{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_sha256": "4b014976cfbf7ffe7fe3800c98e03873bd0d0b0d889e71db18c2d024d1574dc2", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/03_02/bmtnabg_1913-03_02.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/03_02/bmtnabg_1913-03_02.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c001", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.1", "debut_caractere": 299, "fin_caractere_exclue": 833, "texte": "Inhalt:\nH. 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Qute\nGegenbeispiele verderben unter Umständen böse\nBeispiele. Im zweiten Januarheft veröffentlicht\nHerr Avenarius Reproduktionen nach Gemälden\nvon Cezanne, Signac, Matisse, Pechstein, Burljuk,\nKandinsky, Boccioni, Carra. Alles dies in schlich-\ntem Schwarz, aber mit Farben, mit giftgrünen\nFarben, prangt ein Gemälde von Albert Lamm. So\nnämlich mu ß man malen. Dieser Lamm erledigt\nso giftgrün, wie seine Bäume, alle begabten Maler\nder Gegenwart. Dieser Lamm wütet gegen die\nWölfe, daß ihm das Blöken vergeht. Er fängt\nan zu rede n. Er ist nämlich „gewohnt Kunst an-\nzusehen als eine Wiederholung der gegebenen\nWelt, welche dem Gefühl die Beschäftigung mit\ndem anschaulich Gegebenen vertieft und verein-\nfacht\". Was Gott vollkommen geschaffen hat,\nmuß lammfromm wiederholt werden, damit es dem\nGefühl des Unschuldigen für die Beschäftigung\nvereinfacht wird. Man muß eine Lammsgeduld be-\nsitzen, um diesen Herdenbegriff nicht los zu wer-\nden. Aber Herr Lamm besitzt die Geduld. Er fin-\ndet sogar die Kunst der Gegenwart nicht einmal\nwissenschaftlich haltbar. Er zappelt an seiner\nLeine und glaubt, daß die anderen angebunden\nsind. Man wird mit ihm anbinden und seine Flug-\nschrift kurz angebunden behandeln; denn dieser\nPapierdrachen fliegt doch nur so hoch, wie es\neben dumme Jungen vermögen. Kunst ist zwar\nSpiel, aber kein Spielzeug. Alles darf man eben\nKindern nicht in den Händen lassen. Der gute\nVater Avenarius vergißt seine Vaterpflicht. Oder\ner ist zu sehr von seinem Blut überzeugt. Er ver-\nteidigt sein Lämmchen und schimpft auf die Er-\nwachsenen, die das Jüngelchen anrempelte und\ndie nie unter der Zucht der Ausdruckskultur stan-\nden. Herr Aveniarius drückt sich nimmehr auf\nallen Lebensgebieten aus. Zunächst auf dem Le-\nbensgebiet des Humors. Bezugsquelle: Die Lusti-\ngen Blätter.: „Also nun hätten wir die Expressio-\nnisten, die Kubisten, die Futuristen usw., sagen wir\nzusammenfassend: die Meschuggisten\". Siehe\nNummer 22 der Lustigen Blätter vom Jahre 1912.\nDfeser Witz durfte nicht umkommen, er mußte im\nKunstwart ausgedrückt werden, trotzdem an der\nZitrone schon verschiedene Jahrzehnte geauescht\nhaben. Nachdem Herr Avenarius noch einige an-\ndere humoristische Spässe auf Kandinsky insbe-\nsondere losgelassen hat, wird er trübsinnig über\nseinen Humor, was man begreifen kann, und fragt:\n..So spotte ich, aber seltsam, schon fühle ich mich\nin Verlegenheit. Es ist Tatsache, daß so und so\nviele Leute in diesen Kandinsky'schen Zeichnungen\nKunst, ja wirklich: tiefe und hohe Kunst sehen.\nDarf man einfach in die Welt rufen: „Der Kaiser\nhat keine Kleider\", wenn andere mit Andacht be-\nhaupten: er hat herrliche? wer bürgt dafür, daß\nnicht ich der Dumme bin statt ihrer?\" Niemand\nbürgt dafür. Man darf einfach in die Welt rufen:\nder Kaiser hat keine Kleider. Man darf aber auch\neinfach in die Welt rufen: Der Mann hat nur die\nUnterhosen an, die man sieht, und sie sind nicht\neinmal neu, die Unterhosen. Aber sie sind echt\nund wahr, ohne Schmuck und dennoch die Zierde\ndes deutschen Mannes. Nach diesen Trübsinnigkei-\nten wird Herr Avenarius philosophisch. Was\ngleichbedeutend mit pädagogisch ist. „Leute, die\nman mit der 5 versehen, wurden später als Einser\neingeschätzt und umgekehrt\". Herr Avenarius be-\nkam immer drei. Ihm persönlich konnte dieses\nPech nicht passieren. Nach dieser Philosophie und\nähnlicher wird Avenarius historisch. Er zählt sei-\nnen Lesern chronologisch alle „Rummel\" auf. Der\nFall Böcklin und Julius Meier-Gräfe. Das deut-\nsche Volk fiel auf Meier-Gräfe nicht hinein, sagt\nAvenarius, und blieb bei Böcklin. Dann Marees.\nGegen ihn hat Herr Avenarius nichts einzuwenden,\nnur findet er seine Begeisterung echt und die\nder anderen unecht. Van Gogh. Auch ihn hält Herr\nAvenarius „unzweifelhaft für ein großes Talent\nund vielleicht sogar für ein Genie\". Nur findet er\ndas Nervenleben von van Gogh bald erschöpft,\nbald höchst überhitzt. Vielleicht hat van Gogh\nkeine Unterhosen getragen, die so schädlich auf\nseine Nerven und andererseits so günstig auf die\nNerven des Herr Avenarius wirkten. Sonst findet\nHerr Avenarius, daß das Publikum sich von den\nminderwertigen Bildern von van Gogh begeistern\nlasse. Also von den erschöpfte oder den überhitz-\nten. Herr Avenarius und seine Schüler tun das\nnur vor den Bildern mit Nummer drei. Die Hodler -\nEpidemie. Herr Avenarius hat die Epidemie auch\nmitgemacht, wie er schreibt. „Aber Hodler gibt\nneben seinen Meisterwerken Bilder hinaus, die\nauch einem mit unseren Augen beinahe so aus-\nsehen, als probiert er: ,Was kann man Publico wohl\nzumuten?' Unbesorgt, Meister: Mute ihm alles zu,\nsoweit deine Gemeinde reicht, trägt jeder deine\nAugen als Vorsteckbrilien.\" Also, der Hodler.\nEr möchte zu gern wissen, was er alles Avena-\nrius zumuten kann. Aber Herr Avenarius sieht\nnur mit seinen eigenen Augen, also sieht er nicht\ndes Kaisers herrliche Kleider, sondern nur sich und\nseine Unterhosen, die dafür aber echt und wahr\nsind. Del Greco. Herr Avenarius hält ihn auch\ndurchaus nicht für unbegabt. Nur hat er nicht die\nAugen des Herr Avenarius: „Aber er sieht wie ein\nA.stigmathiker und arbeitet in vielem wie ein Ma-\nnierist. Tut nichts: weder die Zehnkopflänge seiner\nGestalten, die an die Bösen Buben von Korinth\nerinnern, nach dem Walzen, noch seine schiefen\nGesichter, noch die Klapprigkeit seines „geistigen\nGehalts\" störte irgendwen . . .\" Also auch Greco\nwar nicht natürlich genug. Herr Avenarius mit\nseinen vor-bildlichen Augen und seinen Anatomie-\nkenntnissen weiß das. Nach dieser Historie wird\nHerr Avenarius nationalökonomisch. Er erschau-\nert vor dem Hohngelächter, das man einst über\nunsere Museen anschlagen wird. Sie gaben „für\ndie französischen Modernen Geld in schweren\nHaufen aus, aber sie kauften sich keinen „Welti\".\nSie opferten sogar den Lamm für die Modernen.\nNämlich für Manet und van Gogh. Er erschauert\nvor dem Hohngelächter, das über „unsere Kunst-\nzeitschriften\" wiehern wird, weil unsere Kunst-\nzeitschriften nichts über Katharine Schaffner\nbrachten. Diese Dame ist nämlich „die ursprüng-\n-1 i c h s t e Begabung der ganzen großen Bewegung\num Erweiterung der Kunstgrenzen\". Und nun\nstolpert Herr Avenarius über Kandinsky her. Er\nhat „sogar Kandinskys Buch über Das Geistige\nin der Kunst studiert\", aber „nicht kapiert, was\neigentlich sie wollen, falls sie, wie ich aus Höf-\nlichkeit annehme, überhaupt was anderes wollen,\nals Lärm machen\". Er findet in der künstlerischen\nProduktion der Maler des Blauen Reiters „erstaun-\nlich wenig Talent, aber sehr viel Schaumschläge-\nrei. Was alles an meiner Dummheit liegen mag.\"\nWas zu bestätigen ist. Im übrigen werden auf\nWunsch des Herrn Avenarius die Blätter aus der\nFlugschrift Alberts, des Lamms, im Kunstwart re-\nproduziert. Es ist in dieser Zeitschrift schon mit-\ngeteilt worden, daß die Reproduktion des Gemäl-\ndes von Paul Cezanne Badende Frauen mit der\nUnterschrift: Genie und Faulheit? geschmückt\nwurde. Unter der Reproduktion eines Bildes von\nHenri Matisse wird bemerkt: „Mit Matisse be-\nmüht sich die junge Pariser Schule um Erreichung\nechter Naivität. Das Pariser Interesse hierfür ist\nmäßig; dagegen verhöhnt eine Pariser Zeitschrift\nDeutschland, daß Matisse zum reichen Mann\nmachte.\" Und Herrn Lamm nicht. Eine Pariser\nZeitschrift ist gut. Es wird wohl der französische\nKunstwart sein, wenn man auch in Paris nicht\nfür Jägerwäsche schwärmt. Unter einem Holz-\nschnitt von Kandinsky steht: „. . . versuchen ein\nGewirr von Empfindungen festzuhalten, welches\nan der Klarheit sterben würde\". Ein Gewirr,\ndas an der Klarheit stirbt, ist eine ziemlich ver-\nhedderte Angelegenheit. Jeder kann nun eben\nnicht so solide Augen haben wie die Kunstwärter.\nAber unter einer Hodlerkopie von- Katharine\nSchaffner steht: „Traumhaft verschwommen, wie\nein Zug vermummter Gestalten und doch nicht\nGestalten, vor fahler Weite. Hier ist die Wirkung\numgekehrt, als bei den Erkünsteiern: Bei länge-\nrem Betrachten wäc h s t der Eindruck.\" Einer\nHodlerkopie. Das Bild, das giftgrüne, von Albert\nLamm blieb ohne jede Unterschrift. Denn es zeugt\nweder von Genie noch von Faulheit. Keine pa-\nriser Zeitschrift hat es je verhöhnt, und keine\ndeutsche von ihm Notiz genommen. Es stirbt an\nder Klarheit. Und bei längerem Betrachten wächst\ndie Eindruckslosigkeit. Sodaß man darunter\nschreiben möchte — Schiller! —:\n„Willst du nicht das Lämmlein hüten,\nLämmlein ist so fromm und sanft\"\nMöge ihm Herr Avenarius ein getreuer Hirte sein.\nDie Wacht an der Wupper\nIch muß zum dritten Maie das Mißfallen der\nBarmer Presse erregen. Dort gibt es nämlich einen\nMaler, der auf den Namen Fahrenkrog hört. Dort\ngibt es nämlich auch einen Kunstverein, der das\nVerdienst hat, Herrn Dr. Reiche mit seiner Lei-\ntung zu betrauen. Dr. Reiche hat sich um die\nwertvolle Kunst unserer Zeit mit großer Energie\nbemüht und verdient gemacht. Die Stadt Barmen\nhat durch ihn ein Museum erhalten, daß die Mu-\nseen weitaus größerer Städte an Kunstwert er-\nheblich überragt. Der Fahrenkrog fühlt sich\ndurch diese wertvolle Tätigkeit des Herrn\nDr. Reiche in seiner Malerei bedroht. Er klam-\nmert sich angstvoll an das Flugpapier des Herrn\nAlbert Lamm, hüpft vor Aufregung bei dieser\nFliegerei hin und her, und faßt endlich Fuß, indem\ner einen offenen Brief an den Barmer Kunstverein\nsendet. Der General-Anzeiger für Elberfeld-\nBarmen leistet ihm Pilotendienste. Der Fahren-\nkrog macht also eine Eingabe „im Interesse der\nStadt, der Kunst, im besonderen der Deutschen\nKunst\". Auch der Barmer Kunstverein hat ein\nVerdienst, nämlich, Herrn Dr. Reiche trotz allen\nSchreiern und Schreibern zu halten. Der Fahren-\nkrog vermißt die Harmonie und die Erhebung in\nder Ruhmeshalle, dem Barmer Museum, er fürch-\ntet die Verwilderung des Geschmacks. Er tritt\nfür die nationale Kunst ein, worunter noch jeder\nKitscher seine eigenen Oelwerke verstand. Er\nhält den harmlosen Fritz Stahl für einen wüsten\nRevolutionär und beruft sich auf ihn, daß sogar"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10329, "texte": "dieser Ehrenmann in der „Arena\" offenbar eine.\nZirkusposse gegen die Ausländerei, geschrieben\nhat. Er is* besonders wütend auf die „Russen\",\noder wie er sie früher nannte, die Pollacken, wo-\nrunter er die Maler Jawlensky und Kandinsky ver-\nsteht, den er übrigens wahrhaft russisch Candintz-\nky schreibt. Als Sachverständigen für die Richtig-\nkeit semer Ansicht beruft er sich auf die bekannte\nZeH. Er hofft es noch zu erleben, daß er die Werke\n„der Freunde des Herrn Dr. Reiche\" im Keller der\nRuhmeshalle wiedersieht, während in der Beletage\ndann hoffentlich seine eigenen schönen Künste\nhängen werden. Auch einen Verein für deutsche\nKunst will er gründen. Ich kann den Pollacken,\nHerrn Dr. Reiche und mir gar keine größere\nFreude wünschen. Der Humor der Herren Ave-\nnarius und Genossen bedarf dringend diese Auf-\nfrischung. Sehr deutsch scheint es mir aber nicht\nzu sein, daß der Fahrenkrog der Generalversamm-\nlung des Barmer Kunstvereins nicht beiwohnte,\nder er seine Eingabe gegen die Pollacken unter-\nbreitete. Er war nämlich verhindert. Nun ist es\nfraglos, daß der Mensch verhindert sein kann.\nWenn es sich aber um das Interesse der Stadt, der\nKunst, und im besonderen der Deutschen Kunst\nhandelt, sollte man sich lieber nicht verhindern\nlassen. Sich nachträglich „Auge in Auge zur Ver-\nfügung zu stellen\", wirkt mehr wie ausreißen als\nwie Zahn um Zahn. Der Barmer Kunstverein\nwehrte sich gegen die Anreißerei des Herr Fahren-\nkrog sehr geschickt. Er veröffentlichte nämlich die\nEingabe. Die Anträge lauteten „erstens, die Dinger\nder Pollacken aus der Vereinsgallerie zu entfer-\nnen, zweitens der erste und der zweite Vorsitzende\nmögen ihre Plätze wechseln, drittens man „möge\nden Vorstand ergänzen durch künstlerisch ge-\nschulte Leute.\" Wenn einer eine Reise tut, dann\nkann er viel erzählen. Man begreift, daß ein Rei-\nsender gern einen Platzwechsel wünscht. Aber\ndie Chefs sind nicht immer bereit. Und ein Brief\nist nie so wirksam, wie eine mündliche Offerte. In\ndiesem Brief werden die Anträge begründet. Den\nPollacken geht es sehr schlecht. Sie sollen nur\nein wenig Farbgeschmack haben, wie ihn eine\nPutzmacherin auch hat. Statt dessen wird Herr\nW. von Kaulbach empfohlen. Ebenso warm em-\npfohlen die Schrift des Herrn Albert Lamm. Mit\ntödlicher Sicherheit hält der Fahrenkrog einen ein-\nzigen Münchener für begabt, der nun wirklich ta-\nlentlos ist: Herrn Erbslöh. Dafür ist er aber Deut-\nscher. Auf diese Art übergibt sich Herr Fahren-\nkrog immer weiter und bedauert nur, sogar „auf-\nrichtig, diesmal nicht persönlich dasein zu können\".\nUnd so fiel der Fahrenkrog mit s'einen Eingaben\ndurch. Barmen ist verloren, die Kunst, im beson-\nderen die deutsche Kunst nahm schon längst von\nHerrn Fahrenkrog Abschied, nun sitzt er an den\nWassern der Wupper, über ihm rauscht die Schwe-\nbahn, noch ist Polen nicht verloren. Nur sein\nLamm trauert einsam an seiner nationalen Seite.\n*\n... ist es Mühe und Arbeit gewesen\nLovis Corinth zeigte sein Lebenswerk in der\nSezession. Die Herren der Sezession werfen den\nKünstlern, die nicht ihre Mitglieder sind und sein\nwollen, gern ihre Literatur vor. Was nicht hin-\ndert, daß die Sezessionisten selber auch gern\neinmal schreiben. Deshalb hat den Katalog der\nCorinth-Ausstellung Professor Max Liebermann\nmit einem Vorwort geschmückt, und Corinth sich\nschriftstellerisch selbst gezeichnet. Liebermann\nbeginnt höchst poetisch: „Wie der Vogel Phönix\naus der Asche, bis du aus langer Krankheit neu-\ngekräftigt hervorgegangen . . .\" Dann bemerkt\ner weiter: „Handwerk hat goldenen Boden, gilt\nauch für die Kunst. Man merkt es den Bildern\nCorinths an, daß es ihm Freude gemacht hat, sie\nzu malen.\" Das Malen dürfte wohl allen Malern\nselbst Freude machen. Daß aber Corinth „einer\nder ernsthaftesten Maler Deutschlandsist\", hat er\nnach Liebermann seinem zähen ostpreußischen\nCharakter zu verdanken. Er stand nämlich vor\neiner Gefahr, da „gerade bei der Darstellung des\nmenschlichen Körpers das Wissen und Können\nzur akademischen Oberflächlichkeit verleitet, zum\nAus-dem-Handgelenk malen\". Ich finde, daß ihn\nder zähe ostpreußische Charakter vor seinem\nWissen und Können nicht genug geschätzt hat.\nLiebermann bescheinigt Corinth ferner noch die\ngesunde Sinnlichkeit und wendet sich gegen die\nLeuce, die „jedes Jahr einen anderen Künstler\nentdecken, den sie der Gegenwartskunst als All-\nheilmittel anpreisen\". Corinth liegt eben zu sehr\nan der Oberfläche, an der akademischen Ober-\nfläche, als daß man ihn erst entdecken müßte,\niiier diu wird noch als Heilmittel und Lehrmeiste-\nrn die Natur empfohlen, die daran schon gewohnt\nist. Und nachdem Liebermann seine Vorrederei\nhöchst majestätisch begann: „dir, Lovis Corinth,\nkollegialen Gruß zuvor\", schließt er gut bürger-\nlich. „Prosit Corinth! . Womit die Bierrede und\nder Stammtisch durchaus im Sinne der Lehr-\nmeisterin Natur gezeichnet ist.\nCorinth selbst bemerkt über seine Malerei:\n„ich sehe deutlich eine Aenderung meines Vor-\ntrages, ein größeres Betonen der Formen, und bei\nmanchen Bildern erinnere ich mich sogar noch an\ndie Mühe, die ich mir gegeben hatte, möglichst\nalles auszuführen, da mir manche Kritiker, von\ndenen ich etwas hielt, eine saloppe leichtsinnige\nPinselführung vorgeworfen haben, und dennoch:\nübei blicke ich das Ganze, so scheint es mir doch\nwie aus einem Guß —Schön gezacket ist der\nBruch. Hierauf setzt sich Corinth mit den „Mo-\ndernen\" auseinander: „Wenn heute eine Strö-\nmung durchgebrochen ist, die mir und vielen an-\nderen unverständlich sein muß, kann ich nicht,\num modern zu bleiben, meine Ueberzeugung um-\nändern, nur um eine Bezeichnung zu verdienen,\nvon der es mir noch immer fragwürdig erscheint,\nob sie erstrebenswert ist.\" Er soll sich nur nicht\nin eine Strömung werfen, die ihn fortreißt. Und\nschon gar nicht gegen eine Strömung. Denn das\nist noch gefährlicher. Er bescheinigt sich ferner:\n„Fleiß und Mühe, Arbeit und Anstrengung darf ich\nfür mich in Anspruch nehmen.\" Das, aber nur\ndas wird ihm auch die ganze sogenannte „Mo-\nderne\" bescheinigen. Zum Schluß dieser nicht\nüblen Nachrede beruft sich Corinth auf den „Vers\neines großen Lateiners (Quidquid agis...)\" und\nauf den „guten alten Fritz Reuter\".\nMan sehe sich das Bild Paradies von Lovis\nCorinth an und jeder wird überzeugt sein, daß\ndiesei Maler nie eine verbotene Frucht genossen\nhat.\nDie kunstfeindliche Sperlingsschar\nDer Verein Villa Romana verteilt Preise, die\nin einem einjährigen Aufenthalt zu Florenz nebst\neiner Geldbeihilfe bestehen. Die Künstler bewoh-\nnen die Villa Romana. Der Vorstand macht be-\nkannt: „Durch Aufnahme verheirateter Künstler\nmit zahlreicher Familie hat sich in den beiden\nletzten Jahren Raummangel fühlbar ge-\nmacht, der für die ruhige Tätig k e i t der\nKünstler unvorteilhaft war. Wir müssen\ndaher diesem Umstand in Zukunft mehr Rechnung\ntragen, bis durch die geplanten Umbauten weite-\nrer Raum geschaffen ist.\"\nDie verehrlichen Künstler werden gebeten, den\nUmständen bis zur Fertigstellung des Umbaues\nmehr Rechnung zu tragen. Sie mögen ihre Kin-\nder, ihre .ungeborenen, der ruhigen Tätigkeit\nopfern. Oder noch besser: ihre ruhige Kunst den\nKindern.\nImmer noch mehr Goethe\nHerr Hofrat Paul Schienther begeistert sich,\nmit Recht, für Lia Rosen. Recht kitschig zwar,\ndafür liebt er aber Goethe. Er schwelgt in Er-\ninnerung seiner glanzlosen Direktorenzeit am\nBurgtheater, wo er sich den Luxus „eines selte-\nnen, aber selten zu brauchenden Genies\" leisten\nkonnte. Genies sind leider immer selten zu\nbrauchen. Herr Hofrat Schienther muß daher\nhäufig nicht so seltene Genies, etwa von der Ge-\nnialität des Otto Ernst, mit seiner Anerkennung\nbelasten. Er hat aber auch Lia Rosen zu Goethe\nerzogen. „Sie war schon in Berlin gewesen. Sie\nhatte von der Modernität genippt, ihres Dehme!\nvoll. Sie erschien hyperneurasthenisch und unter-\nbrach den Vortrag immer fort durch hysterisches\nWeinen. Man mußte das Kind schelten.\" Die\nSchelte hat geholfen, denn: „Nun ist sie reif ge-\nworden wie eine Südfrucht\". Ha, die Zitrone:\n„Zu Goethe bekehrt, eilet sie den alten Göt-\ntern zu\". Zitronen sind sehr gesund: „und wenn\nauch nicht größer, so ist sie doch gesund, kern-\ngesund geworden\". Daher der Zitrone Kern: „Sie\nbraucht sich den Reimlosen, ich will nicht gerade\nsagen: ungereimten Poeten von gestern oder mor-\ngen nicht ganz zu entziehen, aber es ist doch gut,\ndaß etwas anderes aus ihr geworden ist, als die\nMuse der Hysterie und der Neurasthenie.\" Deh-\nmel als Hysteriker! Goethe erhalte uns den dicken\nSchienther dafür kerngesund. Mehr kann auch Er\nvon Vorkost nicht verlangen. Schiller zog zum\nDichten bekanntlich faules Obst vor. Herr Hofrat\nSchienther liebt hingegen die ff. Südfrüchte. Nach\nLöwenbräu besonders zu empfehlen.\nNoch immer mehr Goethe\n„Während meiner zwölf Jahre war ich an ver-\nschiedenen künstlerischen Stammtischen viel mit\nihm zusammen.\" Nämlich Herr Hofrat Schienther mit\ndem verstorbenen Literaturhistoriker Jacob Minor.\nDieser Herr hat das Verdienst, mit einer Schiller-\nBiographie nicht fertig geworden zu sein und über\nGoethes ersten Faust „ein dickes Buch geschrie-\nben zu haben\". Herr Minor paßte zu Goethe wie\nseine Faust auf ein dickes Buch. Eine Theater-\ngeberde. Denn eigentlich wollte er Schauspieler\nwerden, aber ein Gehörsleiden zwang ihn, „diesen\nLieblingsplan aufzugeben\". Er mußte also Litera-\nturhistoriker werden. In diesem einzig übrigblei-\nbenden Beruf hat er nicht nur für Goethe und\nSchiller Propaganda gemacht, ganz andere Dinge\nhat ihm Herr Hofrat Schienther noch zu danken:\n„Als treuer Wiener blieb er auch vor Grillparzer\nverweilend stehen\". Grillparzer starb, aber das\nhinderte den Literarhistoriker nicht, verweilend\nstehen zu bleiben. Aber nicht nur für Goethe\nund Schiller u n d Grillparzer hat er Propaganda\ngemacht: „Auch für Ferdinand von Saar suchte\ner in norddeutschen Leserkreisen Interesse zu\nwecken\". Und damit noch nicht genug: „Und am\nBurgtheater hing er bis zuletzt, nicht bloß mit\nleidenschaftlicher Liebe, sondern auch mit der\nfesten Ueberzeugung, daß diese Bühne nie aufge-\nhört hat, die erste der Welt zu sein\". Bei Grill-\nparzer stand er und am Burgtheater hing er. Das\nging Herrn Hofrat Schienther natürlich besonders\nzu Herzen. Denn dieser Literarhistoriker war\nwohl der Einzige, der neben Herrn Schienther.\ndem Direktor, diese feste Ueberzeugung teilte.\nKarl Kraus teilte sie nicht. Und deshalb bemerkt\nHerr Hofrat Schienther: „Nie ist es Minor eingefal-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4068, "texte": "len, nach Art anderer W-ietic r das Gute und\nUnvergleichliche, das seine Vaterstadt noch immer\nbesitzt, vor ganz Europa in den Staub zu ziehen.\"\nHerr Hofrat Schienther liebt es, das Schwarze\nzu bestrahlen. Aber das hilft alles nichts: Wien\nbleibt Wien. Und Schienther Minor.\nEmpfohlenes Buch\n„Anläßlich\" des Regierungsjubiläums gibt ein\nBerliner Verlag ein Prachtalbum heraus: Der\nDeutsche Kaiser im Film. Schon die Inhaltsangabe\nveranlaßt mich, diese Pracht den Lesern ange-\nlegentlich, sogar warm zu empfehlen: „Heil\nKaiser Dir, Gedicht von Eugen Stangen, zu einem\nvierstimmigen Männerchor vertont von Hofkapell-\nmeister Johannes Döbber. Merkworte und Sen-\ntenzen mit Autogra mm e n von Fritz En-\ngel, Hanns Heinz Ewers, Alfred 11 o 1 z -\nbock, Geheim rat Lautenburg, Leo\nLeipziger, Sigmar Mehring, Rudolf\nPresber, Felix Saiten. Julius Stet-\nten he i m und Fedor von Zobeltitz. Da-\nzu noch literarische Beiträge von dem Sportredak-\nteur des Berliner Tageblatts, zwei Direktoren und\nNanny Lutze. Alles zusammen für sechs\nMark.\nDer Frackkunstkritiker\nHerr Dr. Felix Poppenberg, Mitarbeiter der\ndurchaus vornehmen und überaus litterarischen\nNeuen Rundschau und Kunstkritiker von total an-\ngesehenen Tageszeitungen, dichtet jetzt nicht nur\nKritiken für die Schneiderfirma Hermann Hoff-\nmann, nein, er dichtet, wie der Dämoniker Hanns\nHeinz EwTers, Mitarbeiter am Buche der Deutsche\nKaiser im Film, auch für die Herrenfirma Edm.\nWünsch. Mit sehr vornehmen Frackzeichnungen\nvon unsere m lustigen Leonard. Die B. Z. am\nMittag erweckt durch die Plazierung dieses\nfrackkunstkritischen Essays den Eindruck, als ob\nes sich um bezahlte Reklame handle. Herr Dr.\nPoppenberg fühlt sich kunstkritisch so gedrängt,\nsich über den Frack zu äußern, daß er statt der\nScheine den Schein mit in den Kauf nimmt. Ihn\nzwingt sein Gott, gratis zu sagen, was er unter\nder unkorrekten Herrenkleidung leidet. Und mit\nwelcher farbigen Poesie umgibt Herr Dr. Poppen-\nberg die schwarze Konfektion. „Der Frack ist eine\nAbendschönheit, ein graziöser dunkler Nachtfalter\nin der zärtlichen claire de la lune, oder lieber noch\ndas künstliche Licht suchend, das auf ihn aus\njuponverhüllten elektrischen Lampen herabrieselt.\"\nNun weiß man endlich, wozu jetzt die abgelegten\nJupons benutzt werden. Sie rieseln herab. Der\nFrack verläßt Madame la lune, die juponlose.\n„Die Linie von der Achselhöhle verläuft sichtbar\npointiert in die Taille hinein. Hier sitzt der\nLebensnerv des Frackes, hier liegen die starken\nWurzeln seiner Kraft.\" Unter der Achselhöhle\nläßt sich die Wurzel vielleicht noch halten. Aber\ndie Wurzel auf der Taille scheint mir für den\nLebensnerv des Frackes doch nicht tief genug zu\nsein. Dafür wird Herr Dr. Poppenberg desto tie-\nfer: „Und auch in den leidenschaftlichen Momen-\nten bleibt er der ruhende Pol in der Erscheinun-\ngen Flucht\" (Schiller!). Denn „das ist die Tugend\ndes gutsitzenden Frackes in allen Lebenslagen.\"\nUnd dann „nie darf er weg sc hw i m m e n , ihm\nsteht keine vogelfrei flatternde Sonderexistenz\nzu.\" Also nicht Fisch noch Fleisch darf er sein.\nWorin hat der Frack seine Schönheit? „Der\nFrack hat seine Schönheit in sich.\" Nun wird der\nKunstkritiker ganz Kunst. „Der Abendanzug hat\nseine farblichen Reize. Sie stammen aber nicht\naus dem bunteren Bereich von Aquarell- und Oel-\nbild, sondern aus der tonigen Sphäre der Gra-\nphik'.\" Bezugsquelle: Edm. Wünsch. Aber „der\nwirklich gut angezogene Mann denkt beim An-\nziehen auch an das Ausziehen. Auch seine Des-\nsous werden den Einklang wahren.\" Bezugs-\nquelle Edm. Wünsch. Und nun erhebt sich Herr\nDr. Poppenberg bei den Dessous vom Kunstkri-\ntiker zum Dichter: „Wenn er sehr kokett (man\nachte auf das fehlende ist, höchster Lyrismus),\nträgt er dann („dann\") am Ende unter dem stren-\ngen Dreß seidene Kniehosen (am Ende?) und\nlange Seidenstrümpfe und gewiß („gewiß\") ein\nHemd, das vorn ganz offen. (Achtung: ist fehlt.)\nOhne das grotesk-verzweifelt-herumangelnde\nStrecken der Arme zum Himmel kann man es ab-\ngleiten lassen, und es bleibt, — weiß hinter uns\nim wesenlosen Scheine . . .\"\nWeiße, wesenlose Scheine?\n\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c004", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "288", "page_fin": "288", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.4", "titre_corps": "Für Kandinsky", "titre_sommaire": "Für Kandinsky", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.4", "debut_caractere": 4070, "fin_caractere_exclue": 6758, "texte": "Für Kandinsky\nProtest\nSiebe Nummer 150/151\nDie Unterzeichneten erlieben hierdurch gegen\ndie Beschimpfung des Künstlers Kandinsky im\n„Hamburger Fremdenblatt\", vom 15. Februar, den\nallerschärfsten Protest und sprechen dem Belei-\ndigten ihre Sympathie aus:\nEgon Adler, München\nArthur Babillotte, Leipzig\nAdolphe Basier, Paris\nBongard, Paris\nBlaise Cendrars, Directeur de Hommes Nou-\nveaux, Paris\nS. Delaunay-Terck, Paris\nDr. Fritz Bahrmann, Jena\nIi Hayden, Paris\nOHvier Wourcade, Paris\nJean Jacques, Berlin\nB. J. Kerkhof, Qennep-Holland\nAlfred Loeb, Paris\nMaurice Princet, Paris\nCurt Seidel, Turin\nAlexandre Smirnov, Professor an der Univer-\nsität St. Petersburg\nOskar Stein, München\nJ. Stern, Paris\nErich Wichmann\nGuillaume Apoltinaire\nIch habe oft die Werke Kandinskys bei Ge-\nlegenheit Ihrer Ausstellung in Paris besprochen.\nIch benutze gern die Gelegenheit, meine ganze\nHochachtung für einen Künstler auszusprechen,\ndessen Kunst mir eben so ernst wie bedeutend zu\nsein scheint.\nDr. Fritz Bürger / Privatdozent zu München\nIch gebe Ihnen gern zur Veröffentlchung zur\nKenntnis, daß eine solche „Kritik\" nur eine dreiste\nund dumme Beschimpfung von Seiten des Unver-\nstandes ist, der eben dort, wo er die Grenze sei-\nner angelernten Schulweisheit sieht, zu solchen\nMitteln greift, um den eigenen Rückzug zu mas-\nkieren. Man kann ehrlich bekennen, daß man\nKandinskys Schäffen für verfehlt hält, aber aas\nWesen jeder Kritik besteht darin, daß man sich\nin der Welt oder auf dem Boden desjenigen be-\nwegt, der kritisiert werden soll, um innerhalb sei-\nner Ideen zuzustimmen, oder zu verurteilen. Das\nmag im vorliegenden Fall schwer sein, enthebt\naber die Kritik nicht von dieser selbstverständ-\nlichen Verpflichtung.\nLothar von Kunowski\nr s t K a u d i n s k y auf Abwegen ?\nSicher nicht. Cr untersucht die Bildwirkung,\nohne Gegenstandsvorstellung. zu geben.\nDazu bemerke ich: Man schneide aus einem\ngroßen Bogen Packpapier größere und kleinere\nVierecke und lege das Papier mit den Ausschnitten\nauf bekannte Bilder. Man wird dann leicht Stel-\nlen aus den Bildern ausschneiden können, die gar\nkeinen erkennbaren Gegenstand zeigen.\nErweisen sich diese Ausschnitte als anregend,\nwertvoll und interessant im Sinne Kandinskys, dann\nist das Bild von Wert. Zeigt es in solchen Aus-\nschnitten beliebiger Stellen Seife, Oel oder Schmutz\nstatt Handschrift und Farbe, dann stecke man es\nmit gutem Gewissen in den Ofen.\nDas ist meine Stellungnahme zu Kandinsky.\nProfessor Dr. Theodor Volbehr / Kaiser-Friedrich-\nMuseum der Stadt Magdeburg\nMir selbst ist Kandinsky in seiner Theorie und\nin seiner Praxis außerordentlich interessant, ich\nhabe in verschiedenen Vorträgen dieses Winters\nihn zu würdigen versucht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c005", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "288", "page_fin": "290", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.5", "titre_corps": "Die Schwermut des Genießers : Ein Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Genießers : Ein Roman", "signature_source": "Arthur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.4", "debut_caractere": 6760, "fin_caractere_exclue": 8795, "texte": "Die Schwermut des\nGenießers\nEin Roman\nVon Arthur Babillotte\nAls ihm zum erstenmal die Augen für die Bunt-\nheit der Landschaften aufgegangen waren, hatte\ner das Gefühl, in einen tiefen Schacht zu stürzen\nund endlich in einer Blumenwildnis anzulangen,\nüber und über von Düften bedeckt. Er war ein\nKnabe von zehn Jahren, Seine Lehrer wunderten\nsicli über die Teilnahmlosigkeit, in der er den\nSchönheiten der Natur gegenüber verharrte, und\nkonnten nicht begreifen, daß ein Mensch bis in\nsein zehntes Lebensjahr keinen Sinn für das, was\num ihn her wuchs und grünte und gedieh, be-\nsitzen sollte. Sie waren geneigt, ihn für beschränkt\nzu halten, und rieten seinem Vater, ihn nicht stu-\ndieren zu lassen, sondern ihn in der Bewirtschaf-\ntung des großen Gutes, das einmal sein Eigentum\nwurde, tüchtig zu machen. Eines Tages aber trat\nseine glühende Liebe zur Landschaft hervor. An\neinem Morgen stand er auf der Freitreppe des\nväterlichen Gutes und blickte die lange gerade\nPappelallee hinab, deren Ende ganz hinten in den\nHimmel zu laufen schien. Er ahnte nichts, sondern\nblickte ganz teilnahmlos in den grauenden Tag und\nhielt seine Gedanken ganz in sein Inneres ver-\nsenkt. Die Sonne ging auf und brannte ihm in das\nGesicht und erweckte seine Liebe. Er stand wie\nein Geblendeter und stieß einen leisen Schrei aus,\ner meinte, plötzlich wesenlos geworden zu sein,\nund fühlte doch bis zum Schmerz den Fall seines\nKörpers in einen tiefen Schacht; er meinte, die\nKraft seiner Lungen verloren zu haben und atmete\ndoch den Duft der tausend und tausend Blumen.\nEr hatte eine Vision, durch die er zum Leben er-\nweckt und auf die Bahn gelenkt wurde, die ihm be-\nstimmt war. Der Heraufstieg der Sonne am Ende\nder Allee, den er seltsamerweise noch nie be-\nobachtet hatte, wrurde ihm zu Musik, zu einer Mu-\nsik. so strahlend, daß sie ihn im ersten Augenblick\nblendete, dann aber das Licht seiner Bestimmung\nin ihm entzündete. Es war ein Mysterium, das er\nin seiner Jugendlichkeit noch nicht begriff, das er\naber gläubig hinnahm als die Gnade einer Macht,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.5", "debut_caractere": 30, "fin_caractere_exclue": 9281, "texte": "die er später in dem Begriff Künstlertum erkannte\nund verehrte.\nVon diesem Tage an war er der Musik ver-\nfallen. Ein Tönen hob in ihm an wirr und mystisch\nnoch, aber in seiner Stärke und Beharrlichkeit er-\nkennen lassend, daß es nie mehr schweigen werde.\nNun war ihm der Weg gewiesen. Die Lehrer, die\nihn für beschränkt gehalten hatten, schüttelten die\nKöpfe und konnten nicht verstehen, daß ein Mensch,\nder bis dahin auch nicht das geringste Interesse\nfür Musik bekundet hatte, plötzlich so tönereich\nsein sollte. Sie sprachen mit dem Vater darüber\nund gaben zu erkennen, daß sie das Ganze für eine\nSelbsttäuschung des Knaben hielten. Der Vater\nwar vorsichtig und beobachtete seinen Sohn. Er\nnahm eine auffallende Beweglichkeit an ihm wahr:\nhatte er vorher stets still und in sich gekehrt dage-\nsessen, war er selten zu bewegen gewesen, sich\nin dem großen Garten, der hinten an das Herr-\nschaftshaus stieß, zu tummeln, so bereitete es ihm\njetzt Schmerzen, den Garten verlassen zu müssen.\nEinmal sagte er zum Vater:\nIch horche in jede Blume und in jeden Busch;\num ihre Musik zu vernehmen, mußt du wissen.\nDer Vater verstand ihn nicht; und die Mutter\nlebte nicht mehr. Sie hätte ihn wohl verstanden,\ndenn sie war eine zarte Frau voller Musik gewe-\nsen. Sie hatte sich an stillen blauen Abenden an\nihren Flügel, der in einem großen, nach schlichter\nVergangenheit duftenden Saale stand, gesetzt und\nin Tönen gedichtet, weil sie nicht in Worten zu\ndichten vermochte.\nAls der kleine Johannes im Hause seines Vaters\nkeinen Menschen fand, der das Tönen seiner Seele\nverstand, flüchtete er sich zu der Mutter und\nzwang sie kraft seiner schöpferischen Phantasie,\ndie zugleich mit der Musik in ihm erwacht war, an\njedem stillen blauen Abend aus dem Grabe zu\nsteigen und sich an den alten Flügel zu setzen und\nihn mit Tönen zu liebkosen. Er sah sie in ihrem\nschwarzen, straffen Kleide durch die großen Zim-\nmer wandeln, sah, immer ehrerbietig hinter ihr\nherschreitend, wie sie hier eine Stutzuhr, dort die\nLehne eines behaglichen alten Ledersessels, dort\nein wundervolles Album auf einem der massiven\nTische streichelte, und lebte ihre wehmütigen Ge-\ndanken in seinen Kindergedanken mit.\nSobald sie aber in den Musiksaal kamen,\nstreifte er seine ehrfürchtige Zurückhaltung ab und\nbegann wie ein gutes Kind, für das Behagen\nseiner Mutter zu sorgen. Er eilte zu den Fenstern\nund öffnete sie weit und freute sich, wenn er die\nhereinströmende weiche Luft des blauen Abends\nüber sich hinstreichen fühlte. Er öffnete den\nschweren Ebjenholzdeckel ees alten Instruments\nund setzte den Drehstuhl zurecht; dann ging er zu\nseiner Mutter hin, die an einem der Fenster ge-\nstanden und den Reichtum des Abends getrunken\nhatte, nahm ihre schmale weiße Hand in seine\nKnabenfinger und führte die zarte Frau mit dem\nblassen Duldergesicht durch den großen Saal, Ihre\nSchritte erstarben in den dunkeln Teppichen; der\nKnabe hatte das Gefühl, sie schwebten beide durch\nden freien Raum. Bevor sich die Frau vor dem\nFlügel niederließ, küßte ihr der Knabe die reichen\nHände und dankte ihnen für den Genuß, den sie ihm\nbereiten wollten. Denn er wußte, daß nach der\ngroßen Aufregung des Spiels die Mutter sich in\nDunst auflösen und ihn allein in der Undurch-\ndringlichkeit der Nacht zurücklassen würde. Es\nerhob sich eine seltsame Unruhe in ihm, wenn er\nsah, wie sich die Mutter langsam über die Tasten\nneigte und mit den großen, in unheilbarer Krank-\nheit strahlenden Augen über sie hinglitt. Der Knabe\nmußte unaufhörlich diese wunderbaren tiefen Au-\ngen anblicken. Er stand ganz unbeweglich neben\ndem Flügel und stützte sich mit dem rechten Arm\ndarauf, während sein linker in der schwer zurück-\ngehaltenen Erregung leise zuckte. Er stand ganz\nunbeweglich, obwohl eine kaum zu dämmende Un-\nruhe in ihm flutete. Er trank mit seinen klaren\nKnabenaugen die Augen der zarten, blassen Frau.\nJeder Gedanke an das Unwirkliche dieser Vor-\ngänge war aus seiner Empfindung ausgeschaltet.\nSeine Phantasie schuf dieses Bild der in Tönen\ndichtenden Mutter, er glaubte an die Erschaffung;\nund so ward sie für ihn Wirklichkeit.\nWenn dann die blasse Frau anhob, zu spielen,\nkam das leise Sausen tiefer Wälder in das Zimmer\nherein. Dem Knaben schien es, als wehe alles\nKlagen und Schluchzen, das je aus Menschenher-\nzen stieg, durch die weitoffenen Fenster und ver-\nwandele sich in ein gedämpftes Jauchzen, das in\nbreiten Strömen hinausfloß in den blauen schwei-\ngenden Abend und über die ganze in Schauern\nempfangende Erde. Selbst der Himmel, der wie\neine umgekehrte Schale den Abend überdeckte,\nklaffte auseinander wie der Schoß eines empfan-\ngenden Weibes und nahm das gedämpfte Jauchzen\nin sich auf. Und der Knabe erkannte in Verzückung\nsein Zerfließen in das All. Er empfand mit einer\nunsäglichen Wollust, wie sich sein ganzes Wesen\nauflöste, auseinanderströmte, den großen, dämme-\nrigen Saal erfüllte, die Wände niederlegte, über\nGarten und Fluren und Wälder rieselte, alle\nschweigende Feierlichkeit der blauen Stunde in\nsieht einsaugte, endlich an das Meer gelangte und\nsich in den Wassern der grünen Unendlichkeit ba-\ndete, versank und selbst unendlich wurde. Er\nlernte an diesen schwermütig-verzückten Aben-\nden, die ihm wie Opferfeierlichkeiten vor der All-\nmacht eines Unendlichen erschienen, den Reichtum\nseiner Seele kennen. Er stieg in sich selbst, in\nsein noch kindhaftes Wesen hinab wie in einen\ntiefen Brunnen und holte die Schätze, die da ver-\nborgen lagen, zum Licht herauf. Auf diesen Schät-\nzen, noch formlos und unverarbeitet, gestaltete er\ndie Welt seiner Verzückung. Aus dem Gold seiner\nunermeßlichen Ahnungen goß er den schimmern-\nden Palast der Unendlichkeit; die Perlen seines\nstarken, fröhlichen Glaubens an das Mysterium\ndes Sonnenaufgangs spannte er als schwere uir-\nlanden von Säule zu Säule seines Palastes und\nschmückte so die Schönheit der toten Wesen, weil\ner noch keine lebendige Schönheit zu schmiictven\nhatte. Und inmitten dieses schimmernden, perlen-\nbekränzten Palastes stand er und streckte seine\nhalbgeöffneten Hände aus, wie Schalen, die eines\nreicnen, köstlichen Inhalts harren. Es war für ihn\neine unaussprechliche Beseligung, daß er glauben\ndurfte. Er wollte nur glauben, nur allen Reichtum,\nder zu ihm kam, aufnehmen ohne Fragen und For-\nschen. Er gab sich ganz seiner Verzückung hin,\nund in seinem tiefsten Innern tönte wie eine\nlächelnde Melodie das Bewußtsein, daß alle diese\nSeligkeit von der zarten, blassen Frau ausging,\ndie seine Mutter war, und daß alle diese Seligkeit,\nbeschwert mit der reichen Freude des Knaben, als\ndoppelter Segen zu ihr zurückkehrte. Das ver-\nmehrte seine Verzückung und machte ihn dankbar;\ndankbar der Mutter und sich selbst, weil sie sich\nso zu einem einzigen Wesen vereinigten und sich\nwechselseitig ihre Seligkeiten schenkten, ohne arm\nwerden zu können.\nDie zarte Frau mit dem blassen Duldergesicht\nspielte wie eine Heilige. Ihre großen, kranken Au-\ngen hingen an der Decke, die in der Dämmerung\nzerfloß; ihre Hände schwebten über die Tasten,\nfortwährend in einer aristokratisch ruhigen Bewe-\ngung begriffen, die Töne hinhauchend. Der Knabe\nsah die Feinheit dieser schwebenden Hände,\nohne sie anzusehen; er blickte nur zu den\nAugen der Mutter hin und empfing aus diesem\nwonnigen Anschauen das ganze Wesen der Künst-\nlerin, das weiche Lächeln ihres blassen Mundes,\ndas ruhige Atmen ihres Busens, das vornehme\nGleiten ihrer schmalen Hände; die ganze über-\nirdische Verklärung ihres Leibes und ihrer Seele.\nEr lebte nur in ihr und empfand ihre tiefe Künst-\nlerschaft.\nDurch die Fenster kam der blaue Abend näher\nund näher; das weiche Blau wurde tiefer und\n112\nhärter; die Fensterhöhlen waren wie seltsame\nAugen, die sich langsam verfinstern. Sobald der\nKnabe aber nicht mehr an den verklärten Augen\nder Mutter hing, trafen seine Blicke die dunkeln-\nden Flächen, die die Fensterrahmen aus dem Him-\nmel schnitten. Eine Reihe von Bildern zog in ihm\nherauf und blitzschnell an seiner Seele vorüber.\nDie erhabene Starrheit der Bäume, die der Allee\nentlang standen, die Sonne, die hinter dem Hause\nlag und träg den Horizont hinabschlich, das letzte\nverschlafene Schluchzen und Jubeln der kleinen\nVögel in den Bäumen des Gartens, die ferne\nStimme eines Knechtes, der die Herden eintrieb —:\ndiese Farben und Töne wurden von den dunkeln-\nden Fenstern an der Seele des Knaben vorüber-\ngezaubert. Er wurde unsicher und wagte doch\nnicht, schon an ein Ende der Opferfeierlichkeit vor\ndem Unendlichen zu glauben. Er begann zu zit-\ntern, wie der Kranke, der sich langsam aus einer\nschweren Ohnmacht aufrichtet; eine unsägliche\nAngst preßte ihm das Herz zusammen, die Angst\nvor einem großen Verluste. Sobald aber diese\nAngst eintrat, war es zu spät: dann hielten plötz-\nlich die schmalen Finger der blassen Frau in ihrem\naristokratischen Gleiten ein, die Lider sanken wie\nschwere Gitter über die strahlenden Augen und\nlöschten sie aus. Und der Knabe stand neben dem\nFlügel und fühlte jede matter werdende Bewegung\nder Mutter wie einen scharfen körperlichen\nSchmerz. Er wollte laut rufen: Bleib noch bei\nmir, Mutter, spiele noch deine schwermütigen Me-\nlodien —, aber er vermochte es nicht. Ein Wür-\ngen stand ihm am Hals und gab ihm die Stimme\nnicht frei. Er war machtlos, die Buntheit seiner\nPhantasie begann zu erblassen, die einzelnen Far-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3416, "texte": "ben schwammen ineinander über und wurden\ntrüb; das Tönen, das ihn wie ein undurchdring-\nliches Netz umsponnen hatte, da er das Bild seiner\nMutter am Flügel schuf, löste sich, und endlich\nfielen die Maschen ganz von ihm ab —. Ein Nebel\nsank über ihn; die dunkelblauen Fensterhöhlen\nerloschen in dichter Nacht . . . Der Knabe litt\nin diesen Augenblicken so empfindlich, daß er die\nNacht, die um ihn her war, wie die Berührung\nfeuchter Finger auf seinem Gesicht fühlte. Ein\nQrauen schüttelte ihn und warf ihn auf die Knie.\nSo lag er, den Kopf an das Ebenholz des Flügels\ngepreßt, voller Angst vor der tönelosen Nacht und\ndoch unfähig, ihr zu entfliehen. Dies waren die\nStunden, in denen er für die höchste Seligkeit, die\nihm die blaue Stunde gewährt, büßen mußte.\nWenn die Nacht den großen Musiksaal völlig\nin Besitz genommen hatte, schien es, als wäre der\nReichtum, der an den Wänden, auf Tischen und\nTischchen, an der Decke und auf dem Fußboden\nin vornehmer Linienreinheit ausgebreitet war,\nplötzlich verblaßt und wertlos geworden. Die\nNacht hatte den strahlenden Reichtum in matte\nArmut verwandelt. Und vor dieser Armut, die er\nfühlte, entsetzte sich der Knabe. Er liebte den\nmusikalischen Rhythmus der kostbaren Gemälde,\ndie erlesenen Motive orientalischer Teppiche, die\nschlanke Schlichtheit altertümlicher Stutzuhren,\ndas Gleißen großer Kronleuchter. Er liebte die\naristokratische Linie und den vornehmen Reich-\ntum in allen Dingen, die ihn umgaben.\n... Er war allein mit seiner Seltsamkeit. Er\nbesaß nur einen Menschen, dem er sich hätte an-\nvertrauen können, und diesen einen verstand er\nnicht, diesen einen verleugnete er sogar in den\nStunden seiner wollüstigen Entrücktheit. Er ver-\nmochte die geradlinige Nüchternheit seines Vaters\nnicht zu verstehen; er konnte nicht begreifen, wie\nein Mensch ohne Bedürfnis nach Schönheit sein\nkönne, und fürchtete sich vor der Erkenntnis, daß\nsein Vater weder die Schönheit der Stimme, des\nSchreitens, des Körpers, noch die höhere Schön-\nheit der Gedanken, der Wünsche, der Seele be-\nsitze. Er erkannte früh, daß sein Vater Guts-\nbesitzer und nichts weiter war. Als er darüber\nnachzudenken begann, sah er sich vor dem Rätsel\nseiner Herkunft und drang allmählich in den Ge-\ndanken ein, daß seine Mutter eine große Künst-\nlerin gewesen sein müsse, eine viel größere\nKünstlerin als er bis dahin in den Entzückungen\nder blauen Stunde geahnt und geglaubt hatte. Welch\neinen Reichtum an Schönheit mußte sie besessen\nhaben, da sie ihn noch so überschwenglich damit\nbedachte! So wurde seine Verehrung der Mutter\ntiefer, ie höher sich sein Bedürfnis nach Schönheit\nentwickelte. Und so spann er sich immer enger in\ndie musikalische Allheitswelt seiner Phantasien\nein und war lange Zeit in Gefahr, den Fluch des\nTräumers durch sein ganzes Leben schleppen zu\nmüssen. Er verlor sich immer bedingungsloser\nan die Lockungen seiner Seele, gab mit immer\nschwächer werdendem Widerstand dem Verlan-\ngen, in allen Erscheinungen Symbole zu sehen,\nnach und fühlte sich in den Unwirklichkeiten seiner\nki Verzückung erschaffenen Welten heimischer als\nin den Wäldern und Gärten der Heimat. Immer\nheißer ersehnte er in den Morgen- und Mittag-\nstunden das sanfttönende Glück des Abends; und\ndie Nächte marterten ihn endlich so schrecklich,\ndaß er bleich und hohläugig wurde und am Tage\numherging wie ein Gestorbener, der keine Ruhe\nfinden kann. Seine Seele verzehrte sich in einem\nungestümen Fieber."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c006", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.6", "titre_corps": "August Macke Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "August Macke Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 28, "texte": "August Macke\nLinoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c007", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "290", "page_fin": "290", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.7", "titre_corps": "Enges Zimmer", "titre_sommaire": "Enges Zimmer", "signature_source": "Alfred Richard Meyer ; H. 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Meyer, Berlin-Wilmersdorf erscheinen wird.\nDie Gedichte sind in ihrem Wert sehr ungleich.\nAber dieses Bändchen enthält das außerordentlich\nschöne Gedicht Interieur, das zuerst in dieser Zeit-\nschrift Nummer 50 veröffentlicht wurde."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c008", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "290", "page_fin": "290", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.8", "titre_corps": "Meine Ausstellung im ,Sturm’", "titre_sommaire": "Meine Ausstellung im ,Sturm’", "signature_source": "Alfred Réth", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.6", "debut_caractere": 4336, "fin_caractere_exclue": 9662, "texte": "Meine Ausstellung im\n,Sturm’\nAlfred Réth\nMein Bild aus Varengeville (1,) ist eigentlich\njenes Werk, das ich als mein erstes betrachte. Es\nentstand in einer Zeit, in der ich ganz und gar\nblind dem Instinkt folgte, ohne die Kontrolle des\nGeistigen anzulegen. Aber der Künstler kommt\nnotwendig auf einen Punkt, an dem er beginnen\nmuß bewußt zu arbeiten. Das Bild 5 hatte ich im\nSalon d'automne ausgestellt. Es machte in den\ngroßen Sälen bei einer anderen Beleuchtung als der\nvon mir persönlich bevorzugten auf mich den trau-\nrigsten Eindruck. Ich fand es sehr schwach in\nFarbe und Komposition. Ich antwortete mir mit\ndem Bild 6 in der Ausstellung der Independants,\nes wurde genau das Gegenteil des vorigen. Dieses\nBild bedeutet eine große Veränderung in meiner\nArbeit.\nIch merkte, daß es falsch wäre, den sogenannten\n„Charakter\" der Dinge zu geben; das ist zum Bei-\nspiel: die längliche Form eines Flaschenhalses zu\nden genau entsprechenden Proportionen des dicken\nBauches; der dicke große Stamm eines Baumes\nmit den dünnen breiten Zweigen, das Verhältnis\ndes großen Leibes zum kleinen Kais beim Men-\nschen.\nVon dieser Zeit an schuf ich nur Kompositionen;\nich war bemüht, rein das Verhältnis der Massen\nuntereinander darzustellen. Das Problem lag darin,\ndie absolute Allgemeingültigkeit der Form zu finden,\njedoch gleichzeitig durch die Anord n u n g der\nVerhältnisse die Form in jedem Einzelfalle\nals einmalig und persönlich erscheinen zu lassen.\nJedesmal wenn ich meine Arbeiten unbefriedigt\nbetrachtete, und das herauszuholen versuchte, das\nmir einzig von Ausdruckswert zu sein schien, stieß\nich auf ein ganz bestimmtes Formverhältnis.\nDie bildenden Künstler, die ernsthaft arbeiten,\nkommen sehr oft nach vielen inneren Mühen, auf\nsolche Formverhältnisse; aber sie pflegen ihre\nEntdeckung, ihre innere Regel, meist zu ver-\nschweigen aus Furcht, man könnte sie für reine\nTheoretiker des Raisonnements halten.\nDa ich glaube, daß der bewußte Arbeiter sich\nauch äußern kann, will ich ruhig von den mir nahe-\nliegenden numerischen Formverhältnissen reden:\nEs ist das Verhältnis 2zu 7. Und ich habe gefunden,\ndaß, wenn man die große Kunst der Primitiven\nuntersucht, man auf dieselben Proportionen stößt\nich glaube nicht, daß die Wurzeln der Kunst zeit-\nlich sehr unterschieden sind. So bin ich der Mei-\nnung die Kunst unserer Zeit «nterscheide sich von\nder großen Kunst der früheren Epochen aicht\ndurch die Qualität, sondern durch Pflicht des\nKünstlers, seine Erkenntnisse bewußt anzu-\nwenden. — Erkenntnisse, die ein primitiver Meister\nvielleicht instinktiv traf, geleitet und an Entglei-\nsungen gehindert allein durch bestimmte Mittei-\nlungen der Religion und Kultsitte seiner Zeit\nIn dieser Epoche entstanden die Bilder 14 bis\n24. Aber ich fand, daß auch diese Bilder noch\nviel zu sehr Anlehnungen an die direkte, materielle\nNatur waren. .\nIch bin des Glaubens, daß die Kunst nicht m\neinem Wettstreit mit der Natur steht, mit Stim-\nmung, Psychologie, Empfindung, sondern daß es\nSache der Kunst ist, räumlich die Vors-tel-\n-1 u n gen auszudrücken, die der menschliche Geist\nvon den Dingen hat. So gewiß es keine malerische\nDichtkunst oder Musik und keine literarische oder\nmusikalische Malerei geben kann, so gewiß jeder\nVersuch der Vermischung oder Verschiebung der\nKünste unsinniges hervorbringt, so gewiß ist auch,\ndaß die Tatsache der Produktion, des Schaffens in\nKunst, dieselbe Wurzel im menschlichen Innern\nhat. Und so gibt es allerdings auch ein Moment\nder Malerei, das den anderen Künsten entspricht,\nwie es auch ein Moment der bildenden Kunst gibtr\ndas der Natur entspricht.\nDie Dichtung und die Musik haben ihren Anfang\nin der Zeit. Das Zeitliche scheint bei der bildenden\nKunst ganz ausgeschaltet zu sein; aber das scheint\nnur so. Man gestehe sich ein, daß es durchaus un-\nmöglich ist, ein Bild mit einem einzigen Blick zu\numfassen, wie ein volkstümlicher Ausdruck lautet.\nInstinktiv nimmt das Auge seinen Anfang und glei-\ntet in einer bestimmten Zeit über das Bild. Nur\ndie illusionistisch-naturalistische Perspektivmalerei\nwünschte über diesen Vorgang zu täuschen.\nEine wichtige Aufgabe des bildenden Künstlers\nist es, das Auge des Schauenden zu leiten. In den.\nfünf Bildern 32 bis 36 habe ich bewußt\nrein durch die Formverhältnisse diesen Anfang in\nder Zeit für unser Auge aufzustellen.\nHier tritt dann auch wieder die rein geistiger\nParallele auf, die in der bildenden Kunst den Ver-\nhältnissen in der direkten Natur wahrhaft ent-\nspricht. Wie nämlich in der Natur etwa das\nSchwebende, Unbestimmte einer Landschaft, dasr\nwas wir Milieu oder Stimmung nennen, eine\nmenschliche Gestalt in ihr erst wirklich, klar als\nlebendigen Organismus erscheinen läßt; so sind es\nauf dem Vorstellungsbilde unseres Geistes gewisse\nvag gefärbte, nicht bestimmt konturierte Formen,\ndie andere entschieden umrissene Formenmassen\num so energischer als die bedeutungsvollen Kon-\nstruktivelemente der geistigen Anschauungswelt\nhervortreten lassen.\nUnd ich glaube, daß das bewußte Aufdecken des\nundenkbar großen Unterschiedes zwischen der\nKunst und der Natur innerhalb des Schaffens, die\nKunst erst wahrhaft befreit von der Vereinzelung\nihrer Stellung in unserer Zeit und sie zu ei wer\nwirklichen Angelegenheit unseres Lebens machen\nkann. Unseres Lebens, das uns bestimmt als In-\nstinktwesen des Geistes.\nUebertragen aus dem Französischen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c009", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "291", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.9", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 884, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der iwer\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nPaul Claudel\nVerkündigung / Ein geistliches Stück in vier\nEreignissen und einem Vorspiel\nVerlag der neuen Blätter / Hellerau und\nBerlin\nFernand Hubert\nLes Inquietudes / Pommes\nVorwort von Nicolas Beauduin\nParis / E. Basset et Cie. Verlag\nShakespeare\nHamlet\nSommernachtstraum / Wintermärchen\nNeue zweisprachige Ausgabe ./ Urtext und\ndeutsch in je einem Bande\nTempel-Verlag / Leipzig\nLudwig Justi 1\nDer Ausbau der Nationalgalerie\nZwei Denkschriften\nVerlag Julius Bard / Berlin\nPeter Altenberg\nSemmering 1912\n. Verlag S. Fischer / Berlin\nHenri-Martin Barzun\nHymne des Forces: Le Drame Antagonisme\nL'Universel / Po&me Dramatique\nMercure de France Verlag / Paris"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c010", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "291", "page_fin": "291", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.10", "titre_corps": "Inhalt : Zweites Halbjahr 1912/1913", "titre_sommaire": "Inhalt : Zweites Halbjahr 1912/1913", "signature_source": "Dritter Jahrgang", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.7", "debut_caractere": 886, "fin_caractere_exclue": 6141, "texte": "Inhalt\nZweites Halbjahr 1912/1913\nDritter Jahrgang\nBeiträge 1 Nummer Seite\nManfred Adam\nGedichte 144/145 255\nJoseph Adier\nBerliner Sylvester 146/147 267\nDie bankerotte Natur \" 133 ' 191\nDie Literatur in Trauer 136/137 219\nDurch Nacht zum Lichtbild 131 179\nGüten Morgen, Pioniere 140/141 ? 243\nVom Altphrasenhandel 130 , 171\nOui 11 au m e Apollinaire\nDie moderne Malerfei 148/149 272\nPariser Brief 150/151 283\nRealite, peinture pure 138/139 224\nArtur BabilSotte\nDie Schwermut des Geniessers /\nRoman 146/147 262\n148/149 271\n152/153 288\nOskar Baum\nNachtfarbe 131 178\nGottfried Ben«\nNocturne 144/145 254\nPaul Bommersheim\nDie Ueberwindung der Perspektive\nund Robert Delaunay 148/149 272\nS v e n d Borberg\nBarokko 140/141 242\nEdgar Byk\nBemerkung nach einem Vortrag von\nArnold Schönberg 132 187\nRobert Delaunay\nUeber das Licht 144/145 255\nAlfred Döblin\nArnold Schönberg 132 187\nEinakter von Strindberg 130 170\nFuturistische Worttechnik 150/151 280\nGabriel Schillings Flucht, in die\nOeffentlichkeit 134/135 207\nTänzerinnen 129 162\nHans Ehren bau m-Degeie\nRhapsodie 131 175\nAlbert Ehrenstein\nAnmerkungen 134/135 206\nAntwort 138/139 230\nArbeitsteilung 142/143 249\nDer Ritter Rococo 142/143 248\nDie alte Geschichte 129 161\nDie Filmlöwen sind los \" 142/143 247\nEin krasser Fall von Soldatenmiß-\nhandlung 142/143 246\nFrühes Leid 142/143 248\nGruß , 142/143 247\nHerbst 142/143 248\nHildebrandslied 142/143 247\nHn? 142/143 250\nIm Lande der Erotophilen 142/143 249\nPerpeh 142/143 251\nRimbaud 142/143 247\nSpruch 142/143 248\nWanderers Lied ' 142/143 249\nVersuch einer Antwort 142/143 250\nE. Epstein\nEinige Gedanken über Bildentstehung 140/141 236\nDr. S. Friedlaender\nPräsentismus 144/145 253\nJohn von Gorsleben\nDie Geschichte von Uli Tarosch und\ndem Kater Schopenhauer 146/147 265\nNummer Seite\nR a'ö u 1 Hausmann\nDie gesunde Kunst 134/135 206\nPaul Haivaai\nSpracherotik 1.36/137 210\nWagner-Feier 148/149 273\n. Karl Borromäus Heinrich\nMenschen von Qottes Gnaden /\nRoman 129 159\n130 167\n131 175\n132 185\n133 190\n134/135 199\n136/137 21tr\n138/139 222\nZeitgeschichte 152/153\nWa s s i 1 y Kandinsky\nUeber Kunst verstehen 129 157\nHermann Koch\nTaaus Anfang 131 179\nLothar von Kunowsltf\nKunst sühnt den Tod der Natur 140/141 234\nPersönlichkeiten 133 189\nRudolf Knriz\nFuturistische Dichtungen 136/137 218\nRudolf Leonhard ]\nDas schwarze Revier 148/149 270\nKandinsky 134/135 204\nFranz Marc\nDie Futuristen 132 187\nF. T. Marinetti\nDie futuristische Literatur 133 194\nSupplement hierzu 150/151 279\nAlfred Richard Meyer\nMärzlich den Kurfürstendamm her-\nunter 144/145 259\nEnges Zimmer 152/153 290\nGünter Miirr\nGedicht 129 161\nGedichte 150/151 283\nIrischer Abend 138/139 222\nMarienlied 140/141 238\nMynona\nDer Rüssel des fetten Herrn Mühl-\nmann 138/139 223\nProtest für Kandinsky 150/151 277\n152/153 288\nAlfred R6th\nMeine Ausstellung im Sturm 152/153 290\nJacques Riviöre\nBaudelaire 129 162\n130 168\nDie Polovetzer Tänze 140/141 242\nGauguin 134/135 204\nPaul Scheerbart\nDie neue Oberwelt 131 174\nPeter Scher\nBankroffts Erlebnis 136/137 212\nDas Herz der Else Lasker-Schfller 148/149 273\nC u r t Seidel-Turin\nDeutsche Romane 136/137 218\nArdengo Soffici\nGlosse zu meinem Werk 146/147 266\nGrete Tichauer\nFlimmerndes Mädchen 144/145 254\nGedichte 129 161\nHermann Wagner\nDie rote Flamme / Novelle 136/137 213\n138/139 225\n140/141 238\n142/143 251\n144/145 256\n.146/147 266\n148/149 274\nNummer Seite\nHer w a r t h Waiden\nDeutschsprachiges 148/149 275\nKunst 146/147 262\nKunst und Literatur 130 166\nProtest für Kandinsky 150/151 278\nSchöne Künste 134/135 198\nVon der Kunst 138/139 222\nVorschmack 140/141 234\nZeitgeschichten 132 1 $2\nZeitgeschichten 152/153 286\nE. Wichmann\nEtwa im Jahre 1845 134/135 206\nJ. L- WSudholz\nDie Wissenschaft 133 195\nAlbert Verwey\nDer Maler 148/149 269\nPaul Zech\nDer Agitator 148/149 270\nDer Kohlenbaron 148/149 270\nDie Ahnungslosen 148/149 270\nDie arabischen Tänze der Yve und\nVera Landrin 130 170\nDurchwachte Nacht 133 194\n. Nachtgewitter irn Spätherbst 134/135 199\nReiterliedchen 144/145 254\nSackträgerin 136/137 213\nZeichnungen Mummer\nH. CampendoMk\nOriginalholzschnitt 131\nOriginalholzschnitt 134/135\nOriginalholzschnitt 140/141\nWass i I y Kandinsky\nSechs Originalholzschnitte 129\nZeichnung 130\nAugust Macke ,\nLinoleumschnitt 138/139\nLinoleumschnitt 152/153\nFranz Marc\nDer Stier / Originalholzschnitt 140/141\nDie Hirtin / Originalholzschnitt 144/145\nPferde / Originalholzschnitt 129\nPferde / Originalholzschnitt 138/139\nRuhende Pferde / Originalholzschnitt 146/147\nTiger / Originalholzschnitt 132\nLudwig Meidner\nZeichnung 134/135\nPorträt von Paul Zech / Zeichnung 148/149\nDas schwarze Revier / Zeichnung 148/149\nWilhelm Morgner\nAcker mit Weib / Originalholzschnitt 136/137\nTierdressur / Originalholzschnitt 138/139\nEdv a r d Münch\nAffenfarnilie / Zeichnung 134/135\nQ. Münter\nNeujahrswunsch / Originalholzschnitt 142/143\nOriginalholzschnitt 136/137\nOriginalholzschnitt 138/139\nOriginalholzschnitt 152/153\nEmil Noide\nZeichnung 133\nRichter-Berlin\nOriginalholzschnitt 130\nF. Rosenkranz\nDie Straße / Originalholzschnitt 140/141\nOriginalholzschnitt ' \" 131\nAndre Rouveyre\nFünf Zeichnungen 150/151\nArtur Segal\nVom Strande / Originalholzschnitt 132\nVom Strande / Originalholzschnitt 140/141\nJacob Steinhardt\nZeichnung 136/137\nRobert Storm-Petersen\nDrame obscure / Originalholzschnitt 144/145"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c011", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "292", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.8", "debut_caractere": 408, "fin_caractere_exclue": 670, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin 51\ngegentiber der voa der Heydistraße\nFahrgelegenheit: Lfitzowplatz\nVierzehnte Ausstellung\nFranz Mare\nGeoffnet taglich von 10- 6 Ufcr I Soantags von\n15—2 Ukr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c012", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "292", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.8", "debut_caractere": 672, "fin_caractere_exclue": 2746, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Latzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGcwoflaHcbe Ausgabe: Fur Deutschland\niind Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Viertcljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppei-\nmwnmer 40 Pfennig X Fflr das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst ;l fj\nSonderausgabe: Ungebrochene Exetn-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nBer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark / Vom 1. April 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zurn Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofsbandlungen, Kiosken u. Strafienstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Be t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Besteiiung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzumfiinftendes ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nzieh un g dt\\s Betrages durch Nachnahme\nimter Berechnung des Nachnahrneportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nFrasz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabzuge: Versohnung/\n/Tierlegende / Pferde / Tiger /Pferde\nHochformat / Die Hirtin ,/ Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbrat en s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler mit der Hand aquarel-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c013", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "292", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.8", "debut_caractere": 2748, "fin_caractere_exclue": 4470, "texte": "liert, Siguier! mid numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nWKhefm Morgiter: Acker rnit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder siebeh nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch / Fiinf signierte und\nnurrierierte Exemplare /' Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbfg: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte ./\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vcmi Strande I / Vom Strande 111 /\nje funfzehn signierte und numerierte Holzschnitte I\nDas Exemplar 20 Mark\n11. Campeifdonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallitbographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Niii n s k y / Portrat Licht-\ndruck, großes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicbt\nvon Guillaume Apoliinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Waldeu: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / FUr Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturfsteo: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Loigi Rtissolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose T£nzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Laehen / Ab-\nschied / Luigißussolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose TSnzerin X C1 ich € -\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-03-02-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-03_02#c014", "volume": "bmtnabg_1913-03_02", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "292", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.8", "debut_caractere": 4472, "fin_caractere_exclue": 5288, "texte": "Zeitsehriften\nL'Effort Libre / fruher L'Effort / Monatsschrift I\ntierausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'lfid£pendafice / Halbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur I Philosophic / Poiiiik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa NouveUe Revue Francalse I Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Atlierl\nLes So»r£es de Paris I Recueil Mensuel / Paris\n9 rne Jacob\nUmetecky Meslcnik / Monatsschrift fiir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. 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H. Rosny aine, Pierre\nMille, Han Ryner, Camille Mauclair, T. de Visan,\netc; des traductions de Pouhkine, Walt Whitman,\nByron, D. G. Rosetti / Abonnemeni France 10 fr\nEtranger 12 fr (envoi d'un numero specimen contre\nla somme de 3 fr I Direction et Administration\n20 rue de Chartres / Paris Neuilly\nNe«e Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitgl ie d e r der Nenen Sezession\nerhalten jShrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjflhrlich 15 Mark,\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, Miquelstraße 7a. Fernruf Amt Stegiitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorzuge\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fur Merz-, Ner~\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nUhrschliissel mlt Eichhornchen kauft Fran D r\nPowers, Miinchen, Coperniciisstr. 11\nEichhornchen jeder Art, in Bronze, Malerei, Por-\nzellan etc. kauft Frau Dr. Powers, Mun-\nch en, Copernicusstr. 11\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antkjuar / Ber-\nlin W 35. Potsdamer Straße 27 b ! Fernruf Amt\nLfitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jabrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / StSndige Ausstellung\nTitania-Sehreihmaschlne / Erste deutsche Sehrcib-\nmasehine mit Typenhebeln auf Kngellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchfrneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis S tang en,\nLinkstraße 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchiUerstraHc *4.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. 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W: Zeitgeschichte: Der Mann mit den Unterhosen / Die Wacht an der Wupper / . . . ist es Mühe und Arbeit gewesen / Die kunstfeind-\nliche Sperlingsschar / Immer noch mehr Goethe / Noch immer mehr Goethe / Empfohlenes Buch / Der Frackkunstkritiker / Für Kandinsky / Protest J\nArthur BabÜWtte: Die Schwermut des Genießers / Alfred Richard Meyer: Enges Zimmer / Alfred Reffo: Meine Ausstellung im »Sturm4 / Inhalts Ver-\nzeichnis Dritter Jahrgang Zweites Halbjahr / G. Münter : Originalholzschnitt / August Macke: Linoleumschnitt\n\nG. Münter: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.2", "texte": "Zeitgeschichte\n\nDer Mann mit den Unterhosen\nIch habe den Kunstwart seit vielen Jahren\nnicht mehr gesehen. Er ist indessen viel dicker ge-\nworden, der Mann auf dem Titelblatt mit offenem\nMals stützt sich noch immer auf eine Mistgabel,\nNaturnähe, vaschteste, er heißt jetzt außerdem\nnoch Kulturwart und ferner Halbmonatschau für\nAusdruckskultur auf allen Lebensgebieten. Nur\nder Herausgeber, Herr F. Avenarius, hat sich noch\nnicht verändert. Ein Vater der Deutschen Nation\nschaut er über die Lande, preist schlechte, alte und\nneue Lyrik an, reproduziert mit gefl. Erlaubnis\nBilder von mäßigen Malern, bringt Noten und be-\ntätigt sich eben auf allen Lebensgebieten. Qute\nGegenbeispiele verderben unter Umständen böse\nBeispiele. Im zweiten Januarheft veröffentlicht\nHerr Avenarius Reproduktionen nach Gemälden\nvon Cezanne, Signac, Matisse, Pechstein, Burljuk,\nKandinsky, Boccioni, Carra. Alles dies in schlich-\ntem Schwarz, aber mit Farben, mit giftgrünen\nFarben, prangt ein Gemälde von Albert Lamm. So\nnämlich mu ß man malen. Dieser Lamm erledigt\nso giftgrün, wie seine Bäume, alle begabten Maler\nder Gegenwart. Dieser Lamm wütet gegen die\nWölfe, daß ihm das Blöken vergeht. Er fängt\nan zu rede n. Er ist nämlich „gewohnt Kunst an-\nzusehen als eine Wiederholung der gegebenen\nWelt, welche dem Gefühl die Beschäftigung mit\ndem anschaulich Gegebenen vertieft und verein-\nfacht\". Was Gott vollkommen geschaffen hat,\nmuß lammfromm wiederholt werden, damit es dem\nGefühl des Unschuldigen für die Beschäftigung\nvereinfacht wird. Man muß eine Lammsgeduld be-\nsitzen, um diesen Herdenbegriff nicht los zu wer-\nden. Aber Herr Lamm besitzt die Geduld. Er fin-\ndet sogar die Kunst der Gegenwart nicht einmal\nwissenschaftlich haltbar. Er zappelt an seiner\nLeine und glaubt, daß die anderen angebunden\nsind. Man wird mit ihm anbinden und seine Flug-\nschrift kurz angebunden behandeln; denn dieser\nPapierdrachen fliegt doch nur so hoch, wie es\neben dumme Jungen vermögen. Kunst ist zwar\nSpiel, aber kein Spielzeug. Alles darf man eben\nKindern nicht in den Händen lassen. Der gute\nVater Avenarius vergißt seine Vaterpflicht. Oder\ner ist zu sehr von seinem Blut überzeugt. Er ver-\nteidigt sein Lämmchen und schimpft auf die Er-\nwachsenen, die das Jüngelchen anrempelte und\ndie nie unter der Zucht der Ausdruckskultur stan-\nden. Herr Aveniarius drückt sich nimmehr auf\nallen Lebensgebieten aus. Zunächst auf dem Le-\nbensgebiet des Humors. Bezugsquelle: Die Lusti-\ngen Blätter.: „Also nun hätten wir die Expressio-\nnisten, die Kubisten, die Futuristen usw., sagen wir\nzusammenfassend: die Meschuggisten\". Siehe\nNummer 22 der Lustigen Blätter vom Jahre 1912.\nDfeser Witz durfte nicht umkommen, er mußte im\nKunstwart ausgedrückt werden, trotzdem an der\nZitrone schon verschiedene Jahrzehnte geauescht\nhaben. Nachdem Herr Avenarius noch einige an-\ndere humoristische Spässe auf Kandinsky insbe-\nsondere losgelassen hat, wird er trübsinnig über\nseinen Humor, was man begreifen kann, und fragt:\n..So spotte ich, aber seltsam, schon fühle ich mich\nin Verlegenheit. Es ist Tatsache, daß so und so\nviele Leute in diesen Kandinsky'schen Zeichnungen\nKunst, ja wirklich: tiefe und hohe Kunst sehen.\nDarf man einfach in die Welt rufen: „Der Kaiser\nhat keine Kleider\", wenn andere mit Andacht be-\nhaupten: er hat herrliche? wer bürgt dafür, daß\nnicht ich der Dumme bin statt ihrer?\" Niemand\nbürgt dafür. Man darf einfach in die Welt rufen:\nder Kaiser hat keine Kleider. Man darf aber auch\neinfach in die Welt rufen: Der Mann hat nur die\nUnterhosen an, die man sieht, und sie sind nicht\neinmal neu, die Unterhosen. Aber sie sind echt\nund wahr, ohne Schmuck und dennoch die Zierde\ndes deutschen Mannes. Nach diesen Trübsinnigkei-\nten wird Herr Avenarius philosophisch. Was\ngleichbedeutend mit pädagogisch ist. „Leute, die\nman mit der 5 versehen, wurden später als Einser\neingeschätzt und umgekehrt\". Herr Avenarius be-\nkam immer drei. Ihm persönlich konnte dieses\nPech nicht passieren. Nach dieser Philosophie und\nähnlicher wird Avenarius historisch. Er zählt sei-\nnen Lesern chronologisch alle „Rummel\" auf. Der\nFall Böcklin und Julius Meier-Gräfe. Das deut-\nsche Volk fiel auf Meier-Gräfe nicht hinein, sagt\nAvenarius, und blieb bei Böcklin. Dann Marees.\nGegen ihn hat Herr Avenarius nichts einzuwenden,\nnur findet er seine Begeisterung echt und die\nder anderen unecht. Van Gogh. Auch ihn hält Herr\nAvenarius „unzweifelhaft für ein großes Talent\nund vielleicht sogar für ein Genie\". Nur findet er\ndas Nervenleben von van Gogh bald erschöpft,\nbald höchst überhitzt. Vielleicht hat van Gogh\nkeine Unterhosen getragen, die so schädlich auf\nseine Nerven und andererseits so günstig auf die\nNerven des Herr Avenarius wirkten. Sonst findet\nHerr Avenarius, daß das Publikum sich von den\nminderwertigen Bildern von van Gogh begeistern\nlasse. Also von den erschöpfte oder den überhitz-\nten. Herr Avenarius und seine Schüler tun das\nnur vor den Bildern mit Nummer drei. Die Hodler -\nEpidemie. Herr Avenarius hat die Epidemie auch\nmitgemacht, wie er schreibt. „Aber Hodler gibt\nneben seinen Meisterwerken Bilder hinaus, die\nauch einem mit unseren Augen beinahe so aus-\nsehen, als probiert er: ,Was kann man Publico wohl\nzumuten?' Unbesorgt, Meister: Mute ihm alles zu,\nsoweit deine Gemeinde reicht, trägt jeder deine\nAugen als Vorsteckbrilien.\" Also, der Hodler.\nEr möchte zu gern wissen, was er alles Avena-\nrius zumuten kann. Aber Herr Avenarius sieht\nnur mit seinen eigenen Augen, also sieht er nicht\ndes Kaisers herrliche Kleider, sondern nur sich und\nseine Unterhosen, die dafür aber echt und wahr\nsind. Del Greco. Herr Avenarius hält ihn auch\ndurchaus nicht für unbegabt. Nur hat er nicht die\nAugen des Herr Avenarius: „Aber er sieht wie ein\nA.stigmathiker und arbeitet in vielem wie ein Ma-\nnierist. Tut nichts: weder die Zehnkopflänge seiner\nGestalten, die an die Bösen Buben von Korinth\nerinnern, nach dem Walzen, noch seine schiefen\nGesichter, noch die Klapprigkeit seines „geistigen\nGehalts\" störte irgendwen . . .\" Also auch Greco\nwar nicht natürlich genug. Herr Avenarius mit\nseinen vor-bildlichen Augen und seinen Anatomie-\nkenntnissen weiß das. Nach dieser Historie wird\nHerr Avenarius nationalökonomisch. Er erschau-\nert vor dem Hohngelächter, das man einst über\nunsere Museen anschlagen wird. Sie gaben „für\ndie französischen Modernen Geld in schweren\nHaufen aus, aber sie kauften sich keinen „Welti\".\nSie opferten sogar den Lamm für die Modernen.\nNämlich für Manet und van Gogh. Er erschauert\nvor dem Hohngelächter, das über „unsere Kunst-\nzeitschriften\" wiehern wird, weil unsere Kunst-\nzeitschriften nichts über Katharine Schaffner\nbrachten. Diese Dame ist nämlich „die ursprüng-\n-1 i c h s t e Begabung der ganzen großen Bewegung\num Erweiterung der Kunstgrenzen\". Und nun\nstolpert Herr Avenarius über Kandinsky her. Er\nhat „sogar Kandinskys Buch über Das Geistige\nin der Kunst studiert\", aber „nicht kapiert, was\neigentlich sie wollen, falls sie, wie ich aus Höf-\nlichkeit annehme, überhaupt was anderes wollen,\nals Lärm machen\". Er findet in der künstlerischen\nProduktion der Maler des Blauen Reiters „erstaun-\nlich wenig Talent, aber sehr viel Schaumschläge-\nrei. Was alles an meiner Dummheit liegen mag.\"\nWas zu bestätigen ist. Im übrigen werden auf\nWunsch des Herrn Avenarius die Blätter aus der\nFlugschrift Alberts, des Lamms, im Kunstwart re-\nproduziert. Es ist in dieser Zeitschrift schon mit-\ngeteilt worden, daß die Reproduktion des Gemäl-\ndes von Paul Cezanne Badende Frauen mit der\nUnterschrift: Genie und Faulheit? geschmückt\nwurde. Unter der Reproduktion eines Bildes von\nHenri Matisse wird bemerkt: „Mit Matisse be-\nmüht sich die junge Pariser Schule um Erreichung\nechter Naivität. Das Pariser Interesse hierfür ist\nmäßig; dagegen verhöhnt eine Pariser Zeitschrift\nDeutschland, daß Matisse zum reichen Mann\nmachte.\" Und Herrn Lamm nicht. Eine Pariser\nZeitschrift ist gut. Es wird wohl der französische\nKunstwart sein, wenn man auch in Paris nicht\nfür Jägerwäsche schwärmt. Unter einem Holz-\nschnitt von Kandinsky steht: „. . . versuchen ein\nGewirr von Empfindungen festzuhalten, welches\nan der Klarheit sterben würde\". Ein Gewirr,\ndas an der Klarheit stirbt, ist eine ziemlich ver-\nhedderte Angelegenheit. Jeder kann nun eben\nnicht so solide Augen haben wie die Kunstwärter.\nAber unter einer Hodlerkopie von- Katharine\nSchaffner steht: „Traumhaft verschwommen, wie\nein Zug vermummter Gestalten und doch nicht\nGestalten, vor fahler Weite. Hier ist die Wirkung\numgekehrt, als bei den Erkünsteiern: Bei länge-\nrem Betrachten wäc h s t der Eindruck.\" Einer\nHodlerkopie. Das Bild, das giftgrüne, von Albert\nLamm blieb ohne jede Unterschrift. Denn es zeugt\nweder von Genie noch von Faulheit. Keine pa-\nriser Zeitschrift hat es je verhöhnt, und keine\ndeutsche von ihm Notiz genommen. Es stirbt an\nder Klarheit. Und bei längerem Betrachten wächst\ndie Eindruckslosigkeit. Sodaß man darunter\nschreiben möchte — Schiller! —:\n„Willst du nicht das Lämmlein hüten,\nLämmlein ist so fromm und sanft\"\nMöge ihm Herr Avenarius ein getreuer Hirte sein.\nDie Wacht an der Wupper\nIch muß zum dritten Maie das Mißfallen der\nBarmer Presse erregen. Dort gibt es nämlich einen\nMaler, der auf den Namen Fahrenkrog hört. Dort\ngibt es nämlich auch einen Kunstverein, der das\nVerdienst hat, Herrn Dr. Reiche mit seiner Lei-\ntung zu betrauen. Dr. Reiche hat sich um die\nwertvolle Kunst unserer Zeit mit großer Energie\nbemüht und verdient gemacht. Die Stadt Barmen\nhat durch ihn ein Museum erhalten, daß die Mu-\nseen weitaus größerer Städte an Kunstwert er-\nheblich überragt. Der Fahrenkrog fühlt sich\ndurch diese wertvolle Tätigkeit des Herrn\nDr. Reiche in seiner Malerei bedroht. Er klam-\nmert sich angstvoll an das Flugpapier des Herrn\nAlbert Lamm, hüpft vor Aufregung bei dieser\nFliegerei hin und her, und faßt endlich Fuß, indem\ner einen offenen Brief an den Barmer Kunstverein\nsendet. Der General-Anzeiger für Elberfeld-\nBarmen leistet ihm Pilotendienste. Der Fahren-\nkrog macht also eine Eingabe „im Interesse der\nStadt, der Kunst, im besonderen der Deutschen\nKunst\". Auch der Barmer Kunstverein hat ein\nVerdienst, nämlich, Herrn Dr. Reiche trotz allen\nSchreiern und Schreibern zu halten. Der Fahren-\nkrog vermißt die Harmonie und die Erhebung in\nder Ruhmeshalle, dem Barmer Museum, er fürch-\ntet die Verwilderung des Geschmacks. Er tritt\nfür die nationale Kunst ein, worunter noch jeder\nKitscher seine eigenen Oelwerke verstand. Er\nhält den harmlosen Fritz Stahl für einen wüsten\nRevolutionär und beruft sich auf ihn, daß sogar"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.3", "texte": "dieser Ehrenmann in der „Arena\" offenbar eine.\nZirkusposse gegen die Ausländerei, geschrieben\nhat. Er is* besonders wütend auf die „Russen\",\noder wie er sie früher nannte, die Pollacken, wo-\nrunter er die Maler Jawlensky und Kandinsky ver-\nsteht, den er übrigens wahrhaft russisch Candintz-\nky schreibt. Als Sachverständigen für die Richtig-\nkeit semer Ansicht beruft er sich auf die bekannte\nZeH. Er hofft es noch zu erleben, daß er die Werke\n„der Freunde des Herrn Dr. Reiche\" im Keller der\nRuhmeshalle wiedersieht, während in der Beletage\ndann hoffentlich seine eigenen schönen Künste\nhängen werden. Auch einen Verein für deutsche\nKunst will er gründen. Ich kann den Pollacken,\nHerrn Dr. Reiche und mir gar keine größere\nFreude wünschen. Der Humor der Herren Ave-\nnarius und Genossen bedarf dringend diese Auf-\nfrischung. Sehr deutsch scheint es mir aber nicht\nzu sein, daß der Fahrenkrog der Generalversamm-\nlung des Barmer Kunstvereins nicht beiwohnte,\nder er seine Eingabe gegen die Pollacken unter-\nbreitete. Er war nämlich verhindert. Nun ist es\nfraglos, daß der Mensch verhindert sein kann.\nWenn es sich aber um das Interesse der Stadt, der\nKunst, und im besonderen der Deutschen Kunst\nhandelt, sollte man sich lieber nicht verhindern\nlassen. Sich nachträglich „Auge in Auge zur Ver-\nfügung zu stellen\", wirkt mehr wie ausreißen als\nwie Zahn um Zahn. Der Barmer Kunstverein\nwehrte sich gegen die Anreißerei des Herr Fahren-\nkrog sehr geschickt. Er veröffentlichte nämlich die\nEingabe. Die Anträge lauteten „erstens, die Dinger\nder Pollacken aus der Vereinsgallerie zu entfer-\nnen, zweitens der erste und der zweite Vorsitzende\nmögen ihre Plätze wechseln, drittens man „möge\nden Vorstand ergänzen durch künstlerisch ge-\nschulte Leute.\" Wenn einer eine Reise tut, dann\nkann er viel erzählen. Man begreift, daß ein Rei-\nsender gern einen Platzwechsel wünscht. Aber\ndie Chefs sind nicht immer bereit. Und ein Brief\nist nie so wirksam, wie eine mündliche Offerte. In\ndiesem Brief werden die Anträge begründet. Den\nPollacken geht es sehr schlecht. Sie sollen nur\nein wenig Farbgeschmack haben, wie ihn eine\nPutzmacherin auch hat. Statt dessen wird Herr\nW. von Kaulbach empfohlen. Ebenso warm em-\npfohlen die Schrift des Herrn Albert Lamm. Mit\ntödlicher Sicherheit hält der Fahrenkrog einen ein-\nzigen Münchener für begabt, der nun wirklich ta-\nlentlos ist: Herrn Erbslöh. Dafür ist er aber Deut-\nscher. Auf diese Art übergibt sich Herr Fahren-\nkrog immer weiter und bedauert nur, sogar „auf-\nrichtig, diesmal nicht persönlich dasein zu können\".\nUnd so fiel der Fahrenkrog mit s'einen Eingaben\ndurch. Barmen ist verloren, die Kunst, im beson-\nderen die deutsche Kunst nahm schon längst von\nHerrn Fahrenkrog Abschied, nun sitzt er an den\nWassern der Wupper, über ihm rauscht die Schwe-\nbahn, noch ist Polen nicht verloren. Nur sein\nLamm trauert einsam an seiner nationalen Seite.\n*\n... ist es Mühe und Arbeit gewesen\nLovis Corinth zeigte sein Lebenswerk in der\nSezession. Die Herren der Sezession werfen den\nKünstlern, die nicht ihre Mitglieder sind und sein\nwollen, gern ihre Literatur vor. Was nicht hin-\ndert, daß die Sezessionisten selber auch gern\neinmal schreiben. Deshalb hat den Katalog der\nCorinth-Ausstellung Professor Max Liebermann\nmit einem Vorwort geschmückt, und Corinth sich\nschriftstellerisch selbst gezeichnet. Liebermann\nbeginnt höchst poetisch: „Wie der Vogel Phönix\naus der Asche, bis du aus langer Krankheit neu-\ngekräftigt hervorgegangen . . .\" Dann bemerkt\ner weiter: „Handwerk hat goldenen Boden, gilt\nauch für die Kunst. Man merkt es den Bildern\nCorinths an, daß es ihm Freude gemacht hat, sie\nzu malen.\" Das Malen dürfte wohl allen Malern\nselbst Freude machen. Daß aber Corinth „einer\nder ernsthaftesten Maler Deutschlandsist\", hat er\nnach Liebermann seinem zähen ostpreußischen\nCharakter zu verdanken. Er stand nämlich vor\neiner Gefahr, da „gerade bei der Darstellung des\nmenschlichen Körpers das Wissen und Können\nzur akademischen Oberflächlichkeit verleitet, zum\nAus-dem-Handgelenk malen\". Ich finde, daß ihn\nder zähe ostpreußische Charakter vor seinem\nWissen und Können nicht genug geschätzt hat.\nLiebermann bescheinigt Corinth ferner noch die\ngesunde Sinnlichkeit und wendet sich gegen die\nLeuce, die „jedes Jahr einen anderen Künstler\nentdecken, den sie der Gegenwartskunst als All-\nheilmittel anpreisen\". Corinth liegt eben zu sehr\nan der Oberfläche, an der akademischen Ober-\nfläche, als daß man ihn erst entdecken müßte,\niiier diu wird noch als Heilmittel und Lehrmeiste-\nrn die Natur empfohlen, die daran schon gewohnt\nist. Und nachdem Liebermann seine Vorrederei\nhöchst majestätisch begann: „dir, Lovis Corinth,\nkollegialen Gruß zuvor\", schließt er gut bürger-\nlich. „Prosit Corinth! . Womit die Bierrede und\nder Stammtisch durchaus im Sinne der Lehr-\nmeisterin Natur gezeichnet ist.\nCorinth selbst bemerkt über seine Malerei:\n„ich sehe deutlich eine Aenderung meines Vor-\ntrages, ein größeres Betonen der Formen, und bei\nmanchen Bildern erinnere ich mich sogar noch an\ndie Mühe, die ich mir gegeben hatte, möglichst\nalles auszuführen, da mir manche Kritiker, von\ndenen ich etwas hielt, eine saloppe leichtsinnige\nPinselführung vorgeworfen haben, und dennoch:\nübei blicke ich das Ganze, so scheint es mir doch\nwie aus einem Guß —Schön gezacket ist der\nBruch. Hierauf setzt sich Corinth mit den „Mo-\ndernen\" auseinander: „Wenn heute eine Strö-\nmung durchgebrochen ist, die mir und vielen an-\nderen unverständlich sein muß, kann ich nicht,\num modern zu bleiben, meine Ueberzeugung um-\nändern, nur um eine Bezeichnung zu verdienen,\nvon der es mir noch immer fragwürdig erscheint,\nob sie erstrebenswert ist.\" Er soll sich nur nicht\nin eine Strömung werfen, die ihn fortreißt. Und\nschon gar nicht gegen eine Strömung. Denn das\nist noch gefährlicher. Er bescheinigt sich ferner:\n„Fleiß und Mühe, Arbeit und Anstrengung darf ich\nfür mich in Anspruch nehmen.\" Das, aber nur\ndas wird ihm auch die ganze sogenannte „Mo-\nderne\" bescheinigen. Zum Schluß dieser nicht\nüblen Nachrede beruft sich Corinth auf den „Vers\neines großen Lateiners (Quidquid agis...)\" und\nauf den „guten alten Fritz Reuter\".\nMan sehe sich das Bild Paradies von Lovis\nCorinth an und jeder wird überzeugt sein, daß\ndiesei Maler nie eine verbotene Frucht genossen\nhat.\nDie kunstfeindliche Sperlingsschar\nDer Verein Villa Romana verteilt Preise, die\nin einem einjährigen Aufenthalt zu Florenz nebst\neiner Geldbeihilfe bestehen. Die Künstler bewoh-\nnen die Villa Romana. Der Vorstand macht be-\nkannt: „Durch Aufnahme verheirateter Künstler\nmit zahlreicher Familie hat sich in den beiden\nletzten Jahren Raummangel fühlbar ge-\nmacht, der für die ruhige Tätig k e i t der\nKünstler unvorteilhaft war. Wir müssen\ndaher diesem Umstand in Zukunft mehr Rechnung\ntragen, bis durch die geplanten Umbauten weite-\nrer Raum geschaffen ist.\"\nDie verehrlichen Künstler werden gebeten, den\nUmständen bis zur Fertigstellung des Umbaues\nmehr Rechnung zu tragen. Sie mögen ihre Kin-\nder, ihre .ungeborenen, der ruhigen Tätigkeit\nopfern. Oder noch besser: ihre ruhige Kunst den\nKindern.\nImmer noch mehr Goethe\nHerr Hofrat Paul Schienther begeistert sich,\nmit Recht, für Lia Rosen. Recht kitschig zwar,\ndafür liebt er aber Goethe. Er schwelgt in Er-\ninnerung seiner glanzlosen Direktorenzeit am\nBurgtheater, wo er sich den Luxus „eines selte-\nnen, aber selten zu brauchenden Genies\" leisten\nkonnte. Genies sind leider immer selten zu\nbrauchen. Herr Hofrat Schienther muß daher\nhäufig nicht so seltene Genies, etwa von der Ge-\nnialität des Otto Ernst, mit seiner Anerkennung\nbelasten. Er hat aber auch Lia Rosen zu Goethe\nerzogen. „Sie war schon in Berlin gewesen. Sie\nhatte von der Modernität genippt, ihres Dehme!\nvoll. Sie erschien hyperneurasthenisch und unter-\nbrach den Vortrag immer fort durch hysterisches\nWeinen. Man mußte das Kind schelten.\" Die\nSchelte hat geholfen, denn: „Nun ist sie reif ge-\nworden wie eine Südfrucht\". Ha, die Zitrone:\n„Zu Goethe bekehrt, eilet sie den alten Göt-\ntern zu\". Zitronen sind sehr gesund: „und wenn\nauch nicht größer, so ist sie doch gesund, kern-\ngesund geworden\". Daher der Zitrone Kern: „Sie\nbraucht sich den Reimlosen, ich will nicht gerade\nsagen: ungereimten Poeten von gestern oder mor-\ngen nicht ganz zu entziehen, aber es ist doch gut,\ndaß etwas anderes aus ihr geworden ist, als die\nMuse der Hysterie und der Neurasthenie.\" Deh-\nmel als Hysteriker! Goethe erhalte uns den dicken\nSchienther dafür kerngesund. Mehr kann auch Er\nvon Vorkost nicht verlangen. Schiller zog zum\nDichten bekanntlich faules Obst vor. Herr Hofrat\nSchienther liebt hingegen die ff. Südfrüchte. Nach\nLöwenbräu besonders zu empfehlen.\nNoch immer mehr Goethe\n„Während meiner zwölf Jahre war ich an ver-\nschiedenen künstlerischen Stammtischen viel mit\nihm zusammen.\" Nämlich Herr Hofrat Schienther mit\ndem verstorbenen Literaturhistoriker Jacob Minor.\nDieser Herr hat das Verdienst, mit einer Schiller-\nBiographie nicht fertig geworden zu sein und über\nGoethes ersten Faust „ein dickes Buch geschrie-\nben zu haben\". Herr Minor paßte zu Goethe wie\nseine Faust auf ein dickes Buch. Eine Theater-\ngeberde. Denn eigentlich wollte er Schauspieler\nwerden, aber ein Gehörsleiden zwang ihn, „diesen\nLieblingsplan aufzugeben\". Er mußte also Litera-\nturhistoriker werden. In diesem einzig übrigblei-\nbenden Beruf hat er nicht nur für Goethe und\nSchiller Propaganda gemacht, ganz andere Dinge\nhat ihm Herr Hofrat Schienther noch zu danken:\n„Als treuer Wiener blieb er auch vor Grillparzer\nverweilend stehen\". Grillparzer starb, aber das\nhinderte den Literarhistoriker nicht, verweilend\nstehen zu bleiben. Aber nicht nur für Goethe\nund Schiller u n d Grillparzer hat er Propaganda\ngemacht: „Auch für Ferdinand von Saar suchte\ner in norddeutschen Leserkreisen Interesse zu\nwecken\". Und damit noch nicht genug: „Und am\nBurgtheater hing er bis zuletzt, nicht bloß mit\nleidenschaftlicher Liebe, sondern auch mit der\nfesten Ueberzeugung, daß diese Bühne nie aufge-\nhört hat, die erste der Welt zu sein\". Bei Grill-\nparzer stand er und am Burgtheater hing er. Das\nging Herrn Hofrat Schienther natürlich besonders\nzu Herzen. Denn dieser Literarhistoriker war\nwohl der Einzige, der neben Herrn Schienther.\ndem Direktor, diese feste Ueberzeugung teilte.\nKarl Kraus teilte sie nicht. Und deshalb bemerkt\nHerr Hofrat Schienther: „Nie ist es Minor eingefal-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.4", "texte": "len, nach Art anderer W-ietic r das Gute und\nUnvergleichliche, das seine Vaterstadt noch immer\nbesitzt, vor ganz Europa in den Staub zu ziehen.\"\nHerr Hofrat Schienther liebt es, das Schwarze\nzu bestrahlen. Aber das hilft alles nichts: Wien\nbleibt Wien. Und Schienther Minor.\nEmpfohlenes Buch\n„Anläßlich\" des Regierungsjubiläums gibt ein\nBerliner Verlag ein Prachtalbum heraus: Der\nDeutsche Kaiser im Film. Schon die Inhaltsangabe\nveranlaßt mich, diese Pracht den Lesern ange-\nlegentlich, sogar warm zu empfehlen: „Heil\nKaiser Dir, Gedicht von Eugen Stangen, zu einem\nvierstimmigen Männerchor vertont von Hofkapell-\nmeister Johannes Döbber. Merkworte und Sen-\ntenzen mit Autogra mm e n von Fritz En-\ngel, Hanns Heinz Ewers, Alfred 11 o 1 z -\nbock, Geheim rat Lautenburg, Leo\nLeipziger, Sigmar Mehring, Rudolf\nPresber, Felix Saiten. Julius Stet-\nten he i m und Fedor von Zobeltitz. Da-\nzu noch literarische Beiträge von dem Sportredak-\nteur des Berliner Tageblatts, zwei Direktoren und\nNanny Lutze. Alles zusammen für sechs\nMark.\nDer Frackkunstkritiker\nHerr Dr. Felix Poppenberg, Mitarbeiter der\ndurchaus vornehmen und überaus litterarischen\nNeuen Rundschau und Kunstkritiker von total an-\ngesehenen Tageszeitungen, dichtet jetzt nicht nur\nKritiken für die Schneiderfirma Hermann Hoff-\nmann, nein, er dichtet, wie der Dämoniker Hanns\nHeinz EwTers, Mitarbeiter am Buche der Deutsche\nKaiser im Film, auch für die Herrenfirma Edm.\nWünsch. Mit sehr vornehmen Frackzeichnungen\nvon unsere m lustigen Leonard. Die B. Z. am\nMittag erweckt durch die Plazierung dieses\nfrackkunstkritischen Essays den Eindruck, als ob\nes sich um bezahlte Reklame handle. Herr Dr.\nPoppenberg fühlt sich kunstkritisch so gedrängt,\nsich über den Frack zu äußern, daß er statt der\nScheine den Schein mit in den Kauf nimmt. Ihn\nzwingt sein Gott, gratis zu sagen, was er unter\nder unkorrekten Herrenkleidung leidet. Und mit\nwelcher farbigen Poesie umgibt Herr Dr. Poppen-\nberg die schwarze Konfektion. „Der Frack ist eine\nAbendschönheit, ein graziöser dunkler Nachtfalter\nin der zärtlichen claire de la lune, oder lieber noch\ndas künstliche Licht suchend, das auf ihn aus\njuponverhüllten elektrischen Lampen herabrieselt.\"\nNun weiß man endlich, wozu jetzt die abgelegten\nJupons benutzt werden. Sie rieseln herab. Der\nFrack verläßt Madame la lune, die juponlose.\n„Die Linie von der Achselhöhle verläuft sichtbar\npointiert in die Taille hinein. Hier sitzt der\nLebensnerv des Frackes, hier liegen die starken\nWurzeln seiner Kraft.\" Unter der Achselhöhle\nläßt sich die Wurzel vielleicht noch halten. Aber\ndie Wurzel auf der Taille scheint mir für den\nLebensnerv des Frackes doch nicht tief genug zu\nsein. Dafür wird Herr Dr. Poppenberg desto tie-\nfer: „Und auch in den leidenschaftlichen Momen-\nten bleibt er der ruhende Pol in der Erscheinun-\ngen Flucht\" (Schiller!). Denn „das ist die Tugend\ndes gutsitzenden Frackes in allen Lebenslagen.\"\nUnd dann „nie darf er weg sc hw i m m e n , ihm\nsteht keine vogelfrei flatternde Sonderexistenz\nzu.\" Also nicht Fisch noch Fleisch darf er sein.\nWorin hat der Frack seine Schönheit? „Der\nFrack hat seine Schönheit in sich.\" Nun wird der\nKunstkritiker ganz Kunst. „Der Abendanzug hat\nseine farblichen Reize. Sie stammen aber nicht\naus dem bunteren Bereich von Aquarell- und Oel-\nbild, sondern aus der tonigen Sphäre der Gra-\nphik'.\" Bezugsquelle: Edm. Wünsch. Aber „der\nwirklich gut angezogene Mann denkt beim An-\nziehen auch an das Ausziehen. Auch seine Des-\nsous werden den Einklang wahren.\" Bezugs-\nquelle Edm. Wünsch. Und nun erhebt sich Herr\nDr. Poppenberg bei den Dessous vom Kunstkri-\ntiker zum Dichter: „Wenn er sehr kokett (man\nachte auf das fehlende ist, höchster Lyrismus),\nträgt er dann („dann\") am Ende unter dem stren-\ngen Dreß seidene Kniehosen (am Ende?) und\nlange Seidenstrümpfe und gewiß („gewiß\") ein\nHemd, das vorn ganz offen. (Achtung: ist fehlt.)\nOhne das grotesk-verzweifelt-herumangelnde\nStrecken der Arme zum Himmel kann man es ab-\ngleiten lassen, und es bleibt, — weiß hinter uns\nim wesenlosen Scheine . . .\"\nWeiße, wesenlose Scheine?\n\nH. W.\n\nFür Kandinsky\nProtest\nSiebe Nummer 150/151\nDie Unterzeichneten erlieben hierdurch gegen\ndie Beschimpfung des Künstlers Kandinsky im\n„Hamburger Fremdenblatt\", vom 15. Februar, den\nallerschärfsten Protest und sprechen dem Belei-\ndigten ihre Sympathie aus:\nEgon Adler, München\nArthur Babillotte, Leipzig\nAdolphe Basier, Paris\nBongard, Paris\nBlaise Cendrars, Directeur de Hommes Nou-\nveaux, Paris\nS. Delaunay-Terck, Paris\nDr. Fritz Bahrmann, Jena\nIi Hayden, Paris\nOHvier Wourcade, Paris\nJean Jacques, Berlin\nB. J. Kerkhof, Qennep-Holland\nAlfred Loeb, Paris\nMaurice Princet, Paris\nCurt Seidel, Turin\nAlexandre Smirnov, Professor an der Univer-\nsität St. Petersburg\nOskar Stein, München\nJ. Stern, Paris\nErich Wichmann\nGuillaume Apoltinaire\nIch habe oft die Werke Kandinskys bei Ge-\nlegenheit Ihrer Ausstellung in Paris besprochen.\nIch benutze gern die Gelegenheit, meine ganze\nHochachtung für einen Künstler auszusprechen,\ndessen Kunst mir eben so ernst wie bedeutend zu\nsein scheint.\nDr. Fritz Bürger / Privatdozent zu München\nIch gebe Ihnen gern zur Veröffentlchung zur\nKenntnis, daß eine solche „Kritik\" nur eine dreiste\nund dumme Beschimpfung von Seiten des Unver-\nstandes ist, der eben dort, wo er die Grenze sei-\nner angelernten Schulweisheit sieht, zu solchen\nMitteln greift, um den eigenen Rückzug zu mas-\nkieren. Man kann ehrlich bekennen, daß man\nKandinskys Schäffen für verfehlt hält, aber aas\nWesen jeder Kritik besteht darin, daß man sich\nin der Welt oder auf dem Boden desjenigen be-\nwegt, der kritisiert werden soll, um innerhalb sei-\nner Ideen zuzustimmen, oder zu verurteilen. Das\nmag im vorliegenden Fall schwer sein, enthebt\naber die Kritik nicht von dieser selbstverständ-\nlichen Verpflichtung.\nLothar von Kunowski\nr s t K a u d i n s k y auf Abwegen ?\nSicher nicht. Cr untersucht die Bildwirkung,\nohne Gegenstandsvorstellung. zu geben.\nDazu bemerke ich: Man schneide aus einem\ngroßen Bogen Packpapier größere und kleinere\nVierecke und lege das Papier mit den Ausschnitten\nauf bekannte Bilder. Man wird dann leicht Stel-\nlen aus den Bildern ausschneiden können, die gar\nkeinen erkennbaren Gegenstand zeigen.\nErweisen sich diese Ausschnitte als anregend,\nwertvoll und interessant im Sinne Kandinskys, dann\nist das Bild von Wert. Zeigt es in solchen Aus-\nschnitten beliebiger Stellen Seife, Oel oder Schmutz\nstatt Handschrift und Farbe, dann stecke man es\nmit gutem Gewissen in den Ofen.\nDas ist meine Stellungnahme zu Kandinsky.\nProfessor Dr. Theodor Volbehr / Kaiser-Friedrich-\nMuseum der Stadt Magdeburg\nMir selbst ist Kandinsky in seiner Theorie und\nin seiner Praxis außerordentlich interessant, ich\nhabe in verschiedenen Vorträgen dieses Winters\nihn zu würdigen versucht.\n\nDie Schwermut des\nGenießers\nEin Roman\nVon Arthur Babillotte\nAls ihm zum erstenmal die Augen für die Bunt-\nheit der Landschaften aufgegangen waren, hatte\ner das Gefühl, in einen tiefen Schacht zu stürzen\nund endlich in einer Blumenwildnis anzulangen,\nüber und über von Düften bedeckt. Er war ein\nKnabe von zehn Jahren, Seine Lehrer wunderten\nsicli über die Teilnahmlosigkeit, in der er den\nSchönheiten der Natur gegenüber verharrte, und\nkonnten nicht begreifen, daß ein Mensch bis in\nsein zehntes Lebensjahr keinen Sinn für das, was\num ihn her wuchs und grünte und gedieh, be-\nsitzen sollte. Sie waren geneigt, ihn für beschränkt\nzu halten, und rieten seinem Vater, ihn nicht stu-\ndieren zu lassen, sondern ihn in der Bewirtschaf-\ntung des großen Gutes, das einmal sein Eigentum\nwurde, tüchtig zu machen. Eines Tages aber trat\nseine glühende Liebe zur Landschaft hervor. An\neinem Morgen stand er auf der Freitreppe des\nväterlichen Gutes und blickte die lange gerade\nPappelallee hinab, deren Ende ganz hinten in den\nHimmel zu laufen schien. Er ahnte nichts, sondern\nblickte ganz teilnahmlos in den grauenden Tag und\nhielt seine Gedanken ganz in sein Inneres ver-\nsenkt. Die Sonne ging auf und brannte ihm in das\nGesicht und erweckte seine Liebe. Er stand wie\nein Geblendeter und stieß einen leisen Schrei aus,\ner meinte, plötzlich wesenlos geworden zu sein,\nund fühlte doch bis zum Schmerz den Fall seines\nKörpers in einen tiefen Schacht; er meinte, die\nKraft seiner Lungen verloren zu haben und atmete\ndoch den Duft der tausend und tausend Blumen.\nEr hatte eine Vision, durch die er zum Leben er-\nweckt und auf die Bahn gelenkt wurde, die ihm be-\nstimmt war. Der Heraufstieg der Sonne am Ende\nder Allee, den er seltsamerweise noch nie be-\nobachtet hatte, wrurde ihm zu Musik, zu einer Mu-\nsik. so strahlend, daß sie ihn im ersten Augenblick\nblendete, dann aber das Licht seiner Bestimmung\nin ihm entzündete. Es war ein Mysterium, das er\nin seiner Jugendlichkeit noch nicht begriff, das er\naber gläubig hinnahm als die Gnade einer Macht,\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.5", "texte": "August Macke\nLinoleumschnitt\n\ndie er später in dem Begriff Künstlertum erkannte\nund verehrte.\nVon diesem Tage an war er der Musik ver-\nfallen. Ein Tönen hob in ihm an wirr und mystisch\nnoch, aber in seiner Stärke und Beharrlichkeit er-\nkennen lassend, daß es nie mehr schweigen werde.\nNun war ihm der Weg gewiesen. Die Lehrer, die\nihn für beschränkt gehalten hatten, schüttelten die\nKöpfe und konnten nicht verstehen, daß ein Mensch,\nder bis dahin auch nicht das geringste Interesse\nfür Musik bekundet hatte, plötzlich so tönereich\nsein sollte. Sie sprachen mit dem Vater darüber\nund gaben zu erkennen, daß sie das Ganze für eine\nSelbsttäuschung des Knaben hielten. Der Vater\nwar vorsichtig und beobachtete seinen Sohn. Er\nnahm eine auffallende Beweglichkeit an ihm wahr:\nhatte er vorher stets still und in sich gekehrt dage-\nsessen, war er selten zu bewegen gewesen, sich\nin dem großen Garten, der hinten an das Herr-\nschaftshaus stieß, zu tummeln, so bereitete es ihm\njetzt Schmerzen, den Garten verlassen zu müssen.\nEinmal sagte er zum Vater:\nIch horche in jede Blume und in jeden Busch;\num ihre Musik zu vernehmen, mußt du wissen.\nDer Vater verstand ihn nicht; und die Mutter\nlebte nicht mehr. Sie hätte ihn wohl verstanden,\ndenn sie war eine zarte Frau voller Musik gewe-\nsen. Sie hatte sich an stillen blauen Abenden an\nihren Flügel, der in einem großen, nach schlichter\nVergangenheit duftenden Saale stand, gesetzt und\nin Tönen gedichtet, weil sie nicht in Worten zu\ndichten vermochte.\nAls der kleine Johannes im Hause seines Vaters\nkeinen Menschen fand, der das Tönen seiner Seele\nverstand, flüchtete er sich zu der Mutter und\nzwang sie kraft seiner schöpferischen Phantasie,\ndie zugleich mit der Musik in ihm erwacht war, an\njedem stillen blauen Abend aus dem Grabe zu\nsteigen und sich an den alten Flügel zu setzen und\nihn mit Tönen zu liebkosen. Er sah sie in ihrem\nschwarzen, straffen Kleide durch die großen Zim-\nmer wandeln, sah, immer ehrerbietig hinter ihr\nherschreitend, wie sie hier eine Stutzuhr, dort die\nLehne eines behaglichen alten Ledersessels, dort\nein wundervolles Album auf einem der massiven\nTische streichelte, und lebte ihre wehmütigen Ge-\ndanken in seinen Kindergedanken mit.\nSobald sie aber in den Musiksaal kamen,\nstreifte er seine ehrfürchtige Zurückhaltung ab und\nbegann wie ein gutes Kind, für das Behagen\nseiner Mutter zu sorgen. Er eilte zu den Fenstern\nund öffnete sie weit und freute sich, wenn er die\nhereinströmende weiche Luft des blauen Abends\nüber sich hinstreichen fühlte. Er öffnete den\nschweren Ebjenholzdeckel ees alten Instruments\nund setzte den Drehstuhl zurecht; dann ging er zu\nseiner Mutter hin, die an einem der Fenster ge-\nstanden und den Reichtum des Abends getrunken\nhatte, nahm ihre schmale weiße Hand in seine\nKnabenfinger und führte die zarte Frau mit dem\nblassen Duldergesicht durch den großen Saal, Ihre\nSchritte erstarben in den dunkeln Teppichen; der\nKnabe hatte das Gefühl, sie schwebten beide durch\nden freien Raum. Bevor sich die Frau vor dem\nFlügel niederließ, küßte ihr der Knabe die reichen\nHände und dankte ihnen für den Genuß, den sie ihm\nbereiten wollten. Denn er wußte, daß nach der\ngroßen Aufregung des Spiels die Mutter sich in\nDunst auflösen und ihn allein in der Undurch-\ndringlichkeit der Nacht zurücklassen würde. Es\nerhob sich eine seltsame Unruhe in ihm, wenn er\nsah, wie sich die Mutter langsam über die Tasten\nneigte und mit den großen, in unheilbarer Krank-\nheit strahlenden Augen über sie hinglitt. Der Knabe\nmußte unaufhörlich diese wunderbaren tiefen Au-\ngen anblicken. Er stand ganz unbeweglich neben\ndem Flügel und stützte sich mit dem rechten Arm\ndarauf, während sein linker in der schwer zurück-\ngehaltenen Erregung leise zuckte. Er stand ganz\nunbeweglich, obwohl eine kaum zu dämmende Un-\nruhe in ihm flutete. Er trank mit seinen klaren\nKnabenaugen die Augen der zarten, blassen Frau.\nJeder Gedanke an das Unwirkliche dieser Vor-\ngänge war aus seiner Empfindung ausgeschaltet.\nSeine Phantasie schuf dieses Bild der in Tönen\ndichtenden Mutter, er glaubte an die Erschaffung;\nund so ward sie für ihn Wirklichkeit.\nWenn dann die blasse Frau anhob, zu spielen,\nkam das leise Sausen tiefer Wälder in das Zimmer\nherein. Dem Knaben schien es, als wehe alles\nKlagen und Schluchzen, das je aus Menschenher-\nzen stieg, durch die weitoffenen Fenster und ver-\nwandele sich in ein gedämpftes Jauchzen, das in\nbreiten Strömen hinausfloß in den blauen schwei-\ngenden Abend und über die ganze in Schauern\nempfangende Erde. Selbst der Himmel, der wie\neine umgekehrte Schale den Abend überdeckte,\nklaffte auseinander wie der Schoß eines empfan-\ngenden Weibes und nahm das gedämpfte Jauchzen\nin sich auf. Und der Knabe erkannte in Verzückung\nsein Zerfließen in das All. Er empfand mit einer\nunsäglichen Wollust, wie sich sein ganzes Wesen\nauflöste, auseinanderströmte, den großen, dämme-\nrigen Saal erfüllte, die Wände niederlegte, über\nGarten und Fluren und Wälder rieselte, alle\nschweigende Feierlichkeit der blauen Stunde in\nsieht einsaugte, endlich an das Meer gelangte und\nsich in den Wassern der grünen Unendlichkeit ba-\ndete, versank und selbst unendlich wurde. Er\nlernte an diesen schwermütig-verzückten Aben-\nden, die ihm wie Opferfeierlichkeiten vor der All-\nmacht eines Unendlichen erschienen, den Reichtum\nseiner Seele kennen. Er stieg in sich selbst, in\nsein noch kindhaftes Wesen hinab wie in einen\ntiefen Brunnen und holte die Schätze, die da ver-\nborgen lagen, zum Licht herauf. Auf diesen Schät-\nzen, noch formlos und unverarbeitet, gestaltete er\ndie Welt seiner Verzückung. Aus dem Gold seiner\nunermeßlichen Ahnungen goß er den schimmern-\nden Palast der Unendlichkeit; die Perlen seines\nstarken, fröhlichen Glaubens an das Mysterium\ndes Sonnenaufgangs spannte er als schwere uir-\nlanden von Säule zu Säule seines Palastes und\nschmückte so die Schönheit der toten Wesen, weil\ner noch keine lebendige Schönheit zu schmiictven\nhatte. Und inmitten dieses schimmernden, perlen-\nbekränzten Palastes stand er und streckte seine\nhalbgeöffneten Hände aus, wie Schalen, die eines\nreicnen, köstlichen Inhalts harren. Es war für ihn\neine unaussprechliche Beseligung, daß er glauben\ndurfte. Er wollte nur glauben, nur allen Reichtum,\nder zu ihm kam, aufnehmen ohne Fragen und For-\nschen. Er gab sich ganz seiner Verzückung hin,\nund in seinem tiefsten Innern tönte wie eine\nlächelnde Melodie das Bewußtsein, daß alle diese\nSeligkeit von der zarten, blassen Frau ausging,\ndie seine Mutter war, und daß alle diese Seligkeit,\nbeschwert mit der reichen Freude des Knaben, als\ndoppelter Segen zu ihr zurückkehrte. Das ver-\nmehrte seine Verzückung und machte ihn dankbar;\ndankbar der Mutter und sich selbst, weil sie sich\nso zu einem einzigen Wesen vereinigten und sich\nwechselseitig ihre Seligkeiten schenkten, ohne arm\nwerden zu können.\nDie zarte Frau mit dem blassen Duldergesicht\nspielte wie eine Heilige. Ihre großen, kranken Au-\ngen hingen an der Decke, die in der Dämmerung\nzerfloß; ihre Hände schwebten über die Tasten,\nfortwährend in einer aristokratisch ruhigen Bewe-\ngung begriffen, die Töne hinhauchend. Der Knabe\nsah die Feinheit dieser schwebenden Hände,\nohne sie anzusehen; er blickte nur zu den\nAugen der Mutter hin und empfing aus diesem\nwonnigen Anschauen das ganze Wesen der Künst-\nlerin, das weiche Lächeln ihres blassen Mundes,\ndas ruhige Atmen ihres Busens, das vornehme\nGleiten ihrer schmalen Hände; die ganze über-\nirdische Verklärung ihres Leibes und ihrer Seele.\nEr lebte nur in ihr und empfand ihre tiefe Künst-\nlerschaft.\nDurch die Fenster kam der blaue Abend näher\nund näher; das weiche Blau wurde tiefer und\n112\nhärter; die Fensterhöhlen waren wie seltsame\nAugen, die sich langsam verfinstern. Sobald der\nKnabe aber nicht mehr an den verklärten Augen\nder Mutter hing, trafen seine Blicke die dunkeln-\nden Flächen, die die Fensterrahmen aus dem Him-\nmel schnitten. Eine Reihe von Bildern zog in ihm\nherauf und blitzschnell an seiner Seele vorüber.\nDie erhabene Starrheit der Bäume, die der Allee\nentlang standen, die Sonne, die hinter dem Hause\nlag und träg den Horizont hinabschlich, das letzte\nverschlafene Schluchzen und Jubeln der kleinen\nVögel in den Bäumen des Gartens, die ferne\nStimme eines Knechtes, der die Herden eintrieb —:\ndiese Farben und Töne wurden von den dunkeln-\nden Fenstern an der Seele des Knaben vorüber-\ngezaubert. Er wurde unsicher und wagte doch\nnicht, schon an ein Ende der Opferfeierlichkeit vor\ndem Unendlichen zu glauben. Er begann zu zit-\ntern, wie der Kranke, der sich langsam aus einer\nschweren Ohnmacht aufrichtet; eine unsägliche\nAngst preßte ihm das Herz zusammen, die Angst\nvor einem großen Verluste. Sobald aber diese\nAngst eintrat, war es zu spät: dann hielten plötz-\nlich die schmalen Finger der blassen Frau in ihrem\naristokratischen Gleiten ein, die Lider sanken wie\nschwere Gitter über die strahlenden Augen und\nlöschten sie aus. Und der Knabe stand neben dem\nFlügel und fühlte jede matter werdende Bewegung\nder Mutter wie einen scharfen körperlichen\nSchmerz. Er wollte laut rufen: Bleib noch bei\nmir, Mutter, spiele noch deine schwermütigen Me-\nlodien —, aber er vermochte es nicht. Ein Wür-\ngen stand ihm am Hals und gab ihm die Stimme\nnicht frei. Er war machtlos, die Buntheit seiner\nPhantasie begann zu erblassen, die einzelnen Far-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.6", "texte": "ben schwammen ineinander über und wurden\ntrüb; das Tönen, das ihn wie ein undurchdring-\nliches Netz umsponnen hatte, da er das Bild seiner\nMutter am Flügel schuf, löste sich, und endlich\nfielen die Maschen ganz von ihm ab —. Ein Nebel\nsank über ihn; die dunkelblauen Fensterhöhlen\nerloschen in dichter Nacht . . . Der Knabe litt\nin diesen Augenblicken so empfindlich, daß er die\nNacht, die um ihn her war, wie die Berührung\nfeuchter Finger auf seinem Gesicht fühlte. Ein\nQrauen schüttelte ihn und warf ihn auf die Knie.\nSo lag er, den Kopf an das Ebenholz des Flügels\ngepreßt, voller Angst vor der tönelosen Nacht und\ndoch unfähig, ihr zu entfliehen. Dies waren die\nStunden, in denen er für die höchste Seligkeit, die\nihm die blaue Stunde gewährt, büßen mußte.\nWenn die Nacht den großen Musiksaal völlig\nin Besitz genommen hatte, schien es, als wäre der\nReichtum, der an den Wänden, auf Tischen und\nTischchen, an der Decke und auf dem Fußboden\nin vornehmer Linienreinheit ausgebreitet war,\nplötzlich verblaßt und wertlos geworden. Die\nNacht hatte den strahlenden Reichtum in matte\nArmut verwandelt. Und vor dieser Armut, die er\nfühlte, entsetzte sich der Knabe. Er liebte den\nmusikalischen Rhythmus der kostbaren Gemälde,\ndie erlesenen Motive orientalischer Teppiche, die\nschlanke Schlichtheit altertümlicher Stutzuhren,\ndas Gleißen großer Kronleuchter. Er liebte die\naristokratische Linie und den vornehmen Reich-\ntum in allen Dingen, die ihn umgaben.\n... Er war allein mit seiner Seltsamkeit. Er\nbesaß nur einen Menschen, dem er sich hätte an-\nvertrauen können, und diesen einen verstand er\nnicht, diesen einen verleugnete er sogar in den\nStunden seiner wollüstigen Entrücktheit. Er ver-\nmochte die geradlinige Nüchternheit seines Vaters\nnicht zu verstehen; er konnte nicht begreifen, wie\nein Mensch ohne Bedürfnis nach Schönheit sein\nkönne, und fürchtete sich vor der Erkenntnis, daß\nsein Vater weder die Schönheit der Stimme, des\nSchreitens, des Körpers, noch die höhere Schön-\nheit der Gedanken, der Wünsche, der Seele be-\nsitze. Er erkannte früh, daß sein Vater Guts-\nbesitzer und nichts weiter war. Als er darüber\nnachzudenken begann, sah er sich vor dem Rätsel\nseiner Herkunft und drang allmählich in den Ge-\ndanken ein, daß seine Mutter eine große Künst-\nlerin gewesen sein müsse, eine viel größere\nKünstlerin als er bis dahin in den Entzückungen\nder blauen Stunde geahnt und geglaubt hatte. Welch\neinen Reichtum an Schönheit mußte sie besessen\nhaben, da sie ihn noch so überschwenglich damit\nbedachte! So wurde seine Verehrung der Mutter\ntiefer, ie höher sich sein Bedürfnis nach Schönheit\nentwickelte. Und so spann er sich immer enger in\ndie musikalische Allheitswelt seiner Phantasien\nein und war lange Zeit in Gefahr, den Fluch des\nTräumers durch sein ganzes Leben schleppen zu\nmüssen. Er verlor sich immer bedingungsloser\nan die Lockungen seiner Seele, gab mit immer\nschwächer werdendem Widerstand dem Verlan-\ngen, in allen Erscheinungen Symbole zu sehen,\nnach und fühlte sich in den Unwirklichkeiten seiner\nki Verzückung erschaffenen Welten heimischer als\nin den Wäldern und Gärten der Heimat. Immer\nheißer ersehnte er in den Morgen- und Mittag-\nstunden das sanfttönende Glück des Abends; und\ndie Nächte marterten ihn endlich so schrecklich,\ndaß er bleich und hohläugig wurde und am Tage\numherging wie ein Gestorbener, der keine Ruhe\nfinden kann. Seine Seele verzehrte sich in einem\nungestümen Fieber.\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftieitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\n\nEnges Zimmer\nAlfred Richard Meyer\nH. W.\nNun gehen die Nebel wieder in w,eißen Mänteln aus,\nwohlige Dämmerung lullt tiefer die Tage ein\nund Stürme fassen mit derben Fäusten das Haus,\nfauchen im Ofen und flackern im Lampenschein,\ngucken durchs Fenster wie rußige Schornstein-\nfeger\nmit weißen Augen und melden für morgen den\nersten Schnee.\nVom Turme klingt eine Glocke leiser die Stunden\nab —\nda blicken wir beide heiter von unsern Büchern\nhoch\nund wissen, daß draußen das Leben noch nicht\ngestorben ist.\nAus einem Gedichtband Das Buch Hymen von\nAlfred Richard Meyer, das dieser Tage im Verlag\nA. R. Meyer, Berlin-Wilmersdorf erscheinen wird.\nDie Gedichte sind in ihrem Wert sehr ungleich.\nAber dieses Bändchen enthält das außerordentlich\nschöne Gedicht Interieur, das zuerst in dieser Zeit-\nschrift Nummer 50 veröffentlicht wurde.\n\nMeine Ausstellung im\n,Sturm’\nAlfred Réth\nMein Bild aus Varengeville (1,) ist eigentlich\njenes Werk, das ich als mein erstes betrachte. Es\nentstand in einer Zeit, in der ich ganz und gar\nblind dem Instinkt folgte, ohne die Kontrolle des\nGeistigen anzulegen. Aber der Künstler kommt\nnotwendig auf einen Punkt, an dem er beginnen\nmuß bewußt zu arbeiten. Das Bild 5 hatte ich im\nSalon d'automne ausgestellt. Es machte in den\ngroßen Sälen bei einer anderen Beleuchtung als der\nvon mir persönlich bevorzugten auf mich den trau-\nrigsten Eindruck. Ich fand es sehr schwach in\nFarbe und Komposition. Ich antwortete mir mit\ndem Bild 6 in der Ausstellung der Independants,\nes wurde genau das Gegenteil des vorigen. Dieses\nBild bedeutet eine große Veränderung in meiner\nArbeit.\nIch merkte, daß es falsch wäre, den sogenannten\n„Charakter\" der Dinge zu geben; das ist zum Bei-\nspiel: die längliche Form eines Flaschenhalses zu\nden genau entsprechenden Proportionen des dicken\nBauches; der dicke große Stamm eines Baumes\nmit den dünnen breiten Zweigen, das Verhältnis\ndes großen Leibes zum kleinen Kais beim Men-\nschen.\nVon dieser Zeit an schuf ich nur Kompositionen;\nich war bemüht, rein das Verhältnis der Massen\nuntereinander darzustellen. Das Problem lag darin,\ndie absolute Allgemeingültigkeit der Form zu finden,\njedoch gleichzeitig durch die Anord n u n g der\nVerhältnisse die Form in jedem Einzelfalle\nals einmalig und persönlich erscheinen zu lassen.\nJedesmal wenn ich meine Arbeiten unbefriedigt\nbetrachtete, und das herauszuholen versuchte, das\nmir einzig von Ausdruckswert zu sein schien, stieß\nich auf ein ganz bestimmtes Formverhältnis.\nDie bildenden Künstler, die ernsthaft arbeiten,\nkommen sehr oft nach vielen inneren Mühen, auf\nsolche Formverhältnisse; aber sie pflegen ihre\nEntdeckung, ihre innere Regel, meist zu ver-\nschweigen aus Furcht, man könnte sie für reine\nTheoretiker des Raisonnements halten.\nDa ich glaube, daß der bewußte Arbeiter sich\nauch äußern kann, will ich ruhig von den mir nahe-\nliegenden numerischen Formverhältnissen reden:\nEs ist das Verhältnis 2zu 7. Und ich habe gefunden,\ndaß, wenn man die große Kunst der Primitiven\nuntersucht, man auf dieselben Proportionen stößt\nich glaube nicht, daß die Wurzeln der Kunst zeit-\nlich sehr unterschieden sind. So bin ich der Mei-\nnung die Kunst unserer Zeit «nterscheide sich von\nder großen Kunst der früheren Epochen aicht\ndurch die Qualität, sondern durch Pflicht des\nKünstlers, seine Erkenntnisse bewußt anzu-\nwenden. — Erkenntnisse, die ein primitiver Meister\nvielleicht instinktiv traf, geleitet und an Entglei-\nsungen gehindert allein durch bestimmte Mittei-\nlungen der Religion und Kultsitte seiner Zeit\nIn dieser Epoche entstanden die Bilder 14 bis\n24. Aber ich fand, daß auch diese Bilder noch\nviel zu sehr Anlehnungen an die direkte, materielle\nNatur waren. .\nIch bin des Glaubens, daß die Kunst nicht m\neinem Wettstreit mit der Natur steht, mit Stim-\nmung, Psychologie, Empfindung, sondern daß es\nSache der Kunst ist, räumlich die Vors-tel-\n-1 u n gen auszudrücken, die der menschliche Geist\nvon den Dingen hat. So gewiß es keine malerische\nDichtkunst oder Musik und keine literarische oder\nmusikalische Malerei geben kann, so gewiß jeder\nVersuch der Vermischung oder Verschiebung der\nKünste unsinniges hervorbringt, so gewiß ist auch,\ndaß die Tatsache der Produktion, des Schaffens in\nKunst, dieselbe Wurzel im menschlichen Innern\nhat. Und so gibt es allerdings auch ein Moment\nder Malerei, das den anderen Künsten entspricht,\nwie es auch ein Moment der bildenden Kunst gibtr\ndas der Natur entspricht.\nDie Dichtung und die Musik haben ihren Anfang\nin der Zeit. Das Zeitliche scheint bei der bildenden\nKunst ganz ausgeschaltet zu sein; aber das scheint\nnur so. Man gestehe sich ein, daß es durchaus un-\nmöglich ist, ein Bild mit einem einzigen Blick zu\numfassen, wie ein volkstümlicher Ausdruck lautet.\nInstinktiv nimmt das Auge seinen Anfang und glei-\ntet in einer bestimmten Zeit über das Bild. Nur\ndie illusionistisch-naturalistische Perspektivmalerei\nwünschte über diesen Vorgang zu täuschen.\nEine wichtige Aufgabe des bildenden Künstlers\nist es, das Auge des Schauenden zu leiten. In den.\nfünf Bildern 32 bis 36 habe ich bewußt\nrein durch die Formverhältnisse diesen Anfang in\nder Zeit für unser Auge aufzustellen.\nHier tritt dann auch wieder die rein geistiger\nParallele auf, die in der bildenden Kunst den Ver-\nhältnissen in der direkten Natur wahrhaft ent-\nspricht. Wie nämlich in der Natur etwa das\nSchwebende, Unbestimmte einer Landschaft, dasr\nwas wir Milieu oder Stimmung nennen, eine\nmenschliche Gestalt in ihr erst wirklich, klar als\nlebendigen Organismus erscheinen läßt; so sind es\nauf dem Vorstellungsbilde unseres Geistes gewisse\nvag gefärbte, nicht bestimmt konturierte Formen,\ndie andere entschieden umrissene Formenmassen\num so energischer als die bedeutungsvollen Kon-\nstruktivelemente der geistigen Anschauungswelt\nhervortreten lassen.\nUnd ich glaube, daß das bewußte Aufdecken des\nundenkbar großen Unterschiedes zwischen der\nKunst und der Natur innerhalb des Schaffens, die\nKunst erst wahrhaft befreit von der Vereinzelung\nihrer Stellung in unserer Zeit und sie zu ei wer\nwirklichen Angelegenheit unseres Lebens machen\nkann. Unseres Lebens, das uns bestimmt als In-\nstinktwesen des Geistes.\nUebertragen aus dem Französischen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.7", "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der iwer\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nPaul Claudel\nVerkündigung / Ein geistliches Stück in vier\nEreignissen und einem Vorspiel\nVerlag der neuen Blätter / Hellerau und\nBerlin\nFernand Hubert\nLes Inquietudes / Pommes\nVorwort von Nicolas Beauduin\nParis / E. Basset et Cie. Verlag\nShakespeare\nHamlet\nSommernachtstraum / Wintermärchen\nNeue zweisprachige Ausgabe ./ Urtext und\ndeutsch in je einem Bande\nTempel-Verlag / Leipzig\nLudwig Justi 1\nDer Ausbau der Nationalgalerie\nZwei Denkschriften\nVerlag Julius Bard / Berlin\nPeter Altenberg\nSemmering 1912\n. Verlag S. Fischer / Berlin\nHenri-Martin Barzun\nHymne des Forces: Le Drame Antagonisme\nL'Universel / Po&me Dramatique\nMercure de France Verlag / Paris\n\nInhalt\nZweites Halbjahr 1912/1913\nDritter Jahrgang\nBeiträge 1 Nummer Seite\nManfred Adam\nGedichte 144/145 255\nJoseph Adier\nBerliner Sylvester 146/147 267\nDie bankerotte Natur \" 133 ' 191\nDie Literatur in Trauer 136/137 219\nDurch Nacht zum Lichtbild 131 179\nGüten Morgen, Pioniere 140/141 ? 243\nVom Altphrasenhandel 130 , 171\nOui 11 au m e Apollinaire\nDie moderne Malerfei 148/149 272\nPariser Brief 150/151 283\nRealite, peinture pure 138/139 224\nArtur BabilSotte\nDie Schwermut des Geniessers /\nRoman 146/147 262\n148/149 271\n152/153 288\nOskar Baum\nNachtfarbe 131 178\nGottfried Ben«\nNocturne 144/145 254\nPaul Bommersheim\nDie Ueberwindung der Perspektive\nund Robert Delaunay 148/149 272\nS v e n d Borberg\nBarokko 140/141 242\nEdgar Byk\nBemerkung nach einem Vortrag von\nArnold Schönberg 132 187\nRobert Delaunay\nUeber das Licht 144/145 255\nAlfred Döblin\nArnold Schönberg 132 187\nEinakter von Strindberg 130 170\nFuturistische Worttechnik 150/151 280\nGabriel Schillings Flucht, in die\nOeffentlichkeit 134/135 207\nTänzerinnen 129 162\nHans Ehren bau m-Degeie\nRhapsodie 131 175\nAlbert Ehrenstein\nAnmerkungen 134/135 206\nAntwort 138/139 230\nArbeitsteilung 142/143 249\nDer Ritter Rococo 142/143 248\nDie alte Geschichte 129 161\nDie Filmlöwen sind los \" 142/143 247\nEin krasser Fall von Soldatenmiß-\nhandlung 142/143 246\nFrühes Leid 142/143 248\nGruß , 142/143 247\nHerbst 142/143 248\nHildebrandslied 142/143 247\nHn? 142/143 250\nIm Lande der Erotophilen 142/143 249\nPerpeh 142/143 251\nRimbaud 142/143 247\nSpruch 142/143 248\nWanderers Lied ' 142/143 249\nVersuch einer Antwort 142/143 250\nE. Epstein\nEinige Gedanken über Bildentstehung 140/141 236\nDr. S. Friedlaender\nPräsentismus 144/145 253\nJohn von Gorsleben\nDie Geschichte von Uli Tarosch und\ndem Kater Schopenhauer 146/147 265\nNummer Seite\nR a'ö u 1 Hausmann\nDie gesunde Kunst 134/135 206\nPaul Haivaai\nSpracherotik 1.36/137 210\nWagner-Feier 148/149 273\n. Karl Borromäus Heinrich\nMenschen von Qottes Gnaden /\nRoman 129 159\n130 167\n131 175\n132 185\n133 190\n134/135 199\n136/137 21tr\n138/139 222\nZeitgeschichte 152/153\nWa s s i 1 y Kandinsky\nUeber Kunst verstehen 129 157\nHermann Koch\nTaaus Anfang 131 179\nLothar von Kunowsltf\nKunst sühnt den Tod der Natur 140/141 234\nPersönlichkeiten 133 189\nRudolf Knriz\nFuturistische Dichtungen 136/137 218\nRudolf Leonhard ]\nDas schwarze Revier 148/149 270\nKandinsky 134/135 204\nFranz Marc\nDie Futuristen 132 187\nF. T. Marinetti\nDie futuristische Literatur 133 194\nSupplement hierzu 150/151 279\nAlfred Richard Meyer\nMärzlich den Kurfürstendamm her-\nunter 144/145 259\nEnges Zimmer 152/153 290\nGünter Miirr\nGedicht 129 161\nGedichte 150/151 283\nIrischer Abend 138/139 222\nMarienlied 140/141 238\nMynona\nDer Rüssel des fetten Herrn Mühl-\nmann 138/139 223\nProtest für Kandinsky 150/151 277\n152/153 288\nAlfred R6th\nMeine Ausstellung im Sturm 152/153 290\nJacques Riviöre\nBaudelaire 129 162\n130 168\nDie Polovetzer Tänze 140/141 242\nGauguin 134/135 204\nPaul Scheerbart\nDie neue Oberwelt 131 174\nPeter Scher\nBankroffts Erlebnis 136/137 212\nDas Herz der Else Lasker-Schfller 148/149 273\nC u r t Seidel-Turin\nDeutsche Romane 136/137 218\nArdengo Soffici\nGlosse zu meinem Werk 146/147 266\nGrete Tichauer\nFlimmerndes Mädchen 144/145 254\nGedichte 129 161\nHermann Wagner\nDie rote Flamme / Novelle 136/137 213\n138/139 225\n140/141 238\n142/143 251\n144/145 256\n.146/147 266\n148/149 274\nNummer Seite\nHer w a r t h Waiden\nDeutschsprachiges 148/149 275\nKunst 146/147 262\nKunst und Literatur 130 166\nProtest für Kandinsky 150/151 278\nSchöne Künste 134/135 198\nVon der Kunst 138/139 222\nVorschmack 140/141 234\nZeitgeschichten 132 1 $2\nZeitgeschichten 152/153 286\nE. Wichmann\nEtwa im Jahre 1845 134/135 206\nJ. L- WSudholz\nDie Wissenschaft 133 195\nAlbert Verwey\nDer Maler 148/149 269\nPaul Zech\nDer Agitator 148/149 270\nDer Kohlenbaron 148/149 270\nDie Ahnungslosen 148/149 270\nDie arabischen Tänze der Yve und\nVera Landrin 130 170\nDurchwachte Nacht 133 194\n. Nachtgewitter irn Spätherbst 134/135 199\nReiterliedchen 144/145 254\nSackträgerin 136/137 213\nZeichnungen Mummer\nH. CampendoMk\nOriginalholzschnitt 131\nOriginalholzschnitt 134/135\nOriginalholzschnitt 140/141\nWass i I y Kandinsky\nSechs Originalholzschnitte 129\nZeichnung 130\nAugust Macke ,\nLinoleumschnitt 138/139\nLinoleumschnitt 152/153\nFranz Marc\nDer Stier / Originalholzschnitt 140/141\nDie Hirtin / Originalholzschnitt 144/145\nPferde / Originalholzschnitt 129\nPferde / Originalholzschnitt 138/139\nRuhende Pferde / Originalholzschnitt 146/147\nTiger / Originalholzschnitt 132\nLudwig Meidner\nZeichnung 134/135\nPorträt von Paul Zech / Zeichnung 148/149\nDas schwarze Revier / Zeichnung 148/149\nWilhelm Morgner\nAcker mit Weib / Originalholzschnitt 136/137\nTierdressur / Originalholzschnitt 138/139\nEdv a r d Münch\nAffenfarnilie / Zeichnung 134/135\nQ. Münter\nNeujahrswunsch / Originalholzschnitt 142/143\nOriginalholzschnitt 136/137\nOriginalholzschnitt 138/139\nOriginalholzschnitt 152/153\nEmil Noide\nZeichnung 133\nRichter-Berlin\nOriginalholzschnitt 130\nF. Rosenkranz\nDie Straße / Originalholzschnitt 140/141\nOriginalholzschnitt ' \" 131\nAndre Rouveyre\nFünf Zeichnungen 150/151\nArtur Segal\nVom Strande / Originalholzschnitt 132\nVom Strande / Originalholzschnitt 140/141\nJacob Steinhardt\nZeichnung 136/137\nRobert Storm-Petersen\nDrame obscure / Originalholzschnitt 144/145"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191303-02.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsäe Wkben Inkatts fort-\nlaufend gesetzt aafgeoommen. Hervorhebungen vo*\nWarten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nnr durch\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespahene Zes$«?\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlar,\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 2$\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin 51\ngegentiber der voa der Heydistraße\nFahrgelegenheit: Lfitzowplatz\nVierzehnte Ausstellung\nFranz Mare\nGeoffnet taglich von 10- 6 Ufcr I Soantags von\n15—2 Ukr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Straße 134 a\nFernruf Amt Latzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGcwoflaHcbe Ausgabe: Fur Deutschland\niind Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Viertcljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppei-\nmwnmer 40 Pfennig X Fflr das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst ;l fj\nSonderausgabe: Ungebrochene Exetn-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nsendung in Rollen direkt durch die\nPost fiir Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern nic h t abgegeben\nBer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n6 Mark / Vom 1. April 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W9, zu be-\nziehen / Zurn Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofsbandlungen, Kiosken u. Strafienstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwiinscht wird, bitten wir den Be t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Besteiiung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzumfiinftendes ersten Monats einzu-\ns en d en / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nzieh un g dt\\s Betrages durch Nachnahme\nimter Berechnung des Nachnahrneportos ge-\nwiinscht wird\nSonderdrucke\nFrasz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabzuge: Versohnung/\n/Tierlegende / Pferde / Tiger /Pferde\nHochformat / Die Hirtin ,/ Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nRuhende Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbrat en s / Originalholzschnitt / Auf Nummer 9*4\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Kunstler mit der Hand aquarel-\n\nliert, Siguier! mid numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nWKhefm Morgiter: Acker rnit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder siebeh nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch / Fiinf signierte und\nnurrierierte Exemplare /' Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbfg: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottluff: Mann und Weib / Zwolf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte ./\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vcmi Strande I / Vom Strande 111 /\nje funfzehn signierte und numerierte Holzschnitte I\nDas Exemplar 20 Mark\n11. Campeifdonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: Plakat fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallitbographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Niii n s k y / Portrat Licht-\ndruck, großes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicbt\nvon Guillaume Apoliinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Waldeu: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Arno Holz / FUr Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturfsteo: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Loigi Rtissolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose T£nzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Laehen / Ab-\nschied / Luigißussolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose TSnzerin X C1 ich € -\ndrucke: Das Exemplar 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\n\nZeitsehriften\nL'Effort Libre / fruher L'Effort / Monatsschrift I\ntierausgeber: Jean Richard Bloch I Poitiers\n[Vienne]\nL'lfid£pendafice / Halbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur I Philosophic / Poiiiik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa NouveUe Revue Francalse I Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre / Moulins [Atlierl\nLes So»r£es de Paris I Recueil Mensuel / Paris\n9 rne Jacob\nUmetecky Meslcnik / Monatsschrift fiir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Literatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, Kunst-\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlich (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich illustrierter Text, Mu-\nsikbeilage). J&hriich M. 12.60 / Prag I / Bellevue\nI Franzenqtiai 20\n\nAnzeigen\n\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop / London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige Hterarische und kunstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text I\neine literarische Beilage erscheint jeden zweitei?\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark /\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Veriag?\n5 John Street Adelphi, London, W C\nLa vie des Lettres /' Collection anthologique et\ncritique des Maitres Francais et Etrangers pubiiee\nsous la direction de Nicolas Beauduin / Ce perio-\ndique trimestriel de haute litterature et d'art parait\npar volumes de 200 pages grand format, papier de\nluxe I Au premier numero: M.de Noailles, H de\nR£gnier, Emile Verhaeren, Andre Gide, Vide\nGriffin, Nicolas Beauduin, J. H. Rosny aine, Pierre\nMille, Han Ryner, Camille Mauclair, T. de Visan,\netc; des traductions de Pouhkine, Walt Whitman,\nByron, D. G. Rosetti / Abonnemeni France 10 fr\nEtranger 12 fr (envoi d'un numero specimen contre\nla somme de 3 fr I Direction et Administration\n20 rue de Chartres / Paris Neuilly\nNe«e Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitgl ie d e r der Nenen Sezession\nerhalten jShrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjflhrlich 15 Mark,\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, Miquelstraße 7a. Fernruf Amt Stegiitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorzuge\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fur Merz-, Ner~\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nUhrschliissel mlt Eichhornchen kauft Fran D r\nPowers, Miinchen, Coperniciisstr. 11\nEichhornchen jeder Art, in Bronze, Malerei, Por-\nzellan etc. kauft Frau Dr. Powers, Mun-\nch en, Copernicusstr. 11\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antkjuar / Ber-\nlin W 35. Potsdamer Straße 27 b ! Fernruf Amt\nLfitzow 5850 / Spezialgeschaft fur bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jabrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / StSndige Ausstellung\nTitania-Sehreihmaschlne / Erste deutsche Sehrcib-\nmasehine mit Typenhebeln auf Kngellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchfrneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis S tang en,\nLinkstraße 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchiUerstraHc *4.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. PasseparkHrt-\nfabrik / Bucbbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucbeinbiixi®"}]}