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Februar 1913 veröffentlicht folgende Kritik:\n\nKandinsky\nKurt Küchler\nZur Ausstellung bei Louis Bock\nSohn, Hamburg\nBei Louis Bock & Sohn hat wieder einmal\neiner jener unglückseligen Monomanen ausgestellt,\ndie sich für die Propheten einer neuen Malkunst\nhalten. Wir sind schon mehrfach mit guten ästhe-\ntischen Gründen gegen die unsinnige Theorie die-\nser Leute und gegen ihre ganze Pfuscherei zu\nFelde gezogen, daß wir heute diesen Russen Kan-\ndinsky rasch und ohne Aufregung erledigen\nkönnen.\nWenn man vor dem greulichen Farbengesudel\nund Liniengestammel im Oberlichtsaal bei Bock\nsteht, weiß man zunächst nicht, was man mehr\nbewundern soll: die überlebensgroße Arroganz,\nmit der Herr Kandinsky beansprucht, daß man\nseine Pfuscherei ernst nimmt, die unsympathische\nFrechheit, mit der die Gesellen vom „Sturm\", die\nProtektoren dieser Ausstellung, diese verwilderte\nMalerei als Offenbarungen einer neuen und zu-\nkunftsreichen Kunst propagieren, oder den ver-\nwerflichen Sensationshunger des Kunsthändlers,\nder seine Räume für diesen Farben- und Formen-\nwahnsinn hergibt. Schließlich aber siegt das Be-\ndauern mit der irren, also unverantwortlichen\nMalerseele, die, wie ein paar frühere Bilder er-\nweisen, vor der Verdüsterung schöne und edle\nmalerische Formen schaffen konnte: gleichzeitig\nempfindet man die Genugtuung, daß diese Sorte\nvon Kunst endlich an den Punkt gelangt ist, wo\nsie sich glatt als den Ismus offenbart, bei dem sie\nnotwendig landen und stranden mußte, als den\nIdiotismus.\nMan wird vielleicht finden, daß seien harte und\nungerechte Worte. Ich finde, es sind die einzig\nmöglichen. Der Versuch einer ernsthaften Kritik\nwürde in diesem Falle, meine ich, ein bedenkliches\nLicht auf den Kritiker werfen. Die bloße Konsta-\ntierung der Existenz einer solchen Pseudokunst\nist eigentlich schon zu viel.\n\nH. W.\nDen letzten Teil dieser Kritik lasse ich fort,\nweil er wesentlich neue Beschimpfungen nicht\nmehr bringt. Herr Kurt Küchler braucht nicht\nwiderlegt zu werden. Man ist auch weniger em-\npört über die Dreistigkeit eines Possenautors, als\nüber die Tatsache, daß einem Unwissenden von\neiner großen Tageszeitung die Gelegenheit ge-\ngeben wird, sich an dem hochbedeutenden Künst-\nler Kandinsky so zu vergreifen. Dieser Protest\nrichtet sich innerlich mehr gegen den Mißbrauch,\ndaß solche Leute auf Künstler losgelassen werden.\nDieser Protest soll aber zugleich für Kandinsky\neine Ehrung bedeuten und ihm zeigen, welche\nAchtung und Anerkennung seine Kunst bei künst-\nlerischen Menschen findet. Ich bewundere ihn\nund sein Werk.\n\nDr. Heinz Braune\nK. B. Direktion der\nStaatlichen Galerien\n. . . Immerhin bin ich der Meinung, daß durch\nsolche Art von „Kritiken\", mehr der Schreiber\ngebrandmarkt wird, als der Künstler. Wer mit\nKot wirft, beschmutzt zunächst sicher seine eige-\nnen Hände; der andere aber wird gewöhnlich so\nwenig getroffen, wie in diesem Fall Kandinsky,\ndessen lauteres, ernstes und unerschrockenes Vor-\nwärtsstreben dadurch nicht zu irritieren sein\nwird.\nAus einem Schreiben an den Herausgeber der Zeitschrift\n\nRichard Dehmel\nSehr geehrter Herr Waiden\nWenn ich gegen die Dummheit des Federviehs\njedesmal „etwas schreiben\" wollte, wäre ich\nlängst am Schreibkrampf verreckt. Lassen Sie\ndieses Kurt Küchlein doch piepsen; für solche\nHühnergehirnchen zerbricht sich Kandinsky wohl\nnicht den Kopf.\nBesten Gruß\nDehmel\n\nKarl Ernst Osthaus\nMuseum Folkwang / Hagen i/W\nEs verlohnt wohl nicht auf die Ausführungen\ndes Herrn Küchler näher einzugehen. Die Tat-\nsache, daß sich Arbeiten von Kandinsky im Folk-\nwang-Museum befinden, wird Ihnen zur Genüge\nsagen, was ich von dem Künstler halte.\nHochachtungsvoll\nMuseum Folkwang\nHagen i/W\nOsthaus\n\nW. Steenhoff\nStellvertretender Direktor des\nReichsmuseums zu Amsterdam\nSehr geehrter Herr\nIch ließ Ihnen ein Exemplar meines Essays über\nKandinsky in der Zeitschrift „De Amsterdammer,\nWeekblad voor Nederland\" zusenden. In einigen\nTagen erscheint eine zweite Besprechung dieses\nsehr bedeutenden modernen Malers in der\nWochenschiift „de Ploeg\", herausgegeben von de\nWereldbibliotheek, Amsterdam. Ich höre, daß\nAlbert 'Verwey, einer der ersten holländischen\nAutoren in der Wochenschrift „de Beweging\" ein\nGedicht über Kandinsky veröffentlichte. Uebrigens\nist Kandinsky auch hier viel durch die Kritiker\nbeschimpft worden. Aber was macht das!\nHochachtungsvoll\nW. Steenhoff\n\nSwarzensky\nDer Direktor des Städelschen Kunst-Institutes\nFrankfurt am Main\nSehr geehrter Herr\nWir leben in einer Zeit, wo jeder alles sagen\nkann; so ist also ganz selbstverständlich, daß An-\nsichten jeder Art gedruckt werden und ganz\nzwecklos, dagegen mit dem gleichen Mittel einei\nöffentlichen literarischen Qegenäußerung zu pro-\ntestieren.\nEmpörend finde ich nur, daß es möglich ist, das\njemand, der berufsmäßig in einer angesehenen\nZeitung Kritiken schreibt, eine derartige Expekto-\nration als Kritik herausgibt, — daß er die Sache,\ndie er beurteilen soll in Grund und Boden ver-\ndonnert und dabei ungeniert eingesteht, daß er\nvon dem „Versuch einer ernsthaften Kritik\" ab-\nsieht, — ohne seine Ansicht als eine rein subjek-\ntive Aeußerung zu charakterisieren. Ich kenne die\nPersönlichkeit des „Kritikers\" nicht, und weiß des-\nhalb nicht, ob und inwieweit diese seine rein per-\nsönliche Meinung als solche Ihre Entrüstung recht-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10397, "texte": "fertigt. Außergewöhnlich scheint mir nur der Ar-\ntikel in seiner Form in der Vorliebe für ehren-\nkrankende Beleidigungen, mit denen der Künstler\nund der Kunsthändler bedacht werden. Hier gegen\nsollte zwar nicht der Künstler — denn nach meiner\nunmaßgeblichen Meinung widerspricht das etwas\nder Würde des Künstlers — wohl aber der be-\ntroffene Kunsthändler mit allen Mitteln energisch\nvorgehen.\nIhnen ein abschließendes Urteil über Kandins-\nky und sein Streben zu präsentieren, fühle ich\nmich außerstande; vielleicht interessiert es Sie\naber, daß ich persönlich zwei Bilder von Kandinsky\nbesitze, die ich einmal gekauft habe, einfach weil\nsie mir besonders gefielen. Ich habe an den Bildern\nviel Freude und hoffe die Freude daran lange zu\nbehalten. Ich nehme es aber niemanden übel,\nwenn er die Freude mit mir nicht teilen kann.\nHochachtend\nSwarzenski\n\nWilhelm Hausenstein\nSehr geehrter Herr Waiden!\nSie hatten die Freundlichkeit, mir eine Notiz\ndes Hamburger Fremdenblatts über Wassily Kan-\ndinsky zuzuschicken.\nSie nennen diese Notiz eine „unerhörte Be-\nschimpfung Kandinskys\". Es handelt sich bei der\nNotiz des Herrn vom Hamburger Fremdenblatt in\nder Tat nicht um den Versuch einer Beurteilung\nder Kunstdokumente, die wir Kandinsky verdan-\nken, sondern um eine platte Anödung der Person\ndieses Malers. Es steht den Zeitgenossen frei,\nüber Kandinskys Kunst zu denken, wie sie wollen.\nEs steht ihnen frei, sie abzulehnen. Aber es steht\nihnen, solange Schicklichkeit eine giltige Sache ist,\nnicht frei, im literarischen Verkehr die Gesetze des\ngesellschaftlichen Anstandes gering zu achten. Es\nist ganz im Allgemeinen gewöhnlich, chauvinis-\ntische Instinkte zu reizen. Es ist doppelt gewöhn-\nlich, wenn ein Herr, der beansprucht, als Kunst-\nkritiker betrachtet zu werden, einen Fremden, der\nwie Kandinsky mit allem Takt die Gastfreundschaft\nDeutschlands genießt, mit einem eignen Ton als\n„diesen Russen\" der nationalen Verachtung an-\nempfiehlt.\n„Ueberlebensgroße Arroganz\", „Pfuscherei\",\n„Extrakabinett\" im „Panoptikum\", „Idiotismus\",\n„Größenwahnwitz\" etcetera und dazu einmal eine\nverschämte reservatio mentalis, die milde von\n■einer „irren, also unverantwortlichen Malerseele\"\nredet: das ist nicht Kritik, sondern ganz einfach\nbloß ein unfairer gesellschaftlicher Verkehrston.\nDie Sache ist übrigens typisch. Vor wenigen\nTagen hat ein Herr Fahrenkrog in Barmen im\nKampf gegen die neue Kunst und ihre Vorkämpfer,\nbesonders gegen den hochverdienten Dr. Reiche,\ndie Höhe der deutschnationalen Noblesse und des\nkritischen Scharfsinns erklommen, indem er die\nMünchener Maler Alexei von Jawlensky und Wla-\ndimir von Bechtejeff als „Polacken\" qualifizierte.\n(Weshalb nicht lieber gleich auch als Juden? Es\nist übrigens sehr vergnüglich, zu sehen, daß dieser\nJargon gerade auf zwei Maler loshagelt, die in\nden feudalsten russischen Regimentern Offiziere\ngev. esen sind — Personen, vor denen, wären sie\nDeutsehe; mancher malende und kritisierende Un-\ntertan bei uns instinktiv innerlich stramm stehen\nwürde. Die Vorstellung hat uns amüsiert.)\nNeuerdings haben die Herren von der deutschen\nKunst nun auch noch den Praezeptor Germania\nfür sich: den Kunst- und Kulturwart, der einen\nprachtvollen Cezanne mit der bildungverbreiten-\nden Note „Genie und Faulheit?\" versieht.\nJe nun —■ wer nicht weiß, daß es bon ton ist,\nauch gegenüber Gegnern und gegenüber Leuten,\ndie man nicht kennt, eine gewisse neutrale Kon-\nvention der Höflichkeit einzuhalten, der erledigt\nsich von selbst. Man kann auf jede Frechheit ein-\ngehen, die formulierte Bosheit, die Witz enthält.\nAber gegen stumpfen Untakt polemisiert man nicht.\nMan registriert ihn für die Naturgeschichte der Kri-\ntik, so wie man es registriert hat, daß der Pinsel\neines Delacroix seinerzeit ein besoffener Besen ge-\nnannt wurde und daß man Courbet anwitzelte, er\nlasse sich wohl nie rasieren, damit er mit seinem\nborstigen Vollbart malen könne. In etlichen Jahren\nkann man den Ungeist, der gegen die neuen Künst-\nler mobilisiert wird, vielleicht nicht ohne Vorteil\nfür die Sache wieder einmal zitieren. Inzwischen\nwollen wir ihn schlafen lassen.\nIch glaube, ein großer Teil der „Kritiken\", die\neher Injurien als Urteile sind, würde nicht ge-\nschrieben, wenn die Herren eine Ahnung davon\nhätten, was etwa ein Kandinsky menschlich und\nkünstlerisch ist. Manchmal verspürt man Lust, die\nBekenner und Schriftsteller wohlwollend an den\nOhren heranzuführen und ihnen zu sagen: hier das\nist er; so schaut er aus — gerade wie andere.\nIch schätze mich glücklich, mit Kandinsky per-\nsönlich bekannt zu sein. Bevor ich ihn persönlich\nkannte, hatte ich ein lebhaftes abstraktes Interesse\nfür seine Arbeiten. Sie gefielen mir und reizten\nmich. Seit ich ihn persönlich kenne, verbindet mich\nnoch mehr mit ihm: ein ganz konkretes mensch-\nliches Vertrauen zu seinen künstlerischen und mo-\nralischen Gesinnungen und eine hohe persönliche\nAchtung vor seiner den Dingen des Lebens über-\nlegenen, differenzierten, dabei ruhigen und ein-\nfachen Intelligenz. Er ist ein Mensch, an den ich\nglaube.\nIch werde ihm die Bekenntnisse des aufgeregten\nHamburger Herrn bei Gelegenheit zeigen. Ich\nfreue mich schon jetzt auf sein Gesicht. Er wird\nsie mit der wortlosen Ironie des Gentleman auf-\nnehmen, die viel schöner ist als die gelungensten\nMalicen und als die erhabensten Entrüstungen.\nDas alles erzähle ich Ihnen, weil es mir Freude\nmacht, das alles von einem Menschen erzählen\nzu können, und weil ich glaube, daß Sie Freunde\nhaben, zu denen man solche menschlichen Dinge\nsagen kann und denen sie etwas bedeuten.\nAls ich Kandinsky kennen lernte, war ich von\nnichts so verblüfft, wie von seiner unbedingten\nDuldsamkeit. Ich hatte mir immerhin einen Radi-\nkalen gedacht: einen Prinzipiellen, einen Gewalt-\nsamen. Das Erste, was er mir sagte, war die ein-\nfache Bemerkung, daß er seine Kunst für etwas\nhöchst Relatives halte.\nWas will er? Er hat früher Arbeiten gemalt,\ndie das Niveau eines feinen Impressionismus haben.\nKleine russische Landschaften, die ich bei ihm\nsah, haben aber schon von Anfang an eine eigen-\ntümliche Tiefe: sie sind zwar wirklich, aber doch\nwie losgelöst vom Wirklichen und scheinen eine\nmetaphysische Bedeutung zu haben, die über das\nSujet hinausgeht. Sie sind unendlich bedeutender\nals die wackeren, couragiert breitpinseligen Land-\nschaften des Citramalers Albert Lamm, der den\nUltramaler Kandinsky erschlagen hat.\nKandinsky erkannte, daß es — wollen wir\nwirklich eine durchgebildete Kultur der male-\nrischen Form — notwendig ist, die malerische\nForm gleichsam rein darzustellen: gleichsam eine\nKritik der reinen Anschauung zu geben. (Ein\nwitziger Skeptiker machte das Bonmot: Kant und\nKandinsky.) Die künstlerischen Mittel sollten von\nallem Materiellen gereinigt werden; Kandinsky\nwollte die absolute Logik der Formen und Farben,\ndie absolute Gesetzlichkeit der malerischen Asso-\nziationen darstellen.\nEs ist, wie ich glaube, in Kandinsky mancher-\nlei Didaktisches — vielleicht sogar ein gewisses\nGefühl für das Recht des Akademischen, ein ge-\nwisses Vorwalten der künstlerischen Intelligenz.\nAber diese Persönlichkeit ist viel zu komplex, um\ndamit bezeichnet zu sein. Mit diesem Rationalis-\nmus ist eine Fülle der irrationalsten Sinnlichkeit\nverbunden — freilich einer Sinnlichkeit nicht wie\nbei Corinth, sondern einer Sinnlichkeit, die spi-\nritualisiert ist.\nUnd schließlich ist es auch wieder verkehrt,\nzu meinen, Kandinskys Malerei sei vollkommen\nungegenständlich. Sie ist ohne physisches Motiv.\nAber sie ist nicht ohne geistiges Motiv. Kandinsky\nist ungewöhnlich musikalisch und ein Freund der\nMusik und der Persönlichkeit Schönbergs. Was\ner malt, das ist am Ende nicht rein abstrakt, son-\ndern es ist darin viel Uebersetzung irrationaler\nseelischer Empfindungszustände und Assoziationen\nin farbige Aequivalente, die eine bestimmte Stärke,\neine bestimmte Breite, eine bestimmte . Höhe\nhaben. Ein Ausdruck voll von Verhältnissen und\nvon Ordnung.\nEs scheint mir lächerlich, die Möglichkeit einer\nsolchen Kunst zu bezweifeln. Man könnte gerade\nso gut eine Farbenkomposition von Delacroix be-.\nzweifeln. Aber das tun nur die, die nicht wissen,\ndaß alle Kunst zuletzt den Zweck hat, die Form\nmöglichst rein darzustellen und sie von der\nSchwere des Motivs — sei es physisch, sei es\npsychisch — möglichst zu befreien.\nDie ganze Entrüstung über Kandinsky ist dop-\npelt und dreifach absurd, weil Kandinsky nicht die\nSpur eines Bedürfnisses nach Selbstinszenierung\ngehabt hat. Ich habe noch nie einen reservierte-\nren Maler gesehen.\nWeiter: Kandinsky ist überzeugt, daß sein Weg\nnicht etwa das absolute neue Prinzip ist. Er\nempfindet sich als Konservativen: in dem Sinn\netwa, in dem Signac sich als den Wahrer der for-\nmalen Traditionen eines Delacroix empfand.\nUnd endlich: er ist sicher, daß sehr bald wieder\neine Malerei beginnen werde, die von den phy-\nsischen Realitäten ausgeht und mit den gereinigten\nMitteln der gegenwärtigen Kunst oder mit Mitteln,\ndie wir noch nicht sehen, eine neue künstlerische\nErschöpfung der physischen Welt versuchen wird.\nKandinsky betrachtet seine Kunst als eine Aus-\ndrucksmöglichkeit von bestimmter Art, der andere\nAusdrucksmöglichkeiten gegenübertreten sollen.\nAber selbstverständlich: mit vollem Glauben sucht\ner nur die seine.\nKandinsky ist im Grund nichts als ein Reprä-\nsentant eines neuen Idealismus. Idealismus ist\nhier allerdings nicht das, was der treudeutsche\nAvenarius darunter versteht. Idealismus ist gren-\nzenloser.\nEs ist lustig, daß wir den Idealismus gegen ein\nSpezialorgan „für Ausdruckskultur\" verteidigen\nsollen. Die Herren kämpfen gegen das, was sie\nselber wollen. Oder wollen sie nicht eine Gesin-\nnung, die der Gewalt der natürlichen Materie eine\nordnende und überwindende Geistigkeit des Aus-\ndrucks gegenüberstellt? Wohl. Aber mit Maß,\nUnd mit der Zeit wird jede Jugend mehr oder\nminder Gartenlaube.\nWarten wir ab: in zehn oder zwanzig Jahren\nist Kandinsky Mode. Das ist ein Gesetz der Gene-\nrationsverschiebung. Er selber wird dann freilich\nlängst anders sein. Es ist nun einmal so in diesen\nZeiten zerspaltener Gesellschaftlichkeit, in der sich\nDinge, Menschen nicht aufeinander beziehen lassen:\nder Kritiker rückt um zehn, das Publikum um\nzwanzig Jahre hinter dem Künstler her. Das ist\nübrigens noch sehr loyal: bei den Aelteren dauerte\nes noch länger. Aber immer meinen Kritiker unef\nPublikum, sie seien der Praxis voraus und hätten\nden Künstler zurechtzuweisen oder ihn für ver-\nrückt zu erklären."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2708, "texte": "Sie haben mich, sehr geehrter Herr Waiden,\num meine Meinung über Kandinsky befragt. Hier\nist sie. Machen Sie von meinen Mitteilungen den\nFreunden des „Sturms\" gegenüber und denen, die\nes werden können, den Gebrauch, den Sie für\nnützlich halten.\nIch wünsche Ihrer entschlossenen Arbeit allen\nErfolg und begrüße Sie mit herzlicher Hochachtung\nals Ihr ergebener\nWilhelm Haus.enstein\n\nDie Unterzeichneten erheben hierdurch gegen\ndie Beschimpfung des Künstlers Kandinsky im\n„Hamburger Fremdenblatt\" vom 15. Februar den\nallerschärfsten Protest und sprechen dem Belei-\ndigten ihre Sympathie aus:\nHans Arp\nGuillaume Apollinaire, Paris\nPeter Baum\nDr. Adolf Behne\nHenri Martin Barzun, Direktem Pr'imes et\nDrama, Paris\nW. von Beehtejeff, München\nDr. Iieinz Braune, München\nH. Campendonk\nRobert Delaunay, Paris\nDr. Max Den\nDr. Alfred Döblin\nDr. Julius Elias\nAlbert Ehrenstein\nE. Epstein, Paris\nAlfred Flechtbeim\nDr. Eberhard Grisebach, Jena\nWalter Heibig\nFritz Hellwag\nAlbert Gleizes, Paris\nFranz Jung\nA. von Jawlensky, München\nCesar Klein\nBernhard Köhler\nRudolf Kurtz\nPaul Klee, München\nMarie Laurencin, Paris\nRudolf Leonhard\nAlexandre Mercereau, Direktor de Vers et\nProse, Paris\nF. Leger, Paris\nN. Minsky, Paris\nAugust Macke\nFranz Marc\n- • : v •\nF. F. Marinetti\nAlfred Mayer, München\nLudwig Meidner\nAlired Richard Meyer\nDagobert von Mikusch-Buchberg, München\nWilhelm Morgner\nJ. B. Niestie\nWalter Ophey\nDr. Gustav Pohl, München\nDr. R. Reiche, Barmen\nRichter-Berlin\nFr. Rosenkranz\nM. E. Sadler, The University, Leeds in England\nArthur Sega!\nDr. Franz Stadler\nDr. Wilhelm Stadler, Hamburg\nJacob Steinhardt\nPeter Scher\nArnold Schönberg\nGeorg Tappert\nCurt Viktor von Witzleben-Normann\nWilhelm Wulff, Soest\nMarianne von Werefkin\nPaul Zech\nWährend der Drucklegung sind noch verschie-\ndene Unterschriften eingegangen, die in der\nnächsten Nummer veröffentlicht werden.\n\nOskar Kokoschka\nDas Buch von Kandinsky könnte solchen\nJournalisten die Augen öffnen, die bis jetzt gedacht\nhatten, nur über den Kontrapunkt in der Malerei\ndürfe man nicht schreiben. Wenn die Oeffentlich-\nkeit wirklich von der Privatmeinung eines Jour-\nnalisten geleitet wird, dann scheint sie vielleicht\nnicht das maßgebende Forum zu sein und Kan-\ndinsky kann sich mit der Würdigung der Freunde\nseiner Arbeit zufrieden geben.\n\nMoeller van de Bruck\nEs geht durchaus wider mein Gefühl, gegen\neinen bedeutungslosen Schreier und Schreiber\nauch noch zu protestieren. Selbstverständlich ist\nKandinskys Sache eine geistige Sache. Selbst-\nverständlich ist er edler Idealist. Auch der Un-\nberufene müßte sich wenigstens sagen, daß Kan-\ndinsky nicht grundlos und ohne innere Nötigung\nein sicheres Können mit Experimenten vertauscht\nhaben wird. 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Die bloße Konsta-\ntierung der Existenz einer solchen Pseudokunst\nist eigentlich schon zu viel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c005", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.3", "titre_corps": "Den letzten Teil dieser Kritik lasse ich fort,", "titre_sommaire": "Den letzten Teil dieser Kritik lasse ich fort,", "signature_source": "H. 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Dieser Protest\nrichtet sich innerlich mehr gegen den Mißbrauch,\ndaß solche Leute auf Künstler losgelassen werden.\nDieser Protest soll aber zugleich für Kandinsky\neine Ehrung bedeuten und ihm zeigen, welche\nAchtung und Anerkennung seine Kunst bei künst-\nlerischen Menschen findet. Ich bewundere ihn\nund sein Werk."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c006", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.4", "titre_corps": "K. B. Direktion der", "titre_sommaire": "K. B. Direktion der", "signature_source": "Heinz Braune", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.1", "debut_caractere": 3215, "fin_caractere_exclue": 3709, "texte": "Dr. Heinz Braune\nK. B. Direktion der\nStaatlichen Galerien\n. . . Immerhin bin ich der Meinung, daß durch\nsolche Art von „Kritiken\", mehr der Schreiber\ngebrandmarkt wird, als der Künstler. Wer mit\nKot wirft, beschmutzt zunächst sicher seine eige-\nnen Hände; der andere aber wird gewöhnlich so\nwenig getroffen, wie in diesem Fall Kandinsky,\ndessen lauteres, ernstes und unerschrockenes Vor-\nwärtsstreben dadurch nicht zu irritieren sein\nwird.\nAus einem Schreiben an den Herausgeber der Zeitschrift"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c007", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.5", "titre_corps": "Sehr geehrter Herr Waiden", "titre_sommaire": "Sehr geehrter Herr Waiden", "signature_source": "Richard Dehmel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.1", "debut_caractere": 3711, "fin_caractere_exclue": 4011, "texte": "Richard Dehmel\nSehr geehrter Herr Waiden\nWenn ich gegen die Dummheit des Federviehs\njedesmal „etwas schreiben\" wollte, wäre ich\nlängst am Schreibkrampf verreckt. Lassen Sie\ndieses Kurt Küchlein doch piepsen; für solche\nHühnergehirnchen zerbricht sich Kandinsky wohl\nnicht den Kopf.\nBesten Gruß\nDehmel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c008", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.6", "titre_corps": "Museum Folkwang / Hagen i/W", "titre_sommaire": "Museum Folkwang / Hagen i/W", "signature_source": "Karl Ernst Osthaus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.1", "debut_caractere": 4013, "fin_caractere_exclue": 4330, "texte": "Karl Ernst Osthaus\nMuseum Folkwang / Hagen i/W\nEs verlohnt wohl nicht auf die Ausführungen\ndes Herrn Küchler näher einzugehen. Die Tat-\nsache, daß sich Arbeiten von Kandinsky im Folk-\nwang-Museum befinden, wird Ihnen zur Genüge\nsagen, was ich von dem Künstler halte.\nHochachtungsvoll\nMuseum Folkwang\nHagen i/W\nOsthaus"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c009", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.7", "titre_corps": "Stellvertretender Direktor des", "titre_sommaire": "Stellvertretender Direktor des", "signature_source": "W. Steenhoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.1", "debut_caractere": 4332, "fin_caractere_exclue": 5000, "texte": "W. Steenhoff\nStellvertretender Direktor des\nReichsmuseums zu Amsterdam\nSehr geehrter Herr\nIch ließ Ihnen ein Exemplar meines Essays über\nKandinsky in der Zeitschrift „De Amsterdammer,\nWeekblad voor Nederland\" zusenden. In einigen\nTagen erscheint eine zweite Besprechung dieses\nsehr bedeutenden modernen Malers in der\nWochenschiift „de Ploeg\", herausgegeben von de\nWereldbibliotheek, Amsterdam. Ich höre, daß\nAlbert 'Verwey, einer der ersten holländischen\nAutoren in der Wochenschrift „de Beweging\" ein\nGedicht über Kandinsky veröffentlichte. Uebrigens\nist Kandinsky auch hier viel durch die Kritiker\nbeschimpft worden. Aber was macht das!\nHochachtungsvoll\nW. Steenhoff"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c010", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "278", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.8", "titre_corps": "Der Direktor des Städelschen Kunst-Institutes", "titre_sommaire": "Der Direktor des Städelschen Kunst-Institutes", "signature_source": "Swarzensky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.1", "debut_caractere": 5002, "fin_caractere_exclue": 5932, "texte": "Swarzensky\nDer Direktor des Städelschen Kunst-Institutes\nFrankfurt am Main\nSehr geehrter Herr\nWir leben in einer Zeit, wo jeder alles sagen\nkann; so ist also ganz selbstverständlich, daß An-\nsichten jeder Art gedruckt werden und ganz\nzwecklos, dagegen mit dem gleichen Mittel einei\nöffentlichen literarischen Qegenäußerung zu pro-\ntestieren.\nEmpörend finde ich nur, daß es möglich ist, das\njemand, der berufsmäßig in einer angesehenen\nZeitung Kritiken schreibt, eine derartige Expekto-\nration als Kritik herausgibt, — daß er die Sache,\ndie er beurteilen soll in Grund und Boden ver-\ndonnert und dabei ungeniert eingesteht, daß er\nvon dem „Versuch einer ernsthaften Kritik\" ab-\nsieht, — ohne seine Ansicht als eine rein subjek-\ntive Aeußerung zu charakterisieren. Ich kenne die\nPersönlichkeit des „Kritikers\" nicht, und weiß des-\nhalb nicht, ob und inwieweit diese seine rein per-\nsönliche Meinung als solche Ihre Entrüstung recht-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 849, "texte": "fertigt. Außergewöhnlich scheint mir nur der Ar-\ntikel in seiner Form in der Vorliebe für ehren-\nkrankende Beleidigungen, mit denen der Künstler\nund der Kunsthändler bedacht werden. Hier gegen\nsollte zwar nicht der Künstler — denn nach meiner\nunmaßgeblichen Meinung widerspricht das etwas\nder Würde des Künstlers — wohl aber der be-\ntroffene Kunsthändler mit allen Mitteln energisch\nvorgehen.\nIhnen ein abschließendes Urteil über Kandins-\nky und sein Streben zu präsentieren, fühle ich\nmich außerstande; vielleicht interessiert es Sie\naber, daß ich persönlich zwei Bilder von Kandinsky\nbesitze, die ich einmal gekauft habe, einfach weil\nsie mir besonders gefielen. Ich habe an den Bildern\nviel Freude und hoffe die Freude daran lange zu\nbehalten. Ich nehme es aber niemanden übel,\nwenn er die Freude mit mir nicht teilen kann.\nHochachtend\nSwarzenski"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c011", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "278", "page_fin": "279", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.9", "titre_corps": "Sehr geehrter Herr Waiden!", "titre_sommaire": "Sehr geehrter Herr Waiden!", "signature_source": "Wilhelm Hausenstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.2", "debut_caractere": 851, "fin_caractere_exclue": 10397, "texte": "Wilhelm Hausenstein\nSehr geehrter Herr Waiden!\nSie hatten die Freundlichkeit, mir eine Notiz\ndes Hamburger Fremdenblatts über Wassily Kan-\ndinsky zuzuschicken.\nSie nennen diese Notiz eine „unerhörte Be-\nschimpfung Kandinskys\". Es handelt sich bei der\nNotiz des Herrn vom Hamburger Fremdenblatt in\nder Tat nicht um den Versuch einer Beurteilung\nder Kunstdokumente, die wir Kandinsky verdan-\nken, sondern um eine platte Anödung der Person\ndieses Malers. Es steht den Zeitgenossen frei,\nüber Kandinskys Kunst zu denken, wie sie wollen.\nEs steht ihnen frei, sie abzulehnen. Aber es steht\nihnen, solange Schicklichkeit eine giltige Sache ist,\nnicht frei, im literarischen Verkehr die Gesetze des\ngesellschaftlichen Anstandes gering zu achten. Es\nist ganz im Allgemeinen gewöhnlich, chauvinis-\ntische Instinkte zu reizen. Es ist doppelt gewöhn-\nlich, wenn ein Herr, der beansprucht, als Kunst-\nkritiker betrachtet zu werden, einen Fremden, der\nwie Kandinsky mit allem Takt die Gastfreundschaft\nDeutschlands genießt, mit einem eignen Ton als\n„diesen Russen\" der nationalen Verachtung an-\nempfiehlt.\n„Ueberlebensgroße Arroganz\", „Pfuscherei\",\n„Extrakabinett\" im „Panoptikum\", „Idiotismus\",\n„Größenwahnwitz\" etcetera und dazu einmal eine\nverschämte reservatio mentalis, die milde von\n■einer „irren, also unverantwortlichen Malerseele\"\nredet: das ist nicht Kritik, sondern ganz einfach\nbloß ein unfairer gesellschaftlicher Verkehrston.\nDie Sache ist übrigens typisch. Vor wenigen\nTagen hat ein Herr Fahrenkrog in Barmen im\nKampf gegen die neue Kunst und ihre Vorkämpfer,\nbesonders gegen den hochverdienten Dr. Reiche,\ndie Höhe der deutschnationalen Noblesse und des\nkritischen Scharfsinns erklommen, indem er die\nMünchener Maler Alexei von Jawlensky und Wla-\ndimir von Bechtejeff als „Polacken\" qualifizierte.\n(Weshalb nicht lieber gleich auch als Juden? Es\nist übrigens sehr vergnüglich, zu sehen, daß dieser\nJargon gerade auf zwei Maler loshagelt, die in\nden feudalsten russischen Regimentern Offiziere\ngev. esen sind — Personen, vor denen, wären sie\nDeutsehe; mancher malende und kritisierende Un-\ntertan bei uns instinktiv innerlich stramm stehen\nwürde. Die Vorstellung hat uns amüsiert.)\nNeuerdings haben die Herren von der deutschen\nKunst nun auch noch den Praezeptor Germania\nfür sich: den Kunst- und Kulturwart, der einen\nprachtvollen Cezanne mit der bildungverbreiten-\nden Note „Genie und Faulheit?\" versieht.\nJe nun —■ wer nicht weiß, daß es bon ton ist,\nauch gegenüber Gegnern und gegenüber Leuten,\ndie man nicht kennt, eine gewisse neutrale Kon-\nvention der Höflichkeit einzuhalten, der erledigt\nsich von selbst. Man kann auf jede Frechheit ein-\ngehen, die formulierte Bosheit, die Witz enthält.\nAber gegen stumpfen Untakt polemisiert man nicht.\nMan registriert ihn für die Naturgeschichte der Kri-\ntik, so wie man es registriert hat, daß der Pinsel\neines Delacroix seinerzeit ein besoffener Besen ge-\nnannt wurde und daß man Courbet anwitzelte, er\nlasse sich wohl nie rasieren, damit er mit seinem\nborstigen Vollbart malen könne. In etlichen Jahren\nkann man den Ungeist, der gegen die neuen Künst-\nler mobilisiert wird, vielleicht nicht ohne Vorteil\nfür die Sache wieder einmal zitieren. Inzwischen\nwollen wir ihn schlafen lassen.\nIch glaube, ein großer Teil der „Kritiken\", die\neher Injurien als Urteile sind, würde nicht ge-\nschrieben, wenn die Herren eine Ahnung davon\nhätten, was etwa ein Kandinsky menschlich und\nkünstlerisch ist. Manchmal verspürt man Lust, die\nBekenner und Schriftsteller wohlwollend an den\nOhren heranzuführen und ihnen zu sagen: hier das\nist er; so schaut er aus — gerade wie andere.\nIch schätze mich glücklich, mit Kandinsky per-\nsönlich bekannt zu sein. Bevor ich ihn persönlich\nkannte, hatte ich ein lebhaftes abstraktes Interesse\nfür seine Arbeiten. Sie gefielen mir und reizten\nmich. Seit ich ihn persönlich kenne, verbindet mich\nnoch mehr mit ihm: ein ganz konkretes mensch-\nliches Vertrauen zu seinen künstlerischen und mo-\nralischen Gesinnungen und eine hohe persönliche\nAchtung vor seiner den Dingen des Lebens über-\nlegenen, differenzierten, dabei ruhigen und ein-\nfachen Intelligenz. Er ist ein Mensch, an den ich\nglaube.\nIch werde ihm die Bekenntnisse des aufgeregten\nHamburger Herrn bei Gelegenheit zeigen. Ich\nfreue mich schon jetzt auf sein Gesicht. Er wird\nsie mit der wortlosen Ironie des Gentleman auf-\nnehmen, die viel schöner ist als die gelungensten\nMalicen und als die erhabensten Entrüstungen.\nDas alles erzähle ich Ihnen, weil es mir Freude\nmacht, das alles von einem Menschen erzählen\nzu können, und weil ich glaube, daß Sie Freunde\nhaben, zu denen man solche menschlichen Dinge\nsagen kann und denen sie etwas bedeuten.\nAls ich Kandinsky kennen lernte, war ich von\nnichts so verblüfft, wie von seiner unbedingten\nDuldsamkeit. Ich hatte mir immerhin einen Radi-\nkalen gedacht: einen Prinzipiellen, einen Gewalt-\nsamen. Das Erste, was er mir sagte, war die ein-\nfache Bemerkung, daß er seine Kunst für etwas\nhöchst Relatives halte.\nWas will er? Er hat früher Arbeiten gemalt,\ndie das Niveau eines feinen Impressionismus haben.\nKleine russische Landschaften, die ich bei ihm\nsah, haben aber schon von Anfang an eine eigen-\ntümliche Tiefe: sie sind zwar wirklich, aber doch\nwie losgelöst vom Wirklichen und scheinen eine\nmetaphysische Bedeutung zu haben, die über das\nSujet hinausgeht. Sie sind unendlich bedeutender\nals die wackeren, couragiert breitpinseligen Land-\nschaften des Citramalers Albert Lamm, der den\nUltramaler Kandinsky erschlagen hat.\nKandinsky erkannte, daß es — wollen wir\nwirklich eine durchgebildete Kultur der male-\nrischen Form — notwendig ist, die malerische\nForm gleichsam rein darzustellen: gleichsam eine\nKritik der reinen Anschauung zu geben. (Ein\nwitziger Skeptiker machte das Bonmot: Kant und\nKandinsky.) Die künstlerischen Mittel sollten von\nallem Materiellen gereinigt werden; Kandinsky\nwollte die absolute Logik der Formen und Farben,\ndie absolute Gesetzlichkeit der malerischen Asso-\nziationen darstellen.\nEs ist, wie ich glaube, in Kandinsky mancher-\nlei Didaktisches — vielleicht sogar ein gewisses\nGefühl für das Recht des Akademischen, ein ge-\nwisses Vorwalten der künstlerischen Intelligenz.\nAber diese Persönlichkeit ist viel zu komplex, um\ndamit bezeichnet zu sein. Mit diesem Rationalis-\nmus ist eine Fülle der irrationalsten Sinnlichkeit\nverbunden — freilich einer Sinnlichkeit nicht wie\nbei Corinth, sondern einer Sinnlichkeit, die spi-\nritualisiert ist.\nUnd schließlich ist es auch wieder verkehrt,\nzu meinen, Kandinskys Malerei sei vollkommen\nungegenständlich. Sie ist ohne physisches Motiv.\nAber sie ist nicht ohne geistiges Motiv. Kandinsky\nist ungewöhnlich musikalisch und ein Freund der\nMusik und der Persönlichkeit Schönbergs. Was\ner malt, das ist am Ende nicht rein abstrakt, son-\ndern es ist darin viel Uebersetzung irrationaler\nseelischer Empfindungszustände und Assoziationen\nin farbige Aequivalente, die eine bestimmte Stärke,\neine bestimmte Breite, eine bestimmte . Höhe\nhaben. Ein Ausdruck voll von Verhältnissen und\nvon Ordnung.\nEs scheint mir lächerlich, die Möglichkeit einer\nsolchen Kunst zu bezweifeln. Man könnte gerade\nso gut eine Farbenkomposition von Delacroix be-.\nzweifeln. Aber das tun nur die, die nicht wissen,\ndaß alle Kunst zuletzt den Zweck hat, die Form\nmöglichst rein darzustellen und sie von der\nSchwere des Motivs — sei es physisch, sei es\npsychisch — möglichst zu befreien.\nDie ganze Entrüstung über Kandinsky ist dop-\npelt und dreifach absurd, weil Kandinsky nicht die\nSpur eines Bedürfnisses nach Selbstinszenierung\ngehabt hat. Ich habe noch nie einen reservierte-\nren Maler gesehen.\nWeiter: Kandinsky ist überzeugt, daß sein Weg\nnicht etwa das absolute neue Prinzip ist. Er\nempfindet sich als Konservativen: in dem Sinn\netwa, in dem Signac sich als den Wahrer der for-\nmalen Traditionen eines Delacroix empfand.\nUnd endlich: er ist sicher, daß sehr bald wieder\neine Malerei beginnen werde, die von den phy-\nsischen Realitäten ausgeht und mit den gereinigten\nMitteln der gegenwärtigen Kunst oder mit Mitteln,\ndie wir noch nicht sehen, eine neue künstlerische\nErschöpfung der physischen Welt versuchen wird.\nKandinsky betrachtet seine Kunst als eine Aus-\ndrucksmöglichkeit von bestimmter Art, der andere\nAusdrucksmöglichkeiten gegenübertreten sollen.\nAber selbstverständlich: mit vollem Glauben sucht\ner nur die seine.\nKandinsky ist im Grund nichts als ein Reprä-\nsentant eines neuen Idealismus. Idealismus ist\nhier allerdings nicht das, was der treudeutsche\nAvenarius darunter versteht. Idealismus ist gren-\nzenloser.\nEs ist lustig, daß wir den Idealismus gegen ein\nSpezialorgan „für Ausdruckskultur\" verteidigen\nsollen. Die Herren kämpfen gegen das, was sie\nselber wollen. Oder wollen sie nicht eine Gesin-\nnung, die der Gewalt der natürlichen Materie eine\nordnende und überwindende Geistigkeit des Aus-\ndrucks gegenüberstellt? Wohl. Aber mit Maß,\nUnd mit der Zeit wird jede Jugend mehr oder\nminder Gartenlaube.\nWarten wir ab: in zehn oder zwanzig Jahren\nist Kandinsky Mode. Das ist ein Gesetz der Gene-\nrationsverschiebung. Er selber wird dann freilich\nlängst anders sein. Es ist nun einmal so in diesen\nZeiten zerspaltener Gesellschaftlichkeit, in der sich\nDinge, Menschen nicht aufeinander beziehen lassen:\nder Kritiker rückt um zehn, das Publikum um\nzwanzig Jahre hinter dem Künstler her. Das ist\nübrigens noch sehr loyal: bei den Aelteren dauerte\nes noch länger. Aber immer meinen Kritiker unef\nPublikum, sie seien der Praxis voraus und hätten\nden Künstler zurechtzuweisen oder ihn für ver-\nrückt zu erklären."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 379, "texte": "Sie haben mich, sehr geehrter Herr Waiden,\num meine Meinung über Kandinsky befragt. Hier\nist sie. Machen Sie von meinen Mitteilungen den\nFreunden des „Sturms\" gegenüber und denen, die\nes werden können, den Gebrauch, den Sie für\nnützlich halten.\nIch wünsche Ihrer entschlossenen Arbeit allen\nErfolg und begrüße Sie mit herzlicher Hochachtung\nals Ihr ergebener\nWilhelm Haus.enstein"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c012", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "279", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.10", "titre_corps": "Die Unterzeichneten erheben hierdurch gegen", "titre_sommaire": "Die Unterzeichneten erheben hierdurch gegen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "debut_caractere": 381, "fin_caractere_exclue": 1849, "texte": "Die Unterzeichneten erheben hierdurch gegen\ndie Beschimpfung des Künstlers Kandinsky im\n„Hamburger Fremdenblatt\" vom 15. Februar den\nallerschärfsten Protest und sprechen dem Belei-\ndigten ihre Sympathie aus:\nHans Arp\nGuillaume Apollinaire, Paris\nPeter Baum\nDr. Adolf Behne\nHenri Martin Barzun, Direktem Pr'imes et\nDrama, Paris\nW. von Beehtejeff, München\nDr. Iieinz Braune, München\nH. Campendonk\nRobert Delaunay, Paris\nDr. Max Den\nDr. Alfred Döblin\nDr. Julius Elias\nAlbert Ehrenstein\nE. Epstein, Paris\nAlfred Flechtbeim\nDr. Eberhard Grisebach, Jena\nWalter Heibig\nFritz Hellwag\nAlbert Gleizes, Paris\nFranz Jung\nA. von Jawlensky, München\nCesar Klein\nBernhard Köhler\nRudolf Kurtz\nPaul Klee, München\nMarie Laurencin, Paris\nRudolf Leonhard\nAlexandre Mercereau, Direktor de Vers et\nProse, Paris\nF. Leger, Paris\nN. Minsky, Paris\nAugust Macke\nFranz Marc\n- • : v •\nF. F. Marinetti\nAlfred Mayer, München\nLudwig Meidner\nAlired Richard Meyer\nDagobert von Mikusch-Buchberg, München\nWilhelm Morgner\nJ. B. Niestie\nWalter Ophey\nDr. Gustav Pohl, München\nDr. R. Reiche, Barmen\nRichter-Berlin\nFr. Rosenkranz\nM. E. Sadler, The University, Leeds in England\nArthur Sega!\nDr. Franz Stadler\nDr. Wilhelm Stadler, Hamburg\nJacob Steinhardt\nPeter Scher\nArnold Schönberg\nGeorg Tappert\nCurt Viktor von Witzleben-Normann\nWilhelm Wulff, Soest\nMarianne von Werefkin\nPaul Zech\nWährend der Drucklegung sind noch verschie-\ndene Unterschriften eingegangen, die in der\nnächsten Nummer veröffentlicht werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c013", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "279", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.11", "titre_corps": "Das Buch von Kandinsky könnte solchen", "titre_sommaire": "Das Buch von Kandinsky könnte solchen", "signature_source": "Oskar Kokoschka", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "debut_caractere": 1851, "fin_caractere_exclue": 2276, "texte": "Oskar Kokoschka\nDas Buch von Kandinsky könnte solchen\nJournalisten die Augen öffnen, die bis jetzt gedacht\nhatten, nur über den Kontrapunkt in der Malerei\ndürfe man nicht schreiben. Wenn die Oeffentlich-\nkeit wirklich von der Privatmeinung eines Jour-\nnalisten geleitet wird, dann scheint sie vielleicht\nnicht das maßgebende Forum zu sein und Kan-\ndinsky kann sich mit der Würdigung der Freunde\nseiner Arbeit zufrieden geben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c014", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "279", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.2.12", "titre_corps": "Es geht durchaus wider mein Gefühl, gegen", "titre_sommaire": "Es geht durchaus wider mein Gefühl, gegen", "signature_source": "Moeller van de Bruck", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "debut_caractere": 2278, "fin_caractere_exclue": 2708, "texte": "Moeller van de Bruck\nEs geht durchaus wider mein Gefühl, gegen\neinen bedeutungslosen Schreier und Schreiber\nauch noch zu protestieren. Selbstverständlich ist\nKandinskys Sache eine geistige Sache. Selbst-\nverständlich ist er edler Idealist. Auch der Un-\nberufene müßte sich wenigstens sagen, daß Kan-\ndinsky nicht grundlos und ohne innere Nötigung\nein sicheres Können mit Experimenten vertauscht\nhaben wird. Wir andern wissen dies."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c015", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "280", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.3", "titre_corps": "Supplement zum technischen Manifest der Futuristischen Literatur", "titre_sommaire": "Supplement zum technischen Manifest der Futuristischen Literatur", "signature_source": "F. T. Marinetti ; F. T. Marinetti", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "debut_caractere": 2710, "fin_caractere_exclue": 8061, "texte": "Supplement zum tech-\nnischen Manifest der Fu-\nturistischen Literatur\nVon F. T. Marinetti\n\nIch verachte die Schwätzer und die Ironiker,\nund ich beantworte die skeptischen Fragen und\ndie wichtigen Entgegnungen, die die europäische\nPresse meinen technischen Manifest der futu-\nristischen Literatur entgegengeschleudert hat.\n1/ — Die, die verstanden haben, was ich mit\n„Haß der Intelligenz\" sagen wollte, glauben hier\nden Einfluß der Philosophie Bergsons zu er-\nkennen. Sie wissen sicher nicht, daß mein erstes\nepisches Gedicht „La Conquete des Etoiles\"\n(Die Eroberung der Sterne, 1902) auf der ersten\nSeite folgende drei Verse Dantes trug:\n„O ills e n s ata cur a de mort a 1 i\noua n t o son diff e 11 iv i sillogismi\n0 uei che ti fanno in basso batter l'ali\"\n(Paradies, elfter Gesang) und folgende Gedanken\nEdgar Poes:\n„ . . . Der poetische Geist — die erhabenste\nFähigkeit, wie wissen es jetzt, da ja wichtige\nWahrheiten uns nur durch diese Analogie enthüllt\nwerden konnten, deren Beredsamkeit, der Vor-\nstellungsgabe gegenüber einwandfrei, für die\nschwache, einsame Vernunft nichts bedeutet.\"\nEdgar Poe: Gespräch zwischen Monos und Una\nWeit vor Bergson stimmten diese schöpfe-\nrischen Geister mit dem meinen überein: sie\nzeigten ihre Verachtung und ihren Haß gegen die\nschwache, einfältige Intelligenz und sprachen alle\nRechte der intuitiven und divinatorischen Vor-\nstellungsgabe zu.\n2/ — Wenn ich von Intuition und Intelligenz\nspreche, so will ich nicht von zwei vollkommen\ngetrennten und verschiedenen Gebieten reden.\nJeder schöpferische Geist hat während seines\nSchaffens feststellen können, daß sich intuitive Er-\nscheinungen mit der logischen Intelligenz ver-\nweben. Folglich ist es unmöglich, genau den\nAugenblick zu bestimmen, da die unbewußte In-\nspiration aufhört und der klarsehende Wille be-\nginnt. Manchmal verursacht der Wille plötzlich\ndie Inspiration, manchmal begleitet er sie. - Nach\neinigen Stunden mühseliger und angestrengter\nArbeit betreit sich plötzlich der schöpferische\nGeist vom Gewicht aller Hindernisse und wird\ngleichsam das Opfer einer merkwürdigen spon-\ntanen Auffassung und Ausführung. Die schrei-\nbende Hand scheint sich vom Körper zu lösen\nund sich ins Freie zu verlängern, weit, weit weg\nvom Gehirn, das ebenfalls losgelöst vom Körper\nätherisch geworden ist und von oben mit er-\nschreckender Klarheit die unerwarteten Sätze be-\ntrachtet, die der Feder entfließen.\nBetrachtet dieses herrschende Gehirn unbe-\nweglich oder lenkt es wirklich die Sprünge der\nEinbildungskraft, die die Hand erschüttern? Es\nist unmöglich, sich darüber Rechenschaft abzu-\nlegen. Ich habe — physiologisch — in solchen\nAugenblicken nur ein leeres Gefühl im Magen be-\nmerken können.\nUnter „Intuition\" verstehe ich einen fast voll-\nkommen intuitiven und unbewußten Zustand, unter\n„Intelligenz\" einen fast vollkommen intellektuellen\nund bestimmt wollenden Zustand des Gedankens.\n3/ — Die ideale Poesie, von der ich träume,\nund die nur die ununterbrochene Reihe der zwei-\nten Analogieausdrücke wäre, hat nichts mit der\nAllegorie zu tun. Die Allegorie ist allerdings die\nReihe der zweiten Ausdrücke mehrerer Analo-\ngien, aber diese sind alle logisch verbunden.\nDie Allegorie ist manchmal auch der zweite ent-\nwickelte und peinlich beschriebene Ausdruck einer\neinzigen Analogie.\nIch will hingegen die unlogische weder appli-\nkative noch intuitive Reihe der zweiten Aus-\ndrücke zahlreicher, unverbundener, entgegenge-\nsetzter Analogien geben.\n4/ — Alle begäbe Stilisten haben mühelos fest-\nstellen können, das Adverb ist ein unveränder-\nliches Wort, das das Verbum, das Adjektiv oder\nein ein anderes Adverb modifiziert, es ist sogar\neine musikalische Agraffe, die einzelne Töne einer\nPeriode aneinanderklemmt.\n5/ — Ich halte es für nötig, Adjektiv und Ad-\nverb wegzulassen, weil sie gleichzeitig oder nach-\neinander die bunten Fesseln, die nüancierten Dra-\nperien, die Sockel, Brückengeländer oder Balu-\nstraden der traditionellen lateinischen Periode\nsind. Durch einen klugen Gebrauch von Adjektiv\nund Adverb erhält man das melodiöse und ein-\ntönige Gleichgewicht des Satzes, seinen fragen-\nden oder gewichtigen, Ton und seinen ruhenden\nund abgestuften Fall wie das Anlaufen der Wel-\nlen auf den Strand. Mit dem identischen Ein-\ndruck, der immer derselbe bleibt, behält die Seele\nihren Atem, zittert ein wenig, fleht um Trost und\natmet auf, wenn die Flut der Worte zurückläuft\nmit ihrer Kieselsteininterpunktion und ihrem\nSchlußecho.\nAdjektiv und Adverb haben eine dreifache Be-\nstimmung: erklärend, dekorativ und musikalisch.\nDadurch geben sie den schweren oder leichten,\nlangsamen oder schnellen Wert des Substantivs\nan, das sich im Satz bewegt. Sie sind die Stöcke\nund die Krücken des Substantivs. Ihre Länge\nund ihr Gewicht regulieren den Schritt des Stils,\nder so immer unter Vormundschaft ist, und sie\nhindern ihn, den Flug des Vorstellungsvermögens\nwiederzugeben.\nWenn zum Beispiel dasteht: „Eine schöne und\njunge Frau geht rasch über Marmorfliesen\", so\nbeeilt sich der traditionelle Geist zu erklären, daß\ndiese Frau jung und schön ist, obwohl die In-\ntuition ganz kurz eine schöne Bewegung gibt.\nNachher erklärt der traditionelle Geist, daß die\nFrau geht. Dann wird er hinzufügen, daß sie\nschnell geht und endlich, daß sie über Marmor-\nfliesen geht.\nDieses rein erklärende Vorgehen, das des Un-\nvorhergesehenen ganz beraubt ist. lastet von"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7683, "texte": "vornherein auf allen Arabesken, Zickzacks und\nUmwegen des Gedankens: es hat keine Daseins-\nberechtigung mehr. Man ist ungefähr sicher, daß\nman sich nicht irrt, wenn man gerade das Gegen-\nteil tut.\nUnweigerlich gibt man dem Substantiv seinen\nwesentlichen, gesamten und typischen Wert wie-\nder, wenn man Adjektiv und Adverb unterdrückt.\nUeberdies setze ich unbedingtes Vertrauen in\ndas Gefühl des Abscheus, das ich für das Sub-\nstantiv hege, das daherschreitet, begleitet von sei-\nnem Adjektiv wie von einer Schleppe oder einem\nPudelhündchen. Manchmal hat das Substantiv\nein Adjektiv vorn und ein Adverb hinten wie die\nbeiden Reklamezettel eines Sandwichmannes.\nLauter unerträgliche Zustände.\n6/ — Deswegen benutze ich die abstrakten\nmathematischen Zeichen, die die Mengen angeben\nsollen: denn sie ziehen alle Erklärungen ohne\nFüllsel zusammen und vermeiden die gefährliche\nAngewohnheit an allen Enden des Satzes Zeit zu\nverlieren durch peinliches Feilen, durch kostbare\nFassungen.\n7/ — Die von der Interpunktion befreiten\nWorte werden sich gegenseitig mit ihren Strahlen\nerhellen, ihre verschiedenen Magnetismen durch-\nkreuzen, indem sie dem beständigen Dynamismus\ndes Gedankens folgen. Eine weiße Stelle, die\nmehr oder weniger lang sein wird, wird dem\nLeser die Ruhe oder das Schlafen der Intuition\nandeuten. Die großen Buchstaben werden dem\nLeser die Substantive bezeichnen, die eine bedeu-\ntende Analogie zusammenfassen.\n8/ — Die Zerstörung der traditionellen Periode,\ndas Abschaffen des Adjektivs, des Adverbs und\nder Interpunktion werden notwendiger den Zu-\nsammenbruch der nur zu sehr gerühmten Har-\nmonie des Stils mit sich bringen, so daß der fu-\nturistische Dichter endlich die onomatopoetischen\nKakophonien wird benutzen können, die die un-\nzählbaren Geräusche der sich bewegenden Ma-\nterie geben.\nAll diese elastischen intuitiven Anschauungen,\ndurch die ich mein technisches Manifest der futu-\nristischen Literatur vervollständige, haben sich in\nmeinem Gehirn nacheinander entfaltet und mein\nneues futuristisches Werk geschaffen; eines der\nbezeichnendsten Fragmente folgt:\nBataille\nPoids -1- Odeur\nMidi 3/4 flütes glapissement embrasement\ntoumbtoumb alarme Gargaresch craquement cre-\npitation marche Cliquetis sacs fusils sabots clous\ncanons crinieres roues caissons juifs beignets pains-\nä-huile cantilenes echoppes bouffees chatoiement\nchassie puanteur cannelle fadeurs flux\nreflux poivre rixe vermine tourbillon orangers-en-\nfleur filigrane misere des echecs cartes jasmin ~r\nmuscade -1- rose arabesque mosai'que charogne\nherissement savates mitrailleuses — galets\n~r ressac 4- grenouilles Cliquetis sacs fusils canons\nferraille atmosphere ~ plomp + lave -112 300 puan-\nteurs -112 50 parfums pave matelas detritus crottin\ncharognes flic-flac entassement chameaux bour-\nricots tohubohu cloaqite Souk-des-argen-\ntiers dedale soie azur galabieh pourpre oranges\nmoucharabieh arches enjambement bifurcation pla-\ncette pullulement tannerie cireurs gandou-\nras burnous grouillement couler suinter bariolage\nenveloppement excroissances fissures tanieres gra-\nvats demolition acide-phenique chaux pouillerie\nCliquetis sacs fusils sabots clous canons caissons\ncoups-de-fouet drap-de-soldat suint impasse ä-\ngauche entonnoir ä-droite carrefour clairobscur\netuves fritures musc jonquilles fleur-d'oranger\necoeurement essence-de-rose piege .ammoniaque\ngriffes excrements morsures viande + 100\nmouches fruits-secs carrotibes pois-chiclies pis-\ntaclies aniandes regimesbananes dattes toubtoumb\nbouc cousscouss-moisi aromates safran\ngoudron oeuf-pourri chien-mouille jasmin cassie\nsantal oeillets faisandage intensite bouillonnement\nfermenter tubereuse Pourrir s'eparpiller furie\nmourir sedesagreger morceaux miettes poussiere\nheroi'sme elminthes fusillade pic pac pun pan pan\nmenthe mandarine laine-fauve mitrailleuses cli-\nquets-de-bois leproserie plaies en-avant\nchair moite crasse suavite ether Cliquetis sacs\nfusils canons Caissons roues benjoin tabac encens\nanis village ruines brule ambre jasmin maisons\neventrements abandon gargoulette toumbtoumb\nviolettes ombrages puits änon anesse cadavre\necrabouillement sexe exibition ail bromes\nanisette brise poisson sapin-neuf romarin cliarcu-\nteries pahniers sable cannelle Soleil or ba-\nlance plateaux plomb ciel soie chaleur rembour-\nrage pourpre azur torrefaction Soleil — volcan +\n3000 drapeaux atmosphere precision corrida furie\nChirurgie lampes rayons bistouris etincelle-\nment linges desert clinique X 20 000 bras 20 000\npieds 10 000 yeux mire scintillation attente Ope-\nration sables chaufferies Italiens Arabes : 4000\nmetres bataillon chaudieres commandements pis-\ntons gueur bouches fournaises crenomdetiom en-\navant huile vapeur ammoniaque. > cassies vio-\nlettes fientes roses sables miroitement tout mar-\ncher aritmethique traces obeir ironie enthousiasme\nbourdonnement coudre dunes oreillers zig-\nzags repriser pieds meules crissement sable inu-\ntilite mitrailleuses = galets + ressac -112 grenouilles\nAvant-gardes : 200 metres chargez-ä-la-\nbai'onette en-avant Arteres gonflement chaleur\nfermentation cheveux aisselles chignon rousseur\nblondeur haleines -j- sac 30 kilos prudence = bas-\ncule ferrailles tire-lire mollesse : 3 frissons com-\nmandements pierres rage ennemi aimant legerete\ngloire heroi'sme Avant-gardes : 100 metres\nmitrailleuses tatarataratarata Avant-gardes\n: 20 metres bataillons fourmis cavalerie araignees\nroutes gues general llot estafettes sauterelles sab-\nles revolution obus tribuns nuages grils fusils mar-\ntyrs shrapnels aureoles multiplication addition di-\nvision obus soustraction grenade rature ruisseler\ncouler eboulement blocs avalanche Avant-\ngardes : 3 metres melange va-et-vient collage de-\ncollage dechirement feu deraciner chantiers eboule-\nment carrieres incendie panique aveuglement ecra-\nser entrer sortir courir eclaboussement\nVies fusees coeurs friandises bai'onnettes fourchet-\ntes mordre depecer puer valser bondir rage curee\nexplosions obus gymnastes fracas trapezes ex-\nplosion rose joie ventres arrosoirs tetes foot-ball\neparpillement Canon 149 elephant artilleurs\ncornacs hissa-hoo colere leviers lenteur lourdeur\ncentre gargousse jockey methode monotonie trai-\nners distance grand-prix gueule parabole x lumiere\ntonnerre massue infini Mer — dentelles emeraudes\nfraicheur elasticite abandon mollesse cuirasses\nacier concision ordre Drapeau-de-combat (prai-\nries ciel-blanc-de-chaleur sang) = Italie force or-\ngueil-italien freres femmes mere insomnie brouha-\nha-de-camelots gloire domination cafes recits-de-\nguerre Tours canons virilite volees ecrec-\ntion telemetre extase toumbtoub 3 secondes toumb-\ntoumb flots sourires rires plaff plouff glouglouglou-\nglou cachecache cristaux viergeschair bijoux per-\nles iodes sels bromes jupons gaz liqueurs bulles 3\nsecondes toumbtoumb officier ]blancheur\ntelemetre croix feu megaphone la-hausse-ä-4-mille-\nmejtres tous-les-hommes ä-gauche assez chacun\nä-son-poste inclinaison-7-degres erection splen-\ndeur jet percer immensite azur femelle depucelage\nacharnement couloirs cris labyrinthe mate-\nlas sanglots clefoncement desert lit precision tele-\nmetre monoplan poulaiiler-de-theätre applaudis'se-\nlrierits nionoplan — balcon rose roue tam-\nbour trepan taon deroute arabes boeufs sangui-\nnolence abattoir blessures refuge oasis umidite\neventail fraicheur sieste rarnpement g'ermi-\nnation effort dilatation-vegetale je-serai-vert-de-\nmain restons-mouilles conserve-cette-goutte-d'eau\nfaut-grimper-3-centimetres-en-6 jours colle-ta-tige-\npour-resister-contre-20-grammes-de-sable-et-3000-\ngrammes-de-tenebres voie-lactee cocotier etoiles\nnoix-de-coco lait rnisseler jus delices\nAutorisierte Uebertragung von Jean-Jacques\n\nF. T. Marinetti"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c016", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "280", "page_fin": "282", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.4", "titre_corps": "Futuristische Worttechnik : Offener Brief an F. T. Marinetti", "titre_sommaire": "Futuristische Worttechnik : Offener Brief an F. T. Marinetti", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.4", "debut_caractere": 7685, "fin_caractere_exclue": 10063, "texte": "Futuristische\nWorttechnik\nOffener Brief an F. T. Marinetti\nVon Alfred Döblin\n\nLieber Marinetti, das erste Mal waren Sie\nim vergangenen Sommer bei uns, zur Ausstellung\nder futuristischen Bilder. Ich schrieb damals für\nden Sturm: „Der Futurismus ist ein großer\nSchritt. Er stellt einen Befreiungsakt dar. Er ist\nkeine Richtung, sondern eine Bewegung. Besser:\ner ist die Bewegung des Künstlers nach vor-\nwärts.\" Die Intensität und Ursprünglichkeit, das\nKühne und gänzlich Zwanglose schlug bei mir ein.\nIch dachte mehrfach und sagte zu Ihnen — bei\nDalbelli —: „Wenn wir in der Literatur auch\nso etwas hätten!\" Damals schwiegen Sie. Nach\neinigen Monaten schwirrten die literarischen\nManifeste über unsere Häuser. Das Unzuläng-\nliche war Ereignis geworden\nEs war nicht so gemeint. Ich bestreite Ihre\nLegitimation nicht, uns anzuregen. Sie haben\nEnergie und Härte, Männlichkeit, die einer\nunter Erotismen, Hypochondrien, Schiefheiten und\nQuälereien berstenden Literatur mit Vergnügen\nauf den Pelz gehetzt werden soll. Sie haben in\nIhrem „Mafarka\" einem massiven, unraffinierten\nEmpfinden öfteren ungebrochenen Ausdruck ge-\nliehen. Sie sind rhetorisch, aber Ihre Rhetorik\nist keine Lüge. Es ist uns klar, Marinetti, Ihnen\nwie mir: wir wollen keine Verschönerung, keinen\nSchmuck, keinen Stil, nichts Aeußerliches, son-\ndern Härte, Kälte und Feuer, Weichheit, Trans-\ncendentales und Erschütterndes, ohne Packpapier.\nDie Emballage gehört den Klassikern. Plattfuß-\neinlagen, Gipskorsette und andere Orthopädie ver-\nehren wir nebst Sonetten, Weltanschauung höhe-\nren Töchtern zum Angebinde. Was nicht direkt,\nnicht unmittelbar, nicht gesättigt von Sachlichkeit\nist, lehnen wir gemeinsam ab; das Traditionelle\nEpigonäre bleibt der Hilflosigkeit reserviert. Na-\nturalismus, Naturalismus; wir sind noch lange\nnicht genug Naturalisten.\nBis dahin gehen wir zusammen. Sie hören,\nMarinetti, Sie sagen uns nichts Neues damit; ich\nkann sagen: Sie bekennen sich zu uns. , Jetzt\nfängt Ihr Manifest und Ihre Bemühung an, außer-\nordentlich heftige Grimassen zu schneiden und zu-\ndringlich zu der dreimal heiligen Sachlichkeit zu\nwerden. Sie sind halber Afrikaner; ihre Liebe\nzur vollen Realität nimmt etwas Berserkerhaftes\nan; sie schmatzen und kauen an dem immerhin\nrobusten Ding in einer mich jammernden Weise\nherum; sie schlucken an ihr wie eine Schlange\nan einem Frosch« Zunächst analysieren Sie ;dje"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10721, "texte": "Störungen und Fälschungen, die die künstlerische\nProduktion durch Vers und Rhythmik erleidet.\nDas Zwingende, Ablenkende, Selbstgenießerische\nin der Versdynamik nageln Sie fest, und warnen,\nklagen um die entschlüpfte Realität. Wollte einer\nHummern fangen und bekam Schläge von Mari-\nnetti, weil er nicht Kohlrabi gefischt hat. Es kommt\n-drauf an, Marinetti, was einer will; wenn Sie ins\nCafe gehen, werden Sie schwerlich Artilleriefeuer\nvon dem Oberkellner verlangen. Wenn Baude-\nlaire sich von dem Rhythmus bewältigen läßt und\ndurch den Mund dieser Bewegung redet, auf dem\nRücken dieser Welle schwimmt, so weiß er, was\ner tut. Und was gehen Sie ihn an, Marinetti! Er\nist ein Künstler wie Sie; die Sachlichkeit, mit der\ner zu tun hat, kennt er besser als sie. Sie sind\nkein Vormund der Künstler. Das käme auf Epi-\ngonenzüchtung, auf Ihren Selbstmord hinaus. Sie\nmeinen doch nicht etwa, es gäbe nur eine einzige\nWirklichkeit, und identifizieren die Welt Ihrer\nAutomobile Aeroplane und Maschinengewehre\nmit der Welt? So weit sind wir nicht; so dick\nist Ihr Bauch nicht, daß nur ich uoch darin Platz\n''v y\nhätte. Oder schreiben gar der kantigen, hörbaren,\nfarbigen Welt eine absolute Realität zu, der wir\nuns ehrfürchtig als Protokollführer zu nähern hät-\nten? Sollten Sie das, der Künstler, meinen, und\nin dem Sinne unentrinnbaren Naturalismus lehren?\nEntsetzlich, — und doch scheint es fast wahr zu\nsein. Wir sollen einzig das Meckern, Paffen, Rat-\ntern, Heulen, Näseln der irdischen Dinge imitieren,\ndas Tempo der Realität zu erreichen suchen, und\ndies sollte nicht Phonographie, sondern Kunst, und\nnicht nur Kunst, sondern Futurismus heißen? Sie\nsollten ahnungslos diese lütte lütte Verwechslung:\nRealität ist Dinglichkeit fertig gebracht haben,\nSie, Marinetti? Manchmal glaube ich das wirk-\nlich! Und darum vergaßen Sie momentan, warum\ndie Rhythmik und Verskunst Baudelaires-Mal-\nlarmes gut, notwendig und himmlichist: weil die\nKunst auch Narkotika gibt, Stimulantia, über und\nunter die Wirklichkeit zeigen kann, weil in die-\nsem Ansteigen des Tones, seinem Ausstreuem und\nbewegsamen Sinken Rausch und Flug liegt, —•\nSie sind doch zu wenig Aeroplan gefahren —,\nweil ruhig unter dieser Musik der Worte der\n„sachliche\" Inhalt, der „dingliche\" Inhalt gegen-\nstandslos, sinnlos werden kann, zurücktreten, sich\nverflüchtigen kann. Diese und andere Musik\nschleppt.nur müde an die „Dinge\", die hinter ihr\nherpolterh. Unsere deutschen Mystiker haben\nunendlich oft so gedichtet; verwirrend und da-\nhinter eine dunklere Wirklichkeit andeutend; sie\nklimperten, rauschten nur nach mit den Worten.\nUnd das ist keiner Realität Zwang angetan, dem\nDichter kein Zw*ang angetan, keine Fälschung ge-\nschehen, — und wir, die es lasen, fühlten das Be-\nlanglose der Worte mit. Können muß inans, Ma-\nrinetti, das ists. Und sie haben einen Augen-\nblick ein sehr starkes Wort und einen sehr\nschwachen Gedanken geäußert.\nWas Sie wollen, ist klar, — wenn Sie auch das\nKind mit dem Bade ausschütten. Das alte Lied:\nDichter heran müssen wir an das Leben. ,\nDas Leben bietet noch kolossale Schätze, für\nderen Hebung wir keine Schaufeln haben. Wir\nhaben nicht nur kein Handwerkszeug, sondern\nsteigen geschminkt, mit Lackschuhen und parfü-\nmierten Röcken in das Bergwerk. In Ihrer Hast\nüberrennen Sie, mit sachgemäßer Hacke, Leder-\nzeug und Lampe, sehr freie und große Dinge. Im\nGrunde sollte ich gar nicht gegen Sie polemisie-\nren, denn es ist zu klar um wessenwillen Sie\nirren, um Ihretwillen, um ein paar Schlacht-\nbeschreibungen willen, deren Tempo und Lärm Sie\nfamos, in der Tat herausbringen. Aber darum\nkeine Aufregung, keine Revolution; machen Sies\nnur recht gut; wir freuen uns darüber; es gibt\nim übrigen noch andere Dinge als Schlachten,\nund, — unter uns —, man kann sogar eine Schlacht\nnoch ganz anders „machen\", als Sie es gemacht\nhaben.\nAber am schlimmsten, gefährlichsten sind Sie\nin Ihrer Monomanie, denn Sie sind monoman —\nwo Sie der Syntax zu Leibe gehen, der; Schlach-\ntenplastik zu Liebe. Diese Verallgemeinerung\nfinde icli horribel. Wie verstehen Sie das Ad-\njektiv, Adverb! Es gibt in einem kompletten Satz\nverschiedene Valenzen; es dominieren verschie-\ndene Satzfunktionäre, bald Subjekt, bald Verb,\nbald Adverb; Sie können die Wucht eines Wertes\nerhöhen, abschwächen, Sie können Sätze kürzen,\nkönnen in Perioden rollen, können ein einzelnes\nWort, Substantiv, Adjektiv, Verb, Adverb, einzeln\nsetzen, gerade so können Sie außerordentlich\nnahe an die Realität heran. Ganz nach Belieben,\nje nach dem, je nach Ihnen, und wozu auf einmal\ndiese Amputation? Wir wollen doch nicht alle\nbrüllen, schießen, knattern, Marinetti; Sie wer-\nden mir doch gestatten, eine heiße Mandelmilch\nzu trinken, oder eine Torte mit Sahne zu essen,\noder Ihnen das Konzept zu verderben, je nach dem,\nje nach mir! Und wenn Sie nur gelegentlich, für\nbesondere Zwecke, so schreiben wollen, so hin-\ndert Sie niemand daran; wir freuen uns über\njeden originellen und kraftvollen Stil; in dem hei-\nßen Wirklichkeitsdrang sind wir Karneraden; —\naber darum keine kategorische Erlasse an uns,\ndie ailes so gut, manches noch besser wissen und\nkönnen als Sie, darum keine welterschütternde\nGeste und Totschlaggebärden. So tragisch\ngackern unsere Hennen nicht. Marinetti, Sie grei-\nfen uns an; Sie schimpfen uns Passeisten und\nrückständig; ich verteidige nicht nur meine Lite-\nratur, sondern greife auch Ihre an.\nIch sage: man kann Ihre Schlacht noch viel\nbesser machen. Ihre Schlacht ist von Anfang bis\nEnde vollgestopft mit Bildern, Analogien, Gleich-\nnissen. Gut, aber das sieht mir nicht sehr modern\naus, ist doch rechte, biderbe, alte Literatur; ich\nschenke Ihnen alle Bilder, — aber heran an die\nSchlacht! Direkt, Marinetti! Ja, das ist bequem,\nden Feldherrrn eine „Insel\" nennen, die Köpfe\nwie Fußbälle fliegen zu lassen, die zerrissenen\nBäuche Wie Gießkannen sprudeln zu lassen.\nSpielerei!; Antiquiert! Museum! Wo sind die\nKöpfe, wafs; ist mit den Bäuchen!? Und Sie wol-\nlen Futurist sein? Das ist übler Aesthetizismus!\nDie Dinge sind einzigartig; ein Bauch ist ein\nBauch und' keine Gießkanne: Das ist das ABC\nder Naturalisten, des echten direkten Künstlers.\nSich die Bilder verkneifen, ist das Problem des\nProsaikers. Um solch Durcheinander von Geo-\nmetrie, Beobachtungen, literarischen Reminiszen-\nzen, Psychologismen zu geben, brauchte es des\nganzen bedrohlichen Aufwandes nicht. Die\n„Insel\" des Feldherrn ist ein banales, verblaßtes\nBild, — und da will ich Ihnen gleich zeigen, was\nund wie wenig der Telegrammstil leistet. Sie\ngeben dem Leser Hörer kurze Stichworte zu dem\nHauptwort; Etikette an viele Ihrer befreiten Sub-\nstantive: Köpfe-Fußbälle, Bäuche-Gießkannen\" etc.\nWjie bequem und wie dünn ist das, wenn schon\nBilder, Assoziationen, Indirektes, dann auch ganz.\nSie überschätzen nämlich den Hörer, Leser; Sie\nschieben ihre Aufgabe, dies Bildmaterial zu formen,\nihm zu, Einiges blieb auch mir unverständlich von\nIhren Assoziationsreihen, und was gehen mich Ihre\nAssoziationsreihen an, wenn Sie sich nicht die\nMühe geben, sie verständlich hinzusetzen: die Ka-\ntastrophe der fehlenden Interpunktion und der\nfehlenden Syntax; denn. Sie haben Assoziationen,\nund das sind Bindungen, und Sie vermögen diese\nBindungen auf keine Weise zum Ausdruck zu\nbringen. Sie vermissen, — man sieht es alle zwei.\nZeilen — die Syntax, suchen tun sie herum zu\nkommen. Sie zwingen, vergewaltigen Ihre Einfälle,\nlassen sie unverständlich bleiben, um nicht gegen\ndas Prinzip zu verstoßen. Das ist eine Rohheit\ngegen die Kunst; Methode hat in der Kunst kein\nPlatz, der Wahnsinn ist besser. Und was sagt mir\nIhr adjektiv-befreites, verbloses, adverbloses:\n„Feldherr-Insel\", das sonstige Hintereinander uu-\nverbundener Substantive, die blank vorübertreten\nwie geschorene Pudel? Ks bleibt alles, fast alles\nim Unbestimmten, Leeren schweben; mir besagt\n„Feldherr\" nichts, der Zusatz „Insel\" macht 'es\nnicht besser, — in Ihrem Kopfe steckt alles viel-\nleicht richtig, aber es ist nicht herrausgckommeu,\nnoch nicht gedichtet, zu sprechlicher Realität ge-\ndiehen, — ob mit. ob ohne Perioden ist mir gleich.\nIch will nicht nur fünfzigmal: „trumb-trumb, täte-\ntereta\", etc hören, die keine größere Sprechherr-\nschaft erfordern, sondern Ihren Feldherrn, Ihre\nAraber sehen, — aber die können Sie mir nicht\nzeigen. Sie strecken die Waffen, wo das heißeste\nBemühen des Prosaikers anfängt. „Ammoniak.\nKlinik, Bistouri, Stierkampf\" etc. sind Randbemer-\nkungen; ich will um die eigentümliche atemlose\nRealität einer Schlacht nicht durch Theorien be-\ntrogen werden, — das Temperament macht es bei\nmir auch nicht —; Sie suchten alles so zu verdich-\nten, daß bei diesem Kondensationsprozeß ihre Re-\ntorten in Stücke gegangen sind und Sie uns nun\ndie Scherben als Proben Ihrer Kunst vorzeigen\nmüssen. Ecce Müll. Ein Feldherr kann durch eine\nBewegung plastisch hingestellt werden, muß; muß\nso hingestellt werden, sonst ist alles nur Ge-\nschwätz, Ihre Kavallerie schwimmt ohne Pferde\nund Soldaten durch den leeren Raum; nichts von\nBodenschwingung, Luftverdrängung, „Kavallerie\"\nschlankweg: damit kann ich nichts anfangen; das\nist blaß und leer wie „Sonne\", „Oeist\", völlig ab-\nstrakt. Das Kanonengebrüll, die Schrapnells\nmachen mich zwar taub, aber nicht blind. Aber zu\nsolcher Abstraktion sind Sie durch Ihre Theorie\nverdammt.\nLieber Marinetti, in Ihrem „Marfarka\" gaben\nSie eine leidenschaftliche Mischung von Dra-\nma, Roman, Lyrik; Ihre Gedichtsammlung\nnennen Sie „Destruction\"; Ihre letzte Bemühung\nwirft sich auf das stählerne Gerüst der Sprache:\ndie Matratze blieb heil; Sie flogen in die Luft. An\nder Ehrlichkeit Ihrer Bemühungen ist kein Zweifel:\naber ich finde es bedauerlich für Sie, daß Sie dau-\nernd Mauern vor .sich sehen müssen, daß Sie\nimmer anrennen müssen und Ihnen nicht die Leich-\ntigkeit des reinen untheoretischen Dichters ge-\ngeben ist, der die Mauern überfliegt. Sie werden\nvergeblich Ihre Ueberredungsgabe an uns ver-\nschwenden, die selbst schreiben. Man erzielt\nPlastik, Konzentration und Intensität auf viele\nWeisen; Ihre Weise ist sicher nicht die beste, kaum\neine gute. Bemühen Sie sich, und lernen Sie bei\nuns! Ihre Bücher haben bewiesen, daß Sie Künst-\nler, Dichter sind, und die Energie Ihrer Instinkte,\ndie Freiheit und Reinheit Ihres Naturalisums, Ihre\nAntierotik finden unsere volle Sympathie, meine\nvolle Sympathie. Aber vergessen Sie nie, daß es\nkeine Kunst, sondern nur Künstler gibt, daß jeder\nauf seine Weise wächst, daß einer behutsam mit\ndem andern umspringen muß. Es gibt kein litera-\nrischen Massen- und Universalartikel. Was man\nsich nicht selbst erobert, bleibt verloren. Gehen\nSie nicht weiter auf Herdenzüchtung aus; es gibt\nviel Lärm dabei und wenig Wolle. Bringen Sie Ihr\nSchaf ins Trockne. Pflegen Sie Ihren Futurismus.\nIch pflege meinen Döblinismus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c017", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.4.1", "titre_corps": "Andre Rouveyre; Zeichnungen / Mit Genemigung des Moreure de France Nachdruck verboten / Copyright", "titre_sommaire": "Andre Rouveyre; Zeichnungen / Mit Genemigung des Moreure de France Nachdruck verboten / Copyright", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 97, "texte": "Andre Rouveyre; 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Ich nenne\nIhnen mit desto größerer Freude den Roman\n-„Tendres Canailles\" von Andre So l -\nmon. Auf dem linken Ufer, zwischen dem quar-\ntier !atein und der faubourg St. Oermain, zwischen\nder Seine und dem Odeon gibt es einige malerische\nStraßen, die auf den Kreuzweg von Buci auslaufen.\nEs gibt wohl eine Bucistraße, aber keinen Kreuz-\nweg von Buci. Trotzdem man nennt ihn so, und\nsagt mit einer Abkürzung die Buci; das ist das\nmalerische Viertel, das hauptsächlich Kunstschüler,\neinige Literaten, zweifelhafte Polen und Mädchen\nbevölkern, die Andre Solmon zu beschreiben ver-\nsucht hat; der Versuch ist ihm merkwürdig gut\ngeglückt. Die durch äußerste Empfindsamkeit\nhervorgezauberte malerische Lage wird Fantasie\nvoller Wahrheit. Es ist die Definition der Kunst,\ndie „Tendres Canailles\" hervorbringt. Es ist ein\nlebendes, ein eindrucksvolles Buch, das ein Dichter\ngeschrieben hat.\nIch schäme mich ein wenig von dem bedeutenden\nkleinen Buch zu sprechen, das Henri Martin\nunter dem Titel l'Ere du Drama hat er-\nscheinen lassen, weil er in diesem Essai, der die\nlebende moderne Kunst berührt, mich zu den sie-\nben Schriftstellern gezählt wissen will, die, wie er\nmeint, die wertvollsten Anfänge enthalten. Die\nheftigste und kraftvollste dieser Bewegung der\nWissenschaft und der Kunst, der Dramatismus in\neinem Wort, drückt unser Zeitalter aus, in dem\nUniversum und Individuum einander entsprechen,\nein ewiger und bewundernswerter Konflikt.\nDer Dramatismus ist nicht a priori eine Theorie,\nim dramatischen Gesang. Ich lasse Herrn Barzun\ndas Wort:\n„Die Verwandlung des monodischen Gesangs\nin polychromen Gesang, wo Stimmen, gegenwär-\ntige Willenskräfte, wesentliche Gewalten die psy-\nchologische Reihenfolge des ewigen Dramas des\nLebens und des Universums ausdrücken und offen-\nbaren.\"\nDer Dramatismus ist nicht a priori eine Theorie,\nsondern eine aus den aktuellen Strömungen in\nKunst, in Wissenschaft entstandene Definition. Da-\nher verkünden mehrere Werke der Aelteren in\nder ganzen Welt das Zeitalter des Dramas. Für\nFrankreich sind die bedeutendsten dieser Werke\nfolgende: La Dame ä la Faulp von Saint-\nPo I Roux, Les Aub e s von Verhaeren,\nPho e s 1 e Jardi n i e r von Viele- Griffin,\nL'Ar b r e von Paul C 1 aud e 1, L a Ne 112 von\nE. Boür g e s , L'or et 1 e sile n c e von\nGustave Kahn , Les Miro i r s von P.\nRoin a r d , Le Promethee mal euchaine\nvon Andre Gide und Lil i t h von Re m y de\nG o ur m on t. Es sind keine Muster und Herr\nBarzun sagt: „Wenn man sie erwähnt, übergeht\nman sie\", und er fügt hinzu: „Unter den neusten\nVerwirklichungen unserer Generation nenne Ich\nzuerst „L es Cuvis de B oeuf von Geor-\nges Po 11 i, Augur a 1 e s et Talismans\nvon Sebastien Vorrel, Coutcs des\nI enebres von Alexandre Mercereau,\nDieud o n n e Tete von Pierre Jaud o n ,\nPaysages introspectifs von Taucrede\nde Vis a n und l'Enchauteur pour r i -\nssa n t von Gui 11 au m e Apo 11 ina i r e.\" Da-\nzu kommt noch l'Hymne des Forces von\nBarz u n selbst.\nDiese Liste umfaßt die bewußtesten Künstler\ndes Dramatismus. Die Liste für Lyrik kann man\nleicht vervollständigen, wenn man die „Antholo-\ngie der neuen Dichter\" zu Rate zieht, die mit einem\nVorwort von Gustave Laugon, Professor an der\nSorbonne, soeben bei Figuiere erschienen ist. Man\nfindet Gedichte von Roger Allard, Guillaume Apol-\nlinaire, H. M. Barzun, Nicolas Beauduin, Paul\nCastiaux, Jean Clary, Emile Cottuet, F. Parmen-\ntier, Henri Hertz, Guy Levand, Louis Mandin, F.\nT. Marinetti, Alexandre Mercereau, Georges Pe-\nrin, Jean Poyerice, AndreSolmon, Jean Thogorma,\nLeo Varlet, Taucrede de Visan.\nLes paro 1 e s dev a u t 1 a vi e , das neue\nWerk Alexandre M ercereaus, ist gerade\ndas erste aus dem Dramatismus hervorgehende\nWerk, das erscheint, seitdem die Dramatischen\nihrer Richtung bewußt sind. Ein tiefes, ein poly-\nphones Werk, in dem die tausend Stimmen des\nUniversums, die in Mercereau gewaltig klingen\nwie in einer Riesenorgel und ihm helfen seine vor-\nnehmen Gedanken auszudrücken. Das Leben, der\nDichter, die Braut, die schwangere Frau, die Mut-\nter, sich selbst, der Tod; in diesen Kapiteln findet\nman die umfassendsten, neuesten und deutlichsten\nBegriffe des Universums. Ein innerlicher Hesiod,\nhat Mercereau die Arbeiten und die Tage der Be-\nwußtheit besungen.\nL'A r t d' inventer les Personnages\nvon Georges Polti gehört auch dem zeitgenös-\nsischen Dramatismus an. Polti ist sogar einer der\ntätigen Handwerker des Dramatismus. Aus diesem\ngelehrten und lyrischen Werk sieht man neue\nWissenschaften aufsteigen, die das zwanzigste\nJahrhundert studieren wird: Die Erblichkeit, die\nRythmen der Geschichte, die mathematischen Ge-\nsetze der erzählenden Zusammenstellung, der dich-\nterischen, künstlerischen oder dramatischen Zu-\nsammenstellung, vergleichende Literatur, verglei-\nchende Biographie und vor allem und hauptsächlich\ndie neuste der Wissenschaften, die Wissenschaft\ndes menschlichen Herzens.\nUnter den literarischen Kuriositäten muß man\nbesonders die neue, durchgesehen und verbesserte\nAuflage der „Negresse Blonde\" erwähnen, deren\nspaßhafte Gedichte vor ungefähr zwanzig Jahren\nin der Bewegung des Symbolismus viel beachtet\nwurden.\nDiese schneidigen Verse gehören in der Mehr-\nzahl zu jenem burlesken Symbolismus, dessen be-\nrühmtestes Beispiel die „Deliquescences\" von\nAdore Flouquette sind. „La Negresse Blonde\" ist\nrast ebenso berühmt. Denn Fourest ist ein wirk-\nlicher nichter, der sich selbst und die anderen\nkunstvoll verspottet. Lustig spricht er von seinem\nBegräbnis, bei dem sein Leichenwagen gezogen\nsein wird von\nDix cochons peints en vert comme des perroquets\nLassen wir ihn in komischen und verzweifelten\nTönen die Getränke der großen Bars besingen:\nGin! Hydromelü Kümmel!!! Wiskyüü\nZythogolaüü!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c022", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "283", "page_fin": "283", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.7", "titre_corps": "Die Fortsetzung des Romans", "titre_sommaire": "Die Fortsetzung des Romans", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.7", "debut_caractere": 6584, "fin_caractere_exclue": 6667, "texte": "Die Fortsetzung des Romans\n„ Di e Schwermut des Genießers\"\nfolgt in nächster Nummer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c023", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "283", "page_fin": "283", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.8", "titre_corps": "Notizen", "titre_sommaire": "Notizen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.7", "debut_caractere": 6669, "fin_caractere_exclue": 7134, "texte": "Notizen\nDie Zeichnungen von Andre Rouveyre\nsind aus dem gleichnamigen Werk von Louis Tho-\nmas. 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Meyer, Berlin-Wilmersdorf erschie-\nnen. — In der siebenundzwanzigsten Zeile muß es\nheißen: Sich zu verkünden statt verkleiden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c024", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "283", "page_fin": "283", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.9", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.7", "debut_caractere": 7136, "fin_caractere_exclue": 7921, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführunc bedeutet berate\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwilMrte\nBücher zurück, falk Rückporto beicefngt Wirde.\nHet Jaar der Dichters\nMuzenalmanak voor 1913\nVerlag C. M. B. Dixon en Co. / Apeldoorn\nQui 11 au m e Apollinaire\nLa Rome des Borgia\nLe Pape Alexandre VI entre sa maitresse et ses\ndeux fils Cesar et Lucrece / La fiancee de Jesus-\nChrist / Orgies cardinalices / Poison et inceste /\nLes bas-fonds de la Rome des Borgia\nParis / Bibliotheque des Carieux\nUhde\nHenri Rousseau\nMit zahlreichen Abbildungen\nParis / Verlag Eugene Figuiere et Cie\nAlbert Qleizes / Jean Metzinger\nDu Cubisme\nMit zahlreichen Abbildungen / Vierzehnte Aufl.\nParis Verlag Eugene Figuiere et Cie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c025", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "284", "page_fin": "284", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.8", "debut_caractere": 409, "fin_caractere_exclue": 745, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\ngegeniiber der von der HeydtstraBe\nFahrKeiejtenheit: Lutzowplatz\nZwolfte Ausstellung\nAlfred Reth\nJulie Baum Gedachtnisausstellung\nGeo it net taglich von 10-—6 Uhr / Sonntags von\n1&—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 15. 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April 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnthofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zusteliung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bsi\nBegin n des neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des erst en Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, da£ E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n/ Tiger / Pferde (Hochformat) / Die H i r t i n\nI Originalholzschnitte / je 10 Handabziige (auf"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c027", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "284", "page_fin": "284", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.8", "debut_caractere": 2904, "fin_caractere_exclue": 4619, "texte": "Japanpapier) signiert und numeriert ./ Das Exem-\nplar 40 Mark\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur / Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Flinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottlufi: Mann und Weib J Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte 7\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, grofies Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Qedicht\nvon Guillanme Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik <\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in v©ller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_01#c028", "volume": "bmtnabg_1913-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "284", "page_fin": "284", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.8", "debut_caractere": 4621, "fin_caractere_exclue": 5435, "texte": "Zeitschriften\nL'Effort Libre / frtiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'IndSpendance / Halbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur I Philosophic / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift ( Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue Francaise I Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre J Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris I Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe. Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). 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Technische Sicherung /\nRollenstudium: ideenreiche, psychologische Durch-\narbeitung mit dem Erfolge absoluter Gefiihlswahr-\nheit. Wohnung: Tempelhof / Kaiserin-Augusta-\nStraBe 12\nLa vie des Lettres / Collection anthologiqire et'\ncritique des Maitres Frangais et Etrangers publiee\nsous la direktion de Nicolas Beauduin / Ce perio-\ndique trimestriel de haute litterature et d'art parait\npar volumes de 200 pages grand format, papier de\nluxe I Au premier numero: M. de Noailles, H de\nRegnier, Emile Verhaeren, Andre Qide, Viele.\nGriffin, Nicolas Beauduin, J. H. Rosny aine, Pierre\nMille, Han Ryner, Camille Mauclair, T. de Visan,\netc; des traductions de Pouhkine, Walt Whitman,\nByron, D. G. Rosetti, etc / Grace a Timportance de\nson tirage La Vie des Lettres assure l'echange\navec les plus interessants Journaux et revues du\nmonde entier / Abonnement France 10 fr Etranger\n12 fr (envoi d'un numero specimen contre la\nsomme de 3 fr / Direction et Administration 20 rue\nde Chartres / Paris Neuilly\nNeue Sezession / Berlin I Eingetragener Verenv\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten iahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 f\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nIitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nBess Brenck-Kalischer liest am Sonntag, den 9.\nMarz im Harmonium-Saal unter dem Titel „Neue\nProsa\" Novellen von Siegmund Kalischer, Jung,\nEhrenstein, Widmann, Lasker-Schiiler\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nRhythm / die einzige literarische und kunstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\niede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text I\neine literarische Beilage erscheint jeden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark j\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartont-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Au.fr\nZiehen von Zeichnungen j Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine rnit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelfoezug: 40 Pfennig:\nDER STURM\nWOCHENSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nDRITTER JAHRGANG\nBERLIN MÄRZ 1913\nNUMMER 150/151\n\nInhalt:\nFür Kandinsky / Ein Protest / F. T. Marinetti: Supplement zum technischen Manifest der futuristischen Literatur / Alfred Döblin: Futuristische\nWorttechnik / Offener Brief an F. T. Marinetti / Günther Mtirr: Gedichte / GuHlaume Apollinaire: Pariser Brief / Andre Rouveyre: Fünf Original-\nzeichnungen\n\nFür Kandinsky\n\nProtest\nPas „Hamburger F r e m d e 11 b 1 a 11 \"\nvom 15. Februar 1913 veröffentlicht folgende Kritik:\n\nKandinsky\nKurt Küchler\nZur Ausstellung bei Louis Bock\nSohn, Hamburg\nBei Louis Bock & Sohn hat wieder einmal\neiner jener unglückseligen Monomanen ausgestellt,\ndie sich für die Propheten einer neuen Malkunst\nhalten. Wir sind schon mehrfach mit guten ästhe-\ntischen Gründen gegen die unsinnige Theorie die-\nser Leute und gegen ihre ganze Pfuscherei zu\nFelde gezogen, daß wir heute diesen Russen Kan-\ndinsky rasch und ohne Aufregung erledigen\nkönnen.\nWenn man vor dem greulichen Farbengesudel\nund Liniengestammel im Oberlichtsaal bei Bock\nsteht, weiß man zunächst nicht, was man mehr\nbewundern soll: die überlebensgroße Arroganz,\nmit der Herr Kandinsky beansprucht, daß man\nseine Pfuscherei ernst nimmt, die unsympathische\nFrechheit, mit der die Gesellen vom „Sturm\", die\nProtektoren dieser Ausstellung, diese verwilderte\nMalerei als Offenbarungen einer neuen und zu-\nkunftsreichen Kunst propagieren, oder den ver-\nwerflichen Sensationshunger des Kunsthändlers,\nder seine Räume für diesen Farben- und Formen-\nwahnsinn hergibt. Schließlich aber siegt das Be-\ndauern mit der irren, also unverantwortlichen\nMalerseele, die, wie ein paar frühere Bilder er-\nweisen, vor der Verdüsterung schöne und edle\nmalerische Formen schaffen konnte: gleichzeitig\nempfindet man die Genugtuung, daß diese Sorte\nvon Kunst endlich an den Punkt gelangt ist, wo\nsie sich glatt als den Ismus offenbart, bei dem sie\nnotwendig landen und stranden mußte, als den\nIdiotismus.\nMan wird vielleicht finden, daß seien harte und\nungerechte Worte. Ich finde, es sind die einzig\nmöglichen. Der Versuch einer ernsthaften Kritik\nwürde in diesem Falle, meine ich, ein bedenkliches\nLicht auf den Kritiker werfen. Die bloße Konsta-\ntierung der Existenz einer solchen Pseudokunst\nist eigentlich schon zu viel.\n\nH. W.\nDen letzten Teil dieser Kritik lasse ich fort,\nweil er wesentlich neue Beschimpfungen nicht\nmehr bringt. Herr Kurt Küchler braucht nicht\nwiderlegt zu werden. Man ist auch weniger em-\npört über die Dreistigkeit eines Possenautors, als\nüber die Tatsache, daß einem Unwissenden von\neiner großen Tageszeitung die Gelegenheit ge-\ngeben wird, sich an dem hochbedeutenden Künst-\nler Kandinsky so zu vergreifen. Dieser Protest\nrichtet sich innerlich mehr gegen den Mißbrauch,\ndaß solche Leute auf Künstler losgelassen werden.\nDieser Protest soll aber zugleich für Kandinsky\neine Ehrung bedeuten und ihm zeigen, welche\nAchtung und Anerkennung seine Kunst bei künst-\nlerischen Menschen findet. Ich bewundere ihn\nund sein Werk.\n\nDr. Heinz Braune\nK. B. Direktion der\nStaatlichen Galerien\n. . . Immerhin bin ich der Meinung, daß durch\nsolche Art von „Kritiken\", mehr der Schreiber\ngebrandmarkt wird, als der Künstler. Wer mit\nKot wirft, beschmutzt zunächst sicher seine eige-\nnen Hände; der andere aber wird gewöhnlich so\nwenig getroffen, wie in diesem Fall Kandinsky,\ndessen lauteres, ernstes und unerschrockenes Vor-\nwärtsstreben dadurch nicht zu irritieren sein\nwird.\nAus einem Schreiben an den Herausgeber der Zeitschrift\n\nRichard Dehmel\nSehr geehrter Herr Waiden\nWenn ich gegen die Dummheit des Federviehs\njedesmal „etwas schreiben\" wollte, wäre ich\nlängst am Schreibkrampf verreckt. Lassen Sie\ndieses Kurt Küchlein doch piepsen; für solche\nHühnergehirnchen zerbricht sich Kandinsky wohl\nnicht den Kopf.\nBesten Gruß\nDehmel\n\nKarl Ernst Osthaus\nMuseum Folkwang / Hagen i/W\nEs verlohnt wohl nicht auf die Ausführungen\ndes Herrn Küchler näher einzugehen. Die Tat-\nsache, daß sich Arbeiten von Kandinsky im Folk-\nwang-Museum befinden, wird Ihnen zur Genüge\nsagen, was ich von dem Künstler halte.\nHochachtungsvoll\nMuseum Folkwang\nHagen i/W\nOsthaus\n\nW. Steenhoff\nStellvertretender Direktor des\nReichsmuseums zu Amsterdam\nSehr geehrter Herr\nIch ließ Ihnen ein Exemplar meines Essays über\nKandinsky in der Zeitschrift „De Amsterdammer,\nWeekblad voor Nederland\" zusenden. In einigen\nTagen erscheint eine zweite Besprechung dieses\nsehr bedeutenden modernen Malers in der\nWochenschiift „de Ploeg\", herausgegeben von de\nWereldbibliotheek, Amsterdam. Ich höre, daß\nAlbert 'Verwey, einer der ersten holländischen\nAutoren in der Wochenschrift „de Beweging\" ein\nGedicht über Kandinsky veröffentlichte. Uebrigens\nist Kandinsky auch hier viel durch die Kritiker\nbeschimpft worden. Aber was macht das!\nHochachtungsvoll\nW. Steenhoff\n\nSwarzensky\nDer Direktor des Städelschen Kunst-Institutes\nFrankfurt am Main\nSehr geehrter Herr\nWir leben in einer Zeit, wo jeder alles sagen\nkann; so ist also ganz selbstverständlich, daß An-\nsichten jeder Art gedruckt werden und ganz\nzwecklos, dagegen mit dem gleichen Mittel einei\nöffentlichen literarischen Qegenäußerung zu pro-\ntestieren.\nEmpörend finde ich nur, daß es möglich ist, das\njemand, der berufsmäßig in einer angesehenen\nZeitung Kritiken schreibt, eine derartige Expekto-\nration als Kritik herausgibt, — daß er die Sache,\ndie er beurteilen soll in Grund und Boden ver-\ndonnert und dabei ungeniert eingesteht, daß er\nvon dem „Versuch einer ernsthaften Kritik\" ab-\nsieht, — ohne seine Ansicht als eine rein subjek-\ntive Aeußerung zu charakterisieren. Ich kenne die\nPersönlichkeit des „Kritikers\" nicht, und weiß des-\nhalb nicht, ob und inwieweit diese seine rein per-\nsönliche Meinung als solche Ihre Entrüstung recht-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.2", "texte": "fertigt. Außergewöhnlich scheint mir nur der Ar-\ntikel in seiner Form in der Vorliebe für ehren-\nkrankende Beleidigungen, mit denen der Künstler\nund der Kunsthändler bedacht werden. Hier gegen\nsollte zwar nicht der Künstler — denn nach meiner\nunmaßgeblichen Meinung widerspricht das etwas\nder Würde des Künstlers — wohl aber der be-\ntroffene Kunsthändler mit allen Mitteln energisch\nvorgehen.\nIhnen ein abschließendes Urteil über Kandins-\nky und sein Streben zu präsentieren, fühle ich\nmich außerstande; vielleicht interessiert es Sie\naber, daß ich persönlich zwei Bilder von Kandinsky\nbesitze, die ich einmal gekauft habe, einfach weil\nsie mir besonders gefielen. Ich habe an den Bildern\nviel Freude und hoffe die Freude daran lange zu\nbehalten. Ich nehme es aber niemanden übel,\nwenn er die Freude mit mir nicht teilen kann.\nHochachtend\nSwarzenski\n\nWilhelm Hausenstein\nSehr geehrter Herr Waiden!\nSie hatten die Freundlichkeit, mir eine Notiz\ndes Hamburger Fremdenblatts über Wassily Kan-\ndinsky zuzuschicken.\nSie nennen diese Notiz eine „unerhörte Be-\nschimpfung Kandinskys\". Es handelt sich bei der\nNotiz des Herrn vom Hamburger Fremdenblatt in\nder Tat nicht um den Versuch einer Beurteilung\nder Kunstdokumente, die wir Kandinsky verdan-\nken, sondern um eine platte Anödung der Person\ndieses Malers. Es steht den Zeitgenossen frei,\nüber Kandinskys Kunst zu denken, wie sie wollen.\nEs steht ihnen frei, sie abzulehnen. Aber es steht\nihnen, solange Schicklichkeit eine giltige Sache ist,\nnicht frei, im literarischen Verkehr die Gesetze des\ngesellschaftlichen Anstandes gering zu achten. Es\nist ganz im Allgemeinen gewöhnlich, chauvinis-\ntische Instinkte zu reizen. Es ist doppelt gewöhn-\nlich, wenn ein Herr, der beansprucht, als Kunst-\nkritiker betrachtet zu werden, einen Fremden, der\nwie Kandinsky mit allem Takt die Gastfreundschaft\nDeutschlands genießt, mit einem eignen Ton als\n„diesen Russen\" der nationalen Verachtung an-\nempfiehlt.\n„Ueberlebensgroße Arroganz\", „Pfuscherei\",\n„Extrakabinett\" im „Panoptikum\", „Idiotismus\",\n„Größenwahnwitz\" etcetera und dazu einmal eine\nverschämte reservatio mentalis, die milde von\n■einer „irren, also unverantwortlichen Malerseele\"\nredet: das ist nicht Kritik, sondern ganz einfach\nbloß ein unfairer gesellschaftlicher Verkehrston.\nDie Sache ist übrigens typisch. Vor wenigen\nTagen hat ein Herr Fahrenkrog in Barmen im\nKampf gegen die neue Kunst und ihre Vorkämpfer,\nbesonders gegen den hochverdienten Dr. Reiche,\ndie Höhe der deutschnationalen Noblesse und des\nkritischen Scharfsinns erklommen, indem er die\nMünchener Maler Alexei von Jawlensky und Wla-\ndimir von Bechtejeff als „Polacken\" qualifizierte.\n(Weshalb nicht lieber gleich auch als Juden? Es\nist übrigens sehr vergnüglich, zu sehen, daß dieser\nJargon gerade auf zwei Maler loshagelt, die in\nden feudalsten russischen Regimentern Offiziere\ngev. esen sind — Personen, vor denen, wären sie\nDeutsehe; mancher malende und kritisierende Un-\ntertan bei uns instinktiv innerlich stramm stehen\nwürde. Die Vorstellung hat uns amüsiert.)\nNeuerdings haben die Herren von der deutschen\nKunst nun auch noch den Praezeptor Germania\nfür sich: den Kunst- und Kulturwart, der einen\nprachtvollen Cezanne mit der bildungverbreiten-\nden Note „Genie und Faulheit?\" versieht.\nJe nun —■ wer nicht weiß, daß es bon ton ist,\nauch gegenüber Gegnern und gegenüber Leuten,\ndie man nicht kennt, eine gewisse neutrale Kon-\nvention der Höflichkeit einzuhalten, der erledigt\nsich von selbst. Man kann auf jede Frechheit ein-\ngehen, die formulierte Bosheit, die Witz enthält.\nAber gegen stumpfen Untakt polemisiert man nicht.\nMan registriert ihn für die Naturgeschichte der Kri-\ntik, so wie man es registriert hat, daß der Pinsel\neines Delacroix seinerzeit ein besoffener Besen ge-\nnannt wurde und daß man Courbet anwitzelte, er\nlasse sich wohl nie rasieren, damit er mit seinem\nborstigen Vollbart malen könne. In etlichen Jahren\nkann man den Ungeist, der gegen die neuen Künst-\nler mobilisiert wird, vielleicht nicht ohne Vorteil\nfür die Sache wieder einmal zitieren. Inzwischen\nwollen wir ihn schlafen lassen.\nIch glaube, ein großer Teil der „Kritiken\", die\neher Injurien als Urteile sind, würde nicht ge-\nschrieben, wenn die Herren eine Ahnung davon\nhätten, was etwa ein Kandinsky menschlich und\nkünstlerisch ist. Manchmal verspürt man Lust, die\nBekenner und Schriftsteller wohlwollend an den\nOhren heranzuführen und ihnen zu sagen: hier das\nist er; so schaut er aus — gerade wie andere.\nIch schätze mich glücklich, mit Kandinsky per-\nsönlich bekannt zu sein. Bevor ich ihn persönlich\nkannte, hatte ich ein lebhaftes abstraktes Interesse\nfür seine Arbeiten. Sie gefielen mir und reizten\nmich. Seit ich ihn persönlich kenne, verbindet mich\nnoch mehr mit ihm: ein ganz konkretes mensch-\nliches Vertrauen zu seinen künstlerischen und mo-\nralischen Gesinnungen und eine hohe persönliche\nAchtung vor seiner den Dingen des Lebens über-\nlegenen, differenzierten, dabei ruhigen und ein-\nfachen Intelligenz. Er ist ein Mensch, an den ich\nglaube.\nIch werde ihm die Bekenntnisse des aufgeregten\nHamburger Herrn bei Gelegenheit zeigen. Ich\nfreue mich schon jetzt auf sein Gesicht. Er wird\nsie mit der wortlosen Ironie des Gentleman auf-\nnehmen, die viel schöner ist als die gelungensten\nMalicen und als die erhabensten Entrüstungen.\nDas alles erzähle ich Ihnen, weil es mir Freude\nmacht, das alles von einem Menschen erzählen\nzu können, und weil ich glaube, daß Sie Freunde\nhaben, zu denen man solche menschlichen Dinge\nsagen kann und denen sie etwas bedeuten.\nAls ich Kandinsky kennen lernte, war ich von\nnichts so verblüfft, wie von seiner unbedingten\nDuldsamkeit. Ich hatte mir immerhin einen Radi-\nkalen gedacht: einen Prinzipiellen, einen Gewalt-\nsamen. Das Erste, was er mir sagte, war die ein-\nfache Bemerkung, daß er seine Kunst für etwas\nhöchst Relatives halte.\nWas will er? Er hat früher Arbeiten gemalt,\ndie das Niveau eines feinen Impressionismus haben.\nKleine russische Landschaften, die ich bei ihm\nsah, haben aber schon von Anfang an eine eigen-\ntümliche Tiefe: sie sind zwar wirklich, aber doch\nwie losgelöst vom Wirklichen und scheinen eine\nmetaphysische Bedeutung zu haben, die über das\nSujet hinausgeht. Sie sind unendlich bedeutender\nals die wackeren, couragiert breitpinseligen Land-\nschaften des Citramalers Albert Lamm, der den\nUltramaler Kandinsky erschlagen hat.\nKandinsky erkannte, daß es — wollen wir\nwirklich eine durchgebildete Kultur der male-\nrischen Form — notwendig ist, die malerische\nForm gleichsam rein darzustellen: gleichsam eine\nKritik der reinen Anschauung zu geben. (Ein\nwitziger Skeptiker machte das Bonmot: Kant und\nKandinsky.) Die künstlerischen Mittel sollten von\nallem Materiellen gereinigt werden; Kandinsky\nwollte die absolute Logik der Formen und Farben,\ndie absolute Gesetzlichkeit der malerischen Asso-\nziationen darstellen.\nEs ist, wie ich glaube, in Kandinsky mancher-\nlei Didaktisches — vielleicht sogar ein gewisses\nGefühl für das Recht des Akademischen, ein ge-\nwisses Vorwalten der künstlerischen Intelligenz.\nAber diese Persönlichkeit ist viel zu komplex, um\ndamit bezeichnet zu sein. Mit diesem Rationalis-\nmus ist eine Fülle der irrationalsten Sinnlichkeit\nverbunden — freilich einer Sinnlichkeit nicht wie\nbei Corinth, sondern einer Sinnlichkeit, die spi-\nritualisiert ist.\nUnd schließlich ist es auch wieder verkehrt,\nzu meinen, Kandinskys Malerei sei vollkommen\nungegenständlich. Sie ist ohne physisches Motiv.\nAber sie ist nicht ohne geistiges Motiv. Kandinsky\nist ungewöhnlich musikalisch und ein Freund der\nMusik und der Persönlichkeit Schönbergs. Was\ner malt, das ist am Ende nicht rein abstrakt, son-\ndern es ist darin viel Uebersetzung irrationaler\nseelischer Empfindungszustände und Assoziationen\nin farbige Aequivalente, die eine bestimmte Stärke,\neine bestimmte Breite, eine bestimmte . Höhe\nhaben. Ein Ausdruck voll von Verhältnissen und\nvon Ordnung.\nEs scheint mir lächerlich, die Möglichkeit einer\nsolchen Kunst zu bezweifeln. Man könnte gerade\nso gut eine Farbenkomposition von Delacroix be-.\nzweifeln. Aber das tun nur die, die nicht wissen,\ndaß alle Kunst zuletzt den Zweck hat, die Form\nmöglichst rein darzustellen und sie von der\nSchwere des Motivs — sei es physisch, sei es\npsychisch — möglichst zu befreien.\nDie ganze Entrüstung über Kandinsky ist dop-\npelt und dreifach absurd, weil Kandinsky nicht die\nSpur eines Bedürfnisses nach Selbstinszenierung\ngehabt hat. Ich habe noch nie einen reservierte-\nren Maler gesehen.\nWeiter: Kandinsky ist überzeugt, daß sein Weg\nnicht etwa das absolute neue Prinzip ist. Er\nempfindet sich als Konservativen: in dem Sinn\netwa, in dem Signac sich als den Wahrer der for-\nmalen Traditionen eines Delacroix empfand.\nUnd endlich: er ist sicher, daß sehr bald wieder\neine Malerei beginnen werde, die von den phy-\nsischen Realitäten ausgeht und mit den gereinigten\nMitteln der gegenwärtigen Kunst oder mit Mitteln,\ndie wir noch nicht sehen, eine neue künstlerische\nErschöpfung der physischen Welt versuchen wird.\nKandinsky betrachtet seine Kunst als eine Aus-\ndrucksmöglichkeit von bestimmter Art, der andere\nAusdrucksmöglichkeiten gegenübertreten sollen.\nAber selbstverständlich: mit vollem Glauben sucht\ner nur die seine.\nKandinsky ist im Grund nichts als ein Reprä-\nsentant eines neuen Idealismus. Idealismus ist\nhier allerdings nicht das, was der treudeutsche\nAvenarius darunter versteht. Idealismus ist gren-\nzenloser.\nEs ist lustig, daß wir den Idealismus gegen ein\nSpezialorgan „für Ausdruckskultur\" verteidigen\nsollen. Die Herren kämpfen gegen das, was sie\nselber wollen. Oder wollen sie nicht eine Gesin-\nnung, die der Gewalt der natürlichen Materie eine\nordnende und überwindende Geistigkeit des Aus-\ndrucks gegenüberstellt? Wohl. Aber mit Maß,\nUnd mit der Zeit wird jede Jugend mehr oder\nminder Gartenlaube.\nWarten wir ab: in zehn oder zwanzig Jahren\nist Kandinsky Mode. Das ist ein Gesetz der Gene-\nrationsverschiebung. Er selber wird dann freilich\nlängst anders sein. Es ist nun einmal so in diesen\nZeiten zerspaltener Gesellschaftlichkeit, in der sich\nDinge, Menschen nicht aufeinander beziehen lassen:\nder Kritiker rückt um zehn, das Publikum um\nzwanzig Jahre hinter dem Künstler her. Das ist\nübrigens noch sehr loyal: bei den Aelteren dauerte\nes noch länger. Aber immer meinen Kritiker unef\nPublikum, sie seien der Praxis voraus und hätten\nden Künstler zurechtzuweisen oder ihn für ver-\nrückt zu erklären."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.3", "texte": "Sie haben mich, sehr geehrter Herr Waiden,\num meine Meinung über Kandinsky befragt. Hier\nist sie. Machen Sie von meinen Mitteilungen den\nFreunden des „Sturms\" gegenüber und denen, die\nes werden können, den Gebrauch, den Sie für\nnützlich halten.\nIch wünsche Ihrer entschlossenen Arbeit allen\nErfolg und begrüße Sie mit herzlicher Hochachtung\nals Ihr ergebener\nWilhelm Haus.enstein\n\nDie Unterzeichneten erheben hierdurch gegen\ndie Beschimpfung des Künstlers Kandinsky im\n„Hamburger Fremdenblatt\" vom 15. Februar den\nallerschärfsten Protest und sprechen dem Belei-\ndigten ihre Sympathie aus:\nHans Arp\nGuillaume Apollinaire, Paris\nPeter Baum\nDr. Adolf Behne\nHenri Martin Barzun, Direktem Pr'imes et\nDrama, Paris\nW. von Beehtejeff, München\nDr. Iieinz Braune, München\nH. Campendonk\nRobert Delaunay, Paris\nDr. Max Den\nDr. Alfred Döblin\nDr. Julius Elias\nAlbert Ehrenstein\nE. Epstein, Paris\nAlfred Flechtbeim\nDr. Eberhard Grisebach, Jena\nWalter Heibig\nFritz Hellwag\nAlbert Gleizes, Paris\nFranz Jung\nA. von Jawlensky, München\nCesar Klein\nBernhard Köhler\nRudolf Kurtz\nPaul Klee, München\nMarie Laurencin, Paris\nRudolf Leonhard\nAlexandre Mercereau, Direktor de Vers et\nProse, Paris\nF. Leger, Paris\nN. Minsky, Paris\nAugust Macke\nFranz Marc\n- • : v •\nF. F. Marinetti\nAlfred Mayer, München\nLudwig Meidner\nAlired Richard Meyer\nDagobert von Mikusch-Buchberg, München\nWilhelm Morgner\nJ. B. Niestie\nWalter Ophey\nDr. Gustav Pohl, München\nDr. R. Reiche, Barmen\nRichter-Berlin\nFr. Rosenkranz\nM. E. Sadler, The University, Leeds in England\nArthur Sega!\nDr. Franz Stadler\nDr. Wilhelm Stadler, Hamburg\nJacob Steinhardt\nPeter Scher\nArnold Schönberg\nGeorg Tappert\nCurt Viktor von Witzleben-Normann\nWilhelm Wulff, Soest\nMarianne von Werefkin\nPaul Zech\nWährend der Drucklegung sind noch verschie-\ndene Unterschriften eingegangen, die in der\nnächsten Nummer veröffentlicht werden.\n\nOskar Kokoschka\nDas Buch von Kandinsky könnte solchen\nJournalisten die Augen öffnen, die bis jetzt gedacht\nhatten, nur über den Kontrapunkt in der Malerei\ndürfe man nicht schreiben. Wenn die Oeffentlich-\nkeit wirklich von der Privatmeinung eines Jour-\nnalisten geleitet wird, dann scheint sie vielleicht\nnicht das maßgebende Forum zu sein und Kan-\ndinsky kann sich mit der Würdigung der Freunde\nseiner Arbeit zufrieden geben.\n\nMoeller van de Bruck\nEs geht durchaus wider mein Gefühl, gegen\neinen bedeutungslosen Schreier und Schreiber\nauch noch zu protestieren. Selbstverständlich ist\nKandinskys Sache eine geistige Sache. Selbst-\nverständlich ist er edler Idealist. Auch der Un-\nberufene müßte sich wenigstens sagen, daß Kan-\ndinsky nicht grundlos und ohne innere Nötigung\nein sicheres Können mit Experimenten vertauscht\nhaben wird. Wir andern wissen dies.\n\nSupplement zum tech-\nnischen Manifest der Fu-\nturistischen Literatur\nVon F. T. Marinetti\n\nIch verachte die Schwätzer und die Ironiker,\nund ich beantworte die skeptischen Fragen und\ndie wichtigen Entgegnungen, die die europäische\nPresse meinen technischen Manifest der futu-\nristischen Literatur entgegengeschleudert hat.\n1/ — Die, die verstanden haben, was ich mit\n„Haß der Intelligenz\" sagen wollte, glauben hier\nden Einfluß der Philosophie Bergsons zu er-\nkennen. Sie wissen sicher nicht, daß mein erstes\nepisches Gedicht „La Conquete des Etoiles\"\n(Die Eroberung der Sterne, 1902) auf der ersten\nSeite folgende drei Verse Dantes trug:\n„O ills e n s ata cur a de mort a 1 i\noua n t o son diff e 11 iv i sillogismi\n0 uei che ti fanno in basso batter l'ali\"\n(Paradies, elfter Gesang) und folgende Gedanken\nEdgar Poes:\n„ . . . Der poetische Geist — die erhabenste\nFähigkeit, wie wissen es jetzt, da ja wichtige\nWahrheiten uns nur durch diese Analogie enthüllt\nwerden konnten, deren Beredsamkeit, der Vor-\nstellungsgabe gegenüber einwandfrei, für die\nschwache, einsame Vernunft nichts bedeutet.\"\nEdgar Poe: Gespräch zwischen Monos und Una\nWeit vor Bergson stimmten diese schöpfe-\nrischen Geister mit dem meinen überein: sie\nzeigten ihre Verachtung und ihren Haß gegen die\nschwache, einfältige Intelligenz und sprachen alle\nRechte der intuitiven und divinatorischen Vor-\nstellungsgabe zu.\n2/ — Wenn ich von Intuition und Intelligenz\nspreche, so will ich nicht von zwei vollkommen\ngetrennten und verschiedenen Gebieten reden.\nJeder schöpferische Geist hat während seines\nSchaffens feststellen können, daß sich intuitive Er-\nscheinungen mit der logischen Intelligenz ver-\nweben. Folglich ist es unmöglich, genau den\nAugenblick zu bestimmen, da die unbewußte In-\nspiration aufhört und der klarsehende Wille be-\nginnt. Manchmal verursacht der Wille plötzlich\ndie Inspiration, manchmal begleitet er sie. - Nach\neinigen Stunden mühseliger und angestrengter\nArbeit betreit sich plötzlich der schöpferische\nGeist vom Gewicht aller Hindernisse und wird\ngleichsam das Opfer einer merkwürdigen spon-\ntanen Auffassung und Ausführung. Die schrei-\nbende Hand scheint sich vom Körper zu lösen\nund sich ins Freie zu verlängern, weit, weit weg\nvom Gehirn, das ebenfalls losgelöst vom Körper\nätherisch geworden ist und von oben mit er-\nschreckender Klarheit die unerwarteten Sätze be-\ntrachtet, die der Feder entfließen.\nBetrachtet dieses herrschende Gehirn unbe-\nweglich oder lenkt es wirklich die Sprünge der\nEinbildungskraft, die die Hand erschüttern? Es\nist unmöglich, sich darüber Rechenschaft abzu-\nlegen. Ich habe — physiologisch — in solchen\nAugenblicken nur ein leeres Gefühl im Magen be-\nmerken können.\nUnter „Intuition\" verstehe ich einen fast voll-\nkommen intuitiven und unbewußten Zustand, unter\n„Intelligenz\" einen fast vollkommen intellektuellen\nund bestimmt wollenden Zustand des Gedankens.\n3/ — Die ideale Poesie, von der ich träume,\nund die nur die ununterbrochene Reihe der zwei-\nten Analogieausdrücke wäre, hat nichts mit der\nAllegorie zu tun. Die Allegorie ist allerdings die\nReihe der zweiten Ausdrücke mehrerer Analo-\ngien, aber diese sind alle logisch verbunden.\nDie Allegorie ist manchmal auch der zweite ent-\nwickelte und peinlich beschriebene Ausdruck einer\neinzigen Analogie.\nIch will hingegen die unlogische weder appli-\nkative noch intuitive Reihe der zweiten Aus-\ndrücke zahlreicher, unverbundener, entgegenge-\nsetzter Analogien geben.\n4/ — Alle begäbe Stilisten haben mühelos fest-\nstellen können, das Adverb ist ein unveränder-\nliches Wort, das das Verbum, das Adjektiv oder\nein ein anderes Adverb modifiziert, es ist sogar\neine musikalische Agraffe, die einzelne Töne einer\nPeriode aneinanderklemmt.\n5/ — Ich halte es für nötig, Adjektiv und Ad-\nverb wegzulassen, weil sie gleichzeitig oder nach-\neinander die bunten Fesseln, die nüancierten Dra-\nperien, die Sockel, Brückengeländer oder Balu-\nstraden der traditionellen lateinischen Periode\nsind. Durch einen klugen Gebrauch von Adjektiv\nund Adverb erhält man das melodiöse und ein-\ntönige Gleichgewicht des Satzes, seinen fragen-\nden oder gewichtigen, Ton und seinen ruhenden\nund abgestuften Fall wie das Anlaufen der Wel-\nlen auf den Strand. Mit dem identischen Ein-\ndruck, der immer derselbe bleibt, behält die Seele\nihren Atem, zittert ein wenig, fleht um Trost und\natmet auf, wenn die Flut der Worte zurückläuft\nmit ihrer Kieselsteininterpunktion und ihrem\nSchlußecho.\nAdjektiv und Adverb haben eine dreifache Be-\nstimmung: erklärend, dekorativ und musikalisch.\nDadurch geben sie den schweren oder leichten,\nlangsamen oder schnellen Wert des Substantivs\nan, das sich im Satz bewegt. Sie sind die Stöcke\nund die Krücken des Substantivs. Ihre Länge\nund ihr Gewicht regulieren den Schritt des Stils,\nder so immer unter Vormundschaft ist, und sie\nhindern ihn, den Flug des Vorstellungsvermögens\nwiederzugeben.\nWenn zum Beispiel dasteht: „Eine schöne und\njunge Frau geht rasch über Marmorfliesen\", so\nbeeilt sich der traditionelle Geist zu erklären, daß\ndiese Frau jung und schön ist, obwohl die In-\ntuition ganz kurz eine schöne Bewegung gibt.\nNachher erklärt der traditionelle Geist, daß die\nFrau geht. Dann wird er hinzufügen, daß sie\nschnell geht und endlich, daß sie über Marmor-\nfliesen geht.\nDieses rein erklärende Vorgehen, das des Un-\nvorhergesehenen ganz beraubt ist. lastet von"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.4", "texte": "vornherein auf allen Arabesken, Zickzacks und\nUmwegen des Gedankens: es hat keine Daseins-\nberechtigung mehr. Man ist ungefähr sicher, daß\nman sich nicht irrt, wenn man gerade das Gegen-\nteil tut.\nUnweigerlich gibt man dem Substantiv seinen\nwesentlichen, gesamten und typischen Wert wie-\nder, wenn man Adjektiv und Adverb unterdrückt.\nUeberdies setze ich unbedingtes Vertrauen in\ndas Gefühl des Abscheus, das ich für das Sub-\nstantiv hege, das daherschreitet, begleitet von sei-\nnem Adjektiv wie von einer Schleppe oder einem\nPudelhündchen. Manchmal hat das Substantiv\nein Adjektiv vorn und ein Adverb hinten wie die\nbeiden Reklamezettel eines Sandwichmannes.\nLauter unerträgliche Zustände.\n6/ — Deswegen benutze ich die abstrakten\nmathematischen Zeichen, die die Mengen angeben\nsollen: denn sie ziehen alle Erklärungen ohne\nFüllsel zusammen und vermeiden die gefährliche\nAngewohnheit an allen Enden des Satzes Zeit zu\nverlieren durch peinliches Feilen, durch kostbare\nFassungen.\n7/ — Die von der Interpunktion befreiten\nWorte werden sich gegenseitig mit ihren Strahlen\nerhellen, ihre verschiedenen Magnetismen durch-\nkreuzen, indem sie dem beständigen Dynamismus\ndes Gedankens folgen. Eine weiße Stelle, die\nmehr oder weniger lang sein wird, wird dem\nLeser die Ruhe oder das Schlafen der Intuition\nandeuten. Die großen Buchstaben werden dem\nLeser die Substantive bezeichnen, die eine bedeu-\ntende Analogie zusammenfassen.\n8/ — Die Zerstörung der traditionellen Periode,\ndas Abschaffen des Adjektivs, des Adverbs und\nder Interpunktion werden notwendiger den Zu-\nsammenbruch der nur zu sehr gerühmten Har-\nmonie des Stils mit sich bringen, so daß der fu-\nturistische Dichter endlich die onomatopoetischen\nKakophonien wird benutzen können, die die un-\nzählbaren Geräusche der sich bewegenden Ma-\nterie geben.\nAll diese elastischen intuitiven Anschauungen,\ndurch die ich mein technisches Manifest der futu-\nristischen Literatur vervollständige, haben sich in\nmeinem Gehirn nacheinander entfaltet und mein\nneues futuristisches Werk geschaffen; eines der\nbezeichnendsten Fragmente folgt:\nBataille\nPoids -1- Odeur\nMidi 3/4 flütes glapissement embrasement\ntoumbtoumb alarme Gargaresch craquement cre-\npitation marche Cliquetis sacs fusils sabots clous\ncanons crinieres roues caissons juifs beignets pains-\nä-huile cantilenes echoppes bouffees chatoiement\nchassie puanteur cannelle fadeurs flux\nreflux poivre rixe vermine tourbillon orangers-en-\nfleur filigrane misere des echecs cartes jasmin ~r\nmuscade -1- rose arabesque mosai'que charogne\nherissement savates mitrailleuses — galets\n~r ressac 4- grenouilles Cliquetis sacs fusils canons\nferraille atmosphere ~ plomp + lave -112 300 puan-\nteurs -112 50 parfums pave matelas detritus crottin\ncharognes flic-flac entassement chameaux bour-\nricots tohubohu cloaqite Souk-des-argen-\ntiers dedale soie azur galabieh pourpre oranges\nmoucharabieh arches enjambement bifurcation pla-\ncette pullulement tannerie cireurs gandou-\nras burnous grouillement couler suinter bariolage\nenveloppement excroissances fissures tanieres gra-\nvats demolition acide-phenique chaux pouillerie\nCliquetis sacs fusils sabots clous canons caissons\ncoups-de-fouet drap-de-soldat suint impasse ä-\ngauche entonnoir ä-droite carrefour clairobscur\netuves fritures musc jonquilles fleur-d'oranger\necoeurement essence-de-rose piege .ammoniaque\ngriffes excrements morsures viande + 100\nmouches fruits-secs carrotibes pois-chiclies pis-\ntaclies aniandes regimesbananes dattes toubtoumb\nbouc cousscouss-moisi aromates safran\ngoudron oeuf-pourri chien-mouille jasmin cassie\nsantal oeillets faisandage intensite bouillonnement\nfermenter tubereuse Pourrir s'eparpiller furie\nmourir sedesagreger morceaux miettes poussiere\nheroi'sme elminthes fusillade pic pac pun pan pan\nmenthe mandarine laine-fauve mitrailleuses cli-\nquets-de-bois leproserie plaies en-avant\nchair moite crasse suavite ether Cliquetis sacs\nfusils canons Caissons roues benjoin tabac encens\nanis village ruines brule ambre jasmin maisons\neventrements abandon gargoulette toumbtoumb\nviolettes ombrages puits änon anesse cadavre\necrabouillement sexe exibition ail bromes\nanisette brise poisson sapin-neuf romarin cliarcu-\nteries pahniers sable cannelle Soleil or ba-\nlance plateaux plomb ciel soie chaleur rembour-\nrage pourpre azur torrefaction Soleil — volcan +\n3000 drapeaux atmosphere precision corrida furie\nChirurgie lampes rayons bistouris etincelle-\nment linges desert clinique X 20 000 bras 20 000\npieds 10 000 yeux mire scintillation attente Ope-\nration sables chaufferies Italiens Arabes : 4000\nmetres bataillon chaudieres commandements pis-\ntons gueur bouches fournaises crenomdetiom en-\navant huile vapeur ammoniaque. > cassies vio-\nlettes fientes roses sables miroitement tout mar-\ncher aritmethique traces obeir ironie enthousiasme\nbourdonnement coudre dunes oreillers zig-\nzags repriser pieds meules crissement sable inu-\ntilite mitrailleuses = galets + ressac -112 grenouilles\nAvant-gardes : 200 metres chargez-ä-la-\nbai'onette en-avant Arteres gonflement chaleur\nfermentation cheveux aisselles chignon rousseur\nblondeur haleines -j- sac 30 kilos prudence = bas-\ncule ferrailles tire-lire mollesse : 3 frissons com-\nmandements pierres rage ennemi aimant legerete\ngloire heroi'sme Avant-gardes : 100 metres\nmitrailleuses tatarataratarata Avant-gardes\n: 20 metres bataillons fourmis cavalerie araignees\nroutes gues general llot estafettes sauterelles sab-\nles revolution obus tribuns nuages grils fusils mar-\ntyrs shrapnels aureoles multiplication addition di-\nvision obus soustraction grenade rature ruisseler\ncouler eboulement blocs avalanche Avant-\ngardes : 3 metres melange va-et-vient collage de-\ncollage dechirement feu deraciner chantiers eboule-\nment carrieres incendie panique aveuglement ecra-\nser entrer sortir courir eclaboussement\nVies fusees coeurs friandises bai'onnettes fourchet-\ntes mordre depecer puer valser bondir rage curee\nexplosions obus gymnastes fracas trapezes ex-\nplosion rose joie ventres arrosoirs tetes foot-ball\neparpillement Canon 149 elephant artilleurs\ncornacs hissa-hoo colere leviers lenteur lourdeur\ncentre gargousse jockey methode monotonie trai-\nners distance grand-prix gueule parabole x lumiere\ntonnerre massue infini Mer — dentelles emeraudes\nfraicheur elasticite abandon mollesse cuirasses\nacier concision ordre Drapeau-de-combat (prai-\nries ciel-blanc-de-chaleur sang) = Italie force or-\ngueil-italien freres femmes mere insomnie brouha-\nha-de-camelots gloire domination cafes recits-de-\nguerre Tours canons virilite volees ecrec-\ntion telemetre extase toumbtoub 3 secondes toumb-\ntoumb flots sourires rires plaff plouff glouglouglou-\nglou cachecache cristaux viergeschair bijoux per-\nles iodes sels bromes jupons gaz liqueurs bulles 3\nsecondes toumbtoumb officier ]blancheur\ntelemetre croix feu megaphone la-hausse-ä-4-mille-\nmejtres tous-les-hommes ä-gauche assez chacun\nä-son-poste inclinaison-7-degres erection splen-\ndeur jet percer immensite azur femelle depucelage\nacharnement couloirs cris labyrinthe mate-\nlas sanglots clefoncement desert lit precision tele-\nmetre monoplan poulaiiler-de-theätre applaudis'se-\nlrierits nionoplan — balcon rose roue tam-\nbour trepan taon deroute arabes boeufs sangui-\nnolence abattoir blessures refuge oasis umidite\neventail fraicheur sieste rarnpement g'ermi-\nnation effort dilatation-vegetale je-serai-vert-de-\nmain restons-mouilles conserve-cette-goutte-d'eau\nfaut-grimper-3-centimetres-en-6 jours colle-ta-tige-\npour-resister-contre-20-grammes-de-sable-et-3000-\ngrammes-de-tenebres voie-lactee cocotier etoiles\nnoix-de-coco lait rnisseler jus delices\nAutorisierte Uebertragung von Jean-Jacques\n\nF. T. Marinetti\n\nFuturistische\nWorttechnik\nOffener Brief an F. T. Marinetti\nVon Alfred Döblin\n\nLieber Marinetti, das erste Mal waren Sie\nim vergangenen Sommer bei uns, zur Ausstellung\nder futuristischen Bilder. Ich schrieb damals für\nden Sturm: „Der Futurismus ist ein großer\nSchritt. Er stellt einen Befreiungsakt dar. Er ist\nkeine Richtung, sondern eine Bewegung. Besser:\ner ist die Bewegung des Künstlers nach vor-\nwärts.\" Die Intensität und Ursprünglichkeit, das\nKühne und gänzlich Zwanglose schlug bei mir ein.\nIch dachte mehrfach und sagte zu Ihnen — bei\nDalbelli —: „Wenn wir in der Literatur auch\nso etwas hätten!\" Damals schwiegen Sie. Nach\neinigen Monaten schwirrten die literarischen\nManifeste über unsere Häuser. Das Unzuläng-\nliche war Ereignis geworden\nEs war nicht so gemeint. Ich bestreite Ihre\nLegitimation nicht, uns anzuregen. Sie haben\nEnergie und Härte, Männlichkeit, die einer\nunter Erotismen, Hypochondrien, Schiefheiten und\nQuälereien berstenden Literatur mit Vergnügen\nauf den Pelz gehetzt werden soll. Sie haben in\nIhrem „Mafarka\" einem massiven, unraffinierten\nEmpfinden öfteren ungebrochenen Ausdruck ge-\nliehen. Sie sind rhetorisch, aber Ihre Rhetorik\nist keine Lüge. Es ist uns klar, Marinetti, Ihnen\nwie mir: wir wollen keine Verschönerung, keinen\nSchmuck, keinen Stil, nichts Aeußerliches, son-\ndern Härte, Kälte und Feuer, Weichheit, Trans-\ncendentales und Erschütterndes, ohne Packpapier.\nDie Emballage gehört den Klassikern. Plattfuß-\neinlagen, Gipskorsette und andere Orthopädie ver-\nehren wir nebst Sonetten, Weltanschauung höhe-\nren Töchtern zum Angebinde. Was nicht direkt,\nnicht unmittelbar, nicht gesättigt von Sachlichkeit\nist, lehnen wir gemeinsam ab; das Traditionelle\nEpigonäre bleibt der Hilflosigkeit reserviert. Na-\nturalismus, Naturalismus; wir sind noch lange\nnicht genug Naturalisten.\nBis dahin gehen wir zusammen. Sie hören,\nMarinetti, Sie sagen uns nichts Neues damit; ich\nkann sagen: Sie bekennen sich zu uns. , Jetzt\nfängt Ihr Manifest und Ihre Bemühung an, außer-\nordentlich heftige Grimassen zu schneiden und zu-\ndringlich zu der dreimal heiligen Sachlichkeit zu\nwerden. Sie sind halber Afrikaner; ihre Liebe\nzur vollen Realität nimmt etwas Berserkerhaftes\nan; sie schmatzen und kauen an dem immerhin\nrobusten Ding in einer mich jammernden Weise\nherum; sie schlucken an ihr wie eine Schlange\nan einem Frosch« Zunächst analysieren Sie ;dje"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.5", "texte": "Andre Rouveyre; Zeichnungen / Mit Genemigung des Moreure de France\nNachdruck verboten / Copyright"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.6", "texte": "Störungen und Fälschungen, die die künstlerische\nProduktion durch Vers und Rhythmik erleidet.\nDas Zwingende, Ablenkende, Selbstgenießerische\nin der Versdynamik nageln Sie fest, und warnen,\nklagen um die entschlüpfte Realität. Wollte einer\nHummern fangen und bekam Schläge von Mari-\nnetti, weil er nicht Kohlrabi gefischt hat. Es kommt\n-drauf an, Marinetti, was einer will; wenn Sie ins\nCafe gehen, werden Sie schwerlich Artilleriefeuer\nvon dem Oberkellner verlangen. Wenn Baude-\nlaire sich von dem Rhythmus bewältigen läßt und\ndurch den Mund dieser Bewegung redet, auf dem\nRücken dieser Welle schwimmt, so weiß er, was\ner tut. Und was gehen Sie ihn an, Marinetti! Er\nist ein Künstler wie Sie; die Sachlichkeit, mit der\ner zu tun hat, kennt er besser als sie. Sie sind\nkein Vormund der Künstler. Das käme auf Epi-\ngonenzüchtung, auf Ihren Selbstmord hinaus. Sie\nmeinen doch nicht etwa, es gäbe nur eine einzige\nWirklichkeit, und identifizieren die Welt Ihrer\nAutomobile Aeroplane und Maschinengewehre\nmit der Welt? So weit sind wir nicht; so dick\nist Ihr Bauch nicht, daß nur ich uoch darin Platz\n''v y\nhätte. Oder schreiben gar der kantigen, hörbaren,\nfarbigen Welt eine absolute Realität zu, der wir\nuns ehrfürchtig als Protokollführer zu nähern hät-\nten? Sollten Sie das, der Künstler, meinen, und\nin dem Sinne unentrinnbaren Naturalismus lehren?\nEntsetzlich, — und doch scheint es fast wahr zu\nsein. Wir sollen einzig das Meckern, Paffen, Rat-\ntern, Heulen, Näseln der irdischen Dinge imitieren,\ndas Tempo der Realität zu erreichen suchen, und\ndies sollte nicht Phonographie, sondern Kunst, und\nnicht nur Kunst, sondern Futurismus heißen? Sie\nsollten ahnungslos diese lütte lütte Verwechslung:\nRealität ist Dinglichkeit fertig gebracht haben,\nSie, Marinetti? Manchmal glaube ich das wirk-\nlich! Und darum vergaßen Sie momentan, warum\ndie Rhythmik und Verskunst Baudelaires-Mal-\nlarmes gut, notwendig und himmlichist: weil die\nKunst auch Narkotika gibt, Stimulantia, über und\nunter die Wirklichkeit zeigen kann, weil in die-\nsem Ansteigen des Tones, seinem Ausstreuem und\nbewegsamen Sinken Rausch und Flug liegt, —•\nSie sind doch zu wenig Aeroplan gefahren —,\nweil ruhig unter dieser Musik der Worte der\n„sachliche\" Inhalt, der „dingliche\" Inhalt gegen-\nstandslos, sinnlos werden kann, zurücktreten, sich\nverflüchtigen kann. Diese und andere Musik\nschleppt.nur müde an die „Dinge\", die hinter ihr\nherpolterh. Unsere deutschen Mystiker haben\nunendlich oft so gedichtet; verwirrend und da-\nhinter eine dunklere Wirklichkeit andeutend; sie\nklimperten, rauschten nur nach mit den Worten.\nUnd das ist keiner Realität Zwang angetan, dem\nDichter kein Zw*ang angetan, keine Fälschung ge-\nschehen, — und wir, die es lasen, fühlten das Be-\nlanglose der Worte mit. Können muß inans, Ma-\nrinetti, das ists. Und sie haben einen Augen-\nblick ein sehr starkes Wort und einen sehr\nschwachen Gedanken geäußert.\nWas Sie wollen, ist klar, — wenn Sie auch das\nKind mit dem Bade ausschütten. Das alte Lied:\nDichter heran müssen wir an das Leben. ,\nDas Leben bietet noch kolossale Schätze, für\nderen Hebung wir keine Schaufeln haben. Wir\nhaben nicht nur kein Handwerkszeug, sondern\nsteigen geschminkt, mit Lackschuhen und parfü-\nmierten Röcken in das Bergwerk. In Ihrer Hast\nüberrennen Sie, mit sachgemäßer Hacke, Leder-\nzeug und Lampe, sehr freie und große Dinge. Im\nGrunde sollte ich gar nicht gegen Sie polemisie-\nren, denn es ist zu klar um wessenwillen Sie\nirren, um Ihretwillen, um ein paar Schlacht-\nbeschreibungen willen, deren Tempo und Lärm Sie\nfamos, in der Tat herausbringen. Aber darum\nkeine Aufregung, keine Revolution; machen Sies\nnur recht gut; wir freuen uns darüber; es gibt\nim übrigen noch andere Dinge als Schlachten,\nund, — unter uns —, man kann sogar eine Schlacht\nnoch ganz anders „machen\", als Sie es gemacht\nhaben.\nAber am schlimmsten, gefährlichsten sind Sie\nin Ihrer Monomanie, denn Sie sind monoman —\nwo Sie der Syntax zu Leibe gehen, der; Schlach-\ntenplastik zu Liebe. Diese Verallgemeinerung\nfinde icli horribel. Wie verstehen Sie das Ad-\njektiv, Adverb! Es gibt in einem kompletten Satz\nverschiedene Valenzen; es dominieren verschie-\ndene Satzfunktionäre, bald Subjekt, bald Verb,\nbald Adverb; Sie können die Wucht eines Wertes\nerhöhen, abschwächen, Sie können Sätze kürzen,\nkönnen in Perioden rollen, können ein einzelnes\nWort, Substantiv, Adjektiv, Verb, Adverb, einzeln\nsetzen, gerade so können Sie außerordentlich\nnahe an die Realität heran. Ganz nach Belieben,\nje nach dem, je nach Ihnen, und wozu auf einmal\ndiese Amputation? Wir wollen doch nicht alle\nbrüllen, schießen, knattern, Marinetti; Sie wer-\nden mir doch gestatten, eine heiße Mandelmilch\nzu trinken, oder eine Torte mit Sahne zu essen,\noder Ihnen das Konzept zu verderben, je nach dem,\nje nach mir! Und wenn Sie nur gelegentlich, für\nbesondere Zwecke, so schreiben wollen, so hin-\ndert Sie niemand daran; wir freuen uns über\njeden originellen und kraftvollen Stil; in dem hei-\nßen Wirklichkeitsdrang sind wir Karneraden; —\naber darum keine kategorische Erlasse an uns,\ndie ailes so gut, manches noch besser wissen und\nkönnen als Sie, darum keine welterschütternde\nGeste und Totschlaggebärden. So tragisch\ngackern unsere Hennen nicht. Marinetti, Sie grei-\nfen uns an; Sie schimpfen uns Passeisten und\nrückständig; ich verteidige nicht nur meine Lite-\nratur, sondern greife auch Ihre an.\nIch sage: man kann Ihre Schlacht noch viel\nbesser machen. Ihre Schlacht ist von Anfang bis\nEnde vollgestopft mit Bildern, Analogien, Gleich-\nnissen. Gut, aber das sieht mir nicht sehr modern\naus, ist doch rechte, biderbe, alte Literatur; ich\nschenke Ihnen alle Bilder, — aber heran an die\nSchlacht! Direkt, Marinetti! Ja, das ist bequem,\nden Feldherrrn eine „Insel\" nennen, die Köpfe\nwie Fußbälle fliegen zu lassen, die zerrissenen\nBäuche Wie Gießkannen sprudeln zu lassen.\nSpielerei!; Antiquiert! Museum! Wo sind die\nKöpfe, wafs; ist mit den Bäuchen!? Und Sie wol-\nlen Futurist sein? Das ist übler Aesthetizismus!\nDie Dinge sind einzigartig; ein Bauch ist ein\nBauch und' keine Gießkanne: Das ist das ABC\nder Naturalisten, des echten direkten Künstlers.\nSich die Bilder verkneifen, ist das Problem des\nProsaikers. Um solch Durcheinander von Geo-\nmetrie, Beobachtungen, literarischen Reminiszen-\nzen, Psychologismen zu geben, brauchte es des\nganzen bedrohlichen Aufwandes nicht. Die\n„Insel\" des Feldherrn ist ein banales, verblaßtes\nBild, — und da will ich Ihnen gleich zeigen, was\nund wie wenig der Telegrammstil leistet. Sie\ngeben dem Leser Hörer kurze Stichworte zu dem\nHauptwort; Etikette an viele Ihrer befreiten Sub-\nstantive: Köpfe-Fußbälle, Bäuche-Gießkannen\" etc.\nWjie bequem und wie dünn ist das, wenn schon\nBilder, Assoziationen, Indirektes, dann auch ganz.\nSie überschätzen nämlich den Hörer, Leser; Sie\nschieben ihre Aufgabe, dies Bildmaterial zu formen,\nihm zu, Einiges blieb auch mir unverständlich von\nIhren Assoziationsreihen, und was gehen mich Ihre\nAssoziationsreihen an, wenn Sie sich nicht die\nMühe geben, sie verständlich hinzusetzen: die Ka-\ntastrophe der fehlenden Interpunktion und der\nfehlenden Syntax; denn. Sie haben Assoziationen,\nund das sind Bindungen, und Sie vermögen diese\nBindungen auf keine Weise zum Ausdruck zu\nbringen. Sie vermissen, — man sieht es alle zwei.\nZeilen — die Syntax, suchen tun sie herum zu\nkommen. Sie zwingen, vergewaltigen Ihre Einfälle,\nlassen sie unverständlich bleiben, um nicht gegen\ndas Prinzip zu verstoßen. Das ist eine Rohheit\ngegen die Kunst; Methode hat in der Kunst kein\nPlatz, der Wahnsinn ist besser. Und was sagt mir\nIhr adjektiv-befreites, verbloses, adverbloses:\n„Feldherr-Insel\", das sonstige Hintereinander uu-\nverbundener Substantive, die blank vorübertreten\nwie geschorene Pudel? Ks bleibt alles, fast alles\nim Unbestimmten, Leeren schweben; mir besagt\n„Feldherr\" nichts, der Zusatz „Insel\" macht 'es\nnicht besser, — in Ihrem Kopfe steckt alles viel-\nleicht richtig, aber es ist nicht herrausgckommeu,\nnoch nicht gedichtet, zu sprechlicher Realität ge-\ndiehen, — ob mit. ob ohne Perioden ist mir gleich.\nIch will nicht nur fünfzigmal: „trumb-trumb, täte-\ntereta\", etc hören, die keine größere Sprechherr-\nschaft erfordern, sondern Ihren Feldherrn, Ihre\nAraber sehen, — aber die können Sie mir nicht\nzeigen. Sie strecken die Waffen, wo das heißeste\nBemühen des Prosaikers anfängt. „Ammoniak.\nKlinik, Bistouri, Stierkampf\" etc. sind Randbemer-\nkungen; ich will um die eigentümliche atemlose\nRealität einer Schlacht nicht durch Theorien be-\ntrogen werden, — das Temperament macht es bei\nmir auch nicht —; Sie suchten alles so zu verdich-\nten, daß bei diesem Kondensationsprozeß ihre Re-\ntorten in Stücke gegangen sind und Sie uns nun\ndie Scherben als Proben Ihrer Kunst vorzeigen\nmüssen. Ecce Müll. Ein Feldherr kann durch eine\nBewegung plastisch hingestellt werden, muß; muß\nso hingestellt werden, sonst ist alles nur Ge-\nschwätz, Ihre Kavallerie schwimmt ohne Pferde\nund Soldaten durch den leeren Raum; nichts von\nBodenschwingung, Luftverdrängung, „Kavallerie\"\nschlankweg: damit kann ich nichts anfangen; das\nist blaß und leer wie „Sonne\", „Oeist\", völlig ab-\nstrakt. Das Kanonengebrüll, die Schrapnells\nmachen mich zwar taub, aber nicht blind. Aber zu\nsolcher Abstraktion sind Sie durch Ihre Theorie\nverdammt.\nLieber Marinetti, in Ihrem „Marfarka\" gaben\nSie eine leidenschaftliche Mischung von Dra-\nma, Roman, Lyrik; Ihre Gedichtsammlung\nnennen Sie „Destruction\"; Ihre letzte Bemühung\nwirft sich auf das stählerne Gerüst der Sprache:\ndie Matratze blieb heil; Sie flogen in die Luft. An\nder Ehrlichkeit Ihrer Bemühungen ist kein Zweifel:\naber ich finde es bedauerlich für Sie, daß Sie dau-\nernd Mauern vor .sich sehen müssen, daß Sie\nimmer anrennen müssen und Ihnen nicht die Leich-\ntigkeit des reinen untheoretischen Dichters ge-\ngeben ist, der die Mauern überfliegt. Sie werden\nvergeblich Ihre Ueberredungsgabe an uns ver-\nschwenden, die selbst schreiben. Man erzielt\nPlastik, Konzentration und Intensität auf viele\nWeisen; Ihre Weise ist sicher nicht die beste, kaum\neine gute. Bemühen Sie sich, und lernen Sie bei\nuns! Ihre Bücher haben bewiesen, daß Sie Künst-\nler, Dichter sind, und die Energie Ihrer Instinkte,\ndie Freiheit und Reinheit Ihres Naturalisums, Ihre\nAntierotik finden unsere volle Sympathie, meine\nvolle Sympathie. Aber vergessen Sie nie, daß es\nkeine Kunst, sondern nur Künstler gibt, daß jeder\nauf seine Weise wächst, daß einer behutsam mit\ndem andern umspringen muß. Es gibt kein litera-\nrischen Massen- und Universalartikel. Was man\nsich nicht selbst erobert, bleibt verloren. Gehen\nSie nicht weiter auf Herdenzüchtung aus; es gibt\nviel Lärm dabei und wenig Wolle. Bringen Sie Ihr\nSchaf ins Trockne. Pflegen Sie Ihren Futurismus.\nIch pflege meinen Döblinismus."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.7", "texte": "Gedichte\nGünther Mürr\n\nAm Abend\nMorgen habe ich dich vielleicht verloren.\nUnverändert würden die Sonnenschatten Taufen.\nIch kann meine Liebe zu dir nicht festhalten,\nund von dir allein kommt mir Wohltun.\nIch will niemanden gehören.\nIch kann nicht mehr denken ohne dich.\nIch möchte, dein Nahsein trüge mich wieder in\ndeine Wärme.\nDt ine liebe Stimme, dein Lächeln, dein braun-\nsträhniges Haar.\nWünsche ich dich immer bei mir?\n\nAuf dem Sofa\nNs;:ch durstig verpressendem Erfühlen\nsinke ich wie müde hin an dir.\n\"Nur noch die trinkende Hand zwischen den\nSchenkeln.\nDann dein Madonnenkopfneigen.\nDeine Lippen kommen durch das Schweigen\nund zittern im streifenden Kuß vor Scham und\nGier\nund kühlen.\n\nPariser Brief\nVon Guillaume Apollinaire\nUnter den zahlreichen Büchern, die jetzt er-\nscheinen, findet man nur selten Romane. Ich nenne\nIhnen mit desto größerer Freude den Roman\n-„Tendres Canailles\" von Andre So l -\nmon. Auf dem linken Ufer, zwischen dem quar-\ntier !atein und der faubourg St. Oermain, zwischen\nder Seine und dem Odeon gibt es einige malerische\nStraßen, die auf den Kreuzweg von Buci auslaufen.\nEs gibt wohl eine Bucistraße, aber keinen Kreuz-\nweg von Buci. Trotzdem man nennt ihn so, und\nsagt mit einer Abkürzung die Buci; das ist das\nmalerische Viertel, das hauptsächlich Kunstschüler,\neinige Literaten, zweifelhafte Polen und Mädchen\nbevölkern, die Andre Solmon zu beschreiben ver-\nsucht hat; der Versuch ist ihm merkwürdig gut\ngeglückt. Die durch äußerste Empfindsamkeit\nhervorgezauberte malerische Lage wird Fantasie\nvoller Wahrheit. Es ist die Definition der Kunst,\ndie „Tendres Canailles\" hervorbringt. Es ist ein\nlebendes, ein eindrucksvolles Buch, das ein Dichter\ngeschrieben hat.\nIch schäme mich ein wenig von dem bedeutenden\nkleinen Buch zu sprechen, das Henri Martin\nunter dem Titel l'Ere du Drama hat er-\nscheinen lassen, weil er in diesem Essai, der die\nlebende moderne Kunst berührt, mich zu den sie-\nben Schriftstellern gezählt wissen will, die, wie er\nmeint, die wertvollsten Anfänge enthalten. Die\nheftigste und kraftvollste dieser Bewegung der\nWissenschaft und der Kunst, der Dramatismus in\neinem Wort, drückt unser Zeitalter aus, in dem\nUniversum und Individuum einander entsprechen,\nein ewiger und bewundernswerter Konflikt.\nDer Dramatismus ist nicht a priori eine Theorie,\nim dramatischen Gesang. Ich lasse Herrn Barzun\ndas Wort:\n„Die Verwandlung des monodischen Gesangs\nin polychromen Gesang, wo Stimmen, gegenwär-\ntige Willenskräfte, wesentliche Gewalten die psy-\nchologische Reihenfolge des ewigen Dramas des\nLebens und des Universums ausdrücken und offen-\nbaren.\"\nDer Dramatismus ist nicht a priori eine Theorie,\nsondern eine aus den aktuellen Strömungen in\nKunst, in Wissenschaft entstandene Definition. Da-\nher verkünden mehrere Werke der Aelteren in\nder ganzen Welt das Zeitalter des Dramas. Für\nFrankreich sind die bedeutendsten dieser Werke\nfolgende: La Dame ä la Faulp von Saint-\nPo I Roux, Les Aub e s von Verhaeren,\nPho e s 1 e Jardi n i e r von Viele- Griffin,\nL'Ar b r e von Paul C 1 aud e 1, L a Ne 112 von\nE. Boür g e s , L'or et 1 e sile n c e von\nGustave Kahn , Les Miro i r s von P.\nRoin a r d , Le Promethee mal euchaine\nvon Andre Gide und Lil i t h von Re m y de\nG o ur m on t. Es sind keine Muster und Herr\nBarzun sagt: „Wenn man sie erwähnt, übergeht\nman sie\", und er fügt hinzu: „Unter den neusten\nVerwirklichungen unserer Generation nenne Ich\nzuerst „L es Cuvis de B oeuf von Geor-\nges Po 11 i, Augur a 1 e s et Talismans\nvon Sebastien Vorrel, Coutcs des\nI enebres von Alexandre Mercereau,\nDieud o n n e Tete von Pierre Jaud o n ,\nPaysages introspectifs von Taucrede\nde Vis a n und l'Enchauteur pour r i -\nssa n t von Gui 11 au m e Apo 11 ina i r e.\" Da-\nzu kommt noch l'Hymne des Forces von\nBarz u n selbst.\nDiese Liste umfaßt die bewußtesten Künstler\ndes Dramatismus. Die Liste für Lyrik kann man\nleicht vervollständigen, wenn man die „Antholo-\ngie der neuen Dichter\" zu Rate zieht, die mit einem\nVorwort von Gustave Laugon, Professor an der\nSorbonne, soeben bei Figuiere erschienen ist. Man\nfindet Gedichte von Roger Allard, Guillaume Apol-\nlinaire, H. M. Barzun, Nicolas Beauduin, Paul\nCastiaux, Jean Clary, Emile Cottuet, F. Parmen-\ntier, Henri Hertz, Guy Levand, Louis Mandin, F.\nT. Marinetti, Alexandre Mercereau, Georges Pe-\nrin, Jean Poyerice, AndreSolmon, Jean Thogorma,\nLeo Varlet, Taucrede de Visan.\nLes paro 1 e s dev a u t 1 a vi e , das neue\nWerk Alexandre M ercereaus, ist gerade\ndas erste aus dem Dramatismus hervorgehende\nWerk, das erscheint, seitdem die Dramatischen\nihrer Richtung bewußt sind. Ein tiefes, ein poly-\nphones Werk, in dem die tausend Stimmen des\nUniversums, die in Mercereau gewaltig klingen\nwie in einer Riesenorgel und ihm helfen seine vor-\nnehmen Gedanken auszudrücken. Das Leben, der\nDichter, die Braut, die schwangere Frau, die Mut-\nter, sich selbst, der Tod; in diesen Kapiteln findet\nman die umfassendsten, neuesten und deutlichsten\nBegriffe des Universums. Ein innerlicher Hesiod,\nhat Mercereau die Arbeiten und die Tage der Be-\nwußtheit besungen.\nL'A r t d' inventer les Personnages\nvon Georges Polti gehört auch dem zeitgenös-\nsischen Dramatismus an. Polti ist sogar einer der\ntätigen Handwerker des Dramatismus. Aus diesem\ngelehrten und lyrischen Werk sieht man neue\nWissenschaften aufsteigen, die das zwanzigste\nJahrhundert studieren wird: Die Erblichkeit, die\nRythmen der Geschichte, die mathematischen Ge-\nsetze der erzählenden Zusammenstellung, der dich-\nterischen, künstlerischen oder dramatischen Zu-\nsammenstellung, vergleichende Literatur, verglei-\nchende Biographie und vor allem und hauptsächlich\ndie neuste der Wissenschaften, die Wissenschaft\ndes menschlichen Herzens.\nUnter den literarischen Kuriositäten muß man\nbesonders die neue, durchgesehen und verbesserte\nAuflage der „Negresse Blonde\" erwähnen, deren\nspaßhafte Gedichte vor ungefähr zwanzig Jahren\nin der Bewegung des Symbolismus viel beachtet\nwurden.\nDiese schneidigen Verse gehören in der Mehr-\nzahl zu jenem burlesken Symbolismus, dessen be-\nrühmtestes Beispiel die „Deliquescences\" von\nAdore Flouquette sind. „La Negresse Blonde\" ist\nrast ebenso berühmt. Denn Fourest ist ein wirk-\nlicher nichter, der sich selbst und die anderen\nkunstvoll verspottet. Lustig spricht er von seinem\nBegräbnis, bei dem sein Leichenwagen gezogen\nsein wird von\nDix cochons peints en vert comme des perroquets\nLassen wir ihn in komischen und verzweifelten\nTönen die Getränke der großen Bars besingen:\nGin! Hydromelü Kümmel!!! Wiskyüü\nZythogolaüü!\n\nFebruar 1913\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\n\nDie Fortsetzung des Romans\n„ Di e Schwermut des Genießers\"\nfolgt in nächster Nummer\n\nNotizen\nDie Zeichnungen von Andre Rouveyre\nsind aus dem gleichnamigen Werk von Louis Tho-\nmas. Mit zahlreichen Abbildungen und einem Por-\nträt des Künstlers von Henri Matisse. Verlag\nDorbon dine, Paris, 19 Boulevard Haussmann. 10\nFrancs\nDer von Rudolf Leonhard besprochene Gedicht-\nband: Das schwarze Revier (Paul Zech) ist im\nVerlag A. R. Meyer, Berlin-Wilmersdorf erschie-\nnen. — In der siebenundzwanzigsten Zeile muß es\nheißen: Sich zu verkünden statt verkleiden\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführunc bedeutet berate\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwilMrte\nBücher zurück, falk Rückporto beicefngt Wirde.\nHet Jaar der Dichters\nMuzenalmanak voor 1913\nVerlag C. M. B. Dixon en Co. / Apeldoorn\nQui 11 au m e Apollinaire\nLa Rome des Borgia\nLe Pape Alexandre VI entre sa maitresse et ses\ndeux fils Cesar et Lucrece / La fiancee de Jesus-\nChrist / Orgies cardinalices / Poison et inceste /\nLes bas-fonds de la Rome des Borgia\nParis / Bibliotheque des Carieux\nUhde\nHenri Rousseau\nMit zahlreichen Abbildungen\nParis / Verlag Eugene Figuiere et Cie\nAlbert Qleizes / Jean Metzinger\nDu Cubisme\nMit zahlreichen Abbildungen / Vierzehnte Aufl.\nParis Verlag Eugene Figuiere et Cie"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vor\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durcfc\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\ngegeniiber der von der HeydtstraBe\nFahrKeiejtenheit: Lutzowplatz\nZwolfte Ausstellung\nAlfred Reth\nJulie Baum Gedachtnisausstellung\nGeo it net taglich von 10-—6 Uhr / Sonntags von\n1&—2 Uhr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nVom 15. Marz ab:\nFranz Marc\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Ltitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Fiir Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnammer 40 Pfennig X Fiir das Ausland bei\ndirekter Zusteliung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene E x e m -\nplare auf holzfreiem Papier, V e r -\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark / Vom 1. April 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnthofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zusteliung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bsi\nBegin n des neuen Vierteljahres bis\nzum zehnten des erst en Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, da£ E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nb r a t e n s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nFranz Marc: Versohnung / Originalholz-\nschnitt I 15 Exemplare vom Kiinstler auf Japan-\npapier handgedruckt, signiert und numeriert / Das\nExemplar 40 Mark / Tierlegende/Pferde\n/ Tiger / Pferde (Hochformat) / Die H i r t i n\nI Originalholzschnitte / je 10 Handabziige (auf\n\nJapanpapier) signiert und numeriert ./ Das Exem-\nplar 40 Mark\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur / Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Flinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottlufi: Mann und Weib J Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte 7\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Nijinsky / Portrat Licht-\ndruck, grofies Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Qedicht\nvon Guillanme Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik <\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Qe-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in v©ller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\n\nZeitschriften\nL'Effort Libre / frtiher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'IndSpendance / Halbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur I Philosophic / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift ( Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue Francaise I Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre J Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris I Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\nUmelecky Mesicnik / Monatsschrift fiir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe. Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). Jahrlich M. 12.60 / Prag I / Bellevue\nI Franzenquai 20\n\nAnzeigen\n\nPoetry and Drama / Dichtung unci Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 J Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Qegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug.\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop j London WC / 35 Devonshire.\nStreet / Theobalds Road\nKarl Vogt / Koniglicher Schauspieler / erteilt dra-\nmatischen Unterricht. Technische Sicherung /\nRollenstudium: ideenreiche, psychologische Durch-\narbeitung mit dem Erfolge absoluter Gefiihlswahr-\nheit. Wohnung: Tempelhof / Kaiserin-Augusta-\nStraBe 12\nLa vie des Lettres / Collection anthologiqire et'\ncritique des Maitres Frangais et Etrangers publiee\nsous la direktion de Nicolas Beauduin / Ce perio-\ndique trimestriel de haute litterature et d'art parait\npar volumes de 200 pages grand format, papier de\nluxe I Au premier numero: M. de Noailles, H de\nRegnier, Emile Verhaeren, Andre Qide, Viele.\nGriffin, Nicolas Beauduin, J. H. Rosny aine, Pierre\nMille, Han Ryner, Camille Mauclair, T. de Visan,\netc; des traductions de Pouhkine, Walt Whitman,\nByron, D. G. Rosetti, etc / Grace a Timportance de\nson tirage La Vie des Lettres assure l'echange\navec les plus interessants Journaux et revues du\nmonde entier / Abonnement France 10 fr Etranger\n12 fr (envoi d'un numero specimen contre la\nsomme de 3 fr / Direction et Administration 20 rue\nde Chartres / Paris Neuilly\nNeue Sezession / Berlin I Eingetragener Verenv\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten iahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 f\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nIitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nBess Brenck-Kalischer liest am Sonntag, den 9.\nMarz im Harmonium-Saal unter dem Titel „Neue\nProsa\" Novellen von Siegmund Kalischer, Jung,\nEhrenstein, Widmann, Lasker-Schiiler\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLiitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\nieder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nRhythm / die einzige literarische und kunstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\niede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text I\neine literarische Beilage erscheint jeden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark j\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartont-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Au.fr\nZiehen von Zeichnungen j Moderne Bucheinbande\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine rnit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425"}]}