Madelaine!\"\nUnd sie kräuselte die Lippen und küßte ihn. Und\nein Kater strich schnurrend an ihrem Fuß. Nach\neinem Weilchen stiegen sie dann zu zweit ins Bett.\nUnd als eines Abends Jean Huysmanns wie-\nderum Frau Madelaines Mund suchte und die Au-\ngen, und ein ganz klein wenig näher „Liebe Ma-\ndelaine\" sagte, nahm sie seine Hand und zerbrach\ndarin etwas.\nUnd Jean kam noch ein wenig näher und\nmeinte: „wir könnten uns doch gut einen Kostgän-\nger halten!\"\nDa schoß ihr Mund aus dei Tiefe empor, wie\nwenn sich eine kleine, süße Muschel öffnet. Und\ndie Augen streckte sie wie zwei Fühler aus. Ein\nLachen war darüber gespießt, das war rot wie\nein Herz. Und er war ihres Mannes Herz.\nII.\nAm andern Morgen, kurz vor dem Mittagessen\nkam der Kostgänger. Er reichte der Frau die\nweiche rotfleischige Hand wie ein Bekannter und\nsagte: „Der Huysmanns schickt mich. Stappen,\nLeon Stappen ist mein Name.\" Und die Frau ließ\ndie warme Hand langsam entgleiten und nickte.\nDer Kostgänger wollte gleich seine Schlafkam-\nmer sehen. Und als sie ihn die Treppe hinauf-\nführte und das Zimmer aufriegelte, wo ein frisch-\nbezogenes Bett sehr breitbeinig stand, dachte Frau\nMadelaine: er wird fünf Jahre jünger sein, denn\nJean. Und sein Haar ist ganz anders. Er wird ein\nVlame sein. Vielleicht aus St. Amand wo meine\nSchwester wohnt.\nDa Leon Stappen sich umwandte mit blitzenden\nZähnen, meinte Madelaine schlicht: „nun wollen\nwir essen. Ich habe Kohlrüben gekocht mit Ham-\nmelfleisch. Jean muß jetzt Aufgewärmtes essen.\nIch habe sonst immer des Abends die Mittagskost\ngekocht\".\nEr verzog gleichgültig den Mund und trommelte\nmit den Lippen so wie Huysmanns, wenn er Sauer-\nkraut mit gegessen hatte. Aber diese\nLippen sagten etwas anderes.\nDann gingen die Zwei hinunter und aßen. Und\nnach dem Essen holte Madelaine das Söhnchen aus\nder Kammer und hielt es dem Kostgänger hin.\n„Das ist Pull!\"\n„Ja das ist Pull!\"\n„Vier Jahre wird er im Herbst und dann be-\nkommt er Hosen an und ein Pferdchen wird ihm\nVater kaufen.\"\n„Ja, ja ein Steckeripferdchen werde ic h ihm\nkaufen\" sagte Leon Stappen und nahm den Buben\naufs Knie und ließ ihn reiten.\nEine ganze Weile ritt das Söhnchen so auf dem\nKnie des Kostgängers.\nUnd Madelaine stand mit dem Rücken am\nFenster und wiegte den Kopf zu diesem Liedchen,\ndas Leon Stappen achtlos vor sich hinpfiff. Von\nihrem Scheitel standen ein paar ganz feine Härchen\nin der Sonne und leuchteten wie Stahlspitzen.\nAber es war kein Reiterliedchen, das der Vlame\npfiff.\nUnd ganz plötzlich hatte Madelaine das Gefühl,\nals ob jemand ihren Kopf zwischen zwei weiche,\nrotfleischige Hände nähme und den Mund aus\nseinem Versteck wie mit einem Pfeifchen lockte."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7223, "texte": "Und es war Leon Stappen, der so pfiff und das\nSöhnchen noch immer auf und nieder wippte mit\ndem Knie. '\nLeon Stappen ließ den Buben wippen und\ndachte, ohne Madelaine anzuschauen: wie hübsch\nsie aussieht, nun sie da vor dem Fenster steht. Und\nihre Haare sind so blau wie polierter Stahl. Und\nihre Brüste sind rund und fest. So rund, als hätte\ndiese Frau nie das Söhnchen geboren.\nUnd Madelaine stand am Fenster und hatte noch\nimmer die weiße, knittrige- Latzschürze vor.\nEin Brummer stieß sich -an die Scheiben und\ndraußen auf der Landstraße tuckte ein Hahn die\nHühner herbei.\nDa ließ der Vlame den Knaben plötzlich fahren\nund richtete sich auf.\nMadelaine erbebte am ganzen Körper wie eine\njunge Magd, die den Liebsten kommen hört.\nHalb ärgerlich, als merkte er daß sie ihn an-\nstarrte, wandte er sich zur-Tür und warf sie ins\nSchloß. Die Bodentreppe knarrte laut auf unter den\nharten Schritten. :\n\"Und M'a delai ne s Kle i d wu rd e sc hwa rz un d\nfrostig wie 'das Gewand einer Witwe. Und ihr\nHerz fiel herab und tat einsamere Schläge.\nUm die Vesperzeit betrat Leon Stappen unbe-\nrufen dife Stube: Das Söhnchen war draußen auf\nder Gasse. Und der Kater lag zusammengerollt\nauf dem Söpha.\nMadelaine goß dem Vlamen den Kaffe in die\ngroße Tasse, die mit Goldbuchstaben verziert war.\nMit gespreizten Fingern Warf sie den Zücker hinein\nund machte einen langen Hals dabei.\nEs war ganz still im Zimmer.\nUnd plötzlich nahm er ihre kleine weiße Hand\nmit einer heftigen Bewegung und hielt sie wie ein\nGeschenk. So wie 'ein Geschenk, das ihm schon\nlange gehörte.\nWohl lag zwischen Beider Augen, die sich\nkreuzten und bekriegten und verschlangen, eine\nfragende Urtru'he. Aber die Frage wurde nicht aus-\ngesprochen. Und es war eine kleine Lüge als der\nVlame leise sagte: „Ja, ja, dii bist seine Frau\".\nAber von ihren Lippen prallte es ab wie ein\nEcho: ja seine Frau! Dahinter stand es schon ganz\nstraff und zugespitzt Wie ein Pfeil: ich wollte, ich\nkönnte schon ehrlös sein!\nUnd da sie das Gesicht voll zu ihm aufhob,\nnahm er ihre beiden Hände und wollte sie küssen.\n„Nein, o' nein\" hauchte Madelaine, „nein, nein,\nnicht die Hände!\"\nUnd so fuhr er wilden Bluts über ihr Gesicht\nmit warmen Lippen und fühlte wie ein Gift das\nfeste runde Fleisch der Arme, die jäh seinen Hals\numklammerten. Und sein Atem schrillte wie ein\nPfiff.\nUnd Madelaine stöhnte wie unter einem Mes-\nser. das die Fasern ihrer letzten Begierden bloß-\nlegte. Und sie gab ihm alles, wonach ihn hun-\ngerte und dürstete. Und' es geschah zum ersten\nMal, daß einer die Seele dieses Wreibes küßte.\nUnd es war ein Vlame, der so küßte.\nWie ein Betrunkener torkelte Leon Stappen\naiis der Kammer. Und als er die Klinke der Stu-\nbentür packte, erhob sich Madelaine und ging\nilun nach.\nMitten im Zimmer blieb sie stehen, da er drau-\nßen war. Und sie zerfloß und floß hin wie sein\nSchatten.\nDer Geruch seiner blonden Haare aber blieb\nwie ein fremder Duft in der Stube und legte sich\nschwer auf Polster lind Geräte.\nDer Steiger Hüysmanns sagte nach dem Abend-\nessen ganz langsam und sehr fern sein monotones:\n„Liebe Madelaine!\"\nAber ihr Mund lag verchlossener denn je zwi-\nschen den scharfen Winkeln. Und sie fühlte mit\neinem verbissenen Groll, daß es Nacht wurde und\nein klebriger Dunst den fremden Geruch von den\nGeräten und aus der Kammer wiegfraß.\nUnd mitten in der Nacht, genau zu derselben\nStunde da Madelaine mit blauverkrümmten Fin-\ngern über die behaarte Brust ihres Mannes fuhr\nund einen anderen ferneren Mund suchte, ward der\nSteiger Leon Stappen vom Wetter erschlagen,\nund mit ihm elf andere Männer aus demselben\nDorf. '\nIII.\nAuf' fünf Leiterwagen fuhr man die Särge, wo-\nrin das Zerfetzte von zwölf Männern lag, durch\ndas Dorf. Hinter dem ersten Wagen, der nur einen\nschwarzen Sarg über das schlechte Pflaster\nschleifte, gingen die Meßdiener und der Pfarrer.\nUnd di 6 Grubendirektoren und der Steiger Jean\nHüysmanns und seine Frau. Sie trug einen, Kranz\naus getrocknetem Moos und ein paar rote Papier-\nrosen staken darin.\nDie- Musikanten bliesen ein trauriges Lied.\nDas stolperte über-die Misthaufen und zerplatzte\nan den Fensterscheiben wie ein dummer Land-\nregen. Aber es war niemand in den schwarzen,\ntortgepichten Häusern.\nNur vor dem vierundzwanzigsten hantierte das\nSöhnehen mit einem Holzpferd. Und es tanzte\ndamit wie nach einer sanften Musik.\nDas war aber nicht der traurige Blechregen\nhinter den Särgen. Der. Vlame pfiff sich selbst\nsein-Liedchen. Und es war wie ein Reiterliedchen,\nund das Söhnchen tanzte mit dem Holzpferd\nhinterdrein.\nIV.\nDer Steiger Jean Hüysmanns fuhr jeden Mor-\ngen um fünf auf seinem Dreirad zur Grube.\nUnd Madelä.iile stand wieder am Fenster. Sie\nhatte' eine knittrige Latzschürze vor. Und die\nfeinen Härchen vom Scheitel standen in der Sonne\nund waren ganz weiß wie der morsche Reif des\nAlterns.\n■ Und es kamen noch viele Kostgänger ins Haus.\nUnd die dann wieder gingen hatten weiße Gesich-\nter, wie von einer Seuche verheert. Sie trugen\ndas weiße Verheerte in die Klöster und verbrann-\nten es im Weihrauch des Cölibats. Sie ließen\nkeine Spur und keinen :Schatten zurück. Und der\nGeruch von ihren Glatzen flog auf die Gasse wie\nSpreu und wurde vom Atem der Düngerhaufen\n.aufgesogen,- bis diese voll waren wie ein\nSchwamm.\nDa begab es sich, daß man den zwölf Berg-\nleuten, die das schwarze Wetter erschlagen hatte,\nein Denkmal setzte.\nDer Steiger Jean Hüysmanns verbot aber\nseiner Frau, zur Feier zu gehen. Denn sie war\nschwanger und im zehnten Monat.\nMadelaine zog dennoch das schwarze Braut-\nkleid an. das \" sie auch zum Begräbnis getragen\nhatte und ging auf den Kirchhof. Sie warf ein\npaar sanfte Feldblumen auf das Massengrab und\nging siebenmal um das Denkmal herum, so daß\nder Pfarrer sie ansah wie eine . Irre.\nUnd so wie eine Irre torkelte sie ins Dorf zu-\nrück. Ein fremder Schatten hüllte sie ein wie in\neine Wolke. Und sie spürte ihre Stunde wie das\nBrausen eines Bahnzuges. Sie sah darin zwei große\nLichter, die waren blau. Und ein Dampf wirbelte\ndurch ihl* Blut und machte es sieden.\nSie warf sich unausgekleidet auf das Bett, das\nkühl und hungrig in der Kammer gähnte. Und\nsie lag darin wie in einem Sarg.\nEin Fröstelschauer zerschlug ihre Glieder. Die\nLippen wurden blau, und stumpf.\nDie alte Bettlade stöhnte wie im Fieber. Aus\nden wurmzerstochenen Fugen rieselte Blut. Made-\nlaine zerfloß wie ein Schatten.\nAls Jean Hüysmanns des Abends kam und die\nausgelaugte Luft seinen Atem wegfraß, holte er\ndie Schwiegermutter. Er führte sie in die Kam-\nmer. Aber das Kind war schon da.\nDa hob es die alte Frau empor und prüfte es\nund wog es in den Händen wie eine billige Ware.\nUnd zu dem Steiger sagte sie halb im Lachen:\n„Ja, ja. Gestern hab ich der Jeanette auch so ein\nKinderl geholt. Das hat genau so blonde Haare\nund so blaue heimtückische Augen. Aber meiner\nandern Tochter Mann ist ein Vlame. Aus St.\nAmand. Du weißt ja!\"\nJean Hüysmanns nickte nur ganz fern.\nlähmt durch ein ahnendes Gefühl, das von dieser\nAlten, angebohrt, weitersägte in den verfetteten\nNerven, rang er wie ein Bewußtloser nach Wor-\nten, die Bewußtlose auf den zerwalkten Kissen da-\nmit zu beschmutzen und wegzuwerfen wie ein zer-\nbrochenes Gefäß.\nAber die hörte ein Reiterliedchen pfeifen. Und\nes waren des Vlamen Leon Stappen Lippen, die\nalso pfiffen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c007", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "255", "page_fin": "255", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Manfred Adam", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.3", "debut_caractere": 7225, "fin_caractere_exclue": 7845, "texte": "Gedichte\nManfred Adam\n\nDie Nacht ist groß\nDie. 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Man gelangte so über das zufällig\nNaheliegende hinaus zu einer universalen Wirklich-\nkeit von größter Tiefenwirkung (nous voyons jns-\nqu'.aux etoiles). Das Auge vermittelt nun als unser\nbevorzugter Sinn zwischen dem Gehirn und dei\ndurch das Gleichzeitigkeitsverhältnis von Teilung\nund Vereinigung charakterisierten Vitalität dei\nWelt. Dabei müssen sich Auffassungskraft und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1800, "texte": "Wahrnehmung vereinigen. Man muß sehen\nwollen.\n* * *\nMit dem Gehörsinn allein wären wir zu keinem\nso vollkommenen und universalen Wissen vorge-\ndrungen, und ohne die Wahrnehmungsmöglichkeiten\ndes Gesichtssinnes wären wir bei einer Successiv-\nBewegung stehen geblieben, sozusagen beim Takt\nder Uhr. Bei der Parität des Gegenstandes wären\nwir verblieben, beim proizierten Gegenstand ohne\nTiefe.\nIn diesem Gegenstand lebt eine sehr beengte Be-\nwegung, eine simple Folge von Stärkegraden. Im\nbesten Fall, kann man, bildlich gesprochen, zu einer\nReihe ancinandergehängten Wagen gelangen.\nArchitektur und Plastik müssen sich damit be-\ngnügen.\nAuch die gewaltigsten Gegenstände der Erde\nkommen über diesen Mangel nicht hinweg, und\nwäre es auch der Eifelturm oder der Schienenstrang\nals Sinnbilder größter Höhe und Länge, wären es\ndie Weltstädte als Sinnbilder größter Flächenaus-\ndehnung.\n* * *\nSolange die Kunst vom Gegenstand nicht los-\nkommt, bleibt sie Beschreibung, Litteratur, ernied-\nrigt sie sich in der Verwendung mangelhafter Aus-\ndrucksmittel, verdammt sie sich zur Sklaverei der\nImitation. Und dies gilt auch dann, wenn sie die\nLichterscheinung eines Gegenstandes, oder die\nLichtverhäitnisse bei mehreren Gegenständen be-\ntont, ohne daß das Licht sich dabei zur darstelle-\nrischen Selbständigkeit erhebt.\nJfc ♦\nDie Natur ist von einer in ihrer Vielfältigkeit\nnicht tax beengenden Rythmik durchdrungen. Die\nKunst ahme ihr hierin nach, um sich zu gleicher Er-\nhabenheit zu klären, sich zu Gesichten vielfachen\nZusammenklangs zu erheben, eines Zusammen-\nklangs von Farben, die sich teilen, und in gleicher\nAktion wieder zum Ganzen zusammenschließen.\nDiese synchromische Aktion ist als eigentlicher und\neinziger Vorwurf (suiet) der Malerei zu betrachten.\nFür die Uebersetzung verantwortlich\nPaul Klee"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c011", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "256", "page_fin": "259", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.8", "titre_corps": "Die rote Flamme", "titre_sommaire": "Die rote Flamme", "signature_source": "Hermann Wagner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.4", "debut_caractere": 1802, "fin_caractere_exclue": 1836, "texte": "Die rote Flamme\nVon Hermann Wagner"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.4", "debut_caractere": 1851, "fin_caractere_exclue": 8486, "texte": "„Guten Morgen, Herr Theobald!\" sagte sie und\nrieb sich die Augen.\n„Guten Morgen, 'Fräulein,\" erwiderte Herr\nTheobald.\n„Ich habe sehr gut geschlafen.\"\nSie zog ihre Arme aus dem Bette hervor und\nbettete sie unter ihren Kopf. So sah sie Herrn\nTheobald zu.\n„Wunderbar habe ich geschlafen! Gar nichts\nmehr weiß ich von voriger Nacht! — Wie spät ist\nes, Herr Theobald?\"\n„Acht Uhr, Fräulein Hermine.\"\n„Da muß ich wohl aufstehen, nicht wahr? —\nQott, ich bin gewohnt, so lange zu schlafen! Ich\nbin selten vor elf aufgestanden! . . . Ja, man wird\nfaul, Herr Theobald, faul! . .\nHerr Theobald zeigte auf das Waschgestell.\n„Ich habe Ihnen Wasser zum Waschen hierher\ngestellt,\" sagte er und gab den gemahlenen Kaffee\nin das siedende Wasser.\nDas Wasser brodelte und floß über. Die\nglühenden Platten zischten.\nHerr Theobald zog schnell den Topf zurück.\n„Wie? Sie kochen sich selbst?\" rief Fräulein\nHermine.\n„Was kochen Sie denn?\"\n„Kaffee,\" sagte Herr Theobald.\nEr wies ihr nochmals die Sachen, die er ihr zu\nihrer Toilette bereit gelegt hatte, und begab sich\ndann in die Kammer, um dort Ordnung zu machen.\nAls er wieder heraustrat, war sie schon ge-\nwaschen und angekleidet. Sie stand gerade vor\ndem Spiegel und ordnete ihr Haar.\nHerr Theobald breitete über die eine Hälfte des\nTisches ein weißes Tuch, brachte Butter und Brot\nund goß den Kaffee ein.\n„Ich danke,\" erwiderte sie, nahm einen Stuhl\nund setzte sich ihm gegenüber.\n„Sagen Sie mir, Herr Theobald,\" fuhr sie fort,\nwährend sie ein Stück Brot mit der guten gelben\nButter bestrich, „sagen Sie mir, womit soll ich\nIhnen für alles Freundliche, das Sie mir erwiesen\nhaben, danken.\"\n„Es ist nicht der Rede wert, Fräulein Her-\nmine,\" sagte Herr Theobald -und nickte ihr freund-\nlich zu.\nDie Aufrichtigkeit, mit der sie ihn ansah, der\nruhige und einfache Ton ihrer Stimme, taten ihm\nwohl.\n„Nein, Herr Theobald, ich bin Ihnen viel schul-\ndig. Mehr als Sie denken . . . Sehen Sie, gestern\nda glaubte ich noch, es Ihnen heimzahlen zu kön-\nnen, in der Art eben, wie unsereins das\nheimzahlt . . . Aber Sie \"\n„Ach, lassen Sie das!\" unterbrach sie Herr\nTheobald, der nicht einmal rot geworden war,\nsondern sich Herr der Situation fühlte.\nEs kam eine plötzliche Lustigkeit über ihn,\nalles Düstere war von ihm genommen, lachen,\nlaut und frei lachen hätte er können!\n„Sie sind ein lieber Mensch,\" sagte sie und sah\nihn mit großen und erstaunten Augen an, „ein\neigentümlicher Mensch . . . Warum haben Sie\neigentlich keine Frau?\"\n„Warum ich keine Frau habe? Das ist sehr\neinfach. Ich habe keine gefunden, die mich hätte\nhaben wollen —\"\nFräulein Hermine schüttelte den Kopf.\n„Das glaube ich nicht,\" sagte sie und in dem\nTone, wie sie es sagte, lag soviel aufrichtige\nSchätzung, daß Herr Theobald sich beschämt\nfühlte.\nEr wich daher schnell aus.\n„Reden wir doch von Ihnen, liebes Fräulein,\"\nsagte er. „Warum denken Sie nicht daran, sich\nirgendwo ein ruhiges und festes Leben zu sichern?\nSie sind doch noch jung!\"\n„Ich bin nicht mehr jung,\" sagte sie, und Herl-\nTheobald sah sie das erste Mal traurig.\nEs war aber keine heiße Traurigkeit, die klagt,\nsich windet und stöhnt, sondern ein dumpfer, alter\nSchmerz, den die Zeit stumpf und gleichgiltig ge-\nmacht hat. der es verlernt hat, Grimassen zu\nschneiden, der zynisch geworden ist und grinsen\nund lächeln kann ...\nHerr Theobald blickte dem Weibe in das Ge-\nsicht und war ergriffen.\nUnd doch durchströmte ihn eine geheime\nFreude.\nSie ist schwach, sie ist am Ende, sie braucht\nHilfe, durchzuckte es ihn.\nDaß sie schwach war und Hilfe brauchte, er-\nfüllte ihn mit Freude! . . .\n„Mit mir ist es aus . . .\" fuhr sie fort, und man\nkonnte erkennen, daß es ihr eine qualvolle Last\nwar, zu reden. „Noch ein paar Jahre; — dann\nbin ich hin!\"\nSie lachte kurz und trocken.\n„Sprechen Sie nicht so,\" bat sie Herr Theo-\nbald.\n„Sie sehen zu schwarz. Es ist noch nicht alles,\nwas Sie verloren haben! Wollen Sie nur, — Sit\nwerden sehen, es wird dann alles anders!\"\nSie lächelte ihn an.\n„Wenn man Sie reden hört, könnte man fast\nglauben, es sei wirklich so leicht. Sie sind wie\nein Kind, Herr Theobald! O, ich bin viel, viel\nälter als Sie! . . . Das Leben draußen ist ganz\nanders!\"\nHerr Theobald erschauerte.\nWem sagte sie das?\nWer wußte es besser als er, daß das Leben\ngrausam und häßlich war, er, der sich nie mit ihm\nim Einklang befunden hatte.\nWar diese da auch eine, die brünstig gegangen\nwar, eine Seele zu suchen, und die auf dem har-\nten Pfade des Lebens zusammengebrochen war?\nWarum sollte sie es nicht sein.\nWar es schließlich nicht ein jeder Mensch ein-\nmal in einem Momente seines Lebens, und kam es\nnicht nur darauf an, diesen Moment zu er-\nkennen? . , ,\nHerr Theobald war so von JHitgetühl und Liebe\ndurchglüht, daß er hätte die Arme ausbreiten\nmögen, um die ganze Welt, die ganze leidende\nWelt zu umschließen.\n„Glauben Sie nicht, daß Sie allein abseits gehen,\nliebes Fräulein,\" sagte er und seine Augen leuch-\nteten.\n„Ein jeder von uns hat wohl etwas, was an\nihm frißt . . . Ich habe schon einmal gedacht: es\ngeht nicht mehr weiter ich habe mich durch\ndie Tage geschleppt, ich war wund und stumpf...\nund sehen Sie, es ist immer wieder gegangen...\nDa drinnen muß es sitzen, da, inwendig . . . hören\nSie hinein! Dort, wenn der Schmerz am ver-\nzehrendsten brennt, dort singt etwas, eine Melodie\nklingt, eine leise, süße Melodie . . .\"\nUnd er vergaß sich ganz, lehnte sich in den\nStuhl zurück, schloß halb die Augen und sprach\nimmerzu. Es floß von seinen Lippen so leicht,\nniemals fehlte ihm der richtige Ausdruck.\nTräume flogen ihm zu, von einer unerhörten\nSchönheit und Größe, er nahm sie in sich auf,\ndurchtränkte sie mit dem, was ihm eigen war,\nund breitete sie vor ihr aus: wie ein schweben-\ndes Stück Leben eilte alles an ihr vorbei . , .\nWoher hatte er das alles? Woher hatte er es\ndoch? Er wußte es nicht, war erstaunt, zu Tode\nerschrocken darüber, und doch war ihm auch, als\nmüsse es so sein, als hätte es schon immer so in\nihm gelegen und als dränge es sich nur heute\njauchzend und sausend heraus —\nLangsam wurde er stiller und wehmütiger, und\nseine Augen füllten sich mit Tränen.\nEr erzählte ihr von seiner Liebe und von seiner\nSehnsucht, und davon, daß alles immer ein Traum\ngeblieben sei . . .\nAch, sie möge nicht glauben, daß er dieserhalb\nein Enttäuschter sei, einer, dem das Leben nichts\nmehr zu geben habe!\nEr sei glücklich!\nGlücklich und reich sei er!\nWer könne sie ihm rauben, seine Liebe?\nWer könne das?\nNiemand!\nKein Mensch und kein Gott!\nDie trüge er mit sich herum:\nSie erfüllte sein ganzes Wesen, durch sie sähe\ner die ganze Wrelt!\nJa, darauf käme es an:\nDie Welt durch das zu sehen, was man an\nihr liebe!\nOb sie nicht den Baum da draußen sehe, mit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8840, "texte": "seinen entzückenden kahlen Aesten, mit seinen\nsüßen zarten Zweigen, die nackt seien wie win-\nzige, neu geborene -Knaben?\nUnd der Schnee darauf? Gleiche er nicht\neinem Besätze von glitzernden Diamanten?\nOder die Wolke da oben?\nDiese kleine weiße, bläuliche Wolke? Wie sie\nträumerisch dahinziehe, wie ein Märchen! . . .\nUnd dann die Menschen —\nSehe sie nicht, wie sie litten?\nDas Schicksal an Ihnen, sehen Sie es nicht?\nWie sie gedrückt dahin schlichen, durch Lüge,\nHaß, Liebe hindurch, wie Marionetten, einem Un-\nbekannten entgegen, das sie anstarre . . .\nHerr Theobald hatte den Arm ausgestreckt und\nließ ihn sinken. j\n„Ja, Fräulein . . .\" murmelte er und brach dann\n7\" \"\nplötzlich ab.\nFräulein Hermine hörte ihm nicht mehr zu.\nSie hatte den Kopf auf den Tisch gelegt,' ihn\nin ihre Arme vergraben, und weinte leise vor\nsich hin.\nOffenbar schämte sie sich. ,\nNur die krampfhafte Art, wie ihr Körper zuckte,\nverriet ihre Erregung.\nHerr Theobald blieb lange schweigsam.\nEr war plötzlich ernüchtert.\nDer Tag mit seinem aufdringlichen Licht, mit\nseinem Lärm, drang durch das Fenster.\nAlles war wie umsonst.\n■ Fast begriff .er es nicht: das sich gar nichts,\naber auch gar nichts geändert hatte.\nDaß er noch immer zwischen den vier Wänden\nhauste, daß die schmale „Sorge\" vor ihm lag, die\nTotenschänke, die ganze kleine Stadt, mit ihren\nengen Gassen und alten Giebeln, und daß die\ndüstere Ecke in der Kanzlei seiner harrte, mit der\ngleichgiltigen. nichtssagenden Arbeit , . .\nUnd daß dieser Joachim sein Freund war,\ndieser nüchterne Mensch, der nichts fühlte, nichts\nwollte! . . \\\nUnbegreiflich war ihm das alles.\nUnd fast zweifelte er an seiner eigenen Exi-\nstenz.\nDer, der er gewesen war, war nicht mehr.\nEin Fremder war es, der hier fühlte und dachte,\nder hier sah und sprach.\nDem er erschrocken zusah, der ihn ratlos\nund Staunen machte. .<\nWas war Leben, was Traum.\nIn eine fremde Umgebung sah er sich versetzt.\nAlles seltsam und neu.\nDie Erde war jung, frisch und heiter, sie sprach\nzu ihm in allen Tonarten, und er verstand sie,\nreagierte auf alles, in einer merkwürdig lebhaften\nWeise, die er bisher nicht an sich gekannt hatte\nDas Blut rollte ihm schneller durch die Adern,\nsein Atem war leicht, sein Auge scharf, flink sein\nGang, seine Muskeln spieltn . . .\nHerr Theobald entriß sich mit Gewalt diesen\nBildern, Er trat vor den Spiegel, fuhr sich durch\ndie weißen Haare und lächelte dünn.\nDie Uhr schlug neun.\n„Beruhigen Sie sich, Fräulein Hermine,\" sagte\ner, „es wird ja alles anders werden!\"\nDa sie nicht hörte, faßte er sie' an der Schulter.\nSie fuhr auf.\nSie strich sich mit beiden Händen über die\nAugen, lachte ihn an und meinte: „Sie haben\nrecht ... es ist ja Unsinn, zu flennen!\"\n... Sie stand auf und räumte, ohne ihn zu\nfragen, die Frühstücksreste vom Tische.\nAls sie das Tischtuch zusammenfaltete, wandte\nsie sich von ihm ab: „Wissen Sie, Herr Theobald,\nwarum ich geweint habe?\"\nEr wisse es nicht.\nOb er sie aber auch nicht auslachen werde,\nwenn sie es sagte?\nNein, das würde er gewiß nicht tun.\n„Ja ich weiß gar nicht, wie ich es Ihnen sagen\nsoll,\" sagte sie und drehte ihm immer den Rücken\nzu, . . . „aber wirklich: Sie lachen mich nicht aus?\"\nEr •bestätigte ihr nochmals: nein, nicht!\n„Also, — ich habe mir etwas Dummes einge-\nbildet.\"\nHerr Theobald verstand nicht.\n„Etwas eingebildet?\"\n„Ja, es war sehr dumm — Denken Sie:\nich bildete mir ein, Sie wären in mich verliebt! . . .\"\nSie lachte, sah ihn aber nicht an.\nUm sich etwas zu schaffen zu machen, faltete\nsie das Tischtuch noch einmal auseinander, legte es\nwieder (Zusammen und hing es über einen Stuhl.\nHerr Theobald war krebsrot geworden.\nEr starrte sie an und fand kein Wort der Er-\nwiderung.\nAber in seiner Brust lachte etwa», da würgte es\nund wollte her.auf! ,\nAber kein Wort fand er, nicht einmal eine Ge-\nberde ...\n.•\n..Auch Fräulein Hermine zögerte eine Weile, ehe\nsie fortfuhr:\n„Daß Sie veTli'ebt in mich wären, habe ich ei-\ngentlich nicht geglaubt . . . nein, das ist nicht der\nrichtige Ausdruck!'. . . überhaupt, — ich w/eiß nicht,\nob Sie mich verstehen werden . . , ich war über-\nrascht, daß Sie so lieb,zu mir gesprochen haben .. ,\nschon gestern waren Sie so freundlich zu mir! . . .\nund dann, nicht wahr: Sie haben doch gar nichts\ndavon! — Gott, denken Sie, da ging es mir so durch\nden Kopf: wenn das dein Mann wäre! . . .\"\nSie brach ab.\nSie drehte sich plötzlich um, sah ihn voll an: mit\neinem kurzen heftigen Blick . . .\n„Und da mußte Sie weinen?\" fragte Herr Theo-\nbald rauh.\n„Nicht wahr: so dumm!\"\nHerr Theobald ging zum Ofen und legte Kohlen\nzu. Lange und zwecklos schürte er die. rote Glut.\nEr mußte etwas tun, um seine Giedanken abzu-\nlenken. Es war ja alles unsinnig.'\nKalt wollte er bleiben. Kalt und nüchtern.\nEr sprach in Gedanken unablässig vor sich hjn:\nunsinnig, unsinnig ....\nFräulein Hermine sah ihm zu.\nIn Wirklichkeit sah sie ihn gar nicht.\nIhre Augen gingen über ihn hinweg, verloren\nsich in einem Meere von Nebel und Wolken —\n„Es war merkwürdig,\" sprach sie leise, wie zu\nsich selbst, „ich mußte dabei an meine Eltern\ndenken . . .\nEs wäre schließlich so gekommen: ich hätte\nheute einen Mann \"\nHerr Theobald griff ihre Worte auf.\nSchnell begann er zu reden, in der Furcht, .sie\nkönne wieder auf ihn zurückkommen.\nObwohl es ihm im Grunde widerstrebte, drehte\ner das Gespräch. '\n»\n„Sie haben an Ihre Eltern gedacht, Fräulein Her-\nmine. Und da mußten Sie weinen . . . Sicher gibt\nes noch viele Fäden,, die Sie,zu ihnen hinziehen. Sie\nerzählten mir ja gestern schon von ihrer Heimat.\nDenken Sie manchmal an sie zurück?\"\nFräulein Hermine fand sich gar nicht zurecht.\nHatte er etwas gefragt?\n„Wovon sprachen Sie?\"\n„Von Ihren Eltern.\"\nAch die!\"\nFräulein Hermine zog in ihrer leichten Art die\nAchseln hoch und begann langsam in der Stube auf\nund ab zu gehen.\nEs war soviel Gleichgiltigke.it und Kälte in ihrer\nStimme und in ihrer Miene, daß Herr Theobald an\nihr ganz irre wurde.\n„Sie erzählten doch gestern so lebhaft davon,\nwie alles zuhause bei Ihnen gewesen sei. Von\nIhrem Vater sprachen Sie, und von Ihrer Mutter.\nSie waren doch richtig stolz auf sie! —\"\n„Ja, ja!\" mächte sie, „wie lange ist das her!\"\n„Haben Sie nicht den Wunsch, wieder einmal\nnachhause zu gehen? Es müßte sich doch alles gut\nmachen lassen, denke ich.\"\nFräulein Hermine blieb stehen und inachte große\nAugen.\n„Wie meinen Sie das?\" fragte sie.\n„Ich meine, daß Sie das Leben hier aufgeben\nsollen. Daß Sie alles Vergangene hinter sich werfen\nsollen. Es ist ja nicht vorbei mit Ihnen, Sie haben\nnoch zu hoffen! . . . Suchen Sic Ihre Eltern auf.!. .\nGehen Sie heim, Fräulein Hermine! Man wird Ihnen\nbeistehen, alle werden Ihnen helfen!\"\n„. .. Oder können Sie das nicht?\" setzte er hinzu,\nda sie ihm gar nicht' zuzuhören schien, sondern ■;\nwieder nervös hin und her ging.\n„Was soll ijyh nich^t-können?\"\nHerr Theobald >war verlegen.\n\\ „Ich meine, ob Sie nicht imstande wären,' ein\nneues Leben zu -—, ich meine, ob Sie nicht die Lust\nfinden würden, wieder ruhiger und gleichförmiger ...\nzu leben?\" ■ ;\n„Herr Theobald!\"\nSie lachte, kam zu ihm und legte beide Hände auf ■\nseine Schultern.\nSo sah sie ihm eine Weile in die Augen.\n„Herr Theobald! Machen Sie nicht so viele\nWorte! Nennen Sie die Sache immerhin bei ihrem\nNamen! . . . Und dann, da Sie fragen: glauben Sie\nim Ernste, es machte mir viel Vergnügen, mein Le-\nben? . . . Als ich ein junges Ding war, — da war\ndas etwas anderes! Damals — vielleicht! Aber\nheute . . .\"\nSie lehnte sich noch, schwerer an ihn.\n„Ich weiß, ich weiß! Ich gefalle Ihnen noch\nimmer, Herr Theobald! . . .. Ach was! Werden Sie\nnicht rot! Was ist dabei! ••. . . Schließlich — ich\nbin erst einige Dreißig! . . . Und dann, da Sie es\nwissen wollen . . . heute, heute täte ich gern etwas\n!anderes! . . .\"\nSie ließ ihn frei und warf sich nachdenklich in\ndas Sofa.\nHerr Theobald atmete auf.\n„Versuchen Sie es,\" begann er wieder. „Fahren\nSie heim, Fräulein Hermine . . . Oder ist das nicht\nmöglich?\"\n„Möglich?\" sagte sie mechanisch. „Gewiß —\nwarum sollte es nicht möglich sein?\"\nPlötzlich ging über' ihr Gesicht ein Leuchten.\nSie warf einen lauernden Blick auf Herrn Theo-\nbald. „Oder doch, —r nein!\" sagte sie und ihre\nRuhe klang sehr gemacht. „Es ist doch nicht mög-\nlich, Herr Theobald!\"\n„Und was hindert Sie?\"\nSeine Stimme zitterte.\n„Daß Sie so fragen können, Herr Theobald!\nWomit (Soll ich die weite Reise machjen? Ich\nhabe keinen Kreuzer Geld, — ich bin blank! Auch\nkann ich mich so zu Hause nicht sehen lassen:\nin diesen Fetzen! Wäsche habe ich keine, keine\nSchuhe, an allem fehlt es mir! . . . Und dann zu\nHause. . . Wie sollte das werden? Man kennt mich\ngar nicht mehr!\"\n„Ihre Eltern . . .\"\n„Gott, meine Eltern! . . .\"\n„Leben sie noch?\"\nFräulein Hermine lag mehr auf dem Sofa, als\ndaß sie auf ihm saß. Ihre Augen waren ge-\nschlossen. „Ja. ja, — sie leben,\" und es klang, als\nwisse sie gar nicht, was sie sage, als sei sie mit\nihren Gedanken ganz wo anders."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5367, "texte": "Herr Theobald wurde unruhig.\nBelästige ich sie? fragte er sich.\n.. Dennoch wagte er, wenn auch zögernd, weiter\nvorzudringen.\n„So •wollen Sie es nicht versuchen?\"\n„Versuchen! — — Wie, Herr Theobald?\nWie?!\"\nHerr Theobald überwand sich.\nOhne ihr ins Gesicht sehen zu können, sagte\ner: „Dafür will ich gerne Sorge tragen . . . wenn\nSie gestatten . . .\"\nSchließlich warf er doch einen Blick zu ihr hin-\nüber. Sie lag noch ebenso' unbeweglich, ihre Lider\nbedeckten die Augen, kein Zug in ihrem Gesichte\nverriet: sie.\n„Wie; Sie wollen? . . .\" fragte sie endlich, und\nin ihrer Frage lag nichts von Ueberraschung und\nnichts von Freude.\n„Was in •meinen Kräften steht, gern,\" sagte\nHerr Theobald zögernd. „Ich habe freilich nicht\nviel, —aber wenn sie glauben, daß es ausreicht..\nDas dürfen Sie nicht tun,\" sagte unbeweglich\nFräulein Hermine.\nHerr Theobald war ratlos.\n'„Nehmen Sie es nicht an?\"\n„Das dürfen Sie nicht tun,\" wiederholte Fräu-\nlein Hermine mit der gleichen Farblosigkeit, ohne\nmit einer Wimper zu zucken.\n„Habe ich Sie beleidigt?\"\n„Herr Theobald! Wer sagt Ihnen denn, daß ich\nIhr Geld nicht nehme, um mir damit einige lustige\nTage zu machten und dann wieder — unterzu-\ntauchen?\"\n„Nein Fräulein reden Sie nicht so! . . . Das ist\nja . . . Nein, nein, hören Sie auf!\"\n„Wer sagt Ihnen das? Wissen Sie denn, wer\nich bin? Kennen Sie mich? Wer bürgt Ihnen dafür,\ndaß ich..Sie nicht an der Nase herumführe?\"\nEs war gar nicht, als ob sie es sei, die sprach.\nIrgendein Miädchen lag auf dem Sofa, teilnahms-\nlos, mit geschlossenen Augen, und aus seinem\nMunde kamen .gelassen, ohne sich zu überstürzen,\nWorte, Worte ...\nSie waren farblos, fast ohne Betonung ge-\nsprochen, man konnte im Zweifel sein, ob die, die\nsie sprach, wach war oder schlief.\nDas einzige, wodurch sie eine Nuance Leben\nerhielten, nur einen Hauch, schien ein leiser Spott\nzu sein. Herr Theobald fühlte ein leiser Spott . . .\n„Ja, so leicht machen Sie es einem, Sie zu be-\ntrügen! . . . Stellen Sie sich vor, wie alles kommt:\nman nimmt Ihr Geld, Ihr schönes Geld, Herr Theo-\nbald, man macht mit ihm davon. . . Irgendwohin\n— natürlich, wo's lustig ist . . . das findet sich!\nJemand, der mitfährt . . . haha! . . . der findet sich\nauch! . . . Was soll man machen? M,an unterhält\nsich nicht? Zu Zweien, zu Dreien, zu Dutzenden...\nSie haben eine Ahnung, was man treibt! . . . Man\ntrinkt, man lacht . . . Man lacht, Herr Theobald!\nMan wälzt sich, — ja! . . . Es gibt da eine Ge-\nschichte . . . von einem alten Mann . . . haha! . . .\nder Huren Geld gibt . . . haha! . . . für nichts! . . .\nfür nichts! ...\"\n•Was bin ich für ein jämmerlicher Mensch! sagte\nsich in Gedanken Herr Theobald. Warum breche\nich nicht in Gelächter aus über mich!\nEr sah sich vor einem anderen stehen, der er\nselbst war, und sah sich, wie er über diesen an-\nderen lachte, und dieses Gelächter klang ihm\ngellend in die Ohren. In Wirklichkeit brachte er es\nnur zu einer verzweifelten Aeußerung, in die er\nallen seinen Schmerz und all' seine Entrüstung\nhineinpreßte:\n„Fräulein! . .\n„Herr Theobald?\" sagte sie weich und schlug\nzum ersten Male die Augen auf.\nHatte sie gar nichts gesagt?\nSie sprang auf und reichte Herrn Theobald die\nHand. „Ich nehme an, ich nehme an!\" rief sie aus.\n„Alles, was von Ihnen kommt, nehme ich an! Aber\nich zahle es Ihnen zurück! Alles zahle ich Ihnen\nzurück, jeden Kreuzer! . . . Nicht wahr, Sie glau-\nben es ' Sie glauben es mir?!\"\n„Gewiß, Fräulein Hermine . . .\"\nSie hörte nicht auf, seine Hände zu schütteln;\n„Und Sie schenken es mir nicht?\"\nHerr Theobald wurde rot.\nAber sie drang in ihn: „Sagen Sie es, daß Sie\nes mir nicht schenken! Sagen Sie es, sagen Sie\nes!\"\n„Ja . . . ja . . .\"\n„Ich freue mich darauf. Jetzt! Jetzt freue ich\nmich' darauf! ... Ich werde heim fahren . . .\nheim . . . Denken Sie sich: zehn Jahre war ich nicht\nmehr zu Hause! Zehn Jahre . .\nUnd ohne daran zu denken, daß er es schon\nwußte, fing sie wieder an, ihm von allem, von dem\nsie ihn schon gestern unterrichtet hatte, noch ein-\nmal zu erzählen: von ihrem Dorfe und von ihren\nLeuten. .\nDabei kam sie in ihrer. Erzählung, die sie in ihrer\nArt sprunghaft, verworren und ohne Zusammen-\nhang vorbrachte, immer wieder darauf zurück, er\nmöge ja nicht glauben, daß sie von gemeinen Leu-\nten, ohne Bildung und ohne Erziehung sei.\nSie sprach in der Tat recht gewählt und zeigte\nsich jeder Situation gewachsen, ja, einem unbe-\nfangeneren Beobachter als Herrn Theobald wäre\nkaum jener leis ironische Ton ihrer Worte ent-\ngangen, mit dem sie gleichsam ihre höhere Intelli-\ngenz markierte. Dennoch war noch so viel des\nFrischen, Unbekümmerten und Naiven in ihr, daß\nihre Worte wie prasselnde Funken stoben, ohne\ndaß die Lebhaftigkeit ihres Wesens sie dazu ver-\nführt hätte, platt, gemein und plump roh zu\nwerden.\nKaum daß sich hin und wieder durch eine\nGeste, einen Blick, eine Wendung verriet, wer sie\nwar.\nHerr Theobald hörte ihr angestrengt zu, ver-\nschlang sie mit seinen Blicken und wußte doch\nnicht, was sie sagte.\nEr machte zuweilen eine kurze Bemerkung,\nnickte viel mit dem Kopfe und lächelte, wenn ihre\nZähne aufblitzten, mechanisch mit.\nIm Geheimen aber sog er sich mit ihrem Bilde\nvoll, prägte sich jeden einzelnen ihrer Züge ein,\nließ sich keine ihrer vielen charakteristischen\nGesten und Laute entgehen.\nMit allen Fasern seines starken Verlangens\nhatte er sich an sie geklammert.\nEr wußte: ihr Bild würde nie mehr in ihm ver-\ngehen ..."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c012", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "257", "page_fin": "257", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.8.1", "titre_corps": "R. 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M. mit dem Stern auf dem\nKreuz)\nsieht heute so iibermangansauerkalig\ngewaschen aus.\nDas war der Märzwind der Nacht,\nder märzliche Regen,\nvorfrühlingsfröstelnd,\nvielleicht aber auch ' • \"\n— wer kann das wissen! — , •\nein heimlicher Gruß aus den Lüften,\ndie eben mal nötige, absolut nötige Schleuse\naus dem P. 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Die Aufführung bedeutet bereits\neine hrnpfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, fallis Rückporto beigefügt wurde.\nAlbert Ehr ein stein \" \\J\nTubutsch\nMit Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nVerlag Jähoda und Siegel / Wien\n' \" j i ' •\nAlbert Ehrenstein\nDer Selbstmord eines Katers\nMünchen /' Verlag Georg Müller\nAlexandre M e rc e r e a u\nParoles devant la Vie\nLa Vie / Le poete / La Fimancee / La fernrne\nenceinte / La Mere Soi-Meme ./ La De-\nmeure ! La Morl\nParis / Eugene Figuiere et Cie. Editeurs\nAlexandre Mercereau\nLa Litterature et les Idees Nottvelles\nParis / Eugene Figuiere et Cie Editeurs\nCollection „Revue Independante\"\nJean M e t z i n g e r\nAlexandre Mercereau / Essai Critique\nParis / Eugene Figuiere et Cie Editeurs\nGui 11 a um e Apollinaire\nL'Enchanteur Pourrissant 1\nMit Holzschnitten von Andre Derain\nParis I Verlag Kahnweiler\nGui 11 au m e Apollinaire\nL'Heresiarque et Cie / Novellen\nParis / Verlag Stock\nGui 11 au m e Apollinaire\nLes Peintres cubistes / Meditations esthetiques\nParis / Eugene Figuiere et Cie Editeurs\nAlfred D öb l i n\nDie Ermordung einer Butterblume / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nGuillaume Apollinaire\nLe Bestiaire ou Cortege d'Orphee\nParis / Verlag Deplanche\nHenri-Martin Barzun\nL'Ere du Drame / Esai de Synthese Poetique\nModerne\nParis / Verlag Eugene Figuiere et Cie\nCollection „Poeme et Drame\"\nEugene Montfort\nLa Turque / Roman Parisien\nParis / Modern-Bibliotheque\nArtherne Fayard et Cie / Editeurs"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c015", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "260", "page_fin": "260", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.8", "debut_caractere": 409, "fin_caractere_exclue": 748, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin Augustastraße SI\ncegeniiber der von der Heydtstraße\nFahrgelegenheit: Liitzowplatz\nElfte Ausstellung\nG. 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Milliter: Neujahrswunsch I Flint signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nRichter-Berlin: Landschaft mit hoilandischer Miihle\n1 Landschaft mit Bockmiihle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kindern / ie fiinf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier I Das Exemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottlufi: Mann und Weib / Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Exemplare /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande 1 / Vom Strande 111 /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Niii n s k y / Portrat Licht-\ndruck, großes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Reproduktionen von\nGemalden (ein Farbendruck) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno liolz / Fiir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in volier Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c017", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "260", "page_fin": "260", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.8", "debut_caractere": 2508, "fin_caractere_exclue": 4495, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 13-4 a if 8 'f8\nFernruf Amt Liitzow 4443 .1\n... .. .. s*\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewdhnliche Ausgabe: Fur Deutschland\nund Oesterreicih-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummcr 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbemimmer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Roll en direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fur das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm. Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken und Straßenst&nden\nauf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g fur den\nDauerbezug bei der Besieilung oder bei\nBegin n d.es neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-01-02-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-01_02#c018", "volume": "bmtnabg_1913-01_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "260", "page_fin": "260", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.8", "debut_caractere": 4497, "fin_caractere_exclue": 5388, "texte": "Zeitsehriften\nDie Aufnahme erfolgt kostenios nach freicm Ermessen\nder Redaktion dieser Zeitschrift\nL'Effort Libre / friiher L'Effort /' Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndependance / Halbmonatsschrift /' Kiinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue ' Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre ! Moulins [Aliier]\nLes Soirees de Paris J Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). 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Schmidt\nund Max Dietzel Mii n c h en , Koniginstraße 44\n(am englischen Garten). / Januar 1913: Kol-\nlektiv-Ausstellung von Erich Meckel, £. L. Kirch-\nner. Otto Mueller und Schmidt-Rottluff. Standige\nAusstellung von Expressionisten: Picasso, Ko-\nkoschka, Nolde usw. Kunstgewerbe, Graphisches\nKabinet, Handzeichnungen und Graphik erster mo-\naerner Kunstler.\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitgl ie d e r der Neuen Sezession\nerhalten jahriich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 112\nfreien Eintriit zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgiiedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschartsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, Miquelstraße 7a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kafiee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten coffeinhaJtigen Kafrees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich flir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmuud iVleyer / Buchhandier und Antiquar /\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur alier Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung / Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nRenß und PoHack / Buchhandiung und AntiQU*-\nriat / Potsdamerstraße 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin ausliindischer Literatur\nFritz Merker Charlottenburg, Schillerstraße 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nrnaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fur Berl'dn\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraße 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "253", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nDER STURM\nFÜR KULTUR UN KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nDRITTER JAHRGANG\nBERLIN JANUAR 1913\nNUMMER 144/145\n\nInhalt:\nDr. S. Friedlaender: Präsentismus / Gottfried Beim: Nocturno / Grete Tichauer: Flimmerndes Mädchen / Paul Zech: Reiteriiedchen / Manfred\nAdam: Gedichte / Robert Delaunay: Ueber das Licht / Hermann Wagner: Die rote Flamme / Alfred Richard Meyer: Märzlich den Kurfürstendamm her-\nunter */ Empfohlene Bücher / Franz Marc: Die Hirtin / Originalholzschnitt / R. Storm-Petersen: Drame obscure / Originalholzschnitt\n\nPräsentismus\nRede des Erdkaisers an die Menschen\nvon Dr. S. Friedlaender\n\nMitgeteilt\nSo ihr nicht werdet wie die Götter —\nGestern wollte ich ans Fenster treten. Auf\nein Mal war ich weg, d. h.: ich war bei hellster\nBesinnung. Aber ich war nirge n d s , sondern\n„sah\" (?) einen mir fremden Herrn am Fenster,\ndessen ich mich wie meiner selbst erinnerte: den\nDr. S. Fried'laender. Durch .dessen Mund oder\nvielmehr Schnabel (der Kerl sieht scheußlich\naus) hielt „ich\" (???) folgende Rede:\nRede des Erdkaisers:\nIch bin kein Mensch, ich bin Niemand und\n.ledermann, Indifferentist. Wenn Menschen mich\nverstehen wollen, müssen sie sterben, vernichtet\nsein wie ich, indifferenziert. Ich bin der, auf den\nder Mensch wartet, ohne daß er es deutlich weiß.\nWelcher Hohn! Diese Schwachköpfe und dum-\nmen Herzen, diese Mensch genannten Impotenzen\nbilden sich ein, sie würden mich erkennen, wenn\nich erschiene! O nein! Ich erscheine keinem Men-\nschen, nur meinesgleichen. Ich bin die Indifferenz,\nder Mensch ist mein Spielzeug, die Zeit ist das\nTriebrad meiner Ewigkeit, meiner ewigen Gegen-\nwart. Ich bin präsent, Menschen waren oder\nwerden: ich bin und spiele mit War und Werde.\nIch bin das lebendige Nichts, das mit dem gesam-\nten Augenschein bis ins Getast hinein differen-\nzierend spielt. Ich habe alle Gegensätze in\nmir annulliert und bin ihrer deshalb von außen\nmächtig: denn alle bedürfen mich und können ohne\nmich ihr Spiel nicht treiben. Mein inneres Nichts\nist die Synthese der Welt, worin ihre gesamte\nAntitbetik persönlich identifiziert ist. Ich hieß als\nMensch Friedrich Nietzsche und starb an den\nVerdauungsbeschwerden, die mir die Menschen\nverursachten. Der Berufungstitel zur Entmen-\nschung kam an einen Juden. Ich spürte lange die\nPrädestiniertheit der Juden, deswegen iiidifferen-\nzierte ich einen Juden. Diese innerlich uner-\nmeßlich aristokratischen, von außen aber zerrisse-\nnen, bespien eil, gekreuzigten, verbrannten Wesen\nhatten damit die Prädisposition zu mi r erlangt.\nIch bin der Herrscher, während es Manche\nscheinen, weil ich es bi n. Ich herrsche, weil\nich der gemeinsame neutrale Schwerpunkt aller\nverschiedenen Gewichte bin. Ich herrsche, weil\nich innerlichst persönlich die Zentralisation aller\nmöglichen Zweifel und Dogmen bi n. Ich bi n\ndiese Wahrheit der Indifferenz. Was der Mensch\ngar nicht schätzt, das Nichts, das habe ich in\nmir als das Nichts aller Unterschiede personifi-\nziert und inkarniert. Folglich herrsche ich un-\nfehlbar und unbedingt, und man gehorcht mir,\ngleichviel ob positiv, ob negativ. Ich kenne kein\nJa, kein Nein auße r einander, das ich nicht\nebenso kraftvoll i n mir verschmelzen könnte:\nich bin die Neutralität in eigener Person, durch\nmich kommuniziert alle Welt, ich bin der soge-\nnannte „Kuß der ganzen Welt\", Schließe an der\nWesenskette. Ich bin keine Vernunft, aber des-\nhalb alle: weil ich das indifferente Zentrum aller\nVernunft bin, das neutrum aller Logik, die logische\nNull! Erst von der „Aufhebung\" aller Gegensätze\naus habe ich die Herrschaft über alle erlangt.\nAls ich auch noch das Ich, diese Menschlichkeit,\naus meiner Person warf, erhielt ich es nur als\nihren Spielball zurück. Ich lache über die größ-\nten Menschen wie über kranke Affen und när-\nrische Antizipationen meiner selbst; weil ich noch\nüber mich selbst lache — ich bin das kaiser-\nlich e Nichts: nicht die negative Null, son-\ndern die neutrale mediale indifferente, die ich per-\nsonifiziere und mit der ich wäe als Stern im Chaos\naller Negationen und Positionen tanzen kann.\nKraft dieser radikalen Reinheit meiner Person\nvon allen differenten Bestimmungen herrsche ich\nüber alle differenten Bestimmungen. Meine In-\ndifferenz ist als neut r a 1 e Quintessenz\naller verschiedenen Wesen das Kostbarste von\nallem, ich verschwende an jedes aus dem uner-\nschöpflichen Quell dieses Nil. Ich bin das Kind,\ndas seine Eltern erzeugt. Ich bin herz- und ge-\nwissenlos: nicht wie ordinäre Menschen im nega-\ntiven Verstände, sondern im neutralen Doppcl-\nverstande. Ich bin herz- und gewissenhaft: nicht\nwie ordinäre Menschen positiv, sondern negativ-\npositiv, also neutral. Ich führe die — per-\nsönliche neutrale Größe in alle Welt\nein. Ich beweise, daß nicht der „Wille frei\",\nsondern daß der indifferente Wille, die neu-\ntrale „Seele\", die „vernichtete\" Person — all -\nmächtig ist: alles menschliche Dynamit ist\nSchnupftabak gegen ihres! Ich bin der\n\nFranz Marc: Die Hirtin / originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "254", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.2", "texte": "Geist, der stets vereint, ich bin doppel-\nzüngig mit neutraler Zunge wie Orakel. Ich bin\ndie Sphinx, die ihr eigenes Rätsel gelöst hat.\nIch bin.\nAber der Dr. S. Friedlaender ist mein Großmaul.\n\nNocturno\nGottfried Benn\nAnni ....\nDa ging er zu Bekannten. Ein Mann und eine\nder Mann spielte. Sein Kopf hing aus einem\nUrwald hervor. Um seine Arme wanden sich dicke\nfeuchte Ranken.\nDie Frau lag vor ihm. Sie hatte Netze von\nblauer Mütterlichkeit über den Augen. Das tat\nihm wohl, der er nicht hatte, wo er sich bergen\nsollte. Dann sah er auf ihr Haar. Das war frucht-\nbar,. schwer, der Liebe gehörig- Ein Reif darin\nsang rauh aus grünen Steinen: wie sind die Nacken\nder Frauen so sanft!\nDa sah er sie und ihren Mann sich begehren und\nstillen, und wie hernach die Erde gegen sie wuchs\nund sie an sich nahm und trug, und die Nacht, die\niiber sie sank.\nDa durchstach ihn seine Einsamkeit. Da krümmte\nihn ein Schmerz. Da fühlte er seinen Leib dürr,\nkrank geschlagen, mit einer lächerlich großen\nWunde. —\nNun fühlte er sie stärker noch als schon den\nganzen Tag und alles, was er verloren hatte: die\nganze wehende Süße, wenn sie neben ihm geschrit-\nten war, der Stirne prunkende Gebärde, das Haar\n— oh nicht zu denken an dies Haar!\nDie Zähne schlugen ihm aufeinander. Er sah\ndies Haar sich vor einem andern Manne öffnen. Der\nstrich darüber. Das war es nun. In Ober-Italien\nwürde es sein. Auf den Borromäischen Inseln viel-\nleicht. In einem Hotel: die Tür zum Balkon stand\noffen und ließ die Nacht herein und das Meer.\nEr hörte einen Schrei. Die ganze Erde schrie,\nals es dann geschah. Ein Röcheln war es wie aus\neinem fernen Untergang. —\nDa erhob er sich und ging. Wenig Menschen\nkamen. Ein Fräulein kam mit Ohrringen. Wohl-\nwollen heischend war die dunkelrote Form von\nihrem Hut. Ein Trupp junger Männer kam. Froh,\nlaut, voll beruflichen Ansehens, denen wenig fehl-\nschlug. Sie lachten und waren vorbei. —\nDann war er im Walde. Noch einmal überfiel\ner ihn: zu fliehen und zu reisen. Ägypten lag ihm\nsehr am Herzen. Asien dämmerte auf. Häfen,\nMöwen, braune Kutter waren da; weißer Oleander\ndie Ufer hoch.\nWas aber dann, sagte er sich? dann? Ueberall\nwürden Städte sein, in denen sie nicht war. Man\nkonnte Meere durchfahren und sie blieb doch ver-\nloren. —\nDann ging er weiter.\nNun trug er sie zum letzten Mal durch den\nAbend, an den schlafenden Wassern vorbei. Er\nlabte ihre Lippen mit der Süße des hellen Mond-\nlichts. Er gab ihr von den zarten Nebeln an die\nSchläfen. Um die Schultern tat er ihr das Weiche\naus den Wölbungen der Uferwälder gegen den\nhellen Nachthimmel.\nDann stand er still. Entkleidete sich. War nackt.\nNun schöpfte er mit den hohlgebogenen Händen\ntief von unten an sich empor bis über die Stirne,\nals höbe er etwas aus sich hervor: wie lange trug\ner sie nun schon als das Liebste in seinem Blute;\ndas Schönste, das an ihm war; Fernstes, Weiches,\nVerborgenes, Brüderliches: sie.\nDas hielt er nun in die Höhe. Bewegte leise die\nHände. Streute es in die Nacht wie Staub, wie Ge-\nruch, wi eine Wolke.\nGanz, ganz leise regte er die Hände. Mit einer\nletzten schluchzenden Zärtlichkeit. Mit fast ge-\nschlossenen Augen, als fühlte er, wie es entwiche.\nDann fanden die Hände und taten ihr letztes\nWerk. —\n\nFlimmerndes Mädchen\nGrete Tichauer\nAls das ganze Zimmer voll Sternen war,\nzog sie sich aus;\nstand nackend und lachend\nmitten drin da\nin Sternen..\nOben haschten ihre Finger\nden kleinsten nach;\ngrößre flirrten und stiegen\num wiegende Glieder\nHüfte und Knie.\nSilbern im Silber des Raumes;\nin Sternen.\nSie tanzte des Arsten Sterbens\nKlingenden Himmelstanz.\n\nDas Reiterliedehen\nVon Paul Zech\nI.\nDa lag ein Dorf in der Nähe von Möns. Immer\ndas Bahngeleise entlang mußte man gehn. Eine\nhalbe Stunde vielleicht. Es gab aber auch Leute,\ndie ;rtur zwanzig Minuten dazu brauchten. Jenach-\ndem.\nDas Dorf war unansehnlich und hart. Denn keine\nVorgärten lagen protzig vor den Häusern. Und auch\nkein Springbrunnen stand auf -dem Marktplatz; nur\nein großes hölzernes Kruzifix.\n-Aber eine Kirche hatte dieses Dorf und eine\nSchule.\nDie Schule war krumm und blind wie ein Kriegs-\nveteran. Und auf dem Kirchturm nistete eine\nStorchfamilie.\nUnd genau vierundzwanzig Häuser waren noch\nvorhanden. In dem ersten Hause wohnte der\nPfarrer mit dem Meßdiener. Es war ein großes\nweißes Haus. Auf den Fensterbrettern standen ein\npaar Blumentöpfe und dicht dahinter hingen blaue\nGardinen herunter.\nDas zweite Haus gehörte dem L>nrer und das\ndritte dem Maitre. Beide Häusei hatten grüne\nTüren und flache Dächer.\nUnd dann kamen noch zwanzig Häuser, die\nwaren alle wie ei n Haus: schwarz und torfge-\npicht und vor* den Fenstern lagen Misthaufen: Auf-\ngehäuftes von Ziegen und Schweinen und Kanin-\nchen.\nDas vierundzwianzigste Haus war auch schwarz\nund torfgepicht. Aber statt des Düngerhaufens lag\nimmer ein Kind in der Sonne. Und in der offenen\nTür, die zweiteilig war, stand die Frau Huysmanns\nund strickte.\nJean Huysmanns, ihr Mann, war ein Steiger.\nJeden Morgen um fünf fuhr er auf dem Dreirad zur\nGrube. Und er kam erst nach sechs Uhr abends\nwieder zurück auf dem Dreirad.\nEr aß dann und trank wie einer, der viel arbei-\ntet. Und nach dem Essen ging er gleich zu Bett.\nManchmal küßte er auch die Frau noch ehe er\nschlafen ging. Wenn er ihren versteckten Mund\nsah und die Augen, sagte er immer wie aus der\nFerne: „Liebe Madelaine!\"\nUnd sie kräuselte die Lippen und küßte ihn. Und\nein Kater strich schnurrend an ihrem Fuß. Nach\neinem Weilchen stiegen sie dann zu zweit ins Bett.\nUnd als eines Abends Jean Huysmanns wie-\nderum Frau Madelaines Mund suchte und die Au-\ngen, und ein ganz klein wenig näher „Liebe Ma-\ndelaine\" sagte, nahm sie seine Hand und zerbrach\ndarin etwas.\nUnd Jean kam noch ein wenig näher und\nmeinte: „wir könnten uns doch gut einen Kostgän-\nger halten!\"\nDa schoß ihr Mund aus dei Tiefe empor, wie\nwenn sich eine kleine, süße Muschel öffnet. Und\ndie Augen streckte sie wie zwei Fühler aus. Ein\nLachen war darüber gespießt, das war rot wie\nein Herz. Und er war ihres Mannes Herz.\nII.\nAm andern Morgen, kurz vor dem Mittagessen\nkam der Kostgänger. Er reichte der Frau die\nweiche rotfleischige Hand wie ein Bekannter und\nsagte: „Der Huysmanns schickt mich. Stappen,\nLeon Stappen ist mein Name.\" Und die Frau ließ\ndie warme Hand langsam entgleiten und nickte.\nDer Kostgänger wollte gleich seine Schlafkam-\nmer sehen. Und als sie ihn die Treppe hinauf-\nführte und das Zimmer aufriegelte, wo ein frisch-\nbezogenes Bett sehr breitbeinig stand, dachte Frau\nMadelaine: er wird fünf Jahre jünger sein, denn\nJean. Und sein Haar ist ganz anders. Er wird ein\nVlame sein. Vielleicht aus St. Amand wo meine\nSchwester wohnt.\nDa Leon Stappen sich umwandte mit blitzenden\nZähnen, meinte Madelaine schlicht: „nun wollen\nwir essen. Ich habe Kohlrüben gekocht mit Ham-\nmelfleisch. Jean muß jetzt Aufgewärmtes essen.\nIch habe sonst immer des Abends die Mittagskost\ngekocht\".\nEr verzog gleichgültig den Mund und trommelte\nmit den Lippen so wie Huysmanns, wenn er Sauer-\nkraut mit gegessen hatte. Aber diese\nLippen sagten etwas anderes.\nDann gingen die Zwei hinunter und aßen. Und\nnach dem Essen holte Madelaine das Söhnchen aus\nder Kammer und hielt es dem Kostgänger hin.\n„Das ist Pull!\"\n„Ja das ist Pull!\"\n„Vier Jahre wird er im Herbst und dann be-\nkommt er Hosen an und ein Pferdchen wird ihm\nVater kaufen.\"\n„Ja, ja ein Steckeripferdchen werde ic h ihm\nkaufen\" sagte Leon Stappen und nahm den Buben\naufs Knie und ließ ihn reiten.\nEine ganze Weile ritt das Söhnchen so auf dem\nKnie des Kostgängers.\nUnd Madelaine stand mit dem Rücken am\nFenster und wiegte den Kopf zu diesem Liedchen,\ndas Leon Stappen achtlos vor sich hinpfiff. Von\nihrem Scheitel standen ein paar ganz feine Härchen\nin der Sonne und leuchteten wie Stahlspitzen.\nAber es war kein Reiterliedchen, das der Vlame\npfiff.\nUnd ganz plötzlich hatte Madelaine das Gefühl,\nals ob jemand ihren Kopf zwischen zwei weiche,\nrotfleischige Hände nähme und den Mund aus\nseinem Versteck wie mit einem Pfeifchen lockte."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "255", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.3", "texte": "Und es war Leon Stappen, der so pfiff und das\nSöhnchen noch immer auf und nieder wippte mit\ndem Knie. '\nLeon Stappen ließ den Buben wippen und\ndachte, ohne Madelaine anzuschauen: wie hübsch\nsie aussieht, nun sie da vor dem Fenster steht. Und\nihre Haare sind so blau wie polierter Stahl. Und\nihre Brüste sind rund und fest. So rund, als hätte\ndiese Frau nie das Söhnchen geboren.\nUnd Madelaine stand am Fenster und hatte noch\nimmer die weiße, knittrige- Latzschürze vor.\nEin Brummer stieß sich -an die Scheiben und\ndraußen auf der Landstraße tuckte ein Hahn die\nHühner herbei.\nDa ließ der Vlame den Knaben plötzlich fahren\nund richtete sich auf.\nMadelaine erbebte am ganzen Körper wie eine\njunge Magd, die den Liebsten kommen hört.\nHalb ärgerlich, als merkte er daß sie ihn an-\nstarrte, wandte er sich zur-Tür und warf sie ins\nSchloß. Die Bodentreppe knarrte laut auf unter den\nharten Schritten. :\n\"Und M'a delai ne s Kle i d wu rd e sc hwa rz un d\nfrostig wie 'das Gewand einer Witwe. Und ihr\nHerz fiel herab und tat einsamere Schläge.\nUm die Vesperzeit betrat Leon Stappen unbe-\nrufen dife Stube: Das Söhnchen war draußen auf\nder Gasse. Und der Kater lag zusammengerollt\nauf dem Söpha.\nMadelaine goß dem Vlamen den Kaffe in die\ngroße Tasse, die mit Goldbuchstaben verziert war.\nMit gespreizten Fingern Warf sie den Zücker hinein\nund machte einen langen Hals dabei.\nEs war ganz still im Zimmer.\nUnd plötzlich nahm er ihre kleine weiße Hand\nmit einer heftigen Bewegung und hielt sie wie ein\nGeschenk. So wie 'ein Geschenk, das ihm schon\nlange gehörte.\nWohl lag zwischen Beider Augen, die sich\nkreuzten und bekriegten und verschlangen, eine\nfragende Urtru'he. Aber die Frage wurde nicht aus-\ngesprochen. Und es war eine kleine Lüge als der\nVlame leise sagte: „Ja, ja, dii bist seine Frau\".\nAber von ihren Lippen prallte es ab wie ein\nEcho: ja seine Frau! Dahinter stand es schon ganz\nstraff und zugespitzt Wie ein Pfeil: ich wollte, ich\nkönnte schon ehrlös sein!\nUnd da sie das Gesicht voll zu ihm aufhob,\nnahm er ihre beiden Hände und wollte sie küssen.\n„Nein, o' nein\" hauchte Madelaine, „nein, nein,\nnicht die Hände!\"\nUnd so fuhr er wilden Bluts über ihr Gesicht\nmit warmen Lippen und fühlte wie ein Gift das\nfeste runde Fleisch der Arme, die jäh seinen Hals\numklammerten. Und sein Atem schrillte wie ein\nPfiff.\nUnd Madelaine stöhnte wie unter einem Mes-\nser. das die Fasern ihrer letzten Begierden bloß-\nlegte. Und sie gab ihm alles, wonach ihn hun-\ngerte und dürstete. Und' es geschah zum ersten\nMal, daß einer die Seele dieses Wreibes küßte.\nUnd es war ein Vlame, der so küßte.\nWie ein Betrunkener torkelte Leon Stappen\naiis der Kammer. Und als er die Klinke der Stu-\nbentür packte, erhob sich Madelaine und ging\nilun nach.\nMitten im Zimmer blieb sie stehen, da er drau-\nßen war. Und sie zerfloß und floß hin wie sein\nSchatten.\nDer Geruch seiner blonden Haare aber blieb\nwie ein fremder Duft in der Stube und legte sich\nschwer auf Polster lind Geräte.\nDer Steiger Hüysmanns sagte nach dem Abend-\nessen ganz langsam und sehr fern sein monotones:\n„Liebe Madelaine!\"\nAber ihr Mund lag verchlossener denn je zwi-\nschen den scharfen Winkeln. Und sie fühlte mit\neinem verbissenen Groll, daß es Nacht wurde und\nein klebriger Dunst den fremden Geruch von den\nGeräten und aus der Kammer wiegfraß.\nUnd mitten in der Nacht, genau zu derselben\nStunde da Madelaine mit blauverkrümmten Fin-\ngern über die behaarte Brust ihres Mannes fuhr\nund einen anderen ferneren Mund suchte, ward der\nSteiger Leon Stappen vom Wetter erschlagen,\nund mit ihm elf andere Männer aus demselben\nDorf. '\nIII.\nAuf' fünf Leiterwagen fuhr man die Särge, wo-\nrin das Zerfetzte von zwölf Männern lag, durch\ndas Dorf. Hinter dem ersten Wagen, der nur einen\nschwarzen Sarg über das schlechte Pflaster\nschleifte, gingen die Meßdiener und der Pfarrer.\nUnd di 6 Grubendirektoren und der Steiger Jean\nHüysmanns und seine Frau. Sie trug einen, Kranz\naus getrocknetem Moos und ein paar rote Papier-\nrosen staken darin.\nDie- Musikanten bliesen ein trauriges Lied.\nDas stolperte über-die Misthaufen und zerplatzte\nan den Fensterscheiben wie ein dummer Land-\nregen. Aber es war niemand in den schwarzen,\ntortgepichten Häusern.\nNur vor dem vierundzwanzigsten hantierte das\nSöhnehen mit einem Holzpferd. Und es tanzte\ndamit wie nach einer sanften Musik.\nDas war aber nicht der traurige Blechregen\nhinter den Särgen. Der. Vlame pfiff sich selbst\nsein-Liedchen. Und es war wie ein Reiterliedchen,\nund das Söhnchen tanzte mit dem Holzpferd\nhinterdrein.\nIV.\nDer Steiger Jean Hüysmanns fuhr jeden Mor-\ngen um fünf auf seinem Dreirad zur Grube.\nUnd Madelä.iile stand wieder am Fenster. Sie\nhatte' eine knittrige Latzschürze vor. Und die\nfeinen Härchen vom Scheitel standen in der Sonne\nund waren ganz weiß wie der morsche Reif des\nAlterns.\n■ Und es kamen noch viele Kostgänger ins Haus.\nUnd die dann wieder gingen hatten weiße Gesich-\nter, wie von einer Seuche verheert. Sie trugen\ndas weiße Verheerte in die Klöster und verbrann-\nten es im Weihrauch des Cölibats. Sie ließen\nkeine Spur und keinen :Schatten zurück. Und der\nGeruch von ihren Glatzen flog auf die Gasse wie\nSpreu und wurde vom Atem der Düngerhaufen\n.aufgesogen,- bis diese voll waren wie ein\nSchwamm.\nDa begab es sich, daß man den zwölf Berg-\nleuten, die das schwarze Wetter erschlagen hatte,\nein Denkmal setzte.\nDer Steiger Jean Hüysmanns verbot aber\nseiner Frau, zur Feier zu gehen. Denn sie war\nschwanger und im zehnten Monat.\nMadelaine zog dennoch das schwarze Braut-\nkleid an. das \" sie auch zum Begräbnis getragen\nhatte und ging auf den Kirchhof. Sie warf ein\npaar sanfte Feldblumen auf das Massengrab und\nging siebenmal um das Denkmal herum, so daß\nder Pfarrer sie ansah wie eine . Irre.\nUnd so wie eine Irre torkelte sie ins Dorf zu-\nrück. Ein fremder Schatten hüllte sie ein wie in\neine Wolke. Und sie spürte ihre Stunde wie das\nBrausen eines Bahnzuges. Sie sah darin zwei große\nLichter, die waren blau. Und ein Dampf wirbelte\ndurch ihl* Blut und machte es sieden.\nSie warf sich unausgekleidet auf das Bett, das\nkühl und hungrig in der Kammer gähnte. Und\nsie lag darin wie in einem Sarg.\nEin Fröstelschauer zerschlug ihre Glieder. Die\nLippen wurden blau, und stumpf.\nDie alte Bettlade stöhnte wie im Fieber. Aus\nden wurmzerstochenen Fugen rieselte Blut. Made-\nlaine zerfloß wie ein Schatten.\nAls Jean Hüysmanns des Abends kam und die\nausgelaugte Luft seinen Atem wegfraß, holte er\ndie Schwiegermutter. Er führte sie in die Kam-\nmer. Aber das Kind war schon da.\nDa hob es die alte Frau empor und prüfte es\nund wog es in den Händen wie eine billige Ware.\nUnd zu dem Steiger sagte sie halb im Lachen:\n„Ja, ja. Gestern hab ich der Jeanette auch so ein\nKinderl geholt. Das hat genau so blonde Haare\nund so blaue heimtückische Augen. Aber meiner\nandern Tochter Mann ist ein Vlame. Aus St.\nAmand. Du weißt ja!\"\nJean Hüysmanns nickte nur ganz fern.\nlähmt durch ein ahnendes Gefühl, das von dieser\nAlten, angebohrt, weitersägte in den verfetteten\nNerven, rang er wie ein Bewußtloser nach Wor-\nten, die Bewußtlose auf den zerwalkten Kissen da-\nmit zu beschmutzen und wegzuwerfen wie ein zer-\nbrochenes Gefäß.\nAber die hörte ein Reiterliedchen pfeifen. Und\nes waren des Vlamen Leon Stappen Lippen, die\nalso pfiffen.\n\nGedichte\nManfred Adam\n\nDie Nacht ist groß\nDie. Häuser sind Paläste geworden\nVor soviel Nacht.\nFast könnte es Herbst sein.\nAber es ist keine Jahreszeit.\nUnd die sich begegnen,\nSchauen sich an —\nHeimlich, Heilig:\nDenn der andre könnte ja ein König\nSein.\n\nSpäte Oktobernacht\nSchließlich verlöschen die Straßenflammen,\nDie noch vom letzten Abend stammen,\nUnd eine Stille wird ringsherum,\nAls wären tausend Seelen beisammen\nUnd unterhielten sich stumm. :■ •.\nAber der Mond mit unversehrten,\nÄngstigend Überriesen Gestalt\nDringt noch, langsam, doch ohne Halt,\nUnd pflanzt auf den kahlen, kalten Asphalt\nFabelhafte Gärten. ;'•>\n\nUeber das Lieht\nVon Robert Delaunay\nIm Verlauf des Impressionismus wurde in der\nMalerei das Licht entdeckt, das aus der Tiefe der\nEmpfindung erfaßte Licht als Farben-Organismus\naus. komplementären Werten, aus zum Paar sich\nergänzenden Maßen, aus Kontrasten auf mehreren\nSeiten zugleich. Man gelangte so über das zufällig\nNaheliegende hinaus zu einer universalen Wirklich-\nkeit von größter Tiefenwirkung (nous voyons jns-\nqu'.aux etoiles). Das Auge vermittelt nun als unser\nbevorzugter Sinn zwischen dem Gehirn und dei\ndurch das Gleichzeitigkeitsverhältnis von Teilung\nund Vereinigung charakterisierten Vitalität dei\nWelt. Dabei müssen sich Auffassungskraft und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "256", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.4", "texte": "Wahrnehmung vereinigen. Man muß sehen\nwollen.\n* * *\nMit dem Gehörsinn allein wären wir zu keinem\nso vollkommenen und universalen Wissen vorge-\ndrungen, und ohne die Wahrnehmungsmöglichkeiten\ndes Gesichtssinnes wären wir bei einer Successiv-\nBewegung stehen geblieben, sozusagen beim Takt\nder Uhr. Bei der Parität des Gegenstandes wären\nwir verblieben, beim proizierten Gegenstand ohne\nTiefe.\nIn diesem Gegenstand lebt eine sehr beengte Be-\nwegung, eine simple Folge von Stärkegraden. Im\nbesten Fall, kann man, bildlich gesprochen, zu einer\nReihe ancinandergehängten Wagen gelangen.\nArchitektur und Plastik müssen sich damit be-\ngnügen.\nAuch die gewaltigsten Gegenstände der Erde\nkommen über diesen Mangel nicht hinweg, und\nwäre es auch der Eifelturm oder der Schienenstrang\nals Sinnbilder größter Höhe und Länge, wären es\ndie Weltstädte als Sinnbilder größter Flächenaus-\ndehnung.\n* * *\nSolange die Kunst vom Gegenstand nicht los-\nkommt, bleibt sie Beschreibung, Litteratur, ernied-\nrigt sie sich in der Verwendung mangelhafter Aus-\ndrucksmittel, verdammt sie sich zur Sklaverei der\nImitation. Und dies gilt auch dann, wenn sie die\nLichterscheinung eines Gegenstandes, oder die\nLichtverhäitnisse bei mehreren Gegenständen be-\ntont, ohne daß das Licht sich dabei zur darstelle-\nrischen Selbständigkeit erhebt.\nJfc ♦\nDie Natur ist von einer in ihrer Vielfältigkeit\nnicht tax beengenden Rythmik durchdrungen. Die\nKunst ahme ihr hierin nach, um sich zu gleicher Er-\nhabenheit zu klären, sich zu Gesichten vielfachen\nZusammenklangs zu erheben, eines Zusammen-\nklangs von Farben, die sich teilen, und in gleicher\nAktion wieder zum Ganzen zusammenschließen.\nDiese synchromische Aktion ist als eigentlicher und\neinziger Vorwurf (suiet) der Malerei zu betrachten.\nFür die Uebersetzung verantwortlich\nPaul Klee\n\nDie rote Flamme\nVon Hermann Wagner\n\nFortsetzung\n\n„Guten Morgen, Herr Theobald!\" sagte sie und\nrieb sich die Augen.\n„Guten Morgen, 'Fräulein,\" erwiderte Herr\nTheobald.\n„Ich habe sehr gut geschlafen.\"\nSie zog ihre Arme aus dem Bette hervor und\nbettete sie unter ihren Kopf. So sah sie Herrn\nTheobald zu.\n„Wunderbar habe ich geschlafen! Gar nichts\nmehr weiß ich von voriger Nacht! — Wie spät ist\nes, Herr Theobald?\"\n„Acht Uhr, Fräulein Hermine.\"\n„Da muß ich wohl aufstehen, nicht wahr? —\nQott, ich bin gewohnt, so lange zu schlafen! Ich\nbin selten vor elf aufgestanden! . . . Ja, man wird\nfaul, Herr Theobald, faul! . .\nHerr Theobald zeigte auf das Waschgestell.\n„Ich habe Ihnen Wasser zum Waschen hierher\ngestellt,\" sagte er und gab den gemahlenen Kaffee\nin das siedende Wasser.\nDas Wasser brodelte und floß über. Die\nglühenden Platten zischten.\nHerr Theobald zog schnell den Topf zurück.\n„Wie? Sie kochen sich selbst?\" rief Fräulein\nHermine.\n„Was kochen Sie denn?\"\n„Kaffee,\" sagte Herr Theobald.\nEr wies ihr nochmals die Sachen, die er ihr zu\nihrer Toilette bereit gelegt hatte, und begab sich\ndann in die Kammer, um dort Ordnung zu machen.\nAls er wieder heraustrat, war sie schon ge-\nwaschen und angekleidet. Sie stand gerade vor\ndem Spiegel und ordnete ihr Haar.\nHerr Theobald breitete über die eine Hälfte des\nTisches ein weißes Tuch, brachte Butter und Brot\nund goß den Kaffee ein.\n„Ich danke,\" erwiderte sie, nahm einen Stuhl\nund setzte sich ihm gegenüber.\n„Sagen Sie mir, Herr Theobald,\" fuhr sie fort,\nwährend sie ein Stück Brot mit der guten gelben\nButter bestrich, „sagen Sie mir, womit soll ich\nIhnen für alles Freundliche, das Sie mir erwiesen\nhaben, danken.\"\n„Es ist nicht der Rede wert, Fräulein Her-\nmine,\" sagte Herr Theobald -und nickte ihr freund-\nlich zu.\nDie Aufrichtigkeit, mit der sie ihn ansah, der\nruhige und einfache Ton ihrer Stimme, taten ihm\nwohl.\n„Nein, Herr Theobald, ich bin Ihnen viel schul-\ndig. Mehr als Sie denken . . . Sehen Sie, gestern\nda glaubte ich noch, es Ihnen heimzahlen zu kön-\nnen, in der Art eben, wie unsereins das\nheimzahlt . . . Aber Sie \"\n„Ach, lassen Sie das!\" unterbrach sie Herr\nTheobald, der nicht einmal rot geworden war,\nsondern sich Herr der Situation fühlte.\nEs kam eine plötzliche Lustigkeit über ihn,\nalles Düstere war von ihm genommen, lachen,\nlaut und frei lachen hätte er können!\n„Sie sind ein lieber Mensch,\" sagte sie und sah\nihn mit großen und erstaunten Augen an, „ein\neigentümlicher Mensch . . . Warum haben Sie\neigentlich keine Frau?\"\n„Warum ich keine Frau habe? Das ist sehr\neinfach. Ich habe keine gefunden, die mich hätte\nhaben wollen —\"\nFräulein Hermine schüttelte den Kopf.\n„Das glaube ich nicht,\" sagte sie und in dem\nTone, wie sie es sagte, lag soviel aufrichtige\nSchätzung, daß Herr Theobald sich beschämt\nfühlte.\nEr wich daher schnell aus.\n„Reden wir doch von Ihnen, liebes Fräulein,\"\nsagte er. „Warum denken Sie nicht daran, sich\nirgendwo ein ruhiges und festes Leben zu sichern?\nSie sind doch noch jung!\"\n„Ich bin nicht mehr jung,\" sagte sie, und Herl-\nTheobald sah sie das erste Mal traurig.\nEs war aber keine heiße Traurigkeit, die klagt,\nsich windet und stöhnt, sondern ein dumpfer, alter\nSchmerz, den die Zeit stumpf und gleichgiltig ge-\nmacht hat. der es verlernt hat, Grimassen zu\nschneiden, der zynisch geworden ist und grinsen\nund lächeln kann ...\nHerr Theobald blickte dem Weibe in das Ge-\nsicht und war ergriffen.\nUnd doch durchströmte ihn eine geheime\nFreude.\nSie ist schwach, sie ist am Ende, sie braucht\nHilfe, durchzuckte es ihn.\nDaß sie schwach war und Hilfe brauchte, er-\nfüllte ihn mit Freude! . . .\n„Mit mir ist es aus . . .\" fuhr sie fort, und man\nkonnte erkennen, daß es ihr eine qualvolle Last\nwar, zu reden. „Noch ein paar Jahre; — dann\nbin ich hin!\"\nSie lachte kurz und trocken.\n„Sprechen Sie nicht so,\" bat sie Herr Theo-\nbald.\n„Sie sehen zu schwarz. Es ist noch nicht alles,\nwas Sie verloren haben! Wollen Sie nur, — Sit\nwerden sehen, es wird dann alles anders!\"\nSie lächelte ihn an.\n„Wenn man Sie reden hört, könnte man fast\nglauben, es sei wirklich so leicht. Sie sind wie\nein Kind, Herr Theobald! O, ich bin viel, viel\nälter als Sie! . . . Das Leben draußen ist ganz\nanders!\"\nHerr Theobald erschauerte.\nWem sagte sie das?\nWer wußte es besser als er, daß das Leben\ngrausam und häßlich war, er, der sich nie mit ihm\nim Einklang befunden hatte.\nWar diese da auch eine, die brünstig gegangen\nwar, eine Seele zu suchen, und die auf dem har-\nten Pfade des Lebens zusammengebrochen war?\nWarum sollte sie es nicht sein.\nWar es schließlich nicht ein jeder Mensch ein-\nmal in einem Momente seines Lebens, und kam es\nnicht nur darauf an, diesen Moment zu er-\nkennen? . , ,\nHerr Theobald war so von JHitgetühl und Liebe\ndurchglüht, daß er hätte die Arme ausbreiten\nmögen, um die ganze Welt, die ganze leidende\nWelt zu umschließen.\n„Glauben Sie nicht, daß Sie allein abseits gehen,\nliebes Fräulein,\" sagte er und seine Augen leuch-\nteten.\n„Ein jeder von uns hat wohl etwas, was an\nihm frißt . . . Ich habe schon einmal gedacht: es\ngeht nicht mehr weiter ich habe mich durch\ndie Tage geschleppt, ich war wund und stumpf...\nund sehen Sie, es ist immer wieder gegangen...\nDa drinnen muß es sitzen, da, inwendig . . . hören\nSie hinein! Dort, wenn der Schmerz am ver-\nzehrendsten brennt, dort singt etwas, eine Melodie\nklingt, eine leise, süße Melodie . . .\"\nUnd er vergaß sich ganz, lehnte sich in den\nStuhl zurück, schloß halb die Augen und sprach\nimmerzu. Es floß von seinen Lippen so leicht,\nniemals fehlte ihm der richtige Ausdruck.\nTräume flogen ihm zu, von einer unerhörten\nSchönheit und Größe, er nahm sie in sich auf,\ndurchtränkte sie mit dem, was ihm eigen war,\nund breitete sie vor ihr aus: wie ein schweben-\ndes Stück Leben eilte alles an ihr vorbei . , .\nWoher hatte er das alles? Woher hatte er es\ndoch? Er wußte es nicht, war erstaunt, zu Tode\nerschrocken darüber, und doch war ihm auch, als\nmüsse es so sein, als hätte es schon immer so in\nihm gelegen und als dränge es sich nur heute\njauchzend und sausend heraus —\nLangsam wurde er stiller und wehmütiger, und\nseine Augen füllten sich mit Tränen.\nEr erzählte ihr von seiner Liebe und von seiner\nSehnsucht, und davon, daß alles immer ein Traum\ngeblieben sei . . .\nAch, sie möge nicht glauben, daß er dieserhalb\nein Enttäuschter sei, einer, dem das Leben nichts\nmehr zu geben habe!\nEr sei glücklich!\nGlücklich und reich sei er!\nWer könne sie ihm rauben, seine Liebe?\nWer könne das?\nNiemand!\nKein Mensch und kein Gott!\nDie trüge er mit sich herum:\nSie erfüllte sein ganzes Wesen, durch sie sähe\ner die ganze Wrelt!\nJa, darauf käme es an:\nDie Welt durch das zu sehen, was man an\nihr liebe!\nOb sie nicht den Baum da draußen sehe, mit"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "257", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.5", "texte": "R. Storm-Petersen: Drame obscure / Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "258", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.6", "texte": "seinen entzückenden kahlen Aesten, mit seinen\nsüßen zarten Zweigen, die nackt seien wie win-\nzige, neu geborene -Knaben?\nUnd der Schnee darauf? Gleiche er nicht\neinem Besätze von glitzernden Diamanten?\nOder die Wolke da oben?\nDiese kleine weiße, bläuliche Wolke? Wie sie\nträumerisch dahinziehe, wie ein Märchen! . . .\nUnd dann die Menschen —\nSehe sie nicht, wie sie litten?\nDas Schicksal an Ihnen, sehen Sie es nicht?\nWie sie gedrückt dahin schlichen, durch Lüge,\nHaß, Liebe hindurch, wie Marionetten, einem Un-\nbekannten entgegen, das sie anstarre . . .\nHerr Theobald hatte den Arm ausgestreckt und\nließ ihn sinken. j\n„Ja, Fräulein . . .\" murmelte er und brach dann\n7\" \"\nplötzlich ab.\nFräulein Hermine hörte ihm nicht mehr zu.\nSie hatte den Kopf auf den Tisch gelegt,' ihn\nin ihre Arme vergraben, und weinte leise vor\nsich hin.\nOffenbar schämte sie sich. ,\nNur die krampfhafte Art, wie ihr Körper zuckte,\nverriet ihre Erregung.\nHerr Theobald blieb lange schweigsam.\nEr war plötzlich ernüchtert.\nDer Tag mit seinem aufdringlichen Licht, mit\nseinem Lärm, drang durch das Fenster.\nAlles war wie umsonst.\n■ Fast begriff .er es nicht: das sich gar nichts,\naber auch gar nichts geändert hatte.\nDaß er noch immer zwischen den vier Wänden\nhauste, daß die schmale „Sorge\" vor ihm lag, die\nTotenschänke, die ganze kleine Stadt, mit ihren\nengen Gassen und alten Giebeln, und daß die\ndüstere Ecke in der Kanzlei seiner harrte, mit der\ngleichgiltigen. nichtssagenden Arbeit , . .\nUnd daß dieser Joachim sein Freund war,\ndieser nüchterne Mensch, der nichts fühlte, nichts\nwollte! . . \\\nUnbegreiflich war ihm das alles.\nUnd fast zweifelte er an seiner eigenen Exi-\nstenz.\nDer, der er gewesen war, war nicht mehr.\nEin Fremder war es, der hier fühlte und dachte,\nder hier sah und sprach.\nDem er erschrocken zusah, der ihn ratlos\nund Staunen machte. .<\nWas war Leben, was Traum.\nIn eine fremde Umgebung sah er sich versetzt.\nAlles seltsam und neu.\nDie Erde war jung, frisch und heiter, sie sprach\nzu ihm in allen Tonarten, und er verstand sie,\nreagierte auf alles, in einer merkwürdig lebhaften\nWeise, die er bisher nicht an sich gekannt hatte\nDas Blut rollte ihm schneller durch die Adern,\nsein Atem war leicht, sein Auge scharf, flink sein\nGang, seine Muskeln spieltn . . .\nHerr Theobald entriß sich mit Gewalt diesen\nBildern, Er trat vor den Spiegel, fuhr sich durch\ndie weißen Haare und lächelte dünn.\nDie Uhr schlug neun.\n„Beruhigen Sie sich, Fräulein Hermine,\" sagte\ner, „es wird ja alles anders werden!\"\nDa sie nicht hörte, faßte er sie' an der Schulter.\nSie fuhr auf.\nSie strich sich mit beiden Händen über die\nAugen, lachte ihn an und meinte: „Sie haben\nrecht ... es ist ja Unsinn, zu flennen!\"\n... Sie stand auf und räumte, ohne ihn zu\nfragen, die Frühstücksreste vom Tische.\nAls sie das Tischtuch zusammenfaltete, wandte\nsie sich von ihm ab: „Wissen Sie, Herr Theobald,\nwarum ich geweint habe?\"\nEr wisse es nicht.\nOb er sie aber auch nicht auslachen werde,\nwenn sie es sagte?\nNein, das würde er gewiß nicht tun.\n„Ja ich weiß gar nicht, wie ich es Ihnen sagen\nsoll,\" sagte sie und drehte ihm immer den Rücken\nzu, . . . „aber wirklich: Sie lachen mich nicht aus?\"\nEr •bestätigte ihr nochmals: nein, nicht!\n„Also, — ich habe mir etwas Dummes einge-\nbildet.\"\nHerr Theobald verstand nicht.\n„Etwas eingebildet?\"\n„Ja, es war sehr dumm — Denken Sie:\nich bildete mir ein, Sie wären in mich verliebt! . . .\"\nSie lachte, sah ihn aber nicht an.\nUm sich etwas zu schaffen zu machen, faltete\nsie das Tischtuch noch einmal auseinander, legte es\nwieder (Zusammen und hing es über einen Stuhl.\nHerr Theobald war krebsrot geworden.\nEr starrte sie an und fand kein Wort der Er-\nwiderung.\nAber in seiner Brust lachte etwa», da würgte es\nund wollte her.auf! ,\nAber kein Wort fand er, nicht einmal eine Ge-\nberde ...\n.•\n..Auch Fräulein Hermine zögerte eine Weile, ehe\nsie fortfuhr:\n„Daß Sie veTli'ebt in mich wären, habe ich ei-\ngentlich nicht geglaubt . . . nein, das ist nicht der\nrichtige Ausdruck!'. . . überhaupt, — ich w/eiß nicht,\nob Sie mich verstehen werden . . , ich war über-\nrascht, daß Sie so lieb,zu mir gesprochen haben .. ,\nschon gestern waren Sie so freundlich zu mir! . . .\nund dann, nicht wahr: Sie haben doch gar nichts\ndavon! — Gott, denken Sie, da ging es mir so durch\nden Kopf: wenn das dein Mann wäre! . . .\"\nSie brach ab.\nSie drehte sich plötzlich um, sah ihn voll an: mit\neinem kurzen heftigen Blick . . .\n„Und da mußte Sie weinen?\" fragte Herr Theo-\nbald rauh.\n„Nicht wahr: so dumm!\"\nHerr Theobald ging zum Ofen und legte Kohlen\nzu. Lange und zwecklos schürte er die. rote Glut.\nEr mußte etwas tun, um seine Giedanken abzu-\nlenken. Es war ja alles unsinnig.'\nKalt wollte er bleiben. Kalt und nüchtern.\nEr sprach in Gedanken unablässig vor sich hjn:\nunsinnig, unsinnig ....\nFräulein Hermine sah ihm zu.\nIn Wirklichkeit sah sie ihn gar nicht.\nIhre Augen gingen über ihn hinweg, verloren\nsich in einem Meere von Nebel und Wolken —\n„Es war merkwürdig,\" sprach sie leise, wie zu\nsich selbst, „ich mußte dabei an meine Eltern\ndenken . . .\nEs wäre schließlich so gekommen: ich hätte\nheute einen Mann \"\nHerr Theobald griff ihre Worte auf.\nSchnell begann er zu reden, in der Furcht, .sie\nkönne wieder auf ihn zurückkommen.\nObwohl es ihm im Grunde widerstrebte, drehte\ner das Gespräch. '\n»\n„Sie haben an Ihre Eltern gedacht, Fräulein Her-\nmine. Und da mußten Sie weinen . . . Sicher gibt\nes noch viele Fäden,, die Sie,zu ihnen hinziehen. Sie\nerzählten mir ja gestern schon von ihrer Heimat.\nDenken Sie manchmal an sie zurück?\"\nFräulein Hermine fand sich gar nicht zurecht.\nHatte er etwas gefragt?\n„Wovon sprachen Sie?\"\n„Von Ihren Eltern.\"\nAch die!\"\nFräulein Hermine zog in ihrer leichten Art die\nAchseln hoch und begann langsam in der Stube auf\nund ab zu gehen.\nEs war soviel Gleichgiltigke.it und Kälte in ihrer\nStimme und in ihrer Miene, daß Herr Theobald an\nihr ganz irre wurde.\n„Sie erzählten doch gestern so lebhaft davon,\nwie alles zuhause bei Ihnen gewesen sei. Von\nIhrem Vater sprachen Sie, und von Ihrer Mutter.\nSie waren doch richtig stolz auf sie! —\"\n„Ja, ja!\" mächte sie, „wie lange ist das her!\"\n„Haben Sie nicht den Wunsch, wieder einmal\nnachhause zu gehen? Es müßte sich doch alles gut\nmachen lassen, denke ich.\"\nFräulein Hermine blieb stehen und inachte große\nAugen.\n„Wie meinen Sie das?\" fragte sie.\n„Ich meine, daß Sie das Leben hier aufgeben\nsollen. Daß Sie alles Vergangene hinter sich werfen\nsollen. Es ist ja nicht vorbei mit Ihnen, Sie haben\nnoch zu hoffen! . . . Suchen Sic Ihre Eltern auf.!. .\nGehen Sie heim, Fräulein Hermine! Man wird Ihnen\nbeistehen, alle werden Ihnen helfen!\"\n„. .. Oder können Sie das nicht?\" setzte er hinzu,\nda sie ihm gar nicht' zuzuhören schien, sondern ■;\nwieder nervös hin und her ging.\n„Was soll ijyh nich^t-können?\"\nHerr Theobald >war verlegen.\n\\ „Ich meine, ob Sie nicht imstande wären,' ein\nneues Leben zu -—, ich meine, ob Sie nicht die Lust\nfinden würden, wieder ruhiger und gleichförmiger ...\nzu leben?\" ■ ;\n„Herr Theobald!\"\nSie lachte, kam zu ihm und legte beide Hände auf ■\nseine Schultern.\nSo sah sie ihm eine Weile in die Augen.\n„Herr Theobald! Machen Sie nicht so viele\nWorte! Nennen Sie die Sache immerhin bei ihrem\nNamen! . . . Und dann, da Sie fragen: glauben Sie\nim Ernste, es machte mir viel Vergnügen, mein Le-\nben? . . . Als ich ein junges Ding war, — da war\ndas etwas anderes! Damals — vielleicht! Aber\nheute . . .\"\nSie lehnte sich noch, schwerer an ihn.\n„Ich weiß, ich weiß! Ich gefalle Ihnen noch\nimmer, Herr Theobald! . . .. Ach was! Werden Sie\nnicht rot! Was ist dabei! ••. . . Schließlich — ich\nbin erst einige Dreißig! . . . Und dann, da Sie es\nwissen wollen . . . heute, heute täte ich gern etwas\n!anderes! . . .\"\nSie ließ ihn frei und warf sich nachdenklich in\ndas Sofa.\nHerr Theobald atmete auf.\n„Versuchen Sie es,\" begann er wieder. „Fahren\nSie heim, Fräulein Hermine . . . Oder ist das nicht\nmöglich?\"\n„Möglich?\" sagte sie mechanisch. „Gewiß —\nwarum sollte es nicht möglich sein?\"\nPlötzlich ging über' ihr Gesicht ein Leuchten.\nSie warf einen lauernden Blick auf Herrn Theo-\nbald. „Oder doch, —r nein!\" sagte sie und ihre\nRuhe klang sehr gemacht. „Es ist doch nicht mög-\nlich, Herr Theobald!\"\n„Und was hindert Sie?\"\nSeine Stimme zitterte.\n„Daß Sie so fragen können, Herr Theobald!\nWomit (Soll ich die weite Reise machjen? Ich\nhabe keinen Kreuzer Geld, — ich bin blank! Auch\nkann ich mich so zu Hause nicht sehen lassen:\nin diesen Fetzen! Wäsche habe ich keine, keine\nSchuhe, an allem fehlt es mir! . . . Und dann zu\nHause. . . Wie sollte das werden? Man kennt mich\ngar nicht mehr!\"\n„Ihre Eltern . . .\"\n„Gott, meine Eltern! . . .\"\n„Leben sie noch?\"\nFräulein Hermine lag mehr auf dem Sofa, als\ndaß sie auf ihm saß. Ihre Augen waren ge-\nschlossen. „Ja. ja, — sie leben,\" und es klang, als\nwisse sie gar nicht, was sie sage, als sei sie mit\nihren Gedanken ganz wo anders."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "259", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.7", "texte": "Herr Theobald wurde unruhig.\nBelästige ich sie? fragte er sich.\n.. Dennoch wagte er, wenn auch zögernd, weiter\nvorzudringen.\n„So •wollen Sie es nicht versuchen?\"\n„Versuchen! — — Wie, Herr Theobald?\nWie?!\"\nHerr Theobald überwand sich.\nOhne ihr ins Gesicht sehen zu können, sagte\ner: „Dafür will ich gerne Sorge tragen . . . wenn\nSie gestatten . . .\"\nSchließlich warf er doch einen Blick zu ihr hin-\nüber. Sie lag noch ebenso' unbeweglich, ihre Lider\nbedeckten die Augen, kein Zug in ihrem Gesichte\nverriet: sie.\n„Wie; Sie wollen? . . .\" fragte sie endlich, und\nin ihrer Frage lag nichts von Ueberraschung und\nnichts von Freude.\n„Was in •meinen Kräften steht, gern,\" sagte\nHerr Theobald zögernd. „Ich habe freilich nicht\nviel, —aber wenn sie glauben, daß es ausreicht..\nDas dürfen Sie nicht tun,\" sagte unbeweglich\nFräulein Hermine.\nHerr Theobald war ratlos.\n'„Nehmen Sie es nicht an?\"\n„Das dürfen Sie nicht tun,\" wiederholte Fräu-\nlein Hermine mit der gleichen Farblosigkeit, ohne\nmit einer Wimper zu zucken.\n„Habe ich Sie beleidigt?\"\n„Herr Theobald! Wer sagt Ihnen denn, daß ich\nIhr Geld nicht nehme, um mir damit einige lustige\nTage zu machten und dann wieder — unterzu-\ntauchen?\"\n„Nein Fräulein reden Sie nicht so! . . . Das ist\nja . . . Nein, nein, hören Sie auf!\"\n„Wer sagt Ihnen das? Wissen Sie denn, wer\nich bin? Kennen Sie mich? Wer bürgt Ihnen dafür,\ndaß ich..Sie nicht an der Nase herumführe?\"\nEs war gar nicht, als ob sie es sei, die sprach.\nIrgendein Miädchen lag auf dem Sofa, teilnahms-\nlos, mit geschlossenen Augen, und aus seinem\nMunde kamen .gelassen, ohne sich zu überstürzen,\nWorte, Worte ...\nSie waren farblos, fast ohne Betonung ge-\nsprochen, man konnte im Zweifel sein, ob die, die\nsie sprach, wach war oder schlief.\nDas einzige, wodurch sie eine Nuance Leben\nerhielten, nur einen Hauch, schien ein leiser Spott\nzu sein. Herr Theobald fühlte ein leiser Spott . . .\n„Ja, so leicht machen Sie es einem, Sie zu be-\ntrügen! . . . Stellen Sie sich vor, wie alles kommt:\nman nimmt Ihr Geld, Ihr schönes Geld, Herr Theo-\nbald, man macht mit ihm davon. . . Irgendwohin\n— natürlich, wo's lustig ist . . . das findet sich!\nJemand, der mitfährt . . . haha! . . . der findet sich\nauch! . . . Was soll man machen? M,an unterhält\nsich nicht? Zu Zweien, zu Dreien, zu Dutzenden...\nSie haben eine Ahnung, was man treibt! . . . Man\ntrinkt, man lacht . . . Man lacht, Herr Theobald!\nMan wälzt sich, — ja! . . . Es gibt da eine Ge-\nschichte . . . von einem alten Mann . . . haha! . . .\nder Huren Geld gibt . . . haha! . . . für nichts! . . .\nfür nichts! ...\"\n•Was bin ich für ein jämmerlicher Mensch! sagte\nsich in Gedanken Herr Theobald. Warum breche\nich nicht in Gelächter aus über mich!\nEr sah sich vor einem anderen stehen, der er\nselbst war, und sah sich, wie er über diesen an-\nderen lachte, und dieses Gelächter klang ihm\ngellend in die Ohren. In Wirklichkeit brachte er es\nnur zu einer verzweifelten Aeußerung, in die er\nallen seinen Schmerz und all' seine Entrüstung\nhineinpreßte:\n„Fräulein! . .\n„Herr Theobald?\" sagte sie weich und schlug\nzum ersten Male die Augen auf.\nHatte sie gar nichts gesagt?\nSie sprang auf und reichte Herrn Theobald die\nHand. „Ich nehme an, ich nehme an!\" rief sie aus.\n„Alles, was von Ihnen kommt, nehme ich an! Aber\nich zahle es Ihnen zurück! Alles zahle ich Ihnen\nzurück, jeden Kreuzer! . . . Nicht wahr, Sie glau-\nben es ' Sie glauben es mir?!\"\n„Gewiß, Fräulein Hermine . . .\"\nSie hörte nicht auf, seine Hände zu schütteln;\n„Und Sie schenken es mir nicht?\"\nHerr Theobald wurde rot.\nAber sie drang in ihn: „Sagen Sie es, daß Sie\nes mir nicht schenken! Sagen Sie es, sagen Sie\nes!\"\n„Ja . . . ja . . .\"\n„Ich freue mich darauf. Jetzt! Jetzt freue ich\nmich' darauf! ... Ich werde heim fahren . . .\nheim . . . Denken Sie sich: zehn Jahre war ich nicht\nmehr zu Hause! Zehn Jahre . .\nUnd ohne daran zu denken, daß er es schon\nwußte, fing sie wieder an, ihm von allem, von dem\nsie ihn schon gestern unterrichtet hatte, noch ein-\nmal zu erzählen: von ihrem Dorfe und von ihren\nLeuten. .\nDabei kam sie in ihrer. Erzählung, die sie in ihrer\nArt sprunghaft, verworren und ohne Zusammen-\nhang vorbrachte, immer wieder darauf zurück, er\nmöge ja nicht glauben, daß sie von gemeinen Leu-\nten, ohne Bildung und ohne Erziehung sei.\nSie sprach in der Tat recht gewählt und zeigte\nsich jeder Situation gewachsen, ja, einem unbe-\nfangeneren Beobachter als Herrn Theobald wäre\nkaum jener leis ironische Ton ihrer Worte ent-\ngangen, mit dem sie gleichsam ihre höhere Intelli-\ngenz markierte. Dennoch war noch so viel des\nFrischen, Unbekümmerten und Naiven in ihr, daß\nihre Worte wie prasselnde Funken stoben, ohne\ndaß die Lebhaftigkeit ihres Wesens sie dazu ver-\nführt hätte, platt, gemein und plump roh zu\nwerden.\nKaum daß sich hin und wieder durch eine\nGeste, einen Blick, eine Wendung verriet, wer sie\nwar.\nHerr Theobald hörte ihr angestrengt zu, ver-\nschlang sie mit seinen Blicken und wußte doch\nnicht, was sie sagte.\nEr machte zuweilen eine kurze Bemerkung,\nnickte viel mit dem Kopfe und lächelte, wenn ihre\nZähne aufblitzten, mechanisch mit.\nIm Geheimen aber sog er sich mit ihrem Bilde\nvoll, prägte sich jeden einzelnen ihrer Züge ein,\nließ sich keine ihrer vielen charakteristischen\nGesten und Laute entgehen.\nMit allen Fasern seines starken Verlangens\nhatte er sich an sie geklammert.\nEr wußte: ihr Bild würde nie mehr in ihm ver-\ngehen ...\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\n\nMärzlieh den Kur-\nfürstendamm herunter\nAlfred Richard Meyer\nDer Kaiser Wilhelm Gedächtnis-Kirche ragender\nTurm\n(der auf Bfrehl von S. M. mit dem Stern auf dem\nKreuz)\nsieht heute so iibermangansauerkalig\ngewaschen aus.\nDas war der Märzwind der Nacht,\nder märzliche Regen,\nvorfrühlingsfröstelnd,\nvielleicht aber auch ' • \"\n— wer kann das wissen! — , •\nein heimlicher Gruß aus den Lüften,\ndie eben mal nötige, absolut nötige Schleuse\naus dem P. P. des 'Zeppelin-Luftschiffes „Hansa\"\n(war es Herr Silbergleit, Heller, gar NatterÖth?),\ndie jetzt gen Schmargendorf\nunschuldig\nihren goldenen Geierflug zieht. •\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Biicher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine hrnpfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, fallis Rückporto beigefügt wurde.\nAlbert Ehr ein stein \" \\J\nTubutsch\nMit Zeichnungen von Oskar Kokoschka\nVerlag Jähoda und Siegel / Wien\n' \" j i ' •\nAlbert Ehrenstein\nDer Selbstmord eines Katers\nMünchen /' Verlag Georg Müller\nAlexandre M e rc e r e a u\nParoles devant la Vie\nLa Vie / Le poete / La Fimancee / La fernrne\nenceinte / La Mere Soi-Meme ./ La De-\nmeure ! La Morl\nParis / Eugene Figuiere et Cie. Editeurs\nAlexandre Mercereau\nLa Litterature et les Idees Nottvelles\nParis / Eugene Figuiere et Cie Editeurs\nCollection „Revue Independante\"\nJean M e t z i n g e r\nAlexandre Mercereau / Essai Critique\nParis / Eugene Figuiere et Cie Editeurs\nGui 11 a um e Apollinaire\nL'Enchanteur Pourrissant 1\nMit Holzschnitten von Andre Derain\nParis I Verlag Kahnweiler\nGui 11 au m e Apollinaire\nL'Heresiarque et Cie / Novellen\nParis / Verlag Stock\nGui 11 au m e Apollinaire\nLes Peintres cubistes / Meditations esthetiques\nParis / Eugene Figuiere et Cie Editeurs\nAlfred D öb l i n\nDie Ermordung einer Butterblume / Novellen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nGuillaume Apollinaire\nLe Bestiaire ou Cortege d'Orphee\nParis / Verlag Deplanche\nHenri-Martin Barzun\nL'Ere du Drame / Esai de Synthese Poetique\nModerne\nParis / Verlag Eugene Figuiere et Cie\nCollection „Poeme et Drame\"\nEugene Montfort\nLa Turque / Roman Parisien\nParis / Modern-Bibliotheque\nArtherne Fayard et Cie / Editeurs"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "260", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191301-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen voe\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durck\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlm\nder Sturm Berlin W 9\nI>fe Zurückweisung von Anzeigen behält stich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Ansähe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause j Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin Augustastraße SI\ncegeniiber der von der Heydtstraße\nFahrgelegenheit: Liitzowplatz\nElfte Ausstellung\nG. Milnter\nGeoffnet taglich von 16—6 Uhr / Sonntags von\n16—2 Uhr\nEintritt 1 Mark J Jahreskarte 6 Mark\nVom 27. Januar ab: j\nZwOlfte Ausstellung\nR. Delaunay\nArderago Sofflcl\n\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\nI Tiger / Pfe r d e (Hochformat) / Original-\nholzschnitte / ie 10 Exemplare vein Kiinstler aui\nJapanpapier handgedruckt, signiert und ntinieriert\nI Das Exemplar 40 Mark\nG. Milliter: Neujahrswunsch I Flint signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nRichter-Berlin: Landschaft mit hoilandischer Miihle\n1 Landschaft mit Bockmiihle / Landschaft mit Bahn-\nwarterhauschen / Landschaft mit Kindern / ie fiinf-\nzehn signierte und numerierte Exemplare auf Ja-\npanpapier I Das Exemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottlufi: Mann und Weib / Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Exemplare /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande 1 / Vom Strande 111 /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Exemplare /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fiir die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Niii n s k y / Portrat Licht-\ndruck, großes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Reproduktionen von\nGemalden (ein Farbendruck) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno liolz / Fiir Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKiinstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in volier Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 13-4 a if 8 'f8\nFernruf Amt Liitzow 4443 .1\n... .. .. s*\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewdhnliche Ausgabe: Fur Deutschland\nund Oesterreicih-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummcr 40 Pfennig X Fur das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbemimmer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Roll en direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fur das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm. Berlin W9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken und Straßenst&nden\nauf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Bet r a g fur den\nDauerbezug bei der Besieilung oder bei\nBegin n d.es neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daß E i n -\nzieh un g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\n\nZeitsehriften\nDie Aufnahme erfolgt kostenios nach freicm Ermessen\nder Redaktion dieser Zeitschrift\nL'Effort Libre / friiher L'Effort /' Monatsschrift I\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'lndependance / Halbmonatsschrift /' Kiinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue ' Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre ! Moulins [Aliier]\nLes Soirees de Paris J Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fur Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). Jahrlich M. 12.60 / Prag I / Bellevue\nI Franzeno.uai 20\n\nAnzeigen\n\nNeue Kunst Hans Go 1t z Miin ch en , Ode-\nonsp 1 a t z 1 I Van Gogh bis Kandinsky / Die\nGraphische Ausstellung enthalt zurzeit Brang-\nwyn I Hodler / Lieberraann / Munch I\nSchmutzer / Slevogt / Zoir / Zorn ! und\nandere / Illustrierter Katalog der ersten Aus-\nstellung 50 Pfennig / Sarnmler wollen mir ihre\nWunsche stcts iibermitteln / Auswahlsendungen\nbereitwillig\nDer neue Kunstsalou Dr. Paul F. Schmidt\nund Max Dietzel Mii n c h en , Koniginstraße 44\n(am englischen Garten). / Januar 1913: Kol-\nlektiv-Ausstellung von Erich Meckel, £. L. Kirch-\nner. Otto Mueller und Schmidt-Rottluff. Standige\nAusstellung von Expressionisten: Picasso, Ko-\nkoschka, Nolde usw. Kunstgewerbe, Graphisches\nKabinet, Handzeichnungen und Graphik erster mo-\naerner Kunstler.\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitgl ie d e r der Neuen Sezession\nerhalten jahriich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 112\nfreien Eintriit zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgiiedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschartsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, Miquelstraße 7a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kafiee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten coffeinhaJtigen Kafrees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich flir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmuud iVleyer / Buchhandier und Antiquar /\nlin W 35, Potsdamer Straße 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur alier Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung / Oktober-\nausstellung: Alfred Kubin und sein Werk\nRenß und PoHack / Buchhandiung und AntiQU*-\nriat / Potsdamerstraße 118 c. Fernsprecher Amt\nLiitzow 2829 / Graphisches Kabinett der Neuen\nSezession / Vorlesungen iiber moderne und buch-\ngewerbliche Themen / Eintritt frei / Anmeldungen\nerbeten / Standige Ausstellung von Luxusausgaben\nin ausliindischer Literatur\nFritz Merker Charlottenburg, Schillerstraße 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nrnaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fur Berl'dn\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraße 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425"}]}