{"numero_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_sha256": "d1e5af86897a8c516680da460c44d1d818d2aa5c84f474c051e6aebffa1dd3ee", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1913/05_01/bmtnabg_1913-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1913/05_01/bmtnabg_1913-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.1", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 898, "texte": "Inhalt:\nAlfred Döblin: An Romanautoren und ihre Kritiker / H. W.: Von den schönen Künsten: Immer noch Anton von Werner, / Die Kunst der Abgeord-\nneten / Bilder mit Dingen / Neuer Pharusplan / Isidor Quartner: Liebeslied / Arthur Babillotte: Die Schwermut des / Alfred Richard Meyer:\nDortmund / D. S. Friedlaender: Die Mitte zwischen Extremen / Joseph Adler: Vom andern Ufer / Empfohlene Bücher / Hans Arp: Fünf Zeichnungen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.2", "titre_corps": "Hans Arp: Zeichnung", "titre_sommaire": "Hans Arp: Zeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.1", "debut_caractere": 2993, "fin_caractere_exclue": 3012, "texte": "Hans Arp: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "18", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.3", "titre_corps": "An Romanautoren und ihre Kritiker : Berliner Programm", "titre_sommaire": "An Romanautoren und ihre Kritiker : Berliner Programm", "signature_source": "Alfred Döblin", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.1", "debut_caractere": 900, "fin_caractere_exclue": 2991, "texte": "An Romanautoren und\nihre Kritiker\nBerliner Programm\nVon Alfred Döblin\nDer Künstler arbeitet in seiner verschlossenen\nZelle. Sein Persönliches ist zwei drittel Selbst-\ntäuschung und Blague. Die Tür zur Diskussion\nsteht offen.\nGewisses ist unverrückbar in der Zeit; Homer\nläßt sich noch genießen: Kunst konserviert; aber\ndie Arbeitsmethode ändert sich, wie die Oberfläche\nder Erde, in den Jahrhunderten; der Künstler kann\nnicht mehr zu Cervantes fliehen, ohne von den\nMotten gefressen zu werden. Die Welt ist in die\nTiefe und Breite gewachsen; der alte Pegasus von\nder Technik überflügelt, hat sich verblüffen lassen\nund in einen störrischen Esel verwandelt. Ich be-\nhaupte, jeder gute Spekulant, Bankier, Soldat ist\nein besserer Dichter als die Mehrzahl heutiger\nAutoren.\nDie Prosaautoren, am ehesten zum Mitgehen-\nMitwagen verpflichtet, erschließen die Welt nicht\nmittels neuer, strenger, kaltblütiger Methoden,\nsondern kauen unentwegt an „Stoffen\" und Pro-\nblemen ihrer inneren Unzulänglichkeit. Man soll\nseine vermeintliche inneren Notwendigkeiten zü-\ngeln und die Zügel der Kunst in die Hand geben.\nDichten ist nicht Nägelkauen und Zahnstochern,\nsondern eine öffentliche Angelegenheit.\nEin Qrundgebrechen des gegenwärtigen ern-\nsten Prosaikers ist seine psychologische Manier.\nMan muß erkennen, daß die Romanpsychologie,\nwie die meiste, täglich g \"übte, reine abstrakte\nPhantasmagerie ist. Die Analysen, Differenzie-\nrungsversuche haben mit dem Ablauf einer wirk-\nlichen Psyche nichts zu tun; man kommt damit\nan keine Wurzel. Das „Motiv\" der Akteure ist\nim Roman so sehr ein Irrtum wie ein Leben; es ist\neine poetische Glosse'. Psychologie ist ein diletten-\ntifches Vermuten, scholastisches Gerede, spinti-\nsierender Bombast, verfehlte, verheuchelte Lyrik.\nImmer war der Rationalismus der Tod der\nKunst; der zudringlichste, meist gehätschelte Rati-\nonalismus heißt jetzt Psychologie. Viele als „fein\"\nverschrieene Romane, Novellen, — vom Drama\ngilt dasselbe — bestehen fest nur aus Analyse von\nGedankengängen der Akteure; es entstehen Kon-\nflikte innerhalb dieser Gedankenreihen, es kommt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5513, "texte": "zu dürftigen oder hingepatzten „Handlungen\".\nSolche Gedankengänge gibt es vielleicht, aber nicht\nso isoliert; sie besagen an sich nichts, sie sind\nnicht darstellbar, ein amputierter Arm; Atem, ohne\nden Menschen der atmet; Blicke ohne Augen.\nDie wirklichen Motive kommen ganz anders woher;\ndieses da, der lebendigen Totalität ermangelnd,\nist Schaumschlägerei, ästhetisches Qequerle, Ge-\nschwafel eines doktrinären, gelangweilten Autors,\ndem nichts einfällt, zu Gebildeten, die sich belehren\nlassen wollen.\nMan lerne von der Psychiatrie, der einzigen\nWissenschaft, die sich mit dem seelischen ganzen\nMenschen befaßt; sie hat das Naive der Psycho-\nlogie längst erkannt, beschränkt sich auf die No-\ntierung der Abläufe, Bewegungen, — mit einem\nKopfschütteln, Achselzucken für das Weitere und\ndas „Warum\" und „Wie\". Die sprachlichen For-\nmeln dienen nur dem praktischen Verkehr. ,Zorn\",\n„Liebe\", „Verachtung\" bezeichnen in die Sinne\nfallende Erscheinungskomplexe, darüber hinaus\ngeben diese primitiven und abgeschmackten Buch-\nstabenverbindungen nichts. Sie geben ursprüng-\nlich sichtbare, hörbare, zum Teil berechenbare\nAbläufe an, Veränderungen der Aktionsweise und\nEffekte. Sie können nie und nimmermehr als Mi-\nkroskope oder Fernrohre dienen, diese blinden\nScheiben; sie können nicht zum Leitfaden einer\nlebennachbildenden Handlung werden. An dieses\nursprüngliche Gemeinte, dieses Simple muß man\nsich streng halten, so hat man das Reale getroffen,\ndas Wort entzaubert, die unkünstlerische Abstrak-\ntion vermieden. Genau wie der Wortkünstler\njeden Augenblick das Wort auf seinen ersten Sinn\nzurückgehen\" muß, muß der Romanautor von\n„Zorn\" und „Liebe\" auf das Konkrete zurück-\ndringen.\nDamit ist der Weg aus der psychologischen\nProsa gewiesen. Entweder offenes, nicht mehr\nverschämtes Lyrisma mit seiner Unmittelbarkeit;\nSichergehen in Gehobenheiten und Niederungen;\nIchreden, wobei das naive Räsonement zulässig ist\nIch zweifle freilich, ob man diese Form Roman,\nNovelle nennen kann. Oder die eigentliche Ro-\nmanprosa mit dem Prinzip: der Gegenstand des\nRomans ist die entseelte Realität. Der Leser in\nvoller Unabhängigkeit, einen gestalteten, gewor-\ndenen Ablauf gegenübergestellt; er mag urteilen,\nnicht der Autor. Die Fassade des Romans kann\nnicht anders sein als aus Stein oder Stahl, elek-\ntrisch blitzend oder finster; sie schweigt. Die\nDichtung schwingt im Ablauf wie die Musik\nzwischen den geformten Tönen.\nDie Darstellung erfordert bei der ungeheuren\nMenge des Geformten einen Kinostil. In höchster\nGedrängtheit und Präzision hat „die Fülle der Ge-\nsichte vorbeizuziehen. Der Sprache das Aeu-\nßerste der Plastik und Lebendigkeit abzuringen.\nDer Erzählerschlendrian hat im Roman keinen\nPlatz; man erzählt nicht, sondern baut. Der Er-\nzähler hat eine bäurische Vertraulichkeit. Knapp-\nheit, Sparsamkeit der Worte ist nötig; frische Wen-\ndungen. Von Perioden, die das Nebeneinander\ndes Komplexen wie das Hintereinander rasch zu-\nsammenzufassen erlauben, ist umfänglicher Ge-\nbrauch zu machen. Rapide Abläufe, Durcheinander\nin bloßen Stichworten; wie überhaupt an allen\nStellen die höchste Exaktheit in suggestiven Wen-\ndungen zu erreichen gesucht werden muß. Das\nGanze darf nicht erscheinen wie gesprochen\nsondern wie vorhanden. Die Wortkunst muß sich\nnegativ zeigen, in dem was sie vermeidet: ein\nfehlender Schmuck, im Fehlen- der Absicht, im\nFehlen des bloß sprachlich schönen oder schwung-\nhaften, im Fernhalten der Maniriertheit. Bilder\nsind gefährlich und nur gelegentlich anzuwenden;\nman muß sich an die Einzigartigkeit jedes Vor-\ngangs heranspüren, die Physiognomie und das\nbesondere Wachstum eines Ereignisses begreifen\nund scharf und sachlich geben; Bilder sind bequem.\nDie Hegemonie' des Autors ist zu brechen; nicht\nweit genug kann der Fanatismus der Selbstver-\nleugnung getrieben werden. Oder der Fanatismus\nder Entäußerung: ich bin nicht ich, sondern die\nStraße, die Laternen, dies und dies Ereignis,\nweiter nichts. Das ist es, was ich den steinernen\nStil nenne.\nFortgerissen vom psychologischen Wahn hat\nman in übertriebener Weise den einzelnen Men-\nschen in die Mitte der Romane und No-\nvellen gestellt. Man hat tausende besondere,\nhöchst outrierte Personen erfunden, an deren Kom-\npliziertheit der Autor sich sonnte. Hinter dem ver-\nderblichen Rationalismus ist die ganze Welt mit\nder Vielheit ihrer Dimensionen völlig versunken;\ndiese Autoren haben wirklich in einer verschlos-\nsenen Kammer gearbeitet. Der Künstler hat sich\nzum Handlanger dürftiger Gelehrten degradiert,\nsich geblendet, den Kunstfreund und Leser ent-\nwöhnt, in den Reichtum des Lebens zu blicken.\nMan hat eine Atelier-Schriftstellerei gezüchtet, eine\nsystematische Verarmung der Kunst betrieben.\nHier könnte sich der zweite Wahn, der erotische,\netablieren. Die schriftstellerische Welt ist succe-\nsive vereinfacht auf das geschlechtliche Verhältnis;\nein Prozeß, der durch das beifällige Interesse\neines schlechten oder schlechtgeleiteten Publikums\nbegünstigt Diese VerWässerung, Verdün-\nnung des bischen Lebens, das in die Schreibstuben\ndrang.\nDer Naturalismus ist kein historischer Ismus,\nsondern das Sturzbad, das immer wieder über die\nKunst hereinbricht und hereinbrechen muß. Der\nPsychologismus, der Erotismus muß fortge-\nschwemmt werden; Entselbstung, Entäußerung des\nAutors, Depersonation. Die Erde muß wieder\ndampfen. Los vom Menschen! Mut zur kine-\ntischen Phantasie und zum Erkennen der unglaub-\nlichen realen Konturen! Tatsachenphantasie! Der\nRoman muß seine Wiedergeburt erleben als Kunst-\nwert und modernes Epos."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "20", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.4", "titre_corps": "Von den schönen Künsten", "titre_sommaire": "Von den schönen Künsten", "signature_source": "H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.2", "debut_caractere": 5515, "fin_caractere_exclue": 10170, "texte": "Von den schönen\nKünsten\n\nImmer noch Anton von Werner\nDas Berliner Tageblatt hat bekanntlich keinen\nRaum, bedeutende zeitgenössische Künstler auch\nnur zu registrieren. Oder aber: Herr Fritz Stahl\nhat es der Redaktion verboten. Herr Fritz Stahl\ngab selbst seine Unfähigkeit zu, über Bilder zu\nschreiben, die ihn nicht sehen mögen. Die Leser\ndes Berliner Tageblatts erleben also eine Blok-\nkade, ohne überhaupt zu ahnen, was der Herr\nStahl über sie verhängt hat. Dafür läßt er ihnen\ndie Augen für die Bilder seiner Exzellenz des\nHerrn Anton von Werner sechs Spalten weit\nöffnen. Herr Anton von Werner hat nämlich seine\nMemoiren herausgegeben unter dem Titel „Erleb-\nnisse und Eindrücke\". Er schreibt also über Dinge,\ndie zu malen ihm nicht gegeben war. Herr Werner\nist für das Berliner Tageblatt „eine starke und\nunerschrockene Persönlichkeit\". Vermutlich, weil\ner seine eigenen Bilder aushalten konnte und vor\nkeiner Schimpferei gegen bedeutende Künstler\nzurückschreckt. Aber sein Buch. Ganz ganze\nPersönlichkeit: „Er sieht die Welt genau in\ndemselben Licht, ob er den Pinsel, ob er\ndie Feder in der Hand hat.\" Gemalt wie geschmiert.\nHierauf wird selbst dem „technischen Berichter-\nstatter\" des Berliner Tageblattes etwas übel, er\ntadelt eine „gewisse Kälte\" des Buches, sodaß\ndarin gar nichts von den erhabenen Schmerze»\n„künstlerischen Ringens\" zu finden ist. Er findet\nhingegen, daß „Werner nie einen Augenblick im\nZweifel darüber gewesen sei, worin seine künst-\nlerische Sendung bestehe, und als wenn die welt-\nhistorischen Ereignisse der siebziger Jahre sich\nausschließlich zu: dem Zweck abgespielt hätten,\ndem Künstler Stoffe für seine Bilder zu liefern.\"\nHerr Werner vergaß zwar über den Stoffen die\nBilder und lieferte eben einfach Stoffe. „Von Kiel\ngeht es direkt ins Hauptquartier nach Versailles\nund fortab schwimmt Werner (also ab Ver-\nsailles) in dem breiten Strom der offiziellen Ge-\nschichtsmalerei, der ihn zeitlebens getragen.\" Das\n„hat\" nur ging vor Schreck unter. Nun scheint\nsich die stählerne Hand über den technischen Be-\nrichterstatter gelegt zu haben. Denn „nach diese»\nVorbehalten muß jedoch anerkannt werden . .\nUnd nun wird anerkannt. Alle Vorbehalte\nwerden zu Wasser. Nein, was der Werner alles\nweiß. Was er erlebt hat. Welche Eindrücke. Er\nsah Moltke essen, Bismarck landwirtschaften, Mi-\nnister tanzen. Erlebnisse und Eindrücke. Natür-\nlich, sagt das Berliner Tageblatt, äußert sich Wfer-\nner auch über die Kunst. Von Kunstkritikern läßt\ner nach dem Berliner Tageblatt nur Ludwig Pietsch\ngelten, der leider verstorben ist. Herr Fritz Stahl\nist ihm offenbar noch nicht einmal aufgefallen. Und\ner hat es reichlich verdient, daß ihn Herr Werner\ngelten läßt. Über seine Kunst kann er denken, wie\nes ihm Freude macht. Eine Frechheit aber sind\nAeußerungen über Hugo von Tschudi:\nIn den Beratungen der Landeskunstkom-\nmission habe ich genügend erfahren, wie hilf-\nlos Fi. v. Tschudi gegenüber den künstlerischen\nEigenschaften eines Kunstwerkes und ihrer Ab-\nschätzung stets war, und wie er lediglich einer\nausgegebenen Parole zu folgen schien, der klas-\nsizistischen vermutlich ebenso überzeugt\nwie der naturistischen, impressionistischen, oder\nfuturistischen, wenn sie gerade Mode gewesen\nwäre. Bei der empfehlenden Aeußerungen, mit\ndenen er seine Vorschläge von Ankäufen für die\nNationalgalerie begleitete, kam das stets in einer\nWeise zum Ausdruck, daß die der Kommission\nangehörigen Maler und Bildhauer den Herrn\nGaleriedirektor gelegentlich darauf aufmerksam\nmachten, daß sie selbst wüßten, wie «es\nhinter dem Ofen aussehe und seiner\nBelehrung nicht bedürften. Als er dann durch\netwas gar zu tätliches Zugreifen\nan empfindlicher Stelle die Anerkennung seiner\nUnfehlbarkeit zu erzwingen suchte und sich da-\nbei vergriff, wurde er von seiner Presse als\nHeld und der eigentliche Schöpfer der National-\ngalerie gefeiert, die er durch Verstümme-\nlung ihres Grundstocks, der Wagnerschen Ge-\nmäldesammlung und entgegen den testa-\nmentarischen Bestim m u n g e n ihr e s\nStifters beschädigt hat.\nDaß die Landeskunstkommission weiß, wie es\nhinter dem Ofen aussieht, wage ich nicht zu be-\nstreiten. Daß aber Hugo von Tschudi ein größerer\nKünstler war als sämtliche der Kommission ange-\nhörigen Maler und Bildhauer, wird wohl nur noch\nHerr von Werner selbst bestreiten. Was sagt\nübrigens Herr Direktor Justi von der National-\nGalerie zu diesen neuen alten Beschimpfungen\nTschudis. Herr Direktor Ludwig Justi hat soeben\nim Verlag von Julius Bard, Berlin unter dem Titel\nDer Ausbau der National-Galerie zwei außeror-\ndentlich lesenswerte Denkschriften, diplomatische\nMeisterwerke, herausgegeben. In der ersten Denk-\nschrift heißt es wörtlich:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 10448, "texte": "„Diese Maßnahme (die Entfernung einer großen\nAnzahl Bilder der Sammlung Wagener durch die\nDirektoren Jordan und Tschudi aus den Schau-\nräumen der Galerie in die Amtszimmer der Be-\namten) diese Maßnahme ist als Verletzung des\nWagenerschen Testaments und damit jener Aller-\nhöchsten Kabinettsordres bezeichnet worden;\ngleichzeitig wurde verlangt, daß die Sammlung\nvollständig und zusammenhängend in den Schau-\nräumen aufgestellt und dafür ein ganzes Stock-\nwerk der Nationalgallerie eingeräumt werde.\nEs handelt sich hier um einen reinen formellen\nEinwand, die angebliche Verletzung eines Tes-\ntaments, und, wenn dies zutrifft, damit auch\nzweier Allerhöchster Kabine'ttsorders; dagegen\nist kaum, soweit ich sehe, ein nachdrückliches\nsachliches Bedenken erhoben, einer Beeinträch-\ntigung des Wertes der National-Galerie durch\ndiese Maßnahme behauptet worden. Ein unpar-\nteiischer Beurteiler wird im Gegenteil nicht be-\nst! eitcn, daß der Gesamteindruck und der Rang\nunserer Galerie durch die Sichtung des ganzen\nBestandes und damit auch der Wagenerschen\nSammlung wesentlich gehoben worden ist. Ich\nglaube, daß auch die formelle Seite dieser nütz-\nlichen Maßnahme keine Kritiker gefunden hätte,\nwenn diese nicht aus anderen Gründen mit der\nAmtsführung des Geheimrats von Tschudi un-\nzufrieden gewesen wären.\"\nDies ist die Ansicht des gegenwärtigen Direk-\ntors der National-Galerie. Er widerlegt sogar die\nStichhaltigkeit des „formellen Einwands\". Ich\nwill Herrn Direktor Justi nicht durch meine Be-\ngeisterung für seine Denkschriften in seiner Stel-\nlung gefährden. Aber man lese dieses Buch. Wie\nberuhigend wirkt etwa dieser Satz: „Die nicht\nausgestellten Bilder sind keineswegs in eigent-\nlichen Depots gestapelt, sondern in den Amts-\nzimmern so aufgehängt, daß sie vielleicht besser\nstudiert werden können als einst in Wageners\nWohnung. Zum Kopieren kann jedes Bild ohne\nWeiteres in die Schauräume gebracht werden.\"\nStatt das aber das Berliner Tageblatt sich ohne\nweiteres mit diesen Denkschriften bekannt macht,\nschreibt es nach der Zitierung dieser Ungeheuer-\nlichkeiten gegen Tschudi: „Man kann es dem auf-\nrechten Mann, der am neunten Mai seinen siebzig-\nsten Geburtstag feiert, gewiß nicht übel nehmen, daß\ner am Abend seines Lebens ..Man kann es doch.\nMan nimmt es auch siebenzigjährigen Geburtstags-\nkindern trotz aller Rührung übel, wenn sie nur\nwissen, wie es hinter dem Ofen aussieht. Hierüber\nhelfen auch keine Redensarten von „Kunstmeinung\"\nund „anderm Lager\" hinweg. Es gibt kein an-\nderes Kunstlager hinter dem Ofen. Für „die große\nFülle von Arbeit\" wird in der Kunst keine „Achtung\ngezollt.\" Auch wenn so ein Lagerheld alle. Werke\nzu Ende geführt hat. Und „fast verblüffend\" wirkt\nes für das Berliner Tageblatt, „daß der Künstler\ndaneben (daneben) noch seine ausgedehnte und\nweithin wirkende Tätigkeit als Akademiedirektor\nund Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler\nausgeübt hat.\" Das ist verblüffend. Aber so weh\nauch das Scheiden tut, geschieden muß sein: „so\nscheidet man von dem Memoirenbuch das mit eine\nFülle von Reproduktionen Wernerscher Werke\ngeschmückt ist, mit dem Eindruck, daß\nhier ein Mann spricht, der jedenfall Anspruch dar-\nauf machen darf, gehört zu werden.\" Immer noch\nbesser, als gesehen. Er hat jedoch Anspruch dar-\nauf, von Herrn Fritz Stahl gehört zu werden.\nDie Kunst der Abgeordneten\nDas hohe Haus der Abgeordneten hat sich in\nseiner hundertvierundsechzigsten Sitzung vom\nSonnabend, dem 12. April 1913, der Kunst ange-\nnommen. Und zwar haben die Herren Geheimer\nKommerzienrat Vorster, Mitglied der Freikonser-\nvativen Partei, und die Herren Giemsa und Dr.\nHauptmann, Mitglieder der Zentrumspartei, ,'das\nVerdienst. Herr Vorster versah sich mit einigen\nReproduktionen der Sonderbund-Ausstellung zu\nKöln und einigen Nummern dieser Zeitschrift und\nversuchte durch eine recht lange Rede, die „krank-\nhafte Entwicklung der bildenden Künste\" aufzu-\nhalten. Was der Herr Vorster gesagt hat, kann\nman in jeder beliebigen Kritik über Ausstellungen\ndes Sturms nachlesen. Er beklagt sich über Por-\nträts, die wie Karikaturen aussehen (sehr richtig!)\nUeber Landschaften, bei denen man versucht hat,\nder Natur die allerhäßlichste Seite abzugewinnen\n(sehr richtig!). Er beruft sich auf die Herren\nLandwirte als Sachverständige für Tierbilder:\n„Sehen Sie sich bitte einmal die gelbe Kuh an\"\n(sehr richtig!). Ganz besonders interessant findet\ner „die sogenannten Vexierbilder\". Diese Vexier-\nbilder erinnern ihn an die erste Schöpfung der\nMalerei bei den Naturvölkern (sehr richtig! und\ngroße Heiterkeit). Sie erinnern ihn ferner „an\nsolche Bilder, die wir aus der Urzeit in dem Mu-\nseum für Völkerkunde bewundern (sehr richtig\nund Heiterkeit)\". Sie erinnern ihn ferner an die\nKunstleistungen von achtjährigen Knaben. Eine\nFrauenfigur hat einen zu langen Hals. Van Gogh\nhat „die besondere Vorliebe, häßliche, mehr oder\nweniger krumme Menschen zu malen (Heiterkeit).\"\nDas alles hat der Herr Vorster gefunden. Er\nfindet ferner, daß „Ziel und Aufgabe der wahren\nKunst ist, das Schöne und Erhabene in der Natur\nund im Menschenleben zu s c h i 1 d e r n\". Also\netwa eine Sitzung des Abgeordnetenhauses. Der\nHerr Vorster glaubt, „der Zweck dieser Ausstel-\nlungen sei, die Künstler wollen sich über das Pu-\nblikum lustig machen. Andererseits wurde gesagt,\nwenn die Wärter längere Zeit dort blieben, müß-\nten sie gewechselt werden, denn sonst würden sie\nverrückt. (Heiterkeit.) \" Im Abgeordnetenhaus\nversteht man, im entscheidenden Moment zu\nlachen. Und hierauf bittet der Herr Vorster das\nKultusministerium dringend, „der geschilderten\nkrankhaften Kunst keine Förderungen angedeihen\nzu lassen (bravo!), das heißt, insbesondere keine\nAnkäufe für Museen (Heiterkeit). Denn, meine\nHerren, wir haben es hier mit einer Richtung zu\ntun, die von meinem Laienstandpunkt aus eine\nEntartung bedeutet, eins der Symptome einer\nkrankhaften Zeit. (Lebhafter Beifall.)\" Herr Vor-\nster ist weder Künstler noch Mediziner, sondern\nein schlichter Geheimer Kommerzienrat. Er hat\nsein Geld besser anzuwenden gewußt als das Pu-\nblikum, das sich in Köln für zweihundertundzehn-\ntausend Mark Bilder kaufte. Warum tat dies das\nPublikum. Herr Abgeordneter Dr. Hauptmann\nvon der Zentrumspartei gibt darüber Auskunft.\nf. 5\nEr erzählt dem Abgeordnetenhaus die schöne Ge-\nschichte von dem König ohne Kleider, die ich in Num-\nmer 152/53 dieser Zeitschrift durch den Mann mit\nden Unterhosen erweitert habe. Und er sagt wört-\nlich über die Kölner Sonderbundausstellung: „Als\ndem Publikum dieser Schund vorgeführt wurde\nund als die tolle Reklame dafür gemacht wurde,\nscheute sich jeder zu sagen, was e r dachte. Es\nzweifelte an seinen eigenen Augen und hat\nschließlich für bare zweihundertzehntausend Mark\nvon diesem Zeuge' gekauft.\" Der Herr Dr. Haupt-\nmann spendet der Deutschen Reichszeitung in\nBonn ein besonderes Lob, welche damals als ein-\nzige „kräftig gegen den Unsinn angegangen ist\"\nund er bemerkt: „Insofern war diese Ausstellung\nwirklich ein betrübendes Exempel auf den Intel-\nlekt und das künstlerische Verständnis des Publi-\nkums, vor allem des Publikums der guten Stadt\nKöln, welches, wie gesagt, so vor den Kopf\ngeschlagen war, daß es für zweihundert-\nundzehntausend Mark von diesem minderwertigen\nund zum Teil geradezu blödsinnigen Zeug kaufte.\"\nSo wirken Kopfschläge. Das Publikum ist ent-\nsetzt, es kauft schleunigst für zweihundertund-\nzehntausend Mark minderwertiges und zum Teil\ngeradezu blödsinniges Zeug, nur weil es vor den\nKopf geschlagen wurde. Man denkt in Deutsch-\nland tief genug von dem Doktortitel. Aber daß\nselbst ein Doktor dieses minderwertige und zum\nTeil geradezu blödsinnige Zeug redet, kann nur\ndaherkommen, daß er vor den Kopf geschlagen\nwar. Es hat ihm allerdings nicht zweihundertund-\nzehntausend Mark gekostet Und von allen vier-\nhundertunddreiundvierzig Abgeordneten findet sich\nnicht ein einziger, der auch nur widerspricht.\nDiese oft gehörte Heiterkeit des Hohen Hauses\nversagt. Es ist im Jahre 1913 möglich, daß jemand\nCezanne, Renoir, Gauguin, Van Gogh, Münch,\nHodler, um von den Jüngeren zu schweigen, als\nSchund bezeichnet! Vierhundertdreiundvierzig\nAbgeordnete hören es schweigend an und geben\ndamit zu, weder Bilder dieser Meister gesehen,\nnoch deren Namen je gehört zu haben. Der Mi-\nnister der geistlichen und Unterrichtsangelegen-\nheiten sieht sich nur „staunend\" die Reproduktio-\nnen an. Und sämtliche Herren Dezernenten\nschweigen. Parlamente haben mit der Kunst\nnichts zu tun. Da sollen sie sie auch nicht be-\nfassen. Dieser Herr Doktor Hauptmann glaubt in\nseiner Kunstblindheit sogar, daß das Komitee der\nSonderbundausstellung, zu dem mehrere Museums-\ndirektoren gehörten, „nicht gewußt habe, um was\nes sich handelte\".\nSonst würden sie „diese Ware nicht mit ihrer\nFlagge gedeckt haben\". Aber nicht nur der Ab-\ngeordnete Dr. Hauptmann schoß aus dem Zen-\ntrum. Auch der Abgeordnete Giemsa ist empört.\nNachdem er zunächst die farbige Reproduktions-\nkunst gelobt hat, die „auf einer ungeahnten Höhe\"\nsteht und „sich in ihrer Wirkung von den Origi-\nnalen wenig unterscheidet\", begibt er sich auf Irr-\nwege der Künstler. Nachdem der Herr Geheime\nKommerzienrat Vorster dem Expressionismus, dem\nKubismus, dem Futurismus und dem von ihm\neigens erfundenen Ueberfuturismus sein Fett ge-\ngeben hat, operiert Herr Giemsa die Auswüchse\ndes Impressionismus. Er weiß zwar nicht, was\ndas ist, aber er bekämpft es: Schmiererei, die\nwirklich nicht mehr Malerei; welchen Zweck; der\nBeschauer bekommt da ganz eigenartige Gedanken;\nden Eindruck, als ob er plötzlich kurzsichtig oder\ngar blind; vierte Dimension; bei längerem An-\nschauen Kopfschmerzen; von den Insassen einer\nNervenheilanstalt gemalt (Heiterkeit); und als\nhöchste Steigerung; „Es gibt darunter Gemälde,\ndie einen direkt fascinieren, mit ihren Farben\nförmlich blenden, auf denen man aber trotzdem\nkeinen Gegenstand richtig erfassen kann,\nso daß man daß Gefühl hat, man wäre mit den\nKopf eben an einen Baum gestoße n.\" Also\nwenigstens an einen Gegenstand. Mancher muß\neben erst an einen Gegenstand stoßen, um ein Ge-\nfühl zu bekommen.\nIch wiederhole: Von vierhundertdreiundvierzig\nAbgeordneten widersprach niemand. Nicht als ob\nich glaubte, daß den Herren durch ihr Amt auch ein\nKunstverstand gegeben sei. Aber daß diese Her-\nren zu ihrem Amt noch eine Meinung über Kunst\nmitbringen, zu der sie nicht abgeordnet sind, liegt\nnicht in der Ordnung der Dinge, die sie durchaus\nauf Gemälden zu sehen wünschen. Selbst auf die\nGefahr hin, sich daran den Kopf zu stoßen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1046, "texte": "Bilder aus Dingen\nDas Berliner Tageblatt brachte folgende Bilder,\nderen Veröffentlichung ich im Kupferdrucktiefver-\nfahren des Weltspiegels dringend empfehle:\nDer Dichter ... wird nun, um den Denkmals-\nstein wieder ins Rollen zu bringen,\neinen Vortrag halten.\nDie Flottendemonstration: Auf der heutigen Bot-\nschafterkonferenz wurde auch über die Frage be-\nraten, was zu geschehen hat, wenn die Demon-\nstration Schiffbruch leidet, was hier all-\ngemein angenommen wird.\nNeuer Pharusplan\nVerschiedene Kunstkritiker der Tageszeitungen\nscheuen sich, unsere Ausstellung Königin Augu-\nstastraße 51 beim Namen zu nennen oder die\nAdresse anzugeben. Dem ungeübten Leser wer-\nden hier die Bezeichnungen genannt, durch die un-\nsere Ausstellung getroffen, aber nicht gefunden\nwerden soll:\nAtelierhaus, Kaiserin Augustastraße\nAusstellungen am oberen Landwehrkanal\nAusstellung einer Berliner Zeitschrift\nKönigin Augustrastraße 50, sowie' sämtliche übri-\ngen Nummern dieser Straße mit Ausnahme von 51.\nBesprechungen von Ausstellungen ohne jede\nOrtsangabe.\n\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "20", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.5", "titre_corps": "Liebeslied", "titre_sommaire": "Liebeslied", "signature_source": "Isidor Ouartner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.4", "debut_caractere": 1048, "fin_caractere_exclue": 2036, "texte": "Liebeslied\nIsidor Ouartner\nWenn deine Augen süß zu mir singen,\nIst meine Seele ein tiefer Brunnen,\nZu dessen Grunde leise Gold klirrt.\nIn meinem Schoß hielt ich fest deine Hand:\nSo bin ich durch Aetherräume fortgeflogen\nJahrtausendlang mit traumversilberter Stirne.\nDeine Worte sind wie Freundesarme,\nDie sich gütig und weich um meine Schultern legen,\nDaß sich meine Lippen zum Lichte entfalten\nkönnen.\nGott hat dich auf meine Arme gelegt.\nNun will ich dich tragen durch alle Leben\nBis wieder zu Gott.\nMeine Spuren folgen mir alle verklärt,\nEin großes Heer, dir dienstbar zu sein —\nUnd mich zu führen die bereitete Straße.\nDie Blumen der Beete knospen uns nach\nUnd rufen uns Wohlgerüche zu,\nUnd können nur mehr an deinem Gürtel blühen.\nIm grauen Abend weinen die Vögel Tau\nVor Freude über unser Glück:\nIch will ihnen dafür Saphire für ihre Augen\nschenken.\nDu bist eine silberne Gerte,\nAn der überströmend mein Herz hangt,\nund Gott hält uns in den blauen, wehenden Nacht-\nwind hinaus . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "22", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.6", "titre_corps": "Die Schwermut des Genießers : Ein Roman", "titre_sommaire": "Die Schwermut des Genießers : Ein Roman", "signature_source": "Arthur Babillotte", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.4", "debut_caractere": 2038, "fin_caractere_exclue": 2097, "texte": "Die Schwermut des\nGenießers\nEin Roman\nVon Arthur Babillotte"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.4", "debut_caractere": 2112, "fin_caractere_exclue": 8879, "texte": "Er kam der Gefahr, eine männliche Dirne zu wer-\nden, immer näher. Er war so arm geworden, der\nneunzehnjährige, der als Knabe so reich gewesen,\nso arm war er geworden, daß er die Musik in sei-\nnem Innern nur noch auf den Leib des Weibes zu\nkonzentrieren vermochte, daß er in der Nacktheit\ndes Weibes die einzige gestaltgewordene Musik\nerkannte. Von Taumel schritt er zu Taumel im\nWahn, nur so sein Leben richtig und wertvoll zu\nleben, nur so seine Kunst, sofern er noch an sie\nglaubte, in ihrem höchsten Ausdruck zu genießen.\nEr hielt für eine Bereicherung, was eine Verar-\nmung war. Die Nacht, die gefürchtete, wurde ihm\njetzt zum Tag, zum Ereignis, Und der Tag ver-\nsank ihm und schloß ihn ein. Hatte seine Liebe\nvordem der wesenlosen Unendlichkeit geopfert,\nso opferte sie jetzt der greifbarsten Enge und\nWirklichkeit. Die Dehnungen und Windungen, das\nlüsterne Zucken und die hingegossene Mattheit\neines Mädchenleibes, eines entweihten, waren ihm\njetzt die Quellen seiner innern Musik.\nIn diesen engen Orgien verzehrte sich seine\nKraft, während er glaubte, sie erstarke und werde\nihn einst fähig machen, musikalische Wunder zu\nvollbringen. Es schien, als sei er rettungslos ver-\nloren. Die Freunde zogen sich zurück; sie er-\nkannten, wie gefährlich die Inbrunst war, mit der\nJohannes sich der weiblichen Unkeuschheit hin-\ngab; wenn sie zu den Ausgestoßenen gingen, taten\nsie es, um ein augenblickliches Bedürfnis zu be-\nfriedigen; kamen sie zurück, dann waren sie wie-\nder klar und nüchtern und sahen in dem erotischen\nErlebnis nur einen Abieiter für ihren angesammel-\nten Mannestrieb.\nDas tolle Leben drohte dem jungen Künstler\nalle zarte Keuschheit zu rauben, ohne daß er im\newigen Taumel die Kraft besaß, dies zu erkennen.\nSo ging er der Flachheit entgegen und wäre wohl\ndarin untergegangen, wenn ihn nicht ein aufrüt-\ntelndes gütiges Ereignis dem Verderben entrissen\nhätte.\nDie Stille der Morgenlandschaft hatte dem\nKünstler diese Bilder seiner Kindheit und ersten\nJugend zugetragen. Eingehüllt in diese sänftigende\nRuhe saß er und ließ seine Augen über die Tal-\nebene hinschweifen, ohne doch die äußeren Ein-\ndrücke der Landschaft in sich aufzunehmen. Es\nwar, als sei er blind geworden und vermöge nur\nnoch nach innen zu schauen, und als verwandele\nsich ihm dieses Schauen in ein ungemein feines\nHören, wie für ihn alles Genießen im Aufsaugen\nder unzähligen Melodien bestand, die er um sich\nher tönen hörte.\nMit einer müden Handbewegung kehrte er in\ndas Bewußtsein zurück: Der Brief drängte sich\nihm auf; er vernahm Stimmen, die den Berg her-\naufkamen; vernahm das breite Erzählen des Wir-\ntes, der einem frühen Gast Anekdoten aufdrängte.\nEr kehrte in die Wirklichkeit zurück; die Bilder,\ndenen er sich hingegeben, verließen ihn, wurden\nallmählich blaß und zerflossen. Mit wachen Augen\nblickte er in die Landschaft.\nDer Anblick der weiten Gegend, die rechts und\nlinks von Bergen eingesäumt wurde, begeisterte\nihn, daß er lautlose Worte des Entzückens stam-\nmelte. Wort reihte sich an Wort, sein Gehirn lud\nsich nach und nach mit bunten Bildern. Seine\nFeinde nannten ihn geziert und hochmütig, weil er\noft in andern Worten sprach, als sie in ihrer All-\nTagssprache zu gebrauchen pflegten. Dem Künst-\nler lag aber nichts ferner, als die Absicht, bewußt\nanders zu sein, als die andern. Sein Gebahren und\nseine Sprache flössen aus dem Innersten seiner\nVeranlagung und äußerten sich, ohne daß er mit\nbewußtem Willen nach Ausnahmegebärden und\nAusnahmeworten suchte. Seine Gebärden waren\nAusnahmegebärden und seine Worte Ausnahme-\nworte. Wer ihn nicht begreifen konnte, lachte\nüber ihn und hatte Recht, wenn er lachte; wie\nhätte er den Hochmut und die Seltsamkeit dieses\nMenschen gelassen hinnehmen können!\nDie Sonne verzehrte sich im Rausch ihrer\nBrände. Es schien, als sei sie rasend, unersättlich;\nso unersättlich, daß sie bis in die Nachmittagsstun-\nden sich selbst zu Asche verzehrt haben mußte.\nDann wurde es Nacht. Dann zerschmetterte sich\ndie Erde an irgend einem andern Planeten und\nstürzte hinab in die Unendlichkeit des Alls. „Das\nist die Götterdämmerung!\" sagte Johannes vor\nsich hin, lehnte sich über die Brüstung der Ver-\nanda und genoß den unheimlichen, wilden Gedan-\nken in tiefen Zügen, während er über die Land-\nschaft starrte, die unter der Glut des Lichtes\nkeuchte und die Angst verriet, mit der sie der bis\nzum Wahnsinn gesteigerten Glut des Nachmittags\nentgegenharrte.\nIn Gedanken an den Weltuntergang erhob sich\nvor seinen Augen jeder Baum, jedes Haus, jeder\nBerg der Landschaft, in die er hineinblickte, zu\neiner verklärten Größe. Das Ganze erschien ihm\nals eine Schönheit, die dem Martyrium geweiht\nwar, als etwas wertvolles und reiches, das der\nUnersättlichkeit eines Mißgünstigen zum Opfer\nfallen sollte. Das armseligste Haus bekam Glanz\nund Farbe, die unregelmäßigste Baumanlage er-\nschien ihm harmonisch und nach tiefen Regeln\neiner ewigen Schönheit geordnet. Er sah mit den\nAugen des Erschütterten, des Mitleidigen, der\nweiß, daß alles ein Ende hat. So Wjurde ihm die\nidyllische Landschaft in der Glut des Augustmor-\ngens, unter dem Einfluß des Gedankens an den\nWeltuntergang, zu einer heroischen.\nDie Berge, die rechts und links in die Ferne\nhineingriffen, die klein und zusammengeduckt un-\nter dem Himmel lagen, reckten sich vor seinem\nbegeisterten Auge, wurden stark und trotzig und\nschickten sich an, dem nahen Untergange zu wider-\nstehen bis zum äußersten. Er hörte ihr stummes\nGelächter, das unheimlich aus der Starrheit ihrer\nWälder emporklang. Die kleinen Häuschen, die\nda und dort an den Berghängen klebten, wurden\nihm zu Festen, die von den Menschen besetzt\nwurden, um den Bergen im Kampfe beizustehen.\nDie Stadt aber, die breitbehaglich unter ihm lag,\neingekeilt zwischen die Berge, wurde für ihn\nzum Jerusalem, in dem alle Menschen der Land-\nschaft ihr letztes Heil finden sollten. Er wußte\nnicht, worin dieses letzte Heil bestehen würde; er\nwußte nur, daß es etwas unendlich süßes sein\nsollte. Vielleicht ein letzter lohender Rausch der\nLiebe, vielleicht das letzte Tafeln an üppigen\n-?-;v\nTischen voll der erlesensten Speisen. Vielleicht\nauch das letzte Versinken in die Pracht einer stür-\nmenden Musik, und dann als Finale der Untergang,\nder Sturz in das Nichts. Er sah mit entzückten\nAugen die Straßen der heiligen Stadt, das Blinken\nder Fenster, sah den Rauch, der wie ein Heiligen-\nschein über den Dächern zitterte, konnte manch-\nmal auch einen eilenden Menschen unterscheiden\nund erkannte in der Hast seiner Schritte die Hast\ndessen, der vor dem Ende noch manches zu besor-\ngen hat. Die Wege, die von allen Seiten in die\nStadt führten, schmale und breite Wege, alle glän-\nzend in weißem Staub, blickte er solange an, bis\nihm die Augen flimmerten. Dann versenkte er sich\nin die grüne Ruhe der Bäume, die an den Berghän-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5109, "texte": "gen empor und in der Talsohle standen. Sie waren\ndie Unerschütterlichen, sie standen, und lächelten,\nals erwarteten sie nicht das Ende, sondern eine\nneue Fruchtbarkeit, neue Gnade aus dem Schoß\nder Erde. Er wußte wie breit und plump die Kro-\nnen dieser Bäume Waren; aber dennoch erhoben\nsie sich vor ihm zu einer schlanken Schönheit, zu\nder Linienschönheit dunkler Zypressen. Diese\nErinnerung an die Symbole der Trauer machte die\nVerwandlung der idyllischen Landschaft in eine\nheroische vollkommen. Er sah die höchste Span-\nnung der Angst und erhielt durch die Zypressen\ndie Bestätigung der unabweisbaren Vernichtung.\nEr erkannte in dieser Landschaft, an deren heitern\nRuhe er sich bis dahin erfreut hatte, plötzlich eine\ntragische, die sich der seines Werkes als Gegen-\nstück an die Seite stellen konnte. Und dies gab\nihm die Gewißheit, so innig mit seinem Werk ver-\nwachsen zu sein, dieses Werk selbst zu sein, daß\nihm selbst das Heitere gehorchen und würdig wer-\nden mußte, daß sich ihm von nun an jede Land-\nschaft in eine tragische wandeln würde. Nun gab\nes für ihn nur noch die großen, schweren Gebär-\nden, die Fülle eines kernhaften Reichtums. So war\ner zugleich Beherrscher und Sklave seines Wer-\nkes. Und so strebte er einer neuen Kunst entgegen.\nIn den Anblick der verwandelten Landschaft\nversunken, fühlte er, daß dieser Tag für ihn ein\nGipfel würde, von dem er Ausschau hielte über\nden zurückgelegten Weg, um mit dem Vergange-\nnen abzurechnen. Die Summe des Erreichten\nmußte an diesem Tage aufgestellt, das Erworbene\nund Gesammelte verzeichnet und abgeschlossen\nwerden, damit er frei und ohne Bürde weiter-\nschreiten konnte. Und über sich selbst mußte er\nzu Gericht sitzen, prüfen und erwägen, auf daß\nalles, was der Kunst, die er anstrebte, schädlich\nwar, vernichtet und ausgerottet wurde. Jode\nLiebe, die er in den Jahren des Reifens gehegt,\njeden Haß, den er genährt, jeden Stolz, der er sich\nhingegeben hatte,mußte er an sich vorüberführen,\num sie zu verurteilen oder um sie anzuerkennen.\nEr wußte, welch eine Strenge zu seiner ernsten\nKünstlerschaft gehörte, wußte, wie ehrlich gegen\nsich selbst er sein mußte, wenn die Kunst, die er\nahnte und wollte, nicht eine Unehrlichkeit werden\nsollte. Und wußte, daß es vor allem sein Werk\nwar, dem er sich mit straffer Strenge gegenüber-\nstellen mußte; denn in seinem Werk wollte er zu\naen Menschen seiner Zeit sprechen, um sie aufzu-\nrütteln und ihnen die Ahnung einer neuen Größe\nin die Seelen zu gießen. Eine verästelte Arbeit er-\nwartete ihn an diesem Tag des Ausblicks. Eine Ar-\nbeit, über der die Schwüle einer ängstlichen Er-\nwartung lag, in der die verlangende Freude einer\nsüßen Hoffnung zitterte.\nIndem er sich der Landschaft hingab und sie in\nder Wechselwirkung umschuf, versetzte er sich\nmitten in sein Werk, dessen Nachwehen ihm den\nlangen Brief an den Freund eingegeben hatten. Es\nwar ihm eine tiefe Freude, die dem Schweigen auf\ndem Grund eines dunkeln Waldsees glich. Sie war\nnicht stürmisch und drängend, sie zwang ihn nicht,\ndie Arme auszubreiten, um die ganze Welt an seine\nBrust zu ziehen, sie saß philosophisch erhaben in\nseinem Herzen und sandte von da die unsichtba-\nren Strahlen ihrer Macht aus, daß sie sein ganzes\nWesen durchleuchteten und zu einem schönen ed-\nlen Rhythmus zwangen. Er fühlte sich außerhalb\niedei Zeit, unnahbar wie das Schicksal, und hatte\nden festen Glauben, djer Kunst 'Seiner Zeit das\nSchicksal zu werden. Er wiar hochmütig in\nseiner erhabenen Freude, denn er hatte das\nstolze Bewußtsein, ein Großes vollendet zu haben.\nJe tiefer er rückdenkend in sein Werk ein-\ndrang, umso mehr Ehrfurcht empfand er vor einer\nKraft, die solches schuf. Mit Erstaunen überblickte\ner den weiten Weg, den er gegangen war, starrte\nmit leisem Grauen in. die Tiefen, die sich ihm offen-\nbart, und wurde geblendet von den Höhen, in die\ner mit kühner Hand gegriffen hatte. Jetzt erst\nverstand er seine Seelenregungen, ihr Aufzucken\nin Oual und Not, ihr Erschlaffen in Verzagtheit und\nAngst, ihren unnatürlich -langen Schlaf und ihre\nüberlebendige Lebendigkeit. ihm früher nur\nsprungweise Erkenntnis war, das verdichtete sich\nihm zu einem erhabenen Bilde. Er verlangte noch\nnicht nach einem neuen Werk; die angenehme Er-\nschlaffung nach dem Vollbringen hatte ihn noch\nnicht verlassen, er vermochte noch, mit Wohlge-\nfallen sein Werk zu betrachten, ohne Ahnung des\nschrecklichen Dranges, dem er anheimfallen sollte,\nwenn er erst seinem Werk ferner gerückt war, die\ninnere Fühlung zu ihm verloren hatte, und nach\nneuer Befriedigung wandern mußte.\nBis in den hohen Mittag hielt er sich auf der\nVeranda auf und lebte sich so in den Gedanken,\ndie idyllische sei eine tragische Landschaft gewor-\nden, daß er nicht mehr zu lächeln vermochte. Er\nerlebte in sich die Schrecken und Revolutionen\ndieser Umwandlung, erlebte jede gewaltsame Deh-\nnung mit, die die Berge erleiden mußten, um grö-\nßer zu werden, jeden großen Schmerz, der den\nBäumen zugefügt wurde, damit sie zu Symbolen\nder Trauer würden, jeden qualvollen hastigen\nSchritt der Menschen in den Straßen, deren gan-\nzes Entsetzen vor dem nahen Untergang sich in\nihm konzentrierte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "21", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.7.3", "titre_corps": "Hans Arp: Zeichnungen", "titre_sommaire": "Hans Arp: Zeichnungen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 21, "texte": "Hans Arp: Zeichnungen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "22", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.8", "titre_corps": "Dortmund", "titre_sommaire": "Dortmund", "signature_source": "Alfred Richard Meyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.6", "debut_caractere": 5130, "fin_caractere_exclue": 6871, "texte": "Dortmund\nAlfred Richard Meyer\nSeltsamer Abende du seltsamster und dunkelster!\nDie Eltern waren bei Berghauptmanns zum Diner.\nDas mathematische Exercitium hatte ich wieder\nmal nicht gemacht,\ndas schrieb sich morgen früh noch gut genug ab\nin der Penne.\nIch stand am Gitter unseres Hofes, ganz in Gallert\nder Stearinfabrik von gegenüber.\nUnd alles in mir wurde langsam weiches Fett,\ngerann und prestidigitatierte mich zur Kerze,\nauf die wohl bald ein Funken herüber spuckte\nvom Gaukelspiegel der andern abendlichen\nLichter.\nIndes ich also harrte,\nschnob ein Bulldogg plötzlich um mein Bein,\nberoch mich, knisterte mit seinen vorgeknöpften\nAugen\nund sprach mit lieb westfälischem Akzent:\n„Du brennst ia scheißlich. Halt die Luft an!\" und\nverschwand.\nDa packte mich ein mächtig karusselliger Triesel:\nSchuh, Strümpfe riß ich mir von meinen beiden\nFüßen,\nward Renner um die rosenblätternden Rabatten,\nfraß Kiesel und Kiesel mit den Lefzen meiner\nZehen,\nzog einen feinen roten Ring in alle schwarzen\nWege\nund lag dann — weiß nicht wie — in meiner Eia.\nMit gelbem Schleim beschlabberte mich der Mond.\nIch fühlte, wie das lähmend auf mir Kruste wurde,\nbis es mich schließlich — Luft, Luft! — ganz er-\nstickte.\nnin Schrei. Noch einer. Lautes Laufen die Straßen\nentlang.\nJetzt schon ganz fern. Doch nah, näher gurgeln-\ndes Röcheln.\nEin Mord.\nEin Messer hat einen roten Springbrunnen jäh\naufgetan.\nWieder laufende Schritte. 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Friedländer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.6", "debut_caractere": 6873, "fin_caractere_exclue": 9006, "texte": "Die Mitte zwischen\nExtremen\nZur Verhütung eines Mißverständnisses\nVon Dr. S. Friedländer\n„Diese kleine doppelzüngige Schlange ist immer\nin der Mitte zwischen den Extremen, und durch ihr\negoistisches Treiben verhindert sie die vollkom-\nmene Entwicklung des einen ad absurdum oder\ndes anderen bis zum Ideal. Immer in der Mitte\nmischt er die zwei Grundfarben des Lebens in eine\nFarbe, die tonlos ist und faul und schmutzig . .\nUnd wer sagt es? — Der sehr berühmte Herr\nGorki. Aber eines der verderblichsten Mißver-\nständnisse wird dadurch nicht beseitigt, daß ein so\nberühmter Mann es mitmacht, ja sanktioniert.\nAlso zum Donnerwetter, was will man? — Will\nman eine Wagschale ohne Zunge? — Will man\nExtreme ohne Mitte? — Ein Ja, ein Nei n —\nohne das disjungierende Neutrum ihrer Mitte?\nStatt daß dieser Stumpfsinn sich über das\nFehlen der präzis neutralen Mitte, über\nschlechte, jüdelnde, schielende, zwitternde,\nschillernde Misch-masch- Mitte beklagt, —\nmacht er di e Mitte verächtlich. Es ist ein ganz\ngottverlassener Blödsinn, Extremen ohne ihre\nreinsten, von deren Widerspruch und Gegensatz\nreine, Mitte fungieren lassen zu wollen. S o tri-\nvial wie alle diese in d e r Hinsicht mit Unrecht\nsehr berühmten Herrn sich das denken, ist der\nsogenannte goldene Mittelweg denn doch nicht.\nAch nein. Strengen Sie doch ein wenig Ihre tapfere\nUrteilskraft an, um klar einzusehen, daß Gegen-\nseitigkeit die Bedingung der Möglichkeit aller\nWirksamkeit ist! Und daß diese Gegenseitigkeit\nnicht eher präzis funktioniert als bis die Mitte\nihrer Extreme mit der reinsten mathematischen\nGenauigkeit getroffen wird. Was kann denn diese\nMitte dafür, daß man sie verfehlt und an ihrer\n(von aller Zweideutigkeit befreiten) Statt eine\ngräßliche Verkleisterung der Extreme be-\nsorgt?? — Wahrste, reinlichste Mitte ent-\nscheidet überhaupt erst Extreme! Vor der\nTreffung dieser echten, richtenden Mitte, die dem\nExtremen jedes Uebereinandergreifen verbietet,\ni s t noch gar keine rechte Gegenseitigkeit vor-\nhanden.\nAber jawohl! Es ist klar, was diese primitiven\nBerühmtheiten wollen: Den — Hosianna — end-\ngültigen „Sieg des guten Prinzips über dem bösen\","}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2877, "texte": "man muß vor Wut und Spott jargonreden. Treu\nnach' dem alten Zarathustra (der neue ist ihnen\nwohl zu neu?) soll's Licht auf ewig — siehst du!\n— über die Finsternis — pfui Teufel. Gibt es\netwa ein noch abscheulicheres Mißverständnis als\ndas der Verwechslung, der plumpen Identifizierung\nvon schmutziger Mitte mit reiner, neutraler?\nWarum fahren diese berühmten Kulis immer gegen\ndie Mi 11 n los, anstatt nur gegen deren Korrum-\npirung, Vergrauung, Versauung?\nIhr, die Ihr Euch nicht zwischen zwei Stühle\nsetzen wollt — habt Ihr so wenig Witz, zu ka-\npieren, daß die falsche Benutzung eines solchen\nInterim Euch die Anerkennung der Notwendig-\nkeit seiner Existenz nicht erspart? — Weil die\nMitte meistens zur ängstlichen Vermeidung\nder Extreme gemißbraucht wird, verbietet Ihr\nin Bausch und Bogen ihren Gebrauch? Im Gegen-\nteil! Ihr solltet lernen und lehren, daß nur der rich-\ntige, das heißt aber der . . , .magnetische,\ndisjungierende, antithetische Gebrauch der Mitte\nzu aller Art Opposition erst befähigt! Neutra-\nlität ist, wo sie sich rein erweist, immer eine\nMitte zwischen Bevorzugung und\nHintansetzung ; und zwar gesetzlich hin-\ndurch durch alle Reiche |der Natur. Dagegen ist\ndie primitive Tendenz, extrem zu sein, zum Beispiel\n„Vorwärts\" zu streben, unter fanatischer\nd. h. rücksichtslos absoluter Vertilgung des\nGegenextrems, trotz aller Wohlgemeintheit eben\nblitzdumm: ein Rechts ohne Links und ähn-\nliche Halb- und Hinseitigkeiten ohne Gegenseitig-\nkeit gehören zum logischen Kretinismus. Und die\nStrenge dieser Gegenseitigkeit richtet sich nach\nder St ren g e ihrer Mitte. Aus dieser Mitte\nblitzt Nein und Ja, Liebe und Haß: — aber mit\nebenbürtiger, ob auch gegensätzlicher Ge-\nwalt. Nein ist bei Liebe nicht Ja: aber ohne\nNein kein Ja. Versagt das berühmte Gehirn, wenn\nes gilt, hieraus den Schluß zu ziehen: daß der\nenergische Bejaher sich genau in der Mitte\nzwischen Ja und Nein aufhalten müsse, um\ndadurch so energisch zu bejahen, daß er*ebenso\nenergisch andrerseits verneint?\nHat sich was! Es versagt! Es will selbst-\nverständlich das Nein, die Finsternis, das böse\nPrinzip mit dem Licht, dem Ja des guten Prinzips\nhöchst eindeutig zermatschen, dekrezit machen.\nMein Herr, um zu verdauen, müssen Sie einnehmen\nund ausscheiden und auf gewisses Gleichgewicht\nbedacht sein. Sollten Sie höchst affirmativ eines\nTages Ihren berühmten Unterleib abschaffen —\ndann Ade du lieber Oberleib! Denken Sie nach,\neifern Sie nicht so ruhmlos gegen die Mitte zwischen\nExtremen! Es dürfte Ihnen jdann nicht allzu lange\nunbekannt bleiben, daß alles Erringen von Dingen\nauf Gleichgewicht beruht, Gleichgewicht\naber auf Gegengewicht. Vergessen Sie über dem\nBegriff des positiven Uebergewichts ja nicht den\ndes negativen. Sie lernen da Finessen von der\nverflixten kühnen gelenken kleinen Schlange, für\ndie bereits Ihr Ahnherr, Evas einfältiger Mann,\nein sehr nettes Eselsohr hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c013", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.10", "titre_corps": "Vom andern Ufer", "titre_sommaire": "Vom andern Ufer", "signature_source": "Berliner Sezession ; Joseph Adler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.7", "debut_caractere": 2879, "fin_caractere_exclue": 7996, "texte": "Vom andern Ufer\nBerliner Sezession\nJoseph Adler\nDer Untergang der „Titanic” auf der\nMax Beckmann plant für die nächste\nSezessionsausstellung ein Bild des\nUnterganges der „T i t a n i c\". Beckmann, dessen\nKunst nach solchen stark dramatischen Szenen\nverlangt, hat schon einmal eine sensationelle\nKatastrophe gemalt: 1909 hing auf der Sezes-\nsions-Ausstellung sein großes Bild, das eine Szene\naus dem Erdbeben von Messina darstellte.\nDas ist die Kunst, die nach dramatischen Szenen\nverlangt und banale Stücke wiedergibt. Ein Bild\nder großen Schiffskatastrophe wird die „k lein e\"\nSensation der Ausstellung „bilden\". Ein Unglück\nkommt immerhin allein, aber es geht nicht vorüber\nohne Hinterlassung jener Spuren, in denen die spe-\nkulativen Geister den Weg zu neuen Erfolgen\nsuchen Doch: die Kunst verlangt. Was hat sie zu\nverlangen? Zu geben hat sie. Verlangen dürfen\nwir von ihr, und der Künstler von uns. Aber er\nsoll nicht' Bilder für Ausstellungen planen. Er\nsoll sie malen. Viel verlangt. Er plant sie, und\nder Herr Präsident, der nicht schläft, weckt recht-\nzeitig das Interesse. Der Künstler hat schon ein-\nmal eine sensationelle Katastrophe gemalt. Eine\nSzene aus dem Erdbeben von Messina. Die\nschwache Erinnerung wirft noch um. Das Erd-\nbeben von Messina: eine sensationelle\nKatastrophe, der „Untergang der Titanic\" ein Bluff,\nder das sinkende Interesse an der Sezession wieder\nheben soll. Das Schiff hat ein Leck, aber man sollte\ndem Kapitän den Mund stopfen. Mehr noch. Man\nsollte ihn über Bord werfen. Der WTind dreht sich.\nDie Situation ist ernst, das Leben ist sensationell\nund katastrophal ist die Kunst.\nEin Opfer verständnisinniger Würdigung\n„230 Bilder legen hier Zeugnis ab von der im-\nposanten Arbeit eines einzelnen während eines\nMenschenalters.\"\nDas sind Bilder, die sich keinen Zwang antun.\nSie legen vor dem Kunstschmock das Zeugnis\nab, und bewunderungsbrünstig sieht er die Nackt-\nheit der imposanten Arbeit vor sich.\n„Die elementare, oft ans Brutale streifende\nKraft, die von jeder Schöpfung dieser Persön-\nlichkeit ausgeht, wächst vor dieser gewaltigen\nReihe ins Kolossale.\"\nDas muß das Sehenswerteste in der Ausstel-\nlung gewesen sein. Die elementare Kraft, wie sie\nvon jedem Bilde ausgehend vor der Gesamtheit ins\nKolossale wuchs:\n„Der überwältigende Gruß eines Meisters der\nMalerei, dem wahrhaft die Farbe Symbol und\nAusdruck einer leidenschaftlichen Weltanschau-\nung wiar und ist. Der aus der gesunden Sinn-\nlichkeit seiner Natur diese leuchtenden Licht- und\nFormspiele, diese wild bewegten Gruppen, diese\nstrotzenden Körper, fast als ein moderner Ru-\nbens, auf die Leinwiand setzte. Von den Erst-\nlingsbildern der Kömigsberger, Pariser, Münche-\nner Frühzeit bis in die Epoche der Berliner Voll-\nreife geht ein saftig dah influtender\nStrom malerischer Entwicklung, in immer glän-\nzenderer Ausbildung eines angeborenen Bildner-\ntriebes, eines mit eisernem Fleiß geschulten Kön-\nnens, einer künstlerischen Energie, die in\nschwächlichen Jahrzehnten eine volksmäßige Ur-\nsprünglichkeit wJahrte und zu bleibenden Leistun-\ngen steigerte. Mit bewunderndem Dank stehen\nwir vor solchem Lebenswerk.\"\nDie Phrase von dem saftig dahinflutenden\nStrom fische ich heraus. Sie tropft von gesuchtem\nSchwung und in sich verlorenem Reiz. Sie schreit.\nIhr süßes Maul hat die Breite des saftig dahin-\nflutenden Stromes malerischer Entwicklung. Sie\nstammt, wie jede andere auch, aus der Pariser\nFrühzeit des Feuilletonismus, ist aber erst in der\nBerliner Vollreife des Schmocktums voll erblüht.\nEinem Lebenswerk haucht sie den gemeinen Ton-\nfall eines Schlagers an, den eine Saison lang alles\nim Munde führt. Sie ist überall zu Hause und ent-\niremdet uns alles. Sie will immer etwas näher\nbringen und legt sich als Verkehrshindernis zwi-\nschen die Dinge. Sie verwässert die geistigen Zu-\nflüsse und in den schönen Kampf der aufeinander\nplatzenden Geister stürzt sie sich mit der blutigen\nFrage: Nichts zu handeln?\nDie Kriegsmalerei rüstet auch\n„Der Künstler, der bisher als Militärmaler be-\nkannt war, bringt eine neue Erkenntnis aus diesen\nTagen des Schreckens mit. „Nein, für mich ist es\nmit dem geschniegelten, sauberen Soldaten\nvorbei, mit dem schönen Kriege, mit dem schönen\nSchlachtenbrlde und dem militärischen Genrebild.\nZu lange hat die Kriegsmalerei diesen schönen\nKonventionen angehangen. Sie muß sich die\ngrauenhafte Wirklichkeit erobern.\"\nDer schönen Konvention nachhängend, malten\nsie Bilder von bestrickendem Reiz. Aber das soll\njetzt anders werden. Der Knoten irriger Anschau-\nungen soll gelöst werden. Ein Künstler, der\nbisher als Militär maier bekannt\nwar, hat am Balkan eine neue Erkenntnis ge-\nwonnen, er hat sie heimgebracht. Die Aeltesten der\nZunft betrachten sie mit Staunen. Alle haben\nschlechte Kriegsbilder in dem guten Glauben ge-\nmalt: daß die Wirklichkeit schön sei. Die neue Er-\nkenntnis wird den alten Brauch verabschieden. Sie\nruft, und schon reißt sich der feurige Kriegsmaler\naus den Armen der schönen Konvention. Die\nWirklichkeit ist in Gefahr. Die himmlischen Mächte\nmüssen hier rettend eingreifen, das Werk der\nKriegskunst darf nicht ein Raub des blutigen Hand-\nWerks werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c014", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.11", "titre_corps": "Empfohlene Bücher", "titre_sommaire": "Empfohlene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.7", "debut_caractere": 7998, "fin_caractere_exclue": 9007, "texte": "Empfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nDr. Wilhelm Hausenstein\nDer nackte Mensch in der Kunst\naller Zeiten und Völker / Mit mehr als sieben-\nhundert Abbildungen\nMünchen / R. Piper und Co.\nErstes bis fünftes Tausend\nAlfred Döblin\nDie Ermordung einer Butterblume / und andere\nErzählungen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen: Lieferung 1 und 2: Die deutsche\nMalerei / Mit zahlreichen Abbildungen\nAkademische Verlagsgesellschaft m. b. H.\nM. Koch I Berlin-Neubabelsberg\nJaques Treve\nDu Röle de la Femme dans la Vie des Heros\nParis / Verlag Eugene Figuiere et Cie und\nBerlin / Verlag Der Sturm\nFritz Burger\nCezanne und Hodler / Einführung in die Pro-\nbleme der Malerei der Gegenwart\nMit 171 Abbildungen und zwei Farbtafeln\nDelphin-Verlag / München"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.8", "debut_caractere": 409, "fin_caractere_exclue": 881, "texte": "Standige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\nfegeniiber der von der HeydtstraBe\nFahrgeleKenheit: Liitzowplatz\nFiinfzehnte Ausstellung\nDer Moderne Bund\nSchweiz\nHans Arp / Wilhelm Gimmi / Walter Helbig / Her-\nmann Huber / Paul Klee / Oskar Liithy / Albert\nPfister , !'\nGeofinet taglich von 10—6 Ufar / Sonntags vob\n10—2 Ubr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20, September 1913\nErster deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c016", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.8", "debut_caractere": 883, "fin_caractere_exclue": 2613, "texte": "Verlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fiir das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse ndung in Roll en direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X F ii r das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFails direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzumfiinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nimter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c017", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.8", "debut_caractere": 2615, "fin_caractere_exclue": 4868, "texte": "Sonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: Versohnung/\n/Tierlegende/Pferde/ Tiger/Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nR u h e n d e Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark,\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Klinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottlufl: Mann und Weib I Zwdlf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Niiinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Qedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik N\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 j Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1913-05-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1913-05_01#c018", "volume": "bmtnabg_1913-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen*\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n1-0 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und kunstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text /\neine literarische Beilage erscheint jeden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark /\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nSkupina / Prag /' Dritte Ausstellung: Qemalde:\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Qraphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n1 Alte Qraphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst I Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaflee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen*\nNachteile hat. Er ist unschadlich fiir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLutzow 5850 I Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinband©"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.1", "texte": "Umfang: acht Seiten\nEinzelbezug 40 Pfennig\nv ||pf i 112 Hfl I \"'fJ: i\nall JWr Sre# S M M %fJI-\nJliill jg|jjjP** ||||i| || Ii Ä\n£ss* sksES HH| jfe. '*l§lip «Egs I- Vft;?'?\"\" ,'•£'# y^Hg?\njB&F I£m& iwS JNr tfl r löl m wt*^\nHALBMONATSSCHRIFT FÜR KULTUR UND DIE KÜNSTE\nRedaktion und Verlag\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a\nHerausgeber und Schriftleiter\nHERWARTH WALDEN\nAu sstellungs räume\nBerlin W / Königin Augustastr. 51\nVIERTER JAHRGANG\nBERLIN-PARIS MAI 1913\nNUMMER 158/159\n\nInhalt:\nAlfred Döblin: An Romanautoren und ihre Kritiker / H. W.: Von den schönen Künsten: Immer noch Anton von Werner, / Die Kunst der Abgeord-\nneten / Bilder mit Dingen / Neuer Pharusplan / Isidor Quartner: Liebeslied / Arthur Babillotte: Die Schwermut des / Alfred Richard Meyer:\nDortmund / D. S. Friedlaender: Die Mitte zwischen Extremen / Joseph Adler: Vom andern Ufer / Empfohlene Bücher / Hans Arp: Fünf Zeichnungen\n\nAn Romanautoren und\nihre Kritiker\nBerliner Programm\nVon Alfred Döblin\nDer Künstler arbeitet in seiner verschlossenen\nZelle. Sein Persönliches ist zwei drittel Selbst-\ntäuschung und Blague. Die Tür zur Diskussion\nsteht offen.\nGewisses ist unverrückbar in der Zeit; Homer\nläßt sich noch genießen: Kunst konserviert; aber\ndie Arbeitsmethode ändert sich, wie die Oberfläche\nder Erde, in den Jahrhunderten; der Künstler kann\nnicht mehr zu Cervantes fliehen, ohne von den\nMotten gefressen zu werden. Die Welt ist in die\nTiefe und Breite gewachsen; der alte Pegasus von\nder Technik überflügelt, hat sich verblüffen lassen\nund in einen störrischen Esel verwandelt. Ich be-\nhaupte, jeder gute Spekulant, Bankier, Soldat ist\nein besserer Dichter als die Mehrzahl heutiger\nAutoren.\nDie Prosaautoren, am ehesten zum Mitgehen-\nMitwagen verpflichtet, erschließen die Welt nicht\nmittels neuer, strenger, kaltblütiger Methoden,\nsondern kauen unentwegt an „Stoffen\" und Pro-\nblemen ihrer inneren Unzulänglichkeit. Man soll\nseine vermeintliche inneren Notwendigkeiten zü-\ngeln und die Zügel der Kunst in die Hand geben.\nDichten ist nicht Nägelkauen und Zahnstochern,\nsondern eine öffentliche Angelegenheit.\nEin Qrundgebrechen des gegenwärtigen ern-\nsten Prosaikers ist seine psychologische Manier.\nMan muß erkennen, daß die Romanpsychologie,\nwie die meiste, täglich g \"übte, reine abstrakte\nPhantasmagerie ist. Die Analysen, Differenzie-\nrungsversuche haben mit dem Ablauf einer wirk-\nlichen Psyche nichts zu tun; man kommt damit\nan keine Wurzel. Das „Motiv\" der Akteure ist\nim Roman so sehr ein Irrtum wie ein Leben; es ist\neine poetische Glosse'. Psychologie ist ein diletten-\ntifches Vermuten, scholastisches Gerede, spinti-\nsierender Bombast, verfehlte, verheuchelte Lyrik.\nImmer war der Rationalismus der Tod der\nKunst; der zudringlichste, meist gehätschelte Rati-\nonalismus heißt jetzt Psychologie. Viele als „fein\"\nverschrieene Romane, Novellen, — vom Drama\ngilt dasselbe — bestehen fest nur aus Analyse von\nGedankengängen der Akteure; es entstehen Kon-\nflikte innerhalb dieser Gedankenreihen, es kommt\n\nHans Arp: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.2", "texte": "zu dürftigen oder hingepatzten „Handlungen\".\nSolche Gedankengänge gibt es vielleicht, aber nicht\nso isoliert; sie besagen an sich nichts, sie sind\nnicht darstellbar, ein amputierter Arm; Atem, ohne\nden Menschen der atmet; Blicke ohne Augen.\nDie wirklichen Motive kommen ganz anders woher;\ndieses da, der lebendigen Totalität ermangelnd,\nist Schaumschlägerei, ästhetisches Qequerle, Ge-\nschwafel eines doktrinären, gelangweilten Autors,\ndem nichts einfällt, zu Gebildeten, die sich belehren\nlassen wollen.\nMan lerne von der Psychiatrie, der einzigen\nWissenschaft, die sich mit dem seelischen ganzen\nMenschen befaßt; sie hat das Naive der Psycho-\nlogie längst erkannt, beschränkt sich auf die No-\ntierung der Abläufe, Bewegungen, — mit einem\nKopfschütteln, Achselzucken für das Weitere und\ndas „Warum\" und „Wie\". Die sprachlichen For-\nmeln dienen nur dem praktischen Verkehr. ,Zorn\",\n„Liebe\", „Verachtung\" bezeichnen in die Sinne\nfallende Erscheinungskomplexe, darüber hinaus\ngeben diese primitiven und abgeschmackten Buch-\nstabenverbindungen nichts. Sie geben ursprüng-\nlich sichtbare, hörbare, zum Teil berechenbare\nAbläufe an, Veränderungen der Aktionsweise und\nEffekte. Sie können nie und nimmermehr als Mi-\nkroskope oder Fernrohre dienen, diese blinden\nScheiben; sie können nicht zum Leitfaden einer\nlebennachbildenden Handlung werden. An dieses\nursprüngliche Gemeinte, dieses Simple muß man\nsich streng halten, so hat man das Reale getroffen,\ndas Wort entzaubert, die unkünstlerische Abstrak-\ntion vermieden. Genau wie der Wortkünstler\njeden Augenblick das Wort auf seinen ersten Sinn\nzurückgehen\" muß, muß der Romanautor von\n„Zorn\" und „Liebe\" auf das Konkrete zurück-\ndringen.\nDamit ist der Weg aus der psychologischen\nProsa gewiesen. Entweder offenes, nicht mehr\nverschämtes Lyrisma mit seiner Unmittelbarkeit;\nSichergehen in Gehobenheiten und Niederungen;\nIchreden, wobei das naive Räsonement zulässig ist\nIch zweifle freilich, ob man diese Form Roman,\nNovelle nennen kann. Oder die eigentliche Ro-\nmanprosa mit dem Prinzip: der Gegenstand des\nRomans ist die entseelte Realität. Der Leser in\nvoller Unabhängigkeit, einen gestalteten, gewor-\ndenen Ablauf gegenübergestellt; er mag urteilen,\nnicht der Autor. Die Fassade des Romans kann\nnicht anders sein als aus Stein oder Stahl, elek-\ntrisch blitzend oder finster; sie schweigt. Die\nDichtung schwingt im Ablauf wie die Musik\nzwischen den geformten Tönen.\nDie Darstellung erfordert bei der ungeheuren\nMenge des Geformten einen Kinostil. In höchster\nGedrängtheit und Präzision hat „die Fülle der Ge-\nsichte vorbeizuziehen. Der Sprache das Aeu-\nßerste der Plastik und Lebendigkeit abzuringen.\nDer Erzählerschlendrian hat im Roman keinen\nPlatz; man erzählt nicht, sondern baut. Der Er-\nzähler hat eine bäurische Vertraulichkeit. Knapp-\nheit, Sparsamkeit der Worte ist nötig; frische Wen-\ndungen. Von Perioden, die das Nebeneinander\ndes Komplexen wie das Hintereinander rasch zu-\nsammenzufassen erlauben, ist umfänglicher Ge-\nbrauch zu machen. Rapide Abläufe, Durcheinander\nin bloßen Stichworten; wie überhaupt an allen\nStellen die höchste Exaktheit in suggestiven Wen-\ndungen zu erreichen gesucht werden muß. Das\nGanze darf nicht erscheinen wie gesprochen\nsondern wie vorhanden. Die Wortkunst muß sich\nnegativ zeigen, in dem was sie vermeidet: ein\nfehlender Schmuck, im Fehlen- der Absicht, im\nFehlen des bloß sprachlich schönen oder schwung-\nhaften, im Fernhalten der Maniriertheit. Bilder\nsind gefährlich und nur gelegentlich anzuwenden;\nman muß sich an die Einzigartigkeit jedes Vor-\ngangs heranspüren, die Physiognomie und das\nbesondere Wachstum eines Ereignisses begreifen\nund scharf und sachlich geben; Bilder sind bequem.\nDie Hegemonie' des Autors ist zu brechen; nicht\nweit genug kann der Fanatismus der Selbstver-\nleugnung getrieben werden. Oder der Fanatismus\nder Entäußerung: ich bin nicht ich, sondern die\nStraße, die Laternen, dies und dies Ereignis,\nweiter nichts. Das ist es, was ich den steinernen\nStil nenne.\nFortgerissen vom psychologischen Wahn hat\nman in übertriebener Weise den einzelnen Men-\nschen in die Mitte der Romane und No-\nvellen gestellt. Man hat tausende besondere,\nhöchst outrierte Personen erfunden, an deren Kom-\npliziertheit der Autor sich sonnte. Hinter dem ver-\nderblichen Rationalismus ist die ganze Welt mit\nder Vielheit ihrer Dimensionen völlig versunken;\ndiese Autoren haben wirklich in einer verschlos-\nsenen Kammer gearbeitet. Der Künstler hat sich\nzum Handlanger dürftiger Gelehrten degradiert,\nsich geblendet, den Kunstfreund und Leser ent-\nwöhnt, in den Reichtum des Lebens zu blicken.\nMan hat eine Atelier-Schriftstellerei gezüchtet, eine\nsystematische Verarmung der Kunst betrieben.\nHier könnte sich der zweite Wahn, der erotische,\netablieren. Die schriftstellerische Welt ist succe-\nsive vereinfacht auf das geschlechtliche Verhältnis;\nein Prozeß, der durch das beifällige Interesse\neines schlechten oder schlechtgeleiteten Publikums\nbegünstigt Diese VerWässerung, Verdün-\nnung des bischen Lebens, das in die Schreibstuben\ndrang.\nDer Naturalismus ist kein historischer Ismus,\nsondern das Sturzbad, das immer wieder über die\nKunst hereinbricht und hereinbrechen muß. Der\nPsychologismus, der Erotismus muß fortge-\nschwemmt werden; Entselbstung, Entäußerung des\nAutors, Depersonation. Die Erde muß wieder\ndampfen. Los vom Menschen! Mut zur kine-\ntischen Phantasie und zum Erkennen der unglaub-\nlichen realen Konturen! Tatsachenphantasie! Der\nRoman muß seine Wiedergeburt erleben als Kunst-\nwert und modernes Epos.\n\nVon den schönen\nKünsten\n\nImmer noch Anton von Werner\nDas Berliner Tageblatt hat bekanntlich keinen\nRaum, bedeutende zeitgenössische Künstler auch\nnur zu registrieren. Oder aber: Herr Fritz Stahl\nhat es der Redaktion verboten. Herr Fritz Stahl\ngab selbst seine Unfähigkeit zu, über Bilder zu\nschreiben, die ihn nicht sehen mögen. Die Leser\ndes Berliner Tageblatts erleben also eine Blok-\nkade, ohne überhaupt zu ahnen, was der Herr\nStahl über sie verhängt hat. Dafür läßt er ihnen\ndie Augen für die Bilder seiner Exzellenz des\nHerrn Anton von Werner sechs Spalten weit\nöffnen. Herr Anton von Werner hat nämlich seine\nMemoiren herausgegeben unter dem Titel „Erleb-\nnisse und Eindrücke\". Er schreibt also über Dinge,\ndie zu malen ihm nicht gegeben war. Herr Werner\nist für das Berliner Tageblatt „eine starke und\nunerschrockene Persönlichkeit\". Vermutlich, weil\ner seine eigenen Bilder aushalten konnte und vor\nkeiner Schimpferei gegen bedeutende Künstler\nzurückschreckt. Aber sein Buch. Ganz ganze\nPersönlichkeit: „Er sieht die Welt genau in\ndemselben Licht, ob er den Pinsel, ob er\ndie Feder in der Hand hat.\" Gemalt wie geschmiert.\nHierauf wird selbst dem „technischen Berichter-\nstatter\" des Berliner Tageblattes etwas übel, er\ntadelt eine „gewisse Kälte\" des Buches, sodaß\ndarin gar nichts von den erhabenen Schmerze»\n„künstlerischen Ringens\" zu finden ist. Er findet\nhingegen, daß „Werner nie einen Augenblick im\nZweifel darüber gewesen sei, worin seine künst-\nlerische Sendung bestehe, und als wenn die welt-\nhistorischen Ereignisse der siebziger Jahre sich\nausschließlich zu: dem Zweck abgespielt hätten,\ndem Künstler Stoffe für seine Bilder zu liefern.\"\nHerr Werner vergaß zwar über den Stoffen die\nBilder und lieferte eben einfach Stoffe. „Von Kiel\ngeht es direkt ins Hauptquartier nach Versailles\nund fortab schwimmt Werner (also ab Ver-\nsailles) in dem breiten Strom der offiziellen Ge-\nschichtsmalerei, der ihn zeitlebens getragen.\" Das\n„hat\" nur ging vor Schreck unter. Nun scheint\nsich die stählerne Hand über den technischen Be-\nrichterstatter gelegt zu haben. Denn „nach diese»\nVorbehalten muß jedoch anerkannt werden . .\nUnd nun wird anerkannt. Alle Vorbehalte\nwerden zu Wasser. Nein, was der Werner alles\nweiß. Was er erlebt hat. Welche Eindrücke. Er\nsah Moltke essen, Bismarck landwirtschaften, Mi-\nnister tanzen. Erlebnisse und Eindrücke. Natür-\nlich, sagt das Berliner Tageblatt, äußert sich Wfer-\nner auch über die Kunst. Von Kunstkritikern läßt\ner nach dem Berliner Tageblatt nur Ludwig Pietsch\ngelten, der leider verstorben ist. Herr Fritz Stahl\nist ihm offenbar noch nicht einmal aufgefallen. Und\ner hat es reichlich verdient, daß ihn Herr Werner\ngelten läßt. Über seine Kunst kann er denken, wie\nes ihm Freude macht. Eine Frechheit aber sind\nAeußerungen über Hugo von Tschudi:\nIn den Beratungen der Landeskunstkom-\nmission habe ich genügend erfahren, wie hilf-\nlos Fi. v. Tschudi gegenüber den künstlerischen\nEigenschaften eines Kunstwerkes und ihrer Ab-\nschätzung stets war, und wie er lediglich einer\nausgegebenen Parole zu folgen schien, der klas-\nsizistischen vermutlich ebenso überzeugt\nwie der naturistischen, impressionistischen, oder\nfuturistischen, wenn sie gerade Mode gewesen\nwäre. Bei der empfehlenden Aeußerungen, mit\ndenen er seine Vorschläge von Ankäufen für die\nNationalgalerie begleitete, kam das stets in einer\nWeise zum Ausdruck, daß die der Kommission\nangehörigen Maler und Bildhauer den Herrn\nGaleriedirektor gelegentlich darauf aufmerksam\nmachten, daß sie selbst wüßten, wie «es\nhinter dem Ofen aussehe und seiner\nBelehrung nicht bedürften. Als er dann durch\netwas gar zu tätliches Zugreifen\nan empfindlicher Stelle die Anerkennung seiner\nUnfehlbarkeit zu erzwingen suchte und sich da-\nbei vergriff, wurde er von seiner Presse als\nHeld und der eigentliche Schöpfer der National-\ngalerie gefeiert, die er durch Verstümme-\nlung ihres Grundstocks, der Wagnerschen Ge-\nmäldesammlung und entgegen den testa-\nmentarischen Bestim m u n g e n ihr e s\nStifters beschädigt hat.\nDaß die Landeskunstkommission weiß, wie es\nhinter dem Ofen aussieht, wage ich nicht zu be-\nstreiten. Daß aber Hugo von Tschudi ein größerer\nKünstler war als sämtliche der Kommission ange-\nhörigen Maler und Bildhauer, wird wohl nur noch\nHerr von Werner selbst bestreiten. Was sagt\nübrigens Herr Direktor Justi von der National-\nGalerie zu diesen neuen alten Beschimpfungen\nTschudis. Herr Direktor Ludwig Justi hat soeben\nim Verlag von Julius Bard, Berlin unter dem Titel\nDer Ausbau der National-Galerie zwei außeror-\ndentlich lesenswerte Denkschriften, diplomatische\nMeisterwerke, herausgegeben. In der ersten Denk-\nschrift heißt es wörtlich:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.3", "texte": "„Diese Maßnahme (die Entfernung einer großen\nAnzahl Bilder der Sammlung Wagener durch die\nDirektoren Jordan und Tschudi aus den Schau-\nräumen der Galerie in die Amtszimmer der Be-\namten) diese Maßnahme ist als Verletzung des\nWagenerschen Testaments und damit jener Aller-\nhöchsten Kabinettsordres bezeichnet worden;\ngleichzeitig wurde verlangt, daß die Sammlung\nvollständig und zusammenhängend in den Schau-\nräumen aufgestellt und dafür ein ganzes Stock-\nwerk der Nationalgallerie eingeräumt werde.\nEs handelt sich hier um einen reinen formellen\nEinwand, die angebliche Verletzung eines Tes-\ntaments, und, wenn dies zutrifft, damit auch\nzweier Allerhöchster Kabine'ttsorders; dagegen\nist kaum, soweit ich sehe, ein nachdrückliches\nsachliches Bedenken erhoben, einer Beeinträch-\ntigung des Wertes der National-Galerie durch\ndiese Maßnahme behauptet worden. Ein unpar-\nteiischer Beurteiler wird im Gegenteil nicht be-\nst! eitcn, daß der Gesamteindruck und der Rang\nunserer Galerie durch die Sichtung des ganzen\nBestandes und damit auch der Wagenerschen\nSammlung wesentlich gehoben worden ist. Ich\nglaube, daß auch die formelle Seite dieser nütz-\nlichen Maßnahme keine Kritiker gefunden hätte,\nwenn diese nicht aus anderen Gründen mit der\nAmtsführung des Geheimrats von Tschudi un-\nzufrieden gewesen wären.\"\nDies ist die Ansicht des gegenwärtigen Direk-\ntors der National-Galerie. Er widerlegt sogar die\nStichhaltigkeit des „formellen Einwands\". Ich\nwill Herrn Direktor Justi nicht durch meine Be-\ngeisterung für seine Denkschriften in seiner Stel-\nlung gefährden. Aber man lese dieses Buch. Wie\nberuhigend wirkt etwa dieser Satz: „Die nicht\nausgestellten Bilder sind keineswegs in eigent-\nlichen Depots gestapelt, sondern in den Amts-\nzimmern so aufgehängt, daß sie vielleicht besser\nstudiert werden können als einst in Wageners\nWohnung. Zum Kopieren kann jedes Bild ohne\nWeiteres in die Schauräume gebracht werden.\"\nStatt das aber das Berliner Tageblatt sich ohne\nweiteres mit diesen Denkschriften bekannt macht,\nschreibt es nach der Zitierung dieser Ungeheuer-\nlichkeiten gegen Tschudi: „Man kann es dem auf-\nrechten Mann, der am neunten Mai seinen siebzig-\nsten Geburtstag feiert, gewiß nicht übel nehmen, daß\ner am Abend seines Lebens ..Man kann es doch.\nMan nimmt es auch siebenzigjährigen Geburtstags-\nkindern trotz aller Rührung übel, wenn sie nur\nwissen, wie es hinter dem Ofen aussieht. Hierüber\nhelfen auch keine Redensarten von „Kunstmeinung\"\nund „anderm Lager\" hinweg. Es gibt kein an-\nderes Kunstlager hinter dem Ofen. Für „die große\nFülle von Arbeit\" wird in der Kunst keine „Achtung\ngezollt.\" Auch wenn so ein Lagerheld alle. Werke\nzu Ende geführt hat. Und „fast verblüffend\" wirkt\nes für das Berliner Tageblatt, „daß der Künstler\ndaneben (daneben) noch seine ausgedehnte und\nweithin wirkende Tätigkeit als Akademiedirektor\nund Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler\nausgeübt hat.\" Das ist verblüffend. Aber so weh\nauch das Scheiden tut, geschieden muß sein: „so\nscheidet man von dem Memoirenbuch das mit eine\nFülle von Reproduktionen Wernerscher Werke\ngeschmückt ist, mit dem Eindruck, daß\nhier ein Mann spricht, der jedenfall Anspruch dar-\nauf machen darf, gehört zu werden.\" Immer noch\nbesser, als gesehen. Er hat jedoch Anspruch dar-\nauf, von Herrn Fritz Stahl gehört zu werden.\nDie Kunst der Abgeordneten\nDas hohe Haus der Abgeordneten hat sich in\nseiner hundertvierundsechzigsten Sitzung vom\nSonnabend, dem 12. April 1913, der Kunst ange-\nnommen. Und zwar haben die Herren Geheimer\nKommerzienrat Vorster, Mitglied der Freikonser-\nvativen Partei, und die Herren Giemsa und Dr.\nHauptmann, Mitglieder der Zentrumspartei, ,'das\nVerdienst. Herr Vorster versah sich mit einigen\nReproduktionen der Sonderbund-Ausstellung zu\nKöln und einigen Nummern dieser Zeitschrift und\nversuchte durch eine recht lange Rede, die „krank-\nhafte Entwicklung der bildenden Künste\" aufzu-\nhalten. Was der Herr Vorster gesagt hat, kann\nman in jeder beliebigen Kritik über Ausstellungen\ndes Sturms nachlesen. Er beklagt sich über Por-\nträts, die wie Karikaturen aussehen (sehr richtig!)\nUeber Landschaften, bei denen man versucht hat,\nder Natur die allerhäßlichste Seite abzugewinnen\n(sehr richtig!). Er beruft sich auf die Herren\nLandwirte als Sachverständige für Tierbilder:\n„Sehen Sie sich bitte einmal die gelbe Kuh an\"\n(sehr richtig!). Ganz besonders interessant findet\ner „die sogenannten Vexierbilder\". Diese Vexier-\nbilder erinnern ihn an die erste Schöpfung der\nMalerei bei den Naturvölkern (sehr richtig! und\ngroße Heiterkeit). Sie erinnern ihn ferner „an\nsolche Bilder, die wir aus der Urzeit in dem Mu-\nseum für Völkerkunde bewundern (sehr richtig\nund Heiterkeit)\". Sie erinnern ihn ferner an die\nKunstleistungen von achtjährigen Knaben. Eine\nFrauenfigur hat einen zu langen Hals. Van Gogh\nhat „die besondere Vorliebe, häßliche, mehr oder\nweniger krumme Menschen zu malen (Heiterkeit).\"\nDas alles hat der Herr Vorster gefunden. Er\nfindet ferner, daß „Ziel und Aufgabe der wahren\nKunst ist, das Schöne und Erhabene in der Natur\nund im Menschenleben zu s c h i 1 d e r n\". Also\netwa eine Sitzung des Abgeordnetenhauses. Der\nHerr Vorster glaubt, „der Zweck dieser Ausstel-\nlungen sei, die Künstler wollen sich über das Pu-\nblikum lustig machen. Andererseits wurde gesagt,\nwenn die Wärter längere Zeit dort blieben, müß-\nten sie gewechselt werden, denn sonst würden sie\nverrückt. (Heiterkeit.) \" Im Abgeordnetenhaus\nversteht man, im entscheidenden Moment zu\nlachen. Und hierauf bittet der Herr Vorster das\nKultusministerium dringend, „der geschilderten\nkrankhaften Kunst keine Förderungen angedeihen\nzu lassen (bravo!), das heißt, insbesondere keine\nAnkäufe für Museen (Heiterkeit). Denn, meine\nHerren, wir haben es hier mit einer Richtung zu\ntun, die von meinem Laienstandpunkt aus eine\nEntartung bedeutet, eins der Symptome einer\nkrankhaften Zeit. (Lebhafter Beifall.)\" Herr Vor-\nster ist weder Künstler noch Mediziner, sondern\nein schlichter Geheimer Kommerzienrat. Er hat\nsein Geld besser anzuwenden gewußt als das Pu-\nblikum, das sich in Köln für zweihundertundzehn-\ntausend Mark Bilder kaufte. Warum tat dies das\nPublikum. Herr Abgeordneter Dr. Hauptmann\nvon der Zentrumspartei gibt darüber Auskunft.\nf. 5\nEr erzählt dem Abgeordnetenhaus die schöne Ge-\nschichte von dem König ohne Kleider, die ich in Num-\nmer 152/53 dieser Zeitschrift durch den Mann mit\nden Unterhosen erweitert habe. Und er sagt wört-\nlich über die Kölner Sonderbundausstellung: „Als\ndem Publikum dieser Schund vorgeführt wurde\nund als die tolle Reklame dafür gemacht wurde,\nscheute sich jeder zu sagen, was e r dachte. Es\nzweifelte an seinen eigenen Augen und hat\nschließlich für bare zweihundertzehntausend Mark\nvon diesem Zeuge' gekauft.\" Der Herr Dr. Haupt-\nmann spendet der Deutschen Reichszeitung in\nBonn ein besonderes Lob, welche damals als ein-\nzige „kräftig gegen den Unsinn angegangen ist\"\nund er bemerkt: „Insofern war diese Ausstellung\nwirklich ein betrübendes Exempel auf den Intel-\nlekt und das künstlerische Verständnis des Publi-\nkums, vor allem des Publikums der guten Stadt\nKöln, welches, wie gesagt, so vor den Kopf\ngeschlagen war, daß es für zweihundert-\nundzehntausend Mark von diesem minderwertigen\nund zum Teil geradezu blödsinnigen Zeug kaufte.\"\nSo wirken Kopfschläge. Das Publikum ist ent-\nsetzt, es kauft schleunigst für zweihundertund-\nzehntausend Mark minderwertiges und zum Teil\ngeradezu blödsinniges Zeug, nur weil es vor den\nKopf geschlagen wurde. Man denkt in Deutsch-\nland tief genug von dem Doktortitel. Aber daß\nselbst ein Doktor dieses minderwertige und zum\nTeil geradezu blödsinnige Zeug redet, kann nur\ndaherkommen, daß er vor den Kopf geschlagen\nwar. Es hat ihm allerdings nicht zweihundertund-\nzehntausend Mark gekostet Und von allen vier-\nhundertunddreiundvierzig Abgeordneten findet sich\nnicht ein einziger, der auch nur widerspricht.\nDiese oft gehörte Heiterkeit des Hohen Hauses\nversagt. Es ist im Jahre 1913 möglich, daß jemand\nCezanne, Renoir, Gauguin, Van Gogh, Münch,\nHodler, um von den Jüngeren zu schweigen, als\nSchund bezeichnet! Vierhundertdreiundvierzig\nAbgeordnete hören es schweigend an und geben\ndamit zu, weder Bilder dieser Meister gesehen,\nnoch deren Namen je gehört zu haben. Der Mi-\nnister der geistlichen und Unterrichtsangelegen-\nheiten sieht sich nur „staunend\" die Reproduktio-\nnen an. Und sämtliche Herren Dezernenten\nschweigen. Parlamente haben mit der Kunst\nnichts zu tun. Da sollen sie sie auch nicht be-\nfassen. Dieser Herr Doktor Hauptmann glaubt in\nseiner Kunstblindheit sogar, daß das Komitee der\nSonderbundausstellung, zu dem mehrere Museums-\ndirektoren gehörten, „nicht gewußt habe, um was\nes sich handelte\".\nSonst würden sie „diese Ware nicht mit ihrer\nFlagge gedeckt haben\". Aber nicht nur der Ab-\ngeordnete Dr. Hauptmann schoß aus dem Zen-\ntrum. Auch der Abgeordnete Giemsa ist empört.\nNachdem er zunächst die farbige Reproduktions-\nkunst gelobt hat, die „auf einer ungeahnten Höhe\"\nsteht und „sich in ihrer Wirkung von den Origi-\nnalen wenig unterscheidet\", begibt er sich auf Irr-\nwege der Künstler. Nachdem der Herr Geheime\nKommerzienrat Vorster dem Expressionismus, dem\nKubismus, dem Futurismus und dem von ihm\neigens erfundenen Ueberfuturismus sein Fett ge-\ngeben hat, operiert Herr Giemsa die Auswüchse\ndes Impressionismus. Er weiß zwar nicht, was\ndas ist, aber er bekämpft es: Schmiererei, die\nwirklich nicht mehr Malerei; welchen Zweck; der\nBeschauer bekommt da ganz eigenartige Gedanken;\nden Eindruck, als ob er plötzlich kurzsichtig oder\ngar blind; vierte Dimension; bei längerem An-\nschauen Kopfschmerzen; von den Insassen einer\nNervenheilanstalt gemalt (Heiterkeit); und als\nhöchste Steigerung; „Es gibt darunter Gemälde,\ndie einen direkt fascinieren, mit ihren Farben\nförmlich blenden, auf denen man aber trotzdem\nkeinen Gegenstand richtig erfassen kann,\nso daß man daß Gefühl hat, man wäre mit den\nKopf eben an einen Baum gestoße n.\" Also\nwenigstens an einen Gegenstand. Mancher muß\neben erst an einen Gegenstand stoßen, um ein Ge-\nfühl zu bekommen.\nIch wiederhole: Von vierhundertdreiundvierzig\nAbgeordneten widersprach niemand. Nicht als ob\nich glaubte, daß den Herren durch ihr Amt auch ein\nKunstverstand gegeben sei. Aber daß diese Her-\nren zu ihrem Amt noch eine Meinung über Kunst\nmitbringen, zu der sie nicht abgeordnet sind, liegt\nnicht in der Ordnung der Dinge, die sie durchaus\nauf Gemälden zu sehen wünschen. Selbst auf die\nGefahr hin, sich daran den Kopf zu stoßen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.4", "texte": "Bilder aus Dingen\nDas Berliner Tageblatt brachte folgende Bilder,\nderen Veröffentlichung ich im Kupferdrucktiefver-\nfahren des Weltspiegels dringend empfehle:\nDer Dichter ... wird nun, um den Denkmals-\nstein wieder ins Rollen zu bringen,\neinen Vortrag halten.\nDie Flottendemonstration: Auf der heutigen Bot-\nschafterkonferenz wurde auch über die Frage be-\nraten, was zu geschehen hat, wenn die Demon-\nstration Schiffbruch leidet, was hier all-\ngemein angenommen wird.\nNeuer Pharusplan\nVerschiedene Kunstkritiker der Tageszeitungen\nscheuen sich, unsere Ausstellung Königin Augu-\nstastraße 51 beim Namen zu nennen oder die\nAdresse anzugeben. Dem ungeübten Leser wer-\nden hier die Bezeichnungen genannt, durch die un-\nsere Ausstellung getroffen, aber nicht gefunden\nwerden soll:\nAtelierhaus, Kaiserin Augustastraße\nAusstellungen am oberen Landwehrkanal\nAusstellung einer Berliner Zeitschrift\nKönigin Augustrastraße 50, sowie' sämtliche übri-\ngen Nummern dieser Straße mit Ausnahme von 51.\nBesprechungen von Ausstellungen ohne jede\nOrtsangabe.\n\nH. W.\n\nLiebeslied\nIsidor Ouartner\nWenn deine Augen süß zu mir singen,\nIst meine Seele ein tiefer Brunnen,\nZu dessen Grunde leise Gold klirrt.\nIn meinem Schoß hielt ich fest deine Hand:\nSo bin ich durch Aetherräume fortgeflogen\nJahrtausendlang mit traumversilberter Stirne.\nDeine Worte sind wie Freundesarme,\nDie sich gütig und weich um meine Schultern legen,\nDaß sich meine Lippen zum Lichte entfalten\nkönnen.\nGott hat dich auf meine Arme gelegt.\nNun will ich dich tragen durch alle Leben\nBis wieder zu Gott.\nMeine Spuren folgen mir alle verklärt,\nEin großes Heer, dir dienstbar zu sein —\nUnd mich zu führen die bereitete Straße.\nDie Blumen der Beete knospen uns nach\nUnd rufen uns Wohlgerüche zu,\nUnd können nur mehr an deinem Gürtel blühen.\nIm grauen Abend weinen die Vögel Tau\nVor Freude über unser Glück:\nIch will ihnen dafür Saphire für ihre Augen\nschenken.\nDu bist eine silberne Gerte,\nAn der überströmend mein Herz hangt,\nund Gott hält uns in den blauen, wehenden Nacht-\nwind hinaus . . .\n\nDie Schwermut des\nGenießers\nEin Roman\nVon Arthur Babillotte\n\nFortsetzung\n\nEr kam der Gefahr, eine männliche Dirne zu wer-\nden, immer näher. Er war so arm geworden, der\nneunzehnjährige, der als Knabe so reich gewesen,\nso arm war er geworden, daß er die Musik in sei-\nnem Innern nur noch auf den Leib des Weibes zu\nkonzentrieren vermochte, daß er in der Nacktheit\ndes Weibes die einzige gestaltgewordene Musik\nerkannte. Von Taumel schritt er zu Taumel im\nWahn, nur so sein Leben richtig und wertvoll zu\nleben, nur so seine Kunst, sofern er noch an sie\nglaubte, in ihrem höchsten Ausdruck zu genießen.\nEr hielt für eine Bereicherung, was eine Verar-\nmung war. Die Nacht, die gefürchtete, wurde ihm\njetzt zum Tag, zum Ereignis, Und der Tag ver-\nsank ihm und schloß ihn ein. Hatte seine Liebe\nvordem der wesenlosen Unendlichkeit geopfert,\nso opferte sie jetzt der greifbarsten Enge und\nWirklichkeit. Die Dehnungen und Windungen, das\nlüsterne Zucken und die hingegossene Mattheit\neines Mädchenleibes, eines entweihten, waren ihm\njetzt die Quellen seiner innern Musik.\nIn diesen engen Orgien verzehrte sich seine\nKraft, während er glaubte, sie erstarke und werde\nihn einst fähig machen, musikalische Wunder zu\nvollbringen. Es schien, als sei er rettungslos ver-\nloren. Die Freunde zogen sich zurück; sie er-\nkannten, wie gefährlich die Inbrunst war, mit der\nJohannes sich der weiblichen Unkeuschheit hin-\ngab; wenn sie zu den Ausgestoßenen gingen, taten\nsie es, um ein augenblickliches Bedürfnis zu be-\nfriedigen; kamen sie zurück, dann waren sie wie-\nder klar und nüchtern und sahen in dem erotischen\nErlebnis nur einen Abieiter für ihren angesammel-\nten Mannestrieb.\nDas tolle Leben drohte dem jungen Künstler\nalle zarte Keuschheit zu rauben, ohne daß er im\newigen Taumel die Kraft besaß, dies zu erkennen.\nSo ging er der Flachheit entgegen und wäre wohl\ndarin untergegangen, wenn ihn nicht ein aufrüt-\ntelndes gütiges Ereignis dem Verderben entrissen\nhätte.\nDie Stille der Morgenlandschaft hatte dem\nKünstler diese Bilder seiner Kindheit und ersten\nJugend zugetragen. Eingehüllt in diese sänftigende\nRuhe saß er und ließ seine Augen über die Tal-\nebene hinschweifen, ohne doch die äußeren Ein-\ndrücke der Landschaft in sich aufzunehmen. Es\nwar, als sei er blind geworden und vermöge nur\nnoch nach innen zu schauen, und als verwandele\nsich ihm dieses Schauen in ein ungemein feines\nHören, wie für ihn alles Genießen im Aufsaugen\nder unzähligen Melodien bestand, die er um sich\nher tönen hörte.\nMit einer müden Handbewegung kehrte er in\ndas Bewußtsein zurück: Der Brief drängte sich\nihm auf; er vernahm Stimmen, die den Berg her-\naufkamen; vernahm das breite Erzählen des Wir-\ntes, der einem frühen Gast Anekdoten aufdrängte.\nEr kehrte in die Wirklichkeit zurück; die Bilder,\ndenen er sich hingegeben, verließen ihn, wurden\nallmählich blaß und zerflossen. Mit wachen Augen\nblickte er in die Landschaft.\nDer Anblick der weiten Gegend, die rechts und\nlinks von Bergen eingesäumt wurde, begeisterte\nihn, daß er lautlose Worte des Entzückens stam-\nmelte. Wort reihte sich an Wort, sein Gehirn lud\nsich nach und nach mit bunten Bildern. Seine\nFeinde nannten ihn geziert und hochmütig, weil er\noft in andern Worten sprach, als sie in ihrer All-\nTagssprache zu gebrauchen pflegten. Dem Künst-\nler lag aber nichts ferner, als die Absicht, bewußt\nanders zu sein, als die andern. Sein Gebahren und\nseine Sprache flössen aus dem Innersten seiner\nVeranlagung und äußerten sich, ohne daß er mit\nbewußtem Willen nach Ausnahmegebärden und\nAusnahmeworten suchte. Seine Gebärden waren\nAusnahmegebärden und seine Worte Ausnahme-\nworte. Wer ihn nicht begreifen konnte, lachte\nüber ihn und hatte Recht, wenn er lachte; wie\nhätte er den Hochmut und die Seltsamkeit dieses\nMenschen gelassen hinnehmen können!\nDie Sonne verzehrte sich im Rausch ihrer\nBrände. Es schien, als sei sie rasend, unersättlich;\nso unersättlich, daß sie bis in die Nachmittagsstun-\nden sich selbst zu Asche verzehrt haben mußte.\nDann wurde es Nacht. Dann zerschmetterte sich\ndie Erde an irgend einem andern Planeten und\nstürzte hinab in die Unendlichkeit des Alls. „Das\nist die Götterdämmerung!\" sagte Johannes vor\nsich hin, lehnte sich über die Brüstung der Ver-\nanda und genoß den unheimlichen, wilden Gedan-\nken in tiefen Zügen, während er über die Land-\nschaft starrte, die unter der Glut des Lichtes\nkeuchte und die Angst verriet, mit der sie der bis\nzum Wahnsinn gesteigerten Glut des Nachmittags\nentgegenharrte.\nIn Gedanken an den Weltuntergang erhob sich\nvor seinen Augen jeder Baum, jedes Haus, jeder\nBerg der Landschaft, in die er hineinblickte, zu\neiner verklärten Größe. Das Ganze erschien ihm\nals eine Schönheit, die dem Martyrium geweiht\nwar, als etwas wertvolles und reiches, das der\nUnersättlichkeit eines Mißgünstigen zum Opfer\nfallen sollte. Das armseligste Haus bekam Glanz\nund Farbe, die unregelmäßigste Baumanlage er-\nschien ihm harmonisch und nach tiefen Regeln\neiner ewigen Schönheit geordnet. Er sah mit den\nAugen des Erschütterten, des Mitleidigen, der\nweiß, daß alles ein Ende hat. So Wjurde ihm die\nidyllische Landschaft in der Glut des Augustmor-\ngens, unter dem Einfluß des Gedankens an den\nWeltuntergang, zu einer heroischen.\nDie Berge, die rechts und links in die Ferne\nhineingriffen, die klein und zusammengeduckt un-\nter dem Himmel lagen, reckten sich vor seinem\nbegeisterten Auge, wurden stark und trotzig und\nschickten sich an, dem nahen Untergange zu wider-\nstehen bis zum äußersten. Er hörte ihr stummes\nGelächter, das unheimlich aus der Starrheit ihrer\nWälder emporklang. Die kleinen Häuschen, die\nda und dort an den Berghängen klebten, wurden\nihm zu Festen, die von den Menschen besetzt\nwurden, um den Bergen im Kampfe beizustehen.\nDie Stadt aber, die breitbehaglich unter ihm lag,\neingekeilt zwischen die Berge, wurde für ihn\nzum Jerusalem, in dem alle Menschen der Land-\nschaft ihr letztes Heil finden sollten. Er wußte\nnicht, worin dieses letzte Heil bestehen würde; er\nwußte nur, daß es etwas unendlich süßes sein\nsollte. Vielleicht ein letzter lohender Rausch der\nLiebe, vielleicht das letzte Tafeln an üppigen\n-?-;v\nTischen voll der erlesensten Speisen. Vielleicht\nauch das letzte Versinken in die Pracht einer stür-\nmenden Musik, und dann als Finale der Untergang,\nder Sturz in das Nichts. Er sah mit entzückten\nAugen die Straßen der heiligen Stadt, das Blinken\nder Fenster, sah den Rauch, der wie ein Heiligen-\nschein über den Dächern zitterte, konnte manch-\nmal auch einen eilenden Menschen unterscheiden\nund erkannte in der Hast seiner Schritte die Hast\ndessen, der vor dem Ende noch manches zu besor-\ngen hat. Die Wege, die von allen Seiten in die\nStadt führten, schmale und breite Wege, alle glän-\nzend in weißem Staub, blickte er solange an, bis\nihm die Augen flimmerten. Dann versenkte er sich\nin die grüne Ruhe der Bäume, die an den Berghän-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.5", "texte": "Hans Arp: Zeichnungen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.6", "texte": "gen empor und in der Talsohle standen. Sie waren\ndie Unerschütterlichen, sie standen, und lächelten,\nals erwarteten sie nicht das Ende, sondern eine\nneue Fruchtbarkeit, neue Gnade aus dem Schoß\nder Erde. Er wußte wie breit und plump die Kro-\nnen dieser Bäume Waren; aber dennoch erhoben\nsie sich vor ihm zu einer schlanken Schönheit, zu\nder Linienschönheit dunkler Zypressen. Diese\nErinnerung an die Symbole der Trauer machte die\nVerwandlung der idyllischen Landschaft in eine\nheroische vollkommen. Er sah die höchste Span-\nnung der Angst und erhielt durch die Zypressen\ndie Bestätigung der unabweisbaren Vernichtung.\nEr erkannte in dieser Landschaft, an deren heitern\nRuhe er sich bis dahin erfreut hatte, plötzlich eine\ntragische, die sich der seines Werkes als Gegen-\nstück an die Seite stellen konnte. Und dies gab\nihm die Gewißheit, so innig mit seinem Werk ver-\nwachsen zu sein, dieses Werk selbst zu sein, daß\nihm selbst das Heitere gehorchen und würdig wer-\nden mußte, daß sich ihm von nun an jede Land-\nschaft in eine tragische wandeln würde. Nun gab\nes für ihn nur noch die großen, schweren Gebär-\nden, die Fülle eines kernhaften Reichtums. So war\ner zugleich Beherrscher und Sklave seines Wer-\nkes. Und so strebte er einer neuen Kunst entgegen.\nIn den Anblick der verwandelten Landschaft\nversunken, fühlte er, daß dieser Tag für ihn ein\nGipfel würde, von dem er Ausschau hielte über\nden zurückgelegten Weg, um mit dem Vergange-\nnen abzurechnen. Die Summe des Erreichten\nmußte an diesem Tage aufgestellt, das Erworbene\nund Gesammelte verzeichnet und abgeschlossen\nwerden, damit er frei und ohne Bürde weiter-\nschreiten konnte. Und über sich selbst mußte er\nzu Gericht sitzen, prüfen und erwägen, auf daß\nalles, was der Kunst, die er anstrebte, schädlich\nwar, vernichtet und ausgerottet wurde. Jode\nLiebe, die er in den Jahren des Reifens gehegt,\njeden Haß, den er genährt, jeden Stolz, der er sich\nhingegeben hatte,mußte er an sich vorüberführen,\num sie zu verurteilen oder um sie anzuerkennen.\nEr wußte, welch eine Strenge zu seiner ernsten\nKünstlerschaft gehörte, wußte, wie ehrlich gegen\nsich selbst er sein mußte, wenn die Kunst, die er\nahnte und wollte, nicht eine Unehrlichkeit werden\nsollte. Und wußte, daß es vor allem sein Werk\nwar, dem er sich mit straffer Strenge gegenüber-\nstellen mußte; denn in seinem Werk wollte er zu\naen Menschen seiner Zeit sprechen, um sie aufzu-\nrütteln und ihnen die Ahnung einer neuen Größe\nin die Seelen zu gießen. Eine verästelte Arbeit er-\nwartete ihn an diesem Tag des Ausblicks. Eine Ar-\nbeit, über der die Schwüle einer ängstlichen Er-\nwartung lag, in der die verlangende Freude einer\nsüßen Hoffnung zitterte.\nIndem er sich der Landschaft hingab und sie in\nder Wechselwirkung umschuf, versetzte er sich\nmitten in sein Werk, dessen Nachwehen ihm den\nlangen Brief an den Freund eingegeben hatten. Es\nwar ihm eine tiefe Freude, die dem Schweigen auf\ndem Grund eines dunkeln Waldsees glich. Sie war\nnicht stürmisch und drängend, sie zwang ihn nicht,\ndie Arme auszubreiten, um die ganze Welt an seine\nBrust zu ziehen, sie saß philosophisch erhaben in\nseinem Herzen und sandte von da die unsichtba-\nren Strahlen ihrer Macht aus, daß sie sein ganzes\nWesen durchleuchteten und zu einem schönen ed-\nlen Rhythmus zwangen. Er fühlte sich außerhalb\niedei Zeit, unnahbar wie das Schicksal, und hatte\nden festen Glauben, djer Kunst 'Seiner Zeit das\nSchicksal zu werden. Er wiar hochmütig in\nseiner erhabenen Freude, denn er hatte das\nstolze Bewußtsein, ein Großes vollendet zu haben.\nJe tiefer er rückdenkend in sein Werk ein-\ndrang, umso mehr Ehrfurcht empfand er vor einer\nKraft, die solches schuf. Mit Erstaunen überblickte\ner den weiten Weg, den er gegangen war, starrte\nmit leisem Grauen in. die Tiefen, die sich ihm offen-\nbart, und wurde geblendet von den Höhen, in die\ner mit kühner Hand gegriffen hatte. Jetzt erst\nverstand er seine Seelenregungen, ihr Aufzucken\nin Oual und Not, ihr Erschlaffen in Verzagtheit und\nAngst, ihren unnatürlich -langen Schlaf und ihre\nüberlebendige Lebendigkeit. ihm früher nur\nsprungweise Erkenntnis war, das verdichtete sich\nihm zu einem erhabenen Bilde. Er verlangte noch\nnicht nach einem neuen Werk; die angenehme Er-\nschlaffung nach dem Vollbringen hatte ihn noch\nnicht verlassen, er vermochte noch, mit Wohlge-\nfallen sein Werk zu betrachten, ohne Ahnung des\nschrecklichen Dranges, dem er anheimfallen sollte,\nwenn er erst seinem Werk ferner gerückt war, die\ninnere Fühlung zu ihm verloren hatte, und nach\nneuer Befriedigung wandern mußte.\nBis in den hohen Mittag hielt er sich auf der\nVeranda auf und lebte sich so in den Gedanken,\ndie idyllische sei eine tragische Landschaft gewor-\nden, daß er nicht mehr zu lächeln vermochte. Er\nerlebte in sich die Schrecken und Revolutionen\ndieser Umwandlung, erlebte jede gewaltsame Deh-\nnung mit, die die Berge erleiden mußten, um grö-\nßer zu werden, jeden großen Schmerz, der den\nBäumen zugefügt wurde, damit sie zu Symbolen\nder Trauer würden, jeden qualvollen hastigen\nSchritt der Menschen in den Straßen, deren gan-\nzes Entsetzen vor dem nahen Untergang sich in\nihm konzentrierte.\n\nFortsetzung folgt\n\nDortmund\nAlfred Richard Meyer\nSeltsamer Abende du seltsamster und dunkelster!\nDie Eltern waren bei Berghauptmanns zum Diner.\nDas mathematische Exercitium hatte ich wieder\nmal nicht gemacht,\ndas schrieb sich morgen früh noch gut genug ab\nin der Penne.\nIch stand am Gitter unseres Hofes, ganz in Gallert\nder Stearinfabrik von gegenüber.\nUnd alles in mir wurde langsam weiches Fett,\ngerann und prestidigitatierte mich zur Kerze,\nauf die wohl bald ein Funken herüber spuckte\nvom Gaukelspiegel der andern abendlichen\nLichter.\nIndes ich also harrte,\nschnob ein Bulldogg plötzlich um mein Bein,\nberoch mich, knisterte mit seinen vorgeknöpften\nAugen\nund sprach mit lieb westfälischem Akzent:\n„Du brennst ia scheißlich. Halt die Luft an!\" und\nverschwand.\nDa packte mich ein mächtig karusselliger Triesel:\nSchuh, Strümpfe riß ich mir von meinen beiden\nFüßen,\nward Renner um die rosenblätternden Rabatten,\nfraß Kiesel und Kiesel mit den Lefzen meiner\nZehen,\nzog einen feinen roten Ring in alle schwarzen\nWege\nund lag dann — weiß nicht wie — in meiner Eia.\nMit gelbem Schleim beschlabberte mich der Mond.\nIch fühlte, wie das lähmend auf mir Kruste wurde,\nbis es mich schließlich — Luft, Luft! — ganz er-\nstickte.\nnin Schrei. Noch einer. Lautes Laufen die Straßen\nentlang.\nJetzt schon ganz fern. Doch nah, näher gurgeln-\ndes Röcheln.\nEin Mord.\nEin Messer hat einen roten Springbrunnen jäh\naufgetan.\nWieder laufende Schritte. Natürlich angenehm\nerregte Voyeurs.\nO, wie das so plätschert, aufrauscht und Dampf\nwird!\nDampf und ein Lied, das lind mich betastet\nmit leis klebrigen Händen,\nmich naß macht,\nganz lau mich umflutet,\nsacht salbt und massiert,\nmich gereinigten abbraust\nund endlich — o all der Seligkeiten\nsüßestes Sela! —\nmich mütterlich\nertränkt.\n\nDie Mitte zwischen\nExtremen\nZur Verhütung eines Mißverständnisses\nVon Dr. S. Friedländer\n„Diese kleine doppelzüngige Schlange ist immer\nin der Mitte zwischen den Extremen, und durch ihr\negoistisches Treiben verhindert sie die vollkom-\nmene Entwicklung des einen ad absurdum oder\ndes anderen bis zum Ideal. Immer in der Mitte\nmischt er die zwei Grundfarben des Lebens in eine\nFarbe, die tonlos ist und faul und schmutzig . .\nUnd wer sagt es? — Der sehr berühmte Herr\nGorki. Aber eines der verderblichsten Mißver-\nständnisse wird dadurch nicht beseitigt, daß ein so\nberühmter Mann es mitmacht, ja sanktioniert.\nAlso zum Donnerwetter, was will man? — Will\nman eine Wagschale ohne Zunge? — Will man\nExtreme ohne Mitte? — Ein Ja, ein Nei n —\nohne das disjungierende Neutrum ihrer Mitte?\nStatt daß dieser Stumpfsinn sich über das\nFehlen der präzis neutralen Mitte, über\nschlechte, jüdelnde, schielende, zwitternde,\nschillernde Misch-masch- Mitte beklagt, —\nmacht er di e Mitte verächtlich. Es ist ein ganz\ngottverlassener Blödsinn, Extremen ohne ihre\nreinsten, von deren Widerspruch und Gegensatz\nreine, Mitte fungieren lassen zu wollen. S o tri-\nvial wie alle diese in d e r Hinsicht mit Unrecht\nsehr berühmten Herrn sich das denken, ist der\nsogenannte goldene Mittelweg denn doch nicht.\nAch nein. Strengen Sie doch ein wenig Ihre tapfere\nUrteilskraft an, um klar einzusehen, daß Gegen-\nseitigkeit die Bedingung der Möglichkeit aller\nWirksamkeit ist! Und daß diese Gegenseitigkeit\nnicht eher präzis funktioniert als bis die Mitte\nihrer Extreme mit der reinsten mathematischen\nGenauigkeit getroffen wird. Was kann denn diese\nMitte dafür, daß man sie verfehlt und an ihrer\n(von aller Zweideutigkeit befreiten) Statt eine\ngräßliche Verkleisterung der Extreme be-\nsorgt?? — Wahrste, reinlichste Mitte ent-\nscheidet überhaupt erst Extreme! Vor der\nTreffung dieser echten, richtenden Mitte, die dem\nExtremen jedes Uebereinandergreifen verbietet,\ni s t noch gar keine rechte Gegenseitigkeit vor-\nhanden.\nAber jawohl! Es ist klar, was diese primitiven\nBerühmtheiten wollen: Den — Hosianna — end-\ngültigen „Sieg des guten Prinzips über dem bösen\","}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.7", "texte": "man muß vor Wut und Spott jargonreden. Treu\nnach' dem alten Zarathustra (der neue ist ihnen\nwohl zu neu?) soll's Licht auf ewig — siehst du!\n— über die Finsternis — pfui Teufel. Gibt es\netwa ein noch abscheulicheres Mißverständnis als\ndas der Verwechslung, der plumpen Identifizierung\nvon schmutziger Mitte mit reiner, neutraler?\nWarum fahren diese berühmten Kulis immer gegen\ndie Mi 11 n los, anstatt nur gegen deren Korrum-\npirung, Vergrauung, Versauung?\nIhr, die Ihr Euch nicht zwischen zwei Stühle\nsetzen wollt — habt Ihr so wenig Witz, zu ka-\npieren, daß die falsche Benutzung eines solchen\nInterim Euch die Anerkennung der Notwendig-\nkeit seiner Existenz nicht erspart? — Weil die\nMitte meistens zur ängstlichen Vermeidung\nder Extreme gemißbraucht wird, verbietet Ihr\nin Bausch und Bogen ihren Gebrauch? Im Gegen-\nteil! Ihr solltet lernen und lehren, daß nur der rich-\ntige, das heißt aber der . . , .magnetische,\ndisjungierende, antithetische Gebrauch der Mitte\nzu aller Art Opposition erst befähigt! Neutra-\nlität ist, wo sie sich rein erweist, immer eine\nMitte zwischen Bevorzugung und\nHintansetzung ; und zwar gesetzlich hin-\ndurch durch alle Reiche |der Natur. Dagegen ist\ndie primitive Tendenz, extrem zu sein, zum Beispiel\n„Vorwärts\" zu streben, unter fanatischer\nd. h. rücksichtslos absoluter Vertilgung des\nGegenextrems, trotz aller Wohlgemeintheit eben\nblitzdumm: ein Rechts ohne Links und ähn-\nliche Halb- und Hinseitigkeiten ohne Gegenseitig-\nkeit gehören zum logischen Kretinismus. Und die\nStrenge dieser Gegenseitigkeit richtet sich nach\nder St ren g e ihrer Mitte. Aus dieser Mitte\nblitzt Nein und Ja, Liebe und Haß: — aber mit\nebenbürtiger, ob auch gegensätzlicher Ge-\nwalt. Nein ist bei Liebe nicht Ja: aber ohne\nNein kein Ja. Versagt das berühmte Gehirn, wenn\nes gilt, hieraus den Schluß zu ziehen: daß der\nenergische Bejaher sich genau in der Mitte\nzwischen Ja und Nein aufhalten müsse, um\ndadurch so energisch zu bejahen, daß er*ebenso\nenergisch andrerseits verneint?\nHat sich was! Es versagt! Es will selbst-\nverständlich das Nein, die Finsternis, das böse\nPrinzip mit dem Licht, dem Ja des guten Prinzips\nhöchst eindeutig zermatschen, dekrezit machen.\nMein Herr, um zu verdauen, müssen Sie einnehmen\nund ausscheiden und auf gewisses Gleichgewicht\nbedacht sein. Sollten Sie höchst affirmativ eines\nTages Ihren berühmten Unterleib abschaffen —\ndann Ade du lieber Oberleib! Denken Sie nach,\neifern Sie nicht so ruhmlos gegen die Mitte zwischen\nExtremen! Es dürfte Ihnen jdann nicht allzu lange\nunbekannt bleiben, daß alles Erringen von Dingen\nauf Gleichgewicht beruht, Gleichgewicht\naber auf Gegengewicht. Vergessen Sie über dem\nBegriff des positiven Uebergewichts ja nicht den\ndes negativen. Sie lernen da Finessen von der\nverflixten kühnen gelenken kleinen Schlange, für\ndie bereits Ihr Ahnherr, Evas einfältiger Mann,\nein sehr nettes Eselsohr hatte.\n\nVom andern Ufer\nBerliner Sezession\nJoseph Adler\nDer Untergang der „Titanic” auf der\nMax Beckmann plant für die nächste\nSezessionsausstellung ein Bild des\nUnterganges der „T i t a n i c\". Beckmann, dessen\nKunst nach solchen stark dramatischen Szenen\nverlangt, hat schon einmal eine sensationelle\nKatastrophe gemalt: 1909 hing auf der Sezes-\nsions-Ausstellung sein großes Bild, das eine Szene\naus dem Erdbeben von Messina darstellte.\nDas ist die Kunst, die nach dramatischen Szenen\nverlangt und banale Stücke wiedergibt. Ein Bild\nder großen Schiffskatastrophe wird die „k lein e\"\nSensation der Ausstellung „bilden\". Ein Unglück\nkommt immerhin allein, aber es geht nicht vorüber\nohne Hinterlassung jener Spuren, in denen die spe-\nkulativen Geister den Weg zu neuen Erfolgen\nsuchen Doch: die Kunst verlangt. Was hat sie zu\nverlangen? Zu geben hat sie. Verlangen dürfen\nwir von ihr, und der Künstler von uns. Aber er\nsoll nicht' Bilder für Ausstellungen planen. Er\nsoll sie malen. Viel verlangt. Er plant sie, und\nder Herr Präsident, der nicht schläft, weckt recht-\nzeitig das Interesse. Der Künstler hat schon ein-\nmal eine sensationelle Katastrophe gemalt. Eine\nSzene aus dem Erdbeben von Messina. Die\nschwache Erinnerung wirft noch um. Das Erd-\nbeben von Messina: eine sensationelle\nKatastrophe, der „Untergang der Titanic\" ein Bluff,\nder das sinkende Interesse an der Sezession wieder\nheben soll. Das Schiff hat ein Leck, aber man sollte\ndem Kapitän den Mund stopfen. Mehr noch. Man\nsollte ihn über Bord werfen. Der WTind dreht sich.\nDie Situation ist ernst, das Leben ist sensationell\nund katastrophal ist die Kunst.\nEin Opfer verständnisinniger Würdigung\n„230 Bilder legen hier Zeugnis ab von der im-\nposanten Arbeit eines einzelnen während eines\nMenschenalters.\"\nDas sind Bilder, die sich keinen Zwang antun.\nSie legen vor dem Kunstschmock das Zeugnis\nab, und bewunderungsbrünstig sieht er die Nackt-\nheit der imposanten Arbeit vor sich.\n„Die elementare, oft ans Brutale streifende\nKraft, die von jeder Schöpfung dieser Persön-\nlichkeit ausgeht, wächst vor dieser gewaltigen\nReihe ins Kolossale.\"\nDas muß das Sehenswerteste in der Ausstel-\nlung gewesen sein. Die elementare Kraft, wie sie\nvon jedem Bilde ausgehend vor der Gesamtheit ins\nKolossale wuchs:\n„Der überwältigende Gruß eines Meisters der\nMalerei, dem wahrhaft die Farbe Symbol und\nAusdruck einer leidenschaftlichen Weltanschau-\nung wiar und ist. Der aus der gesunden Sinn-\nlichkeit seiner Natur diese leuchtenden Licht- und\nFormspiele, diese wild bewegten Gruppen, diese\nstrotzenden Körper, fast als ein moderner Ru-\nbens, auf die Leinwiand setzte. Von den Erst-\nlingsbildern der Kömigsberger, Pariser, Münche-\nner Frühzeit bis in die Epoche der Berliner Voll-\nreife geht ein saftig dah influtender\nStrom malerischer Entwicklung, in immer glän-\nzenderer Ausbildung eines angeborenen Bildner-\ntriebes, eines mit eisernem Fleiß geschulten Kön-\nnens, einer künstlerischen Energie, die in\nschwächlichen Jahrzehnten eine volksmäßige Ur-\nsprünglichkeit wJahrte und zu bleibenden Leistun-\ngen steigerte. Mit bewunderndem Dank stehen\nwir vor solchem Lebenswerk.\"\nDie Phrase von dem saftig dahinflutenden\nStrom fische ich heraus. Sie tropft von gesuchtem\nSchwung und in sich verlorenem Reiz. Sie schreit.\nIhr süßes Maul hat die Breite des saftig dahin-\nflutenden Stromes malerischer Entwicklung. Sie\nstammt, wie jede andere auch, aus der Pariser\nFrühzeit des Feuilletonismus, ist aber erst in der\nBerliner Vollreife des Schmocktums voll erblüht.\nEinem Lebenswerk haucht sie den gemeinen Ton-\nfall eines Schlagers an, den eine Saison lang alles\nim Munde führt. Sie ist überall zu Hause und ent-\niremdet uns alles. Sie will immer etwas näher\nbringen und legt sich als Verkehrshindernis zwi-\nschen die Dinge. Sie verwässert die geistigen Zu-\nflüsse und in den schönen Kampf der aufeinander\nplatzenden Geister stürzt sie sich mit der blutigen\nFrage: Nichts zu handeln?\nDie Kriegsmalerei rüstet auch\n„Der Künstler, der bisher als Militärmaler be-\nkannt war, bringt eine neue Erkenntnis aus diesen\nTagen des Schreckens mit. „Nein, für mich ist es\nmit dem geschniegelten, sauberen Soldaten\nvorbei, mit dem schönen Kriege, mit dem schönen\nSchlachtenbrlde und dem militärischen Genrebild.\nZu lange hat die Kriegsmalerei diesen schönen\nKonventionen angehangen. Sie muß sich die\ngrauenhafte Wirklichkeit erobern.\"\nDer schönen Konvention nachhängend, malten\nsie Bilder von bestrickendem Reiz. Aber das soll\njetzt anders werden. Der Knoten irriger Anschau-\nungen soll gelöst werden. Ein Künstler, der\nbisher als Militär maier bekannt\nwar, hat am Balkan eine neue Erkenntnis ge-\nwonnen, er hat sie heimgebracht. Die Aeltesten der\nZunft betrachten sie mit Staunen. Alle haben\nschlechte Kriegsbilder in dem guten Glauben ge-\nmalt: daß die Wirklichkeit schön sei. Die neue Er-\nkenntnis wird den alten Brauch verabschieden. Sie\nruft, und schon reißt sich der feurige Kriegsmaler\naus den Armen der schönen Konvention. Die\nWirklichkeit ist in Gefahr. Die himmlischen Mächte\nmüssen hier rettend eingreifen, das Werk der\nKriegskunst darf nicht ein Raub des blutigen Hand-\nWerks werden.\n\nEmpfohlene Bücher\nDie Schriftleitung behält sich Besprechung der hier\ngenannten Bücher vor. Die Aufführung bedeutet bereits\neine Empfehlung. Verleger erhalten hier nicht erwähnte\nBücher zurück, falls Rückporto beigefügt wurde.\nDr. Wilhelm Hausenstein\nDer nackte Mensch in der Kunst\naller Zeiten und Völker / Mit mehr als sieben-\nhundert Abbildungen\nMünchen / R. Piper und Co.\nErstes bis fünftes Tausend\nAlfred Döblin\nDie Ermordung einer Butterblume / und andere\nErzählungen\nMünchen / Verlag Georg Müller\nHandbuch der Kunstwissenschaft\nHerausgegeben von Dr. Fritz Burger / Soeben\nerschienen: Lieferung 1 und 2: Die deutsche\nMalerei / Mit zahlreichen Abbildungen\nAkademische Verlagsgesellschaft m. b. H.\nM. Koch I Berlin-Neubabelsberg\nJaques Treve\nDu Röle de la Femme dans la Vie des Heros\nParis / Verlag Eugene Figuiere et Cie und\nBerlin / Verlag Der Sturm\nFritz Burger\nCezanne und Hodler / Einführung in die Pro-\nbleme der Malerei der Gegenwart\nMit 171 Abbildungen und zwei Farbtafeln\nDelphin-Verlag / München\n\nVerantwortlich für die Schriftleitung:\nHerwarth Waiden / Berlin W 9"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg191305-01.1.8", "texte": "Es werden nur Anzeigen tatsächlichen Inhalts fort-\nlaufend gesetzt aufgenommen. Hervorhebungen von\nWorten ist nur durch Sperrdruck, von Namen nur durcto\nhalbfette Schrift, gestattet. Die dreigespaltene Zeile\n60 Pfennig. Annahme von Anzeigen durch den Verlag\nder Sturm Berlin W 9\nDie Zurückweisung von Anzeigen behält sich der Ver-\nlag Der Sturm ohne Angabe der Gründe vor\nDruck von Carl Hause / Berlin SO 26\n\nStandige Ausstellungen\nder Zeitsehrift Der Sturm\nBerlin W / Konigin AugustastraBe 51\nfegeniiber der von der HeydtstraBe\nFahrgeleKenheit: Liitzowplatz\nFiinfzehnte Ausstellung\nDer Moderne Bund\nSchweiz\nHans Arp / Wilhelm Gimmi / Walter Helbig / Her-\nmann Huber / Paul Klee / Oskar Liithy / Albert\nPfister , !'\nGeofinet taglich von 10—6 Ufar / Sonntags vob\n10—2 Ubr\nEintritt 1 Mark / Jahreskarte 6 Mark\nAm 20, September 1913\nErster deutseher\nHerbstsalon\n75 Potsdamer StraBe 75\n\nVerlag der Sturm\nBerlin W 9 Potsdamer StraBe 134 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nZeitschrift der Sturm\nDauerbezug\nGewohnliche Ausgabe: Fur Deutschland\nund Oesterreich-Ungarn: Ein Jahr 6\nMark / Ein Halbjahr 3 Mark / Ein Vierteljahr\n1 Mark 50 / Einzelnummer 20 Pfennig / Doppel-\nnummer 40 Pfennig X Fiir das Ausland bei\ndirekterZustellung durch die Post:\nEin Jahr 9 francs / Ein Halbjahr 4 francs 50 cen-\ntimes I Ein Vierteljahr 3 francs / Einzelnummer\n25 centimes / Doppelnummer 50 centimes.\nProbenummer umsonst\nSonderausgabe: Ungebrochene Exem-\nplare auf holzfreiem Papier, Ver-\nse ndung in Roll en direkt durch die\nPost fur Deutschland und Oester-\nreich-Ungarn : Ein Jahr 12 Mark /\nEin Halbjahr 6 Mark X F ii r das Ausland:\nEin Jahr 18 francs / Ein Halbjahr 9 francs / Von\ndieser Ausgabe werden Vierteljahrsbezuge, Einzel-\nnummern und Probenummern n i c h t abgegeben\nDer Sturm: Erster Jahrgang, Nummer 1—56:\n25 Mark / Zweiter Jahrgang, Nummer 57—104:\n10 Mark / Dritter Jahrgang, Nummer 105—152/153:\n6 Mark / Vom 1. Juli 1913 ab 10 Mark\nDie Zeitschrift Der Sturm ist durch alle Buch- und\nKunsthandlungen, durch die Post, sowie direkt\ndurch den Verlag Der Sturm, Berlin W 9, zu be-\nziehen / Zum Einzelverkauf liegt Der Sturm in alien\nBahnhofshandlungen, Kiosken u. StraBenstanden auf\nFails direkte Zustellung durch den Verlag\nDer Sturm unter Streifband oder in Rolle ge-\nwunscht wird, bitten wir den B e t r a g fiir den\nDauerbezug bei der Bestellung oder bei\nBeginn des neuen Vierteljahres bis\nzumfiinftendes ersten Monats einzu-\ns e n d e n / Andernfalls nehmen wir an, daB E i n -\nz i e h u n g des Betrages durch Nachnahme\nimter Berechnung des Nachnahmeportos ge-\nwiinscht wird\nGeneralvertretung des Verlags Eugene Figuiere /\nParis\n\nSonderdrucke\nFranz Marc: Originalholzschnitte / je 10 nume-\nrierte und signierte Handabziige: Versohnung/\n/Tierlegende/Pferde/ Tiger/Pferde\nHochformat / Die Hirtin / Der Stier /\nSchlafende Hirtin / Wildpferde /\nR u h e n d e Pferde (handaquarelliert) / Das\nExemplar 40 Mark,\nMax Pechstein: Die Erlegung des Fest-\nbratens / Originalholzschnitt / Auf Nummer 94\nder Zeitschrift Der Sturm sind einhundert\nExemplare vom Klinstler mit der Hand aquarel-\nliert, signiert und numeriert / Das Exemplar\n5 Mark\nW. Kandinsky: Handdrucke / Das Exemplar 30 M.\nWilhelm Morgner: Acker mit Weib / Tierdres-\nseur I Holzarbeiterfamilie / Fressende Holzar-\nbeiter / Je zehn oder sieben nummerierte und\nsignierte Handdrucke / Das Exemplar 15 Mark\nG. Miinter: Neujahrswunsch I Fiinf signierte und\nnumerierte Exemplare / Das Exemplar 20 Mark\nWalter Helbig: Landschaft / Originalholzschnitt /\nFiinf numerierte und signierte Handdrucke / Das\nExemplar 25 Mark\nSchmidt-Rottlufl: Mann und Weib I Zwdlf hand-\ngedruckte, numerierte und signierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 30 Mark\nArthur Segal: Vom Strande I / Vom Strande III /\nje fiinfzehn signierte und numerierte Holzschnitte /\nDas Exemplar 20 Mark\nH. Campendonk: Originalholzschnitte [Nummer 131,\n134/135, 140/141] zwolf signierte und numerierte\nExemplare / Das Exemplar 25 Mark\nOskar Kokoschka: PI a k at fur die Zeitschrift\nDer Sturm / Originallithographie / Das Exem-\nplar 3 Mark\nOskar Kokoschka: Niiinsky / Portrat Licht-\ndruck, groBes Format / 10 Mark\nR. Delaunay: Album / Elf Phototypien von\nGemalden (ein Farbenlichtbild) mit einem Qedicht\nvon Guillaume Apollinaire / Das Exemplar 10 Mark\nMusik N\nHerwarth Walden: Dafnislieder / Zu Ge-\ndichten von A r n o H o 1 z / Fur Gesang und Kla-\nvier I 3 Mark / 50 Seiten\nKunstlerpostkarten\nFuturisten: 1 / Umberto Boccioni: Das\nLachen / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht I Zug in voller Fahrt / Gino Seve-\nring Die Modistin / Ruhelose Tanzerin / Pan-\nPan Tanz X Lichtdrucke: Das Exemplar\n20 Pfennig\n2 j Umberto Boccioni: Das Lachen / Ab-\nschied / Luigi Russolo: Erinnerung einer\nNacht / Zug in veller Fahrt / GinoSeverini:\nPan-Pan Tanz / Ruhelose Tanzerin X Cliche-\nd r u c k e: Das Exemplar 20 Pfennig\nFranz Marc: Affenfries / 20 Pfennig\nRobert Delaunay: La Tour / 20 Pfennig\n\nZeitsehriften\nL'Effort Libre / frliher L'Effort / Monatsschrift /\nHerausgeber: Jean Richard Bloch / Poitiers\n[Vienne]\nL'IndSpendance / Hatbmonatsschrift / Kiinste /\nKultur I Philosophie / Politik / Jahresbezug\n15 Francs / Paris 31 rue Jacob\nLes Marges / Monatsschrift / Paris 5 rue Chaptal\nLa Nouvelle Revue Fran?aise / Monatsschrift /\nParis Vie 35/37 Rue Madame / Nummer 1 Francs\n50 centimes\n\nLes Cahiers du Centre J Moulins [Allier]\nLes Soirees de Paris J Recueil Mensuel / Paris\n9 rue Jacob\n\nAnzeigen\n\nIn Vorbereitung: Oskar Kokoschka-Mappe / Zwan-\nzig Blatt Zeichnungen / Strichatzung / auf Kaiser-\nlich Japan-Papie'r in Luxusmappe ,/ Bei Bestellung\nv o r Erscheinen (Ersten Juni) 20 Mark / Nach Er-\nscheinen 25 Mark I Verlag Der Sturm\nAkademie fur moderne Skulptur in Paris / 18 Ira-\npasse du Maine Montparnasse / Korrektur: A. Ar-\nchipenko / Arbeiten in Stein / Studien\nder Stilarten / MaBige Preise\nPoetry and Drama / Dichtung und Drama / Be-\ngriindet Januar 1912 / Eine Dreimonatsschrift, ge-\nwidmet der Dichtung und dem Drama der Gegen-\nwart in alien Landern / Probeheft gegen Einsen*\ndung von 2 Mark 50 Pfennig / Jahresbezug\n1-0 Mark 50 Pfennig / Verlag The Poetry\nBookshop I London WC / 35 Devonshire\nStreet / Theobalds Road\nRhythm / die einzige literarische und kunstlerische\nRevue in England / moderne Kunst, Literatur und\nDrama / begriindet 1911 / erscheint monatlich /\njede Nummer enthalt 16 Bilder, 40 Seiten Text /\neine literarische Beilage erscheint jeden zweiten\nMonat I Probeheft gegen Einsendung von 1 Mark /\nJahresbezug 13 Mark 50 Pfg. / Rhythm-Verlag,\n5 John Street Adelphi, London, W C\nSkupina / Prag /' Dritte Ausstellung: Qemalde:\nPicasso, Braque, Derain / Plastik: Picasso / Mo-\nderne Qraphik: Cezanne, Picasso, Braque, Derain\n1 Alte Qraphik und Plastik / Volks- und exotische\nKunst I Mai-Juni 1913 Prag /Gemeindehaus beim\nPulverturm\nNeue Sezession / Berlin / Eingetragener Verein\nPassive Mitglieder der Neuen Sezession\nerhalten jahrlich 1 / mehrere graphische Arbeiten\n2 I die Zeitschrift Der Sturm frei zugestellt 3 /\nfreien Eintritt zu den Veranstaltungen der Neuen\nSezession. Mitgliedsbeitrag halbjahrlich 15 Mark.\nGeschaftsstelle der Neuen Sezession: Steg-\nlitz, MiquelstraBe 7 a. Fernruf Amt Steglitz 2699\nCoffeinfreier Kaflee Hag ist wirklicher Bohnen-\nkaffee, der alle Geschmacks- und Aroma-Vorziige\nbesten koffeinhaltigen Kaffees aber nicht dessen*\nNachteile hat. Er ist unschadlich fiir Herz-, Ner-\nven-, Magen-Leidende und andere Kranke\nEdmund Meyer / Buchhandler und Antiquar / Ber-\nlin W 35, Potsdamer StraBe 27 b / Fernruf Amt\nLutzow 5850 I Spezialgeschaft fiir bibliophile Lite-\nratur aller Zeit / Wertvolle und seltene Biicher\njeder Art vom XVI.—XX. Jahrhundert / Alte und\nneue Kunstblatter / Standige Ausstellung\nTitania-Schreibmaschine / Erste deutsche Schreib-\nmaschine mit Typenhebeln auf Kugellagern /\nFabrikat der Aktiengesellschaft Mix & Genest,\nSchoneberg-Berlin. Generalvertreter fiir Berlin\nund die Mark Brandenburg: Louis Stangen,\nLinkstraBe 12. Telefon: Amt Kurfiirst 2425\nFritz Merker Charlottenburg, SchillerstraBe 94.\nFernruf Amt Steinplatz 8397. Passepartout-\nfabrik / Buchbinderei / Zeichenmappen / Auf-\nziehen von Zeichnungen / Moderne Bucheinband©"}]}