{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_sha256": "65e3e1dc37f0165ec14124cec7475e65353960cd9ffb06d1995610773fa5b90d", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/04_01/bmtnabg_1913-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/04_01/bmtnabg_1913-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c001", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.1", "debut_caractere": 291, "fin_caractere_exclue": 645, "texte": "Inhalt:\nWilhelm Hausensteiii: Literatur zu den neuen Kunstbewegungen / Isidor Quartner: Gedichte / Paul Scheerbart: Herr Kammerdiener Kneetschke /\nErnst Wilhelm Lötz: Gedichte / Arthur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / Elisabeth Epstein: Das Lächerlichsein / Marie Original-\nholzschoitte / Franz Marc: Originalholzschnitt / G. 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Und nicht nur ihnen, sondern\nauch allenen denen, die mit den neuen Kunst-\nbew/egungen bereits entschlossen sympathisieren.\nAuch sie werden eine Menge von neuen Auf-\nschlüssen und Anregungen erhalten. Der Haupt-\nwert der Schrift liegt jedoch darin, daß sie, wenn\nsie nur einigermaßen ohne Vorurteil gelesen wird,\nein breiteres Publikum von Kunstfreunden ge-\nwinnen kann, die den neuen Ereignissen in der\nKunst bis jetzt mit einer etwas sonderbaren Er-\nbitterung den Rücken gekehrt oder wenigstens\nstark an ihnen gezweifelt haben. Coellen geht\nganz von unten auf zu Werke. Er erörtert die prin-\nzipiellen Vorfragen der Kunst: Er erörtert sie —\nund das macht die Debatte ungemein gediegen —\nnicht abstrakt-ästhetisch, sondern kulturphiloso-\nphisch. Er gibt eine Kulturphilosophie des Impres-\nsionismus, der ihm nicht eine losgelöste kunst-\ngeschichtliche Erscheinung, sondern ein bestimmter\nhistorischer Lebenstypus ist, und er zeigt, wie aus\nder Katastrophe dieses Lebenstypus ein neuer Typus\nhervorwächst. Er gibt dem neuen Lebenstypus\nden Namen einer „neuen Romantik\", über den sich\nstreiten läßt wie über Manches, das in der Schrift\ngesagt wird. Was der Name und auch die Schrift\nim Grunde meint, ist gleichwohl gut und klar:\nCoellen vertritt die begründete Meinung, daß sich\ndie seelische Disposition, die man impressionistisch\nnennt und die mit einer gewissen schwtmglosen\nNaturwissenschaftlichkeit rein oder fast rein auf\ndie begrenzten natürlichen, gegenständlichen Ein-\ndrücke eingestellt war, immer mehr auflöst und\ndaß der impressionistische Materialismus einer\naprioristischen, einer ungegenständlichen, einer frei\ndichtenden Geisteskultur Platz macht. Die Kunst\ndieser neuen Kultur hat keine Organe für das Na-\ntürliche und Gegenständliche; ihre Organe sind\nOrgane einer frei verfügenden, einfach schöpfe-\nrischen und überschwänglichen Einbildungskraft.\nCoellen nennt diese Geistesdisposition Romantik.\nMan könnte sie auch künstlerische Metaphysik\noder künstlerische Religiosität nennen. Es handelt\nsich mit einem Wort um die Katastrophe des künst-\nlerischen Monismus, um die Katastrophe einer rein\nnaturwissenschaftlichen Kultur. Die Dialektik der\nGeschichte scheint uns in ein Gegenteil dieser\nNaturwissenschaftlichkeit hineinzutreiben. Coellen\nzeigt die Wandlung an van Gogh — •.über den er\nübrigens bei manchem Schönen etliches sehr Miß-\nlungenes sagt —, an Cezanne, an Hodler, an Gau-\nguin, an Matisse und — ganz vorzüglich — an\nPicasso. Er behandelt die Fragen alle mit der\ngrößten Ruhe: nicht apostolisch, sondern mathe-\nmatisch demonstrierend. Selten ist in Kunstdingen\nmit dieser ruhig überzeugenden Art gesprochen\nworden. Wer diese Schrift intensiv gelesen hat,\nder muß — es ist gar nicht anders möglich — zu\nden neuen Kunstbewegungen ein Verhältnis ge-\nwinnen, das mehr ist als ein stumpfes, uninteres-\nsiertes oder entrüstetes Nein.\nNächst der vortrefflichen Schrift von Coellen ist\ndie reizende Arbeit zu nennen, die der Pariser\nKunsthändler Uhde dem Andenken seines Freun-\ndes Henri Rousseau gewidmet hat (Paris,\nEugene Figuiere.) Dies Buch gibt sehr viel Prin-\nzipielles über das Künstlerische überhaupt, über\ndie neue Kunst insbesondere. Es gibt weiter eine\nköstliche Analyse der Seele des Malers Henri\nRousseau, dieses unvergleichlichen, herrlichen\nNaiven. Alles aber ist bei Uhde in dem liebens-\nwürdigen Ton der Fabel geschrieben: ganz schlicht,\nübrigens sehr unpreziös, mit der stillen und inngen\nSelbstverständlichkeit:, mit der Rousseau gemalt\nhat und mit der die unzersetzten Ueberzeugungen,\ndie unbeirrbar Gläubigen den Dingen gegenüber-\nstehen. Wer nicht gern philosophischen Stil liest,\ntut vielleicht gut, zuerst diese Schrift und dann die\nCoellens zu lesen.\nDie dritte Arbeit, die der lebhaftesten Empfeh-\nlung würdig ist, stammt von den französischen\nMalern Albert G 1 e i z e s und Jean Metzin-\nger und führt den aufregenden Titel: „Du Cu-\nbi s m e\". (Paris, Figuiere) Die Schrift ist sehr\nwertvoll durch gescheite .Formulierungen der\ngrundlegenden Kunstprobleme. Gleizes- und Met-\nzinger geben die Philosophie des „Bildes\", das\nihnen zu den Impressionen der älteren Generation\nim heftigsten Gegensatz steht. Man sieht übrigens\nmit angenehmen Empfindungen, daß diese Neuen\nvon jedem verbohrten Radikalismus fern sind. Sie\nverehren Courbet, der das klassische Gegenteil der\nmodernsten Kunst genannt werden könnte: sie ver-\nehren ihn, weil alles, was irgendwie „Bild\" ist,\nschließlich identisch ist. Sie zeigen dann, wie die\nKunst, um heut „Bild\" zu werden, einer Heraus-\narbeitung der bildschaffenden, das heißt ,rein for-\nmalen, konstruktiven Mittel bedarf. Allerdings:\neine spezifische Begründung des kubistischen Mit-\ntels wird kaum gegeben. Aber vielleicht wäre,• es\nein böses Zeichen für die künstlerische. gefühls-\nmäßige Notwendigkeit des kubistischen Mittel, ließe\nes sich im Moment seiner praktischen Entstehung\nsofort auf eine Doktrin reduzieren. Wäre es so,\ndann wäre der Kubismus schon im Moment seines\nWerdens Geschichte — Literatur. Aber so liegen\ndie Dinge nicht. Man sieht, wie sich in diesem\nBuch das Bewußtsein noch mühen muß, den ge-\nfühlsmäßigen, künstlerischen Notwendigkeiten nach-\nzukommen: und das ist gut.\nEs mag schließlich noch erwähnt sein, daß L e\nFauconnier gelegentlich großen Aus-\nstellung bei . Goltz in München, die ganz Wunder-\nvolles gebracht hat, eine kleine Studie geschrieben\nhat, die bei Goltz zu haben ist Sie sagt nicht prin-\nzipiell anderes als wie die genannten Schriften.\nAber sie fesselt als selbständige Formulierung der\nZeitbewegungen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c004", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "10", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.4", "titre_corps": "Fülle", "titre_sommaire": "Fülle", "signature_source": "Isidor Quartner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.2", "debut_caractere": 5871, "fin_caractere_exclue": 7417, "texte": "Gedichte\nFülle\nIsidor Quartner\nBraun von Sonne\nFüllt reifer Weizen meine hohle Hand.\nDa mein M-und nun spricht,\nSchaut auf alle Gottheit unter Bäumen\nUnd lächelt über das Leben.\nGottheit, die Hände beugend im Schöße:\nDu bist die Fülle.\nAber die Menschen sind Speicher.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nWenn die Gottheit schaut, . .\nWerden schwer die Aehren.\nDes Irdischen Blicke sind Schnitter und Ernte-\nwagen.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nKrüge süßen Metes voll\nt\nSind die dunklen Wolken\nI\nHinter den goldenen Feldern.\nOh du Kind mit der kleinen Garbe im Arme!\nDeine Augen sind groß:\nEs blüht in ihnen ein lichtes Land mit silbernen\nStrömen,\nAn denen du ganz einsam sitzest und spielst.\nDes Nachts,\nWenn die Sterne Singende wandeln die weiße\nStraße:\nManch einer stürzt da in rauschendes Korn\nUnd wird auf der Erde geboren.\nDann sitzest du, Kind, mit der kleinen Garbe im\nArme\nIn deinem nachtblauen Lande an silbernen Ströme«\nUnd lächelst über das Leben\n* * *\nIch ging dir nach durch schnittreife Felder.\nWie sich da neigten die Aehren\nUeber deinen Weg.\nZwischen den Halmen\nBeugten sich tief die demütigen Kinder\nUnd legten die Hände auf Stirne und Herz.\nAuf den Scheiteln der Berge,\nVon Wolken umhüllt,\nWill ich dir dienen.\nDeine Hände, die mich segnen,\nSind goldene Sonnen\nUeber meinem Haupt.\nMein Antlitz ist ganz verschüttet\nVom lichten Staube der Lilien,\nDie in den Falten deines Kleides blühen,\nMeine Stirne und meine bestirnten Brauen\nUnd der Boden vor dir\nBeten zusammen.\nNur daß deine Flügel noch im Winde rauschen . . 4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c005", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "10", "page_fin": "14", "image_debut": 2, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.5", "titre_corps": "Herr Kammerdiener Kneetschke", "titre_sommaire": "Herr Kammerdiener Kneetschke", "signature_source": "Paul Scheerbart", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.2", "debut_caractere": 7419, "fin_caractere_exclue": 8005, "texte": "Herr Kammerdiener\nKneetschke\nVon Paul Scheerbart\n\nEine Kamerdiener-Tragödie\nin fünf Aufzügen\nPersonen:\nFürst Wladimir Zaborrek, ein Bräutigam\nGraf Hellmuth Patzig, ein Schwiegerpapa\nGräfin Meta Patzig, eine Schwiegermama\nGräfin Kathi Patzig, eine jugendliche Braut\nGroßvater Patzig, ein Geist mit weißem Vollbart\nKneetschke, ein herrschaftlicher Kammerdiener\nEin Postbote in Kürassier-Uniform\nVerwandte des Brautpaares (Onkel, Tante, Basen\netc)\nund ;ganz gewöhnliche Domestiken, die nichts zu\nsagen haben.\nDie Handlung spielt in der nächsten Zukunft\nauf den Brettern der „blauen\" Bühne."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.3", "debut_caractere": 77, "fin_caractere_exclue": 5534, "texte": "Vorwort\nzur blauen Bühne\nZur Herstellung der blauen Bühne sind erforder-\nlich: drei höhere Wandschirme, die mit Tuch oder\nPapier von preußisch-blauer Farbe überzogen sind.\nZwei dieser Wandschirme rechts und links recht-\nwinklig zur Lampenreihe aufgestellt, der dritte\nWandschirm bildet rechtwinklig zu den beiden\nandern den Hintergrunnd — doch so, daß hinten\nrechts und links ein meterbreiter Durchgang\nbleibt.\nDie Kostüme sind mit Ausnahme des Postboten\nund des Großvaters im Hofgeschmack des acht-\nzehnten Jahrhunderts zu halten — doch mit Frei-\nheit und mit Vermeidung der blauen Farben — nur\ndie Zopfperrücke muß hellblau sein.\nDen Vorhang bilden zwei hellblaue Gardinen,\ndie in den ersten Aufzügen von zwei Kavalieren\ndes achtzehnten Jahrhunderts mit weißen Zopf-\nperrücken feierlich und graziös mit Degensalut\nund ähnlichen Scherzen auseinander und auch zu-\nzuziehen sind\nErster Aufzug\nVor der Mitte jeder Wand steht ein Stuhl.\nKneetschke: Ih, sieh da! der Postbote! Na?\nImmer noch die Hand am Schwert?\nPostbote: Zu Befehl! Wohnt hier Herr\nKnutschke?\nKneetschke: Nein, mein Lieber! Der Herr\nwohnt hier nicht.\nPostbote: Ach so! Wollte sagen: Knietschke!\nWohnt hier Herr Knietschke?\nKneetschke: Nein, mein Lieber! Der Herr\nwohnt auch nicht in diesem Palaste.\nPostbote (holt seine Brille vor und liest die\nAdresse einer Postkarte ganz genau: Natürlich!\ndas heißt Kneetschke! Wohnt der Herr\nKneetschke vielleicht hier?\nKneetschke: Herr Kneetschke bin ich selbst.\nPostbote: Hier ist eine Postkarte für Euer\nGnaden.\nKneetschke: Wie? Für mich? Das wagen\nSie?\nPostbote: Ja, was ist denn dabei?\nKneetschke: Mein Lieber, ich bin wohl ge-\n•' wöhnt, eingeschriebene Briefe in Empfang zu\nr 'nehmen, gelegentlich nehme ich auch einfache\n.• Briefe an, wenn ich von ihren Inhalt vorher in\nKenntnis gesetzt wurde — aber offene Post-\nkarten, mein Lieber, sind für miich nicht da.\nGehen Sie fort! (Ab hinten links)\nPostbote: Das muß ja ein sehr vornehmer Herr\nsein. Na, ich lege die Karte in die Mitte des Pa-\nlastes. (Er tuts und geht säbelrasselnd hinten\nrechts ab.)\nGräfin Kathi Patzig kommt mit zwei weib-\nlichen Domestiken von hinten links auf die Bühne.\nDie drei haben große Strohhüte auf dem Kopf*=\nund Sonnenschirme in der Hand, die im Folgenden\nzugemacht werden.\nKathi: Ach, wenn der Frühling kommt, dann ist\nEuropa so schön —so sehr schön. Und ich liebe\ndie Schönheit.\nDie beiden Domestiken (die Postkarte auf\ndem Boden erblickend): Ah!\nKathi: Na?\nDie beiden Domestiken (auf die Karte mit\ndem Sonnenschirm weisend): Da!\nKathi: Ia! Holt sofort meinen Papa und meinen\n— Wladimir.\n(Die beiden Domestiken hinten rechts und links\nab)\nKathi: Haha! Hinter der Karte steckt ein Ge-\nheimnis! Schnell! (Sie hebt die Karte auf und\nliest): Herrn Kneetschke hier. Viktoria-Straße 17.\nMein lieber Kneetschke! Sie sind der größte Esel\nvon ganz Europa! Und es imponiert mir, daß\nSie all die vielen andern Esel Europas so über-\nragen. Mit Ihnen ist ein Geschäft zu machen.\nIch besitze eine Menagerie lebendiger Monstro-\nsitäten — darf ich Sie für diese Menagerie als\nRiesenesel engagieren? Sie erhalten monatlich\ntausend Mark Gage und freies Futter. Ich bin\nIhr Freund Michel Männlich.\n(Kathi ringt die Hände und verbirgt die Karte\nin ihrem Sonnenschirm, während hinten rechts\nder Papa und links 'der Wladimir erscheinen.)\nPapa und Wladimir (zu gleicher Zeit sehr\nlaut): Kathi!\nKathi (läßt vor Schreck den Sonnenschirm fallen):\nWladimir!\nWladimir (fängt die Kathi in seinen Armen\nauf): Was fehlt dir? Was hast du da in den\nSonnenschirm gesteckt?\nKathi: Es ist ein Geheimnis.\nPapa (die Karte aus dem Sonnenschirm ziehend):\nDa werden wir gleich dahinterkommen.\nWladimir: Setze dich nur, mein liebes Bräut-\nchen. (Führt sie zum hinteren Wandstuhl, auf\ndem sie sich langsam niederläßt.)\nPapa: Das ist ja eine Gemeinheit! Der arme\nKneetschke!\nWladimir (eilt auf dem Papa zu, nimmt ihm die\nKarte aus der Hand, liest und lacht — und lacht\nso heftig, daß er sich auf den linken Wandstuhl\nsetzen muß. Der Papa setzt sich auf den rechten.)\nPapa (ernst): Kathi, hol den Kneetschke her!\nWladimir (nachdem die Kathi fortgegangen ist):\nLieber Papa, Sie wollen doch nicht jetzt mit dem\nKneetschke über diese Karte sprechen, nicht\nwahr?\nPapa: Nein, ich will mit ihm über die Verlobungs-\nkarten sprechen.\nWladimir: Schön! Und diese Postkarte über-\nlassen Sie mir, nicht wahr?\nPapa: Jawohl! Lach blos nicht so viel, mir ist\nbei allen unseren Geldsorgen durchaus nicht\nlächerlich zu Mute\nWladimir: Mir eigentlich auch nicht.\nPapa: Hm! (Kneetschke kommt von links und\nverbeugt sich feierlich — erst vor dem Grafen\nund dann vor -dem Fürsten.)\nPapa: Kneetschke, die Verlobungskarten sollen\ngedruckt werden — und zwar auf neuen Hundert-\nmarkscheinen mit Goldlettern: Kathi Patzig und\nWladimir Zaborrek, Brautpaar. Weiter nichts.\nBesorgen Sie das.\nKneetschke: Gnädigster Herr Graf, Ihr seliger\nHerr Großpapa ließ Verlobungskarten stets auf\nTausendmarkschjeanen drucken. Davon dürfen\nwir nicht abgehen.\nWladimir: Ach! Das wird schön.\nPapa: Mein lieber Kneetschke! Wir haben fünf\nhundert Verlobungsanzeigen zu versenden —\nso viel Tausendmarkscheine habe ich nicht.\nKneetschke: Dann dürfte eben die Verlobung\nnicht stattfinden.\nWladimir: Kneetschke! Sie sind wohl verrückt\ngeworden!\nKneetschke: Durchlaucht! Mir geht die Ehre\nder Familie Patzig über Alles — sie ist mir auch\nmehr wert — als mein bischen Verstand.\nWladimir (springt auf und gibt dem Kneetschke\ndie bewußte Postkarte): Da — les Er mal das!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 8475, "texte": "Kneetschke (liest und taumelt langsam rück-\nwärts — bis er auf den hintern Wandstuhl fällt):\nOh! Oh! Oh!\nWladimir setzt sich wieder auf den linken\nWandstuhl und lächelt'\nPapa: So! So! So!\nMit einem Ruck erheben sich dann alle drei und\nstehen steif da — Kneetschke hebt seine beiden\nFäuste hoch zum Himmel empor, Wladimir\nfaltet über seinem Haupte seine Hände — und\nder Papa spreizt die zehn Finger seiner beiden\nHände weit und ausdrucksvoll auseinander.\n. Gardine!\nZweiter Aufzug\nJetzt stehen zwei Stühle vor jeder Wand. In\nder Mitte jeder Wand hängt ein ovales Fami-\nlienbild.\nKneetschke: Gnädigste Gräfin Kathi! Ich be-\nschwöre Sie — schieben Sie die Verlobung auf!\nEin Fürst, der seine Verlobungskarten nicht\neinmal auf Tausendmarkscheinen drucken lassen\nkann, ist es nicht wert, von einer geborenen\nPatzig geliebt zu werden.\nKathi: Kneetschke, Sie machen mich unglücklich!\nKneetschke: Lassen Sie nur, das vergeht\nwieder.\nKathi (mit dem Fuße aufstampfend): Wenn Sie\nlieber vergehen möchten!\nMama (von links mit wallenden Locken): Aber\nKathi! Kathi! Wie kannst du nur den Fußboden\nso behandeln?\nKneetschke: Komtesse ist verliebt.\nMama: Schweigen Sie, Kneetschke!\nPapa (von rechts im Dreispitz): Was ist denn\nhier los? Gibts auch hier einen Aufruhr? Sind\ndenn die Rebellen überall?\nKathi: Ach Papa! Dieser verrückte Kneetschke\nwill mich bereden — ach — meinem Wladimir\nuntreu zu werden. (Weint schluchzend mit'm\nTaschentuch.)\nMama (kreischend): Was? Will dieser Kneetschke\ndich heiraten? Sollst '»du Frau Kneetschke\nWerden?\nPapa: Aber Gemahlin! Werde doch nicht lächer-\nlich. So ist's doch nicht gemeint. Kneetschke,\nholen Sie den Fürsten! (Kneetschke ab)\nKathi: Papa, das sage ich dir jetzt in allem\nErnste, ich bleibe meinem Wladimir treu und\nwenn die ganze Welt in Stücke gehen sollte\nPapa: Kinder, beruhigt Euch blos! (er legt seinen\nDreispitz auf den vorderen Stuhl rechts.)\nMama: Da soll ja der Teufel ruhig bleiben! Wer\nkann denn das aushalten? Ich habe mir »die\ngrößte Mühe gegeben, die Verlobung endlich zu-\nstande zu bringen — und jetzt soll mir ein Kam-\nmerdiener alle meine feinen Netze zerreißen?\nPapa: Meta, beruhige 'dich blos!\nKathi: Das ist ja herzzerreißend.\nPapa (sehr laut): Kinder, beruhigt Euch blos!\nWladimir (auch im Dreispitz): Ja, Kinder, be-\nruhigt Euch blos! Die Rebellen haben sich auch\nberuhigt — und Euer Kneetschke wird auch be-\nruhigt werden. (Er legt seinen Dreispitz auf den\nvorderen Stuhl links.)\nPapa: Wladimir, nimm nur erst Platz! Bitte,\nneben deinem Dreispitz! Ich tu's auch! Frauen-\nzimmer, setzt Euch da hinten hin und seid mal\nein bißchen still. (Alle vier setzen sich.)\nM ama: Ach, Wladimir, ich bin so unglücklich.\nKathi: Ach, Wladimir, ich bleibe dir treu — wie\nes auch kommen mag, es ist mir alles ganz egal.\nMama: Mein mutiges Kind!\nPapa: Nun seid doch endlich mal still und laßt\nden Wladimir mal reden.\nW laidimir: Ja, das möchte ich.\nPapa: Bitte!\nWladimir: Die Sache ist doch so einfach: Wir\nlassen, um Euren Kneetschke zu beruhigen —\ndamit er nicht Radau schlägt —- einfach falsche\nTausendmarkscheine anfertigen. Da diese mit\nder Anzeige bedruckt werden, können sie doch\nnicht in den Verkehr gebracht werden — und da-\nmit ist doch jede Gefahr ausgeschlossen.\nKathi: Na natürlich! Oh, wie einfach!\nMama: Wladimir, du bist ein Genie!\nPapa: Die Sache ist tatsächlich vom juristischen\nStandpunkt aus unantastbar. Die falschen Tau-\nsendmarkscheine können von uns zu Verlobungs-\nzwecken wohl gebraucht werden.\nKathi: Aber Kneetschke darf nichts davon er-\nfahren. Pst!\nWladimir (leise): Selbstverständlich! Zum\nDanke für meine gute Idee müßt Ihr jetzt aber ein\nbischen Menuett mit mir tanzen.\nKathi (leise): Mit Wonne!\nMama (ganz leise): Aber wir haben ja keine\nMusik!\nPapa (auch ganz leise): Das ist ja gerade das Be-\nruhigende an diesem Menuett.\nDie Vier tanzen Menuett ganz leise ohne Musik.\nUnd die Gardinen werden vorsichtig: ganz\nleise zugezogen.\nDritter Aufzug\nKeine Stühle — oben an den Wandschirmen\nTannenguirlanden mit großen roten und gelben\nPapierblumen.\nWeibliche und männliche Domestiken gehen\nund laufen über die Bühne mit Schüsseln, Tel-\nlern, Flaschen, Blumen, Kuchen und Körben.\nEinzelne Domestiken flüstern sich vorne was\nins Ohr — eilen aber bald wieder weg. Aus\nden Hinterzimmern hört man Gläserklirren und\nHochrufen.\nWährenddem erscheint Kneetschke und schrei-\ntet nachdenkend, die Hand am Kinn, durch die\nDomestiken hindurch.\nUnd danh erscheint, während die gewöhnlichen\nDomestiken verschwinden, das glückliche\nBrautpaar, ohne den Kneetschke, der vorne\nrechts stehen bleibt, zu bemerken.\nWladimir: Willst du sehen, wie die Tausend-\nmarkscheine leuchten? (Er holt ein paar Scheine\naus der Brieftasche hervor und schwenkt sie in\nder Luft herum und erblickt dabei den\nKneetschke.)\nKneetschke: Durchlaucht wollen entschuldi-\ngen, daß ich mich nicht früher bemerkbar\nmachte — aber ich dachte gerade über das\n'Leben nach — ich bin ein ehrbarer Mann und\nkann mir dieses Nachdenken nicht abgewöhnen,\nda es doch so viele Dinge gibt, die sich mit der\nEhrbarkeit eines ffesten Charakters nicht ver-\ntragen.\nW'ladimir: Kneetschke! Sind Sie Professor ge-\nworden?\nKneetschke: Durchlaucht! Ich bleibe, was ich\nbin — bloß ein ehrbarer Mann und ein fester\nCharakter.\nKathi: Und Sie bleiben dafür auch ein langweili-\nger Peter; bleiben Sie da stehen — wir gehen.\n(Mit Wladimir scherzend hinten rechts ab.)\nKneetschke: Ob das noch eine echte Patzig\nist? Ich fürchte, dieser Wind-Fürst, der mit\nseinen Tausendmarkscheinen so viel Wind\nmachte, hat diese Patzig demoralisiert. Hm!\n-Wie kann man nur mit so kostbaren Scheinen,\ndie außerdem noch zu Verlobungszwecken ver-\nwendet werden sollen, so viel Wind machen?\nWie kann man nur? Hm, hm! (Papa und Mama\nkommen.)\nPapa: Ich fürchte, daß das Unglück nicht fern ist.\nMama: Ach! Wie hab ich mich erschrocken! Da\nsieht ja der Kneetschke!\nKneetschke: Bitte um Verzeihung, Euer Gna-\nden! ich gehe schon!\nPapa: Bleiben Sie stehen. Haben Sie die Hun-\ndertmarkscheine zum Drucker getragen?\nKneetschke: Euer Gnaden mögen vergeben —\naber ich habe die Scheine nie bekommen.\nMama: Aber Hellmuth! Jetzt sprichst du wieder\nvon Hundertmarkscheinen. Was soll der\nKneetschke bloß davon denken? Wladimir hat\ndoch schon die Tausendmarkscheine — besorgt\nKneetschke: Ah! Der Fürst Wladimir Zabor-\nrek hat die fünfhundert Tausendmarkscheine be-\nsorgt? Ja — dann darf er sich mit ihnen auch\nden Wind zufächeln — das ist etwas anderes.\nPapa: Was heißt das, Kneetschke?\nKneetschke: Durchlaucht waren vorhin hier\nund taten, wie ich sagte. Ich hab's mit meine«\neigenen Augen gesehen, als ich gerade übers Le-\nben nachdachte.\nBrautpaar (hinten links): Mama! Mama!\nMama: Ich komme ja schon! Was wollt Ihr denn\nvon der Mama? (Hinten links ab.)\nKneetschke (erschreckend): Ah!\nHinten rechts erscheint der Geist des Groß-\nvaters Patzig in langem Barte, geht langsam\nan der hinteren Wand entlang und bleibt in\nder Mitte stehen. Papa und Kneetschke tau-\nmeln nach rechts und links an die Seitenwände,\nGeist: Kneetschke! Behüten Sie die Ehre der\nFamilie Patzig. (Der Geist geht langsam weiter\nund verschwindet hinten links, und Kneetschke\nfällt auf die Erde, während der Papa die Hände\nvors Gesicht schlägt.\nDie Gardinen ziehen sich von selber zu.\nVierter Aufzug\nJede Wand ohne Girlanden mit verschiedenen\nsymmetrisch aufgehängten Familienbildern —\nhinten Sofa, Sofatisch, Fauteuil auf einem Tep-\npich. Vorne rechts und links Tische, Schränk-\nten oder Aehnliches.\nDer Postbote und der Kneetschke\nPostbote: Ja — wissen Herr Kneetschke schon,\nwer die Postkarte mit dem Esel geschrieben hat?\nKneetschke: Wer hat das getan?\nPostbote: Werden Sie mich nicht verraten?\nKneetschke: Nein! (Gibt ihm einige Bank-\nnoten.)\nPostbote: Ich danke, mein Herr! Fürst Wla-\ndimir Zabörrek schrieb die Karte mit dem Esel.\nKneetschke: Ih!\nPostbote: Ja!\nKneetschke: Eh!\nPostbote: Adjeh!\nDomestiken eilen durchs Zimmer und flüstern\ndem Kneetschke was ins Ohr.\nEin Onkel und eine Tante erscheinen alsdann.\nOnkel (setzt sich aufs Sofa): Kneetschke, Sie sind\nein alter treuer Diener des Hauses Patzig.\nTante (setzt sich auch aufs Sofa): Kneetschke,\nWir haben Ihnen deshalb eine Mitteilung zu\nmachen.\nKneetschke: Euer Gnaden sind zu gütig.\nTante: Ja, das sind wir.\nOnkel: Die Tausendmarkschein, auf denen die\nVerlobungsanzeigen gedruckt worden sind —\nT ante: Sind —\nOnkel: Sind —\nKneetschke: Sind?\nOnkel: Sind gefälscht!\nKneetschke (sich krümmend): Oh! Oh! Ach,\ndu meine Güte! Hat mir's doch geahnt! Hat\nmir's doch geahnt! (Er rennt umher in ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.5", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 2385, "texte": "krümmter Haltung und bricht dann weinend auf\neinm Fauteuil zusammen.)\nK athi: Guten Tag, lieber Onkel! Guten Tag, liebe\nTante! Wie werden sich die Eltern freuen, Euch\nwiederzusehen! Gleich will ich die Mama suchen\ngehen. Ich komme sofort wieder. Kneetschke,\nsuchen Sie den Papa. Schnell! Schnell! (Ab\nlinks.)\nKneetschke (aufgestanden in straffer Haltung):\nIch werde den Herrn Grafen aufsuchen. (Auch\nab — rechts)\nOnkel: Der arme Kneetschke!\nTante: Die armen Patzigs!\nOnkel: So sich blamieren!\nT ante: Das beklagenswerte Brautpaar!\nOnkel (nimmt eine Prise Schnupftabak): Diese\nFalschmünzer! (Niest)\nT ante: Siehst du? Das mußt du beniesen.\nOnkel: Das kam vom Priesen. (Niest wieder)\nKneetschke: Der Herr Graf wird gleich kom-\nmen. Ich aber weiß, was hier zu tun ist.\nTT a n t e.: Nun ?\nKneetschke: Die Familie Patzig muß ihre\nSchuld — sühnen.\nOnkel: Wie?\nKneetschke: Dadurch, daß sämtliche Ange-\nhörigen der Familie — mit Ausnahme des Für-\nsten Zabörrek, der ja Gott sei Dank noch nicht\nzur Familie gehört, ihrem Leben —\nT ante: Um Himmelswillen!\nOnkel: Kneetschke!\nKneetschke: ihrem Leben, sage ich, mit\nGewalt —\nT ante: Kneetschke, nicht mit Gewalt!\nKneetschke: Gut — also sagen wir durch —\nSelbstmord —-\nTante: Die Aermsten! (Weint mit Taschentuch.\nDer Onkel zieht auch sein Taschentuch des\nSchnupftabaks wegen.)\nKneetschke (mit fester, feierlicher Stimme):\ndurch Selbstmord ein Ende bereiten.\nOnkel: Das ist ja furchtbar!\nTante: Entsetzlich! (Alle drei wischen sich die\nAugen, Kneetschke steht wieder wie im dritten\nAufzug vorn rechts.)\nVon der rechten Seite hinten erscheint Papa\nPatzig, von der linken Seite Mama Patzig —\nbeide ziehen auch -ihre Taschentücher vor —•\nOnkel und Tante erheben sich. Eine peinliche\nPause entsteht.\nDie beiden Gardinen werden jetzt eiligst hin-\ntereinander von einem der beiden Kavaliere\nzugezogen.\nFünfter Aufzug\nDas Zimmer des vierten Aufzuges wird auf-\ngeräumt. Die Fauteuils stehen in Unordnung\nan den Seiten, der Teppich ist aufgeschlagen\nund Eimer, Besen, Schrubber, Schaufeln und\n(Bürsten liegen überall herum. Weibliche und\nmännliche Domestiken bürsten, fegen !ind\nputzen mit Eifer.\nVon rechts kommen Fürst Wladimir und\n(Kneetschke in größter Wut auf die blaue Bühne.\nWladimir: Das ist ja unerhört!\nKneetschke: Die Ehre der Familie Patzig geht\nmir über alles.\nWladimir: Kneetschke, das ist eine Frechheit!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3676, "texte": "Kneetscke: Frechheit und Ehre sind zwei\nganz verschiedene Begriffe.\nWladimir: Kneetschke, Sie sollten Rebellen-\ngeneral werden.\nKneetschke: Das wird nie geschehen!\nWladimir: Es wäre aber im Interesse aller Fa-\nmilien, die mit den Patzigs verwandt sind, sehr\nerwünscht.\nKneetschke: Warum?\nWladimir: Weils immer gut ist, wenn der\ngrößte Esel — unsere Feinde — anführt.\nKneetschke: Mich werden Sie niemals an-\nführen, Durchlaucht! Ich bin ein ehrenfester\nMann.\nWladimir: Sie sind der größte Esel von ganz\nEuropa.\nKneetschke: Immer noch besser als ein\nFalschmünzer — und auch besser als diejenigen,\ndie anonyme Karten schreiben.\nWladimir: Kneetschke, ich erwürge dich, du\nHund!\nKat h i (von links): Wladimir! Wladimir! Lade\nbloß keinen Mord auf dein Gewissen.\nWladimir: Kathi! (Dreht sich rasch um und\nküßt sie.)\nKathi: Uebrigens, Kneetschke! Ich will Ihnen\nwas sagen: nicht Wladimir hat die Karte mit\ndem Esel geschrieben — ich war's.\nKneetschke: Ha! Das ist was anderes! Also\neine echte Patzig hat ich herabgelassen, einem\nKammerdiener — eine — offene — Postkarte —\nzu — schreiben.\nKathi: Jawollja! Und jetzt denkt der Kammer-\ndiener, eine echte Patzig wird sich seinetwegen\ndas Leben nehmen. Zum Schießen!\nWladimir: Zum Totschießen! (Beide lachen.\nKneetschke zieht sein Taschentuch)\nKneetschke: O Schmach! 0 Schande!\nDie reinmachenden Domestiken verschwinden\nnach und nach — nehmen aber nur Schrubber\nund Besen mit.\nDer Papa und die Mama kommen.\nPapa: Welch ein Lärm ist das hier wieder?!\nMam a: Dieser Kneetschke!\nKathi: Mama, ich soll mich durchaus totschießen!\nM ama: Aber Kind, benimm dich doch anständig!\nPapa: Kneetschke, ich muß Ihnen jetzt in allem\nErnste verbieten, diese Tausendmarkscheine\nauch noch fernerhin aufzubauschen.\nWladimir: Die Geschichte ist ja einfach\nlächerlich.\nPapa: Selbstverständlich! Die Banknoten sind\nja nicht für den öffentlichen Verkehr bestimmt.\n' Ich habe mit meinem Rechtsanwalt darüber ge-\nsprochen und der Mann bekam einen Lach-\nkrampf.\nKathi: Der Aermste!\nM ama: Ist er schon außer Gefahr!\nPapa: Er liegt noch zu Bett!\nWladimir: Kneetschke sollte sich auch zu Bett\nlegen — das wäre das Vernünftigste.\nKneetschke: Sie haben beinahe Recht, Durch-\nlaucht! Aber ich brauche ein sehr großes Bett!\nWladimir: Was wollen Sie damit sagen?\nKneetschke: Die große Erde, auf der ich so\nlange lebte — die soll mein Bett sein.\nMama: Nehm Er sich die Sache doch nicht so zu\nHerzen.\nKathi: Die Geschichte ist ja lächerlich\nKneetschke: Wohl mag heutzutage die Ehr-\nlichkeit eine lächerliche Sache geworden sein.\nAber ich kann da nicht mehr mit. Der Betrug\nder Familie Patzig will doch — eine Sühne haben.\nPapa: Donnerwetter, Kneetschke! Jetzt mach\nEr. daß Er fortkommt!\nKneetschke: Ja, das wäll ich! Und vielleicht\nist mein Fortgang eine Sühne für die Schandtaten\nder Familie Patzig.\nWladimir: Verfluchter Hund! (Will Kneetschke\nschlagen, Kathi fällt ihm aber in den Arm.)\nKneetschke: Europa lebe wohl! (Er stößt sich\neinen langen Dolch ins Herz und fällt zu Boden.)\nDie Mama und Kathi fallen in Ohnmacht, die\nbeiden Männer wissen nicht, um wen sie sich\nzuerst bemühen sollen. Während dann Wla-\ndimir dem Kneetschke den Dolch aus der\nWunde zieht, erscheint links der Geist des\nGroßvaters Patzig mit einem Lorbeerkranz in\nder Hand, legt diesen auf das Haupt des Ster-\nbenden und geht langsam rechts ab, während\nWladimir und der Papa starr vor Entsetzen\nmit offenem Munde dem Gespenste nach-\nstarren und die Frauen langsam aus ihrer Ohn-\nerwachen, ohne die Szene zu begreifen.\nWeibliche Domestiken ziehen vorne mit Hilfe\nvon Schrubbern und Besen die Gardine zu, vor\nder langsam ein Tausendmarkschein aus der\nHöhe herunterfällt.\nEnde der Kammerdiener-Tragödie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c006", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "11", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.5.1", "titre_corps": "G. 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Verweht. — Ein harter Mittag blaut;\nLicht glüht herab in breiten Strahlenstreifen.\nEiner sitzt wach mit vorgestrecktem Haupt.\nIn seinem Schoß blinkt eine Mandoline.\nSein Blick stößt vor, daß er der Landschaft raubt\nEin braunes Lied, das seiner Sehnsucht diene.\nUm ihn die Schläfer träumen von der Stadt.\nDer Traum warf sie zurück in ihre Zinnen,\nIns Trübe, das sie sonst umdüstert hat.\nDie helle Haide sank von ihren Sinnen.\nDoch jeder hat sein Mädchen dort. Das brennt\nJetzt rötlich auf in ihren müden Hirnen.\nUnd der, der einsam wacht und sieht, erkennt,\nDas kleine Licht auf ihren braunen Stirnen.\nUnd stark in gelbe Ferne späht er wieder.\nSchwül wogt sein Blut und trübt ihm sein Gesicht.\nHell auf den Höhen stehen viele Lieder.\nDoch er ist sehnsuchtsblind und sieht sie nicht.\nDie' Mandoline blinkt auf seinen Knien\nNoch stumm und wartend, da die andern wachen.\nUnd langsam folgt er. als sie weiterziehn,\nUnd sonderbar tönt ihm ihr gutes Lachen.\n\nMusik\nIm Wasgenwald tönte der Abendwind.\nIch ging in Straßburgs Sommerstraßen.\nVom Wasgenwald wehte Mus-ik über Dächern,\nDaß alle die Qiebel und blanke Zinken\nErglühend zitterten.\nUms Münster aber war die Luft von Purpur.\nHier, auf den Flügeln des Westes herüberge-\nkommen,\nHier sank das Lied der rot erstaunten Wälder\nHerab, hier wo Musik in Steinen wohnt.\nIhr großen Wälder mit den alten Stämmen\nUnd Felsen, rauh gezackt, dämmernde Dörfer,\nSo tief versenkt in roter Nebel Flut,\nUnd Wohlgerüche, die der Abend atmet.\nAlso voll Süße war das Spiel der Lüfte,\nDaß ich, nachlauschend dem Verklungenen.\nHier mitten im bunten Kreisen der Stadt —\nNur unter Tannen schritt, die seltsam wogen,\nNur Büsche glühen sah und Johanniswürmer\nUnd vor mir, der ich folgte, solch ein Mädchen,\nDas wie aus Tau gebaut war.\nUnd fern ein Licht, mein Haus, darin ich feiern\nwürde\nEin Fest der Sommerliebe bei rotem Wein\nUnd leisem Geigenstreichen.\nJa, deine Lippen dufteten so nach Harz\nUnd feuchten Gräsern, die ein Reh zerknickt,\nJa, du warst süß und berauschend wie das Lied,\nDas von den rot geschauten Bergen vorhin\nIn meine Adern gezittert ist. ,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c011", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.6.1", "titre_corps": "Die Haide-Touristen", "titre_sommaire": "Die Haide-Touristen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.6", "debut_caractere": 3707, "fin_caractere_exclue": 4766, "texte": "Die Haide-Touristen\nSie liegen wie gemäht im Haidekraut\nIn ihren Köpfen stecken kurze Pfeifen.\nRauch quillt. 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Das brennt\nJetzt rötlich auf in ihren müden Hirnen.\nUnd der, der einsam wacht und sieht, erkennt,\nDas kleine Licht auf ihren braunen Stirnen.\nUnd stark in gelbe Ferne späht er wieder.\nSchwül wogt sein Blut und trübt ihm sein Gesicht.\nHell auf den Höhen stehen viele Lieder.\nDoch er ist sehnsuchtsblind und sieht sie nicht.\nDie' Mandoline blinkt auf seinen Knien\nNoch stumm und wartend, da die andern wachen.\nUnd langsam folgt er. als sie weiterziehn,\nUnd sonderbar tönt ihm ihr gutes Lachen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c012", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.6.2", "titre_corps": "Musik", "titre_sommaire": "Musik", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.6", "debut_caractere": 4768, "fin_caractere_exclue": 5896, "texte": "Musik\nIm Wasgenwald tönte der Abendwind.\nIch ging in Straßburgs Sommerstraßen.\nVom Wasgenwald wehte Mus-ik über Dächern,\nDaß alle die Qiebel und blanke Zinken\nErglühend zitterten.\nUms Münster aber war die Luft von Purpur.\nHier, auf den Flügeln des Westes herüberge-\nkommen,\nHier sank das Lied der rot erstaunten Wälder\nHerab, hier wo Musik in Steinen wohnt.\nIhr großen Wälder mit den alten Stämmen\nUnd Felsen, rauh gezackt, dämmernde Dörfer,\nSo tief versenkt in roter Nebel Flut,\nUnd Wohlgerüche, die der Abend atmet.\nAlso voll Süße war das Spiel der Lüfte,\nDaß ich, nachlauschend dem Verklungenen.\nHier mitten im bunten Kreisen der Stadt —\nNur unter Tannen schritt, die seltsam wogen,\nNur Büsche glühen sah und Johanniswürmer\nUnd vor mir, der ich folgte, solch ein Mädchen,\nDas wie aus Tau gebaut war.\nUnd fern ein Licht, mein Haus, darin ich feiern\nwürde\nEin Fest der Sommerliebe bei rotem Wein\nUnd leisem Geigenstreichen.\nJa, deine Lippen dufteten so nach Harz\nUnd feuchten Gräsern, die ein Reh zerknickt,\nJa, du warst süß und berauschend wie das Lied,\nDas von den rot geschauten Bergen vorhin\nIn meine Adern gezittert ist. ,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c013", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.7", "titre_corps": "Die Schwermut des Geniebers : Ein Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Geniebers : Ein Roman", "signature_source": "Arthur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.6", "debut_caractere": 5898, "fin_caractere_exclue": 7938, "texte": "Die Schwermut des\nGeniebers\nEin Roman\nVon Arthur Babillotte\nWer ihn in diesen Monaten sah, hielt ihn für\nschwindsüchtig und redete von seinem baldigen\nTode. Alle waren des Glaubens, dies sei das Erb-\nteil seiner Mutter, der Tribut, den er der Natur\nentrichten mußte, und der für ihn schwerer und\nschmerzlicher war als für die, deren Mütter ihre\nKinder gesund und fröhlich empfangen. Selbst\nder Vater hielt ihn für verloren und beschloß, ihm\nseinen Wunsch zu erfüllen, da er ihn für den\nletzten großen Wunsch des Knaben hielt. Johannes\nselbst wußte, daß sein Körper durch und durch ge-\nsund sei; es schmerzte ihn, wenn er hören mußte,\nwie die Menschen davon sprachen, daß seine Mut-\nter die Schuld an seinem Untergange trage. Aber\nwenn er die zarte Frau gegen diese Reden ver-\nteidigen wollte, vermochte er es nicht, bevor er\nnicht die Pracht der blauen Stunde erlebt hatte.\nUnd sobald ihn diese Pracht wieder umfing, wußte\ner, daß es dennoch jene zarte Frau mit dem Dul-\ndergesicht sei, die langsam seine Seele mit ihren\nunheimlich süßen Melodien in sich hinübersauge und\nihn so dem Untergange preisgäbe. Es war für ihn\nein wollüstiger Schmerz, anhören zu müssen, wie\nsie seine reiche Mutter anklagten, und nicht im-\nstande zu sein, die Heißgeliebte zu verteidigen.\nSchon in seinen jungen Jahren trat die Freude am\nGegensätzlichen in seiner Seele stark hervor.\nSo kam der Tag, an dem ihn der Vater seinen\ngroßen Wunsch erfüllte, den Wunsch, ganz ein\nMusiker werden zu können.\nIch tue es schweren Herzens, Johannes, sagte\ner. Alle meine Vorfahren waren Gutsbesitzer, die\nihre Güter selbst bewirtschafteten, oder aber Offi-\nziere, die im Dienst Ihres Königs für die Ehre und\ndas Blühen des Vaterlandes lebten.\nVor allem fiel es ihm schwer, diesen Wunsch\nzu erfüllen, weil er selbst ganz unmusikalisch war\nund nicht begreifen konnte, daß einem Menschen\ndie Musik Lebenszweck sein könne. Er hatte nie\ndie Künstlerschaft seiner Gattin zu würdigen ge-\nwußt und ihre Musik stes nur als Unterhaltung\nund Schutz vor der Langeweile in untätigen Stüh-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5990, "texte": "den betrachtet. Daß nun sein Junge so zart und\nunmännlich war und die Musik als Beruf ausüben\nwollte, darüber kam er nicht hinweg und gab mit\nenttäuschtem Herzen und nur darum seine Ein-\nwilligung, weil er dem einzigen Kind die Erfüllung\ndes letzten Wunsches nicht versagen mochte.\nFür den Knaben begann mit diesem Tage eine\nneue Zeit. Die Zeit des Reifens, die ihn aus der\nherrlichsten Erwartung in die düsterste Hoffnungs-\nlosigkeit warf, die ihn hin und her zerrte, ihn\nquälte, daß er manchmal an sich und allem ver-\nzweifelte, die ihm das Jauchzen der Begabung\nlaut in die Seele schrie und ihn mit unbarmherzi-\ngem Hohn vor sich selbst klein und verächtlich\nZU' machen suchte. Er ging in die Millionenstadt,\nvon der seine Seele in Stunden der heroischen\nWillenskraft geträumt hatte; er warf sich in das\nfieberhafte Leben und meinte, tausendgestaltig,\nwechselvoll zu sein, wandlungsfähig wie ein Gott.\nSeine Füße fanden die Erde wieder, die Vorstel-\nlungen seiner Phantasie gründeten sich jetzt auf\ndie Geschehnisse und Dinge der Erde;, so kam es,\ndaß er alle Linien und Formen der Großstadt in\ndas Riesenhafte emporzwang und mitten durch\nAlltag, den jeder in der Rastlosigkeit des Groß-\nstadtlebens empfand und ohne Illusionen hinnahm,\n\\ .\nwie ein König schritt, dem die Lebensäußerungen\ngigantischer Wesen in himmelhohen Palästen Un-\ntertan waren. Selbst die wenigen Freunde sahen\nin ihm nur einen Sonderling, der das Leben nicht\nzu nehmen wußte und eines Tages an seiner Über-\nempfindlichkeit zugrunde ging. Das einzige, was\nihn aus der erdichteten Großstadtwelt in die Höhen\neiner erdfernen Farbenpracht und eines haltlosen\nTönereichtums zurückriß, war die Erinnerung an\ndie blauen Stunden mit der Mutter. Auch jetzt\nnoch fand er in der Hast und Ueberstürzung des\nheuen Lebens manchmal eine Stunde, in der eine\ntiefe Ruhe in ihm zu klingen anhob und ihn zur\nErweckung der toten Mutter trieb. Dann lag er\nauf der Chaiselongue seines einsamen Zimmers\nund weinte und erlebte wieder die Zeit seiner Eks-\ntasen. Nach diesen Stunden des erneuten Erleb-\nnisses erfüllte ihn jedesmal eine große Leere, die\nihn traurig und elend machte. Immer häufiger\nkam das quälende Bewußtsein einer völligen Ein-\nsamkeit zu ihm, immer aufdringlicher folterte ihn\ndie Erkenntnis der Fremdheit, mit der er den Men-\nschen gegenüber stand, eine Erkenntnis, die ihn\nzuweilen auch überfallen hatte, wenn er durch die\nWege des väterlichen Gartens gewandert war, um\ndie Musik der Blumen in sich aufzunehmen. Da-\nmals hatte er sie noch ohne Schmerzen abzu-\nschütteln vermocht; jetzt aber kam sie kraftvoller\nund ließ ihn einsehen, daß sie am Ende siegen\nwürde. Denn er hatte die blauen Abende nicht\nmehr, die ihm Kräfte verliehen, den Dingen und\nGeschehnissen von außen Widerstand zu leisten.\nEr hatte nur noch seine Erinnerung an die blauen\nAbende, und die machte ihn verzagt und nahm ihm\nallmählich allen Mut und alle Hoffnung. Und als\ndie Einsamkeit unerträglich zu werden begann, als\nseine Flucht zu dem Tönen in seiner Seele ihn\nnicht mehr zu erheben vermochte, stürzte er sich\nin das Leben, da, wo es am stürmischsten war. Er\nsah nur diesen Weg und hielt ihn für die Rettung.\nSeine Seele zitterte, wenn er durch eine finstere\nStraße gehen mußte, ein Taumel faßte ihn und\nkrampfte die Tätigkeit seines Willens zusammen,\nsodäß er sich nur noch mechanisch vorwärtsbe-\nwegte. Mußte er eine dunkle Treppe hinaufsteigen,\nlitt er unsägliche Qualen und konnte nur mit\näußerster Anstrengung einen Schrei der schreck-\nlichsten Verzweiflung zurückhalten. Er ließ die\nganze Nacht hindurch das elektrische Licht in\nzwei Birnen brennen, um nicht mit der Finsternis\n•allein zu sein. Aber bald gewährte ihm auch dies\nkeine Beruhigung mehr; seine Seele ahnte wohl\ndie Taten, die sie in der Zukunft vollbringen sollte,\naber sie besaß nicht die Kraft, den Körper durch\ndie Schrecknisse der Gegenwart hindurchzugelei-\nten, ohne daß er Schaden nahm. Unruhiger von\nTag zu Tag, von einer leeren Stimmung in die an-\ndere geschleudert, an nichts mehr glaubend, kam\ner endlich dazu, das Vorhandensein seiner Seele,\nseiner Geistigkeit, seines Künstlertums anzuzwei-\nfeln. Jener Augenblick, da vor ihm am Ende der\nPappelallee die Sonne aufgegangen war, und die\nmusikalische Kraft in ihm geweckt hatte, war in\nseiner Erinnerung zu einer unwesentlichen Episode\nverblaßt; wenn er sehr verzweifelt war, lachte er\nsogar spöttisch darüber. So trat an Stelle der Ge-\nfahr, ein unirdischer Träumer zu werden, für ihn\ndie Gefahr, jede Empfindung für die Regungen\nseiner Künstlerschaft zu verlieren und ein Tauge-\nnichts, im besten Falle ein ehrsamer Bürger mit\nDurchschnittsgedanken und Durchschnittswün-\nschen zu werden. .\nIn dieser Furcht und in der Angst vor der Ein-\nsamkeit stürzte er sich in das Leben und glaubte\nmit aller Inbrunst an die Rettung, mit einer In-\nbrunst, die der besitzt, dem der Tod des schmach-\nvollen Ertrinkens droht, und der plötzlich eine\nschwache Planke vor sich sieht. Er ging zu denen,\ndie schon Schiffbruch gelitten hatten; von ihnen\nhoffte er gerettet zu werden. Es war die Para-\ndoxie der verzweifelten Unerfahrenheit. Weil er den\nleisen Hohn der Freunde empfunden hatte, durch\ndie äußersten Empfindlichkeiten seiner Seele, war\ner mißtrauisch und endlich verschlossen geworden\nund hatte in diesen paar jungen Menschen, die für\nihn die gesellschaftliche Welt bedeuteten, das Ver-\nkehrte, das Unechte und Böse gesehen. Dies trug\nmit zu dem Entschlüsse bei, zu denen zu gehen,\ndie als Ausgestoßene der Gesellschaft galten und\nsich dessen voll bewußt wären. Sie nahmen ihn\nauf ihre Art und ließen sich vor ihm gehen, weil sie\nihresgleichen in ihm sahen. Er konnte sich lange\nnicht an ihre Freiheit gewöhnen, an die unkeusche\nUngebundenheit ihrer . Gedanken, an • die unver-\nhüllte Wollust ihrer Gebärden. Es stieß ihn ab.\nAber er fürchtete sich, in die Einsamkeit zurück-\nzukehren, und zwang den Abscheu zurück, bis er\nendlich schwächer sich nur noch in Stunden der\nSelbsterkenntnis über ihn warf, um ihn zu retten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c014", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.8", "titre_corps": "Das Lächerlich sein", "titre_sommaire": "Das Lächerlich sein", "signature_source": "Elisabeth Epstein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.7", "debut_caractere": 6079, "fin_caractere_exclue": 8730, "texte": "Das Lächerlich sein\nVon Elisabeth Epstein\nLächerlich! — lächerlich ist alles, was keinen\nAusdruck findet und sucht, lächerlich ist alles,\nwas unbekannt ins Bekannte fällt; lächerlich ist\nechte Trauer neben sorgloser Freude, plötzlich\nhineintönend . . . Aufrichtiges Schauen, offene\nHände, heller und freier Gang im dumpfen,\nstickigen Räume. Kontrast. Lächerlich, ein\nschräger Schnitt durch gesetzte gerade Formen —\nfremdes Leid und fremdes Glück. Erinnerungen\nin Gegenwart einstürzend ... — und Menschen\nund Menschen wie Hähne, wie Hühner stolzieren\n— stolzieren auf Beinen mit großen Hintern, ernst\nund vornehm erhaben — wichtig. Kommt einer\nohne Allüren — lächerlich! — öffnet die Hände,\nhebt die Schultern und weiß nicht, woher er\nkommt und stammt — der Lächerliche!\nEs ist eine der Pflichten — Lächer-\nlichkeit. Wer das Lächerlichsein bis ans Ende\ngenoß, wer von diesem gelben zischendem, sprit-\nzendem Safte gekostet, der ist verloren für die\nMenschen, denn der kennt di e Pflicht des\nLächerli c h s e i n s. Er beugt sein Haupt und\ner biegt ein Knie vor seiner göttlichen Lächerlich-\nkeit. Die Menschen spotten und fürchten ihn, die\nMenschen fürchten das Lächerliche; — das tue\nich nicht — „ich mache mich lächerlich, ach, da\ngehe ich nicht hin — die Wege führen zum Lachen\n— dort tönt es spaßig und bös, das achselnr\nzuckende, vernichtende, spöttende Gelächter.\"\nUnd die Menschen fliehen auf andere Wege, wo\nStolz sie stützt und hält jund gewiegtes Köpf-\nneigen,- gemäßigtes „ja\" und gesättigtes „nein\".\nWer im Wirrwarr des Nein, im Streben des\nJa steht, seinen Kopf in die Hände nimmt und\nschluchzt, und zur doppelten Gotteinheit der Dinge\nbetet und schreit: hört, hört an — Dinge, die\nnicht waren, es gibt Dinge, die wahr sind, wenn\nauch unbekannt, denn sie sind von zweierlei\numwoben, hört an! —r der ist lächerlich —\nder Lächerliche!\n— Ja dann, nun lacht und ergötzt euch alle,\nnun sollt ihr viel, viel Spaß haben und bis cyns\nEnde eurer Tage die Bäuche halten und lachen\n— und lachen, daß ihr nicht mehr könnt — denr\\\nnun wollen wir nicht auf euch, achten und wir\nwollen euch nicht bitten, und wir wollen einen\nTempel bauen der Lächerlichkeit und werden\ndort Dienste abhalten Euch und Allen und dem\ndonnernden Gelächter der wehkranken Erde!\nLacht nun solange die Erde Euch trägt! Wir\nwollen ein Gebet aufs Lachen dichten und singen,\ndaß die Wände erzittern! — o ewige, o heilige,\nunendliche, bodenlose Lächerlichkeit, einzig ge-\npriesene, erhoben da oben — da oben bei Gott:\nWollen wir preisen den Klang der Silben der\nLä-cher-lich-keit! . . .\nStille? . .Stille? . . . Warum? Wurde nun\nSchweigen — Gelächter?\nJa so lacht doch, lacht!-. . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c015", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.9", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.7", "debut_caractere": 8732, "fin_caractere_exclue": 9634, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung: der ki#r\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet berttts\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwihato\nBücher zurück, falte Rückporto beigefügt wurde.\nArdengo Soffici\nCubismo e oltre / Mit Illustrationen nach\nWerken von Paul Cezanne / Pablo Picasso /\nGeorges Braque /' Ardengo Soffici / Umberto\nBoccioni / Carlo D. Carra\nFlorenz / Libreria della Voce\nArno Holz\nIgnorabimus / Tragödie\nVerlag Karl Reißner / Dresden\nLudwig Coellen\nDie neue Malerei / Der Impressionismus /\nVan Gogh und Cezanne / Die Romantik der\nneuen Malerei / Hodler / Gauguin und Matisse /\nPicasso und der Kubismus 1 Die Expressionisten\nVerlag E. W. Bonseis und Cie / München\nJules Leroux\nLa Muse Noire\nVerlag Eugene Figuiere et Cie / Paris\nJean de Brosschere\nDolorine et Les Ombres / Des Poemes\ndes arguments et des images\nBibliotheque de l'Occident / Paris"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c016", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.8", "debut_caractere": 410, "fin_caractere_exclue": 718, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\nmenflber der von der Heydtstrafie\nLiitzowplatz\nVierzehnte Ausstellung\nFranz Mare\nOcfiifitet taglicb von 10—6 Uhr / Sonntafs vol\n1#—2 Vbr\nEintrHt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. 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Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen I Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBegin n des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, da£ E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwlinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis\nSonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: Versdhnung/\n/Tierlegende / Pferde /Tiger/Pferde\nHochformat / Die Hirtin I Der S £i e r /\nSchlafende Hirtin / Wildplerde /\nKuhende Pferde (handaquarelliert) / Dos\nExemplar 40 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c018", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.8", "debut_caractere": 2727, "fin_caractere_exclue": 4714, "texte": "Max Pechstein: Die Erlegung des F e s t -\nbra tens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExempiare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kattdinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdras-\nseur / Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miiiiter: Neujahrswunsch I Ftinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSciunkJt-Rottluff: Mann und Weib I Zwoii hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: P1 a k a t fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokosctika: N i i i n s k y / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Waklen: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Amo Holz / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark j 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Bocciotfi: Das\nLachen j Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen j Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-04-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-04_01#c019", "volume": "bmtnabg_1913-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.8", "debut_caractere": 4716, "fin_caractere_exclue": 5527, "texte": "Zeitschriften\nL'Effort Libre / frnher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'Inddpendance I Halbmonatsschrift / Kflnste /\nKultur I Philosophie / Politik / * Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nonvelle Revue Francalse f Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre I Moulins [Allier]\nLes Soirees de Parts / Recueil Mensue! / Paris\n9 rue Jacob\nUmelecky Meskmik / Monatsschrift ffir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Litwatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, KunsU\ngewerbe, Theater, Musik. 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Ar~\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MSBige Pieise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung nnd dem Drama der Gegen-\nwart in alien L&ndern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug:\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop / London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und klinstlerische-\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\niede Nummer enthalt 16 Bikier, 40 Seiten Text /\neine literarische Beflage erscheint jeden zweiten*\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark/\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. j Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nLa vie des Lettres j Collection anthologique et\ncritique des Maitres Frangais et Etrangers publiee\nsous la direction de Nicolas Beauduin ,/ Ce perio—\ndique trimestriel de haute litterature et d'art parait\npar volumes de 200 pages grand format, papier\nluxe I Au premier numero: M. de Noailles, H de\nRegnier, Emile Verhaeren, AndrS Qide, Viel&\nGriffin, Nicolas Beauduin, J. H. Rosny aine, Pierre\nMifle, Han Ryner, Camille Mauclair, T. de Visan,-\netc; des traductions de Pouhkine, Walt Whitman,\nByron, D. G. Rosetti / Abonnement France 10 fr\nEtranger 12 fr (envoi d'un numero specimen contre\nla somme de 3 fr / Direction et Administration\n20 rue de Chartres / Paris Neuilly\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten iShrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 t\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MjquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen—\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fur Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt:\nLutzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Bucher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und>\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nTltania-Schreihmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern j\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchflneberg-Berlin. Generalvertreter fur BerMn\nund die Mark Brandenburg: Louis S tang en,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94,\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartottt-\nlabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinblndt"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.1", "texte": "Umfang acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W 9/ Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAusstellungsräume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN APRIL 1913\nNUMMER 156/157\n\nInhalt:\nWilhelm Hausensteiii: Literatur zu den neuen Kunstbewegungen / Isidor Quartner: Gedichte / Paul Scheerbart: Herr Kammerdiener Kneetschke /\nErnst Wilhelm Lötz: Gedichte / Arthur Babillotte: Die Schwermut des Genießers / Elisabeth Epstein: Das Lächerlichsein / Marie Original-\nholzschoitte / Franz Marc: Originalholzschnitt / G. MÜnter: Zeichnungen\n\nMarie Laurencin: Originalholzschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.2", "texte": "Literatur zu den neuen\nKunstbewegungen\nWilhelm Hausenstein\nAllen denen, die nicht gewohnt sind, Neues von\nvornherein mit bequemer Grundsätzlichkeit ab-\nzulehnen, sondern zum mindesten den Versuch\nmachen wollen, einzudringen, bevor sie urteilen,\nsei eine Schrift von Dr. Ludwig Coellen\nüber „Die neue Malerei\" (München, Bonsels)\nlebhaft empfohlen. Und nicht nur ihnen, sondern\nauch allenen denen, die mit den neuen Kunst-\nbew/egungen bereits entschlossen sympathisieren.\nAuch sie werden eine Menge von neuen Auf-\nschlüssen und Anregungen erhalten. Der Haupt-\nwert der Schrift liegt jedoch darin, daß sie, wenn\nsie nur einigermaßen ohne Vorurteil gelesen wird,\nein breiteres Publikum von Kunstfreunden ge-\nwinnen kann, die den neuen Ereignissen in der\nKunst bis jetzt mit einer etwas sonderbaren Er-\nbitterung den Rücken gekehrt oder wenigstens\nstark an ihnen gezweifelt haben. Coellen geht\nganz von unten auf zu Werke. Er erörtert die prin-\nzipiellen Vorfragen der Kunst: Er erörtert sie —\nund das macht die Debatte ungemein gediegen —\nnicht abstrakt-ästhetisch, sondern kulturphiloso-\nphisch. Er gibt eine Kulturphilosophie des Impres-\nsionismus, der ihm nicht eine losgelöste kunst-\ngeschichtliche Erscheinung, sondern ein bestimmter\nhistorischer Lebenstypus ist, und er zeigt, wie aus\nder Katastrophe dieses Lebenstypus ein neuer Typus\nhervorwächst. Er gibt dem neuen Lebenstypus\nden Namen einer „neuen Romantik\", über den sich\nstreiten läßt wie über Manches, das in der Schrift\ngesagt wird. Was der Name und auch die Schrift\nim Grunde meint, ist gleichwohl gut und klar:\nCoellen vertritt die begründete Meinung, daß sich\ndie seelische Disposition, die man impressionistisch\nnennt und die mit einer gewissen schwtmglosen\nNaturwissenschaftlichkeit rein oder fast rein auf\ndie begrenzten natürlichen, gegenständlichen Ein-\ndrücke eingestellt war, immer mehr auflöst und\ndaß der impressionistische Materialismus einer\naprioristischen, einer ungegenständlichen, einer frei\ndichtenden Geisteskultur Platz macht. Die Kunst\ndieser neuen Kultur hat keine Organe für das Na-\ntürliche und Gegenständliche; ihre Organe sind\nOrgane einer frei verfügenden, einfach schöpfe-\nrischen und überschwänglichen Einbildungskraft.\nCoellen nennt diese Geistesdisposition Romantik.\nMan könnte sie auch künstlerische Metaphysik\noder künstlerische Religiosität nennen. Es handelt\nsich mit einem Wort um die Katastrophe des künst-\nlerischen Monismus, um die Katastrophe einer rein\nnaturwissenschaftlichen Kultur. Die Dialektik der\nGeschichte scheint uns in ein Gegenteil dieser\nNaturwissenschaftlichkeit hineinzutreiben. Coellen\nzeigt die Wandlung an van Gogh — •.über den er\nübrigens bei manchem Schönen etliches sehr Miß-\nlungenes sagt —, an Cezanne, an Hodler, an Gau-\nguin, an Matisse und — ganz vorzüglich — an\nPicasso. Er behandelt die Fragen alle mit der\ngrößten Ruhe: nicht apostolisch, sondern mathe-\nmatisch demonstrierend. Selten ist in Kunstdingen\nmit dieser ruhig überzeugenden Art gesprochen\nworden. Wer diese Schrift intensiv gelesen hat,\nder muß — es ist gar nicht anders möglich — zu\nden neuen Kunstbewegungen ein Verhältnis ge-\nwinnen, das mehr ist als ein stumpfes, uninteres-\nsiertes oder entrüstetes Nein.\nNächst der vortrefflichen Schrift von Coellen ist\ndie reizende Arbeit zu nennen, die der Pariser\nKunsthändler Uhde dem Andenken seines Freun-\ndes Henri Rousseau gewidmet hat (Paris,\nEugene Figuiere.) Dies Buch gibt sehr viel Prin-\nzipielles über das Künstlerische überhaupt, über\ndie neue Kunst insbesondere. Es gibt weiter eine\nköstliche Analyse der Seele des Malers Henri\nRousseau, dieses unvergleichlichen, herrlichen\nNaiven. Alles aber ist bei Uhde in dem liebens-\nwürdigen Ton der Fabel geschrieben: ganz schlicht,\nübrigens sehr unpreziös, mit der stillen und inngen\nSelbstverständlichkeit:, mit der Rousseau gemalt\nhat und mit der die unzersetzten Ueberzeugungen,\ndie unbeirrbar Gläubigen den Dingen gegenüber-\nstehen. Wer nicht gern philosophischen Stil liest,\ntut vielleicht gut, zuerst diese Schrift und dann die\nCoellens zu lesen.\nDie dritte Arbeit, die der lebhaftesten Empfeh-\nlung würdig ist, stammt von den französischen\nMalern Albert G 1 e i z e s und Jean Metzin-\nger und führt den aufregenden Titel: „Du Cu-\nbi s m e\". (Paris, Figuiere) Die Schrift ist sehr\nwertvoll durch gescheite .Formulierungen der\ngrundlegenden Kunstprobleme. Gleizes- und Met-\nzinger geben die Philosophie des „Bildes\", das\nihnen zu den Impressionen der älteren Generation\nim heftigsten Gegensatz steht. Man sieht übrigens\nmit angenehmen Empfindungen, daß diese Neuen\nvon jedem verbohrten Radikalismus fern sind. Sie\nverehren Courbet, der das klassische Gegenteil der\nmodernsten Kunst genannt werden könnte: sie ver-\nehren ihn, weil alles, was irgendwie „Bild\" ist,\nschließlich identisch ist. Sie zeigen dann, wie die\nKunst, um heut „Bild\" zu werden, einer Heraus-\narbeitung der bildschaffenden, das heißt ,rein for-\nmalen, konstruktiven Mittel bedarf. Allerdings:\neine spezifische Begründung des kubistischen Mit-\ntels wird kaum gegeben. Aber vielleicht wäre,• es\nein böses Zeichen für die künstlerische. gefühls-\nmäßige Notwendigkeit des kubistischen Mittel, ließe\nes sich im Moment seiner praktischen Entstehung\nsofort auf eine Doktrin reduzieren. Wäre es so,\ndann wäre der Kubismus schon im Moment seines\nWerdens Geschichte — Literatur. Aber so liegen\ndie Dinge nicht. Man sieht, wie sich in diesem\nBuch das Bewußtsein noch mühen muß, den ge-\nfühlsmäßigen, künstlerischen Notwendigkeiten nach-\nzukommen: und das ist gut.\nEs mag schließlich noch erwähnt sein, daß L e\nFauconnier gelegentlich großen Aus-\nstellung bei . Goltz in München, die ganz Wunder-\nvolles gebracht hat, eine kleine Studie geschrieben\nhat, die bei Goltz zu haben ist Sie sagt nicht prin-\nzipiell anderes als wie die genannten Schriften.\nAber sie fesselt als selbständige Formulierung der\nZeitbewegungen.\n\nGedichte\nFülle\nIsidor Quartner\nBraun von Sonne\nFüllt reifer Weizen meine hohle Hand.\nDa mein M-und nun spricht,\nSchaut auf alle Gottheit unter Bäumen\nUnd lächelt über das Leben.\nGottheit, die Hände beugend im Schöße:\nDu bist die Fülle.\nAber die Menschen sind Speicher.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nWenn die Gottheit schaut, . .\nWerden schwer die Aehren.\nDes Irdischen Blicke sind Schnitter und Ernte-\nwagen.\nDu Kind mit der kleinen Garbe im Arme:\nKrüge süßen Metes voll\nt\nSind die dunklen Wolken\nI\nHinter den goldenen Feldern.\nOh du Kind mit der kleinen Garbe im Arme!\nDeine Augen sind groß:\nEs blüht in ihnen ein lichtes Land mit silbernen\nStrömen,\nAn denen du ganz einsam sitzest und spielst.\nDes Nachts,\nWenn die Sterne Singende wandeln die weiße\nStraße:\nManch einer stürzt da in rauschendes Korn\nUnd wird auf der Erde geboren.\nDann sitzest du, Kind, mit der kleinen Garbe im\nArme\nIn deinem nachtblauen Lande an silbernen Ströme«\nUnd lächelst über das Leben\n* * *\nIch ging dir nach durch schnittreife Felder.\nWie sich da neigten die Aehren\nUeber deinen Weg.\nZwischen den Halmen\nBeugten sich tief die demütigen Kinder\nUnd legten die Hände auf Stirne und Herz.\nAuf den Scheiteln der Berge,\nVon Wolken umhüllt,\nWill ich dir dienen.\nDeine Hände, die mich segnen,\nSind goldene Sonnen\nUeber meinem Haupt.\nMein Antlitz ist ganz verschüttet\nVom lichten Staube der Lilien,\nDie in den Falten deines Kleides blühen,\nMeine Stirne und meine bestirnten Brauen\nUnd der Boden vor dir\nBeten zusammen.\nNur daß deine Flügel noch im Winde rauschen . . 4\n\nHerr Kammerdiener\nKneetschke\nVon Paul Scheerbart\n\nEine Kamerdiener-Tragödie\nin fünf Aufzügen\nPersonen:\nFürst Wladimir Zaborrek, ein Bräutigam\nGraf Hellmuth Patzig, ein Schwiegerpapa\nGräfin Meta Patzig, eine Schwiegermama\nGräfin Kathi Patzig, eine jugendliche Braut\nGroßvater Patzig, ein Geist mit weißem Vollbart\nKneetschke, ein herrschaftlicher Kammerdiener\nEin Postbote in Kürassier-Uniform\nVerwandte des Brautpaares (Onkel, Tante, Basen\netc)\nund ;ganz gewöhnliche Domestiken, die nichts zu\nsagen haben.\nDie Handlung spielt in der nächsten Zukunft\nauf den Brettern der „blauen\" Bühne."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.3", "texte": "G. Münter: Zeichnung\n\nG. Münter: Zeichnung\n\nFranz Marc: Originalholzschnitt\n\nVorwort\nzur blauen Bühne\nZur Herstellung der blauen Bühne sind erforder-\nlich: drei höhere Wandschirme, die mit Tuch oder\nPapier von preußisch-blauer Farbe überzogen sind.\nZwei dieser Wandschirme rechts und links recht-\nwinklig zur Lampenreihe aufgestellt, der dritte\nWandschirm bildet rechtwinklig zu den beiden\nandern den Hintergrunnd — doch so, daß hinten\nrechts und links ein meterbreiter Durchgang\nbleibt.\nDie Kostüme sind mit Ausnahme des Postboten\nund des Großvaters im Hofgeschmack des acht-\nzehnten Jahrhunderts zu halten — doch mit Frei-\nheit und mit Vermeidung der blauen Farben — nur\ndie Zopfperrücke muß hellblau sein.\nDen Vorhang bilden zwei hellblaue Gardinen,\ndie in den ersten Aufzügen von zwei Kavalieren\ndes achtzehnten Jahrhunderts mit weißen Zopf-\nperrücken feierlich und graziös mit Degensalut\nund ähnlichen Scherzen auseinander und auch zu-\nzuziehen sind\nErster Aufzug\nVor der Mitte jeder Wand steht ein Stuhl.\nKneetschke: Ih, sieh da! der Postbote! Na?\nImmer noch die Hand am Schwert?\nPostbote: Zu Befehl! Wohnt hier Herr\nKnutschke?\nKneetschke: Nein, mein Lieber! Der Herr\nwohnt hier nicht.\nPostbote: Ach so! Wollte sagen: Knietschke!\nWohnt hier Herr Knietschke?\nKneetschke: Nein, mein Lieber! Der Herr\nwohnt auch nicht in diesem Palaste.\nPostbote (holt seine Brille vor und liest die\nAdresse einer Postkarte ganz genau: Natürlich!\ndas heißt Kneetschke! Wohnt der Herr\nKneetschke vielleicht hier?\nKneetschke: Herr Kneetschke bin ich selbst.\nPostbote: Hier ist eine Postkarte für Euer\nGnaden.\nKneetschke: Wie? Für mich? Das wagen\nSie?\nPostbote: Ja, was ist denn dabei?\nKneetschke: Mein Lieber, ich bin wohl ge-\n•' wöhnt, eingeschriebene Briefe in Empfang zu\nr 'nehmen, gelegentlich nehme ich auch einfache\n.• Briefe an, wenn ich von ihren Inhalt vorher in\nKenntnis gesetzt wurde — aber offene Post-\nkarten, mein Lieber, sind für miich nicht da.\nGehen Sie fort! (Ab hinten links)\nPostbote: Das muß ja ein sehr vornehmer Herr\nsein. Na, ich lege die Karte in die Mitte des Pa-\nlastes. (Er tuts und geht säbelrasselnd hinten\nrechts ab.)\nGräfin Kathi Patzig kommt mit zwei weib-\nlichen Domestiken von hinten links auf die Bühne.\nDie drei haben große Strohhüte auf dem Kopf*=\nund Sonnenschirme in der Hand, die im Folgenden\nzugemacht werden.\nKathi: Ach, wenn der Frühling kommt, dann ist\nEuropa so schön —so sehr schön. Und ich liebe\ndie Schönheit.\nDie beiden Domestiken (die Postkarte auf\ndem Boden erblickend): Ah!\nKathi: Na?\nDie beiden Domestiken (auf die Karte mit\ndem Sonnenschirm weisend): Da!\nKathi: Ia! Holt sofort meinen Papa und meinen\n— Wladimir.\n(Die beiden Domestiken hinten rechts und links\nab)\nKathi: Haha! Hinter der Karte steckt ein Ge-\nheimnis! Schnell! (Sie hebt die Karte auf und\nliest): Herrn Kneetschke hier. Viktoria-Straße 17.\nMein lieber Kneetschke! Sie sind der größte Esel\nvon ganz Europa! Und es imponiert mir, daß\nSie all die vielen andern Esel Europas so über-\nragen. Mit Ihnen ist ein Geschäft zu machen.\nIch besitze eine Menagerie lebendiger Monstro-\nsitäten — darf ich Sie für diese Menagerie als\nRiesenesel engagieren? Sie erhalten monatlich\ntausend Mark Gage und freies Futter. Ich bin\nIhr Freund Michel Männlich.\n(Kathi ringt die Hände und verbirgt die Karte\nin ihrem Sonnenschirm, während hinten rechts\nder Papa und links 'der Wladimir erscheinen.)\nPapa und Wladimir (zu gleicher Zeit sehr\nlaut): Kathi!\nKathi (läßt vor Schreck den Sonnenschirm fallen):\nWladimir!\nWladimir (fängt die Kathi in seinen Armen\nauf): Was fehlt dir? Was hast du da in den\nSonnenschirm gesteckt?\nKathi: Es ist ein Geheimnis.\nPapa (die Karte aus dem Sonnenschirm ziehend):\nDa werden wir gleich dahinterkommen.\nWladimir: Setze dich nur, mein liebes Bräut-\nchen. (Führt sie zum hinteren Wandstuhl, auf\ndem sie sich langsam niederläßt.)\nPapa: Das ist ja eine Gemeinheit! Der arme\nKneetschke!\nWladimir (eilt auf dem Papa zu, nimmt ihm die\nKarte aus der Hand, liest und lacht — und lacht\nso heftig, daß er sich auf den linken Wandstuhl\nsetzen muß. Der Papa setzt sich auf den rechten.)\nPapa (ernst): Kathi, hol den Kneetschke her!\nWladimir (nachdem die Kathi fortgegangen ist):\nLieber Papa, Sie wollen doch nicht jetzt mit dem\nKneetschke über diese Karte sprechen, nicht\nwahr?\nPapa: Nein, ich will mit ihm über die Verlobungs-\nkarten sprechen.\nWladimir: Schön! Und diese Postkarte über-\nlassen Sie mir, nicht wahr?\nPapa: Jawohl! Lach blos nicht so viel, mir ist\nbei allen unseren Geldsorgen durchaus nicht\nlächerlich zu Mute\nWladimir: Mir eigentlich auch nicht.\nPapa: Hm! (Kneetschke kommt von links und\nverbeugt sich feierlich — erst vor dem Grafen\nund dann vor -dem Fürsten.)\nPapa: Kneetschke, die Verlobungskarten sollen\ngedruckt werden — und zwar auf neuen Hundert-\nmarkscheinen mit Goldlettern: Kathi Patzig und\nWladimir Zaborrek, Brautpaar. Weiter nichts.\nBesorgen Sie das.\nKneetschke: Gnädigster Herr Graf, Ihr seliger\nHerr Großpapa ließ Verlobungskarten stets auf\nTausendmarkschjeanen drucken. Davon dürfen\nwir nicht abgehen.\nWladimir: Ach! Das wird schön.\nPapa: Mein lieber Kneetschke! Wir haben fünf\nhundert Verlobungsanzeigen zu versenden —\nso viel Tausendmarkscheine habe ich nicht.\nKneetschke: Dann dürfte eben die Verlobung\nnicht stattfinden.\nWladimir: Kneetschke! Sie sind wohl verrückt\ngeworden!\nKneetschke: Durchlaucht! Mir geht die Ehre\nder Familie Patzig über Alles — sie ist mir auch\nmehr wert — als mein bischen Verstand.\nWladimir (springt auf und gibt dem Kneetschke\ndie bewußte Postkarte): Da — les Er mal das!"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.4", "texte": "Kneetschke (liest und taumelt langsam rück-\nwärts — bis er auf den hintern Wandstuhl fällt):\nOh! Oh! Oh!\nWladimir setzt sich wieder auf den linken\nWandstuhl und lächelt'\nPapa: So! So! So!\nMit einem Ruck erheben sich dann alle drei und\nstehen steif da — Kneetschke hebt seine beiden\nFäuste hoch zum Himmel empor, Wladimir\nfaltet über seinem Haupte seine Hände — und\nder Papa spreizt die zehn Finger seiner beiden\nHände weit und ausdrucksvoll auseinander.\n. Gardine!\nZweiter Aufzug\nJetzt stehen zwei Stühle vor jeder Wand. In\nder Mitte jeder Wand hängt ein ovales Fami-\nlienbild.\nKneetschke: Gnädigste Gräfin Kathi! Ich be-\nschwöre Sie — schieben Sie die Verlobung auf!\nEin Fürst, der seine Verlobungskarten nicht\neinmal auf Tausendmarkscheinen drucken lassen\nkann, ist es nicht wert, von einer geborenen\nPatzig geliebt zu werden.\nKathi: Kneetschke, Sie machen mich unglücklich!\nKneetschke: Lassen Sie nur, das vergeht\nwieder.\nKathi (mit dem Fuße aufstampfend): Wenn Sie\nlieber vergehen möchten!\nMama (von links mit wallenden Locken): Aber\nKathi! Kathi! Wie kannst du nur den Fußboden\nso behandeln?\nKneetschke: Komtesse ist verliebt.\nMama: Schweigen Sie, Kneetschke!\nPapa (von rechts im Dreispitz): Was ist denn\nhier los? Gibts auch hier einen Aufruhr? Sind\ndenn die Rebellen überall?\nKathi: Ach Papa! Dieser verrückte Kneetschke\nwill mich bereden — ach — meinem Wladimir\nuntreu zu werden. (Weint schluchzend mit'm\nTaschentuch.)\nMama (kreischend): Was? Will dieser Kneetschke\ndich heiraten? Sollst '»du Frau Kneetschke\nWerden?\nPapa: Aber Gemahlin! Werde doch nicht lächer-\nlich. So ist's doch nicht gemeint. Kneetschke,\nholen Sie den Fürsten! (Kneetschke ab)\nKathi: Papa, das sage ich dir jetzt in allem\nErnste, ich bleibe meinem Wladimir treu und\nwenn die ganze Welt in Stücke gehen sollte\nPapa: Kinder, beruhigt Euch blos! (er legt seinen\nDreispitz auf den vorderen Stuhl rechts.)\nMama: Da soll ja der Teufel ruhig bleiben! Wer\nkann denn das aushalten? Ich habe mir »die\ngrößte Mühe gegeben, die Verlobung endlich zu-\nstande zu bringen — und jetzt soll mir ein Kam-\nmerdiener alle meine feinen Netze zerreißen?\nPapa: Meta, beruhige 'dich blos!\nKathi: Das ist ja herzzerreißend.\nPapa (sehr laut): Kinder, beruhigt Euch blos!\nWladimir (auch im Dreispitz): Ja, Kinder, be-\nruhigt Euch blos! Die Rebellen haben sich auch\nberuhigt — und Euer Kneetschke wird auch be-\nruhigt werden. (Er legt seinen Dreispitz auf den\nvorderen Stuhl links.)\nPapa: Wladimir, nimm nur erst Platz! Bitte,\nneben deinem Dreispitz! Ich tu's auch! Frauen-\nzimmer, setzt Euch da hinten hin und seid mal\nein bißchen still. (Alle vier setzen sich.)\nM ama: Ach, Wladimir, ich bin so unglücklich.\nKathi: Ach, Wladimir, ich bleibe dir treu — wie\nes auch kommen mag, es ist mir alles ganz egal.\nMama: Mein mutiges Kind!\nPapa: Nun seid doch endlich mal still und laßt\nden Wladimir mal reden.\nW laidimir: Ja, das möchte ich.\nPapa: Bitte!\nWladimir: Die Sache ist doch so einfach: Wir\nlassen, um Euren Kneetschke zu beruhigen —\ndamit er nicht Radau schlägt —- einfach falsche\nTausendmarkscheine anfertigen. Da diese mit\nder Anzeige bedruckt werden, können sie doch\nnicht in den Verkehr gebracht werden — und da-\nmit ist doch jede Gefahr ausgeschlossen.\nKathi: Na natürlich! Oh, wie einfach!\nMama: Wladimir, du bist ein Genie!\nPapa: Die Sache ist tatsächlich vom juristischen\nStandpunkt aus unantastbar. Die falschen Tau-\nsendmarkscheine können von uns zu Verlobungs-\nzwecken wohl gebraucht werden.\nKathi: Aber Kneetschke darf nichts davon er-\nfahren. Pst!\nWladimir (leise): Selbstverständlich! Zum\nDanke für meine gute Idee müßt Ihr jetzt aber ein\nbischen Menuett mit mir tanzen.\nKathi (leise): Mit Wonne!\nMama (ganz leise): Aber wir haben ja keine\nMusik!\nPapa (auch ganz leise): Das ist ja gerade das Be-\nruhigende an diesem Menuett.\nDie Vier tanzen Menuett ganz leise ohne Musik.\nUnd die Gardinen werden vorsichtig: ganz\nleise zugezogen.\nDritter Aufzug\nKeine Stühle — oben an den Wandschirmen\nTannenguirlanden mit großen roten und gelben\nPapierblumen.\nWeibliche und männliche Domestiken gehen\nund laufen über die Bühne mit Schüsseln, Tel-\nlern, Flaschen, Blumen, Kuchen und Körben.\nEinzelne Domestiken flüstern sich vorne was\nins Ohr — eilen aber bald wieder weg. Aus\nden Hinterzimmern hört man Gläserklirren und\nHochrufen.\nWährenddem erscheint Kneetschke und schrei-\ntet nachdenkend, die Hand am Kinn, durch die\nDomestiken hindurch.\nUnd danh erscheint, während die gewöhnlichen\nDomestiken verschwinden, das glückliche\nBrautpaar, ohne den Kneetschke, der vorne\nrechts stehen bleibt, zu bemerken.\nWladimir: Willst du sehen, wie die Tausend-\nmarkscheine leuchten? (Er holt ein paar Scheine\naus der Brieftasche hervor und schwenkt sie in\nder Luft herum und erblickt dabei den\nKneetschke.)\nKneetschke: Durchlaucht wollen entschuldi-\ngen, daß ich mich nicht früher bemerkbar\nmachte — aber ich dachte gerade über das\n'Leben nach — ich bin ein ehrbarer Mann und\nkann mir dieses Nachdenken nicht abgewöhnen,\nda es doch so viele Dinge gibt, die sich mit der\nEhrbarkeit eines ffesten Charakters nicht ver-\ntragen.\nW'ladimir: Kneetschke! Sind Sie Professor ge-\nworden?\nKneetschke: Durchlaucht! Ich bleibe, was ich\nbin — bloß ein ehrbarer Mann und ein fester\nCharakter.\nKathi: Und Sie bleiben dafür auch ein langweili-\nger Peter; bleiben Sie da stehen — wir gehen.\n(Mit Wladimir scherzend hinten rechts ab.)\nKneetschke: Ob das noch eine echte Patzig\nist? Ich fürchte, dieser Wind-Fürst, der mit\nseinen Tausendmarkscheinen so viel Wind\nmachte, hat diese Patzig demoralisiert. Hm!\n-Wie kann man nur mit so kostbaren Scheinen,\ndie außerdem noch zu Verlobungszwecken ver-\nwendet werden sollen, so viel Wind machen?\nWie kann man nur? Hm, hm! (Papa und Mama\nkommen.)\nPapa: Ich fürchte, daß das Unglück nicht fern ist.\nMama: Ach! Wie hab ich mich erschrocken! Da\nsieht ja der Kneetschke!\nKneetschke: Bitte um Verzeihung, Euer Gna-\nden! ich gehe schon!\nPapa: Bleiben Sie stehen. Haben Sie die Hun-\ndertmarkscheine zum Drucker getragen?\nKneetschke: Euer Gnaden mögen vergeben —\naber ich habe die Scheine nie bekommen.\nMama: Aber Hellmuth! Jetzt sprichst du wieder\nvon Hundertmarkscheinen. Was soll der\nKneetschke bloß davon denken? Wladimir hat\ndoch schon die Tausendmarkscheine — besorgt\nKneetschke: Ah! Der Fürst Wladimir Zabor-\nrek hat die fünfhundert Tausendmarkscheine be-\nsorgt? Ja — dann darf er sich mit ihnen auch\nden Wind zufächeln — das ist etwas anderes.\nPapa: Was heißt das, Kneetschke?\nKneetschke: Durchlaucht waren vorhin hier\nund taten, wie ich sagte. Ich hab's mit meine«\neigenen Augen gesehen, als ich gerade übers Le-\nben nachdachte.\nBrautpaar (hinten links): Mama! Mama!\nMama: Ich komme ja schon! Was wollt Ihr denn\nvon der Mama? (Hinten links ab.)\nKneetschke (erschreckend): Ah!\nHinten rechts erscheint der Geist des Groß-\nvaters Patzig in langem Barte, geht langsam\nan der hinteren Wand entlang und bleibt in\nder Mitte stehen. Papa und Kneetschke tau-\nmeln nach rechts und links an die Seitenwände,\nGeist: Kneetschke! Behüten Sie die Ehre der\nFamilie Patzig. (Der Geist geht langsam weiter\nund verschwindet hinten links, und Kneetschke\nfällt auf die Erde, während der Papa die Hände\nvors Gesicht schlägt.\nDie Gardinen ziehen sich von selber zu.\nVierter Aufzug\nJede Wand ohne Girlanden mit verschiedenen\nsymmetrisch aufgehängten Familienbildern —\nhinten Sofa, Sofatisch, Fauteuil auf einem Tep-\npich. Vorne rechts und links Tische, Schränk-\nten oder Aehnliches.\nDer Postbote und der Kneetschke\nPostbote: Ja — wissen Herr Kneetschke schon,\nwer die Postkarte mit dem Esel geschrieben hat?\nKneetschke: Wer hat das getan?\nPostbote: Werden Sie mich nicht verraten?\nKneetschke: Nein! (Gibt ihm einige Bank-\nnoten.)\nPostbote: Ich danke, mein Herr! Fürst Wla-\ndimir Zabörrek schrieb die Karte mit dem Esel.\nKneetschke: Ih!\nPostbote: Ja!\nKneetschke: Eh!\nPostbote: Adjeh!\nDomestiken eilen durchs Zimmer und flüstern\ndem Kneetschke was ins Ohr.\nEin Onkel und eine Tante erscheinen alsdann.\nOnkel (setzt sich aufs Sofa): Kneetschke, Sie sind\nein alter treuer Diener des Hauses Patzig.\nTante (setzt sich auch aufs Sofa): Kneetschke,\nWir haben Ihnen deshalb eine Mitteilung zu\nmachen.\nKneetschke: Euer Gnaden sind zu gütig.\nTante: Ja, das sind wir.\nOnkel: Die Tausendmarkschein, auf denen die\nVerlobungsanzeigen gedruckt worden sind —\nT ante: Sind —\nOnkel: Sind —\nKneetschke: Sind?\nOnkel: Sind gefälscht!\nKneetschke (sich krümmend): Oh! Oh! Ach,\ndu meine Güte! Hat mir's doch geahnt! Hat\nmir's doch geahnt! (Er rennt umher in ge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.5", "texte": "Marie Laurencin: Originalholzschnitt\n\nkrümmter Haltung und bricht dann weinend auf\neinm Fauteuil zusammen.)\nK athi: Guten Tag, lieber Onkel! Guten Tag, liebe\nTante! Wie werden sich die Eltern freuen, Euch\nwiederzusehen! Gleich will ich die Mama suchen\ngehen. Ich komme sofort wieder. Kneetschke,\nsuchen Sie den Papa. Schnell! Schnell! (Ab\nlinks.)\nKneetschke (aufgestanden in straffer Haltung):\nIch werde den Herrn Grafen aufsuchen. (Auch\nab — rechts)\nOnkel: Der arme Kneetschke!\nTante: Die armen Patzigs!\nOnkel: So sich blamieren!\nT ante: Das beklagenswerte Brautpaar!\nOnkel (nimmt eine Prise Schnupftabak): Diese\nFalschmünzer! (Niest)\nT ante: Siehst du? Das mußt du beniesen.\nOnkel: Das kam vom Priesen. (Niest wieder)\nKneetschke: Der Herr Graf wird gleich kom-\nmen. Ich aber weiß, was hier zu tun ist.\nTT a n t e.: Nun ?\nKneetschke: Die Familie Patzig muß ihre\nSchuld — sühnen.\nOnkel: Wie?\nKneetschke: Dadurch, daß sämtliche Ange-\nhörigen der Familie — mit Ausnahme des Für-\nsten Zabörrek, der ja Gott sei Dank noch nicht\nzur Familie gehört, ihrem Leben —\nT ante: Um Himmelswillen!\nOnkel: Kneetschke!\nKneetschke: ihrem Leben, sage ich, mit\nGewalt —\nT ante: Kneetschke, nicht mit Gewalt!\nKneetschke: Gut — also sagen wir durch —\nSelbstmord —-\nTante: Die Aermsten! (Weint mit Taschentuch.\nDer Onkel zieht auch sein Taschentuch des\nSchnupftabaks wegen.)\nKneetschke (mit fester, feierlicher Stimme):\ndurch Selbstmord ein Ende bereiten.\nOnkel: Das ist ja furchtbar!\nTante: Entsetzlich! (Alle drei wischen sich die\nAugen, Kneetschke steht wieder wie im dritten\nAufzug vorn rechts.)\nVon der rechten Seite hinten erscheint Papa\nPatzig, von der linken Seite Mama Patzig —\nbeide ziehen auch -ihre Taschentücher vor —•\nOnkel und Tante erheben sich. Eine peinliche\nPause entsteht.\nDie beiden Gardinen werden jetzt eiligst hin-\ntereinander von einem der beiden Kavaliere\nzugezogen.\nFünfter Aufzug\nDas Zimmer des vierten Aufzuges wird auf-\ngeräumt. Die Fauteuils stehen in Unordnung\nan den Seiten, der Teppich ist aufgeschlagen\nund Eimer, Besen, Schrubber, Schaufeln und\n(Bürsten liegen überall herum. Weibliche und\nmännliche Domestiken bürsten, fegen !ind\nputzen mit Eifer.\nVon rechts kommen Fürst Wladimir und\n(Kneetschke in größter Wut auf die blaue Bühne.\nWladimir: Das ist ja unerhört!\nKneetschke: Die Ehre der Familie Patzig geht\nmir über alles.\nWladimir: Kneetschke, das ist eine Frechheit!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.6", "texte": "Kneetscke: Frechheit und Ehre sind zwei\nganz verschiedene Begriffe.\nWladimir: Kneetschke, Sie sollten Rebellen-\ngeneral werden.\nKneetschke: Das wird nie geschehen!\nWladimir: Es wäre aber im Interesse aller Fa-\nmilien, die mit den Patzigs verwandt sind, sehr\nerwünscht.\nKneetschke: Warum?\nWladimir: Weils immer gut ist, wenn der\ngrößte Esel — unsere Feinde — anführt.\nKneetschke: Mich werden Sie niemals an-\nführen, Durchlaucht! Ich bin ein ehrenfester\nMann.\nWladimir: Sie sind der größte Esel von ganz\nEuropa.\nKneetschke: Immer noch besser als ein\nFalschmünzer — und auch besser als diejenigen,\ndie anonyme Karten schreiben.\nWladimir: Kneetschke, ich erwürge dich, du\nHund!\nKat h i (von links): Wladimir! Wladimir! Lade\nbloß keinen Mord auf dein Gewissen.\nWladimir: Kathi! (Dreht sich rasch um und\nküßt sie.)\nKathi: Uebrigens, Kneetschke! Ich will Ihnen\nwas sagen: nicht Wladimir hat die Karte mit\ndem Esel geschrieben — ich war's.\nKneetschke: Ha! Das ist was anderes! Also\neine echte Patzig hat ich herabgelassen, einem\nKammerdiener — eine — offene — Postkarte —\nzu — schreiben.\nKathi: Jawollja! Und jetzt denkt der Kammer-\ndiener, eine echte Patzig wird sich seinetwegen\ndas Leben nehmen. Zum Schießen!\nWladimir: Zum Totschießen! (Beide lachen.\nKneetschke zieht sein Taschentuch)\nKneetschke: O Schmach! 0 Schande!\nDie reinmachenden Domestiken verschwinden\nnach und nach — nehmen aber nur Schrubber\nund Besen mit.\nDer Papa und die Mama kommen.\nPapa: Welch ein Lärm ist das hier wieder?!\nMam a: Dieser Kneetschke!\nKathi: Mama, ich soll mich durchaus totschießen!\nM ama: Aber Kind, benimm dich doch anständig!\nPapa: Kneetschke, ich muß Ihnen jetzt in allem\nErnste verbieten, diese Tausendmarkscheine\nauch noch fernerhin aufzubauschen.\nWladimir: Die Geschichte ist ja einfach\nlächerlich.\nPapa: Selbstverständlich! Die Banknoten sind\nja nicht für den öffentlichen Verkehr bestimmt.\n' Ich habe mit meinem Rechtsanwalt darüber ge-\nsprochen und der Mann bekam einen Lach-\nkrampf.\nKathi: Der Aermste!\nM ama: Ist er schon außer Gefahr!\nPapa: Er liegt noch zu Bett!\nWladimir: Kneetschke sollte sich auch zu Bett\nlegen — das wäre das Vernünftigste.\nKneetschke: Sie haben beinahe Recht, Durch-\nlaucht! Aber ich brauche ein sehr großes Bett!\nWladimir: Was wollen Sie damit sagen?\nKneetschke: Die große Erde, auf der ich so\nlange lebte — die soll mein Bett sein.\nMama: Nehm Er sich die Sache doch nicht so zu\nHerzen.\nKathi: Die Geschichte ist ja lächerlich\nKneetschke: Wohl mag heutzutage die Ehr-\nlichkeit eine lächerliche Sache geworden sein.\nAber ich kann da nicht mehr mit. Der Betrug\nder Familie Patzig will doch — eine Sühne haben.\nPapa: Donnerwetter, Kneetschke! Jetzt mach\nEr. daß Er fortkommt!\nKneetschke: Ja, das wäll ich! Und vielleicht\nist mein Fortgang eine Sühne für die Schandtaten\nder Familie Patzig.\nWladimir: Verfluchter Hund! (Will Kneetschke\nschlagen, Kathi fällt ihm aber in den Arm.)\nKneetschke: Europa lebe wohl! (Er stößt sich\neinen langen Dolch ins Herz und fällt zu Boden.)\nDie Mama und Kathi fallen in Ohnmacht, die\nbeiden Männer wissen nicht, um wen sie sich\nzuerst bemühen sollen. Während dann Wla-\ndimir dem Kneetschke den Dolch aus der\nWunde zieht, erscheint links der Geist des\nGroßvaters Patzig mit einem Lorbeerkranz in\nder Hand, legt diesen auf das Haupt des Ster-\nbenden und geht langsam rechts ab, während\nWladimir und der Papa starr vor Entsetzen\nmit offenem Munde dem Gespenste nach-\nstarren und die Frauen langsam aus ihrer Ohn-\nerwachen, ohne die Szene zu begreifen.\nWeibliche Domestiken ziehen vorne mit Hilfe\nvon Schrubbern und Besen die Gardine zu, vor\nder langsam ein Tausendmarkschein aus der\nHöhe herunterfällt.\nEnde der Kammerdiener-Tragödie\n\nGedichte\nErnst Wilhelm Lotz\n\nDie Haide-Touristen\nSie liegen wie gemäht im Haidekraut\nIn ihren Köpfen stecken kurze Pfeifen.\nRauch quillt. Verweht. — Ein harter Mittag blaut;\nLicht glüht herab in breiten Strahlenstreifen.\nEiner sitzt wach mit vorgestrecktem Haupt.\nIn seinem Schoß blinkt eine Mandoline.\nSein Blick stößt vor, daß er der Landschaft raubt\nEin braunes Lied, das seiner Sehnsucht diene.\nUm ihn die Schläfer träumen von der Stadt.\nDer Traum warf sie zurück in ihre Zinnen,\nIns Trübe, das sie sonst umdüstert hat.\nDie helle Haide sank von ihren Sinnen.\nDoch jeder hat sein Mädchen dort. Das brennt\nJetzt rötlich auf in ihren müden Hirnen.\nUnd der, der einsam wacht und sieht, erkennt,\nDas kleine Licht auf ihren braunen Stirnen.\nUnd stark in gelbe Ferne späht er wieder.\nSchwül wogt sein Blut und trübt ihm sein Gesicht.\nHell auf den Höhen stehen viele Lieder.\nDoch er ist sehnsuchtsblind und sieht sie nicht.\nDie' Mandoline blinkt auf seinen Knien\nNoch stumm und wartend, da die andern wachen.\nUnd langsam folgt er. als sie weiterziehn,\nUnd sonderbar tönt ihm ihr gutes Lachen.\n\nMusik\nIm Wasgenwald tönte der Abendwind.\nIch ging in Straßburgs Sommerstraßen.\nVom Wasgenwald wehte Mus-ik über Dächern,\nDaß alle die Qiebel und blanke Zinken\nErglühend zitterten.\nUms Münster aber war die Luft von Purpur.\nHier, auf den Flügeln des Westes herüberge-\nkommen,\nHier sank das Lied der rot erstaunten Wälder\nHerab, hier wo Musik in Steinen wohnt.\nIhr großen Wälder mit den alten Stämmen\nUnd Felsen, rauh gezackt, dämmernde Dörfer,\nSo tief versenkt in roter Nebel Flut,\nUnd Wohlgerüche, die der Abend atmet.\nAlso voll Süße war das Spiel der Lüfte,\nDaß ich, nachlauschend dem Verklungenen.\nHier mitten im bunten Kreisen der Stadt —\nNur unter Tannen schritt, die seltsam wogen,\nNur Büsche glühen sah und Johanniswürmer\nUnd vor mir, der ich folgte, solch ein Mädchen,\nDas wie aus Tau gebaut war.\nUnd fern ein Licht, mein Haus, darin ich feiern\nwürde\nEin Fest der Sommerliebe bei rotem Wein\nUnd leisem Geigenstreichen.\nJa, deine Lippen dufteten so nach Harz\nUnd feuchten Gräsern, die ein Reh zerknickt,\nJa, du warst süß und berauschend wie das Lied,\nDas von den rot geschauten Bergen vorhin\nIn meine Adern gezittert ist. ,\n\nDie Schwermut des\nGeniebers\nEin Roman\nVon Arthur Babillotte\nWer ihn in diesen Monaten sah, hielt ihn für\nschwindsüchtig und redete von seinem baldigen\nTode. Alle waren des Glaubens, dies sei das Erb-\nteil seiner Mutter, der Tribut, den er der Natur\nentrichten mußte, und der für ihn schwerer und\nschmerzlicher war als für die, deren Mütter ihre\nKinder gesund und fröhlich empfangen. Selbst\nder Vater hielt ihn für verloren und beschloß, ihm\nseinen Wunsch zu erfüllen, da er ihn für den\nletzten großen Wunsch des Knaben hielt. Johannes\nselbst wußte, daß sein Körper durch und durch ge-\nsund sei; es schmerzte ihn, wenn er hören mußte,\nwie die Menschen davon sprachen, daß seine Mut-\nter die Schuld an seinem Untergange trage. Aber\nwenn er die zarte Frau gegen diese Reden ver-\nteidigen wollte, vermochte er es nicht, bevor er\nnicht die Pracht der blauen Stunde erlebt hatte.\nUnd sobald ihn diese Pracht wieder umfing, wußte\ner, daß es dennoch jene zarte Frau mit dem Dul-\ndergesicht sei, die langsam seine Seele mit ihren\nunheimlich süßen Melodien in sich hinübersauge und\nihn so dem Untergange preisgäbe. Es war für ihn\nein wollüstiger Schmerz, anhören zu müssen, wie\nsie seine reiche Mutter anklagten, und nicht im-\nstande zu sein, die Heißgeliebte zu verteidigen.\nSchon in seinen jungen Jahren trat die Freude am\nGegensätzlichen in seiner Seele stark hervor.\nSo kam der Tag, an dem ihn der Vater seinen\ngroßen Wunsch erfüllte, den Wunsch, ganz ein\nMusiker werden zu können.\nIch tue es schweren Herzens, Johannes, sagte\ner. Alle meine Vorfahren waren Gutsbesitzer, die\nihre Güter selbst bewirtschafteten, oder aber Offi-\nziere, die im Dienst Ihres Königs für die Ehre und\ndas Blühen des Vaterlandes lebten.\nVor allem fiel es ihm schwer, diesen Wunsch\nzu erfüllen, weil er selbst ganz unmusikalisch war\nund nicht begreifen konnte, daß einem Menschen\ndie Musik Lebenszweck sein könne. Er hatte nie\ndie Künstlerschaft seiner Gattin zu würdigen ge-\nwußt und ihre Musik stes nur als Unterhaltung\nund Schutz vor der Langeweile in untätigen Stüh-\n\nFortsetzung"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.7", "texte": "den betrachtet. Daß nun sein Junge so zart und\nunmännlich war und die Musik als Beruf ausüben\nwollte, darüber kam er nicht hinweg und gab mit\nenttäuschtem Herzen und nur darum seine Ein-\nwilligung, weil er dem einzigen Kind die Erfüllung\ndes letzten Wunsches nicht versagen mochte.\nFür den Knaben begann mit diesem Tage eine\nneue Zeit. Die Zeit des Reifens, die ihn aus der\nherrlichsten Erwartung in die düsterste Hoffnungs-\nlosigkeit warf, die ihn hin und her zerrte, ihn\nquälte, daß er manchmal an sich und allem ver-\nzweifelte, die ihm das Jauchzen der Begabung\nlaut in die Seele schrie und ihn mit unbarmherzi-\ngem Hohn vor sich selbst klein und verächtlich\nZU' machen suchte. Er ging in die Millionenstadt,\nvon der seine Seele in Stunden der heroischen\nWillenskraft geträumt hatte; er warf sich in das\nfieberhafte Leben und meinte, tausendgestaltig,\nwechselvoll zu sein, wandlungsfähig wie ein Gott.\nSeine Füße fanden die Erde wieder, die Vorstel-\nlungen seiner Phantasie gründeten sich jetzt auf\ndie Geschehnisse und Dinge der Erde;, so kam es,\ndaß er alle Linien und Formen der Großstadt in\ndas Riesenhafte emporzwang und mitten durch\nAlltag, den jeder in der Rastlosigkeit des Groß-\nstadtlebens empfand und ohne Illusionen hinnahm,\n\\ .\nwie ein König schritt, dem die Lebensäußerungen\ngigantischer Wesen in himmelhohen Palästen Un-\ntertan waren. Selbst die wenigen Freunde sahen\nin ihm nur einen Sonderling, der das Leben nicht\nzu nehmen wußte und eines Tages an seiner Über-\nempfindlichkeit zugrunde ging. Das einzige, was\nihn aus der erdichteten Großstadtwelt in die Höhen\neiner erdfernen Farbenpracht und eines haltlosen\nTönereichtums zurückriß, war die Erinnerung an\ndie blauen Stunden mit der Mutter. Auch jetzt\nnoch fand er in der Hast und Ueberstürzung des\nheuen Lebens manchmal eine Stunde, in der eine\ntiefe Ruhe in ihm zu klingen anhob und ihn zur\nErweckung der toten Mutter trieb. Dann lag er\nauf der Chaiselongue seines einsamen Zimmers\nund weinte und erlebte wieder die Zeit seiner Eks-\ntasen. Nach diesen Stunden des erneuten Erleb-\nnisses erfüllte ihn jedesmal eine große Leere, die\nihn traurig und elend machte. Immer häufiger\nkam das quälende Bewußtsein einer völligen Ein-\nsamkeit zu ihm, immer aufdringlicher folterte ihn\ndie Erkenntnis der Fremdheit, mit der er den Men-\nschen gegenüber stand, eine Erkenntnis, die ihn\nzuweilen auch überfallen hatte, wenn er durch die\nWege des väterlichen Gartens gewandert war, um\ndie Musik der Blumen in sich aufzunehmen. Da-\nmals hatte er sie noch ohne Schmerzen abzu-\nschütteln vermocht; jetzt aber kam sie kraftvoller\nund ließ ihn einsehen, daß sie am Ende siegen\nwürde. Denn er hatte die blauen Abende nicht\nmehr, die ihm Kräfte verliehen, den Dingen und\nGeschehnissen von außen Widerstand zu leisten.\nEr hatte nur noch seine Erinnerung an die blauen\nAbende, und die machte ihn verzagt und nahm ihm\nallmählich allen Mut und alle Hoffnung. Und als\ndie Einsamkeit unerträglich zu werden begann, als\nseine Flucht zu dem Tönen in seiner Seele ihn\nnicht mehr zu erheben vermochte, stürzte er sich\nin das Leben, da, wo es am stürmischsten war. Er\nsah nur diesen Weg und hielt ihn für die Rettung.\nSeine Seele zitterte, wenn er durch eine finstere\nStraße gehen mußte, ein Taumel faßte ihn und\nkrampfte die Tätigkeit seines Willens zusammen,\nsodäß er sich nur noch mechanisch vorwärtsbe-\nwegte. Mußte er eine dunkle Treppe hinaufsteigen,\nlitt er unsägliche Qualen und konnte nur mit\näußerster Anstrengung einen Schrei der schreck-\nlichsten Verzweiflung zurückhalten. Er ließ die\nganze Nacht hindurch das elektrische Licht in\nzwei Birnen brennen, um nicht mit der Finsternis\n•allein zu sein. Aber bald gewährte ihm auch dies\nkeine Beruhigung mehr; seine Seele ahnte wohl\ndie Taten, die sie in der Zukunft vollbringen sollte,\naber sie besaß nicht die Kraft, den Körper durch\ndie Schrecknisse der Gegenwart hindurchzugelei-\nten, ohne daß er Schaden nahm. Unruhiger von\nTag zu Tag, von einer leeren Stimmung in die an-\ndere geschleudert, an nichts mehr glaubend, kam\ner endlich dazu, das Vorhandensein seiner Seele,\nseiner Geistigkeit, seines Künstlertums anzuzwei-\nfeln. Jener Augenblick, da vor ihm am Ende der\nPappelallee die Sonne aufgegangen war, und die\nmusikalische Kraft in ihm geweckt hatte, war in\nseiner Erinnerung zu einer unwesentlichen Episode\nverblaßt; wenn er sehr verzweifelt war, lachte er\nsogar spöttisch darüber. So trat an Stelle der Ge-\nfahr, ein unirdischer Träumer zu werden, für ihn\ndie Gefahr, jede Empfindung für die Regungen\nseiner Künstlerschaft zu verlieren und ein Tauge-\nnichts, im besten Falle ein ehrsamer Bürger mit\nDurchschnittsgedanken und Durchschnittswün-\nschen zu werden. .\nIn dieser Furcht und in der Angst vor der Ein-\nsamkeit stürzte er sich in das Leben und glaubte\nmit aller Inbrunst an die Rettung, mit einer In-\nbrunst, die der besitzt, dem der Tod des schmach-\nvollen Ertrinkens droht, und der plötzlich eine\nschwache Planke vor sich sieht. Er ging zu denen,\ndie schon Schiffbruch gelitten hatten; von ihnen\nhoffte er gerettet zu werden. Es war die Para-\ndoxie der verzweifelten Unerfahrenheit. Weil er den\nleisen Hohn der Freunde empfunden hatte, durch\ndie äußersten Empfindlichkeiten seiner Seele, war\ner mißtrauisch und endlich verschlossen geworden\nund hatte in diesen paar jungen Menschen, die für\nihn die gesellschaftliche Welt bedeuteten, das Ver-\nkehrte, das Unechte und Böse gesehen. Dies trug\nmit zu dem Entschlüsse bei, zu denen zu gehen,\ndie als Ausgestoßene der Gesellschaft galten und\nsich dessen voll bewußt wären. Sie nahmen ihn\nauf ihre Art und ließen sich vor ihm gehen, weil sie\nihresgleichen in ihm sahen. Er konnte sich lange\nnicht an ihre Freiheit gewöhnen, an die unkeusche\nUngebundenheit ihrer . Gedanken, an • die unver-\nhüllte Wollust ihrer Gebärden. Es stieß ihn ab.\nAber er fürchtete sich, in die Einsamkeit zurück-\nzukehren, und zwang den Abscheu zurück, bis er\nendlich schwächer sich nur noch in Stunden der\nSelbsterkenntnis über ihn warf, um ihn zu retten.\n\nFortsetzung folgt\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9\n\nDas Lächerlich sein\nVon Elisabeth Epstein\nLächerlich! — lächerlich ist alles, was keinen\nAusdruck findet und sucht, lächerlich ist alles,\nwas unbekannt ins Bekannte fällt; lächerlich ist\nechte Trauer neben sorgloser Freude, plötzlich\nhineintönend . . . Aufrichtiges Schauen, offene\nHände, heller und freier Gang im dumpfen,\nstickigen Räume. Kontrast. Lächerlich, ein\nschräger Schnitt durch gesetzte gerade Formen —\nfremdes Leid und fremdes Glück. Erinnerungen\nin Gegenwart einstürzend ... — und Menschen\nund Menschen wie Hähne, wie Hühner stolzieren\n— stolzieren auf Beinen mit großen Hintern, ernst\nund vornehm erhaben — wichtig. Kommt einer\nohne Allüren — lächerlich! — öffnet die Hände,\nhebt die Schultern und weiß nicht, woher er\nkommt und stammt — der Lächerliche!\nEs ist eine der Pflichten — Lächer-\nlichkeit. Wer das Lächerlichsein bis ans Ende\ngenoß, wer von diesem gelben zischendem, sprit-\nzendem Safte gekostet, der ist verloren für die\nMenschen, denn der kennt di e Pflicht des\nLächerli c h s e i n s. Er beugt sein Haupt und\ner biegt ein Knie vor seiner göttlichen Lächerlich-\nkeit. Die Menschen spotten und fürchten ihn, die\nMenschen fürchten das Lächerliche; — das tue\nich nicht — „ich mache mich lächerlich, ach, da\ngehe ich nicht hin — die Wege führen zum Lachen\n— dort tönt es spaßig und bös, das achselnr\nzuckende, vernichtende, spöttende Gelächter.\"\nUnd die Menschen fliehen auf andere Wege, wo\nStolz sie stützt und hält jund gewiegtes Köpf-\nneigen,- gemäßigtes „ja\" und gesättigtes „nein\".\nWer im Wirrwarr des Nein, im Streben des\nJa steht, seinen Kopf in die Hände nimmt und\nschluchzt, und zur doppelten Gotteinheit der Dinge\nbetet und schreit: hört, hört an — Dinge, die\nnicht waren, es gibt Dinge, die wahr sind, wenn\nauch unbekannt, denn sie sind von zweierlei\numwoben, hört an! —r der ist lächerlich —\nder Lächerliche!\n— Ja dann, nun lacht und ergötzt euch alle,\nnun sollt ihr viel, viel Spaß haben und bis cyns\nEnde eurer Tage die Bäuche halten und lachen\n— und lachen, daß ihr nicht mehr könnt — denr\\\nnun wollen wir nicht auf euch, achten und wir\nwollen euch nicht bitten, und wir wollen einen\nTempel bauen der Lächerlichkeit und werden\ndort Dienste abhalten Euch und Allen und dem\ndonnernden Gelächter der wehkranken Erde!\nLacht nun solange die Erde Euch trägt! Wir\nwollen ein Gebet aufs Lachen dichten und singen,\ndaß die Wände erzittern! — o ewige, o heilige,\nunendliche, bodenlose Lächerlichkeit, einzig ge-\npriesene, erhoben da oben — da oben bei Gott:\nWollen wir preisen den Klang der Silben der\nLä-cher-lich-keit! . . .\nStille? . .Stille? . . . Warum? Wurde nun\nSchweigen — Gelächter?\nJa so lacht doch, lacht!-. . .\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung: der ki#r\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet berttts\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwihato\nBücher zurück, falte Rückporto beigefügt wurde.\nArdengo Soffici\nCubismo e oltre / Mit Illustrationen nach\nWerken von Paul Cezanne / Pablo Picasso /\nGeorges Braque /' Ardengo Soffici / Umberto\nBoccioni / Carlo D. Carra\nFlorenz / Libreria della Voce\nArno Holz\nIgnorabimus / Tragödie\nVerlag Karl Reißner / Dresden\nLudwig Coellen\nDie neue Malerei / Der Impressionismus /\nVan Gogh und Cezanne / Die Romantik der\nneuen Malerei / Hodler / Gauguin und Matisse /\nPicasso und der Kubismus 1 Die Expressionisten\nVerlag E. W. Bonseis und Cie / München\nJules Leroux\nLa Muse Noire\nVerlag Eugene Figuiere et Cie / Paris\nJean de Brosschere\nDolorine et Les Ombres / Des Poemes\ndes arguments et des images\nBibliotheque de l'Occident / Paris"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191304-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen vo»\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durefe\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zella\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag'\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ebne Angabe 4er Grinde vor\nDruck von Carl Haute / Berlin SO 2f\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitschrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\nmenflber der von der Heydtstrafie\nLiitzowplatz\nVierzehnte Ausstellung\nFranz Mare\nOcfiifitet taglicb von 10—6 Uhr / Sonntafs vol\n1#—2 Vbr\nEintrHt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20. September 1913\nErster deutscher\nHerbstsalon\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer Strafie 134 a\nFeraruf Arat Ltitzow 4443\nZeltschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewfihattche Ausgabe: Fiir Deutschland\nBHd Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\nI Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnammer 40 Pfennig X Ffir das Ausland bei\ndlirekter Zustellnng durch >d i e Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\npiare auf holzfreiem Papier, Ver-\ntending in Rollen direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungam : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X Fiir das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbeziige, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nBer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen I Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFalls direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBegin n des neuen Vierteljahres bis\nzum fiinften des ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, da£ E i n -\nziehung des Betrages durch Nachnahme\nunter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwlinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis\nSonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: Versdhnung/\n/Tierlegende / Pferde /Tiger/Pferde\nHochformat / Die Hirtin I Der S £i e r /\nSchlafende Hirtin / Wildplerde /\nKuhende Pferde (handaquarelliert) / Dos\nExemplar 40 Mark\n\nMax Pechstein: Die Erlegung des F e s t -\nbra tens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExempiare vom Kiinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kattdinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdras-\nseur / Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miiiiter: Neujahrswunsch I Ftinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSciunkJt-Rottluff: Mann und Weib I Zwoii hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: P1 a k a t fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokosctika: N i i i n s k y / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Gedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik\nHerwarth Waklen: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von Amo Holz / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark j 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Bocciotfi: Das\nLachen j Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 I Umberto Boccioni: Das Lachen j Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\n\nZeitschriften\nL'Effort Libre / frnher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'Inddpendance I Halbmonatsschrift / Kflnste /\nKultur I Philosophie / Politik / * Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nonvelle Revue Francalse f Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\nLes Cahiers du Centre I Moulins [Allier]\nLes Soirees de Parts / Recueil Mensue! / Paris\n9 rue Jacob\nUmelecky Meskmik / Monatsschrift ffir Neue Kunst.\nTschechische, fremde und alte Kunst: Litwatur,\nKunsthistorie, Malerei, Plastik, Architektur, KunsU\ngewerbe, Theater, Musik. Erscheint monatlkh (8\nBildbeilagen, 20 Seiten reich iilustrierter Text, M*-\nsikbeilage). J&hrlich M. 12.60 / Prag I / Bettevue\n/ Franzenquai 20\n\nAnzeigen\n\nAkademie filr moderne Skulptur in Paris / 18 Im-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar~\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MSBige Pieise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung nnd dem Drama der Gegen-\nwart in alien L&ndern / Probeheft gegen Einsen-\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug:\n10 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop / London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und klinstlerische-\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\niede Nummer enthalt 16 Bikier, 40 Seiten Text /\neine literarische Beflage erscheint jeden zweiten*\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark/\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. j Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nLa vie des Lettres j Collection anthologique et\ncritique des Maitres Frangais et Etrangers publiee\nsous la direction de Nicolas Beauduin ,/ Ce perio—\ndique trimestriel de haute litterature et d'art parait\npar volumes de 200 pages grand format, papier\nluxe I Au premier numero: M. de Noailles, H de\nRegnier, Emile Verhaeren, AndrS Qide, Viel&\nGriffin, Nicolas Beauduin, J. H. Rosny aine, Pierre\nMifle, Han Ryner, Camille Mauclair, T. de Visan,-\netc; des traductions de Pouhkine, Walt Whitman,\nByron, D. G. Rosetti / Abonnement France 10 fr\nEtranger 12 fr (envoi d'un numero specimen contre\nla somme de 3 fr / Direction et Administration\n20 rue de Chartres / Paris Neuilly\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten iShrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 t\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MjquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaffee Hag ist wirklicher Bohnen—\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen\nNachteile hat. Er ist unschadlich fur Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt:\nLutzow 5850 / Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Bucher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und>\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nTltania-Schreihmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern j\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchflneberg-Berlin. Generalvertreter fur BerMn\nund die Mark Brandenburg: Louis S tang en,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94,\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartottt-\nlabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nZiehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinblndt"}]}